Nr. 303. Aboimements-Hedingungen: SlbonnemintZ-Preit pränumerando: visrteljährl. 3,30 Mr., monall. 1,10 MI., wöchentlich 2S Pfg. frei in» Hau». Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntag»» Nummer mit illustrtrler Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für iss? unter Dr. 74S7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Srschelnk liigltch»uster Moiikng«. Derliner VolksblAtt. 14. Jahrg. Dt» Jnftrtfons- Gebühr beträgt für dt« sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und BerfammlungZ-Anzeigsn, sowie Arbeit»markt 20 Pfg. Znferale für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittags in der Expedilto» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bl» 0 Uhr oormtitag» geöffnet. Fernsprecher:»mt I,»r. 1508. Telegramm-Adresse: „Sozialdeulostrst Berlin". Zentralorgan der foziatdemokrattMen Uartei Deutschlands. N-d»I»!ou! 8V. IS. Z5eulh.Str»he:. Mittwoch, de» S9. Dezember I8S7. Kepedtti»»: SV. IS. N.n>lf-Str»h-». Parteigenossen! Parteigenossinnen! Am I. Januar 189S eröffnen wir ein nenes Abonnement aus de» Voewürks mit der illustrirte» Sonntags-Beilage Die Neue Welt. Im Mntorhnlkungs �Vtnkk beginnen wir am I. Januar mit dem Abdruck eines Berliner RomanS: Alltagslcute von Wilhelm Meyer-Förster. Der„Vorwärts" wird weiter bemüht sein, seiner Doppelanfgabe als Zeitling der Berliner Arbeiterschaft und als Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands gerecht zu werden. Der„Vorwärts" wird nach wie vor den örtliche» Ereignisse» Berlins, dieser Hauptstadt der deutschen Sozialdemokratie, in der ausgiebigsten Weise Beachtung schenken und die Mißstände in der städtischen Verwaltung»nd im öffentlichen Sicherheilsdienst seiner Kritik unterziehen. Er wird insbesondtte die gewerkschaftliche Bethätignng und die wirthschaftlichen Kämpfe der Berliner Arbeiter und Arbeilerinnen nicht nur mit dem Blick des kühlen Beobachters verfolge», sondern er will als Nather und Helfer in den Lieiheu der Kämpfenden mitstreiten. Der„VorivärtS" soll eine Wehr nnd Waffe der Arbeiterklasse sein in den großen politischen Kämpfe», denen wir entgegengehen. Wir stehen in politischen Entwickelungen bedculsainster Art. Das nächste Vierteljahr wird in der innere» wie in der äußere» Politik hochwichtige Ereignisse zeitigen. Parlamentarische Kämpfe stehen bevor, deren Entscheidung tief in die Lebensintereffe» aller Staat? bilrger eingreifen wird. Auch den Angelegenheiten des preußische» Landtages wird ein erhöhtes Juteresse gewidmet werden. Mit dem Jahresbeginn tritt aber das deutsche Volk nun auch ernstlich in das Zeichen der Reichslagswahl.'Alle Parteien betreiben lebhast ihre Vorbereitungen. Für die deutsche Arbeiterklasse wird diese Wahl von einer nngehenren Tragweite sein. Unversöhnlich stehen sich die Klasse» der Ausbeuter und der Ans gebeuteten gegenüber und stets schroffer werde» die Gegensätze. Jene brennen darauf, die letzten Rechte des Volkes, das Reichstag? Wahlrecht selbst und das Koalitionsrccht, zu vernichten. Die Arbeiter- klaffe muß diese Angriffe zurückweisen nnd eine Vorwärtsentwickelung unseres Volkes fördern. Die Presse der Arbeiterschaft trägt in diesen welthistorischen Kämpfen die Standarte voran. Sie bricht der poli- tischen Freiheit und der sozialen Reformation eine Gasse. Im Dunkel dieser Zeitläufte, unter den Bedrückungen und dem Elend, ivelche das kapitalistische System erzeugt, vertritt die Arbeiterpresse die nnvergäng- liche» Ideale der Menschheit: Befreiung aller Menschen aus wirth- schafllicher Roth! Erhebung aus geistiger Knechtung! Der„Vorwärts" legt besonders Gewicht auch ans eine voll- ständige Orientirnng der Leser über die Vorgänge in Wissenschaft und Kunst, auf welchen Gebieten die Unterhaltnngs-Beilage während ihres nunmehr einjährigen Bestehens sich allseitige Anerkennung er- riingen hat. An unsere Leser»nd Leserinnen, an unsere Parteigenoffen und Parteigenossinnen wenden wir»ns deshalb beim Wechsel des Jahres, den„Vorivärts" eifrig in der Durchführung seiner Aufgaben z» nuterstützen und neue Abonnenten für ihn zu gewinnen. Der„Vorwärts" ist nicht wie jene Blätter, deren Ziel nur der Unternehmerprofit und denen deshalb kein Mittel zur Anlockung der Urtheilsloseu zu niedrig ist, die durch Förderung der SensalionS- sucht nnd angebliche Unparteilichkeit in politischen Fragen jedes ernste Streben schädigen und jedem guten Geschmack zuwider sind. Die Gewinnung neuer Leser und Leserinnen für de»„Vorivärts" ist darum nicht allemal dasWerkcinesAugenblicks. Da istunadlässigeKlein- arbeit von nöthen, treues Wirken Tag um Tag, stets lebendig erhalten durch die Begeisterung für die Ideen, denen unser Kampf geiveihl ist. Parteigenossen. Parteigiiiosstnnen! Nützet die Zeit der Abon- nementSerncuerung und zugleich die günstige politische Situation aus zur regen Agitation für Euer Blatt. Der„Vorwärts" soll auch im neuen Jahre seinen Aufgaben immer besser gewachsen werden. Dazu«rbitlen wir uns die Unter- fiützung aller Freunde unserer Bestrebungen, ein unermüdliches Werben neuer Abonnente»! � Für Berlin nehmen sämmtliche Zeilungsspeditenre sowie»nsere Expedition, Brnthstr. 3, Bestellungen entgege» zum monatliche» Preise von I Mark l« Pfeituigeu frei i«s Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von S,30M. für die Monate Jannar, Februar»nd März entgegen.(Eingelragen ist der„Vorivärts" in der Post-Zeitungsliste für 1393»ntcr Rümmer 7576.) Tie NedrtkUim des„Vorwärts". Drv neue Pbafe des Mnfrhinen"" bnuev-MAmpfes. London, den 26. Dezember. Wir sind an einem entscheidenden Wendepunkt des Maschine nbauer-Kampfes aiigelangt. Die That- fache, daß maßgebende Vertreter der größten von den bisher abseits stehenden Gcwerkschafte» der Eisen- und Schiffsbau- Industrie nun- mehr mit den Leitern der am Maschinenbauer-Ansftand direkt be- lheiligten Organisationen konferirt haben und zu einer Verstän- dignng mit ihnen gelangt sind, bedeutet eine neue Phase des ganzen Kampfes. Wie weit oder durch ivelche Punkte man sich geeinigt hat, soll ans taktische» Gründen so lange nicht bekannt gegeben werden als nicht die Vorstände der betreffende» Organisationen ihre Zw stimmnng zu den Beschlüssen der am letzte» Donnerstag im Lokal des parlamentarischen Komitees abgehaltene» Konferenz gegeben haben. Es liegt aber klar am Tage, daß die Konserenz prinzipiell zwischen zivei Wegen der llnlerstütznng der im Kampf stehenden Maschinenbaner zn wählen hatte, nämlich: 1. Bildung eines ansrcichenden Garantiefonds für die Maschinenbaner, zn dem so lange gesteuert werde» soll, bis die verbündeten Fabrikanten bestimmte, bisher verweigerte Zugeständ- nisse gemacht haben, oder 2. Miteinlrilt der übrigen Vereine in den Achlftundenkampf. Jede dieser Maßregeln würde die Fabrikanten in eine arge Klemme bringen. Und die erster« würde sich praktisch zur zweiten ausweite», sobald die Fabrikanle» Gegenmnßregcl» gegen sie z» treffen versuchten. Denn in diesem Falle würden sie kam» eine andere Wahl haben, als die Arbeilssperre ans die nenc» Alliirlen der schon Ausständige» auszudehnen. Das aber hieße absoluter Stillstand in der großen Masse der zum Bund zählende» Fabriken. Ein Blick ans die an der Konferenz vertretenen Berufe wird dies klar machen: Kesselschmiede nnd Eisenschiffbauer, Zimmerer und Schreiner (drei Verbände), Grobschmiede, Former, Eisengießer, Gelbgießer Klempner, Schmiede, Modcllbaner, Anstreicher, Kunsttischler, Schiffe baiier, Schwarzblech- Arbeiter, Kupferschmiede, Maschincnheizer, Sägcwerk-Arbeitcr. Die Mitgliederzahl dieser Organisationen beträgt zusammen 2lZ0<), und einige von ihnen sind nicht nur sehr reich, sondern repräsentiren auch eine» sehr hohen Prozentsatz der Arbeiter des betreffenden Berufs. Es mar bisher den Fabrikanten zu gute gekommen, daß verschiedene dieser Vereine— die Klempner, die Kesselschmiede zc.— alte Beschwerde» gegen den Maschinenbauer- Verein nicht überwinden konnten. Aber es wurde im„Vorwärts" schon vor Monaten ausgesprochen, daß, wenn es zum äußersten kommen sollte, diese Beschiverden vergessen sein, daß die Repräsen- tauten der Geiverkschaitswelt den Maschinenbauer-Verein nicht zum Ruin treiben lassen würden. Man darf es auch offen aussprechen, daß der Verein zur Zeit so steht, daß er ohne ganz aiißergewöhnliche Hilfe den Kampf nicht mehr lange würde fortführen können. nnd in dieser wirklich gefährdeten Siination hat er die verwandten Berufe nicht umsonst angerufen. Ans der veränderten Sprache seiner Worisührer darf man folgern, daß er schon wenige Tage nach Abschluß der letzte» Konferenz entsprechende,»ufnninrernde Zusagen erhalten hat. Unter diesen Umstände» war es selbstverständlich, daß die neuen Vorschläge der Unternehmer in der Urabstimmung fallen würden. Sowohl diese Vorschläge selbst, wie die zivcile Frage, ob man sie annehmen wolle, salls die Uiilernehmer die Arbeitszeit auf 51 Stunde» die Woche ermäßigte», sind ln London wie in den Hanplzentre» des 'Ausstands Lceds, Manchester, Newcastle. Shessield ic. mit erdrückenden Mehrheile» abgelehnt worden, allerdings bei etivns geringerer Belheilignng wie bei der ersten Abstimmung. Viele Zweigvercme stiunnten überhaupt nicht ab, sondern nahmen nur Resolutionen an, worin sie ihr Verlranen znr Leitung des Vereins ansdrückten. Was die Fabrikanten angesichts der neuen Koalition thmi werden, die ihnen imnmehr gegenübertritr, wird von deren Anträgen abhängen. Aber sicher ist, daß sie sich ein„Non possumus" wohl überlegen werde». In Blättern, die den Arbeiter» nahe stehen. werde» allerhand mysteriöse Andeutungen verlautet, wonach man aus„Lahmlegung der ganzen Industrie" gefaßt fei» müsse. Ich halte das bis auf iveilercs für leere Spekulation. Die Namen der Männer, die mit der Konferenz Stimme in, Rath der Kämpfenden erhalle» haben, deuten auf eine weniger melodramatische Politik'. Sie lassen annehmen, daß man de» Unternehmern bestimmt gegenüberlretr», aber keinen Versuch machen wird, von ihnen Fordernnge» zu erpressen, auf die sie nicht bei gutem Willen eingehen können. Die letzte Woche brachte de» Maschinenbauern höhere Unter- stiitznngen» ie irgend eine der 1 rubere», nämlich insgcsainmt gegen I2(KK> Pfd. Eterl, d.h. 240 ODO SN. Es wurde aber genau das Drei- fache, nämlich 720000 M, zur Unterstützung der Ausständigen, deren Zahl sich jetzt auf 81 000 veläuft, aufgebracht. Man ersieht aus diesen Zahle», daß die Durchschnittsunterstntznng sich ans nicht mehr wie 9 Schillinge die Woche bclänft. Für Aibciter, die sonst im Durchschnitt mehr als das Dreifache verdienen, ein« Hitse, bei der sie sich nur durch die größte» Entbehrungen Über Wasser halte» können. Die? gilt vornehmlich von den Tagelöhnern, deren Lohn in gewöhnliche» Zeile» ihnen keine Ersparnisse erlaubt, nnd die jetzt mit 5 Schillinge» die Woche fürlieb nehmen müsse». Um so bewnndcrnswerlher, daß nicht weniger als 35 000 dieser „Plebejer 5er'Arbeil" so fest zn de»„Aristokraten der'Arbeit" stehen, veren Unterstütznngsbeitrag daS dreifache, nämlich 15 Schillinge, beträgt. Die vom Londoner Geiverkschaftsrnth einberufene allgemeine Gewerkschaflskonferenz, die sich edenfalls mit der Stelliingnahine zum Maschinenbauer-Kampf befasse» soll oder sollte, ist ans den 1. Januar anberaumt worden, ob sie, nachdem die großen Gewerkschaften der Industrie zu der Frage Stellung genommen, noch anfcechl erhalten iverden wird, scheint aber zweifelhaft. Die Einladung hatte großen Anklang gefunden, nnd hunderte von Zn- sagen zeigten das Interesse der Gewerkschaftswelt an der Sache, es iverden aber jetzt Etiinnien laut, welche die Abhaltung dieser Konferenz für überflüssig erkläre».— Berlin, 28. Dezember. Neue I«sx Necke in Sicht! Am 11. Januar wird der preußische Landtag wieder zusammentreten. Und schon lassen sich die Reaktionsuuken geräuschvoll vernehmen. Eine Korrespondenz theilt mit, daß eine Novelle zum Vereinsgesetz iviedernm eingebracht iverden solle, durch welche das Ver- bindnngsvcrbot für politische Vereine aufgehoben werden soll Aber wiederum soll die Regierung ans besonderen„Kämpen- sationen" bestehen. Zwar meint die„National- Liberale Korrcsp.", diese Mittbeiluiigen seien unbegründet, doch man hat allen Anlaß, diese Angelegenheit nicht so optimistisch anzu- sehen. Jene„Kompensationen" werden in doppelter Richtung in Aussicht gestellt. Einestheils soll die Novelle sich g e g e n die Polen richten, andererseits gegen die Arbeiter- b e w e g n n g. Das Ober-Verwaltnngsgcricht hat vor einiger Zeit seine frühere Entschcidnng von neuem bestätigt, wonach die Polizei- behörde nicht berechtigt ist, Versamnilungen aufzulösen, in denen nicbt in der deutschen Landessprache gesprochen wird. Dem durch diese Entscheidung erivachsenen„Uebelstand" soll nun dadurch abgeholfen werden, daß gesetzlich eine solche Be- fngniß der Polizei festgestellt wird. So will man die Aktion gegen die Polen„begründen". Das Vorgehen gegen die Arbeiterbewegung, gegen die jungen Arbeiter und Arbeite» rinnen bedarf natürlich für unsere Reaktionäre einer besonderen Begründung schon überhaupt nicht moHr. Eine endgiltige Entschließung über die einzubringende Novelle soll bisher vom Stnatsministcrinm noch nicht getroffen worden sei». Auch nocki weitergehe>(de'Rkaktionsabsichten sollen vorhanden sein. Aber bald wird ivohl das neue Recke-Ei fertig werden. Und es wird nicht minder faulig sein, als das erste, das er im vorigen Sonuner legte nnd an dessen üblen Gc- rüchcn das preußische Volk lange Monate zn laboriren hatte. Nun soll eine ähnliche Kur von neuem unternommen werden. Zwar muß man sich wundern, daß die Regierung, nachdem sie in der vorigen Session sich ganz auf den konservativen Standpunkt gestellt und mit Herrn v. Zedlitz alles oder nichts gerufen halte, jetzt sich der früher zurückgewiesenen Meinung der Narionalliberalen beugen sollte. Das käme einem kläglichen Rückzug gleich. Aber die Regierung denkt vielleicht: Lieber heute etwas nnd im nächsten Landtag wird sich dann das iveitere finden. Die Konservativen mären jedenfalls für diese Taktik leicht zu gc- ivinne». Herr Miquel verspricht ihnen irgend ein„kleines Mittel", eine Grenzsperre für ausländische Schweine oder der- gleichen, nnd sie sind bereit, die Rechte des arbeitenden Volkes zn vernichten. So erhebt die Reaktion wiederum kühn ihr Haupt. Ungeheure Lasten sollen dem Volke anfgebürdec werden. Hunderte Millionen soll es»cn bewilligen für Schlachtschiffe und Kreuzer. Und zur selben Stunde sollen ihm die winzigen politischen Rechte, die es besitzt, entrissen iverden! Neue Känlpfe stehen hevor. Die Arbeiterschaft wird auf ihrem Posten stehen. � Ostasicn. Die Meldung von der Landung britischer Truppen in Chemnlpo, dem Hase» der koreanischen Hauptstadt Söul, hat bisher weder osfiziöse Bestätigung gesunden,»och ist sie dementirt worden. Als gewiß erscheint, daß ein starkes englisches Geschwader vor Chemnlpo Posta gefaßt hat. Auch das japanische Geschwader soll beobachtend a» den Küste» Korea's kreuzen. Dem„Bureau Talziel" zufolge überreichte der britische Vertreter i» Söul ein U l l> in a l u»1 gegen die Ersetzung des englischen Direktors der Seezöllc Brown durch einen Russen, sowie gegen die Monopoli- siriing des Stenerdicnstes durch Rußland. 'Ans Rom wird gemeldet: Die„Jtalie" erklärt das Gerücht von der Absicht der ilalienischen Regierung, Kriegsschiffe nach China zn schicken, in Hinblick ans die verschwindende Zahl der in China weilenden iialienischen Siaalsaugevörigen und auf die äußerst ge- ringfiigigen italienisch- chinesischen Handelsbeziehungen für mibe- gründet.- lieber die Geslaltnng deS preußischen EtotS für 18S8 99 konuien wir gestern ans de»«Berl. Potit Nachnchien" bestimmtere Angaben bringen, nachdem vorher nur in allgemeiiien Redewendungen ein überaus glänzendes Ergebniß angekündigt worden war. Schon der liinfende Etat erfüllte die adlerordcngeschmückie Brnst des Herin v. Svt i q u e l mit Stolz. Für das nächste Etalsjahr kommen dem Liebling des Glückes wieder eine Reihe von Umständen zu Hilfe, an denen er zwar wie gewöhnlich unschuldig ist, die aber trotzdem in der öffentlichen Meinung und an einflußreicher Stelle für ihn sprechen werde». Für 1393/99 fällt zum ersten Male die Z i n s e r s p a r n i ß insotge der Konvertirung der 4pro,eniige>i Konsols voll ins Gewicht, nachdem sie l897/98 nur mit der Hälfte i» Rechnung gesetzt werden konnte. Herr Miguel macht gewiß den Zinsfuß nicht, aber der Zinsfuß hat sich so beivegt, daß die Finanz-Aera Miguel einen große» äußeren Erfolg mehr nnfznweisc» hal. Herr Miguel macht auch den allgeineiiien Geschästsgaug nicht, aber die goldenen Früchte des allgemeinen Wirlhschastsansschwiiiiges der letzlen Zeit fallen ihm vo» selber i» den Scbooß. Fast alle staatliche» Belriebs» verwalliingen: die Foisten, die Bergwerke n»d Hntien werden größere Ueberschüsse liefer». Nur die Domänenverwaltung ro»n»t infolge der ngrarischc» Roth mit leeren Händen; Herr v. Hammer» stein ist zwar auch Hannoveraner, aber das Glück lächelt ihm nicht. Die besseren Eriverbsverhältnisse gelangen weiier in dem Ertrag der E i» k 0 in»i e n st e u e r zni» RuSdrnck. Alle nicht festen Einkommen weiden in Preußen bekannllich»ach den drei vorangegangene» Jahren berechnet. Die maßgebenden Ziffern für das nächste Finanz- jähr 1898/99 sind also zum ersten Male Durchschnitte aus den drei v tt n st i g e n Jahre» 1395/97. Bei der Herauziehunfl der Slktien» gesellschcisten und ähnlicher Unternehmungen gewinnt das eine ganz desondere Beheuiung. G e r i ch t s k o st e». Stempelsteuer» laufen in ihrem Ertrag« ebenfalls mit dein Geschästsgnnge in gleicher Richtung: riges wirthschaflliches Lebe», viel Streitigkeiten und stempelpflichtige Urkunden— das gehört zu einer WirthschaftS- ordnung, die sich auS tausend«» von unabhängigen, zersplitterten Unter- nehmungen und Millionen von gegenseitigen Geschäftsabschlüssen und Bertragsbeziehunge» zusammenseht. Die Eisen bahn-Ueberschnsse, die für andere Etaatszwecke verwendbar bleiben, sollen Nack) den„Berliner Politischen Nach- richten" diesmal keine besondere Steigerung erfahren. Dem Enlrüstungssturin aus dem seines Leben» nicht sicheren reisenden Publikum hätte Herr Thielen wohl noch getrotzt, aber die angekündigten Angriffe der Kohlen- und Zucker- industriellen, die«in die Wette Material über de» Wagenmangel dieses Winters sammeln, habe» ihn weich gestimmt. Seit Jahre» werde» aus den laufende» Eisenbahnnberschnssen sämmtliche einmaligen, außerordentlichen Ausgaben für Bahnhofsumbauten, GeleiZeriveite- runge», Wagciibeschnffungcn der alten Bahnlinie» gedeckt, födaß nur die wirklich neuen Linien die Eisenbahnanleihen steigern. Dieses Verfahren — das auch unsercS ErnchtenS richtiger ist wie eine regelinäßige st ä r k er e Tilgung der alten Kapitalfchuld nebstl einer Ueber- nahm« aller Neu anlag«» auf neu« Anleihe»— soll, wie ei scheint, im nächsten Jahre durch außergewöhnlich starke Ruf- Wendungen für Erneummg von Bnhnhofseturichtttttgen und Ein- stellung von Gülenvagen den Eisenbahnüberschnß so ziemlich ans die Höhe der letzte» Jahr» herabbringen. obwohl di« Gesaimm- einnähme in diesem staatlichen Betriebszweig zweifellos so hoch wie noch nie zu veranschlagen ist. Für das Unteruehmerthum werden so jNtN Theil recht erfreuliche Aussichten eröffnet. Wenn Zusicherungen über die Aufbesserung der Arbeiter in de» Staatsunternehmungen bisher unter- blieben sind, so liegt das wohl nur daran, daß Herr Miaiiel als auker Gastgeber den besten Bissen bis zuletzt aufheben will. In seiner Etatkrede wird Herr Miquel den schlagendsten Beweis liefern, daß im große» Preußen-Deutschiauv di, Sonne der Sozialreform nie untergeht und daß das Evangelium von de» staatlichen Muster- Arbeitsstätten auch heute nicht nnr gepredigt, sonder» auch mit fester Hand durchgeführt wird» auch weun di« kapitatiftischeu Zöpfe «och so sehr ivackelu und tvenn auch die kapitalistisch» Wuth sich bis zu TodtschlagSversiichen gegenüber unschuldigen Privaldozente», Pro- sefforen und Pastoren versteigt. Wir habe» endlich eine starke Re- gierung und Herr Miguel wird im Januar ihr Prophet sei». Die zu kurze Golddccke» das ist das Gespenst, mit dem die DoppclwährungS- Männer die Verlheidiger der Goldwährung zu schrecken suchen. Die großen Goldfunde der letzten Zelt haben diesen Einwand sehr eniwerthet. Wie wenig Bedeulung er hat, zeigt eine Aufstellung eines der genaueste» Kenner des GoldimilmifS, des Herrn Otlomar Haupt. Für Ende ISöS hatte Herr Haupt den Gesnmmt- Goldvorrath Deutschlands mit 2760 Mill. Mark veranschlagt gegen 2990 Mill Mark deS Vorjahres; für Ende 1897 giebt er hierfür eine Schätzung noch nicht, doch glaubt er, daß für Deutschland«in Gold- Zuwachs zu konstatiren fein wird. Nach seiner Echähinig sind die Vorrälhe in den Banken und Tresor» von: Deutschland.,, Frankreich,,, Rußland.... Oesterreich.,, Amerika.... Japan..... I» MINione» Franks Ende Ende Ende Dezember 1894 1895 1898 1897 1032 884 814 889 9070 1983 1915 1983 9388 2511 2889»049 674 749 1039 1200 1173 942 1307 1499 —-— 077 Zusammen 7257 7029 7904 9148 Deutsches Reich. — Die Fraktionen de? Slbgeordnetenhauses werden in die letzte Tagung der IS. Legislaturperiode initfolgenderSlärke eintreten: Konservativ« 142(am Schlüsse der vorigen Tagung 141),'' Freikonservative 84(83), Nalionalliberal« 84(85), Zentrum 95(95), freisinnige Voltspartei 14(14), freisinnige Vereinigung 0(6), Polen 18(18); bei keiner Fraktion sind 10 Mitglieder. Erledigt siad zwei Mandate. -» DaS neue Regulativ für Getreidemühlen und Mälzereien enthält in 14 Paragraphen die bezüglich der Gewährung einer Zollcrleichternng bei der Ausfuhr von Mühlen- und Mälzereifabrikaten zu beobachtenden Bestimmungen. Das neue Regulativ tritt ans grund einer BnndeSralhs- Verordnung am 1. Januar 1898 in kraft. Dem Regulativ sind u. a. eine Anweisung zur zollamtlichen Prüfung von Mühlenfabriknte»,»ine Anleitung zur Prüfung von Mehl ans trockenem und nassem Weg«, sowie«ine Anleitung für das Tiebverfahren beigegeben.— -- Wirkung die neuen Handelsgesetzbuchs auf die bestehenden Verträge. Inwieweit die Verträge der Handlungsgehilfen durch das neue Handelsaesetzlnich vom 1. Januar ab durch diejenigen Bestimmungen de? H.-G.-V. abgeändert werde», die im öffentliche» Jntsresie gegeben sind, haben wir gestern ein- gehend dargelegt. Es ist ferner die Frage ausgeworfen: werde», abgesehen von diesen Aenderunge», die Handelsverlräae»ach dem alten oder nach dem neuen Handelsgesetzbuch benrtheilt? Die Ant- wort iNilß nach der dem Art. 171 des EinführunasgesetzeS zum Bürgerlichen Gesetzbuch entsprechenden allgemeinen RechtSiiorni dahin gegeve» werden: die vor dem 1. Jaiinar 1893 abgeschlossenen Hand- limgegehIIfen-Verträge werden bis zn dem ersten Termin, zit dem sie nach dem bisherige» Gesetz gekündigt werde» können, nach dein alten Besetz, von da ad nach den Befnm»t»ngen deS neue» Handelsgesetzbuchs benrtheilt. — Herr Tirpitz alS Dichter. Ein kleines patriotisches Vereinchen in BrimsbÜltei hält einen Kommers ab und als die »öthig« Stimmung gekommen ivar, wurde Tirpitz wie folgt an- telegraphirt: »Jn't Holstenland Au de Walerkant Da wohu't noch Lüd genog, De für All-Dülschland U» för Scheep hewen Verstand. Di Flottenvörlag hoch I" Anderen Tag« kam folgend« Attlwort t „Ich dank ook, Lüd von d« Waterkant, IN seet t veel Scheep UN» fehlt. Bl lernt lru to Kaiser un S«ema»it»art Up ewig ungedeelti gez. Tirpitz, Koiilre-Admiral und Glaatssekretär, des R-ichs-Marine-Amte«." Eine großartige Leistniigl Ter seelige Postmeister Stephan rührt sich im Grabe und die Goldene 110 fühlt sich geschlagen.— — Die Marinevorlage wirft ihre Schatten voraus. Um mehr als 3000 Mann, so schreibt das„Hamburger Echo", soll das seemäniiifch« Personal der Marine verstärkt werden. Di« Ver- wirklich«»» dieses TheilcS der Vorlage stößt aber auf große Schwierigkeiten, weil nunmehr da« seemännische Personal der Marine mehr erfordert, als a» jungen Leuten au« der secinäninschen und halbseeinäiiuischen gezogen werden kann. Nicht nur der letzte Mann, sondern mehr Leute als vorhanden sind, sollen eingezogen werden. Dieser Umstand bringt manchen Fischer in nnd um Finkenwärder im Hamburgischen Landgebiet in nicht gering« Verlegenheit. Nur schwer können sich die kleinen Fischer in der Konkurrenz mit de» Fischdampsern halle». Hat«in Fischer erwachsene Söhn», dann fahren diese mit hinan« und so reicht der Verdienst noch eben aus, die Familie zu erhalten. Nur in ganz günstigen Jahren ist di« hier stark«ertretene See- fischerei so lohnend, daß fremde Arbeiter gehalten werden können. Die letzte MarilieMusterung brachte den hiesigen Fischern eine nn- angenehme Ueberraschnng. Als die jungen Leute von der Musterung heimkehrte», konnte festgestellt werden, daß fast sämmtliche Stellungs Pflichtige zur Marine ausgehoben waren. Nim werden in der nächsten Zeit sämiiitlich« im militärpflichligen Alier befindliche» jungen Leute den Fischern fehlen und mancher selbständige Fischer blickt mit banger Sorge in die Zukunft, da er nicht weiß, wo er Hilfskräfte für den schwierige» Broterwerb hernehmen soll. — Konservative Wahl sorgen. Die Aniisemlten in dem Wahlkreis Königsberg t. Nein», habe» dem bisherigen konser- vativen Vertreter dem Abg. v. L e v e tz o w einen eigenen Kandidaten für die VielchstagSwahl eiitgegingestelit. Beide Parteien schielen nun nach der Gmtst des Bunde« der Landwirthe. Die Aulisemiten hoffen eine Untclstützinig von dieser Seite und die Konservativen können noch immer Nicht an ein treuloses Verlassen ihrer allen Kampfgenossen glauben. Noch ist die Entscheidung nicht getroffen, denn der Wahlkreisvorsihende des Bundes der Landwirthe hat jetzt erklärt, daß sich die KreisvntrauettSlente über diese Frage noch»ichl schlüssig gemacht habe». So entsteht dann für beide Bewerber ein Hangen und Bangen in schwebender Pein. — Betreff» der künfttaen Verwaltung in Ntao- Tschau meint der„Hamb. Korresp.", in den maßgebende» Kreisen sei man darüber einig, daß dieses Gebiet der tt» l« n i a 1- V« r> w a l t u n g unlerstellt werde» soll. Welche» Rang und Titel der neue VenvaltungSchef bekommen werde, sei vorläufig«och unent- schieden. Es werde für wahrscheinlich gehalten, daß der oberste Beamte den Titel eines kaiserliche» Kommlffar» erhält. Hand in Hand Mit der Verwaltung soll die wirthschaflliche Auf« schließung und Entwlckeluiig des Landstrlches durch private Unter- mhimingeu gehen, wegen deren schon amtliche Aufragen a» große deutsche Firmen nnd Gesellschaften gerichtet worden sind. Vorläufig sind die Zustände in ShanInNg noch sehr primitiv.— Die Dienstverhältnisse auf dem Bahnhof Soest waren in einer Verhandlung der Strafkammer zu Dort- imind an» 19. November zur Sprach« gekoilime». Zu den Mit- t Heilungen der„Kölnischen Zeilung" über diese Verhandlung, welch« wir in nuser Blatt übernahmen, sendet uns die kgl. Eisenbahn- Direktion Münster folgend« Berudtigniig: l. Die Elationsbeamten zn Soest hatten während ihrer zwölf- stündigen Dienstzeit nicht 34. fondern nur 22 ein- und ans- fahrend« Züge abzufertigen; 2. vi« in Frage kommenden Weiche» werden von der Weichenftellerbude la ans bedient. Di« Ealferiiuiig von der Grenze des Bezirk« dieses Weichensteller» bis zur Assistenlen- bilde beträgt nicht 500—800, sondern nur 300 in. Bei Tage und in einigerniaßea helle» Nächten können die diensthabenden Slationsbeaniten von der Assistenlenbnd« au« einen großen Theil der Geleise übersehe» »nd sich so von der richtigen Lag, der Weichen«berzenge». Nur bei nebeligem und dunkelein Weller waren st« genöihigt, bis zu ver er- wähnten Grenz« zu gehen. Im ungünsligstni Fall« hallen sie als- dann während ihrer Dienstzeit nicht b0, sondern nnr etwa 8,4 Kilometer zurückzulegen, nämlich 2 x 300«c 600 Meter bei vierzehn einfahrenden Zügen. 3. ES ist nicht richtig, daß dem Etationsbeamlen im nördlichen Bahnhosstheil von Soest«ine Hilfskraft in der Person eines Telegraphiste» dauernd und, wie man aiiS der in Rede stehenden Notiz unnehnie» muß, in Erkenntniß der zu großen Belnstuiig des Slaiionsbrumlen früher beigegeben war. Lediglich im Herbst 1383 während der Ziickertampagne war uiigeordnel, daß ein Wngcnnotirrr, der zugleich Hilistelegraphist war, weil er»Ichl ausreichend beschäftigt war, nebenher zur anShilföwelse» Bedienung de? Telegraphenapparales t» der Asststeiilendiide mit herangezogen wurde. Dieses geschnb aber nur während des Tagctdt-nsleS und für die Dauer von drei Monaten. In der übrigen Zeit ist den dienst- habenden Glattoulbramte» ein Telegraphist als HilfSIcaft niemals beigegeben gewesen. Es ist daher auch iiiiziitreffeiid, daß bei der am I.April 1895 erfolgten Nenoidniiiig der Stautseiseiibahii-Vermaltiing diese Hilfskraft zurückgezogen sein soll. 4. Der Dienst stellte an dieSlalioiisbeamteu iu Soen keineswegs>iber»ieiischlich«A»sord«rimgeii. Der beste Beweis hierfür ist. daß Jnbre lang andere Beamt« den gleichen Dienst wie der Slationsdiätar Wellner wnhrgeiioinuien haben, nnd daß kein einziger Stationsbeamter seinem nächsten Dienslvorgesetzic», dem Stationsvorsteher in Soest, oder etwa der vorgesetzten Behörde gt- meldet hat, daß er den Dienst nicht vorschristsmäsig ailssühren könnie. Daß endlich Eiationsbeamte bei längerer Dienstzeit oftmals Geleise überschreiten müssen, bringt der Dienst iiiivermeivlich mit sich. In, übrigen sind die vorstehenden Umstände zum Theil schon von dein seitens der Anklagebehörd« zugezogenen Sachverständigen der Eisen- bahn-Verwaltnng im Verhandlungstermin eingehend dargelegt worden. 5. Das Versehen deS Staliontdiätars Wellner ist hauptsächlich ans Flüchtigkeit znrückjnsühren. — Ein später Student. Schwäbischen Blättern»»I- nehmen wir die Meldung, daß Herr v. Benniase», nach dem er sich in diesen Tagen vom anilliche» und politischen Leben zurückzieht, künstighin an der Universität Tübingen fludiren will. Es ist die« nicht der schlechteste Gedanke de? Herr» von Beimigsen.— — In Dresden beabsichtigen, wie die„Volks-Itg." miiiheilt, die b ü r g e r l i ch« n F r n n« n v e r e i n», voran der dortig« Recht«- schntzverein, linier dem Vorsitz von Frau Marie Stritt, gegen das im sächsischen Landtage eingebrachte Vereinsgesctz Stellung zu nehmen,- sie werden»in« Prolestversmnmlnng»inberusen.— — D er fr et s i n n i g e M n g i st r a t in Nürnberg soll die Gingabe des Nürnberger Volksvereiu«, die sich gegen die Etrichtting eines Denkmals für de» Prinzregenlen wandle, e i n st i m in i g abgelehnt habe». Utberrnscht uns garnicht, ganz nach Berliuer Muster.— Au» Baden, L?. Dezember.(Eig. Ber.) In parla- in e u t a r i f ch e n Kreisen wird noch die Vorlage eine« 'esetzes über d i e Verhältnisse der Dienstboten erwartet. Wie das bestehende, vor 30 Jahren erlassene Gesetz sich an die Bestimmuiigen des Lanbrechls anlehnte, so wird sich das neue Gesetz an jene des Bürgerlichen Äesetzi uches anlehnen. Ofstziösen Auslassungen nach z» schließen, wird sich die Vorlage unter ander»» auch die aussichtslose Slufgabe stellen, den Abzug von Arbeitskräften vom Land nach der Sladt,„wenn irgend möglich", zu beschränken. Eine schärfere Anspannuna des Aertragsverhällnisseß wird, abgesehen von Dienstbüchern für Minderjährige, durch das neue Gesetzesprvjekt nii!,! beabsichligt.— — Kolon tat e«. Aus englischen Quellen sind kürzlich Nach- richtete von einer Niederlage der deuischen Schntzlrupp» in Kameruti auch in die denisch« Presse übergegangen. Einer telegraphischen Meldung des Gouvernenr« von Kamerun zufolge bernhen jedoch diese Gerüchte auf Erfindung. Es hat im Gegcnlheil die Baue- Expedition mit einer völligen Niederlage dieses Stammc« und mit der Erstürmung seiner Hauptstadt geendet. Die Verluste der Schutz- truppe in diesen Kämpfen waren gering. Di« Hrnidelsstraß« nach Daund« ist sicher. Di« Expedition war in einer Stärk« von 125 Man» mit 3 Ossizieren nnd 5 Unteroffizieren am 22. Oklober vo» Lolodors gegen die aufständischen Bali« aufgedrocheii, Der Ausklärung bedürftig bleibt, warum die Baue zum„Auf- stand" geschritten waren.— Oesterreich. Wien, 28. Dezember. Der niedei österreichisch» Landtag ist heule eröffnet worden. Es wurde» Jnterprllalioiie» eingebracht ivegeu des Verhaltens der Polizei bei den jüngsten durch Studenten verursachten Deinonnra lionen, sowie wegen der Aufführung des Thealerstückes„Die Bürgermeisterwahl" von dem Direktor des HoflmrgthealerZ, Burkhard, welch»«ine abfällige Kritik der Beamten enthält Ferner wurde ein Druiglichkeitsaiitrag eingebracht, der die gesetzlich« Feststellung der deutschen Sprach« als Unterrichtssprache in den Volks- und Bürger- schulen Niederösterreichs angesichts der ezechischen Agitation verlangt. Der Landtag nahm hierauf di« Dringlichkeit bei vom Abgeordneten NoSke und Genoffen eingebrachten Antrages auf Ausdehnung deS LandtagS-WahlrechtS nach den für den Neichsrath geltenden Wahlbestimmmigen an. Ter Antrag selbst wurde dem Landesausschusse überwiesen.— Wien, 28. Dezember.(„Boss. Ztg.") Die Versammlung der deulsch-böhmischen Abgeordneten, von Dr. Schlesinger für die deutsche Fortschrittspartei, von Dr. Karl Schücker für dle deutsche Bolksparlei und von Wolf für die Schöuerianer einberusen, findet am 3. Januar in Leitmeritz statt.— Die gegen den Abg. Wolf wegen öffentlicher Gewaltlhätigkeit eingeleitete Untersuchung wurde gestern eingestellt. Wolf halte sich, wie erinnerlich, seiner Entfernung aus der letzten Sitzung de« Abgeordneleuhauses durch Polizisten widersetzt, wurde deshalb verhaflet, jedoch Tags darauf, als das Ministerium Badem zurücktrat, enthastet. Gestern wurde nach einer Hausdurchsuchung im Prager Vorort Wrschowitz der Bürgermeister Janda. einer der Hauptseinde der dorlige» deutschen Echulvereiiisschulr, verhafttt. Es soll dies mit den Exzessen gegen die dorlige deutsch« Schule in Zusammenhang stehen. Weiter wird gemeldet, daß der Bürgermeister an den Dieb- stählen, welche in der letzten Zeil auf dem Slaalsbahuhose verübt wsrden sind, betheiligt ist.— Ungarn. Budapest, 28. Dezember. Um die ProvisoriumSvorlage zu er» mögliche», soll die UiiabhÄugigkeilSpartel in einer gestern Nacht statt- gehabte» Konferenz beschlossen haben, die Obstrullion«inzu stellen. Für de» Fall, daß diese Nachricht sich bewahrheitet, soll da» Gesetz unverzüglich dem Magnatenhnuse vorgelegt werde», damit es»och bis zum l. Januar sanktionirt und in Wirksamkeit gesetzt werde» lami. Ein« Bestätigung dieser ebenso uinvahrscheinlich wie für Herrn Banffy angenehmen Meldung ist abzuwarten.— Frankreich. Paris» 26. Dezember.(Sig. Ber.) Di« Regiernngsparleien planen, angestcktS der FcühjahrSwnhlen, einen frechen Anschlag auf das Wahlrecht d» r H a u p t st a d t und der großen Städte üverhaupt, da« heißt, der sozialistischen und radikalen Wahlkreise. Sie begnügen sich nicht, wie der neuliche schweizerische ullramontane Vorichlag. mit der Außmerjung der Ausländer aus der für die Kammerverlrelnng maßgebeuden Vevölkeriingszahl. In der Schliißsitzung der Herbstieistoii wurde ein von zirka 100 Regierungs- Mamelucken nnlerzeichneter Gesetzentwurf eingebracht, wonach die bisherige Grundlage der Vertretung, die Einwohnerzahl(100 000 oder weniger Einwohner ans einen Adgeordnelen) durch die Zahl der in die Wählerlisten Eingeschriebenen ersetzt werden soll. Das Ministerium des Innern hat bereits Über die Folgen dieser Verfaffungsäiidernng statistische Uiilersiichniige» anstelle» lasse». Danach würde Paris 11 Abgeordnete, fast ei» Drittel der bisherige» Zahl, verlieren, Lille 2, Saint-Denis(bei Paris), Ronen, Avesnes, Lyon und Marseille je t— sämnilltch, bis ans drei Mandate, um welche die bisherige Abgeordaelenzahl zurückgehen würde, zu gunste» rücküändiger ländlicher und halbländlicher Wahlkreise. Auf grnnd der letzten Volkszählung von 1896 inüsse» dagegen die ländliche» Wahlkreise sieben Mandate zu gnusten der Städte verliere». Der Gesetzentwurs will also die politische Riickwirkimg der stetigen Verschiebung der Bevölkerungsverhättuisic zu gmislen der Städte künstlich inS Gegentheil verkehre». Außerdem würde die Zahl der etiigeschriestemen Wähler als Grundlage der Verlrelung linkoiltrollirdaren Äahliiiogeleie» Thür und Thor öffnen.... Doch ist es verfrüht, auf de» Entwurf im einreinen einzugehen. Die Re- giernug, die allem Anschein»ach hinter dem Anschlag steckt, rechnet zwar auf Ihre kompakte Mehrheil. Aber die Opposliion. i» erster Linie die sozialistische Fraktion, bereitet stch zu einem rücksichtslosen Kampf gegen die Wahtrechis-Verkümmernng, welch» die Grundlagen sänimtlicher bisheriger Versassungen Frankreichs seit oer großen Re- voliilion anlastet. Zur Astäre DreysiiS-Esterhazy ist ein weiterer vunkeler Zwischenfall hinzugekommen. Ei» ehemaliger Geheimpolizist, der vo» lausig unter de» Drei Namen B a n d a m M e— Leniercier— Picard bekannt ist, hatte den DreysuS- Freunden, dem Abgeordneten Joseph Reinach und einen Redakteur des„Figaro" ei» enllcheibendes VelastmigSdokimient gegen Esierbazii angebot«». DaS Dotnuieiil erschien aber ihnen verdächtig und fi« machten davon keinen Gebrauch. Die Sache wurde an die große Glocke gehängt durch R o ch e i o r t, der ans di« Behauvtuiigen des Ex- Spitzels hin geräuschvoll verkündigle, das„Treysus- Konsorttnm" beabsichtige, ein gefälschtes Doknmeilt gegen Eslerhazy ins Feld zu führe». Rochesort'S«nschuldlgungeii gegen die Dreysus-Frcnnde ist als halllos erwiesen worden auch durch Erklärungen von neutraler Seile. Denn der Ex-Spitzel, der zugleich im Dieust« der sraiijösischeii Militär- Spionage gestände» haben mill, haustrle mit feinem„Dokument" u. a. auch bel der Re- daition des„Radikal" und dem sozlattsiischen Abgeordnete», Oberst ««ver, die aber im Gegensatz zu Rochefort den Schwiudrl sofort durchschauten. Das Räthielhafte an dem Zwischenfall ist die Uli- lhätigkeit der Jnstlz, die den Fälscher uubehelligt läßt. Wird Abg. Eeverdas richtige getroffen haben mit seinerVeriilnlhnng.daß ver Mann mit dem Dokument ein Werkzeug der k r i e g§ m i n i st e- c i« 1 1• ii Gönner E st, r h a z y' s sei, welch« den Dreysns- Freunden»ine Falle hätte» stellen wollen, in» durch das falsche Dokument die ganze Dretifiis-Kampagiie zu koiiiprsinittiren? Behaupten doch die von milttärischer Seile tnspirirlen Zeitungen tagtäglich, trotzdem Vi« kriegsgerichtliche Untersuchung gegen Ester- hazy sich io bedenklich in die Länge zieht, daß die Treysus-Frennde lauter gefälschte Dokumente im Sacke hätten.— TpnnicN. Madrid. 28. Dezember.(B. H) Die Regierung ist der Meinmig, daß die spanische Presse der Antwort Woodfords zu große Vedenliing beilegt. Die Rrgierimg glaubt, daß die Haltung der Bereinigte» Staaten Spanle» gegenüber eine korrekte sei.— Ans New-Dork wird der„Franks. Ztg" gemeldet: Spantens Gereizt- heil über Woodsord's letzle Note flndet man hier unkläriich, da diese in sehr freundschaftlichem Tone gehalten war. Aus Havana wird telegraphirt:„Das amtliche Blatt wird morgen die Dekrete vnöffeiilltchen, durch welche die Minlstcr der KolonialregUcUng ernannt werde». Die Minister werden am 1. Januar den Eid leiste». Die Spanier haben in der Nähe von Baire ein Lager der Anfstäiidische» genommc», welche bei dem Zu- sammeiifloste große Verluste hatten."— Nnfzlanv. — Die Ernennung des Seneraladj» tauten Trozki zum Geueralgonverneiir voll Wilna wird in der russischen Presse sehr vlet besprochen und erregt dort lebhafte Znstimlniiiig, während die polnische sich ül« sehr mißgestimmt zeigt. Wie man in russischen Kreisen di» Ernennung auffaßt, zeigt am besten ein 'Artikel der„Mock. W«d.", der von der osfiziösen„St. Petersburger Zeilung" übernoiNW»» ibikd; es beißt in demselben: „... Der Geiieraladjulant Trozki gehört zur Zahl der Über» zengiesien rein russischen Männer. Alle wahrhaften Russen erinnern sich dessen, daß wir dt« neulich« Gruiidsteinleguiig des Denkmals des Grafen M. N. M u r a w i« iv der Energie des Geiieroladjulniite» W. N. Trozki verdanken. ... All' da« Gereve Von irgend einer. neuen Nera". welche unseren westliche» Gebiet«» zum ersten Mate„Gerechtigkeit nnd Gr- setzlichkeil" geben sollte— als ob diese bisher gefehlt hält«»— all' dieses uiisiiiitts« und verleumderische Gerede muß jetzt vor der Wirklichkeit rasch verschivinren. Die poliilsch« Bevölkerung, die noch niemals»in solche? Wohl- ergehen gekannt hat, wie sie rs jetzt unter dem Szepter des rnisische» Herrschers genießt, noch niemals eine so völlige„Geicy- lichkeit und Gerechtigkeit", wie seit der Beseitigung der„poiuiscdeii Sache"— diese polnische Bevölkerung muß jetzt um des eigenen GlückeS willen allen schädlichen Tranmereie» der Politikaster und Fanatiker energisch entgegenwirken" Dies« Sprache wird den polnische» Bourgeois, die im Interesse der kapitalistischen Eiitwickeliing für den Frieden mit Rußland sich begeistern, recht unbequem lein.— Ästen. ffirtffltttrt, 38. Dkzember.©encrnl Hnmmond P a s s e s angikommen, ohne auf Widerstand zu slosten.- Ans Bokohama meldet das.Neuter'sche Bureatt", der Ver- such, das illubiiiel Mit Saigo als Preiuieriniiüster neu zu bilden, sei gescheiiert. Alle Mitglieder des Kabinets hätten ihre EntlasZuna gegebe».— Ainerika. — Tinwandtrungs-Gesrtzgebung. Der Kongreß der Aereialgten Etaate» wird in feiner gegenwärtigen Tagung darüber beralheii. ob die Einwaiiderung Noch weiter deschränkt wer- den soll. Heutigen Tages hat der Eimunnderer, welcher kein Geld bei sich hat, dahin zurückzukehren, wo«r hergekommen ist. In den letzte» Jahren hat die Einwandernng stetig abgenommen. Im laufenden Jahre hat sie wegen der guten Erute und besseren Ge- schäftslage sich wieder etwas gesteigert. Daß die Einwanderer Geld besitzen, detrachtet man heutigen Tages in de» Bereinigte» Staaten nicht mehr für genügend, um sich unliebsame Einwanderer fern- zuhalten. Jetzt solle» sie auch noch eine gewisse Bildung besitze». Wenigstens sollen sie lesen und schreiben können. Wen» ei» solches Gesetz vor S0 Jahre» erlassen worden wäre, so hätten, bemerkt die „Nat.-Ztg.", d>e Vereinigte» Eiaaten eine große Menge Männer niemals besessen, welche viel dazu beigetragen haben, das Land z» entwickeln.—_ Von der Agitation. AuS dem Harze schreibt unß ein alter, humoristisch veranlagter Parteigenosse, der in der Agitation sehr erfahren ist: „Ich möchte den Lesern de?„Vorwärts"'mal von einer 81 Tage dauernde» Slgitationsreis« berichte», die ich unternahm, um den brallnschwcigischeu„Landboten" auf die Beine zu bringen. Der arme Kerl hatte durch die vornehme Nachlässigkeit der braunschweigi schen Genossen sehr viel« Abonnenten verloren. In den 3l Tagen besuchte ich 19 Dörfer und Städte. Ich fand in dieser Zeit 87t Per. fönen, die da» Abonnement auf den„Landboten" in Erwägung zogen. Davon bezahlten 292 Mann sofort, während die ander» später bezahlt haben— oder sich anders besannen. Ich»ahm also beim ersten Aulauf den Leute», die Sozialdemokraten werden wollen, die Summe von 146 M. ab. Der Krieg muß den Krieg ernähren! Nur nicht» verschenke», immer bezahlen lassen I Wenn so«in biederer Land bewohner von den armen Sozialdemokraten etwas geschenkt kriegt, so wird er glauben müssen, wir hätten das Papier gestohlen.-- Am Tage da geht das Geschäft nicht sehr gut, der langhaarige Theil der Menschheit ist noch recht rückständig und nitt dem Bezahle» etwas zurückhaltend, aber wenn die Nacht ihre schwarzen Filtige auf die Eid« senkt, wenn der Mann daheim ist, dann sieht man „Moses und die Propheten".—— Da stehen wir beide auf der Straße, mein eben gewonnener Freund aus dem Dorfe und ich. Er rälh mir:„Hier gehst Du hinein, in die Stube rechts, links bleibst Du weg, da ivohnt«tu Unkultivirter."——„Ich wollte mal fragen," sage ich in dem Hause,„ob Sie den„Landbote»" mitlesen wollen; der kommt die Woche einmal und kostet das ganze Viertel- jähr nur b9 Pf. frei ins Haus. Er ist sehr gesund zu lesen, der Kopp wird schön« helle. Wenn St« mal«inen Versuch machen wollen V— Jdr« Adresse— Hier die Quittung— so Pf. Guten Abend!"— Der ganze Borgang dauert 1— L Minuten Mehr zu reden halle ich für überflüssig. Der Abonnent wird dann 18 Wochen von dem Landbolenredakteur sozialdemokratisch behandelt und de« wird ihm schon Bildung beibringen.- So viel ich beurtheilen kann, werden wir nächste» Jahr einen gewaltigen Stimmenzuwachs haben. Der„Vorwärts" wird schreibet, müsse» �8», kühnsten Erwartungen der Genossen, die schtimmsteu Be- lrchtunge» der Gegner sind übertrossen Ivorden." Aber«« gilt zu arbeiten— nichts fällt uns mühelos in den Schoo ß. — Da las ich neulich irgendwo auf dem GichSfelde in einer katholische« Zeitung, daß«in« arm« Gemeinde in Ungarn um«in« alte Zieh Harmonika zur Begleitung des Kirchengesanges bittet.--- Ich möchte nun irgend einen Genossen, der im Besitze eines noch guten abgelegte» Fahrrades ist. am besten eines solchen mit 3 Rädern, bitten, mir dasselbe zu meiner Begleitung zu überlassen. Man kommt «her vom Fleck.— Sozialdemokratisches Tageblatt in Zürich. In der am Sonntag in Zürich abgehaltene» Generalversammlnng der Preß genossenfchast wurde mit 256 gegen 12 Stimmen beschloffen, das „Tageblatt" am 1. April 1898 erscheinen zu lasse». I» geheimer Abstimmung wurde» Brandt und Seidel mit 231 und 207 Stimmen als Redakteure gewählt. Polizeiliche», Gerichtltch-s tt. — Der Verlag der Buchhandlung der„VolkSstimme" in Magdeburg hatte von der Buchhandlung mit dem davor statlonirte» Schutzmanns- Doppelposten Photographien und Ansichts-Po st karten anfertigen lassen. De» davon»och vor- handenen geringen Theil hat die Polizei beschlagnahmt. Di- AusichtS Postkarte enthielt den Vermerk:„Verlag von B. Harbaum in Magdeburg", während nach dem Preßgesetz auch die Angabe des Druckers erforderlich gewesen wäre. Der Verlag der„Volksstimme" hatte von letzterer Angabe deshalb Abstand genommen, weil die von anderen Magdeburger Geschäft Heransgegebenen Ansichtspostkarten dem Buchstaben des Preßgesetzes vielfach ebenfalls nicht entsprechen. Die„Frankfurter Zeitung" hatte in Beziehung auf das letzte Urtbeil des Magdeburger Landgerichts gegen die„Volksstiinnie" wegen angeblicher Polizeibeleidigung geschrieben:„Der Artikel nahm seinem Wortlaut»ach a», daß die Polizei nicht zweierlei Maß kenne. Ist vielleicht nach Ansicht des Magdeburger Landgerichts ei»« solche Annahme eine Beleidigung der Polizei? Fast scheint es so. denn für ganz unmöglich balle» wir es, daß ei» Gericht zu einer Vernrthei- luilg komittt, iiidem es erst die straffällige Tendenz i» einen Artikel hineinlegt, die in diesem seine,» Wortlaut gar nicht enthalten war. Dazu bemerkt die„Volk-stiiiune":„Es ist nicht das erste Mal, daß in Magdeburg die Justiz in dieser Weise zu«ine»» ver- urtheilende» Spruch gekommen ist. Abgesehen von kleineren, belang' losen Prozessen, wo wir in» Ausdruck gefehlt habe», ist in den iveitaus größte» Fällen die strafsällige Tendenz i» die unter An- klage gestellten Artikel hineiiigelegt worden. Wir haben oft genug hören miisse», daß eine direkte Beleidigung nicht vorliege, aber aNS dein Gesammlinhalt dies und jenes hervorgehe. Man hat auch gesprochen von einem„zwischen den Zeile» lesen", hat auch andererseits zugeben müsse», daß der Verfasser sich bemüht hat, die Gesetze nicht zu verletze». Nüßerdem sind,»m zu einer Ver- urtheilniig zu gelangen, Artikel verlesen worden, die mit de», unter Ankiage gestellten Artikel in gar keinei» oder auch nur losem Zu- sammeiihaiig stände». Bei Besprechung der Letzlinger Jagd ist sogar behauptet morden: der Angeklagte hat ivissen inüsfen, daß der Kaiser hieran tl, eilgenommen habe. Eine direkte Beleidigung oder gar Beschinipsnng. eine direkle Anfreizimg zu Gewaltlhäligkeiten, hat bei politischen Prozesse» nie statigesunde»— der EventnaldoliiS stand in Magdeburg bereits in Blüthe, noch ehe das Reichsgericht ihn in die Lexika der nendeulschc» Justiz einschob. Diese sonderbare Jnterpretatton war in dein Prozeß Banniülier ivegen Beleidigung des Kaisers schon Gegenstand eingehender Krilik leilens des Rechlsanwalls Heine, welcher ungefähr sagte: Meine Herren, wenn Sie fortfahren, die Gesetze so ausznlege», dann komme» Sie vom Auslegen zum Unterlege»»»d entziehen sonach der Rechtsprechiiiig jede sichere Unter- läge. Außerdem können wir«ine Anzahl wider u»s angestrengte Prozesse anführe», die durch einfachen Nachdruck dieser oder jener Artikel enlstaiideii sind, ohne daß i» anderen Orte» dar»», ein stnatSanivaltlicher Finger gekrümmt wurde. Verschiedentlich haben wir auch fragliche Artikel geändert und olle Spitze» abgestumpft. Geholfen hat es uns aber nichts. Wir imissen nns eben in nuser Geschick füge». Aber trotzdem wird auch im»«,>«» Jahr« der Kainpf Mit ungeschwächter Kraft wieder äufge»o»»»e»." verbandstag der verewigte« Dachdecker ««d verwandte« Kerufsgenosse» Deutschland». Gera, 27. Dezember 1SS7. Der Verbandstag wurde heute Vormittag 10 Uhr durch den Verbandsvorsitzenden Storch- Frankfurt a. M. eröffnet. Vev treten sind die Gaue Leipzig, Hessen-Nassau, Rheinland, Württenn berg, Thüringen und die Fürsteiithnmer, der Bergisch-Märkische Gap Süd-Bayer», Hannover, Schlesien, Schleswig-Holftein, Mecklenburg. Brandenburg, Dresden, Westfalen, Chemnitz»nd Stettin, sowie der Zentralvorstand und der in München seipen Sitz habende Aiisschusi durch zusainmen 25 Delegirle und fetner als Vertreter der General- konimission der Gewerkschaft«» Deutschlands Legi««- Hamburg Di« Tagesordnung ist eine sehr reichhnllige Und es sin! für deren Erledigung drei Tag« in Aussicht genommen. Die gedruckt vorliegenden Berichte werden für morgen lur&ck. gestellt und beschlossen, in Zukunft die Berichte mindestens vier Wochen vor Beginn des Verbandstags den Delegirten z»z» senden. Der Ausschuß konstatirl, daß sich die Kasse bei den vop Senonnnenen Revisionen i» Ordnung befunden hat. Im übrigen atle sich der Ausschuß mit einer Differenz zu beschäftige», die zwischen dem Vorsitzende» und dem Kassirer des Verbandes ausgebrochen war. Die Filiale Frankfurt hatte den Vorsitzende» kurzer Hand seines Amtes enthoben, der Ausschuh wehrte sich jedoch gegen den Eingriff in seine Befugnisse und setzte de» Vorsitzenden wieder in sei» Amt«in. Heute wird»ach einein kurzen Bericht des Anisch»ß> Mitgliedes B u r k h a rd t- München zur Untersuchung dieser M- gelegenheit eine dreigliedrige Kommission eingesetzt. In der Nachniillagssitzung erstattet G. D i« h l- Frankfurt den Bericht der Preßkommissio». Hier werde» die zum Punkt Press« gestellten Anträge mit zur Dielnssio» gestellt. Bemängelt wird, daß die derzeitige Preßkommissio» großenIheilS aus dem Verbands- vorstand sich rekrntirt, von diesem also abhängig ist,' sowie ferner die Anfnahme von VergnügiingS' Anzeigen, die Bemerkungen in den Rechnungsabschlüsse»:„Zum Militär eingezog«»", die langen Be richte über Filialversammlungen und Begebenheiten lokaler Natur zc. tl. a. beantragt die Filiale München«ine Bereicherung des Fach. organs in fachwissenschaftlicher Beziehung. Redakteur des FachorganS. Hoch, bemerkt hierzu, daß der Aufnahme solcher Abhandlungen schon jetzt nichts im Wege steht. Die tn dieser Beziehung stch zeigende» Mängel seien i» der Hauptsache darauf znrückzuführe», daß anS de» Kollegenkreifen solche»nd ähnliche Abhandlnngen nicht eingeschickt werden. Einige weitere zum P»i>kt Press« gestellte Anträge Iverden abgelehnt und beschlossen: dem obenerwähnten Antrage der Filiale München nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, die bis herige vicrzehniägige Erschetnungsiveise deS Organs beizubehalten und In den Berichten nur dasjenige zu verössenlliche», was von fachliche,» Juleresse für dl« Allgemeinheit Ist. Auch hinstchllich der Haltung des AnzeigentheilS deS FachorganS werde» einig« Aend« ningeii beschlossen. lieber Arbeits nachweise referirt A u l m a n n- Frank- fnrt. Redner bezeichnet die bestehenden stävlischen ArbeitSiiachweise als Jiiftilute, die auch den billigsten Anforderungen, die an die- selbe» gestellt werden müssen, nicht gerecht werde» köiuien. Dies beweise schon der Unistand, daß nur einig« davon sich dazu Verl verstehe», bei ausbrechende» Streiks die Arbeitsvermitteluiig für den betreffenden Beruf eti,zuftelle». Die organisirten Arbeiter hätte» daher kein Vertrauen zu solche» Instituten und hielten sich denselben fern. An mehrere» Beispiele» weist Redner nach, wie die gewerkschaftliche» Arbeitsämter auch den Organisatione» Vorlhcile biete», wen» die Leitung der erster«» t» den richtige» Hände» sick, beflndet. Deshalb sei dt« Errichlung derselben z» erstrebe». Die Frage, ob Ze»lralistr»»g oder Lokalisirnng werde sich dann sehr leicht beantworten lassen. B» r k h ard t- München tritt für Zentralisirung der Arbeitsnachweise ein. Besonders die Thüringer Verhältnisse bedingte» dies. Bon hier ans lockte» die Unternehmer durch Zeltniigsannoneen die Schieferdecker an die gröbere» Plätze, wohl wissend, daß sie damit billige Arbeitskräfte erhalten. Dem müsse durch Zentral-ArbeilSitachweise entgegen gearbeitet werde». ES sprechen sich noch mehrere Redner im ähnliche» Kinne aus. Wegen vorgerückter Zeit wird die Weilerberathnng ans morgen vertagt. Feiieuarvrlter-Kongveß. Brätln schweig, 26. Dezember 1897. Der Kongreß der Feilenarbeiter wurde hier am 2. Weihnacht?� feiertag eröffnet. An den Verhandlungen nah,»«» 8 Delegirle theil Die Tagesordnung wird wie folgt festgesetzt: 1. Bericht des Ver tranensinaniieS. 2. Bericht der Delegirten. 3. Errichte» wir eine» Zentralverein? 4. Eventuell Slatntenberathuiig, Anträge, ö. Ver schiedenes. Zunächst erstaltet der VirtrauenSmann Bericht. Demselben ist zn entnehme», daß die Mittel spärlich eingelaufen sind und infolge dessen auch für die Agitation nicht genügend getha» werde» konnte. Als Einiiahine sind für dnS Jahr 1896 zu verzeichne» 81,60 Mark. Die Ausgabe betrug 78.89 Marl. Im Jahr« 189? ginge» ein 70,96 Mark. Die Ausgabe betrug 110.68 Mark, so daß ein Dcstrtt von 39,72 Mark zu verzeichnen ist, dasselbe wird durch»och ansstehende Gelder gedeckt. Ii» Jahr« 1896 sind fünf Vereine erstanden mit 122 Mitgliedern, im Jahr« 1897 3 Vereine, eß b-slebe» jetzt 9 Vereine mit 273 Mitgliedern. A» de» Bericht schloß sich eine rege Debatte. ES folgen alsdann die Berichte der Delegtrl«» aus de» einzelne» Orten. Mit Ausnahme einzelner Städte, wo man den 9'/2stü»dIg«» Arbeitstag errungen hat, sind die Lohiiverhällnisse ziemlich traurig. Die Arbeitszeit ist eine sehr lange. Im Anschluß hieran wurde über die stattgefnndenen Streiks und über di« Fnnltionirnng der Arbeits- »achweis« berichtet. GemevKstLzoiflUifzes. Deutsches Reich. Im deutsche» Holzarbeiter- Verband wurde in den letzte» Jahre» die Agitation für Ausbreiliing der Organisation sehr leb hast betrieben. Auf dem letzten Verbandstag wurde ein Antrag verhandelt, welcher die obligatorische Einrichtung von A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n e n bezweckte. Dieser Antrag wnrde abgelehnt. Trotzdem haben sich, veranlaßt durch die gegeben» An- reg,„ig, überall solche Kommisstonen gebildet, so daß jetzt der«» 19 bestehe», und dadurch«in Agitationsnetz über ganz Denlschland aus- gespannt ist. Der Vorstand de« Holzarbeiter-VerbandeS veröffentlicht »un jetzt eine» Bericht über di« Thätigkeit dieser Ägilaltons- Konimisstonen im Jahre 1396. Wir heben daraus folgendes hervor. Die Gesammtiinnahme betrug 7622, die Gesanimlausgabe 6486 M. Es wurden 32„eu« Zahlstellen gegründet, während 10 alt« ein- gingen. Versammlungen wurden 444 abgehallen(gegen 283 im Vorjahre). Für Entschädigung an die Referenten waren 3874 M, u zablen. Da« macht in, Durchschnitt 3,50 M. süt«ine Ver- ammlung. Dieser äußerst niedrig« Satz beweist, was es mit den,„Mästen von Rrbeitergrosche»" auf sich hat. In diesem Satz ist Fahrgeld, Spesen für Arbeitsversäumniß k., Zehrgeld u. f. w. einbegriffen. Die Ausgab« für Drucksache» belief sich auf 1136 M. 238 Zahlstellen zahlte» regelmäßig Extrabeiträge, während 193 Zahl- stelle» solche nicht zahlten. Die Hauptkasse halte nur 322 M. zuzu- schieße». Di« Einnahmen der Dresdener(1323 M.) und der Leipziger Kommisston(632 M.) sind lediglich von de» Holzarbeiter» dieser beide» Slädle selbst ausgebracht worden. Dresden steht mit dem Aufbringen von Mitteln obenan; dann folgt Provinz Sachsen- Anhalt-Braunschiveig mit 635 M.. und»ach diesen Leipzig. Die Gesaiiiinlaufivendungen— also einschließlich der direkt vom Vorstände bclriebene» Agitation— betragen 10 199 M. Nicht mit eingerechnet sind da die von den Zahlstellen für rein örtliche Agi- tation ausgegebenen Gelder, da diese aus den Mittel» der Lokal- kass-n bestritten werde», von 470 bestebenden Zahlstellen haben stch 431 de» Vezirlskommissions» angeschlossen. Im Borjahr» war«» es nur 282. St« ttt tzrt Maschinenfabrik von vrenet«. Schmitz in Wald stattgehabte Aussperrung von 15 Metallarbeitern ist znritck- gezogen worden und wird Mittivoch Morgen zu den bisherigen Be- dingungen weiter gearbeitet. Gescheitert ist allerdings das Ver- langen, die zuerst Geniaßregelte» wieder einzustellen, und da nach Lage der Sache ein hartnäckiger Kamps mit allen für den Fabri- kanten günstigen Chancen den Ausgesperrten bevorstand, rieth die Organisation, diese Forderung fallen zu lassen. Erreicht wnrde das allerdings nur mündlich gegebene Versprechen, daß man eine Aendernng der Arbeitsordnung nicht beabsichtigte und daß Maß- regelungen nicht vorkommen. Ausland. Ter gegenwartige Stand der Arbeiterbewegung in West- rnßland. Im Eoimner dieses JahreS haben, wie die Leser des „Vorwärts" schon wissen, die jüdischen Arbeiter tn einigen Städten Westrußlands die thalsächliche Durchführung des von den russischen Gesetze» für das Handwerk vorgeschriebenen ZehnstundentageS, wie auch eine Erhöhung der Löhne durchgesetzt. Gegenwärtig find die Unternehmer bestrebt, di« von den Arbeitern errungenen Erfolge wieder rückgängig z» machen. So haben in W i l n a die Klempner- meist« den Arbeitstag um drei Stunden verlängert. Ihre Werk« stätlen haben sie geschlossen, bis die Arbeiter stch in die neuen Arbeitsbedingungen fügen. Die Unternehmer von Wilna haben einen Verein gebildet, dessen Mitglieder stch vttpflichten, bei Streikfällen«inander beizustehen. Unter Hin- weis auf Begründung dieses UnternehmervereinS fordert das Wilnaer sozialdemokratisch« Koinitee in einem Aufruf die Arbeiter auf, ihre geheimen Organisaltonen fester auszubauen, um die Errungenschasten der eommerstreikS sestzuhalten.— In Sokolkt(einem kleinen Slädtchen) haben 80 Gerber durch«inen Streik den Zehn- ftmideiitag errungen.— In Kowno, wo es bis zur letzten Zeit überhaupt in keinem Gewerbe einen bestimmten Arbeits- tag gab und dt« Arbeiter gewöhnlich bis 11—12 Uhr deS Nacht» arbeiteten, hat tn der letzten Zelt auch ein Kampf um die Verlürzung der Arbeitszeit begonnen. In einigen Werkstätten haben die Schneider durch einen Streit de» Zehnstniiventag und eine Lohnerhöhung errungen, in den übrigen Werkstäilen wurde die Arbeitszeit verkürzt, ohne daß es zu Streiks kam. Es fand in dieser Stadl auch«tn Streik von 30 Klempnern statt, durch welchen gleich- falls der Zehnstunventag und eine Lohnerhöhung erzielt worden ist. Jedoch 14 Tage nach Beendig,»», des Streit« dennnzirten di« Unter- nehmer di« Streikenden bei der Gendarmerie, daraus sind drei Ar- beiter verhastet worden. FranzVfische Streiks im Roliemver I8S7. DaS Arbeitsamt verzeichnete im November 18 Streiks mit 1351 Theiliiehmern(für 16 derselben) gegenüber 23 Streiks mit 2603 Theiliiehmern im November de« Vorjahres. Die Durchschnittszahl der November-StreitS tn den letzten vier Jahre» beträgt 26. Mit Ausnahme eines BSckerstreiks i» Nizza, 281 Theilnehiner in 76 Betrieben, betrafen die Konflikte nur eine» einzigen Betrieb. Die SireikS dauerten von 1—11 Tagen. Auf die Bau-Jndnstrte entfallen 7 Streiks, auf die Metallindustrie 4, auf die Bergwerke 2 u. s. f. Ausgang von 17 im November be- gomieneii und von 5 vorherige» Streiks: 6 Erfolge, 6 Ausgleiche und 10 Mißersolg«. Ansterdem kamen drei Bäcker- AuSsperr nn gen vor zwecks Erlangung höherer koiuniunaler Brolpreis-Taxen, sämmllich erfolglos. De» englischen Maschinenbauern hat der deutsche Holz« arbelter-Verband bis jetzt 23 000 M. gesandt. Davon sind 18 000 M. durch freiwillige Sammlnugen aufgebracht.— Bei der Generatto», Mission der Gewerkschaften Deutsch- la»ds gingen in der Woche voi» 17.— 22. Dezember 10 994,39 M. ein; biS zu erster«», Datum wurde» vereinnahmt 77 30ö,0L M. Sozinlos. Arbeiter Risiko. Am zweite» Weihnachlsfetertag« bracht« die Dortmunder Arbeilerschaft die bei der Griibenexploston auf Zeche Kaiserstuhl ums Leben gekommene» Berglente zu Grab«. Vereint gaben die sozialdeniokratilchen, katholischen und evangelischen Ardeilerorgantsalioiicn de» Opfer» der Industrie daS letzte Geleite. Gegenüber den, Massengrabe der Opfer des Schachtes I ruhen jetzt die des Schachtes II. Wird die Regierung»ach dem neuen, großen Unglück auf Zeche Kaiserstnhl energisch dafür sorge», daß dem denlsche» Bergmann endlich der Grad von Schutz zu theil wird, den die Hilssinittel der »loderntn Technik möglich mache,> und wird sie zur Grubeninspektion endlich auch von den Arbeiter» frei gewählte Vertreter heranziehe»? Berichtigung. In gestriger Numiner ist in dem Zitat anS der„Rheinisch- Westfälische» Arbeiter- Zeitliiig" durch«in Ver- sehe» bei der Korrektur die von dem Direktor der Zeche Kaiserstuhl handelnde Stelle unrichtig wiedergegebe». sie hat zn lauien:„Als die Lei»« vorigen Monat infolge übermäßiger Arbeit und zahlreicher Ueberschichten(vor der Kohl« 34 bis 35 Schichten) eine» etwas höheren Lohn erzielt kalten alS sonst, war Herr H i l b ck(der Direktor der Zeche) außerordenilich aufgebracht. Vesoiiders die Sleiger mußie» ivieder viel höre». Er gab sofort an einen Beamten die Parole anS, daß überall, Ivo mehr als 4,50 M. verdient würde, sofort abgebrochen ivürde, was selbstverständlich auch theiliveise geschah" ,c. K. lieber das jüngste Griideiiuiigllick in M e h a d i a in Ungarn, das vier Bergleute» das Leben tostet», während vier schiver ver- wnndet wurde», bringt di« in Teniesvar erscheinende„Bolkssttinme" eine von 24 Berglente» eingesandt« Zuschrift, worin es heißt: „Um de» Betrieb lüiumert sich keiu Teufel, dort können die Leute zu gründe gehe»; die neue» Lampen hängen im Magazin und mit de» alten Oel-Lampen muß gearbeitet iverde». Und dann werden zur gefährliche» Arbeit solch« Leute hingestellt, die erst gestern den Schafhalterposten aufgaben und heute schon als Häuer an- gestellt sinv." Man braucht nicht erst nach Ungar» zn gehen, um dieselben Mißstände aiiznlreffe». S« M. hat, wie der d« n e r A k t i« n- jedem ihrer Arbeiter gemacht, der bei ihr»linvcstens ein Jahr beschäftigt war. Wenn die Arbeitsverhältnisse in jener Brmimt auch sonst befriedigend sind, wird man sie den weiße» Raben unter de» Aktiengesellschaften nenne» köiuien. Eine Reih« gut prosperirenber Aktiengesellschaften schlagen auch in der schäm« ose» Ailsiiutzung der Arbeiter all« Konkurrenz au» dem Felde. Mit der UnfaNverhiitnna fleht es am schlechtesten auf dem Land«, obivohl die landivirthschaftlicheli Maschinen de» Maschinen der Industrie an Gefährlichkeit tan», nachsiehe» und obwohl hänstg Personen zur Bedienung der Maschinen verwendet werde», die die da,« nöthig« KenntNiß»nd Geschicklichkeit nicht i» ans- reichendemMaße besitzen. Während»ach de» 1ö36er Rechiiungsergebnisse» Ver Berus»« Ein WciHnachtSgrschenr von f« 50 R Hannüver'sche„Volksiville" miltheilt, die L i n i Brauerei jedem ihrer Arbeiter gemacht, der ,.enossenschaflc» die gewerbliche» Berussgenosseiischafte» an Kosten für die Unfallverhütiing immerhin über>/« Million Mark ausgegeben haben, geben die landivirthschaftlicheli BerufS- g«»ossei,sckaften für denselben Zweck nur etwas über 2000 M. her. Für die Ueberwnchuiig der Betriebe geben die gewerblichen Berufs- zeiiossenschaften ca. 486 000 M. aus, die landwirthschaftlichen»ichlt. Sei eineni solche» Ausgabe, innlerschiede— sagen die„Berliner Politischen Nachrichten"— muß man doch zu der Frage kommen, ob de»» die Unfallgefährlichkeit der beiden Berufsgruppe» so verschiede» ist, daß dies« Differenz i» den Ausgabe» sich dadurch rechtfertigt. Die jsrage wird auf grund der gleichfalls für 1896 vor- liegenden Zahlen durchaus verneint werden müssen. Bei den gewerb- lichen Berufsgenosselischaften kamen auf 1000 Versicherte 6.72«nt- chädigle Verletzte und bei de» landivirthschaftlichen 3,34. Die Unfallgefährlichkeit in der Landwirthschast war demnach zivar geringer als in der Industrie, wie daS ja auch wohl ohne weiter-S anzniiehmen ist, sie belief sich jedoch auf mehr als dt« Hälfte der letzteren. Bei dieser Sachlage wäre rt wohl zweckmäßig, wenn die landwirthschaftlichen Berufsgenossen- fchafte» der Verhütmig der Unfälle ein« größere Aufinerkfainkeil als bisher zuwendeten. Vor einiger Zeit hieß es auch, daß mehrere dieser lKenossenschaftcn den Erlaß von Unfallverhütuugs-Vorschriften in Aussicht genommen hätte». Man hat aber leider seitdem von einer weiteren Entwickelung der Angelegenheit nichts gehört. Wenn den Großindustriellen, denen die„Berliner Politische» Nackirichten" dienen, daran liegt, daß die Herren mit den„geflickten Strohdächern" kräftiger zu den Kosten der„praktischen Arbeiter"- Fürsorge herangezogen werden, dann mögen sie ihre» Einfluß dahin geltend machen, daß den Landarbeiler» das Koalilionsrecht gewährt wird. Dann wird schon Leben in die Unfallverhntnng auf dem Lande kommen. Die öffentlichen Sparkassen MeiniiigeuS sind vom Ministerium aufgefordert worden, darüber zu berichten, welchen Beruf die neu als Sparer eintretenden Personen haben und wie hoch ihre erste Einlage ist. Die Arbeitsberhältnissc der Holzarbeiter im südlichen S ch w a r z w a I d, der sogenannte» S ch w e f l e r, werden in der amtlichen„Karlsruher Zeitung" geschilvert: Die Schwester befinde» sich in einer äußerst schlechten Lage, insbesondere die in Bernau bei St. Blasien, wo lroh lö stündiger Arbeit täglich oft nur SV bis 70 Pfennig verdient wird. Selbst die schlesische» Weber sollen besser leben als jene armen Schwarzwälder. Eine der Hauptursache» der Roth der Schwarzwälder Schwester ist ein mächtiger zur Nieder- Haltung der Preise gegründeter Händlerriug. Arbeiterschuh in der Schweiz. Im Kanton T essin hat der Staatsrath wegen des stetigen Wachsens der Industrie und besonders der Eteinbruchansbeulung daselbst den Beschluß gefaßt, die»öthigen Schritte bei den Bnndesbehörden zu thun, um zu erlange», daß im eidgenössischen Fabrikinspektorat ein eigener Vertreter der italienischen Schweiz eingesetzt wird. Der Regierungsrath von St. Gallen hat das eidgenössische Industrie- Departement ersucht, eine Untersuchung über die G e s n n d h e i t s s ch ä d l i ch k e i t des Betriebes der Schnell- l ä u f e r- S ch i f s ch e n st i ck m a s ch i n e n zu veranstalten. Mntvvnelzurrv�Nevbiindr. Znsamuicuschlüsse bo» einzelnen Zweigen der Textil- Industrie habe» in diesem Jahre in größerem Maße statt- gefunden, theils sind solche noch in der Bildung begriffe». Zweck derselben ist entweder die Erzielnng einer Erhöhung der Wanrenpreise, oder einer Festsetzung einheitlicher V-rkaussbedinaungen. So steht die Bildung einer„Vereinigung der Tuch- und Bnckskin-Fabrikanten von Forst i. L." unmittelbar bevor, desgleichen ist eine„Vereinigung der Berliner Plüsch- und Wollwaaren-Fabrikanten" bevorstehend. Ferner ist eine„Vereinigung von Webercibesitzern im Haudels- kammerbezirk M.- Gladbach" ins Leben getrete», welcher 27 der bedeutendsten Wollwaarenfabrikeu angehören. Ferner hat sich eine„Vereinigung Krefelder Kravaltenstoff-Fabrikanten" gebildet, sowie eine Konvention der Färbereien und Druckereien von M.- Gladbach und Umgegend. Außerdem besieht eine„Ver- einignng der Fancy- Weber" und eine Konvention sächsischer Vigognespinner. Diese Vereinigungen sind alle in diesem Jahre ge- gründet beziehungsweise in Wirksamkeit getreten. Eine ganze Anzahl bestehender Vereinigungen in der Textilindustrie sind bereits älteren Datums. Dieselbe Erschein»»« macht sich ans dem Gebiete der Wirkivaaren-Jnduslrie bemerkbar. Zu den bestehenden älteren ist in diesem Jahre eine Konvention der süddeutschen Trikot- fabrikanten getreten. Po» den Tnchgrossistcn ist eine Konvention gegenüber den Fabrikanten, welche auch an Private verkaufen, gc- bildet worden. Diese Konvention eistreckl sieh über ganz Deulsch- land. Kali-Shndiknt. Nachdem das eigenartige Verhallein des Ver- treters der Gewerkschaft Hedwigsburg in der Konferenz der Shndikatsdelegirten vom lö. d. M. dahin geführt hall«, daß die letzteren einfach auf ihre früheren Zugeständnisse hinwiesen, ohne auf weitere Verhandlungen sich einzulassen, soll inzwischen eine Ver- ftändigung der Gelvertjchafl Hedwigsburg mit dem Kalj-Syndikat erfolgt sein und somit scheint die Verlängerung des Syndikats auf keine weiteren Schwierigkeiten zu stoßen. Der große Milchtrnst, der sich gebildet hat, um die gesämmte Milchznfnhr nach New-Iork zu monopolisiren, erwarb in New- Jersey seine Konzession unter dem Namen„Farm- niid Milch» wirthschaflsprodnkt-Gcscllschast". Der Trust besitzt ein Kapital von 18 000 000 Dollars. Das Geld ist zum größten Thcil von englischen Kapitalisten aufgebracht worden. Am I. Januar wird der Trust sein Geschäft in ganz Groß-New-Iork beginnen. Die Milchwngen der Gesellschaft werden äußerst luxuriös ausgestattet und die Kutscher unisormirt sein. NomurunAlvs. Die sozialdcinokratischeu Stadtverordneten haben zur Vor- läge belresfend„die Instandsetzung des Kirchhofes der Märzgefallenen im Friedrichshain" solgendcn Antrag eingebracht: Unter Ablehnung der Magislralsvorlnge vom 23. Dezember 1897 ersucht die Versainmlnng de» Magistrat außer den in der Borlag« näher bezeichneten Arbeilen auf dem Friedhof der Märzgesalienen im Friedrichshai» einen Denkstein init der Inschrift: Dem Andenken der am lö. März lösö Gefallenen Die Stadt Berlin errichten zn lassen u»d stellt die hierzu erforderlichen Kosten ans dem Spezialetat 45 Extraordinarinin 1 zur Versügnug. Dieser Antrag gelangt heute znr Bernthnng. GvL icfzks""Äv itkung. AliSschrcituilgen cincs SchntznianncS kamen abermals in einer Verhandlung znr Sprache, welche gestern vor der 132. Ab- theilung des Schöffengerichts unter dem Vorsitze des Amtsrichters Bach staltfand. Der frühere Schntzmann Hermann Harf hatte aus der Älullagebank wegen einer ganzen stieihe Straslhateu Platz zu nehme». Es wurde folgender Sachverhalt gegen ihn festgestellt: In der Nacht zum 14. September begleitete der Angetiagte einen frühere» Kameraden, einen Gefreiten des Eisenbahn- Regiments, mit dem er eine Bierreife gemacht halte, nach der Kaserne. Sie gingen Arm in Arm durch die Großgörschenstraße und erregten durch ihren schwanlendcn Gang, durch ihre laute Unterhaltung und dadurch, daß der Schntzmann sich in Uniform, wenn auch nicht in Dienstkleidung befand, Anfsehen. In der Nähe einer Laterne be- gingen sie in Aergerniß erregender Weise eine Straßen- polizei-Uebertretnng. Mehrere Vorübergehende blieben in einiger Entfernnug von den beiden Angrlrnnkenen stehen. Zn diesen gehörte auch das Schuhmachermeister Co»rad'sche Ehepaar. Plötzlich sprang der Gefreite ans Conrad los und berrschle ihn init den Worten an:„Herr! WnS ivollcn Sie von mir?" Der Gefragte lhat an ven Gefreite» dieselbe Frage. Jetzt eilte der Angcklagle hinzu, zog das Seilen- g e w e h r ans der fccheide und erhob es gegen Conrad mit den Worten:„Was? Sie ivollen sich ai> einem Soldaten vergreife»?" Die Ehefrau des Conrad fiel dem Rasenden in den Arm und be- schwor ihn, er möge sich und andere Personen nicht unglücklich machen. Der Angeklagte besann sich und ließ die Waffe sinken, wobei er znr Frau Conrad meinte:„Ihnen zu Gefallen will ich davon abstehen, sonst hätte ich den Lump durch und durch gestochen." Der Rttftritt hatte eine ziemliche Meiifchen- menge angelockt. Eine Stimme rief:„Das ist ja der reine B r ü s e w i tz!" Dies brachte den Angeklagten wieder i» große Wnlh. Mit gezogenem Säbel stürmte er ans die Menge los, die anseinandcrstob und die Flucht ergriff. Jetzt kam ein Kamerad des Angeklagten, der Schuhmann Räudig, hinzu. Von allen Seiten wurde derselbe anfgesordert, den Angeklagten zn arretiren, der Beamte zeigte hierzu aber wenig Neigung. Er ver- anlaßte vielmehr den Angeklagten, mit seinem Begleiter weiter zu gehen. Der letztere begab sich in die Kaserne und Harf ging in Be- gleitnng des Schutzmanns weiter, immer noch von einer Menschen- menge gefolgt, die sich in wenig schmeichelhafter Weise über ihn ausließ. Die ebenfalls im Gefolge befindlichen Eheleute Conrad wolle» nicht ein einziges beleidigendes Wort gesagt haben. Plötzlich drehle der Angeklagte sich um, packle Conrad an der Gurgel, zog ihn in eine Thürnische und versetzte ihm zwei Fußtritte. Frau Conrad, ivelche ihrem Ehemanne zn Hilfe kommen wollte, erhielt von dem Angeklagten zwei Stöße gegen die Brust. Nunmehr zog der Schutzmann Nandig ernste Saiten ans und brachte seinen rasenden Kollegen znr Wache. Der Angeklagte ist sofort seines Dienstes enthoben worden, nachdem der Vorfall zur Kenntniß seiner Behörde gelangte. Im gestrigen Termine ent- schuldigte Harf sich mit Trunkenheit, er wollte sich der einzelnen Vorfälle nicht mehr genau entsinnen können. Das wisse er aber mit Bestimmtheit, daß die ihm folgende Menge ihn nicht nur beschimpft, sondern daß er hinterrücks auch Püffe und Schläge erhalten habe. Die Beweisaufnahin« ließ ihn auch in dieser Be- ziehung im Stiche. Staalsanivalt Dr. Krebs bezeichnele es als ein besonderes Glück für den Angeklagten, daß derselbe sich nicht im Dienste befunden habe, sonst müßte ihn eine außerordentlich hohe Strafe treffen. Aber immerhin habe der Angeklagte in Zlergerniß erregender Weise das Ansehen und die Autorität der Behörde gesckädigl und dazu beigetragen, daß die ltnbeliebtheit der Schutzleute, welche nmi einmal das Publikum beseele, noch gesteigert wurde. Er beantrage gegen ihn eine G e f ä n g n i ß st r a s e von drei Monaten. Der Ver- lheidiger, Rechisanwalt Dr. lltosen stock, führte aus, daß gar kein Grund vorliege, dem Angeklagten, der die AnSschreitungen nicht im Dienste begangen habe, mit einem anderen Maße zn messen, als jede Zivilperson. Er sei durch die Dienftenllaffnng schon empfindlich bestraft worden lind wenn er nun noch obendrein eine Geldstrafe erhalte, so dürfte der Gerechtigkeit Genüge geschehen sein. Der GcrichtShos trat diesen Ausführungen bei und erkannte nur auf eine geringe Strafe. Die Uebertretnngen(Straßenpolizeikontravention und Ver- Übung groben Unfugs) wurden mit Geldstrafen von je 3 Mark, die Körperverletzungen des Conrad'schen Ehepaars mit einer Geldstrafe von vierzig Mark geahndet!!! Ob eine solche Bestrafung wirk- lich geeignet ist, andere Rowdies vor ähnlichen Rohheiten abzn- schrecken? Das Tebnt eines angehenden Kriminal- SchntzmanncS gelangte heule vor der IV. Slraskammcr am Landgericht II zur richterlichen Erörterung. Der Schankivirth Nikolaus F n h l e r ans Charlotlenbnrg war vom dortigen Schöffengericht von der lieber- trelnng der Polizei- Verordnung, betr. das Hallen weiblicher Be- dienung in Schankwirthschaftcn, freigesprochen worden, der Staats- nnwalt hatte aber Bcrufnng eingelegt.?lm I. Juli ds. Js. trat bei der Charloitenbnrger Kriminalpolizei der Militäraiiwnrter V a r t h o l z als Kriminal- Schntzmann ein. Am Tage dar- auf, am 2. Juli, erhielt derselbe den Auftrag, Lokal« mit weiblicher Bedienung zn revidiren. Sein Weg führte ihn auch in das Fuhler'sche Restaurant, in welchem znr Zeit kein einziger Gast anwesend war. Der Wirlh war ausgegangen, um ein Geschäft zn besorgen, die Wirlhin stand am Büffet und sah dem Dienstmädchen zn, welches den Bierdrnck-Apparat putzte. Außerdem war eine Kellnerin anwesend, als Barlholz eintrat und sich sofort in das Hintere Zimmer sehte. Nun erfreut sich aber Barlholz eines Aenßeren, welches ans 100 Schritt den Polizeibeamten in Zivil ver- räth. Die Wirthin rannte sofort der Kellnerin zu, diese möge sich besonders in Acht nehmen, denn der Gast sei ein Kriminalbeamter. Das that diese denn auch und widerstand beharrlich allen Verlockungen, sich neben den Gast z u setzen, obwohl ihr derselbe auch noch eine„Grätzer" spendirle. Zuletzt wurde aber der Geist n ü r m i s ch. er zog die Kellnerin mit G e- wall an seine Seite ans das Sofa, um gleich darauf von der Wirlhin das A n m e l d e b n ch der Kellnerinnen zu verlangen und sich als Kriminalbeamter zn legilimiren. Als Herr Fühler heimkehrte und Kenntniß von dem Vorfalle erhielt, richtete er sofort eine Beschwerde an die Polizeidireklion in Charlottenbnrg mit dem Antrage, das Disziplinarverfahren gegen de» Schutzmann einzuleiten. Diesem Antrage ist zivar slattgegcoen worden, dies Verfahre» blieb aber in der Schivebe bis zum Austrage des gegen Fühler ein- geleiteten Strafverfahrens. Das Schöffengericht hat die Glaubivnrdig- kcit des Schutzmanns nicht zum Gegenstände der Erörterung gemacht, weil dasselbe ohnehin zur Freisprechung gelangte ans der Erwägung, das, der Wirlh nicht veraiilwnrtlich gemacht werden könne für eine Ilebertretmig, welche in vorübergehender Abwesenheit seitens einer bei ihm beschäftigten Person begangen werde. Bor der Strafkammer wurde die Glaubwürdigkeit des Schutzmanns dagegen sehr eingehend erivogen. Der Verlbeidiger, Rechtsanwalt(Landtags- Abgeordneter) Ulrich bcicichnete den Schutzmann als.A. k e n b provocateur, der nicht den mindesten Glauben verdiene, da er erst zu Vergehen anstifte, um dann vor Gericht als Partei anszn- trelen. In diesem Falle könne jener gar nicht anders bandeln, weil seine Stellung ans dem Spiele stehe. Er sei als st r e n g k o n s e r v a t i v e r Mann bekannt, doch angesichts solcher Provokationen sei es einem Betroffenen wirklich garnicht zu verdenken, Sozialdemokrat zn werden. Der Gcrichlshof ivollte dem Schntzmann nicht sofort jegliche Glaub- Würdigkeit absprechen, es wurde daher beschlossen, zn einer erneuten Verhandlung außer dem heute vernommenen früheren Dienstmädchen des Fühler noch dessen Ehefrau und die damals bei ihm beschäftigle Kellnerin zn laden. Ferner sollen die Personalakten des Schutzmanns vom Gericht eingefordert werden. Wegr» HanöfriedrnSbrucheS und Mißhandlung stand gestern der Maurer Robert Mitusch vor der neunten Slrajkammer des Landgerichts I. Der in der Koiuinandantenstraße belegene Ar- beitsnachweis des Bundes der Bau-, Maurer-»nd Zimmermeister war im Augnst d. I. seitens der Gcscllcnschast gesperrt worden und der Angeklagte halle den Auftrag übernonnncn, die Geschäjtsstell« des Arbeitsnackiweises zu kontrolliren. Er erschien daselbst ivieder- holt und soll nach der Bebanptniig des Geschäftsführers Herrn Wicchinann von diesem mehrfach ans den Räumen gewiesen Ivorde» fein. Am II. Augnst kam es zwischen dem An- geklagte» und einem nach Arbeit fragenden Maurergesellen zn Thätlichkeiten»»d nun stellte Herr Wiechmann den Strasanlrag, indem er behauptete, daß der Angeklagte anfangs August von ihm in iviedelholten Fälle» vergeblich aufgefordert worden sei, das Geschäftslokal, in welchem er ohne Besngniß ver- weilte, zn verlassen. Trotz der Nnbestiuinitheit der Zeitangabe vernrtheilte das Schöffengericht de» Angeklagte» zu 60 M. Geld- strafe, iltechtsanwalt Dr. Herz seid legte Bernfnng ein und be- inängelte den Strasanlrag, zn dessen Stellung er de» GeschästSsübrer nicht für berechtigt hielt. Di« Elrafkamnier schloß sich dieser Ansicht nicht an, sondern erkannt« a»s Verwerfung der Bernfnng. Polizcilichc Vcrfügniigcu gegen Inhaber van Privat- schule» sind— keine polizeilichen Verfügungen. Rachde», dem Lehrer a. D. I a S l o iv s k y ohne ersichtlichen Grund die Konzession zni» Betriebe einer Privaischnle entzogen worden war. drohte ihm die Polizeiverwaltnng in Stettin auf Veranlassnug der Regierung eine hohe Geldstrafe für den Fall a», daß er doch noch weiter unterrichte. I. wandte sich im Wege des Verivaltungsstreilverfahrens hiergegen. Sowohl der Bezirksausschuß wie daS Ober-Verwaltnugs- g e r i ch t wiesen seine Klage als unzulässig zurück. Das Ober- Verwaltnngsgericht ging von folgenden Erwägnngcn aus. Das Nnlerrichlsweseil sei eine öffentliche Wahlfahrtseinrichtung des Staates. ES umfasse auch die Beanssichtigung des Privalunterrichts »nd der Privalschntc». Seine Verivaltnug sei nicht den Polizei- behörden, sonder» besondere,, Behörden übertrage», nämlich den Proviiizinl-Schulkollegici» und den Ablheilungeq der Regier»»« für das Kirchen- und Schulwesen, in böchster Instanz dem Unterrichts- Ministerium. Im Noihfalle könnten diese Behörden ihren Bersügnngen durch die gesetzlichen Zwangs- und Strafmittel den erforderlichen Nachdruck verleihen. Dabei könnten sie sich ihrer nachgeordneten Organe und auch der starke» Hand der Polizei be- dienen. Dagegen könne die Polizei selbständig nn: i» ganz seltenen Fällen ans dem Gebiete des Schulwesens eingreifen, zum Beispiel wenn«in Schulgebäud« feuergefährlich sei. Die hier in betracht kommende Berfüguilg sei nun keine Berfügung. die die Polizei aus eigener Amtsgewalt hätte erlaffen dürfen; thalsächlich habe ihr ja die königliche Regierung den Austrag dazu gegeben, die Klage msiffe deshalb wegen ihrer Unzuläsfigkeit abgewiesen werden. Gegen Verfügungen der fragliche» Art, die keine eigentlichen Polizei-Verfügungen wären, sei nur die Beschwerde an de» Minister zulässig! Gegen die hannoversche Sabbathordnung sollten sich zwei Landlente aus Kirchhorst dadurch vergangen haben, daß sie am Sonn- tag früh Disteln und anderes am Solinabend früh gemähtes Grün- sutter für die Schweine vom Felde einfuhren. Sie erhielten deshalb ein Strafmandat, worauf sie richterliche Entscheidung beantragten. Das Schöffengericht sprach die Angeklagten jedoch schuldig und ver- urlheilte sie zu Geldstrafen. Die Sabbathordnung vom 2S.Jan. 1322 ver- biete all und jedes, was einer würdigen Sonntagsseier zuwider sei. Es sei aber ei»er solchen zuwider, wenn am Sonntag tvährend des Gotles- dienstes Futter eingesahrci, werde. Die Angeschuldigten legte» Be- rnfrnig ei» und machlen geltend, sie hätte» das Futter einfahrei» müssen, da sonst die Schweine hallen hungern müssen. Das Land- gericht verwarf indessen die Berufung als unbegründet. Nnnniehr griffen die Leute noch zum Rechtsmitlel der Revision, indem sie vor allem betonten, es sei doch gerade ein gottgefälliges Werk, den Schiveinen ihr Futter zn besorgen, damit sie nicht hungern brauchten- Wie hier davon geredel werdeii könne, sie hätten einer würdigen Sonntagsseier zuwider gehandelt, das sähen sie nicht ein. Aber das Kammergericht(heilte nicht ihre Auffassung, es bestätigte vielmehr die Vorentscheidung unter Verwerfung der Revision. Der Slrassenat nahm a», daß Feldarbeiten einer würdigen Sonntagsseier zinvider seien. Wie stark müßte da das Kanimergericht erst die in Berliner„Gotteshäusern" vernblen Sabbathschändungen verdamme», wenn es in die Lage käme, über diese„einer würdigen Sonntagsseier" entgegensteheiide» Handlungeu zu urlheilen?_ VevfnttttnlttttZen. Die Mnfitiustrnmeuten-Arbeiter hielten, am 3. Feiertag vor- mittags eine öffentliche Versammiling bei Grauina»», Raunyiistraße, ab, i» der zunächst Arendt über die Thätigkeit der GewerkschajU- Konitnission berichtete und die Abrechnung als Vertranensnia»» er- stattete. Die Eiiinahmeu betrugen inkl. des von dem frühere» Ver- lranensinain, übernommenen Betrages von 23,50 M. iiisgesannnt 234,95 M., die Ausgaben 204,05 M. Die Abrechnung wurde vo» den Revisoren als richtig bestätigt und hierauf die Entlastung er- «heilt. Bei der Nenivahl des Vertrauensmannes enispan» sich eine längere Debatte, in der es zn lebhaflen Anseinaiidersetziingen zwischen den Anhängern des Fachvereins und denen des Holzarbeiter- Verbandes kam und wobei die Streitfrage der Organisalioiisform eine große Rolle spielte. In, weiteren war ans der Diskusston zu entnehmen, daß der bisherige Vertrauensmann von den An- Hänger» des Verbandes nicht als solcher anerkannt wurde und der als Stellvertreter gewählte sein Amt niedergelegt hatte. Es wurde schließlich Arendt als Vertrauensniani» und als Delegirter zur Geiverksschafts- Kominission tviedergeivählt und zum Stellvertreter G ern d bestimmt. Eine ebenso heftige Debatte zeitigte der 2 Punkt der Tagesordnung: Wie stellen sich die Kollegen zu den dem Fachverein überwiesene» Verpflichtungen vom letzten Streik? Von mehreren Iiednern wurde» wieder die Einrichtungen des Holzarbetter-Verbandes nach den verschiedene» Richlniigen hin krilisirt und das Verhalte» des- selben während des Streiks der Musikinstrumenten-Arbeiter und nach deinselben sowie das Vorgehen dem Fachverein gegenüber bemängelt. Während einerseits die Vortheile der Lokalorganisation hervor. gehoben und zum Anschluß a» de» Fachverein anfgesordert wurde, wiesen die Zentralistcn, die nur sehr schwach in der Versammlung vertrete» ivaren, die Vorwürfe gegen den Verband zurück und hielten dessen Vorgehen für ei» korrektes. Zur Tilgung der Schulden, die der Fachverein zur Streikunterstützung seinerzeit gemacht hatte und die zirka 21 000 M. betrugen, wovon bis jetzt vom Fachverein ungefähr 5000 M. bezahlt worden find, standen verschiedene Anträge zur Diskussion. Nach wiederholter Abstimmung wurde sodann folgende Resolution gegen eine ziemlich große Minorität «»genommen:„In anbetracht der Rührigkeit, welche unter den Berliner J»strn»>e»ten- Arbeitern herrscht, ihre bisherige Lokal- Organisation zn stärken, jedoch das Hanpthinderniß in den der Organisation anferlegten Schulden vom letzten Streik erblicken, um erfolgreich wirken zn können, beschließt die öffentliche Bersammlnng, ihre Schuldigkeit znr Abtragung der Schulden gethan zu haben und giebt heute die Erklärnng ab. allen weiteren Verpflichtungen ent- hoben zu sein. Nachdem noch Dreier als Revisor gewählt worden war, ersolgte der Schluß der Versammlung. In der Mitgli«dert'ersa»,nis„»g der Rabihpntzer vom 21. Dezember berichtete Nicke über die Thätigkeit des Vereins. Die Mitglieder feie» nicht mehr so eifrig, als bei der Gründung des Vereins. Dem Kassirer wird für seine Mühewaltung«ine kleine Entschädigung bewilligt. Rixdorf. Am 22. Dezember d. I. tagte hier eine Mitglieder- Versammlung des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, in der I a h n einen Vortrag über„Kapitalistische Enttvickelnng" hielt. Zn Punkt „Verschiedenes" theilt Kollege N i e r i ch über das Verhalten des Werk- führcrs in der Laborenz'schen Fabrik, Knesebeckstraße, Hierselbst mit. daß derselbe ohne Grund jede» Kollegen sofort ivieder entläßt, wenn derselbe der Organisation angehört, und zwar jedenfalls deshalb, iveil sich dieselben ihm nicht so gefügig zeigen, wie andere, und die von ibm zin» Verkauf angebotenen Zigarren und andere Gegenstände nicht kaufen. ES erscheint angebracht, den Kollegen, die in oben- genannter Fabrik um Arbeit anfragen, hiervon Kenntniß zn gebe». und letzte Muchvirtzkeu. Elmshorn, 28. Dezember.(Privatdepesche des„Vorivärts".) Bei der henligei, Ersatzivahl zum Stadlverordnelen-Kollegium wurde Genosse Bndag als vierter Sozialdemokrat mit großer Majorität geivählt. Eine dringende Sitzung behufs Verschlechterung des Wahl- rechts soll am 30. Dezember stallfinden. Wien, 28. Dezember.(W. T. B.) Außer dem nieder-öster- reichischeu Laudtage wurden heilte die Landtage vo» Steiernmrk, Galizic». Schlesien, Krain und Görz-GradiSka eröffnet. Im Land- tage Gärz-Gradiska erschienen nur die italienischen Abgeordnete». Der Landeshauptmann bedauerte das Fernbleiben der Slovene». Eine Sitzung wurde wegen Bcschlnßnnsähigkeit nicht abgehalten. Wir.'», 23. Dezember. Das„Tel.-Corr.-Bur." meldet ans Kanea: Eine aus fünf Dclcgirlen bestehende Abordnung der National- versainmlnng erschien i» den Konsttlalsgebände» und überreichte eine für die Bvisciiasler bestiliimte schriftliche Erklärung, in welcher ausgeführt ivird, daß sie dem künitigen Generalgonverneur nur dann ibre Unterstützung angedeihen lassen köiinlen, wen» alle türkischen Truppen Kreta verlassen, da im entgegengesetzten Fall« für die Sicherheil der in das Innere des Landes zurückkehrenden Türken keine Bürgschaft nbernomniell werde» könne. Wicuer-Nrnstadt, 23. Dezember.(B. H.) Bei Mnlhmanns- dvrf hat ei» großer Bergsturz slallgefnndeii. Eine Bäuerin wurde von den Steinmassc» verschüttet und getödtet. Paris, 28. Dezember.(W. T. B.) Panamaprozeß Heute be- g-Miue» die Plaidoyers; sie wurden jedoch noch nicht zu Ende ge- führt und werden morgen fortgesetzt. Tanger, 25. Dezember. Die englischen, französischen und spa- nische» Konrier«, welche die Post von Tanger nach Tetna» bringen. sind beschossen worden. Es glückte ihnen jedoch, sich und die ihnen an»«rlra»te» Sachen in Sicherheit zn bringen.— Das spanische Kriegsschiff„General Vnldez" ist nach der llilffküste ansgclanfen,»m infolge der Nachricht Nachforschungen anzustellen, ob sich immer noch christliche Gefangene i» de» Händen der Piraten befinde». Hierzu 1 Beilage u.«liiterhalttingsblatt. Beranttvortlicher Redalleur: Angnsi Jarvbcy in Berli». L>ir de» Jiiseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drink und Verlag von Blax Babing i» Berlin. |r. 303. 14. IahlMz. �('(1(1� Uoketles. Rchtnng, 1. Wahlkreis! Heute Mittwoch, abendS 8 Uhr, findet in den„AruiinhaUen", ikoniniandantenstr. 20, eine Wahlvcreins- Versannnlnng statt. In dieser Versainnilnng wird die Diskussion z�vischcn dem Genossen August Täterow und dein National- Sozialen Herrn M i ch a l s k i fortgesetzt. Es ist eines jede» Parteigenosse» Pflicht, in dieser Bersainmlnng zu erscheinen. Der Vorstand. Tie„brave Schnhmainischast" spielt»nr Zeit in der Berliner Presse eine nicht unbeträchtliche Rolle. Die wiederholten Mißgriffe, »nberechtigten Sistirnngeu und Aerprngelnngen aus Poli�eiinnchen, deren sich Beamte schuldig gemacht haben, sind neuerdings selbst in solche» Blättern gerügt worden, die, sei es aus Interesse oder aus Feigheit, unsere liebe Sicherheitsbchörde und deren Organe bisher nach Kräften in Schutz zu nehmen geivohnt waren. An die mehr oder minder scharscu Raisonnements knüpfte sich dann gewöhnlich dos Verlange», daß von oben herab den Schutzleuten endlich doch eingeschärft werde» möge, wie sie sich im Umgänge mit dem Publi- kum benehmen müßten. Nichts ist leichter für den Polizeipräsidenten, als demgegenüber darauf hinzuweisen, daß von oben herab alleS mögliche geschieht, um die Beamten zu einem ordentlichen Umgang mit dein Publikum zu erziehen und Ungehörigkeiten, welcher Art sie auch seien, unmöglich zu inachen. Sieht man die unzähligen Tagesbefehle durch, die der Polizei- Präsident jahraus jahrein au sein« Untergebene» richtet, in Erinnerung bringt und nwdifizirt, so kann man im Gegentheil zu dem Schlup kommen, es geschehe in diese», Punkte soviel, daß die Schutzleute vor lauter Bäume» den Wald nicht sehen. Daß ein Tagesbefehl besteht, wonach sistirte Personen nicht mißhandelt werden sollen, ist selbstverständlich. Der Befehl dalirt bereits vom IS. Dezember 1877. Ein anderer Tagesbefehl vom LS. September desselben Jahre? besagt, daß Thätlichkeilen gegen Betrunkene zu vermeiden sind. Am 4. Oktober 1882 ist angeordnet worden, daß Dame n nicht mit Prostilutrlen ans der Wache bleiben sollen. Ganz besonders weit geht die Polizei- Höflichkeit gegen.Damen besserer Stände". Wenn diese neu anziehen, solle» sie laut Tagesbefehl vom 29. Mai 1889 thunlichst nicht ans das Bureau bestellt werden. Man denke! Eistirunge» auf Ansuchen einer Zivilperson müssen nach dem Tagesbefehl vom 12. April 1878 geprüft werden, da der Beamte verantwortlich bleibt. Nach einem Befehl vom 25. Februar 1877 dürfen ans Wachen und Bureaus keine Trinkgelage veranstaltet iverden. Die Zuvorkommenheit gegen das Publikum gebt soweit, daß nach dem Tagesbefehl vom 25. September 1878 auch auf den Bureaus da? Rauchen während der Dienststunden ver- boten ist, ans den Wachen aber soll zum mindesten nicht geraucht werden, wenn Publikum dort verkehrt. Das Rauchverbot besteht auch für Beamte, iveun sie sich im Dienstanzuge auf Pferde- bahnen befinden, und gilt auch selbst in dem Falle, wo sie sich auf der Lagerstätte ausruhen. Laut einem am 1. Mai 1876 an die Schutzmannschaft gerichteten Befehl sind„unnütze Redens- arten" zu vermeiden, und von der den Echntzleute» zur Pflicht gemachten Höflichkeit gegen das Publikum im allgemeinen handeln die Tagesbefehle vom 22. Mai 1874, vom 12. Juni 1373, vom 4. Juli 1379 und vom 15. Juni 1381. In einem besonderen Tages- befehl vom 15. Oktober 1375 wird den Beamten noch eingeschärft. die Höflichkeit auch aus daS auf die Bureaus kommende Publikum auszudehnen. DaS Polizeipräsidium bemüht sich, die Schutzmannschaft auch nach anderer Richtung hin zu guter Sitte anzuhalten und sie vor Begehung unnützer oder falsch aufzufassender Handlunge» ,n warnen. So ist am 11. März 1885 den Beamten verboten worden, nnent- gelilich in Droschken zu fahre»». Au, 8. Mai desselbe» Jahres erging ein Verbot, Geschenke anzunehmen. Auch dürfen nach einem Befehl vom 19. Mai 1889 von den Beamten kein« Zeitungen unentgeltlich zum Privatgebrauch angenommen werden, ebenfalls keine Theaterbillets. Am 21. Dezember 1881 ist angeordnet worden, daß Beamte sich nicht in streitige Tages- fragen mischen dürfen. Desgleichen sollen sie sich einen» Konferenz- befehl voin 20. Februar 1863 zufolge„grundsätzlich nicht in Ehestrcilig- keite» niischen". Am 14. Februar 1877 ist ein Befehl ergangen,»vonach Beamte auf Märkte» nicht in Uniform einkaufe» dürfen. Ist der Schutzmann„ebenher noch Bizewirth eines MiethShanses, so darf er kein Retentionsrecht ausübe», keine Kontrakte ausstellen und keine Miethen einziehen; auch darf seine Frau nicht den Namen ihreS Mannes unter Quitlunge» und Verträge fetzen. BiS ins kleinste gehen die Vorschriften über alle?,»vaS mit der äußerin Erscheinung deS Beamten zusammenhängt. So dürfen die Schutzleute ihre Briestaschen nur in den Rocktaschen und nicht auf der Brust tragen. Auf der Straße müffen sie Handschuhe tragen. Berloques und Uhrketten dürfen nicht offen getragen iverden (Tagesbefehl vom 10. Mai 1373). Während der kalten Jahreszeit dürfen sie nur einen S h a»v l von schivarzer Farbe tragen, doch darf dieser Shaivl nicht zu sehen sein(Tagesbefehl vom 9. Februar 1387). Ihre Abonnementskarle» sollen die Schutzleute laut Tages- befehl voin 3. Dezember 1894 unaufgefordert dem Pferdebahn- schnffner vorzeigen. Der Cewissenhastigkeit und Vollständigkeit halber sei»och angeführt, daß die Beamte» zu Neujahr da? Beglückivünschen unter einander vermeiden sollen(Mündlicher Tagesbefehl vom 31. Dezember 1893), daß sie auf der Wache den Plan von Berlin zu studiren habe»(Tagesbefehl vom 5. Dezember 1839), daß sie Gesuche um Urlaub iiber vier Wochen auf. Privat- papier" schreiben inüssen, daß sie nicht im Konkubinat leben, des Nachiß sich nicht mit Wursthäiidlern unterhalte» dürfen und ferner mit Löschpapier sparsam umgehen sollen. Die Lifte derartiger Befehle und Verordnnnge» ist mit den an- geführte» Beispielen auch nicht«utfernt erschöpft, doch denken»vir, daß das Mitgelheilte durchaus genügen»vird, um zu beiveisen. daß das Polizeipräsidium sich in seiner Art fast über Gebühr abmüht, um ans den ihn» vom Militär zugeschickten Personen wahre Jdealgestallen von Höflichkeil und lüchtige Beamte zu mache». Wenn solches trotz aller Tagesbefehle bisher nicht ganz gelungen ist, so muß dieS doch»vohl an der Eigenart deS Materials liegen und an der Eigenart des Organismus, in dem es herangebildet »vird So unmöglich es ist. Feigen von den Diesteln zu lesen, so »venig kann ina» von den Schützer» des preußischen Militär- und PolizeistaateS erwarten, daß sie sich plötzlich für zivile Uingangs- formen begeistern. Mittheilnugen iiber aufschenerregeiide Polizcithatcn gehen der Presse zur Zeit in unheimlicher Fülle zu. Einem Lokal- dlatt»vird folgender Fall berichtet: Mein Mann»vurde zivei Tage vor den» Fest auf die Wache bestellt und gleich dort behalte»,»veil ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. In meiner Angst eilte ich auf das Bureau,«rsuhr aber dort, daß ich ihn» lediglich»och etivas Abend- brot bringen und nur iveiiige Worte in Gegenwart des Wacht- »neisters mit ihm reden dürfe. Sie»verde» nun»vohl annehmen, mein Mann sei Gott»vciß»vaS für ein großer Verbrecher, aber um was handelt es sich. Er soll vor anderthalb Jahren beim Militär 2» M. unterschlagen habe», behauptet aber. nichts von der Sache zu»visse»; die Angelegenheit müsse sich i» einfachster Weise ausklären lasse»... Vergebens»vartere ick bis zehn Uhr abends, dann kniete ich»veinend am Bett« meines Kindes nieder... Ich habe»och 21 M.. den Arbeitslohn«ine»! Woche. »venn das alle ist und der Mann ist noch nicht zurück, ja, dann heißt es mit dein arme» Würmchen hungern! Das„Berliner Tageblatt" bringt eine Mitlhcilung, wonach ein Mann verhastet wurde, der ein von ihn» gelöstes Theaterbillet. »velche? er nicht benutzen konnte, in der Nähe deS TheatereingangeS zu verwcrthe» suchte. Als er dann nach erfolgter Protokollaufnahme des Lmiick" auf der Wache sein Billel zurückverlangt habe, sei die Herausgabe veriveigcrt»Vörden. Ein Arzt bringt folgende Angelegenheit, die sich vor cinlger Zeit in seiner Praxis ereignet hat, zur Sprache:„Eines Morgens stürzten zivei Frane», Mutter und Tochter, in mein Sprechzimmer. Beide»vohnen i» einem Nachbarorte von Berlin, die Tochter ist hier als Verkäuferin thätig. Nur mit Mühe konnte ich von den beide» aufgeregten Frauen folgendes erfahren: An demselben Morgen sei in aller Frühe,»achdem die Tochter bereits niit dem Vorortzuge nach der Stadt gefahren»var, ein Schutzmann in die Wohnung der Eltern gtkoiiime» und habe sich»ach den» Aufenthalte des jungen Mädchens erkundigt. ES sei eine Anzeige eingegangen von einem Eiujührigfreiivilligen, der mit der Tochter verkehrt habe und dadilrch angesteckt worden sei. Er, der Schutzmann, habe den Auftrag, das Mädchen zu verhafte» und in Geivahrsan» zu bringen. Die Elter» »varen über diese Millheilung starr vor Schrecken, und der Vater, «in ehrsamer Bürger, gerielh ob der Scham in solch« Verziveiflung, daß er sich erschießen»vollle. Glücklicheriveise»var das Mädchen nicht zu Haus», und so mußte der Schutzmann vorläufig»»»verrichteter Sache abziehen. Die Mutter machte sich»un sofort auf den Weg, ging zu dem Mädchen, daS hoch und theuer seine Unschuld versicherte, und beide kamen überein, von ihrem Arzte ein A t l« st über den Gesundheitszustand der Tochter ausstellen zu lasse». DaS Zengniß lautete auch dabin, daß das Mädchen eine durchaus stilsam« Jungfrau und vollständig gesund»var, eine Ansteckung von ihr also nicht ausgegangen sein könne. Mit diese»»» Attest in Händen wurden»veiter« Anschuldigungen und Maßnahme» seitens der Polizei zun» Schweigen gebracht. Spätere Nachforschung«» ergaben, daß eine V e r»v e ch s e l» n a infolge ähnlich lautenden Namens stattgefunden hatte. Es handelte sich eigentlich um ein übel beleumundetes Mädchen." Endlich sei noch ei» von der„StaatSbürger-Ztg." gemeldeter Fall mitgelheilt, anS dem hervorgeht, daß ailch städtische Beamte sich alS übereifrig« Leute zeigen. Bei«inen» hiesigen Friseur verkehrte seit längerer Zeit em Kunde, der eines Tages ein Sparkassenbuch mitbrachte und au den Friseur die Bitte richtete, ihm darauf doch 30 Mark zu leihen. Nach längerem Zögern ließ sich der Friseur zur Hergabe des Geldes beivegen und nahm das Sparkassenbuch in Verivahrnng. Einig« Zeit darauf er- neuerte derselbe Kunde seine Bitte um Geld auf das Buch; der Friseur lehnte dies aber ab, erklärte sich aber bereit, das in seinen» Ver- »vahrsam befindüch« Buch zn den, Zivcck herauszugeben, darauf durch seinen Gehilfen bei der Sparkasse de» geivünschte» Betrag erheben zn lassen,»venn ihm dann das Buch»vieder eingehändigt»vürde..Darauf ging der Kunde auch ein und der Friseurgehiife K.»vurde beaustragt, die Abhebung des Geldes bei der Sparkasse zu besorgt». Nun hatte aber der geldbedürflige Kund« das Sparkassenbuch heimlich seiner Frau»veggenounnen und diese den Verlust bei der Sparkasse gemeldet. Als.»»»»» der Friseurgehiife K. sich»»it den» Buche einfand, wurde er von einen» Beainte» der Sparkasse festgehalten und trotz der Be- thenerung seiner Unschuld, der Angabe des Thatbestandcs, sowie des garnicht weit belegenen Geschäfts gefesselt und so über die Straße hinweg zur Polizei gebracht. Auf der Polizei- »vache stellte sich, da der Gehilfe nnd auch daS Geschäft, in dein er arbeitete, dort bekannt»var, sofort der»vahre Sachverhalt heraus und K.»vurde entlassen,»vobei der Wachtmeister sein B e- fremde» über die Art und Weise, in der man gegen ihn ans der städtischen Sparkasse verfahren»var, ausdrückte nnd er- klärte, daß sich ein Polizeibeamler eines solchen Vorgehens nicht schuldig geinacht haben»vürde. Natürlich fühlte sich K. durch den Transport am hellen lichten Tage in gefesselte»» Zustande über die belebte Straße schiver gekränkt, und da man ihm eine Ge- »»igthuung nicht zu theil iverden lieb, beschiverte er sich unter An- gäbe des Sachverhalts beim Oberbürgermeister. Aber er erzielte von diesen» nichts, als de» sonderbaren Bescheid,„daß er, der Ober- bürgermeister, nicht zuständig sei, da anscheinend ein Polizeibeamler die Verhaftung und Knebelung vorgenomnien habe". Natürlich be- ruhigte sich K. hierbei nicht, sondern beschiverte sich von»enein. Und nun endlich scheint man eS der Mühe für»verth gehalten zn haben, eine Untersuchung anzuordnen: denn einige Tage nach der ziveite» Beschwerde erhielt K. folgenden Bescheid:„Aus Ihr« an den Herrn Oberbürgermeister gerichtete, hierher ab- gegebene Beschiverde von» 17., beziehnngsiveise 23.... Iheiltn»vir Ihnen ergebenst mit, daß der Beamte, der Sie zur Polizei geführt hat. allerdings ei» Diener unserer Sparkasse ge- »vesen ist. Wir haben den» betreffenden Beamten das Ungehörige seines Benehmens Ihnen gegenüber vorgehalten, dasselbe ernstlich gerügt und bedanern mifrichtig das Geschehene. Kuratorinn» der städtischen Sparkasse' Alle diese Vorfälle zeige», wie»vlndig eS in Berlin um de» Schutz der persönlichen Freiheit bestellt ist. Daß solche Zustände sich frisch und fröhlich entivickelt haben, ist nicht zun»»nindeste» Schuld deS BürgerthnmS,»velcheS sich zu allen Zeiten feige vor der herrschenden Macht geduckt hat. Für Arbcitcr-Radfahm'. Arbeiter und Partcsgenossen, welche die'Absicht habe», sich«in Fahrrad anzuschaffen, iverden einer a»ls Chicago konunende» Nachricht Beachiung schenken. Wie der dortige Sekretär der German Bicycle WorkerS Union Nr. 13 uns mitlheilt, hat die American Federalion of Labonr über nachstehende Fabriken den Boykott verhängt: 1. Gormully n Jeffery, Bicycte Manufg. Co. in Chicago, Jll.; 2. United EtateS Bicycle Co. i» Chicago, Jll. Wir sind überzeugt, daß die Arbeiterschaft diese Mit- theilnng beachten und ihr enisprechend handeln»vird. Ter„Fall Liebling" in anierikanischer Belenebtnug". Amerikanische Blätter ivissen zu berichten, daß Herr Georg Liebling, der berühmte kaiserlich deutsche Hofpinauist, demnächst wieder nach Berlin zurückkehre»»vird. Aon hier habe er sich darum fortgemacht, »veil er die Kompositionen des Kaiser? ungünstig zn kritisiren»vagie, »vorauf man ihm wegen Majestätsbeleidigung den Prozeß»nachte. Er »vurde»vege» dieses Verbrechens zu 14 Tagen vcrnrtheilt, zog es jedoch vor, daS Land zu verlassen, statt diese Strafe abzusitzen. Herr Liebling wird vielleicht»vünschen, sein Fall läge so, wie er sich in der Phantasie der amerikanischen Journalisten darstellt. Die Vorstände der Berliner Fleischer- Innung, der Rinder- onfAros-Fleischermeister Berlins, der Schweine-en xros- Fleischermeister Berlin? und der freien Vereinigung selbständiger Fleifchermeister Berlins und Umgegend habe» an die städtischen Behörden die Bitte gerichtet:„Für den hiesigen Schlachthof eine» besondere» Direktor als ersten Verivallungsbeamten anzustellen." Ter Billcthandel vor den hiesigen Theatern stand in de» drei Weihnachlsfeiertagen wieder in voller Blütbe und speziell an» ziveite» Tag nnd gestern,>vo der Massenandrang zu de» Vergnügungs- lokalen besonders stark»var, waren die Preisforderungen,»velche die Billethändler stellten, außerordentlich hoch; sie erhoben thatsächlich das Doppelte und Dreifache der Kassenpreife. Auf der Billelhändler- börse in der Karlstraße,»voselbst nach Beendigtlng der Theater die Verlheilung des Nutze»? stallfindet, stellte sich heraus, daß acht der- artige Schmarotzer,»velche geineinschastlich arbeilen, am Olympia- Theater allein am 2. Feiertag einen Verdienst von über 2000 M., am vorgestrigen Abend einen solchen von 1400 M. erzielt hatten. Aehnlich hoher Nutze» ist beim Opernhaus, Schauspielhaus, Deutsche» Theater»c. von den Billethändler» erreicht»vorde». TeS bevorstehende,, Neujahrsfestes wegen»verd«» di, städtischen Kassen und Bureaus am Freitag bereits uin 1 Uhr mittags geschlossen, mit Ausnahme de? Zenlralbureaus,, velches zur Entgegennahme von»vichtige» Sachen bis 4 Uhr nachmittags geöffnet bleibt.— Die MagistralSsttzung findet infolge dessen bereit» an» Donnerstag statt. Tie Finanzoperation des KoninicrzienrathS. WaS einem beim gemeinschaftlichen Loosspiel passire» kann, darüber erzäbltei» die Blätter vor einige» Tagen folgendes Geschichtchen. Der Mit« ; Mimch. 29, Destmdkt 1897. »»Haber einer der bedeutendsten Engrosfirmen Berlins in Wollstoffe», ei» Kommerzienrath, hatte im Monat September tn» Seebade Ostcnde einem fchlesische» Großindustriellen der Textilbranche die Hälfte eines im Noveinber zur Ziehung gelangenden Serielllooses vo» ö00G»lden verkauft. Da dein Gchlester der ihn» damals»iborgebene Antheil- schein abhanden gekommen, bat er»och während seines AnfenthalleS in Ostende um aberinalige Nnunneraufaabe. Die Antwort traf erst nach einiger Zeit, nnd zivar telegvnpyisch ein und sie»var noch dazu falsch; denn sie erhielt die Nummer eines bereits gezogene» und schon längst ausgezahlten Looses. DaS richtige Loos wurde im Noveinber mit eiiie», ganz bedeutenden Gcivinn— man spricht von 400000 M.— gezogen,»vovon der Schlesier seinen Antheil forderte. Da der Berliner die Zahlung beharrlich ver- weigerte, kau» es darüber zum Prozeß, der eine ganz überraschende Wendunq dadurch nahm, daß der Schlesier im Termin, der vor einigen Tagen in Berlin staltfaiid, den verloren gcivesene», aber zivischeiizeitig von ihm»viedergefuiidene», Aniheilschein pro- d» z i r« n konnte,»vorauf den» Ainvalt des Beklagten nichts anderes libria blieb, als die Berettivilligkeit seines Mandanten zur Zahlnng der 200 000 M. zu erkläre». So die Zeilnugen, von deren auffälliger Meldung»vir bisher keine Noiiz»ahme»,»veil nnS die gebrachten Angaben allzu unbestimmt erschiene»»varen. Neuer-' dings bade»»vir jedoch erfahren, daß es mil der eigenartigen Loos- geschichle vollauf seine Richliakeil hat. und daß der Kommerzienrath, der tu ihr eine so geschäftskundig« Rolle spielt, Jakob Lands- berger heißt und allhler an» Hausvogteiplatz sei» stadt« und»velt- bekannles Domizil hat. Mit Hinterlassung einer bedeutende» Schuldenlast ist der Ninder-Engrosschlüchtcrmiisler Jnlins Wiesner, Weideinveg 57, ver- schivunden. Ans grnnd einer Tennnziation hat bei einem hiestgrn bekannte» Loosehäudlcr in der Friedrichstadl eine Haussuchung stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit»vnrde» eine Anzahl Listen beschlagnahmt, welche feit I8V4 geführt»vorden sind nnd über 3000 Rainen eiiihalle». Ans grnnd dieser Listen sind AnSzÜgs angefertigt und solche den sSniuillichen hiesige» PolizeibureanS behufs Vornahme vo» Recherche», inivieiveit sich die Ermiltelten straffällig gemacht haben, zugestellt»vorden. ES dürft« also in den nächste» Tagen eine beträchtliche Anzabl von Strafmandalen über einen großen Theil der Berliner Bevölkerung herniedemgnen. Einige der durch die Liste Ermillellen Nnd bereits mit derartigen unan« genehmen Znschickmigen bedacht worden. Erschossen hat sich in der vergangenen Nacht der Provisor Stein in der'Apotheke von Thöns in der Skalitzerslraße. Sieh» scheint in einen» Anfalle vo» Lebensüberdruß gehandelt zu haben, der ans«incin hartnäckige» Herzleiden hervorging. Vo>n Nngliilk schwer heimgesucht ist die Familie deS KüferS Brauner ans der Neuen Noßstraße 6. Branner»vurde vor sieben Monaten überfahren und erlitt dabei Rippenbrüche u»»d andere Ver- letznnge». Da anch die Nieren in Mitleidenschaft gezogen wurden, so liegt der Mann noch immer im Krankenhause. Die Fainili«»var mit 17 Kinder» gesegnet; seckS»varen noch zu Hause, daS jüngste erst drei Jahre alt. Daher»Hißte die älteste Tochter Anna, die 18 Jahre zählt und in Fttrstenivalde als Bnfseldame in einen, Hotel angestellt»var, nach Hanse komme», un» der Mutter dein» Eriverb des Lebensunterhaltes und in der Wirthschast zi» helfen. Vor ungefähr vierzehn Tagen machte das Mädchen mit Be- kniintin einmal eine» Ausflug, bei dem auch getanzt»vurde. Gegen Mitternacht heiingekomintn, konnte eS ain anderen Morgen vor Müdigkeit nicht ausstehen. Die Mniter ließ daher die Tochter liegen, bis sie au» nächstfolgenden Tage, i» den sie auch noch hinein geschlafen halte, vo» selbst anfstand. Kanin aber halte sich das Mädchen erhoben, als es zusammenbrach und»viedcr ins Bett gebracht iverden mußte. Nachdei», sie acht Tage in der Wohnung behandelt»vorden,»vnrde die Kranke»» eine Anstalt gebracht und hier»st sie jetzt gestorben. Die Aerzte des Krankenhauses ro>»„ten die Todesursache mit Bestimmtheit nicht angeben, glauben aber, daß eine Vergislung vorliegt. RohheitSvergchen. An» Schöneberger Ufer, i» der Nähe der Flottivellstraße, gerielh der Arbeiter Paul Herz mit dem Kutscher Aibert Winkler nach kurzem Worlivechsel in Streit, bei dein Winkler sein Taschenmesser zog und seinem Gegner sieben Messerstiche am Kopf beibrachte. Der Verletzte»vurde auf der Unfallstation tn der Siegliyerstraße verbunden. Tödtliche», Sturz von der Pferdebahn. In der Nacht zun, Montag ivurd« vor dem Hause Frankfurter Allee 1 der 42 Jahre alte Kaufmann Herma»» Liebe bei»» Passire» einer Kurve vo» dem Hinlerranin eines PferdebahnivagcnS geschleudert und inner- lich so schiver verletzt, daß er einige Stunden später den Geist ausgab. I» Schöneberg ist das Ehepaar Klasse» an» der Motzstraße nnd der bei diesen Leuten»vohnende Arbeiter Hennig verhafiet »vorden. Die drei»verde» beschuldigt,»n zahlreiche» Fällen Geflügel nnd Frühstücksbentel gestohlen zu habe». Zur Richtigstellung einer am 13. Dezember gebrachten Lokal« „otiz wird»ins lolgendes gemeldet: Der»n Schöneberg vo» eine», Gendarm verhaftete Maurer Griese hat sich nicht eines Diebstahls. sonder», eincS HanSsriedenSbrnches schuldig gemacht. Seine Ver« haslung erfolgte,»veil er de» Termin zum Elrafanttllt versäumt hatte. Fcncrbcrich». Montag Abend 8 Uhr»var Friedrich Wilhelm ftr. 14 ein Zinimerbrand abjnlüsche». der Gardine» nnd verschiedene Möbel zerstört«. Ei»« Stunde später»vnrde die Wehr nach Alte L eipjtgerstr. 10 gerufen,»vo in Abweseuheil der Zinnnerbeivohner ein Stubenbrand ausbrach, so daß die LöschungSmaiinschaftcn sich mittels Steckleitern zu», Brandherde Zugang verschassen»»»»ßten. Ladentische und Möbel verbraiinten, anch litt das Haus beträchtliche», Schaden. Um 11 Uhr braiinlen Bülow- straße 42 verschiedene Geräthschaften im Waschkeller. Dienstag früh 3 Uhr mußte F r a n z ö s i s ch e st r. 18«in Kellerbrand beseitigt iverden. Knrz nach 8 Uhr hatte E in d e n e r st r. 1 ausgelausener Benzin Feuer gefangen und bei» Fußboden, sowie verschiedene Wirthfchaslsgegenstände vernicklet. Auch da? Haus»vnrde beschädigt. Mittags 12 Uhr-»tstand A l e x a» d r i n e n st r. 28 in einem Emaillelager ein Schadenfeuer, das niit einer Schlauchleitnng abgelöscht»verde»»nnßle. Die Direktion der ProsektlonS-Borträge über Kunst und Kultur(Dr. Köppen und Dr. Stödtner, Altes Uranta-Thcater, Jiwalideustraße) theilt »Iis»»it, daß heut Abend 8 Uhr Herr Dr. Köppen über„Moderne Malerei" unter Vorführung zahlreicher farbiger Projektionsbilder sprechen»vird. Um das Verständnis für die moderne Kunstbewegimg in die weitesten Kreise zu tragen, wird die Vorstestniig zu«»»äßigten Preise»(Parkett 50 Pf.) statt- studcir., Theater. DaS Schtller-THeater dringt übermorgen(Sylvester) die erste Aufführung von„Der Rcgtstrator auf Reisen", Posse»n 3 Akten von L'Arronge und Moser, Mufft von Bial. Die Titelrolle wird Herr Alfred Schmasow spielen. Die übrigen Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Wilhclmine, Agnes Werner; Otto, Otto Pahlau; Hetdenreich, Julius Eyben; Emma, Grete Meyer; Franz, Willy Frobösc; Zander, Max Lanrence; Marie Linle, Else Waiinovius; Scholz, Ludivig Nenerl; Jette, Trude Lobe. Der Ansang dieser Vorstellung ist ausnahmsweise auf 7 Uhr festgesetzt.- Im L u t s e»- T h« a t e r findet am Sylvesterabend nach Schluß der um 7 Uhr mit dem„Fest der Handwerker" beginnenden und mit„Fröhliche Weihnacht" endigenden Vorstellung in den oberen Festsälen ein Sylveiierfest statt.— In» Ostend-Theater gelangt ain 1. Neujahrs- tage zu volkSthümlichen Preisen Raimunds reizendes Zaubcrmärchen„Der „Verschwender" zur Auffiihrnng.„Leben und Lieben" bleibt vorläufig noch aus dem Repertoire._____ Wetter-Prognose für Mittwoch, SS. Tezember k»41»7. Ziemlich»varm bei mäßigen südwestlichen Winde» und zn« nehmender Bewölkung, keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a n. Ritt bcu Inhalt der Inserate übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei Wtzrstrv. Mittwoch, den 29. Dezember. VpernhanS. Fidelio. Anfang 7VzNhr. Schauspielhaus. Mutter Thiele. An fang 7V- Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7V2 Uhr. Lcssing. Hans Hnckebein. Anfang 7-/2 Uhr. Berliner. Die Wunderquclle. Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. Goethe. Die Journalisten. Anfang 7 Vi Uhr. Nachm. 3 Uhr: Aschenbrödel. Unter beii Liuben. Die Prinzessin von Trapezunt. Anfang 7s/z Uhr. Neues. Die Logenbrüder. Ansang TV, Uhr. Schiller. Die wilde Jagd. Ansang 7 Uhr. Nesibenz. Sein Trick. Ansang 71/2 Uhr. Thalia. Das Opferlamm. Anfang 7>/z Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 71/2 Uhr. Luisen. Fröhliche Weihnacht! An- fang 8 Uhr. Belle- Zlllianee. Romeo und Julia. Anfang 8 Uhr. Osienb. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmsiablischeS. Agrippina. Anfang 8 Uhr. Nlexauberplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Taubenstrasse 48— 4S. Naturknndl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Jnbalibenstrafse 57/62. Täglich (auher Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wiffenschastliche Vorträge. Aiueriean. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Neichshallen. Spezialitäten. An- fang 7>/z Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 71/2 Uhr. fteen-Palaft. Spezialitäten. Passage- Panoptiknin. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Donnerstag, abends 3 Uhr: Die wilde Jagd. Freitag, Ansang 7 Uhr: Zum l. Male: Der Regiftrator ans Reisen. Ostend-Thenter. Gr. FranIsnrterstr.lZS. Dir. C. Weist. fabtn«nd Liebe». Vo.'ksstück mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Auf. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Donnerstag, Freitag: Leben und Lieben.— Sonnabend Nachmittag, halbe Preise: Der Berschwenber. Abends: Lebe« und Lieben.— Sonntag Nachmittag: Berlin, wie e» weint nub lacht. Ferdinand: Carl Weiß. Abends: Leben»inb Lieben. Centrai-Theater Alte Jakovstr. 30. Direktion Ulchurd Schnitz. Mittwoch, den 29. Dezember 1897: lLiotl Dliom»»(i. G. 8 itm 115. Male: Berliner Fahrten. BiirleSkeAiisstattiiiigsposfeiiiitGesniig und Tanz in 8 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Mnsik von Jul. Einödshoser. Anfang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Iinisen-VIleater 34. Reichenbergerstraste 34. Abends 8 Uhr: kröhliche Weihnacht. Weihnachtsstück unt Musik in 5 Bilden: von L. Ottomever. Kinder in Begleitung Erwachsener zahlen auf allen Plätzen die Hälfte. Morgen: Dieselbe Borstellung. ltroltag, den 31. Dezember(Sylvester), abends 7 Uhr: Das Fest der Haildiverker. Hierauf: Whliche Weihnacht. Nach der Vorstellung in den Festsalen: Zylnesterfest und Bali unter Mitwirkinig der Komiker des Luisen-Theaters/ Herren>V>nel/, Uhr: Grosse drill. Vorstellung. V uths- Theater im WcIt-RcHtanraiit 37. D r c s d c n e r-S t r a st e 37. Mit volle« Segeln. Lebensbild in 3 Abth. von H. Schulz. Hicnc �peziaiitisten. Die kleinste Coiitorsionistin der Welt sr Little Elsa.'9G Am zweiten Feiertag, mittags 12 Uhr: Bnossv Matinee. Im vorderen Saale: lyi'olei' Sänger Alois Ebner. Sonntags 0 Uhr. Wochentags 71/2 Uhr. Feen-Palast der auf- 2Ä llnrpstr. 32. Dir.: Winkler A Frttbel.| Wiederholung mit großem Beifall genommenen WeihnachtS- BorsteNnugen. Gala-Fest-Prograrnrn. Neues Personal. 50 Künstler. Francols Cabarot, Gebr. Suhlsdorf,{ Carreton-Trlo, Victoria u. s. w. Snrstlur noch bis Freiing'•G die erfolgreiche Gesangsposse Eine nette WelhnachtsbescheemngB Anfang 71/2 Uhr. Entr« 30 Pf. In Borbereitting: Das radelnde Berlin. Apollo-Iboster. Der einzig echte und unkoplrbare Feuer- n.Flanimentanz von Miss Foy. Otto Reutter• Carnien-Faur. Desroches-Bianea u. s. w. Kassenöffh. 6V2, Anfang 7l/2 Uhr. Freitag, den 31. Dezember 1897: Gr, liumor. Sylvesterfeier. W. Noack's Theater II r ii n 11 c n- M 4 r a n s o lO. Heute, Mittlvoch, den 29. Dezember: Das Forfthans. Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Am Sylvester:IieilZlläiis.S!nic!lli°!llimstt«r.k (früher Rosenthalerstt. 13)' liefert bürgerliche Wohnungs- Einrichtungen schon von 150 M. an. Coulante Zahlungsbedingungen, Lager gebrauchter und verliehen- gewesener Möbel. Eigene Tapezier- und Dekorations- Werkstatt. 3467L* Transport durch eigene Gespanne, auch nach außerhalb. Täglich von 7 Uhr morgenS bis 6 Uhr abends: Bttlaus srislh gek. schlv. perls. tlilb siilil. Fleisches. Rindsseisch...» pro Pfd. von 30 Pf an, Schweinefleisch..„40 Pf. s2905I/ Verwaltung der Kochanstalt Städt. Schlachthof Rum. Eckt und echt Verschnitt.- ä Liter- Flasche Mark 1,60. 2,10. 3,10. 4,50. Nr. 3. Fa?.�- ca. 50 pCt.- k Liter Mark 1.-. 5 Liter Mark 4,50. Ä � Amt IV. Eugen Neumann& Co. »670. Fernsprecher Comptoir und Gesammt-Kellereie», Berlin 8W. K8 Lindenstr.lk/17 - Tctail-Berkaufsläden:«elle-ANiancePlal,«a. Amt IV. 3679.- Rene Fricdrichstr. 81.- Oranienstr. 133.- Gcnthinerstr. 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Ansang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entrec SO Pf. Passe-partouts gelten. Sonnabend, den 1. Januar 1897: Zum 1. Male: Sin Reiche her Smuen. Grobes Ausstattungsstück in 3 Allen. MniuU's Saal. Jnh.: Ernst Gründer. MWP Köpniikerstrassc 100."HS Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: Grosser Bali. Entr6e v Herren 50 Pf. Tann t Garderobe/ Dame» 2o Pf. Jjnc v. L Mark 0lxa�aeobson,Jnvalidenst.145. Naehr'slheater 0raiilen-8trasse L4. IUP Täglich: Tpg Theater- n. Spezialitäten- Vorstellung. Neu! Am Weihuachtsabeiid. Neu! Ein militärischer Don Juan. Relnhold lange, I Käthe Leonardt, der beste Humorist bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Sondrette Brothers Therras, die berühmtesten Stetten- Turner. WtlfrtllA' Wochentags 8 Uhr. slll|llHg. Sonntags 0 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Cösliner Hof, MiiittWt 8, empfiehlt seinen 1000 Personen fassenden Saal mit Bühne auch Sonntags. Jeiitsch. Parier Dessert-«. Malzkrastbicr 1. Rang. 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