Nr. 20 Die Gleichheit 17. Jahrgang e Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen N Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die Gleichbett" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhaltsverzeichnis. Aufruf an die Parteigenossen Preußens zum zweiten preußischen Parteitag. Aufruf an die Genoffinnen Deutschlands zur außerordentlichen Frauenkonferenz. Der Parteitag zu Essen. Weibliche Gewerbeaufsicht in Sachsen. Von E. N. wirtschaftliches Kulturbild. Von W. D. Dienstbotenbewegung. Bon Helene Nolfs. Parteitags zu Effen. Aus der Bewegung: Von der Agitation. schaftliche Rundschau. Von H. FI. Mutter und Kind. Verschiedenes. Ein landVon der Hamburger Beschlüsse des Bon den Organisationen. Stuttgart den 30. September 1907 Provisorische Tagesordnung: Die Dienstbotenbewegung. a. Agitation und Organisation. Referentin: Genoffin Grünberg Nürnberg. b. Der Stellennachweis. Referentin: Genoffin BießHamburg. c. Der freie Dienstvertrag. Referentin: Genoffin BaarBerlin. Zuschriften an die Redaktion ber, Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( 3under), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. wärtsdrängende Leben der Partei, sondern auch die Fähigkeit ihrer Anhänger, klar und fühl die vorliegenden Notwendigkeiten zu erwägen, sowie die Mittel und Wege, ihnen zu begegnen. Besonders begrüßen wir in dieser Beziehung, daß der Essener Parteitag unzweifelhaft fördernd auf die proletarische Frauenbewegung zurüc wirken wird. Die trefflichen Reden unserer Genoffinnen Baader und Zietz und die weitblickenden Ausführungen, Mitarbeit der Frauen am Parteitag. Ernstes und Heiteres Alle Genofsinnen, welche als Delegierte an dem die Genosse Bebel in seinem Referat gab, zeigten scharf vom Kampfe zwischen den„ Roten“ und„ Schwarzen" in Bayern. Preußentag teilnehmen sollen, werden ersucht, sich umrissen die Dringlichkeit und Bedeutung, die Proletarie-Politische Rundschau. Bon H. B.- Gewerkschaftliche gleichzeitig auch ein Mandat für die Frauenkonferenz rinnen zu zielflaren Mitträgerinnen des EmanzipationsStundschau. Aus der rheinischen Textilinduſtrie. – Genossen- übertragen zu lassen. Durch Zirkular an die Vertrauens kampfes ihrer Klaffe zu machen, mahnten die Genoffen Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenstimmrecht. Fürsorge für personen sind die Genofsinnen in Preußen bereits auf nachdrücklich an ihre Pflicht, die hier und da noch vorgefordert worden, in der nämlichen Weise wie zu handene Passivität der proletarischen Frauenbewegung Feuilleton: Sturmgedanken. Bon Franz Diederich.( Gedicht.) den Parteitagen der deutschen Sozialdemokratie für gegenüber in tatkräftige Förderung derselben zu verwandeln, Weiße Aftern. Bon Klara Bohm- Schuch. Schmiede. Bon Franz ihre Vertretung auf dem Parteitag zu sorgen. und haben den Eifer und Mut der Genoffinnen neu be Die Dienstbotenvereine, welche auf dem Boden flügelt, die mit Opferfreudigkeit ihre Kraft dafür einsetzen, der modernen Arbeiterbewegung stehen, werden auf dem weiblichen Proletariat das Evangelium des Sozia gefordert, ihre Vertreterinnen zu der Konferenz zu ent- lismus zu bringen. senden. Des weiteren sollten sich auf ihr die Genoffinnen Es sei noch der beschlossenen Errichtung eines Nach solcher Orte vertreten laffen, wo die Bewegung unter richtenbureaus gedacht, welcher nachdem sie vor den Dienstboten in Fluß kommt und die Gründung her in der Presse heftig umstritten worden der Partei einer Organisation vorbereitet wird. Die Wahlen der tag so gut wie debattelos mit großer Majorität zu Delegierten haben in der üblichen Weise zu erfolgen. stimmte. Möchte es redlichem Bemühen gelingen, das Genofsinnen! Die Wichtigkeit der bevorstehenden neue Institut von den Gefahren freizuhalten, die in seiner Tagung verlangt, daß ihr sofort mit gesteigerter Rührigkeit an die Arbeit geht, um eine zahlreiche und sachverständige Beschickung der Konferenz zu sichern. Berlin, den 20. September 1907. Diederich.( Gedicht.) Das Signal. Bon W. M. Garschin. An die Parteigenossen Preußens! Durch die am Anfang dieses Jahres stattgehabten Reichstagswahlen waren die Unterzeichneten gezwungen, die für Ende 1906 geplante Zusammenkunft der Partei genossen Preußens zu verschieben. Wir berufen nunmehr im Einverständnis mit dem Parteivorstand und der Organisation Groß- Berlins den zweiten preußischen Parteitag auf Donnerstag den 21. November, früh 9 Uhr, nach Berlin, in die Räume des Gewerkschaftshauses, Mit sozialdemokratischem Gruß Ottilie Baader, Natur liegen, und ihm die wichtigsten Vorbedingungen einer gedeihlichen Wirksamkeit zu sichern. Welche Bedeutung ihm für die Entwicklung der Parteipresse zufommen, ob es mehr die Erwartungen der einen, als die Befürchtungen der anderen rechtfertigen wird, dar über kann nur die Praxis das letzte entscheidende Wort Engelufer 15, ein und bitten die Genossen Preußens, Vertrauensperson der sozialdemokrat. Frauen Deutschlands sprechen. diese Tagung durch Delegierte beschicken zu lassen. Ms Tagesordnung und Referenten werden vorgeschlagen: 1. Die Organisation in Preußen. Referent: Genosse Hugo Haase- Rönigsberg. 2. Die bisherige Tätigkeit des preußischen Landtages und die Wahlrechtsfrage in Preußen. Referent: Genosse Eduard Adler- Kiel. 3. Die Landtagswahlen 1908. Referent: Genosse Dr. Leo Arons- Berlin. 4. Die Lage der Staatsarbeiter in Preußen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Karl Legien. 5. Selbstverwaltung und Gemeinde. Referent: Stadtverordneter Genosse Paul Hirsch- Charlottenburg. Für die Erledigung der Geschäfte des Parteitages find Donnerstag der 21., Freitag der 22. und Sonnabend der 23. November in Aussicht genommen. Gemäß weiterem Beschlusse des preußischen Parteitages 1904, den Entwurf einer Landesorganisation für das Königreich Preußen auszuarbeiten, haben wir uns dem unterzogen. Die Veröffentlichung des Statuts ist im " Vormärts" erfolgt. Die Versendung der Mandatsformulare wird Anfang Oftober erfolgen. Jeder preußische Reichstagswahl freis kann sich durch drei Delegierte vertreten lassen. Die Einreichung von Anträgen, alle Anfragen sowie die Anmeldung der Delegierten sind bis zum 12. November an den Mitunterzeichneten Leopold Liepmann, Berlin SW 68, Lindenstr. 69, zu bewirken. Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Der Parteitag zu Effen. Was sich zum Lobe der Effener Woche sagen läßt, erschöpft sich jedoch keineswegs darin, daß sie einen eifrigen, bedachtsamen Geschäftsparteitag darstellt. Die Verhandlungen haben mehr gegeben, als ein solcher verlangt. Sie brachten klärende, befruchtende AusEin Wald Hochragender Schlote, deren Dualm die einandersetzungen über wichtige ftrittige prinzipielle wie Luft dunstig und stickig macht, deren Spizen abends tattische Fragen. Manche Genossen wähnen die Einig von feuriger Lohe umglutet werden; eine schier zahllos keit und Geschlossenheit der Partei durch jede solche Ausdünkende Menge von Werkstätten, Gruben, Betrieben, einandersetzung gefährdet. Besorgt bemühen sie sich, ste in denen es flopft, hämmert, freischt und rasselt; Zehn- als Worttlauberei abzuwehren und auch die sachlich tausende und aber Behntausende Arbeiter, die beim Schicht- tief begründeten Gegensätze der Meinungen mit be wechsel in breitem Strom die Zugänge zu dem„ Staate" gütigenden Redensarten und unklaren Begriffen zu überKrupp füllen; das ganze Riesengetriebe entfalteten brücken. Der Parteitag erwies sich unangekränkelt von modernen Wirtschaftslebens im Dienste und unter der dem ängstlichen Kleinmut der eigenen Kraft gegenüber, Herrschaft einiger weniger: das war das Milieu, in dem der sich darin zusammen mit einer gewissen Kurzsichtig die Sozialdemokratie heuer getagt hat. Ein Hintergrund, feit offenbart, die Ursachen und Folgen von sachlichen der die kapitalistische Entwicklung und ihr Wesen mit Unterschieden der grundsätzlichen Auffassung mit voller plastischer Schärfe in Erscheinung treten läßt, und wie Schärfe zu werten, und der daher Gegensäge vertuschen er stimmungsgewaltiger, anregender, aufreizender" für und versöhnen will, die überwunden werden müssen. Er die Beratungen der Partei nicht gedacht werden kann, nahm fraftvoll und mit frischer Lebendigkeit den Kampf die aus eben dieser Entwicklung geboren das Proletariat um die gegensätzlichen Meinungen auf, die innerhalb der zu seiner geschichtlichen Aufgabe ruft: die Konsequenz des Partei betreffs ihrer Stellung zum Militarismus und sozialen Werdegangs zu ziehen und durch seinen bewußt zur Kolonialfrage zutage getreten sind. Und er hat ihn geführten Klassenkampf den Kapitalismus zu überwinden. mit grundsätzlicher Schärfe und nicht ohne jene LeidenObgleich der Parteitag etwas matt einsetzte, hat er schaft durchgeführt, welche der natürliche Ausdruck durchsich doch im Verlauf seiner Arbeiten dieses bedeutsamen bachter, starter Überzeugungen ist. Daß dabei auch Hintergrundes würdig erwiesen. Was sein Gesamtergebnis mancher persönliche Pfeil hinüber und herüber geflogen anbelangt, so zählt er unstreitig zu den Tagungen, auf ist, mögen die bejammern, welche übersehen, daß die welche die Sozialdemokratie mit großer Befriedigung Meimumgen nicht als blutleere Abstraktionen durch die zurückblicken kann. Geschichte geistern, sondern von Menschen getragen und perfochten werden, die um so fester mit den Ideen ver wachsen, je tiefer die Glut ihrer Überzeugung ist, je hingebungsvoller sie sich in ihre Dienste stellen. In ruhiger Sachlichkeit und Gründlichkeit hat er die Geschäfte der Partei erledigt und mancherlei wichtige Mit Parteigruß Anregungen für die weitere Arbeit gegeben. Das ist Eugen Ernst. Emil Boeste. Leopold Liepmann, nicht nur bei den Erörterungen über die Tätigkeits- Zur Frage des Militarismus tam es unzweideutig berichte des Vorstandes und der Reich 3- zum Ausdruck, daß die große Majorität des Parteitags die tagsfraktion geschehen, sondern auch bei der revolutionäre Auffassung rückhaltlos vertreten wissen will Beratung der zahlreichen Anträge, die zu diesen und jede Neigung zur Abschwächung und Trübung der Berichten wie sonst noch vorlagen, und diesmal ein- selben zurückweist. Die Auseinandersetzungen über unsere gehender erörtert worden sind, wie manches andere Stellung zu ihm freisten um die letzten sozialdemokratischen Jahr. Wer die betreffenden Verhandlungen aufmerk- Reichtagsreden zum Militäretat, ganz besonders aber sam nachliest, der wird außer den zur Annahme um Nostes bekannte Ausführungen. Nicht einmal Bebels Genoffinnen! Die wachsende Bedeutung der Dienstbotenbewegung und die Aufgaben, welche sie an uns stellt, läßt eine besondere Beratung als dringend notwendig erscheinen. Die Unterzeichnete beruft daher eine außerordentliche Frauenkonferenz für Mittwoch den 20. November nach Berlin, Ge werkschaftshaus, Engelufer 15, ein. Die Konferenz wird vormittags 9 Uhr eröffnet. gelangten Anträgen, die uns bestimmte Aufgaben weisen Beredsamkeit gelang es, die Mehrzahl vom Standpunkt darin eine Fülle dankenswerter Fingerzeige für des„ guten Geschmacks" aus von der Harmlosigkeit dessen die Tätigkeit zur Aufklärung, Organisierung und besseren zu überzeugen, was diese Reden enthielten und nicht theoretischen Durchbildung der Massen finden. In enthielten. Denn die Sozialdemokratie ist nicht ein Klub ihnen offenbarte sich nicht nur das kraftvoll vor von Aftheten, deren Auftreten durch die Gesetze des 170 Die Gleichheit Str. 20 " guten Geschmacks" beherrscht wird, sie ist eine Partei| Anzeichen, welche den fortschreitenden Zusammenschluß geübt word en ist, hat schließlich sogar die sächsische Revon politischen Kämpfern, und grundsätzliche Auffassung der bürgerlichen Parteien zu der einen reaktionären Masse gierung zu der Einsicht gebracht, daß die Ergebnislosigkeit wie politische Notwendigkeiten entscheiden über ihr Ver- fünden. des Versuchs kein Beleg für die überflüssigkeit weiblicher " " und beim Austragen von Frühstück und Zeitungen wesentlich von der Kinderschuhkommission unterstügt worden, die von den sozialdemokratischen Frauen Leipzigs eins gefegt worden ist. Von dieser Kommission gingen der Beamtin 14 schriftliche Mitteilungen über ungesetzliche Kinderstellung der Kinderarbeit, zweimal auch zur Anzeige und Bestrafung der Unternehmer. halten. Davon abgesehen, daß gerade auch bei Kraft- Nach Inhalt und Form eine mustergültige Leistung Gewerbeaufsicht war, sondern nur ein Beweis für die völlige losigkeit und mangelnder Klarheit Aſthetit und guter war Wurms Referat über die Alkoholfrage. Mit Berkehrtheit ihres eigenen Vorgehens. Dem Verlangen nach Geschmack am allerletzten zu ihrem Rechte kommen, und sicherer Hand wurden darin die Grenzlinien zwischen getragen; die fünf weiblichen Vertrauenspersonen avancierten einer Erweiterung des Instituts wurde ihrerseits Rechnung daß das kämpfende Proletariat statt schön" lächerlich dem bürgerlichen und dem sozialistischen Kampf gegen zu weiblichen Fabrikinspektoren, und sie erhielten die Bewirft, wenn es seine robusten Glieder in den Frack und die Alkoholpest gezogen und die Aufgaben gezeichnet, fugnis, selbständig revidieren und über ihre Tätigkeit die Schnallenschuhe der Diplomaten zwingt und es mit welche der Partei in ihm zufallen. Zwar hat der Refe- selbst berichten zu dürfen. Gleichzeitig wurden sie aber staatsmänneinden Gesten probiert. Daß der Klassen- rent dabei die Bedeutung der Aufklärung über die Ge- leider auch zum Teil ihrer speziellen Aufgabe entgegensatz zwischen der herrschenden Minderheit und den fahren des Alkoholismus weniger stark betont, als es zogen: der Überwachung der Betriebe mit vorwiegend beherrschten Massen einen Wesensunterschied in dem be- unsere abstinenten Genossen für nötig erachten. Indessen weiblicher Arbeiterschaft. Als besondere Aufgaben wurden dingt, was der einen wie der anderen als" patriotische" können auch sie sich mit dem Bewußtsein zufrieden geben, ihnen die Revisionen der Heimarbeitsstätten übertragen, diesen Stätten der schlimmsten Ausbeutung Pflicht gilt, daß die Sozialdemokratie darum bei ihrer daß seine Ausführungen selbst ein großes, wissenschaftlich sollten sie die Einhaltung des Kinderschuhgefeges Beurteilung des Militarismus und internationaler Krisen fest gegründetes Stück der gewünschten Aufklärungsarbeit überwachen; ferner sollten sie auch sonst die Einhaltung des nie Töne anschlagen darf, in denen bürgerliche patrio- find, die naturgemäß weiter wirken muß. Wir haben Kinderschutzgesetzes berücksichtigen. Von der Erfüllung tische Klänge leise mitschwingen: das haben die Ver- wiederholt darauf hingewiesen, in welch hohem Maße die dieser ihrer Hauptaufgabe geben die fünf weiblichen Fabrikhandlungen des Parteitags deutlichst gesagt und allen Proletarierin als Gattin, Mutter und Klassenstreiterin inspektoren in Sachsen alljährlich in Sonderberichten Rechengefagt. gerade an dem Kampfe gegen den Alkoholismus inter- schaft, die den Jahresberichten der sächsischen Fabrikinspektion Gleich klar und entschieden scheint die Stellungnahme effiert ist. Mögen sich daher unsere Genossinnen Wurms beigegeben sind. Von ihrer sonstigen Tätigkeit, insbesondere zur Frage der Kolonialpolitik. Denn es erhob sich wertvolle Arbeit ausgiebig zunuze machen, um energisch von der zugunsten der Arbeiterinnen, zeugen nur furze Be nicht eine Stimme gegen den Beschluß des internatio- und erfolgreich gegen einen Feind vorgehen zu können, mertungen zwischen den Mitteilungen aus den einzelnen Inspektionsbezirken. nalen Kongresses zu Stuttgart, welcher dem Imperia- der die Leiden der proletarischen Klassenlage unsäglich Die eingestreuten Bemerkungen sind dürftig, wie die Belismus unserer Tage grundsätzlich den schärfsten Krieg steigert und den proletarischen Klassenkampf schädigt. richte der sächsischen Fabrikinspektoren überhaupt. Auffällig tündet. Aber doch ist die übereinstimmung nur eine Beachtung verdienen besonders noch die Verhandlungen ist, daß die Beamtinnen nach wie vor einen völligen Mangel scheinbare, und die Frage in ihrer weittragenden Tota- und Beschlüsse, welche die Maifeier und die Stellung an Arbeiterinnenverkehr in ihren Bureaus zu berichten haben, lität ist unseres Dafürhaltens noch nicht genügend auf zu den lokalistischen Gewerkschaften betreffen. Sie nur die Dresdener Inspektorin macht eine Ausnahme von gehellt. Die Verhandlungen erörterten hauptsächlich das waren getragen von dem nämlichen Geist der Solidarität, der Regel. Sie wurde von 58 Personen aufgesucht. In dieser Um und Auf des Zustandekommens der Stuttgarter Re- durchdrungen von dem nämlichen Bewußtsein der or Besuchsziffer, so heißt es in den Mitteilungen, find auch solution. Sie rückten die Tatsache in helles Licht, daß ganischen Zusammengehörigkeit zwischen Sozialdemokratie mehrere weibliche Angehörige der höheren Stände inbegriffen. der Entwurf der internationalen Kommissionsmehrheit, und Gewerkschaftsbewegung, wie die Beratungen der Doch sollen im Bezirk Dresden die Arbeiterinnen eine zunehmende Neigung bekunden, sich in strittigen Angelegen der zuerst die Zustimmung der Mehrzahl der deutschen sozialistischen Internationale. Sie verheißen daher nicht heiten um Rat und Auskunft an die Beamtin zu wenden. Delegation gefunden hatte, in striktem Widerspruch steht nur eine ausgedehnte und kraftvolle Maidemonstration In 5 Fällen wurde auf Grund eingelaufener Anzeigen zu zu der Resolution, welche der Parteitag von Mainz zur für das nächste Jahr, vielmehr darüber hinaus dauerndes Revisionen geschritten. Sittlich bedenkliche Vorkommnisse in Frage der Weltpolitik gefaßt hat. Die deutsche Dele- harmonisches Zusammenarbeiten und Zusammenfämpfen, einem großen Betrieb erforderten, wie berichtet wird, ein gation des internationalen Kongresses ist mithin dem wie es durch die sich verschärfenden Klassengegensätze mehrmaliges Einschreiten. Die Beamtin in Leipzig ist bei Standpunkt der Partei treu geblieben, als auch sie sich und Klaffenkämpfe mit ihren aufziehenden schweren Kon- der Bekämpfung der unzulässigen Beschäftigung von Kindern im Plenum in letzter Stunde für die Fassung entschied, flikten im wirtschaftlichen und politischen Leben immer welche die Minderheit der umfämpften Sätze gegeben dringlicher gemacht wird. hatte. Jedoch mit dem allem ist nicht die Klärung der Die Niedergerittenen" leben, entschlossen, kraft Frage gegeben, welche den wesentlichen Unterschied geschwellt wie je stehen sie auf dem Blachfelde der Gezwischen der Mehrheits- und Minderheitsresolution aus- schichte, um im Kampfe gegen die ganze bürgerliche Ge- ausnügung zu. Sie führten in den meisten Fällen zur Einmachte: die Frage der sozialistischen Kolonialpolitik", die sellschaft dem Proletariat jene Welt zu erobern, in der auch in David und anderen deutschen Genossen warme es alles zu gewinnen und nichts zu verlieren hat als Befürworter gefunden hatte. Es geht nicht an, sie mit seine Ketten. Ihre erste große Musterung seit den Tagen Die Zahl der von den Inspektorinnen vorgenommenen nonchalanter Handbewegung als" Butunftsmusit" ab- der Niederlage hat es bewiesen. Revisionen ist beträchtlich. Es wurden täglich im Durch zuweisen. Entwicklungsgeschichtlich muß diese Zukunftsschnitt mehr als fünf solcher Betriebe revidiert, in denen mufit" ein Gegenwartsvorspiel haben, und das heißt Kinder beschäftigt waren, so daß im Jahre auf eine Beamtin mehr als 1500 der betreffenden Revisionen allein entfallen, tapitalistische Kolonialpolitik. Geschichtliche Dinge haben die jedenfalls zumeist in Heimarbeitsstätten vorgenommen ihre eigene Logit, die sich unbekümmert um das Wünschen wurden. Die Dresdener Beamtin hat 284 verschiedene und Wollen der Menschen durchsetzt. Welches sind die praktischen politischen Konsequenzen der überzeugung, Seit dem 1. Juli 1904 haben wir in Sachsen weibliche Ortschaften an 181 Reisetagen besucht. Zweimal hat diese daß eine sozialistische Kolonialpolitik möglich, ja not- Fabrikinspektoren. Vorher bestand drei Jahre die Ein- Dame auch Nachtrevisionen vorgenommen. Einigemal wurden wendig sei, und verträgt sich eine solche überhaupt mit richtung der amtlichen weiblichen Vertrauenspersonen. Sie nachts Industrieorte durchwandert, in denen die Heimarbeit wendig sei, und verträgt sich eine solche überhaupt mit amtierten in den fünf Kreishauptmannschaften und hatten start vertreten war. Es wurden dort zwar keine Revisionen vorunserer Grundauffassung von dem Selbstbestimmungs- lediglich die Aufgabe, auf einem ihnen zugewiesenen Bureau genommen, aber der nächtliche Umgang, der bekannt geworden recht der Völker und Rassen und von der historischen wöchentlich einige Stunden auf Arbeiterinnen zu warten, war, genügte, um die Einstellung der Nachtarbeit zu bewirken auf wie lange, das ist freilich eine andere Frage. Berechtigung aller Kulturstufen? Das sind die Fragen, die sich mit Beschwerden nahen oder um Rat nachsuchen Die Beaufsichtigung der Kinderarbeit in der Hausdie auf dem Grunde des Problems auftauchen, und die würden. Auf diese sonderbare Art wollte die sächsische Reder Antwort harren. Der Parteitag hat ihre Erörterung gierung ergründen, ob ein Bedürfnis für die Anstellung von industrie ist zweifellos äußerst schwierig. Es kommen nur eingeleitet, die sich auswachsende Kolonialpolitik des Fabritinspektorinnen vorhanden wäre. Natürlich mußte diefer eine Unzahl solcher Arbeitsstätten in Betracht, die vielfach frachenden Kapitalismus mit ihren Tendenzen und Versuch völlig fehlschlagen. Die sächsischen Arbeiterinnen schwer aufzufinden sind und mühsam und umständlich erst erwenden sich heute an ihre gewerkschaftliche Organisation fragt werden müssen. Das aber ist um so schwieriger, je Anforderungen wird dafür sorgen, daß sie in Fluß oder an die sozialdemokratische Presse, wenn sie sich von Be- größer der Ort ist. Eine Besserung ist in dieser Beziehung bleibt. Die Partei besitzt bereits in Parvus' Broschüre triebsmißständen allzu arg bedrückt fühlen, weil sie zu diesen faum zu verzeichnen. So meldet die Inspektorin des Dres äußerst schätzenswertes Material zu ihrer Beurteilung, Instanzen Vertrauen haben. Ein nennenswerter Berkehr dener Bezirkes, daß die Revisionstätigkeit auf dem Gebiet Kautskys angekündigte Schrift wird sicherlich ein weiterer von Arbeiterinnen und Arbeitern an der Amtsstelle der der Haus- und Heimindustrie 1906 mit den gleichen Schwierigwichtiger Beitrag zu ihr sein. An ein Abrüsten der sächsischen Fabritinspektion gehört zu den Ausnahmen. Wie feiten zu kämpfen hatte wie in den verflossenen Jahren. Da Sozialdemokratie in ihrem Kampfe gegen die preußisch- die vorliegenden Jahresberichte der Gewerbebeamten für aber hatte sie geschildert, daß selbst Lehrer und Gemeindedeutsche Weltmachtspolitik ist inzwischen nicht zu denken, 1906 bezeugen, verkehrten nur in den Bureaus von 2 der vorstände aus Scheu vor Unannehmlichkeiten feine Angaben einheitlich und geschlossen steht die Partei in diesem 17 sächsischen Inspektionsbezirke Arbeiter in nennenswerter über solche Heimarbeitsstätten machten, wo die Kinderarbeit Rampfe zusammen. Das unterstrichen zu haben, ist einst Bahl. An allen übrigen Amtsstellen erschienen durchweg besonders rücksichtslos betrieben wurde. Und im letzten Beweilen das positive Ergebnis der Effener Beratungen. weit mehr Unternehmer als Arbeiter. So wird beispiels- richte teilt sie mit, daß in Ermangelung jebes AnhaltsJubelnde Zustimmung wird Bebels Referat über die weise aus Plauen gemeldet, daß dort neben 497 Unterpunktes die Revision der Heimarbeit noch nicht nehmern nur 4( vier) Arbeiter an Inspektionsstellen er- auf die großen und mittleren Städte hat ausReichstagswahl und die politische Lage bei den schienen seien. Ähnlich war es auch in den anderen 14 Be- gedehnt werden können. Die zahllosen Stätten hausMassen der sozialdemokratischen Parteigänger finden, wie zirken. Es ist also in dieser Beziehung alles beim alten ge- industrieller Kinderausbeutung in den größeren Städten des es sie bereits auf dem Parteitag gefunden hat. Es war blieben. Das geringe Vertrauen der sächsischen Arbeiter- Landes sind also überhaupt noch nicht von einer Kontrolle die Rede eines politischen Kämpfers, der, auf dem festen Klasse zur Fabrikinspektion des Landes ist jederzeit durch belästigt worden. Aber auch sonst ist die Revisionstätigkeit mit SchwierigBoden der materialistischen Geschichtsauffassung fußend, einen minimalen Arbeiterverkehr an den Amtsstellen der die Erscheinungen in ihrem Auf und Ab begreift, und Inspektoren zum Ausdruck gekommen. Unter solchen Um- feiten verbunden. Das verrät unter anderem auch eine Be seiner historischen Ginsicht sicher, auch die Niederlage des ständen war es von vornherein doppelt verkehrt von der merkung der Chemnizer Beamtin.„ Hinsichtlich des Januar nicht höher einschätzt, als sie es verdient, weil sächsischen Regierung, daß sie das Bedürfnis für eine weib- Kinderschutzgesetzes," schreibt sie,„ ist in erster Linie von der er hinter ihr die treibenden Kräfte am Werke erblickt, liche Gewerbeaufsicht auf die oben mitgeteilte Art fest- zunehmenden allgemeinen Kenntnis des Gesezes zu berichten. zustellen versuchte. Nur durch eine vorurteilslose Revisions- Mit dieser hat sich aber gleichzeitig eine unverkennbare die neue Kämpfe, aber auch neue Siege vorbereiten. tätigkeit und den dadurch angebahnten Verkehr mit den Geschicklichkeit in den Versuchen der GesetzesGrundsätzlich scharf und bestimmt in der Tendenz, kampfes- Arbeiterinnen hätten sich die amtlichen weiblichen Vertrauens- um gehung herausgebildet. So ist mehrfach wahrfroh und zukunftsgewiß in der Stimmung, wies sie personen das Zutrauen der Arbeiterinnen erwerben tönnen. zunehmen gewesen, daß Kinder, namentlich solche, die von die trittelnden Zweifler ab, die unter dem Eindruck unter den geschilderten Umständen tam, was fommen mußte, ihren Eltern beschäftigt wurden, mit den Altersangaben des Wahlergebnisses zu einer Revision unserer Taktik die Bureaus der weiblichen Bertrauenspersonen blieben un- nicht bei der Wahrheit blieben oder angaben, für drängten, brachte sie ein neuerliches starkes Bekenntnis besucht. Nur eine einzige der Vertrauenspersonen, die in ihre Eltern zu arbeiten, während sie für Dritte beschäftigt zu den Grundsätzen der Dresdener Resolution. Die Dresden, konnte von einem geringen Verkehr mit den waren. Auch die fremden Kinder sind in falschen AnDebatten zu dem Punkte der Tagesordnung standen vor Arbeiterinnen melden, von denen etwa 50 im ganzen Jahre gaben über ihre Arbeitszeit meist gut geübt, so daß allem im Zeichen der Anträge, welche forderten, daß die an der Amtsstelle erschienen. Allerdings hatte sich die Be- die Kontrolle sehr erschwert wird und einen bedeutend amtin das Recht von der Kreishauptmannschaft erwirkt, eine größeren Zeitaufwand erfordert." Zu alledem kommt noch, Freifinnigen bei Stichwahl nicht mehr von der Sozial- Revisionstätigkeit in Fabriken mit vorwiegend weiblicher daß die Zahl der Aufsichtsbeamtinnen völlig unzureichend demokratie unterstützt werden sollen. So unannehmbar Arbeiterschaft ausüben zu dürfen. ist. Ganze 5 Beamtinnen sollen in dem mit Hausindustrie derartige Anträge sind, so haben sie doch in ihrer sich Die Kritit, welche besonders von sozialdemokratischer und Heimarbeit besonders beglückten Sachsen die Einhalmehrenden Zahl ihre Bedeutung. Sie gehören zu den Seite an dem Institut der weiblichen Vertrauenspersonen tung des Kinderschuhes überwachen! Weibliche Gewerbeaufsicht in Sachsen. Nr. 20 Die Gleichheit 171 Unter den obwaltenden Umständen ist es kein Wunder, daß das Kinderschutzgesetz noch fast gar nicht beachtet wird, namentlich nicht in der Hausindustrie. Die Chemnitzer Beamtin hat in 429 Betrieben 648 Verstöße ermittelt und in 31 von diesen wurden bei wiederholten Revisionen er- neut Zuwiderhandlungen festgestellt. Anzeige wurde erst in den letzteren Fällen erstattet, in den übrigen ließ man es bei Verwarnungen bewenden. Es ist nicht möglich, alle Verstöße einzeln zu erwähnen. Hervorgehoben sei, daß sich im Zw ick au er Bezirk das Lumpensortieren als Heimarbeit eingebürgert hat. Es läßt sich denken, welche Zustände in Wohnungen einreißen, wo die Not die Bewohner zu solch unreinlicher und unge- sunder Arbeit zwingt, bei der durch Staubentwicklung und seine Fasern besonders die Atmungsorgane gefährdet werden, von der Gefahr der Ansteckung mit Krankheiten zu schweigen. Daß bei dieser Arbeit auch Kinder beschäftigt werden, ist um so bedenklicher. Einen sonderbaren Erfolg hat die Jnspektorin der Kreis- hauptmannschaft Zwick au zu verzeichnen und berichtet breit auf einer Viertelseite darüber. Es ist ihr in Crimmitschau ge- lungen, eine Anzahl Frauen und Mädchen zu geselligen Zu- sammenkünften im— nationalen Arbeiterverein zu bewegen. Die Gründung nationaler Kaffeekränzchen, die eines Tages als Streikbrecherorganisationen funktionieren sollen, ist wahrlich nicht die Aufgabe, für welche die Gewerbeauf- sichtsbeamten angestellt und aus dem Steuersäckel des Volkes bezahlt werden. Daß diese Art der Betätigung nicht geeignet ist, das Vertrauen der Arbeiterinnen zu den Be- amtinnen zu erhöhen, liegt auf der Hand. Mögen die aufgeklärten Arbeiterinneu derartigem groben Unfug ent- gegenwirken. E- N. Ein landwirtschaftliches Kulturbild. Der Harz, die landwirtschaftliche Perle Preußens, zeichnet sich nicht nur durch seine herrlichen bewaldeten Berge und Täler aus, sondern auch durch erbärmliche Lohnverhältnisse. Sowohl in den gewerblichen als auch in den landwirt- schaftlichen Betrieben wird die weibliche Arbeitskrast be- sonders schlecht bezahlt. Als typisch für die Verhältniffe in der Landwirtschaft können die Löhne bei der Firma Dippe Quedlinburg betrachtet werden. Diese Firma beschäftigt in allen ihren Betrieben(zum Teil Gartensämereien, zum Teil Ackerbau) zirka 3000 Personen. Hierunter befinden sich vielleicht 1000 Mädchen und Frauen und 500 bis 600 Kinder. Di« letzteren werden während der Ferien den ganzen Tag beschäftigt, und sie verdienen 30 bis 50 Pf. pro Tag. Morgens, wenn der Tag zu grauen beginnt, sieht man diese armen Proletarierkinder stundenweit aus den umliegenden Ortschaften zur Fronburg wandern, in sinkender Nacht kommen sie wieder nach Hause. Das sind die Ferien dieser Bedauernswerten; so verleben sie ihre Kindheit! Frauen und Mädchen erzielen Löhne von 80 Pf. bis 1,20 Mk. Dafür muß eine zwölf- und mehrstündige mühevolle Arbeit entweder bei der Samenernte oder in den Packräumen geleistet wer- den. Der Lohn der Männer hebt sich um 30 bis 50 Prozent über den an Frauen gezahlten hinaus. Geradezu jammervoll sind die Verhältniffe auf den Gütern. Die Firma Dippe besitzt deren mehrere, die ähn- liche Konzentrationstendenzen aufweisen wie die Groß- betriebe in der Montanindustrie. Die Firma ist an einem landwirtschaftlichen Trust beteiligt, der drei Güter— Haus Neindorf, die Güter Hedersleben und Ditfurt— und eine Zuckerfabrik umfaßt. Das Haus Neindorf war früher eine Staatsdomäne und ist vor sechs Jahren zum Preise von l1/» Millionen Mark in den Besitz Dippes übergegangen. Dieses Gut, auf welchem jetzt ungefähr 100 Personen be- schästigt werden, wird zusammen mit den anderen genannten, an denen Dippe finanziell auch beteiligt sein soll, unter einer Verwaltung bewirtschaftet. In der Hauptsache werden Arbeiter und Arbeiterinnen aus Polen, Galizien und Rußland beschäftigt. So bedürfnislos diese auch sind, in den letzten Monaren kam es doch mehrmals zu Konflikten, bei denen die Arbeiter natürlich den kürzeren zogen. Der Landwirtschaftstrust hat die Behörden auf seiner Seite; die „Rebellen", die unter allerhand Vorspiegelungen angelockt wurden, werden kurzerhand wieder über die Grenze gebracht. Solche Forsche wirkt bei den anderen, sie lassen alle Hoff- nung fahren, im Rechtsstaate Preußen Schutz und Hilfe zu finden, und beugen sich bedingungslos unter die Unternehmer- suchtet. Ein Bildchen, das diese Art der„Kultur" illustriert, war am 2. Juli auf Haus Neindorf zu beobachten. Den dort beschäftigten russischen Arbeitern war kontraktlich ein Taglohn von 1,80 Mk., den Frauen ein solcher von 1,20 Mk. garantiert; außerdem war einigen Leuten aber auch Akkord für Mähen bestimmt in Aussicht gestellt worden. Die Ver- waltung zog es jedoch vor, de» Leuten keine Mäharbeit zu- zuweisen, woraufhin zwei Mann die Arbeit verweigerten. Da auch die übrigen Arbeiter sich benachteiligt sahen und aus verschiedenen Gründen unzuftieden waren, übten sie Solidarität: sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen, die gemeinsam in einer Kaserne wohnen, verweigerten die Weiterarbeit. Das war am Morgen. Die Gutsverwaltung rief telephonisch die bewaffnete Macht zusammen. Zwei Gendarmen bemühten sich zunächst vergeblich mit ihrer Au- torität, die Leute an die Arbeit zu treiben und die beiden „Rädelsführer" zu veranlassen, freiwillig aus der Kaserne herauszukommen. Die feindliche Haltung der Streikenden ließ es den Gendarmen rätlich erscheinen, zunächst noch Verstärkung abzuwarten, ehe sie zum„Sturm" auf die .Streikerburg" vorgingen. Die der Gutsverwallung durchaus nicht freundliche Stimmung der Dorfbewohner, die ihren Unmut durch Zurufe zu erkennen gaben, mochte zu der Vorsicht mit beigetragen haben. Nachmittags hatte sich die „gesetzliche Macht" durch Zuzug aus Thale, Halberstadt usw. auf acht Gendarmen verstärkt. Nach kurzer Beratung und Festlegung des Kriegsplanes ging es mit herabgelassener Schuppenkette, die Plempe in der Hand, in die Burg hinein. Bald hatte man den einen Rädelsführer denn auch glücklich hinausgebracht. Eine der Frauen, die sich der Verhaftung der Männer widersetzen wollte, wurde in einen Stall ein- gesperrt. Einige Mann blieben bei dem gefesselten Ver- hafteten draußen, der andere Teil der bewaffneten Macht stürmte wieder in die Burg hinein, um den zweiten Streik- sünder herauszuholen. Zunächst fand man ihn nicht. Die Frauen hatten ihn in die Betten gesteckt und sich auf diese gelagert. Natürlich hatten die Gendarmenfäuste den Wider- stand bald beseitigt; die Arbeiterinnen sind hier ja an derbe Fäuste gewöhnt. Die beiden Aufrührer wurden dann zu- sammengeschlossen, als seien sie gefährlich« Ein- und Aus- brecher, und dann zum Herrensitz transporttert. Die in dem Stall eingesperrte Frau erlangte die Freiheit wieder, nachdem es ihren stundenlangen Bemühungen gelungen war, die verbarrikadierte Tür aufzustoßen; sonst hätte man sie auch wohl die Nacht über in dem Gefängnis belassen. Den Gefangenentransport begleiteten sämtliche Arbeiterinnen; mit Stockschlägen nach ihren Händen wurden sie daran ge- hindert, das Tor zum Gutshof zu öffnen und in den Hof einzudringen. Nach dem Verhör auf dem Gutshof wurden die Verurteilten abgeführt, nachts in einem Amtsgefängnis interniert und am nächsten Tag per Schub über die Grenze gebracht. Die Junker werden bedauern, daß ein solches abgekürztes„Rechtsverfahren" nicht auch den einheimischen Streiksündern gegenüber möglich ist. Mit der Entfernung der Männer war erklärlicherweise der Widerstand der Frauen gebrochen; am nächsten Tage ließen sie sich wieder an die Arbeit treiben. Wie diese Armen leben, läßt ein Blick in ihre Be- hausung ahnen. Die erwähnte Kaserne besteht aus einem zweistöckigen Gebäude. Die einzelnen Räume dienen zu- gleich als Küche, Wohn- und Schlafraum. An einer Wand steht ein großer primitiver Ofen, der andere Raum an den Wänden entlang ist von den dicht aneinander stehen- den Lagerstätten eingenommen, bestehend aus eisernem Ge- stell, Strohsack und Decke. 20 bis 30 Personen hausen in einem Raum. In der Mitte des holperig gedielten„Salons" steht zwischen Bänken ein Kastentisch, der gleichzeitig als Schrank dient. Ebenso wie der Tisch besteht auch der Unterteil der Bänke aus verschließbaren Kästen zur Bergung der Habseligkeiten, über den Lagerstätten hängen einige einfache Kleidungsstücke; außerdem sieht man noch einiges Kochgeschirr. Das ist die ganze Ausstattung der schmutzigen, unfreundlichen Räume. Da die Fenster nicht verhangen sind, kann man von draußen die ganze Herrlichkeit über- blicken. Eine notdürftige Verhängung der Fenster am Abend kann wohl vor neugierigen Blicken schützen, nicht aber wird dadurch der Schaden verschiedener fehlender Fensterscheiben behoben. Die einheimische Bevölkerung entzieht sich der gutsherr- lichen Willkürschaft nach Möglichkeit durch Abwanderung, die betörten fremden Arbeiter dagegen find der Mißhand- lung und Ausnützung unter behördlicher Beihilfe schutzlos preisgegeben. Solche agrarische Idylle erklärt den Haß der Agrarier gegen die moderne Arbeiterbewegung; in dieser erkennen sie die einzige Gefahr für ihre selbstherrliche, durch keine moralischen Bedenken gemilderte Verachtung der Ar- beiter. Die bürgerlichen Parteien schützen die brutale Aus- nützung der Landproletarier, indem sie im Bunde mit dem Junkertum die Gesindeordnung und das Koalitions- respektive Streikverbot für die Landarbeiter aufrecht erhalten. Hier Bresche zu legen ist eine Kulturaufgabe der Sozialdemo- kratie. W. D. Von der Kamburger Dienstbotenbewegung. Seit November v. I. haben sich die Dienstmädchen, Wasch- und Scheuerfrauen Hamburgs, ihre Interessen und unsere Zeit verstehend, in einer fteien Organisation zu- sammengeschart und den Gewerkschaften angeschlossen. Wie sehr die Bewegung und die Gründung einem Bedürfnis entsprach, zeigen die Tatsachen. Die erste öffentliche Dienst- dotenversammlung brachte der Organisation bereits über 200 Mitglieder. Im Januar zählte diese 500 im März 800 Mitglieder, und heute mustert sie deren zirka 2500. Wahrlich ein Resultat das uns für die unsäglich beschwerliche Arbeit im Dienste unseres Ideals in etwas zu entschädigen ver- möchte. Doch 2500 Organisierte sind noch lange nicht 32000, und so groß ist die Zahl der in Hamburg bediensteten Mädchen. Ziehen wir dazu in Betracht, daß hier die Fluk- tuatton in unserem Berufe sehr groß, der Stellenwechsel ein sehr häufiger ist, weil die 14tägige Kündigung gilt, so darf uns der rapide Aufschwung unserer Organisation nicht sicher für die Zukunft machen. Es bedarf durchaus an- dauernder zäher Arbeit innerhalb der Massen der ihr noch fernstehenden Mädchen und innerhalb uns eres Vereins, um dem- selben eine gesunde Fortentwicklung womöglich im gleichen Tempo zu sichern. Unsere Mitglieder werden nicht nur durch öffentliche Versammlungen, sondern auch durch Haus- agitation gewonnen. Sie werden mittels Hausagitatton und Hauskassierung erhalten. Beides sind aber Dinge, die viel Zeit, unendliche Mühe und Geduld erfordern. Davon ab- gesehen dürfen wir die größte Schwierigkeit nicht verkennen, die sich der Organisierung der Mädchen entgegenstellt: das mangelhast ausgebildete Klassenbewußtsein. In dieser Beziehung ist bisher in nicht wenigen Arbeiterfamilien ge- sündigt worden. Es wäre eine durchaus falsch angebrachte und sich bitter rächende Nachsicht, wollten wir das nicht mit aller Schärfe betonen. Die Erkenntnis, daß wir alle, die wir nur unsere Ar- beitskraft, sei es die physische, sei es die geistige, in den großen Daseinskampf einsetzen können, eine Klasse für uns bilden, die Klasse der Ausgebeuteten, die in unüberbrückbarem Gegensatz zu der Klasse der wirtschaftlich starken Ausbeuter steht: diese Erkenntnis wird den Kindern der Arbeiter noch viel zu wenig klar gemacht und eingeprägt. Die Eltern in unserer Klasse sind begreiflicherweise von dem Wunsch be- seelt, ihren Kindern das Leben etwas leichter machen zu wollen. Und um diesen Wunsch zu erfüllen, suchen recht viele ihren Kindern zu einer„gut bürgerlichen Existenz" zu verhelfen.„Unser Kind lernt sehr gut! Wir werden un- sere errackerten Spargroschen— die oft genug mit dem Verlust der Gesundheit und dem Verzicht auf jegliche Lebens- freude erkauft sind— zu seiner weiteren Ausbildung ver- wenden. Es wird dann als Beamter, als gutbestallter Kaufmann, es wird als Erzieherin, Buchhalterin usw. einen weniger harten Lebensweg gehen können als wir." Das hört man recht häufig. Der Erfolg der Opfer, die dieser Hoffnung zuliebe gebracht werden, ist bei dem ungeheuren Angebot von Kräften auf dem Gebiet der betreffenden Berufe ein durchaus unsicherer. Statt sich in Sehnsucht nach einem„Herrn" Sohn oder einer„Fräulein" Tochter zu verzehren, sollten die Eltern lieber alle in ihren Kindern ruhenden und aufblühenden Geistes- und Charakterkräfte für den Dienst des proletarischen Befreiungskampfes erziehen und stählen, statt dem Gegner, der heutigen Gesellschaft Stützen und Hilfstruppen zuzuführen. Als Folge der ver- kehrten Auffassung und Erziehung daheim haben viele Dienstmädchen die Ansicht, daß die häusliche Arbett etwas Erniedrigendes sei. Daher suchen sie ihr sobald als möglich zu entgehen, statt dafür zu kämpfen, daß diese Arbett nach ihrer großen Wichtigkeit gewürdigt und entlohnt werde. Unsere Agitatton unter den Dienstmädchen muß diese falsche Ansicht ganz energisch bekämpfen. Sie muß die Mädchen zum Klassenbewußtsein und zum Klassenstolz erziehen. Der Anfang dazu muß aber damit gemacht werden, daß wir ihnen die Bedeutung und den Wert ihrer Arbeit klar mach««. Ihrer Arbeit wegen sollen sie sich nicht für weniger halle» als etwa das faulenzend« Fräulein des HauseS. Sie müffen mit dem Bewußtsein von dem gesellschaftlichen Wert jeder notwendigen und nützlichen Arbeit durchdrungen werden. Nicht sich sollten sie zu gut für die häuslichen Obliegenhetten halten, die doch Pflichten ihres künstigen Wirkungskreises als Gattinnen und Mütter find, sondern lediglich das mittel- alterlich anmutende Dienstverhältnis, in dem sie die häus- lichen Arbeiten verrichten müssen, sollte ihnen nicht gut genug sein. Dagegen sollte sich ihr besseres Ich empören. Mit allen Kräften müßten sie ihrer errungenen Erkennt- nis nach dafür kämpfen, daß Remedur geschaffen wird. Es ist die Aufgabe der Hamburger Genossinneu, bei ihrer Agitation unter den Dienstmädchen das alles zu berück- sichtigen. Geschieht das, so wird auf feiten der Mädchen der Wille nicht auf sich warten laffen, Dienstverhällniffe nur noch auf Grund des rechtlich unanfechtbaren Vertrags ein- zugehen, den Genoffe Stadthagen ausgearbeitet hat, und der natürlich den örtlichen Umständen angepaßt werden muß. Der Vertrag setzt die Gesindeordnung außer Kraft und sichert den Dienenden bessere Arbeits- und Daseins- bedingungen. Gewiß ist von den Gesindeordnungen Deutsch- lands die Hamburger die beste. Allein Gesindeordnung bleibt sie trotz alledem. Auch nach ihr muß der Dienstbote seinen Rechtsschutz stets an erster Stelle bei der Polizei seines Wohnbezirkes suchen, von der als Vertreterin des kapitalistischen Klassenstaats kaum ein unbefangenes Urteil erwartet werden darf, davon zu schweigen, daß bei ihr recht oft der in der Kaserne geforderte Kadavergehorsam Trumpf ist. Unsere Agitatton muß es mit der Zeit dahin bringen, daß kein Mädchen in Hamburg, daS etwas auf sich>md seine Arbeit hält, anders Stellung annimmt als bei Herrschaften, die den Vertrag anerkennen. Daß wir aber dieses Ziel er- reichen, daß es den Mädchen möglich wird, dank des Ver- trags die unerträgliche persönliche Unfteiheit, Rechtlosigkeit und Bevormundung abzuschütteln, die jetzt nur zu häufig das Merkmal eines Dienstverhältniffes ist, das ist an eine unerläßliche Bedingung geknüpft. Sie heißt: Organi- sation, und zwar nicht Organisation in einem Harmonie- kränzchen mit der„gnädigen Frau", nein, gewerkschaft- liche Organisation auf dem Boden der Erkenntnis, daß Dienende und Herrschaften entgegengesetzte Jntereffen haben. Wo und wie wir Dienstmädchen begegnen, müssen wir bestrebt sein, sie ihrer Organisation zuzuführen. Ein wichtiges Mittel, die Ausbreitung der Organisation unter den Dienenden zu fördern, ist der eigene Stellen- Nachweis durch die Organisation. Der in Hamburg seit Februar des Jahres bestehende Stellennachweis unseres Dienstbotenvereins kann recht eigentlich als das Rückgrat desselben betrachtet werden. Er befindet sich im großen neuen Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 56/57 l, Z. 2 d, und der Umfang, in dem er settens der Herrschaften, auch der sogenannten besseren Häuser, in Anspruch genommen wird, läßt erkennen, wie groß die Macht der Mädchen ist. Keine Gewerkschaft hat ein gleich günstiges Verhältnis von An- gebot und Nachfrage zu verzeichnen, wie unser Verein. Die Nachfrage nach tüchtigen Mädchen übersteigt das Angebot, wenn nur unsere Mädchen die Situation auszunutzen ver- stünden! Nachfrage und Angebot stehen zueinander wie 3 zu 1. Wahrlich ein Verhältnis, um das uns sämtliche Gewerkschaften beneiden könnten. Die Herrschaften sind schon heute zum Entgegenkommen bereit, wenn sie nur tüchttge, solide Mädchen bekommen. Seit einiger Zeit 172 Die Gleichheit Nr. 20 haben wir begonnen, den Herrschaften unseren Dienst- vertrag, dem die Stadthagensche Vorlage zugrunde liegt, in Flugblattform zuzustellen. Es wird harte Kämpfe kosten, ihm Anerkennung zu verschaffen, doch der Dienstmädchen- Mangel am Orte wird uns zuin Erfolg verhelfen, wenn— die Mädchen selbst nur wollen, sich in großer Zahl unserem Verein anschließen und nur durch sein« Vermitt- lung in Stellung treten. Unsere Agitation muß darauf hinwirken, daß der Stellennachweis den Mädchen allgemein bekannt wird, auch denen, die noch nicht organisiert sind. Er muß ein Mittel sein, die Unorganisierten dem Verein zu gewinnen und die Organisierten treu bei der Fahne zu halten. Jedes Mädchen muß lernen, es als selbstverständ- lich, als Ehrenpflicht zu betrachten, nur den Stellennachweis der Organisation zu benutzen. Aber nicht nur die Dienstmädchen, auch die Frauen, die im Taglohn häusliche Arbeiten verrichten, sollten sich unserem Verein anschließen. Ihr eigenes Interesse fordert das, denn i�re Arbeitsbedingungen sind nichts weniger als rosige. Sie, die durch Waschen, Reinmachen usw. versuchen, ihren kümmer- lichen Lebensunterhalt etwas zu verbessern, müßten alle der Organisation angehören. Und damit nicht genug. Sie alle, die dem Verein gewonnen sind, müßten durch Agitation von Ar- beitskollegin zu Arbeitskollegin zur Entwicklung unserer Or- ganisation mithelfen. Unser Tarif bringt den ausgebeuteten Taglohnarbeiterinnen eineVerbesserung: IllArbeitsstunden und 2,60 Mk. pro Tag. Unsere Agitation, unsere Organisation muß den Tarif zur Durchführung bringen. Im eigenen Interesse und in dem ihrer Kolleginnen darf keine Wasch- und Reinmache- frau sich anbieten, billiger und länger zu arbeiten, als der Tarif es bestimmt. Es ist nur ein Gebot der Selbsterhal- tung, daß diese häuslichen Arbeiterinnen ihre Arbeitskraft nicht billiger verkaufen und nicht aufs äußerste ausnutzen lassen. Ihr Vermögen sind ihre gesunden Arme. Wer nicht mehr arbeiten kann, hat in der heutigen Gesellschaft seine Lebensberechtigung verloren. Darum sollten auch die Wasch- frauen usw. beizeiten sorgen, daß sie ihre Kräfte sparen. Die staatliche Fürsorge für ihren Lebensabend, die Altersrente, empfangen sie erst mit dem 70. Jahr— wenn sie das erreichen! Bis zum 70. Jahre müssen sie arbeiten können! Dienende und häusliche Taglöhnerinnen können sich nur auf sich selbst verlassen! Das muß unsere Agi- tation ihnen klar machen. Sie muß sie mit dem Gefühl ihrer Menschenwürde erfüllen, das Gnadenbrocken zurückweist, durch jahrelange Unterwürfigkeit und Kraftvergeudung tausendfach erkauft. Sie muß sie aufrufen, gerechte Bezahlung und Be- Handlung für geleistete Arbeit zu fordern. Sie muß sie der Organisation zuführen, die sie erzieht und ihnen die Macht verleiht, für ihre Forderungen kämpfen zu können. In der Hamburger Dienstbotenorganisation ist die richtige Erkennt- nis lebendig. Sie wird sich gesund weirer entwickeln, den Hausfrauenvereinen und ähnlichen Bereinen des Eiapopeia zum Trutz, den Dienenden und häuslichen Taglöhnerinnen zum Schutz. Helene Rolfs. Beschlüsse des Parteitags zu Essen. l. Alkoholfragt. Die Gefahren des Alkoholgenuffes sind mit der Entwick- lung der kapitalistischen Produktionsweise für die arbeitende Bevölkerung gewachsen. Dieselben Bedingungen, die auf deren allgemeine Ver- elendung hinwirken, haben auch den Anreiz zum übermäßigen Alkoholgenuß und damit deffen Schädlichkeit gesteigert: die Überanstrengung, die ungenügenden Löhne und die ungesunden Wohn- und Arbeitsstätten. Durch wirtschaftliche und soziale Mißstände und die aus ihnen hervorgegangenen Trinksitten wird den Arbeitern ein zu häufiger Genuß von Alkohol aufgezwungen und an- gewöhnt. Diese Gewöhnung hat aber zur Folge, daß auch, wenn diese primäre, wirtschaftliche Veranlassung zum übermäßigen Alkoholgenuß geschwunden ist, ihm oft nicht mehr entsagt werden kann. Die bürgerlichen Alkoholgegner stellen in der Regel den Alkoholismus als die vom Volke selbst verschuldete Ursache seiner Rot hin und lenken damit— zum Teil nicht ohne Absicht— die Aufmerksamkeit von dessen ursprünglichen wirtschaftlichen und sozialen Ursachen ab, während sie anderer- seits durch Zwangs- und Strafgesetze den angeblich bösen Willen des Trinkers brechen wollen, so daß er doppelt büßen muß, was die herrschenden Zustände verschulden. Der Kapitalismus und der Staat als sein Jntereffen- Vertreter haben an der Beseitigung des AlkoholiSmus nur insoweit Jntereffe, als sie durch die Lasten für seine Opfer nnd deren verminderte Arbeitsfähigkeit Nachteil erleiden. Der Parteitag erklärt: Die Schäden des Alkoholismus können weder durch Zwangs- und Strafgesetz« noch durch Steuergesetze eingedämmt oder gar beseitigt werden. Trunk- suchtsgesetz« zur Bestrafung der Trunkenen sind nichts als Ausnahmegesetze gegen die ärmere Bevölkerung, da sich die reichere ihnen leicht entziehen kann. Der Trunksüchtige ist nicht dem Sttafrichter zu überantworten, sondern wie jeder andere Kranke in ärzttich« Behandlung zu nehmen; aus öffentlichen Mitteln sind Heilstätten für Trunksüchtige unter ärztlicher Leitung zu errichten und zu erhalten. Die Beschränkung der Gastwirtschaften wie des Spiri- tuosenverkaufs würde den Alkoholmißbrauch nur aus der Öffentlichkeit des Wirtshauses in die Heimlichkeit der Wohnung treiben. Die Besteuerung der leichten alkoholischen Getränke(Bier, Wein, Obsttvein) steigert infolge deren Verteuerung nur den Verbrauch von Branntwein. Je höher aber die Steuer auf Branntwein ist, um so mehr plündert sie gerade die ärmsten Schichten aus, da sie seinen Verbrauch nur ganz unwesent- lich einschränkt. Zur Bekämpfung der Alkoholgefahr fordert der Partei- tag: Herabsetzung der Arbeitszeil auf höchstens 8 Stunden, Verbot der Nachtarbeit oder bei ununterbrochenem Betrieb ausreichender Schichtwechsel, genügende Ruhepausen während der Arbeit, Verbot des Kreditierens und Verkaufens oder Lieferung an Stelle von Barlohn aller alkoholischen Ge- tränke durch Arbeitgeber oder deren Angestellte an die von ihnen beschäftigten Arbeiter(Trucksystem), ausnahmsloses Verbot der Stellenvermittlung in Verbindung mit Schank- betrieb, Kleinhandel mit alkoholischen Getränken und Be- Herbergung, durchgreifende gewerbliche Hygiene der Werk- stätten und Arbeitsmethoden, Schutz der Kinder, Jugend- lichen und Frauen, ausreichende Löhne, Befestigung aller die Lebenshaltung verteuernden indirekten Steuern, sowie des Boden- und Wohnungswuchers. Hebung der öffentlichen Erziehung durch Umgestaltung und Erweiterung des Schulwesens, entsprechend den Leitsätzen des Mannheimer Parteitags über Volkserziehung. Eine durchgreifende Wohnungsreform, Erholungsstätten, Volks- Heime und Lesehallen. Die Arbeiterorganisationen werden aufgefordert, jeden Zwang zum Genuß alkoholischer Gelränke bei ihren Zu- sammenkünften zu beseitigen, bei Bildungsveranstaltungen, Arbeitsnachweisen und Auszahlung von Streikunterstützung jeden Trinkzwang zu vermeiden, für Aufklärung durch Wort und Schrift über die Alkoholgesahr, insbesondere für Kinder und Jugendliche, und über die zum Alkoholmißbrauch ver- leitenden Trinksilten zu sorgen. Kinder müssen vom Alkohol- genuß unbedingt ferngehalten werden. Diesen allein wirksamen Kampf gegen die Alkoholgefahr führen die polittschen und gewerkschaftlichen Organisationen der klassenbewußten Arbeiterschaft, indem sie deren wirt- schaftliche Lage verbessern und sie lehren, statt im Alkohol- mißbrauch Genuß und Vergessenheit zu suchen, im Kampfe gegen den Kapitalismus zur Befreiung von Verelendung und Unterdrückung Genugtuung, Erholung und Freude zu finden. II. Maifeier. Unter Aufrechterhaltung des Mannheimer Beschluffes zur Maifeier beschließt der Parteitag, dem Parteivorstand die Ermächtigung zu erteilen, die Verhandlungen mit der General- kommission auf den Vorschlägen der Stuttgarter Delegatton weiterzuführen. III. Die Verbreitung der„Gleichheit". Um unserer„Gleichheit" diejenige Verbreiwng zu sichern, die ihr als führendes Organ der sozialdemokratischen Frauen in den Reihen des Proletariats gebührt, verpflichtet der Parteitag die agitatorisch tätigen Genossen und Genossinnen, bei jeder Gelegenheit für das Abonnement der„Gleichheit" genau so zu wirken, wie sie für das Abonnement unserer Tagespresse tätig sind. Den Redatteuren unserer Partei- presse empfiehlt der Parteitag, von Zeit zu Zeit im redaktio- nellen Teil unserer Tagespreffe die„Gleichheit" zu empfehlen und zum'Abonnement derselben aufzufordern. lV. Errichtung eines Prestbureaus für die sozialdemo- kratischc Partei. Z 1. Die Partei errichtet ein Preßbureau in Berlin. §2. Aufgab« des Bureaus ist: I. Die Übermittlung wichtiger Nachrichten und Mit- teilungen politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur an die Parteipresse. 2. Die Beschaffung gesetzgeberischen und statistischen Materials für die Parteipresse. 3. Die Herausgabe der Parteikorrespondenz. § 3. Zur Erfüllung dieser Aufgabe wird ein Bericht- erstatter- und Mitarbeiterdienst eingerichtet. Ausgeschlossen von der Tätigkeit des Preßbureaus ist die Lieferung politischer Leitartikel, sowie die Behandlung Partei- taktischer und parteitheoretischer Fragen. § 4. Der Nachrichtendienst erfolgt telephonisch, telegraphisch und brieflich. tz S. Die Einrichtung des Bureaus, die Anstellung der Redakteure, der Berichterstatter und des Hilfspersonals ob- liegt dem Parteivorstand, welchem zu diesem Zwecke fünf Redakteure der Parteipresse als Beirat zur Seite stehen. Der Beirat hat in allen das Preßbureau betteffenden Angelegenheiten beschließende Stimme. Ein Mitglied des Beirats kann nicht Angestellter des Bureaus sein. tz 6. So oft Angelegenheiten des Bureaus zur Beratung kommen sollen, hat der Parteivorstand die Mstglieder des Beirats rechtzeitig mit Angabe der Tagesordnung zu dieser Sitzung einzuladen. In der Regel sollen diese Sitzungen alle drei Monate stattfinden. § 7. Die in dem Bureau angestellten Redakteure haben das Recht, zu jeder Sitzung einen ihrer Kollegen als Ver- treter mit beratender Stimme zu senden. § 8. Die Mitglieder des Beirats werden alljährlich durch die Parteilestung gewählt. 9. Die Einrichtungskosten des Preßbureaus wer- den von der Parteikasse gettagen. Die laufenden Unterhaltungskosten des Nachrichten- und Mitteilungsdienstes sind mit Ausnahme der auf die Parteikorrespondenz ent- fallenden Kosten dermaßen aufzubringen, daß die Partei- presse nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit herangezogen wird. Parteiblätter, die telegraphischen und telephonischen Dienst beanspruchen, haben die Gebühren zu erstatten. Aus der Bewegung. Von der Agitation. Mitte September tagte in Dres- den eine Versammlung der Genossinnen der drei Dres- dener Kreise, in welcher Genossin Lewinsohn von der Internationalen Frauenkonferenz Bericht erstattete und einen Überblick über den Stand der sozialistischen Frauen- bewegung in allen Ländern gab. In der Distüssion wurde es begrüßt, daß durch die Konferenz und den Kongreß bestimmt und klar Direkttven für den Kämpf um das Frauen- stimmrecht gegeben worden sind. Genossin Heidemann rügte den Ausschluß der bürgerlichen Presse von der Kon- ferenz. Des weiteren nahm die Versammlung Stellung zu der Ungültigkeitserklärung der beiden sächsischen Frauen- Mandate und beschloß, in dieser Angelegenheit eine Be- schwerde an den Essener Parteitag zu richten. Mit einem Hoch auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht für beide Geschlechter schloß die Versammlung. Martha Tröger. In einer öffentlichen Frauenversammlung zu Ottensen referierte Genossin Baumann über„Die Frauen- wahlrechtsfrage". Sie wies darin auf die Tatsache hin, daß nur die Sozialdemokratie jederzeit für das Frauenwahl- recht eingetreten sei und noch eintrete, und betonte, daß die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen das Frauenwahlrecht zwar auch forderten, aber aus anderen Gründen wie die Prole- tarierinnen. Die Referentin führte diese Gründe näher aus, welche es unmöglich machen, daß die sozialdemokratischen Frauen sich der bürgerlichen Frauenbewegung anschließen. Nach dem Referat gab Genossin Baumann einen Überblick über die Verhandlungen der Internationalen Frauenkonserenz und des Internationalen sozialistischen Kongresses. AmSchlusse des Vortrags, der mit Beifall aufgenommen wurde, forderte sie die Frauen zum Anschluß an die proletarische Frauen- bewegung und zu deren Unterstützung auf. Darauf erstattete Genossin Schönfelder Bericht vom Provinzialparteitag und Genossin Lund von der Frauenkonferenz in Pinne- berg. Genossin Lund legte außerdem Rechenschaft ab über ihre Tätigkeit als Vertrauensperson im verflossenen Jahr. Sie wurde als Vertrauensperson wiedergewählt; zu Revi- sorinnen wurden die Genossinnen Kimmerling, Schütt und Schmidt ernannt. Eine größere Anzahl Frauen kamen der Ausforderung nach, die„Gleichheit" zu abonnieren und sich dem Kreis der Genossinnen anzuschließen, welche frei- willige Parteibeittäge zahlen. Emilie Lund. Von den Organisationen. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen zu Schönebeck bei Magde- bürg, der seit ungefähr vier Monaten besteht, hat jetzt 60 Mitglieder, die mit wenigen Ausnahmen auch alle Lese- rinnen der„Gleichheit" sind. Es war anfangs sehr schwer, den Verein vorwärts zu bringen, doch ist es jetzt gelungen, einige Genossen zu finden, welche in den Mitgliederversamm- lungen Vorträge halten. Bedauerlich ist es, daß gerade die Frauen von tüchtigen Parteigenossen, die an der Spitze der Bewegung am Orte stehen, der Organisation noch nicht an- gehören. Das wurde auch in einer Mitgliederversamm- lung des Vereins gerügt, die Anfang September stattfand, und in welcher Genosse Bach über„Die Verteuerung der Lebensmittel" referierte. An der Hand eines reichhalttgen Materials führte der Referent den Anwesenden vor Augen, zu«elcher beträchtlichen Höhe die Verteuerung der Lebens- mittel seit einigen Jahren für einen Familienhaushalt ge- stiegen ist, und schilderte den Nutzen der Konsumvereine. In der Diskussion sprachen verschiedene Genossinnen den Wunsch auS, daß der Konsumverein am Orte sich auch mtt dem Verkauf von Kartoffeln und Brennmaterialien besaffen möge. Auch die Milchfrage wurde besprochen. Die Vorsitzende tellte am Schlüsse der Versammlung mtt, daß in nächster Zett ein Vortrag über Mutterschutz gehalten werde und ersuchte um rege Teilnahme an der betreffenden Versammlung. Mehrere Frauen ließen sich in den Verein aufnehmen. In Köppelsdorf(S.-M.) wurde im Mai dieses Jahres ein Verein für die Frauen und Mädchen der Ar- beiterklasse gegründet. Den Anstoß dazu gab der Aus- fall der letzten Reichstagswahlen und die Empörung über die gemeinen Verleumdungen und Beschimpfungen, mit welchen die Gegner die hiesigen Arbetterfrauen wegen ihrer Mitarbeit bei den Wahlen überschütteten. Besonders war es die hiesige bürgerliche Zeitung, genannt„Sonneberger Tante", welche in den gemeinsten Redensarten ihrem Ärger darüber Luft machte. Das brachte den Frauen die Notwendig- keit zum Bewußtsein, sich zusammenzuschließen und gemein- sam für ihre Rechte einzutreten. Bis jetzt sind dem Berein 70 Mitglieder beigetreten, gewiß ein Ergebnis, das uns fteuen darf. Bei dem regen Interesse, das dem Verein entgegen- gebracht wird, hoffen wir, ihn vergrößern und ausbauen zu können. Dazu müssen alle Mitglieder helfen. Eine ihrer Hauptaufgaben muß es sein, unablässig für das sozialdemo- kratische.Volksblatt" und die„Gleichheit" zu agitieren und Sorge zu tragen, daß die bürgerliche Presse, die in so un- anständiger Weise gegen die Proletarierinnen vorgegangen ist, aus den Arbeiterfamilien verbannt wird. Berta Kuttig. Mitarbeit der Frauen am Parteitag. Wie schon seit vielen Jahren nahmen auch heuer an dem Partettag der deutschen Sozialdemokratte zu Essen Genossinnen teil. Ihre Zahl betrug 16. Als Delegierte waren anwesend die Genossinnen Baader-Berlin, Baumann-Hamburg, Haasbach- Köln, Hcnnig-Leipzig, Jensen-Kiel, Kähler-Düsseldorf, Lacher- meyer-München, Mahn-Magdeburg, Neumann-Weißensee, Plum-Essen, Reichert-Berlin, Tölle-Wilmersdorf, Wengels- Berlin, Wirtz-Düsseldorf, Zietz-Hamburg, Genossin Zetkin wohnte als Mitglied der Kontrollkommission dem Parteitag bei. Genossin Baumaun wurde in die Mandatprüfungs- Nr. 20 Die Gleichheit I7Z kommission entsendet, die zugleich als Beschwerdekommission amtierte. Genossin Zetkin ward als Schriftführerin gewählt. Genossinnen griffen wiederholt in die Debatte ein. Genossin Baader befürwortete eindringlich und überzeugend beim Ge- schäftsbericht des Vorstandes eine energische Förderung der proletarischen Frauenbewegung und sprach zum Bericht vom Internationalen Kongreß, dabei besonders die Bedeutung des Beschlusses über das Frauenwahlrecht hervorhebend. Ge- nossin Zieh wies gleichfalls bei den Debatten über den Geschäftsbericht des Vorstandes sehr wirksam die Not- wendigkeit nach, die Aufklärung der proletarischen Frauen energisch zu betreiben. Sie begründete ferner den Antrag, der sich auf die Verbreitung der„Gleichheit" bezieht. Genossin Zetkin legte bei den Diskussionen über den Bericht der Reichstagsfraktion den Unterschied des Wesens dar, der bürgerlichen und proletarischen Patriotismus trennt, und betonte die Aufgaben, die dem Proletariat und besonders auch dessen Frauen im unversöhnlichen Kampf« gegen den Militarismus erwachsen. Ernstes und Heiteres vom Kampf zwischen„Roten" und„Schwarzen" in Bayern. Die Frauen des arbeitenden Volkes in Freising und Umgebung haben bekanntlich begonnen, den Schlaf ab- zuschütteln und sich als Rechtlose zu fühlen, die für ihr gutes Recht kämpfen müssen. DaS hat begreiflicherweise die Galle aller derer erregt, die da meinen, nur Herren im feinen Bratenrock und Damen im Kleid neuester Mode hätten einen Anspruch darauf, an der Tafel des Lebens Brot, Bildung und Freiheit serviert zu erhalten, die Millionen der Werk- tätigen dagegen, die Frauen darunter im besonderen, seien nur geboren, um fremdem Reichtum zu dienen und sich von ihm unterdrücken und beherrschen zu lassen. Mit grimmiger Wut fallen sie über die Bestrebungen her, die Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen der Gegend zu bilden und zu Schutz und Trutz zusammenzuschließen. Im Freisinger Tagblatt wollen die Klagelieder und tückischen Angriffe auf den jungen Frauen- und Mädchenbildungsverein nicht aufhören.„Die sozialdemokratische Frauenbewegung ist noch viel gefährlicher als die Revolutionierung der Arbeitermassen. Sie verdient die ernsteste Bekämpfung. Wer es gut meint mit den Frauen und Töchtern deS deutschen Volkes, die die kommende Ge- neration heranzubilden haben, muß diesen Kampf auf. nehmen." Auf diesen Ton sind alle Melodien gestimmt. Dix Hetze erreicht natürlich das Gegenteil von dem, was sie bezweckt. Sie macht die Frauen auf den Bildungsverein aufmerksam und trägt das Ihrige dazu bei, daß seine Mit- gliederzahl wächst. Aber die Domberggewaltigen versuchen auch auf andere bösartige Weise die Organisation zur Strecke zu bringen. Sie bemühen sich eifrigst, die Vorsitzende durch Drohungen und Versprechungen zum Niederlegen ihres Amts zu bewegen. Kürzlich wurde sie aufs Rathaus zitiert, wo ein hervorragendes Mitglied des katholischen Kasinos, Herr Rechtsrat Hausmann, sein Hirnschmalz vergeblich oerschwendet«, um„etwaS aus ihr herauszuholen". Bald darauf geruhte ein anderer feiner Herr sogar, die Vorsitzende in ihrer Wohnung aufzusuchen und sein tiefgefühltes Be- dauern auszusprechen, daß sie sich von„den roten Rädels- führern" habe betören lassen. Er stellte ihr des weiteren jede Hilfe in Aussicht, wenn sie binnen drei Tagen bei dem Polizei- offizianten eine Erklärung abgebe, daß sie ihre Stelle im Berein niedergelegt habe. Unser« brave Genossin gab dem Besucher, der als Versucher gekommen, die rechte Antwort, die er sicher nicht an den Spiegel stecken wird. Zusammen mit dem Bildungsverein erfreut sich die „Gleichheit" des ausgezeichneten Hasses der Herren, welche die Ausklärung und Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen für ein verderbliches Ding halten, weil sie den herrschenden Klassen an den Geldsack faßt.„Gerade auf dieses Organ wird man ein Hauptaugenmerk zu richten haben", heißt es in einer der beliebten verdächtigenden und verleumdenden Einsendungen. Und mit vergnüglichem Schmunzeln wird auf den papiernen Scheiterhaufen hin- gewiesen, auf dem das-j-j-j- sozialdemokratische Frauenblatt in einer Versammlung der katholischen Arbeiterinnen- vereine zu Kolbermoor und Rosenheim zum warnenden Exempel für die betörten Freisinger Frauen geröstet wor- den ist. In selbiger Versammlung wurde nämlich eine Resolution angenommen, welche die„Gleichheit" als-ine Zeilschrift richtet, welche„die hehrsten Gefühle einer katho- tischen Arbeiterin mit Füßen tritt". Natürlich erfolgte die Annahme der Resolution einstimmig, denn wir möchten die Arbeiterin sehen, die in dem Verein unter Vorsitz des Geist- lichen gewagt hatte, nicht für sie, geschweige denn gegen sie zu stimmen. Sie würde verdienen, als achtes Weltwunder angestaunt zu werden. Als Beweis für die Verruchtheit der„Gleichheit" wurden aus dem Zusammenhang gerissene Sätze angeführt, die übrigens auch so noch für jeden, der zu lesen und selbständig zu denken vermag, alles nur keine Herabsetzung der katholischen Religion bedeuten. So zum Beispiel der von der Resolution verdammte Satz aus einem Artikel von Bernstein:„Die Klerikalen geben mit der Ein- führung des allgemeinen Wahlrechts(für die Frauen) das Dogma ihrer eigenen Religion über die Stellung des weib- lichen Geschlechtes preis. Das unterdrückte Weib ist die An- hängerin der Geistlichkeit, das befreite Weib wird Sozialistin sein." Wir erachten es unsererseits für eine Entweihung und Herabsetzung der Religion, wenn diese mit den politischen Be- griffen Klerikal« und Psaffen gleichgesetzt wird. Jeder Denkende weiß, daß das Kleid nicht den Mönch macht, wie ein altes Sprichwort besagt, das aus Italien, dem Lande starker katholischer Frömmigkeit stammt. Der Sprachgebrauch be- zeichnet als Pfaffen nicht den ernsten Geistlichen, der sich nur der Pflege des religiösen Lebens seiner Mitgläubigen widmet, wohl aber den Mann, der sein geistliches Amt mißbraucht, um fromme Gemüter über die sehr irdischen Dinge des politischen und sozialen Lebens in die Irre zu führen. Die Resolution brandmarkt die„niedrige Tendenz", welche in der Erzählung„Die Sau" angeblich„gegen die katholischen Priester enthalten ist". Aber sie hütet sich wohl, diese künstlich untergelegte Tendenz durch den Nachweis zu erhärten und mitzuteilen, daß es sich um eine frische Humo- reske handelt, deren Nachdruck einer der besten Schriftsteller unserer Zeit und ein ganzer Mann obendrein, Ludwig Thoma, unserem Blatte liebenswürdig gestattet hat. Genau so ehrlich hat der Verfasser der Resolution verschwiegen, daß der Dichter„der gemeinen Verse" in Nr. 13 der„Gleich- heit" kein anderer ist als ein gewisser Friedrich von Sallet, dessen Name das deutsche Volk mit dankbarer Bewunderung noch nennen wird, wenn man auch in Kolbermoor und Rosenheim längst vergessen hat, daß dort einmal etwas wie ein katholischer Nrbeiterinnenverein existierte, und wie sich seine verschiedenen geistlichen Vorsitzenden benamsten. Auf daß der für uns errichtete Scheiterhaufen Heller brenne, sind die angeführten Verse des Sallctschen Gedichts natür- lich auch außerhalb ihres Zusammenhangs zitiert und zu- sammengezogen worden. Was die Resolution ferner über die Gegnerschaft der Sozialdemokratie zur Sozialreform be- hauptet, gehört zu den alten, abgestandenen Lügen und Ver- drehungen, mit welchen unsere Gegner seit je hausieren gehen. Sie gehören in die Kategorie jenes Spitzbubenkniffs, durch den Ruf: Haltet den Dieb! die Aufmerksamkeit von dies em ab- und auf einen ehrlichen Vorübergehenden hinzulenken. Die betreffenden Beschuldigungen verfolgen nur den Zweck, die Tatsache zu verschleiern, daß das bißchen soziale Gesetz- gebung, das wir im Deutschen Reiche haben, vor allem auf das Drängen der Sozialdemokratie und die Furcht vor ihr zurückzuführen ist, und daß dem von ihr im Interesse der Arbeiterklasse geforderten Mehr an sozialen Reformen von den bürgerlichen Parteien jeder Couleur— schwarz in- begriffen— im Interesse des ausbeutenden Kapitals der zäheste Widerstand entgegengesetzt wird. Wir werden das in nächster Nummer ausführlicher nachweisen. Für heute begnügen wir uns, die Glanzleistung von Entstellungen tiefer zu hängen und daran zu erinnern, daß die„Gleich- heit" in Deutschland das erste und lange Jahre das einzige Frauenblatt gewesen ist, das mit aller Energie für den weitestgehenden gesetzlichen Arbeiterinnenschutz eingetreten ist und noch für ihn kämpft. Trotz unseres verstockten Herzens Härtigkeit danken wir übrigens den eifrigen Scheiter- haufenherren für das Eingeständnis, daß sie die„Gleichheit" und ihren Einfluß fürchten, wie für die unfreiwillig« Agitation, die sie für das schwefelgelbe Ungeheuer entfaltet haben. Nur so weiter— und auch die Arbeiterinnen von Kolbermoor und Rosenheim werden sich bald aus eigener Kenntnis der Tatsachen«ine selbständige Meinung über die sozialdenwkratische Frauenbewegung bilden. Politische Rundschau. Der freisinnige Parteitag, der in Berlin am selben Tage schloß, da in Essen der Parteitag der Sozial- demokratie zusammentrat, hat gehalten, was man nach dem vorhergegangenen Umfall des Freisinns erwarten mußt«. Er hat sich gegen den Wahlrechtskampf, für den Wahlrechtsschacher erklärt, gegen die Volksbewegung, für die Blockpolitik. Der Reichskanzler, der in diesen Wochen in seiner Sommerfrische Norderney politischen Cercle hielt — nacheinander hat er mit dem freikon,ervativen Gamp, dem nationalliberalen Bassermann, den linksliberalenSchmidt- Elberfeld, Kämpf, Paper und Schräder, dem Antisemiten Liebermann v. Sonnenberg und den Landbündlern Dr. Rösicke, Wangenheim und Ortel konferiert—, darf mit dem Erfolg seiner Redekünste auf den Freisinn vollauf zufrieden sein. Diese famose Volkspartei hat sich durch ihre Berliner Be- schlüsse geradezu verpflichtet, mit Hurra selbst die aller- jämmerlichste Karrikatur einer Wahlreform zu schlucken, die Bülow ihr zumuten wird. Wie diese Reform Bülows aus- sehen wird, ist noch nicht genauer bekannt gegeben. Der Frei- sinn aber weiß, was im Werden ist, und er ist, wie Herr Wiemer in seiner Rede auf dem Parteitag erkennen ließ, nicht wenig stolz darauf, daß des Reiches Kanzler ihn ver- trauten Zwiegespräches würdigt. Vorbei sind die Zeiten, da der Freisinn höhnte, wenn Herr Peter Spahn, der Zen- trumsdiplomat, zur Audienz im Reichskanzleramt den Zylinderhut bürstete. Der Schacher mit Volksrechten ist dem Linisliberalismus heute ein berechtigtes Geschäft. Der Eindruck vollständigster trübseligster Blockvertrotte- lung des Freisinns wird verstärkt durch alles andere, was der offizielle Bericht über die unter strengem Ausschluß der Öffentlichkeit geführten Verhandlungen des Berliner Partei- tags mitzuteilen für gut findet. In dieser Zeit der Lebens- mittelteuerung hat der Freisinn nicht die Zeit, einen Antrag auf«ine parlamentarische Aktion zur zeitweisen Aufhebung der Lebensmittelzölle zu beraten. Die einzigen Freiheiten, für die er sich noch erwärmt, sind die Freiheit der Börse und die Freiheit der Ausbeutung der Arbeitskraft. Der Reichstagsabgeordnete Cuno, einer der spärlichen Sozialpolitiker des Freisinns, durfte, ohne von schallendem Gelächter begraben zu werden, gegen Anträge Hirsch- Dunckerscher Gewerkvereinler den alten, längst von den Motten zerfressenen, durch eine viel jahrzehntelange praktische Erfahrung totgeschlagenen Man- chestereinwand erheben, die gesetzliche Festlegung des zehn- stündigen Arbeitstages für männliche Arbeiter sei geradezu ein Hindernis für die Arbeiter, mehr zu erreichen! Indes sind die ersten genaueren Meldungen über denJnhalt desReichsvereinsgesetzentwurfes.des ersten Erfolges der Blockpolitik, in die Öffentlichkeit gedrungen. Sie be- stätigen die Voraussage, daß der Block nur faule Früchte treiben kann. Der Entwurf sieht die Abschaffung zweier alter schikanöser Beschränkungen vor, welche durch die tat- sächliche Entwicklung längst der Lächerlichkeit verfallen und im wesentlichen auch zur Unwirksamkeit verurteilt sind. Die Frauen erhalten das Recht, in politischen Vereinen Mitglieder zu werden und das Mitgliederverzeichnis der politischen Vereine soll der Polizei nicht mehr eingereicht werden müssen. Diesen beiden selbstverständlichen Verbesse- rungen stehen, wie das bei preußisch-deutscher Gesetzgebung üblich, schwerwiegende Verschlechterungen gegenüber. Ver- schlechtorungen, wie ausdrücklich bemerkt werden soll, gegen das heutige miserable preußische Vereins- und Versammlungsrecht, das— abgesehen von dem reaktionären Musterländchen Sachsen und einiger unbedeutender Klein- staaten— das schlechteste in ganz Deutschland ist. Das neue, moderne, freiheitliche, von allen kleinlichen Polizei- bestimmungen freie Reichsvereins- und versammlungsrecht, das Graf Posadowsky noch kurz vor seinem Abgang im Namen des Reichskanzlers versprach, soll wahrhaftig in wichtigen Punkten noch schlechter werden, als die Ver- ordnung für Preußen, die aus der Periode der düstersten Gegenrevolution stammt und dem Lande ungesetz- licherweise oktroyiert wurde. Welch einen enormen Rück- schritt das neue Gesetz für Staaten mit verhältnismäßig gutem Vereins- und Versammlungsrecht, wie Württemberg und Baden, bedeuten muß, läßt sich danach leicht ermessen. Die Verschlechterungen gegen den bisherigen Zustand in Preußen bestehen nach den vorliegenden Nachrichten erstens darin, daß dem überwachenden Beamten das Recht gegeben werden soll, vom Vorsitzenden zu fordern, daß er einem Redner das Wort entziehe, wenn dieser— nach An- ficht des Beamten— zu gesetzwidrigen Handlungen aufge- fordert hat. Weigert sich der Vorsitzende, die Redeguillotine zu handhaben, so hat der Beamte die Versammlung aufzu- lösen. Bisher kannte Preußen die Wortentziehung durch den überwachenden nicht— der einzige Auflösungsgrund war die Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, ein weit engerer Be- griff als die Aufforderung zu gesetzwidrigen Handlungen. Nicht genug damit, wird der Polizei aber hinterher auch noch das Recht zur Auflösung gegeben, wenn sie eine Störung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit befürchten zu müssen glaubt! Das ist die Proklamierung der unbe- schränkten Polizeidiktatur auf dem Gebiet des Bersamm- lungswesens! Und das sind erst die Grundzüge des Ent- wurfs— wie viele Fußangeln mögen noch die Einzel- bestimmungen enthalten! So sehen die Früchte der Block- Politik aus, für solche faulen, wurmstichigen Apfel verkauft der Freisinn das polittsche Erstgeburtsrecht des preußischen Volkes! In Sachsen haben die Wahlen zur Drittel- erneuerung des Landtags in der dritten Wähler- klaffe einen erfreulichen Fortschritt der Sozialdemokratie bekundet. Ein Mandat zu gewinnen war den sächsischen Ge- nossen unter dem schmachvollen Dreiklassensystem natürlich unmöglich. Für die polittsche Lage Sachsens ist der Um- stand bedeutsam, daß die Nationalliberalen den Konserva« tiven an fünf Sitze abgenommen haben. Da die Konserva- tiven den Wahlrechtsänderungsentwurf der Regierung be- kämpfen, während die Nattonalliberalen ihn befürworten, so sind trotz des Weiterbestehens der konservativen Mehrheit die Chancen dieses Entwurfes verbessert. Di« Drittel- wählen haben gezeigt, daß bei allgemeinen Wahlen die kon- servative Mehrheit zusammenbrechen müßte. Für die Ar- beiterschast Sachsens ist damit fteilich nicht viel gewonnen, denn die Nationalliberalen sind ebenso erbitterte Hasser des klassenbewußten Proletariats, ebenso konsequente Reaktionäre wie die Konservativen, und der Wahlrechtsänderungsplan der Regierung— Pluralwahlrecht verquickt mit Wahlen durch kommunal« Körperschaften— bedeutet eine gegen den jetzigen Zustand nur ganz unwesentliche Milderung der empörenden Entrechtung des arbeitenden Volkes. Für die Sozialdemokratie lautet deshalb mehr denn je die Parole: „Kampf ums gleiche Wahlrecht." In Sachsen wie in Preußen! In Ungarn rüstet die Sozialdemokratie mit äußerster Anstrengung zum gewaltigen Demon st rations streik für das gleiche Wahlrecht. Am 10. Oktober soller einsetzen. In Rußland wird der Wahlkampf von der Arbeiterschaft mit Aufbietung aller Kraft geführt, trotz aller Gewalttaten der Reaktion und ihrer schändlichen Werk- zeuge, der Schwarzen Hundert, die durch greuelvolle Juden- hetzen, wie unter anderen in diesen Wochen Odessa eine sah, die revolutionären Kräfte von der Betätigung bei den Wahlen abzuschrecken suchen. H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Die stete Aufwärtsbewegung der Gewerkschaften gelangt auch in der Statistik über die Tätigkeit der Gewerk- schaftskartelle zum Ausdruck. Dies« örtlichen gewerkschaft- lichen Vereinigungen haben früher viel Anlaß zu Unzuträg- lichkeiten und Streitigkeiten gegeben. Nachdem sie jedoch ge- lernt haben, sich innerhalb der Grenzen ihrer eigentlichen Aufgaben zu betätigen, so daß sie mit den Anordnungen und Maßnahmen der Zenttalleitungen der Verbände nicht mehr kollidieren, haben sie in den letzten Jahren für die Gewerk- fchaftsbewegung sehr förderlich gewirkt. Zum Arbettsfeld der Kartelle gehört heut« hauptsächlich die Agitatton am Orte, die Unterstützung der kleineren lokalen Organisationen, ferner die Gründung und Verwaltung von Instituten, die für die 174 " Die Gleichheit Genossenschaftliche Rundschau. Nr. 20 W. K. Arbeiterschaft äußerst wertvoll sind, wie Arbeiterfekretariate,| Reichsgesundheitsamt hat bekanntlich einen Gesetzentwurf| 20 Mt.; trotzdem ist er ihnen vor 14 Tagen noch um Gewerkschafts- und Volkshäuser, Bibliotheken und Lese- ausgearbeitet, der aber beileibe kein Verbot der haus- 8 Prozent gekürzt worden. Die Weber und Weberinnen zimmer, Herbergen usw. Die Kartelle veranstalten auch industriellen Zigarrenfabrikation enthält. Die Generalver- werden durch ein raffiniertes Prämiensystem zur höchsten Enqueten über die Lebenshaltung der Arbeiter, sorgen für ſammlung wird diesen Entwurf besprechen und die Gegen- Ausnußung ihrer Arbeitskraft angetrieben. Den bedrückten gute Vergnügungen und geistig anregende Unterhaltungs- forderungen der Arbeiter aufstellen. Mit Recht vermuten Arbeitern und Arbeiterinnen muß immer und immer wiederabende, und an manchen Orten organisieren sie Unterrichts- die aufgeklärten Arbeiter, daß hinter dem geradezu gemein- holt werden, daß sie nur durch den Zusammenschluß im furse. Kurz, ihre Wirksamkeit ist eine reichhaltige und ver- gefährlich aussehenden Entwurf der Regierung die Macht Deutschen Textilarbeiterverband ihre traurige Lage verbessern dienstvolle, die viel zur geistigen Hebung und Bildung der und der Einfluß der Großunternehmer der Tabakindustrie tönnen. Arbeiterbevölkerung beiträgt. ftecken. Sie haben es nicht vergessen, daß es das GroßNach der neuesten Statistik der Generalfommission be- tapital gewesen ist, das in der Konfektionsindustrie den standen im letzten Jahre an 553 Orten Gewerkschaftskartelle, Vorstößen des Proletariats zu einem wirksamen gesetzlichen im Vorjahr hatte man deren nur 480 gezählt; 300 davon Schuh der verelendeten Heimarbeiter und-arbeiterinnen Dem dritten Deutschen Innungs- und Handwerkerunterhalten eine gemeinsame Bibliothet, 47 sogar Lese- mit Erfolg entgegengearbeitet hat. Der Großkonfektionär tag, der Ende vorigen Monats in Eisenach abgehalten zimmer, 67 Arbeitersekretariate, 36 haben ein eigenes V. Manheimer konnte sich öffentlich seines Einflusses auf wurde, hatten es die Konsumvereine angetan. Es vergeht Heim"( Gewerkschaftshaus), 36 Zentralherbergen, während die Regierung rühmen. Angesichts dieser Situation müssen seit ein paar Jahren in Deutschland überhaupt keine Tagung an 236 Orten Herbergskommissionen bestehen. Die Ge- die klassenbewußten und organisierten Proletarier ihre An- von derartigen Mittelstandsrettern, ohne daß den bösen samteinnahmen der Kartelle betrugen 916 758 Mt. Für strengungen verdoppeln und verdreifachen, um den gesetz- Ronfumvereinen in irgend einer Form der Krieg erklärt Streifunterstützung wurden ihrerseits nur 244 213 Mt. ge- gebenden Gewalten des Ausbeuterstaats durchgreifende Maß- würde. So auch in Eisenach. Durch eine Resolution er sammelt. Das ist eine fleine Summe, gemessen an den nahmen zum Schuße der Heimarbeiter zu entreißen. Wir be- klärten die Herren Handwerker die Weiterentwicklung der Aufwendungen, welche Streits usw. gefordert haben. Sie grüßen es daher, daß auch der Schneiderverband wieder Konsumvereine sowie ihr Bestreben, sich in immer größerem ist ein Zeichen dafür, daß die Unterstützung von Kämpfen aktiv in die Heimarbeiterschußbewegung eintritt, und zwar Maße der Eigenproduktion zuzuwenden, für eine schwere vor allem Aufgabe der Verbände ist, diesen haben sie daher vermittels einer energischen Agitation in öffentlichen Ver- Gefährdung der selbständigen Gewerbetreibenden, um so auch die Kartelle in richtiger Erkenntnis der Sachlage in sammlungen. Pflicht unserer Leserinnen ist es, diese Be- mehr, als die Konsumvereine sich in steuerlicher Beziehung der Hauptsache überlassen. Für Agitation wurden nahezu wegung, wie auch die der Tabatarbeiter auf das tatkräf- vielfach einer völlig ungerechtfertigten Sonderstellung er26 000 Mt. verausgabt. Eine Tatsache, die recht beachtens- tigste zu unterstützen. Und zwar sowohl durch Besuch der freuen. Vor allem unbillig erscheine die Konkurrenz, die wert und für die Gewerkschaftsbewegung erfreulich ist, wird Massenversammlungen, wie auch durch rege Agitation in staatliche Beamte durch Zugehörigkeit von Konsumvereinen durch die Statistit erwiesen. Es ist dort festgestellt, daß das den Freundes- und Kolleginnenkreisen. den Gewerbetreibenden bereiten. Nötig sei ein Verbot der Wachstum der Organisationen in den kleineren Städten ver- Zum Schluß dieser Rundschau sei noch der Beschluß des Verbindung von Produktivgenossenschaften und Konsumhältnismäßig größer war als in den Großstädten. Alles in Parteitages betreffend die Lokalorganisationen registriert. vereinen und die gleiche Besteuerung der Konsumvereine allem gibt die Statistit Zeugnis davon, daß die Kartelle sich Es war durchaus verständlich, daß von verschiedenen Seiten wie der übrigen Gewerbetreibenden." Schließlich wurde redlich und mit Erfolg bemüht haben, die Gewerkschafts- eine endgültige Abrechnung der Sozialdemokratie mit den noch eine Resolution angenommen, wonach es den Handbewegung zu fördern und die Arbeiterklasse wirtschaftlich Lokalorganisationen verlangt wurde, denn das Sünden- werksmeistern zur Pflicht gemacht wird, unter keinen Umwie geistig zu heben. register der Lokalisten ist in letzter Zeit gewaltig gewachsen, ständen zur Gründung von Konsumvereinen beizutragen, Jm Niederlaufiger Braunkohlenbecken ist der zur hellen Freude des Unternehmertums, zum Schaden des sondern dahin zu streben, daß über die nachteiligen Wirerwartete Ausstand zur Tat geworden. Welchen Umfang er fämpfenden Proletariats. Trotz allem muß man den Be- fungen des Konsumvereinswesens Aufklärung geschaffen und annehmen wird, wie weit andere Berufe und weitere Be- schluß des Parteitages gutheißen, daß die Verhandlungen dadurch Beamte und Arbeiter veranlaßt würden, von völkerungsschichten in Mitleidenschaft gezogen werden, hängt zum Zwecke einer Einigung fortzusehen sind. Der Beschluß der Pflege der Konsumvereine abzusehen. Auch für ein wesentlich von dem Verhalten der Grubenmagnaten ab. war besonders auch von Bömelburg mit warmen Worten Verbot des Dividendenzahlens der Konsumvereine an ihre Werden die Herren wohl auf ½½ Prozent oder 1 Prozent empfohlen worden. Die berechtigte Empörung über be- Mitglieder trat man ein. Das ist immer wieder die alte von ihren 10 Prozent Dividende verzichten, um damit die stimmte quertreibende, gewerkschaftsschädliche Tendenzen Leier der Klagen aus jenen Kreisen, die nicht begreifen geringen Forderungen der Arbeiter zu decken? Das ist die und Handlungen darf nicht vergessen lassen, daß es sich bei wollen oder können, daß die Konsumvereine Produkte der Frage. Wie die Erfahrung den Arbeitern schon häufig der Entscheidung in der Sache um Tausende von Proletariern wirtschaftlichen Entwicklung sind. Bezeichnend aber für genug gelehrt hat, ist auf Entgegenkommen der Ausbeuter handelt, die in irriger Auffassung befangen sind, und die diese Mittelstandskampen ist, daß fie in demselben Atemzug. nicht zu hoffen. Ob den Forderungen der Ausgebeuteten es zu überzeugen, zu gewinnen und nicht zurückzustoßen in dem sie die Konsumvereine verdammen, für ihre InterErfüllung wird, das hängt von der Einigkeit der Aus- gilt. Möchte die bewiesene Toleranz die verdiente Antwort effen Handwerkergenossenschaften fordern. Die Tagung ständigen ab und von der Solidarität der übrigen Arbeiter- finden. Elaffe, die moralische und materielle Unterstützung schafft. #nahm eine Resolution an, die die Ausbreitung und den weiteren Ausbau der genossenschaftlichen Organisation im Handwerk mit allen geeigneten Mitteln, und zwar wie bisher hauptsächlich unter dem Gefichtspunkte der Selbsthilfe," erstrebt. Das nennt man Konsequenz! Rein vernünftiger Mensch verdenkt den Handwerkern den genossenschaftlichen Zusammenschluß. Im Gegenteil- er tann ein recht brauchbares Mittel zur Förderung der Lage der Handwerker sein. Man soll aber doch den Arbeitern und Beamten nicht verwehren, was man für sich selbst beansprucht. Ein nettes Pendant zu diesem Vorgang lieferten die Frankfurter Bäderinnung und die Vereinigung der Brotfabrikanten von Frankfurt a. M. und Umgebung. Dort besteht ein Konsumverein, der auch eine moderne und leistungsfähige Bäckerei in Betrieb hat. Der Konsumverein wollte nun eine von den genannten Korporationen durchgeführte Preissteigerung des Brotes nicht ohne weiteres mitmachen, sondern seinen Mitgliedern trotz allerdings enorm Kleinere Scharmützel zwischen Kapital und Arbeit find Aus der rheinischen Textilindustrie. In allen Orten aus der Textilindustrie zu melden. In Chemnit unseres Bezirkes faßt der Organisationsgebante unter den haben die Arbeiter einen fleinen Erfolg errungen; in Textilarbeitern tiefere Wurzel. Eine erhebliche Anzahl er Leipzig steht in einer Kammgarnspinnerei ein Streit in folgreicher, ohne Streits durchgeführter Lohnbewegungen Aussicht, ebenso in einer Seidenfabrik in Biberach. gaben den Arbeitern den Beweis, daß sie nur durch die In der chemischen Industrie sind in Hochspeyer Organisation ihre elende Lebenshaltung aufbessern tönnen. ( Pfalz) und in den badischen Anilinfabriken in Lud- In Lobberich brachte die Bewegung für zirka 500 Samt wigshafen die Ausstände ohne Erfolg oder doch nur mit bandweber der Firmen Niedieck& Co., sowie J. 2. de sehr geringem Erfolg für die Kämpfenden beendet.-Tarif Ball& Co. im Durchschnitt ein Mehrverdienst von minbewegungen bereiten sich in der Etuisbranche zu bestens 1,50 Mt. pro Woche. Das bedeutet, daß jede Woche Berlin und Eisenberg vor. An ihnen sind, namentlich 700 bis 800 Mt. den Taschen der beiden steinreichen Fabriim legtgenannten Orte, die Arbeiterinnen interessiert. Der fanten entzogen werden und dafür vielen dürftigen ArAusstand in der Kartonnageindustrie in Annaberg beiterhaushalten zugute kommen. Für etwa 150 SamtBuchholz, an dem auch die Arbeiterinnen start beteiligt weber in Dülken wurden Lohnerhöhungen von 2,50 bis waren, ist mit Erfolg beendet worden. Bum fast voll- 3 Mt. in der Woche erreicht. Außerdem trat an Stelle der ständigen Stillstand der Betriebe ist es in der Konfettion 3- 14 tägigen die 8tägige Lohnzahlung. Das sind Errungenindustrie in Aschaffenburg gekommen. Mehreren tau- schaften, die in zweifacher Hinsicht wichtig sind. Zunächst gestiegener Mehlpreise das wichtigste Nahrungsmittel sosend streikenden Arbeitern und Arbeiterinnen stehen nur macht eine Lohnerhöhung bis zu 3 Mt. für den Arbeiter- lange wie möglich zum alten Preise liefern. Man sollte etwa 36 Arbeitswillige entgegen. In Königsberg haushalt schon sehr viel aus. Des weiteren aber wird meinen, daß das ein von jedem Menschenfreund zu ist nach längeren Verhandlungen und kurzer Arbeitseinstel- badurch, daß die Samtweblöhne in Dülken jetzt annähernd billigendes Beginnen sei. Die Bäckerinnung und die Brotlung eine Einigung zwischen der großen Uniongießerei auf die Höhe der Crefelder Löhne gebracht worden sind, fabrikanten waren jedoch wutentbrannt darüber und griffen und den Metallarbeitern erzielt worden, so daß eine den Dülkener Samtfabrikanten die Möglichkeit benommen, zu einem terroristischen Mittel, um den Konsumverein klein zu große Aussperrung abgewendet blieb. friegen. Sie erließen an die Mitglieder der genannten VerNach einer Statiftit, welche im„ Schuhmacher- Facheinigungen ein Zirkular, in dem zum Boykott des Konsumblatt" veröffentlicht ist, wird in den Schuh- und Schäfte vereins aufgefordert wurde. Weil der Konsumverein ihre fabriken noch vielerorts über 91/2 Stunden gearbeitet, oft Die Belegschaft der Leinenweberei von Berger& Co. Breisregulierung durchkreuze", wurde es als„ Ehrenpflicht" auch noch 10 Stunden, und im Breslauer Bezirk findet in Gräfrath erzielte nach mehrmaligem Borstelligwerden der Mitglieder bezeichnet,„ keinen Sack Mehl von einem man selbst noch eine 12 stündige Arbeitszeit. In diesen seitens der Verbandsvertreter für sämtliche Weber und Müller oder Mehlhändler zu beziehen, der an den KonsumFabriken sind viele Arbeiterinnen beschäftigt, für die eine Weberinnen, Spulerinnen und Anknoterinnen eine verein direkt oder indirekt liefert. Beigefügt waren Revers Verkürzung der Arbeitszeit von besonders hohem Werte fünfprozentige Lohnerhöhung, für die Färber eine tägliche formulare, die von jedem Verkäufer von Mehl unterschrieben wäre. Die Organisation hat unter ihnen und für sie noch Erhöhung von 30 Pf., für Mangler eine solche von 20 Pf. werden sollten. Das ist brutalster Terrorismus! Und viel mühevolle Arbeit zu leisten. Je zahlreicher die Ar- Da die Belegschaft noch sehr jung in der Organisation war, zwar geübt von Leuten desselben Kalibers, die schon von beiterinnen sich ihr anschließen, um so eher wird es ihr so sah sie von einem Streit ab, obwohl auch nach den sozialdemokratischem Terrorismus schreien, wenn die Arbeiter möglich sein, ihnen türzere Arbeitszeit zu erringen. erreichten Zugeständnissen noch nicht entfernt von einem sich vermessen, ihren schlimmsten politischen Gegnern die Der Wäschearbeiterverband hat nunmehr seinen menschenwürdigen Auskommen der Arbeiterschaft die Rede Kundschaft zu entziehen. Der Arbeiter soll auch als KonAnschluß an den Schneiderverband vollzogen. Die Urabstimmung fand leider unter schwacher Beteiligung statt. Die Majorität, die für den Anschluß stimmte, war jedoch groß, es stimmten 2424 Mitglieder für und nur 67 gegen ihn. eine gewisse Schmußkonkurrenz zu betreiben, die sie jahre lang auf Grund ihrer bedeutend niedrigeren Arbeiterlöhne sich hatten leisten können. " sument willenloses Ausbeutungsobjekt bleiben. Für die Arbeiterfrauen müssen Vorfälle dieser Art ein Anfporn zum Beitritt in Konsumvereine sein! sein kann. Der Höchstlohn für Färber beträgt zum Beispiel 3,10 mt. pro Tag, und die Arbeit ist außerordentlich aufreibend, da es bei ihr triefendnasse Warenstücke von mehr als Bentnerschwere zu tragen gibt. Die Löhne für Mangler bleiben In Sachsen haben die Gemeinden das Recht, dem noch erheblich hinter dem angegebenen Satze zurück. Alle Großbetrieb im Kleinhandel und den Filialgeschäften eine Die an dem Heimarbeiterschutz besonders inter- übrigen Arbeiten werden großenteils von Arbeiterinnen ver Sondersteuer( Unisazsteuer) aufzuerlegen. Diese ganze essierten Gewerkschaften rüsten zu neuem Aufmarsch. Alle richtet, und da ist es bezeichnend, daß in diesem Betrieb allein Besteuerungsmethode ist vonjeher speziell auf dieKonsumvereine amtlichen und privaten Enqueten über die elende Lage der 48 Familienmütter beschäftigt sind, die um fargen Lohn gemünzt gewesen, und sie sollte im besonderen Interesse der Heimarbeiter und-arbeiterinnen, alle aufsehenerregenden ihres Familienlebens und der Möglichkeit zu treuer Erfül- Krämer wirksam gemacht werden. Daran haben sich aber Heimarbeitsausstellungen haben die Frage des Heimarbeiter- lung der Mutterpflichten beraubt werden. die Gemeindeverwaltungen, die Umsatzsteuer einführten, schutzes nicht um einen Schritt weiter gebracht. Die ge- Die Arbeiterinnen der großen Grefelder Baumwoll- nie gekehrt; fie betrachteten dieselbe vielmehr lediglich als planten großen Agitationskampagnen, die im vorigen Jahre spinnerei scheinen ebenfalls zum Bewußtsein ihrer Lage eine Finanzquelle für die Gemeinde, die meistens den während der Tagung des Reichstages eingeleitet werden zu kommen. In Crefeld führten zwei Versammlungen, sowie ärmsten Einwohnern, den Konsumvereinsmitgliedern, absollten, mußten infolge der Reichstagsauflösung unterbleiben. eine eifrige Agitation von Person zu Person dem Deutschen gezapft wurde. Vor einigen Monaten hat nun die sächsische Nun werden sich die Tabatarbeiter auf ihrer General Tertilarbeiterverband innerhalb weniger Wochen zirka 200 Regierung verordnet, daß Umsatzsteuern nur dem gedachten versammlung in Bielefeld mit der Angelegenheit be- Mitglieder zu. Dieser Betrieb ist der einzige in Crefeld, sozialen Zwecke dienen sollen, den Interessen des Mittelschäftigen. Das Fachblatt des Verbandes hat bereits vier der noch am Elfstundentag festhält. Die Firma Kohlstädt standes, der angeblich von Konsumvereinen und ähnlichen Nummern hindurch ein umfangreiches Gutachten des Reichs-& Grone in Duisburg beschäftigt eine große Anzahl Ar- Großbetrieben geschädigt wird. Das ist die Mittelstandsgesundheitsamtes veröffentlicht, das von den Gesundheits- beiterinnen und jugendliche Arbeiter; lettere müssen bereits politik und die daraus resultierende materielle Ungerechtig schädigungen handelt, die bei der Bigarrenfabrikation in der drei Stühle bedienen und tragen troß ihrer großen Arbeits- feit auf die Spize getrieben. Die Verordnung bringt aber Hausindustrie beobachtet worden sind, sowie von den Maß- leistung jämmerliche Löhne nach Haus. Der Verdienst der die betreffenden Gemeinden insofern in eine fatale Situation, nahmen, die au deren Verhütung erforderlich wären. Das Spulerinnen bei dieser Firma beträgt pro 14 Tage nur weil sie die Umsatzsteuer zugunsten gewiffer fleiner Kreise nicht 9.20 Die Gleichhelt 175 gern entbehren wollen, und weil es auch schwer ist, dem Das Recht der Dienstboten auf dem fiebenten ffanFürsorge für Mutter und Kind. Verlangen der Regierung zu entsprechen. So darf man viel dinavischen Arbeiterkongreß. Unsere standinavischen Ge Sanglingssterblichkeit und Frauenarbeit. In den leicht hoffen, daß mit dieser Anordnung das Interesse der nossen haben ebenfalls den Kampf für die Besserstellung des Monaten Juli und August ist die Säuglingssterblichkeit Gemeindeverwaltungen an der Umsatzsteuer schwindet, wie harten Loses der Landarbeiter und Dienstboten aufgenommen, besonders auffallend groß. Von Ungarn, Mexiko und ein Borgang aus Schedewiß zeigt. Dort haben unsere Ge- ebenso die Arbeit einer besonderen Agitation unter ihnen, Rumänien abgesehen, hat Deutschland unter allen Kulturnossen jahrelang auf Beseitigung oder doch Herabfehung der zu dem Zwecke, sie zu organisieren und in den großen Strom nationen die höchste Säuglingssterblichkeit. Borwiegend sind Umsatzsteuer hingewirkt. Immer vergebens. Nun haben sie der Arbeiterbewegung als flaffenbewußte Rämpfer einzufügen.es Orte mit Arbeiterbevölkerung, in denen unter dem Einaber plötzlich die Herabsetzung um/ Prozent erzielt. Hoffent Da die Landarbeiter und Dienstboten in einem größeren Abfluß der heißen Jahreszeit die Säuglingssterblichkeit zu er Drte mit Arbeiterbevölkerung, in denen unter dem Einlich macht dieses Beispiel Schule. hängigkeitsverhältnis von ihren Ausbeutern stehen als die schreckender Höhe anwächst. In den westlichen, arbeiterDem Konsumverein Sendling- München sind im gewerblichen Arbeiter, in einem Abhängigkeitsverhältnis, das armen Vororten Berlins starben im Durchschnitt des Jahres letzten Geschäftsjahr 3400 neue Mitglieder beigetreten, den einstigen fürsorgenden Familiencharakter abgestreift hat, 1905 15,06 Prozent Säuglinge, in den anderen mit über1905 15,06 Prozent Säuglinge, in den anderen mit überwährend nur 699 Mitglieder teils durch wegzug, Tod, und das nur noch um so größere Ausbeutung ermöglicht, so wiegender Arbeiterbevölkerung dagegen 23,76 Prozent. Im schieden. Der Gesamtumsatz betrug 3045 055 Mt. Die Ver- gekämpft werden, die auch in Standinavien für die beiden August desselben Jahres allein raffte der Tod in der ersteren Ortsgruppe 27,80 Prozent, in der letzteren 62,52 Prozent taufstellen wurden um 3 vermehrt, so daß im ganzen deren Kategorien Ausgebeuteter bestehen. Der siebente skandinavische sämtlicher Lebendgeborenen im Säuglingsalter dahin. Die 20 sowie 3 Milchverlaufstellen vorhanden sind. Die Bäckerei Arbeiterkongreß, der Mitte September in Christiania häufigste Todesursache der Kleinen sind Erkrankungen der mußte im Laufe des Jahres bedeutend vergrößert werden. stattfand, nahm daher eine Erklärung an, die zu einer Verdauungsorgane, die bei proletarischen Kleinen häufiger E3 find in ihr jezt 26 Bäcker beschäftigt. Im ganzen beschäftigt träftigen Agitation und Organisation der Landarbeiter und auftreten, als bei dem Nachwuchs anderer Schichten, am der Konsumverein Sendling- München zurzeit 174 Personen. Dienstboten auffordert. Außerdem hat er eine energische häufigsten jedoch bei unehelichen Kindern. Die Ursache ist Er errichtet an Stelle seines alten Geschäftshauses einen Aktion im Parlament zur Beseitigung des Gesindegesetzes in den meisten Fällen unsachgemäße Ernährung, eine Ergeplant. Die Arbeit, die unsere nordischen Genossen in AnDie Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Ron- griff nehmen wollen, wird hoffentlich von Erfolg gekrönt scheinung, die zweifellos auf den Rückgang der Stilltätigkeit zurückzuführen ist. Alle bisher angewandten Mittel zur sumvereine hat im Monat Juli dieses Jahres einen Um- fein; leben ja viele Landarbeiter und Dienstsklaven in ge- Gindämmung der hohen Sterblichkeit, besonders unter den Ja Dott. 4916 299 Mt. erreicht. Da im gleichen Monat des drückter Stellung, die dazu angetan ist, in ihnen Empörung Säuglingen in der Arbeiterklasse, sind jedoch unzureichend, Vorjahrs der Umfah 3379 210 Mt. betrug, ist eine Steige- gegen ihre Unterdrückung zu wecken und sie zu tapferent, dem übel einigermaßen durchgreifend zu steuern. Der rung von 1587 079 M. zu verzeichnen. In den verflossenentlassenbewußten Streitern im großen Emanzipationsfampt Sauptfattor für die Erhaltung des jungen Lebens ist die stattlichen Neubau. der Arbeiterklasse zu machen. fieben Monaten dieses Jahres erJanuar bis Juli reichte der Gesamtumsatz der Großeinkaufsgesellschaft 30 831 637. gegen 22 584 651 Mt. in dem in Betracht tommenden Zeitraum des Vorjahrs. Demnach beträgt der Mehrumsay in den fieben Monaten 1907 7746 986 m. Vor einem Jahre etwa gründeten Karlsruher Milch händler die Milchzentrale", die ihre Milch unter die Kontrolle des Stadtrats stellte. Da jedoch die Vorschriften nicht eingehalten wurden, trat der Stadtrat von der Kontrolle zurüd. Das Unternehmen mußte am 8. August Konkurs an melben. Es sollen 40 000 mt. Schulden vorhanden sein, und die Gründer, meist kleine Leute, verlieren je 300 Mt. an Geschäftseinlagen und ebensoviel an Haftanteilen, also zusammen 600 Mt. Von diesem Konkurs hat die Tagespreffe im allgemeinen keine Notiz genommen. Als aber der Karlsruher Ronsumverein wegen besonders widriger Um stände liquidieren mußte, da wurde der„ verkrachte sozial demokratische Konsumverein" durch alle Blätter geschleift und Krokodilstränen über die Schädigung der kleinen Leute vergossen, die im Höchftfall ihren Geschäftsanteil mit 30 mt. und die Haftſumme von 30 Mt. verloren hatten. Das nennt man Gerechtigkeit. Von der dänischen Großeinkaufsgesellschaft wird berichtet: Es haben sich im Jahre 1906 neu angeschloffen 91 Konsumvereine gegen 78 im Jahre 1905. Die Zahl der angeschlossenen Vereine betrug am 1. Januar 1907 1120. Der Umsatz beträgt 30 754 000 Kronen, gegen das Vorjahr ein Mehr von 4480 000 kronen oder 17,04 Prozent. H. Fl. Notizenteil. Dienstbotenfrage. Frauenstimmrecht. Nation, aber sie wird nur durch den Kampf des Proletariats ertrotzt, in dem die Frauen in den ersten Reihen stehen müssen. um ihrer Mutterschaft, um ihrer Kinder willen. Kinderfürsorge in der Schweiz. Ein Lehrkursus für Kinderfürsorge soll in Zürich im Januar 1908 veranstaltet werden. In der Oberaufsicht, die der kantonale Erziehungss rat ausübt, befindet sich auch Genosse Regierungsrat Ernst. Pflege des Säuglings durch die Mutter selbst. Dem steht aber die kapitalistische Ausbeutung der gewerblichen Frauenarbeit im Wege, durch welche die Mutter gewordene Arbeiterin vielfach dem Kinde völlig entzogen wird. Sodann Das Frauenwahlrecht soll in dem Staate Mississippi tommt die materielle Seite der Frage in Betracht. Beson der Nordamerikanischen Union eingeführt werden. Die Oppo- bers die uneheliche Mutter, die nicht über ausreichende Geldmittel verfügt, ist gezwungen, ihr Kind sobald als fition dagegen ist sehr schwach, während die Begeisterung Geldmittel verfügt, ist gezwungen, ihr Kind sobald als für die Einführung des neuen Rechts die weitesten Kreise möglich in billige Pflege zu geben. Welche Schäben aber ergriffen hat. Selbst Spießbürger sind für die Reform zu kannt. Mit der übernahme durch eine Ziehmutter ist dem dieser besonders in den Großstädten anhaften, ist be= haben. Jedoch hinter der so spät gekommenen Einsicht von Säugling vielfach das Urteil gesprochen. Die schon so oft dem Rechte des weiblichen Geschlechts versteckt sich ein ganz vergeblich geforderte Fürsorge für Mutter und Kind muß reeler Interessenstandpunkt herrschender Gesellschaftsschichten. vergeblich geforderte Fürsorge für Mutter und Kind muß Die Einführung des Frauenwahlrechts soll in Mississippi eingreifen, um Wandel zu schaffen. Aber auch diese allein wie anderwärts noch reaktionären Zwecken dienen. Sie soll fann nichts helfen. Der Mutter gewordenen Arbeiterin ein Mittel sein, die Neger des Staats in Abhängigkeit zu muß die Zeit gesichert werden, ihrer Mutterpflicht genügen halten und zu unterdrücken. In den verschiedenen Südstaaten zu können. Ihre Arbeitszeit fängt ja nach Ablauf der ganz der großen Union, wo eine starke Negerbevölkerung lebt, unzulänglichen Schutzfrist von 6 Wochen wieder ebenso früh haben die Weißen schon zu den verschiedensten Mitteln ge- an und hört ebenso spät auf wie vorher, so daß für die griffen, um diese trotz der Verfassung politisch wehrlos zu Pflege des Kindes nicht genug gewonnen ist. Solange der ge machen. Durch einschränkende Bestimmungen sind die Schwar- setzliche Arbeiterinnenschuh nicht ganz wesentlich erweitert zen hier und da des Wahlrechts beraubt, und wo das nicht wird, helfen Säuglingsfürsorgestellen und Stillprämien der Fall ist, sucht man ihre Stimmen durch Wahldruck und so nötig und nützlich fie find doch den Arbeitersäuglingen Wahlbetrug, durch Stimmkauf und Erpressungen unschädlich nicht genügend. Ein Beweis dafür ist der Verwaltungszu machen. Aber diese Mittel verfangen je länger je weniger, bericht der Stadt Leipzig, der zwar eine Zunahme der und es haftet ihnen zu augenscheinlich das Odium des Un- Stilltätigkeit im allgemeinen konstatiert, im übrigen aber rechts an. Da gedenten die herrschenden Weißen im Staate feststellt, daß von 100 nichtgeftillten Kindern 21,5 wegen Rückkehr der Mütter zur Erwerbstätigkeit der natürlichen Mississippi flüger vorzugehen. Sie wollen den Schein gleichen Ernährung entbehrten! Diese Zahlen sind ein weiterer Rechts wahren. Die Einführung des Frauenwahlrechts soll Beweis für die Berechtigung all der Forderungen, die unsere ihnen ermöglichen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Genossinnen dem Beschluß der Mannheimer Konferenz entreformfreundlich zu erscheinen und reaktionär im Interesse ihrer Herrschaft zu handeln. Die politisch emanzipierten sprechend zur Fürsorge und zum Schuhe von Mutter und Kind erheben. Die Verwirklichung dieser Forderungen liegt Frauen werden, so hoffen sie, die politische Macht der im Interesse der Zukunft des Proletariats, ja der gesamten Weißen stärken, indem sie um das Doppelte die Stimmen Weißen stärken, indem sie um das Doppelte die Stimmen der demokratischen Partei erhöhen, die in Mississippi nichts In einer Versammlung des Vereins der Dienst weniger als fortschrittlich, vielmehr reaktionär ist. Es wird mädchen, Wasch- und Scheuerfrauen von Hamburg nicht befürchtet, daß die Negerfrauen durch ihre Stimmen und Umgebung am 5. September referierte Genoffin Zieß die reaktionäre Rechnung durchkreuzen. Die Weißen halten über das Thema:„ Dienstmädchen, erkennt eure Macht!" sie für unfähig, ihre eigenen Interessen im politischen Leben Die Referentin wies in ihrem Referat auf den erzieherischen zu wahren, weil die Negerfrauen sich bisher nicht um diese Wert der Dienstbotenbewegung hin. Durch den engen gefümmert haben. Sollte aber diese Rechnung nicht stimmen, Zusammenschluß in einer Organisation werde das Soli- so wird man sich schließlich nicht bedenken, das Frauenwahldaritätsgefühl geweckt und das Pflicht- und Selbstbewußt recht auch in Mississippi an den Nachweis eines bestimmten sein der Mädchen gehoben, ohne das kein planvolles Ringen Besitzes oder Bildungsgrades zu knüpfen. Trotz ihrer rechtfür bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen möglich sei. Der lichen Emanzipation betrachtet man die„ Nigger" in den eigene Stellennachweis wirke ebenfalls erzieherisch; er zeige Vereinigten Staaten noch immer in der Hauptsache nur als den Mädchen, was sie beim Zusammenhalten in einer Or- Ausbeutungsobjekt. Um ihre Bildung fümmert man sich ganisation aus eigener Kraft vermögen und erfülle sie mit herzlich wenig, ja man erschwert ihnen ihre geistige Entwick einem Gefühl des Stolzes darüber. Die Mädchen müßten lung, wie man nur kann. So betrugen zum Beispiel im Staate es fich angelegen sein lassen, nur ihn und keine private Südkarolina die Ausgaben für Schulen für farbige Kinder ,, Swakopmund. Aus den Zeitungen ersehen wir, daß Vermittlung in Anspruch zu nehmen und alle Berufs- nur 260000 Dollar, während für die Schulen der Weißen Sie sich nicht geschämt haben, unseren braven Truppen genoffinnen der Organisation zuzuführen, dann werde es 1538 565 Dollar aufgewendet wurden, obgleich diese 24000 Grausamkeiten vorzuwerfen, die Sie in völliger Unkenntnis möglich sein, dem Hausangestelltenvertrag Geltung zu ver- weniger Schüler hatten. Die farbige Bevölkerung mußte der hiesigen Verhältnisse gar nicht beurteilen und daher schaffen. Genossin Zietz sprach ihre Freude darüber aus, jedoch über 278000 Dollar an Schulsteuer aufbringen, also auch nicht verurteilen können. Freuen Sie sich, daß Sie daß der Verein nach zehnmonatigem Bestehen schon 2500 18000 Dollar für die Schulen der Weißen. Nur im Lichte nicht hier in der Kolonie find, Sie wären nicht nur mit Mitglieder hat, bemerkte aber, daß es in Hamburg( Stadt) tatsächlicher Verhältnisse, die durch diese Zahlen beleuchtet 3 Monaten bestraft worden! 32000 dienende Mädchen gibt. Wenn wir von diesen nur werden, vermag man die treibenden Kräfte für die geplante Lesen Sie beifolgend Beschriebenes alltäglich- allzuerft 20000 für uns gewonnen hätten, so wäre die Organi- Einführung des Frauenwahlrechts richtig zu beurteilen. täglich aus dem letzten hiesigen Krieg, welches allerdings sation schon imstande, das Dienstverhältnis in ein freies Womit nicht etwa gesagt sein soll, daß das Mittel zur Ab- wohl nicht mit den Ihnen von Ihren„ berühmten" GeArbeitsverhältnis zu verwandeln. Die Entwicklung, die zu wehr der reaktionären Gelüste in der weiteren Versagung währsleuten zugetragenen Schilderungen übereinstimmt und immer größerer Vereinfachung des Haushalts drängt, würde des Frauenwahlrechts zu erblicken ist. Dem beabsichtigten denten Sie nach, Sie haben ja 3 Monate Zeit.-H. Schulz, den Kampf darum begünstigen. Die Referentin wies noch Mißbrauch des Frauenwahlrecht ist vielmehr entgegenzuwirken Kaufmann, A. Haß, Kaufmann, Otto Mejer, Kaufmann." die Behauptung des Hamburger bürgerlichen Dienstmädchen- durch die rührigste Aufklärungsarbeit unter den Negerfrauen, Es gibt unter den Angehörigen der herrschenden Klassen vereins zurück, daß die Arbeitgeberinnen eine Organisation so daß auch sie Interesse am politischen Leben gewinnen immer noch Naive, die wähnen, daß ihre eigene Ausleiten könnten, welche die Interessen der Dienenden rück- und das Wahlrecht richtig gebrauchen lernen. Des weiteren beutungsmoral der alleinseligmachende Gott ist, dessen sichtslos vertritt, und fordert die Wasch- und Scheuer- muß mit größtem Nachdruck jede Neigung bekämpft werden, Sahungen die Ausgebeuteten ohne Widerrede gehorchen frauen auf, nicht unter 2,50 Mr. Taglohn bei zehnstündiger das Frauenwahlrecht nicht als allgemeines zur Einführung müßten. Daher fanzeln sie die Proletarier, die unver Arbeitszeit zu schaffen. Sie wurde für ihren Vortrag mit zu bringen, sondern es durch einschränkende Bestimmungen schämt" genug sind, eine eigene Meinung zu haben reichlichem Beifall belohnt. An der Diskussion, die haupt- zugunsten von Besitz und Bildung reaktionär zu gestalten. und die Ereignisse und Erscheinungen des politischen sächlich Mißstände im Dienstverhältnis rügte, beteiligten sich Beteiligung der Frauen an den Wahlen zum Lebens selbständig zu beurteilen gern von oben herunter ab. die Genossinnen Günther, Mangels, Rolfs und Frau Staatsparlament in Neu- Südwales. Die Behauptung Sie wollen sie bessern" in dem bürgerlichen Sinne, daß Cislowsti. Eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder melder Spießbürger, daß die Frauen für das Wahlrecht noch ihnen heilig sein soll, was den herrschenden Klassen profitdete sich. Beitrittserklärungen werden täglich entgegen- nicht mündig seien und es gar nicht zu gebrauchen wüßten, bringend ist. Die Braven haben immer noch nicht gelernt, genommen bei Frau Kähler, Humboldtstraße 76 IV, Frau wird widerlegt durch das lebhafte Interesse, das die Frauen daß das kämpfende Proletariat denn doch bereits über solche Mangels, Beckersweg 58, Hinterhaus I, Frau Kuhlmann, den Wahlen für das Staatsparlament von Neu- Südwales„ Erziehungsversuche" hinausgewachsen ist. Das hätten sich Hinrichsenstraße 31 b II, Frau Koltowig, Altona, Adler an den Tag legten und durch ihre starke Beteiligung als auch die drei kaufmännischen Kolonialfege sagen sollen, ehe straße 2 II, und im Stellennachweis, Besenbinderhof 56/57 I, Wählerinnen. Die bisherige Regierung erhielt eine ge- sie daran gingen, durch ihren lächerlichen Brief Genossin Zimmer 2 b. Helene Rolfs. nügende Majorität, um im Amte bleiben zu können. Lungwitz„ bessern" zu wollen. Verschiedenes. Einen interessanten Beitrag zum Kapitel Klaffenmoral bietet ein Brief, den Genoffin Lung wis erhalten hat, während sie 2 Monate im Gefängnis als„ Staatsvers brecherin" büßte, weil sie gewagt hatte, eines der heiligsten Güter der Nation", den Militarismus und die Rolonialfererei anzugreifen. Der Brief hat folgenden Inhalt: 176 Sturmgedanken. Don Franz Diederich. Schwerer hoher Wind saust. Die Föhren schwanken. Grüne Wipfel sturmzerzaust Wählen Sturmgedanken. Der Herbst wirft in den Wald Graues Schattentreiben. Scheiden muß ich bald, Der Sturm wird bleiben. Weiße Astern. Bon Klara Bohm- Schuch. irinal Ich habe es gern, dieses leis herbstelnde und doch sommerliche Regenwetter. Es ist schwer, melancholisch, aber die Luft ift trotzdem so wunderbar, so verheißend.Das sind die Tage, an denen die Märchen zu mir fommen, die stillen, wundergoldenen Märchen aus meiner Kinderzeit. Und ich kann ihnen stundenlang lauschen, dann fühle ich keine Einsamkeit. Nur wenn an diesen Tagen der Abend kommt, der Abend, an dem der Regen aufgehört hat, und nur noch grauer, feuchter Schleier über die Welt gebreitet liegt, wenn die Laternen am Kanal früher angezündet werden und von den Brücken herauf das Geschrei der Kinder schallt, so, als ob sie schon Herbstspiele spielten dann kommt die Einsamkeit. Und in dieser Stimmung paßt ihr zu mir, ihr weißen, großen Aftern, die ihr vor mir auf dem Tische steht. Weiße Aftern,- Kindheitsmärchenblumen. Träumend und doch mit hellen Augen mich ansehend. Rein und mit fragendem Blicke in das Märchenreich schauend, das da kommen soll, und aus dem ihr jetzt nur den Klang vernehmt. Weiße Aftern! D, wie ich euch Die Gleichheit Das Signal. Nr. 20 Verzeichnis ein; der Zug sollte erst nach zwei Stunden vorbeikommen, aber Ssemjon ging seine Strecke ab, setzte Von W. M. Garschin. fich auf die Bank vor das Wärterhäuschen und schaute Ssemjon Jwanow diente als Wärter bei der Eisen- hinaus und horchte, ob nicht die Schienen zitterten, ob bahn. Von seinem Wärterhäuschen bis zur einen Station nicht der Zug schon heranbraufte. Später prägte er sich waren's zwölf, bis zur anderen zehn Werst. In einer auch die Reglements vollständig ein, und obgleich er sehr Entfernung von ungefähr vier Werft wurde im verfloffenen miserabel las, gelang es ihm dennoch vortrefflich. Jahre eine große Weberei errichtet; aus dem Walde lugte Das war im Sommer; die Arbeit war nicht schwer; ihr schwarzer Schornstein herüber, sonst gab's in der Nähe, Schnee brauchte man nicht wegzuschaufeln. Und auch die die nachbarlichen Wärterbuden ausgenommen, fein einziges Züge waren auf dieser Strecke selten; Ssemjon ging täglich zweimal seine Werst ab, versuchte irgendwo die Gebäude. Ssemjon Jwanom war ein franker, gebrechlicher Schienenschrauben festzudrehen, glättete den Schutt aus, Mensch. Vor neun Jahren hatte er den Krieg mit- sah die Wasserröhren nach und ging dann nach Hause, gemacht: er diente damals als Bursche bei einem Offizier um die Wirtschaft zu besorgen. In der Wirtschaft jedoch und machte mit diesem den ganzen Feldzug mit. Ge- stand ihm nur ein Hindernis im Wege: was er auch hungert hat er da und gefroren, sich der größten Sonnen- beginnen mochte, alles mußte dem Wegemeister unterglut ausgesetzt und Märsche von vierzig bis fünfzig Werft breitet werden, der es wiederum dem Chef der Strecke sowohl bei Sommerhize als auch bei strengster Kälte meldete; ehe die Bittschrift dann wieder zurückkam, war zurückgelegt; es kam auch vor, daß er im Rugelregen auch schon die Zeit vorbei. Ssemjon und sein Weib stand, aber gottlob, ihn hat keine einzige gestreift. Ginmal begannen sogar sich zu langweilen. stand das Regiment in der ersten Linie; eine ganze Woche Es vergingen so ungefähr zwei Monate; Ssemjon verlief in stetem Kugelwechsel mit den Türken: da lag wurde allmählich mit seinen Nachbarn, den Bahnwärtern, unsere Borpostenkette und jenseits des Hohlwegs die bekannt. Der eine war ein uralter Greis, den man seit türkische, und vom frühen Morgen bis zum Abend ward längerer Zeit zu pensionieren sich anschickte: er konnte sich gefeuert. Ssemjons Offizier war gleichfalls in der Vor- kaum noch aus dem Wärterhäuschen schleppen; seine Frau postenkette; dreimal täglich brachte ihm Ssemjon aus der machte für ihn den Rundgang. Der andere Wärter, Regimentstüche hinter der Schlucht einen dampfenden der nächste zur Station, war ein junger Mensch, äußer Ssamowar und das Mittagessen. Oft ging er mit dem lich hager und sehnig. Das erstemal begegneten sie sich, Ssamowar über den freien Platz: die Flintenkugeln pfiffen, er und Ssemjon, auf dem Bahndamm, auf halbem Wege flatschten auf die Steine nieder, schrecklich war's ihm zu- zwischen den Wärterbuden, während eines Rundganges. mute und die Tränen famen ihm, doch er ging weiter. Sjemjon lüftete zuerst seine Müze und verbeugte sich. Die Herren Offiziere waren mit ihm sehr zufrieden: sie„ Gott zum Gruß, Nachbar," sprach er. hatten immer heißen Tee. Aus dem Feldzug kehrte er heil zurück, nur ein Gliederreißen in den Armen und Beinen bekam er. Nicht wenig Elend mußte er seit jener Zeit durchkosten. Als er ins Elternhaus zurückkehrte, war sein greiser Vater tot; ein Söhnchen von vier Jahren war gleichfalls gestorben, es hatte am Kehlkopf gelitten; Ssemjon blieb felbander mit seinem Weibe. Auch in der Und vor mir wächst ein wundersames Märchen zum Wirtschaft hatten sie keinen rechten Erfolg, denn es ist Lichte empor. Ein braunhaariger Kinderkopf mit großen schwer, mit aufgedunsenen Händen und Füßen den Boden dunklen Augen, und in den Locken liegt ein Kranz weicher, zu beackern. Sie hielten es in ihrem Heimatsdorfe nicht weißer Aftern; zwei Armchen strecken fich mir entgegen, länger aus und machten sich auf, an anderen Orten ihr und ein Stimmchen flüstert ein süßes Märchenwort. Glück zu suchen. So war denn Ssemjon mit seinem Es verstrich so ungefähr ein Monat, und sie wurden Und das Märchen wächst, es wird größer, schöner, Weibe auf der Linie, in Cherson, im Donaugebiet; aber schließlich miteinander bekannt. Wie sie sich auf dem und die weißen Aftern auf seinem Haupte werden voller; nirgends wollte es ihnen glücken. Schließlich nahm die Bahndamm begegneten, Ssemjon und Waffilij, ließen sie immer schöner, wie ihre Trägerin. Frau eine Stelle als Dienstmagd an, und Ssemjon irrte sich auf den Nand desselben nieder, rauchten zusammen weiter umher. Da fügte es sich einmal, daß er mit der ein Pfeifchen und erzählten sich über ihr bisheriges Leben Eisenbahn reisen mußte; auf einer Station schien es ihm, und ihre Verhältnisse, sprachen über dies und das. Wassilij als wenn der Stationschef ein alter Bekannter von ihm schwieg meistenteils, und Ssemjon berichtete über sein wäre. Ssemjon betrachtete ihn, und der Stationschef Heimatsdorf, über den Feldzug sah sich ebenfalls das Gesicht Ssemjons genau an. Da erkannten sie einander. Es stellte sich heraus, daß es ein Offizier seines Regiments war. liebe. Da fällt mir ein, daß Astern eigentlich Herbstblumen find. Herbstblumen! Ja, die Dämmerung kommt, der Tag ist zu Ende. Der Regen hat aufgehört, die Welt ist wie mit einem Schleier umspannt, und von den Brücken des Kanals herauf tönt das Schreien und Rufen der Kinder. Und vor mir steht ein wunderschönes junges Weib. Der Kranz von weißen Astern liegt nicht mehr in den dunklen Haaren, nur einzelne Blüten durchwinden es. Herbstblumen! Und es ist doch noch Sommer. Noch Sommer! Aber doch schon der graue, verträumte, hinübergleitende Abend, der das Kommen des Herbstes ahnen läßt. Die großen weißen Astern nicken aus den nachtdunklen Haaren, und die Augen blicken mit einem ernsten Ahnen durch die Zeit. Auf der reinen Stirn liegt es wie ein Hauch des Wissens. Nun ist es kein Märchen mehr, was um mich schwebt. Jch ahne nicht, ich hoffe nicht; ich weiß, ich will! Vor mir stehen die weichen, weißen, duftlosen Blüten. Und ich beuge mich nieder wie zu einem Heiligtum und küsse leise die holden Vorboten der kommenden Zeit. Schmiede. Don Franz Diederich. Wir sind die Schmiede der neuen Zeit, Wir schaffen am Seuer! Das wirft rötende Gluten breit Ueber altes Gemauer. Die Eisenhämmer schmettern Schlag klingend um Schlag... Draußen aber vor der Schmiede Unter jung grünen Birkenblättern Horcht dem klingenden wilden Liede Blutfrisch erglühend ein neuer Siegender Frühlingstag. Wir sind die Schmiede am roten Herd, Vom Frühling befohlen. Klirr das Eisen zwingend, fährt Die 3ange in die Kohlen. Heiße Funken umflirren Das Werk zum Gruß... Draußen aber über der Schmiede Wirbelt wildauf ein Sunkenschwirren Der Nachbar blickte ihn scheel an, erwiderte leise: „ Guten Tag," drehte sich um und ging seiner Wege. Später trafen sich auch die Weiber. Ssemjons Arina begrüßte zuerst die Nachbarin; doch diese wollte ebenfalls nicht sprechen und entfernte sich bald. Eines Tages begegnete ihr Ssemjon. Wie kommt es, junges Frauchen," fragte er,„ daß dein Mann so wortfarg ist?" Das Weib schwieg zunächst und erwiderte dann furz: Aber wovon soll er denn mit dir sprechen? Jeder hat das Seinige... Gott mit dir!" ... „ D, wie viel Mißgeschick und Elend habe ich in meinem Leben ausstehen müssen," sagte er dann, und meine Lebenstage sind, weiß Gott, gezählt. Ja, der Herr hat tein Glück gespendet. Wenn Gott jemand irgend ein " Zu Befehl, Ew. Wohlgeboren, das bin ich selber." Schicksal vorausbestimmt, dann bleibt es auch dabei. Wie bist du hierher geraten?" " Bist du Jwanow?" sagte er. " Da erzählte ihm Ssemjon: So halt, und so. Wohin gehst du denn jetzt?" " " Das kann ich nicht wissen, Ew. Wohlgeboren." Wieso denn, Dummkopf, kannst du's nicht wissen?" " Zu Befehl, Ew. Wohlgeboren, weil ich mich nirgends hinzubegeben habe. Man muß erst, Ew. Wohlgeboren, irgend eine Arbeit suchen." Da schaute ihn der Stationschef an, dachte etwas nach und sagte:„ Weißt du was, Kamerad, bleib du mal vorläufig hier auf der Station. Du bist scheint's verheiratet? Wo ist denn deine Frau?" " Zu Befehl, Ew. Wohlgeboren, ich bin verheiratet; die Frau ist in der Stadt Kurst, sie befindet sich bei einem Kaufmann in Stellung." " Nun, dann schreibe deiner Frau, daß sie herkommen soll. Ich werde für sie eine Freifarte für die Eisenbahn besorgen. Hier wird bei uns auf der Strecke ein Bahnwärterhäuschen frei, da werde ich schon für dich den Chef der Bahnstrecke bitten." " So ist es, Brüderchen Wassilij Stepanntsch." Und Waffilij Stepanntsch flopfte seine Pfeife an den Schienen aus, erhob sich und entgegnete darauf:„ Nicht das Schicksal zerreißt mein und dein Leben, sondern die Menschen tun's. Es gibt auf der Welt kein Tier, das raubgieriger und schlechter wäre als der Mensch. Ein Wolf frißt den anderen nicht, aber ein Mensch verschlingt den anderen bei lebendigem Leibe." Nun, Bruder, ein Wolf frißt schon den anderen, das fage nicht." " Da haben wir's; nun stößt er sich gar an einem Wort und redet. Und dennoch, es gibt kein grausameres Geschöpf. Wenn's nicht unmenschliche Schlechtigkeit und Habgier gäbe, dann könnte man schon leben. Jedweder paßt den günstigsten Augenblick ab, um dich beim lebendigen Fleisch packen zu können, ein Stück zu fassen, dir die Haut abzuschinden." Ssemjon wurde nachdenklich. " Ich weiß es nicht, Bruder," sagte er. Es tann sein, daß dem so ist, aber wenn es auch so ist, so ist es eine Bestimmung von Gott." Vielen Dant, Ew. Wohlgeboren," entgegnete Ssemjon. Er blieb auf der Station, half beim Chef in der Küche, Wenn es sich so verhält," sagte Wassilij, dann hackte Holz, fegte den Hof und die Bahnhofsrampe. Zwei habe ich nichts mit dir zu besprechen. Wenn man jeden Wochen später langte seine Frau an, und Ssemjon begab Unflat auf Gott abwälzen und selbst siten und dulden and sich auf einem Handwagen nach seinem Wärterhäuschen. soll, dann heißt das nicht, Kamerad, Mensch sein, sondern Das Häuschen war neu, warm und Brennholz in Hülle ein Vieh. Da haft du meine Meinung." und Fülle vorhanden. Ein kleiner Gemüsegarten war Er drehte sich um und ging, ohne sich zu verabschieden. von den früheren Wärtern zurückgeblieben und Ackerland Da erhob sich auch Ssemjon. von ein paar Morgen zu beiden Seiten des Bahndammes." Nachbar," ruft er, weshalb frakeelst du?" Ssemjon freute sich: er begann zu überlegen, wie er seine Der Nachbar wandte sich jedoch nicht um, er ging Wirtschaft ordnen, eine Kuh, ein Pferd kaufen werde... weiter. Lange schaute ihm Ssemjon nach, bis endlich Man gab ihm dann die ganze nötige Ausstattung: Wassilij am Einschnitt der Biegung unsichtbar wurde. eine grüne Flagge, eine rote Flagge, Laternen, ein Horn, Zu Hause angekommen, sagte Ssemjon seiner Frau:„ Nun, einen Hammer, einen Schraubenschlüssel, ein Brecheisen, Arina, einen Nachbar haben wir, jedoch Gift ist er, aber eine Schaufel, einen Besen, einen Schallstock, Schrauben- tein Mensch." bolzen, sowie zwei Reglementsbüchelchen und ein VerJm Freiheitstanz zu dem klingenden Liede: Wir schmieden eiserne Sohlen Der Zeit an den Suß! ( Forts. folgt.) zeichnis der Züge. In der ersten Zeit schlief Ssemjon Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe während der Nächte nicht, er pautte fich fortwährend das Poft Degerloch bei Stuttgart. Druck und Verlag von Baul Singer in Stuttgart.