Nr. 12 mad sid o Eigentum des Vorstandes der SPD" 001 17. Jahrgang Die Gleichheit eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen and dat de Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Textilindustrie. Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. Unser Patriotismus. II. தர் Stuttgart den 10. Juni 1907 e Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Jnhaltsverzeichnis. main unverkauft, obgleich es wahrlich nicht an Leuten fehlt, regle. Das waren die Zeiten, in denen fie für den FreiUnser Patriotismus. II. Die österreichischen Genoffinnen im die fein ganzes Hemd auf dem Leibe haben, kein handel schwärmte weil die Freiheit des Handels Wahlkampf. Bon Emmy Freundlich. Frauenwahlarbeit und warmes, geschweige denn ein schönes Kleid ihr eigen ihrem Mehrwertgeschäft zuträglich war und den Frauenstimmrecht in Österreich.- Minna Kautsky. Von Marie nennen und durch Regen und Schnee barfuß oder Traum von der Interessenharmonie, der Brüderlichkeit Kunert. Der dritte Kongreß der Deutschen Gesellschaft zur Be- mit zerrissenem Schuhwerk wandern. Unter der kapita- der Völker des Erdballs, den Traum vom ewigen Frieden tämpfung der Geschlechtskrankheiten. I. Bon O. R. II. Bon G. L. listischen Wirtschaftsordnung können die Massen nicht träumte. In der Atmosphäre der wirtschaftlichen EntAus der Bewegung: Ein Jubiläum.- Bon der Agitation. Von verbrauchen, oder richtiger dürfen sie nicht verbrauchen, wicklung, welche den nationalen Markt zum Weltmarkt den Organisationen. Die Berliner Genoffinnen und der Bäcker was ihnen zu ihres Leibes und Geistes Befriedigung weitete, näherten sich die Wölfer einander, Kultur empftreit. Jahresberichte der Vertrauensperson der Genoffinnen not täte, sondern nur so viel, als sie zu faufen, zu fangend und Kultur spendend, Wissenschaft und Kunst Mindens und des Wahlkreises Eſſen. Politische Rundschan. bezahlen vermögen. Und das ist trotz der wachsenden wurden international, eine weltbürgerliche Gesinnung Bon H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Aus der rheinischen Ergiebigkeit ihrer Arbeit wenig, sehr wenig. Die Lohn- begann zu erblühen, deren Vorkämpfer die erlauchtesten Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenarbeit auf dem Gebiet der arbeitenden erhalten vom Rapitalisten, der sie verwendet, Dichter und Denker der Nationen waren. Es war einIndustrie, des Handels- und Bekehrswesens.- Sozialistische Frauen- ja nicht den Arbeitsertrag, sondern nur einen Teil das mal! Verrauscht und verweht. bewegung im Ausland. Frauen in öffentlichen Ämtern. von, den Arbeitslohn, und seine Höhe richtet sich nicht Das Spiel der nämlichen Kräfte, welche die KapitaVerschiedenes. nach ihren Bedürfnissen, sondern nach den ehernen Ge- liftenflaffen trieben, nationale Schranken niederzureißen Feuilleton: Der Zeitgeist. Von Friedrich Hölderlin.( Gedicht.)- setzen der fühllosen kapitalistischen Ordnung. Ihrem und ihren Kuß der ganzen Welt" zu bieten, ließ Rote Oftern. Hiftorisches Gemälde aus dem Bauernkrieg. Von innersten Wesen nach muß so diese Ordnung die Aus im weiteren Verlauf ihr schwärmerisches WeltbürgerRobert Schweichel.( Fortsetzung.) gebeuteten faufunfähig, die Waren aber unabsehbar tum in beschränkten Mordspatriotismus umschlagen machen. Maffenelend und Überproduktion, eines die und zwang fte, neue Grenzmauern zwischen den Ursache des anderen, das ist einer der unausrottbaren Staaten zu errichten. Immer mehr Länder wurden Widersprüche, in denen die kapitalistische Ordnung aus von dem Kapitalismus ergriffen und in den Strom läuft, und an denen sie zugrunde geht. Und aus diesem seiner Entwicklung gezogen. Nicht mehr einige wenige Widerspruch heraus erwächst der„ nationale" Gegensatz nationale Kapitalistenklassen erschienen als Lieferanten Der Gegensatz der Klasseninteressen das führten zwischen den Kapitalistenklassen der verschiedenen Staaten. industrieller Erzeugnisse für die ganze Welt auf dem wir in der letzten Nummer aus- füllt den Patriotis Bom„ heiligen Goldhunger" verzehrt, muß die Rapi- internationalen Markte, nacheinander traten hier alle mus des Proletariats und der Kapitalistenklasse dem talistenklasse eines Landes danach streben, den aufge- sogenannten Kulturländer Europas, traten die ameritanationalen Staat gegenüber mit einem wesensverschiedenen zeigten Widerspruch durch die Erweiterung und Siche- nischen Staaten als Erzeuger und Verkäufer von Industrie Inhalt und weist ihm entgegengesetzte Ziele. Er schafft rung des Absatzgebietes ihrer Waren zu überwinden. waren auf. Die Entwicklung rannte stürmisch die alte auch eine grundsätzlich verschiedene Stellung der beiden„ Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz Teilung in Industrie- und Agrarländer über den Haufen. Klassen zum Ausland. In dieser Stellung gelangt das für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Was als naturgefeßlich bestimmt betrachtet worden war, zum Ausdruck, was vom geschichtlichen Wesen der be- Erdkugel. überall muß sie sich einnisten, überall an enthüllte sich als geschichtlich geworden und wurde versitzenden und besiglosen Klassen untrennbar ist: das bauen, überall Verbindungen herstellen." Der nationale nichtet, umgewälzt. Und die Kapitalisten selbst der Streben nach der Möglichkeit von Ausbeutung und Markt genügt ihrem Ausbeutungsbedürfnis nicht mehr, industriell höchst entwickelten Länder mußten ihre eigenen Unterdrückung bei den einen, das Drängen nach über- fie schafft sich den Weltmarkt. Aber die Entwicklung Konkurrenten auf dem Weltmarkt erziehen und auswindung jeglicher Ausbeutung und Unterdrückung bei der Verhältnisse bleibt nicht national auf einen Staat rüsten. Die Jagd nach Gewinn ließ sie nicht bei der den anderen. beschränkt. In allen Ländern, die von dem Kapitalismus Ausfuhr von Konsumartikeln stehen bleiben, fie führten Wie steht es im Grunde mit dem Gegensatz zwischen ergriffen werden, fällt der Kapitalistenklasse das Schicksal, den industriell rückständigen Ländern Produktionsmittel den Nationen, von dem die Kapitalistentlassen wirt- nach Absatzgebieten die Welt abzuheben. Dabei geraten zu, legten ihre Kapitalien hier an und entfesselten die schaftlich und fast mehr noch politisch zehren? Reißt die Ausbeutenden des einen Landes in Widerspruch, in noch gebundenen Produktivkräfte. Jenseits des Atlan. man ihm respektlos vor tönenden Worten und gedanken- Interessengegensatz zu den Kapitalisten aller anderen in tischen Meeres und an den Küsten des Großen Ozeans, los übernommenen Begriffen die ideologischen Hüllen ab, Betracht kommenden Staaten. Vom gleichen, international in Amerika wie in Japan, Australien und Indien ließen so zeigt er sich nackt als Gegensatz zwischen den Kapita- gewordenen Bedürfnis nach Absatzgebieten für ihre Waren sie eine kapitalistische Industrie erstehen. Die Agrarlistenklassen der verschiedenen Länder. Dieser Gegensatz gepeitscht, wird ein wilder Interessenkampf zwischen staaten, als deren Aufgabe im Wirtschaftsleben der ist aber feinerseits ein Schößling aus der Wurzel des ihnen entfesselt. Als herrschende Klassen aber setzen die Menschheit sie es erachtet hatten, den Industrieländern anderen und tieferen Gegensages, der jeden nationalen Kapitalisten eines Landes ihre eigenen Klasseninteressen Rohstoffe und Nahrungsmittel zu liefern und dafür ihre In Staat zerklüftet: des Gegensatzes zwischen den ausge- mit denen der gesamten Nation gleich und verkleiden dustrieerzeugnisse abzunehmen, entwickelten eine Industrie beuteten und beherrschten Massen und der ausbeutenden ihre Interessengegensätze zu der Bourgeoisie auswärtiger und drängten als Konkurrenten auf den Weltmarkt. und herrschenden Minderheit. Länder als nationale Gegenfäße. Denn sobald diese Die trügerische Luftspiegelung verfliegt, die diesen früher Im Vaterland der Klaffengegensätze, unter der bürger- Gegensäße sich zu Kämpfen zuspißen, bedürfen sie der als Tempel der internationalen Harmonie und des lichen Ordnung, ist nicht das Allgemeininteresse, ist nicht Hilfe des Proletariats, der Volksmassen, die mit Gut Weltfriedens erscheinen ließ; er offenbart sich als Tummeldie Rücksicht auf den Wohlstand, die Bildung, das Glück und Blut den kapitalistischen Gewinn schirmen sollen. platz wildester Konkurrenztämpfe zwischen den nationalen aller die stärkste Triebfeder des nationalen Wirtschafts- Der fäbelrasselnde Patriotismus der Besitzenden und Kapitalistentlassen. lebens, sondern das Verlangen nach Mehrwert, den die Ausbeutenden dem Ausland gegenüber ist im letzten Der Kampf aller wider alle, den die kapitalistische verschiedenen Klüngel der Kapitalistenklasse als Profit,| Grunde die zehrende Sorge um das Absatzgebiet, um Ordnung innerhalb jeder einzelnen Nation entfacht, beGrundrente, Zins einsäckeln. Der unstillbare Hunger die Sicherung des Mehrwerts. Er flammt daher stets hauptet auch für die Beziehungen der Nationen unternach Mehrwert stachelt die Kapitalisten unaufhörlich zu bis zur Weißglühhize empor, wenn sie sich durch ihre einander sein Existenzrecht und prägt ihren Charakter. höchstmöglicher Ausbeutung der ihnen zinsenden Massen ausländischen Schwesternklassen in ihrer Plusmacherei Die Konkurrenz der nationalen Kapitalistentlaffe auf an, gleichzeitig aber auch zur Steigerung der Produk bedroht fühlen. Die patriotische Phrase soll dann die dem Weltmarkt löst die Forderung freien Handelsverkehrs tivität der Arbeit. Märchenhaft schwillt die Menge der Massen über die Tatsache hinwegtäuschen, daß sie ihren zur Eroberung neuer Absatzgebiete durch die andere ab: Erzeugnisse, welche die nationale Industrie jedes Jahr, Ausbeutern und Herren die Kastanien aus dem Feuer Abgrenzung und Sicherung bestimmter Absatzgebiete fitt jeden Monat, jede Woche in fieberhafter Geschäftigkeit holen müssen. die Kapitalisten der einzelnen Länder. Die Politik des erzeugt. Die Magazine, Vorratshäuser und Stapel- Gewiß: es gab Zeiten, in denen die Interessengegen Freihandels muß weichen; Schutzölle bauen aufs neue räume vermögen die Dinge kaum zu fassen, die die sätze zwischen den Kapitalisten verschiedener Nationen zwischen den Staaten Grenzwälle, welche den Handelsmateriellen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen noch schlummerten. Es waren die Zeiten, in denen der verkehr einengen, welche hemmend auf der Entwicklung befriedigen sollen; es steigt und steigt die Erzeugung von Kapitalismus der meisten Länder die Kinderschuhe trug der politischen Beziehungen, der Wechselwirkung des ge Mitteln der Produktion und des Verkehrs: Maschinen, und noch nicht mit der starken Faust eines reifen Mannes samten fulturellen Lebens der Nationen untereinander Werkzeuge, Schiffahrts- und Eisenbahnmaterial, dazu ein Stück Weltmarkt als Lebensnotwendigkeit gegen lasten. Und damit nicht genug. Das den nationalen bestimmt, weitere Massen von Konsumartikeln auf den fremdländische Konkurrenten verteidigen mußte; die Rapitalistenklassen durch Bollschranken gesicherte AusMarkt zu bringen. Zeiten, in denen eine neue Welt erschlossen", das heißt beutungsgebiet des eigenen Staates genügte ihrem Die Kapitalisten aber können sich des Mehrwerts, ber kapitalistischen Ausbeutung dienstbar gemacht werden Heißhunger nach Mehrwert nicht länger. Ihr Bater den die schaffende Arbeit in die Waren legt, mur fonnte. Damals fonnte die Bourgeoisie der wenigen land muß größer sein." E3 treibt sie nach der Erfreuen, wenn sie diese verkaufen. Der Absatz ihrer fapitalistisch entwickelten Nationen noch zu dem be- weiterung ihrer staatlich gesicherten AusbeutungsWaren stößt jedoch auf eine Schranke. Die Kauf- ruhigenden Dogma schwören, daß die Natur" selbst und Herrschaftsdomäne. Der Taumel nach dem fraft der Boltsmassen im bürgerlichen Nationalstaat bestimmte Länder zur industriellen Entfaltung berufen, größeren" England, Frankreich, Deutschland, Italien ist weder so groß wie ihre eigenen Bedürfnisse, noch andere dagegen ewig auf die Landwirtschaft angewiesen und so fort ergreift die nationalen Kapitalistenklassen wie die steigende Ergiebigkeit der Produktion. Tau- habe, und daß sich zwischen beiden Gruppen der Aus- mit unwiderstehlicher Gewalt. Und als herrschende sende Stück Leinwand und Wollstoff, Zehntausende tausch von Rohprodukten und Nahrungsmitteln einerseits, Klassen haben sie die Macht, den Staat in die Dienste Baar Schuhe und Stiefeln bleiben in Deutschland von industriellen Erzeugnissen andererseits harmonisch ihrer Profitinteressen zu zwingen und mittels seiner die Bibliothek der Friedrich- Ebert- Stiftung 100 Die Gleichheit Nr. 12 ausgebeuteten Massen mit ihrem Hunger und mit ihrem Leben die Kosten zahlen zu lassen. Es beginnt die Ära der Kolonialerwerbungen, der Pachtungen und Kolonial- kriege, welche abermals Seiten blutigster Schmach in die Geschichte der Kulturnationen schreiben; die eroberungs- süchtige Weltmachtspolitik wird Trumpf. Hinter der Politik der Schutzzölle und Kolonialabenteuer aber lauert der Zollkrieg, hockt die Kriegsgefahr mit ihren Vorläufern und Wegbereitern: steigenden, erdrückenden Rüstungen zu Lande und zu Wasser, die Kriegsgefahr nicht bloß zwischen einzelnen Nationen, fondern vor allem die Möglichkeit des Weltkriegs. Dazu kommt, daß Rüstungen, kapitalistische Kreuzzüge zur Erlösung des gebundenen Profits, Kriegsgefahr und Kriege selbst reichlich zinsende Kapitalanlagen für die ausbeutenden Klassen schaffen, die Geld ohne Ekel aus einer Kloake und ohne Entsetzen aus einem Blutmeer aufheben. Wie aus einem brodelnden, glutgefüllten Vulkan keine Lilie emporblühen wird, also kann auf dem Boden der gekennzeichneten Sachlage seitens der ausbeutenden und herrschenden Klassen kein Patriotismus des Friedens, der internationalen Verständigung und Harmonie gedeihen. Die Wirklichkeit läßt die salbungsvollen Friedensprcdigten der guten Berta von Suttner als hilfloses Gestammel aus einer Kinderstube erscheinen, sie brandmarkt die Frie- denskonferenzen der Regierungen als widerliche Komödien. Der Patriotismus der nationalen Kapitalistenklassen muß heute dem Ausland gegenüber feindselig, kriegerisch, kriegs- bereit sein. Er wird von Interessengegensätzen erzeugt und nährt sich an ihnen. Seine Seele ist die internatio- nale Konkurrenz der Kapitalistenklassen der verschiedenen Länder. Und das inmitten einer geschichtlichen Entwick- lung, die wie keine andere vor ihr die Keime der Völker- Verbrüderung und des Weltfriedens in sich birgt und sprossen macht! Ganz anders der Patriotismus des Proletariats, das dank seinem Befreiungskampf zum bewußten Träger des weltbürgerlichen Ideals wird. Die österreichischen Genossinnen im Wahlkampf. Der große Kampf um das neue Parlament ist zu Ende, die Volksvertreter, welche fernerhin die Geschicke Österreichs mit bestimmen sollen, sind fast alle gewählt. Es stehen nur noch die Wahlen in einigen galizischen Wahlkreisen und in dem dalmatinischen Wahlbezirk aus. Zum erstenmal haben die Völker Österreichs ihren Willen unbehindert durch Vor- rechte kundgeben können. Alle hatten nur ein Recht: das allgemeine Wahlrecht. Wohl hat wirtschaftliche Macht im Verein mit skrupellosem Terrorismus noch manchmal das gleiche Recht an seiner vollen Entfaltung gehindert. Im allgemeinen wurde aber das neue Recht respektiert, und ruhig und würdig sind die Wahlen überall vor sich ge- gangen, bis auf die in Galizien. Das neue Wahlrecht hat der Arbeiterschaft Österreichs endlich Gelegenheit gegeben, ihre volle Macht zu entfalten. Niemand— nicht einmal die klassenbewußten Arbeiter selbst— war sich der Stärke des österreichischen Proletariats voll bewußt. Wohl haben wir alle gefühlt, daß die großartige Wahlrechtsbewegung mit ihrer revolutionären Kraft und ihrer klugen Taktik uns manchen neuen Kampfesgenossen gewonnen hat, doch ahnten wir nicht, daß unsere Armee so stark und groß geworden sei, wie es die Wahlen erwiesen haben. Im verborgenen ist die Sozialdemokratie Österreichs gewachsen, zur Kraft und Reife gelangt. Aber all das, was die Partei in Osterreich im Wahl- rechtskampf geworden ist, all das, was sie im Wahlkampf geleistet hat, ist nicht nur der Männer Werk. Seit den Tagen, da in Wien und Prag Ausnahmezustand und Standrecht herrschten, haben die Genossinnen alle Arbeiten und alle Kämpfe der Partei aufopfernd geteilt; jederzeit haben sie ihren Wirkungskreis gefunden. Manchmal mußten sie sich erst den Play erkämpfen, um mitarbeiten zu können; sie hielten trotzdem aus. So wie immer auch im Wahlkampf. Nicht nur in den großen Städten, wo die Menschen neuen Ideen zugänglicher sind, auch in den entlegensten Dörfern haben unsere Lehren Eingang in die Köpfe der Frauen des Volkes gefunden. Ein Umstand kommt den österreichischen Genossinnen bei ihrer Arbeit zu Hilfe: die Schlamperei der Praxis, die bei uns alle gesetzlichen Verbote erträglich macht. Wohl ist den Frauen dem Gesetz nach der Zutritt zu öffent- lichen Wählerversammlungen verwehrt, doch kümmert man sich nur in Ausnahmefällen um diese Bestimmung. Im all- gemeinen wohnen nicht nur die Frauen den sozialdemokra- tischen Wählerversammlungen bei, sondern unsere Genossinnen referieren auch in denselben. Unsere Ideen dringen auch dann unter die proletarischen Frauen, wenn es nicht Referentinnen sind, die sie in den einzelnen Orten entwickeln und be- gründen. Selbst in Orten, wo noch nie eine sozialdemo- kratische Versammlung stattgefunden hatte, erschienen Frauen in der Wählerversammlung und begehrten auch lebhaft die verschiedenen Druckschriften, welche verteilt wurden. Nicht nur Proletarierinnen haben den sozialdemokratischen Wahl- Versammlungen beigewohnt, auch Bauernfrauen, Frauen von Kleingewerbetreibenden und Häuslern. Sie alle folgten den Ausführungen der Redner und Rednerinnen mit großem Interesse. Wurden in dieser Weise neue Anhängerinnen für unsere großen Ziele gewonnen, so waren andererseits unsere Ge- nossinnen eifrig bei allen Kleinarbeiten tätig, die bei einer Wahl so zahlreich und wichtig sind. Wo es galt, Uug- blätter zu falzen und zu verteilen, Adressen zu schreiben, persönliche Agitation zu betreiben, Pakete zu packen usw., da waren sie mit bewährter Opferwilligkeit als Helferinnen zur Stelle. Wie in Niederösterreich und Steiermark, in Tirol und Kärnten, so auch in Böhmen und Mähren. Böhmen, das teilweise ganz rot geworden ist, hat leider keine Agi- tatorin, die ständig dort tätig ist. Die Wiener Genossinnen müssen die Agitation betreiben, was viese nicht nur bedeu- tend verteuert, sondern ihr auch engere Grenzen steckt. Das zeigte sich auch während des Wahlkampfes. Wohl waren einzelne Genossinnen auf längeren Agitationstouren in Nordböhmen, doch konnten sie nur die größeren Städte besuchen. Auch in Mähren und Schlesien, wo die Schrei- berin dieses allein in Versammlungen spricht, konnte an Agitation lange nicht das geleistet werden, was wir ge- wünscht hätten. Um so erfreulicher ist es, daß die Frauen — auch die Indifferenten— zahlreich die öffentlichen Wählerversammlungen besucht haben. Die Frau gill ge- wöhnlich für ein schlechtes Agitationsmaterial, doch ist sie auch bei uns besser als ihr Ruf. Viele Frauen der werk- tätigen Massen fühlen instinktiv das Unrecht der bestehenden Ordnung, aber es fehlt ihnen an der klaren Erkenntnis, wo- her dieses Unrecht stammt und wie es beseitigt werden kann. Andere wieder haben die Erkenntnis, doch fehlt ihnen Zeit und Ruhe zur Betätigung ihrer Uberzeugung, manchmal auch die rechte Anleitung. Sie alle wurden uns in großer Zahl von den stürmischen Wogen des Wahlkampfes ent- gegengebracht. Der frühlingsfrischen Erde gleich empfingen sie die befruchtenden sozialisttschen Ideen. Wenn die Sozial- demokratie im Wahlkampfe auch nicht ein einziges Mandat errungen hätte, so würden die neugewonnenen Anhängerinnen und Anhänger allein die aufgewendete Mühe lohnen. Unser Sieg war überwältigend schön, und er ruft uns zu neuer Arbeit. Das Gewonnene soll behauptet, die neuen Rekruten müssen zu sozialdemokratischen Soldaten geschult werden. Die vereinte reaktionäre Masse der Gegner, welche die Sozialdemokratie sehr unterschätzt hatte, hofft, daß die nächsten Wahlen uns eine Niederlage bringen. Sie werden künftig mit anderen Mitteln gegen uns arbeiten, das haben schon teilweise die Stichwahlen gezeigt: sie werden vor Er- Pressung, vor Ausbeutung ihrer wirtschaftlichen Macht nicht zurückschrecken. Soll die stolze Errungenschaft dieses Wahl- kampfes erhalten bleiben, so müssen wir alle mit erhöhtem Eifer an die Arbeit. Wir Genossinnen, die wir uns des Sieges freuen, weil wir mitgeholfen haben, die Lorbeeren zu erringen, wir werden auch bei der weiteren Arbeit nicht fehlen. Epimy Freundlich, M.-Schönberg. Frauenwahlarbeit und Frauenstimmrecht in Osterreich. Die„Wiener Arbeiterzeitung"(Nr. US vom 29. Mai), das Zentralorgan der Sozialdemokratie in Osterreich, zollt der Betätigung der Genossinnen im Wahlkampf ein höchst ehrenvolles Lob und fügt ihm wertvoll� Ausführungen über das künftige Eintreten der Partei für das Frauenwahlrecht hinzu. Sie schreibt: „Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Ruhmes, den die Sozialdemokratie in diesem Wahlkampf erworben hat, ge- bührt unseren Frauen, die sich überall und mitunter in her- vorragender Weise an allen Arbeiten beteiligt haben. Diese Teilnahme.war verschieden groß und verschieden intensiv, je nach den örllichen Verhältnissen und dem Entwicklungs- grab der einzelnen Frauenorganisattonen, und erreichte natürlicherweise ihren Höhepunkt dort, wo das Proletariat am dichtesten beisammen wohnt, die Arbeiterbewegung dar- um am stärksten pulsiert, und wo die Frauen schon seit längerer Zeit die Genossen bei allen Organisationsarbeiten unterstützen. Wenn uns die weibliche Mitarbeit mit ganz besonders herzlicher Befriedigung erfüllt, so gilt diese Freude nicht allein und auch nicht einmal in erster Linie deren Wirkung auf den günstigen Verlauf der Wahlen, sondern wir be- grüßen die begeisterte Teilnahme der Arbeiterfrauen an unseren Kämpfen als einen neuerlichen Beweis dafür, daß das Klassenbewußtsein auch in dem weiblichen Proletariat in rascher Zunahme begriffen ist, und daß das Verständnis für die Bedeutung des politischen Kampfes in immer wei- tere Frauenkreise dringt. Es entspräche der sozialdemokratischen Tradition so wenig als der sozialistischen Weltanschauung überhaupt, die Or- ganisations- und Agitationsarbeit der Frauen bloß als Mittel zu den Zwecken der Männer zu benützen, wie das von den Klerikalen geschieht und zu allen Zeiten geschehen ist. Uns ist das Wohl und die kulturelle Entwicklung jedes einzelnen Menschen ein heiliger Zweck, über dem nur ein einziger, noch höherer steht: das Glück der Gesamtheit, und nichts kann uns ferner liegen, als die Ausnützung eines Teiles für�ne ausschließlichen Zwecke eines anderen Teiles. Die letzte Gewerkschaftsstatistik weist eine enorme Zu- nähme der beruflich organisierten Frauen nach. Auch die Frauenvereine, die die Aufgabe haben, die Proletarierinnen zum Verständnis ihrer Klassenlage und des sozialdemokra- tischen Kampfes heranzuziehen, wachsen stetig an Zahl und Bedeutung, und die Leiterinnen der sozialdemokratischen Frauenbewegung gehen nun eifrig ans Werk, um durch Ausbau der freien politischen Frauenorganisatton der ge- hässigen Gesetzesbestimmung, die die Frauen Österreichs vom polittschen Vereinsleben ausschließen will, den Stachel zu rauben. Die gewalttge Bewegung, die das österreichische Prole- tariat erfaßt und in de» letzten zwei Jahren so unwider- stehlich von Sieg zu Sieg getragen, hat auch die Proletarier- frau polittsch reif gemacht und weite Frauenkreise zu dem Bewußtsein geweckt, daß es jedes erwachsenen und voll- sinnigen Menschen unwürdig ist, unter Gesetzen zu leben, auf deren Zustandekommen er keinen Einfluß hat. Daß die zu solchem Bewußtsein erwachte Proletarierfrau sich der einzigen Partei anschließen muß, welcher die Gleichberechti- gung aller Menschen nicht wie anderen eine leere Phrase, sondern lebendigstes und dringendstes Bedürfnis ist, muß als ganz selbstverständlich angesehen werden, und daß sie die Kämpfe der Sozialdemokratie mit dem glühenden Eifer und der begeisterten Hingebung teilt, deren das Frauenherz fähig ist, das stellt ihr das ehrende Zeugnis aus, daß sie bereits gelernt hat, die Vernunft zum Letter ihres Gefühls zu machen. So wie die Sozialdemokratte die einzige Partei ist, welche die nattonalen Schranken zu durchbrechen und das Prole- tariat verschiedener Zunge zu vereinigen vermag, so ist sie auch die einzige, die den Bedürfniffen und Forderungen beider Geschlechter gerecht werden kann. Das Kleinbürgertum, das sich so ängstlich an veraltete und nicht mehr lebensfähige Produktionsformen festtlammert, widersetzt sich auch den dringenden und durch die ökonomi- schen Verhältnisse unentbehrlich gewordenen Reformen im häuslichen und sozialen Leben der Frau, und die Töchter des intellektuellen Bürgertums, die so wenig als die der Gewerbetreibenden und kleinen Kaufleute mehr von den Männern ihrer Klasse vollständig erhalten werden können, müssen mit diesen erbittert ringen um jeden Fuß breit auf dein Boden der geistigen Berufe. Dasselbe Bürgertum aber, das in fast allen europäischen Staaten die Frauen mit brutaler Gewalt aus dem wirt- schaftlichen Wettbewerb zu verdrängen sucht, fängt nun an, sich mit der politischen Frauenfrage zu beschäftigen, und fast überall sind in den allerletzten Jahren bürgerliche Par- lamentarier mehr oder minder enthusiastisch für das Wahl- recht der Frauen eingetreten, so insbesondere in England, in Italien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland wie auch in mehreren deutschen Bundesstaaten, ja sogar in Osterreich. Allerdings sind es fast durchweg nur die Frauen der besitzenden Klassen, denen sie polittsche Rechte zuerkennen wollen. Immer wieder hört man aus ihrem Munde den pathetischen Appell an das Gerechtigkeitsgefühl, welches fordere, daß den steuerzahlenden oder den akademisch ge- bildeten Frauen oder den weiblichen Haushaltungsvorständen das Wahlrecht gegeben werde. Aus all dem Phrasen- schwall aber spricht doch am deutlichsten der fromme Wunsch, das gleiche Wahlrecht der Männer, das sich allerorts als eine mächttge Waffe in der Hand des Proletariats erweist, durch ein Privilegienwahlrecht der Frauen in seiner Wir- kung zu lähmen.„Bildung und Besitz" sollen wieder das Volkstum unterjochen und die Arbeiterflasse in ihrem Auf» stieg behindern. Die Sozialdemokratie kann ein solches Ansinnen nicht anders beantworten als mtt der Forderung nach dem wirk- lich allgemeinen Wahlrecht, dem Wahlrecht für alle Männer und Frauen, und selbstverständlich kann sie sich nicht dauernd darauf beschränken, mittels dieser Forde- rung die Vorstöße ihrer privilegienlüsternen Gegner zurück- zuweisen, sondern sie muß auch selbst die Initiative ergreifen, um die unausweichliche Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken, sie muß mit aller Entschiedenheit für die Ausdehnung des Wahl- rechts auf die weibliche Bevölkerung dringen. Gerade die bedeutungsvollen Ereignisse, die sich in den letzten Jahren in Osterreich abgespielt haben, der leiden- schaftliche Kampf und der über alle Erwartungen gewalttge Sieg des Proletariats berechtigen uns zu der Erwartung, daß der österreichischen Sozialdemokratie, der in diesem merk- würdigen Lande so vieles unendlich schwerer gemacht worden ist als den Bruderparteien anderer Länder, auch manches in naher Zeit gelingen wird, was diesen bisher noch nicht ge- lungen ist, und wenn die Arbeiterschaft anderer Staaten seit Jahrzehnten das Wahlrecht aller Männer besitzt und doch nicht zum wirklich allgemeinen Wahlrecht gelangen konnte, so mögen sich die Feinde dieses Rechtes hüten, daraus vor- ellig den Schluß zu ziehen, daß die österreichische Arbeiter- schaft noch lange säumen werde, für ihre schwer benach- teiligten Mittämpferinnen die Rechte zu erringen, deren sie dringend bedürfen." Minna Kautsky. Eine der markantesten Persönlichkeiten unter den Volks- schnftstellerinnen der Gegenwart, Minna Kautsch, vollendet am 11. Juni d. I. das 70. Lebensjahr. Seit langem hat sie ihren wohlverdienten Platz im Herzen des arbeitenden Volkes, das sich in seinen kargen Feierstunden an ihren schlichten, gesunden Erzählungen erfreute und erfrischte. Ihr künstlerisches Schaffen empfing den Stempel seiner Eigenart durch die Ideen des modernen Sozialismus, in denen Minna Kautsch als reife Frau mit ganzer Seele aufging, nachdem sie die anerzogenen bürgerlichen Vorurteile wie ein zerschlissenes Gewand abgestteift hatte. Ihr Entwicklungsgang lag zunächst weil ab von den Bahnen, die sie später einschlug. Eng und flein waren die Verhältnisse, in denen sie aufwuchs, dürftig war demzufolge auch die Schulbildung, welche der Vater, der Theatermaler Nr. 12 Die Gleichheit Marie Kunert. 101 in Graz in der Steiermark war, ihr zu verschaffen vermochte.[ von den Fesseln der Lohnarbeit befreien. Minna Kautskys| Reformer das soziale Elend unserer Zeit mit Resolutionen Die 1837 geborene Minna war das älteste und begabteste schöner Glaube an die Macht der Entwicklung gründet sich zu furieren suchen. seiner sieben Kinder. Sie empfand das Unbefriedigende der auf die ungebrochene und unverbrauchte Kraft und Ursprüng- In der Kongreßleitung saßen vier Geheimräte, fünf Räte, ärmlichen häuslichen Verhältnisse am stärksten. Der früh- lichkeit in den unteren Klassen, denen Unnatur und Heuche- vier Schuldirektoren, sechzehn Doktoren, unter den Referenten zeitig gefaßte Entschluß, Schauspielerin zu werden, stimmte lei noch fremd sind, wie sie die Schichten von Besitz und befanden sich fünf Professoren und ein halbes Dutzend Dokauf das glücklichste mit ihren Talenten und Neigungen über- Bildung durchsetzen. Auf dieser Basis von seelischer Ge- toren; das preußische Kultusministerium hatte den Dezerein, die sie auf eine Bühnenlaufbahn geradezu hindrängten. sundheit und Güte im Volke sieht sie die modernen Ideen nenten für das höhere Mädchenschulwesen als Vertreter entAber noch ehe sie in die Öffentlichkeit trat, verheiratete sie der Humanität etwas völlig Selbständiges und Originelles sandt. Das genügt, um den Geist der Tagung im allsich erst sechzehnjährig in Prag mit dem Landschafts- zeitigen, das die Menschheit aufs neue befruchtet und auch gemeinen zu kennzeichnen. Doch lassen wir den Bericht maler Johann Kautsky. Gemeinsam mit dem Gatten, dem für den Künstler von höchster Bedeutung werden muß. über die uns hier am meisten interessierenden Referate feine Kunst damals weder Gold noch Lorbeeren eintrug, So zeigt alles, was Minna Kautsky schreibt, das Ge- reden. fämpfte sie einen harten Kampf um die Existenz. Unter den präge ihres Geistes und ihres Gemüts. Möchte doch die Zu Beginn der Versammlung behandelte Dr. Blaschko, größten Schwierigkeiten, die sie mit bewundernswerter junge Generation in unseren Reihen die Möglichkeit haben, der verdienstvolle Generalsekretär der Gesellschaft, die AufEnergie bewältigte, machte die blutjunge Frau es möglich, sich an ihren aus dem Leben des Volkes geschöpften Erzäh- gaben der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Gejahrelang den Beruf der Schauspielerin mit ihren Pflichten lungen ebenso zu erfreuen, wie es die Alten getan. Im schlechtskrankheiten auf dem Gebiet der Sexualpädagogik. als Hausfrau und Mutter zu vereinigen. Der unvergleich Buchhandel sind Minna Kautskys Romane vergriffen, und Mit der Aufklärung der heranwachsenden Jugend, so führte liche Elan der Jugend und echteste künstlerische Begeisterung sie wären in Gefahr, mit der Zeit unverdienter Vergessen er aus, müsse man rechtzeitig beginnen, wenn der damit betrugen sie anfangs wie auf starten Schwingen hinweg über heit anheimzufallen, wenn nicht wenigstens die besten unter absichtigte Zweck erreicht werden solle: einem gefunden Gealle Hemmnisse, die sich ihr in den Weg stellten. ihnen, vor allem„ Stefan vom Grillenhof", einem größeren schlechtsleben die Wege zu ebnen, das sich dem Gesamtleben Minna Kautsky hatte dem Gatten drei Kinder geboren Leserkreise wieder zugänglich gemacht würden, möge dies der Menschen harmonisch einschließt. Wenn auch der Beund war eine Künstlerin von Ruf geworden, die einer glän- nun in billigen Neuauflagen oder durch Abdruck in den griff des natürlichen Geschlechtslebens den Schwankungen zenden Zukunft entgegen ging, als sie unter dem Übermaß Wochenheften" In freien Stunden" geschehen. Es wird unterworfen sei, die sich aus der Verschiedenheit der Rasse, der ihr zugemuteten Leistungen körperlich zusammenbrach. immer Minna Kautskys Verdienst bleiben, daß sie unter den des Temperaments, des Milieus usw. ergeben, so lasse sich Noch nicht zwanzigjährig verfiel sie in ein schweres Lungen zeitgenössischen Schriftstellern zu den ersten zählte, deren doch das Ziel am besten erreichen durch die Beschränkung leiden und mußte ihre Berufstätigkeit unterbrechen. Kaum fünstlerisches Interesse sich von der sozialistischen Welt- auf den monogamischen Geschlechtsverkehr, der ethisch wie war eine leichte Besserung eingetreten, als sie unter dem anschauung durchdringen ließ, die innerhalb des modernen hygienisch als das Ideal zu betrachten sei. Nicht Abtötung Zwange der Not zur Bühne zurückkehrte. Vordem hatte sie Proletariats gleichsam ein literarisches Neuland entdeckten. des Fleisches solle der Jugend gepredigt werden, im Gegendas Rollenfach der jugendlichen Liebhaberin vertreten, nun Bei aller Vielseitigkeit ihrer geistigen Bestrebungen ist sie teil, diese solle in dem nicht zu früh beginnenden Geschlechtserrang fie als Tragödin Erfolge, die zu den stolzesten Er- bis auf den heutigen Tag nicht müde geworden, die Lebens- verkehr etwas Gesundes erblicken lernen. Jedoch müßten innerungen ihres Lebens gehören. Doch diese Triumphe waren bedingungen und Kämpfe des Proletariats zu erforschen, Verstand und Wille die Herrschaft über den Geschlechtstrieb mit fast 15jährigem Siechtum erkauft, das sie zwang, der Bühne ein Studium, zu dem sie neue Anregung empfing, als sie behalten. Dazu seien ein gesunder Körper und ein gesundes für immer zu entsagen. Die Geburt eines vierten Kindes ge- nach dem Tode ihres Mannes nach Berlin übersiedelte, wo Empfinden nötig, es müsse daher gefordert werden: Diätetik fährdete ihr Leben auf das äußerste. Zum Glück gelang es das Parteileben der Sozialdemokratie stärker brandet, als des Körpers und der Seele und vor allem Aufklärung. Die ihrem Mann endlich, als Dekorationsmaler am Burgtheater irgendwo sonst in der Welt. In der Nähe zärtlich geliebter schädlichen Einflüsse der Gegenwart auf das Sexualleben in Wien eine Stellung zu finden, die ihm und seiner Kinder und Enkel genießt sie einen glücklichen Lebensabend. erwüchsen besonders aus der großstädtischen Kultur. Der Familie ein sorgenfreies Leben sicherte. In den folgenden Die Jahre haben ihr wohl das Haar gebleicht, aber an der Landbewohner stehe im allgemeinen außerhalb der Sphäre langen Leidensjahren fand Minna Kautsky für die ihr ver- Frische des Empfindens und der Anschauung, wie an froher dieser ungünstigen Einwirkungen auf das Geschlechtsleben; sagte fünstlerische Betätigung Ersatz in literarischen und Laune haben sie ihr nichts zu rauben vermocht, und ihr er verdante dies nicht zum letzten seiner gesünderen Bewissenschaftlichen Studien, die ihre spätere Entwicklung zur Wissensdrang ist noch ebenso rege wie einst, als sie mit wegung und seiner reizlosen Kost. Dieser Umstand weise Sozialdemokratin wirksam vorbereiteten. Entscheidend wirkte dem Ernst, den feine Mühe bleichet" in reifen Jahren zu darauf hin, daß die Aufklärung allein nicht ein gesundes nach dieser Richtung das früh erwachte leidenschaftliche den Quellen der Bildung vordrang, die ihr die Ungunst der Geschlechtsleben zu sichern vermöge, aber sie bilde die Interesse ihres ältesten Sohnes Karl für die Probleme des Verhältnisse lange verschlossen. In steter enthusiastischer Grundlage und den Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen. Sozialismus. Mit ihm gemeinsam las und studierte sie die Hingabe an alles Gute, Echte und Große in Kunst, Natur Mit den Formen und Mitteln eines Teiles dieser AufSchriften unserer großen Vorkämpfer Lassalle, Mary und und Menschendasein ist sie bewußt zur harmonischen Aus- tlärungsarbeit beschäftigte sich hierauf Frau Professor Engels, und es ist schwer zu sagen, wer von beiden in jener bildung der eigenen Persönlichkeit und damit zur höchsten Krutenberg- Kreuznach in ihrem Referat über die AufZeit die neuen Ideen begeisterter in sich aufnahm, die ihre Kunstleistung ihres Lebens überhaupt gelangt. gabe der Mutter und des Hauses bei der geganze Welt und Lebensauffassung von Grund aus um- Glückwünschend grüßen die proletarischen Kämpferinnen schlechtlichen Aufklärung. Enthielten ihre Darlegungen wälzten. Genug, der Funke, der gezündet, ward bei Mutter Deutschlands Minna Kautsky an ihrem 70. Geburtstage, auch keine neuen Gesichtspunkte und methodischen Anleitungen und Sohn zur Flamme, die fortan ihr ganzes Leben durch der ihnen ein willkommener äußerer Anlaß ist, sich dankbar für die Erziehungspraxis, so führten sie doch in übersichtwärmte und erhellte. Karl Kautsky widmete seine Kraft dessen bewußt zu werden, was sie ihnen in einem reichen, licher und das Vorhandene erschöpfender Zusammenfassung der wissenschaftlichen Vertiefung und theoretischen Be- von ehrlichem Streben erfüllten Leben geworden ist. die Aufgaben vor, die innerhalb des Familienkreises der Ergründung des Sozialismus; Minna Kautskys auf fünst füllung warten. Bewahrung vor falschen Vorstellungen und lerisches Schaffen gestelltes Temperament ließ sie nach ihrer schmutzigen Empfindungen von Jugend an, enges VerGenesung zur Feder greifen und in einer Reihe von trauensverhältnis zwischen Mutter und Kind, gelegentliche Romanen und kleinen und größeren Erzählungen vorzugs- Der dritte Kongreß der Deutschen unauffällige, fachlich- ernste und kurze, zweckdienliche Aufweise Stoffe aus dem sozialistischen Ideenkreis behandeln. flärung das war ungefähr der Grundgedankengang ihres Wer ihre Schöpfungen Herrschen oder dienen",„ Die Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- Referats. Vertrauen des Kindes in die Wahrhaftigkeit der Alten und die Neuen"," Vittoria",„ Helene"," Im VaterEltern ist unerläßliche Voraussetzung, Unbefangenheit der hause", und wie sie alle heißen mögen, gelesen hat, der geAufklärung das Geheimnis des Erfolges. Kein Lächeln, winnt von der Wesensart der Verfasserin die Vorstellung Wigeln, Spötteln, teine Brüderie und keine Heimlichtuerei. einer ebenso phantasievollen wie scharf beobachtenden, das Die Frage der geschlechtlichen Aufklärung der Neben der Bewahrung vor dem Alkohol vor allem rechtWesentliche der Dinge erfassenden Frau, die sich mit unver- Jugend hat zum erstenmal in Deutschland den einzigen und zeitige Vorbeugung der Gefahr der Selbstbefleckung durch kennbarer Liebe in das Denken und Empfinden des Prole- ausschließlichen Verhandlungsgegenstand einer größeren Beobachtung des Kindes, geeignete Lage beim Schlafen, tariats unserer Tage hineingelebt hat. Eine Fülle trefflich Tagung gebildet. Der dritte Kongreß der Deutschen Warnung vor Gesundheitsschädigung und Verführung durch gezeichneter Arbeitertypen begegnet uns da neben lebensvoll Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrant- Schulkameraden. Junge Männer sollen beim Verlassen des am besten wirkenden Frauen- und Mädchengestalten der alten und heiten, der in Mannheim am 24. und 25. Mai tagte, Elternhauses über die Geschlechtskrankheiten neuen Generation, vorzüglich beobachteten Vertretern der hatte die Sexualpädagogik als einzigen Punkt auf seiner durch ein gutes Buch aufgeklärt werden; Mädchen, die Kunstwelt: Malern, Schauspielern und Schauspielerinnen, Tagesordnung stehen. Dem Umstand Rechnung tragend, im Elternhaus verbleiben, haben ins einzelne gehende Mit Brettlsängerinnen usw. In der Schilderung komischer daß das sexuelle Problem in gleicher Weise die körperliche teilungen über Geschlechtskrankheiten, Prostitution usw. nicht Situationen und drolliger Sonderlinge- es sei nur an den wie die seelische Seite des Menschenlebens berührt, die nötig. Für sie reichen Aufklärungen über die Menstruation, darwinistischen Professor Wüst in„ Stefan vom Grillenhof" Frage der geschlechtlichen Aufklärung also eine Erörterung die Geld- und Versorgungsehe, das Sichausleben und Sichund an den faul- fröhlichen Becher- Boldl in Viktoria" er- und Behandlung vom Standpunkt der Hygiene und dem wegwerfen vor der Ehe aus. Die Jugend soll lernen, auch innert- offenbart sich der herzerquickende Humor Minna der Erziehung erfordert, hatten sich ärzte und Päda- wenn sie nicht heiratet, sich sexuell gefund zu erhalten und Kautskys, der wohl die beste Würze ihrer Erzählungsweise gogen in die Arbeit des Kongresses geteilt. Damit war in Zucht zu nehmen. Das Referat bietet proletarischen ist. In einem ihrer letzten Romane, in„ Helene", hat die den Verhandlungen nicht bloß eine größere Gründlichkeit Müttern nur sehr wenig, weil es sich durchaus im Rahmen Verfasserin ein Stück Parteigeschichte, die Tagung des gesichert, sie erfreuten sich vor allem auch einer reicheren der bürgerlichen Lebensverhältnisse bewegt. Wydener Kongresses, in ihrer frischen, anschaulichen Art Abwechslung, die von allen dankbar begrüßt wurde, denen Hauptlehrer Enderlin- Mannheim behandelte in seinem wiedergegeben, und auch hier fehlt es nicht an schalthaft- es um eine möglichst vielseitige und erschöpfende, dabei an Vortrag die sexuelle Aufklärung in der Volkshumoristischen Glanzlichtern, welche sogar auf die unmittel- regende Erörterung und Beleuchtung der schwierigen und schule. Der Redner war ehrlich genug, der Schule einen bar nach dem Leben gezeichnete Gestalt des„ roten Post- heiklen Materie zu tun war. Leider kam der Anteil, den die Teil der Verantwortung für die trostlosen Zustände auf dem meisters" fallen, eine jedem Kenner der Zeit des Sozialisten- Pädagogik an den Arbeiten nahm, in der Hauptsache nur Gebiet des Geschlechtslebens zuzuschreiben. Sie hat bisher gesetzes wohl vertraute, verdienstvolle Persönlichkeit. Daneben den höheren Schulen zugute. Die Volksschule, die allein Unwissenheit als Tugend gepriesen und ist den unabweiseignet Minna Kautsky aber auch hoher sittlicher Ernst, mit für 95 Prozent aller schulpflichtigen Kinder als Bildungs- baren Bedürfnissen der Menschennatur mit Moralpredigten zwingender Gewalt jeden erfassend, der zum Beispiel ihre erstätte in Betracht kommt, hatte eine nur schwache Vertretung zur Askese begegnet. Das soll nun anders werden. Entschütternden Schilderungen der Greuel des Krieges von 1866 aufzuweisen und schnitt auch bei den Verhandlungen ziem- sprechend den methodischen Fingerzeigen, die schon Salzin„ Stefan vom Grillenhof" liest. Nicht minder wuchtige An- lich dürftig ab. Ja, wenn man einen Kulturfaktor wie die mann gab, soll der Sexualunterricht mit der Pflanze beflagen gegen das herrschende System enthalten ihre Dar- Boltsschule und ihre Arbeit unter dem Gesichtswinkel seiner ginnen, um an ihr zu demonstrieren, daß es zwei Geschlechter stellungen der Entartung in den oberen Gesellschaftsschichten sozialen Aufgabe und Bedeutung betrachtet, so muß man gibt, und um an Ausdrücke wie Befruchtung, Samen usw. wie auch die der zerstörenden Wirkungen der kapitalistischen Aus- die Behandlung geradezu als stiefmütterlich bezeichnen, die zu gewöhnen. Von der Pflanze aus wird zu den Fischen beutung auf das Proletariat. Ihr warmes Gemüt, ihr hoher Sinn dem Volksschulunterricht zuteil wurde, der doch eines der und sodann zu den Vögeln und Säugetieren fortgeschritten. zeigen sich vielleicht am schönsten in der Entwicklungsge- wichtigsten Instrumente der sexuellen Erziehung ist. Im Der naturwissenschaftliche Unterricht hat als Grundlage der schichte der Franzel in" Vittoria". Die Franzel ist ein junges grellen Kontrast dazu stand die außerordentliche Vielseitig Sexualerziehung zu dienen, und deshalb muß die Zahl der Proletariermädchen, ursprünglich gut veranlagt, aber unter feit, Sorgfalt und Gründlichkeit, mit der man die Wege und Stunden vermehrt werden, die ihm gewidmet sind. Die vieljähriger förperlicher und moralischer Verwahrlosung Biele der sexuellen Aufklärung der Schüler höherer Schulen Aufklärung kann indes nur ein Teil der Reformen auf diesem fast an der äußersten Grenze des Elends angelangt. Ein diskutierte. Es war eben eine Versammlung bürgerlicher Gebiet sein. Wo geschlechtliche Unfitten und Verwirrungen glücklicher Zufall versetzt sie in einfache, gesunde Lebens- Reformer und Philanthropen, die, eingeengt durch die Vor- bereits eingerissen sind, und wo die Phantasie sich des Geverhältnisse, und nun blüht sie in der reinen Atmosphäre, urteile und Interessenrücksichten ihrer Klasse, durch moralische schlechtlichen bereits übermäßig bemächtigt hat, vermag das die sie umgibt, törperlich und geistig auf, einer Blume Entrüstungen und pathetische Versicherungen, schöne worte- Wissen allein nicht zu bessern oder zurückzuhalten. Da muß gleich, die traurig im Schatten gestanden, und die der Morgen reiche Ideologien und unwirksame Mittelchen und Wund- der Wille gebildet, die Selbstbeherrschung gestählt, das Verendlich füßt"; ein Ginzelfall, an dem die Verfasserin veran- pflästerchen zu ersetzen suchen, was ihnen an Kraft und antwortungsgefühl geweckt werden. Hierzu verhelfen als schaulichen will, wie sich die Erhebung der modernen Indu- Entschließung fehlte, um dem übel auf den Grund zu gehen geeignetste Mittel intensive Körperkultur, Erziehung des striestlaven aus Stumpfheit, Entwürdigung und Not, die und es von Grund aus auszurotten. Gute Menschen, aber Leibes, Sport, gemeinsame Erziehung der Geschlechter. beglückende Entfaltung aller ihrer physischen, geistigen und schlechte Musikanten- immer wieder dasselbe Bild, das all Noch weiter ausgreifend und tiefer schürfend behandelte jittlichen Kräfte vollziehen muß, in dem Maße, als sie sich die Kongresse und Tagungen bieten, auf denen bürgerliche dasselbe Thema der Lehrer Höller- Hamburg. Er legte frankheiten. I. 102 Die Gleichheit Nr. 12 die inneren Zusammenhänge dar, die zwischen der Frage der sexuellen Aufklärung und dem Problem unserer ge- samten Erziehung bestehen, und gründete demzufolge den Erfolg aller sexualpädago gifchen Bemühungen nicht zum letzten auf den neuen allgemeinpädagogischen Untergrund, der mit der Umwandlung unserer Wiffens- in eine Könnens- schule gewonnen werden soll. Die praktische Arbeitstätig- keit als Mittel der Schulerziehung, der Ausbau des Hand- fertigkeitsunterrichtes werden nach seiner Meinung geeignet sein, dem Geschlechtsleben zur Gesundung und Veredlung zu verhelfen. Im übrigen wollte er wie sein Vorredner die Auf- klärungsarbeit der Schule zugewiesen und an den natur- geschichtlichen Lesestoff angeknüpft wissen; zunächst sollte jedoch vor allen Dingen die sexuale Belehrung in das Arbeitsgebiet der Lehrer- und Lehrerinnenseminare eingeführt werden. Damit ist der Teil der Kongreßverhandlungen, der die Jnteressenphäre des Proletariats berührt, vollständig er- schöpft. Was da des weiteren noch ausgeführt wurde über das sexuelle Moment in der Jugendliteratur, über sexuelle Aufklärung in den höheren Schulen, Sexual- Pädagogik im Lehrerseminar, sexuelle Aufklärung der Abiturienten usw., hatte entweder nur Fachinteresse oder bezog sich ausschließlich auf die Verhältnisse der Bour- geoiste. Mit sichtlichem Bemühen ging man um alle Ecken und Kanten herum, vermied ängstlich jede tieferwirkende Kritik und wagte nicht, der herrschenden Klasse das Maß der Schuld vor Augen zu halten, das sie durch die ftanda- löse Verwahrlosung der öffentlichen Erziehungsverhältnisse auf sich geladen hat. Kein Wort über die Vergewalti- gung der Körper und Hirne in dem Schablonismus unserer verfehlten und vernunftwidrigen Erziehungssysteme; kein Wort über die grauenhafte Unkultur, die sich in überfüllten Schulklassen unter den Händen mangel- hast ausgebildeter Lehrer in erschreckender Weise be- merkbar macht; kein Wort über den reaktionären Geist in der Schulverwaltung, der jede Neuerung hinter- treibt, jede Reform vereitelt, jede freie und selbständige Regung unterdrückt, dafür aber die Muckerei fördert, den Kadavergehorsam kultiviert und einen hohlen und wüsten Radaupatriotismus züchtet. Keine Hand, die den Schleier weggezogen hätte von den Abgründen unseres sozialen Lebens: hier Hunger, Arbeitslosigkeit, Wohnungs- not, geistige und seelisch e Verwahrlosung und Bru- talisierung, Alkoholismus und Vernichtung aller heiligen und edlen Empfindungen, dort Luxus, Schwelgerei, Sinnenrausch, raffinierte Genußsucht. Kein anklagender Mund, der den Vertretern des Besitzes und der kapitalistischen Gegenwartskultur die Belehrung vermittelt hätte, daß die heillosen Zustände in unserem heutigen Ge- schlechtsleben, aus deren Chaos die besseren Elemente in tastender Ratlosigkeit nun Hilfe und Zuflucht bei der Auf- klärung und der Macht des Wortes suchen, nichts anderes sind als Fäulnisprodukte und Verwesungserschei- nungen, die der innerlich vermorschte und in sich zusammen- brechende Gesellschaftskörper ausscheidet, um sie täglich in um so größerer Menge wieder zu erzeugen. Nur hin und wieder machten sich einige abweichende Meinungen, in denen Untertöne sozialen Verständnisses klangen, bemerkbar, so als Henriette Fürth auf die elenden Wohnungsverhältnisse und die überlange Arbeitszeit der Fabrikproletarierinnen verwies, als der Sanitätsrat Heidenheim sich über die Behandlung beklagte, die ihm wegen seiner Aufllärungsarbeit wider- fahren fei, und als Professor Hirth auf die Gefahren auf- merksam machte, denen die Lehrlinge, Verkäuferinnen und besonders die Dienstmädchen für ihr sittliches und sexuelles Leben ausgesetzt sind. Nicht mit einem Sterbensworte ge- dachte der Kongreß der Stellung der Proletarierin im modernen Klassenkampfe, ihres gegen früher veränderten Verhältnisses zum Manne, der neuen und eigenartigen Geschlechtsbeziehungen, die sich daraus ergeben, und der Wirkung, die diese neuen Geschlechtsbeziehungen für die Gestaltung des ge- samten Geschlechtslebens der Gesellschaft haben muß. Und das obgleich eine feste Basis für eine gesunde Sexualpädagogik nur geschaffen werden kann, wenn die dank der revolutionierten wirtschaftlichen Verhältnisse gewandelten Beziehungen zwischen den Geschlechtern berücksichtigt werden. 0. R. II. Ein Genosse, der als Zuhörer dem Kongreß beiwohnte, schreibt uns: Langsam ringt sich in einem Teil der bürgerlichen Kreise — zunächst der gebildeten— der Gedanke durch, daß prüdes Ignorieren aller mit dem Geschlechtsleben zusammenhängen- den Vorgänge und Erscheinungen große Gefahren mit sich bringt. Das gedankenlose Vorurteil, das die Besprechung sexueller Dinge als unsittlich ablehnt, ist langsam im Schwinden begriffen. Das Umsichgreifen der Geschlechts- krankheiten, insbesondere der Syphilis und ihre Verhängnis- vollen Folgeerscheinungen nicht nur für das betroffene Jndi- viduum, sondern auch für die Nachkommen fangen an, die Geister aufzurütteln und die anerzogene Scheu vor der öffentlichen Besprechung der einschlägigen Fragen zu über- winden. Die vorurteilsvolle Sitte gerät in Konflikt mit der zwingenden Notwendigkeit: sie verlangt, daß in Familie, Schule und anständiger Gesellschaft sexuelle Fragen nicht erwähnt werden, und daß die heranwachsende Jugend in völliger Unkenntnis über sie gelassen wird. Die Notwendig- keit, den Geschlechtskrankheiten erfolgreich zu begegnen, heischt dagegen gebieterisch Aufklärung der heranwachsenden Jugend. Dieser Widerspruch trat schon in der Zusammensetzung des dritten Kongreffes der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, mehr aber noch in feinen Ver- Handlungen zutage. Da waren Hygieniker, welche sexuelle Diät aus rein hygienischen Gründen empfahlen, die Be- rechtigung der Befriedigung des Geschlechtstriebs aber an- erkannten, und Ethiker, welche eine außereheliche Befriedi- gung des Geschlechtstriebs auch bei Ehelosigkeit verwarfen. Auch rein äußerlich zeigte sich der Gegensatz. Dort saßen Vertreter des preußischen Unterrichtsministeriums, das in punkto sexueller AufllSrung als unglaublich rückständig be- rüchtigt ist, Vertreter der badischen Regierung, von denen Geheimrat Dr. Weygold sich nicht enthalten konnte, in seiner Begrüßungsrede die Befürchtung auszusprechen, daß die sexuelle Aufklärung in der Schule vielleicht mehr Schaden als Nutzen bringen werde. Ihnen zur Seite energische Be- fürworter der sexuellen Aufklärung, Dr. Blaschko, Dr. Mar- cuse, Frau Fürth, die Frauenrechtlerinnen Lischnewska, Heimann und andere. Aus den Halbheiten kam man bei dieser Zusammensetzung des Kongresses natürlich nicht her- aus, von wenigen Ausnahmen abgesehen, machte man auch nicht einmal den Versuch dazu, weil jeder Teilnehmer die Aufdeckung der Gegensätze scheute. Als der Sanitätsrat Heidenheim aus Steglitz schilderte, wie ihm vom Regierungspräsidenten— nicht wie in den Zeitungen gestanden habe, vom Minister— die sexuellen Aufllärungsstunden für die heranwachsende Jugend ver- boten worden seien, kam etwas Temperament in die Ver- sammlung, namentlich als der Redner mitteilte, wie er vom „Reichsboten" in den Kot gezogen worden sei. Weiter als zu einigen Zurufen reichte aber die Entrüstung dieser„wohl- erzogenen" Leute nicht, denn der preußische Geheimrat Mathias nahm seinen allverehrten Chef, den Minister Studt, in Schutz und bedauerte, daß derselbe in diese Angelegen- heit hineingezogen worden sei. Daß der Minister aber etwa dem ihm unterstellten Regierungspräsidenten Weisung ge- geben habe, reaktionäre Maßregeln ähnlicher Art in Zukunft hübsch zu unterlassen, davon wußte der Herr Geheimrat nichts zu melden. Es erklärt sich wohl aus übel angebrachter Höflichkeit, daß keiner der nachfolgenden Redner auf die Angelegenheit zurückkam. Von der anderen Seite wurde freilich so zarte Rücksicht nicht immer geübt. So ging der preußische Regierungsvertreter Professor Dr. Kirschner wieder- holt aggressiv vor und verschmähte dabei auch kleine Mätz- chen nicht. über die Frage, wer den Sexualunterricht in den höheren Schulen erteilen solle, war man allgemein auch seitens der Arzte der Ansicht, daß das Ausgabe des Lehrers sei, der ja das Verttauen seiner Schüler genieße. Anderer Ansicht waren nur die preußischen Regierungsvertreter. Die Be- gründung, die Geheimrat Mathias hierzu gab, wurde von den Anwesenden allgemein mit verständnisvollem Lächeln aufgenommen. Der Herr Geheimrat erklärte nämlich unter anderem, er sei für den sexuellen Aufllärungsunterricht durch Arzte, schon weil die Schule in ihrer Organisation zu schwerfällig sei, um eine Neuerung ohne Schwierigkeiten durchzuführen; sie hinge zu sehr am Althergebrachten. Die Frage, ob von unverheirateten Personen völlige ge- schlechtliche Enthaltsamkeit verlangt werden könne, ver- neinten am entschiedensten die Frauen; selbst die sonst recht zahme Frau E. Krukenberg wollte über das 24. Lebensjahr hinaus keine solche Absttnenz fordern. Den entgegengesetzten Standpunkt vertrat der katholisch gewordene Dr. Fr. W. Foerster-Zürich. Er verlangt die entschiedenste Bekämpfung des Geschlechtstriebs durch Askese, Kasteiung des Fleisches und Stählung des Willens. Das Universalmittel, um der Versuchung nicht zu unterliegen, ist ihm die Religion, weil „in ihr die Anschauung vertteten wird, daß diese Sinnen- weit und dieses irdische Leben nicht die ganze Wirklichkeit, sondern nur die Borstufe und Vorbereitung zu einer höheren geistigen Welt seien". Dämonen können nur durch Götter besiegt, und die Hölle kann nur durch den Himmel überwunden werden.„Die Religion ist die größte sexual- pädagogische Kraft aller Zeiten; die Religion löst die sexuelle Frage von oben, sie gibt keine materielle Auf- klärung, sondern sie weist mit majestätischer Gebärde nach oben." Die Herren Naturwissenschaftler machten verlegene Ge- stchter bei diesen Ausführungen, die ihren eigenen An- schauungen schnurstracks widersprechen. Äußerst bezeichnend ist aber, daß dem religiösen Schwärmer von einem Teil der Versammlung lebhaft Beifall gezollt wurde, übrigens wurde seiner Anpreisung der Religion zur Überwindung des Teufels geschlechtlicher Triebe von einer Lehrerin, Fräulein Schmidt, von ihrem Standpunkt aus nicht ungeschickt sekundiert. Die Antworten derjenigen, die in der weiteren Debatte diese Ausführungen überhaupt streiften, waren zurückhaltend bis zur Verbindlichkeit. Die etwas vertrockneten Gesichter der Regierungsvertreter glänzten vor innerer Freude ob des feierlichen religiösen Bekenntnisses dieses Züricher Dottors; darauf mußte„oben" einige Rücksicht genommen werden. Man fühlte sich sicherer, wegen des Kongresses nicht an- zuecken. Frau Fürth, Fräulein Lischnewska und Fräulein Heimann zeigten etwas mehr Mut; sie traten für eine moderne geschlechtliche Sittlichkeit ein. Von den Männern war es nur der Arzt Marcuse, der den völligen Bankrott der christlichen Religion gegenüber sexueller Ausschweifung konstatierte. Mit Schärfe wies er darauf hin, daß die Kirche seit fast zwei Jahrtausenden geherrscht habe und bis auf den heutigen Tag eine ungeheure Macht besitze, aber sich trotzdem als völlig unfähig erwiesen habe, gesunde sexuelle Verhältnisse zu schaffen. Der Mannheimer Kongreß hat einmal mehr bewiesen, daß die Reformbestrebungen der bürgerlichen Kreise auch auf geschlechtlichem Gebiet durch die bürgerlichen Klaffeninter- essen gelähmt werden und über sie kaum hinausreichen. Der Kongreß betrachtete die Frage der sexuellen Aufklärung so gut wie ausschließlich vom Standpunkt der bürgerlichen Ver- hältniffe und im Hinblick auf die bürgerlichen Interessen- Des Schutzes gegen sexuelle Gefahren— das ging durch die Verhandlungen— bedürfen vor allem die das Gymnasium besuchenden oder es verlassenden Söhne der besitzenden und gebildeten Kreise, der Beamtenschaft usw. Die Töchter dieser Gesellschaftsschichten bleiben bis zu ihrer Verheiratung meist im Hause und dann, wenigstens bis zu ihrer Verlobung, auch unter so strenger Aufsicht, daß sie eines weiteren Schutzes ihrer Reinheit und Gesundheit nicht bedürfen. Offenbar schien man auch bei den Mädchen von vornherein ein minder starkes geschlechtliches Triebsleben vorauszusetzen als bei den Jünglingen. Man sprach daher mit wenigen Ausnahmen in erster Linie von den Maßregeln, die jungen Männer zu einem gesunden Geschlechtsleben zu erziehen. Daß der Schwerpunkt der ganzen Frage sexueller Päda- gogik und sexueller Moral und Gesundheit nicht auf hygie- nischem oder ethisch-religiösem, sondern auf wirtschaftlich- sozialem Gebiet liegt, übersahen die Herrschaften, um nicht die Konsequenzen in Theorie und Praxis ziehen zu müssen. Würden sie rücksichtslos gezogen, so bedeutete das die Mit- arbeit an der Beseitigung von Zuständen, die der männlichen Jugend der bürgerlichen Kreise eine Heirat vor dem 30. Lebens- jähr meist nicht gestatten, ihnen aber dafür erlauben, sich im außerehelichen Geschlechtsverkehr schadlos zu halten. Auch davon ließen die Kongreßteilnehmer nichts verlauten, dahin der Arbeiterklasse das Geschlechtsleben ein viel gesünderes ist, die Heiraten in einem früheren Lebensalter geschlossen werden und die Geschlechtskrankheiten in viel geringerem Maße grassieren als in den besitzenden Klassen. Die Arbeiter- klaffe wird auch auf dem Gebiet der Sexualhygiene und der Sexualpädagogik dank ihrer revolutionierten Lebensverhält- nisse und ihrer neuen Moral die Trägerin einer Kultur- Mission sein. G. L. Aus der Bewegung. Ein Jubiläum. Genossin Baader hat am 30. Mal ihren 60. Geburtstag gefeiert. Die Hälfte ihrer Lebensjahre hat dem treuesten und opferfreudigsten Dienst ihrer über- zeugung gehört. Zuerst als stille unbekannte Genossin, welche das Evangelium des Sozialismus in ihrem Herzen bewegte; dann als rührige Organisatorin und Agitatorin bei Klein, arbeit und in der Öffentlichkeit; schließlich als Trägerin eines der wichttgsten Verttauensämter, welches die proletarische Frauenbewegung zu vergeben hat, und das sie mit Umsicht, Gewissenhaftigkeit und Taft verwaltet. Was Ottilie Baader geworden ist, und was sie leistet, das verdankt sie sich selbst und der befruchtenden Kraft des proletarischen Klassenkampfes. Mit eisernem Fleiß hat sie unter Mühen und Entbehrungen an ihrer Bildung gearbeitet. An ihren Aufgaben und mit ihnen ist sie stetig gewachsen. Und nicht nur ihres rastlosen Wirkens halber ist sie allen wert geworden, die mit ihr Arbeit und Kampf teilen, sondern auch der trefflichen per- sönlichen Eigenschaften wegen, die sie in Arbeit und Kampf hineinttägt, persönliche Eigenschaften, die manches Vorurteil gegen die politische Betätigung der Frauen entwaffnet haben. Die Berliner Genossinnen hatten es sich nicht nehmen lassen, den Geburtstag zu einem Ehrentag für Ottilie Baader zu gestalten. Eine schöne Feier vereinigte die alten bewährten Kampsesgesährtinnen der Jubilarin und den jungen Nach- wuchs, der sich ihnen zugesellt hat. Glückwünsche von nah und fern bezeugten die große Sympathie, deren sich unsere Otttlie erfreut. Trotz aller Härten des Lebens und aller Kampsesstürme hat sich Genossin Baader eine Frische und Rüstigkeit bewahrt, wie sie nur eine ewig junge Begeisterung für eine große Sache zu geben vermag. Wir schöpfen daraus die Hoffnung, daß unser herzlicher Wunsch sich erfüllt: Unsere Genossin und Freundin möchte noch recht lange in den vor- dersten Reihen des proletarischen Befreiungsheeres weiter- kämpfen. Bon der Agitation. Die Unterzeichnete sprach auf Veranlassung der Partei in Versammlungen zu Zerbft. Quedlinburg, Thale, Harzgerode, Gernrode, Hal- berstadt, Ellrich, Zorge, Einbeck, Nordhausen, Sangerhaufen, Halle, Eilenburg und Dessau. Die Versammlungen waren— die ersten drei Orte ausgenom- men— sehr gut besucht, teils überfüllt, und die Anwesen- den folgten mit Interesse den Ausführungen zu dem Thema: „Unsere Waffen im Klassenkampf." In Quedlinburg, wo der Besuch der Versammlung nicht gut war, könnte man glauben, die Arbeiterschaft sei auf Rosen gebetet, wenn man von dem Äußeren der Stadt auf die Lage seiner Bewohner schließen wollte; in Quedlinburg gibt es sehr viele Gärt- nereien. Drei der großen Gärtnereibesitzer sind nach der städtischen Einkommensteuer mit 130000 bis 626000 Mk. eingeschätzt worden. Hält man gegen diese Riesensummen die Löhne der Arbeiter und Arbeiterinnen, so sieht man, mit welchem Recht die Arbeitgeber über die„maßlose Be- gehrlichkeit" der Arbeitnehmer klagen. Ein Gärtnergehilfe verdient 640 bis 766 Mk., ein Gärtnereiarbeiter 666 bis 626 Mk.. eine Gärtnereiarbeiterin 343 bis 437 Mk. im Jahr. Und dazu sind die Arbeiter in den Gärtnereien als Landarbeiter jenem„Juwel" eines preußischen Ge- setzes unterworfen, das ihnen Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr androht, wenn sie durch Einstellung der Arbeit bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse erzwingen wollen. In Thale waren die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht zu bewegen gewesen, in die Versammlung zu gehen, aus Furcht, brotlos zu werden. Zirka 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen arbeiten dort in einem Emaillierwerk. Ihr Lohn ist karg, ihre Arbeitszeit lang, sie leben in den trau- rigsten Verhältnissen. Die wenigen Erschienenen hörten mit Interesse der Referentin zu, die über das Thema sprach: „Müssen die Frauen sich an der Arbeiterbewegung betei- Nr. 12 Die Gleichheit 103 ligen?" Sie versprachen alles aufzubieten, um die Klein- Jahresbericht der Vertrauensperson der Genos| Gesellen ist lächerlich Klein im Vergleich zu der Millionenmütigen zu stärken. In Einbeck wurde ein Frauenbil finnen des Wahlkreises Effen. Es ist eine Freude, die schar der klassenbewußten Proletarier sondern um der dungsverein gegründet, dem sofort 40 Mitglieder bei- Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung im Wahl- hohen Protektion willen, die er gefunden hat. Der Kaiser traten. In Borge mußte statt einer Versammlungan freise Essen zu verfolgen. Die Bewegung gewinnt von und der Reichskanzler haben auf die Begrüßungstelegramme welcher Frauen im Herzogtum Braunschweig nicht teilnehmen Jahr zu Jahr an Ausbreitung und Vertiefung. Die Zahl des gelben Häufleins huldvoll geantwortet. Die„ Norddeutsche dürfen ein Vergnügen arrangiert werden, bei welchem der Leserinnen der„ Gleichheit" betrug im Jahre 1904 165, Allgemeine Zeitnng", das Blatt Bülows, hat die Gründung die Unterzeichnete die Festrede hielt. Mehrere Frauen traten Ende 1906 schon 500 und jetzt nach den Reichstagswahlen äußerst warm begrüßt und dabei den Hirsch- Dunckerschen der Organisation bei, ein Beweis, daß trotz aller gesetzlichen beträgt sie 800. Die Genoffinnen sind aber auch fleißig auf und christlichen Organisationen bescheinigt, daß sie für den Hindernisse die Proletarierinnen zur Erkenntnis ihrer Lage dem Posten. Sie hielten im letzten Jahr 15 Versammlungen Geschmack einer hohen Regierung noch lange nicht artig tommen. Am 1. Mai sprach die Unterzeichnete in Grün- ab. In 11 derselben referierten die Genossinnen Plum und genug sind, sich zuzeiten viel zu nahe an die Sozialdemoberg in Schlesien. Schon lange vor Beginn der Versamm- 3ies, in vier Genosse Beyer. Während des Reichstags- fratie gehalten haben". Selbst die überaus zahme Verlung war der geräumige Saal bis auf den letzten Platz ge- wahlkampfes wurden in Effen 20000 Flugblätter für die tretung von Arbeiterinteressen, wie sie den nichtsozialdemofüllt. Der Ernst und die Ruhe, mit welchem die Anwesen- Frauen verteilt, in Essen- West die gleiche Anzahl. Die Ein- fratischen Arbeiterorganisationen bisweilen durch die herbe den den Ausführungen lauschten, war ein Zeichen dafür, nahmen, die sich 1905 auf 739 Mt. beliefen, haben sich er- Logik der Tatsachen aufgezwungen wird, ist also der Regierung daß sie sich der Bedeutung der Maifeier bewußt waren. heblich gesteigert. Sie erreichten eine Höhe von 1185,25, des modernen" Staatsmannes Bülow schon zu viel. Ihr Am 14. Mai fand in Burg bei Magdeburg eine Versamm- die Ausgaben eine solche von 1054,37 Mt. Der verbleibende deal ist eine Arbeiterbewegung", die den Lohnsklaven lung statt, die das Gewerkschaftskartell einberufen hatte und Kassenbestand beträgt also 80,88 Mr. Unter den Ein- doppelt versflavt, indem sie nicht nur eines der wichtigsten zu der besonders die in den Tuch fabriken beschäftigten nahmen befinden sich 90 Mt. freiwillige Parteibeiträge, Mittel zu seiner Befreiung, die Organisation, zu einer Arbeiter und Arbeiterinnen eingeladen worden waren. Von 99,35 Mt., die für Frauenkonferenz und Parteitag zusammen- Sklavenfessel macht, sondern die überdem ihn auch innerlich den dort beschäftigten Frauen und Mädchen waren zwar famen, und 74 Mt., die für in Not geratene Genoffinnen entwaffnet, indem sie ihm einen Sklavengeist einflößt. Der verhältnismäßig wenig erschienen, aber trotzdem hatte die gesammelt wurden. Von den 90 Mt. freiwilliger Beiträge Arbeitswillige aus Prinzip, der um fümmerliche GnadenVersammlung einen sehr erfreulichen Erfolg: 45 der An- wurden 20 Prozent an den Agitationsfonds der Genossinnen brocken gegen seine Klasse kämpft, dessen Ghrgefühl sich nicht wesenden traten dem Fabrikarbeiterverband bei. In abgeführt, dem auch noch weitere 25 Mt. überwiesen wor- mehr aufbäumt bei dem Gedanken, daß er vom Unterallen Versammlungen wurde auf die Parteipresse und auf den sind. Der Preßfonds erhielt aus der Kasse der Genos- nehmer gebraucht wird zur Knechtung seiner Brüder: dieser die„ Gleichheit" hingewiesen, und es sind neue Abonnenten finnen 50 Mt. und der Wahlfonds 75 Mt. Im Laufe des Mann mit der Gesinnungslosigkeit des Verräters, das ist geworben worden. Mögen die neugewonnenen Kämpfer Jahres leitete die Behörde gegen die Essener Genossinnen einer erleuchteten deutschen Regierung das Muster, wonach mutig für die Sache der Arbeiter kämpfen. B. Lungwig. eine große Staatsaktion in die Wege, die jedoch im Sande fie die deutsche Arbeiterklaffe des zwanzigsten Jahrhunderts Ende April fand in Schkeudig eine Volksversammlung verlaufen ist. In den Landorten Werden und Schöne formen möchte. Max Lorenz, der ausgesprochene Feind der statt, in der Genoffin Pößsch aus Leipzig einen lehrreichen beck bei Borbeck hat die Verbreitung der„ Gleichheit" er Sozialdemokratie, hat sich aus seiner sozialdemokratischen Vortrag über, Voltsernährung" hielt. Die Einladungen zur freuliche Fortschritte gemacht, nur Borbeck läßt noch viel Vergangenheit so viel Erkenntnis bewahrt, daß er das AusVersammlung hatten Genofsinnen von Haus zu Haus ge- zu wünschen übrig. Der Unterzeichneten ist auch für 1907 fichtslose eines solchen Versuchs erkennen tann. Er hat gewiß tragen, und es war nur zu bedauern, daß nicht mehr Frauen das Amt der Vertrauensperson übertragen worden; zweite nicht Unrecht, wenn er der Regierung einen neuen Vorder Aufforderung gefolgt waren. Sicher hätte eine jede Vertrauensperson ist Genoffin Wiegand. Genoffin Deuper stoß zur Durchbringung einer Zuchthausvorlage zutraut. Er aus dem Vortrag etwas lernen können. Und Wissen und wurde beauftragt, geeignete Schritte zu unternehmen, damit meint, daß wenigstens ein Teil der Freisinnigen bereit sei, Aufklärung nach jeder Richtung hin tut uns doch so not. in diesem Jahre mit dem Parteitag eine Frauenkonferenz die Festigkeit des„ nationalen" Blocks durch eine Zustimmung Die Frauen wurden deshalb in der Versammlung auch auf verbunden würde; im allgemeinen findet bekanntlich nur alle zu einem Gesetze zum Schuße der wahren Koalitionsfreiheit" gefordert, sich dem bestehenden Frauen- und Mädchenbildungs- zwei Jahre eine solche statt. Die Genossinnen werden zu beweisen. verein anzuschließen.- Die Schkeudiger Genossinnen lassen auch im kommenden Jahr ihre Pflicht treu und freudig erfeine Gelegenheit vorüber gehen, ohne eifrig neue Mitglieder füllen und feine Mühe scheuen, für unsere Jdeen Propafür den Verein zu werben, der troß der Fahnenflucht einiger ganda zu machen. W. Deuper. Mitglieder ständig wächst. Auch an der Maifeier nahmen die Genossinnen trotz des ungünstigen Wetters sehr zahlreich teil, sowohl am Morgenspaziergang als auch an der Abendversammlung. Anna Hübler. Politische Rundschau. " Das würde allerdings in schneidendem Widerspruch zu der Kundgebung stehen, zu der sich die drei freisinnigen Frattionen nach Schluß des Reichstags vereinigt haben, und worin sie den Wählern, die die liberalen Taten vermissen mußten, zum Ersatz einige liberale Worte boten. Indes haben die Freifinnigen ja schon in der abgelaufenen Session Zwei neue Siegestage sind im Buche der internationalen des Reichstages im voraus durch ihre Blockdienste diese Von den Organisationen. Am 26. Mai fand in Sozialdemokratie einzutragen. Am 25. Mai vollendeten die Rundgebung als unverbindliche Stilübung charakterisiert. Senftenberg eine öffentliche Versammlung statt, welche österreichischen Proletarier das Wert des 14. Mai, und Weshalb sollten sie nicht auch später fie mit Füßen treten! der Bildungsverein für Frauen und Mädchen einberufen hatte. am 31. dieses Siegesmonats wurde nach einer Wahlschlacht Die deutsche Arbeiterklasse hat allen Grund, auf der Hut Herr Wolf, Naturheilkundiger aus Potschappel- Dresden, ein herrlicher Erfolg von den Genossen Bayerns unter dem zu sein. Sprach über Frauenleiden, ihre Verhütung und Heilung". neuen direkten Landtagswahlrecht errungen, das sie ihrer Um so mehr, wenn sie sieht, daß die Reaktion sich in ihrer Die Anwesenden folgten seinen Ausführungen, welche sich wackeren Arbeit zu danken haben. Von 12 Mandaten, die rücksichtslosen Betätigung durch die Tatsache nicht im geauf die Erfahrungen einer achtzehnjährigen Praxis stützten, sie unter dem alten indirekten Wahlrecht zu einem erheb- ringsten stören läßt, daß der Linksliberalismus im Remit größtem Interesse. Nach dem Vortrag stellten einige lichen Teil nur durch Kompromiß mit dem Zentrum erlangt gierungslager willige Troßbubendienste leistet. Die politische Frauen an den Referenten Fragen über Gesundheitspflege. hatten, brachten sie es auf 20 Size, die aus eigener Kraft Polizei Berlins hat als getreue Verbündete des zarischen Am Schlusse der Versammlung ermahnte Genosse Weick art erobert sind. München, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Lud- Blutregimentes eine Russenheze großen Stiles unterdie anwesenden Frauen, sich recht fleißig an der Aufklärungs- wigshafen und Kaiserslautern gehören ganz oder übernommen; die freisinnige Preffe hat mit wenigen Ausarbeit zu beteiligen. 20 Frauen meldeten sich zum Beitritt wiegend der Sozialdemokratie, in anderen Städten hat sie nahmen- dem empörenden Schauspiel gemütsruhig zuzu dem Bildungsverein, der somit jetzt 85 Mitglieder zählt, erhebliche Minderheiten aufgebracht, die gute Aussichten für gesehen. Sie hat sich auch nicht sonderlich aufgeregt, als die die auch alle zugleich Leserinnen der„ Gleichheit" sind. die Zukunft eröffnen. über die sozialistischen Stimmen, die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ihr deutlich zu verstehen Agnes Weickart. auf dem Lande erzielt wurden, fehlen noch die Angaben gab, daß der moderne" Staatsmann Bülow nicht daran Die Berliner Genossinnen und der Bäckerstreik. In die Mandate find dort samt und sonders dem Zentrum zu denke, das Institut der Zeugnisfolter für die Presse der Erkenntnis, daß der Ausgang des Kampfes der streifenden gefallen, dessen starke Mehrheit unter dem neuen Wahlrecht abzuschaffen. Die Pille wurde versüßt durch den Hinweis, Bäckergesellen wesentlich von den Arbeiterfrauen abhängt, unerschüttert geblieben ist. Die Liberalen haben zwei ganze daß es in letzter Zeit fast ausschließlich sozialdemokratische sind sie von den Vertrauenspersonen der Genossinnen Ber- Gewinne zu verzeichnen, sie bleiben ohnmächtig und werden Beitungsschreiber waren, denen die Daumenschrauben anlins im„ Vorwärts" aufgerufen worden, den Ausständigen an Mandatszahl fast schon von der Sozialdemokratie er gesetzt wurden. Dem Linksliberalismus wird also von der ihre Solidarität zu befunden und Backware nur dort zu reicht. Die schimpflichsten Kompromisse mit Mittelständlern Regierung schon zugemutet, daß er eine Ausnahmebehandlung kaufen, wo die Gesellen bereits zu den neuen Bedingungen und Antisemiten haben diesen charakterlosen Liberalismus, der Sozialdemokratie billige! arbeiten. Die Frauen, die selbst wie ihre Männer unter dem der sich nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen in Die Junkerschaft braucht wirklich nicht bange zu sein, daß Hochmut des Unternehmertums zu leiden hätten, müßten in Siegesträumen wiegte, nicht auf einen grünen Zweig bringen dem liberalen Blockgenossen erhebliche Vorteile auf ihre diesem Kampfe entschieden zugunsten der Arbeiter Partei er- tönnen. Kosten zufließen. Auch in der Kolonialverwaltung, greifen und den Ausbeutern zeigen, was die Arbeiterklasse In Österreich würde die Sozialdemokratie als stärkste die ja angeblich unter dem neuen Staatssekretär eine Reform durch einmütiges Zusammenhalten vermag. Ihre Pflicht Partei in den Reichsrat einziehen, wenn nicht noch schleunigst an Haupt und Gliedern erfahren sollte, bleibt die Bureauals Proletarierinnen sei es, bei Bekannten und Nachbarinnen durch den Zusammenschluß der Konservativ- Kleritalen mit fratie und damit die Junkerschaft Trumpf, der ja die höheren auf den Bäckerboykott aufmerksam zu machen und zur Unter- den Christlich- Sozialen eine bürgerliche Fraktion geschaffen Stellen vorbehalten sind. Das liberale Bürgertum, das auf stützung der Streifenden aufzufordern. Die Vertrauens- worden wäre, die die proletarische Vertretung um ein paar Beseitigung des Assessorismus, auf die Durchsetzung der personen wiesen in ihren Aufrufen auf die große Berechtigung Köpfe übersteigt. Die Stichwahlen fanden in verschiedenen Kolonialverwaltung mit kaufmännischem Element hoffte, muß der aufgestellten Forderungen hin, die in anderen Gewerben Kronländern, so namentlich in Tschechisch- Böhmen eine fest- sich mit dem einen Konzessionsschulzen an der Spike des längst verwirklicht wären. Um die Genossinnen und Ge- gefügte Koalition der bürgerlichen Parteien aller Schattie- Kolonialamtes, mit der Exzellenz Roofmich", begnügen, nossen über die Ursachen und die Berechtigung des Bäcker- rungen gegen die Sozialdemokratie, so daß dort den Er- wie der schnoddrige Wiz der Konservativen den Staatsstreits aufzuklären und den Gehilfen die Unterstützung aller oberungen der Hauptwahlen teine neue hinzugefügt werden fekretär Dernburg getauft hat. Auch in Zukunft wird der Proletarierinnen zu sichern, werden am 4. Juni in Berlin fonnte, trotz der eifrigsten Arbeit unserer Genossen Junkersproß, der sich im Mutterland zu ſehr ausgelebt" und und den Vororten 24 öffentliche Versammlungen abgehalten. Die Scheidung der Klassen griff mit aller Schärfe Play. unmöglich gemacht hat, in den Kolonien versorgt werden Wir werden in der nächsten Nummer über den Verlauf der Im ganzen zählt die Sozialdemokratie nun 87 Mandate. tönnen. Der Junker- und Polizeistaat Deutschland kann eben selben berichten. Mit stolzer Festigkeit hat die Sozialdemokratie ihre flar nicht einmal eine Kolonialpolitit treiben, die vom StandJahresbericht der Genoffinnen Mindens. Die Ge- prinzipielle Stichwahlparole:„ Gegen den Kleritalismus!" punkt des Kapitalismus aus rationell ist. nossinnen ließen sich im letzten Jahre die Propaganda für inmitten unwürdiger Mandatsschachereien der bürgerlichen Dafür ist Deutschland auf anderem Gebiet in der Welt die„ Gleichheit" sehr angelegen sein und mit Erfolg. Den Parteien hochgehalten. Für Galizien hat die Schlachta das voran. Die Getreidepreise haben mächtig angezogen, 36 Leserinnen, die die„ Gleichheit" bei Beginn des Jahres übel der Verzettelung der Wahltermine zu erhalten ver- und das Deutsche Reich ist das Land, wo sie erheblich höher am Orte hatte, reihten sich 41 neue an. Organisiert sind standen, die die amtliche Fälschung der Wahlen begünstigt. stehen als in den Nachbarländern. Starke Brotpreis. 12 Genossinnen. Zum Zwecke der Aufklärung des Prole- Dort dauern die Wahlen noch an. Trotz all der unver- erhöhungen werden schon aus den verschiedensten Teilen tarierinnen fanden im Laufe des Jahres zwei öffentliche schämten Wahlgaunereien und Vergewaltigungen der Wähler Deutschlands gemeldet. Die unheilvollen Wirkungen des Frauenversammlungen statt, eine in Minden und eine in durch die den Schlachtschigen dienstbare Beamtenschaft hat Hungertarifs, die die Sozialdemokratie voraussagte, sind einTodtenhausen. Während des Wahlkampfes verbreiteten auch hier die Sozialdemokratie mehrere Erfolge errungen; getroffen. Auf dem Kongreß zur Bekämpfung der Schwinddie Genossinnen 2000 Flugblätter, und von dem Merkblatt: auch die kleinbürgerliche und bäuerliche Opposition hat er sucht, der in der Pfingstzeit tagte, hielt der Staatssekretär " Der Kampf um die Rente" brachten sie 1000 Exemplare heblich an Raum gewonnen. Der nach den ersten Ein- Posadowsky seine übliche Begrüßungsrede. Der Vertreter zur Verteilung. Die Kassenverhältnisse waren recht günstig. brücken in der letzten Rundschau niedergeschriebene Satz, die der Regierung, deren Politik dem Arbeiter das Brot verteuert, Die Genofsinnen nahmen 218 Mt. ein den vorjährigen Partei der polnischen Junker werde in alter Stärke wieder- versprach darin dem Werke des Kongresses die Förderung Kassenbestand von 38,75 Mt. inbegriffen und gaben tehren, erweist sich daher erfreulicherweise als falsch. Diese eben dieser Regierung. Wieviel neue Schwindsuchtsherde die 172,87 Mt. aus. Unter den Einnahmen befinden sich 31,87 Mt. der freiheitlichen Entwicklung Osterreichs höchst gefährliche Verteuerung des Brotes wohl entstehen lassen mag! überschuß von der„ Gleichheit", unter den Ausgaben 10 Mt., Partei ist tüchtig zusammengehauen worden. Die russische Sozialdemokratie hat bis nach Engdie an den Agitationsfonds der Genofsinnen abgeliefert, und Unter den zahlreichen Kongressen, die um die Pfingstzeit land flüchten müssen, um ihren Kongreß abzuhalten; weder 10 Mr., die zum Wahlfonds beigesteuert wurden. Die Ge- getagt haben, ist einer hervorzuheben: jener zu Hamburg, Dänemart, noch Schweden, noch Norwegen wollten ihr Unternossinnen beschlossen, von dem verbleibenden Kassenbestand von auf dem ein„ Bund vaterländischer Arbeitervereine", das funft gewähren. Leider beeinträchtigen heftige taktische 45,13 Mt. 10 Mt. dem Agitationsfonds der Genossinnen und heißt ein Bund von Streifbrechern gegründet wurde. Nicht Meinungsverschiedenheiten in den eigenen Reihen die Arbeit 10 Mt. dem Kreiskomitee zu überweisen. Lina Dettmer. wegen seiner Bedeutung an sich die Schar dieser traurigen der russischen Sozialdemokratie. Immerhin ist dieser Kongreß 104 im Ausland ein höchst bemerkenswertes Zeugnis von der Stärke des Hauptträgers der Revolution, und man begreift, daß die russische Regierung ihre Schreckensherrschaft verschärft. Sie will ein groß angelegtes Komplott auf das Leben des Zaren und seiner Verwandten entdeckt haben. Die Meldungen riechen verdächtig nach Spizelarbeit. Die Polizei hat die Gelegenheit zu Massenverhaftungen aus genutzt und sich dabei freche Verletzungen des Rechtes der sozialdemokratischen Dumaabgeordneten zuschulden kommen H. B. lassen. Gewerkschaftliche Rundschau. Die Gleichheit Nr. 12 Jahre. Von Bedeutung ist noch die Bedingung, daß Zu-| ,, oben" und blindem Haß der Gegner erfreuliches Vorwärtsschneider und Zuschneiderinnen, sofern sie ein Jahr in einem gehen der deutschen Konsumvereinssache. Und überall ist, Geschäft tätig sind, acht Tage Ferien erhalten. nach den Verhandlungen zu schließen, der gute Wille, große Und abermals feiert ein Gewerkschaftsorgan das Jubiläum Energie und die nötige Einsicht vorhanden, um die Bewe einer Auflage von 100000! Der„ Courier", das Organ des gung mehr und mehr in moderne Bahnen zu leiten. Auf Handels- und Transportarbeiterverbandes, kann dem sächsischen Verbandstag beschäftigte man sich direkt sich als siebentes deutsches Gewerkschaftsblatt dieses Erfolges mit der Frage, inwieweit die Verbandsvereine in ihrer Gerühmen. In einer launigen Plauderei schildert die Jubiläums- samtheit zu reformieren seien. Eine große Rolle spielte nummer, wie überaus bescheiden, ja dürftig die Verhältnisse dabei die im Vogtland und im Erzgebirge besonders einge nach Gründung des Verbandes im Jahre 1897 waren. Die wurzelte Dividendenmißwirtschaft. Es handelt sich dabei Zahlstelle Berlin mußte zum Beispiel ihre Bureauutensilien um ein altes übel, dem man noch ernsthafter als bisher entborgen und konnte dem einzigen angestellten Beamten nicht gegenarbeiten will. Das ist auch sehr nötig; schon deshalb, einmal sein Gehalt von 27 Mt. pro Woche zahlen. Heute weil in Konsumvereinen mit übermäßig hohen Dividenden Zu der Bauarbeiteraussperrung hat sich in Berlin ein zählt die nämliche Zahlstelle annähernd 40000 Mitglieder meistens die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Angestellten zweiter wirtschaftlicher Kampf gewaltigen Stils gesellt: der und hat allein aus den Mitgliederbeiträgen eine Einnahme vom Standpunkt des Gewerkschafters aus sehr verbesserungsBäckerstreit. Freunde der Arbeiterbewegung müssen ihre von rund 135000 mt. pro Quartal. An dieser Gegenüber bedürftig sind. Den Frauen erwächst hier besonders die helle Freude haben an der kräftigen Entwicklung der Bäcker- stellung kann man ermessen, welchen gewaltigen Fortschritt Aufgabe, das übel beseitigen zu helfen!- Auf der Landesorganisation und den Erfolgen, die sie betreffs der Ver- die deutschen Gewerkschaften in verhältnismäßig kurzer Zeit versammlung der württembergischen Konsumvereine nahm besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Gehilfen gemacht haben. Der Gesamtverband hat im Jahre 1897 für man Stellung zur Herbeiführung vorbildlicher Lohn- und bereits errungen hat. Die kulturelle Arbeit der Gewerk- Lohnbewegungen und Streits 262 Mt. und für Unterstützungen Arbeitsbedingungen. Die Landesversammlung nahm eine schaft ist besonders in solchen Gewerben mühsam, wo der 1324 Mt. ausgegeben, 1906 hat er für diese Zwecke 281000 Mt. Resolution an, nach der die württembergischen KonsumKleinbetrieb dem Vorwärtsdringen der Ideen und Forde- bezw. 187000 Mt. aufgewendet. Diese Ziffern sind zugleich vereine es als eine Pflicht der Verwaltungen erachten, darungen der Klassenbewußten Arbeiterbewegung Widerstände ein Beweis für die Kampfestüchtigkeit der Gewerkschaft. für zu sorgen, daß folgende Forderungen in tunlichster Bälde entgegensetzt und die Arbeitgeber in einem mittelalterlichen Die christlichen Gewerkschaften geben die Zahl der und allgemein zur Einführung gelangen: Eine Mittagspause Zunftgeist befangen hält, der von unbeschränktem wirt- in ihnen organisierten Arbeiterinnen auf 20000 an, wo- von nicht weniger als anderthalb Stunden; eine allgemeine schaftlichen Herrentum phantafiert. Zu solchen Gewerben von 90 Prozent allein auf die Organisationen der Textil- Durchführung des Achtuhrladenschlusses und eine vollständige zählt auch die Bäckerei. Während aber den Bäckern beruf- arbeiter, Tabatarbeiter und Heimarbeiter entfallen. Arbeitsruhe an Sonn- und Festtagen. Die Resolution gibt lich nahestehende Arbeiterkategorien, wie die Konditoren und Der Ausschuß des Gesamtverbandes trägt sich mit der Idee, ferner der überzeugung Ausdruck, daß den KonsumverFleischer, mit nur geringem Erfolge gegen die Rückständig- eine besondere Arbeiterinnenzeitung herauszugeben. Einst- einen aus der Durchführung dieser Ruhezeiten irgend welche keit ihrer Arbeitsbedingungen ankämpfen konnten, haben die weilen sollen die Blätter des Textilarbeiter- und des Tabak- Nachteile für das kaufende Publikum oder für die Höhe des Bäcker schon manche patriarchalische Einrichtung beseitigt, arbeiterverbandes mehr den Wünschen der Arbeiterinnen Umsatzes nicht entstehen, und daß schon die Rücksicht auf nicht zum Schaden der Gehilfen. Sie verdanken das ihrer angepaßt werden. Begabte Arbeiterinnen werden in Han das die Läden bedienende Verkaufspersonal aus sozialen, Organisation, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt nover in einem Ausbildungskursus als Agitatorinnen hygienischen und kulturellen Gründen die Durchführung der hat. Und diese Organisation ist genügend erstarkt, um jetzt usw. geschult. Die christlichen Gewerkschaften lassen es also drei Ladenschlußzeiten in tunlichster Bälde überall da ge= den Kampf für neue Verbesserungen der Arbeitsbedingungen an Rührigkeit nicht fehlen, um die Arbeiterinnen für sich bietet, wo diese Forderungen nicht schon in vollem Umfang aufnehmen zu können. Lange hat es gedauert, bis die mit zu gewinnen. Das muß ein Ansporn mehr sein, daß auch durchgeführt sind". Hoffentlich bleiben diese schönen Grundviel Vorsicht und Geschick amtierende Leitung des Verbandes unsere freien Gewerkschaften der Organisierung der Arbeite- fäße nicht tote Buchstaben, denn gerade in Württemberg die Erklärung des Streits durch die Vertrauensmänner ent- rinnen und der Ausbildung fähiger weiblicher Kräfte die größte gibt es noch recht viel in dieser Hinsicht zu tun. Freilich scheiden und durch eine Versammlung der Gehilfen bestätigen Aufmerksamkeit schenken. #darf auch die andere Seite der Sache nicht außer acht geließ. Sie hat auch die letzte Möglichkeit einer friedlichen lassen werden. Es geht nicht an, nur von den Konsum Verständigung nicht unversucht gelaffen. Der Kampfesmut Aus der rheinischen Textilindustrie. Eine Anzahl vereinen höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit usw. zu fordern, der Gehilfen ist dadurch durchaus nicht verpufft. Mit impo- bemerkenswerter Lohnbewegungen hat in letzter Zeit der die größten Unternehmer aber ungeschoren zu lassen. Der nierender Geschlossenheit und Einmütigkeit, mit 1900 gegen Textilarbeiterverband in der Krefelder Samtindu- Grundsay, den der Sekretär Kaufmann auf dem Verbandsnur 4 Stimmen, haben die Bäcker den Streit beschlossen. Der strie geführt. Hier war der Geschäftsgang seit einigen tag in Pirna aufstellte, ist im allgemeinen als richtig anzuKampf ist ein allgemeiner, und zur Zeit, wo wir dieses Jahren ein außerordentlich flotter, und reichliche Gewinne erkennen. Nämlich: die Privatunternehmungen sind von den schreiben, haben bereits gegen 800 Meister die Forderungen strömten den Unternehmern zu. Diese Situation ist von Gewerkschaften zu veranlassen, den Konsumvereinen in der der Gehilfen anerkannt. Die Meister tönnen auch bei einigem den Arbeitern unter Führung ihrer Organisation mit Erfolg Verbesserung der Lage der Angestellten zu folgen. Dieser guten Willen die Forderungen leicht zugestehen. Abschaffung ausgenutzt worden. Für 2800 Färbereiarbeiter und Ansicht wurde auch Ausdruck auf dem süddeutschen Vervon Kost und Logiszwang beim Meister, ein Mindestlohn Arbeiterinnen, welche in 38 Färbereien beschäftigt find, bandstag gegeben, der ebenfalls über die Frage verhandelte. von wöchentlich 23 Mt., ein freier Tag in der Woche und wurden einheitliche Lohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen. In einer Resolution wird unter anderem gesagt:„ Der Verdie Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises, das sind Die Entlohnung ist nach Altersklassen abgestuft worden, und bandstag ist der Meinung, daß zur Erhaltung des guten wirklich keine unberechtigten" Forderungen. Die Haupt- die Lohnerhöhungen betragen bis zu 4 mt. pro Woche. Einvernehmens zwischen Personal und Genossenschaften und forderungen sind alte, welche die Meister beim letzten Tarif- Eine ähnliche Regelung haben sämtliche in der Samt- in Anbetracht der sozialen Bedeutung der Konsumgenossenabschluß schon bewilligt, jedoch nicht eingehalten haben. Der appretur Beschäftigten erreicht, außerdem ebenfalls Lohn- schaften gute Arbeitsbedingungen für die darin Beschäftigten Ausstand bietet beste Aussicht auf Erfolg. Das um so erhöhungen bis zu 4,50 Mt. wöchentlich. Für alle gelernten absolut notwendig sind. Demgegenüber glaubt aber der mehr, als er durch das klassenbewußte Proletariat Berlins Arbeiter über 21 Jahre wurde ein Wochenverdienst von Verbandstag betonen zu müssen, daß bei der Abfassung der fräftig unterstützt wird. In Flugblättern und Versammlungen 24 Mt. vereinbart. Hervorgehoben zu werden verdient, daß Tarife die Arbeitsverhältnisse in Privatunternehmungen hat es Stellung zu dem Streit genommen und es als eine die straffe Gewerkschaftsorganisation den Unternehmern bei- billigerweise nicht außer acht gelassen werden dürfen, um Pflicht aller Arbeiter und Arbeiterfamilien proklamiert, ihre der Branchen diese Zugeständnisse durch Verhandlungen die Konsumvereine nicht konkurrenzunfähig zu machen." Backwaaren nur bei solchen Bäckern zu kaufen, welche die abgerungen hat. Vor etlichen Jahren mußten dagegen die Die von den Krämern betriebene Hegerei gegen die Forderungen der Gehilfen bewilligt haben. Mit welcher betreffenden Arbeiter um ihre Forderungen noch Streits Konsumvereine hat in Sachsen einen BeleidigungsTreue und Energie dieser Beschluß durchgeführt werden wird, führen, bei denen der Streitbruch sie oft genug um den prozeß gezeitigt, dessen Gang und Ergebnis ebenso merkdas hängt ganz wesentlich von den Proletarierfrauen ab. Erfolg ihrer Kämpfe brachte. Inzwischen sind es ist dies würdig wie bezeichnend ist. In Pulsnig hatte ein MilitärMöchten sie dafür sorgen, daß Arbeitertundschaft nicht einem auch eine Wirkung der gewerkschaftlichen Aufklärungsarbeitvereinsmitglied in einer Versammlung frech und frei behauptet, einzigen Bäcker bleibt, der sich weigert, seinen Gehilfen die die Ehrbegriffe unter den breiten Maffen doch ganz andere der Konsumverein verwende Gelder zu sozialdemokratischen bescheidene Abschlagszahlung auf eine menschenwürdige Existenz geworden, so daß bei den diesmaligen Bewegungen kein Parteizwecken, ohne daß die Mitglieder davon wüßten. Wenn zu bewilligen. Die Stimmung der Streikenden ist eine zu- Verrat zu befürchten war; beide waren übrigens sehr gut das wahr gewesen wäre, so hätte der Vorstand des Konsumversichtliche, und die Meister sorgen durch zum Teil ruppige, vorbereitet, so daß der Sieg nicht ausbleiben konnte. Die vereins bei den geltenden gesetzlichen Bestimmungen in zum Teil läppische Anschreiben an die Streifleitung für Humor im Rheinland unter dem Deckmantel religiöser Interessen unverantwortlicher Weise die Gristenz der blühenden Geund Unterhaltung. Auch in Regensburg streiten 200 beliebte Gewerkschaftszersplitterung hat unter der Färberei nossenschaft der Arbeiter jener Gegend aufs Spiel gesetzt. Bäcker. und Appreturarbeiterschaft der Samtindustrie keinen Boden Da es aber erstunken und erlogen und somit eine schwere Die Aussperrung im Berliner Baugewerbe hat lange gefunden. Mit Ausnahme weniger sogenannter Christ Beleidigung für den Vorstand war, zog dieser den Lügennicht den Umfang angenommen, den die Scharfmacher avistert licher" gehören fast alle einschlägigen Lohnfklaven dem peter vor Gericht. Der Mensch aber machte nicht einmal hatten. Etwa ein Drittel der Betriebe hat ausgesperrt, und Deutschen Textilarbeiterverband an. Es versteht sich, daß den Versuch zu beweisen, was er behauptet hatte. Soweit nur gegen 11000 Arbeiter stehen in der Folge im Kampfe. in der Folge die Aktionsfähigkeit der Arbeiter eine bedeu- ist die Geschichte nicht ungewöhnlich, das Interessanteste ist Eine Anzahl Firmen hat die Forderungen der Arbeiter be- tend größere war. Daß auch eine Anzahl Färberei- und der Ausgang des Prozesses. Das Gericht erkannte zwar willigt. Der Kampf zieht andere Gewerbe start in Mit- Appreturarbeiter auf dem platten Lande eine Erhöhung unumwunden an, daß der Konsumvereinsvorstand schwer leidenschaft, so zunächst die Mörtelwerke. Auch die ihrer Löhne durchsetzten, ist der rückwirkenden Kraft der Er- beleidigt war sprach aber den Beleidiger frei! Es Dachdecker befinden sich seit sieben Wochen im Kampf, um folge zu verdanken, die der Deutsche Textilarbeiterverband billigte ihm§ 193( Wahrung berechtigter Interessen) zu die 8% stündige Arbeitszeit und 85 Pf. Stundenlohn zu in Krefeld selbst erzielt hat. Eine weitere Lohnbewegung Denn: Nach den Satzungen der sächsischen Militärvereine erringen. In der Metallindustrie des Bezirks von Frant hat sich unter den Samtwebern abgespielt. Sie war dürfen in denselben Sozialdemokraten nicht geduldet werden. furt a. M. sind über 20000 Arbeiter und Arbeiterinnen aus- bedeutend durch die große Zahl der beteiligten Arbeiter, und Da viele Mitglieder des Militärvereins auch dem Konsumgesperrt worden. Die Seeleute in Hamburg und in ihr glücklicher Ausgang wurde besonders durch den Umstand verein angehören, habe der Angeklagte das Recht, sozialBremen sind in den Ausstand eingetreten. Sie verlangen den erschwert, daß an ihr außer dem Deutschen und dem Christ- demokratische Handlungen des Konsumvereins aufzudecken. Abschluß eines Tarifvertrages, der schon im vorigen Jahre den lichen Textilarbeiterverband noch die Lokalverbändler und Er hätte im guten Glauben an die Wahrheit seiner Unternehmern unterbreitet worden ist. Die Bremer See- die„ Hirsche" beteiligt waren. Durch Verhandlungen gelang Behauptungen gehandelt. Punktum! Wie werden sich Teute fordern eine Erhöhung der Monatsheuer von 60 auf es, Lohnaufbesserungen von 4, 6 und 8 Prozent zu erzielen, sozialdemokratische Preß- und andere Sünder nach diesem 65 Mt., die Hamburger eine allgemeine Regelung der Arbeits die für 25 Fabriken mit mehr als 4000 Samtwebern Gerichtshof in Pulsnit in Sachsen sehnen! Hat man schon verhältnisse. Der Kampf hat nunmehr das ganze Gebiet der Geltung haben sollen. In Gräfrath ist eine. Lohnbewe- je eine derart weitherzige Auffaffung eines Gerichtes in Nord- und Ostseehäfen erfaßt, mit Ausnahme der Häfen von gung einer Belegschaft der Seiden- und Teppichweberei bezug auf den§ 193 erlebt! Doch im Ernst: Die Logik Rostock, Wismar, Stettin und Lübeck. erfolgreich beendet worden. Die Verhandlungen dauerten dieses Urteils erklärt die Konsumvereine vogelfrei für bösIn der Berliner Herren- und Damenkonfettion etwa 4 Wochen und brachten Lohnerhöhungen von 2 bis willige Lüge und Verleumdung. Das Landgericht dürfte die ist ein Tarifvertrag zustande gekommen, der auch den Ar- 10 Pf. pro Meter. Nach den zugestandenen Lohnfäßen nötige Korrektur eintreten lassen. Was wäre wohl einem beiterinnen Vorteile bringt. Es erhalten die Westen- wird der Verdienst um 1 bis 3 Mt. pro Woche steigen. Der Sozialdemokraten in einem ähnlichen Falle passiert! Buschneiderinnen einen Anfangslohn von 18 Mt. pro Deutsche Tertilarbeiterverband darf sich der Errungen- Eine moderne Schlächtereianlage größten Stiles Woche, der in vier Jahren auf 24 Mt. steigt. Die Zuschaften freuen, die er großen Gruppen des Textilproletariats hat die Konsumgenossenschaft Produktion" in Hamburg erschneiderinnen für Knabenkonfektion bekommen in von Krefeld und Umgegend gesichert hat. W. K. richtet. Schon seit dem Jahre 1904 hat der Verein in fleinerem Umfang die Schlachtung von Schweinen und später auch von Rindern und Kälbern betrieben. Die vorhandenen Einrichtungen waren jedoch für den stets wachsenden der Lehrzeit, die ein Jahr dauern soll, wöchentlich 8 Mt. Anfangslohn und nach Verlauf von je drei Monaten 9,50 Mt. Genossenschaftliche Rundschau. " 11 Mt. und 12 Mt. Für Arbeiterinnen, die nicht über 50 Mt., Monatslohn haben, setzt der Tarif eine fünfprozentige Lohn- In den letzten Wochen sind die Verbandstage der Bedarf schon längst nicht mehr zureichend, und so schritt der erhöhung fest. Für Überstunden gibt es 25 Prozent, für sieben Unterverbände des Zentralverbandes Verein im vorigen Jahre zur Errichtung eines großen Sonntagsarbeit 50 Prozent Zuschlag. Die Arbeitszeit soll deutscher Konsumvereine abgehalten worden. Überall Schlächtereigebäudes. Es hat eine Frontlänge von 43,50 neun Stunden betragen. Der Tarifvertrag gilt auf drei zeigte sich trotz aller und verschiedenartiger Scherereien von Meter und eine Tiefe von 22,21 Meter. Die Anlage wird Nr. 12 Die Gleichheit 105 natürlich alle Errungenschaften moderner Technik und Wissen- schast, soweit angängig und erforderlich, aufweisen. Die auf Anregung der Konsumvereine im Herbst v. I. von der Berliner Gewerkschaftskommission ge- wählte Propagandakommission zur Förderung des Genossen- schaftswesens hat während des Winters innerhalb einer Reihe von Gewerkschaften Vorträge in Wort und Bild ver- mittelt und damit zunächst den Konsumvereinen eine Anzahl neuer Mitglieder zugeführt. Der Fortschritt kommt auch in dem Umsatz zur Erscheinung, der im ersten Vierteljahr um 27 Prozent gestiegen ist. Die„Sächsische Spar- und Kreditbank in Dresden", e. G. m. b. H., hat den Konkurs anmelden müssen. Nach Angaben in den Tagesblättern betragen die Schulden gegen 670000 Ml., denen ungefähr 430000 Mk Anteile und Haft- summen gegenüberstehen. Die Genossenschafter sind fast durchweg Handwerker und Gewerbetreibende. Daraus er- klärt sich wohl auch, daß man kein Aufhebens von der Sache macht, sondern sich mit einer kurzen Meldung begnügt. Es ist ja kein„bankrotter" Arbeiterkonsumverein! In einem solchen Falle verspritzt man ganze Gläser voll Tinte. II.?!. Notizenteil. Dienstbotcnsragc. Eine vornehme Herrschaft. Die Gattin des Kauf- manns Spear in Lauf bei Nürnberg, bis vor kurzem in Nürnberg selbst, versteht es meisterhaft, ihre Hausgehilfinnen zu drangsalieren. Die Dienstmädchen halten es dort meist nicht länger als 14 Tage, höchstens 3 Wochen aus, dann entfliehen sie der Stätte des ewigen Zankes. Ob den Mäd- chen für die kurze Zeit ihrer Dienstdauer auch stets Lohn ausbezahlt wird, wissen wir nicht. Da die„Dame" kein Dienstmädchen mehr erhielt, das sich eine derartige Behand- lung gefallen ließ, so engagierte sie eine„Stütze der Haus- frau". Dieser erging es genau so wie ihren Vorgängerinnen. Innerhalb dreier Wochen war sie nervös, und als sie er- klärte, das nicht mehr aushalten zu können, weil sie dabei verrückt würde, sagte die Dame einfach, sie solle verrückt werden, sie habe ja Zeit dazu. Da sie aber dazu keine Lust hatte, so wurde auch sie kontraktbrüchig und entfloh. Dem Onkel, einem angesehenen Manne in Nürnberg, gelang es, Sachen und Geld zu erhalten. Im Hause Spear war man nun wieder ohne Mädchen, und die arme Amme mußte, da auch die Zuspringerinnen streikten, aufs neue„Mädchen für alles" sein. Aber auch diesem geduldigen Wesen riß ein- mal die Geduld, es fand den Mut, fortzugehen. Leider aber zu spät— denn vor Nervosität und Schwäche bebt der ganze Körper. Ein Bild des Mitleids, so steht das schwache, zitternde Wesen da, nicht fähig, einen neuen Dienst anzu- treten, vollständig aufgebraucht innerhalb'/« Jahren. Der Dienst war nicht leicht: auf der einen Seite ein krankes Kind, das Tag und Nacht schrie und fortwährend, auch des Nachts, herumgetragen werden mußte, auf der anderen Seite das ununterbrochene Zanken und Schikanieren. Anstatt dem fremden Wesen dankbar ob der Aufopferung zu sein, hatte man für es nur böse Worte, ewigen Zank und knappes Essen. Trotzdem großer Reichtum vorhanden sein muß, wurde das Essen der Hausgenossinnen sehr knapp gehalten, so daß bei der Amme nach und nach vollständige Appetitlosigkeit eintrat. Was die„gnädige" Frau nicht zu tun wagte, das tat ihr ältester Knabe. Er spuckte die Amme und die anderen Mädchen an, schlug sie und warf des öfteren ununterbrochen den Ausklopfer zum Fenster hinaus, und das Mädchen hatte, ohne zu murren, ihn wieder heraufzuholen. War der ver- heißungsvolle Sproß mit der einen Unart fertig, so begann er eine neue. Da wird zur Abwechslung fortwährend Wasser auf den Fußboden gegossen; das Mädchen muß stillschweigend alles wieder aufwischen, und so geht es unaufhörlich fort. Die Mama ist ob dieser Streiche besonders stolz auf ihr Ebenbild. Die Amme aber, die vollständig gebrochen ist von diesen ewigen Quälereien, kann jetzt über die Gesinde- ordnung nachdenken. Krank und siech, wie sie ist, kann sie nicht in Stellung gehen. Weder eine Krankenkasse, noch die Herrschaft braucht für sie aufzukommen, und so kann sie sehen, was das Schicksal weiter aus ihr macht. Wäre sie eher zur Dienstbotenorganisation gekommen, dann hätte sie sich nicht so lange knechten lassen und brauchte jetzt um ihre Gesundheit nicht so bittere Tränen zu vergießen. Die noble Herrschaft ist, wie schon oben erwähnt, vor kurzem von Nürnberg nach dem in der Nähe liegenden Lauf, Holzgarten- straße, gezogen. Sie war wohl gezwungen, von Nürnberg fortzugehen, da sie weder Mädchen, noch Zuspringerinnen mehr erhielt. Ob sie in Lauf mehr Erfolg haben wird, dürfte sehr ftaglich sein. Die Aufgabe des Dienstboten- Vereins wird es sein, auch fernerhin Mißstände aller Art aufzudecken und unbarmherzig die faulen Zustände im Dienst- Verhältnis zu kritisieren. j. Was ein Dienstmädchen sich gefallen lassen muß. Eine fleißige gebildete Jungfer, die bei geflüchteten reichen Russen in Dresden diente, verfiel bei der Heimlehr ins Heim fast Nervenkrämpfen, sie weinte und schrie vor Kränkung und Ermattung, Drei Monate hatte sie Tag und Nacht 3 Personen und viele Gäste bedienen müssen. Kaum 5 Stun- den Nachtruhe blieben ihr; als die Gouvernante krank wurde, auch das nicht mehr, denn eine Pflegerin zu nehmen, fiel der Herrschaft nicht ein. Nie hatte das Mädchen in Ruhe sein Essen verzehren können, war immer wegen nichts abgerufen worden, mußte vom Plätten iveg und manchmal während des Badeaufenthaltes der Familie zweimal täglich mit den Kindern ins Meer steigen, bis es ganz krank war. Ruhen durfte es aber nicht. Während die Herrschaft für sich kiloweis die Bonbons und kistenweis die feinsten Früchte kaufte, strich die Dame das Bier für die Jungfer auf der Hotelrechnung,„das käme ihr zu hoch". Alle Monate ver- suchte sie, die Jungfer um einen Teil Lohn zu bringen und gab ihr denselben erst am Schluß vollständig, weil sie sie damit zurückzuhalten hoffte. Als die Jungfer aber dann doch ging, überhäufte sie die grundehrliche Person mit Ver- dächtigungen und Beschimpfungen, bis diese verzweifelt ins Heim flüchtete. Die Herrschaft hatte ihr mit dem Konsul gedroht, falls sie nicht mit nach Rußland komme. Das ein- fache Mädchen sagte:„Ich bin Anarchistin bei den Leuten geworden, jetzt begreife ich, warum sie vor ihren Leuten fliehen müssen!"— Noch lange Zeit nach dem Verlassen des Dienstes war das Mädchen nervenkrank, erschöpft und litt an Schlaflosigkeit. A. v. B. Dienstbotenelend. Daß die Aufhebung der Gesinde- ordnung dringend nötig ist, zeigt folgendes Vorkommnis. In Treuenbrietzen hatte sich ein löjähriges Mädchen bei einem Rechtsanwalt Ziebell für leichte Arbeit vermietet. Das junge Ding mußte aber die schwersten Arbeiten ver- richten, die über seine Kräfte gingen, so daß es schwer krank wurde. Die Arbeitszeit dauerte von früh 6 Uhr bis nachts 11 Uhr. Das arme kranke Mädchen wollte einen Arzt auf- suchen, aber die Herrschast erlaubte dies nicht. Als diese merkte, daß das Mädchen dennoch zum Arzte gehen wollte, schloß sie es stundenlang ein. Die Eingesperrte bat und schrie, aber nichts rührte die Herrschaft. In seiner Ver- zweiflung wollte sich das arme Kind das Leben nehmen; es stieg von seinem Fenster aus auf ein Dach, um sich herab- zustürzen, und nur der Gedanke an seine Eltern hielt es davor zurück. Endlich kam der Vater aus Niemegk und nahm sein Kind unter größtem Protest der Herrschaft mit nach Hause. Darauf bekam das Mädchen vier Strafmandate, weil es den Dienst verlassen hatte. Es fruchtete nichts, daß ärztliche Zeugnisse eingesandt wurden, die bestätigten, daß das Mädchen nicht imstande war, den Dienst fortzusetzen. Das Mädchen beantragte nun richterliche Entscheidung. Den Verhandlungen, die vor dem Schöffengericht stattfanden, wohnte eine zahlreiche Zuhörerschaft bei, die allgemein ent- rüstet war, als der zweite Sachverständige Sanitätsrat Dr. Brüning die Leiden des armen Kindes schilderte. Die Staatsanwaltschaft plädierte trotzdem auf Bestrafung. Das Gericht sprach das Mädchen ftei. Der menschenfteundliche Dienstherr, Rechtsanwalt Ziebell, ist konservativer Partei- führer in Treuenbrietzen.— Mögen sich alle Dienstboten so schnell wie möglich zusammenschließen, damit das Ungeheuer der Gesindeordnung, die so viel Elend über die Mädchen bringt, endlich in die Wolfsschlucht befördert wird. Herbei, ihr Dienenden alle, schart euch einig um die Fahne der Dienst- botenorganisation, es gilt für alle ein menschenwürdiges Dasein zu erkämpfen! B. P. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Der Schweizer Nrbeitrrinnenverband, dessen Zentral- vorstand seinen Sitz in Winterthur hat, erfuhr im letzten Jahre eine erhebliche Erstarkung. Nach seinem Jahresbericht von 1906 ist die Zahl der ihm angeschlossenen Sekttonen von 7 auf 12 und die seiner Mitglieder von 420 auf 645 ge- stiegen. Die Einnahmen der Zentralkasse betrugen 950,50 Fr., die Ausgaben 799,90 Fr., der Vermögensbestand beläuft sich auf 642,60 Fr. Das Verbandsorgan,„Die Vorkämpferin", das seit einem Jahre erscheint, hat schon eine Auflage von 2000 Exemplaren erreicht. Ein Zeugnis dafür, daß die schweizerische Arbeiterinnenbewegung kräftig vorwärts schreitet, ist auch die Gründung eines Schwesterorgans der „Vorkämpferin" für die ftanzösische Schweiz. Es erscheint in Genf und führt den Titel„D'ExpIoitös"(„Die Ausgebeutete").— Kürzlich fand in Zürich die Delegierten« Versammlung des Verbandes statt, die von 16 Delegierten besucht war. Es wurde beschlossen, die Genossen und ins- besondere die Genossinnen überall aufzufordern, für die weiteste Verbreiwng der„Vorkämpferin" zu sorgen. Ge- nossin Reichen referierte über die Stellung der Frauen im neuen Entwurf zur schweizerischen Kranken- und Unfallver- sicherung. Im Anschluß an das Referat gelangte eine Reso- lution zur Mnahme, welche die volle Entschädigung der Wöchnerin während der im Fabrikgesetz vorgeschriebenen sechswöchigen Schutzzeit verlangt. Der Zentralvorstand er- hielt den Auftrag, eine entsprechende Eingabe an die Bundes- behörden zu richten. Die Frau in öffentlichen Ämtern. Als Professoren, Lazarett- und Provinzialärzte sollen Frauen zukünftig im schwedischen Staatsdienst wirken können. Beide gesetzgebenden Kammern haben eine Ver- fassungsänderung beschlossen, wonach die Frauen als Pro- fessoren zu den staatlichen Universitäten und Gymnasien zu- gelassen werden— die theologischen Lehrfächer aus- genommen—, ferner zu anderen Ämtern an Wissenschaft- lichen, künstlerischen und kunstgewerblichen Instituten sowie als Lazarett-, Hospital- und Provinzialärzte. Die betreffenden Amter, die von der Regierung besetzt werden, waren den Frauen bis jetzt verschlossen, während im staatlichen Post- und Telegraphendienst bereits seit längerer Zeit sehr viele Frauen angestellt sind. Die Zweite Kammer hat sich mit 116 gegen 96 Sttmmen, die Erste Kammer mit 64 gegen 60 Sttmmen für die gemeldete Gleichberechttgung des weib- lichen Geschlechtes im Staatsdienst erklärt. Da dieser Be- schluß aber eine Verfassungsänderung bedingt, erlangt er erst definittve Gülligkeit, wenn er nach den Neuwahlen zum Reichstag von der Majorttät beider Kammern erneuert wird. Frauenarbeit ans dem Gebiet der Industrie, des Handels- und Verkehrswesens. Frauenarbeit im Bergbau. Die 17. Generalversamm- lung der Bergarbeiter Deutschlands, die vom 5. bis 9. Mai in Dortmund getagt hat und von 126 Delegierten aus allen deutschen Bergbezirken beschickt war, brachte interessante Mitteilungen über die Frauenarbeit im Bergbau. Jnsge- samt waren im Jahre 1905 in der deutschen Bergwerks- industrie 661 310 Arbeiter beschäftigt, davon arbeiteten 468626 unterirdisch, 181643 männliche und 11041 weib- liche über Tage. Die Frauen sind vornehmlich in Schle- sien auf den Zechen der frommen Zentrumsleute beschäftigt; so ist zum Beispiel der frühere Reichstagspräsident Balle- strem an der Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft stark beteiligt. Die Arbeiterinnen werden zu mannigfachen Hantierungen verwendet, die fast ausnahmslos äußerst schwer sind. Sie müssen die in den Gruben liegenden Schlammteiche leeren und den Schlamm in die Förderwagen laden, wobei sie fast bis an die Knie im Wasser stehen. Eine andere ihrer Ar- betten besteht im Einfüllen ausgesetzter Kohlen oder in der Reinigung geförderter Kohlen von anhaftenden Steinen und Erzstreifen. Frauen sind es. auch, die das Einfüllen von Kalk und Ziegel besorgen, die in den Gruben gebraucht werden. In den Kokereien sind ebenfalls Frauen tätig; es gibt sogar Zechen, wo Frauen mit Schneiden von Gruben- hölzern beschäftigt werden. Eine herrliche Illustration zu dem Dichterwort:„Konimt den Frauen zart entgegen...." Der Lohn der Arbeiterinnen ist äußerst gering und ent- spricht durchaus nicht ihren schweren Verrichtungen. Bei zehnstündiger Arbeitszeit wird 1,50 Mk. bis höchstens 2 Mk. Tagesverdienst erzielt. Zur Ausbeutung gesellt sich oft die Bedrohung der Sittlichkeit. Häufig genug haben die Ar- beiterinnen unter unsittlichen Zumutungen von Vorgesetzten zu leiden. Der Vorstand des Bergarbeiterverbandes bezeichnete in seinem Bericht die Arbeiterinnen im Bergbau als nicht organisationsfähig. Dieses Urteil stützl sich wohl dar- auf, daß die schwere und schmutzige Arbeit und die niedrige Entlohnung die Lohnftlavinnen der Grubenbarone stumpf und gleichgültig gemacht und in ihnen jede Hoffnung auf ein besseres Leben erstickt hat. Da sie geradezu ausnahmslos mit Arbeiten beschäftigt sind, welche den weiblichen Organis- mus schädigen, müßte die Gesetzgebung zu ihrem Schutze einschreiten und die Frauenarbeit im Bergbau verbieten. Aber dem kapitalistischen Staat liegt der Prosit der aus- beutenden Klassen mehr am Herzen als die Gesundheit und Kraft der Mütter des Volkes. Deshalb läßt er es ruhig geschehen, daß die Ausbeutersippe auch bei den ungeeignet- sten Arbeiten kommandiert: Frauenarbeit vor! �V. K. Verschiedenes. Das Wohnungselend des Grubeuproletariats, unter dem die Hausfrauen der Knappen besonders schwer leiden müssen, ist kürzlich im Reichstag in helles Licht gerückt worden. Der sozialdemokrattsche Abgeordnete Hengsbach machte geradezu erschütternde, unerhörte Angaben darüber, wie im Oberhausener Bezirk das Bergarbetterheim be- schaffen ist. Allerdings wurden die enthüllten scheußlichen Zustände von dem„christlichen" Ausschuß geleugnet, der im Auftrag der an den Pranger geschlagenen Unternehmer die Wohnungen besichtigen mußte. Seine untertänigste Mohren- wüsche an den Zechenrittern nahm er in einem Eingesandt des Unternehmerorgans vor. Doch selbst das Organ des Christlichen Bergarbeiterverbandes ließ die„pflichttteue" Berichttgungskommisston im Sttch und zieh sie der Lüge und Vertuschung. Von den Delegierten des Bergarbeiterverbandes aber wurden auf dem Verbandstag, unter Angabe von Sttaßen und Nummern, grauenerregende Elendsbilder aus dem Bezirk Oberhausen gezeichnet. So ist zum Beispiel die Feuchtigkeit in ganzen Wohnungskomplexen so groß, daß in vielen Hausständen die Betten, Kleider und Möbel voll- ständig verfaulen und vermodern. Kanalisatton fehlt mit- unter vollständig, so daß fich vor den Haustüren förmliche Fiebersümpfe, aus den Abwässern gebildet, ausbreiten konnten. Die Wohnungen müssen zum Teil in unferttgem Zustand bezogen werden, und die zum Austtocknen ver- sprochenen Kohlen werden meistenteils nicht geliefert. Das Wohuungselend erzeugt eine ständige Krankheits- und Epidemiegefahr. Rheumatische Erkrankungen zum Beispiel find in diesen Löchern an der Tagesordnung. Die Berg- arbeiter und ihre Frauen haben förmlich aufgeatmet, als Hengsbach die himmelschreienden Zustände vor der breitesten Öffentlichkeit geißelte. Sein Borgehen hat bewirkt, daß ein konttollierender Kommissar wenigstens ein Projekt zur Trocken- legung der Wohnungen in Vorschlag gebracht hat. Die Ausführung würde zirka 36000Mk. kosten; ob der Vorschlag in die Praxis umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.— Traurigstes Wohnungselend ist auch in der Lausitz, dem Minette- gebiet in Lothringen und vor allen Dingen inSaarabien zu finden. Und überall gesellt sich das Unternehmertum mit Kirche und Polizei, um die schändlichen Zustände zu ver- tuschen. Die Geistlichen machen sich ganz besonders dadurch zu Mitschuldigen, daß sie im Beichtstuhl die Frauen gegen ihre im Verband organisierten Männer aufhetzen und da- durch mit der modernen Arbeiterbewegung die Kraft schwächen, die allein ernstlich und energisch das Wohnungselend be- kämpft. Den unheilvollen Einfluß solcher„Seelsorge" auf die Arbeiterfrauen zu brechen, muß Ausgabe aller tätigen Genossinnen und Genoffen sein. W. K. 106 Die Gleichheit Nr. 12 Der Zeitgeist. Don friedrich hölderlin. 3u lang schon walteft über dem Haupt mir Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit! Zu wild, zu bang ist's ringsum, und es Trümmert und wankt ja, wohin ich blicke. Ach! mie ein Anabe seh' ich zu Boden oft, Such' in der Höhle Rettung vor dir, und möcht', Jch Blöder, eine Stelle finden, Alleserschütterer! wo du nicht wärest. Laß endlich, Vater! offenen Augs mich dir Begegnen! haft denn du nicht zuerst den Geist Mit deinem Strahl aus mir geweckt? mich Herrlich ans Leben gebracht, o Vater! Wohl keimt aus jungen Reben uns heil'ge Kraft; Jn milder Luft begegnet den Sterblichen, Und wenn sie still im Haine wandeln, Heiternd ein Gott; doch allmächt'ger weckst du Die reine Seele Jünglingen auf und lehrft Die Alten weise Künste; der Schlimme nur Wird schlimmer, daß er bälder ende, Wenn du, Erschütterer! ihn ergreifest. Rote Ostern. Siftorisches Gemälde aus dem Bauernkriege. wesen, der sich den Bauern bei den Schüssen auf ihre später in mancherlei Verkleidung aus der Stadt geschafft. Gesandten entrungen hatte. Florian Geyer schwenkte Zwei Ritter, welche nicht schnell genug in ihren schweren mit seiner Schar sofort links ab, um das Schloß von Rüstungen hatten fortkommen fönnen, wurden von den der nördlichen Seite, wo der Berg, auf dem es thronte, Leuten des Dionyfius Schmid, die durch das erbrochene am zugänglichsten war, zu stürmen. Die Bauern der Ausfallpförtlein eindrangen, auf dem Kirchhof erschlagen. Rothenburger Landwehr hatten unter dem Banner ihrer Jäcklein Rohrbach stürmte mit seiner Schar die SpitalStadt in deren Fehden gegen den Raubadel Burgen gaffe herauf. In die Häuser und haltet euch eingeschlossen, brechen gelernt, und die Lanzknechte waren ihres Hand- wenn euch euer Leben lieb ist!" riefen sie den Bürgern werks wohl kundig. Semmelhans zeigte der schwarzen zu, die totenbleich auf ihre Knie fielen. Gleich der wilden Schar" die gangbarsten Stellen. Jäcklein Rohrbach stürzte Jagd brausten die Bauern vorüber, Jäcklein Rohrbach mit seinem Haufen wie ein wildes Gebirgswasser von an ihrer Spitze, das blanke Schwert in der Hand, seine dem Schemelberg auf das Untertor, den Weinsbergern Augen flammten, sein rötlicher Bart schien sich zu sträuben. Mord und Brand schwörend. Gegen das obere Tor, über den Markt, wo sie die verlassenen Pferde fanden, von wo der Weg nach Eberstadt und Schwabbach führt, fegten sie nach der Kirche hinauf, während durch das obere zog Jörg Mezler mit seinem Heere heran. Da wurden Tor, zu dem sich die Frauen der Schlüssel bemächtigt Herr Dietrich von Weiler und Graf Ludwig wohl inne, hatten, das Hauptheer unter Jörg Mezler eindrang. daß die„ Roßmucken" das Osterspiel ernst nahmen. Vor Wie die Wogen des sturmgepeitschten Meeres an allen Toren tobte der Kampf. Felsen branden, so tobten in entfesselter Leidenschaft die Jäcklein Rohrbach und seine Haufen achteten nicht Bauernmassen wild um die Kirche. Durch das Gelärm der Schüsse, mit denen sie von der Mauer und aus den flangen die Arthiebe, denen die Kirchentür nicht lange Schießscharten empfangen wurden, noch der Steine, die Widerstand zu leisten vermochte. Mit vorgestreckten auf fie niederprasselten. Die Büchsen taten ihnen auch Spießen drangen die Bauern ein, und alle, die sie hier taum Schaden; aber von den Steinen wurden viele ver- fanden, wurden niedergestochen. Auch in die Gruft wundet. Immer neue Streiter drängten an die Stellen drangen sie, erftachen die Versteckten, brachen die Särge der Kampfunfähigen, und fort und fort schmetterten die auf und plünderten sie. Inzwischen hatte Semmelhans, Arte und Hämmer, krachten die Sturmbalfen gegen das der mit anderen von der Burg in die Stadt gekommen dreifache Untertor. Die Ritter und reisigen Knechte, die war, die schmale Wendeltreppe entdeckt und zeigte fie Ehrbaren und die wohlhabenden Bürger wehrten sich triumphierend den Bauern. Ein wildes Freudengeschrei mit aller Gewalt; die anderen Bürger taten mur lässig erscholl:„ Hier haben wir das ganze Neft beisammen; ( Fortegung.) ihre Pflicht. Die Erhaltung des alten Regiments war schlagt sie alle tot!" Jeder wollte die Treppe hinauf. fein Preis, der zur Tapferkeit reizte. Ja, an der vier- Semmelhans war der erste. Lustig sprang er voran; Die Worte des Grafen von Helfenstein überzeugten eckigen Ausfallpforte, oben bei der Kirche, wurde gar kein da traf ihn das Schwert Jakobs von Bernhausen, des die Unzufriedenen nicht; allein seine Ritter und Reisige, Widerstand geleistet. Hier waren die Freunde der Bauern Vogts zu Göppingen Sohn. Jählings stürzte er rückdie er weislich am oberen Ende des Marktes aufgestellt auf Bosten, und während Dionyfius Schmid von Schwab- wärts, ehe der junge Ritter das Schwert wieder zurückhatte, schüchterten sie ein, und in der Nacht schickten sie ziehen konnte, riß die folgenden mit sich und verstopfte Wolf Nagels Frau, der es durch Lift gelang, aus der Stadt so den engen Aufgang. Eine Frist war auf diese zu kommen, mit der Bitte in das Lager der Bauern: Schon war am Untertor bei dem Siechenhause das Weise gewonnen, aber eben auch nur eine Frist. Dietrich fie follten kommen; fie wollten ihnen die Stadt auftum; äußere Tor eingerannt; nun zersplitterte auch das zweite von Weiler benutzte sie, trat auf den Kranz des Turmes sie sollten sie nicht in den Nöten stecken lassen. unter den Arthieben und den Stößen der Sturmböcke. und rief, nachdem es einigermaßen still auf dem Kirchhof Der Graf selbst rechnete fest auf den Zuzug von Da erhob sich in dem Haufen ein wildes Jubelgeschrei: geworden war, fie wollten sich ergeben und 30000 Gulden Stuttgart. Deshalb ließ er auch das dreifache Untertor, bei dem Siechenhause, nicht wie die übrigen durch Dung von dem Schloffe wehte Florian Geyers Banner. Das Bösegeld zahlen, wenn man ihnen das Leben ließe. und Steine verterrassen. Durch dieses Tor mußte die Sturmbalfen, Hämmer, Arte gegen das dritte Tor. Jetzt, unserer Brüder!- Und wenn ihr uns eine Tonne Goldes Schloß war genommen, und mit erhöhter Kraft schlugen" Ihr müßt sterben!- Rache, Rache für das Blut Hilfe kommen. Als der Morgen kam, waren die Tore, Mauern und bei dem Anblick des Banners der schwarzen Schar" auf geben wollt; der Graf und alle Ritter müssen sterben! Wehren nach den Anordnungen des Grafen alle besetzt; den Zinnen des Schlosses, entsant auch den ergebenen Rache für die Siebentausend von Wurzach!" So schrien Wehren nach den Anordnungen des Grafen alle besetzt; die Ritter und Reisigen gerüftet und gewappnet, und ihre Bürgern der Mut. Dem Dietrich von Weiler, welcher die erbitterten Bauern ihm zu, und in demselben AugenPferde standen gefattelt und gezäumt in den Ställen. Durch die Straßen ritt, um die Verteidiger anzufeuern, blick traf ihn der Bolzen einer Armbrust tödlich burch faft in die Arme Aber noch zeigten sich die Bauern nicht. Die Glocken fielen die Weiber in die Zügel und beschworen ihn, den den Hals. Er taumelte zurück riefen zur Messe. Während des Gottesdienstes wurde Widerstand aufzugeben, der sie alle in das Verderben seiner Feinde, die inzwischen die schmale Stiege erflommen dem Grafen, der mit Dietrich von Weiler in der Kirche stürzen müßte. Die Bürger riefen, man solle die Stadt hatten. Sie ergriffen den Sterbenden und schleuderten war, gemeldet, daß die Bauern da wären. Auf denn gegen Zusicherung des Lebens übergeben, und als die ihn auf den Kirchhof hinunter, wo er von den Bifen der zum fröhlichen Osterspiel!" rief er heiter dem Freunde Ritter hiervon nichts wissen wollten, wurden sie von den Bauern aufgefangen wurde. Dem Forstmeister Leonhard zu und begab sich auf die Mauer, wo er die Besatzung Dem Hans Dietrich von Wefferstetten, welcher eben einen Dietrichs von Weiler erkaufte von Bederhans aus Brackenzu und begab sich auf die Mauer, wo er die Besatzung Bürgern gewaltsam von den Mauern heruntergerissen. Schmelz und zwei anderen erging es ebenso. Der Sohn noch einmal mit kurzen Worten ermunterte, während Bauern erschossen hatte, drohten sie mit dem Tode, wenn heim sein Leben um zehn Goldstücke; als er sich aber Dietrich von Weiler das Pflaster aufbrechen und die Steine von den Frauen, Töchtern und Mägden der er nicht von der Mauer herunterkäme. Furcht und Verwandte, schlug ihn dieser mit seinem Handrohr von hinten zweiflung hatte sich der gesamten Bürgerschaft bemächtigt. nieder. Jörg Mezler, welcher mit einigen Hauptleuten Bürger auf die Mauern tragen ließ. Von Robert Schweichel. bach die Pforte von außen berannte, bemühten sie sich, dieselbe von innen aufzubrechen. Ja, die Bauern waren da. Ihre Waffen blitten in Der Graf von Helfenstein, welcher die Verteidigung auf den Kirchhof gesprengt fam, tat dem Morden Einder Ostersonne. Sie standen auf dem Kamm des Schemel gegen Jörg Mezler geleitet hatte, sah ein, daß unter halt. Den Rittern wäre aber besser gewesen, man hätte berges, der, seinen Namen von seiner Gestalt tragend, diesen Umständen ein längerer Widerstand nicht möglich sie in der Hize erschlagen. Sie wurden mit Stricken genordwestlich vor dem Schlosse sich hinstreckt, in Schlacht wäre. Er gab zu, daß einer von den Bürgern, der bunden und nach dem runden Turm am oberen Tore ordnung, voran Florian Geyer mit seiner schwarzen Schwabenhans, mit einem Hut auf einer Stange zum in das Gefängnis geführt. As sie über den Kirchhof Schar" und hinter ihm Jäcklein Rohrbach mit den Seinigen. Unterhandeln an das Untertor geschickt wurde; ja, er gingen, erhielt Graf Helfenstein einen Lanzenstich in die Der helle Haufen unter Jörg Mezler war noch über selbst begleitete ihn. Wie dieser aber: Friede! Friede!" Weiche und ein anderer einen Schlag über den Kopf, Erlenbach her im Anzug begriffen. Dort stand die hinausschrie, und andere schrien es mit ihm, da schossen daß er blutete. Die Wache vermochte es nicht zu hindern. Schwarze Hofmännin, murmelte Segenssprüche über die ihm die Bauern den Hut von der Stange. Jäcklein Drohungen und Verwünschungen begleiteten die GeWaffen ihrer Brüder und schrieb mit ihrem Stecken gegen Rohrbach kam heran und rief ihm zu, die Bürger sollten fangenen auf dem Wege. Jäcklein Rohrbach übernahm Weinsberg beschwörende Zeichen in die Luft. am Leben bleiben, die Ritter aber müßten alle sterben! ihre Hut. Die Ereignisse waren einander mit furchtbarer SchnelligAuch jetzt noch waren die Bauern befliffen, sich keine Schont wenigstens den Grafen von Helfenstein," bat Verlegung des Kriegsbrauchs zuschulden kommen zu lassen. Der Schwabenhans. Nein!" schrie Jäcklein Rohrbach feit gefolgt. Gegen neun Uhr hatte der Sturm auf Burg Bevor sie zum Angriff schritten, schickten sie zwei Herolde, wild hinauf und stieß sein Schwert flirrend auf den und Stadt begonnen, und um zehn Uhr war alles vordie einen Hut auf einer langen Stange trugen, zum Boden, und wenn er von Gold wäre, er muß sterben!" über. Die feftlich geschmückte Gräfin von Helfenstein war Untertor, um die Stadt zur Übergabe aufzufordern. Mit Grauen wandte sich der Graf hinweg. Nun war noch mit ihrem Knaben und ihren Dienerinnen in der " Eröffnet Schloß und Stadt dem hellen christlichen es Zeit zu fliehen. Als er sich aber auf dem Markte Schloßkapelle und empfing eben das heilige Abendmahl, Haufen," riefen sie hinauf. Wo nicht, so bitten wir mit seinen ritterlichen Freunden und den Reisigen in den als die Burg von der schwarzen Schar" erstiegen wurde um Gottes willen, tut Weib und Kind hinaus, denn Sattel schwang, da wollte sie die dort versammelte Menge und ein Teil derselben dort eindrang. Im Namen beide, Schloß und Stadt, werden den freien Knechten nicht ziehen lassen. Vergebens redete er zu ihr. Vergebens redete er zu ihr. Wo Gottes, weichet zurück!" rief ihnen der Geistliche, die zum Stürmen gegeben, und es wird dann niemand ge- find meine frommen Bürger?" rief er verzweifelt. Seine heilige Handlung unterbrechend, entgegen. Ein höhnisches schont werden." Worte erstarben in dem allgemeinen Geschrei. Die Weiber Gelächter war die Antwort, und eine starke Stimme Ehe der Graf, den die Bürger rufen ließen, an das jammerten und wehklagten; die Gutgesinnten riefen ihm zürnte:" Dein Gott ist der Teufel, du falscher Priester!" Tor fam, sprang Dietrich von Weiler auf die Mauer. zu:„ Wollt Ihr uns allein in der Brühe stecken lassen?" Das Angstgeschrei der Frauenzimmer lockte Florian Geyer " Was," rief er, ein Rittersmann soll mit Roßmucken Andere verwünschten ihn; durch ihn sei die Stadt ins herbei, der die Gräfin suchte. Diese trat ihm bleich, doch parlamentieren? Pfui der Schande! Solchen Roßknechten Unglück gekommen, und es sei jetzt feine Zeit zum Ent- stolz entgegen und sagte:„ Ich bin eure Gefangene!" " Ihr irrt; wir führen nur mit Männern Krieg," antwortet man nur mit Kugeln." Er befahl den Wachen, fliehen. versetzte er, und sie, fast mit Verachtung:„ Krieg nennt Dieses Verbrennen und Plündern der Klöster und " Feuer zu geben. Der eine Gesandte stürzte schwer ge- Es war auch zu spät. Ein Hurrageschrei vom Untertor troffen zu Boden, raffte sich aber wieder auf und folgte verkündete, daß die Bauern dort eingedrungen waren. ihr dies wüste Rauben, Brennen und Morden?" seinem fliehenden Gefährten. Herr Dietrich lachte laut Die Ritter ließen ihre Pferde und flüchteten mit den auf.„ Liebe Freunde," rief er, sie kommen nicht! Sie Reisigen nach der Kirche hinauf, wo sie sich verbarri Stifte; diese rohe Gewalt wider die Geweihten des wollen uns nur also schrecken und meinen, wir hätten fadierten. Ein Priester wies den Rittern eine verborgene Herrn?" fiel der Kaplan mit zum Himmel erhobenen ( Forts. folgt.) von Hasen das Herz!" Er hatte auf dem Schemelberg schmale Wendeltreppe in den Turm. Von den Knechten Händen ein. eine Bewegung bemerkt und ein Schreien gehört und und Reiterknaben verbargen sich manche in den Grabglaubte, daß seine Handlungsweise den Bauern Furcht gewölben. Einige retteten sich auch in die Bürgerhäuser Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Betkin( Bundel), Wilhelmshöhe eingeflößt hätte. Es war aber ein Schrei der Wut ge- und wurden hier von mitleidigen Frauen versteckt und Boft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von Paul Singer in Stuttgart.