Nr. 1 Eigentum des Vorstandes der SPD" 17. Jahrgang Die Gleichheit e ee STONETONTONTON Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgelb 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Inhalts- Verzeichnis. Stuttgart den 9. Januar 1907 D Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. viele Tausende vermehrt. Wir hoffen, daß es sich 1907| fampf der werftätigen Massen stehen. Im letzten Grunde Einladung zum Abonnement. In den Kampf! Tua res die alten Sympathien erhält und neue Freunde erwirbt. tobt die heiß entbrannte Schlacht um die politische Macht, agitur! Von Luise Zietz. Was der letzte Reichstag den ArDer Preis der„ Gleichheit" beträgt vierteljährlich Kapitalismus und Sozialismus sind die Wahrzeichen, beiterinnen versprochen und was er ihnen gehalten hat. Von unter denen sie hin- und hermogt. Das verwaschene Gustav Hoch. Gegen den Lebensmittelwucher! Bon h. f. ohne Bestellgeld 55 Pfennig. Aus dem Reiche der Zentrumsgrafen. Von w. d. Umsturz und Revolution. I. Bon J. B.- Die Generalversammlung des zeit gratis abgegeben. Eine recht weite Verbreitung fann am wenigsten darüber täuschen. Probe- und Agitationsnummern werden jeder- Banner mit der Aufschrift„ Los von Rom", das die greifenhaften Hände des Liberalismus trampfhaft schwenken, der„ Gleichheit" hofft tatholischen Frauenbundes in München. Von K. D. Aus der Bewegung: Von der Agitation.- Die Behörden im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. Politische Rundschau. Von G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizenteil: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. -Dienstboten frage.Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.- Frauenbewegung. Feuilleton: Vorwärts. Von-g.( Gedicht.) Prometheus. DraDie Redaktion und der Verlag. In den Kampf! Es geht um Kapitalismus und Sozialismus sicherlich nicht in dem findlichen Sinne, als ob der Ausfall des Wahlkampfes über Sein oder Nichtsein der beiden entfchiede. Wohl aber muß diese Episode des Kampfes der Klaffen das Proletariat entsprechend dem Wachsen der Klassengegensätze ein gut Stück weiter auf seinem Marsche matisches Fragment von Wolfgang Goethe.- Immer mehr. Von tosenden Waffenlärm des Wahlkampfes übertönt worden. Schwelle der sozialistischen Gesellschaft steht. VorausDer Klang der Silvesterglocken ist heuer von dem zur Eroberung der politischen Macht führen, die an der 1907 hebt als ein Kampfesjahr an. In festgeschlossenen gesetzt immer, daß das klassenbewußte Proletariat, jeden Sturmfolonnen, im Jubel der Fanfaren ist das klassen- Nerv und jeden Muskel gestrafft, zielsicher seine ganze Einladung zum Abonnement. bewußte Proletariat über die Schwelle des neuen Jahres Kraft in den Kampf einsetzt. geschritten. Es weiß, daß es die bevorstehende Wahl- Seine ganze Kraft! Das besagt, seinem Ringen darf Die tobende Wahlschlacht lenkt die Aufmerksamkeit schlacht in einer außerordentlich bedeutsamen Situation nicht das Verständnis, die Begeisterung, Opferfreudigkeit der proletarischen Frauen auf ihre Pflicht, um schlägt. und Energie seiner Frauen fehlen. Inbrünstiger fast noch Georg Herwegh.( Gedicht.) ,, Von Gottes Gnaden." das Banner der Sozialdemokratie geschart an Sie steht im Zeichen der Zuspizung und Verschär- als die Männer der frondenden Massen müssen sie mit den sozialen Kämpfen unserer Zeit teilzunehmen. fung des Klassentampfes, der zu einer Verschiebung dem Zusammenbruch der kapitalistischen Ordnung die Wie es bei der Wahl um das Wohl des arbeitenden der politischen Machtverhältnisse drängt. Das fündete Aufhebung des Privateigentums an den ProduktionsVolkes gegen das Tun und Treiben der Lebensmittel- schon die Reichstagsauflösung jedem, der über das lau- mitteln herbeiwünschen, das die letzte und festeste Wurzel wucherer, der Heer-, Marines und Kolonialschwärmer, nische Spiel der absolutistischen Blöglichkeiten hinweg ihrer sozialen Knechtung und Aechtung, der Gebundender Feinde des Koalitions- und Wahlrechts geht, so die treibenden geschichtlichen Kräfte des politischen Lebens heit und Verkümmerung ihres Menschentums ist. Die stehen auch in den sozialen Kämpfen überhaupt die ins Auge faßte. Das wird durch den Aufmarsch der Lebensentfaltung und Stellung der Frau in Familie und Interessen der ungeheuren ausgebeuteten Mehrheit des bürgerlichen Parteien auf den Kampfplag bestätigt. Wie Gesellschaft ist in allen Perioden der Geschichte aufs Volkes den Interessen einer kleinen Minderheit von ihren seitherigen Verrat der Woltsinteressen zu beschönigen Geschick verknüpft gewesen. Nur die Befreiung der Arbeit verschieden auch die Wahllügen und mit denen sie engste mit der Gestaltung der Arbeit und ihrem sozialen Ausbeutenden und Herrschenden gegenüber. und neue Verbrechen gegen, die Massen vorzubereiten durch den Sozialismus vermag die Gesamtheit des weibDie Gleichheit ist in Deutschland die suchen; wie geimmig sie sich untereinander anfauchen lichen Geschlechts menschlich zu emanzipieren. Mit leideneinzige Frauenzeitung, welche die Interessen und durch den bekannten Ruf Haltet den Dieb" tom- schaftlicher Hingabe müssen daher die Proletarierinnen der Proletarierinnen auf Reformen in der promittieren: der Haß gegen die Sozialdemokratie eint das Ihrige dazu tun, daß der Sieg des klassenbewußten bürgerlichen Ordnung und auf Beseitigung fie doch brüderlich. Er bringt alle fozialen Gegensätze, Proletariats im Wahlkampf der sozialistischen Ordnung dieser bürgerlichen Ordnung selbst konsequent alle Meinungsunterschiede zwischen ihnen zum Schweigen, eine breite Gaffe brechen hilft. Könnten sie es vergessen, vertritt. Als das Organ der deutschen Genossinnen er bändigt die Konkurrenzfeindschaften um Mandate und daß die feudal- bürgerliche Klassenherrschaft, welcher der wird die Zeitschrift wie in den vergangenen Jahren die Anwartschaft auf die Nebenregierung". Die Furcht Ansturm der proletarischen Heerhaufen gilt, ihnen noch so auch fürderhin die treue Beraterin der Prole- vor dem aufstrebenden Proletariat hat die eine reaktionäre immer die volle politische Gleichberechtigung, insbesondere Masse zusammengepeitscht wie noch nie. das politische Wahlrecht, vorenthält: daß heißt die soziale tarierinnen für ihre Beteiligung am Befreiungskampf Aber welche Masse! Sie spiegelt die Berseßung, den Mündigkeitserklärung, die ihnen ihre Leistungen als Arihrer Klasse sein. Sie wird wie seither mit aller Verfall der bürgerlichen Welt wider die sie schützen beiterinnen und Mütter schon längst geschrieben haben; Energie und Schärfe kämpfen für die volle soziale soll. Nicht das Bewußtsein der Kraft, das Gefühl der das heißt die schneidige Waffe, deren sie für ihren BeBefreiung der proletarischen Frauenwelt, wie Schwäche hat sie zusammengefügt; nicht der feste uner- freiungskampf bedürfen? Wer mit der Sozialdemokratie sie einzig und allein möglich ist in einer sozia- schütterliche Glaube an ihre Sache ist in ihr lebendig, fämpft, der kämpft für das Bürgerrecht, das Menschenlistischen Gesellschaft. Denn nur in einer solchen sondern die Verzweiflung ob dem unaufhaltsam herein recht des weiblichen Geschlechts! verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und brechenden Ende der Macht. Wie Moder und Fäulnis In Reih und Glied des klassenbewußten Proletariats, Wirtschaftsverhältnissen die Ursache jeder gesellschaft- steigt es von dem Mischmasch der bürgerlichen Parteien ihr Frauen, die ihr mit Hand und Hirn der kapitalistischen lichen Unterdrückung und Unfreiheit: die wirtschaftliche auf, welche die„ rote Gefahr" abwehren wollen. Da ist Ordnung sinset, die ihr mit zehrender Sehnsucht nach Abhängigkeit eines Menschen von einem anderen Men- feine einzige von ihnen, die mit reinen Händen, blankem startem, schönem Menschentum verlangt. Die Entwicklung Schild und ehrlichen Waffen ins Feld zieht; eine jede der Klassengegensäge hat seinem Sieg am 25. Januar schen; denn nur in einer solchen verschwindet mit den hat ihre Korruption, ihre Schmach, ihre Sünden als vorgearbeitet. Helft ihn vollenden! Der Kampf um den jezt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhält- Gespenst im Hause, das sie vor dem Gerichtstag der Preis fällt in eine große geschichtliche Stunde. Die Weltennissen der Gegensatz zwischen Besitzenden und Nicht- Wähler erzittern macht. uhr holt langsam aus zum Schlage, der mit dem Verbereitet. Sie wird vorwärts getrieben und gelenkt durch Tua res agitur! Tua res agitur! Um deine Sache handelt es sich, um besitzenden, der soziale Gegensatz zwischen Mann und Wie anders die Verfassung, in der die Sozialdemo- enden des moskowitischen Absolutismus die siegreiche Frau, zwischen Kopfarbeit und Handarbeit. Die Auf- fratie ihnen allen mit gleicher Schärfe und Wucht den Kraft des jungen russischen Proletariats künden wird, hebung dieser Gegensätze kann jedoch nur erfolgen durch Kampf bietet! Die Sozialdemokratie ist zusammen- den Triumph der ersten großen proletarischen Revolution. den Klassenkampf: die Befreiung des Proletariats geschweißt durch die eine große Erkenntnis, daß die ge- Der großen Stunde auch in Deutschland ein großes fann nur das Wert des Proletariats selbst sein. schichtliche Entwicklung den Sturz der kapitalistischen Ord- Geschlecht! Will die proletarische Frau frei werden, so muß sie nung, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft vorsich der allgemeinen sozialistischen Arbeiterbewegung den einen Eithnen Willen, die Vollstreckerin dieser histoanschließen. Die proletarischen Frauen zum Klassen- rischen Aufgabe zu sein. Um das Banner ihres Programms deine ureigenste Sache! Das können wir beim Gintritt in kampf zu rufen und für den Klassenkampf zu schulen, geschart, stürzt sie sich begeisterungsglühend in den Kampf. das neue Jahr angesichts des heftig entbrannten Wahldas wird wie bisher so in Zukunft die vornehmste Auf- In ihr braust das Leben des jungen, aufsteigenden Prole- tampfes nicht laut und nachdrücklich genug den Frauen und gabe der„ Gleichheit" bleiben. tariats, das aus der Gruft seiner Klassenlage empor zum Mädchen des arbeitenden Boltes zurufen. Daneben will jedoch die„ Gleichheit" noch wei- Licht seiner Befreiung drängt. Von strozender Kraft die Wie immer man auch den Wahlkampf bewerten, von tere Aufgaben erfüllen. Jede Nummer hat eine Glieder geschwellt, will es seine Zukunft erobern, muß welchem Gesichtswinkel aus man ihn betrachten mag: er Beilage, welche, abwechselnd in der Reihe des Er- es sie erobern. peitscht das Interesse der Staatsbürgerin, der Arbeiterin, scheinens, der allgemeinen Bildung der prole- Weniger als je verhüllt diesmal das Ringen um die der Klassenkämpferin, der Gattin, der Mutter und der Haustarischen Frau, ihrer besseren Ausrüstung für Mandate, die Auseinandersetzung um die politischen frau wach und treibt die Frauen in hellen Scharen auf das Blachdie Pflichten als Mutter und Hausfrau ge- zwischen den beiden Heerlagern des ausbeutenden Kapitals Schustruppen der Korruption und der Bolksauswucherung, Tagesfragen, daß der Wahlkampf ein Klaffenkampf ist feld, wo diesmal mehr denn je„ ein Hüben und Drüben" nur gilt. Das Drüben: die staatsstreichlüfterne Regierung mit den widmet ist und Kinderlektüre bringt, die in und der ausgebeuteten Arbeit. Die Dinge, die sich der den Konservativen, Nationalliberalen. Antisemiten, dem„ undem heranwachsenden proletarischen Geschlecht soziali- Form nach in den Vordergrund schieben, erhalten ihre entwegten" Freisinn, denen sich wenn ihm auch momentan stisches Fühlen und Denken fördern soll. Das Blatt tiefste Bedeutung durch den Zusammenhang, in dem sie nicht die Regierungssonne scheint das heuchlerische, volks hat im Laufe des letzten Jahres seinen Leserkreis um zu der Klaffenherrschaft der Besitzenden, zu dem Klassen- feindliche Zentrum zugesellt. Bibliothek der Friedrich- Ebert- Stiftung 2 2 261 Die Gleichheit Nr. 1 Das Hüben: die von Begeisterung und Kampfesmut Wir wollen uns bei einem überblick darüber auf die offiziellen teien nicht die geringste Bedeutung bei und denken gar nicht glühende Sozialdemokratie, als einzige Hüterin der Ver- Kundgebungen der Parteien beschränken, auf die Anträge, daran, die in den Anträgen geforderten Gesezentwürfe ausfassung, der Freiheit, des Rechtes, der Kultur. Die Sozial- welche in bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit im Reichs- zuarbeiten. So erklärt sich der klägliche Zustand, daß die demokratie als Bekämpferin des kapitalistischen Klaffenftaats tag gestellt worden sind. mit all seinen Gebrechen und Verbrechen: seiner abenteuerBerechtigung der Forderung auf Verkürzung der täglichen In erster Linie steht selbstverständlich der Antrag der Arbeitszeit für die Arbeiterinnen in den weitesten Kreisen lichen Weltpolitik und ihrer Blüte; den Kolonialgreueln; seinem sozialdemokratischen Fraktion, nach dem die täg- der Bevölkerung anerkannt wird, and daß trotzdem die Militarismus und Marinismus; seinem Lebensmittelwucher; liche regelmäßige Arbeitszeit für alle im Lohn, Arbeits- Wolfsvertretung, der Reichstag, sich als unfähig erweist seiner Klassenjustiz und ihrer Bluturteile und seiner maß- und Dienstverhältnis im Industrie-, Handels- und Verkehrs- diese Verkürzung der Arbeitszeit durchzuführen. lofen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, zu der die wesen beschäftigten Personen ab 1. Januar 1906 auf längstens Herrschenden in immer höherem Grade die Rechtlosigkeit der 10 Stunden, ab 1. Januar 1907 auf längstens 9 Stunden, ihrer Forderung verdanken die Arbeiterinnen dem Drucke Die theoretischen Zugeständnisse bezüglich der Berechtigung Ausgebeuteten gesellen möchten. Die Sozialdemokratie als ab 1. Januar 1908 auf längstens 8 Stunden festgelegt werden der Arbeiterbewegung auf unser wirtschaftliches und politisches Borkämpferin für freiheitliche, demokratische Einrichtungen, als foll. Es folgt das Zentrum mit der Forderung, daß die Leben. Um aber auch praktische Resultate zu erzielen, muß Borkämpferin für die sozialistische Gesellschaftsordnung, die regelmäßige Arbeitszeit der Arbeiter über 16 Jahre in der Druck mehr und mehr verstärkt werden. Hierzu bietet allen Brot und Kultur gewährleistet. Fabriken und in den diesen gleichgestellten Anlagen auf die gegenwärtige Wahlbewegung ine sehr günstige GelegenIn die Reihen der Sozialgemokratie gehören wir Frauen, höchstens 10 Stunden täglich beschränkt werden soll. Für heit. Die Arbeiterinnen müssen mit aller Kraft in die Agium als politisch Rechtlose zwar nicht zu wählen, wohl den Fall der Ablehnung dieses Antrags wollten die Herren tation eingreifen, müssen den bürgerlichen Parteien ihre aber um als politisch reise Klassentämpferinnen wenigstens eine Beschränkung der Arbeitszeit für die Fabrik- Untätigkeit in bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit vorzu wühlen, zu agitieren, zu kämpfen. arbeiterinnen auf 10 Stunden täglich, an den Vor- halten und die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten abenden von Sonn- und Festtagen auf 9 Stunden haben. empfehlen, weil einzig und allein die Sozialdemokratie tatDasselbe forderte in einem besonderen Antrag das Zentrum fräftig für die Interessen der ausgebeuteten Frauen eintritt. zusammen mit den Nationalliberalen und Auf diese Weise müssen die Arbeiterinnen beweisen, daß sie einigen anderen Abgeordneten. Das Zentrum be- sich nicht mehr mit leeren Redensarten abspeisen lassen. Je antragte außerdem, daß die regelmäßige Arbeitszeit in mehr die Arbeiterinnen so an der Wahlarbeit mithelfen, Fabriten und in den diesen gleichgestellten Anlagen auf desto stärker wird die sozialdemokratische Fraktion in dem höchstens 9 Stunden für die Arbeiterinnen festgesetzt wird, neuen Reichstag vertreten sein, desto erfolgreicher wird fie welche ein Hauswesen zu besorgen haben. dann für die Verkürzung der Arbeitszeit wirken können, desto flarer werden dann aber auch die bürgerlichen Parteien die Notwendigkeit erkennen, sich den Forderungen der Arbeiterinnen zu fügen. Hanau a. M. Gustav Hoch. Gegen den Lebensmittelwucher! Der Reichstag ist aufgelöst worden. Wir dürfen uns Der sonst so schönrednerische und wortreiche Bülow hat bei der Reichstagsauflösung furz und trocken den Grundsatz proklamiert: Die Regierung könne sich bei ihren militärischen Operationen vom Reichstag, von den einzelnen Parteien nicht dreinreden lassen! Der Reichstag, die Volksvertretung soll also zur vollständigen Bedeutungslosigkeit, soll zu einer Körperschaft degradiert werden, die von der Regierung höchstens aus Höflichkeit einmal angehört wird. Das ist der Absolutismus, der Morgenluft wittert! Das Regierungs- Selbst die Konservativen wagten es nicht, offen organ droht denn auch mit dem Staatsstreich, mit dem gegen die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit für die Wahlrechtsraub, falls bei den Wahlen keine gefügige Majo- Arbeiterinnen vorzugehen. Sie mußten sich mit dem Verrität zusammenkommt. Ja, das muß doch den Indifferen- such begnügen, die Sache in der bisherigen Weise noch testen, den Flauesten aufstacheln zum leidenschaftlichen, energie- weiter zu verschleppen. Sie wollten die verbündeten Revollen Kampfe. gierungen ersuchen, vor Vorlage eines Gesetzentwurfes zum Bon gewaltiger, zerschmetternder Wucht muß Zwecke der Beschränkung der regelmäßigen Arbeitszeit der am 25. Januar des Volkes Antwort auf das Arbeiter beziehungsweise der Arbeiterinnen in eine einDrohen und Trachten der Reaktion sein. Je gehende Prüfung darüber einzutreten, ob und in welchem laminenartiger die sozialdemokratischen Stimmen anschwellen, Umfang durch solche Beschränkungen die Konkurrenzfähigkeit deffen mit Fug freuen. Der Auflösung folgen die Neudesto wuchtiger ist auch unser Protest, unsere Anflage gegen der vaterländischen Industrie gegenüber der des Auslandes wahlen auf dem Fuße. Neuwahlen aber, das besagt nichts alles Unrecht im allgemeinen, das die kapitalistische Ordnung erheblich geschwächt wird, und von dem Ergebnis dieser anderes, als Kampf gegen die Zustände, unter denen wir den Ausgebeuteten beschert, gegen die politische Recht- Prüfung dem Reichstag Mitteilung zu machen. leiden. Solcher Zustände haben wir mehr als genug. losigkeit des weiblichen Proletariats im beBevor einer diefer Anträge im Reichstag erledigt worden Gin übel aber ist es vor allem, das uns Frauen in die sonderen. Indem wir in den Reihen der Sozialdemo- war, brachte das Zentrumt eine Interpellation folgenden In- Wahlschlacht ruft. Der Lebensmittelwucher schwingt seine tratie für ihre Ziele, ihre Forderungen tämpfen, fechten wir haltes ein: Ob erwartet wegben tönne, daß die verbündeten Peitsche über uns Er verbannt das Fleisch von unfür das Frauenwahlrecht. Regierungen noch im Laufe der gegenwärtigen Session dem serem Tische, er verkleinert die Portionen unserer geliebten Reichstag einen Gefeßentwurf vorlegen, durch welchen die Kinder, er hungert uns aus. Kampfuntüchtig will er uns regelmäßige Arbeitszeit der Arbeiter über 16 Jahre in machen, damit wir uns um so leichter ducken sollen. DaFabriken und den diefen gleichgestellten Anlagen auf höchstens gegen müssen wir kämpfen. Wir als Frauen! Gerade als 10 Stunden täglich beschränkt wird? Die Interpellation Frauen trifft uns der Lebensmittelwucher, und er trifft uns wurde am 7. Februar 1905 besprochen, wobei der Staats- in manchen Stücken noch härter als die Männer. Das weiß sekretär des Jumern,-Graf v. Posadowsky, mit der ernstesten jede Arbeiterin, die seufzend nachrechnet, ob sie mit ihrem Miene von der Welt versicherte, daß die Regierungen mit schmalen Lohne auskommt; das weiß erst recht jede Hausihren Erwägungen, ob die Arbeitszeit für die Arbeiterinnen mutter, die mit wenig Wirtschaftsgeld viel hungrige Mägen verkürzt werden tönne, leider noch nicht zu einem Abschluß satt machen soll. Die Frau steht im Kleinkampf des Lebens. gelangt seien. Giuige Wochen später wurde bann sowohl Sie hat sich mit den Pfennigen herumzuschlagen, und der der Antrag der Sozialdemokraten als auch der Antrag des Kampf mit ihnen ist schwerer geworden in unseren Tagen. Bentrums vom Reichstag abgelehnt. Die anderen An- zu schwer! träge blieben bis zum Schlusse der ersten Session unerledigt. Wer oder was ist schuld daran? Wir haben eine Dagegen wurden noch dem Reichstanzler zur Berücksichtigung Beit geschäftlichen Aufschwungs, und die Löhne sind gedie Petitionen überwiesen, welche die Einführung der zehn- stiegen. Aber schneller als sie sind die lebensnotwendigen stündigen Arbeitszeit für Fabritarbeiterinnen fordern. Ausgaben in die Höhe gegangen. Gefräßig wie die Just in diesem Wahlkampf wird jede denkende Frau unsere politische Rechtlosigkeit und die hierdurch bedingte Minderung ihrer politischen Kampfestraft als brennende Schmach empfinden. Besäßen wir politische Rechte, so würden auch wir als Staatsbürgerinnen und Klaffenkämpferinnen durch unsere Stimmabgabe protestieren gegen die Staatsstreichgelüfte, gegen alle beabsichtigte Schmälerung der Voltsrechte, gegen eine eventuelle Wiederbelebung des Antigewerkschaftsgesetzes. Auch wir würden unsere Stimmen in die Wagschale werfen gegen die schier unerträglichen Lasten, die uns der Militarismus und die Weltpolitik auferlegen. Als Hausfrauen würden wir das tun, weil wir wissen, daß Fleisch, Brot, alle Lebensmittel, daß Wäsche, Kleider und Schuhwerk schier unerschwingliche Preise haben infolge einer Zoll- und Handelspolitik, die für uns eine Besteuerung des Hungers bedeutet, während sie der Regierung das Portemonnaie füllt, den Kraut- und Schlotjunkern die unergründ In der zweiten Session, die vom 28. November 1905 mageren und unerfättlichen Kühe der biblischen Hungerlichen Geldschränke. Während diese Politik uns und die bis zur Auflösung des Reichstags dauerte, stellten die einzelnen jahre in Ägypten haben Wohnung und Lebensmittel, Unferigen zum Darben verurteilt, ermöglicht sie es jenen Parteien die oben angeführten Anträge mit Ausnahme Feuerung und Licht mehr, weit mehr als das hinabSerren, als„ Edelste und Beste" standesgemäß zu leben, ver- des Antrages der Freikonservativen von neuem. Jedoch geschlungen, um was der Lohn größer geworden ist. Alles leiht fie ihnen mit Reichtum die soziale Macht, aus ihren tam feiner dieser Anträge zur Verhandlung. ist teurer geworden. Die Mieten beanspruchen ein Fünftel Reihen„ Nebenregierungen" zu stellen, die alle gleich ge- Das Ergebnis ist also, daß der letzte Reichstag troß bis ein Drittel des Arbeitereinkommens, die Kohlen sind im meinschädlich sind, mögen sie unter der Firma Roeren der Anträge des Zentrums, der Nationalliberalen letzten Jahrzehnt um 40 bis 50 Prozent in die Höhe ge( Kolonialskandal), unter der Firma Bued( Zuchthausvorlage), usw. nicht das Geringfte getan hat, um den Arbei- gangen; Rindfleisch, das 1896 in Frankfurt je nach Qualität unter der Firma Kardorff- Arendt( Fall Hängepeters) oder terinnen die schon längst dringend notwendige 45 bis 70 Pf. pro Pfund kostete, stand im Oktober 1906 auf unter einer anderen Firma die Geschäfte der ausbeutenden Verkürzung der Arbeitszeit endlich zu gewähren. 70 bis 95 Pf. und 1 Mt. Das fommt einer Preissteigerung Klaffen besorgen. Als Mutter und Gattin würden wir durch Und doch hatten sich alle Parteien des Reichstages mit von 55 Prozent gleich. Bei Kalb- und Schweinefleisch ist unsere Stimmzettel protestieren gegen die Kolonialpolitik. Ausnahme der Konservativen durch ihre Anträge ausdrückt die Verteuerung noch schlimmer. Die Preise für eine AnWir bekämpfen sie nicht nur wegen der Greuel, die an die lich für die Verkürzung der gesetzlich festgelegten Maximal- zahl anderer Poltsnahrungsmittel find ebenfalls bedeutend Namen Leist, Wehlan, Peters, Arenberg, Kannenberg, arbeitszeit der Fabritarbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden in die Höhe gegangen. Kartoffeln kosteten in diesem Herbst Trotha usw. geknüpft sind, nicht nur wegen der Korruption, täglich und an den Vorabenden der Sonn- und Festtage statt wie sonst 4,5 bis 5 Mt. pro Malter( Doppelzentner) die illustriert wird durch die Namen Buttkamer, Oberst Fischer, von 10 auf 9 Stunden erflärt. So lautete ja der Antrag, 6,5 bis 7,5 Mt. Aus den Berichten der staatlichen GewerbeTippelskirch, Woermann, Podbielski usw. Wir sind viel den das Zentrum, die Nationalliberalen und die fleineren aufsichtsbeamten tönt überall die Klage, daß das Steigen mehr auch dessen eingedent, daß es meist Söhne prole- Fraktionen im Reichstage eingebracht hatten. Hierzu tamen der Löhne in keinem Verhältnis zum Anziehen aller tarischer Mütter sind, die da drüben Leben und Gesundheit noch die weiteren Anträge, welche die Ausdehnung des ge- Lebensmittelpreise, zur Kostenfteigerung der Lebenshaltung aufs Spiel fetzen müssen, deren Gebeine vielleicht bereits seglichen Arbeiterschußes auf die Heimarbeiterinnen be- überhaupt steht. unter der Sonne Afrikas bleichen. zwecken. Für diese Anträge hätten auch schließlich die Aber wir brauchen keine Preistabellen und kein Urteil Uns mangelt mit dem Wahlrecht die politische Waffe, Sozialdemokraten gestimmt, nachdem ihr weitergehender An- aus Beamtenkreisen, um zu wissen, was die Glocke geschlagen um unmittelbar für unsere Interessen, unsere übe geugung trag abgelehnt worden war. Sie wollten den Arbeiterinnen hat. Nur zu gut spüren wir das am eigenen Leibe. Und zu kämpfen; um so aufopferungsfreudiger und kraftvoller wenigstens diese kleinen Verbesserungen, sichern. Demnach handelte es sich nur um uns allein! Wir Frauen sind daran muß unsere Agitationsarbeit für die Sozialdemokratie sein. hätten die geforderten Reformen im Reichstag mit großer gewöhnt, erst zuletzt oder gar nicht an uns zu denken. Aber Jede sozialdemokratische Stimme mehr ist ein flammender Mehrheit angenommen werden müssen, wenn es den bürger- da sind unsere Kinder. Fleisch kommt bei vielen von uns Protest gegen das Sündenregister der Regierung und aller lichen Parteien mit ihren Anträgen in der Sache Ernst ge- faum noch auf den Tisch. Gemüse und Obst, die von der bürgerlichen Barteien. Jebe Stärkung der sozialdemokratischen wesen wäre. Wäre lezteres der Fall gewesen, dann würde modernen Wissenschaft so hoch gepriesenen Nährmittel, find Bartei bedeutet einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur der Reichstag auch schon die nötige Zeit zur Beratung der unerschwinglich. An allen Ecken und Enden muß gespart Groberung von ungeschmälerten Staatsbürger- Anträge gefunden haben, und schließlich hätten die Regie- werden. Das Sparen steigert sich nur zu oft notgedrungen rechten von Mann und Frau, aber auch einen Schritt rung sich den Anträgen fügen müssen. zum Darben, zum Entbehren. Was Wunder da, daß unsere vorwärts zur endgültigen Befreiung des Proletariats. Das Verhalten der bürgerlichen Parteien, welche die Kinder blaß und elend werden. Wir wissen wohl, woran In diesem Bewußtsein rufen wir den proletarischen Frauen Sache aufs äußerste verschleppten, hat aber gezeigt, daß die es fehlt. Es trampft sich uns das Herz zusammen, und die und Mädchen zu: Hinaus in den Wahlkampf! Der arbeiterfreundlichen Anträge nichts als eine Komödie find. Hand ballt sich zur Faust. Januar 1907 muß ein roter Januar werden, ein Die Herren leisten sich diese nur deshalb, damit sie sich vor Daß die Lebensmittelteuerung ungenügende Ernährung, Ehrentag der Sozialdemokratie! Luise Zieg. den Arbeiterwählern als gar so große Arbeiterfreunde schlechten Gesundheitsstand verschuldet, das mag uns ein aufspielen können. Kommt es im Reichstage zu den ent- Arzt bestätigen. In der Medizinischen Reform" ruft Proscheidenden Abstimmungen, dann bewähren sich die bürger- feffor Flesch, der bekannte Frankfurter Frauenarzt, die Ärzte Was der letzte Reichstag den Arbeiterinnen lichen Barteien als die Stüge der„ bürgerlichen Ordnung", gegen die künstlichen Teuerungspreise auf den Plan. Alle versprochen und was er ihnen gehalten hat. dann lassen sie sich in erster Linie von der Sorge leiten, Teuerungszulagen und Lohnsteigerungen sind nach ihm nicht die Ausbeutungsvorrechte der herrschenden Klasse zu schützen. imstande, der Preissteigerung der Lebensmittel die Wage zu Das schändliche Spiel, das die bürgerlichen Parteien mit Daher konnte es in dem letzten Reichstag mit dem Ausbau halten. Da müßten die Ärzte mithelfen, den heutigen Kurs den wichtigsten Intereffen der Arbeiter treiben, zeigt sich des gesetzlichen Arbeiterschutzes nichts werden. zu überwinden, indem sie durch Enqueten aus ihrer Praxis aufs deutlichste in ihrem Verhalten zu der Forderung auf Dies wissen die Regierungen sehr gut. Demgemäß legen zeigen, wie verheerend in zahllosen Familien die Berkürzung der Arbeitszeit für die Arbeiterinnen. sie den arbeiterfreundlichen Anträgen der bürgerlichen Bar- Unterernährung wirkt. " Nr. 1 Die Gleichheit 3 In Steinkohlengruben Eisensteingruben. - Kots- u. Cinderfabriken. Brikettfabriken Arbeite rinnen 87448 4933 741 658 9953 3024 463 Gold, gepreßt aus Arbeiter- und Arbeiterinnenschweißzahllose ,, Ebenbilder Gottes" förperlich und geistig verkommen. Jene Verhältnisse erklären es auch, daß die Zentrümler trotz aller zur Schau getragenen Voltsfreundlichkeit fanatische Feinde der Aufklärung, der geistigen Hebung der Arbeiterschaft sind. Darum die Verschlechterung der Volksschule, darum auch die Feindschaft gegen die Freizügigkeit der Arbeiter und gegen das Koalitionsrecht, daher die Gründungen von gewerkschaftlichen Sonderorganisationen, kurzum, daher die ungeheuer große Summe von Arbeiterverrat, die das Zentrum auf dem Gewissen hat. Woher aber die Verteuerung alles Lebensbedarfs: Das zustecken. Wir geben hier über den Anteil der Männer- auf den Himmel verwiesen, selbst aber sammelt, nein müssen wir Frauen fragen. Und die Antwort auf unsere und Frauenarbeit in den oberschlesischen Berg- und Hütten- rafft man in ungezügelter Gier Reichtümer zusammen, unFrage liegt klar zutage. Die gegenwärtige unerträgliche werken folgende Zusammenstellung. Es wurden beschäftigt: bekümmert darum, daß bei der wilden Jagd nach Gold Teuerung ist nichts Unabänderliches, nichts, was in den natürlichen Verhältnissen begründet wäre. Sie ist vielmehr mit Absicht und Vorbedacht durch Zölle und Steuern geschaffen worden. Geschaffen zur Aufrechterhaltung und Be festigung einer Ordnung, die einigen wenigen allen Reichtum und alle Lebensfreude in überströmender Fülle zuerteilt und dafür Millionen und aber Millionen ins Elend stürzt. Und mit dieser Ordnung gilt es am Wahltag abzurechnen. Mit Ausnahme der Sozialdemokraten und einiger weniger bürgerlicher Politiker sind sie alle schuld daran, die das Volf als seine Vertreter, als Schüßer seiner Interessen und Rechte in den Reichstag entfandt hatte. Von den reaktionärsten Kraut- und Schlotbaronen bis zu den rötesten Schattierungen ber Freifinnigen und anderer bürgerlicher Demokraten haben sie alle im Verein mit der Regierung dazu mitgeholfen, dem Bolte Brot, Butter, Fleisch, Milch und alle anderen Lebensmittel wucherisch zu verteuern. " M • = • # Zink u. Bleierzgruben 3098 3. Duartal 1905 Arbeiter 85205 4917 830 615 9700 3165 498 Arbeite rinnen 8. Duartal 1906 Arbeiter . 145 4267 3054 167 . 18909 2030 332 . 6930 1350 763 4065 46 3036 683 18211 1928 6785 720 293 1277 982 19 957 819 10 884 An Hochöfen In Eisen- u.Stahlgießereien 3312 Walzwerksbetrieben. = = Zinkblenderösthütten Bei Robzinfdarstellung. In Zinkblechwalzwerken = Blei- und Silberhütten 767 40 9 13 186227 12398 137412 12197 Umsturz und Revolution. Jetzt wieder wird die ganze Meute pfäffischer Demagogen auf die Arbeiterschaft losgelassen, um sie mit den bekannten Kniffen und Pfiffen in den Zentrumsstall hineinzutreiben. Wie es den Arbeitern ergehen würde, wenn die Zentrümler vollständig zur Herrschaft gelangten, davon gibt Oberschlesien Der Anteil der Frauen an der Gesamtbelegschaft beträgt ein abschreckendes Beispiel. Und die Frauen, durch welche Am schuldigsten an dem Lebensmittelwucher ist aber das für das letzte Quartal 8,15 Prozent, er hat aber schon nach der christlichen Lehre allein die Sünde, und damit alle Bentrum. Denn beim Zentrum war die Macht, ihn zu ver- 10 Prozent betragen. Er ist zurückgegangen, nicht weil die Not, alles Elend in die Welt gekommen sein soll, die Frauen, hindern. Ohne das Zentrum kein Zolltarif! Ohne das Verhältnisse sich gebessert haben, weil etwa die Löhne der die nach der nämlichen Lehre dem Manne untertan und Zentrum keine Grenzsperre und keine andere Liebesgabe" Männer so start gestiegen sind, daß auf die Mitarbeit von dienstbar sein sollen, sie haben besondere Ursache, der Pfaffenan die Junker und Junkergenossen! Zur Volksaushunge- Frauen und Töchter verzichtet werden kann. Nein, im herrschaft entgegenzuarbeiten. Darum, Frauen des werkrung dann der Boltsbetrug. Die Zollräuber verkleideten Gegenteil, die Arbeitsverhältnisse sind so miserabel, daß tätigen Voltes, sorgt bei den Wahlen für eine Niederfich als Arbeiterfreunde". Aus den überschüssen des neuen viele Frauen die günstigere Arbeitsgelegenheit in anderen lage der Volksfeindin, der Zentrumspartei! w. d. Bolltarifs sollte den Witwen und Waisen ein Notmäntel Berufen gern ergreifen und dem Machtbereich der frommen chen gemacht werden. Die reinste Politik des Doktor Eisen- Schlotjunker entfliehen. Diese genieren sich wahrlich nicht, bart. Man hungert die Massen aus, man verelendet sie, männliche Arbeiter aufs Pflaster zu werfen und dafür mit einem Wort: man schafft Witwen und Waisen und gibt mehr billige Frauen auszubeuten. So stieg zum Beiihnen dann ein Almosen. Da fällt einem ein altes Liedel spiel die Zahl der Gesamtbelegschaft im 4. Quartal ein, in dem es heißt:„ Erst will er mir den Kopp abheze 1902 gegenüber derjenigen im 4. Quartal 1901 um nur 649, Was haben Frauen mit der Politik zu tun? Das ist - dann widder ufschwätze." die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen hatte aber in dieser eine Frage, die man in bürgerlichen Kreisen heute noch mit Nun ist die Gelegenheit gekommen, für Volksauswuche- Beit um 930 zugenommen, das heißt: männliche Arbeiter der gleichen Verständnislosigkeit stellt, wie vor Jahrzehnten. rung und Volksbetrug mit dem Zentrum wie mit allen waren entlassen worden, dafür hatte man Frauen heran- Sonderbarerweise jedoch suchen dieselben Leute, die so reden, bürgerlichen Parteien und der Regierung abzurechnen. Das geholt. Die Zahl der beschäftigten Männer war von 123048 die Prol tarierfrau zur Ginmischung die Politik zu muß gründlich geschehen. Und dazu müssen auch wir Frauen auf 122862 gesunken, die weiblichen Arbeitskräfte hatten sich mißbrauchen Freilich auf ihre Art, so von hinten herum. mithelfen. Wenn uns die Rücksicht auf unser eigenes Wohl dagegen von 11390 auf 12320 vermehrt. Das ist prattische Es ist eine Tatsache daß in außerordentlich vielen Fällen und Wehe, auf das Wohl und Wehe unserer Brüder nicht Sozialpolitik der frommen Mehrwertschlucker. Den Grund die Besitzenden und ihre Vertreter, als da sind Fabrikherren, bazu antreibt, so muß uns die Mutterliebe in den Wahl der heißen Vorliebe für die weibliche Arbeitskraft macht Geistliche, Lehrer usw, mit unermüdlichem Gifer darauf betampf führen. Es gilt in ihm das Brot unserer Kinder! auch dem Dümmsten ein Blick auf die nachstehende Lohn- dacht sind auf die Proletarierinnen zu politischen Zwecken Es gilt ihre Gesundheit, vielleicht sogar ihr Leben! Teue- tabelle verständlich. Nach der amtlichen Statistik betrugen einzuwirken, und zwar in der Absicht, durch den Einfluß der rungsjahre sind nachweislich Jahre hoher Kindersterblichkeit. Die Durchschnittstagelöhne im oberschlesischen Kohlenbergbau: Frauen deren Männer von der„ Umsturzpartei" abzuziehen. Unsere heilige Pflicht ist es, im Wahlkampf mit dabei zu sein, um das Wohl der Massen gegen eine fleine Zahl Reicher, Mächtiger und Unersättlicher zu verteidigen. Noch ist es uns Frauen versagt, mit dem Stimmzettel zu kämpfen. Aber trotzdem können wir viel tun, um der Sache des Volkes zu dienen und zu nützen. Unsere Männer, Söhne und Brüder können wir für den Kampf begeistern, bie Gleichgültigen können wir aufrütteln, die Lauen beschämen. Dadurch und auf andere Weise noch können wir bazu beitragen, daß ein Reichstag zustande kommt, welcher dem schändlichen Lebensmittelwucher ein Ende macht. Bieten 8. Duartal Im Jahresmittel 1906 Mr. 1905 mnt. = Für unterirdisch beschäftigte eigentliche Bergarbeiter sonst. unterirdisch Beschäftigte 3,38 über Tage beschäftigte erwachsene männliche Arbeiter 2,77 jugendliche männliche Arbeiter 1,05 Arbeiterinnen • 3,59 3,50 3,22 1,16 2,70 1,01 1,13 = I. www Was würden diese Herren wohl fagen. wenn jemand es wagen würde, ihre eigenen Frauen zu bereden, daß sie den Herrn Gemahl zur Abkehr von der konservativen oder der liberalen Partei bewegen sollen? Sie würden das als eine Unverschämtbeit zurückweisen. Auch hier wieder sieht man die Nichtachtung, mit der die Besitzenden der gefamten Arbeiterklasse begegnen! Die Arbeiterfrau dünkt ihnen gerade gut genug, um als Mittel ihrer Pläne zu dienen; die einfache Frau aus dem Volke halten sie für einfältig genug, um sich von ihnen als Werkzeug mißbrauchen zu laffen zu Diensten, die sie sich bei ihren eigenen Frauen schönstens verbitten würden! Aus dieser Tabelle ergibt sich erstens ein unglaublich wir alle Kräfte auf, damit die arbeitenden Massen allen tiefes Lohnniveau im allgemeinen, zweitens eine ganz bebürgerlichen Verrätern ihrer Interessen und Rechte den sonders schofle Entlohnung der Arbeiterinnen und drittens Nun haben wir Sozialdemokraten natürlich gar nichts Laufpaß geben, daß sie keinen einzigen von ihnen wieder ein ungemein traffes Mißverhältnis zwischen Männer- und dagegen, daß die Frauen sich mit Politik befassen. Im ins Parlament entsenden. Der 25. Januar muß ein Sieges- Frauenlöhnen. Der höchste gezahlte Lohn von 3,59 Mt. für Gegenteil, unsere Zeitschrift verfolgt ja den Zweck, die tag der Sozialdemokratie werden. Sie ist die einzige poli- die Kohlenhauer, die tief unten im Schacht in steter Lebens- Frauen für die Politik zu interessieren. Wir sehen es deshalb tische Partei, welche den Lebensmittelwucher mit aller Energie gefahr schwer schaffen, ist durchaus unzulänglich. Mit ganz gern, wenn die Frauen aufgefordert werden, sich um bekämpft hat und noch bekämpft. Sie ist auch heute die Löhnen von 3,838 Mt. und 2,77 Mt. für die übrigen er das politische Leben zu kümmern, das der Männer Geist oft einzige Partei, welche im Interesse der Voltsmassen grund- wachsenen männlichen Arbeiter tann natürlich noch ganz ausfüllt. Nur sollen sie sich nicht als Herdentier mißfäßlich und nachdrücklich für eine radikal umgeänderte Zoll- viel weniger eine Familie existieren. Durch diese erbärm- brauchen lassen, das blindlings den Einflüsterungen anderer und Steuerpolitik eintritt. Sie fordert die Aufhebung aller lichen Löhne werden die Frauen in die Gift- und Mord- folgt, sondern sie sollen die Gründe, die man ihnen sagt, Zölle, Steuern und Abgaben, welche den Lebensbedarf des hütten hineingezwungen; sie müssen zum Unterhalt der selbständig überdenken und prüfen und dann dem fleinen Mannes künstlich verteuern und dadurch Entbehrungen Familie beitragen. Und wie entlohnen die schwerreichen, Mann wie der Offentlichkeit gegenüber so handeln, wie sie und Jammer in seine Familie tragen. Sie will, daß die frommen Zentrumsgrafen die Arbeiterinnen? Wenn es nicht selbst es für richtig befunden haber Kassen des Reiches durch eine Vermögens- und Einkommens- amtliche Zahlen wären, die darüber vorliegen, würde man Hört man nun, was für Gründe angeführt werden, um steuer gefüllt werden, welche den Besitz trifft, und die daher an ihrer Richtigkeit zweifeln! Für einen ganzen Tag ber der Frau vor der Sozialdemokratie graulich zu machen, damit der Größe des Geldsacks steigt. Sie fämpft gegen die kommen die Frauen 116 Pfennig! Sage und schreibe ein mit sie ihrerseits auch den Mann von ihr abzuziehen suche, Auswucherung der arbeitenden Massen als Verbraucher und hundertsechzehn Pfennig für elf- bis zwölfftündige Arbeits- so ist es besonders der folgende. Die Männer, so heißt es, Steuerzahler, wie sie gegen ihre Auswucherung als Arbeits- zeit! Also nicht ein nal 10 Pf. für die Stunde! würden von selbst der Sozialdemokratie fernbleiben, wenn fräfte tämpft. Mit ihr ist das Recht, mit ihr muß der und für diesen Schandlohn müssen die Frauen dieselbe Ar- sie über deren wahre Absichten richtig Bescheid wüßten. Sieg sein! Frauen, heraus! Heraus zum Kampfe wider den beit verrichten, wie die über Tage beschäftigten männlichen Aber die Sozialdemokraten sind eine schlaue Bande, sie sagen Lebensmittelwucher! h. f. erwachsenen Arbeiter. Die Frauenarbeit wird nicht halb so nicht, wo sie eigentlich hinauswollen, sie verschleiern hoch bezahlt wie Männerarbeit. Da braucht man nicht ihre Ziele. Den Männern, den Wählern sagen sie, daß Tänger zu forschen nach den Ursachen der„ frommen Liebe" dies und jenes in ihrer Lebenslage schlecht sei, und daß man für die Einstellung von Arbeiterinnen. es bessern müsse. Sie versprechen, dafür zu wirken, daß Aus dem Reiche der Zentrumsgrafen. der Rheinisch- Westfälischen Hütten- und Walzwerksberufs1413, Mt. 867, genossenschaft im oberschlesischen Kohlenbergbau in der Schlesischen Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft : 859,69 Diese Worte sollen Eindruck machen auf die Arbeiterfrauen. Man rechnet darauf, daß sie ängstlich werden, wenn sie hören, zu welch„ grauslichen" Dingen die bösen Sozialdemo fraten ihre Männer fortreißen wollen, und daß sie dann die Ihrigen bestürmen werden, davon abzulassen. In den Hüttenbetrieben sind die Verhältnisse teilweise Verbesserungen eingeführt werden, und damit fangen sie die Das deutsche Belgien! So wird treffend Oberschlesien ge- noch betrübender als im Bergbau. Leider liegen uns detaillierte Wähler. Aber die versprochenen Reformen sind ihre eigentnannt. Hier wie dort erbärmliche Arbeiterverhältnisse und Angaben über die Lohnunterschiede nicht vor. Daß es in lichen Ziele nicht. Verbesserungen wollen auch die bürgerPfaffenherrschaft. Alle Folgen eines ungezügelten Kapitalis- den Hütten aber noch weniger rosig aussieht wie auf den lichen Parteien erreichen; die Sozialdemokraten wollen jemus, einer brutal rücksichtslosen, demagogisch verhüllten Rohlenwerken, läßt eine Zusammenstellung der Durchschnitts- doch ganz etwas anderes; sie wollen die Massen, die ihnen Profitgier zeigen sich in Oberschlesien. Schamlos lange Ar- löhne erkennen. Es betrug der Jahresdurchschnittslohn im ins Garn gegangen sind, viel weiter führen: nämlich zum beitszeiten bei tief traurigen Löhnen, hohe Krankheits- und Jahre 1905 für die Versicherten Umsturz, zur Revolution! Sterbeziffern, Frömmigkeit und Schnapspest!- Und im Reiche der Zentrumsgrafen ist die Frau mindestens ebensofehr Arbeitstier, wie in den verrufensten oftelbischen Gefilden. Während die Pfäfflein von der Kanzel und die Bentrumstapläne von der Reichstagstribüne die Frau ins Haus verweisen, holen die frommen Zentrumsgrafen die In den gesegneten Gefilden Schlesiens ist heute der Lohn Nun, eine denkende Frau, die etwas auf sich hält, Frauen zu Tausenden in Fabrik und Bergwerk hinein. Nicht für die Eisen- und Stahlarbeiter um 10 Mt. niedriger als wird das nicht blindlings glauben, sondern sie wird mit sich als Mitglieder einer Gemeinde, die das Weib idealisiert, im Jahre 1900. Damals wurde noch ein Jahreslohn von selbst zu Rate gehen und auch ihren Mann um seine Meis reißen die Frommen die Frau aus dem Hause, sondern um 877 Mt. erzielt, heute dagegen nur noch von 867 Mt. nung fragen, ehe sie auf ihn einzuwirken beginnt. Und da fie als billiges Arbeitstier auszubeuten. Die Pfaffen predigen Dafür haben die Arbeiter einen anderen Vorteil; seit 1889 wird sie dann hören, daß es uns Sozialdemokraten im Traume die Rechtlosigkeit der Frau als etwas Gottgewolltes, als ein ist die Unfallziffer um 160 Prozent gestiegen. Was das nicht einfällt, unsere Ziele zu verschleiern. Jedes ZeitungsIdeal, und die frommen Kapitalisten beuten diese Recht bedeutet, weiß jede Arbeiterfrau, deren Mann oder Sohn blatt, jeder Kalender, ja jedes Flugblatt, wie sie zu Wahllosigkeit im Dienste der Plusmacherei rücksichtslos aus. Fast einmal als Verwundeter auf dem„ Schlachtfeld der Arbeit" zeiten millionenfach verbreitet werden, spricht es flar und nirgends sonst als in Schlesien wird die Frau in der gefallen ist. deutlich aus, was wir wollen. Wir denken gar nicht daran, hinter dem Berge damit zu halten, daß wir keine frieblichen Lämmerschwänzchen sind, sondern wirklich und wahrhaftig das wollen, was unsere Gegner erzählen, nämlich Umsturz deutschen Hüttenindustrie beschäftigt; dort ist die Liebe für Mehr Arbeit, weniger Lohn, erhöhte Kranken- und Unfalldie billige Frauenarbeit ganz besonders start entwickelt. Ja ziffern: das ist ein Kulturbildchen aus dem Herrschaftsbereich die frommen Herrschaften scheuen sich nicht, die Töchter des jener Leute, die als Vertreter des Christentums in dema Voltes in die allergesundheitschädlichsten Betriebe hinein- gogischer Weise das Bolt betrügen. Die Arbeiter werden und Revolution. 4 teilen. Die Gleichheit " Str. 1 " Wenn somit die denkende Frau erfährt, daß ihr Mann| ihre Männer für die schwere, harte Arbeit einer Woche ver-| ein ganz respektabler Bau dasteht, der äußerlich den„ Anfeineswegs hintergangen ist, sondern ganz gut weiß, wohin dienen, aber auch nicht immer! Häufig, sehr häufig sind die forderungen der Neuzeit" zu entsprechen scheint. die Reise geht, so wird sie sich vernünftigerweise sagen: er Fälle, wo der Lohn noch niedriger bleibt, bis herab zu 10, muß doch seine Gründe dazu haben. Und sie wird, wenn ja zu 9 Mt.! fie verständig ist, diese Gründe zu erfahren wünschen, um fie selber nachzuprüfen. Deshalb wollen wir sie hier mit Da muß nun zunächst gesagt werden, daß die beiden Worte Umsturz und Revolution nicht zweterlei ausdrücken, fondern genau dasselbe bedeuten. Revolution ist ein Fremd wort für das deutsche Wort Umsturz. Nun hat das Wort Umsturz freilich einen rauhen, gewaltsamen Klang. Aber was bedeutet es denn im Grunde? Doch nichts weiter als vollständige Umänderung. Wenn also gesagt wird, die Sozialdemokraten wollen Umsturz und Revolution, so ist damit nichts weiter ausgedrückt, als daß die Sozialdemotraten eine vollständige, bis auf den Grund gehende Umänderung der jegigen Zustände herbeiführen wollen. Katholische Frauenbund" ist im November 1903 ins Leben gerufen worden, aber erst ein Jahr später in die ÖffentlichDas war im Jahre 1901, und daß seitdem die Zustände feit getreten und umfaßt jezt 155 Vereine mit 11 962 Mitnicht besser, sondern schlimmer geworden sind, das hat jede gliedern. Das ist gewiß eine ganz achtungswerte Leistung, deutsche Arbeiterfrau am eigenen Leibe verspüren müssen. die freilich nicht mehr in Erstaunen sezt, wenn wir die Art, Die Verteidiger der Satten, denen es gut geht, und die wie gearbeitet wird, näher ins Auge fassen. Vom ersten deshalb mit den bestehenden Zuständen zufrieden sind, Augenblick an hat die Geistlichkeit die Bewegung" unterwerden hiergegen einwenden, daß wir, um schwarz zu malen, stützt. Auf den Kongreffen des jungen Verbandes halten eine besonders schlimme Zeit ausgewählt haben. Das Jahr Bischöfe und Erzbischöfe Ansprachen, der Papst gibt seinen 1901 gehörte in die Zeit des geschäftlichen Niedergangs, feit Segen, Kaiser und Prinzregent schicken Begrüßungs1900 wütete bereits die Krise. Nun bewegt sich aber das telegramme, Prinzessinnen und Damen des„ hohen Adels" wirtschaftliche Leben in Wellenlinien; immer auf und ab nehmen an den Verhandlungen teil oder find sogar Mitgeht es, auf magere Jahre folgen immer wieder fette. Und glieder. Kein Wunder, wenn die katholische Weiblichkeit, kurz vor dem Jahre 1901 war solche fette Zeit. Die Ar- immer gewohnt, von den Pfaffen gegängelt zu werden, in beiter hätten also feinen Grund zu verzagen, es würde auch Scharen herbeiftrömt. wieder besser werden. Wenn wir die Speisenkarte des legten katholischen FrauenUnd das soll ein Verbrechen sein? Ist denn solche Um- Prüfen wir auch das. Werfen wir einen Blick auf die tags überblicken, der im November in München stattfand, änderung nicht nötig? Leben wir denn in so rosigen Bufette" Beit, auf den wirtschaftlichen Aufschwung, der in der so finden wir da dieselben Gerichte, die auch auf bürgerständen, daß sie keiner Umänderung bedürfen? Fragen wir Tat von 1894 bis 1900 geherrscht hat. Und wirklich: im lichen und proletarischen Frauentagen aufgetragen werden, doch die Behörden selbst, die dazu berufen sind, solche Dinge Jahre 1899, also zu einer Zeit, wo der gute Geschäftsgang nur daß die Zubereitung eine grundverschiedene ist. Die festzustellen. seine volle Wirkung bereits längst entfaltete, betrug der Dienstbotenfrage, die Heimarbeiterinnenfrage, die Arbeite Die neuesten Zahlen, die wir da brauchen können, stammen Durchschnittslohn des deutschen Arbeiters bare 100 mt. mehr rinnenorganisation, Jugendschuh, Mädchenschulbildung aus der amtlichen Berufszählung des Jahres 1895( die als wir oben angegeben haben, nämlich 752 Mt. statt 651 Mt. alles Dinge, die auch uns aufs höchste interessieren. Aber nächste Zählung findet erst im Jahre 1907 statt). Damals Ja, aber was ist denn das Großes? Das macht noch was bei der Behandlung dieser Fragen von vornherein ins gab es im Deutschen Reich 52 Millionen Einwohner. Da- nicht einmal 2 Mt. pro Woche aus; die Arbeiter hatten also Auge fällt, das ist, daß nicht die Sache selbst, über die gevon waren erwerbstätig 22 Millionen( die anderen waren damals, in der„ guten" Zeit, durchschnittlich ganze 14 Mt. rebet wird, im Vordergrund des Interesses steht, sondern Angehörige, Frauen, Kinder usw.; eine kleine Anzahl hatte Wochenlohn. Ist denn das nicht ebenfalls ein ganz jämmer- der Vorteil der katholischen Kirche. Man verlangt die Ausden Beruf nicht angegeben). Von diesen 22 Millionen waren liches Einkommen? Ob man mit 12,50 M. oder mit bildung katholischer Krankenpflegerinnen, Kindergärtnerinnen, selbständig nur 5½ Millionen, abhängig dagegen fast 14,50 Mt. Langsam verhungert, das kommt wohl so ziemlich akademisch gebildeter Frauen, nicht um Tausenden von 15 Millionen( der Rest von 1 Million kommt auf Militär- auf eins heraus. Und diesen jämmerlichen Lohn hatten die Mädchen einen Lebensberuf zu schaffen und der Gesamtheit perfonen, Rechtsanwälte, Arzte usw.). Rechnet man hierzu deutschen Arbeiter in einer außerordentlich günstigen Zeit! tüchtige Kräfte zuzuführen, sondern vor allem, damit die die Angehörigen, so kommen auf die Klasse der Selb- Da man uns nun gesagt hat, daß das wirtschaftliche Leben vorhandene Nachfrage mit katholischen Frauen und nicht ständigen etwa 11 Millionen, auf die Klasse der Ab- sich in Wellenlinien bewegt, so daß einer guten Zeit immer mit Andersdenkenden" befriedigt werde. Man fordert die hängigen dagegen 32 Millionen. Fast zwei Drittel der wieder eine schlechte folgt- was werden wir daraus Gründung von Dienstbotenorganisationen, nicht, weil sie Nation also waren gezwungen, ein abhängiges, unſelb- schließen müssen? Daß die Arbeiter in der„ guten" Zeit unerläßlich für eine Besserstellung der Mädchen sind, sondern ständiges, gedrücktes Dasein zu führen. Ist das ein so be- erbärmliche Löhne haben und später zur Abwechslung noch weil die Organisationen nun einmal ein notwendiges übel neidenswerter Zustand, daß man seine Umänderung nicht erbärmlichere! geworden sind", und weil katholische Organisationen gewünschen darf? schaffen werden müssen, wenn wir die Dienstboten nicht alle im sozialdemokratischen Lager sehen wollen" Man begrüßt die Gründung sogenannter Patronagen", die die schulentlassenen katholischen Mädchen aufnehmen, ihnen in religiöser und sittlicher Beziehung einen Halt gewähren und vor allem sie den katholischen Arbeiterinnenvereinen zuführen sollen usw. Oder betrachten wir das Einkommen, von dem die Leute leben müffen. Da haben wir freilich keine Zahlen für das ganze Deutsche Reich, weil es leider für das Reich keine direkte Einkommensteuer gibt. Aber wir fönnen mit Zahlen für den größten Bundesstaat, für Preußen, aufwarten, mit Zahlen, die den verwegenſten Ansprüchen genügen dürften. Im Jahre 1901 lebten in Preußen ungefähr 34 Millionen Menschen. Deren Einkommen betrug: unter 900 Mt. bei 2012 Millionen zwischen 900 und = = = 0 3000 10000 = 3000 10000 100000 über 100000 V 11% = b 1½ 1/4 = 10000 = D = Man sieht schon an diesen Zahlen, daß fast zwei Drittel aller Einwohner Preußens Hungerleider sind, deren Einkommen noch nicht einmal 900 Mt. jährlich erreicht, und daß nur äußerst wenige ein behagliches Leben mit über 3000 Mt. jährlich führen können. Die Zahl der Reichen nun gar, die mehr als 10000 Mt. jährlich zu verzehren haben, ifi winzig. Das wird noch klarer, wenn man sich vergegenwärtigt, was die obigen Zahlen ergeben, wenn man sie auf je 100 Preußen verteilt. Dann kommt man zu folgendem Ergebnis. Von je 100 Preußen haben: unter 900 Mt. 60 Millionen zwischen 900 und 3000# 34% 3000 い 10000 über 10000= 1. 4 = Es stimmt also. Fast zwei Drittel der Bevölkerung in Preußen haben nicht einmal satt zu effen( unter 900 M.), und das letzte Drittel befindet sich in jener Lage, wo man eben gerade fatt zu essen hat, aber auch weiter nichts( 900 bis 3000 Mt.). Wohlhabend( mit 3000 bis 10 000 mt.) find von 100 Preußen immer nur vier und reich ist nur ein einziger! Fast die gesamte Bevölkerung Preußens leidet Not. Nicht mehr als 5 von 100 haben Anlaß, mit den herrschenden Zuständen zufrieden zu sein. Und das lehren die amtlichen Zahlen! Ferner: Was nutzt den Arbeiter der Trost, es werde später wieder besser kommen? Wird er und seine Familie heute davon satt, daß er in sechs oder sieben Jahren wieder eine Kleinigkeit mehr kriegt? Werden die Kinder, die heute aus Mangel an Nahrung und Pflege zugrunde gehen, nach sechs Jahren, in der angeb lich guten" Zeit, wieder lebendig? Es ist doch eigentlich nur ein Hohn, den Arbeiter mit dergleichen trösten zu wollen! * " Interessant war die Diskussion über zwei einander widersprechende Anträge zur Arbeiterinnenorganisation. Der eine Jedoch die„ gute" Zeit lehrt uns noch mehr. Sobald verlangte, daß die Arbeiterinnen nur in ausgesprochen kathodie Geschäfte flott gehen und rege Nachfrage nach allen Be- lischen Organisationen zu vereinigen seien, der andere meinte, darfsartikeln vorhanden ist, gehen die Preise alles dessen, es soll ihnen in verschiedenen Gegenden Deutschlands auch was der Arbeiter braucht, gewaltig in die Höhe. Im freistehen, sich den interkonfessionell- christlichen Gewerkschaften Jahre 1898 und 1899 waren Brot, Kartoffeln, Fleisch, Seife, anzuschließen. Die letztere Meinung siegte. Von dem Petroleum, Zucker, Heringe, Reis usw. usw. bedeutend teurer Vortrag über die Dienstbotenfrage berichten wir an anderer als 1894. Und zwar drehte es sich nicht um kleine Preis- Stelle ausführlicher. Ein Frau von Hamel aus München unterschiede. Das Petroleum allein zum Beispiel war um referierte über das Thema:" Wie faffen wir katholischen 40 Prozent im Preise gestiegen; das bedeutet: so viel Petroleum, Frauen die Frauenbewegung auf und warum arbeiten wir wie man 1894 für 1 Mt. bekommen hatte, foftete jetzt 1,40 mt. barin?" Sie stellte da folgende Leitfäße auf: 1. Gleichwertige Besonders aber war die Miete teurer geworden. Es tam Arbeit verdient gleichen Lohn; 2. gleiche Pflichten geben also darauf hinaus, daß die Arbeiter mit den etwas erhöhten gleiche Rechte; 3. gleiche Sünde erheischt gleiche Sühne. Bei Löhnen noch nicht einmal so gut leben konnten wie Nr. 2 erwähnte sie ganz schüchtern, daß 6½ Millionen selb vor Beginn der„ guten" Zeit! ständig arbeitende Frauen zwar die gleichen Abgaben und Gut war die Zeit freilich, nur nicht für die Arbeiter, Steuern leisten müßten wie die Männerwelt, trosdem aber sondern für andere Leute. Nur ein paar Beispiele wollen nicht wie diese eine Vertretung in den Parlamenten und in wir anführen, um zu zeigen, wer die Vorteile der guten den kommunalen Verwaltungskörpern haben. Trotzdem die Zeit eingesteckt hat. Eine einzige Aftiengesellschaft, der Referentin nicht so fühn gewesen zu sein scheint, diese Rechte Hörder Bergwerksverein", hatte im Geschäftsjahr 1894/95 für die Frauen direkt zu fordern, haben doch die katholischen einen Reingewinn von nicht ganz einer Million Mart, im Zeitungen, deren Berichte uns vorliegen, diesen Teil des Jahre 1898/99 dagegen hatte er 5 Millionen! Der„ Esch- Referats sorgfältig verschwiegen; nur die liberalen ,, Münchner weiler Bergwerksverein" hatte 1894/95 etwas über 1 Mil- Neuesten Nachrichten" erwähnen ihn furz. Ebenso bezeichlion, 1898/99 über 2 Millionen Mark. Die Deutsche nend ist der Umstand, daß der katholische Frauenbund sich Bank" hatte 1895 gegen 11% Millionen Mark Reingewinn, diesen Ausführungen ausdrücklich nur zum Teil" ange1899 hatte sie faft 20% Millionen! Die Vereinigte Königs- schlossen hat. Ein Jesuitenpater Roch sprach über die und Laurahütte" hatte 1895 nicht ganz 3 Millionen, 1899 Heimarbeiterinnenfrage. Er forderte geseglichen Schutz sowie weit über 8 Millionen Mart! Und das sind keine Aus- Selbsthilfe durch Organisation, empfahl aber außerdem nahmen, sondern alle kapitalistischen Unternehmungen sahen sozialreformerische Quacksalbereien, wie Konsumentenvereiniihre Einnahmen Jahr für Jahr in diesem folossalen Maße gungen und weiße Listen der anständig zahlenden Firmen. steigen. Wie sehr religiöse Hirngespinste den Blick für die nackten Tatsachen des Lebens verschleiern, zeigen drastisch die Ausführungen des Jesuitenpaters über den Zusammenhang zwischen Heimarbeit und Prostitution. Er meinte, der ursächliche Zusammenhang zwischen Heimarbeit und Prostitution sei nicht ganz aufgehellt, und volles Licht und volle Klarheit würde in das dunkle Gebiet wohl nie gebracht werden. Freilich, wie paßte es denn auch zu dem Dogma von der Erbfünde, wenn die Prostitution eine Folgeerscheinung elender Löhne und nicht der Ausfluß der ursprünglichen Sündhaftigkeit des menschlichen Herzens wäre! " Ach ja, es gibt Geld, es gibt Lebensgenuß in der Welt in Hülle und Fülle, nur nicht für die Arbeiter! J. B. Wir wollen nun weiter nicht davon reden, daß selbst die ganz Reichen feine gesicherte Existenz haben. Ist es doch schon oft genug vorgekommen, daß Reichtum verloren gegangen und daß jemand vom stolzesten Glanz in die bitterste Armut hinabgeschleudert worden ist. Wir wollen uns auch dabei nicht aufhalten, daß in der Klasse der Wohlhaben: Die Generalversammlung des katholischen den der Fall keineswegs selten ist, daß durch unverschuldetes Unglück durch den Tod des Ernährers zum Beispiel Frauenbundes in München. die ganze Familie in äußerste Not versinkt, so daß also, bei Die Kirche hat einen guten Magen. Wenn sie irgend einen Lichte besehen, selbst diese alles Interesse an der Beseitigung neu auftauchenden Gedanken, eine aufstrebende Bewegung Alles in allem genommen stellt der katholische Frauentag solcher Gefahren haben. Wir wollen uns vielmehr mit dem lange genug mit allen Mitteln ihrer Macht bekämpft hat und großen Haufen der Hungerleider befassen, deren Ein- endlich einsehen muß, daß das Neue sich nicht länger unter mit seinem Drum und Dran von gemeinschaftlichen Kirchtommen noch nicht einmal 900 Mt. jährlich erreicht. drücken läßt, dann hat sie es noch immer verstanden, das, gängen, erzbischöflichen Ansprachen und päpstlichem Segen 900 nt. im Jahre, das macht 75 Mt. im Monat oder was sie eben noch mit Acht und Bann verfolgte, in sich auf gewissermaßen ein Pendant der großen Zentrumsparaden 17,30 Mt. die Woche. Gewiß ein jämmerliches Einkommen. zunehmen und ihren Interessen nutzbar zu machen. So hat es der Katholikentage dar. Hier wie dort handelt es sich Und doch), wenn die deutschen Arbeiter und deren Frauen die Kirche auch gegenüber der modernen Frauenbewegung ge- weniger um ernste Arbeit und gründliche Beratung, sondern diese Zahlen hören, so werden sie in ihrer großen Mehrheit halten. Lange genug hat sie die Bestrebungen der Frauen, vielmehr um prunkende Schaustücke, darauf berechnet, der ausrufen: Ja, wenn wir das nur hätten! In der Tat, die der bürgerlichen sowohl wie der proletarischen, verfegert großen Masse gläubiger Katholiken die Augen zu blenden. dies ist der höchste Lohn, den zwei Drittel der Bevölkerung und verschrien. Als sie aber befürchten mußte, daß die Es waren viele schöne Reden über viele interessante Themata, erreichen, aber durchaus nicht ihr gewöhnlicher Lohn. Der eigenen Schäflein am Ende in den fremden Stall laufen aber ohne jede prinzipielle Stellungnahme in sozialpolitischen ist weit niedriger. Der Durchschnittslohn des deutschen Ar- möchten, machte sie sich eilig daran, selber einen zu bauen. Dingen und unter ängstlicher Vermeidung bindender Bebeiters betrug im Jahre 1901 nicht mehr als 651 Mt. jähr- und sie widmete sich dieser Tätigkeit gleich mit so viel schlüsse. Die proletarische Frauenbewegung hat deshalb lich, das heißt 54% Wit. im Monat oder 12% Mt. in der Energie und Talent, daß nach nunmehr drei Jahren schon auch nicht die geringste Ursache, die Konkurrenz des„ kathoWoche. Das ist eine Zahl, die den wirklichen Tatbestand lischen Frauenbundes" zu fürchten schon weit anschaulicher macht. Die Arbeiterfrauen werden* Die Beispiele find entnommen der vorzüglichen Broschüre des es ganz genau wissen, daß dies ungefähr der Lohn ist, den Genossen Parvus: ,, Sandelskrifts und Gewerkschaften“. K D Nr. 1 Aus der Bewegung. Die Gleichheit " + eine Resolution an, in welcher sie sich verpflichteten, für die in ihrer Rede wie auch in ihrem Schlußwort auf, bei der ,, Arbeiterzeitung" und die„ Gleichheit" eifrig zu agitieren und kommenden Reichstagswahl den sozialdemokratischen KanVon der Agitation. über die Lage der kaufmännischen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen un didaten zu wählen. Genosse Müller richtete einen Appell Angestellten referierte die Unterzeichnete vom 18. bis 30. Nov. ermüdlich zu fördern. Zahlreiche Bestellungen auf die Ar- an die Anwesenden, sich sobald als möglich der politischen v. J. in Essen, Elberfeld, Hagen, Düsseldorf, Röln, beiterzeitung" und die„ Gleichheit" waren das Resultat der und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Nachdem Frankfurt a. M., Mainz, Mannheim, Straßburg, Versammlung. Anna Schlisio. noch Genosse Rupprecht- Lauf Propaganda für die Presse Mülhausen, Heilbronn und Stuttgart. Sie zeigte, wie In Versammlungen zu Roßlau, Dessau, Zerbst, gemacht und an die Versammlung eine Aufmunterung zur wenig die soziale Gesetzgebung bisher für die Handelsange- Röthen, Erfurt Weimar, Apolda Eisenach, Agitation für die Reichstagswahlen gerichtet hatte, schloß stellten getan hat. Sie wies nach, wie häufig die Bestim Moosbach, Ungerode, Seebach, Ruhla, Walters die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die intermungen über Sonntagsruhe, Mindestruhezeit und Ladenschluß hausen und Mühlhausen behandelte die Unterzeichnete die nationale Arbeiterbewegung. übertreten werden, und was zu einer vernünftigen Schutz- folgenden Fragen:„ Das Heim der Frau einst und jetzt" und In Nürnberg fanden vom 3. bis 6. Dezember v. J. gesetzgebung für die Handelsangestellten noch fehlt. Das Referat" Die Lebensmittelteuerung". Der Besuch der Veranstaltungen vier Arbeiterinnenversammlungen statt, in denen Geschilderte des weiteren das Eindringen der Frauenarbeit in zu Roßlau, Dessau Zerbst und Weimar war sehr gut. nofsin Grünberg über das Thema:" Frauenarbeit und das Handelsgewerbe und die niedrigen Gehälter der An- Auch in kleinen Orten mit ländlicher Bevölkerung fanden Frauenentlohnung" referierte. Die Referentin schilderte die gestellten. Ausführlich ging es auf die traurige Lage der die Ausführungen der Referentin über die Raubpolitit der Entwicklung der Frauenarbeit in der kapitalistischen Ordnung Gehilfinnen ein, die oft schlechter als die Industriearbeite: Junker großen Beifall. In einigen Orten wurden Ver- und wies auf den Umfang und das von Jahr zu Jahr rinnen entlohnt werden, dabei aber den größten Teil ihres trauenspersonen aufgestellt, damit die Agitation leb- stärkere Anschwellen des Heeres der Lohnarbeiterinnen hin, Gehaltes für gute Kleidung ausgeben müssen. Die Referentin hafter betrieben werden kann. Im Herzogtum Anhalt er das im Jahre 1895 schon 6 Millionen umfaßte. Ste befritisierte scharf den Standesdünkel der kaufmännischen An- tlärten sich viele Proletarierinnen bereit, freiwillige Bei- tonte, daß der wachsenden kapitalistischen Ausbeutung weibgestellten, der von verschiedenen Handlungsgehilfenvereinen träge an die sozialdemokratische Partei zu entrichten. Auch licher Arbeitskraft ein Erwachen der Arbeiterinnen auf dem fünstlich groß gezogen wird und sich recht oft mit knecht die" Gleichheit" gewann hier Leserinnen. Sicher werden die Fuße folgt, die sich für den Kampf um eine bessere Existenz seliger Furcht vor den Arbeitgebern paart. Am Schluffe Frauen in den genannten Orten bei den Reichstagswahlen zu organisieren beginnen. Heute hat die Zahl der organiihres Referats legte die Unterzeichnete die prinzipiellen Unter- Minierarbeit leisten und für die Kandidaten der Partei agi fierten Arbeiterinnen schon das 74. Tausend überschritten. schiede flar, welche den Zentralverband der Handlungs- tieren. Außerten doch die Frauen der Landbevölkerung im In Nürnberg allein sind 4000 Arbeiterinnen gewertschaft. gehilfen und-gehilfinnen, der auf dem Boden der modernen Eisenacher Kreise:„ Ja, das ist ja eine ganz andere Sozial- lich organisiert. Die Referentin behandelte sodann die Arbeiterbewegung steht, von den anderen kaufmännischen demokratie, als wie wir sie uns gedacht haben. Der treten Frage der Entlohnung und führte die Durchschnittslöhne Vereinen trennen. Die Versammlungen waren zumeist gut wir auch bei." M. Jeetze. der 22000 in Nürnberg beschäftigten Arbeiterinnen an, die besucht, besonders von Frauen. In einigen traten der Re- Anfang November vorigen Jahres fand in Erfurt eine 6 bis 10 mt. pro Woche betragen. Sie unterzog den Geferentin die antisemitischen Handlungsgehilfen entgegen, die gut besuchte Frauenversammlung statt, in welcher Genoffin sebentwurf, betreffend die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine", als Gegner der Frauenarbeit ihre alten Weisen über diese Jeeze über„ Die Lebensmittelverteuerung und ihre Folgen" einer Kritik und forderte am Schluffe ihres Referats jede herbeteten und mit den ältesten unwahrsten Behauptungen referierte. In der Diskussion wurde betont, daß die Männer gewerkschaftlich organisierte Arbeiterin auf, eine Agitatorin hausteren gingen. In Mülhausen wurde durch das Auf- recht oft selber die Schuld daran tragen, wenn die Frauen zu sein und ihre noch unaufgeklärten Kolleginnen der treten der Herren, die sich das Schlußwort nicht anhören ihren Bestrebungen verständnislos gegenüberstehen. Sie Organisation zuzuführen. wollten, die Versammlung aufgelöst. Allerorts traten zahl- halten es nicht für nötig, die Frauen in ihren Jbeenfreis einzuweihen. Die Versammlung verurteilte in einer Reſo- Die Behörden im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. reiche Handlungsgehilfinnen dem Zentralverband bei. Regina Krauß. lution die Zollwucher- und Absperrungspolitik der ReichsAm 8. und 9. Dezember v. J. fanden in München regierung und verlangte die sofortige erhebliche Herabsetzung sech3 öffentliche Frauenversammlungen statt, die zum Teil so beziehungsweise Aufhebung aller Zölle und Abgaben auf gut besucht waren, daß die Lokale sich als zu klein erwiesen. den notwendigsten Lebensmitteln. Die Veranstaltung gewann In allen Versammlungen referierten Genossinnen über das der„ Gleichheit" neue Abonnenten. Thema: Welche Zeitungen stehen uns im Kampfe für Ver" + Von einer verkrachten Polizeiaktion haben wir heute zu berichten. Seinerzeit wurden, wie wir verzeichnet, Genoffin Bieg zwei Versammlungen im Eisenacher Oberland verboten, und zwar in Zengsfeld und Ostheim( Rhön). InIn einer Frauenversammlung zu Jlversgehofen, folge dieses Verbots hat man sich damit begnügen müssen, besserung unserer Lage zur Seite?" Die Referentinnen be- deren Besuch leider zu wünschen übrig ließ, referierte Ge- fich im Privatgespräch näher kennen zu lernen. Die verleuchteten die Macht des Ausbeutertums, und zwar haupt- noffe Kniese. Er machte den Frauen und Mädchen klar, botene Versammlung in Ostheim hatte ein Nachspiel. Etwa sächlich auf dem Gebiet der Frauen- und Kinderarbeit und daß sie als die Ausgebeutets en der Ausgebeuteten großes nach einem Vierteljahr erhielten Genosse Runknagel als der Hausindustrie. Sie geißelten die Zollwucherpolitik der Interesse am öffentlichen Leben haben, und empfahl ihnen, Kreisvertrauensmann, Genoffe Hentel als Ortsvertrauensherrschenden Klassen und Regierungen, welche die ohnehin fleißig die Versammlungen zu besuchen und sich zusammen- mann und Genossin Zietz ein Strafmandat wegen„ Teiltraurige Lage des arbeitenden Volkes noch um vieles ver- zuschließen. In der Diskussion wies Genoffin Siebert nahme an einer verbotenen Versammlung". Wie sich das schlechtert. Sie zeigten, daß sich die Arbeiterklasse nur durch darauf hin, daß der Staat den Frauen wohl viele Pflichten in einem Lande„ der vollendetsten Rechtsgarantien" gebührt, die eigene Kraft gegen die Aussaugung schüßen kann. Zu auferlegt, aber keine Rechte zugesteht. Sie ermahnte die war die Höhe der Strafe nach der Schwere des Verdiesem Zwecke muß sie sich politisch und gewerkschaftlich or- Arbeiterinnen, den Gewerkschaften beizutreten oder sich dem brechens" bemeffen. Genosse Henkel erhielt 10, Genosse ganisieren und statt der volksverdummenden bürgerlichen Bildungsverein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Runknagel 20 und Genossin Ziez 50 Mt. Strafe zudiftiert. Presse die Organe der Sozialdemokratie und der freien Ge- zu Erfurt anzuschließen. Genosse Riesewetter betonte, Die drei Sünder" waren verstockt genug, die Berechtigung werkschaften lesen. In allen Versammlungen riefen die Vor- daß gerade die Frauen am meisten unter den indirekten dieses Strafbefehls nicht anzuerkennen. Sie hielten an der träge lebhafte Diskussionen hervor, welche zeigten, daß die Steuern zu leiden haben, und machte den proletarischen vermessenen Ansicht fest, daß auch in Deutschland eine UnterProletarierinnen mehr und mehr beginnen, am Befreiungs- Müttern zur Pflicht, ihre Kinder im Geiste des Sozialismus haltung beim Glase Bier nicht strafbar sei und beantragten tampf ihrer Klassen Anteil zu nehmen. Die Veranstaltungen zu erziehen. Genoffin Nagel forderte zum Abonnement der deshalb Gerichtsentscheid. Am 18. Dezember war in der brachten dem Frauen- und Mädchenbildungsverein einen örtlichen Parteipresse und der„ Gleichheit" auf, für welch fraglichen Sache der Termin angesetzt. Vor Gericht be= starten Zuwachs an Mitgliedern und der„ Gleichheit" wie letztere sich auch neue Abonnenten meldeten. E. Nagel. ftritten unsere Delinquenten entschieden das ihnen zur Last Eine öffentliche Versammlung für alle in Wäsche- gelegte Verbrechen". Die von der Behörde zitierte Beder„ Münchener Post" neue Abonnenten. Die„ Gleichheit" E. M. fabriken und Dampfwaschanstalten beschäftigten Mähe- lastungszeugin, Frau Jobst, Wirtin des Lokals, in dem die zählt jetzt in München bereits 100 Leserinnen. Im Dezember v. J. fanden in folgenden Orten Frauen- rinnen, Plätterinnen und Wäscherinnen fand Mitte Versammlung geplant gewesen, bestätigte unter Gid respettive Boltsversammlungen statt, in denen die Dezember vorigen Jahres in Köln statt. Genosse Büsche- sämtliche Angaben der Angeklagten. Sie bestätigte, daß Unterzeichnete agitatorisch wirtende Themen behandelte: Bielefeld referierte über das Thema:„ Die Lohn- und Ar- feine Versammlung stattgefunden, daß die Leute sich Pfeddersheim, Viernheim, Gonsenheim, beitsverhältnisse der Wäschearbeiterinnen, und wodurch können beim Glase Bier in der Gaststube unterhalten hätten, und Weisenau, Mülheim a. Ruhr, Bielefeld, Dort- dieselben gebessert werden?" Der Referent fritisierte zunächst daß nach dem Verbot der Versammlung der Saal mund, Eving und M.- Gladbach. In dem zuerst ge- das Vorgehen einiger Firmen am Drt, welche die Mädchen abbestellt worden sei. So wurde die Belastungszeugin" nannten Orte versuchte ein Arbeiter der Heylschen Betriebe durch gewisse Andeutungen vor dem Besuch der Versamm zur Entlastungszeugin. Demgegenüber konnte selbst der eine Lanze für den Lederkönig“ zu brechen; er ward dabei lungen abzuschrecken versucht hatten. Dann ging er auf den Amtsanwalt die Anklage nicht aufrecht erhalten. Er beandurch den Redakteur eines bürgerlichen Blattes unterstützt. Wert der Organisation ein und erläuterte an Beispielen aus tragte zwar nicht Freisprechung, überließ es aber dem Daß beiden Herren die gebührende Antwort wurde, sei anderen Städten, daß sich die Arbeiterinnen durch die Dr Gericht, zu entscheiden. Dieses verkündete nach kurzer Benebenbei bemerkt. Die Versammlung brachte uns 20 Auf- ganisation geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse erkämpfen ratung den Beschluß: Die Angeklagten sind freizusprechen nahmen für die Parteiorganisation, und das in einem Orte, fönnen. In Bielefeld zum Beispiel gibt es große Fabriken, und die Kosten der Staatstasse aufzuerlegen. Damit war wo bisher keine Versammlung stattfinden konnte, weil sämt- wo sämtliche Arbeiterinnen organisiert sind, und die Unter- die große" Staatsaktion elend verkracht. Interessant war liche Wirte ihre Lotale verweigerten. Auch die anderen nehmer ihr Personal achtungsvoll behandeln müssen. Das die Aussage der Zeugin auf die Frage hin, ob niemand von Versammlungen brachten uns neue Mitglieder und Abon- müsse durch den Zusammenschluß der Arbeiterinnen auch in den Versammlungsbesuchern den Saal betreten habe. Unter nenten auf die„ Gleichheit" sowie die örtlichen Partei- Köln erreicht werden. Viele anwesenden Frauen und Mäd- Eid erklärte fie, außer zwei Polizeibeamten, die sie zeitungen. In Neuß und in Krefeld fanden Versammchen traten der Gewerkschaft bei und versprachen, für diese namhaft machte( wenn wir nicht irren, nannte sie auch lungen der Heimarbeiter statt, sie hätten besser besucht recht tüchtig unter ihren Kolleginnen zu agitieren. Die or noch einen Begleiter derselben), sei niemand in dem sein tönnen. In beiden Orten ist die Krawattenindustrie ganisierten Kollegen werden gebeten, ihre in der genannten dunklen Saal gewesen. Ein eigenartiges Vergnügen jener vorherrschend, die Entlohnung ist im Verhältnis zu der in- Branche tätigen Frauen und Töchter der Organisation zu Beamten, einsam im dunklen Saale zu fißen, während zwangtensiven Arbeitsleistung eine äußerst geringe. Die Arbeite zuführen. Alle nötigen Auskünfte erteilt die Unterzeichnete. Los Zusammengekommene sich nebenan in der Gaststube Frau Josefine Mergi, Perlengraben 21. unterhalten! Unsere Ostheimer Genossen und Genofsinnen rinnen hätten alle Ursache, sich der Organisation anIn Neunkirchen fand im Anschluß an die Wahlkreis- können jetzt darüber nachdenken, wie man zu Strafmandaten zuschließen, doch fehlt es leider auch seitens der in Betracht kommenden Verbände an der notwendigen Agitation. W. K. fonferenz beziehungsweise eine öffentliche Wählerversamm tommen fann, und wie die Staatskasse, die wir mit unseren über die fortwährend steigenden Lebensmittelpreise und lung eine Boltsversammlung statt, in der Genosse Ofteroth Steuern füllen müssen, zu Ausgaben fommt. die Stellungnahme der Frauen dazu referierte Genoffin scharf den Gegensatz zeichnete, der zwischen den bürgerlichen Baader Anfang Dezember v. J. in einer stark besuchten Parteien und der Sozialdemokratie besteht. An die an Frauenversammlung zu Schwiebus. Die Versammelten wesenden Frauen richtete er einen kräftigen Appell, treu zum wählten die Genosfinnen Schulz und Bergner als Ver- roten Banner zu halten und mit den Männern gemeinsam O. B. gegen Klerisei, Polizeibrutalität, gegen Scharfmacher und trauenspersonen. In Brackel bei Dortmund fand Anfang Dezember eine Brotwucherer zu kämpfen. Auch in Neunkirchen beginnen öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Genoffin die Frauen des werktätigen Volkes sich zu regen, die„ Gleich Plum die Frage behandelte:„ Wer verschuldet das Elend heit" zählt bereits 17 Abonnenten. L. Z. Auch im ehemaligen Königreich Stumm macht die Polizei gegen die proletarischen Frauen mobil. Am 16. Dezember fand in Neunkirchen die erste sozialdemo fratische Wahlkreistonferenz für den Wahlkreis OttweilerSt. Wendel- Meisenheim statt. Im Laufe des Nachmittags erschienen mehrere Genoffinnen als Zuhörerinnen der Verhandlungen. Der überwachende. Geheime, ein eheFrau Lohr. maliger Bergmann, forderte gebieterisch ihre Entfernung. der Massen?" Sie legte den Anwesenden mit überzeugenden Mitte Dezember v. J. fand in Schnaittach eine gut be- Der Vorsitzende und die Teilnehmer der Konferenz weigerten Worten llar, daß die Sozialdemokratie allein es sei, die dem suchte Versammlung statt, in der Genoffin Grünberg über: sich entschieden, dem unberechtigten Ansinnen nachzukommen. Proletariat aus dem Elend heraushelfen tönne. Große Die Ursachen der schlechten Entlohnung" referierte. Ihr Der Vertreter der saarabischen Polizeigewalt erklärte darauf Heiterfeit erregte es, als die Referentin erzählte, wie die Referat wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und die Versammlung für aufgelöst. Genosse Osteroth berief Polizei die Genofsinnen häufig genug zu schifanieren ver- gewann dem Wahlverein zahlreiche neue Mitglieder. In nun sofort eine öffentliche Wählerversammlung ein, die des suchte. Genossin Plum ging dann furz auf den Milchkrieg einer Reſolution erklärten sich die Anwesenden mit den Aus ein, wies die ungerechtigkeit der Milchverteuerung nach und führungen der Referentin einverstanden, protestierten energisch empfahl den Frauen, feine Milch zu erhöhten Preisen zu gegen den von der Regierung vorgelegten Gefehentwurf über kaufen. Wenn die Frauen das einig und konsequent durch die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und verpflichteten sich, führten, so würden sich die Herren Ökonomen und Milch einer bald zu gründenden Zahlstelle des Fabrik-, Land- und händler eines Besseren besinnen. Die Versammelten nahmen Hilfsarbeiterverbandes beizutreten. Die Referentin forderte " polizeilichen Segens nicht erst bedurfte, und in der Genosse Osteroth als Reichstagskandidat aufgestellt wurde. In Orten, wo die proletarische Frauenbewegung erst einfegt, gefällt sich die liebe Polizei immer wieder in der Rolle des bekannten Küfters, der sich einbildete, er könne den Tag in Nacht ver= wandeln, wenn er ein Löschhütchen auf eine brennende Kerze 6 Die Gleichheit M. 1 sette. Was Polizeiweisheit durch die Politik der Nadelftiche erreicht, zeigt die Erfahrung. Sie schreckt die prole tarischen Frauen nicht, sondern sie öffnet ihnen die Augen über die Herrlichkeiten dieser besten aller Welten. Sie arbeitet für uns! Das werden die Wahlen zeigen.?? Politische Rundschau. Das hatte gerade noch gefehlt, um der Sinnlosigkeit der Regierungspolitik und der Charakterlosigkeit des Liberalismus den Stempel aufzudrücken: Bierzehn Tage nach der Reichstagsauflösung haben sich die Bondelzwarts ergeben. Von den 300 Hottentotter, zu deren Bekämpfung und Niederwerfung durch das Deutsche Reich angeblich noch ein Krieg von mindestens zweijähriger Dauer erforderlich war, haben 150 Mann die Waffen gestreckt. Selbst die kriegswütigsten Koloniefege wagen nicht zu bestreiten, daß der sogenannte Krieg damit tatsächlich sein Ende erreicht hat. Wie steht nun aber die Reichsregierung da? Der Reichsfanzler wie sein Kolonialadjutant von der Börse, Herr Dernburg, hatten in den höchsten Tönen die Patriotenpofaunen geblasen, um den 29 Millionenkredit vom Reichstag bewilligt zu erhalten. Das Vaterland, die nationale Ehre war in Gefahr, die Tausende tapferer deutscher Jungen in Südwestafrifa rettungslos der Wut der 300 Hottentotten preisgegeben, wenn der Regierung die Kredite nicht bis auf den letzten Heller bewilligt wurden! Dieses ganze Gerede hätte ja gar nicht vorgebracht werden können, wenn die Bondelzwarts fich 14 Tage früher ergeben hätten. Ob ein Haufen Hottentotten 14 Tage früher oder später seine Waffen ablieferte, davon hing also die Auflösung des Reichstags, davon hing es ab, ob die bureaukratische Regierung ein Bündnis mit dem liberalen Bürgertum abschließen sollte oder nicht. Nun drängt sich zunächst doch die Frage auf: Hat denn die Regierung keine Ahnung davon gehabt, daß die Unterwerfung der Hottentotten unmittelbar bevorstand, daß die 300 Mann höchstens noch Monate das Feld behaupten würden? Oder aber hat sie Kenntnis vom Stande der Dinge in Südwestafrika gehabt? sie selbst nicht gehudelt und geschoren werden durch das Be-| zu einem Tarifabschluß auf fünf Jahre gebracht. Si haber. amtentum, sondern nur das arbeitende Volt, dessen Emanzi eine Verkürzung der Arbeitszeit, fleine Lohnerhöhungen und pationsbestrebungen mit gepanzerter Faust niederzudrücken Buschläge für überzeitarbeit erreicht. In der graphischen eine der wesentlichsten Aufgaben der Organe des heutigen Industrie bestehen nunmehr für alle Gewerbe Tarife. Klaffenstaats ist. Das Zentrum ist mit dem bureaukratischen Der Textilarbeiterverband steht nach wie vor in System zufrieden, weil es als tonfeffionelle Minoritätspartei frischen zuversichtlichen Rämpfen. Er gedeiht dabei und doch niemals hoffen könnte, in Deutschland eine parlamen- fonnte die freudige Botschaft melden, daß die Zahl seiner Mittarische Regierung aus eigener Kraft zu führen. Schließlich glieder das erste Hunderttausend überschritten hat. Damit hat hat auch der Liberalismus seinen eigenen ursprünglichen das sechste deutsche Gewerkschaftsblatt eine Auflage erreicht, Tendenzen zuwider sich längst der Bureaukratie löblich unter die mehr als 100 000 Exemplare beträgt. Die Organe der worfen. Den lezten Schritt haben die Freifinnigen und Metallarbeiter, Maurer, Holzarbeiter, BergVolksparteiler mit dem übertritt ins Regierungslager am arbeiter, Fabritarbeiter und Textilarbeiter er13. Dezember getan. scheinen wöchentlich in einer Auflage von zusammen 1000000. " So steht die Sozialdemokratie heute allein da in ihrem Das ist eine geistige Macht zur Aufklärung und Schulung der Rampfe für die Demokratisierung unseres Staatswesens. Massen, mit der gerechnet werden muß. Im Jahre 1887 erDaher auch die Wut unferer Gegner; daher die jetzt unverschien die Deutsche Manufaktur- Beitung", eine Vorgängerin hüllter als je hervortretenden Bestrebungen, das allgemeine des heutigen, Tertilarbeiters", in einer Auflage von 1500 ExemReichstagswahlrecht zu zerstören, diese wertvolle Waffe des plaren, 1890 hatte das Blatt erst eine Auflage von 3000; 1894 Proletariats in seinem Emanzipationskampf. Uns ist diese bereits von 20 000. Die Auflage ist den Mitgliederzahlen entKlärung der Situation nur willkommen. Wir sind zu jedem fprechend gestiegen. Die Arbeiterinnen haben einen steigenden Kampfe bereit. Wir werden die Volksrechte wahrnehmen Anteil an der Organisation genommen. 1902 zählte der Verbis zum äußersten. Wir werden sie zu verteidigen wissen, band 6654 weibliche Mitglieder; 1903: 12073; 1904: 13126; wenn man sie anzutasten wagt, und werden aus der Ver- 1905: 20596 und 1906: 38681. Bei solchen Fortschritten der teidigung die Kraft schöpfen, sie zu erweitern bis zum vollen Arbeiter und Arbeiterinnenorganisation können wir hoffSiege des Volkes über jede Reaktion. G. L. nungsfreudig den Wunsch aussprechen, der Textilarbeiterverband möge bald das zweite Hundertausend Mitglieder verzeichnen. Die Rührigkeit der Organisationsleitung wie der Mitglieder und das große zu bestellende Agitationsfeld lassen die mögliche Verwirklichung dieses Wunsches gar nicht in so weiter Ferne erscheinen. Gewerkschaftliche Rundschau. Aus der Fisch industrie brachte unlängst die Tagespresse Schilderungen gräßlicher Ausbeutung, welche Gesundheit und Leben der Beschäftigten zerstört. Frauen und Kinder sind vielfach in der Fischindustrie tätig. Ehe die Gewerkschaftsorganisation nicht festen Fuß unter den Arbeitern und Arbeiterinnen der Fischindustrie faßt und zu ihrem Wohle eingreift, wird es nicht anders. Es scheint, daß ernste Versuche gemacht werden, auch diesen hart Ausgebeuteten den Schutz der Organisation zu schaffen. # Notizenteil. Die explosive Leitung der deutschen Reichspolitik, die sich in der unerwarteten Auflösung des Reichstages wieder einmal bekundete, hat für die gewerkschaftliche Tätigkeit der nächsten Die Lohnbewegungen der Tabatarbeiter haben eine Wochen eine vollständig veränderte Situation und ihr ent- große Ausdehnung angenommen. Im Verbandsorgan werden sprechende Aufgaben geschaffen. Es konnten die großen ge- eine stattliche Anzahl Firmen aufgeführt, bei denen Differenzen werkschaftlichen Aktionen unterbleiben, die zum Protest gegen bestehen. Die Tabatarbeiter und-arbeiterinnen gehören zu das Antigewerkschaftsgesetz geplant waren. Alle bedeutsamen den Proletariern, denen besondere Umstände und Eigengewerkschaftlichen Initiativen traten zurück hinter den großen tümlichkeiten des Gewerbes den Kampf um bessere LebensWaffengang, den das deutsche Volk in der politischen Arena bedingungen gewaltig erschweren. Augenblicklich läßt sich zu bestehen hat. Das Interesse der Gewerkschaften an dem taum schon eine übersicht über den Erfolg der Kämpfe geben, Ausfall der Reichstagswahlen, an dem Sieg der Sozial- wir werden das später tun. demokratie, tritt diesmal besonders start hervor. Die OrSprach die Regierung am 13. Dezember wirklich ihre ganisationen und ihre Presse haben denn auch schon die Meinung aus, dann hätte sie damit in der Beurteilung einer Wahlparole ausgegeben. Erklärlich genug. Zum Greifen der wichtigsten Zeitfragen eine Unfähigkeit bewiesen, die das deutlich zeigt sich, wie wichtig für die Gewerkschaften eine Maß ihrer bisher bereits zutage getretenen Unfähigkeit weit zuverlässige politische Vertretung im Parlament ist, wie sie übersteigt. Hat sie aber Bescheid gewußt, wie es in Süd- diese in der Sozialdemokratie allein befizen. Zwar ist der westafrita steht und trotzdem mit jenem patriotischen Phrasen- Entwurf zu einem frischfrisierten Zuchthausgesetz begraben, gedröhn dem Reichstag zu imponieren versucht, dann hat sie das mit der Zuerkennung der Rechtsfähigkeit an die Organi sich der öffentlichen Meinung gegenüber eines Täuschungs- fationen verbunden war. Aber es würde gewiß bald in versuchs schuldig gemacht, dem an der Börse hohe Be- neuer Form auferstehen, wenn die organisierten Arbeiter wunderung gezollt werden mag, der aber im politischen Leben nicht dafür sorgen, daß Regierung und alle bürgerlichen Deutschlands die schärfste Zurückweisung finden muß, und Parteien eine gehörige Niederlage erleiden. Eine solche ist der wenigstens gebrandmarkt werden soll, wo nur die auch nötig, damit endlich die Forderung der Gewerkschaften Sozialdemokrate ihre Stimme zur Geltung bringen kann. nach Arbeiterkammern erfüllt wird, die ihr letzter Kongreß Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Wir wären denn auch geneigt, den turzsichtigen Politikern, erhoben hat. Die Regierung will ihrerseits Arbeitskammern Notschrei einer Heimarbeiterin. Der Genosse Bietsch, die die Reichsgeschäfte in Händen haben, den mildernden schaffen, das heißt Körperschaften zur gemeinsamen Vertretung der kürzlich in einer Versammlung in Charlottenburg Umstand der Unfähigkeit zuzubilligen, um ihnen den Vor- von Arbeitern und Unternehmern. Die Gewerkschaften ver- über Heimarbeiterschutz referiert hat, stellt und einen Brief wurf der bewußten Schwindelei zu ersparen. Da kommt langen dagegen mit Recht reine Interessenvertretungen der einer dortigen Heimarbeiterin zur Verfügung. Obwohl dieser aber die offiziöse Presse her und sucht zu beweisen, daß der Arbeiter. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags Brief beweist, daß seine Schreiberin noch keine klaffenbewußte Reichskanzler und seine Gehilfen sehr wohl gewußt hätten, tritt für diese Forderung ein. Und wie sie mit aller Treue Arbeiterin ist, beleuchtet er doch das Heimarbeiterelend in wie die Sachen stehen. Sie hätten aber den Kampf mit dem die Reformen verficht, welche die Gewerkschaften für eine so ergreifender Weise, daß wir ihn unseren Leserinnen nicht Reichstag aufnehmen müssen, da sie sich von einer Reichs- gedeihliche Entwicklung bedürfen, so auch alle Intereffen, vorenthalten wollen. Er lautet:„ Der Ruf, heute Ihre Vertagsmehrheit nicht die Politik vorschreiben lassen dürften. welche die Arbeiter und Arbeiterinnen als ausgebeutete sammlung zu besuchen, ist auch zu mir gedrungen; ich habe Die Offiziösen selbst sind es also, die ihren Gönnern, um sie Arbeitskräfte, als Steuerzahler, Staats- und Gemeindebürger mit Freuden gelesen, daß dieselbe uns armen Heimarbeitern vor dem Vorwurf der Unfähigkeit zu retten, den Stempel der an der Gestaltung des öffentlichen Lebens haben. Treue für gilt. Es ist jedoch in Ihrem Aufruf nur die Rede von denUnwahrhaftigkeit auf die Stirn drücken. Aber ob ihnen nun Treue! Die Arbeiter und Arbeiterinnen, welche den freien jenigen Arbeitern, welche für Fabriken und Geschäftshäuser Unfähigkeit oder Unwahrhaftigkeit nachgewiesen wird, oder Gewerkschaften angehören, sind aufgerufen, ihre Pflicht im arbeiten; ich aber bin Weißnäherin und arbeite für Herrob schließlich der doppelte Matel an ihnen haften bleibt, Wahlkampf zu tun. Wie kläglich nimmt sich dagegen die schaften, welche uns ebenso ausbeuten wie die Obengenannten. die Firma Bülow, Dernburg& Cie. muß liqui- Haltung der gegnerischen Gewerkschaften aus. Der Generalrat Für ein Hemd, an welchem ich fünf Stunden arbeite, bedieren, diese junkerlich- bureaukratisch- börsenwölfische Re- der Hirsch- Dunckerschen hat eine Wahlparole ausgegeben, die fomme ich 50 Pf., wovon noch 4 Pf. für Garn abgehen. gierung muß herunter von ihrem Plate! nicht warm und nicht kalt, weder Fisch noch Fleisch ist. Die Dazu wird jedes Stück rechts und links betrachtet, ob es Aber mehr als das! Wir Sozialdemokraten beschränken Mitglieder sollen keinen„ Gegner ihrer Organisation" wählen, auch gut genäht ist. Da nun dieser Verdienst nicht ausuns in unseren Kämpfen nie auf einzelne Personen. Wir aber auch feinen Lebensmittelverteurer, Wahlrechtsräuber reicht zu Miete und Lebensunterhalt, so muß ich meine haben nicht bloß Herrn v. Podbielski bekämpft, solange er oder Koalitionsrechtsfeind. Einen solchen Kandidaten werden Stube vermieten und selber mit meinem Kinde in der Küche noch auf seinem Posten stand, sondern das agrarische Bolts- wohl die übel beratenen und genasführten Hirsch- Dunckerschen wohnen und arbeiten. Ich würde schon damit zufrieden ausbeutungssystem, deffen Stellvertreter er war, und das unter den bürgerlichen Kandidaten selbst am Tage mit der fein, wenn trotzdem nicht immer das Gespenst Sorge hinter ungeschmälert fortwurstelt, seitdem ein ehemaliger Marine- Laterne suchen müssen! Die Wahl gäbe ihnen Gelegenheit, mir stände. Da es meine Gesundheit nicht erlaubt, beständig leutnant an Stelle des ehemaligen Kavalleriegenerals ge- ihre vorgeblich reine Arbeiterpolitit" zur Tat werden zu an der Nähmaschine zu sihen, so habe ich noch eine Auftreten ist. Wir wollen auch nicht nur den Bülow und lassen und die Gewerkschaftsinteressen fräftig zu vertreten. wartestelle angenommen. Und nun ein Wort über diese Dernburg an den Kragen, sondern das garze buraukratische Aber„ reine Arbeiterpolitik" wird nur von der Sozialdemo- arme, vergessene Arbeiterklasse, über die in keiner VersammRegierungssystem mit der Wurzel ausrotten, das in Deutsch- tratie getrieben, denn die Sozialdemokratie ist die politisch lung gesprochen und in feiner Zeitung geschrieben wird. land die Regierungsgeschäfte der herrschenden Interessen- organisierte Arbeiterklasse selbst. Allein diese Tatsache sehen Wirklich, ein bequemer Dienstbote, so eine Aufwärterin, man cliquen, der großen Ausbeuter in Stadt und Land, der die Hirsch- Dunckerschen nicht ein, oder richtiger: ihre Führer braucht ihr feine Wohnung und kein Licht zu geben, sie kostet junterlichen Hofkamarilla und des militaristischen General- wollen sie nicht einsehen und anerkennen, sie sind bestrebt, auch weniger und macht doch in ein paar Stunden die stabsrings betreibt. Jenes parlamentsfeindliche bureau- die Mitglieder im Schlepptau des sogenannten" Freifinna" Arbeit für den ganzen Tag. Der höchste Lohn ist für zwei fratische System, das aus dem sogenannten persönlichen zu halten. Diese durch und durch bürgerlich, kapitalistisch Frühstunden 12 mit. monatlich( die Sonntage mit einRegiment naturgemäß herauswachsen muß, das aber seine gesinnte Partei hat sich nach allem möglichen Verrat an den gerechnet), für drei Stunden 15 Mt. Die Zeit nach 10 Uhr freiheitfeindlichen Tendenzen stets betätigt, auch dann, wenn Arbeiterinteressen zur regelrechten Kolonialschwärmerei ist billiger, weil dann schon weniger Aufwärterinnen gedie Eigenheit des Trägers der Krone ihn nicht zum persön- durchgemausert und möchte Regierungspartei spielen. An- braucht werden und die Herrschaften sich dieses zunuze lichen Hervortreten antreibt. Gegen das persönliche Regi- scheinend ist aber den Hirsch- Dunckerschen das Rückgrat noch machen. So bin ich einmal auf eine Annonce zu einer ment loswettern, ohne daß man dem bureaukratischen Regie- nicht soweit gebrochen, daß man sie ohne weiteres für die Herrschaft gegangen, welche mit Kontorräumen 15 Zimmer rungssystem zu Leibe gehen will, ist Wortverschwendung. Dernburgerei firren könnte. Daher ihre Schaufelpolitik, von bewohnte; ich sollte von 8 bis 12 kommen; dann, während In Deutschland ist aber die Sozialdemokratie die einzige der das Zielbewußtsein der freien Gewerkschaften sehr vor sie zu Mittag speisten, wurde ich auf zwei Stunden nach Partei, die gewillt ist und die Kraft hat, diesem verderb- teilhaft absticht. Daß die„ christlichen" Gewerkschaften, tatho- Hause geschickt, um für mich und mein Kind das Mittaglichen System die Art an die Wurzel zu legen. Wir allein lischer wie evangelischer Couleur, wieder dazu mißbraucht essen zu besorgen; um 2 Uhr mußte ich wieder dort sein bis treten ein für die völlige Demokratisierung unseres Staats- werden, den ärgsten mastenlosen Arbeiterfeinden- von den 6 Uhr abends, zusammen also 8 Stunden, dafür sollte ich lebens auf allen Lebensgebieten: im Reich, im Staat, in den 3entrümlern an bis zu den Konservativen Hand- und 20 Mt. bekommen. Es gibt welche, die noch weniger beSpanndienste zu leisten, versteht sich. Die Religion wird zahlen. Wenn ich mit meinem Kinde nicht verhungern will, weiter zur Rette entwürdigt, welche die Arbeiter politisch so darf ich nicht länger wie 4 bis 5 Stunden schlafen. fesselt, so daß sie ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert Meine Arbeitgeber geben mir oft den menschenfreundlichen bleiben. Wie lange noch!? Rat:„ Sie haben einen gefunden, fräftigen Jungen, lassen Kommunen. -Alle anderen Parteien haben sich mehr oder weniger abgefunden mit dem bureaukratischen System. Den Juntern paßt die Wirtschaft ausgezeichnet, weil dabei vor allem für ihre agrarischen Bedürfnisse Liebesgaben aller Art abfallen, und weil schließlich durch Junkersprößlinge die wichtigsten Posten in der Heer- und Zivilverwaltung besetzt werden. Die großen Ausbeuter in der Industrie machen dabei feine Geschäfte, weil Aus unserem reichen Material über die Arbeiterinnen- Sie ihn doch Zeitungen austragen." Aber würde er lange bewegung soll nur das Allernotwendigste registriert werden. gesund und kräftig bleiben, wenn ich ihren Rat befolgte? Die Buchdruckereihilfsarbeiterund- arbeiterinnen Nein, ich bekomme es nicht übers Herz, mein einziges gehaben es nach langen Verhandlungen mit den Prinzipalen liebtes Kind schon um 5 Uhr aus seinem süßen Schlummer 9.1 Die Gleichheit 7 Jetzt will ich zu Gott flehen, daß er Ihre Versammlungen fegnen möge; ich kann nicht selbst kommen, denn Zeit ist bei mir Geld, und schon dieser Brief, den ich in der Gile geschrieben habe, ist nicht umsonst oder ich muß es des Nachts nachholen." Eine Witwe. Dienstbotenfrage. es war M. R. Eine sehr umfangreiche Einsendung von Genoffin Grünberg zur Frage des Dienstvertrags mußte leider vorläufig zurückgestellt werden infolge des Raummangels, der durch die Aufgaben des Wahlkampfes verursacht worden ist. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. zu wecken und ihn bei der Rälte hinauszutreiben; ich kann versammlung stattgefunden hatte, in der beinahe 200 Mäd- Auch über Arbeitsüberlastung und schmachvolle ihm bei der schlechten Ernährung nicht noch seinen Schlaf chen für die Organisation gewonnen wurden, begann es sich Behandlung wurde vielfach geflagt. Arbeitszeiten von rauben. Und wie würden wohl seine Schulzeugnisse, welche in den bürgerlichen Reihen zu regen. Und als dann die fünf Uhr früh bis elf Uhr abends seien keine Seltenheit. Ein bis jetzt gut sind, lauten? Die Lehrer wissen ja nicht, daß zweite öffentliche Versammlung am 14. November uns aber- Mädchen teilte mit, wie sie und ihre Kollegin nachts um manch ein Kind, bevor es zur Schule kommt, schon von mals einen Zuwachs von 200 Mitgliedern brachte, da war elf Uhr nach einem besonders arbeitsreichen Tag 5 Uhr an auf den Füßen ist, und wenn es dann, müde vom es mit der Ruhe der bürgerlichen Damen vorbei. Am nämlich große Gesellschaft" von den Herren Offizieren vielen Treppensteigen, nicht die nötige Aufmerksamkeit hat, 19. November hielten die Hausfrauen Altonas eine Ver- ins Speisezimmer geschleppt und gezwungen wurden, mit dann bekommt es einfach mit dem Stock, denn mit den Ge- sammlung ab, für die die verehrte gnädige Frau Eichholt" ihnen zu tanzen. Als sich die erschöpften Mädchen sträubten, so läßt sie sich nämlich in den Heimstuben von den wurden sie ausgescholten: Ihr dummen Dinger könnt euch meindeſchülern wird nicht viel gefackelt. Ein Pferd darf nicht früher angespannt werden, ein Mensch aber muß von seiner Dienstmädchen nennen das Referat übernommen hatte. glücklich schäßen, wenn so vornehme Herren mit euch tanzen frühesten Jugend arbeiten, weil die Eltern zu schlecht be- Am Schlusse forderte sie die Hausfrauen auf, sich zu ver- wollen!" Eine erzählte von unfittlichen Angriffen des zahlt werden, um ihr Kind zu ernähren. Das wird die einigen und kein Mädchen in den Dienst zu nehmen, das Hausherrn und der Androhung von Schlägen. Von einem Folge haben, daß aus den vielgerühmten breitschultrigen, dem sozialdemokratischen Dienstbotenverein angehört. Am Mädchen, das am Typhus erkrankt in der Waschküche zureckenhaften Germanen bald Zwerge werden. Ich möchte 1. Dezember kamen auch die Hamburger Hausfrauen zusammenbrach, nahm die Herrschaft als selbstverständlich an, feinen solchen Zwerg erziehen. Und der Staat und die sammen, um das Kapitol ihrer bedrohten Herrschaftsrechte daß es in anderen Umständen sei. Eine Herrschaft" Fabrifinspektoren und die großen Geschäftshäuser und die zu retten. Es sollte darüber beraten werden, ob die Lage hatte die Unverschämtheit, ihr Mädchen zu schlagen und Herrschaften sollten nur bedenken, daß es für sie von größtem der Dienstboten etwaiger Reformen bedürftig sei, besonders dann noch obendrein prozig zu bemerken:„ Verklagen Sie Vorteil ist, wenn es anstatt siecher und schwächlicher, gesunde aber darüber, ob man nicht durch Gründung einer Gegen- uns nur! Eine Ohrfeige kostet nur 5 Mt., wir haben's dazu!" und kräftige Soldaten gibt, welche in der Gefahr das Vater- organisation versuchen sollte, dem sozialdemokratischen Verein Nur eine eifrige Aufklärungs- und Organisationstätigkeit land und ihr Vermögen verteidigen können. das Wasser abzugraben. Alle Mädchen, die durch den Ham- kann bewirken, daß mit derartigen menschenunwürdigen Zuburger Hausfrauenverein Stellung erhalten hatten, wurden ständen gründlich aufgeräumt wird. per Post für den 6. Dezember zu einer Versammlung geladen, außerdem war auch in den Zeitungen tüchtig Reklame gemacht worden. Der Saal war gut gefüllt, aber wir wollen den Damen verraten, daß auch eine Menge von den Unfrigen da waren. Die verehrte gnädige Frau Eichholz" eröffnete die Versammlung. Sie führte aus, die Hamburger Hausfrauen seien zu der überzeugung gelangt, daß Reformen Der Fachverband der Frauen Schwedens hält am Der Verein für Dienstmädchen, Wasch- und Scheuer: für die Dienstmädchen eingeführt werden müßten, und sie frauen für Hamburg und limgebung, Sik Hamburg, feien durch mehrere Dienstmädchen( wahrscheinlich Heim- 25. und 26. Januar in Stockholm seinen Rongreß ab, um hält seine Mitgliederversammlungen bei Hilmer, Lessing- chen" aus den Hamburger Heimstuben?) veranlaßt worden, über die weitere Tätigkeit und den Ausbau der Organisation halle, Gänsemarkt, ab. Die erste findet am 9. Januar, diese Versammlung einzuberufen und eine Organisation zu zu beraten. Zurzeit wird eine eifrige Agitation zur Organis abends 7 Uhr, statt, von da an ist jeden vierten Mittwoch gründen. Das Referat dazu hatte Fräulein Holländer, fierung der Arbeiterinnen betrieben. Die Landesorganisation daselbst Versammlung, dazwischen wird jeden zweiten Mitt nebenbei gesagt ein Dienstmädchen von Frau Prof. Wendt. der Gewerkschaften unterstützt sie kräftig. Der Verband hat woch die„ Gleichheit" in dem Vereinslokal verteilt. Neu- Ob das junge Mädchen es wohl allein ausgearbeitet hatte? vor wenigen Wochen eine tüchtige Kraft für die Agitation aufnahmen und Beiträge nehmen entgegen: Frau Luise Die Verwunderung darüber war jedenfalls nicht nur auf angestellt: Genoffin Signe Svenson. Gine wichtige Frage Kähler, Uhlenhorst, Humboldstraße 76 III; Frau meiner Seite, sondern auch bei den Damen nicht gering. für die Agitation, die der Kongreß zu entscheiden haben Meyer, Altona, Herderstraße 3811; Frau Mangels, Als nach dem Referat die Diskussion einsetzte, wollte nie- wird, ist die Herausgabe und der Ausbau des Organs Gilbeck, Beckersweg 58 Sth. 1; Frau Ruhlmann, mand recht mit der Sprache heraus. Die Damen lang- Morgonbris", das seit zwei Jahren von Genossin Anna Haupttassiererin, Barmbed, Hinrichsenstraße 31 b II; weilten sich allem Anschein nach. Sie hatten offenbar Sterty redigiert wird und bereits eine Auflage von etwa Frau de Haas, Hamburg Stadt, Bezirkslassiererin, Neus gehofft, Sozialdemokraten" würden in die Debatte ein- 10000 erlangt hat. Im Anschluß an den Kongreß wird städterstraße 52 III; Frau Förster, Hamburg Stadt, greifen; aber wir sahen die Notwendigkeit nicht ein, den am 27., 28. und eventuell am 29. Januar die erste sozial Neumeierstraße 6, Keller; Frau Heuer, St. Pauli, Damen ihre Versammlung interessant zu machen. Um die demokratische Frauenkonferenz in Schweden stattKarolinenstraße 20 th. b II; Frau Grobleben, Gims Diskussion in Fluß zu bringen, warf Frau Eichholz mehrere finden. Über die Verhandlungen werden wir später bebüttel, Wiesenstraße 48 III; Frau Macher, Eppen- Fragen auf, so die Frage der Ausdehnung der Unfallver- richten. dorf, Görnestraße 3 Hth. 1 III; Frau Sander, Winter- sicherung auf die Dienstmädchen; dann sprach sie von der Frauenbewegung. hude, Barmbederstraße 27, Keller; Frau Heeren, Ausgehezeit. Zu diesem Punkte ergriffen auch ein paar Hohenfelde, Ifflandstraße 65 Hth. b II; Frau Spier, Mädchen das Wort; sie wünschten, daß alle 14 Tage der Frauenrechtlerische Unehrlichkeit oder Unwissenheit? Hammerbrock, Spaldingstraße 146 Sth. b III; Fräulein Sonntagnachmittag freigegeben werde, im Sommer von 2, Sozialdemokraten waren es, die fortgesetzt in Versammlungen, Haase, Hamm, Mittelstraße 63 III; Frau Klein, im Winter von 3 Uhr ab. Ebenso verlangten sie einen in der Presse und im Parlament scharfe Kritik übten an Altona, Waterloohain 10 II. In jeder Mitgliederver freien Abend in der Woche, und zwar von 7 bis 11 Uhr. Der reaktionären Fassung, sowie an der Handhabung des sammlung werden Neuaufnahmen und Beiträge entgegen- Die Hausfrauen waren mit diesen Bedingungen durchaus Hamburger Vereins- und Versammlungsgesetzes. Sie ließen Luise Kähler. nicht einverstanden, wie aus ihren Entgegnungen sowie feine Gelegenheit ungenutzt, um unseren prinzipiellen StandDie Dienstbotenfrage auf dem katholischen Frauen aus ihren Privatgesprächen hervorging. Sie meinten, ein punkt zu dieser Frage zu vertreten, sowie bei besonderen tag. Der katholische Frauentag, der Anfang November Sonntagnachmittag alle drei Wochen sei genug. Eine Dame Fällen" Proteft zu erheben. Die fozialdemokratische in München stattfand, brachte auch ein Referat über die sagte:„ Wenn die Mädchen sich nicht so ewig" anzögen, Bürgerschaftsfraktion war es, die vor einigen Wochen Dienstbotenfrage. Und zwar rühmt der Bericht der Referentin tämen sie auch früher aus dem Haus," wobei eine der einen Antrag auf Reformierung des bestehenden Gesetzes nach, daß sie großherzig genug war, die Schuld an den Unsrigen den sehr berechtigten Zwischenruf tat:" Wieviel Zeit einbrachte und begründete. Der Antrag ist einem Ausschuß heutigen mißlichen Verhältnissen nicht nur den brauchen aber die Damen zum Anziehen?" Ferner führten zur Prüfung überwiesen worden. Vor der überweisung hat Dienstboten allein in die Schuhe zu schieben". Die die Mädchen aus es waren fast immer dieselben, die sich Genosse Fischer bei der Begründung im Plenum durch Rednerin, eine Frau Dr. Kleitner, sprach zunächst vom zum Wort meldeten, sie möchten täglich eine Stunde für seine scharfe Kritik des Gesetzes, sowie dessen Handhabung Dienstbotenmangel, von den Klagen der Herrschaften über sich frei haben, um ihr Zeug in Ordnung halten zu können. das nötige Beweismaterial für die dringend notwendige die geringere Tauglichkeit der Dienstboten und von den Man sollte es kaum für möglich halten, wie bescheiden Reform beigebracht. Fischers Kritik blieb nicht stehen bei Klagen der Mädchen über ihre Lage. Aber:„ Gottlob, die Mädchen waren: die eine wünschte ihre Freistunde von jenen Fällen, wo wir die Schönheiten des Gesetzes zu kosten es gibt noch Mädchen, die mit ihrem Beruf zu 9 bis 10, die andere gar von 10 bis 11 Uhr abends. Habt bekamen, sie erstreckte sich vor allem auch auf das Vorfrieden sind!" Freilich, die Klagen über zu lange Arbeits- ihr denn noch nie darüber nachgedacht, ihr armen Heimchen, gehen der Behörde gegen die Veranstaltungen der bürgerzeit, über schlechte und ungenügende Kost und ungesunde daß es von morgens 6 bis abends 10 Uhr 16 Stunden lichen Damen. Wohnräume seien in manchen Fällen berechtigt. Es müsse sind? Und die siebzehnte wollt ihr zum Nähen und Flicken genommen. jn. Wenn daraufhin jetzt eine etwas freiere Handhabung eine Marimalarbeitszeit festgesezt, namentlich auch die Sonn- für euch verwenden? Wollt ihr denn eure Körperfräfte des Gesetzes seitens der Behörde beliebt wird, so können tagsruhe gesetzlich geregelt werden. Doch sei dringend schon vor dem zwanzigsten Jahre verbrauchen, damit dann wahrlich die Sozialdemokraten diesen Erfolg für sich in Andavor zu warnen, die Mädchen abends ausgehen das spätere Geschlecht noch schwächer und gebrechlicher wird, spruch nehmen. Und diesem ersten Erfolg wird hoffentlich zu lassen.(!!) Die Klagen über ungenügende Ent. als ihr es seid? Daß die Damen solche bescheidene" Mäd bald der weit wichtigere folgen: Die gründliche Ablohnung seien unberechtigt.„ Wenn ein Mädchen etwas chen nicht genug loben können, das ist doch klar. Zum äuberung des Gesetzes! Dagegen lesen wir zu unserem großen Erstaunen in kann, dann wird es auch ordentlich bezahlt. Meist haben Schlusse wurde der Vorstand des neuen Vereins gewählt. die Mädchen nur Ansprüche, ohne die nötigen Kenntnisse zu Die Heimchen" wünschten natürlich unter großem Bei- Nr. 24 der Frauenbewegung", daß die jetzige freiere Handbesitzen, die sie dazu berechtigen."„ Die Mädchen müssen fall der Hausfrauen auch zwei Damen in ihrem Vor- habung des Vereinsgesetzes in erster Linie der Arbeit der Schutz gegen Ausbeutung haben; sollten wir aber gesetzlichen stand zu haben. Zur ersten Vorsitzenden wurde Frau Pro- radikalen Frauen zu danken sei! Das kann nur Unehrlichkeit Schuß verlangen, so würden wir den Mädchen keinen be feffor Wendt gewählt, die zugleich Vorsitzende des Vereins oder Unwissenheit die Damen schreiben lassen. Eins wäre sonderen Dienst erweisen. Das patriarchalische Moment Jugendschutz" sowie Mitglied des Hamburger Hausfrauen- so schlimm wie das andere. Die Aktionen der Sozialdemokratie, namentlich die parmuß aufrecht erhalten werden, es liegt ja ein Treue- vereins ist. Da der Verein nun wohl einen Vorstand, aber und ein Schutzverhältnis vor."„ Ein großer Fehler ist das noch keine Mitglieder hatte, ließ man Aufnahmezettel zirku- lamentarischen, können den Damen unmöglich unbekannt Fehlen einer Dienstbotenorganisation"( soll natürlich heißen: lieren, aber ich glaube versichern zu können: viele waren es geblieben sein. Selbst wenn sie nicht mehr wie früher thre einer fatholischen!). Die Organisationen sind nun einmal nicht, die sich da aufgeschrieben haben. Auch den Dienstmädchen eigene Berichterstatterin in die Bürgerschaftssitzungen senden, ein notwendiges übel geworden. Wollen wir die Dienst ist die Erkenntnis aufgedämmert, daß sie, wenn sie ihre Inter- sind sie doch durch die Presse von den Vorgängen unterboten nicht in das Lager der Sozialdemokratie treiben, die essen wirklich vertreten wollen, dies aus eigener Kraft und richtet. Dann aber ist es, gelinde ausgedrückt, unehrlich, die Aktionen der Sozialdemokratie, ihre Forderungen, ihre namentlich in München in diesen Kreisen sehr lebhaft wirbt, nicht unter der Leitung der Herrschaften tun müssen. Luise Kähler. Anträge und ihre wuchtige Kritik draußen in der Öffent so müssen wir selbst für geeignete Organisation sorgen. Als Aft ausgleichender Gerechtigkeit ist eine Herr- Dienstbotenelend in Frankfurt a. M. In den Dienst- lichkeit wie von der Bürgerschaftstribüne herab zu verschaftsorganisation ins Leben zu rufen."(!!) Zum botenversammlungen in Frankfurt a. M., von denen wir in schweigen. Und nur frauenrechtlerischer GrößenSchlusse forderte sie dann noch eine Reorganisation( bei der letzten Nummer berichteten, ward von den Mädchen wahn, der in der vollständigen Verkennung der treibenden leibe nicht Abschaffung!) der Gesindeordnung, Regelung der selbst mancher wertvolle Beitrag zu dem Kapitel„ Dienst- Kräfte und politischen Machtfaktoren wurzelt, bringt es Krantenversicherung und Unterstellung der Mädchen unter botenelend" geliefert. Besonders zahlreich waren die Klagen fertig, den erzielten Erfolg für sich zu reklamieren, auf das die Unfallversicherung. über schlechte Ernährung. Ein Mädchen teilte mit: Konto frauenrechtlerischer Arbeit zu setzen. Aber auch nur Diese Proben genügen wohl schon, um zu zeigen, wes Geistes Alles wird verschlossen; bleibt ja mal ein Stück Wurst oder frauenrechtlerische Halbheit bringt es fertig, von einem Kind die katholischen Dienstbotenvereine sein sollen. Sie werden Käse stehen, dann wird es gezeichnet, so daß man seinen ganzen Sieg" zu reden, wenn die Damen ein klein wenig nur geschaffen, um die Dienstmädchen von einer energischen Hunger nicht befriedigen kann. Eine andere erzählte, daß Freiheit von Polizei Gnaden genießen, die täglich, stündVertretung ihrer Berufsinteressen abzuhalten und sie dafür die Suppe, die das Kind nicht mehr möchte, in die Terrine lich wieder genommen werden kann. Kein Wort gedenkt mit der Bettelsuppe fleiner Reförmchen abzuspeisen. Die zurückgegossen und den Mädchen vorgesetzt würde. Eine der so dringenden Reform des Gesetzes oder, wir gehen Dienstmädchen mögen sich diese Ausführungen merfen hatte sich ein schweres Magenleiden dadurch zugezogen, daß weiter, der Gesetze, der vielgestaltigen Gesetze im„ einigen" und Halbheit und durch massenhaftes Eintreten in die freien Dienstboten sie immer nur das vom Herrschaftstisch kalt zurückkommende Deutschland. Unehrlichkeit, Größenwahn Mittagbrot hatte essen müssen. Einem Mädchen wurden finden wir bei den Damen wieder einmal beisammen, wie organisationen dafür dankend quittieren. Wurstabschnitte vorgesetzt, während der Hund Koteletts he so oft, wenn es gilt, grundsäglich zu einer Frage Stellung tam. Auf ihre Beschwerde darüber erhielt sie die Antwort: zu nehmen und der Sozialdemokratie gegenüber Gerech tigkeit zu üben. Luise Ziez. „ Der Hund gehört zur Familie, Sie nicht Die Hamburger Hausfrauen und der Dienstboten verein. Nachdem am 23. Oftober d. J. unter der Leitung sozialdemokratischer Frauen die erste öffentliche Dienstboten 6 Vorwärts. Vorwärts, immer vorwärts, Jung und schön ist die Welt; Seht, durch den Flockenschleier Des Winters leuchtet der Frühling, Zum Freiheitskampfe rufend. Ihr Hütten alle, armseliger Menschen, hingestreuet über das weite Land, Ihr seht nicht aus, als ob Freiheit Unter dem niederen Dache Die engen Räume euch dehnt. Horsten die Adler nicht frei Auf den höchsten Spitzen der Berge? Warum laßt ihr euch knechten, Ihr Menschen? Keine Flügel Sind euch gewachsen? Verdammt Ewig am Boden zu kriechen Sei euer trauriges Los? Reicht euer Geist nicht Tausendmal weiter als Adlers stolzer Hochflug, Der höchste Gipfel umkreist?— Kämpft mit dem Schwerte des Geistes, Sorgt, daß nie es verroste, Laßt scharfgeschliffen es blinken. Folgt seinem blanken Kampfruf, Der hell die Lüfte durchschneidet. Vorwärts, schüret die Flammen, Laßt ewig neu sich entzünden Des Freiheitsrufs Feuerbrände. Die wachsende Kraft des Sonnenfeuers Befreit die Erde im Frühling. Schon ist der dunkelste Tag Versunken, es steigt die Sonne. Die Feuer der Freiheit erglühn, Laßt immer Heller sie lodern, Daß sie dem Menschenfrühling Leuchten voran. Schon brausen Stürme durchs Land, seine Boten. Vorwärts, durch Stürme, vorwärts!-g. Prometheus. vramatisches Fragment von Wolfgang Goethe. Erster Akt. Prometheus. Merkur. Prometheus. Ich will nicht, sag es ihnen! Und kurz und gut, ich will nicht! Ihr Wille gegen meinen! Eins gegen eins, Mich dünkt, es hebt sich! Merkur. Deinem Bater Zeus das bringen? Deiner Mutter? Prometheus. Was Vater! Mutter! Weißt du, woher du kommst? Ich stand, als ich zum erstenmal bemerkte Die Füße stehn,, Und reichte, da ich Diese Hände reichen fühlte, Und fand die achtend meiner Tritte, Die du nennst Vater, Mutter. Merkur. Und reichend dir Der Kindheit nöt'ge Hilfe. Prometheus. Und dafür hatten sie Gehorsam meiner Kindheit, Den armen Sprößling zu bilden Dahin, dorthin, nach dem Wind ihrer Grillen. Merkur. Und schützten dich. Prometheus. Wovor? Vor Gefahren, Die sie fürchteten. Haben sie das Herz bewahrt Vor Schlangen, die es heimlich neidschten? Diesen Busen gestählt, Zu trotzen den Titanen? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit, Mein Herr und eurer? Merur. Elender! Deinen Göttern das. Den Unendlichen? Prometheus. Göttern? Ich bin kein Gott, Und bilde mir so viel ein als einer. Unendlich?— Allmächtig?— Was könnt ihr? Könnt ihr den weiten Raum Des Himmels und der Erde Mir ballen in meine Faust? Vermögt ihr zu scheiden Mich von mir selbst? Vermögt ihr mich auszudehnen, Zu erweitern zu einer Welt? Merkur. Das Schicksal! Prometheus. Anerkennst du seine Macht? Ich auch!— Geb! ich diene nicht Vasallen! noierkur ab.) 4>it Gleichheit Prometheus(ju feinen Statuen sich lehrend, die durch den ganzen Hain zerstreut stehen). Unersetzlicher Augenblick! Aus eurer Gesellschaft Gerissen von dem Toren, Meine Kinder! Was es auch ist, das euren Busen regt, (Sich einem Mädchen nahend.) Der Busen sollte mir entgegenwallen! Das Auge spricht schon jetzt! Sprich, rede, liebe Lippe, mir! O, könnt' ich euch das fühlen geben, Was ihr seid! Eptmetheui lammt. Epimetheus. Merkur beklagte sich bitter. Prometheus. Hättest du kein Ohr für seine Klagen, Er wär auch ungeklagt zurückgekehrt. Epimetheus. Mein Bruder! Alles, was recht ist! Der Götter Vorschlag War diesmal billig. Sie wollen dir Olympus Spitze räumen, Dort sollst du wohnen, Sollst der Erde herrschen! Prometheus. Ihr Burggraf sein Und ihren Himmel schützen?— Mein Vorschlag ist viel billiger: Sie wollen mit mir teilen, und ich meine, Daß ich mit ihnen nichts zu teilen habe. Das, was ich habe, können sie nicht rauben, Und was sie haben, mögen sie beschützen. Hier Mein und Dein, Und so sind wir geschieden. Epimetheus. Wie vieles ist denn dein? Prometheus. Der Kreis, den meine Wirksamkeit erfüllt! Nichts drunter und nichts drüber!— Was haben diese Sterne droben Für ein Recht an mich, Daß sie mich begaffen? Epimetheus. Du stehst allein! Dein Eigensinn verkennt die Wonne, Wenn die Götter, du, Die Deinigen und Welt und Himmel all Sich ein innig Ganzes fühlten. Prometheus. Ich kenne das! Ich bitte, lieber Bruder, Treib's, wie du magst, und laß mich!(Epimetheus ab.) Prometheus- Hier meine Welt, mein All! Hier fühl' ich mich; Hier alle meine Wünsche In körperlichen Gestalten. Meinen Geist, so tausendfach Geteill und ganz in meinen teuren Kindern. Minerva kommt. Prometheus. Du wagst es, meine Göttin? Wagest zu deines Vaters Feind zu treten? Minerva. Ich ehre meinen Vater Und liebe dich, Prometheus! Prometheus. Und du bist meinem Geist, Was er sich selbst ist; Sind von Anbeginn Mir deine Worte Himmelslicht gewesen! Immer, als wenn meine Seele zu sich selbst spräche, Sie sich eröffnete Und mitgeborne Harmonien In ihr erklängen aus sich selbst, Und eine Gottheit sprach, Wenn ich zu reden wähnte; Und wähnt' ich, eine Gottheit spreche, Sprach ich selbst. Und so mit dir und mir So ein, so innig Ewig meine Liebe dir! Minerva. Und ich dir ewig gegenwärtig! Prometheus. Wie der süße Dämmerschein Der weggeschiednen Sonne Dort heraufschwimmt Vom finstern Kaukasus Und meine Seel' umgibt mit Wonneruh, Abwesend auch mir immer gegenwärtig, So haben meine Kräfte sich entwickelt Mit jedem Atemzug aus deiner Himmelsluft. Und welch ein Recht Ergeizen sich die stolzen Bewohner des Olympus Auf meine Kräfte?/ Sie sind mein, und mein ist ihr Gebrauch. Nicht einen Fußtritt Für den obersten der Götter mehr! Minerva. So wähnt die Nacht. Prometheus. Ich wähne, Göttin, auch Und bin auch mächtig.— Sonst!— Hast du mich nicht oft gesehen In selbsterwählter Knechtschaft Die Bürde tragen, die sie In feierlichem Ernst auf meine Schultern legten? Hab ich die Arbeit nicht vollendet, Jedes Tagwerk, auf ihr Geheiß, Weil ich glaubte, Sie sähen das Vergangene, das Zukünftige Im Gegenwärtigen, Und ihre Leitung, ihr Gebot Sei uranfängliche Uneigennützige Weisheit? Nr. I Miuerva. Du dientest, um der Freihett wert zu sein. Prometheus. Ich möcht' um alles nicht Mit dem Donnervogel tauschen Und meines Herren Blitze stolz In Sklavenklauen packen. Was sind sie? was ich? Minerva. Dein Haß ist ungerecht? Den Göttern fiel zum Lose Dauer Und Macht und Weisheit und Liebe. Prometheus. Haben sie das all Doch nicht allein! Ich daure so wie sie. Wir alle sind ewig!— Meines Anfangs erinner ich mich nicht, Zu enden Hab ich keinen Beruf Und seh das Ende nicht. So bin ich ewig; denn ich bin! Und Weisheit—!(Minerva an den Bildnissen herumführend� Sieh' diese Stirne an! Hat mein Finger nicht Sie ausgeprägt? Und dieses Busens Macht Drängt sich entgegen Der allanfallenden Gefahr umher. (Bleibt bei einer weiblichen Bildsäule stehen.) Und du, Pandora, Helliges Gefäß der Gaben alle, Die ergötzlich sind Unter dem weiten Himmel, Auf der unendlichen Erde, Alles, was mich je erquickt von Wonnegefühl, Was in des Schattens Kühle Mir Labsal ergossen, Der Sonne Liebe jemals Frühlingswonne, Des Meeres laue Welle Jemals Zärtlichkeit an meinen Busen angeschmiegt, Und was ich je für reinen Himmclsglanz Und Seclenruhgenuß geschmeckt— Das all, all-- meine Pandora! Minerva. Jupiter hat dir entboten, Ihnen allen das Leben zu ertellen, Wenn du seinem Antrag Gehör gäbst. Prometheus. Das war das einzige, was mich bedenken machte Allein— ich sollte Knecht sein Und— wie alle— Anerkennen drvben die Macht des Donnerers? Nein! Sie mögen hier gebunden sein Von ihrer Leblosigkeit, Sie sind doch frei, Und ich fühl' ihre Freiheit! Minerva. Und sie sollen leben! Dem Schicksal ist es, nicht den Göttern, Zu schenken das Leben und zu nehmen; Komm! ich leite dich zum Quell des Lebens all, Den Jupiter uns nicht verschließt: Sie sollen leben und durch dich! Prometheus. Durch dich, o meine Göttin, Leben, ftei sich fühlen, Leben!— Ihre Freude wird dein Dank sein! (Schluß folgt.) Immer mehr! Von Georg Serwegh. Allüberall Geschrei nach Brot Vom Atlas bis Archangel! In halb Europa Hungersnot, �m halben bittrer Mangel! Die Scheuern leer, die Steuern schwer, Die Ernten schlecht geraten— Doch immer mehr und immer mehr Und immer mehr Soldaten! Geld her für Pulver und für Blei! Für Reiter und für Rosse! Kanonen, Flinten, allerlei Weitttagende Geschosse! Dem Kaiser Geld, dem Papste Geld! Nur immer ftisch von hinten Geladen! Denn der Lauf der Welt Hängt ab vom Laus der Flinten. „Von Gottes Gnaden." „Eine Person von Gottes Gnaden", das ist eine Person, die durch die Gnade Gottes gleich da geboren ist, wohin sie durch eigene Kraft nicht gelangen würde, und die auf ihrem Throne festgewachsen ist, weil sie, aus Furcht, ihn nicht wieder zu bekommen, ihn seit Jabrbunderten nicht zum Reparieren gegeben hat.