Nr. 17 Die Gleichheit eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen e Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch bie Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. -O Inhaltsverzeichnis. Bolitische Rundschau. Von H. B. Die internationalen Tagungen zu Stuttgart. Stuttgart den 19. August 1907 17. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der Gleichbelt find au richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bet Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. gedauert, als ihr lieb war, ehe fie die Verantwortung| Stuttgarter Verhandlungen vorübergehen. Die Frage Die internationalen Tagungen zu Stuttgart. Bon der Heim- übernehmen konnte, die Vertreter der revolutionären Ar- der Wanderungen von Arbeitskräften, die für arbeit. II. Bon Gustav Hoch. Eine sozialistische Enquete über beiterbewegung aller Länder zu sich zu Gafte zu laden. den Ausgang der gewerkschaftlichen Rämpfe fteigende bie sofortige Einführung des Frauenwahlrechts.( Schluß.)- Die Seit diese das letzte Mal in Amsterdam getagt haben, Bedeutung gewinnen, weist geradezu handgreiflich auf Mitarbeit der Frauen in der Armen- und Waisenpflege Hamburgs. ist ein weltgeschichtliches Ereignis von unvergleichlicher die rapid auflösende, umwälzende Entfaltung des Kapis Bon Emil Fischer. Freie Arbeiterinnen oder Slaven? Bon Bedeutung angebrochen. Die Revolution in Rußland, talismus und die Erweiterung und Zuspihung ber Heiben. Die erste Konferenz organisierter Arbeiterinnen in den beren Schatten der Krieg mit Japan damals voraus Rämpfe hin, in denen er sich mit den organisierten Bereinigten Staaten. Bon Hebe. Resolution zur Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen, das Frauenwahlrecht betreffend. warf, ist in fühnem Anlauf in die Zeiten anscheinend Rebellen gegen seine Herrschaft messen muß. Die Er Aus der Bewegung: Ausländische weibliche Delegierte zur Inter- ruhiger Entwicklung gestürmt. Und sie lebt unbezwing- örterung des Verhältnisses zwischen sozialnationalen sozialistischen Frauenkonferenz zu Stuttgart. Bon bar weiter in einem wechselvollen Auf und Ab, das sie demokratischer Partei und Gewerkschaften fann ber Agitation.Bon den Organisationen.- Jahres- und Tätig bald triumphierend hoch auf dem Wogenkamm geschicht nur unter einer Voraussetzung nachhaltig fruchtbar sein. teitsberichte der Genoffinnen von Mülheim a. Ruhr, Gera- Debschwitz lichen Lebens, glänzender Erfolge zeigt, bald wieder den Daß fie den Ursachen nachgeht, welche in unseren Tagen und Fürth.- Der Vormarsch der sächsischen Genoffinnen. Anschein erweckt, als sei fie vom Abgrund reaktionärer mehr denn je die beiden Formen des proletarischen Die Kinderschutzkommiffion der sozialdemokratischen Frauen Leipzigs. Gewalten verschlungen. Wenn das Ziel der russischen Klassenkampfes zu einer innerlich fest verbundenen GinGewerkschaftliche Rundfchau.-Der Kampf der Räsereiarbeiter um ihr Organisationsrecht. Revolution in der Hauptsache auch die Errichtung eines heit zusammenschweißen: zur revolutionären Arbeiter Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenstimmrecht. Arbeits- bürgerlich- fonftitutionellen Staates ist, so ist sie dennoch bewegung, die in steter innerer Rampfesbereitschaft alle bebingungen der Arbeiterinnen. Duitting. eine proletarische Revolution, die erste Revolution, in Waffen prüfen muß, die sie in ihrem Kampfe anwenden Feuilleton: Seid gegrüßt. Bon Ada Negri.( Gedicht.) Vor dem welcher die Arbeiterklasse als politisch selbständiger Faktor, kann, ja unter Umständen anzuwenden gezwungen ist. Angesicht des Lebens. Von Maxim Gorki. Aus„ Die Ver- als wichtigste, bewußt treibende und führende Kraft auf Eine grundsätzliche Stellungnahme zur kapitalistischen schwörung des Fiesco von Genua". Von Friedrich Schiller. tritt. Aber während das junge russische Proletariat sich Kolonialpolitik ist unmöglich, ohne daß der Reifeanschickt, den Absolutismus zu Boden zu ringen und grad in Betracht gezogen wird, den die kapitalistische damit der politischen Herrschaft der Kapitalistenklaffe, Produktion erreicht hat. Zusammen mit der weltwirts der Entwicklung des Kapitalismus die Wege zu ebnen: schaftlichen und weltpolitischen Entwicklung drängt sich lassen sich die Kapitalisten der ganzen Welt angelegen aber damit die andere auf: nach den inneren Ver sein, das wankende Gebäude des Barismus mit goldenen knüpfungen, die zwischen ihr, der reaktionären KolonialNoch ehe diese Nummer der„ Gleichheit" alle Lese- Balfen zu stützen. Vor allem aus Haß gegen die Re- politik des krachenden Rapitalismus als naturnot rinnen erreicht, ift in Stuttgart der Internationale sozia- volution, aus Furcht vor dem Proletariat. Sie fühlen wendige Ergänzung seiner reaktionären Heimatspolitik liftische Rongreß eröffnet worden. In Verbindung mit die internationale Tragweite der revolutionären Periode, und dem Anfturm des Proletariats gegen die kapitaihm findet nicht nur die erste Internationale Konferenz die in Rußland angebrochen ist, und sie zittern um so liftische Ordnung bestehen. Auch die praktische Wichtig fozialistischer Frauen statt, sondern es tagen auch eine mehr vor ihr, je reißender die kapitalistische Entwicklung feit des Frauenwahlrechts für die proletarische Emanstattliche Anzahl internationaler Gewerkschaftskongresse. allüberall vorwärts treibt. zipationsbewegung fann nur unter dem Gesichtswinkel Schon diese eine Tatsache ist ein greifbarer Beweis da- Die russische Revolution ist für die Theorie und der aufgezeigten Situation voll gewürdigt werden. Sie für, daß immer siegreicher sich die schöpferische Losung Praxis der sozialistischen Internationale eine wahre beruht in dem bewußten Aufnehmen des Klaffenkampfes des Kommunistischen Manifests durchsetzt, die in der Fundgrube der Erkenntnis geworden, deren Schätze sorg- seitens umfangreicher und bis jetzt leider träger, ja dem fozialistischen Internationale Leben und Gestalt gewonnen james Studium heben muß. Zwei Probleme aber find Sozialismus feindlicher Massen des Proletariats. Und hat: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" es besonders, welche durch die Vorgänge in Rußland der Verwandlung der Proletarierinnen aus geduldigen, scharf beleuchtet worden sind: der Massenstreit und stumpfsinnigen Kreuzesträgerinnen in zielflare, mutvolle des flaffenbewußten, des kämpfenden Proletariats in in den Ländern älterer kapitalistischer Entwicklung- die Kämpferinnen kommt in dem Maße steigende Bedeutung allen Ländern, die in den Strom der kapitalistischen Verschärfung der Klaffengegensäge und des Klassenkampfs, zu, als die Zusammenstöße zwischen Ausbeutern und Entwicklung geriffen worden sind. Es schafft sich die in welchen die internationale Reife des Kapitalismus Ausgebeuteten härter, kraft- und opferheischender werden, nötigen Organe seiner Betätigung, es flutet auf zahl ihren Ausdruck findet. Beide wurden noch in Amster- als revolutionäre Situationen fich entwickeln, welche unreichen Wegen vorwärts, es ergreift ein Gebiet des ge- dam heiß umstritten. Nun haben die Vorgänge in Ruß- aufhaltsam zum Maffenstreit drängen. sellschaftlichen Seins nach dem anderen, es strebt heute land wie Genossin Luxemburg in ihrer Broschüre Am Klarsten werden jedoch sicherlich die Erörterungen und hier diesem, morgen und dort jenem Augenblicksziel meisterhaft aufgezeigt hat- hellstes Licht auf das Wesen, über den Antimilitarismus die zugespitzte Situation zu. Jedoch wie vielgestaltig und wechselnd es auch in auf die Bedeutung des Massenstreits als eines revolu- widerspiegeln. Über die Verpflichtungen, die aus ihr der Erscheinungen treten mag, so vielgestaltig und wechselnd, tionären proletarischen Kampfesmittels geworfen. Und sozialistischen Partei im Kampfe gegen den Militarismus. daß es sich nicht im Rahmen einer einzigen internatio- die reaktionäre Rolle, welche das internationale Kapital erwachsen, und zwar nicht bloß um den Frieden zwischen nalen Organisation zusammenfassen läßt: es bleibt troß einer modernen heiligen Allianz" gleich im Kampfe den Nationen zu sichern, sondern vor allem auch, um alledem ein innerlich einheitliches. Das macht, es ist gegen die russische Revolution spielt, läßt einen Rück- das letzte und gefährlichste Herrschaftsinstrument der von der einen Erkenntnis beherrscht, die sich zu dem schluß darauf zu, wie bedroht es sich in seiner Herrschaft ausbeutenden Klassen unschädlich zu machen, ja in ein einen Willen verdichtet und in Taten umseßt. Es fühlt, weil all die Gegensätze, welche die kapitalistische Werkzeug der Revolution zu verwandeln- dürften vorist die Erkenntnis von der geschichtlichen Notwendigkeit Produktion und Ordnung in sich schließt, immer rascher aussichtlich die leidenschaftlichsten Auseinandersetzungen und Bedeutung des Klassenkampfes, mittels dessen das und mächtiger zur Entfaltung gelangen und zu kräftigeren entbrennen. In den einzelnen Ländern liegen die VerProletariat die fapitalistische Ordnung überwinden und Auseinandersetzungen zwischen der ausbeutenden Minder- hältnisse sehr verschieden, unter denen das Proletariat die sozialistische Gesellschaft aufrichten muß. Und dieser heit und den ausgebeuteten Massen treiben. Die Ver- im Kampfe gegen den Militarismus steht. Vor allem Klaffenkampf ist international, wie die kapitalistische schärfung des Klaffenkampfes ist denn auch in allen aber ist für die Wucht und die Schärfe dieses Stampfes Ausbeutung und Herrschaft international ift. Ländern die Signatur der letzten Jahre gewesen. Das ausschlaggebend, in welch tiefer, geistiger Scheidung fich 糖 In reichster Mannigfaltigkeit entfaltet sich das Leben Der Internationale sozialistische Kongreß zu Stutt- bezeugt der wachsende Umfang und die erbitterte Zähig die proletarischen Maffen von der verlogenen patriotischen gart ist der zwölfte, zu dem sich das kämpfende Welt- feit der Schlachten, in denen die organisierten Arbeiter Ideologie der herrschenden Schichten losgelöst haben und proletariat zusammenfindet, die Kongreffe der alten und die organisierten Unternehmer auf wirtschaftlichem ihre Aufgabe nicht unter allen Umständen in der VerInternationale eingerechnet. Obgleich die deutsche Sozial- Gebiete miteinander ringen, Schlachten, die öfter und teidigung des bürgerlichen Nationalstaats erblicken- des demokratie jederzeit an hervorragender Stelle des inter- öfter zu Kämpfen der Klassen werden, in denen es über Vaterlandes der Besitzenden, vielmehr in der enernationalen Kampfesheeres gestanden ist und für die das aufgepflanzte Ziel hinaus um die Existenz der Argischen Vertretung ihrer Klasseninteressen gegen die BeTheorie wie die Praxis unvergängliche geschichtliche beiterorganisationen und die unbeschränkte Macht des figenden. Ruhmestaten aufweisen kann, ist es das erstemal, daß„ Herrseins im Hause" des Unternehmertums geht. Das Die verschiedenen bevorstehenden internationalen Ge sie die stolze Pflicht erfüllt, einem internationalen Kon- verkünden ebenso unzweideutig die hervorstechendsten werkschaftskongresse behandeln fast ausschließlich den greß die Stätte zu bereiten. Das ist nicht bloß der Vorgänge des politischen Lebens: der Zusammenschluß Ausbau und die Feftigung internationaler Beziehungen Rückständigkeit des deutsch- preußischen halbfeudalen Poli- der bürgerlichen Parteien zu Schutz und Truz wider den zwischen dem organisierten, wirtschaftlich kämpfenden zeiftaats geschuldet, welcher neben der Stärke des Junter Umsturz", mit der so äußerst bezeichnenden Konzentratums die Furcht der Bourgeoisie vor dem Proletariat und ihren daraus geborenen Verrat der Freiheiten eines modernen Landes widerspiegelt. Es ist gleichzeitig eine ehrenvolle Quittung darüber, mit welcher Schärfe und Wucht die deutsche Sozialdemokratie trotz alledem den Rampf gegen die herrschenden Gewalten führt. Sie ver zichtete darauf, diesen besseres Wetter und milderen Wind abzuschmeicheln, tämpfend hat sie jeden Zoll Spiel Was die Geschichte das fämpfende Proletariat felt caum für ihre Lebensbetätigung errungen. So hat es länger Amsterdam gelehrt hat, das kann nicht spurlos au den der Leben und Odem der Gewerkschaften sein muß, wenn tion der bürgerlichen Demokratie nach rechts; die Mägde dienste, welche die Justiz, die Schergendienste, welche das Heer in den bürgerlichen Republiken gegen die kämpfenden Habenichtse leisten muß, die abenteuerliche, blut triefende tapitalistische Kolonialpolitit, welche Welthänder in ihrem Schoß trägt, von anderen bedeutsamen Zeichen der Zeit zu schweigen. Proletariat. Was internationale Tagungen bis jetzt in dieser Hinsicht geleistet haben, hat zum Teil wesentlich fördernd auf die nationale Entwicklung der Gewerkschaften zurückgewirkt. Die Einsicht bricht sich auch in Ländern mit schwacher Gewerkschaftsbewegung mehr und mehr Bahn, daß der Aufbau der nötigen internationalen Organisation die Festigung, Ausdehnung und Einheits lichkeit der nationalen Gewerkschaften zur Vorausfegung hat. Nicht minder ist der flaffenbewußte Geist erftartt, 140 Die Gleichheit Nr. 17 sie ihre Aufgabe im Kampfe zwischen Arbeit und Kapital erfüllen wollen. Sowohl was den organisatorischen Ausbau der gewerkschaftlichen Internationale anbelangt, wie ihre Durchsäuerung mit der geschichtlichen Auflassung, welche ihr der wissenschaftliche Sozialismus als wert- vollstes geistiges Rüstzeug geschaffen hat: dürfen die deutschen Gewerkschaften das hervorragendste Verdienst an ihrer günstigen Entwicklung beanspruchen. Es ist ihre_ theoretische Schulung, es ist der Ideengehalt des Sozialismus, der sie zu ihren Leistungen befähigt hat. Diese Schulung trug sie über ein enges zünftiges Nichts- als-Gewerkichaftlertum hinweg, hieß sie sich'entschieden auf den Boden des Klassenkampfes stellen und in engster innerer Fühlung mit der Sozialdemokratie in Reih und Glied der revolutionären Arbeiterbewegung marschieren. Wie nüchtern praktisch und„realpolitisch" die Arbeiten der internationalen Gewerkschaftskongresse auch scheinen mögen: sie werden der oben skizzierten Lage entsprechend wahrlich nicht im Zeichen des gewerkschaftlichen Ab- rüstens zum„sozialen Frieden" mit der Kapitalistenklaffe stehen, sondern in dem des Aufrüstens. Die Internationale sozialistische Frauenkonferenz beansprucht neben den anderen internationalen Vera- tungen nur ein bescheidenes Plätzchen. Sie ist ein erster tastender Versuch, zwischen den organisierten Soziali- stinnen der verschiedenen Länder eine regelmäßige Fühlung zu schaffen. Das aber zu dem Zwecke, in Hauptfragen eine einheitliche grundsätzliche Haltung der sozialistischen Frauenbewegung herbeizuftihren, sie immer fester mit der allgemeinen sozialistischen Bewegung zu verbinden und dadurch die Kraft und den Erfolg ihres Wirkens und Kämpfens zu erhöhen. Der Versuch ist schwierig. In den einzelnen Ländern steht die sozialistische Frauen- bewegung auf den verschiedensten Stufen innerer und äußerer Entwicklung, hier von grundsätzlicher Klarheit getragen, einheitlich und— die ausschlaggebenden Verhältnisse berücksichtigt— gut organisiert, dort dagegen zersplittert, kaum zusammengefaßt und noch nicht ganz frei von bürgerlich-ftauenrechtlerischen Gedankengängen. Aber die Genossinnen, die als Vertreterinnen sozialistischer Frauen- und Arbeiterinnenorganisationen berufen sind, an dem ersten schwierigen Versuch mitzuarbeiten, bringen den ernsten Willen mit, das internationale Werk grund- sätzlichcr Klärung und Verständigung zu fördern. Die deutschen Genossinnen heißen sie herzlich willkommen. Sie wissen, daß die Konferenz in die Strategie, in die Methoden der sozialistischen Frauenbewegung der ver- schiedenen Länder nicht schulmeisternd eingreifen darf. Sie sind sich aber auch klar darüber, daß ihre Aufgabe sein muß, was je und je das Werk der allgemeinen in- ternationalen sozialistischen Kongresse gewesen ist: be- stimmte grundsätzliche Richtlinien für die praktische Arbeit zu ziehen. Und auch für die sozialistische Frauenbewegung aller Länder zeigen diese Richtlinien nicht nach rechts, nicht auf Verständigung und Harmonie mit der bürger- lichen Welt, vielmehr nach links, zu immer völligerer Loslösung von ihr, zu schärfstem Kämpfe gegen sie. Aus den Stuttgarter sozialistischen Tagungen in ihrer Gesamtheit wird der starke, schöpferische Odem der lang- sam aber sicher nahenden Revolution wehen, welche, auch wenn sie Zuchthauskleider trägt oder die Spindel ruhiger Alltagsarbeit schwirren läßt, der kapitalistischen Ordnung zuruft:„Ich war, ich bin, ich werde sein!" Von der Keimarbeit. ii. Ein weiterer, für die Regelung der Heimarbeit wichtiger Umstand ist die Ungleichmäßigkeit des Betriebs. Ober- regierungsrat I)r. Bittmann sagt hierüber in seinein Bericht: In einer Anzahl von Hausindustrien erstreckt sich die Be- schäftigung nicht über das ganze Jahr. Manche Saison- industriell nehmen ihrer Natur»ach überhaupt nur einen Teil des Jahres, einige Wochen oder Monate, in Anspruch; bei anderen drängt sich die Arbeit in gewissen Monaten zu- sammen und flaut in der übrigen Zeit ab. Wieder andere können Heimarbeit nur unregelmäßig in Anspruch nehmen. Völlig unregelmäßig und zumeist ganz unterbrochen wird die Heimarbeit vieler Hausindustrien durch landwirtschaft- liche Tätigkeit. Sieht man die Belege durch, so findet man, daß meistens die Ungleichmäßigkeit des Betriebs durch die große Zahl der Heimarbeiter, die namentlich im Winter zur Verfügung stehen, ganz bedeutend gesteigert wird. Die Betriebsleiter wissen, daß ihnen genug„Hände" erreichbar sind, wenn die Nachfrage nach der hergestellten Ware stärker wird. Des- halb geben sie sich kein« Mühe, die Arbeit gleichmäßiger auf das ganze Jahr zu verteilen. Häufig wird die Ansicht ausgesprochen, daß die Be- fchränkung der Arbeiterschutzgesetze auf die Fabriken bei der Industrie das Bestreben hervorgerufen habe, Heimarbeit in erhöhtem Maße in Anspruch zu nehmen. In den Industrien Badens haben sich nach den Beobachtungen des Dr. Bittmann derartige Wirkungen nirgends geltend gemacht. Herr Dr. Bittmann versichert, daß dort, wo ein hausindustrieller Zweig die Tendenz der Ausbreitung zeigt, die treibenden Kräfte stets andere find. Insbesondere stehe das Anschwellen der Zigarrenhausindustrie etwa mit einem Wunsche der Fabrikanten, sich den Anforderungen der Arbeiterschutzgesetz- gebung zu entziehen, nicht im leisesten Zusammenhang. Die Entvölkerung der Zigarrenfabriken werde von den Fabri- kanten aufs tiefste bedauert. Die Hausindustrie vermöge ihnen die geregelte Fabrikarbeit in keiner Weise zu ersetzen. Ein Verbot oder eine starke Erschwerung der Zigarren- Hausindustrie würde den badischen Fabrikanten durchaus er- wünscht sein. An Gründen, die gegen die Heimarbeit sprechen, wurden insbesondere die folgenden geltend gemacht: In den Woh- nungen der ländlichen Arbeiter fehle es an der nötigen Reinlichkeit. Die Kontrolle über ordnungsmäßige Arbeit sei schwer oder unmöglich. Das Fabrikat werde mangelhaft und minderwertig. Die geringeren Unkosten, namentlich auch die billigeren Löhne der Hausindustrie drückten auf hie Konkurrenzfähigkeit der Unternehmungen, die in Fabriken arbeiten und daher mit sozialen Forderungen aller Art be- lastet seien. Viele Fabrikanten, berichtet Dr. Bittmann weiter, be- finden sich trotz ihrer Abneigung gegen die Hausindustrie m der Zwangslage, sie in Anspruch nehmen zu müssen, da bei den Arbeitern die Tendenz überhand nimmt, die Fabrik- arbeit gegen Heimarbeit zu vertauschen. Sie glauben da- durch größere Bewegungsfreiheit zu gewinnen und insbe- sondere mit Arbeitszeit und Arbeitsleistung den Verdienst zu erhöhen.(Wie falsch diese Hoffnung freilich ist, muß hier eingeschaltet werden, zeigt am deutlichsten das Elend, das in der Hausindustrie herrscht.) An manchen Orten hat sich die Gepflogenheit ausgebildet, daß der Fabrikarbeiter Tabak zum Entrippen nach Hause mitbringt. Dem Unternehmer, welcher einen dahingehenden Wunsch— oft wird die Mit- gäbe von Heimarbeit beim Eintritt in die Arbeit zur Be- dingung gemacht— nicht nachkommt, würde es bald an Arbeitern fehlen. Namentlich um dem Eindringen der Haus- industrie von Norddcutschland her die Spitze zu bieten, müssen sich die Fabrikanten ihre Arbeiter und deren An- hang häufig durch Gewährung von Heimarbeit erhalten. „Die Hausindustrie in der Zigarrenfabrikation sollte nicht gestattet sein. In den Fabriten haben die gesetzlichen Vorschriften viel Gutes geschaffen; in der Hausindustrie aber finden sich die früheren Zustände in der denkbar schlimmsten Form wieder." So sprach sich ein Fabrikant in Bruchsal zu den Gewerbeaufsichtsbeamten aus. Andere Fabrikanten haben ähnliche Erklärungen abgegeben. Aus diesen Taffachen ergibt sich die Forderung, daß die Heimarbeit in der Zigarrenindustrie verboten wird. Auch Dr. Bittmann hat hiergegen nur das eine Bedenken, daß das Verbot nicht erreicht werden könne. Er schreibt:„Restlos könnte das Problem durch das radikale Verbot der Heim- arbeit gelöst werden. Ein solches Verbot, von mancher Seite innig herbeigewünscht, ist nicht zu erwarten." Daher müßten hier die Organisationen der Arbeiter und Unter- nehmer einsetzen, um allmählich bessere Zustände zu schaffen. — Selbstverständlich ist die Erstarkung speziell der Gewcrk- schaft der beteiligten Arbeiter die unerläßliche Voraussetzung für jede Verbeiserung hier wie auf dem gesamten Gebiete des Arbeiterschutzes. Jedoch muß auch das Verbot der Zigarrenhausarbeit durch die Gesetzgebung von der erstarken- den Organisation immer nachdrücklicher gefordert werden. Unterstützen die Fabrikanten diese Bestrebungen, um so besser. Dann brauchen wir uns mit ihnen nicht weiter darum zu streiten, ob sie wirklich ganz so unschuldig an der Ausdeh- nung der Hausarbeit sind, wie sie jetzt behaupten. Ferner muß die„Feierabendarbeit" im Auge behalten werden, jene Arbeit, die der Arbeiter, nachdem er ein ganzes Tagwerk in der Fabrik verrichtet hat, noch zu Hause leistet, sei es, um seinen eigenen Verdienst zu vermehren, sei es, um einem hausindustriell tätigen Familienangehörigen be- hilflich zu sein. In der Uhrenindustrie ist die Feierabend- arbeit ziemlich stark verbreitet. In Lahr werden die stuhl- flechtenden Frauen, die bis in die späte Nacht tätig sind, von ihren Männern bei der Arbeit unterstützt. In Hausach ist es üblich, daß die in der Fabrik beschäftigten Mädchen Hüte zum Garnieren nach Hause mitnehmen. Auch in der Bürstenindustrie ist die Feierabendarbeit stark verbreitet. In der Zigarrenindustrie ist Feierabendarbeit ebenfalls nicht selten. Aus einem Orte im Unterland wurde berichtet, daß nach Fabrikschluß bei einzelnen Heimarbeitern die ganze Freundschaft zusammenkommt, um bis in die tiefe Nacht beim Zigarrenmachen zu helfen. Auch mit dieser unverständigen Verwüstung der Arbeitskraft wird erst durch das Verbot der Heimarbeit gründlich aufgeräumt werden.— Daß es falsch ist, wenn die Gesetzgebung auf die Bedenken der beteiligten Unternehmer gegen die Durchführbarkeit einer geplanten Schutzmaßregel einen gar zu großen Wen legt, hat sich in der Kartonnageindustne zu Lahr gezeigt. Die Fabrikanten glaubten, Kinderarbeit in der Heimarbeit un- bedingt nötig zu haben. Die inzwischen eingetretene starke Verringerung der hausindustriellon Kinderbeschäftigung zeigt, daß dies ein Irrtum war. Um so mehr fällt es auf, daß der Berichterstatter für ein anderes Unternehmen, für die Fabrik von Porzellanknöpfen in Freiburg, die Heimarbeit als unerlaß- lich anerkennt. Bei ihr soll die Aufrechterhaltung des ganzen Fabrikbetriebes in engstem Zusammenhang mit dem haus- industriellen Aufnähen der Knöpfe auf Karton stehen. Die Fabrik ist mit etwa neun Zehntel ihrer Produktion auf den Export angewiesen. In Frankreich, Böhmen«nd Italien werden die Knöpfe schon jetzt billiger angenäht als in Deutsch- land. Daher würde eine weitere Verteuerung dieser Arbeit den Wettbewerb der Fabrik im Ausland unmöglich machen. Der Fehler in dieser Beweisführung liegt darin, daß an- genommen wird, die Fabrik müsse ihre Leistungsfähigkeit durch möglichst billige Arbeitskräste erhallen. Die'Ver- mutung liegt nahe, daß die billigen Arbeitskräste die Ein- führung von Maschinen zum Aufnähen der Knöpfe und dadurch eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Fabrik verhindert haben.. Wie wenig zuverlässig die Auskunst der Fabrikleitung in dieser Sache ist, ersehen wir aus den Mitteilungen derselben über den großen— Segen der Arbeit für die Arbeiterkinder. Die Direktion führte an, daß sich die Frauen und Kinder ihrer Arbeiter vielfach mit Aufnähen von Knüpfen und Aus- reihen von Perlen beschäftigen und dabei Nebeneinnahmen erzielen, die zwischen 8 und 12 Mk. pro Woche und Familie betragen können.„Es ist dabei," heißt es in dem Schreiben der Direktion weiter,„oft von durchaus zuverlässigen und aus das Wohl ihrer Kinder bedachten Leuten versichert worden, daß das Aufnähen und Aufreihen sich bei den Kindern... auch dadurch als vorteilhaft erwiesen Hab«, daß sie in einer ihrer Leistungsfähigkeit durchaus angepaßten Weise beschäftigt werden können. Auch werde diese Be- schäftigung von den Kindern gern« unternommen und sie seien dadurch vor ungeeigneter Vergeudung ihrer freien Zeit, soweit sie nicht zum Spielen im Freien benutzt werden kann, bewahrt. Sodann wirke sie auch, da die Kinder daran ge- wöhnt würden, den Wert eines eigenen Verdienstes früh- zeitig schätzen zu lernen. Schädigungen irgend welcher Art durch die Beschäftigung... sind uns während der langen Jahrzehnte niemals zu Ohren gekommen." Vergleichen wir damit die Beobachtungen der Gewerbeauffichtsbeamten bei ihren Besuchen in den Wohnungen der Arbeiter: Der Illusion, daß frühzeitige Gewöhnung an Arbeit die Kinder zu besonders fleißigen Menschen heranbilde, gaben sich die Eltern zumeist nicht hin. Die Abneigung der Kinder gegen die Arbeit wurde allgemein zugegeben. Einzelne Mütter ge- standen ein, daß sie die Kinder durch Schläge zur Arbeit zwingen müssen. Die Kinder selbst zeigten in der Regel ein furchtsames Wesen. Mehrere klagten über die Schulaufgaben, die sie nur schwer bewälttgen könnten. Blasse Kinder mit ernsten und von Entbehrungen sprechenden Gesichtszügen wurden besonders in kinderreichen Familien angetroffen.— Das klingt ganz anders als das Loblied der Direktion. Je mehr wir uns mit den Einzelheiten der Heimarbeit beschäftigen, desto klarer wird es uns, daß ein« allmähliche Beseittgung der Hausindustrie die einzige wirksame Maß- nähme ist, die überdies bei sachgemäßem Vorgehen sehr leicht zum Glücke für viele Arbeiterfamilien und zum Segen der Gesamtheit durchgeführt werden kann. Hier gilt das Wort: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Hanau. Gustav Hoch. Eine sozialistische Enquete über die sofortige Einführung des Frauenwahlrechts.* Eduard Bernstein: tTchluß.» Meiner Ansicht nach ist die Frage des Frauenstimmrechts für den Sozialismus und die Arbeiterklasse nicht eine solche erster Wichtigkeit. Sie ist mehr eine Forderung der Gerechtig- feit als des praktischen Interesses für die allgemeine Emanzi- pationsbewegung. Die große Masse der Frauen, und sogar der Frauen der Arbeiterklaffe, steht ihr sehr gleichgültig gegenüber. Und das unter anderem aus dem Grunde, daß die Frau als Arbeiterin sich in der großen Mehrzahl der Fälle in der gleichen Lage befindet wie der Geselle des Mittelalters. Ihre Stellung als Lohnarbeilerin ist nur eine vorübergehende Etappe ihres sozialen Lebens, im Gegensatz zu dem männlichen Arbeiter, für den die Stellung als Lohn- arbeiter die soziale Endstufe seines Lebens bleibt. Daher auch die überall empfundene große Schwierigkeit, die Arbeiterinnen dauernd in Gewerkschaften für die Wirtschaft- lichen Kämpfe zusammenzuhalten, überall sind die Arbeite- rinnengewerkschaften gering an Zahl und sehr schwach. Soweit ich in betreff der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen unterrichtet bin, sind die meisten von ihnen nur dank dem Zureden und manchmal sogar dank dem Zwange seitens ihrer männlichen Kollegen organisiert. Daraus schließe ich, daß die Frage des Frauenfttmm- rechts nicht eine Vorzugsstellung in der Reihe der Forde- rungen einnimmt, welche die Arbeiterstasse stellt. Ich würde daher nicht zögern, sie dringenderen Bedürfnissen der Bewegung unterzuordnen und sogar gegen den Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts zu stimmen, wenn ich überzeugt wäre, daß die Einführung jene Bedürfnisse ernstlich schädigen könnte. Jedoch bin ich nicht der Meinung, daß dies in den fort- geschritteneren Ländern und besonders in Frankreich heute der Fall sein kann. Unzuträglichkeiten mag es hier und da als Folge der Einführung des Frauenstimmrechts geben. Abgeordnetenmandate können für einige Parlamentsperioden hier und da verloren gehen, allein man darf eine Forde- rung der Gerechtigkeit nicht bloßen Unzuträglichkeiten auf- opfern. Und außerdem bleiben große Entschädigungen dafür nicht aus. Die erste davon ist, daß das Frauenstimmrecht gerade die Frauen und besonders auch die Frauen der Ar- beiterklasse politisch erziehen wird, und auf die Dauer muß das die sozialistische Agitatton sehr wirksam unterstützen. Die Klerikalen geben sich einem für sie selbst Verhängnis- vollen Irrtum hin, wenn sie wähnen, daß das Frauenwahl- recht ihre Geschäfte besorgen werde. Vorübergehend mag es ihnen einige Mandate verschaffen, obgleich mir sogar das sehr fraglich erscheint. Doch angenommen, dem wäre so, was würde daraus folgen? Der entsprechende Wahlausfall würde das monarchistische und klerikale Frankreich nicht * AuS der Broschüre„Zur Frage deS Frauenwahlrechts". Von Klara Zetkin. Berlin, BertagSanftalt Vorwärts. Nr. 17 Die Gleichheit 141 wieder aufrichten, er würde höchstens der Republik einige zu, nicht bloß absolut, sondern auch relativ; der Charakter den Wählern und im Parlament ebenso gutwillig abdanten Schwierigkeiten bereiten. Die Einführung des Frauenwahl der Boltsschichten, aus denen es sich rekrutiert, wechselt aber, wird, wie heute in einem parlamentarischen Lande ein liberechts würde aber auf der anderen Seite die demokratischen namentlich mit der Ausdehnung der Verkehrsmittel, so daß rales Ministerium vor einer konservativen Majorität, ein Einrichtungen um ein sehr wertvolles Recht vermehren, es neben seinem klaffenbewußten Teil immer noch schwankende konservatives Ministerium vor einer liberalen Majorität? welches den Geist der Unabhängigkeit bei denjenigen ent- und sehr verschieden geartete Elemente enthält. Müssen wir nicht darauf gefaßt sein, daß die bürgerliche wickeln und fördern würde, welche heute noch der Mehrzahl nach am Gängelband geführt werden oder ohne Interesse für das öffentliche Leben sind. Damit kommen wir zu dem zweiten Vorteil, welchen das Frauenwahlrecht bringt. Welch geistige Bewegung wird es nicht in der heute so trägen Frauenmasse auslösen! Wie viel Sehnsucht nach Befreiung wird es nicht erwecken; wie zahlreichen, bis dahin heimlich genährten Wünschen wird es nicht die Möglichkeit geben, sich zu Forderungen zu verdichten, wie vielen Verwaltungs- und Organisationstalenten wird es Gelegenheit zur Betätigung geben! Ich muß gestehen, daß ich noch freudiger den Tag begrüße, an welchem die Frau in die gesetzgebenden und verwaltenden Körperschaften einzieht, als den anderen, wo sie das Recht zu wählen erhält. Der Frau eignet sehr viel Sinn für die Realitäten des Lebens. Sie erfaßt sehr rasch den Untergrund der Fragen, die man ihr vorlegt. Sie ist arbeitsam und unermüdlich, und überall, wo sie bisher in Verwaltungskörperschaften eingetreten ist, hat ihre Tätigkeit diefen zum Vorteil gereicht. Aus allen diesen Gründen bin ich der Ansicht, daß die Sozialisten nur für das Frauenwahlrecht stimmen können, wenn die Klerikalen seine Einführung beantragen. Die Gefahren seiner Einführung sind eingebildet oder vorübergehend, die Vorteile dagegen wirklich und dauernd. Die Klerifalen werden die gleiche Erfahrung machen, die Bismarc mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts gemacht hat, und sie geben außerdem gleichzeitig das Dogma ihrer eigenen Religion über die Stellung des weiblichen Geschlechtes preis. Das unterdrückte Weib ist die Anhängerin der Geistlichkeit, das befreite Weib wird Sozialistin sein. Karl Rautsty: So sind es nicht immer dieselben Schichten, auf die sich Regierung unter Zustimmung aller bürgerlichen Parteien jede der verschiedenen bürgerlichen Parteien stützt. Daher wird schon lange vorher durch einen Staatsstreich versuchen wird, die Stellung dieser Parteien zum Stimmrecht um so unbe- das Proletariat für immer zur Machtlosigkeit zu verstimmter und schwankender, je mehr ihre Politik zur bloßen urteilen? Augenblicks- und Machtpolitik herabfinkt. Auch in dieser Man muß blind sein für den fundamentalen Gegensatz Frage sind für die bürgerlichen Parteien alle die Prinzipien, zwischen Proletariat und Bourgeoisie, wenn man annimmt, die sie pomphaft verkünden, nur dazu da, um im gegebenen jenes hätte Aussicht, durch die bloße Macht des StimmMoment aus„ höheren, staatsmännischen" Rücksichten verzettels die politische Macht zu erobern. Wie dieser Prozeß raten zu werden. Die Liberalen Deutschlands zum Beispiel der Eroberung sich abspielen wird, wissen wir nicht, er wird bieten eine höchst bunte Musterkarte der verschiedensten Arten in den verschiedenen Staaten wohl sehr verschiedene Formen von Wahlrechtspolitik, die sie gleichzeitig in den verschiedenen annehmen und braucht keineswegs gewalttätiger, blutiger Vaterländern des Reiches betreiben. Von der, freilich höchst Natur zu sein. Wird das bürgerliche Regime von seinen platonischen Verehrung des allgemeinen, gleichen, direkten Stüßen im Stiche gelassen, dann bricht es von selbst in sich und geheimen Wahlrechts bis zu den brutalsten Wahlrechts- zusammen, dankt es vielleicht freiwillig ab. Dem Parlamenverschlechterungen, die sich mit den Jdealen des unverschäm- tarismus, dem Stimmzettel kann dabei auch eine sehr wichtige testen Juntertums getrost messen können, sind alle Abstufungen Rolle zufallen, aber der ganze Prozeß kann nicht vor sich in dieser„ liberalen" Politik vertreten. Alle bürgerlichen gehen ohne gewaltige Verschiebungen der Kraftverhältnisse Parteien haben im Grunde nur ein Wahlrechtsprinzip, das außerhalb des Parlamentes. sie alle beherrscht: Sie sind für jenes Wahlrecht, das ihnen die meisten Mandate verspricht und ihre Gegner am meisten benachteiligt. Auf diese gleiche bürgerliche Auffassung läuft aber die Anfrage hinaus, die an mich gerichtet wurde, ob wir für das Frauenstimmrecht auch dort sein dürften, wo es den Konservativen die Mehrheit verschafft. Und doch hat die Politik des Proletariats nicht bloß in den Zielen, sondern auch in den Mitteln einen ganz anderen Charakter zu tragen als die Politik der Bourgeoisie. Der Parlamentarismus und das Stimmrecht haben also für das Proletariat nicht jene entscheidende Bedeutung zur Gewinnung der politischen Macht wie für die Bourgeoisie. Der übergang dieser Macht von der Bourgeoisie auf das Proletariat ist eben ein ganz anderer, viel einschneidenderer, gewaltigerer Aft, als der Übergang der Macht von einer Fraktion der Bourgeoisie auf eine andere. Steht für die bürgerlichen Parteien der Parlamentarismus in erster Linie als Mittel, die politische Macht zu erlangen, so tritt dieser Gesichtspunkt für die proletarische Bewertung des Parlamen tarismus in zweite Linie. Man kann über das Tempo der sozialen Entwicklung sehr verschieden denken, die soziale Revolution für nahe oder fern Der Parlamentarismus und das allgemeine Stimmrecht halten: auf jeden Fall sind die historischen Aufgaben, deren kommen für das Proletariat zunächst nicht in Betracht als Lösung dem Proletariat zufällt, so gewaltig, daß sie mit das Mittel, die politische Macht zu erobern, sondern vor Man sollte annehmen, die Antwort auf die gestellte Frage den Mitteln der Gegenwartspolitik nicht gelöst werden, daß allem als Mittel, Arbeiterklasse, Staat und Gesellschaft für fönnte nicht zweifelhaft sein, wenn man nicht wüßte, daß ein gewaltiger Umschwung eintreten muß, bevor diese diese Eroberung vorzubereiten und tauglich zu machen. Es in verschiedenen Ländern manche Parteigenossen ein leises Mittel vorhanden sind. Mit Bestimmtheit vermag niemand gilt, das Proletariat von der Gefolgschaft der bürgerlichen Gruseln vor dem Frauenstimmrecht anwandelt. Sie waren den Zeitpunkt dieses Umschwunges vorauszusehen. Sicher Parteien loszulösen, es zu einer selbständigen Klassenpartei begeistert dafür, solange keine Aussicht auf seine Durch- aber ist unsere ganze Gegenwartspolitik nur eine Vorbereitung zu organisieren, es mit Klarheit über das Wesen der bürgerführung bestand. Aber ihre Bedenken dagegen wuchsen in dieser Zukunft. Die Kleinarbeit", die praktische" Politik lichen Gesellschaft, ihre Entwicklung und seine daraus foldemselben Grade, worin diese Forderung der Möglichkeit ist von der höchsten Bedeutung, denn erst sie macht jene 3u- genden historischen Aufgaben zu erfüllen, ihm Mut und ihrer Verwirklichung näher rückte. Sie fürchten, die Reaktion funft möglich, in der die arbeitenden Klaffen Staat und Ge- Selbstvertrauen zu geben, alle Konzessionen der bürgerlichen dadurch zu stärken. Die Frau sei konservativer, vom Pfaffen sellschaft beherrschen und die Klassenunterschiede aufheben; Gesellschaft im Interesse des Proletariats zu entreißen, die abhängiger als der Mann, die Zahl der antisozialistischen aber gerade weil sie die Vorbereitung, die Grundlage dieser ihr zu entreißen sind, und zugleich der Masse der Bevölkeund antiliberalen Stimmen würde bei den Wahlen wachsen Zukunft ist, muß sie mit dieser, mit unseren letzten Bielen rung die Zuversicht beizubringen, daß der fämpfende und und manches Mandat für die Linke verloren gehen. An in vollstem Ginklang stehen; es darf kein Augenblickserfolg aufgeklärte Teil des Proletariats allen Aufgaben gewachsen Stelle einer liberalen Regierung in Holland und Frankreich angestrebt werden, der imstande wäre, den Gang der ist, die ihm in der Politik erstehen. bekämen wir vielleicht eine reaktionäre; der Klerifalismus weiteren Entwicklung zu hemmen oder vom Ziele ab= in Belgien erhielte einen neuen starken Halt. zulenten. Hätten unsere Genossen ebenso gedacht, als es sich um das allgemeine Wahlrecht für die Männer handelte, sie hätten sich seiner Einführung ebenso widersetzen müssen, wie es die Liberalen taten. War es nicht der dritte Napoleon, der zur Befestigung der eigenen Herrschaft dem französischen Volte das allgemeine Stimmrecht gab, das es seitdem befizt? Hatte nicht Bismarck dem Deutschen Reiche das allgemeine Wahlrecht aus den gleichen Gründen verliehen, aus denen jetzt die konservativen Politiker in Frankreich das Frauenstimmrecht fordern? Dadurch erhält die Politik des tlassenbewußten Proletariats einen prinzipiellen Charakter, den die Politif der Bourgeoisie schon längst verloren hat. Für die bürgerlichen Parteien sind ihre schönen Prinzipien nichts als hohle Prunkstücke geworden, ausgestellt, um das naive Publikum anzulocken; sie haben keinen inneren Wert, und man wirst sie als Plunder weg, wenn sie unbequem werden. Für das Proletariat dagegen ist die Leitung durch wissenschaftlich sicher begründete hohe Ziele, denen es unverrückt zustrebt, eine praktische Notwendigkeit seines Kampfes. Ohne diesen Es ist der Gesichtspunkt der bürgerlichen, nicht der prole- starren Dogmatismus", diese Orthodoxie" verliert es sich tarischen Politit, auf dem man die Stellung zum Frauen in Einzelheiten, in Umwegen und Irrwegen, und wird es stimmrecht von der Erwägung abhängig macht, für welche eine Beute bürgerlicher Reformschwindler, die es plündern Parteien die Frauen wohl stimmen werden. und ärmer am Wege zurücklassen, als es vordem gewesen " Alles das kann nicht in möglichst vollkommener und umfassender Weise geschehen ohne das allgemeine Wahlrecht und nicht minder wichtig ist das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. Auch dies kommt zunächst nicht als Mittel in Betracht, die politische Macht zu erobern, sondern als Mittel für die kämpfenden Proletarier, sich zu zählen, ihre Macht und deren rasches Anwachsen zu erkennen und der gesamten Bevölkerung klar vor Augen zu bringen. Als Mittel, die Kraft und Begeisterung der proletarischen Massen durch die Wahlsiege anschwellen zu lassen und die Gegner unter Umständen zu Konzessionen zu drängen, die nach deren Meinung der Sozialdemokratie den Wind aus den Segeln nehmen sollen, aber nur in anderer Weise dazu beitragen, Kraft und Selbstbewußtsein des Proletariats zu steigern. Alle diese Wirkungen des allgemeinen Wahlrechts und der Teilnahme der sozialistischen Parteien am ParlamenSeitdem die Bourgeoisie zur herrschenden Klasse geworden war. tarismus find den bürgerlichen Parteien gründlich verhaßt. ist, im wesentlichen alles erlangt hat, was sie braucht, ist Der Verrat der eigenen Prinzipien, der für die bürger- Um so mehr lassen diese Wirkungen das allgemeine, gleiche, ihre Politik nur noch Augenblickspolitik, Gegenwartspolitif. lichen Parteien ein Lebenselement geworden ist, wird für geheime und direkte Wahlrecht unter allen Umständen als Es ist für sie zwecklos geworden, eine ferne Zukunft vorzu- eine proletarische Partei ein Element der Schwäche, wenn eine unbedingte Notwendigkeit für das Proletariat erscheinen. bereiten und danach ihre Politik in der Gegenwart einzu- auch furzsichtige Politiker" damit unter Umständen einen über die Rolle des Stimmzettels und des Parlaments bei richten. Was sie nicht sofort erreicht, das gilt ihr für ver- momentanen Erfolg erzielen mögen. der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat loren. Die Politit aller bürgerlichen Parteien ist daher Die Notwendigkeit einer prinzipiellen Politik für unsere fann man sehr verschiedener Meinung sein; verschiedene insofern dieselbe, als jede von ihnen vor allem danach Partei gilt auch von Fragen des Stimmrechts. Dieses hat Situationen fönnen da die verschiedensten Wege dieser Ertrachtet, augenblicklich die politische Macht zu gewinnen. für das Proletariat eine ganz andere Bedeutung als für die oberung eröffnen. Andererseits ist die Wirkung des allWohl unterscheiden sich die verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie. Für die letztere ist es ein Mittel, die unteren gemeinen Stimmrechts auf die politischen Machtverhältnisse Bourgeoisie voneinander nicht bloß durch die Aufgaben, die Volksklassen politisch auszubeuten, sie sich dienstbar zu machen, in den gegenwärtigen Staaten unter verschiedenen Besie durch die politische Macht lösen wollen: leben sie auch um mit ihrer Hilfe die Mehrheit im Parlament und die dingungen höchst verschieden. Es hat mindestens ebenso oft alle von der Ausbeutung des Proletariats, so sucht doch politische Macht zu erlangen. Wie groß auch die Differenzen fonservative und reaktionäre Parteien begünstigt, wie libejede von ihnen ihren Anteil daran auf Kosten der anderen unter den bürgerlichen Parteien sein mögen, teine tastet die rale. Was es aber unter allen Umständen fördert und ermöglichst auszudehnen. Sie unterscheiden sich auch nach Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft an. Jede ändert leichtert, das ist die politische Organisierung, Schulung, ihren Kräften und Machtmitteln in der Art und Weise, wie bloß in einigen Details, jede kann sicher sein, wenn sie heute Kräftigung und Anstachelung des Proletariats, die Gewin sie die politische Macht zu gewinnen und auszuüben ge- die Mehrheit im Parlament verliert und daher die Regierung nung sozialer Reformen, die Anerkennung der Macht und denken; die einen gewaltsamer, die anderen liftiger; die einen abgibt, daß damit die Grundlagen ihrer Ausbeutung nicht der politischen Reife, ja der geistigen überlegenheit der durch ihre rücksichtslose Alleinherrschaft, die anderen durch sozialistischen Parteien durch immer weitere Schichten der Allianzen und Kompromisse mit anderen Machtfaktoren, Bevölkerung. etwa mit der Kirche oder der Freimaurerei usw. Aber so gewaltig auch diese Differenzen werden mögen, die bürgerlichen Parteien streben alle nach der politischen Macht in der Gegenwart. bedroht sind, daß ihr die Möglichkeit offen steht, wieder zu erstarken und nochmals das Staatsruder in die Hand zu betommen. In England ist die Aufeinanderfolge konservativer und liberaler Ministerien förmlich eine politische Notwendig feit geworden. Das eine bereitet den Weg für das andere vor. Sie beugen sich daher ohne weiteres vor der Majorität der Wähler und der Gewählten. Und darum muß unsere Partei unter allen Umständen und Situationen, wie immer sich die politischen Machtverhältnisse dadurch gestalten mögen, auf das entschiedenste für das allgemeine und gleiche Wahlrecht als ein Lebenselement Sie alle sehen aber auch im Parlamentarismus, und der Arbeiterklasse eintreten, es verteidigend, wo es gefährdet, daher auch in besonderen Formen des Stimmrechtes das Anders dagegen liegen die Verhältnisse für die Sozial- für seine Gewährung fämpfend, wo es versagt ist. Mittel, zu dieser Macht zu gelangen. In allen bürgerlichen demokratie. Das Proletariat kann nicht zur Herrschaft Wenn man von diesem Standpunkte aus das FrauenLändern ist eine geordnete Staatsverwaltung ohne ein tommen, ohne aller Klassenherrschaft ein Ende zu machen. stimmrecht betrachtet, kann unsere Antwort nicht schwer sein, Barlament unmöglich: so wird das Parlament zum Mittel Die Sozialdemokratie kann nicht die politische Macht er- namentlich, wenn man noch die Bedeutung erwägt, die die für die bürgerlichen Parteien, so viel Macht im Staate zu langen, ohne Zustände zu schaffen, die der Bourgeoisie Frau für den proletarischen Klassentampf gewinnt. gewinnen und auszuüben, als unter den gegebenen Verhält- natürlich der Klasse, nicht den Individuen für immer nissen für sie möglich ist. ein Ende machen, jede Wiederkehr der bürgerlichen Parteien Die Verhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft sind aber ausschließen. Das Schaufelspiel des Auf und Nieder dieser in beständigem und raschem Flusse begriffen. Einzelne sehr Parteien nimmt also ein gründliches Ende, sobald die Sozialentscheidende Schichten der Volksmassen, namentlich Klein- demokratie zur Macht gelangt, und damit hört auch der bürgertum und Bauernschaft, sind höchst zwieschlächtigen Parlamentarismus im bürgerlichen Sinne auf. Charakters und ändern leicht ihre Politik. Jedoch auch das Glaubt man, daß eine bürgerliche Regierung unter diesen Proletariat ist in stetem Wechsel beoriffen es nimmt rasch Umständen vor einer sozialdemokratischen Majorität unter Die entscheidende Waffe der Bourgeoisie im politischen Kampfe ist ihr Geld. Sie kauft die Presse, vielfach die Kandidaten, die Abgeordneten, oft auch die Wähler. Sie tann die Kraft ihrer Frauen im politischen Kampfe wohl entbehren. Anders das Proletariat. Der Arbeiter hat keine Stellvertreter und Mietlinge, die für ihn kämpfen, er muß mit seiner eigenen Person für seine Sache eintreten und er wird 142 Die Gleichheit Nr. 17 sie um so siegreicher verfechten, unter sonst gleichen Um-| Bezirksvorsteher zu ermöglichen. Eine Anzahl bürger- Interessen ihrer Mitglieder, die der Handelsangestellten überständen, je größer seine Klarheit, seine Energie, seine Be- licher Redner erklärte sich im Prinzip mit den sozial- haupt zu wahren. Zuerst war es der auf dem Boden der geisterung ist. Da wird es von der höchsten Wichtigkeit für demokratischen Anträgen einverstanden, trat aber aus prat- freien Gewerkschaften stehende Zentralverband der Handlungsden Ausgang des Kampfes, wie diesem die eine Hälfte des tischen Gründen" für die einschränkenden Bestimmungen gehilfen und-gehilfinnen Deutschlands, der die Angestellten Proletariats, die weibliche, gegenübersteht. Mag der Mann der Ausschußvorlage ein. Diese praktischen Gründe" sind des Grand Basars zu einer Versammlung einlud. Statt ein noch so überzeugter, flarer, energischer, begeisterter Ge- zum Teil recht eigener Art. Man dürfe so argumen- eines gemeinsamen Vorgehens gegen den gemeinsamen Gegnosse sein, er wird immer wieder gelähmt, ein gut Teil tierten die Herren die männlichen Pfleger nicht vor den ner kam es leider zu einem Streit zwischen den Organiseiner Kraft vergeudet werden oder doch ungenutzt bleiben, Kopf stoßen und von ihrer wertvollen weiteren Mitarbeit fationen der Handlungsgehilfen. Als der Verein der deutschen wenn er zu Hause den stillen oder offenen Widerstand der abschrecken, indem man ihnen weibliche Kollegen aufdränge. Kaufleute vom Vorgehen des Zentralverbandes der HandFrau zu überwinden hat. Ganz anders dort, wo die Frau Die Sache liege so, daß der geringste Widerspruch gegen die lungsgehilfen und-gehilfinnen erfuhr, veranstaltete er noch selbst überzeugte und eifrige Genossin ist. Nicht nur werden Heranziehung weiblicher Pfleger in einer Bezirksversamm für einen Tag früher eine Versammlung. Das gab den Anda die Kinder schon zu Sozialisten erzogen und wachsen sie lung dazu führen würde, daß auch die der weiblichen Mit laß zu dem Streite, der die Aktion gegen den Unternehmer ohne weiteres zu energischen Klassenkämpfern heran, der arbeit sympathisch gegenüberstehenden männlichen Pfleger lähmte. Er beherrschte schließlich die Interessenten mehr, als Mann selbst kann nun seine volle Kraft dem Befreiungs- aus Rücksicht auf ihre andersdenkenden Kollegen von der die Frage nach der Genugtuung für die angetane Schmach kampfe widmen, er wird von der Gattin noch angestachelt Heranziehung weiblicher Pfleger Abstand nehmen dürften und nach der Verhinderung gleicher oder ähnlicher Vorund gefördert werden. Und außerdem gewinnt unsere Sache selbst wenn eine Dreiviertelmehrheit für die weib gänge. Ging doch der Streit so weit, daß versucht wurde, in der Frau oft eine neue Kämpferin, die selbst auf das Schlachtliche Mitarbeit vorhanden wäre. Nach dieser Auf- eine vom Zentralverband veranstaltete Versammlung in feld eilt und unsere Schlachten schlagen hilft, mit einer Be- fassung sollte also die Berechtigung der Frauen zur der Börse zu sprengen, die von 700 bis 800 faufmännischen geisterung und einer Hingebung, die vielfach die Begeisterung Mitwirkung im Pflegeramt in Wahrheit nur auf Angestellten besucht war. Trotzdem ist die von der sozialund Hingebung der Männer übertrifft. dem Papier stehen und in der Praxis wenig oder demokratischen Presse eingeleitete Bewegung nicht ganz res gar nichts zu bedeuten haben. Denn nur dann, wenn ſultatlos für die Angestellten des Grand Basars verlaufen. in einem Bezirk Einstimmigkeit für die Heranziehung von Sie erreichte die Entlassung des Direktors Depierre und Frauen zum Pflegeramt vorhanden ist, besteht unter den seiner Helfershelferin, die von manchen Seiten als die Urangeführten Umständen die Aussicht, daß Frauen auf den heberin des Angriffs auf die Verkäuferinnen bezeichnet Wahlauffaz gelangen und dann zu Pflegern gewählt werden worden ist. Auch ein Personalausschuß wurde den Ankönnen. gestellten zugestanden. Die Mehrzahl scheint sich hiermit zufrieden gegeben zu haben. Die sozialistische Propaganda unter den Frauen des Proletariats wird daher von äußerster Wichtigkeit für den Fortgang des Klaffenkampfes. Nichts aber kann diese Propaganda mehr fördern, als die Gewährung des Stimmrechts an die Frauen. Wie soll die Masse der Frauen Interesse für die Politik bekommen, in die sie nichts dreinzureden haben? Wie soll die Masse der Männer Interesse an sozialistischer Propaganda unter den Frauen erhalten, wenn diese teine greifbaren politischen Erfolge verspricht? So bleiben nur zu leicht die Frauen der Kirche, dem Pfaffen überlassen, dessen Propaganda nie ruht, und der immer als Tröster und Vertreter des Erlösers bei ihnen erscheint. Gewiß droht die Gewährung des Frauenstimmrechts zunächst dem Pfaffentum einige Mandate zuzuschanzen. Aber gerade das beweist die Notwendigkeit einer energischen sozialistischen Propaganda unter den Frauen, die selbst wieder durch das Frauenstimmrecht am meisten erleichtert, am stärksten angestachelt wird. Es heilt nicht bloß die Wunden, die es selbst geschlagen, es entfesselt neue, riesige Kräfte im Körper des Proletariats. Mag das Frauenstimmrecht uns zunächst hier und da einen Wahlkreis fosten. Schließlich bedeutet es eine unendliche Verstärkung der proletarischen Armee und der Wucht ihres Angriffs. Die sozialdemokratischen Anträge wurden leider abgelehnt. Es bleibt also bei den Beschlüssen des Ausschusses: Dreiviertelmehrheit für den Wahlaufsatz von Frauen für das Pflegeramt, wenn nicht etwa der Senat auf seinem Schein besteht und den Frauen selbst dieses papierene Recht verweigert. Emil Fischer- Hamburg. Freie Arbeiterinnen oder Sklaven? Die„ Gleichheit" hat in ihrer letzten Nummer schon über einen Vorgang im Grand Basar in Frankfurt a. M. berichtet, der nicht nur ein paar Tage Stadtgespräch in Frankfurt zu sein verdiente, sondern der zu allen Arbeiterinnen eindringlich reden muß. Ist aber wirklich für die Angestellten der ganze Vorfall mit diesen Maßnahmen des Aufsichtsrats der Gesellschaft Grand Basar erledigt? Ich habe schon in der Versammlung des Zentralverbandes in der Börse betont, daß es nicht allein darauf ankomme, zu beraten, wie den Angestellten Genugtuung für die ihnen zugefügte Unbill zu verschaffen sei, denn das sei auch zum Teil Sache der Staatsanwaltschaft und des Gerichts, sondern noch mehr darauf, was zu geschehen habe, um der Wiederholung gleicher oder ähnlicher Vorgänge vorzubeugen. Eine Garantie hierfür bietet ein Personalausschuß nicht. Die tann nur eine starke gewerkschaftliche Organisation geben, deren Mitglieder von der Erkenntnis des Klassengegensatzes zwischen Prinzipal Solange das Frauenstimmrecht nicht besteht, da betrachten und Gehilfen durchdrungen sind. Eine solche Organisation viele Genossen noch die sozialistische Propaganda unter den Kurz die Tatsachen: Die Direktion des Grand Basars in ist für die Handlungsgehilfen und-gehilfinnen aber nur der Frauen als eine Art Sport oder Luxus, den sich die Partei Frankfurt a. M., an deren Spize ein früherer belgischer Bentralverband. Alle anderen Organisationen kaufmännischer gestatten darf, wo sie überfluß an Kräften hat, nicht als eine Oberst Depierre stand, ließ am 10. Juli, abends nach Ge- Angestellten stehen entweder auf dem Boden der angeblich Lebensbedingung, der um jeden Preis zu genügen ist. Man schäftsschluß, sämtliche Verkäuferinnen festhalten und zwang gemeinsamen Interessen von Prinzipal und Angestellten, lasse nur einmal das Frauenstimmrecht wirken, man führe sie, sich einer eingehenden Leibesvisitation durch einige Kon- oder sie schließen die weiblichen Angestellten von vornherein nur einmal die Möglichkeit herbei, daß ein proletarischer trolldamen zu unteriverfen. Die Untersuchung fand in der aus, wie zum Beispiel der Verein der Deutsch- Nationalen. Wahlkreis durch proletarische Frauenstimmen verloren gehen Loge des Portiers statt, der zusammen mit dem Geschäfts- Die Angestellten müssen schon erkennen, daß sie nur durch könne, und man wird sofort merken, wie die sozialistische leiter Depierre darauf achtete, daß keine Verkäuferin ohne Zusammenschluß gegenüber den Prinzipalen eine Macht Propaganda unter den Frauen als dringendste Notwendig erfolgte Untersuchung das Geschäftshaus verließ. Grund sein können, aber nie allein. In feinem anderen Berufe, feit empfunden wird, wie jeder Parteigenosse, und dächte er zu dieser Maßnahme soll der Verdacht des Diebstahls in dem der Gedanke der Organisation nur etwas besser Fuß über die politische Begabung der Frau wie der ärgste Philister, sein, der angeblich durch das Fehlen von Waren ent- gefaßt hat, als unter den Handelsangestellten, wäre es mögfich eifrig bemühen wird, unter seinen weiblichen Familien- stande. lich gewesen, daß ein Arbeitgeber überhaupt auf den Gegenossen Interesse und Verständnis für den Sozialismus danken gekommen wäre, 300 Frauen peinlichst genau unterwachzurufen. suchen zu lassen. Das war nur Handlungsgehilfinnen gegenüber möglich, die durch ihren Mangel an Zusammenhalt schutzlos den Herrschaftsgelüften des Unternehmertums preisgegeben waren. Wollen die Handlungsgehilfinnen in ihrer Ehre und in ihren Rechten geschützt sein, so kann ihnen kein Rezept gegeben werden, wie sie sich einzeln im Falle eines Angriffs erfolgreich zu verteidigen haben. Sie müssen vielmehr lernen, durch die Macht der Organisation ihre Stellung so zu verbessern, daß in keinem Prinzipal der Gedante an gleichartige unverschämte Zumutungen überhaupt entstehen kann. Den Weg hierzu haben die industriellen und gewerkschaftlichen Arbeiter und Arbeiterinnen den Handelsangestellten gezeigt: es ist der Zusammenschluß, die Organi sation, und zwar die Organisation, die sich eins fühlt mit der Gesamtarbeiterschaft. Die Handlungsgehilfinnen müssen fich klar darüber werden, daß sie ebenso Ausgebeutete sind wie alle anderen Arbeiter. Je mehr sie sich dieses ZuDaß das Bewußtsein der eigenen Würde in den Hand- sammenhangs und der dadurch bedingten Interessengemeinlungsgehilfinnen und Handlungsgehilfen nicht kräftig ent- schaft bewußt werden und dementsprechend handeln, um so In Nr. 11 der„ Gleichheit" vom 27. Mai d. J. wurden wickelt ist, zeigt schon der Umstand, daß ein solch unerhörter mehr können sie auch auf die Hilfe der organisierten Ardie Beschlüsse des bürgerschaftlichen Ausschusses, betreffend Angriff auf die Persönlichkeit von 300 Angestellten erfolgen beiterschaft rechnen, die für sie wirklich nicht bedeutungslos die Mitwirkung der Frauen bei der Armen- und Waisen konnte, ohne daß sofort zur wirksamsten Gegenwehr ge- ist. Das Frankfurter Gewerkschaftskartell, die Vertretung pflege in Hamburg, mitgeteilt. Der Senat wollte auch schritten wurde. Neben der Empörung über die Ünverschämt von 33 000 organisierten Arbeitern, nahm nach dem Abschluß fernerhin nur Helferinnen ohne Stimmberechtigung zulassen, heit des Vorgehens der Geschäftsleitung des Grand Basars der Affäre folgende Resolution an, mit der es seinen Willen die von den Armen- und Waisenpflegern zur Beihilfe heran- erfaßte wohl jeden ein Gefühl der Traurigkeit und des Be- fund tat, den kaufmännischen Angestellten jederzeit ein Helfer gezogen werden können. Der Ausschuß dagegen ging einen dauerns, daß 300 erwerbstätige Frauen und Mädchen nicht zu sein:" Die heutige Versammlung drückt ihre Genugtuung Schritt weiter und wollte die Frauen als stimmberechtigte zum äußersten Widerstand gegen die Leibesvisitation ge- darüber aus, daß die„ Volksstimme" durch ihr entschiedenes Armen- und Waisenpflegerinnen anerkennen, jedoch schritten find. Eintreten vor der ganzen bürgerlichen Presse die Vorkomm nisse im Grand Basar an die Öffentlichkeit gezogen und die Bewegung gegen dieselben in Fluß gebracht hat. Sie gibt ihren festen Willen kund, aufmerksam darüber zu wachen, daß der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse unter allen Umständen vorgebeugt wird. Sie fordert alle organisierten Arbeiter auf, für den Eintritt ihrer im Handelsgewerbe beschäftigten Söhne, Töchter und Frauen in den ZentralverAuch wenn man den Fall annimmt, der für die Direktion des Grand Basars noch am günstigsten ist, nämlich daß eine oder auch einige Verkäuferinnen unbedeutende Sachen sich ohne Berechtigung angeeignet haben, kann doch unter keinen Umständen das skandalöse Vorgehen der Direktion entschuldigt werden. Bestehen bleibt auf alle Fälle ein überDie politische und ökonomische Gleichstellung von Mann griff und eine Frechheit, die nicht nur eine schwere Beund Weib ist ein tiefgewurzelter Grundsatz des Sozialis- leidigung der Verkäuferinnen und ihrer Frauenehre bemus. Und die Praxis des Klassenkampfes heißt uns nicht, deuten, sondern auch noch andere schwere Verstöße gegen das diesen Grundsatz in der Gegenwart stellenweise preiszugeben, Strafgesetzbuch( Nötigung, Anmaßung eines Amtes) in sich sondern ihn unter allen Umständen aufs kräftigste verfechten. Die prinzipielle Politik erweist sich auch hier schließlich als die praktischste, erfolgreichste Politik wenn man die Dinge vom Standpunkt des revolutionären Proletariats aus betrachtet. Die Mitarbeit der Frauen in der Armenund Waisenpflege Hamburgs. schließen. Es ist klar, daß dieser Vorgang auch den gewiß sehr geduldigen und vom Bewußtsein ihrer Menschenwürde nicht besonders stark durchdrungenen Handlungsgehilfinnen für einen Moment die Augen öffnen und ihnen die Frage vor legen mußte, ob die Arbeiterin mit dem Eintritt in ein Arbeitsverhältnis sich vollständig der Willkür und Gewalt des Arbeitgebers überliefert. nur unter der Bedingung, daß sie mit Dreiviertelmehr- Die sozialdemokratische Arbeiterpresse wird oft genug von heit in einer Bezirksversammlung der Pfleger auf den den hier Beleidigten und deren Berufskollegen nicht nur beWahlaufsatz gebracht würden. Bei männlichen Pflegern kämpft, sondern mit Geringschätzung behandelt, wenn nicht genügt schon die einfache Mehrheit! Zurzeit sind aus- gar verunglimpft. Bezeichnenderweise oder eigentlich ganz schließlich männliche Pfleger vorhanden; diese aber wollen selbstverständlich aber war sie es, die sich zuerst der Intergrößtenteils von einer vollberechtigten Mitarbeit der Frauen effen der Verkäuferinnen annahm und das Vorgehen der in der Armen- und Waisenpflege nichts wissen. Der Be- Direktion des Grand Basars in die Öffentlichkeit brachte. schluß, eine Dreiviertelmehrheit für den Wahlaufsatz von Sie erwarb sich damit das nicht abzustreitende Verdienst, band der Handlungsgehilfen zu wirken." Pflegerinnen vorzuschreiben, war somit dazu angetan, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf das schmachvolle Vor- An den Handlungsgehilfinnen liegt es, die Hand zu er Wahl von Frauen für das Pflegeramt völlig aussichtslos tommnis gelenkt und die öffentliche Meinung zugunsten der greifen, die ihnen geboten wird zur Abwehr des gemeinzu machen. Bei dem in den Pflegerkreisen zurzeit herr- Verkäuferinnen beeinflußt zu haben. Alle anderen Tages- samen Gegners. Nicht Absonderung von der großen Armee schenden Geist ist gar nicht daran zu denken, daß sich eine zeitungen von Frankfurt schwiegen ein paar Tage und ent- der Arbeiterbewegung und Pflege des StandesbewußtDreiviertelmehrheit in einer Bezirksversammlung für die schuldigten ihr die Unternehmer schonendes Verhalten da seins muß für sie die Parole sein, sondern engste Fühlung Wahl von Pflegerinnen erklärt. mit, daß sie die Angaben der„ Voltsstimme" mit Mißtrauen mit allen Arbeitern und Arbeiterinnen, die unter dem " Als die Ausschußanträge in der Bürgerschaft zur Plenar- aufgenommen hätten. Als wenn die Zeitungen nicht mit gleichen Druck schmachten. Es gilt, ihr Klassenbewußt= beratung tamen, versuchte die sozialdemokratische nur ganz geringer Mühe von den Angestellten des Grand sein zu erwecken und zu stärken, das Bewußtsein, zur beFraktion die Gleichberechtigung für die Frauen bei Basars hätten bestätigt bekommen können, daß es mit jeder herrschten und unterdrückten Klasse zu gehören, für deren der Mitarbeit in der Armen- und Waisenpflege zu erlangen. Angabe der Volksstimme" seine volle Richtigkeit hatte. Es Angehörige es nur eine Rettung gibt: Beseitigung der Sie beantragte, die Vorschrift der Dreiviertelmehr waren aber nur Arbeiterinnen, um die es sich handelte. Klassenherrschaft. heit für den Wahlaufsatz weiblicher Pfleger zu Warum sich derer annehmen? Für die Leser der„ Gleichheit" wird noch eine Tatsache streichen und die Frauen den männlichen Pflegern in jeder Die Organisationen der Handlungsgehilfen, deren es sehr bemerkenswert sein: das vollständige Versagen Beziehung gleichzustellen, besonders auch ihre Wahl zum leider viel zu viele gibt, mußten ebenfalls eingreifen, um die der bürgerlichen Frauenvereine. Keine einzige Nr. 17 Die Gleichheit 143 dieser Organisationen, von den gemäßigten bis zu den radi-[ abgezogen. Es dauert natürlich Jahre, bis die Maschine auf auf ihre eigene Kraft angewiesen und auf die ihrer Klasse. falen, hat einen Finger für die Intereffen der Verkäuferinnen diese Art abbezahlt ist. Wird aber die Arbeiterin inzwischen Die praktischen Bedürfnisse seines Emanzipationslampfes gekrümmt. Die Damen, die sonst so viel von Frauenehre entlaffen, so gehört die Maschine nicht ihr, sondern dem zusammen mit historischer Einsicht und dem seiner Klassenund Frauenwürde zu reden wissen, hielten es samt und Fabrikanten. In den Fabriken, in denen die Arbeiterinnen lage entspringenden Gerechtigkeitsfinn erheben das Prolesonders nicht für nötig, hier einzugreifen, wo es sich um organisiert sind, ist dieses abscheuliche Syftem ganz ab- tariat zum konsequentesten Vorfämpfer für die volle politische 300 Geschlechtsgenoffinnen handelte. Allerdings, es waren geschafft und der Verdienst( hier wird noch Stückarbeit be Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes. Die sozialist nur Arbeiterinnen! In Frankfurt versteht es die bürger zahlt) beträgt ungefähr 1 Dollar 10 Cents pro Stück, während ischen Parteien, die politischen Kampfesorganisationen des liche Frauenbewegung vorzüglich, sich mit einem großen die unorganisierten Arbeiterinnen für dieselbe Arbeit nur flaffenbewußten Proletariats, treten daher prinzipiell wie Nimbus zu umgeben. Hier hielt man es für nötig, den 45 Cents pro Stück erhalten. praktisch für das Frauenwahlrecht ein. Beitritt einer Frankfurter Dame zu einem politischen Verein Die sozialistische Partei von New York war durch zwei Die Frage des Frauenstimmrechts gewinnt mit der Verin Baden durch die Presse bekannt zu geben. Gerade in Delegatinnen, Fräulein Anna Maley und Frau Meta schärfung des Klassentampfes erhöhte Bedeutung. Auf seiten Frankfurt mußte die völlige Teilnahmlosigkeit der bürger- 2. Stern, vertreten. Letztere hielt eine kurze Ansprache, der herrschenden realtionären Klassen wächst die Tendenz, lichen Frauen dem Borkommnis gegenüber sehr auffallen. in der sie den versammelten Delegatinnen die Grüße und durch die Einführung eines beschränkten Frauenwahlrechts In der schon erwähnten großen Versammlung im Börsen- Sympathie der sozialistischen Partei übermittelte. Die die politische Macht des Besizes zu stärken. Das beschränkte faal ein Lokal, in dem die bürgerlichen Frauenvereine Rednerin erklärte diese erste Konferenz amerikanischer or Frauenwahlrecht muß heute weniger als erste Stufe zur sehr oft ihre Versammlungen abhalten war teine Ver- ganifierter Arbeiterinnen als einen Martstein in der amerita politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes getreterin eines bürgerlichen Frauenvereins anwesend, ge- nischen Arbeiterbewegung, aber wies darauf hin, daß gewürdigt werden, wie vielmehr als letzte Stufe der sozialen schweige denn, daß auch nur eine Dame zugunsten ihrer werkschaftliche Organisation nicht alles bedeute und man Emanzipation des Besizes. Ga emanzipiert die Frau nicht Geschlechtsgenoffinnen ein Wort gesprochen hätte. Auch ein nicht die Wichtigkeit der politischen Organisation vergessen als Persönlichkeit, sondern als Trägerin von Vermögen und Beitrag zum Kapitel der gemeinsamen Interessen aller dürfe. Sie erwähnte furz, wie notwendig es gerade für Einkommen, wirkt daher als Pluralwahlrecht der bestzenden Frauen ohne Unterschied der Klasse, woran zu glauben die die arbeitende Frau sei, das Stimmrecht zu verlangen, Klaffen, läßt breite Massen der proletarischen Frauen politisch bürgerlichen Frauen uns so gern lehren möchten. Heiden. und erinnerte daran, daß die sozialistische Partei die einzige rechtlos und bedeutet in der Folge tatsächlich nicht die politische Partei sei, welche immer und überall für die politische Gleichberechtigung des gesamten weiblichen Ge völlige Gleichberechtigung der Geschlechter eintrete. Zum schlechtes. Auf seiten des Proletariats steigt die Notwendigs Schlusse ermahnte sie die Arbeiterinnen, wenn fie auch feit, die Köpfe zu revolutionieren und seine erwachsenen selber noch politisch entrechtet seien, doch auf ihre Männer, Glieder ohne Unterschied des Geschlechtes wohlgerüstet in die Kampfesfront zu stellen. Der Kampf für das allgemeine Frauenstimmrecht ist das zweckmäßigste Mittel, die Situation im Interesse des proletarischen Befreiungskampfes zu nutzen. Diesen Gesichtspunkten entsprechend erklärt die erste Inters nationale Konferenz sozialistischer Frauen zu Stuttgart: Brüder und Mitarbeiter aufklärend zu wirken und ihnen zu sagen, daß in Amerika wie in Europa die sozialistische Partei die einzige sei, welche die Interessen der arbeitenden Klassen wahrhaft vertrete. Die erste Konferenz organisierter Arbeiterinnen in den Vereinigten Staaten. Zum ersten Male in der Geschichte der Vereinigten Staaten hat in New York eine Konferenz organisierter Arbeiterinnen stattgefunden. Dieselbe wurde einberufen von Zuletzt wurden mehrere Resolutionen angenommen. In der Frauenliga der Gewerkschaftsvereinigungen, und zwar einer wurde Protest erhoben gegen eine kürzliche richterliche Die sozialistische Frauenbewegung aller Länder weist das wurden gleichzeitig in New York, Boston und Chicago Bu- Entscheidung, die ein Arbeiterinnenschuhgesez, das beschränkte Frauenwahlrecht als eine Verfälschung und Versammenkünfte von Delegationen veranstaltet. Der Zweck der Frauennachtarbeit verbietet, für untonstitu- höhnung des Prinzips der politischen Gleichberechtigung des Konferenz war, die organisierten Arbeiterinnen unseres tionell erklärt. In einer anderen wurde das Frauen- weiblichen Geschlechtes zurück. Sie tämpft für den einzig Landes, die bisher vereinzelt und ohne einheitliche Leitung stimmrecht einstimmig gefordert. Es wurde be- lebensvollen tonkreten Ausdruck dieses Prinzips: das allgeeine Verbesserung ihrer Lage erstrebt haben, einander näher schlossen, von nun ab jährliche Konferenzen abzuhalten, und meine Frauenstimmrecht, das allen Großjährigen zusteht und zu führen, ihnen Gelegenheit zur Besprechung gemeinsamer die nächste soll in der ersten Woche des Oktober 1908 statt- weder an Besitz, noch Steuerleistung, noch Bildungsstufe oder Probleme zu bieten, und Mittel und Wege zu finden, um finden. sonstige Bedingungen geknüpft ist, welche Glieder des arbeitendie bis jetzt Unorganisierten zu organisieren. In den Einden Volkes von dem Genuß des Rechtes ausschließen. Sie ladungen an die verschiedenen Gewerkschaften wurde die führt ihren Kampf nicht im Bunde mit den bürgerlichen Frage gestellt:„ Sind in Eurer Organisation die Frauen Frauenrechtlerinnen, sondern in Gemeinschaft mit den sozialistis genügend vertreten? Wenn nicht, warum nicht?" schen Parteien, welche das Frauenwahlrecht als eine der grundsätzlich und praktisch wichtigsten Forderungen zur vollen Demokratisierung des Wahlrechts überhaupt verfechten. Da nach den Berichten des letzten Zensus in den Vereinigten Staaten nicht weniger als 4800 000 Frauen er werbstätig sind, so kann die amerikanische Arbeiterin eine Macht im öffentlichen Leben der Nation werden, mit der Die New Yorker Konferenz war gut besucht. Die zahl- gerechnet werden muß. Darum ist es doppelt erfreulich, reich erschienenen Delegationen aus New York sowie aus daß diese Macht gleich von Anfang an durch Aufklärung vielen Fabrikstädten des Staates New York und der um- und Organisation in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Der liegenden Staaten repräsentierten 28 verschiedene Gewerbe freie, fortschrittliche Geist, welcher diese erste Konferenz orund über 9000 Lohnarbeiterinnen. Während der Vormittags- ganisierter Arbeiterinnen beseelte, berechtigt uns zu den sizung wurden mehrere interessante und anregende An- schönsten Hoffnungen auf die Zukunft. sprachen gehalten. Fräulein Dreier, Präsidentin der New York. Frauenliga, eröffnete die Bersammlung und begrüßte die Delegaten. Herr Robinson von der Federation ameriDie sozialistischen Parteien aller Länder sind verpflichtet, für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts ener gisch zu kämpfen. Daher sind insbesondere auch ihre Kämpfe für Demokratisierung des Wahlrechts zu den gefeßgebenden Hebe. und verwaltenden Körperschaften in Staat und Gemeinde zugunsten des Proletariats als Kämpfe für das Frauenwahlrecht zu führen, das fie fordern und in der Agitation wie im Parlament mit Nachdruck vertreten müssen. In kanischer Arbeiter versicherte die Frauen der Unterstützung Resolution zur Internationalen Konferenz ihrer organisierten Mitarbeiter, und Fräulein O'Reilly wies darauf hin, daß sich die Frauen zwar aus eigener sozialistischer Frauen, das Frauenwahlrecht Kraft erheben müßten, daß es aber in der Arbeiterbewegung fein Problem eines Geschlechts, sondern nur das Problem betreffend. zändern, wo die Demokratisierung des Männerwahlrechts bereits weit vorgeschritten oder vollständig erreicht ist, haben die sozialistischen Parteien den Kampf für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts aufzunehmen und in Verbindung mit ihm selbstverständlich all die Forderungen zu verfechten, die wir im Interesse vollen Bürgerrechts für das männliche Proletariat etwa noch zu erheben haben. Pflicht der sozialistischen Frauenbewegung in allen Ländern ist es, sich an allen Kämpfen, welche die sozialistischen Parteien für die Demokratisierung des Wahlrechts führen, mit höchster Kraftentfaltung zu beteiligen, aber auch mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allgemeinen Frauenwahlrechts nach ihrer grundsäglichen Wichtigkeit und praktischen Tragweite ernstAus der Bewegung. einer Klaffe gebe. Den stürmischsten Beifall erntete Fräulein Die Forderung des Frauenwahlrechts ist das Ergebnis Luella Twining, die Repräsentantin der westlichen Fede. der durch die kapitalistische Produktionsweise gezeitigten ration der Minenarbeiter. Fräulein Twining bereist schon wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen, insbesondere seit Monaten die Vereinigten Staaten im Interesse der ein- aber der Revolutionierung der Arbeit, der Stellung und geferferten, des Mordes angeklagten Arbeiterführer Hay- des Bewußtseins der Frau. Sie ist ihrem Wesen nach eine wood, Moyer und Pettibone, von denen ersterer in- Konsequenz des bürgerlich- demokratischen Prinzips, welches zwischen freigesprochen wurde. Mit dem Feuer der über die Beseitigung aller sozialen Unterschiede heischt, die nicht zeugung schilderte die Rednerin noch einmal die Vorgänge auf dem Besitz beruhen, und auf dem Gebiet des privaten des barbarischen, gegen die organisierte Arbeiterschaft ge- wie des öffentlichen Lebens die volle juristische Gleich führten Klassenkampfes im fernen Westen; schilderte die berechtigung aller Großjährigen als Recht der Persönlichkeit Leiden, welche die Angeklagten um ihrer Überzeugung willen proflamiert. Das Frauenwahlrecht ist daher von Anfang lich verfochten wird. erduldet haben. Sie appellierte an das Solidaritätsgefühl an von einzelnen Denkern in Verbindung mit allen Kämpfen der Arbeiterinnen, sowie an das weibliche Mitgefühl, den gefordert worden, in denen die Bourgeoisie für die Demoum Tod und Leben kämpfenden Genossen zu helfen. Und fratisierung politischer Rechte eingetreten ist, als für eine Ausländische weibliche Delegierte zur Juternatio. sie appellierte nicht vergebens, denn eine sofort veranstaltete Voraussetzung ihrer politischen Emanzipation und Herrschaft Sammlung ergab ein glänzendes Resultat. als Klasse. Die treibende und tragende Kraft als Massen- nalen sozialistischen Frauenkonferenz zu Stuttgart. Die Nachmittagsfizung war den Berichten der Dele- forderung hat es jedoch erst durch die steigende Erwerbs- Aus England wurden von verschiedenen Frauenorganis gatinnen gewidmet. Die dabei erörterten Fragen bezogen tätigkeit des weiblichen Geschlechtes erhalten, vor allem aber fationen delegiert die Genoffinnen Hyndman, K. Kough, sich auf die Zahlen der Organisierten und der Unorgani- durch die Einbeziehung der Proletarierinnen in die moderne D. B. Montefiore, J. Ramsay- Macdonald, 2. Ebert, fierten, den Durchschnittslohn, die Arbeitszeit, die Aktivität Industrie. Das Frauenwahlrecht ist das Korrelat der wirt- Mapherson, G. N. 2. Shaw, Mary Middelton und der Frauen, das Verhalten der männlichen Kollegen usw. fchaftlichen Emanzipation der Frau vom Haushalt und ihrer Thurby; aus Belgien Genoffin Maria Tillmanns; von den Es trat dabei deutlich zutage, welchen günstigen Einfluß die ökonomischen Unabhängigkeit von der Familie auf Grund holländischen sozialdemokratischen Frauenklubs Genossin Organisation auf die Lebenshaltung der Arbeiterin ausübt. ihrer Berufsarbeit. M. Wibaut; aus Ungarn Genossin Frida Szécsi und In den Gewerben, in denen die Arbeiterinnen gar nicht Prinzipiell bedeutet das attive und passive Wahlrecht für Dr. Armin Ladányi; aus Schweden Genossin Marie Ovist oder ungenügend organisiert sind, herrschen durchweg un- das weibliche Geschlecht in seiner Gesamtheit die soziale für die sozialdemokratischen Frauenklubs für Boslánge- Donmäßig lange Arbeitstage bei den denkbar niedrigsten Löhnen, Mündigkeitserklärung; praktisch bedeutet es ein Mittel, waris; aus Böhmen die Genossinnen Karla Mach und während dort, wo sie besser organisiert sind, überall die Ar- politische Macht zu erlangen, um die gefeßlichen und sozialen Anna Steiner; aus Frankreich die Genossinnen Dora beitszeit verkürzt, die Arbeitsbedingungen gebessert und die Schranken zu beseitigen, welche die Lebensentwicklung und Montefiore, Winter und Dr. Madelaine Pelletier; Löhne gehoben wurden. So gelang es zum Beispiel den Lebensbetätigung des Weibes hemmen. Aber die in der aus der Schweiz Genoffin Margarete Faas- Hardegger; Zigarrenmacherinnen durch Anschluß an die Gewerkschafts- Frauenwelt ebenso wie in der Männerwelt wirksamen Klaffen- aus Osterreich die Genossinnen Emmy Freundlich, organisation ihrer Mitarbeiter, ihren Wochenlohn von gegensätze bedingen, daß der Wert und der Hauptzweck des Therese Schlesinger, Cilly Lippa, Anna Boschek und 3 Dollar und 50 Cents( 14 Mt.) bis auf 9 Dollar Wahlrechts für die Frauen der verschiedenen Klassen ver- Adelheid Popp. ( 36 Mt.) zu heben. Ebenso berichtete die Delegatin der schieben ist. Der Wert des Wahlrechts als soziales Rampf- Von der Agitation. Ende Juni hielt die Unterzeichnete Mantelmacherinnen aus Buffalo, New York, daß ein gemittel steht in umgekehrtem Verhältnis zu der Größe des im Oberharz eine Reihe von Versammlungen ab, welche waltiger Unterschied in den Arbeitsbedingungen und Löhnen Besitzes und der durch ihn verliehenen sozialen Macht. Sein vom Kreisvertrauensmann in Goslar einberufen zwischen den organisierten und unorganisierten Arbeiterinnen Hauptzweck ist je nach der Klassenlage die volle rechtliche worden waren. Das Thema der Vorträge lautete: Der ihres Gewerbes bestehe. Die unorganisierten Mäntelmache- Gleichstellung des weiblichen Geschlechtes oder aber die wirtschaftliche Kampf der Frau ums Dasein." Die erste rinnen, so erklärte die Delegatin, werden auf die schlimmste soziale Emanzipation des Proletariats durch die Groberung Versammlung in Goslar war von einer großen Anzahl Art ausgebeutet. Für eine Woche mit täglich 12 stündiger der politischen Macht zum Zwecke der Aufhebung der Klassen- Frauen besucht, die den Ausführungen der Referentin mit Arbeitszeit beträgt der Durchschnittslohn 6 Dollar. Nadeln herrschaft und der Herbeiführung der sozialistischen Gesell- sichtlichem Interesse lauschten. Nach Schluß des Bortrags sowie andere zur Maschine gehörigen Geräte müssen sie schaft, die allein die volle menschliche Emanzipation des bewiesen die Frauen, daß sie ihre Klassenlage begriffen selber ankaufen, und für jeden Fehler bei der Herstellung Weibes verbürgt. haben und eine Besserung der Verhältnisse nur von der eines Kleidungsstücks werden sie an ihrem Gehalt bestraft. Den Klaffengegensäßen innerhalb des weiblichen Ge- Sozialdemokratie erwarten: fie erklärten ihren Beitritt zur Will der Arbeitgeber eine neue Maschine anschaffen, so er schlechtes zufolge tritt die bürgerliche Frauenbewegung nicht Partei und abonnierten auf die Gleichheit". In Zeller. flärt er der Arbeiterin, die bessere Maschine sei zu ihrem einheitlich gefchloffen und mit höchster Kraftentfaltung für feld und Klaustal zeigte es sich wieder einmal, daß die Vorteil und deshalb müsse sie dieselbe bezahlen. Zu diesem das allgemeine Frauenwahlrecht ein. Die Proletarierinnen Macht des Rapitalismus trotz aller angewendeten Schikanen Zwecke werden jede Woche 25 bis 50 Cents von dem Lohne find deshalb für die Eroberung ihres vollen Bürgerrechtes nicht ausreicht, den vordringenden Sozialismus aufzuhalten. 144 Me Melchhett Nr. 17 Den Genossen in Zellerfeld ist es nicht möglich, ein Lokal zur Abhaltung von Versammlungen zu bekommen, doch haben sie gelernt, mit den Verhältnissen z» rechnen. Es wurde eine Versammlung auf freiem Feld« veranstaltet, wozu zum erstenmal von dem neu ernannte» Landrat die Genehmigung erteilt worden war. Die Zahl der Erschienenen war so groß, daß eine umfangreiche Wiese bei weitem nicht ausreichte, allen Platz zu bieten. Die anliegenden Straßen und Gehöfte waren mit Zuhörern besetzt. Trotz des furcht- baren Sturmes blieben die Erschienenen bis zum Schluß deS Vortrags. 35 Genossinnen erklärten sich bereit, freiwillige Beiträge für die Partei zu zahlen, und ebensoviele abon- nierten die„Gleichheit". Tie Zellerfelder Genossen werden auch in Zukunft ohne die Gastwirte auskommen. Sie haben den Verkauf von Flaschenbier selbst übernommen, und den dabei erzielten geringen Überschuß sparen sie zur Miete eines Stübchens, das ihr Vereinslokal ist. Wenn man er- wägt, daß die Genossen vom frühen Morgen bis zum späten Abend für 2 Mk. 40 Pf. täglich als Bergleute fronden, so muß mau ihnen aufrichtige Anerkennung zollen, daß sie Zeit und kkrast finden, dem Sozialismus unter dem weib- liche» Proletariat die Wege ebnen zu Helsen. Auch m Wildemann wurde die Versammlung auf einer Wiese abgehalten, und hier war das Resultat ebenfalls eine große Anzahl Abonnenten für die„Gleichheit". In Lauten tal stand uns für die sehr gut besuchte Versammlung der Hof und Garten eines Parteigenossen zur Verfügung. Der Raum für die Menge der Erschienenen war auch hier viel zu eng, so daß eine ganze Straße noch von Zuhörern besetzt war, die der Rednerin Beifall spendeten. In Herzberge, Schladen, Ostlutter» Salzgitter, zeigten die Ver- sammlungen im ganzen dasselbe Bild. Dort kommt die Landarbeit der Frauen und— trotz des Kinderschutzes— auch der Kinder in Betracht. Es gibt Bauern, die einem Kind 30 Pf. Taglohn zahlen und das noch als zuviel er- klären. Daß die Kinderarbeit dort unter dem Schutze von Schule und Behörde fortblüht, geht daraus hervor, daß die Kinder durch die Bauern mit dem Wagen von der Schule abgeholt und zur Arbeitsstätte gefahren werden. In Barbis und Lautenberg tritt das Elend das Proletariats grell in Erscheinung. In Lautenberg, dem wundervoll ge- legenen Erholungsort des Oberharzes, müssen Frauen- und Kinderhände von früh bis spät unermüdlich tätig sein, um das bißchen trockene Brot für die Familie herbeischassen zu helfen. Eine Frau und vier Kinder verdienen beim Stuhl- flechten täglich 60 bis 70 Pf. In den letztgenannten beiden Orten traten eine Anzahl Frauen unserer Partei bei und abonnierten sowohl auf die„Gleichheit" als auf das Partei- blatt. de»„Volkswille". Sie gaben das Versprechen, für unsere Sache zu kämpfen und ihre Kinder im Sinne des Sozialismus zu erziehen. A. Fahren wald. Auf Wunsch der Kreisvertraueusperfon in Kö ln unternahm die Unterzeichnete des weiteren im Laufe des Juli eine Agi- tationstour im Rheinland. In einer Reihe von Verfamm- lungen sprach sie über das Thema:„Die rechtliche Stellung der Frau im Klassenstaate". In Neunkirchen, im Königreich Stumm, wo zum erstenmal eine Frau öffentlich sprach, konnte der Saal die Erschieneneu nicht fassen. Selbst der Flur und die Treppen waren mit aufmerksam lauschenden Zuhörern besetzt. Daß die Not nicht nur Beten, sondern auch Nach- denken lehrt, und daß die skrupellose kapitalistische Aus- beutung ein vortrefflicher Agitator für die proletarische Frauen- bewegung ist, bewies aufs neue die Versammlung in Neun- kirchen. Wagte es doch eine junge Genossin, das Wort zu nehmen und ihre Klassenschwestern aufzufordern, sich der Partei anzuschließen und auf die„Gleichheit" zu abonnieren. Infolge dieses Appells zur rechten Zeit ließen sich eine große Anzahl Frauen in die Partei aufnehmen und bestellten die „Gleichheit". Weiter sprach die linterzeichnete in Ober- stein, Trier, Koblenz, Aachen, Düren, Nipper, Köln, Mülheim, Rodiskirch, Dellbrück, Kalk, Ehrenfeld, Deutz, Vingst, Bonn, Pall, Hürt, Lindental und Bayental in Versammlungen, die— bis auf drei— sehr gut besucht waren. In Aachen war der große Saal viel zu klein, um die Menge der Einlaßbegehrenden aufnehmen zu können. Die Frauen folgten den Vorträgen überall mit sichtlichem Interesse, das sich durch zustimmend« Zwischen- rufe und Beifall bekundete. In Düren, wo unsere tapfere Genossin HeuSgen agitiert und für die„Gleichheit" wirkt, wollte der überwachende Beamte Broschüren haben, die zur Verteilung gelangten. Genossin Heusgen fertigte aber das „Auge des Gesetzes" mit der treffenden Bemerkung ab, daß die Schriften nur zu kaufen seien. Der Behörde bereitet offenbar die Gefahr große Kopsschrnerzen, die dem Staate droht, wenn Proletarierinnen durch die Lektüre guter Schriften aufgeklärt werden. In welcher empörenden Lage sich die Proletarierinnen in der schwarzen Gegend zum großen Teil noch befinden, geht daraus hervor, daß eine große Anzahl von ihnen für einen Stundenlohn von 2'/, Pf. Tag und Nacht Heimarbeit verrichten muß. Auch in Düren meldete sich eine Anzahl Frauen als freiwillige Beitragszahlerinnen zur Partei an und abonnierten auf die„Gleichheit". In Pall und Hürt war der Besuch der Versammlungen eben- falls ein starker, und das Resultat bestand wiederum in neuen Mitgliedern für die Partei und Abonnenten für die„Gleich- heit". Hoffen wir, daß die schönen Erfolge dieser Agila- tionstour kein Strohfeuer bedeuten, sondern daß die Ver- sammlungen uns Kämpferinnen gewonnen haben, die mit Eifer und Ausdauer für die proletarische Frauenbewegung zu wirken gewillt sind! A. Fahren wald. Für den Wahlkreis Zeitz-Naumburg referierte die Unterzeichnete in den Orten Droyssig, Naumburg, Teuchern, Zipsendorf, Hohenmälsen, Weißen- fels, Streckau und Zeitz über das Thema:„Die Frau im heutigen Erwerbsleben". Die Aufmerksamkeit der Frauen in den meist gut besuchten Versammlungen war eine äußerst rege und der Anschluß an die polltische Organisation macht gute Fortschritte. Der Ausbeutung der weiblichen Arbeits- kraft an den Grube« ist durch das verwerfliche Mord- system der weiteste Spielraum gegeben. Da die Arbeit an den Naßpressen nur Saisonarbeit ist, die Mädchen aber schon in jugendlichem Alter damit beginnen, ist der Or- ganismus in wenigen Jahren vollständig erschöpft. Diese Saisonarbeit und die Satzungen des Bergarbeiterverbandes, der weibliche Mitglieder nicht aufnimmt, tragen die Schuld, daß in der Gegend von einer gewerkschaftlichen Organi- sation der Frauen und Mädchen noch nicht gesprochen werden kann. Eine öffentliche Frauenversammlung in Altenburg, in der die„Beteiligung der Frau am Kampfe des Prole- tariats" zur Tagesordnung stand, nahm einen großartigen Verlauf und hat unserer Sache eine Anzahl neuer Anhängerinnen gewonnen. Die„Gleichheit" wird an allen Orten in ziemlich großer Zahl gelesen. Zwei vom Fabrik- arbeiterverband einberufene Versammlungen für die Arbeiterschaft der Ra sitzer Zuckerrasfinerie gestalteten sich durch die Anwesenheit von zwei Beamten sehr interessant. Leider waren in beiden Veranstaltungen die Arbeiterinnen nur schwach vertreten, da sie von den Beamten mit Eni- lassung bedroht worden waren, wenn sie die Versamm- lungen besuchen würden. Der schlimmste unter den Miß- ständen in der Raffinerie, die scharf gerügt wurden, ist der, daß die Arbeiter bei dem ununterbrochenen Betrieb nie einen vollen Sonntag haben. Die Beamten, die sich als Förderer der Arbeiterorganisation aufspielten, entpuppten sich als Mitglieder der katholischen Fachabteilungen. So erklärt sich auch, daß bei dem letzten Grubenarbeiterstreik Arbeiter der Raffinerie Streikarbeil verrichteten, damit der Betrieb nicht wegen Kohlenmangel stocken sollte. Die für den Verband der Zigarrensortierer und Kistenb ekleber abge- haltenen Versammlungen in Schöneck, Frankcnberg, Eisenach, Bünde, Verden und Bremen, in denen Organisationssragen erörtert wurden, waren sehr schlecht besucht. Wenn auch der Stand der Organisation in den meisten Orten als ein durchaus befriedigender bezeichnet werden kann, so herrscht doch— namentlich unier den weiblichen Mitgliedern— eine bedauerliche Interesselosigkeit für die Organisation. Durch das Fernbleiben der weiblichen Mitglieder von den für sie veranstalteten Versammlungen wird man wenigstens zu diesem Schluß veranlaßt. Löhne und Arbeitsbedingungen sind noch sehr verbesserungs- bedürftig. Die Sortiererinnen und Kistenbekleberinnen werden sich auf die Dauer der Einsicht nicht verschließen können, daß das solidarische Zusammenhalten aller Berufs- angehörigen in der Organisation das einzige Mittel ist, ihre wirtschaftliche Lage zu heben. Möge diese Erkenntnis zum Nutzen der Ausgebeuteten bald kommen! Martha Hoppe-Berlin. In Lechhausen fand anfangs Juli eine öffentlich« -rauenversammlung statt, in welcher Genossin Greifen- berg über die Internationale Frauenkonferenz in Stuttgart referirrte. Die Genannte wurde als Delegierte zum Kon- greß vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Nachdem die Berttauensperson, Genossin Zeh, den Jahresbericht erstattet hatte und für den 18. August die Veranstattung eines Wald- estes beschlossen worden war, schloß die Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. A. Z. In Nürnberg fand im Juli eine öffentliche Frauenversammlung statt, in welcher Genossin Grün- berg einen Überblick über die Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland gab und die Bedeutung der ersten Internationalen Konserenz sozialistischer Frauen würdigte, die Mitte August in Stuttgart stattfinden wird. Besonders ging sie auf die Frage des Frauenstimmrechts ein, die auch auf der Tagesordnung der Konferenz steht, und forderte die Genossinnen und Genossen auf, sich an der Agitation für diese Forderung eifrig zu beteiligen. Die Versammlung wählte darauf als Delegierte zur Jnternatio- nalsn Frauenkonferenz Genossin G r ü n b e r g. In der Dis- kussion sprachen die Genossinnen Voigt, Rummel und Erb er. Die letztere schloß die Versammlung mit der Auf- forderung an die Genossinnen, die„Gleichheit" zu lesen und sich durch Zahlung freiwilliger Beiträge als Sozialdemo. kratinnen zu legitimieren.-ft Ende Juli fand in Erfurt eine öffentliche Frauen- Versammlung statt, welche Stellung zur Kr eiskonferenz in Zella nahm. Verschiedene Genossinnen und ein Ge- nosse begründeten in der Diskussion die Notwendigkeit, Ge- nossinnen als Delegierte zu der Kreiskonferenz zu schicken, damit sie nzit den Genossen zusammen über die Schritte be- raten könnten, die zur Entfattung einer erfolgreicheren Agi- tation unter den Proletarierinnen unternommen werden müßten. Die Versammlung trat dieser Ansicht bei und delegierte die Genossinnen Linse und Breitrück. Es wurde beschlossen, der Kreiskonferenz einen Antrag vorzu- legen, welcher um größere Beachtung respektive Unterstützung der proletarischen Frauenbewegung ersucht. A. L. Ansang Juli fanden in Ohlau, Steindorf und Peisterwitz drei öffentliche Tabakarbeiterversammlungen statt, in denen Genossin Wackwitz-Dresden über das Thema sprach:„Wie wird sich der Kampf ums Dasein in Zukunft gestalten?" Die Vortragende beleuchtete in packen- der Weise den Zollftevel mit seinen Wucherpreisen für die wichtigsten Lebensbedürfnisse und die daraus folgenden Wir- kungen auf den Gesundheitszustand der Tabakaröeiler. Am Schlüsse forderte sie die Kolleginnen auf, der Organisation beizutreten. Reicher Beifall wurde ihr für ihre Ausführungen zuteil. In Steindorf und Pei st erwitz waren die Werkmeister von den Fabrikanten telegraphisch aufge- fordert worden, den Versammlungen beizuwohnen. Im letzteren Orte konnte Genossin Wackwitz das Schlußwort nicht erhalten, weil der überwachende Gendarm den Ein- berufer auf die Pollzeistunde hinwies, worauf die Versamm- lung geschlossen wurde. Berta Bogel. Von den Org-nrisationen. Der Frauenbildungs- verein zu Altwasser hielt Anfang August seine monattiche Mitgliederversammlung ab, die sehr gut besucht war. Genosse Reichtagsabgeordneter Sachse hielt einen längeren Vortrag über:„Die Ursachen der wirtschaftlichen Krisis und die Arbeiterorgmnsattouen". Er führte den Anwesenden die Ur- fachen der Lebensmittelteuerung vor Augen und ermunterte sie, sich recht rege an der Agitatton für den Frauenbildungs- und sozialdemokratischen Wahwcrein zu beteiligen, damit in dem nächsten Wahlkampf die reichstreuen Hoffnungen zunichte werden. Es sei Pflicht der Frauen, die Männer anzuhalten, nicht bürgerlichen Klimbimvereinen beizutreten, sondern den Organisationen der moderne» Arbeiterbewegung. Die Ver- sammelten dankten dem Redner durch stürmischen Beifall. Es wurden 12 neue Mitglieder für den Verein aufgenommen, der somit, trotzdem er erst seit Neujahr besteht, schon SIS Mit- glieder hat. Marie Wieland. Der Münchener Frauen- und Mädchenbildungs- verein hielt in den letzten zwei Monaten zwei sehr gut besuchte Mitgliederversammlungen und ein Sommer- fest ab. In der ersten Mitgliederversammlung, die im Juni stattfand, referierte Genosse Harpuder über:„Die Entwicklung und Wandlung der Ausdeutungsform". Er verstand, die Anwesenden durch seine Ausführungen zu fesseln, und fand lebhaften Beifall. In der Versammlung wurde bekannt gegeben, daß die„Gleichheit" am 1. Juni obligatorisch für die Mitglieder eingeführt worden ist. Auf der Tagesordnung der zweiten Mitgliederversammlung, die im Juli abgehalten wurde, stand ein Vortrag von Herrn Or. Fromm über das Thema:„Schutz vor Krankheiten im Säuglingsalter". Der Referent behandelte in eingehender Weise die Pflege des Säuglings und hob die Wichtigkeit hervor, die dem Stillen desselben durch die Mutter zukommt. Er erklärte den Frauen, an welchen Anzeichen sie eme Störung der Gesundheit des Kindes sogleich erkennen können, und wies ihnen die ersten Schritte zu deren Bekämpfung. Die Hauptbedingung bei der Behandtnng des Kindes, mag es krank oder gesund sein, sei die peinlichste Reinlichleih Nach seinem Vortrag ließ Herr Or. Fromm ein gedruckles Täfelchcn unter den Frauen verteilen, das„zwölf goldene Regeln für Mütter" enthielt. Die Frauen dankten dem Redner für die Belehrung und Anregung, die sie von ihm empfangen hatten, durch großen Beifall. Zwischen diesen beiden Versammlungen fand ein Sommerfest des Vereins statt, das einen großartigen Besuch aufzuweisen hatte. Di» gemieteten Räumlichkeiten waren so Überfällt, daß die Tanzlustigen kaum zu ihrem Rech» kommen konnten. Konzert und Darbietungen des Gesangvereins der Bäcker, des Rad- fahrveins Solidarität und der Damenabteilung des Arbeiter- turnvereinS erfteuten die Festteilnehmer und hielten sie lang« beisammen. E. M, Jahresbericht der Genossinnen in Mülheim(Ruhr). Die Frauenbewegung an unserem Orte kann auf eine er- freuliche Entwicklung zurückblicken. Die Zahl der Auf- gerüttelten ninimt sichtlich zu, was uns um so mehr Genug- tuung bereitet, als die Agilation bis Anfang vorigen Jahres etwas lau betrieben worden war. Der Umschwung datiert von einem Vortrag der Genossin Zieh, den diese im März vorigen Jahres hier hielt, und der Leben und Bewegung in die Frauen brachte. Damals war die Zahl der aus die„Gleich- heit" abonnierten Genossinnen noch sehr klein, heute ist sie schon auf 175 angewachsen. Allein in einem Zeitraum von drei Wochen, in welchem Genossin Plum aus Essen in zwei von Frauen einberufenen Versammlungen referierte, gewannen wir 50 Proletarierinnen für uns. 100 Genossinnen zahlen regel- mäßig freiwillige Parteibeiträge. Ein gemeinsamer Ausflug, den die Genossinnen unternahmen, trug viel dazu bei, das Gefühl zu stärken, daß wir geschlossen vorwärts marschieren müssen. Im verflossenen Jahre war es möglich, 50 Mark an den Agitattonsfvnds der Genossinnen einzusenden. Da es um unsere Finanzen zurzeit nicht glänzend bestellt ist, sehen wir uns genötigt, mehr als bisher aus freiwilligen Gaben einen Fonds zu bilden, mit dessen Hilfe wir hoffen, energischer agitieren zu können. Als erste Vertrauensperson ist die Unterzeichnete gewählt worden, als zweite Genossin Metz. Die Genossinnen haben sich gelobt, mit größtem Eifer ihr« Pflicht zu tun, damit die nächste Zeit unserer Bewegung Erfolge bringt, die das bisher Erreichte weit in den Schatten stellen. Gertrud Kämmerling. Tätigkeitsbericht der Vertraueuöperfou der Ge- nossinnen in Gera-Tebsckwitz. Bereits Ende der acht- ziger Jahre, als das Sozialistengesetz noch seine schmachvolle Herrschaft ausübte, versuchte in Gera-Deb schwitz ein« Anzahl proletarischer Frauen Aufklärung unter ihre Mit- schwestern zu tragen und ihr Klassenbewußtsein zu erwecken. Der gegründete Arbeiterinnenverein wurde jedoch im Jahre 1300 aufgelöst, wie alles damals, was zur Hebung und Förderung der arbeitenden Klasse dienen konnte. Die leiten- den Genossinnen erhielten Strafmandate und der Verein verschwand von der Bildfläche. Aber die Überzeugung der Genossinnen konnte keine Polizeischikane„ausrotten". All die Jahre her haben sie im tteinen Kreise treu zur Fahne gehalten, und wenn es galt, ihr Klassenbewußtsein zu betätigen, Leuten sie niemals Opfer. Oft haben uns auch die Genossen bei der Arbeit helfend zur Seite gestanden.— Angesichts der immer größer werdenden Masse der Lohnarbeilerinnen in unserer Gegend konnte jedoch die stille Arbeit im kleinen Kreise auf die Dauer nicht mehr genügen und wäre auch für die Nr. 17 Die Gleichheit allgemeine Arbeiterinnenbewegung nicht von dem Nutzen ge- wesen. den ein öffentliches Wirken mit sich bringt. Darum wurden im letzten Jahre 17 öffentliche Versammlungen ab- gehalten, in denen teils wissenschaftliche, teils politische Fragen erörtert wurden. 240 Genossinnen zahlen regel- mäßig freiwillige Parteibeiträge. Fast alle lesen die„Gleich- heit", die ihnen zum größten Teil durch den Textilarbeiter- verband zugestellt wird, der sie als obligatorisches Neben- organ dem„Textilarbeiter" angegliedert hat. Vertrauens- person ist Genossin Rödel, acht weitere Genossinnen helfen ihr bei der Arbeit. Möge auch das künftige Jahr ein reiches Erntejahr werden! Unsere Genossinnen, die allezeit opfer- willig und freudig für die Bewegung tätig waren, kennen keinen schöneren Lohn, als die immer fühlbarer werdende Ausbreitung und Vertiefung der Frauenbewegung an unseren Orten.' kl. R. Tätigkeitsbericht der Fürther Genossinnen. Einem Mauerblümchen gleich blühte die junge Frauenbewegung an unserem Orte empor. Schon Anfang dieses Jahres versuchten einige Genossinnen,, für unsere Ideen Propaganda zu machen. Es gelang auch, einige Frauen für die Organi- sation zu gewinnen. Still, aber unermüdlich und unver- drossen, trotz manchem hämischen Achselzucken und verächt- lichen Spottlächeln arbeitete die kleine Schar weiter. Ging es auch langsam, so ging es doch vorwärts, und anfangs April konnten wir schon unseren ersten Lese- und Unter- Haltungsabend abhalten, zu dem Genossin Grünberg das Referat übernommen hatte. In ausführlicher Weise schilderte sie Zweck und Nutzen unserer Bewegung. Der Erfolg war mehrere Abonnenten für die„Gleichheit" sowie zehn Auf- nahmen für die Organisation. Nun sah man die junge Bewegung schon nicht mehr mit ganz so scheelen Augen an, uud die Frauen besuchten mit größtem Interesse die regel- mäßig stattfindenden Unterhaltungsabende. Die kleine Schar war nach halbjähriger unermüdlicher Arbeit auf 60 Mit- glieder angewachsen, welche alle die freiwilligen Partei- beitrüge zahlen; viele lesen auch die„Gleichheit". Anfang Juli fand die erste öffentliche Frauenversainmlung statt, in der Genossin Grünberg referierte über die internationale Frauenkonferenz in Stuttgart und das Frauenstimmrecht. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den Ausführungen der Referenttn, und daß sie mit denselben einverstanden waren, bewies der reiche Beifall am Schlüsse des Referats. Der Anttag, Genossin Grünberg als Dele- gierte zur internationalen Frauenkonferenz zu entsenden, wurde einstimmig angenommen. Als Vertrauensperson wurde einstimmig Genossin Batz gewählt, welche dankend annahm und versprach, ihre ganze Kraft im Dienste der All- gemeinheit einzusetzen. Im Schlußwort wies die Referentin nochmals darauf hin, wie notwendig es sei, die Frauen mehr und mehr aufzuklären. Die beste Gelegenheit dazu seien die Unterhaltungsabende. Jede Genossin möge zudem energisch unter ihren Bekannten agitieren, damit die Fürther Genossinnen zum nächsten Parteitag eine Delegierte ent- senden könnten. Eine Anzahl Aufnahmen für die Organi- sation sowie neuer Abonnenten für die„Gleichheit" waren auch diesmal zu verzeichnen. Dieser Abend wird zu einem Gedenkstein für die junge Frauenbewegung in Fürth werden. Nichts wird die Genossinnen hinfort abhalten, ihre Pflicht zu tun und mitzuarbeiten an dem großen Werke der Auf- klärung. Die 100 Genossinnen, die sich bis jetzt um unsere Fahne geschart haben, wollen als Pioniere gelten, die nach besten Kräften bemüht sind, die große Armee der Arbeite- rinnen aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütteln und für uns gewinnen zu helfen. BabetteReckling. Der Vormarsch der sächsischen Genossinnen. Die sächsische Parteiorganisation weist nach der letzten Statistik eine in Sachsen noch nie dagewesene Entwicklungsziffer auf. Ganz besonders sind es die weiblichen Mitglieder der Organisationen, deren Zahl sich außerordentlich vermehrt hat. So konnte der Wahlkreis Leipzig-Land im Berichts- jähre 1906/07 eine Zunahme weiblicher Organisationsmit- glieder von 104 Prozent verzeichnen. Die Gesamtziffer aller organisierten Genossinnen in Sachsen beträgt nunmehr Sö93. Die Kinderschutzkommifsio» der sozialdemokratischen Frauen Leipzigs hat einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgehl, daß diese Einrichtung sich glänzend beivährte und daß die Bevölkerung rasch Vertrauen zu dieser nicht amt- lichen Kommission gewann. Aus ihrer Tätigkeit seien folgende charakteristische Fälle hervorgehoben. Für ungefähr 20 Kinder, die teils vor der Schulzeit mit Botengängen usw., teils nachts beschäftigt wurden, konnte eine Besserung ihrer Lage herbeigeführt werden. In vier Fällen, wo eigene Kinder Überarbeit in der Spitzenschneiderei leisteten, konnte nicht eingeschritten werden, desgleichen in vier Fällen, wo Mädchen bei der Aufwartung übermäßig angestrengt wurden — ein Beweis für die Lückenhaftigkeit des Kinderschutz- gesetzes. Zwei zwölfjährigen Knaben wurden Arbeits- bescheinigungen verschafft. In einer Anzahl von Fällen, wo die Kommission mil schon bestehenden Kinderschutzvereinen in Verbindung trat, offenbarte sich tiefes soziales Elend. Vier Kinder wurden spät abends beim Verkauf von Waren angetroffen. Als Ursache stellte sich heraus, daß entweder die Mutter Witwe war oder der Vater wegen Ltrankheit nichts verdienen konnte. Sechs Kinder wurden— während der Schulzeit!— in verwahrlostem Zustand beim Betteln angetroffen. In zwölf Fällen, wo die Kinder von Sttef- eltern mißhandelt wurden oder bei ihnen sittlich gefährdet waren, wurde Änderung des unhaltbaren Zustandes bewirkt. Wegen schlechter Behandlung unehelicher Kinder gingen sechs Beschwerden ein und drei eheliche Kinder mußten wegen Vernachlässigung in andere Pflege gegeben werden. In sechs weiteren Fällen verwendete sich die Stmnmission für Kinder, die von ihren eigenen Vätern in der Trunken- heit mißhandelt worden waren. Schließlich wurde noch gelegentlich einer Beschwerde wegen Mßhandlung zweier Jndianerkinder festgestellt, daß die Waisen der Obervormund- schaft nicht gemeldet worden waren. Alles in allem ergibt dieser Tätigkeitsbericht ein Bild segensreichsten Wirkens im Interesse der hilflosesten und ärmsten Geschöpfe, und es wäre zu wünschen, daß die Leipziger Kinderschutzkommission bald allerorts Nachahmung findet. Politische Rundschau. In dem kurzen Zwischenraum, der die heutige Rund- schau von der in voriger Nummer trennt, hat sich ein wichtiger Umschwung in der innerpolitischen Situation Preußen-Deutschlands vollzogen. Die unerbittliche, rücksichts- lose Kritik, welche die sozialdemokratische Presse unter ge- schickter Ausnutzung der Logik der Tatsachen an der lenden- lahmen Haltung des Freisinns in der Wahlrechtsfrage übte, ist nicht ganz vergebens gewesen. Der Linksliberalismus hat sich genötigt gesehen, seine Kampfbereitschaft um die preußische Wahlreform zu erklären. Diesmal handelt es sich um eine Reform, die wirklich den Namen verdient, nämlich um die Einführung des allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrechts. Reichstagsabgeordneter Naumann hatte noch vor etlichen Wochen seiner Partei politische Bescheidenheit als das beste Mittel empfohlen, um Positives zu erreichen. Trocken hatte er erklärt, ein großer Sturm auf das Landtagswahlrecht sei unmöglich, und schließ- lich war ihm zur Verteidigung der jammervollen frei- sinnigen Takttt gegen die sozialdemokratische Kritik nichts Besseres eingefallen, als die von Eugen Richter entlehnte erbärmliche Ausflucht, daß die Sozialdemokratie durch ihre ungeschliffenen Angriffe dem Freisinn die Lust benehme, für seine Grundsätze energisch einzutreten. Mittlerweile hat sich Herr Naumann— welch eine Wendung durch Gottes Fügung!— zu der Erkenntnis bringen lassen, daß sich die Bevölkerung mit der preußischen Wahlrechtsvorlage beschäf- tigen muß, daß„die Liberalen es nicht den Sozialdemo- kraten überlassen dürfen, sich als die eigentlichen Träger der Wahlrechtsbewegung hinzustellen", und daß„einfach ge- fordert werden" muß: das Reichstagswahlrecht für Preußen! Der ganze Freisinn ist nach Naumanns Be- hauptung in dieser Auffaffung einig. Die preußische Wahl- rechtsfrage könne schon heute„als die Lebensfrage des Blocks und damit als die Lebensfrage der Reichskanzlerschaft Bülows" bezeichnet werden. Naumann ist sich inzwischen auch darüber klar geworden, daß der Wahlrechtskampf nicht eine isolierte parlamentarische Aktton sein kann, sondern daß nunmehr der„große Sturm" einsetzen muß, den er vor kurzem noch als unmöglich bezeichnete. Er ist jetzt davon überzeugt, daß die Parlamentsaktton„die Unterstützung der Presse, der Vereine, der Volksstimmung" gebraucht. Aller- dings könne jetzt im Hochsommer eine lebhaftere politische Bewegung nicht erwartet werden,„aber wenn der Herbst kommt, dann muß Fanfare geblasen werden für die Er- langung des Reichstagswahlrechts in Preußen". Viele werden diese Vertagung des„Fanfareblasens" auf den Herbst als eine unnötige Verzögerung der Aktion an- ehen und der Ansicht sein, daß die freisinnige Presse die Vorarbeit schon jetzt viel energischer betreiben müßte, als sie es tut. Auch wird man daran zweifeln dürfen, ob der ganze Freisinn mit ganzem Herzen bei der Sache ist, zumal die„Bremer Weserzeitung", ein Organ der Freisinnigen Ver- einigung. sich schon ganz offen gegen die Forderung des Reichstagswahlrechts erklärt hat, weil das„die gegebenen Machtverhältnisse einfach verkennen" heiße. Eins aber ist sicher: Naumann ist für den Freisinn eine Verpflichtung ein- gegangen, die er nicht ohne schweren Verlust an Ansehen und Anhängerschaft unerfüllt lassen kann. Die„Freisinnige Zeitung" verrät freilich wenig Begeisterung für die Volks- bewegung und möchte der Methode des geduldigen Harrens und des parlamentarischen Schachers gern den Vorzug geben. Auch ist ein erheblicher Teil der freisinnigen Führerschaft zweifellos bereit gewesen, sich an Stelle des Reichstags- Wahlrechts mit irgend einem etwas gemilderten Wahlrecht (vermutlich Pluralwahlrecht mit besonderer Standesver- tretung der„Landwirtschaft", lies Junkerschaft) zufrieden zu geben, das Bülow ihnen in Aussicht gestellt hatte. Ja, bei manchen dieser Herren mag selbst heute noch im stillen Kämmerlein der Gedanke vorwalten, daß man die Volks- bewegung als notwendiges Übel geschehen lassen müsse. Später, wenn das Bülowsche Kompromißwahlrecht um des Blocks und des„positiven Erfolges" willen schließlich doch akzeptiert werden sollte, könnte dann ja vor den Wählern mit heroischer Gebärde auf die leider nicht mit vollem Er- folg gekrönten Ansttengungen des Freisinns um das Reichs- lagswahlrecht rechtfertigend hingewiesen werden. Der Weg zu einem Wahlrechtskampse, in dem der Freisinn nicht bloß spöttischer und höhnender Beobachter der sozialdemokratischen Anstrengungen sein wird, liegt vor uns, und an der Sozial- demokralie ist es, ihn mij Tatkraft zu beschreite». Sie ivird sich imnier bewußt bleiben, daß sie sich vor allem�auf sich selbst und auf die eigene Kraft verlassen muß. Sie wird ihr gesundes Mißtrauen gegen die freisinnigen Versprechungen nicht ablegen und es nur durch Taten des Freisinns besiegen lassen. Auch wird sie nie vergessen, daß der Liberalismus, wie Auslassungen der„Freisinnigen Zeitung" noch in den letzten Tagen beweisen, sich nach wie vor in Illusionen über eine Mithilfe der Regierung im Wahlrechtskampfe gefällt und ihr offenbar mehr Gewicht beilegt als einer energischen An- strengung des preußischen Volkes. Die Sozialdemokratie wird, unbeachtet dessen, oder vielmehr gerade deswegen, alles daran setzen, daß der Freisinn, nachdem er die ersten Schritte getan hat, nun auch wirklich ins Feuer geht. Sie wird durch ihre eigene Agitation dahin arbeiten, daß dem Freisinn ein etwaiger verräterischer Rückzug tödliche Wunden beibringen müßte. Die Sozialdemokratie fürchtet die Kon- kurrenz des Freisinns im Wahlrechtskampfe nicht, wie das „Berliner Tageblatt" ihr jüngst unterstellte, denn sie ist ent- schloffen, sich von keiner Partei in diesem Feldzuge an Tat- kraft und Opferwilligkeit übertreffen zu lassen. Es ist ihr im Jntereffe der Wahlrechtsbewegung und der politischen Entwicklung Deutschlands nur erwünscht, wenn die Konkur- renz so scharf wie möglich auf den Plan tritt. Noch eine andere Partei erheischt in diesem beginnenden Kampfe die besondere Aufmerksamkeit und den aufstacheln- den Anttieb der Sozialdemokratie— das Zentrum. Diese angebliche Volkspartei setzt ihre bereits in der vorigen Rund- schau gekennzeichnete volksverräterische Politik fort. Sie spekuliert darauf, daß der konservativ-liberale Block an der Klippe der Wahlrechtsfrage zerschellen wird, worauf das Zentrum wieder Regierungspartei werden könnte. Schaden- froh registriert die Zentrumspresse die wütenden Ausbrüche der Junkerorgane gegen die linksliberalen Bundesgenossen wegen ihrer Wahlrechtspläne— das ist alles, was sie tut. Den Aufruf der Zentrumsivählerschaft zum Wahlrechtssturm lehnt sie unter allerhand elenden Ausflüchten ab. Es wird die Aufgabe der Sozialdemokratie und besonders der Ge- nossen in den ausgesprochenen Domänen des Zentrums fein, ihm durch energische Agitation unter der Arbeiterschaft in Stadt und Land dermaßen einzuheizen, daß es aus Angst vor Wählerverlust die Spekulation auf die Gunst der Kon- servativen und der Regierung zurückstellt. Es muß trotz der offenbaren Unlust eines erheblichen Teiles seiner Führer- schaft, der katholischen Junkerschaft und der katholischen Bourgeoisie auf diese Art dazu gebracht werden, die Reihen der um das gleiche Wahlrecht Kämpfenden zu verstärken. Die Situation ist selten günstig, und die Sozialdemokratie wäre eine Närrin, wenn sie die Gelegenheit nicht für die Volkssache ausnutzen würde. Freisinn und Zentrum haben sich durch die in den Nöten des Reichstagswahlkampfes als gutes Agitationsmittel erprobte Einbringung von Wahl- rechtsanträgen im Landtag in eine 5klemme gebracht, die sich infolge der durch die Reichstagswahlen geschaffenen eigen- artigen polittschen Situation und des unablässigen Treibens der Sozialdemokratie zu einer Zwangslage ausgestalten muß. Im Hinterland von Kamerun hat es eine weise Ein- geborenenpolitik unserer Kolonialbureaukratie wieder einmal zu einer Erhebung großer, kriegsgeübter und gut bewaffneter Stämme gegen die deutsche Herrschaft gebracht. Sollte die Bewegung allgemeiner werden, so stünde uns ein neuer großer Kolonialfeldzug bevor, der sich weit blutiger und kost- spieliger gestalten würde, als der Krieg in Südwestafrika. Die vernünftigste Lösung der schwierigen Frage: das weite Hinterland, in dem die deutsche Herrschaft bisher nur durch einige Residenturen markiert wurde, wenigstens vorläufig aufzugeben, gestattet natürlich nach den Anschauungen unserer „Nationalen" die deutsche Ehre nicht. Während im Haag die Diplomaten in der sogenannten Friedenskonferenz die Zeit mit endlosen Beratungen ver- trödeln, donnern an der Küste Marokkos die Kanonen. Die marokkanisch-französische Affäre hat sich entwickelt, wie es vorauszusehen war. Die Marokkaner, die in den Hafen- bauten, welche die Franzosen vornehmen, mit gutem Jnstintt die Anzeichen des Beginns ihrer ökonomischen Ausbeutung und ihrer polittschen Knechtung durch die Fremden erblickten, haben nach Barbarenart ihre Wut an den unschuldigen französischen Arbeitern ausgelassen. Frankreich hat so den von seiner Bourgeoisie gewünschten Anlaß erhalten, Sühne- expeditionen auszusenden— an denen pro forma auch das ihm durch die Algecirasakte beigeordnete Spanien teil- nimmt—. um sich die Genugtuung zu verschaffen, die ihm der ohnmächtige Sultan nicht geben kann. Die erste Sühne- attion ist blutig genug ausgelaufen— 3000 getötete und verwundete Marottaner sind das Resultat des Bombarde- ments von Casablanca, dessen Besetzung die Franzosen nur eine Handvoll Toter und Verwundeter kostete. Ob sie in- dessen im ganzen so verhältnismäßig billig davonkommen werden, steht dahin— erhebt sich das marokkanische Volk zum„heiligen Krieg", so wird die französische Station und namentlich das Proletariat mit furchtbaren Opfern an Blut und Gut die Gewinne bezahlen müssen, welche die franzö- fischen Kapitalisten aus Atarokko ziehen werden. Daß dann die Sttpulation von Algeeiras, wonach die Unabhängigkeit Marokkos nicht angetastet werden soll, in die Brüche gehen wird, ist zum mindesten sehr wahrscheinlich, und der Erfolg Deutschlands in der Marokkoaffäre wir damit noch windiger, als er ohnehin schon war. Vorläufig gibt man sich dies- seits wie jenseits des Rheins den Anschein, als sei eine Ver- letzung des Algecirasabkommens ausgeschlossen. Es wird die Aufgabe der Völker sein, darauf zu achten, daß die Regierungen im Verlauf der Affäre leine Dummheiten machen. Die amerikanische Arbeiterbewegung und die amerika- nische Sozialdemokratie haben einen großen Triumph er- fochten in dem Freispruch des Bergarbeiterführers Haywood von der Anklage der Ermordung des Exgouverneurs Skunen- berg. Die Farmergeschworenen von Bois-City in Idaho haben dank der energischen Anstrengungen der Genossen um die Aufdeckung des Tatbestandes nicht umhin gekonnt, in der Anklage eine Verschwörung der Minenkapitalisten des Westens gegen die Vergarbeiterorganisation zu erkennen, eine Verschwörung, die vor infamster Lockspitzelei und dem Kauf meineidiger Zeugen nicht zurückschreckte. Der Prozeß wird Gewalttges zur Erweckung des Klassenbewußtseins im amerikanischen Proletariat beitragen. 14. B. 146 Die Gleichheit Nr. 17 Gewerkschaftliche Rundschau. " Nach den Aufstellungen des Reichsarbeit 3 blattes" über die deutschen Gewerkschaften überragen die freien Gewerkschaften in ihrer Entwicklung und ihren Leistungen bei weitem die chriftlichen und Hirsch Dunckerschen Organisationen. Die Entwicklung des Mitgliederstandes erhellt aus nach stehender Aufstellung, in der bei den freien Gewerkschaften der Jahresdurchschnitt, bei den christlichen und Hirsch Dunckerschen die absolute Zahl angegeben wurde: Frete Gewerkschaften HirschDunckersche 91661 102851 Thriftliche Gewerkschaften 1900 1902 1904 1905 1906 680427 • • 733 206 79077 • · 1052108 100053 1344803 • . 1 689 785 . 117097 118508 195401 215884 111889 Danach haben die Hirsch- Dunckerschen Organisationen die schwächste Entwicklung aufzuweisen. Sie nahmen seit 1900 nur um 26847 Mitglieder zu, also pro Jahr durchschnittlich um 4474. Die christlichen Gewerkschaften weisen eine bessere Entwicklung auf, denn die Pfaffen und die klerikalen Organe entfalten für sie eine sehr einflußreiche und kostenlose Agi tation, und auch sonst stehen den Christlichen dank der Frommen und ihrer eigenen Bravheit allerhand Hilfsmittel zur Verfügung. Ihre Mitgliederzahl nahm seit 1902 um 136 807 oder im Jahresdurchschnitt um 25570 zu. Denkt man freilich an das Triumphgeschrei von den großen Erfolgen der christlichen Gewerkschaften, so ist diese Feststellung nicht sehr erhebend besonders wenn man ihm die Ziffern gegenüberstellt, welche die machtvolle Entwicklung der freien Gewerkschaften aufzeigen. Letztere gewannen seit 1900 über eine Million Mitglieder, das macht pro Jahr im Mittel 168 226. Im Jahre 1906 allein hatten sie einen Zuwachs Frete Gewerkschaften Gewertschaften Gewerkvereine 3378833 1338765 2709 686 2500 im Ausstand waren. Die Arbeit konnte nach kurzer und mehr anderen Berufen zuwendeten, wodurch es zu einem Streifdauer wieder aufgenommen werden, da die Unter- immer merklicheren Dienstbotenmangel kommen müßte. Von nehmer zugeständnisse machten. dieser optimistischen Seite ging auch die Anregung zu einer In einer Arbeiterkategorie, die unter besonders schlechten Reichsgesindeordnung" aus. Genoffin Baar bemerkte dazu Arbeitsbedingungen lebt und deren Angehörigen durch sehr treffend, die Dienstmädchen bedankten sich für jede Geuniformierte Kleidung und Behandlung der Charakter von findeordnung; fie verlangten, unter die Gewerbeordnung Beamten" aufgedrückt wird, scheint es wieder einmal gestellt zu werden. Nach Schluß der Versammlung ließ sich lebendig zu werden. Die Straßenbahner in Berlin eine große Anzahl der Mädchen in den Verein der Haussind aufs neue ihrer Behandlung müde und halten ihre angestellten aufnehmen. Der Verein der Dienstmädchen, Wasch- und ScheuerEntlohnung für zu niedrig. Solange aber die Straßenbahner sich nicht eine straffe gewerkschaftliche Organisation frauen von Hamburg und Umgebung hielt am 31. Juli schaffen, sondern sich nur in plötzlichen Aufwallungen ab im Mühlenkamp eine öffentliche Versammlung ab. und zu einmal gegen die Bedrückungen seitens ihrer Genossin 3iez referierte über das Thema:„ Was bietet der Direktionen wenden, dürften sie wenig und vor allem feine Dienstbotenverein unseren Dienstmädchen?" Mit reichem dauernden Erfolge erringen. Das haben die Ausstände in Beifall wurde der Referentin für die interessanten Ausführungen gedankt. Am 8. August fand die monatliche Berlin, Stuttgart, Elberfeld usw. bewiesen. Die sich fräftig entwickelnde Dienstbotenorgani- Mitgliederversammlung des Vereins statt, in welcher sation hat die christlichen Herrschaften mobil gemacht. In Genossin Gewehr das Thema behandelte:„ Warum müssen Köln hat eine Konferenz stattgefunden, in der christliche die Mädchen selbstbewußt und klassenbewußt sein?" Der Gewerkschaftsführer und einige Damen christlicher Frauen- Vortrag wurde beifällig aufgenommen. Die nächste gemütvereinigungen, angeftachelt dura) die Erfolge unserer Dienst- liche Zusammenkunft wird am 25. August im Gewerkschaftsbotenbewegung, wehflagend darüber berieten, wie der„ Be- baus stattfinden, die nächste Mitgliederversammlung am gehrlichkeit", welche die„ sozialdemokratischen Hezerinnen" 12. September im selben Lokal. Berta Mangels. weden, mit christlicher Milde beizukommen wäre. Einen Der Leipziger Verein für Hausangestellte hielt am ausführlicheren Bericht über die Konferenz finden unsere 24. Juli eine Mitgliederversammlung ab, die gut Leserinnen an anderer Stelle der„ Gleichheit". besucht war. Genosse Bartels referierte über den„ Wert Das gleiche gilt von dem ungeheuerlichen Schimpf, der der wirtschaftlichen Organisation". Er führte aus, daß die den Verkäuferinnen eines Warenhauses in Hausangestellten alle Ursache hätten, sich zusammenzuschließen Frankfurt a. M. angetan worden ist, ein Schimpf, der und an dem Ausbau ihrer Organisation nach Kräften mitdie Illusion der Handlungsgehilfinnen zerstört, daß sie zuarbeiten. Die einzelne sei gegen die Ausbeutung und die Damen" und keine Lohnarbeiterinnen seien, und der ihnen Schikane der Herrschaften machtlos, eine geschlossene Masse Baher eindringlichst den Anschluß an ihre Gewerkschaft aber vermöge den bestehenden Mißständen abzuhelfen. Es predigen müßte: an den Zentralverband der Handlungs- läge deshalb im Interesse der Mädchen, treu zum Verein zu #halten und unter den Kolleginnen für ihn zu agitieren. Mehrgehilfen und-gehilfinnen. fache Zwischenrufe und reicher Beifall am Schlusse des Vortrags von 300 000 Mitgliedern; das sind mehr Proletarier als die Der Kampf der Käsereiarbeiter um ihr Organi- ließen erkennen, daß der Referent den Anwesenden aus dem chriftlichen Gewerkschaften seit ihrem Bestehen gesammelt fationsrecht. In Kaufbeuren, Kempten und Ülm Herzen gesprochen hatte. In der Diskussion forderte ein haben. Noch schärfer aber kommt das übergewicht der freien tobt seit kurzem ein Kampf zwischen den Käsereiarbeitern und junger Mann auf, rege für den Verein zu agitieren. Daß Gewerkschaften in nachfolgendem Vergleich der Kassenver- ihren Unternehmern um Anerkennung der Gewerkschafts- er noch nicht sehr start sei, dürfe teine mutlos machen; hältnisse im Jahre 1906 zum Ausdruck. Es hatten organisation. Die Arbeiter hatten sich erlaubt, eine Auf- andere Organisationen seien auch einmal klein gewesen und Christliche Hirsch- Dunckersche besserung ihrer schlechten Löhne zu verlangen. Die Käserei hätten in verhältnismäßig furzer Zeit Großes geschaffen. arbeiter der in Betracht kommenden Orte sind teils im Sechs Mädchen schlossen sich dem Verein an, der am Deutschen Handels- und Transportarbeiterverband, teils im 25. August einen Unterhaltungsabend mit Vorträgen und Christlichen Transportarbeiterverband organisiert. Leider ist Tanz abhalten wird. Marie Seifert. zu befürchten, daß die letzteren infolge der oft befolgten Vorbereitungen zum christlichen Dienstbotenfang. Vor Im Anschluß an diese Zahlen, welche die Machtstellung Streifbrechertaktik der Christlichen auch hier die Verräter furzem fand in Köln auf Einladung des Gesamtverbandes der freien Gewerkschaften glänzend illustrieren, seien noch spielen werden. Dadurch würde natürlich den freiorgani- der christlichen Gewerkschaften eine Konferenz zur Beratung einige Angaben über die Errungenschaften des Maurer- fierten Arbeitern der Kampf erschwert. Die Käsebarone über die Dienstbotenorganisation statt. Außer katholischen verbandes mitgeteilt. Im ersten Halbjahr 1907 erreichten haben es bereits abgelehnt, mit den Vertretern des Deutschen und evangelischen Frauen- und Dienstbotenvereinen waren 14.000 Maurer in 133 Lohnbewegungen eine Arbeitszeitvertür- Handels- und Transportarbeiterverbandes zu unterhandeln. Frauenbünde, Bahnhofsmissionen, Jungfrauenvereine und zung von durchschnittlich 3% Stunden pro Woche und 51.000 Genossinnen! Unterstützt deshalb die kämpfenden Käserei- dergleichen Organisationen vertreten. In seinem einleitenden eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde. Diese Ziffern verarbeiter. Weist überall Käse aus den genannten Orten zurück. Vortrag betonte der Generalsekretär des Gesamtverbandes tünden eindringlicher als Lobessprüche, wie rührig, geschickt Er muß für ich so lange ungenießbar sein, als die Käse- der christlichen Gewerkschaften, die Dienstboten organiund traftvoll die Organisation die Interessen der Arbeiter barone es ablehnen, die Organisation des freien Handels- fation tönne den Gewerkschaften nicht nachvertreten hat. und Transportarbeiterverbandes anzuerkennen, den Arbeitern gebildet werden. Der Dienstvertrag unterscheide sich eine anständige Bezahlung und menschenwürdige Behandlung zuteil werden zu lassen. Die verlangte Unterstützung der Genofsinnen wird viel dazu beitragen, den um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Arbeitern zum Siege zu verhelfen. Einnahmen Ausgaben Vermögen 41 602 339 • . 36974717 • . 25312 633 . " 2370028 3417668 " Notizenteil. Dienstbotenfrage. wesentlich vom industriellen Arbeitsvertrag, und die Stellung des Dienstmädchens zur Herrschaft sei eine andere, als die der industriellen Arbeiterin zum Unternehmer. In demselben Sinne sprachen sich auch zwei Vertreterinnen des katholischen und des evangelischen Frauenbundes aus. Nach der Auffassung dieser Damen unterscheidet sich das Dienstmädchen dadurch von der Arbeiterin, um deren Person sich der Arbeitgeber nicht fümmert, daß es, in die Familie aufgenommen wird und mit der Herrschaft zum größten Teil dieselben Lebensschicksale trägt". Das Verhältnis sei auf gegen Im nächsten Jahre werden wir bei einem vergleichenden überblick über die Gewerkschaften noch eine vierte Spezies von Arbeiterorganisationen" aufführen können: die gelben Gewerkschaften. Hoffentlich vorenthalten diese Soldknechte des Unternehmertums der Öffentlichfeit nicht das Interessanteste, nämlich den zahlenmäßigen Nachweis darüber, wieviel wohlorganisierte Streitbrecherkolonnen mit Streifbrecheragenten an der Spitze sie formiert haben. Auch eine Statistik über die Fälle, in denen sie den bedrängten Unternehmern tatkräftige Hilfe" geleistet haben, wäre verdienstlich. Vielleicht reicht es dann außer zu amtlichen Belobi- Ju einer öffentlichen Dienstmädchenversammlung seitigen Schuh und gegenseitiges Vertrauen gungen auch noch zu Belohnungen aus, und die„ grund- in Berlin referierte im vorigen Monat Genossin Baar gestellt. Die Dienstboten sollen nach der Meinung der Damen gütige Mutter Natur" tut ein übriges, indem sie diesen über: Die Verkürzung der Arbeitszeit". Der nicht interfonfessionell vereinigt werden wie die christlichen nüzlichen, staatserhaltenden Elementen nach Heines Wunsch Umstand, daß die Versammlung nur von etwa 100 Personen Arbeiter, denn bei der Jugend der Mädchen müßten reSchwänze zum Wedeln gibt. besucht war, gab der Rednerin zu der Feststellung Veran- ligiös- sittliche Einwirkungen zu den ersten Der Kampf der Zigarrenarbeiterinnen in Gießen lassung, daß die lange, fast unbegrenzte Arbeitszeit der Aufgaben der Organisation gehören.„ Schwere sittwird auch in der zehnten Woche mit Einigkeit und Aus- Dienstmädchen diesen nicht einmal ermögliche, ihre nächst liche Bedenken" gegen den Zusammenschluß von weiblichen dauer geführt. Die Unternehmer versuchen durch Errichtung liegenden Interessen wahrzunehmen. Das Dienstmädchen und männlichen Dienstboten in einer Organisation tragen von Streitbrecherfilialen in anderen Orten die Produktion hat bei den meisten Herrschaften niemals freie Zeit. Im die christlichen Rednerinnen ebenfalls im befümmerten Herzen. aufrechtzuerhalten. Zu einer gewaltigen, eindrucksvollen Interesse der Gesundheit sowohl als auch des natürlichen Ihr Bestreben geht dahin, konfessionelle Vereinigungen zu Demonstration gestaltete sich das Bezirksfest der organisierten Bedürfnisses nach Bildung ist es für das durch die Gesinde schaffen, in denen das Vertrauensverhältnis Tabatarbeiter von Gießen und Umgegend. An 3000 Per- ordnung zur Haussklavin degradierte Dienstmädchen not- zwischen Herrschaft und Dienstbote gefördert sonen marschierten unter Vorauftragung einer roten Fahne wendig, daß eine gesetzliche Arbeitszeit festgelegt werden soll". Zur Erreichung dieses idealen Zustandes im Festzug, begeisterte Hochrufe auf den Verband und die wird. Die Herrschaften wehren sich natürlich gegen eine für die Herrschaften!-sei die Mitarbeit von Frauen moderne Arbeiterbewegung ertönten wieder und wieder. Die Aufhebung der Gesindeordnung und gegen die Verkürzung besserer Stände unentbehrlich. Die empfohlene echt Aussicht auf einen Sieg der Streifenden ist nach wie vor der Arbeitszeit, weil sie wissen, daß Mädchen, die Zeit haben, christliche" Tattit des Giapopeia erweckte im eigenen Lager gleich günstig, zumal wenn die organisierten Proletarier sich über ihre Lage nachzudenken, sich nicht jede Behandlung ge- Widerspruch. Der Vorsitzende des christlichen Hilfs- und auch fernerhin zur materiellen Unterstützung opferwillig fallen lassen werden. Alle Arbeiter haben durch Organi- Transportarbeiterverbandes, Oswald, trat für gewertzeigen wie bisher. sation Verkürzung der Arbeitszeit erreicht, nur die Dienst- schaftlichen Zusammenschluß der Dienenden ein. Zur Im Kampfe der Berliner Maurer ist zurzeit noch mädchen stehen noch abseits. Deshalb ist es für sie dringend Begründung seines Standpunktes führte er aus, daß seitens der kein Ende abzusehen, obgleich die Zahl der Firmen stetig notwendig, sich zu organisieren, um in die Lage zu kommen, Dienstboten weniger der Lohn, als vielmehr die Behandlung, wächst, welche die Forderungen der Arbeiter bewilligen. höhere Löhne und fürzere Arbeitszeit zu fordern. Den Herr Behausung und Verpflegung Hauptgegenstand der Klagen sei. Eine größere Metallarbeiteraussperrung in schaften muß endlich einmal klar gemacht werden, daß auch Nur eine selbständige gewerkschaftliche OrganiBayern scheint sich vorzubereiten. In einer Münchener die Dienstmädchen Menschen sind, die das Recht auf eine sation tönne Besserung schaffen. Die Mitarbeit von Waggonfabrik streifen 200 Holzarbeiter wegen Nichtanerken- begrenzte Arbeitszeit haben, welche ihnen außer förperlicher Frauenvereinen, deren Mitglieder den Kreisen der Herrnung der 53 stündigen Arbeitszeit. Der Direktor des Be- Gesundung auch geistige Fortbildung ermöglicht. Dies einige schaften angehören, werde keine durchgreifende Hilfe triebs wäre zu einem Entgegenkommen bereit gewesen, das der Ausführungen, welche die Rednerin machte. In der bringen. Die christlichen Gewerkschaften könnten nicht länger die Arbeiter befriedigte. Jedoch die Scharfmacher im Ver- anschließenden Diskussion wurde betont, daß es notwendig müßig beiseite stehen, seitdem die Sozialdemokraten band der bayerischen Metallindustriellen wollen es anders. sei, die Arbeitszeit der Dienstmädchen unter feinen Umständen sich der Dienstboten durch Gründung von GeSie planen, die Metallarbeiter im ganzen Lande aus- bis über 9 Uhr abends ausdehnen zu lassen; wenn aber werkschaften energisch annähmen. zusperren. nach 9 Uhr durchaus noch Arbeit erforderlich sei, so müßten In der Diskussion schieden sich die Geister, um sich schließWiederum sind einige kleine Erfolge der Textil- die Überstunden besonders bezahlt werden. Ein anwesendes lich als schöne Seelen" in der Annahme einer Reso= arbeiter und arbeiterinnen zu melden. In einigen älteres Dienstmädchen beklagte sich über die zutage tretende lution wieder zu finden, in der die christlichen Gewerkschaftswürttembergischen Städten wurden Arbeitszeitverfür Herzensroheit der Herrschaften, die vielfach den Kindern vertreter um des lieben Friedens willen ihre eigenen Grundzungen und Lohnausbesserungen erzielt, und in M.- Glad- die überzeugung einimpfen, daß die Dienst- säze verleugneten. Die Resolution empfiehlt,„ die bestehenbach war in einer Buckskinweberei nach 14tägigem Streit mädchen ganz andere Menschen seien als sie. den und neu zu gründenden konfessionellen Standesvereine ein Sieg zu verzeichnen. Von weit größerer Bedeutung ist Von bürgerlicher Seite wurde die Ansicht ausgesprochen, weiblicher Dienstboten dahin auszubauen, daß sie neben der jedoch die Durchdrückung der Forderungen der Lands- daß schließlich die Herrschaften eine Änderung der Gesinde- Förderung der idealen Interessen auch die wirtschaftliche huter Textilarbeiter, die bekanntlich in einer Zahl von ordnung bewirken würden, wenn die Dienstmädchen sich mehr Hebung ihres Standes, zum Beispiel durch Reform der Ge, Str. 17 Die Gleichheit Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. " Quittung. 147 B. L. findeordnungen, Regelung des Dienstverhältnisses unter| erfolgreiche Bersammlungen ab. Ihrer Tätigkeit ist es auch und unter solchen Bedingungen zu leiften, tausend andere Heranziehung der Dienstboten sich zum Zwecke setzen und zu verdanken, daß der Jahreskongreß der Arbeiterpartei zu anbieten. Henr. Fürth. dadurch die Aufgaben einer wirtschaftlichen Berufsorgani- Belfast sich gegen das beschränkte Frauenwahlrecht und für Schmaler Verdienst und schwere Sorgen sind das Los sation zu lösen suchen". Unter besonderen Verhältnissen das allgemeine Wahlrecht aller Großjährigen ohne Unter der proletarischen Frauen in den meisten Industrieorten der fönnen jedoch neben den tonfessionellen Dienstbotenvereinen schied des Geschlechtes ausgesprochen hat. Der Jahres bayerischen Pfalz. Dort ist die Not in der Familie des intertonfeffionelle Berufsorganisationen not bericht der Adult Suffrage Society hebt hervor, daß dank Proletariers ein ständiger Gaft. Der Verdienst des Mannes wendig werden, zum Beispiel für Angestellte in Gasthöfen, der entfalteten Agitation die Stellung der Befürworter eines reicht bei Stundenlöhnen von 20 bis 25 Pf., wenn es hoch Zimmermädchen usw. Vor Gründung letzterer ist jedoch beschränkten Frauenwahlrechts beträchtlich geschwächt worden tommt von 30 bis 35 Pf. ausnahmslos nicht hin, auch nur mit den konfessionellen Dienstbotenvereinen Fühlung zu ist, weil die arbeitenden Massen zu begreifen beginnen, daß den notdürftigsten Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Ernehmen." Um ihrer Prinzipienlosigkeit schamhaft ein christ die Beschränkung eine ungerechte Maßregel ist, die nicht zur werbsarbeit der Frau ist unerläßlich. Die Wartung der liches Feigenblatt vorzubinden, gaben die umgefallenen Ge- politischen Befreiung des gesamten weiblichen Geschlechts fleinen Kinder bleibt den größeren Geschwistern überlassen, werkschaftsvertreter eine Erklärung ab, wonach sie in dieser führt. Das ist nicht ohne Rückwirkung auf die Suffra- die oft sich selbst zu behüten noch nicht imftande sind. Kaum Frage prinzipiell" auf dem Boden der Interkonfessionalität gettes"( die frauenrechtlerischen Kämpferinnen für das be- für die Schule reif, stößt die bittere Not die Kinder hinaus, stehen. Zugleich forderten sie, daß eine Form gefunden schränkte Frauenwahlrecht) geblieben. Sie wurden gezwungen, den Kampf ums Dasein mitzukämpfen. In den wenigen werde, die eine Fühlungnahme der tonfessionellen Dienst sich allmählich mehr und mehr der Forderung des allge- freien Stunden, die ihnen zur Erholung, zum Spielen bleiben botenverbände mit dem Gesamtverbande der chriftlichen Ge- meinen Wahlrechts für alle Großjährigen zu nähern. Dickin- sollten, müssen sie als Hausierer in Straßen und Restaurants werkschaften ermöglicht, um den Dienstbotenvereinigungen sons Antrag, die Einführung des beschränkten Frauenwahl mit zum Einkommen der Eltern beitragen. Wie wehmütig einen starken Rückhalt an der christlichen Arbeiterbewegung rechts betreffend, fand im Parlament nur eine fühle Auf- und herzzerreißend blicken die Kinderaugen, wenn alles Bitten zu geben, insbesondere, um die Schaffung eines modernen nahme, weil viele Parlamentarier für die weitergehende und Anpreisen nicht hilft, die Waren abzusetzen. Welch Gesinderechts und weiterer gesetzlicher Fürsorge in die Wege Reform sind und von einem beschränkten Frauenwahlrecht eine Anflage spricht aus den jungen Zügen, denen Kummer zu leiten". Des Pudels Kern der Verhandlungen ist, daß nichts wissen wollen. Die Organisation hält daher die Zeit und Entbehrung frühzeitig ihre Zeichen eingraben! Liegt die christlichen Herrschaften über die christlichen Gewert für gekommen, sobald als möglich die Frage des Wahlrechts die Schulzeit hinter den Armen, so heißt es vom frühen schaften gefiegt haben. Der Charakter der konfessionellen für alle Großjährigen ohne Unterschied des Geschlechtes vor Morgen bis zum späten Abend für einen Lohn von 50 und und christlichen Dienstbotenorganisationen steht von vorn- das Parlament zu bringen. im günstigsten Falle von 60 Pf. in der Fabrik fronden. Der herein fest. Es werden Vereinigungen für die Interessen Lohn der Mädchen steigt nach Jahresfrist auf 1 Mt., vorder Herrschaften sein, den Dienstboten bleibt das Nachsehen. ausgesetzt, daß sie es verstanden haben, sich die Gunst der Bemerkenswert war, daß Oswald unvorsichtig die BewegMeister zu erwerben. Die erwachsenen Arbeiterinnen bringen gründe verriet, welche die christlichen Herrschaften zu dem Lohn- und Arbeitsbedingungen der Badebediensteten es schließlich einmal auf die fürstliche Entlohnung von verdächtigen Eifer anspornen, mit dem sie sich plötzlich der in Wildbad in Württemberg. Das Wildbad hat dem 12 mit. wöchentlich, jedoch auch nur, wenn sie im Afford Dienstboten annehmen wollen. Es ist die Furcht vor der Königreich im letzten Berichtsjahr den ansehnlichen Über- arbeiten und sich aufs äußerste anstrengen. Die gewerkschaftSozialdemokratie, die für die Aufklärung und Organisierung schuß von 69 000 Mt. lediglich aus Kurtaxen und Bädern liche Organisation, die imstande wäre, bessere Arbeitsder Dienstboten bemüht ist; es ist die Furcht, daß dank der gebracht, obwohl im Laufe einer Saison Tausende von bedingungen herbeizuführen, fonnte lange von Ludwigssozialdemokratischen Bemühungen die Dienenden sich aus Bädern unentgeltlich oder zu herabgesetzten Preisen an Arme hafen und einigen anderen Industriezentren abgesehen willenlosen Stlavinnen der Herrschaften in Denkende, For- und Minderbemittelte abgegeben werden. Man sollte meinen, feinen festen Fuß in der bayerischen Pfalz fassen, obgleich dernde und Handelnde verwandeln, die ihres Menschen- daß es sich eine so gut rentierende Anlage zur Ehrenpflicht dem Pfälzer manche Rechte zustehen, die den Proletariern rechts und des Wertes ihrer Leistungen bewußt eine men- machen müßte, ihre Angestellten für den meist recht schweren anderwärts ermangeln. Die letzten Jahre haben erfreuschenwürdige Eristenz erkämpfen. So wenig das Lamm beim und zeitlich ausgedehnten Dienst entsprechend zu lohnen. licherweise einen Wandel zum Besseren gebracht. Freilich Wolf liegen kann, so wenig können die Dienenden die Ver- Aber das gerade Gegenteil ist der Fall, insbesondere beim arbeiten Unternehmer und Pfaffen im Bunde daran, die tretung ihrer Interessen Organisationen anvertrauen, in weiblichen Personal. Die Badedienerinnen, die bei ein- Aufklärung der arbeitenden und ausgebeuteten Massen zu denen die gnädigen Frauen" die Führung haben. stündiger Mittagspause eine Arbeitszeit haben, die sich von hintertreiben, ihrer gewerkschaftlichen und politischen OrganiDienstbotenansbentung während der Reisezeit. Die 5 Uhr früh bis 6 Uhr nachmittags erstreckt, bekommen dafür sation Hindernisse in den Weg zu wälzen. Aber trotz alleReisezeit der Herrschaften geht bald zu Ende und damit das 2,60 Mt. pro Tag. Die Badverwaltung glaubt sie damit so bem geht es vorwärts. In den Fortschritten, welche die ge Wandern" der Dienstmädchen. Da nach Ansicht der christ- glänzend entlohnt zu haben, daß sie Trinkgelder entbehren werkschaftliche und politische Arbeiterbewegung macht, haben lichen Damen auf der Kölner Konferenz die Dienstmädchen können. Das ist nun freilich eine von niemanden ernst ge- wir die Bürgschaft dafür, daß auch die Lebensbedingungen zumeist„ in die Familien aufgenommen werden und mit den nommene Fiktion. Die Badedienerinnen sind auf Trink- der proletarischen Frauen sich heben werden. Herrschaften die gleichen Lebensschicksale teilen", ist es gewiß gelder angewiesen, und sie bekommen sie auch. Wie demoJohnend, einmal zu betrachten, welcher Anteil von den Freu- ralisierend das Trinkgelderunwesen auf ganze Bevölkerungs den der Reisesaison vielfach auf die Dienstboten entfällt. Um schichten einwirken muß, und in welch unverhohlener, ab- Jm Monat Mai gingen bei der Unterzeichneten für den der ,, Gnädigen" die gesellschaftliche Verpflichtung" des Reisens stoßender Weise es die Herrschaft des Geldbeutels proklamiert, Agitationsfonds der Genoffinnen ein aus Aachen durch Genossin Stupp 10 Mt.; Augsburg durch Gezu ermöglichen, muß zu Hause vielfach jeder Pfennig gespart wer- ist allgemein bekannt. den. Zu diesem Zwecke wird in der Regel das Hauspersonal ent- Da aber dieser tief eingewurzelte Unfug nun einmal be- noffin Deffner 80 Mt. und 30 Mt.; Aschersleben lassen oder aber es wird der beliebte Trick angewendet, daß steht und von heute auf morgen nicht abgeschafft werden durch Genoffin Mikowsky 20 M.; Berlin gesammelt zur man den Mädchen wie gnädig!- erlaubt", nach Hause fann, wäre es zunächst logisch und gerecht, daß die meisten Maifeier 47,30 Mt.; zweiter Kreis 75 Mt.; vierter Kreis zu fahren. Natürlich müssen sie das Fahrgeld sowohl wie Extraeinnahmen wenigstens den Angestellten zuflößen, welche durch Genoffin Wengels 100 W.; fünfter Kreis durch Essen und Trinken aus ihrer Tasche bezahlen. Auf diese die schwerste Arbeit zu leisten haben. Es ist aber nicht an Genoffin 3eipert 30 mt.; sechster Kreis durch Genoffin vornehme Art drücken sich die„ Herrschaften" auf ein bis dem. Im alten Badgebäude, das die heißesten Bäder und Wulff 200 Mt.; Berlin gesammelt auf den Verbandszwei Monate um die Ausgaben für Kost und Lohn der die sogenannten Gesellschaftsbäder umschließt, haben die tagen der Zimmerer, Bergarbeiter und Töpfer durch Genossin Mädchen. Wenn sie nach dieser Zeit ermüdet und ab- Badefrauen nichts weiter zu tun, als den Badenden beim Kähler 48,30 M.; vom Verbandstag der Handelsgespannt" heimkehren, dann ist es dem Mädchen huldvoll Verlassen des Wassers ein gewärmtes Badetuch überzu- und Transportarbeiter durch M. Philipp 44 M.; gestattet, ebenfalls zurückzukommen, um die unterbrochene werfen und den nassen Bademantel zu entfernen. Zu dem Burg durch Genoffin Suchy 6 Mt.; Braunschweig Ordnung der Dinge und damit die Behaglichkeit im Heime angeblich dazu gehörigen Abreiben kommt es nur bildlich. durch Genoffin Hoeste 26 Mt.; Chemnitz durch Genoffin wieder herzustellen. Daß die armen alten Eltern der Trotzdem vereinnahmen diese Frauen neben ihrem Taglohn Müller 125 Mt.; Göthen durch Genossin Ochsenfahrt Mädchen acht Wochen lang für die Herrschaften herhalten an Trinkgeldern in der Hochsaison täglich ungefähr 4 bis 5 mt. 9,45 M.; Danzig durch Genoffin Güth 26,85 m.; mußten, tut ja weiter nichts zur Sache, denn es tam ledigGanz anders im König- Karl- Bad. In dem dort befind- Düsseldorf durch Genossin Wirt 20 W.; Eichlingslich darauf an, daß letztere sich uneingeschränkt amüsieren lichen Gesellschaftsbad amtieren drei Frauen. Sie haben die hofen durch Genoffin Wallbruch 20 mt.; Essen durch und den Schein des Standesgemäßen" nach außen hin Badenden in den Heißluftraum( 49 Grad Reaumur) zu führen Genoffin Plum 40 Mt.; Eving b. Dortmund durch Ge wahren konnten. Aber die„ Gnädigen" wissen sich auch noch und dort zu besorgen, desgleichen in den Dampfraum. nofsin Bartelheim 20,25 M.; Flensburg durch Geauf andere Art zu helfen. Wenn das Mädchen weder Eltern Außerdem müssen sie massieren, Duschen anwenden usw. nofsin Meyer 13 M.; Frankfurt a. M. durch Genofsin noch Verwandte hat, bei welchen es sich während der Reise- Eine Fülle schwerer und anstrengender Arbeit, die infolge Tesch 100 Mt.; Gaarden- Riel durch Genofsin An= zeit der Herrschaften aufhalten könnte, wird einfach zur des Umherwanderns in ständig wechselnden und teilweise braschke 40 mt.; Goschwih Überschuß von der Maifeier Kündigungszeit möglichst offiziell ein Streit vom Zaune ge- fehr hohen Temperaturen gesundheitsschädlich ist. Die Bäder durch Genofsin Blumenstein 3,50 Mt.; Göppingen brochen. Wenn die Nachbarschaft dann gehört hat, daß es strengen so an, daß der Besuch des Bades ein viel geringerer durch Genoffin Frey 10 Mt.; Grabow i. Pom. durch ,, was gegeben hat", findet sie es ganz natürlich, daß das ist als auf der anderen Seite. Außerdem müssen die Extra- Genossin Kuschel überschuß vom Kränzchen 5,54 Mt. und Mädchen bald darauf zieht. Nachdem sie das Mädchen auf vergütungen unter drei Personen geteilt werden, so daß sich 25 Mt. für Bons; Foche b. Solingen durch Genoffin diese bequeme Art losgeworden ist, kann die gemütvolle die einzelne Frau täglich auf 1,35 bis 2 Mt. oder im ganzen Weihrauch 5 Mt.; Gießen durch Genoffin Bohl Herrschaft fröhlich hinausziehen in die herrliche Natur, kann der halbjährigen Saison auf 150 bis 200 Mt. an Trint- 9,75 t.; Hamburg für Wahlflugblätter durch Genossen die Alpen besuchen und in Bädern oder am Meeresstrand geldern steht. Soweit die betreffenden Badefrauen ortsfremd Dubber 1108,25 mt.; Behoe durch Genoffin Bo113 die gewähltesten Toiletten bewundern lassen. Die Unver- sind, haben sie von einer Tageseinnahme, die einschließlich 20 mt.; Karlsruhe von Dz. 10 M.; Kattowitz D.- Schl. schämtheit der Dienstboten, die immer fauler und begehr- Trinkgelder 3,45 bis 3,75 Mt. beträgt, Wohnung und Ver- durch Genoffin Kwasnid 6,17 M.; Kaiserslautern licher werden, bildet dabei einen unerschöpflichen Gesprächs- töftigung zu zahlen, die in Bädern bekanntlich teuer sind. durch Genoffin Dellmuth 20 W.; 2echhausen durch stoff. über die oben geschilderten Akte menschenfreundlicher Außerdem haben sie das Vergnügen, sich nach Schluß der Saison, Genossin 3 eh 14 Mt.; Lübeck durch Genoffin Wissel Fürsorge den Geschmähten gegenüber bewahren die Herr der am 1. Oftober erfolgt, das heißt also gerade in der arbeits- 15 M.; Magdeburg durch Genoffin Knöfler 50 Mt.; schaften jedoch in zarter Rücksichtnahme füreinander tiefstes armen Winterzeit, nach einer anderen Beschäftigung umzutun. Mittweida durch Genoffin Müller 10 M.; MülSchweigen. Angesichts solcher Zustände kann man den DienenMan könnte einwenden, daß die Einnahmen der Bade- hausen i. Elsaß durch Genoffin Glattbach 30 Mt.; den nur immer aufs neue zurufen: Organisiert euch und seid frauen im Vergleich zu der für Frauenarbeit allgemein üb. Mülhausen i. Th. durch Genossin Page 10 tt.; Muldarauf bedacht, daß die Dienstbotenvereine ständig größer lichen Entlohnung nicht einmal schlecht zu nennen seien. heim a. Rhein durch Genossin Schuhmacher 36 M.; und damit widerstandsfähiger werden gegen skrupellose Aus- Das würde zutreffen, wenn es sich in der fraglichen Ab- Neumünster durch Genoffin Pries 19,35 t.; Oberbeutung! + teilung des König- Karl- Bads nicht um besonders schwere Ramstadt, Jakob Braband, durch Genossin Hoffmann oder vielmehr um gesundheitsschädliche Arbeit handelte. Nur 10 mt.; Quedlinburg für Wahlflugblätter durch Genoffin Frauen, die ganz fest und widerstandsfähig sind, vermögen Wölfer 27,35 Mt.; Roßlau durch Genossin Herrling auf die Dauer dabei auszuhalten. Hierzu kommt noch, daß, 9,80 Mt.; Sch feudis b. Leipzig durch Genoffin Schulze Für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts im Gegensatz zu den männlichen Bediensteten, welche einen 10 Mt.; Tempelhof durch Genoffin Thiel 30 Mt.; aller Großjährigen ohne Unterschied des Geschlechtes Taglohn von 3,20 Mt.( ohne Trinkgelb) beziehen, die weib- Thamm b. Senftenberg durch Genoffin Weitart 10 m.; in England ist besonders die Adult Suffrage Society lichen Angestellten eine Fülle von Reinemacharbeit zu leisten Wald b. Solingen durch Genoffin Drescher 4,60 m.; ( Verein zur Erringung des Wahlrechts für alle Großjährigen) haben. Sie müssen die Böden scheuern, das Messingzeug Wetzlar burch Genoffin Fauth 5 Mt.; Wiesbaden tätig. Die Organisation ist von Genossinnen gegründet blant halten, abstauben, für die Wäsche sorgen usw. usw. für Wahlflugblätter 35 M.; Zeit durch Genoffin Beo worden, welche besonders der Sozialdemokratischen Föde- Dabei ist ihre sonstige Arbeit( Massage usw.) ebenso an- pold 44 M.; für Merkblätter durch Genoffin Jeezeration" angehören. Sie bekämpft die Einführung eines be- strengend wie die der Männer. Die Frauen haben also tat- Rigdorf 7,80 Mt. In Sunnna 2082,36 Mt. schränkten Frauenwahlrechts, weil sie mit Recht in ihm ein sächlich erheblich mehr zu arbeiten als die Männer, wofür Monopol der besitzenden Klassen und eine Gefahr für die sie in gleichem Verhältnis schlechter entlohnt werden. Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts sieht. Nach Nur eine Organisation könnte hier wirksam eingreifen, dem letzten Jahresbericht hat die Organisation 1906 gute doch danach sieht es zurzeit noch nicht aus. Wie die VerFortschritte gemacht. Sie nahm an Lokalfektionen und Mit- hältnisse jetzt liegen, würden sich für eine Badebedienstete, gliedern zu und hielt in London wie vielen Provinzorten die fich etwa weigerte, die Arbeit zu dem geltenden Lohne " Frauenstimmrecht. " Dantenb quittiert: Ottilie Baader, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Berichtigung. In der„ Quittung" für April in Nr. 13 ist vergessen worden, über 30 mt. zu quittieren, die aus Weißenfels durch Genoffin Menge eingegangen sind. 148 Die Gleichhelt Nr. 17 Seid gegrüßt. Bon Mba Regri. Der Kämpfer denk ich, die in Händen tapfer Die Schaufel halten, trogend Blut und Sturmguß, Abringend den gequälten, dürren Schollen Ein elend Brotstud. Der Kämpfer dent' ich, die im finstern Schachtgrund Die Haue führen mit den magern Fäusten, Die teuchend in dem schwarzverruchten Schatten Rublos fich abmühn. Ein heimlich Sausen schleicht da das erschüttert Mit nieberstürzendem Gefrach die Wölbung, Und Staub ist alles, Finsternis und langes Gefeufs des Todes... Doch den zerfekten Schoß des großen Berges Siegreich der Dampf zerspaltet und durchschreitet. Ihn grüßt am Ausgang leuchtenden Triumphes Der Sonne Lichtstrahl. Der Rämpfer bent ich, die mit ebler Seele In fieberhafter Müh' Gedanken weben, Führer und Märtyrer, den Wissensarmen Zum Zeitkampf donnernd. Des Wachen bent' ich, der sich quält und hingeht Ginsam, verkannt... es bricht aus meinem Busen Ein Schrei mit weitem Widerhall auf Erden: Euch grüß' ich, Helden! Euch grüß' ich, ehern hemdenlose Brüste, Ihr rauhen Leiber, muskulösen Arme, Ihr unermüdlichen, im brüllenden Schlachtlärm Der Riesenwerkſtatt. Euch grüß' ich, die ber heil'ge Stolz der Arbeit Durchflammt, euch, die der Tod beim Schaffen hinrafft, Euch, wackre Kämpfer des Gedankens und des Geschwungnen Hammers. Bor mir vorüberziehn, in strengen Bildern, Der bleichen Mädchen unglücksel'ge Scharen, Borüberziehn in der Fabriken Schraubstock Gepreßte Frauen. Und müde Kinder und vergrämte Stirnen, Berrißne Glieder und entstellte Mienen, Und eine wegemüde, ungeheure Erdfahle Voltschaft... Von ferne hör' ich ein Getös von Stimmen, Der Arte, Hämmer und der Pickel Schläge: Jch aber finge frei durch dieser Erde Verworrnes Lärmen: Dich sing' ich, v zerstreute, arbeitsame, O große, menschliche Familie! Vorwärts! Kämpfe und fiege! Schließe dich zusammen Zur Glückeseinheit. Auf, Arbeitshelden, auf! Zu Siegers Häupten, Und der Gefallnen leztem Todesringen, Mit mildem Auge schönre Zukunft spendend, Leuchtet die Sonne. Vor dem Angesicht des Lebens. Bon Maxim Gorki. Vor dem finstern Angesicht des Lebens standen zwei Menschen, beide unzufrieden mit ihm, und auf die Frage: Was erwartet ihr von mir?" sagte mit müder Stimme der eine: Ich bin empört über die Grausamkeit deiner Widersprüche; vergeblich müht sich mein Verstand, den Sinn des Lebens zu erfassen, und meine Seele ist erfüllt vom Dämmerscheine meiner Zweifel an dir. Mein Selbstbewußtsein sagt mir, daß der Mensch das Höchste der Schöpfung ist..." " Was willst du von mir?" fragte leidenschaftslos das Leben... " will die Freiheit; will in Harmonie mit meinen Wünschen| tommt. Aber schade! der verschlagene Spieler hat's nur leben; nicht Bruder oder Diener will ich meinen Nächsten in einer Karte versehen. Er faltulierte das ganze Spiel sein, weil die Gebote des Gewissens es so von mir ver- des Reides, aber der raffinierte Bizling ließ zum Unglüc langen; ich will ihnen nur das sein, was ich selbst in die Patrioten aus.( Sehr bebeutend.) Hat der Unterdrücker freiem Willen wähle: Sklave oder Bruder. Ich will der Freiheit auch einen Kniff auf die Büge der römischen Tugend zurückbehalten? Ich schwör es beim lebendigen nicht ein bloßer Baustein sein in den Händen der mensch Gott, eh' die Nachwelt meine Gebeine aus dem Kirchhof lichen Gesellschaft, den sie hinsetzt, wohin und wie fte eines Herzogtums gräbt, soll sie sie auf dem Rabe zu will beim Baue des Mausoleums für ihr eigenes sammenlesen! Glück und ihre Wohlfahrt! Ich bin ein Mensch; ich bin Fiesco( nimmt ihn mit Sanftmut bet der Hand). Auch nicht, der Geift und die Vernunft des Seins, ich muß frei sein!" wenn der Herzog dein Bruder ist? wenn er sein Fürstentum Warte," sprach das Leben mit düsterem, faltem nur zur Schaztammer seiner Wohltätigkeit macht, bie bis Lächeln. Du hast viel geredet, und ich weiß, was du jetzt bei seiner haushälterischen Dürftigkeit betteln ging? noch alles sagen willst. Frei willst du sein? Nun also! Verrina, auch dann nicht? Sei es! Rämpfe mit mir, besiege mich und werde mein Beherrscher. Dann werde ich dein Sklave sein; du weißt, ich bin falt und teilnahmlos, und nur dem Sieger er gebe ich mich gern. Also Sieger mußt du sein! Bist du zum Rampfe mit mir um deiner Freiheit willen fähig? Ja? Bist du zum Siege start genug, und glaubst du auch an deine Kraft?" Betrübt erwiderte der Mensch:„ Du hast mich in den Kampf mit mir selbst hineingezogen; du haft mir den Verstand geschärft, daß er wie ein Dolch mir in die tieffte Seele drang und ihre Kraft zerstörte!" Sprechen Sie doch strenger mit ihm! Klagen Sie nicht immer!" riet der andere. Und der erste fuhr fort: Ausruhen will ich von deinem steten Druck. O laß mich Glück genießen!" Wieder lächelte das Leben; ein Lächeln, falt und hell, wie des Flachses Glanz:„ Sag an, wenn du so redeft, forderst du oder bittest du?" „ Ich bitte..." erwiderte, wie ein leises Echo, jener Mensch. Du bittest! Wie ein Gewohnheitsbettler! Doch, armer Mann, ich muß es dir erklären, Almosen gibt das Leben nicht! Denn, weißt du, der Freie bittet nicht: der nimmt fich meine Gaben selbst... Du aber, du bist ja nur ein Sklave deiner Wünsche, mehr nicht! Frei ist der allein, der die Kraft hat, allen Wünschen zu entsagen, um sich ganz in einen zu versenken! Hast du mich verstanden? He!" Er hatte verstanden. Er legte sich nieder zu des Lebens Füßen, wie ein Hund, um leise nach den Stücken zu haschen, die von seinem Tische fielen, den überbleibseln seines reichen Mahles. Da blickten die kalten, teilnahmlosen Augen des Lebens in des andern Menschen hartes, etwas grobes Angesicht. Worum bittest du?" " " Ich bitte nicht, ich fordere!" Was?" " Berrina. Auch dann nicht und der verschenkte Raub hat noch feinem Dieb von dem Galgen geholfen. Überdies ging diese Großmut bei Verrina fehl. Meinem Mitbürger fonnt' ich schon erlauben, mir Gutes zu tun- meinem Mitbürger hofft' ich's wett machen zu können. Die Geschenke eines Fürsten find Gnade und nur Gott ist mir gnädig. Fiesco( ärgerlich). Wollt' ich doch lieber Italien vom Atlantermeer abreißen, als diesen Starrtopf von seinem Wahn. Runft nicht, bavon weiß das Lamm Republik zu erzählen, Berrina. Und abreißen ist doch sonst deine schlechtefte Kunst nicht, davon weiß das Lamm Republik zu erzählen, das du dem Wolf Doria aus dem Nachen nahmft- es selbst aufzufreffen. Aber genug! Nur im Vorbeigehen, Herzog, sage mir, was verbrach denn der arme Teufel, den ihr am Jesuiterbom aufknüpftet? Fiesco. Die Canaille zündete Genua an. Berrina. Aber doch die Geseze ließ die Canaille noch ganz? Fiesco. Verrina brandschaßt meine Freundschaft. Berrina. Hinweg mit der Freundschaft! ich sage dir ja, ich liebe dich nicht mehr; ich schwöre dir, daß ich dich haffe hasse wie den Wurm des Paradieses, der den ersten falschen Wurf in der Schöpfung tat, worunter schon bas fünfte Jahrtausend blutet- Höre, Fiesco- nicht Untertan gegen Herrn nicht Freund gegen Freund Mensch gegen Mensch red' ich zu dir.( Scharf und heftig.) Du hast eine Schande begangen an der Majestät des wahrhaftigen Gottes, daß du dir die Tugend die Hände zu deinem Bubenstück führen und Genuas Patrioten mit Genua Unzucht treiben ließest- Fiesco, wär' auch ich der Redlichdumme gewesen, den Schalt nicht zu merken, Fiesco! bei allen Schauern der Ewigkeit, einen Strick wollt' ich drehen aus meinen eignen Gebärmen und mich erdroffeln, daß meine fliehende Seele in gichtrischen Schaumblasen dir zufprizen sollte. Das fürstliche Schelmenstück drückt wohl die Goldwage menschlicher Sünden entzwei, aber du haft den Himmel geneckt, und den Prozeß wird das Weltgericht führen. ( Fiesco, erstaunt und sprachlos, mißt ihn mit großen Augen.) Berrina. Besinne dich auf teine Antwort. Jegt find wir fertig.( Nach einigem Auf- und Niedergeben.) Herzog von Genua, Wo ist Gerechtigkeit? Her mit ihr! Alles andere auf den Schiffen des gestrigen Tyrannen lernt' ich eine nehm' ich später, jetzt brauch' ich nur Gerechtigkeit! Lange Gattung armer Geschöpfe kennen, die eine verjährte Schuld und geduldig gewartet. In genug habe ich gewartet und geduldig gewartet. In mit jedem Ruderschlag wiederkäuen und in den Ozean ihre sie zu zählen harter Arbeit habe ich gelebt, ohne Raft, ohne Hoffnungs- Tränen weinen, der wie ein reicher Mann zu vornehm ist, Ein guter Fürst eröffnet sein Regiment mit strahl. Ich habe gewartet, jetzt aber ist's genug! Beit Erbarmen. Wolltest du dich entschließen, die Galeerensflaven ist's zu leben. Wo ist die Gerechtigkeit?!" zu erlösen? Und ruhig und teilnahmlos erwiderte das Leben: " So nimm sie dir selbst!" Aus„ Die Verschwörung des Fiesco zu Genua". Von Friedrich Schiller. Sechzehnter Auftritt. Berrina. Fiesco im herzoglichen Schmuck. Fiesco( scharf). Sie seien die Erstlinge meiner Tyrannei Geh und verkündige ihnen allen Erlösung! Berrina. So machst du deine Sache nur halb, wenn du ihre Freude verlierst. Versuch es und gehe selbst. Die großen Herren sind so selten dabei, wenn sie Böses tun; sollten sie auch das Gute im Hinterhalt stiften? Ich dächte, der Herzog wäre für feines Bettlers Empfindung zu groß. Fiesco. Mann, du bist schrecklich, aber ich weiß nicht, warum ich folgen muß.( Beide gehen dem Meer zu.) Verrina( hält still, mit Wehmut). Aber, noch einmal umarme mich, Fiesco! Hier ist ja jemand, der den Verrina meinen sieht und einen Fürsten empfinden.( Er drückt thn tuntg.) Gewiß, nie schlugen zwei größere Herzen zusammen; wir liebten uns doch so brüderlich warm( heftig an Fiescos Fiesco. Berrina! Erwünscht. Eben war ich aus, dich salse wetnend.) Fiesco! Fiesco! du räumst einen Platz in meiner zu suchen. ( Betbe treffen aufeinander.) Berrina. Das war auch mein Gang. Fiesco. Merkt Verrina keine Veränderung an seinem Freunde? Berrina( zurückhaltend). Ich wünsche keine. Fiesco. Aber siehst du auch keine? Berrina( ohne ihn anzusehen). Ich hoffe, nein! Fiesco. Ich frage, findest du feine? Verrina( nach einem flüchtigen Blich). Ich finde keine. Fiesco. Nun, siehst du, so muß es doch wahr sein, daß die Gewalt nicht Tyrannen macht. Seit wir uns beide ver ließen, bin ich Genuas Herzog geworden, und Verrina ( indem er thn an die Brust drückt) findet meine Umarmung noch feurig wie sonst. Brust, den das Menschengeschlecht, dreifach genommen, nicht mehr besetzen wird. Freund! Fiesco( sehr gerührt). Sei mein Berrina. Wirf diesen häßlichen Purpur weg, und ich bin's Der erste Fürst war ein Mörder und führte den Purpur ein, die Flecken seiner Tat in dieser Blutfarbe zu verstecken Höre, Fiesco ich bin ein Kriegsmann, ver das sind Fiesco stehe mich wenig auf nasse Wangen meine ersten Tränen wirf diesen Purpur weg! Fiesco. Schweig! -Verrina( heftiger). Fiesco laß hier alle Kronen dieses Planeten zum Preis, dort zum Popanz all seine Foltern legen, ich soll tnien vor einem Sterblichen Glück!... Und dazu ist es nötig, daß du die Grund muß; der Anblick der Majestät fällt wie ein schneidendes/ Kniefall wirf diesen Purpur weg! lagen der Widersprüche in meiner Seele versöhnst: Mein , ich will mit deinem, du mußt." " Wolle das, was du für mich mußt," sagte finster das Leben. ich werde nicht fnien Fiesco!( indem er niederfällt) es ist mein erster Berrina. Desto schlimmer, daß ich sie frostig erwidern Messer zwischen mich und den Herzog! Johann Ludwig Fiesco. Steh auf und reize mich nicht mehr! Berrina( entschloffen). Ich steh' auf, reize dich nicht mehr. Fiesco besaß Länder in meinem Herzen jetzt hat er ja( Sie stehen an einem Brett, das zu einer Galeere führt.) Der Fürst Benua erobert, und ich nehme mein Eigentum zurück. hat den Vortritt.( Gehen über das Brett.) Fiesco( betreten). Das wolle Gott nicht! Für ein HerzogFiesco. Was zerrst du mich so am Mantel? er fällt! " Ich will dein Opfer nicht sein!" rief der Mensch. tum wäre der Preis zu jüdisch. Verrina( mit fürchterlichem Hohn). Nun, wenn der Purpur Fieses( ruft aus den Wellen). Hilf, Genua! Hilf! Hilf deinem Herzog!( Stnft unter.) " Ich will der Herr des Lebens sein, und muß ewigheit in der Mode gesunken, daß man dem ersten dem beften fällt, muß auch der Herzog nach.( Er stürzt ihn ins Meer.) meinen Nacken unter das Joch Wozu?" beugen... Republiken um ein Schandengeld nachwirft. Fiesco( beißt die Stppen zusammen). Das sag du niemand „ Sprechen Sie doch einfacher mit ihm," sagte der als dem Fiesco. andere, der näher zum Leben stand, während der erste Berrina. natürlich! Ein vorzüglicher Kopf muß es erantwortlich für die Redaktion: Fr. Mara Betkin( Bundel), Wilhelmshöhe fortfuhr, ohne die Worte des Genoffen zu beachten:„ Ich immer sein, von dem die Wahrheit ohne Dhrfeige wegBoft Degerloch bei Stuttgart. Drud und Berlag von Baul Ginger in Stuttgart