Str. 22 Die Gleichheit 16. Jahrgang eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen eLERLERLER Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhalts- Verzeichnis. Stuttgart den 31. Oktober 1906 es Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. der Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft erhält mit sozialen Frage. Eine Reform im Rahmen der kapitaDie Lohnfrage und die Frauen. Bon D. Frauenstimmrecht und der stärkeren Verwendung derselben erhöhte volkswirt liftischen Gesellschaft ist wohl möglich, die endgültige Wahlrechtstampf in Österreich. Von Klara Zetkin. Von der schaftliche Bedeutung. Einmal ist der niedrige Lohn der Lösung bringt jedoch erst die sozialistische Gesellschaft. sozialistischen Frauenbewegung in Italien. Von Gisela Michels Frauen ein starkes Hemmnis für die Lohnforderungen Man fann ruhig sagen: mehr noch als der Mann ist Lindner. Wenn die Frauen erwachen. Bon m. g. Eine der männlichen Arbeiter. Des weiteren aber dienen die die Frau an dem Siege des Sozialismus über den ausfreie Schule vor fünfzig Jahren. Von Anna Blos. Die An- niedrigen Frauenlöhne mit dazu, trotz der Lohnerhöhungen, beutenden Kapitalismus interessiert! Damit ist auch der fänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von die ein Teil des industriellen Proletariats erkämpft, die Weg gewiesen, den die Proletarierin gehen muß. Mit Klara Zetkin.( Forts.) Aus der Bewegung: Von der Agitation. Vom Koalitionsrecht Rapitalsrente nicht sinken zu lassen. Durch vermehrtes aller Energie, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ber Arbeiter und Arbeiterinnen in Braunschweig. Politische Einstellen schlecht gelohnter weiblicher Arbeitskraft findet muß die erwerbstätige Frau ihre Interessen innerhalb Rundschau. Bon G. L.- Genossenschaftliche Rundschau. Von das Kapital einen Ausgleich für die höheren Löhne, die der kapitalistischen Gesellschaftsordnung vertreten, muß es den Facharbeitern zahlen muß. Je kampffräftiger die sie ihr wirtschaftliche Vorteile und Reformen jeder Art Gewerkschaften werden, desto größer wird daher der An- zu entreißen suchen, aber ihre Hauptaufgabe bleibt die reiz für das Unternehmertum, sich nach billigerer Frauen- Förderung der sozialistischen Bestrebungen, die darauf arbeit umzusehen. Es liegt daher im eigensten Interesse hinzielen, durch Eroberung der politischen Macht an die der männlichen Arbeiter, für die Forderung nach Er- Stelle der kapitalistischen die sozialistische Gesellschaftshöhung der Frauenlöhne auf das Niveau der Männer- ordnung zu setzen. Löhne energisch einzutreten. Simon Katzenstein. Notizenteil: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Dienstboten frage. Frauenstimmrecht. Frauenbewegung. Feuilleton: Der Flüchtling. Von Else Belli. Ein gutes Gewiffen. Von Alexander L. Kielland. Frauenstimmrecht und Wahlrechtskampf in Desterreich. D. Genoffin Popp hat sich in der letzten Nummer gegen die Auffassung gewendet, die ich in meinem Referat über das Frauenstimmrecht in bezug auf den Wahlrechtskampf des österreichischen Proletariats vertreten habe. Meine Ausführungen lauteten: Die Lohnfrage und die Frauen. Selbstverständlich dürfen die Frauen nicht untätig Die Frage der Frauenarbeit nimmt einen immer bleiben und geduldig darauf warten, daß ihre Arbeitsbreiteren Raum in der öffentlichen Diskussion ein. In fraft höher entlohnt wird. Sie selbst müssen mit aller der bürgerlichen Presse überwiegen dabei die morali Energie dafür kämpfen, daß sie nicht nur theoretisch und fierenden Sentiments. Sie knüpfen besonders an die schließlich auch als Staatsbürgerinnen die Anerkennung hygienischen Folgen der Frauenarbeit an und an ihre weits der Gleichberechtigung erlangen, sie müssen sie auch als wirkenden sozialen Begleiterscheinungen, die zu augen- Verkäuferinnen von Arbeitskraft beanspruchen. Es wird scheinlich zutage treten, als daß man sie übersehen könnte. noch schwere Kämpfe toften, bis das Ziel erreicht ist, Auch abgesehen von dem vorliegenden wissenschaftlichen und der endliche Erfolg wird keineswegs die Lösung der ,, Eine ähnliche Situation wie in Schweden und Belgien hat auch in Österreich vorgelegen. Dort ist es dem ProleBeweismaterial ist es mit Händen zu greifen, daß lange sozialen Frage bedeuten. Arbeitszeiten, daß eine Reihe Beschäftigungsarten unheil- Die Entwicklung zeigt uns eine stetig wachsende soziale tariat nach jahrzehntelangem, zähem Kampfe gelungen, die voll auf den weiblichen Organismus einwirken und da- Differenzierung innerhalb der Arbeiterschaft. Wir haben Regierung endlich zu zwingen, an eine einigermaßen gründliche Reform des Wahlrechtes zu gehen, das allgemeine, durch die Lebenskräfte des Nachwuchses herabmindern, heute einen Teil Arbeiter Facharbeiter, der doppelt gleiche und direkte Wahlrecht zu den Reichsratswahlen einwelcher dem Schoße der kapitalistisch ausgebeuteten Frauen so hohen Lohn erzielt als die Gruppe der Nichtfacharbeiter. zuführen und mit dem Kuriensystem aufzuräumen, dank dessen entstammt. Ebenso besteht kein Zweifel darüber, daß der Daß zwischen dem Facharbeiter, der 6 bis 8 Mt. pro Tag die politische Macht des Proletariats im Parlament völlig Zwang zur ausbeutenden Erwerbstätigkeit, welcher die verdient, und dem Hilfsarbeiter, der es nur auf 3 bis erdrückt wird. Die Wahlrechtsreform, wie die Regierung poletarische Mutter aus dem Hause, von der Seite der 4 Mt. bringt, ein großer sozialer Abstand besteht, liegt sie formuliert hat, ist hochbedeutend, entspricht aber durchKinder reißt, für deren körperliche und geistige Entwick auf der Hand, und die Entwicklung drängt dahin, diesen aus nicht den Forderungen der Sozialdemokratie. In dieser lung die verderblichsten Folgen zeitigt. Abstand noch zu erweitern und zu vertiefen. Solche soziale Situation haben die österreichischen Genossen entschieden, Gliederung wird auch bei den erwerbstätigen Frauen daß es zunächst gelte, das Wahlrecht den Männern unbedingt und so rasch als möglich zu sichern. Und da ihnen schärfer in Erscheinung treten, je mehr die Gleichbewertung diese Sicherung gefährdet erschien durch die Verquickung des ihrer Arbeitskraft mit der männlichen erkämpft wird. Männerstimmrechtes mit der Forderung des FrauenstimmWirtschaftlich steht die erwerbstätige Frau heute noch rechtes, so haben sie beschlossen, diese letzte Forderung zuziemlich allgemein unter der Schicht der am schlechtesten rückzustellen. Die österreichische Sozialdemokratie hat sich entlohnten männlichen Arbeiter. Ein Teil der Arbeite- darauf beschränkt, ihre volle Macht für den Wahlrechtsrinnen wird zu der Höhe der Facharbeiter heraufsteigen, entwurf der Regierung einzusetzen, sich dabei bemühend, das Gros aber wird sich nicht über die sozial tiefstehenden Proletarierinnen erheben. Die Frage der Frauenentlohnung wird gewöhnlich vom Standpunkt des Rechtes oder Unrechtes aus erörtert. Der niedrige Lohn der Frauenarbeit wird als Unrecht hingestellt, das die Frau als Angehörige des sozial minderberechtigten weiblichen Geschlechtes erfährt, und nicht als naturgemäße Wesensäußerung des Kapitalismus, unter welchem die erwerbstätige Frau als Mitglied der ausgebeuteten Klasse leidet. Aber nur, wenn man die Lohnfrage unter dem letzteren Gesichtswinkel betrachtet, kann man sich gründlich mit ihr auseinandersetzen. Das aber zu tun und die erwerbstätige Frau immer mehr und immer tiefer mit der Erkenntnis von der Ursache ihres schmalen Verdienstes und damit hundert fachen Leides zu erfüllen, das ist dringend nötig. Nachdruck verfochten werden sollen. Wir anerkennen die Disziplin der österreichischen Genossinnen und ihr Solidaritätsgefühl der Partei gegenüber, indem sie sich der Entscheidung der Partei gefügt haben, es fragt sich aber doch, ob diese Entscheidung notwendig gewesen wäre. Und ich persönlich verneine die Notwendigkeit dieser Entscheidung Niemand von uns ist so töricht, zu verlangen, daß die Forderung des Frauenwahlrechtes zu einem ausschlaggebenden Punkt des augenblicklichen Aktionsprogramms der österreichischen Genossen hätte gemacht werden müssen. Das wäre ein Verbrechen gewesen. Aber ein anderes ist es, wenn eine Forderung von Anfang an ganz ausgeschieden durch den parlamentarischen Kampf so viel Verbesserung als möglich herbeizuführen. Man versteht durchaus, von welchen Das Wesentliche ist aber der Abstand in der Lohn- Erwägungen die Auffassung diftiert worden ist, daß das allhaltung, nicht die absolute Lohnhöhe, denn diese ist keine gemeine Männerwahlrecht durch die Forderung gefährdet werden könnte. Es galt eine Wahlrechtsreform endlich zu feste Größe. Die relative Lohnhöhe wird bestimmt von stande zu bringen, die in Österreich nicht nur die Borbe der Kauffraft des Geldes, und da diese ständig sinkt, bingung dazu ist, daß das Proletariat seine volle Macht zu bedeutet die absolute Lohnerhöhung nicht auch die gleiche entfalten vermag, sondern auch die notwendige Voraussetzung Je mehr der Wirbel der wirtschaftlichen und sozialen prozentuale Hebung der sozialen Lage. Die Kauftraft für den Bestand des Staates selbst geworden ist. Aber ich Entwicklung die Frau zwingt, in einer Erwerbstätigkeit des Geldes wird durch verschiedene Faktoren beeinflußt: bin der überzeugung, daß trotz alledem die Forderung des ihren Unterhalt zu suchen, um so brennender wird die Grundrente, Zoll- und Steuerpolitik, Preise der indu- Frauenstimmrechtes von Anfang an hätte aufrecht erhalten Frage nach der Entlohnung der weiblichen Arbeit. Mit striellen Erzeugnisse und der Lebensmittel! Diese Fat- und vor allem in der Agitation und im Parlament mit allem dem billigen Einwand von der Bedürfnislosigkeit der toren können durch den Arbeitsvertrag nicht paralysiert Frau kommt men nicht mehr aus. Das starke Eindringen werden, die Kapitalsrente wird nicht abhängig von der der Frau in Berufe, deren Ansprüchen zu genügen ihr nominellen Lohnhöhe. Daher auch die Erscheinung, daß, bisher das Vermögen abgesprochen wurde, widerlegt das obwohl die Löhne sich nach oben bewegen, die Rente des Märchen von der minderen Qualität der weiblichen Be- industriellen Kapitals wächst. Die Lohnarbeiter, wenigstens fähigung und Leistung. Durch die technische Revolution ein Teil derselben, können innerhalb der kapitalistischen von Anfang an. tritt übrigens in vielen Industrien die physische Arbeits- Gesellschaft durch zähen energischen Kampf wohl Erfolge fraft in ihrer Bedeutung für die Produktion hinter der erzielen, jedoch nicht die Herrschaft des Kapitalismus feinnervigen, hinter Fingerfertigkeit und größere Beweg- brechen. Die zu erlangenden Lohnsteigerungen laufen lichkeit des Dieners der Arbeitsmaschine zurück, und in in ihrem sozialen Werte nicht einmal parallel mit der dieser Hinsicht ist ohne Zweifel die Frau dem Manne Steigerung der Produktivität der Arbeit. vielfach überlegen. Aber der soziale Wert einer Arbeit Die kapitalistische Ausbeutung der menschlichen Arbeits- wird im Kampfe um das Wahlrecht.( Sehr richtig!) Wir ist in der kapitalistischen Gesellschaft nicht der Maßstab kraft wird erst mit der Umwälzung der kapitalistischen bedauern deshalb, daß weder in der Agitation noch im für die Entlohnung, sonst würde zum Beispiel die für in eine sozialistische Produktionsweise verschwinden. Da Parlament die Forderung des Frauenstimmrechtes von die öffentliche Gesundheitspflege außerordentlich wertvolle die wirtschaftlichen Erfolge der kämpfenden Arbeit für unseren österreichischen Genossen mit dem Nachdruck erhoben Arbeit eines Straßenkehrers nicht mit ein paar Pfennigen das Kapital durch andere Faktoren wieder ausgeglichen worden ist, die ihrer Bedeutung zukommt. Die befürchtete bezahlt werden. werden, bedingen gehäufte Quantitäten von Lohnsteige- lange Verschleppung der Einführung des allgemeinen WahlRecht und Unrecht, Humanität und Allgemeininteresse rungen doch noch keine Umwertung in Qualität. Eine rechtes wäre dadurch meiner Auffassung nach nicht eingehaben für das Kapital keinen Kurswert. Es ist ein ganz Summe von Lohnerhöhungen bedingt durchaus keine treten. Zunächst war allen Absichten nach Verschleppung der Wahlrechtsreform von vornherein eine Grenze gezogen müßiges Unterfangen, das Unternehmertum durch morali- Verminderung der Kapitalsrente, und deshalb ist mit durch die Furcht vor der Macht des Proletariats; denn die sierende Argumente veranlassen zu wollen, die weibliche der Durchsetzung von Lohnsteigerungen allein die kapita- Haltung der reaktionären Parteien in den Wahlrechtskämpfen Arbeitskraft der männlichen gleich zu entlohnen; eine liftische Gesellschaft nicht zu überwinden. wird im letzten Grade nicht durch die weise Mäßigkeit" der Reform nach dieser Richtung ist gebunden an das Fort- Wie die Lohnfrage überhaupt, so ist auch die der proletarischen Forderung, vielmehr durch den Hinblick auj schreiten des proletarischen Klassenkampfes. Die Frage Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft ein Teil der die tatsächliche Macht des Proletariats bestimmt. Auch die 152 Die Gleichhett Nr. 22 zäheste Reaktion läßt, was sie nicht wehren kann. Dann aber vorliegenden Situation als praktisch greifbares Resultat nein! Als Teil des sozialdemokratischen Aktionsprogramms konnte die Forderung des Frauenstimmrechtes wie jede nicht mehr als die Einführung des allgemeinen Männer- hätte das Frauenwahlrecht eine Beachtung gefunden, die ihm andere Einzelforderung des sozialdemokratischen Wahlrechts- wahlrechtes ergeben konnte. Daher habe ich keineswegs den als frauenrechtlerischer Demonstrationsforderung versagt blieb programms im entscheidenden Momente immer noch zurück- österreichischen Genossen und Genossinnen angesonnen, die Ein anderes ist es, ob hinter einer Forderung eine Gruppe gezogen werden, nachdem sie vorher ihrer Bedeutung ge- Forderung des Frauenwahlrechtes zum Grund- und Eckstein bürgerlicher Ideologen steht oder das Proletariat als Klasse mäß erhoben und verfochten worden war. Troß aller Vor- des Wahlrechtskampfes zu machen, mit der die Wahlrechts- Wäre bezüglich des Frauenstimmrechts das letztere der Fall sicht und Rücksichtnahme auf eine eventuelle Verschleppung reform stehen und fallen mußte. Im Hinblick auf den gewesen, so hätte es auch ernst genommen" werden müssen ist man in Österreich nicht darum herumgekommen, sich im Rampfespreis des proletarischen Ringens um die Demokra- Der Ernst der Gegner den sozialdemokratischen Forderungen Wahlrechtsausschuß mit dem Frauenstimmrecht zu beschäftisierung des Wahlrechtes habe ich mich unferer bisher gegenüber wird im letzten Grunde durch die Macht bestimmt, tigen. Der Demokrat Choc hat das Frauenstimmrecht dort befolgten Taktik entsprechend und in Würdigung der jetzigen welche das Proletariat dafür einsetzt. beantragt. Zwei Reaktionäre, Hruby und Kaiser, das Machtverhältnisse zwischen den ausbeutenden und aus- Hören wir Genossin Popp weiter, so fonnte das FrauenDamenwahlrecht. Genosse Dr. Adler hat dann in trefflicher gebeuteten Klassen sogar nachdrücklich gegen die Parole stimmrecht nicht nur aus dem Wahlrechtskampf ausgeschieden Weise zu der Frage Stellung genommen. Es wäre aber in des alles. oder nichts erklärt. Jedoch mehr noch. Ich habe werden, sondern so mußte das zur Sicherung des allgemeinen jeder Hinsicht wirksamer gewesen, wenn die Sozialdemokratie nicht einmal der Meinung Ausdruck verliehen, wie es nach Männerwahlrechtes geschehen. Der Artikel enthält jedoch von Anfang an für diese Forderung mit gehörigem Nach Genoffin Popps Worten scheinen könnte, die österreichischen meines Erachtens nicht eine Tatsache, nicht eine logische Gedruck eingetreten wäre. Im Kampfe für das Recht sozial Genossinnen hätten in ihrem Wahlrechtskampf das Frauen- dankentette, auf welche sich die Annahme mit schlüssiger Unterdrückter, minderberechtigter Klassen und Schichten muß stimmrecht besonders in den Vordergrund" stellen müssen. Kraft berufen könnte. Der Hinweis auf die Zähigkeit und die Sozialdemokratie jederzeit den bürgerlichen Parteien voran- Meine Ausführungen zu der strittigen Frage besagten Tücke der Gegner, auf die Schwierigkeiten, die Bedeutung gehen. Wenn man von seiten der Gegner Verschleppungs- nicht mehr, allerdings aber auch nicht weniger, als was der und die Großartigkeit des Wahlrechtskampfes ist kein Beanträge befürchtete, so stand es ja durchaus in der Macht Internationale sozialistische Kongreß zu Amsterdam in der weis dafür.„ Es mußte eben allen Machtfaktoren in Öster der Fraktion, den Antrag nach der Begründung zurückzu- bekannten Resolution über das Frauenstimmrecht festgelegt reich eindringlichst eingeschärft werden, daß es uns Ernst ist, ziehen.( Sehr richtig!) Der springende Punkt für unsere hat. Nämlich, daß auch in dem österreichischen Wahlrechts- bis ans Ende zu gehen, nicht mehr ohne vollen Erfolg den Stellungnahme ist aber der, daß die Haltung der Sozial- kampf das Frauenstimmrecht hätte gefordert, in der Agitation Kampf zu beenden. Daher ließen wir alles, was gegen demokratie diftiert sein muß von einer prinzipiellen Auf- festgehalten und mit allem Nachdruck vertreten werden sollen. wärtig feine Aussicht auf Erfolg hatte, unausgesprochen." fassung, nicht von Zweckmäßigkeitsrücksichten. Ausschlag Es liegt auf der Hand, daß dieser Standpunkt nicht gleich Wollte die Sozialdemokratie die angeführte Auffassung zur gebend muß für uns sein eine prinzipielle Auffassung, die bedeutend ist mit einer Befürwortung des Hervordrängens Richtschnur ihrer Taktik erheben, so müßte sie sofort den nicht vom orthodoxen Buchstabenglauben vorgeschrieben wird, der Forderung des Frauenstimmrechtes vor die übrigen Kampf für ihr Endziel abschwören, denn dieser hat gegensondern von der klaren, wohlbegründeten Erkenntnis, daß proletarischen Einzelpoftulate zur Demokratisierung des Wahl- wärtig„ keine Aussicht auf Erfolg", so müßte sie ganz in der im letzten Grunde jede prinzipielle Politik die praktischste rechtes, etwa in der Art, wie es ein Teil der englischen Ge- fleinen positiven" Tagesarbeit aufgehen und sich aus dem und zweckmäßigste ist.( Stürmische Zustimmnng.) noffinnen meines Erachtens mit Unrecht praktiziert hat. Stürmer und Dränger Faust, der Himmel und Erde fassen will, überall im Bahrechtstampf muß von dieser prinzipiellen Wohl aber will er das Frauenstimmrecht gemäß seiner in den versauerten Reformphilister Wagner verwandeln,„ der Auffassung ausgegangen werden; denn wie die Dinge sich grundsätzlichen und praktischen Bedeutung für das kämpfende gierig mit der Hand nach goldenen Schäzen gräbt und froh entwickelt und zugespitzt haben, ist jeder Wahlrechtskampf Proletariat gewertet wissen. Er schließt daher unzweideutig ist, wenn er Regenwürmer findet". Doch sehen wir von den ein Kampf um die politische Macht zwischen dem Proletariat das Bedauern in sich, daß die österreichischen Genossen die logischen und geschichtlichen Konsequenzen einer Verall und den besitzenden Klassen. So fassen ihn auch die bürger- Genossinnen inbegriffen das Frauenstimmrecht von vorn- gemeinerung der Taktik der Erfolgsaussicht ab und bleiben lichen Klassen auf, und deshalb widersetzen sie sich mit solcher herein aus dem Wahlrechtskampf ausgeschaltet haben, denn wir bei dem speziellen Fall. Meines Dafürhaltens hat 3ähigkeit, solcher Energie, solcher Bösartigkeit jeder Er- diese Ausschaltung bedingte ganz naturgemäß, daß die feineswegs der Verzicht auf wesentliche Teile des sozialweiterung des Wahlrechtes. Sie fürchten die wachsende Forderung auch aus der Agitation verschwand und im Par- demokratischen Wahlrechtsprogramms die herrschenden GeMacht des Proletariats.( Sehr richtig!) Und so werden sie lament nicht ihrer Wichtigkeit entsprechend von seiten der walten in Österreich von der ernsten Entschlossenheit des unsere Wahlrechtsanträge nicht nach Maßgabe unserer Be- Sozialdemokratie verfochten worden ist. Proletariats überzeugt, nicht ohne das allgemeine Wahlrecht scheidenheit behandeln( Heiterkeit), sondern nach dem Maße In das Bedauern haben zum Teil noch vor kurzem auch aus dem Kampfe zurückzukehren. Das hat vielmehr die ihrer Furcht vor dem Proletariat. So entsteht die Frage: die österreichischen Genossinnen eingestimmt. Genossin Popp Kraft, das Ungestüm, die Ausdauer bewirkt, mit welcher das Ist der Verzicht auf einzelne oder die Aufrollung aller unserer schrieb in der Aprilnummer der Sozialistischen Monats- österreichische klassenbewußte Proletariat in bewunderungsForderungen das beste Mittel, um unsere Macht zu stärken? hefte":" Daß... tatsächlich in dem ganzen Wahlrechtskampf würdiger Weise diesen Kampf neuerlich aufgenommen hat, Die Antwort darauf fällt meines Erachtens nach zugunsten von den sozialdemokratischen Rednern über die Berechtigung indem es die Frage der Wahlrechtsreform aus den Kabinetten der Formulierung und Verfechtung unseres vollen Wahl- des Frauenwahlrechts nicht gesprochen wurde, haben auch der Minister und den Konventikeln der Parlamentarier in rechtsprogramms aus. Auf möglichst breiter Basis müssen die Genofsinnen mehr oder weniger schmerzlich empfunden." die Straße, unter die Massen trug. Genossin Popps überwir unsere Forderungen erheben, um die Massen in Bewe- Mir erscheint dieses schmerzliche Empfinden als der wider- blick über die verschiedenen Etappen des Wahlrechtskampfes gung zu sehen, und die Forderung des Frauenstimmrechtes spruchsvolle Nachtlang einer Illusion. Während einer Periode illustriert das recht deutlich. ist geeignet, die Basis unserer Kampfesstellung zu vergrößern und uns neue breite Massen Entrechteter als Mitstreiter und Mitarbeiterinnen zuzuführen.( Lebhafte Zustimmung.) Noch ein anderer Gesichtspunkt kommt in Betracht. In dem Maße, als wie wir die Forderung des Frauenwahl rechtes erheben, schwächen wir die Gegner, tragen wir Verwirrung und Zersplitterung in ihre Reihen.( Lebhafte Zustimmung.) Wir lösen damit alle sozialen Gegenfäße aus, die bei den bürgerlichen Klassen zwischen Mann und Frau vorhanden sind, wir zwingen alle bürgerlichen Parteien wie die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, auch in der Frage des Frauenwahlrechtes Farbe zu bekennen. des Kampfes konzentriert sich die Agitation unvermeidlich Was den jeweiligen erreichbaren Siegespreis der sozialauf das Kampfesobjekt. Die Agitation ist ja selbst ein wesent demokratischen Wahlrechtskämpfe anbelangt, so wird er licher, ja der wichtigste Teil des Rampfes, sie ist die Order, meiner Meinung nach um so vollständiger sein, je breiter welche das Bewußtsein der Massen mobilisiert und als Macht die Grundlage ist, auf der das ringende Proletariat steht, für das gesteckte Ziel aufmarschieren läßt. Eine Forderung, je mächtiger es in der Folge zum Schlage auszuholen ver die nicht im Aftionsprogramm einer sozialdemokratischen mag. Die Breite und Festigkeit der Grundlage des WahlKampagne ausgesprochen ist, wird daher im allgemeinen auch rechtskampfes und seine Stoßkraft wachsen aber in dem in der Agitation unausgesprochen bleiben. Es ist nur ton- Maße, als die Sozialdemokratie für ihr volles Wahlrechtsfequent, wenn in Genoffin Popps lettem Artikel sich das programm kämpft die Ausdehnung des Wahlrechtes auf angezogene Bedauern verflüchtigt hat, wenn es der über die einundzwanzigjährigen Staatsangehörigen, die Einfühzeugung gewichen ist, daß die befolgte Taktik dem Frauen- rung des Proporzes usw. usw. natürlich inbegriffen. Diese stimmrecht mehr genügt hat, als wenn es so nebenbei ge- Voraussetzung läßt die Zahl der sozial Unterdrückten und fordert worden wäre". Allerdings, den Beweis dafür hat Rechtlosen anschwellen, deren Interessen und Recht die SozialGenossin Popp nicht erbracht, daß eine Forderung wie die des demokratie verteidigt; sie vermehrt daher den sozialdemoFrauenstimmrechts, die es gilt dem Bewußtsein der Massen als kratischen Heerbann und steigert dessen Ausdauer und Beberechtigt zu erweisen und in ihm fest zu verankern, dadurch be- geisterung. Genossin Popp hat den Kampf für das volle sozialfonders gewinnt, daß sie unausgesprochen bleibt. Meiner demokratische Wahlrechtsprogramm einseitig nur unter dem Ansicht nach soll die Sozialdemokratie als Führerin in den Gesichtswinkel einer eventuellen Abschwächung des Wahlproletarischen Wahlrechtskämpfen das Frauenstimmrecht for- rechtsfeldzugs betrachtet. Das vielleicht nötige spätere Zurückdern, gerade weil es zum Zwecke der Revolutionierung der ziehen der Forderung des Frauenstimmrechtes aus dem parKöpfe notwendig ist, daß von ihm gesprochen wird. Frei- lamentarischen Kampfe wäre nach ihr direkt eine Gefahr" lich nicht so nebenbei", sondern mit dem Ernst und dem für den Ausgang des Wahlrechtstampfes gewesen. Es hätte Nachdruck, mit dem alle grundsätzlichen Forderungen der Sozialdemokratie, mit der im Kampfe um das Wahlrecht alle Forderungen zur vollen Demokratisierung des Wahl rechts vertreten werden müssen. Es muß deshalb die Forderung des Frauenwahlrechtes mit allen unseren Wahlrechtskämpfen verbunden werden. Dies ist bei uns in Deutschland stets geschehen. Wir haben den Wahlrechtskampf geführt als Kampf für die gleichen Rechte von Mann und Frau und werden ihn so weiter führen. Wir sozialdemokratischen Frauen sehen dabei ab von jeder Eigenbrödelei.( Lebhafte Zustimmung.) Wir befürworten durchaus nicht eine besondere sozialdemokratische Frauenwahlrechtsaktion. Wir fordern, daß unsere Genossinnen im allgemeinen Wahlrechtstampf nur ihre Schuldig feit tun. Das ist das wirksamste Mittel, für ihr volles ihrer überzeugung nach Zweifel an dem Ernste des Kampfes" Bürgerrecht zu kämpfen. Wir sind überzeugt, daß dadurch aufkommen lassen und den Anschein erwecken können, daß die proletarischen Massen für das Frauenwahlrecht mobili man schließlich auch am allgemeinen gleichen Wahlrecht der siert werden. Wir wissen, daß nicht in furzer Zeit der Sieg Männer werde herummäkeln lassen". Dieses Argument fehrt des Frauenwahlrechtes zu erreichen sein wird, aber wir Doch weiter! Das zitierte Bruchstück meines Referats fich gegen Genossin Popps Auffassung, sobald man den Tatschaffen die wichtigste Vorbedingung für diesen Sieg, indem bestätigt, worauf ich schon in der letzten Nummer kurz hin- fachen ins Antlitz schaut. Ebensowenig wie andere große wir Hunderttausende von Köpfen revolutionieren.( Lebhafte wies. Ich habe nicht behauptet, daß die österreichischen politische Kämpfe des Proletariats wird der österreichische Zustimmung.) Wir führen unseren Kampf nicht als Kampf Genoffen und Genossinnen von der Forderung des Frauen- Wahlrechtskampf in Wirklichkeit im Parlament entschieden. zwischen den Geschlechtern, sondern als Kampf gegen stimmrechts abgesehen hätten ,, aus Angst vor der Rückständig- Seine entscheidenden Schlachten schlagen die proletarischen die politische Übermacht der besitzenden Klassen, als Rampf, feit der Frauen" oder aus Rücksicht auf eine bürgerliche Massen außerhalb des Reichsrats. Wenn also das Zurückden wir im Grunde führen mit allen Ausgebeuteten, allen Partei". Ihre Stellung habe ich vielmehr aus ihrer über ziehen eines Punktes des sozialdemokratischen WahlrechtsEntrechteten ohne Unterschied des Geschlechtes; einen Kampf, zeugung erklärt, daß die Forderung des Frauenwahlrechts programms aus dem Kampfe tatsächlich die charakterisierte dessen Bedeutung vor allem darin besteht, daß er in den die Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts gefährden Gefahr in sich schlösse, dann müßte diese Gefahr schon, und breitesten Massen des Proletariats die Erkenntnis von seiner werde. Die grundsätzliche Forderung trat in der Folge hinter zwar erst recht durch die von vornherein Kampflos erfolgte geschichtlichen Mission und seiner sozialen Macht heranreifen 3weckmäßigkeitsrücksichten zurück. Der befolgten Taktit ent- Ausschaltung wichtiger Wahlrechtsforderungen heraufbeläßt. Wenn eines Tages die geschichtliche Entwicklung objektiv gegen habe ich eine grundsätzliche Bolitit befürwortet und schworen werden. weit genug vorgeschritten ist, so kann dann das Proletariat in begründet, daß eine solche auch die praktischste ist. Genoffin seiner Gesamtheit ohne Unterschied des Geschlechtes dank Popp hat die betreffenden Gedankengänge mit Ausnahme dieser festgewurzelten Erkenntnis jeder knechtenden Macht eines einzigen lints liegen lassen, obgleich sie den Kern der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zurufen:„ Es liegt punkt des aufgerollten Problems bilden. Dafür rechtfertigt an mir, ein Ruck von mir, ein Schlag von mir, zu dieser sie die Stellung der österreichischen Genossen und Genossinnen Frist, und siehe, das Gebäude stürzt, von welchem du die mit einer Reihe Argumente, die durchaus meine Darstellung Spitze bist!" von den Gründen derselben bestätigen. " übrigens hat die Beschränkung des österreichischen Wahlrechtskampfes auf das allgemeine Männerwahlrecht, die Gegner keineswegs davon zurückgehalten, dem Proletariat den Erfolg wieder streitig machen zu wollen oder ihn wenigstens zu verkleinern. Es bedurfte der Drohung mit dem revolutionären Kampfesmittel des politischen Massenstreiks, um die stockende Wahlrechtsreform in neuen Fluß zu bringen. Die Reaktion Ich habe diese meine Ausführungen in Mannheim zur Nach Genossin Popps Ansicht wäre es eindruckslos und hat mittels einer durch und durch plutokratischen WahlkreisAntwort auf Genossin Popps Artikel in letzter Nummer damit zwecklos gewesen, das Frauenstimmrecht zu fordern, geometrie, welche die Steuerkraft eines Bezirkes mehr bevorausgestellt, weil aus ihnen unzweideutig verschiedenes weil aller Augen auf den Wahlrechtskampf der Sozial- rücksichtigt als die Zahl seiner Wahlberechtigten, ein großes hervorgeht. Zunächst, daß ich weder die Bedeutung noch demokratie gerichtet waren",... weil das Frauenstimm- und böses Loch in das gleiche Männerwahlrecht geschnitten. die Schwierigkeiten des letzten Wahlrechtskampfes in Oster- recht niemand ernst genommen hätte",... weil keine Ge- Tatsächlich sind in der Folge zum Beispiel die böhmischen reich unterschäzt habe. Des weiteren, daß es mir nicht ein- nossin, vermocht hätte, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes Textilarbeiter nicht gleichen Wahlrechtes mit den böhmischen gefallen ist, den österreichischen Frauenrechtlerinnen gleich die zu lenken als auf das gleiche Recht der Männer". Wird diese Grundbesitzern. Angesichts dieses und anderer SchönheitsLofung zu vertreten:„ Das Frauenstimmrecht auf alle Fälle." Meinung wirklich beweiskräftig dadurch erhärtet, daß die fehler" des schwer errungenen allgemeinen Wahlrechtes Ich bin auch nicht einen Augenblick im unklaren darüber Frauenwahlrechtsversammlungen der bürgerlichen Frauen- fönnte ich den Spieß umdrehen und mit der gleichen logis gewesen, daß der Wahlrechtskampf in Österreich unter der rechtlerinnen eindruckslos geblieben sind? Meines Erachtens: schen Berechtigung wie Genossin Popp behaupten, die Be" Nr. 22 Die Gleichheit 153 m. g. schränkung des Kampfesziels habe den reaktionären Klassen Rulifchoff, die berühmte Borkämpferin des Marrismus, die in Wald und Feld fronden, von selbst erwachen, dann den Nacken zum erfolgreichen Herummäteln an dem allge- Anna Maria Mozzoni, eine der ersten und geistig be- muß es voran gehen mit unserer Bewegung, auch unter dem meinen Männerwahlrecht gesteift. Das Gesetz vom Parallelo- deutendsten Agitatorinnen, Leda Rafanelli- Palli, ehe- ländlichen Proletariat, dann wird die Pionierarbeit leicht! gramm der Kräfte setzt sich ja im allgemeinen auch im malige Sezerin, jetzt sozialistische Novellistin mit starkem re- Borwärts! sozialen Leben durch. Wer nicht von den reaktionären Ge- volutionärem Empfinden, Argentina Altobelli: Wir wollen sehen, ob Herr v. Selteneck seine Drohung walten stromabwärts getrieben werden und unter dem ins Bonetti, Sekretärin der Landarbeiterorganisation, die un- wahr macht! Wir zweifeln daran, denn die Töchter des Auge gefaßten Ziel landen will, der muß seinen Kurs be- ermüdliche Organisatorin der Reisarbeiterinnen von Moli- Südens können in unseren Schwarzwaldbergen weder auf die tanntlich stromaufwärts über das Ziel hinaus halten. Wo- nella. Im ganzen waren in den drei abendlichen Sizungen Dauer nächtigen, noch sich von Tannenzapfen und Schwämmen mit ich nicht gesagt haben will, die österreichischen Ge- etwa 20 Genossinnen versammelt, deren Arbeit natürlich nur ernähren! Wenn unsere Arbeiterinnen fest bleiben, so werden nossen hätten mehr durchsetzen können, als was sie er- eine sehr provisorische sein konnte. Man beschränkte sich bei sie auch hier den Herrenübermut beugen! reicht haben. Die fesselnde Schilderung des glänzenden dieser ersten Zusammenkunft darauf, zunächst wenigstens Wahlrechtstampfes, die Genossin Popp gegeben, erweist einen praktischen Anfang mit der Frauenorganisation zu deutlich, daß in demselben Macht gegen Macht steht. Ich machen; von theoretischen Debatten wurde von vornherein Eine freie Schule vor fünfzig Jahren. glaube, in meinem Referat nachgewiesen zu haben, daß abgesehen. die Aufrollung des vollen sozialdemokratischen Wahlrechts- Genoffin Maria Cabrini( bekannte Agitatorin und Unter den Fragen, die den diesjährigen Parteitag beprogramms und nicht seine Beschränkung die Macht des Schriftstellerin, früher Herausgeberin einer gewerkschaftlichen schäftigten, waren wohl die Schul- und Erziehungsfragen Proletariats in diesem Kampfe stärkt. Damit ist meines Er- Beitschrift und Arbeitersekretärin in Mailand) unterbreitete von größtem Interesse für uns Frauen. Nicht auf die achtens auch die Frage nach dem taktischen Wert der Aus den versammelten Frauen eine Anzahl Vorschläge, welche Fragen selbst möchte ich in diesem Aufsatz zurückkommen, fie schaltung des Frauenstimmrechts aus dem Wahlrechtstampf nach kurzen Debatten zur Annahme gelangten. Demzufolge sind ja von berufener Seite eingehend erörtert worden. Aber beantwortet. Die Darlegung dieses meines Standpunktes wird zunächst ein aus fünf Genossinnen bestehendes Komitee wie mir selbst die Erinnerung tam an eine Frau, die vor enthält nicht einen Satz, der nach Inhalt oder Form die in Mailand gegründet werden, welches die Organisation mehr als fünfzig Jahren ähnliche Ideale verfolgte, wie sie österreichischen Genossinnen verlegen könnte. Dagegen war einer planmäßigen sozialistischen Agitation in die Hand jetzt erstrebt werden, so möchte ich auch anderen von dieser es mein Recht als Kämpferin, meine Pflicht als Beauftragte nehmen soll, unterstützt von einer Reihe berichtender Ge- Frau erzählen, die ihr ganzes Leben lang erziehlich wirkte, der deutschen Genossinnen, die Gründe zu entwickeln, auf nofsinnen( etwa unseren deutschen Vertrauenspersonen ver- und die uns in ihren Memoiren von einer Anstalt berichtet, die wir uns berufen, um den österreichischen Genossinnen gleichbar) in einzelnen Orten, wo die sozialistische Bewegung die den heutigen Wünschen für Erziehung und Unterricht in zu sagen: Eure Taktik darf und wird nicht die unsere sein! vielen Punkten entspricht. Leider mußte diese Anstalt wie Klara Zetkin. so vieles andere im Kampfe um die Freiheit untergehen, der in unseren Tagen erfolgreicher und zielbewußter wieder aufgenommen worden ist. Von der sozialistischen Frauenbewegung in Italien. unter den Frauen bereits Anhängerinnen besitzt. Die Genossinnen Linda Malnati, Maria Cabrini und Maria Goia, die Abgesandte der Molinellaer Reisarbeiterinnen, wurden beauftragt, die Komiteemitglieder zu wählen, und diese wiederum sollen ihrerseits das Recht erhalten, ihre Korrespondentinnen zu ernennen. Ferner wurde noch der Beschluß gefaßt, dem Anerbieten der Genoffin Angelica Balabanoff Folge zu leisten und die bisher in ihrem persönlichen Besitz befindliche Wochenzeitung„ Su, Compagne"( Auf, Genossinnen) als offizielles Organ des zu gründenden Frauenkomitees zu übernehmen. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, daß die italienische sozialistische Parteileitung den Organisationsbestrebungen der Genossinnen sehr freundlich gegenübersteht und sie auch, soweit die allerdings in Italien leider ziem lich schwachenfinanziellen Mittel reichen, tatkräftig unterstüßen wird. Daß dies gefchieht und daß die sozialistische Frauenbewegung sich auch in Italien kräftig entwickelt, da für liegt ein gutes Anzeichen vor. Auf dem diesjährigen Parteitag ist zum erstenmal auch eine Frau, die bereits erwähnte Argentina Altobelli- Bonetti, unter großem Beifall des gesamten Kongresses in den Parteivorstand gewählt worden. Gisela Michels- Lindner. Wenn die Frauen erwachen! Die Frau, von der ich spreche, Malvida v. Meysenbug, stammt aus Kreisen, in denen sie von früher Jugend an mit ihren Interessen und Idealen in Konflikt kam. Mit glühenDie sozialistischen Frauen Italiens besaßen bisher noch der Begeisterung folgte sie den Kämpfen des Jahres 1848 feine einheitliche Organisation. Wohl waren in den Jahren und litt sehr unter dem Zusammenbruch der Freiheitsungeheuer raschen Wachstums der italienischen sozialistischen bewegung und dem Triumph der Reaktion. Selbst aufPartei, welche unmittelbar auf die Reaktionszeit von 1898 erzogen in all den Vorurteilen der damaligen Zeit und nur bis 1899 folgten, an vielen Orten sogenannte„ Circoli sociaausgerüstet mit der mangelhaften Bildung, die namentlich listi Femminili"( sozialistische Frauenvereine) erstanden, die den Mädchen auch in vermögenden Häusern zuteil wurde, in kurzer Frist ansehnliche Mitgliederzahlen aufbrachten. Es trachtete sie vor allem danach, diese Bildung zu vervollhatten sich auch eine ganze Reihe von Gewerkschaften mit ständigen. Ihr durch das Studium Feuerbachs veranlaßter nur weiblichen Mitgliedern gebildet( Leghe Femminili"). Bruch mit der Religion, ihre Lektüre der Fröbelschen Schriften Jedoch alle diese Vereinigungen hatten keinerlei Fühlung und ihr Verkehr mit verschiedenen Demokraten brachten sie miteinander, und der größte Teil derselben löste sich nach in solchen Widerstreit mit ihren Angehörigen, daß sie Wohlkurzem Bestehen wieder auf, weil es an führenden, geschulten stand und Schutz des Elternhauses verließ, um sich zu einer Frauen fehlte, die die Bewegung wach zu erhalten imftande freien Persönlichkeit zu entfalten. Die Erweiterung ihrer gewesen wären, und weil eben jeder organisatorische ZuBildung suchte und fand sie in einer Hochschule für das sammenhang fehlte. Auch von den zahlreichen, sporadisch weibliche Geschlecht, in welcher den Mädchen dieselben Mittel hier und da auftauchenden sozialistischen Frauenzeitungen zur geistigen Entwicklung geboten wurden, wie die Universihat sich keine am Leben erhalten können. Das einzige soziatäten sie für die jungen Männer bieten. Da der Staat dalistische Propagandablatt für Frauen in italienischer Sprache, mals noch weniger wie jetzt Mittel für derartige Anstalten ,, Su, Compagne", erscheint im Ausland, in Lugano, unter der gewährte, war die Hochschule von einigen mutigen Frauen Leitung der Genossinnen Angelica Balabanoff und in einer der norddeutschen Hansastädte unter dem Schutze Maria Giudice. Und doch haben gerade die italienischen des kleinen Freistaats ins Leben gerufen worden. Die ökoFrauen für die Sache des Proletariats schon manchen Hoch oben in den Bergzügen der" Moos" des badischen nomische Unabhängigkeit der Frau möglich zu machen durch Sturm ausgefochten, schon manchen Kampf zum Siege ge- Schwarzwaldes, wo die Regionen der Stechpalme und des ihre Entwicklung zu einem geistig freien, selbständig denkenden führt man dente nur an die heldenmütigen Streits der Wacholders beginnen, hat ein Sprosse des alten Feudaladels, Wesen, das sich seinen Fähigkeiten gemäß zur eigenen BeTabatarbeiterinnen und zumal an die alljährlich sich wieder ein Herr v. Seltened, große Waldungen. Ehemals waren friedigung und zum Nußen der Allgemeinheit zu betätigen holenden Kämpfe der Reisarbeiterinnen in Bolognese, die dort zwei große geschlossene Hofgüter, der Mooshof und die vermag, das war das Prinzip, auf welches die Anstalt bemit nie erschlaffendem Enthusiasmus immer von neuem sogenannte„ Hölle". Diese wurden von dem Freiherrn auf- gründet war. Gleiche Rechte sollten der Frau wie dem Hunger und Entbehrungen auf sich laden, um sich, ihren gekauft und die Felder zu Hochwaldungen angelegt. Manne zustehen, und um den Besitz dieser Rechte und die Arbeitgebern zum Troy, ein wenigstens etwas menschen- Die Arbeit in den Kulturen" verrichten fast ausschließ damit verbundene Freiheit der Frau zum Segen zu gestalten: würdigeres Dasein zu schaffen. Wenn auch die italienische lich weibliche Arbeiter, die sich aus jüngeren Mädchen oder Bildung. Unter den Hörerinnen der Hochschule befanden Proletarierin durchschnittlich auf einer noch niedrigeren armen Witwen rekrutieren. Ihre Wohnstätte liegt meist sich viele Freischülerinnen, denn es war ein Hauptzweck der Kulturstufe steht als ihre deutsche Klassengenossin, so besitzt 1 bis 1 Stunden talab von der Arbeitsstelle. Dort haben Anstalt, dieselbe Wohltat der Bildung ohne Unterschied sie doch einen großen natürlichen Schatz von Aufopferungs- sie pünktlich um 6 Uhr früh anzutreten und des Abends zur Armen wie Reichen zu gewähren. Auch Kindergärtnerinnen freude und Begeisterungsfähigkeit, so daß sie trotz aller gleichen Stunde dürfen sie wieder heimwärts ziehen. Die sollten ausgebildet werden nach dem System, das Fröbel geistigen Knechtschaft im Joch der Kirche den großen meisten Arbeiterinnen müssen sich bald nach 4 Uhr morgens geschaffen hatte und das leider später durch Unwissenheit Idealen des Sozialismus wohl zugänglich ist. Auch ist be- auf den Weg machen, und das Abendglöcklein hat geflungen, und bösen Willen so häufig entstellt worden ist und wird. reits seit Jahren eine kleine Schar tüchtiger Arbeiterinnen in wenn die Müden den häuslichen Herd erreichen. Gegen Von großem Interesse scheint mir, daß in dieser Anstalt, die Italien an der Arbeit, nur fehlte bisher noch jeglicher Zu- sechzehn Stunden schwerer Arbeit sind geleistet worden. Menschen aller Klassen vereinigte, nicht die zufällige Stellung, sammenhalt, jegliche einheitliche Leitung. Die Arbeitsstellen liegen am ſonneglühenden Felsenstein; da die jemand in der Welt einnahm, geschäzt wurde, sondern heißt es sich bücken, um die kleinen Tannen- und Eichen- der persönliche Wert eines jeden, und daß, wer die Freiheit pflänzlein zu schulen", da muß das Wasser in Kannen und und Gleichheit der Hochschule erwarb, auch den Bruch mit Eimern halbe Stunden weit herbeigeschleppt werden, um die der Landeskirche vollzog. Malvida v. Meysenbug selbst dürftenden zu begießen! Für diese lange, schwere Fron führte in die Anstalt eine Anzahl Neuerungen ein, die ihr erhielten die Arbeiterinnen lange nicht mehr als 1,50 Mr. für die Entwicklung der Individualität erforderlich schienen, pro Tag ohne Kost; das Krankengeld ging auch als erste davon die Vereinigung von Kopf- und Handarbeit. noch ab. Nicht nur der Geist, auch der Körper sollte sich entwickeln, und die Bewohner der Anstalt verrichteten daher selbst alle häusliche Arbeit, wie Zimmer reinigen, Wäsche waschen usw. Sie follten dadurch auch praktisch lernen, daß auch die niedrigste Arbeit, sobald sie Pflicht ist, den Menschen ehrt. 11 Schon im Jahre 1903, vor dem sozialistischen Parteitongreß von Imola, stellte Genossin Ersilia Majno ( Mailand) bei der Parteileitung den Antrag, die Gründung einer nationalen sozialistischen Frauenorganisation auf dem Parteitag zur Sprache zu bringen. Der Antrag wurde das mals mit dem Hinweis darauf abgelehnt, daß ja den sozia listischen Frauen in Italien die Gesetzgebung kein Hindernis in den Weg lege, wenn sie in die Organisationen der Die Arbeiterinnen sahen ein, daß der Lohn kaum hin Männer eintreten wollten, und daß deshalb eine besondere reiche, die Kleidung zu ersetzen, die durch Dickicht und Dorn Frauenorganisation gar nicht nötig sei. Inzwischen jedoch zerriß. Sie baten den Brotherrn um eine Lohnaufbesserung. ist man zu der Erkenntnis gekommen, daß es vom agita Ganze 20 Pf. wurden ihnen bewilligt, und die Arbeiterinnen torischen Standpunkt aus notwendig wäre, eine Zentrale zu gaben sich wieder für lange Zeit zufrieden. Es waren immer Sobald Malvida sich die nötigen Kenntnisse erworben, schaffen, von der aus in systematischer und einheitlicher einige unter ihnen, die nicht wagten vorzugehen und dadurch fuchte sie diese praktisch zu verwerten. In ihrem Kopf entWeise unter den Frauen die Aufklärungsarbeit gepflegt den Weg zur gemeinsamen Lohnbewegung versperrten. stand schon damals der Plan einer konfessionslosen Gemeindewerden könne, die doch mit mancherlei Faktoren zu rechnen Da beginnen die Lebensmittelpreise zu steigen, und der schule. Die Schule sollte sich selbst erhalten, das Schulgeld hat, welche bei der Agitation unter den Männern gar nicht farge Lohn reicht nicht mehr zum notwendigsten Lebens- nach den Mitteln der Eltern bestimmt werden; wenn auch oder weniger in Betracht kommen. Und in diesem Jahre ist unterhalt. Das Jubiläum des Landesfürsten naht, und da der Reiche mehr zahlte wie der Arme, sollten doch alle Vordenn nun ein erster Versuch gemacht worden, eine solche glauben die Fleißigen, das Herz des Freiherrn werde be- teile der Bildung jedem Bögling gleichmäßig zugute kommen. Zentrale zu bilden. sonders gerecht und milde gesinnt sein! Sie stehen zu Ein anderes wichtiges Prinzip dieser Gemeindeschule war sammen und beantragen eine zehnprozentige Lohnerhöhung! das des gemeinsamen Unterrichtes von Knaben und Mädchen, Die Antwort, die ihnen wurde, ließ feinen Zweifel an wenigstens in den Elementarklassen. In den höheren Klassen der gütig- wohlwollenden Gesinnung des freiherrlichen Arbeit sollte der Unterricht getrennt erteilt werden, jedoch den gebers auftommen! Mehr kann ich nicht geben, seid ihr Mädchen genau denselben Wissensstoff vermitteln wie den nicht zufrieden, dann lasse ich Italienerinnen kommen, die Knaben. Die Religion war völlig aus dem Unterricht aussind billiger. Übrigens wißt ihr Bauern auch, was ihr für geschlossen. Die Schule sollte nur unterrichten und das sittdie Schweine fordern wollt!"-Bei dieser Antwort blieb es. liche Gefühl wecken durch wahre Bildung, durch die Er Das ganz unerwartete traf ein. Arbeiterinnen, die jeder weckung humaner Anschauungen und die Vorführung edler Organisation fern, ihr sogar feindlich gegenüberstanden, sie Beispiele; sie sollte dadurch das Individuum auf seine wurden aufgerüttelt aus ihrer Lethargie, sie erklärten sich Pflichten in Gesellschaft, Familie und Staat vorbereiten. solidarisch, sie legten die Arbeit gemeinsam nieder, und sie streiten bis auf weiteres. " Die Genossinnen Angelica Balabanoff( Lugano) und Linda Malnati( Lehrerin in Mailand) hatten näm lich im Einverständnis mit dem Parteivorstand durch einen Aufruf im sozialistischen Zentralorgan„ Avanti" alle sich als Sozialistinnen betrachtenden Frauen in Italien" gelegent lich des diesjährigen Parteitags( 7. bis 10. Oftober) zu einer Zusammenkunft nach Rom eingeladen. Leider war jedoch die Zahl der erschienenen Genossinnen nur eine sehr geringe, hauptsächlich wohl wegen der ungünstigen geographischen Lage Roms, weit entfernt von den norditalienischen Industriezentren und den Reisfeldern der Poebene, wo in Italien allein einzelne Häuflein politisch aufgeklärter Frauen zu finden sind. Auch die in der Geschichte der italienischen Dieser Vorgang ist ein verheißungsvolles Symptom für Arbeiterbewegung hervorragendsten Frauen fehlten: Anna die Bewegung der ländlichen Arbeiter. Wenn die Frauen, Leider konnte diese Schule nicht oder nur für sehr kurze Zeit ins Leben gerufen werden. Die Frauenhochschule, von der sie ausging, erlitt von seiten Preußens und der Kirche so viele Anfechtungen, daß der fleine Freistaat sie nicht 154 Die Gleichheit Nr. 22 mehr schützen konnte. Freiwillig beschlossen die Gründer ihre Auslösung, überzeugt, daß die Gedanken, die sie ge- pflanzt, nicht sterben konnten. So schieden sie als Sieger, nicht als Besiegte. Langsam ist die Saat, die sie gesäet, aufgegangen, in neuerer, besserer Form geht endlich die ver- fochtene Idee der Reife entgegen zum Segen für die ganze Menschheit. Die weiteren Schicksale von Malvida v. Meysenbug ge- hören nicht hierher. Die edle Frau mußte, wie so viele andere, jahrelang in der Verbannung leben. Zu ihren Freunden gehören viele der besten Menschen jener Zeit. Da sie nicht mehr öffentlich ihren Reformplänen leben durfte, hat sie versucht, im kleinen Kreise erzieherisch zu wirken. Der modernen sozialistischen Bewegung blieb sie fremd, es gibt jedoch viele Berührungspunkte zwischen deren Idealen und den Zielen, für welche Malvida gekämpft hat. An ihrem späten Lebensabend durfte diese sich sagen, daß sie nicht umsonst gekämpft und gelitten hat, daß ihre Lebens- arbeit keine verlorene gewesen ist, denn sie hat dem Fort- schritte, der Frecheit gedient. Anna Bios. Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin.(Forts-hung.) Der Kongreß verlegte den Sitz der Gewerksgenossenschaft anter Berücksichtigung der vereinsgesetzlichen Verhältnisse nach Eßlingen in Württemberg, den Ausschuß nach Crimmi- tschau. Crimmitschau war der Mittelpunkt des Verbands- lebens, seine Seele war Motteler. Die Organisation baute sich auf der Grundlage des Unterstützungswesens auf. Sie gewährte Unterstützung bei unverschuldeter Arbeits- und Er- werbslosigkeit, Unterstützung und Rechtsschutz bei Bedrückungen und ungerechtfertigten Anforderungen der Arbeitgeber und Behörden und Wanderunterstützung aus einer allgemeinen Kasse. Jedes Mitglied war verpflichtet, an seinem Aufent- Haltsort einer Krankenkasse anzugehören, zwischen den ver- schiedenen Kranken- und Unterstützungskasien sollte„Frei- zügigkeit" herbeigeführt werden, das heißt der kostenlose Übertritt der Mitglieder im Falle des Ortswechsels. Die Gründung weiterer Krankenkassen usw. wurde vorgesehen. Das Unterstützungswesen— darüber ließen die VerHand- lungen des Kongresses wie alle späteren Generalversamm- lungen keinen Zweifel— war gleichzeitig Selbstzweck und Mittel zum Zweck. Es sollte die Textilarbeiter gegen die schlimmste Unbill des ausbeutenden Kapitalismus schützen und diese dadurch verteidigungs- und kampfesfähig gegen diesen selbst halten. Es sollte durch materiellen Beistand bei Kämpfen und Lohnbewegungen den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen erleichtern, wie dies die Genossenschaft außerdem durch„Regelung und Beaufsichtigung des Lehr- lingswesens, der Frauen- und Kinderarbeit" erstrebte. Es sollte einen festen, materiell bindenden Sammelpunkt schaffen, der Träger der Klassenkampfideen war, von dem aus das Ideelle, Fruchtbare von der Erkenntnis der Klassengegensätze verbreitet wurde. Ziffern erzählen von den Bemühungen, die Frauen für die Gewerksgenossenschaft zu gewinnen, und der werbenden Kraft der entfalteten Agitation. Als auf der ersten General- Versammlung zu Crimmitschau am 9., 10. und 11. Juli 1870 Wilhelm Stolle, einer von unserer alten Garde, der heute noch kämpft, den Bericht gab, konstatierte er, daß der Or- ganisation„6000 bis 7000 Mitglieder angehörten, davon ein Sechstel weiblichen Geschlechtes". Seinen Angaben lagen die Ergebnisse von Fragebogen zugrunde, die auch Auskunft über die Zahl der weiblichen Mitglieder verlangt hatten. Die Befriedigung über den weiblichen Mitgliederstand fand ihren Ausdruck in einer bezeichnenden Redewendung, die seit der Crimmitschauer Generalversammlung aufkam. Man nannte die Gewerksgenossenschaft„die Mutter mit den fünf Söhnen". Das wichtigste Resultat der Crimmitschauer Be- ratungen war die Gründung einer Krankenkasse der Ge- werksgenossenschast. Sie erfolgte unter Berücksichtigung der Interessen der Frauen und im Hinblick auf ihre Organisierung. Nach Seiten der Pflichten und Rechte hin kannte das Statut nur gleichgestellte Mitglieder ohne Unterschied des Geschlechtes, zeigte aber bereits einen bescheidenen Ansatz zum gebührenden Sonderschutz, dessen die Proletarierin als Mutter bedarf. Wenn weibliche Mitglieder nach der Nieder- kunft länger als neun Tage krank waren, so sicherte es ihnen vom zehnten Tage an die Krankenunterstützung zu; diese wurde vom ersten Tage der Entbindung an gewährt, sofern ärztlicher Beistand erforderlich gewesen war. Das Referat über die Krankenkassenfrage wurde von Robert Seidel er- stattet, der damals als Weber in den vordersten Reihen des kleinen Fähnleins klassenbewußter sächsischer Arbeiter stand, wie er heute als geachteter Pädagog und Schriftsteller un- ermüdlich für die sozialistische Weltanschauung kämpft. Er beleuchtete die sozialen Wurzeln der Krankheiten im Prole- tariat, bezeichnete es als eine Hauptaufgabe der Kranken- kassen, den Krankheiten durch Aufklärung über ihre Ursachen entgegenzuwirken, und tadelte, daß die Kassen teilweise die Frauen ausschlössen. Motteler empfahl ausdrücklich, die Krankheiten der Frauen gebührend zu berücksichtigen. Um den Proletarierinnen den Beitritt zur Krankenkasse zu er- leichtern, dabei aber die Ausbreitung der Stammesgenossen- schaft zu fördern, beschloß die Generalversammlung:„Wer Mitglied der Krankenkasse werden will, muß auch Mitglied der Gewerksgenossenschaft sein; Frauen von Mitgliedern brauchen jedoch nur Mitglieder der Krankenkasse zu werden." Für die Geschichte der proletarischen Frauenbewegung aber ist es das bedeutsamste Ereignis der Crimmitschauer Tagung, daß eine Proletarierin als Gleiche unter Gleichen für ihre Klassen- und Geschlechtsgenossinnen die Stimme er- hob. Frau Christiane Peuscheh welche die Gründung der Gewerksgenossenschaft mit in die Wege geleitet hatte, nahm als Mitglied des Lokalkomitees an der Generalversammlung teil. Sie befürwortete die Gewährung von Krankenunter- stützung bei längerer als neuntägiger Dauer des Wochen- betts. Aus der Erfahrung ihrer proletarischen Existenz heraus wendete sie sich gegen die fiskalisch- mißtrauische Meinung, die Frauen würden durch lange Inanspruchnahme des Bonums die Kasse brandschatzen. Sie betonte, daß„den Frauen hauptsächlich darum zu tun sei, ihre Wirtschaft so- bald wie möglich wieder versorgen zu können". Trotz der Schwierigkeiten und Gefahren, welche die poli- tische Situation in der nächsten Zeit für die Internationale Gewerksgenossenschaft schuf, ergänzte diese ihre Tätigkeit durch die Bemühungen, im Sinne der Internationale auf- klärend und vorwärtstreibend innerhalb anderer Organi- sationen und Strömungen zur Sammlung und Hebung des Textilproletariats zu wirken. Delegierte der Gewerksgenossen nahmen hervorragenden Anteil an den beiden Weber- innungskonferenzen, an dem ersten deutschen Webertag zu Glauchau und dem zweiten zu Berlin, der zur Gründung des Deutschen Weber- und Manufakturarbeiterverbandes führte. In Gemeinschaft mit den Genossen Lassalleanischer Richtung— von denen sie sich in der Hauptsache nur durch das stärkere Hervorheben der Notwendigkeit internationaler Organisation unterschieden— traten sie vor allem jeder zünftigen Beschränktheit entgegen und suchten den kleinmeister- lichen Standesdünkel durch das proletarische Klassenbewußt- sein zu verdrängen. Sie waren es vor allem, welche die wieder und wieder auftauchende Neigung bekämpften, die organisierten Textilarbeiter für die Abschaffung der industriellen Frauenarbeit zu mobilisieren. Die maßgebende Entscheidung, auf welche spätere Tagungen zurückgriffen, wurde in Glauchau(28. bis 30. März 1871) gefaßt, dies aber sicherlich unter dem Eindruck der wohlbegründeten Auf- fassung wie des Beispiels der Internationalen Gewerks- genossenschast. Frau Peuschel, welche von den Crimmi- tschauer Gewerksgenoffen als Delegierte zum ersten Webertag entsendet war, wendete sich gegen das Verlangen nach Be- seittgung der Frauenarbeit. Gegen ihre verderblichen Be- gleiterscheinungen rief sie zur internattonalen Organisation auf und forderte dabei die Einbeziehung der weiblichen Ar- beiter als Gleichberechtigte in die Genossenschaften und Ge- werkschaften, gleichen Lohn für gleiche Leistung ohne Unter- schied des Geschlechtes und einen gesetzlichen Normalarbeits- tag. Genossin Peuschel beteiligte sich auch an der Debatte, um den Antrag Bebel zu befürworten, daß es„dringende Pflicht der Arbeiter sei. Gemaßregelte materiell und mora« lisch zu unterstützen". Ihre Ausführungen� künden unzwei- deutig die Schule der Internationale. Sie erweisen des weiteren, daß die Internationale Gewerksgenossenschaft Kämpferinnen umschloß, die den Männern nicht bloß gleich- berechtigt, sondern auch ebenbürtig an Fähigkeiten und Schulung waren. Denn wahrlich, an sachlichem Wert, an Klarheit, Bestimmtheit und Logik des Gedankens übertrafen Frau Peuschels Ausführungen die Reden zahlreicher männ- licher Delegierter und stellten sich denen der geschultesten Köpfe ebenbürtig zur Seite. Der Vorkämpferin der klaffen- bewußten Proletarierinnen gebührt ein gut Teil des Ver- dienstes, daß entgegen dem Antrag Malech auf Verbot der Frauenarbeit die Resolution Bebel zur Annahme gelangte, welche besagt:„Es ist Pflicht der Fachgenossen, dahin zu wirken, daß die Frauen in den Fabriken und Werkstätten mit in die Gewerks- und Fachorganisationen als gleich- berechttgt eintreten, und es dahin zu bringen, daß die Löhne der Frauen und Männer gleichgestellt werden."(Forts, folgt.) Aus der Bewegung. Von der Agitation. Im Anschluß an den Parteitag hielt Unterzeichnete inBayern eine Reihe Versammlungen ab, deren Verlauf Zeugnis davon ablegt, wie in dieser Domäne des Zentrums mehr und mehr die Einsicht Platz greift, daß nicht Beten das Elend beseitigt, sondern der Sozialismus allein die Befreiung aus dem Joche der Lohnsklaverei und der Unwissenheit bringen wird. Nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen treten mehr und mehr in die Reihen des kämpfenden Proletariats. Die Versammlung in Penzberg, einem Bergarbeiterort, war ein gutes Omen für die geplante Agitationstour. Bei dem Wort Bergarbeiter tritt ein Bild des Elends vor das geistige Auge. In Penzberg haben wir dieses Bild in handgreiflicher WirMchkeit. Die ein- förmigen, jeden Schmuckes entbehrenden Werkhäuser, die armselig gekleideten unbeschuhten Kinder, die früh gealterten Frauen, die ausgemergelten Männergestalten mit den schwie- ligen Händen, die vom Aufseher zum Unterschied von den Händen der„Herren" mit„Pranken" bezeichnet werden, sprechen deutlich von dem jammervollen Leben, welches das Proletariat hier führt. Die Kohlensortiererinnen, darunter ganz junge Mädchen, sind den ganzen Tag in dichte Wolken Kohlenstaubes gehüllt, und fronden für erbärmlichen Lohn. Kürzlich hat ein geschickt durchgeführter Streik diesen Arbei- terinnen Lohnaufbesserung und manche anderen Vorteile ge- bracht. Die energische Leiterin des Streiks, die nach Be- endigung desselben auf die Jnnehaltung der Abmachungen hielt, mußte als„Aufhetzerin" büßen, sie wurde entlassen. Das tüchtige junge Mädchen bleibt am Orte, es„wühlt", klärt weiter auf und organisiert. Die gewerkschaftliche Or- ganisation hat im letzten Jahre in Penzberg bedeutende Fortschritte gemacht, die Versammlung, die am Sonntag nachmittaa bei herrlichem Wetter stattfand, war sehr stark besucht und prächtig in ihrem Verlauf; sie führte der Ge- werkschaft neue Mitglieder, wie der Partei neue Anhänger und Anhängerinnen zu. Die folgenden Versammlungen in Augsburg und Lechhausen hatten beide ein gleich gutes Resultat. Beide Orte sind eine Domäne der Textilindustrie. In Augsburg wurde das Thema behandelt:„Niedere Ar- beitslöhne, hohe Lebensmittelpreise, mindere Rechte", in Lechhausen:„Der Kampf der Arbeiterklasse gegen das mo- derne Raubrittertum". Das letztere war für die Verhält- niffe in Lechhausen allzu passend. Es scheint unmöglich, die Arbeiterschaft noch mehr auszurauben, als es hier geschieht. Frauenarbeit ist in der Textilindustrie bekanntlich über- wiegend. Bei Löhnen, die für Anfänger 80 Pf. täglich be- tragen und dann bis 1,30 Mk. steigen, für die Männer in seltenen Fällen bis zu 2 Mk., müssen die Leute mit einer Nahrung fürlieb nehmen, die oft schlechter ist als Hunde- futter. Zum Kochen eines ordentlichen Mittageffens fehlen Zeit und Mittel. Manche kaufen in einer Kantine für 10 Pf. eine sich Suppe nennende Flüssigkeit; andere wieder ziehen das bayerische Nationalgericht, in Bier gebrocktes Brot vor. Arbeiterinnen, die über die niedrigen Löhne klagten, antwortete der Werkführer zynisch, sie möchten statt des Bieres Waffer zum Brot nehmen, dann hätten sie jedesmal 12 Pf. gespart und kämen zu etwas. Die zum proletarischen Klassenbewußtsein erwachten Frauen in Lechhausen arbeiten im besten Einvernehmen mit den Genoffen rührig an der Aufklärung der Massen. Die Versammlung hatte für Ge- werkschaft und Partei gute Erfolge. Einige Frauen, die bei den„Hirschen" organisiert sind, bestellten die„Gleichheit". Hoffentlich wird die Lektüre derselben bewirken, daß sie ganz die Unseren werden. Die Augsburger Verhältnisse gleichen den Lechhausener sehr. Damit die Leute ihr Joch geduldig weiter tragen, wird an den Fabrikausgängen vom Portier den heimgehenden Arbeitern die sogmannte„schwarze Tante", das Zentrumsblatt in die Hand gedrückt. Alles dies hilft auf die Dauer nicht mehr, dem sozialistischen Gedanken den Eingang in die Köpfe und Herzen zu wehren. Eine am Tage nach der Versammlung abgehaltene Besprechung mit den Augsburger und Lechhausener Genossinnen zeigte, welch große Anzahl intelligenter Frauen bereits eifrig und dauernd tätigen Anteil an der Agitattons- und Organisationsarbeit nimmt.— In München wurde nun in der Versammlung vom 4. Oktober nach einem Referat über die Frauenkonferenz in Mannheim eine Vertrauensperson gewühlt. In einer später stattgefundenen Aussprache mit Genossinnen, der auch einer der leitenden Genossen beiwohnte, wurden die für die Agitatton nöttgen Maßnahmen erörtert. Die Hille der Münchener Genossen ist den Genossinnen sicher. Wenn die Vertrauensperson es versteht, zur Mitarbeit eine Anzahl der recht intelligenten Frauen heranzuziehen, so wird auch hier die Bewegung bald gute Fortschritte machen. In Reichen- hall fiel die Versammlung prächttg aus. Dem Fabrik- arbeiterverband sowie anderen Gewerkschaften wurde eine erhebliche Anzahl Mitglieder zugeführt, auch die Partei ge- wann neue Anhänger. Um der„Gleichheit" Eingang zu verschaffen, wird der Vertrauensmann eine Anzahl bestellen und sie durch die Kolporteure verschleißen lassen. Das be- handelte Thema:„Niedere Löhne, hohe Lebensmittelpreise und mindere Rechte" paßte auch für das herrlich gel, ne Reichenhall. Der Arbeiter hat hier während der schönen Sommerzeit weder Beschäftigung noch Brot, er mag sich von dem himmlischen Manna nähren, das ihm die Priester versprechen. Im Frühjahr wandern diese Proletarier fort, um erst im Herbst an den heimatlichen Herd zurückzukehren, denn dann müssen alle Bau- und Sttaßenarbeiten ausgeführt werden, damit der erholungsbedürftige Bourgeois bei be- ginnender Saison alles wohleingerichtet vorfindet. Im Sommer gehört Reichenhall den Reichen, die hier Leib und Seele erfrischen können. Durch die Sommergäste mögen den Hotels reiche Einnahmen zufließen, der Arbeiterschaft wird die Nahrung aber noch mehr verteuert. Das Prole- tariat lernt in der Folge dieser Verhältnisse auch hier die Klassengegensätze begreisen, es wird begehrlich. In abseh- barer Zeit hofft man, eine Vertrauensperson ausfindig zu machen, welche die Aufklärungsarbeit unter den Frauen des arbeitenden Volkes systematisch betreiben wird. Trotz der für den Ort gut besuchten Versammlung sah es in Jngol- stadt weniger hoffnungsvoll aus. Die ganze Bewegung steckt hier noch in den ersten Kinderschuhen. In dem sehr schwarzen Regensburg dagegen hat unsere Genossin Hagen bereits einen Stamm von tüchtigen Genossinnen herangebildet, die ihr bei allen Veranstaltungen, beim Werben von Gleichheitsleserinnen usw., hilfreich zur Hand gehen. Die von Genossin Hagen veranstaltete Volksversammlung war von Männern und Frauen so stark besucht, wie man es noch nie gesehen. Von Not und harter Arbeit zeugten die Gestalten der Anwesenden. Was Wunder, Rcgensburg ist die Ausbeutungsdomäne des Herrn v. Pfetten, der die Glückseligkeit seiner Landarbeiter preist, die mit dem horren- den Lohn von 1,20 Mk. auskommen. Die Industriearbeiter der Gegend wollen mit 2 Mk. nicht zufrieden sein. Auch die bisher frommen, blind glaubenden Lohnfllaven werden unzufrieden und ihrer Klassenlage bewußt. Die letzte Ver- sammlung hat dazu beigetragen, Kampfesmut zu erwecken und zu stärken, Gewerkschaft und Partei gewannen durch sie. Dem Morgenrot des Sozialismus müssen auch in Bayern die schwarzen Nachtvögel weichen. Im Proletariat erwachen die Geister, sie lernen erkennen und verstehen. Männer und Frauen treten zusammen zum gemeinsamen Kampfe, der das Elend überwinden und die Menschheit befreien wird. Ottilie Baader. Genossin Lungwitz referierte in letzter Zeit für Fra' nbildungsvereine in Rixdorf, Span- dau,.ißensee, Eberswalde, Pankow, Reinicken- Nr. 22 Die Gleichhekk 155 dorf-West. Köpenick und Luckenwalde, für die Or- ganisationen der Glas-, Hut- und Textilarbeiter und-arbeiterinnen in Weißwasser, Brandenburg a. d. Havel, Neugersdorf, Ebersbach, Bautzen, Eibau, Ostritz, Olbersdorf, Herbigsdorf, Leuters- dorf, Seifhennersdorf, Lübau und Reichenau sowie in Volksversammlungen zu Ullersdorf, Johnsdorf, Bertelsdorf, Reichenau, Zittau, Harthau, Hörnitz, Großschönau und Finsterwalde. Sie erörterte die folgenden Themata:„Die wirtschaftliche und politische Stel- lung der Frau in der heutigen Gesellschaft"',„Die wirt- schaftlichen Kämpfe und die Frau",„Der Kampf ums Da- sein". Mit Ausnahme der Versammlung der Glasarbeiter in Weißwasser und einiger Veranstaltungen des Textil- arbeiterverbandes entsprach der Besuch den gehegten Er- Wartungen. In Ostritz verfiel die Versammlung der Polizei- lichen Auflösung, weil die Referentin in ihrem Schluß- wort kritisierte, daß der überwachende Beamte einem Aus- länder das Wort entzogen hatte, welcher in der Debatte im Sinne der Referenttn sprach. Ebenso ereilte die Versamm- lung in Reichenau durch ihre Auflösung ein schnelles Ende, wo die Polizei die Worte der Rednerin als zu scharf er- achtete. Mit einem sehr starken Aufgebot suchte die Polizei von Ebersbach die heilige Ordnung zu retten, obgleich diese durch nichts gefährdet war. überall legten die Teil- nehmer reges Interesse für die Ausführungen des Referats an den Tag. B. L. Die Unterzeichnete agitierte vor einiger Zeit unter den Tabakarbeitern Mittel- und Süddeutschlands. Die Tour nahm nicht weniger als ein Vierteljahr in An- spruch. Ihr trat dabei das Elend der betreffenden Arbeiter- kategorie in seiner ganzen grausen Schärfe vor Augen, besten ausführlichere Schilderung die Leserinnen in einer späteren Nummer an anderer Stelle finden werden. Mit Freuden kann berichtet werden, daß in manchen Gegenden die Or- ganisation insbesondere unter den Arbeiterinnen über- caschend schnell Eingang findet; so zum Beispiel im Großherzogtum Hessen und speziell in Gießen und Umgegend, wo über 3000 Frauen in der Tabakindustrie be- schäfttgt sind. Es lacht einem das Herz im Leibe, wenn man die munteren, aufgeweckten Mädchen in den Versammlungen beobachtet. Alle beseelt das ernste Wollen, ihre Lage zu ver- bessern, und mit großem Eifer suchen sie sich zu diesem Zwecke zu betättgen. In W i e s e ck bei Gießen sind zum Beispiel fast alle Tabakarbeiterinnen im Deutschen Tabak- arbeiterverband organisiert. Andererorts hinwieder stellen sich der Agitation die größten Schwierigkeiten entgegen; so in Baden, in der Rheinpfalz und in Emmerich im Rheinland, wo die Geistlichen, gestützt auf die rückständigen Frauen, gegen die freien Gewerkschaften arbeiten. Nur das stärkste Solidaritätsgefühl für seine ausgebeuteten Kollegen und die größte Opferfreudigkeit ermöglichen es hier dem Gauleiter des Tabakarbeiterverbandes, mutig und unverzagt im Dienste der modernen Arbeiterbewegung zu wirken, überzeugt, daß mit der Zeit auch in den schwärzesten Ecken den Ausgebeuteten die Erkenntnis tagen wird. kl. X. Bericht von der Frauenkonferenz und dem Parteitag er- stattete Genossin Geck ihren Mandatgebern in Offen- bürg, Kehl und Zell a. H. In Offenburg zeitigte der Bericht das Resultat, daß, übereinstimmend mit einer Forderung unserer Resolution zum Schwangeren- und Wöchnerinnenschutz, eine Eingabe an den Stadtrat gerichtet wurde. Derselbe wird ersucht, von der vorzüglichen Broschüre unseres Parteigenossen Dr. Neter, Kinderarzt in Mannheim:„Mutterpflicht und Kindesrecht" eine größere Auflage kommen zu lassen und das populäre Schriftchen durch den Standesbeamten bei Hochzeiten und Geburts- anzeigen gratis zu verabfolgen. Die Eingabe ist unter- zeichnet vom Wahlverein Vorwärts und vom Gewerkschafts- kartell. M- G. Um die Aufklärungsarbeit unter den Frauen in Schles- wig-Holstein zu fördern, sprach die Unterzeichnete in Altona, Schisfsbeck, Pinneberg, Sanden, Itzehoe, Lägerdorf, Büdelsdorf und Stackelsdorf. Rauh und steinig ist der Boden für unsere Agitatton in dieser Gegend, die zum großen Teil einen ländlichen Charakter trägt. Viel Arbeit und Mühe kostet es da, um den Idealen Eingang zu verschaffen, denen das Proletariat zustrebt. Der Mensch- heil ganzer Jammer faßt einen an, wenn man hier sieht, was die Auswucherung der menschlichen Arbeitskraft an leiblichem und geistigem Elend sündigt. Die unmenschlich lange Arbeitszeit trägt ganz besonders dazu bei, dem Schnaps- teufel Opfer in die Arme zu treiben. Es bedürfte der Feder eines Zola, um die grausen Bilder zu beschreiben, die sich dem Beobachter darbieten. Nur der Sozialismus kann hier bessernd und erzieherisch wirken. Den Genossinnen in Schleswig-Holstein steht ein schwer zu beackerndes, aber großes Feld der Tätigkeit offen. Die Versammlungen lassen hoffen, daß sie mit Eifer ihrer Aufgabe sich widmen werden. In Pinneberg lasien es sich die Genossen besonders ange- legen sein, eine Bewegung unter den Proletarierinnen in Fluß zu bringen. M. Zeetze. Im Nordwesten Deutschlands agitierte die Unterzeichnete, um die Frauen für den Sozialismus zu gewinnen. Sie sprach in Solingen, Gräfrath, Wald, Ohligs. Köln. Kalk, Mülheim, Dünnwald, Porz, Düren, Aachen, Viersen, Gladbach und Vingst. In Solingen. Köln, Mülheim, Vingst und Aachen waren die Versammlungen überfüllt. In den anderen Orten war ihr Besuch ein mittel- mäßiger. Berücksichtigt muß hierbei werden, daß die Frauen- bewegung in den betreffenden Orten noch jungen Datums ist und mit sehr vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der Klerus herrscht hier so, daß die Frauen aus Furcht vor dem Hauswirt nicht wagen, sich die„Gleichheit" ins Haus bringen zu laffen. Unsere Zeitung hat trotz alledem neue Leserinnen gefunden, ein Beweis, daß es auch hier vorwärts geht. M. Zeetze. Neben der gewerkschaftlichen Organisattonsarbeit hat in Nürnberg in letzter Zeit auch die Agitation für die poli- tische Aufllärung und Organisierung der Proletariermnen kräftig eingesetzt. Zwei gut besuchte öffentliche Frauen- Versammlungen fanden statt, von denen eine Stellung zur Frauenkonferenz und zum Parteitag in Mannheim nahm und die zweite Genossin Grünberg als Vertrauens- person der Genossinnen wählte. In den Versammlungen meldeten sich 75 Abonnenttnnen fiir die„Gleichheit" und 50 Zahlerinnen freiwilliger Parteibeiträge. Zur besseren Schulung der Genossinnen sollen Leseabende eingerichtet werden. Zur Förderung der gewerkschaftlichen Organisierung der Arbeiterinnen referierte Genossin Grünberg in Nürn- berg für die Organisationen der Konditoren und Leb- küchnerinnen, der Handlungsgehilfinnen, Fa- brikarb eiterinnen, Dienstmädchen, Wasch- und Putzfrauen, in Mannheim, Frankfurt a. M. und Schafheim i. Taunus für den Deutschen Schneider- verband.— Eine Volksversammlung in Laden- bürg bei Mannheim erfreute sich einer außerordentlich großen Beteiligung von Frauen und Mädchen, ebenso eine Versammlung in Regensburg.— In Roth a. S. wurde in einer äußerst gut besuchten Versammlung mit der Tages- ordnung:„Was treibt die Frauen in die Öffentlichkeit?" Genossin Ney als Vertrauensperson gewählt und in der Diskussion auf die„Gleichheit" verwiesen, die man nicht nur abonnieren, sondern auch lesen solle.+ Eine öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse fand kürzlich in München statt. Der Versammlungssaal war dicht besetzt. Die Einberuferin ge- dachte eingangs in warmen Worten der so früh dahin- geschiedenen Genossin H eid en-Deutschmann, die mit dem größten, selbstlosesten Eifer für die Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung in München gewirkt hat. Genossin Baad er- Berlin referierte über„Die Frauen- konferenz in Mannheim" und fand mit ihren von warmer Begeisterung getragenen Ausführungen lebhaften Beifall. Bei der Erörterung der dort behandelten Fragen ermahnte siö außer den Genossinnen die Genoffen, für die Verwirk- lichung der aufgestellten Forderungen mitzukämpfen. Zur Schulung der Genossinnen empfahl sie besonders die„Gleich- heit" und schlug zur Durchführung einer systemattschen Agitation unter den Proletarierinnen die Wahl einer weib- lichen Vertrauensperson vor. In der Diskusston machte es Genossin Schmitz den Genoffen zur Pflicht, die Frauen zum Lesen der Arbeiterpresse anzuhalten. Sie forderte die Ge- nossinnen auf, sich zu organisieren, und schilderte die Vor- teile der Konsumvereine, speziell des Konsumvereins München- Sendling, die Genossinnen angesichts der Lebensmittel- Verteuerung zum Beitritt zu demselben ermunternd. Genosse Alberty ermahnte die anwesenden Genoffen, der Frauen- bewegung keine Hindernisse in den Weg zu legen, sondern ihre Frauen und Töchter zu deren Unterstützung und zum Einttitt in den Frauenbildungsverein anzuspornen. Genossin Baader stimmte in ihrem Schlußwort dem Vorredner zu, riet aber den organisierten Frauen, sich nicht auf die Mit- arbeit der Männer zu verlassen, sondern selbst unermüdlich für den Frauenbildungsverein zu agitieren. Die Ver- sammlung wählte darauf als Vertrauensperson Genossin Mau er er, welche die Wahl dankend annahm mit der Bitte an die anwesenden Genossinnen, sie in ihren Arbeiten zu unterstützen. Wie eS um das Koalitionsrccht der Arbeiter und Arbeiterinnen in Braunschweig bestellt ist, das wurde kürzlich wieder einmal mit aller Deutlichkeit illustriert. Die Verwaltungsstelle Braunschweig des Verbandes der Fabrik- arbeiter läßt sich besonders angelegen sein, Licht in die Köpfe der Arbeiterinnen der Konservenindustrie zu bringen- Braunschweig ist bekanntlich ein Hauptzenttum der deutschen Konservenindustrie, aber durchaus kein Dorado für die be- treffenden Arbeiter. Das begreifen diese mehr und mehr. wiejdie andauernde Zunahme von Mitgliedern beweist, welche der Verband in Braunschweig gewinnt. Erfreulicherweise steigt auch die Zahl der Arbeiterinnen immer mehr, welche ihrer Gewerkschaft beitreten, weil sie zum Bewußtsein ihres Menschentums erwacht sind. Genossin Zeetze war jüngst damit beauftragt worden, im Braunschweiger Ländchen durch mehrere Versammlungen die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiterinnen in der Konservenindustrie zu fördern. Die erste Versammlung sollte an einem Sonntag stattfinden. Daß das Kapital seine eigenen Gesetze macht, trat besonders kraß an jenem Sonn- tag in Erscheinung.'Das dritte Gebot:„Du sollst den Feiertag heiligen", können die Arbeiterinnen und Arbeiter der Braunschweiger Konservenindustrie nur selten befolgen. Der Zufall fügte es, daß sie auch an jenem Sonntag auf Geheiß der Unternehmer schaffen mußten, wofür sie das Vergnügen hatten, am Montag auszusetzen. Die auf einen Wochentag einberufene zweite Versammlung war überfüllt, aber sie konnte nicht ungestört ihrer Aufgabe genügen, Auf- flärung unter die Ausgebeuteten zu tragen. Dafür sorgte der aufsichtführende Beamte. Er löste die Versammlung auf wegen der geübten Kritik an bestehenden Staatseinrichtungen. Wie beruhigend und das Ansehen der Staatseinrichtungen stärkend diese Maßnahme wirkte, lehrte der Augenschein. Stundenlang standen Arbeiter und Arbeiterinnen dicht ge- drängt im Hofe und vor dem Gewerkschaftshause. Nur das besonnene Auftreten der Versammlungsleiter und das Ver- sprechen, daß die Unterzeichnete an einem anderen Abend referieren würde, bewirkten, daß die Menge sich ruhig ver- hielt und allmählich ruhig ausemanderging. Um für die nächste Versammlung die Atiflösungsgelüste von vornherein zu dämpfen, wurden gleich zwei Versammlungen angemeldet, eine für V«9, die andere um V«10 Uhr. Die Veranstaltung, welche sich natürlich wieder eines außerordentlichen An- drangs erfreute, nahm einen ungestörten und befriedigenden Verlauf. In Broitzem und Wolfenbüttel fühlten sich die Stellvertreter Gottes auf Erden ebenfalls verpflichtet, den Staat zu retten. In beiden Orten wurde die zuerst einberufene Versammlung von den Behörden vereitelt, so daß eine zweite Versammlung angemeldet werden mußte. Der Ortsgewaltige von Broitzem erklärte:„Der Kampf um kulturwürdige Menschenexistenz" ist ein politisches Thema, ergo verbiete ich die Versammlung, in der es behandelt 'erden soll. In Wo Isenbüttel durfte die Versammlung deshalb nicht stattfinden, weil der eine Unterzeichner der Versammlungsanmeldung nicht wahlberechtigt zu den Kommu- nalwahlen war.(Eine Anmeldung muß dort nämlich von drei Bürgern unterzeichnet sein.) Für den Mann heißt es: „Steuern zahlen und den Mund halten". Die Behörden des Großstaats Braunschweig sind die besten Agitatoren für die moderne Arbeiterbewegung. Es leben unsere Freunde, die Feinde! M. Zeetze. Politische Rundschau. Ms nach der Verjagung Napoleons aus Deutschland der Kurfürst von Hessen wieder in seine Residenz Kassel einzog, um seine Landeskinder von neuem mit den Nichtswürdig- leiten des absoluttstischen Regiments zu beglücken und alle alten Mißbräuche der verzopften Bureaukratenwirtschaft wieder aufleben zu lassen, sprang aus der ehrfürchttglich am Wege harrenden Untertanenschaft ein ehemaliger kurfürst- licher Beamter hervor, schwenkte seinen Zopf und rief be- geistert:„Euer kurfürstliche Gnaden! Ich Hab' ihn noch!" Man kann sich denken, wie dem geliebten Landesvater das Herz pupperte ob dieser Betätigung eines echten Patriottsmus- Wo so unausrottbar der Zopf gedieh trotz aller Umstürzeleien der Zwischenzeit, da durfte er hoffen, auch fernerhin gute Geschäfte mit der Verschacherung seiner Untertanen in fremde Kriegsdienste machen und ein ebenso fidcles Leben führen zu können wie der Zwischenregent von Napoleons Gnaden auf dem Kasseler Dhrönchen, König Jörome, der durch seinen Wahlspruch:„Morgen wieder lustik!" seine Gleichwerttgkeit mit den angestammten Landesvätern klar erwiesen hatte. Der Zopf blieb denn auch fortan das Symbol des kurfürstlichen Regiments in Hessen; aber nicht nur des kurfürstlichen dort, sondern des landesfürstlichen Bureau- kratenregiments in ganz Deutschland. Völlig wurde er nie abgeschnitten. Und wenn man ihn etwas stutzte, wie 1843, da ist er stets wieder nachgewachsen und üppig gediehen in der Stickluft der Höfe, der Kasernen und der amtlichen Schreibstuben. Hundert Jahre sind verflossen, seitdem bei Jena und in den Tagen nachher das junkerlich-bureaukratische Zopfregiment in Preußen schmählich zusammenbrach. Aber wenn heute Friedrich Wilhelm III., der„nüchterne Duckmäuser", wie ihn Heine genannt hat, mit seinen Gene- ralen Braunschweig und Hohenlohe, mit dem junkerlichen Gesindel der Haugwitze, Köckeritze und Marwitze wieder ein- rücken könnte in sein Reich, so viel wackelnde Zöpfe würden sein landesväterliches Herz erfreuen, daß er sich getrost dem Glauben an die ewige Fortdauer des Junker- und Bureau- kratenregiments hingeben dürfte. Das Zopfregiment ent- geht keinem Beobachter, der nur mit offenen Augen die Zeitereignisse an sich vorüberziehen läßt. Am wenigsten bleiben wir Sozialdemokraten uns darüber im unklaren. Aber wie zur Feier des Hundertjahrestages von Jena ist das noch extra bestätigt worden durch die Denkwürdig- leiten des verstorbenen dritten Reichskanzlers, Fürsten Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, die sein Sohn Alexander gerade jetzt hat erscheinen lassen. Die vollendete Nichtigkeit, Hohlheit und Jämmerlichkeit der Hofgesellschaft und der höheren Bureaukratte tritt darin so deutlich und unableugbar zutage, daß ein Wutgeheul durch die deutschen Amtsstuben und die Vorzimmer der Höfe ging. Daß ein solches fortlaufendes Intrigenspiel, wie Onkel Chlodwig es schildert, in den sogenannten maßgebenden Kreisen auf den Gang der Politik entscheidenden Einfluß ausübt, ist zwar bei uns nichts Neues, aber von großer Be- deutung ist es doch, daß eine anerkannte Autorität aus jenen Kreisen selbst, ein Reichskanzler sogar, deren Nichtigkeit wie seine eigene Nichtigkeit ausdrücklich bestätigt. Für unsere Aufklärungsarbeit liefern die Memoiren wertvolles Material. Noch wertvoller womöglich für die Aufklärung des Volkes über das Verderben, das ihn: der verkappte Absolutismus der Junkerherrschaft mit seinen Werkzeugen Bureaukratismus und Militarismus bereitet, ist das Blitzlicht, das ein Anonymus auf unsere Zustände nicht durch ein Buch, sondern durch eine kühne Tat geworfen hat. Der PseudoHauptmann von Köpenick hat zwar seine geniale Eroberung einer preußischen Stadt nur geplant und durchgeführt, um sich selbst durch einen kühnen Räuberstreich di» Taschen zu füllen. Die Wirkung seines Handstreichs geht aber weit hinaus über seine eigenen Absichten. Er hat don Militarismus und Bureaukratismus in ihrer ganzen Gemeingefährlichkeit entlarvt. Er hat aber auch den Beweis geliefert, daß das Bürgertum sich der Herrschaft der junkerlich-bureaukratisch- militaristtschen Regierungskaste widerstandslos ausliefert. mag sie auch in noch so absurder Form und mit noch so ungesetzlichen Ansprüchen an die Untertanenschaft herantreten. Und der ganze Vorgang ist obendrein von so überwältigen- der Komik, daß er die unbändigste Heiterkeit in der ganzen zivilisierten Welt erweckt. Man braucht nur die Tatsachen aneinander zu reihen: 156 Die Gleichhett Nr. 22 Ein Spitzbube in mittlerem Lebensalter fauft sich in| 131 416 Mt. Der Konsumverein Frankfurt a. M. verwendung dieser Maschine einen Fortschritt, so wirkte die Trödelgeschäften die Uniform eines Hauptmanns im 1. Garde- zeichnet eine Zunahme der Mitglieder von 5480 auf 8635, Ersetzung der einfachen Bügelmaschine durch die neuen regiment zusammen, fährt dann am 16. Oktober morgens der Verkaufsstellen von 15 auf 28, des Umfazes von 695 100 Dampfpreffen geradezu revolutionierend. Beim Bügeln der nach Köpenick, einer Stadt von 28000 Einwohnern, etwa auf 1113 600 Mt., wozu 694 600(+ 201 000) Mt. im Liefe- Oberhemden auf der einfachen Maschine wurde lediglich der 15 Kilometer östlich von Berlin, die für seine Zwecke deshalb rantengeschäft kommen. Der Konsumverein Neustadt- Einsatz vorgebügelt, jetzt dagegen werden dank der Anbesonders geeignet ist, weil sie feine Garnison hat, so daß ihm Magdeburg konstatiert für das erste Halbjahr 1906 einen wendung der neuen Maschinen auf diesen die Oberhemden dort schwerlich ein höherer Vorgesetzter in den Weg laufen Umfaß von 2338 000 Mt., das sind 179 500 mt. mehr als ganz fertiggestellt. Die Verwendung der neuen Maschinen kann. Er baldowert dort, immer in der Hauptmannsuniform, in der gleichen Zeit des Vorjahres. Danach hat der alt hatte außerdem noch eine weitgehende Arbeitsteilung zur die Ortsgelegenheit für sein Vorhaben aus und fährt gegen bewährte Verein den Rückschlag, den eine strupellose Agi- Folge. Da ist eine Hals- und Handbördchenpresse, eine EinMittag mit der Eisenbahn über Rummelsburg, etwa andert- tation der Mittelständler und die Vergewaltigungspolitik der satpresse, eine Armel- und Rumpfmaschine. Die weitgehende halb Stunden Fahrt, nach der nördlich von Berlin gelegenen Staatsbehörden im letzten Geschäftsjahr verursacht hatten, Arbeitsteilung macht die gelernten und geübten Büglerinnen Schwimmbadeanstalt Plößensee, wohin außer der von Unter- wieder ausgeglichen und schreitet, aller planmäßigen Ver- überflüssig, da es feiner großen Geschicklichkeit zur Bedienung offizieren befehligten Wache um diese Zeit kein Militär zu leumdungen seiner echt national und christlich gesinnten dieser Maschinen bedarf. So sind denn bei K. die geübten kommen pflegt. Um die Zeit der Mittagsablösung erscheint Feinde ungeachtet, kräftig vorwärts. Der Verein unterhält Büglerinnen nach und nach ersetzt worden durch jugendliche er im Wachtlokal und ordnet an, daß die abgelöste Wach- eine Bibliothek von über 8000 Bänden, aus der im Jahre Arbeiterinnen, durch Kinder von 14 Jahren an. Die Firma mannschaft ihm zu einer wichtigen Verhaftung" zu folgen 1905 zusammen 26 984 Bücher entliehen wurden. So weisen spart außerordentlich an Lohn, und doch ist die Leistungshabe, die er„ auf allerhöchsten Befehl" vornehmen müsse. die meisten Berichte ein gesundes Gedeihen auf, trotzdem die fähigkeit ihres Betriebs außerordentlich gestiegen. Sechs Der Kadavergehorsam, auf den der Herr Hauptmann spefu- überall zu konstatierende Verteuerung der notwendigen Arbeiterinnen stellten mit der einfachen Maschine täglich liert, tut seine Dienste. Es klingt zwar ziemlich unwahr Lebensmittel einen Rückgang der Kauftraft der Massen durchschnittlich 160 bis 170 Oberhemden fertig, mittels der scheinlich, daß der Kaiser einen Gardeoffizier nach Plößensee, bewirkt hat, der auch durch die teilweise erfolgte Erhöhung der neuen Maschine sollen sie täglich 250 bis 300 liefern können. ausgesucht nach der Schwimmbadeanstalt Plößensee, geschickt Löhne nicht wettgemacht wird.- Hand in Hand mit einer Schon in den ersten Wochen nach Inbetriebnahme der Mahaben sollte, um sich dort Mannschaften zu einer Verhaftung Zoll- und Sperrpolitik, die den Verbrauch der Armsten ver- schinen wurden 220 Hemden täglich geliefert. Der Vorteil zu holen, aber was ist nicht alles möglich? denken Unter- mindert, um den Reichsten neue Reichtümer zuzuschanzen, der Firma ist ohne weiteres einleuchtend. Die wöchentliche offizier und Soldaten, und dann: der Fremdling steckt in der geht unter der Flagge des Mittelstandsschutzes in immer Ersparnis an Arbeitslohn ist trotz der gesteigerten LeistungsOffiziersuniform, der jeder Soldat unweigerlich zu parieren mehr deutschen Staaten obenan natürlich Sachsen und fähigkeit des Betriebs eine immense. Welche Folge hat jehat. Das Risiko, das er bei einer nach Urteil des Militär- Preußen ein Steuersystem, das den Arbeitern ihre doch die Umwälzung der alten Arbeitsmethode durch die gerichts ungerechtfertigten Gehorsamverweigerung läuft, steht durch Selbsthilfe gewonnene Ersparnis zu vermindern oder Einführung der neuen Maschinen für die Arbeiterinnen ge= mit seiner grausamen Bestrafung in gar feinem Verhältnis ganz zu fonfiszieren strebt, um dem„ gesunden Mittelstand" habt? Zunächst eine gesteigerte Unsicherheit der Eristenz; zu der geringfügigen Möglichkeit, sich zu schädigen, wenn der Zwischenhändler sein parasitisches Dasein zu verlängern denn ungelernte Arbeiterinnen sind leichter zu ersetzen, als der Soldat einem auch noch so unsinnigen Befehl Folge und zu verschönern. In zutreffender Weise äußert sich ausgelernte und eingearbeitete Büglerinnen. Das Gespenst leistet, daß die Unterwerfung der Wachmannschaft unter über diesen steuerpolitischen Unfug Dr. Reinhold Riehe, ein der Arbeitslosigkeit steht daher drohender vor der Tür der das Belieben des Kerls, der in der Gardehauptmanns gründlicher Kenner dieses Gebiets, in einem beachtenswerten Arbeiterinnen als früher. Zweitens die Herabdrückung des uniform steckt, als Ausfluß des borussischen Militarismus Aufsatz,* in dem er zum Schlusse erklärt:" Der letzte Grund Lohnes. Die Büglerinnen hatten bisher durchschnittlich einen vollkommen begreiflich ist. Den Unteroffizier entläßt der der schmählichen Behandlung der deutschen Konsumvereine Lohn von 17 bis 20 m. wöchentlich, die jugendlichen ArHauptmann vorsichtshalber, damit er über den Verbleib der liegt.. in dem Mangel einer allgemeinen staats- beiterinnen erhalten 6 bis 9 Mt. Neben fünf ungelernten Wachmannschaft in der Kaserne Auskunft geben kann. Auch bürgerlichen Moral. Der Brite fordert für sich und seinen Arbeiterinnen zur Bedienung der Maschinen sind jetzt nur dort findet bezeichnenderweise die wundersame Geschichte von Mitbürger das Recht auf den wirtschaftlichen Gebrauch noch zwei Büglerinnen zum Zufalten der Hemden notdem Kabinettsbefehl Glauben. Auf dem Wege von Plößensee seiner Anlagen und Fähigkeiten. In Deutschland aber wendig. Drittens ist die Arbeit eine intensivere und anzum Nordringbahnhof Putligstraße greift der Hauptmann noch gibt es noch viele Menschen, die vom Staate Förderung strengendere geworden. Es ist mehr Dampf, eine größere vier Mann der abgelösten Wachmannschaft vom Schießstand für sich und Hemmung für den Nächsten verlangen. Hize vorhanden, die Luft ist noch ungesunder geworden als Jungfernheide auf und fährt dann mit seinem nunmehr auf Die Kapitulation der Gesetzgebung vor dieser Unmoral im früher. Das Bedienen der Maschinen erfordert eine größere zehn Mann, darunter zwei Gefreite, angewachsenen Ex- Kampfe gegen die konsumgenossenschaftliche Form der Unter- Kraftanstrengung. Das Inbewegungseßen der Pressen mit peditionskorps wieder über Rummelsburg nach Köpenick. nehmung ist eine bitterernste Mahnung, um unermüdlich an dem rechten Fuße bedingt eine außerordentliche Anstrengung Hier bestärkt er die Mannschaften in dem Zutrauen zu seiner der Herausbildung eines staatsbürgerlichen Gewissens im des Unterleibs, desgleichen das Einschieben der Wäsche unter geheiligten Person dadurch, daß er ihnen in einer Wirt- deutschen Volfe zu arbeiten. Nur wer Stlaven in Deutsch- die Presse. Unterleibsleiden der Arbeiterinnen werden nicht schaft Mittagessen verabreichen läßt, und geht mittlerweile land wünscht, kann die Gesetzgebung gegen die Konfum- ausbleiben, ebensowenig wie Krampfadern und Bleichsucht. selbst hin, um zwei Droschten nach dem Rathaus zu be- vereine anrufen." Wenn der Verfasser noch einige Jahre Die niedrigen Löhne und die dadurch bedingte schlechte Er ordern. Dann führt er die zu großen Taten gestärkten versucht hat, das staatsbürgerliche Gewissen" der deutschen nährung werden die Gesundheitsschädigungen schneller und Krieger, nachdem er sie hat scharf laden lassen, zum Rat politischen Geschäftsleute und Geschäftspolitiker herauszu stärker eintreten lassen. Möchten die Arbeiterinnen bei K. haus und besetzt die Türen. Da besteht die Allmacht des bilden, dann wird er wohl auch den engen Zusammenhang recht bald versuchen, durch den Eintritt in die Gewerkschaft, Offizierrocks ihre zweite Hauptprobe: Polizei und Gendarmen zwischen der Behandlung der Konsumvereine und der übrigen durch den Zusammenschluß diesen herabdrückenden Tendenzen fügen sich widerspruchslos den Anordnungen des Haupt- Arbeiterpolitik im Lande der Gottesfurcht und frommen der fapitalistischen Entwicklung entgegenzutreten, um sich ein manns, der ihnen absolut nichts zu sagen gehabt hätte, Sitte und damit auch die der Schule Brentanos so verhaßte besseres Los zu erringen. Unsere Elberfelder Genossinnen selbst wenn er echt gewesen wäre. Sie halten das Eigenart der deutschen Arbeiterbewegung verstehen gelernt werden gewiß gern bereit sein, ihre Agitation auch auf die „ Volk" zurück, das sich zu Hunderten ansammelt. Sogar ben. Möchte nur auch in den Kreisen der Arbeiterbewe in Betracht kommenden Arbeiterinnen zu erstrecken, da aus Verhaftungen ruhestörender Untertanen werden vorgenommen, gung selbst das Verständnis dieser Zusammenhänge überall den Reihen der Büglerinnen felbft infolge ihres starken Abdamit der Herr Hauptmann in seiner Staatsattion nicht ge- vorhanden sein! Eine so bedauerliche Zurückhaltung, wie hängigkeitsgefühls dem Unternehmer gegenüber der Anstoß stört wird. Der Hauptmann verhaftet den Bürgermeister, sie noch immer in weiten Kreisen namentlich der Berliner zur Organisation wohl kaum kommen wird. der nach einigen Widerreden und nachdem sein berechtigtes Arbeiterbewegung dem Genossenschaftswesen gegenüber geVerlangen, den Haftbefehl zu sehen, abschlägig beschieden übt wird, wäre dann unmöglich. war, sich in sein Schicksal fügt, da der Hauptmann mit Ge- Derselbe Verfasser widerlegt in einem fesselnd geschriewalt droht. Der Bürgermeister wird in gnädigst gestatteter benen Berichte Konsum- Genossenschaftliches aus Begleitung seiner Frau per Droschke nach der Neuen Wache Größer- London"( R. R. Nr. 38) die auch in Berlin oft in Berlin expediert. Da er betont, Reserveoffizier zu sein, gehörte Fabel, als sei die Großstadt kein Boden für die berg, die am 17. September im Tivolisaal tagte, war sehr nimmt ihm der humorvolle Hauptmann schleunigst sein genossenschaftliche Entwicklung. Wenn in dem Riesen- stark besucht. An der Hand reichen Materials wies GeEhrenwort ab, daß er unterwegs nicht entweichen will. komplex der Weltstadt London, der 7 Millionen Menschen nofsin Grünberg in ihrem Vortrag über„ DienstbotenEbenso wird mit dem Kassenrendanten verfahren, der auf umfaßt, so großartige, nach Umfang, Leistung und innerem elend und Unsittlichkeit" auf die vielen Gefahren hin, Kommando die Bücher abschließt und den Kassenbestand, Gehalt vorbildliche Gebilde wie die Konsumvereine in denen die Dienstmädchen von seiten ihrer Dienstherren, deren rund 4000 Mt., dem gestrengen Herrn Hauptmann aus Stratfort( mit 15 300 Mitgliedern, fast 4 Millionen Mart Söhnen und Freunden ausgefeht find. Als schlagende händigt. Köstlich ist noch, daß ein höherer Polizeibeamter, Anteilskapital und 7,4 Millionen Mark Umsatz) und Wool- Widerlegung der weit verbreiteten Annahme, daß die Dienstder zwischendurch im Rathaus erscheint, sich von dem neuen wich( 26 000 Mitglieder, 7,3 Millionen Kapital und 10,8 Mil- mädchen in sittlicher Hinsicht weitaus nicht in dem Maße Herrn der Stadt Urlaub zum Baden ausbittet und auch lionen Mark Umsatz, 996 Angestellten, 61 Läden, großartige gefährdet seien wie die Fabritarbeiterinnen, führte die Refehuldvollst bewilligt erhält. Als so alles nach Wunsch ge- Bäckerei, Fleischerei, Molkerei, Schneiderei, Schuhmacherei 2c., rentin eine Statistik von Dr. Stillich an. Nach derselben gangen, verläßt der Hauptmann unter ehrfurchtsvollem 20 000 Mt. Ausgaben für Erziehungszwecke und anderes) waren in Berlin von 1869 unter fittenpolizeilicher Kontrolle Grüßen der Beamtenschaft in Zivil und Uniform mit den möglich sind, dann ist das bei gutem und ausdauerndem stehenden Mädchen 1026, also 60 Prozent Dienstmädchen 4000 Mt. das Rathaus, nachdem er den Soldaten befohlen Willen auch im Berliner Gebiete möglich. Ist doch auch oder frühere Dienstmädchen, dagegen nur 843 Fabrikarbeitehat, noch eine halbe Stunde lang den Schauplatz seiner hier, ähnlich wie in Groß- London, in einer Reihe gutstehen- rinnen oder Näherinnen. Die wenigen gefeßlichen Rechte, Großtat besetzt zu halten, und verschwindet, eine leere Stadt der Vorortvereine ein Grund gelegt, auf dem umso sicherer die dem Gesinde im Falle unfittlicher Zumutungen zustehen, tasse zurücklassend. und erfolgreicher weitergebaut werden kann, je mehr zumal bie proletarischen Frauen die Bedeutung echter genossenschaftlicher Aktion für Familie und Klassenlage er kennen und entsprechend handeln. Simon Kazenstein. In die Blamage teilen sich Militarismus, Bureaukratie und bürgerliche Gesellschaft. Der Sozialdemokratie, die seit jeher die Zustände bekämpft hat, aus denen solch lächerliche Blamagen erwachsen können, ist aber mit der Komödie von Köpenick eine neue Waffe in die Hand gegeben. Unsere Partei wird auch diese Waffe im Kampfe gegen das verderbliche absolutistische Regierungssystem zu führen wissen, bis es vernichtet zusammenbricht mit allen seinen Greueln und Lächerlichkeiten. Genossenschaftliche Rundschau. G. L. " Notizenteil. Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Dienstbotenfrage. Frida Gewehr. Eine allgemeine Dienstbotenverfammlung in Nüruwagen die Mädchen aus Furcht vor Entlassung meist nicht geltend zu machen, und so sind sie fast vollkommen schutzlos den Budringlichkeiten der männlichen Mitglieder der Herrschaft preisgegeben. In ungezählten Fällen kommt es dahin, daß das Mädchen als Geschwängerte unter Schimpf und Schande das Haus verlassen muß. Ohne Aussicht, in seinem Zustand eine neue Stellung zu erhalten, ohne Mittel für seinen Lebensunterhalt wird es durch die Not gezwungen, feinen Leib zu verkaufen. Nur allzu begreiflich ist es da, Zur Einführung des Maschinenwesens im Wäscherei- wenn die also Ausgestoßene zur Mörderin ihres Kindes betrieb. Die wirtschaftstechnische Entwicklung bringt in der wird. Sie, die die forfältige Pflege und liebevolle Behandheutigen Gesellschaftsordnung für den Unternehmer großen lung gesehen hat, welche der gnädigen Frau" im WochenNutzen, für die Proletarier aber überarbeit und Herab- bett zuteil wird, muß unter den furchtbarsten Bedingungen Den Fortschritt der Konsumgenossenschaftsbewe- drückung der Löhne. Ein Beispiel dafür bietet die Wasch gebären, und alle Gefühle der Mutterliebe werden durch die gung befunden wieder die weitaus meisten Jahres- und anstalt von R. in Elberfeld, welche durch die Einführung Frage übertönt, wie sie, die ihr eigenes Leben kaum fristen Halbjahresübersichten, die in letzter Zeit veröffentlicht worden des Maschinenwesens in wenigen Jahren einen so großen kann, ein zweites versorgen soll. Ganze Bände können darsind. So hat der Spar- und Konsumverein Stuttgart im Aufschwung genommen hat, daß sie augenblicklich als die über geschrieben werden, welches Schicksal den unehelichen letzten Geschäftsjahr seine Mitgliederzahl von rund 21 900 größte und modernste Waschanstalt von Rheinland und West- Kindern blüht, die den berüchtigten Engelmacherinnen überauf 23 900( das ist um 9% Prozent), seinen Umsatz im eigenen falen gilt. Anfangs wurde bei R. wie überall nur mit der geben werden. Genossin Grünberg forderte die Mädchen Geschäft von 5 746 000 auf 6 643 000 mt.( um 896 650 Mt. Sand gebügelt. Die Einführung der einfachen Bügelmaschine auf, sich durch keine falsche Scham abhalten zu lassen, alle gleich 15 Prozent) erhöht. In eigener Produktion ersparte bereits viel Arbeit und erhöhte ungemein die unfittlichen Angriffe von seiten der Dienstherrschaft sofort ( Bäckerei und Teigwarenfabrikation, Wein- und Mosttelterei, Leistungsfähigkeit des Betriebs. Bedeutete schon die An- zur Anzeige zu bringen, und machte darauf aufmerksam, daß dieselben in Bayern zum sofortigen Verlassen des Herstellung von Selterswasser und Limonaden) wurden für Dienstes berechtigen. Die Referentin bezeichnete als Grundübel das Wohnen der Mädchen bei den Herrschaften, das eigentlich durch ein Gesetz verboten werden müßte. Da aber 1 275 800 Mt. Waren hergestellt, darunter 3978 500 Kilo Bom Rechtsstandpunkt bis zum wirtschaftspolitischen Aus Brote. Der Verein beschäftigte 290 Personen. Der Rein- nahmegesetz in der Besteuerung der Konsumvereine". Konsum überschuß ergab 660 600 Mt., die Steuerbelastung betrug genossenschaftliche Rundschau" Nr. 39. Nr. 22 Die Gleichheit 157 Frauenstimmrecht. " 0. n Einige vorläufig noch keine Aussicht vorhanden ist, ein solches Gesetz fierten. Als Momente, die die Organisierung der Frauen| tariats tun, der muß aus der Gemeinschaft von Damen ausdurchzubringen, so fordern wir wenigstens das Erreichbare: erschweren, erachtete die Referentin den Mangel an Berufs- scheiden, deren Klasseninteresse dem der Proletarierinnen gesunde, den Ansprüchen der Hygiene genügende Schlaf- interesse, ungenügende Vorbildung, Isoliertheit, überbürdung diametral entgegensteht. räume, welche von innen verschließbar sein müssen und unter durch den Beruf, durch Hauswirtschaft und Mutterschaft so- Die 7. Generalversammlung des Bundes deutscher ständiger Kontrolle der Behörden stehen. Um dieser For- wie die niedrigen Löhne. Frauenvereine hat vom 4. bis 7. Oktober in Nürnberg derung Nachdruck zu verleihen, ist es vor allem notwendig, Wenn auch die Arbeiterinnenbewegung ein Teil des getagt. Sie nahm die Berichte der verschiedenen Arbeitsdie Dienstboten aufzuklären. Das geschieht am besten durch Klassenkampfes sei, so führte Frau Dullo weiter aus, so fommissionen entgegen und beschäftigte sich in der Hauptunermüdliche Agitation für die Organisierung der Dienen gebe es doch eine Reihe besonderer Frauenforderungen, zu fache mit der Beratung der Reorganisation des Bundes. den und ihre Aufklärung, die in Versammlungen und durch deren Verwirklichung die bürgerliche Frauenbewegung mit" Radikale" und" Gemäßigte" haben dabei ihre Kräfte um das Lesen der„ Gleichheit" gefördert wird. + ihrer Mitarbeit eingreifen könne. Die schwierigste und den ausschlaggebenden Einfluß in der großen Organisation wichtigste der vorliegenden Aufgaben sei die Organisation der gemessen. Die„ Radikalen", die noch immer bedeutend in Arbeiterinnen. Ihr gegenüber müßte man sich flar werden, der Minorität sind, hofften durch die Reorganisation die welche der drei gewerkschaftlichen Organisationsarten den Möglichkeit zu erlangen, den„ Bund" zu einem kräftigeren Die Bewegung für das Frauenwahlrecht in England Frauen zum Eintritt zu empfehlen sei. Die Antwort auf und rascheren Vorgehen im Kampfe um die Gleichberechti hat in den letzten zwei Monaten in sozialistischen Kreisen diese Frage sei eine Frage persönlicher Anschauung. Nach gung der Geschlechter zu veranlassen. Die„ Gemäßigten" einen Rückschlag erfahren. Zwei der Rednerinnen der ihrer Meinung würden in den freien Gewerkschaften strebten ihrerseits danach, durch die Reorganisation den sozialistischen Frauen, Fräulein Pankhurst und Fräulein die Interessen der Arbeiterinnen am wirksamsten vertreten, maßgebenden Einfluß und die bisherige Taktik zu erhalten, Billington, haben während der parlamentarischen Nach- weshalb sie den Arbeiterinnen den Eintritt in diese empfehlen die im Zeichen der Rücksicht auf die sogenannten„ Wohlwahl in Cockermouth, an der Genosse Smillie als möchte. fahrtsvereine" steht, die keine ausgesprochen frauenrechtleKandidat der Bergleute beteiligt war, nicht wie Sozialistinnen, Die honorige Damengesellschaft nahm den Vortrag mit rischen Kampfesziele verfolgen. Der Form nach sind die sondern wie Frauenrechtlerinnen gehandelt. Sie fuhren nach Beifall auf, bewies aber durch die anknüpfende flägliche Radikalen" unterlegen, immerhin scheint es, als hätten sie dem Wahlkreis, um dort angeblich für den sozialistischen Diskussion, daß die Anregungen der Referentin auf steinigen die innere Entwicklung des Bundes" wieder etwas vorKandidaten zu wirken, aber ihre ganze Agitation drehte sich Boden gefallen waren und keinen Schaden stiften konnten. Nur wärts getrieben. Wir werden auf die Generalversammlung um das Frauenwahlrecht. Beide sind Mitglieder der Un- eine einzige Diskussionsrednerin, Frau Carstener, äußerte zurückkommen, wenn uns eingehendere Berichte vorliegen als abhängigen Arbeiterpartei. Die Wahlvereine in sich zu der Organisationsfrage. Sie meinte, wenn man die zur Stunde. Die Verhandlungen hatten ein äußerst beManchester, denen sie angehören, stellten deshalb den Antrag, Arbeiterinnen organisieren wolle, müsse man dazu besondere zeichnendes Vorspiel. Frau Weber- Heidelberg hatte im die Genossinnen Pankhurst und Billington aus der Partei bürgerliche Frauenvereine gründen, denn die Sozialdemo- Auftrag des Bundesvorstandes eine Resolution eingebracht, auszuschließen. fratinnen wollen nicht mit uns arbeiten, es besteht ein be- welche die Greuel der russischen Reaktion brandmarkt und Am 13. Oktober empfing Mr. Asquith, der Minister wußter und gewollter Unterschied." Freilich besteht zwischen den Freiheitskämpferinnen Sympathie versichert. Diese Resodes Innern, eine Frauendeputation in seinem Wahlkreis bürgerlichen Damen und Proletarierinnen ein Unterschied, lution entfesselte eine leidenschaftliche Debatte. East Fife( Schottland). Asquith vertritt diesen Wahlkreis der allerdings kein gewollter, von dem Willen einzelner ab- deutsche Frauen" protestierten gegen die Kundgebung. Sie im Parlament. Wie jeder andere Abgeordnete, muß auch hängiger ist, sondern ein in den Verhältnissen, in der Klassen- fühlten sich offenbar in ihren heiligsten Gefühlen" verletzt, Asquith von Zeit zu Zeit in seinem Wahlkreis in öffentlichen lage begründeter. Daß er ein bewußter wird, den Arbeite- daß der Ludergeruch der Revolution" statt des Hofparfüms Versammlungen sprechen und seinen Wählern Rechenschaft rinnen mehr und mehr zum Bewußtsein kommt, ist eine eines Beileidstelegramms an den Henker aller Reußen in ablegen über seine parlamentarische Tätigkeit und über die durchaus erfreuliche Erscheinung. Denn nur wenn sie vom die Generalversammlung getragen wurde. Die Resolution allgemeine politische Lage. Am 13. Oktober fand dort eine Klassenbewußtsein durchdrungen sind, werden sie die rechten wurde trotzdem angenommen. Sie lautet:„ Der in Nürnsolche Versammlung statt, bei der Asquith über die Schul- Mittel und Wege zur Verbesserung ihrer sozialen Lage finden, berg versammelte Bund deutscher Frauenvereine gibt seiner vorlage, das Gewerkschaftsrecht und über das Ver- auch ohne bürgerliche Damen und im Gegensatz zu ihnen. tiefen Empörung Ausdruck über die jeder Gefittung Hohn hältnis zwischen Liberalismus und Arbeiterpartei Gine Frau Fechter aus Elbing teilte in der Diskussion sprechenden Greueltaten, die in Rußland aus Rassenhaß und speach. Nach der Versammlung begab sich zu ihm eine mit, daß in dieser Stadt eine Krippe errichtet gewesen sei, im Interesse der Aufrechterhaltung der Autokratie fortgesetzt sozialistische Frauendeputation, die aus Mitgliedern des lokalen aber schließlich wieder habe aufgegeben werden müssen. Es an wehrlosen Frauen und Kindern verübt werden. Er geZweigvereins der Sozialen und politischen Frauen- wären ihr schließlich nur noch drei uneheliche Kinder an- denkt ferner mit hoher Bewunderung derjenigen russischen union" bestand. Die Rednerin war Frau Mill, die dem vertraut worden, und man habe der Unsittlichkeit doch Frauen, die an dem gewaltigen Ringen ihres Volkes um Minister sagte:„ Die Deputation vertritt die Frauen Ihres nicht Vorschub leisten können. Dem gegenüber bemerkte persönliche und bürgerliche Freiheit so heldenhaft teilWahlkreises. Auch die liberale Frauenvereinigung ist in ihrer die Referentin, daß die Krippe in Königsberg großen nehmen." großen Mehrheit für das Frauenwahlrecht, obwohl manche Zudrang zu verzeichnen hätte. Wollte man sich auf den Mitglieder derselben nicht bereit sind, unsere bis jetzt an- Moralstandpunkt stellen, so müßte man auf die Wohlfahrtsgewandten Methoden zu billigen. Nur ungern nehmen wir einrichtungen überhaupt verzichten. Eine andere Rebnerin zu extremen Mitteln unsere Zuflucht. Wir wollen es nun hob noch hervor, daß die Krippe, wenn sie ihre Aufgabe ist soeben erschienen: mit ruhigen, anständigen Methoden versuchen; vielleicht erfüllen solle, sich gerade der unehelichen Kinder und ihrer bringen sie uns größere Erfolge. Es ist gewiß nicht nötig, Mütter doppelt anzunehmen habe. über die Forderung des Frauenwahlrechts lange zu diskutieren. Bei einem anderen Punkte der Tagesordnung wurde die Die Gegenargumente, mit denen man uns im Zustand der Landarbeiterinnenfrage gestreift. Aber wie! Wie es Entrechtung halten will, haben weder Hand noch Fuß. Wir dem Kreise von Fabrikanten- und Gutsbesitzersgattinnen entverlangen das Wahlrecht für die Frauen, nicht weil sie be- spricht, die da versammelt waren. Frau Böhm- 2amgarben sonders wert sind, ein solches Recht auszuüben, oder weil referierte über„ Die soziale Tätigkeit der Landfrau. sie dieses Recht stets weise gebrauchen werden, die Frauen des Ostens". Die Dame erklärte unter anderem: Die haben nichts voraus und werden auch mit dem Wahlrecht Hauptsache aber ist, daß wir den Landarbeitern ein Standesnicht immer flug umgehen. Wir verlangen es auf Grund bewußtsein beibringen; wir müssen sie heben, in ihren eigenen einfacher Gerechtigkeit. Es ist ungerecht, die Hälfte der Augen heben. Sie müssen stolz darauf sein, ein LandBevölkerung als minderwertig zu betrachten." Asquith arbeiter zu sein; sie müssen es als einen Vorzug empfinden, antwortete in längerer Rede. Er sprach viel, aber sagte nur in Gottes freier Natur um ihre Früchte, den Lohn ihrer In einer kurzen historischen Einleitung bespricht die Verwenig, und das wenige war ungünstig. Er bezeichnete die Arbeit in täglich wechselnder Gestalt ringen zu dürfen. Und fasserin die Kinderarbeit als Begleiterscheinung der kapitaGerüchte, die ihn zum Hauptgegner der Frauen in der weiterhin setzte die Referentin hinzu: Lehren wir sie( die listischen Wirtschaftsweise und anschließend daran die KinderRegierung stempeln, als ganz grundlos. Er habe in den Landarbeiterfrauen) rechnen und Buch führen, damit sie letzten 14 Jahren äußerst selten über das Frauenwahlrecht einen überblick gewinnen über die großen Summen, schutzgesetzgebung in Deutschland bis 1891, die Erhebungen gesprochen oder diskutiert. Er sei indes der Ansicht, daß das die durch ihre Hände gehen, damit ihnen nicht die von 1898 und endlich das Kinderschutzgesetz von 1903. In Gewicht der Argumente auf seiten der Gegner des Frauen- hohen Löhne des Westens und der Großstädte im- einem Schlußkapitel wird der bisherige Erfolg des Kinderwahlrechts liege. Er tönne den Frauen keine Hoffnungen ponieren. Solche Ausführungen sind eine bodenlos freche schutzgesetzes beurteilt und ein vortrefflicher Ausblick auf auf die Einbringung einer Wahlrechtsvorlage machen. und dumme Verhöhnung des Landarbeiterelends, das wissen- Kinderarbeit und Kindererziehung, wie beides sein sollte, schaftlich und gerichtsnotorisch feststeht. Der Kaiser hat es gegeben. Im Anhang findet die Leserin das Gesetz selbst seinerzeit durch den bekannten Ausspruch charakterisiert, in und ein Verzeichnis derjenigen Werkstätten, in deren Betrieb Kabinen seien die Schweineställe besser als die Wohnungen Kinder nicht beschäftigt werden dürfen. Schließlich ist auch ostelbischer Landproletarier. Aber Frau Böhm ist Guts- die Bekanntmachung hinzugefügt betreffend Ausnahmen von besizerin, das erklärt alles. Man stelle ihren Ausführungen dem Verbot der Beschäftigung eigener Rinder unter 10 Jahren. Mb das von Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit getragene Das Büchlein sollte in keinem Arbeiterhaushalt fehlen; Referat gegenüber, das Genoffin Sieß auf der sozialdemo tratischen Frauenkonferenz über die Lage der Landarbeiterinnen jede Mutter muß Renntnis haben von dem derzeitigen Stand hielt, und man hat ein überzeugendes Beispiel zu dem, was der Kinderschuhgesetzgebung in Deutschland, damit sie der Der zweite oftdeutsche Frauentag und die Arbeite wir oben von den Klaffenunterschieden und ihrer Wirkung Ausbeutung ihrer eigenen Kinder zielbewußt entgegentreten, rinnenfrage. In der ersten Hälfte des Oktober fand in El- im Bewußtsein des Menschen sagten. Dem bürgerlichen sie mildern und womöglich hindern kann. bing der zweite ordentliche Frauentag statt, der sich, wie es in Frauentag lag ein bescheidener Antrag zugunsten der Landder bürgerlichen Frauenbewegung jetzt üblich ist, auch mit arbeiterinnen vor. Er forderte:„ Der ostdeutsche Frauentag der Arbeiterinnenfrage beschäftigte. Frau Dullo- Königs- wolle das Wohl der ländlichen Arbeiterinnen fördern, indem berg, die Gattin des Direktors des Königsberger Statistischen er der Organisation der ländlichen Arbeiterinnen sein Interesse Amtes, dessen Wahl zum Stadtrat seinerzeit von der preußischen zuwendet und dahin zu wirken sucht, daß Gesetze nach dem Regierung nicht bestätigt wurde, referierte über das Thema: Muster der in der Gewerbeordnung enthaltenen Bestimmungen „ Die Aufgaben der bürgerlichen Frauen in der für die ländlichen Arbeiter, insbesondere für weibliche PerArbeiterinnenbewegung." Die Referentin ging das fonen und Kinder erlaffen werden, desgleichen Fürsorge ge- und die Expedition der„ Gleichheit" in Stuttgart, Furtbach. von aus, daß die Freiheitsideen und wirtschaftlichen Umwährt wird durch Einbeziehung in die Krankenversicherung." wälzungen der letzten Jahrhunderte die gemeinsame Wurzel Dieser Antrag, der nicht einmal die Kardinalforderung des der Arbeiter und der Frauenbewegung sind. Sie stellte Koalitionsrechtes für die ländlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Am 21. Oktober findet in London eine Wahlrechts demonstration der sozialistischen Frauen statt, um das Parlament, das am 23. Oftober zu einer Herbsttagung zu sammentritt, auf die rechtlose Lage der Frauen aufmerksam zu machen. London, 14. Oftober 1906. real Frauenbewegung. Im Verlag von J. H. W. Diek Nachf. in Stuttgart Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung. Bon Räte Duncker, Herausgegeben von der Redaktion der„ Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen. Der Preis der Broschüre ist auf 40 Pf. festgesetzt. Für die Abonnenten der„ Gleichheit", die sich zum gemeinsamen Bezug vereinigen, ist ein wesentlich niedrigerer Eintaufspreis feſtgeſent. Bestellungen nehmen entgegen alle Vertrauenspersonen, Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücher- Straße 49, Sof II Straße 12. dann fest, daß die Fortschritte in der Maschinentechnik Kinder erhebt, wurde durch übergang zur Tagesordnung erledigt. Als Weihnachtsbuch der ,, Gleichheit" und insbesondere Frauen in großer Zahl in die Fabrik ge- Von den tagenden Damen eine fräftige Vertretung der trieben haben. über eine Million Fabrikarbeiterinnen gibt Interessen der Arbeiterinnen erwarten, der ländlichen wie werden die beiden Jahrgänge der Beilage„ Für unsere Kinder" es heute in Deutschland, in manchen Gegenden bilden die der industriellen, hieße Feigen von den Dornen pflücken in hübscher Ausstattung am 1. Dezember erscheinen. Bei verheirateten Frauen bis zu 40 Prozent der weiblichen Ar- wollen. Mag die Referentin über die Frage der Arbeiterinnen gemeinsamem Bezug durch ihre Vertrauensperson beziehungsbeiterschaft. Es gelte nun die Lage dieser Arbeiterinnen zu organisation ihr Gintreten für die Arbeiterinnen und für weise die Vertriebsstelle der„ Gleichheit" erhalten die Geheben. Zwei Faktoren kämen dafür in Betracht: erstens der die freien Gewerkschaften noch so ernst gemeint haben, die Staat mit seiner sozialen Gesetzgebung, und zweitens die Kreise, an die sie sich wendete, werden über platonische nofsinnen die Sammlung unter dem Ladenpreis. Wir machen Arbeiterorganisationen mit ihrer Selbsthilfe. Von den drei Sympathieerklärungen für das flassenbewußte weibliche die Genosfinnen darauf aufmerksam und ersuchen sie, sich die Arten gewerkschaftlicher Organisationen umfaßten die sozial Proletariat nicht hinaustommen. Wer ernstlich daran mit- Verbreitung des Weihnachtsbuches angelegen sein zu lassen, demokratischen freien Gewerkschaften heute bei weitem die arbeiten will, die Lage der Arbeiterinnen zu heben, der muß dessen Herausgabe wesentlich mit durch ihre Wünsche bestimmt meisten Arbeiterinnen: 74000, etwa 8 Prozent der Organi- das in Reih und Glied des flassenbewußt kämpfenden Prole- worden ist. 158 Die Gleichheit Nr. 22 Der Flüchtling. Ruhig liegt alles. Die Gefangenen schwelgen in ihren Träumen von Freiheit und Freude, um am Morgen ent- täuscht und verbittert von der Phantasie zu scheiden. In der Zelle zu ebener Erde gelegen erhebt sich sachte ein Mann. Spähend, mit angehaltenem Atem schleicht er zum Fenster. Er vermeidet jedes Geräusch. Un- schuldig schmachtet er hier, seit manchem Jahre, ein Opfer despotischer Gewalt. Lange schon ist der Wunsch erwacht, der brennende Wunsch, zu entfliehen. Der Plan ist reif- lich erwogen, die Ausführung wohl vorbereitet. Wie oft hat der Gefangene schon in Gedanken einen Fluchtversuch gemacht, doch vor der Ausführung ist er immer wieder zurückgeschreckt, allzu groß dünkte ihm die Gefahr. Nun aber wird ihn nichts mehr halten, die verzehrende Sehn- sucht nach Freiheit übertönt jedes andere Gefühl. Mit zitternden Händen faßt der Mann das Gitter und ver- sucht, die Stäbe aus oem Gemäuer zu lösen. Wie langer, qualvoller Arbeit hatte es nicht bedurft, mit den Nägeln die Mauer zu zerrütten, das Eisen zu lockern! Sachte hebt er das Gitter ab und legt es zu Boden. Sein Herz klopft, als wollte es die Brust sprengen. Er er- klettert das Fenster, läßt sich jenseits zur Erde nieder und kriecht am Boden dahin wie ein Gewürm. Nun ist er am Rande der Hofmauer.— Er ist unentdeckt geblieben. Wie der Flüchtling die Höhe der Mauer mit den Augen mißt, da schaudert ihn. Beklommen wird ihm zumute, er fühlt sich fast betäubt; das Wagnis ist groß. Nach kurzem Zaudern reckt er entschlossen die Glieder. Zur Tollkühnheit spornt ihn das erlösende Ziel: Freiheit. Vorsichtig krallt er sich an der Mauer fest, drückt den Körper platt an die Wand. Sich emporziehend er- späht er sicher jeden Vorsprung der Steine, findet in der kleinsten Vertiefung eine Stütze. Mühsam und beschwer- lich geht es auswärts. Von der Stirne des Flüchtlings tropft der Schweiß. Zerschundcn sind die nackten Hände und Füße, der geöffnete Mund atmet gierig die reine, freie Lust. Kaum zur Hälfte ist die Mauer erklommen, da beginnen die Kräfte des Mannes zu ermatten. Ver- zweifelt klammert er sich an die Wand. Noch ein paar Griffe, und er hätte die Höhe der Mauer erreicht, doch ermüdet, kraftlos hängt der Körper da. Ein Seufzer enttingt sich der Brust. Der Flüchtling schließt die Augen. Er glaubt zu stürzen. Schlaff und leblos erivartet er den Tod. Plötzlich, wie ein wilder Sturm rauscht durch seine Seele der Gedanke: Freiheit! Ihm ist, als ergösse sich aller Glanz der Welt über ihn, als juble die ganze Menschheit: Freiheit! Der Körper belebt sich, das Blut stürzt dem Manne heiß durch die Adern, es brennt ihm der Kopf, wild, funkeln die Augen. Wie eine Katze klammert er sich fest am Gemäuer, geschmeidig zieht er sich empor. Der Atem geht schneller und schneller, wie bei Fiebernden arbeitet die Brust. Ungeahntes Kraft- gefühl durchzuckt den Flüchtling. Sein Herz pocht lauter vor Freude, als wollte es zerspringen. Er ist vor Selig- keit wie betäubt. Dort, dort— das Ende der Mauer! Noch einmal braust es ihm gewaltig durch die Seele und stählt seine Glieder: das Wort Freiheit! Der Flüchtling ist oben. Noch einen flammenden, haßerfüllten Blick nach der schrecklichen Stätte, und jen- seits der Mauer läßt er sich nieder. Taumelnd erreicht er den Boden, aus den er sich mit schwachem Seufzer stürzt. Mit den letzten Kräften, die ihm geblieben, küßt er ihn, den Boden der Freiheit. Wankenden Schrittes eilt der Mann dem Walde zu. Er stürzt. Er rafft sich wieder auf. Endlich, endlich erreichter halbtot ein Versteck, eine Höhle, wo er in festen Schlaf sinkt, aller Kräfte bar.-- Es ist Tag geworden. Ein Streifen Licht dringt in die Höhle, er fällt wärmend auf des Schlummernden Gestalt. Er brennt ihm auf die Lider und küßt die Augen wach. Wohlig durchrieselt es des Schlaftrunkenen Körper. Er erhebt sich. Blendend fällt ihm das Licht in die Augen. Sie mit den Händen beschattend, sieht er staunend umher. Seltsam ist der Ausdruck auf seinem Gesicht. Wie irr eilt der Befreite hin und her. Er geht vor die Höhle, ins Freie, und verstummt angesichts der gewaltigen Natur ringsum. In uralter Schönheit steht und rauscht der Wald, wie Freiheit und Frieden raunt es in den Bäumen. Zitternd vor Wonne nimmt der Mensch das lebende Bild in sich auf. Es ergreift ihn wie eine neue Schöpfung, an.der er sich nicht satt sehen kann. Er entteißt dem Boden von dem weichen Moos, das zu seinen Füßen üppig wuchert. Er befühlt es und ballt es zwischen den Händen zusammen. Er attnet langsam, in tiefen Zügen den frischen Duft des Waldes, bis er sicher ist, daß kein Trugbild ihn bettogen. Stumm schaut er empor zum blauen Himmel, an welchem die Sonne mild und fteund- lich lacht. Wie lange, lange hat er diesen Anblick entbehrt. Der Flüchtling faltet die Hände:„Vor dir nur, hehre Natur, beuge ich mein Haupt." Er sinkt nieder, er breitet die Arme aus, ein freudenerstickter Schrei löst sich aus seiner Kehle: „Freiheit, Freiheit. Freiheit!" Else Belli. Ein gutes Gewissen. Von Alexander L. Kielland. Vor der Gartenpforte zur Villa des Advokaten Abel hielt ein kleiner, eleganter Wagen, vor welchem zwei schöne, blankgestriegelte Pferde gespannt waren. Auf dem Pferdegeschirr war weder Silberbeschlag noch irgend ein anderes Metall; alles war mattschivarz, und alle Schnallen waren überzogen. Die Lackierung des Wagens zeigte einen leichten Schatten von dunkelgrün; die Polster hatten eine bescheidene, staubgraue Farbe, und erst wenn man ganz nahe herantrat, entdeckte man, daß der Bezug aus schwerer Seide war. Der Kutscher sah aus wie ein englischer Priester— in schwarzem, eng zugeknöpftem Frack mit einem kleinen, hochstehenden Kragen und steifer, weißer Halsbinde. Frau Warden, welche allein im Wagen saß, beugte sich vornüber und legte die Hand auf den elfenbeinernen Griff des Wagenschlags; sie stieg langsam aus, zog das lange Kleid hinter sich her und schloß darauf die Wagen- tür mit großer Behutsamkeit. Man hätte sich vielleicht wundern können, daß der Kutscher nicht abstieg, um seiner Gebieterin zu helfen; die fetten, wohlgenährten Pferde sahen wahrhaftig nicht aus, als würden sie auf Tollheiten verfallen, wenn er die Zügel losließ. Wenn man aber dies unerschütterliche Antlitz betrachtete, mit den würdigen, graugesprenkelten„vrtusüers", so begriff man augenblicklich, daß dies ein Mann sei, der wußte, was er tat, und seine Pflicht niemals und in keiner Weise zu erfüllen unterließ. Frau Warden ging durch den kleinen Vorgarten und trat in das Gartenzimmer. Die Tür zu dem nächsten Gemach stand halb offen, und durch diese sah sie die Frau vom Hause an einem großen Tische stehen, welcher mit vielen Stücken hellen Stoffes und verschiedenen Nummern des„Basar" bedeckt war. „Ah!— du kommst mir gerade gelegen— süße Emilie!" rief Frau Abel,„ich bin ganz verzweifelt über meine Schneiderin. Sie ist nicht imstande, etwas Neues zu er- finden. Und hier sitze ich nun und suche im„Basar". Liebste, leg deinen Schal ab und komm und hilf mir; — es soll ein Promenadenkleid werden!" „Ich bin nicht geschickt genug, uni dir helfen zu können, wenn es sich um Putz und Toilette handelt," entgegnete Frau Warden. Die gute Frau Abel starrte sie an; es lag etwas Be- unruhigendes im Ton, und sie hatte einen ganz unglaub- lichen Respekt vor ihrer reichen Freundin. „Du erinnerst dich gewiß noch, daß ich dir vor kurzem erzählte, Warden habe mir versprochen— das heißt eigentlich"— verbesserte sich Frau Warden—„er hatte mich gebeten, mir ein neues seidenes Kleid zu bestellen—" „Bei Madame Labiche— ja gewiß!"— unterbrach sie Frau Abel—„und jetzt bist du vermutlich auf dem Wege zu ihr?— Ach, nimm mich mit!— Das ist zu amüsant!" „Ich fahre nicht zu Madame Labiche," entgegnete Frau Warden beinahe feierlich. „Aber um Gottes willen, weshalb denn nicht?" fragte ihre Freundin und sperrte die hübschen braunen Augen weit auf vor Verwunderung. „Ja— ich will dir nämlich sagen," entgegnete Frau Warden,„ich bin der Ansicht, daß wir unmöglich mit gutem Gewissen soviel Geld für unnötigen Putz und Staat ausgeben können, wenn wir wissen, daß in den entlegenen Vierteln der Stadt— derselben Stadt, in welcher ivir wohnen— Hunderte von Menschen leben, die Not leiden— Not im buchstäblichen Sinn!" „Ja— aber," wandte Frau Abel ein und warf einen unsicheren Blick über den Tisch,„es ist nun einmal so auf der Welt; wir wissen ja, daß die Ungleichheit—" „Wir sollen uns aber davor hüten, die Ungleichheit noch zu erhöhen, und alles tun, was in unseren Kräften steht, um sie zu vermindern," unterbrach Frau Warden sie. Und es kam Frau Abel vor, als ließe ihre Freundin einen mißbilligenden Blick über den Tisch, die Stoffe und den„Basar" gletten. „Es ist ja nur Alpaka," widerlegte sie furchtsam. „Gott behüte, Karoline!" rief Frau Warden,„glaub doch nur nicht, daß ich dir einen Vorwurf machen will. Das sind ja Dinge, die ganz und gar von der Auffassung eines jeden Menschen abhängen;— jeder mag handeln, wie es ihn gutdünkt, und wie er es vor seinem eigenen Gewissen verantworten kann." Das Gespräch wurde noch eine Weile fortgeführt, und Frau Warden erzählte, daß es ihre Absicht sei, in eine der berüchttgsten Vorstädte hinauszufahren, um sich mit eigenen Augen von den traurigen Zuständen zu überzeugen, welche unter den Armen herrschen. Tags zuvor hatte sie einen Jahresbericht von einer Privatwohltätigkeitsgesellschaft gelesen, von welcher ihr Gatte Mitglied war. Sie hatte es absichtlich unterlassen, die Polizei oder die Armenverwaltung um Aufklärung zu bitten, denn es war gerade ihre Absicht, persönlich die Hütten der Armut aufzusuchen, die Bedürftigen kennen zu lernen und ihnen zu helfen. Die Damen kennten sich ein wenig kälter als ge- wöhnlich. Beide waren in sehr ernster Stimmung. Frau Abel blieb im Gartenzimmer; sie verspürte aber durchaus keine Lust, wieder an dem Promenadenkostüm zu arbeiten,— obgleich der Stoff so außerordentlich hübsch war. Sie vernahm das dumpfe Geräusch des Wagens, welcher auf dem ebenen Straßenwege des Villenviertels dahinrollte. „Welch gutes Herz Emilie hat"— seufzte sie. Nichts lag dem gutmütigen Charakter der jungen Frau ferner als Neid und Mißgunst; und trotzdem— es war mit einem Gefühl dieser Art, daß sie heute dem leichten Wagen nachblickte. Ob es nun aber das gute Herz oder der elegante Wagen war, welchen sie der Freundin mißgönnte;— das wäre schwer gewesen z» bestimmen. Der Kutscher hatte seine Weisung entgegengenommen, ohne eine Miene zu verziehen, und so fuhr er tiefer und tiefer in die seltsamsten Gassen des Armenviertels hinein mit einem Gesicht, als ob er zum Hofball führe. Endlich erhielt er den Befehl zu halten, und das war auch die höchste Zeit. Denn die Straße wurde enger und enger, und es sah beinahe aus, als müßten die wohlgenährten Pferde und der feine Wagen im nächsten Augenblick festsitzen wie der Pfropfen in einem Flaschenhals. Der Unbewegliche gab kein Anzeichen von Angst, ob- gleich die Situation in Wirklichkeit verzweifelt war. Ein Witzbold, der den Kopf aus einer Dachlucke heraussteckte, riet ihm, die Pferde auf der Stelle abzuschlachten, da sie doch nimmermehr wieder lebend vom Platze kommen würden. Frau Warden stieg aus und bog in eine noch engere Straße ein; sie wollte gleich das Schlimmste sehen.' In der Tür stand ein halberwachsenes Mädchen. Die Frau ftagte:„Wohnen viele arme Leute in diesem Hause?" Das Mädchen lachte und antwortete etwas, indem sie sich dicht an der Fragenden vorüberstreifend in die enge Tür hineindrängte. Frau Warden verstand nicht, was sie sagte, aber sie hatte das Gefühl, als habe das Mädchen etwas Häßliches gesagt. Sie trat in das erste Zimmer, das sie fand. Es war nichts Neues für Frau Warden, daß arme Leute ihre Räumlichkeiten niemals hinlänglich lüften. Die Atmosphäre indessen, welche sie hier einzuatmen begann, verursachte ihr einen derartigen Schwindel, daß sie froh war, sich auf die Ofenbank setzen zu können. In der Handbewegung, mit welcher das Weib im Zimmer die Kleider auf die Erde warf, die auf der Bank lagen, und in dem Lächeln, mit welchem sie die feine, schöne Dame einlud, Platz zu nehmen, lag etwas, das Frau Warden ausfiel. Es machte den Eindruck, als hätte die arme Frau einst bessere Tage gekannt; obgleich ihre Bewegungen mehr flott als eigentlich fein waren und das Lächeln durchaus kein angenehmes war. Die lange Schleppe des perlengrauen Visitenkleides der Frau breitete sich weit über den schwarzen Fußboden, und als sie sich niederbeugte, um sie zusammenzuraffen, mußte sie selbst an einen Hcineschen Ausdruck denken: „Sie sah aus wie ein Bonbon, der in der Sonne lag." Das Gespräch begann und wurde weitergeführt, wie derartige Gespräche stets geführt zu werden pflegen. Wenn jede dieser beiden Frauen bei ihrer Sprache und ihrem Gedankengang verblieben wäre, so hätte keine von ihnen ein Wort von dem verstanden, was die andere gesagt. Da aber der Arme den Reichen stets soviel besser kennt, als der Reiche den Armen, so hat dieser sich zuletzt eine eigene Sprache angeeignet— einen eigenen Ton, welchen die Erfahrung ihn zu brauchen gelehrt, wenn es gilt, verstanden zu werden;— das heißt insofern ver- standen, daß der Reiche Lust bekommt, wohltätig zu sein. Näher können sie einander niemals kommen. Diese Sprache verstand das arme Weib bis zur Voll- kommenhcit, und Frau Warden hatte gar bald einen Um- riß ihres elenden Daseins. Sie hatte zwei Kinder,— einen Knaben von vier, fünf Jahren, der auf dem Fuß- boden lag, und ein kleines Kind, das sie an der Brust trug. Frau Warden betrachtete das kleine, graue, farblose Geschöpf und konnte nicht begreifen, daß es schon dreizehn Monate alt sei. Sie selbst hatte zu Hause in der Wiege einen kleinen Koloß von sieben Monaten, der mindestens um die Hälfte größer war. „Ihr müßt dem Kinde etwas Stärkendes geben"— sagte sie, es schwebte ihr etwas vor von Kindermehl und Apfelsinengelee. Bei den Worten„etwas Stärkendes", erhob sich ein zer- zauster Kopf aus dem Bettstroh; es war ein bleicher, hohl« äugiger Mann mit emem großen Wolltuch um den Kopf. (Schluß folgt.) Berantwortllch für die RedaMon: Fr. Klara Zettln(Zundel), Wilhelmthöh« Post Degerloch bei Stuttgart. Druck und«erlag von Paul Singer tu Stuttgart.