Nr. 24 Die Gleichheit eeee Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen e Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die Gleichbett" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, burch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgelb 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Sabres- Abonnement 2,60 Mart. ( Schluß.) Juhaltsverzeichnis. Stuttgart den 25. November 1907 17. Jahrgang Suschriften an die Redaktion der„ Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Sundel) ,. Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Namen die erhobene Forderung vollen Bürgerrechts für der Hand. So wurde auf Antrag des Zentrums vor den Aufruf an die Genossen Preußens.- Aufruf an die Genoffinnen das weibliche Geschlecht begründen. Helft den Genossen Wahlen vom Jahre 1898 im Reichstag beschlossen, die ReDeutschlands. Weshalb bie Arbeiterinnen die Verkürzung der in jeder Weise bei der Vorbereitung der Demonstrations gierungen um Erhebungen über die Beschäftigung verArbeitszeit noch nicht erreicht haben. Bon Gustav Hoch. Ein versammlungen. Kurz, beweist durch eure planmäßige heirateter Frauen in Fabriken zu ersuchen. Die Erhebungen Dichter ber Revolution.- Schularztberichte. IV. Bon Dr. Badet. und energische Arbeit zum Erfolg der Versammlungen, bekannt war, daß die Herabsehung der täglichen Arbettswurden veranstaltet und ergaben was auch schon vorher Aus den Anfängen der Frauenbewegung. Bon Anna Blos. des aufgenommenen Rampfes überhaupt, daß die Massen seit der Fabritarbeiterinnen dringend notwendig und ohne der proletarischen Frauen das Wahlrecht nachdrücklichst Schwierigkeiten durchführbar war. As darauf die SozialAus der Bewegung: Bon ber Agitation. Bon den Organisationen. verlangen, und daß ste reif find, es im Interesse der demokraten nachdrücklichst die gefeßliche Festlegung der Jahresbericht der Bertrauensperson der Genoffinnen von Befreiung der Arbeiterklasse zu gebrauchen. Ottensen. Politische Rundschau. Von H. B. Gewerkschaftliche fürzeren Arbeitszeit forderten, da ließ das Zentrum bei der Genossinnen außerhalb Preußens, unterstützt und Beratung des Etats im Jahre 1902 erklären, daß es bes Rundschau. Gewerkschaftliche Unterrichtsturse für Arbeiterinnen in Nürnberg.- Bon der gewerkschaftlichen Organisation der fördert die Artion eurer Schwestern in Preußen, soviel bentlich sei, während der damals herrschenden Krise ber Arbeiterinnen in Österreich. Bon a. p. Genossenschaftliche ihr nur vermögt. Nicht zum wenigsten auch dadurch, Industrie und den Arbeitern eine solche Laft aufzuladen; Rundschau. Von H. Fl. man müsse sich vielmehr mit Forderungen idealer Art" be gnügen. Und das, trotzdem es auf der Hand liegt, daß ges rade in der Zeit eines schlechten Geschäftsganges, wenn die notwendige Arbeit verhältnismäßig knapp ist, die Berkürzung der Arbeitszeit sich von selbst ergibt und deshalb um so leichter durch die Gesetzgebung festgelegt werden kann. Die anderen bürgerlichen Parteien und die Regierungen find aber dem schönen Beispiel des Zentrums bereitwilligst gefolgt. So ist die Verkürzung der Arbeitszeit von Jahr zu Jahr verschleppt worden. ( Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenstimmrecht. bewegung. Berichtigung. Feuilleton: Einem müden Rämpfer. Bon Leon Holly. Aus dem Hungerpaftor". Bon Wilhelm Naabe. daß ihr dort, wo es irgendwie möglich ist, die Frage des Frauen Frauenwahlrechts zur Behandlung stellt, daß ihr für das Frauenwahlrecht agitiert. Der Kampf eurer Schwestern ( Gebicht.)- in Preußen ist euer Rampf, jeder Zollbreit, den sie vor wärts bringen, ist euer Erfolg. An die Parteigenossen Preußens! Wir fordern die Parteigenossen in ganz Preußen auf am Dienstag den 26. November Massenversamma lungen einzuberufen, um gegen das Unrecht, welches bald 60 Jahre bestanden hat, zu protestieren. In den Orten, wo aus lokalen Gründen die Protestversammlungen am Dienstag den 26. November nicht möglich find, möge man eine solche Versammlung an einem der folgenden Tage, spätestens aber am Sonntag den 1. Dezember einberufen, damit das preußische Volk in der ersten Woche des Zusammenseins des Landtags zum Ausdruck bringt, wie es über die Schmach des Dreiflaffenwahlrechts denkt. Der Parteivorstand. An die Genoffinnen! Allerwärts ans Werk, in den Kampf! Ottilie Baader, Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Am 26. November tritt die Körperschaft, die auf Grund Inzwischen freilich find die Arbeiter und Arbeiterinnen des elendeften aller Wahlgesetze gewählt ist, der preußische nicht untätig geblieben. Die Klaffenbewußten Arbeiterinnen Landtag zu seiner letzten Tagung dieser Legislaturperiode Weshalb die Arbeiterinnen die Verkürzung wie auch die Gewerkschaften haben unermüdlich für die Ver zusammen. Es gilt alle Kraft einzusehen, dafür zu sorgen, der Arbeitszeit noch nicht erreicht haben. Mainz im Jahre 1900 bereitete, dem Beschluß des sozial fürzung der Arbeitszeit agitiert. Die Frauenkonferenz zu daß endlich jenes durch einen Gewaltstreich der Regierung eingeführte Wahlrecht beseitigt wird. Die Notwendigkeit, daß die tägliche Arbeitszeit der Ar- demokratischen Parteitags zu Hannover im Jahre 1899 ent beiterinnen durch ein Schutzgesetz verkürzt wird, ist von den sprechend, eine allgemeine Versammlungsbewegung für Austlaffenbewußten Arbeitern frühzeitig erkannt worden. Schon dehnung des gesehlichen Arbeiterinnenschutzes vor und das in der ersten Session des Norddeutschen Reichstags, im mit selbstverständlich auch für die Verkürzung der ArbeitsHerbst 1867, bemühte sich der sozialdemokratische Ab- zeit. Die in den Versammlungen angenommene Resolution geordnete v. Schweizer, einen von ihm ausgearbeiteten Ge- wurde als Petition dem Reichstag zugestellt. Auf dem Beratung zu bringen. In dem Entwurf, der sich auf alle wurde die sozialdemokratische Frattion beauftragt, die von febentwurf zum Schutze der Arbeit gegen das Kapital zur sozialdemokratischen Parteitag zu Dresden im Jahre 1908 Unternehmungen mit mindestens 10 Lohnarbeitern erstrecken den sozialdemokratischen Arbeiterinnen aufgestellten Forde follte, war unter anderem der zehnstündige Maximalarbeits- rungen im Reichstag zu vertreten. Das ist denn auch von tag für alle Arbeiter verlangt. Auf diese Weise sollte die den sozialdemokratischen Abgeordneten immer wieder ge tägliche Arbeitszeit auch der Arbeiterinnen auf höchstens fchehen. Bu gleicher Zeit haben die Gewerkschaften mit 10 Stunden beschränkt werden. Bei der Beratung der Ges gutem Erfolg danach gestrebt, die Arbeitszeit in den einzelnen werbeordnung im Jahre 1869 im Norddeutschen Reichstag Industriezweigen und Betrieben mehr und mehr zu verkürzen. beantragten die sozialdemokratischen Abgeordneten Daher konnten sich die sozialdemokratischen Redner im ReichsDer Zentralvorstand der acht Wahlkreise wiederum, daß die Arbeitszeit durch einen gefeßlich fest tag darauf berufen, daß jezt die Situation bezüglich des Groß- Berlins. zulegenden Marimalarbeitstag beschränkt werde. Sobald 3 eh n stundentags diefelbe sei, wie sie es im Jahre 1890 im Jahre 1877 die sozialdemokratische Fraktion im Reichs- bezüglich des Elf stundentags gewesen: ein sehr großer Teil tag start genug geworden war, um einen selbständigen An- der Arbeiterinnen arbeitet nicht länger als 10 Stunden. trag einzubringen wenn auch noch mit Unterstützung Daher würde die gesegliche Festlegung des zehnstündigen einiger anderer Abgeordneten, arbeitete sie einen um- Maximalarbeitstags nur den Wert haben, daß das HandGenoffinnen! Der vorstehende Aufruf leitet den neuer schränkung der täglichen Arbeitszeit der Arbeiterinnen auf der Arbeiterinnen bis über das allgemein übliche Maß faffenden Arbeiterschutzgesetzentwurf aus. Hier war die Be- werk jenen Unternehmern gelegt wird, welche die Ausbeutung lichen Ansturm des Proletariats in Preußen gegen das 8 Stunden vorgesehen. Die sozialdemokratischen Abgeorb- treiben, und daß die Herabsetzung der Arbeitszeit auf 9 und erbärmliche, voltsfeindliche Dreiklassenwahlrecht ein, das neten brachten von jetzt ab bei jeder passenden Gelegenheit 8 Stunden vorbereitet wird. heißt für Eroberung des allgemeinen Wahlrechts. Ihr ihre Arbeiterschutzanträge, darunter auch den Antrag auf Das Zentrum aber hat sich beeilt, im vorigen Reichstag, wißt, daß im Kampf für dieses Recht auch für die volle Berkürzung der Arbeitszeit, wieder ein. So in der Session als es noch ausschlaggebende Partei war, diese Wirkung politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts 1884/85, 1885/86 ufm. Nach den bekannten Februarerlassen des Behnstundentages möglichst zu vereiteln. Der Zentrumsgefochten wird. Das allgemeine Wahlrecht, für welches des jetzigen Kaisers im Jahre 1890 legten die Regierungen abgeordnete Trimborn gab im Reichstag am 7. Februar bie Sozialdemokratie in die Schlacht zieht, ist entsprechend einen Entwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung vor, 1905 den Regierungen den Rat: Gin Gefeß, welches den dem Beschlusse des Internationalen sozialistischen Kon- durch den unter anderem die Arbeitszeit der Fabritarbeiter zehnftündigen Maximalarbeitstag einführen würde, müßte greffes zu Stuttgart das allgemeine Wahlrecht aller rinnen auf 11 Stunden, Sonnabends auf 10 Stunden be- selbstverständlich für Ausnahmen einen weiten SpielGroßjährigen, ohne Unterschied des Ges schränkt werden sollte. Bezeichnend ist die folgende Stellung raum lassen. Es müßte Rücksicht genommen werden auf schlechts, begreift also das Frauenwahlrecht in sich. aus der Begründung der Vorlage: 181 Saisonindustrie und auf Kampagneindustrie, es müßte in Bei dem Maße dieses gesetzlichen Schutes, wie es in dem Gesetz ein sorgfältig abgewogenes System von AusGenossinnen, seid dieser Tatsache eingedenk wie der Aufdem Entwurf innegehalten wird, kann auch die Befürchtung nahmen vorgesehen werden, es müßten Überstunden gaben, die sie euch auferlegt. Derselbe Internationale nicht für begründet erachtet werden, daß dadurch und und übergangsfristen vorgesehen werden." Das haben Rongreß, der die Sozialdemokratie zum Kampf für das namentlich durch die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit die Regierungen wieder freudig aufgenommen und bereits volle Bürgerrecht der Frau verpflichtete, machte es den die Erwerbstätigkeit der Arbeiterinnen und die Kon- erklärt, daß das neue Gesez eine Fülle von Ausnahmen zuGenoffinnen zur Pflicht, sich an allen Kämpfen, welche turrenzfähigkeit der beteiligten Industriezweige gefährlich lassen wird. die sozialistischen Parteien für die Demokratisierung des werden könne. Für die Mehrzahl der gewerbs Was das für die Arbeiterinnen bedeutet, läßt sich aus Wahlrechts führen, mit höchster Kraftentfaltung zu belichen Arbeiterinnen bedeutet diese Gin der Zahl der Ausnahmen ersehen, die schon jetzt, also teiligen, aber auch mit der nämlichen Energie dafür zu schränkung teine wesentliche Verminderung bei elfstündiger Arbeitszeit, den Unternehmern geber bisherigen regelmäßigen Arbeitszeit." stattet worden sind. So wurden im letzten Jahre in 2610 wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allDie Sozialdemokraten hatten verlangt, daß die Arbeits- Betrieben nicht weniger als 2464 879 Überstunden an den gemeinen Frauenwahlrechts nach ihrer grundsäglichen zeit der Frauen auf 10 Stunden, Sonnabends auf 8 Stunden Wochentagen außer Sonnabend gestattet. Dazu kommt noch Wichtigkeit und praktischen Tragweite ernstlich verfochten verkürzt werden soll. Die bürgerlichen Parteien stimmten die Überarbeit an den Sonnabenden, die sich bis zu drei aber der Regierungsvorlage zu. Damit gaben sich die Stunden ausdehnte und für 19810 Arbeiterinnen bewilligt Sozialdemokraten nicht zufrieden, sondern regten stets wieder wurde. Ein sehr großer Teil der überarbeit entfällt auf die weitere Verkürzung der Arbeitszeit an und stellten im die Tertilindustrie. Von den 2610 Betrieben, denen überJahre 1900 einen Antrag auf gesetzliche Festlegung des haupt überarbeit genehmigt worden ist, sind nicht weniger als 1274 also fast die Hälfte der Gesamtzahl- Textilsehnständigen Maximalarbeitstags. fabriken. Von den 2464 879 bewilligten Überstunden wurden nicht weniger als 1024 726 in den Textilfabriken gemacht. Bon den 19810 Arbeiterinnen, die an den Sonnabenden länger arbeiten mußten, waren 1671 Textilarbeiterinnen. Wieviel Überstunden werden erst die Textilbarone beanspruchen, wenn die gefehlich zulässige längste Arbeitszei wird". Genoffinnen in Preußen, sorgt dafür, daß die bevor ftehenden Wahlrechtsdemonstrationen sich überall in unzweideutiger Weise auch zu Demonstrationen für das Frauenwahlrecht gestalten. Beteiligt euch alle, bis zur Demnach haben es die sozialdemokratischen Abgeordneten letzten, an diesen Rundgebungen des proletarischen Willens. an den nötigen Anregungen zur Verkürzung der Arbeitszeit Agitiert mit Feuereifer dafür, daß die Frauen des werk- wahrlich nicht fehlen lassen. Die bürgerlichen Par tätigen Boltes, Arbeiterinnen wie Arbeiterfrauen, in teten waren aber für diesen unbedingt not Massen den Versammlungen zuströmen. Besprecht euch, wendigen Schuh nicht zu haben. Freilich vor und damit in denselben redegewandte Genoffinnen in eurem bei den Wahlen waren sie mit schönen Bersprechungen bei 206 Die Gleichheit Nr.24 " ,, Nun adieu! doch nicht für immer adieu! Denn fie töten den Geift nicht, ihr Brüder! Bald richt' ich mich rasselnd in die Höh', Bald kehr' ich reisiger wieder! Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht In des Kampfes Wettern und Flammen, Wenn das Volt sein letztes„ Schuldig" spricht, Dann stehen wir wieder zusammen!" auf zehn Stunden pro Tag verkürzt wird? War es doch| sozialen und politischen Gedichten sagt, die er 1844 als sein tämpfe und ihr Nachspiel im Schloßhof wie die Pariser gerade ein Teil dieser Herren, der sich bisher mit allen Glaubensbekenntnis" herausgab, daß keines von ihnen Junischlacht erschütternd, wie Posaunen des Gerichtes, nachKräften bemüht hat, die Verkürzung der Arbeitszeit zu ver- gemacht, daß jedes durch die Ereignisse geworden" sei, das flingen, brachte dem Dichter die Verhaftung und einen Prozeß, hindern. spiegelt ja einen Grundzug seiner Eigenart wider. Wenn der mit Freispruch endete. Freiligrath schlug nun sein Zelt Die Arbeiterinnen haben demnach die Verkürzung der er als Jüngling den feurigen Renner seiner Phantafie mit in Köln auf, wo er im Mai 1849 der letzten Nummer der Arbeitszeit deshalb nicht erreicht, weil die bürgerlichen verhängtem Zügel durch die fremdländische Pracht ferner verbotenen Neuen Rheinischen Zeitung" unsterbliche AbParteien mehr dem Profitinteresse einiger rücksichtsloser 3onen streifen ließ, die Glut tropischen Lebens in fühne schiedsworte schrieb, in denen ein unbezwingbarer KampfesKapitalisten gehorcht haben als dem Lebensinteresse der Ar- Reime und farbensatte Bilder bannte: waren weit weniger trotz glühte: beiterinnen und dem Kulturinteresse der Gesamtheit. Aus die Einflüsse der ausklingenden romantischen Dichterschule demselben Grunde befſteht die Gefahr, daß auch bezüglich maßgebend dafür, als die Anregungen, die ihm als Kaufdes Zehnstundentags der Segen, der durch die Verkürzung mann in Amsterdam wurden, wo der Welthandel die Meere der Arbeitszeit erstrebt wird, infolge unzähliger Ausnahme- überbrückte und Dinge und Menschen von Nord und Süd, bestimmungen vereitelt werden kann. Nur ein möglichst Ost und West zusammenwürfelte. Sie sind daher auch nicht ftarter Druck der Arbeiterbewegung auf die bürgerlichen der Ausdruck einer fulturmüden Flucht aus einer gärenden, Parteien wird es durchsetzen können, daß endlich die Arbeits- unbegriffenen Gegenwart zur Natur, welche dem übersättigten zeit ernsthaft, das heißt unter ausdrücklichem Verbot von neue Genußfreudigkeit verleiht, zur Barbarei, welche der Ausnahmen verkürzt wird. Gustav Hoch- Hanau. Schwächling als Kraft empfindet. In ihnen äußert sich vielmehr jene echte weltbürgerliche Gesinnung, die eine Aber auch in Köln konnte Freiligraths Bleiben nicht herrliche Frucht der modernen Weltwirtschaft ist und von lange sein, ebensowenig wie in Bilt bei Düsseldorf. Jm dem festen Bewußtsein der Solidarität getragen wird, welche Mai 1851 mußte er nach London und in das alte Joch die Menschen aller Nationen, Rassen und Kulturstufen zur kaufmännischer Erwerbsfron zurück, und zwar unter un Menschheit zusammenbindet. Und es waren wiederum nicht günstigeren Verhältnissen, als er es früher getragen hatte. die hellschmetternden„ eisernen" Lerchenrufe der Dichter des Die Reaktion rächte sich an dem genialen Rufer zum Streit, jungen Deutschland, die Freiligraths Muse dazu bestimmten, wo ein Hüben und Drüben nur gilt", durch zwei Steckaus der Ferne in die Heimat zurückzukehren und nach kurzer briefe wegen Majestätsbeleidigung und wegen Teilnahme an Raft vor sagenumwobenen Denkmälern der Vergangenheit einem Komplott, dem zusammengestieberten Komplott" des im glänzenden Panzer, reisig gegürtet auf das politische Kommunistenprozesses. Der Thronwechsel in Preußen öffnete Blachfeld zu treten. Es war die„ Wendung der Dinge" ihm nicht, wie manchem Kämpfer der vierziger Jahre, die Tore selbst, das heiße Ringen zwischen den vorwärtstreibenden der Heimat. Freiligrath war zu stolz und zu treu, um die geschichtlichen Mächten und der sich ihnen entgegenstemmen Bedingungen zu erfüllen, an welche der Genuß der Amnestie den vormärzlichen Reaktion, die ihm im Herbst" das Selbst- gefnüpft war: darum zu petitionieren und sich dem Gericht bekenntnis ablockte:„ Ich träumte, statt zu leben", und ihn zu stellen. Erst 1868 tehrte er nach Deutschland zurück und mahnte: Wach' auf! Rehr ein im eignen Hause! Du Sinnen- ließ sich um Weiterungen zu entgehen in Cannstatt bei der befinne dich!" Das Besinnen aber brachte die Überzeugung: Stuttgart nieder. Hier hat ihn am 18. März 1876„ ber Ein junges Deutschland wird erstehen", ein einiges, freies Leisetreter am Krankenstuhl" dahingerafft, dessen tückisches Deutschland, deffen Geburtshelferin die vom Proletariat ge- Würgen der Dichter in dem wundervollen Lied vom Lode" tragene Revolution sein müsse. dem Befreiertod" im revolutionären Rampfe entgegengestellt hatte, den Tod für die Menschheit, das Vaterland", der„ die Besten, die Kühnften ans Herz reißt und wild und feurig fallen läßt". „ Wir sind die Kraft, wir hämmern jung das alte, morsche Ding, den Staat, Ein Dichter der Revolution. „ Politisch Lied, ein garstig Lied", das ist ein Dogma, von dem es heute eindringlicher und nicht selten auch auf dringlicher als je in dem weltabgekehrten fünstlichen Reiche prächtig gleißender Schatten widerhallt, das ein dekadentes Künstlergeschlecht sich erschafft. Und die Sippe der zahlungsfähigen Kunstgenießenden“ und„ Kunstverständigen", welche die künstlerische Entwicklung der Zeit mit dem gleichen Ernst und Eifer verfolgt wie etwa die Wandlungen der Mode in Paris und Wien, flatscht der ästhetischen Verse mung der Tendenz" frenetisch Beifall. Bewußt oder instinktiv grüßt sie in ihr die theoretische Verklärung der zu nehmenden Ohnmacht der befizenden Klaffen, aus der abstoßenden Wirklichkeit ihrer Herrschaft heraus eine Ideologie zu entwickeln, welche in fraftstrogender Fruchtbarkeit groß zügige tünstlerische Schöpfungen beseelt und gestaltet. Be wußt oder instinktiv bejubelt fie in ihr die ästhetische Verbrämung des Hasses der herrschenden Klassen gegen die zukunftsfreudige Jbeologie, welche den ausgebeuteten Massen aus ihrem Rampf gegen die bürgerliche Ordnung erwächst, eine Ideologie, welche der Bourgeoisie sowohl als unbequeme Erinnerung an ihre revolutionäre Vergangenheit entgegentritt, wie als drohende Mahnung an ihre heraufziehende Götterdämmerung. Die Geschichte der Kunst ftraft freilich die Worte Lügen, welche die Tendenz" im Reiche des Schönen ächten sollen. Sie weist aus, daß zu Nicht in sprunghaftem Wechsel tam Freiligrath zur allen Zeiten der geistige Gehalt großer sozialer Bewe- Opposition und dann zur Revolution. Daß er von der gungen und Rämpfe Schöpfungen vom höchsten und dau- höheren Warte", auf der nach seiner früheren Meinung ernden tünstlerischen Wert Leben und Gestalt verliehen hat. Der Dichter stehen sollte, auf die" Binnen der Partei" her Das Proletariat braucht sich daher wahrlich nicht als einer niederstieg und schließlich im revolutionärsten Lager, dem Barbarei der Tatsache zu schämen, daß es mit Schiller die der Neuen Rheinischen Zeitung", an der Seite von Mary Kunst als eine moralische" Macht einschätzt und sich von und Engels focht, war das Ergebnis eines Fortschreitens ihren Gebilden am tiefsten erfassen läßt, wenn es in ihnen seiner Entwicklung". Und es zeigt, welch starke Quellen vom Besten seines eigenen geschichtlichen Wesens einen Hauch seiner Kraft in dem Gefühl seines Verbundenseins mit der verspürt, wenn es in ihnen mit reifen künstlerischen Mitteln| Allgemeinheit lagen, daß er seine Entwicklung nicht als die bie Jbeen gestaltet findet, deren Träger es in seinem Eman- weltbewegende Großtat eines übermenschen begriff, vielmehr zipationskampf ist. Es ist ein Zeichen seiner gefunden Kraft, aus der Zukunftshoffnung jauchzt, daß die Dichter vor allem seinem Herzen teuer sind, die ihre Leier auf soziale und politische Kampfesweisen stimmen und ihre Lieder als geharnischte Rufer zum Streit seinen Heerhaufen voraussenden. Solch ein Dichter und der meisterlichsten einer war Ferdinand Freiligrath. Als Sohn eines Lehrers wurde er am 17. Juni 1810 zu Detmold geboren, und von dem kurzen Zwischenspiel in den vierziger Jahren abgesehen, wo er als freier Schrift steller ganz seinem inneren Berufe zu leben vermochte, hat er als Kaufmann das Brot der Abhängigkeit effen müssen, bis dem alternden, müden Manne endlich ein sogenannter Dant des Baterlandes" eine sorgenfreie Existenz schuf. So ist sein Lebenstreis äußerlich in der Welt jener, Taglöhner mit dem Geiste" beschlossen gewesen, deren Geschickt er in seinem so stolzen wie ergreifenden Requiescat" besungen hat. Und wenn ihm auch erspart geblieben ist, mit Schädel und Hirn hungernd pflügen" zu müssen, so hat er doch als Fanfarenbläser der Revolution, der von der Reaktion von Land zu Land gesprengt und endlich 17 Jahre ins Eril gebannt wurde, ein reichlich Teil Not und Sorge erfahren, besonders auch den zehrenden Schmerz des Mannes, der in den Bersen nachzittert: „ Nach den Wolken flog sein Streben: Tief im Staube von der Hand In den Mund doch mußt er leben!" Die wir von Gottes Zorne sind bis jetzt das Proletariat!" Und dieses Proletariat rief den tobenden reaktionären Mächten fiegesgewiß entgegen: Ihr hemmt ums, doch ihr zwingt uns nicht, Unser die Welt, trotz alledem!" 10 als Teil des geistigen Prozesses, den die Nation in ihrem Ringen nach politischem Bewußtsein und nach politischer Durchbildung als Gesamtheit selbst durchlaufen mußte. Die verschiedenen Stufen seines Werdegangs als revolutionärer Kämpfer werden durch die zwei Hefte Gedichte„ Glaubens bekenntnis" bezeichnet, durch die kühn herausfordernden Dichtungen, die 1846 unter dem Titel„ Ça ira" erschienen, und in denen bereits der heiße Ddem der Revolution weht, endlich durch die Neueren politischen und sozialen Gedichte", die zum Zeil zuerst in der Neuen Rheinischen Zeitung" zur Veröffentlichung gelangten und recht eigentlich Kinder der Revolution selbst sind, denen leidenschaftlicher Rebellentrotz jede Muskel strafft, jeden Nerv zornglühend und begeistert schwingen läßt, aufpeitschende Worte und gewaltige Bilder auf die Bunge legt. " " Wenn Freiligrath der Revolution viel gegeben hat, so hat er doch noch mehr von ihr empfangen. In ihrer Glut hize gedieh seine Begabung zu voller Blüte und Reife, in ihr entwickelte sich seine Eigenart zu höchster fünstlerischer Meisterschaft. Einzelne Erzeugnisse seiner Stimmungslyrit dürfen sich neben die besten ihresgleichen stellen, die voll tommensten Schöpfungen seiner Revolutionslyri? dagegen sind nur von ganz wenigen Dichtern erreicht, von keinem übertroffen worden. Daß aber der Ideengehalt seiner revolutionären Rhapsodien noch heute mit dem Zauber frischer Unmittelbarkeit wirft, als wären fie soeben geschrieben, ver dankt Freiligrath unstreitig dem klärenden Einfluß des Freundeskreises, deffen geistige Zentralfonne Karl Mary war, und nicht zum mindesten seiner Freundschaft mit diesem selbst. Dank diesem Einfluß hat der Dichter sich über die seichten Gewässer der rein bürgerlich radikalen Demofratie erhoben und die Rolle des Proletariats als Träger der Revolution erkannt. Es ist der Geist der„ Neuen Rheinischen Zeitung", der in den besten seiner revolutionären Gedichte wagemutig und siegesgewiß umgeht, und da fie zu einer Revolution rufen, welche das Proletariat zwar in den vierziger Jahren bereits mit begonnen hat, die es aber in der gutunft allein zu Ende führen muß: berühren sie die proletarischen Rlaffenkämpfer als lebensvolle Gegenwart. Freiligraths Rampfeslyrik ist mit der Flutwelle der Revolu tion gestiegen und mit ihrem Verebben verschwanden. Aber nicht als leise verrinnender Wasserfaden, sondern als mächtiger Strom, den plötzlich der Abgrund verschlingt. In der Revolution" und der Schlacht am Birkenbaum", zwei Gesängen von prophetischer Glaubenstraft und visionärem Glanze, ist sie rein und stark ausgeflungen. Freiligrath konnte als Dichter ein Ganzer und ein Großer Nach dem Zusammenbruch der Hoffnungen auf die Re werden, weil er ein ganzer Mann war. Durch Wort und volution hat die Alltäglichkeit des Lebens Asche auf die Tat hat er sich offen und entschieden" zu seiner Überzeugung Flamme von Freiligraths revolutionärem Empfinden ge bekannt, hat er für sie ohne Feilschen mit stolzer, schlichter schüttet: ganz ist diese trotz alledem nie erloschen. Wohl Männlichkeit alles eingesetzt, was er zu geben hatte: einen hat der Dichter an der Schwelle des Greifenalters unter großen Ruf als Dichter, eine taum gesicherte freie Lebens dem Eindruck der Ereignisse von 1870/71 dem Kampf mit stellung, die einem geliebten Weibe und blühenden Kindern Frankreich und der Aufrichtung des einigen Deutschland ein trauliches Heim bot, eine glänzende Zukunft, das Vater einige Poesien gewidmet. In ihnen schwingen jedoch ebensoland. 1844 verzichtete er auf die fleine Pension von 300 wenig mordspatriotische Töne mit, als Regimentsmusik Talern, die ihm ungewünscht und von ihm ungewollt 1842 flänge zur Verherrlichung des Hohenzollern, dagegen zittert durch A. v. Humboldt von dem Romantiker auf Preußens in ihnen tiefe Menschlichkeit, der es die Brust zusammen Königsthron erwirkt worden war. Und kaum hatte er in schnürt, wenn sie an das Blut denkt, das fließen wird", die dem erstgenannten Jahre durch die Veröffentlichung seines erschütternd um die Toten, die Toten" flagt. Geradezu Seine Seele hat trotz alledem nicht getaglöhnert", denn Glaubensbekenntnisses" In die Stickluft diefer Tage Leichenschändung ist es, wenn eine vor Thron und Geldfac Freiligrath schöpfte aus des Ropfproletariats Welt voll Dieses Büchleins tecken Schuß" entsendet, so war seines dienstbeslissene Literatenflitterung Freiligrath in Ekstase vor Widerspruch zwischen Schein und Sein das Erhabenste, das Bleibens und vor allem seines unbehinderten dichterischen der Bundeslade des Deutschen Reiches unter preußischer Wertvollste, was sie dem zu geben vermag, der es ver Wirtens in Deutschland nicht länger. Über Brüssel, wo er Spike tanzen läßt. Das befundet die folgende Stelle aus schmäht, gedankenlos oder fäuflich auf dem Boden bürger unter anderem auch mit Karl Mary bekannt wurde, mit dem einem Briefe des Dichters an seinen Freund Berthold Auerlicher Gesinnung Hütten zu bauen: revolutionären Grimm, ihn dann lebenslängliche Freundschaft verband, ging er bach:" Ich brauche Dich nicht daran zu erinnern, wie ich revolutionäre Leidenschaft. War die Revolution selbst der nach Rapperswyl in die Schweiz. Schon zwei Jahre in den Tagen der Gefahr mich rückhaltlos auf die nationale fruchtbare geschichtliche Mutterboden, auf dem die martig- später siedelte er nach London über, wo er, um den Seinen Seite gestellt habe. Daß ich aber darum das„ Reich", wie sten, tiefsten und packendsten seiner Schöpfungen erwuchsen, eine Existenz zu schaffen, zum faufmännischen Beruf zurück- es aus dem Rampfe hervorgegangen ist, für das Höchste so gab die Glut der Leidenschaft, mit der er das Wehen und lehren mußte. Als aber der revolutionäre Märzensturm halten sollte, für das Jdeal, nach dem wir alle gestrebt, für Weben der vierziger Revolutionsperiode erfaßte, die Sonne, durch Deutschland brauste, trieb es ihn auf den Kampfplay. das wir Kerker und Eril nicht gescheut haben, das, Lieber, die ihnen eine Farbe verlieh, die noch heute leuchtet, und Er trat in die Reiseschuh", ließ sich in Düsseldorf nieder fällt mir nicht ein. Ich akzeptiere die Dinge, wie sie sind, einen Duft, der die Herzen berauscht, wo und wann immer und trat später in den Redaktionsstab der Neuen Rheini- als eine zeitweilige Notwendigkeit, aber ich begeistere mich für die Freiheit gekämpft wird. schen Zeitung" zu Köln ein, die unter der genialen Leitung nicht dafür. Ich ehre Deine Ansicht, weil ich weiß, daß ste Anders fonnte es für ihn nicht sein, der seine künstleri- von Mary vom Standpunkt des revolutionären Sozialismus auf Wahrheit und ehrlicher Überzeugung beruht, aber ich schen Inspirationen nicht aus literarischen Grübeleien ge- aus durch unbarmherzige Kritif die bürgerliche Demokratie teile sie nicht." wonnen, sondern aus der Wirklichkeit empfing und daher vorwärts zu peitschen suchte zur kraftvollen Erfüllung ihrer vom Leben dann am höchsten befeuert und beflügelt wurde, politischen Aufgabe und der politischen Liquidation des als es ihm in der schöpferischen Kraft revolutionären Sturmes feudal- absolutistischen Staats. Der leidenschaftliche Ruf der and Dranges entgegenbrauste. Was Freiligrath von den Zoten an die Lebenden", in bem die Berliner Barrikaden" Als ein Dichter der Revolution ist Freiligrath heute in Deutschland nur noch der Dichter des Proletariats, und in seiner jauchzenden, zukunftssicheren Kampfesfreude, in seinem unbeugsamen Rebellentrotz ist er das wie fein zweiter. Die Nr. 24 Die Gleichheit 207 Buchhandlung„Vorwärts" hat sich deshalb wohl verdient damit gemacht, daß sie von einem bürgerlichen Verlag eine Ausgabe von Freiligraths gesamten Werken übernommen hat, die in 3 Büchern in gutem Druck und sauberer Aus- stattung vorliegt. Der geringe Preis von 3 Mk. macht die Anschaffung großen proletarischen Kreisen möglich. Möge das Weihnachtsfest daher Freiligraths Werke als wertvolle Gabe in viele Arbeiterfamilien tragen, nicht bloß zur Er- quickung und Erhebung der Alten, sondern besonders auch zur Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes, das flammende, revolutionäre Begeisterung, hohe künstlerische Werte aus ihnen heben kann. Den Arbeiterbibliotheken sei dringend die Anschaf- ung der Freiligrathschen Werke empfohlen. Ihre Leser werde» es ihnen Dank wiffen. Die Ausgabe enthält außer Freiligraths eigenen Gedichten auch seine zahlreichen vorzüglichen Über- setzungen von bedeutenden französischen, italienischen, ameri- kanischen und vor allem englischen Poesien. Semer weit- bürgerlichen Gesinnung getreu, hat er durch die übersetz» ungen- wie sie nur der Dichter geben kann— an dem Pantheon der Weltpoesie gearbeitet, an dem wir seit Herder fort und fort bauen. Diese Verdeutschungen und Nachdich tungen sind gerade für das Proletariat eine bedeutsame Gabe. An der Ausgabe haben wir in der Hauptsache nur aus- zusetzen, daß sie die Muttermale ihrer bürgerlichen Herkunft trägt. Das eine in Gestalt des einleitenden Gedichtes„An Deutschland", einer höheren Gelegenheitspoesie aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges, das weder durch seinen Gedankengehalt noch durch seine künstlerischen Vorzüge für Freiligraths stark geprägte Eigenart charakteristisch ist. Es ist offenbar bestimmt, die Rolle des patriotischen Mantels zu spielen, dank dessen ein gut bürgerliches Publikum nicht von vornherein durch den Anblick der schwertgegürteten revolutionären Lieder der Freiligrathschen Kunst geschreckt werden soll. Das zweite Merkmal ist die Biographie des Dichters von Schmidt-Weißenfels. Wir bemäkeln nicht härter als verdient das Bemühen, die wilde revolutionäre Löwen» mähne des Dichters patriotisch sittig zu frisieren. Verglichen mit anderen derartigen Leistungen hat er sich in anständigen Grenzen gehalten. Wir anerkennen auch, daß die Biographie die Schöpfungen voll revolutionären Sturmes und Dranges nicht herabwürdigt, vielmehr würdig und mit einem gewissen Grade von Sympathie behandelt. Allein sie hat sie auch nicht genügend in ihrem organischen Zusammenhang mit der Zeit erfaßt, aus der sie geboren sind, und daher ist sie auch Freiligrath, dem revolutionären Sänger, weder geschichtlich noch äfthettsch ganz gerecht geworden. Und wenn auch die Gedichte selbst die beste Korrektur des letzteren Mangels sind, so bleibt der andere fühlbar in dem Fehlen des geschicht- lichen Untergrundes, auf dem Freiligraths starke Persönlich- keit sich künstlerisch entfalten konnte. Wir heben hervor, was uns an der Ausgabe mangelhaft düntt, um die Buchhandlung„Vorwärts" anzuregen, ein neues und größeres Verdienst demjenigen hinzuzufügen, Freiligraths Werke dorthin zu bringen, wohin sie vor allem gehören: unter die proletarischen Massen. Heute sind zur Neuausgabe die Werke sehr vieler Meister der deutschen LUeratur aus der Zeit frei, wo die Bourgeoisie die Schlachten ihrer Emanzipatton auf dem Gebiet der Kunst und Philo- sophie geschlagen hat, und von der verbindende Fäden zu dem proletarischen Befreiungskampf hinüberführen. Solche Werke, eingeleitet und kritisch beleuchtet vom Standpunkt des historischen Materialismus aus, sollte die Buchhandlung „Vorwärts" in eigener Ausgabe und geschmackvoller Aus- stattung zu niedrigen Preisen unter das Proletariat tragen. Sie würde damit dessen künstlerische wie geschichtliche und allgemeine Bildung von Geist, Herz und Charakter wesent- lich fördern. An Persönlichkeiten, welche die vorliegende Aufgabe lösen können, fehlt es der Sozialdemokratte nicht, und müssen wir in diesem Zusammenhang den Namen Mehring nennen, so nicht, weil Genosse Mehring der einzige, wohl aber weil er der berufenste wäre, das Proletarial in die Kulturwelt der deutschen Literatur einzuführen. Hinter der Buchhandlung„Vorwärts" steht die Gesamtpartei, die den Betrieb der Notwendigkeit enthebt, aus jedem Unter- nehmen um jeden Preis den höchstmöglichen Gewinn ziehen zu müssen. Es liegt hier eine hochbedeutsanie Kulturaufgabe vor, und die Partei wird, sie muß gern bereit sein, sie auch um den Preis von Opfern zu erfüllen. Schularztberichte. Von Dr. Zadel. IV. Ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der körperlichen Entwicklung der Schulkinder gibt das Maß und die Wage. Nicht überall finden wir diese in der Anwendung ebenso einfachen wie in ihren Ergebnissen einwandsfreien Hilfsmittel erwähnt. Zum Teil, wie wohl in Berlin(vergleiche die Anmerkung' auf der dritten Spalte), weil es an Zeit sür Wägungen und Messungen fehlt, respektive die Zahl der Schulärzte zu gering ist. zum Teil, wie es im Bericht von Boxhagen- Rummelsburg heißt,„konnten Wägungen und Messungen uicht vorgenommen werden, da die notwendigen Apparate nicht vorhanden waren". Messungen der Körpergröße wur- den vorgenommen in Mannheim, Nürnberg, Frankfurt, Braunschweig und Brünn, Messungen des Brustumfanges in Nürnberg und Braunschweig, Bestimmungen des Körper- gewichtes in Frankfurt a. M., Mannheim, Brünn. In Mannheim wurden an Knaben und 3356 Mädchen Messungen vorgenommen, um die Einordnung der Schüler in die ihrer Körpergröße entsprechenden Schulbänke zu ermöglichen, außerdem bei 369 in die Ferienkolonien ge- schickten Kindern das Körpergewicht vor und nach den Ferien festgestellt, um zu ermitteln, welche Änderungen durch die besseren Ernährungsverhältnisse bewirkt worden waren. In Braunschweig ergaben die Messungen, daß bis zum fünften Schuljahr beide Geschlechter annähernd gleich groß waren; im letzten Schuljahr(um die Zeit der Ge- schlechtsreife) überttafen die Mädchen um 1,74 Zentimeter im Durchschnitt die Knaben. Im Brustumfang blieben dieMädchenhinter d en Knab en zurück(ungenügende, oberflächliche Atmung?), erst im letzten Schuljahr erreichten sie annähernd die gleiche Brustweite. Diese Minderwertigkeit der Mädchen im Brustmaß be- stätigte sich in Nürnberg: 68,3 Prozent der Mädchen(41,5 Prozent der Knaben) hatten unter 55 Zentimeter Brustmaß, über 55 Zentimeter nur 31,7 Prozent der Mädchen, dagegen 58,5 Prozent der Knaben. Die Messungen der Körpergröße ergaben, daß die Knaben im Durchschnitt etwas größer waren als die gleich- altrigen Mädchen. Größer als 115 Zentimeter sind 1904/05 909 Knaben und nur 635 Mädchen, 1903/04 946 Knaben und nur 658 Mädchen, kleiner als 106 Zentimeter 280 Knaben und 434 Mädchen 1904/5, 191 Knaben und 290 Mädchen 1903/04 ge- funden worden. Ein Vergleich der Volksfchüle- rinnen mit den Befucherinnen der höheren Töchterschulen ergibt das bemerkenswette Resultat, daß die letzteren erheblich größer sind: unter 106 Zentimeter blieben nur 3,82 Prozent in den höheren Töchterschulen, dagegen 15,4 Prozent in den Volksschulen, über 115 Zenti- meter wiesen 61,78 Prozent(1903/04 sogar 81,08 Prozent) in der höheren Schule, dagegen nur 26,33 Prozent der Volksschülerinnen auf— wozu freilich anzumerken ist, daß bei der höheren Töchterschule wohl auch die höheren Alters- klaffen über das 14. Jahr hinaus in die Statistik mit ein- begriffen sind. In einer Arbeit über Meffungen der Körpergröße an zirka 7000 Schulkindern berichtet Kreisarzt Dr. Traeg er in Adelnau, daß er für die dorttge fast rein polnische Be- völkerung ebenfalls feststellen konnte, daß die Mädchen erst kleiner sind als die Knaben(im sechsten Lebensjahr 107 Zentimeter gegen 110 Zentimeter), sich ihnen langsam an Größe nähern, um im elften Jahre die Durchschnittsgröße der Knaben zu erreichen. Von Interesse sind die Feststellungen der 10 Brünner Bezirksärzte, welche seit fünf Jahren den erweiterten schul- ärztlichen Dienst versehen, über die Veränderungen der Körpergröße und des Gewichtes bei Knaben und Mädchen während der Schulzeit. Bei den Knaben wurde in der Zeit vom sechsten bis vierzehnten Lebensjahr eine Wachstumszunahme von 36,4 Zentimeter (von 112,6 auf 149 Zentimeter), bei den Mädchen von 41,4 Zentimeter(von 111,5 auf 152,0 Zenttmeter) beobachtet; im Vorjahr waren die entsprechenden Zahlen 37,1 und 33,3 Zentimeter. Die Knaben nahmen im Mittel alljährlich um 4,5 Zentimeter(im Vorjahr 4,6 Zentimeter) zu, die Mäd- chen um 5,1(4,8) Zentimeter. Das Körpergewicht stieg bei den Knaben von 20,2(19,9) Kilogramm auf 39,5(39,5) Kilo- gramm, also um 19,3(19,6) Kilogramm, im Durchschnitt jährlich um 2,4 Kilogramm, bei den Mädchen von 19,5 (19,5) Kilogramm auf 41,8(40,7) Kilogramm, also um 22,3 (21,2) Kilogramm oder jährlich um 2,8(2,6) Kilogramm. „Die Knaben traten, entsprechend der im allgemeinen größeren späteren Körperlänge, auch mit einem Mehr gegenüber den Mädchen in die Schule ein, behalten dieses überwiegen je- doch nur im siebenten und achten Lebensjahr, um sodann durch die ganzen Jahre, bis gegen das siebzehnte, von den Mädchen übertroffen zu werden, weil entsprechend der frühereu Reife bei den Mädchen auch die körperliche Eni- wicklung derselben eine raschere ist als bei den Knaben. Mit dem Einsetzen der Reife bei den Knaben wird so- dann deren Längenwachstum ein sehr reges." Wie aus den Zahlen hervorgeht, handelt es sich bei diesen Erhebungen um alle Schüler und Schülerinnen Brünns zusammen; es wäre von Wichtigkeit, zu untersuchen, ob die gefundenen Ergeb- nisse auch zutreffen, wenn man die Insassen der Volksschulen (ohne Einschluß der höheren Schulen) für sich allein nimmt. In Frankfurt a. M. ergaben die Meffungen und Wägungen ebenfalls fast durchweg größere Zahlen für die Insassen der Mittelschulen als für diejenigen der Bürger- (Volks-)schulen. Körpergröße(in Zentimeter): Minimuni Mittler« Maximum Der schon oben konstatierte bessere Gesund- heitszustand der in besseren Verhältnissen lebenden Besucher der Mittel- und höheren Schulen findet seinen objektiven Ausdruck in dem stärkeren Wachstum und höheren Körper- gewicht dieser Schüler gegenüber den Volks- schillern. Ob die beobachteten Eigentümlichkeiten in den Wachstums- und Gewichtszunahmen, ob die Unterschiede zwischen Knaben und Mädch enAllgemeingültigkeit beanspruchen können, ob wir es hierbei mit wirklichen durch Geschlechts- charaktere und Geschlechtsentwicklung bedingten Differenzen zu tun haben, oder ob da Verschiedenheiten in der Er- ziehung und in der Lebensweise mitsprechen, darüber müssen längere Zeit durchgeführte Beobachtungen und größere Zahlenreihen die Entscheidung bringen." Daß aber die heulige Erziehung und Lebensführung die Mädchen in ihrer körperlichen Entwicklung benachteiligt und schuld ist an ihrer größeren Kränklichkeit(vergleiche namentlich die Nürnberger Zahlen), dafür bringen die Be- richte der Schulärzte mannigfache Belege. So klagt der Frankfurter Bericht über geringe Be- Nutzung der Schulbäder namentlich seitens der älteren Mädchen. In einer ersten Klasse mußten die Bäder wegen zu geringer Inanspruchnahme ganz ausfallen; etwas besser war die Benutzung der Schwimmbäder im Main, aber auch da die Beteiligung der Mädchen geringer als die der Knaben(66,56 Prozent gegen 74,1 Prozent). Ebenso war die Beteiligung an den Turnspielen in den Bürgerschulen geringer, nämlich von 53,6 Prozent der Knaben und nur 31 Prozent der Mädchen; in den Mittelschulen war die Be- teiligung besser: 66 bezw. 63 Prozent, überall finden wir die Mädchen im Rückstand gegen die Knaben— zumeist dank des Unverstandes der Eltern. Der Darmstädter Bericht knüpft an die Tatsache, daß in der(Knaben- und Mädchen-)Mittelschule I bei 4,91 Pro- zent der Knaben, dagegen 10,85 Prozent der Mädchen Blut- armut gefunden wurde, die Bemerkung: Ursache sei die mangelhafte Ernährung besonders bei den aus den ärmeren Familien stammenden Mädchen und ungenügende Bewegung in freier Lust; Mädchen de? dritten bis sechsten Schuljahrs würden von den Eltern oft zu ängstlich zu Hause gehalten und müßten häufig schon über ihre Kräfte im Haushalt mit- helfen. Bei einigen Mädchen war die Beteiligung an Extra- handarbeitskursen außerhalb der Schule(andauerndes Sitzen mit gekrümmtem Rücken, Naharbeit!) an der Blutarmut schuld; die Eltern dieser Kinder wurden auf das Verkehrte dieser Tätigkeit aufmerksam gemacht, und mit dem Weg- bleiben aus diesen Kursen besserte sich auch die Blutarmut. Von dieser Regel— dem häufigeren Vorkommen von Blut- armut bei den Mädchen— machte eine Mädchenschule eine Ausnahme: während in der Mittelschule ll 15,6 Prozent der Mädchen, in den Mädchenschulen I und II 15,83 bezw. * Angaben über die durchschnittliche Körpergröße und daS Ge- wicht der Berliner BolkSschullinder sind in einer vergleichenden Tabelle enthalten, die man in dem soeben erschienenen Taschenbuch für die Schulärzte findet. Die Schulkinder der ReichShauptstadt schneidm im Vergleich zu anderen Städten gar nicht so übel ab. Während ein Berliner Abcschütze im Durchschnitt 113,6 Zentimeter groß und 20,1 Wogramm schwer ist, hat eS fein Altersgenosse in Halle nur auf 110 Zenttmeter und 19 Kilogramm gebracht. Aus Kiel und Lübeck, aus Freiberg und Posen fehlen die Gewichts- angaben, aber die entsprechenden Zahlen für die Größen find 103,8 bis 111,7 bis 108,6 und 106,9 Zenttmeter. Selbst die sechs- jährigen Kinder in den Dorffchulen Hinterpommerns stehen mit 112,4 Zentimeter durchschnittlicher Körperlänge Himer den Berliner Altersgenossen zurück. Auch Breslau kann sich mit Berlin nicht messen, da hier die Kinder nur 106 Zentimeter groß und 18,7 Kilo- gramin schwer find. Diese Verhältnisse bleiben im wesentlichen durch alle Altersstufen dieselben, und nur in den beiden letzten Schuljahren, bei den 13 und 14jährigcn Volksschülern, tritt eine Verschiebung zuungunsten Berlins ein. Da zeigen sich zum Bei- spiel die Schulknaben in Hinterpommern mit einer durchschnittlichen Größe von 148,6 Zenttmeter den Berliner Altersgenossen um 2 Zentimeter überlegen. Alle diese bisher angeführten Zahlen gelten aber nur für die Volksschulen. Es besteht ein wesentlicher Unter- schied zwischen Körperform und Gewicht eines Volksschülers und eines Zöglings der höheren Lehranstalten, und zwar zuungunsten der Volksschiiler. In Berlin befinden sich die Kinder der weniger begüterten Klassen hierin in einem ganz erheblichen Nachteil. Während ein 12jähriger Gymnasiast im Durchschnitt 145,4 Zentimeter groß ist und 37,1 Kilogramm wiegt, hat es der gleichaltrige Volks- schülcr nur auf 139,7 Zentimeter und 32,9 Kilogramm gebracht, und ähnliche Distanzen lassen alle Altersklassen erkennen. Die Ursachen sür diese Erscheinmigen werden von Dr. Samosch- Breslau damit erklärt, daß die sozialen Verhältnisse für das Wachstum der Kinder von großer Bedeutung sind. Auch in Berlin wurden die Brausebäder von 334706 Knaben, dagegeit nur von 208928 Mädchen benutzt. 208 Die Gleichheit Nr. 24 18,04 Prozent an Blutarmut litten, wies Btädchenschule III nur 6,7 Prozent auf— wie der Berichterstatter erklärt, wegen der günstigen Lage und Bauart dieses Stadtteils mit zahlreichen Gärten, der Nähe deS Waldes, guter Luft und gutem Licht. Wie ich hinzufügen möchte, wohl auch wegen derbessercn materiellen Lage und(infolgedessen) besseren Beauf- sichtigung und Lebensführung dieser Schulmädchen. Ich stütze mich dabei auf die Tatsachen, daß bei den Mädchen dieser Schule Ungeziefer„nur" in 8,84 Prozent, in der Mädchen- schule I und II bei 21,34 bezw. 24,14 Prozent aller Schüle- rinnen gefunden wurde. Aus den Anfängen der Frauenbewegung. Von Anna Bios. tSchiuß.» In den Frühlingstagen der Freiheit berief das liberale Ministerium Oberländer zur Bekämpfung wirtschaftlicher Notstände eine Arbeiterkommission. Und nun forderte Luise Otto in der„Adresse eines jungen Mädchens" die staatliche Fürsorge nicht nur für die Arbeiter, sondern anch für die Arbeiterinnen. Die Adresse klang in dem Gedanken aus: „Glauben Sie nicht, meine Herren, daß Sie die Arbeit ge- nügend organisieren können, wenn Sie nur die Arbeit der Männer und nicht auch die der Frauen mitorganisieren,— und wenn alle an sie zu denken vergessen, ich werde es nicht vergessen." Diese erste Frauenpetition war gradezu ein Er- eignis in Sachsen. Alle Blätter druckten sie ab, die Arbeiter- kommission und der Landtag beschäftigten sich damit, und der Minister Georgi fuhr sogar nach Meißen, um sich mit der Verfasserin zu besprechen. In den Arbeiterkreisen war man natürlich längst auf die kühne Vertreterin ihrer Jnter- essen aufmerksam geworden; man bat sie um Unterstützung, und nun trat Luise immer mehr als Agitatorin in die Öffentlichkeit- Sie vermittelte zwischen den Arbeitern der Porzellanmanufaktur und der Regierung, sie förderte die Wahlpropaganda, sie rief in Frauenvereinen ihre noch indolenten Schwestern zur Anteil- nähme an den sozialen und politischen Kämpfen der Zeit auf. Interessant ist ihr Sendschreiben an die„Verbrüderten"." Sie wünscht darin den Arbeitern Glück zu den Beschlüssen des Berliner Arbeiterkongresses, den sie als einen Keim be- trachtet, aus dem ein lebendiger Freiheitsbaum erwachsen soll, ein Baum, der alle Arbeiter in feinen Schutz nimmt, der über alle Lande den Schatten des Friedens breitet und aus dessen Zweigen die Triumphgesänge der Freiheit und Liebe hervorschallen! Vor allem aber dankt sie dem Kongreß für den zweiten Teil der Beschlüsse, in dem es heißt:„Von allen diesen Bestimmungen sind die weiblichen Arbeiter nicht ausgeschlossen und genießen unter gleicher Verpflichtung gleiche Rechte."— Sie steht damit den unsinnigen Fluch aufgehoben, der auf der einen Hälfte des Menschengeschlechtes liegt: rechtlos zu sein und unterdrückt.„Arbeiter, ihr habt damit die anderen Männer beschämt, die Männer der Wissen- schaft, des Staates, der Geschäfte usw., welche niemals daran denken, daß neben ihnen noch eine gleich große Zahl menschlicher Wesen existiert, welche auch zur Freiheit und Selbständigkeit geboren sind wie sie, ebenbürtige Wesen Nur der Wahnsinn alten Vorurteils und die irrtümlichen. Anschauungen überwundener Standpunkte der vergangenen Zeit konnten es geschehen lassen, daß ein Mensch den anderen zu feinem Eigentum, seinem Sklaven oder, wenn ihr wollt, seiner Sklavin machte. Diese Zeit ist vorüber, ein neuer Tag ist angebrochen." Zum Schlüsse gibt sie die Versicherung, wie bisher die Sache ihrer armen Schwestern zu vertreten, und stellt sich den Arbeitern zur Verfügung. Nach Robert Blums tragischem Tode, der ein schwerer Schlag für sie war, gab Luise Otto eine deutsche Frauen- zeitung heraus mit dem Motto:„Dem Reiche der Freiheit werd' ich Bürgerinnen." Das war im Jahre 1849, das leider nur zu bald ihre Freiheitsträume vernichten sollte. Den Erhebungen in Sachsen, Baden und der Pfalz folgte bald eine Niederlage nach der anderen. Brutaler als je er- hob die Reaktion ihr Haupt und verfolgte alle, die gewagt hatten, sich gegen sie zu erheben. Luise Otto war eine der ersten, die unter dieser Verfolgung zu leiden hatte. Ihr Blatt wurde unterdrückt, sie selbst aus verschiedenen Städten ausgewiesen, und Haussuchungen wechselten mit Verhören ab. Dazu kam die Sorge um die vielen politischen Freunde, deren Leben bedroht war, die im Kerker schmachteten, um die Flüchtigen und Verfolgten, deren Existenz vernichtet war, und denen sie zu helfen versuchte, soweit es ihre Kräfte erlaubten. Einer dieser Verfolgten trat ihr besonders nahe. Es war ein sächsischer Landsmann namens August Peters, der Sohn einer Proletarierfamilie aus dem Erzgebirge, der sich durch eigene Kraft emporgearbeitet hatte, von großer schriftstellerischer und rednerischer Begabung. Er ließ unter dem Namen Elsried von Taura Gedichte und Novellen er- scheinen, die viel Beifall fanden. In seinen Reden und als Schriftsteller war er feurig für die Sache des Volkes einge- treten, hatte im Mai 1849 sich am Aufstand in Dresden be- teiligt und war nach dem unglücklichen Barrikadenkampf nach Baden gegangen, um sich an dem dortigen Aufstand zu beteiligen. Er diente als Major in der badischen Revo- lutionsarmee, wurde m Rastatt gefangen, zu zehnjähriger Zuchlhaussttafe verurteill und kam in das Zellengefängnis zu Bruchsal. Schon lange hatte er im Briefwechsel ge- standen mit Luise Otto, aber auch bei persönlicher Bekannt- schaft hatte er nie gewagt, ihr seine Gefühle zu gestehen. Vor seinem Prozeß, der ihm auch ein Todesurteil hätte bringen können, sprach er ihr von seiner Liebe. Luise, die * Die von Born»md anderen auf dem ersten deutschen Arbeiterkongreß zu Berlin gegründete Arbeiterorganisation. sich schon lange zu dem Sohn des Volkes hingezogen fühlte, dessen Herz wie das ihre heiß für die Freiheitsideale glühte, eilte auf die Schreckensnachricht nach Bruchsal. Sie durfte Peters wohl sprechen, aber nur in Gegenwart des Ge- fangenenaufsehers und durch zwei weit auseinanderstehende Eisengitter getrennt, so daß sie ihm nicht einmal ihre Hand reichen konnte. Aber ihre Augen und Herzen fanden sich, und romantischer und tragischer ist wohl selten eine Ver- lobung geschlossen worden, als die zwischen August Peters und Luise Otto. Als man Peters nach drei Jahren in Baden einen Teil seiner Strafe erlassen hatte, wurde er nach Sachsen ausgeliefert und mußte vier weitere Jahre im Zuchthaus zu Waldheim verbüßen. Nur einmal im Jahre durften sich die Verlobten sehen und auch dann nur unter demselben Zwange wie bei der ersten Begegnung in Bruchsal. Aber ihre Liebe blieb unverändert und gab ihnen Kraft, die schwere Zeit zu überstehen. Wie Luise geliebt und gelitten, das spricht aus ihren„Liedern an einen Gefangenen". Was wäre wohl aus dem armen Gefangenen geworden, der ab- geschnitten saß von aller Welt, hätte ihn nicht der Gedanke an die tapfere Braut immer wieder aufgerichtet, die seiner dachte und auf ihn wartete. In jener Zeit hat sich recht gezeigt, wieviel Tapferkeit und Seelenstärke im weiblichen Gemüt schlummert und was eine Frau einem Manne zu sein vermag. Denn gleich Luise Otto kämpften und litten unzählige andere Frauen und waren in ihrer Art so große Helden wie die Männer, die Leben und Freiheit für ihre Ideale opferten. Erst im Jahre 18S3 konnte die Vermählung des treuen Paares stattfinden. Sie lebten erst in Meißen, wo Peters das Gewerbeblatt„Glück auf" gründete, dann in Leipzig, wo er die demokratische„Mitteldeutsche Volkszeitung" ins Leben rief, deren Redaktion später auch Wilhelm Lieb- k n e ch t angehörte und für die Robert S ch w e i ch e l arbeitete., Luise Otto hatte während ihres Brautstandes und zu der Zeit, da sie vielen Verfolgungen ausgesetzt war, sich ganz dem historischen Roman zugewendet. Die Resignation, die sich des Volkes bemächttgt, hatte auch sie ergriffen; sie sah ihre Freiheitsträume vernichtet und gab ihrer Verzweiflung in dem Gedicht„Nebel" Ausdruck: Ein Bild der Zeit! Ein Nebel schließt uns ein— Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein— Die Welt gehüllt in eine weite Wolke! Kein Adleriilick erspäht der Sonne Glanz— Der Freiheit Sonne— sie verhüllt sich ganz— Ein dumpfes Schweigen ringS im Volke. Nach sieben trüben Jahren begann nun für Luise und ihren Galten eine Zeit reinen hohen Glückes. Ihre Liebe war im Feuer erprobt, für die gleichen Ideale hatten sie ge- kämpft und gelitten, und eine innige geistige Gemeinschaft ermöglichte es ihnen, für die gleichen Ziele zu schaffen und zu streben. Leider hatte August Peters in der langen Kerkerhaft und bei den vielen Entbehrungen seine Gesund- heit eingebüßt. Die treueste Pflege und Fürsorge seiner Gattin war umsonst. Schon nach sechs Jahren trennte der Tod das Paar, das so füreinander geschaffen schien und nur so kurze Zeit seines Lebens in Gemeinschaft hatte verbringen dürfen. Ein Held der Freiheit ging Peters dahin, und un- vergängliche Lorbeerkränze haben ihm die Lieder seiner Luise gewunden, deren Leben durch die Erinnerung an ihn ver- klärt blieb. Aber nicht untätig gab sie sich dem Schmerze um den Toten hin; in seinem Sinne wollte sie weiter schaffen und wirken. In den von ihm gegründeten Zeitungen hatte sie sich schon viel mit Frauensragen beschäftigt. Die„Mittel- deutsche Volkszeitung" wurde 1866 beim Einmarsch der Preußen in Leipzig unterdrückt. Später gab Luise Otto- Peters in den von ihr gegründeten„Neuen Bahnen" ihren Anschauungen Ausdruck. In den sechziger Jahren befand sich die proletarische Frauenbewegung noch in den ersten Anfängen. Der Ein- fluß verschiedener Freunde und Freundinnen bewirkte, daß sich Luise Otto-Peters der bürgerlichen Frauenbewegung anschloß, für die in Leipzig damals der Boden vorbereitet worden war. Vielleicht hatte Luise sich deren Weiter- entwicklung anders gedacht. Ihre Empfindungen für die weibliche Proletarierwelt, denen sie in ihrer Jugend so stürmischen Ausdruck gegeben, klangen auch in dieser späteren Periode noch in ihr nach; jedenfalls sah sie in der„Frauen- frage" von heute nicht den Kampf gegen den Mann. Auf ihre Tätigkeit in der bürgerlichen Frauenbewegung ist hier nicht weiter einzugehen. Die Bedeutung von Luise Otto- Peters liegt für uns darin, daß sie als eine der Ersten ihre Stimme für die Gleichstellung der Geschlechter er- hob. Das soll ihr nicht vergessen sein, und wenn sich ihre Bahnen von denen der proletarischen Frauenbewegung auch trennten, so bleibt ihr erstes und größtes Verdienst dennoch bestehen. Sie starb am 13. März 1895 in ihrem 73. Jahre. Wie Herwegh von Heine als eiserne Lerche besungen wurde, so kann man Luise Otto-Peters wohl als die Lerche bezeichnen, die dsr deutschen Frauenwelt in der Frühe ein Lied der Freiheit zugejauchzt hat. Aus der Bewegung. Von der Agitation. In Versammlungen zu Halber- sladt, Magdeburg, Westerhüsen-Salbke, Fermers- leben und Bernburg erstattete Genossin Bollmann Be- richt von der Internationalen Frauenkonferenz und dem Jnter- nationalen sozialistsschen Kongreß in Stuttgart. Die Versamm- lungen waren mit Ausnahme der in Fermersleben gut be- sucht. Die Frauen folgten den Ausführungen mit Interesse und zeigten, daß sie allen auf der Konferenz sowohl wie auf dem Kongreß behandelten Fragen Verständnis entgegen- bringen. In Bernburg erklärten 20 Frauen ihren Beitritt zu der dort bestehenden Frauenvereinigung. In einer Volks- Versammlung in Kroppenstedt referierte die Unter- zeichnete über das Thema:„Staatsbürgerrechte der arbei- tenden Klasse". Nach dem Vortrag bestellten 22 Frauen die „Gleichheit". In Kroppenstedt hat die Arbeiterbewegung erst während der letzten Reichstagswahl Fuß fassen können. An allen bisher abgehaltenen Versammlungen haben die Frauen rege teilgenommen. Hoffen wir, daß sich die Zahl der Gleich- heitleserinnen bald vermehrt und die Frauen Kroppenstedts sich zu klassenbewußten Proletarierinnen heranbilden. Minna Bollmann. In der Zeit vom 13. bis 27. Oktober fanden in Jena, Kahla, Neustadt, Winzerla, Langenberg, Gera, Greiz, Zeulenroda, Orlamünde und Hermsdorf Versammlungen statt, in welchen Genossin Weyl-Berlin über„Die hohen Lebensmittelpreise und die Stellungnahme der Frauen zu denselben" sprach. Die Versammlungen er- freuten sich bis auf die in Orlamünde eines guten Besuchs. In Neustadt sowie in Zeulenroda wurde die Grundlage zu einer politischen Betättgung der Frauen geschaffen. In ersterem Orte erklärten sich 23 Frauen, in letzterem 35 Frauen zur Zahlung freiwilliger Beiträge bereit. In G r e i z Reuß ä. L. ist es den Frauen unmöglich, gewerkschaftliche oder politische Versammlungen zu besuchen. Die Frauen dürfen wohl Mit- glieder der gewerkschaftlichen Organisationen sein, doch ein Recht, Versammlungen zu besuchen, steht ihnen nicht zu. Das hindert natürlich die Organisation bedeutend. Wie bitter not ihnen diese aber gerade tut, geht daraus hervor, daß es Familien gibt, die nur über 10 bis 12 Mk. Ein- kommen wöchentlich verfügen, obwohl Mann und Frau in der Textitbranche tätig sind. Trotz aller Schwierigkeiten ist es den Textilern gelungen, von den zirka 3000 Arbeilerinnen 1000 für ihren Verband zu gewinnen. Da es uns in Greiz nicht möglich war, eine Versammlung abzuhalten, so trugen die Genossen dem Gesetz Rechnung und veranstalteten einen wissenschaftlichen Vortrag. Es war nun Aufgabe der Refe- rentin, sich in den gegebenen Grenzen ihren Zuhörern ver- ständlich zu machen. Die Frauen zeigten ein reges Interesse für alle Fragen, die zur Erörterung gelangten. Damit die Frauen lernen, die wirtschaftlichen und politischen Vorgänge in ihrem Kern zu erfassen, müssen sie immer wieder auf die Lettüre unserer Parteipresse hingewiesen werden. Sie muß ihnen lehren, was sie in Versammlungen nicht lernen dürfen. K. W. Im Aufttag des Deutschen Textilarbeiterverbandes unternahm die Unterzeichnete in der Zeit von End« Mai bis Anfang Oktober drei größere Agitationslouren im Gau Brandenburg, Bayern und Gau Süd. über den Ver- lauf der 95 Versammlungen im einzelnen zu berichten, ist natürlich unmöglich. Es kann nur ein Überblick gegeben werden. In allen drei Gauen waren die Versammlungen großenteils sehr gut besucht, und zwar häufig noch mehr von Frauen als von Männern. Doch gab es auch einzelne Orte, in denen die Frauen, obivohl sie berufstätig sind, sich durchaus nicht an den Versammlungsbesuch gewöhnen können. So war zum Beispiel in Taulfingen kein« ein- zige Frau erschienen, obgleich die Versammlung an einem Sonntag nachmittag stattfand. Das ist umso mehr zu ver- urteilen, als man es hier mit einer stattlichen Anzahl ziel- bewußter Genossen zu tun hat, die es trotzdem noch nicht fertig gebracht haben, ihre Frauen soweit aufzuklären.— In Tuttlingen war eine allgemeine Gewerkschaftsversamm- lung einberufen, in der sich die Frauen in so großer An- zahl betelligten wie nie zuvor. Mit sichtlichem Interesse folgten sie den Ausführungen der Referentin sowie einer Genossin, die in der Diskussion noch ermutigende Worte an die Frauen richtete. In Sindelfingen nahmen zirka 20 Frauen, die in der Maschinenstrickerei beschäftigt sind, zum erstenmal an einer Versammlung teil, und eine Anzahl davon ließ sich in den Verband aufnehmen. Besondere Erwähnung verdient auch eine Versammlung in Offenbach-Neumü hle. Hier wurde die Fabrillantine der Versammlung zur Verfügung gestellt. Der Direktor der Fabrik hat selbst den Wunsch, daß seine Arbeiter sich or- ganisieren, da er erkannt hat, daß die organisierten denken- den Arbeiter bedeutend gewissenhafter und tüchtiger sind als die unorganisierten, indifferenten.— Anschließend an diese Touren hielt die Unterzeichnete noch einige Versamm- lungen in Braunschweig und Umgebung ab. In einer Ver- sammlung der Schneiderinnen, Plätterinnen und Wäsche- rinnen wurden der Organisation 40 Mitglieder zugeführt. Desgleichen wurden in Braunschweig ein« Anzahl Mit- glieder für den Textilarbeiterverband gewonnen; außerdem erklärten sich mehrere Genossinnen bereit, freiwillige Bei- träge an die Partei zu zahlen und die„Gleichheit" zu abon- nieren.— Eine Textilarbeiterversammlung in Vechelde war nur schwach besucht, ein Mißstand, der wohl hauptsächlich darauf beruht, daß den Arbeitern dort kein Saal zur Ver- fügung steht, und sie deshalb nach dem eine halbe Stunde entlegenen Vechelade gehen müssen. Auguste Bosse. Ende Oktober tagte in Fermersleben eine gut be- suchte öffentliche Frauenversammlung, in der Genossin Mahn ausführlich Bericht vom Essener Parteitag erstattete. In der Diskussion forderte Genosse K u h s e die Frauen auf. sich der Organisation anzuschließen, und erinnerte die Ge- »offen an ihre Pflicht, ihre weiblichen Angehörigen über die Ziele der sozialistischen Frauenbewegung aufzuklären. Ge- nosstn K n ö f l e r legte klar, wie nötig es für unsere Frauen- bewegung sei, den Preußentag und die Frauenkonferenz in Berlin zu beschicken. Ein Antrag, die Genossin Knöfler als Delegierte zu den beiden Tagungen zu wählen, wurde Nr. 24 Die Gleichheit 209 angenommen. Genossin Schmidt kritisierte die hiesigen Schulverhälrnisse, besonders den frühen Schulanfang, der nur im Interesse der Großgrundbesitzer liege. Genosse Klepp, der Gemeindevertreter ist, bedauerte, bisher über diese Zustände in Unkenntnis gewesen zu sein, und regte an, Protest beim Schulvorstand einzureichen. Nachdem Genossin Mahn die Anwesenden aufgefordert hatte, tüchtig für die „Volksstinime" und die.Gleichheit" zu agitieren, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Frauen- bewegung geschloffen. Anna Schmidt. Zlgitation in Anhalt. Wie sich doch die Zeilen ändern und unter dem unaufhaltsamen Ansturm der Arbeiterbewe- gung die Verhältnisse: Im Jahre 1398, als die Unter- zeichnete im Auftrag des Fabrikarbeiterverbandes eine Agi- tationstour durch Anhalt machte, wurden ihr verschiedene Versammlungen aufgelöst, weil sie angeblich Ausführungen politischer Natur gemacht haben sollte und— an politischen Versammlungen.Frauenspersonen" nicht teilnehmen dürsten. In einem Falle kam es sogar zu einer Anklage und in der Berufungsinstanz zu einer Verurteilung auf Grund einer— gar nicht geltenden Bestimmung beziehungsweise einer falschen Jnterpretierung des Gesetzes. Erst bei einem späteren Gerichtsverfahren entschied als letzte Instanz das Naumburger Oberlandesgericht, es seien zu Unrecht all die Jahre hindurch die Frauen aus den öffentlichen politischen Versammlungen ausgewiesen worden, für Anhalt gelte die- selbe Bestimmung wie für Preußen in solchen Fällen. Seit- dem kommen die Frauen nicht nur äußerst zahlreich in die Versammlungen, sondern schon weit über tausend Frauen des kleinen Ländchens zahlen freiwillige Beiträge an die Partei und ebenso viele sind Abonnentinnen der„Gleich- heit". Einige hundert neuer Anhänger wurden auch wieder durch die Agitation der Unterzeichneten im Oktober ge- wonnen. Die Tour begann mit einer Versammlung in Göthen, die trotz des leider nur mäßigen Besuchs uns neue Leserinnen und Beitragzahlerinnen zu den schon vor- handenen 170 hinzubrachte. In Gröbzig ward eine V er- trauensperson gewählt, 45 Beitragszahler waren schon vorher der Partei beigetreten und neue Abonnenten meldeten sich in der Versammlung. In den sehr gut besuchten Ver- sammlungen in Dessau, Bernburg, Nienburg sowie in den Orten Coswig, Roßlau, Zerbstund Leopolds- hall ward eine stattliche Anzahl von Mitkämpferinnen her- angeholt, während in Hecklingen aufs neue der Grund- stein zur proletarischen Frauenbewegung gelegt werden mußte. Bereits vor zwei Jahren war im Orte mit 70 Gleichheitleserinnen der Anfang dazu gemacht worden, aber bedauerlicherweise war die junge Bewegung bald wieder zusammengebrochen. Hoffen wir, daß es diesmal vorwärts statt rückwärts geht. In Raguhn setzte die Betätigung der Frauen verheißungsvoll ein. 36 Frauen scharten sich um die neugewählte Vertrauensperson, und in Harz- gerode meldete sich die gleiche Zahl zum Beittagzahlen, eine hübsche Zahl neuer Leserinnen ward außerdem ge- wonnen. Genossin Schüler wird sicher sorgen, daß die Zahl der tätigen Frauen sich bald vergrößern wird. Ein halbes Hundert Leserinnen und sehr viele Beitragzahler meldeten sich in Kleinkühnau bei Dessau. Den Schluß der Tour bildete eine Versammlung in Fr ose, wo es gleichfalls gelang, zwei Genossinnen als Vertrauens- personen und eine Anzahl Beitragzahler zu gewinnen. Erfreulicherweise unterstützen unsere Genossen fast allerorten die iunge Bewegung, am meisten nimmt sich jedoch Genosse Günther in plan- und energievoller Weise der Sache an. Wir haben so begründete Hoffnung, daß in steigendem Maße die Frauenbewegung ein wichtiger Teil der Gesamtarbeiter- bewegung Anhalts wird. Luise Zietz. Gewerkschaftliche Agitation. Mit großem Fleiß hatten die Hamburger Genossinnen die Vorarbeiten gemacht für eine große öffentliche Schneiderinnenversammlung, die am 9. Oktober im Gewerkschastshaus tagte. Genossin Zietz re>erierte über„Die Lohn- und Arbeitsbedingungen und die Notwendigkeit des Zusammenschlusses". An der Diskussion sowie an der Aufnahme der Mitglieder(es wurden 25 Neuaufnahmen erzielt) beteiligten sich unsere Genossinnen wiederum erfolgreich.— Auch in Leipzig hatten die Ge- nossinnen zum Teil die Vorarbeiten für eine Betriebsver- sammlung der Firma Luckner in Wahren sowie für eine öffentliche Schneiderinnenversammlung übernommen. An anderer Stelle werden wir noch über die Lohn- und Arbeits- bedingungen berichten, die von der Reserentin Genossin Zietz eingehend geschildert und kritisiert wurden.— Vorher hatte Genossin Zietz schon in einer Anzahl Buchbinder- Versammlungen in Leipzig referiert über„Die Frauen- arbeit in der Industrie". Den Abschluß fand diese Agi- talion in einer öffentlichen Buchbinderversammlung im „Pantheon", wo die Reserentin»Die Aussperrungstaktik der Unternehmer" behandelte. L- z- Bon den Organisationen. Ein Krauen- und Mäd- chenbildungsverein ist in Ludwigshafen gegründet worden. Die Unterzeichnete hatte eine Anzahl Frauen zu einer wichtigen Besprechung am 10. Oktober zusammen- berufen. Der Aufforderung kamen 21 Arbeiterfrauen nach. Die Unterzeichnete legte ihnen kurz die Rechtlosigkeit des weiblichen Geschlechts dar und forderte sie auf, den Kampf dagegen aufzunehmen. Daß die Worte der Unterzeichneten auf guten Boden fielen, bewies die Diskussion. Die Frauen sprachen sich sämtlich für die Gründung eines Frauen- und Rtädchenbildungsvereins aus und beschlossen, eine Kommis- sion mit der Ausarbeitung der Statuten zu beauftragen. Die Begeisterung war so stark, daß die Frauen den Be- schlug faßten, schon am 14. Oktober eine Versammlung ab- zuhalten und dort den Verein ins Leben zu rufen. Diese Versammlung fand statt und war von 60 Frauen besucht, von denen 51 dem neuen„Frauen- und Mädchenbildungs- verein" beitraten und das Einschreibgeld von 20 Pf. gleich bezahlten. Der Verein erstrebt die Förderung der Aufklä- rung und Bildung der Frauen. In den Vorstand wurden die Genossinnen Riedl, Hof, Staats, Pfirrmann, Ky- bortz, Brodbeck, Zettinger, Roth und Luppa ge- wählt. Am 1. Januar 1908 wird der Verein die„Gleich- heit" als obligatorisches Organ einführen. Die Mitglieder- zahl ist inzwischen auf 90 gesttegen, ein Beweis dafür, daß die Gründung des Vereins einem längst vorhandenen Be- dürfnis entsprach. Mögen die Genossinnen Ludwigshafens sich zu tapferen Kämpferinnen heranbilden, ihre Feinde, die Unwiffenheit und Gleichgültigkeit, zurückschlagen und den Kampfplatz, auf den sie geführt worden sind, für sich erobern, damit sie Seite an Seite mit ihren Arbeitsgenoffen für die Befreiung des Proletariats kämpfen können. Kath. Schley-Mannheim. In Schraplau, Kreis Mansfeld, wurde im September ein Frauenverein gegründet. In der zu diesem Zwecke einberufenen Frauenversammlung, an der zirka 200 Personen teilnahmen, zum Teil auch aus Stedten, Esperstedt usw., referierte Genossin Vollmann über die Frauenbewegung und gab einen llberblick über die Beratungen des Stuit- zarter Internationalen sozialistischen Kongresses und der Jnter- nationalen Frauenkonferenz. Nach dem Referat ergriff Ge- nosse B ehrend das Wort und forderte die Frauen auf, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam zu kämpfen und Auf- klärung und Bildung zu verbreiten. Darauf konstituierte sich der Frauenverein und Genossin Schade wurde als Vertrauensperson gewählt. Einige Wochen darauf, Mitte Oktober, wurde wiederum eine öffentliche Frauenversamm- lung abgehalten. Genosse Behrend referierte über die „Bildungsbestrebungen der Proletarierinnen". Am Abend fand ein Kränzchen statt. Möge die proletarische Frauen- bewegung auch im schwarzen Reiche Arends gute Fort- schritte machen, damit der Unternehmerwillkür ein Damm entgegengesetzt wird, die gerade in dieser Gegend besonders brutal auftritt. Anna Sachse. Jahresbericht der Vertrauensperson der Genossinnen von Ottensen. Eine gute Entwicklung hat die Frauenbewe- gung in Ottensen im letzten Jahre genommen. Freilich waren die fünf Frauenversammlungen, die stattfanden— von einer Ausnahme abgesehen—, schwach besucht und brachten daher betreffs der Gewinnung von„Gleichheit"leserinnen und Zahle- rinnen von freiwilligen Beiträgen auch keinen großen Erfolg. Wenn wir trotzdem in jeder Hinsicht erfreulich vorwärts ge- kommen sind, so ist dies der unermüdlichen, bezirksweise durch das Stadtgebiet vorgenommenen Agitatton von Haus zu Haus zu verdanken. Denn da im allgemeinen die Frauen nicht gern zu Versammlungen gehen oder auch oft nicht gehen können, haben unsere tättgen Genossinnen sie in den Wohnungen auf- gesucht, um ihnen angesichts der Not und des Elends ihrer ärmlichen Lage begreiflich zu machen, daß sie im Interesse ihrer Kinder sich der sozialisttschen Bewegung anschließen und sich durch das Lesen der„Gleichheit" bilden müßten. Unsere Erfolge haben gezeigt, daß die schlichten Worte der Ge- nossinnen, die Leidensgefährtinnen derer sind, zu denen sie sprachen, leichter verstanden wurden, als selbst die besten Vorträge. Die Zahl der Frauen, die sich durch freiwillige Beiträge als Parteimitglieder bekunden, ist von 355 im Jahre 1906 auf 530 im Jahre 1907 gestiegen und die Zahl der Abonnenten der„Gleichheit" von 230 auf 435. Die Ein- nahmen der Genossinnen betrugen: Vertrieb der„Gleichheit" 858,20 Mk., Verkauf von Bons a 5 Pf. und von Marken ä 10 Pf. zusammen 498 Mk., auf Sammellisten zum Wahl- fonds 116,20 Mk. Zusammen mit dem Kassenbeständ von 13,12 Mk. stellte sich die Gesamteinnahme auf 1485,52 Mk. Verausgabt wurden für 9486 Exemplare und das Austragen der„Gleichheit" zusammen 722,25 Mk., Entschädigung der zweiten Vertrauensperson 48 Mk., für verschiedene Agitations- Unkosten 20,35 Mk., an Genossen Hagge vom Überschuß der „Gleichheit" 50 Mk., für Marken und Bons zusammen 498 Mk. und 116,20 Mk. an den Wahlfonds des sozialdemokratischen Zentralvereins, insgesamt 1454,30 Mk., so daß ein Kaffen- bestand von 30,72 Mk. vorhanden war. Die Beteiligung der Frauen an der Wahlbewegung war eine sehr rege. Eine während dieser Zeit abgehaltene Frauenversammlung war von 900 Frauen besucht. Die Frauen halfen Flugblätter falzen und austragen und leisteten am Wahltag nützliche Schlepperdienste. Mancher Wähler kam zur Urne, weil er sich von den Frauen nicht beschämen lassen wollte. Auch die theoretische Schulung der Genossinnen wurde nicht vergessen. Es wurden Leseabende organisiert, die jedoch während der Wahl und den Sommer hindurch ausfielen. Nun sind sie wieder aufgenommen worden. Die Genossinnen nehmen außerdem„im Segment" an den Versammlungen der Ge- nossen teil, in denen fast stets belehrende Vorttäge gehalten werden. Die Frauen arbeiten in engster Fühlung mit den Genossen. Die Rührigkeit der tätigen Genossinnen Ottensens verbürgt die weitere gesunde Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung am Orte. Emilie Lund. Politische Rundschau. Der Ausbruch der Krise, deren erste Anzeichen schon zu Beginn des Jahres bemerkbar wurden, ist jetzt durch die Erhöhung des Reichsbankdiskonts auf den außerordentlich hohen Satz von 7'/, Prozent amtlich anerkannt worden. Der Krach in Nordamerika, wo eine ganze Anzahl von Banken ihre Zahlungen einstellen mußten, iveil sie durch ihre Beteiligung an der zusammengebrochenen Kupferspeku- lation große Verluste erlitten hatten, wirkt auf Europa zu- rück. Der wirtschaftliche Aufschwung, an dessen Ende wir jetzt stehen, nahm auch seinen Ausgang von Amerika. Dort setzt jetzt zuerst die Krise ein, die bei der heutigen innigen Verknüpfung der Weltwirtschaft sich zu einer internationalen auswachsen muß. Die Erhöhung des Bankdiskonts ist das Signal, das auf das Hereinbrechen von Arbeitslosigkeit und Lohndruck hinweist. Wenn die Banken für das Geld, das sie an Handel und Industrie ausleihen, außergewöhnlich hohe Diskontsätze fordern, so zwingen sie zu Einschränkungen der geschäftlichen Operationen. Die Industrie findet infolge der Einschränkung des Handels weniger Absatz. So gerät sie in Schwierigkeiten; Betriebseinschränkungen, Arbeiter- entlassungen. Bankerott der nicht ganz fest fundierten Betriebe sind die Folge. Die Arbeiterschaft muß als Prügelknabe die Schäden der kapitalistischen Produktions- weise ausbaden. Sie wird wieder einmal in Not und Ent- behrung erfahren müssen, daß es für sie in der kapitalistischen Gesellschaft keine Sicherheit der Existenz gibt. Solange die planlose Produktion, die aus dem Privateigentum an den Produktionsmitteln entspringt, ltberfluß an Waren schafft, so lange wird das Elend des Proletariats dauern. Starke Gewerkschaften und eine starke politische Arbeiterbewegung, die Sozialreformen erzwingt, können es mildern— ganz beseitigen kann es nur die Vergesellschaftung der Produk- tionsmittel, die Umwälzung der Wirtschaftsform, die Verdrängung der kapitalistischen Gesellschaft durch die sozia- listische. Die Wetterzeichen der Zeit sind Mahnungen für das Proletariat, seine politische und gewerkschaftliche Rüstung mit aller Kraft zu verstärken, die Gleichgültigen, die noch nicht zur Erkenntnis ihrer Lage Erwachten aufzurütteln und ihre Köpfe aufzuhellen. Harte Zeiten stehen bevor. Die Krise trifft zusammen mit einer erschreckenden Teue- rung der Lebensmittel, und diese Teuerung wird in Deutschland verschärft durch die Wirkungen der Wucherzölle, mit denen die Profitwut der Junker und die Weisheit der Regierung das deutsche Volk beschenkt haben. Die außer- gewöhnlich hohen Roggen- und Weizenpreise, die erheblich den Durchschnittspreis der letzten sieben Jahre übersteigen, stehen jetzt in Deutschland fast genau um den Betrag des Schutzzolls, um 50 und 55 Mk. pro Tonne, höher als auf dem Weltmarkt. In den Zeilen der Not, der Arbeitslosig- keit und des sinkenden Lohnes wird der deutsche Arbeiter das Brot noch um 2'/, bis 2'/« Pf. pro Pfund teurer essen, als es nach den Preisen des Weltmarktes sein müßte; die fünfköpfige Proletarierfamilie wird während der Krise den Großgrundbesitzern pro Tag mindestens 10 Pf. Tribut zahlen müssen für die Erlaubnis, sich an Brot zu sättigen. (Vorausgesetzt, daß sie das mit einem Vierpfundbrot fertig bringt, denn verzehrt sie mehr, so steigt der Tribut ent- sprechend.) Aus allen Teilen des Reichs wird denn auch schon gemeldet, daß das Brot entweder teurer oder bei gleichem Preis kleiner wird! Dazu kommen hohe Fleisch- preise, für die neben den Zöllen die Vieheinfuhrverbott sorgen. Zwar sind die Schweinefleischpreise infolge vermehrter Züchtung ein wenig gesunken, sie stehen aber immer noch erheblich höher als 1900. Wie unerschwinglich die Fleischpreise für die arbeitende Bevölkerung geworden sind, das zeigt der Umstand, daß in der Zeit des Aufschwungs, da es den Gewerkschaften möglich war, Lohnerhöhungen zu erkämpfen, der Fleischkonsum laut amtlicher Feststellung zurückging! Andere wichtige Lebensmittel, wie Erbsen, Kartoffeln, Rüböl, Gemüse, Eier, Butler, Milch zeigen er- hebliche Verteuerungen, ebenso die Brennmaterialien. Bei Steinkohlen, Koks und Briketts ersetzen die Preisschraube- reien der kartellierten Kohlenbarone die Wucherzölle. Die Beseitigung der Getreidezölle ist deshalb die dringlichste Maßnahme, die das deutsche Volk zu fordern hat. Aber die Regierung der Junker denkt nicht daran. In der sächsischen Kammer erklärte bereits der Minister Graf Hohenthal, die sächsische Regierung vermöge selbst für eine zeitweilige Aufhebung oder auch nur Ermäßigung der Zölle nicht einzutreten, weil das Interesse der deutschen Land- Wirtschaft— lies der Großgrundbesitzer— dem entgegen- stehe. Der deutsche Proletarier mag hungern, Graf Hohen- thal glaubt ihn damit trösten zu können, daß er nur vor- übergehend zu hungern braucht. Denn die Teuerung, so meint er, ist nur vorübergehend. Und in dieser Zeit der Not sollen neue Steuern auf notwendige Verbrauchsartikel die Lebens- Haltung abermals verteuern! Das Defizit im Reichssäckel wird groß und größer. Auf 130 Millionen wird es geschätzt. Aber damit ist der Bedarf des Reiches an neuen Steuern nicht erschöpft. Eine neue Flottenoorlage, die 60 Millionen jährliche Mehrausgabe erfordert, wird dem Reichstag zu- gehen, 50 Millionen sind zur Erhöhung der Beamtengehälter notwendig, neue Forderungen für das Heer stehen bevor, große Ausgaben für Eisenbahnbauten in den Kolonien nicht minder. Die bewilligungsfreudige Mehrheit im Reichstag ist da, der Freisinn ist durch den Block gezähmt— wie sollte die Regierung die Situation nicht ausnützen. Auf den Umfall des Freisinns in der Steuerfrage wird sicher gerechnet. Jeden- falls arbeitet die Reichsregierung ihre Deckungspläne aus, als hätte der Freisinn niemals gegen indirekte Steuern und Branntweinliebesgaben an die Junker gekämpft. Ein Brannt- weinmonopol wird geplant, oder richtiger eine staatliche Organisierung des Branntweinverkaufs, die staatliche Fest- stellung des Branntweinpreises, die den schnapsbrennenden Junkern für alle Zeit ihre Schnapsprofite und ihre Schnaps- liebesgaben auf Kosten des Volkes sichert und zugleich dem Reichssäckel neue Einnahmen zuführt. Und was dann fehlt» sollen eine Zigarrenbanderolesteuer und andere indirekte Steuern bringen, die den Massenverbrauch treffen und die Lasten auf die große Masse der arbeitenden Bevölkerung ab- wälzen. Denn die herrschende, diebesitzende Klaffe bedankt sich, die Kosten ihrer Polttik zu tragen— die Finanzministerkonferenz, 210 Die Gleichheit Genossenschaftliche Rundschau.* " Nr. 24 a. p. die jüngst stattgefunden hat, war einig in der Meinung,| Die gestellten Forderungen erstreckten sich auf 14044 Drte von männlichen Mitgliedern liegt. Außer weiblichen Deledaß man an direkte Reichssteuern, sei es Reichseinkommen- und auf 62 780 Betriebe mit insgesamt 1 260 571 beschäftigten gierten der genannten zwei Organisationen waren zwei steuer oder Reichsvermögenssteuer, nicht denken darf ießt Personen. Die den Gewerkschaften aus Lohnbewegungen Vertreterinnen des Heimarbeiterinnenvereins anwesend, dann und in absehbarer Zeit". erwachsenen Kosten beliefen sich auf 13 Millionen Mart Genossin Popp für das Frauenreichskomitee und Genossin Dem Freifinn ist die Notwendigkeit, für neue indirekte gegenüber 11 Millionen im Vorjahr. Für 339 469 Personen Boschet als Mitglied der Gewerkschaftskommission. Die Steuern stimmen zu müssen, natürlich nicht angenehm. Aber wurden Arbeitszeitverkürzungen um 1248 119 Stunden er- Genofsinnen griffen wiederholt in die Debatte ein; Genoſſin er wird sich, wenn er im Block bleiben will und dahin reicht, das ist für jeden Beteiligten durchschnittlich 3/4 Stunden Boschet gab nüßliche Anregungen zur Organisation und geht all sein Sehnen wohl dazu bereit finden müssen. wöchentlich; Lohnerhöhungen wurden für 691 703 Personen befürwortete die Subventionierung weiblicher VerUnd nach den Proben von Anpassungsfähigkeit, die er in durchgesetzt, und zwar um zusammen 1290 736 Mt. oder für trauenspersonen. Genossin Freundlich und Genossin anderen Fragen schon bewiesen, wird er auch das wohl noch jeden Beteiligten 1,87 Mt. wöchentlich. Dazu kommen Lohn Popp plädierten für die Arbeiterinnenschuß fordefertig bringen, wenn er sich jetzt auch noch etwas ziert. Hat aufschläge für Überstunden in 2246 Fällen, für Nacht- und rungen und beantragten Zusätze zur Resolution über er sich doch zu Frankfurt in einer großen Einigungsversamm Sonntagsarbeit in 2109 Fällen, Beseitigung der Affordarbeit Arbeiterschuß und Parlament. In die neue Gewerklung der drei freisinnigen Gruppen- ein Schaustück, das in 68 Fällen, verbesserte Werkstattordnung in 98 Fällen; in schaftskommission wurde wieder Genossin Anna Boschek nur Reden der von den Zeitungen bestellten Referenten 149 Fällen wurde Maßregelung abgewehrt und in 2199 gewählt. brachte und die Diskussion ausschloß auf den Berrat in Fällen Vorteile verschiedener Art errungen. 2360 korporative der preußischen Wahlrechtsfrage geeinigt. Selbst der Vor- Arbeitsverträge wurden für 317 487 Beteiligte abgeschlossen. schlag Barths, der preußischen Regierung wenigstens sofort Die gesamten Lohnbewegungen wurden von 47 Gewerks die geheime Wahl abzutrogen, wurde nicht akzeptiert. Er schaftsorganisationen geführt. Im ganzen wurden 3873 In Dresden bemühen sich die Stadtväter seit vielen geht den freisinnigen Helden, die außer einem platonischen Kämpfe geführt, an denen 289537 männliche und 26 505 Jahren um das Zustandekommen einer Umsatzsteuer, Bekenntnis fürs Reichstagswahlrecht nichts in der Wahl- weibliche Personen beteiligt waren. Angriffstreiks fanden die selbstverständlich vornehmlich auch auf die dort berechtsfrage tun wollen, nicht weit genug! Nicht einmal zu 2265 statt, daran beteiligt waren 169 533 männliche und stehenden vier Konsumvereine gemünzt ist. Nachdem man einer Aufstellung von Mindestforderungen an das kommende 14 223 weibliche Personen. Abwehrstreits wurden 1048 ge- lange hinüber und herüber gezerrt hatte, kamen die städtischen Reichsvereinsgesetz haben sie sich vorgewagt- ja, die Frei- führt, an denen 35 515 männliche und 3415 weibliche Per- Kollegien Dresdens vor etwa zwei Jahren endlich zu einem sinnige Zeitung" hat bereits durchblicken lassen, daß der sonen teilnahmen. Nur die kleinsten Verbände unter den Ergebnis. Sie beschlossen die Gewerbesteuerordnung" mit Linksliberalismus über das Verbot nichtdeutscher Sprache freien Gewerkschaften waren an Lohnkämpfen nicht beteiligt. der Bestimmung, daß diefelbe am 1. Januar 1906 in Kraft in Versammlungen ein Ausnahmerecht gegen Polen und Es fanden 560 Aussperrungen statt, von denen 40 Organi- treten sollte. Daraus wurde nun nichts, weil KreishauptArbeiterbewegung mit sich reden lassen werde! Auch zur fationen betroffen wurden. Ausgesperrt wurden 84489 mannschaft und Kreisausschuß dem Steuermonstrum die Steuerfrage wurde in Frankfurt keinerlei umfassende pro- männliche und 8867 weibliche Personen. Aus diesen Zahlen nötige Genehmigung nicht erteilten. Die Vorlage wurde an grammatische Erklärung abgegeben. Und alles das geschah spricht ein gewaltiges Ringen der organisierten Arbeiterschaft die städtischen Behörden zurückverwiesen mit dem Bemerken, unter der Zustimmung des einstigen Rufers nach einem um ihr Recht. Aber auch dort, wo Forderungen der Ar- daß eine wesentliche Umarbeitung" nötig sein würde. Das Boltssturm gegen die Junkerburg, des wandlungsfähigen beiter ohne Streits sich Anerkennung verschafften, zeigt sich Dresdener Stadtverordnetenkollegium beschloß nach einem Naumann und des Leiters der sogenannten süddeutschen die Macht der gewerkschaftlichen Organisation, denn nur auf Vorschlag des Rates, das Umsatzsteuerregulativ dem städtischen Demokratie, deren Sprecher Haußmann sich als den Wiemer, sie ist es zurückzuführen, wenn Arbeitgeber sich zu Zugeständ- Verfassungsausschuß zu erneuter Beratung zu überweisen. Müller, Fischbeck und Kopsch durchaus gleichwertig erwies! nissen bereit erklären. Mit schweren Opfern haben die Ge- Oberbürgermeister Beutler meinte damals, daß das InterVom Kampf der Kamarillen wurde aufs neue ein werkschaften zum Teil diese Erfolge erkämpfen müssen, Er- esse der Stadtverwaltung an der„ Gewerbesteuerordnung“ Zipfel gelüftet in dem Prozeß des Reichskanzlers wider den folge für die Hebung der Arbeiterklasse, die die gegnerischen ein wesentlich geringeres würde, wenn man den Intentionen Konfusionär Brand, der ihm Homosexualität nachgeredet Arbeiterorganisationen nicht entfernt zu verzeichnen haben. der vorgefeßten Behörde folgen solle, die unter anderem in hatte und dafür nun 18 Monate ins Gefängnis wandert. Und das„ Korrespondenzblatt der Generalkommission" be- neuerer Zeit verlangt wie wir fürzlich bereits erFürst Eulenburg benutzte die Gelegenheit, um fern von den antwortet daher die Frage, was es ist, das uns diese Erwähnten-, daß die Umsatzsteuer nicht den Finanzen Geschossen Hardens einen Reinigungseid zu schwören, der folge verschafft und sichert, mit den Worten:„ Das ist neben der Gemeinde zufließen, sondern zu einem mittelstandsdie Position des letzteren in der neuen Auflage des der großen Opferwilligkeit und Disziplin der in den Zentral- retterischen Zwecke bestimmt sein soll. Es ist begreiflich, Moltke- Harden Prozesses erheblich verschlechtert. Das ge- verbänden Organisierten der Geist des Klassenkampfes, der daß mit diesem Verlangen der Regierung das Interesse der schieht ohnehin schon durch den Umstand, daß die Staats- diese Organisationen durchweht. Die große Opferwilligkeit, Gemeindeverwaltung an der Umsatzsteuer schwinden muß. anwaltschaft sich unter höherer Belehrung plößlich zu der die stete Kampfbereitschaft und ausdauernde Disziplin, die Doch in Dresden wurstelt man zunächst weiter. Deshalb Auffassung bekehrt hat, fie müsse die amtliche Vertretung zur Erringung solcher materiellen Vorteile erforderlich sind, hatte der Stadtrat Beschwerde beim Ministerium des der Sache des Grafen Moltke, die sie einstens ablehnte, jetzt sind nur da vorhanden, wo die große Masse der Mitglieder Innern gegen die Entscheidung der Kreishauptmannschaft im öffentlichen Interesse übernehmen. Die Bloßstellung der von idealer, flaffenbewußter Begeisterung erfüllt ist." geführt. Das Ministerium hat daraufhin der Kreishauptherrschenden Klaffe in dem Schöffengerichtsprozeß ist eben Inzwischen hat der Boykott gegen das Waren- mannschaft aufgegeben, nochmals unter bestimmten Gesichtsvon dieser unliebsam verspürt worden. Harden wird nun haus Jandorf in Berlin mit vollem Erfolg für die punkten die Sache zu erörtern. Das ist nun geschehen. von denen, deren Interessen er vertrat, im Stich gelassen, Arbeiter geendet. Die Vertragsklausel ist zurückgezogen und Bum zweitenmal sind die Kreishauptmannschaft Dresden weil er zu viel bewiesen, zu viel aufgedeckt hat. Er war für beide Kontrahenten eine Bertragsbruchstrafe von 17,50 Mt. und der Kreisausschuß dazu gekommen, dieses Umsahbrauchbar zum Sturze der Kamarilla Eulenburg; daß er festgesetzt worden; die Firma muß, falls fie vertragsbrüchig steuergesetz abzulehnen. So werden nun die Dresdener mehr getan und die Herrschenden dem Volte nackt gezeigt wird, außerdem noch den Lohn für die Kündigungszeit Stadtväter abermals an die Arbeit gehen müssen, wenn sie hat, das können selbst die Gegner der Liebenberger ihm zahlen. In bezug auf Festsetzung der Löhne und Arbeits- das Spiel inzwischen nicht satt bekommen. nicht verzeihen. Der„ Retter des Vaterlandes" wird auf dem bedingungen entspricht der Vertrag dem, was der Trans- Die außerordentlichen Erfolge der beiden Hamburger Altar der Staatsräson", das heißt des gemeinsamen Inter. portarbeiterverband schon vordem verlangt hat. Dieser Genossenschaftsbäckereien, der des Konsum-, Bau- und Sparesses aller Roterien der Herrschenden, geopfert werden. Im schnelle Sieg ist für unsere Leserinnen insofern sehr be- vereins Produktion und der der Produktivgenossenschaft übrigen bringt die barbarisch harte Bestrafung Brands wieder achtenswert, als er fast ausschließlich ein Verdienst unserer Vorwärts, haben die Hamburger Bäckermeister aneinmal die Rechtsgleichheit in Deutschland zum erschauernden Klassengenossinnen ist; sie waren es vor allem, die durch geregt, eine Großeintaufsgesellschaft zum gemein. Bewußtsein. 1% Jahr Gefängnis dem Publizisten, der dem Verteilung von Flugblättern das Publikum über die Sachsamen Einkauf der Bädereibedarfsartitel zu Reichstanzler homosexuelle Veranlagung nachredet- Dienst lage unterrichteten, selbst auf die Gefahr hin, von der immer gründen. Handwerker haben sich also die sozialdemo entlassung mit Pension dem Grafen Lynar, der Unter- wachsamen Polizei arretiert zu werden. gebene zu päderastischen Orgien mißbraucht! Von einer Strafverfolgung der Lynar und Hohenau ist keine Rede! Der Vizeadmiral v. Ahlefeld aber muß den Dienst quittieren, weil er ein Duell verweigert hat! " #fratischen" Genossenschaften zum Vorbild genommen. Dieses Vorgehen sticht sehr erfreulich ab von dem sonst üblichen Treiben der Handwerker und ihrer Organisationen, die die Konsumvereine am liebsten mit Stumpf und Stiel ausrotten möchten. In Nürnberg haben die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse für Arbeiterinnen fürzlich begonnen, auf die wir schon in Nr. 18 einen Hinweis brachten. An den Kursen Die dritte russische Duma, die Duma des Schwarzen nehmen 33 Arbeiterinnen folgender Verbände teil: 10 aus Der Konsumverein Leipzig- Plagwis erzielte im Hundert, der Pogromiften, ist zusammengetreten. Die 34 Ber- dem Metallarbeiterverband, 6 aus dem Fabrikarbeiterverband, 23. Geschäftsjahr 1906/07 einen Umfaß von 14788461 m. treter des Verbandes der echtrussischen Leute und die ihnen 4 Buch- und Steindruckhilfsarbeiterinnen, 4 Handlungs- in 57 Verkaufsstellen, 9 Fleischerläden und 3 Warenhäusern. naheftehenden Abgeordneten der Rechten" bilden mit 186 Man- gehilfinnen, 3 Dienstboten, 2 aus dem Schuhmacherverband, Bemerkenswert ist, daß die seinerzeit vom falliten Konsumdaten die stärkste Gruppe, die der Junker, die der Verfassung 2 Textilarbeiterinnen und je 1 Mitglied des Holzarbeiter verein Connewig total verlotterte Fleischerei gut floriert und durchaus feindlich gesinnt ist. Die Oktobristen, Scheinkonsti- und des Sattlerverbandes. Genoffin Grünberg behandelt bereits 101 159 Mt. Überschuß abgeworfen hat. Der ge tutionalisten, die die Befestigung der Regierungsgewalt für drei Lehrstoffe: Gewerkschaftsbewegung, Unternehmerverbände samte Reingewinn beträgt 1375343 Mt., so daß eine Rückihre Hauptaufgabe erklären, die Vertreter der Kapitalisten und Arbeiterschutzgesetzgebung. Die Kurse sind fostenlos, finden vergütung von 10 Prozent wie üblich- gewährt haben 107 Size inne; die bürgerliche Opposition( Teile der an den ersten drei Mittwochsabenden im Monat im Gewerk- werden kann. Die Mitgliederzahl stieg um zirka 300 auf Intelligenz, Kleinbürger und Bauern), deren stärkste Gruppe schaftshaus,„ Historischer Hof", Neue Gasse 18, statt und 38 619. Der Verein beschäftigt 1000 Personen. die 50 Mann zählenden Kadetten( tonstitutionelle Demokraten) enden im April 1908. Der kürzlich in Wien abgehaltene Deutsche fozialausmachen, wird 111 Mann zählen. Die Sozialdemokratie demokratische Parteitag Osterreichs nahm zur hat es auf 22 Site gebracht; eine Anzahl davon erzielte Von der gewerkschaftlichen Organisation der Ar- Lebensmittelteuerung eine Resolution an, in der es in bezug fie durch bäuerliche Wahlhilfe, ein erfreulicher Beweis, daß beiterinnen in Oesterreich. Am 16. Ottober trat in Wien auf die Konsumvereine heißt:„ Die Abwehr der Lebens sie auch unter den Bauern Eingang gefunden hat. Die sozial- der fünfte Kongreß der österreichischen Gemert- mittelteuerung kann nur in dem Maße von Erfolg begleitet demokratischen Siege unter dem überaus ungünstigen Wahlschaften im selben Saale zusammen, in dem zwei Wochen werden, in dem es gelingt, der Organisation der Prosystem und dem furchtbaren Drucke der behördlichen Gewalten vorher der Parteitag der Sozialdemokratie in Österreich ge- duzenten eine starke Organisation der Konsumenten gegenübertreffen alle Erwartungen. Das betrübende Gesamtbild tagt hatte. Wir hatten in Österreich nach der letzten Statistik überzustellen und den wucherischen Zwischenhandel zu beder Duma vermögen fie freilich nicht zu ändern. Rußlands der Gewerkschaftskommission, die mit Ende Dezember 1906 feitigen. Der Parteitag macht es deshalb allen Genossen Volt geht aufs neue schweren Zeiten entgegen. H. B. abschließt, 42000 gewertschaftlich organisierte Arbeiterinnen. zur Pflicht, überall dort, wo Konsumvereine bestehen, diesen Gegenwärtig dürfte die Zahl 50000 wohl erreicht sein. So beizutreten und ihre Pflichten als Mitglieder zu erfüllen, hoch diese Ziffer auch erscheinen mag, neben der halben und dort, wo Konsumvereine nicht bestehen, die politische Million organisierter Arbeiter ist sie doch geringfügig. Die und gewerkschaftliche Organisation aber eine entsprechende Die Generalfommission der freien Gewerkschaften hat noch schwache Organisation der Arbeiterinnen trat auch bei Stärke erreicht hat, im Einverständnis mit diesen Organibiefer Tage eine sehr detaillierte Streit statistik ver- der Delegierung zum Gewerkschaftskongreß in Erscheinung. fationen und dem Zentralverband österreichischer Konsumöffentlicht. Sie bietet ein Bild äußerst reger wirtschaftlicher Mit Ausnahme der Gewerkschaft der Tertilarbeiter und der vereine solche zu gründen. Der Parteitag erklärt, daß die Tätigkeit der Gewerkschaften für die Verbesserung der Schneider hatte keine Organisation eine weibliche Delegierte Konsumvereine ihre Aufgabe nur dann erfüllen können, materiellen Lebenslage der arbeitenden Bevölkerung. In entsendet. Dies liegt daran, daß in den großen Gewerk- wenn sie im Geiste der modernen Arbeiter8543 Fällen wurden im Jahre 1906 Forderungen gestellt, schaften, deren Berufsangehörige nach vielen Tausenden bewegung geleitet werden und ihre lokalen Interessen darunter sind nicht nur die Forderungen der Arbeiter nach zählen, die Zahl der organisierten Arbeiterinnen trotz aller dem Interesse der Gesamtheit unterordnen. Der Parteitag Verbesserung ihrer Lage gezählt, sondern auch die Fälle, in Fortschritte doch noch eine so kleine ist, daß die Frauen empfiehlt endlich den Konsumvereinen und der Großeinkaufsdenen die Unternehmer Verschlechterungen der Arbeits- feinen Einfluß ausüben können. Und in den Gewerkschaften gesellschaft, der Entwicklung der landwirtschaftlichen Geverhältnisse versuchten. In 110 Fällen wurden die Forde- kommen naturgemäß weit mehr die vorhandenen Kräfte- nossenschaften besondere Aufmerksamkeit zu schenken und den rungen zurückgezogen. Von den verbleibenden 8433 Fällen verhältnisse zum Ausdruck wie in der politischen Bewegung. direkten Geschäftsverkehr mit diesen nach Möglichkeit zu fanden 455854 Prozent ihre Erledigung durch erfolg- Gin zweiter Grund dafür, daß keine weiteren weiblichen pflegen." reiche Unterhandlungen und stillschweigende Zugeständnisse Delegierten am Rongreß teilnahmen, ist der, daß auch in feitens der Unternehmer, während es in 3873= 46 Prozent solchen Branchen, wo überwiegend weibliche Arbeitskräfte der Fälle zur Arbeitseinstellung und zur Aussperrung fam. beschäftigt sind, die Leitung und Führung in den Händen aber des Playmangels wegen bis heute zurückgestellt werden. Gewerkschaftliche Rundschau. * Diese Rundschaut sollte bereits in Nr. 22 erscheinen, mußte Nr. 24 Die Gleichheit Franenbewegung. 211 Der preußische Landesausschuß für FrauenftimmDie tschechische Sozialdemokratie verhandelte außer ihrem Monatsbeitrag noch 1,30 Mart pro drücklich konstatiert, daß der Wahlzenfus das kommunale auf dem Parteitag zu Pilsen, der Mitte August stattfand, Quartal zahlen. Mußten", sagen wir, denn jetzt Wahlrecht, das 1901 zum erstenmal von den Frauen ausunter anderem auch über die Stellung zum Genossenschafts- existiert dieses Blättle, das achttägig erschien, nicht mehr. geübt wurde, für die meisten Arbeiterfrauen illusorisch wesen. Nach einem Referat des Abgeordneten Modrecek Der Abonnementspreis war pränumerando( im voraus) er macht. Die sozialdemokratische Partei tämpft deswegen und turzer Debatte wurde folgende Resolution angenommen: hoben, und längst bevor das Quartal um war, stellte der weiter für das gleiche und allgemeine Wahlrecht aller Frauen. „ Mit der Entwicklung der politischen und gewerkschaftlichen Herausgeber das Erscheinen der Zeitung ein und die Organisation der Arbeiterschaft wurden auch die Bedin- Mädchen waren um ihr Geld geprellt. Aus gungen geschaffen für eine weitere Art der Organisations- unserem Verein hatten zur Orientierung auch einige Mittätigkeit der Arbeiterschaft: der Genossenschaftsorganisation. glieber die„ Dienstpersonal- Zeitung" abonniert, fie waren recht hielt am 6. November in Berlin eine Versammlung Der Zweck der Arbeitergenossenschaftsbewegung ist, die Ar- gleichfalls ihr Geld los. Eine unserer Kolleginnen ist von ab, in der Herr v. Gerlach über das„ Allgemeine, gleiche, beiterschaft zur eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit zu führen. Pontius zu Pilatus gelaufen, um Aufklärung oder ihr Geld geheime und direkte Stimmrecht für Preußen" referterte. Diese Tätigkeit zielt einerseits dahin, daß der fapitalistische retour zu erhalten. Bergeblich. Bis sie sich schließlich an Er unterzog das bestehende Landtagswahlrecht einer einGewinn, der unter den gegebenen Verhältnissen aus der Frau Professor Wendt wandte, die ihr versprach, eventuell wirtschaftlichen Tätigkeit fließt, dem Wohle der genoffen- von der Zeitung, die der Hausfrauenverein herauszugeben gehenden Kritik und verlangte die übertragung des Reichsschaftlichen Erzeuger oder Konsumenten oder den Arbeiter gedenkt einige Nummern gratis zu liefern. Diejenigen tagswahlrechts auf Preußen. Ferner behauptete er, die organisationen zutomme, andererseits daß aus der Arbeiter Mädchen, die nicht so viel Ausdauer wie unsere Belannte Liberalen würden nicht eher ruhen, bis auch das Frauenschaft eine selbständige wirtschaftliche Macht gebildet werde. haben, sind ihr Gelb einfach los. Die Damen, die die wahlrecht erobert sei. Das liege freilich noch in weiter die ein neues Hilfsmittel für ihre Emanzipationsbestrebungen Mädchen zum Abonnement der Zeitung veranlaßten, find Ferne. Augenblicklich sei für die Frauen nicht viel zu er werde. Der Kongreß erkennt alle Formen der Arbeiter unserer Meinung nach moralisch verantwortlich dafür, daß Neichstagswahlrecht in Preußen zu erfämpfen. warten. Sie möchten nur erst mithelfen, den Männern das genoffenschaften an, soweit sie mit diesen Prinzipien in Ein- den Benachteiligten ihr Recht wird. Nette„ Interessenflang zu bringen sind; doch ist er der Ansicht, daß den vertretung" der Mädchen das. Frau Julie Eichho18, ernsthaften liberalen Politiker", auf den die bürgerlichen Es entbehrt nicht eines gewissen Humors, daß einer der Zielen der Arbeiterbewegung am besten jene genossenschaft die Mitbegründerin des Bersplitterungsorganisationchens, ernsthaften liberalen Politifer", auf den die bürgerlichen lichen Formen entsprechen, die die Organisation des Ron- macht sich des literarischen Diebstahls schuldig, und der Frauenrechtlerinnen vor allem ihre Hoffnung gesetzt haben, sums oder der Erzeugung für die weitesten Kreise bezwecken. Herausgeber der„ Dienstpersonal- Beitung" streicht der Herr v. Gerlach, den Damen hier ein duftendes Wart ein Weilchen" präsentiert hat. Welch eine Entrüstung Der Kongreß empfiehlt zur Unterstützung und Hebung der zwar das Abonnementsgeld ein und stellt dann Genossenschaftsbewegung der Arbeiterschaft, den Lokal- und mitten im Quartal die Herausgabe der Zeitung ein haben die bürgerlichen Frauen seinerzeit zur Schau getragen, Bezirksorganisationen der Partei, bahin zu wirken, daß die und prellt somit die Mädchen um ihre sauer verdienten wahlrecht bei ihren Wahlforderungen glaubten aus taktischen als unsere Genossen in Belgien und Osterreich das Frauenals unsere Genoffen in Belgien und Osterreich das Frauenin ihren Sprengeln befindlichen Genossenschaften, die ihrem Groschen. Das kann ja noch gut werden, wenn das so Gründen zurückstellen zu müssen! Wie ließen sie sich keine Einfluß unterstehen, Mitglieder der von der Partei aner weiter geht. Nur so fort gewirtt", ihr Damen des Haus- Gelegenheit entgehen, die Sozialdemokratie darob ihres Mißfannten Genossenschaftsverbände werden, damit sie von frauenvereins, ihr helft uns vorzüglich, auch den indifferentesten trauens zu versichern! Ihr Lieblingsheld v. Gerlach, der jetzt fähigen und ehrlichen Funktionären verwaltet und damit Mädchen die Augen öffnen und ihnen zu zeigen, auf welcher die Arbeits- und Lohnverhältnisse ihrer Angeftellten so ge- Seite ihre Freunde sind. Auf unserer Seite sind Personen unbegrenzten Vertrauen der Frauenrechtlerinnen ein. Wenn dieselbe Taktik empfiehlt, büßt aber barum doch nichts von dem regelt werden, wie es die Würde der Partei erfordert, und wie die oben charakterisierten unmöglich. Unsere nun die bürgerlichen Damen solche Erfahrungen schon am geleitet werden. Die Gründung von selbständigen Konsum- Agitations- und Organisationsarbeiten unentgeltlich. Das vereinen empfiehlt der Rongreß nur in solchen Orten, wo Bewußtsein, den Unterdrücktesten beizustehen, sie einzureiben die Organisation genügend start und entwickelt ist, und wo in das Heer der Kämpferinnen, die aus eigener Kraft ihre es Genossen gibt, die zur Leitung eines solchen Unternehmens Freiheit erringen wollen, ist ihnen Lohnes genug. befähigt sind. Darüber, ob diese Bedingungen erfüllt find, entscheidet die Exekutive der betreffenden Bezirksorganisation, Ju Magdeburg ist eine Dienstbotenorganisation ge- furt bewiesen hat, daß er töter ist als tot, so wirb das die In die auch ein Gutachten des Genossenschaftsverbandes ein- gründet worden. Auf Veranlassung des dortigen Gewerk- bürgerlichen Frauenrechtlerinnen doch nicht hindern, seine holt. Diese Bezirkseyrekutiven sollen auch jede Bersplitte schaftskartells wurden furz hintereinander zwei Flugblätter Pferd zu binden und ihrem Heerhäuflein voranzuführen. Reiche- wie einst die Spanier den toten Gid- vor sich aufs rung der Genossenschaftsbewegung verhindern." in je 6000 Exemplaren an die Dienstboten ausgegeben. Der alte Cid war freilich sein Lebtag ein trefflicher KriegsAnfangs August feierte das stattliche Brüsseler Mai- 3wei öffentliche Dienstmädchenversammlungen fanden statt mann, und so schreckte er seine Feinde noch im Tode. Der son du Peuple, bie mächtige sozialistische Kooperative, und waren ziemlich gut besucht. In der ersten Versammlung Liberalismus aber ist schon bei Lebzeiten ein gar trauriger das 25 jährige Jubiläum. Die aus fleinsten Anfängen mit referierte Arbeitersekretär Mössinger, in der zweiten Fräu- Held gewesen.. Wen glauben bie bürgerlichen Damen mit einem Bestand von 84 Familien gegründete einstige arm- lein Baar- Berlin. Borsitzende des Vereins ift Frau Mahn seiner Leiche besiegen zu tönnen? Allerdings, der Seerhaufen felige Rooperative ist heute, nach 25 Jahren des Ringens Raffiererin Frau Knöfler. Der Verein zählt über fünfzig ist seines toten Führers wert. Hat doch sogar die„ lints und Strebens, ein ansehnliches und beneidetes Wert Mitglieder, denen die Monatsschrift des Berliner Vereins Luise Biez. grünen Holze des Herrn v. Gerlach machen müssen, was bed, Wiemer usw. erwarten? Aber die wahre Liebe läffet sich wollen fie dann von dem dürren der Herren Kopsch, Fischnicht beirren. Sie erträgt alles, fie glaubet alles, fie hoffet alles, fie duldet alles. Und wenn der Liberalismus auch in FrankImmer langsam voran, immer langsam voran, Daß der Krähwinkler Landsturm nachkommen kann! Berichtigung. und mit 20000 Mitgliedern, sechs Schwesternhäusern, 25 für die Interessen der Haus angestellten gratis zugestellt und liberale" Frauenrechtlerin Fräulein Liſchnewska empfohlen, Filialen, 4 Fleischereien, modernen Bäckereien und großen unentgeltliche Stellenvermittlung gewährt wird. Der Stellen- ganz fachte, fachte und stufenweise vorzugehen und ja nicht für Rohlenlagern, mannigfachen Unterstützungszweigen und nachweis befindet sich bei der Kassiererin, Frau Knöfler, Preußen gleich das Reichstagswahlrecht zu verlangen, von dem Pensionseinrichtungen der Stolz und die Freude der Neustädterstraße 6. Bei ihr sowie bei der Vorsitzenden, ja doch nur die bösen Sozialdemokraten den Nuhen haben würden. Brüsseler Arbeiterschaft. In geräumigen Versammlungsfälen, Frau Mahn, Rotefrebsstraße 2, werden auch Beitrittserklä im riesigen stilvollen Festsaal, in einem gemütlichen Café hat sie ein Heim, und in allen großen Kämpfen war das Brüsseler Maison du Peuple der Arbeiterschaft eine Helferin. Seine Bibliothet, seine fünstlerischen, belehrenden und unterhaltenden Veranstaltungen haben Tausende der Armsten erhoben und erzogen. überflüssig zu sagen, was das Maison du Peuple als Ronsumgenossenschaft leistet. Seine Umsatzziffer von rund fünf Millionen jährlich, die Zahl von 22000 Kilogramm Brot, die es wöchentlich erzeugt, sprechen dafür, daß die Arbeiter in der sozialistischen Kooperative in jedem Sinne ihren Vorteil finden. H. Fl. Notizenteil. Dienstbotenfrage. rungen und Beitragszahlungen entgegengenommen. Das Arbeiterset retariat, Fürstenufer 6, erteilt den Mitgliedern unentgeltlich Auskunft in allen Angelegenheiten, die das Dienstverhältnis betreffen, und gewährt ihnen freien Rechtsschutz. Wir wünschen dem Verein eine gedeihliche Entwicklung. Den Kampf gegen ihre Ausnahmeftellung haben die Dienstmädchen und Dienstknechte in Dänemark aufgenommen. Sie unterstehen einem Ausnahmegesez, das mit der preußischen Gesindeordnung eine traurige Ähnlichkeit hat, und sind von der Ausübung des Wahlrechts ausgeschlossen. Sie haben daher beschlossen, folgendes Gesuch an Regierung und Reichstag zu richten: Die unterzeichneten Dienstleute aus den verschiedensten Teilen des Landes richten hiermit an die Regierung und den Reichstag die dringende Aufforderung, durch Gesetz das industrie" in Nr. 22 der„ Gleichheit" gibt, wie in ihm hervor Der Artikel, Soziale Gegensätze in der Augsburger Textilgehoben wurde, in der Hauptsache einen Auszug aus einer Broschüre, die der Deutsche Textilarbeiterverband herausgegeben hat. Dem betreffenden Material sind noch einige gegeben hat. Dem betreffenden Material sind noch einige ganisation in Augsburg hinzugefügt, bei denen eine unrichtigAusführungen über den Stand der gewerkschaftlichen Or feit unterlaufen ist. Es heißt da, daß gerade die Augs burger Textilarbeiter zumeist den christlichen und den gelben Gewerkschaften angehören". Als Verfasser der Broschüre, an welche der Artikel anknüpft, und Geschäftsführer der Augsburger Filiale des Deutschen Textilarbeiterverbandes stellt demgegenüber der Unterzeichnete fest, daß von den Wie die Damen des Hamburger Handfranen- Dienstleutegesetz vom 10. Mai 1854 und alle dazu ge- 18000 Tertilarbeitern in Augsburg und Umgebung laum vereins" das Juteresse der Dienstmädchen wahren. Wir hörenden veralteten Gebräuche aufzuheben, das Dienstverein paar hundert der christlichen Organisation angehören haben an dieser Stelle schon wiederholt berichtet, wie eine hältnis zwischen Arbeitgebern und Knechten, Mägden, Dienst- und auch die Gelben, trotz der Unterstüßung aller ArbeiterAnzahl Hamburger Hausfrauen im Gegensatz zu unserem jungen zu einem freien Vertragsverhältnis zu machen, sowie feinde, erst 18 bis 1400 Mitglieder zählen. Die hiesige Filiale prächtig aufblühenden Dienstmädchenverein ein Bersplitte dafür zu sorgen, daß uns das Wahlrecht gegeben wird, unseres Verbandes umschließt dagegen, ungeachtet des schweren rungsorganisationchen gegründet haben. Dasselbe leidet je damit wir mit den übrigen Ständen teilhaben an den doch an unheilbarem Mitgliederschwund. 25 Mitglieder soll Gütern der Freiheit und Gleichheit. Es schickt sich nicht für es noch befizen, während wir es auf 3000 brachten. Die ein freies Land, einen Sklavenstand zu haben. Gebt uns Damen hatten durch die Gründung der Gegenorganisation Freiheit, gebt uns Recht, und wir werden uns dessen würdig schon ihre Feindschaft gegen die Mädchen und deren Selb- zeigen!". ständigteit bewiesen, denn wer die Arbeiterinnen, in Die Forderung der Dienstboten wird energisch von der diesem Falle die Mädchen, trennt, statt sie zu einen, tann Sozialdemokratie vertreten. Der Hauptvorstand des sozialnimmermehr ihr Freund sein, ist vielmehr ihr schlimmster demokratischen Verbandes, der aus 51 Mitgliedern besteht, Feind. Bezweckt hatten die Damen mit der Gründung doch die von den Parteigenossen aller Landesteile gewählt werden, nur, unseren Verein zur Ohnmacht zu verdammen. Das ist hat auf seiner letzten Halbjahresversammlung einstimmig die ihnen glücklicherweise nicht gelungen, vielmehr haben wir sozialdemokratische Fraktion beauftragt, im Parlament für schon manche Verbesserung für unsere Mitglieder durch das Recht der Dienstboten einzutreten. Die Fraktion hat gesetzt, und wir werden in demselben Maße, wie unsere dementsprechend einen Vorschlag zur Verfassungsänderung Mitgliederzahl zunimmt, immer mehr an Einfluß gewinnen. eingebracht, welcher für alle Dienstleute das politische WahlAls Publikationsorgan für den Hausfrauen und Dienstrecht fordert. Es versteht sich am Rande, daß sie außerdem mädchenverein hatten die Damen die„ Dienstpersonal- für die Aufhebung des Gesinderechts eintritt. überall ist die Beitung gewählt, ein von privater Seite herausgegebenes Sozialdemokratie die zuverlässige Borkämpferin für das Recht Blättle. Es brachte außer einem elenden Kolportageroman und die Interessen der Dienstboten. einige Kochrezepte und Annoncen. Nur auf das Drängen einiger Mädchen wurden in mehreren Nummern nach und nach die Bestimmungen der Hamburger Gesindeordnung ge bracht. Von Artikeln, die sich mit der Lage der Dienst- Bei den Munizipalwahlen in zahlreichen Städten mädchen beschäftigt hätten, natürlich keine Spur. Es ist in von England und Wales wurden fünf von elf auf den Augen der Damen ja bekanntlich„ Heßerei", wenn man gestellten Kandidatinnen gewählt. Die Arbeiterpartei wahrheitsgemäß fagt, wie die Dinge liegen. Darum ist eroberte 22 neue Mandate, die Sozialdemokraten errangen fünf. unsere Gleichheit", die offen sagt, wo es fehlt und wo re- Daß das beschränkte Frauenwahlrecht in der Hauptformiert werden muß, in ihren Augen auch ein„ Hehblatt". fache ein Damenwahlrecht ist, geht aus dem Bericht der Für das ihnen zugestandene Blättchen mußten die Mädchen, norwegischen Arbeiterpartei an den siebenten standi die fich dem Zersplitterungsverein angeschlossen hatten, navischen Arbeiterkongreß hervor. In demselben ist ausFrauenstimmrecht. Rampfes, den sie gegenwärtig zu bestehen hat, nach der letzten Abrechnung noch immer 2005 Mitglieder. Sind hierorts auch trübend, so möchte ich doch nicht, daß die Zustände noch schwärzer die Organisationsverhältnisse der Textilarbeiterschaft tief beerscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. W. Deffner. Paul Singer, Verlagsanstalt und Buchdruckerei, Stuttgart. Solange der Vorrat reicht, offerieren wir: Für unsere Kinder Weihnachtsbuch der Gleichheit Herausgegeben von Klara Zetkin( 3undel) Preis tartoniert Mt. 1.Vereine, die eine größere Anzahl Exemplare bestellen, erhalten einen Borzugspreis. Das Weihnachtsbuch der Gleichheit besteht aus den beiden Jahrgängen 1905 und 1906 der Beilage der Gleichheit für unsere Kinder". Die Ausgabe ist erfolgt auf Grund vielfach geäußerter Wünsche aus den Reihen proletarischer Frauen. Wir sind überzeugt, daß der reiche Inhalt des Buches den Kindern unserer Proletarier eine nie versiegende Quelle der Unterbaltung und Belehrung bieten dürfte. Der Derlag der Gleichheit. 212 Einem müden Kämpfer. Don Leon bolig. Daß so viel Schönheit Hunger leidett Daß so viel Heldenfinn verdirbt! Daß so viel Niedertracht sich weidet, Wenn eine stolze Hoffnung stirbt!" Du haft mit Mannesmut gestritten, Run aber der entneroten Hand Der Hammer deines 3orns entglitten, Schaust du voll Bitterkeit ins Land. Weit hinten in verflammten Gluten Wie schwerer Sonnenuntergang Scheint alle Hoffnung zu verbluten, Die einst dein Kämpferherz durchdrang. Schau auf, fchau auf, du mader Streiter! Roch weitet sich dem Sturm die Welt, Roch steht die Schar der Wegbereiter Mit Trotz und Siegerblick im Feld! Roch immer, wenn sich Augen dunkeln Und made Helden schlafen gehn, Siehst du der Jugend Sterne funkeln Und neue Kräfte auferstehn. Und alle Schönheit, deren Scherben Dein Herz ergrimmt versunken wähnt, Wird nicht in Ewigkeit verderben, Wenn auch ein Abgrund vor dir gähnt. Jm Erdenschoß, dem sie entnommen, Reift sie zu köstlichem Ertrag; Bald wird der rechte Bergmann kommen Schon lauscht das Volk dem Stundenschlag! Aus dem„ Hungerpastor Von Wilhelm Raabe. Vom Hunger will ich in diesem schönen Buche handeln, von dem, was er bedeutet, was er will und was er vermag. Wie er für die Welt im ganzen Schiwa und Wischnu, Zerstörer und Erhalter in einer Person ist, kann ich freilich nicht auseinandersehen, denn das ist die Sache der Geschichte; aber schildern fann ich, wie er im einzelnen zerstörend und erhaltend wirkt und wirken wird, bis an der Welt Ende. Dem Hunger, der heiligen Macht des echten, wahren Hungers widme ich diese Blätter, und sie gehören ihm auch von Rechts wegen, was am Schluß hoffentlich vollkommen flar geworden sein wird. Mit letzterer Versicherung bin ich einer weiteren Vorrede, welche zur Gemütlichkeit, Erregung und Aufregung des Lesers doch nur das wenigste beitragen würde, überhoben und beginne meine Geschichte mit unbegrenztem Wohlwollen sowohl gegen die Mitwelt und Nachwelt, als auch gegen mich selber und alle mir im Lauf der Erzählung vorübergleitenden Schattenbilder des großen Entstehens, Seins und Bergehens- des unendlichen Werdens, welches man Weltentwickelung nennt, welches freilich ein wenig interessanter und reicher als dieses Buch ist, das aber auch nicht, wie dieses Buch, in drei Teilen zu einem befriedigenden Abschluß kommen muß. Die Gleichheit und mit Hohn, Berachtung und beleidigtem Selbstgefühl sprach sie: 9.24 " Gib' n Zeichen, daß du noch bei's labendige Dasein bift, Anton!" brummte der Meister Grünebaum. Set' n Meister Unwirrsch, Ihr seid ein Narr! Laßt Euch an die Mensch und' n Mann, wirf die Weibsleute raus, alle, bis Wand malen!... Ob es einer ist? hat die Welt je so auf bis auf die Base Schlotterbeck dort. Denn obschonst was gehört von solchem alten, verständigen Menschen und der Deibel die Graden und die Ungraden nimmt, so ist das Hausvater?... Ob es einer ist!? Meister Unwirrsch, ich doch die einzigste drunter, die' nen Menschen wenigstens alle glaube, nächstens verlernt Ihr noch, einen Stiefel von einem Stunde einmal zu Worte kommen läßt. Willst du nicht? Schuh zu unterscheiden. Da sieht man's recht, was für ein fannst du nicht? darfst du nicht? Auch gut, so faß hinten Leiben es ist, wenn die Gottesgabe so spät fommt. Ist das meine Jade, daß ich dich sicher aus den Tunmult bringe; tein Junge, den Jhr da haltet? Ist das wirklich fein Junge, fomm' die Trepp' herauf und laß es gehen, wie es will. Also fein richtiger, echter Junge? Jesus, wenn die alte Kreatur der Junge ist da? Na, gottlob, ich dachte schon, wir hätten nicht das arme Geschöpf in den Armen hielte, so möchte ich wieder vergeblich gelauert." ihr schon eine Tachtel um solch' ne nichtsnutige, fürwitzige Durch die Weiber schoben sich seitwärts die beiden HandFrage stechen! Kein Junge!? Wohl ist es ein Junge, Ge- werksgenossen, gelangten mit Mühe auf den Hausflur und vatter Bechdraht zwar feiner von die schwersten; aber stiegen die enge, fnarrende Treppe hinauf, welche in das doch' n Junge wie was! Und wieso ist's fein Junge? Jst obere Stockwerk des Hauses führte, allwo die Base Schlotter nicht der Buohnohparthe, der Napohglion wieder unterwegens beck ein Stübchen, eine Rammer und eine Küche gemietet übers Waffer, und gibt's nicht Krieg und Razbalgerei zwischen hatte, und wo also die Familie Unwirrsch nur noch über ein heut und morgen, und braucht man etwa teine Jungen, und Gemach gebot, welches so mit Gegenständen von allerlei werden nicht etwa in jeziger gesegneter und geschlagener Art vollgepfropft war, daß für die beiden ehrenwerten Gilde Zeit mehr Jungen als Mädchen drum in die Welt gefeht, brüder kaum noch der nötige Platz zum Niederhocken und und kommen nicht auf ein Mädchen drei Jungen, und kommt Seelenaustausch übrig blieb. Kisten und Kasten, KräuterIhr mir so, Gevatter, und wollt einer gewickelten und ge- bündel, Maiskolben, Lederbündel, Zwiebelbündel, Schinken, wiegten Berschon nichtswürdige Fragen stellen? Laßt Euch Würste, unendliche Rumpeleien waren hier mit wahrhaft an die Wand malen, Gevatter Unwirrsch, und drunterschreiben, genialer Geschicklichkeit neben, unter, über, vor und wofür ich Euch halte. Gebt her den Jungen, Ihr seid gar zwischeneinander gedrängt, gehängt, gestellt, gestopft und nicht wert, daß er sich mit Euch abgibt marsch fort mit geworfen, und kein Wunder war's, wenn der Schwager Euch zu Eurer Frau am Ende fragt Ihr die auch noch, Grünebaum hier seinen zweiten Pantoffel verlor. ob's ein Junge ift!" Unsanft wurde das Wickelkind aus den Armen des verachteten, niedergeschmetterten Baters gerissen, und nach abermaligem Atemholen humpelte der Meister Anton Unwirrsch in die Rammer zu seiner Frau, und die Glocken des Feier abends läuteten immer noch; wir aber wollen weder die beiden Ehegatten noch die Glocken stören fie sollen ihre Gefühle ausklingen lassen, und niemand soll drein reden und schreien dürfen.Aber die letzten Strahlen der Sonne fielen durch die beiden niedrigen Fenster in den Raum; vor den Nachbarinnen und der Frau Tiebus war man in Sicherheit. Auf zwei Riften setzten sich die beiden Meister, einander gegenüber, nieder, reichten sich die Hände und schüttelten sie während wohl gezählter fünf Minuten. „ Gratulabumdum, Anton!" sagte Nikolaus Grünebaum. " Ich danke dir, Nikolaus!" sagte Anton Unwirtsch. ,, Vivat, er ist da! Vivat, er lebe hoch! nochmals, ab-" schrie aus vollem Halse der Meister Grünebaum, brach aber ab, als ihm der Schwager die Hand auf den Mund drückte. Arme Leute und reiche Leute leben auf verschiedene Art in dieser Welt; aber wenn die Sonne des Glücks in ihre Hütten, Häuser oder Paläste scheint, so vergoldet sie mit ganz dem nämlichen Schein die hölzerne Bank wie den" Nicht so laut, um Gottes willen nicht so laut, Nillas! Die Sammetseffel, die getünchte Wand wie die vergoldete, und Frau liegt hier gerade unter uns und hat so schon ihre liebe mehr als ein philosophischer Schlaufopf will bemerkt haben, Not mit den Weibern." daß, was Freude und Leid betrifft, der Unterschied zwischen Die Faust ließ der neue Onkel auf seine Knie fallen: reichen und armen Leuten gar so groß nicht sei, wie man Hast recht, Bruderherz; der Deibel hole die Graden auf beiden Seiten oft, sehr oft, ungemein oft denkt. Wir und die Ungraden. Aber nun geh' mal los, Alter, wie ist dir wollen das dahingestellt sein lassen; uns genügt es, daß denn zumute? Allewege ganz und gar nicht wie sonsten? das Lachen nicht Monopol und das Weinen nicht Servitut Ho ho! wie sieht denn die Kröte aus? Alles an die rechte ist auf diesem rundlichen, an beiden Polen abgeplatteten, Stelle? Nafe, Mund, Arm und Bein? Nichts vermalhört? feuergefüllten Ball, auf welchem wir uns ohne unseren Willen Alles in Ordnung: Strippen und Schäfte, Oberleber, Spanne, einfinden, und von welchem wir ohne unseren Willen abgehen, Hacken und Sohle? Gut verpicht, vernagelt und adrett ge nachdem uns der Zwischenraum zwischen Kommen und Ge- wichst?" hen fauer genug gemacht wurde. Jn. armer Leute Haus schien jetzt die Sonne, das Glück beugte sein Haupt unter der niederen Tür und trat lächelnd herein, beide Hände offen zum Gruß darbietend. Es war hohe Freude über die Geburt des Sohnes bei den Eltern, dem Schuster Unwirrsch und seiner Frau, welche so lange darauf gewartet hatten, daß sie nahe daran waren, solche Hoffnung gänzlich aufzugeben. " Alles, wie es sein muß, Bruderherz!" rief der glückliche Vater, die Hände aneinanderreibend.„ Ein Staatsjunge! Gott fegne uns in ihm. D, Niklas, tausenderlei wollt' ich bir sagen, aber es würgt mich zu sehr in der Kehle; alles geht rund mit mir um 4 „ Laß es gehen, wie's will; wenn die Kate vom Dach geworfen ist, muß sie sich erst besinnen," sagte der Schwager Grünebaum. Die Frau ist doch wohlauf?" „ Gott sei's gebantt. Sie hat sich gehalten wie eine Heldin; teine Kaiferin hätt's beffer gemacht." " Sie ist eine Grünebaum," sagte Nikolaus mit Selbstbewußts sein, und die Grünebäume tönnen im Notfall die Zähne zusammenbeißen. Auf was für'n Namen willst du den Jungen gehen lassen, Anton?" Mit der hageren Hand fuhr der Vater des Neugeborenen über die hohe, furchenreiche Stirn und starrte einige Augenblicke durch das Fenster ins Weite. Dann sagte er: Und nun war er doch gekommen, gekommen eine Stunde vor dem Feierabend! Die ganze Kröppelstraße wußte bereits um das Ereignis, und selbst zum Meister Nikolaus " Da haben wir den Jungen! Da haben wir ihn endlich Grünebaum, dem Bruder der Wöchnerin, welcher ziemlich endlich!" rief der Vater meines Helden und tat einen am anderen Ende der Stadt wohnte, war die frohe Bot langen erleichternden Atemzug, wie ein Mann, der langes schaft gedrungen. Ein grinsender Schusterjunge, der seine vergebliches Sehnen, schwere Arbeit, viele Mühen und Sorgen Pantoffeln, um schneller laufen zu können, unter den Arm getragen hat und endlich glücklich zu einem glücklichen Ziel genommen hatte, brachte die Nachricht dahin und schrie sie gekommen ist. Mit Klugen, glänzenden Augen fab er herab atemlos dem Meister in das weniger taube Ohr, was zur auf das unansehnliche, fümmerliche Stück Menschentum, Folge hatte, daß der gute Mann während fünf Minuten„ Getauft soll er werden auf drei Handwerksgenossen. welches ihm die Wehemutter in die Arme gelegt hatte, grad' viel dümmer aussah, als er war. Jetzt aber war er bereits Johannes soll er heißen wie der Poete in Nürnberg und als die Feierabendglocke erklang. Eine Träne stahl fich über auf dem Wege zur Kröppelstraße, und da er als Bürger, Jafob wie der hochgelobte Philofophus von Görlitz, und die hagere Backe des Mannes, und die scharfe, spize, tluge Hausbesitzer und ansässiger Meister die Pantoffel nicht unter wie zwei Flügel sollen ihm die beiden Namen sein, daß er väterliche Nase sentte sich immer tiefer gegen das unbedeu- den Arm nehmen konnte, so war davon die Folge, daß damit aufsteige von der Erde zum blauen Himmel und tende, faum erkennbare Näschen des Neugeborenen, bis sie ihn der eine treulos an einer Straßenecke verließ, um das sein Teil Licht nehme. Aber zum Dritten will ich ihn plöglich mit einem Ruck wieder emporfuhr und sich ängstlich Leben auf eigene Hand oder vielmehr auf eigener Sohle Nikolaus nennen, damit er immer wisse, daß er auf der fragend gegen die gute, hilfreiche Frau, die so viel zu seinem anzufangen. Erde einen treuen Freund und Fürsorger habe, an welchen Entzücken beigetragen hatte, richtete. er sich halten kann, wenn ich nicht mehr vorhanden bin." " D Frau Gevatterin Gevatterin Ziebus, es ist doch wirklich, wirklich einer? Sagt's noch einmal, daß Ihr Euch nicht irrt daß dem wirklich, wirklich also ist!" Als der Oheim Grünebaum in dem Hause seines Schwas gers antam, fand er daselbst so viele gute Nachbarinnen mit" Das nenn' ich' nen Sah mit' nem Kopf von Sinn und Ratschlägen und Meinungsäußerungen vor, daß er sich in Verstand und' nem dicen unsinnigen Schwanz. Die Namen seiner jammerhaften Eigenschaft als alter Junggesell und gib ihm, und es soll für uns alle drei Perschonen' ne Ehre Die Wehemutter, welche bis jetzt mit selbstbewußtem, ausgesprochener Weiberhaffer höchst überflüssig erscheinen sein; aber mit den alten närrischen Todesschrullen bleib mir lächelndem Kopfnicken der ersten zärtlichen Begrüßung zwischen mußte. Er erschien sich auch in solchem Lichte und wäre vom Leibe. Fett bist du nicht, und' nen Ochsen schlägst du Vater und Sohn zugefehen hatte, hob nun ebenfalls ihre beinahe umgekehrt, wenn ihn nicht der Gedanke an den in auch gerade nicht mit der bloßen Faust nieder; aber den Nase sehr ruckartig, verscheuchte mit einer unnachahmlichen dem„ Lärmfal" elendig verlassenen Schwager und Handwerks- Bechdraht kannst du noch manch hübsches Jährlein ziehen, Bewegung beider Arme alle Geister und Geisterchen des genossen doch dazu gebracht hätte, seine Gefühle zu bemeistern. du alter spintisierender Bücherhafe." Wohlwollens und der Zufriedenheit, von welchen fie bis Brummend und grunzend drängte er sich durch das Frauen- Der Meister Unwirrsch schüttelte den Kopf und brachte jezt umflattert wurde, stemmte die Fäuste in die Seite, volt und fand endlich richtig den Schwager in einer die Rede auf anderes, und mancherlei sprachen die beiden auch nicht sehr beneidenswerten und leuchtenden Lage und Schwäger noch miteinander, bis es vollständig dunkel in der Der Hungerpaftor". Von Wilhelm Raabe. Berlin, Verlag Stellung. Rumpelfammer geworden war. von Otto Janke. Wir veröffentlichen das erste Kapitel aus Raabes Man hatte den Armen vollständig beiseite geschoben. feinfinnigem Roman, um bei der herannahenden Weihnachtszeit die Aus der Kammer der Wöchnerin hatte ihn die Frau Tiebus Aufmerksamkeit unserer Leserinnen auf die Werte eines echten Dichters zu lenken, der leider viel zu wenig unter den Massen bekannt ist. hinausgemaßregelt; in der Stube unter den Nachbarinnen Gewiß: es ist nicht die sozialistische Gedankenwelt, die in Raabes war er auch vollkommen überflüssig; der Gevatter GrüneSchöpfungen lebt und webt. Es ist die Welt des Kleinbürgertums, baum entdeckte ihn endlich kümmerlich in einem Winkel, wo welche in unseren Tagen mehr und mehr von den Fluten der groß- er zusammengedrückt auf einem Schemel saß und Teilnahme tapitalistischen Entwicklung verschlungen wird. Aber diese Welt ist nur an der Hauskate fand, die sich an seinen Beinen rieb.' 3 ist die Base Schlotterbed," sagte Unwirrsch. Schieb' mit den Augen und der Seele eines ganzen Künstlers geschaut und Aber in seinen Augen war noch immer jener Glanz, der nur den Riegel zurück; wir haben lange genug hier oben geschildert, der, von demokratischer Gesinnung tief durchbrungen, mit aus einer anderen Welt zu stammen scheint: Der Meister gesessen; vielleicht darf ich die Frau noch einmal sehen." den„ Kleinen Leuten" fühlt. Das erste Kapitel des" Hungerpaftors" Unwirrsch hörte nichts von dem Flüstern und Schnattern Brummend gehorchte der Schwager, und die Base leuchtete enthält ein in sich abgeschlossenes warmempfundenes Gemälde klein bürgerlichen Lebens, das in anschaulicher Weise eine Vorstellung von der Weiber, er sah nichts von ihrem Durcheinander, er sah mit ihrer Lampe in die Rammer. Raabes Kunst gibt. Wir wollen nicht verfehlen, den Arbeiter- auch den Schwager nicht, bis dieser ihn an den Schultern bibliotheken nahezulegen, ihre Unterhaltungsliteratur durch die An- padte und ihn auf nicht sehr sanfte Art ins Bewußtsein Berantwortlich für die Bedaktion: Fr. Klara Bettin( Sunbel), Wilhelmshöhe schaffung von Raabes Werken zu bereichern. zurückſchüttelte. Es flopfte jemand an die Tür, und der Meister Grüne baum rief: Wer ist mich da? Weibervolk wird nicht hereingelassen!" " Ich bin's," rief eine Stimme draußen. Wer?" " Iche!" ( Schluß folgt.) Woft Degerloch bet Stuttgart. Druck und Berlag von Paul Singer in Stuttgart.