Nr. 25 Die Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ee Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die„ Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Prets der Nummer 10 Pfennig, durch die Post viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jabres- Abonnement 2,60 Mart. Inhaltsverzeichnis. Boltsparlament wider Klaffenparlament. Bon H. B.- Die Berliner Frauenkonferenz. Von Luise Ziez. Schularztberichte. V. Bon Dr. Zabet. Von der Tätigkeit der österreichischen Genosfinnen. Von Adelheid Popp. Ein Mutterbrevier. Elendsbilder aus der rheinischen Textilindustrie. Von W. Kähler. in Weimar. Bon B.- Englische Gewerbeaufsicht im Jahre 1906. Von mb. Kinderschutz. Bon Henriette Fürth.- Frauen im Kampfe. Von w. d. rinnen. Proletarierelend Volksparlament wider Klassenparlament. Stuttgart den 9. Dezember 1907 17. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bel Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. der Vormarsch geschehen soll. Die Aufzählung und Dis-| nahme, verbessert durch eine schärfere Anpassung an die futierung der einzelnen möglichen Kampfmittel verbot organisatorischen Einheiten im Lande. Die Mehrheit des fich für den in voller Öffentlichkeit tagenden Kriegsrat Parteitags war mit dem Referenten, Genossen Haasevon selbst. Und nur der Kampf selbst kann uns darüber Königsberg, überzeugt von der Notwendigkeit, dem belehren, was im gegebenen Moment anwendbar, mög- deutschen Parteivorstand die politische Führung in den lich, erfolgversprechend und nützlich ist, was geschehen preußischen Angelegenheiten zu wahren und lediglich eine muß. Je größer der Kampfeifer, je größer die Scharen geschäftliche Spitze der preußischen Organisation in Ge der Streiter und Streiterinnen, um so größer auch die stalt des Vorstandes der Zentralorganisation von GroßAus der Bewegung: Von der Agitation. Jahresbericht der Ge- Bahl der Waffen, die dem Proletariat in heißem Kampfe Berlin einzusetzen. Auf solche Weise werden alle störenden noffinnen zu Erlangen. Weibliche Delegierte zur außerordent- zur Verfügung stehen. Ist der einige, fefte Wille von Reibungen zwischen einem preußischen Landesvorstand lichen Frauenkonferenz und zum preußischen Parteitag in Berlin.- Millionen da, so wird er auch den zu wählenden und dem deutschen Parteivorstand vermieden; daß der Politische Rundschau. Von H. B.- Gewerkschaftliche Rundschau. Weg zum Ziele finden. Nur nach einer Seite hin lettere die preußischen Angelegenheiten nicht vernach Aus der rheinischen Textilindustrie. Von W. K. hat der Parteitag die Wahl der Mittel beschränkt. Er lässigt, das wird der Wahlrechtskampf zeigen. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Arbeitsbedingungen der Arbeite- hat sich ablehnend verhalten gegen die von einigen Zu der wertvollen Materialsammlung, die die GeFrauenstimmrecht. Frauenbildung. Fürsorge- wenigen Genossen noch nicht aufgegebene Illusion, als nossen Adler und Arons in ihren Referaten für den erziehung. Genossenschaftswesen. Quittung. Feuilleton: Die Proletarierin. Von Max Stempel.( Gedicht.) lasse sich bei den nächsten Landtagswahlen durch Unter- Wahlrechtskampf geliefert haben, trugen die Genossen Aus dem Hungerpaftor". Von Wilhelm Raabe.( Schluß.) stützung des Freisinns, durch eine Taktik des Kom- Legien und Paul Hirsch bei durch ihre eingehenden Bepromiffelns der Wahlrechtskampf vorwärts bringen. Der arbeitungen der Themata„ Die Lage der Staatsarbeiter Parteitag hat feine Unklarheit darüber gelaffen, daß der in Preußen" und" Selbstverwaltung und Gemeinde". Wahlrechtstampf allein als Klassenkampf geführt werden Es sind düstere Kapitel des Buches von der angebmuß und gewonnen werden kann. Wenn Abteilungen lichen preußischen Herrlichkeit, und die Referate zeigten bürgerlicher Elemente ihn ehrlich mitkämpfen wollen: das eine Menge von Stützpunkten auf, von denen aus die Zwei Demonstrationen sind in diesen Tagen in der Feld steht ihnen offen, die Sozialdemokratie wird ver- Hebel für die Unterminierung des Dreiklassenunrechtes deutschen Vormacht Preußen erfolgt, zwei Demonstrationen, suchen, sie mitzureißen und vorwärts zu treiben. Aber anzusehen sind. deren scharfer Gegensatz die politische Lage des Landes die jetzige Haltung des Blockfreisinns verbietet ihr, irgend- Daß diese Arbeit Erfolg verspricht, wenn sie mit stetig fennzeichnet. Am 26. November wurde der preußische welche Hoffnungen auf solche bürgerliche Kampfgenossen- fich steigerndem Eifer geleistet wird, das verheißt der Landtag eröffnet und den Erwählten des Dreiflaffen- schaft zu setzen und diesem Freifinn als Lohn für seinen imposante Verlauf der Kundgebung, die den Zusammenunrechtes und den geborenen Gesetzgebern des. Herren- Wahlrechtsverrat Unterstützung bei den Wahlen in Aus- tritt des preußischen Landtags begleitete. Groß- Berlin hauses die Thronrede verlesen. Sie enthält kein Wort sicht zu stellen. Die Sozialdemokratie muß sich angelegen sab fünfzig Kopf an Kopf vollgepreßte Massenversammüber die brennende Frage der Zeit, über die Wahlrechts- sein lassen, die noch demokratisch denkenden Schichten des lungen und darüber hinaus vor den Sälen Massenfrage, und eben darum gibt sie zu erkennen, daß diese Bürgertums aufzurütteln, ohne auf die Mithilfe der an- ansammlungen von Männern und Frauen, denen die Frage für den Landtag des preußischen Staates nicht geblichen Führer dieser Schichten an rechnen. Sie muß fürsorgliche Polizei wegen überfüllung den Eintritt verexistieren soll. Das war die Demonstration der Herrschen versuchen, die Agitation in die Streise des Riembürgermehrt hatte. Dia Provinzen haben sich der Landeshaupt den wider das Volk. tums, in die Kreise aller derer hineinzutragen, die durch das stadt würdig angeschlossen. Aus ihren Zentren und Am selbigen Tage aber sammelte sich das klassen- Dreiflaffenunrecht unterdrückt und entrechtet werden, um Industriebezirken werden imposante Demonstrationen gebewußte Proletariat des Landes in Hunderten und aber mindestens ihre Sympathie oder doch ihre wohlwollende meldet; aber auch die kleineren Orte blieben nicht zurückHunderten von Versammlungen, und setzte der Demon- Neutralität für den Wahlrechtskampf zu gewinnen. Sie bis in die entferntesten Winkel des Landes ist der Ruf stration der Herrschenden die seinige entgegen, dem ab- darf jedoch ihre Operationen nicht auf der Meinung gedrungen und gehört worden: Heraus mit dem Wahlweisenden Schweigen der Herren den lauten, zornigen aufbauen, sie könne durch solche Taktik die Leitungen recht! Wo die wirtschaftliche Übermacht der Herrschenden Ruf, die entschlossene Forderung der Entrechteten nach der in Betracht kommenden Parteien, des Freisinns und das Versammlungsrecht der Proletarier durch die Abdem gleichen Recht. Die zweite Epoche des preußischen des Zentrums, zu einer anderen Haltung bringen, als treibung der Säle zunichte machte, dorthin drang das Wahlrechtstampfes hub an. Eingeleitet hat sie das Volks- diese sie jetzt einnehmen. Diesen Parteien ist die Forde- Flugblatt und weckte die Empfindung der Schmach, die parlament, das vom 21. bis 24. November in des Landes rung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten das Fortbestehen des Unrechts für die preußische ArbeiterHauptstadt tagte, der Parteitag der Sozialdemokratie in Wahlrechts gerade gut genug, um Arbeiter- und Klein- klasse bedeutet. Und nicht nur die Zahl der Demonstranten Preußen. bürgerschichten, die noch demokratisch gerichtet sind, an ihre ist das Imposante an dieser Kundgebung. Höher noch Reihen zu fesseln. Die Interessen derjenigen Klassen aber, zu bewerten ist die kampfbereite, entschlossene Stimmung, die die Führung in ihnen haben, der Handelsherren und die nach allen Berichten die Versammlungen erfüllte, in Finanzleute einerseits, tatholischer Junker und Bourgeois denen auch die Frauen zahlreich vertreten waren und andererseits, widersprechen der Einführung des demokra- vielfach in der Debatte ihren Willen kundgegeben haben, tischen Wahlrechts, und wenn die ersteren auch das Drei- Schulter an Schulter mit den Männern zu kämpfen für Der preußische Parteitag der Sozialdemokratie hat flaffenwahlrecht gern beseitigt sähen, die rechte Begeiste- das gleiche Wahlrecht gleich nicht bloß für Bourgeois das Seinige getan, um den Kampf für das Wahlrecht rung für das gleiche Wahlrecht, eine Begeisterung, die und Proletarier, gleich auch für beide Geschlechter! Denn zu verstärken und zu vertiefen, um den Feuerbrand der zu opferreichem Kampfe treibt, ist bei ihnen nicht möglich. der Schlachtruf des Proletariats im Wahlrechtskampf Begeisterung in die Massen im Lande zu schleudern. Es Der Wahlrechtskampf ist deshalb ein Klassenkampf, und umfaßt auch das Wahlrecht der Frau. war kein Schauspiel, was er bot, keines der äußerlich so als solcher muß er geführt werden. Nur die Armen, Die erste Aktion ist gewesen die zweite kann über glanzvollen und innerlich so leeren Schaustücke, wie sie die Entrechteten und Unterdrückten werden für ihn die Nacht nötig werden. Das Proletariat muß die Zwischendie Parteiparlamente des Freisinns und des Zentrums Sturmfolonnen formieren. Auf Unterstützung unseres zeit zu intensivster Kleinarbeit für die Stärkung seiner find, wo die äußerliche Geschlossenheit der Partei eine Lüge Kampfes durch irgendwie nennenswerte Teile des Bürger- Reihen nügen. Und setzt sich die kampfbereite Stimmung ist, die nur vorgetäuscht werden kann durch Ausschluß tums, durch bürgerliche Parteien, wie in Osterreich, in der Demonstranten um in ernste, hingebende Arbeit, so der freien Aussprache, nur durch die Teilung der Ber- Ungarn und anderen Ländern, haben wir in Preußen wird die zweite Aktion noch größere Massen mobilisieren, so treter in Führer, die reden, und Geführte, die schweigen nicht zu hoffen. wird die Stoßkraft der proletarischen Armee wachsen, und und flatschen. Es war eine sachliche, durch keinerlei ver- Daß diese Erkenntnis die der großen Mehrheit der mit ihrem Anschwellen werden die Mittel sich mehren, borgene Absichten geleitete freie Beratung Freier und Partei ist, das lehrt uns der Verlauf der Wahlrechts- die sie im Kampfe verwenden kann. Das Proletariat ist Gleicher. Es fehlten nicht Mißklänge, Zusammenstöße, debatte des preußischen Parteitags. Diese Erkenntnis feines Wahlrechts Schmied! Vorwärts in den Kampf! Differenzen. Und doch erhebt sich der Gesamteindruck muß die Partei aber auch antreiben, ihre Kräfte zu verzur Wirkung einer großen Harmonie, einer geschlossenen doppeln, die Agitationsarbeit in den Kreisen der IndiffeEinheit. Denn über den Differenzen stand die Einheit renten, der noch nicht zum Klassenbewußtsein erwachten des Zieles und des Wollens. Und alles übertönend Proletarierschichten um so intensiver zu betreiben. Denn brausten durch diese Verhandlungen wie helles Trompeten es ergibt sich aus ihr, daß der Kampf in Preußen härter geschmetter die Rufe zum Kampfe und die Bekundungen und schwieriger sein muß, als die Kämpfe unserer Bruder des festen Willens, ihn zu führen bis zum Ende und parteien für das Wahlrecht. mit allen gebotenen Mitteln. Alles in allem genommen war es eine Beratung, die würdig ist, als die Einleitung jenes Kapitels preußischer Geschichte zu gelten, das die preußische Arbeiterklasse machen will. Hier war es vertreten, das arbeitende preußische Volt, das im Dreiklassenhause keine Vertretung hat und haben soll. Und hier wurde das Signal gegeben zu dem Kampfe, in dem die Kundgebungen des 26. November die erste Heerschau bildeten. Der Wahlrechtsdebatte, die die Genossen Adler- Kiel und Dr. Arons- Berlin durch instruktive Referate über „ Die Tätigkeit des Dreitlaffenlandtags" und über den „ Landtagswahlkampf" eingeleitet hatten, ging die Be Wie sie es zu machen hat, darüber hat der Partei- ratung über die Organisation der preußischen sozialtag nicht mehr als die unbedingt nötigen Worte gesagt. demokratischen Landespartei voraus. Der Entwurf der Er hat nur die Hauptrichtung angegeben, in welcher Berliner Organisation fand in seinen Grundzügen AnH. B Die Berliner Frauenkonferenz. Obgleich von verschiedenen Seiten Stimmung und Agitation gegen die außerordentliche Frauenkonferenz gemacht worden war, erfreute diese sich doch eines prächtigen Besuchs. An ihr nahmen 25 Delegierte und eine Anzahl Gäste teil, darunter ein Vertreter des Parteivorstandes, ein Vertreter der sozialdemokratischen Vereine Groß- Berlins, Genosse Poetsch vom Verband der Gastwirtsgehilfen, Gewerkschaftssekretär SchmidtHannover und viele andere noch. Genossin Baader, die die Konferenz eröffnete und leitete, präzisierte die Aufgaben, welche die aus allen Teilen Deutschlands beschickte Tagung zu erledigen hatte. Sie wies scharf 2!4� Die Gleichbeil Nr. 25 die von der Generalkommission erhobenen Angriffe zurück > und stellte fest, daß das„Korrespondenzblatt" unrichtig geschrieben hatte, auf der Konferenz in Mannheim wäre von der Organisation der Dienstmädchen nur insofern die Rede gewesen, als ein Zusammengehen von Mädchen und Damen verurteilt wurde. Auf der Konferenz sei es vielmehr in der Diskussion und in der Resolution als Pflicht der Genossinnen erklärt worden, die Organisierung der Dienenden in die Hand zu nehmen. Dies sei seitdem geschehen, und damit hätten die Genossinnen mit Hilfe der örtlichen Gewerkschaft� kartelle ein gut Stück Kulturarbeit geleistet. Mit Recht fragte Genossin Baader, wie das Verhalten der General kommission, das wohl einzig dastehe in der Arbeiterbewegung zu vereinbaren sei mit dem in Mannheim und Essen pro klamierten Grundsatz:„Partei und Gewerkschaft sind eins!" Der Verlauf der Verhandlungen zeigte, wie dringend notwendig und wie überaus nützlich für die weitere Entwicklung der Dienstbotenbewegung die Konferenz war. Die Aussprache brachte einen lehrreichen überblick über die Arbeit zur Ausklärung und Organisierung der Dienstmädchen, Waschfrauen usw., welche in verschiedenen Orten geleistet worden war; sie erwies sich als eine wahre Fundgrube praktischer Erfahrung betreffs der Mittel und Wege, welche die Genossinnen bei ihrer Wirksamkeit erprobt haben, und gab deshalb reiche Anregung für die fernere Tätigkeit; sie warf endlich sehr interessante Streiflichter auf das Dienstbotenelend. Niemand, der an der Tagung teil genommen hat, wird ohne den einen oder anderen Gewinn nach Hause zurückgekehrt sein, welcher der Dienstboten bewegung zugute kommen muß. Die Konferenz ließ klar in die Erscheinung treten, daß die Dienstbotenbewegung als Reflex der allgemeinen Arbeiterbewegung nur dort Aussicht auf Erfolg und Weiterentwicklung hat, wo die letztere eine bestimmte Höhe erreichte. Wo die Dienstbotenbewegung gedeihen soll, muß der allgemeine proletarische Klassenkampf durch seine praktischen Leistungen wie durch seine Ideologie das Bewußtsein der Dienenden genügend beeinflußt haben, muß er die nötige Anzahl intelligenter und opferwilliger Genossinnen stellen, die die Agitations- und Verwaltungsarbeiten zu versehen imstande sind. Die Diskussionsreden und die Berichte aus den einzelnen Orten legten Zeugnis ab von der Summe von Intelligenz und praktischem Sinn, dem großen Fleiß und der Opferwilligkeit der Genossinnen, die still und treu alle notwendigen Arbeiten verrichten. überall hatte man bei dem Wirken dieselbe Erfahrung ge macht: nämlich, daß die Mädchen in ihrer Vereinzelung in der Regel gar keine Ahnung von ihrer Zahl und ihrer darin ruhenden Macht haben. Aus diesem Grunde, und weil viel schwerer an die Mädchen heranzukommen ist als zum Beispiel an die Fabrikarbeiterinnen, war für die Dienstbotenbewegung eine große, umfassende Reklame notwendig, wenn Erfolge erzielt werden sollten. In den Massenversamm lungen, die dadurch zustande kommen, werden die Mädchen erst inne, wie viele ihrer sind; ihre Scheu verschwindet, ihr Mut wächst und sie werden für den Organisationsgedanken gewonnen. Die Angriffe der bürgerlichen Presse, der kürzer lichen Parteien und ditto Damen haben der jungen Bewegung nirgends geschadet, vielmehr überall eine noch größere Energie und Begeisterung ausgelöst�-" Die Verhandlungen der Konferenz ergaben Übereinstimmung in der Überzeugung, daß überall die Stellenvermittlung von der Dienstbotenorganisation selbst in die Hand genommen werden muß. Wo das bisher geschehen ist, hat sie sich geradezu als Rückgrat der Organisation erwiesen. Die Stellenvermittlung ist ein vorzügliches Propagandamittel für die Vereine, da natürlich nur Mitgliedern Stellung nachgewiesen wird. Dieses Propagandamittel war um so wirksamer, je mehr man dafür getan hatte, daß die Existenz des Vereins u!ld des Stellennachweises bekannt geworden war durch Annoncen, durch Versendung von Plakaten in die nahe- und fernerliegenden Orte, aus denen erfahrungsgemäß Mädchen zuziehen usw. Der Stellennachweis muß außerdem mit dem Erstarken der Organisationen als Kampfesmittel in Anwendung kommen, um dem Dienstvertrag Anerkennung zu verschaffen, sintemalen die Dienstboten bis heute noch kein Streikrecht haben, vielmehr der Gesindeordnung unterstehen, deren Wirkung sie vorläufig nur so außer Kraft zu setzen vermögen, wobei gleichzeitig auch die wichtigsten sozialen Verbesserungen in der Lage der Dienenden herbeizuführen wären. Der Stellennachweis soll und wird bei den Mädchen wie bei den Wasch- und Scheuerfrauen, die überall mit zu organisieren als praktisch empfohlen ward, das Gefühl der Sicherheit erwecken, den Gedanken, einen Rückhalt zu besitzen, und dieses Gefühl der Sicherheit wird wachsen und begleitet sein von dem Zusammengehörigkeitsempfinden, besonders wenn die Hauskassierung überall eingeführt, wenn den Stellenlosen Unterkunft bei Kolleginnen geboten wird, wenn geselliges Beisammensein die Mitglieder einander näher bringt und vor allem, wenn in den regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen für die Vertiefung der Erkenntnis Sorge getragen wird. Die Errichtung der Stellennachweise wird überall zunächst ziemlich bedeutende sachliche und persönliche Ausgaben verursachen. Die Konferenz sprach daher die Erwartung aus, daß bei dem hohen Interesse, welches die Allgemeinbewegung an der gedeihlichen Fortentwicklung der Dienstbotenbewegung hat, die örtlichen Gewerkschaftskartelle zunächst diese Kosten tragen möchten. Die Aufwendungen dafür können um so eher geleistet werden, als bei zunehmender Frequenz der Stellennachweis seine Kosten bald selbst decken kann, da die Herrschaften gern bereit sein werden, die kleine Vermittlungsgebühr zu begleichen. Auch die Frage des freien Dienstvertrags fand durch das Referat von Genossin Baar und die dadurch eingeleitete Diskussion eine ausgiebige und fruchtbare Erörte rung. Scharf wurde die Bedeutung des Dienstvertrags als eines wirksamen Agitationsmittels hervorgehoben, das der Organisation zahlreiche Anhängerinnen zu gewinnen vermag Und je mehr der Vertrag als solches seinen Zweck erfüllt und zur Schaffung großer, starker Vereine beiträgt, so führten die Rednerinnen aus, um so eher wird es auch möglich, ihn zum Kampfesobjekt zu machen, das heißt seine Anerkennung durchzusetzen und dadurch die Gesindeordnung zu umgehen Von einer Reihe von Orten ward berichtet, daß die Dienstmädchen dem freien Vertrag lebhafte Sympathien entgegen bringen und in manchen Fällen auch seine Anerkennung durch Herrschaften erreicht haben. Die Debatten verliehen mit allem Nachdruck der Überzeugung Ausdruck, daß es die Pflicht der Dienstboten haltenden Genossinnen und Genossen sei, durch den freien Dienstvertrag die Gesindeordnung außer Geltung zu setzen. Der Meinung, daß eine Herrschaft den von ihr angenommenen Dienstvertrag nicht zu halten brauche, solange die Gesindeordnung noch in Kraft stehe, ward entgegengehalten, daß der unterschriebene Vertrag rechtsgültig sei und respektiert werden müsse. Verschiedene Rednerinnen wiesen darauf hin, daß die eigene Stellenvermittlung der Dienstbotenorganisationen zur Durchführung des freien Dienswertrags mitwirken könne, und daß des weiteren der Mangel an Dienstmädchen, zumal an geschulten, erfahrenen Mädchen, für seine Anerkennung aus genutzt werden müsse. Daß die Agitation für den Vertrag nicht die Agitation gegen die Gesindeordnungen schwächen dürfe, gelangte unzweideutig zum Ausdruck, ebenso auch, daß wir uns nicht bloß mit einer Reform der letzteren begnügen dürfen, sondern für ihre Aufhebung kämpfen müssen. Da man überall unter den oben angeführten Voraussetzungen die Erfahrung gemacht hat, daß die Dienstmädchen sehr wohl organisationsfähig sind, xinst�da der Stand der Vereine und ihre weitere Entwicklung nach einheitlicher Zusammenfassung der organisierte» Kmfte drängt, beschloß die Konferenz, die ZentraMztiot� Qe�DreuMotLiuureine in die Wege zu leiten und nach erfolgter Zentralisation den Anschluß an die Generalkommission zu vollziehen. Als Sitz der zentralisierten Organisation ward Hamburg einstimmig gewählt. Mit den nötigen Vorarbeiten ward eine fünff gliederige Kommission betraut, zusammengesetzt aus zu wählenden Delegierten der Dienstbotenvereine von Berlin, Leipzig, Nürnberg(und falls Nürnberg ablehnt von München), Frankfurt a. M. und Hamburg; als Sitz der Kommission wurde Hamburg bestimmt. Beschlossen ward ferner, ein einheitliches Organ für die Dienstboten zu schaffen. Einstimmigkeit herrschte dar über, daß zurzeit keines der beiden Blätter, die in den Organisationen eingeführt sind, weder die„Gleichheit" noch das Blatt der Berliner Hausangestellten, den Anforderungen eines Fachorgans der organisierten Dienenden genüge. Da aber zu erwarten ist. daß der Verlag der„Gleichheit" den ür die Tienstbotenbewegung bestimmten Teil des Blattes den Vorschlägen der Genossin Zetkin entsprechend erweitern und ausgestalten läßt, da ferner es allgemein als äußerst wünschenswert erklärt ward, die Mädchen auch über die Vertretung ihrer Berufsinteressen hinaus für die Arbeiter- bewegung zu interessieren und sie zu. zielklaren Genossinnen heranzubilden, so wurde empfohlen, die„Gleichheit" als obligatorisches Organ zu wählen. Damit waren die Aufgaben der im voraus und ohne Grund geschmähten Konferenz beendet. Wir können ohne Übertreibung sagen: Sie hat ein tüchtiges, achtenswertes Stück Arbeit geleistet. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß der ausgestreute Samen aufgehen und Früchte tragen möge, und wir appellieren an alle Instanzen in unserer Arbeiterbewegung und an alle klassenbewußten Proletarier, das Ihrige zu tun, damit dieser Wunsch erfüllt werde, zum Nutzen der Dienstboten, im Interesse der Allgemeinbewegung. Luise Zieh. Schularztberichte. Von vr. Zadel. V. Das Vorhandensein von Ungeziefer, insbesondere von Kopfläusen, gibt überhaupt einen brauchbaren Gradnieffer ab für die Zustände im Elternhaus, die Höhe der Kultur und Lebenshaltung, vor allem für die Tüchtigkeit der Haus- rau. Zahlen, wie sie der Bericht aus Darmstadt bringh daß in einzelnen Mädchenschulen jedes vierte Kind Ungeziefer hat, gehören durchaus nicht zu den Ausnahmen. Bei genauer Besichtigung jedes einzelnen Kopfes hatte doch noch Anfang der neunziger Jahre vr. Neumann bis zu 45 Prozent der Berliner Schulmädchen damit behaftet gefunden. Seit Ein- ührung der Schulärzte wird diesen in der Schule statt- indenden Übertragungen zum erstenmal die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, wissen diese doch, wie viel Krankheits- zustände, Hautausschläge und Drüsenschwellungen, Augenkrankheiten usw. darauf zurückzuführen sind, und durch Hand in Hand arbeiten zwischen Schularzt, Lehrer und Elternhaus ist es auch vielfach schon gelungen, diese häßlichen Überbleibsel einer niederen Kultur erfolgreich zu bekämpfen. In Offenbach, wo noch 189K bei mehr als 25 Prozent der Schüler Läuse gefunden wurden, wurden im letzten Jahre nur bei 4 Prozent lebende Tiere gefunden. Aus Aachen wird berichtet, daß die Reinlichkeit an Körper und Kleidern ich wesentlich gebessert habe und die Benutzung der Schulbäder in beständiger Zunahme begriffen sei, daß dementsprechend die Läusesucht abgenommen habe. In Nürnberg wurden bei der Untersuchung der Schulanfänger bei 2l3 Mädchen(7,6 Prozent), aber nur bei 3 Knaben Läuse gefunden; in Brünn bei 1691 Mädchen(13,7 Prozent) und 52 Knaben, zusammen bei 7,6 Prozent; in Braunschweig wurde bei 7,3 Prozent der Eingeschulten Ungeziefer festgestellt, aber noch mehr im Laufe der Schulzeit: 99 Fällen im ersten Schuljahr standen gegenüber 115 im dritten und 131 im fünften Schuljahr. Der Berliner Bericht meldet, daß in einer Schule bei 16 Prozent, in einer anderen bei mehr als der Hälfte der neu eingeschulten Mädchen Kopfläuse gefunden wurden; ein Schularzt berichtete, daß in seinen Schulen früher bis zu einem Drittel der Kinder mit Kopfläusen behaftet waren, während sie jetzt nur noch vereinzelt gefunden werden. Von Wichtigkeit ist, daß nicht nur die Kinder, bei welchen Ungeziefer gefunden wird, von demselben befreit werden, es muß auch dafür gesorgt werden, daß die übrigen Familienmitglieder die Petroleumbehandlung, welche den Müttern empfohlen wird, gleichfalls durchmachen, da sonst immer von neuem wieder Übertragungen und Einschleppungen in die Schule stattfinden. Zu diesem Zwecke wäre es erforderlich, daß durch Besuch der Wohnungen Aufklärung und Abhilfe geschaffen würde. In mehreren Klassen wurde eine größere Zahl von Kindern mit Krätze vorgefunden. Es wird darüber geklagt, daß in manchen Fällen die Behandlung Schwierigkeiten machte, da die Eltern die verordneten Medi- kamentenichtbezahlenwollten. Bei einem Mädchen, das schon vier Wochen lang bei einem Kurpfuscher„wegen unreinen Blutes" in Behandlung stand und mit Blutreinigungstee behandelt worden war, wurden Krätzmilben vorgefunden. Da, wo das Elternhaus in bezug auf Reinigung und Beaufsichtigung der Kinder versagt, müßte, wie in Darmstadt, seitens der Schulen eine Frau zur Reinigung dieser Kinder angestellt werden. Auch sonst klagen einzelne Berichte über mangelnde Unterstützung des Elternhauses bei dem Bemühen der Schulärzte, die Gesundheitsverhältnisse der in Überwachung genommenen Kinder zu verbessern. Der Königsberger Bericht teilt mit, daß von 1697 schriftlichen Mitteilungen(wegen Ungeziefers?) der Schulärzte an die Eltern 314 ohne Erfolg waren. Aus Mannheim lesen wir, daß bei der Anmeldung 3549 Personalbogen den Eltern zur Ausfüllung übergeben wurden, von denen 154 erst nach nochmaliger Erinnerung abgeliefert wurden. Der Darmstädter Bericht konstatiert, daß die Einwilligung zum Baden öfter versagt wurde. Die Nürnberger Schulärzte empfehlen, den bei der Aufnahmeuntersuchung anwesenden Eltern von Kindern, bei welchen gesundheitliche Störungen nachgewiesen werden, einen entsprechend vorgedruckten Bogen zu übergeben, auf welchem der behandelnde Arzt vermerken soll, ob er das Kind in Behandlung genommen habe oder ob für anderweite Abhilfe gesorgt worden sei. Der Berichterstatter knüpft daran die nicht unberechtigte Bemerkung:„Ob diese Einführung viel Zweck habe, bleibe dahingestellt bei den vielfach negativen Erfahrungen, die man mit solchen Mitteilungen an die Eltern gemacht habe, und bei dem Mangel an hausärztlicher Behandlung in den in Betracht kommenden Kreisen." DieSchulverwaltung muß im Gegenteil ihrerseits dafür Sorge tragen, daß den kränklichen Kindern die Fürsorge zuteil werde, welche nach dem schulärztlichen Urteil benötigt ist. Freilich liegt es nicht allemal an dem Mangel an Mitteln im Elternhaus, welcher die fehlende Fürsorge entschuldigt. Der Berliner Bericht sagt darüber: „Es ist vielfach nicht die Armut der Eltern, sondern Unkenntnis und Mangel an Pflichtgefühl, für die Kinder zu orgen, welche die Kränklichkeit verursachen. Dieses mangelhafte Pflichtgefühl gibt sich schon an der geringen Sauberkeit, an dem Zustand der Kleidung zu erkennen. Manche Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule, nicht weil die Mittel zur Beschaffung des Frühstücks fehlen, sondern weil die Mutter zu nachlässig ist, aufzustehen und das Frühstück zu bereiten. Die Fälle, daß es nicht gelingt, die Kinder von Ungeziefer dauernd freizuhalten, weil die häusliche Mitwirkung im Stiche läßt, sind allzu häufig.— Ein Schularzt konnte bei 66 Prozent der Kinder, welche wegen Skrofulöse, tuberkulöser Disposition, Blutarmut in seiner Überwachung standen, eine unzweckmäßige Lebensweise feststellen— Genuß alkoholischer Getränke, ungenügenden Schlaf. Sicherlich sind diese die Gesundheit schädigenden Momente nicht die alleinige Ursache der Blutarmut usw., sie tragen aber zur Schwächung des Organismus ihr Teil bei und sind vor allem Momente, die selbst in der ärmsten Familie bei nur einigermaßen gutem Willen und hygienischem Verständnis beseitigt werden können, und zwar gerade durch die schulärztliche Beratung der Eltern. Es hält bei mancher Mutter chwer, das Interesse für derartige Zwecke zu wecken, noch chwerer, alle Vorurteile zu beseitigen. Ich habe jedoch den Eindruck, daß es schließlich bei allen zum Wohle ihrer Kinder gelungen ist. Wo die häuslichen Verhältniffe zu ärmlich waren, kamen mir auch in diesem Jahre die Wohltätigkeitsvereine in dankenswerter Weise zu Hilfe durch Gewährung von Milch und Kräftigungsmitteln. In drei Schulen im Norden der Stadt konnte festgestellt werden, daß 7 bis 9 Prozent aller Kinder völlig nüchtern zur Schule kommen oder nur eine Tasse Kaffee ohne Zubrot vorher genießen. Die meisten, 76 bis 74 Prozent, begnügen ich mit Kaffee und etwas Weißbrot, nur 11 bis 23 Prozent erhalten die dem Kinde zukommende Nahrung, Milch oder Suppe mit Zukost. Die Ratschläge, welche von den Schulärzten gelegentlich der Untersuchung der Kinder den Eltern gegeben werden, md zwar im allgemeinen von guter Wirkung, eine sichere und ausgedehntere Einwirkung würde sich jedoch Herbeiuhren lassen, wenn es möalich wäre, die häuslichen Ber- Nr. 25 Die Gleichheit 215 Hältnisse zu untersuchen und hier Besserung anzuregen. Eine Wohnungsaussicht, wie sie in mehreren Städten eingeführt ist, kann hierfür nicht genügen, da sie sich nur auf die äußeren Verhältnisse der Wohnung ersireckt. Ebenso wie früher angenommen wurde, daß den Schulärzten nur die Beaufsichtigung und Begutachtung der äußeren Einrichtungen der Schule zufallen solle, während sich schon nach den ersten Versuchen herausstellte, daß die Hauptsache die hygienische Überwachung der Kinder bilden müsse, hat auch die auf die äußeren Verhältnisse der Wohnungen sich beschränkende Wohnungsbeaufsichtigung sich als nicht genügend erwiesen. Es müßte noch hinzutreten eine Aufklärung und beratende Kontrolle der Lebensführung der Bewohner in gesundheitlicher Beziehung. In welchem Grade eine Kontrolle wirksam sein kann, zeigen Ersahrungen, die bei der Überwachung der Haltekinder gemacht wurden. Die den Haltefrauen überwiesenen Kinver stehen unter dauernder Beaufsichtigung von Damen und Ärzten, welche Besuche in den Wohnungen machen. Es ergab sich nun, daß die Ehemänner dieser Frauen gekommen sind und sich für die Beaufsichtigung bedankten, weil seit Einführung derselben in ihrer Wirtschaft Ordnung herrschte. Ebenso zeigen die bei den Fürsorgestellen für Lungenkranke gemachten Erfahrungen, daß sich durch Beratung und Aufsicht in den Wohnungen in gesundheitlicher Beziehung außerordentlich viel bessern läßt." Eine Aufgabe, welche von der Gemeinde ebenfalls übernommen werden muß, ist die Zahnpflege der Schulkinder, und dank der schulärztlichen Tätigkeit ist bereits der Anfang gemacht worden, um der entsetzlichen Verwahrlosung des Gebisses unserer heutigen Menschheit abzuhelfen. DerDarm- städter Bericht betont die Gleichgültigkeit von Schülern und Eltern hinsichtlich einer regelmäßigen Zahnpflege und konstatiert die Besserung, welche durch die Zahnklinik erreicht wurde. In Mühlheim waren zahnkrank 7V Prozent, in Aachen bv Prozent; in Bernburg hatten nur 10,9 Prozent der Kinder der Mädchenbürgerschule gesunde Zähne, in der Knabenmittelschule 12,0 Prozent, in der Volksschule 10,3 bis 23, S Prozent. In Braunschweig war das Gebiß schlecht bei über 50 Prozent, in Offenbach waren mehr als vier Zähne krank bei der Hälfte aller Schulanfänger— seit 1900 ist dort eine Schulzahnklinik eingerichtet worden, in welcher im letzten Jahr zweimal wöchentlich 026 Kinder behandelt wurden. Besser waren die Verhältnisse in Nürnberg, nur in 98 Fällen(— 1,8 Prozent) bestanden Krankheiten der Zähne. Der Berliner Bericht enthält folgendes: über die Zahnhygiene wurden von zwei Schulärzten Erhebungen gemacht. Or. Philippsohn fand bei 200 Kindern im Alter von sechs bis dreizehn Jahren, daß nur 43(24,5 Prozent) eine eigene Zahnbürste besaßen, doch benutzt der größte Teil der im Besitz von Zahnbürsten befindlichen Kinder diese nicht. Als Grund für die Unterlassung geben die Mütter vielfach Zeitmangel an. Keine Zahnbürste besitzen 122— 61 Prozent. Schuld daran ist nicht immer Mittellosigkeit, meist unterbleibt die Anschaffung aus Unkenntnis der elementarsten hygienischen Erfordernisse und aus Indolenz. Die gemeinsame Benutzung einer Zahnbürste durch Bruder und Schwester fand unter 200 Fällen zwölf- mal statt(0 Prozent). Sechsmal wurde die Zahnbürste ge- meinschaftlich mit den Eltern benutzt(3 Prozent). Die Benutzung einer einzigen Zahnbürste durch 2 bis 7 Personen fand 35 mal statt(17,5 Prozent). Ein ebenso ungünstiges Resultat ergab die Frage nach der Art der morgendlichen Mundsäuberung. Von 200 Kindern gurgelten frühmorgens regelmäßig 23(11,5 Prozent), unregelmäßig 34(42 Prozent). Bei 13 Schülern(6,5 Prozent) konnten die Kauwerkzeuge als leidlich oder sogar gut bezeichnet werden. Sonderbarerweise hatten von diesen 13 zahngesunden Kindern 8(61,5 Prozent) keine Zahnbürste, 11(84,6 Prozent) konnten nicht gurgeln oder gurgelten nur hin und wieder. vr. Bernhard bemerkt, daß die Zahl der Kinder, welche täglich eine Zahnbürste gebrauchten, erstaunlich gering war. Es meldete sich zum Beispiel in der ersten Klasse einer Knabenschule auf die gestellte Frage niemand. In den Mädchenschulen war es um die Zahnpflege besser bestellt als bei den Knaben, 30 Prozent gegen 18 Prozent. Die sortdauernden Ermahnungen und Belehrungen hatten ein recht günstiges Resultat. Die Zahlen sind auf 42 und 68 Prozent gestiegen. Ein wie geringer Wert den Zahnverhältnissen beigelegt wird, zeigt die Erfahrung eines Schularztes, der 100 Karlen für unentgeltliche Behandlung an einer Zahnpoliklinik an Kinder mit schlechten Zähnen verlettte. Bei einer späteren Nachfrage ergab sich, daß nur von zwei Kindern von den Karten Gebrauch gemacht wurde. Zu diesen Auslührungen möchte ich anmerken, daß der Nutzen der Zahnbürste für Erhaltung gesunder Zähne respektive Verhütung von Zahnfäule doch recht zweifelhaft ist, wie Dr. Philippsohn schon aus der„sonderbaren" Tatsache entnehmen konnte, daß die Mehrzahl der Kinder mit gesunden Zähnen keine Zahnbürste benutzt. Bekannt ist auch, daß m unserer Bauernbevötkerung, welche zum Teil noch über ein ausgezeichnetes Gebiß verfügt, Zahnbürsten schwerlich zu finden sind. Die zunehmende Zahnsäule ist weit mehr ein Zeichen der Degeneration(Verkümmerung) der Külturmenschheit und findet sich häufig zusammen mit anderen Zeichen schwächlicher Konstttutton: englischer Krankheit, Blutarmut, Drüfenerkrankungen usw. Neben einer überkommenen(erblichen) Anlage, ungesunder Lebensführung und unzweckmäßiger Ernährung � die grobe Kost des Landmannes reinigt die Zähne besser als alle Zahnbürsten— sind vor allem die Infektionskrankheiten Ursachen für die Zahnfäule. Jedenfalls ist es nötig, stockende Zähne auch in der Kindheit rechtzeitig zu behandeln und zu plombieren, um dem Fortschreiten der Zahnfäule und dem Verlust der Zäbne vorzubeugen und mindestens in vierteljährlichen Zwischenräumen das Gebiß zahnärztlich revidieren zu lassen. Deshalb ist die Anstellung von Schulzahnärzten und Errichtung von Zahnkliniken für die Schulkinder eine durchaus berechtigte Forderung. Der zahnärztliche Verein Elsaß-Lothringens verlangt in allen Städten über 100000 Einwohner städttsche Schulzahnkliniken, wie eine seit 1902 in Straßburg besteht. Seit 1906 sind dort zwei Schulzahnärzte tätig und haben im letzten Jahre 7941 Kinder behandelt— die Gesamtausgabe dafür betrug 8500 Mk. Die nämliche Forderung hat der erste internationale Kongreß für Schulhygiene in Nürnberg 1904 und der Genfer Kongreß der t'eciöration Oentsire Internationale 1906 erhoben. Derselbe faßte folgende Resolution: 1. Die Karies der Zähne hat unter allen Volkskrankheiten die größte Verbreitung, wie die statistischen Untersuchungen von Schulkindern und Soldaten beweisen. 2. Die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder wird durch sie geschädigt, die allgemeine Bolksgesundheit herabgesetzt. 3. Die Bekämpfung der Mißstände ist nur möglich durch die Einführung von Zahnärzten in Schule und Heer. Im deutschen Heer sind bereits im letzten Jahre Zahnärzte angestellt worden; es ist Zeit, daß diesem Beispiel diejenigen Gemeindeverwaltungen folgen, welche bisher die Anstellung von Schulzahnärzten unterlassen haben. Von der Tätigkeit der österreichischen Genossinnen. Als das erste österreichische Parlament auf Grund des allgemeinen, gleichen Wahlrechts gewählt war, beschlossen die Wiener Genossinnen, der sozialdemokratischen Fraktion jene Forderungen zu unterbreiten, die im Interesse der Proletarierinnen in erster Linie anzustteben sind. Es handelte sich dabei um einen Teil der Mindeftreformen, die schon vom gegenwärtigen Staat erfüllt werden können. Eine Plenarversammlung der Wiener Genossinnen, die aus Delegierten der weiblichen Mitglieder der Gewerkschaften und Bildungsvereine sowie der Frauenorganisation besteht, beschloß auf Antrag des Frauenreichskomilses, an die sozialdemokratische Fraktion des Reichsrats das Ersuchen zu stellen, sie möge für die Aufhebung jener vereinsgesetzlichen Bestimmungen(Z 30) eintreten, die„Frauenspersonen" von der Mitgliedschaft politischer Vereine ausschließen, ferner für das p a s s i v e W a h l r e ch t der Arbeiterinnen zu den Gewerbegerichten— das aktive haben wir, seit die Gewerbegerichte bestehen—, Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren, Arbeitsverbot für Schwangere mindestens zwei Wochen vor der voraussichtlichen Niederkunft, Ausdehnung des Wöchn er innen schutzes von vier auf sechs Wochen und selbstverständlich Bezahlung des vollen Verdienstes. Da die Thronrede, die von Kaiser Franz Joseph I. bei Eröffnung des Parlaments verlesen wurde, wohl ein Gesetz über die Alters- und Invalidenversicherung ankündigte, die von der Arbeiterklasse aber eben so dringend geforderte Witwen- und Waisenversorgung mit Stillschweigen überging, verlangten die Genossinnen auch, daß die Fraktion diese wichtige Reform ebenfalls nachdrücklichst vertreten solle. Daß die Fraktion außerdem für die Ausdehnung des politischen Wahlrechts auf die Frauen einzutreten hat, ist selbstverständlich. Genosse Or. Adler hat schon in einer der ersten Parlamentssitzungen in längerer Rede erklärt, daß die sozialdemokratische Partei das Frauen- wahlrechl fordert und es erkämpfen wird. Auch die anderen oben angeführten Forderungen sind zum Teil schon zu Anträgen und Gesetzentwürfen der sozialdemokratischen Fraktion verdichtet worden. So die Forderung der Witwen- und Waisenversorgung und des Wöchnerinnenschutzes. Das politische Vereinsrecht der Frauen wurde von den bürgerlichen Frauen in einer Petition verlangt, die von unseren Genossen dem Parlament übermittelt worden ist. Mehr konnte die Fraktion für die Frauenforderungen noch nicht tun, da die erste Session des neugewählten Hauses nur eine kurze war. Im September sollte in einer ganzen Anzahl der österreichischen Kronländer ein Kampf für das allgemeine. gleiche und direkte Wahlrecht zu den Landtagen aufgenommen werden. In Niederösterreich, Mähren, Böhmen. Steiermark und Galizien haben auch einleitende Versammlungen stattgefunden, zum Teil ganz mächtige Kundgebungen, doch kam die Bewegung zum Abschluß, ehe sie noch ihren Höhepunkt erreicht halte. In Niederösterreich wurde von der christlich-sozialen Majorität selbst ein Antrag auf Erweiterung des Wahlrechts eingebracht. Nach manchen Wandlungen, die die Reform dank der Demagogie der Christlichsozialen durchgemacht hatte, wurde in einer Sitzung die ganze Wahlreform„durchberatew' und zum Gesetz erhoben. Der drohenden Haltung der Sozialdemokratie war es gelungen, die Christlichsozialen zum Aufgeben der schlechtesten, infamsten Bestimmung zu zwingen. Diese schwarzen„Volkssreunde" wollten nämlich als Bedingung für die Ausübung des Wahlrechts zur dreijährigen Seßhaftigeit noch die dreijährige Gemeinde- mitglievschaft hinzufügen, eine Bestimmung, die sich natürlich nur gegen die Arbeiter gerichtet hätte. Gegen sie wäre bis zum äußersten gekämpft worden, die Christlichsozialen gaben jedoch nach— eine solch reaktionäre Bestimmung hätte selbst ihre Popularität nicht ertragen—, und das Gesetz wurde durchgepeckscht. Genoffe Seitz, der einzige Sozialdemokrat im niederösterreichischen Landtag und der einzige wirkliche Oppositionsmann, plädierte auch für das Frauenwahlrecht; er verwies auf die Enttechtung der erwerbstätigen Frauen und wollte dann der Majorität klar machen, welches Unrecht es sei, daß Großgrundbesitzerinnen das Wahlrecht zum Landtag haben, Bürgersfrauen aber nicht. Die christlichen Spießer brüllten ihm entgegen: „Die verzichten", worauf Genosse Seitz noch feststellte, daß die Arbeiterinnen nicht auf das Wahlrecht verzichten. So war es also für diesmal mit einer Wahlrechtsbewegung in Niederösterreich vorbei, und die Genossinnen kamen unter diesen Umständen gar nicht dazu, irgendwelche Aktion einzuleiten. In den anderen Kronländern wurde zwar die geforderte Reform nicht durchgeführt, aber die Landtage wurden teils geschlossen, teils vertagt. So konnte auch dort keine Aktion entfaltet werden, doch unsere Zeit wird schon kommen! Es rührt und regt sich allerorten. Der Reichsrat hat sich am 16. Oktober wieder versammelt, er steht vor schweren komplizierten Fragen. Das für die meisten rätselhafte Ding, der österreichisch-ungarische Ausgleich, steht auf der Tagesordnung, das heißt die für zehn Jahre geltenden Vereinbarungen zwischen den beiden Staaten und der Monarchie über Zölle, Verzehrungssteuern, Währung. Aber etwas drängt sich daneben ebenso sehr in den Vordergrund: das ist die ungeheure Lebensmittelteuerung. Nicht nur die Arbeiterklasse, auch der ganze Mittelstand empfindet die Furchtbarkeit der Verteuerung der Lebenshaltung. Unsere Genossinnen halten fortgesetzt Versammlungen ab, in denen die wirtschaftliche Notlage besprochen wird. Als die große Kundgebung der Wiener Genossinnen für„Die Forderungen der Frauen an das Parlament" festgesetzt wurde, da beanttagten die Delegierten der Plenarversammlung, auch die Lebensmittelteuerung in die zuerst rein politischen Zwecken zugedachte Versammlung einzubeziehen. Genossin Freundlich hat bereits in voriger Nummer der „Gleichheit" kurz über die Demonstrations-Versammlung berichtet, die am 27. Oktober stattgefunden hat. Wochenlang vorher hatten die Genossinnen für sie agitiert, und wäre es nach ihrem Wunsche gegangen, dann hätte es einen Aufmarsch auf der Ringstraße gegeben, die übrigens abgesperrt wurde! Zu Hunderten waren die Frauen aus den Vororten in geschlossenen Zügen mit Rednerinnen an der Spitze erschienen. Selbst aus den neuen Wiener Bezirken jenseits der Donau waren organisierte Frauen mit der Eisenbahn gekommen, um dann mit den anderen Genossinnen vereint zum Versammlungslokal zu marschieren. Nicht bloß der Saal, auch der große Hof war mit Versammlungsbesucherinnen überfüllt, und die Mariahilferstraße bot für einige Stunden noch ein weit bewegteres Bild als sonst. Aus der letzten Nummer können die deutschen Genossinnen bereits die zur Annahme gelangte Resolution, die alle oben erwähnten Forderungen enthält, ersehen. Wien steht mit seiner Kundgebung der Frauen nicht allein da. In 6 Provinzstädten haben schon ähnliche Demonstrationen stattgefunden. Hand in Hand mit diesen Bewegungen gegen die Teuerung und für die Forderungen der Arbeiterinnen an das Parlament geht die Gründung von politischen Frauenorganisationen. Da das Gesetz den Frauen die Zugehörigkeit zu politischen Vereinen verbietet, werden diese ohne behördliche Genehmigung unter dem Titel: Freie politische Frauenorganisation gegründet. Es geht vorwärts! Adelheid Popp-Wien. Ein Mutterbrevier. Mit einer wertvollen Gabe hat Genosse Heinrich Schulz in erster Linie die proletarischen Mütter bedacht, darüber hinaus aber alle, welche am Aufbau der sozialisttschen Zukunft arbeiten und die Erziehung der proletarischen Jugend im Geiste des Sozialismus für einen ihrer tragenden Pfeiler ansehen. Die Beiträge, welche er seit drei Jahren in der Beilage der„Gleichheit" für„Die Mutter als Erzieherin" veröffentlicht hat, sind von ihm gesammelt und vermehrt unter dem gleichen Titel als Büchlein herausgegeben worden. Damit hat ein vielfach geäußerter Wunsch aus den Kreisen unserer Leserinnen seine Erfüllung gefunden, ein Wunsch, welcher jedem begreiflich ist, der regelmäßig in unserem Blatte die kleinen„Beiträge zur Praxis der proletarischen Hauserziehung" gelesen hat. Es würde sich daher erübrigen, an dieser Stelle auch nur ein Wort zum Lob und zur Empfehlung der Sammlung zu sagen, die in guter, geschmackvoller Ausstattung vorliegt.* Wenn wir troydem auf ihren Wert ausdrücklich hinweifen, so geschieht es um der vielen Tausende Leserinnen Willen, die wir erst in den letzten Monaten gewonnen haben, und die daher die Bedeutung des Schriftchens noch nicht genügend würdigen können, so geschieht es auch in der Hoffnung, daß unsere Stimme über den Verbreitungskreis der„Gleichheit" hinaus in weitere proletarische Schichten dringen und der Verbreitung des Büchleins die Wege ebnen helfen möge. Denn es verdient vollauf, Hausfreund und Hausberater aller proletarischen Eltern zu werden, denen es heiliger Ernst mit der Verpflichtung ist, ihre Kinder zu geistig-sittlich starken und schönen Menschen zu erziehen, die zukunftsfroh für die Befreiung ihrer Klasse kämpfen und siegen können. Wir wissen nur zu gut, wie schwer es die Ungunst der Lebenslage unter dem Fluche der kapitalistischen Ordnung gerade diesen Eltern macht, ihren Kleinen auch nur ein be- ' Die Mutter als Erzieherin, kleine Beiträge zur Praxis der proletarischen Hauserziehung. Stuttgan, Verlag von I. H. W. Dictz Nachs. Preis kartoniert 50 Pf., in Geschenleinband 7b Pf. 216 scheidenes Teil der erziehlichen Fürsorge zuzuwenden, welche unferer Meinung nach jederzeit durch das Heim zu der nötigen Erziehung durch die Gesellschaft hinzugefügt werden muß. Und weil wir wissen, was Dürftigkeit der Lebensgestaltung, ja bittere Not im Bunde mit mangelhafter per önlicher Ausbildung und Entwicklung den Vätern und Stüttern im Proletariat an Vorbedingungen dafür vorenthält, ihrem Fleisch und Blut im höchsten Sinne des Wortes Eltern zu sein: achten wir Schulz' Schriftchen so hoch, daß wir es in feiner Arbeiterfamilie missen möchten. Die Gleichheit Nr. 25 Worauf ist nun der beklagte Mangel an Arbeitskräften| wenn der Deutsche Zeptilarbeiterverband überall zurückzuführen? Sicherlich in erster Linie auf die miserablen in Stadt und Land seine Fahne hißt und unVerhältnisse, die in den Spinnereien vorherrschen. In den barmherzig in die Not der Ausgebeuteten Spinnsälen, die mit heißer, feuchter, durch Dunst und Ol hineinleuchtet; wenn die Arbeiterinnenscharen geruch geschwängerten Luft erfüllt sind, schuften die Arbeite- ihre Klassenlage ertennen und sich gemeinsam rinnen meist 11 Stunden täglich für einen erbärmlichen gegen die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zur Lohn, der bei weitem nicht ausreicht, die notwendigen Be- Wehr seßen, dann, nur dann wird es den Textildürfnisse des Lebens zu befriedigen. proletariern gelingen, selbst teil zu haben an In der Krefelder Baumwollspinnerei erhalten der goldenen Ernte, die sie täglich für andere die männlichen Hilfsspinner 60 bis 75 Prozent vom Ver- in die Scheuern bringen. Gewiß, es fehlt nicht an populären Büchern und Ab- dienſt der selbständigen Spinner, die Arbeiterinnen dagegen Daß die Verhältnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter handlungen, welche in den breiten Massen des Volkes die bekommen nur 55 bis 60 Prozent für dieselbe Arbeit. Ferner durch das Eingreifen des Textilarbeiterverbandes verbessert erziehliche Tüchtigkeit zu heben suchen. Sie alle aber fußen soll bei der genannten Firma der Brauch herrschen, daß die werden, hat erst vor kurzem die Belegschaft der Krefelder auf der Grundlage einer bürgerlichen Weltanschauung und Arbeiterinnen nur 30 Mt. pro 14 Tage ausgezahlt erhalten; Baumwollspinnerei erfahren. Kürzlich setzte dort erst die find im tiefsten Wesen darauf gerichtet, einer mehr oder was sie mehr verdient haben, kommt in die Unterstützungstaffe. Organisation ein. Mehrere öffentliche Versammlungen minder reformierten bürgerlichen Gesellschaftsordnung tüchtige In dem Kratsaal des Betriebs, wo die Arbeit infolge starter brachten dem Verband Hunderte von Mitgliedern, die gar Glieder zu schenken. Heinrich Schulz dagegen will bewußt Staubentwicklung besonders für die Atmungsorgane schädlich, bald die Verbandsleitung drängten, Forderungen für bessere bie proletarische Hauserziehung in den Dienst des prole- ja gefährlich ist, werden Löhne von 2,80 Mt. pro Tag be- Arbeitsbedingungen auszuarbeiten und der Direktion vorzutarischen Befreiungskampfes stellen, dem Reiche der Zukunft zahlt. In der Flachsspinnerei in Düren, einer Stadt, legen. Das geschah. Nach viereinhalbstündiger Verhandwill er vollwertige Bürger erziehen. Wohl schätzt er die die auf rund 30000 Einwohner etwa 40 Millionäre zählt, lung mit der Verbandsleitung machte die Direktion den gefunde, tüchtige Entwicklung der Jugend um ihres Wertes verdienen die Männer 12 bis 20 mt., die Arbeiterinnen Fordernden Zugeständnisse. Sämtliche Affordarbeiter erfür die Jugend selbst willen, da aber die Jugend des Prole 6 bis 11 Mt., jugendliche Arbeiter 6 bis 8 Mt. in der hielten vom 30. September an eine zehnprozentige Lohntariats eines Tages dazu berufen ist, mit flarem Blick und Woche. Hunderte von ausgemergelten Arbeiterinnen führt erhöhung. Vom 1. Januar 1908 ab wird die Arbeitszeit ftarkem Willen für den Sozialismus zu wirken und zu der Arbeiterzug Montags aus den armen Gifeldörfern in auf 10% Stunden und vom 1. Juli ab auf 10 Stunden handeln, so erscheint ihm ihre Erziehung doppelt bedeutsam. die Stadt. Brot und Kartoffeln für die Woche bringen die herabgesetzt. Dieser schöne Erfolg lehrt augenscheinlich, wie Das ist der verbindende Unterton, der in den 44 knapp ge- Armen mit, unter Entbehrungen aller Art schuften sie in vorteilhaft es ist, daß die Arbeiterinnen und Arbeiter sich faßten Beiträgen mitschwingt, welche die Mutter bei ihrem der kapitalistischen Fronburg, um durch das fleißige Regen ihrer Gewerkschaftsorganisation anschließen. Werke beraten wollen. ihrer Hände die Flachssträhne in blinkendes Gold für die reichen Besitzer zu verwandeln. Die Losung aller Arbeitenden und Entbehrenden muß daher sein: Hinein in den Deutschen Textilarbeiterverband! W. Kähler. Proletarierelend in Weimar. Als vor kurzer Zeit im Gemeinderat der kleinen MufenEs ist ein geborener und geschulter Erzieher, der in ihnen das Wort hat, der aber nie mit dem Apparat seiner Wissen- Die Niederrheinische Flachsspinnerei in schaft flappert, sondern einfach und schlicht vom Wesen päda- Dülten zahlte den selbständigen Spinnerinnen jahregogischer Theorie in die Praxis umgesetzt für die Praxis gibt. lang einen Lohn von 13 Mt. pro Woche bei täglich elfReine abstrakte Formel, fein zünftig gelehrter, dem Laien un- stündiger Arbeitszeit. Die verheirateten Männer erhielten verständlicher Ausdruck schreckt die Leserin und hindert fie, einen Stundenlohn von 22 bis 27 Pf. Eine vom Deutden entwickelten Gedankengängen zu folgen. So wird auch schen Textilarbeiterverband geführte Lohnbewegung stadt an der Jlm darüber bittere Klage geführt wurde, daß bie einfachste Proletarierin, die noch am Anfang der schweren hat die Löhne in lezter Zeit um 1,50 bis 1,70 Mt. ausgebessert. teine Hebamme sich danach dränge, die sogenannten„ ArmenAufgabe steht, mit eisernem Willen durch Selbstbildung gut Jn den Spinnereien zu Rheydt haben verheiratete zu machen, was die Armeleuteschule des Klassenstaats an Männer bei 11% stündiger Arbeitszeit einen Verdienst von ihr gesündigt hat, mit vollem Verständnis, mit steigendem 2,20 bis 2,90 mt. täglich. Nur durch überarbeit und NachtInteresse und dauerndem Gewinn das Büchlein lesen. Was arbeit tönnen sie sich und den Ihrigen das nackte Leben fristen. Genosse Schulz der Mutter råt, um ihre Kinder zur Wahr- Bei diesen Hungerlöhnen herrscht noch ein raffiniertes Strafhaftigkeit, Selbständigkeit, Charakterfestigkeit, zur richtigen fyftem für Zuspätkommen, Sprechen mit dem Nebenmann usw. Würdigung der Arbeit und zur Achtung vor dem Recht In Euskirchen erreichen die Spinner, Walter usw. anderer zu erziehen: das tritt anspruchslos, in warmer Herz- einen Durchschnittslohn von 16 Mt. pro Woche. über die lichkeit wie die gelegentlichen Winte eines guten Freundes hohen Armenlasten dieser Stadt, die 1905 pro Kopf 5,84 Wt. vor uns hin, der unsere Verlegenheiten und Nöte ungefagt betrugen, braucht man sich angesichts solcher Entlohnung fennt. Und doch steht hinter jedem Ratschlag die über- wahrlich nicht zu wundern. Auch die sanitären Verhältnisse legenheit des Fachmannes, der nicht einen Augenblick die lassen in den Spinnereien des Ortes viel zu wünschen übrig. Geseze vergißt, welche die Wissenschaft über die Entwicklung Die Aborte sind fast in allen Betrieben im Verhältnis zur findlichen Geisteslebens enthüllt hat, und der daraus den Arbeiterinnenzahl in viel zu kleiner Zahl vorhanden, auch Weg ableitet, es im Sinne seiner eigenen Überzeugung ge- befommen sie selten Wasser und Seife zu sehen. beihlich zu beeinflussen. entbindungen" vorzunehmen, da konstatierte der Herr Geheime Regierungsrat Oberbürgermeister Papst, daß es in Weimar gar keine armen Leute gebe. In gewissen Kreisen mag dieser Ausspruch auch dazu geführt haben, daß man dieser von Sachkenntnis wenig getrübten Ansicht zustimmte. Die Bezahlung, die hierorts Frauen für Aufwartung erhalten, läßt wenigstens darauf schließen, daß man in solchen Kreisen, die mit der Verwendung einer Aufwartefrau ein Dienstmädchen ersparen, immer noch der Ansicht huldigt, daß diese Arbeiterinnen einen Bombenverdienst haben. Bei zwei Stunden täglicher Arbeitszeit wird bis zu 6 Mt. monatlich gezahlt; bei drei Stunden täglicher Arbeitszeit beträgt der monatliche Lohn bis zu 8 Mt. Für den halben Tag Aufwartung werden pro Monat 12 bis 15 Mt. und bei vollständiger Tagesarbeit bis zu 20 Mt. pro Monat Übelstände dieser Art, von denen wir noch viele anführen gezahlt. Das sind Beträge, die diese Herrschaften oft an könnten, tragen ganz gewiß dazu bei, daß die Arbeiterinnen einem einzigen Gesellschaftsabend aufwenden, aber wenn sie den Spinnereibetrieben mehr und mehr den Rücken fehren. Dieselben für die Aufwartefrau ausgeben sollen, jammern fie Leider verbessern sie ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse in über den hohen" Lohn. Nun kommt gerade in Weimar den anderen Zweigen der Textilindustrie höchst selten, ja eine verhältnismäßig große Anzahl Frauen in Betracht, die manchmal tommen sie aus dem Regen unter die Traufe. wahrhaftig nicht zum Zeitvertreib, sondern aus bitterer Not Auch in den Webereien sind Hungerlöhne und lange gezwungen sind, als Aufwartefrauen noch etwas mitverArbeitszeit an der Tagesordnung. In einer Puzlappen- dienen zu helfen, damit die allernotwendigsten Ausgaben fabrik zu Meerheim schaffen die Arbeiterinnen seit Jahren für die Familie bestritten werden können. Dem Gedanken, abends bis 9, 10, ja 11 Uhr, und das selbst am Samstag. diese Frauen zu organisieren, muß jedenfalls näher getreten Das Arbeiterinnenschußgefeß scheint für die betreffende werden. Firma nicht zu existieren. Verstöße gegen dasselbe sind im Rheinland überhaupt nichts Seltenes. So kann nicht bloß, nein, so muß das Schriftchen die Erziehung im proletarischen Heim fördern. übrigens nicht die der Jugend allein. Wir sind vielmehr überzeugt, daß niemand die furzen Abschnitte liest, der nicht auch Gewinn für seine Selbsterziehung aus ihnen schöpft. Ohne aufdring liche moralische Predigt sind sie lebendige Mahnungen an die Erziehenden, in strenger Selbstzucht an ihrer eigenen Entwicklung zu arbeiten, um erziehen zu fönnen. Gib ein gutes Beispiel", so ruft der erste Beitrag der Mutter zu. Genosse Schulz wünscht in seinem Vorwort, die kleine Schrift möge als eine Art Mutterbrevier zum gelegentlichen NachWie im allgemeinen die wirtschaftlichen Verhältnisse in schlagen und zum Herumblättern in einer nachdenklichen Weimar liegen, das ist wieder einmal recht drastisch im Stunde dienen". Um ihres zwiefachen Wertes willen: als Am Niederrhein ist die Samt- und Seidenweberei Gemeinderat beleuchtet worden. Bei der Vorberatung des Ratgeberin bei der Kindererziehung und als Mahnung zur zu Hause. Die herrlichsten Gewebe für Luxuszwecke, die Haushaltungsplanes für das tommende Jahr wurde auch Selbsterziehung der Erziehenden, wünschen wir ihr mehr. wundervollsten Samt- und Seidenstoffe, mit denen die der niedrigen Löhne der städtischen Arbeiter ge Nicht bloß die Mütter mögen fie fleißig lesen, auch die zahlungsfähige Damenwelt sich schmückt, werden hier von dacht. Um eine„ wohlwollende Beurteilung der in Anbetracht Männer, die sich dem proletarischen Nachwuchs gegenüber einem Proletariat hergestellt, dessen Existenzbedingungen allen der Teuerungsverhältnisse zu gewärtigenden Anträge auf ihrer Verantwortlichkeit als Väter im Heim, als Freunde Schwankungen der launischen Mode unterworfen find. Der eine, wenn auch ganz mäßige Lohnerhöhung" zu erzielen und Vorbilder in Werkstatt und Betrieb bewußt sind. Die Durchschnittsverdienst der rheinischen Textilarbeiter beträgt so schrieb der betreffende Herr wörtlich, stellte ein StadtSchrift sollte des weiteren auch der reiferen proletarischen nach Berichten der Handelskammern pro Jahr etwas über rat, der zugleich Dezernent des Armenwesens ist, schriftlich Jugend in die Hand gelegt werden. Diese bedarf der Vor- 800 Wit. Er hat in 20 Jahren eine Steigerung um etwa das Budget einer Arbeiterfamilie in Weimar zubereitung auf ihre späteren Aufgaben, und die älteren 185 Mt. erfahren. Die Steigerung der Produktivität der sammen. Der Herr Stadtrat rechnet mit einer Familie be Balder und Schwestern sind in der Arbeiterfamilie wichtige Arbeit ist in derselben Zeit durch das Zwei- und Dreistuhl- stehend aus Mann, Frau und drei Kindern. Der Mann Winterzieher, ja oft die Haupterzieher. Unsere Genossinnen sowie durch das Doppelspulsystem eine so gewaltige, daß hat 52 Wochen vollen Arbeitsverdienst, also Festtage usw. insbesondere sollten sich angelegen sein lassen, der Samm- die Lohnsteigerung in gar feinem Verhältnis zu ihr steht. mit eingeschlossen. Er erhält täglich 3 Mt., also in 52 Wochen lung eine weite Verbreitung zu sichern. Das aber nicht bloß Bor 20 Jahren wurde zum Beispiel 1200 er Bierschußsamt, 936 Mt. Die Frau geht auf Aufwartungen, womit sie in dem Kreise der aufgeklärten Proletarierinnen, die ziel zwei breit, mit 1,50 mt. pro Meter entlohnt. Jeder laufende monatlich 12 Mt. verdient. Täglich ist sie also einen halben bewußt im Klassenkampf stehen, sondern auch in der Welt Meter im Stuhl gab für den Verkauf vier Meter Samt. Auf Tag von zu Hause weg. Ihren Jahresverdienst von 144 Wf. der sozial indifferenten Schwestern. Aus der Verbreitung die verkaufsfertige Ware, die damals pro Meter mit 2 Mr. eingerechnet, hätte die Familie mithin im Jahre eine Ginwird dem kämpfenden Proletariat eine reiche und schöne ab Fabrit verkauft wurde, entfiel ein Weblohn von 37% Pf. nahme von 1080 Mt. Nun verteilt der Herr Stadtrat diese Ernte erwachsen. pro Meter. Heute wird dieselbe Ware auf vier breit Summe in folgender wunderbar anmutender Weise: Doppelspuler verfertigt. Jeder laufende Meter gibt nicht Frühkaffee: Pro Person für 2 Pf. Semmeln, pro Kopf mehr vier, fondern acht Meter Samt, und für diese acht für 1 Pf. Wilch und für 10 Pf. Kaffee für die ganze Familie, Meter werden 90 Pf. Lohn gezahlt, das macht pro Meter macht zusammen 25 Pf. Frühstück: Für jeden Kopf für 11 Pf. Der Fabrikant verkaufte früher den erwähnten 5 Pf. Brot und für 5 Pf. Butter oder Fett, macht zusammen Artikel für 2 Mt. Die Samtfabrikanten erzielen heute infolge 50 Pf. Mittagbrot: Mann und Frau je eine Suppe mit Die Textilindustrie steht mit der Gisenindustrie im Rhein- ihrer festen Vereinigung viel höhere Preise, wodurch ihr Fleisch à 18 Pf.; die drei Kinder je eine Suppe ohne Fleisch, land obenan und beschäftigt neben dieser die meisten Arbeits- Reingewinn trotz des teuren Rohmaterials enorm gestiegen jede zu 9 Pf. berechnet; alle zusammen für 10 Pf. Brot, fräfte. Die letzten Jahresberichte der Handelskammer von ist. Im Laufe dieses Sommers haben die Arbeiter den mithin zusammen eine Mahlzeit für 73 Pf. NachmittagsM.- Gladbach und Krefeld sprechen übereinstimmend von geradezu fabelhaften Geschäftsgang zu einer Lohnbewegung taffee: Für alle zusammen 10 Pf., da es Brot oder Semmeln einen flotten Geschäftsgang, der in allen Zweigen dieser benutzt. Leider mußten sie jedoch von einem Teil ihrer dazu nicht gibt. Abendbrot: Pro Kopf für 5 Pf. Brot Industrie geherrscht habe. Auch die Baumwollspinnereien Forderungen Abstand nehmen. Die Arbeiterschaft steht und je für 5 Pf. Butter, Käse, Wurst oder Suppe und Karwürden im Verhältnis zu früher trotz der erhöhten Preise nämlich noch in vier Organisationen zersplittert, und es toffeln, zusammen also die Mahlzeit 50 Pf. Miete: 120 Mt. des Rohmaterials auf ein gutes Jahr zurückblicken können, war zu befürchten, daß bei einem scharfen Vorgehen die im Jahre, also pro Tag 33 Pf. Schulgeld: Es sind zwei so heißt es darin, wenn nicht der Mangel an Arbeitsträften Ginigkeit in die Brüche gehen würde. Der Fabrikanten Kinder, die die Schule besuchen, angenommen, hierbei ist feinen lähmenden Einfluß geltend gemacht hätte. In den verband aber hat die fleine Lohnerhöhung wieder doppelt auch der Aufwand für Bücher usw. mitberechnet, zusammen Baumwollspinnereien mache sich in erschreckender Weise eine und dreifach auf die Kundschaft abgewälzt, indem er seitdem 14,60 Mt. im Jahre, also pro Tag 4 Pf. Wäsche, Kleider, Ubwanderung weiblicher und jugendlicher Arbeitsfräfte be- bereits eine zweimalige Preissteigerung eintreten ließ. Schuhe usw. berechnet der Herr Stadtrat mit jährlich 90 Mt., merkbar, die in den Webereien oder gar in anderen Industrien Zahlreiche Bilder des Raubbaus, der mit der menschlichen also pro Tag 25 Pf. Kranken- und InvaliditätsBeschäftigung suchten. Ungeachtet fortgesetzter Lohnsteige Arbeitskraft getrieben wird, können von allen Zweigen der beiträge für Mann und Frau find pro Jahr mit 12,90 Mt., rungen(?), die das Gewinnergebnis beeinträchtigten(?), jei Textilindustrie des Rheinlandes entrollt werden. Das hier also täglich mit 6 Pf. angesetzt. Licht und Heizung hat das Abströmen der Arbeitskräfte nicht au beseitigen gewesen. heimische Glend der Arbeitenden wird erst gemildert werden, der Herr Stadtrat nur für fünf Monate veranschlagt, wie Elendsbilder aus der rheinischen Textilindustrie. Nr. 25 Die Gleichheit 217 es damit in den übrigen sieben Monaten gehalten werden säure. Wo der Kohlensäuregehalt hoch war, da verlangten das Botengehen, Brötchentragen als solche zu betrachten. soll, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Es sind für die Inspektoren eine bessere Ventilation. Weite Wege sind dabei auch ebensowenig zurückzulegen als die betreffenden Ausgaben 20 Mt., also pro Tag 6 Pf. in Am schlechtesten steht es mit der Ausführung der Ar viele hohe Stockwerke zu erklettern, da es, von Mainz abRechnung gestellt. Ein Glas Bier wird der Familie troh beiterschutzgesetze in den Textilfabriken Irlands und in dem gesehen, Großstädte nicht gibt, und die genannte größte allem noch täglich zugestanden. Die Ausgabe hierfür beträgt Töpfereidistrikt Englands. Auch in manchen Textildiftriften Stadt nur 213= 0,4 Prozent aller Voltsschüler als erpro Tag 13 Pf., also im Jahre 47,25 Mt. Steuern und Englands und in den für gefallene Mädchen eingerichteten werbstätig aufweist. Tageblatt sind pro Jahr mit 3,25 Mt. berechnet, also mit Wäschereien Schottlands sind noch viele Verbesserungen nötig. Trotzdem finden wir in 1823= 43,7 Prozent aller Fälle täglich 1 Pf. Daß die Steuern in Weimar für Staat und In Belfast werden die Kinder einen Tag um den an- Gesetzesübertretungen, die sich nach dem oben Gesagten Gemeinde bei dem angesezten Einkommen schon allein 18 Mt. deren in den Fabriken beschäftigt, während sie in England großenteils auf die mißverständliche Auffassung der Bevölke betragen, hätte natürlich der Herr Stadtrat wissen müssen. nur halbe Tage verwendet werden dürfen. Wie die In- rung zurückführen lassen, der so manche vom Gesetzgeber Nun trifft aber im allgemeinen die wunderbare Aufstellung spektorin Miß Martindale berichtet, sind die betreffenden gemachte Unterscheidung nicht in den Sinn will. nicht zu. Zunächst fehlen noch eine ganze Anzahl notwendiger Kinder in Belfast schwächlich und von kleinem Wuchs. Sie Weit deutlicher noch als aus den Zahlen geht das aus Ausgaben, die gar feine Berücksichtigung gefunden haben, hat ein Mädchen im Alter von 12 Jahren wiegen lassen. anderen, Bekundungen hervor. So fagt einleitend der und dann gibt es eine große Anzahl Arbeiterfamilien, wo Das Gewicht war 58 englische Pfund, während ein gesundes Darmstädter Bericht, daß die Eltern den Eingriff in das der gemeinsame Jahresverdienst die Höhe von 1080 Mt. Mädchen von gleichem Alter 76 Pfund wiegt. Auch die Bestimmungsrecht über die Arbeitskraft der Kinder nicht nicht erreicht. Trotz alledem gibt schon diese lückenhafte Schulräume dieser Kinder sind ungenügend. Die Inspektorin verstehen. Kommt zu dieser Meinung noch die bittere Not, Aufstellung ein Bild vom Proletenelend, wie es drastischer fand 60 dieser Schulmädchen in einem Zimmer. Die Leh- welche die Mitarbeit des Kindes dringend notwendig macht, nicht gut gezeichnet werden kann. Es beweist aber auch, rerin sagte, nach ihrer Erfahrung werden nur wenige diefer so bleibt jede Belehrung nuglos. Wird der Mutter der wie sich das wirtschaftliche und soziale Leben in den Köpfen Mädchen ein Alter von über 30 Jahre erreichen. Es ar Borhalt gemacht, daß fie ihr Kind mit Zeitungsaustragen der satten Bourgeoisie malt. Das wurde gleich in derselben beiten auch viele verheiratete Frauen in den irischen Textil- für Dritte, den Verleger oder Agenten, gesetzwidrig beSigung der Stadtväter bestätigt. In vertraulicher Beratung fabriken; die Pflege der Kinder ist deshalb eine sehr mangel schäftigt, so weist sie auf den Bäckermeister hin, der sein erörterte man auch eine Regulierung der Gehälter der hafte. Der Fabrikarzt Dr. Purdon ist der Ansicht, daß die gleich altriges Kind morgens in aller Frühe und zu jeder, höheren Beamten. Die wunderbare Aufstellung des Kinder der Fabritarbeiterinnen einer Entartung entgegen auch zur bittersten Jahreszeit, mit dem Austragen seiner Budgets einer Arbeiterfamilie mag den Stadtvätern die gehen. dol Waren so lange beschäftigen kann, wie er will.... Draußen teure Zeit so packend vor Augen geführt haben, daß sie Jm Töpfereidistrikt Englands( in der Gegend um Han- reinigt das 8 jährige Mädchen des Hofarbeiters im Sonnenflugs den höheren Beamten mehrere Hundert Mark zu- ley) wurden früher, als die Maschinentechnik sich noch nicht brand die Straße vor der Hofreite des Großbauern, des legten. Die Arbeiter fommen vielleicht später mit ein paar des Industriezweiges bemächtigt hatte, hauptsächlich Männer Lehrers oder Pfarrers, oder da geht das 6jährige Mädchen Pfennigen Lohnaufbesserung auch noch an die Reihe, beschäftigt. Mit der Einführung von Maschinen nahmen des Taglöhners durch die heiße Luft und bringt dem Vater, vorausgesetzt, daß natürlich die Mittel dazu vorhanden sind. die Frauen die Plätze der Männer ein. Die Arbeit ist vielleicht auch noch einem anderen Verwandten das MittagDas Ganze nennt man dann hierzulande: Praktische Ar- schwer und gesundheitsschädlich; die Folge ist eine hohe effen auf staubiger, schattenloser Straße nach dem weitbeiterfürsorge! Kindersterblichkeit, die zwischen 155 und 205 von Tausend gelegenen Steinbruch, und drinnen im fühlen Raum soll der schwankt. Die Löhne sind niedrig, und sie werden noch durch kräftige Knabe der kranken Arbeiterin still sizen und mit zuallerlei Abzüge erheblich gekürzt. Neben ihren qualifizierten sehen, wie die zitterige Hand der Mutter versucht, Tabak zu Arbeiten müssen sie noch den Lehm in die Fabrik schleppen. entrippen weil er noch nicht 12 Jahre alt ist.... Der Die Inspektorin Miß Vines berichtet hierüber:„ Der Ver- müde Arbeiter bringt am Samstagabend einige Exemplare walter einer Fabrit sagte mir, er fönne es nicht begreifen, einer Zeitung aus der Stadt mit, vielleicht von seiner Parteidaß das Gesetz nicht verbietet, Frauen derartige schwere presse, und gibt sie seinem herbeieilenden Jungen zur BeLasten aufzuerlegen. Ich persönlich bin der Ansicht, daß es sorgung. Am anderen Tage, am Sonntag, wird er vor den fein hoffnungsvolles Zeichen für das England des 20. Jahr- Bürgermeister gerufen und ihm eröffnet, daß er die Be hunderts ist, wenn erst Gesetze nötig sind, um Frauen und schäftigung seines Kindes für Dritte zu unterlassen habe. Mädchen nicht zu Lafttieren degradieren zu lassen." Beim Gang nach dem Rathaus hat er aber gesehen, daß der Gutspächter wegen eines drohenden Gewitters zahlreiche Arbeiterfinder jeden Alters Erntearbeiten verrichten läßt." B. In Nottingham, dem Mittelpunkte der Spigenindustrie, flagen die Lehrer, daß die Halbtagschülerinnen kleine Sklaven" sind. In einer Schule dieses Distrikts wurden 300 Kinder auf ihre Sehkraft ärztlich untersucht. Bei 51 von ihnen waren die Augen erheblich geschwächt. Englische Gewerbeaufsicht im Jahre 1906. Der Bericht über die Gewerbeaufsicht im Jahre 1906 bezieht sich auf Fabriken und Werkstätten des Vereinigten Königreichs( England und Wales, Schottland und Frland), mit Ausnahme der Minen sowie derjenigen Werkstätten, in denen nur erwachsene Männer beschäftigt werden. Die Zahl der Gewerbeinspektoren und Assistenten betrug 163, darunter 11 weibliche, gegen 137 im Jahre 1901 und 111 im Jahre 1896. Die Zahl der registrierten Arbeitsstätten: Fabriken, Werkstätten, Wäschereien, Docks, Werften und Magazine belief sich auf 263 264. In den Fabriken wurden ungefähr 4 150 000 Personen beschäftigt, in den Werkstätten 700 000, in den Wäschereien 100 000; darunter waren 390869 In manchen englischen Fabriken tommen noch Miß Kinder und jugendliche Personen. Die Kinder im Alter bräuche vor, für die jede Entschuldigung fehlt. Die Inspek von unter 14 Jahren arbeiteten nur halbe Tage; ihre Zahl torin Miß Squire erzählt:„ In einer Werkstätte fand ich betrug 42613, davon in Lancashire und Yorkshire rund 40 Mädchen, davon 21 Kinder, die mit dem Kleben von 34000, so daß in den übrigen Teilen des Königreichs nur Betteln auf Garn- und Seidenrollen beschäftigt waren. etwa 9000 Kinder in Fabriken und Werkstätten beschäftigt Alle befeuchteten die gummierten Zettel mit der Zunge. wurden. Außerhalb der Fabriken und Werkstätten waren Jedes Mädchen klebt auf diese Weise 30 Gros( ein Gros noch 45000 Kinder und jugendliche Personen gewerblich gleich 144 Stück) täglich. Die Zunge der meisten Mädchen tätig. An Kindern und jugendlichen Personen beschäftigte hatte die charakteristische polierte Spitze und die übrige Lancashire 107 734, Yorkshire 58 190, London 28 665. Die Zunge war mit braunem Gummi bedeckt." Miß Squire Zahl der in Fabriken und Werkstätten beschäftigten Kinder wandte sich an den Fabrikarzt, der aber der Ansicht war, im Alter von 11 bis 14 Jahren nimmt rasch ab. Die Zahlen daß ohne Gesetz diesem Mißbrauch nicht abzuhelfen sei. waren: im Jahre 1906 42 613, im Jahre 1901 45 639, im Jahre 1896 84 929. Dagegen zeigt die Zahl der jugend lichen Arbeiter im Alter von 14 bis 16 Jahren eine zu nahme: im Jahre 1906 267 677 gegen 225 631 im Jahre 1901 Die Inspektoren und Assistenten haben im Berichtsjahr 382 284 Besuche abgestattet. Gingehend und sympathisch berichteten hierüber die weiblichen Inspektoren; ihre Berichte umfassen 70 Folioseiten. Wegen übertretung von Fabrit gesetzen wurden 4155 Klagen erhoben, wovon 166 zurückgewiesen, während die übrigen durch Geldstrafen gefühnt wurden. Jedoch waren die Strafen viel zu gering, um abschreckend zu wirken. Die Durchschnittsstrafe belief sich auf etwa 20 Mt. Der Bericht macht noch die Bemerkung, daß die Zahl der zur Anzeige gelangten übertretungen kaum ein Zehntel aller übertretungen darstellen dürfte. Es tamen 111 904 Unfälle vor oder 11 295 Unfälle mehr als im Vorjahre, wobei zu bemerken ist, daß die Unfälle in den Bergwerken, im Eisenbahnbetrieb und in der SchiffDer Beispiele gibt es mehr. Sie erweisen samt und sonders, wie nötig der Ausbau des Gesetzes in der Richtung auf den Schutz der Kinder in der Landwirtschaft und gegen die eigenen Eltern ist. Aus rein formalen gesetzlichen Gründen mußte zum Beispiel die Anzeige gegen einen Ziegeleibefizer zurückgenommen werden, der seine beiden schulpflichtigen Kinder in diesem gefundheitsgefährlichen Gewerbe beschäftigte. Es kommt noch dazu, daß bei Übertretungen des Gesetzes das Strafmaß der Gerichte im Vergleich zu den angesetzten Höchststrafen außerordentlich milde ist. Und ferner daß, nach den Aussagen verschiedener Beamten ein gut Teil der Kinderarbeit überhaupt nicht zur Meldung und damit zur Kenntnis der Behörden gelangt. Das gilt insbesondere für die ja überhaupt so schwer zu erfassende Heimarbeit. Nur selten Die Inspektorin Miß Martindale besuchte die schottischen wird sie nach ihrem vollen Umfang bekannt. So schreibt ein Wäschereien, in denen gefallene Mädchen gebessert werden Lehrer des Bezirkes Gießen über die Heimarbeit von 15 sollen. Sie fand das Essen ganz ungenügend; Schutzvor: stuhlflechtenden Kindern:" Die tägliche anstrengende Arbeit richtungen gegen Feuergefahr fehlten vollständig, obwohl des Flechtens macht sich deutlich bemerkbar an dem Ausdie Mädchen in verschlossenen Räumen, wie die Gefangenen, sehen der Kindern, und an der Schlaffheit derselben im Unterleben. Auch die gebrauchten Maschinen waren ohne Schuh richt. Allem Anschein nach werden die Kinder noch über vorrichtungen. Die Behandlung der Mädchen ist hart und die gesetzliche Zeit hinaus beschäftigt." unfreundlich. Die Inspektorin Miß Tracey sagt darüber: Viele der Mädchen sind noch sehr jung, und es ist traurig, zuzusehen, wie sie für die Sünden anderer so schwer leiden müssen. Die einfachsten häuslichen Freuden sind ihnen unbefannt. Mir scheint, daß außer Wascharbeit noch andere Beschäftigungsarten, die den Geist mehr anregen, in solchen mb.- London. Institutionen eingeführt werden müßten." " sid Kinderschuh. Trotz alledem werden von dem einen und anderen der Beamten die Ansätze zum Kinderschuh selbst in der verkrüppelten Form darum bellagt, weil burch ihn das schöne warme Frühstück fortfällt, das früher insbesondere den Brötchenträgern usw. von den Bäckern verabreicht wurde. Ich glaube, es genügt, das zu konstatieren und zugleich, daß die da und dort in den größeren Städten gegründeten Vereine für Verabreichung eines warmen Frühstücks" an tränkliche, schwächliche und wirtschaftlich bedürftige Kinder nur einen Teil des vorliegenden Bedürfnisses zu befriedigen vermögen. Nichts ist schrecklicher als der Gedanke, daß unsere Wirtschaftsdie Zukunft des Volkes beruht, hungernd und frierend zur Schule gehen müssen. fahrt in diesen Zahlen nicht eingeschlossen sind. Von den Nach den Erfahrungen der hessischen Gewerbeinspektion. ordnung es mit sich bringt, daß Kinder, daß die, auf denen verzeichneten Unfällen hatten 1116 einen tödlichen Ausgang, 1098 männliche und 18 weibliche Arbeiter fielen auf dem „ Schlachtfeld der Induſtrie". 1011 der Opfer zählten über 18 Jahre; 105 waren jugendliche Arbeiter im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Wir haben in Deutschland seit dem 1. Januar 1904 ein Kinderschutzgesetz, wie es nicht sein soll. Nicht nur, weil es über die Wirkungen findlicher Erwerbstätigkeit liegen von Ausnahmen, die sich bis zum Jahre 1908 erstrecken beziehungsweise bis dahin verlängert worden sind, durch verschiedene wenig tröstliche Bekundungen aus Lehrerkreisen löchert ist wie ein Sieb, sondern weil das, was dann noch vor. Von einem Knaben, der an schulfreien Nachmittagen Die Zunahme der Unfälle erklärt sich aus dem starken bleibt, in Wirklichkeit keinen durchgreifenden Schutz des von 1 bis 8½ Uhr Rohlen ausfährt, heißt es:„ Der Knabe industriellen Aufschwung, der sich im Berichtsjahr vollzogen Kindes bedeutet, sondern nur eine Verzerrung und ungerechte vernachlässigt sehr seine Schularbeiten." Von einer fleinen hat. Die Geschäftsblüte machte sich besonders in der Textil- Verschiebung der Verhältnisse. Wer daran noch gezweifelt Beitungsträgerin lesen wir:" Infolge dieser Beschäftigung industrie bemerkbar. Biele Werkstätten wurden in Fabriken haben sollte, den mag der Bericht eines anderen belehren, zeigt sich das Kind fortwährend nachlässig in den Hausverwandelt; ebenso wurden zahlreiche Fabriken neu gebaut. den die rührige großherzoglich hessische Gewerbeinspektion aufgaben, beim Unterricht schläfrig und teilnahmlos." Von Es wurden viel überstunden gemacht, und wie die Haupt- über das Kinderschutzgesetz im Jahre 1906 herausgegeben hat. einem Regeljungen, der von 9 bis 12 Uhr nachts arbeitet, Die Gesamtzahl der gewerblich tätigen Kinder betrug in wird bekannt:„ Die Arbeit wäre ganz zu verbieten, da er inspektorin sagt, wächst die Zahl der Unfälle mit diesem Jahre 4176 von 189 503 Volksschulkindern des Groß- weit hinter dem Lehrziel seines Jahrganges zurück ist und der Zahl der Überstunden. Die Inspektoren fonstatieren, daß in den Fabriken und herzogtums, das find also 2,2 Prozent derselben. Dieser im sein sittliches Verhalten in und außer der Schule auch sehr Wertstätten Englands sich sowohl bei den Arbeitgebern wie Vergleich zu anderen Bundesstaaten recht mäßige Satz be- viel zu wünschen übrig läßt." Arbeitnehmern das Bestreben zeigt, die Hygiene der Arbeits- sagt, daß Hessen keineswegs ein Land mit ausgedehnter und stätten zu verbessern und die Bestimmungen über Schußvor- gewerbsmäßig betriebener Kinderarbeit ist. Das wird noch richtungen zu beachten. Eine Ausnahme bildet die Her deutlicher, wenn wir die Art der Kinderbeschäftigung ins stellung von Nahrungsmitteln( Bäckereien, Konfitürenwerk Auge fassen. Von den 2340 eigenen Kindern finden wir stätten), in deren Betrieben die Sanitätsverhältnisse noch 2016 beim Austragen von Waren und sonstigen Boten vieles zu wünschen übrig lassen. Beachtenswert sind die gängen beschäftigt, von fremden Kindern 1610 von 1836. Versuche der Inspektoren, die Luft der Arbeitsstätten auf Das sind also 3626 oder nahezu 87 Prozent aller gewerb ihre Reinheit zu prüfen. Zu diesem Zwecke wurden 2845 lich tätigen Schulfinder. Die bei dieser Beschäftigung verwandten Kinder verLuftproben auf ihren Kohlensäuregehalt untersucht. Unter freiem Himmel enthielt ein Volumen Luft von 10000 Teilen teilen sich ziemlich gleichmäßig auf die Stadt- und Land4 bis 5 Zeile Kohlensäure. Die Fabrikluft enthielt in einem bezirke. Das weist auf die patriarchalische Gepflogenheit gleichen Volumen 9, 12, 20 und auch über 20. Teile Kohlen- hin, die Kinder zu allen Hausgeschäften heranzuziehen und auch Und das ökonomische Ergebnis der Kinderarbeit? 1 bis 5 Mark Monatslohn, in Einzelfällen in flotten Stadtgeschäften ( Gießen) bis zu 8 Mt. Anderwärts für eine zweistündige Tagesarbeit 3 Mt. im Monat. Günstiger steht es mit dem Verdienst, wenn neben 5 Mt. im Monat auch Mittag- und Abendessen verabreicht wird, und sehr kläglich steht es aus, wenn dem Brötchenträger neben Kaffee und 1 Weck noch 12 Wecke für die Angehörigen als einzige Bezahlung verab reicht werden. Der Verdienst steht in keinem Verhältnis zu dem, was an Gesundheit, Lebensfrische und Lebensfreude und Entwicklungsmöglichkeit geopfert wird und drängt selbst in Hessen, Z18 Die Gleichheit Nr. 25 auf verhältnismäßig günstigem Terrain, zu der Forderung: Fort mit der Kinderarbeit in allen ihren Formen. Retten wir wenigstens unserer Jugend das Stückchen Sonne, auf das so viele von uns verzichten lernen mußten. Henriette Fürth. Frauen im Kampfe. Schon zweimal in diesem Jahre haben die Berliner Genossinnen den Wert der Frauenbewegung für den wirtschaftlichen Kampf der ArbeiterNasse durch die Tat bewiesen. Sie haben gezeigt, daß ohne große Redereien über praktische Arbeit und positive Leistungen durch frisches, tatkräftiges Eingreifen tüchtige Erfolge erzielt werden können. Die Vorbedingung praktischer Arbeit ist Ausklärung und Organisation. Für sie haben die Berliner Genossinnen in den letzten Jahren mit Eifer und Geschick gesorgt. Ende Mai fand sich dann für sie die Gelegenheit, die gesammelten Kräfte im praktischen Kampfe zu erproben. Und sie bestanden diese Probe! Die Bäckergesellen in Berlin wurden in einen Kampf mit den Backstubenprotzen gedrängt. Die Berliner Arbeiterschaft griff zur Waffe des Boykotts, der über alle Geschäfte verhängt wurde, die die berechtigten Forderungen der Gesellen ablehnten. Sofort nach Proklamation des Kampfes riefen die Genossinnen alle Proletarierinnen zur praktischen Mitarbeit auf. Sie brachten Aufklärung über die Ursachen des Konflittes in die Arbeiterwohnungen, verteilten Boykottplakate und überwachten die Geschäfte. Das energische Eingreifen der Frauen hat den Trotz manches Bäckermeisters gebrochen. Ihrer unermüdlichen Mitarbeit ist anerkanntermaßen hauptfächlich der von den Bäckergesellen erzielte Erfolg zu danken. Noch glänzender bewährten sich die Frauen im zweiten Falle. Ende Oktober kam es zwischen der Warenhausfirma Jandorf und dem Verband der Handels- und Transportarbeiter zu einem Konflitt, dessen Ursachen die Leserinnen der„Gleichheit" bereits aus Nr. 23 kennen. Am 27. Oktober wurde von den Genossen Groß-Berlins der Boykott über die sechs Geschäfte der Firma beschlossen. Und heute kann es gesagt werden: man hatte den Kampf nicht ohne Bangen aufgenommen. Aber man konnte ihm— schon aus prinzipiellen Gründen— nicht ausweichen. Die Hausdiener sollten einen Revers unterschreiben, durch den sie sich bei Arbeitseinstellungen auf eine Konventionalsttafe von 101 Mk. verpflichteten. Man konnte diesen Schlag um so weniger ohne Gegenwehr hinnehmen, als ein Unterwerfen der Hausdiener eine Ausdehnung des Jandorfschen Hausgesetzes auf alle Warenhausangestellten zur Folge gehabt haben würde. Unsere Genossen verhehlten sich aber nicht, daß ein Boykott leicht beschlossen, aber schwer durchgeführt ist. Für tue Firma lagen die Verhältnisse noch besonders günstig, weil ihre Geschäfte auf die Bedürfnisse aller Bevölkerungsschichten zugeschnitten sind. Die Kaufhäuser in den Arbeitervierteln führen in der Hauptsache billige, für den Konsum der Proletarier berechnete Artikel, die Geschäfte im Mittelpunkt der Stadt entsprechen in Warenqualität und Preisen den An. forderungen des Mittelstandes, während ein im vornehmen Westen belegenes Kaufhaus die ausgesuchtesten Bedürfnisse der Leute mit dem großen Geldbeutel befriedigt. Durch gewaltige Reklame und bauend auf die Feindschaft des Bürgertums gegen die Arbeiterbewegung hofften die Firmeninhaber, den eventuell durch das Wegbleiben des Arbeiterpublikums verursachten Ausfall durch erhöhten Umsatz in den übrigen Filialen wieder einzubringen und den Boykott nach einiger Zeit im Sande verlaufen zu sehen. Um die'Stoßkraft des Boykotts abzuschwächen, griffen sie ferner zu dem Mittel besonders günstiger Preisangebote. Erquickungen— Tee, Kaffee, Schokolade— wurden gratis verabreicht, einige Gebrauchsgegenstände bot die Firma zu Preisen an, die offenkundig bei weitem nicht die Selbstkosten deckten, Lebensmittel wurden zu herabgesetzten Preisen abgegeben. Kasseler Rippenspeer zum Beispiel, das sonst nicht unter 90 Pf. pro Pfund zu haben war, bot Jandorf zu 68 Pf. an. Das waren verführerische Lockungen. Die Firma rechnete darauf, daß viele Frauen sich sagen würden: Auf mich kommt's nicht an! Anderersetts hoffte sie durch die annoncierten Vergünstigungen auch aus den Kreisen des sonst nicht bei Jandorf kaufenden Publikums Käufer heranzuziehen. So waren die äußeren Umstände für die Arbeiter durchaus nicht günstig. Aber alle Hindernisse wurden dadurch überwunden, daß die Frauen die praktische Durchführung des Boykotts in die Hand nahmen. Im Einvernehmen mit den in Betracht kommenden Instanzen entwarfen sie die Kriegspläne und übernahmen in der Hauptsache ihre Durchführung. Sie organisierten die Flugblattverbreitung und das Postenstehen vor— und in den Geschäften. Mit großem Geschick und seltener Ausdauer führten sie den Kampf gegen die Aufpasser der Firma, die unwissenden und indifferenten Käuferinnen und auch gegen die Polizei, die selbstverständlich nicht fehlen durfte. Die schon in so manchen Kämpfen gegen die Arbeiter erprobte Praxis und Strategie der Gesetzeswächter kam freilich gegen die List und Gewandtheit der Genossinnen nicht auf. Unter den Augen der uniformierten und nicht uniformierten Polizeiorgane wurden die Boykottzettel verbreitet. In den verhältnismäßig wenigen Fällen, wo es gelang, eine mutige Zettelverbreiterin zu verhaften, waren die Zettel noch schneller verbreitet als sonst. Die Verhaftete schleuderte ihren ganzen Pack in die Menge, und im Augenblick hatte diese die Beute selbst unter sich verteilt. Und die Empörung, die jede Verhaftung hervorrief, erhöhte nicht die Sympathie für die Firma, sie vergrößerte vielmehr jedesmal die Schar der aktiven Kämpse- rinnen. In die Geschäfte selbst drangen diese ein und holten die Käuferinnen von den Ladentischen fort. Zehn Tage lang führten die Genossinnen so den Kampf gegen die Firma, gegen Polizei und Spitzel. Die Kaufhäuser wurden leerer und leerer, die Einnahmen schrumpften zusammen. Die Firma kam zur Einsicht, daß sie mit allen chren Hilfsmitteln gegen die kämpfenden Frauen nicht siegreich bleiben würde. Am 6. November trat sie mit den Arbeitervertretern in Unterhandlung, am 9. November streckte sie die Waffen, zog ihren Revers zurück und schloß mit dem Verband einen Tarifvertrag ab, der unter anderem jenem die Vermittlung von Arbeitskräften überweist. So haben die Frauen in ganz hervorragender Weise geholfen, den Arbeitern einen kaum erhofften Sieg zu erringen. Die Genossinnen haben den Befähigungsnachweis für ihre Kampftüchtigkeit glänzend geführt. Die Bahn frei für weitere Betättgungsmöglichkeiten!«. cl. Aus der Bewegung. Von der Agitation, überaus traurige wirtschaftliche Verhältnisse herrschen durchweg in Oberfranken. Neben der Heimindustrie: Korbmacherei, Handweberei, Stickerei, Maskenfabrikation findet man sehr viel Porzellanindustrie, Glasfabrikation, Schiefer- und Holzindusttie und auch sehr viel Landwirtschaft. Porzellan- und Glasarbeiter bilden überall die Elitetruppen der Bewegung. Weil sie gut organisiert sind, haben sie den höchsten Verdienst und vice versa. Bei den Heimarbeitern, deren Löhne auf einem unglaublich niederen Niveau stehen, ist meistens keine Spur von Organisatton vorhanden. Schon im vergangenen Jahr berichteten wir über die unaussprechlich traurigen Verhältnisse dieser Lohnsklaven. Um für den Ausbau der gewerkschaftlichen und politischen Organisattonen zu wirken, vor allem auch, um die Frauen für die Arbeiterbewegung zu gewinnen, unternahm die Unterzeichnete eine Agitationstour durch Oberfranken. Versammlungen fanden statt in Kronach, Küps, Stockheim, Langenau, Tettau, Kleintettau, Neuhaus, Ebersdorf, Windheim, Ludwigstadt, Burggrub und Burgkundstadt. Sie waren überall gut und oft glänzend besucht. Den Organisattonen wurden Mitglieder, der Parteipresse Abonnenten gewonnen, fast überall erfolgte die Wahl weiblicher Vertrauenspersonen und die Einführung der„Gleichheit". Viele Frauen verpflichten sich zum Zahlen freiwilliger Beiträge an die Partei. An manchen Orten wurden fünfzig und mehr Abonnenten für die„Gleichheit" gewonnen, und die gleiche Anzahl weiblicher Versammlungsbesucher versprach regelmäßig Beittäge an die Vertrauensperson abzuliefern. So brachte diese Tour unserem Organ fast S00 neue Leserinnen. In Kronach, Tettau und Alexanderhütte war die„Gleichheit" bereits eingeführt, aber an den meisten anderen Orten war sie vollständig unbekannt. Es ist deshalb dringend notwendig, daß überall der Essener Parteitagsbeschluß durchgeführt wird, daß alle Referenten, männliche wie weibliche, stets außer auf die örtliche Parteipresse auch auf die„Gleichheit" verweisen, und daß unsere Parteipreffe im redaktionellen Teil desgleichen tut. Vorher fand in Altenfelde-Sondershausen eine glänzend besuchte Versammlung statt, die einige fünfzig Abonnenten und die Wahl einer Vertrauensperson brachte. Die Glasarbeiterinnen versprachen, dem Verbände beizutreten. Luise Zieh. Auf Veranlassung des Landesvorsta'ndes der sozial- demokratischenParteiWürttembergs sprach die Unterzeichnete in einer Reihe von Frauenversammlnngen, und zwar in Waiblingen, Münster, Weil im Dorf, Nordheim, Bietigheim, Tuttlingen, Sulz, Schramberg, Böblingen, Aalen, Heidenheim, Ravensburg, Nellingen, Jebenhausen, Heilbronn, Neckarsulm, Feuerbach, Kornwestheim, Ehningen, Reutlingen, Backnang und Stuttgart. Zweck der Agitation war, die Frauen mit der Gedankenwelt des Sozialismus bekannt zu machen und für den politischen und wirtschaftlichen Klassenkampf des Proletariats zu gewinnen. Die herrschenden Gewalten und die bürgerlichen Parteien tragen durch ihre volksfeindliche Politik, insbesondere durch die von ihnen verschuldete Fleisch- und Brotverteuerung dazu bei, die Proletarierinnen aufzuklären. Die Versammlungen waren fast überall so stark von Frauen besucht, daß die Parteigenossen selbst davon überrascht waren und ihre Freude darüber zum Ausdruck brachten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse derArbei- terklasse in Württemberg sind eben so traurig wie im übrigen Deutschland, die Frauen müssen hier geradeso wie dort zum Unterhalt der Familie beittagen. Wie sie dabei ausgebeutet werden, zeigt eine Notiz an anderer Stelle. In allen Orten, ausgenommen Stuttgart, wurde in den Versammlungen das Thema behandelt:„Die Frau im wirtschaftlichen Kampf ums Dasein und ihre Pflichten und Rechte im Staatsleben". In Sulz war der Besuch leider nur schwach. Der dortige Fabrikant hatte nämlich eine Arbeiterin damit betraut, aufzupassen, wer von ihren Arbeitsgenossinnen die Versammlung besuchen würde. Die Armselige, die sich dazu hergab, ihre Schwestern zu verraten, ist Mitglied einer christlichen Organisation. Die Arbeiterinnen werden wissen, wie sie für das schofle Verhalten zu quittieren haben. In der Versammlung in Aalen ereignete sich ein kleiner Zwischenfall. Als die Referentin darauf hinwies, daß die Arbeiter durch die indirekten Steuern und Zölle, die jährlich über 900 Millionen Mark einbringen, am härtesten getroffen werden, rief ein Versammlungsbesucher, ein früherer Revisionsbeamter und jetziger Essigfabrikant, das Wort„Gemeinheit" dazwischen. Der Vorsitzende machte ihn darauf aufmerksam, daß nach dem Vortrage freie Diskussion stattfände. Darauf betrug sich der Herr derartig, daß er vom Vorsitzenden aus- aesordert werden mußte, den Saal zu verlassen, was er schließlich tat. In der Versammlung in Stuttgart, die von Frauen überfüllt war, gelangte das Thema zur Verhandlung:„Die Brotverteuerung und die Frauen". Seit einem Jahr ist in Württemberg der Preis des Brotes um 4 Pf. für das Pfund gestiegen. Ein Roggenbrot von 3 Pfund kostete 30 Pf., der Preis erhöhte sich erst auf 32 Pf., dann auf 38 Pf. und beträgt jetzt 42 Pf. Diese Verteuerung hat natürlich die Gemüter erregt. Die Versammlungsteilnehmer und Teilnehmerinnen lauschten aufmerksam dem Vortrage und bezeugten durch Beifallsrufe ihre Zustimmung. Eine Resolution, die gegen die Brotverteuerung Stellung nahm und die Anwesenden aufforderte, mit allen Mitteln gegen sie anzukämpfen, wurde einstimmig angenommen. Diese Agilationstour, die in Württemberg die erste war, welche die Frauen für das polittsche Leben gewinnen sollte, warb für die„Gleichheit" einige hundert Abonnenten und für die Partei eine große Zahl Mitglieder. An den einzelnen Organisationen liegt es jetzt, durch weitere Frauenversammlungen und Leseabende das geweckte Interesse der Proletarierinnen am öffentlichen Leben zu fördern. Wenn das geschieht, wenn ferner der Landesvorstand die proletarische Frauenbewegung auch künftig planmäßig fördert, so werden die Proletarierinnen Württembergs bald Seite an Seite mit den Männern für ein bessere Zukunft kämpfen. Agnes Fahrenwald, Auf Veranlaffung des Deuttchen Textilarbeiterverbandes unternahm die Unterzeichnete eine Agitationstour im Gau Brandenburg. Versammlungen fanden statt in Wittenberge, Brandenburg, Nowawes, Luckenwalde, Fürstenwalde, Finsterwalde, Kottbus, Forst, Sackro, Vetschau, Berlin und Rummelsburg. In Köpenick und Schöneweide mußten wir unverrichteter Sache wieder fortgehen, weil die Arbeiter unserem Ruf nicht gefolgt waren. Der Besuch der Versammlungen litt sehr unter anderen Veranstaltungen. In verschiedenen Orten der Mark standen Stadtverordnetenwahlen bevor, und die organisierten Arbeiter hatten alle Hände voll zu tun, um die Vorarbeiten dafür zu erledigen. Auch die drohende Krisis, die die Arbeitslosigkeit mit sich brincht und ihre Schatten voraus wirft, ist der Agitation nicht günsttg. Sie macht die Arbeiter scheu und schweigsam, so daß keine großen Erfolge von dieser Tour zu verzeichnen sind. Immerhin dürften die Versammlungen zur Anfeuerung der Mitglieder beigettagen und sie aufgerüttelt haben, die Fernstehenden für den Verband zu gewinnen. VV. 1�. Auf Veranlassung der Hamburger Landesorganisation sprach die Unterzeichnete in Hamburg und nächster Umgebung in elf öffentlichen Frauenversammlungen über das Thema:„Was ist die Aufgabe der Frau?" Der Erfolg dieser Versammlungen war, daß mehr als 300 Personen teils ihren Beitritt zur Partei anmeldeten, teils als Abonnentinnen für die„Gleichheit" gewonnen wurden. Der Besuch war im allgemeinen sehr gut, besonders in den Vororten Rotenburgsort und Harvestehude, wo 1200 respektive 800 Personen anwesend waren. Auch im ersten Hamburger Wahlkreis erfteute sich die Versammlung eineS guten Besuches. Überhaupt trat deutlich hervor, daß das Interesse der Frauen an unserer Bewegung in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen ist.— In Cre- feld macht die Frauenbewegung gleichfalls tüchtige Fortschritte. Die öffentlichen Versammlungen werden dort für die einzelnen Stadtbezirke getrennt abgehalten. Die Unterzeichnete referierte in zwei Versammlungen, die den Erfolg hatten, daß mehr als 30 Frauen für die neue Organisationsform, die für die Frauen am Niederrhein geschaffen worden ist, gewonnen wurden. Es sind hier Beteiligungskarten zur Verbreitung der„Gleichheit" eingeführt worden; hierin werden Monatsbeiträge von 30 Pf. in zwei Marken ä 18 Pf. geklebt, wofür die„Gleichheit" gratis geliefert wird; der Überschuß dient als freiwilliger Parteibeittag.— In Süchteln, einem Orte mit starker Textilarbeiterbevölkerung, sprach die Unterzeichnete in einer Mitgliederversammlung der organisierten Textilarbeiter. Süchteln ist ein sehr schwer zu bearbeitender Ort; christliche Organisatton, Behörde und bürgerliche Vereine haben es dahin gebracht, daß jahrelang kein Redner unserer Richtung in öffentlicher Versammlung zum Worte kommen konnte, weil gegen die Wirte ein derartiger Terrorismus ausgeübt wird, daß sie es nicht wagen, den freien Organisationen ihre Lokale zur Verfügung zu stellen. W- Kähler Auf Veranlaffung der Gauvorstände des Fabrikarbeiterverbandes für Württemberg und Bayern und des Tabakarbeiterverbandes für Baden und Elsaß hielt die Unterzeichnete eine Reihe von Agitationsversammlungen ab, und zwar für Württemberg in Cannstatt, Untertürkheim, Hedelfingen, Lorch und Reutlingen; für Bayern in München, Schwabing, Bruckmühl, Kolbermor, Rosenheim, Puchheim, Regensburg, Kehlheim, Straubing, Schwabach und Röthenbach; für Baden und Elsaß in S t. L u d w i g, Basel, Denzlingen, Lahr-Dinglingen, Herbolz- heim, Friesenheim, Straßburg und Karlsruhe. In München fand außerdem noch eine Versammlung für den Verband der Schuhmacher statt. In den Versammlungen wurden folgende Themata behandelt:„Die wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Arbeiter im allgemeinen",„Die Taktik der Arbeitgeberverbände und die Aufgaben des Deutschen Tabakarbeiterverbandes",„Die Kulturbestrebungen der deutschen Gewerkschaften". Die Versammlungen erfreuten sich, mit Ausnahme einiger in Baden, eines sehr guten Besuchs. Vor allen Dingen ist hervorzuheben, daß die Arbeiterinnen sich rege beteiligten. Die Versammlung in Cannstatt war nur von Arbeiterinnen der dortigen Korsettfabrik besucht. Innerhalb weniger Tage Nr. 25 Die Gleichheit 2l9 meldeten sich 72 Arbeiterinnen zur Aufnahme in den Fabrikarbeiterverband. In Röthenbach reichte der Saal zur Aufnahme der Besucher nicht aus; zahlreiche Zuhörer standen außen vor den Fenstern. Zu dieser Versammlung hatten sich sämtliche Meister einer dortigen Fabrik eingefunden, in der gegen 1000 Arbeiter unter höchst ungünstigen Lohn- und Arbeitsverhällnissen arbeiten. Die Unterzeichnete bewies in ihrem Referat den anwesenden Meistern, daß sie gar nicht nötig hätten, sich für etwas Besseres zu halten als die Arbeiter. Sie müßten auch schwer genug für ihr tägliches Brot arbeiten und hätten deshalb gar keine Ursache, besonders für die Firma einzutreten. Nach dem Referat verlangte der überwachende Beamte, daß die Minderjährigen den Saal verlassen sollten, weil nun die Debatte beginne. Der Vorsitzende verwahrte sich jedoch ganz energisch dagegen. In die Versammlung in Kolbermor hatten die Christlichen zwei junge Leute als Stenographen gesandt. Hoffentlich haben die beiden dabei etwas gelernt. Auch in Puchheim war der Saal dicht besetzt, und zwar vor allem von den Arbeiterinnen und Arbeitern einer Fabrik, in der Haus- und Straßenmüll zu Dünger verarbeitet wird. Die Arbeiterinnen müssen dort den ganzen Tag, von 6 Uhr morgens bis 6'/, Uhr abends, in dem Müll herumwühlen und Holz, Kohlen, Lumpen Papier, Glas, Eisen, Geldstücke usw. heraussuchen. Das bringt der Firma im Jahre ein schönes Stück Geld ein. Damit sich die Arbeiterinnen nichts aneignen, werden sie ab und zu durchsucht. Bei dieser unappetitlichen und gesundheitsgefährlichen Beschäftigung ist eine Verkürzung der Arbeitszeit unbedingt notwendig, um so mehr, als die Frauen zum großen Teil von der Bahn abhängig sind, so daß sie oft morgens oder abends eine Stunde auf den Zug warten müssen. Durch einmütiges Vorgehen war es den Arbeiterinnen im Vorjahr gelungen, eine Lohnerhöhung durchzusetzen.— Für die Agitation unter den Tabakarbeilern und -arbeiterinnen in Elsaß und Baden muß noch weit mehr getan werden als bisher. Von den ungefähr 43000 Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den Betrieben für die Organisation in Frage kommen, steht die übergroße Mehrzahl dem Organisationsgedanken noch ganz teilnahmlos gegenüber. Dabei verdienen diese Arbeiter nach dem Jahresbericht des Dr. Bittinann Durchschnittslöhne von 493 Mk. im Jahre. In fast allen Versammlungen wurde darüber geklagt, daß die Behandlung sehr viel zu wünschen übrig lasse. In der Kaiserlichen Manufaktur in Straßburg sind sogar dreitägige Aussperrungen verhängt worden wegen Zuspätkommens. Hoffentlich kommt auch für die Tabakarbeitor und-arbeiterinnen in Elsaß und Baden bald die Zeit, wo sie mit Hilfe einer strammen Organisation derartigen Zuständen ein Ende bereiten können. Dazu bedarf es freilich noch einer eingehenden und unermüdlichen Agitations- und Aufklärungsarbeit. Marie Wackwitz. Anfangs dieses Monats fand in Lechhausen eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Klement über die Forderung des Wahlrechts und freien Vereins- und Versammlungsrechts für das weibliche Geschlecht referierte und großen Beifall für seine Ausführungen fand. Die schon in Nummer 22 mitgeteilte Resolution, welche dem bayerischen Landlag übermittelt werden soll, fand einstimmige Annahme. Genossin Zeh forderte die Versammelten auf, die Worte des Referenten zu beherzigen und der gewerkschaftlichen und politischen Organisation beizutreten. Sie machte außerdem Propaganda für die„Gleichheit", die nicht nur den Frauen geisttge Nahrung gebe, sondern auch durch eine besondere Kinderbeilage zur Unterhaltung und zur Erziehung der Kinder im sozialistischen Sinne beitrage. Adelheid Zeh. In einer sehr stark besuchten öffentlichen Frauenversammlung zu München, die Anfang November tagte, referierte Genossin Greifenberg-Augsburg über die„Stellung der Frau in der heuttgen Gesellschaft". Die Referentin schilderte den wirtschaftlichen Kampf des weiblichen Geschlechts, den die kapitalistische Produktionsweise verursacht habe. Die Statistik berichte, daß von 18S2 bis 189ö die Zahl der weiblichen Arbeiter um 19 Prozent, die der männlichen aber nur um 15 Prozent gestiegen ist. Und trotzdem dürfe die die Frau noch heut kein Wort bei der Gesetzgebung mitreden, wohl aber müsse sie Steuern für den Staatshaushalt aufbringen. In ihren weiteren Ausführungen kritisierte Genossin Greifenberg die schlechte Volksschulbildung und forderte zum Schlüsse auf, kräftig mitzuarbeiten an der Erkämpfung des allgemeinen Frauenwahlrechts. Stürmischer Beifall belohnte die Referentin. In der Diskussion wies Genossin Lachenmeyer auf den Frauen- und Mädchenbildungsverein hin, durch den die Frauen sich Wissen verschaffen können, und empfahl das Abonnement der„Münchener Post". 41 neue Mitglieder für den Frauenverein wurden gewonnen. Rosa Fleischmann. In einer öffentlichen Frauen- und Mädchenversammlung in Bielefeld, die im November stattfand, wurde die Abrechnung vom letzten Geschäftsjahr gegeben. Nach ihr betrugen die Einnahmen zusammen 500,12 Mk., die Ausgaben 279,65 Mk. Es ist sonach ein Barbestand von 220,47 Mk. vorhanden. Unter den Ausgaben befinden sich 150 Mk., die dem Agitationsfonds der deutschen Genossinnen in Berlin überwiesen wurden. Die Versammlung wählte als Vertrauensperson die Genossin Köllner und als deren Stell- oertreterin Genossin Schlingmann. Darauf hielt Genosse Schreck einen Vortrag über:„Die Poesie im Leben der Frau". Die Anwesenden lauschten dem Referenten mit sichtlichem Interesse und dankten ihm mit warmem Beifall. Nach kurzer Debatte schloß Genossin Kölln er die Versammlung mit der Mahnung, das Gehörte zu beherzigen. /l. Anfang November fand in Meißen eine öffentliche Frauenversammlung statt, in der Genossin Jhrer-Berlin über„Die Frau im Klassenkampf" referierte. Die Rednerin zeigte die Ursachen auf, die das fortwährende Steigen der gewerblichen Frauenarbeit bedingen, und schilderte die Lasten der proletarischen Frau, die außer der Arbeit in der Familie auch noch in der Fabrik oder in der Heimindustrie fronen muß. Sie wandte sich gegen die grausame Kinderarbeit und forderte die proletarischen Eltern auf, ihre Kinder zu aufgeklärten Menschen zu erziehen. Den Männern machte sie es zur Pflicht, ihre Frauen der Organisation zuzuführen. Die gut besuchte Versammlung nahm den Vortrag mit reichem Beifall auf. Martha Forchel. Jahresbericht der Genossinnen von Erlangen. Im September vorigen Jahres wurde in Erlangen ein Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse gegründet, dem 42 Frauen und Mädchen sofort beitraten. Im Laufe des Jahres stieg die Mitgliederzahl auf 100, ging aber wieder auf 87 zurück. Das neue Vereinsjahr hat jedoch schon wieder Zuwachs gebracht. Im ganzen fanden 131 Aufnahmen statt. Die Gesamteinnahmen des Vereins betrugen 414 Mk., die Ausgaben 392 Mk. Unter den Ausgaben befinden sich 32 Mk., die an den Agitationsfonds der Genossinnen abgeführt worden sind. 120 Mk. wurden für die„Gleichheit" ausgegeben, 40 Mk. für das Austragen derselben und das Einkassieren der Beiträge und 33 Mk. für Agitation. Es fanden 16 Vereinsversammlungen und 3 öffentliche Frauenversammlungen statt. In 10 Versammlungen hielten Genossinnen und Genossen Vorträge, in den übrigen wurde verschiedenes Belehrende gelesen. Bei den Vorarbeiten zu den Reichstagsund Landtagswahlen halfen die Genossinnen durch Falzen und Kuvertieren von Wahlliteratur. Im Laufe des Sommers agitierten sie für den Handschuhmacherverband und führten ihm 40 weibliche Mitglieder zu. Demnächst werden sie für den Textilarbeiterverband agitieren. Um dem Unterhaltungsbedürfnis ein wenig Rechnung zu tragen, wurden ein Masken- und ein Stiftungskränzchen abgehalten. Für die jungen Mädchen findet wöchentlich ein Näh- und Flickabend statt, damit sie besser an der Verein gefesselt werden. Zu dieser Veranstaltung waren die Genossinnen gezwungen, da am Ort ein katholischer Arbeiterinnenverein besteht, der 300 Mitglieder hat und Koch-, Näh- und Bügelkurse abhält. Für das neue Jahr wurden in den Vorstand die Genossinnen Hüttner, Ruppenstein, Winkler, HemmerbacherundRadlerge- wählt. Die Verwaltung wird bemüht sein, auch künstig ihr Bestes zu tun, um zu beweisen, daß die Organisation lebensfähig ist. Marg. Hüttner. Delegiert« der außerordentlichen Frauenkonferenz zu Berlin waren aus: Altona: Linchen Baumann; Berlin: Ida Baar, Fräulein Förster, Fräulein Heinrich; Bernburg: Frau Günther für den ll. Anhalter Wahlkreis; Brandenburg a. H.: Frau Behrendt; Chemnitz: Helene Wagner; Crefeld: Wilhelm Reimes; Düsseldorf: Wilh. Kahler; Essen a. Ruhr: Frau Deuper; Frankfurt a. M.: Johanna Tesch; Grabow-Stettin: Emma Kuschet; Halle a.S.: Anna Sachse; Hamburg: Luise Zieh, Luise Kähler; Hannover: Elise Evers; Kiel: Theodora Niendorf; Leipzig: Frau Hennig; Luckenwalde: Berta Hube; Magdeburg: Frau Knöfler; Kreis Nieder-Barnim: Elise Neumann; Regensburg: Magda Hagen; Spandau: Frau Strehlke; Kreis Teltow-Beeskow: Marie Thiel; Zerbst: Frau Fräßdorf. Als Gäste waren anwesend: Genossin Baader, die Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands, als Einberuferin der Konferenz; Genossin Zettin als Redakteurin der„Gleichheit"; Genosse Eberhardt-Charlottenburg als Vertreter des Parteivorstandes; Genosse Boeske als Vertreter des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend; Genosse Schmidt, GewerkschastssekretärvonHannover; Genosse Poetzsch vom Verband der Gastwirtsgehilfen. Weibliche Delegierte zum Landesparteitag der preußischen Sozialdemokratie. An den Verhandlungen des zweiten Parteitags der preußischen Genossen nahmen 18 weibliche Delegierte teil. Fast alle größeren Zentren der proletarischen Frauenbewegung, die zu der außerordentlichen Frauenkonferenz delegiert hatten, waren auch durch Genossinnen auf dem Parteitag vertreten. Die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sozialdemokratte ward dadurch bekundet, daß Genossin Weyl als Schriftführerin dem Bureau angehörte, das die Verhandlungen leitete, und daß Genossin Neumann in die fünfzehngliedrige Kommission gewählt ward, welche den Organisationsentwurf beriet. An den Debatten beteiligten sich die Genossinnen Thiel, Weyl und Zieh. Genossin Thiel begründete es, daß die Genossinnen ihren Antrag, das Frauenwahlrecht betreffend, zurückzogen, da die Forderung dieser Reform in der Resolution der Referenten Adler und Arons enthalten war. Die prinzipielle und praktische Bedeutung des Eintretens für das Frauenwahlrecht bei dem bevorstehenden Wahlrechtskampf wies Genossin Zieh überzeugend nach, die in ihrer Rede außerdem scharf die Notwendigkeit betonte, den Kampf für die Demokratisierung des Wahlrechts als proletarischen Klassenkampf zu führen und jede Illusion auf Unterstützung seitens der bürgerlich-liberalen Parteien fahren zu lassen. In einer zweiten, nicht minder eindrucksvollen Rede begründete Genossin Zietz eine Resolution, welche gleichzeitig eine Sympathiekundgebung für Genossen Liebknecht und ein Kampfesruf gegen den Militarismus war. Genossin Weyl vertrat in trefflichen Ausführungen die Anträge der Berliner Genossinnen, die Errichtung kommunaler Kindergärten betreffend, und wies dabei auf die Verpflichtung der Eltern hin, auch der häuslichen Erziehung ihrer Nachkommen vermehrte Sorgfalt zuzuwenden. Politische Rundschau. Die parlamentarische Saison hat begonnen. Reichstag und preußischer Klassenlandtag tagen, und die Minister stehen Rede und Antwort und offenbaren die Absichten der Regierungen. Für das arbeitende Volk sind sie nichts weniger als erfreulich. Die Sozialdemokratte hat im Reichstag in Form einer Interpellation die Forderung gestellt, daß in dieser Zeit der hereinbrechenden Krise, da die Arbeitslosigkeit schon weitere Kreise zu ziehen beginnt und dazu eine Teuerung der wichtigsten Lebensmittel tritt, wenigstens die künstliche Verteuerung der Nahrung beseitigt werde, die durch die Lebensmittelzölle und andere Maßnahmen, wie Grenzsperren für ausländisches Vieh, herbeigeführt wird'. Die Antwort der Reichsregierung, erteilt von dem neuen Staatssekretär für Sozialpolitik, war ein schroffes Nein. Erstens würde die Aufhebung der Zölle auf Getreide uns nichts helfen, meinte Herr v. Bethmann-Hollweg, weil die Teuerung allgemein sei, und zweitens sei die Aufhebung nicht angängig, weil sie die Landwirtschaft— lies die Großgrundbesitzer— schädigen würde. Das eine Argument schlägt das andere tot. Kann die Aufhebung der Zölle nichts nützen, wird sie keine Verbilligung des Brotes bringen, so kann von einer Schädigung der Großgrundbesitzerinteressen keine Rede sein— wird d i e aber befürchtet, so ist damit zugestanden, daß das deutsche Volk durch Aufhebung der Zölle zu billigerem Brote kommen könnte. Und das würde allerdings der Fall sein, da die Teuerung des Getreides zwar allgemein, aber in Deutschland am höchsten ist: steht doch der Preis hier um den vollen Betrag des Zolles höher als auf dem Weltmarkt. Qber solche unbequeme Tatsachen, die der sozialdemokratische Redner Genosse Scheidemann scharf hervorhob, glitt aber der Staatssekretär still hinweg und mit ihm die Redner der Agrarier aller Parteien, der Konservativen, der Nattonalliberalen und des Zentrums, die die Regierungsertlärung mit aufrichtigem Dank entgegennahmen. Der Arbeiter mag nur darben, damit der Junker die standesgemäße Lebenshaltung nicht herabzusetzen brauchr. Die Teuerung ist gar nicht so schlimm, denn sie ist ja vorübergehend, und vorübergehender Hunger tut nicht weh. So meinen offenbar die Wucherzöllner. Interessant war die Haltung der getreuen Blockknappen vom Freisinn. Der Redner der Volkspartei, Herr Gyßling, versicherte, daß der Freisinn unentwegt die Zölle bekämpft— in der Theorie. Aber man solle doch nicht immer davon reden. Und die zeitweise Aufhebung der Zölle ist bedenklich. Die Freisinnige Vereinigung schickte Herrn Naumann vor, der etwas mannhafter austrat und sich auch für die Aufhebung der Zölle erklärte, aber doch nicht unterlassen konnte, den Junkern einige Worte der Entschuldigung für eine frühere temperamentvolle und sehr treffende Kennzeichnung der Zollwucherpolitik zu sagen. In der Sonne des Blockes wird die freisinnige Bekämpfung der Hungerzölle maßvoll, wie der Zentrumsagrarier Herold speziell Herrn Gyßling dankend bezeugte. Eme zweite Interpellation der Sozialdemokratie forderte Maßnahmen gegen die vom Kohlensyndikat künstlich herbeigeführte Kohlennot und Kohlenteuerung. Genosse Molkenbuhr, der sie begründete, ging bei der Gelegenheit dem von allen bürgerlichen Parteien gern und laut gesungenen Liede von der gewaltigen Steigerung der Arbeiterlöhne mit amtlichem Material wirksam zu Leibe. Als Maßregeln, die imstande wären, den für Industrie und Landwirtschaft und alle Haushaltungen unentbehrlichen Brennstoff, den Kraft- und Wärmespender, vor künstlicher llberteuerung zu bewahren, bezeichnete er die Überführung der Bergwerke— der vom Privatkapitalismus wie vom preußischen Fiskus ausgebeuteten, der sich in der Preispolitik vom Kohlensyndikat nicht unterscheidet und es in der Ausbeutung und Knechtung der Bergarbeiter noch übertrifft— in das Eigentum und die Verwaltung des Reichs, den Maximalarbeitstag für die Bergleute, die Schaffung billiger Transportwege(Kanäle) und die Aufhebung der Ausnahme-Eisenbahntarife, die die Kohlenausfuhr begünstigen. Kein Redner aus dem Hause wagte die Kohlenwucherer in Schutz zu nehmen— die Kohlenteuerung erscheint selbst den Junkern verwerflich, die die Brotteuerung gerne sehen. Denn Getreide verkaufen die Herren, Kohle aber kaufen sie. Mit einer Herabsetzung der Kohlenpreise wären alle Parteien sehr zufrieden, doch die radikalen Vorschläge der Sozialdemokratie gefallen ihnen nicht. Eine Änderung der Gütertarife ist alles, was sie riskieren. Selbst eine solche konnte aber der Regierungsvertreler, der preußische Handelsminister Delbrück, nicht einmal sicher in Aussicht stellen. Er war der einzige, der die Kohlenbarone gegen den Vorwurf des Wuchers etwas zu verteidigen suchte; was nicht zu verwundern braucht, da der preußische Staat als Kohlenverkäufer nicht viel weniger auf dem Kerbholz hat als jene- Dem Hinweis Molkenbuhrs auf die Knechtung der staatlichen Bergarbeiter im Saarrevier setzte der Herr Minister kühn die Forderung entgegen, man solle ihm nachweisen, daß er jemals einen Bergarbeiter der staatlichen Betriebe in seinen staatsbürgerlichen Rechten beeinträchtigt habe. Die Mehrheit machte es durch Vertagung der Weiterberatung dem Genossen Huö unmöglich, den Nachweis zu erbringen, daß das System der Knechtung und llberzeugungsvergewaltigung, wie es seinerzeit der Prozeß Krämer-Hilger enthüllt hat, unverändert fortdauert, unbeschadet der guten oder schlechten Absichten des Herrn preußischen Bergwerksministers Delbrück. Die beiden Interpellationen haben gelehrt, daß das deutsche Volk von der Regierung und den bürgerlichen Parteien auch nicht die geringste Linderung der Not zu erwarten hat, die Teuerung und Krise bringen. Die ersten Tage der Etatsberatung im Reichstag zeigten, daß es zum Ausgleich obendrein noch neue indirekte Steuern beschert er- 220 Die Gleichheit Nr.25 Die Generalfommission hat eine Genossin, Gertrud Hanna, als Beamtin angestellt und damit ein nachahmenswertes Beispiel für die Gewerkschaften gegeben. # halten soll. Der Reichsschatsekretär Freiherr von Stengel| spiel lehthin im Greiz- Geraer Bezirt, wo vor zwei Jahren| Einführung von Prüfungen, bei denen die Silbenzahl, die malte die Finanzlage des Reiches so schwarz wie möglich. eine größere Aussperrung stattgefunden hat, in mehreren der Angestellte in bestimmter Zeit leistet, eine große Rolle Aber er hat einen Trost bereit. Der deutsche Steuerzahler Versammlungen beschlossen worden, den Unternehmern eine spielt, den Stand" von„ minderwertigen Arbeitskräften" zu soll nur tüchtig in seine Taschen greifen, und das Reichs- Reihe von Forderungen zu unterbreiten. Es soll auf sämt- reinigen. Den vom Verband nach ihrer Silbenleistung abdefizit wird schwinden, denn in den Taschen ist noch über liche Löhne ein Zuschlag von 15 Prozent gewährt, ein gestempelten Kräften" soll dann von seiner Stellenvermitt flüssig viel darin. Die Besitzenden werden natürlich nicht Garantielohn von wöchentlich 18 M. festgesetzt, für unver- lung gute Beschäftigung nachgewiesen werden. Je nach der viel von den kommenden neuen Steuern verspüren, denn schuldetes Warten 35 Pf. Entschädigung pro Woche gezahlt Leistung des Bewerbers sind abgestufte Gehälter vorgesehen. sie sollen nicht direkt vom Einkommen, noch vom Ver- werden. Ferner wird der freie Sonnabendnachmittag, die Abgesehen von diesem Befähigungsnachweis, der in der mögen erhoben werden, sondern es sollen indirekte Steuern Wahl von Fabrikausschüssen sowie die Einführung einiger Hauptsache dem Interesse der Arbeitgeber dient, ist der neue sein, die den Verbrauch der großen Masse vornehmlich technischer Verbesserungen gefordert. In Pößneck verlangen Verband schon deshalb als eine Schädigung der Angestellten belasten. Was sie treffen sollen, das aber sagt Herr die Textilarbeiter den Zehnstundentag, achttägige Lohnzahlung anzusehen, weil er in die Reihen der ohnehin schon allzu zerv. Stengel noch nicht das deutsche Volk und der deutsche und Bewilligung eines Garantielohnes. Lehnen die Unter- splitterten Bureauarbeiter neue Zersplitterung trägt. Gerade Reichstag mögen vorläufig noch ein wenig an diesem Rätsel nehmer diese Forderungen ab, so steht eine Aussperrung dieser Arbeiterkategorie, die bei schlechter Entlohnung eine herumraten. Den Block hat der Reichsschatsekretär damit schon bevor. In Rheinfelden, Lennep und Landau haben die ganz besonders aufreibende und nervös machende Tätigkeit in Unruhe gebracht. Neben den Freisinnigen haben sich auch Textilarbeiter fleine Vorteile in bezug auf Arbeitszeitver- bat, täte es not, sich durch Anschluß an eine leistungsfähige die Nationalliberalen für direkte Reichssteuern erklärt, wäh- türzung und Lohnerhöhung erreicht, während aus Weißen wirtschaftliche Vereinigung vor Ausbeutung zu schützen. Eine rend Konservative und Zentrum dagegen sind. Freilich ist burg i. B. ein Ausstand zu melden ist. solche ist der Zentralverein der Bureauangestellten Deutschauf die Opposition der Nationalliberalen noch weniger zu Im Berliner Buchbinder gewerbe sieht's wieder lands, die einzige Organisation, die willens und in der Lage geben, als auf die der Freifinnigen. Der preußische Finanz- recht bedenklich aus. Die Unternehmer, über deren mangelnde ist, die Interessen aller Bureauarbeiter wirksam zu vertreten. minister von Rheinbaben hat sie bereits gewarnt, daß fie Tariftreue schon seit Bestehen des Tarifes geklagt wurde, Die Ginigkeitsbestrebungen zwischen den lokalen und durch direkte Steuern das Reich zerstören und die Geschäfte nehmen es auch diesmal mit ihren Versprechungen nicht genau. zentralen Gewerkschaften machen erfreuliche Fortschritte. Es der Sozialdemokratie besorgen. Noch schlauer aber hat es In Versammlungen der Arbeiter und Arbeiterinnen wurde steht zu erwarten, daß sich die lokalorganisierten Maurer Bülow angefangen. Er erklärte es für sehr zweifelhaft, ob über vielfache Umgehungen des Tarifes geklagt. In den dem Zentralverbande anschließen. die Reichserbschaftssteuer eine direkte oder indirekte Steuer Buchdruckereien soll das Buchbinderpersonal gezwungen sei also sei der ganze Unterschied zwischen direkter und werden, 54 Stunden zu arbeiten, nicht 53% Stunden wie indirekter Steuer überhaupt für die Katz. Vielleicht ent- das übrige Personal; ferner wollen die Unternehmer die schließen sich nun auch die Freisinnigen für indirekte Steuern versprochenen Arbeiterinnenlöhne nicht zahlen. Die Ver- Bülow gestattet es ihnen ja, sie ganz nach ihrem Belieben sammlungen nahmen daher Resolutionen an, die energisch Aus der rheinischen Textilindustrie. Welche Pfennigdirekte Steuern zu nennen. die Einhaltung der Versprechungen verlangen und das Tarif- fuchserei den Arbeitern gegenüber geübt wird, lehrt folgende Dies Kunststückchen charakterisiert den leitenden Staats- amt zu schnellerer Arbeit auffordern.-In Hamburg ist es Begebenheit: In Grefrath liegt die Leinenfabrik Berger mann des Reiches ähnlicher Seifenschaum waren seine zur teilweisen Arbeitsniederlegung gekommen, weil die Buch-& Co. Sie beschäftigt zirka 400 Arbeiter, darunter 50 verVersuche, die unangenehmen Hinweise auf die Enthüllungen bindermeister die gestellten Forderungen, besonders die der heiratete Frauen, die tros ihrer vielen Kinder sich täglich über die Liebenberg- Kamarilla und die homosexuelle Durch Arbeiterinnen, nicht anerkennen wollten. Der von der Lohn- lange Stunden im Interesse der Besizer abrackern dürfen. feuchung großer Armeeteile, die unterschiedliche Behandlung tommission für die Arbeiterinnen geforderte Höchstlohn von Die Firmenträger sind drei Geschwister, die für Millionäre der Sünder gegen den§ 175 zu entkräften. Es ist nach ihm 16,50 Mt. pro Woche( in Berlin beträgt der Lohn für Ar- gelten, aber all ihren Arbeitern völlig unauskömmliche alles in bester Ordnung, eine Kamarilla ist bei dem festen beiterinnen nach einem Jahre schon 17,28 Mt.) dünkt den Löhne zahlen. Die Mehrzahl der Weber und WebeWillen des Kaisers eine Unmöglichkeit, und die Enthüllungen Hamburger Prinzipalen zu hoch, sie wollen nur 15 Mt. rinnen fommt über 500 bis 600 Mt. Jahresverdienst nicht haben nur Ausnahmen aufgezeigt. Am Sonnabend ent- zahlen. Da völlige Einigkeit zwischen Arbeitern und Ar- hinaus. Seit 8 Jahren hat Herr Berger auch nicht die wickelte der Kanzler sein Blockprogramm. Es ist von ver- beiterinnen herrscht, werden die bereits eingeleiteten Ver- allerkleinste Lohnerhöhung eintreten lassen, sondern den blüffender Einfachheit. Die Konservativen und die Frei- handlungen wohl zu einem günstigen Resultat führen. ganzen Gewinn des Unternehmens in aller Seelenruhe finnigen brauchen gar nicht in allen Fragen zu harmonieren. Der Schuhmacherverband betreibt zurzeit eine in- feinen übrigen Reichtümern hinzugefügt. Diese Situation Nur in großen, namentlich„ nationalen" Fragen müssen sie tensive Agitation zur allgemeinen Durchführung des Neun- änderte sich, als in Grefrath vor einigen Monaten der einig sein. Die Freisinnigen müssen also vor allen Dingen stundentages. Da vielfach noch der elfstündige Arbeitstag alle Heeres, Flotten- und Kolonialforderungen unbefehen beim Gewerbe besteht, so ist der Kampf sehr schwierig, und oft willigen.( Herr Wiemer, ihr Sprecher, hat das für die muß eine übergangszeit zugestanden werden, in der eine gegenwärtige Flottenvorlage auch schon versprochen.) Die 9, auch 10 stündige Arbeitszeit Platz greift. An vielen Zollwucherpolitik muß bestehen bleiben. Große Fragen, in Orten hat der Verband seine Forderung glatt durchgefeßt, denen Konservative und Freisinnige nicht zusammenkommen während es in Hauenstein zur Aussperrung von 700 Arbeitern können, müssen zurückgestellt werden.( Womit Bülow sich tam. Jedenfalls ist dem Verband bester Erfolg und der Be indirekt gegen die Aufrollung der preußischen Wahlrechts- wegung energische Unterstützung von seiten der Arbeiterschaft frage aussprach.) Der Freisinn bekommt zur Belohnung die zu wünschen. Börsenreform und ein Reichsvereinsgeseh, das nicht liberal Der Verband der Wäschearbeiter ist am 1. Noist, aber dafür ein Stück Ausnahmegesez enthält. Er darf vember zum Schneiderverband übergetreten. Für die übernicht zuviel fordern und muß dafür sorgen, daß das Zen- getretenen Mitglieder gelten die statutarischen Unter trum nicht etwa das Reichsvereinsgesetz liberal ausgestaltet stützungsbestimmungen des Schneiderverbandes. An den und damit für die Konservativen unannehmbar macht. Bor- Sigungen der Hauptvorstandes nehmen stets zwei Vertreter sicht ist die Mutter des Blocks. Die Blockparteien müssen der Wäschebranche mit beschließender Stimme teil. Dieser ihre Politik mit Zweckbewußtsein und Selbstbeherrschung Zusammenschluß wird gewiß den Mitgliedern beider Verführen; das Zweckbewußtsein für die Konservativen, die bände von Nutzen sein. Es fann jetzt dem Unternehmerfum Mannes ist geradezu schamlos. Hoffentlich wird die er Selbstbeherrschung für den Freifinn, hätte der Kanzler hinzusetzen müssen. ein besser gerüstetes Kampfheer entgegengestellt und so dahin gewirkt werden, daß die elenden Lohnverhältnisse in der Wäsche und Konfektionsindustrie, besonders der Arbeite rinnen, endlich verbessert werden. Deutsche Textilarbeiterverband festen Fuß fassen konnte. Es tam natürlich zu einer Lohnbewegung; nach langen Verhandlungen erzielten die Verbandsvertreter eine Lohnaufbefferung von 5 Prozent für Weber, Spulerinnen, usw. und von 30 resp. 20 Pf. für Färber, Mangler und sonstige Taglöhner. Von einer Kündigung mußten die Arbeiter trotz der Winzigkeit der Zugeständnisse deshalb absehen, weil die im christlichen Verband organisierten Proletarier die Karenzzeit noch nicht hinter sich hatten. Immerhin waren sie überzeugt, daß der Fabrikant sein Lohnversprechen gewissenhaft einhalten würde. Der Herr, dem seine Arbeiter ein Riefenvermögen zusammengeschanzt haben, fehrte sich aber nicht an sein schriftlich gegebenes Wort. Gr ließ einem Teil der Taglöhner erst auf zweimalige Retlamation hin zunächst 5 Pf. und dann 10 Pf. Aufbesserung auszahlen. Diese Pfennigfuchserei eines schwerreichen starkende Organisation diesem Unternehmer bald lehren, was das Recht der Arbeiter und was Treu und Glauben Bebei hat der Blockregierung und den Blockparteien in des Unternehmers ist. Nicht so günstig haben die Tageiner großzügigen Rede den Spiegel ihrer Taten vorgehalten. löhner abgeschnitten. Zwar ist auch für sie eine Lohnüberreichlich war das Material. Seine scharfe Kritik des Vom Metallarbeiterverband liegt eine beachtens erhöhung bewilligt worden, doch soll sie nur vom 30. Sep Verhaltens der Armeeleitung und der Militärjustiz zu den werte Aufstellung über die Erfolge vor, die er auf dem Ge- tember bis 31. Dezember 10 Prozent betragen, für die Zeit hochgestellten Herren, die ihre Untergebenen zur Befriedi- biet der Verkürzung der Arbeitszeit errungen hat. Die neun vom 1. Januar bis 30. Juni, wo sich ihre Arbeitszeit um gung ihrer homosexuellen Gelüste mißbrauchten, veranlaßte stündige Arbeitszeit hat danach siegreiche Fortschritte gemacht, eine halbe Stunde reduziert, auf nur noch 5 Prozent sinken den Kriegsminister, zu erklären, daß er nichts gewußt habe, vielfach ist sogar bereits die Einführung der achtstündigen und nach Einführung des Zehnstundentags sollen auch die und daß durchaus ordnungsgemäß verfahren worden sei. durchgesetzt worden. In den Großstädten ist selbst in den letzten 5 Prozent Lohnerhöhung in Wegfall kommen. Es Sehr überzeugend waren seine Ausführungen nicht. dun handwerksmäßigen Betrieben der Neunstundentag allgemein bleibt ihnen dann nur der Vorteil verkürzter Arbeitszeit. Unter den Vorlagen, die dem Reichstag zugegangen üblich. Im Jahre 1906 allein hat der Verband für 78 000 Der Erfolg der Bewegung hat der Arbeiterschaft gezeigt, find, stechen an Bedeutung die Flottenvorlage und das Berufsangehörige eine wöchentliche Berkürzung der Arbeits- daß der Deutsche Textilarbeiterverband" ein Faktor ist, Reichsvereinsgesetz hervor. Die erstere bedeutet für zeit um 300 000 Stunden erreicht. Nach der Aufstellung mit dem der Unternehmer rechnen muß. In dem Anschluß die nächsten vier Jahre gegen das geltende Flottengesetz von sind in den Jahren 1904, 1905, 1906 und im ersten Halb- an den Verband liegt die Garantie dafür, daß die Direktion 1900 eine Vermehrung der Lasten um 336 Millionen Mart. jahr 1907 für rund 147 000 Berufsangehörige 506 000 Das zweite bringt ganz Deutschland unter die preußische Stunden wöchentlicher Arbeitszeitverkürzung errungen worden. Pickelhaube. Den Frauen allerdings wird im Vereins- und Ein gutes Stück Arbeit, das da für die Hebung der Versammlungsleben Gleichberechtigung mit den Männern Arbeiterklasse geleistet worden ist! gewährt, und auch für die Minderjährigen fallen die Be- Der Holzarbeiterverband ist auf dem Wege zu schränkungen. Außerdem brauchen die politischen Vereine einem Einheitstarif für ganz Deutschland. Es haben bereits die Mitgliederliste nicht mehr einzureichen. Diese Verbesse Konferenzen der Unternehmer- und Arbeiterverbände stattrungen sollen aber durch eine gewaltige Ausdehnung der gefunden, welche die Frage behandelten. Das nächste Ziel ist die Auflösungsbefugnisse der Polizei selbst gegen das miserable Festsetzung der Marimalarbeitszeit im Holzgewerbe zunächst preußische Gesetz und durch eine Ausnahmebestimmung er- auf 9% und später auf 9 Stunden. Die Arbeitgeber beabsichfauft werden, die den Polen, Dänen, Französisch- Lothringern tigen, alle Tarife bis 1910 ablaufen zu lassen, um dann auf das Versammlungsrecht nimmt. Nur mit der Genehmigung Grund des Einheitstarifs Verträge abzuschließen. Die Ar der Landesregierung soll in Versammlungen eine andere als beitervertreter erklärten sich damit nicht einverstanden; ihnen die deutsche Sprache gebraucht werden dürfen. Der Ent- erscheint die Zeit zu kurz, um bis dahin den Tarif fertigwurf wird damit für die Sozialdemokratie absolut unan- zustellen. Eine spätere Konferenz soll weiter über die Sache nehmbar und müßte auch von jeder halbwegs liberalen beraten. Bartei rundweg abgelehnt werden. Aber der Freisinn„ behält sich seine Stellung vor". Das ist die Vorbereitung zum Umfall. H. B. " ihr Versprechen halten muß. Darum, Arbeiter und Arbeiterinnen der Textilindustrie: wollt ihr eure Lage verbessern, agitiert und organisiert für den Deutschen Textilarbeiterverband. Notizenteil. Dienstbotenfrage. W. K. Was die Organisation für die Dienstmädchen zu erreichen vermag. Unendlich erfreulich ist die Tatsache, daß an allen Orten, wo die Genossinnen sich mit der Dienstbotenfrage beschäftigen, nach eingeleiteter Agitation die Dienstmädchen in hellen Scharen den Versammlungen zuströmten, mit lebendigem Interesse den Darlegungen der Referenten folgten, vielfach sich in fachkundiger Weise an Wir haben schon gelegentlich an dieser Stelle uns dahin den Diskussionen beteiligten und in Massen den neuzugrünausgesprochen, daß die Gewerkschaften in ihren Kämpfen denden oder bereits bestehenden Dienstbotenvereinen beiund Forderungen sich wieder mehr der Verkürzung der traten. Die Mädchen sind zum guten Teil reif für den Arbeitszeit zuwenden möchten. In der Zeit der wirt- Organisationsgedanken. Diese Tatsache ist eine Erscheinung, schaftlichen Hochkonjunktur und der Verteuerung der Lebens- die wir mit vollem Recht auf das Konto der Gesamtmittel haben sie mehr Wert auf Lohnerhöhungen gelegt und arbeiterbewegung setzen können. Das Herannahen des Weihnachtsfestes läßt den Lärm naturgemäß legen müssen. Das Nahen der wirtschaftlichen Das Vorhandensein der Arbeiterorganisationen, ihr des wirtschaftlichen Kampfes etwas verhallen. Immerhin Krise mit ihrem Heer von Arbeitslosen macht jedoch die schnelles Wachstum und ihre Wirksamkeit im Interesse der haben die Gewerkschaften auch in dieser Zeit noch manches stärkere Betonung der Forderung nach fürzerer Arbeitszeit Arbeiterklasse tann natürlich nicht ohne Einfluß auf die Scharmütel zu bestehen. Die fortwährende Steigerung der zur zwingenden Notwendigkeit. öffentliche Meinung, auf das allgemeine Bewußtsein bleiben. Lebensmittel- und Kohlenpreise drängt dazu. Die Maschinenschreiber und schreiberinnen Während die herrschenden Klassen die wachsende Macht und Die Textilarbeiter und arbeiterinnen führen sollen zu einem Sonderorganisationserperiment mißbraucht Stärke der Organisationen anzuerkennen und zu berückihren Kampf um Verkürzung der Arbeitszeit, wie um eine werden. Der neugegründete Verband der Stenotypisten und fichtigen gezwungen sind und deshalb, gestachelt vom SelbstVerbesserung der Löhne unentwegt fort. So ist zum Bei- Stenotypistinnen hat sich vor allem die Aufgabe gestellt, durch erhaltungstrieb und Sklavenhaltergelüften, nach UnterGewerkschaftliche Rundschau. Nr. 25 Die Gleichhett 221 drückungsmaßregeln gegen die Arbeiter schreien, wird in den Massen der Ausgebeuteten und Unterdrückten der Instinkt und später das Bewußtsein von der Solidarität aller Arbeiter und Arbeiterinnen geweckt. So auch bei den Dienstmädchen und gerade bei diesen um so mehr, als hier nicht nur die rechtlichen und sozialen, sondern vor allem auch die wirtschaftlichen Verhältnisse nach Umgestaltung, nach Reformierung schreien. Die Dienstmädchen beginnen mit Recht„begehrlich" zu werden. Die Lage des Arbeitsmarktes, die allgemeine„Dienstbotennot" ist ein überaus wichtiger Faktor für das Streben der Dienstmädchen nach Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse. Der chronische Dienstmädchenmangel hat schon ganz mechanisch ein Steigen der Löhne bewirkt. Welche Verbesserungen, nicht nur der Löhne, sondern aller Arbeitsbedingungen könnten dagegen durch ein bewußt planvolles Vorgehen erzielt werden. Durch die kleine, verhältnismäßig kleine Schar der Organisierten ist denn auch an verschiedenen Orten schon manch Wertvolles errungen worden. Was der Zusammenschluß zu leisten vermag, das zeigt das Beispiel der Errungenschaften, deren sich unsere Schwestern in Neuseeland dank ihrer Organisation erfreuen. Die„Australia Review" berichtet darüber folgendes: Nach den Bedingungen, die von der neuseeländischen Dienstbotenorganisation festgesetzt sind, beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 6S Stunden. Die Arbeit beginnt des Morgens '/>7 Uhr und endet am Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend um 7'/» Uhr abends, am Mittwoch um 10 Uhr abends und am Donnerstag und Sonntag um 2Uhr mittags. Drei halbstündige Pausen zur Einnahme der Mahlzeiten sowie außerdem eine einstündige Ruhepause bewahren die Mädchen vor der Überarbeil. An den verkürzten Arbeitstagen, am Donnerstag und Sonntag, haben sich hie Mädchen mit zwei halbstündigen Ruhepausen zufrieden erklärt. Auch erklärten sich die Mädchen bereit, jeden zweiten Sonntag, aber nur nach voraufgegangener Ankündigung, zwischen V'6 und nachmittags den Tee zu bereiten. Dagegen muh ihnen an jedem Sonntagmorgen ein zweistündiger Urlaub zum Kirchenbesuch gewährt werden. Als regelmäßige volle Urlaubstage gelten: Weihnachten, Neujahr, Ostermontag und andere. An diesen Tagen muß die Arbeit, welche die Mädchen eventuell verrichten, mit 1 Mk. pro Stunde bezahlt werden. Bei irgend welchen Differenzen zwischen Mädchen und„Herrschaften" wird nicht wie bei uns die„alles verstehende" Polizei gerufen, sondern die Dienstbotenorganisation ernennt ein Komitee von tünf Personen, dessen Schiedsspruch die Angelegenheit regell. Durch Unterschrift anerkennen die„Herrschaften" die erwähnten Bestimmungen. Können derartige Bedingungen in Neuseeland durchgeführt werden, warum nicht auch bei uns? Wenn unsere Genossinnen die Agitation mit dem gleichen Eifer fortsetzen, mit dem sie überall begonnen haben, so kann es nicht sehten, daß die jungen Dienstbotenvereine der einzelnen Orte wachsen und gedeihen, daß sie. wenn erst zusammengefaßt, sich zu einer machtvollen gewerkschaftlichen Organisation entwickeln. Die Forderungen unseres Dienslvertrags werden bei der Agitationsarbeit wertvolle Dienste leisten. Aufgabe der erstarkten Organisation wird es sein, diesen Forderungen Anerkennung zu verschaffen. Das bisher Erreichte berechtigt zu hoffnungsvollem Ausblick in die Zukunft. Riesen doch an manchen Orlen die Mädchen unseren Flugblattverteilern entgegen:„Na, endlich denkt ihr auch an uns, wir werden freudig eurem Rufe folgen." Wir können freudigen Herzens erUären: die Tienslbotenbewegung marschiert! Luise Zieh. Heil uuscrn Freunde», den Herrschaften! In welcher Weiie die.Herrschasten", wie sie sich so gern nennen, für unseren Verein arbeiten, zeigt folgender Fall: Eine der „Honelten, wohlwollenden" Hausfraue», Vorstandsmitglied des Hamburger Haussrauenverems. fühlte sich als mütterlicher Schutz und Schirm eines 21 Jahre alten Kleinmädchens, das gut empfohlen war und Zeugnisse über mehrjähnge Tätigteil auswies. Die Dame vergaß dabei anscheinend, daß Hamburg nicht den Segen der mittelalterlichen preußischen Gesindeordnungen genießt, sie machte dem jungen Madchen in„fühlbarer" Weise ihre mütterliche Autorität klar. Das Mädchen, eiiipört über eine solche Behandlung, besann sich aus die Existenz unseres Vereins und trug uns ihre Klagen vor. Sie bemerkte dazu, sie habe jetzt eingesehen, daß sich die Dienstmädchen nur durch gemeinsamen Zusammenschluß gegen d,e Übergriffe der Dienstgeber schützen könnten; sie wolle dafür sorgen, daß sich alle Dienst- mädchen, mit denen sie in Berührung käme, dem Schutze unserer Organisation unterstellten. Das gerichtliche Nachspiel dieses Falles wird der betreffenden„schlagfertigen" Dame hoffentlich ein für allemal ihre Herrschergelüste austreiben. Die Damen von„Besitz und Bildung" graben sich selbst das Wasser ab! ll- Di«„Gnädige" vor Gericht. Ein Prozeß, der kürzlich vor dem Schöffengericht Nürnberg verhandelt wurde, lieferte wieder einmal einen interessanten Beitrag zum Kapitel Dienstbotenfrage. Die jugendliche Fabrikantengattin Rosa Bernhaupt war der gefährlichen Körperverletzung angeklagt, begangen an ihrem früheren Dienstmädchen Magd. Markert. Die Zeugin übergab dem Gericht eine zerrissene, blutbeflekte Bluse und ein ledernes Handtäschchen mit stählernem Bügel. Letzteres war nämlich das Werkzeug, mit dem die Körperverletzung verübt worden war. Die Vorgeschichte des Falles, auf die das Gericht gar nicht einging, ist folgende: Das Dienstmädchen Markert hatte den Dienst bei Bernhaupt schon mehrfach gekündigt, weil es oft unter den unsittlichen Angriffen des Dienstherrn zu leiden hatte. Die Frau jedoch redete dem Mädchen immer wieder zu, in der Stellung zu bleiben. Endlich wurde es diesem doch zu bunt, und es bestand auf seiner Kündigung. Dafür rächte sich die Dame durch eine häßliche Eintragung in das Dienstbuch, die dem Mädchen das weiters Fortkommen abgeschnitten hätte. Ferner hatte Frau Bernhaupt auch noch die Liebenswürdigkeit, 25,15 Mk. für einen Rock abzuziehen, den sie dem Mädchen einmal geschenkt hatte. Da die Aufrechnung sehr interessant ist, so sei sie hier wiedergegeben: Einen Rock gemacht 4'/- Mtr. Stoff ü 2,50 Mk... 11,25 Mk. 4'/,- Rockfutter ä IM-.. 7,40- 4- Borte ä— ,10-..— ,40- 2 Rollen Seide ä—,05-..—.10- Macherlohn.......... 3,—- Essen 1 Tag........... 3,—- Summa 25,15 Mk. Als nun das Mädchen diese Aufrechnung der Schneiderin zeigte, erklärte diese, daß verschiedenes zu teuer angerechnet sei. Die Aufrechnung der Schneiderin ist folgende: 3'/« Mtr. Stoff ü 3 Mk... 9.75 Mk. 3'/.- Lüster ä 60 Pf... 2.10- 2'/»- Borte ä 10 Pf..,—,25- 2 Rollen Seide ä 5 Pf...— ,10- Arbeitslohn....... 1,73- Essen.........—.76- Summa 14,71 Mk. Nachdem das Mädchen der Herrschaft erklärt hatte, den Klageweg beschreiten zu wollen, wurden die 25,15 Mk. gutwillig zurückgezahlt. Darauf begab sich das Mädchen nochmals zur Herrschaft mit einer Ausforderung des Tienst- botenvereins an diese, den Eintrag im Dienstbuch zu beseitigen. Zuerst ließ sich Frau Bernhaupt verleugnen. Aber kaum war das Mädchen zu einer Bekannten im Hause gegangen, um ihre Sachen zu holen, die diese ihr aufbewahrt hatte, so drang Frau Bernhaupt in das Zimmer. Mit den Worten:„Ihnen werd' ich lehren, zu sagen, mein Mann habe Sie unsittlich berührt", zerriß sie dem Mädchen die Bluse, riß ihm die Handtasche aus der Hand und schlug es damit wiederholt auf den Kopf, so daß das Blut auf die weiße Bluse strömte. Als das Mädchen schließlich weinend zusammenbrach, rauschte die Dame von bannen. Der Amtsanwalt plädierte auf gefährliche Körperverletzung und beantragte die Mindeststtafe von 3 Mk.! Das Gericht erkannte auf 6 Mk. Geldstrafe. Als„straferschwerend" wurde die Rücksichtslosigkeit bezeichnet, mit der Frau Bernhaupt zugeschlagen hatte, als strafmildernd ihre Aufregung und bisherige Unbescholtenheit. Die„Strafe" ist zwar sehr milde ausgefallen, aber wenn alle Dienstmädchen, die in ähnlicher Weise behandelt werden, gegen die„Gnädigen" vorgehen, so können diese vielleicht doch noch dazu erzogen werden, daß sie in den Dienenden nicht Sklavinnen erblicken, mit denen sie nach Belieben verfahren können. Die Mißhandelte hat übrigens noch eine Zivilklage auf Zahlung von Schmerzensgeld und Schadenersatz angestrengt. In der Generalversammlung des Vereins der Dienstmädchen, Wasch- und Scheuerfrauen von Hamburg und Umgebung, die am 7. November stattfand, gab Genossin Kühler einen Überblick über das erste arbeitsreiche Vereinsjahr. Die Gründungsversammlung der Organisation am 23. Oktober 1908 war dank der steißigen Vorarbeit der Genossen und Genossinnen eine machtvolle Kundgebung der Dienstmädchen Hamburgs. Mehr als zweihundert Mädchen und Frauen erklärten sich in dieser Versammlung bereit, dem Verein beizutreten. In der nächsten Versammlung, die drei Wochen darauf stattfand, meldeten weitere 200 Dienstmädchen und Wasch- und Scheuerfrauen ihren Beitritt an. Nun ging es im Sturmschritt vorwärts. 12 öffentliche und 12 Vereinsversammlungen wurden im Laufe des Jahres abgehalten, und jede brachte einen Zuwachs an Mitgliedern. 13 Vorstands- und 5 Kartellsitzungen fanden statt. An der Maifeier beteiligten sich 150 organisierte Hausangestellte. Die eingegangenen Beschwerden wurden zur Zufriedenheit der Mitglieder erledigt. Der kostenlose Stellennachweis, der am 18. Februar 1907 eröffnet wurde, führte dem Verein viele Mitglieder zu. Seine starke Inanspruchnahme durch die Herrschaften machte es mit der Zeit notwendig, das Bureau von morgens 8 bis abens 8 Uhr offen zu hallen und ein Telephon anzulegen. In der Diskussion, die auf den Bericht folgte, sprach Genossin RolfS für Verkürzung der Arbeitszeit. In den Vorstand wurden außer 8 Revisorinnen wieder die Genossinnen Kühler, Koltrowitz, Kuhlmann und Mangels gewählt. Die Vorsitzende forderte zu lebhafter Agitation für die Organisation auf. Drei Mitglieder ließen sich neu aufnehmen. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 12. Dezember, abends 7'/» Uhr, statt. Berta Mangels. Vor einer sehr gut besuchten öffentlichen Dienst- boteuvrrsammlung zu Frankfurt a. M. sprach am II. November im Gewerkschaftshaus Genosse Rudolph über „Herrschen und Dienen". Er schilderte den Wert der Organisation in so eindringlicher Weise, daß am Schlüsse seines Referats sich 18 neue Mitglieder in den Verein aufnehmen ließen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion. Ein Mädchen, das bei einer sehr„feinen" Herrschaft, einem Hoflieferanten, in Stellung gewesen war, mußte bei schmaler Kost regelmäßig von 6 Uhr früh bis nachts um 12 arbeiten. Bei Klagen über die mangelhafte, schlechte Nahrung mußte der Vorwand herhalten, man wolle«schlank bleiben". Als beim Fortgang des Mädchens ein silberner Kaffeelöffel fehlte, wurde dieses noch des Diebstahls bezichtigt.„Wenn der Löffel zu essen gewesen wäre, hätte ich ihn sicher bei meinem Hunger verschluckt," versicherte das arme Mädchen mit tränenerstickter Stimme. Fräulein Bernhard, die schon 38 Jahre in Frankfurt dient und daher eine reiche Erfahrung hat, beschrieb, wie oft die Herrschaften durch schlechte Gewohnheiten ein junges, unerfahrenes Kind vom Lande verderben, es zum Lügen und Heucheln anhalten und durch ungerechten Argwohn kränken. Wenn irgend etwas fehlt oder verlegt ist, gleich wird das Dienstmädchen zur Diebin gestempelt. Die Redncrin selbst wurde einmal wegen einer fehlenden Serviette unter Beistand der Polizei untersucht! Erst kürzlich gab sie eine drei Jahre inne gehabte Stelle auf, weil man daran zweifeltte, daß in einem Paket, das sie aus dem Haus trug, wirklich reparaturbedürftige Stiefel enthalten waren. Ein anderes Mädchen protestierte gegen die vor kurzem von einem bekannten Frankfurter Sozial- poliliker gefallene Äußerung, daß„die Dienstmädchen sich aus dem minderwertigsten Menschenmaterial rekrutieren". Es verwies darauf, daß gerade dies„minderwertige Menschenmaterial" es sei, das den Herrschaften durch seine nützliche Arbeit das Leben angenehm und leicht macht. Genossin Rudolph forderte die Anwesenden auf, dieser Äußerung sowie der eines Berliner Freisinnsmannes eingedenk zu sein, der kürzlich sagte: die Sozialdemokratie habe ja sogar schon die Dienstmädchen organisiert, nun werden wohl auch bald die Damen der Friedrichstraße an die Reihe kommen! In dieser Äußerung liege die ganze Verachtung der herrschenden Klasse gegen den nützlichen, ehrbaren Dienstbotenstand. Das müsse den Mädchen klar machen, daß sie nur durch Zusammenschluß mit ihren Arbeitsschwestern ihre Lage verbessern können. Die Rednerin bedauerte, daß die Zentralarbeiterbibliothek nicht stärker von den Hausangestellten benutzt wird, und forderte die Anwesenden auf, doch von ihrem Rechte als Vereinsmitglieder mehr Gebrauch zu machen, da gute Lektüre Geist und Charakter bildet. Von der außerordentlichen Frauenkonferenz zu Berlin erwartet der Verein eine kräftige Förderung der ganzen Dienstbotenbewegung. Da Genossin Tesch, welche das Mandat für den Preußentag und die Konferenz hat, gleichzeitig Vorstandsmitglied der Dienstbotenorganisation ist, wurde von einer besonderen Delegation abgesehen. Am 15. November findet das Stiftungsfest des Vereins statt, der jetzt genau ein Jahr besteht.' a. r. Dienstbotenbrwrgung in Nürnberg. Eine sehr stark besuchte außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins der Dienstmädchen, Waschfrauen usw. fand am Sonntag im „Historischen Hos" statt. Genossin Grünberg sprach über „Agitation und Organisation". Sie empfahl den Organisierten, nicht nur die Beiträge zu zahlen, sondern mitarbeitende Glieder des Vereins zu werden. Uber die Entwicklung der Organisation hob sie das Folgende hervor: Ein Teil der organisierten Dienstmädchen und Waschfrauen sowie Zugeherinnen machen es sich zur Aufgabe, in den Familien, wo sie bedienstet sind, die Hausangestellten der Organisation zuzuführen. Sie haben guten Erfolg mit ihrer Agitation. Wenn die Einkassiererinnen des Vereins komme», so erhalten pe von einzelnen Kolleginnen außer dem Monatsbeitrag noch die Gebühr von drei bis vier Aufnahmen. Das Erfreuliche ist, daß die neu gewonnenen Mitglieder dauernd im Verein bleiben. Da zu Weihnachten eine besonders günstige Zeit für die Hausagitation ist, so riet Genossin Grünberg den Mitgliedern, diese Zeit gut auszunützen. Bekanntlich entstehen gerade zur Weihnachtszeit besonders viele Konflikte für die Dienenden. Da wird vielfach von den Herrschasten willkürlich ein Streit vom Zaun gebrochen, damit sie den Mädchen das Weihnachtspräsent schmälern oder ganz entziehen können. Aber bei den niedrigen Löhnen ist das Weihnachtsgeschenk ein Teil des Lohnes, und so sind die Mädchen einfach die Geprellten. Hier hat die Agitation einzusetzen. Die Mädchen sind darüber aufzuklären, daß der Dienstbotenverein für höhere Löhne eintritt, so daß die Mädchen nicht auf das Weihnachlspräsent zu rechnen brauchen. Ost wird auch ein Präsent nur zum Schein gegeben und nach Weihnachten wieder fortgenommen. Das ist ungesetzlich, und die Mädchen brauchen das erhaltene Geschenk nicht wieder zurückzugeben, selbst wenn sie kurz nach Weihnachten den Dienst verlassen. Ein Mädchen hatte im vorigen Jahre von einer reichen Familie am heiligen Abend ihr Weihnachtsgeschenk erhalten. Es ließ über Nacht das Präsent liegen, am anderen Morgen war das Geld(10 Mk.) fort; auf Anfrage erklärte die Gnädige, die 10 Mk. wären zu viel, das Geschenk sei ohne sie hinreichend groß. Fälle wie diese müssen die Mädchen belehren und der Organisation zuführen. Des weiteren wurde in der Versammlung Klage über einen Arzt und seine Frau ge führt. Das Ehepaar ist äußerst streitbar und macht denMädchen das Leben zur Hölle. Vom Dienstbotenverein werden ihm schon seit Juni keine Mädchen mehr vermittelt, und es erhält auch fernerhin von unserem kostenlosen Stellennachweis keine Dienstboten zugewiesen.— Die Kassiererin, Genossin Rummel, gab den Kassenbericht vom dritten Quartal. Die Einnahme beträgt inklusive eines Bestandes von 368,93 Mk. 990,78 Mk., demgegenüber steht eine Ausgabe von 384,75 Mk., somit bleibt ein Bestand von 628,03 Mk. Die Mitgliederzahl beträgt 393. Die Stellenvermittlung floriert sehr gut, zweimal so viel Mädchen wären nötig; um die Nachfrage von feiten der Herrschaften zu befriedigen. Die Mädchen sollen also auf unseren Stellennachweis aufmerksam machen. ZM Schluß wurde bekannt gegeben, daß am Sonntag z»�-M Weihnachten und Neujahr eine Weihnachtsfeier im„Histo- eischen Hof" stattfindet. Für guten Besuch sollen die Mädchen Sorge tragen.-f- Nürnberger Dienstmädchen, gebt acht. Ein Schwindler treibt zurzeit in Nürnberg wieder sein Unwesen unter den Dienstmädchen. Er geht mit einer Liste herum und gibt vor, er komme im Auftrag von Genossin Grünberg. Er lockt den Mädchen Beträge von 2, 3 und bis 8 Mk. aus der 222 Die Gleichheit d stungsdukt Frauenstimmrecht. Nr. 25 Tasche. Der Dienstbotenverein hat nie einen Mann mit und Weil im Dorf gehen früh in die Papier- und Karton- wo die weibliche Arbeitskraft die männliche weit überflügelt dem Einkassieren der Beiträge betraut. Ferner zirkuliert fabriken nach dem eine Stunde entfernten Feuerbach, wo sie hat, sind die Kämpfe mit dem Unternehmertum ohne die von seiten der Organisation auch keine Liste, um Extra- für einen Taglohn von 1,30 bis höchstens 2 Mt. von früh Arbeiterinnen unmöglich. Mit der leider noch so weit verbeträge einkassieren zu lassen. Der Schwindler treibt sein bis spät schaffen. Der dortige Fabrikant mutet den Frauen breiteten Anschauung, daß es genügt, wenn das Familienunsauberes Geschäft sicherlich bei den unorganisierten oft Arbeit zu, die mehr törperliche Kraft und Ausdauer er- oberhaupt organisiert ist, muß gebrochen werden. In die Dienstmädchen, die in ihrer Leichtgläubigkeit ihm zum Opfer fordert als die Arbeit der Männer. Die Frauen, die in der Organisation gehört alles, was da arbeitet, auch die Frauen fallen. Die politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Fabrit Tüten und Beutel fleben, müssen das Material dazu und Töchter der Genossen oder Gewerkschaftler, soweit sie und Arbeiterinnen wie Arbeiterfrauen werden ersucht, die selbst nach ihrem Arbeitsplatz tragen. Das Material ist oft erwerbstätig sind. Dienstmädchen auf den Schwindler aufmerksam zu machen so schwer, daß die Frauen des Abends vor Rücken- und Kapitalistische Ausbeutung in der Jutespinnerei in und ihn, falls man ihn ertappen sollte, sofort der Polizei Unterleibsschmerzen nicht wissen, was sie beginnen sollen. Braunschweig- Vechelde. Für den genannten Betrieb zu übergeben und der Unterzeichneten davon Mitteilung zu Die Entlohnung der weiblichen Arbeiter ist aber, wie überall, scheint das Verbot der Fabrikarbeit schulpflichtiger Kinder machen. geringer als die der männlichen. Die Frauen von Bietig außer Kraft gesetzt zu sein, dort werden 54 Kinder von 9, Im Namen des Dienstbotenvereins: Helene Grünberg. heim, Tuttlingen und Sulz gehen in die Trikotagen- 10, 11, 12 und 13 Jahren beschäftigt, die in ihren Papieren und Schuhfabriken. Sie haben auch nicht mehr Verdienst als siebzehnjährige aufgeführt sind, damit sie nicht einmal wie die Arbeiterinnen in Münster und Weil im Dorf. In des geringen Schutzes der„ jugendlichen Arbeiter" teilhaftig Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Schramberg, einem Sitz der Uhrenindustrie, ist der größte werden. Was schadet es denn, hat ein bekannter Borsteher Heimarbeit im Oberamt Gmünd. Einer Anregung Teil der Arbeiterfrauen gezwungen, mitzuarbeiten. Die gesagt, es sind ja nur Galizier! Ob auch deren Gesundder Generalfommission der Gewerkschaften ent: Frauen verdienen in zwei Wochen 15 bis 20 Mt. Dabei heit und Jugendfreude zerstört wird, wenn nur der dreisprechend ist im Oberamt Gmünd über die Heimarbeit sind im Orte in den letzten Wochen Milch, Brot und Fleisch mal geheiligte Profit gesichert ist! Wer die kleinen, armseitens der Gewerkschaften eine Erhebung vorgenommen erheblich im Preise gestiegen, so daß sich die Genossen ver- seligen Gestalten sieht, dem muß das Herz sich zusammenworden, die das Heimarbeiterinnenelend beleuchtet. Die Er- anlaßt sahen, die Milch aus Schramberg zu boyfottieren, frampfen. Die Wohnungen dieser Armen spotten jeder Behebung ergab folgende Tatsachen: Heimarbeit kommt im wenn die Bauern sie nicht zum alten Preise verkauften. In schreibung. Betten kennen sie nicht, Strohsäcke dienen zu Oberamt Gmünd, Stadt und Land, in der Korsettindu- Böblingen, Aalen und Heidenheim leisten die ihrem Nachtlager. Und die Behörde? Die hat vollauf damit strie, der Filzspielwarenindustrie, der Schuhwaren Frauen außer der Fabrikarbeit auch noch viel Heimarbeit. zu tun, darüber zu wachen, daß niemand gegen das Vereinsindustrie, der Gold- und Silberwarenindustrie vor. Sie schaffen oft bis spät in die Nacht hinein mit den Kindern und Versammlungsgesetz verstößt. Für übertretungen des In der Korsettbranche werden von allen Firmen Heim- zusammen, und der von der Tagesarbeit heimkehrende Mann Kinderschutzgesetzes bleibt ihr keine Zeit. Wir leben in einer arbeiter beschäftigt, nämlich von Schneider& Sohn in hilft häufig noch mit. In der Nudelfabrik in Aalen fultivierten Welt. Wer es nicht glaubt, gehe nach Vechelde. Heubach, Spießhofer& Braun in Heubach, Allgöwer& Erbe bringen es die Arbeiterinnen bei Affordarbeit auf einen or in Mögglingen, Ullmann- Leinzell. Für diese vier Firmen Höchstlohn von 1,60 Mt. täglich, in der Bonbonfabrik bearbeiten in fünf Hauptorten 900 bis 1000, im ganzen Bezirk trägt der Anfangslohn 80 Pf., der Höchstlohn 1,45 Mt. pro 1200 bis 1500 Heimarbeiter. Die übergroße Mehrheit von Tag. In Ravensburg sind die proletarischen Frauen ihnen ist weiblichen Geschlechtes, mehrfach werden auch und Mädchen in Trikotagen- und Pinselfabriken tätig. Hier Der Kampf der Sozialdemokratie für das FranenKinder unter 14 Jahren beschäftigt. Die Arbeitszeit schwankt haben sich die Fabrikanten sehr viele italienische Arbeiterinnen wahlrecht zum preußischen und fächsischen Landtag ist zwischen 10 und 20 Stunden täglich, durchschnittlich beträgt herbeigeholt, die aber mit den deutschen Arbeiterinnen nicht neuerlich zusammen mit dem Kampfe für das allgemeine fie 14 bis 16 Stunden und für Kinder 4 bis 6 Stunden zusammenkommen, da sie unter der Obhut christlicher Damen Wahlrecht eröffnet worden. Die Resolution, welche der neben der Schulzeit! Der Verdienst einer einzelnen Person stehen, die sie nicht allein lassen. In Nellingen, Beben Parteitag der preußischen Sozialdemokratie zu stellt sich bei 14- bis 18 stündiger Arbeitszeit auf 5 bis 11 Mt., hausen, Heilbronn, Neckarsulm, Feuerbach, Berlin zur Frage des Wahlrechtstampfes annahm, erklärt im Durchschnitt auf 7 bis 8 Mt. pro Woche. Ganz ver- Kornwestheim, Ehningen, Reutlingen und Back- ausdrücklich, daß dieser Kampf geführt werde zur Erringung einzelt erreicht er eine Höhe von 17 Mt. Der Familien- nang müssen die Frauen ebenfalls außer der Arbeit im des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts verdienst, wenn Mann, Frau und zwei bis drei Kinder er- Haushalt noch tüchtig in der Fabrik schanzen, um zum Unter- für alle zwanzigjährigen Staatsangehörigen ohne Unterwerben, erreicht im Höchstfall 20 Mt. wöchentlich.- Heim- halt der Familie beizutragen. Möchten die belasteten, aus- schied des Geschlechtes". Auch nicht eine einzige Stimme arbeit wird auch noch nach Feierabend von Personen ge- gebeuteten Proletarierinnen endlich erkennen, daß sie sich hat sich auf dem Parteitag oder in der sozialdemokratischen leistet, die in der Fabrik beschäftigt sind, und die dadurch eine Hebung ihrer erbärmlichen Lage nur erkämpfen können, Presse gegen die Forderung des Frauenwahlrechts erhoben, bei sechs bis neunstündiger Arbeitszeit 2 bis 5 Mt. wöchent- wenn sie sich politisch und gewerkschaftlich organisieren. hat befürwortet, daß diese zeitweilig aus dem Kampfe auslichen Nebenverdienst erzielen. Die angegebenen Löhne A. Fahrenwald. geschaltet werden möge. Die Demonstrationsversammlungen, reduzieren sich durch die Ausgaben für Faden usw. um Unter den Textilarbeitern und-arbeiterinnen in welche in Preußen in der Zeit vom 26. November bis 40 Pf. bis zu 3 Mt. Teilweise wird der Faden, der von Brandenburg und Süddeutschland. Viele Orte der ge- 1. Dezember stattgefunden haben, forderten auch das Frauender Fabrik bezogen werden muß zu einem höherem Preise nannten Gaue bieten den Ausbreitern des Organisations- wahlrecht, in Hunderten von Orten ist diese Forderung von berechnet, als er im Laden erhältlich ist. Ob der Preis: gedankens noch ein sehr schwieriges Arbeitsfeld. Das Genoffinnen und Genossen eingehend begründet worden. In unterschied seine Ursache in der Qualität hat, ist sehr zweifel- ist besonders dort der Fall, wo es sich vorwiegend um Sachsen hat sich das Proletariat zu Massenfundgebungen haft. Auch Maschinen nebst Zubehör müssen von der Heim- ländliche Arbeiterschaft handelt. Die Leute kommen von am 7. und 8. Dezember gerüstet, die gleichfalls der Forde arbeiterschaft selbst gestellt werden, desgleichen die Lohn- den umliegenden Ortschaften stundenweit zur Stadt, um rung des allgemeinen Wahlrechts für alle großjährigen büchlein. Die Beiträge zur Kranken- und Invalidenversiche- wöchentlich 10 bis 12 Mark zu verdienen. Diese länd- Männer und Frauen dienen sollen. So steht die deutsche rung werden nur für einen fleinen Teil Spezialarbeiter ge- lichen Elemente, die ihren Unterhalt noch nebenher mit Sozialdemokratie an erster Stelle derer, die für die polle zahlt, die maschinelle Vorrichtungen von der Firma gestellt Landarbeit ergänzen, vielleicht selbst ein fleines Anwesen politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes erhalten. Vielfach wird über die Behandlung beim Abliefern haben, zur Organisation zu bewegen, hält sehr schwer. tämpfen. geflagt. Abzüge fommen vor, stundenlang müssen die Liefern- Dazu kommt noch, daß manchenorts die organisierten Ar- Kommunales Frauenwahlrecht in Schwarzburgden auf neue Arbeit warten und bei der Verteilung wird beiter feinen Saal bekommen können, wozu in frommen" Sondershausen. Von einem ihnen zustehenden Gemeindeoft parteiisch verfahren. Die Wohnungsverhältnisse der Gegenden vor allem die Pfaffen nach Kräften beitragen. wahlrecht haben, soweit uns bekannt, die Genofsinnen in Heimarbeitenden sind durchweg äußerst primitiv. Häufig Wenn man dennoch in fast allen diesen Orten einen Stamm Schwarzburg- Sondershausen bis heute feinen Gebrauch getrifft man an, daß im Arbeitsraum gefocht, gewaschen und von Kollegen antrifft, die trotz der unendlich schwierigen macht. Nach der Gemeindeordnung des Fürstentums fönnen geschlafen wird, und sogar als Krankenstube muß er vor- Verhältnisse doch immer wieder mit zähem Fleiß bestrebt das Bürgerrecht alle selbständigen Personen erwerben, die kommenden Falles dienen. In der Stadt Gmünd sind etwa find, für die Organisation zu wirken, so muß einen das 140 Frauen und Mädchen in der Korsettbranche beschäftigt, mit Bewunderung und mit der besten Hoffnung für den Kinderarbeit kommt hier nur ganz vereinzelt vor. Arbeitszeit Fortschritt unserer Sache erfüllen. und Lohn entspricht annähernd den obigen Angaben. im Besitz der Reichsangehörigkeit und der bürgerlichen Ehrenrechte sich befinden und eine„ felbständige Nahrung" haben. Es ist dabei einerlei, ob diese Nahrung beruht auf In einigen Gegenden sieht es allerdings trübe genug Grundbesitz, Kapitalbesitz, Rentenbezug, Gewerbebetrieb, Be= In der Filzspielwarenindustrie haben wir es mit aus, besonders da, wo weder vom Unternehmer noch von dienstung oder anderen Erwerbsquellen. Da sehr der Firma Magareta Steif in Giengen a. d. Brenz zu tun, den Arbeitern die Arbeiterschußgeseze beachtet werden. So viele Mädchen und Frauen der Arbeiterklasse just in jener die hier ein Zweiggeschäft errichtet hat. Speziell werden in Honau, einem von Naturschönheiten umgebenen Ort am Gegend erwerbstätig sind, ist ihnen also die Möglichkeit Bären aus Filz angefertigt. Die Heimarbeiterinnen erhalten Fuße des Schlosses Lichtenstein. Hier wird die gefeßliche elf- gegeben, Bürger ihrer Gemeinde zu werden. An Gebühren die zugeschnittenen Teile zum Zusammennähen. In Gmünd stündige Arbeitszeit von den Arbeiterinnen täglich noch um hierfür werden erhoben: zum Beispiel in der Gemeinde find ca. 120 Frauen und Mädchen mit dieser Arbeit be- eine Viertelstunde überschritten; auch die männlichen Ar- Altenfeld von am Orte Geborenen 1 Mt., von Mitgliedern schäftigt. Für ein Dutzend Bären wird 1,56 Mt. bezahlt. beiter versuchen ihre traurigen Löhne von 14 bis 16 Mt der Nachbargemeinde 2 Mt., von Mitgliedern anderer Geübte Näherinnen können monatlich wenn zwei bis drei wöchentlich dadurch zu erhöhen, daß sie an mehreren Tager Bundesstaaten 4 Mt. Unter den Rechten der Bürger zählt Kinder mithelfen, 30 bis 40 Mt. verdienen bei täglich 10- bis in der Woche 18 Stunden arbeiten. Selbst die Mittags- Artikel 19 auf: Das Recht der Abstimmung zu den 16 stündiger Arbeitszeit. Die meisten Arbeiterinnen verdienen pause wird nicht eingehalten, da die Transmissionen den Gemeindewahlen, für die männlichen Bürger das jedoch nicht mehr als 10 bis 12 Mt. monatlich weil sie ganzen Tag, selbst während des Puzzens, nicht abgestellt Recht der Wählbarkeit zu Gemeindeämtern, sofern neben der Hausarbeit" nur" noch acht bis zwölf Stunden werden. Beschwerden bei dem Gewerbeinspektor haben die Bürger das 25. Lebensjahr erreicht haben. Die Frauen nähen! Für Kranken- und Invalidenversicherung werden wenig Wert, denn während dieser sich im Kontor anmeldet, haben also demnach nicht das passive, wohl aber Beiträge nicht bezahlt. Die Zuschneiderinnen stehen sich im bleibt immer so viel Zeit, alles Ungesetzliche verschwinden bas attive Wahlrecht, jedoch dürfen sie dieses nicht selbst Lohn etwas höher. Ein besonderes Merkmal ist, daß zu lassen. Gerade wo die Verhältnisse am traurigsten sind ausüben, müssen vielmehr einen Stellvertreter stellen. für das erste abgelieferte Duhend Bären überhaupt hält es am schwersten, die Arbeiter und Arbeiterinnen für Wahlvertreter kann der Ehemann, Sohn, Bruder, Schwager, nichts bezahlt wird. Die Arbeit wird als„ Lehrgeld" die Organisation zu gewinnen. Bald heißt es:" Es nüßt Schwiegersohn usw. sein. Im Artikel 39, der davon handelt, angerechnet. In vielen Fällen verlieren die Arbeiterinnen ja doch nichts", oder„ der Beitrag ist zu hoch" Wird aber wann das Stimmrecht ruht, heißt es unter anderem, daß in der Folge den Mut, weiterzuschaffen, und so erhält die der Arbeitslohn durch irgend eine neue Einrichtung ge dies geschehe, sofern in den beiden letztverflossenen KalenderFirma viele Ware umsonst hergestellt. schmälert, so lassen sich die Arbeiter lieber um einige Mart jahren die fällig gewordenen Gemeindeabgaben nicht entIn der Schuhwarenbranche sind die Fälle von Heim- prellen, als daß sie 20 Pf. für den Verband bezahlen. So richtet worden seien. Die Arbeiterinnen des Fürstentums arbeit vereinzelter, weil nur eine Fabrik in Betracht kommt. mußten die Arbeiter in Kuchen es fürzlich über sich ergehen werden bei einem sehr geringen Verdienst bereits zur EinDie Arbeitszeit ist ebenso ausgedehnt wie in der Korsett- lassen, daß die Meterzahl eines Stückes bei gleichbleibendem tommensteuer und zu den Gemeindeabgaben herangezogen. Also branche, aber der Erwerb um ein Geringes lohnender. Lohn von 60 auf 65 Meter erhöht wurde. Durch den auch nach dieser Richtung hin ist die Vorbedingung für die In der Bijouteriebranche wird Heimarbeit verhältnis- Stumpffinn und die Gleichgültigkeit werden die Unter- Buerkennung des Bürger- und Wahlrechtes an die Frauen mäßig weniger geleistet. Der Verdienst kommt dem in der nehmer zu immer größerer Ausbeutung ermutigt. Das darf gegeben. Ist das kommunale Wahlrecht in dem kleinen Fabrik gleich, wenn die Aufwendungen für Einrichtung usw. so nicht weitergehen! Wenn bei aller Lebensmittelverteuerung Staate auch noch gering und feineswegs ein Recht der nicht in Anrechnung gebracht wird, weil zu Hause intensiver die Löhne nicht noch mehr herabgedrückt werden sollen, Persönlichkeit, auf welches die Frau dank der revolutionierten geschafft wird. Der Unfitte, daß Arbeiter von der Fabrik dann heißt es: hinein in die Versammlung, hinein in den Wirtschaftsordnung Anspruch hat, stellt es vielmehr das Arbeit mit nach Hause nehmen, ist durch die Organisation Verband! Mit Räsonieren auf dem Heimweg oder in den Rudiment einer längst überwundenen Wirtschaftsweise und zum großen Teile gesteuert worden. Vereinzelt, speziell bei Wirtschaften verbessert man seine Lage nicht. Wenn nicht alter sozialer Ordnung dar, so gilt es doch, dieses Recht Fassern und Graveuren, tritt sie jedoch noch in Erscheinung, alle Zeichen trügen, so gehen wir noch schweren Kämpfen voll zu nugen. Einmal, um unsern Einfluß in der GeDas gleiche gilt auch für die unechte Fabrikation. J.M.B. entgegen; diese Kämpfe fönnen wir nur siegreich durch meindeverwaltung zu vergrößern und unsern Forderungen Wie schwer das Los der Proletarierinnen in Würt: führen, wenn wir die große Masse der Arbeiter und auf kommunalem Gebiet Anerkennung zu verschaffen. Dann temberg ist, hat die Unterzeichnete kürzlich bei ihrer Agita- Arbeiterinnen zum Klassenbewußtsein erzogen haben. aber muß es auch vor allem von unseren Genofsinnen getionstour erfahren. In Waiblingen müssen die Frauen Das Hauptaugenmerk muß darauf gerichtet werden, nußt werden als politisches Erziehungsmittel, als eine Gelegen schwer in den Ziegeleien arbeiten bei einem Verdienst von daß alle erwerbstätigen Frauen und Mädchen sich ihren heit für die Frauen zur Entwicklung und Betätigung von 80 bis 90 Pf. täglich. Die Arbeiterinnen von Münster Berufsverbänden anschließen. Gerade in der Textilindustrie, Bürgertugenden. Das aber ist besonders notwendig in 19 Nr. 25 Die Gleichheit 223 Fürsorgeerziehung. Das Unternehmen der Basler Genossinnen hat sich bis jetzt recht gut entwickelt, und es könnte unserer Meinung nach einen bedeutenden Aufschwung nehmen, wenn der große Über Fürsorgeerziehung Minderjähriger hielt Ge- Basler Konsumverein mit seinen 28 000 Mitgliedern die noffe Sperfa auf der Konferenz der sozialdemokratischen Wäscheartike! einführen und sich mit der Genossenschaft in Gemeindevertreter Württembergs ein sehr interessantes Re- Verbindung setzen würde. So gut wie er einen lebhaften Schuhhandel betreibt, müßte er auch den Wäschehandel erferat, dem folgende Thesen zu Grunde lagen: folgreich betreiben können. „ Die Fürsorgeerziehung Minderjähriger ist ein ernstes Kapitel unserer sozialen Zustände. Sie bedeutet in rechtlicher Beziehung eine Einschränkung und Aufhebung der elterlichen Gewalt und erhält somit den Charakter eines AusDas Gesetz findet seine Anwendung fast ausschließlich bei den Kindern der Armen. Mehr als 90 Prozent der in den Anstalten untergebrachten Kinder gerieten in die Gefahr der Verwahrlosung ohne eigene Schuld und auch zum großen Teil ohne die Schuld der Eltern, da die heutigen Wohnungs-, Lebens- und Erwerbsverhältnisse die Gefahren sittlicher und leiblicher Verwahrlosung der Kinder in sich bergen. Quittung. Z. einem Lande wie Sondershausen, wo bis heute noch ge: Die Aufnahme von Mädchen in das Realgymnasium| einmal etwas zu groß geworden war, konnte er durch eine frondet, noch Hand- und Spanndienst geleistet werden muß. zu Vegesack hat der Stadtrat dieses Drtes beschlossen. Ob- Verlosung- das Los tostete 50 Cts. befriedigend geräumt Luise Zieß. gleich die Neuerung in der Hauptsache nur den Töchtern der werden. Das Waschen und Glätten läßt die Genossenschaft in Allgemeines Wahlrecht oder beschränktes Damen- besitzenden Klassen zugute kommt, ist sie doch als ein Fort- einem privaten Geschäft besorgen, dem sie 45 bis 50 Cts. wahlrecht in England. Unsere englischen Genoffen von schritt in der Richtung der gemeinsamen Erziehung der Ge- pro Stück bezahlt. Der Verkaufspreis der Hemden beträgt je nach der Qualität 3,40 bis 6,50 Fr. der Sozialdemokratischen Federation( S. D. F.) sind in die schlechter zu begrüßen. Agitation für das allgemeine Wahlrecht aller Frauen und aller Männer eingetreten. Diese Agitation wurde aufgenommen, um der Resolution des Stuttgarter Kongresses Folge zu leisten und zu verhindern, daß unter irgend welchem Vorwand die Unterstützung der Massen reaktionären Vorlagen gewährt werden könne, welche das Wahlrecht allein auf die bürgerlichen Frauen ausdehnen wollen. Die S. D. F. hat ein Manifest veröffentlicht, das im Sinne der Stuttgarter Resolution das allgemeine Wahlrecht fordert und den wahren Charakter jedes beschränkten Wahlrechts als einer Maßnahme zugunsten der besitzenden Klassen klarlegt. Es Im August und September gingen bei der Untereigt weiter, wie widerfinnig es war, daß Arbeiterinnen sich nahmezustandes. zeichneten für den Agitationsfonds der Genossinnen ine Gefängnis schicken ließen, um für ihre Ausbeuterinnen das Wahlrecht zu erobern, andererseits wie günstig jetzt die ein: Von den Genossinnen aus Auerbach i. V. durch GeLage ist, in den Kampf für das Wahlrecht aller Großjährigen nossin Barth 4,65 Mt.; Altwasser durch Genossin ohne Unterschied des Geschlechtes einzutreten, da die liberale Sporer 13,06 M.; Barmen durch Genossin Rapp Regierung durch ihr Programm auf das allgemeine Wahl5,90 M.; Buch vom Mauerblümchen 5 Mt.; Bochum recht verpflichtet ist. Die Times", das Weltblatt und ein durch Genossin Wolff 10 Mt.; Brandenburg durch Genoffin Behrendt zweimal je 10 mt.= 20 Mt.; Chemflußreiche Organ der englischen Hochfinanz und der regierenden Klassen, hat das sozialdemokratische Manifest sehr aus- Darum haben diejenigen Behörden, die sich mit den An- niz durch Alma Müller 61,53 Mt.; Verdienst im Geführlich zitiert und gebraucht es als ein Mittel, um die trägen auf Einweisung Minderjähriger in die Fürsorge- fängnis 2,86 Mt.; Grefeld durch Genossin Schuppen bürgerliche Gesellschaft und speziell die Damen vor jeglicher erziehung zu beschäftigen haben, mit der größten Gewissen 35,90 Mt.; Grengeldanz durch Genossin Stöter- TillWahlrechtsänderung zu warnen. Ruhe ist die erste Bürger- haftigkeit und mit Verständnis für die sozialen Verhältnisse mann 6 Mt.; Dortmund durch Genossin Lex 15 Mt.; pflicht, nur keine Bewegung, die vorwärts treibt, das ist der unteren Volksschichten die Untersuchung zu führen und Dogheim bei Wiesbaden durch Genossin Bach 10 mt.; das Hauptmotiv der„ Times". Sie bittet die bürgerlichen solche Anträge abzuweisen, denen ein Verständnis für die Elmschenhagen- Kie. durch Genossin Warschewsky Frauenrechtlerinnen, zu bedenken, daß keine Wahlrechtsände- Zustände des arbeitenden Volkes fehlt und die Armut von 4 M.; Eilenburg durch Genossin Nößte 31,50 Mt.; Eving durch Genossin Bartelheimer 10 Mt.; Essen rung bei der Einführung des Damenstimmrechts stehen bleiben Schlechtigkeit nicht zu unterscheiden vermögen. Von den Vormundschaftsgerichten muß gefordert werden, durch Genossin Deuper für Wahlflugblätter 60 Mt., für tönne, ihre schreckliche Konsequenz müsse vielmehr sein, daß auch Röchinnen und anderen Dienstboten einfallen werde, das Wahl- daß die Eltern über das Wesen des Fürsorgeerziehungs- Bons 30 Mt. und 52,50 Mt., zusammen 142,50 mt.; recht zu verlangen, und zwar aus denselben Gründen wie die verfahrens genügend unterrichtet werden, bevor sie veranlaßt Essen- West durch Genoffin Plum 45 Mt.; Flensburg Damen. Nebenbei erwähnt das Blatt auch die Tatsache, daß bei werden, ihre Zustimmung zum Verzicht auf die elterlichen durch Genossin Holl 2,10 Mt.; Frankfurt a. D. durch Genoffin Lange 5 Mt.; Gaarden- Kiel durch Genossin einem beschränkten Wahlrecht die verheirateten Frauen politisch Erziehungsrechte zu geben. Zur Unterbringung von Kindern in Fürsorgeerziehung Andraschte 24 Mt.; Gelsenkirchen durch Genossin rechtlos bleiben würden, während die Verhältnisse" der Herren und die Prostituierten als selbständige Haushaltungs- ist nach dem Gesetz eine strafbare Handlung nicht mehr er- Berg 60 Mt.; Gera durch Genossin Roedel 10 Mt.; porstände vielfach das Wahlrecht erlangten. Eine derartige forderlich, es genügt, das gefährdete Kind vor dem Verderb Hof durch Genossin Völkel 18,54 Mt.; Kahla durch Geintonfequente Maßregel müßte aber bald dem Verlangen nach zu bewahren. Darum soll die Zwangserziehung nicht den nosfin Hoffmann 12 Mt.; Karlsruhe von Ge dem wirklich allgemeinen Wahlrecht weichen. Das all Charakter der Bestrafung tragen, denn es gilt nicht zu nossin Dz. 10 Mt.; Kronach durch Genossin Ludwig 5,34 Mt.; Mülheim a. Rh. durch Genossin Schumacher gemeine Wahlrecht aber, so schlußfolgert die„ Times" weiter, fühnen, zu strafen, sondern zu bewahren, zu erziehen. bedeutet nichts anderes, als die Diftatur des Proletariats- Dementsprechend sollen die Erziehungs- und Besserungs- 36 ME.; Nürnberg durch Genossin Grünberg 100 Mt.; als die soziale Revolution. Mit anderen Worten: das„ rote anstalten geleitet werden, und der Staat wie auch die Nordenham durch Genossin Harms 19,50 Mt.; SenftenGespenst" wird grell an die Wand gemalt. Daß mit diesem größeren Gemeinden des Landes sollten Anstalten errichten, berg durch Genossin Kusat 4 Mt.; Spandau durch alten Kniff nur ein vorübergehender Erfolg im Kampfe die unter der Kontrolle der staatlichen und Gemeindebehörden Genoffin Koppen 30 mt.; Stettin- Bredow durch Gegegen den Umsturz" erzielt werden kann, weiß wahrschein- stehen. Ferner ist die Beseitigung jeder gewerblichen Kinder- nossin Bulow 14,90 Mt.; Stettin durch Genossin Horn 35,60 und 20 Mt.; Soest durch Genossin Fasoli 2,50 Mt.; lich niemand besser wie die„ Times" selbst, aber sie weiß arbeit in den Anstalten zu fordern. auch, daß die Bourgeoisie überhaupt nur mit Augenblicks- Die zuständigen Behörden, denen die überwachung der Wald durch Genossin Drescher 17,74 Mt.; Weida durch erfolgen rechnen darf. Das wichtigste an ihren Ausführungen Anstalten obliegt, haben Sorge zu tragen, daß die Zwangs- Genoffin Schneider 2,75 Mit.; Wunsiedel durch Geit, daß fie bas allgemeine Wahlrecht als eine sozialdemokratische 3öglinge nicht ganz einseitig zu Taglöhnern der Landwirt nossen Damisch 2,18 Mt.; Zürich durch Genossin Hannah Forderung bekämpfen, und daß dadurch die Sozialdemokratie schaft herangezogen werden, sondern daß jeder Bögling nach 20 Mt. Summa 875,05 Mr. Dantend quittiert: als seine Vorkämpferin in den Vordergrund des öffentlichen Neigung und Begabung einen Beruf erlernt, der ihm sein Interesses geschoben wird. Lehrreich ist übrigens, was späteres Fortkommen sichert." jüngst Mrs. Henry Fawcett, eine der bekanntesten Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung und eine der angefehensten Berfechterinnen des Frauenstimmrechts, in einem Briefe an bie Times" zugestanden hat. Sie anerkennt, daß sich unter den Frauenrechtlerinnen Gegnerinnen des allgemeinen Wahlrechts befinden, und daß daher die Bewegung für die EinGenossenschaftliche Hemdenfabrikation in Basel. Vor führung des Frauenstimmrechts feiner Lösung der Wahlrechtsfrage beipflichten könne, die das allgemeine Wahlrecht zirka 12 Jahren nahm der Verein der Schneiderinnen und J. B. Askew. Weißnäherinnen in Basel die Hemdenfabrikation in die bringt. Hand. Er betrieb sie zwei Jahre lang, bis das Geschäft Reinliche Scheidung im Kampfe für das Frauen: infolge innerer Zwiftigkeiten aufgegeben werden mußte. Das wahlrecht in Dänemark. Eine dänische Frauengewerkschaft vorhandene Vermögen von 236 Fr. wurde dem hiesigen hat in Befolgung der Resolution des Stuttgarter Kongresses, Arbeiterbund zur Aufbewahrung übergeben, bis sich wieder das Frauenwahlrecht betreffend, ihren Austritt aus dem ein Frauenverein bilden würde, der ein ähnliches Ziel verbürgerlichen Frauenstimmrechtsverband des Landes erklärt, folge wie die Organisation der Schneiderinnen. Das war dem sie bis dahin angehört hatte. Um jedoch die Sache des bald der Fall; einige Mitglieder des aufgelösten Vereins Vereine, die eine größere Anzahl Exemplare bestellen, erhalten allgemeinen Frauenwahlrechts kräftig zu fördern, hat die gründeten den Stauffacherinnenverein, der heute noch besteht Borsitzende einen sozialdemokratischen Frauenstimmrechtsverein und blüht. Seine Geschichte enthält eine interessante Episode. gegründet. Die Zeitschrift für Frauenstimmrecht", der wir& traten nämlich zahlreiche bürgerliche Frauen, zweifellos Diese Mitteilung entnehmen, sucht darüber empört die Geift: Wohltäterinnen und Freundinnen der Arbeiterinnen", dem reiche zu mimen. Sie wirft nämlich die Frage auf, ob nicht Verein bei. Als sie die Mehrheit hatten, wollten sie vom auch in Zukunft besondere sozialdemokratische Vereine für Arbeiterbund das von diesem verwaltete Vermögen der auf- Die Ausgabe ist erfolgt auf Grund vielfach geäußerter Erringung der Preßfreiheit, des Achtstundentags, der Tren gelösten Schneiderinnenorganisation haben. Die proletarische Wünsche aus den Reihen proletarischer Frauen. Wir find nung von Kirche und Staat gegründet werden sollen. Die Minderheit verhinderte jedoch den wohltätigen" Beutezug überzeugt, daß der reiche Inhalt des Buches den Kindern Fragerin scheint in dieser Beziehung nicht zu wissen, was der lieben bürgerlichen Frauen". Sie trat aus dem Verein unserer Proletarier eine nie versiegende Quelle der Unteraller Welt bekannt ist. Wie wär's darum, wenn sie die Grün- aus und gründete einen neuen Verein, dem der Arbeiter- haltung und Belehrung bieten dürfte. bung eines Vereins zur politischen Aufklärung von Frauen- bund das Vermögen übergab. Jm September 1903 begann techtlerinnen anregte? der Verein mit der Hemdenfabrikation, wozu er 170 Fr. durch die Ausgabe von Anteilscheinen à 5 Fr. aufbrachte Frauenbildung. " über die wertvollen Ausführungen des Genossen Sperka noch eingehend zu berichten, behalten wir uns für später vor. Genossenschaftswesen. Ottilie Baader, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands. Paul Singer, Derlagsanstalt und Buchdruckerei, Stuttgart. Solange der Vorrat reicht, offerieren wir: Für unsere Kinder Weihnachtsbuch der Gleichheit Herausgegeben von Klara Zetkin( 3undel) Preis kartoniert Mt. 1.einen Vorzugspreis. Das Weihnachtsbuch der Gleichheit besteht aus den beiden Jahrgängen 1905 und 1906 der Beilage der Gleichheit Für unsere Rinder". Soeben ist erschienen: und weiter ein Darlehen von 100 Fr. aus der Vereinstaſſe Die Mutter als Erzieherin aufnahm. Es wurde eine Zuschneiderin mit 3 Fr. Taglohn angestellt und für die Hemden folgende Löhne festgesezt: Kleine Beiträge zur Praris der proletarischen Hauserziehung von Heinrich Schulz Auszeichnung einer Studentin. Einer Studentin der Weiße Herrenhemden mit Faltenbrust und weiße HerrenMedizin zu Heidelberg, Fräulein Marie Röbele, wurde eine hemden mit glatter Brust und Kragen 1,30 Fr., weiße Auszeichnung zuteil, wie sie unseres Wissens zum erstenmal für Hemden mit glatter Brust ohne Kragen 1,20 Fr., farbige eine Medizinerin zu verzeichnen ist. Für die Lösung einer Preis- Hemden ohne Kragen-, 80 Fr., farbige Hemden mit Kragen Mitglied des Bildungsausschusses der Partei u. Lehrer an der Parteiſchule. aufgabe über die Paukenhöhle des Ohres erhält Fräulein, 90 Fr. Die großen Wäschegeschäfte in Basel entlohnen die Röbele das Zinserträgnis der Moos- Stiftung, einen Bar- Arbeiterinnen nur mit 30 Cts. bis 1,30 Fr. für das Hemd. Nicht gelehrte Abhandlungen über erzieherische Probleme betrag von 900 Mt., vor allem aber eine ehrenvolle An- Dabei ist zu bemerken, daß der lettere Saz nur von einem will das Büchlein der proletarischen Mutter darbieten, für erkennung des Profefforenkollegiums. Die vortreffliche Ar- einzigen Geschäft für feine Maßarbeit gezahlt wird. Die sozial- die es in erster Linie bestimmt ist, sondern kurze, einfach beit der jungen Medizinerin umfaßt 260 Seiten Manuskript demokratische Frauengenossenschaft zahlt zum Teil also den gehaltene und leichtverständliche Ratschläge und Winke aus und ist durch gute Wachsmodelle in ihrem Werte erhöht. ad. dreifachen Betrag an Arbeitslohn wie die privaten Geschäfte. Gleichberechtigung der Geschlechter an der Tech: nischen Hochschule zu Dresden. Das Rektorat der Tech nischen Hochschule zu Dresden gibt bekannt, daß weibliche Personen unter den gleichen Bedingungen wie männliche als Studierende, eingeschriebene Hörerinnen und Hospitantinnen Bugelassen werden. Die Genossenschaft setzte sich mit den Gewerkschaften in Verbindung, und das mit Erfolg. Mehrere Genossinnen übernahmen Ablagestellen für den Hemdenverkauf. Die Genossenschaft fertigt auch Hemden nach Maß und auf Bestellung an, fabriziert Frauenwäsche und Arbeitsblusen für die Arbeiter in Werkstätten und Fabriken. Als der Lagerbestand der Praxis der häuslichen Kindererziehung für die Praxis. Der Verlag hat zwei Ausgaben herstellen lassen, eine kartonierte und eine Ausgabe im Geschenkeinband. Die kartonierte Ausgabe kostet 50 Pf., die Ausgabe im Geschenkeinband 75 Pf. Das Büchlein eignet sich ganz vortrefflich als Weihnachtsgeschenk. Expedition der Gleichheit. 224 Die Proletarierin. Don Max Stempel. Jch bin ein Proletarierweib Und lebe so von heut zu morgen; ( Nachdruck verboten.) Jung ist mein Herz, doch alt mein Leib, Gebeugt durch langer Jahre Sorgen. Wenn ich im Bett bis viere lieg', Dann schreck' ich auf und darf nicht lungern: Um fünfe muß ich zur Fabrik, Daß meine Kinder nicht verhungern. Jch stamm' aus einem fleiß'gen Haus, Das sich tagsüber redlich quälte! Mit Mutter trug ich frühstück aus, Kaum daß ich knapp sechs Jahre zählte. Die Schule fing um sieben an, Mittags bracht' ich dem Vater Essen; Bis abends wiegt' ich Babies dann, Und hab' oft nachts noch auf gesessen. Jch saß und strickte flott drauf los, Die Gleichheit Nr. 2 Die Base Schlotterbeck und der Schwager Grünebaum Stümper sollten zum Besten ihrer Mitmenschen lieber ganz davon bleiben. Ich für mein Teil habe eine ungemeine Vor- hatten eine dumpfe Ahnung von dem Vorhandensein diese liebe für die Schuster, sowohl in der Gesamtheit bei ihren Manuskripts, aber wirklichen Bescheid darum wußte nur bi feierlichen Aufzügen, wie auch in ihrer Eigenschaft als In Frau des Poeten. Für sie war es das Wunderbarste, wa dividuen. Es ist, wie das Volk sagt, eine„ spintisierende man sich vorstellen konnte; es reimte sich ja, wie' s Ge Nation", und fein anderes Handwerk bringt so treffliche sangbuch", und ihr Mann hatte es gemacht. Das ging und furiose Eigentümlichkeiten bei seinen Gildegliedern her- über alles, was die Nachbarschaft zutage fördern tonnte. vor. Der niedrige Arbeitstisch, der niedrige Schemel, die Für den Sohn waren diese zusammengehefteten Blätte wassergefüllte Glaskugel, welche das Licht der kleinen Olein teures Vermächtnis und ein rührendes Zeichen des ewi lampe auffängt und glänzender wieder zurückwirft, der aus der Tiefe und Dunkelheit zur Höhe, zum Licht, zu scharfe Duft des Leders und des Pechs müssen notwendiger Schönheit emporstrebenden Boltsgeistes. 2 weise eine nachhaltige Wirkung auf die menschliche Natur Die harmlosen, formlosen Seelenergüsse des Schuster ausüben, und sie tun es auch mächtig. Was für originelle Unwirrsch feierten naturgemäß die Natur in ihren Erschei Räuze hat dieses vortreffliche Handwerk hervorgebracht!-nungen, das Haus, das Handwerk und einzelne große Fait Eine ganze Bibliothek tönnte man über„ merkwürdige Schuster" der Weltgeschichte, vorzüglich Taten und Helden des ebe zusammenschreiben, ohne den Stoff im mindesten zu erschöpfen! vorübergedonnerten Befreiungstrieges. Sie zeugten vo Das Licht, welches durch die schwebende Glaskugel auf den einem bald gemütlichen, bald gehobenen Denken nach alle Arbeitstisch fällt, ist das Reich phantastischer Geister; es diesen Seiten hin. Ein wenig Humor mischte sich aud füllt die Einbildungskraft während der nachdenklichen Arbeit darein, doch trat das Pathetische am meisten hervor un mit wunderlichen Gestalten und Bildern und gibt den Ge- mußte auch meistens das bekannte Lächeln erregen. De danken eine Färbung, wie sie ihnen keine andere Lampe, wackere Meister Anton hatte so viel Donner und Bli patentiert oder nicht patentiert, verleihen kann. Auf allerlei Hagelschlag, Feuersbrünste und Wassersnot erlebt, hatte Wenn draußen Mond und Sterne schienen; Reime, seltsame Märlein, Wundergeschichten und luftige und viel Franzosen, Rheinbündler, Preußen, Österreicher un traurige Weltbegebenheiten verfällt man dabei, worüber die Russen vor seinem Hause vorüberziehen sehen, daß es te 9 Nachbarn sich verwundern, wenn man sie mit schwerfälliger Wunder war, wenn er dann und wann auch ein wen Hand zu Papier gebracht hat; wobei die Frau lacht oder versuchte, zu donnern, zu blizen und totzuschlagen. fich fürchtet, wenn man sie in der Dämmerung mit halblauter Stimme summt. Oder aber man fängt an, noch tiefer zu grübeln, und„ Not" wird uns, zu entsinnen des Lebens Anfang". Immer tiefer sehen wir in die leuchtende Kugel, und in dem Glase sehen wir das Universum in all seinen Gestalten und Naturen: durch die Pforten aller Himmel treten wir frei und erkennen sie mit all ihren Sternen und Elementen; höchste Ahnungen gehen uns auf, und niederschreiben wir, während der Pastor Primarius Richter von der Kanzel den Pöbel gegen uns aufhezt, und der Büttel von Görlitz, der uns ins Gefängnis bringen soll, vor der Zür steht: Denn Vaters Löhnung war nicht groß, Da hieß es früh schon: mitverdienen! Und trieb zum Schlafe mich die Not, Um nicht das Aufstehn zu verfäumen, Dann sank ich um und lag wie tot; Jch hatte nicht mal Zeit zum Träumen. So wuchs zum Mädel ich heran, Ein dralles Ding, trotz Qual und Röten. Die Männer sahn mich lüstern an Und machten mich vor Scham erröten. Der Chef, bei dem ich Stellung nahm, Bestürmte mich mit dreisten Fragen; Doch als er mir handgreiflich kam, Da hab' ich ihm eins draufgeschlagen! Ein junger Bursch, blutarm wie ich, Der führte Sonntags mich zu Tanze. den Nachbarn geriet er deshalb nicht in Feindschaft, de er blieb, was er war, ein guter Kerl", und als er star trauerte nicht allein die Frau, der Schwager Grünebau und die Base Schlotterbeck; nein, die ganze Kröppelstra wußte und sagte, daß ein guter Mann fortgegangen, u daß es schade um ihn sei. 9 & Auf die Geburt eines Sohnes hatte er lange und seh füchtig gewartet. Oft malte er sich aus, was er dara machen könnte und wollte. Sein ganzes eifriges Streb nach Erkenntnis trug er auf ihn über; der Sohn sollte u mußte erreichen, was der Vater nicht erreichen konnte. S tausend unübersteiglichen Hindernisse, welche das Leben de Denn das ist der Ewigkeit Recht und ewig Bestehen, Meister Anton in den Weg geworfen hatte, sollten d F daß sie nur einen Willen hat. Wenn sie deren zweene hätte, Lauf des Unwirrsches der Zukunft nicht aufhalten. fi Jch merkt' es wohl; er mochte michaud fofo zerbräche einer den anderen, und wäre Streit. Sie stehet sollte er die Bahn finden, und keine Pforte der Weish und ging, ein forscher Kerl, aufs Ganze.wohl in viel Kraft und Wundern; aber ihr Leben ist nur feine der Bildung sollte ihm der Mangel, die Not d Und weil er tüchtig war im Kern, Kein Windhund, wie die noblen Laffen, So gab ich ihm mein Bestes gern, Auch ohne Standesamt und Pfaffen. Er schaffte Brot voll rüst'ger Kraft Und tat's mit ewig heitrer Miene; Doch bald schon ward er mir entrafft, Ein armes Opfer der Maschine. Man flickte den zerfetzten Leib, Er fiechte hin zwei bange Jahre; Ein müdes, abgehettes Weib, Drei Kinder klagten an der Bahre. Run sorg' und schuft' ich ganz allein, Von früh bis spät, und darf nicht lungern; Um fünf muß ich am Werke sein, Daß meine Kinder nicht verhungern. Jn der Fabrik, bis halb zur Nacht, Und dann zu Haus am dürft'gen Herde! Da wird gekocht, genäht, gewacht, Und niemand fragt:„ Fühlst du Beschwerde?" So geht es fort im gleichen Trott; Kein Jammer soll den Mut mir rauben. Nur bitt' ich: sprecht mir nicht von Gott! An euern Gott kann ich nicht glauben. Wer duldet, daß der Herr den Knecht Um Luft und Sonne frech betrüge, Den nennt ihr gütig und gerecht? Bleibt mir vom Hals mit solcher Lüge! Aus dem„, Hungerpastor". Von Wilhelm Raabe. ( Schluß.) bloß allein die Liebe, aus welcher Licht und Majestät aus- Lebens verschließen. gehet. Alle Kreaturen im Himmel haben einen Willen, und der ist ins Herze Gottes gerichtet und gehet in Gottes Geist, wohl im Zentro der Vielheit, im Wachsen und Blühen; aber Gottes Geist ist das Leben in allen Dingen, Centrum Naturae gibt Wesen, Majestät und Kraft, und der heilige Geist ist Führer." So träumte Anton, und ein Jahr der Ehe ging na dem anderen hin. Es wurde eine Tochter geboren, ab sie starb bald nach der Geburt; dann tam wieder eine lan dann kam endlich Johannes Jal 3eit nichts, und dann Nikolaus Unwirrsch, dessen Eintritt in die Welt uns berei den Stoff zu mehreren der vorhergehenden Seiten gab, u deffen spätere Leiden, Freuden, Abenteuer und Fahrte kurz, dessen Schicksale den größten Teil dieses Buches au machen werden. to 6 2 I D 9 2 f 18 Viel sehen wir in der glänzenden Kugel, durch welche die schlechte Lampe so armes Licht wirft, daß wir dabei faum zu Papier bringen können, was wir fahen; aber Wir sahen den Schwager unb Oheim Grünebaum sem nichtsdestoweniger können wir unter das vollendete Manustriptum schreiben: Pantoffel verlieren, wir sahen und hörten den Tumult „ Geschrieben nach göttlicher Erleuchtung durch Jakob Weiber, lernten die Frau Tiebus und die Base Schlott Böhm, sonsten auch Teutonicus genannt." beck fennen; wir sahen endlich die beiden Schwäger wirrsch und Grünebaum in der Rumpeltammer fizen sahen die Dämmerung in den ereignisvollen Sonnenunt gang hereinschleichen. Noch ein Jahr lebte der Mei Anton nach der Geburt seines Sohnes, dann starb er einer Lungenentzündung. Das Schicksal machte es mit i nicht anders als mit so manchem anderen; es gab ihm sh Teil Freude in der Hoffnung und versagte ihm die G füllung, welche von der Hoffnung doch stets allzuweit üb flogen wird. Wer gegen die Schuster was hat, und ihre Trefflichkeit im einzelnen wie im allgemeinen nicht nach Gebühr zu schätzen weiß, der bleibe mir vom Leibe. Wer sie gar ihres oft wunderbaren Außeren wegen, ihrer frummen Beine, ihrer harten schwarzen Pfoten, ihrer närrischen Nasen, ihrer ungepflegten Haarwülste halben naserümpfend verachtet, den möge man mir stehlen; ich werde keine Belohnung um seine Wiedererlangung aussehen. Ich schäße und liebe die Schufter, und vor allen halte ich hoch den wackeren Meister Anton Unwirrsch, den Vater von Hans Jakob Nikolaus Unwirrsch. Johannes schrie tüchtig in der Todesstunde seines Bate Obwohl er leider recht bald nach jenem Feierabend, an doch nicht um den Vater. Die Frau Christine aber sch welchem ihm der längst erwünschte Sohn geboren wurde, sehr um den Gatten und wollte sich lange Zeit weder du selbst für immer Feierabend machte, so hängen doch aus die tröstenden Worte der Base Schlotterbeck, noch durch seinem Leben zu viele Fäden in das des Sohnes hinein, philosophischen Zusprüche des weisen Meisters Nikola als daß wir die Schilderung seines Seins und Wesens um- Grünebaum beruhigen lassen. Dem Sterbenden versprach gehen könnten. Der Mann stand, wie wir bereits wissen, Schwager, sein Bestes zu tun für die Hinterlassenen förperlich auf nicht sehr festen Füßen; aber geistig stand er ihnen in allen Nöten nach besten Kräften beizustehen. N fest genug und nahm es mit manchem, der sich hoch über einmal rang Anton Unwirrsch nach Luft, aber die Luftw ihn erhaben düntte, auf. Aus allen Reliquien seines ver- für ihn zu sehr mit Feuerflammen gefüllt; er seufzte borgenen Daseins geht hervor, daß er die Mängel einer starb. Der Doktor schrieb ihm den Totenschein, es fam vernachlässigten Ausbildung nach besten Kräften nachzuholen Frau Kiebile, die Totenfrau, und wusch ihn, sein S suchte; es geht daraus hervor, daß er Wissensdrang, viel war zur rechten Zeit fertig, ein gutes Gefolge von Nachbarn Wissensdrang hatte. Und wenngleich er niemals vollständig Freunden gab ihm das Geleit zum Kirchhof, und im Win orthographisch schreiben lernte, so hatte er doch ein dichterisches neben dem Ofen saß die Frau Christine, hielt ihr Kind Gemüt, wie sein berühmter Handwerksgenosse aus der Maus dem Schoß und sah mit starren, verweinten Augen auf falle" zu Nürnberg, und las, so viel er nur irgend konnte. niederen, schwarzen Arbeitsschemel und den niederen, schw Was er las, verstand er meistens auch; und wenn er aus zen Arbeitstisch und wollte es noch immer nicht glaub manchem den Sinn nicht herausfand, welchen der Autor daß ihr Anton niemals mehr drauf und dran sihen so hineingelegt hatte, so fand er einen anderen Sinn heraus Die Base Schlotterbeck räumte die leeren Kuchenteller, oder legte ihn hinein, der ihm ganz allein gehörte, und mit welchem der Autor sehr oft zufrieden sein konnte. Obgleich er sein Handwerk liebte und es in feiner Weise versäumte, so hatte es doch keinen goldenen Boden für ihn, und er blieb ein armer Mann. Goldene Träume aber hatte seine Die Base Schlotterbeck verschwand hinter ihrer Tür, die Beschäftigung für ihn, und alle Beschäftigungen, die der beiden Meister schlichen auf den Fußspißen die Treppe hinab, gleichen geben fönnen, sind gut und machen glücklich. Anton und der Oheim Grünebaum hatte an diesem Abend in seiner Unwirrsch sah die Welt von seinem Schusterstuhle faft geStammtneipe Zum roten Bock viel weniger das große Wort rade so, wie sie einst Hans Sachs gesehen hatte, doch wurde in Politit, Stadtangelegenheiten und anderen Angelegenheiten er nicht so berühmt. Er hinterließ ein eng und fein ge als sonst. Der Meister Unwirrsch lag die ganze Nacht ohne schriebenes Büchlein, welches zuerst seine Witwe in der nach ihres Mannes Zode nicht entbehren fonnte; es leucht ein Auge zuzutun; der Neugeborene schrie mächtig, und es Tiefe ihrer Lade neben ihrem Gesangbuch, Brautkranz und weit in das Jünglingsalter des Sohnes hinein, manche war kein Wunder, daß diese ungewohnten Töne den Vater einem schwarzen Kästchen, von welchem später noch die Rede zählung von des Vaters Wert und Würdigkeit verna wach erhielten und ein wirbelndes Heer von hoffenden und sein wird, aufbewahrte gleich einem Heiligtume. Gleich Johannes dabei, und unlöslich verknüpfte sich allmählich forgenden Gedanken aufstörten und in wilder Jagd durch einem Heiligtume überlieferte die Mutter es dem Sohne, des Sohnes Geist das Bild des Vaters mit dem Sche Herz und Hirn trieben. und dieser hat ihm den Ehrenplatz in seiner Bibliothek dieser Kugel. ,, Richtig, da sizzen sie. Na, kommt nur, ihr Helden; die Nachbarinnen sind fort. Kriecht hervor. Eure Frau, Meister Unwirrsch? Ja, die ist wohlberaten; sie schläft und Ihr dürft sie nicht stören; aber' ne Neuigkeit sollt Ihr wissen und Gott danken. Drüben über der Gasse, beim Juden Freudenstein, ist's heut auch so gegangen wie in diesem Hause; aber nicht ganz so. Das Kind ist da auch ein Junge, aber' s Blümchen Freudenstein ist tot, und großes Wehtlagen ist drüben. Lobet Gott den Herrn, Meister Ünwirrsch. Ihr aber, Meister Grünebaum, macht Euch fort nach Haus. Nun, nun, Unwirrsch, steht nicht so betroffen da, der Tod tritt ein oder geht vor bei, nach Gottes Befehl. Ich bin wie gerädert und will ins Bett kriechen. Gute Nacht, Gevattern." 11 Flaschen und Gläser fort, welche voll den Leidtragend den Leichenträgern und den kondolirenden Nachbarinnen Stärkung im Jammer vorgesetzt worden waren. Hans Ja Nifolaus Unwirrsch freischte in findlicher Lust und stre verlangend die kleinen Hände nach der blizenden Glastu aus, welche über des Vaters Tische hing, auf welche i die Sonne schien, und welche einen so merkwürdigen Sch über die Gedankenwelt Anton Unwirrschs gegossen hatte. Einfluß dieser Kugel sollte noch lange fortdauern. Die Mut hatte sich an das Licht derselben so gewöhnt, daß sie es a Es ist nicht leicht, eine gute Predigt zu machen; aber zwischen der Bibel und dem Shakespeare gegeben, obgleich leicht ist es auch nicht, einen guten Stiefel zu verfertigen. es nach Gehalt und Poesie ein wenig unter diesen beiden Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Betkin( Sundel), Wilhelmsb Zu beiden gehört Geschick, viel Geschick, und Pfuscher und Schriftwerken steht Boft Degerloch bet Stuttgart. rud und Werlag von Baul Singer in Stuttgart. A 11 b 8 f ม a Li D 31 f ม g g b t S fo to D g h D b D 8 D