Nr. 304. AdsmiemtM»-Sedtngungen: «bonnement«-Pr«i» pränumerando: Vierteljahrs S.Z0 Mt., monatl. 1,10 Mb. wöchentlich SS Psg. frei in» Hau». Stnzelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit illustrirter Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen In der Post- Zeitung»- Preiiltste für 1397 unter»r. 7437. Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrig« Auiland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene ktolonel- «eile oder deren Raum 40 Psg., für Berein»- und versammlungs-Anzeigen, sowie ArbeitSmartt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» t Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vormittag» geösfnet. Erscheint laglich«ugtr»anlag«. Vevliner VolKsblÄkk. Fernsprecher: Sink I, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „SchialdemoKrak Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. ZledaKtio«: 8V. IS. Weuly-Straße 2. Spedition: SW. 19, ZSeuly-Stiaße S. Vev Uattdes-MonüveH dev sozisldemokrskifchen Fvlvsirbeikev MNAÄVNS. Die ungarische Arbeiterbeweguug hat bis vor kurzem nicht gleichen Schritt halten können mit den Bcwegungeil der Bruder» Parteien in den anderen Ländern. Selbst die Bewegung in Rumänien und Bulgarien hat trotz ihrer viel kürzeren Ge- schichte größere äußere Erfolge, Einfluß auf die Massen, Eilt- Wickelung der Presse, parlamentarische Vertretung aufzuweisen, als die Sozialdemokratie in Ungarn. Mit deni Einflüsse unserer Partei auf das öffeiltliche Leben in Deutschland, Oester» reich. Belgien, läßt sich die ungarische Arbeiterbewegung in keiner Weise vergleichen. Die Willkür der Behörden, die Rück- ständigkeit der ökonomischen Entwickelung, die nationalen Differenzen in der Bevölkerung und nicht in letzter Linie die argen Befehdungen innerhalb der Partei waren Hemmniffe, die das Zurückbleiben der Arbeiterbewegungen in den ungarischen Grenzen erklären. Und doch ist Ungarn in einem der wichtigsten Zweige unserer Agitation allen andere» Staaten voraus. Der un- geheure ökonomische Druck, die in nichts beschränkte Aus- beutung der ländlichen Arbeiter, die völlige Theilnahmslosig- keit, die ihrem von Jahr zu Jahr steigenden Elende alle politischen Parteien, alle nationalen.Führer und die Geistlichkeit aller Konfessionen entgegenbrachte, haben die Landarbeiter Ungarns, als sie aus ihrem dumpfen Schlafe er- wachten, der Sozialdemokratie entgegengeführt. Unsere Leser erinnern sich noch der großen Erntestreiks in Ungarn, der von der Regierung zur Niederdrückung dieser Bewegung ange- wandten Gewaltmittel, des skandalösen Gesetzes, das eben das ungarische Abgeordnetenhaus fast widerspruchslos gegen die be� rechtigtesten und selbstverständlichen Bestrebungen der Feldarbeiter deschloffen hat. Es ist ein ausgezeichnetes Zeugniß, das sich diese von Großgrundbesitzern, Geistlichkeit, Parlament, hohen und niedrigen Regierungsorganen niedergedrückten und bevor- mundeten, ökonomisch überaus tief stehenden Proletarier selbst ausstellen, daß sie zu Weihnachten einen Kongreß abhalten konnten, auf den sich die Aufmerksamkeit der Regierung und aller Parteien konzentriren konnte. Um so bedeutungsvoller ist die Aufmerksamkeit, die diesem Ereignisse geschenkt wird, wenn man erwägt, daß die Arbeiterbewegung von der ungarischen Presse stets systematisch ignorirt wurde, und wenn man sich vor Augen hält, daß die'öffentliche Meinung Ungarns durch die Obstruktion der äußersten Linken im Parlamente, durch die Unmöglichkeit auf verfassungsmäßigem Wege das Ausgleichsprovisorium mit Oesterreich zu erledigen, durch die Gefahren einer Minister- krisis, durch die Möglichkeit einer Auflösung des Parlaments und einer vollständigen Neugruppirung der Parteien voll- ständig in Anspruch genommen ist. Die bürgerlichen Blätter, ja selbst das Organ der Regierungspartei und des in derselben vertretenen Kapitalisnms in Landwirthschaft, Industrie und Handel, der „Pester Lloyd", können sich des großen Eindruckes dieses Feld- arbeiter-Kongresses nicht erwehren. So schreibt das genannte Blatt: Der Eröffnung des Kongresses wohnten 200 Delegirte aus 121 Geineinden an. Die Theilnehmer an dem Kongresse waren fast durchwegs typische Gestalten vom Lande. Ungarische Bauern mit Kossuihbärte», an der schweren Silberkette das Porträt des Arbeiter- führers Marx tragend, Torontalcr Schwaben(Deutsche) mit glatt- rasirtcn Gesichtern und enganliegenden Kleider», auch die slavische» Nationalitäten waren durch zahlreiche serbische, kroatische und slovakische Bauerndelegirte vertreten. Unter den Frauen, die am Kongresse theilnedmen, erregte die Frau des verurtheilte» Hodmczö- Vasarhelyer Arbeiteragitators Johann Szanto-Kovacs Aufsehen; sie wurde bei ihrem Eintrete» lebhaft begrüßt; ferner die Deputirte des Soltcr Arbeiterinnenvereins, Marie K e r t i, die am zweiten Verhandluugstage mit erstaunlicher Beredtsamkeit die mißliche Lage der Arbeiterinnen in Ungarn schilderte und gegen das Parlament und die Regierung loszog. Die Verhandlungen des Kongresses verliefen vollständig ruhig. De» erste» VerhandlungStag nahmen fast ausschließlich die Klagen der Proviuzdelegirten über Frohudienst, schlechte Bezahlung, Mangel an Arbeit außerhalb der Erntezeit, schlechte Behandlung seitens der Gendarmerie und ähnliche Klagen mehr in Anspruch. Die Arbeiterführer mengten sich nur selten in die Debatte, die von den männlichen und weiblichen Delegirten mit gründlicher Kennt- »iß der sozialistischen Redeformen und Schlagworte geführt wurde. Was die Versammlung vor manche» andere» auszeichnete, war die andächtige Ruhe und die unermüdliche Ausdauer des Audi- toriums. Das Präsidiui» wechselte, der Polizeirath ließ sich ver- trete», um zu ruhen, die Journalisten vertheilten die Arbeit und ivechselte» gleichfalls ab— das Auditorium blieb bis Schluß der Debatte still und unbeweglich, selten verließ Einer daS Lokal, in keinem Falle gab es dabei Unruhe oder Tnmull.i Der Budapester Korrespondent der Wiener„Arbeiter-Ztg." erwähnt,„daß mehrere Delegirte zu Hause von Stuhlrichtern und Gendarmen an der Abreise zum Kongreß verhindert wurden, so daß sie genöthigt waren, zu Fuß die nächste Eisenbahnstation aufzusuchen; so weit geht die patriarchalische Eemüthlichkeit unserer behördlichen Organe!" Den vorliegenden Berichten entnehmen wir das folgende: Den Komiteebericht erstattete Genosse Paul Ezasz. Das Komitee wurde vom vorigen Kongreß mit der Führung der Ge- schälte betraut. Entsprechend deni Kougreßbeschluß wurde im April dieses Jahres das Feldarbeiter- Fachblatt„Földmivelök Szaklapja" vorerst als monatlich erscheinendes Blatt herausgegeben und erfreut sich jetzt schon großer Verbreitung. Nur die elende Lage der Arbeiter verhindert das häufigere Er- scheinen des Blattes und die weitere Zunahme der Abonnenten- zahl. Viele Dörfer beziehen blas zwei bis drei Exemplare, obwohl die Leserzahl bvo bis 600 beträgt. Die Armuth ist auch daran schuld, wen» die Mitglieder des Elfer- Komitees nicht häufiger zur Berathung zusammenkommen; sie konnten weder Zeit noch Geld finden, um regelmäßige Sitzungen abzuhalten. Ueber den Ausgang des Erntestreiks im vorigen Sommer liefen aus 120 Gemeinde» Berichte«in; von weiteren 100 Ortschaften, wo ebenfalls gestreikt wurde, kamen keine direkten Mittheilnugen. Der Streik endete überall siegreich, die Löhne wurden namhaft erhöht, die Robotarbeit(unentgeltliche Arbeit) überall abgeschafft. Diese Resultate gehen aus allen Berichten gleichlautend hervor. Die Be- weguug unter den Feldarbeitern ist im steten Zunehmen, die Kleinbauern mit Z.vergbesitz, die früher vom Sozialismus nichts hören wollten, beginnen sich nun massenhaft anzuschließen. Diese Sachlage macht die Wnth der Ausbeutersippe erklärlich, die sich in dem infamen Knebelgesetz äußert. Es folgen nun die Siluations- berichte einzelner Delegirten aus deutschen, slovakischen, serbische» und ungarischen Gegenden; überall dieselbe Schilderung, grau in grau. I» den Gemeinden jenseits der Donau wollten die Feldarbeiter noch vor kurzem vom Sozialismus nichts wissen, aber jetzt, unter den, Druck der ökonomischen Verhältnisse, kommen sie in hellen fianfen und verlangen Zeitungen, Broschüren und Agitatoren. Die age der Bauern ist die denkbar traurigste, der Tagelohn beträgt im Durchschnitt dreißig Kreuzer(nicht ganz K0 Pf.). Die Nahrung besteht hauptsächlich ans Brot und Zwiebeln. In Weinbaugegeude» wird der Wein durch die hohe Verzehrungssteuer unerschwinglich, und das Volk wird immer mehr genöthigt, de» gesundheitzerstörenden Branntwein zu trinken. In der Nachmittags- Sitzung des ersten Verhandlungstages wurde der zweite Punkt der Tagesordnung, Die Fachpresse, verhandelt. Die Debatte ergab, daß trotz des lebhasten Wunsches ein häufigeres Erscheine» des Feldarbeiter- Blattes vorläufig nicht mög- lich ist. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „In Erwägung, daß de» Bestimmungen des Gesetzes ent- gegen die Regierung die Gründung von Feldarbeiter- Vereine» unmöglich macht; in Erwägung, daß unsere Versammlungen ver boten und aufgelöst werden; in Erwägung, daß die Staatsgewalt die zur Sicherung der Existenz der Feldarbeiter geschaffenen Organisationen mit allen Mitteln zu vernichten trachtet und be- strebt ist, die zu gründenden Organisation«» i» ungesetzlich« Bahne» zu drängen: „erklärt der Feldarbeiter-Kongreß, daß alle Mittel in An- wendung gebracht werden sollen, um«ine Feldarbeiter-Organisatio» zu schaffen. „Zu dem Zweck ist in jeder Gemeinde oder Stadt ein Blalb konnte« zu schaffen; ein jeder, der sich bei dem Komitee anmeldet, wird als Glied der Blattorganisation betrachtet, wenn er sich obendrein verpflichtet, das„Földmivelök Szaklapja" für ungarisch sprechende und die„Volksstimme" für deutsch sprechende Genossen als ausschließliche Waffe im Kanipfe zu nnterstütze». „Ein jeder zur Blattorganisation Gehörige verpflichtet sich, bei jeder erscheinenden Nummer des Blattes den entsprechenden Betrag(2 oder 4 kr.) zu entrichten. Der die Gelder übernehmende und verwaltende Kassirer hat nur die Hälfte der einlausenden Beträge für Blätter auszugeben, das heißt, für je zwei Mitglieder ist ein Blatt zn bestellen. Die andere Hälfte des Geldes ist zum theil für die Lokalorganisation zu verwenden, zum theil der Zentrale einzuschicke», damit die Agitation betrieben oder Partei genossen, die wegen Theilnahme an unserer Sache Verfolgungen zu erdulden und Schaden zu erleide» haben, unterstützt werden können. Nur dann kann etwas erreicht werden, wenn die Lasten gleichmäßig auf alle vcrtheilt sind." Der letzte Absatz obiger Resolution mußte ans Einspruch des überwachenden Stadthauptniannes gestrichen werden, weil Geldsammlungen überhaupt„verboten" sind! Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Am zweiten Verhandlungstage wurde über die R e g e l« n g der Arbeitsverhältnisse verhandelt. Dem Kongreß wurde vom Referenten Paul Urban eine von uns auszugsweise wiedergcgebeue und mit großer Mehrheit angenommene Resolution vorgelegt: Der Kongreß fordert, 1. daß bei jeder Feldarbeit vorderhand die Dauer der Arbeitszeit aus 12 Stunden festgesetzt werde, mit der Bedingung, daß in der Frage der Arbeitszeit die im Programm der sozialdemokratischen Partei aufgestellte achtstündige Arbeitszeit zum Ziel gesteckt ist; 2. fordert er die Abschaffung aller Akkordarbeit, an deren Stelle ist die Arbeit in Tageloh» einzuführen und alle Art um bezahlte Arbeit(Robot, Zinsarbeil) abzuschaffen. In Fällen, wo eine Uebcrzeitarbeit unausweichlich ist, ist die Arbeit nach Stunden zu entlohnen.— Die Baarzahlung wird als Grundsatz aufgestellt. Der Kongreß stellt als Forderung auf, daß alle Verträge von gröberen Arbeiten durch Vermittelung des Zentralsekretariats ab- geschlossen werden, um die Arbeiter vor der übergroßen Ausbeutung und Uebervortheilung durch die Arbeitgeber zu schützen. Schließlich fordert der Kongreß, daß Frauenspersonen für gleiche Arbeit auch gleichen Lohn erhalten, und Kinder unter 14 Jahren nicht zur Arbeit zugelassen werde». Wenn die Schnittarbeiten, das Einsühren und Dreschen infolge schlechter Witterung eingestellt werden müssen, hat der Arbeit- geber kein Recht, die Arbeiter zur Verrichtung anderer Arbeite» zu zwingen. Da die Schnitterarbeiter dem Arbeitgeber gegenüber in keinerlei weiterem Dienstverhältnisse stehen, sind sie einander als vollkommen gleichberechtigte Parteien zn betrachten. Befehle auszugeben, besteht daher von keiner Seite ein Recht, wie auch keine Verpflichtung besteht, dieselben zu befolgen. Nur die im Kontrakte angeführten Rechte und Pflichten sind beiderseits bindend. Der dritte VerhandlungStag begann mit der einstimmigen Annahme des Programms der ungarländischen Arbeiterpartei durch den Feldarbeiter-Kongreß. In entschiedenster Weise legte der Kongreß hierauf Einspruch ein gegen das vom Abgeordnelenhause schon angenommene Gesetz zur Knebelung der Landarbeiter. Weitere debattelos an- genommene Resolutionen erklären, daß die Bewegung der Feldarbeiter nur auf dem Boden des Klassenkampfes laut den Prinzipien der Sozialdemokratie zu führen sei, dann wurde im Namen der ungarländischen Feldarbeiter gefordert das allgemeine gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für einen jeden Staats- bürger, der das 20. Lebensjahr überschritten, ohne Unterschied der Rasse, der Religion oder Nationalität, seiner Beschäftigung, Kenntniß der Sprache oder des Besitzes; ferner wurde erklärt, daß es nothwendig ist, daß zur Erörterung und Diskussion aller die Feldarbeiter berührenden Fragen freies Versamm« lungsrecht und Preßfreihcit bestehe; daß ferner die Organisation und Vereinigung erforderlich ist, gleichwie sie die Grundbesitzer haben; der Kongreß fordert vollständigeVereins-, Versammlungs» und Verbinduugssreiheit und deren Garantie durch ein ent- sprechendes Gesetz; weiter die Aufhebung der die Schnbirungen und Ausweisungen regelnden Bestimmungen, sowie die Freiheit der Kolportage. Die letzte, den Arbeiterschutz betreffende Resolution lautet: Der Landeskongreß spricht aus, daß 1. der Wirkungskreis des Gesetzartikels XIV vom Jahre 1891(gewerbliches Krankenversiche- rungs-Gesetz) auszudehnen ist aus alle bei der Landwirthschaft be« schäftigten Personen, wie: Männer, Frauen und Kinder; 2. die Institution für Landwirthschaft unverzüglich ins Leben gerufen und in derseiben durch die Arbeiter gewählte Inspektoren, mit be- hördlichcr Vollmacht ausgestattet, ernannt werden; 3. die Unter« stützung der Siechen und Invaliden als Aufgabe des Staates� im Wege der Gesetzgebung unverzüglich geregelt und dnrchgesührl werde; 4. mit allen dafür entfallenden Gebühren und Ausgaben sind die Grundbesitzer als Arbeitgeber zu belasten und sind die- selben in die Grundsteuer einzurechnen; schließlich fordert der Kongreß die Leitung der sozialdemokratischen Partei auf, daß sie behilflich ist, die in dieser Resolution ausgesprochenen Forderungen zur Geltung zu bringen und den von den Feld- nrbeitern in der Liesolulion ausgesprochenen Idee» zum Siege zu verhelfen. Hierauf wurde das Exekutivkomitee konstituirt und der denkwürdige Kongreß geschlossen. Die bürgerlichen Blätter Ungarns stellen mit uuver- hohlenem Entsetzen fest, daß der Feldarbeiter- Kongreß ein neues mächtiges Anwachsen der sozialistischen Be- tveglUtg ans dem flachen Lande anzeigt. Besonders bedenklich erscheint ihnen die vielsagende Thatsache, daß die ans dem Kongresse vertretenen Ortschaften sich gegen den letzten Kongreß um mehr als ein Drittel vermehrt haben. Ganz unglücklich sind sie über das internationale Gepräge des Kongresses, sie jammern, daß er so gar nicht national war, sie fürchten die Thatsache, daß in dem Lande der Willkür- lichsten Unterdrückung aller anderen Nationalitäten durch die herrschenden Magyaren, die ausgebeuteten Proletarier magyarischer, deutscher, slovakischer, kroatischer, rutheuischer und serbischer Nationalität brüderlich zusammenstanden und einen unlöslichen Bund gegen ihre Ausbeuter und deren Vollzugs- ausschuß, die Regierung, geschlossen haben. So erbost die bürgerliche Presse über das ausgezeichnete Gelingen des Fcldarbciter-Kongreffes ist, so muß sie— und das allein ist schon ein bedeutungsvoller Erfolg— ein« räumen, daß die Forderung des Arbciterschutzes und der Krankenversicherung für die Landarbeiter nicht mehr auf« geschoben werden darf. Weit über die Grenzen Ungarns hinaus ist das vorzüg- liche Gelingen des Feldarbeiter- Kongresses ein Greianiß von der größten Bedeutung für die sozialistische Welt nicht minder wie für die antisozialistische! Deckt er doch die Hoffnung?« losigkcit unserer Gegner auf, die im Vertrauen aus den„anti- kollektivistischen Bauernschädel" vorgeben, beruhigt das Heran- nahen der sozialdemokratische» Sturmfluthen erwarten zu können. Wir wünschen der ungarischen Feldarbeiter-Bewegung, die schweren Kämpfen und elenden Machenschaften entgegengeht. Einigkeit, Festigkeit, kühle Ueberlegnng und zielbeivußtes Handeln. Erfüllen sich unsere Wünsche, so wird Ungarns Feld- arbeiter-Bewegung eines der gewichtigsten Glieder in der internationalen Gemeinschaft deS kämpfenden Proletariats werden.—_ politische Mebeestchk. Berlin, 2S. Dezember. England und Rustland. Das englische Geschwader ist nicht in der Hafenstadt von Söul gelandet, wie ein sensations- süchtiger Nachrichtendienst verbreitete. Dagegen tritt die Mit, theilung mit Bestimmtheit auf, daß zwanzig englische Kriege« schiffe sich vor Port Hamilton befinden. Ob dieses Geschwader dort vor Anker gegangen ist oder zu gehen beab« sichtigt, weiß man nicht. Jedenfalls ist nun die englische Seemacht in den nördlichen Gewässern deS chinesischen Meeres angelangt und hat sich somit der russischen Sphäre stark genähert. Port Hamilton, ein kleines Felseneiland, liegt gegenüber der Südküste Korea's, beherrscht die Koreastraße, welche daS japanische und chinesische Meer verbindet und Korea von Japan trennt, beherrscht somit auch den Seeweg von Wladiowostok nach Port Arthur, wo jetzt die russischen Schiffe vor Anker liegen. Strategisch ist die Insel also offenbar von ganz hervor- ragender Bedeutung. Eine dauernde Festsetzung Eng- lands an dieser Stelle würde Rußland sicherlich nicht rnbia hinnehmen. Schon 1885 hatten einmal englische Schiffe Port Hamilton besetzt, als das Vorgehen Nußlands in Afghanistan einen schweren Konflikt zwischen beiden Dtächten herbeizuführen drohte und man ans englischer Seite befürchtete, russische Schiffe könnten südwärts eilen und den englischen Handel in China stören wollen. Der Name des Eilandes selbst ist nach dem damaligen Admiral, der die englischen Schiffe führte, gegeben worden. Erst im Februar 1887 räumte England jene Position wieder, deren Aus- gcstaltung zum Kriegshafen übrigens große Kosten verursachen würde. Doch eS ist kaum anzunehmen, daß England die Besetzung von Port Hamilton als Antwort auf die Besetzung Kiao- tschau's durch die Deutschen und Port Arthnr's durch die Russen beabsichtigt. Wenn England sich für die Vortheile, die seine Rivalen erlangt haben,„entschädigen" will, so dürfte es sich weit eher im südliche» China einen Bissen nehmen, an der Ausmündung des Uaiig-the-kiang, wo seine Handels- interessen konzentrirt sind und Ivo sich der Zugaug in die reichsten Landstriche China's befindet. Man darf wohl eher annehmen, daß das englische Ge- schwader vor Port Hamilton niehr«ine beobachtende Haltung einnehmen und zeigen soll, daß England sich das gewaltige Umsichgreifen Rußlands nicht ganz gleich- müthig anzusehen gewillt ist. Denn auf einen Krieg, von dessen nahem Bevorstehen manche besonders schlaue Politiker reden, wird es England so leicht nicht ankommen lassen. England ist au den verschiedensten Stellen des Erdrnnds engagirt; in Indien, in Egypten, in Süd- und West-Afrika hat es mit Schwierigkeiten zum theil sehr erheblicher Art zu rechnen. Ein Korrespondent der„Berliner Neuesten Nachr." hatte eine Unterredung mit dem japanischen Gesandten in London. Dieser soll die ostasiatische Situation nicht als beunruhigend hingestellt haben; Japan mag die Okkupation Kiaotschau's nicht gern gesehen haben, aber an einen Gegen- stoß denke eS nicht; Japan suche nicht territoriale, nur kom- merzielle Ausdehnung. Diese Auffassung scheint uns einigermaßen der Sachlage zu entsprechen, womit natürlich nicht gesagt werden kann, daß nicht die Entwickelung der ostasiatischen Dinge doch in nicht ferner Zeit zu schweren Konflikten führen dürfte,— ganz abgesehen von den Ereignissen einer weiteren Znkunft. -Denn wenn auch England vorläufig, so lange nicht noch besonders bedrohliche Unternehmungen Rußlands zu tage treten, nicht das Spiel der Kanonen entfesseln wird, so stoßen doch nun in Ostasie» die Interessen der beiden Großmächte, des größten Insel- und Kolonialreichs und des größten Festlandsstaates der Erde, immer schroffer auf einander. Und nicht nur in Ostasie» wird diese Nebenbuhler- schaft stets heftiger und drohender. In den ver- schiedensten Erdstrichen sucht Rußland dem seebeherrschenden Albion Gegengewichte zu schaffen. So ist recht demerkens- werth die kürzlich vollzogene Einsetzung von russischen Geschäftsträgern an den Höfen von S i a m und Marokko. Die„MoskowskijaWiedomosti" sagen es deutlich heraus, der neue Vertreter Rußlands in Bangkok solle dort den Repräsentanten Frankreichs im Kampf um den Einfluß am siamesischen Hofe «uterstützen. Frankreich hat sich seil zwei Jahrzehnten ein großes hinterindisches Reich geschaffen und ist dort den Engländern in die Wege getreten: Siam ist der Pufferstaat zwischen beiden und beide suchen Siam ihrem Einfluß dienstbar zu, nachen. Die diplomatische Unterstützung Frankreichs durch den russischen„Alliirten" dürfte da für England wiederum recht schmerzlich sein. Und ähnlich liegen die Dinge in Marokko. Auch dort soll England, das Gibraltar und Malta besitzt, Egypten schon so gut wie seinen Besitz behandelt und den Versuch macht, wie das genannte russische Blatt sagt,„das Mittel- ländische Meer in ein englisches Binnengewässer zu ver- wandeln", ein Paroli geboten werden. Man denke im Zu- sammenhang hiermit an die französische Gefälligkeit, welche den Hafen von B i s e r t a als Station zu benutzen den russischen Kriegsschiffen gestattet. Das alles sind Momente, die für England recht ungünstig Sind. Rußlands Macht wächst in ungeheurem Maße. Und >ie schlauen Diplomaten des westeuropäischen Festlandes, be- sonders Deutschlands, fördern diese unheilschwangere Ent- Wickelung dieser Machtverhältnisse. T«S Regieren auf absolutistischer Grundlage wird nun in Oesterreich frisch fröhlich beginnt». Nachdem die Nolhstandsvorlaae im verorduungswege erlasse» wurde, meldet heute ein« Depesche aus Wien: Die„Wiener Zeitung" publlzirt eine kaiserliche Verordnung vom 2S. Dezember er. betreffend die Forterhebung der Steuern und Ab- gaben, sowie die Bestreitung des Staatsaufwandes vom 1. Januar bi? Ende Juni 1393. Das offiziöse Wiener„Fremdenblatt" sagt bezüglich des Budget- Provisoriums, daß der sechSmonatliche Zeitraum deshalb in Anspruch genvmmen sei, weil, wenngleich die Absicht bestehe, bald nach Schluß der Landtags- Sessionen den Neichsrath zur Wiederaufnahme seiner verfassungsmäßigen Thätigkeit einzuberufen, doch erfahrungs- gemäß vor Ablauf einer mehrmonatlichen Frist der Staats- Voranschlag auf parlamentarischem Weg« nicht fertiggestellt zu werden pflege. Uebrigens müsse für diese Verordnung sofort nach dem Wiederzusammentritt des ReichsratheS die Indemnität in Anspruch genommen werde». Dagegen schreibt die Wiener„Arbeiter-Zeiliing":„Die Roth der Negierung a» Gedanke» und a» Entschlossenheit und die wirklich schwierige politische Lage könnten es vor gutmüthigen Leuten viel- leicht rechtfertigen, daß die Negierung auf zwei Monate etwa de» Staatshaushalt im VerordnungSwege regelt. Wenn aber Herr von Gautsch das Bndgetrecht des Parlaments gleich für ein halbe? Jahr konfisziren würde, so gäbe es dafür anch nicht de» Schatten eines Vorwandes. Wir hätten eS mit einem Akt nackter Willkür zu ihn», der allein ans der Unfähigkeit, das Gesetz zu handhaben, entstanden ist. Es besteht gar kein Hinderniß, das Parlament im Januar oder spätestens im Februar einzuberufen und ihm das Budget vorzulegen, wie es die Versassmig vorschreibt. Nicht die „Roth" der Regierung, sondern ihre Bequemlichkeit allein wäre also das Motiv für ein« Maßregel, die eine schwere Verletzung der Ver- fassung bedeutet. Wenn das die Summe der Regieruiigsweisheit des Herrn v. Gautsch ist, so muß man gestehen, das hätte Badeni gerade auch noch getroffen. Dieser Absolutismus aus Bequemlichkeit ist eine«cht österreichische Erfindung, aber Herr v. Gautsch wird erlebe», daß es lange nicht so bequem ist, wie er sich vorstelle» mag, diese Bahn zu wandeln."— � O � Deutsches Reich. — Novelle zum Berel nvgesetz. Wie die„Berl. Pol. Nachr." auf grund zuverlässiger Informationen mittheilen, ist die Nachricht, daß«ine Novelle zum Bereinsgesetz erneut dem preußische» Landtag vorgelegt werden soll, völlig ans der Luft ge- griffe». Man hat trotzdem alle Veranlassung, sich durch derartige Ab- kengniingeu nicht beirre» z» laffen. Früher oder später wird die k-x Reckt schon wiederkehren. Auffallend ist anch, daß die„Post" der Mitiheiluiig, daß keine Novell« zum BereinSgesetz beabsichtigt werde, hinzufügt, die Absichten der Regierung seien jetzt auf ander esZ tele gerichtet!— — Eine Aenderung des B r a n n w e i n st e u e r- G e- s e tz e s, um Vergütungen der Maischbottich- und Brenn- steuer für niedergelegte» inländischen Branntwein zu ermögliche», wird erwogen. Die kleinen Mittel für die nothleidend« Landwirlh- schaft niedren sich immer mehr.— — Z u in A n« r b e n r« ch t. Im preußischen Landwirthschafts- mlnisterium wird, wie gemeldet wird, eine Vorlage betreffs des AnerbenrechtS in Westfalen ausgearbeitet.— — Diesem Ministerium keinen Gros che» ist die Parole, die der Exaltado deS Bundes der Land- wirthe, Herr Edmund Klapper in der„Deutschen Agrar- Zeitung" ausgiebt. Die„Krenz-Ztg." bezeichnet diesen Schlachtruf alS völlig aussichtslos und die„Deutsche Tageszeitung" schweigt dazu, obgleich Herr Klapper einer ihrer bevorzugteste» Mitarbeiter und die„Deutsche Agrar-Zeitung" ein Organ des Bundes ist. Wir glauben, daß die Miquel und Tirpitz vorläufig ohne Sorge vor Herr» Klapper's Geschützen sind, aber sie müssen sich wohl sage», vaß Herr Klapper voreilig den Ton verräth, den die Bündler in der bevorstehenden Wahlagitation anzuschlagen be- absichtigen.— — Der Klingelbeutel. Nicht nur die Schon, steinfeger gratuliren zu Neujahr, auch der Bund der Landwirthe meldet sich bei seinen Aiihängern. In der„Deutsche» Tageszeitung" erläßt ein agrarischer Hauplschreier, der Major Endell, eine» Aufruf, der in den Worte» gipfelt:„Gedenket beim Jahreswechsel des Wahlfonds des Bundes der Landwirthe!" Der Herr Major schlägt die Zahlung einer Spende an den Wahlfonds als Ablösung der lästigen Neujahrs- gralulationen vor, denn:„Freundschaft, wie wir sie geschlossen, bedarf keiner äußeren Anregung und besonderen Bekräftigung". Bisher wurden solche Ablösungen a» die Armenkassen gezahlt. Die armen„Nothletdenden" wollen also jetzt den nothleidende» Arme» Konkurrenz machen.— Hannover, 29. Dezember. Wie hier verlautet," ist die Er- nennnng des Grafen Stolberg zum Oberpräsidenten von Hannover heute hier eingetroffen. Der bisherige Oberpräsideut v. Bennigsen wird sich am 31. d. M. verabschieden.— — In Styrum ist der„Clev. Volks, tg." zufolge der Fall vorgekommen, daß der Besoldungsordnung für Lehrer wegen ihrer Höhe die Genehmigung versagt wurde. Der Gemeiuderath halte 1500 M. Grundgehalt und 200 M. Alterszulage» beschlossen. Der Minister habe aber die Genehmigung versagt«nd die Regierung habe ein Grundgehalt von 1350 M. und Alterszulagen vo» 130 M. vorgeschlagen.— Dresden, 29. Dezember.(Eig. Der.) Der hiesige Siadtrath hat beschlossen, beim Reichstage und Bundesralh um Abänderung des Zollvereinigungs-Bertrages vom 8. Juli 1837 zu petiliouiren. Die gewünschte Aenderung soll darin bestehe», daß die Bestimmungen, welche einer kommunalen Besteuerung des in- und aus- ländische» Weines. deS Bieres und des Branntweines ent- gegenstehen, aufgehoben werden. Eine gleiche Petition ist früher schon von derselde» und anderen Stadlbehörden Sachsens eingebrachl worden, im Reichstage aber nicht zur Borlage gekoinmen. Daß die Behörden großer städtischer Gemeinden mit dem Staate wetteifern, dem armen Mann das Gläschen Bier und Schnaps zu verthenern, um das Geld für oft ganz unnölhige Dinge auszugeben, ist be- zeichnend; ganz besonders aber für Dresden, wo so schon auf eine Reihe von Genuß- und Lebensmitteln Eingangszöll« erhoben werden.— — Der Landtag von Reuß ä. L. nahm den Entwurs eines Gesetzes betreffend die Verbesserung des Diensteinkoinmens der Volksschullehrer auf dem platte» L a n d e an. Danach beträgt das Mindestgehalt für ländliche Lehrer 1000 M. und steigt im Laufe von 25 Jahren und darüber bis aus 1800 M. Außer dem Gehalt ist dem Lehrer noch freie Wohnung und freie Heizung der Schulstnbe zu gewähren. Echulaintskandidate», die die zweite Prüfung, mit welcher die Wahisähigkeit verbunden ist,»och nicht bestanden habe», bekoinmen auber freier Wohnung und freier Heizung der Schulstube 340 M. Gehalt. Das Gesetz tritt bereits am I.Ja». 1893 in kraft. Im ganze» sind die Gehaltsbezüge der Lehrer nach de», neue» Gesetz»och elend genug, wer wollte aber über das kleine Ländchen Reuß ä. L. den Stab brechen, wo das große Preußen trotz seiner riesigen Staatsüberschüsse die Lehrer noch immer auf ausreichende Bezahlung warte» läßt? Hainburg, 23. Dezember.(Eig. Ber.) Seilens der kleinen Ge- schästsleule Hamburgs plant nmn eine Kundgebung für eine Umsatz- steuer, wodurch man die große» Bazare und Waareuhäuser und die hierorts zunehmenden Beamte»- Konsuinvereiiie treffen will. Ei» Antrag a»f Einführung einer Umsatzsteuer für daS Hauiburgische Gebiet ist schon i» der Hamburger Bürgerschaft gestellt»»d den» selben soll durch die geplanle Kundgebung mehr Nachdruck gegenüber dem Senate gegeben iverden. In der That leidet die kleine Ge- schäftswelt uiiter der Konkurrenz der Riese»- Waareuhäuser, wie sie im letzten Jahre in Hainburg e»lstanden sind, sehr arg; aber durch Steuergesetze wird man diesen nothivendigen Erscheinuiigen und Folgeil der kapitalistischen Wirthfchast nicht beikouimen können. In dein ganzen Bestreben zeigt sich mir wieder die ganze ivirthschasis- politische Rückstäiidigkeit und Kurzsichtigkeit, die den biedere» Pfahl- bürger ziert.— BuS der Pfalz, 28. Dezember.(Eig. Ber.) Dem Bund der L«divirthe sind die Trauben im Wahlkreise Honiburg-Kusel offenbar doch zu sauer, de»» er Hüft bedenklich zurück. Wie das Organ der Bündler, der Neustedter„Kour.", heute initlheilt, soll am 2. Januar in Kaiserslautern eine zweite Verlralleusmäiiner- Versammlung des Bundes stattfinden, i» der nochmals über die Kandidaten- frage berathen werden soll. Allem Anschein»ach tritt Herr Lücke von der Kandidatur zurück und an seiner Stelle ivird seitens der„ a t i o n a l l i b e r a l e n und b ü„ d l e r i s ch e» Partei ei» K o m p r o»> i ß- K a n d i d a t aufgestellt. Natürlich be- dingte daS, daß auch Herr v. Fischer dann von der Kandidatur zurückträte. Es ist der reinste W a h l s ch a ch e r, den die beiden „feindlichen Brüder" miteinander treiben, und das alles, um ei» Mandat zu erhalte». DaS Zentrum hat gestern den LaildtagSabgeordneten Dr. Jäger, Verleger der„Pfälzer Zeitniig", als Kandidaten ans- gestellt. Um möglichst viel Stimmen zu ergattern, soll sich Herr von Jäger zum theil für das bündlerische Programm erklärt habe», was ihm um so weniger schwer gefalle» sein wird, alS er von jeher starke agrarische und schntzzöllnerische Neigungen bekundet hat.— Straßburg i. Elf., 29. Dezember.(Privatdepesche des„Vor- wärls".) Die„Amlliche Konespoudenz" veröffeutlicht den Entivurs eines reichsländische» Kapitalrentensteuer-GesetzeS zum Zwecke des theilweiseu Ersatzes der Grundsteuer.— Oesterreich. Wie», 2S. Dezember. Der niederösterreichische Landtag nahm den vom Abgeordneten Koliska gestern eingebrachte» Dringlichkeitsantrag a», welcher die gesetzliche Fest- stellung der deutschen Sprache alSUnterrichtssprache an de» Volks« und Bürgerschulen Niederösterreichs verlangt.— Wie», 29. Dezember. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Verordnung des Justizministeriums betreffend das Ueber- einkommeu zwischen der österreichischen und deutschen Regierung über die Befreiung von der Sicherheitsleistung der Prozeßkofte».— Lemberg, 23. Dezember. Landtag. Der Landmarfchall Graf Stanislaus Badeni drückte den Wunsch auf Wiederherstellung normalen FunktionirenS der verfassungsmäßigen Institutionen aus und sprach für die Autonomie der Länder. Statthalter Fürst Sauguszko sagte, der Takt und die Objektivität in den Verhandlungen des Landes werde nicht nur zur Haltung des Friedens und der Eintracht zwischen beiden jRationalitateu beitrage», sondern auch auf die Verhältnisse der gesammten österreichischen Völker- fannlien heilsam einwirken. Die Repräsentanz von Galizien stehe auf dem Standpunkt d«S StaatSintereffeS. Die Polen, die stets in selbstsüchtigster Weise ihr Interesse über die berechtigtsten Forderungen des Gesammlstantes und über die Interessen der von ihnen mit der größten Willkür unterdrückten Ruthe»«» und ihre armen Volksgenossen gesetzt haben, werden mit dieser Erklärung nur Hohn und«Spott ernten. Politisch bedeutsam ist sie doch, da sie wohl die Tendenz verräth, mit dem Ministerium Frieden z» schließen und eine neue Mehrheitsbilvung im Abgeordneten- Hause anzubahnen.— Ungarn. Budapest, 29. Dezember. Infolge der Reden der Abgeordneten Polonyi und Graf Apponyi wegen Regelung des H 63 des Aus- gleichs mit Oesterreich im Sinne eines getrennten Zoll- gebiets herrscht im Abgeordnetenhanse große Ausregung. Apponyi verlangte, der abwesende Ministerpräsident Baron Banffy solle sofort kommen und sich hierüber äußern. Auf da? Haus machte dieser Vorgang den Eindruck, als sei dies ein verabredetes Manöver zwischen Polonyi und Apponyi, um Banffy an die Wand zu drücken.— Budapest, 29. Dezember. Offiziös wird versichert, daß nach Ablauf der mit dem Ausland abgeschlossenen Handels- vertrage eine Revision der Getreidezölle vorgenommen und in den neuen Zolltarife», den Wünsche» Ungarns entsprechend, eine E r- h ö h u n g der Setreidezölle angestrebt werden soll. Schweiz. Bern, 23. Dezember.(Eig. Ber.) Bei den am Sonntag statt- gefundene» 22 Neuwahlen in de» Stadtrath marschirten die Sozialdemokraten, da die Spaltung fortdauert, getrennt, wobei die Arbeilerunio» sechs und die Vereinigung„Vorwärts" zwei Kandidaten durchbracht«, also acht Sozialdemokraten ge- wählt wurden. Von den Freisinnigen siegten neun und von den Konservativen fünf. Ferner wurde in der Volksabstimmung die Verössentlichnng der Steuerregister zur Erschwerung des Steuerbetruges beschlossen, wogegen nur die reichen Leute offene und geheime Oppo' ion machten.— In Lausaune hat der demonstrative Rücktritt der beide» Sozialdemokrat)!» aus dem engere» Sladtralh(Magistrat) nur de» Erfolg gehabt, daß an ihrer Stelle zwei Bürgerliche gewählt wurde», so daß die stärkste sozialdemo- kratische Partei im Magistrat garnicht vertreten ist.— Den ersten s ozialde in akratische n Bürgermeister hat in der Person des Genosse» K a» t o n s r a t h E n> i l P e r r i n die Stadt P a y e r n e(Kanton Wandt) erhalten. Von den Stadt- verordneten sind neun Sozialdemokraten.— Frankreich. PariS, 29. Dezember. Der„Figaro" meldet: Minister Hanolaux beabsichtigt die Einberufnng einer internationalen Kon- f-renz behufs Erörterung der Frage der Neutralisirung der Neufun dlandbauk und der Verpssichtung für alle großen Dampfer, während der Periode der Kabeijaufischere» jene Gegenden nicht zu passiren.— PariS, 29. Dezember. Wie verlautet, wird Major Ravary in zwei oder drei Tagen seine Anträge sowie den Bericht in der An- gelegenheit E st e r h a z y einreichen. Diesen Anträgen gemäß wird, dem Bernehmen nach, General S a u s s i e r Major Esterhazy zur Aburtheilnng vor das Kriegsgericht stellen. Die Sache werde am 10. Januar zur Verhandlung kommen.— Dem„Journal" zufolge ordnete die Slaatsanwallschaft die Vor- Untersuchung an gegen Matthie» Dreyfus wegen Verdachtes, einen Bestechnngsversnch gegen den inzwischen verstorbenen Oberste» Sandherr gemacht zu habe». HoNaud. — Der Soziali st enbund, eine Schöpfung D o m e l a N i e n w e n h u is hielt a» den beiden WeihuachtSfeiertage» in Rotterdam seinen Jahreskongreß ab. Bekanntlich hat N i e» w e n h» i s, der früher in enger Beziehung zur Sozial- demokralie stand, sich später gegen jede parlamentarische Arbeit ge- wendet und sich anarchistische» Idee» zugewandt. Die Erfolge der holländischen Sozialisten habe» nun aber seine Gefolgschaft stutzig gemacht und diese Sinnesänderung trat aus dem Kongreß deutlich hervor. Wie die„Vossische Zeitung" berichtet, eutstaud gleich bei Eröffnung der Aerhandluugeu über die Einberufung des nächsten Kongresses ein lebhafter MeinuiigsauSlausch und wurde die Festsetzung des Kongrcßtermins für das nächste Jahr»nr dadurch möglich, daß der Vorstand bei Stimmengleichheit in der Versammlung selbständig die statutgemäße Abhaltung verfügt. Heftiger entbrannte der Kampf über die vollständige Verzichtleiflung aus die Ausübung des Wahlrechts. Von einem Redner wurde festgestellt, daß ein großer Theil der Anwesenden durchaus nicht gesonnen sei, sich die Beschränkung der individuelle» Freiheit und namentlich des Rechts,* von seiner Wahlbefugniß Gebrauch zu machen, fernerhin gefalle» zu lassen. Domela NienwenhuiS schleuderte die heftigsten Proteste»» die Versammlung, halte aber keinen ander» Erfolg, als daß die stimmberechtigte» Mitglieder, d. h. die Delegirten der verschiedenen Abtheilunge», mit 32 gegen 20 Stimmen beschlossen, daß zwar der Sozialistenbund als solcher sich an den Wahlen nicht betheiligen dürfe, daß dieses Recht auch den eiuzelneu Abtheilunge» nicht zustehe, daß aber jedem einzelnen die volle Willensfreiheit gelassen werde» müsse, sei» Wahlrecht auszuübe» oder nicht. Das war ein förmliches Mißlrailensvotuin gegen Nieuivenhuis. Trotzig erklärte er denn auch alsbald, die Redaltio» des sozialdemokratische» Blattes„Recht für Alle" nicht mehr weiterführe» zu wollen, und damit zum Schaden »och der Spott käme, wurde auf die Frage, wer den» sonst diese Redaktion übernehmen könne, ans der Mitte der Versammlung laut der Raine„Troelstra" gerufen, also des entschiedensten Gegners von Domela Nieuivenhuis. Mit dem traurigen Eingeständnis, daß der Sozialistenbund vielleicht sehr bald der Geschichte angehöre» werde, schloß der Vorsitzende diesen Kongreß. Spanien. Madrid, 23. Dezember. Eine Depesche aus Manzanillo auf Kuba meldet, daß spauifche Verstärkungen nach dem vo» den Auf- ständischen bedrohten Santa Ernz abgegangen sind. In den Krankenhäusern von Manzanillo liegen gegen 3000 spanische Sol- baten. In der Nähe von Havana explodirte ans einer Bahnsirecke eine Dynamilboinbe, ohne daß indeß Personen verletzt wnrden.— Ruftland. Petersburg, 29. Dezember. Der Minister de? Innern, ber Jnsiizminister und der Oberprokurator des heilige» EynodS haben beschlösse», die Herausgabe des in Petersburg erscheinenden Blattes „Nowoje Slowo" gänzlich zu verbieten.— Slsie». — Die Lage in Japan. Nach einer de»„Times" ans Kode zugegangene» Depesche hat die Auslösung des japanischen Abgeordnelenhauses die polilische» Parteien in starke Mißstimmung versetzt. Die Militärpartei verlange»ach einem aktiven Vorgeben. Im Heeres- und dem Floitendepartement herrsche anßerordeullichc Thätigkeit. Die Kriegsschiffe versammeln sich im Hase» von Nagasaki.— Amerika. Rew-Bork, 29. Dezember.(„Franks. Ztg.") Infolge heftiger Angriffe der bimetalliftischen Senatoren erklärte Schahsekretär Gage. er wolle demissionire», sofern fein Verbleibe» im Kabinet Ver- legenheilen für Mac Kinley bringen könnte. Letzterer nahm die Demission nicht an.— Vsvkek-Mschlvichtetto In Winsen an der Luhe, einem 3—4000 Einwohner zählenden Städtchen wurde am WeihnachtS-Heiligabend der Parteigenosse H. W i n k« l ni a n n mit 24 gegen 22 Stimmen als erster Eoz>al- vemokrat in daS Bürgervorsteher-Kolleginm gewählt. Wie ein Lauf- feuer ging die Nachricht durch die Stadt, daß die Sozialdemokratie gesiegt hatte. Auch diese Wahl hat gezeigt, daß durch unsere Be- theiligung sofort Leben in die Gemeinde kommt. Während in Winsen fvuljcr von 88 Wahlberechtigten tmim 20 abstimmten, waren es dresinal S3. Die Gegner schleppten ihre Anhänger fast bis aus den letzten Mann an die Urne, es half ihnen aber alles nichts. Bei der Gcniciude- Rnöschnsttvahl in A ch i m bei Bremen wurde der Parteigenosse Ravens einstlinmig wiedergewählt. Todtenlistc der Partei. I» Ohlsdorf bei Hamburg wurde am zweiten Weihnachts-Feierlage der Parteigenosse Ferdi- n a n d Wittenberg zur letzten Ruhe gebracht. Er war einer zener unerschrockenen, wagemuthige» Männer, die zur Zeit des Sozialistengesetzes den Züricher und später Londoner„Sozialdeino- trat" dem Publikum zugänglich machten. Wittenberg gehörte zur rothen Feldpost und war einer der kecksten Feldpostillone, die das verbotene Blatt zu Tausenden einschmuggelten. Ehre seinem An- denken! Polizeiliches, Gerichtliches ,c. - Nedalteur Adolf Threle vom..Volksblatt für Halle" tritt am 8. Januar die dreimonatige Gefäiignißftrafe an, die ihm wegen Beleidigung des Direktors der Böllberger Mühle auserlegt ist. — Die Magdeburger, Volts stimme" schreibt in ihrer M lttivochsnummer:„Die Druckereiräuine erhielten Montag Nachmittag de» Besuch des Kommissars Weinert— Notationsinaschinenraui», Falzerei und Setzerei wurden in Augenschein genommen. Der Herr Kommissar erkundigte sich»ach dem Drucker der.Volksstimme". Derselbe war nicht anwesend. Vermuthlich kehrt der Herr Kommissar Dienstag wieder. Wir haben gefunden, daß derselbe vor- züglich orienlirt war über die zur Druckerei gehörige» Räume. Wie sollte es auch anders sein.— Was will die Polizei? Kriminal- kommissar Weinert zog Erkundigungen ein, wer die in der Kronprinzenstrahe gelegenen Druckereiräume gemiethet habe. Hieraus leuchtet hervor, mit welchem lebhaften Interesse die Polizei nicht nur die Buchhandlung, nicht nur die.Volksstimme"» sondern ueuerdings auch die Bnchdrnckerei betrachtet." Weiter schreibt die..Volksstimme':.Montag früh 10 Uhr ist in der Buchhandlung Volksstimine die Ansichtspostkarte„Geschästs- bans mit Doppelposten" wegen Verstoßes gegen das Preßgesetz beschlagnahmt worden. Die angeführte Firma„Verlag v.B. Harbaum- Magdeburg soll nicht genügen. Und bis Dienstag früh 10 Uhr Ivaren in allen Buch- und Papierhandlungen, sowie Zigarrenhandlungen Ansichtspostkarten käuflich, die weder de» Namen des Druckers, iveder den Namen des Verlegers. weder den Namen des Herausgebers, weder den Namen des Ver< fassers trugen. Wir könnte» über hundert Geschäfte anführe». welche vorgenannte und noch bei weitem mehr Karten verschleiße», die(»ach den Ansichten der Polizei z» urlheilen!) den Bestimmungen des.Preßgesetzes nicht genügen. Ansichts-Postkarten.Kaiserdenkmal". . König!. Palais",„Kaiser Olto-Denkmal",„Der Dom",.Rathbaus". „Stadllheater" u. s. w., u. s.>v. sind also bis Dienstag früh 10 Uhr verkauft worden, obwohl sie weder den Namen des Druckers, des Verlegers, deS Herausgebers und des Verfaflers trugen. Und die Ansicht?- Postkarte„Buchhandlung Volksstimme nebst Doppelposten" wurde Montag früh 10 Uhr konfiszirt, weil sie den Bestimmungen des Preßgesetzes nicht genügt, obwohl die Firma „Verlag von B. Harbaum- Magdeburg" aufgedruckt war. Hinzu komnvt die Haussuchung in den Räumen der Buchhandlung, in den Räume» der Expedition, in den Räumen der Redaktion. Nicht ver- schont blieb der Bibliolhekschrank, der Kleiderschrank, der Geld- schrank. Kommt hinzu der Besuch in der Druckerei. Es ist eine Lust zu leben und zu wirken in Magdeburg." Durch die Konfiskation aller dem Preßgesetz nicht entsprechenden Ansichts-Postkarte» würde den Hunderten von Magdeburger Geschästs- lenten ein unter Umständen sehr großer finanzieller Schade» bereitet werde». Das wäre gewiß bedauerlich; besteht man aber der sozial- demokratischen Buchhandlung gegenüber auf dem Buchstaben des Gesetzes, so hat man die bürgerlichen Geschäfte selbstverständlich ebenso zu behandeln. Wir lebe» nicht mehr unter demAusnahmegesetz. sondern «in und dasselbe Recht gilt für jedermann. Vor wenige» Tagen erst ist ein Redakteur der„Volksstimme" vom Landgericht zu Gefangniß- strafe verurtheilt worden, weil aus dem mkriminirte» Artikel „herausleuchten" soll, daß er der Polizei habe nachsagen wolle», sie handhabe zweierlei Maß. Gerade nachdem dieses Urtheil gefällt worden ist, bleibt der Magdeburger Polizei keine Wahl, als die bürgerlichen Geschäfte mit Konfiskationen und Haussuchungen ebenfcklls heimzusuchen oder ihr exzeptionelles Verfahren gegen die„Volksstimme" einzustellen. Letzleres wäre das gescheidteste, waS sie thun könnte. Darin dürfte alle Welt einig sein. Hat doch biSjetzt. soviel wir wissen, kein bürgerliches Blatt Magdeburgs den Muth gefunden, i» dieser Sache für die Polizei Partei zu ergreisen. Die bürgerliche Presse Magdebulgs be- obachtet, nach den Angaben der„Volksstimme", fortgesetzt Still- schweigen. Dieses Schweigen zeigt doch wohl, daß man das polizei- lich« Verfahren gegen die„Volksstimme" iveder billigen kann, noch billigen mag._ NerblNidstag der verewigten Dachdecker «nd verwandte« Kerufsgenosse« Deutschlands. Gera, 28. Dezember 1387. Sn der Vormittags-Sitzung spricht sich zunächst der Vertreter eneralkommisston der Geiverkschasten, Reichstags-Abgeordneter Legten, des näheren über de» Ziveck und Nutzen der Arbeits- nachweise aus. Es liege den Unternehmern durchaus fern, mit Hilfe der Arbeitsnachweise etwa darauf hinzuwirken, daß sie immer recht- zeitig Arbeitskräste erhallen. Die Arbeiter sollten vor allem dem entgegemvirken, daß es nicht werde wie in der Metallindustrie, wo die Arbeitsnachweise dazu dienen, die organisirten Arbeiter fernzuhalten. Nur an solche Unternehmer dürsten Arbeitskräfte vermittelt werden, welche die von der Organisation gestellten Bedingungen erfüllt haben. Eine Zentralisation der Arbeitsnachweise werde nur dann gut sunktionire», wen» die Umzngskosten gewährt werden und daran sei wohl bei dem jetzigen Stand der Organisation nicht zu denken. Redakteur Hoch schlägt vor. zu beschließen, daß der Fachzeitung über den Stand deS ArbeitSmarktes in den einzelnen Orte» Mit- theilungen gemacht und von da auS gedruckt a» die einzelnen Filiale» verschickt iverden. Der Vorschlag findet Annahme, und wieder wird die zu wählende Agitalions-Kommission mit der Begründung von Arbeitsnachweise» beauftragt. Hierauf erstattet die zur Untersuchung der strittigen Angelegen- heil zwischen Vorsitzendem»nd Kasstrer gewählte Kommission Bericht. Sie hat alles in Ordnung gefunden und konstatirt ausdrücklich, daß für die Annahme, es könnte«ine Unterschlagung von Verbands- gcldern vorliegen, nicht der geringste Anlaß vorliege. Die Amts- entsctznng des Vorsitzenden durch die Filiale Frankfurt war sonach eine Voreiligkeit. Nach längerer Debatte wird �dem Zentral-Vorstand ein Ver- traucnsvotnm erlheilt. I» der Nachmittagssitznng referirt G. D i« h l- Frankfurt über Reise-Unterstiitzung uns Arbeitslosen-Versicherung. Referent empfiehlt Zentralisation der Reise-Unterstützung und die definitive Beschluß- fassung hinsichtlich der Arbeitsloscu-Versichernng dem nächsten Ver- bandslag zu überlasten. Burkhardt- München als Korreferent regt noch die Einführung der Kilonieter-Berechnung und die Unterstützung der verheiratheten Mitglieder a», die durch Arbeits- Wechsel zum Unizug gezwungen werden. Legten unterstützt diese Anregung, während Redakteur Hoch sich gegen die Kilometer- Berechnung wendet. Es wird beschlosten, die Reise-Unterstü�ung zu zentralisire» und pro Kilometer mit 2 Psg. zu berechnen. Familienväter sollen bei infolge Arbeitsivechsels»othivendig werdender WohnungS- Verlegung von über 10 Kilometer angemessene Uinzligskosten erhallen. In beiden Fällen darf jedoch die Unterstützung 14 M. pro Jahr und hinsichtlich der v! isenden 1 M. pro Tag nicht übersteigen. Der Vorstand soll untersuchen, ob nicht durch zu treffende Vereinbarung mit irgend einem anderen Verband im Unlrrstützungswesen eine Ver- besseruug zu erzielen ist. lieber die Stellungnahme zu den Lohnkämpfen referirt I. Diel- Frankfurt. Es wurden für die im letzten Jahr« unternommenen 10 Streik» 8088,87 M. und für Maßregelungen 1715,20 M. verausgabt. Gewonnen wurde wenig und von de» wenige» Zugeständnissen haben die Unternehmer manches wieder zurückgezogen. Redner rälh zur größtmöglichsten Vorsicht bei weiteren Lohukämpfen. I» der Diskussion geben die einzelne» Delegirten kurz« Situationsberichte über Lohn- und Arbeitsverhält- »isse in ihren Gauen; es werden ferner die bei den letzten Lohn- kämpfen gemachten Fehler kritisirt und praktische Winke zur Beachtung für spätere Streiks gegeben. Als Hauptforderung wird empfohlen, bei gleichen Löhnen eine verkürzte Arbeitszeit zu fordern, und in Anregung gebracht, Angriffsstreiks nur dann von Ver« bands wegen zu unterstützen, wen» Verkürzung der Ar- beitszeit gefordert wird._ GemevkfchÄf tliches� Berlin und Ilmgcbniig. Die Zimmerer von Groh-Lichtrrfelde stellten in einer öffent- lichen Versammlung nach einem Referat E ch r a d e r's- Hamburg für das Jahr 1838 nachstehende Forderungen auf: Minimalloh» von öS Pf. pro Stund« und eine 3 stündige Arbeitszeit. Außerdem eine Lohnerhöhung bei Ueberstuuden von 10 pCt., bei Sonntagsarbeit um 20 pCt. Ferner bei Arbeite« nach Außerhalb, bei welcher die Bah» in Anspruch genommen werden muh, muß das Fahrgeld zurück- erstattet werden. Deutsches Reich. Der Feilenarbeiter-Kongrest in Brannschweig beschloß in seiner Sitzung am 27. Dezbr. die lokale Organisation beizubehalten und sich den lokalorganisirten Arbeitern Deutschlands anzuschließen. Sodann murde die Reise-Unterstützung dahin geregelt, daß pro Kilometer ausgezahlt wird. Ferner soll eine Arbeitslosenunterstützung ein- geführt werden. Den: Vertrauensmann wurde aufgegeben. Schritte zu thun zur Regelung der Arbeitsnachweise. Zur Deckung der Un- koste» zur Durchführung der Aufgaben des Vertrauensmannes hat jeder Ort pro Mitglied und Quartal einen Beitrag von mindestens 10 Pf. an den Vertrauensmann abzuführen. Damit waren die Ar- beite» des Kongresses erledigt. In der Dresdener Schrankgesimöfabrir»nd Bildhauerei von G o e r n e, am See, sind sämmtliche Tischler wegen Lohn- disserenzeu plötzlich entlassen worden. Und zwar erfolgte die E»t- lassung deshalb, weil die Arbeiter pro Mann 75 Pf. für vor den Feiertagen geleistete U e b e r st u n d e n verlangte». So bescheeren die Unternehmer ihre» Arbeitern. Tie Konferenz der Thiiringcr AgitatiouS-Kommission deS Vereins deutscher Schuhmacher, die am 2v. Dezember d. I. in Erfurt tagte,«mpsahl in einem Beschluß, den Beitrag für männ- liche Mitglieder auf 20 Ps. und den für weibliche auf 10 Pf.(bis- her 5 Pf.) pro Woche festzusetzen. In der Gestaltung des Fachblaltes wünschte die Konserenz insofern eine Aenderung, als Verlag und Redaktion in die Hände des Verbandes gelangen solle». Ferner empfahl man den Beschluß der General-Versammlung, betreffend den Austritt aus der General-Kommission, auszuheben und einen Wieder- anschluß anzubahnen. Ausland. Tie englische« Maschinenbauer haben, wie bereits gestern mitgelheilt, die Vorschläge der Unternehmer mit überwältigender Majorität abgelehnt. Soweit die Zahlen bis jetzt bekannt, stimmlen 28 752 dagegen und nur 758 dafür. Für die eventuelle Annahme der 5I-St»nd«i»voche sprachen sich 1832, dagegen 20 028 der Abstimmenden aus. Die Betheiligung war diesmal eine ge- ringere, viele Zweigvereiue hatten einfach eine in ab- lehnendem Sinne gehaltene Rcsolnlio» angenommen. Diese a» Einmüthigkeit grenzende Ablehnung der Vorschläge Hai allgemein überrascht, sie zeigt, daß der Muth der Kämpfende» ein»»gebrochener ist. Die Unterhandlungen zwischen den streitenden Parteien sind bisher noch nicht wieder aufgenoininen; das Resultat der Abstimmung wird dem Unlernehmerverbande schriftlich mitgetheilt iverden. Wie verlautet, wollen die Fabrikanten nun mit weiteren Aussperrungen antworten. In Belfast, Colchester und«inigen an- deren Städten sollen etwa 1500 Maschinenbauer auf die Straße ge- setzt werden. Entscheidend für den weiteren Kampf werden die Be- ichlüsse der am 1. Januar 1838 zusammentretenden Gewerkschafts- konferenz sein. Ter Ausstand der Zigarreuarbeiterittnen in B e l o st o k (Rußland) hat mit einem Siege der Arbeiierinnen geendigt. Sie erhalten nun 20 Kopeke» für das Tausend Zigaretten, anstatt 14'/-. Sieben Mädchen waren verhaftet worden; da sich aber die Aus- ständigen durch diese Maßnahme nicht einschüchtern ließen, wurden jene nach 8 Tagen wieder entlassen und die Forderungen bewilligt.— Weiter wird über die Arbeilerbewegung in B« l o st o ck berichtet: Mit Beginn des Winters schickten sich die jhiestgen Fabrikanten und Meister an, die Konzessionen, welch« ihnen von den Arbeitern durch die im Sommer stattgehabten Streiks abgetrotzt worden sind, wieder zurück- zuziehen. Die Schneider-, Schuh ni acher- und Tischler- meister verlangten von den Arbeitern, daß sie II1/» Stunden statt 10'/, arbeiten. Die Arbeiter beantworteten dieses Ansinnen mit einem allgemeinen Streik, welcher zwei Wochen dauerte und von einem allgemeinen Erfolge gekrönt wurde. Die Weberei- Fabrikanten wollten gleichfalls ihren Arbeitern die Löhne herabsetzen. Doch die Weber, welche gewöhnlich im Winter eine Lohnherabsetzung ohne Murren hinnahmen, habe» diesmal starken Widerstand geleistet. In einer im Walde ab- gehaltenen Versammlung beschlossen sie, am 10'/,, stündige» Arbeitstag festzuhalten. Die Polizei ersuchte die Versammelten, sich zu zer- streuen, nahm aber keine Verhaslungen vor. Nach der Ver- sammlung zogen 600 Arbeiter unter Absingen der Arbeiter- Marseillaise in jüdischer Sprache durch die Hauptstraßen der Stadt. Da die Polizei sich selbst nicht entschloß, Verhafluntzen vorzunehmen, kamen ihr die Fabrikanten zu Hilfe. Sie hielten eine Versammlung ab, in welcher sie ein Verzeichiuß der Aufwiegler auf- stellten. Acht Arbeiter wurde» darauf verhaftet, obwohl bei ihnen während der Haussuchung nichts gefunden wurde. Wie die Ver- Haftungen auf die Arbeiter wirke», ist zu ersehe» aus den Worte». welche ein alter Weber an de» Polizeimeister gerichtet hat:„Glaubt Ihr durch die Verhaftungen die Bewegung unter de» Arbeitern ein- ,»dämmen? Nein, durch verhastungeu jagt Ihr uns keine» Schrecken ein. Ihr müßt mich bis zu meinem Tode im Gefängniß hallen, den» sobald Ihr mich entläßt, werde ich wieder einer der ersten„Aufwiegler" sein."-_ Mommunsles. Stadtverordneten- Versammlung. Oefsentliche Sitzung vom Mittwoch, 23. Dezember, n a ch m i l t a g s 5 Uhr. Die Akten über die Wahl bezw. Wiederwahl von 42 Stadt- verordneten bei den regelmäßigen Ersatzwahle» vom November 1837 kommen zur Auslegung. Die Ersatzwahl für den verstorbenen Stadtv. Wunder findet am 11. Januar 1838 statt. In gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der Stadt- verordneten ivird um 6 Uhr uuter Vorsitz deS Oberbürgermeisters eile die Wahl von 13 Mitgliedern und 8 Stellvertretern der inkommensteuer-Berufuugskommission vorgenommen. Der für die Vorprüfung der speziellen Entwürfe für den Neu- bau einer G e m e i n d e- D o p p e l s ch u l e in der W i l m s st r a ß e (623 000 M.) und einer solchen in der Glogauerstraße (560 500 M.) niedergesetzte Ausschuß hat sich über die beabsichtigte Herstellung von Putzfaaaden(statt des bisher ausschließlich an- gewandten VerblendziegelvaneS) von» Stadlbaurath Hoffmann auS- führlichen Vortrag hallen lassen«nd sich schließlich mit dieser Neuerung einverstanden erklärt. Die beide» obengenannten Entwürfe sind mit der Maßgabe genehmiat, daß die Heizungsanlage für SoakS- feuerung eingerichtet und da» auf dem Schulgrundstück in der Glogauerstraße die Einrichtung einer Lesehalle vorgesehen wird. Die von dem Ausschuffe gleichfalls geprüften Vorentwürfe zu Reu- bauten zweier Gemeinde-Doppelschulen in der Oderberger straße und in der D n n ck e r st r a ß e empfiehlt derselbe ebenfalls zur Ge« nehmignng mit der Maßgabe, daß statt der geplanten Warmivasser- Heizung Gasheizung eingerichtet wird. Ferner soll der Magistrat in Erwägung ziehen, ob es nicht möglich ist, schon bei einer oder der anderen dieser 4 Schulen Einrichtungen für Kindergärten zu treffen. Endlich soll der Magistrat ersucht werden, zur Beseitigung der bis- herigen Uebelstände auf den Schulhöfen bei Einfuhr von Kohlen und Abfuhr von Müll Maßnahmen zu treffen. Die Ausschußanlräge gelangen ohne Debatte zur Annahme. Die Vorlage wegen Miethung von Räumlichkeiten im Hause Neue Friedrichstr. 63 für das städtische Melde- b u r e a u für jährlich 8800 M. ab 1. April 1833 empfiehlt der Ausschuß auf 3(statt auf 6) Jahre zu genehmigen; gleichzeitig soll aber die Versammlung den Magistrat ersuchen: 1. baldigst in Berathung zu treten über eine Reorgani« sation der Ein kommensteuer-Ver waltung und insbesondere daraus hinzuwirken, daß eine Bereinigung deS Meldebureaus mit den Steuerbureaus oder dem Wahlbureau eintritt; 2. unter Bezugnahme auf die Resolution vom 29. April er. ihr baldmöglichst eine Vorlage, betreffend den Ankauf oder Bau eines Verwaltungs-GebäudeS zu unter- breiten. Auch hier tritt die Versammlung den AuSschußanträgen ohne Diskussion bei. Aus Anlaß des bekannten Falle? Köppen find aus der Mitte der Versanimluug zwei Aulräge eingebracht worden, 1. von den Stadtvv. Cassel und Genoflen: „Die Versammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, i» Verhandlungen mit dem kömglichen Polizeipräsidium über geeignete Maßnahmen und Auorduuugen zu treten, durch welche die sitten polizeiliche Untersuchung und vorherigeVerhaftung unbescholten erFrauen und Mädchen in Zukuust verhindert wird;' 2. von den Stadtvv. Perls und Genossen: „Die Versammlung wolle beschließen: Den Magistrat zu ersuchen, beim Polizeipräsidium darauf hinzuwirken, daß eine größere Gewähr geschaffen werde gegen ungerecht- fertigte Sistiruug und Fe st Haltung, sowie für eine ivürdigereBehaudluug von Polizei- arrestanten, fern er auch eine Reform der Sittenpolizei dem Polizeipräsidium zu empfehlen." lieber beide Anträge wird geineinsam verhandelt. Es wird Ansschußberathuug beantragt. Stadtv. Cassel: Beide Anträge wurzeln in Vorgänge», welche in der lctzlen Zeit in Berlin staltgehabt haben und recht bedenkliche Illustrationen der Gewährleistung des Rechts der persönlichen Frei- heit liefern. Es ist ein besonderes Verdienst der hauptstädtischen Presse, über diese Vorgänge sachgemäß berichtet und sie kritisch de- leuchtet zu haben. Den belauittc» Fall Köppen charakterisiren drei Gesichtspuulte. Erstens wird auf die Beschuldigung eines Einzelne» hin sofort ein weitgreisendes Einschreiten der Polizei gegen Frauen veranlaßt, die sich in dieser Beziehung eines privilogium odiosum erfreue». Dan» wird die Person eine Nacht in Haft behalten, weil die Prüfung ihrer ganz wahrheitsgemäßen Angabe» den Polizei- beamlen in der betr. Tageszeil nicht mehr möglich war. Eine solche Verlümmerung der persönlichen Freiheil ist mehr als bedenklich. Wie sehr endlich die vorgenommenc fittenpolizeilickie Untersuchung zu den schwersten Bedenken herausfordert, braucht nicht weiter ausgesührt zu werden, selbst wen» es eine„freiwillige Untersuchung", eine solche ohne Ans- Übung physischen ZtvangeS, wie behanplet worden ist, gewesen wäre. Wenn ein Mädchen verhaftet wird, welches niemals als Jnknlpatin schon vor Behörden stand, ist es sehr fraglich, ob es alles aus freie»» Willen thut, was die Beamten in diesem Sinne ansiasse». Es muß dasür gesorgt werden, daß die Be- lrcffendcn sich bewußt iverden, daß die Ablehnung der Untersuchung keine Nachthcile für sie, Verlängerung der Haft n. s. w., hat. Die Abstellung dieser Uebelstände ist eine Noihwenoigkeit; wie im einzelnen dabei zu verfahren sein wird, ist Sache der Ausschußberathnng. Ein Schutz gegen solche Berührung unbescholtener Frauenspersonen mit der Sittenpolizei ist um so noth- wendiger, als über die Berechtigniig dieser polizeilichen Einrich- tunge» und Anordnungen, ja sogar über ihre gesetzliche Grundlage Streit ist. Schon 1852 hat unser Kollege Nemnanu sich über die Reglcmenlirung der Prostitntion i» abfälligem Sinne ausgesprochen. Stadiv. Perls: Wir befinden uns hier einem Mißstande gegenüber, zu welchem wir' nicht ralh-und ihailos schweige» dürfe». Der Fall Köppen hat den Antrag Cassel gezeitigt. Mein Antrag gcneralisirl etwas mehr und wendet sich gegen die sich immer mehr hänfenden, einen immer schärseren Ausdruck der schutzmaunschaft- lichen Schneidigkeit bildenden Sislirungcn und die wenig würdige Be- Handlung dcrSistirlen. Vor Gericht wird niemand früher als Schuldiger behandeil, als bis seine Schuld bewiesen ist; einem von«inem Schutz- mann Sistirteu steht sofort eine Behandlung bevor, die jedem nicht besonders Abgebrühten, jedem, der sich seiner Unschuld bewußt ist, die Selbstbeherrschung rauben muß. Und dann hören wir von Widerstand gegen die Staaisgewalt u. dcrgl. Wir sehe» nicht ei», warum ein Schutzmann das Recht haben soll, in dieser Weise mit unseren Mitbürger» umzuspringe». Ich weise»nr auf den jüngst vorgekommenen Fall Schumacher hin, in welchem die betreffende Frau in der empörendsten Weise von einem 25jährige» Schntzmann behandelt worden ist. Sind die Berliner Bürger etwa der Polizei gegenüber die Bewohner einer feindlichen, eroberten Stadt? Daß es sich um ganz sdsiimine Fälle handelt, wird sogar von ganz polizeifrommen Blättern wie der „Deutscheu Tageszeitung" anerkannt, daß die Polizei ihr Unrecht den Bürgern gegenüber einsieht oder gar sich entschuldigt, davon hat man noch nie etwas gehört, ebenso wenig davon, daß die vorgesetzten Osfiziere de» Schntzlenlen einschärfen, sich dem Publikum gegenüber keine Verstöße zu schulden kommen zu lassen. In der Theorie ist ja bei uns das sehr schön, aber di« Praxi? läßt sehr zu wünsche» übrig. Es ist ja sehr leicht, zu sistiren; für den Schutzmann da? bequemste Mittel, seine Autorität aufrecht zu erhallen. Aber wo bleibt die Rücksicht ans das Publikum? In Leipzig kommt man ohne diese Belästigung aus; jwarum nicht bei uns? Es ist ja kein Wunder, daß die Sicherheit ans den Straßen sehr viel zu wünschen übrig läßt, wenn die Schutzleute so Massen- Haft Eistirte nach der Wache zu befördern haben und ihren Posten verlassen müssen. Hoffentlich kommt ans dem Ausschüsse ein post- tives Resultat heraus. Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte gestellt und genügend unterstützt. Stadtv. Stadthagen, der noch zum Wort gemeldet ist, beantragt namentliche Abstiinmillig über de» Schlußantrag. In namentlicher Abstimniung wird der Schlußantrag mit 90 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Stadiv. Stadt Hägen: Die gestellte» Anträge betreffen die Unsicherheit, deren sich die Berliner und die als Besucher hierher Kommenden infolge des Verhaltens einiger Polizeibeamteu auf den Straßen und in den Wachtlokalen erfreue». Ich bin befriedigt darüber, daß unsere vor einem Jahre hier ge- gebenen Anregungen jetzt so allgemeinen Boden gesunde» haben. Es wird offenbar allen anständigen Elementen innerhalo der Bttrgerschafl angst und bange vor dem Verhalten gewisser Polizei- organe! Es ist gerichtlich festgestellt, daß Mißhandlnngen ans Berliner Polizeiwache» vorkomme», in einem Falle sei so geschlagen worden. daß es sich anhörte, als würden Teppiche geklopft-(Hört! hört!) ES haben auch Bestrafungen von Beamlen und aus diesem Anlaß wieder eine Reihe von Begnadigungen staligesnnden. Die Attaquen auf Frauen scheinen nicht blos von Rowdics, sonoer» auch von den sogenannten Hilfsbeamten unternommen zu werden, die als Nichtgentlemen im Dienste der Polizei stehe». theils alS Akkordarbetter, theils als Zeitarbeiter. (Heiterkeit.) Wenn nun solche Leute auch auf dem Gebiet« der Sittenpolizei von der Behörde benntzt werden, so ist es nicht zu ver» wundern, daß die Frauen und Mädchen Berlins überhaupt nicht mehr vor einer solchen Behandlung sicher sind. Ruch Personen der sogenannten besseren Stände find mehrfach von der Polizeiwache, ans dl« sie geralhen waren, tn ganz anderem Znstande hevailsgekaninien, als sie hineingegangen waren; auch einer Hof- dame niußie, ähnlich wie jüngst Fräulein Köppen, eininal ein solches Mißgeschick passire», iveil sie sich ohne S gleitung auf der Straße befand. Der Tagesbefehl, der in solchem Falle die Sistirung anordnete, ist verschwunden, aber die Praxis ist dieselbe gebliebe». Die städtische» Behörde» müssen darüber berathen, ob die Bürgerschaft thatsächlich ohnmächtig ist solcher Willkür gegenüber. Die Bürger haben ein Recht, auch von der Stadtverwaltung geschützt zu werden; die Polizei hat auch im städtischen Obdach nichts zu suchen. Die Stadt kann sogar direkt zur Mitschuldigen solcher Willkür gemacht werden, wie ein Fall beweist, der im August passirte und wo ein fremder Kaufmann, der irgend eine kleine Straßen-Polizeikontravention begangen hatte, auf der Polizei geprügelt und dann in unsere Irrenanstalt Herzfelde über- geführt wurde, die er erst nach 14 Tagen verlassen konnte, nachdem unsere Aerzte festgestellt halte», daß ihm absolut keine Spur von Geisteskrankheit anhaftete. Dieser schreiende Fall verlangt allein schon ernstliche Untersuchung dieser Frage in einem Ausschuß. Im Ausland hat es der Berliner ganz gut; er braucht nur nach Haiti zu gehen.(Heiterkeit.) Es wäre vielleicht angebracht. «inen Schutzverein gegen gewiste Schutzleute(Große Heilerkeit) ins Leben zu rufen. Die Schutzmannschaft ist ja ztt»ächst als Gegen gewicht gegenüber der Bürgerwehr lS4ö geschaffen worden. Auch müßte eine städtische Einrichtung geschaffen werden, um jeden, der aus einem Polizeigebäude herauskommt, sofort pholographire» zu lassen (HeUerkeit); ja, die Sache ist viel zu ernst für einen Scherz, denn meistens hat der Geschlagene keine Zeugen und die Schutzleute fasse», was geschehe» ist, oft ganz anders auf. Es müßte auch festgestellt werden, ob jeuer gewisse Herzog, der die Köppen angesprochen hat, ein Polizeiagent war. Den Armenärzte» müßte auserlegt werden, in Fällen behaupteter Mißhandlung nnentgeld liche Atteste auszustellen; jetzt habe» die Aerzte eine ge- wisse Aeugstlichkeit vor der Polizei, oder wenn sie Atteste ausstellen, setzt wohl auch einmal einer Hinz»:„Aber gehen Sie nnr ja nicht zum„Vorwärts" oder zu Stadthagen hin! (Heiterkeit.) Berlin darf nicht dastehen als Stadt außerhalb der ftiiltur. In diesem Sinne bitte ich Sie um Ihre Zustinnnuiig. (Beifall) Beide Anträge gehen an eine» Ausschuß. Auf grund der Beschlüsse der betr. gemischten Deputation legt letzt der Rtagistrat der Versammlung den Antrag vor, den Fried hos der Märzgefallenen im Friedrichshain in erneu bei den Berliner Kirchhöfen üblichen Zu stand zu versetzen.(Von der Errichtung eines Denkmals oder Denksteins ist in der Vorlage überhaupt nicht die Rede.) Es sollen MOO M zu folgenden Arbeiten bewilligt werden: L Verbesserung der Umwährung. soweit erforderlich, 2- Errichtung eines Gingangsportals mit schmiedeeisernen 8- Einfassung des inneren Umgangsweges mit einem sogenannten Thiergartengitter oder mit einer Granitschwelle, E. Entfernung des Stacheldrahts und der ihn tragenden rohen Holzpfähle von den Hügeln. Von den Stadtvv. Singer und Genossen wird dagegen be- D• MVJ tz• Unter Ablehnung der Magistratsvorlage ersucht die Versamm lung den Magistrat, außer den in der Vorlage näher bezeichneten Arbeiten eine» D e n k st e i n mit der Inschrift:„Dem Andenken der am 18. März 1643 Gefallenen die Stadl Berlin" errichten zu lasse», und stellt die hierzu erforderlichen Kosten zur Verfügung. Ein Antrag Langerhan s-Kreitling fordert ebensalls die Aufstellung eines Denksteins innerhalb der Uinfriedigung; der Magistrat soll ersucht werden, dem zu fastenden Beschlüsse beiz» treten. Etadtv. LangerhanS: SS ist ein nichtiger Streit, ob auf den Stein geschrieben werden soll: Die Stadt Berlin. Auf dem Friedhof, auf unserem Terrain, setzt in jedem Fall die Stadt den Denlstein. Mit unserem Antrage sind wir fern davon, irgendwie oder gegen irgend wen zu demonstriren oder die Revolution zu glorifiziren. Die Güter, die durch Revolutionen errungen werden, gehe» ebenso schnell wieder verloren(Widerspruch); nur ein braves, tüchtiges Bürgerthum kann politische Fortschritte machen und festhalten. Wir haben aber de» Antrag gestellt, weil wir die Schmähungen gegen die große Erhebung von 1848 und gegen die heißen Wünsche, welche damals die Völker Europa's beseelten, zurück- iveisen müssen. Das geschieht, wenn wir durch Annahme des Antrags bekunden, daß wir anderer Meinung sind. Die Zeit von 1348 hat all« absolute Monarchien in konstitutionelle verwandelt, die Frohndienste und die Sklaverei abgeschafft. Die Gegner machen zwei Gründe geltend. Der Etraßenkampf sei von untergeordnetem Gesindel, vonFremden, dieRevolutio» machen wollten, geführt worden. Da? ist nicht wahr. Ich kann als Zeuge jener Vorgänge das Gegenlheil bekunden. Als am Morgen des 18. März die Polizei mit de» Unruhen nicht fertig werden konnte, wurde aus den Bürgern eineArl Wachmannschaft, kenntlich an weißen Schleisen und Stöcken, gebildet. Dies« zogen Müiags vor das Schloß und ließen durch ihren Sprecher Wöuiger dem König«ine Adresse überreichen. Der ganze Schloßplatz »var von ihnen bedeckt; Gesindel der erwähnten Art war nicht darunter. Da kamen Dragoner mit gezogenem Degen von der Clechbahn hergeritlen und hieben auf die Bürger ein. Diese stoben auseinander und brachte» die Nachricht von dem Ein- hauen in alle Gegenden der Stadt, und überall wuchsen wie durch Zauber die Barrikaden hervor. Die sie bauten, ivaren kein Ge- sindel, es waren hochangesehene Leute darunter. Auch schloffen sich sofort die Schützeugilde mit einer Kanone und die ganze stndirende Jugend der Bewegung an. Bei der Beer- digung betheiligten sich alle Behörden, voran die gesammte Geistlichkeit im Ornat. Solche Ehre» erweist man nicht Lumpe». (Sehr gut!) Dann sagen die Gegner, der Slraßenkampf fei ganz unnütz gewesen, es wäre ja schon alles Geforderte versprochen gewesen. Die solches behaupten, lasten außer Acht, daß schon l3IS in der Gesetzsammlung eine Volksvertretung feierlich versprochen war. Nach dem Slraßenkampf wurde das Ministerium entlasse» und ein liberales gebildet; die Volksbewaffnung wurde als Gesetz prokla- mirl; alle Wünsche des Volkes fanden also sehr schnelle Förderung durch diese Vorgänge. Verbrechen gegen das Eigeulhuin sind niemals seltener gewesen in Berlin als in diese» Tagen des März. Es liegt auch ein G e m e i n d e b e s ch l n ß von 1648 vor, wonach ei» Monument auf dem Friedhof und eins in der Stadt errichtet iverden solle». Wenn letzteres auch nicht ausgeführt ist und nicht ausgesührt »verde» dürfte, das können»vir mindestens verlangen, daß aus unscrm eigenen Terrain diesen Männern endlich ein bescheidener Grabstein mit dieser Inschrift errichtet»vird.(Beifall.) Stadtv. Singer: Der brave Bürgerstand, von dem der Vor» steher sprach, muß doch auch soviel Bürgersinn besitzen, um das für recht Erkannte allen Gegenströmungen gegenüber durchzusetzen. Charakteristisch ist, daß der Antrag Langerbans so wie geschehen begründet»verde» mußte— dem Magistrat gegenüber. Eigentlich hätte doch bei der Einbringung des Antrag? ein allgemeiner Jubel aus- brechen müssen, und die Herren vo»n Magistrat sollten sich nicht davon ausschließen, wenn sie auf das Prädikat„liberal" überhaupt »och Anspruch machen wolle». Der Antrag LangerhanS aber legt die Ausführung i» die Hand des Magistrats,»»»d dieser denkt nicht daran, einen Denkstein aufzustellen, wie ja die Verhandlungen der gemischte» Deputation gezeigt haben. Davon weicht unser Antrag ab, er stellt als Bedingung für die Renoviruna des Friedhofs die Errichtung eineS Denksteins. Nach nieiner Meinung erscheint es der Würde der Versammlung schließlich angemessener, daß der Ma- gistrat die Verantivortung auch für die fernere Verivahrlosung des Friedhofes trägt. Wir würden uns zum Gespött der ganzen Welt machen,»venu wir a» der Schwelle deS Jubeljahres nichts weiter beschlössen, als ein neues Gitter»nn den Friedhof zu ziehe», noch dazu «in so jämmerliches,»vie es die Zeichnung erkennen läßt(Ruf: Gipfel der Geschmacklosigkeit!) Es handelt sich in der That um einen Ge- meindebeschluß. Der Niedergang des Liberalismus, das Zurückiveichen nndNachgcben gegenüber höfischen Ansprüche», das sind die Ursachen, die denMagistrat jetzt gegen den Denkstein austreten lassen. Wir aber könne» diesen Rücksichten nicht Spielraum geivähren, wo es sich um Befriedigung eines heiligen Herzensbediirfnisses handelt. Damals hat jader Magistrat ganz anders gedacht— und eins seiner Mitglieder, der Schulralh Schulze, erklärte damals in öffentlicher Volks- Versammlung, eS sei jetzt mit dem Absolutismus vorbei und da müsse auch der an der Spitze der städtischen Verwaltung stehende Repräsentant desselben, Oberbürgermeister Krausnick, sollen, und au» nächsten Tage trat der Ober-Regierungsrath Krarisnick von seinen» Amte zurück. Wir»vollen mit nnserem Antrage nicht die Revolution verherrlichen, sondern de» Käinpfern der glorreichen Erhebung von 1343 unsere Ehrfurcht bezeigen. Ueber Motive»vird ja nicht abgestimmt; für uns steht fest: W i r thun das in dem Sinn, daß das deutsche Volk endlich ab- lassen möge von der sklavischen Unterivürfigkeit nach oben hin. Wen» der Magistrat jenen Bedenken beitritt, sind»v i r verpflichtet, alles zu thun, um die Errichtung des Denksteins zu er- reichen. Und darum stellen wir als Bedingung der Renovirung des Friedhofs die Errichtung des Denksteins. Die Bürgerschaft steht in dieser Forderung aus uuserer Seite, wenn »vir»vollen, daß in ehrlicher, jede Halbheit ausschließender Weise das zum Ausdruck kommt, waS die Berliner Bevölkerung beseelt! Nicht blos der Magistrat, der ganze Liberalismus war damals derselben Meinung. Dainals sprach die„Kölnische Zeitung" von einen» Pantheon, heut« spottet sie in kriecherischer Weise darüber. An einer oberflächlichen Reno- virung der Grabstätte liegt der Bürgerschaft nichts; Dankbarkeit und Verehrung soll jene» Helden, die in den Tod gegangen sind, aus- gesprochen werde».(Beifall.) Sladlv. S p i n o l a tritt für die Vorlage«in. Er perhorrescirt jeden Denkstein, denn ein solcher sei keine kommunale Angelegenheit, sonder» ein politischer Akt. Sehr eigenthümlich sei, daß gerade Herr Singer sich als Träger der politischen Freiheit gerire, er, der Führer einer Partei, die das Grab jeder polili- scheu Freiheit sei.(Lachen.) Im Name» des kommunalen Friedens bitte er um Ablehnung der Anträge. Oberbürgermeister Zelle führt aus, daß er gegenüber dem poetischen Ausschivung der Antragsteller namens des Magistrats nur ganz prosaisch sprechen könne. Die städtische VerivalUlNg lebe nicht auf einer Insel, sie habe Rücksichten zu»ehinen, sie könne nicht»nit den» Kopf durch die Wand. Geiviß sei 1343 der Enlhusiasinus allgemein geivesen; heute sehe man vieles mit andern Augen an. Kühlere Erivägung habe platzgegriffe», man erwäge, daß der Kampf aus Jrrthun» entstanden und auch aus Jrrlhnm, ohne Sieg oder Niederlage, sei» Ende gefunden habe. Der Magistrat sei einig in dem Wunsche, um den Friedhof nicht»eue Kämpfe aus- leben zu lassen. Sladtv. Kreitling bittet im Anschluß an die Rede des Vor- stehers um Annahme seines Antrages. Die Ereignisse von 1348 gehörten nun einmal der Geschichte an. Heute passe es ja vielen Leuten mehr als dmnalS, ihre politische Gesinnung zu verberge». um davon nicht Unbequemlichkeiten zu haben.(Zustiunnung) Auch dieser Redner verliest einen Erlaß des Magistrats vom 23. März 1343 im Anschluß an die Bestattung der März- gefallenen, un» den Gegensatz der Auffassung des Magistrats von da- mals und heute zu illustriren. Stadtv. P r e tz e l(Bürgerpartei) protestirt gegen die Behaup- tung. daß die Begeisterung für das Denkmal allgemein sei. In den Kreisen, in denen er verkehre(Heiterkeit), sei davon nichts zu spüren, da stehe man auf Seite» des Magistrats.(Stadtv. Singer: Das geschieht dem Magistrat ganz recht I Heiterkeit.) Würde der Magistrat zustimmen, daß den Empörer» von 1348 auf städtische Kosten ein Denkmal gesetzt»vürde, so»vürde er zur Nichtachtung von Recht und Gesetz auffordern. Sollte schon ein Denkmal gesetzt iverden, so sei er unter der Bedingung dafür zu habe», daß in der Inschrift hinter de» Worten„Den Märzgefallenen" eingeschoben würde„und zur Warnung für die Nachwelt."(Große Heiterkeit und Pfuirufe.) Sladtv. N e u m a n n befürivortet ebenfalls den Antrag Langer- Hans; er redet besonders den» Magistrat ins Gewisse» und schließt unter Beifall»nit den Worten: Wen» Menschen schiveigen, werde» Steine schreien! Zur Abstimmung stellt Stadtv. P r e tz e l sein Amendement auf Einschiebnng der ZLorle„und zur Warnung für die Nachwelt" zu beiden Anträgen. Stadtv. Sachs II beziveifelt, ob ein solcher nur als Witz oder Verhöhnung aufzufassender Antrag überhaupt zur Ab- ftiinnmng zu bringen ist. Die Abstimmung erfolgt jedoch; für den- selben stimmt unter allgemeiner Heiterkeit lediglich der Antragsteller. In namentlicher Abstimmung»vird der Antrag Singer mit 81 gegen 12 Stimmen verivorfen. Der Antrag Langerhans gelangt in namentlicher Abstimmung mit 77 gegen 13 Stimmen zur Annahm e. Die Opposition bei dieser letztere» Abstimmung »vird nur von der Fraktion Spinola gebildet. Schluß nach 9 Uhr. »» » Heimstätte fiir Lungenkranke. Bekanntlich hatte die Stadt- verordneten- Versammlung in» November d. I. auf Autrag der Stadtverordneten Borgman» und Genossen beschloffen, de» Magistrat zu ersuchen, zu den bestehenden Heimstätten für Brustkranke auf den Rieselgütern in Malchow und Blnnkenselde noch zivei andere städtische Nieselgüter für die sofortige Aufnahme für Lungenkranke beiderlei Geschlechts für den Sommer 1393 einzurichten. Der Magistrat hatte »u» diese Angelegenheit einer Unterkommission zur Vorberalhung überwiesen, welche gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschuer indesse» beschlossen hat, den Antrag abzulehnen, indem zur Zeil ein Bedürjniß zur Hcrrichtung solcher Anstalten nicht vorliege und es daher angezeigt sei,»och einige Jahre hiermit zu»varten. Das»var»vieder einnial ein echt freisinniger Beschluß, der der Bevölkerung auss neue die Arbeitersreundlichleit des heutigen Stadt- regiments offenbart. Kittderasyl. Der Magistrat beabsichtigt nunmehr, das durch die Schinidl'sche Stiftung von 700 900 M. vorgesehene Kinderasyl, »vclchcs für 20 Kinder berechnet ist, auf dem Grundstück des Hauses Kürassierstr. 21/22 aufzi»führen. Der Zweck der Schmidt-Stiftung „Kindcrasyl" ist in erster Linie, aufgefundene, d. h. solche Kinder, deren Eller» unbekannt und nicht zu ermitteln sind, sodann andere in oder außer der Ehe geborene Kinder, deren Eltern zwar bekannt nid, sich aber in Krankenhäusern befinde», ausgcivandert oder auch sonst nicht zu ermitteln sind, endlich solch« uneheliche Kinder, deren Mütter die Aufnahme ausdrücklich nachsuchen, auszunehmen, zu ver- iflegen und zu erziehen. Die Pfleglinge der Stiftung»verde« bis zu ihrem 14. Lebensjahr aus Sliflungsmitteln erhalten. Diejenige» Kinder, deren Pflege in, Hause selbst nicht länger erforderlich er» cheint, sollen in Koslpflege untergebracht»verde». Soziales. Zwecks Bekämpfung der Tuberkulose hat da? preußische K u l l u s m i» i st e r i u m unterm 22. Dezember an die Ober- Präsidenten ei» Rundschreiben erlassen, worin es u. a. heißt: „Die au? de» in neuester Zeit in größerer Zahl gegründeten Volksheilstätten entlassenen Tuberkulose»»virken aufklärend Uber die Verhütung der Tuberkulose in den Kreisen ihrer Augehörigen. Auch aus dies«»» Grunde kann die Errichtung von Volksheilstälten, welche ür ärmere Kranke eine äußerst segensreiche Einrichtung sind, nur zur Förderung empfohlen werden. Immer»vieder muß die Bevölkerung darauf hingewiesen werden, daß die Tuberkulose aus die nächste Umgebung durch Berührung sehr häufig übertragen»vird, daß aber die Ansteckung durch Jnnehaltung der angeordnete» Maßregeln mindestens sehr eingeschränkt werde» kann. Dieses Ziel ist auch durch Einführung der Anzeige- pflicht ivenigstens für Todesfälle und Desinfektion der von Schwindsüchtigen bewohnten Räume und benutzter Gebrauchsgegenstände nach deren Tode oder nach dem Verlasse» einer Wohnung anzuftrebeu. Insbesondere sind Wand und Fußboden in der Nähe der Lagerftelle.«in Meter in der Umgebung, zu deSinfiziren. Für größere Kranken-, Siechen«, Irren-, Strafanstalten und Gefängnisse ist die Desinfeklio» der Leib- und Bettwäsche, der Lager- stellen(Betten und Chaiselongue's ic.) einschließlich ein Meter der Umgebung derselben(Wand und Fußboden), in jedem Falle von Schivindsucht verbindlich zu machen. Krankenzimmer für Schlvind- süchtige sind jährlich ein bis z»vei mal vorschriftsmäßig zu des- infiziren. Durch die Presse, durch Vereine und durch die Aerzte ist die Bevölkerung bei geeigneter Gelegenheit daraus aufmerksam zu»lachen, daß die Thäligkeit reichlich aushustender Brustkranker als Verkäufer oder Verkäuferinnen von Nahrungs- und Geuußmitteln nicht ohne Gefahr für die Käufer sei. Die Errichtung eigener Irrenanstalten für schwindsüchtige Geistes« kranke ist der Erivägung werth und vorkomniende» Falles in geeig- neter Weise zu fördern." Daß der Kampf gegen die Tuberkulose nicht mit Rosenwaffer geführt iverden kann, sondern sehr einschneidende Maßregeln nöthig macht, versteht sich von selbst. Unter diesem Gejichtspnnkle ist es begreiflich, wenn das Ministerium enipfiehlt, das Publikum solle auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden, die ihm durch„reichlich aushustende" brustkranke Verkäufer und Ver- känferinnen von Nahrungsmitteln droht. Das Publikum»vird natürlich die betreffenden Geschäfte bald meiden und die Brust- kranken iverden dadurch ihr Brot verlieren und zu gründe gehe». Mit dieser einfachen„Lösung" der Frage können»vir uns nicht befreunden. Will der Staat sich aktiv an dem Kampfe gegen die Tuberkulose betheilige», so steht es ihin schlecht an, die Errichtung von Volksheilftätte» für ärmere Kranke lediglich zu empfehlen, sondern es ist seine Pflicht, durch Errichtung eigener Anstalten selber für die Heilung der Kranken zu sorgen. Aber damit allein ist es nicht gethan. Der Schwerpunkt der Sache liegt auf dem Gebiete des A r b e i t e r s ch n tz e s. Durch ge- setzliche Einschränkung der Arbeitszeit, strenge sanitäre Ueberivachung der Betriebe, Erlaß eines Reichsivohnungsgesetzes, das auch dem Grund« und Bodeinvucher steuert, serner durch Förderung der Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen muß die Lebens- läge des arbeitenden Volkes geHobe»»verde». Dan» erst labt sich der Kampf gegen die Tuberkulose als Massenkranlheit»nit Erfolg führen. Preußen thnt sich so viel darauf zu gute, der„führende" Staat in Deutschland zu sein. Mag es aus den» Gebiete der Gesundheits- pflege sich diesen Titel verdienen. Arbeiter-Risiko. Der Berghhauptmann Täglichsbeck in Dortmnnd hat,»vie die„Rheinisch-Westf. Arbeiter-Ztg." mittheilt, Beschiverdcn der Bergarbeiter über mangelnde Gruben» k o n t r o l l e mit dem Bemerken zurückgeiviesen, daß die Berg- revier- Beamten ihre Pflicht thnn. Kann d-nn nicht, fragt unser Bruderorga», die Kontrolle trotzdem Mängel ansiveisen? Die Bergleute sind doch nicht ohne Grund unzufrieden. Die Unfallziffern im Vergleich mit denen des Auslandes geben ihnen recht. Und wenn sich der Herr Berghauplnia»»» bemühen»vollte, so könnte ihm inancher erfahrene, zuverlässige Berg- mann erzählen,»vi« gewisse Zechenbesitzer die Revierbeamten durch allerlei Machinationen über den»virklichen Zustand der Gruben zu täuschen»vissen. Die Kniffe, die hier angewandt werden, kennt der Revierbeamte nicht, aber der erfahrene Bergmann kennt sie auS eigener Anschauung. Ihm kann deshalb die Zechenleitung kein X für ei» II vorinachen. Und deshalb fordern die Bergleute schon lange, daß Hilfskontrolleure, von ihnen aus ihren Kamerade» gewählt, angestellt»verden. 5 Prozent ihre» JahreSverdienfteS erhielten in der Chinin« fabrik von Behringer u. Söhne in Waldhof bei Mannheim die Arbeiter als Weihnachtsgeschenk ausgezahlt. Da? ist anzuerkennen, da es sich, wie der Mannheimer„Volksstimme" zu entnehmen, um«ine Firma handelt, die auch durch die Höhe ihrer Arbeitslöhne andere Fabriken jener Segend überragt. WohnungSanssicht ohne«Sohnnnqtzfllrsorge. Da»»roß- herzoglhun» Hesse» erfreut sich seit 1323 eines Gesetzes über polizeiliche Beaufsichtigung der MiethSwohnungen und Schlafstellen. Auf Wunsch der Landstände hat nun die Regierung eine» Bericht über die Wirksamkeit dieses Gesetzes aus« gearbeitet. Man schreibt uns darüber: Der Bericht ist interessant mehr durch das,»vas er verschweigt, als durch da»,»vaS er sagt. Nach den» Gesetz können alle Schlafräume von Lehrlingen, Gesellen, Dienftdote» u. s.»v. auf ihre die Gesundheit oder Sittlichkeit schädigenden Eigenschaften untersucht»verde». Ferner müssen alle Schlafstellen und alle MiethSivohnungen von drei und weniger Räuinen, einschließlich der Küche, soivi« alle Kellergeschosse und alle unmittelbar unterm Dach befindlichen Wohn« räume der Polizei gemeldet»Verden, die über die Zulässigkeit der Vermiethung überhaupt wie über die Anzahl der zulässigen Be- »vohner verfügt. NöthigenfallS hat die Polizeibehörde bauliche Ver« äuderungen oder Ausiveisung aus unzulänglichen Wohnungen zu verfügen. Der vorliegende Bericht erstreckt sich auf die Zeit von, 1. April 189S bis 31. März 1390. In diesem Zeitraum waren in den IS über S000 Einwohner zählenden und 3 kleinen den» Gesetz unterstellten Gemeinden zusammen 22 471 Mielhs- »vohnungen, 434S Schlafstelle» mit 7890 Schläfern und 14 025 Schlafräume von Geselle», Gefinde ec. der polizeilichen Aussicht unterstellt. Beanstandet»vurden von de» Wohnungen 934=- 4,38 pCt., von den Schlafstellen 277--- 6,37 pCt. und von den Gesellen- und Gesinderäuuicn S74== 4,09 pCt. Aus den 934 beanstandeten Woh- nuiige» wurde in 92 Fälle» Ausweisung angeordnet. Ueber das Schicksal der Ausgewiesenen hüllt sich der amcliche Bericht in Schiveigen. Schade! Gerade an dem Punkte müßte die staatliche Wohnungsfürsorge losgehen. I» noch auffälligeres Schiveigen hüllt sich die Regierung hinsichtlich der bei den Beanftanbuiige» vor- gefundenen Zustände und der Abhilfemaßregeln. Auf die 12 432 dreiräumigen Miethsivohnunge» kamen 50 063, auf die 7306 zwei« räumigen 25 083, und auf die 2633 e i n r ä u»» i g e n 6297 Be» wokner, das»nacht pro Wohiiung 4,01, 3,43 und 2,35 Köpf«. Diese Zahlen deute» schon darauf hin. daß es da gar nianches zu berichten gäbe,»vas die Wohuungs- zustände der Armen und Aerniften grell zu beleuchten geeignet»väre. Aber»vir erfahre» nichts! Ebei'so»venig verräth uns das hessische Ministerium irgend etivas über die in de» beanstandete» Schlaf- stellen und Schlafräumen vorgefundene» Mißstände. Vielleicht gelingt es im Landtag, ihm den Mund darüber zu öffnen. Depeschen und letzte Duchinchken. Kiel, 29. Dezember.(B. H) Sin»veiterer Lloyddampfer mit Marinelruppen und Lazarethpersoual wird ansangs Januar nach Ostasie» abgehen. PariS, 29. Dezember.(W. T. V) Die„Dspkche coloniale" meldet: Der Gouverneur des Sudan traf verschiedene militärische Maßnahmen, welche als Vorbereitung einer Expedition gegen Sainory angesehen werden. Paris, 29. Dezember.(B. H) Der frühere Präsident Frank- reich«, Casimir Perier. ist an der Influenza erkrankt. Sein Znstand ist besorgnißerregend. PariS, 29. Dezember. abend) Nachmittag 3 Uhr für die IV. Abtheilung die 4. Vorstellung von Max Halbe's Liebesdrama„Jugend" mit dem Künstlerpersonal des Lessing-Theaters im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater. Auch die Garderoben und Requisiten, Dekorationen sind dem Lessing-Theater entnommen. Die Verloosung der Billets beginnt um 2 Uhr. Die ö. Serie der Borstellungen beginnt die I. A b t h e i l u n g Sonntag, den 2. Januar mit der Vorstellung:„ B a r t e l Turas er" von Philipp Langmann. Die Vorstellungen der 2., 3. und 4. Abtheilung sind am 9.. 30. Januar und 6. Februar sämmtlich im Lessing-Theater unter Mitwirkung der Herren Adolf Klei», Karl Waldow, Franz Haid, Euianuel Stockhausen und der Damen Frl. Milli Krause, Jenny Groß rc. Der Vorstand ersucht die Mitglieder dringend, nur die Vorstellungen ihrer Abtheilungen zu besuchen, da Nachzügler im günstigsten Falle nur einen Stehplatz erhalten könne», soweit Ranm vorhanden ist. Der Vorstand. I. A.: G. Winkl». „Zwar sind sie liberal— doch stets erbötig, den Rock zu wechseln und die Haut wenn nöthig." Das führte Berlins„fortschrittlicher" Oberbürgermeister Zelle in der gestrigen Stadtverordneten- Sitzung recht klar denen, die noch vom rückgratsteifen Freisinn träumen, vor Augen. handelte sich um die Ehrung der wackeren Märzkämpser des Jahres 1848 durch ein Denkmal der Dankbarkeit. Die Magistraleseelen scheuen davor zurück, denn: wie könnte solch' Schritt an anderem Ort der Selbstverwaltung ausgelegt werden— laßt die Todten ruhen, die Lebenden Sklaven sein. Um dem Magistrat eine Brücke zu bauen, sprach die Stadtverordneten- Mehrheit nur den„Wunsch" nach einem Denkmal neben der neuen Um- gitterung des Friedhofs ans. Der alte Langerhans hatte die unangenehme Pflicht, diesen Wunsch zu vertheidigen. Unsere Genosse» beantragten als Bedingung für die auch vom Magistrat als »olhwendig anerkannte Errichtung eines neuen Gitters: Errichtung des Denkmals. In beredten Worten vertheidigte Singer diesen Antrag und rief den Kommunal-Freisinn zur Scham. Half nichts— mit 81 gegen 12 Stimme» wurde dieser Antrag abgelehnt. Sodann wurde der „Wunsch" mit 77 gegen 18 Stimmen von den Stadtvätern ausgesprochen. Selbst gegen diesen Wunsch stimmte» Spinola und Genossen bis zu Pretzel hinauf. Herr Pretzel versuchtt serviler Denkart ein steinernes Denkmal da durch zu setzen, daß er als Jnschriftszusatz für die edlen Märzkämpser(Empörer beliebte sie diese Säule des Autisemilismus zu nennen)„zur Warnung für die Nachwelt" vorschlug. Er blieb bei der Abstimmung allein. Daß aber die im Magistrat im Herzen Herrn Pretzel zustimmten, wird sich dadurch zeigen, daß Herr Zelle und Genossen de»„Wunsch" ablehnen werde». Der liberale Kommunal Freisinn ist«in folgsamer Pudel antisemitischer Befehle geworden. Die Debatte zeigte schlagend, welchen Ties grab der Liberalismus in Preußen erreicht hat.— Im ersten Theil der Sitzung wurde die Art der Behandlung, welche Bürger auf Polizeiwachen hatten erleiden müssen, besprochen. Die Aussprache führte zur Einsetzung eine? Ausschusses. Vor einem Jahr noch war die große Stadtverordnetenmehrheit gegen eine Behandlung der> artiger Klagen in der städtischen Körperschaft. Gewisse Ereignisse der letzten Zeit haben auch die fromme Milch der Pfahlbürger in gährend Drachenblut verwandelt. lieber den Umbau der Charitee wird folgendes berichtet „Der Umbau der Charitee wird nach den revidirten Voranschlägen 9 380000 M. kosten, in welcher Summe die Kosten der theilweisc »othivendigen Neueinrichtung«iiibegrisse» sind. Nach der Vollendung des Umbaues wird die Charitee eine Muster- anstalt sein, die weit mehr, als dies bisher der Fall>var, ihren Zweck, eine große Heil- und Lehranstalt zu sein, erfüllen kann. Die Unibaupläne sind aus grund der Forderungen der moderne» Hygiene ausgearbeitet, ivobei auch die großartigsten Hilfsmittel der modernen Technik berücksichtigt wurde». Die Ein richtungen der Anstalt werden fast alle Theile der ärztlichen Kunst und Wissenschaft umfasse» und stelle» nach der Vollendung an geblich eine Musteranstalt vor, wie sie an anderen Orten nicht existirt. Wir wollen hoffen, daß diese Mittheilung ihre Be stätigung findet. Auf dem westlich der Luisenflraße belegenen Grund stück und dem angrenzende» Grundstück Luisenstr. 2 sollen die erste und die zweit« medizinische Klinik mit je 180 Betten, die chirurgische Klinik und die chirurgische Nebenabtheilung mit 160 und 70 Betten, ferner noch die geburtshilflich-gynäkologische Klinik mit 143 Betten und die psychiatrische und Nervenkliui k mit 200 Bette» untergebracht werden. Außerdem werden auf demselben Grundstück noch die Kinverklinik mit 100 Bellen, die Klinik für Syphilis und Hautkrankheiten mit 151 Betten, die Augenklinik mit 30 Betten und endlich noch die Ohrenklinik mit 17 und die Hals- und Nasenklinik mit 16 Betten errichtet. Die Gesammtzahl der nach dem Umbau verfügbaren Betten beträgt daher nur 1247, gegen 2000 in früheren Jahren. Wegen der gänzlich unhaltbaren hygienische» Zustände in der Charitee wurde schon 1894 die Zahl der Bette» auß 1824 vermindert, waS unumgänglich»olhwendig war. Außer diesen Neubauten werden»och Gebäude für das Patho- logische Institut, die Geschäfts- und Verivaltungsräume, Dienst- wohnungen für den Berwaltungsdirektor und sonstige Beamte, eine Anstaltskapelle, Küchen-- und Wirthschaftsräume, sowie eine elektrische Kraftanlage erbaut. Der Neubau des Verwaltungsgebäudes, der an der Luisenstraße errichtet worden soll, erfordert einen Kosteuauswaud von 396 000 Mark, wozu»och 49 500 Mark für das daneben zu erbauende Direklorwohnhaus kommen. Ganz außerordentliche Kosten verursacht der Neubau des Patho- logischen Instituts; die Kosten sind, einschließlich de? Gebäudes für die Sammlungen, das auf 492 000 Mark veranschlagt ist, auf 1484 500 Mark berechnet, wovon allein 519 000 Mark für die künstliche Gründung angenommen worden sind. Das Gebäude ivird am Alexander- Ufer errichtet und zerfällt in drei Hauptgebäude, die durch Gänge verbunden sind. Der Bau muß ivegen des schlechten Grundes auf einem Pfahlrost errichtet lverden. Die Kosten für die anderen Neubauten betragen: Für die Augenklinik 70000 M., für die geburtshilflich- gynäkologische Klinik 685 000 M., für die Kinderklinik, der noch einige Baracken des Jnstituls für Infektionskrankheiten überwiese» werden, 440 000 M. Im Neubau der chirurgischen Klinik werden ins- gesammt 230 Betten verfügbar sein; die Kosten betragen 860 000 M. einschließlich der Operationsräume. Während die vollständig neu zu erbauende erste medizinische Klinik 850 000 M. erfordert, stellen sich die Kosten für die zu errichtende zweite uiedi- zinische Klinik, die in dem erweiterten, sogenannten Sommerlazareth untergebracht werden soll, nur auf 650 000 M. Für die zweite medizinische Poliklinik wird aus dem Grundstück Luisenstr. 2 ein Neubau errichtet, der auf 230 000 M. veranschlagt ist Endlich sind»och 1 100 000 M. für die Neubauten der psychiatrischen und Nervenklinik bewilligt. 676 000 M. sind für die innere Neu- einrichtung fänimtlicher Anlagen bestimmt. Die genauere Aus- arbeitung des Gesammtplanes, die nun erfolgt, ist einer besouderen Baukommission übertrage», an deren Spitze der Ministerialdirektor Althoff steht. Ultramontane Obskuranten. Auf einem städtischen Denkmale im Berliner Gemeiudesriedhose zu Friedrichsberg stehen die schönen Freiligrath'schen Verse: O lieb', so lang' Du lieben kannst, o lieb', so lang' Du lieben magst, die Stunde kommt, die Stunde koinmt, wo Du an Gräbern stehst und klagst." Die Strophe ist aus dem Denkmale selber nicht richtig wiedergegeben. Irgend ein Ballhorn hat ihre dritte Zeile umgeändert in:„Es kommt der Tag, es kommt der Tag." Aber nicht darüber entrüstet sich die fromme„Germania", sie hat die Veränderung der Dichterworte überhaupt nicht bemerkt, sie schimpft, daß sie überhaupt auf einem städtischen Denkinale zu lesen sind. In einer Polemik mit der fortschrittliche»„Berliner Volks-Zeitung", die die ultramontane Unduldsamkeit gerügt hatte, begründet die„Germania" ihren Standpunkt näher. Zunächst werden die Vers« noch einmal als modern„heidnisch",„pietätlos",„cynisch" und „anstößig" bezeichnet. Cynisch und anstößig seien sie deshalb, weil in ihnen dem Leidtragenden gerathen werde:„Geh' heim und liebe." Welch' unreine Phantasie vergreift sich da am Dichter! Das schöne Panlinische Wort von der Liebe,„die die größeste ist unter ihnen", hat wohl nie in die Ohren dieses„Christen" getönt. Bezeichnend aber ist die Wuth des ultramontanen Blattes für seine Vorstellung von geistiger Freiheit. Wenn die lox Heinze Gesetz würde, die ei» Antrag der Zentrumsfraktion ja wieder aus dem Grabe holen will, dann könnten sich die todten und die lebenden Dichter gratulire». Eine Zensur, ärger als die vormärzlich«, würde platzgreisen. Biirgerbeuiaffiiung. Der Polizeipräsident von Berlin hat folgende Bekanntmachung erlassen:„Bekanntmachung. Se. Majestät der König haben auf den Wunsch der Einwohner Berlins die Bürger- bewaffnuug zu genehmige» geruht und ist darüber an den dazu ernannten Unterzeichneten«instweilen folgende provisorische Bestim- mung getroffen: Z I. Es wird eine Bürgerbewaffnung organisirt. § 2. Darannehmcn die Bürger und Schutzverwandten the»l. 8 3. Die Kosten der Bewaffnung trägt der Staat:c." Der Polizeipräsident, der diese Bekanntmachung erließ, hieß von Minutoli. Erlasse» wurde die Bekanntmachung am 19. März 1348. Heute schreibe» wir den 30. Dezember 1897— gestern haben die Stadtverordneten darüber berathen, welche Mittel und Wege zum Schutz der Bürger und Bürgerinnen auf Polizeiwache» zu ergreifen sind. ISL SSI Schnlkinder wurden Nach dem neuesten amtlichen Nachweis am I. November 1397 in den 217 Berliner Gemeinde- schulen unterrichtet. Die Zahl der Schulkinder ist demnach seit dem 1. Mai 1397 um 2798 gestiegen. Von den 196 561 Schülern sind 97 771 Knaben, 93 790 Mädchen. Der Zuwachs seit dem 1. No- vember 1696 beträgt 6099; es kann daher angenommen werden, daß im Laufe des kommenden Jahres die Zahl der Berliner Gemeinde- Schnlkinder 200 000 übersteigen wird. Die gemeindliche Fürsorge für dieses fünftel Million Kinder entspricht den berechtigten Forderungen durchaus nicht. Die amtliche Uebersicht zeigt, daß sogenannte fliegende Klassen am 1. November 1897 noch immer nicht verschwunden sind: am I. November gab es noch 37 dieser der Gesundheit und Ausbildung der Kinder unzuträglichen, allseitig verurtheillen fliegenden Klassen mit 5545 Plätzen. Die Durchschnitts- Besetzungszisser für eine Klasse beträgt 52,15. Diese«norm hohe Frequenzziffer ist dabei noch viel günstiger als die thatsächliche» Verhältnisse. Die wirkliche Frequenzziffer in der 5. und 6. Klasse übersteigt fast durchweg 60, erreicht häufig, in nicht weniger als 97 Klassen, die Maximal- Frequenzziffer 69— 69 Kinder in einer Klasse von einem Lehrer unterrichtet! Beseitigung der fliegenden Klassen, Herabsetzung der zulässigen Frequenzziffer der einzelnen Klasse, Einführung des achtklasstgen Systems predigt auch diese neueste aintliche Uebersicht. Freilich, wer vermag tauben Ohren zu predigen? Ueber SttOV Lehrer der Mark Brattdeubnrg waren am Mittwoch in den Germania-Sälen versammelt, um zu der Regelung der Lehrergehalts-Frage Stellung zu nehmen. Vom Vor« standStische wurde eingehend darauf hingewiesen, daß die Versanim- lung deshalb nolhwendig geworden sei, weil die meiste» Gemeinde» den Mindestsatz von 900 M. Grundgehalt festgelegt hätten. Alle Schritte bei Behörden, hier eine Aenderung herbeizuführen, seien er- solglos geblieben, und da auch ein Appell an politische Parteien nicht fruchten würde, wie man nach den traurige» Vorgängen i» Berlin schließen müsse, so bleibe der Lehrerschaft nur ein entschlossenes gemeinsames Vorgehen übrig.(Lebhafter Beifall.) Aus de» nun folgenden Referate» tönte immer wieder derselbe Mißton, daß die im Gesetz vorgesehene Regelung der Gehälter nach den örtlichen Verhältnisse» eine vollständig ver- fehlte sei. Vielfach könne die Leistungsfähigkeit der Gemeinden nicht angcziveifelt werden, doch fehle es am guten Willen zu Gehalts aufbessernnge». Leider müsse konstatirt werde», daß gerade die Geistlichen sehr oft in Verkennung der Lehrerarbeit die Ge meinden in der Richtung beeinflußten, daß man an dem Gehalts Minimum festhalle.(Rufe: Leider!) Von verschiedenen Seilen wurde der Vorstand des Provinzial-Lehrervereins sehr scharf an- gegriffen, weil er nicht zeitig genug zur Gehallsfrnge Stellung genoimnen habe. Andererseits wurde betont, daß nach eigenem Ge- stäudu iß die oberste Schulbehörde ihrem Bedauern dahin Ausdruckgegeben habe, daß die Provinz Brandenburg bei Norniirung der Lehrer gehälter zu schlecht abgeschnitten habe. Es seien jedoch nach dieser Seite hin Vorkehrungen getroffen, daß höhere Unterstützungssummen durch das Ministerium eingestellt würden. Auch solle das kirchliche Einkommen der Lehrer nach Möglichkeit erhöht werden. Die mehrstündige Debatte drehte sich im wesentlichen um die Frage, ob die Landlehrer bezüglich des Grundgehaltes und der Alterszulagen mit ihre» Kollegen in der Stadt vollständig gleichgestellt werden sollten, oder nur in Hinsicht der Alterszulagcn allein. Für beide Anschaunngen fehlte eS nicht an Vertheidigern, doch wurde schließlich folgender Antrag angenommen:„In Erwägung, daß die jkosten der Lebenshaltung in Stadt und Land, alles in allem genominen, nicht wesentlich ver- schieden sind, bedauert die heute in den Germaniasälen zu Berlin tagende Versammlung der Lehrer der Mark Brandenburg, daß so große und weitgehende Unterschiede in ihrer Besoldung geschaffen worden sind, und wünscht, daß die G r u n d g e h ä l t e r der länd- lichen Orte mit denen ihrer näch st belegene» Städte gleich und desgleichen die Alterszulagen sür Stadt und Land durchweg gleich bemessen werden." An den Kultusminister Dr. Bosse wurde ein Begrüßungs- telegramm abgesandt. Wozu das? Solange die Lehrer in Devotion ersterben, wird eS ihnen auch nicht besser gehen. Aus die große Verbreitung der Ansichtö-Postkartc« wird in der amtliche» Statistik der Reichspost-Verwaltung die ungewöhn- liche Steigerung des Postkarten-VerkehrZ zurückgeführt. Diese betrug im Jahre 1896 gegen das Vorjahr 8,3 pCl., bei den Briefen nur 3,7 pCt. Im letzten Sommer sind allein vom Kyffhäuser 143 000, vom Nationaldenlmal auf dem Niederwalde 128 000, vom Brocken 120 000, von der Wartburg 118 000, von der Bastei 77 000, vom alten Schloß in Heidelberg 36 000, vom Feldberg 27 000 Postkarten abgesandt worden. Ueber- troffen werde» diese Zahle» noch von dem Postkartenverkchr auf Ausstellungsplätzen. Die Zahl der von der Gewerbe- und Industrie- Ausstellung in Leipzig abgesandten Postkarten beträgt nahezu I 400 000, diejenige beim Postamte der Hamburger Gartenbau-Aus- stellung 572 000. Bei der Berliner Gewerbe-Ausstellung betrug die Zahl der Ansichtskarten täglich 9326. Von dem Betrage von 20i/a Millionen Mark, ans den das Porto für Postkarlen des inneren Verkehrs veranschlagt wird, kommt demnach ein ansehnlicher Theil aus die Ansichtspostkarten. Der Erweiterungsbau bei dem Kammergrricht wird, dem Vernehnien nach, spätestens am 1. April k. I. beginnen. Da während des Baues mehrere Bureaus und Sitzungszimmer nicht werden benutzt werden können, so sind als Ersatz für dieselben während der betreffende» Zeit zwei Etagen im Neubau des benachbarten Hauses „Lindenhof", Lindenstr. 16/17, gemiethet worden. Tie Verkehröwllnsche der Berliner Industriellen. Eine Verbesserung der Personen- und Gepäcktarif« auf de» preußischen Bahnen wird der Zentralausschuß hiesiger kaufmännischer, gewerb- licher und industrieller Vereine in einer ausführlichen Denkschrift beim Minister der öffentlichen Arbeiten besürworle». Nach einer Mitlheilung, die an dem letzten Arbeitsabend des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller der Vorsitzende, Herr Geh. Kommerziell« rath L. M. Goldberger, machte, hat der Zentralausschuß bis jetzt die Aufstellung folgender Anträge beschloffen: Vereinfachung des TariseS durch Beseitigung der Rückfahrkarten, Rundreisekarten, Sommer- karten, Badekarten, Rückfahrt-Auschlußkarten, also sämmtlicher Ver- günstignngstarife mit Ausnahme der Zeitkarten im Ortsverlehr, der Kinderkarten und der für den Orts- und Vorortsverkehr der großen Städ� bestehenden oder noch zu schaffenden Tarife— alles dies unter der Voraussetzung, daß dafür durch Verbilligung des allgenieineii Tarifes ein Aequivalent geschaffen werde; ferner Einführung eines Tarifes von 6, 4, 21/» und l1/» Pfennig sür den Kilometer i» den jetzt bestehenden Wagenklaffen, Fortsall der Schnellzugs-Zuschläge, Fortfall der Platzkarteu-Gebühr sür die O-Züge und schließlich Auf- Hebung der FreigepäckS-Vergünstigung unter gleichzeitiger Norniirung der nachfolgenden Tarifsätze für Reisegepäck: bei Enlfermnigen bis zu 100 Kilometer einschließlich für Gepäckstücke bis zum Gewicht von 50 Kilogramni 50 Pf., sür über 50 Kilogramm schwere Gepäckstücke 1 M., bei Entfernungen über 100 Kilometer für Gepäckstücke biS zum Geivichte von 50 Kiligramni 1 M., für über 60 Kilogramm schwere Gepäckstücke 2 M. Das sind sehr bescheidene Wünsche, die der Arbeiterschaft das Reisen nur unwesentlich erleichtern werde».. Im Reiche des Herrn Thielen wird allerdings selbst an solche Re. formen nicht zu denken sein. Die Einführnna deS BorortderkehrS auf der Wetzlarer Bahn, die von Juteressenten gefordert wurde, ist von der in betracht kommenden Direktion abgelehnt worden, und zwar mit dem vor« sündfluthlichen Argument, daß es nicht Aufgave einer Bahnverwallung sei, erst de» Verkehr zu schaffen. Man habe nur dem Verkehr zu dienen mid ihn sich nutzbar(!) zu machen, wenn er in ausreichendeiii Maße schon vorhanden sei. Wenn die lammfromme» Deutschen doch erst einmal das Glück genössen, daß die Grundsätze in der Heiilialb bescheidene Anwendung fänden, sür die in ostasiatischen Gewässer» eine schellenlaute Schlachtschiffpolilik ins Werk gesetzt wird! In der Renjahrsuacht sollen auf der Wannseebahn 12 Uür 50 Min. und 1 Uhr 30 Mi», die letzten Züge von Berlin noch Zehlendorf abgehen, während von Zehlendorf nach Berlin 1 Uhr 27 Min. und 2 Uhr 7 Mi». Züge nach dein Wannsee-Bahnhof- Berlin abgelassen werden. Vom Anhalter Bahnhof gehen 1 Uhr und 1 Uhr 30 Min. Züge nach Groß-Lichterfelde, von Lichterfelde werden 1 Uhr 53 Miuule» und 2 Uhr 23 Minuten solche nach Berlin verkehren. Ob auf der Stadt- und Ringbahn besondere Nachtzüge verkehren werden, ist uns nicht bekannt. Nolhwendig wäre eine Ausdehnung des Verkehrs allerdings nicht nur für vi« Neujahrsnacht. Es erinnert stark an Krähwinkel, daß der letzte Süd- ringzug in der Richtung Charlottenburg bereits 11 Uhr 37 Mi». voin Schlesischen Bahnhof abgeht. Einer Stadt wie Berlin geziemte ein ständiger Nachtverkehr. Am NeujahrStagc werden von 10 Uhr vormittagZ ab bis nach Beendigung der Feierlichkeiten— etwa gegen 1 Uhr der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser Wilhelui- und die Schloß- brücke sowie der Platz am Zeughanse für Fuhrwerk, Reiter un» Fußgänger nach Bedarf gesperrt. Grund: Im kgl. Schlosse ist „Gratulationskour". Und darum die neueste Illustration der Wort» vom Zeichen deS Verkehrs! Beim Bau der elektrische» Hochbahn ist jetzt auch auf der Strecke von der Mariannenstraße bis zum Kottbuser Thor mit der Ausstellung der eiserne» Viadukte begonnen, verden, nachdem dr» Strecke Schlesisches Thor-Lausitzer Platz vor kurzem vollendet ivorden ist. Am Lausitzer Platz ist außerdein jetzt auch der letzte der sechs starken Steinpfeiler fertig, welche sich in größereu und kleinere» Abständen über den Platz hinwegziehen. Auf jedem dieser Pseuer, welche in der Mitte eine breite, thorähnliche Oessuung sür de» Fuß« gänger-Berkehr haben, erheben sich je vier quadratische Granil.Sockel> steine, welche der Eisenkonstruklion des Bahnsteiges als Stützpunkte dienen sollen. In der Gilschinerstraße ist ferner der Viaduktbau biS auf einen Bogen an der Prinzenstraße«beiisalls fertig. Da»u« auch an der Wasserthor-Brücke die Aufstellung der für die Kanal« Überführung uöthigen Pfeiler, deren Fundamenlirung so große Schivierigkeile» bereitete, erfolgt ist, so geht der Biadnklbau ans der ganzen zuerst in Augriff genommenen Strecke der Hochbahn voin Sedan-Ufer bis zum Schlesischen Thor der Bollenduna entgegen. Die Nene Berliner Omnibus-Akticugesellschaft beabsichtigt die bisherige Omnibuslinie Frankfurter Allee(Thaerstraße)— Potsdamer Bahnhof bis zur Bttloivstraße(Deunewitzplatz) zu verlängern und gleichzeilig eine Tarifveräuderung eintreten zu lassen. Das Polizeipräsidium hat den Antrag vorbehaltlich der Zustimmung des Magistrats bereits genehmigt, da die beabsichtigte Erhöhung des Fahrpreises von 10 Pf. auf 15 Pf. für die ganze Strecke ii» Ver- hällniß zu der erheblichen Verlängerung der Linie angeinessen und im übrigen nur Vergünstigungen im Tarif eingetreten seien. Außer Zchnpfcnnig-Toureii sind auch noch Fünspseunig-Touren vorgesehen. Die verliner Unfallstatione» haben jetzt ihr achte? Kranken» wagen-Depot in der Hauptivache der Charlottenburger Feuerwehr eingerichtet. Bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen kann daS Depot direkt oder durch Vermittelung der Unfallstation XI, March» straße 22, jederzeit in Anspruch genommen werden. Raubansall. DaS Polizeipräsidium theilt mit: Das Dienst' mädchen Ernestine I. hat angezeigt, daß sie in der Nacht zum 27. Dezember d. I., zwischen II und 12 Uhr. aus dem Heimwege m der Bergmannstraße, unfern der evangelische» Garnisonkirche, von einein Unbekannte» mit den Worten angesprochen worden sei: „Fräulein, hier dürfen Sie so spät nicht gehen, hier ist Kontrolle." Ihre Frage, ob er Kriminalbeamter sei, habe der unbekannt« Mann bejaht und hinzugefügt, daß er in der Möckern« straße wohne. Er sei ihr dann gefolgt, habe sie Plötz- lich angegriffen, zu Boden geworfen, und ihr mit der Hand die Kehl« zugedrückt, so daß sie nicht schreien tonnt«. Mit der anderen Hand habe der Mann ihr ihre silberne Remontoiruhr mit Goldrand, di» sie an einer silbernen Schakenkelte in einer Gürteltasche trug, ent- rissen und mit ihrer Kleidertasche ihr altes braunes Portemonnaie mit einem Inhalt von 25 Pf. an sich genommtn, worauf«r die Flucht ergriffen habe. Eine Beschreibung des RäuberS vermag die I. nicht zu geben. Erschossen hat sich am Mittwoch Morgen der im Olympia« Theater angestellte Direktor der Delphini-Truppe. der 38 Jahre alte, aus Florenz gebürtige Angelo Delphini aus der Borsigstraße IIa. Der Artist halte vor zwei Jahren seine Fra» und in letzter Zeit kurz nacheinander seine beiden Kinder dur' den Too verloren. Dieser Tage traf ihn der neue Schlag, daß seine Berlodle, ein« frühere Ballettänzerin, ihm treulos geworden und nach Paris gereist war. In der Verzweiflung tödtete Delphini sich in seiner Wohnung durch einen Schuß inS Herz. Eine Schnhiiiaiiiiö-Nffiire spielte sich am Mittwoch Abend in der DreSdenerstraße zwischen Kottbuser Thor und Oranienplatz ab. Ein Neujahrskarten-Händler war von dem Polizeibeamten auf- gefordert worden, seinen Standplatz zu verlassen. Der Händler zögerte, diesem Verlangen nachzukommen, und wurde dann, als er sich durchaus weigerte, mit auf die Wache zu geben. von dem Schutzmann derart niit dem Säbel bearbeitet, daß er zunächst nach der Unfallstation in der Adalbertstraße und von da in einer Droschke nach einem Krankenhanse gebracht werden mußt». Wie erklärlich, hatte der Vorfall eine zahlreiche Menschenmenge herbeigelockt, die über daS Sebahren des Beamten laut ihr Miß» fallen zu erkennen gab. Rnfsehen erregte am Dienstag Nachmittag gegen 2 Uhr in der Philippstraße die Flucht einer Kranken aus einer Privatkliuik. Die Frau des Arbeiters Härtung aus der Bismarckftr. 5 zu Spandau hatte sich in einer Frauenklinik, in der sie sich seit acht Tage» be- fand, vorgestern einer Operation unterziehen müssen. Ihre geistig« Verfassung ivar daher ivohl nicht ganz normal. Sil» die Wärterin sich im Nebenzimmer befand, sprang die Kranle plötzlich aus dem Belle, warf eine» lcichlen wollenen Rock über die Nacht- jacke, zog Filzschuhe an die nackten Füße und stürzte die Trepp« biuab auf die Straße. Man verfolgte sie bis zur Karlstraße, verlor sie aber hier aus den Augen. Die benachrichtigte Polizei ermittelte die Frau, die sich unterdessen ein.paar Strümps« erbettelt hatte, um d Uhr auf dem Lehrter Bahnhof. Da der betreffende Schutzmann keine Anweisung halte, sie in die Klinik zurückzubringe», so liest er sie nach Spandau fahren, wo sie in ihrer Wohnung auch an- gekommen ist. Ihr Mann war aber mittlerweile gerade nach Berlin gefahren, um sie in der Klinik zu besuche». In einem Anfall von Geistesstörung kletterte gestern Abend der Tischlergeselle Julius Döring, nur mit einein Hemde und Hose bekleidet, aus dem Fenster seiner in der Adalbertstraße im Dach- geschob befindlichen Wohnung auf das Dach hinaus und mußte mit Gewalt heruntergeholt werden. Er wurde in die Irrenanstalt Herz- berge gebracht. Um einen beträchtliche» Fahrpreis wurde vorgestern, Dienstag, Abend der Führer der Taxameterdroschke 1. Klasse Nr. 3S86 geprellt. Dieser fuhr in der achten Stunde eine» feingekleideten Herrn vom Bahnhof Schönhauser Allee nach dem Anhalter Bahnhof. Hier stieg der Fahrgast anS und bat den Kutscher, eine» Augenblick zu warten. Der Kutscher hielt sich gesichert durch einen Koffer, den der Herr zurückließ, war aber sehr enttäuscht, nach langem vergeb- liche» Warten ein ganz werthloses, mit einem Bindfade» zusammen- gebundenes Ding vor sich zu sehe», daS nur einige Fetzen und»in paar Manersteine enthielt. Theucr bezahlen mußte vorgestern Abend ein junger Mann seine Zuvorkommenheit gegen Damen auf der Pferdebahn. Um einer ältere» Dame mit ihrer Tochter die Mitfahrt vom Anhalter nach dem Görlitzer Bahnhof zu ermöglichen, war er so liebenswürdig, auf das Verdeck zu steigen und ließ seinen Koffer auf der hintereu Plattform stehen. Als er am Moritzplatz abstieg, war ihm der Koffer init seinen Habseligkeiten gestohlen, wahrscheinlich von einem Fahr- gaste, der gehört hatte, wie er den Schaffner bat, auf seinen Koffer rtwaS acht zu geben. Die beiden Damen hatten inzwischen im Wagen Platz gefunden. Fcuerbericht. Mittwoch früh 3'/z Uhr war Schilift r. IIa ei» Kellerbrand abzulöschen, bei dem verschiedene Bretterverschläge niil Inhalt zerstört wurden. Kurz»ach 8 Uhr kam W n st e rh a u s e» e r- straße 18/18 ein Bodenfeuer auf, das das Haus erheblich de- schädigte. Mittags 12�/, Uhr erfolgte Alarm nach Puttkamer- st r a ß« 23, wo in einem Kohlenteller Feuer ausgebrochen war, das aber noch rechtzeitig beseitigt werden konnte. Ein weiterer Keller- brand fand eine Stunde später noch N i e d e r w a l l st r. 11 statt, doch war hier der entstandene Schaden unbedeutend. Der ZirkuS Busch kündigt für die nächste Zeit eine neue Ausstaltuttgs-Pantomime an, die dem jetzige» Schaustück«Nach Sibirien" an glänzender Wirkung nicht nachstehen soll. Treptow> Sternwarte. Nur noch wenige Tage, bis zum b. Januar, bleibt die Treptow- Sternwarte für das Publilum geöffnet. Der Be- vbachtuiigsordnmig für das Riesen-Fernrohr wird tn dieser letzten Zeit fast ausschließlich vom Mond beherrscht, der jetzt täglich von nachmittags 4 Uhr bis 12 Uhr nachts sehr günstig zu sehen ist. In den Tagesstunden von 2—4 Uhr werden Doppelsleme beobachtet. Herr Direktor Archenhold hält am ersten Neujahrötaae, nachmittags b Uhr. einen Bortrag mit Lichtbildern über die Bedeutung der Nebelflecke, am Sonnlag, den 2. Januar, um dieselbe Zeit über„Die Bcwohubarkett der Welten". Am 3. Januar lautet das Thema des Vortrages, der um?>/- Uhr abends stattfindet:„Der Mond im Treptower Riesen-Fernrohr". Gin interessanter Kursus wird Anfang Januar k. J. in der U r a n i a, Jnvalidenstraße, beginnen. Herr Dr. B. Naß von der Königl. Technischen Hochschule wird nämlich in einem Zyklus von zehn Vorträgen unter dem Sesammtlitel„Technologie des täglichen Lebens" ein volles Bild von der Entstehung und Fabrikation jener Dinge geben, die den Bedarf und den Komfort deS modernen Lebens bilden. Die Eigen- artigkeit u»d dqS Instruktive dieses Kursus besteht darin, daß mit demselben, abgesehen von sehr zahlreichen Experimente», mehrere Exkursionen, u. a. nach einer Gasanstalt, einer Kerzen- und Seifenfabrik, der königlichen Porzellan- Manufaktur, einer Glashütte, einer Brauerei u. s.>v. verbunden sind.>oo die moderne Technologie an den Originalobjekten selbst dciuonstrirt werden wird. Bemerkt sei noch, daß jeder der zehn Vorträge auch einzeln verständlich ist. Theater. Im Schiller-Theater kommt Sonuabend, 1. Januar, nachmittags 3 Ilhr, Anzengruber's Weihnachtskomödie„Heimg'funden" noch einmal zur Aufführung. Sonnabend Abend wird die Polle„Der Regtstrator auf Reisen" zum ersten Male wiederholt. Sonnabend Nachmittag wird ..Wallenstcin's Lager" und„Die Piccolomiiit", Sonntag Abend Fulda'S Lustspiel„Die wilde Jagd" gegeben.„Der Registrator auf Reisen", Posse unt Gesang in 3 Akten voll L'Arronge und G. v. Moser, Musik von Bial, wird morgen, Freitag(Sylvester)«um ersten Male gegeben. Wir machen nochmals daraus aufmerksam, daß diese Vorstellung bereits um 7 Uhr be- Sinnt.— Im Budape st er Possen- und Opcrettcn-Theater, aufniann s Variötö, werden die beiden Stücke„Ein Abend im Winter- Karten" und„Im Atelier" heute zum 100. und letzten Male gegeben. VfuS de« Nachbarorte». DaS Fest der christliche« Liebe ist zweie» Arbeitern der königliche» Arlilleriewerlstatt in Spandau dadurch besonders schön zu Gemüthe geführt worden, daß man sie plötzlich aus der Arbeit entließ. Die«Vorgesetzten" erklärten auf Befragen, daß sie gegen die beiden Entlassenen nichts«hunivenden hätte». Tie Betroffenen sichre» ihre Entlassung darauf zurück, daß st« ihrer ge« werkschastliche» Organisationspflichl genügt habe» und daß dies verbrechen von einer gefälligen Instanz, wie früher schon in zahl- reichen anderen Fälle», der Werckställeil-Direktion angezeigt wurde. Gelegenheit zur vorläufigeil Abrechnung ist de» Arbeitern bei der nächstjährigen'Reichstagz-Wahl gegebe». Der Militärstaat und die Troschkcnkutscher. In der Kolonnenstraße zu Schöueberg, umveil der Kaserne des Eisenbahn« Regiments, ist, hauptsächlich um den Offizieren die seit langem erwünschte Fahrgelegenheit zu verschaffe«, ein Halleplatz für Droschke»«ingerichtet worden. Den Droschkcnkulschern ist aber, wie die„Allg. Fahrztg." benchlet, streng untersagt, die Straße, die an der Kaserne entlang führt und die kürzest« Berbinduilg zwischen der Kolonnen- und Monumentenstraße bildet, zu befahren, falls sie Zivilisten oli Fahrgäste habe». Fährt der Kutscher hingegen Militärpersouen. gleichviel welche» Ranges, ist ihm die Benutzung deS Weges anstandslos gestattet. Dies Verbot erscheint um so auffallender, alS die in Frag« kommende Straße in dem so- genannte» Wegemesser der Droschkenkutscher von der Kouimijsion für das öffentliche Fuhrwesen als ein« öffentlich«, also jeder- mann zur Benutzung sreisteheiid« bezeichnet ist. Da die meiste» Kutscher, die bei einer Fahrt nach dem Militärbahnhof den ab- gekürzten Weg benutzen, von dein Verbot kein« Ahnung haben, kommt es fast täglich zu unliebsamen Auftritten. Eine Explosion i» der neue« Pulverfabrik z« Spandau, Welche am 24. d. M. stattfand, ist, wie ans diesem Nachbarorte gemeldet wird, nur durch das energisch- Eingreifen deS Arbeiterpersonals auf eine» geringen Umfang beschränkt worden. Einer dieser Angestellten bemerkte, daß in dem Pulverschuppen Nr. 13 in noch nicht aufgeklärtir Weise ein Brand entstanden war. I» dem Schuvve» lagerten ca. öv Zentner Schießbaumwolle und so war vi« Wiederholung einer Katastrophe, wie solch« vor S Jahre» in derselben Fabrik stattgefunden bat, zu besürchten. Da der Brand nicht mehr rechtzeitig zu lösche» war, so machte» sich die Arbeiter daran, den ExplostonSstoff nach Möglichkeit zu ent- fernen, was auch gelang. ES kam infolge dessen nur«ine geringe Quantität der Schießbaumwolle zur Entzündung, wodurch ein ernsterer Schaden nicht angerichtet werden konnte; immerhin ist der betroffene Trockenschuppen durch den gewallige» Luftdruck vollständig auSeinandergertssen. In der Stadt Spandau selbst wurde von der Explosion nichts wahrgenommen. Gevirhks Religionsunterricht der Disfideutenkinder. Der«elbgießer Otto Kräcker ist Mitglied der Freireligiösen«emeinde. Er läßt seine Kinder in der religiösen Auffassung dieser Gemeinde erziehen, und es ist ihm auch für seine beiden älter» Kinder seitens der Schilldeputation Dispens vom Religionsunterricht der Schule ertheilk worden, während seine jüngste Tochter diesen Dispens nicht erhalten hat. Kräcker, welcher seine Tochter am 29. Mai d. I. vom Schul- Religionsunterricht fern hielt, ist deshalb vom Polizei- Präsidium in eine Schulversäumnißstrafe genommen worden, welche auch das Schöffengericht bestätigt, wogegen Kräcker aber Berufung eingelegt hat. Der Verlheidiger Rechts- anwalt Heine bestritt die Rechtmäßigkeit der dem Polizei-Präfidium auf dem Verordnnngswege übertragene» Befugniß, Schulstrafen zu verhängen. Ferner habe das Gericht auch zu prüfen, ob die Verweigerung des von Kräcker nachgesuchten Dispenses z» Recht erfolgt sei. Die preußische Bersassung gewährleiste die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, das Allgemeine Landrecht bestimme, daß Kinder, welche in einer anderen Religion, als derjenigen, die in der Volksschule gelehrt wird, erzogen werde» sollen. nicht gezwungen werden können, dem Schnlreligionsnnterricht bei- Svohnen. Die Freireligiöse Gemeinde sei aber eine Religionsgesell- aft wie jede andere. DaS habe auch der Zivilsenat deS Kammer- gerichls in einem Prozesse der Griebenow'schen Erbe» gegen die Freireligiöse Gemeinde festgestellt. Der Verlheidiger legte tn längeren Ansführnnge» dar, daß man nicht, wie es der Kullusminister Dr. Bosse gelhan, der Freireligiösen Gemeinde den Charakter einer Religionsgesellschaft deshalb absprechen dürfe, weil sie nicht an einen persönlichen Gott glaube. Sie betrachte die Religion nicht alS eine Lehre über die Form des göttlichen Wesens, sonder» als eine Vertiefung der sittlichen Grundsätze. Das Allg. Landrecht bestimme. daß die Anschauung über Gott und göllliche Dinge nicht zum Gegen- stand des Zwanges gemacht, und nieinand wegen seiner Religions- anschauungen beunruhigt oder verspoltet werden dürfe. Eine Ge- wissenslränkung der schlimmsten Art wäre eS, wenn man de» Vater zwingen wolle, seine Kinder in Anschauungen er- ziehen zu lassen, die er nicht für richtig hält. � Der Staatsanwalt bestritt, daß die Freireligiöse Gemeinde eine Religionsgesellschaft sei und daß der von ihr«rtheilte Unterricht als ein de» Gesetzen entsprechender Religionsunterricht angesehen werden könne. Der Vater werde in seiner Gewiffens- freibeil nicht beeinträchtigt, wen» sein Kind in der Religion erzogen Werve. Dem Staate, der dem Volke die Religion erhalte» wolle, könne man es nicht verdenken, wenn er eS verhindere, daß ei» Vater seine Kinder in Irrlehren erzieht! Der Gerichtshof verwarf die B-rufnng. Er ging auf die Frage, ob die Freireligiöse Gemeinde als eine Religionsgesellschaft anznsehe» sei oder nicht, nicht ei», sondern stellte sich aus de» Stand- punkt, jeder Vater, der sein Kind in die Volksschule schickt, muß dasselbe an alle» Theile» des Unterrichts theilnehmeu lasse», und nur, wenn ein Dispens erlheilt ist, darf das Kind von einem be- stimmten Theile des Unterrichts fern gehalten werden. Ob der Dispens in dem vorliegenden Falle zu recht oder unrecht verweigert wurde, habe das Gericht nicht zu prüfe». Da ein Dispens nicht ertheilt ivorden ist, sei die Bestrafung begründet. Daß die Strase vom Polizeiprästdinm festgesetzt worden sei, sei jnlässig. Die Schul- depntalion hatte das Recht der Festsetzung der Strafen kraft einer Delegation, dies Recht sei ihr ordnungsmäßig genommen und auf die Polizeibehörde übertragen. Ter Landrath b. Puttkamer alS Angeklaater. Aus O h l a u wird uns vom 29. Dezember berichtet: Der bekannte Beleidigungs- prozeß des Gemeindevorstehers Bernde wider de» Landrath des kiesige» Kreises v. Puttkamer gelangle heute(Mittwoch) vor dem Schöffengericht deS königl. Amtsgerichts zur Verhandlung. Bernde ivar Gemeindevorsteher des im hiesigen Kreise belegenen Dorfes Sitzmannsdorf. In diesem ist die Gemeinde von Alters her verpflichtet, die Wege. A»e», Wasserläufe u. s. iv. auf ihre Kosten i» Ordnung zu hallen, während das Nutzungsrecht ausschließlich der Dominialverivaltuiig zusteht. Aus diesem Anlaß soll es zwischen der Gemeinde resp. ihrem Vertreter B e r u d e und der Dominialverivaltung ostmali zu Streitigkeiten gekommen sein. Bernd« soll deshalb auch von seine», unmittelbaren Vor- gesetzte», dem Amlsvorsteher v. P r i t t w i tz und Gaffrou(bei- länsig erwähnt, ein Vetler des Landralhs v. Puttkamer), in Ordnungsstrafe genommen worden sein. Im Jahre 189(5 hatte Landralh v. Puttkamer nach beendigter Heuernte eine Verfügung erlasse», wonach die Räumung der für die Vorflnth wichtigen Wasser- läufe im Kreise Ohlau vorzunehmen war. Danach war der die Ge- meinde Eitzmannsdorf durchfließend« Mühlengraben am 29. und 80. Juni 1806 zil räume». Einem diesbezügliche» Befehl deS Anils- vorstehers kam jedoch der Gemeindevorsteher Bernde nicht nach, da, wie letzterer behauptet, Hochwasser war und infolge dessen für die Gemeinde Sitzmannsdors«in großer Schaden entstanden wäre. ZU« nun dem Landrath am 80. Juni gemeldet wurde, daß mit den Ar- beite» noch nicht begonnen sei, begab sich dieser am folgenden Tage nach Eitzmannsdorf. Hier traf er auf einem das Gehöft deS Müllers Neumann durchschneidenden Weg« den damaligen Gemeinde- Vorsteher Bernde, der die inzwischen begonnenen Nmininngsarbeite» beaiifsichUgl«. Der Landrath stellte de» Gemeindevorsteher wegen der Verzögerung zur Red«. Als Bernde ein- wandte, daß da» Wasser von der oberhalb belegene» Brmidninhle zu spät abgelaufen sei, soll der Landrath i» Gegenwart mehrerer Ge- ineindemitglieder in sehr lautem Tone gesagt haben:„Stecke» Sie die Nase ins Buch; so eine» dummen Gemeinde- Vorsteher kann ich nicht brauchen. Ich rathe Ihnen, die Wiederwahl zum Geineiudevorsteher nicht anzunehmen, ich iverde dafür sorgen, daß Sie nicht mehr bestätigt werden." Dieser empörenden Aeußerung wegen strengte Bernde gegen den Landrath die B e« leidig ungsklag« an. Das königl. Amtsgericht beschloß, ans grund des% 185 deS Strafgesetzbuches, gegen den Landralh die Er- öffnung des HauplverfahrenS. Die verhandln»«) vor dem hiesigen Schöffengericht sollte am 2l. Oktober 1896 stattfinde». Die kgl. Re> giermig zu Breilau erhob jedoch noch vor dem Verhandlnngs- termin, auf grund deS Gesetzes vom 13. Februar 1854, den Kompetenzkon flikt mit der Begründung:„da Bernd« bei der Rünmungiangelegenheit einen ganz abnorm hohen Grad von Pflicklvergessenheit, Widerhaarigkeit, Dienst- nnkenntniß und Berständnißlosigkeit an den Tag gelegt, dem Land- rath o. Piilttamer auch direkt Nnivahrheilen gesagt hatte, da es sich ferner um eine Angelegenheit von der größte» Wichtigtett handelte, die unbedenklich zur Aussührung gebracht werde» mußt«, so war der Landralh nicht nur berechtigt, sondern sogar verp sticht et, die von Bernde bei dieser Gelegenheit begangene» Pflichtwidrigkeiten auf das eindringlichste und schärfste �u rüge». Aus diesem Grunde kann auch die von dem Landralh für sein« Rüge gewählte Form nicht als unangemessen erachtet werde»." Das Ober-Landesgericht und der Ober-Staatsanwall zu Breslau bezeichnete» jedoch in ihren gutachtlichen Aeiißeruiige» den Kompetenzlonflikt als nicht begründet. Der erste Senat des Ober-VerwaltungsgerichlS, der sich am Iv. Oktober cr. mit dieler Angelegenheit zu beschäftigen hatte, erklärte ebenfalls den Konflikt für unbegründet und beschloß, daß dem gerichtlichen Verfahren Fort- gang zu geben sei.«Zwar hat es dem Landrath, so etwa b-gründele das Ober- Berwaltungsaericht seine Entscheidung, wenigstens nach seiner pfiichtmäßigen Ueberzenguna, nicht an einem Anlaß zu Vor- Haltungen und Rügen gefehlt, tnveffen die gethanenen Aeußerungen gehen, selbst wenn man de» Angaben des KonflittSbeschlusses folgt. über die zulässige Grenze hinaus. Der Landralh hätte den Privat- kläger höchstens als pflichtoeraeffen oder nachlässig schelten können, aber nicht auf eine» Mangel au Geistesgaben hinweisen dürfen; darin ist eine beleidigende Herabsetzung seiner Person zu erblicken. Es muß aber auch in der ziveiten inkriminirlen Aeußerung des LandrathS. bei dem Zusammenhang mit der ersten und unter den begleitenden Umständen eine Amtsüberschreitung erblickt werden."— Aus diesem Anlaß hat sich nun heute Landrath v. Pult- kamer(ein Sohn de» früheren Minister», jetzigen Oberpräsidenten von Pommern) wegen Beleidigung auf grund deS§ 186 des Strafgesetzbuches vor«ingang» bezeichnetem Beri>ht»hof« zu verantworten. Es sind zu der Verhandlung mehrere Zeugen geladen; auch ist daS persönlich, Erscheinen der Parteien vor Gericht angeordnet. Dem Vernehmen nach ist Berude, trotz dreimaliger Wiederwahl zum Ge« meindevorsteher von Sitzmannsdors, nicht bestätigt worden, so daß die Gemeinde jetzt komiinssarisch verwaltet wird. Rechts- beistand des Privatklägers ist Rechtsanwalt Ollendorff(Breslau). Der angeklagte Landrath hat de» Rechtsanwalt Baumanu(Ohlau) mit seiner Vertheidigung betraut. Ueber den Ausgang des Prozesses wird berichtet: Der Prozeß des Gemeindevorstehers Berude wider den Landrath von Puttkamer wegen Beleidigung ist durch Vergleich beendet. Herr von Pütt- kamer, der den Kläger wegen Nichtausführung einer amllichen Ver- fügung in heftigen Ausdrücken gescholten hatte, gab eine Ehren- e r k l ä r u n g ab, mit der Kläger sich für befriedigt erklärte. Ein Streik auf dein Bau der städtischen Gasanstalt in der Fichtestraße gab die Beraiilassung dazu, daß sich gestern vor der 133. Abtheilung des Amtsgerichts I die Maurer Äottlieb Schulz und Hermann Kunz wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung, sowie wegen Vergehens gegen§ 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung»u verantworten hatten. Ihnen wurde zur Last gelegt, am 23. August dieses Jahres, abends, den Munrer Ferdinand Stutz beleidigt, ihn bedroht und außerdem körperlich geniißhandelt zu haben. Aus dem erwähnten städtischen Bau war ein Streik ausgebrochen, welchem sich zunächst sSmintliche ca. 95 Maurer angeschlossen hatten; nach einiger Zeit jedoch hatten etwa 20 derselben die Arbeit wieder aufgenomnien; unter diesen Streikbrechern befand sich auch der Zeuge Stutz. Ueber die Gründe des Streiks machen die Angeklagten und Stutz zum lheil auskinaudergehende Angaben. Die Angeklagten behaupten, die Maurer hätten die Arbeit wegen schlechter Behandlung seitens des zweiten Polier? Pannier und nicht wegen Lohndifferenzeu niedergelegt. Im übrigen bestreiten sie alles, was ihnen zur Last gelegt wird; an dein sraalichen Vorfalle seien sie gar nicht belheiligt gewesen. Nur aus dem Bau hätte Schulz eininal ein kleines Wort- gefecht mit Stutz gehabt.— Ter Zeuge Stutz behauptete seiner- seils. nachdem ein Theil der Streikenden die Arbeit wieder auf- genommen hallen, seien diese Arbeitenden wiederholt von den weiter streikenden Maurern beschimpft worden. Der Staatsanivalt beau- tragte gegen Kunz Freisprechung, gegen Schulz drei Wochen Gesäugniß. Rechtsanwalt Dr. Herzseld als Beriheidiger schloß sich dem Antrage hinsichtlich des Angeklagten Kunz an und bat, bei Schulz nur eine einzige Handlung anzunehmen � ans§ 163 der R.-G-O.— und auf eine ganz gelinde Strafe zu erkennen, da die Sache doch wirklich zu harmlos sei, um jemanden dafür 3 Wochen lang inS Gefängniß zu schicke». Der Gerichtshof nahm mit dem Bertheidiger eine einzige Handlung au und verurtheilte Schulz zu 1 Woche Gesängniß. Kunz wurde freigesprochen., Wegen Verbrechens im Amt« stand gestern der frühere Post- hiljsbote Ernst Loose vor der dritten Straskainmer d«S Landgerichts I. Seine Schwägerin, die Kaiifmanns-Ehesraii Mari« Loose sollte sich der geiverbs- und geivohnheilsinäßigen Hehlerei schuldig gemacht haben. Der Angeklagte Loose war seit Dezeniber 1895 aus dem Postamte II auf dem Anhalter Bahnhofe augestellt..Seine Thäligkeit bestand hauptsächlich darin, daß er die Posipackete in die verschiedenen Besörderungswagen zu vertheilen und diese dann an die Verladungssiellen zu schiebe» hatte. Der Angeklagte hat sich hierbei eine Anzahl schwerer Bertrauensbrüche zu schulden kommen lassen. Wie er auziebt, halte er es besonders auf die Beraubung solcher Packele abgesehen, deren mangel- hafte oder beschädigie Verpackung es ermöglichte, einen Theil des Inhalts herauszuziehen. Er hat dies in der umfangreichsten Weise betrieben»nd Gegenstände der ver- schiedensten Art erbeutet, die er, so weit er sie nicht selbst benutzen konnte, seiner initangeklagten Schwägerin, bei der er Kost und Wohnung hatte, gegeben habe» soll. Di« letztere bestritt entschieden, daß sie von dem unredlichen Erwerb der ihr geschenkten Gegen- stände Kenntiiiß gehabt habe, ihr Schwager habe stets gesagt, daß er sie gekauft habe. Der Angeklagte Loose fand einmal unter den Packele» einen unbeschriebenen, verschlossenen Briefumschlag, der wahrscheinlich einem schlecht versicherten Packet entfallen war. Er nahm das Konvert au sich, öffnete es zu Hause und fand darin einen Hnndertiiiarkschciil. In diesem Falle folgte der Gerichtshof den Anssührungeii des Bertheidigers, sitechtSamvalt Steinschneider, indem nur eine einfache Fuiidiinterschlagung angeiioinmen wurde. Der Staatsanwalt beaiitraale gegen den Zlngeklagten Loose zwei Jahr«, gegen seine Schwägerin ein Jahr Zuchthaus. Der Bertheidiger der Ehefra» Loose, RechlSanivalt Fritz Fränkel, plaidirte für ihre Frei- sprichung, da das Belastiiiigsmalerial zu einer Veriirtheilnug kemeS- wegs ausreiche. Der Gerichtshof trat dieser Anschauung bei und sprach die Ehefra» Loose srei, der Angeklagte Loose wurde dagegen unter Zubilligung von mildernde» Umständen zu einer Gefäugiiiß- strafe von 2 Jahren vernrtheilt. In dem Prozeß der GarautiefondSzeichner staub gestern wieder Termin vor dem Landgericht I an. Das Urtheil deS Gerichts ging dahin, daß unter Verwerfung sämintlicher Einwendungen der Beklagten in allen Prozessen auf Verurlheilnng der Zeichner nach dem Klageantrag« des ArbeiterausschiiffeS zu erkennen sei. Zugleich wurde die sofortig« Vollstreckbarkeit der Urtheil« gegen Hinterlegung der Streitsumme ausgesprochen. Ter grobe ttufugsparagraph gegen Arbeiter. Neuerding» hat die Slaalsanwaltschaft den Versuch uuternouii»«», solchen Ar- beiter», die bei Gelegenheit de« letzten Maurerftretk» in Spandau die„Arbeilswilligen" in ruhiger Form auf daS Schimpfliche der Streilbrecherei aufmerksam machten, wegen groben Unfugs vor Gericht zu ziehen. DaS Schöffen- gericht zu Spandau fand sich auch wirklich in mehmren Fällen bereit, solche Angeklagt« zu verurlheilen. Wie kürzlich schon. so hat auch dieser Tag« die Berufungsinstanz ein solches Urlheil iimgestoßeil. Ei handelte sich um den Maurer L., der in Spandau zu einer Woche Hast vernrtheilt ivorden war, von der Strafkammer am Landgericht II jedoch freigesprochen wurde. VevlammUmsetU Tie in Holzbcarbcitnnas Fabriken nnd auf Holzplätzen beschäftigte« Arbeiter, Perli» I», Filiale>1, hielte» am 21. De- zember ihre regelmäßig« Miigli-der-Versammluiig ab. K o o p m a n n rekerirt« über den Niesenkampf der enalischen Maschiiienbancr. Hierauf wurde B ü t o w als 2 Schriftführer gewählt. Weiler werden die Filial-Kassirer angewiesen, bei Ausgabe der Mitglieds- blicher«inen Druckfehler im 8 9 de? Streik. Reglements zu berichtigen; dort muß es heißen' Bei einem Lohiikampse erfolgt nach Ablauf von acht Tagen di« Unterstützung.— DaS Verhalten des Herrn Hellmich einem arbeitsuchenden Kollegen gegenüber wurde sehr abfällig kritistrt. Er hatte demselben ans die Frage, ob er organiürt sei, was mit ja beantwortet wurde, erwidert, daß er ihn nicht gebrauchen tömie. Ueber den in diesem Jahre stattgefuiidenen Streik bei Müller, Schönhauser Allee, entspann sich «ine reg« Debatte. SS wurde von«inigen Aiiiveseiiden der Firnia dein Kollegen Bint« vorgeworfen, daß er den Streik unberechtigter Weife ins Werk gesetzt hätte. Um dieses zu beweisen, verlas Westphal mehrer« Schreiben, di« er verfaßt haben will, da er sich in fließender Rede nicht so ausdrücken könne. Die Schreiben wurden seitens der Versammlung mit Heiterkeit ans- genommen, da sie von Unwahrheit strotzten; dem Leser wnrde de- deutet, daß ihm dieselbe» in die Feder diktirt worden sind. Bint« stellt« hierauf den wahren Sachverhalt klar und die Versammlung wie« die Schreiben energisch zurück. Perl»«,,»»eutscher O*rt»I,r»,»»istitr»«nd p»rrii<»«»mach»r g-hllf»«. Heut», abend« lo Uhr, bei«chlller,«olenchalirftra», u, auberordenllich« Generalverfammluna. »laturheilverii»«arboft. Jeden Tonnerslag, abend»»x Uhr, Landsberger» Itras« las: Vorträge, Sn>ei>m«nl,. Samen und Herren wNltommen. «»selliaer perei» peliatrop. Gtlmig heut««deud» Uhr bei w. Hensel, Dteffendachstr.»t._ «Setter- Prognose fstr Tonnerstag, SV. Tezember 1807. Ziemlich warm, vorwiegend heiter und trocken bei mäßigen bi» frischen südwestlich«» Winden. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet um Moutag, Freitag und Souuabcud Uo» K vis 8 Ilhr abeudö statt. A. R. 8. 1. Ist uns unbekannt. 2. Wenden Sie sich an die Redaktton des„Beobachter" in Chemnitz, Gartenstr. 23. *S. St. 16. Am 10. Dezember 1873 wurde Marschall Bazaine'zum Tode und zur Degradation verurtheilt. Am 12. Dezember wurde er zu LOjähriger Festungshaft unter Bestätigung der Degradation begnadigt. Er «itflvh aus der Haft in der Nacht vom 9. zum 10. August 1874. A. Jllniauu. Der Bericht ist, weil fiir die Allgemeinheit absolut interesselos, nicht aufgenommen worden. Rumniclsburg. Angelegenheiten, welche die Lokalfrage betreffen, bitten wir an O. Mahle, Berlin 8, Prinzenstr. 8, zu übermitteln. Italic» 88. Die deutsche Kriegsflotte zählt ohne Torpedofahrzeuge 91 Schiffe und Fahrzeuge mit einem Gehalte von 288 914 Tonnen, 344 480 iudizirtcn Pfcrdekräften und einem Etat von 24 078 Bemannung. Die italienische Kriegsflotte hat 328 Fahrzeuge mit einem Gehalt von 382 891 Tonnen, b88 383 tndtzirten Pferdekräften und einen! Etat von 28 221 Mann. S. H. 1. Zwecks möglichster Sicherstellung der Frau ist folgender Weg zu empfehlen: Die Braut macht ein Verzeichnis! von sämmtlicken ihr ge- hörigen Sachen, Geldern u. f. w. Dann bcgiebt sie sich mit dem Bräutigam aus das Amtsgericht. Dort erklären beide zu ProtokoA dast sie sich heirathen wollen. Der Bräuttgam erklärt fernes dag er die Richtigkeit des Verzeichnisses anerkenne, auf sein eheniännliches Verwaltungs- und Nießbrauchsrccht verzichtet und seiner zukünftigen Frau gestattet, ein Gewerbe für eigene Rechnung zu betreiben. 2. Errichten Sie nach geschlossener Heirath ein wechselseittges Testament. Ein solches haben wir wiederholt an dieser Stelle, z. Ä. im„Vorwärts" vom 8. September 1897(zu haben in der Expeditton) ausführlich beschrieben. Benutzen Sie dies, so gehen Sie sicher und sparen die Hälfte der Kosten. 3. Die Watte- zeit beträgt 10 Monate. Dispensation ettheilt das Amtsgettcht. Dem Disvensattonsgesuch ist zwecknMig ein Hebeammen- Attest beizufügen. — Friede. Schlv. Eine strafbare Handlung läge in der Ausführung Ihrer Absicht nicht. Sie hätte aber keinen Zweck. Helfen kann da nur einer der Taubstummenvereine. Wenden Sie sich unter Darlegung der Sachlage an den Stadtverordneten Riemer, Bischoffstraste.— M. 66. Sie scheinen Miterbe zu fein. Sprechen Sie in der Sprechstunde vor.— Buchhol». 1. Sie sind im Jrrthum. 2. Dagegen giebt es kein Mittel.— G.Tchweg. Den Rest können Sie dann noch von Ihrem persönlichen Schuldner fordern. -«P.«. 100. Das ist keine Klage. Vielmehr sucht nur die fürsichtlge Wirthin ihr Retenttonsrecht auszuüben. Fordem Sie sie auf, die unent- behrlichen Sachen von der Retention freizulassen. Eventuell Ilagen Sie auf Freilassung dieser Sachen. Wegen des Miethsrestes kann die Witthtn klagen. - Lotterievereiu F. Z. Ja.- R. H. 1. Nein. 2. Jawohl. Sie finden überdies im Adrestkalcnder eine Reihe Geschäfte, die elektrische Anlagen her- stellen.— W. H. Die schriftliche, unbeglaubigte Einreichung genügt.— I. K. Die Betreffenden können zum Eide veranlaßt werden. Die Miethe fst nochmals zu zahlen, wenn der Miether wußte, daß die Vorauszablung zun: Zweck der Benachtheiligung der Gläubiger des WirthS geschehen sollte. — G. Königsberg. Von Ihren« Anerbieten können wir aus den von Ihnen angedeuteten Gründen leinen Gebrauch machen. Die Sache sechst wird im Reichstag weiter verfolgt.— Karl D. Voraussetzung zur Er- langung der Invalidenrente ist dauernde Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Jnvalidengesetzes. Der dauernden Ettverbsunfähigkett wird gleichgerechnet, wenn ein Versicherter ein Jahr hindurch, zum Beispiel in- folge von Krankheit, erwerbsunfähig ist.— H. P. Ja.— R. S. Rem. unser Am 27. d. M. starb Kollege der Schriftsetzer Ulbert Krapke im 41, Lebensjahre. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Berlin, 29. Dezember 1897. Die Kolleg, d. H.S.Hermann'schen Buchdruckerei. Die Beerdigung findet am 1. Januar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. s2819b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann H. Balke 304 am 27. d. M., niorgens 7 Uhr, nach schwerer Krankheit gestorben ist. Die Beerdigung findet am 31. ds., nachmittags l1/, Uhr, vom Trauerhause, Königs-Chauffec 49 aus, statt. Die trauernde» Hiiiterblievencn. Allen Freunden und Bekannte», be- sonders dem Tamb.-Verein„Wirbel", welche an der Beerdigung unseres Sohnes theilgenommcn, sagen wir hiermit unseren herzlichen Dank. 2813bj Paul Wledemeyer nebst Frau Reujahrsspine» f. Gastwirthe und Kellner verkaufe billig. 2824b __ Tulla, Dcmminerstr. 32, Neujahrs-tacli- Extrakt per Liter M. 1,50. SV Rum"WE per Liter von 1 M. an. Georg Borstorffs Äachf., Clljitf. 53, Dresdenerstr. (früher Michaelttrchstraße). Prinzeilst (früher Wallen Steppdecken, Gardin., Wäsche -vtttt«t,spottbill.Neanderstr.k.Pfandl. 39732» Zum Sylvester! sämmtltche Punsche «Ol Ledvlltsll, zu MlUgutvn Preisen. Boseustraase 18, Kaufhaus Stetttn. Heut und morgen Lebende Karpfen pro Pfund von 75 Pf. an. Pa. frische EisKarpfen pro Pfund 40-50 Pf. Schellfisch.... 20 »»1«VUVII1JWVU I)„«W II Alle anderenFischsorteninrelchater Auawahl zu Auanahmepreisen. 16. Dragoneratrasse 16. Otto Cfmidermaim, Fischgrosshdlg. Glühwein ausgezeichnet l Liter 1,80 911 f., 5 Liter 5,50 911t., 10 Liter 10,- 91». Eugen Neumann& Co.r� Komptoir u. Gesammt-Kellereien: Berlin 81V. 88. Lindenstr. 16/17. — Detail- Verkaufsläden: Belle-Alliance- Platz 6a, Amt IV 3879.— Neue Friedrichstr. 81.— Oranienstr. 100.— Genthinerstr. 80.— Grüner Weg 56.— Kommandantenstr. 67.— Wilsnatterstr. 85.— Schöneberg. Hauptstr.�180.— Eharlottenb., Kais. Friedrichstr» 18. g827L» Pram Müller's„Central-Feslsäle"(©ÄU,) empfiehlt 8äle von 100—800 Personen. Sonnabend, den 18./S., 86./B. noch frei! Alte Jakobotraaise 38, S onntag. den O./l.. 87./S. llisB.aöNielMI'Ss�«SÄ«f-Ä I1UIIWU.1.UIIIIU■|U U III• Oranieufmiße. Spr.8-10 und 1—3 Uhr. Grünkram-Geschäst ist weg. e. Wirth- außerh. zu ver- [28206 schaftSübernahme n. kaufen Kcibelstr. 4. Dr. Ringelmaun Spezialarzt für 35032» Haut-, Harn- und Unterleibs- leiden. Frledrlclintr. 166, zw. Linden u. Behrenstr. 11— 2. 5—7. Knttftliche Zähne. F. Steffens, Mosenthalerstr. 81, 2 Tr. *] Theilzahlnng pr. Woche 1 M. Feuerstein'* Festsile Alte Jakobstrasse 75. Zllh. Martin Herzberg. Oroase und kleine Stile zu Versammlungen unentgeltlich� sowie zu Sommer- u.Winterfesthoh- keiten b. koulanten Bedingungen. Meinen Werth en Bekannten und Gönnern theile ich ergebenst mit, daß ich von Schönleinstr. 23 verzogen bin und meine Restauration, verbunden niit Arbeitsnachweis für Schmiede und verwandte Berufsgenossen, in der- selben Weise, wie früher, in der Stralauerstr. 18 weiter führe. Ich bitte daher um geneigten Zuspruch. Zum gemthlichell Hahn, 39442*] Stralauerstr. 48._ Möbel verliehen gewesene und neue, staunend billig, Theilzahlnng gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 2917L» Neue Köttigstr. öv Ii. Gneifenaustr. 15. bo m eule und Rücken 70 und 80 Pfg., Itchkcnlen und-miittei'. firtfplt OK auch sauber gespickt. A?n.nchen.Gllllst5t),55. lltikner, Unten, l»nten. Wild- und Äeflügelhandlung l.UIttedl.ZmSnniir.ßl. Möbel In jedem Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch auf Theilzahlnng. Er. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 37182» Oraniensip. 73. anerkannt gut I pr. Vi Fl.(3/< Liter) v. 90 Pf., Vs Fl. v. 50 Pf. inkl. an. Vorzüglichen Pnnsili-, Crog-, Mhiveui- Extrakt pr. Vr Fl.(V« Liter) von 1.10 M.. V- Fl. v. 60 Pf. inkl. an, empfiehlt die Weiuhandlnng und Spirituoseu-Fabrik von .Ignati Sello, 110 Brunnenstr. 110 (neben dein Pferdebahndepot) Nur Nr. IIO. Möbel J. Kellermann, auf >lllg. cu© Jakobstr. SV. Negulateure spottbillig. Neauderstr. 8, Pfandleihe. Billig! Nesterz. Anzügen. Billig! Mädchenkleider, Knaben- Anzüge und -Paletots sehr preiswerth. tt. HelTniann, Veteranenstr. 14. liannltEerplatE 13. Eckladen zum Restaurant, sofort zu beziehen. 24ö0b ÄiljW,-"«"KS"* Beleihung von Werthsachen jeder Art.«iisbewahmng der Pfandsachen 12 Monate. 2440h Damen-UHr(118008) ist am ersten "Jerusalem. Kirche b.Kochstr. Feiertag v.--------------------- Verl. geg. Finder w. geb., geg. Bel. adzug.b.Oswaid, Forsterstr.37. s2521b Heute Karpsen-Ausschieben aus dem Billard b. Altmann, Landwehrstr. 15. Barbier-Beschäft. Wirklich gut thut, wer mein Ge- schüft kauft, da besondere Umstände obwalten; eo. auch auf Theilzahlung. Offerten unt.„Barbier" an die Erp. d. Bl. Kastanien-Allee 95/98.[25146 Hr Qimtnpl Moritzpiatz, Ul.OIIIIIIIUI iHausv.Aschinger Spezialarzt f. Haut».Harnleiden. 10-2, 8-7. Sonntags 10-12, 2-4. Frdl. Schlafstelle, sep., z. 1. Jan.. Leipzigerstr. 39, H. r. IV, b. Richter. Schläfst., Manteuffelstr. 40. Ww. Linke. Kl. frdl. möbl. Zimmer verm. billig Lehmann, Bergmannstt. 27, H. hochpt. Schläfst. Lade, Schmidtstr. 9a,H.lTr. Zum Mitbewohnen e. möbl. Schlaf- stelle wird anst. junger Mann gesucht. Leonhard, Koppenstr. 21._ 2822b Schlafst.f.lH. Adalbertstr.l0,v.3. Vater. Möbl. Schlafz. mit sep. Eing. ist an 2 H. oder D. zu verm. Waldemarstt. 28 bei Jänicke.__ 2a256 Möbl. Schläfst., sep. Eing., Fürsten- straße 13, Haack._[9/5 AckWmrkt. Bergolderm für Glasbuchstaben sof. gesucht. 13 Rudolph, Thaerstr. 5. 3972L» % nur solch., verl. Reichert, Admiralstr.lSa. Lilniirer sofort gesucht. Frankfurt a. O. Älelini?«! Hedvich._ Tiegeldruckti! eingeübter, verlangt bei löz-ek& Frlodlfinder.NeueF-iieör.-Stt.iS. CO CO CO 2= 2 ct_> CO S s s t:»i* ä. sä s � o�-.s 2 g ä .m s? oj O«3 CS �>«—• i,! Äj ' vi' S i)*'.«I.•> � 4 :v.«' ,' A..V:.---- \,'A. v'if" �: M. Schneider, Berlin BT. Rrnnneustr. 198 mm Elsasserstr. 1/2(am Rosenthaler Thor). Manufactur- und Modewaaren. Wegen Inventur-Arbeiten und Neujahrs halber bleiben meine Geschäftsräume von Donnerstag, den 30. Dezember, nachmittags 6 Uhr bis Montag, den 3. Jannar, früh 8 Uhr 1 für den Verkauf geschlossen! Sur den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktiv» de», Publikum gegenüber keinerlei Berantivortnna._ Tlzeatov. Donnerstag, den 29� Dezember. Opernhaus. Undine. Anfang 7l/s Uhr. Tchauspielhaus. Die Jungfrau von Orleans. Anfang?>/- Uhr. Deutsches. Mädchentraum. Anfang ?>/, Uhr. Lessing. Im weißen Röß'l. Ansang 7V, Uhr. Berliner. In Behandlung. Anfang 7 V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. Goethe. König Krause. Anfang 7V, Uhr. Unter den Linde». Die Prinzessin von Trapezunt. Anfang Uhr. NeneS. Die Logenbrüder. Anfang 7V, Uhr. Schiller. Die wilde Jagd. Anfang 7 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7V- Uhr. Thalia. Das Opferlamm. Anfang 7'/, Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V, Uhr. Luisen. Fröhliche Weihnacht I An- fang 8 Uhr. Belle-Alliance. Der Bräutigam aus Probe. Anfang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich. WilhelmstädtischeS. Agrippina. Ansang 8 Uhr. Alexanderplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Taubenstrafte 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 1» Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschastl. Theater. Jnvaltdenstrahe 57/62. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7>/z Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7'/, Uhr. een-Palast. Spezialitäten. »ssage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellfchaft. (Wallner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Freitag, Ansang 7 Uhr: Zum I. Male: Der Registrator auf Reisen. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Heim- g'fundeu. Abends 8 Uhr: Der Registrator auf Reisen. Imisvii-rileirier 34. Reichcnbergerstrafte 34. Abends 8 Uhr: WdliÄe Weihnacht. Weihnachtsstück mit Musik in 5 Bildern von L. Ottomeyer. Kinder in Begleitung Erwachsener zahlen auf allen Plätzen die Hälfte. prettag, den 31. Dezember(Sylvester), abends 7 Uhr: Daß Fest der Handnierker. Hierauf: Fröhliche Weihnacht. Nach der Vorstellung in den Festfälen: Großes hllmoristischeß Syivesterfest und Bali unter Mitwirkung der Komiker des Luisen-Theaters, Herren Wlnckler, Conrad, Kettner, Brodek, Achterberg u. A. Um 12 Uhr: Neujahrs- Polonaise mit Ueberraschungcn. Die Inhaber von Sylvesterkarten haben freien Zutritt zum Parquet und 1. Rang. Cu'vH»« Bascli (Bahnhof BUrue). Donnerstag, den 30. Dezember, abends T-U Uhr: Groane Gala-Voratellnnff. Premlere der Saison 1898. Zum l. Male: Zaragossa. Orig.-Manägen-Schaustück des Circus Busch, entnommen aus dem spanisch. Leben, in 3 Alten und 12 Bildern. (In bisher noch nie gezeigter glänzend. Ausstattung, darunter mehrere direkt aus Spanien tmportirte Maulthier- Viererzüge.) Tänze arrangirt vom kgl. ttal. Hof- Balletmeister Herrn Ottavl. I.Akt: Das Auswandererschisi. 2. Akt: Mircoles de Eeniza. 3. Akt: Das grüne Schloß. Besonders hervorzuheben: Eine spanische Eisenbahn mit eintretender Katastrophe. Der Sturz von einer KD Fuß hohen Brücke ins Master. Die Flucht des Don Carlos de seria mit seiner Geliebten und sämmtl. Pferden aus dem brennenden Schloß. Außer- dem die hervorrag. Repertoiniuinmern. Morgen 7V2 Uhr: Zum 2. Male: Zaragossu. Ostend-Theater. Gr. Franksurterstr 132. Dir.«.Weih. Leben und Lieben. Volksstück mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Auf. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Fret-Konzert.— Sonnabend u. Sonntag Nachmittag, kleine Preise: Der Berschwender. Abends: Leben und Liebe». Jeder Besucher der Nachmittag- und Abend- Vorstellung erhält ein Weihnachts- Souvenir gratis. Central-Iheater Alte Jakobstr. 30. Direktion Bichard Schnitz. Donnerstag, den 30. Dezember 1897: Emil Thomas a. W. Zum 116. Male: Benlinen kaknKen. BurleSke Ausstatttnigsposte mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Einödsh ofer. Rnsang V28 Uhr. Morgen und die solgenden Tage: BeHinvn Fahrten«. Feen-Palast SL Borgs tr. 22. Direktion: Winkler 4 Fröbel. Nur noch Donnerstag u. Freitag das glänzende erfolgreiche Weihnachts-Programm. Freitag: Crosse Sylvester-Abschledsfeler des mit großem Beifall ausgetretenen Spezialitäten> Personals. Besonders gewähltes Programm. Zum letzten Male: Eine nette Welhnachtsbescheerung Anfang 71/a Uhr. Entree 30 Pf. Ehren-, Frei- und VorzugSkarten sind giltig. Sonnabend: Neues Personal. Reiahshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Das Riesen• Bonstre- Programm! 36 Kunstkräfte ersten Ranges. La belle Yernois, die Schönste der Schönen. Les Brlllants Quatuor- Francalse, The Gaetano-Olloms, Bacchus Jacoby, Melanie Roberti, Excclsior-ülimograph. Anfang T'/a Uhr.— Entree 50 Pf. Am 31. Dezember er., zum Jahressohluss; Grosse humoristische Sylvester- Vorstellung und Tanz-Vergnügen. Im BeichshaUen-Tunnel; Täglich Bllitär- Konzert In Uniform. Quarg's Vaudeville-Theater g Grand-Hotel Alexanderplatz.'0 K Fortdauernd anhaltender? « Erfolg:? tDas Armband.! Das Modell. Avis! Freitag, den 31. De- � zember(Sylvester) Cr. Extra-'S. ö Vorstellung. U. a.: Eine Partie S Klabrlas in der Sylvesternacht. P Anfang 9 Uhr.■ Castan's Panopticum. Friednc yeuü Friedrichstr. 165. Indisch- hlndusta- nlsche Gaukler — und— chlangen- Beschwörer. B ARENWEIB. W. Noack's Theater Brunnen-tttrasse IG. Heute, Donnerstag, den 30. Dezember: A'eu! Ken! Berliner Kinder. Original-Poste mit Gesang in 4 Akten von Salingrs. Musik von T h. H a u p t n e r. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Morgen, Sylvester: Grosser Ball. Schulze's Variete Gltschlner Strasse\'o. 1, am Halle'schen Thor. Täglich: Spezialitäten-Vorstellung. Anfang: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Volfes-Theater im Welt-Restanrant 07. D r e s d e n e r- S t r a tz e 07. Mit vollen Segeln. Lebensbild in 3 Abth. von H. Schulz. Aiene Spezialitäten. Die kleinste Contorsionistin der Welt Elsa.�i Am zweiten Feiertag, mittags 12 Uhr Grosse Matinee. Im vorderen Saale: freier Sänger Alois Ebner. Unkana. Sonntags 6 Uhr. ilU|UUy. Wochentags 7'/, Uhr. Apollo-Tbeater. Der einzig echte und unkoplrbare Feuer-n.Flammeiitanz von Miss Foy. Otto Reutter* Carmen-Faur. Desroches-Bianea u. s. w. Kasseneröffn.CVj, Anfang 7>/z Uhr. Freitag, den 31. Dezember 1897; Gr. liumor. Sylvesterfeier. Passage-Panoplicum. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. Zum Schluss: Illnstrirtes Quodlibet In 12 lebenden Bildern. Buchhandlung Vorwärts. Berlin 8W. Soeben ist erschienen: WssenpolM und SoMlrOrm. Zwei Etatsreden von A. Bebel. 64 Seiten. Preis 15 Pf.') Porto 5 Pf. Diese Broschüre enthält eine gründliche Abrechnung unserer Partei mit der Regierung und den herrschenden Parteien und die glänzende Abfertigung der neuesten Sozialistentödierei des Herrn 0. Poiadowsky. Sie dürfte eine gute Einleitung für die Wahlagitation sein, zumal auch das Parteiprogramm in derselben enthalten ist. *) Im gestrigen Inserat war der Preis durch einen Druckfehler mit 10 statt 15 Pf. angegeben. Freie Volksbühne. Sonnabend, den 1. Jannar, nachmittags 3 Uhr; IV. Ahtheilunfl.„ J U g C II d" von Max Halbe, mit dem Kltnstlerpersonal des Lessing-Theaters. Auch die Kostüme, Dekorationen etc. sind dem Lessing-Theater entnommen. Heft IV der„Freien Volksbühne", ä 10 Pf, ist bei den Ordnern zu haben. Die VIII. Serie der Vorstellungen beginnt am Sonntag, den 2. Jannar im Lessing-Theater mit dem Drama Philipp Langmann's Bartel Turaser—" unter Mitwirkung der Herren Adolph Klein, Carl Waldow, Franz Haid, Em. Stockhausen und der Damen Frl. Milly Krause, Jenny Gross u. s. w. Die Vorstellungen der II., III. und IV. Abtheilung finden statt am 0., 30. Januar und am 6. Februar. Mitglieder anderer Abtheilungen können, soweit Baum vorhanden, nur einen Stehplatz erhalten. 291/2_ Der Vorstand. I. A.: G. Winkl er. Mm! ß. Wchlkreis. Miuig! Freitag, den 31. Dezeuiber. abends 81/, Uhr. im„Kolberger Salon", Kolbergerstrahe Nr. 23: Oemütliliclie Sylrester-Feier, arrangirt von den soziatdemokrat. Parteigenossen des K. Kreises. 221/16 Zu zahlreichem Besw Billet 20 Pf. ach ladet ein Der Bertrauensmann. Maehr'sTheater Oranlen-Strassc 84. WV Täglich:-?R|ä Theater- u. Speziallthten- Vorstelluiig. Neu! Sie N e u j a h r s u a ch t. Neu! Ein militärischer Don Juan. Reinhold Lange,! Käthe Leonard), der beste Humorist I bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Brothers Therras, die berühmtesten Ketten- Turner. WltflltlA* Wochentags 8 Uhr. RUIUliy. Sonntags 6 Uhr. Khaues1't' Sanssouci Kottbuser Strafte Nr. 4a. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Mit vollen Segeln. Lebensbild in drei Abtheilungen v. H. Schulz. Musik v. A. Kersten. Heue Spezialitäten. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entree SO Pf.-WF Passe-partouts- gelten. Sonnabend, den 1. Januar 1897: - Zum 1. Male: Si Reiche her Timen. Großes- Ausstattungsstück in 3 Akten. FUcszesi» V ari 6 1 6- Th e a t er I Banges. Dresdenerstraße 52/53(City-Pastage) Annenstraße 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Neu! Elotte Matrosen. Neu! Große Ausstattungs-Operette iu 1 Alt von Ed. Linder. Neu! Vorher: bleu! Arn Weihnachtsabend. Charakterb. in 1 Alt von G. Höypner. Ronen au» dem Stiden. Große Ausstattungs-Poste mit Gesang und Tanz in 1 Akt von W. Gericke. Auftreten sämmtlicher Kunst- Spezialitäten. Auf. 6 Uhr, Kassen-Eröffnung 5 Uhr. Entree 30 Ps. Reservirt. Platz 50 Pf. koneertdaus I.cipziger»tr.Xo.48, DM- Täglich:-ME Neffmann's Quartett und Humoristen. Ansang 8 Uhr. Enttee 30 Pf., Sperrsitz 60 Ps., Loge 1 M Am 31. Dezember:_ Grosse Sylvester- Feier. Extra- Solree hervorragender Künstler und Ball arrangirt vom Verein Tyll-Eulensplegel. Ballmusik 2. Garde-Regiment. Billets 4, 3 M. im Konzerthaus. MllnM'ck„Mehr Licht!" Freitag, 31. Dezember, begeht der Verein im Englischen Garte», Alexandersir. 27c, seine diesjährige_ We Iii na ch ts-Fe ler"HW bestehend aus Vocal- und Instrumental- Concert. Festtede, gehalten von Herrn Waldeck-Manaffe. Kinderbescheerung und Ball. Unter güttger Mitwirkung des Gefangvereins„Fortschritt"(M. d. A.-S.-B.). BilletS& 25 Pf. sind zu haben bei P. Weber, Langestr. 104 IV.; E. Fehling, Lortzingstr. 4 Querg. 1.-, W. Schultz, Plan-Ufer 34 vorn Kell.: L. Menz, Rüdersdorferstr. 68 II.; O. Hirschmann, Prenzlauerstr. 9 Qu. H. Herren, die am Tanze theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Freunde u. Gönner des Vereins sind hiermit herzlich eingeladen._ 68/1 Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Freitag, den 31. Dezember, in Stechert's Festsälen, Andreasstr. 21: Sylvester- Feier I Grosses Vocal- und Instrumental- Coneerl (Buchbinder-Mäunerchor und Hauskapelle). Eintritt SO Pf. Anfang prtic. 8V2 Uhr. Von 11 Uhr an: Grofter Sylvester-Ball. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Billets sind im Bureau, Annenstraße 50, sowie beim Kollegen Winter, Luckauerstr. 7 vorn im Keller zu haben. Um zahlreichen Besuch ersucht_[49/6]_ Das Comlte.' Vierter Nachtrag zum Statut her Lrts- Krallkenklljje für den Gewerbebetrieb der Kalllleute, Halldelsleute inid Apotheker vom 14. Dezember 1892. Artikel I. Nr. 1.§ 2, Abs. 1, Nr. 3 erhält folgende Fastung: derjenigen Betriebsbeamten, Werkmeister, Techniker, Handlungs- gehilfen und Lehrlinge, deren Arbeitsverdienst an Lohn oder Ge- halt 62/3 M(. für den Arbeitstag oder, sofern Lohn oder Gehalt nach größeren Zeitabschnitten bemessen ist, 2000 ML für das Jahr gereäniet, übersteigt, sowie ferner derjenigen Handlungsgehilfen und Lehrlinge, deren Rechte aus Artikel Ktt des Deutschen Handelsgesetzbuches«bezm. 8«3 des neuen Handelsgesetz- buches für das Deutsche Reich) durch Bertrag weder am- gehoben noch beschränkt sind. § 5, Abs. 1, Nr. 1 erhält folgenden Zusatz: ""'----- Rechte Nr. 2. ch) durch Vertrag weder aufgehoben noch beschränkt sind. Artikel H. Die vorstehend abgeänderten Bestimmnngen treten mit dem 1. Januar 1898 in kraft. Berlin, den 11. November 1897. Orts- Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kailsleute, Handelsleute und Apotheker. Der Borstand. R. Rieger, Vorsitzender. l'npke, Schriftführer. Vorstehende Abänderung wird hierdurch genehmigt. Berlin, den 14. Dezember 1897. S.) Der Bezirks-Ansschnft. Kc J.-No. 7738. (L 80/20 Layscr. Freitag, den 31» Dezember bleiben unsere Warenhäuser der Inventur vegen geschlossen. Warenhaus A. W ertheim Btrantivortlicher Redakteur: August Jarobry tu Berlin. Für den Jnserateutheil verantwortlich: Tb. wlocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag vadiug in Berlin.