Ar. I. Abannements-Kedwgungt«: «bonnemintZ-Preis pränumerando: «ierteljährl. 3£0 SUH., monatl. 1,10®!., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer s Plg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Di- Neue Weit" 10 Pfg. Post- Abonnement: S,Z0 Mar! pro Quartal. Singetragen in der Post- ZettungS- Preisliste für 1398 unier Sr. 737«. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mar!, für das übrige Ausland s Mar! pro Monat. 15. Jahrg. Die Jnsertions-Gebilhr beträgt für die sechSgefpaltens Solonel- zetle oder deren Raum so Psg., für Vereins- und YersammiungS�inzeigen, sowie ArbeitSmarst SV Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis l Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, «» So»»- und Festtagen bis 8 Uhr vorintttags geöffnet. Erschein! täglich nutzer Sionlag». Devliner Volksblstt. Fernsprecher: Bin! I, Hr. 1608. Zelegramm- Adresse: «Soii»ldrm»k»«< Berlin". Dentmwrglm der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. WednfUiott; SW. 19, W-uty-Straße S. Sonnabend, den 1. Jannar l8tt8. KLpedition: SW. 19, Wenly-Straße 3. Parteigenossen! Parteigenossinnen! Am I. Januar ISSS eröffnen wir ein neiiiS Abonnement auf de» Vimtmvks mit der illustrirten Sonntags-Beilage Die Neue Welt. Im Mntevhslkungs-'Vlnkk beginnen wir am I. Januar mit dem Abdruck eines Berliner RomanS: Alltagsleute von Wilhelm Meyer-Förster. Der„Vorwärts" wird weiter bemüht sein, seiner Doppelanfgabe als Zeitung der Berliner Arbeiterschaft und als Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands gerecht zu werden. Der„Vorwärts" wird nach wie vor den örtlichen Ereigniffen Berlins, dieser Hauptstadt der deutschen Sozialdemokratie, in der ausgiebigsten Weise Beachtung schenken und die Mißstände in der städtischen Verwaltung und im öffentlichen Sicherheitsdienst feiner lkritik unterziehen. Er wird insbesondere die gewerkschaftliche Bethätigung und die wirthschastlichen Kämpfe der Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen nicht nur mit dem Blick des kühlen Beobachters verfolgen, sondern er will als Rather und Helfer in den Reihen der Kämpfenden mitstreiten. Der„Vorwärts" soll eine Wehr und Waffe der Arbeiterklaffe sein in den großen politischen Kämpfen, denen wir entgegengehen. Wir stehen in politischen Entwickelungen bedeutsamster Art. Das nächste Vierteljahr wird in der inneren wie in der äußeren Politik hochwichtige Ereignisse zeitigen. Parlamentarische Kämpf« stehen bevor, deren Entscheidung tief in die Lebensinteressen aller EtaatS- bürger eingreifen wird. Auch den Angelegenheiten des preußische» Landtages wird ein erhöhtes Interesse gewidmet werden. Mit dem Jahresbeginn tritt aber das deutsche Volk nun auch ernstlich in das Zeichen der Reichslagswahl. Alle Parteien betreiben lebhaft ihre Vorbereitungen. Für die deutsche Arbeiterklasse wird diese Wahl von einer»ngehenren Tragweite sein. Unversöhnlich stehen sich die Klassen der Ausbeuter und der Aus- gebeuteten gegenüber und stets schroffer werden die Gegensätze. Jene brennen darauf, die letzten Rechte des Volkes, das Reichstags« Wahlrecht selbst und das Koalitionsrecht, zu vernichten. Die Arbeiter klaffe muß diese Angriffe zurückweisen und eine Vorivärtsentwickelung unseres Volkes fördern. Die Presse der Arbeiterschaft trägt i» diesen wellhistorischen Kämpfen die Standarte voran. Sie bricht der poli- tischen Freiheit und der sozialen Reformation eine Gasse. Im Dunkel dieser Zeitläufte, unter den Bedrückungen und dem Elend, welche das kapitalistische System erzeugt, vertritt die Arbeiterpresse die unvergäng lichen Ideale der Menschheit: Befreiung aller Menschen aus wirth- schafllicher Roth! Erhebung auS geistiger Knechtung! Der„Vorwärts" legt besonders Gewicht auch ans eine voll ständig« Orientirung der Leser über die Vorgänge in Wissenschaft und Kunst, auf welchen Gebieten die Unterhaltungs-Beilage während ihres nunmehr einjährigen Bestehens sich allseitige Anerkennung er- rungen hat. An unsere Leser und Leserinnen, an unsere Parteigenossen und Parteigenossinnen wenden wir uns deShalb beim Wechsel des Jahres, den„Vorwärts" eifrig in der Du.chführung seiner Aufgaben zu unterstützen und neue Abonnenten für ihn zu gewinnen. Der„Vorwärts" ist nicht wie jene Blätter, deren Ziel nur der tlnternehmerprofit und denen deshalb kein Mittel zur Anlockung der Urlheilslosen zu niedrig ist, die durch Förderung der EensaliouS- sucht und angebliche Unparteilichkeit in politischen Frage» jedes ernste Streben schädigen und jedem guten Geschmack zuwider sind. Die Gewinnung neuer Leser und Leserinnen für den„Vorwärts" ist darum nicht allemal das Werkeines Augeublicks. Da ist unablässige Klein- arbeit von Nöthen, treues Wirken Tag um Tag, stets lebendig erhalten durch die Begeisterung für die Ideen, denen unser Kampf geweiht ist. Parteigenossen, Parteigenossinnen! Nützet die Zeit der Abon- nementserneuerung und zugleich die günstige politische Situation aus zur regen Agitation für Euer Blatt. Der„Vorwärts" soll auch im neuen Jahre seinen Aufgaben immer besser gewachsen werden. Dazu erbitten wir uns die Unter- stützuug aller Freunde unserer Bestrebungen, ein unermüdliches Werbe»»euer Abonneiitcn! Für Berlin nehmen sämmtliche Zeilungsspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. S, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von l Mark IO Pfennigen frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanftalten Abonnements zum Preise von S,»oM. für dieMonate Januar, Febrnar und März entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitungsliste für 1398 unter Nummer 7S76.) Die Redaktion des„Vorwärts". Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint am Dienstag, den 3. Januar. DeutMtands innere Noiikik 1897. Die politische Eutwickelung Deutschlands im abgelaufenen Jahre hat unter dem Zeichen einer wachsenden Reichs- Verdrossenheit gestanden. Die Zunahme der reaktionären Machenschaften aus allen Gebieten der inneren Politik hat dem braven deutschen Neichsbiirgcr, der doch so gern unter patriotischem Klimbim in Ruhe nnd Frieden sein Profitchen einheimsen möchte, die Milch der frommen Denkungsart arg versauert. Was so seit einem Jahre um die sicheren Stamm- tische des ehrsamen deutschen Philisterthums herum, an groll- protzenden Redensarten zusammengcwettcrt wurde, das geht sicher nicht einmal aus die patriotische Eselshaut, mit der der deutsche Michel die Blößen seiner Kucchtseligkeit zu decken gc- wohnt ist. Aber selbst zu öffentlichen Demonstrationen hat sich das Bürgerthum ermannt. Gleich der Jahresanfang brachte in Berlin eineil Theil der zahlungssähigsten Kaufmannschaft in die Schranken. Das Börscngesetz war in kraft getreten. Der Gctreidehandel sollte unter die sittenpolizeiliche Kontrolle der Bnreaukratie und des Agrarierlhums gestellt werden. Das wollen sich die Habituös der Getreidebörse nicht «fallen lassen. Sie streikten, wie nur je die vaterlandslosen "esellen ohne Ar nnd Halm, ohne Börsenkarte und Konpon- schcere gestreikt haben, wenn die Unternehmer versucht hatten, ihnen unwürdige Arbeitsbedingungen aufzuzwingen. In Berlin zogen die Kornbörsiauer ans nach dem benachbarten Feenpnlast wie weiland die römischen Plebejer auf den Heiligen Berg. Auch von oorl wurden sie Vertrieben. Aber noch hat sich nicht eine genügende Anzahl von„Arbeits- willigen' unter ihnen gefunden, deren polizeilich komrollirtcr Getrcidehandcl durch härteste Strafen gegen die Streikenden geschützt werden könnte. Für die Agrarier hat die mit Jubel begrüßte Wiiqiicl-Brefeld'sche Haupt- und Staatsaktion nur die nnliebsamc Wirkung gehabt, ihnen den Uebcrblick über den einheimischen Getreidehandel unmöglich zu machen. Solch ein Zustand kommt aber erfahrniigsgcmäß dem kapitalkräftigen Käufer, hier dem Händler, nicht aber dem Verkäufer zu gute. Es hat sich herausgestellt, daß der Marktpreis für Ge- treibe in Deutschland eher niedriger denn höher ist als der Weltmarktpreis. Die Konsumenten haben natürlich nichts davon; denen wird das Brot eben so klein gebacken wie bisher; aber auch den Agrariern ist das kleine Mittel in der Hand zerronnen, wie ein Schneeball. Grund genug für sie natürlich nach anderen, nach größeren zu schreien. Das haben sie denn auch wieder gcthau und werden es weiter thnn, bis der gütige Miqnel für einen neuen Bcschwichtigungs- Happen sorgt. Dem Börsengesetz-Fiasko reihte sich würdig das Reckegesetz- Fiasko an. Allerhand dunkele Reden von der bevorstehenden Ans- rottuug der sozialdemokratischen Pest hatten anch die Recke'schcn Heldcnthaten würdig vorbereitet. Eine ganz spezifisch neuknrsliche Würze erhielt das von dem ewig lächelnden neuen Minister des Innern im preußischen Landtag am 13. Mai eingebrachte Vereins- Gesetz dadurch, daß es für eine Einlösung des Hohenlohe'schen Versprechens auf Beseitigung des Verbindungsverbots der Vereine ausgegeben wurde Unter den Recke'schen Bedingungen konnten sogar die Herrenhänsler Stumm und Pntlkamer der Aufhebung des Verbindungsverbols ihre Zustimmung geben, denn es hätte dann nur noch von dem Ermessen der Polizeiorgane abgehangen, was für Vereine überhaupt noch bestehen bleiben sollten. Sozialdemokratische Vereine wären über kurz oder lang überhaupt nicht mehr in die Lage gekommen, mit einander in Verbindung zu treten; aber auch über den Vereinen bürgerlicher Parteien hätte das Damoklesschwert der Auflösung gehangen. Das war selbst den nationalliberalcn Marniesscelcn zu unheimlich. Ihrer unverwüstlichen Neigung zu Kompromissen mit der Polizei- gemalt gaben sie allerdings soweit nach, daß sie sich bereit erklärten, die nach Zeugniß des Ministers v. d. Recke von einem „Großindustriellen" für die werthvollste Bestimmung des Gesetzes erklärte Ausweisung der Minderjährigen ans Vereinen und poli- tischen Versammlungen anzunehmen. Als indcß Regierung, Herren- haus und konservative Parteien mit dieiem Zngeständniß nicht zu- frieden waren, schloffen sich auch die Natioualliberaleu bis auf einzelne Stuuimgeuossen in der Abstimmung den oppositionellen Parteien des preußischen Landtags an. Das Gesetz fiel am 24. Juli, aber Herr v. d. Recke blieb, lächelnd und zufrieden. Ein gesetzgeberisches Fiasko ist einem preußischen Minister nicht gefährlich; gefährlich ist ihm aber trotz äußerer politischer Erfolge die Ungunst der Hofkamarilla und des agrarischen Juukerklüngcls. Das hat Herr v. Marschall, das geistig bedeutendste und politisch erfolgreichste Mitglied des Ministeriums Caprivi- Eulenbnrg wie des Ministeriums Hohenlohe-Miquel schließlich auch erfahren müssen. Durch seinen kühnen Schritt, die Praktiken des Polizeipolitikers v. Tausch an die Oeffentlichkeit zn bringen, hat er der politischen Moral in Deutschland offenbar genutzt und sich den Beifall aller Volkssreuude ernwrben, aber die Bohrereien der Limburg-Stirum und Konsorten, daß so etivas für einen preußischen Minister sich nicht schicke, daß Vertuschung und Beschönigung vorhandener Amtsfäulniß besser als deren rücksichtslose Aufdeckung sei. Am 5. Juni wurde Herr v. Marschall beurlaubt, am 28. Oktober endgiltig durch Herrn v. Biiloiv in der Leitung der auswärtigen Angelegen- h'eiten ersetzt. Herr v. Bötlicher, der Mann für alle Lagen, der einen gewissen Stolz dareinsetzte, nicht wie ein Re- aktiouär auszusehen, sich aber nicht genirte, wie ein Reaktionär zu handeln, erwies sich zivar gefügig, jedoch nicht schneidig genug für den alleralleruenesten Kurs. Er mußte abtreten und in seinen Platz rückte Graf Posadowsky ein, dessen Redeiväfferlein ebenso eindruckslos einherplätschert als zu der Zeit, da er noch Reichs- Schatzsckretär war. Sieben Posadowsky trat dann noch der ehemalige Husar Podbielski als Gencralpostmeister, um dem zweiten Abschnitt der Aera Hohenlohe die Signatur zn geben. Denn Onkel Chlodwig, wie der Volkswitz den Träger des Reichskanzleramtes gcmüthlich genannt hat, ist uns geblieben. Er liest nach wie vor bei wichtigen Aktionen seine knappen, nur Allgemeinheiten vorbringende Erklärungen im Reiclistage vor und läßt im übrigen die Dinge gehen, wie andere Leute wollen. Sein Ansehen hat sich bei dieser Art der Amtsführung nicht vermehrt. Schwerlich wird ihm den Nanien eines Staatsmannes die Auslegung seines wegen Aufhebung des Verbindungsverbots der Vereine gegebenen Versprechens, noch die durch ihn vorgelegte nnd empfohlene Reform des Militärgerichtswcsens verschafft haben. Ueber ihn hinweg blickt man nach anderen Exzellenzen, »m zu hören, was für Experimente König Stumm nnd die sonst für die deutsche Politik ausschlaggebenden Persönlichkeiten demnächst zu machen belieben. Denn für die innere Politik der Regierung sind neuerdings die Aiischännnge» allein entscheidend geworden, die der General- gewaltige von Nennkirche» vertritt. Mit der Weiterentwicke- kung der sogenannten Sozialreform ist es ans. Aus den Kundgebnngen mancher Regiernngsmäuner klingt vernehmlich ein„Arbeitcrfreiindlichkcit ist Unsinn!" hervor. Dafür lassen sich die Gerichte mehr und mehr angelegen sein, durch „härteste Strafen" alle von der Unternehmerklasse für Ansschreitnngeu der Arbeiter ausgegebenen Vorgänge einzudämnien. Aber das alles ebenso wie die Wahlrechts- beschväukungen, die in Sachsen, dem Versnchsfelde der Reaktion, durchgeführt wurden, hat die deutschen Ar- bcitcr nur um so mehr dazu angetrieben, ihre politische Organisation zu stärken und für die Ausbreitung der Sozial- dcniokiatie zu arbeiten. Die unverhohlen von manchen Vorkämpfern der Reaktion kundgegebenen Staatsstreichgelüstc, wie das mit knapper Roth verhinderte Preßgesctz, führten zn dem Enischluß der Partei, anch bei den preußischen Landtags- wählen ihr Schwert mit in die Waagschale zu werfen. Mehr und mehr tritt die Sozialdemokratie die Erbschaft aller der dem Volkswohl dienenden Bestrebungen an, die von den bürgerlichen Parteien über engherzigen Kliqnenintereffen ver- nachlässigt werden. Die deutsche Arbeiterschaft tritt kampfgerüstet und thaten- froh in das neue Jahr ein. Sie wartet auf die Stunde, wo das Reichsparlament erneuert werden soll und wo sie Ab- rechnnng halten wird mit den Unterdrückern und Ausbeutern. Die deutsche Arbeiterschaft wird auch im neuen Jahr ihr großes Werk mit Thatkraft nnd Begeisterung fortführen. Wenn wir am Ausgange dieses Jahres unseren Rückblick werfen werden ans die vergangenen Ereignisse, so werden wir unseren Parteigenossen vom Fortschritt nnd Sieg unserer Be- wegung berichten können! polittsche McbovNchk. Berlin, 31. Dezember. Die Vorgänge in Ostasien. Allem Anschein nach scheint England nicht zn beabsichtige», die deutsche Okkupation von Kiaotschau und die russische Festsetzung in Port Arthur mit einer sofortigen Gebietserwerbung seinerseits zu beantworten. Dagegen will sich England mit der Entziehung seines bisherigen Einflusses in Söul nnd ans Korea nicht abfinden.„Daily Graphic" veröffentlicht eine seiner Er- klärung nach ihm von maßgebender Stelle zugegangene Mit- theilung, worin es heißt, daß das britische Ge- schwader angewiesen sei, sich in Cheniulpo, der Hase n st a d t von Söul, zu versammeln, um die britische Diplomatie bei der Wahrung der Rechte des Finanzrathcs� Brown zu unterstützen. Betreffend Port Arthur heißt es in der Mittheilnng weiter, daß China die britische Regierung offiziell von den Be« dingungen in Kenntniß gesetzt habe, unter denen die Besetzung des Hafens durch Rußland erfolgt sei. Die- selbe bilde keinen Grund zu einer Beschwerde von seilen Eng- lands, da die Russen sich verpflichtet hätten, mit den: Ende des Winters den Hasen zn räumen. Was Kiaotschau an- betreffe, so stimmten das Auswärtige Amt nnd die Admiralität darin überein, daß die deutsche Okkupation die britischen Interessen in den chinesischen Gewässern in keiner Weise be- drohe. Mit diesen Meldungen würde es nicht gut stimmen, wenn die Nachricht bestätigt werden sollte, daß eine Einbernsuna der englischen F l o t t e n r e s er v e bevorstehe. Nach russischen Meldungen ist übrigens ein Theil der in -tMZri Arthur eingelaufenen russischen Schiffe in den be- »achbarteu, geräumigeren und günstigeren Hafen Talienwan übersiedelt. Die chinesische Regierung sold auch mit diesem Vorgehen Rußlands einverstanden sein.— . Angst. Die„Deutsche Volksw. Eorresp." beschäftigt sich mit den bereits dementirten Mittheilungen über die Absicht der prcnßischeii Regierung, ein neues Recke-Gesetzlein einzu« bringen. Sie sucht das Verhalten der Regierung in dieser Frage mit allerlei uichtstichhaltigen und schiefen Ausreden zu beschönigen und meint dann gegenüber den von uns bezüglich der Aussicht einer Wiedereinbringnug einer Novelle zum Vereinsgesetz ge- machten Bemerkungen, es sei„ja doch nur die Angst, die sie (die Demokraten) vor einer zeitgemäßen Reform des Vereins- und Versammlungsrechts haben, und die jenen Erfahrungen Rechnung trägt, die man mit der demokratischen Agitation seit 1850 gemacht hat*. „Zeitgemäß" nennt die„Deutsche volksw. Corresp." die völlige Vernichtung des Koalitivns- und Vereinsrechts. Die„Erfahrungen", von denen sie spricht, das ist nichts als die unangenehme Thatsachc, daß das dentsche Volk sein geringes Vereins- und Versammlungsrecht nicht so benutzt, wie es Herrn v. Stumm beliebt. So stellt die„D. V. Sott." olles ans den Kops. Am drolligsten aber ist die Sache mit der„Angst". Wer hat Angst? Offenbar diejenigen, welche glaube», sich gegen den Gang der Ereignisse nicht anders schützen zu können, als durch mechanische Gewalt- mittel und Kncbclgesetze. Offenbar diejenigen, welche zur Durchsetzung solcher„Rettnngsmittel" die Regierung zur Verletzung von Treu und Glauben zu treiben beflissen sind. Die Demokratie aber braucht schon deshalb keine„Angst" zu haben, weil sie schon oft mit Ausnahmegesetzen und brutaler Rnüppelpolitik fertig geworden ist. Die Angsthasen dürften also der„Deutschen Volksiv. Corrcsp." sehr nahe sitzen.— Nnabhänaigkcit der Nichter. Ein« sehr interessante Episode aus seinen Ersahnnigen als Richter erzählt Olto M i t t e l st ä d t in demselben Artikel der„Zukunft", aus dein ivir weiter unten einiges zitiren. Er theilt mit, daß er früher schon einmal im „Gerichtssaal" gegen Auswüchse der Rechtsprechung hinsichtlich des Paragraphen des Strafgesetzbuches, der von dem„Groben Unfug" handelt, geschrieben habe, und erzählt: Es befremdete mich nicht wenig, als mir bald darauf ein dem juristischen Lehrfach augehöriger Berufsgenosse beifällig, aber warnend bemerkte, mein St r t i k e l habe in ein„Wespennest" gestochen. Noch deutlicher drückte sich etwas später einer der mir sonst wohlgesinnte» Gönner unler der höheren Ber- liner Bureaukratie aus, der mich dringend bat, im Interesse meiner„Karriere" derartige unlieb- s a»> e Publikationen doch künftig ganz zu unter- laflcn; sonst hätte ich niemals Aussicht, Senats. Präsident am lli e i ch s g e r i ch t zu werden. So absolut kalt mich nun auch die mir winkende Karriere. losigkett ließ, so verblüffend war mir doch die gänzlich ungeahnte Wirkung meines harmlosen ersten Debüts im„Gerichtssaal"..." Auch Herr Miltelstädt dal an der Ausgestaltung unserer Recht- sprechnug im reaktionären Sinne eifrig theilgenomme». Aber wer nicht in jeder Hinsicht den herrschende» Tendenzen willfährig ist, wer nur irgendwie seine juristische Ueberzeugung kräftig wahrt, dein kommt der„wohlgesinnte Gönner" und warnt„im Interesse der Karriere." Die kleine Erzählung des Ex- Reichsgerichtsraths spricht Bände.— Der Absolutismus tritt morgen in Oesterreich«n- beschränkt und in Ungarn zum theil seine Herrschaft an. In beiden Reichshälften ist das Ansgleichßgcsetz ohne par- iamcntarische Zustimmung verlängert worden. Damit hat die Einhebung der Zölle, die Verwaltung Bosniens und der Herzegowina, die diplomatische Vertretung, die Kosten der gemeinsamen Armee und einiges andere die verfassnngs- mäßige Rechtsgrundlage verloren. In Oesterreich ist aber auch das Etatsgesetz ohne die verfassungsmäßige Zu- stimmung des Parlaments ans ein halbes Jahr ver- längcrt worden, so daß in dieser Reichshälste alle Stenern widerrechtlich cingehoben werden, alle Beamten und Soldaten gesetzwidrig ihre Gehalte ausgezahlt erhalten. lieber die Form, in der dieser ungesetzliche Zustand ge- schaffen worden ist, meldet eine Depesche ans Wien: Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Hand- schreiben an den Mmisterpräsidente» Frhrn. v. Gautsch, nach welchem die Quote der Bcitrngsleistung zu den gemeinsame» Angelegenheiten der beiden Reichshälften im Sinne des Gesetzes vom 21. De- zember 1867 für dieDauer desJahres tSSS unverändert bleibt. Ferner veröffentlicht die„Wiener Zeitung" die Sanktionirung der Tele- gationsbeschlüsse, sowie eine kaiserliche Verordnung, nach welcher die Wirksainkeil der Bestimmungen des bisherigen Zoll- und Handslsbündnisses mit den Ländern der ungarischen Krone, sowie die Verwendung der Zolleinnahmen und das Verhältniß zur österreichisch- ungarischen Bank in Gemäßheit des§ 14 des SlaatSgrnndgesetzes vom LI. Dezember ISL7 provisorisch bis zum 31. Dezember löSS ausrecht erhalten bleibt. Die Ver- ordnung bestimmt auch, daß die getroffenen Anordnungen vorbehaltlich einer anderweitigen Regelung ihre Geltung verlieren, sobald während der Dauer deS Jahres 1838 Vereinbarungen zivische» den im Reichsrathe vertretene» Königreichen und Ländern und den Ländern der ungarischen Krone über das Zoll- und Handelsbündniß sowie betreffs der Oestcrreichisch- Ungarischen Bank i» Wirksamkeit treten sowie auch für den Fall, daß Hinsicht lich dieser Angelegenheiten in de» Ländern der ungarischen Krone der gegenwärtige Zustand oder die Reziprozität nicht unverändert aufrecht erhalte» wird.— Trr Kampf der cnalische» Maschiiicubaner wird mit dem Jahresschluß sein Ende nicht erreiche», er wird im Gegenlheil im neuen Jahr mit erhöhter Kraft und noch größerei» Eifer sortgesetzt werden. DaS endgillige Resultat der Abstimmung ist nunmehr bekannt ge- gebe». Danach haben gegen die Vorschläge der Unternehmer b4 333, dafür nur 1041 Mann gestimmt. Die Frage, ob sie even- luell den Vorschlägen znstimnien würde», wenn damit zugleich die Kl- Stunden» Woche gegeben würde, ist mit 42 080 gegen LSIö Stimmen verneint worden. Der morgigen Konferenz, zu der 171 Delegirte, welche 300 000 Arbeiter vertreten, angemeldet sind, werden Resolutionen vorliegen, in welche» die Konferenz die Maschinenbauer beglückwünscht wegen ihrer energischen Versechtnng der G-werkschastsinleressen. Ferner wird der Wunsch ausgesprochen «verde», daß alle Trabes- llnions ivöchentliche Extrabeiträge er- heben, damit den Maschinenbauern die nöthig« Unterstützung und ein Garantiefonds gesichert«verde» kann. Den Arbeitern des Kontinents, Amerika'? und der Kolonien beabsichtigt man. den herz. lichsten Dank auszusprechen für die Unterstützung, die sie den Kämpfenden haben zu theil«verde» lassen. An« 30. Dezember fand in Jork eine große Vertreterversamm. lnng der Unternehmer im Mafchiiienban. Gewerbe statt. Dieselbe nahm einen Beschlnßanlrag au, der das Vorgehen des Londoner Ansschnsses gutheißt und die Zustimmung zu der von de» Arbeitgeber-Vertrclcrn in der Konferenz von« 17. Dezember aus- gesprochenen Ansicht ausdrückt, daß die gegenivärtige Arbeits- ftnndenzahl nicht herabgesetzt«verde«» könne. Durch diesen Beschluß hat die Waffenruhe in dem Kampfe zivischen den Maschinen« ball-Finnen und ihren Arbeiter» ihr Ende erreicht. Der Sekreiär des Unternehmer.Berbaudes hat dies denn auch sofort durch Tele- gram»» den, Sekretär der Maschinenbauer-Gewerkschaft mitgelheilt; i» den nächsten Tagen»verde«« neue Kündigungen erwartet. Ferner»vird uns ans London zur Beleuchtung der gegen- wärtigen Situation geschrieben: „Es ist sehr zu bedauern, daß gegenivärtig das Parlainent nicht tagt, de»», so»venig dies auch taugen mag, es»vürde doch dazu gedrängt«verde», et,vas zu gunsten der Maschinenbauer zu thun. So dürste das Parlament z. B. auf der gesetzlichen Erflllll»»g der Kontrakte der Fabrikanten de»« Staate gegenüber etivas mergischcr bestehen. Biel« Unternehmer,»velche Aufträge für den Staat aus- zuführen halten, haben die Lieferungssristen verlängert erhalte». Wie„Daily Neivs" dieser Tage ganz richtig bemerkte, hängt jetzt alles davon ab,«ver von den beide» streitenden Parteien die kräftigste Vereinigung hat und den größten Geldbeutel. WaS das erstere anlangt, so fürchte ich für die Arbeiter nichts; die Organi- sation steht festgesügt, die Arbeiter sind gut disziplinirt und«veichen keine» Schritt zurück. Aberdcr Geldbeutel! Aus der einen Seile Millionäre, entschlossen, die Kraft der Gewerkschaften zu brechen, ans der anderen Seite die taufende von Arbeiter», die schon viele Monate lang kämpfe» und verhältiitßmäßig nur geringe Nnterstützung beziehen. Aber, wen» die Arbeiter auch ferner fest zusammenstehe» und wen» ihr« Arbeitsbrüder sie ferner unterstützen, so kann der Sieg nicht fehlen. Und die Arbeiter keines Landes haben ihr Solidaritätsgefühl in so großartiger Weise bethätigt, als die Deutschlands. Die englischen Arbeiter(aber auch die bürgerlichen Kreise) sind einfach verblüfft über die großartige und stete Hilfeleistung, die von den deutsche» Arbeitern kommt.„Die unerivartete Sympathie,»velche die deutschen Freunde und Arbeitsbrüder uns bezeugen, ist jetzt das ständige Thenra unserer Kamerade«»"— so äußerte sich neulich Barnes mir gegenüber."— Barnes selbst sendet uns ein Telegramm, in dem er»»S ersucht, deu deutschen Arbeitern zun« Jahresschluß den Dank der englischen A r b e i t e r für ihre großherzige Hilfe zu übermitteln. Die Kämpfenden sind überzeugt, daß die dentsche Arbeiterschaft auch im neuen Jahr ihren englische» Brüdern treu zur Seite stehen wird. Irisches Revolntions.Jnbiläiin». Die Regierung trifft nach einer Londoner Meldung der„Frankfurter Zeitung" scharfe Vorsichts- maßregeln,«in den Ausbruch von Unruhen bei der Feier der irischen Revolution vom Jahre 1738 i» Irland zu verhindern. I» Belfast und Ulster sind die Soldaten ii« den Kasernen bis aus «veiteres konsignirt. I» Derry, Belfast und Riroy soivie i» anderen Städten»mirde die Polizei verstärkt. Die Mißstimmung der Jrländer, deren Land von den Engländern «vie eine eroberte Proviiiz behandelt«vurde, erreichte gegen Ende des l8.Jahrhundertsihre»Höbepunkt. Man rechnete aufBefreiungdnrch eine französische Invasion. Als 1736 eine französische Flotte mit 25000Man» Landungstruppen sich der irischen Küste»äherte, wurde die ganze Insel unter Kriegsrecht gestellt. Obgleich die Franzosen nicht landen konnten, nahmen die irischen Geheimbünde an Stärke und Einfluß z». Zu Ende des Jahres 1737 soll der vo»» einem fünfgliedrigen Direktorium geleitete„Bund der ver- einigten Jrländer" über.i>00 000 Verschivorene umfaßt habe». Im Januar 1733 wurde die Organisation und die Raine» einiger Führer der Regierung verrathe». Die Gegenmnßregeln »nd Verhaslilnge» leitender Verschivorener konnten de» Ausbruch der Revolution, die in» Mai 1799 an mehreren Punkte» des Landes ausbrach, nicht mehr verhindern Das Aufgebot einer sehr bedeutenden Militärmacht ließ die Empörung nicht zur völligen Enlivickelnng kommen. Die Hauptmacht der Insurgenten erlitt bei Vinegar-Hill an« LI. Juni 1733 eine entscheidende Niederlage. Erst nachher kau» das von den Jrländer» sehnsüchtig erivartete französische Ge- fchivader an der irländische» Külte. Die alisgeschlffte kleine französische Hecresinachl konnte nur noch«venig Zuzug von den Iren sinden und mußte sich der englischen Uebermacht ergebe». Die Folge der Niedcriversung der Jrländer«var die Vernichtung der parlamciitarische» Selbständigkeil Irlands und der Verschnielzung des irischen mit den» englische» Parlamente durch den letzte«« Be- schluß des irischen Parlaments vom 26. Mai 1300, der freilich nur durch die schmählichsten Beslechnnge» erzielt wurde, für die das englische Parlament die ungeheure Summe von 32 000 vov Psd. Stcrl. bewilligt Halle.— «• Deutsches Reich. � Etw a s für ko in b i» a l i o n s lu st i g eJo» rn allsten Die„Nordd. Alig. Ztg." bringt in Fettdruck die folgende Mit- theiluug: Se. Majestät der Kaiser traf»»» 4'/z Uhr in» Palais des Reichskanzlers ei», um deu Vortrag Cr. Durchlaucht des Fürsten zu Hohenlohe entgegen zu nehnie».— — M i t den» Zeitpunkt der Neuivahl des Reichs- l a g e s und des preußische» Abgeordnelenhauses beschäsligt sich der Staalsminister Herrsurth in einen« in der„Deutschen Jnristen- zeitung" erschtenene» Artikel.„Sollte der Reichstag aufgelöst«ver- de», so«nnssen— nach Artikel 25 der Reichsverfaffung— innerhalb eine» Zeitraumes von 60 Tagen nach derselbe» die Wähler und innerhalb eines Zeilranmes vo» 30 Tage»»ach der Auflösung der Reichstag versammelt werden." Ergiebt sich hiernach als spätester Wahliermi» der 60. Tag nach der Auflösung, so kann im Hinblick auf die i» Z 8 des Wahlgesetzes von« 31. Mai 1863 vorgeschrieben« Rothivendigkeit der Aufstellung der Wahlliste und der Bekanntmachung über Zeit und Ort der Offen- lcgnng derselbe»,«velche spätestens vier Woche» vor de»« Wahl- termi» zu erfolgen hat. als der srü hefte Zeitpunkt die Vornahme der Neuwahl eliva der 32. Tag nach der Auflösung des Reichslags angenommen«verde»— in der Regel«vird dieser Zeitrann» a»f 6 Woche» anzunehmen sein. Viel schwieriger ist der Beantivortung der Frage«vcge» des Zeitpunktes der Nenlvahl in den« Falle, wenn der Reichstag durch Ablauf seiner Legislaturperiode eines natürlichen Todes stirbt.— Äestiunnle Fristen für Vornahme der Nemvaht sind in diesen, Falle durch die Neichsverfaflnng nicht ausdrücklich vorgeschrieben; Slaatsminister Herrfnrlh erklärt die Behauptung sür unbegründet, daß die Neuivahl««'»nittelbar nach Ablauf der Legislalurperiode vorgenommen«verde» müsse und daß eine längere Verzögerung eine direkte Aersassungsverletzniig ent- Halle. Der Artikel kommt zu folgenden Ergebnisse»: Der jetzige Reichstag ist am 15. Inn« 1833 geivählt u»d am 4. Juli 1393 zum ersten Male zusainmengetrete». Die Legislaturperiode des Reichs- lages beginnt init dem Tage seines ersten Ziisanimentrelens, nicht aber mit dem Tage der Wahl, und endet mti dcn« letzten Tage des fünften Jahres nach diese», Zeitpunkte(in diesem Falle also an« 3. Juli, nicht am 14. Juni 1838). Di« Anordnung und Vor- nähme der Ntuivahl vor Ablauf der Legislaturperiode des gegen« «vürtige» Reichstages ist an sich gesetzlich zulässig, jedoch»««r«»«ter besondere» Umständen als empsehleusivcrth, der stieget nach ali nnzweckinäßig zu erachte». Hat die Anordnung und Vornahme der Neuwahl nicht schon vor Ablauf der Legislatnr-Periode statt- gefunden, so entspricht es dein Geiste der stieichsverfaffnng und der Stellung des Reichstages»»« Organismus deS Deulsche» Reiches, daß dieselbe thnnlichst bald nach Ablauf der Legislatur« Periode erfolge. Eine Verletzung der Vorschriflen der Reich?- Verfassung«vürde jedoch durch eine längere Verzögerung nur in dem Falle angenorninen«verde«« können,«venu dadurch die alljährliche Bernfliiig des Reichstages oder die rechtzeitige Feststellung des ReickhailshaltS-Etats durch ein Reichsgesetz vor Beginn des Etats- jahres««»»löglich gemacht«verde» sollte.— Die gleichen Be- stiimnungen gelte» für das AbgeordnetenhanS, bei«velchem die Wahl aber erst„nach Ablauf der Pegislatnr-Periode" stattfinden darf. Der Tag des Ablaufes der Periode ist, da das in« Jahre 1893 g«. «vählte Abgeord>ietenhal>S zun, ersten Male an» 16. Januar 1334 zusammengetreten ist, der 15. Januar 1839. — Herr v. Bennigsen hat aufgehört aktiver preußischer Beamter zu sein. Die ihn» nahestehende Presse feiert ihn in den »värmste» und herzlichste» Worten, sie rühmt an ihn vor allem den nationalen Politiker. Wir sind der Meinung, daß das Hans Hohenzollern ihn«»veit mehr verdankt als das deutsche Volk. Freilich in de» Kreise», die die Krone bei Ordensverleihungen beraihe», scheint man das Wirken dieses Mannes im Interesse d«S deutsch«,» KaiserthumS nicht so hoch einzuschätzen. In der Verleihung des rothe» AdlerordenS erster Klaffe an de«, nlis den, Staatsdienst scheidenden Beamten, der als Politiker mit mehr Konsequenz und Eifer als irgend jeuiand sonst für die„preußische Spitze" eingetreten ist. sieht»»an weniger eine Auszeichnung als eine Kennzeichnung. daßHerr v.Beniiigsei, der höchsten preußischen Auszeichnung, des schwarzen AdlerordenS. den der wcit «veniger konsequente Herr Mtquel schon während seiner Slkliviläl. erhallen hat, nicht sür«vürdig befunden iv««rde. Wir können nicht beurtheilen,«vie Herr Bennigse» diesen merkwürdigen Abschied auffaßt, von den alten Nationalliberale»«vird er aber jedenfalls peinlich enipfunden werden. Dies umsomehr, als der Rücktritt Beiniigfen's vom Posten des Oberpräsidenten der Provinz tannover mit dem Ende des Nationalliberalisums in diesem alten tammsitze der Partei zusammenfällt. Die Arbeiter in Hannover haben am allerivenigste» Anlaß, den Rücktritt des Herr» v. Bennigsen zu bedauern. Anknüpfend an die bei dem ihm zu Ehren gegebenen Abschiedsbanlette gesprochenen Worte des Herrn v. Bennigsen: „Die Bevölkerung, kernhaft, gesund und tüchtig, habe Beruf und Neigung zur Entfailnng ihrer Kräfte und Berständniß für «virthschastliche und ideale Aufgaben." schreibt das Organ der Arbeiter der Provinz Hannover, der „Polksiville": „Und einer solche» Bevölkerung gegenüber hat der„liberale Führer" als oberster Beamter es geduldet, daß der«virthschaft- lich und politisch vorivärtSstrebenden Arbeite«bevölker»ng seitens der Behörden Schivierigkeite» aller Art in den Weg gelegt«vnrde». Schivierigkeite«»,»vte sie ärger nicht anS dem gelobten Lande der Reaktion: Sachse», zu melde» geivesen sind 7 Unter den»ichtigsieu Gründe» sind unter seiner stlintsdauer Ver- sainmlnngen aufgelöst und verboten, harmlose Vereine für politisch erklärt»Vörden, ohne daß er in der Mehrzahl der Fälle Remednr geschaffen hätte; er hat sogar eine Anwendung des Vereinsgesetzcs gntgeheißen, die i» der Arbeiterwelt Erstminei, hervorgerufen,«vir nieinen die Aiiivendnng des Vcreinsgesctzes auf die Parteikonferenz des Lüne- burger Wahlkreises. Der dieserhalb«vegen UebcrtreMng des Vcreinsgesetzes mit einen« Slrasmandat bedachte Genosse«vnrde später von dem ordentlichen Gerichte glänzend freigesprochen. Einer„gesunden" und„tüchtigen Bevölkerung", zu der auch die Arbeiler zählen, einer Bevölkerung, die„Verständniß für«virthschaft- liche»nd ideale Aufgaben" hat, der räuint man doch alte Steine des Anstoßes a>is den« Wege, anstatt ihr das Leben durch polizeiliche Eingriffe sauer zu mache», anstatt ihr die Erfttllnng ihrer A»f- gaben zn erschivere». Zivischen de» zilirten Worten des Herrn v. Bennigsen und feinen Thaten als Oberpräsidenl scheint n»s ein eben so großer Widerspruch vorhanden zu sei»,«vie zivischen den Thaten des früheren Handelsininisters v. Berlepsch»nd seinen jüngste» Acußerungen über die Koalilionssreiheit de» Arbeiter. Die Arbeiterschaft«veint den« heule aus den« Amte scheidenden Oberpräsidenle» keine Thräne»ach; andererseits hat aber auch die Sozialdemokratie keine Beranlaffling, sich über den Fortgang des liberalen Oberpräsidenten zu freuen. Denn die linier seinen, Regime gegen die hannoverschen Sozialdemokraten angeschlagene schärfere Tonart, die anßerordeiillich scharfe, nicht selten über das Gesetz hinaus gehende Handhabung des Vereinsgesetzes, ver- blinden n«lt andere» kleineren Widerwärtigkeiten habe» die Sozial- demokratie nicht geschivächl, in« Gegenlheil: Wasser aus ihre Mühle» geleitet." — Der Ent«vn rf eines Gesetzes«Iber die ärzt' l i ch e n Ehrengerichte ist einer Lokaikorrefpondenz zufolge in« UnterrichlSministerillin einer nochmalige«, Durcharbeitung unter- zogen ivorden. Die in de» Beschlüsse» der Aerztekanimern zum Ausdruck gebrachten Wünsche der Aerzte haben in der neuen Fassung Berücksichtigung gefunden. Insbesondere ist sür die Be- 'etziing des Ehrcngerichlshoses die Bestimmung aufgenommen ivorden, daß von sechs Beisitzern des Gerjchlshoses vier von de» Aerzte« kamniern gcivählt werden. Die beiden andere» sollen vo» der Re- giernug ans der Zahl der dem Gerichte(? Red.) unterstellten Aerzte beftinnnt«verde».— — Z«« der Forderung einer konfessionellen E i d e s s o r n« e l»iinmt Geh. Jnstizrath Prof. Dr. v. Schulte in der„Denischen Jnriste»«Ztg." das Wort,«in« ilachzniveis«», daß diese Forderung«lnnchtig und undurchführbar sei und kein Bedürfniß dazi» vorliege. Einmal,«vcil es keine konfessionelle Eidessoruiel für Christen gebe, dann,«veil der frühere Eid und erst recht der heutige für alle Christen voll genüge, driitens,»veil derjenige,«velcher seine Konfession hervorzuheben de» Drang fühle, sich mit der unbeanfian- beten Znfügung die vernieinilich konfessionellen Worte begnügen könne. Es liege gar kein berechtigter Grund zu einer A e n d e r n n g vor. Was der Rcichstagsbeschluß von, 2. April d. I vorschlage,«vürde eine» Rückschritt sondergleichen ent- hallen und»»r dazu dienen, konsessionelle Zivietracht zu befördern. — Unfug in der Rechtsprechung. Der bekannte ehe- malige Reichsgerichtsrath Otto M« t t e l st ä d t»vendet sich in der „Zukunft" scharf gegen die immer»«ehr in Ans,«ahme kommende«, sonderbare» Auslegungen des„Groden Unfug"-Paragraphen. Er rcgistrirt eine ganze Reihe dieser lichtertichen Versuche, auf solche Art der Sozialdemokratie Schädigung zu bereiten, und zeigl,«vie hier« durch nur die I n st i z s« l b st geschädigt»nd nnierniintrt«vird. Sein Urlheil über die Folge einer solchen Gerichtspraxis faßt er folgendermaßen zusainmci»: „Da die böse Sozialdemokratie nnn einmal nicht mehr in der Zwangsjacke eines drakoiiische» AnSnahmerechteS steckt,«n»b das genieine Recht die erforderlichen Handhabe» der geivünschten Fesselung darbieten. Und da das gemeine Strafrecht mit feinen Nor«»««« iiiiii eiiiinal nicht darauf zngeschnilte»«st. speziell gegen die Sozialdemokratie Waffen herzugeben, muß man diese Normen fein säuberlich durch juristisches Dehnen und Pressen für den Ziveck zurech trenken. Noch habe»«vir, die Vertreter heuliger Siaats- „nd Gesellschaftsordnung, die richterliche Geivalt in Händen: inachen«vir davon rücksichtslos Gebranch gegen die Todfeinde iinseros Staates und unserer Geiellschast, ehe die soziale Re- volntio«,«ins ans Messer liefert! So etwa denken die beivnßtesten und ehrlichste» Köpfe deutschen Richterstandes, denen die übrigen donAre malgrö(wohl oder übel) nachgiebig folgen.... Welche Befaiigruheil polizeilicher Weltanschauungen muß die Köpfe beherrsche», die des guien Glaubens sind, mit Hilfe des§ 860, Nr. 11 des St.-G-B. und seiner Uebrrlretnngsstrafe die soziale Demokratie«virklich in die Enge treiben zu könne»! Was mil all' de» kleinliche» Trakasserien dieser aus dem Uufngsparagraphen geschöpfte» Haft- nnd Geldstrafe» erzielt«vird, sind lediglich fortgesetzte Anfreizungen des Rechtsgefühles dnrch kleinliche Nadelstiche..... Jedermann muß sich schließlich sagen, daß,«vas heule der Sozialdemokratie geschieht, morge» jeder ander«» politischen, wirlhschnftlichen oder kirchlichen Parteibildung widerfahren kann. Im übrige» könnte man von dieser gelainniten Unfiigsjurispriidenz sagen— nicht, daß sie mit Kanonenkugeln gegen Spatzen fchießl, sondern—, daß sie mit kün« nierlichen, von einer schwächlichen I u r i st e n l o g t k z u s a», n, e n g e d r e h t e n P a p i e r k ü g e l ch c n elementare Volksbewegungen zu erschültern sich bemüht." Herrn Mittelstädt's Urtheil ist durchaus zutreffend. Aber bei uns«viminell es von sogeiiannten Politiker«,, die zu kurzsichtig sind, als daß sie so klar liegende Dinge sehen könnten.— — 2 Pfennig-Pop«verthzeichen solle«, i» der Reich?« druckerei hergestellt werden. Sollte sich die angeziveifelle Nachricht bestätigen, so steht vielleicht die sehr dringliche Verbillignng des Drucksachenportos in« Lokalverkehr in Aussicht.— — Die handelspolitischen Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten, vo» deren Abbruch auch wir kürzlich»ach einer Meldung der„Frankfurter Zeitung" berichiet habe», dauern der„Nordd. Allg. Ztg." zufolge fort.— — Ein sehr zeitgemäßes Thema wird in der„D. Jur. Zip." unter der Ueberschrist„Fort mit deu Gerichisferien!" angeschnitten. Der Verfasser, Gerichtsaffeffor Sethe in Posen, führt mit Recht aus, tmß tS in bn8 Zeitalter des Verkehrs nicht mehr hllieinpicht, daß die Justiz in jedem Jahre zwei Monate lang feiert und die Prozesse, auf deren Entscheidung die Parteien oft mit Angst und Bangen warten, ruhig liegen läßt. Freilich werde» ja erlige Sachen auch während der Ferien verhandelt, über die Eiligkeit pflegen aber die Gerichte und die Parteien meistens ganz verschiedener Meinung zu sein. Nach Ansicht des Verfassers ist die Einrichtung der Gerichtsferien in der Zeit des gesteigerten Aerkchrslebens, der Eisenbahnen und Telegraphen nicht mehr zeit- gemäß. Die Rechtsprechung kann Heulzulage nicht mehr«in schwer- fälliger Apparat zur Abwickelung langjähriger Prozesse sein, sie ist vielmehr für den Kaufmann, den Fabrikanten, Handwerker. Ar- beiter zc. eine öffentliche Einrichtung, die ihm zur Verwirklichung berechtigter Ansprüche verhelfen und ebenso wie unfere Verkehrs- institule und andere öffentliche Einrichtungen ihn in seinem Schaffen fördern und schütze» soll. Spielt denn, so fragt der Verfasser, die Rechtsprechung im StaatSleben eine ihrem Weien nach von anderen Verwaltnngszweigen so ver- schiedene Rolle, daß sie allein das Recht hat, zwei Monate im Jahre einfach stille zu stehe»? Warum soll der Geschäftsmann und der Produzent, der das ganze Jahr vom Staate verlangen kann, daß er ihn seine Güter, seine Briefe u. s. w. befördert, daß er ihn nach innen und außen vor Feinden schützt, von dem Staate, der das ganze Jahr Steuern entgegennimmt, nun gerade zivei Monate nicht verlangen können, daß er seine Prozesse entscheidet, ihm de» vollstreckbaren Titel gegen den säumigen oder böswilligen Schuldner verschafft? Die Verzögerung beschränkt sich niemals auf die gesetzliche» zwei Monate, beläuft sich vielmehr in der Piaxis ans drei, oft auch vier und noch mehr Monate. Die den richierlichen Beamten zu gewährende Erholung kann nach An- ficht des Verfassers auch ans andere Weise erreicht werde». Di« Regiernngs-, Post- und Eiscnbahnbeamten erhalten doch auch ichre» Urlaub, ohne baß zwei Monate lang der Dienst deshalb eingestellt wird. Der Staat hat im Interesse des Verkehrs und der schleunigen Erledigung der Prozesse die Verpflichtung, die Pforten der Justiz das ganze Jahr offen zu halten und deshalb mit dem völlig ver- alleleu Institut der Gerichlsferien zu brechen. — Chronik der Eisenbahn-Unfälle. Aus Duisburg wird amtlich gemeldet: Gestern Abend 10V« Uhr wurde ei» von Slerkrade»ach Oberhansen fahrender Jagd- wagen auf der Kreuzung mit der Bahnlinie Osterfeld- Sterkrade (Emscherthalbahn) von der Maschine eines Zuges gefaßt und bei- seile geschleudert. Von den Insassen des Wagens wurde getödtet: Oberförster Merrem aus Hann» bei Düsseldorf; schwer verletzt und inzwischen verstorben ist Hermann Wupperman» ans Düsseldorf. Des weiteren wurde«»och vier Personen ver- letzt, worunter Landgerichtsdirektor Wölls aus Düsseldorf. Die an- gestellten Untersuchungen ergaben, daß der Bahnwärter von Posten 17 die unmittelbar neben seiner Bude befindliche» Schranken nicht geschlossen hatte, obwohl er durch das Läutewerk von der de- vorstehenden Ankunft des Zuges rechtzeitig benachrichtigt war. Der Wärter war zur Zeit des UnsaUeS 2,/t Stunden im Dienst nach vorhergegangener ILstündiger Ruhe. Auffallend ist der Schluß dieser amtlichen Meldung. Soll damit eine bei Eisenbahn-Unfällen sehr selten vorkoinmende Ausnahme be- sonders festgestellt werden?— — Zur Rechtsgleichheit im Deutschen Reiche. In dem wetmarischen Orte Stadtsulza erscheint die„Thüringe, MontagSzeitnng". Diese enthielt vor einiger Zeit ein Inserat, in welchem der Kaufmann Heylandt in Stadtsulza Loose der thüringisch- anhaltischen Lotteris, die also in Stadlsulza nicht ver- boten ist. empfahl. Run giebt es aber in Erfurt, also in Preußen, Leute, die die.Thüringer MontagSzeitung" lesen und i» Preußen ist das Spielen in ausivärtigen Lotterien bekanntlich ver- bot«». Flugs erhob die Etaalsanwalllchast in Erfurt sowohl gegen den Redakteur als auch gegen de» Inserenten Anklage wegen Verleitung zum Spielen in einer i» Preußen verbotenen Lotterie. Der Kaufmann wurde dieser Tage auch wirklich zu 10 M. Strafe verurtheilt, gegen den Redakteur sollen noch weitere Beweiserhebungen stattfinden. Die„Breslauer Morgen-Zeitung" bemerkt dazu: Es ist eigentlich eine sehr lustige Geschichte; denn wenn man den Gedanke», aus dem das gerichtliche Urtheil erfloß, weiter spinnt, ergiebt sich, daß ungefähr die gesammte deutsche Presse unter An- klage gestellt und verurtheilt werden inuß, vor allen Dinge» aber müßte» die Postbeamten wegen Beihilfe bestraft werden. — Gegen die Polen scheint man neue Unterdrückung?- adsichte» zu erwägen. Wieviel Abonnenten die polnischen Zeitungen haben, solle», nach der„Volks-Ztg." die Oberpräsidenten ermitteln und in ihrer Denkschrift über die polnische Bewegung angeben. Nun wird der.Volks-Ztg." aus Danzig geschrieben: Die hier er- scheinend«.Gazeta Gdanska" berichtet, man habe in ihrer Expedition polizeilicherseits zu erfahren gesucht, wie viel Abonnenten das Blatt habe. Mit de» polizeiliche» Recherchen hätte man jedoch den beab- sichtigten Zweck nicht erreicht.— Das ist natürlich! Was aber nun? GleiwIH, SI. Dezember. Der.Oberschleflfche Wanderer" meldet: Gras v Frankenberg und LndwigSdors, Frhr. v. Schellen- dorf, auf Tillowitz bei Frankenberg in Schlesien, Mitglied des Staateraths und des Herrenhauses, welcher in de» Feiertagen zum Besuche beim Herzog von Ujest aus Schloß Slawentzitz weilte, ist dort gestorben.— — Bei der Landtagl-Nachwahl in Lörrach- Land siegte gegen olle Erwartung der bisherige Abgeordnete Dreher(natl.) mit 63 Stimmen. Ans de» freisinnigen Kandidaten Hagift entfiele» 61 Stimmen. Ein« Anzahl freisinniger Wablmänner sind umgefallen. Das ist der Segen des von den National- liberalen so energisch vertheidigten indirekten Wahlsystems.— Frankreich. Pari», 31. Dezember. Henry Maret erklärte gestern Abend in einem Interview, daß er, um sich dafür zu räche», daß er in de» Panaina-Prozeß verwickelt wurde, eine Broschüre schreibe» würde, in der er über die Opportunisten Enthüllungen bringen werde. So wird die Panama-Affäre trotz der Freisprechung sortzengend Böses für die Regierungsmänner gebären. Der Gerichtshof im Panama- Prozesse beschloß, die Urtheil?- fällnng gegen den flüchtigen Angeklagten Naquet um einen Monat zu verschieben.— England. London, 81. Dezember.(„Frankfurter Zeitung.') Obwohl der Kampf zwischen den Maschinenbauer» und den Unter- nehmern aufs neue begonnen hat, hört man doch nichts von neuen Aussperrungen. Man glaubt vielmehr, daß die Unternehmer versuchen iverdcn, die Maschinenbauer ohne formellen Friedensschluß einzeln zur Wtederaufnahuie der Arbeit unter den von den Unter- nehmern ans der Konferenz festgesetzten Bedingungen zu bewegen. Ein Ausruf des Obersten Dyer wendet sich augenscheinlich in dieser Absicht direkt au die Arbeiter. Spa«i«n. Madrid, 31. Dezeniber. Auf Befehl des KriegSministerS ist die V rsolgung derjenigen Blätter eingeleitet worden, welch« den Protest Weyler's veröffentlicht haben. Die Veröffentlichung des Protestes des Generals Weyler gegen die Botschaft des Präsidenten Mac Kiuley ist aus internationalen- Rücksichten verboten worden. Aus Havana wird gemeldet, daß Marschall Blanco ein Dekret erlasse» hat, wonach jetzt die Exportalion von Tabak auS Kuba erlaubt ifl.— Rnhland. — Heber die Arbeiterbewegung schreiben die Peters- burger„Nowosti":„Das Jahr 1807 hat in den industrielle» Ver- hältnissen Rußlands wesentliche Aendeiunge» herbeigeführt. Unsere Ausfuhr an Getreide, Zucker und Holz ist um ein bedeutendes zurück- gegangen, wahrend dafür etwa LOO neue größere Fabriken ent- /auden und die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter um 13- bis 20000 zugenommen haben dürste. Unser« industriell« Ausfuhr ist auch bereits in der ersten Hälft« des Jahres um sechs Millionen Rubel gestiegen. Die Regierung hat zugleich ver- sucht, auf gesetzlichem Wege die Lag« der Arbeiter zu besser», indem sie die Frauen-, Kinder- und Nachtarbeit beschränkte, sowie für verschieden« Gewerbebetriebe eine Höchstarbeitszeit festsetzte. Leider aber scheint hierdurch die Zufriedenheit der Arbeiter nicht hergestellt zu sei«; denn es haben in diesem Jahre nicht weniger als 13 groß« Arbeiterstreiks stattgefunden, wie sie bisher in Rußland noch nicht erlebt wurden. Und die Begleiterscheinungen bei diesen Lodnkämpfen wäre« derart, daß sie zu große» Besorgnissen Anlaß geben mußte».' Es ist sehr charakteristisch, daß ein unter der strengsten Zensur erscheinendes, der Regierung nicht fernstehendes Blatt dieses der jungen russischen Arbeiterbewegung nur zur Ehre gereichende Urtheil fälle» muß.— «fien. Kalkutta, 31. Dezember. Sir Henry Havelock Allan, Mitglied des Unterhauses und Oberst des königlich irischen Regiments, welcher sich i» Ali Mnsjid aushielt und gestern von dort aus einen Spazierritt unternahm, wurde von den Afridis übersallen und er- inordet. Die Leiche ist aufgesunden und wird nach Peschawur ge- bracht werden._ Klasscnpolitik und Sozialreform. Unter diesem frhr zu- treffenden Titel hat die Buchhandlung Vorwärts B e b e l' s Reden bei den letzten Etatsdebatten in einer Massenauflage erscheinen laffe». Wir sind überzeugt, daß die 64 Seite» stark« Schrift«in wuchtiges Material für die Vor- bereilung der Wahlagitation und zur Bekämpfung der Anhänger der Posadowsky-Slumm'schen Sozialpolitik bilden wird. Wahlagitation. Im Herzogthnm Sachsen-Altenburg. mit AilSnahme der Stadt Altenburg, ivnrden am 8 Weihnachts feiertage zirka 37 000 Flugblätter von den Parteigenossen verbreitet. DaS„Bolköblatt für Anhalt", das i» Dessau dreimal wöchentlich erscheint, kann die erfreuliche Miltheilmig machen, daß seine Abonnentenzahl im Jahre 13S7 um rund 500 gestiegen ist und fast die 4000 erreicht hat. Anch die Jnserateneinnahme war im letzte» Jahre höher als je zuvor. Die sozialdemokratischen ReichStagS-WahlkomtteeS der beide» Dresdener Wahlkreise haben, dem Beispiel der Leipziger Parteigenosse» folgend, an die Saalbefltzer ein Rundschreibe» ge- richtet, worin die Wirlhe uni Aeußerung darüber ersucht werden, ob sie ihre Lokalitäten zu Wahlversammlungen hergeben wollen. NrrbKttdstuK der vereinigten Dachdecker nnd verwandten Kernfsgenosse« Deutschlands. Gera, 30. Dezember 1897. Heute stehen die Anträge auf Erhöhung der Beiträge zur Debatte. Einige Delegirte sträuben sich gegen die Erhötmng der Beiträge, die jetzt IS Pf. pro Woche betrage» und auf die Dauer von 36 Wochen jährlich erhoben werden. Von anderer Seite wird dagegen daraus hingewiesen, daß im Lauf der Verhandlungen die Leistungen des Verbands bedeutend erhöht worden sind, die schon eine Erhöhung der Beiträge bedingen. In namentlicher Abstimmung wird mit lS gegen 7 Stimmen die Erhöhung der Beiträg« von 13 aus 20 Pf. pro Woche beschlossen. Für die Dauer der Beitrags- leistnng werden 36 Wochen pro Jahr beibehalten.— Mehrere Filialen haben für Führung der VerbandSgeschäst« die Anstellung eines besoldeten Beamten beantragt, worüber sich«ine sehr lange, theilweile beinahe heftige Debatte entspinnt Mit 13 gegen 7 Stimmen wird der Antrag abgelehnt und beschlossen, den ersten Vorsitzenden mit wöchentlich lOM. und den ersten Kassirer mit jährlich 206 M. zu enlschädigen. Als Sitz des Verbandes wird Fraakfnrt a. M. wieder bestimmt und beschloffen, den erste» Vor- sitzende»»»d ersten Kassirer nicht wie bisher von der Filiale, woselbst der Verband seinen Sitz hat, sondern auf dem Verbandstng zu wählen. Zum Vorsitzenden wird, nachdem der bisherige Vor- sitzende Storch aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt, G. D i e h l- Frankfnrt und zum Kassirer I. Diel- Frankfurt gewählt. Die illedaktion wird dem Redakteur Hoch- Frankfurt zu den bisherigen Bedingnilgen wieder übertragen. Der Sitz des AnSschnsses wird nach B r e»i« n verlegt und als Sitz für das Agitalioiiskoinitee M ü n ch e n bestimmt. Zur Deckung der Kosten für den Verbandstag wird beschlossen. 8 Ps. pro Quartal nnd Biitglied de» einzelnen Filiale» in An- rechnung zu bringen und aus dem sich dadurch ansainmelnden Fonds die Delegirle» z» bezahlen. Gaue bis zu 260 Mitgliedern sollen in Zukiiiift I, bis 406 2 und über 400 Mitglieder 3 Delegirte zu den Verbandstagen entsenden können. Als Ort' für den nächste» Berbandstag wird Magdeburg gewählt. Mit einein Hoch auf die internationale Ärbeiterbeivegiing, in das die Delegirten begeistert einstiminen, wird hieraus der Verbandstng geschloffen. Gewerkschaftliches. Verii» nnd Umgebung. Zentralberbnnd deutscher Maurer(Filiale Berlin II). Die regelmäßige MonalSversaminliiug findet nicht am Sonntag, den 2. Januar, sondern am Sonntag, den 9. Januar statt. Ans die Tagesordnung ist gesetzt:„Minimallohn und Maximal- arbeit szeit." Für die ausgesperrten englischen Maschinenbauer gingen bei der B erliner Gewcrlschaftslom Mission folgende Beträge ein: Lqckirer Berlins d. R.(auf Listen) 6,10. Tischler, Drechsler, Bildhauer der Finna Klinger u. Comp., Maiiteuffelstraße 7,20. Statklub„Coro 7" 4,—. Verband der Möbelpolirer Berlins(darunter Werlstatt Barth 20,-) 100,—. Tischleret Böhm, Wcberstr. 62, 4. Rate 7,—. Holzbcarbeitungs- niaschinen-Arbeiter, Berlin II, 2. Rate, d. K. 3S,bb. Metallgießerei Heinze, Wasiertharstr. 8, 7,40. Maler Berlins(auf Listen) d. K. S,40. Möbel- sabrik von P. Hyan, Rüdcrsdorferstr. 26, 11,75. Tischlerei Schüttekopf u. Heine, Königsbergerstr. 28, 7,85. Maler Berlins(auf Liste) d. P. 4 10. Tapezireriverkstatt Kursiirstendamm, 2. Rate 5,—. Bautischlerct von Hille, Boeckhstraßc 21 19,05. Maurer vom Bau Augsburgerstraße b. M. 6,—, Holzarbeiter von Ftatow u. Pricnicr, Charlottenstr. 18 17,75. Storkarbeiter Berlins d. Kliiiger(eigene Listen) 16,50. Restaurant„Nordwacht" 2,—. Rollmopsklub„Pfiff" 3,—. Bildcrrahuienmachcr Berlins(darnnter Spiegel- rahmeiisabrik von Mefter 16,16)— 21,—. Maurer und Steinträger vom Bau, Ltihowplatz 3 12,90. Arbeiter einer„königlichen Mustcrwerlstatt" 18,45. Auf einer Hochzeit gesammelt, Hochstr. 46 3,20. F. H., Berlin 3,—. Wertstatt W. 73 6,65. Zimmerer Berlins d. F., 2. Rate 500,—. Sattler Berlins d. Weyher(auf Listen) 13,50. Klamatursabril von Buchholz, 9, Rate 15,—. Fliesenleger Berlins(auf Listen) 15,60. Holzbearbeiwngssabrik von Schulz u. Zerban, Bellcalliancestr. 34 11,90. Amerikanische Auktion eines PudelS, Reichenbcrgerstr. 160 2,—. Zcntraweretn der Böttcher, Filiale Berlin 50,—. Dr. Fdg. 10,—. Bildmahmenfabtik Brückner Nachfolger, Ritterstrabe(Listen) 10,55. Gummi-Arbciter von Boigt u. Winde 1,50. Stukkateure Berlins durch den Vertrauensmann(auf Listen) 51,20. Stell- macher Berlins(Orenstein u. Koppey,(auf Listen) 34,35. Tischleret Hübner, Grünstr. 19 4,10. Geselliger Berein„Voran" 10,—. Zinsen vom Sparverein „Löwert" 4,55. Uebcrschub einer Kranzspende H. u. F. Wilmersdorf 6,50. Gemüthl. Zusammensein bei R. Drescher, Ltnienstr. 5,—. Musikiiistnimenten- arbeitcr Berlins durch Arendt auf Listen 185,40(darunter die Fabriken von Dreyer u. Komp. 5,—, Drobrowolsky u. Brasch 10,25, Weber 22,75, Neu- gcbauer 8,30, Fürstcnberg 5,—, Höhne u. Scll 6,25, Htrschfeld, 6. Rate 8,«0, Schulz, Blumenstraße 14,—, Hoffmann 5,75, Pfeiffer 11,05. Seidel, Wrangelstraße 5,65, List 6 46, Wittig 11,25, Klingmann 13,66, Hctndorf 7 90, Pfaffe 5,90, Laurinat, 8. Rate 14,85, Gottwald 13,80, Hoof u. Komp. 9,10). Feilenhaucr u. Berufsg. Berlins 50,—(darunter die Werkstätten von BereSfodt, Peiseler, Kammerich, Wicchcnback, Hvfsmann, L. Schaas u. Ko., E. Schaaf, A. Schaaf, Kranke, Reintke, Urbandke, Rösiger, Dobbert, Albrccht, Rothemann, Krebs, Hübk« u. Schwarzkopf außer drei Wilden). Sattler Berlins(aus Listen) 12,10. Gesammelt im Lokal von E. Riede 5,—. Fr. Pannier, Maffeur, Hirtenstr. 22, 5,—. Em Drechsler bei L. Beyer, Britzerftraße, 2,—. fandclshilfsarbeiter Berlins(lokal) durch Kamp(auf Listen) 16,55. andelshilfsarbetter durch Aldoldt(lokal) 40,—. Maler Berlins(mts Listen) durch Link(darunter 1,55 von Priebe) 11,— Tintenkuli, Annenpraße, 3,—. Skatkiub Tournee 6,—. Weitere Beiträge nimmt das GewerkschgftSbur««»(ist. Miilarg «nnenftr. 16, 1 Tr.) entgegen. Deutsches Reich. Die StreikPerstchernugS- Gesellschaft Jndnstria Hut nun- mehr ihre» Gründungsbericht versandt, dem die„Leipziger Bolls- zeitung" folgendes eutnimnit: „Die geplanle Organisation soll, wenn möglich, alle Industriellen vereinigen! Der festen Organisation der Arbeiter ist ein gleiches Werk der Einigkeit und Gegenseitigkeit entgegen zu stellen. Diese Bereinigung soll vor allein Über berechtigte und un» berechtigt« Streiks zu entscheiden haben.... Es würde damit zugleich ein Gegengewicht gege» den terrorisirenden Einfluß der Sozialdemokratie gegebe» sein... Wir wollen die einsichtigere» Elemente unter den Arbeitern von dem irreleilenden Eiufluß der politischen Partei befreie« und ihnen ein Rückgrat für«ine zweck- mäßige Organisation ihrer eigenen Gewerkschaften darbieten.' Mit diesen Liebeswerbuiigen werden die Gründer der Gesellschaft in Arbeiterkreisen msuig Entgegenkommen finden, denn die Arbeiter wissen nur zu gut, was sie von solchen Unternehmer-Organisationen zu erwarten haben. Sie können nur Kampf bedeuten und dazu mögen sich die Arbeiter rüsten. Weiter wird noch mitgetheilt, daß die Gesellschaft vorläufig ihr Kapital auf 3 Will. Mark festsetzt(3000 Aktien k 1000 M.) Die Aktien werden gegen eine Einzahlung von �23 pCt. des Nominal- betrages ausgegeben, für den Nest sind 2 Solawechsel ohne Ordre auf Sicht auszustellen. Der sonstige Ausbau und die Prinzipien der Gesellschaft ent- spreche» ganz den bereits in der Berliner Versammlung seiner Zeit gegebenen Darlegungen und ist, wie bekannt, Kommerzienralh W i r t h zum Vorsitzenden erummt. In Altona Qttensen haben die Tischler der Innung folgende Forderungen unterbreitet: Einführung der»elinstündigen Arbeitszeit, Erhöhung deS Stundenlohnes um 7V« pCt., für Arbeiten nach Feierabend und Sonntags ein Aufschlag von 30 pCt. und für daS Halten von Hobelbank und Werkzeug eine Enlschädigung von wöchentlich 1 M. Die Mitglieder der Tisckleriunung haben nun kürzlich eine Versammlung abgehallen, in welcher be- schloffen wurde, die nennstiindige Arbeitszeit für das nächste Jahr provisorisch zu bewilligen, die Forderung der Lohn- -chöhung aber abzulehnen. Gege» die Entschädigung für das Halten einer Hobelbank und deS Handwerkszeuges halten sie nichts ein- zuwenden. Gleichzeitig wurde beschlossen, mit dem 1. Januar 1899 die S'/zstündige Arbeitszeit wieder einzufahren, wenn die Gesellen nicht dafür sorgen werde«, daß i» den Betriebe», die dem Tischler- amt nicht unterstehen, anch die 9stü»dige Arbeitszeit eingeführt wird. In einer Versammlung des Holzarbeiter-Verbandes wurde dieser Tage beschlossen, dein Anerbieten der Innung zuzustimmen. In den übrigen Werkstätten soll versucht werde», gleichfalls diese Forderungen einzuführen. I» der Schlick'sche» Werst in D r e S d e n find Differenzen au?gebrochei>, die bisher zu keiner befriedigenden Lösung sührte». Es wird deshalb dringend vor Zuzug gewarnt. Die bei«, Bau der katholischen Kirche in Schiltigheim bei Straßburg beschäftigten Sleinhauer habe», nachdem der Unter- nehmer wegen ansgebrochener Lohndifferenzen mit Maßregelungen drohte, sämnillich die Arbeit eingestellt. Ueber den Platz ist Arbettk- sperre verhängt. Die Zahl der Ausständigen beträgt 27. Auf dem Berbandsbnrea» des Bergarbeiter-BerbaudeS in Bochum wurden sämmlliche Geschäftsbücher beschlagnahmt. Ueber vi« Veranlassung zu dieser Maßnahme liegt bisher kein näherer Bericht vor. Darifdtfferenzen bei den Buchdrucker«. In der Buch- dmckerei von R Gteblor in Königshütle kam es zwischen dm Gehilfe» und dem Prinzipal wegen tariflicher Angelegenheiten zum Konflikt. Nachdem sämmtlich« dort beschäftigte» acht Gehilfe» sich solidarisch erklärten und ihre Kündigung eingereicht halte», erkannte der Prinzipal den dentschen Buchdruckertaris an und war damit der Konflikt beseitigt. Der Zentralverband der Zimmerer weist i» feiner Ab- rechnung vom drillen Qaartnl 1897 eine Einnahme von 42 339,11 M. ans, der eine Ansgaa« von 17 390,36 M. gegenübersteht. Da? Ver- mögen des Vereins beziffert sich auf 73 193,73 M. Ausland. Arbriiersrkrrtariat in Zürich. DaS seit»/» Jahr bestehend« lokale Art cilersekrelariat der organisirten Züricher illrbcilevschaft hat sich so gut bewährt, daß in der Person des Genossen Fritz Scherer, Lithograph, ein zweiter ständiger Sekretär gewählt wurde. 18 Ge- werkschasien haben ihre Reise-Unlerstiitzung dem Sekretariat über- trage».(Wiederholt.)_ Zur Lage der ostpreaßische« Landardeiter. Man schreibt uns ans Ostpreußen: Boll verständlich wird die Flucht der ländlichen Arbeiter unserer Provinz nach dem Weste»— ungefähr 69 000 gingen nach einer Angabe der Invaliden- und AllersverstchernngS-Anstalt Ostpreußens allein im Jahre 1897 davon— wenn man«inen tiefere» Einblick in ihre ArdettSverhältniffe lhut. Von den Junkern wird oft behauptet, daß besonders die Lage der I n st I e u t e durchaus nicht so schlecht sei. Wie es in Wahr- heit damit steht, wolle» wir an eineni Fall zeigen, der durchaus nicht vereinzelt, sondern sehr oft vorkomint. Der Rittergutsbesitzer W- n d t in Hohenrad« bei Waldau ver- klagte seinen srühere» Ins»»an» wegen 7S,7S M., weil dieser an 28 Tagen im Jahr nicht gearbeitet hatte. Der Jnstniann hat aber »ach einer Ausrechnung des GntsbesitzerS selbst im letzte» Jahr nur VT, 18 M. baar an Lohn erhalten. Auf Grund des Kontraktes, der zwischen beiden abgeschlossen war, mußte der Jiistmnn» ver- »rlhetlt werden. Weil die Kontrakte auf dm meiste» Gülern gleich- artig sind, wird es nicht uninlereffant sein, de» vorliegenden zu skizzire». Schon die Eiuleitnng mnthet recht patriarchalisch an. Sie lalltet: Kontrakt der Gutsleute, Knechte, Hirten u. s. w. in Hohenrade niit ihrem Brotherr».§2 sagt: Die Gntsleute verpflichten sich, für den vereinbarien Lohn auf Verlangen jederzeit drei brauchbare 'Arbeiter zu jeder v o r k o m m e n d e»?l r b e i t z u st e l I e u. Jeder Arbeiter hat dem Brotbmn und dessen Vertreter gegenüber sich jederzeit gut zu betragen und fleißig zu arbeile»; verstößt er hier- gegen, so kann er vom Brotherrn mit 30 Pfennig bis zu 1 Mark bestraft und eventuell entlaffeii werden.§ 3. Die Arbeit dauert im Winterhalbjahr von Dunkel bis Dunkel, in, Eommer-Halbjahr von Sonnen-Aufgang biS E o n n e n. U u l« r g a n g, die Frauen kommen ein« halbe Stunde später und gehe» eine halbe Stunde früher. Eine AuS- nahine machen dringende Fälle, wie in der Erntezeit. Etwaige SomilagSarbeit im Felde wird jedem Arbeiter doppelt bezahlt. § 4. Jede Arbeiterfamilie ist verpflichtet, aus Verlangen eine«ach Ermesse» deS Brotherrn brauchbare Person zum Melken zu stellen, welche dafür drei Mark monatlich erhätt. Wenn eine Familie keilten Melker stellt, hat sie 4 Pfd. Flqchs oder 10 Pfd. Heede gut zu fpimien; wenn sie nicht spinnt, bezahlt sie dafür noch im Laufe des WinteeS drei Mark. Die Arbeiter haben außer Säcken zum Getreidelragen jedes andere Arbeits- zeug s e l b st»i i t z u r A r b e i t z u b r i n g e n. In z 3 und 6 wird bestimmt, daß jede Familie eine Kuh halten darf, für die sie 'reie Weide ll»d Winterfntter erhätt. Ferner dürfen bis drei Schweine gefntiert werde»; außerdem giebt es 9 M. Woll- geld und Brennholz.§ 7. Stellt ein» Arbeilerfamiii« nußer dem Mann 2 Scharwerker permanen- und geht dann die Frau als vierte, so erhält d»r sogenannte Dritt» gänger 6 Scheffel Roggen und 25 Rutben Kartoffelacker nnd die Frau im Winter 50 Pf., im Sommer 60 Pf. Tageloh».(Man bedenke, die Arbeilszett dauert von Soniienanfgang bis Sonne». uiitergang.)§ 8. Bleibt jemand ohne Erlaubniß von der Arbeit fort. kommt trunken oder wiederholl zu spät zur Arbeit, so wird ihm ohne weiteres eine Eirafe von 30 Vf.. im Wiederholung«., falle von 1 M. in Abzug gebracht.§ S. Jeder Arbeiter ist»m, pilichtit. soweit ihn der Brotherr oder dessen Vertreter sür geeignet heilt, zu jeder Zeit jede Arbeit zu leiste», zeit- iveise hat er zum Beispiel Knechtsdienfle. besonders aber Futterdiensle z» verrichten. Er erhält hierfür keinen Extralohn, sofern dies nicht besonders schwierige und viel Zeit raubende Arbeiten sind. Solche Arbeiten iverde» ihm u a ch E r in e s s e» d e s B r o t h e r r» extra bezahlt.§ 10, Stellt jemand nicht die bedungene Anzahl Arbeiter. so ist der Brotherr berechtigt, für jeden fehlende» Schariverker- resp. Frauentag 50 Pf., für jeden Manncstag im Winter 50 Pf., im Sommer 2 M. in Abzug zu bringen. und hat auch das Recht, die Arbeiterfamilie sofort zu entlassen.§ 11. Die Abgaben hat jeder Arbeiter so weit zu zahleu, als sie das Gesetz vorschreibt. In dem Musterkontrakt ist nur von Verpflichtungen des Inst- »nannes die Rede. Derselbe ist dem„Brotherrn" vollständig in die Hände gegebe». Der beklagte Jnstmann sollte nun fnr sich und seine Familie »ild drei von ihm zu stellende Arbeiter an Lohn erhalte» � 90 M baar, 30 Scheffel Brotgetreide, 4 Scheffel Hafer, B Scheffel Gerste, 3 Scheffel Erbsen, 2 Scheffel Weizen und 9 M. Wollgeld. Da er aber nur zwei Arbeiter stellte, sollt« er erhalten: 72 M., 24 Scheffel Brotgetreide. 3 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Gerste, 2 Scheffel Erbsen, 1 Scheffel Weizen, 7,20 M. Wollgeld. Während für de» fehlende» Mann vom Geldlohn und vom Brotgetreide ein Fünftel abgehen, wird vom Hafer>/«, von der Gerste und den Erbsen'/», vom Weizen gar die Hälfte abgezogen. Durch die Klausel von den zu stellenden Schariverker» können den Jnstleuten die größte» Ver- legrnheite» entstehen. Der Gutsherr hat die Sorge um Beschaffung von Arbeitern von sich ab- und den Arbeitern ausgewälzt. Für einen davonlaufende» Schariverker, der nicht sofort ersetzt werde» kap», hat der Jnstmann von feinem Loh» pro Tag 50 Pf. zu zahlen, ganz gleich, ob die Arbeit von den übrigen Arbeitern mitgeleistet wird oder nicht. Will der Jnstmann nicht den größten Scheerereien aus� gesetzt sein, so muß er suchen, auf alle Fälle die Scharwerker zu behalten, was auf Gütern, wo der Gutsherr oder der Inspektor unfreundlich mit den Leuten umspringt, schwer füllt. Von den 62, IBM., die nnserm Jnstmann ausgezahlt wurden, halte er noch zu bezahlen: 1,20 M. Kreisstener, 1 M. Dezein, 4,80 M. Altersversicherung. 4,18 M. Krankenbeilräge, zusammen 11,13 M. Abgezogen wurden ihm vom Gutsherrn, wie aus der Aufrechnung desselben hervorgeht, für einen Kindersarg 10,50 M. Es blieben also 41,50 M. vom Jahresloh».(Wir rechne» Ausgaben für Medikamente und ärztliche Behandlung sür das gestorbene Kind nicht mit.) Zu dem Betrag sind 7,20 M. Wollgeld zu rechnen. An 23 Tage» ist der Mann nun nicht zur Arbeit gekommen, wofür der„Brotherr" 56 M. laut Kon- trakt zurückgezahlt verlangt. Voni vorigen Jahr her hatte der Mann 6 Mark Schulden, sodann hatte er einige Metze» Getreide zu viel erhalte», ivofür der Betrag zurückverlangt rvurde, so daß der Guts- Herr am Schluß des Jahres 72,90 M. zu fordern hatte. An den 23 Tagen, wo er bei der Arbeit fehlte, hat der Jnstmann aber keineswegs aus Faulheit die Arbeit versäumt, sonder» er war durch Kranlheit und andere Umstände von der Arbeit abgehalten. Um sid) möglichst zu sichern, hat der„Brotherr" schon vor einiger Zeit, wie der Inspektor am 23. September bescheinigt, 105 Quadratruthen Kartoffelacker gerichtlich in Beschlag genommen, und die Kartoffeln geerntet, so daß der Jnstmann, trotzdem er ein Jahr lang ar- bsitcte; weder Brot noch Kartoffeln sür seine Familie zu effen hat. Die Hütte auf dem Gut z» Hohenrade, die er während der Zeit, da er für den Gutsherrn schanzte, bewohnte, hat er natürlich auch räumen müssen. Kontrakte, wie der geschilderte, bestehen auf den meisten Gütern und werden meist auch nicht milder behandelt als in deni vorliegenden Falle. Ist es da ein Wunder, wenn die so behandelten und bezahlte» Arbeiter in hellen Schaar«» den Fabriken im Westen zuströme»? Wenn sie dort einen Tag nicht arbeite», bekomme» sie ihn nicht bezahlt, brauchen doch aber nicht noch etwas heranszuzahlen, und regelmäßig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang währt die harte Arbeit bort auch nicht. Man mödile sich fast wundern, daß bei den ge- schilderten Arbeitsbedingungen in Ostpreußen überhaupt noch Inst- leiite zu haben sind._ Soziales. Ehescheidnugen in Prenße» und Teutschland sowie in einer Anzahl von enropäischcn Staaten. I» Preuße u nebst de» Fürsteuthümern W a l d e ck und P y r m o» t sind während der Jahre 1381—96 durch rechlskräftig gewordene Urtheile in beendeten Ehesadien überhaupt 64 400 Ehen geschiede», 606 sür nichtig und 246 für imgillig erklärt worden. Von 100 000 bestehenden Ehen wurden in Preußen und Waldeck in» Durd>sd)nitle jährlich geschieden im Jahrsünste 1831/35 67,62, 1886/90 80,55, 1891/95 86,77, im Jahre 1896 101,97. Die Ehescheidungen sind während der ganzen Beobachtuugszeit häufiger geworden, und im Jahre 1896 sind von 100 000 bestehenden Ehe» 101,97 gegen 50,19 im Jahre 1881 durch Scheidung gelöst worden. In 16 Jahren hat sich also die Häufigkeit der Ehe- scheidungeu mehr als verdoppelt. In Berlin wurden von 100 000 Ehen im Jahrsünste 1386/90 302,4 und in den Jahren 1391/95 33.8, o jährlich gesdsiede». In der Stadt Hamburg komnic» Ehescheidungen nahezu ebenso hänsig vor wie in Berlin; dort sind von 100 000 Ehen im Jahrsünste 1831/35 jährlich 242,4 und im Jahrsünste 1336/90 jährlid) 304,2 geschieden worden. Im Deutschen Reich wurden von 100 000 Ehen während des Jahrfünftes 1831/85 jährlich 69,1, und während des Jahrfünftes 1386/90 jährlich 77,6 gesdsiede». Nur in Mecklenburg und im preußisd)eu Regierungsbezirke Wiesbaden hat die Häufigkeit der Ehe- fcheidungen abgenommen, in den übrigen Theilen des Reichsgebiets dagegen zugenommen. Volkssttte, wirthschaflliche und soziale Verhältniffe»nd Dichtig« keit der Bevölkerung sind neben der Gesetzgebung»nd dem Religions- bekenntnisse von großem Einflüsse ans die Häufigkeit der Ehe- fcheidungen. I» einigen europäischen Staaten, namentlich in Oesterreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, de» Niederlanden, Dänemark und Norwegen werben Ehen nickst nur durch Sckieidnng dauernd, sondern auch durch Trennung der Haushallungsgemeinschast(in der Schweiz aus Zeit, in de» übrigen'Staaten durch Scheidung von Tisch und Bett) gelöst, und in Frankreich sind»ach gesetzlicher Einführung der Ehesckieidnng seit dem 1. September 1834 bis gegen die Mitte des Jahres 1836 hin eine große Zahl getrennter Ehen nacksträglick ge- schieden worden, während späterhin die Zahl derartiger Ehe- scheidungeu von Jahr zu Jahr gesunken ist. In Italien finde» nur Ehetrennnngen statt, in Ungarn, Rumänien, England niit Wales, Schottland, Irland, Sckiweden und Finland nur Ehesckieidungen Auf je 100 000 bestehende Ehen kamen in de» genannten Staaten in» Durchschnitte jährlich Ehelösnngen durch Scheidung oder Trennung: Staat 1871/75 1876/80 1331/85 1886/90 Oesterreich........ l9.4 19.7 Ungarn........ 31,6 30,4 30.5 Rumänien...... 32,7 87,8 52,3 73,1 Italien....... 13,0 11,8 11,3 10,6 Schweiz........ 257,1 225,3 208,8 Frankreich........ 27,0 33,9 75,9 80.9 England mit Wales... 4.4 6,5 7,4 7,0 Schottland...... 6,9 12,3 13,0 16,7 Irland........ 0,3 0,6 0,4 1,1 Belgien........ 19.3 25,5 31,9 43,0 Niederlande...... 25,3 82,0 41,2 64,7 Dänemark....... 158,9 184,0 Norwegen...... 11,2 13,9 12,1 19,3 Schweden....... 25,0 28,5 26,6 31,6 Finland........ 16,1 7,8 10,0 Wie im Deutschen Neicki?. so kommen auch i» den vorgenannte» Staaten in den Großstädten Ehcschcidungen weit häufiger vor als im ganzen Lande durchschnittlick), In der Schweiz treten heule, am 1. Januar, zwei Ver- ordnungen des B u» d e s r a t h s in kraft, wovon die«ine de» Neu- und U in bau von Fabrikanlage« und die andere den iilusschluß sch»van gerer Frauen von den Fabriken für eine Reihe von Arbeite» betrifft, Die erste Verordmmg verlangt,»ach aufgestellten Grundsätzen, die Einreichung von den Bauplänen an die Kantonsregiernngen, die sie ihrerseits von/den Fabrikinspektore» begutackste» lasse» sollen. Aus den Einzelheiten der Verordnungen erwähnen wir, daß Kellerräume nur ausnahmsiveife als Arbeitslokale benutzt werden dürfen, nämlich sofern sie genügend beleuchtet, nickst feucht und nicht der Ucber- schwemmungsgefahr ausgesetzt sind, Die Arbeitslokal« müssen drei Meter hock) sein und mindestens zehn Kubikmeter Luftraum für jede» Arbeiter enthalten. Die Fenster imifsen eine Höhe von 180 Zenti- metern haben und wenigstens bis 30 Zentimeter an die Decke hinan- reichen. Die westeren Vorschriften betreffen Beleuchtung, Ventilation, Heizapparate, Treppen, Ausgänge. Thüre», Schächte und Fahrstühle, Galerien, Brücken und dergleichen, Aborte, Sicherheitsvorrichtungeu an Maschinen und Transmissionen, Eßlokale, Trinkwasser. Löscheiurichtungen:c. Schwangere Frauen ,v erden ausgeschlossen von Arbeilen, wo gelber Phosphor verdunstet; vom Ver- arbeiten von Blei und bleihaltigen Gemischen; von Arbeiten bei den Qnecksilber-Luftpumpcn in Glnhlainpenfabriken; von Arbeiten in Räumen, wo schweflige Säure entwickelt wird; von der Benzin- Wäscherei, der Kautschnkwaarenfabrikation und von Arbeiten, die mit dem Heben schiverer Lasten oder heftiger Erschütterung ver- Kunden sind, Dieselbe Verordnung bestimmt auch den Ausschluß von K i n d e r n v o m 15, b i s 16 A l t e r s j a h r von einer Reihe von Arbeiten, so von der Bedienung von Motoren aller Art; von der Bedienung von Tynamos k,, von der Bedienung von Krahne»»nd von der Benutzung der Fahrstühle; von der Wartung von Trans- Missionen; von der Bedienung von Kreis-, Band- und Gatter- sägen ic., von Wölfe», Schcermaschinen, sofern sie nicht mit absolut sicheren Schutzvorrichtungen versehe» sind; von Arbeite» mit explosiven Stoffen, vom Kochen leicht entzündlicher Stoffe; von Arbeiten in Zement-, Kalk« und Gipßfabriken in Lokalen, wo viel Staub erzeugt wird, sofern nicht für genügende Staub- absangung gesorgt ist: vom Beizen und Fache» in Hntfabriken, von bestimmten Arbeiten in der chemischen Industrie, vom Verzinnen und Verzinken, von der Herstellung bleihaltiger Glasuren.— Für die Bud)druckereien soll nächstens eine Verordirung erlassen werden zur Verhütung von Unfällen und Krankheiten. Ferner hat der Bundesrath beschlossen, alle Elektrizitäts- werken, il mehr als zwei Arbeitern den, Fabrik« g e s e tz zu unterstelle». I» dem bezüglichen Kreisschreiben au die Kantonsregiernngen theilt der Bundesrath auch mit, daß der schweizerische elektrotechnisd>« Verein für alle elektrischen Stark- stromanlagen ein t e ch n i s ch c s I» s p e k t o r a t einrichte» werde, das zu begrüßen sei. Die Befugnisse der eidgenössischen Fabrik- inspektoren werden dadurch nicht alterirt. Juristeuproletariat iu Sachsen. Die„Sächsische Arb,-Ztg." schreibt:„Interessant sind die Angaben im Berichte der sächsisckie» Auwaltskammer über die Unterstützung hilfsbedürftiger Rechts- anwälte. Die verhältnißmäßig hohe» Zahlen lassen auf ei» ziemlich verbreitetes Juristen-Proletariat schließen, wie es ja auch bekannt ist, daß viele Rechtsanwälle, und nicht imnier die untüchtigsten, in ihrer Praxis kaum so viele hundert Mark einnehme», wie ihre glücklicheren Kollegen tausende. Die Hilfskasse sür deutsche Rechts- anwälte gab im Kammerbezirk Sachsen a» 21 Unterstütz,», gs- bedürftige die Summe von 5920 Mark gegen 5370 Mark im Vor- jähre," Zur Rechtsanwaltschaft sind in Sachsen jetzt 543 Personen zu- gelassen, 13 mehr als im vorige» Jahre; die meiste,, Rechtsanwälte — 169— hat der Bezirk des Landgerichts Leipzig. Die Zahl der sächsische» Rechtsanwälte, die den Muth haben, Sozialdemokraten zu vertheidigeu, ist, wie bei dieser Gelegenheit be- merkt sei, außerordentlich gering. Sin nencS Prinnicnsystem, bezweckend, die technische Leistungsfähigkeit der Arbeiter z» gunste» des U»ter»eb»>er-Geld- beuteis aufs höchste z» steigern und den— kostspieligen Posten des Fabrikdirektors zu ersparen, ist in Amerika ausgeheckt worden. Die Wiener„Zeit" theilt darüber auf grund eines i»,„Journal des Economistes" erschienenen Berichts das folgende mit: In einer großen Fabrik der Vereinigten Staate» wurde die Leitung statt einem Direktor einem Komitee von fünf Departements- Chefs übergeben, denen wieder weitere Komitees in den verschiedenen Abtheilungen beigeordnet sind. Um aber auch jedem einzelne» Arbeiter zu», Worte zu verhelfen, liegen in de» einzelne» Räumen Register ans, wo jeder seine Bemerkungen über eventnelie Fehler oder Mißbränche und seine Vor- schlüge zur Verbesserung verzeichne» kann. Besonders nützliche Vor- schlüge werden vrämiirt; im Jahre 1895 wurden gegen 1000 Dollars an derartigen Prämie» vertheilt, Ueberdies erhält jeder so Aus- gezeichnete ei» Diplom, und sein Name wird auf einer Gedenktafel in der Fabrik verewigt. Daß die Wiener„Zeit" diese Spekulation eines pfiffige» GeschästsmauneS als ei» interessantes„ s o z i a l i st i s ck) e s" Experiment bezeichnet, ist an de», Organ der österreichische» Sozial- Politiker doch etwas befremdlich. Gegen d i e Sorte Sozialismus könnte ja sogar„König" Stunun in Nennkirchen nicht viel ein- wenden. Gevistzks-Äeiknng» Ntlifaugreiche Ticbstähle, welche in dem bekannten Geschäft von Heese in der Leipzigerstraße begangen wurde», beschäftigten gester» die achte Strafkammer des Landgerichts 1. Als der Kominerzie»- ralh Heese, der Inhaber der genannte» Firma, in, Herbst ver- storben war, wurde die Auflösung des Geschäfts beschlossen und der Ausverkauf veranstaltet. Hierbei kounte die bisher geübte Aussicht nicht inehr durchgeführt»Verden»nd dies haben die vier Hausdiener Karl S o r g a tz, Hermann M e h r l e i n, Ferdinand D o h» e r t und Friedrich John benutzt, um das Lager in weitgehendstein Maße zu berauben. Als Hehlerin hatte die Plätterin Anna Pfeiffer, die Braut des Sorgatz. auf der Au- klagebank Platz zu nehme». Als die Diebstähle entdeckt wurden, nah», die Polizei bei der Angeklagten Pfeiffer eine Haussuchung vor, wobei eine Menge Stoffe und Kleidungsstücke der verschiedenste» Art bescksiagnahint wurde, I», Termin legten die vier ersten Angeklagten Gestnndniss- ab. wogegen die Pfeiffer von de», unreellen Erwerb der Sachen nichts gewußt haben wollte. Der auffällige Umstand, daß nicht nur Sorgaß, sondern anck, seine Kollege» die entwendeten Sachen zu der Pfeiffer brachten. wird von de» Angeklagten ver- schiede» erklärt, Mehrlein erzählte, daß er die von ihm entwendelen Damenblouse» und andere Kleidungsstücke der Pfeiffer zur Aufbewahrung gegeben habe, um sie später seiner Braut zu scheute», wenn er mal eine solche hätte. Ter Staatsanwalt hatte keinen Zweifel an der Schuld sämmtlicher Angeklagten, er beantragte gegen die vier männlichen Angeklagten je sechs Monate, gegen die An- geklagte Pfeiffer ein Jahr Gesängniß. Die Verlheidiger, Reckits- anwälte Dr, O, Gabriel u. Jleischman» suchten eine gelindere Strafe zu erziele». Der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagten Sorgay, M e h r l e i n und I o h» zu je 6 Monaten, Dohnert zu drei Monate» und die Angeklagte Pfeiffer zu sechs Monaten Ge- sänguiß. Einen frciidigci, JahreSabschlust erfuhr gestern ei» junges Mädckien dadurch, daß der Verdacht der Hehlerei, unter dem es zwei Jahre hindurch schwer gelitle», von ihm genommen wurde. Die unverehelichte Minna Schuniann erhielt am Weihnachtsabende 1895 von ihrem damaligen Bräutigam ein wcrth- volles Musikinstrument geschenkt. Ter Geber arbeitete in einer Mnsikinstrunienten-Fabrik. Bald darauf erhielt sein Arbeitgeber Kenntniß von de», Geschenk, welches den ttin- ständen nach nur gestohlen sein konnte; der Arbeiter wurde auch wegen Diebstahls verurtheilt, Frl. Schumann hatte eme Freundin besessen, die inzwischen ihre Feindin geworden war. Diese zeigte bei de, Staatsanivaltschaft an, daß die Schumann ihr gesagt habe. sie hätte recht gitt gewicht, daß da« Instrument gestohlen sei. Darauf wurde gegen die Schuma«, Anklage wegen Hehlerei und da die Belastungszeugin unter«hrern Eide die schristkich gemachte Angabe aufrecht hielt, wurde die Schu- man», trotz ihrer Unschuldsbetheuernngen. vom Schöffengericht zu einer Woche Gesängniß verurtheilt. Alle ihre Bekannten zweifelten an ihrer Schuld, auch ihr Chef, welcher ihr rieth, Bernfung eiuzn- legen und sie in ihrer Stellung belassen wollte, bis die Sache end- giltig entschieden sei. Nach mehrmaliger Bertagnug gelangte die Sache gester» vor der 9, Straskammer des Landgerichts I zum Abschhrß, Dem Bertheidiger, Rechtsanwalt Dr, Werthauer, kam es daraus an, den Nachweis zu liefer», daß die Belastungszeugin keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit in dem Maße habe, daß daraufhin die Ber- urtheilung einer unbescholtenen Person erfolgen könne Eine Reihe von Zeugen bekundete, daß die Belasiungszeugin sich ivieder- holt gerühmt habe,„sie sei eine Rothe" und daß sie hieran recht häßliche Aeiißerungen über die Wichligkeit des Eides geknüpft habe. Die Belastnngszeugin wurde deshalb nickzt vereidet. Nachdem der Vertheidiger auf Freisprechung plädirt hatte, trat Staatsanwalt Nölting diesem Antrage bei, namentlich mit Rücksicht aus die häßlid)en Aeußerungen und Widersprüche der Zeugin, Der Gerichtshof hob darauf das erste Urlheil aus und er- kannte auf Freisprechung. Zlnch ein praktischer Arzt. Das Landgericht Weiden hat am 9, Oktober den„praktischen" Arzt Dr. med. Max Schleiß anS Löwenfeld wegen fahrlässiger Tödtung zu 1 Jahr 6 Monaten Ge- fängniß verurtheilt. Der Angeklagte sollte eine Frau entbinden, Zwei Stunden arbeitete er, ohne einen Erfolg zu erzielen. Nachdem er eine Stunde lang an dem Arme des qnerliegendeu Kindes gezerrt, schnitt er schließlich den Arm ab, obgleich er wissen mußte, daß das Kind lebte. Endlich sah er die Erfolglosigkeit seiner Ve- mühungen ein und sandte nach einem anderen Arzt, Dr, B. Nachdem der Angeklagte um 4 Uhr morgens fortgegangen war, kam um Ve? Uhr Dr, B. und nahm ohne Schwierigkeit das Kind lebend heraus, Dr. B, glaubt bemerkt zu haben, daß der An- geklagte angetrunken war. Ein zweiter kurz darnach herbeigerufener Arzt, Dr. W,, fand die Frau sehr malt. Zehn Minuten nach der Geburt starb das Kind, und zwar infolge des starke» Drucks ivährcnd der laugen Dauer der Geburt. Das Kind war vollständig nnc- getragen und lebensfähig. Im Urtheil werden noch drei ähnliche Fälle erwähnt. Der Sachverständige bezeichnete das Verfahren des Angeklagten als kunstwidrig und unwiffenschaftlich; es sei zwar Wahnsinn, aber es liege dock) Methode darin. Das Urtheil spricht von der„haarsträubenden Thätigkeit" des Angeklaglen»nd erklärt, er sei de» gemeingefährlichsten Kurpfuschern schlimmster Sorte gleichzuachten. Die drei Präzedenzfälle bewiese» seine vollständige Unfähigkeit, eine Geburt bei Querlage herbeizuführen, Bemerkt sei„och, daß der Angeklagte in dem einen Falle eine drei- lägige Geburt veranlaßt, daß er beide Arme des Kindes ab- geschnitten hat und daß Mutter»nd Kind starben.— In seiner Revision suchte der Angeklagte die Schuld auf die Hebamme zu schieben. Sein Wahnsinn habe keine Methode, da er es diesmal anders gemacht habe, als in den früheren Fällen. Dr, W.(der nach ihm kam) habe das Kind ins„wahre Leben" zu erwecken versänmt. — Der Reichsanivalt bezeichnete in der Verhandlung der Sache die Ausführungen der Revision als„geradezu unverständlich". Das Reichsgericht verwarf das Rechtsmittel als unbegründet. Versttinnilungett. I» einer Versammlung der Putzer, die am Mittwoch bei Cohn tagte, erstattete Dietrich namens der Lohnkommisston den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr. Es fanden in dieser Zeit statt: 17 öffentliche Versammlungen, 30 Baudeputirt«»- und 45 Lohnkommissions-Sitzmigen. 10 Bausperreu wurden verhängt, von denen 5 mit Erfolg und 5 ungünstig endeten. Die Kommission nahm im Laufe des Jahres zwei statistische Erhebungen vor. welche ergaben, daß vom 2. bis 15. März auf 114 Bauten 724 Innen- und 612 Anßenpntzer, vom 13, bis 15, September dagegen auf 88 Bauten 455 Innen- und 510 Außenpnher arbeitet«,. An den öffentlichen Sannnlungen haben sich 1524 Putzer betheiUgt, davon sind 705 Voll-«nd 510 Halbzahler, 275 haben ein Viertel und 34„och weniger von den beschlossenen Zahlungen geleistet. Von den 1215 Voll- und Halbzahlern war«, während des Jahres arbeitslos: 221-- 1-2, 160— 3-4, 201= 5- 6, 117== 7—8, 130= 9—18 Wochen. 857 der Zahler gehörten der Organi» sation an. Die Kommissioi, hatte eine Einnahme von 13 628.23 M„ dazu einen Bestand von 7329,00 M., in, ganzen also 2t 612,26 M. Die Ausgabe weist folgende Posten ans: An die deutschen Maurer 5000 M,, Hamburger Hafenarbeiter 1500 M„ Hamburger Steinsetzer 200 M,, Agitations- Kommissioi, der Maurer der Provinz Brandenburg 200 M., a» die englischen Maschinenbauer 200 M,. sür Streikuuterstlihungc,, der Kollegen 1786 M„ Enlschäbigung der Bureau», itgliedcr für 13 Monate 4732 M„ für Broschüren 150 M,, Prozeßkostcu 254 M,. sonstige Ausgaben 1273 M,. insgesammt 15 301,05 M,, bleibt ein Bestand von 5711,20 M. Die Abrechnung soll, wie die Versa»,»,« limg beschloß, gedruckt vorgelegt und bau» diskutirt werden. Ferner wurde nach längerer Debatte beschlossen, an zwei Putzer, welche ans einem Bau i» der Hermanustraße zu Rixdors unter de», Tarif Arbeit angenommen haben, dann aber mit anderen Kollege» ge- metnsam die Arbeit niedergelegt hatte», die übliche Streikuntersiiitzuna zu zahlen. Hierauf wurde die Frage des Arbeitsnachweises behandelt. Wie L e h», p„ h l miltheilte, habe» laut früheren VersammluligS- bcschlnsses in dieser Angelegenheit Besprechungen mit der Konimifsioi, des Nachweises der Jiinnng der Baugewerksmeister stattgesnndeii, die jedoch kein Resnlta, gezeiiigt haben, denn der Jil»nngsvorst''„d hat der Lohilkoiiiinisfio» geantwortet, er Halle cincn besonderen Arbeitsnachiveis für Putzer nicht für nothwendig»nd müsse es den Putzern überlasse», sich an den allgemeinen Nachweis der Innung zn wende,,. Die Versammlung beauftragte die Kommissio» mit der Ausarbeitung einer Vorlage, betreffend die Einrichtung eines Arbeits- »achweises der Putzer. Sottaldeinokratlschir Agltatio»»»«»«,» sür vi» Malilkrrl« Ktralsund- F>a,i!k»ro Niig-». Svnnlog, den«.Januar, vor», ,0 Uhr, bei Mörschel, Jüden'lNabe Z»: Seneralversamuiluna, Ueri'aud der>>> No>ib-ard«,t»ug«-FabriI>«n»»d ans Nol>pl!itz»n d-s«>äftio,rn Arbeiter x>c»tschla»d». Filiale Vcrlttt I, Moulaq. den Z.Januar, abends S!(Uhr, Im Lokale des Herrn Wille, AndreaSstr. S6: MNglleder- versainultuug. ilZorlrug des Senolle» Dr. med. Bculier. Sa»narit«r-Kiirs»s für Arbeiter»»>V Arbeiterinnen, Moulag, den z, Jauuar, abends sx Uhr, in Cohn's FeMälen, Beurhllrabe 90, Bortrag iider „Veraifiungeu". Nachdem vrakilsche Nedunge». Kerliner Theater, hlr->». Heute Abend 7 Uhr tm Sönigsladi-Kasillo, Holjinartlftr. u, große Borheilung. Depeschen und letzke N�cheichken. Wien, 3l. Dezember.(B, H.) Während der Probe zu den» »eue» Ballet„Struivclpcier" ereignete sich heule in der Hofoper ein Unfall, indem eine Stellage, auf welcher cl» Schauspieler stand, um- slürzle. Hierbei wurde ei» Arbeiter tödtlich, der crinäkiitt Schau- spieler iubcß nur leicht verletzt. Der Unfall ist aus das Versagen einer Maschine znrückznsühre». Chriftiania, 31. Dezember.(W, T, 33.) Der Professor der Philosophie au der hiesige» Universität Monrad ist heute im Alter von 31 Jahren gestorben. Toulouse, 31. Dezember,(W. T, B.) Infolge Reißens eines Dammes wurde das Dorf Montauban bei Lnchon überschivciumt. Ob Menschen dabei zu Schaden gekommen, ist noch nicht festgestellt. London. 31. Dezember,(„Franks, Ztg.") Die Herzogin von Teck, ein Milglicd der englischen ilönigssamilie. hinterließ einer Meldung des.�Daily Chronicle" zufolge, 6-00 000 M, Schulden, ,n«ist für geivöhnliche Hanshallungsausgaben. Verantwortlicher Redalteur: Angnst Jacobey in Berlin, � Für den Jnseratentheil veranlwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading w Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. ttntcrhaltnngSblatt. St.1. t5. mmi. 1. Ktilllgt Sämmtlichen Mitarbeitern und Ge- Nossen senden die besten Nenjahrs- w nnsche Die Redakteure des.Wrumrts" Dio AktiengvfiellfihÄfken Vevlins. i. Von nllen Vcrsttchen, mit cmiiähernder Genauigkeit den jeweiligen Stand der wirthschaftliche» Enlwickelung eines Industrie- und Handelsbezirks vo» Jahr zu Jahr zu ermitteln, sührt eine Betrachtung der Äiktiengcsellschaflen am raschesten zum Ziel In de» Aklien- gesellschnfte» trete» uns die kapitalistisch und technisch höchst ent- ruicMten Betriebe jeder Branche gegenüber, über sie und ihre» Gej6)ästsgang werden wir sortlaufend unterrichtet und darauf fukend schlieiien wir ans die. Gesammtlage eines Industrie- zweiges. Dabei wissen wir allerdings, daß die kleine» und mittleren Betriebe, über deren Gang wir keine sortlaufende und eingehende Kennlniß haben, unbeachtet bleiben. Das mag bedauerlich sein, aber es ist nicht zu leugnen, daß uns die Orientirung über Stand und Lage gerade der Groß- betriebe viel wichtigeres Material zur Beurtheilung der Gesainint- läge einer Industrie bietet, wie die Kenntniß über die Lage der mittlere» und kleine» Betriebe. Denn letztere, die im steten Kon- knrrenz kämpfe mit den Betrieben der entwickelleren Unternehinungs- formen liegen, spiegeln in ihre», Geschäftsgänge die Ge- saunntlage einer Industrie nur in geringerein Maße wieder. Ihr Ergehen hängt viel weniger von der Gesaniuitkonjttnllnr ab, wie vo» dem jeweilige» Koukurrenzgrade der Großbetriebe. Es kann vorkommen, daß in sehr günstigen Jahren die kleinen und niiltleren Geschäfte nicht gedeihen, iveil ihnen eben die Konkurrenz die Bortheile der Lage aus de» Segeln streicht. Also, selbst wen» wir über die Geschästsergebnisse dieser Unternehmungen auch unter- richtet ivären, so würden wir aus dieser Kenntniß mit viel größerem Vortheil den Berdrängungsprozeß der Kleinen durch die Große», als die Lage irgend eines Jiidustr>ez,veiges verfolgen können. Dagegen ist das Bild, das wir ans der Betrachtung der Großbetriebe gewonnen, in der That ein annähernd getreuer Reflex der wirthschaftliche» Lage überhaupt. Es kann sich also nur noch daiuin handeln, ob es richtig ist, daß »vir in de» Aktiengesellschaften die wirkliche» Repräsentanten des Großbetriebes uns gegenüber habe»? Und diese Frage ist zu bejahe», wenn man sich auch bewußt bleiben muß, daß beide Begriffe sich durchaus nicht decke». Es giebt Einzelilnternehniungen von solchen Dimensioneii, daß sie mit de» größten Akticngesellschafte» konkurrireii können, und ebenso giebt es wieder Slktienunteruebmiingeu, die so klein sind, daß ihnen die Merkmale des Großbetriebes gänz. lich fehlen. Abgesehen aber vo» solche» Ausnahinen kann man Slkliengesellschaft und Großbetrieb in wechselseitiger Wahl als Be- Zeichnung für die entwickeltste» Unternehmungen innerhalb der Industrie anwenden. Es ist hier nicht der Ort, diese Behauptung mit Beweis- inaterial näher zu begründe». Wer sich die Mühe nehme» ivill, die Zahl der durch die Gewerbestatistik ermittelleu Großbetriebe von mehr als 200 Arbeitern mit der Zahl der Aktiengesellschaften zu ver- gleichen, der wird finde», daß der fabrikmäßige Großbetrieb von einer gewisse» Größe ab sich zur kapitalistischen Einkleidung der Fori» der Aktiengesellschaft bedient. Ein Bild vo» dein Stande der Aktiengesellschaften spiegelt also die Lage der Industrie eines Prodnkliousgebietes wieder. Bon diesem Gesichtspunkte aus sei hier die Entivickelung, die Kapital- kraft und die Rentabilität der Berliner Aktiengesellschaften betrachtet. Berlin ist ebensowohl Industrie« als Handelsstadt. Bei der fortgeschrittenen Kapitalskonzeutration aus dem Gebiete des Bank- wesens ist es klar, daß nach Berlin als der Bank- Zentrale nicht nur für die Reichshauptstadl selbst, sondern für das ganze Reich gerade hier ein unvergleichlich hoher Fundus vo» Betriebs- kapital znsamuiengeflossen ist. Im ganzen zählen wir zur Zeit in Berlin nicht weniger als 277 Aktieiigesellschasien mit einem Kapital von l l77 17S 000 M. Darunter gehöre» dein Bankwesen 73 Ge- sellschaften an, deren Aktienkapital allein 733 271800 M. ist. Für die übrigen Gesellschaften bleiben also»och nicht 400 Millionen Mark Kapital. Obwohl ivir auch die Banken mit in unsere Be- trachtung einschließen, weil auch sie indirekt de» Grad der Konjunktur von Industrie und Handel anzeigen, so muß doch bemerkt werden, daß von ihrer Rentabililät ans viel weniger auf den Geschäftsgang der Berliner Industrie, als ans den deS Reiches geschlossen iverden kann, ja daß sich in ihren Geschäften und Geschäflsergebnissen bis zu einem gewissen Grade die Welllage von Industrie und Haiidel spiegeln. Denn eine ganze Reihe unserer Berliner Großbanken partizipiren mit ihrem Kapital oft in viel höherem Maße an ausländischen Finanzaktioneu und Jnduftrie-Unternehmunge»,>vie an einheiniischen. Ans dieser inter- nationalen Thäligkeit, sowie ans der Belhcilignng an Finanz- ZMonrentbildev ansderBerliner Arbeitergeschichte des Jahres K8V7. IL Wie der Monat begonnen, so endete er anch, nämlich mit der Bestattung eines braven Genossen, des Schuhmachers Heinrich Sperber auf dem Friedhofe der Freireligiöse» Gemeinde. Der erste Tag des schöne» Monats Mai wurde von der Arbeiterschaft in würdiger Weise als Arbeilerfeiertag begangen. Gleich am ersten Tage waltete aber auch die Justiz ihres Amtes. Es wurde Genosse Knabe wegen Aufforderung vo» Personen des Soldatenstandes zum Ungehorsam gegen Vorgesetzte mit 2 Monaten Gesängniß bedacht. Ueberhanpl zeichnete sich dieser Monat durch gerichtliche Ver- urtheilungen aus. So erhielte» am 4. wegen Vergehen gegen ß lö3 der Gewerbeordnung die Malergehilsen Sprey 6 Monate, Maaß 4 Monate, Nedderuieyer 3 Monat 1 Woche Gesängniß. Am 11. wurde der Ncdaklenr des„Sozialistischen Student", Berthold Heymann, wegen Beleidigung elsaß-lolhringischer Beamten mit 200 Vi. Geldstrafe belegt. Die Genossen Rüther»nd Redakteur Jacobey(„Vorwärts") wurden am 13. wegen Beleidigung in eine Geldstrafe von SO M. bezw. 100 M. genommen. Der 20. zeitigte 14 Protestversammlungen gegen das neue Vereinsgesetz, denen weitere Protestversammlungen folgten. Der Monat schloß mir der am 26. erfolgten Verurtheilung der Sattler Münchgang und Braun wegen Verrnfserklärung zu je einer Woche Gesängniß. Der Monat Juni begann allsogleich mit einem hochbedeulsamen Ereignisse auf gewerkschastlichein Gebiete. Am 1. erfolgte nämlich die Auflösung des Berliner Metallarbeiter-Verbandes und llebertritt desselben in den deutschen Metallarbeiter-Verband, welche Verschmelznug für den späteren Formerausstand beziv. Aussperrung von hoher Wichtigkeit war. Auf den 6.„nd 7. fiel Pfingsten, welche Rnhcpanse die Gewerk- schaften dazu benntzle», um Kräfte zu sanunel» zu den Massen- Protestverfammlunge» gegen das neue Vereinsgesetz, welche am 9. abgehalten wurden. Im übrigen verlief der Monat zieinlich still. Als beinerkenswerlh verdienen indessen zwei Jnstizakte in die Erinnerung gerufen zu iverden. Am 23. wurde der Rohranschläger Lankau wegen Mißhandlung iW Jcraiiitlö" Kttlim geschäften im ganzen Reich erklärt sich der große Kapitalbedarf dieser Jndnstrie, der in Wirklichkeit noch ivesentlich größer ist, da wir ja die Kapitalien der privaten Bankhäuser anßer Rechnung lassen müssen. Um nun zu einer Darstellung der Rentabililät der Aktiengesellschaften nach den verschiedenen Judustrieziveigeu übergehen zu können, ist es nothwendig, erst einmal eine Ausstellung der gegen- wärlig bestehenden Aktiengesellschaften Berlins zu geben. Und da Berlin anch hier die erst« Stelle im ganze» gleich einnimmt, so stellen wir zum Vergleiche auch die in Deutschland überhaupt bestehenden Aktiengesellschaften mit dem in ihnen angelegten Slktienkapital gegenüber. Dabei habe» wir die Aufstellung für daS Reich bis zum Ende des Jahres 1896, für Berlin selbst bis Milte 1897 fortgeführt. Bei der'Aufstellung folgen wir deni neuesten Handbuche der deutsche» Aktiengesellschaften ans den halbjährigen Beröffenllichungen des Deutsche» Oekonoinist rcsp. der„Frankfurter Zeitung". Danach ergiebt sich für das Reich und Berlin folgende Tabelle: An dieser Tabelle dürfte zuerst die Bemerkung auffallen, daß im Baugewerbe keine einzige Aktiengesellschaft vorhanden ist. Dies mag darin seine» Grund haben, daß vielleicht die Methode» für die beiderseitigen Zählungen verschieden waren. In Berlin giebt es allerdings eine ganze Reihe vo» Gesellschaften, die sich inil Baute» beschäslige», jedoch baden wir sie. ihrem Namen entsprechend den Banken zugezählt. Unter de» 34 Banbanken, die wir i» Berlin zähle», mögen eine Reihe solcher sein, die vielleicht dem Baugewerbe direkt zugezählt gehörte». Jndeffen ist zu beachte», daß bei der eigeulhünilicheii Art und Weise, wie in Berlin gebaut wird, eigentliche Großbetriebe im Bnilgeweibe nur schwer ans- komineii können. Meist sind die Bauleiter vorgeschobene Persone», n»it denen viel augenehnicr zu arbeiten ist. als imt einer Aktiengesellschaft, die die Aussührung des Baues liber»eh»ie» würde. Die Zahl der Berliner Akticiigescllschasten beträgt noch nicht 3 pCt. fämintlicher Aktiengesellschaften des Reichs. Zieinlich zahlreich vertreten im Vcrhällniß ziim Reich sind die Akticngesell- schasle» in der Metall- niid Maschiiiciiiiidustrie, in der Brauerei, den polygraphischen Gewerbe», dem Bank-»nd Versicheriingsweseii. Dagegen ändert sich das Bild zu gunsten Berlins, sobald man die llapitalkraft der Unternehmungen ins Auge faßt. Hier ist das Ver- hälliiiß zum Reich etwa wie eins z» vier, ja im Vankwesen ist Berlin anuähernd mit der Halste des Gesammt» Bankkapitals betheiligt. Treiinen wir Handel und Verkehr von der Industrie, so ändert sich das Verhältniß abmnals, ohne daß jedoch die Industrie Berlins ungünstig abschnitte. Dem Handel und Verkehr gehören an: im Reiche i» Berlin 2003 Ges. Mit 4 SOI 829 000 M. 149 Ges. mit 886 794 000 M. Der Industrie: 1639 Ges. mit I 906 416 000 M. 128 Ges. mit 290 881000 M. Auch in der Industrie steht Berlin im Hinblick auf seine Be- völkerlingszahl weitaus an der Spitze des gleiches. Der Ziffer nach hat es niinäheiild 8 pCt. der Gesaiiiintzahl, dem Kapitat nach den siebenten Tbeil der in der Industrie angelegie» Geldsiuiniie. Die historische Entwickelniig der Akticiigesellschaste» Berlins zeigt ein deuiliches Abbild der deutschen Wirihschastsgeschichte des 19. Jahrhuiiderls. Soweit»vir aus den jetzt noch beflehenden Gesell- schasten diese Eiltivickluiig rekoiistruiren könne», sind etwa vier eines Nebenarbeiters anläßlich der Feier des 1. Mai zu eiiienl Jahr Gesängniß verurlheilt und dessen soforlige Verhafliing gerichisseitig beschlossen(Vergehen gegen s 1S3 der Gewerbe- Ordnluig). Aul 29. erhielt der Tischler Bceszlivinicwicz wegen Alisreiziing 6 Monate Gesängniß. Der Monat Juli verlief gänzlich ohne besondere Ereignisse. Das Bemerkenswerlheste ist, daß anch die rastlose Thäligkeit der Justiz eine Nuhepans«»lachte und in diesem Monate keine geeicht- lichen Verurtheilniige» zn verzeichnen sind. Auch der Monat St» g u st wurde noch von der sominerliche» Stille wesentlich beeinflußt. Erst am 14 trat die Justiz iviedcr in Aklion. An diesem Tage wnrde» ivegcn Vergehens gegen§ 130 des Strafgesetzbilches die Genossen Erbe zu 3 Monate». Schulze zn 1 Monat, Klose uiid Schneider zu je 2 Woche» Gesängniß vernrtheilt. Ein Opfer des§ 153 der Gcivcrbe-Ordnniig wurde am 23. der Genosse Schloms. Derselbe erhielt 3 Tage Gefängniß. Die Delegirtenivahlen zur Brandenburger Parteikonferenz wurden am 26. in öffenllicheu Parteiversanimliiilgell der eliizcliiin Wahlkreise vollzogen. De» würdigen Monatsschliist bildete die Lassallefeier am 31., welche durch Verfanullliiiige»»nd Beranstallinige» in die Er- scheinulig trat. Der Monat September zeigte bereits wieder ein lebhafteres Kolorit. Am 7. erstattete Frau Klara Zetkin Bericht vom inttruationale» Arbeitsschichkongrcß in Zürich. Am 12. trat die Bra»de»burger Parteikonferenz zu ihren Be- rathungeii znsauini«». Behufs Etellungnahme zum Parteitage in Hamburg und Wahl von Delegirten für denselben fandeu am 14. in alle» Wahlkreisen öffentliche Piuteiversaminluiigeii statt. Ein Vergehen gegen das Vereinsgesetz mußte am 13. Genosse Dechend(Tabakarbeiter-Organifation) mit einer Veriirtheilling zu 20 M. Geldstrafe büßen. Wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung wurde am 27. Maurer Bläsing mit zwei Monate» Gefängniß belegt. Am 30. wurde Reichstags-Abgeordneter Siadlhageii wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten von Berlin zu sechs Wochen Gesängniß verurlheilt. Im Monat Oktober erwies der sechste Wahlkreis am 3. der nach langjährigen Leiden verstorbenen Genossin Frau Marie Bruder die letzte Ehre, Ämbkirä, 1. Imt«« 1898. Perioden zu unterscheiden, die mit der Entwicklniig des Aktienwesens auch die Eiitwicklnng der moderne» Großproduklioii angeben. Vor der 13er Stevolntioil kommen nur vereinzelte Bründlnigen vor. Von 1310—1349 wurden iiil ganzen»ur fünf Gesellschaften mit eine»» recht kleinen Kapital ins Lebe» gerufen. Die beide» nächsten Jahr- zehnte dagegen zeigen schon weit raschere» Ausschwung des geiverb- liche» Lebens, das Kapital betanl Muth zu große» Uiiternehl»»,, gen; Beweis ist die Gründung von sechs Gesellschaften zwischen 1350 und 59, niid vo» 19 in den Jahren 1360 bis 1369. Nahe an 200 Millionen Mark wurden in diesen beiden Jahrzehnte» in Aktien- unternehmungi» angelegt. Doch die Gründerperiode kam erst im Gefolge des Milliardcnsegens der siebziger Jahre. Die Gesellschaflen schössen ans dem Berliner Bode» wie die Pilze. Manche dieser damaligen Gvündunge» sind längst wieder verkracht oder langsam eingegangen, trotzdem zeigt die Zahl der Ueberlebende»»och deutlich das Grüiidungsfieber, auf das die Schutzzollpolitik Bismarck's folgte. Noch heute bestehen 70 Gesellschafte», die in jener Zeit ihre Thätig- keit eröffnete», die znsaniinen ein Kapital von 433 929 000 Mark repräsentire». Durch hohe Dividenden und glänzende Ver- sprechungen lockte man bei billigem Geldstniide die Kapitalien aus den Markt. Es begaiiu damals ein Kapitalkonzeiilratioiis- Prozeß, der heule noch andauert. Freilich das erst an- geschlagene Tempo der Alifsa»gll»g der Kapitalien durch den Berliner Markt uiid seine Jlldustrie konilte nicht andalier» und so sehen ivir, daß i» keiner solgenden Periode mehr.die Gründerei solche Dimensioneii aiigenommen hätte, wie in dem Jahrzehnt 1870 bis 1330. Trotz allen Bankrotts, die der Gründungsschivindel im Gefolge halte, war jene Zeit doch nicht nur el»s glänzende Probe für die Onalifikatiou der Akilengesellschaft überhaupt, sonder» auch ei» mächtiger Ansporn zurEntwickelungdirBerliiierJiidiistrie. In jeneZeit fällt die Grnndlnig einer Reihe der für die Metall- und Maschinen« iiidnstrie Verlins hervorragendsten Etablisseinelits. In den achtziger Jahre» sindeil wir eine Reihe erstarkter Fabriken ans diesem Gebiete» die jede Konkurrenz mit Erfolg ansschließen. Erst das Aufblühen der elektrischen Jiidustrie in den neunziger Jahre» hat dan» der Maschineiiindustrie wieder erhebliche Kapitalsiunmen zugeführt. Wie stark jedoch die Gründnngsihätigkeit 1330—39 hinter der direkt vorhergehenden Periode znrückblieb, das zeigt die Thatsache, daß in diesen zehn Jahren nnr 199 Millionen Mark, also»och nicht die Halste des vorhergehenden Jahrzehnts, in Aktiengesellschaften iilveftirt wurde». Dazu zersplitterte sich diese Snnnne noch i» eine Menge vo» Unternehninngeii, so daß in diesem Zeitran», die'Grüiid»»g großer Gesellschaften fast vollständig ausblieb. Es war der nothwendige Rückschlag auf die vorhergehende Kapitalflnih und UnternehilUingSwuth. Erst mit den neun- ziger Jahren beginnt wieder eine regere Zniiahme der Aktie»- gesellschaflen, so daß in den ersten stebeil Jahre» schon eine größere Ennime Geldes in Aktien angelegt wnrde, wie i» den zehn Jahren 1330—1890. Von 1390—1895 wurden 46 Gesellschafte» mit 142 Millionen Mark, 1896 allein 21 mit 32 Millionen und bis Milte 1397 dazu noch 7 init 17 Millionei, errichtet. In den letzten sechs Jahren hat uaiiieiillich die elektrische Industrie große Snnnnen beansprucht und bereitivilligst erhalle». Seit 1390 bis 1395 allein berechnen wir die Sniiiine der dieser Industrie zngeflosseneii Kapitalien auf»iindestens 50 Millioiieii Mark. Dabei ist das jüngste Unternehmen, das die Firma Siemens«. HalSke ins Leben rief, noch nicht mit in Rechnwig gestellt. Was nil» endlich noch die Größe der einzelneii Gesellschaften nach ihrer Kapitalkraft betrifft, so iveist anch in dieser Beziehung Berlin die kräfiigsten Akliengesellschaste» im Reiche auf; die Groß- banke» der Rcichs-Zentrale stehen weitaus in vorderster Reihe, aber anch ein großer Theil rein industrieller Gesellschaste» weisen einzeln recht erhebliche Kapiialbelräge auf. Diese Suniinen würden»och weit größer sich gestalten, sobald wir statt des Aktienkapitals die Ermittelimg des wirklichen Betriebskapitals vornehinen wollten.. Dieses setzt sich allerdings zu einein großen Theile aus dem Aktie»- kapital znsailnne», es rechnet aber anch die Obliaatlonssunniien und die Sieserve» hiiizn, sodaß bei manchen Gesellschafte», und gerade bei de» bedenlenderen, das eigenlliche Betriebskapital oft die doppelte, ja dreifache Snnnne des Aktienbesitzes beträgt. In vachfolgender Ucbersicht geben»vir eine Gruppirung der Berliner Aklieiigesellschafte»»ach der Höhe ihres Aktienkapitals. Wir zählen zur Zeit in Berlin Aktieiigesellschasteu mit einem Aktienkapital von: 12 000 bis 500 000 M.: 57 500 000 bis 1 000 000 M.: 57 1000 000 bis 2 500 000 M.: 85 2 500 000 bis 5 000 000 M.: 40 5 000 000 bis 10 000 000 M.: 17 10 000 000 bis 26 000 000 M.: 10 25 000 000 bis 50 000 000 M.: 8 50 000 000 bis 75 000 000 M.: 0 75 000 000 bis 100 000000 M.: 2 von mehr als 100 000 000 M.: 2 273 Dainlt wäre ein allgemeiner Ueberblick über die Aktiengesell schasle» Berlins gegeben, aus grund dessen eine Besprechung der lltenlabililät verständlich werde» dürfte. Wegen Verübnng groben Unfugs(gelegentlich deS Streiks am Bau des Krankenhauses) wurde am 6. Maurer Gramm vom Spandaner Gericht mit zwei Wochen Hast belegt. Behufs Berichlerfiatlnng vom Parteitag« i» Hamburg, Wahl der Vertraneiislnänner:c. fanden am 13. m alle» Wahlkreisen öffentlich« Parteiversaniinlniige» stall. Am i8. trat im Feucrstein'schen Saal« der dritte Kongreß der Gastwirlhsgehilsen Teutschlands zusammen. Die im nächste» Monat bevorstehende» Kommunakwahlen warfen ihre Schalten voraus. So fanden am 26. gleichzeitig elf Kommunal- ivähler-Versainnilllngen statt, i» welchen die Ausstellung der Kandi- date» für alle in Frage konniiendeii Bezirke erfolgte. Der Monat November ivurde mit einer Trauerkmide ein- geleitet. Am I. schied„Baier Baader", der Vater der Genossin Ottilie Baader, 84 Jahre all, aus dem Lebe». Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung wurde» am 2. die Maurer Paul Puch mit 3 Tage» Gefängniß und Bläsing außerdem noch wegen Bcleidigiing mit 2 Monate» Gefängniß bestraft. Am 4. fand das Bcgräbniß deS„Bater Baader" in Friedrichs- felde statt. Die koiiimiiiiale Wahlschlacht ivnrde am S. geschlagen. An dl» Hauptivahl knüpfte» sich inehrere Stichwahlen. Die ersten Stadtverordilelen-Wahlen in Schöneberg fanden am 10. stall Am 13. ivnrde Reichstags- Abgeordneter Stadthagen wea«i Beleidigung Magdeburger Richter in eine Geldstrafe vo» 300 M. geilomiiie». Die Stadtverordneten-Wahlen in Charlottenburg gingen a« 16. vor sich. Am 13. trat Reichstags-Abgeordneter Liebknecht seine vier- monatige Gesä»g»ißstrase wegen Majestätsbeleidigung(Parteitag in Breslau) im Amtsgerichls-Gefängnisse zn Charlottenburg an. Wege» Beleidigung vo» Gefäiignißbeamte» wurde am 20. Genosse Kaczmarek inil 3 Monaten Gesängniß belegt. De» Beschluß machte die am 30. erfolgte Verurtheilung deSi Manrers Zagert wegen Vergehiils gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung zu einer Woche Gefängiiiß. Der Weihiiachtsnionat Dezember nahm ebenfalks einen ruhige» Verlauf ohne besonders bemerleiisiverthe Ereignisse, bedingti durch die Festtage, die für so viele Proletarier nichts weniger alsl solche sind. Er bildete eine»othwendige Ruhepause in dem rastlosen, Kampfe der Arbeiterbe, vegnng zum Sniiimel» neuer Kräfte z» frische»; fröhliche» Thate» im Jahre 1398! DoKttles« Die Eukratckut�öhimfigfeit der Berliner«rbetter ist MKevstand eunr grundlichen Untersuchung gewesen, und man hat. Hm möglichst zutreffende Durchschnittszahlen zu erhalten, daö Material von über hundert Orts-, Betriebs-«nd Jnnungs-Kranken- -kaffen zu der Untersuchung herangezogen. Die Kasten hatten zu- Rammen gegen 400 000 Mitglieder� Von je 100 männlichen Mit- iglUbecn find danach im Jahre 1896 erkrankt, das heißt im Sinne »er Krankenkassen erwerbsunfähig geworden 37,02, gestorben genau «ines. Von 100 erkrankten männlichen Mitgliedern find da- gegen 2.69 gestorben. Ans jedes männliche Mitglied der Kassen eut- ffekn im gleichen Jahre 8,38 Krankheitstage, auf jeden Erkrankungs- !fall entfielen 22,64 KrankheitStage.— Bei den weiblichen Mitgliedern »er Kassen waren die Zahlen in mancher Beziehung etwas günstiger, doch ist hierbei zu bedenken, daß die weiblichen Kassenmitglieder ja im Durchschnitt bedeutend jünger find als die männlichen Mitglieder, die auch in den mehr gefährdeten älteren Jahrgängen zahlreich vertreten sind. Von 100 weiblichen Mit- gliedern erkrankten im Jahre 1896: 33,70 und starben 0,54. Viif 100 Erkrankungsfälle kamen Todesfälle 1,59. Auf jedes weibliche Mitglied entfielen Krankheitstage 8.58, auf jede Er- krankung 25,46. In den 1396 vorhergehenden Jahren waren die Erkrankungs- und Sterbezahlen noch größer gewesen. Zieht man zwischen den Jahren 1892 bis 1896 einen Durchschnitt, so wurden von 100 ver- sickerte» Männern erwerbsunfähig etwa 33, von 100 Frauen 35. Indessen dauerte die Krankheit bei den Frauen fast vier Tage länger als bei den Männern, nämlich bei den ersteren 27,3, bei den letzleren 24,2 Tage. Auf das männliche Kassenmitglied entfielen jährlich ca. 9, auf das weibliche ca. 10 Krankheitstage. Von den Erkrankten starben von den Männern etwa 3. von den Grauen etwa 2. Pro 100 Kassenmitglieder entfielen an Todesfälle» bei den Männern 1,1, bei den Frauen 0,65. Interessant ist ein Vergleich zwischen der Sterblichkeit der Arbeiter und derjenigen der besser siluirten Volksklasse». Zu diesen letzteren kann ma» wohl diejenigen Personen rechnen, die bei einer Prwaten Lebens-Versicherungsgesellschaft versichert sind. Stellt man die Aerliner Sterbefälle einer der größten Lebeirs-Bersichernngsanstalten zu- sammen niit in Berlin beobachteten Sterbefällen von Arbeitern, so ergiebt sich für die Lnngenkrankheiten inklusive der Lungenschwindsucht, unter rvelchen Krankheiten namentlich die Arbeiter außerordentlich zn leiden haben, das folgende Bild. Von 100 Sterbesälle» entfallen auf diese Lnngenkrankheiten: Männer Frauen Bei den Bessersituirten 31.4 14,3 Bei den Arbeitem 39,7 44,1 Besonders auffallend ist der Unterschied beim weiblichen Te- schlecht mit 44,1 pCt. gegen 14,8 pCt. der Sterbefälle an Lungen- schwindsucht und anderen Lungenkrankheiten. Wenn man aber de- denkt, daß die Arbeiterinnen im Gegensatz zu den Frauen der besser gestellten Bevölkerungsklassen allen Gefahren und gcfundheits- schädlichen Einflüssen der Lohnarbeit ausgesetzt sind, dann wird die auffallend große Sterblichkeit der Arbeiterinnen an Lungen- schwindsucht sehr erklärlich. l. Zurückgehende Gewerbe i» Berlin. Berlin ist ja eine in 'wirthschastlicher Beziehung aufblühende Stadt, und demgemäß hat auch die letzte Berufszählung in fast allen Gewerben und Gewerbs- gruppen ein bedeutendes Anwachsen der Arbeiterzahl ergeben. Immerhin aber giebt es doch eine Reihe von Gewerbszweigen, die in den zwischen den beiden letzten Berufszählungen liegenden !13 Jahren zurückgegangen sind. Der beste Maßstab für die Enl- lwscklung eines Gewerbes ist wohl der Forlschritt oder Rückgang der darin thättgen Arbeiterzahl. Die Zahl der männlichen Angestellten ist nun zurückgegangen in folgenden Berliner Gewerbszweigen: In der Landwirthschaft von 681 auf 575, ebenso in der Thierzucht und der Fischerei, die jedoch beide nur sehr wenig Arbeiter be- schäftigen. Ferner in Hüttenbetrieb und Erzgewinnung, Gewinnung von Stein- und Braunkohlen, Verfertigung feiner Steinwaaren, ebenso ist auch die Zahl der Angestellten in Oelmtthlen zurück- gegangen. Die Textilindustrie ist ziemlich stark im Rückgang be- griffen. In der Weberei sind die Angestellten zurückgegangen von 3277 aus 2000, und ebenso hat ei» Rückgang stattgefunden in der Zubereitung von Spinnstoffe», der Spinnerei, Hechelei, Haspelei, Spnlerei, Zwirnerei, Watlenfabrikation, ferner in der Posamenten- Fabrikation, der Strickerei und Wirkerei, der Seilerei und der Flechterei und Weberei vonHolz.Sttoh, Bast, Binsen zc. DerArbeiter und sonstigen Angestellten sind ferner weniger geworden in der Getreidemüllerei, der Branntwein-Brennerei und Preßhefe-Fabrikation. In der Tabak- brauche ist die Arbeiterzahl zurückgegangen von 1771 auf 1403, in der Schuhmacherei von 6328 auf 6011. Die Zahl der in der Malerei, Bildhauerei, als Graveure, Modelleure, Musterzeichner zc. beschäftigten Personen ist zurückgegangen von 2914 auf 2111. Trotz- dem der Verkehr in Berlin seit 1832 bedeutend ge- »vachfen ist, ist doch die Zahl der im Eisenbahnbetrieb be- schäftigten Arbeiter und niederen Beamten, wie Schaffner, Bahnwärter zc., gesunken von 4113 auf 3996. Auch die Zahl der in Dienstmanirs-Instituten Angestellten ist zurückgegangen Des alten Schafer Thomas Prophezeiungen fiir das Jahr 1898. Das Wetter ist anfangs kühl, später wärmer. Gegen Ende des Jahres sinkt die Teniperatnr wieder. Im stillen Ozean ivird eine Insel entdeckt mit Wilden, die den Dolus eventualis verehren. Die gelbe Race, an ihrer Ostgrenze von europäischen Kriegsschiffe» bedroht, wälzt sich in»naufhaltsamer Flucht dem Westen zu. Im Anfang des Frühjahres erscheinen die ersten Haufen von Chinesen in Ostelbien und iverde» unter die Agrarier vertheilt. Rengründung der Berliner Bürgerwehr zum Zweck, ehrbare Frauenzimmer vor der Polizei zu schützen. Der lenkbare Luftballon wird erfunden und geht entzwei. Die Königin von England schafft sich ein Fahrrad an. Eugen Richter versainmelt sich. Während alles darauf aus ist, den Nordpol zu erreichen, gelangt ein einfacher deutscher Handwerksbnrsche auf seiner Wanderung nach dem Südpol. Da dort nichts zu holen ist, kehrt er, nachdem er sich rings umgesehen hat, nach Preuzlau zurück und giebt dort in der Schnhmacherherberge seine Reise-Zlbenteuer zum besten. In Mecklenburg- Strelitz wird der Storch für vogelfrei erklärt. Erdbeben in Berlin. Einige Nationalliberale fallen um. In Berlin wird das Simon Blad-Denkmal enthüllt. Ahlwardt hält die Festrede und geht darauf mit dem Teller herum. Alte Jungsern und alte Kriegsschiffe sinken im Preise. Miguel kommt ein neuer Gedanke. Er lieft so oft in de» Beilagen der„Vossischen Zeitung":„Wittwen nicht ausgeschlossen". „Wenn nun Wittwen", sagt er sich,„so begehrt sind, wie wäre es mit einer Wiltwensteuer?" Der geheime Jnstizrath Lessing als Besitzer der Tante Voß -ordnet an, daß die Annoncen der„Schadchen" und Zwischenttägerinnen künftig auf die erste Seile seines Blattes kommen. Dem Kultusminister erscheint ein„Geist", um ihm in der Höf- lichsten und verbindlichsten Weise zu sagen, daß er ihm nicht gleicht. In Reich ä. L. wird der„Reichs-Anzeiger" konstszirt, um nach acht Tagen wieder freigegeben zu werden. Verhängnng eines neuen Ordens. Unwiderruflich letztes Austreten desTenfels Bitru. Und wieder fällt Fürst Löwenstein darauf'rein. Stöcker geht in ein Kloster. Mehrere Tage verlausen ohne Eisenbahn-Unglück. Paraden, Jagden, Prunkmahle, hundertjährige Greise und Dach- stuhlbrände geben auch in der stilleren Jahreszeit den Blättern reichlichen Stoff zur Füllung ihrer Spalten. Mäßiges Mein-, aber gutes Kohljahr. sAus dem„Kladderadatsch".) "von 1321 auf 993. Im ganzen geummnen ist ja die Zahl der den -arbeitenden Klasse» artgehörenden männlichen Personen in den 13 Jahren gestiegen von 226 000 auf 321 000. Aber man sieht doch, daß es trotz allem«irthschaMchen Fortschritt eine Reihe von Er- werbszweigen giebt, die im offenbaren Rückgang begriffen sind. Dabei ist jedoch die Möglichkeit im Auge zu behalten, daß in einem Gewerbe die Arbeiterzahl zurückgeht, während die Menge der her- gestellten Produkte infolg« der Einführung oder Verbesserung von Maschinen wächst. Dies ist z. B. unzweifelhaft in der Schuhmacherei der Fall. Auch die Verminderung der im Eisenbahnbetriebe be- schäftigten Personen dürfte nicht allein auf die bekannte Eparsamkeits- Politik des Herrn Thielen zurückzuführen sein, sondern auch darin semen Grund haben, daß die Wohnstätten einer Reihe von Beamte» in die Bororte verlegt sind. Der Beruf der Bcrttner Arbeiterinnen. An weiblichen Personen, die ihrer Beschäftigung nach den arbeitenden Klassen zu- zuzählen und selbst erwerbslhätig waren, wurden bei der letzten Be- rufszählung im Jahre 1895 ermittelt 135 000, während die Zählung von 1882 mir 113 000 Arbeiterinnen ergeben hatte. Die große Zahl erwerbslhätig« Frauen ist Über fast alle in Berlin vertretenen Ge- werbe vettheilt, und es gab 1895 nur sehr wenig Gewerbe- gruppen, in denen keine Frauen beschäftigt waren. Diese wenige» Gewerbe ohne Frauenarbeit waren die folgen- den: Hüttenbetrieb und Erzgewinnung, Ziegelei und Thon- röhren- Fabrikation, Kupferschmiede, Hufschmiede, Schiffs- bau. Abdeckerei, Feldmesser und Geometer, Maurer. Alle übrigen in der Berufszählung aufgeführten Gewerbegruppen weisen in Berlin Frauenarbeit auf.— Um zu zeigen, welche Gewerbe sich im weitesten Umfange der Frauenarbeit geöffnet haben, seien hier diejenigen angeführt, in denen 1895 üb« 1000 der arbeitenden Klasse angehörende Frauen beschäftigt waren. Es waren 1142 weib- liche Personen in der Lampen- und Bekeuchtungsbranche thätig. Die Weberei beschäftigte 1251 Frauen, die Häkelei, Strickerei, Spitzen- fabrikation 1226, Posamentenfabrikation 1207. I» Papier-, Pappe- und Papiermascheefabriken arbeiteten 3241, in Buchbindereien und Kartonnagefabriken 2162 Frauen. Bäckereien und Konditoreien beschäfligten an weiblichen Arbeit««, Verkäuferinnen zc. 1290, die Fleischerei 1175. Sehr stark ist das weite Gebiet der Konfektton mit weiblichen Arbeitskräften besetzt. Es sind angegeben als Näherinnen 24 564, als Schneiderinnen 7729, als bei der Herstellung fertiger Kleider und Wäsche (eigentliche Konfektion) beschästigt 8941. Doch mögen diese Gruppen wohl vielfach ineinander übergehen; im ganzen weisen die drei Gruppen über 41 000 Arbeiterinnen nach. In der Pntzinacherei, sowie der Blumen« und Federfabrikation waren 4496 Frauen be- schästigt, in der Hut- und Mützenuiacherei 1160, in der Kravatten- Korsett- Handschnhmacherei 1413. Die Wäscherei und Plätterei be- schäfligte 8177 weibliche Arbeiter, in Druckereien aller Art waren beschäftigt 1410. In Ladengeschäften verschiedener Art waren thätig 11 396 weibliche Personen. Im Gast- wirthschafts- Gewerbe waren verzeichnet 9873 Frauen, wohl zu einem erheblichen Bruchtheil Kellnerinnen. Lohnarbeit wechselnder Art verrichteten 3750 Frauen. Die stärkste Gruppe weiblicher Arbeiter bildet in Berlin immer noch das hä»s> liche Dienstpersonal. Eigentliche weibliche Dienstboten im Hanse waren 59 918, als Aufwärlerinnen und dergleichen fanden ihren Lebensunterhalt 16 096 Personen. Das sind sehr beträchtliche Ziffern; doch wird bekanntlich die Stellung als Dienstbote immer unbeliebter bei der Arbeiterbevölkerung, und die Zahl der Dienst- boten hat sich denn auch sowohl im Reich wie in Berlin nicht in demselben Verhältniß vermehrt, in dem die Bevölkerung ge- wachsen ist. Die Heidenkinder sind in den KonvenUkeln der Frömmler und Orthodoxen gemeinbin Gegenstand ganz besonderer Fürsorge, und manche sarkastische Geschichten werden darüber erzählt, wie gott- gläubige alte Frauen für die Roth ihrer armen Mitchristen zwar nicht das geringste Gefühl haben, den ungetauftm Göhren in Afrika jedoch jahraus jahrein wollene Sirnmpse und Leibbinde» stricken. Solche zarte Rücksicht und Fürsorge scheint man den„Heiden- lindern" des eigenen Volkes gegenüber nicht allemal walten zn lassen. Uns liegt die Beschwerde eines Familienvaters vor. der sich mit Recht bitter über die Behandlung beklagt, die man seinen Töchtern in der Schule angedeihen läßt. Die beiden Kinder sind nicht getauft worden. In der 145. Gemeindeschule, welche die Mädchen besuchen, soll es den Schülerinnen nun bei jeder passenden und unpassenden Ge- legenheit zum Vorwurf gemacht werden, daß der Vater die gedachte Zeremonie nicht an ihnen hat vollziehen lassen. Die Lehrerin S e b a u e r ließ eines Tages in ihrer Klasse alle die Kinder auf- stehen, welche vor dem Schlafengehen ihr Abendgebet verrichten. Das Mädchen, von dem hier die Rede ist, blieb natürlich fitzen und wurde dafür mit der Anrede bedacht:„Ach ja. Du bist ja auch ein Heidenkind." Ein andermal habe es. wie der Vater ferner mittheilt, aufstehen müssen, als die Lehrerin einer anderen Klasse ins Schulzimmer getreten sei.„Sehen Sie", sagte die Dame dann vor allen Kindern laut zu ihrer Kollegin,„dies Mädchen hier ist eine Heidin!" Wenn nun auch ein Freireligiöser oder Atheist alle Ursache hat, zum niindesteii ebenso stolz auf seine Wetlanschaunng zn sein, wie ein frommer Christ ans seinen althergebrachten Gottesglanben, so wirkt die Behandlung, die die Lehrerin in diesem Falle einem Kinde zn theil werden läßt, in jedem Falle niederdrückend ans das Gemüth einer solchen Schülerin. Sie wird wenigstens von cinei» Tbeil ihrer Mitschülerinnen als ein minderwerthiges Geschöpf angesehen und ist, was die Lehrerin als erwachsene und verständige Person bedenken sollte, schon ans dem Grunde völlig wehrlos gegen die. ungehörige „Bloßstellung", weil es doch nicht ihre Schuld ist, daß sie ungetanst blieb. Wir nehmen an, daß in Berlin wenige Lehrer und Lehrerinnen vorhanden sind, die in der geschilderten Weise die Schule zu einer Art religiösem Kampffeld machen, und hoffen auch von der hier in betracht kommenden Dame, daß sie das Unschickliche ihres Handelns einsieht und künftig ohne Rücksicht aus Religion oder Religionslosigkeit der ihrer Sorgfalt anvertrauten Kinder in allen Fällen gerecht ihres verantwortungsvollen Amtes wallet. Znrn Beschluß der Berliner Stadtverordnete» bezüglich der Errichtung eines Denkmals für die Märzgefallenen meldet die „Kölnische Zeitung" aus Berlin, es sei ausgeschlossen, daß der Be- schluß jemals die Zustimmung der Staatsregierung finde." Darauf ist einfach zn erwidern, daß es einer solchen Zustimmung ganz und gar nicht bedarf, denn auf dem Friedhofe für die Märzgefallenen hat die Regierung wenigstens in diesem Punkte„nix tan scggen". Erklärliche Mißstimmung macht sich in den Kreisen der hiesige» Fenerivehr geltend. Es kommt bei der strengen Disziplin, die im Dienst geübt wird, durchaus nicht selten vor, daß der eine oder der andere der Wehrmänner wegen eines verhältnißmäßig geringfügigen Vergehens mit Arrest bestraft wird. Nun läßt der Branddirektor es in derartigen Fällen mit der Berbüßnng einer solchen Strafe durchaus nicht abgethan sein. Dem Betreffenden wird außerdem noch die Weihnachtsgralisikation. die beim letzten Feste sich auf elf Mark belief, entzogen. Ja die nachträgliche Strafe geht noch weiter. Bei Gelegenheit des großen Brandes in der Chausseestraße ist der Brauddirektion von den Versicherungsgesellschaften die Summe von 3000 M. zur Ver- theilung an die bei dem Feuer thättg gewesenen Wehrmänner überwiesen worden. Auf jeden Mann kamen 3 M. und 45 Pf. Auch dieses Geschenk wurde den„Bestraften" vorenthalten. Namentlich die letzlere Maßregel wird für durchaus unberechtigt gehalten, und die Feuerwehrleute fragen sich, ob es die Absicht der Aersichernngs- gesellschaften war, daß derartige Ansuahmeu gemacht werden. Das Polizeipräsidium theilt mit: Die in der Nr. 357 der „Post" gebrachte, auch in andere Tagesblätter übergegangene Nach- richt, wonach der Polizeipräsident in einer Unterhaltung mit einer Vertreterin der Frauenbewegung über seine Stellung zu der eingeleitete» Agitation betreffend Aendenmg der hiesigen Sittenpolizei sowie über den Fall Köppen sich geäußert haben soll, bedarf der Richtigstellung. Es ist allerdings zutreffend, daß am 27. oder 28. D» zember bei dem Polizeipräsidium eine Dame sich hat melden lassen, welche sich als Mitarbeiterin d«„Post" vorstellte und insbesondere in Hinblick auf die geplanten Versammlungen der Franenbewegmiz Ansknnfl Über den Fall Köppen und die grundsätzliche Stellung deS Polizeipräsidenten zu der Eingangs erwähnten Frage zu erhallen wünschte. Der Polizeipräsident hat das Ansinnen lediglich abgelehnt und die Fragestellerin verwiesen ans den dem Verein„Frauenwohl"' zn Händen der Frau Schulrath Minna Caner ertheilten, die Materie sachlich erschöpfenden Bescheid. Hiermit war die etwa 1 Minute währende Unterredung beendet. Die sonstigen dem Polizeipräsidenten in dem Artikel in de» Mund gelegten Bemerkungen sind nicht ge- macht worden. Zu der Angelegenheit bemerkt die„Post", daß sie die betreffende Dame, die sich als Mitarbeit«»: der„Post" bei dem Polizeipräfi- deuten von Windheim einführte, niemals beauftragt habe, im Falle Köppen u. s. w. oder in irgend einer anderen Angelegenheit im Polizeipräsidium Erkundigungen einzuziehe». Im Berliner Polizeipräsidium scheint man besonderen Muth bekomme» zu haben. Durch hektographirtes Schreiben sind eine Anzahl Berliner Gewerkschaften aufgefordert worden, ein Ver- zeichniß ihrer Mitglieder einzusenden, und zwar nicht allein der jetzigen Mitglieder, sondern auch der früheren. Die Verwaltnngs- stelle I der Sattler z. B. wurde aufgefordert, ein Verzeichniß der seit deni 15. Juni 1894 eingetretenen und ansgeschiedenen Mit- glieder binnen 3 Tagen einzureichen. Diese Forderung ist wohl schwerlich zu begründen, abgesehen davon, daß sie meistens unaus- führbar sein wird. Die Gewerkschaften werden es sich jedenfalls sorgfältig überlegen, ob sie der behördlichen Aufforderung nachkommen sollen. Die an den Tod der Kellnerin Elise Großpietsch angeknüpften Betrachtungen habe» die Aufmerksamkeit des Publikiinis und der Behörden auf einen Sumpf gelenkt, in welche» alljährlich eine grobe Anzahl junger, unschuldiger Mädchen hineingerathen, verführt durch gewissenlose Seeleiiverkäiiferinnen. Auch die Kell»erin»en innffen eine Lehrzeit überstehen und mit dem Anlernen der Mädchen be- schäftigen sich in Berlin nur ivenige Gastwirlhe, soweit unsere Jnformatio» reicht etwa 10—12, deren Geschäftslokalitäten ausschließlich i» der Friedrichstadt belegen sind. U»- geschulte Kellnerinnen bringen den Restanraleuren im all- gemeinen wenig Nutzen und nur dadurch, daß einer gewissen Sorte von Lebemännern genau bekannt ist, i» den betreffenden Lokalen stets junge, nnschnldige Mädchen zu finden, können die fraglichen Gastwirthschafte», die zumeist von Frauen bettieben iverden, ei» ganz vorzügliches Geschäft machen. Die Herberschaffung der„frischen Maare" übernehme» eine geivisse Sorte von Agentinnen. Es sind dies sittlich verkommene,»nitunter schon vorbestrasle Per- sonen, welche in der Gegend des Zenlrums ivohne». Die meist ältere Frau erringt sich bald das Zutrauen aller Dienstmädchen der Nachbarschaft durch ihr liebenswürdiges Wesen, mit welchem sie die Mädchen zu bestricken weiß, deren Bekanntschaft sie i» Kolonialwaaren-Hmidluiigen, Grünkram- und Milchgeschäfte» macht. Ei» hübsches, junges Mädchen, eben erst nach Berlin gekommen und mit den hiesigen Verhältnissen noch nicht ver- traut erscheint als das geeignete Opfer der gewiffeulosen Agentin. Bald macht sie dem jungen, unerfahrene» Kind klar, welch ein schönes und herrliches Lebe» das Kellnerinnen- gerade im Gegensatz zu dem sklavischen Dienstbolenleben sei. Es gelingt ihrer Ueber- redl»igskiinst, die Uiiznfriedenheit des Opfers mit der gegenwärtigen Lage zn erwecken und bald darauf sieht man dann die kaum I7jährige in einer Gastwirihschaft servire». Was weiter folgt ist bekannt. Der Verein fiir Vcrbcssernug der Fraucnklcidnng bereitet in Gemeinschaft mit einer Reihe von anderen Vereine» mit ähnliche» Bestrebunge» eine Eingabe an den Unterrichtsminister vor; in der- selben wird vorgeschlagen, das Tragen des Korsetts od« eines das- selbe ersetzenden Leibchens mit Stangeneinlagen beim Turnunterricht in den Mädchenschulen gänzlich zn verbieten. Die Fra» des Raubmörders Gönczi soll in B u d a p e st verhastet worden sein. Zu dieser ziemlich umvahrfcheinlich klingenden Nachricht liegen folgende Meldungen vor: Einige Gendarme» trafen in der Nähe von Budapest im Gebirge eine umherirrende Frau an, deren Kleider vollständig zerfetzt waren. Sie hatte eine frappante Nehnlichkeit mit der durch Steckbrief der Berliner Staatsanwaltschaft signalisirten Fra» des Raubmörders Gönczi. An ihrem Halse fand sich sogar ein kligelförmiger Auswuchs, genan so, wie in der Personalbeschreibung des gesuchten Ehepaares angegeben ist. Die Fran wurde verhastet und sofort der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Bei einem mit ihr angestellten Verhör, in dem sie verschiedene Namen angab, trug die Verhaftete ei» so ausfälliges Benehmen zur Scha». daß die herbei- gerufene» Gerichtsärzte zu dem Urtheil gelangten, die Frau nn'isse entweder thatsächlich geistesgestört sein oder sich im Simulire» eine außerordenlliche Knust angeeignet haben. Die Verhastete wurde sodann photographirt,»nd dem Berliner Polizeipräsidium ei» Bild zur eventuellen Jdentifizirnng eingesandt. Wie noch erinnerlich sein dürfte, hat Gönczy seine Frau vor etiva acht Jahren in Ungarn kennen gelernt und bald darnach geheirathet. Nach dem Genüsse von anscheinend verdorbenen ge- kochten Gemiisekonscrvcn erkrankten gestern Nachmittag der Fuhr- Herr Friedrich Galle, Brnnnenflr. 82, seine Fra», die süns Kinder sowie die bei dem Galle'schen Ehepaar als Äliisbesseri» beschäftigte Näherin Willme Auguste Hänel. Bei alle» zeigte» sich Vergiflnngs- erscheinnnge», die sich durch starkes Erbrechen und Fieber bemerkbar machten. Angenblicklich liegt keine Lebensgefahr mehr vor. Tie Konserven waren nach Aussage des Arztes durch das Blech der Büchsen, die dem Polizeipräsidium zur Untersuchung eingereicht sind, verdorben. Ein cigenthUmlichcS Schicksal haben die Häuser Belle- Alliancestraße 93 bis 100 gehabt, welche schon seit langer Zeit völlig leerstehen, obgleich sie diirchans moderne» Ursprungs sind. Vor ungefähr anderlhalb Jahren wurden sie nämlich von ihrem früheren Besitzer an einen Unternehmer verkauft, der auf den drei ninfaugreichen Grundstücken ein großes Kaufhaus errichte» wollte, Alle Miether und Ladeniiihab«, denen rechtzeitig gekiindigt worden war, mußten die Häuser verlassen, da mit dem Abbruch derselben bald begonnen werden sollte. Die Verhandlniigen des neuen Besitzers mit Kapilaliste», die sich an der Gründling des Untcruehmens beiheiligen sollten, zöge» sich jedoch über Erwarten lange hin und zerschlugen sich schließlich ganz. Als nun vor kurzem der neue Besitzer, dereine bedeutende Anzahlung auf die Häuser geleistet hatte, starb, kanfte der frühere Inhaber die einstweilen unter Administration gestellten Gebäude zurück. Und nun läßt er die Wohnungen und Läden wieder vermielhen, so daß die drei Häuser ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder zurückgegeben werden. Tie anf dem Kascrnenhof der Luftschiffcr- Rbtheiluug stehende kolossale Ballonhalle, in welcher mit Geiichimglliig des Kommandos der Abtheilnng bis vor zwei Monaten das vom Jir- geuienr Schwarz erfniidene Alumininm-Lnftschiff untergebracht war, wird jetzt abgebrochen, da von einer Wiederausnahme der Schivarz- schen Versuche abgesehen werden soll. Schutz nnscreu anständige» Franc» und Mädchen k Zu diesem Kapitel ist heute folgender Fall zn berichte»: Tie am Kronprinzen-Ufer wohnende einundzivanzigjährige Schneiderin M. Sch.. die sich des besten Leuninnds erfreut und seit länger« Zeit in einem große» Schneider-Atelicr arbeitet, besuchte am 28. d. M.. abends, gute Bekannte. Um Mitternacht schickte sie sich zur Heimkehr an. Als sie im Begriff war, die Hausthür aus- zuschließen, wurde sie von einem Schnhmann angehalten mit der Frage: Was sie hier wolle? Ihre Entgegnung, daß sie hier wohne und von einem Besuche von Bekannten heimkehre, wurde vom Schntzmann mit dem Bemerken znrückgewiese», daß anständige Frane» um diese Zeit ans der Straße nichts zn suchen hätten. Ihrer Sliissorderung, mit in das Hans einzutreten und sich beim Portier und ihren Ellern die Geivistheit zn hole», daß sie ein anständiges Mädchen sei, ließ der Beamte unberücksichtigt und zerrte sie von der Thür weg und forderte sie auf, mit zur Wache zu gehen, da sie dort der Sittenpolizei übergebe» weichen Mutete. Das erschrockene Mädchen erklärte, keine Sittenpolizei zu sürchle» und zeigte sich bereit, den Gang nach dem zuständigen Polizeireviere Mitlelstraße anzutreten. Der Schutzmann erklärte ihr aber, daß sie mit nach einer Polizeiwache in Moabit müßte. Das Mädchen fügte sich in das Unvermeidliche, nur verlangte sie, daß der Weg dorthin aus dem rechten Spree-Ufer genommen würde, weil hier eine bessere Beleuchtung herrschte, als ans der Thiergartenseite. Der Schutzmann bestand aber auf dem Wege durch den dunkeln Thiergarten, so daß dem geängstigten Mädchen nichts übrig blieb, als nachzugeben. Unterwegs stellte nun der Beamte unsittliche Antrage! Wenn sie gefällig sei(!), wolle er sie frei lassen k. Das Mädchen blieb jedoch standhaft und sah sich schließlich plötzlich allein, da der Schutzmann im Gebüsch ver- schwunde» war. Es eilte heim und theilte das Erlebniß der Mutter uiit, die am anderen Tage dem Polizeibureau Meldung machte. Das lviädchen wurde zur Vernehmung vorgeladen und erkannte den ihm gegenübergestellten Schutzmann mit Bestimmtheit wieder. Es mußte im Protokoll den Thatbestand unterschreiben, welches dem Polizeipräsidium übermittelt ist.— Wir theilen diesen Fall, der uns ganz unglaublich erscheint, dessen Richtigkeit uns aber bestimmt ver- sichert wurde, unter allem Vorbehalt mit. Zu der SchntzmannSaffäre, über die wir am Donnerstag be« richteten, halte der Polizeibericht bekanntlich gestern die Mittheilung ergehen lassen, daß der mit dem Säbel geschlagene Handelsmann Zimmeck bereits wieder aus dem Krankenhause entlassen sei, da die Verletzung als leicht angesehen wurde. In dieser Angelegenheit thcilt uns die Frau des Verwundete» mit, daß der Polizeibericht auch nicht entfernt de» Thatsachen entspreche. Zimmeck liegt noch heute im Krankenhanse am Urban und zwar so schwer krank, daß nach Meinung der Frau in nächster Zeit kaum a» seine Herstellung zu denken sein wird. Als Frau Zinnneck vorgestern Nachmittag ihren Ehemann spreche» wollte, sei sie wegen seines bedenklichen Znftandes nicht vorgelassen worden; doch habe man ihr mitgetheilt, daß er gerade ans dem Operationssanle wieder in sein Krankenbett gebracht worden sei. Wie dieser Miltheilung gegenüber der Polizeibericht von einer Eni- lassuug des Verletzten reden kann, erscheint völlig unerfindlich und der näheren Aufklärung werth. Es liegt der arine» Frau des Unglück- lichen natürlich daran, möglichst viele Zeugen des Vorfalles zur Hand zu haben, und daher werden alle Personen, die der am Mitt- woch Abend vor dem Hause Dresdenerstr. 20 vor sich gegangenen Säbelaffäre beigewohnt haben, dringend gebeten, in der Woh- nung der Frau Zimmeck, Reichenbergerstr. 42, Hos parterre, ihre Adresse abzugeben. lieber eine» Raubanfall auf offener Straße wird nachträglich folgendes berichtet: Die Bauerntochter Anna Kremmer aus Zinte» (Ostpr.) kam am zweite» Feiertage nach Berlin, um ihren Onkel, de» Schneidermeister Kutschki in der Alten Jakobstr. 69 zu besuchen. Mit diesem ging sie am Dienstag Abend spazieren. Gegen IV Uhr kamen die beiden auseinander und fanden sich nicht wieder. Das Mädchen fragte auf dem Alexanderplatz einen jungen Mann nach der Alten Jakobstraße. Der Gefragte erklärte sich bereit, den Führer zu mache», da ihn sein Weg ebenfalls dahin führe. Als sie vor dem Hause, in dem der Onkel des Mädchens wohnt, angelangt waren, bat der Führer das Mädchen, ihm ei» Zwanzigmarkstück zu wechseln und überreichte ihr, als sie da? Geldstück zuvor haben wollte, ein solches— das sich hinterher als werlhlose Medaille erwies. Als nun das Mädchen ihre Geldlasche, in der sich S3 M. besanden, öffnete, riß ihr der Mann dieselbe aus der Haud nud entfloh nach der Dresdcnerstraße. Die Beraubte, die anfangs so verblüfft war, daß sie sich kaum regen konnte, setzte nach einer Weile dem Räuber nach. Dieser hatte aber bereits einen zu großen Vorsprung und ver- schwand in einem Haus der Dresdenerstraße. Durch einen Sturz auS dem Fenster hat sich am Donnerstag Abend der 34 Jahre alte Anstreicher Karl Schulz aus der Seuefelder- straße 3 das Leben genommen. Schulz besuchte gegen Abend seine verheirathete Schwester, eine Frau Frädrich in der Prinzen-Allee 57, und gerieth mit dieser so heftig in Streit, daß die HauSnachbarn den Lärm hörten. In großer Aufregung kam er da»» nach der Seuefelderstraßs zurück, ging aber nicht wieder in seine Wohnung, sondern stürzte sich von der Treppe zwischen dem dritte» und vierten Stock durch das Flurfenster auf den Hos hinab, wo er mit zer- schmetterte» Gliedmaßen todt liegen blieb. Die Polizei des 98. Reviers beschlagnahmte die Leiche und ließ sie in das Schauhaus bringen. Ein Messerheld verursachte am Sylvester, nachmittags, in der Prenzlauerstraße eine gewallige Menschenansaunnlnng. Mehrere Mitglieder des die Umgebung des Prenzlauerthores unsicher machenden Gesindels halten sich in deni Hausflur des Grundstücks Prenzlauer- straße S3 niedergelassen, um dort ihre Mittagsruhe zu halten. Die Aufforderung des Portiers, sich zu entferne», beantworteten die Strolch« mit thällichen Angriffen mid einer der Burschen zog ein Messer hervor und schlug hiermit ans den Portier ein. Ans der Nachbarschaft hinzueilende Personen entrisse» dem Messerhelden die Waffe und üblen an demselben Lynchjustiz. Verschwunden ist seit Dienstag die IS Jahre alte Tochter Marie des Händlers Becker aus der Naunynstr. 4. Das Becker'sche Ehepaar betrieb bis vor kurzem im Keller einen Bücklings- und Häringshandel, bei dem die älteste Tochter Marie vielfach als Ver- känferin lhätig war. Da das Mädchen körperlich sehr entwickelt ist, so befürchten die Ellern, daß Kupplerinnen oder lüderliche Frauen- ziminer, die es als Verkäuferin kennen gelernt haben möge», es an sich gelockt haben. Die Elter» sind Tag für Tag unterwegs, nm den Verbleib ihres Kindes zu ermitteln, es ist ihnen aber ebenso wenig gelungen, wie der Polizei. Als sie von Hanse ivegging, trug die Verschwundene ein schwarzes Jackett mit Krimmerkragen, eine schwarze Taille, einen rolhen Rock, eine blaugestrcistc Schürze und Knöpfschuhe. Feiierbericht. Donnerstag Abend enlfland S t e t t i» e r- st r a s> e 54 ein Ziinmerbrand, bei dem Möbel und Kleider in Flammen aufgingen. Um 10 Uhr brannten Grüner Weg 79 Müllabsälle. Freilag früh 2 Uhr war Blücherstr. 5 der Fuß- boden und die Balkenlage in Brand gerathen, wobei das Haus belrnchl lichen Schaden erlitt. Aus gleicher Veranlassung mußte »in 0 Uhr die Wehr nach Ritter st r. 12 ausrücken. Auch in diesem Falle war bedeutender Hausschaden zu konstatiren. Ein giößerer Dachstuhlbrand veranlaßle kurz nach 3 Uhr einen Alarm nach M a» t e n f f e l st r a ß e 29. Di« Feuerwehr fand bei ihrer Ankunft einen ausgedehnten Brandheerd vor und mußte hauptsächlich darauf bedacht sein, das Feuer zu lokalisiren, was nach einslündiger Löscharbeit auch gelang. Die gesammte Dachkonstrnktion wurde jedoch zerstört. Eine Stunde später war Heilige- g e i st st r a ß e 23 ein Kellerbrand abzulöschen. Kurz nach lv Uhr abends brannte Schönhauser Allee 62 die Balkenlage. Endlich war um 5 Uhr nachmittags Prinz«»straße 31»och eine brennende Schanfensierdekoralion abzulöschen. Im Zirknö Busch hat es gestern eine neue Pantomime ge- geben. Eigentlich tiiffl diese althergebrachte Bezeichnung auf das moderne Zirkusgepränge nicht mehr zu, und der Dichter des neuen Werkes mag daher ivöhl das richtige gefunden haben, als er zur Charakteristik seines nicht einmal völlig stummen Dramas „Saragossa" das etwas ausgedehnte Wort„Original- Manege- Schaustück" wählte. Das Original- Manege-Schaustück ist zwar im wesentlichen dasselbe in Grün, was sein Vorgänger„Sibirien" in Weiß war. aber darauf kommt es ja eigentlich nicht an. Eine Anfsührnng im Bereiche des Direktors Paul Busch will nun einmal— der Mensch mag wolle» oder nicht— von einer höheren Warte aus betrachtet sein, denn sie birgt ja dank einer wunderlichen Caprice dramatischen Gehalt in sich. So ein Zirknsdrama will belehre» und erbauen, und wen» die alte moralische Legende, daß die Tugend am Ende doch über der Menschen Tücke den Sieg davon trägt, uns vorläufig auch nur nach den Prinzipien des seeligen Raupach offen- bart wird, so ist nicht einzusehen, warum sich nicht eines guten Tages auch die ans den Thealern verbannte höhere Klassizität in den Zirkus hineinflüchten soll. Das Schaustück„Saragossa" handelt eingehend von Mord und Todtschlag. Man denke, was alles darin vorkommt: Geldraub, Menschenraub, und außerdem der Mord eines unschuldigen KindeS, dessen auS Korbweide» geflochtenes Todtengerippe zwei Akte später in der Manege eine mächtig gruselige Rolle spielt. Es folgen Gräuelthaten kom- plizirterer Natur, nämlich Brandstiftungen, ein Brückeneinsturz mit obligater Ueberschwemmung, und— man mag es glauben wollen oder nicht— ein wahrhaftiges Eisenbahn- Unglück mit Arm- und Beinbrüchen. Wenn dies beklagenswerthe Ereigniß nicht durch die Tücke eines über alle Begriffe boshaften Menschen herbeigeführt wäre, könnte es vielen Unglücksfällen im Reiche des Herrn Thielen sogar zum Muster dienen, da bei dem Zirkusunglück dank der Barmherzigkeit des Dichters wenigstens keine Todesfälle vor- kommen. Endlich wird der Bösewicht, der alle diese Schandthaten verschuldet, vom Schicksal ereilt, und das Ballet. welches sich vorher schon nach Kräften bemühte, das Publikum mit den grauenerregenden Situationen zu versöhnen. tanzt in einem reizend grünen Gewände soviel liebliche Poesie zu- sammen, daß auch der boshafteste Mensch sich mit der Zirkus- dramatik versöhnen muß. Die über all« Beschreibung glanzvolle Schlnßapothese des Stückes ist wohl das schönste und kostspieligste, was je im Zirkus aufgeboten wurde. Unzweifelhaft wird„Sara- gossa" unter der Parole„Ausverkauft" eine ungezählte Reihe glänz- voller Wiederholungen erleben. TaS Berliner Aquarium hat auch am Abschluß des alte» Jahres noch manches Neue erhallen und somit dem Besucher in ver- schiedenen Abtheilungen merkwürdige Formen und Erscheinungen vorzuführen. Im oberen Grottengange nimmt gleich das erste große Seewasserbassi» auf der linken Seite die Anfmerksanikeit ge- sangen, indem in demselben nicht nur eine erhebliche Anzahl(viel- leicht 200) der herrlichsten Blumenpolypen vereinigt sind, sondern auch vor allem Exemplare von ganz außerordentlicher Größe und Schön- heit sich zeigen; sie stammen aus gewissen Theilen der Nordsee und kommen i» dem ihnen angewiesenen Becken weit mehr zur Geltung, als es in dem früher für derartige Beivohner be- stimmt«« Bassin hätte geschehen können. Ganz anders nimmt sich das Nachbarbccken mit seiner aus mehrere» Arten Seenadeln, rothen, fleisch- und purpurfarbenen und grauen Seesterne», orangegelbe» Korkschwämmen, dunklen Seeigeln bestehenden Besetzung aus, in deren buntfarbigem Gemisch einige walzen- oder gurkenförmige, am Mundende mit einem Kranz znrückziehbarer Fühler versehene Ge- schöpfe, sogenannter Seegurke», durch ihre tiesschwarze Färbung sofort auffallen. I» der„TranSvaal-AuSsteNnug" am Knrfürflendamm soll vom 20. April ab ein naturgetreue» Bild des Volkslebens in Indien gezeigt werden. Im llrania- Theater(Direktion Dr. KSppen und Dr. Stoedtner) Jnvalidenstraße, wird am Sonntag, abends 8 Uhr der Vortrag:„Arnold Böcklin" von Franz Hermann Meißner unter Vorjührung zahlreicher, größten- theils sarbiger Lichtbilder wiederholt. Das Programm der Volkshochschule Humboldt- Akademie für das I. Quartal 1898, das soeben erschienen ist, enthält die ausführlichen Anzeigen von 76 Vortragszyklen und Unterrichtskursen ans fast allen Wissens- gebieten, welche in den Lchrslätten NW.(Georgenstraße), W.(Liitzowstraße) und WII.(Wilhelinstraße) für Herren und Damen gehalten werden. Die letztgenannte Lchrstätte ist im A r ch i t e k t e n h a n s e neu errichtet, um aus vielfachen Wunsch durch V o r m i t t a g s- Z q k l e n auch solchen Wisieuösrennden, welche an dem regelmäbigen Besuch der Abend-Zyklcn be- hindert sind, Gelegenheit zur Theilnahme an den populär- wisieuschaftlichen Vortragszyklen zu geben. Die neue Lchrstätte wird am Montag, 19. Januar II'/,(nicht 103/,, wie irrthümlich im Programm angegeben), mit Ansprache seitens des Vorstandes eröffnet. In allen übrigen Lchrslätten finden nur A b e n d- Z y k l e n statt, aus denen nach wie vor der Schlverpunkt der Humboldt-Alademie niht. Neben den bisherigen bewährten Dozenten werden in den drei genannten, sowie in den zwei anderen Lehrstätten(im Süden und Nordosten, sür welche besondere Programme erscheinen) als neu bezlv. wiedergewonnene Lehrkräfte thätig sein die Herren Dr. Ed. Engel für englische Literaturgeschichte, Dr. H. Grosse für Versichcrungswcse», Schrift- steller Jul. H a s s elb l att-No rd en für russische Kunst- und Literatur- gcfchichte, und Dr. R. Heilbrunn für Elektrizitätslehre. Das neue Programm wird den Mitgliedern des wissenschaftlichen Zentralvereins und den Hörern des letzten Quartals mientgeltlich zugesandt. ES ist auch in einer Anzahl bekannter Buchhandlungen, sowie im„Jnvalidendank", im Architektenhause, und in den Bureaus der Akademie: Unter den Linden 47, Potsdauierstr. 116a, Prinzensir. 64 und LandSbergcrslr. 32 sür 10 Psennige erhältlich. Si»S de» Nachba vorteil. In Rixdorf findet am nächsten Mittwoch bei Kummer, Berlinerstraße, eine Versammlung des Frauen- und Mädchen- B i I d u» g s v e r e i n s statt, in der Dr. Joel über die Steinzeil sprechen wird. Gäste sind ivillkoinmen. Mitglied kann jede über 16 Jahre alte weibliche Person werden. Das Einschreibegeld beträgt 20 Pf., der monatliche Beitrag 10 Pf. Man melde sich in der Ver- sammlung oder bei Frau Harnisch, Steiumetzstr. 27. De» Parteigenosse» von Steglitz und Friedenau zur Nach- richt, daß die Bersaminlung des Arbeiter-Bildniigsvcreins am 4. Januar ausfällt, und zwar wegen der öffentlichen Bolksversamm- lung, über die später noch näheres bekannt gegeben wird. Der Bor- stand. Schöneberg. Am Montag, den 3. Januar, findet die General- versammlnng des A r b e i t e r- B i l d n n g s v e r e i n s statt, in welcher die neu ausgegebene Broschüre„Kiassenpoliiik und Sozial- reform"(Etatsreden von Bebel) zur Bcrlheilmig gelangt. Auch wird das neue soziale Drama von Langmann:„ B a r t e l T u r a s e r", wenn es als Buch schon käuflich ist, vorgelesen werden. Es ist Pflicht jedes Vercinsmilgliedes, zu erscheine».(Siehe auch Inserat.) Ans Nixdorf. Durch daS Anwachsen unseres Ortes haben auch die Geschäfte des hiesigen Schöffengerichts eine derartige Ver- mehrung erfahren, daß von Neujahr ab statt der bisherigen zwei Sitzmigen in der Woche deren vier abgehalten werden müssen.— Bei den Verhaiidlungen vor dem hiesigen Schöffengericht mußten bisher auch diejenigen Personen ans der Anklagebank Platz iichinen, welche gegen polizeiliche Stralversügungeii Widerspruch erhoben hatten. In Zukunsl werden derartige Fälle nach Uebereinkommen der Vorsitzenden der beiden Strasablheilnngen vor den Schranke» des Richtertisches verhandelt, der Widersprucherhebende braucht somit nicht mehr die Anklagebank zn betreten. Diese Nene- riing verdient Anerkennung und Nachahmung.— Um die Bürgermeisterstelle von Schöneberg soll sich auch ein bekannter hiesiger Rechisanwalt beworben haben, es wird in Schöneberg allgemein angenommen, daß derselbe die meiste Aussicht hat, gewählt zu werden.- THesikev. Wochen-Spielplan der hiesigen Theater. Freie Volksbühne. Heute Nachmittag 3 Uhr im Friedrich Wilhelinstädtischen Theater IV. Ab- theilung(braune Karten):„Jugend". Sonntag, 2. Januar: I. Abthcilung (rothe Karten) im Lessing-Theater:„Barchel Turaser". Anfang 3 Uhr.— Opernhaus. Sonntag, 2.:„Der Prophet". Anfang 7 Uhr. Montag. 3.: „Die Meistersinger von Nürnberg". Sioltzing: Herr Emil Götze als Gast. Ansang 6>/z Uhr. Dienstag, 4.:„Der Evangelimann".„Phantasien im Bremer Rachskeller". Anfang 7 Uhr. Mittwoch, 6.:„Die Zauberflüte". Donnerstag, 9.:„Carmen". Freitag, 7.: V. Sinfonie- Abend der königl. Kapelle. Sonnabend, 8.:„Oberon". Sonntag, 9.:„Die fugenotteii". Anfang 7 Uhr. Montag, 10.:„Tristan und Isolde". ristan: Herr Heinrich Bogl, königl. bayer. Kammersänger, a. G. Anfang 6'/, Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag. 2.:„Ein Sommernachts- träum". Montag. 3.:„Maria Stuart". Dienstag, 4.:„Mutter Thiele". Mittwoch, 6.:„Das neue Weib". Donnerstag, 6.:„Der Gsiotssenswurm". treitag, 7.:„Mutter Thiele". Sonnabend, 8.:„Das neue Weib". onntag, 9.:„Mutter Thiele". Montag, 10.:„Faust". Anfang 7 Uhr.— Neues königliches Opern-Thcater(Kroll). Sonntag, 2.:„Wie die Alten fungen". Sonntag, 9.:„Die Gcier-Wally".— Der Spielplan des Deutschen Theaters weist ftir die Neujahrs- feiertage nebst der anschließenden Woche folgende Vorstellungen auf: am heutigen Sonnabend Nachmittag„Die versunkene Glocke", abends „Mädchentraum"; am morgigen Sonntag Nachniittag„Mutter Erde", abends„Mädchentraum"; Montag„Mädchcntraum"; Dienstag„Die ver- sunkene Glocke" mit Agnes Sornia und Joses Kainz; Mittwoch„Jugendfreunde"; Donnerstag„Mädchentraum"; Freitag„Agnes Jordan"; Sonn- abend„Mädchcntraum": Sonntag, den 9. Januar, abends„Mädchen- träum".— Jni Lessing-Theater wird der Spielplan der Neujahrs- Woche durch den großen Erfolg beherrscht, den das Lustspiel„Im weißen Röhl" von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg davongetragen hat. Die Novität wird am heutigen NcujahrStage, am Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend und am nächsten Sonntag zur Auf- sührung gelangen.„Hans Huckebein" wird als Nachmitlags-Vorstellung des Neujahrslages und sodann am Montag Abend gegeben, während Philipp Langmann's Drama„Bartel Turaser", das auch bei den bis- herigen Wiederholungen die lebhaste Theilnahme des Publikums gefunden hat, für den Feiertag auf den Spielplan gesetzt ist.— Im Berliner Theater wird Philippus Schwank„Die Wunder- guelle" nächste Woche fünstual gegeben und zwar diesen und nächsten Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend„In Behandlung" gelangt Montag, Mittwoch und Freitag zur Aufführung.— Residenz- Theater. Am Neujahrstage gelangt Nachmittag„Fernande" zur Aufführung, am Sonntag Nachmittag wird„Odette" ge- geben, während abends„Sein Trick!" wiederholt wird.— Im Schiller-Theater wird heute, Sonnabend, Nachmittag Anzen- grubeps„Heimg'sunden", abends die Posse„Der Registtator aus Reisen" wiederholt. Sonntag, den 2. Januar, wird nachmittags„Wallcnsteiws Lager" und„Die Piccolomini" gegeben, nächsten Sonntag Nachmittag folgt eine Ausführung von„Wallenstein's Tod". Sonntag Abend geht Fulda's Lustspiel„Die wilde Jagd" in Szene. Im Bürgersaale des Rathhauses ist„Mozatt- Abend". Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonnabend sind weitere Wiederholungen von„Der Registrator auf Reisen", Freitag ein« Wiederholung von Fulda's Lustspiel„Die wilde Jagd". Für Donnerstag ist„Wallenstein's Lager" und„Die Piccolomini" angesetzt.— Im Goethe-Theater findet die Erstausführung von„Der Volks- gras", Drama tn 6 Aufzügen von Rudolf Rabe, am Sonn- abend statt.— Im Theater Unter den Linden wird der Offcnbach- Zyklus, früher als geplant war, nnt der„Schönen Helena" im Januar sein Ende erreichen, da bereits Mitte Januar die Premiere der Operette „Die Göttin der Vernunft" von Johann Strauß stattfindet.— Das gegen- wärtige Repertoirestück des T h a l i a- T h e a t e r s, der dreiaktige Schwank „Das Opferlamm", zieht nun auch die Anfmerlsanileit der gastirendeii Künstler aus sich. Neben Felix Schweighofer und Dr. Tyrolt, welche in Dresden beziehungsweise am Volkstheater m Wieu. die Hauptrolle des Proscffor Griebcnow spielen werden, be- ginnt auch Georg Engels sein Köntgöberger Gastspiel mit„Opferlamm".— Der Wochen-Spielplan des Belle-Alliance- Theaters bringt am Ncujahrstage zuni ersten Mal das Benedix'sche Lustspiel„Die relegirtcn Studenten"; dasselbe Stück wird Montag und Freitag wiederholt.„Romeo und Julia" wird einmal, nämlich Mittwoch,„Der Bräutigam aus Probe" dreimal, Sonntag, Dienstag, Donnerstag, wiederholt. Als Nachmittags- Vorstellungen sind„Deborah" sür den l. Januar,„Wcihnachtszaubcr" für den 2 Januar und„Das Glas Waffer" sür den 4. Januar festgesetzt. Am Sonnabend, den 8. Januar, geht erstmalig„Kean" in Szene.— Der Wochenspielplan des L u i s e n- T h c a t e r s ist solgciidcnnaßen fest' gesetzt: Sonnabend, den 1. Februar, Nachmittag:„Die Waise von Lowood"» abends:„Auf eigenen Füßen". Sonntag Nachmittag:„Preciosa", abendS: „Das Fest der Handwerker" und„Hopsenraths Erben". Montag:„Die Waise vonLowood". Dienstag U.Mittwoch:„Aus cigene» Füßen". Donnerstag und folgende Tage:„Aus gotdeuem Boden".— Im„Verschwender", welcher Soirnabend und Sonntag Nachmittag im O st en d- Th e a t e r zum ersten Male in Szene geht, liegen die Hauptrollen in Händen der Damen Weich Bergmann. Lid, Schönberg, der Herren Wach, Dill, Lettner, Jllrgas, Völlner, Altschülcr und Glasemann. Abends bleibt„Leben und Lieben" auf dem Repertoire. Für die Nachmittag- und Abendbcsucher wird eine WcihuachtSspende gratis verabfolgt.— Im Friedrich-Wilhclm- städtischen Theater ist das Repertoire für die nächsten Tag« folgendermaßen festgesetzt worden: Sonnabend, Montag und Dienstag: „Der Trompeter von Säkkingen". Sonntag, abends» Uhr: „Die Pariser Bluthochzeit" oder„Die Hugenotten".— Im Alcxanderplatz- Theater bleibt das Sittenbild„Die Ber- sührcrin" auf dem Repertoire.— Im Neuen O l y m p i a> R i e s e n- Theater beginnt die Sylvester-Vorstellung von„Konstantinopel" bereits um 7 Uhr. Ani ersten und zweiten Ncujahrstage finden zwei Vorstellungen statt; die Nnchmittags-Vorstellung beginnt um 4 Uhr, die Abeiid-Aufsührung, wie üblich, um 8 Uhr. Zu den Nachmittags-VorsteNungen hat jeder Er- wachjene das Recht, ein Kind frei mitzusühren. VevmiMkes, Genosse Adolph Hoffinq»» in Verlin schreibt u»S über die Prospekt-?!»gelegen heit: „In der Nr. 305 vom Freitag, den 3l. Dezember 1897, bringen Sie eine Notiz aus dem„Hamburger Echo" über meine Person mit bezng auf die in einem Prospekt von mir empfohlene„Jugend- und K i ii d e r- G a r t e n l a» b e". Die gegen mich gerichteten Pfeile schießen insofern daneben, als eine ganze Reihe von Bänden obiger Schrisl iveder von serviler Kaiser- und Prinzei>-Verhimt»el»ng. noch vom lieben Herrgott, Himmelreich und Vergeltung tvimmeln» Ich habe diese Bände nach bestem Wissen und Können ansgesiichk und denjenigen zur Verfügung gestellt, welche solche Sachen wünschen, oder mit der leider wenig vorhandenen sozialistischen oder srci-� denkerische» Jngendlileratur versehen sind. Nebenbei will ich nur erwähnen, daß nach Urtheil anerkannter Pädagogen sozialistischer Gesinnung einzelne Bände der„Jugend- und Kinder-Gartenlaiibe" sogar eine» schönen und edlen, ans das Gemülh der Kinder wirkenden Inhalt haben, und aus diesem Grunde in der Bibliothek der Berliner Freireligiösen Gemeinde schon seit Jahren eingereiht sind. Was meine Zinsicht über den„Neuen W e l t k a l e n d e r" anbetrifft, so ist dabei wohl nicht außer acht zn lasse», daß dies eine ans- gesprochen sozialistische Literatur ist. WaS den Wort- laut des Prospektes anbelangt, so wird dieser von demselben Verleger, von dem die„Vorwärts- Buchhandlung" die auch von mir in dem Prospekt einpsohlenen Bücher„Thierweli",„Erfinduiigeii und Eilt- dcckiingen" k. bezieht, fertig geliefert(Stereotypie)." Gegenüber dieser Erklärung,»in deren Aufiiahiue Genosse Hoffuiann noch alle anderen Parteiblätter ersucht, die die Notiz des „Hamb. Echos" gebracht haben, sei festgestelll, daß der in Rede stehende Prospekt, wie die Notiz unseres Hamburger Vrnderorgans ausweist, die Finna Hoff in a n n' s, nicht die eines anderen Buchhändlers trägt, und daß in dem Prospekt nicht einzelne Bände der„Jugend- nnd Ikinder-Gartenlanbe", sondern das ganze Werk empfohlen wird, nud zivar in tzlnsdrücken, wie: es gäbe „in der ganzen Welt kein beliebteres Vildcrbnch"»ud für den Preis. den die„Jugend- und Kinder-Garienlatche" kostet, könne„wohl kaum etwas Großartigeres" auf den Markt gebracht werde». Daß das „Hamburger Echo" dies rügte, war ganz in der Ordnung. Hoffmann'S Beziehung auf die Buchhandlung Vorwärts, die ja Werke desselben Verlegers empfehle, ist deshalb verfehlt, weil eS sich� dabei»m Werke handelt, die von einem sozialdemokratischen Ge- schäft ohne Einschränknilg empfohlen werden können. Hoffmanil nimmt es gewissermaßen als sein Recht in Anspruch. einzelne Bände der vom„Hamb. Echo" i» so scharfen stlnsdrückeii kritisirten bürgerliche» Jugendschrift verbreiien zn dürfen. Vom buchhändlerischen Standpunkt ans hat er dies Recht; wir sind auch nicht so eugherug, es ihm vom sozialdcmolratischen Standpunkte ans abzusprechen. Aber mit viel größerem Recht, als der Sozialdemokrat Hoffmann die„Jugend- und Kiiider-Gartenlaube" empfiehlt, hat der sozialdemokratische Redakteur des„Neuen Weltkalenders" das Begas'sche Kaiser-Denkmal besprochen, denn dieses ist an und sür sich ein wirk- liches Kunstwerk, mögen die Meinungen über die Einzelheiten der ?l»sführ>iiig auch auseinandergehen. Soll der?lrbeiter Begriff von der Knitst bekommen, so muß man ihm Lektüre solcher?lrl ver- schaffen. Da es eine sozialdemokratische Kunst noch nicht giebt, müssen die Beispiele wohl oder übel ans der Sphäre der alten Gesellschaft geholt werden. So bespricht man mit recht in unserer Presse die Kunstwerke des Katholizismns, die Prunkbauten der Bourgeoisie� es liegt kein vernünftiger Grund vor. Kunstwerke sozusagen todt-l zuschweigen, wenn sie die Verherrlichung der Monarchie bezwecken. Der Repnblikanismus der Sozialdemokratie wie der Olrbeiterschast überhaupt steht aus festerem Grunde, als daß er durch das Studium monarchischer Kunstwerke zu erschüttern wäre. Cingelanfene Druckschriften. In Freien Ktniide», Jllustrtrte Momanblbltothek sür da» ardeltenbe Volk tBerliii, Verlag der Buchhandlung BoiwärtS) Preis pro Heft 10 Pf., beginnt soeben tn Hesr i de« zwetten Jahr gangS ben groben Roman au« dem Bauern- lrteg:„Ter Zöllner von Rlaulen" von I. v. Witdenradl. von dieser ebenso guten wie billigen Romanbtbliot hek bringt im neue» Jahrgang jede« Hest ohne PrctSausschlag-t Sitte» Romanicxt(bisher nur I«) und zivet Seite» lleincs Feuilleion. Die Jllnsiraiimien zu dem neuen Roman find nicht nur wescmltch verbcffert gegen die de« letzten, sondern wirklich tünsilertsch ausgeführt. Reben dem Roman cnthät« Heft l:„Um«ine Dame". Eine historische Skizze. — Dies und Jene»(Feutllelonistische und kulturhistorische Skizze»).— Mitz und Scher,._ Weiter-Prognose fite Sonnabend, l. Jqnuar IN08. Zunächst wärmer, vorwiegend trübe, mit Niederschlägen nnd ziemlich frischen westliche» Winden; nachher aufklarend und«lwaZ kälter. Berliner W e t t e r d u r e a u. Aldtmig! A. Wahlkreis. AM«««! Sonntag. S. Jannar. abends«V,Nhr. bei �nI,«U,Linde»str.1VK: '�SI'SAMNHlung."WM Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Faber über:„Die Theitung der Welt." Nach dem Vortrage: Gcmiithliches Beisammensein und Dan,. 210/1_____ Die Bertrauensperson. ffloBtag, den 3. Januar 1808, abends 8 Uhr. bei Obst, Grunewaldstr. 110; General-Versammlung. Mitgliedsbuch legitimirt. 15/1 Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). Branche Parkettbodenleger. Montag, den 3. Jannar 1898. bei Zubell, Lindenstraße 106; Sitzung der Werkstatt-Kontrollkonimission mit den Vertrauensleuten. Tages- ordnung: Lohndifferenzen, Verschiedenes. Die Kollegen der Firmen Badmeyer und Bendlx Söhne sind dringend eingeladen. 76/1 MM- Hill) Wriktischlcr Berlins nnb Umgegenb. Kollege», welche noch keine Statistik-Fragebogen erhalten habe», können solche bei»; Kollegen T h o ni a s, Gartenstr. 162, pari., in Empfang nehmen. L-aOMi-SF, Filiale IV. Dienstag, de» 4. Januar 1898, abends SV, Nhr, bei Schöning, Köpnickerftraf?e Nr. 68; GenerÄl-VerlÄmmliing. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Quartalsabrechnung. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Unsere fernere Agitation. 4. Innere Vercinsangelegenheiten. Um zahlreichen Besuch und pünktliches Erscheinen ersucht 125/20_ Ter Borstand. Achtung! Achtung! Verband der in Holstearbeitungg-Iabrlben u. auf Holzplatzen besch. Arbeiter Deutschlands (Filiale Berlin I). Montag, den 3. Januar 1898, abends 8>/z Nhr, in HVllhe'n Lokal, Zlndreasstrafic 26: Mitglieder- Versammlang. Tagesordnung: 91/2 1. Vortrag des Genossen l>r. mos. koutlor über: Die Krankheiten des Proletariers. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1897. 4. Ge- werkschaftlicheS. Der Vorstand. KS. Die Mitglieder werden ersucht, ihren Verpflichtungen nachzukommen, auch werden die Billets zum Maskenball ausgegeben._ Berliner Arbeitervertreter-Verein. Dienstag, den 3. Jannar 1897, abends 8V, Uhr, bei Bnake, Grenadierstrastc 33: U e r s a m m l n u g. Tages-Ordnung: 1. Bericht auS den amtlichen Nachrichten(Rekurs- und Revistons-Ent- scheidungen). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. 53/1 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Borstand. Verband der Möbelpolirer. DM- Montag, den 3. Januar 1898, abends 8V, Uhr in Rixdorf, Hermannftr. 197: Versammlung- Tagesordnung: 1. Die Küche des Proletariats. Referent: Kollege ITierlch. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 145/1 Die Kollegen werden ersucht, ihre Kontrollkarten abzugeben bei den Be- vollmächtlgten der Zahlstellen oder bei Arbeitsnachweis- Vermittlem. Die Generalversammlung findet am 17. Januar bei Keller, Koppenstr. 29, statt_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Schuhmacher. Sonntag, den 2. Januar 1898, vormittags 16 Uhr, im Lokal „KönigSbank", Grosse Frankfnrterstr. 117: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlung der neuen Fabrikordnung. 2. Er- gänzungswahl der Agttationskommission. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 169/1 Die Ngitationskommissioib_ Freie Bereinigung der Unbler nnb Künblerinnen Berlins und Umgegend. Sonntag, den 2. Januar 1898, abends 6 Uhr, bei Stabcrnack, Jnselstr. 10: Versammlung."WM Vortrag:„Freie Weihnachten". Referent: Woldert Nianaffe, Nach der Versammlung: LVeihnttckks�Vergnügen mit Dmvz 269/13 tmr Fntree 10 Preanlg. TUU Ter Vorstand. I. A.: Müller, Gr. Frankfnrterstr. 96. KS. Alle Freunde und Gönner des Vereins sind freundlichst eingeladen. �.ehtnuek Miul StV Achtung! Müller und Mühlenarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, 2. Januar 1898. nachm. 3 Uhr, im Englischen Garten, Alexander-Ttrasse Nr. 27c: General- Versammlung."WD Tages-Ordnung: 2560b 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Bei der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht emes jeden Kollegen zu erscheinen._ I. A.: A. Schwarz. Maurer! Sonnabend, de» 8. Januar 1898: Grosser Wiener Maskenball im Berliner Prater, Kastanien-Allee 8/9. Arrangirt vom Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Anfang 8«Hr. Um 12 Uhr: TemaSkirung. Ende?? Billets!» SO Flg. sind bei allen Vorstandsmitgliedern und Hilfs- tassirern zu haben. 129/1 Es ladet freundlichst ein»er Verstand. SiB. Wir machen ausdrücklich aufmerksam, daß auch an dem Abend 1» allen Zahlstellen bis 9 Uhr kassirt wird. D. O. BeimMonstsmechsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.; Robert Wenzels, Fruchtstrabe 30, Hof II.— SQ.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 p. pari.— Sechster Wahlkreis(IHnablt): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari,.im Laden.— Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiesenstraße 14.—«esund- brnnnen: Wilhelm Gaßmann, Grünthalerstr. 64.— Bosen- thaler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96.— Churlottenbnrg: Gustav Schar nber g, Pestalozzistr. 34, Quergeb. pari.— Bentsch-Wlliners- dorf: Frau K ü b l e r, Sigmaringenstr. 34 und Frau H ein e m au n, Sigmaringenstr. 35.(Hier ist auch die„Brandeuburgische Volks-Zeitung" zu erhalten.)— Klixdorf: O st e r n: a n n, Erkstraße 6,— Schöneberg: Wilhelm B ä u m I e r, Belzigerstr. 59, Seitenflügel pari.— .lohannlstlial-Zileder» und Ober- Schöneweide: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstraße 7, Zigarreugeschäft. Annahme- stellen: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengelchäft. Johannis- thal: Senftleben, Restaurateur.— Frledenan-Steglltse: H. B e r n s e e, Kirchftraße 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Dllppelstraße 8, und Fr. S ch e l l h a s e, Ahorn- straße 15a.— Banmschnlenweg: Nich. Ulbricht, Marienthaler- straße 18, I. Außerdem ist sämmtliche Partetliteratnr, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch Vierden Inserate für den»Vorwärts« entgegen genouimen. Um g e tt kl n e Angabe der Adresse wird dringend gebeten. Voranzeige!; Ärbeiter-Bildnngssckule. VII. Stiftungsfest am Sonnabend, 29. Jannar, abends 8 Uhr, im Böhmischen Branhanse, Landsberger Allee n/13. Prolog. Festrede. Kammermusik. Gesang. Deklamationen. Billets i 40 Pf. im Schullokal, Inselstrasse 10, den Zahlstellen, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. 6/19 Freie Volksbühne. Auf Beschluss des Vorstandes soll, zahlreichen Wünschen Ecchming tragend, eine IPIP V. Abtheilnng gegründet werden. Die Mitglieder und Freunde der Volksbühne werden gebeten, für die schleunige Füllung dieser Abtheilung zu wirken. NU»" Anmeldungen zur V. Abtheilung werden in allen Zahlstellen des Vereins gegen plinterlegung des Eintritts- feldes und eines Beitrages entgegengenommen, gegen inpfang einer vorläufigen Quittung. Die Aushändigung der Mitgliedskarte erfolgt nach der Aufnahme durch den Vorstand vor der Vorstellung. »1c erste Vorstellnng für die V. Abtheilnng findet Im Liessing- Theater statt. Sonnabend, den 1. Jannar, nachmittag« 8 Uhr: ,| g wm, ,... m �.0 D M Pdedrlob- tVilbelm- IV. Lbtketlnllg. atÄdtlsebe» Ibeater von Max Halbe, mit dem KUnstlerpcrsenal des Lesslng-Theaters. Auch die Kostüme, Dekorationen etc. sind dem Lessing- Theater entnommen. Heft IV der f, Freien Volksbühne, i, 10 Pf., ist bei den Ordnern zu haben. Die Vni. Serie der Vorstellungen beginnt am Sonntag, den 2. Jannar im Lesslng-Theater mit dem Drama Philipp Langmann s ZjzU tz«! TUraSCr unter Mitwirkung der Herren Adolph Klein, Carl Waldow, Franz Haid, Em. Stockhausen und der Damen Frl. Mllly Kraute, Jenny Gross u. s. w.— Die Vorstellungen der II., III. und IV. Abtheilung finden statt am 9., SO. Januar und am 6. Februar. Mitglieder anderer Abtheilungen können, soweit Baum vorhanden, nur einen Stehplatz erhalten. 291/3 Der Vorstand. I. A.: Gr. Winkler. UimMrein„Mhr Licht! Sonntag, den� 2. Januar, abends SV- Uhr, Alexanderstrasse 27 e: V ersammliins* n u n g: Vortrag des Genossen F: /J Tagesordnung: Vortrag des Genossen Fanl Jahn über: „Neujahrsgedanken!"- Daraus:«teseUiges Beisammensein und Tanz. Gäste willkommen.— Entree 1() Pf. Garderobe 10 Pst_ 68/2 Mo machen wir unsere Herren-Parthie n hin? 3 um alten Freund auf Pichelswerder. 4063L» Mütze, Markgrafen-Damm 16, zwischen Stralauer Allee u. Bahnhof Stralau-RummelSburg, empfiehlt sei» neu eröffnetes Weiss- und Bairlschblcr- Uoknl. «» Miirithel r. Jiidenstr. SSj3«, (An der Stralauerstrasse) I40S1L' empstehlt sein Weiss- n. Bairlsch-Blerlokal nebst gr. Vereins. zimmern f. 20— 80Perst Frühstücks-, Mittags-» Abendtisch z. solid. Preis? frm Müller's„Central-Festsäle"(«ÄU.) Alte Jakobstrasse 32, empfiehlt Stile von 100—800 Personen. Sonntag, den 9./1., 27./2., Sonnabend, den 12./3., 2«. 3. noch frei! Wsgv Pönifo Wirtlisliausa««„GlühIiehter'r', * Brandenburgstr. 54, nahe Ritterstraße, empfiehlt seine exquisiten Weine und Viere(Weiß, Bairisch, Kulmbacher, Grätzer ze.), sowie zu jeder Tageszeit kalte und warme Speisen in größter AuSwahl. ÜBT' Grosser Mittagstisch.-TBg 39548* Mlljtcttciu Vermszimier. Warb. Zahlreiche �ntlulp. Bitte versuchen Sie einmal im Barbier-Geschäft mit Preiserhöhung, Skaliherstrasse<»9 im Keller bei Fritz Tanbert. Geschäftsprinzip: Jedem Kunden frisdie Wäsche, sauberste Bedienung und anti- septische Behandlung. Preis: Rasiren 15 Pst, Haarschneiben 35 Pst Im Abonnement: Rastren 12r/z Pf., Haar- schneiden 30 Pf. Spezialität: Haar- und Vollbnrtschneiden. NB. Seit der Preiserhöhung zahle ich meinem Ge- Hilfen 40 pEt. Lohn mehr.[25506 »s»■ e b■■■ saa 8 Auf Thellzaltlung! RJ ■ Schlag-Regulat. 14 T. geh. 18 M. m B Silb. Herren-Nemont.-llhrlö„ B m Uhrmacher■ , Eharlottenstrasse Nr. 15... S Kein Abzahlnngsschwindel.*B ■1 B' B B B B B WM Dr.SIminelÄS. Spezialarzt f. Haut». Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. GtIINl>l-NNslIIIM>«»g der arbeitgebenden Mitglieder der Orts-Krankenkasse der MllslhinenbM- Arbeiter und verwandt. Gewerbe zu Berlin am Montag, den 10. Januar 1898, abends 8 bis 9 Uhr. im FrartiouSzimmer des Berliner RathhanS- Keller° RestanrantS (Eingang: I ü d e n st r a ß e.) TageS-Ordnung: Wahl von 76 Vertretern zur Ge- neral-Verlammlung pro 1898.(§ 44 des Statuts.) Die Wahlen sind geheim und finden mittels Stimmzettels statt. Um recht zahlreiches und pünktlsches Erscheine» wird gebeten. 25686 Berlin, 29. Dezember 1897. Ter Vorstand. Sans Zeystsig. H. Steinfeldt. Kraukettkasse fürh.BkWtenil.Ailgesttllttil kt Krankenkajst«, Berliss- gtliosseMastt«, sWie der Ziliialiditöts- u) Alters- BerKiherililgSllttstilttts In Berlin.(F. H. 108.) Den Herren Mitgliedern zur Kennt- niß, daß Mittwoch, d. 12. Jannar 1898, abends 8� Uhr, Skalauer- straße 5? bei M t e g e l die ordentliche Generalversammlung stattfindet. 2557b Tages-Ordnung: 1. Jahres- u. Kassenbericht pro 1897, sowieBericht der Revisoren. 2. Beschluß- fassung über das zu bestimmeude Publikntiousorgan pro 1898. 3. Wahl von vier Vorstandsiuitglieden: für die Jahre 1898-99. 4. Wahl von drei Revisoren pro 1898. 5. Innere Kassen- angelegenheiten. Der Vorstand. Berliner Damen-Wnglhor (M. d'"A.-S.-B. B. u. U.) Sangeslustige Damen wollen sich zur Aufnahme melden jeden Montag Abend 9 Uhr im Restaurant Rosen- thalerstr. 57. Erste Uebungsstunde im neuen Jahre am 3. Januar. s2546b Ich wohne nach wie vor Marburger- und Augsburgerstr.-Ecke. 2345b] Adolf Köster. Dies zur Mittheilung eines Stein- trägers, der aus dem Bau eines Meisters Paul gearbeitet hat._ Der Nadler Albert Boltz, wohnhast Langestraße 43 bei Schirm, ist trotz wiederholter Aufforderungen seinen Verpflichtungen im Verein (Billetrückstände) nicht nachgekommen. Kummr'sliitr Ctsangverei«. 2565b Der Vorstand. Uösllner Hof, «imsirch 8,'inv enrpfiehlt feinen 1000 Personen fassenden Saal mit Bühne auch Sonntags. WospeisenSie? Pomm. Küche. Oranienstr. 181, Hof pari. Mittag»,. Bier 50 Pst von 12 b. 4 Uhr. Abend- essen 30 Pst an v. Vz6b.l2Uhr. Mg« Betten gr. Stand , Oberbett,, ' Unterbett, zwei Kopfkissen niit gereinigten neuen Federn, von 12 M. an, fertige Inletts. Bettiväsche, Matratzen jeder Art, Stepp-, Schlaf-, Bettdecken und Polster- Bettstellen empst billigst das als streng reell bekannte, 1870 gegr. Spezial-Gesch. S. Follack, Oranienstr. Ol.niu Moritzplatz. Strickmaschinen aus der Dresdener Gtrickmaschliien- Fabrik sind die besten und ei» leichter Enverbszwcig f. Männer, Frauen und Posam.-Geschäfte. Erlernen leicht und gratis. Arbeit w. nachgewiesen. Ber- kauf zu Fabrikpreisen. Lager bei dem Vertreter R. Homburger, Kloster- strasse«3, Berlin. Nachmittags.« Reetz und bllitg kauft mau in der Norddeutschen Schuh- fabrik von W. Hltschke, gegründet 1872, Dkalisscrstr. 13, Ecke Admiralstraße, am Kottbuscr Thor.* Möbel in jedem Stil nnd jeder Holzart äußerst billig, auch auf Theilzahlung. Gr. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 40538" _0B"anien8tp. 73�_ Bald unmöglich I Aber doch bin ich im stände, durch billigen Gelegeiibelts-Einkauf großer Posten Wintersioksc Anzüge, reines Kammgarn, für 30 M., Paletots für 24 M., Hosen für 6 M. zu liefen«. Fertige glnzüge für UM., Paletots für 10 M., Joppen 4M., Hose» von 1,50 M. an; eigenes Fabrikat. Auch wer Stoff hat, fertige Anzüge nach Maaß, beste Znthatcn, engl. Schnitt, für 18 M. Bei Einkauf von 10 M. fertiger Sache» eine Hos« gratis. 40238»! Mantensfelstr. 32, Part. Verband der Vnchbinder ze. Den Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Buch- binder Fan! A Ilmer am 30. Dezember verstorben ist. Ehre seinen« Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, vom Traucrhause Ncn-Weiße»see, Streu- straße 127 statt. Uin zahlreiche Bc- thciligimg bittet 23/1 Der V o r st a n d. Ktax Pönitz, Wirthsliaus z. GliiSiIiciitcrl Brandenkurystr. 54, wünscht seinen Bekannten, Freunden und Parteigenossen ein Glückliches ueucs Juhr. Wünsche allen meinen Freunden u. Bekannten ein fröhliches Neujahr! Adolf Sicvert, Restaurateur, 25666 Görlitzerstr. 50._ Küttstliche Zähtte. F. Stessens, Nosenthalerstr. 61, 2 Tr. »j Theilzahlung pr. Woche 1 M. Mnei. Rk. i»nSSS gr«« Olga Jacobson 61/19* Jnvalidenstr. 145. Bruch bandagen aller Art, Leibbinden, Sprissen, Suspensorien aller Größen, Unter- lagcstosse, Verbandstoffe, sowie alle Artikel zur Rrankeupslege empfiehlt 40368* J.Ch. Pollmann, lertiS8�: 30. Limeilstrabe 30. Jf" Eigene Werkstatt.-5 25iahr. prakt. Erfahrungen. Lieferant sämmtl. Orts- u. Hilfs-Krasikenkafsen. Industrie-Eimli. Einfache lohnende Fabrikation leicht verkäuflicher tägl. Ver- brauchsartikol, auch mit geringen Mitteln ohne Fachkenntnisse möglich. Zahlreiche Anerkennungen. Kataloge gratis durch den Verlag„Der Erwerb", Altona a/Flbe. 131/9* Zu kaufen gesucht, zu guten Preisen: ältere sozio- listische Bücher und Broschüren(von Weitling, Marx, Engels, Meh- ring zc.) sowie Zeitschriften(„Sozial- dcmokrat",„Volksstaat",„Vorwärts", „Neue Zeit",„Gesellschaft" ic.) auch in einzelnen Nummern.(34351,* Berlin NW., Luisenfit. 31, Buchhandlung S. Ealvary u.<5o. Osserire feinste Tafelbutter. i Pfd. 1,10 Mk., alle Sorten«äse zu den billigsten Preisen. 3726L* W. Adrian, Jnvalidenstr. 35, Ecke Chausseeslr. Elfafferstr.««, Ecke Arttlleriestr. monatl. 10 M. und gegen baar ltefert saubere Herren- Garderobe Toinporowski, Jüdenstr. 37, I.* Vereinszimmer zu vergeben. G. Glane, Krauscnstr.18, Amt la. 5368. Kananenhähne».Weibchen verkauft Hranse, Beuffelstr. 32, l.Quergb. Dl. Buchführung besorgt zuverlässig Wilhelm Kölln jun., Schmidstr. 28, II MechmtM-WerkM, Schleifstein, 3 Haustöcke, 1 Blasebalg, Amboß, Hämmer, Meißel sowie sämmt- licher Zubehör billig zu verlausen Karl Kauffmann, Grimmstraße 29, am Urban. 12555b 8, nah« Oberbaum, ____-> Warschauerstr.und Schlesischem Bahnhof, find von sofort und 1. April 1898 freundliche Vorder- und Hofwohnnngen von 2 u. 1 Stube nebst Korndor, Küche, Kloset u. Keller oder Bode» billig zu verniiethen. Näheres beim Verwalter.[40068* k) 4064D* 2 Stuben, Küche nebst Zubehör z. vm. �Kl. frdl. möbl. Zimmer verm. billig Lehmann, Bergmannstr. 27, H. hochpt. Schön möbl. Schläfst., bill., Prinzen- straße 18 H. 3Tr. b. Keimling.[2567b Thciln. z. möbl. Zimmer ges., Pr. 14 M. mit Bedienung. Scharnitzki, Adalbertstr. 73 v. 3 Tn_ 25696 Zimmer, f. möbl., Piano, vermiethct Lindcnbcrg, Kottb. Damm6 III. 2571b Wittwe venu. frdl. Schläfst. Müuche- bergerstr. 7, Hof 1 Tr. l._ 2564b Schlafst.f.H. Ww.Meinke,Dresdcncrst.3. Schläfst, s. Hrn. Manteuffclstr. 40, Ww. Linke. 2553b Frdl. Schläfst, f. Hrn., Eing. sep. Brandenburgstr. 7, Hof r. III b. Ande. Bergolderitt für GlaSbuchstaben sof. gesncht.[3972D* kutzolptz. Thllcrstr. 3. Mamsells auf gute Staubmäntcl verlangt Brandt, Schwedtcrslr. 253. Ein Korbttiacher auf grüne Arbeit erhält dauernde Arbeit bei Kanzog, Nieder-Schön- Hausen, Buchholzerstr. 12. Ter Gesainint- Auslage der heutige» Numiner liegt ein Prospekt betr. Br. Hormann'a t-ilandiilen-Tabletten bei. «erantivortlicher Nedakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Znseratencheil verantivortlich: Th.»lorte in Berlin. Druck und«erlag von Max Badiug in Berlin. it. 1. 15. mm. 2. Ktllllljt Zuv der MktjeMtsbeleidigttNüS-Nvo-zvsse. Genosse G. L. schreibt imS: Majestälsbeleidigungs-Prozesse und kein Ende! Seitdem der Tvüger der preußischen Krone persönlich Stellung genommen hat zu dein Kampfe der Parteien in Deutschland und in kräftigen Worten seinem Mißfallen über unbequeme Bestrebungen Ausdriick zu geben liebt, wachen die Organe der Jnfliz mit verdoppeltem Eifer darüber, ob sich nicht in den Worten der Abwehr oder der Kritik, die im Volke laut werden. Keime zu Majestätsbeleidigungs-Prozcssen ent- decken lassen. So haben sich den» die Zeitungen schon vielfach genölhigt gesehen, eine sortlaufende Tageschronik der Majestäls- beleidigungs-Prozess« und ihrer Ergebnisse anzulegen. Daß ein solcher Zustand unhaltbar ist, daß er schweren Schaden dein Geineinwohl zufügt, daß irgend etwas in unsere» Institutionen verkehrt ist und dringend der Aenderung bedarf, das ist eine Ueber- zeugnng, die immer weiter um sich greift im Volke, weit über die Kreise der Sozialdemokratie oder auch nnr der bürgerliche» Opposition hinaus. In der vorigen Session, als mehrere besonders eklatante Fälle, darunter die Verurlheilung Liebknecht's wegen Majestätsbcleidigung, das Nechlsgefühl des Volkes empfindlich irilirt hatten, versuchten unsere Genosse» in» Reichstage durch einen Antrag auf Beseitigung des Majestälsbeleidigungs-ParagrapHe» aus dem Reichsstrafgesetzbuche dem Uebel der Majestäisprozcsse an die Wurzel zu gehen. Die Abneigung der anderen Oppofitionsparteien, trotz innerer Sympathie mit de» Beweggründe» der Antragsteller, etwas Ernstliches in dieser für sie heikel» Frage zu thu», führte zur Ablehnung des sozial- demokratischen Antrages. Die Debatte hatte aber doch das Er- gebuiß, daß selbst bis in die Reihen der Konservativen hinein tiefes Mißbehage» zu tage trat über die zu unablässigen Majestätsbeleidi- gniigs�Prozesse» führenden Eigenarten des Zickzack-Kurses. Nunmehr hat das Rechtsgefühl weiter Bolkskreise abermals einen empsindlichen Stoß erhallen durch die ungefähr gleichzeitig erfolgte Aernrtheilnng Stengels in Hamburg ivegen Beleidigung des Königs Leopold von Belgien und die Verwerfung der Revision im Prozeß Liebknecht durch das Reichsgericht, das damit dem dolus eventualis für Majeslätsbeleidigungs- Prozesse seine feierliche Sanktion ertheilt hat. Was über beide Fälle selbst zu sagen war im engen Rahmen der deutschen Preßfreiheit, ist gesagt worden. Es ist aber an der Zeit, zu erwägen, was für Maßregel» nunmehr unsererseits zu er- greifen sind zur Bekämpfung des Rechtszuslandes, aus dem solche Urlheile erwachsen konnten. Wodurch üben die zahlreichen Majestätsbeleidignngs> Prozesse, abgesehen von dein schweren Ungemach, das sie den Verurtheilten zuziehen, eine» so verhängnißnollen Einfluß aus unser gesaniintes öffentliches Leben ans? Dadurch, daß sie daS Recht der Kritik an bestimmten, im öffentlichen Leben einflußreich thäligcn Per- sonen bis zur Unbranchbarkeit einschränke». Diese Wirkung haben aber die Majestätsbeleidignngs- Prozesse gemein mit den B e- leidig u n gsprozessen überhaupt. Wie die Wirkung der cisteren darauf hinausläust. Lieden und Thaten der Fülsteu der öffentlichen Kritik zu entziehen, so werden durch die letzteren die Reden und Thaten der Beamten gegen die öffentliche Kritik geschützt. Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der einen Art der Prozesse und der andern besteht nicht. Nur das Strafmaß bewegt sich in auf- steigender Linie vom Urtheil zu gunsten des beleidigten Schntziiiannes angefangen, bis zum Urlheil zu gunsten des beleidigten Ministers und höher hinauf. Fürst Bismarck hat einmal diese Praxis mit dem Hinweis darauf gerechtfertigt, daß ja auch der Monarch einen besonderen Schutz gegen Beleidigungen gewähre; im Schutzmann verkörpere sich aber ein Theil der monarchischen Gewalt, auch ihm gebühre deshalb ein Abglanz jenes dem Monarchen zuerkannten Extraschutzes. In daiikenswerlher Weise hat der vierte Strafsenat des Reichs- gerichts in seinem Erkenntniß im Prozeß gegen Liebknecht eine Rechtserlänterung eingeflochleu, die klar und schön jene verhängniß- volle RechlSansfassung zu tage treten läßt, die zu den zahllosen, unser öffentliches Leben lähmenden Bcrurtheilungen wegen„Be- leidigung", sei es einer Majestäls- oder Beamlenbeleidigimg, führt. Es heißt da nämlich: .... Der Begriff der Beleidigung setzt nicht voraus, daß rohe oder beschinipfende Worte gebraucht oder die Personen, Semerkensmerthe Kegnadigunge» aus dem Jahre 18S7. Es ist für eine Zeitung unmöglich, ein vollständiges Berzeichniß der Begnadigungen zu geben. Wir geben diejenigen wieder, welche uns bekannt geworden sind und im„Vorwärts" mitgetheilt wurden. Das den einzelnen Mitlheillingen zugefügte Dalum bezeichnet die Nummer unseres Blattes, in der dieselben veröffentlicht wurden. Polizist Lorenz in Altdamm, wegen Mißhandlung eines Gefangenen zu einem Jahre Zuchthaus verurlheilt, wird, nachdem er 8 Tage seiner Strafe in Naugard abgebüßt hat, von dort ent- lassen und bald darauf zu einer Gefängnibstras« von 9 Monaten (oder 1 Jahr?) begnadigt.(17. Januar 1897.) Gerichtsassessor Max Pigulla, wegen Widerslandes gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigiing zu einer Gefängniß- strase von 4 Monaten und 3 Wochen verurlheilt, nachdem der Staats- anwalt nnr eine Geldstrafe von 399 M. deantragt und diese Milde damit begründet hatte, daß der Ausgang der Verhandlung für den Angeklagte» von außerordentlicher Tragweite fein würde, wird zu 2 Monaten Festungshaft begnadigt. Ein Berichterstatter bemerkt dazu,„daß dem gewissenhaften und äußerst begabten Beamten, der lange Zeit Vorsitzender einer Schöffenabtheilung war. nunmehr die wohlverdiente Anerkennung durch Umwandlung der entehrenden Gefängnißstrafe in die custodia honesta(— ehrenvolle Haft) zu theil geworden".(14. Januar 1897.) Polizeisergeant Ernst Greschik, im Jahre 1896 wegen Fundunterschlagung vom Amt suspendirt und später zu 14 Tagen Gefängniß verurlheilt, wird zu einer Geldstrafe von 39 M. begnadigt.(18. Februar 1897 nach„Oberschles. Tageblatt.") Der Dresdener Fleischhauer Paul Bnhr, vor längerer Zeit wegen Nahrungsmiltelversälschung zu 3 Wochen Gefängniß verurlheilt— er hatte nach Ansicht der chemischen Sachverständigen seit Jahren Knoblauchswürste aus verivefiein Fleisch sabrizirt und verkauft— wird begnadigt.(23. Februar 1897.) Maurer Ernst Eickstädt, wegen Majestätsbeleidigung zu 2 Monaten Festungshaft(!) verurlheilt. zu 2 Wochen Festungs- Haft begnadigt.(23. Februar 1397, Hauptblatt.) Gerichtsassistent Michaelis und dessen Frau, in Stargard zu 2 beziehungsweise 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, weil sie den Tod ihres schweren Brandwunden erlegenen Dienst- niädchcns Eplinler verschuldet hatten, werden zu 1 beziehungsweise 2 Wochen Festung begnadigt.(S. März 1897.) K o m in e r z i e n r a t h Falk in Nürnberg, wegen an Kindern begangener S i t t l i ch k e i t s v e r b r e ch e n zu I'/« Jahr Gefängniß vernrtheilt, wird, nachdem er noch nicht ganz die Hälfte seiner Strafe verbüßt halle, anläßlich des Geburtstages des Prinzregenten be- gnadigt.(17. März 1897.) Z u r Z e i t d e r„ Z e n t e n a r f e i e r", an welcher die viel- fach erwartete allgemeine Ainuestie ausblieb, wurde» folgende Be- gnadigungen bekannt: 1. Der Z e r e m o n i e n m e i st e r a. D. Freiherr v. Kotze, zu 3 Jahren Feftnngshast verurtheilt, weil er seinen Kollegen Freiherr» v. Schräder im Duell erschossen hatte—. (28 März 1897.) iltS Jon» W gegen die der Angriff sich richtet, direkt und ausführlich bezeichnet werden. Alles kommt auf den Sin» der Acußerung au. Enthält diese in einer für andere erkennbaren Weise eine vorsätzliche Kundgebung der Miß- acht« n g, so liegt eine strafbare Beleidigung vor, mögen auch die Worte noch so unbeslimnit gewählt sein. Umgekehrt kann gerade die wohlberechnete vorsichtige Ausdrucks- weise gegenüber dem deutlich erkennbaren beleidigenden Inhalt einer Aenßerung unter Umständen dem Richter die volle Ueber- zeugung von dem Vorhandensein des Beleidigungvorsatzes ver- schaffen." Also nicht nur durch die Form seiner Kritik, nicht nur durch das herbe Wort macht sich der Kritiker strafbar, sondern durch die Einschätzung der krilisirten Persönlichkeit, wenn diese Einschätzung als Mißachtung verslanden werden kann. Tank dein Reichsgericht für diese RechlsbeleHrnng! Ihr großer Vorzug besteht darin, daß sie etwas unzweideutig ausspricht, was wirtlich ist. Nach dieser Rechtsauffaffung wird geurlheilt i» deutscheu Landen Jahr ans, Jahr ein. In ihrer logischen Fort- bildung führt sie dazu, daß jede abfällige Kritik straibar ist, daß es nnr noch eilanbl bleibt, ein Lob auszusprechen über die Thaten und Reden der in Staat und Gesellschaft herrschenden Elemente. Entschlüpft noch hin und wieder ein Wort abfälliger Kritik der Verurtheilung, so liegt das darin, daß diese oder jene Richter noch nicht völlig durchdrungen sind von dein leiten- den Grundsatz unserer Rechtspflege in Beleidigungssachcn. Aber was nicht ist. kann noch werben. Wir sind aus dein besten Wege, mit Hilfe des dolus eventualis die Mißachtung in ihre» feinsten Ver- zweigungen aufzuspüren und zur Strafe zu bringen. Rechtsgrundsätze haben die Tendenz, sich durchzusetzen bis zu ihren äußersten Konsequenzen. Man eiwäge nnr: Mag nun jemand reden, dichten, malen, koinponiren, die soziale Frage lösen oder sich sonst bethäligen im öfsintlichen Leben,— wie ist es möglich, solche Leistungen össenllich in einem abfälligen Sinn zu kritisiren, ohne„Mißachtung" erkennen zu lassen? Ein abfälliges Urtheil ist stets der Ausdruck der Miß- a ch t u n g. Indern ich darlege, daß ich eine Handlung für niangelhast, verkehrt, unklug Halle, drücke ich Mißachtung für diese Handlung und damit für deren Urheber aus. denn die„Persönlich- keil" zeigt sich uns nur in der Gesaninitheit der Lebensbelhäligungen eines Individuums. Da das Reichsgericht ausdrücklich erklärt, daß die„n ohlbercchnete vorsichtige Ansdrncksweisc" den Beleidiger nicht exkulpirt, vielmehr gerade dein Richter unter Umständen die volle Ueberzeugung von dein Vorhandensein deS Beleidigungsvorsatzes verschafft, ist all und jedwede abfällige Kritik strafbar. Nur das Lob, das uneingeschränkte Lob ist noch straffrei. Doch hall! Auch das Lob ist nicht völlig straffrei. Das Lob kann ja ironisch gemeint sein. Ein ironisches Lob ist ein maSk>rler Tadel, ist ein besonders bösartiger Ausdruck der Mißachtung. Der geiviffenhaste deutsche Richter, dem die vorhin erwähnte Rechts- belehrung des Reichsgerichts in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird auch das Lob nicht straflos ausgehen lassen, wenn er die Ueber- zengung gewonnen hat, daß es ironisch gemeint ist. Und er wird diese Ueberzeugung stets gewinnen, sobald er gefunden hat, daß nach den Gesinnungeu des Uebelthäiers nicht ein Lob, sondern nur ein Tadel von ihm über die vermittelst der Ironie beleidigte Persönlich- keit oder ihre Handlungen zu erwarten ist. Solche Urlbeile haben wir ja auch schon gehabt. Wegen angeblich ironischer Ern ähnung einer Schutzmannsbegnadigung mußte Kauert als Majestäls- beleidiger ins Gefängniß wandern. Auch in dem Bres- lauer Prozeß gegen Liebknecht hat der Hinweis auf die ivohlbekannte Gesinnung des Angeklagten zur Erhärtung der „eventuell gewollten" Absicht der Majestälsbeleidigimg herhalten müssen. So führt das Bestreben, auch der in noch so iinanstößiger Form zum Ausdruck gebrachten Mißachtung aus den Grund zu komme», nothwendigerweise zur G e s i n n u n g s v e r f o I g u n g. Wir sehen also, daß das, was im Majeftätsbeleidignngs-Prozeffe zur völligen Veriiichlnng deS Rechts der freien Meinungsäußerung führt, etwas ist, was diese Prozesse gemein haben mit dem deutschen Be- leidigungs- Prozesse überhaupt: die Tendenz, die zum Ausdruck gebrachte Mißachtung strafsällig zu machen. Da drängt sich uns doch die Frage auf, ob die Durdssührung des in der vorigen Session von unseren Genossen im Reichslage eingebrachten Antrages auf Beseitigung des Majestätsbeleidignngs- 2. Der Gerichtsassessor Borchardt, zu 2 Jahren Festung verurlheilt. weil er den Premierlieutenant Seiden- sticker in einem anläßlich des letzten Börsen-Maskenballes entstandenen Duell erschossen hatte—.(24. März 1897.) 3. Der L a n d e s ä l l e st e und Rittergutsbesitzer von Sprenger, der im Duell seineu Schwiegersohn von Hün erb ein schwer verwundet hatte und deswegen zu 6 Monate» Festung verurtheilt war, wovon er kaum die Hälfte verbüßt halte. 4. Der Gutsbesitzer und ReservelientenantNitter. der am 29. Januar 1696 den Gerichlsassessor Wollstein im Duell durch einen Schuß in die rechte Seite verwundete, so daß dieser nach 19 Tagen starb—.(26. März 1897.) v. Der ebenfalls wegen Duell inhaslirte Lieutenant v. Gontard.(2. April 1897). 6. Der Slndirende der Landwirihschaftlichen Hochschule Moos- hake, der wegen Duell 3 Monate Festungshaft bekommen halte. Er halte in dem Zweikampfe einen Schuß in die Lunge erhallen. Auch sein unverwundeter, mit 4 Monaten Festung bestrafter Gegner toll begnadigt sein.(II. Mai 1397.) Ein Berliner B i« h k o m m i s s i o n ä r, wegen schwerer Körperverletzung, die er bei einer Schlägerei in angelrunkeneni Zu- stände begangen, zu 9 Monaten Gefängniß verurlheilt, wird zu einer Geldbuße von ö99 M. begnadigt.(24. März 1397.) Durch de» Betrngsprozeß gegen den Privatsekretär Pfahl aus Hannover wird die Begnadigung der Gebrüder D i e r s und ihres Vaters bekannt, welche wegen schwerer, voraussichtlich zu lebenslänglichem Siechthum führender Körperverletzung zu N/z Jahren Gefängniß verurtheilt worden waren. Die Begnadigung erfolgte ans Befürwortung des Justizuiinisters, obwohl die Staatsanwalt- schast aus dreimalige Aufforderung zum Bericht sich jedesmal unter Hinweis ans die besonders rohe Handlungsweise der Verurtheilten gegen eine Begnadigung ausgesprochen hatte und ob- wohl auch die von der Direktion der Hannover- scheu Strafanstalten eingeforderten Berichte u n- günstig lauteten.— Der Privatsekretär Pfahl galt gewisser- inaßen als Spezialist für Anfertigung von Gnadengesuchen und man munkelte, daß er enge Beziehungen zu hohen Beamten in Berlin habe. Ein Bruder von ihm ist Geheimer Ober- f i st a» z r a t b in Berlin. Thatsache ist, daß er auf. fallendes Glück mit seinen Begnadigungsgesuchen hatte, so daß selbst hervorragende Rechtsanwälte ihren verurtheilten Klienten den Rath gaben, sich in Begnadigungssachen an Pfahl zu wenden. Die Begnadigung der Gebrüder Diers fand selb st der Staatsanwalt in dem Prozesse frappirend. Pfahl halte sich, für den Fall der Begnadigung, von den Diers eine Summe von l6S9 M. als Reniuneration ausgemacht. Dies war der Ausgangs- puukt deS Prozesses gewesen. In demselben verweigerte der Bruder Pfahl's wegen des nahen verwandt- schafllichen Verhältnisses jede Aussage... Der Gerichtshof sprach Pfahl frei, da er in der Haudlungs- weise desselben gegenüber den Begnadigten nichts B e- trügerisches fand. Die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht aus demselben Grunde verworfen.— In ver Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 39. März versucht« Somdelld, 1. Ion»»: 1898. Paragraphen, de» zunächst unwahrscheinlichen Fall der Zustimmung auch des Bundesralhes vorausgesetzt, den jetzigen an die Delatoren- epoche im römischen Kaiserreiche gemahnenden beklagenswerthen Zu- stände in Deutschland ein Ende zu macheu, oder ob der Antrag zur Erreichung dieses Zieles weiter ausgedehnt werden muß. Der sozialdemokratische Antrag zielte auf Aufhebung derjenigen Paragraphen des Reichs Strafgesetzbuchs hin, die den regierenden Fürsten in Deutschland, deren Familienangehörige» und de» Gegenseitigkeit zusichernden ausländischen Fürsten besondere Vorrechte in bezug auf Verfolgung ihrer sogenannte» Beleidiger, also in den meisten Fällen der nugenirteren Kritiker ihrer Handlungen zusichern. Nach Durchführung des Antrages würden also die er- wähnten Persönlichkeiten rechtlich gleichgestellt sein mit Privat- Personen hinsichtlich der Verfolgung ihnen angethancr Beleidigungen. Der Unterschied zwischen dem durch den Antrag angestrebten und dein jetzigen Zustande wäre also der, daß künftig wegen Beleidigung eines Fürsten oder Prinzen nicht pflichtgemäß von den Staatsanwallschaflen Anklage erhoben werde» müßte, sobald sie eine Beleidigung in irgend einer Uuterlhauenäußerung zu erkennen glauben, sondern erst dann, wenn der angeblich Beleidigte selbst den Slrafantrag gestellt hat. Ein anderer Unterschied ist der, daß die Strafabmessung sich innerhalb der für Beleidigungen von Privat- persouen festgesetzle» Grenzen zu bewegen hat. Die Beleidigung des Landesherrn würde also nicht mehr wie jetzt mit einem Höchstmaß von ö Jahren Geiängniß bestraft werden können, sondern könnte bei einfacher Beleidigung nidjt mehr als 1 Jahr eintragen. Nur bei Beleidigung durch Behauptung nnerweiSbarer Thatsachen und bei Verleumdung könnle das Urlheil darüber hinausgehen. Beide Aendernngeu sind zweifellos bedeutsam genug. Dennoch muß man bei näherer Ueberlegung zu der Ansicht kommen, daß ihre Durchführung die Verurtheiluugeu wegen Fürsteubeleidigung nicht erheblich an Zahl verringern, au Härte absd>wächen würde. Wahrscheinlich ist nur, daß die Gerichte sich nicht mehr mit der Strafverfolgung von Personen zu beschästigen haben würden, die in der Trunkenheit irgend ein Kraftwort über gekrönte Häupter von sich gegeben haben, oder mit der ülburlheilung von anstößigen Aeußerungen, die durch eine Deniiiiziation aus Privatrache erst an die Oeffentlichkeit gc« bracht werden. Aber wird auch die nämliche Einschränkung er- folgen in politischen Prozessen? Wenn einem Redner oder Schrift- steller bei Kritik der Rede» und Thaten eines Fürsten eine Wendung entschlüpft ist, die als„Beleidigung" gedeutet werden kann? Sollte da nicht im sogeuannten Staaisiuteresse nach einiger Zeit sich die frühere Praxis der Strafverfolgung von Majestätsbeleidigungen ungeschmälert wieder Bahn brechen? Es mag da an ein Beispiel erinnert werden, daS sicher nach dem Urlheil aller Patrioten einem Fürsten nnr zur Ehre gereicht. Fürst Bismarck genoß als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident nicht der besonderen Vergünstigung, die Kronen- tiägeru und Prinzen aus regierenden Häusern in Deutschland zu theil wird, daß die Staatsanwaltschaften unansgeforderl wegen der ihnen avgethanen Beleidigungen Anklage zu erheben haben. Trotzdem regneten während seiner Amtsführung nur so die Strafanträge wegen Bismarck-Beleidignng. Der Reicksskanzler hatte sich gleich ge- druckte Formulare herstellen lassen, von denen er au die dreitausend als Slrasautiäge gegen seine Kritiker in die Welt hinausgehen ließ, meist mit schönem Erfolg. Das geschah, weil der leitende Staatsmann derartige Maß- regeln zum Schutze seines Ansehens„im Etaatsinterefle" für noth- iveudig hielt. Liegt der Gedanke so fern, daß die amtirenden und soussliron- den Staatsmänner in Deutschland, in deren Kreisen doch durch- gängig die gleichen Ansichten über die Nothwendigkeit von Straf- Verfolgungen wegen Beleidigung„hoher, höherer und höchster Per- soueu" im Staatsinteresse gang und gäbe sind, es verstehen werden, regierenden Fürsten die Rathsamkeit einer ähnlichen Praxis klar zn machen, wie sie Fürst Bismarck in der Zeit seiner Machtvollkommenheit befolgt hat? Strasanträge, mit solch gewichtigen Unterschristen versehen, würden aber auf die Richter, die ja schließlich auch nur Menschen, und noch dazu deutsche Untcrthanen sind, einen noch weit stärkeren Eindruck machen, als Anklagen, die von den Staatsanwällen ans eigener Machtvollkommenheit erhoben werden. Verringere sich dann also auch die Zahl der Anklagen wegen Fürsten- beleidiguug etwas, so würde doch von den erhobenen Anklagen der Justizminister das Zustandekommen der Begnadigung zn recht- fertigen, in einer Weise, die wohl nur sehr leicht zufriedenzustellenden Gemntheru genügte.(39. und 31. März. 3. April nnd 7. Juli 1397) Polizeisergeant August Lüdtke aus Nakel, wegen allerlei Durchstechereien zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt und aus dem Dienst entlassen, wird zu 399 M. Geldstrafe begnadigt und in Rakel wieder als Polizeisergeant augestellt. (7. April 1897.) Gemeindevorsteher Valentin Seknlla, wegen Erpressung eines Geständnisses unter Anwendung von Gewalts- maßregeln zu 1 Jahr Zuchthans verurtheilt, wird zn einem Monat Festungshaft begnadigt. Er hatte ans dein Amtsburean einen des Diebstahls verdächtigen Schuhmacher dadurch zum Geständnisse zu bringen gewußt, daß er ihm unter anderem kleine Holz- stücke gewaltsam unter die Fingernägel trieb. Diese von ungeheurer Rohheit zeugende Folterung erregle seinerzeit überall Aufsehen nnd gerechte Entrüstung. Die von ihm eingelegte Revision war vom Reichsgericht verworfen worden.(Ib. April 1897.) Referendar Ern st Notberg aus Berleburg, am 6. März 1896 zu 2 Jahren Festung verurtheilt. weil er den Kauf- mann Lehnkeriug im Duell erschossen hatte, wird, nachdem er im Oktober 1896 nach sechsmonallicher Hast begnadigt worden, wieder in den Justizdienst aufgenommen.(2S. April 1397.) A m t s w a ch t m e i st e r K o r u m a n n in Mittweida, wegen Sittlichkeits- Vergehen an Gefangenen zu 2 ll1 Jahren Zuchthaus verurtheilt, welche Strafe aber im Gnaden- wege in Gefängniß umgewandelt wurde, wird nach Verbüßuug vo». N/s Jahren ganz begnadigt.(„Berl. Abendpost", 27. April 1897.) Begnadigung des Gendarmen Schmidt(„Eäbel-Schmidt") auS Rixdors. Die Schutzleute Wirths nnd LeverkuS, wegen Miß- Handlung zu zwei Monaten Gefängniß vernrtheilt, werden zu 69 M. und den Kosten begnadigt.(23. Juli 1397.) Das von der Zuchthaus- Verwaltung in Werden für den im Essener Meineidsprozeß nach der allgemeinen Meinung unschuldig verurtheilten Bergmau» Ludwig Schröder. natürlich ohne dessen Zulhun, eingereichte Begnadigungsgesuch wird verworfen. Mehrere schwere im selben Zuchthause inhafttrle Verbrecher werden begnadigt. (Meldung mehrerer Blätter. 26. Sept. 1897.) Rechtsanwalt Steiner, wegen Unterschlagung anvertrauter Gelder zu einer Gefäiignißstrafe verurlheilt. wird begnadigt und sofort aus dem Schweidnitzer Gerich tsgefängniß, wo er seine Strafe verbüßte, entlassen.(17 Oklbr. 1397.) Dr. med. A i ß und Referendar Dr. Z i e NI s s e n wegen Zwei- kämpf es zu vierinonailicher Festungshaft verurtheilt. werden zwei Monate vor Ablauf ihrer Strafe begnadigt.(24. Oktbr. med 2. Novbr. 1897.) Mehrere Bonner Korpsstudenten, wegen Zwi4. kämpf es zu drei Monaten Festungshaft verurtheilt, werden zu drei Tagen Festungshast begnadigt.(„Berl. Abendpost", 21. No- veniber 1897.) Die Notiz darüber macht znr selben Zeit die Runde durch die Blätter, wie die. Verfügung des Justizministers an die Staats- anivälte behufs st r e n g e r e r Bestrafung vo» Duell- vergehen. ein geringerer Prozentsatz noch als bisher zu Freisprechungen führen. Geht man von de» jetzt in Liegierungßkreisen herrschenden An- schauungen aus, so würde also an eine nenncnswerthe Verringerung der politische» Majcstätsbeleidignngs-Prozesse auch nach Durch« fnhrnng des sozialdeniokralischcn Antrages nicht zu denken sein. Ebensowenig Hoffnung durfte man sich aus eine Abschwächung der Strafen wegen Fnrstenbeleidignng machen. Bei Majestntsbeleidigunge» hat es sich bisher fast durchgängig nur um die sogenannten einfache» oder formalen Beleidigungen ge- handelt, die, wen» Privatpersonen als Beleidigte im Spiel gewesen wäre», nach§ 185 des Neichs-Strafgesetzbnchs nur mit dem Höchst- maß von einem Jahr Gefängniß hätten bestraft werden können. Iii politischen Majestätsbeleidignngs-Prozessen ist das Urtheil bisher über dieses fiir formale Beleidigung von Privatpersonen festgesetzte Höchstmaß so wie so nur selten oder gar nicht hinauSgeaangen. Andererseits führten aber innerhalb dieser Grenze die Verurlheilungen wegen Majestätsbeleidignng stets zu weit höheren Strafmaßen als bei gleichartigen Vergehen gegen Privatpersonen. Hätten nun nach Aufhebung der besonderen Majestätsbelcidignngsparagraphen die Gerichte nach Maßgabe der ßZ 185— 200 des Reichs-Strafgesetz- biichS gegen die wegen Beleidigung von regierenden Fürsten und Prinzen in Deutschland Angeklagten zu erkennen, so bindert sie kein äußerer Umstand, genau die nämlichen Strafmaße wie bisher zur Anwendung kommen zu lassen. Innere Grunde, die zur Aenderung der Straspraxis führen könnten, sind für sie aber erst recht nicht vorhanden. Den preußisch-deutschen Richtern ist das von Herrn Schön- sledt als Rechtsgrnndsah proklamirte römische Komödienvers:„Wenn zwei dasselbe lhun, ist es nicht dasselbe", längst in Fleisch und Blut übergegangen, so daß sich aus ihrer Praxis mit dem nämlichen Recht als Gegenstück dazu auch der Rcchlsgrnndsatz entnehmen läßt: „Wenn zweien dieselbe Beleidigung angethan wird, ist es nicht dasselbe." So wenig die Aufhebung der MajestätsbclcidignngS-Paragraphen die Ehre gewöhnlicher Zivilisten in den Augen deutscher Richter gleichstellen würde mit der Ehre eines Gendarmen, Schutzmanns oder Landraths, so wenig ist daran zu denken, daß sie dann den Beleidiger eines Fürsten mit dem nämlichen Maße messe» würden, das sie dem Beleidiger eines nichtbeamteten Unterlhanen gegenüber anzulegen gewohnt sind. Wer das für möglich hielte, würde eine recht inangelhaste Psychologie verrathen. Die Regungen deutscher Beamlenscclen müßten ihm vöstig fremd geblieben sein. Also, de» unwahrscheinlichen Fall einmal vorausgesetzt, daß Reichstag und Bundesralh dem sozialdemokratischen Antrage aus Aushebung des Majestätsbeleidigiiugs- Paragraphen zustimmen würden, so spricht doch die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es in der Praxis, wo es sich um die Verfolgung der im politischen Leben vor- gekommenen sogenannten Beleidigungen von Fürsten oder Prinzen handelt, ganz beim alten bleiben würde. Deshalb genügte der Antrag unserer Partei in der voriges Jahr gewählten Form zur Beseitigung des Nebels nicht. Wir müssen daher suchen es tiefer an der Wurzel zu fassen. DaS Kali-Syndikat. Man schreibt unS: In Nr. 203 schildert der„Vorwärts" die Verhandlungen der Gewerkschaft Hcdwigsburg mit dem Kali-Syndikat und schließt mit der Bemerkung:„somit scheint die Verlängerung des Syndikats auf keine weiteren Schwierigkeiten zu stoßen." Das ist in dieser Form nicht ganz richtig. Das gegenwärtige„Verkanfs-Syndikat der Kaliwerke zu Lcopoldshall- Slaßfnrt" besteht auf grund eines Vertrages, der bis zum LI. De- zembcr 1808 läuft. Ob die genannte Gewerkschaft jetzt oder später dem Syndikat beitritt oder fernbleibt, ist für das Weiterbestehen resp. die Erneuerung des Syndikats von recht geringer Bedeutung. Bon großer Wichtigkeit dagegen ist die Stellung des preußischen Fiskus, eines der Hauptbethciligten am Syndikat, zu einer Ber- längerung desselben über 1808 hinaus. Schon bei Berathung des„Gesetzentwurfs betr. Verstaatlichung der Aussuchung und Gewinnung der Kali- und Magnesiasalze" im preußischen Abgeordnetenhause, der Anfang 1804 mit nur 5 Slimmen Majorität abgelehnt wurde und nach dem offenen Geständniß des Ministers v. Berlepsch den einzigen Zweck hatte, den Agrariern den dauernde» Bezug billiger Kalisalze zu sichern, wurde von agrarischer Seite verlangt, der preußische Staat solle auf eine Neubildung des Syndikats nicht ein« gehen. Wenn wir nicht irren, gab damals Herr Berlepsch das Versprechen, dem agrarischen Wunsche nachznkoinmen; doch bezweifeln wir, daß sich sein Nachfolger, Herr von Brefeld, bewogen fühlen wird, dies Versprechen einzulösen. Jedenfalls würde es mit den flatilichen Einnahmen, die der preußische Staat a»? seinen Salzbergwerken zieht, sofort vorbei sein, wenn er sich nicht weiter am Syndikat betheiligt. Denn dann hat es nicht mehr das von den Agrariern ziemlich unabhängige. Syndikat in der Hand, die Preise der Kalifalze festzustellen, sondern soweit die Produktion der flskalischen Werke in Bctra6,t kommt, das von den Agrariern beeinflußte Ministerium. Wir dürfe» erwarte», daß die Agrarier im kommenden Jahre alles daran setzen werde», das Syndikat zu sprengen. Die VerHand- lungen, die bisher betreffs Erncnerung des Syndikats zwischen dem Fiskus und den anderen Syndikalsinitgliedern stattgesunden haben. habe» sich zerschlagen und ist die Frage, ob das Syndikat verlängert wird, vorläufig noch i» Dunkel gehüllt. Etwas Licht darüber wird zedeufalls die Berathung des Etats der Berg-, Hütten- und Ealinen-Vcrwaltung in der kommeude» Session des preußischen Landtages verbreiten. Für die Arbeite» der Salzbergwerke und Kalifabriken gilt es. die Augen offen zu hallen. Eine etwaige Nichternenerung des Syndikats und dadurch eintretende freie Konkurrenz in der Kali- Industrie wird zur Folge haben, daß die gegenwärtige stabile und einigermaßen gesicherte Lage dieser Arbeiter wieder NN- sicherer wird und sie in ihren Erwerbsverhältnissen verschlechert werden. Das einzige Mittel, dieses zu verhüten, wäre eine starke Orgaui« salio» dieser Arbeiter. Auch die sicher bald eintretende rvirlhschaftliche Krlsis legt eS den Arbeitern nahe, sich zu rechter Zeit eine genügend starke Organisation zu schaffen; denn wenn bei einer solche» die Geschäfte der Kali-Judusirie schlechter gehen, werde» die Nuter- nehmer natürlich versuchen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiter zu verschlechtern. Die zur Zeit geradezu horrenden Ge- wiuue, die aus der Kali-Jndustrie gezogen werde», gestalten es den Nnlernehmcrn, nicht nur zur Zeit eines schlechteren Geschäftsganges die Lage der Berg- und Fabrikarbeiter ans dein jetzige» Stand zn erhalten, fondern auch»ochVerb-fferungcn cinznsnhren. Freiwillig werden sie sich allerdings dazu nicht verstehen; sie niüsken dazu gezwungen werden und das kann»nr geschehen durch eine kräftige Organisation. Von dieser Erkenntniß ausgehend haben die Staßsurter Berg- und Fabrikarbeiter am 10. d. M. eine Konferenz veranstaltet, die eine Agitalionskominission wählte für alle in de» Salz- bergwerken, Kalifabriken und Braunkohlen- Grube» des Magde- burg-Harzer Beckens befchäfligten Berg-»nd Fabrikarbeiler. Deren Ausgabe wird es sein, eine eneigische Agitation zu entfalten, zwecks Anschluß dieser Arbeiter an den„Deutsche» Berg- und Hüttenarbeiter. Verband", dessen Milgliederzahl in den letzten Jahren im Gebiet der Salzindnstrie sehr zurückgegangen ist. Hoffe» wir, daß die in neuerer Zeit sich bemerkbar machende Regung niitcr dieser Arbeiter- kategorie z» tiner starken Organisation derselbe» führen wird. Soziale Mechtspflege. Eil« seltencrs Vergleich kam vor der Kammer VI des Ge- werbeaerichlS zu sinnde. Der Hausdiener R., der 18 Jahre bei der Firma Gebrüder Merx beschäftigt war, klagte gegen diese nril dem Antrage, sie zur Zahlung von 116.03 M. zu ver- urthcile». Nach kurzer Verhandlung kam es zu einein Vergleich ans 56 M., zahlbar zu Weihnachten. Gleich darauf erklärte sich der Beklagte bereit, die genannte Summe sofort zu zahlen und dem Kläger noch 60 M. am ersten Pfingstseiertage zu geben, wenn er sich dahin der Firma in keiner Weise hinderlich in den Die Altersrente war dem Ofenputzer Liebenau aus ver- fchiedenen Gründen verweigert worden. Das Schiedsgericht er- kannte ebenfalls zu seinen Ungunsten. Unter anderem erkannte es nicht an, daß er ei» versicherungspflichtiger Lohn- a r b e i t e r sei. Der Kläger habe Oese» geputzt und sie erfordcr- lichen Falles reparirt, außerdem habe er Maurerarbeiten gemacht. Zwischen diesen und den erstgeiianiiten Arbeiten sei zu unterscheiden. Das Ofeuputzen sei nicht versicherungspflichtig gewesen, denn es sei oft an einem Tage für mehrere Auftraggeber derart vorgenonime» worden, daß Kläger z» dem einzelnen Arbeitgeber nur für wenige Stunden in ein nach Art und Zeit ge- »au abgegrenztes E r w e r b s verhältniß, nicht aber in ein eigent- liches Lohnarbeiter-Vertzältniß getreten fei. Insoweit sei er also ein selbständiger gewerblicher Unternehmer gewesen. Das- felbe treffe ans die mit dem Ofenputzen verbundenen Reparaturen zu. Das Reichs- Versicherungsaint als Rcvisionsinstanz erklärte diesen Standpunkt des Schiedsgerichts für verfehlt und führte mit beziig hierauf aus: Die gesammte Thälig- keit des Klägers sei als einheitliche inS Auge zu fassen. Freilich sei das Putzen der Oefen, selbst in der vom Kläger betriebenen Art, nicht ohne weiteres als Bauarbeit im eigentlichen Sinne anzusehen. Allein es siehe im vorliegenden Falle in so enger Wechselbeziehung zn der sonstigen, zweifellos als Bau- arbeit zu bezeichnenden Tbätiakeit des Klägers, und habe sich unter so wesentlich gleichen Arbeitsbedingungen vollzogen, daß sich eine verschiedene Behandlung weurgstens für die Frage der VersicherungSpflicht nicht rechlsertigen lasse. Der Kläger sei als versicherungspflichtiger Lohnarbeiter zu be- trachten. Dem vom Schiedsgericht in dieser Beziehung geltend gemachten Bedenken könne kein ausschlaggebendes Gewicht znge- sprachen werden. Eine kurze Daner der einzelimi Arbeiten und rascher Wechsel der Auftraggeber sei gerade ei» bezeichnendes Merkmal der geringen Erwerbsthäligkeit jener Bauarbeiter, die regelmäßig nicht für gewerbsmäßige Unternehmer, sondern für B a u h e r r e n ar- bciletcn, und denen das Rcichs-Versicherungsamt die Versichernngs- pflichtigkcit zugesprochen babe. Das Schiedsgericht habe sich also im Rechtsirrthni» befmidcn, dennoch müsse sein Urtheil anfrccht erhalten werden, rveil nicht die nach Z 157 des Gesetzes vom 3. Jnni 1891 erforderlichen Beiträge geleistet seien. Indessen könne Kläger»och die Wartezeit durch Nachbringe» der Pflichlmarken für die Zeiten seiner versichernngspflichligen Thätigkeit erfüllen. Fiir Hauögctverbctreibende und Heimarbeiter ist eine Eni- scheidrmg von Interesse, die daS Reichs-Versicherungsaint in einer Jnvalidcnrentensache gefällt hat. Dem Zimmennann Tausch z» Neu-Sackisch wnrde die Jnvalidenrcnie mit der Begründung verweigert, daß ihm nicht als versicherungspflichtige Wariezeit d i e Zeit angerechnet werden könne, während welcher er im Winter für seine Frau gespult habe, und daß somit die Wartezeit nicht von ihm erfüllt worden sei. Tausch legte Berufung ein und machte gellend, jene Zeit sei ihm doch bei der Bemessung der gesetzlichen Wartezeit anzurechnen, da er seiner Frau bei einer versicherungspflichtigen Thätigkeit, die sie für«inen Fa« b r i k a n t e n zu Hause ausführte, geholfen habe. Das Schreds- gericht billigte ihm dann nnch die Invalidenrente zu. Es ging von der Annahme a»S, daß das Nichtbestehen eines versich erring S- Pflichtige» Arbeitsverhältnisses zwischen Eheleuten ohne weiteres ein gesondertes hausgewerbliches Beschäftignngsverhällniß eines jeden der beiden Ehegatten zu dem Unternehmer, dem dasErgebniß ihrerArbcitsleislunge» zu gute konrine, zurFolg« habe. A»f die Revision der bclheiliglen Versichernrigsanstalt hob das Reichs- Verflchernngsamt die Entschcidnng des Schiedsgerichts wieder ans »nd wies den Anspruch des Klägers als unbegründet ab. Das Revisioirsgericht führle begründend unter anderem folgendes aus: ..Die Ansicht des Schiedsgerichts ist rechtsirrlbrunlich. Nach dem Bundesraihsbcschluß vom 1. März 1804 können Hansgewerbetreibende sowohl versicheruugspsiichlige als nichlversichernngspflichlige Hilfspersonen beschnfligen. Zn den letzteren sind aber auch solche Personen zu zählen, die nicht auf grnnd eines Arbeilsverirages, sonder» aus vcrivandlschasllichen Rücksichien Hilfe leisten, wie dies namentlich unter de» Gliedern derselben Familie nicht selten der Fall ist. Es würde zn einer Ausdehnung des Versichnungszivanges über den Nahmen des Gesetzes hinaus führen, wenn man diese Personen, die lediglich insolge ihres familienrechilichen Verhältnisses zu dem vom Fabrikanten beschäftigten Hansgewcrbetreibende» aus dessen Arbeitsverdienst Nutzen ziehen, slals hausgewerbliche Arbeiter des Fabrikanten ansehen und versicher» wollte. Der Kläger ist hier als hinsichtlich seiner winterliche» Spnlarbeiten als n i ch t versicherungspflichtige Hilfsperson einer Hausgewerbetreibenden, seiner Ehefrau anzusehen, da er zu ihrem Auftraggeber in kein unmittelbares Verhältniß ge- treten ist." Mit der NestitiitsonSNagc focht die Tiesban-BernfSgenossen- schast ei» Urlhcil des ReichS-BersicherungSamteS a». daS am 7. Oktober 1806 in der Unfallsache der Hinterbliebenen des Arbeiters Gracyalny gefällt worden war. Der Sachverhalt ist folgender: Aus dein Gnle Charbin des Rittergutsbesitzers v. Amro- gorvicz wurden im. Herbst 1802 unter Mitwirkung des Drain- leckinikers Pieck, eines Mitgliedes der Tiefbau- Berufs- genossenschaft. Drainage> Arbeiten vorgenommen, um ans de» Wänden des Wohnhauses dte Feuchtigkeit zu entfernen. Der bei diese» Arbeiten mit verwendete Arbeiter Gracyalny wurde durch eine einstürzende Giebetrvand verschüttet»nd gelödtcl. Die Ursache des Unglücks war die nnsachgemäße Anlegung eines DrainagegrabenS. Der Anspruch der Hiulerbliebeueu des G. a»f eine Unfallreute rief eine» Streit darüber hervor, ob die Tiefbau- Berussgenosseuschaft oder ob die landwirthschasiliche BerufSgeiiosscu- schast die Entschädigung zu leiste» habe. Das Reichs-Versicherungs- aint verurthcilte dann am 7. Oktober 1606 endgiltig die Tiefbau-Berufsgenosseuschaft. Da sich die sämmtlich unter ihrem Eide vernoininenen Zeugen widersprachen, glaubte das Rekurs- gericht keinen Anlaß zu haben, der Auffassung entgegenzutreten, von der das Gnesener Landgericht in einer Strafsache gegen den Techniker Pieck aiiSgcgnnge» war und die das Reichsgericht durch Bestätigung des Urtheils gutgeheißen hatte. Die Strafgerichte hatten für festgestellt erachtet, daß Pieck der verantrvorlliche Unternehmer der Arbeit gewesen sei, und hatten ihn ans grnnd des ß 222 des SIrafgesehbnches zn einem Monat Gefängniß vernrtheilt. Indem das Neichs-Versichernngsaint nun, sich dieser Auffassung anschließend, ebenfalls den bei der Tiesbau-Berussgeiioffenschafl versicherten Tech- nikcr und nicht den Gutsbelltzer als den Unternehmer betrachtete, mußte es zur Verurlheilnng der Tiesbau-BerufZgenossenschast kommen. Ihre Restitutionsklage hiergegen stützt« nun die Tiefbau-Berufsgenosscu- schast ans ein Urtheil deS Ober-Landesgcrichts in Posen vom 23. April 1806, wodurch der Rittergutsbesitzer v. Amrogorviez mit dem gegen Pieck ans Anlaß des Bauunfalles.erhobenen Entschädigungsanspruch abgewiesen worden ist. Sie machte geltend. es sei Z 543 Ziffer 7b der Zivilprozeß Ordnung anzuwenden, wo- nach die Restitutionsklage zulässtg sei. wen» die Partei eine Urkunde aussinde, oder sie zu benutzen in den S!a»d gesetzt werde, die ein ihr günstiges Urlheil herbeigeführt haben würde. Von dem Urtheil des Obcr-Landesgerichts Posen habe sie erst am 5. Dezember 1896, also»ach dem Urtheil des Reichs- Versicher», igSamleS Kenntniß erhalten. Hätte sie es schon vorher gekannt und sich gegenüber dem RcichS-VerstchenmgSamt darauf be- rufen können, dann wäre dessen Entscheidung sicher anders aus- gefallen, denn das Ober-Landesgericht stelle im Gegensatz zum Straf- richter fest, daß Pieck nicht der Unternehmer gewesen sei.— Das 9ieichs-Versicheru»gSa»it wie? die Restitutionsklage ab »nd führte u. a. ans: Seien a»ich die sonstigen formalen Be- dingungen einer Restitutionsklage hier erfüllt, so fehle doch eine wesentlich« Voraussetzung für die Zuläsfigkeit der RestitntionS- klage, nämlich die rm 8 545 der Zivil- Prozeßordnung angeführte, daß die Partei ohne ihr Verschulden außer stände gewesen sei, de» RestilutionSgrund in dem früheren Verfahren geltend zu machen. Das Ober-LandeSgericht habe vor dem Urtheil des Reichs- VersichernngSainteS von der Berufsgenoffenschast ihre Akten ein- gefordert, um sie für die Entscheidung jenes Zivil Prozesses zu verwerthen. Bon dem Zivilverfahren habe also die Berufsgenossen Weif zu treten. Ter Kläger ging natürlich aus den Vorschlag ein. � schast dmnals schon Kenntniß gehabt, sie hätte sich deshalb bemühen müssen, daS Urtheil deS Ober-LandeSgerichtS rechtzeitig zn erfahren, zumal es ihr von vornherein klar gewesen sein müsse, daß das Reichs-Veisicherungsamt auf daS Urtheil deS StrasrichterL Werth legen würde. Demnach liege unzweifelhaft ein V e r s ch u l d e n der Bcrussgcnossenschast vor. Krrlt»«» Zlr>>«lt»r»»rtr»t»r- U«r»t» tagt leb«» DlenNaz nack! dem eilten Im Main» bei BuSke.«renadierstr. 33, abendi»lj Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt: ZIN ziolden K-rll»»: Für Unfall-, JnvaNdttitts- und AllerS-Berslcherung, abends von 7—» Uhr: A. D a e h n e. Temmlnerlir. ss. v. 3 Tr.». s u t h e t t, WIescnftr. es». von s— 9 Uhr abend«. F. P l e f ch e l, Eartenllr. SS, v. 3 Tr. ffi.® i 111 a 11 0 1« S 1 i, Sarlenlir. 78, Portal 3, s Tr. M. S t u d l m a» n. Oderberger- piaße 37, tTr., von e- s Uhr abends. N.To IN III, HuIfUenkir 3, von 8—0 Uhr abends. A.Solg», Wiesenslr.«l-es.«. W a r n fl,«oldergerstr. 7, von»- 7 Uhr abends.— Nur fnr JnvalldllülS- und Altersversicherung: F.« l u I»-, Elrelttz-rslr. es. P. R e l i» a n n, Bellennannflr. 8». F. Trapp, Schultzr. ss, von 7—8 Uhr abevdS. W. Mohs. Swlnemünderstr. 64 svorn Unter Aufgang). — Nur für Unfallverstchennig: I. Krause, iSarienstr. is. Ken vftc,,! Nur fiir LnvaUdllätS- und Aliersversicherung: S.Bader ®r.»ranNui isrslr. 34, o. 4 Tr. frn Kiid.«ste»! giir Unsall-, JnvalldittllS- und Altersversicherung! T ch a l I h 0 s s. MlchaeMrchNr. 18. Km Süd«»«: Für Unsall-, JnvaltdtlSIS- und Altersversicherung: F. S t a g« r- mater, Srtmmstrabe ss.— Nur für Jnvallditätt- und AUerSverllcherung. P. N eller, Rlidors, Panlerftr. 68, Hos part. frn Seid zveftrn: Nur sür Unsallverslcherueig 4 9. HInel, Tolinttlr. 4t >n Kord Av-Nr»! Nur sür Nnsallverflcherung: I«raus«, WilSnacker slraße IS. R. Slsphan, Lessingstr. 34. Ken Zentre»». Nur sür Unfallverslcherung: 8. Lö ssler, Klosterftr.»!, fflet samentlichen vorgenannten Personen, des denen hier seine Sprechzeit an- geg ctieii, ist dieselbe Wochentags von 7— g Uhr. Besuchszeit verfchkebener Museen und sonstiger TehenSwürdigkeite». Altes und Neues Museum am Lustgarten. Besuchszeit tSzlich,»>!l Ausnahme de« Montags in den 6 Wtntermonaten von 10— 3 Uhr, in de,, s Comincrmonaieii von s— 8 Uhr; Sonntags im April— Sepiemdsr>3 diS 6 Uhr, Ollober und März 13-6 Ndr, November und Februar is— 4 Uhr, Tezember und Januar>3—8 Uhr sUnentgeltlich).— Tie National- gälte ri e in der MuieumSsirabe. Besuchszeit Wochentags vo» lo— 8 Uhr lMontag« auSg enomme»). Sonntags im April— September von 13 dt« 6 Uhr, im D.ärz»nd Oltober 13—6 Uhr, Februar»nd November 13-4 Uhr, Lannar und Tezewder 13—3 Uhr sNnenIgelllich).— Nun st gewerde- Museum, Prinz Albrechlstr. 7.«keössnet an den Wochentagen sMontag« ausgenommen) tu, Sommer von s— 3 Uhr, im Wmter vo» 10— U Uhr, Sonntag«, April— Sepiembcr von 13— s Uhr, Oltober und März 13-s Uhr, November und Februar>2—4 Uhr, Dezember und Januar iz— 3 Uhr(Uns» t- geltlich).... Museum sür Bölterkunde.«döniigräzerstr. 130. Besuchs- zeit wie m Knnstgewerde-Mnsenm(Unentgeltlich).— H>> g t e n 0- M» l e u»1. Klofurflr 56. BcluchSzeit SonniagS wie im Kunstgeiverde-Museum.«über- dem TiensiagS undFreuagS vo» is— 3 Uhr(Unsnigelllich).— Musenm sür Na tu rl unde, Jnvaiidenflr. 43 Besuchszeit Sonntag« wie im»unslgewerbs- Museum. Außerdem Monlag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von u-3UHr. — Museum für deutsche BollSirachlen und Erzeugutsss de« H a u S g« wer b eS, Nlosterstr. 36. Jeden Tag mit Ausnahme d-S Mittwochs von 11-3 Uhr gevstner. ittnIrillSgeld: Erwachsene 60 Pf., Kinder 25 Pf., Bercine Sonntags 10 Pf.— R e t ch s p 0 st- Mu se um, Leipztgerstr. l«. ijic- öffnet To,»iagS 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstags, Fr.'itagS vo» Ii— 3 Uhr(Unentgeltlich).— Ra th hau«,«Snizstraie. fflcöiTnei läglich ander Donnerstag und Freitag von 11— 8 Uhr. iUnentgsillich). A u S st ch l S 1 h u rm im Commer-Haidjahr(HUniriitSpieis 30 Pf.).— Kunstausstellung des B e r ein S Berliner Künstler, Wuhclmstr. 92. Sonntags 11-3 Uhr, Wochenlagi il> bis 4 Uhr. 66 Pfennig Enirsi.— Stern warle, Enete- platz ea. Mtliwochi und Sonnabends von» bis 11 Uhr Bormtllags.— Uran t a, WissenschasiUches Thealer. Siermvarie. Jnvalidennrape 67—63 und Taubenstr. 49/49. Geostnet vo» 6 Uhr Nachmuiags bi« lOX Uhr AbendS, Sntre« 60 Pf. Zuschlag für Theater von 60 Pf. dt« 6 M.— Sternwarte im Treptower Part. Täglich b,s 10 Uhr abends. Entree so Ps., Fernrohr 1 M.— A q uar t u IN: Echadowstr. 14. Eeössnel von 9— 6 Uhr. Eniree Sonntags 60 Ps., an iedsm legten Sonntag im Monat 36 Pf.— Castan'S Panopttlum, Friedrtch- strab«. Seossnel 10— 10 Uhr.«tniriltSpret« 60 Ps.— P a ssag e-P a n a pi ilum 10-10 Uhr. ittnlrtttSpretS 60 Pf.— Marine-Panorama, Am Lehrter Bahnhof. SonniagS von s— 9 Uhr. Entree 60 Pf.—»a is er- Pan 0 rama. Passage( Unter den Linden). Seössnet von« Uhr Morgens bis 10 Uhr AbendS soo verschiedene Reisen, LandschasiSbilder. Jede Reise 3i1Ps. Berestna-Panorama Hcrwarthstrabe. Täglich.— Z v 0 l 0 g i I ch er«arten, LUtzowuser. Sann- lag« 60 Ps.— B orstg' S S a r t en»1 i 1 P a lm e» h a u S. Ail-Moabtt 86/8« StnlriiltpreiS 60 Pf.- O-ssentliche Lesehalle der Deutschen Sesellschas, sür SlhischeKultur, Nene Echönhauserstr. 18. Unent- gelllich gevssnet am W-iltag abends von 6 bis 10 Uhr, Sonntag»K-i vorm.. 6-10 abends.— Städtische Lesehalle, Mvhrenstr. 41, geöffnet Wochen- tag« abends von 6—3 Uhr und Sonntag« von U bis 2 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Freitag und Sonnabend von 6 bis 8 Uhr abends statt. 8. S.. Elberfeld. Besten Dank. Der eingesandte Betrag soll dem Betieffenden übenvieson werben. E. K., Rixdorf. Dr. B. Simon, Zürich, Militärstraß« 110. Stach der Schweiz kostet der etnsache Brief 20 Pf. Schriftsetzer B. Rixdorf. Wir bitten um Ihren Besuch. Brombcrg. Dürfte im Reichstag verwendet werden. Bitte« um Ihre genaue Adresse, Diskretion selbstverständlich. Luftschiff Grotziiiann. Uns ist keine Äesellschast iezw. Berein dekannt, der Patent-Anmeldungen kostenlos bewirft. ftP. 7ö. Leiber ist erst nach dem Inkrafttreten deS Bürgerlichen Sefetz- buchS gegen diese schrankenlose Ausbeninng deS Befinde« etwa« auszurichten. — Gefundbrniiuc». 1. Ja. 2. In voller Höhe kann der Abzug statt- finden.— Ehe. Der Betreffende müßte schleunigst beim Kammergericht Erthciluug des AnnenrcchtS unter Darlegung deS Sachverhalts nachsuchen, die Bcnlfling würde Zweck haben.— Rothcr Satan. Das Angeführte würde als Ehefcheidiingsgrund nicht genügen.— G. SP. 19. Nach- zndicncn hätte der betreffende, da er daS 42. Lebensjahr zurückgelegt hat, nicht. Er würde aber wegen der betreffenden Thai, wenn Steckbrief oder dergleichen erlassen ist, noch verfolgt und bestraft werden können.— - Zl. Zweifellos.- H. B. 1»Z. Nein. Die Witthin hat Recht.- W. P. 137. 1-3. Sie sind berechtigt, Ihre Sachen und Ihre Kinder sich zn»ehmen— ohne Klage. Sie können auf Herausgabe der Sachen beim Prozeßgcricht des Kinde«, beim Bormundschaftsgertcht klagen. 4. Nein. — M.(9. 5. Sie könnte» da keinerlei Bedingungen stellen.— Holzmarkt- firatze. Mit Erhebung der Klage beim Gewerbegericht sind Sie durchaus im Recht. Eine Klage wegen Beleidigung kann außerdem erhoben werden. Zunächst müßte der Schiedsmann dcö Bezirks, in dem Beklagter wohnt, dann das AuitSgericht(innerhalb drei Monaten) spätestens angegangen «verde». Formulare sür BcletdignngSklaaen hat die Buchhandlung Vor- wätts, Beuthstr. 2. Zur Erhebung der Klage ist indeß»«cht zu rathen, denn daS Gericht kann freisprechen, wenn eS dte Beleidigungsabsicht verneint— dann hätten Sie«ine Menge Kosten noch oben- drein. Sie thu» besser, den Fall Ihrer Gttverkschaft mitzutheilen — 3.£. 86. Wenn in Ihrem Vertrage steht, daß drei Monate und drei Tage vor Ablauf gekündigt fein muß, so wußte spätestens am 28. die Kündigung in des Wirthes Händen sein.— H« F. 34. Nein; Sie können aber bei der JnvaltditätSaiistalt, Klosterstr. 41, den Bettuch machen, nach Grabow geschickt zu werden.— Schlegel. Ist keine Fabrik im Sinne der Gewerbe- Ordnung, die Beschäftigung ist gestattet, muß aber angezeigt werden.— H. 901. Gegen die Verfügung können Sie Beschwerde einlegen. — Arthur R. Schriftliche Antwort erlheilen«vir nicht. I. Nein. 2. Das ist nicht im Gesetz bestimmt, dort steht nur die„unentbehrlichen" Kleidungsstücke müssen belassen werden. 3. Ja. 4. Das ist nicht im Gesetz bestimmt. 5. An die Steuerbehörde.— Steuer Sit. Sie müssen die Sach- läge mit dem Alitrag auf Nuckzahlung der Berliner Steuerbehörde mit- thcilcn.— W. K. Sit. Sie sind nicht verpsstchtet, wohl aber Ihre Frau. — W., Charlotte, ibnrg. Nein.— Abonnent H. 84. l. Nein. 2. Ja. — O. K. Im Handel mit Brennmaterialien Mitten Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in Berlin an Sonntagen nur von 5 bis 10 Uhr vormittags befchästigt werden. Dte Bcrkansszcit ist dieselbe.— R. Sch. Einvetttanden. — E. 65, 66. Das richtet sich danach, an welcher Bahn der Betreffende angestellt ist(Staats- oder Reichsbahn?) und nach dem Inhalt setner sog. blauen Bücher.— O. B. 11. Ja.— ZU SP. 25. 1. AlleS, waS auch sonst ein Gläubiger pfänden könnte. 2. Nein: Aenderungen deS Vertrages können dem anderen Thcile nicht gegen feinen Willen aufgedrungen werdci». — N. D. M. 1. Körperverletzung. 2. Ja. 8. Nein.— LP., Britz. Ja. - W. P. 100. l. Vom 1». ab. 2. Nein. 3. Nein. Born 1. Januar 1900 ab bedürfen Atährige Leute keiner anderen Erlaubniß zur Ehclchlichung mehr, als der ihres Verlobten. Bis dahin bleibt den großjährigen. noch nicht 24 Jahre alten Bräuten, sowie den großjährigen, noch nicht 25 Jahre alten Bräutigams nur das Recht auf richterliche Ergänzung der väterlichen oder niNttcrlichen Erlaubniß zu klagen. Nach dem 1. Januar 1900 können Mindcttähttge auf Ergänzung der Erlaubniß beim Bormund- fchakts-Gericht klagen.—«SS. 100. Ja.— F. P. Am 1. Januar 1898. — Vortviirts 23. Waren Sie beim Abschluß des Vertrages noch minder- jährig(noch nicht 21 Jahre alt), so wird Kläger abgewiesen, sonst werden Sic kostensallig venirtheilt werden.— F.«. Die Besichtigung der Mieths, räume muß in der im Vertrag festgesetzten Zeit freigestellt werden. Ist keine Zelt im Vertrag festgesetzt, so ist eine angemessene Zeit hindurch dj« Besichtigung freizustellen. Ii» Streitfall setzt der Richter fest, was an- genlesscne Zeit sei. In Berlin pflegt 10—4 Uhrals angemessen erachtet zu werde». — H. G. Zahlen Sie an de» Administrator oder hinterlegen Sie die Micihe— Vü. W. 222. Dte Kündigung ist um einen Tag verspätet. Theilcn Sie das dem Wtrth unter Hinzusügung, daß demnach der Vertrag weiterläuft, mit.— Stene Zeit. Beantwortung zu 1 und 2 hängt davon ab, welches der letzte Wohnsitz des Verstorbenen war, welches Erbrecht also in bciracht kommt. Antlvorl zu 3 und 4 ist ohne Mtttheilung, welcher Tag als der TodescrklänmgStag festgestellt und ob dieser Tag vor oder nach dem Tod deS Erblassers fällt, nicht zu beantworten. Sprechen Sie bei unS vor. Gegen TrkSltnng, Gicht und RfteumatiZmud. l�ok-'l'nnnin-, ikvinuti-avlivnliikt-«ach I»»>nptIi»»t«»I»chch«I'� »tt- mit Verpacknns, Hassane.» Ritter* Bad, Bad Frankfurt9 � 18 Ritte, str. 18cr Fülle der Kraittengeschichtcn nur eine: Herr H. Groß- »It/Ut. knufinann B., Berlin, leidet an häufig wiederkehrenden, heftigen Gichtanfällen, Dauer des Anfalles gewöhnlich 4—6 Wochen Bettruhe. End- lich wagt er einen Versuch mit Münsel's Loh-Tanninbädem. Er läßt sich in die Anstalt aufnehmen. Diagnose gichtische Entzündung beider Knie- und Fußgelenke. Die unteren Extremitäten gebrauchsunfähtg. Jmmcnse Schmerzen. Verordnung: täglich ein Bad, reichliches Wassertrinkcn. Nach b Bädern kann der Patient das Bett verlassen und gehen. Nach einigen weiteren Badem geht er wieder auf Jagd. Ivplliav' Herr A. Ockler, Lieutenant a. D., Potsdam, Alexandrowka 5, jaklliaa. mehrere Jahre alte, heftige Ischias. Badereise, Aufenthalt in Kurorten zwecklos. Nach16Bädem vollständige Heilung. Aehnliche Kranken- geschichtcn stehen in großer Anzahl zur Verfügung. HstllpAlflip*®ou 0611 Neuralgien will ich nur die heftigste und hart- nvui aiyic. näckigste, der sonstigen Behandlung am wenigsten zugäng- lichste: die Trigemius kGeslchtS-)Neuralgie herausnehmen: Frau H. Berlin, Nurnbergerstraße 68. Diagnose: Linksseitige, äußerst heftige, täglich mehrmals zu unerträglichen Anfällen steigemde Trigemius(GesichtS)-Neuralgie. Das Leiden besteht seit einigen Jahren. Patientin ist von vielen Aerzten und hicstgcr erster Autorität behandelt. Gebessert wurden die Schmerzen nur durch den Aufenthalt in höher gelegenen Lufkurorten, traten aber bei der Rückkehr nach Berlin sofort wieder auf. Verordnung: Einen Tag um den andem ein Loh-Taninbad. Täglich schottische Fußbäder, im Bade leichte Massage des Nerven. Nach drei Bädern sind die immensen Schmerzen— es ist kaum glaublich— vollständig verschwunden. Patientin badet mehr auS Dankbarkeit weiter. Mliclrplafpftnhip*(Muskelschwund). Herr G. Neumann, 1 1 Uyl. UjJllIC» Postbeamter. Stettin: Diagnose einer hiesigen, ersten Autorität: Progr. Muökelatrophie. Prognose absolut un- günstig. Patient ist völlig hilflos, auf fremde Hilfe absolut angewiese». Nach ca. 66 Bädern Heilung. Patient fährt jetzt sehr gewandt Fahrrad. Der Herr Professor, welcher den Patienten behandelte, bezeichnet die Heilung als äußerst wunderbar. Kltelcevseiimerien Ä6*£rrn e5"en*86r-u�� ieflgen Arztes hatte mindestens sie in der Bewegung äußerst hemmende Rücken- Massage, Elektrizität ohne jeglichen Erfolg.— den anderen ein Loh-Tanninbad. Nach b Bäbem schmerzen. Äbführkur, Darauf einen Tag um völlige Heilung. VavvPPVIIPM Infolge doppelseitiger Nieren- Entzündung hat sich » asavl dlll/UI. Herr Graffe, Köpenick, Glinkestr. 13, in Berlin ins Krankenhaus begeben und wurde als ungcheilt entlassen. Nach genauer Borschrist und 18 meiner Loh-Tanninbäder vollständige Heilung. KlSVPNIkStSPPlio akute sowie chronische. Verordnet wurde reichliches ' Wassertrinken, Wildunger Brunnen, entsprechende Diät. In vielen Fällen wurde ärztliche Behandlung verlangt und die Kur entsprechend geregelt. Die Zahl der Geheilten ist so groß, baß nur eine Auswahl von Krankengeschichten erfolgen kann. In akuten Fällen erfolgte prompt Heilung, in ganz alten Fällen sehr günstige Resultate. O. R., Berlin, chronischer Blasenkatarrh, vollständige Heilung nach 30 Bädern. Herr N., Berlin, akuter Blasenkatarrh, nach wenigen Bädern völlige Heilung. lüpvpiklvpIl/vIkPSNIklkQlsan sekundärer und tertiärer Natur. Der UCftvIllCCIlldKl anallCIlCU Sqphilidologen- Kongreß in Graz hat einstimmig dt« äußerst heilkräftige Wirkung stoffwechselanregender Bäder anerkannt. Die in der Loh-Tanntn-Badeanstalt gemachten Erfahrungen ent- sprechen dem voll und ganz. Ob eine inedikamcntöse Behandlung außerdem am Platze war, entschied der behandelnde Arzt. Krankengeschichten in äußerst großer Anzahl. Ft. linrl Tranccnitafp infolge von Brustfellentzündungen. chro- Q* UUU 1 1 itzllasuuinv nischer entzündlicher Prozesse des weiblichen Genitalapparates zc. sc. Die Resultate waren oft äußerst frappirend. HPIKtPnatiniK.ftni'mKKm 0�ne nachweisbare Erkrankung des RlCliSU umiuiia-oiül uuycii Genitalapparates waren meist bald gehoben. IHlriaPINIl/Itz Chlorose wurde nach Empfehlung von anderer Seite be- BlUiai Ullllil, handelt und ergab sehr gute Resultate. Die Mattigkeit, Kopfschmerzen-c. verschwanden, Appetit wurde rege. nphlfllhllltlllin nud andere Erkrankungen infolge ererbter Geschlechts uvlill llUIUIUIIl) krankheit. zeigten äußerst schnelle Resorption. Ein junges Mädchen hatte plötzlich die Sprache vollständig verloren. Diagnose: Ererbte Geschlechtskrankheit und infolge dessen Blutung in dem Sprach- zcntrum des Gehirns. Die Resorption erfolgte pronrpt, die Sprache war bald wieder hergestellt. Leberschwellungen, Hü », morrhoiden. I. Sch., der unteren Extrenlitäten. Patient hatte alles versucht. Unter anderem auch 160 russisch- römische Bäder, viele Dampfkastcnbäder und Soolbäder, Elektrizität in einer Klinik für Nervenkranke. Die medikamentöse Behandlung konnte ihm auch keine Heilung bringen. Nach 48 Bädern völlige Erwerbsfähigkeit. lieber enorme Steigerung des Stoffwechsels sind in der Anstalt wissen- schaftliche Untersuchungen gemacht und liege» zur Einsicht bereit. Erwähnt muß werden, daß selbst in unheilbaren Fällen stets das eine, gewiß Weientliche erreicht wurde: bedeutende Steigerung des Appetits. Zum Schluß: (lofnpmanc!* Nlohl das dankbarste Feld unserer Be- UCIUl Ulflila. Handlung: Die große Anzahl der Kranken- gcschichten verbietet die Veröffentlichung in einer Annonce. Daß die Patienten mit zwei Krücken und Unterstützung, oder, auf Händen getragen, dre Anstalt aufgesucht und mit guter Gebrauchssähigkeit ihrer Extremitäten wieder verlassen haben, kann durch viele Krankengeschichten bewiesen werde». Bei etwaiger Nachfrage stehen dies« zur Verfügung. Benierkt wird, daß die meisten Kranken in der Anstalt ärztlich behandelt «nd kontrollirt wurden. Aerztliche Sprechzeit: Wallstrabe Nr. 70/71, Dienstag und Freitag 7-8 abend». Pension für schwerkranke Pattenten. Prospekte gratts. Ingredienzien zu meinen Bädem mit Gebrauchs- »«Weisung per Dutzend 18 Mark per Postversand. Bäder für Krankenkassen. nun..: xjiWBb«»Jlüi|iiii||imm onio wieoer yergeneur. Stauungen im Pfortadersystem, Schlossermeister, Leberanschwellung, Lähmung dl M.& W. Möllers Nordlicht. Nordlicht zieht durch mein Ge mülh Liebliches Getränke Klinge kleines Nv'dlicht-Lied Berkünd' es jeder Schenke. Trag's hinein in jede? Hau? Jeder soll's genießen UndivcnnduNordlicht-Müllern schaust, ich laß ihn grüßen. >»» Zu Eiaben in allen nJ b- sser. Destillation«-, • Delikatesa- u. Colonial **12 waaren-GeschSften. Pro V1 Original-Literfl. I Mark mit Flasche. —• | Hundert Mark «B zalilen « wir Jedem, t der uns d. Nachweis fährt — dass gleiche Qualitäten 13 alten Nordhäusers wie ■M.& W. MOIIer's * Nordlicht 4 auch in Concurrenz Geschäften ausnähme- n los und stets für s eine Mark pro Liter-Flasche tncl. Flasche zu haben sind, M.& W. Müller, NordhSuser- Kornbranntwein- Brennerei Berlin SO.,Waldeniarst. 29 VHnetl TShnO vorzüglich, unter Garantie, setzt schmerzlos ein; ItUllall. Lttllilv, schmerzloses Zahnziehen, Zahnschmerz beseitigt un- ehlbar sofort. Reparaturen. Theilzahlung. Goldstein, Oranienstr. 123. Enorme Vorräthe Teppiche!! Vortiören!! Gardine»!! Strppdechen!! erstaunlich billig. Teppich-Hans FmilLefS?re,Bttlin8 Orauienftr. 158. Prachtkatalog mit buntfarbigen Teppich- , Illustration«», sowie zirka 200 i i Gardinen- und Portisreu-Abbil- dungen in künstlerischer Aus- führung aus Wunsch gratis»ud I franko!-WS 4024Ü■ GrOsstes Tepplehhans I Berlins. IWarinendainienl das Pfund Mk. 2.85 naiürliäie Daunen wie alle in- ländiiche», garantirt neu und staubfrei.>» Farbe ähnlich de» Klderdaunen, aiierkannt füll kräftig undhaltbar:»Pfund genügen zum graßen Ober- bett. Tauiende Anerkciniungt.. Ichreiben. Bcrpackung umsonst. Derfand gegen Nach», von der ersten Bcttfedernfabrit mit electrischcm Betriebe dustav I.ustix, Berlin s., Prinz-nstrahe-t«. -L Sa c s «"= » jt Jede Uhr reparire»»nd reintgeu E»--23 kostet bei mir unter Garantie d. GutgchenS nur 1 Mark 50 Pf. au per Bruch, kleine Reparaturen biNiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Taschenuhren, Regu- latoren und Wecker, alle Arten Ketten, sowie Brillen u. Pincenez. * Carl I,siz, Uhrmacher, 35 Chaussee-Strafte 35 ®+®+®+®+®+®+® + ® Meinen lieben Kunden und aHen Genossen wünsche ein * ® + ffi�öhBiches ffBeujahr!+ 0 Jean Holze, Hamburg,@ Ouittungs-Marken- und Stempel-Fabrik. 4°+ ® 4*®'F®+®+ 0+®*® Cin gesundes Jahr wünschen wir alle» unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern ans ausrichiigstem Herzen, indem wir gleichzeitig unsenl Dank für das im letzten Jahre uns in so reichem Maße entgegengebrachte Vertrauen abstatten. Es wird auch fernerhin unser Bestreben sein, unsere leidenden Mitmenschen durch volksverständliche Vor- träge aufzuklären. Verein für KSrper- und Naturheilknnde. Alexanderstraße 8. Q. Grundmann, prakt. Nawrheilkundiger. Ein recht frohes und gesundes Neujahr wünscht allen Freunden und Bekannten, sowie sämmtlichen Vereinen und Gesellschaften, welche mir im alten Jahre so treue Anhänger waren und mich mit ihrem Besuche beehrten Der alte Freund auf Piclielswerder, Möchte bitten, mir auch im neuen Jahre das alte Vertrauen zu schenken. Meinen werthen Kunden und Freunden zum Jahreswechsel herzlichste Gratulation Jnlias Liiiidenbanm, 2533b Harren-Garderoben, Gr. Frankfurterstv. 130. Allen meinen verehrten Kunden. Freunden und Bekannten ein Prosit Neujahr! Carl Schloss. Zum Neujahr! Rum, GlOhwein«„SU, Punsche«■»«<«<»• Max Scliüjftan,"ffiP™",.18, 39738« J. Baer, Berlin N. [40338*| » nur Gesundbrunnen s »26, Badstraße 26,1 S Ecke Prinzen-Allee,« -Z euch stehlt, wie bekannt, in reellster AuS- 43 g führung und allcrbilligsten Preisen» l Herren- u. Knaben- 1 I Garderobe,| &~ Arbeltssaclien.— j» Anfertigung nach Maass. Holzbettftellen mit Federboden von M. 24,— an. Bette», Stand v. M. 10 an. Kinderwagen v. M. 10 an. Riefenauswahl! K inderwagen u.Schlaf- möbel-Bazar 1 Jnvalidenstraste Nr. 160. Amt 3. 6281. Filialen: Alexanderstraße 44, Oranienstraße 70, Reiuickendorferstr. 2 v. E., Charlottenbur�: Wilmersdorserstr. 22. 4065L' A» f Wunsch Theilzahlung. MV 0�. Yereinsbrauerei-Äusschank Rixdorf Grosse Stile. Mittwochs und Sonntag» Or. Frei-Konzert.__________ Vorzügliche Küche, Wurstpavillon, Schießstand, Kegelbahnen u. sonstige diverse Belustigungen. Elshnhn. G 40168«) Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis znr Brauerei. Allen Freunden, Genossen und Kollegen sendet die herzliiljsteii GliilkivilMe zum neue» Jahre IS. öirbiff, Stralau 17. Es gratulirt zum Netten Jahre Familie Stech ert, Andreas-Festsäie, Berlin 0., Andreasstr. 21. Prosit Neujahr! mim mrtheil Min ullh Fmirden. Jgnatz Seile, Weiiihuudl.u. Spirituosen-Fabrik 110, Brunnenstr. 110. (Neben dem Pferdebahn- Depot.) ProßtMiljahr! rufen wir allen unseren Vereinen, Freunden und Bekannten herzlich zu. Mmann& Sohn, Gastwirthe, Alexanderstraße 27o. Englischer Garten. auf Wsöbel Thtibahlttilg. J.Kellemiann.jakÄ.S«. Wo? kauft man am besten und billigsten Steppdecke«. Nur direkt in der Fabrik II. Strohmandel, Berlin C., 72, Wall-Strasse 72, wo auch werden. alte Decken ausgearbeitet 3994«« Maskm-Cariierobe. Gröstte Auswahl. Billigste Preise.« Verein. Preisermäßigung. ff. KlllRll. Oranienstraste Nr.l7K. II. Adalbcrtstrastc vi, Eike Oranienstraste. Wihefl verliehen gewesene und neue, staunend billig, Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 40658« Nene Köllig str. 59 u. Gneisettattstr. 15. Merbrand-Lestn, Regulier-, Füll-, Grude- und Saal- Oesen, Kochmaschincn, Gartcnlatcrnen, Vcutilatoren, eiserne Schornsteine, Thüren, Treppen, Saug-, Druck- pumpen, Reservoire, Riemenscheiben, Kammräder, elekkischeKroncn-, Pendel- Ausleger, Dampfmaschinen- Kessel, Nutzcisen, Gasrohr. Verbindungsstücke, Ofenrohr und-Knie billig. 2656b linrl KanfTman», Grimmstrafte 29, am Urba«. Presskohlen, Platz Mk. 5,50,-Bruch pro Ztr. ab' Platz Mk. 0,60. Steinkohlen n. Anthraclt billigst.(25431> A. Herrmann's Kohlenlager, , Schles. Bahuh.. Mühlenftr. IS.. \ Bahuh. Moadit, Lcuiuowftr. 8«. v »gSNHOssSVN medizinischen, beste Qualität, k Literflasche Mk. 2,19, 5 Literflasche Mk. 9,25. Einzelne Flaschen senden durch unsere Gespanne frei Hans. Detail-Berkaufslädeu: F ruchtweSne JahauuiSbeer> Wein. weiß und roth, Heidelbeer- u Stachclbeer-Wein. ä Flasche('/, Liter) 7S Pf. vglBSv — deutscher— h Literflasche Mk. 2,10.«,50. 3.-. Cegnae flne Ghampasne, V, Llterfi. ä Mk. 3,50, 4,50. 5.50, iuvn anerkannt gut 4 Literflasche Mk. 1.10, 1.60. 2,10 bei Entnahme vo« 5 Flasche« k Flasche 10 Pf. billiger. �tonsdopffep LikSr, k Str. 1,20, 6 Str. 5,59. Echt. alt.Rardhäus. äL.1,— ,58. 4.59 Pomeranzen, Jngber, Wachholder. Getreide-Kümmel,» Liter Mk. 1.—' DiiAvn Neumann& Co., Berlin SW. 68. Fernsprecher: Amt IV. 987$ Belle-Alliänce-Platz 6a, Amt IV, 3679.- Reue Friedrichftr. 81.- Oranienstr. 190.—«enthinerstr. 29.- Grüner Weg 56.- Kommandantenftr. 67.- Wflsnackrrstr. 25. Charwttenburg: Kaiser-Friedrichftr. 48.— Potsdam: Bäckerstraß« 7.—«am 1. Oktober»b auch Schöucberg: Hauptstr. 129. 40GK»� Mir bcit Inhalt der Inserate »berniniuit die Nebaktiou dein Pnblilimi gegenüber keinerlei BerantNiortnng. Thettfrv. Sonnabend, den 1. Jannar. Kreie Volksbühne(Friedrich< Wil- helinstädtisches Theater). Zlb- t Heilung. Jugend. Anfang 3 Uhr. Sonntag, den 2. Januar(Lessing- Theater). 1. Avtheilung. Barchel Turaser. Anfang 3 Uhr. Opernhaus. Hosterwitz. Hierauf: Der Freischütz. Sonntag: Der Prophet. Ansang 7'/, Uhr. Mouiag: Die Meistersinger. Stenes Opern. Theater(Kroll). Rosenkranz und Güldenstem. Sonntag: Wie die Alten sungen. Ansang?>/, Uhr. Schanspielhaiis. Das neue Weib. Sonntag: Ein Somineruachstraum. Anfang 8 Uhr. Montag: Maria Stuart. Deutsches. Madchentraum. Nachm. 2Va Uhr: Die versunkene Glocke. Sonntag: Mädchentraum. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 2l/> Uhr: Mutter Erde. • Montag: Mädchentraum. Lesfing. Im weihen Röfj'l. Nachm. 3 Uhr: Hans Huckebein. Sonntag: Im weihen Röhch AN ?'/- Uhr. Montag: HanS Hnckeckebein. verliner. In Behandlung. Nachm. 3 Uhr: Domröschen. Sonntag: Die Wunderquelle. An fang 7Vz Uhr. Nachm. 3 Uhr: Dornröschen. Montag: In Behandlung. Goethe. Ein Sommemachtstranm Nachm. 3 Uhr: Aschenbrödel. Sonntag: König Krause. Anfang 7-/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: DeL Meeres und der Liebe Wellen. Montag: König Krause. ltuter beu Linde«. Die Groß Herzogin von Gerolstein. Nachm. 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Sonntag: Perichole, die Ströhen sängerin. Anfang 7>/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Pariser Leben. Montag: Pariser Leben. Neues. Die Logenbrüder. Borher Im' Hörselberg. Nachm. 3 Uhr: Abvü Konstantin Sonntag: Die Logenbrüder. Ans 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Die Logenbrüder. Schiller. Der Registrator auf Reisen Nachm. 3 Uhr: Heimg'funden. Sonntag: Die wilde Jagd. Anfang 7 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wallensteiiüs Lager. Die Piecolomini. Montag: Der Registrator aus Reisen Nefibeuz. Sein Trick. Nachm. 3 Uhr: Fernande. Sonntag: Sein Trick. Anfang ?>/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Odette. Montag: Sein Trick. Thalin. Das Opferlamm. Sonnabend und Sonntag Nachm 3 Uhr: Berlin über kllles. Sonntag: Das Opferlamm. Auf 7-/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung Scntral. Berliner Fahrte». Anfang 7'/, Uhr. Sonntag und Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Auf eigenen Fühen. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Sonntag: DaS Fest der Hand werker. Hierauf: Hopfenraths Erben. Ansang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Preciosa. Montag: Die Waise von Lowood. Belle< Rstiance. Die relegirten Studenten. Nachm. 3 Uhr: Deborah. Sonntag: Der Bräutigam auf Probe. Ansang 7 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Weihnachtszauber. Montag: Die relegirten Studenten. Ofieiib. Leven und Lieben. Sonnabend und Sonntag Nachm. 3 Uhr: Der Verschwender. Sonntag: Leben und Lieben. Ans. 8 Uhr. Montag: Leben mtd Lieben. Friedrich- WilhelnistäbilscheS. Der Trompeter von Säkkingen. Sonntag: Die Pariser Bluthochzeit, oder: Die Hugenotten. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Trompeter von Säkkingen. Die Verführerin. Tausend und eine Rattenfänger von Auf. Stlexrtiiberplrth. Nachm. 4 Uhr: Nacht. Der Hameln. Sonntag: Die Verführerin. 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urnitia. Tanbrnsiraste 48—49. Naturkuudl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenfchastl. Theater. Jnvalideirftrafie S7/SS. Täglich ,(außer Sonntags und Mittwochs) / abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Borträge. America«. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichs hall««. Spezialitäten. An- sang 9 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Aceu-Palast. Spezialitäten. 'Passage- Paiioptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. zSchiHev-'CTzekrfev (Wallner-Theater). Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Heim- 8'fimdcn. Abends 8 Uhr: Der legiftrntor ans Reise«. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Wallen- ftei«'s Lage». Die Picea- lomini. Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Montag, abends 8 Uhr: Der Regi- ftrator ans Reife«. Iiuisvll-Vkestör 94. Rcichenbcrgerstraste 34. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Dic Waise von Lowood. Schauspiel in 2 Abth. u. 4 Aufzügen von Charlotte Birch-Pseifser. Abends 8 Uhr: Auf-igk«-n Füßen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ? n e c i 0 s s. Schauspiel in 4 Akten von P. A. Wolff. Musik von C. M. v. Weber. Abends 71/2 Uhr: Das Feß der ßandmrker. Hierauf: Hopfenrath's Erben. Montag: Die Waise von Lowood. In Vorb.: Auf goldenem Boden. Billets a 60 Pf. zu den Nach- mittags- Bolls- Borstcllunge» in den bekannten Verkaufsstellen. Ostend-Theater. Gr. Frankfurierstr.132. Dir.(?. Weist. Sonnabend und Sonntag, nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Der Berschtvender. Zaubennärchen mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Raimund. Musik von Conradin Kreutzer. AbeudS 71/2 Uhr: Lebe» und Kieden. Bolksstttck mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Im Tunnel von 7 Uhr abends ab: — Frei-Konzert.— Jeder Besucher der Nachmittag- nnd Abend-Vorstellung erhält ein Weih- nachts-Souvenir gratis. Montag: Leben und Lieben._ V ollts- Theater Im Wolt-Rcstanrant 97. DreSdener-Straste 97. Civcusblut. Operetten-Burleske. H e n e Spezialitäten. Die beliebten Duettistinnen Geschwister Tilly. Im vorderen Saale: lyi'olöi' Sänger Alois Ebner. Wtlfrtttfl* Sonntags 0 Uhr. Ull|lllll|. Wochentags 7>/z Uhr. Lsistan's 108 Fanopticnm. Fnedriclistr. 163. Indisch- hlndiiHta- nlHcIio Oanklei* — und— S c Ii 1 a n s c n- BeKChwUrer. Das BÄRENWEIB. Urania-Theater(Lehrter Bahnhof). Dir.: Dr. Koppen u. Dr. Stoedtner. Svnnt: Arnold Mlilt.SUHr Vortrag u�l z. Th. farbig. Lichtbildern. Berliner Aquarium Unter den L-Inden 88a, Eingang Schadowstr. 14. Am Neujahrstage Eintrittspr. AM- 50 Pf.-MU Reichhaltigste Sammlung der Welt an lebenden Seethieren, Reptilien etc. Passap-Panopticum. Wiener Tanz- und Operelten- ' Gesellschaft. Zum Schluss: lllnstrirtcs Quodlibet In 12 lebenden Bildern, Äcüen-Branerei Friedrichsliain. Am 1. und 2. Neu jahrstage: Regiments-Mutik des 4. Garrie-Regts, zu Fuss In Uniform Dir. Hr. F. Belgier Anfang 3 Uhr. Entree 23 Pfennig Waelir's'rdeatvr Oranlen-8trn««o 34. MM- Täglich:"Mg Theater- u. Spezialittlten- Torstcllnng. Neu! Die N e n j a h r S n a ch t. Neu Ein militärischer Do» Juan. Relnbeld Lange, der beste Humorist der Jetztzeit. liiltbe Leonard), bildschöne Kostüm-Soubrette llrothers Therras, die berühmtesten Ketten- Turner. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Treptow. NMeMg's ParMWen Parkstrasse, Ecke Köpnlcker Landstr. Haltestelle der elektrischen Bahn von Sieniens u. Halske. I. nnd 3. Xcn jahrstag: M Grosser fiall � mit. Leitung d. Tanzlehrers Fr. Schulz. Entree 15 Pf., dafür Garderobe frei. Kasfccküche Sommer u. Winter. it..of c<5® .JA H>.. ■ � � v,® An beiden Neujahrs-Felertagen Je ■%,> O;<> '9t.. s.%% fNw Ä»./z Uhr. Saragossa. Elyhsium LaDdsbergerÄllee4Q41. Nach lüjähriger Thätigieit bei Herrn Bcntc, Böhmisches Brauhaus, übernehme ich am 1. Januar obiges VstllClllllSl Ball-Saal. Meine Räume empfehle zur Ab- Haltung von Festlichkeiten nnd Bersamuilunge». Jeden 8onntag: Orosser Hall. Tanzmusik ausgef. v. BerufSniusikern. Hochachtungsvoll C�vl EifermANN. Mumlt's Saal. Jnh.: Ernst Oriinder. HM- Köpniderstrafte 1(>0. Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: C-rosser Ball.• KTanj!e � Herren 50 Pf. Garderobe/ 25 Pf. Feuerstein'8 Festsäle Alte Jakobstrassc 75. 3iii). Marlin Herzberg. Grosse nnd kleine 8iUc zu Versammlungen unentgeltlich, sowie zu Sommer- u-Winterfestlich- heiton b. koulanten Bedingungen. Achtnng! Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 23 Cigarren 1 Mark. Garantie rem amerikanische Tabake. Mppcntabak 2 Pfd. 69 Pf. H. F. Dinklage,[40158* Kottbuserstrastc 4, Hof parterre. Allen unfern werthen Gäste». Vereinen, Freunden und Bekannten wünschen ein frohes Neujahr! Berlin, den 1. Januar 1898. Oebr. Mielite „Armin-Hallen" Kommandantenstr. 20. Allen Freunden u. Bekannten 1 ein Prosit Neujahr! f | Budiker- ® Gustav Lindenhayn.? Allen Parteigenoffeu ivünscht ein fröhliches Neujahrk Ferdinand Fohl, Restaurant„Zur Erholung*, Köpenick. Eaulsdorferstr. Prosit Reujahr unserer hoch- geehrten Kundschaft. H. Ranmert und Frau. Schuhlief., Pücklerstr. 10. C. Strauss' Zahlstelle v. Wahlverein u. Metall- arbeiter-Berband. 2245b Stralaner Allee 17b. T.A. 7,4182. P. Rautenberg's Feslsäle Oranlemstr. 180. Einige Sonntage». Sonnabend, d. 39. März noch zu vergeben. Meinen werthen Bekannten und Gönnern theile ich ergebenst mit, daß ich von Schönleinstr. 23 verzogen bin und meine Restanration. verbunden mit Arbeitsnachweis für Schmiede und verwandte Berussgenoffen, in der- selben Weise, wie früher, in der Stralanerstr. 48 weiter führe. Ich bitte daher um geneigten Zuspruch. Zlllil qtlnnthlichkn»ahn, 3g44L»Z Stralanerstr. 48. Scluilze's Variete Glt«chlncr Strasse Xo.], am Halle'schen Thor. Täglich: Spezialitäten-Vorstellung. Anfang: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr._ Moritz Üble, 5« Kremliergkr. so. Heute Karpfen in Bier. Sauren Rinderbraten mit Thüringer Klöfte, Gänsebraten, Eisbein mit Sauerkohl. Spez. Bon 4 Uhr an: Frei-Koniert. Wünsche memen werthen Gästen ein recht fröhliches Neujahr._ Gesellschaftshaus Stvinemiinderstr. 43(alte Nr. 35) jeden Sonntag: .... u. Thesttt-Borßelukg. Empfehle meine Säle(250 u. 700 Personen fastend) sowie Vereinsziuinur zu Festlichleiten und Versammlungen 40028" Hühner. Hcocluuw's Fest-Säle, Sebastianotr. 89. gM- Jede« Smmtag, Montag. �Donnerstag. Sonnabend:-ML ß Volks-Ball. j Einige Sonnabende sind noch frei. Kloahiter Klubhaus, Bensselotr. 9. Empfehle meine» großen Saal, Bereinszimmer f. 20— 30 Personen, Restauration. Mittags- n. Abendtisch. Jeden Sonntag:i st der französischen Regierung" stehend hinzustellen. Man war ja bei Hans Blum»ach seine»„Lügen" an vieles gewöhnt, in diesem Buche hat er uns an alles gewöhnt. Wir wünschen nur eines: Möge keinem unserer Genossen ein Sohn er- stehen, der seines Vaters Wirken ein solches Denkmal setzt wie Hans Blum hier seinem Vater Robert Blum, der so oft und in so be- geislerter Weise für die Berliner Märzkämpfer eingetreten ist. Vielleicht veranstaltet die Verlagshandlung, deren Inhaber ja für einen liberalen Mann gelten will, eine der 43er Bewegung würdige Ausgabe dadurch, daß sie unter Weglassung des ganzen Blnm'schen Textes die Illustrationen und Beilagen zu wohlfeilem Preise erscheine» läßt. Diese werthvollen Doknniente einer ruhmreichen Vergangenheit wäre» einer weite» Verbreitung sicher, nur wäre dann zu wünschen, daß noch eine Reihe der charakteristischsten Karrikaturen und Illustrationen aus seiner Zeit, die man mit Bedauern vermißt, den jetzt faksimilirten beigefügt würden. r-- r Förster, Dr. F. W. Die Arbeitslosigkeit und die moderne W i r t h s ch a f t s e n t w i ck e l u n g. Eine Mahnung zur Vorsicht gegenüber der obligatorischen Arbeits losen- Versicherung und dem konnininalen Arbeitsnachweis. Berlin 1398. Verlag für ethische Kultur. Der Verfasser dieser Schrift, der Sohn des bekannte» Berliner Astronomen Förster, versuchte schon vor einer Reihe von Jahren i» einer Berliner Volksversammlung, Propaganda für die Einrichtung großer Konsumgenossenschaften imter den Arbeitern zu machen. Dieses Ziel hat er seitdem nicht ans dem Zluge verloren. Denn nach der vorliegenden Schrift erwartet er eine Hebung der soziale» Lage der Arbeiterklasse sowohl von der Ansbreitung großer Konsum- genossenscbaften, wie von der Entwickluna starker Gewerkschaften. Mit der Auskanfung der kapitalistischen Gesellschaft durch die Ge nossenschaften wollen wir uns nicht weiter beschäftigen, sondern nur mit der Arbeitslosigkeit und den hiergegen zn ergreisenden Maßregeln. Die Ursachen der modernen Arbeitslosigkeit erblickt der Verfasser richtig i» der heute üblichen regellosen Prodnktions weise. In den Unternehmer- Kartellen dagegen sieht er eine Tendenz zur Regelung der Produktion und damit zur Ab- sckaffung der Arbeitslosigkeit. Die Gewerkschafte» der Arbeiter sind ihm deswegen von größter Bedeutnug, weil sie durch den Druck ihrer Forderunge» die Unternehmer zur Karlcllirung zwinge». Gelingt es am Ende gar, daß die Arbeiter infolge der Wirksamkeit der Kartelle einen Minimalloh» erhalte»,„dann erwächst ständigen Einigungsämtern eine herrliche Aufgabe in der jeweilige» Festsetzung des Antheils der Arbeit und des Kapitals, vielleicht' auch a» der Festsetzlum der Verkaussprcise." So lange auf diese Weise noch nicht die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Produktionsiveise überwunden sind, ist die Arbeitslosen Versicherung in? Aug« zu fasse». Die Arbeilslosen-Versichernng müsse unter allen Uinständcii von den Geiverlschasten ausgeübt werden,»in deren Anziehungskraft zu erhöhen und sie finanziell zu stärken Jede Maßregel gegenüber der Arbeitslosigkeit ist von dem Gesichts- punkte zn benrlheilen, ob sie auf den Forlschrill dcr,Arbeilerorgani- salio» hemmend oder belebend einwirkt.— Dies der ganz respektable Grundgedanke des Verfassers. Professor Schanz ii» seine» beiden Büchern über den Sparzivang, Professor Herlncr i» der„Sozialen Praxis haben ähnliche Ansichten entwickeil. Auch ans den Reihen der organisirlen Slrbeiter ist diese Anschauung mehrfach unterstützt worden, so von Martin Segitz auf der diesjährigen General- Versammlung des Deutschen Melallarbeiter-Verbandes und von Bruno Pörsch in der Broschüre„Woran krankt die deutsche Gewcikschafts bewegung?" Auch aus dem 1336er Gcwcrkschaslskongreß in Berlin ist dieser Gesichtspunkt stark hervorgekehrt ivorde». Allerdings hat es in de» Reihen der Arbeiter auch n» entgegengesctzle» Stimmen nicht gefehlt. So ist betont worden, daß die Gewerkschnfle», n»> neue Leistungen übernehnien zu könne», auch die Beiträge bedeutend erhöhen müsse». Sie würden durch die verschiedene» Unterstützinigs- einrichtungen zwar eine Elite von Arbeitern dauernd a» ihre Fahne fesseln, infolge der hohe» Beiträge aber gerade die Masse, aus die es bei Kämpfen ankommt, zurückstoßen. Aber auch wenn ma» annimmt, daß die Uebernahme der Arbeits- losen-Versicherung auf die Gewerkschaften diesen unter alle» Umständen nütze» würde, ist damit noch nicht bewiese», daß die Gewerkschaften diese Versicherung aus eigenen Kräften in ausreichender Weise leisten können. I» Bernsen mit regelmäßiger langer Arbeits- losigkeit, wie dem der Bauarbeiter, ist hieran gar nicht zu denken. nnd diese müssen so lange auf eine Unlerslütznng während der Periode der Arbeitslosigkeit verzichten, als die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nicht auf eine breilere Grundlage gestellt worden ist. Vom Standpunkt der Vcrsichcrungstechnik ans gesehen, ist überhaupt für alle Versicherungszweige die erreichbar breiteste Grundlage erwünscht, weil nur bei einer sehr große» Zahl von lliisike» das „Gesetz der großen Zahl" i» Wirksamkeil tritt. Bei einem so»nberechen baren Risiko wie dem der Arbeitslosigkeit, ist die Vorsicht einer mög- lichsten Verlheilnng der Risiken aber doppelt nöthig.— Ferner: Bei der Organisirung der Arbeilslosen-Versichernng durch die Gewerkschaften müssen die Arbeiter allein die Kosten trage», um„den Industriellen ihr« Reserve-Armee durchznsüttern". Bei den verschiedene» Projekten und Versuche» der Arbeilslosen-Versichernng dagegen spielen überall Arbeitgcber-Beilräge, sowie Staats« oder Koiuninnalzuschüsse eine Rolle. Mag man»i», sage»:„Solche Kosten werden in letzter Linie doch auf die Arbeiter übergewälzt". Ganz ist es nicht so; etwas bleibt von derartigen Lasten immer a» andere» Gesellschafls- klaffen hängen. Und sollten diese anderen Gefellfchafts- klaffen nicht»och mehr Ursache habe», als die Arbeiter, für den Unterhalt der Arbeilslosen-Rcserve-Armee zu sorge»?— Endlich»och eine jFrage: Ist eS vom Standpnnlt der Arbeiterpartei richtig, sofern ma» überhaupt die Arbeitslosen- Versicherung für wünschenswcrth und für durchführbar hält, die Lösung der Aufgabe den einzelnen Gewerkschaste» zu überlassen; oder ist es dann richtiger, die Verfichernng einheitlich und für alle Arbeiter gleichmäßig zu organisire»? Im erstercn Fall würde nur eine Arbeiter-EIite Vortheil von der Sache haben; ini letzteren Fall aber das Gesannntprolctariat des Landes, dessen Mitglieder heute vielfach keiner Gewerkschaft angehöre» und bei theureren Beiträgen erst recht nicht angehöre» würde». Die Arbeiterpartei hat sicherlich i» erster Linie das Gesammtproletariat im Auge zu behalten. Damit ist der Grundsatz nicht angetastet, daß jede Maßregel daraufhin z» prüfen ist. ob sie den für die Führung deS Emanzipationskampfes so sehr wichtige» Gewerkschaften nützt oder schadet. xk. Böhm, Heinrich, Rechtsanwalt in Ratibor. D a S neu- Recht dei Handlungsgehilfen vom 1. Januar 1393 an. Eine gemeinverständliche Darstellung. Frankfurt a. O. bei Trowitzsch u. Sohn. 1897. Je näher der Zeitpunkt rückt, in welchem der die wechselseitigen Rechlsbeziehunge» zwischen Prinzipal und Handlungsangestelllen neu regelnd« sechste Abschnitt des Handelsgesetzbuchs in kraft tritt, um so mehr häuft sich die Literatur über den Gegenstand. Das vor- erwähnte kleine Buch gehört zn de» branchbarsten hierüber verüssent- lichten Schriften. In knapper, allgemein verständlicher Form legt der Verfasser die Abweichnngen von dem bisherigen Recht dar, welche besonders in der Einschränkung der bislang geltenden »»bedingte» Vcrlragßfreiheit, der Einsührung der Schutz- und Fürsorgepflicht des Prinzipals gegenüber den Angestellten nnd in der Neuordnnng der dem kaufmännische» Lchrherrn ob- liegenden Pflichten bestehen. Der Handlungsgehilfe findet i» der kleinen Schrift die ihm künstighin zur Seile stehenden, gegenüber dem geltende» Recht höchst wirksaine» Schutzmittel zusammengestellt, welche bei richtiger nnd energischer Ausnutzung den ans diesem Ge- biet zur Zeit noch herrschende», theilweise schmachvollen Zuständen ei» Ende zu machen geeignet sind. Ir. I. Böhm, Rechtsanwalt und Rotor. Das Vormundschafts- recht des Bürgerlichen Gesetzbuches. Für den praktischen Gebrauch dargestellt. Hannover. Helwing'sche Verlagsbuchhandlung. 1337. Das Bitch will nicht blas dem Juristen, sonder» vor allem auch den L a i e n k r e i s e n die Möglichkeit geben, sich mit den neuen Be- stimmunge» vertraut zu mache» und über die im praktischen Vor- mnndschnftSdienste auftretenden Fragen Rath zu erholen, da auf keinem anderen Gebiete des Privatrechts die breitesten Schichten des Volkes so sehr zur Mitarbeit herangezogen werden, als bei der Ver- waltung des Vorniundschastswesens, welches den©chniz der Jugendliche» und die Fürsorge für das heranwachsende Geschlecht, also die vornehmsten itlnfgabe» des Staates und die wichtigsten Pflichten der Gesellschaft, zum Gegenstande hat. Das Buch zerfällt i» zwei Theile. Der erste giebt diezusammenhängende Darstellung, der zweitede» Gesetzes- text. Der erste Tbeil zerfällt wieder i» folgende Unterabtheilungen: Die elterliche Gewalt, allgemeine Vorschriften über Vormundschaft, B e g r ü u d u il g d e r V o r m u n d s ch a f t, Führung der V o r>» u n d s ch a f t, A u f s i ch t s o r g a n e, Beendigung der V o r m u n d s ch a f t nnd Pflegschaft. Dem Verfasser gelingt es durchweg, die Darstellung übersichtlich und volksthümlich zu gestalten, was um so noihwendiger ist, als auch ohnedies für den an die juristische Gedankenarbeit nicht gewöhnten Laien»och genug Schwierigkeiten bleiben, lim sich das Verständniß der für seine Verwaltung erforderlichen gesetzlichen Vorschriften an- zueignen. Die Rechtsprechung der höchsten Gerichtshöfe wird überall berücksichtigt. Wenn auch wegen der veränderten Gesetzgebung die in den angezogenen Urtheilcn angegebene Begründung nicht innner passen wird, so wird diese dem Richter doch einen Fingerzeig für das neue Recht geben, defsen Normirung gerade auf dem Gebiete des Vorniundschnstswefcns eine besonders einschneidende und von de», geltende» Recht abweichende ist. Bor allem gehört hierher der lllechtssatz, daß von jetzt an Frauen ebenso sähig zur Führung von Vormundschaften sind, wie die Männer. Diese Bestimmung ver- dankt ihre Ausnahme in das Gesetzbuch der Initiative des Reichstags, welcher von dem gewiß richtigen Gedanken ausging, daß tei»nsere» sozialen Verhältnissen kein Grund mehr vorhanden fei, die Frau von dem Amt der Vormnndschaft auszuschließen. Die Sorge für die Person des Kindes ist sogar regelmäßig in den Händen der Frau weit besser alifgehoben, als in de» Händen des Mannes. Man hat zu gnnsten der Ausschließung der Frauen von der Vormnndschaft ans die größere Fähigkeit des Mannes zu V e r m ö g e n s v e r»v a l t n n g e n hingewiesen. Allein was verschlägt dieser Einwand, der für die ungeheuere Mehrzahl der ans den besitzlose» Volksklasse» bestehenden Menschheit gar nicht in Frage kommt! Für die arbeitenden Klasse» handelt es sich lediglich um die p e r s v n l i ch e Sorge für das Kind nnd in der Beziehung ist die Frau als Vormünderi» sogar regelmäßig vorzuziehen. Frauen brauchen aber keine Vormundschaft zu übernehmen, wenn sie nicht wollen, sie haben schlechtweg das Ablehnnugsrecht. Die zweite wesentliche Abweichung von dem geltenden Recht besteht i» dem ganz netten gesetzgeberischen Gedanken der Enlinündigung wegen Trunk- sucht. Wer infolge von Trunksucht seine Angelegenheiten nicht zu besorge» vermag oder sich oder feine Familie der Gefahr deS Roth- standes aussetzt oder die Sicherheit anderer gefährdet, kann ent- mündigt werden. Die Entmündigung ist wieder aufzuheben, wenn der Grund der Entmündigung ivegsällt.— Der Verfasser weist kurz mich ans die st r a f rechtlich erheblichen Gesichtspunkte hin. Ein Kind nnlcr 12 Jahren kann bekanntlich, wenn eS ei» Verbrechen begeht, strafrechtlich nicht verfolgt werden. Dagegen kann seine Untcrbringnng in eine Erziehungs- oder Beffernngsnustalt er- folgen. Das Eiuführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch entzieht jedoch verstäudigerweise dies« Unterbringung der polizeilichen Willkür, macht vielmehr die Maßregel davon abhängig, daß durch Beschluß des VormundschnstsgerichtS die Begehung der Handlung festgestellt und die Untcrbringnng für zulässig erklärt ist. Aber auch sofern das Kind ein Delikt»och nicht begangen hat, kann Zivnngserziehnng angeordnet werden, sosern sie zur Verhütung des völligen sittlichen Verderbens deS Kindes unentbehrlich ist. Für diese öffentliche Zwangserziehung bleiben die Landes gesetze maßgebend. Das heißt mit anderen Worten: Da, wo bisher, wie in Bade», die stnnllich überwachte Erziehung ohne jegliches Verschulde» auf feilen der Eltern oder des Kindes zulässig war, soll mich in Zukunft hieran nichts geändert werden. Dagegen wird in anderen Etaatc». z. V. in Preuße» a» dem Grundsatz festgehalten, daß der Staat nur beim Vorliegen cincs Verschuldens ans feiten der Eltern oder der Kinder in die Erziehnngsgewalt eingreife» darf. Das Bürgerliche Gesetz- buch hat es leider unterlasse», die überaus wichtige Frage der Zwangserziehung einheitlich zu regeln, obwohl die doktrinäre prinzipienlose Behandlung, welche das Strafgesetzlnich hier »orinirt hat, gebieterisch eine Abänderung erheischt»ud andere Staaten, zum Beispiel England, bewiese» habe», was eine sachgemäße, mit den Lebensbedürfnissen der besitzlosen VolkSklasse» rechnende Gesetzgebung auf diesem Gebiete zu leisten vermag. In England hat man es wesentlich hierdurch erreicht, daß die Zahl der von Jugendlichen begangenen Straflhaten von etwa 14 000(Jahr 1856) ans 5700 jährlich sich bei steigender Bevölkernngs- zifier vermindert«, während gleichzeitig auch bei de» Erwachsenen die Kriminalität»»,'/» zurückging. Bei einer Neuregelung des Strafgesetzbuchs wird es die Aufgabe des Reichstags sein, auf die von dem Bürgerlichen Gesetzbuch unerledigt yelaffene, auch von dem Verfasser deS hier besprochenen Buches nicht näher erörterte Frage zurückzukoinme».— h Fran Eliza Jcheichaenser ersucht uns uni die Ausnahme deS folgenden Schreibens:„So gern ich das Recht der Kritik auch an- erkeiine— ich selbst mache von diesem Recht nicht selten in sehr scharfer Weise Gebranch— fo bin ich doch der An- ficht, daß man ihre Grenzen wahren niüsse. Das hat Lily Braun i» Nr. 301 Ihres geschätzten Blattes meine»» Buche„Die politische Gleichberechtigung der Frau" gegenüber nicht gethan, indem sie mir schwere litterarische Vorwürfe entgegenfchlcudert, die absolut unberechtigt sind. Ihre Bemerkung, daß mein Buch„größten- theils ein Auszug aus de», sehr instruktiven Werk von Oftrogorsky „Die Frau im öffentliche» Recht" und des Buches„British Freewomen" von Charlotte Stopes. sowie einiger deutscher Originalarbeiten sei", ist mir unbegreiflich. Wer mein Buch sorgfältig liest, inuß finden, daß ich ei» sehr eingehendes Quellenstudiuin gelriebe» und mir die einschlägige ausländische Gesetzgebung durch mühsame Enqueten verschafft habe. Frau Lily Braun scheint der merkwürdigen Ansicht zu sein, daß in einer wissenschaftlichen Arbeil nicht zitirt werden dürfe, sie scheint auch der Ansicht zu sein, daß, wenn historische Daten in zwei Büchern dieselben sind, eins de», andern entlehnt habe» inüsse, und da das »»einige später erschienen ist, so meint sie, daß ich uaturgeinäß ans Ostrogorski entlehnt habe» inüsse. Wenn ich ihr aber nun inittbeilen werde, daß zwei andere Bücher und zwar Louis Frank's„La, Condition polltique de laj Fernme" und Leon Girand's„De la Condition des Femmes" die gleichzeitig mit den, Oftrogorskischcn erschienen sind, genau dieselbe» historischen Daten enthalten, wird Frau Braun diese Arbeite» auch als Auszug der Ostrogorskische» betrachten? Originär sind: 1. Die Deduktionen ans den historische» Thai- fachen, die ich theilweife Standardworks(Bryce:„Fde American Commonwealth", Daniel Sterne:„Histoire de la Revolution de 1848",„History ok Woman Suffrage" u. f. w), lheilweise Originalquelten(Condoreet: Essai sur la Constitution et les fonctions des assembläes provinciales", Mary Wolstoneeraft: „Vindication of the Rights of Women"». s. w.) entnoniinen habe und 2. all das, was ich aus den mit vieler Mühe gesaimnelten legislativen Handlungen(Gesetzentwürfe, Motive. Parlaments- Verhandlungen und Gesetze) derjenige» Staaten, die sich mit der Frage des Frauen-Wahlredils beschäftigt haben, gefolgert habe. Eine andere Form des wissenschaftlichen Arbeitens kenne ich nicht und insolange meine Folgerungen von Frau Braun nicht bekämpft werden, bin ich wohl ans den, richtigen Wege. Irreführend muß ferner bei den Leser» Ihres Blattes die Schluß- bemcrkung von Frau Braun wirken, daß ich„über die politische Gleichberechtigung der Frau" beinahe 100 Seiten voll schreibe, ohne die Leser die Existenz der sozialdemokratischen Partei ahnen zu lassen, die diese Forderung in Deutschland anf ihre Fahne geschrieben hat." Demgegenüber mache ich Sie und Ihre Leser darauf aufmerksam, daß ich anf Seite 88 ausdrücklich hervorgehoben habe, daß die Sozialdemokratie in deutschen Frauenkreisen für den politischen Gleichhcitsgedanken sehr propagirend gewirkt habe. Frau Lily Braun sendet unS zu der vorstehenden Erklärung die folgende Erwiderung: Die Zuschrift der Frau Jchenhäuser ist sehr unvorsichtig, denn sie nöthigt mich, die Vorwürfe, die ich gegen sie erHobe» habe, ent- fchiedener zu wiederholen. Ich bin nicht, wie Frau Jchenhäuser sagt,„der merk würdigen Ansicht", daß nicht zitirt werden darf, sondern ich verlange vielmehr, daß viel und daß genau zitirt wird. Neben selbständigem Denke» ist das Zurückgreifen auf die ursprünglichen Quellen das Charakteristikum ivissenschaftlichen Arbeitens. Frau Jchenhäuser sucht den Schein davon zu erwecken; so jührt sie, um der Kürze halber nur einzelne Beispiele zu wählen, in ihrer von mir besprochene» Broschüre auf Seite 27 ein Zitat aus Condorcet's„Lettres d'un Bourgeois de New- Häven ä un Citoyen de Virginie(1787)" an, das sowohl im Wortlaut der Uebersetzung, als in dem durch Punkte bezeichneten ausgelaffenen Satz ganz genau mit dem in der deutschen Ausgabe des Buches von Ostrogorski zitirten Abschnitt ans Eon- dorcel's Schrift übereinstimint; und giebt für die Sätze aus Olympe de Ganges Erklärung der Frauenrcchte in ihrer Broschüre wie in ihrer obigen Zuschrift ausdrücklich Daniel Sterne's Geschichte der Revolution als Quelle an, während sie Wort für Wort aus den, Buch O st r o g o r s k i' s e» t n o n, u, e„ sind. Daniel Sterne bringt Olympe de Ganges Erklärung anf Seite 373, Band 2 in einem langen Auszug, Ostrogorski bringt daraus einen bedeutend kürzeren und bezeichnet die ausgelassenen Sätze durch Punkte. Will Frau Jchenhäuser uns wirklich glauben machen, daß sie ihr Zitat der ersten Quelle entnahm, obwohl sie genau dieselben Sätze ausläßt, wie Ostrogorski und ganz genau ebenso den französischen Text Übersetzt, wie Franziska Steinitz?! Andere Stellen anzuführen, die wenn auch nicht dem Wortlaut, sondern der Darstellung und Gedankenfolge nach auf Ostrogorski zurückzuführen sind, würde zn viel Raum in Anspruch nehme». Frau Jchenhäuser spricht sodann in ihrer Zuschrift von den„mühsamen Enqueten", durch die sie sich die ausländische Gesetzgebung verschafft hat. Sie scheint zunächst die Bedeutung des Wortes„Enquete" nicht zu kennen. Durch Enqueten verschafft man sich zwar Material für eine Gesetzgebung, nicht aber Gesetze selbst. Doch das nur nebenbei. Sie hat gar nicht viel Mühe nöthig gehabt, um die Gesetze sich zn verschaffen; die„English Womens Review", deren Mitarbeiterin sie ist, und das„Handhooh for Women", das Helen Blackbur», die Redakteurin der„Review", herausgegeben hat, enthalten sie. An keiner Stelle ihrer Broschüre hat sie auf diese Quellen hin- gewiesen. So wenig eS meinem Geschmack entspricht, so kann ich doch nicht umhin, auch von einer meiner Arbeiten zu sprechen, die Frau Jchenhäuser zweifellos benutzt hat, ohne sie zu zilire»: den Artikel„Das Frauenstimmrecht in England" in Bd. X S. 4IS ff. des Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik. Die Uebercin- slimmung des Gedankengangs ihrer Broschüre Seite 40, 41, 42 mit meine» Ausführungen Seite 428 ist jedenfalls merkwürdig. Wenn Frau Jchenhäuser schließlich erklärt, daß sie wohl anf dem richtige» Wege sei, so lange ich ihre F o l g e r u» g e n nicht bekämpfe, so ist diese Bemerkung mir gegenüber seltsam genug, da ich den Kaistpf der bürgerliche» Frauenbewegung in den letzten Jahren für die politische Gleichberechtigung der Frau durch Rede und Schrift mit begonnen habe, zn einer Zeit, als Frau Jchcn- Häuser»och gar nichts darüber verlauten ließ. Zum Schluß stehe ich nicht an, zuzugeben, daß ich die ganz flüchtige und' der Bedeutung der Sache nicht iin entferntesten ent- sprechende Bemerkung über die Sozialdemokratie aus Seite 88 über« sehen habe._ Eiiigelanfene Drnckschriften. «on der„ziruen Zelt" tTMItgar», I. H. W. D t- tz' Verlag) ist soeden d-z I«. Heft de? IS. Jahrgangs erschienen. A»S dem Inhalt heben wir hervor: Die Kieler Reden— Koloniolpolittl»nd TbanvinismuZ. Von E Bel'ort- Vax.— Ter Koinpromib bei der Karlsruher LandtagSwahl. Eine Enlgegnuna von A. Jendrich-Ollenburg.— Lehrlingsausbildung in der Meiallindufirie Von P. M. Grempe.— Revue der Revuen.— Noltjen: Die indirekte Echädi-' «ung der Gesundheit der Arbeiter. Anierikanische B-russstatistik. Von H. Poetzsch. Diamanten in harte» Eiahlsorten.— Feuilleton: Tie Doppel- ganger unserer Muttersprache. Von Dr. M. Freudenberger, Nürnberg. M it Hest 77, das e Bogen stark erschien, schließt Band III deS ,.Ni>IK«.£«»iKon" h-rauSgcgeben von E n, a n u e l Wurm, Verlag von Wo r lein u. Komv Nürnberg. I» den Hesten 74-77 stnd solgende größere Artikel enthalten- Oeiierreichische Arbeiterbewegung, deren Sntnehung und Entwteieluna die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie und deren Vertreter: Paarhuser Ordnung der Hufsänaelhtere(Wiederkäuer-c.), Pacht. Pädagogik,«rziedunasl lehre,-kunst,-Wissenschaft, Papier, dessen Geschichte, H-rstellnng und gebrauch- lichite Formate. Paraguay, Parlament, Paß, Passab, Patentwesen. Persten Per», deren Geschichte, Gntwtckelung und gegenwärtiger Zustand u. s.>»' Pslanzen-Anatomie, innerer Bau derselben, Pstanzen-Morphologie, äußere Gestalt derselbe». Philosophie, Geschichte derselben, Photographie dessen Verfahren»nd Apparate, Phyflk, Pilze, Plätterinnen. Polarländer Polen iGefchichte:c.>, Porzcllanarbeiter, deren Lohn- und Arbeitsverhältnisse Portugal, Preußen(ausführliche Schilderung der geographische» Lage.' seine Bewohner in Industrie, Landwirthschast, sein- Geschichte u.s.w.. ca«o SeitenI Quailenpolypen. Quecksilber. Alle 14 Tage erscheint-in Heft.— Das Volks-Lertkon kann durch all- Buch. Handlungen, Kolporteure u. s. w. und auch durch jede Postanstalt dezogen werden Es ist im deutschen Postzeirungs-Katalog unter Nr. 708S, im bavenschsn Post- zeitungS-Katalog unter Nr. 777 eingetragen. Kok-l'AkiÄlr eil guo«. cn/-Dulat. 17,50M. Kronen- aold gestenip. WO. 7 Gramm 20,50 M. 5'/« Gramm 16,50 M. Alle anderen Goldsachen ebenio reell. s2724d H i, g« JLelucke, Zluguststr. til pt nahe d. Oranienburgerstr. Gegr. 1840. 1 F 4° V � 1.A 4S5V /V Berlin, Neujahr 1398. **.<#/ 1)e vc- An unsere Kunden/ ßeim Jahreswechsel nehmen wir gern Veranlassung, für das uns bisher erwiesene Wohlwollen bestens zu danken und um die fernere Erhaltung desselben ergebenst zu bitten. JBaer Sohn Chausscestr. 24a. JBrückensfr, 11. Gr. Frankfurterstr. 16c Künstl.Zähnel.SOM. Plombe» 4 M. Zahnziehen frei. Zahn- ärztliche Klinik, Manteuffelstr. 43. I., Ecke Oranienstraße. Svr. 8—10 und 1— 3 Uhr. , 1 Tfnfallsachen, Klagen, Eingaben . I Itz?i>tsg;er, Stegliberstr. S5. vinvvK«d k'sbnik empfing ich und offerlre zu meinen WUtFCtt».infolge Ankaufs ganzer Waarenläger v°n sepsiielieii. silffliefen, käsliisten. Divan-, Reise-, Tisch- b. Steppdecken, Liuterstolfe, Mibelsteife, PlOscbe, alles in vorzüglichen Qualitäten in sehr großer Auswahl. J. Adler Teppichhaus, 30 Spandanerstr. 30, Telegramm-Adresse: Teppichadler.— Preislisten gratis u. franco. Glühwein 38278« ausgezeichnet ä Liter 1,20 Mk.. B Liter 5,50 Mk.. 10 Liter 10,- MI. Eugen Neumann& Co.»vr Komptoir«. Gesammt-Kellereien- Berlin 88, Lindenstr. 4S/47. — Detail-Berlanfsläden: Belle-Alliance> Platz 0», Amt IV 387g.— Neue Friedrichstr. 84.— Oranicnstr. 400.— Genthinerstr. 20.— Grüner Weg 50.— Kommandantenstr. 07.— Wilsnackerstr. 25.— Schöneberg, Hanptstr. 4S0.— Charlottend., Kais. Friedrichstr. 48. allen schanklokalen Berlin«� I Gustav Scharnow besteht j seit 1860. Uhrmacher! Berlin 8. besteht seit 1860. Oranienstp. 152, am Moritzplatz. Großes Lager aller Arten Uhren, vorzüglich« Fabrikate, 5 jähr. Garantie. Anerkannt billigste Bezugsquelle. 40S8L« I..... s•« s...,. Die Mäbel-Fabrik Wehel-UeleeeeheltehM.MnWnhliusnik.z I(früher Rosenthalerstr. 13) liefert bürgerliche Wohnungs- Einrichtungen schon von 150 M. an. Coulante Zahlungsbedingungen, Lager gebrauchter und verliehen , gewesener Möbel. Eigene Tapezier- und Dekorations- Werkstatt. 134078« Transport durch eigene Gespanne, auch nach außerhalb. NRStenvp's Korbwaaren- Fabrik. Berlin. Andreasstr 23, vis-ä-vis dem AndreaSplatz. FC. Geschäft: Brunnenstr. 05, vis-k-vis Humboldh. HI. Geschäft: Beuficlstr. 07(Moabit). IV. Geschäft: Leipzigcrftraffe(Spittel-Kolonnaden). Kinderwagen.-'IffiS.' fZS"' 1 nnn Moitlr zahle ich jedem, der mir in Berlin lUUll luLdlaV ein größeres Kinderwagen-Lager 4034L«! als das uieinige nachweist. lupBafle-liislall und Hassage (Ur Rheuma-, fiiclit- und Memukranlie von Ha ßflania, Brunnenstrasse No. 16.[40278* Loh*. Dampf- und H e iss I uf t-Ka ste n-B ä d er, Kohlensaure und andere medizinische, sowie Wanuenbädor. Lieferant u. Masseur sämmtlicher Ortskranien- u. Freier Hilfskassen Die Filiale nur für Massage ist Thurmstr. 46(4— S'7« Um-.) I.anKjiiliriscr, nicht in einigen Tagen ausgehilrteter Anstaltn-Maseenr. NB. Bitte meineAnstaltnichtmit der Brunnenstr. 2 zu verwechseln. Pelzwaaren, Hüte, Schirme. Gewähre de» Genossen Annonce 5pCt. OKo Gerholdt, bei Vorzeigung dieser (40508« Brcsdcnergtr. Q Ecke Skalitzcrstraße MKiwl und Uolstemaaren frm Tulzauer, •»V0-WV5- Tischlerineifter, Berlin SW., Blücherstr. 14. Arzt Dr. Hoesch, Linienstr. 149, 8—1» 5— 7, Sonntags 8— 10, f. Brust-, Unterleibs-, Frauen-.ICinder-,Haut-, Nervenkrankheiten Poliklinik Liesenstr. 17. 2-3 Uhr. 4037L* Homöopath. Tligllch von 7 Uhr morgens bis 6 llhr abends: Veckill irisch gek. schw. serls. mh fnn. Wschts. Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Ps an, Schweinefleisch..„40 Ps.[4041L« Verwaltung der Koclianstalt Städt. Sehlaclilliof, Beraulwortlicher Redakteur: August Jgcobey iu«erliu. Kür d«u Jnserateutheil verantwortlich:»h.«locke in B-r'.i». Druck und Berlag von Max Vading in Berlin.