Nr. 25 Die Gleichheit 7777 Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen eer Mit den Beilagen: Für unsere Kinder und Frauen- Beilage Die Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Inhalts- Verzeichnis. An die Genoffinnen Preußens! Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen im Jahre 1905. Von Luise Zietz.- Zur Frage des Dienstvertrags. Das Haus Riehl. Von Adelheid Popp. -Über die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männerund Frauenarbeit. Von Gustav Hoch.- Der Prozeß Augspurg. -Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin.( Schluß.) Aus der Bewegung: August Dreesbach tot! Von der Agitation. Weibliche Delegierte zum zweiten preußischen Parteitag. Tätigkeitsbericht der Vertrauensperson des Stettiner Wahlkreises. Die Polizei im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. Gewerkschaftliche Rundschau. Stuttgart den 12. Dezember 1906 16. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Grau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Im Jahre 1905 war diese Zahl emporgeſchnellt auf immer größer werdende Zahl der Opfer, die auf dem 1334808, also eine Zunahme von 292 695= 27,8 Prozent. Schlachtfeld der Arbeit alljährlich Gesundheit und Leben Erfreulicherweise partizipieren daran die weiblichen Ar- einbüßen, prägt so manchem und so mancher die Erkenntnis beiter mit 74411 Mitgliedern in 35 Verbänden. Das ein, daß der vielgerühmte Arbeiterschutz nur zu oft toter ist, im Vergleich zu dem weiblichen Mitgliederstand vom Buchstabe bleibt, wenn nicht die Organisation als„ GenJahre 1904( 48 604), eine Zunahme von 25807= 53,1 Pro- darm" dahinter steht und seine Innehaltung überwacht. Wir haben hier nur einiges aus der Tatsachenfülle herzent. Das„ Korrespondenzblatt" der Gewerkschaften( Nr. 31 des 16. Jahrgangs), dem wir diese Zahlen entnommen haben, ausgegriffen, um zu zeigen, wie viele Umstände zusammenbemerkt dazu, daß die Tendenz zur Zunahme bei der weib- wirken, um die Vorbedingungen für eine erfolgreiche Drlichen Mitgliedschaft auch im Laufe des Jahres angehalten ganisationsarbeit zu schaffen. habe, so daß im vierten Quartal 1905 ihre Zahl auf 89431 angewachsen sei. Auch scheine es, als wenn eine gewisse Stabilität in dem weiblichen Mitgliederstand eingetreten sei. Beides sind überaus erfreuliche Erscheinungen, die sicher frage. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Frauen- beide gleich hoch zu bewerten sind. Mancher wird sogar die ftimmrecht. Frauenbewegung.- Verschiedenes.- Empfehlens- zunehmende Stabilität mit größerer Freude begrüßen als werte Weihnachtsbücher. die absolute Zunahme der Mitglieder. Kehrte doch gerade Feuilleton: Erster Geburtstag. Von A. R. Ganz allein. Von in bezug auf die weiblichen Mitglieder immer und immer die Klage wieder:„ Gewonnen sind sie schon, aber sie in der Organisation zu halten, ist so schwer." Für den gewerk. schaftlichen Kampf bedarf man aber zuverlässiger Truppen und nicht unsicherer Kantonisten". Notizenteil: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. A. Möller. DienstbotenDies Zusammenwirken planmäßig zu fördern, das vors handene Agitationsmaterial flug und geschickt weiter bei intensiver Agitation auszunuzen, wird für die Zukunft unsere Aufgabe sein. Und da möchten wir einen Wunsch äußern, der vielleicht von den in Frage kommenden Organifationen als Anregung nicht unbeachtet gelassen wird. Es möge mehr als bisher Gewicht darauf gelegt werden, daß die weiblichen Arbeiter zur Mitarbeit in der Dr. ganisation herangezogen werden, und daß das Material über die Lage der weiblichen Arbeiter nicht nur zur mündlichen, sondern auch zur schriftlichen Andie Parteigenossinnen Preußens! Agitation im Verbandsorgan Verwendung finde. Die größere Stabilität des weiblichen Mitglieder Dadurch wird den weiblichen Mitgliedern das Verbands Wie bereits durch die Parteipresse mitgeteilt worden bestandes bewirkt also, ebensosehr wie die Erhöhung der organ lieber und wertvoller werden. Der Zusammengehörigs ist, beruft die Parteigenossenschaft von Groß- Berlin ent- Mitgliederzahl, eine vermehrte Aktionsfähigkeit teitsgedanke wird gestärkt und die Erkenntnis der wirtschafts sprechend dem ihr gewordenen Auftrag einen zweiten und Stoßkraft der Gewerkschaften. Das aber ist die lichen Zusammenhänge wird gefördert. Dabei wird nicht preußischen Parteitag nach Berlin für den 27., 28. notwendige und wichtige Borbedingung für den sieg- nur an der Verbreiterung der Bewegung, sondern auch und 29. Dezember ein. Der Parteitag beginnt am reichen Ausgang wirtschaftlicher Kämpfe und damit an ihrer Bertiefung gearbeitet und damit dem Ziel zu 27. morgens 9 Uhr in den Räumen des Gewerkschafts- für die Erringung wirtschaftlicher Vorteile. Höher jedoch gesteuert, daß innerhalb der gewerkschaftlichen Drals diese praktische Bedeutung der größeren Stabilität ganisation die weiblichen Arbeiter ein ebenso heuses, Engelufer 15. des weiblichen Mitgliederbestandes schäßen wir die steigende wichtiger Faktor werden, wie es im Produktionstheoretische Erkenntnis, die Stärkung des Klassen prozeß die weibliche Arbeitstraft bereits ist. bewußtseins, des Solidaritätsgefühls, wofür sie gleichfalls Zeugnis ablegt. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Die Organisation für Preußen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genoffe Haase- Königsberg. 2. Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtags und das Wahlrecht in Preußen. Referent: Genosse Edmund Adler- Kiel. 3. Die Lage der Staatsarbeiter in Preußen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legien. 4. Die Landtagswahlen 1908. Referent: Genoffe Dr. Leo Arons. Luise Zieh. Zur Frage des Dienstvertrags. Denn das gibt uns die Gewähr, daß die weiblichen Arbeiter auch über die Erreichung von Gegenwartsforderungen, über die Vertretung von Augenblick interDer Vorschlag der Berliner Genossinnen, den Dienenden essen hinaus sich am Klassenkampf beteiligen werden; ia mehr noch: daß sie sich bemühen werden, neue Kampfes zu empfehlen, auf Grund eines Vertrags ein Dienstverhältgenoffinnen werben zu helfen. Das aber tut so unendlich nis einzugehen, hat wider Erwarten zu einer Auseinandernot. Ist es doch ein ungemein großes Feld, welches hier fegung geführt. Sie läßt es geboten erscheinen, Antwort der Beackerung harrt. Die 74411 weiblichen Gewerkschafts- auf einige Fragen zu suchen, die sich an erster Stelle aufmitglieder sind erst 7,9 Prozent der organisationsfähigen drängen, wenn man zu einer richtigen Wertung des VerParteigenossinnen! Die sozialistischen Frauen weiblichen Arbeiterschaft, das heißt wenn wir die Zahlen trags gelangen will. Was ist das Hauptziel des Vertrags? Preußens dürfen nicht fehlen, wenn es gilt, zu Gericht der Gewerbezählung von 1895 zugrunde legen. Heute jedoch Welche Forderungen erhebt er zugunsten der Dienenden? zu sitzen über das Unrecht und die Kulturwidrigkeit des ist die Zahl der Berufsarbeiterinnen bei weitem höher und Ist es möglich, den Vertrag in seinen wesentlichen Punkten preußischen Klassenstaates, die sie als Ausgebeutete und noch im ständigen Wachsen begriffen. Das beweisen uns zur Durchführung zu bringen? als politisch Rechtlose besonders start empfinden; wenn alljährlich die Fabritinspektionsberichte, das lehrt uns der es gilt, diesem Staat die Forderungen des kämpfenden Augenschein, die praktische Erfahrung. Proletariats entgegenzustellen. Sie müssen an der Beratung der nötig gewordenen Landesorganisation teilnehmen, an deren Gestaltung sie ein hervorragendes Interesse haben. Alle Anfragen bezüglich des preußischen Parteitags sowie die Anmeldung der Delegierten sind zu richten an Leopold Liepmann, Berlin SW 68, Lindenstraße 69. Die erfolgten Wahlen von Genossinnen sind ferner auch der Unterzeichneten zu melden. Der Kern des Vertrags ist klipp und klar in dem Satz enthalten:„ Die Vorschriften der Gesindeordnung gelten für Da erfahrungsgemäß indifferente, unorganisierte Arbeite- dies Vertragsverhältnis nicht." In der Tat, das ist es, rinnen als Lohnbrücker und Streitbrecher ihren Arbeits- was der Vertrag vor allem anstrebt und was ihm seine brüdern und schwestern gegenüber ausgespielt werden, so grundsätzliche Bedeutung verleiht: er will mittels einer ergibt sich schon hieraus die Notwendigkeit einer unaus- freien Vereinbarung zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer das schreiende Unrecht der Gesindeordnungen aufheben begesetzten, unermüdlichen Agitation unter ihnen. Genossinnen, nehmt daher alsbald Stellung zur Die starte Zunahme der Organisierten im letzten Jahre ziehungsweise durchbrechen. In den Gesindeordnungen wird Wahl von weiblichen Delegierten zum preußischen ist sicherlich in erster Linie- wenn auch nicht allein auf fast ausnahmslos die schier schrankenlose Macht der HerrParteitag. Wo es angängig ist, sucht euch mit den das Konto der intensiveren Agitation zu setzen, einer Agi- fchaften über die Dienstboten als Recht, als Gesetz geheiligt. Genossen über die Wahl zu verständigen. Wo aber ein tation, die an der Arbeitsstätte von den bereits Organisierten, In der einseitigsten Weise erkennen sie den Dienstgebern gegemeinsames Vorgehen ausgeschlossen ist, haben die Ge- die in der Öffentlichkeit von den in Frage kommenden Inradezu unbegrenzte Rechte zu, den Dienstnehmern legen sie noffinnen das statutenmäßig zugesicherte Recht zu nutzen, stanzen betrieben wurde. An dieser Agitation haben ferner dagegen geradezu unbegrenzte Pflichten auf. Sie anerkennen in öffentlichen Frauenversammlungen Delegierte alle unsere Genoffinnen, die in den letzten Jahren an den nicht einmal im Prinzip und formal die Gleichberechtigung einzelnen Orten sich in den Dienst der Arbeiterbewegung wie dies die Gewerbeordnung betreffs der gewerblichen der beiden Teile, die ein Gegenseitigkeitsverhältnis eingehen, zu wählen. ermüdlich und mit zäher Ausdauer die so notwendige Kleingestellt haben, ihr reblich Teil beigetragen. Sie haben un- wie dies die Gewerbeordnung betreffs der gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen tut. Das Gegenseitigkeitsarbeit verrichten helfen. verhältnis, das sie gesetzlich binden, beruht rechtlich Der Samen der Aufklärung aber fand überall einen ge- der beiden vertragschließender. Teile. auf der bittersten Berhöhnung der Gleichberechtigung Ihrem ganzen lockerten und aufnahmefähigen Boden. Unſere wirtschaft Wesen nach charakterisieren sich die Gesindeordnungen als lichen und politischen Zustände haben diese Vorarbeit ge- Ausnahmerecht zugunsten der Dienstgeber, zum Nachteil der Der Lebensmittelwucher stachelt die Arbeiterschaft geradezu Dienstnehmer. Dieses Ausnahmerecht ist die schroffste Verauf zu Lohnkämpfen: durch Lohnerhöhung muß wenigstens neinung des Rechtes des einzelnen, des sogenannten„ Menschenzum Teil wieder wett gemacht werden, was durch den Zoll- rechtes", dessen formale juristische Anerkennung in der Gesetzwucher entrissen ward. Damit ist dann die Notwendigkeit gebung eine der Folgen der kapitalistischen Produktion und des Busammenschlusses ohne weiteres gegeben. eine der großen geschichtlichen Leistungen der ehemals reDie Aussperrungstaktit der Unternehmer hat unsere Auf- volutionären Bourgeoisie ist. Die Gesindeordnungen find flärungs- und Organisationsarbeit vorzüglich unterstützt und daher zutreffend als Ruinen der mittelalterlichen Ordnung gefördert, nicht zum mindesten bei den Frauen und Mädchen. Sie hat Tausenden dadurch die Augen geöffnet, daß sie Christen"," Patrioten", Indifferente und„ Umstürzler" gleich rücksichtslos aufs Pflaster wirft und damit just die unor ganisierten am schwersten trifft, die sich in der Organisation teinen Rückhalt geschaffen haben gegen die Geißelhiebe der herrschaftswütigen, profitlüsternen Kapitalmagnaten. Die Genossinnen, frisch ans Werk! Berlin, den 1. Dezember 1906. Mit Barteigruß Ottilie Baader, Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands Berlin SW, Lindenstr. 3, lezter Hof, parterre. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen im Jahre 1905. Eine der erfreulichsten Erscheinungen innerhalb der modernen Arbeiterbewegung ist die rapide, geradezu sprunghafte Zunahme der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter während der letzten Jahre und vor allem auch im Jahre 1905. Im Jahre 1904 betrug ihre Zahl 1052108 bei einer Bus nahme gegen das Vorjahr um 164410= 18,5 Prozent. leistet. * Wie die einzelnen Gewerkschaften an dieser Zunahme beteiligt sind, werden die in nächster Nummer dieses Blattes erscheinenden Tabellen zeigen. bezeichnet worden. Was ihnen ein mittelalterliches Gepräge aufbrückt, was den Geist der mittelalterlichen Ordnung in ihnen lebendig erhält, das ist jedoch nicht die maßlose Ausbeutung der Dienenden, die sie rechtlich festlegender maßlosen Ausbeutung fallen ja trotz ihrer besseren rechtlichen Stellung auch die gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen anheim, wenn ihnen die Macht mangelt ihr Recht gegen die Macht ihrer Herren durchzusehen. Es ist die fast völlige Verneinung des Rechtes der Person, ihres Selbstbestimmungsrechtes, ihre so gut wie völlige Unterordnung unter den Willen eines Dritten. Die Gesindeordnungen fassen die 176 Die Gleichheit Nr. 25 Dienenden nicht einmal als„ freie Arbeiter" auf in dem weit ausschlaggebender für die Gestaltung des Dienst in Hand mit den schäbigsten Leistungen der Dienstgeber. beschränkten äußerlichen Sinne des bürgerlichen Rechtes, verhältnisses, als die berufliche Scheidung der Dienstboten Die grenzenlose Ausnutzung des unglückseligen„ Mädchens der kapitalistischen Ordnung. Sie finden daher ihre sinn- in Röchinnen, Kindermädchen usw. Sie schafft innerhalb der für alles" spielt in den Kreisen, die wir im Auge haben, gemäße Ergänzung in dem Mangel des Koalitionsrechtes Dienenden man ist versucht, zu sagen: verschiedene soziale eine ähnliche Rolle wie die Lehrlingsausbeutung für das der Dienstboten, das die Anerkennung des Rechtes der Person Schichten. Handwerk. Wie diese die Konkurrenzfähigkeit, so soll sie die zur Voraussetzung hat. Trotz der Vereinfachung und Umwälzung, welche die standesgemäße Lebenshaltung" sichern helfen. Die Folge fapitalistische Produktion für die Hauswirtschaft mit sich ge- dieser Sachlage ist klar. Den Forderungen des Vertrags bracht hat, ist der Haushalt der oberen Zehntausend ein stehen die größten materiellen und persönlichen Widerstände recht umfangreicher und komplizierter Mechanismus. Die gerade dort entgegen, wo das Geschick der Dienenden am Dame des Hauses trägt meist herzlich wenig oder auch gar härtesten ist, wo eine Reform des Dienstverhältnisses am nichts dazu bei, daß er in Gang bleibt. Seine Zeitung ruht dringendsten not täte. " Angesichts dieser Lage der Dinge bedeutet der Dienstvertrag mehr als ein bloßes Mittel, die materiellen Existenzbedingungen der Dienenden zu verbessern. Er setzt an Stelle der Unterwerfung der Dienstboten unter eine Ordnung, die nur sie einseitig bindet, eine freie" Vereinbarung, die beide Teile verpflichtet. Er verleiht dem Recht der Dienenden Aus- oft in den Händen einer Repräsentantin", einer„ Wirt- Wie ist es nun andererseits um den Nachdruck beschaffen, druck, bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen als schafterin" oder wie sonst der Titel der Angestellten lauten den die Dienenden selbst den Forderungen des Vertrags gleichberechtigt mitzuwirken, mitzuentscheiden. Der Vertrag ist mag, welche dem Hauswesen tatsächlich vorsteht. Es besteht geben können? Er wird im letzten Grunde bedingt durch gleichsam die Proklamation des Menschenrechtes der Dienenden, eine Arbeitsteilung" der häuslichen Geschäfte, die möglichst die Erkenntnis, daß in ihrem Interesse eine Reform des die Anerkennung des Rechtes ihrer Person und ihrer Gleich- perfekten" Spezialfräften übertragen werden. Ein reicher Dienstverhältnisses gefordert werden muß und durchgeführt berechtigung mit den Dienstgebern wenigstens im Prinzip, Haushalt beschäftigt zwei, drei, vier und mehr Dienstboten. Jn werden kann, und durch den aus dieser Erkenntnis geborenen dem Buchstaben nach. Die grundsätzliche Umwandlung des der Regel wird von diesen eine so hohe berufliche Leistungs- Willen, die Reform durchzusetzen. Man sollte meinen, daß rechtlichen Verhältnisses zwischen Dienstnehmern und Dienst- fähigkeit verlangt, daß ihr Angebot nicht zu groß ist. Es kann bei dem weitaus größten Teil der Dienenden das Glend gebern, welche der Vertrag bewirkt, erfolgt nicht dank der im Hause aus dem Vollen gewirtschaftet werden. Das alles ihrer Lage diese Erkenntnis und diesen Willen mit unwiderEinsicht und dem Wohlwollen der Herrschaften und der ge- ist von Einfluß auf das Dienstverhältnis. Verglichen mit dem stehlicher Gewalt auslösen und zum Durchbruch bringen seggebenden Gewalten des bürgerlichen Klassenstaats. Sie Los des„ Mädchens für alles" im Mittel- und Kleinbürger- müßte. Dem ist aber keineswegs so. Von den Gründen, vollzieht sich auf dem Wege der Selbsthilfe, sie soll die Tat tum ist die Lage der Dienstboten in dieser Schicht eine die das verschulden, verdient besonders einer Beachtung. der Dienenden selbst sein, die zum Bewußtsein ihres günstige. Ihre Arbeitsbedingungen dürften sich vielfach den Die Mädchen entstammen vorwiegend ländlichen BevölkerungsMenschentums, ihres Rechtes als Person, ihres Rechtes als einzelnen Forderungen des Vertrags annähern, ja diese so- schichten, die bis vor kurzem noch gar nicht oder nur wenig Verkäufer von Arbeitskraft erwacht sind. Der Vertrag wird gar in manchen Fällen übertreffen. Selbstverständlich gilt von der sozialistischen Auffassung durchsäuert waren, und in der Folge gleichzeitig zu einer sozialen Mündigkeits- das nur im allgemeinen; es gibt genug reiche und sehr die daher ihren Töchtern eine entsprechend rückständige Geerklärung, die sich die Dienenden selbst ausstellen. reiche Häuser, die wahre Höllen für die Mädchen sind. sinnung mit in die Stadt und in den Dienst gaben. Nun Er begnügt sich jedoch selbstverständlich nicht damit, die Verhältnismäßig besserer Bedingungen erfreuen sich die aber wird dieses reaktionäre Grbteil Kleiner und kleiner in foziale Gleichberechtigung und Mündigkeit der Dienenden Dienstboten durchschnittlich in den jüdischen Familien. dem Maße, als die ländliche Bevölkerung in den Bannkreis im Prinzip anzuerkennen. Er zieht vielmehr praktische Maßgebend dafür sind außer den bereits erwähnten Um- der kapitalistischen Entwicklung und der sozialistischen Ideen Schlußfolgerungen des grundfäßlichen Rechtes, das er pro- ständen mancherlei geschichtliche Gründe, deren Einfluß sich gerät. Gleichzeitig wird sein Bestand von anderer Seite flamiert. Sie finden ihren Ausdruck in den einzelnen Forde auch der jüdische Kleinbürger nicht entzieht. her erschüttert. Die städtischen Bevölkerungskreise, in denen rungen, die er betreffs der Regelung der Arbeitsbedin In einer anderen Bevölkerungsschicht noch hat sich mit die Mädchen möglicherweise Verwandte haben, in denen ste gungen und der Lösung des Dienstverhältnisses aufstellt. der Entwicklung die Lage der Dienenden etwas gehoben. ihre Bekannten, ihre Freundinnen, ihren Verlobten finden, Diese Forderungen sichern den Dienstnehmenden außer dem Sie umfaßt die Kreise des Bürgertums, für welche die Be- werden immer allgemeiner, bewußter und fester von der Lohne eine gesunde, menschenwürdige Beköstigung und Berufsarbeit und die Erwerbstätigkeit der Frau zu einer un sozialistischen Anschauung beherrscht. Herkunft und bürgerhausung, bestimmen ihre Arbeitszeit und Freizeit, legen abweisbaren wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden ist. liche Arbeitsstätte feien die Dienstboten je länger je weniger die Bedingungen fest, unter denen das Dienstverhältnis von Viele der kleinen und kleineren Handwerks- und Ge- gegen die Revolutionierung ihres Hirns. Diesen Zusammenbeiden Teilen ohne vorherige Kündigung gelöst werden fann werbebetriebe- besonders solche, die mit einem offenen hängen ist es mit zuzuschreiben, daß die Dienstbotenbewegung usw. Ihr Zweck ist, der von den Gesindeordnungen als Ladengeschäft verbunden sind-, viele kleine und fleinere wider Erwarten und gegen die Erfahrung früherer Jahre Recht verkleideten Willkür der Herrschaften in ihren An- Handelsbetriebe beruhen heute in erster Linie oder doch in in den verschiedenen Städten mit einem Schlage in kräftigen sprüchen und Leistungen den Dienstboten gegenüber Grenzen großem Maße auf der Arbeit der Frau, der Töchter des Fluß gekommen ist. Es bekundet sich darin mehr als bloß zu ziehen, und dem„ Gesinde" damit ein Stück persönlicher Inhabers. Die Statistik spiegelt das wider. Zu der in die Unhaltbarkeit, die Verbesserungsbedürftigkeit der ZuFreiheit zurückzugeben, wie es das gewerbliche Proletariat eigenem Gewerbe- oder Handelsunternehmen tätigen Klein- stände: die Rückwirkung des Fortschreitens der sozialistischen besitzt. Sie schränken das bedingungslose Verfügungsrecht und Mittelbürgerin gesellen sich noch die zahlreichen Frauen Ideen auf dem Lande, ihr Triumph in der Stadt. Dank der Dienstgeber über die Person, die Arbeitskraft, die Zeit der bürgerlichen Intelligenz, die durch berufliche Tätigkeit dieser Rückwirkung ist die Empfindung, das Bewußtsein der der Dienstnehmer ein; sie verbürgen diesen ein gewisses Maß verschiedenster Art ihr reichliches Teil zum Einkommen der Dienenden für das Glend ihrer Lage gewachsen, ist das Vervon Rücksichtnahme auf ihre Gesundheit, ihre Ehre, mit Familie beitragen müssen. Kurz, im Bürgertum ist eine langen nach einem Wandel zum Besseren, der Wille, ihn hereinem Worte auf ihr Menschentum und ihre persönlichen umfangreiche und wachsende Schicht von Haushaltungen beizuführen, erwacht, kurz, der Boden ihrer Seele ist für die Bedürfnisse; sie bahnen ein gewisses Gleichgewicht zwischen vorhanden, in denen die Frau in Wirklichkeit nicht mehr in Aufnahme unserer Ideenfaat gelockert worden. Die hervorden Leistungen der Dienstboten und den Gegenleistungen der Hauptsache Hausmutter, sondern Erwerbstätige ist. gehobenen Umstände werden für die weitere Entwicklung der der Herrschaften an, zwischen dem Recht der einen und der Wo die Verhältnisse so liegen, da muß nicht bloß die Dienstbotenbewegung und ihren Charakter von größtem anderen Seite. Wie berechtigt und wie dringlich es ist, daß häusliche Arbeit, sondern die Führung der Hauswirtschaft Einfluß sein. Sie dürfen nicht übersehen und nicht unterdie im Vertrag erhobenen Forderungen verwirklicht werden, überhaupt mehr oder weniger vollständig Dienstnehmern schätzt werden, wenn die Genofsinnen die Kräfte wägen und bedarf nicht mehr des Nachweises. Dieser ist von übertragen werden. Diese haben ein hohes Maß von Ver- messen, welche von seiten der Dienenden für eine Verbesserung anderem Begründungsmaterial abgesehen gerade in letzter antwortung zu tragen, sie müssen mit großem hauswirt- ihres Loses eingesetzt werden können. Zeit mit überzeugender Wucht erbracht worden durch die schaftlichem Leistungsvermögen Charaktertüchtigkeit verbinden, Was ergibt sich aus unseren Ausführungen für die StellungFülle herzzerreißenden Glends, welches die junge Dienst sie müssen um den Ausdruck zu gebrauchen- Quali- nahme zu dem empfohlenen Dienstvertrag? botenbewegung der Offentlichkeit enthüllt hat. An dem ge- tätsarbeiterinnen sein, die eine Vertrauensstellung ein- Der Dienstvertrag fann gegenwärtig für die jungen messen, was im Interesse der Dienenden grundsäglich ge- nehmen, weniger fommandierte Untergebene als felb- Dienstbotenvereine im allgemeinen fein Kampfesobjekt sein, fordert werden muß, sind die einzelnen Bestimmungen des ständige Mitarbeiterinnen der Hausfrau sind. Was sie wie wir bereits früher erklärt haben, er darf aber auch nicht Bertrags gewiß nicht zu weitgehend", sondern umgekehrt leisten, das ist von so ausschlaggebender Wichtigkeit für für sie als Utopie verschrien werden, die es schleunigst ab. äußerst bescheiden. Sie sind Abschlagszahlungen auf die das Familienleben, oft sogar darüber hinaus für die wirt- zuschwören gilt. Er kommt für sie vor allem als Agitationsgrundsätzliche Forderung der Gleichstellung der Dienenden schaftliche Existenz der Familie, daß das Dienstverhältnis mittel in Betracht, als Mittel zur Aufrüttelung, Aufklärung, mit den gewerblichen Arbeitern, Abschlagszahlungen, mit sich für sie entsprechend zum Besseren wandelt. Damit soll Sammlung und Schulung der Dienenden. Darüber hinaus denen man sich im Hinblick auf ihre möglichst baldige und feineswegs gesagt sei, daß es nicht auch in dieser Schicht kann er aber unter bestimmten Voraussetzungen und für geleichte Einfassterung begnügen muß. übergenug Mädchen gibt, welche die ungeminderte Bürde wisse Schichten der Dienstnehmer auch ein praktisches Mittel Aber sind nicht sogar diefe bescheidenen Abschlags: des Gesindeelends zu tragen haben. Die Schwere des wirt werden, ihre Lage zu heben. Zunächst und besonders seinem zahlungen doch noch zu weitgehend", gemessen an ihrer schaftlichen Gristenzkampfes und die berüchtigten„ Tugenden" Hauptziel nach: die Gesindeordnungen auszuschalten, dann tatsächlichen Verwirklichungsmöglichkeit? Das ist die Frage. der guten bürgerlichen Hausfrau" sorgen dafür. Immer- aber auch nach seinen einzelnen Forderungen. Daß diese Unserer Ansicht nach fann sie gegenwärtig im allgemeinen hin aber hat der Umschwung der Zeiten hier recht vielfach nicht buchstabengläubig aufgefaßt werden dürfen, haben wir weder unbedingt bejaht, noch unbedingt verneint werden. ein Dienstverhältnis geschaffen, für welches der Vertrag be- bereits in letzter Nummer betont. Den Genossinnen, welche Die Antwort darauf hängt von dem Zusammentreffen realer treffs der einzelnen Forderungen nur rechtlich festlegen in der jungen Dienstbotenbewegung tätig sind, fällt die AufUmstände ab, die einerseits über den Widerstand entscheiden, würde, was tatsächlich besteht oder wenigstens ohne harten gabe zu, die an einem Drte gegebenen tatsächlichen Verder der Durchführung der einzelnen Forderungen be- Widerstand durchgeführt werden kann. Die Begrenzung der hältnisse nach allen Beziehungen hin sorgfältig zu prüfen, gegnen wird, andererseits über den Nachdruck, welchen täglichen Arbeitszeit zum Beispiel die Innehaltung der um Klarheit darüber zu erlangen, in welchem Sinne und in die Dienenden ihren Ansprüchen zu geben vermögen. Bausen inbegriffen, die manchem als der Gipfelpunkt zu welchem Umfang der Dienstvertrag der lokalen DienstbotenDie Rücksicht auf den verfügbaren Raum verbietet es, weitgehender Forderungen" erscheint, läßt sich in vielen der bewegung nutzbar gemacht werden kann. So verstanden heute alle die Umstände aufzuzählen und zu würdigen, Haushaltungen, die wir charakterisiert haben, ohne jeden und so propagiert wird sich der Dienstvertrag als ein Mittel die nach der einen und der anderen Richtung hin als Kampf durch eine planvolle, wohl überdachte Organisation unter anderen Mitteln erweisen, die Dienstbotenbewegung bedeutsam in Rechnung gestellt werden müssen. Wir der häuslichen Wirtschaft durchführen. Aber freilich, an zu fördern und das Geschick der Dienenden freundlicher zu beschränken uns darauf, einige von ihnen hervorzuheben, dem Verständnis für die Möglichkeit und den Wert einer gestalten, nicht zum mindesten auch dadurch, daß er der die unseres Erachtens besonders ins Gewicht fallen, bis- solchen Organisation hapert es recht oft nicht bloß bei den vollen rechtlichen Gleichstellung dieser mit den gewerblichen her aber in der Diskussion der Frage noch nicht berücksichtigt Dienstboten, sondern bei den Hausfrauen selbst. Arbeitern vorarbeitet. Die Gesetzgebung des bürgerlichen worden sind. Im schroffsten Gegensatz zu den Forderungen des Ver- Klassenstaats hat noch immer an Arbeiterschutz und ArbeiterAbgesehen von anderen Momenten, von denen der größere trags stehen dagegen gewöhnlich die Dienstverhältnisse in recht nur festgelegt und verallgemeinert, was die kämpfende und geringere Widerstand der„ Herrschaften" gegen die Forde anderen als den hervorgehobenen Kreisen des Klein- und Elite der Ausgebeuteten sich auf dem Wege der Selbsthilfe rungen des Vertrags abhängt die Gewohnheit der Aus- Mittelbürgertums und der bürgerlichen Intelligenz. Wir errungen hat. | übung schrankenlosen Herrenrechtes nicht an letter Stelle!-, meinen die Familien, welche die relative Knappheit und tommt vor allem ein Umstand dafür in Betracht: Inwie- Unsicherheit des Einkommens dem Proletariat nähert, weit die revolutionierten wirtschaftlichen und sozialen Ver- während Lebensgewohnheiten usw. an der großbourgeoisen hältnisse rückwirkend auch die Gestaltung des Haushalts, oder„ gut bürgerlichen" Lebensgestaltung festhalten lassen. Es Es ist eine berühmte Frau, von der hier gesprochen wird. die Stellung und Aufgaben der Dienstboten in ihm und das ist dies die Welt des„ standesgemäßen" Scheines. Sie Alle Zeitungen des In- und Auslandes haben sich eine Woche Verhältnis zwischen ihnen und ihren Dienstgebern verandert rekrutiert ihre Angehörigen aus Gewerbe- und Handel- lang mit ihr beschäftigt, und Versammlungen mit der Tageshaben. Mit anderen Worten: inwieweit die allgemeine ge- treibenden, die sich verzweifelt gegen die Konkurrenz des ordnung: Der Prozeß Riehl werden so massenhaft besellschaftliche Entwicklung die Arbeitsbedingungen der Dienst Großkapitals wehren, vor allem aber aus den Angestellten sucht, daß das Gedränge lebensgefährlich ist, und denen, die boten den erhobenen Forderungen bereits in der Wirklich- und Beamten in Staats-, Gemeinde- und Privatdienst, aus nicht mehr Ginlaß finden, versprochen werden muß, in einer feit nahe gebracht hat. Das ist aber nicht nur örtlich sehr dem Lehrpersonal der niederen wie höherer Bildungs- Woche werde die Versammlung wiederholt". verschieden, je nach der Höhe und dem Charakter des Wirt- anstalten staatlicher und privater- aus der proteftanschaftslebens, der Macht des gesellschaftlichen Herkommens usw., tischen Geistlichkeit, dem Offizierstande, den Pensionierten sondern ganz besonders nach der Bevölkerungsschicht, welche usw. Die Welt des standesgemäßen Scheines" ist zugleich die Herrschaften" stellt. Der Dienstgeber wirtschaftliche und die Welt des größten Dienstbotenjammers. Die unverschäm soziale Lage mit ihrem Drum und Dran ist im allgemeinen testen Anforderungen an die Dienstnehmer gehen meist Hand Das Haus Riehl. Frau Regina Riehl stand beinahe eine ganze Woche hindurch als Angeklagte vor dem Wiener Strafgericht. Sie hat mit Erlaubnis der Polizei einen„ Salon" gehalten; die Polizei hatte Beamte bestimmt, die das Haus der Frau Riehl zu kontrollieren und darauf zu sehen hatten, daß alles Nr. 25 Die Gleichheit 177 den gesetzmäßigen Weg gehe. Die Polizei hat immer alles in Ordnung gefunden. Die Fenster waren ordnungs- gemäß mit Eisengitter versehen und die Glasscheiben un- durchsichtig gemacht, damit die anständige, moralische Außen- welt auch vor der entferntesten Berührung mit den Ge- schöpfen, die das Haus der Frau Riehl bewohnten, bewahrt würde. Jede neu«„Dame", die in Frau Riehls Obhut .kam, wurde vorschriftsmäßig dem Arzte vorgeführt, damit dieser feststelle,„es sei nichts mehr zu verderben". Alles, alles war in bester Ordnung— bis sich eines Tages ein Mann fand, der nicht von vornherein meinte, die Bewohnerinnen eines öffentlichen Hauses müßten absolut unglaubwürdige, verlogene Geschöpfe sein. Daß dieser Mann ein Journalist war, kam der Sache zugute. Eines Tages las man in einer sonst ganz unangesehenen Wiener Tageszeitung, dem„Extrablatt", dem Organ der Spießer und sensationslüsternen Frauen, über die Zustände iin Salon Riehl. Die Staatsanwaltschaft mußte nun einschreiten, das Bordell wurde geschlossen, Frau Riehl verhaftet. Im Oktober fanden die Verhandlungen statt, und schließlich wurde Regina Riehl zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Was während des Prozesses in die Öffentlichkeit drang, lehrte aber, daß Frau Riehl nicht allein auf die Anklage- dank gehörte, sondern auch die Polizei, die in diesem Falle so vertrauensselige Polizei. Wiederholt wurden An- zeigen über die entsetzlichen Zustände im Salon Riehl gemacht, aber der Beamte, welcher die Anzeigen zu prüfen hatte, war— Gratisgast des Bordells! Erging als Stammgast in dem Hause ein und aus, das ihm zur Kon- trolle übertragen war. Dort wurden die Mädchen entsetz- lich behandelt. Wollten sie einem Gast nicht zu Willen sein, so wurden stegeschlagen. Mit Schürhaken, Teppich- klopfern und Hundspeitschen wurden sie von der Riehl und ihrer Helferin mißhandelt. Daß keines der Mädchen wagte, den Polizisten, die im Hause verkehrten, ihre Lage zu schildern, zeigt deutlich, wie wenig Vertrauen die Polizeibeamten sich erworben hatten. Furchtbar ist die Aussage eines Mädchens, das von ihrem Vater ins Bordell gebracht und mit Schlägen gezwungen wurde, dort zu bleiben. Dafür bekam der Vater von der Riehl einen An- teil von dem Preise, der für das Mädchen ge- zahlt wurde. Dieses Mädchen, das unschuldig war, wie es im allgemeinen Sprachgebrauch heißt, wurde durch eine Operation ihrer Unversehrtheit beraubt. Denn unversehrte Mädchen durfte die Riehl nicht auf- nehmen. Dieses Mädchen erzählte von den„Prügel- Herren", welche mit Ruten und Peitschen den Rücken der Mädchen blutig schlugen. Der Polizeiarzt hatte die Mädchen auf ihre Gesundheit zu untersuchen, aber er sah nichts von den blutig zerfleischten Mädchenleibern. Entfliehen konnten die Unglücklichen nicht, die Fenster waren ja vergittert, und außerdem wurden ihre Kleider weg- geschlossen. Die Mädchen befanden sich den ganzen Tag in Hemd, Hose und Allasschuhen, nur im Winter bekamen sie einen Schlafrock. Der Portier, der das Tor bewachte. war eine der Riehl ergebene Kreatur, er trieb die Mädchen zurück, wenn eine zu entweichen versuchte. Auf die Straße kamen sie nur in Begleitung der Riehl, und da mußten sie dieser das Geldtäschchen tragen und allerhand Schmuckstücke, so daß sie im Falle einer Flucht in Diebstahlsverdacht ge- kommen wären. Kam eines der Mädchen ins Krankenhaus, so nahm die Riehl seine Kleider wieder mit, und die Wärterin verständigte die Kupplerin vom Tage der Entlassung. So war alle Vorsorge getroffen, um eine Flucht zu ver- hindern. Von alledem sahen die mit der llberwachung be- trauten Beamten der Sittenpolizei nichts. Ja, einer der Herren tat den Ausspruch,„an den Mädchen des Bordells ist nichts mehr zu verderben". Wozu sich also anstrengen! Nun ist die bürgerliche Gesellschaft in Aufruhr geraten, daß in ihrer Mitte so ein Sündenpfuhl bestehen konnte. Wieviel Heuchelei bei dieser Entrüstung mitspielt, wird be- leuchtet durch das Bekanntwerden des Kundenkreises des Bordelles Riehl. Die Arzte der Krankenhäuser ver- kehrten dort mit ermäßigtem Tarif; die Finanzaufseher hatten einen noch billigeren Tarif, ganz nach der sozialen Stufen- leiter, auf der die Konsumenten der Prostitution eben standen. Offiziere, Diplomaten, Fabrikanten, Kauf- leute zählten zu den Besuchern des polizeilich tolerierten „Freudenhauses". Und keiner von ihnen hatte Gefühl und Mitleid mit den armen Geschöpfen, bei denen sie ihrer Lust frönten. Als eine Sache erschienen ihnen diese bemil- leidenswerten„Freudenmädchen", als eine Sache, die sie sich ebenso kauften, wie Wäsche, Handschuhe usw. Der Prozeß Riehl hat wieder einmal gelehrt, wie es um die steht, die sich als die festesten Stützen der Moral auf- spielen. Der Salon Riehl besteht nicht mehr. Die Prostitu- tion, ob kaserniert oder nicht kaserniert, wird weilerbe- stehen. Nicht weil es liederliche Frauen gibt, sondern weil die Prostitutton in der kapitalistischen Gesellschaft wurzelt, wie die Sumpfpflanze im Biorast. Der Kapitalismus ist es, der es den jungen Männern der„mittleren" und „höheren" Gekellschaftsschichten verwehrt, beizeiten eine Familie zu gründen, und der sie so an schlechte Surrogate gewöhnt. Der Kapitalismus ist es, der Frauenarbeit so elendiglich lohnt, daß Tausende von Mädchen, nur um ihre Existenz fristen zu können, der Schande zum Opfer fallen. Der Kapitalismus ist es, der so die Liebe zur Ware herab- würdigt, ebenso wie er die Arbeitskraft zur Ware ge- stempelt hat. Durch all die moralische Entrüstung, mit der die bürgerlichen Zeitungen angesichts des Prozesses Riehl so verschwenderisch umgehen, wird man das Übel nicht beseitigen. Es wird bestehen, solange die kapitalistische Ordnung besteht. Adelheid Popp. Lleber die Ursachen der ungleichen Ent- lohnung von Männer- und Frauenarbeit. In der Sammlung der staats- und sozialwissenschastlichen Forschungen, welche die Professoren Gustav Schmoller und Max Sering herausgeben, ist soeben eine Arbeit von Alice Solomon erschienen, welche das obige Problem behandelt. Die Verfasserin hat mit anerkennenswertem Fleiße sich bemüht, die Ursachen der ungleichen Entlohnung der Männer- und Frauenarbeit zu ermitteln. Sie ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Löhne von Männern und Frauen sind fast immer verschieden hoch. Dieser Unterschied ist aber meist zu einem großen Teil auf verschiedenartige oder verschiedenwertige Leistungen zurückzuführen. Eine Konkurrenz auf demselben engsten Gebiet, bei derselben Arbeitsverrichtung, zu derselben Zeit und an demselben Orte kommt verhältnismäßig selten vor. Wo das der Fall ist, scheinen die Löhne der Gleichheit zuzustreben.�— Die un- gleiche Bezahlung der ungleichen Leistung ist fast immer auch ungleich im Verhältnis zum Leistungs- unterschied. Die Ungleichheit der Leistungen von Arbeitern und Arbeiterinnen hat zunächst ihren Grund in der größeren Muskelkraft des Mannes, dann in dem weniger qualifizierten Charakter der Frauenarbeit, in dem niedrigen Alter der arbeitenden Frauen und in der kurzen Berufs- dauer, die eine größere Fertigkeit nicht entstehen läßt und auch den Berufsernst herabmindert. Um den ungleichen Lohnmaßstab zu erklären, das heißt die Tatsache, daß alles, was von Frauen produziert wird, auf dem Markte niedrigere Wertung findet, beruft sich die Verfasserin auf den gesellschaftlichen Charakter des Arbeitslohnes, nämlich darauf, daß innerhalb der einzelnen Lohngruppen die Löhne sich einheitlich nach Maßgabe derjenigen Faktoren festsetzen, welche die Lohnforderungen und Lohnbewilligungen beein- fluffen. Die Faktoren, die zuungunsten der Frauenlöhne wirken, sind: der geringere Klassenbedarf, welcher der Gruppe „Frau" eigentümlich ist, und das größere Angebot der Frauen in Verbindung mit mangelhafter Organisationsfähigkeit. Der geringere Klassenbedars ist die Folge davon, daß es den Frauen an einem Familienbedarf fehlt, den der Mann fast immer zur Grundlage seiner Lohnforderung machen muß. Der Jndividualbedarf der Frau wird noch weiter herabge- drückt durch das Heer der nebenberuflich tätigen Frauen, durch die Möglichkeit vieler Frauen, nur einen Zuschuß zum Familienunterhalt zu verdienen, durch die vorübergehende Übernahme von Arbeit in besonderen Notfällen, durch den provisorischen Charakter auch der anderen, nicht nur ge- legenllichen Frauenarbeit, der das Streben nach einem vollen oder reichlichen Jndividualverdienst nicht aufkommen läßt. Diese Umstände sind außerdem die Ursachen der minder- wertigen oder unzureichenden Berufsbildung, die wiederum die Leistungen der Frau niedrig hält. Die Ursachen der ungleichen Entlohnung zeigen zwar gesetzmäßige Erscheinungen, die sich auS den wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Verhältnissen zurzeit ergeben müssen; sie stellen aber nicht ein Naturgesetz dar, das keinem Wandel unterliegen kann. Die ungleiche Entlohnung von Mann und Frau kann zu einem großen Teil beseitigt werden, wenn geistige Umwandlungen im Leben eines Volkes zu einer anderen Auffassung des Berufslebens durch die Frau, zu einer anderen Stellung der Frau im Erwerbs- leben und in der Familie führen, und wenn die Wirtschaft- liche Entwicklung weiter eine immer wachsende Zahl von Arbeitskräften aufnehmen kann, was in letzter Linie von dem Gedeihen der deutschen Volkswirtschaft, von ihrem Auf- schwung oder Stillstand, schließlich von den machtpolitischen Chancen des Deutschen Reiches(!) abhängen wird. Die Leistungsunterschiede können insoweit ausgeglichen wer- den, als sie auf geringerer Vorbildung beruhen. Durch bessere Qualifikation können die Frauen schwerer ersetzbar werden; die Elastizität weiblicher Berufsgruppen wird steigen, die Frauen werden auch zu höheren Stellungen aufsteigen können. Der volle Jndividualbedarf wird gefordert werden, sobald innerhalb der Familie auch das heranwachsende Mädchen als volle Erwerbskraft bewertet wird. Die Or- ganisalionsfähigkeit wird steigen und es ermöglichen, auch diejenigen Ursachen der ungleichen Entlohnung in gewissem Maße zu paralysieren, die sich aus dem jugendlichen Alter, der kurzen Berufsdauer bei vielen und aus dem Mangel an Familienbedarf bei den meisten Frauen ergeben. Nur dann können die Frauen auf eine gleiche Entlohnung ihrer Arbeit rechnen, wenn die tiefften und letzten Ursachen der un- gleichen Entlohnung der Frauen, der dilettantische, provi- sorische und zufällige Charakter der Frauenarbeit, aus der ganzen Linie beseitigt wird. So die Verfasserin jdes vorliegenden Buches. Was sie aus dem ihr zugänglichen Material festgestellt hat, ist im wesentlichen richtig. Leider weiß sie aber mit der gewon- nenen Erkenntnis nichts Rechtes anzufangen, weil sie nur Einzelheiten herausgelesen hat, den Zusammenhang der Dinge aber nicht übersieht. Sie„wünscht", daß„eine Um- Wandlung in den Ideen und Anschauungen der Gesamtheit in bezug auf die ganze Frage der Frauenarbeit" erstrebt werde.„Es muß," schreibt sie,„die Überzeugung Platz greifen, daß die Frau ebenso wie der Mann für die Berufsarbeit zu erziehen und tüchtig zu machen sei, gleich- viel, ob sie den Beruf dauernd in vollem Umfang, sogar ob sie ihn überhaupt ausüben wird. Es. muß in den Frauen die Liebe zur Arbeit, die Berufstreue und Berufshingabe gepflegt werden, damit sie während der Dauer ihrer Be- russnrbeit den ganzen Menschen einsetzen und den vollen Unterhalt für einen Menschen beanspruchen können." Diese Hoffnung auf die„Umwandlung in den Ideen und An- schauungen" nimmt sich zwar recht nett aus, gehört wohl auch zum guten Ton— einen praktischen Wert aber hat sie nicht, sie lenkt im Gegenteil die allgenicine Aufmerksam- keit nur in falsche Bahnen. Denn die„Umwandlung in den Ideen und Anschauungen" kann sich nur dann vollziehen, wenn die sozialen Verhältnisse demgemäß gelagert sind. Hierfür ist die jetzige Ausbeutungswirtschaft, der Kapitalis- mus von entscheidender Bedeutung. Der Kapitalismus braucht, um die Löhne der männlichen Arbeiter niederzuhalten, mög- lichst billige Frauenarbeit. Für ihn kommt es meistens nicht darauf an, ob eine Arbett von Frauen oder Männern verrichtet wird, sondern einzig und allein darauf, daß er möglichst wenig für die Arbeit bezahlt. Die Billigkeit der Frauenarbeit steht also für ihn in erster Linie. Sie ist je- doch nur dann zu erreichen, wenn die Frauenarbeit ihren gegenwärttgen unvollkommenen Charakter behält, und wenn alles verhindert wird, was daran entsprechend den Wünschen etwas ändern könnte, wie sie in der Schrift des Fräulein Alice Salomon geäußert sind. Aus diesem Grunde suchen die Unternehmer mit der größten Zähigkeit gerade die billigsten, wenn auch am wenigsten leistungsfähigen Arbeiterinnen sich zu erhalten: die Heimarbeiterinnen. Die Konkurrenz dieser Arbeiterinnen drückt auf die Löhne der männlichen Ar- beiter und trägt dazu bei, daß die allermeisten Familien- väter aus eigener Kraft nicht einmal die notwendigsten Aus- gaben für ihren Haushalt bestreiten können, daß sie demge- maß ihre Frauen mitverdienen lassen und die Ausbildungs- kosten für ihre Kinder aufs äußerste einschränken müssen. Wie kann man, solange so der Druck der jetzigen Ausbeu- tungswirtschaft auf die Arbeiter lastet, jene„Umwandlung in den Ideen und Anschauungen" ernsthaft erhoffen? Aus diesen Gründen müssen, wenn man der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit entgegenwirken will/ zunächst die Ausbeutungsvorrechte der Unternehmer eingeschränkt werden. Der Anfang damit ist dort zu machen, wo die billigste Frauenarbeit herangezogen wird, in der Heimindustrie. Diese muß vor allen anderen Dingen mehr und mehr zurückgedrängt und möglichst bald ganz beseitigt werden. Dadurch wird nicht nur der schlimmsten Lohn- drückerei entgegengearbeitet, sondern der Ausfall an Ein- kommen in den Familien, welche aus der Heimarbeit der Frau und Kinder einen Zuschuß bezogen, spornt den Familien- vater noch besonders an, mit Hilfe seiner Gewerkschaft und der sozialdemokratischen Partei sich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu erringen. Je mehr dieS erreicht wird, desto mehr werden auch die Arbeitsbedingungen für die Ar- beiterinnen verbessert, desto eher werden die Arbeitereltern die Möglichkeit haben und bereit sein, auch ihren Töchtern eine bessere Ausbildung zuteil werden zu lassen, desto mehr werden dann aber auch die Unternehmer darauf sehen, daß die Arbeiterinnen leistungsfähiger werden, damit sich die höheren Löhne der Arbeiterinnen rentteren. Auf diese Weise und nur auf diese Weise allein wird den Arbeiterinnen der Weg aus den jetzigen drückenden Verhältnissen heraus erschloffen. Mit jedem Schritt vorwärts wird dann endlich das Verständnis für den Wert der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung bei den Arbeiterinnen ge- fördert und so der Druck auf die Unternehmer zur Bewilli- gung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen ein stärkerer werden. Der Kampf gegen die ungleiche Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit ist demnach nur ein Teil des Klassen- kampfes, in dem die Arbeiterklasse die Übermacht des Kapitals immer weiter zurückzudrängen sucht, bis die kapi- talistische Ausbeutungswirtschaft mit der Umwandlung des kapitalistischen Privateigentums an den Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum von der sozialistischen, für und durch die Gesellschaft betriebenen Produktion abgelöst wird. Erst hiermit gelangt die Arbeiterin zu ihrem vollen Rechte und kann sich so an der gemeinsamen Arbeit beteiligen, wie es ihrer Begabung und dem Wohle der Gesamtheit am besten entspricht. Fräulein Alice Salomon geht aber jedes Verständnis für die Voraussetzungen und die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Sie kann sich„die radikale Lösung der Entlohnungsfrage durch äußere Mittel" nur im Geiste des seligen Eugen Richter als ein Verzicht auf die Lösung all der Aufgaben,„die nicht dem Gelderwerb dienen", als eine „mechanische Gleichmacherei der Geschlechter", als de» Unter- gang„aller höheren Kultur" vorstellen. Deshalb konnte sie trotz ihres ehrlichen Bemühens,„einer jungen Frauengene- ratton die rechten Wege zu weisen", nicht über fromme Wünsche hinauskommen. Hanaua. M._ Gustav Hoch. Der Prozeß Augspurg. Wie den Leserinnen der„Gleichheit" aus den Tages- zeitungen bekannt sein wird, hat in der zweiten Hälfte November in Hamburg ein höchst lehrreicher Prozeß statt- gefunden. Die Frauenrechtlerin Or. Anita Augspurg war angeklagt, die Hamburger Polizei beleidigt zu haben, und zwar wurde dieses Verbrechen hauptsächlich dann gesehen, daß Fräulein Augspurg in einem Zeitungsartikel das Vorgehen der Polizei an jenem denkwürdigen„roten Mittwoch", dem 17. Januar, einer gebührenden Kritik unter- zogen hatte. Sie hatte von den„Untaten" der Polizei ge- sprachen, die„in sinnloser Wut" aus harm- und wehrlose Passanten dreingeschlagen haben. In den Verhandlungen wurde der Wahrheitsbeweis für diese Behauptung aufs glänzendste erbracht. Jeder Unbefangene hatte das klare Bewußtsein davon, daß hier nicht Anita Augspurg, sondern die Hamburger Polizei auf der Anklagebank saß. Dessen- 178 ungeachtet wurde Anita Augspurg verurteilt, zwar nur zu einer Geldstrafe von 200 Mk., da man ihr zubilligte, in „gutem Glauben" gehandelt zu haben, aber immerhin als der Beleidigung überwiesen verurteilt. Jedem Einsichtigen wird sofort klar sein, daß es sich hier wieder einmal um einen Akt nacktester Klassenjustiz handelte, wie es sich am 17. Januar um einen Akt nacktester Klassenbrutalität gehandelt hatte. Wer war es denn, gegen den die Polizeimannschaften mobil gemacht worden waren? Wer anders, als die Masse der Unbemittelten, als das Proletariat, das durch den Wahlrechtsraub entrechtet werden sollte! Von ihm erwartete man, daß es sich gegen die Machenschaften der Hamburger Pfeffersäcke zur Wehr setzen werde. Und als dann diese Erwartungen nicht ein� trafen, da war es den Machthabern vielleicht gar nicht so unlieb, daß in dem vom Aufstchtspersonal entblößten Kaschemmenviertel der Tumult ausbrach; wurde doch damit ihren polizeilichen Vorbereitungen ein Schein von Berechtigung verliehen. Das Vorgehen der Polizei war in den Augen der Hamburger Staatsgewalt, mit anderen Worten: der herrschenden Klassen in Hamburg, durchaus berechtigt. Denn „Gefährdet war das Palladium Des christlichen Staats, das Eigentum." Oder wenigstens das Vorrecht, das dieses Eigentum sich an- maßte. Hatte aber die Polizei am 17. Januar ganz im Sinne der herrschenden Klasse gehandelt, so konnte auch die Justiz eine abfällige Kritik dieses Handelns nicht un« geahndet lassen. Denn die Justiz steht m demselben or- ganischen Zusammenhang mit der herrschenden Klasse wie die Polizei. Wem dieser Zusammenhang klar ist, der konnte sich nicht über das Urteil an sich wundern, er mußte sich vielmehr über die Milde des Urteils wundern. In der Tat, hätte ein Mann aus dem Volke, etwa gar ein sozial- demokratischer Redakteur, auf der Anklagebank gesessen, das Urteil hätte ganz anders gelautet— unter sechs bis zwölf Monaten Gefängnis wär's nicht abgegangen. Das Urteil ist also gewissermaßen in doppeltem Sinne ein Klaffen- urteil, einmal durch seinen Wortlaut und zweitens durch seine Milde. Man sollte meinen, diese Sachlage sei mit Händen zu greifen. Aber ein Blick auf die Würdigung, die die Frauen- rechtlerin Lida Heymann in der„Frauenbewegung" dem Prozeß Augspurg angedeihen läßt, belehrt uns eines anderen. Nach dieser Dame ist das Urteil nicht ein Ausfluß der Klassen- justiz, o bewahre, es ist vielmehr ein Resultat der„Männer- logik". Weil Männer,„denen schon auf der Universität die Minderwertigkeit der Frau eingeimpft ist", hier über eine Frau zu Gericht saßen, deshalb ist das Urteil so aus- gefallen. Man greift sich an die Stirn vor Staunen über solche-- Damenlogik! Zwar geht der Scharfsinn Lida Heymanns noch so weit, zu bemerken, daß schon in der An- rede der Zeugen ein Unterschied gemacht wurde, je nach ihrer Klassenzugehörigkeit. Gegenüber Leuten aus dem „niederen Volke" heißt es:„Zeuge Müller, Meyer oder Schmidt; Herr, Frau, Fräulein, mit allen Titeln und Würden, wenn Beamte oder wohlsituierte Personen in Be- tracht kommen". Ist das vielleicht auch eine Folge der „Männerlogik" oder, wie es an anderer Stelle heißt,„der psychologischen Dickhäutigkeit und Voreingenommenheit der männlichen Richter"? Selten ist die absolute Verständnis- lostgkeit bürgerlicher Frauenrechtlerinnen sozialen Er- scheinungen gegenüber klarer zutage getreten, als in diesen Betrachtungen. Am Schlüsse heißt eS noch:„Wir kommen nicht aus mit männlichen Richtern, die nur Juristen sind, wir brauchen männliche und weibliche Richter, die allen Kreisen der Bevölkerung angehören." Ja, für den letzten Teil dieses Satzes stimmen wir mit Ihnen überein, Fräulein Heymann. Das Übel liegt nicht darin begründet, daß die RichterMänner sind, sondern daß sie Angehörige der herrschenden Klasse sind. Aber das können wirJhnen auch versichern, das wird auch durch die Erreichung des Frauenstimmrechtes nicht besser, das sie als Allheilmittel empfehlen. Keine herrschende Klasse wird ein so festes Boll- werk ihrer Macht, wie es die Justiz ist, freiwillig preis- geben. Ob mit oder ohne Frauen im Richterkollegium: in der Klassengesellschaft wird auch die Klassenjustiz eine bleibende Erscheinung sein. er. Die Anfänge der proletarischen Frauen- bewegung in Deutschland. Von Klara Zetkin.(Schluß.) Mit der Internationalen Gewerksgenossenschaft brachen in Sachsen vorläufig die zielklaren und konsequent fest- gehaltenen Bestrebungen zusammen, die Proletarierinnen dem Klassenkampf einzureihen. Seitdem mit der Reichsgründung der bourgeoise Nationalstaat auf den Plan der Geschichte getreten war, konzentrierte sich die Hauptkraft des deutschen Proletariats zunächst darauf, die proletarischen Heermassen zum Klassenkampf auf politischem Gebietzusammenzuschweißen. Und der Aufmarsch der Arbeiter als einer politischen Klassen- partei vollzog sich obendrein unter dem Unstern des Bruder- zwistes zwischen Lassalleanern und Eisenachern. Die Frau aber ist auf dem politischen Kampfplatz eine Rechtlose und erscheint daher bei oberflächlicher Betrachtung vielen als eine Machtlose und Entbehrliche. Dazu fügte sich, daß unter den Genossinnen, welche die Internationale Gewerksgenossen- schaft gesammelt hatte, sich keine befand, welche in den Fraktionskämpfen in den vordersten Reihen gefochten hätte. So kam es, daß betreffs der Mitarbeit der Frauen am prole- tarischen Emanzipationswerk vorübergehend die Tendenzen in den Hintergrund traten, deren tapfere Borkämpferin die Die Gleichheit Internationale Gewerksgenossenschaft gewesen war. Meines Erachtens ist es charakteristisch, daß schon der Einigungs- kongreß zu Gotha 187S beschloß, als Delegierte zu den Partei- tagen Frauen zuzulassen, die entweder als Vertreterinnen von Wahlkreisen in Volksversammlungen oder in besonderen Frauenversammlungen gewählt wurden. Das Sozialisten- gesetz schmiedete dann mit harten Schlägen die Erkenntnis, daß auch im politischen Kampfe das Proletariat die Frau als disziplinierte und organisierte Mitstteiterin nicht missen kann. DaS überblätterte Kapitel aus den Anfängen der prole- tarischen Frauenbewegung in Deutschland lenkt zwingend die Aufmerksamkeit auf den vielseitigen, schöpferischen Wesens- gehalt der alten Internationale, auf die in der Sonne ihrer Gedankenwelt blühende Vereinigung einer großzügigen re- volutionären Auffassung vom Klassenkampf und seinem End- ziel mit der praktisch-klugen, rührigen Tagesarbeit im Dienste der mannigfalttgsten proletarischen Gegenwartsintereffen. Im Keime hat sie alle Betätigungsgebiete klassenbewußten prole- tarischen Lebens umschlossen, die Ansätze zu den verschiedensten Bestrebungen, welche der Sammlung des Proletariats und der Erhöhung seiner Kampfestüchtigkeit dienen. Als schwache, oft unscheinbare Sprößlinge in engem Mit- und Nebeneinander brach aus der Schale der Internationale hervor, was heute zu kräftigen, sich weit verzweigenden Organen des prole- tarischen Klassenkampfes geworden ist. So auch die prole- tarische Frauenbewegung. Die Form zerfiel, in welcher die Internationale Gewerks- genossenschaft die Besttebungen zur Aufklärung und Organisierung der Proletarierinnen zusammengefaßt hatte. Aber die von ihr getragenen Tendenzen sind lebendig geblieben, die von ihr ausgehende Jdeensaat ist in die Halme geschossen. Das künden die Kämpfe des erzgebirgischen Textilproletariats, in denen die Frauen des Crimmitschaucr Bezirkes stets mit bewunderungswürdiger Einsicht und Disziplin in Reih und Glied gestanden sind, das bestätigt die eifrige Mitarbeit der sächsischen Genossinnen an allen Emanzipationsbestrebungen des Proletariats. Die gesamte proletarische Frauenbewegung Deutschlands ist die Erbin und Testamentsvollstreckerin der Internationalen Gewerksgenossenschaft. Sie schreitet auf der klar vorgezeichneten Bahn vorwärts, die uns die Jnternatto- nale gewiesen, dem stolzen Ziele entgegen, das sie uns er- richtete, und auch sie erobert und besetzt— um an ein Herr- liches Wort unseres unvergeßlichen Liebknecht anzuknüpfen— im Klassenkampf ein Land, in welches die internationale Bor- Hut des revolutionären Proletariats im ersten kühnen Anlauf besitzergreifend seine Speere geschleudert hatte. »» * Quellenmaterial: Aufruf des Crimmitschauer Organi- sationskomitees an alle Berufsgenossen 1869. Bericht über die Gründung der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeitergewerksgenofsenschaft zu Leipzig 1369. Protokoll der ersten Generalversammlung der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeitergewerksgenossenschafl zu Crimmitschau 1870, der dritten Generalversammlung zu Weimar 1872, der vierten zu Chemnitz 1874. Statuten der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter- gewerksgenossenschaft, ihrer Kranken- und Sterbekasse. Sta- tuten des Vereins für die Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen, Berlin 1885.„Demokrattsches Wochenblatt", Leipzig 1369. Bericht über den ersten Verbandstag säch- stscher Konsumvereine, Chemnitz 1869. Bericht des ersten deutschen Webertags zu Glauchau 1371, des zweiten deutschen Webertags zu Berlin 1872, des zweiten deutschen Weber- innungstags zu Chemnitz 1873. WebertagZzirkulare 1 bis 15. Flugblatt über die Stellung der Frau im Hause und in der Öffentlichkeit, Glauchau 1369. Protokoll über die Sitzungen des Gewerkschaftskongresses zu Erfurt 1872. Wil- Helm Eichhoff:„Die Internationale Arbeiterassoziation", Berlin 1363. Karl Hillmann:„Die Internationale Arbeiterassoziation", Leipzig-Hamburg 1371.„Der Volksstaat" 1870. G. Jaeckh:„Die Internationale", Leipzig 1904. Briefe von Julius Motteler und Julius Vahlteich.— Aus der Bewegung. August Dreesbach tot! Am 25. November ist er in Berlin, wo er sich zur Aus- Übung seiner parlamentarischen Tätigkeit aufhielt, durch einen Herzschlag plötzlich dahingerafft worden. Mit ihm ist wieder einer von der alten Garde aus unseren Reihen geschieden. August Dreesbach wurde 1844 in Düsseldorf als Proletarier- söhn geboren. Schon mit 23 Jahren schloß er sich der Ar- beiterbewegung an, indem er in den„Allgemeinen deutschen Arbeiterverein" einttat. Seitdem ist er bis an sein Lebens- ende unermüdlich und mit großem Erfolg für die Sozial- demokratie tätig gewesen. Vom Jahre 1874 ab stand er in Mannheim an der Spitze der Bewegung, von den Partei- genossen geliebt, von den Gegnern geachtet. Er wurde erst Mitglied im Bürgerausschuß, später Stadtrat, nahm einen Sitz im badischen Landtag ein und wurde 1890 in den Reichstag gewählt. Seit langem herzleidend, war es ihm doch noch vergönnt, im September dieses Jahres den Partei- tag in Mannheim? Mauern zu begrüßen. Zwei Monate später setzte der Tod seinem Wirken ein Ende. Die Reihen der Mten lichten sich, mögen die Jungen sich rüsten, mit derselben Pflichttreue, Uneigennützigkeit und Opferfreudigkeit an ihre Stelle zu treten!__ Agitation im dreizehnten sächsischen Reichstags- Wahlkreis. Auf Veranlassung der Leipziger Parteileitung des dreizehnten sächsischen Wahlkreise? fanden Antana No- vember acht Versammlungen an■-".ußercn.rtc Nr. 25 desselben statt, und zwar in Grottewitz, Markran- städt, Wahren, Brandis, Stötteritz, in Plagwitz, Connewitz und Paunsdorf. Die Unterzeichnete referierte. Die Versammlungen dienten gleichzeitig der Agitation für Organisation und Presse, wie dem Protest gegen den Lebensmittelwucher. Außer der Stötteritzer Versammlung (für die, von einer Annonce abgesehen, absolut keine Prova- ganda gemacht worden war), waren dieselben sämtlich sehr gut besucht. Insgesamt 280 neue Mitglieder wurden dem sozialdemokratischen Verein gewonnen. Mit besonderer Freude erfüllte es mich, daß in jeder Versammlung Genos- sinnen sich in sachkundiger Weise an der Diskussion betei- ligten. Es legt dies Zeugnis ab von der unermüdlichen und erfolgreichen Arbeit unserer Genossin Duncker im Leipziger Kreise. Luise Zieh. Essen. Anläßlich der Essener Gewerbegerichts- wähl fanden eine Reihe Versammlungen statt, die nicht nur der Wahlagitation dienten, sondern gleichzeitig die Organi- sation und die Verbreitung der Presse fördern sollten. Das Ergebnis der Wahl: ein Mehr von zirka 800 Stimmen für die freien Gewerkschaften, dagegen ein Mehr von 1200 für die christlichen Zentrumsgewerkschaften. Es zeigt dies aufs neue, welch ein gewaltiges Feld hier noch der Bcackerung harrt. Sicher sind die„christlichen" Wähler nicht alle, längst nicht alle Mitglieder der Zentrumsgewerkschaften, längst nicht alle klare, bewußte Anhänger der Zentrumspolitik. Es wurden, wie bei jeder Wahl, alle kirchlichen Einrichtungen und Machtmittel gegen die j-stj-„Roten" angewendet. Kühnlichst können wir dagegen behaupten, daß jene, die für unsere Liste stimmten, wenn auch nicht alle zielklare Anhänger der Sozialdemokratie waren, so doch Arbeiter mit einem ur- wüchsigen Klassenbewußtsein, Arbeiter mit einem guten proletarischen Instinkt, die mit ganzem Herzen und täglich mehr auch mit dem Kopf zu uns gehören. Wieviel demnach zede neugewonnene Stimme für uns wiegt, liegt auf der Hand. Die Zunahme der„christlichen" Stimmen wird unsere Geiwssenjrnd Genossinnen aufpeitschen zu neuer Agitations- arbeit. Sie wissen, daß es nichr immer im Sturmschritt ln einer Gegend vorwärts gehen kann, wo neben den un- zähligen Wahrzeichen des Kapitalismus die Wahrzeichen des 5ilerikalismus emporragen. Auf eine Zeit des rapiden Fort- schreitens unserer Bewegung folgt eine Periode, wo man, ohne die Aussaat sozialistischen Samens in Brachland und jungfräulichen Boden zu vernachlässigen, vor allem auch daran denken muß, das gewonnene Terrain immer mehr zu befesttgen und zu kultivieren. Unsere Arbeit gilt daher nie- mals nur dem einen zunächstliegenden Ziele, vielmehr gleich- zeitig der Erweiterung und Vertiefung der Ge- samtbewegung. Unsere Genossinnen haben die Gewerbe- gerichtswahl genützt, um für' die Ausbreitung der Frauen- bewegung zu wirken. Zwei prächtige Frauenversammlungen, je eine in Essen und Katernberg, brachten uns 75 neue Abonnenten der„Gleichheit". Bei geschickter Ausnutzung all des Agitationsstoffes, welchen die Regierung, die Polizei, das Unternehmertum und— das Zentrum uns liefert(siehe wiederum den Arbeiterverrat bei seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf betreffend die Erwerbung der Rechtsfähigkeit der Vereine!), wird uns die gemeinsame Agitations- und Organisationsarbeit unaufhaltsam dem nächsten Ziele ent- gegenführen: der Eroberung des Wahlkreises durch die Roten! Luise Zieh. In verschiedenen Orten, die zum Bezirk der Kreis- vertrauensperson für Magdeburg gehören, ist die Frauen- bewegung noch sehr in den Anfängen. Die Kreisverlrauens- person berief daher im November in Wittenberge, Neuhaldensleben, Barleben, Staßsurt, Aschers- leben, Halberstadt, Thale, Magdeburg, Burg und Schönebeck öffentliche Versammlungen ein, in denen Genossin Fahrenwald die folgenden Themata behandelte: „Frauenarbeit und Frauenlöhne",„Die Frau im Wirtschaft- lichen und politischen Kampfe",„Hat die Frau ein Recht, in der Politik mitzureden?" Der Besuch einiger Versamm« lungen ließ zu wünschen übrig, so in Slaßfurt, Magde- bürg, Burg und Schönebeck. Die Schuld daran trugen teils die Genossen, die hier und dort nicht genügend agitiert hatten, teils hielten auch die Wahlen der Stadt- und Ge- meindevertteter und hier und da auch die Feldarbett die Arbeiter und Arbeiterinnen von den Bersanimlungen fern. In Schönebeck wurde die Veranstaltung von einem Donnerstag auf den für die Arbeiterschaft günstigeren Sonn- abend verlegt; trotzdem nahmen nur 50 Personen daran teil. Alle Erwartungen übertraf dagegen die Versammlung in Thale. 40 der anwesenden Frauen traten dem dortigen Frauen- und Mädchenbildungsverein bei und wurden zu- gleich Leserinnen der„Gleichheit". In H a l b e r st a d t wurde eine Vertrauensperson gewählt, der die Versammlung auch das Mandat zum Preußentag übertrug. Die„Gleichheit" ge- wann auch hier neue Leserinnen, ebenso in Neuhald ens- leben und Bar leben. Der Referentin wurde überall großer Beifall gezollt. Ihre Ausführungen haben frisches Leben in unsere Bewegung gebracht und manche indifferente Proletarierin aus ihrem Stumpfsinn gerissen. Emilie Mahn. Vor einer Frauenversammlung in Gera sprach kürzlich Genosse Rühle über„Geschlechtsausklärung der Kinder". Den aufmerksam lauschenden Frauen konnte man das Jnter- esse für die Ausführungen von den Mienen ablesen. Der Referent betonte, daß die geschlechtliche Aufklärung ein Teil unserer Volkserziehung sein müsse. Tie heranwachsende Jugend sei über die hohe sittliche Bedeutung des Geschlechts- lebens zu betehren. Die Grundlage dafür sei die richtige sittliche Wertung des Lebens überhaupt, wie sie der sozia- listischen Weltanschauung entspricht, die eine kräftige Lebens- bejahung fordert. Die ZuHörerinnen stinunten lebhaft der * Nr. 25 jeden Lebewesens aufzuklären. Die Gleichheit 179 Ansicht des Referenten zu, daß es die Aufgabe der Erzieher werben. Großen Erfolg hatten zwei Agitationstouren,| Streit und Aussperrung, Hungerzölle, indirekte Steuern und und Lehrer sein müsse, das Kind über die Entwicklung eines welche die Genoffinnen Jeeze und Kähler im Sommer dergleichen gesprochen hatte. Hedwig Rödel. durch Vor- und Hinterpommern unternahmen. Sie führten Die Vorstandsmitglieder des Vereins für Frauen und Bericht über die sozialdemokratische Frauenkonferenz allein der„ Gleichheit" 460 Leserinnen zu. Wenn die Ge- Mädchen der Arbeiterflasse in Belbert bei Elberfeld zu Mannheim erstattete die Unterzeichnete in gut besuchten nossen der proletarischen Frauenbewegung nicht vielfach find zu einer Strafe von je 15 Mt. verurteilt worden. Die Versammlungen zu Gera, Jena, Altenburg und Eisen- noch vollkommen gleichgültig gegenüberständen, so hätte ein Anflage behauptet, sie hätten innerhalb des Vereins Politik berg. Mit Interesse folgten die Arbeiterinnen den Aus- günstigeres Resultat erzielt werden können. Hoffentlich führt getrieben. Die Angeklagten berufen sich darauf, daß nur führungen über die Agitation unter den Landarbeiterinnen der auf dem pommerschen Parteitag angenommene Antrag, in öffentlichen Versammlungen politische Themen auf der und den Dienstboten. In allen Versammlungen entspann welcher den Genossen wie den Genoffinnen die Förderung Tagesordnung gestanden hätten. Aus dem Umstand, daß sich eine anregende Diskussion über den Schwangeren- und der proletarischen Frauenbewegung zur Pflicht macht, in derartige öffentliche Versammlungen in Velbert erst„ Mode Wöchnerinnenschutz und das Frauenstimmrecht, die volle dieser Beziehung eine Wandlung herbei. Berta Horn. geworden" seien, seitdem der Frauenverein bestehe, sowie Genosse August Dreesbach+ aus der Tatsache, daß die Mitglieder dieses Vereins meist Ehefrauen der Mitglieder des sozialdemokratischen Volksvereins sind, leitet das Gericht die Schuld der Angeklagten Wollt er Mensch den Menschen sein. her. Von einer Schließung des Vereins nahm das Gericht vorläufig noch Abstand. Grad und offen gut und retn Seinem Wirten nachzuftreben, Set unser höchstes 8tel im Leben. Zustimmung zu den Beschlüssen der Konferenz zeitigte. Die Eisenberger Genossinnen beschlossen dafür zu sorgen, daß in dem nächsten Kampf für die Erweiterung des Landtagswahlrechts die Forderung des Frauenstimmrechts mit erhoben wird. Alles in allem legten die Versammlungen ein ermutigendes Zeugnis ab von dem wachsenden Interesse des weiblichen Proletariats für das politische Leben und von Diese Worte standen auf der Schleife des Kranzes, welchen ihrer zunehmenden verständnisvollen Beteiligung an dem die Mannheimer Genoffinnen ihrem unvergeßlichen Mitproletarischen Befreiungskampfe. Hedwig Rödel. tämpfer und Genossen August Dreesbach auf den Sarg legten. Ausgang November fand in Kolberg eine öffentliche Die proletarischen Frauen Mannheims verdanken ihm viel. Volksversammlung statt, in welcher Genossin Lungwiz Bei Gründung unserer jungen Frauenbewegung glaubten über den Heimarbeiterschutzgesehentwurf" referierte. Sie wir in Dreesbach eher einen Gegner als einen Helfer zu schloß ihr Referat mit der Aufforderung an die Anwesenden, finden, aber bald wurden wir eines Besseren belehrt. Er ist sich gewerkschaftlich und politisch zusammenzuschließen und nur uns mit Rat und Tat behilflich gewesen, wo er nur fonnte. die Arbeiterpresse zu lesen. Den Frauen gab die Referentin Leider war sein Wirken in unserer Mitte nur kurz. Zu früh die Mahnung mit auf den Weg, als Genossinnen des ist sein beredter Mund uns verstummt. Aber Genoffe Drees Mannes für eine bessere Zukunft zu kämpfen. In einer bach hat sich ein dauerndes Denkmal in den Herzen des Resolution forderte die Versammlung einstimmig gefeßlichen weitaus größten Teiles der Mannheimer Bevölkerung gesetzt. Schutz der Heimarbeit, damit der Ausbeutungsmacht der Möge die Saat, die er ausgestreut hat, aufgehen, und möge Kapitalisten Schranken gezogen werden. Ein dreifaches endlich, endlich die Erlösungsstunde des gesamten Proletariats, Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß die be- der gedrückten und gefnechteten Menschheit schlagen! Dann sonders von Frauen zahlreich besuchte Versammlung, in der ist sein Wunsch, das Ziel, wonach auch er gestrebt hat, er9 Gleichheitsleserinnen gewonnen wurden. reicht. Ehre seinem Andenken! Martha Mallwig. Stefanie Hoffmann, Vertrauensperson. über„ Das Kinderschutzgesetz und seine Bedeutung für Mitte November in einer öffentlichen Frauenversammlung Offenbar hat man es in den Rheinlanden darauf abgesehen, den Frauen das dürftige bißchen preußischer Vereinsfreiheit zu nehmen. Unsere Genofsinnen werden sich durch Die polizeilichen Nücken und Tücken in ihrer Beteiligung am proletarischen Befreiungskampf nicht hindern lassen.„ Bange machen gilt nicht", das wird ihre Losung sein im Kampfe gegen den behördlichen Kleinkrieg. Durch die Ausdauer und Zähigkeit, mit der sie das armselige Recht der öffentlichen Betätigung ausnutzen, das ihnen in Preußen zusteht, werden sie allmählich die Behörden dazu erziehen, das Geset anzuwenden und nicht auszulegen. Gewerkschaftliche Rundschau. Die neueste soziale Großtat Preußen- Deutschlands, die Beglückung der Gewerkschaften mit dem sozialpolitischen Danaergeschenk der Rechtsfähigkeit, hat in den letzten Wochen im Gewerkschaftsleben eine gewaltige Regsamkeit wachgerufen und die Blicke der Gewerkschaftsmitglieder auf die Verhandlungen des Reichstags gelenkt. Wie wenig Verunter den Vertretern der bürgerlichen Parteien zu finden ist, ständnis für die Aufgaben der deutschen Gewerkschaften dort Haus, Schule und Gemeinde" referierte Genosse Düvell Die Polizei im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. zu Dresden- Löbtau. Er schilderte die Kinderausbeutung Die große Staatsaktion gegen die proletarischen das haben die bisherigen Verhandlungen-gezeigt. Damit ist in Industrie, Landwirtschaft und Gesindedienst und wies Frauen in Effen hat nun ihren Abschluß gefunden. Nach aber auch bewiesen, welches Interesse die Gewerkschaften an zum Schluß auf die Holzspaltereien hin, in denen Kinder einer eingehenden Untersuchung erhielt die Vertrauensperson der Politik und an einer starken sozialdemokratischen Partei in ihrer freien Zeit beschäftigt und unter dem Deckmantel der Genossinnen, Frau Deuper, folgenden Gerichtsbeschluß haben müssen, der einzigen, die ihre Wünsche und Ziele der Wohltätigkeit jämmerlich ausgebeutet werden. Genossin zugestellt: wirksam vertritt. Manches politisch saumselige GewerkschaftsDunder unterzog in der Diskussion diese Anstalten einer mitglied mag sich das als Lehre gelten lassen. Hoffen wir, eingehenden Kritif. Die Versammlung nahm eine Resolution daß aus dem Gesetzentwurf, der jetzt einer Kommission über an, in welcher sie die folgenden Forderungen aufstellte: geben ist, den Gewerkschaften nicht doch noch eine schwere Empfindliche Bestrafung jeder übertretung des KinderschutzGefahr erwächst. Hätte die, gesamte wahlberechtigte Arbeitergesetzes; beschleunigten Ausbau dieses Gesetzes; Umgestalschaft Deutschlands bei den Wahlen ihre Schuldigkeit getan, tung der für die sogenannten Kinderbeschäftigungsanstalten dann könnte sie so start im Reichstag vertreten sein, daß geltenden Bestimmungen, welche allen Forderungen der dieser Gefeßentwurf sang- und klanglos in der Versenkung Pädagogik Hohn sprechen und mit den Vorschriften des verschwunden wäre- wie die berüchtigte Zuchthausvorlage Kinderschutzgesetzes im schroffsten Widerspruch stehen. Die seligen Angedenkens. Bersammelten versprachen, den Kampf gegen derartige gemeingefährliche Anstalten nach Kräften aufzunehmen. Zu dem Bericht über die Agitation im Wahlkreis ZeißWeißenfels wird uns aus Gera ergänzend geschrieben, daß der Bezirksleiter des Bergarbeiterverbandes, Genosse Dölle Zeit, ebenfalls schon während des Kampfes der Braunkohlenarbeiter in Mitteldeutschland versuchte, die Frauen zur Mitbeteiligung an der Bewegung aufzurufen. Er wirkt noch jetzt mit großem Verständnis dafür, daß die Frauen zu der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung herangezogen werden. In der Straffache gegen die Ehefrau Friedrich Deuper, Wilhelmine, geb. Heilers, zu Essen, Waldhausenstraße 48 wohnhaft, wegen Zuwiderhandlung gegen§§ 128, 73, 74 St.-G.-B. sowie§§ 1, 2, 8, 12, 13 der Verordnung vom 11. März 1850 über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Versammlungs- und Vereinigungsrechtes wird beschlossen, das Hauptverfahren gegen die Angefchuldigte nicht zu eröffnen aus dem tatsächlichen Grunde des mangelnden Beweises für die Schuld der Angeschuldigten; die letztere wird außer Verfolgung gesetzt. Die Kosten des Verfahrens werden der Staatstaffe auferlegt. Essen, den 24. Oftober 1906. Königliches Landgericht. Straffammer III. gez. Steinmann. Pfeiffer. Dr. Noezzel. Ausgefertigt Essen, den 24. Oktober 1906. Knollmann, " Die Ausstellung von Erzeugnissen der Heimindustrie hatte bekanntlich in allen Kreisen der Bevölkerung berechtigtes Aufsehen erregt; wurde doch hier einmal durch Angabe der Löhne und Arbeitszeiten die ganze Furchtbarkeit des Elends der Heimarbeiter, vor allem der Arbeiterinnen, dem Uneingeweihten enthüllt. Im Lager der Unternehmer und Scharfmacher aber war man von Stund an beslissen, diesen Eindruck durch Entstellung der Tatsachen zu verwischen. Auch die Berliner Handelskammer hat sich an diese ebenso mühevolle wie nußlose Arbeit herangemacht und versucht, in Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichtes. Form einer Denkschrift" die enthüllten grauenvollen ZuWeibliche Delegierte zum zweiten preußischen Partei: Troh hochnotpeinlicher Haussuchung, troh Beschlagnahme stände in der Hausindustrie hinwegzulügen. Mit dieser tag in Berlin. Bisher sind zum preußischen Parteitag aller möglichen Sachen und trotz der im Damenklosett der Denkschrift beschäftigten sich mehrere öffentliche Versammdelegiert worden: in Berlin die Genofsinnen Reichert, Borussia versteckten Schuhleute konnten die Behörden der lungen der Berliner Schneider. In ihnen wurde unter Steintopf und Baader, in Frankfurt a. M. Genoffin Angeklagten teine Schuld nachweisen. Sie hatte ihre Liebes- anderem festgestellt, daß in der von Kaufleuten hergestellten Tesch und in Stettin Genoffin Horn. müh umsonst verschwendet. An den Genofsinnen ist es nun, Dentschrift nicht einmal die einfachsten Multiplikationen Tätigkeitsbericht der Vertrauensperson des Stettiner der Polizei dankend für ihr Vorgehen zu quittieren. Das( 13x50 usw.) der Stückzahl mit dem Affordpreis richtig geWahlkreises. Im Sommer vorigen Jahres gelang es können sie dadurch, daß sie ihre ganze Kraft einsetzen und macht worden sind. Was soll man da erft von den uneinigen aufgeklärten Genofsinnen Stettins, durch fleißige doppelt und dreifach eifrig für die Frauenbewegung in tontrollierbaren Zahlen der hohen Löhne halten! Agitation der modernen Arbeiterbewegung einen fleinen unserem Wahlkreis agitieren. Die Aktionen unserer Gegner Im Anschluß an die Buchdruckertarisbewegung, die nunAnhang unter den Proletarierinnen zu gewinnen. Um müssen uns stets ein Ansporn zur energischsten Betätigung mehr beendet ist, haben auch die Buchdruckereihilfsdiesen zu vergrößern, veranstalteten sie im September eine im Dienste unserer Jdeale sein. W. D. arbeiter und-arbeiterinnen in den größeren Städten öffentliche Frauen- und Mädchenversammlung, in der Ge- Daß es sich bei den Polizeischikanen gegen die proletarische Tarifforderungen gestellt. Sie verlangen in der Hauptsache nossin Kähler die Notwendigkeit der politischen Organi- Frauenbewegung in den Rheinlanden um ein planmäßiges, bei 9stündiger Arbeitszeit für Anlegerinnen im Alter von sation der Frauen erörterte. Im Anschluß an die Ver- systematisches Vorgehen handelt, beweisen noch folgende 14 bis 17 Jahren 6 bis 9 Mt., später 11,50 bis 12,50 r., sammlung wurde ein Bildungsverein für Frauen und Mäd- Vorgänge: an Spezialmaschinen 13 Mt. In gleicher Höhe bewegen sich chen gegründet und gleichzeitig Genossin Horn als Ver- Die Vorsitzende des Bildungsvereins für Arbeiter die geforderten Löhne der Punttiererinnen usw.; für Brontrauensperson gewählt. Dem Berein traten sofort 122 Ge- frauen und Mädchen zu Remscheid war in zieren und Puderarbeiten soll ein Aufschlag von 5 Pf. pro nossinnen bei; im Laufe des Jahres hat er es auf 170 zwei Fällen in eine Geldstrafe von je 15 Mart genommen Stunde erfolgen. Gewisse schwere Arbeiten sollen nur von Mitglieder gebracht, denen er für einen monatlichen Beitrag worden. Ihre Vergehen sollten darin bestehen, daß sie männlichen Arbeitern ausgeführt werden, auch soll Scheuern, von 30 Pf. die Gleichheit" liefert. Zur Zahlung frei als Leiterin eines Vereins, der die Einwirkung auf öffent- Fensterputzen usw. nicht mehr zu den Obliegenheiten der williger Beiträge an die sozialdemokratische Partei hat man liche Angelegenheiten bezwecke, die Statuten und das Mit- Maschinenarbeiterinnen gehören. Für männliche Hilfsarbeiter bisher erst 42 Genossinnen gewonnen. Die Genoffinnen gliederverzeichnis dieser Organisation nicht innerhalb dreier im Alter von 15 bis 21 Jahren ist der Lohn auf 9 bis 21 Mt. veranstalteten vier öffentliche Frauenversammlungen, in denen Tage nach der Gründung eingereicht habe, und daß eine festgesetzt, Spezialarbeitern soll 28 bis 24 Mt. gezahlt werden. die Genossinnen Baader, Kähler und die Genossen Versammlung nicht angemeldet worden sei, in der Ge- Für Überstunden wird ein Aufschlag von 25 bezw. 50 Prozent Hanisch und Knappe referierten. Die Versammlungen nosse Markus einen Vortrag über„ Bulkane und Erd- gefordert. Arbeiterinnen und Arbeiter, die der Tarif nicht waren durchschnittlich gut besucht. Eine Kommission von beben" gehalten hatte. Die Berufungsinstanz bestätigte das berührt, sollen einen 10 prozentigen Lohnaufschlag erhalten. sieben Genossinnen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Urteil des Schöffengerichtes im ersten Falle. Als Beweis Die Buch- und Steindruckereibesitzer wurden ersucht, sich bis Innehaltung der Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes zu für den politischen Charakter des Bildungsvereins wurde zum 24. November zu diesen Forderungen zu äußern. Zu überwachen. Die Kassenverhältnisse sind nicht besonders geltend gemacht, daß in den politischen Organisationen sowie Arbeitseinstellungen ist es bis jetzt noch nicht gekommen; glänzend. Die Genossinnen nahmen 72,60 Mt. ein. Für in der Arbeiterzeitung für ihn Propaganda gemacht worden wie es den Anschein hat, werden die Prinzipale in Tarif5 Pf.- Bons tamen 31,10 Mt. ein, für freiwillige Parteibeiträge se(!); ferner aber auch, daß er sich einen Vortrag über verhandlungen mit den Arbeitern eintreten. Die ge 19,90 Mt. Ausgegeben wurden 36,95 Mt. für Agitation und die Volksschule habe halten lassen. Die Volksschule sei eine forderten Löhne sind namentlich für großstädtische TeuerungsSaalmiete, 20 Mt. als Beitrag zum Agitationsfonds der öffentliche Einrichtung, also Im zweiten Falle er- verhältnisse sehr bescheiden; um so mehr ist der Bewegung Genossinnen. Mit den Genofsinnen der Vororte Stettins fannte das Gericht auf Freisprechung. ein voller Erfolg zu wünschen. Der Verband zählte am hielt die Vertrauensperson sieben Besprechungen ab, die Der Frauen und Mädchenbildungsverein von Schlusse des zweiten Quartals rund 7000 weibliche Mitüberall zur Gründung von Frauenbildungsvereinen und zur Grafrath bei Solingen ist polizeilich geschloffen und glieder neben 11300 männlichen; diese Zahlen sind im Ver-. Einführung der„ Gleichheit" führten. Mit den Genofsinnen vier Genossinnen sind zu einer Geldstrafe von je 15 Mt. hältnis zu der Zahl der Berufsangehörigen sehr befriedigend. der Provinzstädte Stargard, Rolberg, Röslin und verurteilt worden. Warum? Weil in der konstituierenden In der Schirmmacherbranche drohen Differenzen ausGreifenhagen fanden ebenfalls Besprechungen statt. Sie Versammlung, die doch noch nicht als„ Vereins" verfamm- zubrechen. Den Fabrikanten war ebenfalls ein Lohntarif sollten die Genossinnen aufmuntern, uns nicht nur treu zu lung angefehen werden konnte, sondern eine öffentliche Ver- vorgelegt worden. Die Prinzipale zeigten sich schließlich bleiben, sondern unserer Sache neue Anhängerinnen zu sammlung sein mußte, Frau Kaspers aus Solingen über gen die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Nur " 180 Die Gleichheit Nr.Z» gegenüber den Lohnforderungen für die Näherinnen machten sie Ausflüchte. Schließlich verlangten sie eine Liste der or- ganisierten Arbeiterinnen. Das wurde natürlich abgewiesen. Eine Arbeiterin, die sich erdreistete, wider den Stachel zu lecken, ist anscheinend auf die schwarze Liste gesetzt worden, was zur Folge hatte, daß 40 ihrer Kolleginnen der Organi- sation beitraten. Hoffentlich gewinnt die Meinung nicht die Oberhand, daß erst der Tarif für die Arbeiter abgeschloffen und dann erst ein solcher für die Arbeiterinnen festgesetzt werden soll. Langjährige gewerkschaftliche Praxis lehrt uns — ganz abgesehen vom Solidaritätsgefühl der Arbeiter für ihre Berufsgenossinnen—, daß in Berufen mit Männer- und Frauenarbeit Forderungen für beide gemeinschaftlich durch- gesetzt werden müssen und können, zumal in den meisten Fällen die Frauenarbeit dem Unternehmer unentbehrlicher i als die Männerarbeit. Auch für die junge, sich kräftig ent- faltende Organisation der Schirmarbeiter wäre es sicherlich kein Vorteil, wenn sie die Wünsche der Arbeiterinnen nicht als gleichberechtigte berücksichtigte. Einige bürgerliche Zeitungsverleger in Berlin suchen die erst kürzlich organisierten Zeitungsausträgerinnen durch kleinliche Schikanen aus der Organisation zu treiben, aller- dings mit negativem Erfolg; die Gemaßregelten suchen Schuh bei der Organisation. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Hut- industrie verlangen bis zum 14. Januar Einführung der 9 stündigen Arbeitszeit; Lohnerhöhungen sind mit der Forde- rung nicht verknüpft. Der Verband gewinnt bei der lebhaft betriebenen Agitation zahlreiche Mitglieder, namentlich auch weibliche. Von den Lohnbewegungen der Textilarbeiter sind wiederum einige Erfolge zu melden, so aus erzgebirgischen Städten, wo Lohnerhöhungen bis zu 12 Prozent erreicht wurden. In den SiemenSwerken in Berlin sind seit Wochen zirka 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen im Ausstand, weil die Direktion durch eine neue Arbeitsordnung das über- stundenunwesen noch mehr ausbauen wollte. Die Quartalsberichte der Gewerkschaften zeigen uns wieder eine recht erfreuliche Steigerung der Zahl weiblicher Mit- glieder. So haben zum Beispiel die Handelsangestellten ihre weiblichen Mitglieder von 3165 auf 3411 vermehrt, die Holz- arbeiter im ersten halben Jahre von 932 auf 2863. Es geht also doch rüstig vorwärts mit der Arbeiterinnenorganisation trotz aller Gegner!_# Notizenteil. Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. In der Papierwareufabrik von M. zu Coblenz, einem der größten Betriebe der Stadt, werden zirka 249 bis 3 Ar- beiterinnen beschäftigt. Bei täglich zehnstündiger Akkord- arbeit verdienen die Arbeiterinnen 1 bis 2,50 Mk. Es wird behauptet, daß die Entlohnung vielfach nach Gunst geschieht, so daß jüngere ungeübte Arbeiterinnen oft höhere Verdienste erzielen, als ihre älteren eingearbeiteten Kolleginnen. Die Behandlung der Arbeiterinnen soll seitens verschiedener Meister in sittlicher Beziehung viel zu wünschen übrig lassen, die Lohnsklavinnen sind mancher Attacke ausgesetzt. Auch an Grobheiten ihnen gegenüber mangelt es nicht. Ausdrücke wie„Saumensch",■„Bauerntrampel" und andere Kosenamen gehören zu den Alltäglichkeiten. Am meisten klagen die Mädchen über die Aborte, auf denen es infolge mangelnder Sauberkeit von Ungeziefer wimmelt. Spülvorrichtungen fehlen, und die Türen können nicht von innen verschlossen werden. Diese Verhältnisse schreien nach Abhilfe, die allein durch die Gewerkschaft gebracht werden kann. Trotzdem ist keine von den Arbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert. Eine einzige Arbeiterin erschien in der Versammlung, die Älnfang November am Orte stattfand und die Hilssarbeiterinnen im Buchbinder- und Druckgewerbe für die Gewerkschaft ge- Winnen sollte. DaS ist im Interesse der Frauen und Mädchen, die dem Broterwerb nachgehen müssen, sehr bedauerlich. Die Not sollte sie denken und handeln lehren. Ein Blick auf ihre fleißige und oft recht harte Arbeit und ihr mühseliges ' eben müßte ihnen sagen, daß sie nach besseren Arbeit?- i'dingungen streben müssen, um ein glücklicheres Leben führen u können. Die einzelne Arbeiterin kann aber diese besseren Arbeitsbedingungen nicht erzwingen. Sie werden nur von den Herren Fabrikanten gewährt, wenn die Arbeiter und Arbeiterinnen treu zusammenhalten und hinter ihnen die Macht der Gewerkschaftsorganisation steht. Die aufgeklärten und organisierten Arbeiter aber haben die Pflicht, mit dafür zu sorgen, daß den Arbeiterinnen immer mehr die rechte Erkenntnis kommt. Leider sehen manche Arbeiter noch immer in den Arbeiterinnen die Konkurrentinnen um Lohn und Brot, nicht die Leidensgefährtinnen, die wie sie selbst, ja schlimmer als sie, ausgebeutet werden, und auch nicht die Kampfgenossinnen, die mit ihnen zusammen die Ausbeutung der Arbeit bekämpfen müssen. Auch in dieser Beziehung muß es anders werden. Wir alle, die wir zur Erkenntnis der Rechte des a r b e i l e n d e n Volkes gekommen sind, müssen zusammenstehen ohne Unterschied, ob wir Frauen oder Männer sind, und müssen unsere Kraft auf- bieten, um die noch nicht aufgeklärten Arbeiterinnen zu be- lehren und der Gewerkschaft zuzuführen. Es ist ein Stück Kulturarbeit, die Arbeiterinnen zu erwecken, daß sie sich aus- raffen und mit ihren Arbeitsbrüdern gemeinsam für Brot, Bi!»»"� und Freiheit kämpfen. Gl. K. Ticiistbotrufrage. Einer zweiten öffentlichen Dienstbotcnvcrsammlnng in Hamburg, die am 14. November stattfand, wohnten 1500 Personen bei. Genossin Zieh referierte über daS Elend des DienstbotenlebenS und legte kurz die nächsten Ziele des nun- mehr gegründeten Verein? der Dienstboten klar. Sie er- mahnte die Mädchen, sich nicht durch Weihnachtsgeschenke, die oft recht minderwertig seien, über unangemessene Ent- lohnung hinwegtäuschen zu lassen. Dem Referat folgte eine fast zweistündige lebhafte Diskusston. In ihrem Verlauf wurden viele Fälle angeführt, in denen die häuslichen Sklavinnen von feiten ihrer Herrschaft Schlimmes erdulden mußten. Genosse Gröber empfahl den Mädchen, die Ver- sammlungen regelmäßig zu besuchen und sich durch die Lektüre der„Gleichheit" wie guter Bücher zu bilden. Ge- nossin Baumann schilderte das drückende und unfreie Ver- hältnis, das zwischen den Dienenden und der Herrschaft be- steht, während Genossin Mangels die Gepflogenheit bürgerlicher Vereine kritisierte, Dienstboten durch Prämien ä 10 Mk. mehrere Jahre an einen Dienst zu fesseln. 202 der anwesenden Mädchen erklärten ihren Beitritt zu der Or- ganisation der Dienstboten und entrichteten das Eintritts- geld und den ersten Monatsbeitrag sofort.— Am 20. November fand die erste Mitgliederversammlung des Vereins statt. Sie war so stark besucht, daß zu dem gemieteten Saale noch ein zweiter hinzugenommen werden mußte. 80 neue Mitglieder meldeten sich. Die entworfenen Statuten wurden verlesen und angenommen. Sie sind in Druck ge- geben worden und kommen in der nächsten Mitglieder- Versammlung am 12. Dezember zur Verteilung. Den bereits eingetragenen Mitgliedern wurden ihre Karten mitsamt der „Gleichheit" übergeben. Die Versammlung wählte als erste Vorsitzende Genossin Käh ler, Humboldtstr.76 III, als zweite Vorsitzende Genossin M e y e r- Altona, alZ Kassiererin Ge- nossin K u h l m a n n- Barmbeck, als Schriftführerin Genossin Mangels-Eilbeck und stellte außerdem sechS Revisorinnen auf. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Tanz- kränzchen. Das gemütliche Beisammensein wurde mit einem Begrüßungsgedicht eröffnet, das ein junges Mädchen vor- trug; andere Vorträge wurden für später zurückgestellt. Lange blieb man fröhlich bei einander. Berta Mangels. Zur Frage deS Dicnstvcrtrags. Die abweisende Beurteilung, welche der Stadthagensche 'reie Dienstvertrag durch Genossin Grünberg erfährt, be- ruht durchaus auf falschen Voraussetzungen. Genossin Grünberg behauptet, daß zur Durchführung dieses Vertrags eine geschulte, aufgeklärte und feststehende Arbeiterschaft ge- höre, und daß die Dienstbotenorganisation ihrerseits noch nicht die nötige Festtigkeit besitze, um den Vertrag auf- zwingen zu können. Das zeugt davon, daß Genossin Grün- berg die„gewerkschaftliche Taktik" zum mindesten nicht beachtet hat. Sie spricht in einer Weise davon, daß die Organisation den Vertrag anerkennen müßte, als ob dieser damit etwas Unangenehmes aufgedrängt werden solle. Sie erkennt nicht, daß der Vertrag ein Mittel ist, welches der Organisation die Durchführung der Forderungen erleichtern kann, die Genossin Grünberg selbst in Mannheim vertreten hat. Sie betrachtet den Vertrag nicht als eine Waffe, mittels derer die Organisation den Kampf besser führen kann, sondern als ein unnützes Gepäck, womit unsere Kritikerin anscheinend nichts anzufangen weiß. Genossin Grünberg wirrt die Begriffe durcheinander, wenn sie agt:„Würde nun ein Mädchen durch unseren oder privaten Stellennachweis eine annehmbare Stelle bekommen können, den Heuligen Verhältnissen angemessen, und es würde sich nur darum drehen, daß die Herrschaften den vorgelegten Gesindevertrag nicht unterschreiben, und das Mädchen würde trotz alledem den Dienst antreten, dann wäre die Konsequenz des Beschlusses(bezüglich keine Stelle annehmen ohne Bewilligung des GestndevertragS) durch- zuführen und daS Mitglied aus dem Verein auszuschließen." Verständnisloser ist wohl noch nie eine Arbeiterforderung vom jüngste» Mitglied einer Gewerkschaft aufgefaßt worden, wie eS in diesen Außerungen geschieht. Weil die all« gemeine Durchführung deS Vertrag? nicht sofort mög. lich ist, darum lehnt man auch die Propaganda dafür ab! Genossin Grünberg stellt als zwingend hin, was empfohlen werden soll. Unsere Losung lautet nicht: „Kein Mädchen darf ander? als gegen Vertrag eine Stel- lung annehmen", sonders:„kein Mädchen sollte anders alS gegen Vertrag eine Stellung annehmen". Das Fest- halten an dem Standpunkt, den Genossin Grünberg ver- tritt, würde die schönen Reden von Agitation, Organisation mitsamt dem Wirken für die Durchführung der Mannheimer Resolution zu leeren Phrasen werden lassen. Dieser Stand- Punkt ist offenbar ein Ausfluß der Auffassung, man müßte die Dienstmädchen anders behandeln als gewerbliche Ar- beiter und Arbeiterinnen, wenn man sie für die Organi- ation, den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen gewinnen will. Eine solche Auffassung ist aber meiner Ansicht nach eine irrige. Sie erklärt sich wohl dadurch, daß hüben wie drüben Neigungen vorhanden sind, die Dienstboten nicht als das zu betrachten, was sie sind: al? eine bestimmte Arbeiter- gruppe, als einen Teil der Arbeiterklasse überhaupt. Mit der Verkennung dieser Tatsache wird aber den Dienstboten, die schon rechtlich eine Ausnahmestellung einnehmen, auch gewerkschaftlich eine solche angewiesen. Nach meiner Überzeugung dürfen, bei aller Berücksichtigung der vorliegen- den Verhältnisse, Ziele und Wege der Dienstbotenbewegung nicht abweichen von denen der allgemeinen Arbeiterbewegung. Nur die Waffen, mit denen die Dienstbotinbewegung kämpft, müssen der gesetzlichen Ausnahmestellung deS sogenannten „Gesindes" gemäß gewählt werden. Diejenigen, welche den Dienstboten die Ziele und Wege weisen und die Waffen wählen, dürfen nie verkennen, daß die Organisation der Dienenden, genau wie jede Organisation anderer Arbeiter auch, das Mittel ist, die Verbesserung der wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Stellung aller Berufsangehörigen herbeizuführen. Erklären, die Forderungen deS Vertrags seien zu weitgehend, heißt nichts anderes, als unseren Grundsatz verwerfen, daß alle, die arbeiten, ein Recht auf menschenwürdige Existenz haben. Gewöhnlich sind es nur einsichtslose und protzige Arbeit- geber, die eine Forderung von Arbeitern mit dem Vermerk zurückweisen:„unannehmbar, weil zu weitgehend". Genossin Grünberg meint nun freilich, die Dienstboten seien noch nicht reif, um die im Vertrag erhobenen Forde- rungen durchzusetzen. Ja, werte Genossin Grünberg, wenn die Gewerkschaften mit der Aufstellung von Forderungen warten wollten, bis alle in Betracht kommenden Arbeiter und Arbeiterinnen reif wären, dann müßten sie ihre Forde- rungen,„weil momentan nicht durchführbar und zu weit- gehend", längst in die Tasche gesteckt haben. Das gleiche gilt von unserer Forderung des Achtstundentags. Jede Ge- werkschaft propagiert diese Forderung und wo möglich wird versucht, sie durchzusetzen oder wenigstens Ab- schlagszahlungen auf sie zu erreichen; aber keiner einzigen Organisation ist bisher eingefallen, zu behaupten: die Arbeiter sind noch nicht„reif" genug, den Achtstunden- tag von ihren Arbeitgebern zu verlangen— folglich ist die Forderung als„zu weitgehend" zu verwerfen! Im Gegen- teil. Das Eintreten für diese Forderung führt uns An- Hänger und Mitstreiter zu, und je größer deren Zahl wird, um so näher rückt der Erfolg. Den Vertrag von voncherein grundsätzlich verwerfen, weil seine Annahme nicht mit einem Male allen Mädchen entgegengebracht wird, ist eine durch- aus verkehrte Taktik. Wollten die Dienstboten nur Forde- rungen erheben, deren Durchführung von heute auf morgen und leicht auf die Empfehlung der Organisation hin erreichbar wäre, so dürften sie überhaupt gar nichts fordern. Denn leicht machen die Arbeitgeber den Arbeitern jeder Art das Durchsetzen von Forderungen überhaupt nicht. Am wenigsten die Arbeit- geber unserer Dienstboten, gehören doch bekanntlich gerade die Frauen, die hier als Arbeitgeber in Betracht kommen, zum großen Teil zu den reaktionärsten und konservativsten Elementen der Gesellschaft. Der Gedanke ist ihnen verhaßt, von ihren„Rechten" etwas einzubüßen, dulden zu müssen, daß jetzt nicht nur sie Ansprüche stellen, sondern daß auch die Dienstboten, die sie bedingungslos als ihre Untergebenen bettachten, sagen könnten: Wir verlangen für unsere Leistung diese und jene Gegenleistung. Was fordert nun aber der„unannehmbare" Vertrag? einen Raum, wie er einem menschlichen Wesen gebührt: heiz- bar, von innen verschließbar, mit Fenstern und den nötigsten Gebrauchsgegenständen. 12— zwölf— Stunden Arbeitszeit, 1— eine— Stunde Mittagspause. V« Stunde Frühstück-, Stunde Vesperpause, 8 Stunden Nachttuhe. In jeder Woche einmal vier freie Stunden, jeden zweiten Sonnlag fünf freie Stunden. Das Recht, den Dienst zu ver- lassen, wenn dem Mädchen Gefahren gesundheitlicher oder sittlicher Art drohen, oder wenn es in seiner Ehre ge- kränkt wird; Aufhebung der Vorschriften der Gesinde- ordnung und die Erklärung des Arbeitgebers, aus das Recht der polizeilichen Zurückführung zum Dienste verzichten zu wollen. Kann man weniger fordern? Diese Selbstverständlichkeiten sollten„zu weit gehen"? Die Mannheimer Resolution stellt im wesentlichen die näm- lichen Forderungen aus. Wie konnte Genossin Grünberg solche„zu weitgehende" Forderungen in Mannheim befür- warten, und wie gedenkt sie fernerhin dafür einzutreten? Damit, daß die Resolution der Konferenz begründet und an- genommen wurde, ist doch noch nichts geschehen. Wir müssen dafür agitieren. Mit welcher Kraft und llberzeugungstreue können wir aber von der Gesetzgebung Reformen forder», die wir als„zu weitgehend" bezeichnen, als daß die Or- ganisattonen der Dienstboten sich grundsätzlich für sie er- klären und sie ihren Mitgliedern empfehlen sollten. Selbst- verständlich soll damit nicht gesagt sein, daß jede Organi- sation sich auf die Buchstaben der einzelnen Forderungen einschwören müsse. Inwieweit sie diese festhält und in den Bordergrund stellt, das hängt von den jeweiligen Verhält- nissen eineS OrteS ab. Die Berliner Organisatton der Haus- angestellten hat zum Beispiel bereits kleine Änderungen des Vertrags vorgenommen, die— noch„weitgehender" sind als seine ursprüngliche Fassung. Sicher wird schon die bloße Propaganda des Vertrags zunächst bei den Herrschaften Unwillen hervorrufen. Aber wann und wo hat eine Ar- beitergruppe bei Aufstellung ihrer Forderungen Rücksicht darauf genommen, wie dieselben auf die Arbeitgeber wirken werden? Jede Arbeiterkategorie, welche sich organisiert, um zu besseren Arbeits- und Lebensverhältnissen zu kommen, stellt die Forderungen, die sie im Interesse ihrer Lage als richtig und notwendig erkennt. Die Dienstboten müssen das gleiche tun. Man gewöhne sich daran, sie in ihrem Stteben und Handeln nicht geringer einzuschätzen als die übrigen Arten von Ar- beitern! Ida Baar-Berlin. DaS„Korrespondenzblatt der Gcneralkoiiimifsion" über den Dienstvcrtrag. In Nr. 46 des„Korrespondenz- blattes" hat Genossin Grünberg über die Dienstboten- bewegung geschrieben � und zur Frage des Dienstvertrags ihren unseren Leserinnen bekannten Standpunkt cntwickelt. Die Redaktion des Organs der Generalkommission hat sich nach schlechten Mustern„die Freiheit erlaubt", dem Artikel eine Nachschrift beizufügen. In derselben stimmt sie, wie wohl jedermann, Genossin Grünbergs Auffassung zu, daß die junge Dienstbotenbewegung im allgemeinen noch nicht tark genug ist, um den Vertrag den Herrschaften aufzwingen zu können, und daß es ein Fehler sein würde, die Mitglieder der Dienstbotenorganisation auf den Vertrag zu verpflichten. Des weiteren heißt es dann:„Indessen möchten wir nicht die Vermutung auftommen lassen, als betrachten-vir den Nr. 25 Die Gleichheit Frauenbewegung. Der katholische Frauenbund hat vom 4. bis 7. November 181 Vorschlag Stadthagens nun als einen Fehler. Er dürfte viß volles politisches Bürgerrecht oder vielleicht nur das aktive| Busch, Hans Huckebein, der Unglücksrabe. Deutsche Verlagsgeeignet sein, eine wichtige Handhabe für die Dieanboten: Wahlrecht erhalten, dem Staate nicht gefährlich sind. Denn anstalt, Stuttgart. 3 Mt. organisationen in ihrem schweren Kampfe zu bilden, fo- es handelt sich keineswegs um das allgemeine Wahl- Grimm, Brüderchen und Schwesterchen. Mit 12 Bildern bald diese selbst genügend gefestigt sein werden, um den recht. Verheiratete Frauen sollen in der Regel vom Wahl- von Speckter Janssen, Hamburg. 1 Mr. Kampf intensiver zu führen. Insofern messen wir dem recht ausgeschlossen sein, ebenso weibliche Personen, die bei Güll, Kinderheimat in Liedern. Bertelsmann. 70 Pf. Borschlag Stadthagens eine mehr lokale Bedeutung bei. ihren Eltern wohnen. Es handelt sich bei dieser Vorlage Hay, Fünfzig Fabeln. Perthes. 3wet Hefte à 50 Pf. Das, was vielleicht in Berlin und anderen Großstädten mit nur darum, mit dem geltenden Grundsatz der Minderwertig- Pletsch, Gute Freundschaft. Löwes Berlag, Stuttgart. Ohne ähnlich günstigen Verhältnissen für die Dienstbotenorgani- feit der Frau zu brechen. it han m. b.- 2ondon. Verse 90 Pf. sation möglich sein wird, ist deswegen noch kein Allheilmittel, sim din Wolgast. Schöne alte Kinderreime. Jugendblätter, München. das allgemein zur Anwendung gelangen fann. Daher fassen 15 Pf. Dasselbe illustriert 60 Pf. wir auch den Vorschlag Stadthagens nur als einen Fingerzeig auf, den dieser Genosse den Dienstbotenorganisationen Bon 6 bis 9 Jahren: hat geben wollen, und der ihnen den Weg weifen soll, wie in München seine zweite Generalversammlung abgehalten. Andersen, Märchen Union Deutsche Verlagsgesellschaft, sie die schändlichen Gesindeordnungen eventuell ausschalten Dieser Bund, der in Köln seinen Sitz hat und schon an Stuttgart. 80 Bf. tönnen. So betrachtet, wird der Entwurf zu einem„ Gesinde- mehr als 30 deutschen Orten Zweigvereine besitzt, erfreut Avenarius, Der geftiefelte Kater. Callwey. 60 Pf. vertrag" weder ein absolutes Unding, noch ein absolutes sich hoher Protektion; nicht nur, daß bayerische Prinzessinnen Bechstein, Märchenbuch. Illustriert von L. Richter. WieAlheilmittel mit allgemeiner Gültigkeit, sondern eben nur seine Generalversammlung mit ihrer Anwesenheit beehren, gand. 1,20 Mt. ein Entwurf, der den besonderen lokalen Verhältnissen ent- auch eine Reihe führender Zentrumsabgeordneten, sowie sprechend abgeändert werden kann. Verliert er bei diesen die katholische Geistlichkeit mit dem Papst an der Spitze Abänderungen ein wenig an seiner Länge, so wird das treten mit Wärme für ihn ein. Da kann es ihm ja nicht fehlen! Die Generalversammlung des Bundes hatte gewiß kein Schaden sein." auf ihrer Tagesordnung einen Vortrag über die Dienstbotenfrage, fowie ein Referat eines Jesuitenpaters über Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. die Heimarbeiterfrage. Der Bund hat drei StudienDie Generalversammlung des sozialistischen Arbeite- fommissionen" gewählt, eine Wohltätigkeitskomrinnenverbandes Finnlands hat vom 8. bis 10. Oktober in mission, die sich unter anderem des Fürsorgeproblems so Wiborg getagt. 140 Delegierte nahmen an ihr teil. Im Rommission, die möglichst schnell„ Mittel zur Lösung der wie der weltlichen Krankenpflege annehmen soll; eine soziale Mittelpunkt der Verhandlungen standen die Vorbereitungen zu dem bevorstehenden Wahlkampf zu den Landtagswahlen, Dienstboten- und der Heimarbeiterinnenfrage" suchen soll, und wurde start betont, daß die sozialistischen Frauen im Gegen der Erziehungsfrage überwiesen wurde. Wenn uns ein Musaus, Legenden von Rübezahl. Schaffstein. 1 Mt. den ersten, die unter dem neuen Wahlgesetz stattfinden. Es eine„ wissenschaftliche" Kommission, der das Gebiet Sonderkandidaturen aufstellen. Die wahlberechtigten Sozialisten werden ohne Unterschied des Geschlechtes für die Kandidaten stimmen, welche die sozialdemokratische Partet ohne Unterschied des Geschlechtes aufstellt. Von seiten der sozialistischen Frauenorganisationen sollen 20 Genossinnen als Kandidatinnen vorgeschlagen werden. " gehende Berhandlungsberichte über die Generalversammlung vorliegen, werden wir, falls es uns nötig erscheint, noch einmal ausführlicher auf diese zu sprechen kommen. Verschiedenes. Boelig, Meister Lampes lustige Streiche und Abenteuer. Nifter, Nürnberg. 3 Mt. Busch, May und Moriz. Braun& Schneider. 3 Mr. Grimm, Fünfzig Märchen. Reclam. Mit Bildern von Ludwig Richter. 80 Pf. Märchen. Auswahl. Janssen, Hamburg. 3 Bände à 40 Pf. Kreidolf, Die Wiesenzwerge. Schaffstein. 1 Mr. Von 9 bis 12 Jahren: Mecklenburg, Berlin. 1 Mt. Andersen, Märchen. Auswahl. Illustriert von Speckter. Defoe, Robinson. Bearb. von Zimmermann. Spamer. 1 Mt. Defoe, Robinson. Bearb. von Zimmermann. Spamer. 1 Mr. Frapan, Hamburger Bilder für Kinder. Meißner, Hamburg. 1 Mt. Dresden. 2 Bände à 70 Pf. Richter, Götter und Helden. Brandstätter. I. Teil: Griechische Sagen 1,55 t.; II. Teil: Nordische Sagen 1,35 M.; III. Teil: Nibelungen, Gudrun, Roland 1,75 Mr. Amicis, Herz. Basler Buch- u. Antiquariathandlung. 2,80 Mt. Bon 12 Jahren ab( auch für Erwachsene): Andersen, Märchen. Eine Auswahl schwierigerer Märchen. Herausgegeben vom Verein für Kunstpflege. Seiß, Hamburg. 2 Mt. 3 Mr. Bürger, Des Freiherrn v. Münchhausen Reisen und AvenCandèze, Die Talsperre. Aus dem Insektenleben. Spamer. teuer. Schaffstein. 1 Mt. Cooper, Der letzte Mohikaner, Indianergeschichte. SchaffEwald, Ausgewählte Märchen( naturwissenschaftlich). Leipstein. 2 ME. auff. Die Rarawane. Wiesbadener Volksbücher. 25 Pf. ziger Buchdruckerei. 1,50 Mt. Das Wirtshaus im Spessart. Schaffstein. 1 Mt. Dumm und gemein. Das ist die einzig richtige Till Eulenspiegel. Schaffstein. 1 Mr. Der sozialdemokratische Frauenverband der Ver- Selden, der deutsch- nationalen Handlungsgehilfen. Jene Weber, Neue Märchen. Schaffstein. 1 Mr. Charakterisierung einer bestimmten Sorte antisemitischer Tiermärchen. Wunderlich. 60 Pf. einigten Staaten hielt in Brooklyn Anfang Oftober seine diesjährige Generalversammlung ab. 26 Delegierte Grund der himmelschreienden Mißstände im Handelsgewerbe Herren und Herrchen im hohen Stehkragen, welche den vertraten 13 3veigvereine. Dem Verband gehören in vier nicht etwa im Kapitalismus erblicken, sondern in der Frauenzehn Zweigvereinen zusammen 293 Mitglieder an. In Chicago, Cleveland und St. Louis haben sich die Greuel ist ihnen vor allem das große Erwachen der ausarbeit, hassen jede selbständige Regung der Frauen. Ein Filialen mit der örtlichen Parteiorganisation vereinigt. Bon der Einführung einer besonderen Frauenecke" in der„ New gebeuteten Frauen, das in der ständig wachsenden proleYorker Volkszeitung" hofft man einen Aufschwung der sozia- geschichtliche Einsicht stehen sie ihr mit dem ganzen Bortarischen Frauenbewegung zum Ausdruck kommt. Ohne jede listischen Frauenbewegung. Die„ Frauenecke" wird von Geurteil des zopfgeschmückten Philisters gegenüber. Sie haben noffin Meta Stern redigiert. Die Generalversammlung baher auch kein Gefühl für die moralische Größe der Prolenahm eine Sympathieresolution für die russischen Freiheits- tarierin, die unter Einsetzung ihrer ganzen Person für die fämpfer an. Sie gedachte dabei in besonders warmen Worten Befreiung aller Ausgebeuteten und Unterdrückten fämpft. der Genoffin Dr. Ingerman, welche in hervorragender Weise Die Herren lassen sich angelegen sein, foste es, was es wolle, für den Verband tätig gewesen ist, beim Ausbruch der ruffi- die proletarische Frauenbewegung mit Schmuß zu bewerfen, schen Revolution jedoch in ihre Heimat zurückeilte und ihrer überzeugung eine glänzende bürgerliche Stellung opferte. Die Jüngst hat ihnen die Außerung eines Genoffen Anlaß um sie bei rückständigen Elementen in Mißkredit zu bringen. Generalversammlung beschloß, eine rege Agitation für die " New Yorker Volkszeitung" und die sozialistische Presse über- recht häßlicher Form Luft gemacht hatte. In dem Organ dazu gegeben, der seinem spießbürgerlichen Empfinden in haupt unter den Frauen zu betreiben. Betont wurden die großen ber antisemitischen Handlungsgehilfen, der Handelswacht", Schwierigkeiten, mit denen die Entwicklung der sozialistischen fanden wir neulich folgende Briefkastennotiz: Auf dem Frauenbewegung in Amerifa zu kämpfen hat. Die Genossinnen sind trotzdem voll guter Zuversicht, daß es ihnen sozialdemokratischen Parteitag in Mannheim erzählte eine durch Ausdauer und Rührigkeit gelingen wird, die Bewe- Senoffin, ein Genosse in leitender Stellung habe erklärt: gung erfolgreich zu fördern. Bis jetzt beschränkt sich die Kinder dabeim Läufe."- Über diesen Ausspruch entWenn unsere Frauen politisch tätig sind, bekommen unfere, selbe fast ausschließlich auf die Deutsch sprechenden Frauen; rüsteten sich die Genofsinnen, denn diese Weiber treiben sich die Genossinnen wollen sich jedoch angelegen sein lassen, lieber in öffentlichen Versammlungen herum, statt ihren laſſen, fünftighin den sozialistischen Ideen auch in der Englisch Haushalt in Ordnung zu bringen." sprechenden Frauenwelt Eingang zu verschaffen. Frauenstimmrecht. Kleist, Michael Kohlhaas. Dichtergedächtnisstiftung.( Erst Kopisch, Gedichte. Auswahl für die Jugend. Kellerer. 50 Pf. für 14 bis 16 jährige geeignet.) 90 Pf. Kraepelin, Naturstudien. Teubner. Billige Ausgabe 1 Mr. Schiller, Balladen. Dichtergedächtnisstiftung. Ungebunden 20 Pf., gebunden 60 Pf. Schillerbuch, Sämtliche Balladen und Wilhelm Tell. Schwab, Die Schildbürger. Schaffstein. 1 Mt. Dichtergedächtnisstiftung. 1 Mr. Spohr. Die schönsten Märchen aus 1001 Nacht. Schaffstein. Storm, Pole Poppenspäler. Westermann. 50 Pf. Wir begnügen uns damit, diese Notiz tiefer zu hängen. Anti- Swift, Gullivers Reisen. Schaffstein. 1 Mt. semitische Versammlungssprenger fönnen die klassenbewußten Uhland, Gedichte( für die Jugend ausgewählt). Hendel, Proletarierinnen nicht beleidigen, die sich gerade angelegen sein 50 Pf. 4 Teile à 1 ME. wollen aber nicht vergessen, darauf hinzuweisen, daß der Leiter Volfsbücher. 15 Pf. Soeben ist erschienen: Für unsere Kinder Die Bewegung für die Einführung des Frauen lassen, auch ihre häuslichen Pflichten treu zu erfüllen. Wir Tolstot, Auf Feuer habe acht. Zwei Greise. Wiesbadener wahlrechtes in England macht gute Fortschritte, aber sie des deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes der verliert den sozialistischen Charakter, den sie ursprünglich Reichstagsabgeordnete Schack ist, der gesinnungstreue" Anti- Paul Singer, Verlagsanstalt und Buchdruckerei, Stuttgart. batte. Sie wird einfach frauenrechtlerisch. Sie verliert auch femit, der durch die Gnade freisinniger Juden in der Stichden ernsten, enthusiastischen Zug und füllt sich mit reflames wahl als Vertreter für Eisenach in den Reichstag humpelte. füchtigen, theatralischen Elementen. Die zehn Frauen, die was die Frauen und insbesondere die Proletarierinnen für gegen Ende Oktober wegen lärmender Szenen in der Wandel- die Wahrung ihrer Interessen von diesem„ Volksvertreter" zu baile des Parlaments zur Stellung einer Raution oder zu erwarten haben, zeigt deutlich die zitierte Auslassung seines zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurden, gefielen sich in Blattes. Sache unserer Genossinnen in Eisenach ist es, mit Märtyrerposen, welche die ganze Bewegung lächerlich machen aller Energie die Genossen zu unterstützen, daß dem Herrn mußten. Zwei der Frauen wurden wegen Verschlechterung 1908 die richtige Antwort gegeben wird. Ein Mann, deffen ihres Gesundheitszustandes bereits nach wenigen Tagen aus der nächste Gesinnungsgenossen die Frauen des Proletariats, die Saft entlassen, und die übrigen erhielten am 23. November auf für Brot, Bildung und Freiheit ihrer Klasse fämpfen, mit Anordnung des Ministers des Innern ihre Freiheit zurück, Schmutz bewerfen, ein solcher Mann darf auch nicht eine Vereine, die eine größere Anzahl Exemplare bestellen, erhalten obwohl sie noch vier Wochen abzubüßen hatten. Während einzige Arbeiterstimme erhalten. Vielleicht vergessen auch die ihrer Haft durften sie jeden Tag Besuche empfangen und bürgerlichen Frauen nicht bis zu den Wahlen 1908, daß sich mit Lektüre, Brief- und Artikelschreiben beschäftigen; sie Reichstagsabgeordneter Schack in einer seiner Streitschriften füllten die Presse mit täglichen Bulletins über ihr Befinden. ihre Führerinnen„ homosexuell veranlagte Weiber" Frau Cobden- Saunderson, eine der Verhafteten, wurde gar nicht müde, der liberalen Regierung ins Gedächtnis zu rufen, nannt hat. ge= F, k, Weihnachtsbuch der Gleichheit Herausgegeben von Klara Zetkin( 3undel) Preis kartoniert M. 1.einen Vorzugspreis. beiden Jahrgängen 1905 und 1906 der Beilage der Gleichheit Das Weihnachtsbuch der Gleichheit besteht aus den für unsere Die Ausgabe ist erfolgt auf Grund vielfach geäußerter überzeugt, daß der reiche Inhalt des Buches den Kindern wie groß ihr Water Cobden war, und wie unsterblich seine Einige empfehlenswerte Weihnachtsbücher. Wünsche aus den Reihen proletarischer Frauen. Wir sind Verdienste um die liberale Partei feten, und doch wage es eine liberale Regierung, die eine Quelle der Unterzu schicken! Nein, dies ist nicht der Stoff, aus dem Vor- oft in minderwertiger Ausgabe und schlechter Ausstattung in Bajaren haltung und Belehrung bieten dürfte. Die Für große und kleine Kinder: fämpfer für eine große Sache gemacht sein müssen. Nichtsbestoweniger hat die Agitation einigermaßen gewirkt. Viele Frauen, die sich bislang um ihre Rechte nicht gekümmert Adler, Emma, Feierabend Ignaz Brand, Wien. 1 Mt. haben, beginnen boch nachzudenken, und das Nachdenken ist Bilderbuch für große und kleine Kinder J. H. W. Dieß Nachf., Stuttgart. 4 Bände à 75 Pf., zusammen 2,25 Mr. der erste Schritt ihres Gintretens für die Reform Frage des Frauenwahlrechtes wird von der Tagesordnung Für unsere Kinder, Weihnachtsbuch der Gleichheit. Paul Singer, Stuttgart. 1 t der englischen Bolitit nicht mehr verschwinden. Während der Session 1907 wird die Frauenwahlrechtsvorlage wieder zur Beratung kommen. Bis dahin wird die Mehrheit des Beskow, Hänschen im Blaubeerenwald. Löwes Verlag, Stuttgart. 2,50 Mt. Kleine Ausgabe 1,50 Mt. Parlaments fich wohl überzeugt haben, daß die Frauen, die Für die Kleinen: Auf die Ausstattung, Papier, Druck usw., ist große Sorgfalt verwendet worden, ebenso auf einen guten dauerhaften Einband. Bei Feststellung des Preises wurde dagegen weitefte Nücksicht genommen auf den Geldbeutel der Arbeiter und Arbeiterinnen. Wir machen hiermit einen erneuten Verfuch auf dem Gebiete der Jugendliteratur. Möge der Versuch das Interesse unserer Genossen und Genossinnen erregen. Ein Erfolg würde uns den Mut geben, auf diesem Gebiete immer Vollkommeneres zu erstreben. Der Verlag der Gleichheit. 182 Erster Geburtstag. Von A. R.* " Es war ein stilles und tiefes Glück in den Augen von Anna Berger, und das Glück kam von dem Rinde auf ihrem Schoß: Es war ein kleines Mädchen und wurde heute ein Jahr alt. So alt schon, wie doch die Zeit herumgeht; da wird man alt und merkt es selber nicht!" So hatte die Frau Nachbarin heute früh gesagt, als ihr Anna Berger die entliehene Ruchenform zurüc gegeben hatte. Der Kuchen war auf dem fleinen Herdchen gut geraten, gewiß fonnte der Hofbäcker in der Neckarstraße feinen besseren backen. Nun schien die Sonne in die kleine Stube. Sie kam gern in diese Stube, da brauchte sie nicht so tief hinabzusteigen bis auf die dunkle Straße, sie sah in den blanken Spiegel und griff in die hellen Kinderhaare und freute sich an Mutter und Kind. Heute wurde gefeiert; die Nähmaschine war in die Ecke geschoben worden. Sie war darüber ganz böse, und die blanken Maschinenteile blinkten wie falsche Augen aus dem Dunkel: Warte nur, morgen, warte nur, morgen!" „ Aber heute, heut freuen wir uns, gelt, und wir holen den Vater, den Vater in der Fabrit! Ist das eine große Fabrik!" " Der Vater fam. Er hatte noch nasse Hände; er zupfte an seinem Rock und schämte sich fast vor seiner Frau. Er sah sie an, wie fein und sauber sie war, und freute sich an seinem Kinde und ging mit den Seinen. Alle weißen Glöckchen an der blauen Wagendecke tanzten und zappelten vor Freude. Die Gleichheit Getroft war Marie in die Klinik gegangen. Nr. 25 Als die Operation stattfand, hatte Franz am GartenUnd er versuchte den Kuchen und lobte ihn: So ein guter Geburtstagskuchen! Den fonnte mur Frau Anna backen!" Und er nannte sie mit Namen der ersten Liebe, zaun gestanden und sich beide Ohren zugehalten. Troßund sie saßen noch lange und sprachen von ihrem Leben, dem hörte er immer deutlicher die Schmerzensschreie seines und sprachen von guten Tagen und wenig Unglück und armen Weibes. Er wollte später lange nicht glauben, hatten nichts vergessen. daß sie überhaupt nicht geschrien hatte. " Weißt du noch, wie wir zusammen im Waldhof waren, und wie nachher der große Regen fam?" „ Und du das erstemal mit mir heimgingst?" ,, Und wie wir bei deinen Eltern waren?" ,, Und wie du einmal im Weißen Roß dein Geld vergeffen hattest?" So sprachen sie noch lange und wußten sich viel zu erzählen und merkten nicht, wie kalt der Tee geworden war. Marie war gesund zurückgekehrt. Die Arzte hatten ihr gesagt, daß sie feine Kinder mehr bekäme. Sie hatten ja auch das muntere Kleeblatt, das war genug. Der Verband, dem Franz angehörte, hatte einen günstigen Lohntarif abgeschlossen, der eine Lohnerhöhung sicherte. Sie durften besseren Zeiten entgegensehen. Da wurde Franz frank. Marie sitzt im Bureau des Arbeitersekretariats. In bebender Hand hält sie den Bescheid, der die Bewilligung Sie hatten den halben Kuchen gegessen, und ihre der Rente verkündet. Der Sekretär soll prüfen, ob die Köpfe waren rot geworden von dem, was sie gesprochen Aufrechnung stimmt, sonst ist ja nichts mehr zu machen. hatten oder von dem Tee. Die Hausfrau räumte nun Marie weiß es: ihr Franz muß sterben leise den Tisch ab. 32 Jahren. " Das war schön heute abend, Anna. Und nächstes Jahr?" „ Wenn wir gesund bleiben, dann werden's zwei sein," sagte die junge Frau schlicht und einfach und trug den halben Kuchen in die Küche. Franz Berger freute sich und sorgte sich doch ein wenig. Er dachte an den Wochenlohn, ob der wohl reichen würde! Übers Jahr nun, übers Jahr, da würde man sehen, und Franz griff nach seiner Zeitung. Ganz allein. Von A. Möller. - jetzt, mit Sie weint nicht, wenigstens nicht hier, daheim wohl. Sie wundert sich bloß. Ihre blauen Augen blicken erstaunt, daß so etwas möglich ist. Jezt sterben, wo Franz ihrer Meinung nach erst richtig anfangen sollte zu leben! , 32 Jahre, und immer solide gewesen treu für die Familie gesorgt in Partei und Gewerkschaft stets seine Pflicht getan. Und andere? Die vertrinken ihren Verdienst, mißhandeln Frau und Kinder, fümmern sich um feine Organisation und bleiben gesund." Der Sekretär erzählt ihr, daß von den Schwindsüchtigen, die er durch seinen Beruf kennt, nur die Minderheit sich in gefunden Tagen um die Organisation gefümmert habe. " Die junge Frau öffnete das Fenster und sah nach Sonne und Wolfen. Es waren nur kleine, weiße Wölfchen am Himmel, und die Sonne spielte damit.-Nachbars Tochter half den Kinderwagen hinabtragen. Sie war stark und groß, faßte den Griff und ging voran; die junge Frau hatte das Kind auf dem Arm und folgte und hob den Wagen. Er war leicht. An der Ede faufte Anna Berger noch Zucker und Tee und ließ den Wagen unterdes auf der Straße stehen. Zweimal lief fie aus dem Laden hinaus, Sie antwortet:„ Es gibt aber doch Männer, deren um nach dem Kinde zu sehen. Das lag immer still und Tod eine Wohltat für die Familie und kein Verlust für Kurz nach seiner Aufnahme in die Heilstätte war Franz die Mitarbeiter wäre lächelte. Als Anna Berger mit ihren Einkäufen fertig und die werden alt. Hätte war, hing sie die Tasche an den Wagengriff und fuhr wieder entlassen worden. Die Landesversicherungsanstalt mein Mann sich nicht so viel über die Indifferenten in den sonnigen Abend hinein. Sie fuhr an Gärten teilte ihm mit, daß zurzeit ein Heilverfahren feinen Er- und über die lange Arbeitszeit geärgert, so wäre er und Häusern vorbei und sah rote und weiße Blumen folg verspreche. Wohlwollend riet sie ihm, er möge sofort vielleicht noch gesund. Bedenken Sie: Zehn Stunden und starte, schwarze Gitter mit goldenen Spitzen. Oft die Invalidenrente beantragen. Nun wußte er Bescheid Arbeit, oft noch überstunden, die einer machen muß, blickte sie nach den feinen Kinderhändchen auf der blauen und seine Frau auch. wenn er nicht entlassen werden will. Eine halbe Wagendecke und nach den hellen Augen des Kleinen Mäd- Vor sieben Jahren hatten sie aus Liebe geheiratet. Stunde Weg bis zur Fabrik- dann die Versammchens. Es tam eine Straße, durch welche der Tram ging. Leicht war ihnen die Gründung des eigenen Herdes nicht lungen und Sitzungen, die doch notwendig sind Frau Berger mußte auf die andere Seite hinüber. Vor- geworden. Alles, was Franz verdiente, gab er seiner wieviel Zeit bleibt da dem Mann für die Familie? sichtig hob sie den Wagen vom Trottoir herunter. Ein Marie. Sie war ein guter Finanzminister. Er fonnte Wenn er nun aber seine Familie gern hat und sich danach Schuhmann führte ein altes Mütterchen über die Straße, nicht begreifen, wie sie es anfing, um mit seinem schmalen sehnt, täglich einige Stunden in ihrem Kreise zuzubringen, Anna Berger fuhr hinter ihm her und wartete dann Verdienst so gut vorwärts zu kommen. Wie viele seiner wenn er die Maifeier nicht gedankenlos mitmacht, an dem Tor der Fabrik. Rollegen wollte er die Möbel auf Abzahlung nehmen sondern ernst nimmt wenn er sich überlegt, wie alles fte litt es nicht. Ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, der so leicht zu verwirklichen wäre, und er muß dann in unserer Gegend vom Mieter zu stellende Herd und jahraus jahrein neben so manchem Tier im Betrieb das nötigste Küchengeschirr- dazu langten die Ersparnisse. schuften, das nur Arbeit, Essen und Schlaf kennt, ihn Wir haben wenig, Franz, aber es ist unser Eigentum. verhöhnt, wenn er es zu einem denkenden Menschen Nach und nach kriegen wir mehr." So hatte Marie machen will. Wenn er täglich das Joch abschütteln gesagt, und so war es gekommen. Troß der drei Kinder, möchte und es doch nicht kann, weil er weiß, daß es an die angekommen und am Leben geblieben waren, hatten sie jetzt einen netten Hausstand und feine Schulden. Auch die Kosten für die schwere Operation, die Marie nach der letzten Niederkunft durchgemacht hatte, waren bezahlt. Das waren schlimme Tage gewesen für beide, als der Arzt erklärt hatte:„ Entweder möglichst bald Operation ober rasches Siechtum und früher Tod." Marie hatte Angst vor dem, was sie durchmachen sollte, ja, aber er noch mehr. Seine schwache Marie, die sollte dort liegen auf Da spricht Marie mit fester Stimme:" Nein, er soll leben dem schrecklichen Tisch; ach, die würde ja vergehen vor so lange als irgend möglich. Ich will ihn pflegen, so gut Angst, wenn sie die Arzte mit weißen Ritteln und auf- ich kann. Was auch die Krankheit bringen mag, ich will gestülpten Ärmeln sehen mußte. Er wollte ihr das Herz vor nichts Grauen empfinden. Für jede Hilfe, die ich nur soll er nicht schwer machen, sie nichts merken lassen von seiner ihm leisten kann, will ich dankbar sein Besorgnis. So gut er konnte, verstellte er sich, aber sie noch leben, denn nach seinem Tode stehe ich ja ganz allein. erriet feine Gedanken. Mit den Kindern fann ich mich nicht aussprechen wie mit Und nun war sie stark und tröstete ihn. Der letzte ihm, und mit fremden Leuten erst recht nicht. Er soll Sie legten das Kind ins Bettchen und sahen, wie es Abend vor ihrer Aufnahme in die Klinik fam. Die leben, damit wir noch miteinander sprechen können." im Schlaf lächelte; lächelte nicht so der Engel auf dem Kinder schliefen. Marie und Franz hatten sich umschlungen. Schon in der Türe, fehrt Marie noch einmal zurück und Bild, das bei der Großmutter neben der Uhr hing? Lange sprach keins ein Wort. Als er aber plöglich laut fragt, ob es denn richtig sei, daß Franz die Rente auch Genau so, aber ganz genau so! Die Mutter sang ein aufschluchzte, da zog sie seinen Kopf in ihren Schoß und für die 26 Wochen zustehe, in denen er noch Krankengeld Wiegenlied und ging behutsam hin und her und sah versuchte ihm auseinanderzusetzen, daß die Sache gar bezogen hatte. Was ihr nicht zusteht, das will sie nicht, noch mit einem langen Blick auf das schlafende Kind nicht schlimm sei. trotz ihrer Not. und zog die Kammertür leise zu, ganz leise, und horchte" Und wenn es wirklich etwas weh tun sollte, das Arme Marie! Lasse deinen Franz nur das Geld noch einen Augenblick an der Türe. Das Kind schlief kann doch lange nicht so schlimm sein, wie bei der Geburt holen. Es ist ja sein letzter großer Zahltag. Von nun wirklich; wenn es nur nicht wach wurde, wenn der Mann von Ernst. Als ich damals schreien wollte, dachte ich ab fann er dir im Monat nicht mehr so viel geben wie nebenan nach Hause kam! noch rechtzeitig an deine Angst, und bald war es früher in der Woche. Die Versicherungsanstalt irrt sich überstanden. Wir konnten wieder lachen." nicht leicht zugunsten ihrer„ Rentner". Franz Berger faufte einen Rosenstrauß von einer alten Frau und suchte den schönsten aus dem Korbe heraus, und die alte Frau wunderte sich, daß er ein Geldstück mehr gab, und wie er die Rosen auf die blaue Decke des Wagens legte. Das Kind griff nach den bunten Farben, stach sich und wollte weinen, und die Mutter trug nun die Rosen selbst. Nun waren sie zu Hause. Jetzt wurde das Licht auf dem Kuchen angesteckt; es war ein dices, weißes Licht. Und die Rosen lagen auf den Kinderhemdchen, die die Großmutter geschenkt hatte. Die Mutter ging um den Tisch und zeigte dem kleinen Mädchen das Licht und redete mit ihm, und Franz Berger saß auf dem Sofa und lachte: das war schön nach der Arbeit! " Jezt ist's genug, jezt mußt du schlafen, du Kleines, und wir bleiben bei dir und Mutter singt!" Franz hatte die Lampe angezündet, und Anna wickelte die Geburtstagsferze in ein weiches, rotes Seidenpapier und legte sie zu ihren kleinen Heimlichkeiten in die unterste Schublade. Da waren noch ein paar welke Rosen drin und ein dürrer Heideftrauß, ein paar Briefe und eine blaue Schleife; die hatte sie getragen, als sie Franz zum erftenmal gesehen hatte. Nun fam die Kerze dazu. Dann setzte sich Frau Berger zu ihrem Mann an den Tisch, es war ein Duft im Zimmer wie um Weihnachten, ein Duft von Kerzen und Kuchen und von Rosen. Franz neckte die Frau mit dem Geburtstagskuchen. „ Wer soll ihn denn essen, unser Kindchen? Das hat ja noch keine Zähnchen; da müssen wir selber anfangen." * Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfassers. anderer Arbeitsstätte auch nicht anders ist-- kann denn so einer nicht allmählich die Schwindsucht bekommen? Die Stumpffinnigen trotten in ihrem Geleiſe weiter, ärgern sich nicht, denken nicht und werden alt." Gerne möchte der Sekretär trösten, aber das ist hier schwer. Schließlich sagt er aufs Geratewohl:„ Hoffent lich wird er es wenigstens bald überstanden haben und nicht so lange leiden müssen." Sie war ordentlich heiter geworden, als sie ihm zurief: was wettest du, daß ich diesmal erst recht nicht schreie?" Schwindfüchtige fallen gewöhnlich mit den Blättern Dann sprach sie ernst:„ Sieh mal, Franz, ich fann im Herbst oder gehen mit dem ersten Frühling. Marie wenigstens ruhig einschlafen, wenn ich dort liege. Ich hat ihren Mann mit ihrer starken Liebe gegen den Tod weiß doch, daß du unsere Kinder nicht verlassen würdest, verteidigt durch Herbst, Winter und Frühling. Als der wenn ich sterben sollte. Die Frau drüben vom Nachbar Sommer seinen Einzug gehalten hatte, konnte sie das hause, die fonnte fast nicht chloroformiert werden, weil fliehende Leben nicht mehr halten. Was er ihr und sie sie so aufgeregt war. Wie würde ihr verkommener Mann ihm in der langen Zeit noch gesagt hat, das konnte Die Kinder mißhandeln und verderben, in welche Hände ihnen freilich kein anderer sagen. Aber ganz allein wird würden die Kleinen geraten, wenn die Behörde sie dem fie jetzt doch nicht sein, und auch vor dem Jammer Trunkenbold abnähme, falls die Mutter gestorben wäre- preußischer Armen, pflege" soll sie bewahrt bleiben. diese Sorgen zermarterten den Kopf der armen Frau, als sie auf dem Operationstisch lag. Sie schienen stärker Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Bundel), Wilhelmshöhe zu sein als das Chloroform...." Post Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.