Nr. 18 Die Gleichheit ever Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ees Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Rinder. Die„ Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Sabres- Abonnement 2,60 Mart. Juhaltsverzeichnis. 1 Feuilleton: Sonnenwende. Bon Ludwig Uhland.( Gedicht.) Adlernest. Bon Björnstjerne Björnson. Die Sau. Bon Thoma. Der Internationale Soziale Ludwig Stuttgart den 2. September 1907 17. Jahrgang Buschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undet), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. die Rolonialpolitik, der Militarismus, das Verhältnis| niert, den politischen und ökonomischen Kampf sowie Der Internationale Sozialistische Kongreß zu Stuttgart. Die erste von Partei und Gewerkschaften, die Ein- und Aus beide Organisationen möglichst innig zu einer einheit Internationale Konferenz sozialistischer Frauen. Die Ausdehnung wanderung und das Frauenwahlrecht. In allen diesen lichen Macht der sozialistischen Arbeiterklasse zu gestalten. der Krankenkassenfürsorge auf die Familienangehörigen. Bon Fr. Fragen fam ein Gegensatz der prinzipiellen und der Nur der Vertreter der russischen Sozialdemokraten, Ge Meeis. Die weibliche Arbeitskraft in ber Eisen- und Metall opportunistischen Auffassung zum Ausdruck, und der noffe Plechanow, und die Majorität der französischen inbuftrie. IV. Bon W. D. Bom Rampfplatz um das Bereins- Meinungskampf in den einzelnen Kommissionen sowie Delegation suchten mit ziemlich verunglückten Argumenten umb Bersammlungsrecht. Bon Robert Pippmann. im Plenum des Rongreffes war ein treues Spiegelbild die Besonderheiten ihrer respektiven Länder gegen dieses Aus der Bewegung: Bon der Agitation. Die dritte ordentliche Frauenkonferenz der Bertranenspersonen des sechsten schleswig- des Widerstreits der verschiedenen Tendenzen, der das Prinzip als einschränkende Rücksichtsmomente ins Feld holsteinischen Wahlkreises. Jahresbericht der Vertrauensperson Innere der modernen Arbeiterbewegung in allen Ländern zu führen. Die überwältigende Majorität des Kongresses des Kreises Magdeburg und Umgebung. Ein mißlungener Streich. aufwühlt, zur Selbstkritik und zur Vertiefung der sozia- stellte sich auf die Seite der unumwundenen Politik der -Beschluß der ersten Internationalen sozialistischen Frauen- liftischen Auffassung führt. Einigkeit zwischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften, fonferenz, das Internationale Sekretariat betreffend. Politische In der Frage der Kolonialpolitik standen sich ent- und zwar durch Annahme einer Resolution, die den Nach Rundschau. Bon H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Ge- gegen: die ftrifte prinzipielle Ablehnung jeder Kolonials druck zweifellos auf die Ablehnung aller zünftigen, eng werkschaftliche Unterrichtsturese für Arbeiterinnen in Nürnberg. politik, da diese mit geschichtlicher Notwendigkeit auf brüftigen Nurgewerkschafterei, auf die wiederholt und Genoffenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. einen tapitalistischen Länderraub und ein Ausbeutungs- ausführlich dargelegte Notwendigkeit legt, den Gewerk Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenstimmrecht. Gesetzgebung. Sittlichkeitsfrage. und Herrschaftsverhältnis hinauslaufen müsse, und eine schaftskampf mit dem Geiste des Sozialismus zu füllen Das gemäßigte Auffassung, die die heutigen Kolonialgreuel und ihn dem großen revolutionären Befreiungskampf lediglich als unangenehme Auswüchse bekämpfen, die des Proletariats organisch einzugliedern. Kolonialpolitik im Prinzip jedoch nicht ablehnen wollte. Die Frage des Militarismus stellte nicht mehr das ProDieser Auffassung nach würde die sozialistische Zukunfts- blem des Was, sondern nur noch des Wie vor dem intergesellschaft angeblich ja auch Rolonialpolitik treiben, um nationalen Sozialismus auf. Der unermüdliche Kampf zurückgebliebene Länder und Völker der Kultur und ihre gegen den bittersten, wildesten Feind der Arbeiterklasse, den Sozialistische Kongreß zu Stuttgart. Produttivkräfte der wirtschaftlichen Verwertung zu erfapitalistischen Militarismus, ist kein Problem mehr und schließen. Auf den ersten Blick mochte der Streit als feine Frage für das aufgeklärte Proletariat. Es galt Noch kein internationaler sozialistischer Kongreß hat einer um des Kaisers Bart erscheinen, da ese in nur noch, positiv dessen bereits erreichte Macht und Entso tüchtig gearbeitet und ist mit seiner Aufgabe so der Tat eine etwas zu weitgehende politische Vorausschlossenheit zum Ausdruck zu bringen, sich den ver pünktlich fertig geworden, wie der soeben in Stuttgart ficht wäre, sich heute um die auswärtige Politik brecherischen Bölkermorden, den Kriegen zu widersetzen. abgehaltene. Meistens pflegten ein oder zwei Gegenstände, der sozialistischen Gesellschaft den Kopf zu zerbrechen. Und auch hier stegte schließlich die revolutionäre Tat die gerade am leidenschaftlichsten die Gemüter der sozia- Am wenigsten dürfte eine solche Zukunftsmusit" gerade fraft und das männliche Vertrauen der Arbeiierklasse listischen Welt erregten, den größten Teil der Kongreß- denjenigen schwere Sorgen machen, die die sozialistische auf die eigene Aktionsfähigkeit über das pessimistische woche in Anspruch zu nehmen, so daß die übrigen Puntte Umwälzung überhaupt nur als ein vages Nebelbild in un-| Evangelium der eigenen Ohnmacht und des starren der Tagesordnung nur in aller Gile, zum Teil gar nicht endlicher Ferne zu betrachten pflegen. Allein unter diefer Festhaltens an alten, ausschließlich parlamentarischen zur Verhandlung kommen konnten. Der Stuttgarter befremdenden Sorge um ein Zukunftsproblem stat in Kampfmethoden, ebenso wie auch nach der anderen Rongreß hat seine Verhandlungen im voraus auf fünf Wirklichkeit sehr reelle Gegenwartspolitit, nämlich die Seite über den simplen antimilitaristischen Sport wichtige Gegenstände beschränkt und dadurch erreicht, daß rein bürgerliche Auffassung von sogenannten„ Kultur der französischen Halbanarchisten à la Hervé. Die die ganze Tagesordnung gleichmäßig sorgfältig und ein- völkern", die zum Herrschen, und von„ wilden" Völkern, am letzten Ende von der Kommission wie von gehend behandelt und rechtzeitig erschöpft worden ist. die als geschichtlicher Kulturdünger für jene geschaffen den 900 sozialistischen Delegierten aller Länder einDabei weist die diesjährige Tagung der proletarischen worden, eine Auffassung, die der sozialistischen An- stimmig angenommene Resolution spricht in kraftvollen Internationale eine so zahlreiche Beteiligung auf, wie erkennung aller Kulturformen und stadien der gesell- Worten den enormen Aufschwung der revolutionären faum jemals vorher: nahezu 900 Vertreter des organi- fchaftlichen Entwicklung als historisch gleichberechtigter Arbeiterbewegung seit dem letzten internationalen Konfierten Proletariats aller Länder und Weltteile haben schnurstracks zuwiderläuft. Hat doch der naivste Ver- greß aus, und stellt als Grundsatz der proletarischen fich an den Beratungen beteiligt. Damit wird der viel treter dieser Auffassung, der holländische Genosse Van Kol, Tattit ihre Veränderlichkeit, ihre Entwicklungsfähigkeit, fach vorgebrachte Einwand gegen den Massencharakter offen ausgesprochen, wir müßten in die wilden Länder ihre Zuspizung mit dem Reifen der Verhältnisse auf. der internationalen Kongreffe und ihre dadurch angeblich auch in Zukunft nicht bloß mit Maschinen und der Sie ruft die Arbeiterparteien zur Organisation und zur herabgeminderte Arbeitsfähigkeit gründlich widerlegt. Wir gleichen Kulturwerkzeugen, sondern mit Waffen in der Erziehung ihrer Jugend im Geiste der Völkerverbrüde haben durchaus keinen Grund, dem stetig wachsenden Hand gehen. Der Kongreß hat denn auch, entgegen dem rung und der Klassenpflichten auf, zur Erziehung der Umfang der Beteiligung an den Rongressen mit Miß- Beschluß seiner Kommission, diese Auffassung rundweg jungen Proletarier zu Rämpfern für den Sozialismus trauen oder mit Unzufriedenheit zu begegnen und eine abgelehnt und kraftvoll noch einmal und hoffentlich ein und zu Todfeinden des Militarismus. Mit der Reso Einschränkung der beteiligten Kreise herbeizusehnen. Daß für allemal ausgesprochen: es gibt keine Kolonialpolitik, lution über den Militarismus hat der Stuttgarter Konauch eine sehr umfangreiche Menge von Teilnehmern außer tapitalistischer, und der Sozialismus bekämpft sie greß von der russischen Revolution und ihren Lehren der Tüchtigkeit und Gründlichkeit der Kongreßarbeit mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und ohne an das internationale Proletariat offiziell Att genommen. feinen Abbruch tut, hat der Stuttgarter Kongreß dar alle einschränkenden und verwirrenden Klauseln. Endlich hat auch in der Frage des Frauenwahlrechts getan. Er hat aber noch ein Weiteres bewiesen: er hat Ein nahe verwandtes Problem hatte die Frage der der prinzipielle scharfe Klassenstandpunkt, der das Frauenwieder einmal gezeigt, daß je weitere Kreise des Klassen- Ein- und Auswanderung aufgerollt. Auch hier erstand wahlrecht nur als einen organischen Teil der Klaffenrechte bewußten Proletariats zum Beraten und Bestimmen über der unbedingten Klassensolidarität der Proletarier aller und der Klassensache des Proletariats betrachtet, über die Mittel und Wege des Klassenkampfes berufen sind, Länder und Rassen eine Gegnerin in der furzsichtigen die opportunistische bürgerliche Auffassung gestegt, die je mehr sich die beratende Vertretung der Masse selbst Politit, die Lohninteressen organisierter Arbeiter in den ein verkrüppeltes beschränktes Frauenwahlrecht als Abnähert, einen annähernden Massencharakter annimmt: Ginwanderungsländern, wie Amerika und Australien, schlagszahlung den herrschenden Klassen abzuhandeln um so sicherer die Entscheidungen im Sinne und Geifte durch Einwanderungsverbote gegen rückständige, angeb hoffte. Gleichzeitig hat der Rongreß auch in dieser der revolutionären Sache ausfallen werden. In doppelter lich nichtorganisationsfähige" Proletarier aus China und Beziehung den Beschluß der Internationalen FrauenWeise hat sich dies in Stuttgart bewährt. Einmal haben Japan schüßen wollte. Es sprach aus dieser letteren tonferenz bestätigend unzweideutig ausgesprochen, daß in sämtlichen Fragen die besonderen Abweichungen ein- Tendenz derselbe Geist der Ausschließung und des Egois- die sozialistischen Parteien in ihren Wahlrechtskämpfen zelner sozialistischer Parteien nach der opportunistischen mus, der die alten englischen Trade Unions als eine die grundsägliche Forderung des Frauenwahlrechts ohne Seite hin durch das Zusammenwirken der Sozialisten Arbeiteraristokratie in Gegensatz zu der großen Maffe Rücksicht auf" Zweckmäßigkeitsgründe" erheben und veraller Länder eine kräftige Korrektur im revolutionären der vom Kapitalismus am brutalsten ausgebeuteten und treten müssen. Sinne erfahren. Zweitens hat auch gegenüber der Be- herabgedrückten Klassengenossen gebracht hatte. schlußfassung seiner eigenen Kommissionen in einzelnen Kongreß hat hier, im Sinne und Geifte der deutschen Fragen, so in der höchstwichtigen Kolonialfrage, der Gewerkschaften und ihrer Praxis entsprechend, die SoliRongreß in seiner Gesamtheit mit bessernder Hand in darität der Klasse als einen großen Weltbund des Proderselben revolutionären Richtung eingegriffen. So ist letariats aller Rassen und Nationen hochgehalten, wie schließlich wieder, wie in Amsterdam vor drei Jahren, er in der Kolonialfrage den großen Weltbund der gleichen aus den Händen des proletarisch- sozialistischen Welt- und verbrüderten Menschheit aller Kulturstufen und parlamentes ein einheitliches, fräftiges, durch und durch Weltteile zum Triumph geführt hat. von flarem und scharfem prinzipiellen Charakter des Die Frage der Beziehungen zwischen Sozialdemokratie Kongresse der Internationale. In Amsterdam siegte die wissenschaftlichen Sozialismus durchdrungenes Werk her- und Gewerkschaften hat am meisten die Einmütigkeit der grundsätzliche Auffassung des Sozialismus vorwiegend vorgegangen. aufgeklärten Proletarier verschiedener Länder gezeigt. dank der deutschen Delegation und mit den Deutschen, Die fünf Gegenstände, auf die sich der Stuttgarter Im Prinzip hat niemand mehr gegen die geschichtliche in Stuttgart vielfach gegen die Deutschen. In Rongreß in seinen Verhandlungen beschränkt hat, waren: Grundtendenz des proletarischen Klaffentampfes oppo- Amsterdam war es die Dresdener Resolution, die das So hat der Stuttgarter Rongreß ein großes und ein gediegenes Werk geleistet. Wie sein Vorgänger, der Amsterdamer Kongreß, hat er die Fahne des revolutio nären Klaffentampfes mit fräftiger Fauft wieder hoch auf der internationalen Platform der Arbeiterbewegung aufgepflanzt. Nur ein Unterschied- ein schmerzlicher- springt in die Augen bei dem Vergleich der beiden letzten 150 Die Gleichbeit Nr. 18 Die deutsche Arbeiterbewegung hat nun im eigenen Lande die Größe, die gewaltige moralische Macht der fozialistischen Internationale aus nächster Nähe kennen gelernt. Mag fie diesmal als Schülerin die vollen Lehren aus dem Stuttgarter Kongreß schöpfen, um auf dem nächsten Rongreß wieder das alte Banner als Führerin machtvoll zu erheben. Die erste Internationale Konferenz most schilsozialistischer Frauen. Nicht ohne eine gewisse Besorgnis hatten wir der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen entgegengesehen, mit herzlicher Befriedigung fönnen wir auf sie zurückblicken. Sie hat reichlich erfüllt, was wir von ihr wünschten, und was sie leisten konnte. Die Konferenz war ein erster Versuch, die sozialistische Frauenbewegung aller Länder zusammenzufassen und entsprechend dem einen Ziel, das sie überall erstrebt, geschlossen in Reih und Glied der großen sozialistischen Internationale zu stellen. " revolutionäre Leitmotiv der Verhandlungen des proleta-| Sie mußten damit rechnen, daß die geringe Beteiligung an wenn die Einheitlichkeit der Grundauffassung, welche rischen Weltparlamentes bildete, in Stuttgart waren die der einberufenen Tagung und der Verlauf ihrer Beratungen die Konferenz erwies, geeignet ist, die Genossinnen aller Reden Vollmars in der Militärkommission, Paeplows der Konferenz einen lediglich vorbereitenden Charakter ver- Nationen bei ihrem oft mühereichen Wert zu stärken in der Einwanderungskommission, Davids in der Kolo- leihen könnte. Daher der durch die Umstände durchaus ge- und zu erheben, so wird die Kenntnis von der Verschiedennialkommission peinliche opportunistische Mißtöne des rechtfertigte Beschluß, in geschlossenen Sizungen zu tagen, artigkeit der in den einzelnen Ländern erprobten Mittel und Kongresses. In den meisten Fragen und Kommissionen zu denen nur legitimierte Genoffinnen und Genossen Zutritt Wege der Arbeit dazu beitragen, ihre praktische Tätigkeit zu haben sollten, und von denen die bürgerliche Presse aus- befruchten und immer vielseitiger zu gestalten. waren die Vertreter Deutschlands diesmal die Wort- geschlossen war. Daß die Blätter der herrschenden Klaffen Die ausgiebige Berichterstattung hatte den Boden bereitet führer des Opportunismus. diesen Beschluß betritteln und begeifern, kann die deutschen für eine rasche und glatte Erledigung des zweiten Punktes Dadurch hat sich aber die Vertretung der deutschen Genossinnen sehr fühl laffen, welche für den Erfolg der der Tagesordnung: Schaffung regelmäßiger Beziehungen Arbeiterschaft gerade auf dem ersten auf deutschem Boden Konferenz verantwortlich waren. Sie vergessen nicht, daß zwischen den organisierten Genofsinnen der einzelnen Länder. abgehaltenen Kongreß der Internationale der geistigen die bürgerliche Presse das Werkzeug ihrer Feinde ist, und Die deutschen Genoffinnen ließen dazu durch Genoffin Zetkin Führerschaft entschlagen. Und so enthält der Stutts ebenso über die Konferenz herfallen würde, wenn ihre fämt die Einsetzung eines internationalen Sekretariats in Vorgarter Rongreß eine bittere, aber fruchtbare und schäzens- lichen Schmocks zu ihr Zutritt gehabt hätten. Auf alle Fälle schlag bringen. Als Zentralstelle solle dieses regelmäßige merte Lehre für uns Deutsche: die Vertreter des Prole- find wir beffer gefahren, daß sie wütend über die Nicht Berichte von beauftragten Korrespondentinnen der Genostariats aller Länder sind zu uns ins Land gekommen, öffentlichkeit einer erfolgreichen Tagung teist, als wenn sie sinnen aus allen Ländern empfangen, veröffentlichen und tariats aller Länder sind zu uns ins Land gekommen, unter Umständen Gelegenheit gehabt hätte, über die öffent- allen angeschlossenen Organisationen beziehungsweise der um uns zu sagen, daß eine Partei nur insofern und nur liche Inszenierung einer mißlungenen Konferenz zu höhnen. Parteipreffe zum Zwecke der Veröffentlichung zustellen. Der so lange Anspruch auf die Führerschaft, auf die Rolle Tatsächlich herrschte fast bis zur Stunde der Eröffnung Vorschlag wurde im Verlauf der Beratungen von den Geder Vorhut des Weltproletariats erheben darf, als fie der Tagung Unklarheit darüber, ob ihr Stattfinden durch ihre nofsinnen Ihrer und Zieß dahin ergänzt, bis zur nächsten auch in ihrer Auffassung die entschlossenste, prinzipien- Bedeutung begründet sein würde. Die weitaus meisten aus- Internationalen Frauenkonferenz der Redaktion der„ Gleichfesteste Kampfmethode vertritt. Nicht durch die reichsten ländischen Delegierten meldeten sich erst kurz vor dem Zu- heit" die Aufgabe dieser Zentrale zu übertragen, da sie Kaffen, nicht durch die zahlreichsten Wählermassen, nicht ſammentritt der Konferenz an. Und da auch die erbetenen von allen Organen der sozialistischen Frauenbewegung die durch die stärksten Organisationen allein, so hochwichtig schriftlichen Berichte zum großen Teil so spät einliefen, daß größte Verbreitung in den verschiedenen Ländern habe diese sind, behält man die Stellung des Bordertrupps im nicht einmal alle mehr rechtzeitig auch nur in deutscher und auch bereits durch ausländische Mitarbeiterinnen Sprache gedruckt werden konnten, oder auch ganz ausblieben: in Verbindung mit der sozialistischen Frauenbewegung internationalen Sozialismus: die Klarste, revolutionärste fehlte von vornherein ein sicherer überblick über den Umfang außerhalb Deutschlands stehe. Ein Antrag der österrei Position im großen Meinungskampf der Gegenwart ge- der Beteiligung an der Konferenz, wie über den Charakter chischen Genossinnen suchte das angestrebte Biel auf anderem hört unbedingt auch dazu. und Stand der Organisationen, die sich auf ihr vertreten Wege zu erreichen. Er unterschied sich von dem deutschen ließen. Es liegt in der Folge auf der Hand, daß die äußere Vorschlag dadurch, daß er von der Schaffung einer Zentrale Gestaltung der Konferenz mancherlei Mängel aufwies, die absah und nur forderte, daß innerhalb jeder nationalen in der aufgezeigten Situation begründet waren, und die Partei eine Frau beauftragt werden soll, regelmäßig kurz jeder Tagung anhaften, welche auf noch ungenügend geklärtem gefaßte Berichte über die Arbeiterinnenbewegung ihres LanTerrain eine bestimmte Gruppe sozialistisch Arbeitender und des an die führenden Parteiblätter des Auslandes zu ver Rämpfender zum erstenmal international zusammenfassen soll. senden". Genoffin Faas- Bern brachte einen Antrag ein, Zieht man das alles in Betracht, so muß man die Arbeit welcher in den entscheidenden Sägen befagte, daß das interund den Erfolg der Konferenz als um so bedeutsamer be- nationale Sekretariat die eingehenden Berichte zu einer werten. Die Zahl der vertretenen Länder und der Verlauf internationalen übersicht zusammenzufassen, in den drei der Verhandlungen haben geradezu glänzend die Annahme Kongreßsprachen auszuarbeiten und in einer gewünschten bestätigt, daß die sozialistische Frauenbewegung der ver- Anzahl von Exemplaren den korrespondierenden Organitonschiedenen Länder, die aus den gleichen Ursachen geboren fationen zuzusenden habe, die dann ihrerseits für die Berwird und mit Naturnotwendigkeit das gleiche Ziel verfolgt, öffentlichung in den Parteiblättern ihres Landes sorgen nach Verständigung und einer gewissen Einheitlichkeit der müßten. Der Antrag wurde damit begründet, daß die Attion streben muß. An der Konferenz nahmen 15 verschiedene Gleichheit" als internationales Publikationsorgan nicht Nationalitäten durch insgesamt 59 Delegierte teil, die sich genügen könne wegen der Verschiedensprachigkeit der Dr wie folgt auf die einzelnen Länder verteilten: England 19, ganisationen, die mit der Zentrale in Verbindung treten Deutschland 16, Österreich 7, Ungarn 3, Frankreich 3, Böhmen 2, würden. Schließlich stellte noch Genoffin Pelletier- Paris Belgien, Holland, Schweiz, Italien, Schweden, Norwegen, einen Antrag, der sich im wesentlichen mit dem Vorschlag Finnland, Rußland( die lettischen Genoffinnen der Provinz der deutschen Genossinnen deckte, aber außerdem forderte, Estland) und Vereinigte Staaten je 1. Dazu kamen noch die Genossinnen sollten durch besondere Delegierte im Inter 3 Gäste, welche im Auftrage von Organisationen in Ruß- nationalen Sozialistischen Bureau zu Brüssel vertreten sein. Ein solcher Versuch ist an und für sich schwer, weil die land der Konferenz beiwohnten. Es waren dies die Ver- Der Gedanke, die sozialistische Frauenbewegung der einsozialistische Frauenbewegung in allen Ländern ein Teil der treterinnen des jüdischen Frauenbundes, der Petersburger zelnen Länder an dieses Bureau anzugliedern, war von allgemeinen revolutionären Arbeiterbewegung ist, zugleich aber Sozialdemokratie und der organisierten Weberinnen von mehreren Genoffinnen in der Debatte aufgeworfen worden. dech ein besonderer Teil derselben. Sie hat im Rahmen des Lodz. Als Gast ohne Mandat war noch Mrs. Cama, eine Genoffin Luxemburg wendete gegen ihn ein, daß er auf allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Klassenkampfes Indierin aus Bombay, anwesend. Daß keine Delegierte sozia- irrigen Vorstellungen von Charakter und Wirken des Interdes Proletariats bestimmte Sonderaufgaben zu erfüllen und listischer Frauen- oder Arbeiterinnenorganisationen aus Däne- nationalen Bureaus beruhe. Ein künstlicher Mittelpunkt bedarf daher ihrer eigenen Organe und einer gewissen Selb- mark an der Konferenz teilnahm, bedauern wir sehr. Diese einer Bewegung lasse sich nicht schaffen. Zum Mittelpunkt ständigkeit und Bewegungsfreiheit, die doch nie quertreibend vereinigte in der Hauptsache die Vertreterinnen der aus der Beziehungen zwischen den Genoffinnen verschiedener und störend, sondern nur die Kräfte einigend und ihre gesprochen sozialistischen Frauenbewegung in den einzelnen Länder fönne nur eine Stelle werden, die in lebendiger Wirksamkeit steigernd zum Ausdruck kommen darf. Davon Ländern, die in der verschiedensten Form den betreffenden Fühlung mit der internationalen Bewegung stehe.n abgesehen ist die sozialistische Frauenbewegung wie die sozialistischen Parteien eingegliedert ist; neben ihnen fehlte Die Debatte tam bald zum Abschluß, nachdem Genossin fozialistische Bewegung überhaupt in den einzelnen Ländern es jedoch erfreulicherweise nicht an Delegierten von Gewerk- Bettin dargelegt hatte, daß die Verwirklichung der Forde unter den verschiedenartigsten geschichtlichen Bedingungen schaftsorganisationen. So vertrat Genoffin Boschet- Wien rungen, welche von österreichischer und schweizerischer Seite emporgewachsen. Ihre äußere und innere Entwicklung die österreichische Gewerkschaftskommission, Genossin Faas ganz richtig erhoben worden, in dem Vorschlag der deutschen spiegelt zum Teil auch den Grad der Einheitlichkeit, Kraft Bern hatte nicht bloß vom Arbeiterinnenverband, sondern Genoffinnen einbegriffen sei, als selbstverständliche Vorausund Reife wieder, den der allgemeine lassenbewußte Kampf auch von dem Gewerkschaftsbund der Schweiz ein Mandat fegungen für die Tätigkeit einer internationalen Sentrale. des Proletariats bei den verschiedenen Nationen erreicht erhalten, die englische Women's Labour League( Liga für Die eingebrachten Anträge wurden daraufhin insgesamt zurückhat, und die Züge, die ihm das charakteristische Gepräge die Interessen der Frauenarbeit) hatte drei Delegierte ent- gezogen. Ginstimmig gelangte der Vorschlag der deutschen geben. In manchen Ländern so in Deutschland, Öster- sendet, unsere Genoffinnen Ihrer und Thiede waren von Genofsinnen zur Annahme, den Genoffin Zieh in einem Anreich, Böhmen und Ungarn muß sich die sozialistische Gewerkschaften delegiert und Genoffin Barssinen- Wiborg, trag formuliert hatte, den unsere Leserinnen an anderer Frauenbewegung außerdem gegen die Hindernisse durchsetzen, Abgeordnete des finnischen Landtags, tam als Vertreterin Stelle finden. In den nächsten zwei Monaten sollen alle an welche Gefeßesterte sei es der Organisierung und Schulung des sozialdemokratischen Verbandes der Proletarierinnen, der Konferenz beteiligten Organisationen ihre internationale des Proletariats, sei es der Organisierung und Schulung dem auch Fachvereine von Arbeiterinnen angehören. Korrespondentin ernennen. Einer Anregung der Genossin des weiblichen Geschlechts entgegentürmen. So stellt die Was wir weiter oben angeführt haben, erklärt, daß und Bettin folgend, sprach sich die Konferenz noch dafür aus, auch fozialistische Frauenbewegung der verschiedenen Länder nicht warum die Berichte über die sozialistische Frauenbewegung die Abhaltung von Internationalen sozialistischen Frauenbloß eine bunte Musterkarte von Organisationsformen dar, in den verschiedenen Ländern einen verhältnismäßig breiten fonferenzen unter die Mittel aufzunehmen, regelmäßige Versondern auch von Entwicklungsstufen der prinzipiellen Klar- Raum in den Konferenzverhandlungen einnahmen und ein- bindungen und Verständigung über schwebende Fragen heit und praktischen Aktionsfähigkeit. Ob trotz der reichen nehmen mußten. Sie brachten die nötige Klarstellung über zwischen den organisierten Genoffinnen der verschiedenen Mannigfaltigkeit des sich regenden und wirkenden Lebens Charakter und Ziel der vertretenen Organisationen, sie zeigten Länder herbeizuführen. Allgemeine Zustimmung fand der die Einheitlichkeit des grundsäglichen Erfassens unserer Auf- die Mittel und Wege, die sie zum Ziele führen sollen, sie weitere Vorschlag, die nächste Internationale Konferenz wogabe als sozialistischer Kämpferinnen bereits groß und fest gaben ein Bild von ihrem Leben und Weben, das anregend möglich wieder im Anschluß an den nächsten allgemeinen gewurzelt genug sei, um eine dauernde Verbindung zwischen und fördernd auf die Arbeit unserer Genossinnen in allen Internationalen sozialistischen Kongreß stattfinden zu lassen. den Bewegungen der verschiedenen Länder anzubahnen und Ländern zurückwirken wird. Der hervorstechendste Zug dieses Die Verhandlungen der Konferenz über das Frauendamit die Voraussetzung eines einheitlichen planmäßigen Bildes war die Einheitlichkeit des Zieles, dem die sozia- stimmrecht waren lebhaft und zeigten bei aller Einmütigkeit Vorgehens in der Zukunft: das war die Frage, auf welche listischen Frauen aller Länder zustreben, und der Auf- der grundsätzlichen Auffassung doch auseinandergehende die Stuttgarter Konferenz eine Antwort geben sollte. gaben, die daraus für sie erwachsen. Die sozialistische Ge- Meinungen, den Kampf für die Umsetzung der prinzipiellen Gelegentlich des Internationalen sozialistischen Kongresses sellschaft wollen sie alle vorbereiten, und darum haben sie Forderung in die Praxis betreffend. Wir haben bereits in zu London 1897 hatten die deutschen Genofsinnen sich an- alle den Kampf gegen die kapitalistische Ordnung und die letzter Nummer die Resolution der deutschen Genossinnen gelegen sein lassen, durch eine Besprechung aller weiblichen Dele- von ihr erzeugten Übel aufgenommen. Aufklärung der mitgeteilt. Ihr Zweck war ein doppelter. Die Resolution gierten, die an ihm teilnahmen, eine gewisse Fühlung zwischen Frauen des werktätigen Volfes, ihre Erziehung zu über- sollte den Sozialistinnen aller Länder den scharfen grundden Sozialistinnen der einzelnen Länder herbeizuführen. Die zeugten Sozialdemokratinnen, ihre Zusammenfassung und fäßlichen Gegensatz zum Bewußtsein bringen, der in reinlicher dahin zielenden Bemühungen waren jeboch erfolglos geblieben. Organisierung zum Zwecke zielflarer Beteiligung am Be- Scheidung ihren Kampf für das Frauenwahlrecht von de Mit Ausnahme der Beziehungen, welche sich erfreulicher- freiungsringen ihrer Klasse ist darum die Hauptaufgabe, der bürgerlichen Frauenbewegung trennt, und dadurch feste prinweise zwischen der sozialistischen Frauenbewegung Österreichs sie sich widmen. Um sie erfolgreich zu lösen, müssen sie zipielle und tattische Richtlinien für diesen Kampf ziehen. und Deutschlands geknüpft haben, und der noch sehr losen neben ihrer Erziehungsarbeit und in Verbindung mit ihr den Andererseits aber wollte sie auch die sozialistischen Parteien Fühlung, die sich zwischen der letzteren und den Schwefter- Kampf aufnehmen zum Schutze der ausgebeuteten Prole- aller Länder verpflichten, über die prinzipielle Forderung bewegungen in Belgien, Holland, Finnland und der Schweiz tarierinnen gegen die unersättliche strupellose Raffgier des der politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts herauszubilden begann, war die internationale Verbindung Kapitals und zur Eroberung ihres Bürgerrechtes, das sie hinauszugehen und das Frauenwahlrecht als einen grundzwischen den Genoffinnen der verschiedenen Nationen gleich besser rüstet, sich selbst gegen diese Ausbeutung zu wehren fäßlich wie praktisch gleich bedeutsamen Teil ihres WahlrechtsNull. Als die deutschen Genossinnen, dem Wunsche und die Ordnung der Auswucherung des Menschen durch programms in allen ihren Wahlrechtskämpfen zu fordern und ausländischer Sozialistinnen folgend, die Initiative zur Ein- den Menschen zu überwinden. Aber auf dem Grunde dieser zu vertreten. berufung der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Einheitlichkeit tritt die reichste Mannigfaltigkeit zutage Es war von vornherein klar, daß diese Resolution von Frauen ergriffen, standen sie dem Unbekannten gegenüber. betreffs der angewendeten Methoden und Mittel. Und zwei Seiten her auf Widerstand stoßen mußte. In England Nr. 18 1 Die Gleichheit 151 ist ein Teil der Sozialistinnen nicht völlig frei von bürger--[ gerade eine der wichtigsten Aufgaben einer internationalen in Arbeiterkreisen stets Verständnis finden werden, bedingt lich frauenrechtlerischen Gedankengängen und daher auch in Tagung sei, allgemeine grundsätzliche Richtlinien für die Aktion schon die soziale Lage des Proletariats. In Wirklichkeit ist dem Kampf für die politische Gleichberechtigung des weib- der sozialistischen Frauenbewegung in den einzelnen Ländern es ja auch das Ideal aller Krankenversicherung, daß ihre lichen Geschlechts taktisch nicht scharf von der bürger zu ziehen. Für die deutsche Resolution traten noch die Ge- Leistungen nicht nur dem Familienoberhaupt teilhaftig werden, lichen Frauenbewegung geschieden. Es würde zu weit nofsinnen Ihrer, Szest, Kollontay, Parssinen, Montefiore, fondern auch allen denen, für die der Water oder die Mutter führen, im Rahmen dieses Artikels das geschichtliche Pelletier und Genosse Shaw warm ein. Genoffin Grünbergs zu sorgen haben. Die Einführung der Familienfürsorge Warum zu erörtern, das diese Tatsache erklärt. Es fehlt Vorschlag, die drei Resolutionen beziehungsweise Anträge bedeutet also weiter nichts, als einen Ausbau und eine in England nicht an Genossinnen, die aus der besten einer Kommission zur Bearbeitung zu überweisen, erhielt nur durch die Forderungen der Zeit gebotene Vertiefung der überzeugung heraus, der Befreiung ihres Geschlechts und drei Stimmen. Nachdem der englische und der österreichische bisherigen Krantenversicherung.debitorok den Interessen des Proletariats zu dienen, mit den bürger- Antrag zurückgezogen worden, gelangte die deutsche Resolution überall dort, wo die Familienfürsorge eingeführt wurde, lichen Frauenrechtlerinnen zusammen für ein beschränktes mit 47 gegen 11 Stimmen zur Annahme. Gegen sie stimmten hat sie sich als eine äußerst wohltätige Einrichtung erwiesen. Frauenwahlrecht im Felde stehen. Und in ihrem Ringen für außer den österreichischen Genossinnen einige englische Dele- Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, wie leicht in dieses Recht das sie als den nötigen ersten Schritt zur gierte und die Vertreterin der schweizerischen Organisationen. den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung infolge schlechter politischen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts in Damit waren die wichtigsten Aufgaben der Konferenz er- Wohnungsverhältnisse, mangelhafter Ernährung, ungenügenPrinzip und Praxis bewerten haben sie, wie manche ledigt. Drei noch vorliegende Resolutionen wurden dem der Kleidung und nicht zuletzt! durch überanstrengung bürgerliche Frauenrechtlerinnen, ja in weit höherem Maße Bureau zur Berücksichtigung für die Tagesordnung der auch bei Familienmitgliedern Krankheitsfälle eintreten. Da als die meisten von diesen bewunderungswürdige Energie nächsten Konferenz überwiesen. Zwei dieser Resolutionen ist es dann oft schwer, wenn nicht unmöglich, die nötigsten und Opferfreudigkeit betätigt. Ihre Rührigkeit ist zusammen wurden von der Women's Labour League eingebracht und Kosten für Arzt, Heilmittel usw. aufzubringen, und wenn mit anderen Umständen noch ausschlaggebend dafür gewesen, beziehen sich auf die Pflege internationalen Solidaritäts- wirklich einige vom Munde abgedarbte Spargroschen vordaß die sozialistische Unabhängige Arbeiterpartei" sich auf gefühls, beziehungsweise die Erweckung antimilitaristischer handen waren, so sind sie bald aufgebraucht. Wie tiefe zwei Jahreskongressen für die Unterstützung der Anträge auf Gesinnung und die Schaffung gesetzlicher Fürsorge für uns Wunden solche Schicksalsschläge einer Arbeiterfamilie schlagen, Einführung eines beschränkten Frauenwahlrechts erklärt hat, bemittelte Mütter und Säuglinge. Die dritte Resolution war haben unzählige erfahren müssen. Da soll nun die Familienim Gegensatz zu der Sozialdemokratischen Föderation" und von Genossin Faas- Bern vorgelegt worden und forderte eine fürsorge hilfreich einspringen, indem sie die Leistungen der der neugegründeten„ Arbeiterpartei", die beide das beschränkte Stellungnahme der Konferenz zum Boykott und gewerkschaft- Krankenkassen auf alle Familienmitglieder ausdehnt. Frauenwahlrecht verwerfen und das allgemeine Wahlrechtlichen Label( Schuhmarke). aller Volljährigen ohne Unterschied des Geschlechts fordern. Unter diesen Umständen war vorauszusehen, daß ein Teil der englischen Delegierten eine Resolution zurückweisen würde, welche das beschränkte Frauenwahlrecht ausdrücklich und in schärffter Form zurückwies und die Genossinnen aus der Bundesgenossenschaft der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen löste. Vertreterinnen der Unabhängigen Arbeiterpartei" und der Women's Labour League( Liga für die Interessen der Frauen arbeit) brachten denn auch einen Antrag ein, nach welchem die Konferenz die Taktik des Kampfes für das Frauenwahlrecht den sozialistischen Organisationen der einzelnen Länder überläßt". " Die Forderung nach einem solchen gefeßlich festgelegten Die erste Internationale sozialistische Frauenkonferenz be- Ausbau der Krankenversicherung hat im Laufe der Zeit deutet unstreitig einen großen Erfolg, und das nicht nur in immer mehr Anhänger gefunden. Eine ganze Reihe von äußerer Veziehung. Sie hat die sozialistische Frauenbewegung Krankenkassenkongressen hat die obligatorische Einführung aller Länder in einer wichtigen Frage auf den Boden einer der Familienfürsorge verlangt, und unter den Plänen für scharf abgegrenzten grundsätzlichen Auffassung gestellt und die Umgestaltung der Arbeiterversicherung, die in letzter Zeit ihrer einschlägigen Aftion feste Richtlinien vorgezeichnet, die Öffentlichkeit beschäftigten, wird man taum einen finden, welche die Wucht des Kampfes erhöhen und seinen Sieg der diese Erweiterung nicht vorsieht. Der Zentralverband vorbereiten. Daß dies nicht einstimmig, sondern gegen das der Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche hat in einer Widerstreben einer kleinen Zahl Delegierter geschah, ist gewiß Petition folgende Mindestleistungen als wünschenswert anbedauerlich, muß aber in den Rauf genommen werden als gegeben: Im Falle der Krankheit von Familienangehörigen die unvermeidliche Begleiterscheinung aller internationalen freie ärztliche Behandlung und Arznei bis zur Dauer von Tagungen, auf denen sich der Wille zu dem nötig gewordenen sechs Monaten; im Todesfall von Familienangehörigen ein Auf der anderen Seite war es naheliegend genug, daß einheitlichen Vorwärtsschreiten gegen eine bisher in einzelnen Sterbegeld." Dieselben Forderungen haben auch bürgerliche die österreichischen Genossinnen Einspruch gegen den ent- Ländern geübte Taktik durchsetzt. Und das Bedauern über Sozialpolitiker erhoben, so zum Beispiel der Regierungsrat scheidenden Absatz der Resolution erhoben, welcher die diese Tatsache wird durch das Bewußtsein gemildert, daß Düttmann, der in seinem vielbesprochenen Reformprogramm sozialistischen Parteien aller Länder verpflichten sollte, ihre die Vertreterinnen verschiedener Meinungen nicht als Sieger noch weiter geht. Er verlangt freie ärztliche Behandlung Wahlrechtskämpfe auch als Kämpfe für das Frauenwahlrecht und Besiegte auseinandergegangen sind, sondern als treue und Heilmittel nicht nur für die nicht versicherungspflichtigen zu führen. Ihre Stellungnahme dazu wurde durch die Tattit Kampfesgenossinnen, die mit der gleichen Hingabe und Leiden Familienmitglieder, sondern auch für die Mitglieder und bedingt, welche die öfterreichische Sozialdemokratie in ihrem schaft für das eine große sozialistische Endziel wirken und Ehefrauen von Mitgliedern während der Schwangerletzten großen Kampfe für das allgemeine Männerwahlrecht von dem Gefühl internationaler Solidarität tief durchbrungen schaft und nach der Entbindung. Außer den Hebammenbefolgt hatte, eine Tattit, mit der wir uns an dieser Stelle find. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der sozia- diensten und der ärztlichen Behandlung soll den Schwangeren schon eingehend auseinandergesetzt haben. Die österreichischen listischen Frauenbewegung in allen Ländern ist auch der erste auch eine Barunterstützung in Höhe des Krankengeldes bis Genoffinnen sahen in dem strittigen Passus der Resolution Schritt, den die Konferenz zu ihrer festeren internationalen zu sechs Wochen gewährt werden. Ferner verlangt er ein weniger das, was er sein sollte: einen Wegweiser für die Zukunft, Verbindung getan hat. Mit der regelmäßigen Information Sterbegeld für Ehefrauen und Kinder. Zwei andere bürgerals vielmehr eine schulmeisternde Verurteilung ihrer Haltung in wächst auch die Möglichkeit, in strittigen Fragen von Anfang liche Sozialpolitiker, Professor Mayet vom Reichsamt des einem außerordentlich schwierigen und bedeutsamen Kampfe, an eine allgemeine Verständigung, Einheitlichkeit der Auf- Innern und Romacker in Riel erheben gleichfalls die Forde in dem sie die höchsten Bürgertugenden bewiesen hatten. Sie fassung und Aktion und damit wechselseitige Unterstützung rung, Ehefrauen und Kinder in die Unterstützung einzustellten daher der deutschen Resolution eine andere entgegen, herbeizuführen. Die Zentrale ist bis zur nächsten Internatio- schließen. deren wichtigste Säße lauteten:„ Die Konferenz erklärt eine nalen Frauenkonferenz nach Deutschland verlegt worden. Soweit das jetzige Gesetz die Familienfürsorge gestattet, erhöhte Propaganda für die politische Gleichberechtigung Die deutschen Genossinnen werden sich der Ehre würdig er- äußert sie sich in folgenden Formen: 1. In freier ärztlicher der Geschlechter in den Kreisen der Arbeiterschaft für un- weisen, indem sie mit ganzer Seele für die wachsende Klar- Behandlung und Gewährung von Arzneien usw. für die aufschiebbar und beauftragt die Bruderparteien, bei jedem heit, Reife und Kraft ihrer Bewegung tätig sind. Dauer der Krankheit eines Familienangehörigen. 2. Bei fich dielenden Anlaß, insbesondere während jeder Bewegung Was die Konferenz in drei ausgedehnten Sigungen geleistet einer durch Schwangerschaft der Ehefrau verursachten Erzur Ausdehnung des Wahlrechts mit der Forderung nach hat, konnte sie nur dank der außerordentlich großen Arbeits- werbsunfähigkeit in einer der Wöchnerinnenunterstützung pa dem Frauenstimmrecht energischer vorzugehen. Obwohl freudigkeit, Hingabe und Begeisterung aller Delegierten leisten. rallel gehenden Unterstützung bis zur Gesamtdauer von sechs es den Parteiorganisationen der einzelnen Staaten über- und wenn wir in diesem Zusammenhang der Tätigkeit einer Wochen, sowie freier ärztlicher Behandlung der SchwangerLassen bleiben muß, den Augenblick und die Methode zu be- Delegierten besonders gedenken, so wird das jedermann schaftsbeschwerden und Gewährung der nötigen Hebammenstimmen, in welchem und mit der der Kampf mit Erfolg gerechtfertigt finden, welcher der Konferenz beiwohnte. Wir dienste. 3. In einem Sterbegeld bis zu zwei Dritteln aufgenommen werden kann, erklärt es die Konferenz für eine meinen das Verdienst, das sich Genossin Balabanoff als un- des für das Mitglied festgesetzten Sterbegeldes bei Frauen, Pflicht aller Parteiorganisationen, keine Unterbrechung in ermüdliche, verständnisvolle übersetzerin um den guten Ver- und bis zur Hälfte bei Kindern, wobei jedoch vorausgesetzt dem Wahlrechtstampfe eintreten zu lassen, bis wirklich das lauf der Verhandlungen erworben hat. So ist nicht bloß wird, daß die Frauen oder Kinder nicht selbst in einem allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen errungen ist." das Was, sondern auch das Wie der Konferenzarbeiten ein gesetzlichen Versicherungsverhältnis stehen, auf Grund dessen Dem englischen und dem österreichischen Antrag war also hoffnungsreiches Zeichen für die gesunde Entwicklung der ihre Hinterbliebenen Sterbegeld beanspruchen können. Eine bei allen sonstigen Unterschieden ein Zug gemeinsam: die internationalen sozialistischen Frauenbewegung. Wir sind Wöchnerinnenunterstützung an nicht selbst versicherte Frauen Ablehnung einer festen Bindung der sozialistischen Parteien, überzeugt, die zweite Internationale Konferenz sozialistischer dürfen die Kassen dagegen überhaupt nicht gewähren. bei Wahlrechtskämpfen auch für die Einführung des Frauen- Frauen wird diese Hoffnungen als erfüllt erweisen. wahlrechts zu kämpfen. Diese Bindung aber, die grundsätzliche Forderung nicht tampflos Zweckmäßigkeitsrücksichten zu opfern, schien den deutschen Genossinnen gerade als der Die Ausdehnung der Krankenkassenfürsorge notwendige Fortschritt, den die sozialistischen Parteien über die prinzipielle Anerkennung des Frauenwahlrechts hinaus tun müssen. Die überaus große Mehrheit der Delegierten Die Sozialdemokratie ist nicht, wie ihre Gegner fort- angängig wäre. war wie Diskussion und Abstimmung erwies- darin gesetzt behaupten, eine Feindin der Sozialreform, sondern In der Form der Durchführung unterscheiden sich zwet mit ihnen einer Meinung. Die deutsche Resolution wurde die positivste Förderin derselben. Deshalb drängt sie vom Gesetzgeber festgelegte Arten der Familienfürsorge. von Genossin Bettin in grundsätzlichen Ausführungen be- auch fortgesetzt auf den Ausbau der Einrichtungen, die dem Nach dem Gesetz kann diese nämlich auf besonderen Angründet. Für die Auffassung der österreichischen Genoffinnen Schutze der Arbeiter dienen sollen. Ganz besonders hat trag", das heißt gegen besondere Zusatzbeiträge, oder alltraten die Genoffinnen Schlesinger und Popp in hin- sie sich von jeher die Ausgestaltung der Arbeiterversicherung gemein an sämtliche Mitglieder gewährt werden. Bei reißenden Schilderungen des glänzenden Kampfes ein, in angelegen sein lassen. Bei der Beratung der einschlägigen ber erstgedachten Art haben auf die Fürsorge nur diejenigen dem das österreichische Proletariat die Wahlrechtsreform Geseze im Reichstag wurden von ihr fast zu jedem Para- Anspruch, für die Extrabeiträge geleistet worden sind. Im eroberte. Die Schlußfolgerungen, die sie daraus auf die graphen Verbesserungsanträge gestellt, welche die Vertreter anderen Falle( also wenn keine besonderen Beiträge erhoben allgemeine Tattit des Kampfes für das Frauenwahlrecht der bürgerlichen Parteien indes ebenso regelmäßig ab- werden), haben sämtliche Familienangehörigen Anspruch ableiteten, wurden von Genoffin Ziez in einer ungemein lehnten. Letztere tragen daher die Verantwortung dafür, auf Unterstützung. Von den Krankenkassen, welche die Füreindrucksvollen Rede zurückgewiesen, welche die Bedeutung daß die betreffenden Gesetze in so hohem Grade verbesse- forge eingeführt haben, wird sie nur von einem geringen des österreichischen Wahlrechtstampfes und die Haltung der rungsbedürftig sind. Aber auch außerhalb des Reichstags Teil auf besonderen Antrag" gewährt, und zwar hauptGenossinnen in ihm gebührend würdigte. Genossin Macmillan ist die Sozialdemokratie stets für die Errichtung größerer fächlich wegen der Umständlichkeiten, welche dieses System hob zur Verteidigung des englischen Antrags die großen per- Leistungsfähigkeit der Arbeiterversicherung eingetreten. So- mit sich bringt. Auch kann ein Versicherter, der die Beiträge sönlichen Opfer hervor, die in England viele Frauen unter weit die einzelnen Träger der Versicherung, wie die Kranken- einmal nicht rechtzeitig abgeführt hat, seinen Anspruch verBetätigung der hervorragendsten Charaktereigenschaften im tassen und Versicherungsanstalten, über die gesetzlichen lieren, was gewisse Härten zeitigt. über die zulässige Höhe Kampfe für das beschränkte Frauenwahlrecht gebracht haben. Mindestleistungen hinausgegangen sind, ist das fast immer der Zusatzbeiträge spricht sich das Gesetz nicht aus; ste Sie machte geltend, daß das höhere Ziel dieses Kampfes sei, auf die Anregung der politisch oder gewerkschaftlich organi- tönnen ganz nach Bedarf festgesetzt werden. Es ist sogar das Prinzip der gesetzlich festgelegten politischen Rechtlosig- fierten Arbeiterschaft zurückzuführen. Und wenn sich eine angängig, daß für jeden Angehörigen( Ehefrau und mit feit des weiblichen Geschlechts aufzuheben. Ihr antwortete Anzahl Ortskrankenkassen zu wahren Musteranstalten heraus- Namen bezeichnetes Kind), auf den sich der Antrag zur Fürim Namen der Sozialdemokratischen Föderation Genosse gebildet haben, so ist das lediglich der Tätigkeit der sozial- forge bezieht, ein besonderer Beitrag erhoben werden kann. Burrows mit ebenso feuriger als logisch überzeugender Bered- demokratisch fühlenden Arbeiterschaft zu danken. Einfacher ist es natürlich, wenn gegen einen einheitlichen samteit. Er wies nach, daß das beschränkte Frauenwahlrecht Von allen Erweiterungen der Krankenkassenleistungen, wie Beitrag die gesamte Familie ohne Rücksicht auf ihren nur den weiblichen Besit, nicht das weibliche Geschlecht eman sie bei den bestehenden Gesetzen denkbar sind oder doch durch Umfang versichert wird. In der Regel betragen die Zusahzipiere, und erinnerte daran, daß die Arbeiterpartei wie die Gesetzesabänderungen möglich gemacht werden können, ist beiträge 50 Pf. bis 1,50 Mt. pro Monat. meisten englischen Gewerkschaften dieses Privileg der besitzen- die wichtigste die Einführung der Familienunter- Noch wünschenswerter weil weniger umständlich den Klassen ablehnen. Scharf betonte er außerdem, daß es stützung. Daß dahingehende Anregungen und Vorschläge ist es jedoch, daß die Familienunterstützung allgemein für auf die Familienangehörigen. Es steht den Kassen frei, sämtliche hier aufgeführten Arten der Angehörigenunterstützung oder nur eine von ihnen einzuführen. Am gebräuchlichsten ist die freie ärztliche Behand lung und die Gewährnng von Sterbegeld. Meist werden auch die kleinen" Heilmittel mit gewährt, niemals aber wohl ohne die ärztliche Behandlung, obgleich auch das 152 Die Gleichheit Nr. 18 い wurden 973 Erkrankungsfälle mit 17106 Krankentagen er die Angehörigen sämtlicher Kaffenmitglieder eingeführt gedeihen lassen, die sie benötigen. Nur dann haben die den Bleigruben und Bleiverarbeitungsbetrieben Beschäfwird. Davon kann indes nur bei den„ organisierten Kassen", Arzte nicht mehr einen Vorteil davon, wenn recht viele Ber- tigten betroffen. Der Aufsichtsbeamte von Oppeln gibt für also den Orts, Betriebs-, Jnnungs- und ähnlichen Kassen, sonen trant sind, sondern es muß ihnen im Gegenteil daran 1905 eine übersicht über die in den Betrieben seines Bezirks die Rede sein, nicht aber bei den Gemeindekrankenkassen- liegen, daß es allen wohlergeht. Ist es der Sozialdemokratie ermittelten Krankheiten der Zinkhüttenarbeiter, nach Alter versicherungen. Die allgemeine Angehörigenfürsorge ist eine erst einmal gelungen, diese Forderung durchzudrücken, die und Krankheitsarien geordnet. Leider enthält die ZusammenMehr leistung einer Kasse im Sinne des§ 21 des Kranken- wir gerade bei der bevorstehenden Anderung des Kranken- stellung keinen Ausweis über die hierbei beteiligten Arversicherungsgefeges, und es tommen für ihre Einführung versicherungsgesetzes wieder nachdrücklichst erheben müssen, beiterinnen. In 22 Anlagen waren in den eigentlichen alle die in den§§ 22, 30, 32, 33 des betreffenden Gesetzes dann wird sich die freie ärztliche Behandlung der Familien- Binthüttenbetrieben 4789 Personen beschäftigt; für diese vorgesehenen Voraussetzungen in Betracht. Es ist nicht angehörigen als Krankenkassenleistung erübrigen. Bedingung, daß der Reservefonds erfüllt ist, sondern Fr. Kleeis Wurzen. mittelt. Nicht mit eingeschlossen sind dabei die Unfälle, Eres genügt, wenn die Beiträge so bemessen sind, daß sie unter fältungstrantheiten und sonstigen Erkrankungen, die nicht Einrechnung der etwaigen sonstigen Einnahmen der Kassen direkt auf die besonderen Gefahren der Zinkhüttenbetriebe ausreichen, um die statutenmäßigen Unterstüßungen, die Verwaltungskassen und die zur Ansammlung des Reserve fonds erforderlichen Rücklagen zu decken. Sollte sich aus den Jahresabschlüssen der Kasse ergeben, daß ihre Einnahmen zur Deckung der Ausgaben nicht ausreichen, so kann die Behörde unter Berücksichtigung der Vorschriften in§ 31 eine Erhöhung der Beiträge oder eine Minderung der Kassenleistungen herbeiführen. " gi st Die weibliche Arbeitskraft in der Eisen- zurückzuführen sind. Auf der Königlichen Friedrichshütte und Metallindustrie. IV. in Tarnowig erkrankten an Bleivergiftung von 766 Beschäf tigten 50, mit 950 Krantentagen, und in der Bleihütte der Walter- Croneckhütte in Eichenau wurden bei 144 Beschäftigten 99 Fälle von Bleivergiftung, mit 1682 Krankentagen, ermittelt. Mit dem stärkeren Eindringen der weiblichen Arbeitsfraft in die gewerblichen Betriebe der Gütererzeugung In einer fürzlich veröffentlichten Untersuchung der badischnellt auch die Zahl der weiblichen Unfallverletzten in die schen Fabritinspektion über die Heimarbeit in Baden wird Höhe. Zu den Zahlen der Krüppel stellt auch die Metall- berichtet, daß sehr viele heimarbeitende Kinder Knaben arbeiterin ihr Kontingent, und ihr Anteil an den Unfall- und Mädchen an Zahnschmerzen und ruinierten Zähnen ziffern ist nicht nur absolut, sondern relativ im Steigen be- leiden. Und die Ursache? Beim Heftenmachen oder Stecken griffen. Die berufsgenossenschaftlichen Ergebnisse der Eisen-, von Osen müssen die armen Geschöpfe den verzinnten EisenStahl- und Metallwerke, die wir in nachfolgender Tabelle draht mit den Zähnen zusammenbeißen! Ein Kind zusammenstellen, geben ein Bild von dieser unerfreulichen macht im Tage bis zu 2000 Ssen! In der Gemeinde Wyhl Entwicklung. fand man 60 Kinder, die noch nicht 6 Jahre alt waren, bei dieser Beschäftigung. Wahrlich, stolze Beweisziffern für das Vorhandensein einer göttlichen Weltordnung! Es erlitten entschädigungspflichtige Unfälle: sis Personen überhaupt Arbeiterinnen Berufsgenossenschaften 91899 werk- B.- G.. # • 1905 1899 1905 17 94 14 17 4 1 3 24 30 415 1732 683 1564 2189 1826 1070 995 964 1345 1185 1562 1228 1631 Rh.- Westf. Maschinenbau und Kleineisenindustrie- B.- G... 1255 Sächsisch- Thüringische Eisen- u. Stahl- B.- G... Nordöstl. Eisen- u. Stahl- B.- G. Schlesische Nordwestl.= Südd. Edelu. Unedelmetall- B.- G. 205 319 Nordd.= B.-G. der Musikinstrumentenindustrie. Schmiede- B.- G.. = M 25 14 5 11 27 33 4 7 44 S 82 36 122 416 923 • 121 154 1167 3 Insgesamt 10525 15887 " 76 208 427 Die ruinöse Arbeit, in Verbindung mit den Lasten der Hausarbeit eine Heimarbeiterin im Badischen, die für eine Metallwarenfabrik beschäftigt war, begann jeden Morgen um 4 Uhr ihr Tagewerk, die vielen erwerbstätigen Frauen eine tägliche Arbeitszeit von 16 bis 18 Stunden beschert, räumt bald auf mit der Gesundheit und setzt der Lebensdauer oft vor der Zeit ein Ende. Aber nicht nur physisch verkümmern die rücksichtslos ausgebeuteten Frauen und Mädchen, auch geistig und sittlich nehmen sie Schaden, denn sie stumpfen moralisch ab und verlieren jedes höhere Streben. Unzulängliche Schulbildung, das Zusammenarbeiten mit Männern bei mangelhafter Bekleidung, schlechte Ernährung, die geschlechtlichen Anreizungen als physiologische Wirkungen der Nachtarbeit und verschiedener Ausdünstungen, die Benüßung gemeinschaftlicher Aborte und Antleideräume für beide Geschlechter und nicht zuletzt das ganze reiz und freudlose Dasein, das alles sind Triebfedern zu sittlichen Verirrungen. Die trivialsten Vergnügen Berbrechen und Wergehen gegen Ueberhaupt Pro 10000 ber nach ber Die statutarische Regelung des in Frage stehenden Für forgezweiges tann entweder durch ein besonderes Nebenstatut oder Regulativ erfolgen( was besonders bei der Erhebung von Zusagbeiträgen zu empfehlen ist), oder durch einen einfachen Paragraphen im Hauptstatut. Nähere Auskunft gibt das vom Bundesrat herausgegebene Musterstatut für Ortsfrankenkassen. Auch die statutarische Form der Ortskrankentasse Leipzig ist sehr zu empfehlen. Interessantes Material bietet ferner ein Aufsatz über„ Die Wirkungen der Angehörigenunterstützung" in der Arbeiterversorgung" 1905, B.-G. der Feinmechanik.681 1311 Seite 365, von dem Versicherungstechniter Unger. Derselbe Südd. Eisen und Stahl- B.- G. 1421 hat 397 größere Ortskrankenkassen befragt, mit dem Ergebnis, Südwestdeutsche Eisen- B.- G.. daß nur 71 die Familienfürsorge eingeführt hatten, davon bloß Rh.- Westf. Hütten- und Walz6 gegen Zusatbeiträge. Auch eine Anzahl Betriebskrankentassen hatten eine derartige Erweiterung ihrer Leistungen. Von den Ortskrantentassen, welche die Familienfürsorge eingeführt haben, sei erwähnt die gemeinsame Ortskrankentasse in Straßburg, die im Jahre 1906 bei einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von 28 621 aufammen 7015 Erkrankungsfälle und 370 Sterbefälle von Familienange hörigen hatte. Die Allgemeine Ortstrankenkasse Frank furt a. M. hat die Familienfürsorge„ auf besonderen Antrag" eingeführt. Bei einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von 85 961 im Jahre 1906 hatten 11 234 Versicherte sich an der Familienversicherung beteiligt. Der Zusatzbeitrag stellt sich auf 1,50 mt. pro Monat und Familie. Die Gesamteinnahme pro Familie betrug 17,37 Mt., die Ausgabe wenn man die vielfach schon gar nicht mehr frag15,43 Mt. Jn letterer sind 7,07 Mt. für ärztliche Behand= würdigen Genüsse so nennen will füllen die gelegentlung und 8,04 Mt. für Heilmittel inbegriffen. Die Orts- Das ist fürwahr fein erhebendes Bild! Die Zahl der lichen freien Stunden aus. Und die Frömmigkeit ist kein frankentasse in Jena erhebt 1 Mt. Busatbeitrag pro Monat. Unfälle überhaupt stieg um 5312 oder um 52,4 Prozent, da- Hindernis für allerlei Verwilderungen. Schlesien mit seiner Die Ortskrankenkasse für die Landgemeinden Gera( 10328 gegen nahm die Zahl der weiblichen Krüppel um streng tirchlichen Bevölkerung, seiner ausgedehnten FrauenMitglieder im Jahre 1906) hatte bereits 1896 die Familien- 110,3 Prozent zu. Die Zahl der Unfälle bei den Arbeite- arbeit, seinen miserablen Löhnen, seinen Hütten- und Bergfürsorge gegen besondere Zusatzbeiträge eingeführt. Sie rinnen hat aber auch stärker zugenommen wie die Zahl der arbeiterinnen kann in dieser Beziehung geradezu als Mustertam damit jedoch nicht vorwärts und wendete sich fürzlich Beschäftigten. Nach den Angaben im Statistischen Jahr beispiel gelten. Die Kriminalstatistik ist ein Spiegel dieses der allgemeinen Fürsorge zu. Auch die Ortstranten- buch für das Deutsche Reich für 1906" stieg die Zahl der Kulturbildes. Aus den Zahlen der amtlichen Statistik des tassen Dresden und Leipzig haben die Unterstützung in der Metallverarbeitung und in der Industrie der Maschinen Deutschen Reiches 1907, Band 169, machen wir folgende als Mehrleistung ohne Extrabeiträge bevorzugt. Dagegen und Werkzeuge beschäftigten Arbeiterinnen von rund Zusammenstellung über den Anteil des weiblichen Elementes tennt die Ortsfrankenkasse Plauen nur Sterbegelder 69 000 im Jahre 1899 auf rund 96000 im Jahre an den Verurteilungen wegen Vergehen und Versehen. für Familienangehörige. 1904. Die Zunahme beträgt 40 Prozent. In der gleichen Gegen Frauen und Mädchen erfolgten rechtskräftige werEin großer Mangel der amtlichen Krankenkassenstatistit Zeit wuchs aber die Zahl der schwer verletzten Arbeiterinnen urteilungen: ist es, daß sie über den Umfang, die Kosten usw. der von 203 auf 338; das ist eine Steigerung um 66,5 Prozent. Familienfürsorge keine Auskunft gibt. Nicht einmal die Zahl Von 1904 auf 1905 stieg dann die Zahl der in den geder Kassen ist zu ersehen, welche die Fürsorge als Mehr- nannten Anlagen beschäftigten Arbeiterinnen auf rund 100 000 leistung eingeführt haben, geschweige denn, daß Anhalts- und die Zahl der Unfälle mehrte sich auf 427. Die Steige punkte über die Zahl der Erkrankungsfälle von Angehörigen rung gegenüber 1899 beträgt bei den Beschäftigten 45 Pround über die Kosten der Fürsorge zu finden sind. Man kann zent und bei den Unfällen 110,3 Prozent! Demnach ergibt sich daher nur auf die Erfahrungen der einzelnen Kassen stützen. sich eine ganz besonders starte Zunahme der Unfälle von Leider muß noch ein Umstand erwähnt werden, welcher 1904 auf 1905. Es kommen hier, was wohl zu beachten ist, die Einführung der Familienfürsorge bei vielen Rassen er nur die entschädigungspflichtigen Unfälle in schwert und mitunter zur Unmöglichkeit gemacht hat. Das Betracht, das heißt solche, bei denen nach der Ausheilung, sind die übermäßigen Honorare, welche die Ärzte für die frühestens 13 Wochen nach dem Unfall, seitens der Arzte haupt Behandlung der Angehörigen fordern. Ist es doch vor noch eine Erwerbsverminderung als Folge der Verlegung Gebetbuch, Schnaps und hohe Kriminalitätsziffern- das gekommen, daß manche Kassen aus diesem Grunde die freie konstatiert wird. Alle Fälle, in denen die Voraussetzungen ist der harmonische Dreiflang in Schlesien. Für die Tatsache, ärztliche Behandlung der Familienangehörigen wieder ab- nicht zutreffen, auch wenn die Arbeitsunfähigkeit als Unfall- daß dort der Anteil des weiblichen Elementes sowohl schaffen mußten! Es sei hierbei nur an den Konflikt der folge länger wie 13 Wochen dauert, scheiden für die Unfall- der Erwachsenen wie der Jugendlichen an den KriminaliOrtstrantentasse Leipzig mit ihren Kassenärzten erinnert, der rente aus; sie sind in der berufsgenossenschaftlichen Statistit tätsziffern für alle Arten Vergehen und Verbrechen sich be sich hauptsächlich um das Honorar für die Familienbehand- nicht aufgenommen, da sie als leichte Unfälle gelten! trächtlich über den Reichsdurchschnitt erhebt, muß es doch lung drehte und schließlich dazu führte, daß die Kasse diesen Unter Berücksichtigung dieser Umstände muß man zu dem eine Erklärung geben. Daß die Schlesterin besonders verFürsorgezweig längere Zeit überhaupt einstellte. Diese Er- Resultat gelangen, daß die Arbeiterinnen in der Metall- brecherisch veranlagt sei, wird niemand behaupten, und wenn scheinung ist darauf zurückzuführen, daß viele Ärzte prin- industrie immer mehr zu besonders unfallgefährlichen Hantie- man nicht annehmen will, daß eine ganz streng kirchliche Erzipielle Gegner der Familienunterstützung sind. In dem rungen herangezogen werden. ziehung hervorragend zur Mißachtung der Strafgesetze anGlauben, daß durch diese Erweiterung der Kassentätigkeit Wie die obige Aufstellung erkennen läßt, ist die absolute reizt, dann muß man schon die Verhältnisse, das ganze ihre Privatpraxis geschädigt wird, erheben sie oft außer Bunahme der Unfälle besonders start bei den Berufsgenossen Milieu als des übels Wurzel betrachten. Wie die obigen ordentlich hohe Honoraransprüche, um die Kaffen von der schaften der Edel- und Unedelmetallindustrie. Hier stellen Zahlen ausweisen, überwiegen bei weitem RoheitsverEinführung der Fürsorge abzuhalten. Mitunter willigen fie die Arbeiterinnen im Verhältnis zu den Männern ein sehr gehen und Angriffe auf das Eigentum. Die Be in eine Ermäßigung der Honorare unter die Sätze der ärzt hohes Kontingent der Unfallverletzten. Noch auffallender handlung, der die schlesische Arbeiterin ausgesetzt ist, macht lichen Gebührentage nur dann, wenn die Kasse sich in einer ist die Steigerung der Unfälle bei der Berufsgenossenschaft auch sie selbst roh, erstickt den Respekt vor der Heiligkeit Notlage befindet, das heißt wenn sie bei den zulässigen der Feinmechanit, in der die Arbeiterinnen im Verhältnis des Lebens und der Gesundheit anderer. Die brutale Aushöchsten Beiträgen nicht in der Lage ist, ihre gesetzlichen zu den Männern eine große Zahl Krüppel aufweisen. beutung, die erbärmliche Entlohnung, Hunger, Not, ents Mindestleistungen zu erfüllen. Bei den außergewöhnlichen Die Gewerbeinspektoren berichten über die Beschäftigung fachte ungeſtillte Begierden lassen die Achtung vor dem Rechten, welche der Staat den Ärzten eingeräumt hat von Frauen in der Eisen- und Metallindustrie leider nur Eigentum anderer abstumpfen und bringen die Armen dazu, ( Zwangsorganisation, Standesordnung, Ehrengerichte usw.) sehr spärlich. Der Aufsichtsbeamte des Landespolizeibezirks sich mit fecker Hand selbst zu holen, was das Schicksal, was find die Kassen in der Regel gezwungen, die Forderungen Berlin teilt mit, daß in einer Affumulatorenfabrik Arbeite- die Gesellschaft ihnen versagt. der Arzte zu bewilligen. rinnen mit dem Einsetzen kleiner Akkumulatoren in elek- Es ist ein freudloses, nicht von der Sonne der Kultur trische Taschenlampen beschäftigt wurden. Diese Tätigkeit bestrahltes Dasein, zu dem die Metallarbeiterin verdammt mußte eingestellt werden. Mehrfach wird über unzulässige ist. Eine gesetzliche Regelung der Heimarbeit und der ArBeschäftigung an Motoren berichtet. Zweifellos wird aber beitsverhältnisse in Hüttenwerfen könnte vieles bessern. Es auch besonders in den Metallhütten sonst noch in ift hohe Zeit, daß endlich einmal Hand angelegt wird. Hier freventlicher Weise gegen Gesundheit und Leben der Ar- ist positive Arbeit zu leisten! Möge der konservativ- liberale beiterinnen gefündigt. Ein überaus hartnäckiger und ge- Reichstagsmehrheitsblock zeigen, was er fann und will. fährlicher Feind der Gesundheit des Arbeiters ist die Blei- Die Sozialdemokratie hat es schon bisher an den nötigen vergiftung. Von dieser Krankheit werden vielfach die in Nackenstößen nicht fehlen lassen; sie wird auch weiterhin bestrebt sein, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln praktisch an der Lösung dieser Aufgabe zu arbeiten. Bei der nächsten Anderung des Krankenversicherungsgesetzes muß auch die Arztfrage geregelt werden. Für die Sozialdemokratie ist sie zwar längst dahin gelöst, daß wir staatlich angestellte Arste fordern. Gerade die Tat fache, daß es vielen Kassen unmöglich oder nur mit den größten Opfern erreichbar ist, die Familienfürsorge ein zuführen, zwingt uns, diese Forderung immer energischer zu erheben. Die ärztliche Behandlung franter Mitmenschen darf kein privates Geschäft bleiben, sondern der Arzt muß als Staatsbeamter seine Hilfe unentgeltlich allen an· 1900 gegründet. im in Reich Schlesien Staat, öffentl. Ord- Erwachsene 11228 1078 nung u. Religion( Jugendliche 277 Personen • Bählung vom 1. Dez. 1905ortsanwesenden weibl. Bevölkerung im Reich in Schlesien 3,53 4,02 32 0,09 0,12 9,81 13,81 85 0,28 0,33 Erwachsene 30166 3559 Jugendliche 877 Erwachsene 32074 3281 10,43 12,73 Eigentum Jugendliche 698 2,29 2,78 Strafgesetze über- Erwachsene 73543 7816 23,92 30,34 Jugendliche 8223 815 2,67 3,16 • 7068 Nr. 18 Die Gleichheit 153 Vom Kampfplatz um das Vereins- und Versammlungsrecht. Ein Elendswinkel im vereins- und versammlungsrecht- lichen Leben der Arbeiterinnen ist das Herzogtum Braun- schweig. In Wolfenbüttel, Broitzen und vor allen Dingen in Braunschweig selbst sind im verflossenen Jahre von 30 Mit- gliederversammlungen der Zahlstelle des Braunschweiger Fabrikarbeiterverbandes rund ein Dutzend unter Borgabe oft recht eigentümlicher„Gründe" polizeilich aufgelöst wor- den. Das altersgraue braunschweigische Vereins- und Ver- sammlungsgesetz von 1853 bietet in seinem§ 14 eine ge- eignete Handhabe, das Versammlungsrecht der Arbeiter jederzeit illusorisch zu machen. Die weiblichen Mitglieder des Verbandes muhten selbst bei den einfachsten gewerk- schaftlichen Verhandlungen den Saal verlassen, wenn sie nicht die Auflösung der Versammlung herbeiführen wollten- Natürlich empfinden es die 950 in dieser Verbandsstelle or- ganisierten Arbeiterinnen als eine harte Ungerechtigkeit, wenn sie auf diese Art an der Betätigung im wirtschaftlichen Kampfe gehindert werden. Daß aber eine Belehrung über die Arbeiterschutzbestimmungen, über die Rechte im gewerb- lichen Arbeitsverhältnis und dergleichen ohne gelegentliche Berührung des politischen Gebiets nicht möglich ist, mühte nachgerade auch der braunschweigische» Polizeibehörde ein- leuchten. Selbst höhere Polizeibeamte haben wiederholt er- klärt, daß die bezüglichen Bestimmungen des Gesetzes ver- altet sind, darum sollte man das Gesetz wenigstens so lange etwas loyaler handhaben, bis dem unhaltbaren Zustand durch andere gesetzliche Bestimmungen ein Ende gemacht wird. Freilich hat das werktätige Volk in dieser Beziehung vovl braunschweigische» Landtag kaum ein Entgegenkommen zu erwarten, denn die Interessen der„Landboten", die sich infolge des elenden Klassenwahlrechtes lediglich aus den Kreisen der Besitzenden rekrutieren, sind den Interessen der Arbeiterschaft direkt entgegengesetzt. Die Hoffnung aus eine loyalere Handhabung des Versammlungsrechtes hat sich aber bis jetzt nicht erfüllt. Da die betreffenden Versammlungen seit einiger Zeit sogar durch zwei Beamte„überwacht" werden, kann man im Gegenteil darauf schließen, daß gegen die Lohn- sklavinnen noch schärfer vorgegangen werden soll wie früher. Es ist von Interesse, an einigen Beispielen zu zeigen, welche „Gründe" der Polizei wichtig genug erschienen, um solche Versammlungen aufzulösen. Im Februar des vorigen Jahres wurde eine Ver- sammlung aufgelöst, weil nach Ansicht des überwachenden auch NichtMitglieder zur Stelle gewesen sein sollen; ein zweites Mal, im April, erfolgte die Auflösung, weil ein Be- richterstatter über die Metallarbeiteraussperrung die Polizei- liehe Begünstigung der Unternehmer erwähnte. Eine im Juli statlgefundene Versammlung, in der Genossin Jeetze in ihrem Vortrag:„Der Kampf der Arbeiterin um eine kultur- würdige Existenz" den Anwesenden den Begriff„Analphabet" erläuterte, verfiel wegen dieses schweren Verstoßes dem gleichen Schicksal. Gegen diese Auflösung wurde bei der Polizeidirektion und beim Ministerium Beschwerde geführt, jedoch ohne Erfolg. Ferner wurden im Juli in Wolfen- büttel und Broitzen zwei Mitgliederversammlungen aufgelöst, weil die weiblichen Mitglieder an ihnen teilnehmen wollten. Einige Tage später konnte an letzterem Orte einer Versannn- lungsauflösung nur dadurch vorgebeugt werden, daß die weiblichen Mitglieder freiwillig das Lokal verließen. Und so könnte man die Reihe der Versammlungen, die aus ähn- lichen„Gründen" aufgelöst wurden, ins Unendliche fort- setzen. Die verstärkte Energie der Polizei äußerte sich außer- dem darin, daß in einigen Versammlungslokalen nicht weniger als vier Gendarmem postiert waren. Aber die Ausübung der reichsgesetzlichen Koalitions- freiheit wurde auch noch auf andere Weise gehemmt. Es kam mehrfach vor, daß Polizeibeamte in vertrauliche Werk- stattbesprechungen geschickt wurden, und oft wurde Referenten und Diskussionsrednern das Wort entzogen, wenn sie an Betriebsübelständen berechtigte Kritik üben wollten. Der Arbeiterschaft ist eine solche willkürliche Handhabung des Versammlungsrechtes, durch welche die Bestrebungen der Gewerkschaften gehindert werden, unverständlich. Daß die polizeilichen Maßregeln aber keineswegs imstande sind, diese Bestrebungen zu unterdrücken, beweist die erfreuliche Tatsache, daß gerade bei der am meisten von den Polizeischikanen betroffenen Gewerkschaftszahlstelle die Zahl der Neueintreten- den sich steigerte! Innerhalb dieses Jahres der Unterdrückung stieg die Zahl der örtlichen Verbandsgenossen von 2029 auf 3430. So wird es auch im laufenden Jahre trotz aller Unterdrückung stetig vorwärts gehen. Es muß betont werden, daß nirgends eine dringendere Notwendigkeit für den Zusammenschluß der Arbeiterinnen be- steht, als in Braunschweig, das den traurigen Ruhm genießt, auch bezüglich der Gewerbeaufsicht so rückständig zu sein, daß es hinter dem Reichsdurchschnitt an Fabrikrevisionen zurück- bleibt. So wurden im Laufe des Jahres 1905 nur 13,5 Prozent der vorhandenen revisionspflichtigen Betriebe kontrolliett. Was Wunder, daß die weiblichen Arbeitskräfte monatelang 15 bis 18 Stunden täglich ausgebeutet werden konnten, wie das in der hiesigen Konservenindustrie Hunderten, ja Tausenden widerfahren ist. Gegen solche Zustände muß energisch Front gemacht werden, und das kann nur geschehen, wenn sich die Arbeiterinnen noch viel mehr als bisher in den Dienst der Sache stellen, indem sie zur Ausbreitung der politischen und gewerkschaftlichen Organisation und der Ar- beiterpreffe das Ihrige beitragen. Dann können wir lachend über alle Unterdrückung hinwegschreiten. Robert Lippmann. Aus der Bewegung. von der Agitation. Die Unterzeichnete agitierte in der zweiten Hälfte des Juni in der schwarzen Oberpfalz und Niederbayern. In Dieterskirchen referierte sie in einer öffentlichen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Versammlung, die von der dortigen Verwaltungsstelle der Glasarbeiter einberufen wurde und sehr zahlreich besucht war, über das Thema:„Der Kampf der Arbeiter um das tägliche Brot". Mit großer Aufmerksamkeit ver- folgten die über alle Maßen ausgebeuteten Proletarier die Ausführungen der Rednerin. In der Diskussion meldete sich der Pfarrer zum Worte und meinte, den Arbeitern und Arbeiterinnen in der Oberpfalz ginge es nicht so schlecht, denn die Kinder der organisierten Arbeiter kämen viel reinlicher in die Schule als die der Kleinbauern, auch intelligenter seien sie als diese. Er nannte es eine Gemein- heit, wenn die Referentin behaupte, die Mädchen verließen die Schule noch unwissender als die Knaben. Von einem Pfarrer könne man doch nicht verlangen, daß er die Mädchen auf ihren künftigen Beruf als Gattin und Mutter vorbereite. Den Arbeiterinnen ginge es überhaupt ganz gut. Die Zwischenrufe der zahlreich anwesenden Frauen machten aber den Gottesmann stutzig, und er meinte, er könne nicht auf alles eingehen, was die Refe- rentin angeführt habe, denn es fehle ihm das Material. Die Referentin dankte dem hochwürdigen Herrn für die Anerkennung, daß die Kinder der organisierten Arbeiter in- telligenter und reinlicher gehalten seien als die der Bauern; von den Gegnern werde bisher immer das Gegen- teil behauptet, übrigens würde den Pfarrern keines- wegs ein so gefährliches Unternehmen zugemutet, wie der Unterricht an halb erblühte Jungftauen über ihre der- einstigen Pflichten als Galtin und Mutter. Eine weitere Versammlung wurde Ende Juni in Hilstett abgehalten. Auch hier waren die Gegner in dem Bestreben herbeigeeilt, die Aufklärung nach Möglichkeit dem finsteren Winkel fern- zuhalten. Besonders ein Bauernbündler, der sich stolz als Schüler des Handwerksretters Pflüger in Regensburg be- kannte, spielte eine unfreiwillig komische Rolle, indem er die Überzeugung aussprach, daß nicht die niedrigen Löhne, die lange Arbeitszeit und schlechte Ernährung Not und Elend unter dem Proletariat verursachten, sondern— die man- gelnde Frömmigkeit. Der Referentin war es natürlich ein leichtes, unter lebhaftem Beifall der Versammlung das biedere Bäuerlein eines Besseren zu belehren. Wenn man erwägt, daß die Arbeiter zum Teil 10 Stunden Fußweg zurücklegen mußten, um die Versammlungen besuchen zu können, so kann man mit Sicherheit annehmen, daß sie es mit Freude begrüßen, wenn die Aufklärung auch im schönen Schwarzachtale immer weiter vorwärts schreitet. Die Dorf- gewaltigen und der Pfarrer gaben sich die größte Mühe, die Versammlung zu einer politischen zu stempeln. Gegen die Referentin wurde Anzeige erstattet. Aber alle Anstrengungen der schwarzen Herrschaften, die Agitation von der Ober- pfalz fernzuhalten, werden hier wie anderwärts an der durchdringenden Werbetraft des Sozialismus kläglich zerschellen. Im benachbarten Straubing haben die Ziegelei- arbeiter nach sechswöchigem Streik, an dem 170 Frauen und Mädchen teilnahmen, die 10 stündige Arbeitszeit(gegen 11 und 12 Stunden früher) errungen. Die Frauen und Mädchen standen trotz der unerhörtesten Polizeischikanen wacker Streikposten. Auf welche skandalöse Art die Polizei in Bayern bemüht ist, die Arbeiterinnen vom Gebrauch des Koalitionsrechts abzubringe», geht daraus hervor', daß die styeikenden Frauen wiederholt daraufhin kontrolliert wurden, ob sie gewerbsmäßige Unzucht trieben! Die Zentrumspreffe, von der man es ja gewöhnt ist, daß sie mit den Arbeiterinteressen Schindluder treibt, stand natürlich ganz auf feiten der Ziegelbarone. Dieses Ver- halten wurde in zwei großen Volksversammlungen gebrand- markt, in denen der Gauleiter Staimer und die Unter- zeichnete referierten. Magda Hagen. Die dritte ordentlich« Kouferenz der Bertranens- Personen deS sechsten schleswig-holsteinischen Wahl- kreises fand am 11. August in Pinneberg statt. Es waren 14 weibliche Delegierte erschienen, die über die Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung im Kreise während des verflossenen Jahres Bericht erstatteten. Nach ihren Ausführungen hat sich die Bewegung in erfreulicher Weise gehoben, trotzdem es schwer hält, die Frauen für unsere Bestrebungen zu gewinnen. An dein letzteren Um- stand tragen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Gleich- gültigkeit der Frauen gegen das öffentliche Leben und oft genug auch die Genossen schuld, die es nicht für nötig halten, die Frauen aufzuklären, ja, die zuweilen noch Gegner der Frauenbewegung sind. Diese Gegnerschaft zeugt von einer bedauerlichen Einsichtslosigkeit, denn es ist zweifellos, daß die Frau, wenn erst einmal ihr Interesse an wirtschaftlichen und politischen Dingen geweckt ist, ihren Posten im Kampfe für unsere Sache so gut ausfüllt wie der Mann. Trotz aller Schwierigkeiten ist es uns aber im Laufe des Jahres durch rege Agitation doch gelungen, die Zahl der„Gleich- heit"abonnenten von 559 auf 998 zu steigern. Auch der Kreis der Genossinnen, die freiwillige Parteibeiträge zahlen, hat sich erweitert; er umschließt jetzt 1166 Frauen gegen 880 im Borjahr. Die durch diese Beiträge eingekonimene Summe belief sich auf 1124,70 Mk. Durch Bons zugunsten des Agi- tationsfonds der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands wurden 70,50 Mk. aufgebracht, durch freiwillige Spenden in einer Frauenversanunlung zu Pinneberg 1,25 Mk. Zur Belehrung der Frauen wurden im ganzen Kreise 37 Frauen- Versammlungen und in einigen Orten Leseabende abgehallen. Die Konferenz wählte die Genossin Schönfelder ein- stimmig als Kreisvertrauensperson wieder und übertrug ihr gleichzeitig das Mandat zum Provinzialparteitag. Die Dele- gierten gingen auseinander mit dem Gelöbnis, an der Auf- klärung der Proletarierinnen und Proletarier mit gesteigerter Kraft weiter zu arbeiten, damit das Sklavenjoch, das der Kapitalismus dem Proletariat auferlegt, schließlich gänzlich abgeschüttelt werden kann. Sofia Schönfelder. Jahresbericht der Vertrauensperson des Kreises Magdeburg und Umgebung. Seit Juli vorigen Jahres wurden in unserem Kreis 32 öffentliche Frauenversamm- lungen abgehalten, in denen sieben Genossinnen über poli- tische, gewerkschaftliche und wissenschaftliche Fragen refe- rierten. Der Besuch der Versammlungen war im allgemeinen gut, nur in einigen hätte er etwas reger sein können. Bei den Vorarbeiten zur Reichstagswahl waren die Genossinnen zahlreich im Wahlbureau tätig, auch wurden von ihnen in den Versammlungen Flugblätter verbreitet. In mehreren Orten des Kreises wurden neue Frauen- und Mädchen- bildungsvereine gegründet, so in Thale und Quedlin- bürg durch Genossin Fahrenwald, in Fermersleben, Salbke-Westerhüsen und Schönebeck durch Genossin Mahn. In den letzteren drei Orten ist die Mitgliedschaft befriedigend, dagegen ist der Berein in Thale wieder zer- splittert.— Mit der Frage der Dienstbotenorganisation haben sich die Genossinnen bereits mehrfach befaßt, bis jetzt allerdings ohne sichtlichen Erfolg. Das wird sie jedoch nicht abhalten, auch fernerhin ihre Pflicht zu tun und energisch zu agitieren. Am Schluß des vorigen Jahres be- trug die Zahl der„Gleichheit"-Leserinnen in Magdeburg und Umgegend 105; sie ist inzwischen auf 270 und 140 in anderen Orten angewachsen; ein gutes Resultat! Die Ein- nahmen betrugen im verflossenen Jahre 633,84 Mk., die Aus- gaben 572,41 Mk., so daß ein Bestand von 91,43 Mk. verblieb. Zum Internationalen Kongreß in Stuttgart delegierten die Genossinnen unseres Kreises Genossin Bollmann-Halber- stadt.— Wenn wir auch Ursache haben, mit der Arbeit des verflossenen Jahres im großen und ganzen zufrieden zu sein, so wollen wir doch alles daran setzen, im laufenden Jahre noch mehr zu erreichen. Darum: Frischauf mit neuen Kräften zu neuer ersprießlicher Arbeit für unsere große Sache! Emilie Mahn. Ein mißlungener Streich. In der Bamberger „schwarzen" Gegend hatten die Frommen, denen das ficht- liche Blühen und Gedeihen der proletarischen Frauen- bewegung schlaflose Nächte bereitet, Genossin Grünberg wegen angeblicher Beleidigung der„Gottesmutter" Maria und Herabwürdigung des Marienkultus vor den Kadi ge- schleppt. Unser« Genossin sollte in einer öffentlichen Versammlung der Porzellanarbettermnen und-arbeiter von Schauberg und Umgebung die heuttgen unehelichen Mütter mit der Jungfrau Maria in Parallele gestellt und ferner Jesus als den erste» Sozialdemokraten bezeichnet haben. Daß die Beleidigung der Jungfrau Maria in der behaupteten Weise gefallen war, konnten die christlichen Denunzianten trotz eines Aufgebots von sieben Zeugen nicht nachweisen; die Äußerung über Jesus wurde vom Staatsanwalt nach- träglich als nicht unter Anklage gestellt bezeichnet. So kam es, daß die des Religionsvergehens angeklagte Genossin zum Entsetzen aller wahrhaft christlichen Leute vom Landgericht Bamberg kostenlos freigesprochen wurde. Daniit war eine Aktion jämmerlich verpufft, die von den Frommen zu dem Zwecke eingeleitet war, die Arbeiterinnen der Bamberger Gegend einzuschüchtern und vom Eintritt in die freien ge- werkschaftlichen Organisationen zurückzuhalten. Hoffentlich beweisen die Arbeiterinnen nunmehr durch einen tNassenhaften Beitritt zur Gewerkschaft, daß sie der„christlichen" Bevor- mundung gründlich überdrüssig sind, die vor den feigsten und verlogensten Einschüchterungsversuchen nicht zurückschreckt. Beschluß der ersten Internationale» sozialistischen Francnkonferenz, das Internationale Sekretariat betr. „Um die internationalen Beziehungen zwischen den Genossinnen der einzelnen Länder enger zu knüpfen, beschließt die erste Internationale Frauenkonferenz, daß eine inter- nationale Zenttalstelle geschaffen wird, an welche die Ge- nossinnen der einzelnen Länder alljährlich zusammenfassende Berichte über die Frauenbewegung ihres Heimatlandes einsenden, außerdem aber auch fortlaufende Berichte über alle wichtigen Vorkommnisse liefern. Als Zentrale wird die Redaktion der„Gleichheit" in Deutschland bestimmt, als Publikationsorgan die genannte Zeitschrift. Die„Gleichheit" wird zur Information an die Zentralstellen der Genossinnen der einzelnen Länder sowie an das Internationale Bureau gesandt. Die Genossinnen der einzelnen Länder haben für die Veröffentlichung der Berichte in den Parteizeitungen ihres Landes Sorge zu tragen." Politische Rundschau. Der Zweifel, den die letzte Rundschau aussprach, ob de ganze Freisinn mit ganzem Herzen in den Kampf ums gleiche Landtagswahlrecht ziehe, ist nur allzu schnell gerecht- fertigt worden. Die„Weser-Zeitung", die sich von Anfang an gegen den von Naumann proklamierten Kampf erklärte, hat im freisinnigen Blätterwalde kräftiges Echo geweckt. Mit so viel Leidenschaft, wie sie das staatsmännisch tem- perierte Organ aufbringen kann, zieht die„Vossische Zei- tung" gegen die„nationalsozialen Eiferer" zu Felde— daß auch fteisinnige Parlamentarier ohne nationalsoziale Ver- gangenheit, wie Hormann, Mugdan mit Naumann gingen, wird ignoriert— und mit ihr stürmen die„Breslauer Zei- tung", die„Königsberger Hartungsche Zeitung" und andere vor gegen die Forderung, das Volk aufzurufen zum Sturm gegen das Dreiklasfenwahlrecht unter der Parole:„Das 154 " Die Gleichheit Nr. 18 schreiber die bemerkenswerten Fortschritte der gewerkschaftlichen Organisation unter den Arbeiterinnen wegdisputieren. Diese Fortschritte können jede Genoffin mit großer Genugtuung und stolzer Freude erfüllen, sie muß sie aber auch anfeuern, noch mehr als bisher für die Organisierung und Besserstellung ihrer Klassenschwestern und damit für deren Befreiung aus der Lohnsflaverei zu wirken! Die Aussperrung der Tabakarbeiterinnen in Gießen zeigt ein wenig verändertes Bild. Von den an der Aussperrung beteiligten 1000 Arbeiterinnen und 200 Arbeitern rumänische Regierung gegen die junge Arbeiterbewegung des sind erst 10 Personen fahnenflüchtig geworden. Die Ausunglücklichen Landes. Unter schamloser Verlegung der Geseze gesperrten sind fest entschlossen, im Kampfe um das Koalitionswerden rumänische Proletarier des Landes verwiesen und, recht auszuharren. Wenn die Solidarität der deutschen da kein Nachbarstaat diese unzweifelhaften rumänischen Staats- Arbeiterklasse den Kämpfern für eine gerechte Sache auch angehörigen aufnehmen will, von den banditenhaften Be- fernerhin treu bleibt und sich durch weitere materielle Unterhörden über die Grenzen geschmuggelt. Zerstörung der Or- stützung betätigt, ist auf eine siegreiche Beendigung der Ausganisationen, Beschlagnahme der Kassen, willkürliche Ver- sperrung zu hoffen. haftungen, bestialische Mißhandlungen der Gefangenen er- In Stettin ist eine von den Unternehmern angedrohte gänzen die ungesetzlichen Ausweisungen. Mit musterhafter Generalaussperrung der Schneider und SchneideDisziplin aber hält die Arbeiterschaft diesem Wüten stand rinnen der Herren- und Damenkonfektion zur Tat geworden. und vereitelt die Spekulation der regierenden Verbrecher, die Etwa 9000 Personen sollen an dem Kampfe beteiligt sein, sie in einen aussichtslosen Aufstand treiben möchten, den sie darunter etwa die Hälfte Arbeiterinnen. Ursache der Ausdann gleich der Bauernerhebung in einem Blutbad ersticken sperrung ist, daß die Arbeiterorganisation einigen Tarif wollen. Die rumänischen Arbeiter fechten einen ebenso schweren mardern unter den Unternehmern auf das Leder rückte und Kampf wie ihre russischen Brüder, deren politische Vertretung, durch einen Nachtrag im Tarif eine präzise Bestimmung verdie russische Sozialdemokratie, jetzt in den Wahlkampf für die langte, die dem Tarifbruch vorbeugt. Die Unternehmer dritte Duma zieht. Sie hat beschlossen, auf die Waffe der fühlten sich dadurch in ihrer bisher beliebten, willkürlichen Wahlagitation nicht zu verzichten, trotz der geringen Aus- Entlohnungsart beschränkt und verweigerten die Annahme sichten auf Mandatseroberungen, die das Staatsstreichwahl des Nachtrages. recht ihr bietet. Der Kampf im Berliner Baugewerbe hat einen geDer Internationale Sozialistische Kongreß zu Stuttgart, wissen Abschluß gefunden. Nachdem nun 46 Prozent der der im ganzen ein herrliches Zeugnis vom Fortschritt der Maurer und 75 Prozent der Zimmerer zu den neuen Arbeitsproletarischen Internationale, von der Erstarfung der inter- bedingungen arbeiten, war ein gewisser Beharrungszustand nationalen Solidarität in der Arbeiterklasse ablegte, hat den eingetreten. Es wird deshalb von der Fortführung eines hart kämpfenden Vorposten der Arbeiterbewegung in Dst- allgemeinern Streits abgesehen, und die widerspenstigen Untereuropa den Dank, die Bewunderung und die glühenden nehmer sollen im Einzelkampfe zur Annahme der Forderungen Wünsche des internationalen Proletariats für ihren endlichen veranlaßt werden. Die Aussperrung der Berliner HolzSieg ausgesprochen. Er hat der Arbeiterschaft aller Länder arbeiter hat der Organisation 2141435 Mt. Kosten verdamit auch heilige Pflichten auferlegt, die die deutsche Sozial- ursacht. demokratie erfüllen wird, indem sie nicht nur den kämpfenden Brüdern Hilfe leistet, soweit sie kann, sondern sich auch bemühen wird, ihre eigenen Kämpfe mit demselben Opfermut zu führen wie jene. H. B. dudas t Reichstagswahlrecht für Preußen!" In etwas vorsichtigerer| gegeben, hat seinen Wahlrechtsantrag als freche Komödie vermehrt haben, kann uns doch kein scharfmacherischer SoldForm hat sich ihnen neuerdings auch das führende Organ enthüllt, die lediglich dem Wählerfang diente. der freisinnigen Volkspartei, die Freisinnige Zeitung" an- So ständen die Aktien eines Wahlrechtssturmes in Preußen geschlossen, indem sie, gegen die agrarische Deutsche sehr schlecht, wenn die Sozialdemokratie nicht wäre. Sie wird Tageszeitung" polemisierend, mit Befriedigung tonstatiert, tämpfen, und sie wird zugleich alles daran setzen, Freisinn daß eine ganze Reihe freisinniger Organe beider Rich- und Zentrum selbst wider den Willen ihrer Leitungen vor tungen sich feineswegs für die von Oertels Blatt dem Frei- wärts zu treiben, indem sie ihre Agitation in jene prolesinn nachgesagte Verzweiflungstaktit" erklärt hätten, ihre tarischen Schichten hineinträgt, die sich noch infolge mangelnSache auf alles oder nichts zu stellen". So geben die ein- den Klassenbewußtseins im Banne des Freisinns und des flußreichsten Blätter des Freisinns sich redliche Mühe, die Zentrums befinden. 290 freisinnigen Wähler noch vor Beginn des Kampfes flau zu Wie ein trunkener asiatischer Despot wütet die„ liberale" machen und zugleich dem Fürsten Bülow zu verstehen zu geben, daß sich der Freisinn gerne mit einem jämmerlichen Kompromiß, mit einem Vierklassenwahlrecht à la Sachsen zufrieden geben wird. So wird die Regierung geradezu angereizt, möglichst wenig zu bieten und die Festigkeit der freisinnigen Forderungen möglichst niedrig einzuschätzen. Es ist offenbar, daß die führenden kapitalistischen Kreise des Freisinns beider Lager um der Erhaltung des Blocks willen und wohl auch aus direkter Abneigung gegen das demokratische Wahlrecht schon heute bereit wären, sich mit der Karikatur einer Wahlreform zufrieden zu geben, wenn sie nicht für ihren Kredit bei den Wählern fürchten müßten. Ja, fie fürchten auch den Volkssturm, den ihnen Naumann als ein Mittel, den Liberalismus wieder magnetisch" zu machen, empfiehlt sie fürchten ihn, weil sie sich sagen, wie die " Bossische Zeitung" ganz offen erklärte, daß die erregten Massen sich späterhin enttäuscht fühlen werden, wenn nach fräftigem Fanfarenblasen der Freisinn schließlich doch dem Bülowschen Vierklassenwahlrecht zustimmt. Und daß diese Enttäuschung Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie leiten werde, das verhehlen sie sich nicht. Solcher Art sind die Ängste der freisinnigen Führerschaft. Nur gezwungen wird diese Heldenschar ins Feuer eines Wahlrechtstampfes gehen, nur wenn die Angst vor völligem Zusammenbruch ihrer Anhängerschaft die anderen, hemmenden Ängste überwindet. Nur eine starke Volksbewegung, nur eine wuchtige Aktion der Sozialdemokratie wird den Freifinn ins Feuer bringen. Schon hat ihre unerbittliche Kritik die proletarischen Elemente, die dem Linksliberalismus noch anhängen, die HirschDunckerschen Gewerkvereinler, die allerdings ein weit brennenEine größere Lohnbewegung der Hausdiener in den deres Interesse an einer wirklichen Wahlreform haben als die Berliner Warenhäusern ist im Gange. Niedrige Löhne freifinnigen Rapitalisten, zu dem Versuch aufgestachelt, die und lange Arbeitszeiten sind selbst bei den vornehmsten freisinnige Führerschaft vorwärts zu treiben. Namentlich Firmen gang und gäbe. Vom Vorstand des Transportdie rheinisch- westfälischen Gewerkvereinler, die rührigsten arbeiterverbandes soll deshalb ein Lohntarif ausder Schar, die in der Entwicklung zum Klassenbewußtsein gearbeitet und den Warenhausbesitzern vorgelegt werden. am weitesten vorwärts geschritten sind und deshalb von der Gewerkschaftliche Rundschau. Jabon unseres Wissens sind auch weibliche Arbeitskräfte in den offiziellen Leitung des Gesamtverbands stets als etwas un- Die soeben erschienene statistische Übersicht der General- Lagerräumen der Warenhäuser mit dem Auspacken und fichere oppofitionelle Elemente beargwöhnt werden, haben kommission über die zentralisierten Verbände gibt nunmehr Versand usw. der Waren beschäftigt. Wir halten es deshalb sich gerührt. Ihr Organ, die„ Düsseldorfer Post", hat sich ein vollständiges und genaues Bild von der Entwicklung für selbstverständlich, daß diese schwerbedrückten Prolemit scharfen Worten gegen die freisinnigen Kompromißler der freien deutschen Gewerkschaften im letzten Jahre. tarierinnen bei der Tarifbewegung ebenfalls berücksichtigt gewendet, gegen die Leute, die wie die alten Weiber flennen, mit der Zunahme der Mitglieder, die insgesamt 25,6 Pro- werden. noch ehe der eigentliche Kampf begonnen hat". Der Frei- zent ausmacht, ist die deutsche Gewerkschaftsbewegung be- fiber die Lage der Kellnerinnen hat das Archiv für finn stehe am Scheidewege, die Stunde der Wiedergeburt des züglich der Zahl der organisierten Arbeiter an die Spize Sozialwissenschaft und Sozialpolitit zwei Studien veröffentLiberalismus sei gekommen, wenn er es verstehe, die Situa- der gewerkschaftlichen Organisationen aller Industrieländer licht, die auf privaten Enqueten beruhen. Haben beide tion auszunüßen, eine Massenbewegung für die Eroberung getreten. Uns interessieren hier besonders die Zahlen der Enqueten wegen der starken Beschränkung des Materials des Reichstagswahlrechts für den preußischen Staat zu en- den Zentralverbänden angehörenden weiblichen Mitglieder. auch nur bedingten Wert, so erhärten sie doch die allgemein trieren. Es bleibt abzuwarten, ob die rheinisch- westfälischen Im Jahresdurchschnitt waren in 37 Verbänden 118908 Ar- bekannten erschreckenden Zustände im Kellnerinnenberuf: Gewerkvereinler ihre Kameraden im Osten mitzureißen ver- beiterinnen organisiert, gegen 74411 im Durchschnitt des eine Arbeitszeit von 14 bis 17 Stunden, vampirartige mögen, und ob der Einfluß ihrer Schar auf die freisinnige Jahres 1905. Drei Verbände haben zusammen einen Verlust von Stellenvermittelung und oft kaum verhüllte Kuppeleiversuche, Führerschaft groß genug ist, um ihr die Kompromißsehnsucht 364 weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen. Diesen Verlust in demoralisierendes Trinkgelderunwesen usw. Es werden von auszutreiben. Zurzeit neigt sich die Wage zweifellos auf Abzug gebracht, betrug die Zunahme der organisierten Arbeite- den Verfassern der beiden Studien gesetzliche Maßnahmen die Seite der Kompromißler. Von den freisinnigen Tages: rinnen in 34 Verbänden 44497 oder 59,8 Prozent. Im Jahre verlangt, so unter anderem Ausdehnung der Gewerbeblättern ist das„ Berliner Tageblatt" fast das einzige, das 1892 waren erst 4355 Arbeiterinnen in Zentralverbänden organi- inspektion auf das Wirtschaftsgewerbe, Verbot des Trinkeinen frischen, fröhlichen Kampf predigt, und Herr Naumann, fiert, 1900 schon 22844. Von 1900 bis 1906 ist also eine Bu- gelbergebens, an Stelle dessen Einführung fester Lohnbezüge, in deffen leztem, Hilfe"-Artikel die Zentrumspresse übrigens nahme von 96064 weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen Beseitigung der privaten Stellenvermittelung und Einführung auch schon Anzeichen für den Beginn eines vorsichtigen Rück- oder von 420,5 Prozent, während die Zunahme der männ- einer Lehrzeit. Das sind Forderungen, die von seiten des zugs gefunden haben will, hat aus den Reihen der freilichen Mitglieder in dem gleichen Zeitraum nur 138,9 Pro- tämpfenden Proletariats schon lange nachdrücklich erhoben sinnigen Parlamentarier außer dem einen alten Träger feinen zent betrug. Es hatten im Durchschnitt des Jahres 1906 werden. Leider vergeblich. Wir glauben, daß unterdessen weiteren Zuzug erhalten. Die Hormann, Mugdan, Müller- eine Zunahme an weiblichen Mitgliedern: Textilarbeiter die Rührigkeit einer Gewerkschaftsorganisation in puncto Meiningen sind auffällig still geworden. 16422, Fabritarbeiter 4900, Metallarbeiter 4208, Buch- der nötigen Reformen das Schneckentempo der Gesetzgebung Im gleichen Maße, wie die Kompromißsehnsucht des druckereihilfsarbeiter 3087, Buchbinder 2457, Wäschearbeiter überholen kann und auch überholen wird. # Freisinns wächst, steigert das Zentrum seine Bemühungen, 2069, Holzarbeiter 1800, Schneider 1482, Tabatarbeiter 1461, die Gunst der Regierung und die Freundschaft der Konser Schuhmacher 1436, Handlungsgehilfen 1023, Handelstrans- Gewerkschaftliche Unterrichtskurse für Arbeiterinnen vativen wiederzugewinnen. Wie eine brünstige Dirne wirft portarbeiter 894, Hutmacher 720, Porzellanarbeiter 659, in Nürnberg. Die Notwendigkeit, Arbeiterinnen das Studium sich diese angebliche Volkspartei der Reaktion förmlich an den Gastwirtsgehilfen 530, Bigarrenfortierer 404, Schirmmacher der Arbeiterbewegung zu erleichtern, dürfte überall mehr und Hals. Was Boltsinteresse, wenn ein Platz an der Regierungs- 308, Brauereiarbeiter 262, Glasarbeiter 172, Portefeuiller mehr als brennend erkannt werden. Ein großer Teil der trippe zu erhalten ist! Aller Scham bar, bietet sich das 122, Handschuhmacher 120, Gärtner 49, Sattler 45, Leder Arbeiterinnen, die in der Bewegung mit tätig sind, versuchen Zentrum durch den Mund seines Führers Spahn an, der arbeiter 44, Bäcker 34, Gemeindearbeiter 28, Lagerhalter 26, durch Lesen von Fachzeitungen und Besuch von VersammRegierung eine jährliche Erhöhung der Heeresausgaben um Maler 23, Photographen 23, Hafenarbeiter 20, Bureau- lungen einen überblick über das Kampffeld zu gewinnen, auf 25 Millionen zu bewilligen, die diese Regierung noch nicht angestellte 19, Kürschner 5, Tapezierer 5, Fleischer 4. dem sie stehen. Ihrem mühevollen Suchen nach Kenntnissen einmal gefordert hat. Es erklärt sich schon jetzt bereit, die Von den 118903 weiblichen Mitgliedern gehörten zum und grundsätzlicher Klarheit müssen wir entgegenkommen. Mittel zur Durchbrechung des Flottenprogramms zu geben. Verband der Textilarbeiter 37020, Metallarbeiter 18305, Das Streben nach Ausbildung auf einem beschwerlichen und Es macht sich die Forderungen des Flottenbauvereins auf Ver- Tabatarbeiter 12888, Fabritarbeiter 10736, Buchbinder 8718, oft nicht erfolgreichen Wege läßt viele Suchende vor der größerung der Schlachtschiffe und Beschleunigung der Ersatz- Buchdruckereihilfsarbeiter 6860, Schuhmacher 4528, Wäsche Beit ermüden. Erleichtern wir dagegen intelligenten und bauten so sehr zu eigen, daß der Flottenvereinsgeneral Keim arbeiter 4511, Schneider 3567, Handlungsgehilfen 3395, tampfesmutigen Naturen das Erkennen, so hat die ArbeiterHerrn Spahn als befehrten Sünder freudig begrüßen kann. Holzarbeiter 3005, Handels- und Transportarbeiter 1964, bewegung den größten Nutzen davon. Die Kleinarbeit der Das geschieht zur selben Zeit, da bekannt wird, daß die Hutmacher 1593, Porzellanarbeiter 1434, Sonditoren 960, Agitation fann planmäßiger betrieben werden, wenn in jeder Regierung Steuerpläne ausarbeitet, die an 250 Millionen Bigarrenfortierer 610, Gastwirtsgehilfen 571, Gemeinde- Fabrik oder größeren Werkstätte Frauen und Mädchen vorneue Steuern bringen sollen, um die immer noch trotz der arbeiter 434, Glasarbeiter 421, Portefeuiller 421, Brauerei handen sind, die das Wesen und den Zusammenhang der 1906 bewilligten neuen 180 Millionen Reichssteuern not- arbeiter 395, Schirmmacher 332, Kürschner 226, Sattler 195, Arbeiterbewegung genau kennen. Besonders über die Be leidenden Reichsfinanzen zu sanieren. Zur selben Zeit, wo es Handschuhmacher 166, Blumenarbeiter 100, Tapezierer 95, deutung des Kampfes um die Koalitionsfreiheit, deren die ebenfalls kein Geheimnis mehr ist, daß unter den Objekten, die Bergolder 72, Bäcker 65, Maler 64, Lagerhalter 61, Leder Gewerkschaften bedürfen, über Wege und Ziele der letzteren da bluten sollen, wiederum das Bier und die Zigarre figurieren arbeiter 56, Gärtner 49, Bureauangestellte 46, Photographen und über viele andere Erscheinungen, wie die Unternehmerwerden. Um aber dem schmählichen Volksverrat der ultra- 23, Hafenarbeiter 20, Fleischer 7. verbände und deren Taktit usw., sind die meisten Arbeitemontanen Volkspartei" die Krone aufzusetzen, erklärt gleich- Besonders erfreulich für uns ist es, daß die Textil rinnen noch nicht genügend aufgeklärt, obgleich sie mitten in zeitig ein Zentrumsblatt, die„ Essener Boltszeitung", daß arbeiter eine so bedeutende Zunahme an weiblichen Mit der Bewegung stehen. Es sind eben vom Tagestampf empor ,, unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Einführung des gliedern zu verzeichnen haben. Offenbar hat der Erfolg gerissene, aber noch nicht geschulte Idealistinnen, die ihrem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für der vielen durchgeführten Lohnbewegungen eine starte Werbe- inneren Drange folgend freudig mitarbeiten wollen. Um jetzt unerreichbar" sei, und daß das Zentrum bereit ist, das traft für die Gewinnung neuer weiblicher Mitglieder ent- diese organisiert mittämpfenden Frauen und Mädchen planBülowsche Bierklassenwahlrecht anzunehmen! Stillschweigend faltet. Selbst wenn wir bei der Wertung der vorliegenden mäßig heranzubilden, werden vom Oktober d. J. ab in hat die übrige Zentrumspresse diese Erklärung gebilligt; das Bahlen nicht außer acht lassen, daß die gesteigerte Geschäfts- Nürnberg gewerkschaftliche Bildungskurse für Arbeiterinnen Zentrum hat also noch vor dem Kampf den eigenen Antrag konjunktur der letzten Jahre und die nimmersatte tapi- abgehalten. Die Kurse sind unentgeltlich, jedoch ist die Teilauf Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen preis- talistische Profitgier das Heer der Lobnsklavinnen bedeutend nahme nur gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen ge Nr. 18 drdi Genossenschaftliche Rundschau. Die Gleichheit Frauenstimmrecht. 155 stattet. Die Gewerkschaften haben das Recht, Vorschläge| Bestrebungen der Konsumvereine auf Erweiterung ihrer| Diener, deren vereinten Kräften es jedoch kaum gelingt, die zu machen, welche Arbeiterinnen ihnen am geeignetsten für Geschäftsbetriebe eine Schranke ziehen wird. Die Konferenz besonders anspruchsvolle Herrschaft zu befriedigen. Kommt die Teilnahme am Unterricht erscheinen; andererseits haben wird demnach das Ministerium des Innern ersuchen, bei die, Gnädige" vom Reiten oder Tennisspielen heim, so schreit die Arbeiterinnen selbst das Recht, sich zu melden. Bei der der Reichsregierung auf Erlaß einer Bestimmung hinzu- sie im Hause herum, daß nichts getan sei. Aber schon ehe Anmeldung, welche auf dem Arbeitersekretariat schriftlich wirken, wonach es den Konsumvereinen verboten wird, gleich fie wieder fortgeht, müssen alle dienstbaren Geister um sie und mündlich entgegengenommen wird, ist der Statistit zeitig als Produktivgenossenschaften tätig zu sein. So haben beschäftigt sein, damit sie so schick wie mur irgend möglich halber Name, Beruf und Wohnung genau anzugeben. Diese Herren Mittelständler wenigstens ihr Gewissen beruhigt. Das Haus verlassen kann. Die Segnungen, welche dem Die Unterzeichnete wird folgende drei Lehrstoffe behandeln: Die Großeintaufsgesellschaft deutscher Kon- Dienstpersonal der feinsten" Herrschaften in beiden Orten 1. die Gewerkschaftsbewegung, 2. Unternehmerverbände, sumvereine erzielte im Monat Mai einen Umsatz von zuteil werden, bestehen in ewigem Zant und in überarbeit, in 3. Arbeiterschutzgesetzgebung. Die Lehrabende finden jeden 4276011 m. gegen 3249547 Mt. im gleichen Monat des tnappem Essen und hochmütiger Behandlung. Bei einer 1. und 3. Donnerstag im Monat statt und dauern von abends Vorjahres. Der Gesamtumfaz der Großeinkaufsgesellschaft Herrschaft wurde der Geburtstag des Kleinen Sohnes mit 8 bis 10 Uhr. Die Kurse enden im Mai nächsten Jahres. erreichte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres reichlichem Wein- und Settfluß gefeiert. Am anderen Helene Grünberg- Nürnberg. 21 514049 Mt. gegen 16409871 Mt. in der gleichen Periode Mittag bekam die Dienerschaft die Wirkungen des kaum des Jahres 1906. Der Mehrumsatz beträgt demnach bereits ausgeschlafenen Rausches zu spüren. Die gemeinsten Redens5104 178 Mr. arten hagelten auf sie nieder, und ein Mädchen wurde mit Der Konsum, Bau- und Sparverein Produktion dem Säbel in brutalfter Weise auf das Hinterteil ge Mitte August wurde in Leipzig der Genossenschafts- in Hamburg entfaltet eine rege Bautätigkeit zur Errichtung schlagen. So wird in den vornehmen„ chriftlichen" Häusern tag des Allgemeinen Verbandes deutscher Er- von Wohnhäusern für seine Mitglieder. Es sind bereits die Menschenwürde mit Füßen getreten! In einem derselben werbs- und Wirtschaftsgenossenschaften abge: 300 Wohnungen von der Genossenschaft errichtet und an wurde das Dienstmädchen eines Abends ohnmächtig. In halten. Das ist jener Verband, von dem sich vor fünf Mitglieder vermietet. Jetzt hat die Verwaltung bekannt der Angst lief das Zimmermädchen zur Herrschaft, die sich Fahren auf dem Genossenschaftstag in Kreuznach nach einer gegeben, daß zum 1. April 1908 weitere 48 Wohnungen und denn auch hinausbemühte und einige Ratschläge gab. Aber stürmischen Auseinandersetzung die sogenannte moderne zum 1. Oftober 1908 noch 100 Wohnungen neu errichtet am anderen Tage zanfte die ,, Gnädige" ununterbrochen, weil Konsumvereinsbewegung absplitterte. Der Zentralverband werden. Ferner ist in Aussicht genommen, auf dem in das Zimmermädchen es gewagt hatte, die Herrschaft wegen deutscher Konsumvereine, der darauf 1903 in Dresden ge- Barmbeck noch freiliegenden Grundstück der Genossenschaft des Vorkommnisses zu belästigen. Ein drastischer Beweis gründet wurde, umfaßt heute die große Mehrzahl und die 70 Wohnungen zu errichten. Die Wohnungen werden modern für die Geringfchäßung, mit der die Herrschaften denen besten und größten der deutschen Konsumvereine. Der von mit Loggien, Kachelküche, Gas, elektrischen Glocken und gegenüberstehen, die für den Glanz und die Behaglichkeit dem freisinnigen Politiker Dr. Grüger geleitete Allgemeine Brausebad eingerichtet. des Hausstandes sich mühen und tagtäglich für die BeVerband vereinigt verschiedene Arten von Genossenschaften, Der Verband schweizerischer Konsumvereine zählte friedigung des Gaumens und Magens sorgen. Möchten darunter auch noch Konsumvereine, überwiegend an Zahl nach seinem Geschäftsbericht für das Jahr 1906 237 Vereine die Dienstmädchen in Nürnberg und Ansbach aus ihren und Bedeutung aber kleinbürgerliche und Kleinbäuerliche mit 152 384 Mitgliedern in 347 Gemeinden. Die Vereine er- Leiden lernen und die Notwendigkeit der Drganisation erKreditgenossenschaften. Der Verband wird von letzteren start zielten in 726 Läden mit 2444 Angestellten 61814000 Fr. tennen, die ihnen hilft, ihr Menschenrecht gegen die Laumen beeinflußt und vornehmlich in dem Bestreben geleitet, dem Umsatz. Die Rückvergütung beträgt im Durchschnitt pro Kopf und maßlosen Ansprüche der Herrschaften zu verteidigen.+ tleinen Mittelstand materielle Hilfe durch das Genossen- 29 Fr. Der Verband gibt ein Genossenschaftliches Boltsschaftswesen zu bringen. Diese Tatsache hat seinerzeit zu blatt" in einer Auflage von 92000 Exemplaren heraus, wodem Konflikt mit den Konsumvereinen geführt. Es liegt an von ein wesentlicher Teil in französischer, ein kleiner in Die Forderung des Frauenwahlrechts in Sachsen. fich keine Veranlassung vor, näher auf diesen Genossen- italienischer Sprache erscheint. Außerdem wurden gegen Auf der sozialdemokratischen Landeskonferenz für schaftstag einzugehen; ein Vorgang jedoch darf nicht uner- 100000 Broschüren zur Aufklärung über das Konsumvereins- Sachsen, welche die Taktik für die bevorstehende Landtagswähnt bleiben. Herr Dr. Grüger hatte in seinem Geschäfts- wesen verteilt und 300 Vorträge gehalten. wahl und die Frage der Agitation gegen den Hohenthalschen bericht unter anderem auch, wie ftets, einige Einwendungen Nach Erhebungen des britischen Handelsamtes belief sich Wahlrechtsentwurf eingehend erörterte, wurde von Genoffin gegen die moderne Konfumvereinsbewegung erhoben. Einem der Wert der britischen genossenschaftlichen Pro Gradnauer folgender Antrag eingebracht:„ Die UnterHerrn Weichsler aus München paßte es aber nicht, daß duktion im Jahre 1905 auf 351712620 mt. Davon ent- zeichneten beantragen, die Landestonferenz möge beschließen, Herr Grüger dabei leiblich fachlich geblieben war. Er mo- fallen auf die Konsumvereine und ihre zwei Großeinkaufs- daß bei der bevorstehenden Agitation zur Landtagswahl und nierte das und zog dann in einer geradezu unverschämten gesellschaften allein rund 250 Millionen; in ihren Pro in den Protestversammlungen gegen die Regierungsvorlage und beispiellos frivolen Weise über die sozialdemo- duktionsbetrieben waren zirka 34800 Personen tätig. Die Forderung des politischen Wahlrechts der Frauen ge tratischen Konsumvereine her. So behauptete er, daß Die größte Bäckerei der Welt dürfte die Genossen würdigt und zur Besprechung gebracht wird." Nachdem eine in den Konsumvereinen des Zentralverbandes„ den sozial- schaftsbäckerei in Glasgow sein. Sie beschäftigt ins- vom Genoffen Lipinski eingebrachte Resolution, in der die demokratischen Agitatoren angenehme Stellen verschafft" gesamt beinahe 1000 Personen und liefert wöchentlich allein grundfäßliche Forderung des Frauenwahlrechts enthalten ist, würden, und daß sie direkt Gelder zu sozialdemokratischen an Broten zirka 550000 Stück. Der Betrieb hat 200 Pferde einstimmig angenommen worden war, zog Genoffin GradWahlzwecken verwendet" hätten. Dieser freche Angriff war und 140 Wagen im Gange, er lieferte im letzten Jahre für nauer ihren Antrag als erledigt zurück. Sie ersuchte jedoch selbst Herrn Crüger und auch der Leitung des Genossen- über 8 Millionen Mark Backwaren aller Art. Es werden die anwesenden Delegierten, darauf zu achten, daß in den schaftstages zu start, denn sie erklärten, daß man solche täglich in 120 bis 140 Ofen neben anderen Waren 24 ver- Protestversammlungen gegen die Mißgeburt der sogenannten Vorwürfe nicht erheben dürfe. Ms sie Herrn Weichsler schiedene Sorten Brot mit etwa 7500 Bentnern Mehl gebacken. Wahlrechtsreform die Stimmung auch im Interesse der frugen, ob er feine Behauptungen beweisen könne, erklärte Wir wiesen seinerzeit auf die in Aussicht gestellte Frauen nach Möglichkeit ausgenügt würde. Der Passus der er trocken, das Beweismaterial habe er nicht zur Hand". Demonstration der Wiener Krämer gegen die Resolution, welche die Forderung des Frauenwahlrechts einSo wird es gemacht! Die Verlegenheit Grügers und seiner Konsumvereine hin. Die Aktion ist inzwischen vor schließt, hat folgenden Wortlaut:„ Die Landeskonferens fordert Leute über diesen Zwischenfall ist aus zwei Gründen sehr sich gegangen, aber recht kläglich verlaufen. Wie das das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für begreiflich. Erstens ist Dr. Grüger es gewesen, der in aller- österreichische Konsumvereinsorgan berichtet, hatten sich alle Personen ohne Unterschied des Geschlechts über 21 Jahre dings nicht so täppischer Weise das Vorurteil gegen die Konsumvereine nicht nur genährt, sondern erst aufgebracht hat. Nun mußte er selbst erleben, daß er von konservativer Seite mit denselben Waffen bekämpft wird, mit denen er und sein Anhang die ihm nicht passenden Konsumvereine bekämpft haben. Man wirst ihm vor, daß er den Allgemeinen Verband politisch nach freisinnigen Anschauungen beeinflusse. Das hat ihm und den Herren um ihn so weh getan, daß sie eine geharnischte Protesterklärung gegen die und frommen Sitte. Behauptung losgelassen haben. So ist es erklärlich, daß man dem urwüchsigen Bajuvaren aus München erklärte: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu! Insofern ist der Vorfall bemerkenswert für die Arbeitergenossenschaften. " " . " höchstens zirka 5000 Leute vor dem Wiener Rathause ver- für die Wahlen zum sächsischen Landtag und beschließt, die sammelt, die aber zu einem großen Teil Neugierige, nicht Agitation zu den diesjährigen Landtagswahlen mit allen Demonstranten" waren. Viel Geschrei und wenig Wolle Kräften zur Verwirklichung dieser Forderung zu führen." das gilt von diefer christlich- sozialen Mache. Wegen der Die Resolution entspricht also dem Beschlusse, den FrauenBedeutungslosigkeit der Sache haben die Konsumvereinler fonferenz und Internationaler Kongres in Sachen des gar nicht auf sie reagiert. Der Vorgang zeigt aber, daß es Frauenwahlrechts gefaßt haben. An den Genosfinnen liegt in Österreich nicht anders mit dem geistigen Rüstzeug" des es nun an erster Stelle, dafür zu sorgen, daß in der WahlMittelstandes" bestellt ist, wie im Reich der Gottesfurcht rechtstampagne und im Wahlrechtstampfe die Forderung H. Fl. des Frauenwahlrechts ihrer Bedeutung gemäß vertreten wird. " Notizenteil. om hie Dienstbotenfrage. Soziale Gesetzgebung. Schutzgesetze für Frauen und Jugendliche in Amerika. Im Staate New York treten mit dem 1. Oktober d. J. neue Ein eigenartiger Rampf ist zwischen der Großeinkaufs- Die Ausbeutung der Dienstboten durch die private Schutzgesetze in Kraft, nach welchen folgende vier Klaffen gesellschaft deutscher Konsumvereine und dem Verband der Stellenvermittlung. Aus den Büchern einer Verdingerin von geschützten Arbeiterinnen und Arbeitern geschaffen Fabrikanten von Martenartikeln, einer Organisation von in Regensburg, die jetzt nicht mehr am Leben ist, geht her- werden: 1. Kinder beiderlei Geschlechts von 14 bis 16 Jahren, Großkaufleuten und Produzenten, entbrannt. Der Marken- vor, wie gewissenlos die Dienstmädchen durch die private 2. junge Männer von 16 bis 18 Jahren, 3. junge Frauen artikelverband umfaßt die Hersteller und Vertreter einer Stellenvermittlung ausgenutzt werden. Die erwähnte Stellen- von 16 bis 21 Jahren und 4. Frauen im Alter von über Reihe stark eingeführter wichtiger Ronsumartikel, wie Kaffee- vermittlerin deren Mann Inhaber eines sehr gutgehen- 21 Jahren. Kinder unter 14 Jahren sind von der Fabrikersay, Seifen, Mehlpräparate, Stärken usw. Der Verband den Geschäftes war, und die deshalb ihr Handwerk nur als arbeit gänzlich ausgeschloffen. Für die jungen Leute bis zu fordert nun, daß alle Abnehmer dieser Produkte sich schrift Nebenbeschäftigung betriebnahm im Jahre 1896 3554,80 mt. 16 Jahren wurde die zulässige Arbeitszeit von neun auf lich verpflichten, sie im Detailverkauf nicht unter einem fest- ein, 1897 3115,60 m., 1898 2054,30 m., 1899 1808,10 mt. acht Stunden pro Tag herabgesetzt, und zwar hat diese in gesetzten Preise zu verkaufen. Dieses Beginnen scheint der und 1900 1772,50 Mt. Sie verdiente, wie aus dem Kassen- die Zeit von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags zu Rücksicht auf den„ Mittelstand", das Krämertum, zu ent- buch zu ersehen ist, an vielen Tagen 20 bis 30 Mt. Wenn fallen. Für die übrigen drei Klassen darf die Arbeitszeit springen. Die Krämer wollen sich auf diese Weise von den eine vermittelte Stelle als gut galt, wurden den betreffenden höchstens 60 Stunden in der Woche, also 10 Stunden für Fabrikanten gegen die Schleuderkonkurrenz" der großen, Mädchen 10 bis 20 mt. abgeknöpft. Dabei wurde die den Tag, betragen. Junge Mädchen dürfen nach 9 Uhr leiſtungsfähigeren Geschäfte im Kleinhandel schüßen lassen. Sache gern so gedreht, daß die guten Zahler ihren Platz abends nicht mehr beschäftigt werden, dagegen können Frauen Die Großeinkaufsgesellschaft und die Konsumvereine haben bald wieder wechselten, um aufs neue geschröpft werden zu von über 21 Jahren nach einem richterlichen Entscheid zu es abgelehnt, den Trödel mitzumachen. Infolgedessen ist tönnen. Das Kaffenbuch dieser Vermittlerin war wie ein jeder Tageszeit beschäftigt werden, obgleich dasselbe Gericht die Geschäftsverbindung mit einer Reihe Firmen gelöst, und Gebetbuch eingebunden; es war aus Leder und wies schöne die Bestimmung ausdrücklich als zu Recht bestehend anerdie Konsumvereine find mit Erfolg bemüht, gleichwertigen große Verzierungen auf. Wie oft mag wohl die fromme fannte, nach der die Beschäftigung der Frauen höchstens Ersatz zu schaffen. Die Arbeiterfrauen, die in Konsumver- Frau, das sonderbare Gebetbuch in der Hand, in der Kirche sehn Stunden pro Tag betragen soll. einen kaufen, mögen dies berücksichtigen, wenn sie eine bis- ihren Herrgott angefleht haben, daß er ihre Ausbeutung her gekaufte Ware nicht mehr bekommen. segnen möge. In Regensburg befinden sich ungefähr zehn Eine Konferenz der sächsischen Gewerbekammern prokla- solcher Vermittlerinnen. Ob sich ihr Verdienst mit den Die Aufhebung der Reglementierung der Proftimierte den Kampf gegen die Konsumvereine zum soundso- Nebeneinnahmen der genannten Dame messen kann, wissen tution in Finnland wurde vom Senat beschlossen. Statt vielsten Male. Um die Mittel aber waren die Leute verlegen, wir nicht, fest aber steht, daß ihr Geschäft sehr einträglich der Polizei sollen die Gesundheitsbehörden Maßnahmen denn alle bisher angewandten sind schon recht abgebraucht ist. Es ist an der Zeit, daß den gewissenlosen Vermittle- treffen gegen venerische Krankheiten. Die Einschreibung und und neue sind schwer zu haben. In dem Verbot der Ver- rinnen das Handwerk gelegt wird. Das zu tun, liegt an 3wangsuntersuchung der Prostituierten ist abgeschafft. teilung von Dividenden durch die Konsumvereine an ihre den Dienstboten selbst. Sie müssen sich fest zusammen Die Generalversammlung der internationalen aboMitglieder fonnte die Konferenz zum Beispiel weder ein schließen und die Stellenvermittlung selbst in die Hand liftischen Föderation findet vom 19. bis 22. September in geeignetes noch ein durchführbares Mittel zur Hilfe erblicken, nehmen. Magda Hagen. Lugano( Kanton Tessin) statt. Den Hauptverhandlungsdagegen erklärte sie, daß die strenge Trennung der Konsum- Dienstmädchenfrenden. Wie„ vornehme Herrschaften" ihr gegenstand bildet die Sittenpolizei in verschiedener Bevereine und Produttivgenossenschaften zwar die Bildung Hauspersonal behandeln, hat den Dienstmädchen in Nürn- leuchtung:„ Die Sittenpolizei und das Recht der Frau", selbständiger Produktivgenossenschaften neben den Konsum- berg und Ansbach Grund zu berechtigten Klagen gegeben. Die Sittenpolizei und die öffentliche Gesundheit",„ Die vereinen nicht verhindern, aber doch den schädigenden In letzterem Orte hat eine Familie zwei Mädchen und einen Sittenpolizei und die öffentliche Moral" Sittlichkeitsfrage. 156 Sonnenwende. Don Ludwig bland. Nun die Sonne soll vollenden Jhre längste, schönste Bahn, Wie sie zögert, sich zu wenden Nach dem stillen Ozean! Jhrer Göttin Jugendneige and " Die Gleichheit Nr. 18 der chriftlichen Langmut abzusehen und auf vollen Ersatz des Schadens zu bringen. Leff, Lejf, weshalb tuft du dies?" Alles Bolt wandte fich nach ihr hin, der Vater ftand daneben, aber fte er tannte ihn nicht. Steige wieder herab, Leff," rief fie; Ju dieser Absicht ließ er vom Bürgermeister einen ich liebe dich, und dort oben hast du nichts zu gewinnen!" Sühneversuch anstellen und erschien selbst, um seine BeMan sah, daß er sich bedachte, es währte einen oder schwerde vorzutragen. Gr tat es mit vielem Nachdruck, zwei Augenblicke, aber dann fletterte er wieder höher und hätte wohl auch die meisten Pfarrkinder überzeugt, insic empor. Seine Hand und sein Fuß waren wieder feft, und allein auf Salvermofer machten seine Worte feinen Eindeshalb ging es lange gut; aber bald begann er müde brud. Peter war ein Mann von rauhen Sitten, dem zu werden, denn er ruhte oft. Wie ein Vorbote kam ein der Kampf des Lebens wenig Respekt vor der Obrigkeit abfleiner Stein angerollt, und alle, die dastanden, mußten belaffen hatte; überdies las er täglich die Zeitung und ihm mit den Augen folgen, bis er unten antam. Einige wußte deshalb mehr als mancher andere. fonnten es nicht länger aushalten, sondern gingen fort. Das Mädchen allein stand aufrecht auf dem Stein, rang die Hände und blickte aufwärts. fühlt die ahnende Natur, dad d Und mir dankt, bedeutsam schweigen The Rings die abendliche Flur. edum Nur die Wachtel, die sonft immer frühe schmälend weckt den Tag, Schlägt dem überwachten Schimmer Jetzt noch einen Weckeschlag, Und die Lerche steigt im Singen Hoch auf aus dem duft'gen Tal, Einen Blick noch zu erschwingen In den schon verfunknen Strahl. Das Adlerneft. " " I zahl durchaus gar nir," sagte er, indem daß i meiner Sau des net angschafft hab." „ Auf diesen Einwurf war ich gefaßt," erwiderte der Leif tastete wieder mit der Hand vor sich her, dann, Pfarrer, allein man haftet auch für den Schaden, den ste sah es deutlich, ließ dieselbe plötzlich los, er faßte ein Haustier betätiget. Also will es das Gesetz." schnell mit der andern zu, aber auch sie ließ los.„ Lejf!" Wos?" schrie Beter mit gehobener Stimme, wo rief ste, so daß es laut über die Felsenwand fort gellte, schteht dös? Des gibt's gor it, daß so was gschrieben nd und alle anderen stimmten ein. Er gleitet!" riefen sie is. Aba i tenn mi scho aus. Der Abel und die Geischt und streckten die Hände gegen ihn empor, Männer wie lichkeit ham' 3 Gsetz allemol no so draht, wia s' as Weiber. Er glitt wirklich, riß Sand, Steine, Kies mit braucht ham." fich fort, glitt, glitt beständig, immer schneller; die Leute Du muaßt net so reden," mischte sich der Bürgerwandten sich ab, und dann hörten sie hinter sich an der meister ein, mir fan net do zum Streiten, sondern zum Felsenwand ein Krachen und Knacken und gleich darauf Vergleicha." etwas Schweres, wie ein großes Stück nasser Erde herabfallen. Bon Björnstjerne Björnson. Endregaardene hieß ein kleines Dorf, welches, von hohen Felsenwänden eingeschlossen, einsam dalag. Der Boden, auf dem es erbaut, war eben und fruchtbar, wurde aber von einem breiten Flusse durchschnitten, der von dem Gebirge herabftrömte. Dieser Fluß ergoß sich in ein weithin sichtbares Gewässer unweit des Dorfes. Zu diesem Gewässer war auf einem Boote der Mann gekommen, der zuerst im Tal zu roden begonnen hatte; sein Name war Endre, und die jetzigen Bewohner des Dorfes waren seine Nachkommen. Einige sagten, er hätte sich wegen eines Totschlags hier hinaufgeflüchtet, weshalb die Leute so finster aussähen; andere dagegen behaupteten, daran trügen die Felsenwände Schuld, die felbft zur Johanniszeit die Sonnenstrahlen schon nachmittags fünf Uhr nicht mehr in das Tal eindringen ließen. über dem Dorfe hing ein Adlernest. Es war auf einer Felsenspite oben im Gebirge angelegt; alle konnten sehen, wenn die Adlersie zu brüten begann, aber niemand konnte zu dem Nefte hinaufgelangen. Der Adler schwebte über das Dorf hinweg, stürzte sich bald auf ein Lamm, bald auf eine junge Biege hinab, und einmal nahm er sogar ein kleines Kind und trug es fort. Deshalb war es im Dorfe nicht sicher, solange der Adler sein Nest auf der Felsenspize hatte. Unter den Leuten ging die Sage, in alten Zeiten wären zwei Brüder gewesen, die das Nest erreicht und zerstört hätten; aber in jetziger Zeit war niemand imftande, dahin zu gelangen. Wo sich zwei im Dorfe begegneten, sprachen sie von dem Adlernest und schauten empor. Man wußte, wann die Adler in dem neuen Jahre wieder angekommen waren, wo sie sich hinabgestürzt und Schaden angerichtet, und wer zuletzt den Versuch gemacht hatte, hinaufzuklettern. Die Jugend übte sich von Kindesbeinen an, Berge und Bäume zu ersteigen, und vor allem im Ringkampf, um dereinst das Nest erreichen und gleich den erwähnten beiden Brüdern zerstören zu können. Zu der Zeit, von der hier die Rede ist, hieß der tüchtigste Bursche im Dorfe Lejf. Er stammte nicht von Endre ab, hatte krauses Haar und Kleine Augen, trieb allerlei Spaß und liebte die Frauen. Er rühmte sich schon in jungen Jahren, er würde einmal zu dem Adlernest emporklimmen; aber alte Leute sagten, er dürfte es nicht so laut sagen. Als sie wieder Mut hatten, sich umzuschauen, lag er da, zerschmettert und unkenntlich. Das Mädchen lag über dem Steine, der Vater trug sie fort. " I brauch toan Vergleich. I zahl durchaus gar nix. Wann der Herr Pfarrer was will, nacha foll er mei Sau verklagn." „ Salvermoser," fiel hier der Diener Gottes ein,„ beine Worte find roh und verraten ein böses Gemüt." " Die Jugend, die Leif am meisten zu dem Wagestück Soo? Do war mi schlecht, bal mi net zahlt, wos angetrieben hatte, wagte jetzt nicht einmal, Hand anzu- da Herr Pfarra gern möcht! Des glaab i gar net, daß legen und ihm Beistand zu leisten; niemand vermochte Sie dös sagen derfa. I zahl meine Steuern so guat ihn anzusehen. So mußten die Alten herantreten. Der mia der Adel und die Geischtlichkeit! Des muaß i wissen, Alteste von ihnen sagte, als er zugriff: Dies war ob Sie dös sagen derfa, Herrschaft Sternfatrament!" töricht; aber," fügte er hinzu und blickte aufwärts, Jetzt bedeckte der Geistliche sein Haupt und sprach es ist doch gut, daß etwas so hoch hängt, daß es nicht alle Leute erreichen können." " Die Sau.* Von Ludwig Thoma. 008 tod dentel Eines Tages begab es sich, daß die Sau des Gütlers Peter Salvermoser auf die Wanderschaft ging und durch den Zaun in das benachbarte Anwesen des hochwürdigen Herrn Pfarrers gelangte. Sie nahm ihren Weg über die Blumenbeete, wobei sie achtlos Hyazinthen und Krokus in die Erde trat und auch mehrere Zentifolien knickte. Nicht weniger roh benahm sie sich auf den Gemüsebeeten. Sie zog so lange Salatstauden aus dem Boden, bis sie den Geschmack derselben als unzulänglich erkannte; hierauf fraß sie verschiedene Sorten Monatrettiche und wollte eben untersuchen, ob in der tiefer gelegenen Erdschichte noch etwas Genießbares gedeihe, als sie von Fräulein Kordelia Furtwengler bemerkt wurde. Diese war Köchin und Vorsteherin der pfarrlichen Haushaltung. Eine robuste Person mit gut entwickelten Formen und von resolutem Gebaren. Sie griff ohne langes Besinnen nach einem handlichen Stecken und eilte zornig hinaus, um den frechen Eindringling zu treffen. im Gehen zu dem Bürgermeister:" Es sei ferne von mir, hier noch länger zu weilen! Ihr sehet selbst, daß gütige Worte an dem Frevler verschwendet wären." Dann begab er sich stehenden Fußes an die Bahn und fuhr nach München, woselbst er den Rechtsanwalt Samuel Rosenstock aufsuchte. Derselbe war ein vortrefflicher Jurist und mit allen Geheimnissen der Streitkunft gar wohl vertraut. Er nahm sich des Prozesses mit Freuden an und begann ihn sofort durch eine spitsindige Klage, worin er aus führlich darlegte, daß der beklagtische Gütler für das Benehmen seiner Sau voll und ganz einzustehen habe. Allein auch Peter Salvermoser fand den Advokaten, welchen er suchte, und dieser sagte in allem das Gegenteil von dem, was Samuel Rosenstock behauptete. So kam es, daß sich der Prozeß in die Länge zog und die Gemüter der Streitenden sich immer mehr erhitzten. Sie führten auch außerhalb der Gerichtsschranken einen erbitterten Krieg gegen einander, und der Pfarrherr sah sich gezwungen, des öfteren von der Kanzel herunter seine Pfarrkilder eindringlich zur Tugend und Frömmigkeit anzuhalten, auf daß sie nicht würden wie Beter Salvermofer. Dieser hingegen tat seinem Feinde Abbruch, wo er nur fonnte. Er verminderte heimlich die Anzahl der pfarrlichen Hühner und Enten, er streute vergifteten Weizen in den Taubenkobel des hochwürdigen Herrn und sorgte dafür, daß die Forellen in dem Fischfalter des Wassers entbehrten. Da sie aber, wie alle Frauenzimmer, in den eigent lichen Kriegslisten wenig bewandert war, hub sie zu früh Auch die tugendsame Kordelia Furtwengler wurde in das Feldgeschrei an, so daß der Feind ihr Nahen von Mitleidenschaft gezogen. Ihre Lieblingstaze verschwand weitem bemerkte und rechtzeitig die Flucht ergreifen konnte. auf rätselhafte Weise, und niemand im Dorfe glaubte Auf derselben richtete die Sau erhebliche Verwüstungen an den natürlichen Tod des treuen Tieres. Sie selbst an, da sie das Loch im Zaune nicht alsogleich fand, son- wurde gröblich beschimpft von Anna Maria Salvermofer, bern erst in mehrerem Hin- und Herlaufen suchen mußte. Ehefrau des mehrgenannten Gütlers, als sie mit derselben Während sie ärgerlich grunzend heimkehrte, besah im Bäckerladen zusammentraf. Sie erfuhr hierbei, daß Fräulein Kordelia den Schaden und jammerte in so sie eine wampete Loas sei und noch mehreres andere aus lauten Tönen, daß der hochwürdige Herr seine Morgen- dem Sprachschat unseres Volkes. andacht unterbrach und sich nach der Ursache der frühen Störung erkundigte. Beim Anblick des Geschädigten wurde die Köchin von Rührung übermannt, und sie konnte nur mühsam unter verhaltenem Schluchzen das Geschehnis berichten. So dauerte der Krieg in heftiger Weise fort, bis endlich das Gericht nach zwei Jahren genügendes Material gesammelt hatte, um zu einem Erkenntnis zu gelangen. Es verkündete nunmehr, daß die Sau nicht in den Garten gefommen wäre, es hätte denn der Zaun nicht ein Loch gehabt. Hierfür träfe niemanden das Verschulden, als den Eigentümer des Baunes. Dies feuerte ihn an, und noch ehe er in sein bestes Alter getreten war, unternahm er das Ersteigen der Felsenspize. Es war ein heller Sonntagvormittag im Anfang des Sommers; die Jungen mußten jetzt gerade ausgebrütet sein. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte fich unter der Felsenwand versammelt. Die Alten rieten ab und die Jugend riet zu. Aber er hörte nur auf sein eigenes Verlangen, wartete deshalb, bis die Adlersie ihr Nest verließ, machte dann einen Sprung und hing in einem Baume mehrere Ellen von der Erde. Derselbe wuchs aus einer Spalte hervor, und diese Spalte begann er aufwärts zu flettern. Kleine Steine löften sich unter seinem Fuße, Kies und Erde rollte hinab, sonst herrschte Der Pfarrer vernahm es mit ersichtlichem Mißvertieffte Stille; nur der Fluß im Hintergrund strömte mit gnügen. Zunächst, weil er selbst ein Freund der eßbaren gedämpftem, beständigem Brausen seiner Mündung zu. Gartenfrüchte war, dann aber, weil die Mißetäterin Und damit hatte der Pfarrherr den Prozeß verloren. Schroffer und schroffer wurde die Felsenwand; lange hing gerade dem Peter Salvermoser gehörte. Mit diesem Viele wunderten sich darüber, am meisten Samuel er an der einen Hand, suchte mit dem Fuß nach einem hatte es seine eigene Bewandtnis. Rosenstock. Stützpunkt und konnte nicht hinsehen. Viele, namentlich Er war im Pfarrhof übel angeschrieben als Freigeist Ms die Kunde von dem Geschehnis in das Dorf Frauen, wandten sich ab und sagten, dies hätte er nicht und lauer Christ, der im Wirtshaus nicht selten über gelangte, überfam ein tiefer Ingrimm den hochwürdigen getan, wenn er noch Eltern am Leben hätte. Er fand tirchliche Einrichtungen böse Reden führte; ja, es war Herrn. Er begab sich in die Küche zu Kordelia Furtjedoch einen festen Halt, suchte dann wieder, jetzt mit der ruchbar geworden, daß er über die Korpulenz des hoch- wengler und erklärte der Erstaunten die ganze bodenlose Hand, jetzt mit dem Fuße; es gab nach, er glitt, aber würdigen Herrn einige unflätige Wige gemacht hatte. Schlechtigkeit unseres Staatswesens. hing gleich wieder fest. Die Untenstehenden konnten gegen- Auch als Nachbar benahm er sich gröblich und drohte seitig ihre Atemzüge hören. Da erhob sich ein hoch- in geringfügigen Dingen mit Gericht und Advokaten. gewachsenes junges Mädchen, welches einsam auf einem Darum beschloß der Pfarrer, in diesem Falle von Steine faß. Sie sollte sich ihm schon als Kind verlobt haben, obgleich er nicht zu der Verwandtschaft der Dorf* Aus Assessor Karlchen und andere Geschichten". Verlag von bewohner gehörte. Sie streckte die Arme empor und rief: Abert Langen. München 1905. Nicht so Peter Salvermoser. Dieser gewann Ver trauen in die Einsicht der von Gott gefeßten Obrigkeit und freute sich in seinem schlichten Gemüt. Berantwortlich für die Nedattion: Fr. Mara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe Poft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Singer in Stuttgart.