Nr. 2 Die Gleichheit 17. Jahrgang eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen KERALAKOVERS Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhalts- Verzeichnis. Unser Panier. 1 Stuttgart den 23. Januar 1907 Warenproduktion in sozialistische, für und durch die Der Arbeiterin Interesse an der Reichstagswahl. Gesellschaft betriebene Produktion." Es stellt sich damit Von Luise Zietz. Auf zum Kampfe gegen den Militarismus! in unüberbrückbaren grundsätzlichen Gegensatz zu der Die Forderungen der Arbeiterinnen in bezug auf bürgerlichen Ordnung, deren Grundlage das Privatden Ausbau der Arbeiterversicherung. Von Gustav Hoch. Ein eigentum ist, und ihren Nutznießern, Stützen und VerDie Stellenvermittlung. Von gefährlicher Feind. Von e. h. teidigern. Mathilde Wurm. Von K. D. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Der Arbeiterin Interesse an der Reichstagswahl. Ein harter, strenger Winter, und die Kohle so teuer, so teuer das Brot, das Fleisch, so teuer die wärmende und schützende Kleidung, so teuer die Wohnung und-so kärg Darin aber beruht die große Bedeutung des sozial- lich der Verdienst! Von den Organisationen. Schaffen, schaffen, daß Hirn und Knochen zermürben, und - Jahresbericht der Vertrauensperson für Bant- Wilhelmshaven. demokratischen Programms und seine starke, zukunfts-Jahresbericht des Arbeiterinnenvereins in Erlangen. Die frohe tragende Kraft: Es ist nicht die Quintessenz eines dabei entbehren, oft das nötigste entbehren, das ist das Los Behörden im Kampfe gegen die proletarischen Frauen.- Politische fünstlichen und willkürlichen gesellschaftlichen Systems, der meisten unserer Arbeiterinnen. Sind sie doch die AusRundschau. Von G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Ein das geistreiche Köpfe und heiße Herzen ausgeflügelt haben, gebeutetsten unter den Ausgebeuteten. Unsere Arbeiterinnen, die die Zusammenhänge des wirtbrilberlicher Solidarität der franzöſiſchen Genossen. welche sich wider die übel der kapitaliſtiſchen Ordnung schaftlichen und politischen Lebens erfaßt, die ihre ZugehörigBeweis empörten und von einer freien und glücklichen Mensch- feit zur Arbeiterklasse begriffen haben, sind sich auch ihrer Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenstimmrecht.- Berschiedenes. heit träumten. Es ist vielmehr das Resultat der Ein Pflichten als Mitglieder ihrer Klasse bewußt. Sie ton: Die Macht des Gebankens. Bon Nikolaus Lenau.( Geficht in die Triebkräfte und Bewegungsgesetze der geschicht haben sich mit ihren Werksgenossen in gewerkschaftlichen bicht.)- Prometheus. Dramatisches Fragment von Wolfgang lichen Entwicklung, in Triebfräfte und Bewegungsgefeße, Organisationen zusammengeschlossen, um durch gemeinQuittung. Goethe.( Schluß.) Zur Beachtung. Die Beilage„ Für unsere Kinder" erscheint von nun an in verdoppeltem Umfang, ohne daß Der Abonnementspreis erhöht wird. Möge das den Genossinnen ein Ansporn sein, noch reger als bisher für die„ Gleichheit" zu agitieren. welche von der wissenschaftlichen Forschung entdeckt und fames, solidarisches Vorgehen, durch gemeinsamen Kampf in ihrer ehernen Unabänderlichkeit nachgewiesen worden dem Kapital möglichst viel abzutrogen- sei es in Gestalt von find. Das sozialdemokratische Programm ist nicht das Lohnerhöhung, sei es in Gestalt von Arbeitszeitverkürzung. Kind der Utopie, es ist das der Wissenschaft. Aber just die Erfahrung der wirtschaftlichen Kämpfe lehrt Die lebendige Wirklichkeit unserer Tage bestätigt daher sie bald, daß die Klasse der Kapitalisten nicht nur die sie immer unzweideutiger, unanfechtbarer die Richtigkeit der Sie lernt begreifen, daß der Kapitaliſt nicht nur ſeine wirtvon ihm gezeichneten großen Entwicklungslinien, die von schaftliche Macht, die im Beſitz wurzelt, gegen sie ausder fapitalistischen zur sozialistischen Ordnung führen. spielt, indem er ihre Arbeit niedrig entlohnt, indem er sie Sie zeigt das Weben und Walten geschichtlicher Mächte, zwingt, durch lange, opferreiche Rämpfe jebe kleine Berwelche mit eherner Notwendigkeit den Triumph der besserung mühsam zu erringen, oder indem er durch Aussozialistischen Ideale vorbereiten und sichern. sperrungen fie dem Hunger überantworten und dadurch willDie wirtschaftliche Entwicklung der kapitalistischen fährig machen möchte, sondern daß er auch seine poliUnser Panier. Gesellschaft steht im Zeichen der sozialen Revolution, tischen Machtmittel gegen sie ausspielt. Und deren sind nicht wenige. Denn der heutige Staat, er ist die Form, der über dem tosenden Waffenstreit des Wahlkampfes welche das kapitaliſtiſche Privateigentum an den Bro- Ausdruck, die Organisation der Klaſſenherrschaft. Die Regieumb ben Fähnlein der„ Wahlparolen", zu denen die buktionsmitteln durch das Geſellſchaftseigentum ablöjen rung iſt der geſchäftsführende Ausschuß der herrschenden Barteien stehen, flattert ein stolzes, leuchtendes Panier: muß. Anders vermag die Geſellſchaft nicht mehr der Klassen, die organisierten Machtmittel des Staates sind ihre das find sozialdemokratische Programm. riesigen, märchenhaften Produktivkräfte Herr zu werden, Machtmittel, die sie zur Beherrschung, zur Unterdrückung der " Bon allen Parteien ist die Sozialdemokratie die einzige, deren Entfaltung eine Aufgabe der kapitaliſtiſchen Pro- Arbeiterklaſſe anwendet. Wie diese Machtmittel gegen die die um ein grundsätzliches Programm geschart in den duktion gewesen ist. Anders aber auch ist es aus- Arbeiterin mobil gemacht werden, das bekommt sie während Wahlkampf gezogen ist und ihre Schlachten schlägt und geschlossen, die überquellenden Vorteile des revolutio- iebes Streits zu kosten, wenn die Polizei eingreift zugunsten schlagen muß. Das iſt geſchichtlich bedingt. Die Sozial- nierten Wirtschaftsgetriebes aus einem Vorrecht weniger der Unternehmer, wenn sie die Streitposten vertreibt und Demokratie allein repräsentiert eine aufsteigende Klasse Satter und überſatter zu einem Segen für alle zu er mit Strafmandaten beglückt, wenn vielleicht gar das„ herrund betritt damit als bewußte Bahnbrecherin und Trägerin heben, zu der Bürgschaft allgemeiner höchster Kultur- liche Kriegsheer" gegen den„ inneren Feind" mobil gemacht wird, wenn die Justiz gegen Streifsünder" Urteile fällt, der historischen Entwicklung und Zukunft das Kampffeld. möglichkeit. die den Geist der Zuchthausvorlage atmen und uns den Die kapitalistische Ordnung selbst erzeugt und sammelt letzten schäbigen Rest unseres Koalitionsrechtes estamotieren. Alle übrigen Parteien und Spielarten von Parteien bis hinab oder hinauf zu den Nationalsozialen, die selig die Klasse, welche als ihre Todfeindin und überwinderin Die Geißelhiebe der Klassenherrschaft sausen täglich nieder in den einen kolonialfollerigen Liberalismus eingegangen über das geschichtliche Blachfeld schreitet: das moderne auf den Rücken der Arbeiterin in Gestalt des Brot- und vertreten Klassen, deren Entwicklung sich in ab- Proletariat. In allen Ländern mit kapitalistischer Ent- Fleischwuchers, in Gestalt unserer gesamten widersinnigen Steigender Linie bewegt. Sie möchten das geschichtliche wicklung gewinnt das Proletariat an Bahl, an Reife, Boll- und Handelspolitik; diese Geißelhiebe bekommt sie zu Werden beschwören und bannen; ginge es nach ihnen, an Kraft. Zielbewußt, immer besser gerüstet, immer fühlen in der famosen Finanzreform", die uns nicht nur so müßte das soziale Gestrige und Heutige auch das fester zusammengeschweißt, ringt es mit der Kapitalisten- 180 Millionen neuer Steuern aufgehalft, sondern Tausenden es mit beyt. apitaliſtam, Arbeiterinnen die Arbeitsgelegenheit geraubt hat, ſie bekommt Morgige, das hiſtoriſch Ewige ſein, an dem es höchstens claſſe um den Beſiß der politiſchen Macht. Langjam, fie zu fühlen in der gesamten Steuergesetzgebung. Alle dieſe einige allzu auffällige„ Schönheitsfehler“ nach dem Kon- aber unaufhaltsam bringt es vorwärts; auch zeitweise Erfahrungen aber lehren die Arbeiterin, daß sie über die zept erfindungsreicher Köpfe zu korrigieren gälte. Ihr Niederlagen vermögen feinen ſiegreichen Groberungsmarsch Erringung von Augenblickserfolgen hinaus sich am KlaffenEndziel" iſt in und mit der kapitalistischen Ordnung nicht aufzuhalten. Um ſein Banner scharen fich alle, kampf zu beteiligen hat; daß sie außer im gewerkschaftlichen, verwirklicht: die Klassen, deren Interessenvertretung im welche in der kapitaliſtiſchen Ordnung Enterbte sind. gleichfalls im politischen Kampfe ihren Mann zu stellen politischen Leben ihre Hauptaufgabe ist, find freie, find Die Klasseninteressen, welche es vertritt, fallen immer hat, soll anders ihr nicht durch einen einzigen politischen herrschende Klassen. Die bürgerlichen Parteien können mehr und offensichtlicher mit den Lebens-, den Kultur- Aft, durch das Zusammenwirken von Schlot- und Krauts daher kein großzügiges grundsätzliches Programm mehr intereffen der ungeheuren Mehrheit aller Gesellschafts- juntern wieder genommen werden an 3ollerhöhungen, was haben, das, von dem Prinzip der historischen Entwick mitglieder zusammen; sein Emanzipationskampf wird sie in jahrelangem Kampf durch Lohnerhöhungen errungen hat. Ja mehr noch. Durch den politischen Kampf gilt es lung getragen, über die Gegenwart hinausweist. Jedes zum Befreiungswerk, welches die ganze Menschheit von erst die Basis zu schaffen, oder mindestens diefelbe zu dafern es nicht an Stelle der for- allen knechtenden und niederziehenden Mächten erlöst. erhalten und zu erweitern, auf welcher der gewerksolche Programm Die Verschärfung des Klassenkampfes ist ein beredtes schaftliche Kampf ausgefochten werden kann. Besitzen doch schenden Wissenschaft die glaubensstarte Utopie sett muß ja die überwindung des sozial Seienden durch das Zeugnis seiner wachsenden Kraft. Sein einstiger Sieg Millionen von Arbeiterinnen noch fein Roalitionsrecht, oder Werdende künden, mit anderen Worten: die Götter ist kein Rühmen, ist kein Droh'n", er ist der Geschichte richtiger noch kein Streifrecht, so die Landarbeiterinnen, die Dienstboten. Wird doch Hunderttausenden von Arbeiterinnen dämmerung der herrschenden Klassen in der bürgerlichen ew'ges Muß". Mit ruhigem Stolze kann daher die Sozialdemokratie die Ausübung ihres Koalitionsrechtes erschwert, zum Teil Gesellschaftsordnung, die unvermeidliche soziale Revo lution, deren Hammerschlag die Ketten des Proletariats in der Wahlschlacht den fämpfenden proletarischen Heer- fogar illusorisch gemacht nicht nur durch das oben gehaufen das Panier ihres Programms vorantragen. schilderte Vorgehen von Polizei und Justiz, sondern auch durch Sprengt. die reaktionäre Fassung und Handhabung unseres VereinsGanz anders die Sozialdemokratie: Als politische Leidenschaftlich begeistert werden ihm besonders die Prole- und Versammlungs, rechtes". Die Erringung eines Sachwalterin einer Klasse, welche geschichtlich berufen iſt, tarierinnen folgen. Sie wissen, daß nur der Umſturz einheitlichen und freiheitlichen Vereins- und Verzusammen mit ihrer eigenen Befreiung die menschliche der heutigen Ordnung, daß nur die Vergeſellſchaftung fammlungsrechtes, eines freien und gesicherten Emanzipation alles deffen zu vollziehen, was Menschen- der kapitalistischen Produktionsmittel und die Begründung Koalitionsrechtes ist also geradezu eine Lebensfrage, antlig trägt, kann ihr„ Reich nicht von dieser Welt", der sozialistischen Ordnung das tausendfältige Elend ihrer eine Vorbedingung für die Möglichkeit, sich aus eigener der bürgerlichen Welt sein. Sie hat ein„ Endziel", das Klassensklaverei endet. Und sie sind sich klar darüber, Kraft eine hellere, sonnigere Gegenwart zu schaffen, sich ein jenseits der heutigen Gesellschaftsordnung liegt und erst daß ihre volle menschliche Emanzipation als Frauen nur besseres Stück Brot, ein gefälligeres Kleid, ein gemütlicheres nach deren Aufhebung verwirklicht werden kann. Das das Wert eines sozialistischen Regimes sein kann, weil Heim zu erkämpfen. sozialdemokratische Programm fordert daher die Ver- ein solches Regime allein die gesellschaftlichen Vor- abgeftumpfte Arbeiterinnen vermögen diesen Kampf um eine an Pro- bedingungen für die freie und harmonische Entwicklung puftionsmitteln- Grund und Boden, Gruben und Berg- und Betätigung von Persönlichkeiten schafft, die ganz werke, Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen, Berkehrsmittel Weib sind, weil sie ganz Mensch zu sein vermögen. In in gesellschaftliches Eiaentum und die Umwandlung der den Kampf mit unserem Panier, für unser Banier! Bis aufs Blut ausgebeutete, förperlich degenerierte, geistig kämpfen. Dazu bedarf man körperlich gefunder und geistig regsamer Menschen. Die Arbeiterinnen brauchen also einen ausgedehnten gesetzlichen Schutz gegen die kapitalistische Aus 10 Die Gleichheit Nr. 2 beutung. Auch dieser ist wiederum nur auf gesetzlichem Wege erreichbar. Desgleichen ein Gesetz, welches ihre Kinder vor der Ausbeutung schützt. Aber im kapitalistischen Klasseustaat ist die Arbeiterin, deren persönliches und deren Familien� und Klasseninterefse durch tausend Fäden mit der Politik, mit der Gesetzgebung auf das engste verknüpft ist, politisch rechtlos und damit bis zu einem hohen Grade politisch machtlos. Bon um so höherer Wichtigkeit und Bedeutung ist aber just deswegen für sie die gegenwärtige W ah l beweg ung. Für sie gilt es, bei der bevorstehenden Wahl derjenigen Partei Anhänger zu werben und zuzuführen, die allzeit den Kampf geführt hat gegen Unterdrückung und Rechtlosigkeit, in welcher Gestalt sich dieselbe auch präsentierte, vor allem auch gegen die Rechtlosigkeit der Frau. Und diese Partei ist einzig und allein die Sozialdemokratie. Für jede Arbeiterin, die ernsthaft den Kampf zu führen gedenkt um die Eroberung politischer Rechte: des Versammlungs- und Vereinsrechtes, des Wahl- rechtes, ist es Ehrensache, mit ganzer Leidenschaftlichkeit und Hingabe, aber auch mit zäher Energie und Ausdauer für die Sozialdemokratie zu agitieren. Bedürfen wir doch dringend dieser Rechte, wie wir oben nachgewiesen, für die Durchführung von Gegenwartsforderungen. Aber ebenso dringend bedürfen wir ihrer als Waffen für den endgültigen Befreiungskampf aus den Banden des Kapitalismus. Können alle Gegenwartsforderungen doch höchstens unsere Ketten ein wenig locker», aber nicht uns derselben entledigen. Dazu bedarf es der Umwandlung der kapitalistischen Wirt- schaftsordnung in die sozialistische, der Umwandlung des Privateigentums an Produktionsmitteln in das Gemein- eigentum, der Umwandlung des Klassenstaats in die sozia- listische Gesellschaft. Die Arbeiterklasse, der diese historische Aufgabe gestellt ist, braucht dazu die politische Macht. Diese zu erobern ist die Pflicht aller Klassenangehörigen: der Männer und der doppelt und dreifach Geknechteten, des- halb auch dreifach Interessierten: der Frauen, der Arbeite- rinnen. Deshalb heraus aus den Hütten, den Fabriken, den Werkstätten, heraus aus der Heimarbeit, herunter vom Bau und vom Feld, heraus aus Kontoren und Läden, und wo immer Proletarierinnen schanzen, hinein in den Wahlkamps! Eure Parole sei: Her mit unseren Staatsbürger- rechten! Wir bedürfen ihrer, um als gleichwertige Klassen- kämpfer siegreich neben den Genossen im Gegenwarts- kämpf vorwärts zu dringen: dem Sozialismus ent- gegen. Luise Zieh. Auf zum Kampfe gegen den Militarismus! Der Reichstag ist aufgelöst worden! Warum? Einmal weil sich keine Mehrheit fand, die bereit war, die Mehrkosten von ungefähr 30 Millionen Mark für den südwestasrikanischen „Kriegszug" zu bewilligen— das Zentrum wollte nur 20 Millionen, die Sozialdemokraten gar nichts gewähren. Dann aber— und das ist der Hauptgrund der Auflösung—, weil die Reichstagsmehrheit sich erlaubt hat, an der Krieg- führung in Südafrika Kritik zu üben, weil sie eine Beilegung des Krieges, eine allmähliche Zurückziehung der Truppen verlangte und sich so dem Plan der Schaffung einer ständigen Kolonialarmee entgegenstellte.„Die Regierung kann sich von den Parteien und dem Parlament nicht vorschreiben lassen, wieviel Truppe» sie für kriegerische Operationen braucht." Diese Worte Bülows enthüllen des Pudels Kern: Die Volksvertretung soll in militärische Ange- legenheiten nicht hinein zu reden haben, sie hat nur das nötige Gold zu bewilligen, im übrigen aber das Maul zu halten. Es gilt nicht ein paar Millionen Mark, ein paar tausend Mann mehr oder weniger, es gilt nichts geringeres als das Mitbestimmungsrecht des Volkes in militärischen Tingen— das ist's, was den Mili- tarismus bei den kommenden Wahlen in den Mittelpunkt des. Interesses stellt. Das ist es auch, was uns Frauen veranlassen sollte, uns über diesen unseren Todfeind klar zu werden und zu ihm Stellung zu nehmen. Unser Todfeind, ja, das ist der Militarismus! Jedes Jahr verschlingt er viele Millionen Mark, die dem Volke Pfennig- und groschenweise durch Zölle und indirekte Steuern aus dem Beutel geholt werden. 1906 sind für das Landheer 743 Millionen, für die Flotte 266'/i Millionen Mark gebraucht worden. Zählt man dazu noch die 98'/, Millionen Mark Ruhegehälter für die Pensionäre von Militär und Marine und die 127 Millionen Zinsen für unsere fast auf 4 Milliarden angewachsene Reichs schuld— eine Schuld, die zum größten Teil für Militär- und Marinezwecke ge- macht worden ist—. so kommt das nette Sümmchen von 1240 Millionen Mark heraus, die in einem einzigen Jahr dem unersättlichen Götzen Militarismus und seinen Priestern zum Opfer gebracht worden sind. Deshalb wurden Fleisch und Brot immer teurer, deshalb müssen, um nur einiges zu erwähnen, von jedem Pfund Salz 6 Pf., von jedem Pfund Speck 13 Pf., von jedem Pfund Kaifee 20 Pf. Steuern oder Zoll gezahlt werden. Fast 100 Mk. sind es, die einer fünf- köpfigen Familie jährlich durch Zölle und indirekte Steuern an ihres Leibes Nahrung und Notdurft abgeknapst werden für Kasernen und Kriegsschiffe, für Kanonen und Flinten, für blitzende Uniformen, Tressen und Knöpfe. Hundert Mark! Das ist der Lohn für 4 bis 8 Wochen saure Arbeit, das ist ein Zwölftel bis ein Sechstel des gesamten Jahres- einkoinurens von vielen Millionen Faimlien! Aber dabei wird's nicht bleiben. Die Militärausgaben steigen von Jahr zu Jahr. Der Etat für 1907, den der auseinandergejagte Reichstag alleruntertänigst zu bewilligen keine Gelegenheit inehr gehabt hat, verlangt noch volle 90 Millionen Mark mehr als der vorjährige! Um solche Riesensummen aufzubringen, ge- nügen natürlich die alten und die neuen Steuern noch längst nicht, es werden neue Steuerquellen aufgesucht, neue An- leihen gemacht werden müssen. Damit steigen aber wieder die jährlichen Ausgaben für Zinsen: neue Steuern, neue Schulden werden nötig, und so fort ohne Ende— wenn das Volk sich nicht endlich aufrafft und der Regierung ein don- nerndes„Halt!" entgegenrust. Dem Militarismus den Krieg zu erklären gilt es aber nicht allein um der Kosten willen. Er fordert nicht nur sachliche, er fordert auch persönliche Opfer. Wenn du deine Söhne groß gezogen hast, du Mutter aus dem Proletariat, wenn sie ausgelernt und vielleicht schon lohnende Arbeit gefunden haben, dann reißt sie der Militarismus auf zwei, drei Jahre heraus aus Beschäftigung und Brot. Die schon gelernt hatten, auf eigenen Füßen zu stehen, bedürfen wieder der elterlichen Unterstützung. Denn wehe dem armen Burschen, der ohne etwas Taschengeld und ohne eine Heimat- liche Wurstkiste ab und zu von 22 Pf. täglicher Löhnung auskommen muß! Und wenn die Proletariersöhne den bunten Rock wieder ausziehen, dann haben sie das meiste von dem wieder verlernt, was sie sich in ihrer teuren Lehr- zeit erworben haben, und müssen es sich in mühsamer, schlechtgelohnter Arbeit wieder erringen. Wenn dein Sohn heute zum Militär einberufen wird, weißt du, ob du ihn gesund und kräftig wieder siehst? Viel- leicht ist der Stellvertreter Gottes, dem er zur militärischen Erziehung anvertraut wird, einer jener sattsam bekannt ge- wordenen Teufel in Menschengestalt. Er peinigt und quält seine Untergebenen so lange, bis das Lazarett oder— der selbstgewählte Tod ihn aufnimmt; oder bis der Unglückliche seinen„Fahneneid" vergißt und das Weite sucht, oder gar in einem letzten Aufflammen des zu Boden getretenen Selbst- gefühls sich an seinem Peiniger vergreift— wofür er dann mit langjähriger Gefängnis- oder Zuchthaushaft büßen muß.— Vielleicht sinkt dein Sohn auf heißem Tagesmarsch zu Boden, ein Opfer der verzehrenden Sonnenglut! Viel- leicht wird er in dumpfiger, ungesunder Kaserne ein Raub von Typhus und Genickstarre! Vielleicht kehrt er, der dich als noch unverdorbener Junge verließ, von unsauberen Kameraden verführt, nicht nur seelisch, sondern auch köper- lich vergiftet zu dir zurück! Und auch geistig wird dein Sohn dir entfremdet. In Schule und Haus hat man ihn gelehrt, kein Tier zu quälen, geschweige denn einem Menschen wehe zu tun. Jetzt wird er systematisch zum Massenmord abgerichtet. Tu hast ihn erzogen zu Achtung und Liebe für andere Menschen. Jetzt wird ihm gelehrt, daß er in des Königs Rock—„der des Königs heißl, weil das Volk ihn bezahlt"— etwas viel Besseres ist als das armselige Zivilistenpack, gegen das er sogar von der Waffe Gebrauch machen darf, wenn es ihm auch nur mit einem Worte zu nahe tritt. In inili- tärischem Geiste wird er erzogen, der richtiger„militärische Geistlosigkeit" heißen sollte. Der Kapitalismus hat den Menschen zum Sklaven der Maschine geinacht, der Mili- tarismus macht ihn selbst zur Maschine, zum blinden, willenlosen Werkzeug in der Hand jedes Menschen, der die Gefreitenknöpfe, die Unteroffizierstressen oder den Offiziers- rock trägt. Der geniale Gaunerstreich von Köpenick hat selbst den unbefangensten Gemütern die wahre Natur des„mili- tärischen Geistes" entschleiert als einen Mechanismus, den auch jeder Unbefugte in Bewegung setzen kann, wenn er nur auf den richtigen Knopf drückt. Aber sind die großen Opfer, die die Gesamtheit wie jeder einzelne dem Militarismus zu bringen hat, nicht not- wendig? Müssen wir nicht ein starkes, wohl diszipliniertes Heer haben, um das Vaterland zu schützen gegen äußere Feinde, gegen Russen, Franzosen oder Engländer? Ja, so ist es euch in der Schule vorgeredet worden, so redet es noch jeden Tag die sogenannte„gut gesinnte" bürgerliche Presse ihrem Publikum vor. Aber laßt einmal unsere jüngsten militärischen Heldentaten vor eurem Geist vorüberziehen. Denkt an das chinesische Abenteuer, denkt an den Kampf gegen die armseligen Negerstämme in den afrikanischen Kolonien, denkt an den unsinnigen Marokkohandel, der um ein Haar Deutschland in einen Weltkrieg verwickelt hätte. War da das Vaterland in Gefahr? Hatte das Vaterland auch nur irgend ein allgemeines Jntereffe an diesen Kämpfen? Nein, es handelte sich nur um die Interessen iveniger profitgieriger Großkapitalisten, die Absatzmärkte für ihre Produkte, billige Rohstoffe und Arbeitskräfte für ihre Produktion zu erlangen strebten. Nicht ein Schutz des Vaterlandes, sondern eine schwere Gefahr für das Vaterland ist der heutige Militarismus, der als raffiniert fein gefügter, aber geist- und willenloser Mechanis- mus in der Hand einer täppischen oder gewissenlosen Regie- rnng unendliches Elend über Land und Volk bringen kann. Man denke nur an das furchtbare Verbrechen des russisch- japanischen Krieges mit seinem Gefolge von Tod und Ver- stümmlung, von Wahnsinn und Verzweiflung, von Krankheit und Hunger; man lese die entsetzlichen Schilderungen in Leonid Andrejews„Das rote Lachen", und man wird fühlen; ja, der Militarismus ist unser Todfeind, der Tod- feind aller Kultur und aller Menschenwürde. Aber mehr noch: er ist auch der Todfeind der Frei- heit und des Fortschritts. Er soll ja nicht nur dem Kampfe gegen den äußeren Feind, er soll auch dem Kampfe gegen den inneren Feind dienen. Der innere Feind, das seid ibr selbst, das sind eure Männer, Väter, Brüder, Söhne, wenn sie nicht in stumpfer Gleichgültigkeit dahinleben, son- dern nach besseren Arbeitsbedingungen, nach mehr Recht in Staat und Gesellschaft streben. Wo ein größerer Streik ausbricht, da wird gleich Militär hingeschickt, oft um Streik- brecherdienste zu leisten, immer, um beim geringsten Anlaß unter die Streikenden zu schießen. Und als am 21. Januar v. I. das arbeilende Volk für politische Gleichberechtigung dcmon- strieren wollte, da wurden in Preußen und Sachsen die Truppen bereit gehalten, die Bewegung im Blute zu er- sticken. Nicht zum Schutze des Vaterlandes, sondern zu Nutz und Frommen des Unlernehmertrnus, der Reichen und Mächtigen ist das Militär da! Ach, wenn sie euch nicht hätten, War alles wohl bestellt; Aus euren Bajonetten Ruht die verkehrte Welt. An euren Bajonetts Klebt aller Zeiten Fluch; Wir trügen keine Ketten, Trügt ihr kein buntes Tuch. Diese Klage der„Arbeiter an ihre Brüder" wird so lange berechtigt sein, bis an Stelle des durch Gamaschendrill und grausame Kriegsartikel zusammengekitteten stehenden Heeres eine Volkswehr getreten ist, die, begründet auf die geistige und körperliche Tüchtigkeit jedes einzelnen, dem Volke nationale Unabhängigkeit nach außen und soziale Freiheit nach innen garantiert. Die Regiernng und die herrschende Klasse, sie wissen, daß der Militarismus das festeste Bollwerk ihrer Macht ist. Darum ist die Regierung in keinem Punkte so empfindlich wie in diesem. Bei sämtlichen Reichstagsauflösungen seit 1887 handelte es sich um militärische Angelegenheiten. Darum ist der Militarismus zu einem Staat im Staate geworden, mit eigenen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit, ja sogar eigenen Ehr- und Moralbegriffen. Darum ist die Regierung bestrebt, den Einfluß des Militarismus über fein eigentliches Gebiet hinaus zu erweitern,„militärischen Geist" auch ins bürger- liche Leben zu verpflanzen, indem sie alle Plätze, die sie zu vergeben hat, vom Briefboten und Schutzmann an bis zum Staatsminister mit„Militäranwärtern" besetzt. Aus deni Gesagten geht deutlich hervor, daß wir im Militarismus unseren Todfeind zu bekämpfen haben. Und diesen Kampf müssen auch wir Frauen aufnehmen. Zunächst, indem wir bei uns selbst mit der Militärverherrlichung auf- räumen. Statt jedem Soldatenzug nachzulaufen, du Arbeiter- frau, du Mädchen aus dem Volke, bedenke lieber, daß du selbst mit manchem sauer verdienten Markstück helfen mußt, für den bunten Spektakel die Kosten auszubringen. „Wer saselt noch vom Rock des Königs?— Liebe Zeit! Gabt ihr die Wolle doch dazu: gcschorne Schafe, die ihr seid!" Und bedenke, daß diese blanken Flintenläufe, die so lustig in der Sonne blitzen, sich vielleicht in kurzem auf dich, auf deine Brüder, auf deine Kinder richten können! Nicht Freude, — nein, Zorn sollst du empfinden, wenn du die bunten Uni- sonnen siehst. Und diese Empfindung sollst du auch deinen Kindern einflößen, so daß sie sich von dem schönen Schein nicht blenden lassen, und wenn einmal der Tag der Aus- Hebung an sie herantritt, sie nicht mit Blumen und Bändern geschmückt jubelnd durch die Straßen ziehen, sondern wissen, was sie erwartet; daß sie das Unvermeidliche zwar mit Würde tragen, aber keinen Augenblick vergessen, wo der Feind steht.— Bei der kommenden Reichstagswahl sollst auch du Arbeiterin oder Arbeiterfrau nach Kräften dafür wirken, daß die einzige Partei, die den Militarismus von Grund aus bekämpft, um viele Kämpfer vermehrt in den Reichstag einzieht. Wenn du auch nicht mit wählen darfst, so kannst du doch aufklären und agitieren, kannst die Gleichgültigen aufrütteln, die Lässigen anspornen, die Angstlichen ermutigen. Nieder mit dem Militarismus! Das muß jetzt deine Losung sein. Er ist dein Todfeind, du sorgsame Haus- frau, weil er dir und den Deinen die schmalen Bissen vom Munde wegstiehlt. Er ist dein Todfeind, du Mutter, weil er deine Söhne knechtet und zerfleischt. Er ist dein Todfeind, du Proletarierin, weil er sich deinem Streben nach Anteil an Lebensglück und Lebens- sreude drohend in den Weg stellt, weil er der festeste Stützpfeiler der herrschenden Ungerechtigkeit und Aus- beutung ist. Darum: Auf zum Kampf gegen den Militarismus! X. D. Die Forderungen der Arbeiterinnen in bezug auf den Ausbau der Arbeiterversicherung. Die bevorstehende Reichstog-wahl wird auch für den Ausbau unserer Arbeilerversicherung von großer Bedeutung sein. Auf der einen Seite liegen die arbeiterfeindlichen Parteien auf der Lauer, um bei der ersten günstigen Ge- legenheit den Arbeitern die letzten Reste ihres Einflusses auf die Arbeiterversicherung zu entreißen. Und eine günstige Gelegenheit dazu haben sie, wenn wirklich die Reichstags- wählen in ihrem Sinne ausfallen sollten. Auf der anderen Seite hat die Sozialdemokratie eine ganze Reihe von For- derungen für den Ausbau der Arbeiterversicherung aufge- stellt, die sie mit um so stärkerem Nachdruck vertreten kann, je größer ihre Erfolge bei den Wahlen sein werden. Bon diesen Forderungen sind mehrere darauf gerichtet, die Arbeiterversicherungsgesetze so zu verbessern, daß auch die Arbeiterinnen mehr zu ihrem Rechte kommen, als das bisher der Fall gewesen ist. Die Grundlage für diese Re- form muß eine gründliche Änderung der Art und Weise sein, wie die Gelder aufgebracht werden, die zur Deckung der Kosten der Arbeiterversicherung gebraucht werden. Be- kanntlich werden die Kosten der Unfallversicherung von den Unternehmern, die Kosten der Krankenversicherung ganz oder zum größten Teil von den Arbeitern und die Kosten der Nr. 2 " Die Gleichheit Ein gefährlicher Feind. 11 Invalidenversicherung von den Unternehmern, den Arbeitern Das Zentrum trägt sein gerüttelt und geschüttelt Maß und dem Reiche gedeckt. Es ist aber ein Unding und ein Schuld daran, daß die soziale Gesetzgebung nicht vom Flecke Widerspruch mit dem Zweck der Arbeiterversicherung, daß Es war am Tage der vorletzten Reichstagswahl. In gekommen ist. Es ist die Partei der sozialpolitischen Spiegeldie Arbeiter, deren Einkommen noch nicht einmal zur Be- später Abendstunde noch füllte eine dichtgedrängte Menge fechterei. Um die katholischen Arbeitermassen am Gängelstreitung der dringendsten Bedürfnisse des Tages reicht, mit den weiten Plaz vor dem Gebäude des Lokalblattes, das bande zu halten, verspricht es soziale Reformen; um es aber einem Teile der Kosten, die durch die Arbeiterversicherung mittels Scheinwerfer und Transparenten die einlaufenden mit seinen Gevattern, den Grubenbaronen und Baumwollverursacht worden sind, belastet werden. Dadurch wird die Resultate bekannt gab. Je nach der Parteizugehörigkeit be- fönigen nicht zu verderben, hütet es sich davor, seinen großen traurige soziale Lage, namentlich die Unterernährung der grüßte das Publikum diese lakonischen Meldungen mit Jubel Einfluß je ernstlich für soziale Reformen in die Wagschale Arbeiter und deren schädliche Folgen vergrößert. Aus oder dumpfem Stillschweigen. Und es gab mehr Still zu werfen. Das Zentrum gehört auf die Armesünderbank diesem Grunde muß in erster Linie verlangt werden, daß schweigen als Jubel, denn mit beängstigender Gleichmäßig- dafür, daß die Berggesegnovelle eine blutige Verhöhnung zur Deckung der Kosten der Arbeiterversicherung einzig und teit verkündete die weiße Tafel die Namen von Zentrums- der Bergarbeiter geworden ist. Hätte es in Treue gewollt, allein der überschuß der produktiven Arbeit, der Unter- leuten als im ersten Gang gewählt, während bei allen der zehnstündige Normalarbeitstag wäre längst Gesetz. Weil nehmerprofit, in Anspruch genommen wird, die Arbeiter da- anderen Parteien einstweilen die Zahl der Stichwahlen es nicht in Treue gewollt hat, haben aber nicht einmal die gegen von dieser Last vollständig verschont bleiben. Dadurch weitaus überwog. Ich ging heim, niedergedrückt von der Arbeiterinnen heute den gesetzlichen Zehnstundentag. Nicht wird erst die Möglichkeit gegeben, die notwendigen Mittel Erkenntnis, wie fest der Zentrumsturm einstweilen noch einmal die Arbeiterinnen, die doch als Mütter, Töchter, zu beschaffen, um endlich die Leistungen der Arbeiterver- immer stand. Das aber war das bitterste Gefühl, daß ich Schwestern wenigstens nach Feierabend einige Stunden als sicherung den Bedürfnissen unserer Zeit anzupassen. mir sagen mußte: Arbeiter hatten ihr groß Teil zu den Menschen, als Frauen leben und Familienpflichten erfüllen Ebenso unerläßlich zu der Durchführung der nötigen Wahlfiegen der Zentrümler beigetragen. Und nicht die Männer möchten. Die Herren Zentrümler aber, welche mitschuldig Verbesserungen ist ferner, daß den Arbeitern ihr Selbst- der frondenden Massen allein, auch die Frauen waren mit- daran sind, erklären salbungsvoll, daß die Frau ins Haus verwaltungsrecht in keinem Zweige der Arbeiterversiche- schuldig daran. Wie mancher Arbeiter, bei dem die poli- gehöre. Heuchler und Otterngezücht! Sei der bewiesenen rung länger vorenthalten und den Arbeiterinnen dabei volle tische Predigt seines Kaplans nicht mehr verfing, und den Heuchelei und Treulosigkeit eingedenk, du Arbeiterin, wenn Gleichberechtigung zugestanden wird. Die Arbeiter und Ar- es zu den„ Roten" zog, war durch sein Weib veranlaßt wor- dir von dem langen Arbeitstag die Glieder schmerzen, wenn beiterinnen müssen in der Lage sein, aus ihren eigenen Er- den, doch wieder dem von der Kanzel empfohlenen Kandi- deine Kleinen unversorgt geblieben sind, und wenn du abends fahrungen heraus diejenigen Maßnahmen zu treffen, welche daten seine Stimme zu geben. Warum ihn die Frau dazu zu abgehezt und ausgenutzt heimkommst, um ihnen in vollem im Interesse der Versicherten notwendig sind. überredet hatte, die sich sonst nicht um das politische Leben Sinne des Wortes Mutter sein und dem Manne eine trauWelchen Nutzen die Arbeiterinnen davon haben werden, kümmerte? Je nun, weil es ihr der ehrwürdige Herr liche Stätte bereiten zu können. Aber auch du, Arbeiterfrau, sei durch einige Beispiele gezeigt. Den Orts-, Betriebs- Pfarrer bei einem Hausbesuch oder im Beichtstuhl zur Pflicht lasse dich dadurch über das Zentrum belehren. Können ( Fabrik), Bau- und Innungsfrankenkassen ist durch das gemacht hatte. dir seine politischen Sünden gleichgültig sein? Siehst du Krankenversicherungsgesetz unter anderem die Befugnis er- Verdient denn aber das Zentrum das Vertrauen, die nicht den Gatten vor der Zeit kränklich, arbeitsunfähig teilt, Schwangeren, welche mindestens 6 Monate der Kasse Unterstützung, welche es bisher noch bei den katholischen werden, vielleicht ins Grab sinken, weil die Gesetzgebung angehören, eine der Wöchnerinnenunterstützung gleiche Arbeitermassen gefunden hat? Mit nichten. Gerade auf nicht durch Begrenzung des Arbeitstags, durch VorschriftenUnterstützung für die Zeit der Erwerbsunfähigkeit infolge das Verhalten der Zentrümler den Arbeitermassen gegenüber zum Schuße von Gesundheit und Leben der Auswucherung der Schwangerschaft zu gewähren, aber nur bis zur Ge- trifft zu, was den Herren einst ein guter Katholik, Dr. Sigl, seiner Arbeitskraft Schranken gezogen hat? samtdauer von 6 Wochen. Auch kann freie Gewährung der ins Stammbuch schrieb:„ Sie lügen wie die Teufel und Und wie steht das Zentrum zu den Bestrebungen der erforderlichen Hebammendienste und freie ärztliche Behand schwindeln aus Prinzip." Das Zentrum, das sich nach Arbeiter und Arbeiterinnen, sich auf dem Wege der Selbstlung der Schwangerschaftsbeschwerden beschlossen werden. Bedarf so arbeiterfreundlich und reformeifrig gebärdet, hilfe, der gewerkschaftlichen und politischen Organisation Diese Unterstützung, deren großer Wert für die Arbeiter als wolle es die Sozialdemokratie übertrumpfen, er- fürzere Arbeitszeit und höheren Lohn, Rücksicht auf ihre mütter auf der Hand liegt, ist in vielen Krankentassen noch weist sich in seinen Taten genau so arbeiterfeindlich wie Gesundheit und ihr Menschentum zu erringen? Es hat sie immer nicht durchgeführt worden, weil die Kassenmitglieder die übrige Reaktion. Im Grunde ist es ein Herz und noch jederzeit zu lähmen und zu verraten gesucht. Bei glauben, daß sie unter den jetzigen Verhältnissen diese Laft eine Seele mit dieser. Tausendmal hat es schon mit Kämpfen mit dem Unternehmertum ist es wieder und wieder nicht auf sich nehmen können. Daher müssen die Kranken- dem Wohle des Arbeiters und seiner Familie treulos ge- den Arbeitern verräterisch in den Rücken gefallen. Siehe kassen durch das Gesetz verpflichtet werden, unter allen spielt, hat versprochen und nicht gehalten, hat gedreht und den letzten großen Streit im Ruhrrevier. Es hat Gesetze Umständen den Schwangeren die nötige Unterstützung zu gedeutelt, hat Boltsinteressen preisgegeben, um sich zur zur Knebelung und Mundtotmachung oder auch zur Zergewähren. Nebenregierung" emporzuschachern. Es ist lange Jahre die splitterung der organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen Ferner ist die Unterstützung der Schwangeren und Wöch- ausschlaggebende artei, die Regierungspartei im Reichstag nicht kurzerhand in den Reichspapierkorb geworfen, sonnerinnen ungenügend. Sie bleibt in der Höhe des Kranken-| gewesen. Wozu ha: es seine Macht gebraucht, du Frau des dern einen berechtigten Kern" in ihnen entdeckt. So geldes und beträgt 50 bis 75 Prozent des Arbeitslohns. werftätigen Volkes hat es die Arbeitsfron deines Mannes, 1894 das„ Umsturzgesetz", das mit der politischen auch die Sie muß so weit erhöht werden, daß nicht nur der ents deines Sohnes oder Bruders verkürzt und erleichtert, seine gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiter meucheln sollte. So gangene Arbeitsverdienst voll ersetzt, sondern auch eine Kraft im Kampfe um ein paar Pfennige mehr Lohn, um der Gesetzentwurf über die Rechtlosigkeit der Berufsvereine, bessere Ernährung der Schwangeren und Wöchnerinnen, die etwas mehr Freiheit und Menschenwürde gestärkt? Hat es der doch unter falscher Flagge ein neues Zuchthau Pflege und Erhaltung der Säuglinge und die Anstellung deine eigene Arbeitsqual gelindert, wenn der farge Lohn des einschmuggeln sollte. Der Zuchthauskurs mit seiner einer Hilfskraft zur Erledigung der notwendigsten Arbeiten Mannes dich zwingt, in der Fabrik dem Verdienst nach- legung des Rechtes, mit seinen Bluturteilen ist nur möglich im Haushalt ermöglicht wird. Ebenso unerläßlich ist es, zugehen, oder im Sonnenbrand und unter Regenschauern geworden, weil das Zentrum seine Macht in die Tasche gedaß die Unterstüßung der Schwangeren für eine längere auf dem Felde zu schanzen, oder als Heimarbeiterin in steckt, statt sie für das Recht der Arbeiter betätigt hat. Frist festgelegt und die Unterstützung der jungen Mutter so dumpfiger Wohnungshöhle die fleißigen Finger zu rühren? Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen, das Zentrum hat mit dem lange ausgedehnt wird, wie es die Rücksicht auf die Ge- Hat es deine Sorgenlast gemindert, wenn du als Haus- allem und anderen Verrätereien noch euch und den Gurigen sundheit der Mutter sowie auf die Pflege des neugeborenen mutter mit winzigem Wirtschaftsgeld für viele den Tisch das Leben erschwert, eure Ausbeuter und Herren begünstigt. Kindes erheischt. Endlich müssen alle Arbeiterinnen An- decken mußt? Hat es deinen Kindern ein gesundes Brot Es erweist sich zumal als euer Feind, ihr Arbeiterinnen. spruch auf diese Versicherung haben. Nach dem jetzt gelten- des Geistes gereicht, für Bildungsstätten, Bildungsgelegen- Indem es euch politische Rechte vorenthält, euch durch das den Gesetz sind von dieser Unterstützung alle diejenigen heiten gesorgt, die es auch den Söhnen und Töchtern der Gesetz mit Kindern, Irrsinnigen und Zuchthäuslern auf eine Arbeiterinnen ausgeschlossen, welche nicht dem Kranken- Hungerleider ermöglichen, Kenntnisse zu sammeln und ihre Stufe stellen läßt, legt es euch im Kampfe für ein lichteres versicherungszwang unterworfen sind und sich auch nicht Talente zu entwickeln? Nein und abermals nein, so lautet Dasein Ketten an. Daß das wichtigste Recht der Arbeiter, freiwillig versichert haben, sowie die in den Gemeinde die Antwort auf diese und ähnliche Fragen. Das Zentrum das allgemeine Wahlrecht, je länger um so weniger bei dem frankenversicherungen versicherten Arbeiterinnen. Diese Aus- hat seine Macht immer und immer wieder für die Reichen Zentrum in treuer und sicherer Hut liegt, dafür liegen genahmen müssen beseitigt werden. Die Krankenversicherungs- und Herrschenden eingesetzt, mit dem Volkswohl hat es ein nug Aussprüche von hervorragenden Mitgliedern dieser pflicht muß auf alle Arbeiterfrauen, auch auf die land- freventliches Spiel getrieben. Mit dem Volkswohl, Prole- Partei vor. Seine Bildungsfeindlichkeit, sein Haß gegen die wirtschaftlichen Arbeiterinnen, Heimarbeiterinnen und Dienst- tarierin, das heißt mit deinem Wohle und dem der Deinigen. Freiheit der Forschung, der Meinung, der Lehre, der Wissenboten sowie überhaupt auf alle Frauen, deren jährliches Das Zentrum hat seit 1893 der Regierung Hunderte und schaft und Kunst ist bekannt. Das Zentrum ist die Partei Familieneinkommen 3000 Mt. nicht übersteigt, ausgedehnt Tausende von Millionen für das Militär, die Flotte und die der Ler- Heinzemänner, der Schulverpfaffung. Das muß dir in werden. Allen diesen Arbeiterinnen muß unter allen Um- Kolonialfexerei bewilligt. Höchstens hat es hin und wieder der Seele brennen, Proletarierin, die du für dich und vor allem ständen eine genügende Kranken-, Schwangeren- und Wöch- ein paar lumpige Millionen von den Forderungen der Re- für deine Kinder bildungshungrig, freiheitsdurstig bist! nerinnenunterstügung gesichert sein. gierung verweigert, um die Massen darüber zu täuschen, Auf die Religion berufen sich die Herren, um die kathoIn der Unfallversicherung muß vor allen Dingen der daß es leichter Hand diese Riesensummen ausgehändigt lischen Arbeiter zu födern, um euch, ihr Frauen des werkUnterschied zwischen den entschädigungspflichtigen Unfällen hatte. Es hat seinem militärfrommen Bewilligungseifer tägigen Voltes, zu betören. Was haben ihre politischen in dem Betrieb und den nicht entschädigungspflichtigen entsprechend auch dazu Ja und Amen gesagt, daß die Tat- und Unterlassungsfünden mit der religiösen überzeugung Unfällen außerhalb des Betriebs beseitigt werden: ein Unter- Schraube der indirekten Steuern immer fester angezogen zu tun? Stehen sie nicht in schreiendstem Widerspruch zu schied, der in der Praxis einfach unhaltbar ist und deshalb wurde. Es segnete daher die Erhöhung alter und die Ein- den Lehren, zu denen sie sich mit den Lippen bekennen? zu den ungerechtesten Entscheidungen führt. Sind Arbeiter führung neuer Abgaben für die wichtigsten Lebensbedürfnisse. Das Zentrum mißbraucht die Religion' als Deckmantel für oder Arbeiterinnen durch einen Unfall in ihrer Erwerbs- Als guter Freund der Kraut- und Schlotjunker hat es diesen in politischen Verrat, als Binde, um den Massen die Augen zu fähigkeit geschädigt, so müssen sie unter allen Umständen den Gestalt von Zöllen und anderen„ Liebesgaben" Hunderte von schließen, als Kette, um sie gefesselt zu halten. Sie schänden vollen Schaden ersetzt erhalten. Dies allein entspricht den Millionen zugeschanzt, welche den kleinen Leuten pfennig- damit die, in deren Namen sie sprechen. Bedürfnissen der Arbeiter, und dies allein kann die jetzt so und markweise durch die Verteuerung ihres Lebensbedarfs ,, Unter dem Krummstab ist gut wohnen", heißt es. Wohl! oft vorkommenden Ungerechtigkeiten für die Zukunft unmög- abgezwackt werden. Die frommen, arbeiterfreundlichen" Für den Bettler, der sich zu demütigen, für den Heuchler, lich machen. Ganz besonders wichtig ist dies für diejenigen Bentrümler verwandelten als Vorkämpfer für den Zollwucher der zu lügen weiß. Aber nicht für eine Klasse, die gen Frauen, die bei den Arbeiten in ihrem Haushalt verunglücken den Reichstag in eine Mördergrube des Volkswohls. Und Rücken und geraden Sinn hat, und die ihr Recht und thee und dann nach dem geltenden Gesetz in den allermeisten sie wagen es, sich noch auf den Zimmermannssohn von Freiheit fordert. Fällen ganz hilflos dastehen, sobald sie nicht oder nicht Nazareth zu berufen, der die Wucherer und Händler mit Arbeiterin, Arbeiterfrau, erkenne dich und dein Interesse, mehr von einer Krankenkasse unterstützt werden. Geißelhieben und Worten heiligen Zorns aus dem Tempel werde dir deiner Pflicht bewußt. Halte die Augen offen Die Invalidenversicherung zeichnet sich, abgesehen von trieb. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!" Du seufzst für das arbeiterfeindliche Treiben des Zentrums. Kläre dem viel zu niedrigen Betrag der Renten, durch die Recht- darüber, Frau des Arbeiters, Handwerkers oder kleinen deine Schwestern und Brüder darüber auf, die noch im losigkeit derjenigen Frauen aus, welche ihre ganze Arbeits- Beamten, daß du deinen Kindern das Brot so knapp schneiden Banne dieser Partei schamlosen Volksverrats stehen. Sorge traft ihrem Haushalt widmen müssen. Sie sind nicht ver- mußt, daß du kein Häppchen Fleisch für sie erschwingen dafür, daß ihr in dem Kreise deiner Verwandten und Freunde sicherungspflichtig und haben auch in der Zeit der Invali- tannst. Denke daran, daß vor allem auch das Zentrum am Wahltag auch nicht eine einzige Stimme zufällt. Jede dität und im Alter keinen Anspruch auf eine Rente. schuld an deinem Kummer und ihrem Darben trägt! Und Stimme, die für einen Zentrumsmann abgegeben wird, stärkt et Dazu kommt, daß die wichtigsten Zweige der Arbeiter- du, Arbeiterin, erinnere dich der Wucherpolitik dieser Partei, einen Feind der Arbeiterklasse und einen gefährlichen Feind. versicherung: die Arbeitslosen- sowie die Witwen- und wenn du nachrechnest, ob du dich bei deinem schmalen Ver- Aber freilich: nicht die bürgerlichen Parteien werden ihn zu Waisenversicherung, noch immer fehlen. Demgemäß haben dienst und den teuren Preisen alle Tage sattessen darfst! deinem und deiner Familie Wohl überwinden. Sie alle sind gerade die Arbeiterinnen allen Grund, danach zu streben, Dank sollt ihr dem Zentrum schulden, so wird euch vor- um kein Haar besser als das Zentrum. Das Zentrum kann daß in dem nächsten Reichstag die Sozialdemokratie recht geredet, für die Witwen- und Waisenversicherung. Laßt euch nur durch die Sozialdemokratie überwunden werden, der stark vertreten ist und sich auf eine möglichst große Zahl nicht blenden durch das Gaukelspiel dieser„ Wohltat". Was einzigen Partei, die mit den Interessen aller Ausgebeuteten sozialdemokratischer Stimmen stützen kann. Nur wenn dies ist sie anders als ein kleines Pflästerchen auf die großen, auch dein Wohl, dein Recht vertritt. Brauche deinen Ginverwirklicht wird, können wenigstens einige der notwendigen blutenden Wunden, welche der Zollwucher durch die Ver- fluß, um ihre Reihen zu stärken. Arbeite für ihren Sieg am Verbesserungen unserer Arbeiterversicherung erreicht werden. teuerung von Brot, Fleisch, Butter, Milch usw. Millionen 25. Januar. Deine Arbeit wird dir und den Deinen reichHanau. Gustav Hoch. schlägt. lich lohnen. e. h. 12 Die Gleichheit Nr. 2 Die Stellenvermittlung. Von Mathilde Wurm. Als die Frauenkonferenz in Mannheim die zahlreichen und schweren Mißstände erörterte, unter denen das Haus- gefmde zu leiden hat. wurde mit Recht auch die Besei- tigung de r gewerbsmäßigen Stellenvermitt- lung verlangt. Auch konservative Kreise, die Landwirtschaftskammern, erheben diese Forderung, freilich aus ganz anderen Gründen wie wir. Sie beklagen sich darüber, daß die gewerbsmäßigen Vermittler, um recht viele Vermitt- lungsgebühren zu erhalten, das Gesinde zum häufigen Stellenwechsel, zum Kontraktbruch und zur Abwanderung in die Städte verleiten. Das Ideal der Agrarier ist ja heute noch dasselbe, wie es jüngst in den„Preußischen Jahr- büchern" Ernst Cosentius aus dem Jahre 1718 schilderte: Der Dienstbote hat überhaupt nichts zu fordern. Keine Herrschaft soll die andere überbieten, auch keinen Dienstboten „unter Verheißung gelinden und besseren Traktaments oder weniger Arbeit, auch sonst anderer Ursache überreden oder abspenstig machen". Bei diesem Ansturm von rechts und links wird den ge- we»bsmäßigen Stellenvermittlern bereits bange. Das be- weist eine Petition, die der Bund deutscher Stel- lungsvermittler im Mai 1906 an den aufgelösten Reichstag gerichtet hat." Denn wenn auch bis jetzt die Vermittlung für weibliches Hausgesinde fast ausschließlich in den Händen der gewerbsmäßigen Vermittler liegt, so be- ginnen doch die gemeinnützigen Arbeitsnachweise bereits, ihre Tätigkeit aus die Vermittlung von Hauspersonal aus- zudehnen. Stach Ludwig* betrug die Zahl der gewerbsmäßigen Gesindevermieter im Jahre 1894 nach den Erhebungen der Einzelstaaten: in Preußen 1664, in Bayern 477, in Baden 241, in Württemberg 199. I» ganz Deutschland wird die Zahl der gewerbsmäßigen Ver- mittler auf mindestens 7000 geschätzt; ihre Zahl ist noch stetig im Wachsen begriffen. Nach einer schätzungsweisen Angabe des„Vorwärts" gab es im Dezember 1699 über 600 Mietsfrauen in Berlin allein, die großen Mietskontore nicht miteingerechnet. Eine genaue Zahl anzugeben ist un- möglich; der Beruf der Mietsfrau wird vielfach als Neben- erwerb ausgeübt und nicht angemeldet. Da über die Zahl der Vermittlungen kein Berichterstattungszwang besteht, wer- den in den meisten kleineren Mietskontoren entweder gar keine oder nur ungenaue Bücher geführt. Auch würde sich überhaupt nicht mit Sicherheit genaues über Angebot und Nachfrage feststellen lassen, weil viele Einschreibungen an verschiedenen Stellen zugleich erfolgen. In Berlin existiert seit vielen Jahren in der Jägerstraße eine sogenannte„Dienst- und Arbeitsbörse" für Dienst- mädchen, Schank- und Gastwirtspersonal. Dieses Bureau vermittelte nach Ludwig im Jahre 1901 vom 1. Februar bis 31. Juli 19818 weibliche und 9067 männliche Personen; an Einnahmen erzielte es in dieser Zeit 101939 Mk.; ein Jahr später vermittelte dasselbe Bureau in der nämlichen Zeit 21443 weibliche und 7272 männliche Personen bei einer Einnahme von 103972 Mk. Ludwig schätzt den jährlichen Reingewinn dieses Bureaus auf 60—70000 Mk. Neuere Angaben liegen nicht vor, doch hat sich diese Dienst- und Arbeitsbörse inzwischen noch bedeutend vergrößert. Die Vermittlungsgebühren sind hier im Vergleich mit anderen Mietskontoren sehr gering; sie betragen 3 Mk. für den Dienstgeber, 1 Mk. für den Dienstnehmer nach zustande- gekommener Vermittlung. Bei den oben angeführten Ein- nahmen sind nicht miteingerechnet die Trinkgelder, die von beiden Teilen an die„Werberinnen" gezahlt werden, denen die Vermittlung obliegt. Es gibt Mietskontore, in denen die Vermittlung 7 Mk. beträgt, zahlbar vom Dienst- nehmer und Dienstgeber nach zustandegekommenem Engagement, außerdem ist es auch hier noch üblich, den „Werberinnen" ein Trinkgeld zu geben! Der Verein Ber- liner Gesindevermieter hat feste Gebührensätze für die Ver- mittlung aufgestellt, die sich nach der Höhe des Lohnes richten, ähnlich ist es auch in vielen anderen Städten. Allerorts herrschen Mißstände. Die Einschreibegebühr, die noch recht häufig auch von karitativen(Wohltätigkeits-) Nachweisen erhoben wird, Extragebühren für Bevorzugung bei der Vermittlung, Beschlagnahme des Mietstalers durch die Mietsfrau und zahllose andere Formen der skrupellosesten Gewinnsucht zeigen deutlich, daß in bezug auf Gebühren- forderungen eine schlimme Ausbeutung herrscht. Da der Gesindevermieter nur das Interesse hat, recht viele Gebühren einzustreichen, nicht aber dafür zu sorgen, daß den Suchenden geeignete und gute Stellen nachgewiesen werden, ist auch das Märchen von der„Individualisierung" hinfällig. Die Stellenvermittler behaupten nämlich, nur sie seien in der Lage, die für einander passenden Leute zu- sammenzubringen. Wie es in Wirklichkeit damit aussieht, beweist unter anderem eine Mitteilung Ludwigs aus Mainz, „wo es stadtbekannt ist, daß diejenigen Herrschaften, die ihre Dienstboten am schlechtesten behandeln, am promptesten von den Gesindevermietern bedient werden". Ganz natürlich! Der häufige Stellenwechsel erhöht ja die Einnahmen des * Aus der Versammlung des Bundes deutscher Stellen- vermittler, die Ansang Oktober stattgefunden hat, wurde leb- hast gegen die kommunalen Nachweise protestiert. Die Herren verliehen ihrer Entrüstung durch folgende Resolution Ausdruck: „... Die Haupwersammlung hält eine Verwendung öfscntlicher Gelder zum Zwecke der Bekämpfung der gewerbsmäßigen Stellen- Vermittlung für ungerechtfertigt und unmoralisch." * Dr. Franz Ludwig, Die Gefindevermittlung in Deutschland. Tübingen, H. Laupp, 1903. Vermittlers. Häufig verleiten die Vermittler stellungsuchende Mädchen, Gesindebuch und Jnvalidenkarte ihnen zu über- geben; damit find die Stellunglosen auf Gnade und Un- gnade dem Vermieter ausgeliefert. Es ist ihnen nun un- möglich gemacht, auf anderem Wege Stellung zu finden. Oder die Mietsfrauen veranlassen die Mädchen, sich bei ihnen in Kost und Logis zu geben. Diese erhalten dann so- lange keine Stelle, als fie noch zahlen können und Sachen besitzen. Das Ende ist gewöhnlich die Prostitution. All diese Schäden und Auswüchse der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlung lassen sich nur mit dieser selbst beseitigen. Die Gesindevermittler sträuben sich freilich gegen die Beseitigung und glauben, indem sie die gemeinnützigen Arbeitsnachweise angreifen und herab- setzen, ihr gemeinschädliches Gewerbe erhalten zu können. Aber die wirtschaftliche Entwicklung läßt sich nicht auf- halten, und sie verlangt, daß der Arbeitsnachweis nicht ein gewinnbringendes Privatunternehmen und auch nicht ein als Almosen zu betrachtender Teil der Wohlfahrtspflege sei, sondern eine soziale Aufgabe. Der Arbeiter, der gezwungen ist, seine Arbeitskraft als Ware auf den Markt zu bringen, muß das Recht haben, über seine Ware gerade so verfügen zu können wie jeder andere Verkäufer irgend welcher Waren. Deshalb gehört der Arbeitsnachweis eigentlich uneingeschränkt den Arbeitern. Aber nur durch eine starke gewerkschaftliche Organisation kann ein solcher Arbeitsnachweis leistungsfähig sein und bleiben. Von einem in diesem Sinne organisierten Nach- weis kann für das Hausgesinde vorerst im allgemeinen noch nicht die Rede sein. Unfreier wie irgend ein sogenannter freier Arbeiter ist der Dienstbote. Er wohnt noch im Hause des Arbeitgebers; seine Arbeitszeit ist unbeschränkt; für ihn existiert noch das Gesindebuch mit dem Zwang der Zeugniseintragung; ein gesetzlich gesichertes Koalittonsrecht besitzt er nicht. Infolgedessen liegt ein gewerkschaftlicher Arbeitsnachweis, wie ihn ein Bremer Antrag zur Frauen- konferenz in Mannheim vorschlug, so richtig er auch prin- zipiell ist, noch in weitem Felde, ist aber selbstverständlich einstweilen zu propagieren. Aber was gegenwärtig möglich und auch an einigen Orten schon erreicht ist, das ist der Arbeitsnachweis auf paritätischer Grundlage. Zurzeit gibt es zwei Hauptgruppen von Arbeitsnach- weisen in Deutschland: der kommunale paritätische und der karitative. Der kommunale Arbeitsnachweis wird aus öffentlichen Mitteln unterhalten. Liegt seine Leitung in den Händen eines Ausschusses, der aus ebensovielen Arbeit- nehmern wie Arbeitgebern zusammengesetzt ist, und an dessen Spitze ein„Unparteiischer" steht, so heißt er paritätisch. Auch der karitative oder gemeinnützige Arbeitsnach- weis kann paritätisch organisiert sein, immer unterscheidet er sich aber dadurch von dem städtischen, daß er nicht wie dieser aus öffentlichen, sondern aus privaten Mitteln unter- halten wird. Als solcher ist er ein Teil der Armen- und Wohlfahrtspflege und muß daher von uns grundsätzlich ab- gelehnt werden.(Schluß folgt.) Aus der Bewegung. Bon der Ngitation. Im Laufe der beiden letzten Monate des v. I. referierte Unterzeichnete in mehreren politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen. In Keilberg erstattete sie Bericht von Parteitag und Frauenkonferenz zu Mann- heim. Die zahlreichen Anwesenden hörten mit größter Auf- merksamkeit zu und lohnten die Darlegungen mit reichem Beifall. In Reinhausen fand eine öffentliche, sehr stark besuchte Versammlung für die Fabrik- und Landhilfs- arbeiter und Arbeiterinnen statt, die dem Fabrik- arbeiterverband, dem Frauen- und Mädchenbildungsverein und der Parteiorganisation neue Mitglieder und der„Gleich- heit" neue Abonnenten gewann. Leider mußte die Ver- sammlung, die nachmittags stattfand, vorzeitig schließen, da der Christliche Arbeiterverein abends eine Vorstellung in dem Saal hatte und das Publikum schon um'/-6 Uhr im Sturm ankam. Es ist vielleicht nicht uninteressant, zu erwähnen, daß die Besucher— lauter 13 bis 16jährige B»r- schen und Mädchen— ohne Aufsicht von Erwachsenen bis nachts 12 Uhr zusammenbleiben und trinken und rauchen. Ist das die vielgerühmte christliche Kindererziehung? In einer großen Metallarbeiterversammlung zu Leonberg re- ferierte die Unterzeichnete über das Thema:„Niedere Löhne, hohe Lebensmittelpreise, mindere Rechte". Die Anwesenden, zu einem Drittel aus Frauen bestehend, lauschten den Aus- führungen mit Interesse und Verständnis. Das gleiche Thema behandelte die Unterzeichnete am Abend desselben Tages in Burglengenfeld. Schon am Bahnhof wurde ihr gesagt, daß der große Versammlungssaal überfüllt sei und die zu spät Gekommenen dicht gedrängt vor dem Lokal ständen, so daß man kaum mehr in das Haus hinein könne. Und es war so. Es wurden schließlich Türen und Fenster ausgehängt, damit die Draußenstehenden auch etwas hören konnten. Silvester hielt der Frauen- und Mädchen- bildungsverein zu Regensburg eine Wintersonnen- wendfeier ab, die sehr schön verlief und für die Ent- Wicklung der proletarischen Frauenbewegung am Orte nicht ohne Bedeutung bleiben wird. Die Regensburger Genos- sinnen haben b Mk. zum Wahlfonds beigesteuert und sich gelobt, durch eifrige Agitation bei der Wahl wettzumachen, daß sie selbst keine Stimme abgeben dürfen. Allgemach wird es auch in unserer schwarzen Hochburg hell, wo bisher Volksverdummung Trumpf war. Magda Hagen. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands arrangierte im November v. I. im östlichen Westfalen eine Reihe von Versammlungen, in welchen die Unterzeichnete über das Thema:„Die Schäden der Heimarbeit und der Heim- arbeiterschutzgesetzentwurf" referierte. Die Versammlungen tagten in Vlotho, Bünde, Halsen, Herford, Sundern, Lemgo, Osnabrück, Oyenhausen, Rehme, Spenge, Wallenbrück-Annen, Friedensthal, Achim und Pyr- mont. Der Besuch war durchweg gut, einige Säle waren überfüllt. Mit großer Begeisterung wurde in allen Ver- sammlungen fast einstimmig die vorgelegte Resolutton an- genommen, in Vlotho gelangte sie nach einer heftigen, aber sehr sachlich gehaltenen Debatte mit einigen Fabrikanten gegen fünf Stimmen zur Annahme. Die Versammlungen werden im östlichen Westfalen, wo Tausende von Arbeite- rinnen. Tausende von Familien in der Heimarbeit fronden, ihren Zweck nicht verfehlt haben. Marie Wackwitz. In der ersten Hälfte Dezember v. I. referierte die Unter- zeichnete für die Konsumvereinigungen in folgenden Städten: Striegau, Häßlich, Groß-Rosen, Königs- zelt, Langenbielau, Ober-Langenbielau, Peters- waldau, Reichenbach, Weigelsdorf, Schlegel, Gottesberg, Nieder-Hermsdorf, Kauffung, Landes- Hut, Schmiedeberg und Liegnitz. Sie behandelte„Die Lebensmittelverteuerung und die Konsumvereine" oder„Die Bedeutung der Konsumvereine für die Arbeiterschaft". Die Versammlungen waren bis auf eine sehr gut besucht. In Schmiedebergkonnte die geplante Veranstaltung nicht statt- finden. Die herrschende Kälte und das Schneegestöber hatten die Arbeiter im Hause zurückgehalten, zumal viele einen stundenlangen Weg bis zum Versammlungslokal zurückzulegen hatten. Aber die Versammlung ist nur aufgeschoben; sie wird im Frühjahr nachgeholt werden. Mit großem Interesse wurde den Ausführungen der Referentin auch dort gelauscht, wo es nur sehr selten gelingt, eine Versammlung abzuhalten. Auch diesmal hatten sich die Behörden einzelner Orte in Gemeinschaft mit den Feinden der Genossenschafts- bewegung bemüht, die Versammlungen unmöglich zu machen. So durfte die Unterzeichnete in Häßlich nur als Gast reden, in Königszelt nur als Debatterednerin. Jedoch sprach sie als solche 1'/« Stunde, so daß die Versammlung keinen Abbruch erlitt. Auch diese Versammlungen werden hoffentlich dazu beitragen, den Genossenschaftsgedanken zum Wohle der Arbeiterschaft zu verbreiten. Marie Wackwitz. Für den Verband der Hutmacher referierte die Unter- zeichnete in fünf Versammlungen zu Luckenwalde über das Thema:„Der Kampf um Brot und Recht." Mit Aus- nähme einer einzigen waren die Versammlungen sehr gut besucht und führten dem Verband neue Mitglieder zu. In den Diskussionen wurde gerügt, daß die Frauen politisch und gewerkschaftlich organisierter Arbeiter sehr oft Uber- stunden machen oder in ihren sogenannten„Hungerkommoden" Arbeit nach Feierabend mit nach Hause nehmen und so zu Lohndrückerinnen ihrer Kollegen und Kolleginnen werden. Schwer zu organisieren sind die Heimarbefterinnen im Hut- machergewerbe, besonders die Garniererinnen, die es im Hinblick auf ihre Geschicklichkeit nicht nötig zu haben glauben, sich für den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen zu ver- bünden. M. Zeetze. In Bielefeld fand Anfang Dezember v. I. eine öffent- liche Frauenversammlung statt, die leider verhältnismäßig schwach besucht war. Nichtsdestoweniger nahm sie einen sehr anregenden Verlauf. Genosse Zenker gab die Jahres- abrechnung, nach welcher die Einnahmen 405,24 Mk. und die Ausgaben 120,95 Mk. betragen. Unter den Einnahmen be- finden sich 162,92 Mk. Ueberschuß vom Vertrieb der„Gleich- heit" und 48,90 Mk. von verkauften Parteibons, unter den Ausgaben 50 Mk., welche den streikenden Wäschearbeiterinnen, und 50 Mk., die dem Agitationsfonds der Genossinnen Deutsch- lands überwiesen wurden. In Anbettacht des günstigen Kassenbestandes von 284.29 Mk. beschloß die Versammlung, weitere 150 Mk. an die Vertrauensperson der Genossinnen abzuführen. Hierauf hielt Genossin Kähler einen Vortrag über„Volkserziehung und Sozialismus", dem reicher Bei- fall gezollt wurde. In der Diskussion erhärteten die Ge- nassen Castrup und Schulz die Ausführungen der Refe- rentin durch Beispiele. Eine längere, sehr anregende Debatte entspann sich über die Frage, welche Wege für die fernere Agitation unter den Poletarierinnen eingeschlagen werden sollten. Sie endete mit der Annahme eines Antrags des Genossen Zenker, im Anfang dieses Jahres Bezirksver- sammlungen und eventuell in Gemeinschaft mit den Gewerk- schaften auch Bettiebsversammlungen abzuhallen. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, nach Beendigung dieser Agitation monatliche Zusammenkünfte der„Gleichheit"-Abonnenten an- zuberaumen. Die Genossinnen Zenker und Lampe wurden einstimmig als Vertrauenspersonen wiedergewählt. Z. In einer öffentlichen Frauenversammlnng zu Mann- heim, die von zirka 500 Frauen besucht war, referierte Genossin Plum-Essen über„Das Interesse der Frauen an der bevorstehenden Reichstagswahl". Ihrem Vortrag wurde stürmischer Beifall gezollt, und 68 der Anwesenden ließen sich in die Parteiorganisation aufnehmen. In der Diskussion richteten die Genossinnen Nierbe und Albert einige zu Herzen gehende Worte an die versammelten Frauen; auch einige Genossen sprachen. Tiefen Eindruck machten die Worte der Genossin Hoffmann, welche an das Versprechen erinnerte, das sich 20000 Proletarierinnen am Sarge unseres Genoffen Dreesbach gegeben haben: sein Mandat wieder in die Hände der Sozialdemokratie zu bringen. Unser Geld ei zu kostbar, um es für eine Stichwahl auszugeben. Es gelte deshalb für alle Frauen, mitzukämpfen, damit der 25. Januar ein Jubeltag für die Sozialdemokratie werde. Nach einem kurzen Schlußwort der Referentin schloß die Vorsitzende die Versammlung mit einem begeistert aufge- nominellen Hoch auf die internationale, völkerbefreiende Sozialdemottatie. Sleianie Hoffmann. Nr. 2 Die Gleichheit 13 In einer öffentlichen Frauen-un d Mäd ch env ersamm- lung zu Köln-Ehrenfeld sprach Genosse Ransenberg über das Thema:„Der kommende Reichstag und seine Be- deutung für die Arbeiterfrau." Die gut besuchte Versamm- lung spendete dem Referenten für seine sehr interessanten und lehrreichen Ausführungen lebhaften Beifall. Für die Mitarbeit am Wahltag stellten sich 22 Frauen zur Verfügung. Genossin Wingens wurde in das Wahlkomitee gewählt. Die Versammlung nahm einen schönen Verlauf. Mögen die Genossinnen tapser so weiterarbeiten. Frau Wingens. Von den Organisationen. Wie schon in Nr. 24 der „Gleichheit" des vorigen Jahrgangs berichtet wurde, hatte eine öffentliche Frauenversammlung zu Schkeuditz die Gründung eines Frauen- und Mädchenbildungs- Vereins beschlossen. Die Organisation ist nunmehr ins Leben getreten und hat aus ihrer Mitte die Genossin Schreck als Vorsitzende, Genossin Schulze als Kassiererin und Genossin H übler als Schriftführerin gewählt. Bis jetzt gehören ihr 6t) Mitglieder an, die für einen Monats- beitrug von 20 Pf. die„Gleichheit" erhalten. Die Versamm- langen finden Dienstags nach dem 1. und 15. eines jeden Monats statt. Nachdem so der Anfang gemacht ist, must es die Pflicht der Genossinnen sein, für den weiteren Ausbau der Organisation zu arbeiten, eingedenk der Worte: Bildung macht frei. Anna Hübler. Jahresbericht der Vertranensperson für Bant- Wilhelmshaven. Die Jahresabrechnung der weiblichen Abteilung des sozialdemotratischen Wahlvereins ergab eine Einnahme von 379,74 Mk. und eine Ausgabe von 397,86 Mk.> so daß ein Bestand von 71,88 Mk. verbleibt. Die Zahl der politisch organisierten Proletarierinnen stieg im Laufe des Jahres von 67 auf 129, die der Leserinnen der„Gleichheit" von 54 auf 159. Es fanden fünf Mitgliederversammlungen und eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genossin Fahrenwald- Hamburg über den„Kamps der Frau als Hausfrau und Staatsbürgerin" referierte. Sluch in den Mitgliederversammlungen wurden lehrreiche Vorträge ge- halten und von den Genossinnen mit lebhaftem Interesse entgegengenommen. Zu bedauern ist nur, daß sie so schwach besucht waren. Mögen die Genossinnen dafür Sorge tragen, daß die Versammlungen in Zukunft besser besucht werden. Mit dem Anmelden und dem Bezahlen der Beiträge ist es nicht getan; eine jede Genossin muß, soweit es irgend mög- lich ist, auch die Mitgliederversammlungen besuchen. Dadurch kann die Organisation der Frauen nur gewinnen. Dina Buchard t. Jahresbericht des Arbeiterinnenvereins in Er- langen. Vor Jahren versuchten in Erlangen einige Ge- nossinnen, die Arbeiterfrauen für die proletarische Frauen- bewegung zu gewinnen; es war damals erfolglos. Ob die Zeiten noch besser waren, ob die Auftlärung unter den männlichen Arbeitern noch nicht weit genug vorgeschritten war, ob den Genossinnen damals die Geduld fehlte— das soll heute dahingestellt bleiben. Etwas über ein Jahr ist es nun, daß eine kleine Schar Frauen und Mädchen aus Arbeiterkreisen zusammentrat, um eine zwanglose Vereini- gung zu gründen. Aus dieser Vereinigung heraus wurde der Versuch unternommen, einen Arbeiterinnenverein ins Leben zu rufen, und es gelang. Sämtliche Beteiligte traten über, und heute zählt der junge Berein nahezu 89 Mit- glieder, die einen monatlichen Beitrag von 39 Ps. entrichten und dafür die„Gleichheit" unentgeltlich erhalten. Die Agi- tation in der Kleinstadt ist sehr verschieden von der in der Großstadt. Besonders in unserer kleinen Universitätsstadt ist es für die moderne Frauenbewegung schwer, unter den Arbeiter- frauen festen Fuß zu fassen. So manche Proletarierin, die in einem„besseren" Hause gedient hat, denkt, es sei etwas von dem Glänze der Herrschaft an ihr hängen geblieben, und sie wehrt sich schon mit Händen und Füßen, wenn sich ihr Mann organisiert.— Der Vorstand des Arbeiterinnen- vereins versucht, durch Vorträge, gesellige Zusammenkünfte, Borlesungen usw. die Frauen und Mädchen für die sozial- demokratische Frauenbewegung zu interessieren, über den Erfolg dürfen wir uns wohl freuen; im Verhältnis zu den 1299 organisierten Arbeitern und den 1499 Mitgliedern des Konsumvereins ist er jedoch recht gering. Stehen uns doch noch eine große Anzahl Arbeiterfrauen fern, deren Männer wackere Kämpfer für gewerkschaftliche und politische Rechte sind, und lehnen achselzuckend den Beitritt zum Arbeite- rinnenverein ab. Die Vorurteile, die höhnischen und ab- fälligen Bemerkungen, mit denen man uns des öfteren be- gegnet, werden uns nicht abhalten, für die Frauenbewegung weiterzuarbeiten und neue Mitglieder zu werben. Möge jede einzelne denken, daß es auf sie ankommt, und im neuen Jahre, das schon als Kampfjahr beginnt, ihre Schuldigkeit tun, wenn es auch nur im engen Kreise der Familie und des Hauses ist. Alle Proletarierinnen sind verpflichtet, die Männer im Wahlkampf zu unterstützen und sie anzuspornen, für den sozialdemokratischen Kanvidaten einzutreten. Be- sonders in dem heißumstrittenen Wahlkreis, zu dem Erlangen gehört, müssen alle, auch die Frauen, ihre Schuldigkeit tun und nicht ruhen und rasten, bis das Mandat den liberalen Parteien entrissen ist. D. Rupp enstein. Die Bchördeu im Kampfe gegen die proletarischen Franen. Polizeiliches Vorgehe» gegen die Frauen-Bildungs- vereine im Rheinland. Kaum ist der Velberter Frauen- verein, resp. dessen Leitung, zu einer empfindlichen Geld- strafe verurteilt worden, so macht bereits eine andere Ver- urteilung von sich reden. In Elberfeld war der Vorstand des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiter- ti«l'» der politisch«, Umtriebe angeklagt, er sollte sich„gegen Z 8 und 16 des Versammlungsgesetzes vom 11. März 1659" vergangen haben. Eine Anzahl Polizeikommissare und Wacht- meister dienten als Belastungszeugen. Die Anklage stützte sich auf die Abhaltung von öffentlichen Versammlungen, in denen Vorträge über die„Volksschule" und über„Zoll- wucher und Fleischteuerung" gehalten worden waren. Auch die Vorlesungen aus der Broschüre„Kann ein Christ Sozialdemokrat sein?" glaubte der Staatsanwalt zu einer strafbaren Handlung der Vereinsleitung umdeuten zu können- Rechtsanwalt Lande trat den staatsanwaltlichen Anschau- ungen scharf kritisierend entgegen und verlangte Freisprechung der Angeklagten. Der Staatsanwalt betonte in seiner Rede, eine Bestrafung sei deshalb am Platze, weil die Vorsitzende, Genossin Voigt, trotzdem sie bereits im Jahre 1894 wegen desselben Vergehens bestraft sei, gar keinen Willen zeige, sich zu bessern, ferner deshalb, weil die Frauen gar nicht bestritten, Sozialdemokratinnen zu sein, und weil auch ihre Männer zur Sozialdemokratie gehörten.— Das Urteil lautete auf Schließung des Vereins, außerdem wurden Genossin Voigt zu 39 Mk. und vier weitere Genossinnen zu je 15 Mk. Geldstrafe verdonnerk. Daß die Geschäftsführer der Herr- schenden Klassen sich noch immer einreden, durch eine schika- nöse Handhabung reaktionärer Gesetzestexte das Drängen der proletarischen Frauen nach Freiheit und Recht ersticken zu können! Die Vollstrecker und Wächter solcher Gesetze werden stets eines Tages ausrufen müssen: „Wie viele habe ich schon begraben Und immer zirkuliert ein neues, frisches Blut. So geht es fort, man möchte rasend werden." X. Polizeischikancn im Wahlkampf. Die Genossen des vierten Berliner Wahlkreises hatten Anfang dieses Monats eine öffentliche Versammlung einberufen, in der zur Reichs- tagswahl Stellung genommen werden sollte. Lange vor Anfang der Versammlung war das Lokal schon bis auf den letzten Platz gefüllt und mußte polizeilich abgesperrt werden. Unter den Erschienenen waren erfreulicherweise zahlreiche Frauen, die wenigstens durch den Besuch der Wahlversamm- lung Protest einlegen wollten gegen Ausbeutung und Zoll- wucher und ihre eigene Rechtlosigkeit, die ihnen den wirk- sanieren Protest durch den Stimmzettel unmöglich macht. Dem überwachenden Beamten schien aber schon diese politische Betätigung der Frauen über das in Preußen zulässige Maß hinauszugehen: Gleich nach Eröffnung der Versammlung ver- langte er, daß die Frauen den Saal verlassen sollten. Da der Vorsitzende diesem durchaus ungesetzlichen Ansinnen des Überwachenden nicht Folge leisten wollte, erklärte dieser die Versammlung einfach für aufgelöst! Hoffentlich wird dem Beamten für sein rechtswidriges Vorgehen eine scharfe Rüge erteilt. Die Genossinnen aber mögen nun erst recht in Scharen in die Wahlversammlungen strömen! Das wird die beste Antwort auf derartige Polizeiheldentaten sein. Politische Rundschau. Schlag auf Schlag ist das Regierungsmanöver der Reichs- tagsauflösung in seiner ganzen Sinnlosigkeit und Unauf- richtigkeit bloßgestellt worden. Zunächst kam die Nachricht von der Unterwerfung der Bondelzwarts, die dem Krieg tat- sächlich ein Ende macht. Das war schon blamabel genug für die Regierung, die 14 Tage früher in patriotischer Ent- rüstung von den Gefahren eines mindestens noch auf zwei Jahre zu berechnenden Krieges gegen die 399 schrecklichen Hottentotten phantasiert hatte. Aber es kamen noch blamablere Enthüllungen. Unserer Parteipresse wurden Briefe aus Süd- westafrika zugestellt, aus denen hervorging, daß schon An- fang Dezember die Unterwerfung der Bondelzwarts dort als feststehende Tatsache angenommen wurde. Nach anfäng- lichen Versuchen der Regierung, diese Tatsache durch das lahme Dementi umzudeuteln, daß der Unterwerfungsvertrag erst am 24. Dezember tatsächlich vollzogen sei, rückt sie jetzt mit einem Telegramm des Obersten Deimling vom 19. Dezember heraus, in welchem er die unbedingte Beibehaltungvon 8990 Mann in Südwestafrika verlangt,„auch wenn Bondelzwarts unterworfen". Das offizielle Temen- tierungsorgan stammelt verlegen dazu, damit sei das Gerede der sozialdemokratischen Presse von einer Irreführung des Reichstags„endgültig erledigt". Du liebe Unschuld! Damit ist die Irreführung nämlich erst unwiderleglich er- wiesen. Denn dieses Telegramm ist dem Reichstag geflissent- lich verheimlicht worden. Er hätte ja daraus ersehen, daß selbst Oberst v. Deimling mit der bevorstehenden Unter- werfung der Bondelzwarts rechnete. Seine Argumentation, daß er trotzdem noch dauernd 8999 Mann dort behalten müsse, ist eine rein persönliche Ansicht, der man mehr oder weniger Wert beimessen kann. Die erwartete Unterwerfung der Bondelzwarts war aber die Tatsache, um die es sich in der hochgespannten politischen Situation handelte und die keineswegs hätte verschwiegen werden dürfen. Die Re- gierung und ihre Preßkosaken mögen sich drehen und winden, wie sie wollen, die Entlarvung des Regierungsmanövers läßt sich nicht mehr fortdeuteln. So steht es mit der Ehrlichkeit der Regierung. Eine Politik kleinlichster Täuschung ist es, der der deutsche Libe- ralismus in seiner Gier näch Einfluß zum Opfer gefallen ist. Die Leute haben so wenig Einsicht bewiesen, auf die plumpen Bürsentricks der Bülow, Dernburg&. Co. hereinzufallen. Sie schluckten mit Haut und Haaren die Schauer- mär von der fürchterlichen Hottentottengefahr und der be- drohten Ehre Deutschlands herunter, um sich den gehaßten Sozialdemokraten gegenüber als die wahren Patrioten auf- spielen zu können. Die Entlarvung der Regierung hat auch ihnen das Konzept verdorben. Doch selbst mit dieser Blamage hatte der deutsche Liberalismus noch nicht genug. Der neue Bundesgenosse, Fürst Bülow, gab ihm Gelegenheit zur voll- kommenen Selbstentwürdigung. Auf das Flehen der liberalen Mannesseelen, ihnen die Bundesgenossenschaft mit der bureaukratisch-junkerlich-mili- taristischen Regierung doch durch irgend welche, wenn auch noch so geringfügige Zugeständnisse an den Liberalismus erträglich zu machen, hat er in der Silvesternacht einen Brief zusammengedrechselt, der die Sehnsucht der Liberalen nach einer Regierungsverheißung mit einer plumpen Verhöhnung befriedigt. Nicht der Schatten eines liberal schillernden Zugeständnisses, sondern die Betonung, daß es bei der Politik der Lebensmittelverteuerung sein Bewenden haben müsse, und dann die unumwundene Proklamierung des Regierungsabsolutismus in allen sogenannten nationalen Fragen. Verweigerung einer Forderung, wie der vom 13. Dezember durch eine Reichstagsmehrheit, ist nach Auffassung dieses geölten Diplomaten ein Mißbrauch der parlamentarischen Macht. Die Anerkennung dieses Grundsatzes würde den Reichstag zu einer Farce herab- würdigen. Und die Anerkemiung dieses Grundsatzes glaubte der Reichskanzler dem deutschen Liberalismus bieten zu können. Ja mehr noch, er drohte mit dem Staatsstreich, wenn nicht künftig eine gefügige Mehrheit im Reichstag zu- stände konnne. Indem er mit der lächerlichen Unkenntnis der französischen Revolution paradierte, in der er ein Schreckens- regiment der Jakobiner und Kommunisten(!) entdeckt hat, schwang er den staatsrettenden Säbel Bonapartes. Also die plumpe Drohung mit dem Säbelregiment, wie nur ein Oldenburg-Januschau, Manteuffel, Kröcher oder Mirbach sie in junkerlichem Übermut und junkerlicher Beschränktheit schon ftüher herausgepoltert hat! Da hat aber doch der deutsche Liberalismus sich endlich ermannt und dem Junkerregiment Fehde angesagt, wie weiland in den Märzen des Jahres 48? Ach nein! Aller- untertänigst heruntergeschluckt haben die verkommenen Epi- gonen der bürgerlichen Demokratie von 48 auch das! Damit ist der Umbildungsprozeß des bürgerlichen Liberalismus zum bürgerlichen Anhängsel der reaktiv- nären bureaukratisch- junkerlich- militaristischen Regierung abgeschlossen. Er begann mit der Bildung der national- liberalen Partei in: Jahre 1866 und endete vierzig Jahre später mit dem Einschwenken der freisinnigen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei in den Kolonial- troß. Dieser Verkümmerungs- und Verknechtungsprozeß des liberalen Bürgertums hat sich parallel vollzogen mit dem Wachstum der proletarischen Bewegung der Sozialdemo- kratie an Zahl und Macht. Indem die Sozialdemokratie neben ihren sozialistischen Bestrebungen allmählich auch alle die Funktionen in unserem Staatsleben absorbiert, deren Erfüllung dem liberalen Bürgertum zugefallen wäre, aber von ihm vernachlässigt und verleugnet worden war, entzog sie dem Bürgertum allmählich allen Saft und alle Kraft. Was übrig geblieben ist, das ist nichts als eine haltlose, formlose Masse, die sich auch von der rückständigsten Regie- rung nach Belieben kneten läßt. Die Angst vor der Sozial- demokratie ist für diese Philister die treibende Kraft. Diese Angst macht sie zum gefügigen Werkzeug selbst eines Bülow. Die Sozialdemokratie wird um so mehr aus diesen Vor- gangen die Kraft zur Erfüllung ihrer weltgeschichtlichen Auf- gäbe schöpfen, das deutsche Volk wie alle anderen Völker nach Beseitigung aller Klassengegensätze, jedweder Aus- beutung und Unterdrückung� zur vollen Selbstverwaltung zu führen, trotz des neuen Bundes zwischen Junkertum, Bureau- kratie und Bourgeoisie. G. h, Gewerkschaftliche Rundschau. Ihr ganz besonderes Interesse an dem jetzigen Wahlkampf bezeugen die Gewerkschaften täglich durch Wort und Schrift. Es werden von den einzelnen Organi- sationen Flugblätter herausgegeben, in denen unter Bezug- nähme auf die besonderen Berufsinteressen und die für die Gewerkschaften im allgemeinen wichtigen Fragen die gegen- wärtige politische Situation beleuchtet wird, und die Gewerk- schaftsmitglieder zur Wahl eines sozialdemokratischen Ab- geordneten aufgefordert werden. So erinnert zum Beispiel die Tabakarbeiterorganisation daran, daß die für die Kolonien schwärmenden, militärfrommen und bewilligungslustigen bürgerlichen Parteien die neuen Steuerlasten verschuldet haben, vor allem auch die Zigarettensteuer, die für die in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen so verhängnisvoll geworden ist. Die Schlußfolgerung werden die Arbeiter bei der Wahl zu ziehen haben. Noch nie ist der Wahlkampf auch in Gewerkschaftskreisen mit solchem Eifer geführt worden wie diesmal. Der Erfolg wird sicher nicht ausbleiben, zur großen Enttäuschung bürgerlicher Geiverk- schaftsfreunde. Eine größere Tarifbewegung ist gegenwärtig im Berliner Holzgewerbe im Gange. Die starke Organi- sation drängt zum Abschluß eines Tarifvertrags, der unter Hilfe des Berliner Einigungsamtes auch schon beinahe zu- stände gekommen ist. Interessant ist bei dieser Bewegung das Verhalten des Führers der Unternehmer, der vor einigen Wochen auf der Generalversammlung der Gesellschaft für soziale Reform die sanfte Friedensflöte blies, jetzt aber tüchtig in das Scharfmacherhorn stößt. So sind sie alle: ihre Unternehmerpraxis läßt die schönste Sozialresorniertheorie zum Teufel gehen. Die Textilarbeiter haben in Thüringen einen an- erkennungswerten Erfolg zu verzeichne». Bei einer Firma in Pößneck war es wegen der Frühstücks- und Vesperpause zu Differenzen gekonnnen. Durch einhelligen Ausstand von 490 Personen ist es gelunaen. die Firma schon nach ändert- 14 Die Gleichheit Nr. 2 halb Tagen zur Anerkennung der Arbeiterforderungen zu festzustellen sein. Aber schon jetzt ergibt sich aus den Ge- Nachdruck eingetreten werden müsse. Scharf kritisierte die bringen. Die Organisation gewann mit einem Schlag 100 schäftsberichten und den Berichten über die Generalversamm- Referentin das Gebahren der„ Christlichen"; sie hatten in Mitglieder. lungen, daß sich die dem Zentralverband in Hamburg an- einem Flugblatt die Genossinnen, in deren Händen die Vom Verband deutscher Gastwirtsgehilfen hören geschlossenen Genossenschaften trotz der wirtschaftlich un- Leitung der jungen Bewegung liegt, herabzuwürdigen gewir recht Erfreuliches. Das Verbandsorgan hat bei seiner günstigen Lage und der vielen Hindernisse recht kräftig nach sucht und die Behauptung aufgestellt, unsere Organi jetzigen Auflage von 7400 eine dem Fortschreiten der Dr- vorwärts entwickelt haben. ,, Nicht wenige Vereine haben ſation wolle den Mädchen die Religion nehmen. Ein ganisation entsprechende Erweiterung erfahren. Die Organi- ihren Betrieb ausgedehnt, das Maß ihrer Fürsorge für die Beifallssturm durchbrauste den Saal, als Genoffin Zieh sation ist im letzten Jahre von rund 4000 auf 6000 Mit Mitglieder erweitert, neue Bezirke in den Wirkungskreis der die Gegner aufforderte, das Wort zu ergreifen. Wohlweisglieder angewachsen. Hierunter befinden sich auch zwei genossenschaftlichen Warenverteilung gezogen, haben sich ein lich hatten sich aber diese schon vorher aus dem Staube Zahlstellen weiblicher Mitglieder in München und Nürn- eigenes Heim errichtet, sind zur Eigenproduktion über- gemacht. 35 Mädchen schlossen sich der Organisation an. berg, wovon die erstere allein gegen 800 Mitglieder gegangen oder haben die vorhandene Eigenproduktion aus- Am 1. Januar hielt der Verein im Gewerkschaftshaus seine zählt eine über alles Erwarten hohe Zahl. Daran ist gebaut und intensiver gestaltet. Die Revisionsverbände Weihnachtsfeier ab, die mit einem Ball abschloß. Weit über ersichtlich, daß die Organisation der weiblichen Gastwirts- recken und dehnen sich und brauchen weitere Kräfte zur Be- tausend Personen nahmen daran teil. Um 8 Uhr war kein gehilfen wohl doch nicht so aussichtslos ist, wie mancher wältigung der wachsenden Arbeit." So schreibt der Ver- leeres Plätzchen mehr zu finden, und die später kommenden bisher angenommen hat, und der Gastwirtsgehilfenverband, bandssekretär in einer Besprechung der allgemeinen Lage. mußten stundenlang stehen. Man sah nur frohe Gesichter, der nach langem Zaudern erst an die Organisierung der Die einzelnen Revisionsverbände, deren der Zentralverband aus denen der Stolz über die selbstgeschaffene Veranstaltung weiblichen Kollegen heranging, scheint dabei nicht schlecht zu sieben zählt, brauchen besoldete Beamte; bisher wurden die leuchtete. Die Vorsitzende, Genossin Rudolph, hielt die fahren. Arbeiten völlig im Nebenamt verrichtet. Ein Beschluß des Festrede. Ihr folgten abwechselnd Konzert, Gesang und Die Metallarbeiter- Zeitung", das Organ des Verbandstags in Stettin hat für Anstellung solcher Beamten komische Vorträge. Um 10 Uhr begann der Ball, der die Deutschen Metallarbeiterverbandes, trat das neue Jahr mit gewisse Grundsätze aufgestellt. Diese Neuerung dürfte eine Festteilnehmer in fröhlicher Laune bis zum Schlusse beieiner Auflage von 343 600 Exemplaren an. Recht respektabel! wesentliche Förderung der Bewegung bedeuten. Im sammenhielt. Es wurden verschiedene Aufnahmen für den #Laufe des verflossenen Jahres ist die in Stettin beschlossene Verein gemacht, und alle Teilnehmer waren von dem Wunsche Unterstützungskasse für Genossenschaftsangestellte des Zentral- beseelt, bald wieder ein ebenso fröhliches Fest feiern zu können. Einen schönen Beweis brüderlicher Solidarität verbandes ins Leben getreten. Die Zahl der angeschlossenen Am 4. Januar fand eine Mitgliederversammlung haben unsere französischen Genossen gegeben. In Fougères, Vereine beträgt bereits 91 mit zirka 2400 Versicherten. des Vereins statt, auf deren Tagesordnung die Vorstandseinem kleinen Orte der Bretagne und dem Mittelpunkt der Dem Abschluß von Tarifverträgen mit den Angestellten wahl und die Statutenberatung stand. Der im November französischen Schuhfabrikation, sind seit Oktober 7500 Arbeiter wird immer größere Aufmerksamkeit geschenkt. Im Jahre v. J. gewählte Vorstand wurde von der Versammlung ausgesperrt. Mittellos gingen fie der kalten Jahreszeit ent- 1906 wurde ein solcher Vertrag nach schwierigen Unterhand- definitiv anerkannt. Bei der Statutenberatung dienten die gegen. Viele der schlecht ernährten Kinder erkrankten in lungen mit dem Verband der Handels-, Transport- und Statuten der Nürnberger Organisation als Unterlage, die den ungeheizten Wohnungen, und ihre Sterblichkeit nahm Verkehrsarbeiter abgeschlossen. Eine Neuerung ist auch das auch mit geringen Umänderungen für den Frankfurter Verein Anfang Dezember erschreckend zu. Da erboten sich die Ar- Tarifamt, dem die Entscheidung in Streitigkeiten über angenommen wurden. Nach Erledigung der Tagesordnung beiter der benachbarten Stadt Rennes, ihre Genossen in Lohn- und Arbeitsverhältnisse übertragen ist. teilte Genoffin Rudolph mit, daß der Stellennachweis Fougères in ihrem Kampfe dadurch zu unterstützen, daß sie Auch die Großeinkaufsgesellschaft in Hamburg durch die Vermittlung des Gewerkschaftskartells dem Städtiihnen die Pflege und Versorgung einer Anzahl ihrer Kinder entwickelt sich sehr gut weiter. Die Zahl der an die Großschen Arbeitsnachweis angegliedert worden sei. Der Stadtrat abnahmen. Leicht trennten sich die Mütter von Fougères einkaufsgesellschaft angeschlossenen Vereine ist von 386 auf hat der Organisation in entgegenkommender Weise das Recht nicht von ihren Kleinen. Aber als die Not immer drücken- 449 gestiegen. Das Stammkapital ist entsprechend den Bezugestanden, eine Aufsichtskommission von vier Personen aus der wurde, verließen Mitte Dezember 200 Kinder Fougères, schlüssen der letzten Generalversammlung von 750 000 auf ihren Reihen zu ernennen, die täglich das Bureau kontrollieren um bei den hilfsbereiten Genossen in Rennes die Sorgfalt 1000 000 Mt. erhöht und die Erhöhung bereits gezeichnet und Einsicht in sämtliche Briefe und Bücher nehmen kann. Die und Verpflegung zu finden, die ihnen die Eltern zurzeit und eingetragen worden. Der erzielte Umsatz wird 45 bis Rommission wurde sofort gewählt und wird nun ihres Amtes nicht gewähren konnten. Doch der Ausstand dauerte fort. 46 Millionen Mark betragen. Im ganzen ist das Wachs- walten. Mit dem Arbeitsnachweis ist das Herbergswesen Alle Einigungsversuche scheiterten an der hartnäckigen tum der Großeinkaufsgesellschaft im Jahre 1906 nicht nur verbunden. Die Mitglieder erhalten bei eintretender StellenWeigerung der Fabrikanten, die Gewerkschaft anzuerkennen. absolut, sondern auch relativ stärker gewesen als im Vorjahr. Lofigkeit für weniges Geld saubere Unterkunft. In der VerDas Elend unter den Schuharbeitern von Fougères wuchs Leider hat auch im verflossenen Jahre der beabsichtigte Schritt sammlung wurde noch bekanntgegeben, daß der vom Genossen und wuchs. Da wandten sich die Führer des Ausstandes zur Eigenproduktion durch Errichtung einer Seifenfabrik nicht Stadthagen entworfene Dienstvertrag in allernächster Zeit nach Paris um Hilfe. Ein Aufruf, der in der Pariser getan werden können. Die behördlichen Schwierigkeiten, die den Mitgliedern zur Beratung vorgelegt werden wird. Eine Arbeitsbörse an die Gewerkschaften gerichtet wurde, hatte auf Betreiben der Mittelstandsretter diesem Plan bereitet freiwillige Tellersammlung zugunsten des Wahlfonds ergab den Erfolg, daß sich mehrere hundert Familien sofort zur werden, sind geradezu unerhört. Seit Jahren streitet die 8,40 Mt. Wenn es dem Verein gelingt, bald ein geeignetes Aufnahme von Kindern aus Fougères bereit erklärten. Anfang Großeinkaufsgesellschaft sich wegen der Sache mit Behörden Lokal zu finden, in dem er seine regelmäßigen ZusammenJanuar trafen die ersten achtzig Kinder aus der Bretagne und Gerichten herum. fünfte abhalten kann, dann hat er die größten Schwierigin Paris ein. Der Empfang gestaltete sich zu einem VorDie Genossenschaft Volkshaus in Chemnitz( Heim feiten überwunden und kann mit froher Zuversicht weitergang, der jedem Zeugen unvergeßlich bleiben wird. Augen- der dortigen Partei- und Gewerkschaftsgenossen) hat das arbeiten. Frau Schulze. zeugen berichten, daß die Bahnhofshalle von Arbeitern mit letzte Jahr, das vierte Geschäftsjahr, sehr günstig abge- Der Verein der Dienstmädchen, Wasch- und Schenerihren Frauen und Kindern zum Erdrücken gefüllt war. Als schlossen. Bei einer Einnahme von rund 122000 Mt. wurde frauen zu Hamburg beschäftigte sich in einer Mitgliederder Zug hielt, sprangen aus zwei Wagen dritter Klasse ein überschuß von 8300 Mt. erzielt. Dabei ist das Hypo- versammlung am 12. Dezember v. J. mit dem von den mehrere Männer und ließen die Kinder aussteigen, denen theken- und das Schuldenkonto wesentlich kleiner geworden. bürgerlichen Damen gegründeten Dienstbotenverein, der den sie unterwegs das Geleit gegeben hatten. Es waren Jungen Derartige Resultate werden leider nicht überall in ähnlichen Zweck verfolgt, die Mädchen von dem sozialdemokratischen und Mädchen im Alter von vier bis zwölf Jahren, die, Unternehmungen erzielt. Verein fernzuhalten. Die Damen fürchten sich besonders sauber und nett gekleidet, einen ebenso rührenden wie In der perfidesten Weise führen die Mittelständler mit vor der in der Öffentlichkeit geübten Kritik. Sie hätten sich hübschen Anblick boten. Als sämtliche Kinder den Zug ver Hilfe des bekannten Halleschen Titularprofessors Dr. Suchs- aber ihre Mühe sparen können. Kein Mädchen glaubt es lassen hatten, stellten sie sich auf dem Bahnsteig auf und land den Kampf gegen die Konsumvereine weiter. Von heute mehr, daß seine Interessen in einem Verein vertreten begannen plötzlich mit ihren feinen Stimmen die Inter- einer Zentralstelle aus wird eine Verleumdungsbroschüre werden, der neben den Dienenden auch Herrschaften aufnationale" zu singen. Ein Augenblick, und alle Umſtehen- Suchslands an die Mitglieder der Konsumvereine persönlich nimmt; haben diese doch an der ungenügenden Entlohnung, den stimmten mit ein. Die Halle erbebte vom Donner gesandt, um so hinterrücks Mißtrauen und Zwietracht zu Beköstigung und Wohnung, der schlechten Behandlung und des ungeheuren Massengesanges. Die Die Arbeiter, die erregen. Die Broschüre wimmelt von Verleumdungen und Abhängigkeit der Dienstmädchen das größte Interesse! Genossin draußen vor dem Bahnhof warteten, fielen mit ein; die unbeweisbaren Behauptungen. Die Angestellten werden Haase ging denn auch mit der zweifelhaften Gründung scharf Kofferträger, die Schaffner, die Bahnarbeiter, ja selbst die kurzweg als unehrliche Menschen hingestellt. Eine originelle ins Gericht. Genoffin Fahrenwald kritisierte die Unfreiheit Schuhleute und die Stationsbeamten fangen mit. Der Abwehr hat der Konsumverein„ Befreiung" in Elberfeld er- und Abhängigkeit der Dienstboten, die ihre Ursache hauptZug der Kinder setzte sich allmählich in Bewegung. Draußen funden. Er legte in den Verkaufsstellen fertig adressierte sächlich in der viel zu langen Arbeitszeit findet, welche auch wurden sie in Droschken gesetzt, und nun ging's in Begleitung Kuverts aus, in denen die Sudelschrift von den Mitgliedern die körperliche und geistige Rückständigkeit der Mädchen zur von Tausenden vom Bahnhof zur Arbeitsbörse, wo die Kinder an Suchsland zurückgeschickt werden soll. Folge hat. Die Verantwortlichkeit vieler Arbeiten, die den einer Versammlung von 6000 Arbeitern vorgestellt wurden. Die englische Großeinkaufsgesellschaft erzielte Dienstmädchen zugewiesen werden, so der Pflege von Kindern Man bewirtete die kleinen mit Schokolade, Kuchen und im dritten Quartal 1906 einen Umsatz von insgesamt und Kranken, erfordere eine viel bessere soziale Stellung, Apfelsinen, während ein Redner kurz die Geschichte der Aus- 107 505 800 Mt. Gegen die gleiche Periode des Vorjahres als es die heutige ist. In der weiteren Diskussion wies Sperrung von Fougères erzählte. Darauf wurden der Reihe beträgt die Steigerung 7531360 mt. oder 7% Prozent. Genoffin Baumann mit Bezug auf die bürgerliche Dienſtnach die Familien aufgerufen, die sich zur Aufnahme eines An diesem Umsatz waren die Eigenproduktivbetriebe mit botenorganisation noch einmal auf den entgegengesetzten Kindes bereit erklärt hatten. Nacheinander traten die Ehe- 22 467 440 mt. beteiligt. Die Zunahme des Bezugs aus sozialen Standpunkt der Arbeitgeber und der Dienenden hin. paare an die Bühne heran, auf der die Kinder Platz ge- den eigenen Werken beträgt gegen die gleiche Zeit des Vor- Genoffin bel berichtete über einen Fall, der die Rücksichtsfunden hatten, und nahmen ihren Pflegling in Empfang, jahres 5030 220 Mt. oder 28% Prozent. losigkeit der Herrschaften in helles Licht rückt. Ein Mädchen indem sie ihn umarmten und füßten. Jeder der Familien- Der Kampf gegen die Kongregationen, gegen die Kloster- wurde Knall und Fall entlassen, nachdem ihm fälschlich vorväter mußte ein Schriftstück unterzeichnen, in dem er gegen brüder und Klosterschwestern, der jetzt in Frankreich ausge- geworfen worden war, einen Brief seiner Dienstgeber geüber der organisierten Arbeiterschaft die Verantwortung für fochten wird, hat für den Konsumverein in Sed an eine öffnet zu haben. Die Herrschaft sparte dadurch den Lohn das ihm zugeteilte Kind übernahm. Ein Passus in dem angenehme Folge gehabt. Dort ist eine religiöse Gesellschaft und das Weihnachtsgeschent. Genoffin Scharf berichtete Schriftstück verpflichtet die Adoptiveltern, einmal wöchentlich ausgewiesen und das von ihr innegehabte Kloster verkauft über ihre Erlebnisse, ebenso mehrere Mädchen. Genossin den Eltern in Fougères vom Befinden ihres Kindes Nach- worden. Der Konsumverein La Ruche in Sedan hat es Mangels übte Kritik an dem Mietswesen. Die Mädchen richt zu geben. Nachdem diese Formalitäten erledigt waren, nun zu dem billigen Preise von 56000 Mt. erworben. Die würden in der Regel für einen Monat„ gemietet", der verließ ein Kind nach dem anderen mit seinen Pflegeeltern Kapelle ist zu einem Versammlungslokal umgewandelt wor- Lohnfah ihnen aber für das ganze Jahr, und zwar in Dieser Akt brüderlicher Solidarität mag auch den; in den anderen Teilen des Klosters wurde die Bäckerei, Talern, angegeben. Der Zweck dieser Methode sei, die unseren deutschen Genossen und Genossinnen zur Anregung noch ein größerer Versammlungssaal sowie die Bureaus der Mädchen über die Geringfügigkeit ihrer Entlohnung hinwegdienen. Es gibt auch bei uns Fälle, wo den kämpfenden Gewerkschaften untergebracht. Kurz, aus dem Kloster ist zutäuschen. Die Talerordnung gehöre mit der GesindeGenossen auf solche Weise nachdrücklicher geholfen werden ein Volkshaus geworden. Auch wurden verschiedene ordnung in die Rumpelkammer. In dem Stellennachweis, könnte als durch Geldspenden. Und auf unsere Kinder würde Teile des Klosters als Wohnungen vermietet. So wurde den der Verein in der nächsten Zeit errichten werde, würde ein solches Erlebnis einen unvergeßlichen Eindruck machen. aus einer Stätte der Volksverdummung, ehe man sich's ver- die Ausgabe des Tagelohns verlangt werden. Die gütige Eine schönere Unterweisung in Solidaritätsgefühl und Brüder- fah, eine Stätte für Volksaufklärung. Zuwendung von 3 Mt. seitens eines Freundes des Vereins lichkeit läßt sich nicht denken. wurde dankend erwähnt. Zehn neue Mitglieder meldeten sich. Berta Mangels. den Saal. Zu erwähnen ist noch, daß die Reise der achtzig Kinder von Fougères nach Paris vom Ministerpräsidenten Clémenceau bezahlt worden ist. Genossenschaftliche Rundschau. Notizenteil. Dienstbotenfrage. H. Fl. Abänderung des Stadthagenschen Dienstvertrags durch die Berliner Dienstbotenorganisation. Der Verliner„ Verein für die Interessen der Hausangestellten" hat Zu einer Versammlung der Frankfurter Dienstboten: an dem von Genossen Stadthagen ausgearbeiteten Dienstorganisation, die am 2. Dezember v. J. stattfand, refe- vertrag verschiedene Änderungen vorgenommen. Wir geben Nach Mitteilungen des Verbandssekretärs hat die moderne rierte Genossin 3 ie. Etwa 250 Mädchen lauschten die veränderten Teile nachfolgend in ihrer neuen Fassung Konsumvereinsbewegung auch im Jahre 1906 recht ihren zu Herzen gehenden Worten. Unter lebhaftem Beifall wieder und heben die abgeänderten Forderungen durch erfreuliche Fortschritte gemacht. 3lenmäßig wird das ja brandmarkte sie die Gesindeordnung, für deren Beseitigung Sperrdruck hervor. Die Genossinnen mögen sie mit denen erst später in den regelmäßigen Serbandsstatistiken genau und Ersetzung durch einen freien Arbeitsvertrag mit allem vergleichen, welche der erste in Nr. 21 der Gleichheit nomm Nr. 2 17. Oftober 1906 veröffentlichte Entwurf des Vertrags aufstellte. Vorausgeschickt sei noch, daß die Berliner Dienst botenorganisation durchgängig an die Stelle des„ Gesindes" oder des„ Mädchens" die„ Hausangestellte" und an die Stelle der Herrschaft" den„ Dienstgeber" gesetzt hat. Hausangestellten- Vertrag. Die Gleichheit 15 ist, geht Fräulein Lüders aber nicht etwa so weit, die Frauen Als Sozialdemokratinnen weisen wir jedoch energisch jede zur alleinigen Unterstützung solcher Kandidaten aufzufordern, weitere Ausdehnung der geltenden Wahlrechtsgesetze zurück, die sich für das Frauenwahlrecht erklären. Diese Konsequenz da sie die Wahlbefähigung von" Biegelsteinen und Mörtel" zieht erst eine dritte Einsenderin, die sogar den Mut hat, zu( Anspielung auf die ausschlaggebende Rolle, welche die Woherklären: man müsse die Kandidaten, die für die Forderung nung in den Wahlgesehen spielt; mit anderen Worten: von der Frauen eintreten, unterstützen, gleichviel, ob es sich um Besitz und Einkommen) abhängig machen und mithin jede einen bürgerlich liberalen oder einen sozialistischen Kandi- solche Ausdehnung nur die Macht der besitzenden Klassen Zwischen dem Dienstgeber... und der Haus an- daten handelt, der gerade an Ort und Stelle mit dem Ver- vergrößern würde. gestellten... wird( bei Minderjährigen unter aus- treter konservativer oder Klerikaler Reaktion im Kampfe steht." Obgleich wir natürlich den Wunsch hegen, das Recht zu drücklicher Genehmigung des Vaters, der Mutter oder des Das sieht ja beinahe aus wie eine entschiedene Wahlparole. Bei besitzen, eine Stimme bei dem Zustandekommen von Gesetzen Vormundes) folgender Vertrag geschlossen: genauerer Betrachtung erweist sich freilich diese Umfrage bei den in die Wagschale werfen zu können, denen wir als BürgeEs tritt die... am... als Hausangestellte( Mäd- Kandidaten als eitel Spiegelfechterei. Seit im vergangenen rinnen gehorchen müssen, möchten wir daher doch gleichzeitig chen für alles, Hausmädchen, Kindermädchen, Frühjahr der Wahlrechtsantrag der Sozialdemokraten im unserer Überzeugung Ausdruck geben, daß durch den SozialisKöchin, Stüße usw.) bei der... in Stellung. Als Ent Reichstag zur Verhandlung gekommen ist, sollte den Damen mus und durch den Sozialismus allein die Emanschädigung wird vereinbart: Freie Wohnung, freie Kost und doch sattsam bekannt sein, wie die Mitglieder der verschiedenen zipation der Frauen vollendet und die soziale und politische ein monatlich am Ende jeden Monats zahlbarer Bar- Parteien zum Frauenwahlrecht stehen. Die edlen Freisinns- Gleichstellung der Geschlechter herbeigeführt werden kann. lohn von Mt. Das der Haus angestellten einzu- mannen versagten ganz und gar. Sie hatten für die Forde Als einen Schritt in der Richtung der sehnlichst zu wünschenräumende Zimmer muß heizbar, von innen verschließ- rung der politischen Gleichstellung der Frauen nur einige den Emanzipation unseres Geschlechtes befürworten wir die bar sein, ein nach außen gehendes Fenster haben und mit billige Philisterwiße. Und auch der Abgeordnete v. Gerlach, Beseitigung aller gegenwärtig bestehenden ungerechten, unzeitKleiderschrank, Kommode und Bett versehen zur alleinigen das verzogene Schoßkind der Frauenrechtlerinnen, stimmte gemäßen Wahlrechtsgesetze und die Einführung des allVerfügung stehen. Der Hausangestellten ist eine Nacht- in gewohnter politischer Charakterlosigkeit gegen das Frauen- gemeinen Wahlrechtes für alle Großjährigen. ruhe von mindestens acht aufeinanderfolgenden Stunden, sowie ferner eine Stunde zum Einnehmen der Mittags- und Abend und je eine halbe Stunde zum Einnehmen der Frühstücks- und Vespermahlzeit zu gewähren. Die Arbeitszeit darf 12 Stunden nicht überschreiten, in der Regel nicht vor 6 Uhr beginnen und nicht nach 8 Uhr abends stattfinden. Hausangestellten unter 16 Jahren ist mindestens alle vier zehn Tage ein freier Sonntag für die Zeit von 2 bis 10 Uhr nachmittags zu gewähren. Haus angestellten über 16 Jahren ist alle 14 Tage am Sonntag für die Zeit von 3 Uhr nachmittags ab freie Zeit zu gewähren und der Haus- und Etagenschlüssel einzuhändigen.. . 3. Wenn der Dienstgeber der Hausangestellten den Barlohn nicht in bar oder nicht voll auszahlt oder über die Verfallzeit hinaus vorenthält oder gute und reichliche Roft verweigert. 4. Wenn durch die Fortsetzung des Vertrags die Gesundheit, die Sittlichkeit oder der gute Ruf der Hausangestellten bedroht wird. 5. Wenn der Hausangestellten zugemutet wird, mit ansteckenden Krankheiten behaftete Hausange hörige zu pflegen. Die zugunsten des Dienstgebers unter Nr. 1 bis 4, sowie die zugunsten der Hausangestellten unter Nr. 1 bis 5 aufgeführten Gründe müssen spätestens innerhalb einer Woche geltend gemacht sein, nachdem sie zur Kenntnis des zur Aufhebung Berechtigten gekommen sind." Die Dienstbotenorganisationen anderer Städte können aus diesen Abänderungen ersehen, wie der Vertrag den in Betracht kommenden örtlichen Verhältnissen angepaßt werden kann. " Frauenstimmrecht. . Verschiedenes. Quittung. wahlrecht. Die Zweckmäßigkeitsgründe, hinter die jene Herren sich verschanzten, waren nichts als leeres Gerede. Von Zweckmäßigkeitsgründen hätte man nur dann sprechen tönnen, wenn die Wahrscheinlichkeit vorgelegen hätte, den Konservative Mordsphantasien. Die russischen, schwarzen Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten Banden" scheinen jetzt auch in Deutschland Schule zu machen. und geheimen Wahlrechts in den Landtagen ohne Belastung Folgt schon der berühmte Reichsverband des Herrn General mit der Forderung des Frauenstimmrechts zur Annahme zu v. Liebert errötend ihren Spuren, so ist der Erguß einer bringen. Wie die Dinge aber damals lagen, hätte die grund- deutschen Frau" in der„ Post" schon völlig Fleisch von ihrem fäßliche Anerkennung des Frauenstimmrechts das Resultat Fleisch und Bein von ihrem Bein. Die Edle macht ihrem der Abstimmung um kein Jota verändert. Nach jenen Herzen folgendermaßen Luft:„ Ich möchte Sie bitten, in Vorgängen müßten die Damen doch ohne vorherige Umfrage Ihrer Zeitung immer und immer wieder, und zwar recht wissen, welche Partei allein geschlossen und energisch für die nachdrücklich, der Regierung ans Herz zu legen, daß nur politische Gleichberechtigung der Frauen einzutreten willens ist. Strenge und unnachsichtliches, scharfes Vorgehen mit dem Nun soll man uns aber nicht etwa falsch verstehen, als Strafgesetz gegen die scham- und sügellosen Hezereien der ob wir den bürgerlichen Frauen zum Vorwurf machten, Sozialdemokraten und des Zentrums am Plaze ist. Unseres daß sie nicht flipp und klar zur Unterstützung der sozial- verehrten Herrn Reichskanzlers wahre und schöne Antwort demokratischen Kandidaten auffordern. Wir haben den an den Vorstand des deutschen Reichsverbandes gegen die frauenrechtlerischen Agitatorinnen nie zum Vorwurf ge- Sozialdemokratie hat gewiß allerorten den tiefsten Eindruck macht, daß sie Trägerinnen einer Bewegung von ausge- gemacht. Wäre es nicht zur Auflösung des Reichstags ge= sprochen bürgerlichem Wesen und mit unverfälscht bürgerlichen kommen, ich hätte einmal von der Zuschauertribüne herunterBielen sind und dieser Tatsache gemäß entscheiden und gerufen:, Bebel, wenn Sie denn schon gar kein Schamgefühl handeln. Vor einem solchen Vorwurf hat uns die geschicht- und Gewissen mehr haben, trotzdem Sie schon mit einem liche Erkenntnis bewahrt, daß das Klasseninteresse von Fuße im Grabe stehen, so lassen Sie sich gesagt sein: es gibt zwingenderer Gewalt ist, als das Geschlechtsinteresse. Was auch unter uns manche Charlotte Corday. Seien Sie auf wir aber kritisiert und gebrandmarkt haben, das ist das Ihrer Hut, Sie alter Sünder!" Gemisch von Anmaßung, Konfusion und Heuchelei, mit dem Charlotte Corday hat bekanntlich im Jahre 1793 den die Damen über die bürgerliche Natur und die bürgerlichen Revolutionsmann Marat erdolcht. Wir möchten nur wissen, Ideale der Frauenrechtelei hinwegzutäuschen suchen, mit was geschähe, wenn wir den allerdings sehr schlechten dem sie das Interesse der Frauen der Bourgeoisie mit dem Geschmack hätten, einer derartigen Drohung etwa gegen Interesse des gesamten weiblichen Geschlechts identifizieren, irgend einen der Zollräuber oder gegen Hänge- Peters, den mit dem sie sich gebärden, als ob Klasseninteressen, Klassen- Liebling der Konservativen, in unseren Spalten Raum zu gegensätze und Klassenkämpfe nicht den Saum ihres Gegeben! Die kämpfenden Genoffinnen erfreuen sich zwar in wandes berühren, als ob sie in der Rolle der personifizierten der bürgerlichen Presse schon längst des schmückenden Bei himmlischen Gerechtigkeit über den Parteien stehen. Was wortes der Blutigen", aber solchen blutigen Unsinn zu ver: Die Wahlparole" der bürgerlichen Frauen. Die wir tritisiert und gebrandmarkt haben, ist ihr Bemühen, zapfen, wären sie alle außerstande; dazu ist nur ein Hirn legte Nummer der Frauenbewegung" veröffentlicht drei mit einem Schwall gehaltloser Phrasen die Proletarierinnen fähig, das durch langjährige Lektüre der" Post" gänzlich Einsendungen zu den Reichstagswahlen, die vom„ preußi- vom Wege des Klassenkampfes gegen die kapitalistische Ord- degeneriert und verblödet ist. schen Landesausschuß für Frauenstimmrecht" ausgehen. Diese nung abzulenken und auf den Pfad des sozialen Friedens" " Wahlaufrufe" sind so typisch für die Halbheit, Schwäche mit dieser zu locken. Den Frauenrechtlerinnen mag die und Konfusion der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, daß wir sozialwissenschaftliche Schulung und das Organ für die die Hauptsachen daraus unseren Leserinnen nicht vorenthalten Beobachtung und Wertung des sozialen Lebens fehlen, um Für den Agitationsfonds gingen bei der Unterzeichneten im wollen. Die erste der Einsenderinnen, die„ Landesvertrauens- die Kluft zu erkennen, die zwischen ihrer und unserer Auf- November und Dezember 1906 ein: Aachen durch Genossin person" Erna Wönckhaus, gibt die Direktive der Direktions- fassung sich auftut. Aber dann bleibt noch immer der Tat- Stupp für Bons 15 Mt., Prozente der freiwilligen Parteilosigkeit. Sie führt aus:„ Der preußische Ausschuß für bestand, daß wir wiederholt mit aller Schärfe und Eindring- beiträge 6 Mt.; Altona durch Genossin Baumann für MerkFrauenstimmrecht hat nicht das Recht, parteipolitische Direk- lichkeit ihrer Schwachheit aufgeholfen und ihnen die hervor- blätter 16,30 Mt.; Bernburg durch Genossin Günther tiven zu geben, denn er steht den Frauen aller Parteien, den gehobenen Momente flargestellt haben. Wenn nach alle- 15 Mt.; Bad Reichenhall 15 Mt. Durch Genossin Kähler liberalen wie den konservativen, den sozialdemokratischen wie dem Frau Cauer in der Frauenbewegung mit Tränen ver- erhalten: aus Kaiserslautern 13 Mt.; Neuß 7,90 Mt.; den klerikalen offen, weil er dem Gedanken des Frauen- fannter Unschuld im Auge flagt:„ Daß wir von den sozial- Wirges 10 Mt.; Biebrich 20 Mt.; Oberstein 8 Mt.; stimmrechtes in allen Parteien, allen Klassen zum Durchbruch demokratischen Frauen wie immer mit Hohn und Spott Bielefeld durch Genoffin 3enter 150 mt.; Crakau helfen will." Sie fordert jedoch die Frauen auf, in dieser beworfen werden, soll uns nicht hindern, an dem Wahlkampf durch Genossin Scharschuh 5 Mt.; Köln a. Rh. durch bewegten Zeit auch für die speziellen Forderungen der teilzunehmen, wie wir denselben auffassen. Wir erwarten Genossin Püz 30 Mt.; Grengeldanz von den GeFrauen einzutreten und sie in den Wahlversammlungen niemals von den sozialdemokratischen Agitatorinnen eine nofsinnen 20 Mt.; Düsseldorf durch Genoffin Forkert energisch zu vertreten. Am Schlusse heißt es: Sammelt gerechte Beurteilung unseres Tuns" so hört das auf, 20 Mt.; Doßheim durch Genoffin Bach 5 Mt.; Dort= auch Geld in euren Kreisen und stellt euch den Wahlbureaus der Ausdruck geschichtlicher Konfusion und politischer Narre- mund durch Genossin er 10 und 5 Mt., persönlich zu Arbeiten jeder Art zur Verfügung." Welcher Partei tei zu sein und sinkt zur ganz vulgären Verlogenheit herab. 1,20 Mt.; Danzig durch Genoffin Güth 10,15 M.; diese Arbeiten gelten sollen, wird gänzlich unerwähnt ge- Eine rege Agitation für das Frauenstimmrecht haben Düsseldorf durch Genoffin Kähler 5,50 Mt.; Eich= laffen. Der zweiten Einsenderin, Else Lüders, bleibt es vor die französischen Genoffinnen eröffnet. Am 21. Dezember lingshofen für Merkblätter 7,80 Mt., für Marken 10 Mt.; behalten, Licht in dies Dunkel zu bringen. Und sie tut es erschien eine Deputation des Vereins„ Frauensolidarität" im Berlin durch Genossen 3. 100 M.; Emden durch Gemit dem wahrhaft pythischen Spruche: Derjenigen politischen Barlamentsgebäude, um die sozialistischen Abgeordneten auf- noffin Lungwiz 10 Mt.; Hamburg überschuß der Partei, der die einzelne Frau den Sieg im Wahlkampf zufordern, das Frauenstimmrecht in der Kammer zu bean-„ Gleichheit" durch Genossin Fahrenwald 150 und 30 Wit.; wünscht. In der Tat, welche eble Unparteilichkeit! Wir tragen. Die Frauen wurden im Fraktionszimmer von den fran- alle a. S. durch Genossin Sach se 20 M.; Heide durch möchten dazu nur folgendes bemerken: Wir wissen wohl, zösischen Genossen herzlich empfangen. Genoffin Dr. Pelletier Genoffin Dorendorf 7 M.; Hirschberg durch Genossin daß es auch Genoffinnen gibt, deren Mangel an Logik oder ergriff das Wort und erinnerte an den Beschluß des Partei Gottwald 15 Mt.; Gevelsberg für Merkblätter 8 Mt.; Charakterfestigkeit es ihnen gestattet, Mitglieder des deutschen tags von Limoges, der die sozialistische Fraktion beauftragt, Karlsruhe Dz. 10 Mt.; Kiel durch Genossin Niendorf Verbandes für Frauenstimmrecht zu sein. Sollten sich aber einen Gesetzentwurf über das Frauenwahlrecht einzubringen. 20 Mt., für Merkblätter 4,25 Mt.; Leipzig durch Genossin auch solche darunter befinden, die zur Mitarbeit bei den Darauf antwortete Genoffe Jaurès, daß die sozialistischen Frenzel 30 Mt.; Linden a. Ruhr von einer GeburtsReichstagswahlen erst auf die Anregung dieses Verbandes Abgeordneten in Kürze die nötigen Schritte einleiten würden. tagsfeier Howeg durch Vaug 5 Mt.; Magdeburg durch warten, deren vorgebliche sozialdemokratische überzeugung Er teile nicht die Befürchtung, die von den Gegnern des Genossin Mahn 25 Mt.; Nürnberg durch Genossin bisher nicht die Kraft gehabt hat, sie dazu zu veranlassen, Frauenstimmrechtes oft ausgesprochen würde, nämlich daß Grünberg 60 Mt.; Offenburg von Genoffin Geck so erklären wir offen: Solche Genossinnen überlassen wir die Verleihung politischer Rechte an die Frauen eine Förde- 6 Mt.; Obertassel durch Genossin Hessel 5 Mt.; der bürgerlichen Frauenrechtelei gerne, die sind uns zu rung des Klerikalismus bedeuten werde. Mehrere andere Nordenham durch Genoffin Harm 3 9,60 Mt.; Quedlinminderwertig! Abgeordnete sprachen sich im selben Sinne aus In der burg von den Genoffinnen 10 Mt.; Remscheid durch In ihren weiteren Ausführungen erklärt dann Fräulein folgenden Fraktionssizung wurde eine Kommission gewählt, Genossin Helmert 15 M.; Reichenbach durch Genossin Lüders, daß die Frauen sich freilich auch von anderen Ge- die einen Gesetzentwurf über das aktive und passive Wahl- Göcfriz 5 Mt.; Vilbel durch Genossin Armbrust sichtspunkten bei der Unterstützung der Parteien leiten lassen recht der Frauen ausarbeiten soll. 10 Mt.; Wirges durch Genoffin Baumgärtner 10 M.; könnten, als nur von der persönlichen Neigung zu der einen Zum Kampfe um das Frauenwahlrecht in England Wiesbaden Prozente fürs 3. und 4. Quartal der freioder zu der anderen. Man solle an jeden Kandidaten die haben die Mitglieder des Frauenkomitees der sozialdemo- willigen Parteibeiträge 25 Mt., für Merkblätter 7 M.; schriftliche Anfrage richten, wie er zur Frage des Frauen- fratischen Föderation die folgende Erklärung in der„ Justice" Berlin Liste 1792 durch Genoffin Kaschewsti 8,40 mt. stimmrechtes steht, ob er gewillt ist, die Forderung der veröffentlicht: Frauen eventuell im Reichstag zu unterstüßen. Die Ant- Als Frauen, das heißt als die politisch unvertretene worten der Kandidaten solle man dann in der Lokalpresse Hälfte des Menschengeschlechtes, möchten wir feststellen, daß veröffentlichen, gleichviel, wie sie ausgefallen seien. Als echte die Zeit herangereift ist, in der allen volle Bürgerrechte zuFrauenrechtlerin, für die Vorsicht der Tapferfeit bester Teil gesichert werden können. Summe 1011,45 Mt. Dantend quittiert: Ottilie Baader, Berlin SW 60, Lindenstr. 3. Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. 16 Die Macht des Gedankens. Von Nikolaus Lenau. Saut alle grünen Sproffsen ab zur Stunde, Reißt alle Wurzeln aus dem Muttergrunde, Und schießt die Vögel aus den Lüften nieder, Wenn ihr das Grünen haffet und die Lieder: Ihr könnt den Drang nicht hemmen und nicht stillen Den unaufhaltsam starken Frühlingswillen. O glaubet, Fürsten, minder noch zu zwingen Ist der Gedanke je mit euern Waffen, Wenn er der Menschheit will die Freiheit schaffen Und will durch die Geschichte blühn und singen. [ Die Albigenser.] Prometheus. Dramatisches Fragment von Wolfgang Goethe. Zweiter Akt. Auf Olympus. Jupiter. Merkur. Merkur. Greuel Vater Jupiter! Hochverrat! Minerva, deine Tochter, Steht dem Rebellen bei, Hat ihm den Lebensquell eröffnet Und seinen lettenen Hof, Seine Welt von Ton Um ihn belebt. Gleich uns bewegen sie sich all Und weben, jauchzen um ihn her, Wie wir um dich. O deine Donner, Zeus! Jupiter. Sie find! und werden sein! Und sollen sein! über alles, was ist Unter dem weiten Himmel, Auf der unendlichen Erde, Ist mein die Herrschaft. Das Wurmgeschlecht vermehrt Die Anzahl meiner Knechte. Wohl ihnen, wenn sie meiner Vaterleitung folgen! Weh ihnen, wenn sie meinem Fürstenarm Sich widersetzen! Merkur. Allvater! Du Allgütiger, Der du die Missetat vergibst Verbrechern, Sei Liebe dir und Preis Von aller Erd' und Himmel! D, sende mich, daß ich verkünde Dem armen erdgebornen Volk Dich, Vater, deine Güte, deine Macht! Jupiter. Noch nicht! In neugeborner Jugendwonne Wähnt ihre Seele sich göttergleich. Sie werden dich nicht hören, bis sie dein Bedürfen. Überlaß sie ihrem Leben! Merkur. So weis' als gütig! Tal am Fuße des Olympus. Prometheus. Sieh nieder, Zeus! Auf meine Welt: sie lebt! Ich habe sie geformt nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, weinen, zu genießen und zu freuen sich Und dein nicht zu achten, Wie ich! ( Man steht das Menschengeschlecht durchs ganze Tal verbrettet. Ste find auf Bäume geklettert, Früchte zu brechen, ste baden sich im Wasser, ste laufen um die Wette auf der Wiese, Mädchen pflücken Blumen und flechten Kränze.) Ein Mann mit abgehauenen jungen Bäumen tritt zu Prometheus. Mann. Sieh hier die Bäume, Wie du sie verlangtest. Prometheus. Wie brachtest du Sie von dem Boden? Mann. Mit diesem scharfen Steine hab' ich sie Glatt an der Wurzel weggerissen. Prometheus. Erst ab die Afte! Dann ramme diesen Schräg in den Boden hier, Und diesen hier, so gegenüber; Und oben verbinde sie!. Dann wieder zwei hier hinten hin Und oben einen quer darüber. Nun die Aste herab von oben. Bis zur Erde, Berbunden und verschlungen dir, Und Rasen rings umher, Und Aste drüber, mehr, Bis daß kein Sonnenlicht, Rein Regen, Wind durchdringe. Hier, lieber Sohn, ein Schuh und eine Hütte! Mann. Dank, teurer Vater, tausend Dank! Sag, dürfen alle meine Brüder wohnen In meiner Hütte? Promethens. Nein! Du hast sie dir gebaut, und sie ist dein. Du kannst sie teilen, Mit wem du willt. Wer wohnen will, der bau' sich selber eine. 8 wet Männer. Erster. Du sollest kein Stück Bon meinen Ziegen nehmen! Sie sind mir mein! Zweiter. Woher? ( Prometheus ab.) Die Gleichheit Erster. Ich habe gestern Tag und Nacht Auf dem Gebirg herumgeflettert, Mit faurem Schweiß Lebendig fie gefangen, Diese Nacht bewacht, Sie eingeschlossen hier Mit Stein und Asten. Zweiter. Nun gib mir eins! Ich habe gestern auch eine erlegt, Am Feuer sie gezeitigt Und gessen mit meinen Brüdern. Brauchst heut nur eine: Wir fangen morgen wieder. Erster. Bleib mir von meinen Ziegen! Zweiter. Doch! ( Erster will ihn abwehren, Zweiter gibt ihm einen Stoß, daß er umstürzt, nimmt eine Stege und fort.) Erster. Gewalt! Weh! Weh! Prometheus( tommt). Was gibt's? Mann. Er raubt mir meine Ziege!. Blut rieselt sich von meinem HauptEr schmetterte Mich wider diesen Stein. Promethens. Reiß da vom Baume diesen Schwamm Und leg ihn auf die Wunde! Mann. So teurer Vater! Schon ist es gestillt. Prometheus. Geh, wasch dein Angesicht! Mann. Und meine Ziege? Prometheus. Laß ihn! Ist seine Hand wider jedermann, Wird jedermanns Hand sein wider ihn. ( Mann ab.) Prometheus. Ihr seid nicht ausgeartet, meine Kinder, Seid arbeitsam und faul, Und grausam, mild, Freigebig, geizig, Gleichet all euren Schicksalsbrüdern, Gleichet den Tieren und den Göttern. Pandora kommt. Prometheus. Was hast du, meine Tochter? Wie so bewegt? Pandora. Mein Vater! Ach, was ich sah, mein Vater, Was ich fühlte! Prometheus. Nun? Pandora. O, meine arme Mira! Prometheus. Was ist ihr? Pandora. Namenlose Gefühle! Ich sah sie zu dem Waldgebüsche gehn, Wo wir so oft uns Blumenkränze pflücken; Ich folgt' ihr nach, Und ach! wie ich vom Hügel komme, sah Ich sie im Tal Auf einen Rasen hingesunken. Zum Glück war Arbar ungefähr im Wald. Er hielt sie fest in seinen Armen, Wollte sie nicht sinken lassen, Und ach! sant mit ihr hin. Ihr schönes Haupt ersant, Er füßte ste tausendmal Und hing an ihrem Munde, Um seinen Geist ihr einzuhauchen. Mir ward bang, Ich sprang hinzu und schrie; Mein Schrei eröffnet ihr die Sinnen. Arbar ließ sie; ste sprang auf, Und ach! mit halb gebrochnen Augen Fiel sie mir um den Hals. Ihr Busen schlug, Als wollt' er reißen, Ihre Wangen glühten. Es lechzt' ihr Mund, Und tausend Tränen stürzten. Ich fühlte wieder ihre Knie wanken Und hielt sie, teurer Vater! Und ihre Küsse, ihre Glut Hat solch ein neues, unbekanntes Gefühl durch meine Adern hingegossen, Daß ich, verwirrt, bewegt und weinend, Endlich sie ließ und Wald und Feld. Zu dir, mein Vater! Sag, Was ist das alles, was sie erschüttert Und mich? Prometheus. Der Tod! Pandora. Was ist das? Prometheus. Meine Tochter, Du hast der Freuden viel genossen. Pandora. Tausendfach! Dir dant' ich's all. Promethens. Pandora, dein Busen schlug Der kommenden Sonne, Dem wandelnden Mond entgegen, Und in den Küssen deiner Gespielen Genossest du die reinste Seligkeit. Pandora. Unaussprechlich! Promethens. Was hub im Tanze deinen Körper. Leicht auf vom Boden? Pandora. Freude! Wie jedes Glied, gerührt vom Sang und Spiel, Bewegte, regte sich, Ich ganz in Melodie verschwamm! Prometheus. Und alles löst sich endlich auf in Schlaf, So Freud' als Schmerz. Du hast gefühlt der Sonne Glut, Des Durstes Lechzen, Deiner Knie Müdigkeit, Haft über dein verlornes Schaf gemeint, Und wie geächzt, gezittert, Als du im Wald den Dorn dir in die Ferse tratft, Eh' ich dich heilte. Nr.2 Pandora. Mancherlei, mein Vater, ist des Lebens Wonn' Und Weh! Prometheus. Und fühlst an deinem Herzen, Daß noch der Freuden viele sind, Der Schmerzen viele, Die du nicht kennst. Pandora. Wohl, wohl! Dies Herze sehnt sich oft, Ach! nirgend hin und überall doch hin! Prometheus. Da ist ein Augenblick, der alles erfüllt, Alles, was wir gesehnt, geträumt, gehofft, Gefürchtet, Pandora Das ist der Tod! Pandora. Der Tod? Prometheus. Wenn aus dem innerst tiefsten Grunde Du ganz erschüttert alles fühlst, Was Freud' und Schmerzen jemals dir ergossen, Im Sturm dein Herz erschwillt, In Tränen sich erleichtern will Und seine Glut vermehrt, Und alles klingt an dir und bebt und zittert, Und all die Sinne dir vergehn, Und du dir zu vergehen scheinst Und sinkst, Und alles um dich her versinkt in Nacht, Und du, in immer eigenstem Gefühl, Umfassest eine Welt: Dann stirbt der Mensch. Pandora( thn umhalsend). Prometheus. Noch nicht. Vater, laß uns sterben! Pandora. Und nach dem Tod? Prometheus. Wenn alles- Begier und Freud' und SchmerzIn stürmendem Genuß sich aufgelöst, Dann sich erquickt, in Wonne schläft Dann lebst du auf, aufs jüngste wieder auf, Von neuem zu fürchten, zu hoffen, zu begehren! Dritter Aft. Prometheus( in seiner Werkstatt). Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunft, Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln töpft, An Eichen dich und Bergeshöh'n! Mußt mir meine Erde Doch lassen stehn, Und meine Hütte, die du nicht gebaut, Und meinen Herd, Um dessen Glut Du mich beneidest! Ich kenne nichts ärmeres Unter der Sonn', als euch, Götter! Ihr nähret kümmerlich Von Opfersteuern Und Gebetshauch Eure Majestät, Und darbtet, wären Nicht Kinder und Bettler Hoffnungsvolle Toren. Da ich ein Kind war, Nicht wußte, wo aus noch ein, Kehrt' ich mein verirrtes Auge Zur Sonne, als wenn drüber wär Ein Ohr, zu hören meine Klage, Ein Herz, wie mein's, Sich des Bedrängten zu erbarmen. Wer half mir Wider der Titanen übermut? Wer rettete vom Tode mich, Von Sklaverei? Hast du nicht alles selbst vollendet, Heilig glühend Herz? Und glühtest jung und gut, Betrogen, Rettungsdant Dem Schlafenden da droben? Jch dich ehren? Wofür? Hast du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hast du die Tränen gestillet Je des Geängfteten? Hat nicht mich zum Manne geschmiedet Die allmächtige Zeit Und das ewige Schicksal, Meine Herren und deine? Wähntest du etwa, Ich sollte das Leben hassen, In Wüsten fliehen, Weil nicht alle Blütenträume reiften? Hier fit' ich, forme Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, zu weinen, Bu genießen und zu freuen sich Und dein nicht zu achten, Wie ich! Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Zetkin( Sundel), Wilhelmshöhe Post Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Paul Singer in Stuttgart.