Mr. 2 Die Gleichheit 27272727 Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Juhaltsverzeichnis. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenarbeit auf dem Gebiet der Industrie, des Handels- und Verkehrswesens. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Frauenstimmrecht.Quittung. Feuilleton: Eispalaft. Von Ferdinand Freiligrath.( Gedicht.) Nähritele. Von Gottlieb Schnapper- Arndt. Stuttgart den 20. Januar 1908 18. Jahrgang Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" find zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bet Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. Gegen die Ausnahmewirtschaft. I. die schelten, welche ihr Leben in einem Kampfe aufs| Klassenbewußtsein und zur Erkenntnis der geschichtlichen Borwärts! Gegen die Ausnahmewirtschaft. I. Von Gustav Hoch. Spiel setzen, dessen Preis der Existenz der Arbeiterklasse Mission des Proletariats. Festigen wir die Organisationen, -Die Frauen und die Wahlrechtsdemonstrationen. Her mit höheren Inhalt verleiht. Nicht um seiner selbst willen die berufen sind, im Kampfe die Rolle der„ revolutiodem Fortbildungsunterricht für Dienstmädchen. Bon Luise Ziet. ist das Leben wert, gelebt zu werden, nur um des- nären Kaders" zu übernehmen. Erfüllen wir die proleEine deutsche Republikanerin. Von Wilhelm Blos. Um das willen, was wir, unsere eigenen Schöpfer, in heißem tarischen Massen mit unerschütterlichem Selbstvertrauen Frauenwahlrecht in Holland. Von M. Mensing und M. Wibaut Aus der Bewegung: Von der Agitation.- Jahresbericht der Ver- Ringen aus ihm machen. Und das Proletariat hat den in ihre eigene Kraft. Beseelen wir sie es mit dem opfertrauensperson der Genoffinnen Münchens. Ein bedeutsamer allerwenigsten Grund, um seiner nackten Existenz halber freudigen Idealismus, der für ein hohes Ziel alles einFortschritt der Bewegung in Essen. Neujahrsgruß des Ge- die Quellen seines geschichtlichen Lebens zu verschütten. setzt. Rüften wir in dem festen Willen, daß der nahende nossen Leßner- London. Politische Rundschau. Von H. B. Mit den Massenfundgebungen ist der Kampf um das große Moment fein kleines Geschlecht findet. Es wird Gewerkschaftliche Rundschau. Genossenschaftliche Rundschau. allgemeine Wahlrecht zum preußischen Parlament in eine brechen, was sich nicht biegt. Vorwärts! Von H. Fl. neue und in seine entscheidende Phase eingetreten, an deren Abschluß nichts anderes stehen fann und darf, als der Triumph des Proletariats über seine offenen und geheimen Feinde. In welchem Tempo dieses vorwärtsmarschieren, mit welchen Waffen es fechten wird, darüber Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Abänderung orakeln zu wollen wäre müßiges Beginnen. Man er der Gewerbeordnung" will, wie bereits in voriger Nummer innere sich, daß der Wahlrechtskampf des österreichischen der Gleichheit" mitgeteilt wurde, die bisherigen AusProletariats reichlich zehn Jahre gedauert hat, daß er nahmen von dem elfstündigen Maximalarbeitstag auch mit starken Wogen einsetzte, die sich mehr als einmal nach Herabsetzung der gesetzlich zulässigen täglichen MaximalDie Ereignisse der letzten Tage haben in wünschens- senkten und hoben, bis er schließlich in gewaltiger Sturm- arbeitszeit auf zehn Stunden nicht nur nicht beseitigen, wertester Weise die Situation flar gezeigt, in welcher flut die reaktionären Widerstände brach. Jedenfalls fann Sand der letzten amtlichen Gewerbeaufsichtsberichte nachsondern sogar noch erweitern. Dabei wollen wir an der das Proletariat in Preußen den Kampf für das alles auf dem besetzten Schlachtfeld für das Proletariat weisen, welchen Mißbrauch die Unternehmer schon bisher gemeine Wahlrecht führen muß. Klar gezeigt wohl auch kein Zurück mehr geben, und alle Kampfesmittel müssen mit den Ausnahmebestimmungen getrieben haben. für jene politischen Kinder und Toren, die als hoff- ihm recht sein, die seine Klaffenlage ihm unter den je zuvor aber ein Wort über die Notwendigkeit, Ausnungsvolle Bettler von der Erfüllung der Illusion weiligen Verhältnissen als erfolgverheißend in die Hand träumten, die preußische Regierung werde sich zum Dank gibt, wie es auch ohne Batt als Mitkämpfer alle achtet, für die reaktionären Liebesdienste des Freisinns zu nennens- welche durch die Tat beweisen, daß sie ehrlich für das werten Konzessionen an das Recht der Massen bequemen, Recht der Enterbten eintreten. Vorwärts! " nahmen überhaupt zuzulassen. Für Ausnahmen können nur zwei stichhaltige Gründe angeführt werden. Erstens ist es nicht ausgeschlossen, daß eine erhebliche Herabsetzung der Arbeitszeit gewisse Verbesserungen in den Betrieben oder welche die Verwirklichung der anderen hofften, die Daß es sich bei der Wahl seiner Kampfeswaffen notwendig macht. In solchen Fällen kann es in der Tat zweckmäßig sein, für eine gewisse übergangszeit etwa 2 Parteien der bürgerlichen Demokratie würden endlich nicht durch das Gelispel der bürgerlich demokratischen Jahre eine Verlängerung der Arbeitszeit bis zur früheren ernsthaft in den Kampf für die Forderung eintreten, die Anstandsonkel und tanten beirren läßt, welck ihm aus Dayer zuzulassen. Dieser Grund kommt aber für die fie in ihrem Programm führen. Die preußische tegie- der Empfindung der eigenen pieng yeraus einreben geltenden Schuhbenimmungen nicht in Betracht, rung fennt ihre freisinnigen Pappenheimer und hat sie möchten, es könne nur als fittig frisierter und par- da fie bereits seit 1891 bestehen. Als ein weiterer jederzeit richtig als eine Schutztruppe kapitalistischer fümierter Bittsteller mittels zierlicher Bücklinge in Preußen Grund für Ausnahmen sind Unglücksfälle anzuerkennen, die Interessen eingeschäßt, die lieber vor der schlimmsten parlamentsfähig werden: hat es durch die Sonntags im allgemeinen Interesse eine Ausdehnung der ArbeitsReaktion die Waffen streckt, sofern sie nicht gar mit demonstrationen bekundet. Es weiß, daß sein Erfolg zeit erheischen. Alle weiteren Gründe sind unberechtigt. Sack und Back zu ihr überläuft, ehe sie für das Recht lediglich in seiner Macht und keineswegs in seinem„ Wohl- Das wird uns die Erfahrung mit diesen„ Gründen“ am besten zeigen. der ausgebeuteten Massen auf die Schanzen steigt. Mit verhalten" gemessen an bürgerlichen Maßstäben beruht. einer brutalen Offenheit, die wir ihm nur Dant Diese Macht aber ist es gerade, welche die politischen gerte Arbeitszeit wegen außergewöhnlicher Häufung ber Am häufigsten verlangen die Unternehmer eine verlänwissen können, hat Bülow auch die bescheidenste Geschäftsführer der Bourgeoisie nicht minder fürchten Arbeit". Aus diesem Grunde kann nach dem geltenden GeReform des preußischen Geldsackswahlrechtes zugunsten als die der Junker. Die sogenannte freisinnige Presse, set auf Antrag des Arbeitgebers die untere Verwaltungsdes werktätigen Volkes abgelehnt. Und während die von der wackelföpfigen Fraubase„ Voß" bis zum koketten behörde auf die Dauer von 2 Wochen und für längere Konservativen ebenso brutal offen ihre Todfeindschaft modernen Salonweib der Frankfurter Zeitung", kann Zeit die höhere Verwaltungsbehörde die Beschäftigung von gegen das allgemeine Wahlrecht bekannten, sind diesem durch ihr hämisch grämliches Zetern über die Demonstra- Arbeiterinnen über 16 Jahre bis 10 Uhr abends an den die bürgerlichen Liberalen von dem nationalliberalen tion das Grauen schlecht verhehlen, das das„ honette Wochentagen außer Sonnabend mit gewissen Einschränkungen Krause an bis zu den freisinnigen Fischbeck und Pachnicke Bürgertum" bei dem dröhnenden Massenschritt der Ar- gestatten. Auf Grund dieser Gesezesbestimmung mit jener feigen Tücke in den Rücken gefallen, beiterbataillone durchzittert hat. Und es ist nichts als inspektion( 1906) nicht weniger als 2464879 überhinab urben im letzten Berichtsjahre der Gewerbewelche die deutsche Bourgeoisie von je in den Klassen- eine Übersetzung dieses Grauens in das Komische, wenn stunden bewilligt. kämpfen ausgezeichnet hat. das ebenfalls freisinnige und sogar wahlrechtsfreundliche Diese Ausnahmen sind ganz besonders nachdrücklich zu In gewaltigen Rundgebungen, wie Deutschland sie„ Berliner Tageblatt" die Sozialdemokratie feierlich bei bekämpfen, weil bei„ außergewöhnlicher Häufung der Arbeit" lange Jahrzehnte nicht gesehen, hat das klassenbewußte dem Ruhm ihrer Disziplin beschwört, fünftighin die die Arbeiterinnen schon ohnedies aufs äußerste zur Arbeit Proletariat darauf geantwortet. Und im ersten Anlauf Proletariermassen vom Demonstrieren abzuhalten. Nach angetrieben werden. Die Arbeit ist daher für sie gerade in hat es sich in einer stattlichen Anzahl von Städten das der Weisheit dieses Thebaners darf also die Partei- dieser Zeit sehr anstrengend. Demgemäß wirkt eine VerRecht auf die Straße erobert, das ihm der beschränkte disziplin nur dem erhabenen Zweck dienen, eine Faust längerung der Arbeitszeit um so schädlicher auf die körperWachtstubengeist bisher vorenthielt. In Berlin mußte in der Tasche zu ballen und sich ins Gesicht schlagen zu liche und geistige Gesundheit der Arbeiterinnen. Aus diesen es den Erfolg seines Vorstoßes dem hauenden Polizei- laffen, aber nie dem anderen, die volle Kraft aufzubieten, mehr Bestellungen annehmen, als die Arbeiterinnen Gründen ist zu verlangen, daß die Unternehmer nicht säbel streitig machen. Der Wahlrechtskampf hat damit um einen frechen Gegner zu Paaren zu treiben. Das in der gesetzlich zulässigen Maximalarbeitszeit beseine Bluttaufe erhalten, und angesichts der geschichtlichen ist die Logif einer Opposition, die stets nur- mit der wältigen können. Situation, welche den Sturm gegen die preußische Drei- Hinterseite gekämpft hat. In manchen Fällen wird in den Gewerbeaufsichtsberichten flassenschmach zu einem Machtkampf zwischen den aus- Die Lage heischt gebieterisch, daß das flassenbewußte ein besonderer Grund für die außergewöhnliche Häufung" gebeuteten Massen und der herrschenden Minderheit in Proletariat seine ganze Macht für die Eroberung des der Arbeit angegeben. So zum Beispiel in dem Bericht ganz Deutschland stempelt, wäre es leichtfertig, sich zu allgemeinen Wahlrechts in Preußen entfaltet. Noch ist über die Kreishauptmannschaft Baußen:„ wegen einzuhalverhehlen, daß seine ersten blutigen Opfer höchst wahr es die Arbeiterklasse dieses Landes allein, die im Feuer tender Lieferungsfristen". In den Berichten über den Rescheinlich nicht gleichzeitig auch seine letzten sein werden. steht. Wenn jedoch nicht alle Anzeichen trügen, so wird gierungsbezirk Sigmaringen, über die Pfalz, über die KreisSo sehr wir das menschlich bedauern mögen, so un- der Wahlrechtskampf in Preußen je länger je mehr zu über Schwarzburg- Rudolstadt heißt es, daß die Ausnahmehauptmannschaft Chemnitz, über Sachsen- Meiningen und ziemlich wäre es, darüber tränenreich zu jammern. Auf einem Ringen werden, in dem sich die reaktionären und bewilligungen nachgesucht wurden wegen kurzer Lieferungsdem Schlachtfeld der Industrie fällt alljährlich der kapis die revolutionären Kräfte in ganz Deutschland messen. frist". Als Gründe für des Ersuchen sind in mehreren talistischen Raffgier unendlich mehr strogende Gesund- Vielleicht allmählich und später, vielleicht wie der Dieb Berichten angeführt:„ eilige Fertigstellung von Arbeit für heit und blühendes Leben zum Opfer, als die mörde in der Nacht kann eine Zuspigung der Verhältnisse ein das Ausland"," bringende Fertigstellung von Nähmaschinenrischsten Kriege, die blutigsten Revolutionen vernichtet treten, welche die aufgeklärten Proletarier und Prole- täſten",„ Erledigung bringender Ausstellungsarbeiten",„ brohaben. Solange man es als selbstverständlich hinnimmt, tarierinnen des ganzen Reiches in Solidarität mit ihren hende Nichtabnahme der Waren bei überschreitung der Fristen", daß sich die proletarischen Männer und Frauen im preußischen Brüdern und Schwestern zu einem Rampfe Schadenersatzansprüche bei nicht rechtzeitiger Lieferung" Dienste irgend eines Prozen für einen erbärmlichen Lohn ruft, der ebenso fühles Wägen wie kühnes Wagen will. ober bevorstehende Weigerung der Warenabnahme",„ Intagtäglich der Gefahr aussetzen, von Bandsägen zer- Stärkung der Macht des flaffenbewußten Proletariatsnahme durch die Kundschaft infolge Einführung der Zigarettenfrafttreten der neuen Zollverträge", erhöhte Inanspruchfleischt, von Maschinen gequetscht, von Giften langsam muß daher überall mehr denn je die Parole sein. Steuer". 16 " zersetzt, von schlagenden Wettern getötet zu werden, nur Beitschen wir durch den Sturm unserer Agitation die In allen diefen Fällen lag aber kein Grund vor, wesum ein Dasein zu fristen, das oft genug aller Lebens- trägen Fluten der Indifferenten zu hohen Wogen ziel halb die Unternehmer mehr Arbeit annehmen mußten, werte beraubt ist: soll man nicht Narren oder Frevler Klarer Empörung auf. Erziehen wir diese Maffen zum Klaren als die Arbeiterinnen ohne Verlängerung der Arbeitszeit 12 Die Gleichheit Nr. 2 leisten konnten. Vielmehr führte in all diesen Fällen einzig und allein die Rücksicht auf den Unternehmerprofit dazu, daß die Arbeiterinnen durch überlange Arbeitszeit ihre Gesundheit zu gefährden gezwungen waren. DaS aber gerade soll durch den gesetzlich festgelegten Maximalarbeitstag vermieden werden. Daher stehen derartige Ausnahmen mit dem Zweck des gesetzlichen Arbeiterschutzes im Widerspruch. In einigen Fällen wird die außergewöhnliche Häufung der Arbeit auf„eilige Militärlieferungen", auf„eilige Ausführungen von Drucksachen für die Eisenbahnverwaltung sowie auf„hohen Bedarf der Reichsschuldenverwaltung an Wertpapieren" zurückgeführt. Daß die Eiligkeit der Bestellung durch ein unvorherzusehendes Ereignis hervorgerufen worden ist, wird gar nicht behauptet. Die Behörden hätten ganz gut ihre Bestellungen beizeiten aufgeben können. Daher haben auch sie in derartigen Fällen keinen Anspruch aus mehr Recht als Privatkunden der betreffenden Fabriken. Bezeichnend sind eine Reihe von Fällen, in denen als Grund für die außergewöhnliche Häufung der Arbeit solche Zufälle angegeben sind, die in jedem Betrieb täglich vorkommen können. Nachstehend eine Aufzählung dieser Zufälle: ungeschulle Arbeitskräfte, Mangel an einem Rohoder Hilfsstoff, Mangel an Arbeitskräften(dieser Fall ist sehr häufig), Bewilligung von Urlaub zur Kartoffelernte für die Arbeiterinnen, plötzliche Verschiebung des Absatzes fertiger Erzeugnisse und Arbeitsunterbrechungen in einer Zeit, in der viel Arbeit vorhanden war, Erkrankungen der Arbeiter, verspäteter Eingang des Manuskripts, verzögerte Ablieferung einer Maschine, der unerwartet frühe Abgang eines Dampfers. In allen diesen und ähnlichen Fällen erlangten die Unternehmer die gewünschte Verlängerung der Arbeitszeit für ihre Arbeiterinnen. Das müßte ein sehr unbeholfener Kapitalist sein, der in dem Falle, daß ihm eine längere Beschäftigung seiner Arbeiterinnen profitabel erscheint, nicht einen ähnlichen Grund entdecken könnte Demnach hat ein findiger Unternehmer in den allermeisten Fällen die Möglichkeit, mit ausdrücklicher Erlaubnis der Behörden seine Arbeiterinnen trotz der gesetzlich festgelegten Maximalarbeitszeit zur Arbeit über diese Zeit hinaus zu zwingen. Ein netter Rechtszustand. Selbst in die Kämpfe zwischen den Arbeitern und Unternehmern mischen sich die Behörden durch die Bewilligung von Überstunden nach Streiks. Wenn die Unternehmer wissen, daß sie eine Verzögerung in der Herstellung oder Ablieferung von Waren durch ihnen später sichere Überstunden ihrer Arbeiterinnen ausgleichen können, so werden sie einem Streik mit um so größerer Ruhe und mit um so geringerer Lust zu einem Vergleich entgegensehen. Nach dem geltenden Gesetz kann die untere Verwaltungsbehörde Überstunden für Arbeiterinnen über 16 Jahre an den Sonnabenden und Vorabenden von Festtagen zulassen in den folgenden Fällen: Wenn eS sich handelt um die Bewachung der Betriebsanlagrn, um Arbeiten zur Reinigung und Instandhaltung, durch die der regelmäßige Fortgang des eigenen oder eines fremden Betriebs bedingt ist, um Arbeiten, von denen die Wiederaufnahme des vollen werktägigen Betriebs abhängig ist, sowie um solche Arbeiten, die zur Verhütung des Verderbens von Rohstoffen oder des Mißlingens von Arbeitserzeugniffen erforderlich sind, sofern nicht diese Arbeiten während der gesetzlich festgelegten Maximalarbeitszeit vorgenommen werden können. Auf Grund dieser gesetzlichen Bestimmungen wurde zum Beispiel im Regierungsbezirk Potsdam einer Schokoladefabrik von Mitte August bis auf weiteres gestattet, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage vier Arbeiterinnen bis 7 Uhr abends zu beschästigen. Der Antrag war damit begründet, daß die in Frage kommenden Arbeiterinnen leicht verderbliche Waren, die an den Vorabenden der Sonn- und Festtage sertiggestellt werden, nach S'/» Uhr verpacken müßten; ein Ersatz der Mädchen durch Männer für diese Arbeit sei nicht gut möglich.— Hier handelt es sich also um Schwierigkeilen des Betriebs, die aber ein tüchtiger Betriebsleiter sicher durch eine zweckmäßig« Verteilung der Arbeit und Arbeitskräfte überwinden kann. Ahnlich verhält es sich mit den Reinigungsarbeiten. Dies wird bestätigt durch die Tatsache, daß im Jahre 1906 von den 80S20 der Gewerbegussicht unterstellten Betrieben mit Arbeilerinnen über 16 Jahre nur 316 Betriebe derarttge Ausnahmen beanspruchten. Für die einzelnen Industriezweige stellt sich das Verhältnis, wie die vorstehende Tabelle zeigt. In allen Industriezweigen bilden die Betriebe mit über arbeit an den Vorabenden von Sonn- und Feiertagen eine verschwindende Ausnahme. Die Industrie der Nahrungsund Genußmittel weist die meisten Betriebe mit dieser über arbeit auf. Aber selbst hier stehen den 12S Betrieben mit solcher nicht weniger als I02S7 Betriebe überhaupt, alsi 10129 Betriebe ohne diese Überarbeit gegenüber. Sh eine der kleinsten Untergruppen dieser Jndustriegruppe, in der die Betriebe mit llberarbeit wohl verhältnismäßig am stärksten vertreten sind, die der Konservenfabriken, umfaßt 311 Betriebe überhaupt, also fast dreimal soviel wie alle Betriebe mit llberarbeit in der ganzen Jndustriegruppe Wenn die große Mehrheit der Betriebe diese Überarbeit vermeiden kann, weshalb soll es der Minderheit unmöglich sein? Hanau a. M. Gustav Hoch. Die Frauen und die Wahlrechtsdemonstrationen. Seit Jahren haben unsere Genossinnen mit Zielklarheit und Energie dafür gewirkt, daß die Wahlrechtskämpfe, welche die Sozialdemokratie als getreue Sachwalterin der entrechteten Massen führt, auch der Eroberung vollen Bürgerrechtes für das weibliche Geschlecht nutzbar gemacht werden müssen. Sie dürfen sich des Erfolges rühmen. Ihre Forde rung ist grundsätzlich als bestimmend für die Haltung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands anerkannt worden, und der Internationale Kongreß zu Stuttgart hat sie als bindende Verpflichtung für die Wahlrechrskämpfe der sozia listischen Parteien aller Länder proklamiert. Und die grund sätzliche Anerkennung der Forderung der Genossinnen setzt sich überall mehr und mehr aus der Theorie in die Praxis um. Erklärlich genug! Sie ist grundsätzlich wie taktisch fest verankert in den Klasseninteressen des Proletariats und in den tatsächlichen Bedingungen, welche der Klassenkampf zwischen diesem und den Todfeinden seiner Befreiung schafft. Wo die Sozialdemokratie gegenwärtig im Kampf für die Demokratisierung des Wahlrechtes steht oder einen solchen Kampf einleitet, da vertritt sie bestimmt, unzweideutig die Forderung eines wirklich allgemeinen Wahlrechtes, das die politische Gleichberechtigung aller großjährigen Frauen in sich schließt. Wie in Deutschland, so in Holland, in Dänemark, in Schweden, in England, in Osterreich, wo es nun die Eroberung des allgemeinen Wahlrechtes zu den Landtagen der einzelnen Kronländer gilt, und wo eine der ersten parlamentarischen Aktionen der sozialdemokratischen Fraktion des Reichsparlamentes in der Einbringung eines Antrag»»> bestand, de! die Einführung des Frauenwahlrechtes zu den Reichsratswahlen fordert. In Norwegen ist die sozialdemokratische Arbeiterpartei entschlossen, jener reaktionären Karikatur auf die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes, die sich Damenwahlrecht nennt, den Garaus durch den Kampf für das Wahlrecht aller großjährigen Frauen zu bereiten. Die schweizerische Sozialdemokratie, das dürfen wir— wie aus letzter Nummer ersichtlich ist— zuversichtlich hoffen, wird in naher Zukunft ebenfalls für das politische Recht des weiblichen Geschlechtes in die Schranken treten.— Das alles sind Tatsachen, welche die Begeisterung, den Mut, die Energie der deutschen Genossinnen im Kampf für ihr Bürgerrecht gegen Zops und Schwert— gegen gedankenlose Philister und klug berechnende Reaktionäre— stärken und befeuern. Mit inniger Genugtuung haben sie daher in Reih und Glied der Sozialdemokratie den Kampf für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes in Preußen wieder aufgenommen. Sie wissen, daß seine Schlachten zwiefaches Unrecht tilgen sollen: die schreiende Rechtlosigkeit ihrer Klasse und die nicht minder bittere Unmündigkeit ihres Geschlechtes.— Gegen 600 Demonstrationsversammlungen haben am S. Januar in allen Teilen des Staats stattgefunden, der in nacktester Vertretung kapitalistischer Interessen den ausgebeuteten Waffen das Bürgerrecht hartnäckig vorenthält. Ihnen hat sich am 10. Januar in Berlin eine eindrucksvolle Kundgebung vor dem Abgeordnetenhause angereiht, am 12. Januar fanden abermals im ganzen Lande Massenversammlungen statt, an die sich vielerorts große Straßenkundgebungen anschlössen. Das klassenbewußte Proletariat Preußens hat seinen unerschütterlichen Willen bekundet, mit allen ihm gut dünkenden Mitteln seine volle Kraft in den Kampf für das allgemeine Wahlrecht einzusetzen, überall nahmen die Demonstrationen einen imposanten Verlauf, und überall wurde stärker, schärfer als je zuvor in den Versammlungen wie in der sozialdemokratischen Presse die Forderung des Frauenwahlrechles betont. Allerorts hatten die Genossinnen ich selbstverständlich in den Dienst der Wahlrechtsaktion gestellt. Unermüdlich hatten sie ihr Bestes getan, um die Indifferenten, zumal die indifferenten Frauen, zum Bewußtein der brennenden Schmach, der drückenden Benachteiligung ihrer Entrechtung wachzurütteln und zum Kampf zu rufen. In so großer Zahl, daß selbst die bürgerliche Presse dies als eine„auffällige Erscheinung" bezeichnen mußte, waren sie in den Demonstrationsversammlungen vertreten. Und ie fehlten auch dort nicht, ja sie machten sich da gerade durch ihren Eifer, ihre Zähigkeit bemerkbar, wo die Demon- tration aus den Versammlungen auf die Straße überflutete, und wo die schneidige Polizeifaust mit oder ohne Säbel gegen die Demonstranten wütete. Mit Stolz dürfen wir insbesondere der Haltung unserer Genossinnen in Berlin gedenken, wo die Demonstrationen naturgemäß von besonderer Bedeutung waren, den größten Umfang und auch die schärfste Form annahmen. Es war die mustergültige Haltung zielklarer, entschlossener Kämpferinnen. Ter„Vorwärts", das Organ der sozialdemokratischen Partei, schreibt darüber: ie Frauen hatten fleißig agittert, das konnte man uh�rall deutlich erkennen. Stärker als jemals vorher bei nlichen Veranstaltungen strömten sie diesmal in die Protestversammlungen...Man konnte sie nicht übersehen, sie verschwanden nicht in der Menge, sondern sie bildeten einen Bestandteil der Massen, der nicht übersehen werden konnte- Und sie hatten ja auch ejne besondere, ganz außerordentliche Forderung aufzustellen/ die bei den Gegnern noch auf den ärgsten Widerstand stoßt. Sie wollen den Männern gleichberechtigt geachtet werden, und wenn jene das Wahlrecht fordern, so fordern sie mit, und nicht nur für die Männer, sondern auch für sich selbst. „Und sie nahmen die Gelegenheit wahr, diese Forderung zu erheben. /Sie kamen alle, die Fabrikarbeiterinnen, die Heimarbeiterinnen, die Dienstboten, die Arbeiterfrauen, die in der täglichen Hausarbeit aufgerieben werden. Der Schneesturm hielt sie nicht zurück, alt und jung kam herbei, Arm in Arm mit dey�Männern oder in kleinen Gruppen von Geschlechtsgenofsinnen. Manche erschien in blauer Schürze, ohne Hut, nur ein Tuch schützend über den Kopf gezogen. Und unsere Genossen sahen mit Freuden die Teilnahme der Frauen bei dieser wichtigen Gelegenheit.— Vielleicht hatte manche Frau diesmal erst den Mann bewogen, mitzukommen und teilzunehmen an dem großen, starken Protest der Masjen gegen das bestehende Wahlunrecht. „Im Norden Berlins waren Frauen in den Versammlungen und vor den Lokalen besonders stark vertreten. Die vielen, die nicht das Glück hatten, einen warmen Platz im Saale zu erwischen, ließen sich weder durch Kälte noch durch Schnee abhalten, auszuharren, um vielleicht nach Schluß der Versammlung von Bekannten zu erfahren, was drinnen im Saale vor sich gegangen, und um zu zeigen, daß auch sie da waren und ihr Wahlrecht forderten. Sicher ist: die Schar der Erkennenden wächst unter den Frauen von Tag zu Tag. Den Eindruck gaben die Versammlungen. „Und außerordentlich ausdauernd waren die Frauen am Freitagmorgen vor dem Landtagsgebäude, wo sie sich sehr zahlreich eingefu/den hatten. In kleinen Trupps kamen sie an, ganze Rechen bildeten sie, sehr rührig verteilten sie Extranummern des„Vorwärts". Wer die Frauen gesehen hatte, die dort inmitten der größeren Massen der Männer oder direkt an der Spitze, an den Toren des Hauses für das allgemeine gleiche Wahlrecht, für das Frauenwahlrecht demonstrierten, wer gehört hat, wie sie den Abgeordneten, wie sie dem Fürsten Bülow die Losung des Tages immer von neuem zuriefen, wie sie dann mächtig einstimmten in den Gesang der Proletarier, der hat nicht nur die frohe Hoffnung, der hat die Gewißheit, daß diese Frauen mit dem ganzen Proletariat allen Rückschrittlern und Spießbürgerseelen zum Trotz ihr Recht, die Gleichberechtigung aller erringen werden. Tapfer hielten die Frauen aus trotz der schneidenden Kälte, und wichen erst mit den Männern, als die Polizei gewaltsam die Räumung des Platzes vornahm. „Das Wahlrecht auch für die Frauen, die Gleichberechtigung mit den Männern!" Das ist ihre Losung, die sie immer energischer vertreten." Wir fügen dieser Schilderung noch hinzu, daß die führenden Genossinnen, die bei der ruhigen Alltagsarbeit im Dienste der Bewegung allen als ein leuchtendes Beispiel vorangehen, auch bei den Demonstrationen selbstverständlich in den vordersten Reihen standen. Mehr als eine von ihnen hat die Polizeibrutalität des preußischen Junkerstaats in nächster Nähe und am eigenen Leibe erfahren. An den Sonntagsdemonstrationen, bei denen zum erstenmal seit den denkwürdigen Märzlagen des Jahres 1348 das Volk sein Recht aus der Straße oertrat, und bei denen das erste Ar- beiterblut im Wahlrechtskampf geflossen ist, haben sich unsere Genossinnen mit der gleichen leidenschaftlichen Begeisterung betelligt. Um für die Kundgebung zu agitieren, hatten sie rote Plakate drucken lassen mit der Ausschrift: Nieder mit dem Dreitlaffenparlament! Her mit dem freien Wahlrecht für Männer und Fxstnrn!„Schon nach Mitternacht konnte man in den verschiedenen Stadtteilen Frauen, mit dem Kleistertopf bewaffnet, lustig an der Arbeit sehen. Zäune, Masten und öffentliche Gebäude wurden zur Feier des Tages mit den roten Plakaten verziert." In den Demonstrationszügen, besonders in denen aus dem 6. Wahlkreis, waren die Frauen stark vertreten. Unter den mehr als 100 Verhafteten befinden sich 6 Frauen. Die jüngsten sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstrationen sind ein Vorstoß für die Eroberung gleichen Bürgerrechts für Mann und Weib, der alles in den Schallen stellt, was in Deutschland die bürgerlich srauenrechtlerische Agitation seither für den„Gedanken" des Frauenwahlrechts geleistet hat. Massen aufgeklärter Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen haben durch ihre Beteiligung an ihnen bekunder, daß sie„reif" für den Gebrauch des Wahlrechts sind, während die bürgerliche Frauenwelt durch ihre Teilnahm- losigkeit der. brennenden Frage gegenüber unterstrichen hat, daß sie die niedrige Wertschätzung verdient, mit welcher der Spießbürger sie bedenkt. Unsere Genossinnen insbesondere haben sich als Vorkämpserinnen für das Recht ihres Geschlechtes, für Menschenrecht überhaupt erwiesen, neben denen die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen beschämt zur Seite treten müssen. Wo waren diese Damen, als in Hunderten von Versammlungen der Ruf nach einem wirklich allgemeinen Wahlrecht erscholl? Sie, die den Mund nie voll genug nehmen können, um die Sozialdemokratte als Verräterin oder .2 Nr. 2 Cen ar fe= ti an Sei -fter= en te. he en ch= cht er, ng Die Die eecm on ze, ent. Der tte Unsere Genoffinnen haben durch ihre Haltung bestätigt, was ihre treue Arbeit vieler Jahre schon längst dargetan hat: daß sie ihre ganze Persönlichkeit in das proletarische Ringen für Recht und Freiheit einsetzen. Welche Form der Kampf des Proletariats gegen die Reaktion in Zukunft annehmen, mit welchen Waffen er ausgefochten werden mag: sie werden dem unvergessenen heldenhaften Beispiel ihrer österreichischen Schwestern gleich nie in den hintersten Reihen stehen. Her mit dem Fortbildungsunterricht für Dienstmädchen. Die Gleichheit Unwandelbar der Deinige. Rastatt, im Gefängnis, am 19. Dezember 1848. Dem 86. Tage unserer Haft. Dem 80. Tage unserer Trennung. 13 flaue Freundin des Frauenrechts zu schmähen und sich selbst der jeweiligen Herrschaft" zu heischen, sie wird ihnen viel- Eine deutsche Republikanerin. wie die bürgerlichen Liberalen den Frauen als zuverlässigste mehr auch weit schneller und leichter die Erkenntnis verBertreter ihrer Interessen marktschreierisch anzupreisen: sie mitteln von der Solidarität aller häuslichen ArGeliebte! Gattin und Freundin! haben bei der wichtigen Gelegenheit geschwiegen, wo es das beiterinnen, ja mehr noch, von der Solidarität der ge- Im Kampfe für die Befreiung unseres Volkes sind wir Recht des weiblichen Geschlechtes zu fordern und seine poli- samten Arbeiterklasse. So zum Klassenbewußt in die Gefangenschaft unserer Feinde geraten. Wir haben tische Reise zu erweisen galt. Das aber, nachdem sie erst sein erwacht, werden die Mädchen alsbald zum Zusammen- alles verloren, was sonst den Menschen am teuersten ist: wieder auf der Frankfurter Tagung der„ Radikalen" ihre schluß, zur Organisation und zum Klassenkampf kommen, Hab und Gut und selbst die persönliche Freiheit. Allein die Liebe zum allgemeinen Wahlrecht aller Großjährigen mit um gemeinsam zu erringen, was der einzelnen durch Freiheit des Geistes, ausdauernder Mut und der Glaube feierlichem Eid beschworen haben! zusetzen unmöglich war. an die allwaltende Vorsehung sind uns geblieben und halten Das sind wahrlich der Gründe genug, die uns ver- uns aufrecht unter der Wucht der gegen uns gerichteten anlassen müssen, energisch für die Ausdehnung des Anklagen. Ich befize nichts, Dir die Stunden Deiner Haft obligatorischen Fortbildungsunterrichts auf zu erheitern, als die Früchte meiner eigenen Tätigkeit. die Dienstmädchen zu kämpfen. Was wir fordern, ist Nimm, treue Gefährtin meines Lebens und meiner Leiden, ein Fortbildungsunterricht, der den Mädchen Allgemein diese Frucht meines Kerkers liebend auf. Sie ist Dir gebildung und Berufsbildung vermittelt. Zu der widmet. In stetem Andenken an Dich ist sie geweiht. Das Unterweisung in den verschiedenen Fächern eines guten erste Buch meiner Weltgeschichte lege ich Dir vollendet vor. Allgemeinwissens muß der hauswirtschaftliche Unterricht Mögen die übrigen acht Bücher unter freudigeren äußeren treten. Keineswegs fönnen wir es gutheißen, wie die Re- Eindrücken entstehen! gierung in Baden verfahren ist, unseres Wissens der einzige Bundesstaat, der für die schulentlassene weibliche Jugend Fortbildungsschulen eingerichtet hat. In Baden war durch Gesetz vom 18. Februar 1874 bestimmt, daß Mädchen ein Jahr nach Zurücklegung des schulpflichtigen Alters verGustav Struve." pflichtet sind, in der Gemeinde, in welcher sie sich aufhalten, In diesen ergreifenden Worten, die als Widmung im Daß für unsere Dienstmädchen der Besuch einer Fort- zur Befestigung und Erweiterung der in der Volksschule er ersten Bande von Struves Weltgeschichte stehen, wird einer bildungsschule besonders vonnöten ist, die ihnen eine Be- worbenen Kenntnisse wöchentlich einige( wenigstens zwei) Frau bezeugt, daß sie ihrem Manne alles war, was eine festigung und Erweiterung ihres in der Schule erworbenen Unterrichtsstunden der Fortbildungsschule zu besuchen. Nur Frau überhaupt einem Manne sein kann und was eine Wissens sowie die Aneignung einer tüchtigen Berufsbildung der Besuch einer höheren öffentlichen Bildungsanstalt oder Frau ihrem Manne sein muß, wenn die Ehe eine ideale ermöglicht, versteht sich für jeden Einsichtigen von selbst. entsprechender Privatunterricht entbindet vom Besuch der Vereinigung von Leib und Seele, ein Jn- und Miteinander-, Die Verwirklichung der Forderung ist um so dringender, Fortbildungsschule. So weit, so gut. Durch Ministerial statt ein Nebeneinanderleben sein soll. als die Mädchen fast ausnahmslos nur die Volksschule, oft verfügung vom 26. November 1891 ward dann aber ange- Diese Frau, Amalie Struve, die heute so ziemlich eine elende Dorfschule, besuchen konnten. Wie weit aber ordnet: Auf Antrag der Gemeinde kann die Oberschulbehörde vergessen ist, war während der Volkserhebungen von 1848 heute selbst die beste Volksschule davon entfernt ist, eine gestatten, daß für alle zum Besuch der Fortbildungsschule und 1849 eine der bekanntesten Persönlichkeiten in Deutschchwirkliche Erziehungsanstalt zu sein, die alle Veranlagungen Verpflichteten oder nur für diejenigen, welche durch ihre land. Wenn ihr auch der wissenschaftliche Sozialismus des Charakters, Geistes und Körpers zur harmonischen Ent- Eltern oder deren Stellvertreter zur Teilnahme bestimmt fremd geblieben ist, so ist sie für uns doch eine interessante faltung bringt, ist nur zu bekannt. Weiter kommt für die werden, der Fortbildungsunterricht in Gestalt historische Erscheinung. Sie ist ein lebendiges Zeugnis daMädchen hinzu, daß fie, kaum der Schule entwachsen, sofort einer Unterweisung im Haushaltungsfach mit für, daß es damals im deutschen Bürgertum Frauen gab, in Dienst treten müssen, wo sie bei endloser Tagesfron im übungen im Kochen erteilt werde. die im Kampfe für freiheitliche Jdeen ihre ganze Persöng. ewigen Einerlei der Tretmühlenarbeit meist kaum Zeit Während man neben die Vermittlung des Allgemein- lichkeit einsetzten, die Kerker, Berbannung und Elend nicht haben, ein Buch zu lesen, sich innerlich zu sammeln, ja mit- wissens den Haushaltungsunterricht hätte setzen sollen, setzte scheuten. Den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen von heute unter nicht einmal Zeit, einen Brief zu schreiben, ge- man ihn an dessen Stelle. Heute ist in allen Städten drohen keine solchen Gefahren. schweige denn an der Vertiefung ihres Wissens zu arbeiten und größeren Dörfern Badens nicht die Fortbildungsschule, Amalie Struve stammte aus der eingewanderten franzö und zum Bewußtsein ihres Menschentums, ihres Jchs zu wohl aber die Haushaltungsschule eingerichtet, in der„ neben fischen Familie Düsar und war aus Mannheim gebürtig. Noch schlimmer steht es für jene Mädchen, der praktischen Anleitung zu einer den allgemeinen örtlichen Diese Stadt war in den vierziger Jahren des vorigen Jahrdie während der letzten Schuljahre bereits zum Kinder- Verhältnissen entsprechenden Fertigkeit in der Herstellung der hunderts ein Zentrum der liberalen und demokratischen Zeitwarten und häuslichen Arbeiten herangeholt werden. Wenn Kost für einen einfachen Haushalt" noch Unterweisungen und bewegung. Dort wirkten für die demokratische und republi so manche Herrschaften" zetern über die„ Unbildung" der übungen gehen in allen mit der Führung des Haushaltes fanische Sache namentlich Hecker und Struve, zwei Mädchen, so verschweigen diese edlen Menschenfreunde", zusammenhängenden schriftlichen Arbeiten, Aufzeichnungen Hauptvertreter der alten Revolutionsromantik. Gustav en, daß sie all ihre häusliche Bequemlichkeit für unendlich ge- und Berechnungen, ferner Belehrung über Wohn- und Schlaf- v. Struve stammte aus Livland und widmete sich zuerst er ringes Entgelt haben auf Kosten der vernichteten Bildungs- räume, über Heizung und Beleuchtung, über Wäsche und einer diplomatischen Laufbahn als oldenburgischer Gesandtmöglichkeit und der Persönlichkeitsentwicklung ,, ihrer Mädchen". Kleidung, über Nährwert, Auswahl und Aufbewahrung der schaftssekretär zu Frankfurt a. M.; dann ließ er sich als he Und ferner verkennen sie oder wollen es nicht eingestehen, Lebensmittel, über Krantenpflege und ähnliches. Advokat in Mannheim nieder. Er trieb Phrenologie und zen en m= Die im Der im da ar am ehr fte ste her Tür cht in en daß manches Dienstmädchen ihrer Dame" an Herzens- Hätte die badische Regierung den Fortbildung 3- war strenger Vegetarianer. In seinem Blatte, dem„ Deuter bildung und intellektueller Veranlagung weit überlegen unterricht, wie er zuerst bestand, erweitert und durch den schen Zuschauer", trat er für die republikanische Staatsform er ist. Diese Veranlagung konnte nur nicht zur Entfaltung Haushaltungsunterricht ergänzt, beide für obliga- ein. Zugleich führte er im Mannheimer Journal" einen Der tommen infolge der Mittellosigkeit der Eltern, welche die torisch erklärt und durch Gesetz bestimmt, daß, Herrschaften" zähen Kampf gegen die Zensur und brachte diesem niederals Mädchen zwang, schon frühzeitig ihre Arbeitskraft zu ver- und andere Arbeitgeber verpflichtet seien, den Mäd- trächtigen Institut eine vernichtende moralische Niederm. taufen, indem sie in Dienst traten. Die Lücken und Mängel chen bis zum 18. Jahre während der Tages lage bei. ang in der Bildung und Entwicklung der häuslichen Angestellten stunden Zeit zum Besuch desselben zu gewähren: Die junge Amalie Düfar, die mit Begeisterung die frei mer müssen nach Möglichkeit ausgefüllt werden. Wir fordern so würde sie geschaffen haben, was wir als dringend not- heitlichen Jdeen der Zeit in sich aufgenommen hatte, reichte daher den Fortbildungsunterricht im Interesse der wendig im Interesse der Dienstmädchen erachten. dem bedeutend älteren Struve die Hand. Die Ehe war en im piel Den ein la " allgemeinen Menschenkultur, im Interesse der Die geltende Gewerbeordnung besagt in Absatz 3 von eine ideal glückliche, wenn schon Amalie gleich zu Anfang Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen, im Inter-§ 120, daß durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde die gegen ihren Gatten gerichteten grimmigen Verfolgungen esse eines schöneren, reicheren Lebensinhaltes oder eines Kommunalverbandes für männliche Arbeiter der Bureaukratie mit zu ertragen hatte. Struve wurde Lich für sie, aber wir fordern den Unterricht gleichfalls, um die unter 18 Jahren die Verpflichtung zum Besuch einer Fort nicht nur zu Gefängnis, sondern auch zu enormen Gelden Mädchen fähiger für den Kampf ums Dasein" zu bildungsschule begründet werden kann, soweit diese Ver- strafen und Gerichtskosten verurteilt und ihm wiederholt sein in machen. pflichtung nicht landesgesetzlich besteht. Die dem Reichstag ganzer Hausrat usw. abgepfändet, den dann seine politischen Mit möglichst reichem Wissen ausgestattet, wird das vorliegende Novelle zur Gewerbeordnung will diese Vorschrift Freunde bei der Versteigerung wieder für ihn erwarben.* Den Mädchen weit leichter seinen Weg durchs Leben finden als auf alle, also auch auf die weiblichen Arbeiter aus- Amalie Struve wird von ihren Zeitgenossen als eine ohne ein solches.„ Es tann sich den Schwierigkeiten, die es dehnen. Jedoch sind hiermit nur die gewerblichen und außerordentlich schöne Frau geschildert. Das Feuer ihrer Ars zu überwinden hat, in neuen, ihm fremden Verhältnissen nicht die hauswirtschaftlichen Arbeiterinnen gemeint. Da großen schwarzen Augen mochte manches Männerherz entere leichter und besser anpassen. Das Mädchen, dem nur ge- gilt es nun, die Gelegenheit zu nutzen und in der Öffent- zünden. Die Feinde ihres Mannes haben allerlei Klatscheang ringe Kenntnisse zur Seite stehen, ist in weit schwierigerer lichkeit Sturm zu laufen, daß diese Bestimmung gleich reien über sie verbreitet, die aber sämtlich aus der Luft gesie Lage. Es hat das Gebäude von Erfahrung, das andere falls auf unsere Dienstmädchen ausgedehnt wird. griffen sind. längst aufgebaut haben, von neuem für sich selbst zu er- Wären die Gesindeordnungen beseitigt und die Mädchen der Außerordentlichen Menschen, wie sie Struve und seine richten, und das alles verknüpft mit zahllosen Leiden, Fehlern, Gewerbeordnung unterstellt, so würde der Unterricht ohne Frau darstellten, haften oft allerlei Seltsamkeiten und Extrand Mühen und Verlusten."* weiteres auch für sie gelten. Nicht genug also, daß die vaganzen an. Amalie schloß sich in allen Dingen ihrem er= Der Fortbildungsunterricht soll aber auch die Mädchen Mädchen dank der Gesindeordnungen minderen Manne an, was sich aus der Tiefe ihrer Zuneigung erklärt. et, tampffähiger und tampflustiger machen für ein Rechtes sind, werden sie ihnen zufolge auch in ihren Sie ließ sich von ihm auch für den strengen Vegetarismus che Empor in sozialer und wirtschaftlicher Be- Bildungsmöglichkeiten beschränkt, ist für sie gewinnen; man sagte ihr aber nach, sie hätte heimlich oftziehung. Ein größeres Maß von Bildung wird zweifel- die Aussicht geringer für ein traftvolles Auf- mals Kalbs- oder Hammelbraten genossen.** in los zur treibenden Kraft für ein energisches Kämpfen um wärts in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Im April 1848 unternahmen Hecker und Struve die unmehr Freiheit und Selbstbehauptung, um höheren Verdienst, Drastischer kann das ungeheure Unrecht, welches in der glückliche republikanische Schilderhebung, die vom badischen ich beffere Behausung, Beköstigung usw, denn es erhöht die An- ausnahmerechtlichen Stellung der„ Dienenden" liegt, nicht Seefreis ausging. Struve, der gar keine militärischen Eigensprüche an das Leben, weckt und stärkt das Selbstbewußt- beleuchtet werden, als durch diese Tatsache. Wir fordern schaften besaß, machte dabei einige tolle Streiche, da er ras sein, ist somit die beste Schußwehr gegen Knechtseligkeit, darum alle unsere Genoffinnen, alle aufgeklärten Dienst- immer in die militärischen Unternehmungen eingriff. Bor er Bedientenhaftigkeit und stumpfe Gleichgültigkeit. Erklär mädchen auf, daß sie sich mit ganzer Kraft und Leiden- Freiburg zerstörte er durch unbesonnenes Vorgehen den lich genug. Je größer das Wissen und Können, desto tiefer schaft am Protest gegen den Entwurf des Reichsvereins- ganzen Angriffsplan des republikanischen Oberkommandanten und schärfer wird Rechtlosigkeit, soziale Unterbürtigkeit und gesetzes beteiligen, um neben anderen Verbesserungen des Sigel, machte sich dann eiligst davon und schrieb an Sigel: hts Ausbeutung empfunden und desto eher und energischer wird Entwurfes die Beseitigung der Gesindeordnungen zu Ich und meine Gemahlin sind in St. Ulrich," worauf Sigel dagegen rebelliert. Charaktervolle Selbstbehauptung, die erkämpfen; wir fordern sie auf, daß sie mit gleicher Energie ihm in begreiflicher Entrüstung erwiderte, er möge samt seiner be in dem Persönlichkeitsbewußtsein wurzelt, welches uns unser und Begeisterung den Kampf führen gegen die Arbeiterschutz- Frau Gemahlin zum Teufel gehen. nd, Wissen und Können vermittelt, haben aber just unsere Dienst heuchelei der Gewerbeordnungsnovelle und dabei vor allem m mädchen in ihrer Vereinzelung doppelt notwendig. Die auch für die Ausdehnung des Fortbildungsunterrichts frühlings", nachdem sie mit dem geliebten Manne zu Felde So hatte die junge Frau gleich zu Anfang des„ Völkerat, Dinge liegen bei ihnen ganz anders wie zum Beispiel bei anf die Dienstboten eintreten. Besonders kraftvoll muß gezogen, die Enttäuschungen und Gefahren einer vollständigen der den Fabritarbeiterinnen, wo ein Manko an persönlichem diese Bewegung einsetzen an den Orten, wo bereits eine Niederlage mitzumachen. Sie entkam mit Struve in die ere Mute und dadurch bedingter nötiger Festigkeit bei der ein- Dienstbotenbewegung und-organisation besteht. Genoffiunen, zelnen leichter verdeckt und ausgeglichen wird durch das ge- auf denn zum Kampfe für die Rechte unserer dienenden men meinsame Vorgehen und Zusammenstehen aller. Schwestern, für ihre Bildungsmöglichkeit, dem vollen Die größere Bildung wird unsere Mädchen jedoch nicht Menschentum entgegen! Luise Ziez. won nur befähigen, mutvoll, sicher und bestimmt ihr Recht von er ten che Ar Se ten nen tug der * Dr. Oskar Stillich,„ Die Lage der weiblichen Dienstboten in Berlin." Eine Anzahl Arbeiter, die sich dabei beteiligten, wurden von der brutalen Mannheimer Polizei dafür ausgewiesen. ** Über Struves strengen Vegetarismus tursierten seinerzeit allerlei lustige Anekdoten. So setzte man ihm in Heslach bei Stuttgart, wo er in den sechziger Jahren sich aufhielt, sogenannte Maultaschen in ,, Tierleichenbrühe" so nannte er die Bouillon- vor. Sie schmeckten ihm sehr gut, und er bat, ihm diese Mehlspeise öfter zu geben. 14 Die Gleichheit Nr. 2 � Schweiz, wo sie sich mit den vielen anderen Flüchtlingen an der Grenze aufhielten. Im September 1848 unternahm Struve seinen unbesonnenen Putsch, der so unglücklich endete. Man hatte ihm vorgespiegelt, in ganz Baden warte man nur auf einen Einfall der Flüchtlinge, um sich für die Republik zu erheben. Ohne alle weiteren Vorbereitungen begab sich Struve nach Lörrach, wo ihn die erregte republikanisch gesinnte Bürgerschaft erwartete. Er hielt mit Amalie und einigen bekannten Flüchtlingen einen feierlichen Einzug. Amalie ließ dabei einen zierlichen Dolch sehen, wie denn iiberhaupt ihrem Auftreten das Theatralische nicht gefehlt hat. In Lörrach wurde von Struve und Blind die deutsche Republik mit„Freiheit, Bildung und Wohlstand für alle" ohne alle Schwierigkeit proklamiert. Allein schon nach drei Tagen war die Sache zu Ende; am 24. September wurden die eilig zusammengerafften Freischaren Struves bei Staufen von den badischen Truppen geschlagen und zerstreut. Struve suchte mit seiner Frau in Bauernkleidern über den Schwarzwald die Schweiz zu erreichen, ward aber unterwegs in den» Dorfe Wehr bei Schopfheim verraten und gefangen. Man brachte die Gefangenen vor ein Standgericht nach Müllheim, wo Struve und Blind sicherlich zum Tode verurteilt worden wären, wenn nicht das Kriegsgericht sich für inkompetent erklärt hätte, weil die Angeklagten schon vor der Verkündigung des Standrechts gefangen genommen worden waren. Struve und Blind wurden nach Bruchsal in das Zellengefängnis und von da in die ungesunden Kasematten nach Rastatt gebracht, wo sie eine sehr schlechte Behandlung erfuhren. Amalie, die von den Soldaten brutal behandelt worden war, wurde zu Freiburg in einem Turme gefangen gehalten. Ihre zarte Gesundheit litt sehr im Kerker. Die nebenstehende Skizze, die mir von befreundeter Hand übermittelt wurde, stellt das Turmgefängnis dar, in dem sich Amalie Struve befand. Die Skizze rührt ursprünglich von Amalie selbst her. An dem Septemberputsch hatte auch der junge Wilhelm Liebknecht teilgenommen, der ebenfalls in Gefangenschaft fiel. Er gehörte zu dem engeren Freundeskreis Struves, welch letzterer auch nicht ohne Einfluß aus seine geisttge Entwicklung blieb. Liebknecht hat noch in seinen alten Tagen oftmals mit Begeisterung und Rührung von Amalie Struve gesprochen. Im März 1849 wurden Struve und Blind wegen versuchten Hochverrats zu S'/» Jahren Einzelhaft verurteilt und in das Zellengefängnis nach Bruchsal abgeliefert. Amalie blieb bis 16. April 1849 in Haft; dann wurde ihr Prozeß niedergeschlagen. Sie befand sich bei ihrem Mann im Zellengefängnis zu Bruchsal, als der badische Aufstand vom Mai 1349 losbrach. Struve und Blind wurden vom Volke befreit. Daß Amalie durch Koketterie die badischen Soldaten zum Aufftand zu bringen versucht habe, ist eine alberne Erfindung der Reaktionäre. Struve beging nach seiner Befreiung die Unbesonnenheit, den zweideutigen Brentano zu bewegen, die Leitung des badischen AufftandeS zu ergreifen, was Struve selbst bald bitter zu bereuen hatte. Der später ausbrechende Zwist zwischen Brentano und Struve führte zu einer Krisis in der revolutionären Bewegung selbst, wobei Struve, Johann Philipp Becker, Wilhelm Liebknecht und andere aus Befehl Brentanos zeitweilig verhaftet wurden. Struve spielte von da ab keine hervorragende Rolle in dieser Revolution mehr; er war noch in die Konstituante gewählt worden, begab sich aber nach den Niederlagen der Revolutionsarmee in die Schweiz. Amalie blieb bei ihm. Liebknecht hat den letzten gefährlichen Nachtmarsch über den Schwarzwald, den er mit Struve und dessen Frau mitmachte, in einem sehr interessanten Aufsatz geschildert. Die zweite Verbannung brachte dem Struveschen Ehepaar bittere Not.„Aus der Schweiz ausgewiesen, in Frankreich polizeilich bewacht, in England ohne sichere Erwerbsquellen," sagt Struve,„mußte ich mich zur Auswanderung nach Amerika entschließen." Im Mai 1851 kam er mit Amalie zu New Jork an. Das Ehepaar ließ sich auf Staten Island nieder. Es hatte schwer mit dem Mangel zu kämpfen, und Struve fand sich auch nur sehr schwer in das Wesen der Amerikaner, wobei er wohl etwas zu empfindlich war. Amalie, das tapfere Weib, verlor die Heiterkeit ihres Geistes und ihre Seelenstärke nicht. Am 7. Juni 1351 schrieb sie in ihr Tagebuch:„Wir wohnen lieblich und angenehm hier auf Staten Island. Unser Häuschen liegt am Saume des Waldes, am Fuße eines schönen Hügels auf einer Wiese. Wir leben friedlich und sehr glücklich." Mit ihren Arbeiten für Zeitschriften und mit dem Erteilen von Unterricht hatten sie kein Glück. Die im Gefängnis zu Rastatt begonnene Weltgeschichte rettete Struve vor der grimmigsten Not. Er hatte zwar auch viel Pech damit und mußte oft mit den äußersten Sorgen kämpfen, aber schließlich kam er doch damit durch. Amalie arbeitete mit ihm zusammen. Er schreibt darüber: „Das erste und zweite Buch war von meiner Hand geschrieben, weil ich damals von meiner Amalie getrennt war. Das dritte, vierte und fünfte Buch wurde 1352 in New Uork fertig. Alle diese Bücher schrieb meine liebe Frau. Die Stunden, die wir bei dem Schreiben der Weltgeschichte verbrachten, gehörten zu den seligsten meines Lebens. Ehe wir anfingen zu arbeiten, teilte ich ihr gewöhnlich meine Ideen mit. Wir besprachen uns, und dann fing ich an zu dittieren. Wenn sie mit mir zufrieden war, schrieb sie ruhig weiter. Kleine Stilfehler verbesserte sie, ohne ein Wort zu sagen, kam aber eine Stelle, welche ihr nicht gefiel, so hielt sie inne, und wir verständigten uns. Meistenteils war sie aber mit mir zufrieden. Das Lob, das sie mir zollte, und der Eifer, mit dem sie schrieb, waren der schönste Lohn, der mir zuteil werden konnte." Die Struvesche Weltgeschichte, durchaus auf bürgerlichdemokratischer Weltanschauung beruhend, enthält viele interessante und lesenswerte Partien; als Ganzes kann sie jedoch den Anforderungen der heutigen Geschichtswissenschaft nicht genügen. In Nordamerika kam Struve auch mit der dort sich entwickelnden deutschen Arbeiterbewegung in Berührung. Der von Weitling gegründete„Arbeiterbund" übertrug ihm 1858 die Redaktion seines Organs„Die soziale Republik". Allein Struve vermochte sich mit den Arbeitern nicht zu verständigen, und im„Arbeiterbund" herrschte ohnedies eine heillose Konfusion. Gewinnbeteiligung der Arbeiter— das war alles, was Struve an kleinbürgerlichem Sozialismus in sich aufgenomnien hatte; im übrigen blieb er auf seinem kahlen, bürgerlich-republikanischen Boden von 1348 stehen. Es konnte nicht lange dauern, bis er sich mit dem„Arbeiterbund" überwarf. Der unlängst verstorbene Parteigenosse Sorge hat diese sonderbare Affäre in der„Neuen Zeit" (Jahrgang 1891, 2. Band) ausführlich geschildert. Bis dahin war die Ehe kinderlos gewesen. 1359 gab Amalie einer Tochter das Leben, die aber bald starb. Die Mutter hatte schwer unter den Wirkungen des Wochenbettes zu leiden. 1860 gebar Amalie eine zweite Tochter. Inzwischen brach 1861 der große nordamerikanische Sezessionskrieg aus, und Struve trat, obschon 56 Jahre zählend, in das achte New Jorker Freiwilligen-Regiment ein. »An den Stsenftäden sinkt dt« Lteb« blutend nteder.' Er macht« verschiedene Treffen mit und brachte es bis zum Hauptmann. Als der Prinz Salm-Salm zum Obersten des achten Regiments ernannt worden war. nahm Struve seinen Abschied, da er nicht unter einem Prinzen dienen wollte. Aus dem Lager war er an das Krankenbett Amaliens berufen worden. Sie hatte am 8. Februar 1862 eine dritte Tochter geboren und starb am 18. desselben MonatS an den Folgen des Wochenbettes. Struve kam gerade noch zeitig genug, um ihr die Augen zudrücken zu können. Da eben eine allgemeine Amnestte in Deutschland verkündet wurde, so kehrte Struve dahin zurück. Er starb 1870 in Wien.' Amalie Struve schrieb das sehr interessante Werkchen Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen"(1850) und gab„Historische Zeitbilder"(1350) heraus. Alltägliche Menschen, auch„demokratische" Philister, haben begreiflicherweise viel über Amalie Struve gespottet. Gewiß hatte die Art dieser Frau auch ihre Schattenseiten, aber wie viel Wärme und Seelengröße bekundete sie. Amalies Gestalt muß der heutigen bürgerlichen Frauenwelt in Deutschland märchenhaft erscheinen; diese glaubt wohl selbst nicht daran, daß sie solche Feuerseelen jemals wieder hervorbringt. Wilhelm Blas. Am das Frauenwahlrecht in Kolland. I. K." Der Gesetzentwurf, den die nun abgetretene niederländische Regierung zur Verfassungsreform eingebracht hatte. zeigte bei weitem nicht das demokrattsche Gesicht, das ihm Nachrichten in der deutschen Tagespreffe angeschminkt hatten. Wie könnte auch in unserer Zeit ein wirklich allgemeines Wahlrecht von einer Regierung festgelegt werden, die einen Block von Freisinnig-Demokraten, Unionsliberalen und Alt- liberalen repräsentierte, mit anderen Worten: die eine unverfälschte bürgerliche Klassenregierung war, welche ihrer Aufgabe nachlebte, ein Ausschuß für die Führung der polittschen Geschäfte der Besitzenden zu sein. Der Gesetzentwurf brachte zur Wahlrechtsreform einen Blankowechsel, einen ziemlich unverbindlichen Satz. Er lautet:„Die Mitglieder der Zweiten Kammer werden direkt gewählt von den Wählern, welche das Wahlrechtsgesetz bestimmt." Immerhin hielt sich dieser Passus frei von den Beschränkungen, welche nach dem jetzt geltenden Artikel 80 der Verfassung die Frauen und die Mehrzahl der Arbeiter vom Wahlrecht ausschließen. Diese Beschränkungen sind in dem Satz enthalten: Wähler sind männliche Staatsangehörige, welche den durch das Wahlrechtsgesetz festgelegten Bestimmungen betreffs ihres Bildungsgrads und ihres sozialen Wohlstandes genügen. Das ' Eine Tochter Struves und seiner Amalie, Damajanti Struve, lebt in Leipzig. Die„Frankfurter Zeitung" hat unlängst für dieselbe gesammelt. " Wir werden künftighin alle Einsendungen der internationalen sozialistischen Korrespondentinnen mit diesem Zeichen versehen. in Kraft stehende Wahlrechtsgesetz kennt fünferlei Arten von Wählern. Wahlberechttgt ist nach ihm, wer eine festgesetzte Mindeststeuer entrichtet, wer eine Wohnungsmiete zahlt, die nicht unter einen gewissen Minimalbetrag sinkt und obendrein lange genug in ein und derselben Wohnung bleibt, der Arbeiter und Angestellte, der ein bestimmtes Mindesteinkommen hat und seinen Arbeitgeber nicht mehr als einmal im Jahre wechselt, der Besitzer von Spareinlagen, die mindestens eine festgesetzte Höhe haben müssen, endlich Männer, die als Akademiker, Lehrer, Eisenbahn-, Steuer-, Polizeibeamte usw. ein Examen bestanden haben.— Der Wortlaut des Entwurfs zur Verfassungsreform schloß die Frauen nicht mehr grundsätzlich vom Wahlrecht aus, aber er sagte auch kein Wort darüber, daß das Frauenwahlrecht als allgemeines zur Einführung gelangen sollte. Innerhalb des Wahlrechtsgesetzes sollten auch die Frauen wahlberechtigt werden können, und die Regierung wollte laut einer Erklärung dem entsprechenden Bruchteil der niederländischen Frauenwelt gleichzeitig auch die Wählbarkeit zu der Zweiten Kammer zuerkennen. Da das jetzige Wahlrecht zu den Generalstaaten im allgemeinen auch für die Provinzialstaaten gilt, welche die Erste Kammer zu wählen haben, und für die Wahl der Gemeinderäte, so wollte die Regierung zusammen mit dem ersteren auch das zu den Provinzial- und Gemeindevertretungen reformieren. Inzwischen hat das Ministerium des Wahlrechtsentwurfes seine Entlassung gegeben, weil das Militärbudget nicht bewilligt wurde. Damit ist vorderhand auch der Entwurf hinfällig geworden, und es bleibt abzuwarten, ob das neue Kabinett seinerseits ihn vollinhaltlich oder auch verändert wieder aufgreifen wird. In welchem Umfang das Proletariat im allgemeinen und die proletarischen Frauen im besonderen in naher Zukunft das Wahlrecht erhalten werden, das hängt in letzter Linie von dem Maße der Klarheit und Kraft ab, mit der die Massen des arbeitenden Volkes ohne Unterschied des Geschlechtes den Kampf für die Eroberung des Wahlrechts für alle Großjährigen führen werden. Innerhalb der bürgerlichen Parteien gibt es noch grundsätzliche Gegner des Frauenwahlrechts. Von den fünf Mitgliedern der Wahlrechtskommission zum Beispiel, welche die katholischen Wahlvereine der Niederlande eingesetzt hatten, erklärten sich drei prinzipiell gegen das Frauenwahlrecht, das vierte Mitglied hielt die Frauen jetzt noch nicht für „reif", das Wahlrecht auszuüben, und das fünfte möchte ihnen dieses Recht nur„allmählich" zuerkannt wissen. Aber die grundsätzliche Feindschaft gegen die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts verstummt immer mehr vor den Vorteilen, die sich die bürgerlichen Parteien von einem Damenwahlrecht versprechen, das die Macht der Besitzenden stärken und den Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen mehr schaden als nützen würde. Nur sind sich die bürgerlichen Parteien noch nicht im klaren darüber, durch welche Bestimmungen und wie weit sie das Frauenwahlrecht zum Damenwahlrecht verhunzen wollen. Es hat fast den Anschein, als würden sie sich scheuen, das Bürgerrecht der Frau ganz offen, schamlos vom Besitz abhängig zu machen. Sie suchen nach Vorwänden, sie tüfteln, wie sie es für die Massen möglichst beschränken könnten, ohne ihm allzu offensichtlich das Brandmal eines Klassen- monopolS aufzuprägen. Einer der angesehensten Führer der Unionsliberalen, Borgestus, will erst vom dreißigsten Lebensjahre an unverheirateten Frauen und Witwen das Wahlrecht einräumen. Da im Proletariat die Eheschließungen im allgemeinen zahlreicher und früher stattfinden als in den bürgerlichen Kreisen, da ferner viele proletarische Witwen gezwungen sind, Armenunterstützung zu empfangen: würde die vorgeschlagene Bestimmung in Verbindung mit der anderen, daß Armenunterstützung des Bürgerrechts beraubt, viele Tausende Proletarierinnen rechtlos machen und ein Übergewicht der bürgerlichen Frauenstimmen herbeiführen. Der frühere Ministerpräsident, Kuyper, der Führer der größten religiös-politischen Partei, die sich selbst als„anti- revolutionär" bezeichnet, ist für Zuerkennung des Wahlrechts an Frauen, die das Oberhaupt einer Familie bilden, das sind im allgemeinen Witwen. Und wie stellen sich die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zur Frage: Frauenwahlrecht oder Damenwahlrecht? Das monatlich erscheinende Organ des Vereins für das Frauenwahlrecht rief in seiner Novembernummer die Mitglieder zum Kampfe, um eine Fassung des neuen Artikel 80 zu erringen, welche die Einführung des Frauenwahlrechts nicht bloß ermöglicht, sondern positiv festlegt. Dieser Artikel soll erklären, daß Männer und Frauen nach den Bestimmungen des Wahlrechtsgesetzes direkte Wähler der zweiten Kammer sind. Dagegen forderte das Blatt mit keiner Silbe, daß das Frauenwahlrecht als ein allgemeines gesetzlich fest- gelegt werde. Es scheint die Damen herzlich wenig zu kümmern, ob der Ausschluß der Proletarierinnen vom Wahlrecht ein neues schreiendes Unrecht schaffen würde. Der Bund für daS Frauenwahlrecht, der sich im März 1907 von der oben genannten Organisation abgetrennt hat, gewährt die Mitgliedschaft Arbeiterinnen gegen Entrichtung eines einmaligen Beitrags von 10 Cents(17 Pf.) und wirbt daher unter den noch nicht zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiterinnen Anhängerinnen, die dem Klassenkampf verloren gehen. Unter seinen ca. 500 Mitgliedern zählt er viele Professoren und andere„Intellektuelle". Er gibt ein eigenes Blatt heraus,„De k'Ioesser", und verfügt über eine gute Rednerin. Der„Bund" hat sich mit dem Blankowechsel des Regierungsentwurfs einverstanden erklärt. Es versteht sich im übrigen am Rande, daß die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen eine eifrige Agitation für das Frauenwahlrecht entfalten, bei der sie aber ihre Stellungnahme zu dem Kernpunkt der Frage, dem allgemeinen Wahlrecht, im Dunkeln lassen. A re N gl ho de ur cw kri ta W Ui ge da sei Gl eil eil de un Ml T, F' soi St gl wc B< St Wf trc jäl klä Fr kla D« kro lut sp' Bi br vo V« wc zJ" ge> sar wr bei dei zus bei die erö ne, iFr Pa An in gui Fi un Hu Er M san den t8.> rini neu heb Mc be, die dar san ren Kr, »er den die den »nt Frc Ge, daß Er! run Sie für wo Na Gel z Nr. 2 Die Gleichheit 15 n Was tun die proletarischen Frauen selbst, um volles Bürger- e recht zu erobern? Bis jetzt leider wenig genug. Die großen e Massen der Frauen stehen bis jetzt dem Wahlrechtskampf gleichgültig. verstSndnislos gegenüber. Das aber wird sich t, hoffentlich ändern. Eine kleine Schar überzeugter Sozial- t- demokratinnen ist unermüdlich am Werke, die Arbeiterinnen n und Arbeiterfrauen aufzuklären und zum Kampfe wider die z ausbeutenden Klassen in Reih und Glied der Sozialdemo- s kratie zu führen. Sie läßt sich angelegen sein, den prole- tarischen Frauen die Bedeutung des Wahlrechts als einer t- Waffe im Klassenkampf klar zu machen, ihnen den klaffenden Unterschied zwischen einem Damenwahlrecht und dem all- n gemeinen Frauenwahlrechl zum Bewußtsein zu bringen, auf s daß sie auf der Hut vor falschen Freunden und Freundinnen � seien, die unter der Flagge„Gerechtigkeit für das weibliche n Geschlecht" ein großes neues Unrecht gegen das Proletariat � einschmuggeln wollen. Am 19. Dezember fand in Amsterdam eine große öffentliche Versammlung statt, die Stellung zu >x dem damals noch vorliegenden Entwurf der Regierung nahm z. und der Agitation für ein allgemeines Wahlrecht aller Größte jährigen ohne Unterschied des Geschlechtes dienen sollte- e Troelstra und ein Vorstandsmitglied der sozialdemokratischen >n Frauenklubs sprachen. Troelstra erklärte im Namen der sozialdemokratischen Kammerfraktion, daß diese gemäß der iz Stuttgarter Resolution dem Frauenwahlrecht gegenüber die � gleiche Haltung betätigen werde wie zum allgemeinen Männer- st Wahlrecht. Diese Erklärung ist von den Frauen mit großer z Befriedigung aufgenommen worden. Bald danach ist der Sturz des Ministeriums erfolgt, und die Frage der Ver- „ fasfungsrevision ist dadurch zurzeit in den Hintergrund ge- jx treten. Aber die Agitation für das Wahlrecht aller groß- jähriger Männer und Frauen geht iveiler. Für de» aus- klärenden und werbenden Erfolg dieser Agitation, unter den Frauen des Proletariats im besonderen, ist es von großem xz Werl, daß die sozialdemokratische Fraktion sich klipp und � klar auf den Boden der Stuttgarter Resolution gestellt hat. Der Gedanke des Frauenwahlrechts, wie wir Sozialdemo- d- kratinnen ihn verstehen, marschiert und hilft die Köpfe revo- -t- lulionierea M. M e n s i n g und M. W i b a u t. ie_ n, � Aus der Bewegung. te Von der Agitation. Von 1. bis Ib. Dezember 1907 er sprach die Unterzeichnete in Minden, Porta, Bielefeld, Hz Brackwede, Lage, Oerlinghausen und Gut Sud- er brack bei Bielefeld in Frauenversammlungen, die zum Teil en von der sozialdemokratischen Partei und zum Teil von den er Verbänden der Textil- und der Wäschearbeiter einberufen en worden und mit wenigen Ausnahmen gut besucht waren. ur Ja Oerlinghausen wurde eine weibliche Vertrauensperson en gewählt, und 20 Abonnenten wurden für die„Gleichheit" as.�wonnen. Die Frauen dürfen hier an politischen Ver- n. sammlungen nicht teilnehmen. Da» veraltete Vereinsgesetz as wird aber nicht verhindern können, daß die Frauen politisch h. denken lernen. Dafür sorgt schon die Zoll» und Steuerpolitik n, des Reiches und die Rechtlosigkeit deS weiblichen Geschlechtes >„' zusammen mit der auch hier wie überall herrschenden Aus- n-' beutung der weiblichen Arbeitskraft. In Bielefeld, wo >er die Unterzeichnete in sieben Frauenversammlungen das Thema g, erörterte:„Kochtopf und Politik" sind zirka 200 neue Abon- il- nenten für die„Gleichheit" aufgenommen und eine Anzahl en Frauen dafür gewonnen worden, freiwillige Beiträge an die «n Partei zu zahlen. Linchen Baumann. «n In Günnigfeld bei Wattenscheid in Westfalen fand de Anfang Januar eine Besprechung proletarischer Frauen statt, in der der Grundstein zu einer proletarischen Frauenbewe- bt, g""g gelegt wurde. Als erste Vertrauensperson ist Genossin -in Findeisen gewählt worden, als zweite Genossin Tschürner zn. und als Revisorinnen die Genossinnen Breitenkamp und Hucke. Wir wünschen, daß die Arbeit der Genossinnen viel lj- Erfolg haben und ihnen selbst viel Freude machen möge. U.?. >ts Jahresbericht der Vertrauensperson der Genossinnen as Münchens. In München wurden im letzten Jahre insgesamt elf öffentliche Frauenversammlungen abgehalten, in en denen nur Genossinnen referierten. Vier davon fanden am az 8. und 9. Dezember 1906 statt. Sie waren sehr gut besucht zs und gewannen dem Frauen- und Mädchenbildungsverein zse neue Mitglieder in nennenswerter Anzahl und der„Gleich- gg heit" neue Leserinnen. In zwei Versammlungen, die einen ,ls Massenbesuch aufzuweisen hatten. referierte Genossin Greifen- kel berg. An den Versammlungen am I. Mai beteiligten sich m- die Frauen so auffallend stark, daß die bürgerliche Presse en darüber berichtete. Außer den öffentlichen Versammlungen bx. fanden noch elf Besprechungen der Genossinnen statt. Wäh- ,sl, rend des Reichstagswahlkampfes haben die Genossinnen ihre zu Kräfte in den Dienst der Agitation gestellt. Sie falzten und ,m verbreiteten Flugblätter und waren auch am Wahltage auf de. dem Posten. Bei den bayerischen Landtagswahlen arbeiteten ini die Genossinnen ebenfalls tapfer mit. Außer in München wurmt den noch Versammlungen abgehalten in Liebenberg, Ried nl- und Freising. In Freising wurde ein Bildungsverein für jk) Frauen und Mädchen gegründet. Die Gesamteinnahmen der >in Genossinnen betrugen 495,91 Mk., die Ausgaben 471,35 Mk., so m- ein Kassenbestand von 24,56 Mk. verblieb. Der schönste hlt Griolg, den die Genossinnen errungen haben, ist die Steige- rung der Zahl der„Gleichheit"-Leserinnen von 35 auf 350. n« Sie werden tapfer weiter agitieren. Zur Vertrauensperson sel für das neue Jahr ist Genossin Lachenmeyer gewählt >ht worden, da die Unterzeichnete eine Wiederwahl ablehnte. hx- Emilie Maurer. nt- Ein bedeutsamer Fortschritt der Bewegung in Essen. ikl Nach langer, mühevoller Arbeit ist es endlich den Essener en. Genossen und Genossinnen gelungen, eine eigene Presse für die Wahlkreise Essen und Duisburg zu schaffen. Manchen Kampf und manches Opfer hat es den Genossen dieser Wahlkreise gekostet, bis das Unternehme» gesichert war. Auch dem Parteivorstand sind wir zu Anerkennung verpflichtet, da er in richtiger Bewertung der Dinge uns die notwendige finanzielle Hilfe angedeihen ließ. Es liegt jetzt an den Genossen und Genossinnen, ihre Presse durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel zu unterstützen. Haben wir auch durch die im Wahlkreis Essen veranstaltete Hausagitation ungefähr 5000 neue Abonnenten für unser Blatt geworben, so dürfen wir doch nicht ruhen und rasten. Bei der letzten Neichstagswahl sind bei uns 30000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben worden. Da steht der Agitation für unser Organ noch ein weites Rekrulierungsfeld offen. Die Genossinnen besonders müssen es als ihre Pflicht betrachten, unaufhörlich für dieses zu agitieren. Sie dürfen es nicht bei der Werbung neuer Abonnenten bewenden lassen, sie müssen vielmehr auch in jedem Geschäft, in dem sie kaufen, auf die Arbeiterpresse aufmerksam machen und die Geschäftsleute auffordern, in ihr zu inserieren. Die Geschäfte aber, die nicht in unserer Zeitung inserieren, sollten die Genossinnen meiden. Eine jede Genossin und ein jeder Genosse unterstütze nach besten Kräften unsere Presse; sie ist eine vorzügliche Waffe in unserem Kampfe. VV. 0. Nrujahrsgruff des Genosscu Lesinrr-Lvndon. Der ehrwürdige, mehr als 80jährige Veteran der internationalen Sozialdemokratie, Genosse Leßner, sendet aus London den deutschen Genossinnen seine Neujahrswünsche. Die Last der Jahre läßt seine Hände zittern, sie hat das Licht seiner Augen getrübt, verwischt sind die Schriftzüge des wackeren Kämpen geworden. Jedoch kraftvoll und klar wie je hängt er an seinem Ideal, und mit einer Begeisterung, die manchen Jungen beschämen kann, verfolgt er alle Fortschritte der sozialistischen Bewegung. Er schreibt: „Es ist mir eine besonders große Freude, zu sehen, daß die proletarische Frauenbewegung in Deutschland so gute Fortschritte macht. Möge ihr das neue Jahr dank der Energie und Hingabe der Genossinnen neue Erfolge bringen. Sie tun wohl, denn noch sind viele Hunderttausende von Lohnsklavinnen in Stadt und Land, in Fabriken und im Haushalt über ihr Menschenrecht und ihre Kampfespflicht aufzuklären und zu organisieren. Wissen und Macht, das sind die Zauberruten, die endlich die Ketten aller Ausgebeuteten sprengen. Als alter Kommunist empfinde ich besondere Genugtuung darüber, daß die Proletarierinnen Deutschlands sich immer mehr dem Heere der sozialistischen Klassenkämpfer anschließen, als der einzigen.Heilsarmee', die eS für sie gibt. Denn schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren wir Kommunisten von der Überzeugung durchdrungen, daß die Frau Anspruch auf ihre volle Gleichberechtigung hat, aber nur in einer sozialistischen Gesellschaft ihre volle menschliche Emanzipation erlangen wird, daß jedoch auch andererseits die Arbeiterklasse nur ihre Befreiung durch die Aufrichtung einer neuen sozialen Ordnung erreichen kann, wenn die Frauen die Kämpfe dafür teilen. Im verflossenen Jahre ist es den deutschen Genossinnen gelungen, durch die erste internationale sozialistische Frauenkonferenz einen guten Schritt vorwärts zu tun zur Schaffung regelmäßiger Beziehungen zwischen den Sozialistinnen aller Länder. Sie haben es fertiggebracht. Tausende von Dienstmädchen in Organisationen zusammenzuschließen, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Das sind bemerkenswerte Erfolge, die zusammen mit der übrigen Tätigkeit der Genossinnen eine weitere kräftige Entwicklung der sozialistischen Frauenbewegung verbürgen. Diese Bewegung aber wird das Ihrige dazu beitragen, die kapitalistische Ordnung zu stürzen und durch die sozialistische Gesellschaft zu ersetzen, die durch die geschichtliche Entwicklung vorbereitet ist und die die Wohlfahrt der gesamten Menschheit verbürgt. Hoch die sozialdemokratische Frauenbewegung! Hoch der revolutionäre Kampf der vereinigten Proletarier aller Länder! Hoch die Zukunft! Sie gehört uns! In brüderlicher Gesinnung Euer alter Genosse Friedrich Leßner." Politische Rundschau. Der 10. und der 12. Januar des Jahres 1906 werden als Ehrentage der preußischen Sozialdemokratie dauern im Kalender der proletarischen Internationale: An diesen beiden Tagen hat sich das klassenbewußte Proletariat der preußischen Hauptstadt mit kühnem Griff das Recht auf die Straße genommen, das ihm von den Herrschenden mit dem Polizeisäbel streitig gemacht wurde. Hunderttausend entrechtete Proletarier haben in gewaltigen Straßendemonstrationen der Regierung der Junker die Antwort auf die brutale Wahl- rechtsverweigerunggegeben— derHeerschauvom26. November sind in rascher Folge zwei wichtige Vorstöße des preußischen Proletarierheeres gefolgt, das auf den Ruf des preußischen Parteitags aufstand zum Wahlrechtskampf. Am 10. Januar sollte die Erklärung zum freisinnigen Wahlrechtsantrag im preußischen Abgeordnetenhaus erfolgen. Am Abend deS 9. Januar erhob das Volk der Entrechteten in vielen Hunderten von Versammlungen im ganzen Staate noch einmal laut seine Forderung nach dem gleichen Recht, auf Befreiung aus unwürdiger Helotenstellung. Telegramme aus allen Teilen des Landes, aus jeder dieser Versammlungen, gaben den Dreiklassenvertretern und dem Ministerpräsidenten Kunde von der Stimmung und von dem Willen der klassenbewußten Proletarier Preußens. Und am Mittag zogen an zehntausend Proletarier und Proletarierinnen vor die Zwingburg Preußens, vor das Haus der Dreiklassenvertretung, und begrüßten die Abgeordneten und die Minister mit donnernden Rufen nach dem gleichen Wahlrecht, mit dem Gesang der Marseillaise und anderer Kampflieder. Als die allmählich verstärkte Polizei an die Räumung der Prinz- Albrecht-Straße ging, konnten sich die Demonstranten in ruhiger Haltung zurückziehen— ihr Werk war getan. Drinnen aber, im Sitzungssaal der sogenannten Volksvertretung, bemühte man sich auf allen Seiten, recht ostentativ zu zeigen, daß man pfeife auf die Empörung des Volkes, die sich draußen vor den Mauern des Hauses kundgab. Demonstrationen des Volkes sind Luft für uns, erklärten Bülow und die Redner der Junker; der Sprecher der„wahl- reformfreundlichen" Zentrumspartei konnte nicht umhin, die Demonstrationen zu bedauern, und die Redner des Freisinns hüteten sich, sie als Argument in ihren Ausführungen anzubringen— der Volksparteiler Fischbeck war so geschmackvoll, in dieser Situation durch Angriffe auf die Sozialdemokratie die brave Gesinnung des Freisinns zu unterstreichen. In einer Situation, die eine unmwundene Kriegserklärung an die Regierung gefordert hätte, sofern dem Freisinn sein Wahlrechtsantrag mehr war als eine seufzend erfüllte unangenehme Pflicht. Denn die Erklärung Bülows auf den freisinnigen Antrag war eine runde, rücksichtslose Absage, war eine direkte Verhöhnung der freisinnigen Antragsteller und vor allen Dingen eine brutale Kriegserklärung an das preußische Proletariat, das die Aufhebung seiner Entrechtung im Staate fordert. Doch statt aufzubegehren, leckte der Freisinn hündisch den Kürassierstiefel, der ihm den Tritt versetzt hatte. Die Rede Fischbecks ist eine Musterleistung in schamlosester Selbstentwürdigung. Der Verrat des Freisinns an der Wahlreformforderung, durch seine jämmerliche Haltung im Sommer langer Hand vorbereitet, ist vollkommen geworden. Bülow wußte, was er diesen Vertretern angeblich freiheitlich gesinnten deutschen Bürgertums bieten durfte. Er kann nach wie vor auf die Blockdienste des Freisinns rechnen— der Lakai denkt nicht daran, wegen schlechter Behandlung das Dienstverhältnis zu kündigen. Eine kombinierte Fraktionssitzung der drei linksliberalen Parteien beschloß am Sonnabend pomphaft, den Kampf um die Wahlreform— im Abgeordnetenhaus fortzusetzen. Das heißt dort, wo der Freisinn wegen seiner geringen Zahl der Regierung nicht einmal unbequem werden kann. Nicht aber will er den Kampf dort aufnehmen, wo seine Opposition den Tod des Blocks, den Zerfall der Bülowschen Mehrheit bedeuten würde, nämlich im Reichstag. Und vor allen Dingen nicht dort, wo die Entscheidung liegt— im Volke, im Lande. Dieser Freisinn ist wirklich nicht schlechter behandelt worden, als er verdient. Die Antwort des Volkes auf die Kriegserklärung der Regierung konnte im preußischen Rumpfparlament nicht gegeben werden. Sie erfolgte am Sonntag in Massenversammlungen und Straßendemonstrationen des Proletariats im ganzen Lande, ganz besonders aber in gewaltigen Demonstrationszügen in den Straßen der Landeshauptstadt. Die siedende Erbitterung trieb die Proletarier Berlins aus den Versammlungen auf die Straße; weder die Verwarnungen des Polizeipräsidenten, der den Arbeitern das Recht absprach, das er den begeisterten Ordnungsleuten am 25. Januar und 5. Februar des Vorjahrs gerne zugestanden hatte, noch die drohenden Polizeisäbel haben sie abgehalten, ihren Willen durchzusetzen. Sie haben die Straße erobert. Wohl an hunderttausend Männer und Frauen sind unter donnernden Hochrufen auf das gleiche Wahlrecht, unter Pfuirufen gegen Bülow, unter dem Gesang der Arbeiterkampflieder durch die Straßen gezogen und haben Zeugnis abgelegt für die feste Entschlossenheit der preußischen Arbeiterklasse, die Dreiklassenschmach abzuschütteln. Auf der stolzen Triumphstraße der HohenzoUern, Unter den Linden, unweit des von Reisigen stark bewachten Käiserschlosses, ist die Arbeitermarseillaise brausend erklungen, auf dem Neuen Markt und an vielen anderen Stellen wurde das Bürgertum auS satter Nachmittagsruhe aufgeschreckt durch den Massentritt und die mächtigen Kundgebungen vieler Zehntausender. Die Bluttaufe hat nicht gefehlt. An mehreren Stellen hat der Polizeisäbel wild gehaust. Der staatsretlerische Eifer einiger Polizeioffiziere hat sich in sinnlosem Dreinhauen auf friedliche Demonstranten bekundet, die in ernster, würdiger Haltung ihres Weges zogen, und die als Unbewaffnete natürlich keinerlei Händel mit der bewaffneten Macht suchten. Wo die Polizeioberen nicht übermäßig nervös waren, sind denn auch Zusammenstöße so gut wie völlig vermieden worden— einige dieser Herren aber sahen ihre Aufgabe darin, blutige Köpfe zu machen, und so ließ zum Beispiel an der Eertraudtenbrücke ein Polizeihauptmann in sinnloser Weise seine Mannschaft auf einen mehrere tausend Köpfe starken Zug einHauen, der vor der absperrenden Schutzmannskette in geordnetster Weise umgeschwenkt war und den Weg, den er gekommen, bereits wieder zurückzog. Zahlreiche Männer und Frauen sind dort mehr oder minder schwer durch Hieb- und Stichwunden, durch Faustschläge und Fußtritte verletzt worden— noch auf am Boden liegende Personen ohne Unterschied des Geschlechts haben die Polizisten eingeschlagen—, der Straßendamm war nacy vollbrachter Heldentat wie besät mit Männer- und Frauenhüten, mit Stöcken, Schirmen, Muffen, Gummischuhen und anderem mehr. Die Zahl der Verwundeten an dieser einen Stelle wird von Augenzeugen auf etwa vierzig geschätzt— wie groß die Gesamtzahl der Verletzten und der Verhafteten ist, das steht zurzeit noch nicht fest. Aber sicher ist, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht sind. Das Proletarierblut, das am Sonntag das Straßenpflaster Berlins gefärbt hat, wird die Empörung des preußischen Proletariats gewaltig steigern, und diese Empörung wird den Wahlrechtskampf und alle Aktionen der Arbeiterklasse durchglühen und den Willen festigen, eine Ordnung zu stürzen, die das zweierlei Recht in blutigen Lettern auf die Leiber der Entrechteten schreibt! 8 16 Die Gleichheit Nr. 2 " Für den Unterverband sächsischer Konsumvereine ist am 1. Januar in Dresden ein Sekretariat mit einem befoldeten Beamten eröffnet worden. Ein sehr erfreuliches Zeichen der regsamen Arbeit unserer vollen Kämpfen den Behnstundentag, zum Teil sogar schon modernen Konsumvereinsbewegung in Deutschland sein. Der Genossinnen war die starke Beteiligung der Frauen an den fürzere Arbeitszeiten errungen, als ihnen die durchlöcherte Zentralverband hat darin für seine Verlagsanstalt eine beiden Demonstrationen. Tapfer haben die Proletarierinnen Gewerbeordnungsbestimmung bietet. eigene, modern ausgestattete Druckerei eingerichtet, die bereits ihre Pflicht getan ihnen gebührt ein voller Anteil an In der niederrheinischen Textilindustrie ist in Betrieb genommen worden ist. Dort wird auch das dem Verdienst um das Gelingen der Kundgebungen. Durch der Kampf, der kurz vor Weihnachten unter Beteiligung von Genossenschaftliche Volksblatt" hergestellt, das an ihre Teilnahme haben diese Frauen den Herrschenden deutlich zirka 13000 Personen ausbrach, beendet. Wie verlautet, die Stelle des vor fünf Jahren geschaffenen„ Frauengezeigt, daß die Forderung des Frauenwahlrechtes stetig hatten die Gewerkschaftsführer angesichts der nicht gerade genossenschaftsblatts" tritt und in einer Auflage von 200000 größer werdenden Resonanzboden im Proletariat und be- günstigen Geschäftslage von einem Ausstand abgeraten. Die Exemplaren zum ersten Male erschienen ist. Das Volksblatt sonders auch in seiner weiblichen Hälfte findet. Den Ministern Arbeiter und Arbeiterinnen beschlossen aber diesem Rate ent- soll eine ausgesprochene Propagandazeitung werden, bestimmt und Abgeordneten ist am 10. Januar auch der Ruf nach gegen, den Kampf doch aufzunehmen. Die Unternehmer zur Förderung der Genossenschaftsbewegung und zur Aufdem Frauenwahlrecht laut ans Ohr gedrungen. waren inzwischen übereingekommen, infolge des Stilliegens flärung der Mitglieder, an die es auf Kosten der Vereine Fast muß der Chronist sich scheuen, nach diesem stolzen der Appreturen und Färbereien vom 6. Januar ab die täg umsonst abgegeben wird. Abschnitt aus dem großen Kampf des Proletariats jenen liche Arbeitszeit auf vier Stunden zu beschränken; auf drinAusschnitt aus dem Streit der Kamarillen zu erwähnen, der gende Vorstellung des Oberbürgermeisters hin beschlossen sie der Prozeß Harden ist. Am dritten Tag des neuen Jahres aber, am 7. Januar die Aussperrung versuchsweise aufzuist die Straffammerverhandlung in Moabit zu Ende ge- heben und in sämtlichen Fabriken, auch denen der Hilfs- Das Jahrbuch des Zentralverbandes deutscher gangen. Wie es der Oberstaatsanwalt gewollt, ist Harden industrie, den Betrieb aufzunehmen. Wenn die Arbeit jedoch Konsumvereine für 1907, herausgegeben vom Sekretär zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Zeugen und nicht von mindestens zwei Dritteln der Ausständigen auf- H. Kaufmann, ist in zwei Bänden vor einiger Zeit erschienen. Sachverständige ließen ihn im Stich, was in der ersten Ver- genommen würde, so sollte nach einigen Tagen die Aus- Auf beinahe 1400 Seiten sind alle wichtigeren Vorgänge der handlung weiß war, wurde diesmal schwarz, und umgekehrt, sperrung erneut in Kraft treten. Daraufhin kehrten die Aus- modernen Konsumvereinsbewegung registriert. Aber auch Graf Kuno v. Moltke wurde von jeder Spur homosexueller ständigen in großer Anzahl in die Betriebe zurück, nur die andere Genossenschaftsarten sowie die GenossenschaftsbeweBeranlagung frei befunden, und damit war der Kriminal- Seidenstoffweber leisteten energischen Widerstand. Sie waren gung des Auslandes sind ausführlich behandelt. Umfangprozeß entschieden. Wenn Harden dem Grafen nach diesem so erbittert, daß sie anfänglich trotz der Beschlüsse ihrer reiches Tabellenwert gibt Aufschluß über den geschäftlichen Ergebnis Genugtuung gegeben hätte, so wäre nichts dagegen Kollegen und entgegen dem Rate der Organisationsführer Stand einer jeden der zirka 900 Genossenschaften, die dem einzuwenden. Aber er tat mehr, er behauptete, nichts gesagt, die Arbeit nicht aufnehmen wollten. Die Stimmung war Bentralverband angehören. Das Wert enthält ferner im den Kläger gar nicht beleidigt zu haben. Er verscherzte durch derart, daß eine Resolution zustande kam, die den Ver zweiten Bande die Verhandlungsberichte aller Verbandstage diese über die Maßen jämmerliche Haltung auch die wenigen bandsvertretern ein Mißtrauensvotum erteilte. Ihnen wurde und ist so ein unentbehrliches Handbuch über die KonsumSympathien, die ihm als einem Verfolgten gebührt hätten, die Schuld an dem Scheitern der Bewegung zugeschoben, vereinsbewegung. Diesen Charakter sollte der Herausgeber gegen den die Staatsanwaltschaft plößlich auf höheren Beweil sie durch ihr Verhalten die anfängliche Verweige- nicht durch Aufnahme polemischer Auseinandersetzungen befehl vorgegangen war. Ja, dieser„ Retter des Vaterlandes" rung der Unterstützung, die aber später zurückgezogen einträchtigen. Sie gehören nicht in ein solches Nachschlagegab schließlich alle seine politischen Positionen in diesem wurde den Unternehmern den Rücken gesteift haben und Quellenwerk. mit Millionen- Umsätzen. über 2 Millionen Mart Umsat hatten 15 Vereine: Breslau 16933451 Mt., Leipzig- Plagwik 13092 082 Mt., Stuttgart 7295 565 Mt., Dresden ,, Borwärts" 6679 100 Mt., Hamburg Neue Ges." 5887386 Mt., Magdeburg- Neustadt 4514710 Mt., Görlitz 4366507 Mt., Chemnit 3490730 Mt., Hamburg Produktion" 3322989 Mt., Halle a. G. 2712398 Mt., Mülheim a. Rhein 2637799 Mt., ZwickauSchedewig 2632801 Mt., Barmen Vorwärts" 2307520 mt., Bielefeld 2069689 Mt., Braunschweig 2054689 Mt. Diefe Vereine gehören fast alle dem Zentralverband an. " 1 e Prozeß auf, nämlich seine Behauptungen über die Kamarilla sollen. Zu bedauern wäre es, wenn aus dieser Dissonanz Der früher schon erörterte Rampf der Konsumvereine Eulenburg, um seine Freiheit zu retten. Vergebens die zwischen Führern und Arbeitern der Organisation Schaden gegen den sogenannten Martenartikelverband( Fabriim ersten Prozeß arg bloßgestellte monarchische Staatsform erwüchse. Die Arbeiter und Arbeiterinnen dürfen sich von fantenorganisation) geht weiter, der Sieg neigt aber mehr und die nicht minder kompromittierten„ Edelsten und Besten solchen Mißstimmungen- seien sie berechtigt oder unberechtigt und mehr auf die Seite der Konsumenten. Eine Anzahl beder Nation" heischten ein Sühneopfer, und die deutsche Justiz nie zu Schritten verleiten laffen, die ihre Sache schädigen. deutender Firmen haben bereits kapituliert und sind aus verschaffte es ihnen. Der Umschwung zwischen erster und Die Bewegung scheint uns schon von vornherein nicht gut dem Verband getreten. Die Gewerkschaften und die Parteizweiter Verhandlung ist sehr bezeichnend für die deutschen vorbereitet gewesen zu sein. Es ist jetzt Aufgabe der Nieder- presse sind in diesem Kampf mehr oder weniger energisch für Zustände. Für die in kaiserliche Ungnade Gefallenen regte gerungenen, die richtige Lehre daraus zu ziehen, das heißt die Konsumvereine eingetreten. Wenn man aber der Parteifich tein Staatsanwalt. Aber als der Standal an mehr erst recht an der Organisation festzuhalten und sie energisch presse zumutet, sie solle teine Inferate mehr von den Markenrührte, als an die Personen der Liebenberger Tafelrunde, weiter zu fräftigen.- Die Unternehmer der sächsisch- artifelfabriten aufnehmen, so ist das doch entschieden zuviel als die Herrschenden insgesamt getroffen schienen, da wan- thüringischen Webereien beharren auf ihrem Progen- verlangt. Eine gewisse Neutraliät des Inseratenteiles sollte delte sich die Szene plöglich, und die Staatsanwaltschaft ent- standpunkt und weigern sich, mit den Arbeitern über ihre unseres Grachtens gewahrt werden. deckte das bis dahin vermißte öffentliche Interesse an der Forderungen zu unterhandeln. Versammlungen des Reichen- Im Jahre 1906 gab es in Deutschland 45 Konsumvereine Sache. Und eifrig bemühte sich dann der Oberstaatsanwalt bach- Greiz- Geraer Bezirkes werden über einen eventuellen Isenbiel, nicht bloß die Unschuld Moltkes, sondern auch die Streit Beschluß fassen. des Fürsten Eulenburg zu erweisen. Es sollten alte Ent- In der Holzindustrie sollte die Einführung eines hüllungen des ersten Hardenprozesses zunichte gemacht, aus Einheitstarifes angebahnt werden. Zu diesem Zwecke war dem Gedächtnis des deutschen Volkes ausgelöscht werden, für den 24. d. Mts. eine gemeinsame Sizung von Vertretern um den alten Respekt vor den Herrschenden wieder in ganzer der Unternehmern und der Arbeiter in Leipzig anberaumt Reinheit herzustellen. An zahlreichen Blättern der liberalen worden. Der Arbeitgeberverband hat in einem an seine Bresse hat der Oberstaatsanwalt denn auch gelehrige Nach- Ortsvereine gerichteten Schreiben die Anweisung gegeben, beter gefunden. Ernsthafte Leute, vor allem die Proletarier, allerorts die Verträge zum Frühjahr zu fündigen. In dem werden sich indes nicht einreden lassen, daß die gleichzeitige Schriftstück wurde zugleich ausgeführt, daß die nach Leipzig Feststellung, Graf Moltke sei nicht homosexuell, seine einstige einberufene Sigung jedenfalls nicht stattfinden könne, denn Die Krämerpresse schwafelt von einem großen Krach im Gattin dagegen hysterisch, auch zugleich beweise, daß im in Stuttgart hätten die Holzarbeiter für die Unternehmer Ronsumverein zu Offenbach a. M. Von dem ganzen Gerede Deutschen Reiche und in der Schicht der Herrschenden alles unannehmbare Forderungen gestellt, und es werde infolge ist nur Tatsache, daß dieser Verein infolge falscher geschäftin bester Drdnung fei. Die Schäden am deutschen Reichs- dessen wahrscheinlich zum Streit fommen. Um der Unter- licher Dispositionen Verluste hatte, so daß für das verflossene organismus und am Leibe der edelsten Klasse, die der Schöffen- nehmerschaft jeden Vorwand zum Abbruch der Verhand- Geschäftsjahr keine Rückvergütung gewährt werden kann. gerichtsprozeß bloßgelegt hat, bestehen und werden durch die lungen zu nehmen, haben die Stuttgarter Holzarbeiter im Eine Unterbilanz ist jedoch nicht vorhanden, und entsprechende Verurteilung Hardens nicht etwa als Phantasien erwiesen. Interesse ihrer gesamten Kollegen von ihren Forderungen Anderungen in der Verwaltung lassen erwarten, daß bald Fast gleichzeitig mit dem Urteil wider Harden wurde in Abstand genommen. wieder normale Verhältnisse eintreten werden. Die MittelKönigsberg ein anderes gegen einen Sozialdemokraten ge- Die Leipziger Buchhandlungsgehilfen versuchten auf standstämpen sollten lieber vor ihrer eigenen Tür tehren. fällt. Der Genoffe Marchwald von der Königsberger Volks- dem Wege des passiven Widerstandes", eines neuen, unseres Die Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Rolonialwarenhändler zeitung wurde zu der drakonischen Strafe von 1 Jahr Wissens von deutschen Gewerkschaften noch nie benutten in Hamburg hat auf einer außerordentlichen GeneralversammGefängnis verurteilt. In einem Artikel über ein National- Kampfmittels eine Lohnforderung durchzudrücken. Sie ver- lung ihre Liquidation beschlossen. Diese Genossenschaft wurde denkmal" zu Memel hat er die historische Wahrheit über die langten einen Mindestgehalt von 110 mt. pro Monat, der im Jahre 1904 gegründet, bezeichnenderweise von einem Königin Luise gesagt. Durch diese Charakteristik der Ur- fich bis zum 25. Lebensjahr auf 150 Mt. erhöhen sollte; Herrn, der vorher vergeblich versucht hatte, die Konsumgroßmutter des Kaisers soll er den Kaiser beleidigt haben. ferner eine sofortige allgemeine Gehaltserhöhung um 15 Pro- vereine mit einer Großeinkaufsgesellschaft nach seinem Plane Denn die Strafe ist verhängt wegen Majestätsbeleidigung zent, neunstündige Geschäftszeit einschließlich einhalbstündiger zu beglücken. Nun half er den Kleinhändlern. und Beleidigung des Denkmalskomitees. Mit wenigen Aus Frühstückszeit, Überzeitbezahlung, Urlaubsgewährung und In Dresden hält die Stadtregierung an dem Plane nahmen geht die liberale Presse an dieser ungeheuerlichen Sicherung des Koalitionsrechts. Die Bewegung scheint er- fest, eine Umsa 3 steuer einzuführen. Seit zehn Jahren Ausweitung des Majestätsbeleidigungsbegriffs und an der folglos beendet zu sein, was bei der Zerfahrenheit in den arbeitet sie nun schon in dieser Richtung. Die Oberbehörde ungeheuerlichen Strafe schweigend vorüber. Und das in der Organisationsverhältnissen der Handlungsgehilfen nicht hatte aber der vor zwei Jahren beschlossenen Steuer aus Ara der Reform des Majestätsbeleidigungsparagraphens! wundernehmen kann. verschiedenen Gründen die Genehmigung versagt. Nun hat i man die Vorlage entsprechend umgearbeitet, und die StadtGewerkschaftliche Rundschau. verordneten werden sich in nächster Zeit mit ihr zu bes schäftigen haben. Die vier Dresdener Konsumvereine würden " Spät kommt ihr, doch ihr kommt," könnte man den schwer davon betroffen. Sie zählen nach den letzten JahresHerren von der Regierung zurufen, die nun endlich nach berichten zusammen reichlich 40000 Mitglieder und würden langen„ Erhebungen" und" Erwägungen" mit einem Zalmi nach dem allein im Stadtgebiet erzielten Erlös ca. 150 000 Zehnstundentag für die Arbeiterinnen Deutsch- Der Verband der Gastwirtsgehilfen blickte am Mark Umsatzsteuer zu zahlen haben!! Gine Kopfsteuer von lands gekommen sind. Was lange währt, scheint nicht immer 1. Januar auf ein zehnjähriges Bestehen zurück. Der Mit fast 4 Mt. pro Mitglied! Und dabei zahlten diese vier gut zu werden. Es wurde wohl allgemein erwartet, daß, gliederstand betrug anfänglich 915, das Jahr 1907 schließt Vereine im letzten Jahre bereits 99000 Mt. direkte Staatswenn der Zehnstundentag für Arbeiterinnen einmal gesetz mit 7000 Mitgliedern ab. Hierzu kommen noch 500 Mit- und Gemeindesteuern. Es gehört die ganze Rücksichtslosig- 1 lich festgelegt würde, dies ohne Zulassung von Ausnahmen glieder des Verbandes der Kaffeehausangestellten. In feit und Borniertheit der Mittelstandspolitiker dazu, dergeschehen müsse. Heute schon tennt die Gewerbeordnung vier Jahresfrist wird die Organisation durch den erhofften Zu- artiges ernsthaft zu wollen. Im Oldenburger Landtag Kategorien von Fällen, in denen der bestehende elfstündige sammenschluß mit dem Hoteldiener- Verband um 3000 Mit hat es fürzlich eine Konsumvereinsdebatte gegeben. Die Marimalarbeitstag der Fabritarbeiterinnen überschritten wer- glieder gewachsen sein. Handels- und Gewerbekammer forderte eine Beihilfe von 5000 Mt. aus Staatsmitteln. Diese Summe soll besonders zur Besoldung von Wanderrednern dienen, die im Interesse der Krämer und der Rabattsparvereine umherreisen und auf die Konsumvereine räſonieren. Selbstverständlich waren #die vier Sozialdemokraten mit einer derartigen Verwendung der Staatsmittel nicht einverstanden und opponierten dagegen. Genügt hat es freilich nichts, denn die Summe wurde von sämtlichen bürgerlichen Vertretern anstandslos bewilligt. H. Fl. H. B. Die Zentralkommission der Tabatarbeiter ruft alle organisierten wie nichtorganisierten Kollegen und Kolleginnen auf, Stellung zu nehmen zu der in Aussicht stehenden Neubelastung des Tabaks. In allen Orten sollen Kommissionen gebildet werden, die Gelder sammeln und für eine kräftige Organisation agitatorisch wirken. Genossenschaftliche Rundschau. den darf. Die neue Novelle aber läßt gegenüber dem Zehn- Im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe wird stundentag noch mehr Ausnahmen zu. Ferner dehnt sie ihren die Gründung eines Industrieverbandes angestrebt, der die Schutz nicht einmal auf alle Arbeiterinnen aus, sondern sie Zentralverbände der Bäcker, Fleischer, Konditoren, Müller erstreckt ihre Bestimmungen nur auf Betriebe, in denen und Brauereiarbeiter umfassen soll. Die starke Roalition mindestens zehn Arbeiterinnen beschäftigt werden. Von der Unternehmer hat die Anregung dazu gegeben. einem erweiterten Schuhe für Schwangere und Jugendliche, von der Freigabe des Sonnabendnachmittags ist nichts zu finden. Es bestätigt sich, was wir an dieser Stelle schon einigemal bemerkt haben, nämlich, daß beim Erscheinen der Der Zentralverband deutscher Konsumvereine lange in Aussicht gestellten neuen Arbeiterinnenschutz ist mit einigen bemerkenswerten Neuerungen in das Jahr bestimmungen diese bereits durch die Errungenschaften der 1908 eingetreten. In Hamburg wurde von der GroßGewerkschaften zum größten Teile überholt sein würden. einkaufsgesellschaft- direkt neben dem GewerkschaftshausNur für wenige Arbeiterinnen wird das vorliegende Gesetz ein eigenes Genossenschaftsgebäude errichtet, das insgesamt, wirklich eine soziale Wohltat bedeuten. Die meisten von einschließlich der inneren Einrichtung, zirka 750000 Mart In der letzten Mitgliederversammlung des Vereins ihnen haben mit Hilfe ihrer Gewerkschaften in aufopferungs- kostet. Dieses Haus wird von jezt ab die Zentrale der der Dienstmädchen, Wasch- und Scheuerfrauen von Notizenteil. Dienstbotenfrage.g t C 9 I s 11 11 9 1 S 1 1 t Nr. 2 Die Gleichheit 17 e 80 כ t t e C • C = = Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Hamburg und Umgebung erstattete die Vorsitzende, Ge- voll zu entwickeln und sich auf ihren Mutterberuf vor- völlig gleichgültig."( Der Sperrdruck einzelner Worte nach nossin Kähler, den Bericht von der Außerordentlichen zubereiten. Und angesichts dieser Tatsache wie all der Er- dem Original). Kommentar zu dieser Erklärung überflüssig. Frauenkonferenz, die am 19. November 1907 in Berlin ge- scheinungen, welche mit der kapitalistischen Ausbeutung der Es genügt, sie in Zusammenhang mit der obigen Resotagt hat. In die Kommission, welche über die Zentralisierung Frauenarbeit überhaupt zusammenhängen, plärren die be- lution tiefer zu hängen, um das Wie und das Warum der Dienstbotenvereine Deutschlands zu beraten hat, wurde rufensten Stützen und Verteidiger der heutigen Ordnung das ber Haltung zu kennzeichnen, welche die Liberale FrauenGenosfion Ziet gewählt. Genoffin Kähler teilte mit, daß Sprüchlein herunter, daß die Frau durch göttliches, fitt- partei in der Praxis zum allgemeinen Wahlrecht einnimmt. fie in die Kartellfommission gewählt worden und dadurch liches und natürliches Gebot ausschließlich für die Aufgaben Die Einführung des Franenkommunalwahlrechts von nun an in der Lage sei, die Dienstbotenbewegung noch der Mutterschaft bestimmt sei. Den proletarischen Frauen in Dänemark scheint einige Aussicht zu haben. Schon vor mehr zu fördern. Mehrere Hausangestellte ließen sich in den predigen die Zahlen, welche die zunehmende Einbeziehung Jahren hat das Folkething, die Zweite Kammer, die auf Verein aufnehmen. Auf Wunsch der Mitglieder wird am des weiblichen Geschlechts in die Industrie melden, schärfsten Grund des allgemeinen, gleichen Wahlrechts für Männer 9. Februar in sämtlichen Räumen des Gewerkschaftshauses Rampf. Schärfsten Kampf für einen wirksamen gesetzlichen über 30 Jahre gewählt wird, einen Regierungsentwurf ane ein Rostümfest stattfinden. Die Hamburger Dienstbotenorgani- Arbeiterinnenschutz; schärfsten Kampf auch für die Eroberung genommen, der für Männer und Frauen das allgemeine sation schreitet tapfer vorwärts. Berta Mangels. vollen Bürgerrechts. Die Frau, die reif" ist, sich wie der und gleiche Gemeindewahlrecht bringen soll. Der Entwurf Stellenvermittlung für Dienstboten in Berlin. So- Mann von tapitalistischer Raffgier auswuchern zu lassen, ist fonnte jedoch bis jetzt nicht Gesetzestraft erlangen, da das eben, im Januar 1908, gibt der Zentralverein für reif, wie er mittels politischer Rechte gegen die kapitalistische Landesthing ihm nicht zustimmte. Das Landesthing ist die Arbeitsnachweis zu Berlin feinen Geschäftsbericht Raffgier zu kämpfen. Erste Kammer, deren Mitglieder durch ein Zweiklassenwahlheraus für das Jahr 1906. In dem 9 Abteilungen umrecht gewählt werden. 1905 erklärte es sich mit 30 Stimmen fassenden Arbeitsnachweis für weibliche Personen( inbei 24 Stimmenthaltungen für die Beibehaltung des Zweis flusive je eine Zweigstelle in Rummelsburg und Reinickenflassenwahlrechts und des Steuerzensus von 1000 Mt. in dorf) wurden 15 182 Stellen besetzt, denen 19 137 Arbeits- I. K. Der Fortschritt der sozialistischen Frauenbewe- Kopenhagen. Nach einem Telegramm ist nun im Ausschuß gefuche und 24 758 offene Stellen gegenüberstehen. Davon gung in Böhmen tritt darin zutage, daß vom 1. Januar des Landesthings ein übereinkommen zwischen Freikonserentfallen auf die Dienstbotenvermittlung allein 3629 dieses Jahres an die„ Zensky List"( Frauenblatt), das Organ vativen, Gemäßigtliberalen und Regierungsliberalen erfolgt, offene Stellen, 1047 Stellengesuche und 803 besetzte Stellen. der tschechischen Genossinnen, allwöchentlich erscheint. Der welches die Einführung des allgemeinen und gleichen Die Vermittlung für die Dienstboten ist unentgeltlich, während Abonnementspreis beträgt für das halbe Jahr 1 Krone Kommunalwahlrechts zu sichern scheint. Damit wäre denn alle anderen Arbeiterinnen eine sogenannte Einschreibe- 56 Heller, für das ganze Jahr 3 Kronen 12 Heller. Die auch die Einführung des Frauenwahlrechts und des Wahlgebühr von 20 Pf. zu zahlen haben. Hausfrauen müssen Genossinnen erwarten, daß das öftere Erscheinen des Blattes rechts für das Gesinde" zu den Gemeindevertretungen in entweder Mitglied des Zentralvereins sein oder nach zu seiner Verbreitung in weiteren Kreisen förderlich sein und greifbare Nähe gerückt. Das übereinkommen soll übrigens stande gekommener Vermittlung eine Gebühr von 2 bis dadurch die proletarische Frauenbewegung fördern wird. die Zustimmung zu dem allgemeinen und gleichen Wahl3 Mt. zahlen. Seit dem 1. Oktober 1907 hat der Zentral- I. K. Erfolge der sozialistischen Frauenbewegung in recht von der Verböserung durch allerhand reaktionäre Beverein für Arbeitsnachweis in Berlin eine zweite Vermitt- Holland find zu melden, ebenso eine fräftigere Unterstützung ſtimmungen abhängig machen, wie lange Seßhaftigkeit in der lungsstelle für Dienstboten in der Linkstraße, im west berselben seitens der Genossen. Das Organ des sozialdemo- Gemeinde, lange Verwaltungsperioden der gewählten Ge lichen Zentrum, eröffnet. Der Zentralverein erhält von der fratischen Frauenbundes, die„ Proletarische Brouw", erscheint meindevertreter, Vorzugsrecht der Höchstbesteuerten in den Stadt Berlin einen jährlichen Zuschuß von 55 000 Mt., wo- jezt alle 14 Tage in größerem Format, es fann daher, wirk- Landgemeinden, Beschränkung des Selbstverwaltungsrechts von allein 10 000 Mt. für den Dienstbotennachweis bestimmt samer an der Aufklärung des weiblichen Proletariats ar der Gemeinden. find. Den Anschauungen entsprechend, die im Vorstand des beiten. Monatlich einmal wird im Set Volt", dem ZentralZentralvereins herrschen, wurde unsere Forderung abgelehnt, organ der sozialdemokratischen Partei, den Genoffinnen den von uns propagierten Vertrag in den Bureaus der Raum für Berichte über den Stand der proletarischen Frauen- Für den Agitationsfonds der Genossinnen gingen Dienstbotenvermittlungsstellen aufzulegen. Es ist zu hoffen, bewegung zur Verfügung gestellt. Außerdem fönnen diese im Monat Ottober ein: aus Altwasser durch Genossin daß der Berliner Verein für Hausangestellte in Kürze im Zentralorgan natürlich Artikel über Fragen veröffent- Sporer 17 M.; Altenessen durch Genofsin Schildeinen eigenen Stellennachweis einrichten wird, um durch ihn lichen, welche die Intereffen der Frauen besonders berühren. tamp 11,30 M.; Berlin freiwillige Beiträge 4,80 mt., den Vertrag zu propagieren und die Organisation zu stärken, I. K. Zur Pflege internationaler Beziehungen zwischen II. Kreis 52 Mt., V. 5 Mt.; Breslau durch Genossin wie es ja in Hamburg und anderen Städten bereits ge- den englischen Sozialistinnen und den Genossinnen Rauschenfels 20 Prozent von freiwilligen Beiträgen schehen ist. M. W. anderer Länder hat sich in London als Frucht der Inter- 52,20 Mt.; Erlangen durch Genossin Ruppenstein nationalen Frauenkonferenz zu Stuttgart ein„ Sozia 18,20 Mt.; Dessau durch Genossin Trenthorst Prozente Frauenarbeit auf dem Gebiet der Industrie, des Handels- listisches Frauenkomitee" konstituiert. Vertreterinnen vom dritten Quartal 14,66 M.; Finsterwalde durch und Verkehrswesens. des Frauenkomitees der Sozialdemokratischen Föderation, Genoffin Rät 5 M.; Frankfurt a. D. durch Genossin der Gesellschaft der Fabier und der Liga für das allgemeine ange 5 Mt.; Fürth durch Genofsin Baat 4,22 Mt.; Wahlrecht aller Großjährigen gehören ihm an. Genossin Fellhammer durch Genoffin Herzig 4,39 Mt.; Geras Dora Montefiore ist die Berichterstatterin des Romitees, Debschwitz durch Genoffin Roedel Prozente 7,70 Mt.; Genossin Klara Hendin Schriftführerin. Hannover durch Genossin Wittstrud 50 Mt.; Heeren bei Ramen 20 Prozent 7,50 Mt.; Hohndorf durch Ge noffin Straubel 6 Mt.; Regin 20 Prozent durch Genossin Krumnow 2,72 Mt.; Leipzig durch Genossin Frenzel 5,30 mt.; Mülheim( Ruhr) durch Genossin Rämmerling 7 M.; Offenburg Ungenannt 8 Mt.; Gräfenau i. Thür. durch Genossin Hoppe 5,20 M.; Roth bei Nürnberg 20 Prozent durch Genoffin Ney 1,54 Mt.; Schwiebus durch Genossin Berchner 15 Mt.; Thorn- Moder durch Genossin Roth 3 Mt.; Trebnih durch Genofsin Heine 12 Mt.; Weißenfels durch Genoffin Menge 40 Mt.; Wunsiedel durch Genossen Domisch drittes Quartal 1,99 Mt.; Zerbst durch Genofsin& räßdorf 7,52 Mt. Summa 374,24 Mr. Eine weitere Zunahme der Zahl der bentschen Fabrikarbeiterinnen weist die Statistit für 1906 nach. 1906 wurden im Deutschen Reiche 1245 843 Fabrikarbeite rinnen gezählt gegen 1180 899 im Vorjahr. Die Zunahme ist mit 64 949 eine stärkere gewesen als im Jahre 1905, wo fie nur 61 176 betragen hatte. Die folgenden Ziffern lassen erkennen, daß alle Altersklassen von Arbeiterinnen an der Zunahme in den letzten drei Jahren beteiligt find, über welche genaue Angaben vorliegen. In der deutschen Fabrikindustrie waren beschäftigt: Arbeiterinnen 1904 über 21 Jahre alt. 608 950 von 16 bis 21 Jahren 379 179 127 484 4 100 1905 633 918 406 829 135 673 4474 1180 894 von 14 bis 16 Jahren unter 14 Jahren.. insgesamt 1119 713 1906 668 820 426 200 145 325 4619 1244 964 Da für 879 Arbeiterinnen im Herzogtum Braunschweig die Altersstufen nicht angegeben wurden, sind sie in der vorstehenden Gesamtziffer für 1906 nicht einbegriffen, die sich mit hin auf 1245 848 erhöht. Besonders lehrreich ist ein Vergleich, in welchem Verhältnis die verschiedenen Altersstufen weiblicher Arbeitskräfte eine steigende Verwendung gefunden haben. Es erhellt das aus diefer Tabelle: Sunahme in 1906 gegen 1904 absolut. . . . Arbeiterinnen über 16 bis 21 14 bts 16 unter unter ins 21 Jahre Jahre Jahre 14Jahre 16 Jahr. gefamt 58 870 47 021 17 841 519 18 360 125 251 Frauenstimmrecht. Quittung. Im Monat November gingen ein: Berlin Fräulein Arndt 1 Mt., proletarische Handlungsgehilfen 2 Mt., freiwillige Beiträge 7,40 Mt., Verband der Hausdiener 2,70 mt., V. Kreis durch Genossin Nürnberg 50 Prozent 25 Mt., VI. Kreis durch Genoffin Wulff 60 Mt.; Biebrich durch Genoffin Haupt 19 Mt.; Braunschweig durch Genossin Jürgens 20 M.; Göln a. Rh. durch Genoffin Bartels 30 Mt.; Coswig i. Anh. 20 Prozent 10 Mt.; Erakau bei Magdeburg durch Genoffin Töpel 10 M.; Dorts mund durch Genossin Ler 20 Mt.; Erlangen durch Genofsin Hüttner 6 M.; Eving durch Genossin Bolte Harburg Prozente 39,20 mt.; Hermsdorf durch Ge10 Mt.; Gelsenkirchen durch Genoffin Berg 32,50 Mt.; nossin Meyer 5 Mt.; Langendreer durch Genossin Stöter- Tillmann 2 Mt.; Mülheim( Ruhr) durch Genossin Kämmerling 10 Mt.; Nieder- Barnim Alte Schuld 10 Mt.; Reichenbach i. V. durch Genossin Dietrich 15 Mt.; Thale a. Harz durch Genossin Nodurft 10 Mt. Summa 346,80 mt. Eine Rundgebung der Zweideutigkeit und Schwäche gegen die preußische Dreiklaffenschmach liegt seitens der Liberalen Frauenpartei vor. Offenbar unter dem Eindruck der in Fluß gekommenen Boltsbewegung hat sie am 11. Januar in einer Versammlung diese Resolution angenommen: Die Liberale Frauenpartei bedauert aufs tiefste die Ablehnung der geheimen Wahl seitens der Staatsregierung, da nur durch diese Wahlform die Freiheit der Wahl für breite Schichten der Bevölkerung gesichert ist. Sie spricht ferner die Erwartung aus, daß bei der nunmehr geschaffenen Sachlage die Liberalen aller Richtungen sich zur Erhebung einbeitlicher, praktischer Forderungen verbinden, um endlich dem Arbeiterstand einen Anteil an der preußischen Volksvertretung zu erringen." Man beachte die starke Betonung, mit welcher die Resolution lediglich die Ablehnung des geheimen Wahlrechts bedauert, die Erhebung ein heitlicher, praktischer Forderungen verlangt, für welche die Liberalen aller Richtungen eintreten können. ( Die betreffenden Worte sind im Original der Resolution gesperrt.) Die Betonung verrät, was die Damen der Liberalen Frauenpartei in diesem Augenblick nicht offen zu sagen in Prozent 9,83 12,40 14,0 12,41 13,95 11,18 führung des allgemeinen Wahlrechts aller Großjährigen in wagten: daß sie gegen die vom Proletariat geheischte EinDie Verwendung von Arbeiterinnen der jüngsten Alters- Preußen sind. In diesem geschichtlichen Augenblick, wo es tlassen hat demnach in der Vergleichszeit relativ die größte gilt, die Rechtsansprüche aller politisch Entmündigten geltend Zunahme erfahren. Auch wenn man nicht übersieht, daß bei zu machen, begehren die Damen nicht mehr, als auch der fleinen Zahlen eine geringe absolute Zunahme schon eine schäbigste bürgerliche Liberalismus gewähren möchte. Dieser große relative Steigerung ergibt, bleibt diese Tatsache be aber will bekanntlich von einem allgemeinen gleichen Wahl merkenswert. Sie beleuchtet scharf den strupellosen Raub- recht der Männer ebensowenig wissen wie von einem allbau mit Menschenleben, den der Kapitalismus zu Nutz und gemeinen Frauenwahlrecht. Ist die Liberale Frauenpartei Jm Monat Dezember gingen ein: Berlin freiwillige Frommen seines Profits betreibt. Das Unternehmertum als Vertreterin der Interessen des weiblichen Geschlechts so Beiträge 7,70 Mt., durch Genoffin RIB. 50 Mt.; Bremen begnügt sich nicht damit, weibliche Kinder von 14 bis bescheiden geworden? Ach nein, sie ist vor allem als Ber- durch Genossin Bosse 15 Mt.; Frankfurt a. M. durch 16 Jahren auszubeuten und in steigender Bahl auszubeuten treterin bürgerlicher Klasseninteressen so reaktionär. Die Genoffin Rudolph 50 M.; Fraundorf durch Genofsin -1906 nicht weniger als 145 325- nein, es spannt sogar Seele diefer Frauenpartei ist Fräulein Lisch newsta, die Rudolph 12 Mt.; Gladbeck i. West f. durch Genossin Mädchen unter 14 Jahren zu Tausenden in wachsender Zahl verzückte Schwärmerin für Militarismus, Marinismus und Hoffmann 12,60 M.; Hagen durch Genossin Maleg in die Körper und Geist zerrüttende Tretmühle seiner Plus Kolonialpolitik. Und diese hat vor etlicher Zeit ihre Ab- 3,24 Mt.; Sockenheim durch Genoffin S. Menne 2,60 macherei. Und das im Lande, das sich seiner Sozialpolitik neigung, um nicht zu sagen ihre Gegnerschaft gegen die Ein Mark; Rahla( S.-A.) durch Genoffin M. Hofmann im allgemeinen und seines Kinderschuhgesetzes im besonderen führung des allgemeinen Wahlrechts in Preußen bekannt und 12 Mt. Prozente; Röppelsdorf durch Genossin Wicklein mit aufgeblasenen Backen rühmt. Bei der richtigen Würdi- auch den Grund dafür angegeben. In Nr. 23 der Frauen 11,70 Mt.; Magdeburg durch Genoffin Mahn 50 Mt.; gung dessen, was die angeführten Ziffern von der Raub- bewegung" vom 15. Dezember 1907 veröffentlicht Fräulein Lisch M.- Gladbach durch Genossin Panhuis 15 Mt.; Mühltiernatur des Kapitalismus lehren, vergesse man das eine nicht: newsta eine Berichtigung beziehungsweise Ergänzung" einer hausen i. Th. durch Genossin Fischer Prozente 10 mt.; unter den 426 200 Arbeiterinnen im Alter von 16 bis 21 Jahren Außerung, welche sie zur preußischen Wahlrechtsfrage in Mülheim( Ruhr) durch Genossin Kämmerling 10 Mt., befinden sich noch Hunderttausende halbreifer Mädchen, einer Versammlung getan hat. Sie schreibt:" Ich sagte, Ungenannt 6 M.; Nieder- Barnim durch Genossin die nicht viel anderes als Kinder sind, die der Schonung, daß es im Interesse des Staatsganzen wie auch in dem be- Neumann Prozente 30 Mt., auf einer Tour in Pommern Pflege und Erziehung bedürften. Es ist eine Gewissenlosig- fonderen Intereffe des Liberalismus läge, wenn die Ent gesammelt durch Genoffin Hoppe 12,50 Mt.: in Torge feit und Barbarei, Mädchen von 16 bis 18 Jahren als er wicklung zum Reichstagswahlrecht nur stufen gemäß er low 4,25 Mt., Röslin 5,50 Mt., Rolberg 0,90 mt., wachsene Arbeiterinnen zu betrachten und als solche aus folgt. Die sofortige Einführung würde uns die Majorität Podejuch 0,55 Mt., Antlam 1,30 Mt.; Sonneberg zubeuten. Der Kapitalismus vernichtet in den jungen Prole der beiden Parteien bringen, von denen die Freiheit( S.-M.) durch Genoffin v. der Wehd 20 Mt.; Steinach tarierinnen, noch ehe ihr Körper ausgereift ist, die Kraft, des Geistes, die wir auf allen Gebieten erstreben,( S.-M.) durch Genossin 3sch och 24 Mt. Summa 354,34 gesunde Mütter zu sein, welche gesunde Kinder gebären, er teinesfalls zu erwarten wäre. Ob der Papft, der die Frei- Mark. Dantend quittiert: raubt ihnen aber auch die Möglichkeit, Geist und Charakter heit des Denkens erdrosselt, Bebel oder Pius X. hieße, wäre Ottilie Baader, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. " 18 Die Gleichheit Nr.Z Eispalast." Von Ferdinand Freiligrath. I. Ihr alle, mein' ich, habt gehört von jenem seltnen Eispalast! Auf der gefrornen Newaflut aufstarrte der geftorne Glast! Dem Willen einer Kaiserin, der Laune dienend einer Frau, Scholl' über Scholle stand er da, gediegen Eis der ganze Bau! Um seine blanken Fensterreihn, um seine Giebel pfiff es kalt: Doch innen hat ihn Frühlingswehn und hat ihn Blumenhauch durchwallt! Allüberall, wohin man schritt, Musik und Girandolenglanz, Und durch der Säle bunte Flucht bewegte wirbelnd sich der Tanz! Also, bis in den März hinein, war seine Herrlichkeit zu schau'n; Doch— auch in Rußland kommt der Lenz, und auch der Newa Blöcke tau'n! Hui, wie beim ersten Sturm aus Süd der ganze schimmernde Koloß Hohl in sich selbst zusammensank und Häuptlings in die Fluten schoß! Die Fluten aber jauchzten auf! Ja, die der Frost in Bande schlug, Die gestern eine Hofburg noch und eines Hofes Unsinn trug. Die es noch gestern schweigend litt, daß man ihr auflud Pomp und Staat, Daß eine üpp'ge Kaiserin hoffärtig sie mit Füßen trat:— Dieselbe Newa jauchzt' empor! Abwärts mit brausendem Erguß, Abwärts durch Schnee und Echollenwerk schob sich und drängte sich der Fluß! Die letzten Spuren seiner Schmach malmt' er und knirscht' er kurz und klein— Und strömte groß und ruhig dann ins ewig freie Meer hinein! 2. Die ihr der Völker heil'ge Flut abdämmtet von der Freiheit Meer:— Ausmündend bald, der Newa gleich, braust sie und jubelt sie einher! Den Winterfrost der Tyrannei stolz vom Genicke schüttelt sie, Und schlingt hinab, den lang sie trug, den Eispalast der Despotie! Noch schwelgt ihr in dem Blitzenden, und tut in eurem Dünkel, traun! Als käme nun und nie der Lenz, als würd' es nun und nimmer tau'n! Doch mählich steigt die Sonne schon, und weich erhebt sich schon«in Wehn; Die Decke tropft, der Boden schwimmt— O, schlüpfrig und gefährlich Gehn! Ihr aber wollt verschlungen fein! Dasteht ihr und kapituliert Lang erst mit jeder Scholle noch, ob sie— von neuem nicht gefriert! Umsonst, ihr Herrn! Kein Halten mehr! Ihr sprecht den Lenz zum Winter nicht, Und hat das Eis einmal gekracht, so glaubt mir! daß es bald auch bricht! Dann aber heißt eS wiederum:— Abwärts mit brausendem Erguß, Abwärts durch Schnee und Schollenwerk drängt sich und macht sich Bahn der Fluß! Die letzten Spuren feiner Schmach malmt er und knirscht er kurz und klein— Und flutet groß und ruhig dann ins ewig freie Meer hinein! Niihrikele.- Ein sozialstatistisches Kleingemälde aus dem schwäbischen Volksleben. Von Gottlieb Schnapper-Arndt. Über den Friedhof des schwäbischen Dörfchens Pf... weht der Herbstwind, und das Kreuzchen erzittert über dem Grabe, in das sie vor einigen Jahren Rikele, die kleine Weißzeugnäherin, eingebettet haben. Ich will versuchen zu schildern, was mir über sie bekannt geworden ist, als mein Lebensweg sich mit dem ihren kreuzte, und dem Leser die wirtschafttiche Biographie vorführen, welche ich damals über sie niedergeschrieben habe. Große, wette, schöne Welt— wie schmal ist der Ausschnitt, den Myriaden von dir zu sehen bekommen, und wie genügsam hast du dich, Rikele, gefreut über jeden schwachen Sonnenblick, den du erhaschtest.... Ihr, die ihr erhobenen Hauptes durch früchtenreiche Gärten schreitet, schenkt der Geschichte einer armen Kreatur Gehör, für die an dem mühsamen Wege, der zu jenem Friedhöflein geleitet, nur karge Beeren gewachsen sind.... Nicht das Leben eines Menschen, das Leben vieler wird erzählt, wenn immer wir unS in die Geschichte eines einzigen ernstlich verttefen.... ' DaS Motiv ist einer politischen Fabel von Thomas Moore enmommen. — Mt freundlicher Erlaubnis von Frau Or. Schnapper-Arndt nachgedruckt unter Weglaflung der Inventur« erzeichniffe. Quellen memer Aufzeichnungen waren zahlreiche Gespräche, die ich mit dem Rikele geführt, während sie für meine Frau arbeitete: sie hätte ja nichts erzählen mögen und wäre in Verwirrung geraten, wenn sie mit unbeschäftigten Händen hätte dasitzen sollen. Aber arbeitend war sie mitteilsam und dabei rückhattlos und aufrichtig. Sie machte einmal einen bemerkenswerten Vergleich: sie habe sich, sagte sie, in einem Krankenhause freiwillig zu einer medizinischen Untersuchung hergegeben: warum sollte sie nicht auch für meine Zwecke bereitwillig sein. Quellen waren ferner mehrfache Besichttgungen ihrer Wohnung, und endlich, um das schwere Wort zu gebrauchen, urkundliches Material. Briese, Quittungen, Steuerzettel, gerichtliche Dokumente, ein Sparkassenbuch, vor allem ein durch mehrere Jahre hindurch geführtes Einnahme- und Ausgabebuch. Wunderbar, und in diesen Kreisen höchst selten: aus eigenem Antrieb hatte sie dieses Brich geführt; ungefähr von ihrem 35. bis zu ihrem 48. Lebeirs- jahr(so alt war sie zur Zeit meiner Untersuchung) hatte sie fleißig ausgezeichnet, was sie als Näherin in dem süddeutschen Städtchen, in dem sie lebte, in kleinen Beträgen mühselig erworben und in noch kleineren für ihren Lebensunterhalt aufgewendet hatte. Ihre älteren Aufzeichnungen waren zu ihrem großen Kummer verloren gegangen; erhalten waren nur diejenigen der letzten vier Jahre, ein Quarthest mit steifem, grünem Deckel, das ich noch heute besitze. Auf den linken Seiten die Einnahmen und die Arbeitstage; auf den rechten die Ausgaben. Nur aus der linken Seite hat sie sich mit Bleistift Kolonnen gezogen und die Posten untereinander gestellt; die Posten der rechten hat sie jedoch fortlaufend geschrieben, um am Papier zu sparen. Hieraus eine fatale Wirkung. Sie hatte die Kolonnen der Einnahmen addiert, zur Additton der Ausgaben es jedoch nicht gebracht. Sie hatte gebucht und gebucht, darüber aber, was ihre bescheidene Existenz in einem Jahre erfordert hatte, niemals bislang etwas Genaues erfahren. Wie gespannt und mit wie ängstlicher Gebärde saß sie jetzt da, als ich in ihrer Gegenwart an das Addieren ging. Und als ich die Gesamtsumme des letzten Jahres herausbrachte— 190 Mark—„Ach Gott, ist das aber viel!" rief sie aus,„mir graust's ganz."— Rikeles Buch war übrigens kein bloßes trockenes Rechenbuch; es war eine Art kleiner, an die naiven Aufzeichnungen älterer Zeiten erinnernde Chronik. Ihr verttaute sie an, was in frohen oder peinlichen Stunden in stiller Einsamkeit das Herz bewegte. Sorgfältig geschwungene Linien, welche diese Bemerkungen umrahmen, deuten auf die gehaltene Stimmung hin, in welcher sie niedergeschrieben sind. Ihr Sohn besuchte sie:„Das waren mir wieder einmal glückliche Stunden," schreibt sie nieder. Schwächlich und dabei ängstlich, wie sie ist, fühlt sie sich krank.„Lieber Wilhelm, wenn ich sterbe, dann halte doch alles in Ehren, ich Hab' mir's drum sauer werden lassen, verkaufe nichts davon, miete eine Kammer, schließe alles zu und versiegle es, Du wirst später alles wohl brauchen. Es kostet mich nicht mehr viel in der Feuerversicherung."* Nach einer kleinen Reise, welche sie als Zeugin zu einer Gerichtsverhandlung machen mußte:„Reisegeld verbraucht und doch Hunger gelitten." Auch was in ihrer Kundschaft Bemerkenswertes sich begab, Verlobungen, Hoch- >eiten, Todesfälle, trug sie teilnehmend ein. Zunächst einige Worte über die„Zivilstandsverhältnisse" Rikeles, des„Nährikele", wie sie sich selber nannte. Sie war im Jahre 1835 in Stuttgart geboren als Tochter eines gelernten Schneiders, der auf der Wanderschaft einen höheren Beamten kennen gelernt hatte und bei ihm als Diener eingetreten war. Der Beamte war ledig und speiste außerhalb; dadurch lernte der Diener eine Restaurattonsköchin kennen, welche er heiratete: Rikeles Mutter. Auch nach Gründung eines Hausstandes durfte er noch bei den: Herrn bleiben, wurde aber dann kränklich und kehrte, als Rikele acht Jahre war, in sein Heimatdorf zurück. Daselbst starb er 1357; die Mutter starb im Spätherbst 1875. Rikele hatte fünf Geschwister gehabt, wovon drei im frühen Kindesatter gestorben waren. Noch lebten ein verheirateter Bruder, ein kleiner Handwerker, und eine Schwester, deren Mann unheilbar krank war: eine Land- bötin. Beide in dem Heimatdorfe. Rikele selbst war ledig. Sie besaß einen Sohn von 23 Jahren, welcher seines Gewerbes Schneider war, damals aber(zur Zeit der Untersuchung) in Straßburg seiner Militärpflicht nachkam. Seit 14 Jahren hatte Rikele ununterbrochen in der kleinen, aber nicht unbedeutenden Stadt gewohnt, in welcher ich sie kennen gelernt habe. Zweiundsiebzig Mark hatte das Rikele bei der Ober- amtSsparkasse verzinslich angelegt. Als nämlich die Mutter " Der Schlußsatz bezieht sich offenbar darauf, daß Rikele, als nunmehr fiins Jahre versichert, nach den Statuten der auf Gegenseitigkeit beruhenden Gesellschaft, in den Genuß von Dividende gekommen war. gestorben war, hatte Rikele eine Erbportton von 197 Mk. 70 Pf. zn empfangen gehabt. An veranschlagter Fahrnis wurden ihr davon laut„in Händen habenden Loszettels" 33 Mk. 40 Pf. zuteil; 10 Mk. 97 Pf. bettugen die Teilungskosten: Rest also ungefähr 153 Mk. Von diesem Rest waren 63 Mk. sofort für einige kleine Anschaffungen bei eingetretener Krankheit und für Bezahlung noch einer Schuld der Mutter aufgegangen, wogegen die übrigen 90 Mk. Rikeles erste kapitalistische Rücklage gebildet hatten. Die Kasse vergütete„Dienstboten, Gewerbegehilfen, Lohnarbeitern, Taglöhnern und derartigen in Privatdiensten stehenden Personen" 4'/, Prozent: hierdurch Anwachsen jener Summe bis Ende 1878 auf 99 Mk. 1 Pf. Von diesem Gipfelpunkt herab jäher Absturz: Rikele schafft dem Sohn eine Nähmaschine an und leert seinen Schatz bis auf 1 Mk. 1 Pf. Dann wiederum, im Verlauf der folgenden vier Jahre, langsames Ansteigen auf den erstgenannten Bettag, namentlich infolge von Rückzahlungen des Sohnes und weil Rikele niemals wieder der Kasse etwas entnimmt. Das Maximum der Einlagen, das bei der Kasse zulässig war, belief sich statutenmäßig auf zweihundert Gulden. Ob sie jemals so hoch wohl kommen werde, frug ich. Do müsse sie„Geld schmieden können", meinte sie. Rikele war Weißzeugnäherin; sie flickte, fertigte Morgenhäubchen, Chemisetten, Kragen, Manschetten und half beim Kleidermachen, nicht minder unternahm sie zuweilen das selbständige Schneidern einfacherer Oberkleider. Das alles meist in den Häusern chrer Kunden; von den Tagen, welche sie bei sich zu Hause verbrachte, waren nur wenige durch Lohnarbeit in Anspruch genommen. Im Sommer um halb 6 Uhr, im Winter um 7 Uhr aufstehend, erschien sie bei ihren Kunden je nach der Jahreszeit zwischen 7 und 3 oder kurz nach 8 Uhr, bekam gewöhnlich eine große Tasse Kaffee mit zwei Stück Zucker und einem Weck, und begann dann die Arbeit. Um 10 Uhr da! ortsübliche„Gläsle Wein" nebst Butterbrot, oder auch Brot mit Wurst, bei einer Familie manchmal zwei Eier. Um 12 Uhr Mittagessen. Das Rikele teilte seine Kunden in„Professoren" und„Bürgersleute" ein. Bei diesen gab's Suppe, Gemüse und Fleisch, dort zuweilen auch noch Braten. Bei diesen saß sie am Tische mit, bei jenen besonders für sich! Um 3 Uhr eine Tasse Kaffee mit einem oder zwei Milchbroten. Abends, nach Schluß des Arbeitstags— im Sommer zwischen 7 und 8 Uhr, im Winter um 8 Uhr— Tee oder Kaffee mit zwei Semmeln und Wurst; in einigen Familien wurden statt des Abendmahls 30 Pf. Kostgeld gegeben. Im ganzen ein 11- bitz 11'/- stündiger Arbeitstag. Denn das zweite Frühstück und die Vesper wurden nebenher am Arbeitstisch genommen; bei den„Bürgersleuten", welche selbst rasch aßen, saß sie auch nicht länger als eine Viertelstunde beim Mittagstisch. Bei vielen Familien ging sie nach dem Mittagsmahl noch fünf Minuten im Zimmer auf und ab; das war eine Erholung, die man ihr stillschweigend gewährte, und auf die sie, als auf etwas Besonderes, einigen Stolz bekundete. Was soll man zur subjektiven Entschuldigung der Frauen, welche ihren Näherinnen, Wäscherinnen, Dienstboten keine Arbeitspausen anbieten, sagen? Zur Entschuldigung der Frauen des Mittelstandes darf man wohl geltend machen, daß diese Frauen selbst vielfach eine ununterbrochene Arbeit verrichten. Sie finden es dann naturgemäß, daß der Ärmere sich nicht weniger mühe, als sie selbst; sie vergessen zunächst dabei, daß das, was ihren eigenen Mühen entspricht, jenen Armeren ja teilweis« als eigene häusliche Arbeit auch noch vorbehalten bleibt. Sie vergessen die Entschädigungen, die ihnen selbst das Leben immerhin bietet und die eine anstrengende Arbeit zweifellos leichter erttagen lassen, überhaupt: bei der Arbeit sind Reiche, Mittelstehende, Arme sehr häufig Kameraden; bei dem Genuß sind sie es nicht. Mit dem Hinweis auf die eigene Arbeit, die er neben dem ärmeren Untergebenen verrichtet, beruhigt der Wohlhabendere sich selbst, und er nimmt es übel, wenn dieser nicht willig mit ihm schafft. Selbst alsdann zur Erholung eilend, verliert er jenen wie physisch, so auch geistig aus dem Gesicht und denkt wenig daran, ob jener sich wetter mühe, oder was ihm die eingettetene Feierstunde bringe. Rikele hat ihre Kunden nie hoch im Preis gehalten: sie erhielt 1864 pro Tag 12 Kreuzer(34 Pf.), 1865 15 Kreuzer(43 Pf.), 1866 bis 1870 15 bis 18 Kreuzer (43 bis 51 Pf.). Nach 1370 setzten sich diesem bescheidenen Wesen gegenüber die Kunden teilweise selbst hinauf und! gaben bis zu 70, vereinzelt bis zu 80 Pf. Zahlreiche kleinere Zuwendungen an Naturalien neben der üblichen Verköstigung, an Weihnachten auch kleine Geldgeschenke mögen teilweise noch als ein Lohnzuschuß bettachtet werden.(Forts, folgt.) Berantworllich für dteRtdattton: Fr. Klara ZelNn«Zundey, WtlpelmKHSH» Post Degerloch bei«tuttgan. Druck>md«erlag von Paul«lnger w«tuttgart.