Nr. 23 Die Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die„ Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhalts- Verzeichnis. Der Arbeiter und die Kirchen. Von Prof. Dr. Arnold Dodel. Kinderfreunde. Von N.- Einiges über Staat und Recht. Bon Simon Katzenstein. Ein Beitrag zum Kapitel der Dienstboten not. Bon A. v. Berg.- Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin.( Forts.) Stuttgart den 14. November 1906 16. Jahrgang Buschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bel Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. halten, daß wir sogar stille stehen oder was das Ich denke ja! un sie es nicht heute, so tun fte es schlimmste ist- geradezu rückwärts gehen auf eine morgen. Denn die Kirche wird sich der Wahrheit, der niedrigere Stufe der Menschwerdung. Die chriftliche wissenschaftlichen Erkenntnis anpassen- oder sie wird Kirche hat jene eine große Sehnsucht den Drang nach untergehen. Erlösung aus den Banden der Erbsünde genannt und Die beiden großen Kirchen die nüchterne, prosaische darauf eine Anzahl von Glaubensfäßen zu einer fest protestantische und die farbenreiche, legendenstreuende, Aus der Bewegung: Bon der Agitation. Von den Organisationen. gefügten Lehre erbaut: Aus den Banden der Erbsünde märchengesättigte katholische Kirche sie werden ihre - Die Polizei im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. soll der Glaube an den Opfertod Chrifti erlösen. So Kulte wohl noch einige Zeit in alter Form der GottesDer niederrheinische Parteitag.- Eine neue Berurteilung der lehrt die orthodore protestantische Kirche. Aus den Banden dienste" beibehalten. Darüber wollen wir uns keinen Genoffin Zietz. Politische Rundschau. Bon G. L. Gewerber Erbsünde sollen nach den Glaubensfäßen der katho- Täuschungen hingeben. schaftliche Rundschau.p Notizenteil: Dienstbotenfrage. Mutterschaftsfürsorge. Frauen- lischen Kirche auch die Heiligen heraushelfen können, 1 stimmrecht. Frauenbewegung.- Quittung. Feuilleton: Wag's einmal. Von Franz Diederich.( Gedicht.) Wandern, ach Wandern. Von A. R.- Ein gutes Gewiffen. Von Alexander L. Kielland.( Forts.) Der Arbeiter und die Kirchen. Der rechte Mensch im edelsten Sinne des Wortes verstanden ist der arbeitende und denkende Mensch. Wenn er seine acht oder neun Stunden per Tag ein Schaffender gewesen, so überkommt ihn die Werkmüdigfeit: sein Körper und sein Geist verlangen nach Ausspannung, sei es in Ruhe, sei es im Wechsel der Betätigung bei anderer Arbeit, die unter Umständen auch eine Erholung, eine Auffrischung sein kann. Denn es bleibt Wahrheit, daß lange andauerndes Arbeiten am Einerlei viel mehr ermüdet, als der Wechsel in der Bes tätigung.„ Variatio delectat!" Abwechslung entzückt und ergözt: Das ist eine physiologische Tatsache. Ihre Erfenntnis hat den Wert eines Naturgesetzes, an welchem wir Menschen nichts zu ändern vermögen. Die fieghaft vordringende Jdee des Achtstundentags wird über kurz oder lang jenem Naturgesek gerecht werden, und ihre Umsetzung in die Praxis wird ein Segen sein und ein Glück ohne Ende für alle, die zu arbeiten und zu schaffen fähig sind. -Was wird der Arbeiter mit den übrigen Tagesstunden beginnen? Baghafte Kleingeister unserer Zeit verfünden mit feierlicher, Prophetenmiene:" Der Arbeiter wird mit seinen neuen Mußestunden nicht nur nichts gewinnen, sondern er wird verlieren. Er wird prassen, wird in den Wirtshäusern herumliegen, wird trinken, trinken, wird spielen, spielen, Allotria treiben, und wird verkommen." Wir anderen haben ganz andere Zuversicht. Am Achtstundenarbeiter wird Goethes Wort zur großen Wahrheit der Zukunft werden:„ Ich sage dir, ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt." Dieser rechte Weg ist der Pfad für die große Bewegung nach vorwärts, der Pfad des Aufstieges aus der Stupidität und Brutalität des Tiermenschen zu den sonnigen Höhen des kommenden Menschen, des bewußten, des innerlich festgefügten, des nimmerruhenden Menschen der Entwicklung nach vorwärts. Kultur. Aber wir anderen, die wir vorwärts streben, nachdem insbesondere die heilige Mutter Gottes, die Jungfrau wir richtig nach rückwärts zu sehen gelernt haben, wir Maria. Durch anderthalb Jahrtausende offenbarte fich anderen werden einen Gottesdienst neuer Art haben: im Leben der christlichen Kirche die unauslöschliche Sehn- den Dienst der Wahrheit, die Verehrung der Erkenntnis sucht des Menschen nach dieser einen Erlösung. Man alles harmonischen Geschehens in Natur und Weltall, tann wohl sagen: es lebte darin unbewußt, sozusagen aus welcher Erkenntnis neue Tugenden erblühen und instinktiv, die Empfindung, daß wir Menschen nicht uns fähig machen werden, auf der Bahn der aufsteigenden bleiben dürfen, wie wir es seit Jahrtausenden gewesen Entwicklung geradeaus zu gehen, höher und höher hinauf, find. Man suchte nun allerdings die Hilfe dort, von bis alle Sehnsüchte nach jener Erlösung aus der Tierwo uns tatsächlich Hilfe nicht werden konnte, nämlich heit geftillt sein werden. außerhalb uns selbst, beim Sohn des Himmels oder So wird mein, Gottesdienst" ein Wahrheitsdienst sein. bei der Gottesmutter und einer Schar anderer Heiliger. Und er wird uns alle eines Tages frei machen Hier liegt der Grund des Mißerfolges aller christlichen aller Niedrigkeit und allem Elend. Kirchen auf dem Entwicklungsweg der Kulturmenschheit. So sei es! Der Lehre von der Erbsünde fehlte es nicht am echten Metall, wohl aber am richtigen Gepräge. Erst die wissenschaftliche Entwicklungslehre hat uns darüber die Augen geöffnet: statt Erbsünde haben wir anererbte Tierheit" zu setzen. Und aus der Umwertung der alten irrigen Kirchenlehre ist eine flare Wahrheit entsproßt mit allen heilsamen Konsequenzen auch in den Dingen der Erlösungslehre. Nicht außer uns liegt die Hilfe, sondern in uns. Wir bedürfen keines blutigen Opfertodes, um aus den Banden des Gotteszornes herauszukommen. Denn ein erstes Menschenpaar gab es nicht, ebensowenig als es einen ersten Deutschen oder einen ersten Engländer gab. Gab es tein erstes Menschenpaar, so gab es auch nicht einen Sündenfall, noch viel weniger eine Erbsünde im Sinne der jüdischen und der christlichen überlieferung. Aber weil das Geschlecht der Menschen aus Tieren niedrigerer Art seinen Ursprung in langsamer Entwick lung genommen hat, so flebt ihm fraft der natür lichen Vererbungsgesetze- noch viel Niedriges an: wir steden noch tief in der Tierheit. Wir haffen unsere Feinde, wie ein Tier seinen Gegner haßt; im Kriege töten wir und verwunden wir, als wären wir noch leib. haftige Tiere. Wir stehen uns gegenseitig als Konkurrenten vor der Sonne, wir laffen den Schwachen im Kampf mit uns Stärkeren ohne Mitleid unterliegen; wir lassen ihn darben, lassen ihn verhungern, dieweil wir im Überfluß prassen gleich als ob wir Tiere wären. Und wir haben tatsächlich noch des Tieres genug, ja viel zu viel an und in uns. Das ist unsere Erbsünde. Wer sie leugnet, muß ein Unwissender, ein Blinder oder ein Schalk oder ein elender Verführer sein. Don Prof. Dr. Arnold Dodel, Lugano. Kinderfreunde. Wenn von den ärmsten Gegenden Deutschlands gesprochen wirb, nennt man das sächsische Erzgebirge nicht an letter Stelle. Dem Boden ist dort oben nur mühsam ein Ertrag abzugewinnen. Wenig fruchtbar ist der Acker, der in dünner Schicht auf den Felsen liegt. Weit dehnt sich deshalb der Wald aus. Längst aber ist die Zeit vorüber, wo deswegen das Erzgebirge nur dünn bevölkert war. Kleine Städte find größer geworden, und die Dörfer dehnen sich in den Tälern langhin aus, ein Häuschen neben dem anderen. Doch nicht durch Arbeit in Wald und Feld finden die Tausende von Menschen dort oben im Gebirge ihren Lebensunterhalt. Auch die Zahl der Fabriken ist nicht sehr groß, wenn sie auch in neuerer Zeit anwächst. Nur ein Teil der Männer findet Gelegenheit, außerhalb des Hauses der Arbeit nachzugehen. Viele von ihnen sind in der Hausindustrie beschäftigt. Wo diese entsegliche Art der Warenherstellung herrscht, da sind die Löhne stets außer ordentlich niedrig. So auch im Erzgebirge. Hunger und tot laffen den Frauen keine andere Wahl, als mitzuarbeiten von früh bis spät, um den bittersten Mangel von der Familie fernzuhalten. ,, Wohltäter der Menschheit" lassen sich gern solche Kapitalisten nennen, die Industrieunternehmungen ins Leben rufen in solchen Gebieten, die von der Natur färglich ausgestattet sind und deren Bevölkerung darbt. Der obererzgebirgische Arbeiter steht in dem leider nur zu berechtigten Ruhm, ganz außerordentlich geringe Ansprüche an das Leben zu stellen und mit einer Bezahlung vorlieb zu nehmen, die in anderen Gegenden der raffgierigste Ausbeuter nicht anzubieten wagt. Auf Bezirke mit billiger menschlicher Arbeitsfraft stürzen sich die Rapitalisten wie Geier auf eine Beute. So ist auch das obere Erzgebirge von vielen der oben charakterisierten vaterländischen Wohltäter" mit Arbeitsgelegenheit gesegnet worden. O, es ist ein lohnendes Geschäft, die PosamentenDer Mensch wird Zeit haben, mehr zu sein, als bloß Ich denke, darin wird uns die Kirche recht geben, Knecht der Maschine und Lasttier der Schwerstoffe. Mehr wenn nicht heute, so doch gewiß morgen oder übermorgen. als je wird der Arbeiter ein denkender Mensch sein, Von dieser Erbsünde wird uns aber nicht Erlösung Um Annaberg weit herum blüht die Posamentenseiner selbst bewußt und bewußt seiner Stellung in Natur so, wie es die Kirche lehrt. Nicht das Kreuz auf Golgatha, industrie. In über 40 Orten werden ihre zum Teil recht und Weltall. nicht die heilige Jungfrau von Bethlehem, nicht die mater funstfertigen Erzeugnisse hergeftelt. Nach aller Herren „ Aber die Kirche wird ihn einsacken!" ruft der dolorosa, die Schmerzensmutter mit dem ermordeten Sohne Länder wird die Ware verschickt und zu guten Breisen verAllzuängstliche unter den Freunden der fortschreitenden im Arm, nicht eine Legion von Heiligen wird uns er- tauft. Bariser, Londoner, amerikanische und andere Firmen Lösen: wir selbst müssen uns herausführen aus dem haben in Annaberg, der alten Bergstadt, ihre Zweigkontore. Davor aber, liebe Freunde, laßt uns nicht bangen! Niedrigen und Unmenschlichen, das uns von Geburt an macherei! Dort oben im Erzgebirge wurde früher gleißendes Freilich wird ein großer Bruchteil der freier gewordenen anklebt und uns heute noch mit Unbehagen und Schuld- Silber dem spröden Schoße der Berge entriffen, das lieberArbeiterschaft noch lange Zeit dem Zug nach dem Meta- gefühlen peinigt und in unserem vorwärtsstrebenden lichen Sachfenfürsten eine verschwenderische Lebenshaltung physischen, dem Übersinnlichen folgen. Die Prosa des Entwicklungsdrang mit jenen dunkeln Sehnsüchten nach gestattete. Jetzt wird dort Gold gewonnen. In reicher Alltagslebens genügt auf die Dauer keinem tiefdenfenden Erlösung erfüllt. Fülle ist es zu haben. Die reichsten Silberabern, die früher gefunden wurden, waren armselig gegenüber dem Reichtum, der jetzt dort oben zu holen ist. Stolze Geschäftshäuser der Exporteure ragen in Annaberg zahlreich, Palästen gleich empor. Behagliche Villen, von gepflegten Gärten umgeben, Wir erlösen uns selbst, indem wir, dem natürlichen liegen in den kleinen Bergstädten und auf den Dörfern am Entwicklungsdrange folgend, der Wahrheit zustreben, die Fuße waldumfränzter Berge. Welcher Segen strömt über zugleich Schönheit und Güte iſt. das Land dant den Bemühungen ,, vaterländischer Wohltäter" Werden das die Lehrer der Kirche verstehen lernen? und fließt nicht etwa den Arbeitern und Arbeiterinnen Werden sie das eines Tages in den Kirchen lehren? zu, sondern ergießt sich in die Taschen und Geldschränke der Menschen; sie befriedigt auf die Dauer nicht einmal den Nicht Entartung und nicht Verzweiflung lehren Durchschnittsmenschen, der an tieferes Denten gar nicht wir, sondern die Frohbotschaft der aufsteigenden Entgewöhnt ist, sondern erst noch dazu erzogen werden muß. wicklung. Alle Denkenden aber haben auch Sehnsüchte. Und in jedem entwicklungsfähigen Menschen liegt die eine große Sehnsucht nach der Befreiung aus allerlei unheimlichen Banden, die uns auf dem Wege der Vorwärtsentwicklung allezeit mehr oder weniger hemmen, oft solcherart zurück 160 Die Gleichheit Nr. 23 Posamentenfabrikanten und Verleger. Rasch sind eine An- zahl betriebsamer, rücksichtsloser Menschen zu Wohlstand und Reichtum gelangt. Den Proletariern kam nicht einmal ein Lohn, der bescheidenen Ansprüchen als genügend erscheinen kbnnte. Herausgequetscht wird aus den Prole- tariern soviel als nur möglich. Unerträglich würde die Lage der Posamentenarbeiter selbst den schlechtgestelltesten Lohnsklaven im Niederland erscheinen. Der Erzgebirgler ist aber mit ganz besonders genügsamem Sinn ausgestattet. Zwar weiß er den Wert höheren Lohnes wohl zu schätzen und ersehnt sich eine bessere Lage. Männer und Frauen sind in sozialdemokratischen Versammlungen die denkbar auf- merksamsten Zuhörer und leicht zu begeistern für den Kampf um eine menschenwürdige Existenz. Jedoch gelang es bisher nicht, der gewerkschaftlichen Organisation weite Verbreitung zu geben. Zur Abwanderung aber entschließt sich der Erz- gebirgler nur sehr schwer, denn er hängt mit rührender Liebe an den heimatlichen Bergen. Diese echte Heimatliebe der Arbeiter ist von den betrieb- samen Kapitalisten auf das rücksichtsloseste ausgenützt worden. Was in dem Posamentenbczirk nur Hände regen kann, haben sie der vaterländischen Industrie dienstbar gemacht, damit Gold in ihren Beutel fließe. Nicht nur die Arbeitskraft der Männer und' Frauen, sondern auch die der Kinder bis in das zarteste Alter hinab nützt ihre Prositgier aus. Die dürf- tigsten Löhne zwmgen die Heimarbeiter zur ungemessenen Arbeitszeit. Wenn man spät abends durch so ein langes Dorf geht, etwa an der Straße, die sich längs der böhmi- scheu Grenze von Bärenstein bis zum Fichtelberg entlang zieht, dann schiinmert fast aus jedem der kleinen Fenster der von Proletariern bewohnten Häuser matter Lampenschein. Tritt man hinzu, so sieht man, denn Gardinen und Vor- hänge hindern nur- selten den Blick, gebückt über der Arbeit alle Familienangehörigen bis zu den kleinsten, noch nicht schulpflichtigen Kindern. In ihren heiligsten Profitinteressen sind die menschen- freundlichen Unternehmer der vaterländischen Posamenten- industrie im oberen Erzgebirge verletzt worden. Ein Gesetz wurde beschlossen zum Schutze der Kinder vor Ausbeutung. Es bestimmte, daß erst vom zwölften Jahre ab die Kinder würdig sein sollen, den Kapitalisten zu Reichtum zu ver- helfen. Die Posamentenfabrikanten und Verleger wissen aber besser, was der vaterländischen Industrie und den Prole- tarierkindern frommt. Schwerer Schaden war abzuwenden. Die in einem Verein organisierten Unternehmer wandten sich an den Bundesrat des Reiches. Nicht aus Sorge um eine etwaige Schmälerung ihres Profits. Bewahre, daran denken vaterländische Kapitalisten nicht.„Die Arbeiter und das Vaterland über alles", so ungefähr sagten sie in einer Ein- gäbe, in der sie die Z u r ü ck st e l l u n g der Altersgrenze der zu beschäftigenden Kinder auf das sechste Lebensjahr, wirk- lich nur auf das sechste Jahr heischten. Die geforderte un- begrenzte Heranziehung der Kinder zur Arbeit sei notwendig, um Schaden zu vermeiden„für die ganze sächsische Po- samentenindustrie, ja für das ganze Sachsenland und,auch das Deutsche Reich", so hieß es tatsächlich wörtlich in der Eingabe,„denn was die Posamentenindustrie für die deutsche Steuerkraft zu bedeuten hat, werden die Statistiken zur Genüge beweisen". Diesem für des Deutschen Reiches Bestand so wichtigen vaterländischen Industriezweig drohte nach der Behauptung der Unternehmer der Ruin oder die Verlegung ins Ausland, wenn„unsere Kinder, wie das Gesetz es verlangt, in der Industrie nicht mehr mit hilfreiche Hand anlegen dürfen".— Wenn die Herren Unternehmer„unsere" Kinder sagen, so denken sie natürlich nicht an die eigenen Sprößlinge. Die werden zu solchen zukünftigen Wohltätern der Menschheit herangezogen, wie die Herren Väter sind. Welch ausgeprägt väterlicher Sinn und ebensolche Fürsorge für die Proletarier den erzgebirgischen Posamentenfabrikanten eigen ist, zeigt aber, daß sie liebevoll von den Arbeiterkindern als wie von den ihrigen sprechen. Auch eine andere Stelle der Eingabe an den Bundesrat beweist ihr vaterländisches Herz. Es heißt da:„Durch die Einschränkung der Kinderarbeit würden unsere Frauen und Mädchen erwerbslos werden." Wobei mit den„Frauen und Mädchen" wieder nicht die eigenen Gattinnen und'Töchter der Unternehmer gemeint sind, sondern diejenigen der Proletarier. Nur verstockte sozial- denwkratische Gemüter rührt solche patriarchalische Ausdrucks- weise nicht lind läßt sie auch nicht vergessen, daß diese Frauen und Mädchen und Kinder um Hungerlöhne von früh bis in die Nacht schuften müssen. Den Unternehmern erscheint in ihrer liebevollen Fürsorge für das Proletariat des oberen Erzgebirges, die ihnen über allen Profit geht, die Arbeit an den Posamenten nur wie Spielerei, besonders die von den Kindern zu leistende Hantierung. Ganz„besonders leichter Natur", so sagten sie, sei die Arbeit der kleinsten Kinder bei der Näherei, wo dieselben das Auszupfen der Heftfaden aus der fertigen Ware, dann das Einfädeln des Zwirnes in die Nähnadel, das Abheften der fertigen Ware von den Zeichnungen zu besorgen haben, etwas größere Kinder das Aufheften der Materialien auf die Zeichnungen. Genau ebenso leicht hätten die Kinder die Ar- beitsn. in der Schlingerei, Häkelei usw. Wie noch jede Unternehinergruppe, der die Ausbeutung der kleinsten Kinder unmöglich gemacht werden sollte, kamen die Unternehmer der Posamentenindustrie mit dem albernen Einwand, daß die vaterländische Industrie zugrunde gehen müsse, wenn den Kindern ein bißchen Jugendfreude, Jugend- lust, nach den Schulstunden Freiheit zum Spiele, zum Aus- tosten in Wald und Feld gegönnt wird. Auch andere In- dustriezweige find ohne Kinderarbeit nicht zugrunde gegangen, sondern zu vorher ungeahnter hoher Blüte gediehen. Die sonderbaren Wobltäter des erzgebirgischen Proletariats behaupteten weiter, wenn nicht schon die kleinsten Kinder in die kapitalistische Fron gepreßt würden,„wird nie ein tüchtiger Arbeiter oder eine brauchbare Arbeiterin heran- wachsen". Den Gipfel wohlmeinender Fürsorge erklommen diese Wohltäter der Menschheit, deren Spezialität die Liebe zu den Ueinsten Kindern ist, mit dem Satze:„Diese von uns erbetene Bewilligung, Kinder bereits vom sechsten Lebens- jähr an beschäftigen zu dürfen, ist aber auch in gesund- heitlicher und sittlicher Beziehung nicht bloß zu wün- schen, sondern sogar zu empfehlen."— Nur Leute, die für die warmherzigen, sittlichen und moralischen Be- strebungen vaterländisch gesinnter Kinderfreunde gar kein Verständnis haben, werden wagen, darob von unerhörter Heuchelei und Frechheit zu sprechen. Es sieht aus, als ob ein Sozialdemokrat den Kinderlieb- habern der Posamentenindustrie einen Streich gespielt und ihnen einige Worte in ihre Bittschrift geschmuggelt hätte. In diesem Dokument wurde nämlich von den Kleinen gesagt, „daß sie mitunter bei schmaler Kost doch von Kraft und Gesundheit strotzen". Allerdings weist noch nicht jedes Kind im oberen Erzgebirge die sichtbaren Spuren körperlicher Ver- kümmerung auf. An der„schmalen Kost" der Kinder sind die warmherzigen Unternehmer natürlich ganz unschuldig. Lassen sie ihre eigenen Kinder doch nicht hungern, trotzdem sie von denselben anscheinend wenig Gutes erwarten, nach- dem dieselben erwachsen sind. Die Kapitalisten lassen die eigenen Kinder nicht arbeiten und geben ihnen Zeit und Gelegenheit zum Spielen. Sie lieben die Proletarierkinder mehr als die eigenen. Die Kinder müssen nämlich, so ver- sicherten sie dem Bundesrat,„von Jugend auf an die Arbeit gewöhnt werden, so daß sie später brauchbare Glieder der menschlichen Gesellschaft werden, während solche Kinder, die in ihrer Jugend Arbeiten nicht gelernt haben, nicht selten dieses später auch nicht lernen".— Welche Rabeneltern sind doch fast ausnahmslos die An- gehörigen der besitzenden Klassen, daß sie ihre Sprößlinge bewußt der Gefahr späteren Verderbens aussetzen, indem sie versäumen, dieselben in der Posamentenindustrie sich zu brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heran- arbeiten zu lassen! Und der Bundesrat? Nun, Deutschland ist das Reich der vielgerühmten Sozial- reform. Der hohe Bundesrat wußte, was er der vater- ländischen Industrie und den Kinderfreunden der Posamenten- industrie im Erzgebirge schuldig war. Er hat die Alters- grenze für die Kinderbeschäftigung in der Hausindustrie für die erzgebirgische Posamentenindustrie auf acht Jahre herab- gefetzt! Das ist schandbar, aber wahr! Die sächsische Regierung aber will ein übriges tun und an Stelle der eingehenden Klöppelschulen eine Anzahl Posamentenschulen einrichten. Der Verein der Kinderfteunde— er nennt sich „Verein der Posamentenfabrikanten und Verleger"— wurde um seine gutachtliche Meinung befragt. Er hat den Nutzen solcher Schulen für die vaterländische Industrie anerkannt, bemerkt, daß die Kosten der Schulen hohe sein würden, und angedeutet, daß der Staat dieselben tragen müsse. Die Mädchen könnten„schon ganz jung längere Zeit diese Schule besuchen". Vorbedingung sei aber, daß die Kinder vorher„die Grundzüge und die ersten Anfangsstadien der Posamentennäherei beziehungsweise Schlingerei zu Hause von der Mutter beziehungsweise den größeren Geschwistern er- lernen". Das kann nur heißen, daß die Kinder wie bisher vom sechsten Jahre an und noch früher zur Arbeit angehalten werden sollen, was freilich sowieso schon infolge der Not der Bevölkerung und der ungenügenden Kontrolle des Kinder- schutzgesetzes geschehen wird. Heil Deutschland, du Land der Sozialreform, du Land der Kinderfreunde! ül. Einiges über Staat und Recht. Die„Gleichheit" ist in erster Linie das Organ der poli- tisch Rechtlosen. Leidet der arbeitende Mann auch unter der wirtschaftlichen Ausbeutung und unter rechtlicher Be- nachteiligung mannigfacher Art, so hat er doch ein Mindest- maß politischer Rechte. Zum Reichstag, zu den meisten Landtagen und Gemeindevertretungen, zu Gewerbegerichten und manchen anderen Vertretungskorper» kann er Männer seines Vertrauens wählen und so wenigstens einen be- scheidenen Einfluß auf die Entwicklung der politischen, sozialen und rechtlichen Angelegenheiten ausüben. Er hat mit Ausnahme weniger Staaten ein gewisses Vereins- und Versammlungsrecht, durch das er seine Meinung zur Geltung bringen und den Gang der Dinge beeinflussen kann. Nicht so die Frau. Wenn wir absehen von dem kümmerlichen Rechte der Wahl zu den Krankenkaflenvertretungen, ist die Frau in dem größten Teile des Deutschen Reiches ohne öffentliche Rechte. Selbst das Recht der fteien Vereinigung ist ihr im größten Teile des Deutschen Reiches versagt. Sie zahlt Steuern für ihren Erwerb, sie ist rechtlich und straf- gesetzlich haftbar für jede ihrer Handlungen, aber das Recht, mitzuwirken an der Gestaltung der öffentlichen und recht- lichen Verhältnisse, ist ihr versagt. Die deutsche Frau, nach den Lobgesängen der Dichter und den Worten des deutschen Kaiser? das hehrste und helligste Gut des deutschen Volkes, ist politisch rechtloser als der Geisteskranke und der ent- ehrte Verbrecher, denen wenigstens das Versammlungsrecht nicht genommen ist. Und wenn der größte Teil der Frauenwelt der besitzenden Klassen, satt und genügsam an den materiellen Gütern und Bequemlichkeiten ihrer Gesellschaft, kein ernsthaftes Streben nach politischer Gleichberechttgung ihres Geschlechtes und zumal der Bedrücktesten ihres Geschlechtes, der Prole- tarierinnen, entfaltet, so ist für die Frau der Arbeiterklasse, für die Lohnarbeiterin wie für die Hausfrau des Lohnarbeiters, die politische Berechtigung, das Recht der Wahl, der Mitverwaltung, der freien Vereinigung eine Lebensfrage. Sie kämpft nicht allein für wirtschaftliche Besserstellung: höheren Lohn, das heißt mehr Anteil an den Gütern des Lebens und den Schätzen der Kultur, kürzere Arbeitszeit, das heißt mehr Zeit zur Erholung des Leibes, zur Bildung des Geistes und zur Pflege der Kinder— sie fordert die rechtliche und politische Gleichstellung als eines der wichtigsten Kampfesmittel im Streben nach der Besiege- lung ihrer menschlichen Würde, der Gleichwertigkeit ihrer Persönlichkeit mit der des Mannes? in ihrem Streben nach der Beseitigung der kapitalistischen Ordnung, die ihr durch unübersteigbare soziale Schranken die allseitige Ent- wicklung ihrer Persönlichkeit unmöglich macht. Mag die diamantengeschmückte Gemahlin des Millionenbesttzers, die standeseitle Dame des privilegierten Adels auf politische Gleichstellung verzichten und an den Intrigen ihres Boudoirs, den Betätigungen wohlangeschriebener Frömmigkeit ihr Ge- nüge finden— ihr prunkhaft-unnützes Dasein mag den Ver- zicht auf staatsbürgerliche Gleichstellung rechtfertigen. Die Proletarierin aber, die mit ihrem Blute und unter Qualen unendliche Werte schafft, ohne deren Arbeit im Hause wie auf dem Felde und in der Werkstatt unsere Gesellschaft nicht einen Tag bestehen könnte, sie hat das Recht und die Pflicht, auch die Rechte auszuüben, die ihrer Nützlichkeit im sozialen Leben angemessen sind, die zugleich für sie ein Werkzeug sein sollen zur Erhöhung ihres Menschenglücks und zur Mehrung der Gesamtkultur der Menschheit. Und solange ihr selbst noch die Rechte fehlen, hat sie die Pflicht, ihrem männlichen Klassengenossen, ihrem Mitarbeiter, ihrem Manne als Helferin zur Seite zu stehen in dem Kampfe, den er für sich führt und für sie, für ein erträg- liches Dasein der heute Arbeitenden und für eine schönere und reinere Zukunft der Nachkommen. Soll sie aber mit- arbeiten und mitkämpfen, so muß sie auch wissen, um was gekämpft wird. Mit unseres Geistes Waffen schlagen wir die Schlachten für Freiheit und Recht. Die Frau muß die Dinge kennen, wie sie heute sind. Das ist die Vorbedingung für die Ausnutzung des vorhandenen Ausmaßes spärlicher Rechte wie für die zweckmäßige Gestaltung des Kampfes um ihre Erweiterung und Umgestaltung. Schlimmer als das Elend der Erdenkinder ist das Nichtwissen— sei's auch vom Elend.(Leopold Jacaby.) Zum zweiten aber wenden wir uns an die Jugend des arbeitenden Volkes. Daß sie noch keine politischen Rechts ausüben kann, ist kein Unrecht, sondern notwendig. Sie ist noch im Werden. Sie soll wachsen und lernen, um dereinst reif zu sein, zu wissen und zu handeln. Aber ein Unrecht ist es, daß sie im heuttgen Staate und in der Schule dieses Staates das nicht lernt. Nicht zur Freiheit, zur Knecht- schaft wird sie erzogen. Das Wohnungselend, in dem sie lebt, die mangelhafte Ernährung, die Uberarbeit der Eltern, ihre eigene ungehörige Ausnutzung: alles soll sie als unab- änderlich, als berechtigt und gottgewollt ansehen. Darum gibt man ihr keinen Überblick über ihre Lage. Alan belehrt sie nicht über das Recht und die Verfassung des Staates, in dem sie leben muß, und der für ihre Klasse das Unrecht und die Entrechtung bedeutet. Man erschließt ihr nicht den wunderbaren Zusammenhang allesbeherrschender Natur- gesetze. Man gibt ihr nicht das Verständnis für die ver- wickelten und im Grunde doch so klaren Zusanimenhänge des sozialen Lebens und seiner Geschichte. Und tropfenweis in trübem Aufguß nur führt man ihr ein klein wenig zu von den unendlich reichen Schätzen des Schönen und Weisen in Wissenschaft und Kunst. Man füttert sie zuin Übermaß mit längst abgetanen religiösen Märchen, die heute nur noch die Lüge züchten bei Lehrer und Schülern. Man quält sie bis zum Ekel mit Sprüchen und„Liedern", mit Schlachtenschmutz und Monarchenkleinkram. Man will sie. mit einem Wort, nicht zu Menschen, zu Ganzen und Freien heranbilden— nein, sie züchten zum Werkzeug für das industrielle Kapital und den Grundbesitz, zum Futter für die Kanonen, zum stummen und wehrlosen Spielball der Machthaber. Dem treten wir entgegen! Die Freiheit und Schönheit, die wir für alle fordern, heischen wir zu allererst für die Jugend. Darum fordern wir die Neugestaltung der Schule, die sie aus einer Drill- anstatt der Klassenherrschaft umbilden soll zu einer Bildungs- statte freien und frohen Menschentums. Darum führen wir den Kampf gegen wirtschaftliche Ausnutzung und häusliche Mißhandlung der Jugend, für Beschaffung alles dessen, was Geistes- und Leibespflege für sie erfordert. Und darum tragen wir auch an sie selbst heran das Licht der Auf- klärung und wollen versuchen, da die Gesellschaft versagt- mit schwachen Kräften ein wenig ihr zugänglich zu machen von dem unendlichen Reiche des Wissens und der Kunst. Wohl gilt es hier, zwei Klippen zu vermeiden. Das Schönste und Liebste am Kind ist seine Unbefangen- heit und Natürlichkeit. Nichts abscheulicher am Kind als Alleswisserei und„Klugschmußen". Ohnehin strebt das Kind schon nach äußerlicher Nachahmung des„Großen" und freut sich seiner Altklugheit. Das wollen wir nicht fördern. Nicht dem Kind den Glauben beibringen, daß es nun alles wisse und besser wisse als jeder andere, nicht das Gefühl des Be- friedigtseins mit dem Inhalt seines Wissens zu wecken, ist unsere Aufgabe. Im Gegenteil, es wissenshungrig zu machen, es zu schulen zum Selb st denken. Nur die Augen wollen wir ihm offen halten, die mit Unwahrheiten und leerem Gepränge ihm fönst verkleistert werden. Es ist Nr. 23 Die Gleichheit H 161 „ Ein merkwürdig, wie gerade auf dem Gebiet des Rechtes und und fiech werden, auch wenn sie noch so gut genährt und ge- angeborenen Güte und allzeit regen Mütterlichkeit" der des sozialen Lebens das unbefangene Kind meist ein zutreffendes, schont würden. Dienstmädchen aber, die oft als Kind schon Frauen aus und übersieht, daß die Betätigung dieser Gegesundes Urteil hat. Noch ist der Gedanke der Gerechtig- schlecht ernährt wurden und mit unentwickelten Kräften früh fühle meist nicht über die eigene Familie oder den eigenen feit in ihm lebendig, der erst durch zahlreiche Erfahrungen zeitig schwer arbeiten mußten, find fast alle blutarm oder werden Gesellschaftskreis hinausreicht. Das Gesetz schützt daher die des Gegenteils und die Gewöhnung an Unrecht aller Art es im Dienste; sie brauchten tägliches, ruhiges Spazieren- Dienende nicht, wie die Fabrikarbeiterin geschützt wird, und abgeftumpft wird, so daß man den Erwachsenen erst wieder gehen. Gehegtes treppauf und treppab und durch die darum, nicht aus Leichtsinn oder Unsittlichkeit, ziehen die mit Mühe zurückführen muß zu den schlichten und rechten Straßen rennen ist nicht nur kein Ersatz des Ausgangs, Mädchen mehr und mehr die Fabrik dem Dienst vor. Daß Begriffen und Gefühlen der Kindheit. Im Kinde lebt sondern direkt schädlich für ihre Gesundheit. Nicht aus dem so ist, daran tragen die Hausfrauen mit Schuld, die Kameradschaftlicheit, Opfermut, die Empfänglichkeit für alles Leichtsinn oder Hang zur Unsittlichkeit ziehen die Mädchen den Mädchen den Dienst im Hause nicht sonnig, leicht und Schöne und Gute. Tragen wir dazu bei, sie ihm zu erhalten, die Fabrikarbeit vor, sondern weil sie, wie man spöttisch, menschenwürdig zu machen sich bemühen. Auf dem intersite zu entwickeln in der Richtung seiner fünftigen Aufgaben aber sehr richtig sagt, frei sein wollen". Nicht bei jeder nationalen Frauentongreß in Berlin 1904 sprach eine im Leben, so haben wir viel getan. Gelegenheit gescholten werden; nicht jede Laune austosten Rednerin über die Sonntagsnachmittage der Dienstmädchen Und eine Klippe äußerer Art, aber nicht minder ernst- müssen; nicht immer den Sündenbock für andere abgeben und riet, fie tanzen zu lassen, um dem Bedürfnis der Jugend haft, ist die Gefahr des Konfliktes zwischen Schule und müssen; nicht alles essen müssen, was vorgesetzt wird, sei es nach harmloser Freude zu genügen. Freudig stimmte ich Haus. Es ist gar nicht wahr, daß die Sozialdemokratie die auch noch so schlecht; nicht mit anderen sprechen dürfen oder dem im Herzen bei, denn ich hatte es zwei Jahre so im " Autorität“ zerstören wolle.„ Wir deutschen Sozialdemo- können; nicht genug Luft schöpfen dürfen; nicht früh schlafen Mädchenheim gehalten und erreicht, daß von den über fraten find autoritäre Sozialisten. Wir erkennen die Auto- gehen; nicht auf ungestörte Nachtruhe jemals rechnen hundert Mädchen keine einzige nach dem Tanzboden verrität des Charatters und des Verdienstes an"-fo tönnen; teine Mittagspause, teine ruhigen Mahlzeiten; furz, langte. Bei den Zuhörerinnen fand dieser Vorschlag jes äußerte ein deutscher Delegierter 1872 auf dem Rongreß der keine Minute des Tages fich angehören dürfen! Das ist's, doch heftige Mißbilligung. Ein lautes mißfälliges Murmeln erhob sich, und ich hörte Außerungen wie:„ Das fehlte Internationale im Haag. Was wir zerstören, das sind die was sie scheuen. Der Grundfehler der Hausfrauen den Mädchen gegen- noch!" Wozu brauchen die Mädchen zu tanzen?" angemaßten, falschen und verlogenen Autoritäten des Klassenstaats. Wahrheit, Recht und Sitte als die Grundlage des über besteht im allgemeinen darin, daß sie meinen, um den Unsinn, Unterhaltung für die!" Einige Frauen sagten fo= Betragens untereinander und gegen alle Menschen ohne Lohn die ganze Zeit, die ganze Kraft derselben gekauft gar:„ Das Tanzenlernen befördert die Unsittlichkeit!" Wie Rücksicht auf Farbe, Bekenntnis oder Nationalität" diese zu haben. Von alters her herrscht die Gewohnheit, es als gern hätte ich die Tribüne bestiegen und all diese Mütter auch heute noch lange nicht erfüllte Forderung der General gutes Recht anzusehen, Gesundheit, Kraft und Zeit der gefragt, warum sie denn dann ihre Töchter tanzen laffen, statuten der Internationalen Arbeiterassoziation an ihre Mit Dienenden zum Vorteil der Herrschaft aufzubrauchen. auf Bälle führen, wenn Freude überflüssig und schon Tanzen glieder stellt die echten Autoritäten des Sozialismus auf. Diese Gewohnheit fürchten die schwachen schulentlassenen von Mädchen untereinander unfittlich ist! Die Diskussion Und hier geraten wir in einen Gewissenskonflikt. Wir sehen, Mädchen, und vor ihr fliehen die Dienenden, welche schon war aber leider zu Ende. Eine ebenso traurige Herzlosigkeit wie in dem Angeführten wie die Schule mur in höchst unzulänglicher Weise ihrer Auf- Erfahrungen in den Familien gemacht haben. Die Hausgabe, großenteils aber dem Gegenteil ihres wahren Zweckes frauen sind also selbst schuld an dem Mangel an Dienst- zeigt sich in dem so häufigen Entlassen alter Dienstboten, dient. Und doch ist sie heute die einzige Stätte in der boten. Es sei mir gestattet, aus meinen Erfahrungen den die noch sehr Tüchtiges leisten, denen aber der Stuhl vor bürgerlichen Gesellschaft, in der wenigstens einige Tropfen Beweis für das eben Gesagte zu erbringen. Sechs Prozent die Tür gesezt wird, um jede Möglichkeit fernzuhalten, eines unverfälschten Menschentums dem Proletarierkinde zugeführt der Mädchen, die von dem mir bekannten Heime aus binnen Tages mit schwächeren Leistungen sich zufrieden geben zu werden. Oft ist der Lehrer besser als die Schulordnung und zwei Jahren in den Dienst getreten sind, hatten Erlebnisse müssen. Mit Recht fürchten die Mädchen das wirklich troftgibt seinen Schulkindern einen reichen Schah von Liebe und in der Art der nachfolgend geschilderten. Ein blühendes, lose Alter eines abgearbeiteten, fräntlich gewordenen DienstKraft mit auf den Lebensweg. Und auch der in der Rou- braves, fleißiges Mädchen trat in den Dienst bei einer Frau boten, und sie scheuen sich, einen Beruf zu ergreifen, wo die tine niedergedrückte und von Vorurteilen erfüllte Lehrer Doktor. Früh um 4 Uhr mußte es täglich aufstehen, bis Aussicht auf das Emporsteigen zu besseren Griftenzbedingungen wird, sofern er nicht gewissenlos ist, doch immer einiges von 8 Uhr bei Winterkälte und offenen Fenstern acht Stuben mit lein, die Anstrengungen groß, die Annehmlichkeiten sehr geWahrheit, Recht und Sitte, von Wissen und Fähigkeit den faltem Wasser aufwischen, dann erhielt es zum Frühstück ring sind. Wenn die Hausfrauen fich angelegen sein ließen, die Schülern vermitteln. Deshalb genießt die Schule in der eine trockene Semmel, feinen Tropfen warmes Getränk! Regel, was der Kirche nie und ihren Vertretern nur aus- Ordnen, die Kinder besorgen und Mittagessen kochen folgten, Dienstboten liebevoll, mütterlich zu behandeln, ihre Zukunft nahmsweise zuteil wird, ein gut Stück echter Autorität bei wobei die Frau, die Hände am Rücken, dabei stand und auf- durch den Einkauf in ein Altersheim zu sichern und ihnen aufgeklärten und ernstgesinnten Arbeitern. Und das wollen paßte, daß das Mädchen nicht aus Hunger etwas genieße. gegenüber Gerechtigkeit bis ins fleinste walten zu lassen: wir gerne bestehen lassen, soweit es mit unserem Gewiffen Dieses bekam nichts vom frischen Essen, sondern vom Tage fo tönnten sie dazu beitragen, die Dienstbotenmisere zu verträglich ist; nicht durch törichte Parteinahme für jede vorher übriges, zusammengeworfen und aufgewärmt, in mindern. Aber wie winzig ist die Zahl der Frauen, welche Beschwerde des Kindes den Lehrer herabsetzen, auch nicht einem unsauberen, rostigen Topfe. Fünf Tage vermochte die vorliegende soziale Pflicht versteht, so winzig, daß sie an jede abweichende Meinung schroff zur Geltung bringen. Wo das Mädchen nicht, diese Koft hinunterzuwürgen; am sechsten den allgemeinen Zuständen nichts zu ändern vermag. Es aber die Schule mißbraucht wird zur planmäßigen Ber- zwang es der Hunger dazu;„ da schmeckte ich ja nichts ist daher freudig zu begrüßen, daß die Dienenden die Notdummung, zur verblödenden Verzerrung der Naturvorgänge mehr," sagte die Armste. Nachmittags erhielt sie schwarzen wendigkeit erkennen, selbst Hand ans Werk zu legen, daß zu Ehren der„ Wunder Gottes", zur Fälschung der Geschichte Kaffee ohne Milch( ihre Bitte darum wurde mit empörtem sie sich in Vereinen zusammentun und den Kampf für Freiim Dienste der Hohenzollernlegende, zur bösartigen Herunter- Gelächter abgewiesen), ohne Zucker, ohne Gebäck, und nach- heit und Menschenwürde aufnehmen. reißung der Freiheitsbestrebungen unserer und früherer dem sie, fortwährend gescholten, bis abends gearbeitet hatte, A. von Berg. Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Beiten da gilt es, fachlich und gemessen, nicht mit eine fleine unbelegte Butterschnitte. Herr und Frau Doktor Scheltworten, sondern mit Gründen dem Kinde echte gingen abends aus, und ihr wurde ein Stoß Wäsche zum Aufklärung zu geben und ihm die Achtung vor der Wahrheit Ausbessern hingelegt. War sie damit bis 1 Uhr, wo die und vor dem Streben der Eltern, die ihm die Schule ge- Herrschaft tam, fertig, so durfte sie zur Ruhe gehen. Als Bon Klara Settin. ( Fortsetzung.) fährdet, zu erhalten. Und je mehr unsere Schule der Ver- die Herrschaft einmal um 3 Uhr morgens nach Hause kam, pfaffung und dem Chauvinismus überliefert wird, um so sagte Frau Doktor:„ Wenn Sie für die eine Stunde noch Leider fehlen genaue Nachweise darüber, in welchem mehr wird das zum Recht und zur Pflicht der Eltern. schlafen gehen wollen, so können Sie gehen." Das Mäd Maße die Agitation und der Ausbau der Internationalen Darum gilt es aber auch für diese, sich selbst das nötige Maß chen berichtete:" Da war mir, als wenn man mir das Gewerksgenossenschaft weiterhin die Frauen zu Schuh und von Wissen und reinem Streben zu erringen, das hierzu not- Herz aus dem Leibe gerissen hätte, es schauderte mich." Truz in den Bannkreis der Organisation geführt hat. Die wendig ist. Denn nicht nehmen wollen wir, sondern vertiefen Nun faßte es den Entschluß, die Stellung zu verlassen; Generalversammlung zu Crimmitschau, welche Zeugnis von und erweitern im Sinne unserer höheren sozialen und ethischen aber wie fortkommen? Jmmer war das Mädchen in der ihrer gesunden Blüte ablegte, hatte am Vorabend welt. Ziele. Daher erfordert die Behandlung solcher Fragen, die Wohnung eingesperrt, durfte mit niemandem sprechen, die geschichtlicher Ereignisse getagt. Sie griffen mit starter das Kind in Gegensatz zu der amtlich gepflegten Meinung der Frau gab das Dienstbuch nicht heraus und verlangte Ent- Hand in die historischen Bedingungen der Emanzipations. Schule bringen muß, viel Taft, will man nicht neben falscher schädigung für erdichtete Schäden, Bezahlung der Vermiets- bestrebungen des deutschen Proletariats ein. Die wirtschaftauch ein gut Stück echter Autorität zerstören. Ob das rechte frau und den Lohn für eine neue Haussflavin. So viel lichen und politischen Folgen des deutsch- französischen Krieges Maß zu halten da immer gelingen wird, ist eine Frage. hatte das arme Kind nicht. Endlich wurde das Mädchen wirkten lähmend auf die Entwicklung der GewerksgenoffenIn jedem Falle sei es versucht. ernstlich krank, mußte aber die Arbeit wie sonst verrichten. schaft zurück. Handel und Wandel stockten: die materielle Die Unglückliche hielt es nicht mehr aus, gab der Frau Leistungsfähigkeit der werktätigen Masse gegenüber der Dr Doktor alles Geld, das sie hatte, verzichtete auf allen Lohn ganisation sant, ihre Hilfsbedürftigkeit und damit die Inund packte. Die gebildete" Frau schlug zum Schlusse das anspruchnahme der Raffen steigerte sich. Der Krieg selbst Mädchen noch mit dem glühenden Schürhaken ins Gesicht, lichtete die Mitgliedschaften und entriß der Agitation, ben dann ließ sie es gehen. Nur 14 Tage war die Arme in lokalen Ausschüssen und Verwaltungen, dem Aufsichtsrat dieser Stellung gewesen; als sie ins Heim zurückfehrte, war viele der tüchtigsten Kräfte. Als ausgesprochen proletarische sie nicht wieder zu erkennen: um Jahre gealtert, eine Brand- Kampfesorganisation bekam die Gewertsgenossenschaft ihr wunde an der Stirn, die Hände blutend aufgefprungen, ver- gut Teil von der Sturmflut der Verfolgungen ab, welche hungert, und die Stimme ganz gebrochen; aus jedem Worte der ruhmvolle Protest der Sozialdemokraten gegen den Krieg, flang noch nach Tagen wie verhaltenes Schluchzen. Ihre ihre Sympathien für die heldenhaften Kommunekämpfer Nerven waren wohl für immer zerrüttet, die Qualen waren wider die„ Vaterlandsfeinde" und Umstürzler" entfesselte. zu groß gewesen. Mit dem nächsten Dienstmädchen, einem Der auf den Schlachtfeldern aus der Taufe gehobene NationalLandmädel, schloß die Frau Doktor vorsichtig einen Bertrag staat der deutschen Bourgeoisie wußte, was seines Amtes gegenüber den Lebensäußerungen und Organen der jungen Klaffenbewegung des Proletariats war. Die Behörden löften manche Mitgliedschaften der Internationalen Gewerks genossenschaft auf und schifanierten in unglaublicher Weise andere. Zweimal wurde die zweite Generalversammlung verboten, die zuerst in Meerane, dann in Hof tagen sollte. „ Um der Willkür gewisser Polizeibehörden zur beliebigen Auslegung unserer Organisation nicht mehr Anhalt zum Einschreiten, zur Verfolgung und Schädigung, ja zur Auflösung der Gewerksgenossenschaft zu geben," mußten die statutenmäßigen Veröffentlichungen im„ Volksstaat" unterbleiben. Es gilt nunmehr, so kurz und leicht verständlich, wie der oft schwierige und verwickelte Stoff es gestattet, der Frau und dem heranreifenden größeren Kinde die wichtigsten Gebiete des staatlichen und Rechtswesens darzustellen. Wenn hinlänglich flare Begriffe zu Anfang gebildet werden, so ist der Weiterbau nicht schwierig, zumal immer nach Möglichfeit an die Erfahrungen und Intereffen des täglichen Lebens angeknüpft werden soll. Wer aber dennoch nicht im klaren ist und weitere Auskunft wünscht, der frage bei der Redaktion der Gleichheit" an. Soweit es angeht, wird ihm dann auch weitere Aufklärung zuteil werden. Simon Kagenstein. Ein Beitrag zum Kapitel der Dienstbotennot. auf ein Jahr! Zwei andere nette Mädchen traten in den Dienst auf dem „ Wenn ich noch Hausfrau wäre, würde ich mich schämen, Lande. Nach drei Tagen kamen sie laut weinend zurück. über die Dienstboten zu flagen, denn jede Frau hat die Sie hatten ihre Roffer im Stiche gelassen( was das heißt, Dienstleute, die sie verdient," sagte mir eine liebe alte Edelweiß man!), weil man sie mit dem Schrubber geprügelt und dame. Meine Erfahrungen im Laufe eines Jahres an einem ihnen alles nachgeworfen hatte. Sie waren ganz verstört Mädchenheim scheinen ihr recht zu geben, und wenn jetzt wollten von keinem neuen Dienste hören und sagten nur mit Entrüftung geklagt wird, die Mädchen wollen nicht immer( obgleich durch den Tod der einzigen Kuh zu Hause dienen", dann sehe ich darin nur einen Beweis der Rück- Not herrschte):„ Wir wollen heeme, wir wollen heeme!" ständigkeit der Hausfrauen, die sich nicht sagen, daß jetzt in Ein Mädchen mußte bis 2 Uhr nachts waschen, erst dann allen Menschen das Bewußtsein der persönlichen Freiheit bekam es das Abendbrot; einem anderen wurde mit Gntund der Menschenrechte zu erwachen beginnt, das Dienst- laffung gedroht, weil der unartige Bub den Spiegel geverhältnis aber die Mädchen im Stande der Hörigkeit troffen hatte, als er sein Glas nach dem Mädchen warf. Erft am 25., 26. und 27. Dezember 1872 fonnte in wie vor Hunderten von Jahren zurückhält. Ahnliche Beispiele von schlechter Behandlung, ja von Weimar die dritte Generalversammlung tagen. Hier wurden Was ist es anderes als Hörigkeit jeder Lebensminute rohester tätlicher Mißhandlung der Mädchen ließen sich noch ebenso wie bei der vierten Generalversammlung zu Chemnit eines solchen Mädchens, das Tag und Nacht unter Befehl steht! in troftlosem Einerlei anführen. Kein Gesetz schüßt die am 24., 25. und 26. Mai 1874 nur schätzungsweise Angaben In 14 Tagen einmal einige Stunden frei, die verfümmert Töchter des Volfes gegen schrankenlose Ausnuhung ihrer über den Witgliederstand im allgemeinen vorgelegt, ohne werden durch die Angst, nur ja um keine Minute zu spät Rraft und Zeit, gegen Verhöhnung und Zertretung ihrer Hinweis auf die Zahl der weiblichen Mitglieder. Die Beheimzukommen. Die jungen Töchter des Hauses wären tob- Menschenwürde. Die Gesesgebung macht ehrerbietig vor teiligung der Frauen an der Organisation scheint jedoch nach unglücklich, dürften sie nur alle zwei Wochen einmal aus dem patriarchalischen Verhältnis" Halt, das angeblich wie vor eine rege gewesen zu sein. Allerdings wurde sie gehen, und die Mütter selbst hätten die überzeugung, ihre zwischen der Herrschaft und den Dienenden besteht. Des zum Teil nicht durch das Verständnis für die gesamten und Kinder müßten ohne regelmäßigen täglichen Ausgang trant weiteren geht man von dem unerschütterlichen Vorurteil der höchsten Ziele der Internationalen Gewerksgenossenschaft 162 Di« Gleichheit Nr. 23 bestimmt, vielmehr durch den Anreiz der Krankenkasse. Die Verhandlungen der dritten und vierten Generalversamm- lunz lassen das klar hervortreten. Aber immerhin hatte sich nach dem Zeugnis unseres Motteler eine nicht unbeträcht- liche Zahl von Frauen der Stammgenossenschaft in zielklarer Würdigung ihres Wesens und Strebens angeschlossen. In- wieweit dies bei den einzelnen Mitgliedschaften der Fall war, dafür waren meiner Ansicht nach zwei Umstände aus- schlaggebend: der Reifegrad der industriellen Produktion und von ihr bedingt der Umfang der industriellen Frauenarbeit; die Einsicht und der Eifer, mit welchen ein kleiner Stab von Genossinnen und Genossen unter den Proletariertnnen für den Sozialismus tätig waren. In den Textilzentren des sächsischen Erzgebirges wirkten beide Umstände zusammen. Hier rekrutierte daher die Stammesgenossenschast und ihr tiefster Wesensinhalt die große Zahl ihrer Anhängerinnen, hier erstanden unter den Prolelarierinnen selbst Evange- listinnen des sozialistischen Befreiungsgedankens. Die oben aufgezeigte Situatton aber erklärt den Charakter der Debatten, die sich auf der dritten und vierten General- Versammlung der Gewerksgenossenschaft um die Mitgliedschaft der Frauen drehten. Zwei Tendenzen traten betreffs ihrer in Erscheinung: die Neigung, aus engherziger Besorgnis um den Kassenstand die Frauen von den Unterstützungseinrich- tungen auszuschließen beziehungsweise ihr Anspruchsrecht herabzumindern; die andere Meinung, die Frauen mittels der Krankenkasse zum Anschluß an die Stammesgenossen- schaft zu zivingen. In Weimar stellte die Mitgliedschaft Braunschrveig den Antrag:„daß in die Krankenkasse keine Frauen mehr aufgenommen werden sollten". Die Mitglied- schaft Schweinau forderte in Chemnitz, daß die Wöchne- rinnenunterstützung erst vom vierzehnten Tage nach der Niederkunst an zu gewähren sei. Beide Ansinnen wurden glatt zurückgeschlagen. Motteler entkräftete die Drohung der Braunschweiger Mitgliedschaft, auf Grund des lokalen Selbstverwaltungsrechtes die Frauen ausschließen zu wollen, durch den Hinweis, daß dieses Recht eine Grenze finde an den Satzungen der Gesamtgenossenschaft. Die Hauptver- waltung werde über die Filiale hinweg die ausgeschlossenen Frauen in die Kasse aufnehmen, die ausdrücklich für die Fachgenossen„beiderlei Geschlechtes" gegründet worden sei. Der Behauptung, daß vorzüglich Frauen die Kasse stark in Anspruch Nähmen, und zwar oft Frauen, deren Männer der Bewegung feindlich gesinnt wären, stellte ein Delegierter aus Crimmitschau eine Tatsache entgegen. In Crimmitschau waren mehr Frauen als Männer organisiert, aber die Männer beanspruchten mehr Untersttitzung als die Frauen. Ein Vermittlungsdeschluß beantwortete auf beiden General- Versammlungen den Antrag, daß jedes Mitglied der Kranken- und Dterbekaffe auch der Stammesgenossenschast angehören niüffe. In Weimar wurde für Ausnahmefälle, in Chemnitz jedoch überhaupt jeder Mitgliedschaft das Recht zuerkannt, die Zugehörigkeit zur Kranken- und Sterbekasse von der Zu- gehörizkcit zur StammeSgenoffenschaft abhängig zu mache», vorausgesetzt, daß erstere dadurch nicht geschädigt werde. Die Gründung einer Sterbekasse war von der Generalver- sammlung zu Weimar beschlossen worden. Der Beitritt zu ihr stand„jedem Arbeiter oder dessen Frau respektive jeder Arbeiterin der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter- brauche" offen. Die Leitung und Verwaltung der Kasse sollte in den Händen von„gewählten Vertrauenspersonen beiderlei Geschlechtes" ruhen. Der Einsicht der Gewerks- genoffen wird ein ehrendes Zeugnis durch die Entscheidung ausgestellt, im Statut der Krankenkasse die Bestimmung zu streichen, daß Syphilitische nicht unterstützungsberechtigt seien. Im allgemeinen standen die beiden letzten Generalversamm- lungen der GcwerkschaftSgenossenschaft im Zeichen des heißen Bemühens, wieder aufzubauen, was durch die skizzierte politische Situation zertrümmert worden war, die gelichteten und gelockerten Reihen wieder fest zusammenzuschließen und aklionsfähig zu machen. Sie erstrebten ferner ein vereintes Marschieren, auf alle Fälle aber ein vereintes Wagen und Schlagen mit dem Allgemeinen deutschen Weber- und Manu- fakturartciterverband, sowie die Verbindung aller gewerk- schaftlichen Organisationen, welche auf dem Boden des Klassenkampfes standen. Der Anschluß an die„Gewerkschafts- union" wurde in Chemnitz beschlossen. Der Verfall der Internationalen Gewerksgenossenschaft, die so rasch einen vielverheißenden Aufschwung genommen hatte, ließ sich je- doch nicht aufhalten. Aus ihren Ruinen aber, ivie aus den Trümmern des Allgemeinen deutschen Weber- und Manu- fakturarbeiterverbandes blühte bald neues, klassenbewußtes, proletarisches Leben in neuen Formen. In beiden Organi- sationen haben wir Borläufer des Textilarbeiterverbandes, Bahnbrecher und Wegbereiter der Sozialdemokratte zu grüßen. Die Geschichte der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter ist ein Kapitel aus der Geschichte der proletarischen Frauenbewegung. Per- sönlichc Mitteilungen der Genossen Motteler und Vahlteich ergänzen, was offizielle Dokumente davon melden. Wie schon diese Dokumente genügend klar erkennen ließen, blieben die Satzungen der Internationalen Gewerksgenossenschaft über die volle Gleichberechtigung der weiblichen Mitglieder keine platonischen Prinzipiencrklärungen. Frauen gehörten- wenigstens in Sachsen— lokalen Verwaltungen, Ausschüssen, Komitees der Organisation an und erfüllten mit Eifer und Geschick die Ausgabe ihres Vertrauensamtes. Der Vorstand in Crimmitschau sandle gern erfahrene Frauen als Beauf- tragte in Orte, in denen neugegründete Filialen eingerichtet werden sollten; auch in Revisionsfällen zog er gern Frauen zur Mitarbeit heran. Ein kleiner Elitestamm der weiblichen Mitglieder nahm regen Anteil an den Sitzungen und Ver- sarnmlungen der Gewerksgenossenschaft und verfolgte mit lebhaftem Eifer ihre Entwicklung. Außer der bereits wieder- holt genannten Genossin Peuschel waren besonders die Ge- nossinnen Weber und Colditz in Crimmitschau, Genossin Misselwitz in Chemnitz bestrebt, Kopf und Herz der Prole- tarierinnen für die sozialistischen Ideen zu erobern. Frau Peuschel und Frau Weber zeichneten sich als geschickte Debatte- rednerinnen aus und verstanden es dadurch, wie durch gut gewählte Fragen, die Verhandlungen zu beleben, praktische Anregungen zu geben und das Interesse der Frauen für die Organisation und ihre Ziele zu wecken. Genossin Weber erschien— ein schönes Beispiel— meist in Begleitung ihrer Söhne in den Versammlungen und wurde wie eine Mutter begrüßt. Außerordentlich werwoll war die Agitation von Person zu Person, durch welche die vier Genossinnen und andere noch die Proletarier des Erzgebirges der klaffen- bewußten Arbeiterbewegung zuführten. Jedes Zusammen- treffen, jedes Ereignis des öffentlichen oder persönlichen Lebens war ihnen willkommener Anlaß, als Sendbotinnen des Sozialismus zu sprechen. Einen besonders erfolgreichen Wirkungskreis fand die pro- pagandistische Kleinarbeit der Genossinnen an den Tagen, wo aus dem Umkreis von Crimmitschau und Glauchau für die Produktivgenossenschaft, Faktore, Kleinfabrikanten usw. geliefert wurde; meist waren es Frauen, welche die Liefe- rung besorgten. Die führenden Genossinnen trafen dann da und dort mit ihnen zusammen, wo ein„Happen" gegessen, ein„Schälchen Heeßer" getrunken wurde. In gemütlicher Aussprache öffneten sich die Herzen, auf die Lippen drängten sich Klagen über die Leiden, welche der Ausgebeuteten Erb- teil sind. Die Genossinnen entzündeten an den schwachen Fünkchen der Hoffnung auf bessere Zeiten die hell lodernde Flamme der Begeisterung für die sozialistische Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, das strahlende Licht des Glaubens an die Befreiung der Arbeit durch die Erkenntnis und den Willen der Arbeitenden selbst. Wenn die Frauen mit ihren Bürden sich wieder in alle Windrichtungen des Kreises zer- streuten, so nahmen sie eine reiche Jdeensaat mit heim, die selten auf dürrem oder felsigem Boden verkümmerte; sie trugen das erste täglich erscheinende sächsische Parteiblatt, den„Crimniitschauer Bürger- und Bauernfreund", Organ fürs gesamte Osterland, in die armseligen Wohnungen der Dörfer; als Werbetruppen der Internationalen Gewerks- genossenschaft wanderten sie hin und her. Aus der Bewegung. Von der Agitation. In der ersten Hälfte Oktober sprach die Unterzeichnete im Auftrag des Tabakarbeiter- Verbandes in Versammlungen zu Minden, Herford, Ortinghausen, Hiddenhausen, Vlotho, Rehme, Bünde-Ennigloh, Bünde-Lübbecke und Burg- steinfurt. Sie behandelte das Thema:„Der Kampf der westfälischen Tabakarbeiter und-arbeiterinnen ums Dasein." Die Frauen und Mädchen stellten in den meisten Versamm- lungen fast die Hälfte der Besucher. Eine Ausnahme machte nur die Volksversammlung zu Herford, deren Besuch über- Haupt viel zu wünschen übrig ließ. Daß dem so war, hatten in der Hauptsache die organisierten Arbeiter verschuldet, die ihre weiblichen Familienmitglieder nicht mit in die Ver- anstaltung gebracht hatten. Hoffentlich holen sie das Ver- aumte ein nächstes Mal nach, denn gerade in Herford, wo die Frauen als Heimarbeiterinnen in der Wäschebranche bei überlangen Arbeitszeiten für erbärmlich niedrige Löhne -ronden, tut die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeite- rinnen sehr not. In der Versammlung zu Hiddenhausen wählten die Genossinnen auf Vorschlag der Genossen Ge- nossin Schmidt als ihre Vertrauensperson. 18 neue Lese- rinnen gewann die gut besuchte Versammlung der„Gleich- heit". In Vlotho und Ortinghausen wollen sich die Genossinnen angelegen sein lassen, die durch die Versamm- lung hervorgerufene Begeisterung der Frauen zugunsten der gewerkschaftlichen und politischen Ausilärung und Organi- lerung derselben auszunutzen. In beiden Orten gibt es Ge- nossinnen, die zur Leitung und Förderung einer Bewegung lehr befähigt sind, über 1500 Personen nahmen an der Ver- ammlung zu Burg steinfurt teil, die Stellung zu dem Verhalten der Firma Rotmann nahm. Die Firma ver- langt von ihren Arbeitern den Austritt aus der Organisation mit der Begründung, daß nach Z 1 der Fabrikordnung kein Arbeiter Mitglied eines sozialdemokrattschen Vereins sein dürfe. Die Versammelten verurteilten auf das schärfste diese Anmaßung, die den Arbeitern ihr Koalitionsrecht rauben will, und verpflichteten sich in einer Resolution, alles auf- bieten zu wollen, um ihre kämpfenden Arbeitsbrüder vorder Zuchtrute des Fabrikanten zu schützen. Wie in Burgstein- surt, so wachen allerorts die westfälischen Tabakarbeiter auf und organisieren sich. Allzulange haben sie sich über ihr er- bärmliches Los durch die Unternehmer täuschen lassen, die es verstanden, sich als die väterlichen Freunde ihrer Lohn- lklaven aufzuspielen. Hatte sich ein Arbeiter 25 Jahre lang geduldig ausbeuten lassen, so erhielt er als Belohnung da- für ein Geldgeschenk und eine Bibel. Aber alle derarttgen „Wohltaten" fruchten jetzt nichts mehr, auch die verlockende Aussicht auf die Bibel nicht. Den Arbeitern sind die Augen aufgegangen, und sie empören sich. Die„Rebellion" erstteckt fich sogar bis unter die Arbeiterschaft der hausindustriellen Tabaksabrikatton, welcher im östlichen Westfalen ganze Dörfer fronden. Die meisten dieser Arbeiter und Arbeite- rinnen kennen ihren Arbettgeber überhaupt nicht, denn die großen Firmen lassen die fertige Ware abholen und über- enden dabei zugleich Lohn- und Rohmaterialien. Als un- vermeidliche Folge der immer weiter um sich greifenden ge- werkschastlichen Organisierung der Arbeiter und Arbeiterinnen brechen allerorts Kämpfe um bessere Arbeitsbedingunaen auS, so in Vlotho. Rehme, Bünde, Minden usw. Die Unternehmer suchen durch Aussperrungen, Verbot der Organisierung und sonstige Maßregeln die Arbeiter wieder gefügig zu machen. Aber umsonst. Einmütiges Zusammen- stehen in ihrer Organisation, dem Tabakarbeiterverband, wird den Ausgebeuteten zu ihrem Rechte verhelfen. Sie müssen daher ihre Pflicht erkennen, als treue, opferbereite Mitglieder den Verband zu stärken. Marie Wackwitz. Im Monat Oktober fanden in folgenden Orten öffentliche Frauen- und Volksversammlungen statt, in denen Unterzeichnete referierte: Ehrenfcld, Kalk, Boll, Mül- heim, Nippes, Solingen, Hagen und Bocholt. Ferner waren fünf Versammlungen im Mainzer Bezirk arrangiert, die sich durchweg eines starken Besuches seitens der Frauen erfreuten. In sämtlichen Mainzer Vororten konnten wcib- liche Vertrauenspersonen gewählt werden, die im engen Kontakt mit der Kreis vertrauensperson in Mainz, die dem Kreisausschuß der Partei angegliedert ist, die Agitatton unter den Frauen betteiben wollen. In letzteren Versammlungen wurden 150 Abonnenten der„Gleichheit", sowie Parleimit- glieder und Leser der„Mainzer Volkszeitnng" gewonaen. Auch die anderen Versammlungen brachten den Frauen- bildungsvereinen Mitglieder und der Parteipresse Leser. W. Kähler. Mitte Oktober fand in einer öffentlichen Frauenversamm- lung in Frankfurt a. M. die Berichterstattung von der Frauenkonfcrenz und vom Parteitag durch die Genossin Schulze statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachten wir unserer treuen, tapferen Mitkämpferin Genossin Heiden- Deutschmann. Die Referentin berichtete besonders ein- gehend über die Frauenkonferenz und wies auf die mancher- lei wichtigen praktischen Aufgaben hin, welche diese den Genossinnen überwiesen habe. Insbesondere forderte sie zu einem energischen Kamps gegen die Verwahrlosung und Mißhandlung der Kinder durch eigene Eltern auf, wie für die Errichtung von Kinderkrippen und Fürsorgeanstalten durch die Gemeinde. Erfreulich war die rege Diskussion, die sich entspann, besonders über den letzten Punkt, sowie über das Frauenstimmrecht und über die brennende Frage der Dienstbotenbewegung. Es wurde angeregt, die Errich- tung von Kindergärten selbst in die Hand zu nehmen, da in den vorhandenen die Kinder mit Kaiserliedern und Bibel- sprächen gefüttert werden, davon abgesehen, daß ihre Zahl nicht ausreichend sei. Verschiedene ehemalige Dienst- mädchen lieferten reiches Material zur Dienstbotenfrage und befürivorteten die Gründung einer Organisation. Eine am Tage vorher in der„Volksstimme" erschienene anonyme Zuschrift einer angeblichen„Genossin", die von recht rückständigen Ansichten erfüllt war und aufforderte, anstandslos den höheren Preis für die Milch zu zahlen, rief die Entrüstung der Versammlnng hervor. Sie fühlte sich über die Annahme der Redaktion, daß es sich hier um eine Genossin handeln könne, beleidigt. So unwichtig die Sache an sich war, zeugte sie doch von einem hohen Ehr- gefühl unserer Genossinnen, die sich gelobten, den Kampf gegen den Milchwuchcr mit erhöhtem Nachdruck zu führen.>L R. Der erste Schritt zu einer planmäßigen Agitation unter den Proletarierinnen wurde Mitte Oktober in H i r s ch b e r g i. R. in einer öffentlichen Versammlung gemacht. Genosse Albert- Breslau referierte in ihr über„Die Bedeutung der Politik für Arbeiter und Arbeiterfrauen". Die gut besuchte Veranstaltung nahm die Gründung eines Frauen- und Mädchenbildungs- vereins wie die Aufstellung einer Vertrauensperson vor, als welche Genossin G o ttwald gewählt wurde. 24 Frauen und Mädchen organisierten sich sogleich und 16 abonnierten die „Gleichheit", die somit in Hirschberg 21 Leserinnen besitzt. Der Verein wird Lese- und Diskutierabende veranstalten. Hoffentlich werden diese gut besucht, damit am Ort ein Stamm mutiger Kämpferinnen erwächst. Wir wünschen dem Verein ein kräftiges Blühen und Gedeihen. A. M. In einer Anfang Oktober zu Elberfeld stattgefundenen Frauen- und Mädchenversammlung erstattete Genossin Voigd Bericht über die Frauenkonferenz und den Parteitag zu Mannheim. Sie führte den Anwesenden die Verhandlungen und Beschlüsse beider Tagungen, insbesondere die der Frauenkonferenz, vor Augen und stellte fest, daß die Elberfelder proletarische Frauenbewegung hinter derjenigen anderer Städte noch weit zurückstände. Die Genossinnen müßten ihr möglichstes tun, um das Versäumte nachzuholen und mit diesen gleichen Schritt halten zu können. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Krankenkassenangelegen- heit" wurde ein Antrag eingebracht, den Vorstand des Ortskrankenkassenverbandes zu ersuchen, für die iveiblichen Mitglieder sämtlicher Elberfelder Krankenkassen weibliche Kaffenkonlrolleure anzustellen. Nach lebhafter Debatte ge- langte eine Resolution im Sinne des Antrags zur Annahme. Die weiblichen Kaffenmitglieder werden ersucht, für die Ver- wirklichung der ausgestellten Forderung einzutreten. Frau I. Volberg. In einer gut besuchten Versammlung der sozialdemo- kratischen Frauen Jenas berichtete Genossin Rödel-Gera über die Verhandlungen der Frauenkonserenz zu Mannheim. Sie hob hervor, daß dieselbe die rastlose Tätigkeit der Genossinnen im Dienste der sozialistischen Forderungen und ihr Streben nach immer weiterer Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung zum Ausdruck gebracht hat. Die Genos- sinnen erklärten sich mit den Beschlüssen der Konferenz völlig einverstanden und beschlossen, dem Streben der organisierten Proletarierinnen nach stets besserem Wissen nachkommend, während des Winterhalbjahres neben den schon vorgesehenen Vorträgen Leseabende abzuhalten. Zur Unterstützung der Ver- trauensperson wurde eine Kommission gewählt, welcher die Genossinnen Burkhardt, Wilhelm, Härzer und Otto angehören. Die Kommission soll hauptsächlich für die poli- Nr. 23 Die Gleichheit !63 tische Organisierung der Proletarierinnen Propaganda machen. Die Versammlung hat frischen Geist unter die Frauen getragen und sie angefeuert, sich mehr wie bisher der' Bewegung zu widmen. Emma Wolf. Von den Organisationen. Eine von zirka Ivo Frauen besuchte Mitgliederversammlung der sozialdemokratischen Frauen Mannheims lauschte mit Interesse dem Bericht der Genossin Hoffmann über die Frauenkonferenz. Mit besonderer Freude begrüßte die Versammlung den Beschluß, die Referate in Broschürenform erscheinen zu lassen. Zu bedauern wäre, meinte die Rednerin, daß über die wichtige Frage der Agitation unter den Landarbeiterinnen keine und über die des Wöchnerinnenschutzes keine umfassendere Debatte stattfinden konnte. Sie betonte die Wichtigkeit der Resolution über die Dienstbotenfrage und sprach die Hoffnung aus, daß auch in Mannheim bald mit der Organisierung der Dienenden be- gönnen werde. Die Referentin gedachte der fleißigen Zlrbeit der Mannheimer Genossinnen während der Frauenkonferenz. Die Genossinnen stimmten in der Debatte den Ausführungen der Referentin zu und beschlossen, erkrankte Proletarierinnen zu pflegen, doch müßten diese mindestens ein Jahr politisch organisiert sein. In der Versammlung wurden die Frauen auf die Pflichten aufmerksam gemacht, die sie als Prole- tarierinnen in dem seit Wochen tobenden Kampfe, den die organisierten Metzgergesellen um ihr Koalittonsrecht führen, zu erfüllen haben. Es wurde ihnen eingeschärft, diejenigen Metzgcrmeister zu boykottieren, welche ihre organi- sierten Gehilfen ausgesperrt oder gar hinausgeworfen haben- Die Frauen können in diesem Kampfe eine entscheidende Rolle spielen, aber zum großen Teil sind sie sich dessen gar nicht bewußt oder sie versäumen, ihre Schuldigkeit zu tun. Das hob auch der Gauleiter der Metzgergesellen, Genosse Flischkowsky, hervor, welcher den Frauen die Lage der Metzgergesellen schilderte und sie anfeuerte, diesen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Mit Begeisterung sttmmten die Frauen seinen Ausführungen zu und versprachen, die ihnen in die Hand gegebene Waffe des Boykotts tapfer zu gebrauchen. Mögen sie ihr Wort halten und damit den kämpfenden Proletariern zum Siege verhelfen. Stephanie Hoffmann. Die Polizei im Kampfe gegen die proletarischen Freuen. Dem Parteitag für die Provinz Ostpreußen, der Anfang September in Jnsterburg tagte, wohnten außer einer Delegierten der Königsberger Genossinnen viele Frauen aus der Stadt selbst wie aus der Provinz als Gäste bei. Dem sozialdemokratischen Verein Jnsterburgs, der erst im Sommer gegründet wurde, gehören schon gegen 300 Mit- glieder an. Die Jnsterburger Spießbürger und Behörden hatten bis jetzt noch alle Versammlungen der Partei und der Gewerkschaften vereitelt. Um so größer war die Aufregung, als Plakate anzeigten, daß gar der sozialdemokratische Partei- tag am Orte stattfinden werde. Polizei und Feuerivehr waren schnell auf den Beinen, diese gefährlichen Bekannt- machungen zu entfernen. Kürzlich war erst eine öffentliche Volksversammlung der Auflösung durch den Polizeiinspektor verfallen, weil sich auch Frauen unter den Besuchern be- fanden. Um wie viel gefährlicher aber als die Anwesenheit der Frauen in der Versammlung war die bei den VerHand- lungen des Parteitags! Nach dessen Eröffnung erklärte der überwachende Polizeibeamte denn auch, er habe strikten Be- fehl vom Oberbürgermeister, die Versammlung, in der über Polittk gesprochen"werde, aufzulösen, wenn ihr Frauen beiwohnten. Es blieb den Frauen nichts anderes übrig, als sich in die Nebenräume zu begeben, wollten sie den Partei- tag nicht unmöglich machen. Den eindringlichen juristischen Auseinandersetzungen des Genossen Haase, der sich nach Beendigung seines einleitenden Vortrags in die Wohnung des Stadtoberhaupts begab, gelang schließlich die Zurück- ziehung des merkwürdigen Verbots. Nachdem bereits zwei wichtige Punkte der Tagesordnung erledigt waren, wurde es den Frauen gestattet, den weiteren Verhandlungen bei- zuwohnen. Die löbliche Polizei wähnt, durch Schikanen die Proletarierinnen davon zurückzuhalten, sich mit Politik zu befassen; sie ahnt nicht, daß sie dadurch ihr Interesse an dieser nur wachruft und fördert. Der niederrheinische Parteitag, der am 21. und 22. Ok- tobcr in Hagen stattsand. zählte unter seinen 70 Delegierten 4 weibliche. Aus dem Geschäftsbericht der Agttations- kommission ging hervor, daß die proletarische Frauenbewegung im niederrheinischen Agitationsbezirk ganz bedeutende Fort- schritte gemacht hat. Während der vorjährige Bericht nur 5 Orte verzeichnete, in denen sie Fuß gefaßt hatte, zählte der diesjährige deren 24 auf. Die Zahl der„Gleichheit"- Leserinnen betrug 2034, die sich auf 42 Orte verteilen, gegen 1069 im Vorjahr. Sticht eingerechnet sind dabei die vom Textilarbeiterverband an die weiblichen Mitglieder ge- lieferten Exemplare der Frauenzeitung. Unter den arbeitenden Frauen des Bezirks steht noch ein weites Tätigkeitsfeld offen. zu dessen gründlicher Bearbeitung es leider an Kräften fehlt, da der Bezirk in der Hauptsache auf seine eigenen rednerisch befähigten Genossen und Genossinnen angewiesen ist. Die drei besoldeten Parteisekretäre haben übergenug Arbeit, und es ist daher eine der dringendsten Aufgaben der Parteiorganisation, diesem Mangel an Agitatoren durch die Ausbildung der jüngeren Genossen und Genossinnen ab- zuhelfen. Unter den über 700000 im letzten Jahre zurVer- teilung gelangten Flugschriften befanden sich eine Anzahl Exemplare der„Gleichheit". Verschiedene Diskussionsredner schilderten die Drangsalierungen, durch welche die Behörden des Bezirks wähnen, die proletarische Frauenbewegung, ins- besondere aber die Bildungsvereine zu Tode bütteln zu können. Sämtliche Redner gaben der Meinung Ausdruck, daß es gelte, diesen Schikanierungen zum Trotz im Interesse der Gesamtbewegung die Frauenbewegung zu fördern. Die Erörterung der Frage der Jugendorganisatton schloß mit der Annahme eines Antrags, Bildungsausschüffe zu berufen, die die Frage gemeinschaftlich mit dem Agitationskomitee praktisch zu behandeln und dem nächsten Parteitag über die Ergeb- nisse Bericht zu erstatten haben. Einem Antrag Genossen Laufenbergs zufolge wurde der Beschluß gefaßt, allerorts der Errichtung von Lehrkursen näherzutreten und das Agitations- komitee mit der Aufgabe zu betrauen, bis zum folgenden Parteitag festzustellen, inwieweit Genossen zur Verfügung stehen, welche sich zu Lehrvorträgen eignen. W. K. Eine nene Verurteilung unserer Genossin Zieh ist zu melden. In Langendiebach soll sie bei der letzten Maifeier durch Beamtenbeleidigung gesündigt haben. In ihrer Rede hatte sie auch die von vielen Betrieben noch immer beliebte Praxis der Schikanen uns gegenüber ge- geißelt und dabei dem Sinne nach ungefähr gesagt: Die Toren, sie wähnen durch solche Nadelstiche die sozialistische Bewegung aufzuhalten. Der Überwachende bezog diesen Satz auf sich und stellte Klage. Das Schöffengericht zu Langendiebach trat seiner Meinung bei und ahndete die Missetat mit 14 Tagen Gefängnis. Der Klaffenstaat läßt sich angelegen sein, der unermüdlichen, aufopfernden Genossin Zieh die„Lichtseiten der heutigen Ordnung" in aller Schön- heit zu zeigen._ Es ist dringend wünschenswert, daß die Genossinnen die erfolgte Neuwahl sowie Adressenänderungen ihrer Ver- ttauenspersonen sofort der Unterzeichneten melden. Ottilie Baader, Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands, Berlin 8 63, Blücherstraße 49, Hof II. Politische Nmtdschan. In Frankreich ist es zu einem Ministerwechsel gekommen. Obschon nur Nebenfragen mehr persönlicher Natur die Amtsniederlegung des früheren Ministerpräsidenten Sarrien herbeigeführt haben, ist die Neubildung des Kabinetts von größerer Bedeutung für die politische Ent- wicklung Frankreichs. Hat doch der bisherige Minister des Innern, Clemenceau, die Ministerprästdentschaft über- nommen und damit Gelegenheit erhalten, der Regierungs- Politik den Stempel seiner Persönlichkeit und seiner politischen Anschauungen aufzudrücken. Clemenceau ist der Hauptvertreter der sogenannten radikal-sozialisttschen Partei, wie man sie in der deutschen Presse in mangelhafter übersehung der französischen Partei- bezeichnung nennt. Es soll durch jene Parteibezeichnung nämlich nicht etwa ausgedrückt werden, daß jene Richtung einem besonders radikalen Sozialismus huldigt. Die Be- Zeichnung hat sich vielmehr historisch so entwickelt, daß in der bürgerlichen republikanischen Linken sich ein radikaler Flügel bildete, aus dem sich dann wieder eine besondere Gruppe durch Annahme einzelner sozialistischer Forderungen absonderte. Dieser Gruppe, die also sowohl entschieden re- publikanisch wie sozialen Reformen zugeneigt ist, gehört Clemenceau an. Man könnte ihn und seine Freunde also nach der bei uns üblichen polittschen Nomenklatur etwa als bürgerliche Demokraten mit sozialreformerischen Neigungen bezeichnen. Clemenceau gilt, was Intelligenz und Tatkraft anbettisst, für den zweifellos bedeutendsten Vertteter dieser Richtung. Daß er nicht früher schon in die leitende Stellung gekommen ist, erklärt sich daraus, daß seine Partei erst allmählich zu einer solchen Stärke angewachsen ist, daß sie den Kern der bürgerlich-republikanischen Regierungsmehrheit bilden konnte- Clemenceau und seine Partei haben also jetzt freie Bahn, zu zeigen, was sie leisten können. Nun darf man dem Ministerium Clemenceau zwar zutrauen, daß es in der Ab- wehr nattonalistischer und klerikaler Bestrebungen die größte Energie betätigen und deshalb die Trennung von Kirche und Staat konsequent durchführen wird, aber seine sozialen Re- formen werden schwerlich über das Maß hinausgehen, was von gemäßigten Sozialreformern verschiedener bürgerlicher Richtungen in allen kapitalisttschen Ländern zugestanden zu werden pflegt. Zwei frühere Mitglieder der sozialistischen Partei, die sich jetzt gleich Millerand„unabhängige Sozialisten" nennen, sind dem Kabinett beigetreten: Briand als Unterrichts- minister, welchen Posten er schon im Ministerium Sarrien bekleidete, und Viviani als Minister für Arbeiterfragen und Hygiene, also in einem neuen, für soziale Bestrebungen eigens geschaffenen Amte. Die Auffassung, daß ein oder zwei Sozialisten in einem bürgerlichen Kabinett eine ernst- lich sozialistische Politik treiben könnten, ist auch in den Reihen unserer französischen Parteigenossen nach der Er- fahrung mit Millerand längst überwunden. Man erwartet auch von Briand und Viviani nur Sozialreformen im Nahmen der bürgerlichen Staatsräson. Charakteristischer für die Eigenart des Kabinetts ist die Ernennung Picquarts zum Kriegs minister. Denn Picquart war derjenige Offizier, der, damals noch Oberst, in der Dreyfus-Affäre gegen das verworfene Intrigenspiel der mit Fälschungen operierenden Generalstabsclujae mit aller Entschiedenheit ankämpfte und deshalb aus d«m Dienst entlassen wurde. Seine Ernennung zum Kriegsminister ist ein Schlag ins Gesicht der reaktionären Sippe, die in der Armee ihre Hauptburg besitzt. Trotzdem bedeutet Picquarts Minister- schast keineswegs einen Bruch mit dem System des Milita- rismus. Es wird nur versucht werden, einige Auswüchse des Militarismus zu beschneiden. Die Gefahr, mit der er ein Volk bedroht, kann jedoch nur beseitigt werden durch den völligen Bruch mit dem System der stehenden Heere. Da- von ist aber auch der„radikale" Clemenceau weit entkernt. wie aus der im Senat und in der Deputiertenkammer ver- lesenen programmattschen Regierungserklärung hervorgeht Am wesentlichsten unter den militärischen Neuerungen ist die Aufhebung derKriegsgerichte, womit in Frcmkreich dem groben Unfug ein Ende gemacht werden soll, daß das Militär durch ein gesondertes Gerichtswesen einen Staat im Staate bildet. Man muß indes den Gesetzentwurf ab- warten, um beurteilen zu können, ob nicht vermittels der angekündigten Vorkehrungen zur Sicherung der Disziplin doch wieder eine teilweise gerichtliche Sonderstellung des Militärs eingeführt wird. Wenn es da zum Beispiel heißt: „Die Disziplin werden wir dadurch zu sichern wissen, daß wir verlangen, daß sie von oben komme"— so klingt das völlig rätselhaft. Soll damit nur gesagt werden, daß die höheren Vorgesetzten durch ihren Gehorsam gegen die Ge- setze des Landes den Soldaten mit einem guten Beispiel vorangehen müssen, so hätte das füglich anders und deut- licher ausgedrückt werden können, übrigens will das Mini- sterium angesichts des nun einmal bestehenden gegnerischen Verhältnisses der Staaten zueinander die Rekrutierung bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit durchführen, um das Land verteidigungsfähig zu erhalten. Daß Clemenceau und Genossen zu einem solchen Zwecke aber ein stehendes Heer ausrecht erhalten wollen, ist der springende Punkt in ihrer Militärpolitik. Denn käme es ihnen nur auf die Landes- Verteidigung an, so würden sie mit der allgemeinen Volks- bemaffnung und der Ausbildung der jungen Leute nach dem Milizsystem das besser erreichen können als durch das Be- harren bei dem Heeressystem des Absolutismus, das jeder- zeit wieder ein Unterdrückungswerkzeug in den Händen skrupelloser Gewaltmenschen werden kann. Natürlich betonen denn auch diese radikalen bürgerlichen Demokraten ihr Festhalten an dem Bündnis mit dem Zaris- mus. Der Gedanke, den Zaren samt seinen glorreichen Gene- rälen und Admirälen noch einmal als Bundesgenossen in einem Kriege gegen den äußeren Feind benutzen zu können. läßt alle Erwägungen in den Hintergrund treten, daß eine zu den Grundsätzen freiheitlicher Selbstregierung eines Volkes sich� bekennende Regierung sich durch eine solche Bundesge- nossenschaft besudelt. Durch seine Betonung der russischen Freundschaft ebnet Clemenceau den Zarenschergen den Weg zu den Geldschränken der französischen Kapitalisten. Und der von dem radikalen Demokraten Clemenceau begönnerte Geldpump des Zaren wird dann auch zur Niederkartätschung der russischen Freiheitskämpfer verwandt werden. So bewegt sich zweifellos die Politik des Kabinetts Clemenceau in der nämlichen Richtung wie die seiner Amts- Vorgänger in den letzten Jahren. Eine neue Ära bricht da- mit nicht für Frankreich herein. Unsere Genossen in der französischen Kammer haben denn auch durch ihr Verhalten bei der Abstimmung über das übliche Vertrauensvotum— sie enthielten sich der Abstimmung— zu verstehen gegeben, daß sie auf Worte nichts geben und erst einmal die Taten des Ministeriums abwarten wollen. Auch Osterreich-Ungarn hat seinen Ministerwcchsel gehabt, allerdings nur in einer einzigen Person. Der ge- meinsame Minister der beiden Reichshälsten für auswärtige Angelegenheiten, Herr von Goluchowski ist durch den bis- herigen Botschafter in Petersburg, Herrn von Aehrenthal ersetzt worden, ein polnischer Junker durch einen deutschen, der nämliche Faden, nur eine andere Nummer. An dem diplomatischen Schlendrian der sogenannten Großmachts- Politik des zerrissenen österreich-ungarischen Staatswesens wird das nichts ändern. Höchst bedeutsam aber für die Entwicklung Österreichs selbst ist es, daß es endlich gelungen ist, die österreichische Wahlreform durch die Ausschußberatung hindurch- zubugsieren. Damit ist die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Männer, die über 24 Jahre alt sind und ein Jahr in einer Gemeinde ihren Wohnsitz gehabt haben, so gut wie gesichert. Denn die Obstruktion der reakttonären Minderheit wird die Durch- drückung des Gesetzes im Plenum des Reichsrats zwar noch hinausschieben, aber nicht mehr hindern können. Wird das Ziel erreicht sein, wird das allgemeine Wahlrecht in Oster- reich eingeführt, so ist damit zwar noch nicht unser Ideal eines Wahlrechtes erfüllt— denn abgesehen von einzelnen minder wichtigen Einschränkungen fehlt auch noch die Aus- dehnung des Wahlrechtes auf die Frauen—, aber es ist doch hauptsächlich das Verdienst unserer Genossen, daß es über- Haupt in dem von Nationalitätsstreitigkeiten zerrissenen Osterreich zu dieser Reform gekommen ist, von der allein sich noch eine Gesundung der österreichischen Zustände er- warten läßt. Unsere österreichischen Genossen haben mit diesem Erfolg aber auch gleichzeitig unsere eigenen Kämpfe um die Erringung des allgemeinen Wahlrechtes für die©inzelland- tage in Deutschland gestärkt. G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Die vorausgesagte Wirkung der reichsdeutschen Steuer- polittk ist in der Zigarettenbanderolen st euer be- reits eingetreten. Vom Hauptindustrieort der Zigaretten- industrie, Dresden, kommt die Meldung, daß zirka 4000 Personen, meist Arbeiterinnen, Beschäftigung und Brot verloren haben. Das sind etwa 60 Prozent der Arbeits- kräfte, die in der Branche am Orte beschäftigt sind. In Berlin sind solche Massenentlassungen nur dadurch v«r- mieden worden, daß in den meisten Fabriken nur halbe Tage gearbeitet wird. Die herrschende Arbeitslosigkeit wird noch wesentlich dadurch gesteigert, daß die Fabrikanten so- viel als»nöglich Maschinen einführen, welche„Hände" über- flüssig machen. Infolge der Steuern ist der Absatz von Zigaretten, die mtt der Maschine fabriziert sind, stärker als 164 Die Gleichheit Nr. 23 " " zuvor. Der Raucher mußte zur billigen Sorte greifen, aber den Vorrang gewinnen, so daß aus einer Politik des nicht vom Lohne abziehen durfte, aber er wußte auch, daß es find auch vielfach den Konsumenten die Maschinenfabri- Waffenstillstands" eine„ Politik der Verständigung" hervor- das Mädchen nach München zog und den Klageweg nicht fate als Handarbeit aufgehängt worden. Die volksfeind- gehen wird. Mit Recht hat die Partei- und Gewerkschafts- ohne große Scherereien hätte beschreiten fönnen. Deshalb lichen Wirkungen der Steuersucht treten also scharf hervor: presse sich scharf gegen diese Friedenspsalmodei gewendet. schickte er es faltblütig mit 9,60 mt. fort. Mit begeisternden Arbeitslosigkeit, raffinierte Geschäfts- und Fabrikations- Das„ Korrespondenzblatt", das Organ der Generalfommission Worten forderte ein Dienstmädchen ihre Arbeitsschwestern methoden, Betrug des Konsumenten und, wie wir schon lett- der Gewerkschaften Deutschlands, schreibt, daß es eine völlige auf, der Organisation beizutreten und den Sklavensinn abhin berichteten, besonders starke Ausbeutung der Arbeite- Verkennung der Aufgaben der Gewerkschaftspresse bedeute, zuschütteln. Ehe die Mädchen sich nicht selbst über die Ers rinnen. Lohndrückereien, die den Fabrikanten einen Aus- den Arbeitern angesichts eines solchen Tarifabschlusses die bärmlichkeit ihres Loses klar sind, fann ihnen nicht geholfen gleich für die Belastung der Ware durch die Steuern schaffen Preisgabe der Waffenstillstandspolitik und deren Ersatz durch werden. Sie so weit zu bringen und der Organisation zusollen, werden nicht ausbleiben. Schließlich hat unter diesem eine prinzipielle Friedenspolitik dauernder Verständigung zu zuführen, müssen sich alle aufgeklärten Dienstboten und alle Stande der Dinge auch die Organisation der Arbeiterinnen empfehlen. Die Gewerkschaftspresse hat die Aufgabe, die Genofsinnen angelegen sein laffen. Am 18. November und Arbeiter zu leiden. In letter Linie ist es immer wieder Mitglieder zu zielbewußten Gewerkschaftskämpfern zu er- veranstaltet der Verein im Gewerkschaftshaus( Elvorasaal) die Arbeiterklasse, welche die Zeche zahlen muß. Angesichts ziehen; das geschieht durch die Betonung des Klaffengegen ein Herbstvergnügen. + der allgemeinen Situation im Gewerbe sowie der zum großen fates und Klassenkampfes, besonders in solch wichtigen Die Nürnberger Dienstbotenorganisation hielt am Teil geradezu miserablen Löhne, mit welchen die Tabat Momenten, nicht aber durch die Propaganda einer vorbe- 25. Ottober eine außerordentlich stark besuchte Mitgliederarbeiter und-arbeiterinnen abgespeist werden, kann es nicht haltlosen Verständigungspolitik." Die vielen und schweren versammlung ab, die Stellung zu dem Gesindeverwundernehmen, daß es mancherorts zu Differenzen zwischen Kämpfe, welche die gewerkschaftlich organisterten Arbeiter trag nahm, welchen Genosse Stadthagen auf Veranden Ausgebeuteten und Ausbeutern kommt. Die Deutsche überall zu führen haben, zeigen finnenfällig, daß der Klassen- laffung der Berliner Genoffinnen ausgearbeitet hat.( Siehe Arbeitgeber- Zeitung" meint zwar, daß frivol jeder Anlaß gegensatz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten in aller Gleichheit" No. 21.) Nach eingehender Diskussion wurde benutzt werde, um Differenzen hervorzurufen, und ein Tabat- alten unversöhnlichen Schärfe besteht. Die Üra des Friedens der Vertrag einstimmig abgelehnt, da nach der Ansicht fabrikant läßt in ihren Spalten ein gar beweglich Klagelied fann erst mit dem Sieg der organisierten Arbeit über das der Versammelten durch die Zustimmung zu ihm die ruhige erschallen über die Uneinigkeit der Unternehmer, welche der Kapital anbrechen. #Entwickelung der jungen Dienstbotenorganisation gefährdet Begehrlichkeit" der Arbeiter zugute komme. Er seufzt:„ So erscheint. Sämtliche Diskussionsrednerinnen erklärten fich geht es weiter, eine Firma wird nach der anderen abgegen den Vertrag, obgleich er an sich ihnen zusage. Die geschlachtet." Wer und was aber die Differenzen verursacht Mitgliederversammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß und wer in Wahrheit abgeschlachtet wird, darüber schweigt im Sinne der Mannheimer Resolution weiter gearbeitet der Sänger des edlen Scharfmacherorgans. Die Gründung einer Dienstbotenorganisation in werden müsse, welche die Unterstellung der Dienenden unter In der Textilindustrie geht die Bewegung für die Hamburg ist beschlossene Sache. Sie wurde eingeleitet die Gewerbeordnung verlangt. Die Erfüllung dieser For Regelung der Arbeitsverhältnisse munter weiter. In einer durch ein prächtiges Referat, welches Genoffin Zieh am derung würde zur Folge haben, daß die Arbeitszeit gesetzlich Reihe fleiner Orte sind Bewegungen zugunsten des Zehn- 23. Oftober in einer öffentlichen Dienstbotenversamm geregelt und die Dienenden dem Gewerbegericht unterstellt stundentags im Gange. Eine lebhafte Agitation für Ein- lung über das Thema hielt:„ Dienstmädchen, aufgewacht." würden. Der Passus des Vertrags, daß die Mädchen auch führung einer einheitlichen Arbeitszeit und Erhöhung der über 1000 Personen nahmen an der Versammlung teil, dar- ohne Grund bei 3 Mt. Strafe den Dienst verlassen können, Löhne wird in Sachsen betrieben. Auch in Süddeutsch unter auch bürgerliche Damen, die mit Spannung die Entwürde eine neue Rechtsungleichheit darstellen. Die Dienstland gärt es. Eine Konferenz der Jutearbeiter und wicklung der Dinge verfolgten. Die Referentin betonte, daß boten wollen gleiches Recht mit den gewerblichen Arbeitern arbeiterinnen tagte in Braunschweig. Sie beschloß, die zu schaffende Dienstmädchenorganisation den freien Ge- und Arbeiterinnen. Genoffin Grünberg berichtete, daß bis in Berücksichtigung dessen, daß die Arbeit in den Jute- werkschaften gleich auf dem Boden des Klaffengegenfazes iest aus 20 Städten Deutschlands um Statuten und Matefabriken eine äußerst anstrengende und gesundheitsschädigende stehen müsse. Ihre Aufgabe sei es, fräftig einzutreten für rial zur Gründung von Dienstbotenorganisationen nachgeist, die neunstündige Arbeitszeit zu verlangen. Ferner soll die Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit, die Verbesse sucht worden ist. Der Nürnberger Verein verzeichnet für ein einheitlicher Lohntarif und die Beseitigung des Afford- rung der Löhne, der Behandlung, Behausung und Betöfti- das 3. Quartal eine Einnahme von 539,07 Mt., eine Auslohnsystems angestrebt werden, desgleichen achttägige Lohn- gung und vor allem für die Abschaffung der Gesinde gabe von 283,60 Mt. und einen Mitgliederstand von 363. zahlung statt der vielfach noch bestehenden vierzehntägigen. ordnungen, des weiteren für die Errichtung unentgeltlicher Als Kassiererin wurde Frau Rummel, Bergstraße 5, geDie Konferenz sprach sich weiter gegen die heuchlerische Stellennachweise. Durch Beispiele bewies Genossin Zieh, wählt, in deren Händen auch die Verwaltung des foftenWohlfahrtseinrichtung" der Arbeiterwohnungen aus sowie daß die Klagen der Dienstmädchen über ihr Los nur zu be- lofen Stellennachweises ruht. Die Mädchen sollten es als gegen das Prämiensystem. Es ist allgemein bekannt, in rechtigt sind. Besonders beleuchtete sie dabei die meist mise- ihre Pflicht betrachten, nur diesen Nachweis zu benutzen, welch hohem Maße die Arbeiterwohnungen und das Prä- rablen Schlafräume, die Krankheiten und fittliche Gefahren zumal weit mehr Herrschaften als Mädchen eingetragen miensystem die Ausbeutung und Knechtung der Arbeiter auf bedingen. Als Verdienst ergibt sich in der Regel ein Stunden- find. + die Spitze treiben. = Notizenteil. Dienstbotenfrage. John von 2 bis 3 Pf. Dem prächtigen Referat folgten die Nachschrift der Redaktion. Unserer Meinung nach hat Auch in der Stidereibranche und den ihr verwandten Zuhörer mit größtem Interesse und unterbrachen es bei be- die Nürnberger Organisation den Stadthagenschen Vertrag Berufen, wie der Kurbelstickerei usw., regen sich die sonders drastischen Stichproben aus dem Dienstbotenleben nicht richtig gewertet. Er steht in seinen wichtigsten FordeArbeiterinnen. In Berlin und im Hauptsis der Branche, mit lebhaftem Beifall. Während der Diskussion wurden rungen nicht im Gegensatz zu der Mannheimer Resolution, im Erzgebirge, ist eine Bewegung im Gange. Trotz des zwei Tellerchen mit je 13 Gramm Butter herumgereicht, um den gesetzlichen Schutz der Dienenden betreffend. Er will trassen Glends ihrer Lage halten die in der Stickerei usw. zu zeigen, wie viel Butter die Mädchen bei jeder Mahlzeit gleichsam Vorarbeit leisten für das, was sie erstrebt. Sobeschäftigten Arbeiterinnen ihren Beruf für etwas Be- verbrauchen dürfen, wenn die ihnen gnädigst bewilligten lange die Gesetzgebung noch nicht für alle Dienenden die in sonderes",„ Besseres". Von Kastendünkel erfüllt, haben sie dreiviertel Pfund Butter oder gar Vitello für die Woche der Resolution geheischten Verbesserungen der Arbeits- und ihre Hungerlöhne mit einem gewissen Künstlerstolz" ertragen. reichen sollen. Genoffin Mangels kritisierte in der Debatte Lebensbedingungen verwirklicht hat, will er diese wenigstens Ihre gewerkschaftliche Organisation haben sie in der Folge die Gepflogenheit des Jugendschutzvereins, jungen Mädchen so vielen Dienenden als nur möglich vermittels eines prigänzlich vernachlässigt, wie dies auch die Arbeiter manches unter dem Vorgeben, sie anlernen zu wollen, auffallend vaten übereinkommens mit den Herrschaften sichern. Mit anderen Berufs getan haben, der als ein besserer" gilt. Mit niedrige Löhne von 1 Pf. pro Stunde an zu offerteren. Die diesem Bestreben sett er sich so wenig in Widerspruch zu den Jahren haben sich nun ihre Arbeitsverhältnisse derart Rednerin stellte fest, daß Tagmädchen für einen Wochenlohn der Forderung nach gefeßlichem Schuhe, als die Gewerkgestaltet, daß sie unter denen der einfachsten Handlanger von 4,50 Mt. an arbeiten, und daß ihnen nach Abzug von schaften es tun, die den allgemeinen gefeßlichen Achtstundenstehen. Hoffentlich holen die Arbeiterinnen durch große und 2,50 Mt. für Logis und 25 Pf. Kranten- und Invalidengeld tag verlangen, aber trotzdem unablässig für die Verkürzung dauernde Rührigkeit nach, was sie in punkto der Organisation 25 Pf. pro Tag bleiben. Die Dienstmädchen müßten oft, der täglichen Arbeitszeit in den einzelnen Industrien, Branchen bis jetzt versäumt haben. wenn die Herrschaften verreift sind, bei 1 Mt. täglichem und Betrieben tämpfen. Im Buchbindereigewerbe scheint schon wieder der Koftgeld Schulden machen, wie durch detaillierte Berech- In der Versammlung wurde des weiteren betont, der Friede gefährdet, der nach 15wöchigen heißen Kämpfen zu nungen erhärtet wurde. Herr Gröper betonte die Not- Vertrag sei undurchführbar, weil es den meisten Mädchen stande gekommen war. Anlaß dazu geben die Tarifbestim- wendigkeit steigender geistiger Bildung der Dienstboten und an Mut mangle, die entsprechenden Forderungen zu erheben. mungen, die Arbeiterinnen betreffend. Die Erhöhung der führte einen ihm bekannten Fall an, in welchem eine fromme Auch diese Behauptung scheint uns nicht stichhaltig gegen Arbeiterinnenlöhne sollte wie die der Gehilfenlöhne ab Dienstherrschaft die von ihr beliebten Betstunden in die den Vertrag zu sprechen. Aufgabe der Agitation und Or1. November dieses Jahres eintreten, so nahm man nach Nacht nach Schluß der Arbeit verlegte. Fräulein Haase be- ganisation ist es, den demütigen, slavenhaften Sinn zu beden Berichten der Beauftragten an, welche die Unterhand- leuchtete durch Beispiele das Dienstbotenelend. In einem fämpfen, der für tüchtige Leistungen nicht menschenwürdige lungen geführt. Die Gehilfenvertreter scheinen jedoch beim der angezogenen Fälle erhielt ein junges Mädchen Wurstfett Griftenzverhältnisse zu fordern wagt. Die Mädchen müssen Abschluß des Tarifvertrages die notwendige Sorgfalt statt Butter; in einem anderen mußte ein 16 jähriges Mäd- daran gewöhnt, dazu erzogen werden, ihre Interessen mutaußer acht gelassen zu haben. Sie haben einen Vertrag chen von morgens 5 bis abends 11 Uhr arbeiten; in einem voll zu vertreten. Auch für die Dienenden gilt das wahre unterzeichnet, aus dem die Erhöhung der Arbeiterinnenlöhne dritten ein Mädchen an einem Durchgang für das Personal Wort:" Manche Arbeitgeber würden nicht Tyrannen sein, erst mit dem 1. Januar nächsten Jahres in Kraft tritt. Der schlafen. Frau Wendt, die Vorsitzende des Jugendschuh- wenn viele Arbeiter nicht Sklaven wären." Das Vorlegen Arbeiterinnen in Berlin, die bekanntlich sehr gut organi- vereins, verteidigte diese Organisation und behauptete, daß des Arbeitsvertrags ist eine gute Probe aufs Exempel, wie siert sind, hat sich darob ein großer Unwille bemächtigt. fie eifrig für das Wohl der Dienstmädchen eintrete. Sie be- eine Herrschaft sich zu ihrem Dienstpersonal stellt. Und diese Sie haben den Verbandsvorstand beauftragt, in der An- ftritt auch, daß die Löhne so niedrig feien, als angegeben. Probe brauchen in der Zeit des Dienstbotenmangels tüchtige gelegenheit mit dem Unternehmerverband in Unterhandlung| Genoffin Ziet sprach den bürgerlichen Damen die Befähi- Mädchen nicht zu scheuen. zu treten. Db dabei etwas für die Arbeiterinnen heraus- gung ab, eine proletarische Dienstbotenbewegung leiten zu springen wird, ist in der Situation und der Proßenhaftig fönnen. Genossin Fahrenwald schilderte die fittliche Gefeit der Buchbindereibesizer mindestens zweifelhaft. Wie und wodurch die Zustimmung zu dem Vertrag die Entwicklung der Dienstbotenorganisation gefährden könne, fahr, in welcher ein 14 jähriges Mädchen durch die Noheits- ist uns unerfindlich. Unseres Erachtens fönnte vielmehr auch Der Transportarbeiterverband hat in Berlin afte eines Dienstherrn gegen seine Angehörigen schwebte. Am er ein Mittel sein, die Organisation zu fördern und ihre für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Weltfirma Tengel- Schlusse der Debatte wurde eine Hausordnung verlesen, Mitglieder geistig wie materiell zu heben. mann( Kaffeegeschäft) einen Tarifvertrag abgeschlossen, der welche einer Hausstlavin die Verwendung jeder Minute In einer öffentlichen Versammlung der Handangeab 1. d. M. in Kraft getreten ist. Unter anderem ist fest- 3eit vorschreibt. 200 Mädchen meldeten ihren Beitritt zu stellten zu Berlin, die Ende Oktober stattfand, referierte gesezt: Für jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren be- dem neuen Verein an, der ein Einschreibegelb von 20 Pf. Genosse Stadthagen über das Thema:„ Gesindeordnung trägt der Stundenlohn 15 und 16 Pf. Arbeiterinnen über erhebt und für einen Monatsbeitrag von 30 Pf. feinen Mit- oder freier Arbeitsvertrag?" Die Versammlung, die sehr 16 Jahren erhalten 16 bis 21% Pf. und Lagerarbeite- gliedern die„ Gleichheit" liefert. Der größte Teil der sich gut besucht war, sollte die Bewegung der Berliner Dienstrinnen 22 bis 27 Pf. Das ist ein guter Anfang. Hoffent- Meldenden entrichtete diese Gebühren sofort. Ein dreifaches mädchen gegen die Gesindeordnung in die Wege leiten und lich wird der Vertrag verallgemeinert und gewinnt für sämt- Hoch auf das glückliche Gedeihen der neuen Organisation den Anstoß zu einer regen Agitation für den in Nr. 21 der liche Filialen der Firma Geltung. schloß die großartige Versammlung. Berta Mangels. Gleichheit" veröffentlichten freien Arbeitsvertrag geben. Die Tarifänderungen im Buchdruckgewerbe haben Eine allgemeine Dienstbotenversammlung in Fürth Der Referent brachte diesen Vertrag zur Verlesung, erläuterte in den Kreisen der Gehilfen teilweise leidenschaftliche Oppo- hörte fürzlich einen Vortrag von Genossin Grünberg über seine einzelnen Punkte eingehend und schloß mit der Auffition hervorgerufen. In Berlin und vielen anderen Städten Dienstbotenelend und Unfittlichkeit", dessen wesentlichste forderung, durch die Propaganda für ihn die Notlage und erklärten sich Versammlungen von den Tarifvereinbarungen Gedankengänge schon in voriger Nummer wiedergegeben wor- Rechtlosigkeit des Gesindes bekämpfen zu helfen. Genosse nicht befriedigt und verlangten eine Erneuerung der Be- den sind. Unter Verschiedenes" wurde darauf hingewiesen, Unger zog in der Diskussion einen Vergleich zwischen dem ratung. Die Verbandsleitung erklärte eine solche für un- daß der Mangel an Dienstboten nicht verwunderlich und Verhältnis der Dienstboten zur Herrschaft und dem Kostmöglich, da die Abmachungen bereits bindend seien. Nach nur die Schuld der Herrschaften ist. Sie treiben die Mäd- und Logiswesen im Handwerkerstand und wies auf die der ganzen Sachlage kann eine Befriedigung über die neuen chen durch Schifanierungen zum Aufgeben des Dienens. So Kämpfe der Gewerkschaften gegen dieses noch weit verTarifvereinbarungen nicht auftommen. Trotzdem feiert der brachte in Fürth ein Dienstherr seinem Mädchen beim Austritt breitete System hin. Ein anderer Debatteredner geißelte Rorrespondent", das Verbandsorgan, die Resultate in über- aus dem Dienst von einem Monatslohn von 12 Mt. 1 Mt. für die gewissenlose Ausbeutung der Dienenden durch die Dienstschwenglicher Weise. Er jubelt von einer anbrechenden ge- Krankenkassenbeiträge und 1,40 Mt. für zerbrochene Fenster- vermittler. 31 Mädchen kamen der Aufforderung Genossin werblichen Friedensära", in der die einigenden Momente scheiben in Abzug. Der Herr wußte, daß er das Geld Baars nach, dem Verein für die Intereffen der Hausange. " " Nr. 23 boten zu tun. Mutterschaftsfürsorge. Frauenstimmrecht. Die Gleichheit Quittung. 165 stellten beizutreten. In einer einstimmig angenommenen schritts zu lecken. Die entwickelten kezerischen Forderungen mit, daß sie die Geringschäßung verdienen, welche die Konrad Resolution erklärten die anwesenden Dienstmädchen, daß die bekämpften sie nicht grundsätzlich mit den philifterhaften Haußmann und tutti quanti Philister der Volkspartei für Ausführungen des Referenten vollständig ihren Anschauungen Stammtischwizen, mit denen sie sonst in ihren Reden und die geistige und politische Befähigung„ hochgebildeter Frauen“ entsprächen von den Rechten und Freiheiten, die sie er in ihrem Organ über das Frauenwahlrecht herzufallen bekennen. strebten. Sie erblickten in dem Borschlag, einen freien pflegen. Dafür trugen sie aber allerhand praktische und Arbeitsvertrag zu schaffen, eine Möglichkeit, die Lage der taktische Bedenken kleinlichster Art gegen eine grundsätzliche Dienstboten in wirtschaftlicher und sittlicher Beziehung zu Stellungnahme vor. Herr Liesching, der die Geschichte vom heben, und versprachen, mit allen Mitteln für einen freien Standpunkt eines juristischen Paragraphenfabrikanten aus den Agitationsfonds der Genoffinnen bei der Unterzeichneten In den Monaten September und Oktober gingen für Arbeitsvertrag an Stelle der entwürdigenden Gefindeord- betrachtet, erklärte, es müsse erst noch mehr staatsrechtliche ein: Augsburg, Beitrag für die Tour in Bayern im Otnung einzutreten. Das Bureau der Versammlung wurde und gesetzliche Vorarbeit geleistet werden, ehe die Frage tober 30 M.; Berlin, Prozente der freiwilligen Parteis beauftragt, entsprechende Schritte zur baldmöglichsten Herbei- des Frauenwahlrechts gelöst werden könne. Nach Herrn beiträge der Genoffinnen des sechsten Kreises 75 Mt., des führung menschenwürdiger Arbeitsverhältnisse für die Dienst Payers Auffassung hat die historische Entwicklung offenbar fünften Kreises 9,25 Mr.; Bremen durch Genossin Bosse ihre Maße und ihre Formen von den parlamentarischen Arbeiten in der schwäbischen Kammer zu entnehmen. Die 12,80 Mt.; Brandenburg durch Genossin Behrendt 30 mt.; Chemnitz durch Genoffin Riemann 139,15 M.; Demokratie soll nach ihm die„ Regelung des Frauenwahl Dessau 20 Prozent der freiwilligen Beiträge drittes Quar rechts in Aussicht nehmen". Einen„ willkürlichen Anfang" tal 8,92 m.; Düren durch Genossin Heusgen 5 M.; Die Praxis der Krankenkassen, bei ledigen Schwanger mit seiner Einführung in die Gemeinde zu machen, gehe Düsseldorf burch Genoffin Wirts 17,50 Mt.; Dresden, schaften die Wöchnerinnenunterstützung zurückzufordern nicht an. In das Kommunalprogramm sollten nur nach Genoffin Scheffler 1 M.; Eving b. Dortmund durch ( vergleiche Nr. 19 der„ Gleichheit"), war auf dem letzten der innersten überzeugung" der Volksparteiler„ durchführ Genoffin Bolte 10,80 Mt., organisierte Frauen, brittes württembergischen Krankenkassentag zu Gmünd bare" Forderungen aufgenommen werden. Also der erste Gegenstand der Debatte. Die Kassenverwaltung Gmünd Führer der Partei. Herr Kercher sorgte dafür, daß der alte Quartal, 5 Mt.; Frankfurt a. M. durch Genoffin Schulze 40 M.; Gaarden- Kiel durch Genossin Andraschke hatte diese sozial ebenso unverständige wie ungerechte Praxis wohlbekannte Clownton in der Behandlung der Frage nicht 40 mt.; Gera, Geitner 1 M.; Gelsenkirchen durch Gegeübt und war sogar so weit gegangen, in einem Falle fehlte. Nach der tiefgründigen und erhabenen Meinung nofsin Bach 16,65 M.; Glauchau für Merkblätter 8,20 nr.; einem jungen Ehepaar die Möbel pfänden lassen zu wollen, dieses Jungdemokraten" darf das Frauenwahlrecht nicht nofsin Bach 16,65 Mt.; Glauchau für Merkblätter 8,20 Mr.; um ihre Regreßansprüche zu decken. Und das, obwohl die eingeführt werden, wenn nicht zugleich eine Erleichterung Grohn- Vegesack durch Genoffin Sterniste 10 M.; außereheliche Geburt schon ein Jahr zurücklag und der der Ehescheidung geschaffen wird. Profeffor Quidde be- of durch Genossin Völkel Prozente der freiwilligen ParteiMann außerstande war, die Wochenunterstügung zurück- wies, wie so oft schon, daß der harmlose Weber Zettel in beiträge 6,60 Mt., gefammelt durch Fünfpfennigbons 15 Mt.; zubezahlen. Die Ortstrankenkasse hatte mit der Pfändung dem demokratischen Löwenfell steckt. Er stellte sich als An- Hamburg für Merkblätter 48,85 M.; Heidenau durch legte. Dafür fand die Praris der Kassenverwaltung die lichen Geschlechts vor, erachtete es aber für undemokratisch, Köln- Ehrenfeld durch Genoffin Wingens 20 Mt.; Lechkein Glück, weil der Möbelhändler die Hand auf die Sachen hänger der vollen politischen Gleichberechtigung des weib- Genoffin Thate 4 Mt.; Heeren i. Weftf. durch Genossin Pågold 9,50 Mt.; Karlsruhe, Genoffin Dz. 10 M.; Unterstützung der Aufsichtsbehörde. Genoffe Würz, der einer Minderheit der Parteigenossen noch nicht durchaus hausen, Erlös von Fünfpfennigbons 15 Mt., 20 Prozent dem Borstand der Stuttgarter Ortsfranfenfassen an- geklärte" Forderungen aufzuzwingen. Deshalb müsse aus der freiwilligen Parteibeiträge 4 Mt., für Versammlung am hausen, Erlös von Fünfpfennigbons 15 Mt., 20 Prozent gehört, wendete sich mit vorzüglicher Argumentation gegen dem Programm die Forderung des beschränkten Frauen 2. Ottober durch Genoffin 3eb 10 M.; Lippstadt, auf die in Gmünd betätigte Auffassung. Insbesondere scharf wahlrechts gestrichen werden. Die Abstimmung ergab, daß wendete er sich auch gegen die Meinung, als ob durch die die Deutsche Volkspartei nicht nur auf die Forderung des ifte gesammelt 7,50 Mt., für Fünfpfennigbons durch GeGeltendmachung des Regreßanspruchs bei ledigen Schwanger- allgemeinen Frauenwahlrechts verzichtet, sondern daß ihr nossin Schwering 5,80 M.; Lägerdorf für Merkblätter schaften die Moral gehoben werde. Der Verbandstag er- sogar der Satz von den„ im Erwerbsleben tätigen Frauen" nossin Fiedler für Merkblätter und Fünfpfennigbons 11 Mr.; durch Genossin Frenzel 7,50 Mt.; Meerane durch Gedurch Genoffin Frenzel 7,50 M.; Meerane durch Geklärte sich gegen die geübte Praxis. noch zu weit ging. Er wurde gestrichen. Diese bürgerliche Demokratie ist die Jämmerlichkeit in Person. Die Verhand- Magdeburg durch Genofsin Mahn 25 Mt.; Mannheim lungen hatten übrigens noch ein erheiterndes Nachspiel im durch Genossin Hoffmann 50 Mt.; München, Beitrag Beobachter", dem Organ der württembergischen Volkspartei. 3u den Kosten der Versammlung am 4. Oktober 10 M.; Die Deutsche Volkspartei und das Franenwahl: Dieses edle Blatt erhob drohend den schulmeisterlichen Warne- Ottensen, vom Kassierer des Zentralwahlvereins Genossen Hagge 50 Mt.; Oberstein a. Nahe für Merkblätter recht. Auf ihrem letzten Parteitag zu München hat sich die finger und erklärte, daß Konrad Haußmann einer der 8,20 Mt.; Offenburg, überwiesenes Honorar durch GeFraktion des bürgerlichen Liberalismus, die sich stolz Volts- einflußreichsten Führer der Volfspartei nach wie vor partei nennt, weil sie vor allem das„ Volt" der Rechts- Gegner des Frauenwahlrechts sei,„ weil nur ein fleiner nofsin Geck 3 Mt.; Penzberg i. Bayern durch Genoffin anwälte, Professoren, Doftoren, Kommerzienräte usw. um Bruchteil auch der hochgebildeten Frauen Interesse für Sagen 8 M.; Saarbrücken durch Frau Stoffel 4,25 W.; Richernick 24,20 M.; Regensburg durch Genoffin schließt, endlich einmal mit der Frage des Frauenwahlrechtes politische Fragen habe". Die Volkspartei verharrt also zur Schoenlante durch Genoffin Lent 5 M.; Schleswig beschäftigt. Allerdings nicht in großzügiger und erschöpfender zeit noch in der berühmten Pose des Mannes, dem's zu durch Genossin Wegner 2,10 f.; Stettin durch Genoffin Weise, wie dies sich für ein wichtiges soziales Problem ge- Herzen ging, daß ihm der Zopf nach hinten hing". Sie durch Genossin Wegner 2,10 M.; Stettin durch Genofsin Horn 20 Mt. Summa: 844,77 Mt. bührt, das durch die geschichtliche Entwicklung gezeitigt möcht' es anders haben", sie„ dreht sich links, sie dreht sich worden ist. Vielmehr nebenbei, gelegentlich der Beratung rechts":- der Zopf, der hängt ihr hinten. eines Kommunalprogramms. Schon dieser Umstand charat terisiert die Rückständigkeit der geschichtlichen Erkenntnis, den Verfall in Theorie und Praxis, der auch sonst zu den hervorstechendsten Merkmalen der Volkspartei gehört. Noch Der erste württembergische Frauentag hat Ende mehr traten diese Gebrechen bei den Verhandlungen über Oktober in Stuttgart stattgefunden. Er ließ scharf in die strittige Frage hervor. Die zur Vorberatung des Kom- Erscheinung treten, daß die bürgerliche Frauenbewegung ist soeben erschienen: munalprogramms eingesetzte Kommission hatte sich um eine Schwabens das Hauptgewicht ihrer Tätigkeit auf die soklipp und flare Stellungnahme zum Frauenwahlrecht herum- genannten„ Wohlfahrtsbestrebungen" und Frauenbildungsgedrückt. Sie legte dem Parteitag folgenden Passus vor: fragen legt, nicht auf den Kampf für die Gleichberechtigung ,, Solange die Frage des Frauenwahlrechtes noch keine reichs des weiblichen Geschlechts. Dem Frauentag wurde dafür oder landesgesetzliche Regelung erfahren hat, soll den Ge- das allerhöchste" Glück zuteil, eine Vertreterin der Königin meinden mindestens das Recht zustehen, Frauen als be- und eine leibhaftige Palastdame derselben in seiner Mitte ratende Mitglieder in Kommissionen der Gemeindeverwal- zu sehen. Alle Frauenvereine des Landes waren auf der tung( zum Beispiel für Armen- und Bildungswesen, in der Tagung vertreten, der etwa 400 Teilnehmerinnen beiwohnten. Familienpflege) zu wählen. Für die im Erwerbsleben Fräulein Bland bezeichnete in ihrem Referat über„ AufIn einer kurzen historischen Einleitung bespricht die Vertätige Frau ist jedenfalls schon heute das Stimmrecht für gaben und Ziele des Verbands württembergischer Frauen- fafferin die Kinderarbeit als Begleiterscheinung der kapitadie Gemeindewahl zu fordern." Der Satz stellt ein schlau vereine" die Hebung der wirtschaftlichen Lage, sowie der listischen Wirtschaftsweise und anschließend daran die Kindersein- sollendes Kompromiß dar zwischen der spießbürgerlichen sozialen und rechtlichen Stellung der Frau. Der Frauentag schutzgesetzgebung in Deutschland bis 1891, die Erhebungen Abneigung vor der Gleichberechtigung des weiblichen Ge- verhandelte im Anschluß an Referate über folgende Fragen: von 1898 und endlich das Kinderschutzgesetz von 1903. In schlechtes und den Bedürfnissen einer revolutionierten Zeit, Die Mitarbeit der Frau an der Jugendfürsorge nach der einem Schlußtapitel wird der bisherige Erfolg des Kinder die sich unaufhaltsam durchfeßen. Er entbehrt gerade einer Schulentlassung";" Das Kostkinderwesen";" Die Bedeutung schutzgesetzes beurteilt und ein vortrefflicher Ausblick auf unzweideutigen Erflärung über den Kernpunkt der Frage, von Rechtskenntnis für die Frauen";" Die Frauen in der Kinderarbeit und Kindererziehung, wie beides sein sollte, nämlich wie die Bolkspartei sich zu einer reichs- oder kommunalen Schulverwaltung";" Die obligatorische Mädchen gegeben. Im Anhang findet die Leserin das Gesetz selbst landesgesetzlichen Regelung" des Frauenwahlrechtes stellt. fortbildungsschule";" Die obligatorische faufmännische Fort- und ein Verzeichnis derjenigen Werkstätten, in deren Betrieb Erfreulicherweise stieß die aufgetischte Unterhalbheit auf bildungsschule für Mädchen". Die Verhandlungen brachten Kinder nicht beschäftigt werden dürfen. Schließlich ist auch Widerspruch. Der Referent Dr. Haas empfahl unter Hin- im einzelnen manche gute Außerung, entbehrten aber der die Bekanntmachung hinzugefügt betreffend Ausnahmen von weis auf die veränderte Stellung der Frau die entschiedenste höheren Gesichtspunkte, weil die Einzelfragen so gut wie dem Verbot der Beschäftigung eigener Kinder unter 10 Jahren. Stellungnahme zugunsten des Frauenwahlrechtes. Die Zeit, losgelöst von den allgemeinen sozialen Zusammenhängen da die Frau ins Haus gehöre, sei längst vorbei. Die Volks- erörtert wurden. Anerkennend sei vermerkt, daß betreffs partei müsse in dieser Frage, wie in vielen anderen, um der Wohlfahrtseinrichtungen" die Unzulänglichkeit des prilernen. Herr Haas betonte, daß er mit dieser seiner An- vaten Wirkens betont und gefordert wurde, Gemeinde und schauung bei seinen eigenen Barteigenossen auf den stärksten Staat müßten eingreifen. Ein tapferer Borstoß, die würt Widerstand stoße. Er forderte daher, daß ein Parteitag die tembergischen Frauenvereine zum entschiedenen Kampf für Frauenwahlrechtsfrage gesondert behandle. Die Herren die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts zu drängen, Balzer, Rößler, Kremer und Hummel traten entschieden zeitigte ein flägliches Resultat. Fräulein von Soden legte für das Frauenwahlrecht ein. Wenn die Demokratie nicht dem Frauentag folgende Resolution vor:„ Der erste würtim Kampfe für die Gleichberechtigung der Frau vorangeht, tembergische Frauentag erklärt es für die Pflicht aller Frauen, Bestellungen nehmen entgegen alle Vertrauenspersonen, so geht dieser Kampf ohne die Demokratie voran, meinte Heyr fich für Politik, das heißt für alle öffentlichen AngelegenBalzer. Herr Rößler erklärte, die Frankfurter Delegierten feien heiten zu interessieren und an den Aufgaben der Gemeinde Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücher- Straße 49, Sof II beauftragt, für das unverkürzte Frauenwahlrecht einzutreten. und des Staates mitzuarbeiten." In ihrer Begründung der und die Expedition der„ Gleichheit" in Stuttgart, FurtbachSie hätten sich jedoch im weiteren Ausschuß davon überzeugt, Resolution setzte sich Fräulein von Soden scharf mit der Straße 12. daß sich augenblicklich nur eine verklausulierte Fassung erzielen einsichtslosen Außerung Haußmanns über das Frauenwahl" H Franenbewegung. Dantend quittiert: Ottilie Baader, Berlin S 53, Blücherstr. 49, Hof II. Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. Im Verlag von J. H. W. Dich Nachf. in Stuttgart Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung. Bon Käte Duncker. Das Büchlein sollte in keinem Arbeiterhaushalt fehlen; jebe Mutter muß Kenntnis haben von dem derzeitigen Stand der Kinderschutzgesetzgebung in Deutschland, damit sie der Ausbeutung ihrer eigenen Rinder zielbewußt entgegentreten, sie mildern und womöglich hindern kann. Der Preis der Broschüre ist auf 40 Pf. festgesetzt. Für die Abonnenten der„ Gleichheit", die sich zum gemeinfamen Bezug vereinigen, ist ein wesentlich niedrigerer Einfaufspreis feſtgeſetzt. ließe, und verzichteten auf eine Formulierung im Programm. recht auseinander, die wir an anderer Stelle mitgeteilt Als Weihnachtsbuch der ,, Gleichheit" Als Bremser traten vor allem die württembergischen Dele- haben. Den tagenden hochgebildeten" und vor allem hoch" " gierten auf, die Herren Payer, Liesching, Kercher, denen betitelten Damen erregte das umstürzlerische Wort Politif" werden die beiden Jahrgänge der Beilage„ Für unsere Kinder" sich der Münchener Professor Quid de zugesellte. Die biederen Schaudern. Die Palastdame der Königin in Person wendete in hübscher Ausstattung am 1. Dezember erscheinen. Bei württembergischen Boltsparteiler bedienen sich ja seit Jahren sich unter anderem dagegen und forderte seine Streichung, gemeinsamem Bezug durch ihre Vertrauensperson beziehungsdes Frauenwahlrechts als des Wauwaus, der politischen da es manche verlegen fönne"! Dieſem überwältigenden weise die Vertriebsstelle der Gleichheit" erhalten die Ge Kindern vor der Sozialdemokratie gruselig machen soll. Wird Argument einer so überwältigenden Persönlichkeit gegenüber nofsinnen die Sammlung unter dem Zadenpreis. Wir machen ihnen dieser Wauwau von den eigenen Parteigenossen zer- bekundeten die Damen jene loyale Untertanenunterwerfung, die Genofsinnen darauf aufmerksam und ersuchen sie, sich die rissen, woher dann die geistigen Waffen" im Kampfe gegen die ihnen als Glieder des deutschen Bürgertums geziemt. Verbreitung des Weihnachtsbuches angelegen sein zu lassen, den Umsturz" nehmen und nicht stehlen! Freilich wagten Sie nahmen mit großer Mehrheit die Resolution ohne das dessen Herausgabe wesentlich mit durch ihre Wünsche bestimmt die Herren nicht. entschieden wider den Stachel des Fort- entsetzliche, anstößige Wort„ Politit" an. Sie bewiesen das worden ist. | " 166 Die Gleichheit Nr. 23 Wag's einmal.* Bon Franz Diederich. Du hast die Sprache. Doch wozu? Zum Schweigen? D brauche deine Sprache fühn zum Sprechen! Laß in dem Frühling edlen Wollens brechen Des Schweigens Eis, das deine Lippen zeigen! Willst du dich zählen zu den ängstlich Feigen, Die ewig wandern auf den sichern Flächen? Nein, wag einmal zu reisen mit den Bächen In wilden Meeres tollen Wogenreigen! Dort, wo die Sturmflut donnert an die Düne, Wo sich der Gischt in weißen Wirbeln bäumt, Dort suche deines Lebens Tatenbühne! Der ist ein Feind, der noch in Träumen säumt, Zu häufen Dämme vor das Land, das grüne, Wenn die Vernichtung schon herüberschäumt. Wandern, ach Wandern. Bon A. R.** Er mußte fich oft abweisen laffen; dann schien ihm der Herr mit einer ganz anderen Stimme, ich habe mir das Leben so ein buntes Narrenspiel zu sein wie seine wohl gedacht, daß du heute nacht dabei gewesen bist. Seidenläppchen. Am liebsten hätte er den verdammten Ja ja! heute nachmittag werden sie dich abholen. schwarzen Koffer auf die Straße geschmissen oder in das Du kommst auf zwei Monate ins Gefängnis." blanke Fenster eines Hoflieferanten. Aber wenn solche Plöglich brach es los wie ein Wasserfall! Mann Anwandlungen famen, so griff er nach seiner Brieftasche und Frau schrien durcheinander, das Mädchen kam hinter und dachte an die tapfere Lore und war still und ging dem Ofen hervor und stimmte ein, der Lahme schrie und in das nächste Geschäft:„ Entschuldigen Sie, ich bin der wälzte sich die Worte waren nicht zu unterscheiden, Reisende von Zeller& Söhne aus Zürich", und er aber die Leute, die Augen, die Hände es war, als breitete seine bunte Herrlichkeit aus. müsse der kleine dumpfe Raum durch all die Leidenschaft, So war sein Leben, und er befann sich und war die hier explodierte, auseinander gesprengt werden. traurig und glücklich und hatte feuchte Augen. Die Frau Warden erbleichte und erhob sich. Der Herr Menschen liefen an ihm vorüber und keiner sah ihn an. öffnete die Türe und beide eilten hinaus. Im Korridor Er blickte auf das Bild und sah den roten warmen hörte fie das fürchterliche Lachen eines Weibes hinter sich Wein und vergaß die Welt und den Lärm um ihn her. Her ertönen. Das mußte die Frau sein, dieselbe Frau, Der Portier schellte:„ Einsteigen in der Richtung die so milde und traurig von den armen Kindern ge nach Eisenach, Leipzig, Berlin! drittes Geleise!" sprochen. Der Reisende legte gewohnheitsmäßig die Papiere Faft unwillig folgte sie dem Manne, der diese erzusammen in die Brieftasche und das Bild auch; das schütternde Veränderung hervorgerufen hatte, und als faßte er leicht und scheu an, als ob es die Lore selber fie nun miteinander über die Gasse gingen, hörte sie ihm wäre. Er griff nach dem Koffer. Das ging immer weiter mit stolzer, vornehmer, falter Haltung zu. von der Heimat. Berger schüttelte fich und drängte mit den anderen Menschen dem Ausgang zu. Ein gutes Gewissen. Von Alexander L. Kielland. ( Fortsetzung.) Frau Warden bekam Angst.„ Euer Mann?" fragte sie. Die arme Frau antwortete ja es sei ihr Mann. Heute war er nicht auf Arbeit gegangen, weil er von einem wütenden Zahnweh geplagt wurde. Das war der Musterreisende der großen Seidenfirma Beller& Söhne aus Zürich, Friedrich Berger. Er setzte fich in ein ruhiges Eckchen des Wartesaals. Die Menschen liefen an ihm vorüber; sie liefen schnell und sahen nach Uhren und blätterten in Büchern mit vielen Namen und Zahlen. Friedrich Berger setzte sich; neben ihm stand der schwarze Musterkoffer. Der Reisende zog die Brieftasche heraus und blätterte die Aufträge durch. Friedrich Berger konnte nicht viel reden und seine Ware loben. Das fonnten andere. Da war Schreber von Schott& Co., der log immer; und Heßler von Seidemann& Sohn, Frau Warden hatte selbst an Zahnschmerzen often der konnte reden! Der fonnte reden! So war Friedrich und wußte, wie qualvoll es war. Deshalb sprach sie Berger nicht. Der legte ruhig alle die bunten Seiden- einige Worte aufrichtigen Mitgefühls.id Läppchen auf den Ladentisch, weiße und rote, schwarze Der Mann murmelte etwas in den Bart und legte und grüne und graue, und freute sich an den Farben sich wieder; in demselben Augenblick entdeckte Frau Warden und nannte die Preise. Samuel Veilchenfeld, der vor eine Person, die sie bis jetzt nicht bemerkt hatte. zwei Jahren die große Pleite gemacht hatte, faufte viel für seinen neuen, schönen Laden und betrachtete die Läppchen lange durch die goldene Brille mit dunklen, scharfen, heimlichen Augen. Auch Breitinger hatte getauft nicht viel; da redete die Frau immer mit darein; " das ist zu teuer", und das haben wir noch", usw. Es war ein sehr junges Mädchen, welches in dem Winkel an der entgegengesetzten Seite des Ofens saß. Einen Augenblick starrte dies Wesen die feine Dame an; aber sofort zog es den Kopf zurück, beugte sich vornüber und drehte der Fremden den Rücken zu. Frau Warden glaubte, daß das junge Mädchen eine Handarbeit im Schoße habe, die sie verbergen wolle; vielleicht war es ein altes Kleidungsstück, das geftopft und geflicht werden sollte. " Weshalb aber liegt der große Junge auf dem Fußboden?" fragte die Dame. Dann hatte der Reisende eine Modiftin besucht. Die sah spitz und scharf auf die Nummern und wollte immer handeln. Wenn sie redete, sahen die beiden Nähmädchen im Nebenzimmer scheu von der Maschine auf und blickten durch das Fenster. Da waren grüne Wipfel von Straßenbäumen. Dann blickten die Mädchen nach einem„ Er ist lahm"-antwortete die Mutter. Und jetzt sauberen Schlächtergesellen; der lenkte sein Rad mit einer folgten viele Klagen und eine umständliche Beschreibung Hand und hielt mit der anderen den Fleischkorb. Sie über den armen Jungen, welcher nach dem Scharlachfreuten sich an ihm, weil er so frisch und jung war und fieber hüftlahm geworden war. " so geschickt ausweichen konnte. Wer wohl sein Schah„ Sie müssen ihm," begann Frau Warden, einen war?" Die jungen Dinger lachten leise, und ihre Füße Rollstuhl kaufen," wollte sie vollenden. Aber da fiel es ruhten. Ein Schatz, das muß schön sein, ja! Da rief ihr plöglich ein, daß es beffer wäre, wenn sie selbst ihn die Modiftin: Was seht ihr zum Fenster hinaus; habe faufte. Es ist nicht ratsam, dem Armen so viel Geld in ich euch dafür bezahlt?" Die Mädchen setzten die Maschine die Hand zu geben. Aber etwas wollte sie der Frau in Gang, zogen den schönen, neuen Stoff unter der Nadel weg und waren still. „ So sind die Mädchen heute, Herr Berger, keine will was tun. Da hat man immer seinen Arger. Fräulein" soll man sie auch noch nennen; sehen Sie" „ Das hier ist etwas ganz Neues." Die Frau griff in den Stoff, prüfte das Gewebe und die Zahlen und schwieg. Das waren seine Aufträge. In seiner Brieftasche war noch etwas: das Bild seiner Lenore und des Buben. Geheiratet hatte er seine Lore noch nicht; es hatte immer am Geld gefehlt, und Friedrich Berger war so oft auf Reisen. doch gleich geben. Denn hier wollte sie helfen, hier war wirkliche Not und Bedrängnis, und sie griff in die Tasche, um ihr Portemonnaie hervorzuholen. Es war nicht da. Das war zu ärgerliches mußte im Wagen liegen. Gerade als sie dem Weibe ihr Unglück flagen und ihr versprechen wollte, das Geld später zu schicken, wurde die Tür geöffnet, und herein trat ein elegant gekleideter Herr. Sein Gesicht war sehr voll und von einer eigentümlichen, trockenen Blässe, als äße er viel Mehl. Aber nach und nach veränderte sie die Miene. Es lag doch so viel Wahrheit in allem, was er sagte. Der Armenvorsteher sprach davon, wie wohl es ihm tue, zu sehen, daß eine Dame wie Frau Warden so viel Herz für die beklagenswerten Armen habe. Wenn es auch zu beklagen, daß selbst die wohlgemeinteste Hilfe so oft in die unrechten Hände fomme, so bliebe es doch immer etwas Schönes und Erhebendes, daß eine Dame wie Frau Warden " Aber," unterbrach sie ihn,„ bedürfen denn diese Menschen der Hilfe nicht im höchsten Grade? Ich empfing den Eindruck, daß besonders die Frau einmal bessere Tage gesehen haben müsse wenn dort Hilfe zu rechter Zeit täme fönnte man ihr möglicherweise wieder empor helfen." " „ Es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen- gnädige Frau daß sie eine sehr berüchtigte öffentliche Person gewesen," sagte der Armenvorsteher in mildem, klagendem Tone. Ein Schauer überlief Frau Warden. Mit einem solchen Weibe hatte sie gesprochen- über Kinder gesprochen; sie hatte sogar ihres eigenen Kindes erwähnt, das daheim in seiner reinen Wiege lag. Es war ihr beinahe, als müsse sie nach Hause eilen, um zu fehen, ob es noch gesund und rein wie zuvor geblieben. Und das junge Mädchen?" fragte fie furchtsam. Ja gnädige Frau haben Sie denn nicht ihren Zustand bemerkt?" Nein Sie meinen?" Der fette Herr murmelte einige Worte. Frau Warden fuhr zusammen:„ Mit dem Manne! dem Manne im Hause!" " Ja, gnädige Frau! Es tut mir leid, Ihnen das erzählen zu müssen, aber Sie können sich doch vorstellen, daß diese Menschen" und er flüsterte wieder. Das war zuviel für die vornehme Frau. Ein Schwindel erfaßte fie, und dankbar nahm sie den ihr dargebotenen Arm des Herrn. Jezt gingen sie schnell auf den Wagen zu, der etwas weiter von der Stelle entfernt hielt, wo fie ihn verlassen. Denn der Unerschütterliche hatte ein Kunststück ausgeführt, das sogar der Wizbold mit einem Kernfluch anerkannt hatte. Nachdem er eine Zeitlang gerade und unbeweglich wie eine Kerze auf dem Bock gesessen, hatte er die fetten Tiere Schritt für Schritt zurückgehen lassen, bis sie an eine unmerkbare Erweiterung der Gaffe gekommen, die unsichtbar für alle anderen Augen war, nur nicht für " Frau Warden, wie ich vermute," sagte der fremde die eines ausgelernten herrschaftlichen Kutschers. Herr; ich traf Ihren Wagen oben in der Gasse; und Ein ganzes Knäuel wilder, zerlumpter Kinder umhier bringe ich Ihnen- vermutlich Ihr Portemonnaie?" schwärmte den Wagen, fie taten was sie konnten, um | Nun wohnte Lore in Zürich in einem Hinterhaus Die Dame sah es an, ja, allerdings, es gehörte die Fetten außer Faffung zu bringen. Aber der Geist drei Treppen hoch. Das war eine kleine Wohnung. thr; auf der glatten Elfenbeinfläche war ein schwarzes des Unerschütterlichen war in ihnen. Lore stopfte Strümpfe und flickte mit ihren geschickten E. W. eingraviert. Fingern feine Herrenwäsche und hütete das Kind. Der Reisende stellte das schlichte Bild gegen den Streichholzständer und sann und ließ sich ein wenig Wein fommen. Den trant er langsam und blickte freundlich auf das Bild. Wenn er doch heiraten fönnte und abends mit Frau Warden dankte, obgleich der Mann ihr feinesLore zusammen am Tisch sitzen und sich etwas erzählen. wegs sympathisch war. Als sie fich aber wieder dem Und dann würden beide nach dem Kinde sehen. Oder Zimmer zuwandte, war sie heftig erschrocken über die er würde Gedichte lesen. Das tat er manchmal heimlich. Veränderung, welche plötzlich mit dessen Insassen vor Vielleicht wurde die Buchhalterstelle frei. Buchhalter fich gegangen war. Braun war schon alt. Er sah schlecht und schrieb langfam. Ob er die Stelle wohl bekommen würde? Das ewige Reisen, wollte es denn gar kein Ende nehmen? Da sagten die Käufer:„ Wir bedauern, wir sind noch versehen," oder:„ Kommen Sie das nächste Mal wieder," oder:" Wir brauchen nichts." Heute war er fünfmal abgewiesen worden. Als ich um eine Ecke bog, sah ich es zufällig in den Händen einer Dirne einer der schlimmsten im ganzen Biertel", erklärte der Fremde,-, ich bin nämlich Armenvorsteher im Distrikt," fügte er hinzu. Der Mann hatte sich im Bette aufgerichtet und stierte den dicken Herrn an; das Weib trug ein häßliches, gemeines Lächeln zur Schau, und der arme kleine Lahme hatte sich bis an die Türe gewälzt, und auf seine mageren Arme gestützt, stierte er empor wie ein kleines Tier. Und in all diesen Augen lag derselbe Haß, derselbe tampfbereite Trozz- und jetzt war es Frau Warden, wie wenn sich ein ungeheurer Abstand zwischen sie und mit dem fie soeben noch so offen * Aus ,, Die Hämmer dröhnen", Werbestimmen. Dresden, das arme Weib le und vertraulich geprochen hatte. Berlag und Druck bei Kaden& Co. Wie du heute wieder aussiehst Martin!" sagte ' Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers. Und nachdem er mit ruhigem Blick den Abstand zwischen zwei Treppenstufen an beiden Seiten der Straße gemessen, ließ er die Pferde langsam und Schritt für Schritt eine Wendung machen so scharf, so fnapp, daß es aussah, als müsse der feine Wagen in Stücke zerbrechen, aber so affurat, daß nicht ein zollbreit zu viel oder zu wenig an jeder Seite blieb. Jetzt faß er wieder kerzengerade da und maß noch einmal mit den Augen den Abstand zwischen den Treppenstufen. Aber in seinem Gedächtnis notierte er sich doch die Nummer des Polizeidieners, der das Kunststück mit angesehen hatte, um einen Zeugen zu haben, auf den er sich berufen fonnte, wenn man daheim im Stalle seiner Erzählung keinen Glauben schenken sollte. Frau Warden ließ sich vom Armenvorsteher in den Wagen helfen. Sie bat ihn, am folgenden Tage bei ihr einzusehen, und gab ihm ihre Adresse. ( Schluß folgt.) Verantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe Poft Degerloch bei Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.