Ar. 805 Abomnntitt»• grtfnpngta: «bonnementi«Pret» pränumerando: «ierleljährl.»,S0 Sit, monatt 1,10 SRI., wöchenMch 28 Pfg. frei in» Hau«. Clnjetne Nummer 5 Pfg. Sonntagg- Nummer mit Illustririer Tonnlag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mark pro Quartal. Eingetragen ln der Post- Aettung«- Preisliste für 1897 unter Et. 7437. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Dnftrttons-Grbllhv beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- teile oder deren Raum«0 Pfg., für BeretnZ- und PersammlungS-Anteigen» sowie Arbeilsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in der Erpedition abgegeben iverde». Die Expedition ist an Wochentage» bt« 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festlagen bt« o Uhr oormitlag« geöffnet. Srschewl täglich«uftrr Monlag«. Nevlinev VolKsbl�kk. Fernsprecher: Nnik I, Dr. 1008. Delegramm-Adresse: ,,»»ri«ld«m»Kr»l»rrlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedaklion: SVJ. 19, M-nty-Straße 2. KZpedltion: SMJ. 19, Uettty-Straße 3; Das ZVivkszsthAfksjMv 1897. Als Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre der ökonomische Druck nicht weichen wollte, der lange schon auf allen Jildilstrieländern wie ein Alp lastete, da neigte auch die sozialistische Theorie zu der Annahme: für die kapitalistische Produktion sei nimmehr die Krise chronisch geworden, die kapitalistische Zttvielerzeugnug habe eine» Höhegrad erreicht, daß in Zukunft die Absatzstockung die ausnahmslose Regel bilden müsse. Kein Wechsel mehr von fieberhafter Anspannung und todtähulicher Lähmung aller Produktionskräfte, keine wie die Mondphasen regelmäßige Abfolge von Ruhe, Aufleben, Bliithe, Ueberprodnktion, Krach und Versumpfung, und aber- mals Ruhe und Aufleben bis zum Zusammensturz der ganzen Kartenhausherrlichkeit— sondern ewige Stagnation, gegen die wie gegen de» Tod kein Kraut niehr geivachsen ist! Schon die Jahre 1887 bis 1890 hatten im Gegensatz zu dieser einseitigen Annahme bewiesen, daß die ruhelose Fort- eutwickelung des Kapitalismus vorübergehend immer wieder eine ganze Reihe neuer Absatz- und Bedarssverhältuisse schafft, die den Weltmarkt nicht»ur von seiner Uebersüllung entlasten, sondern ihn periodisch von neuem in die alte Aufwärts- bewegung hineiureißen. Trotzdem, als um die Wende von 1894/95 die Börseupresse Stimmung für eine neue Wirthschasts- Acra machte, als die Neugriindungen, Umwandlungen und Erweiterungen iildustrieller Betriebe aus der ganzen Linie eröffnet wurden, da äußerte man noch vielfach Ziocifel. ob es sich hierbei nicht etwa nur um einen künstlichen Börsenfischzug zum Nutzen der Banken und der Großsiuanz handle, oder ob das Räderiverk der Produktion wirklich längere Zeit in vollen Gang kommen werde. Nun schnurrt und sanft, stampft und dröhnt es drei Jahre lang und es scheint vorerst auch keine Lust zum Stillstehen zu haben. Selbst bürgerliche Blätter sangen, wie der Gastsreund des Polykraics, an zu zittern, weil sie dieses Ucbermaß von Glück schon lange nickt mehr gewöhnt sind. Je höher heute der Auffing, desto tiefer später der Absturz. Und tauchen jetzt am Jahresende in dem Gewirr erfreulicher Nachrichten und blendender Abschlüsse nicht schon einzelne düstere Unheils- botschasteu ans? Zieht sich das Wetter, das wie ein Natur- verhänguiß über die planlose kapitalistische Produktion mit ihrem Gegcitsatze von Waarcnreichthum und Masseuarmulh hereinbrechen muß. nicht schon in de» ersten Wolken am Horizont zusammen? Die große Masse der Kapitalisten hat sich vorläufig ihren Optimismus nicht erschüttern lassen. Das Jahr 1897 bot mit seiiicn politischen Verwickelungen mehrfach Grllnd zur Be- nnruhignng, aber nach ein paar Stunden oder Tagen der ersten Ueberraschung waren Haudel und Industrie stets wieder bei guter Laune und froher Hoffnung. Selbst als die Schiffs- kanonen vor Kreta ihr unharmonisches europäisches Konzert aufführten, blieb die Börse von einer Panik verschont. Die Hungersnoth und die Pest in Indien hätten unter andere» Umständen schwer deprimirend ans England und rückschlagend auch auf den europäischen Kontinent wirken müssen; so wirkten fie fast nur auf die englischen Almosen- sammler und Thränendrüsen. Als im September die deutsche Reichsbank ihren Diskont auf den ungewöhnlich hohe» Satz von vier Prozent erhöhte und die Bank von England bald darauf mit einer entsprechenden Maßregel folgte, sah" man darin nicht ein Warnnngssignal, daß die Grenze der halbwegs soliden Geschäfts- irnd Kreditansdchnuug bereits überschritten und eine größere Mäßigung geboten sei, sondern lediglich ein Wahrzeichen des anhalteiideu Aufschwunges, der den Leih- kapitalbedarf weiter hochhalte und immer höher steigere. Alle Geschwaderansamnilnngcn in Ostafien haben die Börse bisher nicht zu erschrecken vermocht. Man kann auch wohl umgekehrt sagen, daß das Verlangen der Bourgeoisie aller Länder nach ungestörter Verdauungsruhe die Diplomatie wesentlich niit- bcstimnit hat, große politische Fragen jetzt nicht gewaltsam ins Rollen und zur Entscheidung zu bringen. Die Banken hatten unter so ausnahmsweise günstigen Umständen natürlich eine reiche Ernte einzuheimsen. Waren die Ansprüche der Industrie für Neuanlagcn, für Uniwand- hinge» von Privatfirmen in Aktiengesellschaften, für Erhöhung des Grundkapitals und Aufnahme von Anleihen gedeckt, dann kam der Staat und dann das Reich mit ihren großen Konvertirungen der im Verhältniß zum allgemeinen Zinsfuß zu hoch verzinslichen Schulden. Dann klopften die finanziell uolhleidenden Länder an: China durch Vermittcluug Ruß- lands in Frankreich, um seine Niederlagen zu verwinden, Brasilien niit der Gegenznsichernng einer Verpachtung seiner Bahnen, die Türkei und Griechenland, iveil Sieger>vie Bc- siegte gewöhnlich zwiefach Geld brauchen. Diese Geschäfte schweben zum theil noch und unsere Hochfinanz denkt daher noch lange nicht daran, in Sack und Asche zu tranern. Der Industrie rühmt man vielfach einen Aufschwung, ähnlich wie Anfang der siebziger Jahre, nach. Für das Kapital mag das richtig sein; die industrielle Arbeit ist zweifellos nur mit Brosauieu vom Herrentisch abgespeist worden. Hat doch der Bergarbeilerlohn im Westen noch nicht ivieder die Höhe der letzten guten Periode erreicht, während das Gruben- kapital infolge des Syndikats im Golde schwimmt. Neben den gewöhnlichen Ursachen des Wiederauflebens find auch im Vorjahre noch außerordentliche Ereignisse weiter wirksam ge- ivcscu. So vor allem die immer rascher sich vollziehende Um- wälznng aus alle» Produktions- und Verkehrsgebieten durch die Elektrotechnik, die neue Kraft- und Licht- versorgungs-Anstalten, neue Transportwege und Verkehrs- mittel förmlich aus dem Boden gestampft und damit zahlreichen anderen Industrien, so dem Maschinen- und Wagenban, zu großen Aufträgen verholfeu hat. Sogar das allgemeine Wettrüsten, die großen Schiffsbanten vor allem Englands, die Ncubeivaffnungen der kontinentalen Heere haben andauernd auf die indufirielle Regsamkeit gewirkt. Die Kohlen Produktion kann infolge dessen in allen Ländern mit glänzenden Ergebnissen aufwarte». In Preußen allein betrug die gesammle Förderung an Steinkohle» in den ersten neun Monaten: 1893... 49 674 873 Tonnen. 1894... 52 017 539 1895... 52 956 651„ 1396... 53"8 1389 1897... 61 832 234 Sie ist also gegen das Vorjahr um 3,8 Millionen Tonnen oder um 6,6 pCt., in vier Jahren insgesammt um 12,2 Mill. Tonne», also fast geuau ein Viertel gestiegen. Noch 1887 hatte ganz Deutschland in vollen zwölf Monaten die jetzige 9- Monats- Produktion Preußens noch nicht erreicht. Dabei sind auch die Kohlcnpreise 1897 im allgemeinen noch weiter in die Höhe ge- gangen. Es betrug nämlich der Okloberprcis für die Tonne, in Mark ausgedrückt: 1895 1896 1897 Gaskohlcn in Essen 10.00 10.50 11,25 Sleinkohleu in Di-fseldorf 8.50 8,75 9,25 Oberschlesische Magerkohle» in Berlin 19.75 19,50 18,50 Niederschlesische Gaskohle» in Breslau 12.60 12,60 12,90 Englische Nnsikohlcn i» Hamburg 13,70 13,10 13,80 Für Eisen ist in Deutschland die Nachfrage lange Zeit eine derart starke gewesen, daß die Ausfuhr durch den reu- lableren Jnlandsabsatz stark beschnitten worden ist— ein Beweis übrigens, wie entscheidend der inländische Markt heute selbst für die entivickeltestcn Industrien noch ist und wie wenig zuweilen eine Abnahme der Ausfuhr zusammenfällt mit einer Gefährdung und Verkürzung des Profits. Es belicf sich nach den eben veröffciitlichten Ermittelungen des Vereins Deutscher Stahl- und Eisenindustricllcr die Rohciscnproduktiou für die ersten elf Monate: 1897 auf 6 273 612 Tonnen 1896„ 6 808 263 1895 wurde die Produktion für die vollen zwölf Monate augegeben auf 5,46 Mille Tonnen, noch 1886 hatte sie nur 3,5 Mille Tonnen betragen, also wenig mehr ivie die Hälfte der für 1897 zu erwartenden Gcsammtvroduktion. Für zwölf Jahre gewiß eine recht annehmbare Leistung! Ein ähnliches Bild ließe sich noch für viele Großindustrien entwerfen, vor allein für die elektrotechnischeil Unternehmungen, die Schienenwerke, für das chemische Gewerbe, den Waggonbau. Nur die Textilindustrie hat, ivie es scheint, mit dem Jahre 1896 ihren Höhepunkt bereits erreicht. Das Jahr 1897 war besonders für die Baninivolltnbranche ein ziemlich nn- erfreuliches, nicht nnr in Deutschland. Trotzdem werden bei uns noch immer neue Spinnereien errichtet, und auch der Verbrauch von Rohbaumwolle war, nach der Einfuhr geschätzt, in den ersten zehn Monaten des Jahres 1897 größer wie im Vorjahre. Die L a n d w i r t h s ch a f t hatte fast überall in Europa mit schlechten Ernten, in Rußland sogar mit einem theilweisen Nothstand, zu rechnen. Amerika hat sich auch bei dieser Ge- legenheit als die große Kornkammer Europa's bewährt. Die reicheren Einnahmen seiner Farmer haben zugleich die Wirkungen des Dingley-TarifeS für Europa abgeschwächt, iveil die ungewöhnlich starke Kaufkraft der Masse der nord- amerikanischen Bevölkerung auch die Zufuhr europäischer Waaren günstiger, wie sonst unter anderen Verhältnisse», ge stalten mußte. Von internationalen Währungs abenteuern, wie sie von den Vereinigten Staaten angeregt wurden, blieben wir infolge des Widerstandes Englands verschont. Besonders die indische Verwaltung zeigte keinerlei Lust, ihre Münzstätten wieder für die freie Sitberprägnng zu öffnen; damit waren die Hoffnungen der Silberfanatiker dauernd vernichtet. Das stelige Wachslhnm der Goldproduktion in den älteren Fund- stätten, die Entdeckung neuer enormer Goldschätze im Norden Kanada's gerade im letzten Jahre lassen die Furcht vor einer preisstürzeuden Goldknapphcit heute lächerlicher wie je er- scheinen. Ob aber der Preissturz, die Krisis nicht dennoch bald kommen wird— aus anderen Ursachen, die mit den wechseln- den Edelmetall-Zuflüssen ivahrhaftig nichts zu thun habe», sondern die dauernd sind, solange die kapitalistische Produktion noch herrscht? Auch im letzten Jahre haben die Scndlinge des Kapitals, bewaffnet oder friedlich, neue Länder und neue Absatzfelder in allen Erdlhcilen zu erschließen gesucht. Von allen Küstenstrichen Afrika'? aus sind die Expeditionen weiter in das Innere vorgedrungen, so daß die vollständige Auftheilnng des dunklen Erdlheils bald eine vollendete Thatsache sein wird. Die altknltivirten, dicht- bevölkerten Gebiete Ostasieus locken zu immer neuen Beute- zügeu heraus; nur die gegenseitige Eifersucht der europäischen Konkurrenten hat das Reich der Mitte bisher vor allzu lebens- gefährlichen Amputationen bewahrt. Ob das nächste Jahr die Lawine ins Rollen bringen wird? Sicherlich wird das europäische Kapital, auch wenn alle l seine wilden Gelüste nach Ausdehnung seiner Märkte befriedigt' sind, am Ende nur erkennen, daß es„auch nichts war". Vielleicht genug, um ein paar Jahre länger das nackte Leben zu fristen, aber nimmer genug, um auf längere Zeit wieder zu gesunden. Drei Jahre des Aufschwungs find vorüber. Wir bezweifeln, daß wir beim nächsten Rückblick noch ein viertes Jahr der Prosperität zu verzeichnen haben werden. politische Mebovllchk. Berlin, 30. Dezember. Die Vorgänge in Ostasien. Von englischen oder japanischen Operationen in den chinesischen Meeren verlautet heute nichts. Eine Meldung, daß französische Schiffe auf der Insel Hainau(gegenüber der südlichsten Provinz China's) ge- landet seien und daß daselbst die französische Flagge aufgehißt loorden sei, bestätigt sich ebensowenig wie die frühere Meldung von der Besetzung Port Hamilton's durch die Engländer. Dagegen erscheint es recht glaubwürdig und ist sehr inter- effant, daß Frankreich sich ernstlich mit dem Bau der Eisen- bahulinic beschäftigt, welche von der Grenze von Tongking in das südchincsische Gebiet führen soll und die reichen Provinzen Nünnan und Kivangsi für den französischen Handel erschließen wird. Bekanntlich mußte China bald nach dem Friedensschluß von Schimonoseki bedeutende kommerzielle und industrielle Vortheile in Süd- China an Frankreich ge» währen. Diese bisher auf dem Papier stehenden werthvollen Konzessionen sollen nun verwirklicht werden. Die Eisenbahn» strecke, die zunächst von der Gesellschaft Fives in Lille fertig gestellt werden wird, bildet die Fortsetzung der bereits im Bau begriffenen tougkinesischen Bahn, die an der Grenzstadt Lang- So» endet; sie soll vorläufig bis Lou-Tscheu geführt werden, das ist der halbe Weg bis Kanton. Auch ein Monopol aus den Ulineubau in dem Gebiete von 100 Kilometern längs dieser Eiscnbahnstrecke soll der französische Gesandte in Peking, Herr Gerard, erhalten haben. Die Haltung Chiua's gegenüber der deutschen Okkupation wurde seitens unserer Offiziösen stets als durchaus freundlich bezeichnet. Augeblich hatte der Pekinger Hof garnichls gegen die Festsetzung in Kiaotschau einzuwenden. Ein heutiges Jtenter-Telegranim aus Peking läßt die Situation aber ganz anders erscheinen. Das Telegramm sagt: „Ein kurzer Auszug aus der in Kiel vom Kaiser Wilhelm gehalieueu Rede ist dier eiugciroffen. Mittlerweile bleibt die deutsche Frage unverändert. Eine Lösung könne nicht eher ihren Ansang nehmen, meinen die Chinesen, bis Prinz Heinrich„seine geballte Faust gelandet und seine Lorbeere» envorben hätte". Die Schwierigkeiten Chiua's steigern sich dadurch, daß es nicht weiß, ivie sich die übrigen Mächte stellen werde». An und für sich ivürde es gern Deuischland Widerstand enlgegen» setzen, aber es traut sich nicht die Macht ohne die Unterstützung einer anderen Nation z». Die chinesischen Behörden wunder» sich. daß»och immer keine HiIsevonGrojibritaunienkommt. An denbritischen Preßerörtcrungeu nimmt man großen Anstoß. Erst soll Deutsch- land Kiaolschan räumen, ehe China ihm eine andere Kohlenstation einräumt. Bon der russischen Regierung ist bis jetzt keine Ant» wort auf die vorgeschlagene Anleihe eingelaufen. China wird bange wegen der gegenwärtigen Lage, und die Regierung ist ohnmächtig. Das abergläubische Volk ängstigt sich wegen der bevorstehenden Sonnenfiustsrniß. Fällt diese doch gerade auf den chinesischen Neujahrstag." Agrarische Wissenschaft mit StaatSnnterstiitzung. So n»- duldsam die Regierung gegen alle antikapitnlistischen Gegner ist, so gerne ist sie bereit, die agrarischen Herren, die bekanntlich vor dem Schlachtrufe:„Diesem Ministerium keinen Groschen!" selbst heute nicht zurückschrecke». mit kleinen Geschenken gefällig zu sei». Herr Dr.!)i»hla»d kann davon erzählen. Er, der „wisscnschafiliche" Worisührer des Bundes der Landwirthe, der schon so manchen Pseil, welcher ans dem Hinterhalte gegen Minister und Staatssekretäre geschossen wurde, geschnitzt hat, war nie ein Feind von Subventionen. Schon zu Bismarck's.Feiten hat er mit amtliche» Reisegelder» eine Reise nach Australien unter- nomine» und eine weitere Subvention sollte ihm ermöglichen, eine Sammlnng von Materialien über die überseeische Konkurrenz zu veranstalte». Damals war Herr Ruhland ein Privatgelehrtcr, dessen Arbeiten und Beziehungen iveitere Kreise wenig intcressircn konnten. Heute aber ist Herr Ruhland kein Privainmmi mehr, er ist der Wortführer einer großen Partei, die vor der schroffe» Opposttion gegen die Regierung nicht zurückschreckt. Ein solcher Mann müßte auf die vollste Unabhängigkeit von der Regiermig den größte» Werth legen. Freilich bei einer Partei, die von kleinen Geschenken von der Regierung lebt, ist es nicht zu verwundern, daß auch jemand, der sich für einen„Mann der Wissenschast" ansieht und sich doch als Inspirator von Jnteressenpolitikern gebrauchen läßt, kleine Geschenke nicht verschmäht. Herr Ruhland bereitet die Herausgabe eines zehubändigen Hand- bnchs der Nalionalökonomie vor, in welchem nicht die Arbeit und nicht das Kapital, sondern die Gclreideproduktion Und Getreide- versorgnng in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt werden soll. Das mag eine nette tendenziöse und cinseiiige Arbeit werden, be- sondeis wenn ein vom Bunde der Landwirthe abhängiger Herr sich dieser Aufgabe widmet. Dieses Werk, das bei der Konkurrenz der Frankcnstein'scheii Eanunlnng, der Schoenberg'schen Handbuches, der Wagner> Biichenberg-r- Bücher- Dictzel'sche» Politischen Oekononne, des Gustav Cohn'schc» Werkes und bei dem demnächslige» Erscheine» eines Handbuches der Boikswirthschaflslehre von Schmoller, Ehcberg, Miaskowski ic. keinerlei Aussicht hat, einen große» Käuserkreis zu gewinnen, soll nicht blos vom B»»d der Landwirthe, sondern auch von Staats wegen durch eine Snbveiilio» gefördert werde». Herr v. Miquel hat, wie wir soeben bestimmt erfahren, eine reichliche Stantsnnlelstntznng dieser„Nationalökonomie im Interesse der Großgrundbesitzer"„ach Fertigstellung des I.Bandes in Aussicht gestellt. SSit haben sicherlich nichls qegen Nnterstühung und Förderung wissenschaftlicher Arlieite» du»ch öffeniliche Mittel; die Snbrieiilioniruiig des Rnhlaud'fchen Werkes aber verbietet sich für die Regierung, wie für den Herausgeber. Die Regierung fördert damit ein unter dem Scheine der Wissenschaft publizirtes Tendenzwerk und der Heraus- gober macht sich und seine Mitarbeiter durch die Annahme der Subvention de» Herrn v. Miqiiel, von einer wissenschaftliche» Er- ivägungen iveit abliegenden Beurtheilung, abhängig. Im Juteresse der Subvention kann manches gesagt und lmterdriickt werben; ein unabhängiger Mann sagt aber blas das, was er für richtig hält. Herr v. Miqiiel kann sich mit der von ihm in Aussicht gestellten Förderung der Wissenschaft nicht brüsten und Herr Dr. Ruhland wird durch diese Subvention in der Achtung seiner Fachgenossen nicht steige».— »• D-utsch-S Reich. — Amtlich macht der„ReichZ-Anzeiger" endlich bekannt, daß dem Oberpräsideuteu der Provinz Sachsen, von Pommer-Esche zu Magdeburg, und dem Miuifterialdireklor Haase im Ministerium des Innern bei ihrem Ausscheiden aus dem Slaatsdiensl der Charakter als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat„Exzellenz" ver- liehe» wurde, und daß der Slaatsniinister Dr. von Bötlicher zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen und der Regierungspräsident Graf zu Slolberg-Wernigerode zu Merseburg zum Oberpräsidente» der Provinz Hannover ernannt wurde», sowie daß der RegiernngS- Präsident Freiherr von der Reck zu Köslin in gleicher Amtseigenschast an die Regierung in Merseburg versetzt wird.— — Da Z Verhältniß von Dreibund und Zwei» b u n d wird in der Presse wiederum in Anknüpfung an das Buch des italienischen Senators Chiala erörtert. Diese Erörterungen haben aber lediglich historische Bedeutung und zeigen nur. daß in Italien dem Dreibund unfreundliche Stimmungen vorhanden sind. Neues tritt dabei nicht zu tage.— Zur lex N r o n s. Die Blätter aller Parteirichtunge» beschäftigen sich andauernd mit der tax AronS, meistens in ein. gehenden Leitartikeln; aber ausschließlich die freisinnigen Biälter verhalten sich völlig ablehnend. Sehr naiv verhallen sich die Nationallibcralen. Die„National- Zeiiung", welche der Nnterrichtsabtheilung des KnliuZininisterinmS besonders nahe steht, schildert treffend die Rück- ftändigkeit des preußischen Beamten- Disziplinargesetzes, selbst ge- messen an dem entsprechenden Gesetze für die Reichsbeamten. Anstatt nun aber den Schluß zu ziehen, daß man dem„Natur- gemäß zu starker Berücksichtigung politischer Gesichtspunkt« neigende» StaatSininisteriuin" auf keinen Fall auch noch die Privatdozenten ausliefern dürfe, findet sich die„Natioual-Zeitung" völlig in das ihr unvermeidlich Scheinende mit dem sonderbare» Tröste, daß diese besondere Disziplinarfrage den Anlaß gäbe,„einmal daran zu erinnern— hoffentlich auch im Abgeordnelenhanse—, wie«»- befriedigend im allgemeinen in Preußen die Disziplinarverhällnisse der nichtrichterliche» Beamten geregelt sind". Wahrhast kläglich ist die Halinng der Zentrumspresse. In gleich- laiitend«» Notizen erklären„Germanin" wie„Nölu. Bolkszlg.":„Mau mag mi» dem neuen Gesetz ein noch so schönes Mäntelchcn umhängen, «» ist doch dazu bestimmt, Dozenten, die ein« der hcrrschenven Richtung unbequeme Lehre vortragen oder auch nur einer ihr ver- haßte» politische» Partei angehören, unschädlich zu machen." Bon einem Kampf gegen da? so gekeilnzeichnetc Gesetz ist aber keine Rebe. Sie resigniren mit folgenden naiven Trostuwrlen: „Gegen allzu argen Mißbrauch wird ei hoffentlich schsitzen. daß nicht der Kultusminister, sondern dir FakiillSl n>id ein Gerichts- Hof zn entscheiden haben,«S wäre den», daß dieser Gerichtshof vom «uUuSminister selbst zusammengesetzt oder sonst wirksam beeinflußl würde." Gegenüber den Sefüblsäußerunge» dieser Mannesseelen berührt eine» die offene Sprache der.Krenz-Zeilung' geradezu wohlthnend, welches Blatt natürlich für die möglichst schleunige Maßregelung aller mißliebigen Privatdozenten mit der ihr in solchen Dingen eigenen Wärm« eintritt. Die„Kreuz- Zeitung' kommt zu dem Schluß, daß der Appell des„Berliner Tageblattes" an die Parteien. die das BereluSgesetz zu Fall gebracht haben, auch hier ihren Mann z» stehen, nicht gerade große Aussicht auf Ersolg habe, und«usere Preßübetsicht scheint ihr völlig recht zu geben. � — Zur Reform der Eisenbahn-Personenfahr- p reise erfährt die„Kren,-Ztg.", daß im preußischen Eisenbahn- nnnistcriuin schon vor einiger Zeit Beraihungeu über eine ausgiebige Reform der Eisenbahn- Personenfahrpreise stattgefunden haben. Diese Berathungen sollen bereits zum Abschluß gekommen sei», und die Grundzüge der Reform gegeuwärlig dem preußischen Finanz. »itnisterim» zur Prüfung vorliegen. Dem Vernehme» nach sollen dir Personenfahrpreise unter Beseilignug aller Ausnahme- karten, insbesondere der Rückfahrtkarten und der Rundreischefte, nicht nim-heblich herabgesetzt werden. In der Prcffe wird mehrfach und mit recht bezweifelt, ob hierbei wohl wirkliche Reformen" sich ergeben werden. Unter Herrn Mlqnel'S Regtde pflegen derartige „ResormeN", wie di«„Germania" richtig bemerkt, meist ans eine Ärhöhling der Einnahmen hinauszulaufen. Achnlicher Meinung ist die„Kölnische Zsitnng", di» wohl auch nicht mit unrecht mit- theilt, daß diese Mittheiluiigen der Wirklichkeit vorauslanfcn. Sie schreibt weiter:„bei der Mückstchtnahme auf die ostelbifchcn agrarischen Jntereffen, die jeder Trleichteriiiig der Reisemöglichkeit für die arbeitenden Klassen sich entgegenstellen, dürfte eine Ver- wirklichnng jener Pläne für übersehbare Zeit ausgeschlossen fein." Aber auch der„Köln. Ztg." ist natürlich die Herabsetzung der Gütertarife für Massenfrachten wichtiger und dringender als die Vereinfachung und Herabsetzung des Personeutarises. Verbillig, mg des Reiseiis fuhrt zur Ausnutzung der Konjunkturen des Arbeits- markteS und kann«ine Erhobung der Löhne zur Folg« habe»; Ver- billigung des Waarenverkehrs erleichtert di« Produktion und ermöz- licht«in« bessere Einwirkung auf die Waarenpreise. Deshalb stehe» auch hier die Interessen der Arbeiterklasse denen der Großindustrie und deS Großgrundbesitzes schnurstracks«utgegeii.—- Eine Edelmetall-Enquete. Um zur Beurtheilung der für das Bolkswirihschastsleben, insbesondere für das Gold- und MÜuzwese» hochwichtigen Frage, wieviel von säinmilichem ge- wonnenen Golde zu Geldzivccken verwendbar bleibt und wieviel davon zu gewerblichen Zwecken verbraucht wird, bestimmte Anhaltspunkte zu gewinnen, soll im ganzen Dniischen Reiche eine Aufnahme veranstaltet werden, wieviel Gold in den Jahren lßSS und 1897— für jedeS Iaht gesondert-- zU gewerblichen Zwecken verbraucht wurde. Zur Beiverkstelligting dieser Aiifnahin« sind den Handelskammern von dein Minister für Handel und Gewerbe Fragebogen zugegangen, die sämmtlichen Gold verarbeitenden Gewerbetreibenden zuzustellen find. Der eine Fragebogen ist an alle Gold verarbeitenden Gewerbetreibenden, Goldivaarciifabrikanten, Gold- schmiede, Bergolder, Gold verbrauchenden Porzellan» und Glasfabriken, Photographeu, Zahnärzte hiiiauszugeben und soll der Beantwortung der Frage diene», wieviel Goldmünzen und unverarbeitetes Gold zn den Zwecken dieser Gewerbetreibenden aufgebraucht wurden. Der andere ist an die Inhaber von Scheide-Anstalten hinanszngeben und soll zur Beantwortung der Frage oienen, wieviel zur weiteren Ver- arbeitung fertiggestelltes Gotb ans altem Gold, auS Goldmünzen, auS Gekrätz, sowie aus goldhaltigen Stoffen aller Art geivonucn wurde.— — In den preußischen Etat sollen, wie die„Berliner Politische Nachrichten" mitlheileul, erhebliche Summen für die Er- Weiterung und Verbesserung der MuseumSgebäude eingestellt werden, ebenso größere Beträge zu Ankäufen für die staatliche» Kunstsamm- lungen. Auch soll der Neubau eines Gebäudes für die Hochschule für Musik und die Kunstschulen in der Hardeubergstraße in Char- lotleuburg i» Augriff genommen werde».— — Konservative WeihnachtSbetrachtungen. Der „Kons. Korresp." haben die„Weihnachtsgedankeu" deS„vorwärts" nicht gefallen. Sie zitirt einen Absatz daraus, der mit den Worten schloß:«Aus alle» Ländern der Erde wiederhallt, stets kräftiger anschwellend, der Sammelrus des selbstbewußt für die ganze Mensch- heil Glück und Freiheit heischenden Proletariats." Hierzu bemerkt die„Kons. Korresp.": ...„Für die ganze Menschheit Glück"... daS klingt nicht, als sollt- Herr Graf von Posadowsky mit seiner Annahme, die Sozialdemokratie werde von ihren Phantasmen endgjltig zurück- kommen. Recht behalten. Wir stimmen der„Kons. Korresp." einigermaßen bei. Graf v. Posadowsky wird nicht Recht behalten. Die große Mass« der arbeitenden Menschen wird die Hoffnung, sich bessere, glücklich« Zu- stände schaffen zu können, nicht aufgeben, und sie weiß, daß die forischreitende wirlhschaftliche Entwicklung die Erfüllung der Hoff- nungen verbürgt. Die Herreu Konservativen sehen solche Hoffnungen als Phantasmen an; sie begeistern sich lieber für eine„Realpolitik", di« den Ausbeutern alles Glück in den Schoß wirft, während die übrige Menschheit in Elend und Roth verkommen muß. DieS sind konservative Weihnachtsgedankeu!— — Eine Red» des Herrn o. Posado wSky und daS Reichs-Preßgefetz. Z 6 des Reichs-Preßgesetzes for-ert auf Druckschriften die Angabe des Druckers und Verlegers. Von der Beachtung dieser Bestimmung sind auch die sonst immunen Reichs- tags-Redcn und noch viel weniger die den Schutz der Immunität nicht genießenden Reden der Buudesrathß- Alitglieder nicht befreit. Und doch verbreitet man in Massen im Laude, vor allem in den Etablissemenls der Herrn v. Stumm so innig ver- buudencn rheinisch- westfälischen Großindustriellen die Rede deS Staatssekretärs Grafen v. Posadowsky gegen Bebel(9. Sitzung des Reichstags vom 13. Dezember 1837) in einer ohne Angabe des Druckers nnd Verlegers hergestellte» Sonderansgabe. Wir sind be- gierig, od die Staatsanwälte und Polizeibehörden, die ja vor gar nicht langer Zeit die sicherlich harmlose„National-Ztg." konfiszirlen, weil einmal die Angabe deS Druckers fehlte, nun auch nach dein ver- schämte» Drucker der PosadowSky'schen Rede forscheu werde». Nach Z 19 des gleiche» Gesetzes wären Drucker und Verleger dieser Rede mit Geldstrafe bis zn 1S0 Mark oder mit Haft zu bestrafe». Herr v. Posadowsky wird wohl selbst den Eifer der Bebörden beflügeln, vielleicht ihnen auch mit einem Fingerzeig be- hitfllch sein können. Ein„Verfahren gegen Unbekannt" wäre da einznleite» und die Unternehmer, in deren Fabriken die Druckschrift verbreite! wurde, zn vernehmen; vielleicht cinpfiehlt sich auch eine Durchsuchung der Druckerei, in der Pastor Hülle, dieser geistliche Sozialpolitiker nach dem Geschinacke des Herrn v. Posadowsky, seine unvergänglichen Werke herstellen, läßt.. Aus das Ergebniß des Verfahrens sind wir begierig.— — Z en tr u ms s o rg e». Die'„Kölnische Volkszeitnng" bespricht die Hertling'sche Rede über die Floltenvorlage nnd meint, diese Rede müsse das Zentrum a!§ Grundlage be- trachten, tun eine Verständigung mit den übrigen i» beiracht kommenden Faktoren anzustreben. DaS Blatt polcmistrt serner gegen die sliddenische ZenlrnmSpresse, ivelche nicht so oft»»d so leicht eine Trennung der bayerischen Zentrums- Mitglieder und der Zentruinssraklion des Reichstags androhen solle. Einzelne ZcnlrumSorgane schienen gern geivisse» radikalen Strömungen in der Wählerschaft Rechnung zn trage», welche mit dein Trennungsgedanken spielen, ohne sieh die Folge» eines solchen Schrittes nach alle» Stichlungen hin klar zu»lachen. OSnabrnck, 30. Dezember. Oberbürgernieisteb Dr. MöNman», Mitglied des Herrenhauses, ist heute Nacht gestorben.— Königsberg i. Pr., 99. Dezember.(Eig. Ber.) Die Junker a n d e r?> r b« i t. Infolge des Einsnhrverbott russisch«, Setuvein« nach Dcnlfchlnnd, sind die Fleischpreis« in den östliche» Provinzen ganz anßerordenllich aestiegc». I» einzelne» Siädten Ostpreußens sind die Flcischpreise inst doppelt so hoch wie früher. Konnte sich bei de» srüheren Preisen Ver ostprenßlsche Arbeiier schon selten ein Stück Fleisch leisten, so ist es bei den jetzig«» Preise» schier unniög- lich. Hülsenfrüchte, Kartoffel» nnd Hering beherrsche» ziemlich ans- schließlich daS Menn des ostelbiscben Arbeit»«?. Wädrend die breiteste» Vollskreise diese» Zustand als einen ganz uiihastbareli, ja als«ine förmliche öffentliche Nalamüät empstiidt». gicbt eS in Ostpreußen auch noch Leutchen, die sich bei dlefeni Znstande gerade wobt fühle»»nd alles daran setzen,»in de»- selben zn erhallen, nämlich die Herren Junker. Für diese Herren, die auch gerne des Volkes Wohlfahrt im Munde lührcn. blüht jetzt der Weizen; sie erziele» hohe Preise für ihre Schweine, auch sind naturgemäß die Preise für anderes Schlachtvieh gestiegen. Rück» sichten ans andere Bevölteriingsschlchien haben diese Herren von jeher nicht gekannt, ihr eigenes Jnlercsse geht ihnen über alles. Dieter eigennützige, rückstchtslose Slandpuiikt tritt in einigen Beschlüssen, die am 10. dS. Mls. von den vereinigte» Ausschüsse» der Landivirthschaslsraniilier für die Provinz Ostpreußen, in denen die Herren vo» Aar nnd Halm ansschtleßlich herrschen, recht kraß zn tage. Es wurde dort»iitcr anderem beschlossen, zu dem Gesuch« der flädttsch«» Behörden z» Königsberg um Aufhebung des Verbots der Ei» fuhr v o n S ch in«> n e n a« s R u ß l a N d. den Vorstand de« Kaminer zu veranlasse», er wolle den Herrn Regirnuigspasideiilrii zu Königsberg ersuchen, mit aller Entichiedenkeil a» zu>iändiger Stelle sich g e g e» die A u s h e b n II g des Eiufllhrvcrbots für Schweine ans Rußland zu erklären, da solche nnc ankerordeniliche Gefahr für die Biehbeflände ganz DenischlandS btdeiite» würde und da die Ursachen des nngünsligen Fleifchinarktes in Königsberg auf Verhält- nisse zurückzuführen sind, für welche die ostprcußiiche Landwirthschasl bezw. da? Angebot von Vieh seitens derselben nicht verantivorllich zu machon ist. Die Fürsorglichkeit dieser Herren sür die Viehbestände Deutsch- tands, die durch das Einfuhrverbot sür Schiveine angeblich vor Ver- selichniig geschützt wttven sollen, ist rührend. Daß man steh gegen die Seuche auch durch andere Maßregeln, als dt« Grenzsperie, schützen kau», scheint für sie ganz ansgeschlosse». Es ist dieses aber zu natürlich, de»»»nr durch ein Einfnbruerbot köniien die Fleisch- preise gesteigert werde», wovon das Volk den Schaden und die Handvoll Junker den Nutzen hat. Und daran allein ist ihnen ge- lege», ans Koste» des armen Volkes sich die Tasche» zu füllen. Dan» nähme» di» vereinigten Ausschüsse noch den Antrag an, den Vorstand der Laiidivirthschallskaniiner zn bitten, geeiguele Schritte zn ihn«, um die Zulassung ausländischer. laiidivklhschaftlicher Arbeiter nach Ostpreußen fernerhin nicht mehr zn verhindern bezw. zu er- schivere» nnd außerdem an zustäildiger Stelle dahin zu wirken, daß dies« Arbeiter, solange ihnen ein danenider Aufenthait, welcher ihnen die Möglichkeit zur Erlangung einer Alters- und Jlivaltden- rent« giebt, nicht gewähr» wird, von dem Versichern»gs- zwange befreit werden. Ob di, Herren Junker nicht auch für di« htimischen Arbeiter von diesem Zivange befreit sei» ivollen?— Miiticheii, 29. Dezeniber. Eine Vorlage an de» Landtag ver- langt zwei Millionen Mark znt Ailfforstuiig ber vom Ktesenispaiiner zerstörte» Wälder.— Ttraßburg i. G., 29. Dezember.(Gig. Ber.) Die amtliche „Slraßburger Correspoiidenz" veröffentlicht soeben den längst an- gekündigten Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kapital» Rentensteuer für Elsaß-Lothringen. Dieselbe ist be- stimmt, die völlige Aushebung der nnhallbar geworbene» Personal- Itener, sowie die Eiulastniig der Grundsteuer zn eriiiögliche». ES unterliegt derselben der Ertrag ans den beweg- lichen Kapitalvermöge», der sich niilerscheidet alS Kapitalzins im allgemeine«, Gcwinnantheile an Handelsgesellschaften nnd Rente. Gtelierpftichtig sind nach dem Entwurf die Landes- und Reichs-Aiistehörigen, die ihren Wohnsitz tu Elsaß-Lothringen haben. owie Ausländer, welche sich in Elsaß-Lothringe» des Erwerbes wegen oder länger als«in halbes Jahr anfhalle». Steuerfrei bleiben, außer den staatlichen und sonstigen öffentlichen Zweck- verbänden, den gemeiiinntzigeii, Bildungs- und staatlichen Ber- sicherungs-Anstallen ,c., der Zinsertrag ans den i» Geiverbe» an« zelegtrii nnd bei der Geiverbestener in Anschlag kommende» Kapitalien owie der ZinS« und Rentenertrag, soweit er nach Abzug der Passivkapitak-Zinsen nnd Lasten die Summe von 100 M. jährlich nicht übersteigt. Die Steuer wird nach dem S t u s e n t a r i f erhoben; als Steuersatz ist ei» Betrag von 2 v o m H u>i d e r t des nach dem Tarif sich ergebenden Stusenerlrages a»genomme». Fürdie niitere» Stufe» ist eine E r»i ä ß i g n» g vorgesehen. Die Veranlagung fnidet auf grinid der Steuererklärung statt, mä zwar nicht alljährlich, sondem je für eine Steuerperiode vo»- schtenen. Diese Leute gehören meist Berufen an, die biu-ti von der Bourgeoisie abhängig sind, nnd leisten de» Jnngczechen billig« Hand- langerditiiste. Die Versammlung verlies im ganzen ruhig und. schloß mit einer Zu st iiuni» ngknn dge bung für die Sozialdemokratie.'Ans Koli» kommt die Nachricht van einer großen Demonstration, di« gegen die»aiionale» Bestrebnnge» und das Treiben der Jungczecheii gerichtet war. Für Sonntag, den 26., war vom dortigen sozialdemokratischen Verein eine Ver- smmnlniig etnberiise». Nach Verlans derselben zogen die Theil- nebinsr, weit über 200 au der Zahl, ivelche» sich ans dem Wege »och viel« Passanten anschlössen, durch die Stadt und demonstrirlen vor dem Rathhans, vor den Häusern der Stadlräthe, vor den Redaktionelokalen drr iintionnleii Blätter, überall lani« Pmnlrufe ausbringend. Auch der Bürgermeister wurde inil einer Katzeninnsit bedacht. Diese Kundgebungen haben im Lager der Jnngczeche» eine nicht geringe ttebmaschnug und Bestürzung hervorge>usen. Schon heute lamenUren die bürgerlichen czechischen Bläticr in allen mög- lichkN Tonarten.„ES ist' hoch an der Zeit. Diese Vorfälle sollten ein'Alarmsignal sein für die czechische Gesellschaft!" Sie werde» es sein, für das Volk, aber nicht zum nationalen Kampf, sondein zum soziale».— Z?rn»kr«lch. PariS, 29. Dezember General Charelte, Baron Lambert und ander- hervorragend« Royaliste» veröffentlichen in d>r„Gazelie de France"«ine Erklär»«!«, in welcher sie jür»»geschmälert« Wah- rnng deS monarchischen Prinzips eintrete». Die Erklärung wird vlelsach als ein Protest g e g e» de» j ü n g st e n B r i« f des Herzogs von Orleans an Diifeiitlle angesehen.— Cngland. London, 30. Dezember. Gester» sind 1162 Soldaten»nd »tehrere Offiziere vo» Eouthampto» nach Bombay abgegangen.— Täiieniapk. — Kann, ist da« Nnfatlversichertings-Gesetz angenommen, so bringen die Mo berate» ein Neues ein. Böjeseii mit drei anderen haben eine» EnNnurf eingereicht, der die Land- a r b e i t« r, I n st l« n t e, Handwerker, G« in e r b e- treibenden Und Leute in Lhiilichen Stelliitigen niufassen soll, die nicht unter das angenommene Gesetz falle». Die Iluterstützung soll nach den Regeln des A l t e r s n n t e r st Ü tz n n g s- G e s e tz e s vo»« 9. April 1891 erfolgen. Die Hälfte der Unlerstütznnge» soll der Staat bezahle», die ändere Hälil« die Komninnen; bei Unfällen im Gebiet der Seefahrt nnd Fischerei soll der Staat drei Viertel bezahle». Zweifellos ist es erfreulich, daß man auch über die sozialdemo» kraliiche» Kreise hinaus einsieht, daß sür uuvcischnldele Unsälle der Unbcinillellen di« Allgemeinheit eintreten mich. Die Sozialdemokraten werden bemüht sei», den Antrag zu vcrdeffer».— Spanien. Madrid- 30. Dezember. Seit Beginn des Krieges bat Spanien nach Kuba 185 000 Mann, nach de» Philippinen 29 000 Mann und »ach Portorico 5000 Man» entsandt. AuS Havana wird gemeldet: Das Kolonlatminifleriuin hat sich»och nicht konfllluirt, da Ninblard daS Portesenille deS Handels abgelehnt hat.—- vln�land. In MoSkan wurden zahlreiche Verhaftnilgen von Studenten, Arbtilern»nd andere» an unserer Betvegung interesstrle» Personen vorgenonn»«».— Bnlgnrte«. Sofia, 29. Dezember. Die Sobranje ermächtigte die Regierung, wegen der ganzen oder theilweisen Konversion der allen 6proze»ligeii Anleihen in 5 oder �'/-prozeutige mit Bankhäusern in Verhaitdlunge» zn trete».— Montenegro. — Gegen den serbische» Banernfübrer nnd radi« kalen Abgeordneten Ranko Tajsic ist bekanntlich i» Cacak neuerdings die gerichtliche Untersilchnng eingeleitet worden. Tajnc erscheint verdächtig, die Ermordung des Lehrers Bakic veranlaßt zu baden. Außerdem soll der wegen dieses Mordes kürzlich bingenchlete Haidul Brkic ausgesagt haben, daß Tajsic auch den König'Alexander er- morde» lassen wollte. Uni sich der Verhaftung zu entziehen, floh Ranko Tajsic»ach Montenegro, wo er, wie der„Pol. Corr." ans Cettinje berichtet wird, vom Fürsten Nikolaus in Audienz empfangen morden sei» soll. Diese geradezu unglaubliche Mcldniig ist um so bemerkenswerlher, als man in Cetttni« nur das lhut. waS in Peters- bürg gebilligt wird,— SiUTel. s7o»stai»til>opel, 30. D-j>!»der. Die Pforte stellte an die Bot- schn d-rs Berlangm. 4500 Soldatei» der Besatzilnz von Kreta. »veUtze»hre Dieiiftjcit beenoet haden. durch neue ersetzen zu können. Da» Äitlange» ivurde als gegemvcirtig nicht jeitgeinäp abgelehltt.— Asien. — Russische Eisenbahnen in Sibirien und Z e» t r a l a s ie n. Ueoer die g r o ß e sibirische Eisenbahn finden sich in den, kürzltch erschienenen Buche des Generalmajors z. D. K r a h»n e r über Sidlrieu Mitlbeilungen, aus denen»vir folgendes zur Ergällzung früherer Darlegungen über daZ große Unter- nehmen enlnehmen. Die Gesammtlänge der Eisenvahn von Tscheljabiusk bis Wladxvoftok beträgt 7063 Werft(7557,561 Kilo- meler), mit den Zweigbahnen 7112 Werst(7533,504 Kilometer). Fertiggestellt und bereits dem Verkehr übergeben waren bis zum 13. September d. I. die weft- und mittelsibirische Eisen- dadn von Tscheljabinsk über den Ob bis Krasuojarsk und Kursk (2401 Kilometer), die Ussuri-Eisenbahn von Wladiwostok bis Ch»borviv?k(730 Kilometer) und die Ziveigbahn von Tain« nach Tvnist(87 Kilometer); dazu kommt noch die Verbindung der sibirische» Bahn mit der Uralbahn von Tscheljabinsk bis Jekalerinen- durg mit 242 Kilometer, so daß die ganze bisher geballte Strecke 3510 Kilometer beträgt. Am meisten Schwierigkeiten sind zu über- Minden bei dem Bau der Bailalumgehnngsvahn, die im Jahre 1300 begonnen werden soll. 1902 hofft luan die große sibirische Eisenbahn vollständig dem Verkehr übergeben zu können. Die Stationen liegen 50 Werst(53,35 Kilometer) auseinander Innerhalb 24 Stunden sollen 3 Züge zu je 60 Achsen von jeder Eette verkehren. Durch Anlegung von Hnlbstationen mit Weichen denkt man jedoch im Bedarfssall den Verkehr so zu steigeru, daß von jeder Seile 7 Züge abgelassen werden. Die Kosten für den Bau sind uuf 350 210 432 Rubel veranschlagt. I» ivissenschaftlicher Beziehung hat der Bahnbau zur Elforschung des Lailbes wesentlich bei- getragen. Bereits in den Jahren 1331 bis 1395»ulsandte man ans Petersblirg Generalstabs-Oisiziere, um durch ihre Aufnadmen die Feslslellnug der Bahnlinie zu erleichter». Diese Aufnahinen bieten zum ersten Male eine genaue Darstellung von 4I74I3 Quadrat- kilomelern zu beiden Seiten der Bah» von Jrknlsk bis Wladiwostok, d. h. von einem Gebiet, das größer ist als das ganze die Slaaleu Dcntschland, Oesterreich-Ungarn, Holland, Belgien lind Dänemark umfassend« Zentral-Enropa. Schon jetzt ist nach diesen Aufnahmen eine Karte von 60 Blatt im Maßstäbe von 14 Werft auf den Zoll bearbeitet, die erheblich zur ttenntniß dieses Landes ui oro- graphischer und hydrographischer Beziehung beitragen wird. Ueber die große Bedeutung der Bahn haben sich die Repräsentauten der rnjsischen Kansmannschast auj dem Jahrmarkt zu Nischny-Noivgorod schon>839 in einer Denkschrift folgendermaßen ausgesprochen: „Diese Dampfbah» wird eine außerordenilich ivirlhschaftliche Bedeutung für Rußland haben und die russische Industrie in hohem Maß« beleben: sie verbindet 400 Millionen Cuinesen und 35 Millionen Japaner durch Rußland mit Europa. Die harinäckigen Anstrengungen, die von Denlschland gemacht werden, um steh in den Besitz der Märkte des Stillen Ozeans zu setzen, die Anstrengungen, die gemacht sind, um den Panama-Kaual herzustellen, zeigen klar, daß bald und auch jetzt schon sich ein wirthschaftlicher Kampf an dem Stillen Ozean rntsplnnt. Schon jetzt hat die kanadische Eisenbahn«ine» Theil der Waaren(Seide, Thee, Häute) an sich gerissen, welche bis dahin über Suez»ach Europa ging«». Unzwerseihast wird«in Theil der Waaren durch Rnßlanv transportirt iverden, wenn sich der Trans- port auS Europa über Wladiwostok bis Shanghai i» 13— 20 Tagen, anstatt in 45 Tagen über Suez oder in 35 Tagen auf der kanadljchen Bahn vollzieht." Ebenso arbeitet Rußland«frig an der Fortführung seiner Eisenbahn w Zentral-Asien. Di«„Times" melden ans Pelnsdurg. daß die Borarbeiten für die Eisenbahn zwischen M« r w und dem Militärpoften in K n s k begonn«, habe». Kusl liegt an de« Grenz» de» westlichen Afghanistan, die durch die neu« Bahn in direkte Verbindung mit den, Kafpischen Meer und dadurch mit ganz Rußland gebracht wird. Di« Eisenbahn, deren Kosten ans etwa 9 Millionen Rubel veranschlagt sind, soll in drei J.ibren vollendet set». Gleichzeitig meldet das englische Blatt, daß die Eisenbahnlinie Samarkand-Andishan mit ihren Abziveigunge» nach Taschkent und Nen-Margilan bereits im nächste» Jahre vollendet sein werde. Mit der Herstellung dieser Linien wird die Strecke, welche russisch« Truppen von den Endstationen ihrer Eisenbahnen nach A»gl0-J»vt«n zurückzulegen hätten, erheblich verringert werden. So rückt Rußland in Zentral-Asien immer bedrohlicher an die Pforten des»lächiigsten Kolonialreiches der Engländer. Afrika. AaS Kassala wird den„TimeS" gemeldet, dort fei die Nach «tcht«ingetroffen, daß Ofobri, der wichtigste Posten zivischen Kasiala und Khartum, nach sechslägiger Belagerung trotz heldenhafter Ber theidignng von den«gyptifchen Eingeborene»- Truppen genomine» worden fei.—__ V.Milhthofen ttvev Chtn« Professor v. Richthofen, der Erforscher und beste Kenner Ehina't, veröffentlicht einen umfangreiche» Artikel in den„Preuß. Jahrbüchern" über„Kiaotschau, seine Weltstellnng und Voraussicht lich« Bedeutung". Der Aussatz enthält aber mehr als dies« Auf. schrift erwarten läßt, nämlich«ine» Ueberblick über die ge sammle» Küstenverhältnisse China's mit besonderer Berücksichtigung der Aussichten, welche du einzelnen Küstenabschnilte der«nropäischen Erschließung und dem europäische» Handel bieten, und ferner sehr bemerkenswerthe Darlegungen über die zu erwartende Zuknnfl des chinesischen Reiche». Wir wollen daraus einigt der wichtigsten Stellen hervorheben. Kiaotschau und seine Umgegend wirb von Professor v. Richt Hofen sehr günstig und aussichtsvoll geschildert. Durch Anlegung von Eisenbahnen würde Kiaotschau der natürliche Brennpunkt an der Küste für den Handels- und Personenverkrhr des ganzen nordöstllchen China bilden, tnsoweit dieser Nicht in eisfreien Monaten des Jahres über Tienlsiu leichtere»nd dilligere Bediilgungeii findet. Für das chinesisch« Reich werden so die Mittel geschafft, eine der gesegnetsten nnd besten Provinze», welche jetzt durch ihre schwere Erreichbarkeit leidet, zu hober Eutwickelung z» sübren. Dieses Ziel wird zum besten China's um so schneller und vollkommener erreicht werden, je mehr der in Kiaotschau ansässige» befreundeten Macht freie Hand gelassen wird, die EtsendahNen zu bauen und die Kohlenschätze zu fördern. „Es ist selbstverständlich völlig ausgeschlossen, fährt alsdann v. Rtchthofen fort, daß Kiaotschau jemals«in Auswande« r u n g S p l a tz für Deutsche werde» kann. DaS Land ist so dicht bevölkert, daß itn Abfluß des Ueberschussek der stelig zunehmenden Menschenmenge nothivendig geworden ist. Seit Jahrzehnte» hat derselbe seinen Weg nach der Mandschurei und Liautung gefunden, wo die Leute von Schantung de» Hauptbestandthetl der neuen An- siedler bilden. Unsere Rasse vermag, was Lebenserhaliiinq und Arbeitsleifliing mit einem geringen Betrag von Mitteln betrifft, in Wettbewerb mit den Chinesen nicht zu treten.?lus diesen und vielen anderen Gründe» erscheint es daher auch gänzlich a u S- geschlossen, daß Deutschland mit der Besetzung der Kiaotschau- Bai einen großen Landbesitz erstrebt, der zu eird- losen Schivierigkeiten führen würde.... Es ist in neuester Zeit in Tagesblätlcr» hänflg von einer Gefahr der Zerstückelung und Z e r b r ö ck e l» n g von China geschrieben worden. Für das eigentliche China, das alle Land der achtzehn Provinzen, kann davon k a u in ernst- lich die Rede sei». Käme es je dazu, so würde die Zerlheilung nur äußerlich sein und ebenso wenig dauernden Bestand habe» können, wie in früheren Perioden bei ähnliche» Anläffen. Das Land ist durch die Gleichartigkeit seiner dichte» Bevölkerung, durch Ueber- lieferung, Anschailiing, Sitten und Geivohnheiten zu fest zusammen- geschweißt, als daß die Beherrschung von Theilen durch fremde 7 Mächte mehr als ein« zeitweilig« Berwaltung fein könnte. Der ' gewaltige Koloß im fernen Orient steht in dieser Beziehung in großem Gegensatz zu Indien, welches nie geeint gewesen war. und dessen getrennte Theile nur geivinnen konnten, ali eine fremde Macht sie unterwarf und zusammenhielt. China verdankt de» europäischen Mächten seinen langsam und mit innerem Widerstreben beginnenden Aufschwung. Es würde, aus seine überlieferte» Hilfsmittel allein angewiesen, in seiner übermäßigen Bevölkerung ersticken, oder durch vernichtende Revolutionen nach Art derjenigen der TalpingS aufgerieben werden. Der Fremdhandel hat längst die materielle Kraft gefördert. Bon Hongkong und den fremden Handelsplätzen hat sich«in Strom gewinnbringenden Berkehrslebens durch alle Theile ergossen und dabei auch denjenigen, von denen er ausging, den Lohn nicht versagt. Deutschland hat seinen Bntheil daran spät errungen. E» steht im Begriff, durch Festigung seiner eigenen Stellung in«ine neue Phase zu gunften der Entivickelung der natürlichen Schätzt des Reiches und seiner Bolks- kraft einzutreten. Die Frag«, ob von dieser Förderung die Fremdmächt« in Zu- kunft den größeren Borlheil haben werde», ist mit billigem Zweisel, wenn nicht unmittelbar verneinend, zu beantworten. Wir brauche» nur aus Japan zu blicken. Diese? ehemalige Zauber- land ist gewaltsam aufgerüttelt worden und dann ans eigener Kraft in den inlernationalen Wettbewerb um Handelsmacht und politische Macht mit erstaunlich schnellem Erfolg eingetreten. China, im Gegenlheil, hat sich ablehnend verhalten und sträubt sich»och. Ihm werden die modernsten europäischen Einrichtnugen und Erfindungen und die vollkominensten Verbindungen durch Telegraph und Eisen- bah» aufgedrungen. AuS eigener Gewinnsucht ruhen die Fremden nicht, bis sie die schlummernden Riesenschätze an natürlichen Hilfsquellen und menschlicher Arbeitskraft entwickelt haben werden. Geiualliam zwingen sie China, die letzteren auf die massenhafte Herstellung der Güter zu wende», durch welche Europa den Handel beherrscht, unbekümmert darum, ob sie nicht dadurch Europa's hohe materielle Macht herabsetze», und ob nicht der Koloß, dem sie das durch westliches Genie siiinreich erdachte Spielzeug in die Hand drücken, es so zu gebrauche» lernt, daß de» Erfinder» selb st schwerste Schädigung droht. Jede ttohleiigrnbe, die geöffnet wird, jede Fabrik, die darauf hin für die Chinesen angelegt wird, jede Eisenbahn, die man ihnen anfzivängt, ist«in Theil dieses S e l b st m o r d-Prozesses. Er wird gefördert, wenn man b«> strebt ist, die Wehrfähigkeit von China zu erhöhen. So lange die fremden Mächte hiervon abstehe» und es selbst übernehmen. von ihre» festen Plätzen an den Küsten aus das Land zu schützen, werde» sie die Fäden der Erstarlnng des Reiches der Mitte in ihrer Hand behalten, Der indttflrielle Forlschritt China's aber ist nicht mehr zu hemmen, und seitdem er ein»iiabweiebares Berhängniß für Europa geworden ist, hat jede Naiio» das Interesse, die Bewegung zu überwachen, von dem Gewinn, mit dem sie verbunden ist, für»ch einen Theil zu sichern und auf dem Schauplatz de? wirtdschaftlichen Wettbewerbes der Nationen, dessen Schiverpnnkt mehr und»nehr in den fernste» Osten gerückt wird, eine machtvolle Stellung einzunehmen. Es ist zu hoffen, daß Deutschland durch die mit energischem Handeln erfolgte Besetzung von Kiaotschau einen sichere» Schritt nach diesem Ziele hin gethan hat." Dies« Aiisfüdrnngen des berüdmte» Geographen werden auch für denjenigen, der nicht völlig mit ihm übereinstimmt, von hohem Interesse sein. Besonders intereffant aber ist es uns, daß Pro! v. Richlhose» die zukünftigen Folgen der E>schlteßung China's ähnlich verhängnißvoll für Europa,«vir fügen hinzu, für den«uro- päischen Kapitalismus, ansieht, wie wir dieS von Anfang an in nnserem Blatte zum Ausdruck gebracht haben. Vavket-Machvichten. Ne Pnrtetgenossctt de» Wahlkreise» Oft- und West- Gteruberg in der Mark halten am 2. Januar von Nachnuuag 3 Uhr an im Pittel'ichen Lokal in D r o s s e n ein« Kreis- konferenz ab, um den Bericht des BertranensmanneS entgegen- znnehme» Uiiv über die Eintheilnng des Kreise» zu berathen. Tic Magdeburger„Volksstimmr" erscheint von jetzt an um drei Bellagen wöchentlich stärker als bisher. Bier Seiten beträgt lhr Umfang nur noch Montags, an den übrigen Tagen sechs bis acht. Sonntags eventuell noch mehr Seile». Der Romandogen ist dabei nicht gerechnet. Diese Erweilernng des Lesestoffs soll zunächst bis zur ReichStagsivahl platzgreisen. Die Versolgnnge», ivolnit unser Bruderorgan heimgesucht ivird, iverden aber wohl zu einer derartigen Erhöbung des Abonnenten- und Jn- serentenstanbeS führen, daß die neuen Beilagen dauernd gegebe» iverden können. I» ihrer Donnerftaginummer stellt die„Bolksstimme" fest, daß in anderen Magdeburger Buchhandlungen A n s i ch t s- P o st karten» die dem Preßgesetz in keinem Pnntle entsprechen, nach wie vor verkauft werden. Die Buchhandlung der„Volks stimme" hat nun sämmtliche von ihr erworbene nnd ihr von Gastwirthen und Geschäftsleuten übermittelte Ansichts- Postkarten. die weder den Namen des Drucker«, weder den Name» des Ber- legers, noch de» Namen des Beriassers trugen,»>>I V«n jwel letzten Nummern der»PolkSstimm«" an den M i n i st e r v. d. R e ck e ad gesandt. Weiter schreibt die„Bolksstimme":„Die Sitte, seine guten Freunde nnd Bekannten beim Jahreswechsel durch einen Gruß und Glückwunsch zu erfreue». niiinNl alljährlich an Um fang zu. Wenn sich diese Sitte lnnerbalb gewisser Grenze» hält, wird auch der ärgsteHypochonder nichts dagegen vvrznbringe» wissen Es Hai sich sogar ein« ganz« Industrie herausgebildet, die dem Bedurfniß mit sinnigen und humoristischen Karten und kleinen KnüftweikeN au« Papier entgegenkoniint. Leider zeigt die gute Eitle auch schon einige arg« Auswüchse. Der Witz ans den Glückwunschkarten vergrövert sich alljährlich immer»»ehr, er steigt vielfach bis in die dunklen Regionen der schmutzigen Zote hinab; ja noch mehrt die Industrie kommt auch den bösen Instinkte» der Halbwelt entgegen und schafft Karten, die den Empfänger verletzen statt zu crfrenen. Obwohl die B»ch> Handlung gleichfalls Neujahrskarten verkauft, hat sie sich gehütet Karle» zweideutige» und zotigen Inhalts ansznlegen. Dieser Um- stand hat aber die Aushebung des Doppelpostens nicht herbeigeführt, der ängstlich darüber wacht, daß die Jugend auch vl« von dkl Buch- Handlung aiiSgelegtcn Karte» nicht sieht und liest. Bor de» Schausenstern anderer Buch« und Papter-Hand- tun gen, die nicht so peinlich de nie«, kann die Jugend ungenirt stehen bleib, n." Polizeiliche». Gerichtlich«» it. — Dem Reichstags- Abgeordnet«» von Mülhausen. Genossen Bueb, ist in seiner stillen Zurückgezogen beit ein anNedmbares Weihnachtsgeschenk zu theil geworde» tu Form der Nachricht, daß die beide» gegen ihn wegen Beleidigung jc. erkannten, insgesammt auf 12 Monat» lautenden Gefängnißstrafen in 10>/, Monate zu- saiiimeiigezogen worden sind. Bneb wird demnach>» der ersten Hälfte des Oktober nächsten Jahres das Gefängniß verlassen. — Der Steltiner„Volksbote" berichtet aus K ö s l i n, daß dem S>k!a»twlrlh Schulz von dort zu Weihnachten die öffentliche Tanzerlanbniß verweigert worden sei, weil in seinem Lokal«ine Versammlung abgehalten wurde, wo der Parteigenosse Henning einige Worte sprach. Eine Beschwerde beim lliegternngspräsidenten bade nichts genutzt. Die Maßregel wird selbst von dem unserer Partei feindliche»„Sleltiner Tageblatt" mißbilligt. Nerbaudstag der verewigten Dachdecker nnd verwandten Dernfsgenassen Deutschlands. Gera, 23. Dezember 1897. AuS dem Schluß der Sitzung sind noch folgende Belchlüsse nach- zutragen: Die Zentralleltung ist verpflichtet, einen Reservefonds an- zusammeln, um bei Slreiki sofort Mittel zur Hand zu haben. Die laufenden Kosten werden auf die Mitglieder berechnet und sind dies« wie alle andere» Beiträge von den Filialen einzuziehen. Die Bei- träge«erden auf 40 Pf. festgesetzt. Die ZentraNeitun« hat die Zahlung einzustellen, wenn nicht nach Schluß jeder Woche ein aus- führlicher Bericht eingesandt wird. es sind hierzu gedruckte Formulare zu verwenden, welche in leicht verständlicher Weise aus- zusüllen sind. Ferner wird beschlossen, daß jeder an der Lohnbewegung Be- theiligte über die erhaltene Unterstützung einen Schuldschein auszu- stellen hat, in welchem er sich verpflichtet, falls er von der Lohn- bewegung absallen sollte, die erhaltene Unterstützung wieder zurück- zuzahlen. Dem Zentralvorstand wird zur Pflicht gemacht, aussichtslosen Angriffsstreiks die Genehmigung zu versagen und auch bei Abwehr- streiks die günstigste Gelegenheit abzuwarten. Das Schwergewicht soll bei allen Streiks aus die Verkürzung der Arbeitszeit gelegt iverden. ES wird sodann noch ein Etreikreglemeut angenommen. Die Streikunterstützung darf für verheirathele Kollegen 2,50 M. und für ledig« 1,50 M. pro Tag nicht übersteigen. Gera, den 29. Dezember 1397. Ueber daS Thema:„Was können wir gegen die vielen Unglücks- fälle in unserem Berufe thun?" referirt Zschiegner- München. Redner führt die Unglücksfälle im Dachdecker- und andere» ver« wandten Gewerben au> de» mangelhaften, theilweise sogar ganz fehlenden Schutz durch Gerüste u. f.«. zurück. Diese Erscheinung sei die Folge der ungesunden Zustände im Bangewerbe überhaupt. Es müsse darauf hingewirkt iverden, daß die städtischen Behörden Bor- schriften über Schntzmaßregeln zur Verhütung von Unfällen erlassen. In der Diskussion wird konstatirt, daß Sachsen die besten Schutz- bestimmunge» für die baugewerblichen Arbeiter erlassen und Revisoren aus dem Arbeiterstande mit praktischer Bildung angestellt dat. Weiter wird betont, daß den Arbeitern die Schuld vielfach selbst beizumessen ist, wenn sich Unfälle infolge mangelhafter oder fehlender Kchutzvorrichtnngen ereignen, weil sie keine Abhilfe solcher Mißstände fordern. ES wird beschlossen, ei»« allgemeine Agitation für die Anbringung genügender Schutzvorrichtungen zu entfalten»nd in Gemeinschaft mit anderen Bangeiverben bei den zuständigen Be« Hörden um Einsetzung von Ban-Kontrollkommissionen, bestehend auS Technikern, Baumeistern und Bauarbeitern vorstellig zu werden. Ueber daS Thema:„Wie ist die Agitation mit besserem Erfolg zu betreibe»?" referirt G u l t ch- Essen. Es wird die Einsetzung «ineS AgitationSkomiteeS neben dem Zentralvorftand angeregt und erwähnt, daß die Agitation in den Thüringer Schieferbrnchen die er» warteten Erfolge nicht gezettigt Hai. Ans diesem Gebiete mehr zu ihn», sei»nablässig nolhwendtg. Agitationsmarken sollen in Zukunft 6 anstatt 4 wie bisher entnomme» werden. Sodann referirt in der Nachmitiagssitzung Neu meister» Stuttgart über den Anschluß an die Generalkommission, diesen empiehlend. Anderer Ansicht ist Görlitz-Berlin. Er kann sich eliie» Nutzen von dem Anschluß gar nicht versprechen, in agita- lorischer Beziehung werde die kleine Dachdecker-Gewerkschaft immer das Stiefkind bleiben»nd nur zur Zahlung der Beiträge gebraucht werden. Ein anderer Redner befürchtet, daß die Beiträge durch den Anschluß bedeutend erhöht werden inüßlen. Der Vertreter der Generalkommisston, Legien. zerstreut diese Bedenken, woraus in nameniltcher Abstimmung der Anschluß an die General- koinmilsion mit 16 gegen 5 Siimmen angenommen wird. Bei der S l a t» t e n b e r a t h n» g wird der g 1 dahin abgeändert, daß in Zukunft den Milglieoern Rechtsschutz auch in den Krankenkassen-, Unfall-, AlterS- und Jnvaltden-Angelegenhetten gewährt wird. Ein iveiterer Antrag der Filiale Berlin, daß jedes Mitglied, welche? im Wiiiler-Halbjnhr(id. Dezember bis 15. April) eintritt, einen Beitrag von 6 Woche» zu entrichten hat, findet ebenfalls Annahme. Rahe bei«inander liegende Filialen sollen öfters gemein« schastllche Beisammlnngen abhalten» und soll fernerhin an jedem VerbandSlage noch ein Mitglied der Preß» kommisflon und der Redakteur des FachorganS theilnehmen. Weiter wird beschlossen, daß den Delegirten gebunden« Mandat« nicht gegeben Iverden dürfen und dem Statut die Bestimmung bei- tnfüge», daß alle Unterstützungen, welche der Vorstand gewähren kann, sreiivilltge sind, die der Vorstand auch verweigern kann. Hier wird die Weilerberathnng auf Donnerstag verlagt. Keveralversammlung des UerbtNides der im Dergsldergemerbe beschäftigten Arbeiter«nd Arbeiterinnen. Haniburg, de» 26. Dezember 1397. Heute wurde hier die Generalversammlnng eröffnet. Zu derselben sind 16 Delegirl« erschienen, welche 14 Ort« ver» trete»; anberdem ist die Generalkommtsflon der Gewerkschaften Deutschlands durch S a b a t d vertreten. Aus dein Geswäilsbericht des Vorsitzenden Nary-Berlin geht ei» Wachethnm des Verbandes seit der letzten Generalversammlung hervor. Die Einfühlung einer Arbeitslosen-Unlerstützniig, ivelche von der letzte» Generalverlamminiig mit S gegen 5 Stimme» be- schlöffe» ivurde, kni» nicht zur Austnhrung, iveil die Mitglieder, von welche» die Frag« in einer Urabstimmung tiitschledeN iverden sollte, mit 282 gegen 167 Stimmen gegen die Einführung derselben voltrten. Lohnbewegungen sind in den letzte» drei Jahren verschiedentlich vnrchgesilhrl ivoiden, darunter die größte Anzahl erfolgreich. Wo dle Lohnbeiveglliigen einen niigünstigen Ausgang nahmen, war dieses »i erner Linie auf die mangelhafte Organisation zurückzuführen. Die Bergolder Oesterreichs unv DätieiltnrkS, ivelche auf der vorigen Geiieralversamnilung dnich Delegnte vertrete» waren, habe» die Eaisendung solcher der hohe» Kosten wegen in dlesem Jahre unter» lassen. Aus dem Kassenbericht, welcher von Späth- Berlin erstattet wurde, ist gleichfalls ein Wachslhuin des Verbandes zu ersehen. In den letzten drei Jahren hatte der Verband die Einnahiii« von 28 876,76 M! davon entfiele» auf die Hänplkass«>3 737,25 M.«nd ans die Filialkassen 9533,51 M. Die Ausgabe» betrugen 17 630.65 M., und zwar 10 204.23 M. bei der Hanptkasse nnd 7476,37 M. bei den Filialkasse». Die Mitgliederzahl hat sich von 593 im Jahre 1834 a»i 1050. die Zahl der Filialen n»d Zahlstellen von 11 im Jahr«>994 ans IL vermehrt. DaS Berbnndsvcrmögen beträgt 9833.73 M. Der Ansjchnßbericht wurde von Fcueiback,-Hamburg erstattet und hierauf die Fortsetzung der Verhandlungen ans Montag vertagt. In der Sitzung am Montag erstatteten zunächst die Delegirten Bericht über die Verdällnisse in de» einzelne» Zahliielltn. Dieselben ergeben kein rosigeS Bild über dle Lage der Bergolder. Namentlich ivird geklagt über daS Zwischen nietsterfvstim nnb niedrige Löhne. Die Arbeitszeit beträgt meistens>0 Stiniden. Trotz der Mißstände läßt die Organisation an vielen Orlen»och sehr z» ivünscksn übrig. Im allgeuieine» ist jedoch in sämmilichen Zahlstellen ein Forlschritt zu verzeichnen. Außerordentlich lebhaft wurden die Verhandlungen beim Punkt Unterstütziingswesen. Eine N«ise-Unlnstütz,i»g besitzt der Verband schon seit«inigen Jahren, welche zur vollständigen Zufriedenheit funklionirt. Deshalb waren auch sämmtliche Delegirle, mit einer Ausnahme, für Aufrechterhaltung der Ncise-Unl«rilüh»»g. Es wurde auch demgemäß beschlossen; weitergehende Anlräge, welche die Unter- stützung erhöheil wollten, wurden aber abgelehnt. Zur Elnsührung einer Arbeitslosen- Uilterstützung konnte man sich jedoch nicht«»tschließen. Dagegen fand ein Antrag Annahme, wonach zuerst einmal Erhebungen über die bisherige Daner nnd den Umfang der Arbeitslosigkeit im Vergolderaewerbe angestellt iverden sollten, um ans dem gewonnenen Material eine Grundlage für die weitere Behandlung der Frag« zu haben. Hamburg, den 23. Dez. 1897. Di« Generalversammlung beschäftigte sich zunächst in ihrer heutigen Sitzung mit der Frage, wie es am besten möglich fei, auS- stchtSlof« oder ungenügend vorbereitete Streiks zu verhüten. Ver- schieden« Redner schlugen vor, den Gewertschaslskarlellen einen Jrößeren Einfluß einzuräninen, und von deren Genehmigung die irollamirung eines Streiks abhängig zu machen. Dagegen wandten n«) fe p s h t- Cttlin und R s s r e ganz energisch. Erster» hielt eS fur ziveckmSßig. nach allen Orten, Ivo Streitigkeiten ausbrechen, ein -l'utglied des Hauptvorstandes zu schicken, welches zunächst eine Ver- nuttlung herbeizuführen versuchen soll. Auf das dringendste aber warnte er davor, den örtlichen Kartelle» noch mehr Rechte einziirünmen, als sie»ch schon angemaßt hätten. Röske schloß sich dem an. Er empfahl außerdem den Zusammenschluß der verschiedenen miteinander verwandten Brauchen zu Jndustrieverbänden. Ihren Abschluß fand die Debatte durch Annahme nachstehender Resolution:„Die Generalversammlung niachl es den Filialen resp. Filialvorständen zur Pflicht, bei vorkommenden Differenzen mehr als bisher auf das Etatut zu achten und warnt entschieden vor leichtsinnigen Streiks. Jedoch darf*---"" I"' .„ gebenen Falles keineswegs der geeignete Moment außer acht gelassen werden, zur rechten Zeit in eine Bewegung ein- zutreten, wen» die besten Aussichten auf Erfolg vorhanden sind." Nach einer lebhaften Debatte wurde beschlossen, den bisherige» Beilrag beizubehalten. Beim Punkt Berbandsorgan drehte sich die Debatte hauptsächlich um die Erscheinungsweise des Organs. Dasselbe erscheint jetzt alle vier Wochen. Mehrere Anträge verlangten einen kürzeren Termin und begründeten dieses mit dem Hinweis darauf, daß das Berbandsl organ doch ein vorzügliches Agitaliousmittel sei. Außerdem wurde eine Berbesserung des Inhaltes durch Ausnahme fachlechnischer Artikel verlangt. Das vierzehntägige Erscheinen der Zeitung wurde des Koflenpunkles halber abgelehnt, dagegen beschlossen, den Lesern durch Einführung eines Sprechsaales Gelegenheit zu gebe», sich gegem fertig über technische Fragen zu belehre». Beim Punkte Agitation rvurde von allen Seiten die Nothwendigl keit, eine größereAgitation zu entfalte», vertreten. Ueber die beste und zweck mäßigste Ausführung derselben gingen aber die Ansichten aus- einander. Einige Redner empfahlen die Entsendung von Agitatoren, andere ivare» im Gegentheil der Meinung, daß die Agitation mehr von den Filialen aus betrieben werde» müßte. Schließlich einigte man sich dahin, solche Zahlstellen, welche dieses verlangten, durch Entsendung ausivärtiger Agitatoren zu unterstützen. Die dem Haupt vorstände zu diesem Zwecke zur Verfügung stehende Summe von 200 M. wurde aus 300 M. erhöht. Hierauf wurde in die Berathnng der gestellten Slnträge ein- getrete». Die meisten derselben befasse» sich mit den interne» An gelegenheiten des Verbandes. Wichtig ist besonders ein Antrag, wonach diejenigen Mitglieder, welche in einen Streik eintrete» wollen, dieses sofort dem Hauptvorslande mitzulheilen habe». Der selbe soll dann zunächst versuche»,«ine Einigung auf gütlichem Wege herbeizuführen. Hamburg, den 29. Dezember 1397. Am heutigen Verhandluugstage fanden verschiedene Anträge Annahme, welche eine umfassendere Agitation ermöglichen sollten. Einige andere, welche zur Annahme gelangten, erhöhen die Leistungen deS Verbandes seinen Mitgliedern gegenüber. Die Ansammlung von Strcikssonds empsiehlt folgender Beschluß:„Die Filialvorstände haben für die Sammlung eines lokale» Streikfonds Sorge zu tragen. Die Art der Sammlung bleibt den Filialen überlassen. Der Verband hat kein Anrecht aus diese Fonds, die- selben sind als Privatverinögen der einzelnen Filiale» zu be- trachten." Beachtenswerth ist außerdem»och ein Autrag der Zahlstelle Verli» in bezug auf die Aufnahme von Statistiken:„Der Hauptvorstand wird beauftragt, über alle im Vergoldergewerbe eiu- schlägigen Fragen. Lohn- und Arbeitsverhältnisse, insbesondere über die Arbeitslosigkeit im Gewerbe, eine Statistik zu führen, behufs genauer Begründung der Nolhwendigkeit der Arbeitslosen- Unter- stützung. Die Filialvorstäude sind zur Lieferung des hierzu ersorder- lichen Materials an den Hauptvorstand verpflichtet." Dieser Antrag fand Annahme. Die Filiale Strelitz hatte die Einführung von Statistikbüchern beantragt und der Delegirte von Strelitz de- gründete diese» Antrag mit einem Hinweise auf den großen Werth der Statistik. Je eingehender dieselbe sei. desto «her sei sie zur Grundlage von gewerkschaftlichen oder gesetz- geberischen Aktionen zu macheu. Dem wurde aber entgegengehalten, daß die Arbeiter ja die wenigen Fragen auf den Fragebogen noch nicht einmal zur Genüge beantworten, noch viel weniger werden sie sich zur Ausfüllung solcher Bücher bequemen. Um dieses durchzu- führen, sei es vor allen Dingen nolhwendig, das Gros der Arbeiter mehr aufzuklären über den Werth der Statistik. Diese Ausführungen führten denn auch zur Ablehnmig des Antrages. Gleichfalls abgelehnt wurde ei» Antrag derselben Filiale, welcher den Anschluß a» den Holzarbeiterverband befürwortete. Mit diesem Antrage stand der Delegirte aus Strelitz allein. Als Sitz des Ausschusses, der bisher in Hamburg war, wurde München beüimmt. Der Sitz des Hauptvorstandes bleibt in Berlin. Das Verhältnis! zur Generalkonnnrssion der Gewerkschaften bleibt wie bisher weiter bestehen. Bei den Verhandlungen über diesen Punkt kamen auch die noch vorhandene» Schulden der General- konnnission von dem Ausstande der Tabakarbeiler 1899 zur Sprache. Es wurde den einzelnen Delegirte» a»S Herz gelegt, ihren Einfluß in ihren Filialen dahingehend auszuüben, daß von den einzelnen Mitgliedschaften Beiträge zur Tilgung dieser Schulden geleistet werden. Als Delegirter zum nächstjährigen Gewerkschaftskongreß wird Späth-Berlin geivählt. Beim Punkte Maiseier wurde von allen Seiten darauf hingewiesen, daß es nolhwendig sei. den ersten Mai i» erhöhtem Maße durch RrbeitSruhe zu feiern und gelangte hierzu folgende Resolution zur Annahme:„Die General- Versammlung empfiehlt den Filial- Vorständen. energischer wie bisher aus die allgemeine Arbeitsruhe am ersten Mai hinzu- wirken und dieselbe allerorts zu verwirklichen." Hiermit war die Tagesordnung der Generalversammlung erschöpft. Narp-Verlin dankte den Delegirte» und dem Lolalkomilee für ihre Umsicht, gab seiner Freude Ausdruck über die sachliche Behandlung aller Fragen und schloß mit einer Mahnung an alle Delegirte», nach besten Kräften für den weiteren Ausbau des Verbandes zu sorgen, die Generalversammlung mit einem dreifachen Hoch aus den Verband. Berlin und Ilmgrbnng. Der Vorstand der Berliner Buchdrucker macht in seinen „Miltheilnnge»". die vom 24. d. M. dalirt sind, bekannt, daß, da voraussschtlich der Streik der englische» Maschinenbauer in einigen Tagen zu Ende gehen werde, die Sammlungen von seiner Seite ge- schloffen feien. Diese Annahme hat sich, wie bekannt, nach de» Meldungen der letzten Tage leider nicht bestätigt, der Kampf wird weiter geführt und so werde» auch die Buchdrucker nicht aufhören, nach wie vor ihr Scherflein zur Unterstützung der englischen Arbeits- brüder beizutragen, biS der Sieg endgiltig errungen ist. Deutsches Reich. Sämmtliche Former der Herner Maschinenbau-Aktien- g e s« l l s ch a f l sind ausgesperrt. Bei der Firma sind in letzter Zeit wiederholt Lohnabzüge vorgekommen, so daß die Arbeiter endlich vorstellig wurden und eine feste Regelung der Lohnverhältnisse forderten. Diese wurde vom Direktor kurz abgelehnt und sämmtliche Former ausgesperrt. Es wird deshalb um Fernhaltnng des Zuzugs gebeten. Wegen Maßregelung des»weiten Vorsitzenden der Kölner Filiale des Eteinarbeiter- Verbandes wurde die Sperre über das Marmorgeschäft von A. F u n ck verhängt; weiter wurde beschlossen. keine Arbeiten für Funck in den übrigen Werkstätten anzufertigen. Vom„groben Unfug". Das Schöffengericht in Lübeck ver- «rtheilte zwei Tischler und zwei Bauarbeiter zu je 3 Tagen Haft wegen„groben UnsugS", begangen durch sogenanntes Streikposten- stehen. Der Staatsanwalt hatte bei den Tischlern sogar 4 Wochen, bei den Bauarbeitern 14 Tage beantragt. Zivei Tischler wurden freigesprochen. Ausland. Die mährifch-schlefischen Handlungsgehilfen?->&««>'.>» einer Konferenz, welche während der Weihnachlsfeiertage m Brün n ab- gehalten wurde, folgende Beschlüsse: Die Handlungsgehilfe» werden aufgefordert, nach Eröffnung des ReichSrathes eine intensive Agitation für die Forderungen der HaudelSarbeiter einzuleiten. An allen Ge- Hilfen- und Krankenkaffeu-Ausfchnßivahlen haben sich die Handels- arbeiter zu betheiligen. Die Arbeiter-Konfumvereine werden aus- gefordert, die Wünsche ihrer Augestellten mehr als bisher zu berück- sichtigen. Der„Handlungsgehilfe" und das„Organ der Handels- angestellten" werden als Fachblätter anerkannt, ersteres für die Handelsarbeiter deutscher, letzteres für die der czechischen Zunge. Unter dem konsumirenden Publikum, insbesondere in der Arbeiter- fchaft, ist eine Agitation einzuleiten, bezughabend auf die Enthaltung vom Einkaufe an Sonntagen. Zur allgemeinen GewerkschaftS-Kouferenz, welche morgen in London zusammentritt, um über die Stellung der Gewerk- schasten zu dem Kampf im Maschinenbaugewerbe zu beratheu, haben 189 Unionen die Sendung von Delegirte» in Aussicht gestellt. Es iverden so alle Bereinigungen auf der Konferenz vertreten sei» mit Ausnahme der Kesselschmiede und der Baumwollspinner von Lanca- shire; verschiedene Zweigvereine der Spinner-Union iverden jedoch vertreten sein. Zu bedauern ist allerdings, daß die Kesselschmiede. die in erster Linie die Maschinenbauer— und zwar nicht blos finanziell— zu unterstützen in der Lage wäre», diese» wichtigen Berathungen fern bleiben. Das Parlamentarisches Komitee der Gewerkschaften wird durch seinen Vorsitzenden Sam. Woods ver- treten sei». Soziales. Konsumvereine und Sozialdemokratie. Sozialdemokratische Blätter waren die ersten, die gegen die schlechte Bezahlung der An- gestellten der Konsumvereine Front machte»; wie sie auch die einzigen waren und gebliebe» sind, die die Organisation der Konsum- vereinS-Angestellten unterstützten. Ferner ist bekann», daß unsere Partei mit den Konsumvereinen nichts zu thun hat, eS sind keine Parteigründung«», mir agitiren auch nicht für sie, nnd wo Partei- genossen in Konsumvereinen einmal die Mehrheit haben, da ist das ein Zufall. Das alle? ist schon hundertmal gesagt worden. Da giebt nun die„S o z i a l e P r a x i s", das Organ des EtaatsministerS v. Berlepsch, in dieser Sache Reußerungen nnferer Bruderorgane„Bogtländische Bolkszeitung" und„Sächsisches VolkSblatt" wieder und schickt den Zitaten loyaler Weise die Benierkung voraus:„Abermals sind es sozialdemo- k r a t i s ch e Blätter, die ihre Stimme laut erheben gegen die AuS- beutung von Angestellten in Arbeiter- Unternehmungen." Die „B o f s i f ch e Zeitung" benutzt die Notiz der„Sozialen PraxiS", verbösert aber, im dunklen Drange, der Sozialdemokratie eins auswischen zu müssen, selbstverständlich die vorstehend wieder- gegebene Bemerkung deS Organs des Herrn v. Berlepsch und spricht frischweg von„sozialdemokratischen" Konsumvereinen, zum Schluß bemerkend:„Ohne Profit raucht kein Schornstein!" hat Bebel, der nicht blos guter Sozialdemokrat, fondern auch guter Geschäftsmann ist, anf dem Hamburger Parteitag gesagt. Und ob „Bourgeois", ob Sozialdemokrat, die Geschäftsmaximen bleiben die- selben." Die Geschäftsmaximen der Sozialdemokratie sind aber nicht die schofle» Maximen der Bourgeoisie. Wo sich Neigung dazu unter Arbeitern bemerkbar macht, da zieht unsere Partei vom Leder, und thatsächlich hat unsere Kritik an den Zuständen in Konsumvereinen bereits Erfolg gehabt und wird weiter ihre Wirkung üben. Im t8S7er Jahresbericht der Hamburger Handelskammer, der soeben erschienen ist, wird der Hafen arbeiter st reit ganz in derselben einseitigen Weise besprochen, wie daS schon im 1 896er Jahresbericht geschehen ist. Das Verfahre» der Rheder und Stauer, die den Einigungsvorschlag des Senats als angeblich uubefugte Einmischung eines Dritten abgelehnt und dadurch selbst die lange Dauer deS Streiks verschuldet haben, rückt der Handelskammerberichl demnngeachtet in das freundlichste Licht, ivährend er, nach bekannter Taktik, die„Arbeiterführer", die gerade in diesem Falle nicht» weiter waren, als die Mandatare der Masse. als Demagogen hinstellt. Von einer Handelskammer, deren Bor- sitzender der durch sein rigoroses Auftreten bei dem Streik bekannte Rheder L a e i» z ist, kann man«in« objettiv« Schilderung des großen ivirthschaftliche» Kampfes schlechterdings auch nicht erwarte». Wie der Herr, so das Geschirr!— Rrbeiter-Ristko. In Brauereien vorgekonnnene Unfälle haben den M a g i st r a t von Augsburg zu einer Bekannt- machung veranlaßt, worin die Betriebsunternehmer». a. darauf aufmerksam gemacht werden, daß mit Geldstrafe bis zu 999 M. oder niit Gefängmß bis zu 2 Jahren bestraft werden kann, wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung eines anderen verschuldet, und bis zu 3 Jahren, wenn der Unternehmer zu der Aufmerksamkeit, die er aus den Auge» setzte, vermöge seines Amtes, Berufes oder Ge- werbes besonders verpflichtet>var. Durch diese Bekanntmachung wird einmal amtlich konstatirt, daß die Unternehmer, nicht die Arbeiter an den Unfällen schuld sind. Der durchschnittliche JahreSverdienst der land- und orstwirthschaftlichen Arbeiter der vier Regierunas- kreise Württembergs ist vom Ministerium des Innern auf vie Zeit vom 1. Januar 1893 bis 31. Dezember 1992 neu geregelt worden. Der Jahresdurchschnittslohn für männliche Er- wachsen« ist aus 799 M. festgesetzt für den Sladtdireklions- bezirk Stuttgart nnd den Stadtgemeindebezirk Cannstatt; auf 639 M. für die Städte Eßlingen, Heilbronn nnd die Gemeinden Untertürkheim und Wange»; auf 699 M. für die Städte Ulm, Reut- lingen und die Gemeinden Wildbad und Calmbach; anf S99 M. für zahlreiche Gemeinden des Neckar- nnd Schwarzivald- kreises nnd der Stadt Gmünd im Jagstkreis; für sämmtliche Ge- meinden des Donankreises mit Ausnahme von Ulm sind 459 M. und für eine große Zahl der kleineren Gemeinden der drei übrige» Kreise aus 499 M. festgesetzt. Der Durchschnittslohn der w e i b- lichen Erwachsenen und der männlichen Jugend- lichen steht ziemlich gleich nnd variirt zwischen 299—499 M. Diese amtliche Einschätzung, schreibt die„Schwöb. Tagwacht", bestätigt treffender als spallenlange Auseinandersetznngen, daß die Lebenshaltung dieser Bevölkerungsschichte» zu der heutigen Kultur in keinem Verhältniß steht; sie löst auch daS Räthsel, warum die Landwirthschaft immer mehr Arbeitskräfte an die Industrie verliert. Gevi�ks-Rettung. DaS Gesetz über den anlanteren Wettbewerb und die Zeitungen. I» unserem Nachbarorte Schöneberg existiren zivei Blättcheu, das„Schöneberger Tageblatt" und das„Schöneberger Wochenblatt". Das„Wochenblatt" ist amtliches Publikationsorgan. Früher erhielt das Tageblatt auch amtliche Nachrichten, als es aber gegen den Gemeindevorsteher Opposition machte, wurden sie ihm «nizogen. Nichtsdestoweniger behielt daS„Echöneberger Tageblatt" den Untertitel„G e m e i n d e b l a t t" bei. Vor einiger Zeil wurden nun sein Verleger Lenz und der Redakteur Müller deSivegen angeklagt, sich gegen daS Gesetz über den unlautere» Wettbewerb vom 27. Mai 1896 ver- lange» zu haben. Des Redakteurs Etrafbarkeit ivnrde aus dem tz 29 des Preßgesetzes hergeleitet. Im wesentlichen stützte die Staatsanwaltschaft die Anklage anf den Z 4 des Gesetzes vom 27. Mai 1396, der be- timmt: Strafbar ist, wer über die Beschaffenheit von Waaren wissentlich unwahre, zur Irreführung geeignete Angaben in öffentlichen Bekannlmachunge» oder in Mit- theilnngen, die für«inen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, macht und damit beabsichtigt, den Anschein eines besonders günstige» Angebots hervorzurufen. Der Angeklagte Lenz bestritt, daß er sich eines Vergehens hiergegen schuldig gemacht habe, indem er nach wie vor die Zeitung eine„Gemeindejeitung" nenne. Im übrigen seien Zeitungen auch keine Waaren im Sinne der angezogenen Gesetzesstelle. Der Angeklagt« Müller erklärte, daß er als Redakteur für den Titel überhaupt nicht verantwortlich gemacht werden könne. Das Schöffengericht sprach ihn frei, verurtheilte aber den Verleger Len, wegen Uebertretung des Gesetzes über den nnlauleren Wettbewerb. Sowohl Lenz wie die Staatsanwaltschaft legten Berufung ei». Die der Staats- anwaltschast halte den Erfolg, daß die Strafkammer auch Müller zu einer Geldstrafe verurtheilte. Die Berufung des Verlegers verworfen. Nunmehr griffen beide Angeklagte daS Nrtheil mit der Revision an. Der Strafsenat des Kammergerichts erkannte darauf- hin gestern: Die Revision des Angeklagten Lenz wird als unbegründet zurückgewiesen. Dagegen wird das Urtheil gegen den Angeklagte» Müller aufgehoben nnd er als nichtschuldig frei- g e f p r o ch e». Die Annahme des Berufungsgerichts, daß periodisch« Zeitschriften unter den Begriff der Waare fallen, ist nicht rechtsirrthümlich. Eine Waare ist jedes Erzeugniß, das auS einem anf Gewinn abzielenden Unternehmen im Bereiche der Produktion oder des Handels in den wirthschaftlichen Verkehr gebracht wird. Demgemäß ist Lenz anf grund der Feststellungen des Vorderrichters mit Recht verurtheilt worden. Der fj 4 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb ist anf ihn anzuwenden gewesen. Das Bei- behalten jeneSUntertitelsenthält diein diesemParagraphenangegebenen Merkmal«. Anders liegen die Dinge mit dem angeklagten Redakteur. Der verantwortliche Redakteur einer Zeitung ist auf grund des tz 29 des Preßgesetzes allerdings verantwortlich für ihren Inhalt. Der Senat nimmt aber an, daß die Ueberschrift und der Titel der Zeitung als„Geineindezeitung" nicht zu dem Inhalte der Z e i t u n g g e h ö r« n. Bei dem Wort« Inhalt einer Zeitung wird niemand an die Ueberschrift denken. Die Ueberschrift rst nicht«ine Sache deS Redakteurs, sondern die des Verlegers, und dieser ist dafür verantwortlich. Darum hat Müller freigesprochen werden müssen. Die Holz-, Mast- und Jaadordnuna für die Provinz Brandenburg von, HO. Mai 1720 verpflichtet jeden, der im Walde ein Geweih findet, es an den nächsten Forstbeamten abzu- liefern. Ein Herr Giese wurde beschuldigt, dagegen verstoßen zu haben. Er hatte ein Hirschgeweih gefunden und mitgenommen und auf die Aufforderung des Försters, es herauszugeben, die? abgelehnt- Gegen die Anklage machte er geltend, die Holz-, Mast- nnd Jagdordnnng von 1729 sei nicht mehr rechts- giltig. Schöffengericht und Landgericht waren aber der entgegen- gesetzten Meinung und verurtheilte» ihn zu einer Geldstrafe. Giese legte darauf gegen das landgerichtliche Urtheil Reviston ein. Er führte aus, jenes Provinzialrecht von 1729 sei durch das Allgemeine Landrecht und durch die andere Gesetzgebung außer Kraft gesetzt worden. Neben dem Forstpolizeigesetz könne es nicht fortbestehen, und im 16. Titel des 2. Theils des Landrechts würden Hirschgeweih unter den herrenlosen Sachen aufgeführt. Der Strafsenat des Kammergerichls wies die Revision als unbegründet zurück. Die Holz-, Jagd- und Mastordnung bestehe sehr wohl noch zu recht. Sie sei n i ch t ausdrücklich aufgehoben worden, und das Land- recht und daS Forstpolizeigesetz änderte» an ihrem rechtlichen Fort- bestand« auch nichts. Hungernde RrbeitSsklavinnen in Ostelbien. Ueber die Dienstbotennoth auf dem Lande führen bekanntlich die Herren Agrarier gar fürchterliche Klagen; daß sie aber an dem Zuge„ihrer" Arbeiter»ach der Stadt nicht unschuldig sind, beweist wieder einmal eine Verhandlung, die jüngst vor der 2. BreSlauer Strafkammer statt- fand. Die„BreSl. Ztg." berichtet darüber: Wegen Dieb- stablS und Nahrun gSmittel-Entwendung war die Köchin Marie Rohner vom Schöffengericht zn einer Woche Gefängniß und einer Woche Haft verurtheilt worden. Di« Angeklagt« hatte bei dem Ritterguts- besitzer Langner zu Bischosswalde, KreiS Breslau, in Dienst gestanden. Dort hat sie zwar der Arbeit die Hülle nnd Füll«, recht oft aber, wie sie behauptet«, nicht ausreichend zu essen gehabt, fodaß sie gewöhnlich mit knurrendem Magen die Ar- beit verrichten mußte. Zwar wäre mittags Fleisch aus den Tisch gekommen, aber wenig, und selten sei sie satt geworden. Für die ganze Woche habe ihr der Herr immer nur je« i n Brot zu- g« t h e i l t. Ost fei dasselbe schon in der Mitte der Woche auf. gezehrt gewesen, und dann hätte für den übrigen Theil der Woche wieder recht sehr der Magen geknurrt. Eines Tages im September wußte sie sich vor Hunger nicht zu helfen—»S war die Zeit, wo im Garten das letzte Obst gepflückt wurde,— da stahl ste»in dem Herrn gehörige« Körbchen mit Birnen. Ei« behauptete, e« wäre» nicht mehr als zwei bis drei Lite, darin gewesen. Außerdem eignet« sie sich widerrechtlich eine Anzahl S i e r an nnd»erschloß da« ge» stöhlen« Gut sorgsam in einer Schublad« da» tn der Küche stehenden SpeiseschrankeS. Immer, wenn es sie dam» hungert«, chat ste fich von den gestohlenen Waaren auS dem«ersteck etwas zu gute. Aber die Frende dauerte nur wenige Tage. Denn der Herr hatte von dem Diebstahl Wind bekommen und durchsuchte die Küche nach den fehlenden Birne» und Eiern. Mit einem»weiten Schlüssel öffnet« er die Schublade zum Küchenschrank und fand dort daS Gesucht« aufgespeichert. Nun wurde das Mädchen als Diebin vor Sericht geschleppt. Das Schöffengericht erachtet« betreffs der Wegnahme der Eier bloS«inen Fall von Uebertretung, nämlich sogenannte„Rah- rungSinittel-Entwendung" für vorliegend und setzte dafür ein« Woche Haft ei»; dagegen erblickte daS Gericht in der Aneignung der Birnen einen Diebstahl, weil eS ein ganzer Korb auf einmal war. Gegen daS Urtheil legte die Angeklagte Berufung bei der Straf- kannner«in, vor welcher jüngst neuerlich in die Beweisaufnahme eingelreten wurde. DaS als Zeugin vernommene Dienstmädchen Anna Koncz vre k, welches»och jetzt bei dem Rittergutsbesitzer Langner zu Bischosswalde in Stellung ist. erklärte auf Befragen schüchtern, daß auch sie manchmal nicht ganz satt werde, obwohl sie nur wenig vertrage. Die Angeklagte habe fich oft unter Kolleginnen betlagt, daß sie nicht genug zu essen bekomme. Auch sei es wahr, daß dieselbe Birnen und Eier hätte stehlen müssen, u in s a t t z u w e r d e n. Ferner mußte die Zeugin zu- geben, daß die Kost nickt blos gering war. sondern daß auch die Beschaffenheit zu wünschen übrig ließ, daß die Dienstmägde z. B. ranzige Butter und schlechte Milch vorgesetzt bekamen. Der Vertbeidiger Rechtsanwalt Dr. Peucker bat, die Angeklagte, die eine vollständig unbescholtene, arbeitsame Person sei, nach Lage der Sache nicht als Diebin zu behandeln. Das Gericht stellte sich anf den von der Vertheidigung eingenommenen Standpunkt, hob das Urlheil deS Schöffengerichts ans und verurtheilte die Angeklagle blos wegen zweier Ueberlretnngen von Nahrungsmittel-Entwendnng zn insgesannnt 29 M. Geldstrafe. So lange Dienstboten derartigen Hungerkuren ausgesetzt sind, so lange ist es Menschenpflicht, die Dienstbotenklagen der Agrarier mit Hohnlachen und Verachtung zn beantivorten. Ter klerikal« RcichötagS-Abgcordnete Dr. Heim wurde am Dienstag vom Schöffengericyle Ansbach wegen Beleidigung eines Postadjnnklen zu 19 N9 Geldstrafe verurtheilt. Er halle dein Be- ainten auf öffentlicher Straße zugerufen:„Wenn Sie mich nochmals fixiren, gebe ich Ihnen eine solche Ohrfeige, daß Sie den Erdboden küssen. Sie sind ein seiner Herr, aber fein mit ai geichricde»!" Der klagende Postadjunkt, nebenbei bemerkl ein guter Naibolik, wurde auf erhoben« Widerklage wegen„Fixirens" des Dr. Heim einer Beleidigung auch für schuldig erkannt, jedoch für straffrei erklärt. Vepesäien und letzte Llerchentzken. Pudapest, 39. Dezember.(B. H.) AuS Abgeorduelcnkreisen ivird gemeldet, daß Bnnffy für den Fall, daß die Linke die allgemeine Obstruktion ins Werk setzen sollte, sich vom Kaiser die Ermächligung verschafft habe, das Abgeordnetenhaus anfziilöle». Budapest, 39. Dezember.(W. T. B.) Das Abgeordnetenbalis hat sich zni» Montag verlagt. Die Debatte über das Provisorinn» konnte auch heute noch nicht beendigt werden, da noch mehrere oppositionelle Redner vorgcmerkt bleiben. PariS, 89. Dezember.(W. T. B.) Im Panama- Prozesse wurden fäminiliche Angeklagteil unter lebhaftem Beifall des Publikum» sreigesprochen. Dork, 39. Dezember.(W. T B) Heute fand bier eine große Berlreterversammlung der Arbeitgeber im Maschineudau- Gewerbe statt. Dieselbe uahm einen Beschlußaiitrag au, der das Vor- gehe» des Londoner Ausschusses gulheißt»nd die Zns:i»n»u»g zu der von den Arbeilgebcr-Vertreler» in der Konferenz vom 17. Dc- zember ausgesprochene» Ansicht ausdrückt, daß die gegeinvärlige Arbeilssiundeiizahl nicht herabgesetzt iverden körnie. Durch diesen Beschluß ist die Waffenruhe in dem Kampfe zwischen den wurde> Maschinenban-Firnien und ihren Arbeiter» abgeschlossen. Beraniwortlicher Redalteur: August Jarobey in Berlin. Für den Jnserateiilheil veraiiiworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Babing i» Berlin. Hierzu 1 Beilage«. ilnterhalliinaöblalt. it. 305. u. MM». Keilllge des Jmiirts" Kerlimr WlksdlM. Fr-i,.§. 3.. SkMdtl t8S7. Kommunales. Menossc Tinger schreibt«»s: Ein Hörfehler JhreS Herrn Be- richt��iattees hat mich in der letzte» Stadtverordneten-Aersannnlnng i» meine» Ausführungen über de» Denkstein für die Mär, gefallene» sagen lassen:„Wir wolle» mit lluferem Antrag nicht die Revolution verherrlichen." Das ist nicht richtig. Ich habe im Gegentheil nach- drücklich betont, daß nnsere Motive für die Errichtung des Denk- steines in dein Verlangen gipfeln, die Volkserhebung des Jahres 1848 zu feiern. Infolge eines in der Stadtverordneten- Vcrfainmlnng eina..'rächten Antrages von de» Stadlverordneten Borgmann n»i> Genossen hat die städtische Schuldeputation über den besonderen Unterricht der Schivachsinnigen in den Gemeindeschule» allgemeine Bestimmnngen getroffen und dem Magistrat zur Genehmigung»nter- dreitel. Diese Bestimnnlngen lauten: ß 1 Z iv e ck. Gemeinde- schnlkinder. welche infolge geistiger oder körperlicher Hemmnisse an dem lehrplaninäßigen Unterricht nicht mit Erfolg theilnehmen, können einem Unterricht in Rebenklasse» überwiesen werden. Er soll die Kinder so fördern, daß sie entweder schulfähig werden oder die ihnen erreichbare Borbildung für das spätere Leben erlangen. Z 2. Auswahl. Bildnnassähige, aber zeitweise oder dauernd für den regelmäßigen Schulunterricht ungeeignete Kinder werde» dem Schulinspektor von dein Rektor ge- meldet. Die Nothwendigkeit der Ausnahme erörtern der Schul- inspektor, der zuständige Rektor unter Zuziehung eines der vom Magistrat bestimmten Aerzte; der Lehrer(Lehrerin) kann zu der Berathung zugezogen werden. Der Schulinspektor entscheidet > darüber nach Anhörung des ErziehnngsverpflichUlen, ob das Kind des Rebenunterrichts bedarf. K 3. N e b e n k l a s s e n. Die i» den Rebenunterricht aufgenommenen Kinder werden zu Gruppen von höchstens 12 Kindern vereinigt, welche von einem Lehrer(Lehrerin) unterrichtet werden können. Die Truppirung geschieht auf Zeit und mit Rücksicht auf die Befähigung der Kinder und die Lage der Schulen. Der Unterricht einer Reben- klaffe findet in einem Gemeindeschnlzimmer statt, dessen Lage von der Echnldepntation zu bestimmen ist. Die Gruppe gilt alz eine Klaffe der Gemeindeschul«; der Rektor hat über diese Klaffe die sonst giltigen Disziplinar- und Aufsichtsbefugnisse, und die Kinder werden als Gemeindeschüler geführt.§ 4. Umfang des Neben- Unterrichts. Der Nebenunterricht»mfaßt in der Regel wöchentlich 12, also durchschnittlich täglich 2 Siunde». Der Unter- «cht erstreckt sich auf Religion, Deutsch, Schreiben und Rechnen, in geeigneten Fällen auch auf Handarbeiten für Mädchen. Der„An- fchauungsuulerricht" ist besonders zu betonen. Der Lehrplan wird von dem Rektor aufgestellt nnd unterliegt der Genehmigung des Cchnlinspeklors. Die Kinder der Nebenklassen nehmen außer- dem, je nach Vorschlag deZ Lehrers(der Lehrerin) und nach Anweisung des Schulinspektors an einzelnen Stunden der Gemeindeschule theil, wie z. B. im Turnen, Zeichnen, Singen. tz S. Uebertritt aus den Nebenklassen in die Ge- «> e i n d e s ch u l e. Am Schlüsse jede? Halbjahres wird über die Kinder ei» Bericht des Lehrers(der Lehrerin) an den Schulinspektor erstattet«it der Aeußerung darüber, ob die Kinder dem Haupt- «nterricht zugeführt werde» können. Der Echuliuspektor, der die Kinder nöthigenfalls in der Nebenklafle selbst beobachtet, entscheidet Über die Frag«, ob das Kind m der Nebenllaff« zurückgehalten werde» soll.§6. Lehrer(Lehrerin). Der Lehrer(die Lehrerin) der Nebenklaffe wird aus den endgillig angestellte» Gemeindelehrern(Lehrerinnen) nach dem Borschlage des Echnlinspektors von der Schnl-Depntation auf Zeit angenommen. Der Lehrer(die Lehrerin) erhält daö gesetzlich« Dieusteinkommen als Semeindelehrer (»Lehrerin) und ist verpflichtet,»eben den Stunden in der Nebenklaffe noch Stunde» in anderen Klaffen, bis zu 24 Stunden im ganzen, zu ertheilen. ES wird ihm(ihr) eine nicht pensionSsähige Funktions-, zulag« von 300 M. jährlich bewilligt.— Der Magistrat hat dem An trag« zugestimmt und wird denselben der Etadtverordneten-Versainm Kl»g zur Genehmigung unterbreite». Der vildhauer Kruse ist vom Magistratskollegium zum kon traktlich anzustellenden Lehrer an der ersten Handwerkerschule gewählt werd««. 3« Priimien für dt, SrmiNelnng von Brandstiftern in Berlin hat daS Magistratskolleginm in den nächstjährigen Etat 1000 M. eingestellt. De» bevorstehende« Neujahrsfestes Wege««erden die städtischen Kassen und BtireauS am Freitag bereits um 1 Uhr mittags geschlossen, mit Ausnahme d«S Zentralbureaui, welches zur Entgegennahm« von wichtigen Sachen bis 4 Uhr nachmittags Der Spezialetat für die GemetndefricdhSfe pro 1898/99 ist vom Magistratskollegium in Einnahme mit 1ö 10S M. und in Vev Katnpff gegen ven MmPkuez noe hunveek Jahren unv jetzt. Unser« vornehme Welt in Frack und in der Uniform hat eS versäumt, am Ende dieses JahreS eine eigenartige Trauer- feier zu begeheu. Bor einigen Wochen lief gerade ein Jahr- hundert ab, seitdem Friedrich Wilhelm IL seine Augen für immer schloß. Hatte» sich etwa unsere Edelsten und Besten so an Ge- dächtnißseiern, Prunkmanövern und Leichenparaden übersättigt, daß sie deshalb mit dem Schangepränge ihrer lärmenden Trauerfestlich- leiten diesem Erinnerungstage fernblieben? O nein, sie wußten wohl, weshalb sie den schwarzen Trauerpomp gut ei»- gepackt ließe». Sie hatte» nur zu recht, diesen Tag der dunkle» Vergessenheit anheimfallen zu lassen, weil er das schmachbeladenste Stück preußischer Geschichte, die Hurenivirthschaft der preußischen Pompadour, der Gräfin Lichtenau, die abscheuliche» Verstnsterungs- Bestrebungen der Dunkelmänner Wölluer und Bischofswerder inS Gedächtuiß rief. Schon i» den'ersten Regiernngsjahren Friedrich Wilhelm's II. erschaute» kundige Augen den beginnenden Niedergang des preußischen Staates. Angewidert von dem ekelhaften Treibe» der Hof- und Regieriingeklique schrieb der berühmte Mirabeau im Jahre 1787 folgende Worte nieder:„Einkünfte vermindert, Ausgaben vermehrt, Genies zurückgesetzt, Dnnnnköpse am Ruder. Ich kehre nach Paris zurück, denn ich will nicht länger zu der Rolle des Thier? ver- dämmt sein, die kothigen Krümmungen einer Regierung zu durch- kriechen, die sich jede» Tag durch eine neue Kleinlichkeit und Uli- wissenheit auszeichnet. Dieses Preußen ist die Fäulniß vor der Reis e." Und der traurige Allsgang der Regierung Friedrich Wilhelm'S II. bestätigte dies« trübe Prophezeiung des geistreichen Franzosen in allen Punkten. Preußen sah nach dem Tode seines Regenten seine Kassen gänzlich geleert, seinen Beamtenstand durch eine launenhaft« Günstlingsherrschaft bis anj's Mark verdorben, seine hohe Geistlich- keil durch ihr devotes Betragen gegenüber dem Ehebruch und der Bigamie des Königs tief entehrt nnd geschändet. Friedrich Wil- Helm II. hinterließ nach Lombard 28, nach Rannier gar 49 Millionen Schulde». Mußte nicht jedes beschönigende Wort gegenüber einem pfäsfischeil Konfistorinm verstniinnen, das seinen Segen zu der Doppelheirath Friedrich Wilhelm's II. gab und sich dabei auf das würdige Beispiel von Luther und Melanchlhon berief, die ebenfalls ihr Ja und Amen zu der Bigamie eines Fürsten, Philipp'S von Hessen, gesprochen halten? Nimmer wird ferner die Ziingenkraft unserer Byzantiner die Thatsache vertuschen können, daß der preußische Staat durch gewissenlos« Minister nnd Beamte, die an ihre Günstlinge die reichen Ausgabe mit 33 944 M. eingestellt worden, so daß ein Zuschuß von 20836 M. erforderlich wird. Das Polizeipräsidium hat dem von der Stadtgemeinde auf- gestellten Projekt für die Festsetzung neuer Fluchtlinie» für die ver- legte Stallstraße sowie für die Straße„Am Weidendanim" beziehungsweise„Am Kupfergraben" zugestimmt. Die Stallstrabe, welche als eine Forlsetzung der Artillerie- beziehungsweise Uni- versitätsstraße projektirt ist, erhält eine Gesammtbreite von 13 Meter», die Straße„Am Weidendamm" beziehungsweise„Am Kupsergraben" eine durchgängige Breite von 19 Metern. DaS Magistratskolleginm bat beschlossen, dem Verein für Vogelfrennde„Aegintha" eine Unterstützung von 500 M. zu be- willige» nnd wird zu seinem Beschluffe die Genehmigung der Stadl- verordneten-Versammlnng nachsuchen. Lokales. Der historische Kalender für l8S8 ist der heutigen Nummer des„Vorwärts" beigesiigt. Es ist bekannt, daß diesem Wandkalender alljährlich bei seinem Erscheinen eine Ehre zu theil wird, die Pro- dullen ähnlicher Art noch nie wiederfahren ist. Fast die gesammte volksfeindliche Presse erhebt unisono ein Mordgcschrei ob des aus ihm enthaltenen Verzeichnisses revolutionärer Gedenktage. Von der Stnmm'schen„Post" bis zum hilsloseste» Amtsblättchen herab führt eine jede dieser Zeitungen mit einem stattlichen Auswand von Drucker- schwärze just ans der Aufstellung der historische» Kalenderdate» heraus den haarscharfen Beweis sür die leibhaftige Existenz einer Thatsache, die gerade von unsereinem noch niemals bestritten wurde, den Be- weis nämlich dafür, daß die Sozialdemokratie revo- l u t i o n ä r i st. Die guten Leute haben Siecht, wenn sie schelten. Der Wandkalender des„Vorwärts" hat mehr zu bedtulen, als die gleichen Beigaben der liberalen, reaktionären oder unparleiischen Blätter. Die historischen Gedenktage stehen aus dem rosafarbenen Karton vermerkt, um das Proletariat in schweren Stunden daran zn erinnern, daß es Mnth zu schöpfen hat. Muth zuni ferneren Kampfe, Mnth und Ausdauer bis zum endgiltigen Siege über die alte kapitalistische Unordnung der Dinge. Und iveiin nunmehr, wo die Eriiineruiigstage des Revolutiousjahres »um fünfzigsten Mal« wiederkehren, der 1848 er Ereigniffe mit be- soliderer Sorgsalt gedacht worden ist, so ist dies noch mit der aparten Bestiiiiniung geschehen, daß das Proletarial anS den Fehlern der damaligen Bewegung lerne, die Klugheit mit der Energie zn paaren. Möge die Berliner Arbeiterschaft auch fortan ihrem Wandkalender ebensoviel Interesse entgegenbringen wie in früheren Jahren. Das reaktionäre Gelichter mag aber von neuem sein belustigendes Geschrei erheben. Denjeuigru Abonnenten unserer Zeitung, welche sich die Sonntagsbeilage„Die Neue Welt" einbinden lasten wollen, stehen Titel und Jnhaltsverzeichniß in unserer Expedition gratis zur Verfügung. Die Parteigenossen im zweiten Wahlkreise werden an die öffentliche Bersannnlniig anfmerksam gemacht, welche am Sonn- tag, den 2. Januar abends 6>/, Uhr bei Z u b e i l, Lindenstr. 106, stattfindet. Genosse Fa der wird über„Die Theilung der Welt sprechen. Nachher gemülhliches Beisaiinnensein. Achtung! Mitglieder der Freien Volksbühne! Der Vorstand beschloß auf vielseitiges Verlange», eine fünfte Ab theilung einzurichten und hat daher sofort die vorbereitenden Schritte gethan. Die erst« Vorstellung für die fünfte Abtheilung findet im Lessing-Theater statt. Zur Ueberwindnng der erheblichen Kosten, die jede neue Abtheilung verursacht, liegt es ini dringendsten Interesse aller Mitglieder und Ereunde der Volksbühne, für dieffchleunige Füllung dieser Abtheilung orge zu tragen. Wir ersuchen daher die Mitglieder, ihre An gehörigen und Bekannten ganz besonders auf die Bildung dieser V. Abtheilung aufinerkfam zu machen. Aufnahmen für die V. Abtheilung kjönnen in allen Zahlstellen de? Vereins gegen Hinterlegung des Eintrittsgeldes und eines Bei träges beantragt werden. Die Anshändigung der Mitgliedskarte erfolgt nach Beschluß des Vorstandes vor der Borstellung(siehe heutiges Inserat). Der verein veranstaltet am Neujahrstage(Sonn abend) Nachmittag 3 Uhr für die IV. Abtheilung die 4. Vorstellung von Max Halbe'? Liebesdrama„Jugend" mit dem Künstler personal des Lessing-TheaterS im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater. Auch die Garderoben»nd Requisiten, Dekorationen sind dem Lessing-Theater eiitnomiiien. Die Verloosnng der Billets beginnt um 2 Uhr. Die 3. Serie der Vorstellungen beginnt die I. Abtheilung Sonntag, den 2. Januar mit der Vorstellung:„Barles Turas er" von Philipp Langmann. Die Vorstellungen der 2., 3 und 4. Abtheilung sind am 9., 30. Januar nnd 6 Februar sänimtlich südpreußischen adeligen nnd geistlichen Güter verschleuderten, um Millionen betrogen wurde, lieber 20 Millionen Thaler schätzten Sachkundige den Werth dieser siidpreiißische» �polnischen) Güter. Wir gedenken hier nicht mit Friedrich Wilhelm II. ins Gericht zu gehen, der ja iinmer, wenn er einmal ans den Bettvorhänge» hervorkam, Proben einer erschreckenden geistigen Unbedenlenheit ab legte, wir wollen nur dem Leser die wildgährende Zeit jenes Man archen und seine schmählichen Anslehiinugsversnch« gegen den Geist derselben vor Augen führen. Diese Epoche fordert unser ganzes Interesse heraus; drängte sich doch damals ein neues iveltgeschichl- liches Prinzip inS Dnsein! Die große Frag« der Emaiizipalioii des dritten Standes, der Verwirklichniig der bürgerlichen Freiheit und Gleichheit harrte ihrer Lösung. Das ländliche Eigenthnni war mit Hand- und Spanndieiisten belastet, und der Bauer durfte sich nicht als Herr seines BodenS«nd seiner Arbeit betrachlen. Und gegen diesen Zustand der Gebniidenheit, gegen diese Fesseln an Händen und Fußen rebcllirte mit großem Erfolge der Bauernstand Frankreichs. In wilden Zuckungen wand sich die Welt, sie erbebte in ihren Grniidvesten. Sie bot das Schauspiel einer berstenden, stürzenden Ruine. Mit dem Ziifainmenbruch der allen Welt verlor sich auch der sie umgebende Heiligenschein. Die Erde nahm zusehends Besitz von sich selbst. Sie verwandelte den Gotiessvhn in ein irdisches, mensch- liches Wesen und verjagte die mystischen Gemalten des Himniels und der Hölle aus ihrem Hcrrschastsbcreich. Die vermaledeite„Hure" Berniinfl, wie sie einmal Lulher nannte, griff sehr niiehrerbielig die Wnnderwelt der gcoffenbarten Religion an. Immer mehr faßte derBegriff einer sich nach ehernen Gesetzen richtenden und regelnden Welt in den Köpfen der Menschen Wurzel. Gegen die Stnrnifluth auf dem politisch-sozialen und religiösen Gebiete rnftete sich nun der halilose preußische Monarch. Aber seine Uiilernebmnngen gegen das revolutionäre Frankreich scheiterte» kläglich, und in seinem eigenen Laude gewannen seine brutalen Unterdrückinigs- maßregeln nur einen kiiizen, schnell verranschenden Sieg. Dort peiischten Spießruthen die anfsesstgen Bauern in die heilige Ord- nnng hineiil. aber sie brachen nicht den rebellischen Sinn des Land- volks. Und wenige Jahrzehnle später wich die Leibeigenschaft, die GutSnnterthänigkeit, dem gewaltigen Drängen der Zeit. Gegen die gottlosen HinimelSstürmer predigten Wöllner und sein heuchlerischer Anhang den Kreuz,»g. Die verhaßte Anskiärnng, die mit dreister Hand daS Geheimniß deS christlichen Erlösnngs- Werkes antastete, sollte mit Slnnipf und Stiel ausgerottet werden. Die strenge Strafe der Kassation bedrohte alle preußischen Prediger und Schiillchrer. die es wagte», nach eigeiieni Gutdünken in religiösen Aiigelegeiiheiten zu handeln und die„Grundwahrheiten" der Sieligioii anders zn lehren, als sie in der Kirche vorgeschrieben waren. Doch mit derartigen Bestimmungen, die das berüchtigte im Lessing-Theater unter Mitwirkniig der Herren Adolf Klein, Karl Waldoiv, Franz Haid, Emanuel Slockhausen und der Damen Frl. Milli Krause. Jenny Groß:c. Der Vorstand ersucht die Mitglieder dringend, nur die Vorftellungen ihrer Ablheilungen zn besuchen, da Nachzügler im günstigsten Falle nur einen Stehplatz erhalten können. soweit Raum vorhanden ist. Der Borstand. I. A.: G. Winkler. Vom Berliner GewerkschaftShauS. Am 29. Dezember hat die nolarielle K o n st i t u i r u n g der Gesellschaft„Gewerkschafts- Haus, G. in. b. H.", und gleichzeitig die definitive Wahl der Ge» schäftsführer und des Anssichtsrathes stattgefunden. Die Zahl der Gesellschafter beträgt 29, die Summe der voll eingezahlten Geschäfts- anlheile 64 000 M. Geschäftsführer sind die Genossen Hagen, M i l l a r g und S a s s e n b a ch, den Anssichtsrath bilden die Ge- Nossen Arons, Busse und T i ni m. Die Unzulänglichkeit der Leistungen vieler Krankenkassen wurde in der letzten Bezirksversammlung des städtischen Armen- amts XII.(Moabit) besprochen. Die Krankenversicherung steht, wie überhaupt die Sozialgesetzgebung, insofern i n Beziehung zur Armenpflege, als für letztere ails der Sozialgesetzgebung eine Entlastung erwartet worden ist.(In Berlin ist, nebenbei bemerkt, keine Entlastung, wenigstens keine iiennenswerthe, eingetreten,— es hat auch, von anderen Umständen abgesehen, schon deshalb keine eintreten können, weil hier gerade infolge der Versicherinigsgesetze die Krankenhäuser jetzt viel mehr als früher benutzt werden; aber in anderen Orten glaubt man«inen merklich verringernden Einfluß der Versichernngs-Gesetzgebung auf die Arinenlasten konstatiren zu müssen.) Die 1397er Versammlung(in Kiel) deS„Deutschen Vereins für Arineiipflege und Wohlthäligkeit" hat über diese Frage verhandelt. Ueber jene Verhandlungen wurde in der erwähnten Bezi'ksversanim« lnng des Armenamts XII vom Vorsitzenden. Magiftratsassessor Enno, berichtet. Die Kranken Unterstützung sei in beziig auf ihre Höhe oft unzureichend, besonders dann, wenn eine starke Familie längere Zeit von dem Krankengelde lebe» solle. Hier müsse nöthigenfalls die Armenpflege reichlich helfend eingreifen, und zwar, da eS sich um einen nur vorübergehenden Nothstand sonst nicht der Armenpflege zufallender Familien handle, in erster Linie mit StiftiingSinilteln. Wo infolge zu kurzer Dan er der Unter- ftützung die Kassenpflicht vor der Heilung aufhöre, aber die Jnvali- ditätsverstcheruiig noch nicht eintrete, müsse man durch«ine recht« zeitige Hilfe die Wiedererlangung der EriverdSfählgkeit noch zn ermöglichen suchen. Wir haben erst kürzlich daraus hingewiesen, daß 1893 bei den hiesigen Orts-, Betriebs- und Jnnungs-Kraiikenkassen von 134 131 eriverbsunsähigen Kranken 4429 nach Ablauf der UnterstützniigSzeit noch krank und erwerbsnnsähig waren. Nur 409 unter diesen waren S2 Wochen lang nnterstützt worden, so daß sür sie sofort die Jnvaliditätsversicherniigs-Anstall die weitere Fürsorge übernahm; die übrigen 4020 blieben trotz fortdauernder Erwerbsunfähigkeit ohne Unterstützung. Da die ausgesteuerten Mitglieder sich vielfach scheuen, die Hilfe der Armen- Verwaltung anzurufen, so sei, sagte Herr Cuno, auch hier das Ein- greifen der Jnvaliditätsversicherungs-An stall anzu« regen, die zur Verhütung der Invalidität für solche Personen zu sorgen habe. In Leipzig, wie in manchen rheinischen Fabrikstädten, bestehe eine private Bereinigung von Großindustriellen, die er- gänzend eintreten wolle, wo die Bersicherungsgesetze nicht hin» reichen. In einige» zwanzig deutschen Städten aber, darunter Königsberg. Breslau, Charlottenburg, lasse sich die Armenverwal« tung von den Kassen melden, wer ausgesteuert, aber noch nicht geheckt ist,»nd biete dann zunächst freie ärztliche Behandlung nnd Arznei an.(Auch die Berliner Versicherungs-Anstalt läßt sich bereits von den Kassen die ausgesteuerten Mitglieder, bei denen Invalidität zu befürchten ist, angeben.) Herr Cnno empfahl,„trotz Bedenken gegen ein Anbieten der öffentlichen Fürsorge", dem Königsberger Beispiel zn folgen nnd so durch vorbeugende Armen- pflege spätere Mehrkosten zn verhüten. Jedenfalls sollten die Armeiikommissioiieii solchen Fällen besonderes Interesse schenken; die gewöhnliche Unterstützung reiche da kainn hin.— Daß der Arbeiterklasse weder mit dem Eingreifen der öffentlichen Armenpflege, »och mit einer ergänzenden Hilfe durch Privativohlthätigkeit, sondern nur mit einer gesetzlichen Regelung gedient ist, das versteht sich von selbst. Zwischen den Festen. Die WeihuachtSlieder heute»Iii Mitternacht wird unter lautem Halloh ins Leben treten. Will man die Erinnerung an getäuscht« nungen damit übertönen?— Doch trotz der getäuschten Hoffnungen werden mit dem neuen Jahre auch die neuen Wünsche und neuen Hoffnungen geboren. Was wünscht man sich und anderen nicht alles in den ersten Stunden des neuen Jahres! Und doch giebt es noch genug Menschen, die sich viel zu wenig wünschen, die in ver- fluchter Genügsamkeit dahinleben nnd es andern überlassen, den Weih- sind verklungen, ein neneS Jahr ?oss- Wöllner'sche Religionsedikt enthielt, erschöpfte sich nicht der staats- retterische Eifer der Hof- und Regierungskliqnc. Sie erließ ein echtes und rechtes Unisturzgesetz. das Zensnredikt vom 19. Dezember 1788. Wehleidig' klagte dieses Edikt über die nubesonnenen und boshasten Schriftsteller, die aus schnöder Geivinnsucht„geiimiifchädliche Jrrthümer über die wichtigsten AiigelegenheiUn der Menschen verbreiten, durch schlüpfrig« Bilder die Sitten verderben und durch hämischen Spott öffent- liche Anstallen herabsetzen." Die Verderben bringende Drachen» snal dieser Teufel in Menschengestalt sollte die Sense deS Zensnr- edikls von 1788 zn Boden strecke». Sie ward geschwnngeii über die Schriften,„die Front gegen die allgeineinen Grundsätze der Religion, gegen den Staat, gegen die bürgerliche und moralische Ordnung machten". Auch heute stehen wir wieder an der Schwelle großer weit» geschichtlicher Uiiiivälznngen. Das Lohnsystem hat sich überlebt und muß anderen Vertheilungsiveisen des gcsellschastlichen ReichlhiuiiS Platz wachen. Und heute beweisen wieder die Neniimalklugen im Staat und in der Gesellschaft, daß der frei waltende Einzelkapitalist, dessen Herrscherwille nicht durch die Macht starker Arbeiter-Orgam- sationen gebrochen wird, durchaus zur Leitung der Wirthschaft noth- wendig ist. Das Andenke» an den unumschränkte» Feudalherrn, der seine Bauern zur Arbeit prügeln konnle, schiint noch liebevoll in ge- wissen Kreisen gepflegt zu werden. Wie sich vor hundert Jahren die Anwälte der Adelsherrschaft eine geregelte Wirthschaft nicht ohne Dienstzwaiig, ohne Leibeigenschast denken konnten, so können sich die Lobredner des Kapitalismus auch die Produktion nicht ohne Lohnknechtschaft vorstellen. Einstmals erschien den Edelsten und Besten auch der Bauer als ein beschränktes. unselbständiges Zug thier, das stets an der Leine herumgeführt werden mußte, und dennoch lehrte sie gar bald der Augenschein, daß der Landmann ohne Zanin und ohne Geißel viel erfolgreicher arbeitete wie vorher. Und so werden denn die knrzköpfigen Anhänger deS Kapitalismus einmal auch begreifen iiiüssen, daß die Wirthschaft freier sozialistischer Arbeiter, die nicht durch die kapitalistische Hungerpeitsche getrieben werden, eine ganz andere Produklionskrafl hat, als die heulige, unfreie. Aber mit diesem Begreifen wird«S noch lange, lange Wege haben; denn dazu verschließen die herrschenden Klassen ihre Augen zn fest vor den sichtbaren großen Errungen- 'chasten. die der Einaiizipatioiiskampf der Arbeiter schon gezeitigt hat. Kann der verstockteste Reaktionär etwa leugnen, daß die inodernen Krnntiiisse, die jetzt die Köpf« der Masse» erleuchten. durch die ungeschlachten„Hunnen und Barbaren", durch fia Arbeiter unserer Großstädte zumeist verbreitet wurden? Wie dürstige Wisseusbrocken wirft die Schule unseren bildungS- hungrigen Massen vor? Diese lernten den Kasten Roah'S besser kenne», als den Gesevschaflsban der Gegenwart. AnS «nchtSbaum deS Leben? zn pliinbern.... A»> NeujahrStag wird in den»leiste» Fninilie» der WeihnacbtSbninn seiner Znckersachen n»d seines bunten Flitters beraubt. So lange stand er noch in der Stnbe und verbreitete ein« beste Feiertagsstiininnng. Maucber Familienvater«nd manche Mutter werden ihn mit gemischten Ge« suhlen betrachtet habe», denn hinter den Festtagen komme» bei so viele» Tlrbeitern die Fasttage. Von dem kargen Lohn, der so schon nie» mals reichte, mnßte der Bann» und Banmbehang und was sonst noch iinr Fcstfeier geborte, gekauft iverden. Bei de» wenigsten wird wohl der Fcieriagslisch so ausgesehen haben, wie man es zn Weih- nachten erwartet. Wie viel Zlepfcl konnte zum Beispiel in diesem Jahre eine Arbsitersamilie von sechs biL acht Köpfen essen, bei de» gesteigerten Preisen für dieses doch gewiß nicht zn seltene Obst? Bon einem Feiertagsbraten wird auch nicht zn häufig etwas zu riechen gewesen sein in den Wohnungen der Schaffenden. Und trotzdem haben die Feste vielen große Sorgen gebracht, denn der Vuüfast an Lohn reißt Löcher in daS Budget einer Arbeiterfamilie, die erst nach vielen Wochen wieder»olhdürstig verstopft stnd. Dazu kommt, daß der NeujahrStag auch der Zahltag für die fällige Miethe ist, DaS alles giebt eine hübsche Stimmung zwischen den Feste». DaS Straßenleben hat jetzt auch sein Übliches Aussehen nach den Feiertagen. Die fliegenden Händler, die sonst init Büchern, Porzellankitt und Obst handelten, bieten Glückwunschkarten an. Auch iu� Hausfluren haben sich viele Eintagegeschäste mit N-njahrs. wünsche» anfgcthan. Viel Scherz und mancher ungezogene Nnflnu wird dort feilgehalten, llluf vielen wird auch Zufriedenheit dem Empfänger gewünscht. Wer einem Mensche» dies wünscht, weiß gar nicht, was er lbnt; denn Zufriedenheit ist da» gefährlichste Schlafmittel für die Menschheit. Darum wünschen wir allen Un, znsriedeuhcil! dast die Berliieer Polizei flch gargicht im stande fühlt, an ihrem Organismus die von den» vorgeschriltencn Thcile der Bevölkerung für dringend nolhivendig erkannten Reformen vorzunehmen, ist von dem Polizeipräsidente» in einer mit de» Ver- tretern der bürgerlichen Frauenbewegung gepflogene» Unterredung schlagend bestätigt worden. Wie der„Post" uiitgetheilt wird, sprach Herr v.Windhejm in der Unterredung zunächst sein Be, fremden darüber ans, daß fast sämmlliche Blätter die vom Polizei. Präsidium versandte Mittheiluug im Fall Köppeu anders aus» gelegt hätte», als der klare Wortlaut besage.(?) Es sei ausdrücklich erklärt worden, daß die im Fall Koppen behauptete Zwangsnnter. snchnug im Widerspruch mit d,» für die Behörde„>r Zeit gellenden Bestimmungen siehe, weöhalb man sich mit der Versicherung, daß künftig uur nach den aiigesuhrte» Beftimmuiige» werde verfahren werden, sehr wohl halte beruhigen könne».(!) Wen» früher andere Bestimmung,,, in Gellung gestanden. so berühr« dies den gegenwärtigen Zustand nicht, und wenn gegen die Heuligen Bestiniiiinngen von amtliche» Organe» verstoßen werde, so werde eine»»»achsichtlich« Ahndung solcher Verstöße«rsolgen. Eine solche Ahndung erscheint in einem „Knlinrftaate" aber als etwas so Selbstverständsichcs, daß es sich »vahrlich nicht lohnt, daruni»och Worte zu verlieren. Weiter fuhr der Polizeipräsident fort: Daß sich nun aber die Frauen vereine der Sache bemächtigt hätte» und dieselbe i» großen Versammlunge» breit treten wollle», bezeichueie Herr v. Wiudhei», schon des. halb für»v e n i g loyal, da er die Erklärung des Polizei- Präsidiums zu dem Fall Köpve» auch den Vorstände» sämmtlicher Fraueuvereiiie zugesandt habe! Die in Angriff genommene Agilalion »verde auch an der Sache nichts ändern, und die O e f s e» I l i ch- keit werde wohl einsehen, daß sich der Gegenstand sehr»uenig für öffentliche Verhandlnnge» i» Franen- Versammlung«» eigne. Ans die Frage, ob»vvhl die von den Vereinen ans' gestellte Forderung, für den inneren Dienst der Sittenpolizei weih- ! i ch e Beamte mid Aerztinnen heranznzichc». Aussicht aus Berücksichtigung habe, erklärte der Präsident, keine bestimmte Aus- tuust geben zu können. Bisher sei au de» maßgebendi!» Elelle» ein solcher Vorschlag»och nicht i» Erwägung gezogen worden,»nd feiner Ansicht nach»verde sich für eine derartig« Aendkriing des bis- heriaen behördliche» Verfahrens das Bcdiirfniß kaum»ach- tv e i s« n lassen. Was die Vertreterinne» der bürgerlichen Frauenbeivegung auf diese Erklärung erwidert habe»,»vud nicht gemeldet. Wahrscheinlich waren sie so„zerschmettert", daß sie überhaupt kein» Worte fanden. Möglicheriveis« kommt aber nachträglich der Eine» oder Andere»,»ven» auch nur im stille» Kämmerlei», der Schimmer, daß die leidigen Sozialdemokralei, cigsiillich Recht habe», »venu sie behaupte», daß die Echntzinstitnte der kapilalistischo» Ordnung gleich dieser überhaupt der Resormirung Ilicht fähig sind, und daß»uirklicho Kultur erst kommen kann,»ven» sie gemeinsam mit dem Kapitalismus ihr»vohlverdjentes Ende gesunde» haben. Zum Fall Köppe». Der Pserdebahnknischer Köppen hat von dem Polizeipräsidium nunmehr eine Erklärung über die Ergebnisse der Untersuchung, über daS Verhalten der Polizeibcamten bei der Siftirnng seiner Tochier, soivie über die»ngchenerlichen Vorkom»»« niffe im Polizeipräsidium erhalten. Der Polizeipräsident, der des Vorkommnisses halber um Gnlschnldignng bittet, theilt mtt, daß der Beamte, welcher die Sistirnng vorgen omnie», vorschriftömästig ge- handelt habe. Die Sistirnng von Frl. tköpp«» niußle auf Antrag des Burschen erfolgen; der betreffende Beamte hat durch die gleichzeitige der Geschichte vernäh»,«» sie nieist nur die konimandornse berühmter Heerführer nnd das Hurrahgeschrei gut gedrillter Soldaten, so daß ihnen die Welt»vie»in blutiges Schlachtfeld und eine große Kaserne erscheint. Diese Maffen hat die Arbeiterschaft»nit ihren »veniaen Groschen in die lebensvollen Wandlungen der Knitiir« geschichie, in die Theorien der Nationalökonomie, in die Problenie der Naturivissenschaft eingeführt. Unser gebildetes Pioletariat hat sich bemüht, nnser arines Volk der Scichlheit nnd Albernheit der moderne» Posse» nnd der Lüdcrlichkeit der Tingeltaiigel-KoiiplelS zu enireiße». Es hat ihnen die Pforten der Dichtkunst aufgelhan und die Herzen durch erhebende Kunstgenüsse erwärmt. Erzeiigie» denn nicht die eigenartigen sozialen Verhältnisse, uiiler denen die Klassen lebten, diese Ideen nnd Einpsindnnge»? Der Proletarier, den tolten Wechselfällen der heutige» Produktion ausgesetzt, von der Lanue esnes Kapilalmagnaten abhängig, bei der Aeriheiliiiig der LebenSgenüfle stiefmütterlich behandelt,»»»»b nothivendig den Gedanken einer Wissen- schafl erfasse», die planmäßig die Güter herstellt, unter der Leitung der Arbeiter selbst steht»nd jede Ausbeutung durch eine nene, gerechte Be>verih,mg der Arbeitsleist», ige» ausschließt. Mit eine», Wort, die heutige»»geregelte, von dem Geist des Napllalmouopols beseelle Welt muß»othwendig im Kopse deS Proletariers ihr«,, Gegensatz, den Sozialismus, erschaffen. Und daher kann keine Macht der Erde, selbst wenn sie sich mit de» vollkommenste» Mordmilteln ausrüstet und die Greuel der Kommune übertrumpft, den Sozia- liSmits ansrolte». tteber dem Massengrab deS Pariser Proletariats flattert heute wieder stolz die rothe Fahne. > Unmöglich kann man mit Säbel und Schießgewehre die grundstürzenden Bsrändernugen in der Struktur der Gesell- schast, die Bildung nnd Erstarkung des ProlelariatS aushalten. Der alte Ackerbauslaat verwandelt stch zusehends i»«inen Industriestaat. Der Bauer, der Repräsentant deS soziale» Vcharrens. der konservatw in seiner ganzen Arbeits-»nd Lebensweise war, ränml den Platz dem Lohnarbeiter, dessen Existenz einer ewigen Flnth»nd Ebbe unterliegt. Und riefe, ibaft dehnt flch das Proletariat an?, das beweist jedes Blatt der Statistik. Selbst die Fuiidament« deS Staates werde» „ach»nd»ach ganz von dem Proletariat« gebildet. ES setzt schließlich das Heer und die große» Klassen der Beamte» zusammen. Und so ist de,», sogar in den Hauptstützen deS Staates der Geist de« Proletariats lebendig. Wahrlich, der Weizen unstm Vtaattretter will und kann nicht mehr blühe». Mögen sie a»S dieser Tbatsache lerne», daß grobe, in bei, Snt- wickelnugstendenzen der Geschichte liegende Uinmälznnge» Iii, ans- haltsa», sind. Der„UmNnrz" liegt«be» nicht nur in den Menschen- köpfe», sonder» in de» sich ewig wandeludel» Verhältnissen dieser Welt selbst. Festnahme deS ManneS seiner Pflicht in vorschriftsmäßiger Weise Genüge getha». Dagegen hat der Polizeiwachtmeister auftder betreffenden Revierwache„»vorschriftsmäßig gehandelt. Derselbe habe die ihm zur Verfügung stehenden amtlichen Wege nicht voll und ganz benutzt,„nd hierdurch sei es geschehen, daß Frl. K.«n- »ölhigerweise nach dem Polizeipräsidium gebracht wurde und jene bekannte Behandlung erlitte» habe. Der schuldige Beamte ist in- folge dessen seiner Stellung als B u r e a n- W a ch t m e i st e r e n t- hoben nnd— nach einem anderen Revier versetzt worden. Wie eS heißt, war Herr Köppe» bescheiden genug, sich mil dieser Erklärung zusrieden zu geben. Polizciiuatvoueii i» Slnierlktr. Bei dem allgemeinen Juter- esse, welches hmsichllich des Falles Köppeu die Anstellung gebildeter Frauen als Polizeimairone» hat, und da der Herr Mimster des Inner» in seiner ablehneiiden Antwort a» den Bund denischer Frauen- vereine die Polizeimatronen vo» Chikago anführt, ist es von Bedeutung, eine Bescheinigung des Polizeipräsidenlei, vo» Chikago kennen zn lernen. Mr. Breuna» sagt: Hierdurch wird bestätigt, daß in diesem Departinent Franen während der letzten zwölf Jahre in allen Hanplstationen beständig als Polizeiinatrone» verwandt worden sind. Es giebt jetzt 30 solcher Angestellten in dem Departement of Police der Stadt Chikago„nter Leilimg einer Obcrmatrone. Wir haben diese Einrichtung in jeder Hinsicht, sowohl für die Behörde als für das Publikum, vortheilhaft gefunden«nd können deren Anwendung für jede» wohlverwaliete» Polizeibezirk freudig empfehle». Auch i» Pontiac im Siaate Illinois sind Polizeimaironen angestellt. Über die der Polizeipräsident Mr. Mc Claughry„rtheill. daß sie vo» großem Werth« für den Polizeidienst der große» Städte und für das all- gemeine Publik»», sind. Die Polizeiinatrone» tragen Sorg« für alle Frau«», junge Mädchen und für alle verlanfene» Kinder, die in ihre Station gebracht werde».„Die Gegenwart vo» Poliztimatro»«»", sagt Mr. Mc Clangbry ferner,„an alle» Polizeistaüoucn, in die Franen und Kinder gebracht werden, ist in hohem Maße geeignet. die Wirksamkeit des ganze» Polizeidienstes»» erhöhe», ih» frei vo» Aergerujß zu halten und ihn von viele» seiner Härten und Wider, wärtigkeite» zu befreien, zugleich wird de» Unglückliche», die der Obhut der Polizeimalronen überliefert werde», dadurch Hilje vo» »usagbare», Werth geleistet." Was hat der Persuch mit dem Alnmliiinm-Luftschiss von C. Schwarz«rwtcsei,? Dies« Frage beantwortet soeben Hanxtman» Groß in der Zeitschrist für Luflschifffahrt. Er gieht zuuächü ein« genaue Schilveruiig des Baues und der kurze» Fahrt, die»och nicht sechs Minute» dauert«. sodan» gelangt Hauptmann Groß tu solgende», Endurthejl: Da? wichligsic. ja eigentlich einzige Ergebniß ist, daß dieser Versuch gezeigt hat, es sei möglich,«j» Zustschiff in starrer Form ganz aus ZUmmnium zu erbaue», es zu sülie» und mm Aufstieg z» bringe,,. Der Versuch hat ferner beimesen, daß die Maschine nicht genügcud leillmigssähig und vor allen Dinge» nicht betriebssicher genug ist. Mit der maschinelle» Ausstattung konnte dieses Schiff etwa 3—6 Meter Eigcnbewegnng pro Sekunde erzielen. Dieses Resultat ist alS ei» negatives z» dezeichnen, da»ach den Rechnnnge» der Maschinen-Jngenicure die Eigengeschwindigkeit des Schiffes wenigstens 10 Meier pro Sekunde»«trage» sollt«. nnd eine geringere Gefchwindigkeil prnkiisch leinen Werth besitzt. Es hat sich seiner gezeigt, das, Lnflschifs« i» starrer Form ungemein zcr- brechliche Fahrzeuge sind, die bei jeder Landung, wenn ein Ausstoß deS Schiffes auf die Erde nicht vermiede» werden kann, scheitern werden. Da«in solches Lnflschjff i» uugefülltem Zustund« nicht lransporlabet ist, so wird«S, w«»» es nicht in sei»«,, Hafen zurück- kehre» kann, unbrauchbar fein. So lange also«inen, solchen Lust- schiffe nicht«in« so vollkommene Lenkbarkeit«theilt werde» tanii, daß es unter alle» Umstände» znrücktehre» kann, so lange sind Luft- schiffe in starrer Form verfeblte Konstruktionen. Obgleich es nur mit Freude» begrüßt»verde» kau». wen» die Versuche zur Lrnkbarmachung des Luftschiffes praktisch fortgeführt >,«erden, den» selbst bei einem»egati»«» Resultat« kann»»an dabei viel lerne», so sind doch diese Vk>s»che so kostspiilig. daß es andererseits die Pflicht deS Sachverständigen ist, zu warnen, leichlfertia a» solche Konstruktion«» herauzngehe», deren Erfolg keine Wahrscheinlichkeit besitzt. Wie ich es erkläre» und„uschnldige» soll, daß ein so kostbares Stück wie das Schwarz'sch« Luslschiff von. ei»«,» Manne geitihrl wurde, der nit vorher ein» Ballonfahrt ge- macht, geschiveige denn«ine solche geführt, darüber bm ich i» Verlegenheit; ich könnte»ur anführen, daß durch de» Tod des Er, find«»«>»« Art Noihlage herbeigeinhrt»norden sei. Dem Ma- schinenschlosser Jagcle— beiläufig ein unlängst«ntlassener Soldat der Luslschifferablheilnng— Purwürfe zu machen,»nie dies vo» Seite» der Jnleressenlen gescheb«» ist, daß er das Scheiter» de» Schiffes veranlaßt habe, wäre falsch: der Vorwurf triff, die, welche diese», Manne ihr Schiff anviNrauteil»nd ihn ohne jede Vorkehrung für die Landung fahre» ließen. Di« Vahnhofszensiir soll stch»»»mehr auch ans dl« Mnnchener Wochenschrisl„>i»ipltesssimut" erstreckt haben. Das Blatt darf, de»,„B. B. C" zufolge, fortan ans keine», prenftischen Bahnhofe mehr uertauit werde». Warm» nicht, mögn» die Götter wisse». Di« zum theil recht witzigen Jüustralionen der Zeitschrist werden vo» „»kundige,, Subalterne» am Ende doch nicht gar für sozialdemokratisch gehalten? Der Letter beS HauS- und GrundbeslhervereluS Schöne- berg, Herr Gustav Müller, theilt uns zu der am L8. Dezember vo» uns gebrachte» Notiz mit. daß die Angabe unzutreffend sei, wo- „ach in den Mielhskonlrakten des Vereins den Mietder» verboten wäre, ohne schrislliche B«»«h>i>tg»ng des Bermietber« Besuch auf- zunehmen. Dies«„Ruhigstevung" ist ei» Spiel mit Worten nnd widerlegt durchaus nicht unsere Mittheiluug, Im§ 6 des vom Verein heransgegsbeue» Mielh»ko»iraktes steht ausdrücklich:„Ohne schriftliche Genehmigung' des Bermielhers darf Mielher die durch diesen Vertrag erworbene» Rechte an keine» andere» ab- trete»,»och Uniervermiethungen vornehme», noch fr« n, de Per- so»en„»entgeltlich, noch Schlaficnle ausnehmen. Wer will behaupte», daß nach dieser Bestinimniig«in Hauswirth nicht das Recht hat. seine» Miethrr zn«xmiltiren, wenn dieser an seiner zu Besuch kommenden Mutter oder Schwester die selbst- verständliche Bastireundschasl übt und sie auch»»r«ine Nacht i» seiner Wohnung beheruergt? Steht doch im§ 9 des Kontrakts ausdrücklich, daß bei Verletzung einer der Bestiniinnng»» des z 6 der Hauswirth die sofortige Räumung der MiethSrännie Ohne vorausgegangene Kündig n„ g verlange» kann! Serr Gustav Müller behauplet i» seiner Berichtigung noch, daß anS- und Grundbesitzerverein sich im Gcgenlheil bemüht Hab«, aus seine», Aertragsentwnrs« alle rigorose» Bestlmmnngen fortzulassen. Wenn der sreisinnige Herr Müller so barbarische, mit roher Hand in die geheiligsten Rechte der Familie eingreifend« Anordnungen. wie die§§ 6 und 9 seiner Mieths- kontralte, nicht mehr„rigoros" nennt, wie müsse» dann in feinen Auge» erst stramme„Verlragsentwürse" aussehe»? Etwa wie SlrafanstallSvrdmuigt»? Ter Piergtlcisigr RnSba» der Ringbahn» welcher noch immer nicht an allen Stellen derselbe» vorhanden ist, soll jetzt in der nächsten Zeit ans den, Südring zivtsche» den Stationen Rixdorf, Tempelhof, Schöneberg und Ebersstraße ausgeführt werden, nnd es hat zur örtlichen Prüfung des EntwurseS für den Ausbau vor kurzem ans Anordnung des Regierungspräsidenten anfBahnhos Tempelhof bereits ei» Termin statt- gefunden, i» welchem den Jnlereffente» Gelegenheit znr Wahrnehmung ihm Rechte geboten war.—'Auch ei» anderes Ringbahn-Projekt befindet sich schon seit längerer Zeit in der Schwebe, wird jedoch seitens der Eisenbahn-Dircklion wohl erst»ach Verlauf einiger Zeit zur AnS- sührnng gelangen, nämlich vi« Herstellung eines V o l l r i n g e s. der«nter Umgehung der Stadtbahn und der so- genannten Umsteigestalto„en der inneren Ringdahn, wie Schöneberg, Stralan-RummelSburg nnd C h a r- l o t t e n b u r g, in«ine,» Zuge um die Stadt herumführt, wodurch dann«ine wesentliche Entlastung der Etadtdahn eln- treten würde. Endlich sei„och erwähnt, daß ans Station Treptow der südliche Theil der Bahnhofsanlage, welcher im vorigen Jahr» znr Bewältigung des A u s st e l l»» g s v e r t e h r S alS selbständiger Personenbahnhof neu erbaut worden ist, gegen» w artig wieder abgebrochen wird, da er für de» Personen- verkehr überflüssig geworden ist. Ter Pferdebahu-Vcrkehr in der Tylvester-Nacht wird, wie alle Jahre, auch diesmal auf den meiste» Linien verlängert iverden. Er ist ausgedehnt auf der Strecke Schöneberg— Alexanderplatz bis 2 Uhr, Alexanderplatz— Schöneberg bis 3 Uhr, Kurfürsten- da»»»— Küstrinerplatz bis 3 Uhr 10 Mi», u, s. w. Eine» merkwürdigen Patienten will»ach einer Notiz, welche die ,D. Med. Wochenfchr." übernimmt, eine„weibliche Kurpfuscherin", Frau Emma Helling zu Berlin, gegenwärtig i» Behandlung haben. Sie hat veröffentlicht, daß sich zur Zeil ein— Prosessor der Medizin von der Berliner Universität einer Behandlung bei ihr unterzieht. Wunderbare Feftfrenden hat eine hiesige, in der Landsberger- straße nnd Leipzigerstraße doinizilirte Firma ihren, Personal bereitet. Wie bekannt tritt mit dem k. Januar 1393 die gesetzliche monatliche Kündigmigsfrist in kraft, während bis dalo di« 14 tägige Kündig», ige« srist bei der Firma Brauch war. Die Neuerung gab nun dem Chef Anlaß zun. Denken, da er jedenfalls fürchtete, sei» Personal könne sich durch die monatliche Kündigung zu sicher fühlen, und dies könne schließlich in Uebernmlh ausarten. Um diesem vor- znbeugeu, wurde sänimtlichen Dame» und Herren der Firma (ca. 130—200 Personen) am 13. dieses Monats gekündigt und zwar ans folgende Weise; der Chef ließ ei» Scünslstück zirknlire» mit dem Inhalt, daß jeder Angestellte durch Namens- Unterschrist seine Eullaffmig qmUireu sollte, jedoch sei es ihm ge- staltet, sich am Montag, den 19. Dezember, im Komloir wieder vor- zustellen, da,»» werde man nach Bedarf wieder engagire». Die Schlauheit des Chefs trat»och besonders an dem Umstände hervor, daß die Angestellte», erst nach dem sogenannten goldenen Sonntag. welcher für den Chef im wahrhaslcn Sinne des Wortes ei» goldener war, für die Angeitelllen aber gerade das Gegeittbeil, erfuhren, wer in diesem Eldorado verbleiben komit» und iver entlassen war. Ter Raummangel im Moabiter Justizpalast beschäftigt« gestern viel« Stunde» lang«ine Konferenz, zn welcher außer zwei Regiernngsvertretern Oder- Staatsanwalt Drescher,- Slaalsanwalt Ladeinann, Landgerichls-Direktor Ruck, der Direktor des Unter- suchnngSgefängniffeS und ein RegiernngS-Banrath zugezogen waren. Tiirch GoiiverurnieutSbcfchl dars von den Trnppenrominandos Unterosstziere»„nd Maniischaste» der Garnison am Eylvesterabend nicht länger gls bis II Uhr Urlcinb gewährt werde». Nur in driiigeilde» Ausnahincfällcn kann vo» diesem B-fehl abgeivichen werden. Die»ach Berlin benrlanble» Soldaten haben sich ebenfalls nach diesem Befehl zn ricksts». Die Palron illcn haben während der Nacht jede» ans der Straße besiiidliche» Soldaten»ach der Urlaubs- karte zn fragen»nd eventuell zur Arrstirung des nicht im Besitze einer solchen Karte sich befindende» Soldaten zu schreite». Pom PepfolgnngStvahnfin» befallen ist der 36 Jahre alt« Briesuäger Karl tt rüg« aus der Tennewitzstraße 27. Krüger, der bei», Postamt 62 beschäftigt war und i» der Laudgrasenstrah« de- stellte,»lußl« vor v>«r Wochen seincS tiefsinnigen Wesens wegen der äußere Dienst abgenommen werden, er sollt» aber jm inneren Dienst weiter Verwendung finden. Diese Versetzung, die dem Mann« zum Gulen diene» sollte, hat den Ausbruch v>r Krankheit wohl noch be- schlennigt. Krüger glaubt« sich auch im Dienst« verfolgt, blieb schließlich ganz zu Hans» und snhrl« gestern Nachmittag»nur den sorlwährende» AnSrnsen„Wo sind mein« Versolgerl' so heslia« Austritte auf, daß ih» sechS Hausgenoffe» ans die Nevierwache bringe» mußten, von hier bracht, ihn di, Polizei mit einer Droschke in nne Anstalt. Tie Kattenmövderin Iba vranne, die i» Salzburg ver- haftet ivorbe» ist, ist vo» de» Gerietiliärzlei, für befähigt erklärt loorde», den Rest der gegen sie erkannt»» Znchlhansstrafe von»och vierzehn Jadre» zu verbüßen. Fra» Braune hat bekanntlich geinei»« sa», mit ihrcm Geliebte» Johann Holtz« im Mai 1392 in Rüders- darf einen Mordanschlag gegen ihren Gatte» ansgesührl; letzterer ist»nr»ach verzweisellei» Kampf« der lhn, drohende» Gefahr entgangen. Ihr Verbrechen hat de» l„>d«>, Verbündeten je sttnszehn ahr» gnchihans«ingebracht, die Holtze zur Zeit verbüßt. Frau ranne entsprang 1864 ans der Edarite», in dje sie znr Beobachtung ihreS Geisteszustandes gebracht worden war, nnd ist dann nach langen Irrfahrten auf Ersuchen der Berliner Behörde» hin t» Salzburg verhaslel worden. Was einer auständige» Tome i»«erlin passire» kann! Die„Berliner Zettnug" meldel: Gestern Abend kurz »ach$ Uhr ging Frau K. aus der Dresdenerstraße harmlos durch d>» Brückenstraße, um»inige Einkänse zn be- sorgen. Plötzlich erhielt sie vo» hinten auf Riicki» und Kops zwei so heftige Schläge, daß sie hesinnungslos»jedersiel. Einig- Passanten, die der Ta»,e zur Hilf« eilten, suchten vergeblich eine» Schutzmann. um den Thäter sestilell«» zu lassen, der sich natürlich sosoct aus dem Slaube machle. Die Dame liegt krank danieder. Die Gchntziuaniis-Assäre, über die wir gestern berichtelen, wird i»z Polizelvenchl wie folgt dargestellt:'Als abends ei» Schutz- man» de» Handelsmann Ernst Zimmeck, der vor dem Hause DreSdenerstr. 20«»jt einem Haildumgeu einen Handel mtt Neniahrs- karte» betreibt»nd dadurch den Verkehr hemmte, nach mehrmallger erfolgloser Ausforderung zum Wettersahre» zur Wach« bringen »vvllie, griff er de» Beamte» an»nd schlug auf ihn«in. so daß der Schutzmann von seiner Waffe Gebrauch mache» mußt». Zi»»»«ck trug dabei eine Verletzung am Kopfe davon, er wurde nach dem Krankenhanse au, Urban gebracht, vo» wo er jedoch bald entlassen wurde, da die Verletzung als leicht angesehen wurde. Ei» anfregcudrr Borfall spielte sich Mittwoch Abend gegen 6 Uhr ans dem Bahnhos Alezrnnderplatz ab. Dort stand ei»« Fea». ivelch« et» etipa vierjähriges Mädchen a» der Ha»d hielt und das Gsnlanien eines Siordringzuges«rwarlele. Plötzlich erblickt« die Fra»«in« Bekannte,«nit welcher sie plaudern wollte, nnd ohne auf ihr Kind weiter Obacht zn geben, eil!« sie z» jener»nd vertiefte sich derartig i» ein Zwiegespräch, daß sie ihr Töchterche» ganz vergaß. Daß u»beai,ssichi,gle Kind lies, als eben ei» Stadtbahnzng in die Halle einfuhr, dicht an die BordlchweN« des Perro»?, und eS wäre »nzweifelhast von de» Räder» des Zuges erfaßt und zermalmt worden, wenn nicht ein Etutionsbeantter de» Vorgang bemerkt»nd schnell htiiziispringend, das Kind vo» der gefährdete» Stelle fort- gerissen hätte. Fast in demselben Augenblick, als das Rettungswerk vollendet war, saust« auch schon der Zug vorbei. Vermißt wird seit den, 20. d. M. das 22 Jahre alle Dienst- Mädchen Marianne Chlebowska, das seit dem t3 Oktober bei dem Schankwirihe Bogns in der Schöuebcrgerstr. 19 in Stellung war. Das Mädchen hat als besonderes Kennzeichen«inen Leberfleck aus der rechien Wange. Die llutersuchnngSaefangene, di« in überraschend kühner Weis« in der Nacht vom 23. zum 24. d. M. aus ihrer im vierten Stock des Moabiler Untersuchungsgefängnisses belegene» Zell««nt- floh, ist am Mittwoch Abend wieder eiiigesaiigei, worden. Die betreffende Person, die uuter polizeilicher Kontrolle steht, wurde in der Tieckstraß« betroffen, als sie ihrem Gewerbe nachging und von einem Beamte» der Sittenpolizei festgenommen. Fenerbcricht. Mittwoch Abend 3 Uhr brannten N r b a n st r. 34 Betten„»d Möbel i» einer Wohnung. Zu gleicher Zeit mußte anch F l»« d e r st r. 16 ei» Zininicrbrand abgelöscht werbe». Kurz nach 9 Uhr erfolgt« Alarm»ach S w i n e», ü n d« r st r. 124, wo der Fußboden Feuer gesangen hatte. Donnerstag früh 11 Uhr gingen Urbanstr. 7 Nleidnngssincke»nd Möbel in Flamme» aus. Ein Gardinenbrand rief die Wehr um 3>/, Uhr nach Willibald» A l e x i s st r. 28. Endlich ninßle um 6 Uhr nach E t e t t i n e r- straße 34 ausgerückt iverden, da hier Möbel»nd Kleider in Flammen stände». In sänimtlichen Fällen tonnte eine Verbreitung des Feuers schnell verhindert werden. Ter Vortrag»- EycliiS, den der„Verein Berliner Presse, wie alljährlich. zu gunsten seiner Unterstütznngskassen veranstaltet, beginnt am Donnerstag, de» 6. Januar, 3 Uhr abeudS, im großen Saale des NrchiteltenhauseS, Wilhelmstr. 92. ES finden sechs Vortragsabende stall, n»d zwar am S. nnd 20. Januar, am 3., 10. und 17. Februar nnd am 3. März. Als Vortragende sind n. a. in Aussicht genommen: Dr. Max Dreycr und Dr. Max Bernstein(München) für de» 6. Januar, Geh. Medizinalrath Prof. Dr. S ch w e n i n g e r für den 20. Januar, Rudolf Stratz und Heinrich S e i d e l für den 3. Februar, D r. Paul S ch l e n t h e r für den 10. Februar, Johannes Trojan, Sigmar Mehring und Otto S o in m e r st o r f f für den 17. Februar und O s s i p S ch n b i n(Fräulein Lola Kirlchn-r) für den 3. März. Eiutriltskarten werden ausaegeben: Für alle K Vorträge nur»umerirt zu IB, 12 und 10 M., für die einzelnen Vorträge numerirt zu 3 M. nnd un- nninerirt für l.BV M. Der Kartenverkauf hat am Donnerstag. den 30. Dezember, mittags, in den Buchhandlungen von Amelang, Potsdamerstr. 126; Lazarus, Friedrichstr. 66; Speyer u. Peters, Unter den Linden 43 und Trantivein, Leipzigerstr. 8, begonnen. Das Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrcchlftraße 7, ver» anstaltet in den Monaten Januar— März 1893 die nachstehenden Vortrüge: Ziele nnd Wege des heutigen Knnstgemerbcs. Direktor Dr. P. Jessen. Zehn Vorträge, Montag, abends gl/,— 9»/- Uhr. Beginn Montag, den 10. Januar 1398. Geschichte der Möbel. Reg»Baumeister Richard Borrmann, zehn Vorträge, Dienstag, abends b'/e— 372 Uhr. Beginn Dienstag, den 11. Jamiar 1898. Die dekorative Malerei des Mittelalters und der Renaissance. Dr. Oskar Fii'chel, zehn Vorträge, Tonnerstag, abends S'/e— R/s Uhr. Beginn Donnerstag, den 13. Januar 1833. Die Vorträge finden iiu Hörsaal des Museums statt nnd werden durch ausgestellte Gegenstände und Abbildungen sowie durch Lichtbilder mittels des elektrischen Bild- Werfers eUäutcrt. Der Zutritt ist unentgeltlich. Die Direktion der Projcktionsvortrüge über Kunst und Kultur (Dr. Koppen und Dr. Stoedtner, Urania-Thcater, Jnvalidcnstrabe) theilt als vorläufiges Programm für das kommende Jahr mit: Sonntag, den 2. Januar,„Arnold Bocklin"(Herr Franz H. Meihncr). Mittwoch, den 5. Januar, zum ersten Male: Meist enocrle der Renaissance"(Raphael, Michelangelo, Lionardo) Herr Dr. Koppen. Sonntag, den 9. Januar, „Bened 3 und seine Kunst". Mittwoch, den 12. Januar,„Max Klinger" (Herr Fritz Stahl). Vom 16. Januar ab hat die Direktron ihren Vertrag mit der Gesellschaft Urania gelöst und werden die Vorstellungen regelmäßig in der„Kgl. Hochschule", Potsdamerstr. 120, stattfinden. Theater. Im Schiller-Theater beginnt die heutige erste Aufführung von„Der Rcgistrator aus Reisen", Posse in 3 Akte» von Adolf L Arronge und G. v. Moser, Mufik von R. Bial, ausnahmsweise bereits um 7 Uhr.— Im Ostend-Theater geht Sonnabend und Sonntag Nachmittag 3 Uhr z» halben Kassenprcism das beliebte Zaubermärchen von Raimund„Der Verschwender" niit der Musik von Conradm Kreutzer in Szene.— Am heutigen Sylvesterabend ist im Apollo-Thcater das Abschiedsbenefiz für den bekannten Komiker Otto üleutler. SlttS de« Nachbarorten. Die Parteigeitossen von Rnmmclöburg werden daraiif auf- merksam gemacht, daß das Lokal des Herr» Lieding,„Ense Belle« Pitt", liebst der dazu gehörigen Sledbie, halle für Arbeiterzwecke nicht zu haben ist. D i e L 0 k a l k 0 in»1 i s s i 0 n. Zwei wctterharte Männer waren eS, die gestern Mittag in der Nähe von Köpenick beim Baden an verbotener Stelle ertappt wurden. Ein die Köpentcker Chaussee passirender Beamter bemerkte schon ans einiger Entfernung zwei Personen, welche sich in verdächtiger Weise am User der Spree benahmen, und er glauble misänglich, daß die beiden die Absicht hätten, sich dort das Leben z» nehme». Schnell hinzueilend, sah der Beamte zu seinem nicht ge- ringen Erstaunen, daß er es nicht mit Lebensmüde», sondern mit zweifellos sehr wetterharten Personen zu ihn» hatte, ivclchc im Be- griff waren,«in Freibad zu nehmen. Die Anffordermig des Gendarmen, sofort ans Ufer zu kommen, leisteten die beiden nicht olge, sie schienen vielmehr geneigt, im Wasser das Forigehen des oainttzn abwarte» zn wollen. Schließlich wurde eS den Badenden aber doch zn kalt und sie zogen es nunmehr vor, ans Land zn kommen, nachdem sie immerhin ca. S Minuten im Wasser geweilt hatte». Die beiden Gesetzesübertreter ivurde» als ein Kansmann aus Friedrichshagen und ein Fabrikant 51. ans Berlin festgestellt. Di« Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung erklärt« das Ergebniß der Stadtverordnetcn-Wahl der dritten Ab- theilung im sechsten Wahlbezirk für ungiltig. Gewählt waren dort die liberalen Kandidaten Genossenschafts-Anivall Dr. Crüger, Kanzlei- rath Poppenherg, Privatdozenl Dr. Jastrow und Schuhmachmiieister Hesse. Der Einspruch gegen die vorgenoiiimene Stichwahl im ersten Wahlbezirk wurde zurückgewiesen. Manche Uitfälle, welche in der letzte» Woche durch das Be- trsten der noch dünne» Eisflächen hervorgerufen sind, veranlassen die Kreisbehörden von Niederbarnim und Tcllow-Bee?kow zn einer Bekannimachniig.»ach welcher das Betreten der Eisflächen, solange sie nicht von de» Behörden freigegeben sind, bei Strafe streng ver- boten ist._ Unser Parteigenosse Dechand war als Bevollmächtigter der Zahlstelle Berlin des Vereins deutscher Tabakarbeiter beschuldigt worden, sich gegen die 2 und 13 des Vereinsgesetzes vergangen zu haben, und zwar dadurch, daß er einer Aufforderung des Polizei- Präsidenten, ihm Mitgliederliste und Etatuten der Zahlstelle einzureichen, nicht nachgekommen sei. Dechand bestritt jede Verpflichtung hierzu. Die Zahlstelle sei kein selbständiger Verein und bezweck« auch nicht, auf öffentliche Angelegen- heilen einzuwirken. Dechand wurde aber sowohl vom Schöffen- gericht wie von der Strafkammer zu einer Geldstrafe verurlheilt. Die Zahlstelle übe unzweifelhaft eine Thätigkeit aus, die mit der Thätigkeit des Gesanimtverbandes nicht zusammenfalle. Die Ver- treter' der Zahlstelle hätten nach dem Statut und der Geschäfts- ordnnng an die Mitglieder Unterstützungen auszuzahlen, statistische ErnnUelmigen zu leiten, für die Arbeitsvermittelung am Orte durch Errichtung von ArbeitSnachweis-Bureaus zu sorgen und Mitglieder- Versammlungen der Zahlstelle einzuberufen und abzuhalten. Die Zahlstelle bezwecke auch wie der ganze Verein die Hebung der materiellen und intellektuellen Lage der Mitglieder durch Unterstützungen, Arbeitsvermittlung und andere Mittel. Damit fei aber nolhwendig eine Einwirkung ans öffentliche Angelegenheiten verbunden. Für Dechand legte Rechisanwalt Freudenthal die Revision«in und machte vor dem Kammergericht geltend, die Zahlstelle wolle nicht auf öffenilich« Angelegenheiten einwirken. Der Z 2 des Vereins- gesctzcs sei aber auch aus anderen Gründen zu Unrecht angewendet worven. Er schreibe vor, daß die Vorsteher von Vereinen, die aus öffentliche Angelegenheiten einwirken ivollien, binnen drei Tagen nach Stiftung des Vereins die fraglichen Schriftstück« der Polizeibehörde einzureichen hätten. Die Zahlstelle, der Dechand vorstehe, habe jedoch, als der Polizeipräsident seine Aufforderung ergehen ließ, schon weit länger als drei Tage bestände». Ferner stehe gar nicht fest, ob Dechand schon zur Zeit der Gründung der Zahlstelle ihr Bevollmächtigter gewesen sei. Das Kammergericht hob daraus gestern d i e B 0 r e» t s ch e i d u n g auf und wieS die Sache i» die Vorinstanz zurück. Es sei tdatfächlich entscheidend, ob binnen drei Tage» nach der Stiftung der Zahlstelle das Mitglieder- verzeichniß und die Statnle» eingereicht worden seien oder nicht. Das Landgericht müsse nachprüfe», ob unter dieser Voraussetznng gegen D. überhaupt wegen Vorgehens gegen den§ 2 vorgegangen werden könne. Gegen die Hrbeamme W. führte der Negienlnakprästdent eines rheinischen Regiernng-beziiks einen Prozeß wegen Entziehung des Prüsiingsscheiiies. Er warf ibr vor, ihr Rus sei derart be- schollen, daß sie als Hebeamme nicht weiter suugiren könne. Der Bezirksansschnb stellte da»» fest, daß die Fra» iviederholt bestraft morde» sei, so wegen Beleidigung, wegen Mißhandlung und wegen fahrlässiger Körperverletzung. Dann lagen dem Gericht die Akte» i» der Ehescheidnngssache der Beklagte» vor. Daraus gebt hervor, daß ihre Eh- deshalb geschiede» morde» ist, weil die Fra» nach einer gerichtlichen Versöhnung mit dem Manne diesen grob beleidigt nnd ihn auch mißhandelt hat. Die Beklagte ivandle ei», ihr Ehe- man» habe sie gereizt, er sei eigentlich der Schuldige, denn er Hab« ohne zn arbeile» ans ihre Kosten lebe» wollen. Und all« jene Strafen hingen lediglich mit den ehelichen Zwistigkeiten zusammen. Die Mielher ihres Hauses hätte» den Man» noch gegen sie ans- gestachelt, sie sei hierdurch in grobe Apfreaiing versetzt, was ihr zu de» fragliche» Versehlungen verholfen. Frau W. brachte ferner Älteste von Aerzteu bei, die sich äußerst anerkennend über ihre Tbätigkeit als Hebeamme aussprachen. Der Bezirksausschuß entzog ihr dessennngeachiet den Prüfnngsschei», i»- dem er alissprach, eine Hebeanune in ü s s e in jeder Be- z i e h u 11 g völlig makellos sei». Möge ihr Mann auch ebenfasss schuldig sein, so halte sie sich doch nicht zn Beleidigungen, Mißhandlungen k. hinreißen lassen dürfe». Daß sie in ihren! Berns tüchtig geiuesen sei, komme hierbei nicht in belracht. Auf die Be- rusnng der Beklagten hob das O b e r- B e r w a l t» n g s- gericht diese Entscheidung auf und erklärte die Frau für fähig, ihrem Berufe als Hebeamme auch ferner nachzngeheu. Sie si-j tüchtig in ihrem Beruf nnd habe sich mit bezng ans ihn nichts zu schulden kommen lasse». Was ihr sonst vorgeivorfen sei, begründe nicht den Vorwurf einer Bescholienheit die irgendwie mit dem Beins in Beziehung stehe. Eine solche hält« aber nur die Eiitztehnng des Prnfnngsschcines begründen können. VprsÄmmIungen. Ter Wahlverciu für den I. Berliner Reichstags Wahl- kreis hielt am Mittwoch eine Versammlnng in den„ArinjuhnUeii" ab, in der die Disknsston über die Flotienpiäne, die bereits in der Versammlung vom 8. d. M. zur Verhandlung standen, zinische» den Utaiioual-Sozialen nnd unseren Parteigenossen fortgesetzt ivurde. Als ei» Vorpostengeiecht der nächsten Reichsiagswahlen wurde seitens des erste» national-sozialen Redners diese Debaiie bezeichnet. Im ivesenllichcn wurde» von den naiional-sozialen Rednern dieselben Aranmente, wie i» der vorigen Bersaininlnng, über die Noibivendigkeit einer mächtigen Flotte ins Feld gesührt. Deutschland müsse sich Kolonien verschaffen, um sein tzibsatzgcbiet zu erweitern,»in aus diese» andrer- seits Lebensinitlel zu importire», da sich die anderen Staaten gegen den Export der deutsche» Jndustrieprodnkte immer mehr abschließen und serner Deutschland nicht iinstando sei, zumal die Bevölkerung jährlich II», B00— 600 000 Seelen zunehme, die»olhivendige» Lekeusiniltel zu produzire». Es nnirde au! England vermiesen, das im Gegensatz zu Deutschland durch seine Kolonlalpolitik verstanden hat. sich von anderen Staaten unabhängig zu machen, und angeführt, daß es die höchste Zeit sei, daß Deutschland, dessen Handelsbeziehungen i», hohen Maße gefährdet seien, auf die Gewinnung von ttolomen bedacht fein müsse. Das Vorgehen der Regierung gegen China wurde von diesen Rednern gut geheißen, weil dieses Land ein großartiges Gebiet für den Handel erschließe, das sich Deutschland durch seine Macht- � entfaltung zu sichern bestrebt sein muß. Aber noch einen weiteren Vortheil durch die Kolonialpoliiik versprach sich Herr Migalski, nämlich den, daß das„soziale Königthum" dadurch, daß die Kon- servative», die sich als Grundbesitzer gegen die Regierung wenden werden, die Regierung sich dann veranlaßt sehen wird, sich auf die Arbeiter zu stützen, der Verwirklichung näher gebracht wird. Außer Herrn M ig als ki waren noch die Herren S ch a a l und Tische n dörffer bemüht, das Programm der national- sozialen Gruppe in allen Bariaiione» zu entwickeln, um der Ver« sammluiig klar zu mache», daß sie die Interessen des Volkes zu ver- treten gewillt ist. Anber eineni Anhänger der freisinnigen Volks- partei, der sich ablehnend de» Floitenplänen gegenüber aussprach, bethetligten sich unsere Genossen: Täterow, Pötzsch, Jahn, Bohne und Gutman» an der Dlsknssio», denen es nicht schwer war. die angeführten Gründe zur Verstärlung der Flotte recht treffend zu widerlegen, und die in ein- gehender Weise unseren ablehneiiden Standpunkt nach jeder Richtung hin niolivirte». Sie wiesen darauf hin, daß Flotte und Kanonen keineswegs geeignet sind, die Handelsbeziehungen zn anderen Staaten zu verbessern, sonder» im Gegentheil Konflikte herausbeschwöre», und daß im übrigen durchaus kein Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß die Getreide produzirenden Staaten ihre Grenze» gegen Deutschland für die Ein- und Ausfuhr absperren werden. Auf friedlichem Wege haben sich Deulschlnnds Industrie- Produkte i» den verschiedensten Staaten Eingang verschafft und be- sonders ist nachgewiesenermaßen der Export ganz bedeutend>md fortwährend gestiegen. Die Genossen ivendeten sich auch gegen die Flottenvorlage, weil sie der arbeitenden Bevölkerung wieder neue Lasten ausbürdet, um einige» Kapitalisten Boitheile zu verschaffen. trotzdem das Volk an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit an- gelangt ist. Alle Kulturarbeiten bleibe» unberücksichtigt, weil die riesigen Summen, die zum größte» Theile durch die indirekten Stenern und Zölle von den Acbeiter» aufgebracht werde», der Mili- larismus verschlingt. Von einigen Rednern wurden die Arbeits- veihälinisse in den Stantsbeiriebe» beleuchtet, das Steuersystem, bei den» die besitzende Klasse außerordentlich gut fährt, kritisirt, und die Kiiltnrznstände i» Denlschland im allgemeinen erörtert. Die Genossen bekämpstcn auf das schärfste die Eroberungs- Politik, ivie sie gegenwärtig in Erscheinung tritt, sowie die auch von den Nalional-Sozinle» befimvoitete Kolonialpolitik, und forderte». daß aus der Basis der Verträge die KnUurstaaten sich verständige. bis der gesunde Sinn der Arbeiter aller Länder den Kriegs- Machtgelnste» der Tespolen ein Ende machen nnd die R-r- brndernng der Völker herbeiführen. In de» weiteren Ausführung«» polemisirle» unsere Genossen, die die Bestreimngen der Sozialdemokratie behandeile», gegen das Programm der National-Sozialen. Um 1 Uhr erfolgte der Schluß der interessanten Versammlung. L»'rir«llg>i>t* G»»>«t»dr. Soimadcnd, de» l. Januar, vorm, lojs Uhr, im aroße» Fesssaat der Berliner N-ssonrce, Koniniandantenstr. 67: Foftvvrtrag de« Herrn ffi. Vogiherr. Conntaa, den a. Januar, vorm. 10K Uhr ebendalelbft: Bortraa dea Herrn Waldecl Manasse:„Tregor der Große." Gäste wtlllommen. j!a»d»ni»»»fch»N der Ku>g-e>o>>ioi»cr j» Kevtin. Heute, abends 9 Uhr, in®. J-uersicin'ö Festsäien, Alle Jnlodstr. 7«, Sylvestervergnstge«. Gäste sind willkommen.—------- Vermischkes� Das„Hainbiugcr Echo" schreibt: Ruf dem Hamburg» Parteitag hat bekanntlich Genosse Adolf H 0 f f»l a II n- Berlin voll sittlicher Partei- Entrüsliiiiä gegen den Verlag des„Neuen Welt-Kalendees" gedonnert, weil in der diesjährigen Ausgabe eine kriliiche Skizze über das Begas'sche Kaiserdenkmal mit Illustration veröffentlicht nnirde. Zn nnserem Erstaune» geht uns jetzt ein Buchhändler-Zukular A. Hoffinann's zu, worin er u. a. auch die „Kinder- nnd I u g e» d- G a r t e n l a n b c" empfiehlt. Nachdrücklich hebt Genosse A. Hoffmann den reichhaltigen und ge« d i e g e» e u Inhalt" hervor,«illärt, daß„es in der ganzen Welt kein b e l i e b t« r e s K i n d e r b u ch gicbt" und versichert uns feierlich, daß für de» Preis„wohl kaum etwas Groß« artigeres" ans den Markt gebracht werde» kann. Wir haben nun verschiedene Jahrgänge dieses„großartigen" Kinderbuches an»! gesehen nnd gesnudeii, daß der Inhalt dieser„Jugend-Garlenlanbe" zn der seichleste» Kinderliteratnr gehört und von den servilsten Kaiser- nnd Prinzen- AeriiiminclunftS- Artikeln und Illustrationen wiminelt, den lieben Herrgott, das Hnnmelreich und die ewige Vergeltung so oft ins Tressen führt, daß wir ernstlich fragte», ob der Empfehler dieser Literatur wirklich derselbe A. Hoffina»» sei, der am liebste» die Gotieslengiinng ins Parteiprogran»» aufgenommen wissen möchlc, derselbe A. Hoffmann, der i» Hamburg so entrüstet gegen den„Neuen Well-Kaiender" losgezogen ist. Und siehe, es ist derselbe A. Hosman»!'Aber es ist das alle Lied von der Theorie nnd Praxis!"- Wettet-Prognose für Freitag, 3t. Dezember IM7. Ein wenig kälter, zeitweise heiler, vielfach wolkig, mit geringen Niederschlägen nnd frischeii südlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a»1. Aldtms! 8. Kahlkreis. AMms! Freitag, den 31. Dezember, abends 81/, Uhr, im„Kolberger Galou", Kolbergerstrafte Nr. 29: Oemütliiiclie Sylvester-Feier, arrangirt von den sozialdemokrat. Parteigenossen des«. Kreises. 221/16 MP- Billet 20 Pf. Zu zahlreichem Bestich ladet ein Der Bcrtranensmann. Achtung! Achtung! MM der Van-, Erd- n. gwerdl. Kilss-Arbeiter Dentschl. Zahlstelle Berlin I. Sonntag, den 8. Januar, vormittags 11 Uhr. bei Stabernack, Jnselstraste 10; General»MersammKung. Tages-Ordnnng: 1. Bericht des Borstandes. 2. Remvahl desselben. S. Verbands- angelegenheiten. 37/7 Das Erscheinen sämmtlichcr Mitglieder ist erforderlich. dTB. Die Kollegen werden ersucht, sämmtliche Listen und Gelder von StreiksondSniarken in dieser Versammlung abzuliefern. Die-OrtSverwaltung. I. A.: Richard Beter, Hussitenstr. 6. üiaier-Schule der Filialen Berlins. Schnl-IiOkal: Mantensfelstrassc 7(Aula). Montag, den 3. Jamiar, abendS 7 Uhr: Beginn des Halb-Semesters. Seu« Schüler werden anfgenonmien. Mb-res im Schul-Lokal. 25176 Die Fachs ch/u j, jf gin m i s s t 0 n. folksqarten(fpöh- w®ann's VMzWten) .... Gesundbrunnen, Badstrasse Unsere aufs glänzendste rcnovirten Säle stnd mir noch am und an i®oiiiu..¥j�jeu im stürz unter den koulantc�" dingnnge» zu vergeb«, 2o3bS _»le I>irel tton-__ Freie Volksbühne. Auf Besohluss des Vorstandes soll, zahlreichen Wünschen Rechnung tragond, eine V. Ähtlieilung gegründet werden. Die Mitglieder und Freunde der Volksbühne werden gebeten, für die schleunige Füllung dieser Ahtheilung zu wirken. Anmeldungen zur V. Ahtheilung werden in allen Zahlstellen des Vereins gegen Hinterlegung des Eintritts- feldes und eines Beitrages entgegengenommen, gegen rapfang einer vorläufigen Quittung. Die Aushändigung der Mitgliedskarte erfolgt nach der Aufnahme durch den Vorstand vor der Vorstellung. Die erste Vorntellnnff für die V. Abtheilnng findet Im l-oanlng-Xheater ntatt. Sonnabend, den 1. Januar, nachmittac« 8 Uhr: tw& K41. Aiinn n* gl � Friedrich- Wllhelut- IV. Abthellnng ,,«» Ugdttt städtisches Theater von Max Halbe, mit dem KUnstlerpersonal des Lesslng-Theaters. Auch die Kostüme, Dekorationen etc. sind dem Lessing- Theater entnommen. Heft IV der„Freien Volksbühne4, k 10 Ff., ist bei den Ordnern zu haben. Die VHI. Serie der Vorstellungen beginnt am Sonntag, den 2. Januar im Leasing-Theater mit dem Drama Philipp Langmann» Tlll'HHer unter Mitwirkung der Herren Adolph Klein, Carl Waldow, Franz Haid, Em. Stockhausen und der Damen Frl. Mllly Kraus», Jenny Gross u. s. w,— Die Vorstellungen der XI., III. und IV Abtheilung finden statt am 9., 80. Januar und am 6. Februar. Mitglieder anderer Abtheilungen können, soweit Raum vorhanden, nur einen Stehplatz erhalten. 291/3 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Märkischer Hof, ÄSrÄÄÄ; sowie jeden Sonntag Oroaser Fest-Ball, RestaurationSräume stehen am Neujahrstag, sowie chrteu Familien zur Verfügung. Ansang jeden Sonntag 4 Uhr.- Die dm ge- Schmargendorf(Restaurant„Sanssouci"). «"■rl-WÄfcid-g*-»»» Schluisfeier des alten Jahres bis zum Be- f» ginn des�neuenJahres, verbunden mit Tanz VW«SVUI.SS VlVkUt» en Sylvester-Scherzen. 1. und Ä. Nenjahrstag von 4 Uhr ab: und Am Grosser Bali. Es ladet freundlichst ein F. FtUise, 15366 Gastwirth. Versandhaus von Kasfec und, Kasfecsnrrogate»., J .tiihiäi ai Beatsehe JKa�ee-Bösterei tou A. Peimltz, Berlin C. Der Preislage des sprechend empfehle naturrein geröstete, gut| Meine Uit Jlcch«« Deutsche schmeckende Mffees W-»•«■»«« P'-- «iebt von 1«ot» gnidli» zneti uou e jj»äf c». Rfiir de» Inhalt der Inserate »iberninimt die Redaktion dem Publikiim gegenüber keinerlei _ Ncrantmortnng. TlzvKtov. Freitag, den 31. Dezember. Opernhans. Mignon.Anfang iy„ Uhr. Nachm. 4 Uhr: Hansel und Gretel. Die Puppcnfee. «chauspielhaus. Mutter Thiele. Anfang 7-/- Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang 7V- Uhr. Lessing. Im weißen SJtöß'l. Anfang 7V, Uhr. « erli» er. Die Wunderquelle. Au- fang 7>/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. «oethe. König Krause. Aufana 7l/z Uhr. Unter den Linden. Die Prinzessin von Trapezunt. Anfang 7>/z Uhr. vlenes. Die Logenbrüder. Anfang ?'/- Uhr. Schiller. Der Registrator aus Reisen Aitfang 7 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7V- Uhr. Dhalia. Das Opferlamm. Anfang 7>/z Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7 Uhr. Luisen. DaS Fest der Handwerker. Fröhliche Weihnacht! Ans. 7 Uhr. Belle-Zllliance. Der Bräutigam auf Probe. Anfang 7 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich. MilhelmstiidtlscheS. Die Pariser Bluthochzeit, oder: Die Hugenotteu. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. Der Rattenfänger von Hameln. Rlexanderplah. Die Verführerin. Ansang 8 Uhr. Urania. Taiibenstraste 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 3 Uhr Wisienschaftl. Theater. Jnvaltdens, raste S7/VS. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wisfenschastliche Vorträge. Anicrican. Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Rcichshallcn. Spezialitäten. An- fang 9 Uhr. lllpollo. Spezialitäten.' Auf. 8 Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikum. Wiener Tanz- und Operciten-ÄeseNschnst. (Wallner-Theater). Freitag, Anfang 7 Uhr: Zum I. Male: Der Registrator aiif Reisen. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Heim- g'fundeu. Abends 8 Uhr: Der Registrator ans Reisen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Wallen- stein's Lager. Die Picco- lomini. Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Ostettd-Theater. Ar. Frauksurlcrstr.132. Dir. C. Weist. Leben und Lieben. Volksftück nrit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G Wando. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — F r e i- K o» z e r t.— Sonnabend u. Sonntag Nachmittag, kleine Preise: Der Berschwcnder. AbeudS: Leben und Lieben. Jeder Besucher der Nachmittag- und Abend- Vorstellung erhält cm Weihnachtü- Souvenir gratis. Central-Tlißatßr Alte Jakobsir. 30. Direktion Itlclianl HclinUz. Heute Sylvesterubend 7 llhr: Emil T Ii o iii n s n, Zum 117 Male: Berliner Fahrten. Anfang 7 Uhr. Ende 10 Uhr. Iiiiisell- ödester 34. Rcichenbcrgerstraste 34. Heute Sylvester, abends 7 Uhr: Das Fest der Kandmerker. Hierauf: Irödliche Weihnacht. Nach der Vorstellung in den Festsälen: Großes hamoristisches Sylvesterftst und Dali unter Mitwirkung der Komiker des Luisen-Theaters, Herren Wlackler, Conrad, Kettner, Brodeh, Achterberg u. A. Um 12 Uhr: Neujahrs-Polonaise mit Ueberraschnngcn. Die Inhaber von Sylvesterkarten haben freien Zutritt zum Parquet und 1. Rang. Sonnabend, 1. Jan., nachm. 3 Uhr: Volks-Borstellung. Regie: J. Türk, Die Waise von Lowood. Abends 8 Uhr: Auf eigenen Fitste». Billets ä CO Pf. zu der Nachmittags- Volks-Borstellung tn den bekannten Verkaufsstellen. Nllvkr's'riivater Oriuilcn-Stna»»« 24. �. Diiglich! Theater- u. t�pezlalitllteii- Vorstellung. Heu! Die NenjahrSnacht. Ueu! Ein militärischer Don Juan. Retnhold Lange,| Käthe Leonard), der beste Humorist I bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Brothers Therras, die berühmtesten Ketten- Turner. Wochentags 8 Uhr. J. SonntagS 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Volk s- Theater Im Wclt-Rcstanrant 97. D r c s d c n c r- S t r a st e 97 Civcuzsblnk. Operetten-Burleske. lVeae küpezialitliten. Die beliebten Duettistinnen Geschwister Tilly. Im vorderen Saale: lyrolßi' Sängßp Alois Ebner. Sonntags 6 Uhr. Wochentags 7V, Uhr. ™ Castan's™ Panopticum. N Fnediiclistr. 165. Indisch- hlndasta- ,» nische O a(i k 1 e r — und— Schlangen- Beschwörer. Das B ARENWEIB. Passage-Paiiopticum. Wiener Tanz- und Operelten- Gesellschaft. Zum Sohluss; lllustrirtes Quodlibßt In 12 lebenden Bildern. Alcazar Var ä s 1 6-Th o n t e r X. Ikanxes. DreSdeuerstraße 52/53(Cith-Passage) Annenstraße 42/13. Direktion 9( i ch a r d Winkle r. Vornehmster Familie»- Ausenthalt. Heu! I�Iotte Butroscn. Neu! Große Ausstattuugs-Opcrette in 1 Alt von Ed. Linder. Neu! Vorher: Neu! .Am Weihnachtsabend. Charalterv. in 1 Akt von G. Höppner. Bosen ans den, Siide». Grobe AusstattungS-Posse mit Gelang und Tanz in 1 Akt von W. Gcricke. Auftrete» siimmtlicher jinnst- Spezialitäten. Ans. 6 Uhr, Kassen-Eröffining 5 Uhr. Entree 30 Pf. illcscrvirt. Platz 50 Pf. Apollo-Ibßatßr. Xriedriehstr. 218. vir. J, GlUck. Grosse humoristische Sylvesterfeier. Abschieds-Benefiz für Otto Keutter. The Haytona. F. A. Heinhaue. Paul Spadoni. Familie Neiss The Behrwall.. Eugenle Wermke. Desroches-Bianea. The Allison's. Jika Betzci. Emtny Schmitz. The 5 Reyvals. Carmeii-Faur. Baronessen Odillon. Der Kosmograph. La Foy mit der Kovitht Feuer- n-FIiimmen tanz Um 12 Uhr; Gr.Neujabrs-Apotheose. Nach 12 Uhr: GemuthlichesTanzkränzclißn. Anfang 8 Uhr. Ende 4 Uhr. Am 1. Jannar 1808: Vollständ. neues Programm, Concerthaus l.cipzlgcrstr.No. 48 Heute, Freitag, 31. Dezbr.: Sylvesterfeier Soiree und Ball arrangirt vom Verein Tyll Enlenspiegel.. Ballmnstk 2 Garbe-Regt.' Anfang 9 Uhr. Entree 3 Mark. Gefellschaftstoilette. W. Hoack's Theater K z* Ii n n c n• 8 t r a s s e 16. Honte Sylvester: Grosser Famiiien-Ball. Um 12 Uhr: Verthellung von Neujahrswllnschen mit grosser Pfannkuchen- u. Punsch- Polonaise. Anfang 8 llhr. Entree 30 Pf. Werthe Genossen! Empfehle mein Bereinszimnier. A. Pessarra (früher„Buch holz"), Wörtherstr. 39. Rum. Echt und echt Verschnitt.— st Liter- Flasche Mark 1,00. 2,10. 3,10. 4,50. Nr. 3. Fan.— ca. 50 pCt.— A Liter Mark 1,—, 5 Liter Mark 4,50. Fernsprecher Eugen Neumann& Co. Amt IV. 9676. Comptoir und Gesammt-Kellereien. Berlin 8W.«8 Lindcnftr. 19/17. - Detail-Berkanfsläden: Belle-Allianeeplaii Ka, Amt IV. 3079.- Nene Friedrichstr. 81.— Oranienstr. 199.— Genthinerstr. S9.— Gruner Weg k»K.— Komuiandantenstr. 97.— Wilsnaekerstr. 25.— Schbueberg. Hanptstr. 129.— Eharlottenb., Kais Friedrichstr. 48. 39738" Zum Sylvester! Ill sämmtliche Plllls' Max SchUfTian, zu billigsten Preisen. Rosenstrasse 18, Kaufhaus Stettin. PI ombcn 1 M. Zahnziehe» frei. Zahn- Manteusfefstr 43. I.. Ecke ' Oranienstrabe. 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Punkt 12 Uhr: Abschied des alten Jahres, Einzug des neuen Jahres. Plastische Darstellung von Paxton's Galerle schöner Frauen unter Mitwirkung von Mp- I.u belle Vernols! Prelsverthsllung an 6 der schönsten Damen. Champagner-Verioosung, Ueberraschungen u. s. w. Anfang 9 Uhr. Entree 50 Pf. Im Eeichshallen-Tunnel: SV Syl vesterfeier"VS urfideler Abend. Mllit Ar-Konzert. Stangenklettem, ��ati�-JPräse��ertheilun£� Quargfs amm Vaudeville-Theater Grand-Hotel Alexanderplast. M Vechten Sie � das heutige Programm der 1. Lrigilllll-Bildapester. BsiseZter-zbenö 8 Uhr: Konzert. »and. 9 Uhr: Das Armband 10 Uhr: Das KodclI.'TgSQ 11 Uhr: Eine Klabrlas-Partle In der Sylvesternacht. Hierauf: Grofter Familie»- Sylvester-Ball. Erster Dudapester Sylvester- Abend! Urosse ! Lach- Jubel-Fest-Vorst eilung Kanfmaim's Varietö unter Leitung der weit und breit beliebten Direktoren Anton und Donat Herrnfeld. Ein Klcscn-Prosramm von 8—12 Uhr. Um 8 Uhr. Um 8 Uhr. Allgemeinen Wünschen entsprechend: D onat Herrnfeld in seiner Glnnzleistnng in d. zwergfellerschütternden Komödie Die Weit geht nnter! U m 9 U h r: Entscheidungs-Wettstreit zwischen Dr. Guido Stelnitz und William SchUff. Das pp. Publikum wird gebeten, die Entscheidung durch Stimmzettel zu fällen. Der Name des Siegers in diesem Unikum von Improvisatoren-Wettstrelt wird von der Bühne öffentlich bekannt gegeben. Em VjlO Ehr: Auftreten von Spezialitäten, Komikern, Soubretten etc. Em lO Ehr: Grosse öffentl. Generalprobe von Eamillc Kochsalz. Eine erschütternde Tragikomödie mit„Stöhnen" und „Thränen" von Anton und Donat Herrnfeld. Um 11 Uhr: Homonokolonofosydos. Um Punkt 12 Uhr: Cruss an das neue Jahr I Prolog, verfasst und gesprochen von Herrn Schriftst. Hugo Pollack. Um 12 Uhr 11 Min.: Grosser Sylvester-Tusch: Vergnügthineinin's neue Jahr! Ein Euch- Abend allerersten Ranges!!! Kassen- Eröffnung>/z7 Uhr. Gewöhnliche Preise. Ende: Nächstes Jahr, Stunde unbestimmt. Sonnabend, den 1. Januar: Familie Kochsalz und vollständig neues Spezialitäten-Programm. Circns Busch (Bahnhor Bttrse). Freitag, de« 31. Dezember, abends 7Vi Uhr: Große brillailte Vorsteklung. Zum 2 Male: Sscsgossa. Orig.-Mansgen-Schauflück deS Circus Busch, entnommen aus dem spanisch. Leben, in 3 Akten und 12 Bildern. (In bisher noch nie gezeigter glänzend. Ausstattung, darunter mehrere direkt aus Spanien imvortirtc Maulthier- Viererzügc.) Tänze arrangirt vom(gl. ital. Hos- Balletmeister Oerrn DUavi. Alle Einricht. sind geletzlich gefchiitzt. I.Akt: Das Auswandererschiff. 2. Akt: Mircoles de Ceniza. 3. Akt: Das grüne Schloß. Besonders hervorzuheben: Eine spallische Eisenbahn mit eintretender Katastrophe. Der Sturz von einer 00 Fuß hohen Brücke ins Wasser. Die Flucht des Don Carlos de'eria niit seiner Geliebten und snmmtl. Pjcrden aus dem brennenden Schloß Außer- dem die hervorrag. Repertoirnummern. Morgen Sonnabend(Neujahrslag) 2 grobe brillante Vorstellungen Nach- mittags 4 Uhr und abends 7l/2 Uhr: Saragossa._ Presskohlen, Platz Mk. 5,50,-Bruch pro Ztr. ab Platz Mk. 0,60. Steinkohlen u. Anthracit billigst.[2543b A. Herrmann's Kohlenlager, Schief. BaHnH., Mühlenstr. IS, Bahnh. Moabit, Outstowstr. 88. Fritz Zuheil's Restaurant 106. Lindenstrasse 106. Freitag: GP. LMslßrfßißr. Am 1. Neujahrstag, von nachmittags 6 Uhr an: TanzkrAnzchen. Hierzu ladet freundlichst ein Zubeil. Genossen, Freunde und Bekannte, sowie meiste sämmtliche» Vereine lade zur Sylvester- Eclcr ganz er- gebenst ein; ebenso wünsche allen meinen werthen Gästen ein fröhliches neues Jahr. Jnlins Wernau Restaurant und FestsAIe Schwedterstr. 23 24. Louis Keller's Festsäle Koppenstr. 29. Größtes u. schönstes Etabliffement der Residenz. Heute» Freitag, d. 31. Dezember: Grosser Sylvesier-LaI! Sehenswerth der In ca. 800 elektrischen Glühlampen erstrahlende Riesen-WeihnaGhtsbaiim. Morgen, dm I. Januar 1899: Grosse Solrtse der Steinmet,' Nordd. Sänger und Gr. Konzert. Feen-Palast L« Uiirgstr. SS. Direktion: Winkler Jt Fröhel. äPBT" Nur noch heute"Vß das glänzende erfolgreiche W e i h n a ch t S- P r o g r a m in Gross« Syivester- Abschledsfelcr des mit großem Beifall aufgetretenen Spezialitäten- Personals. Besonders gewähltes Programm Mstp- Zum letzten Male:"iJBsü Eine nette Welhnachtsbescheerung Anfang 7 si'z Uhr. Entree 30 Ps. Ehren-, Frei- und Vorzugskarten sind giltig. Sonnabend: Neues Personal. Konzert- �880001 hans Kottbiiscr Strasic Nr. 4 a. Dir. H. Picurp. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Rit vollen 8egeln. Lebensbild in drei Abtheilungen v. H. Schulz. Musik». A. Kersten. Neue Spezialitäten. Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. '' Entre« 39 Pf. Passe-partouts gelten. ■ d, h"---------" Sonnabend, beu 1 Jannar 1897; Zum 1. Male: Im Rtiche der Timen. Großes Ausstattungsstück in 3 Akten. Fabriken, WerkstAttea etc liefere ich: 4lj/L FW. 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Kollegen willkommen. s2529b Lrts-Krallkellkllsse her Stein- hrucker nnh Lithographen zu Berlin. Die am 12. Noveniber cr. ein- gereichte 5. Abänderung zum Statt», betr. Aenderung des§ 2, hat unten» 14. Dezember d. I. seitens des Bezirks- auslchuffes die Genehmigung erhalten und tritt ulit dem 1. Januar 1898 in kraft. Die Abänderung selbst gelangt vom 3. Januar 1898 ab in unserem Kaffen- lokal zur Vertheilung. 2534b Berlin, den 30. Dezember 1897. Ter Vorstand. m- Todes-Änzeige. Am 29. d. M., vorm. 8 Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden unsere so heißgeliebte Tochter Löktsiill Uffliei' im 16. Lebensjahre. 2540b Die Beerdigung findet am 1. Jannar, nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause Ruppinerstr. 31 aus statt. Dieses zeigen allen Freunden und Genossen an Die tiefbetrübten Eltern, Geschwister und Verwandten. Budolph Löffner, Tischler. Ich wohne nach wie vor Marburg«- und Augsbnrgerstr.-Ecke. 2545b] Adolf Köster. 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