t い Nr. 8 Die Gleichheit eeeer Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ee Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die Gletchbett erscheint alle vierzehn Tage einmal. Drets der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jabres- Abonnement 2,60 Mart. -Inhaltsverzeichnis. Rundschau. Von H. Fl. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenftimmrecht. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Fürsorge für Mutter und Kind. Feuilleton: In Tyrannos. Aus„ Der Mütter Bittgang". Von Euripides.( Gedicht.)- Die Distel, Bon Elisabeth Gnaud- Kühne. Stuttgart den 13. April 1908 18. Jahrgang Suschriften an die Redaktion der, Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bel Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. In der gegenwärtigen Situation war es selbstverständ- und für sich nicht beanspruchen könnte, und die sie über Aufruf der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands zum lich, daß die Debatten von der Frage der preußischen die trübe Flut der typischen Begeiferung des Wahlrechts sechsten Gewertschaftskongreß in Hamburg. Die wahre Be- Wahlrechtsreform beherrscht wurden. Den ausgebeuteten durch grimme Hasser emporträgt. Nicht als Privatmann, deutung. Die Heimarbeitausstellung in Frankfurt a. M. Bon Massen, um deren Recht es ging, war es sicherlich feine als Kanzler des Reichs hat Bülow im Reichstag geH. u. S. Das Reichsvereinsgesetz. Unter der Teuerung. Enttäuschung, daß der Kanzler des Reichs, der zugleich sprochen. Seine Worte müssen daher als Pronunziamento Bon Gustav Hoch. Die Frauen in der Statistik der Kranken- Ministerpräsident für Preußen ist, aufs neue unzwei wirken, als Schilderhebung, die dem Recht der werktätigen versicherung. Von Fr. Kleeis. n Aus der Bewegung: Von der Agitation. Politische Rundschau. deutig die Beseitigung der Dreiklaffenschmach ablehnte, Maffen Rampf fündet. Sie sind eine offizielle Weihe der Bon H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Genossenschaftliche die er nach wie vor nicht einmal durch die geheime Ab- andauernden wütenden Heze gegen das Reichstagswahl stimmung mildern will. Sie kennen ihre Pappenheimer recht, zu welcher sich immer häufiger und inniger Krautund wissen, wessen sie sich von den politischen Geschäfts- junter und Schlotjunker zusammenfinden. Bülow fennt führern der herrschenden Klaffen zu versehen haben. Es zu genau den starken Resonanzboden, den ein hohes darf sie deshalb auch nicht wundernehmen, daß die„ un- Amt auch für die Ansichtsäußerung der platten Mittelentwegten" freisinnigen Borkämpfer für ein demokratisches mäßigkeit schafft, er ist ein zu geriebener Meister in dem Wahlrecht in Preußen, welche den linken Flügel des Geschäft,„ öffentliche Meinung" zu fabrizieren, als daß Liberalismus bilden, in der glatten Absage die An er über diese Wirkung seiner Rede im unklaren sein fündigung einer gründlichen" Wahlrechtsreform ent- könnte. Er hat sie gewollt. deckten. Wenn auch in anderer Livree als die Regie Es scheint ein ungeheuerlicher Widersinn, daß in einem rung, dienen doch diese Herren den besitzenden Klassen Reiche, dessen Verfassung feierlich das allgemeine Wahlnicht minder eifrig als jene. Der Freifinn muß mit fein recht proklamiert, daß in dem Hause des allgemeinen gespizten Ohren unter dem harten Stein des Nein" Wahlrechts selbst der oberste Beamte des Staats dieses das Gras der Wahlrechtsreform wachsen hören. Nicht selbe Recht mit Schmähungen überhäuft. Allein was der etwa, um in einem Anfall des Bedürfnisses nach Selbst Form nach als Widersinn auftritt, entpuppt sich seinem achtung sich den Glauben einzureden, daß seine„ maß- Inhalt nach als die lautere politische Vernunft des voll kluge Taftit" die Feste des Dreiklassenparlaments Kapitalistenstaats, der sich von den Heeren des Classenins Wanten bringe. Wohl aber zu dem naheliegenden bewußt kämpfenden Proletariats bedroht fühlt. Der Zweck, über das elende Scheingefecht, in welchem er diese Kanzler des Deutschen Reiches wird vom Kaiser berufen berennt, die seiner Parteigänger zu täuschen, welche ent- und vom Volt bezahlt, aber die besitzenden Klassen weder ein starfes soziales Interesse an einer gründlichen Wahlrechtsreform haben oder aber wirklich überzeugte Anhänger des demokratischen Prinzips find. Sechster Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Montag, 22. Juni 1908, in Hamburg, im Gewerkschaftshaus. Als Tagesordnung ist vorläufig vorgesehen: 1. Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten( Wahl der Kommissionen, Prüfung der Mandate usw.). 2. Rechenschaftsbericht der Generalfommission. Bericht erstatter C. Legien- Berlin. Beratung der Anträge betreffend: a. Allgemeine Agitation; b. Arbeiterinnenfefretariat. Berichterstatterin: J. Altmann- Berlin; c. Agitation unter den Dienstboten. Berichterstatterin: H. Grünberg Nürnberg; d. Agitation unter den fremdsprachigen Arbeitern; e. Streifunterstützung und Streifstatistik; f. Heimarbeiterschuh; g. Kommission zur Beseitigung des Koft- und Logiszwanges beim Arbeitgeber. Berichterstatter: P. Blum Berlin; h. ,, Korrespondenzblatt". 3. Bericht über das Zentral- Arbeitersekretariat. Berichterstatter: R. Schmidt- Berlin. a. Die Vertretung der Rechtsuchenden durch die Arbeiter Gewerkschaftssekretäre vor den Gerichten. Berichterstatter: E. Lesche- Hamburg. 4. Die staatliche Versicherung der Privatangestellten. Referent: P. Lange- Hamburg. 5. Die gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Referent: H. Pözsch- Berlin. 6. Der Boykott als gewerkschaftliches Kampfmittel. Referent: D. Allmann- Hamburg. 7. Grenzftreitigkeiten. 8. Beratung der nicht unter den vorstehenden Punkten erledigten Anträge. Die Verhandlungen des Reichstags haben jedoch dem Proletariat mehr gebracht als lediglich eine abermalige Bestätigung der alten Erkenntnis nach beiden Seiten hin. Sie haben die geschichtliche Situation beleuchtet, in welcher der preußische Wahlrechtstampf sich abspielt und seine weitreichende Bedeutung im Zusammenhang mit dem all gemeinen Emanzipationskampf des Proletariats in ganz Deutschland. herrschen, und für sie muß er die Regierung führen. Bülow fonnte sich nur erdreisten, als höhnender Berächter des Reichstagswahlrechts hervorzukommen, weil er ganz gut weiß, daß dieses in dem erreichten Stadium der geschichtlichen Entwicklung Junfertum und Bour geoisie gleich tödlich verhaßt ist. Bis tief in die bürgerliche Linke hinein hat er für seine Attacke wenn auch nicht lauten, so doch um so herzlicheren stillen Beis fall gefunden. Was sich in dieser Beziehung nicht unverblümt zu äußern wagte, das ist beredt genug in der jämmerlichen, würdelosen Schwächlichkeit zum Ausdruck Der Reichskanzler benutte nämlich den Anlaß zu gelangt, mit welcher die bürgerlichen Abgeordneten auf einem faum mastierten Angriff auf das Reichstagswahl die Verächtlichmachung des Reichstagswahlrechts reagiert recht. Seine von rechts und links zusammengeflaubten haben. Statt eines Sturmes leidenschaftlichster Empörung Bitate, die sich selbstgefällig als Sachkenntnis" und ein sanftes Gesäusel, welches die Stirn des Mannes an" Bildung" spreizen möchten; seine seichten Mäßchen, die genehm umfächelte, die sich bei dem Herumstampfen auf höchstens der Stammtischphilister in seiner genügsamen dem Reichstagswahlrecht erhitzt hatte. Geistesträgheit als" Wiz" einschätzt, klangen in der Be- Das Verhalten der Abgeordneten, die dank diesem Hauptung aus, daß faum ein anderes Wahlrecht auf reiferes Urteil, auf geistige Bildung, auf politische Erfahrungen so wenig Rücksicht nimmt, als das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht". Recht im Parlament figen, läßt zunächst die Berechtigung des Wortes lebendig empfinden, mit welchem Bamberger einſt in einer illufionsfreien, ehrlichen Stunde seine liberalen Freunde züchtigte:„ Hunde sind wir ja Eitel Spiegelfechterei ist des Reichskanzlers Ver- doch!" Allein es hat noch seinen anderen geschichtwahrung, er habe durch seine herabwürdigenden Aus- lichen Sinn, der über die schimpfliche persönliche Seite führungen das Reichstagswahlrecht selbst nicht angetaftet, der Sache hinausreicht. Die Verachtung, welche der 9. Die Entwicklung der sozialen Gesetzgebung in Deutsch sondern nur von seinem persönlichen Recht der Kritik Reichskanzler dem Reichstagswahlrecht deutlich genug land. Referent: H. Molkenbuhr- Berlin. und freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht. Dieses befundete, gilt im letzten Grunde den proletarischen Anträge zur Tagesordnung oder solche, welche auf Recht in allen Ehren, es hat aber mit der Stellung Maffen, durch deren politisches Auftreten das allgemeine bie vorstehend genannten Tagesordnungspunkte Bezug nahme des Kanzlers nicht mehr gemein als deffen ge- Wahlrecht erft Leben und Inhalt gewinnt, erst zu einem haben, sind bis zum 11. Mai 1908 an die General legentliche Zitierung von Fichte, Kant und anderen mit politischen Machtfaftor wird, mit dem die ausbeuten fommission einzusenden. Sämtliche bis dahin eingegangene dem Studium und Verständnis dieser Denker. Der Fürst den Klassen rechnen müssen. Und diese Massen werden Anträge werden im„ Korrespondenzblatt" veröffentlicht, gehört zum großen Troß der Vielzuvielen, deren Meinung in den Tagen des verschärften Klassenkampfes zwischen damit sie in den Gewerkschaften diskutiert werden können. ihre Bedeutung nicht etwa durch das erhält, was sie Rapital und Arbeit von den liberalen Parteien nicht Der Kongreß wird am 22. Juni 1908, morgens 9 Uhr, als Bersönlichkeit sind, vielmehr nur durch das Amt, minder verachtet, aber auch nicht minder gefürchtet wie das sie haben. Soviel der Öffentlichkeit über ihn be von den Konservativen. Um schon bei Bambergers Gleicheröffnet und wird bis einschließlich 27. Juni tagen. Die Wahlen der Delegierten werden nach den von dem kannt ist, hat er auch nicht auf einem einzigen Gebiet nis zu bleiben: Der wohlerzogene Hund aus„ gutem" vierten Gewerkschaftstongreß gegebenen Bestimmungen von menschlicher Arbeit irgend welche Leistung aufzuweisen, Hause, welcher schweifwebelnd die Hand des Herrn leckt, Den Vorständen der Zentralvereine ausgeschrieben werden. die ihn persönlich über das Mittelmaß seiner junkerlichen die ihn schlägt, fnurrt und schnappt nach dem einfachen Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Standesgenossen erheben würde. Seine Äußerungen über Manne, der sich dem Hause nähert. das allgemeine Wahlrecht sind denn auch eine typische C. Legien, SO 16, Engelufer 15. Bekundung des blinden Klaffenegoismus und der ge schichtlichen Borniertheit, mit welcher das Junkertum darüber zu urteilen pflegt. Was Bernhard von Bülow als Privatmann über das Reichstagswahlrecht denkt, ist daher nicht von erheblicherer Wichtigkeit als die Ansicht eines Butlig oder Quizow. Die wahre Bedeutung. N Das aber ist der springende Punkt: Keineswegs die furzfichtige", verblendete", selbstmörderische" Taktik der Führer trägt die Hauptverantwortlichkeit für eine Schmach, welche für die freifinnigen Parteien am größten ist. Als Diktatoren der Parteien enthüllen sich die Interessen der bürgerlichen Klassen, welche um jeden Preis in der poli tischen Herrschaft bleiben wollen, um ihre Ausbeutungs Der Zufall hat es aber gefügt oder richtiger: bestimmte wirtschaft zu verewigen. Die geschichtlichen Kräfte, welche geschichtliche Verknüpfungen haben es fügen müssen, daß den Kapitalismus nicht zur Entfaltung tragen konnten, der fleine Mann auf einem großen Posten steht. Und ohne ihm in Gestalt des Proletariats seinen Totengräber birekten und geheimen Wahlrechts für alle Großjährigen dieser Posten verleiht auch der individuell bedeutungs- zu erzeugen, lassen die vormalige Schwärmerei der Bourlosen Meinungsäußerung eine Wichtigkeit, welche sie an geoisie für demokratische Grundsäze je länger je mehr in Im Reichstag stand neuerlich die Wahlrechtsfrage zur Behandlung. Veranlassung dazu gab ein Antrag der Sozialdemokratie, welche abermals zum Landtag der Bundesstaaten Elsaß- Lothringen einbegriffen wie zum Reichstag die Einführung des allgemeinen, gleichen, ohne Unterschied des Geschlechts forderte. 70 Die Gleichheit 9 Nr. 8 5 tödliche Feindschaft gegen deren Verwirklichung umschlagen. Erhebungen in der Hausindustrie anstellen, welche einst-[ werte Organisation sich auch praktisch bewährt hat, das Wie die reaktionäre Geftaltung des Reichsvereinsgefeges, weilen die Gesetzgebung zum Schuße der Heimarbeiterschaft werden wir erst in den nächsten Wochen feststellen tönnen. Der Berliner Ausstellung wurde weiter zum Vorwurf ge so zeigt auch die Behandlung der Wahlrechtsfrage im nicht viel weiter gebracht haben. Einem freisinnigen AbReichstag, wie weit fortgeschritten und unaufhaltsam der geordneten war es vorbehalten, fürzlich im Reichstag gegen macht, daß die ausgestellten Gegenstände eine Auswahl verEntwicklungsprozeß der bürgerlichen Klassen vom Libe- die Berliner Ausstellung den Vorwurf der Tendenz und missen ließen, daß sie kein systematisches, übersichtliches und Mache zu erheben und sie zu beschuldigen, von vornherein geordnetes Bild ergaben. Wer aber gar nicht wählt, der ralismus zur Reaktion ist. An dem Höhegrad dieser lediglich auf die Herauskehrung der schlechtesten Seiten der wählt gar zu sehr, sagte sich dabei mancher im stillen. Der Entwicklung müssen alle Versuche ehrlicher bürgerlicher Heimarbeit zugeschnitten gewefen zu sein. Ausstellung in Berlin haftete in der Tat der Mangel an, Demokraten scheitern, das Bürgertum zum Kampfe für Der ersten deutschen Heimarbeitausstellung kommt daß sie teine systematischen Darstellungen aus den ver politische Freiheit auf die Schanzen zu führen und den zweifellos das große Verdienst zu, praktisch zuerst eine schiedenen Gebieten der Heimarbeit, also teine Gesamtvor Liberalismus zu regenerieren. In ihm gelangt ja die Methode der unmittelbaren Aufflärung über die haus stellung bot, sondern nur in mehr zufälligen Einzelbildern Reife der kapitalistischen Ordnung selbst mit ihrer Zu- industriellen Verhältnisse gezeigt zu haben. Es wird jedoch kleine Ausschnitte aus dem Leben einzelner Heimarbeiter fpitung der Klaffengegensäge und Verschärfung der Klassen- noch viel Mühe und Zeit kosten- auch das hat sie in gab. In dieser Beziehung sollte das Frankfurter Unterfämpfe zum Ausdruck. helle Beleuchtung gerückt, ehe die Gesetzgebung wirklich nehmen etwas Ganzes, Organisches bieten. Die Ausstellung wertvolle positive Reformen zur Milderung des Heim- beschränkte sich zwar auf das rhein mainische Wirt Bülows Versicherung, daß die verbündeten Regierungen arbeiterelends beschließt. Das weiß das Proletariat am fchaftsgebiet", aus diesem aber sollte alle Art Hauskeine Anderung des bestehenden Reichstagswahlrechts beften, dem schon Lassalle sagen konnte, daß hundert industrie berücksichtigt werden. So wird die Ausstellung planen, ist angesichts der gekennzeichneten Situation auch Jahre vergehen, ehe in Preußen eine Reform durch ein umfassendes Bild der Heimarbeit in ihren nicht einen Pfifferling wert, wenngleich sie für den Augen- geführt wird. In unserem Fall trifft das um so mehr zu, technischen, wirtschaftlichen und sozialen Vors blick stimmen mag. Die Geschichte lehrt uns, daß Re- als es der Heimarbeiterschaft selbst an fast jeder Organisa aussehungen, Formen und Folgen in dem Gebiet gierungsschwüre leicht wiegen. Was nicht alles haben tion gebricht, um den Kampf gegen ihre Lebensnot aufzugeben, das von den Gebirgen Westerwald, Bogelsberg, Fürsten und Minister schon beschworen und gebrochen- nehmen, um sich Rechte und Gesetze zu ertrotzen. Wir müssen Rhön, Spessart und Odenwald umgrenzt ist, einschließlich dem Volke und gegen das Volk- je nachdem sie konnten infolgedessen jedes Unternehmen begrüßen und zu fördern Rheinhessens also für das ganze Großherzogtum Hessen, oder können mußten! Ob und inwieweit das Reichstags- fuchen, das dazu angetan scheint, das Werk der Aufklärung den Regierungsbezirk Wiesbaden, einen großen Teil des Regierungsbezirkes Raffel und des nordwestlichen Bayerns wahlrecht gegen Umsturzgelüfte der herrschenden Klassen über die Heimarbeit vorwärts zu bringen. Von diesem Standpunkt aus haben wir die Heimarbeit sowie einige fleinere angrenzende Teile der Rheinproving sichergestellt ist, das hängt lediglich von der Kraft und ausstellung in Frankfurt a. M. zu betrachten, welche die Berliner und Westfalens( Westerwald), Badens( Odenwald) und Entschlossenheit ab, mit welcher das Proletariat zu seinem Veranstaltung fortführt und ergänzt. Nach zwei Richtungen Thüringens( Rhön). Schuge gerüstet steht. Der Angriff ist der beste Hieb! hin dürfte sie sogar ihre Vorgängerin in Berlin übertreffen: Wie weit das festgesetzte Programm in der Folge ge Die fraftvolle Fortführung der Kampagne zur Eroberung nämlich in der zur Anwendung gekommenen Methode der Unter- halten und durchgeführt worden ist, wird die Ausstellung der politischen Gleichberechtigung der nichtbesitzenden suchung, wie in der Erforschung des Gebiets selbst. As am zeigen. Wir hoffen, daß sie dem vorwärts brängenden Klassen in Preußen ist die wirksamste Verteidigung des 20. Februar 1906 im Frankfurter Stadtverordnetenkollegium Proletariat viel Lehrreiches bietet und der Sache der schuß Reichstagswahlrechts. Jm preußischen Wahlrechtstamps von freisinniger Seite der Magistrat ersucht wurde, geeignete bedürftigen Heimarbeiter im besonderen nüßt. werden zunächst die Schlachten geschlagen, die über Sein oder Nichtsein des Rechts der Massen in Deutschland überhaupt entscheiden. Es ist ein Ringen zwischen allen reaftionären Mächten und allen revolutionären Kräften im ganzen Deutschen Reiche. Seine Tragweite ruft nicht bloß dem Proletariat Preußens, fie ruft dem Proletariat ganz Deutschlands die Mahnung zu: das Pulver trocken und das Schwert geschliffen! Die Heimarbeitausstellung in Frankfurt a. M. Das Reichsvereinsgesetz. 101 P a h If Fo de fd fü no al fe BR S 6 M น u g 91 H. u. S. G 11 Schritte zu unternehmen, um die Berliner Veranstaltung nach Frankfurt bringen zu lassen, wiesen unsere sozialdemo fratischen Stadtverordneten auf die völlige Unzulänglichkeit dieses Vorschlages hin, dem teils technische, teils wirtschaftliche Bedenken entgegenstanden. Sie traten für die Veran Es ist vollbracht! Das Reichsvereinsgefeß, wie es die staltung einer völlig neuen Ausstellung ein. Der sozialdemo- Kommission in zweiter Lesung zurechtgeschandelt hatte, ift fratische Redner forderte dabei durch einen Eventualantrag von der Blockmehrheit des Reichstags in der zweiten und den Magistrat auf, die Organisierung einer Ausstellung von entscheidenden Lesung angenommen worden. Der SchlußProdukten der hauptsächlichsten Zweige der Hausindustrie im abstimmung gingen mehrtägige Debatten voraus, in denen Maingau ins Auge zu fassen, zu diesem Zweck Verhandlungen die einzelnen Vorschriften des Gesetzes nicht etwa ernst mit den interessierten und in Betracht kommenden Kreisen in haft durchberaten, sondern schamlos durchgepeitscht wurden. die Wege zu leiten und im Falle des Zustandekommens der Den freisinnigen Abgeordneten des Blocks saß das böse Ge und als Ausstellung einen Teil der Kosten auf die Stadt zu über- wissen im Nacken. Sie wußten, daß ihr Werf nehmen. Die große Mehrheit des Stadtverordnetenfollegiums solches muß nach dem Umfall der Unentwegten" in der einigte sich schließlich auf einen kombinierten Antrag, der zweiten Kommissionsberatung die überwiegend realtionäre Am 1. April ist in Frankfurt die zweite deutsche Heim- die freisinnige Anregung mit samt dem sozialdemokratischen Gestaltung des Gefeßes angesprochen werden feine arbeitausstellung eröffnet worden. Während in Berlin in Erweiterungsvorschlag in sich enthielt. Im darauffolgenden Prüfung, feine Kritik vertrug. Deshalb fanden sie sich mit stillen Reichstagskommissionssizungen der einträchtige Block Sommer konstituierte sich ein Komitee, in dem alle Kreise den Konservativen und Rechtsliberalen einträchtig in dem an der jüngsten Regierungsvorlage zur Gewerbeordnung der Frankfurter Bevölkerung vertreten waren, und das die erfolgreichen Bestreben zusammen, durch Schlußanträge jede fozialpolitisch" herumschustert, wird in Frankfurt der gellende Aufgabe hatte, den Plan im Sinne der angenommenen fachliche Erörterung des Gesetzes unmöglich zu machen. Der Verzweiflungsschrei jener Armsten der Armen und Elendsten Resolution zu verwirklichen. Allein kaum war das Komitee für ein freiheitliches Recht lämpfenden Opposition, die aus der Elenden ertönen, von denen man sonst, unter normalen an die Arbeit gegangen, so tam es zu der Erkenntnis, daß der Sozialdemokratie, dem Zentrum, der Polen und Dänen be Verhältnissen", so gut wie gar nichts hört. Von der bleiernen die überführung der Berliner Ausstellung nach Frankfurt stand, konnte dank der famosen revidierten" Geschäfts Last der Heimarbeit niedergedrückt, fehlt es ihnen ja gewöhn- a. M. unausführbar wäre, wie dies von sozialdemokratischer ordnung der Maulforb angelegt werden. Das Zentrum hat lich sogar an der nötigen Energie, Klagen über ihr Schicksal Seite vorausgesagt worden war. Es ließ daher bald die die betreffenden Bestimmungen in den Tagen des Rampfes zu führen und Vorwürfe gegen ihre Ausbeuter zu erheben. freisinnige Anregung fallen und arbeitete nur noch für die um den Zollwucher selbst mit schaffen helfen, ja sie sind sein Das mag wohl mit ein Grund sein, daß für den Uneinge- Verwirklichung des sozialdemokratischen Erweiterungsvor- eigenstes Werk. Es hätte sich damals nicht traumen lassen, weihten das Wort Heimarbeit noch immer einen freund- schlags, als dessen Frucht wir die eröffnete Heimarbeit- daß es selbst so bald als Oppositionspartei mit ihren Ruten lichen, gemütlichen Klang besitzt, in welchem die Erinnerung ausstellung mit vollem Recht ansehen dürfen. gestrichen werden würde. übrigens war der Blockmehrheit an jene romantische Zeit der Spinnstuben nachschwingt, in sogar noch die außerordentlich beschränkte Möglichkeit zur denen an langen Winterabenden im wohlig durchwärmten Erörterung und Kritisierung des Gesetzes zu viel. Am Raume beim Erzählen alter Märchen und beim Gesang. liebsten hätte sie die Minorität ganz mundtot gemacht. Sie trauter Volkslieder die brave Bürgersfamilie noch eine sobekundete diese ihre edle Absicht durch Lärmen und Privat genannte harmonische Einheit von Arbeit und Leben bilden gespräche während der Oppositionsreden, die sie nicht durch Schlußanträge vereiteln fonnte. Die dritte und legte Lesung des Gesetzes soll noch vor Ostern erfolgen und ist wahr scheinlich vorüber, wenn diese Nummer erscheint. Sie wird an dem vorliegenden reaktionären Wechselbalg nichts ändern, dessen Vater das Junfertum, dessen Mutter die Bour geoisie ist. tonnte. Der große Konfektionsarbeiterstreit des Jahres 1896 hatte mit zwingender Gewalt gezeigt, daß hinter dem Wort Heimarbeit nicht die Jdylle webt, sondern das furchtbarste Elend hockt. Allein das durch ihn für furze Zeit wach gepeitschte foziale Gewissen" der bürgerlichen Welt tam in feinen Lebensäußerungen nicht über tränenselige Deflama tionen hinaus und vergaß bald das Graufige, das es geschaut. Das Frankfurter Unternehmen stand also von vorn herein in einem gleicherweise abhängigen wie gegenfäßichen Verhältnis zu der Berliner Veranstaltung: es blieb abhängig von ihr in der prinzipiellen Auffassung der Aufgabe, und es trat in einen Gegensatz zu ihr in der formalen Durchführung des Plans. Die„ Gleichheit" hat das Gesetz in seinen einzelnen wich tigsten Bestimmungen, in den verschiedenen Stadien der Be ratung so ausführlich behandelt( vergleiche die Artikel in Nr. 8 und 6 und die Politische Rundschau in Nr. 7), daß wir uns darauf beschränken können, summarisch seine wesent lichsten Charakterzüge hervorzuheben. Der ersten Heimarbeitausstellung blieb der Vorwurf der tendenziösen Einseitigkeit und bewußten übertreibung nicht erspart. Wir wissen, welches Bewenden es mit diesem Vorwurf hat. Das Material," so schreibt Professor E. Frante in der Sozialen Praxis", um uns auf die Aussage eines bürgerlichen Zeugen zu beschränken, ist gewissenhaft und ehrlich zusammengestellt worden. Mit voller Absicht haben wir großen Wert darauf gelegt, auch günstige Zeugnisse aus Da riß vor zwei Jahren die erste Heimarbeitausstellung der Heimarbeit zu bringen, es waren solche in großer Zahl neuerlich von der bequem- satten Wertung der Dinge die vorhanden. Wenn die Besucher und die Zeitungen trotzdem falschen hübschen Hüllen und beschönigenden Schleier. Was vorwiegend den Eindruck einer Elendsausstellung hatten, so sich dahinter zeigte war ein grauenerregendes Bild, daß furcht- liegt das eben an der Tatsache, daß in der Hausindustrie Das Gefeß weist einen einzigen nennenswerten Fortschritt bare Anflage gegen alles erhob, was sich bei uns Kultur die Not überwiegt, und in dem zwingenden Mitleid, das auf. Das ist die Gleichstellung der Frau mit dem Manne und Fortschritt nennt. Die schlimmste Ausbeutung des dieser Menschenjammer weckt." Allein wenn auch der Vor Das Gesetz beseitigt endlich die Bestimmungen, welche in Menschen durch den Menschen war es, was die Ausstellung wurf der Tendenz die Veranstaltung selber nicht zu treffen dem größten Teile des Deutschen Reiches die Frauen als Un als das in Wirklichkeit allein noch wahre Wesen der modernen vermochte, so war er doch sehr wohl imstande, deren Wir- mündige behandelten und ihnen das politische Vereinsrecht, Hausindustrie offenbarte, denn sie wies die längsten Arbeits- fung abzuschwächen. Warten ja doch unsere Sozial- hier und da sogar das politische und öffentliche Versammlungs zeiten, die niedrigsten Löhne, die größte Unsicherheit der politifer" nur auf Ausreden, um ernste Taten schuldig zu pecht vorenthielten. Obgleich mir feineswegs unterschätzen, Arbeitsbedingungen, die ungesundesten Wohnungsverhältnisse bleiben. was die Gleichstellung der Geschlechter vor dem Geseh als ihre typischen Charakterzüge aus. Und sie brachte uns Bei der zweiten Heimarbeitausstellung sollte auch der prinzipiell und praktisch auch für die kämpfenden Prole physisch und seelisch jene armseligen Heimarbeiter nahe, die in leisefte Schein der Tendenz vermieden werden. Deswegen tarierinnen bedeutet, so sind wir doch die letzten, ob dieser den überfüllten Hintergebäuden dunkler Höfe in der größten wurde hier von vornherein die größtmöglichste Sachlichkeit Bedeutung das Gesetz als eine große fortschrittliche„ Er Berkommenheit hausen, jene tläglichen, abgehärmten Frauen- und Unparteilichkeit als oberstes Prinzip der ganzen Organi- rungenschaft" zu preisen. Es bringt in dieser Beziehung nut, gestalten, die, in den engsten und dunkelsten Räumen zu fation aufgestellt. Unter dem Vorsitz des Profeffor Dr. Paul was die Reaktion auch beim besten Willen nicht mehr vor fammengepfercht, in atemloser Haft vom Morgengrauen bis Arndt wurde ein besonderer wissenschaftlicher Aus- enthalten fonnte. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in die Nacht hinein über Arbeit gebückt sitzen und kaum zum schuß eingesetzt, der die Materialsammlung für die Aus- welche Millionen von Frauen mit revolutionierten Daseins Ginnehmen des tärglichen Mahles sich eine fleine Pause stellung nach ihrer wissenschaftlichen und sozialen Seite zu bedingungen als Erwerbende, Zehntausende mit revolutio gönnen. leiten und zu überwachen hatte. Von diesem Ausschuß, als niertem Bewußtsein als Kämpfende in die Gesellschaft ftellt der Zentralstelle für die wissenschaftlichen Arbeiten, wurde hatte die Gesezesterte von anno tobacco derart überrannt, dann eine Reihe von Fachausschüssen erwählt, deren daß sie nicht bloß der Lächerlichkeit und Verächtlichkeit ver Aufgabe die Untersuchung der einzelnen Zweige der Heim- fielen, sondern auch von der Praxis fortwährend in Feyen arbeit war. Nach dem juristischen Grundsatz audiatur et zerrissen wurden. Bei Lichte betrachtet ist die zuerkennung altera pars( man foll beide Teile hören) sollten in jedem freien Vereins- und Versammlungsrechts an das weibliche Fachausschuß Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber Geschlecht nicht mehr ein Fortschritt, sie ist eine Rapi mitwirken, denen man einen unparteiischen Leiter als oberste tulation, wie Genossin Zieh zutreffend erklärte. Wir be Instanz beigab. Wie weit diese theoretisch äußerst lobens. fcheinigen der bürgerlichen Frauenbewegung, daß auch Man kennt die Wirkung des Berliner Unternehmens. Von der Kaiserin herab bis in die niedrigsten" Schichten des Bürgertums war alles aufs tiefste" gerührt. Es fand unter Vorsiz des Königs eine Sigung des preußischen Kronrats statt, die sich mit der Heimarbeit befaßte, aber noch Teine wesentlichen Früchte trug. Graf Posadowsky, der das malige Minister für Sozialreform, sprach von einem wahr haft ergreifenden Bilde". Das Reichsamt des Innern ließ g 28 น m h R a 9 a bi n et a 8 A id b ย tr 12 b b to b ir h ei g g ט δι g δ u δι 1 a Nr. 8 Die Gleichheit 71 sie ihr Teilchen dazu beigetragen hat, die Kapitulation herbeizuführen. Das größte Verdienst an ihr darf jedoch die proletarische Frauenbewegung beanspruchen, die in einem vieljährigen zähen und opferreichen Guerillakrieg sich eine politische Bewegungsfreiheit erkämpft hat, dank deren sie auch ohne formales Recht auskam und gedieh. Die Handhabung der alten vorsintflutlichen Gesetzestexte hatte schließlich mehr Scherereien für die lieben Obrigkeiten zur Folge als dauernde schlimme Folgen für uns, von dem Fluche der Albernheit und Gehässigkeit zu schweigen, der den Versuchen zu ihrer strengen Durchführung anhaftete. Den Genossinnen wird nun in nächster Zeit die Aufgabe zufallen, gründlich zu prüfen, inwieweit die veränderte rechtliche LagV eine Änderung ihrer Organisationsformen fordert. Darübev.zu beschließen wird Sache der Frauenkonferenz dieses Jahres sein. Die klassenbewußten Proletarierinnen fühlen und denken aber viel zu stark mit ihrer Klasse, aus ihren sozialen Daseinbedingungen als Angehörige der ausgebeuteten und unterdrückten Volksmasien erwächst ihnen ein zu kräftiger und gesunder Gerechtigkeitssinn, als daß sie— gewissen »gemäßigten" Frauenrechtlerinnen gleich— in egoistischer Befriedigung über den Vorteil, den das Gesetz ihnen als Glieder des weiblichen Geschlechts bringt, die bösen Fesseln übersehen könnten, die es einzelnen Schichten wie der Gesamtheit ihrer Klasse und ebenso auch nichtdeutschen Nationalitäten schmiedet. Sie werten das Gesetz als Ganzes und in seiner Rückwirkung auf die breitesten Massen ohne Unterschied des Geschlechts und der.A�tionalität. Und so gemessen verwerfen sie es als eines der schändlichsten Ausnahmerechte, welches die moderne Zeit kennt. Der berüchtigte Sprgchenparagraph beraubt mehrere Millionen Polen, beraubt reichsangehörige Dänen und Elsaß-Lothringer wie viele Zchntausende eingewanderter, nach Deutschland gelockter Arbeiter des Rechts, in Versammlungen ihre Interessen zu erörtern und sie in Organisationen zu schützen. Der verpönte Gebrauch der Muttersprache— dasein nicht behördliche Genehmigung ihn gestattet oder Wahlen ausgeschrieben sind— schlägt die Begriffe von Gerechtigkeit, von dem Recht der Nationalität und Persönlichkeit, schlägt auch der Kulturbedeutung der Sprache, der Entwicklung kulturellen Lebens ins Gesicht, welche sich die Menschheit langsam und mühsam erworben hat. Ein Triumph der brutalen Gewalt über alles, was Recht und Vernunft heißt, ist er wie kaum eine andere Bestimmung angetan, bitteren Haß zwischen den Nationalitäten üppig emporwuchern zu lassen, gleichzeitig aber auch die Barbarei deutscher Zustände der wohlverdienten internationalen Verachtung preiszugeben. Das Ausnahmerecht aber, das er für Fremdsprachige festlegt, trägt ein zweites in seinem Schoß, da? nicht minder gehässig ist als das erstere, sich gegen das kämpfende Proletariat kehrt und dessen Koalitionsfreiheit in Banden schlägt. Das läßt gerade die KtZprozentig« Zumefsung des Vereins- und Versammlungsrechts an Fremdsprachige plastisch hervortreten. Diese bleiben gerade dort rechtlos, wo sie in ihrer Eigenschaft als ausgebeutete Proletarier ihrer politischen Gleichberechtigung am dringendsten bedürften, dort, wo ihre eigene Rechtlosigkeit aber auch zugleich zu einer tückischen Beeinträchtigung der Wehrhaftigkeit ihrer deutschen Brüder und Schwestern wird. Di« schoflen Ausbeutungspraktiken der Junker polnischer wie deutscher Nationalität sorgen im Verein mit dem kapitalistischen Profithunger dafür, daß ein breiter Strom polnischer Arbeiter unaufhörlich aus dem Osten dem Westen zufließt. Als Lohndrücker und Streikbrecher rufen die patriotischen Grubenherren, Kanonenfabrikanten, Textilbarone usw. viele Tausende Arbeiter und Arbeiterinnen aller möglicher und unmöglicher Nationalitäten ms Deutsche Reich. Die geschulten deutschen Proletarier haben in Erkenntnis der Klassensolidarität, welche sie mit diesen besonders hart Ausgebeuteten verbindet, unter ihnen «ine energische Ausklärungs- und Organisattonsarbeit begonnen. Ihr werden durch den Sprachenparagraphen die größten Hindernisse entgegengetürmt. Und der Mangel an Wissen und Organisation, der dem Sinnen und Trachten der Scharfmacher gemäß die nichtdeutschen Proletarier dem Unternehmertum zu grenzenloser Ausplünderung überliefert, durchbricht die geschlossene Kampfesfront, welche die Ausgebeuteten ohne Unterschied der Nationalität ihren„Brotherren" entgegenstellen müssen. In dieser Beziehung trifft der Sprachenparagraph in erster Linie die Gewerkschaften und ihre Attionen zur wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der Massen. Er proklamiert heuchlerisch das Vorrecht der deutschen Nationalität, stärkt aber lediglich die Macht der deutschen Kapitalisten und liefert zu ihrem Nutz und Frommen die„geschätzten, bevorrechteten" Volksgenossen ausländischen �chmuykonkurrenten aus. Die Bestimmungen, welche die Minderjährigen bis zum Jghxe vom Besitz des Vereins- und Versammlungsrechts uusschiießen, schaffen gleichfalls ein blutiges Unrecht gegen das Proletariat. Sie allein wären hinreichend, in seiner ganzen Lächerlichkeit das freisinnige Gerede von dem„großen Fortschritt" zu erweisen, den das Reichsvereinsgesetz angeblich bedeuten soll. Tatsächlich drücken sie das Recht der betreffenden Minderjährigen noch unter das Niveau der Be- soegungsfreiheit, welche sogar das preußische Vereinsrecht ihnen bis jetzt eingeräumt hat. Dieses berechtigte sie wenigstens zum Besuch politischer Versammlungen, von denen sie dank der„liberalen Errungenschaft" künftighin ebenfalls ausgeschlossen sein werden. Diese grandiose Errungenschaft versächselt ihre rechtliche Position, was so ziemlich das Schlimmste ist, was einem Vereins- und Versammlungsgesetz nachgesagt werden kann. Die Entrechtung der Minderjährigen wird sich aber nicht auf das politische Gebiet beschränken, sie wird häufig genug auch die Erdroffe- lung ihres Rechts zur gewerkschaftlichen Organisation, zum wirtschaftlichen Kampfe nach sich ziehen und damit ebenfalls die Koalitionsfreiheit des Proletariats vernichten. Z Iva, welcher sie ausspricht, gibt die Handhabe dazu in Verbindung mit Z 3 und Z 3a, Absatz 3, welche die Gewerkschaften wie alle„Verabredungen und Vereinigungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen" vereinsrechtlich als„politisch" erklären. Davon abgesehen, sind die Grenzen zwischen politischen und gewerkschaftlichen Fragen so flüssig, so dehnbar, daß auch ohne die angezogenen Bestimmungen das gewerkschaftliche Recht der Minderjährigen jederzeit leicht gemeuchelt werden kann. Wozu auch gäbe es Büttelschneidigkeit und Juristenweisheit im Deutschen Reiche? Die Knebelung der Minderjährigen ist um so infamer, als kapitalistische Raffgier und proletarische Not die Kinder der werktätigen Massen immer zahlreicher im jugendlichen Alter in den Kampf ums Dasein schleudern, das heißt der Ausbeutung unterwerfen, und als die Armeleuteschule ihnen in der Vorbereitung für diesen Kampf das meiste schuldig bleibt. Den Minderjährigen des Proletariats das Recht zur Beteiligung an dem Organisations- und Versammlungsleben ihrer Klasse beschränken, läuft darauf hinaus, ihnen die Bildungsmöglichkeit zu beschränken, ihnen das Wissen vorzuenthalten, das Macht verleiht, läuft darauf hinaus, auch sie als nlüglichst billiges und widerstandsloses Maschinen futter dem Kapitalismus vorzuwerfen. Denn darüber besteht kein Zweifel, daß die Schärfe der reaktionären Bestimmungen vor allem die jugendlichen Proletarier treffen wird, ja in der Hauptsache sie allein. Die„höheren Töchter" und„Herren Buben", welche auf den Bänken besserer Schulen sitzen, werden nach wie vor auch vor dem tS. Jahre sich an Vereinen und Versammlungen beteiligen dürfen, welche den erhabenen Zwecken des dynastischen oder prozent- frohen Hurrapatriotismus und religiöser Verhetzung dienen. Mögen angesichts der Lage der Dinge die proletarischen Eltern und vor allem die Mütter ihren Eifer verdoppeln, verzehnfachen, durch eine pflichterfüllte häusliche Erziehung im Sinne des Sozialismus soweit als möglich das gut zu machen, was das schamlose Klaffenrecht an ihren Kindern sündigt. Daß ein Gesetz, welches so niederttächtige neue AuS- nahmerechte schafft, alte bösartige Ausnahmerechte gegen die werktätigen Massen nicht aushebt, versteht sich am Rande. Den Millionen Proletariern und Proletarierinnen, die im Gesindedienst und in der Landwirtschaft fronden, bringt es nicht einmal die bescheidenste Milderung ihrer traurigen Rechtsstellung. Er läßt sie unter dem vollen Druck der Gebundenheit, der Knechtung, welche der mittelalterliche Wust von Gesindeordnungen und Bestimmungen zur Fesselung der Landarbeiter auf ihre Existenzbedingungen ausübt. Wir verzeichnen es und verweisen auf das, waS zu der Frage wiederholt in der„Gleichheit" ausführlich dargelegt worden ist. Eine weitere Selbstverständlichkeit ist, daß das ReichS- vereinsgesetz keineswegs mit Polizeiwillkür und Polizeiallmacht in der Praxis des Vereins- und Versammlungsrechts auftäumt, sondern umgekehrt verallgemeinert, waS in dieser Beziehung bis jetzt für einige besonders rückständige Bundesstaaten gegolten hat. Die Machtbefugnis der Behörde— um nur eins herauszugreifen—, durch besondere Verordnungen und Verfügungen auf dem Verwaltungswege den Massen die Ausübung ihres Rechts zu erschweren, ja diesem den Hals umzudrehen, besteht so gut wie ungeschmälert weiter. Eine schwammige, kautschukähnliche Begriffsdefinition aber wird allen diesbezüglichen Schikanen gehorsam Vorschub leisten. Item: das„große Werk", das junkerliche Reaktion und bürgerlicher Liberalismus bis zu seiner„rötesten" Schattierung mit vereinten Kräften geschaffen haben, bringt dem deutschen Volke wohl die lang ersehnte Einheit auf dem Gebiet des Vereins- und Versammlungsrechtes, aber durchaus nicht die ebenso nötige Frecheit. Es bedenkt das Proletariat ganz Deutschlands mit einer einheitlichen, preußischsächsisch gebundenen Reichsvereinsrute. Es ist eine Spottgeburt aus reaktionärem Feuer und liberalem Dreck, wie sie nur im deutschen kapitalistischen Zwangs- und Geivaltstaat zu leben vermag. In Zeiten, wo der triumphierende Kapitalismus alle Gebundenheit der früheren Ordnung auflöst, in Zeiten, wo die Massen nach Freiheit dürsten, ist dem deutschen Volke das Reichspolizeigesetz aufgezwungen worden. Daß dies nur dank dem Verhalten der„entschiedenen" Linksliberalen geschehen konnte, ist deren Schuld wie ihr Verhängnis. Die Parteien sind, was sie nach den Klassen sein müssen, die hinter ihnen stehen. Das Denkmal der Schande der freisinnigen Fraktionen kündet nicht bloß den fortschreitenden Verfall der Großbourgeoisie, vielmehr den der bürgerlichen Klassen überhaupt. Aus diesem kahlen harten Felsen wird vermutlich kein Mosesstab mehr Sturzbäche quellfrischer demokratischer Aktionen hervorschlagen. Das Proletariat wird die Konsequenzen dieses Stücks geschichtlicher Entwicklung immer schärfer ziehen. Es läßt die Toten ihre Toten begraben und vertraut in allen Kämpfen auf seine Kraft allein. Die bürgerliche Demokratie hört auf, ein Puffer zwischen Proletariat und Reaktion zu sein, sie wird je länger je öfter und lakaienhafter die Schleppenträgerin der Reaktion. Anter der Teuerung. Die gegenwärtige wirtschaftliche Krisis zeigt wieder einmal aufs klarste, daß die Arbeiterklasse unter der kapitalistischen Ausbeutungswirtschaft zu einem menschenwürdigen Leben nicht gelangen kann. Selbst in der Zeit des großartigen Aufschwunges der Industrie blieb der Arbeitslohn ganz ungenügend. Jetzt aber stehen Hunderttausende von Proletariern arbeitslos auf der Straße und wissen nicht, wie sie ihre Familie, oder sofern sie ledig sind, sich selbst ernähren sollen. Das kartellierte Großkapital dagegen hat während der guten Geschäftszeit Reichtum auf Reichtum gehäuft und versteht es auch während der wirtschaftlichen Krisis, seine Macht auf Kosten der Arbeiter und kleineren Kapitalisten zu vergrößern. Diese gar zu„aufreizenden" Tatsachen suchen unsere Gegner dadurch zu vertuschen, daß sie immer wieder die „großen Lohnerhöhungen", die„vielen Verbesserungen" der Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche die Arbeiter während der guten Geschäftszeit erlangt haben, preisen und dadurch den Anschein erwecken, als ob es die Ausgebeuteten seien, die den Hauptnutzen von dem wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre gehabt haben. Wie wenig aber dieses Gerede unserer Gegner der Wahrheit entspricht, zeigt uns eine kürzlich erschienene fleißige und lehrreiche Schrift: Ein mittelbürgerliches Budget über einen zehnjährigen Zeitraum nebst Anhang„Die Verteuerung der Lebenshaltung im Lichte des Masse n- k o n s u m s" von Henriette Fürth, Jena, Verlag von Gustav Fischer, Preis 3 Mk. Die Verfasserin hat in diesem Werk die Haushaltungsbücher bearbeitet, in denen die Einnahmen und Ausgaben einer„mittelbürgerlichen" Familie vom 1. Oktober 1896 biS zum 30. September 1906 genau angegeben sind. Die Familie wohnt in Frankfurt a. M. und bestand zu Anfang der Berichtsperiode aus acht Personen. Der Familienvater zählte damals 48 Jahre, seine Frau 38 Jahre, der älteste Sohn 13 Jahre, 3 Töchter waren IS, 14 und 12 Jahre alt, der jüngste Sohn stand im Aller von 8 Jahren, und eine weitere Tochter zählte 3'/, Jahre. Im Laufe der Berichtszeit wurde ein Zwillingsknabenpaar geboren, und die beiden ältesten Kinder schieden durch Heirat aus der Familie aus. Der Familienvater war zuerst selbständiger Kaufmann und trat später als Angestellter in einen kausmännischen Betrieb. Er verdiente in den letzten fünf Jahren zusammen 26094,26 Mk. gleich S219 Mk. pro Jahr. Die Frau nahm während der Berichtszeit die Schneiderei wieder auf, die sie als junges Mädchen erlernt und betrieben hatte. Die Kinder traten nach und nach in kaufmännische Betriebe ein und brachten ebenfalls Geld ins Haus. Demnach bestand das Einkommen der Familie in den letzten fünf Jahren außer dem Gehalt des Familienvaters aus: dem Verdienst der Frau... 4742,06 Mk. dem Verdienst der Kinder.. 16S37,82« Zinsen......... 3770,—- Zuschuß vom Kapitalvermögen. 4400,—» Geschenken........ 200,-« Das Gesamteinkommen der Familie betrug in den letzten fünf Jahren 66744,13 Mk., also durchschnittlich 11 143,22 Mk. pro Jahr. Das ist im Vergleich mit dem Einkommen der Arbeiter«in sehr hoher Bettag. Mit diesem großen Einkommen hat die Hausfrau in außergewöhnlich vorsichtiger und verständiger Weise gewirtschaftet und unnütze Ausgaben nicht gemacht. Trotzdem hatte auch diese Familie zeitweise mit der Gefahr zu rechnen, daß sie nicht die Kosten für eine ausreichende Ernährung bestreiten konnte. Hieraus ergibt sich, wie weit Arbeiterfamilien mit ihrem viel geringeren Einkommen in ihrer Lebenshaltung hinter dem zurückbleiben müssen, was zu einer unseren heutigen Kulturverhältnissen angemessenen Lebensweise gehört. Bei der Bearbeitung der Haushaltungsbücher fand Frau Fürth, daß die Ausgaben der Familie durch die Verteuerung der Lebensmittel in den letzten Jahren in empfindlicher Weise beeinflußt worden sind. Die Verfasserin schloß daher ihrer Bettachtung des Budgets jener Familie eine Würdigung des Einflusses an, den die heutigen allgemeinen Verhältnisse und insbesondere die gestiegenen Preise der Lebensmittel auf die Lebenshaltung der breiten Massen des Volkes ausüben. Schon vor der letzten Teuerungsperiode war eine ständige Unterernährung der arbeitenden Bevölkerung vorhanden. Seitdem sind die Lebensmittelpreise um durchschnittlich 23,6 Prozent gestiegen. Die Mieten sind beträchtlich in die Höhe gegangen. Die Kohlen sind um 22 und 40 Prozent teurer geworden, und zwar beim Verkauf der Kohlen in größeren Mengen, also noch viel mehr beim Kleinverkauf. Auch öiele andere unentbehrliche Waren haben einen Preisaujschlag erfahren: wollene und baumwollene Webwaren, fertige Kleider, Weißwaren, Küchengeschirre, Putzzeuge, Töpferwaren usw. Der Verteuerung des Bedarfs steht nach Frau Fürth eine Lohnerhöhung von 10 bis 20 Prozent gegenüber. Mithin ist eineVerschlechterung derschonohnedies ungenügenden Lebenshaltung der Arbeiter eingetreten, die Ernährung der Arbeiter ist noch weniger genügend, als sie vordem war. Das ist der Segen, den der industrielle Aufschwung unter der Teuerung den Arbeitern gebracht hat! Was aber, so fragte Frau Fürth, als sie ihre Arbeit abschloß, soll werden, wenn die jetzt schon vereinzelt sich bemerkbar machende rückläufige Bewegung in Industrie und Handel weitere Kreise ergreift? Es braucht noch nicht einmal zu einer Krisis im landläufigen Sinne zu kommen. Schon jede Störung des Geschäftsganges hat die schlimmsten Schäden für die Arbeiter zur Folge. Man vergegenwärtig« sich nur einmal, was es angesichts der verteuerten Lebenshaltung bedeutet, wenn Zehntausende, die heute in ver- 72 Die Gleichheit Nr. 8 hältnismäßig guter und dauernder Arbeit stehen, nur noch| lehrreichen Ergebnissen führen. Die Statistit zeigt, daß die Arbeiter dienen sollen. Die Arbeiterschaft muß sich daher vorübergehend Beschäftigung finden, also geringeren und verhältnismäßige Zahl der Erkrankungsfälle von auch an der Ausgestaltung und Verbesserung der Krankenunregelmäßigen Verdienst haben oder gar völlig arbeitslos, 1886 bis 1898 im Abnehmen war, von da an aber wieder versicherungseinrichtungen nach Kräften beteiligen. Das gilt das heißt brotlos werden! Die Verelendung der Massen erheblich zugenommen hat. Im Jahre 1905 tamen auf je besonders auch von den Frauen, die hier noch ein großes muß zu einer Gefahr werden, welche die Kraft, Gesundheit 100 männliche Mitglieder 41 und auf je 100 weibliche Mit- Arbeitsfeld finden. Fr. Kleeis Wurzen. und Leistungsfähigkeit des Volkes bedroht, sobald die Hochglieder 35 Erkrankungsfälle, die mit Erwerbsunfähigkeit verkonjunktur von dem normalen Lauf der Dinge oder gar von bunden waren( die anderen werden überhaupt nicht ge= einem Niedergang in Industrie und Handel abgelöst werden zählt). Die niedrigere Erkrankungsziffer der Frauen wird. zeigt sich bei jeder Raffenart und in jedem Jahre. Zur ErAus der Bewegung. Das, was Frau Fürth damals befürchtet hat, ist in- flärung der größeren Erfrankungshäufigkeit der Männer Von der Agitation. Über das Thema:„ Die Arbeiterzwischen leider eingetroffen. Heute it in der Tat eine wird der Umstand angeführt, daß die männliche Arbeiter- familie und die Sozialdemokratie" referierte Genossin Wackgroße Zahl Proletarier arbeitslos, und t're Arbeitslosigkeit bevölkerung ein höheres Durchschnittsalter befigt als die wit in öffentlichen Versammlungen zu Demiz- Thunnig, drückt auf die Lohn- und Arbeitsverhält der glücklicheren weibliche, und daß mit dem Alter auch die Zahl der Er- Bautzen, Großröhrsdorf, Oberneukirch, Ohorn Klassengenoffen, welche noch Beschäftigung haben. Dabei frankungsfälle steigt. Die männlichen Arbeiter feien auch Klotsche, Dresden- Neustadt, Niederpöbel, Doprig, hält außerdem noch immer die allgemeine Verteuerung der den Unfällen mehr ausgesetzt, und schließlich seien die Bannewis, Wilsdruff, Cotta, Bauckeroda, Mügeln, Lebenshaltung an. ihnen obliegenden Verrichtungen durchschnittlich schwerer. Birtwig, Pirna, Kleinschach wit und Hainichen. Die Freilich ist diese Notlage der Arbeiter nicht ausschließ- In bezug auf die Krankheitsdauer zeigt sich die Versammlungen, die zum Teil speziell den Frauen galten, lich auf die Verteuerung der Lebenshaltung zurückzuführen. entgegengesetzte Erscheinung: ein Ertranfungsfall einer Frau waren vom sozialdemokratischen Agitationstomitee für die Vielmehr ist es die fapitalistische Ausbeutungswirtschaft, bedarf im Durchschnitt einer längeren Heilbehandlung als ersten neun Wahlkreise in Sachsen einberufen worden und dank derer die Großkapitalisten den Ertrag der gemeinsamen der eines Mannes. Im Jahre 1905 famen nämlich auf je sehr gut besucht. An einigen nahmen Lehrer und Mitglieder Arbeit den Arbeitern in einem solchen Maße entreißen, daß 100 männliche Mitglieder 775 und auf je 100 weibliche Mit- gegnerischer Organisationen teil, jedoch ohne in der Debatte der großen Masse des arbeitenden Volfes ein menschen- glieder 821 Krankheitstage. Die durchschnittliche Unterzu sprechen. In Klein schach with trat ein ehemaliger würdiges Leben unmöglich gemacht wird. Die Verteuerung stützungsdauer bei dem einzelnen Erkrankungsfall ist nicht Sozialdemokrat auf, erklärte sich mit den Ausführungen der der Lebenshaltung verschärft aber das Elend der Arbeiter, gleich geblieben. Sie schwankte im Gesamtdurchschnitt seit Referentin einverstanden, meinte aber, die Sozialdemokratie auf daß die Großkapitalisten um so mehr Profit einstecken 1888 bei den Männern zwischen 16,0 und 18,7 Tagen und löse nicht ein, was sie in ihrem Programm verspreche, und tönnen. Das sehen wir jetzt unter der Teuerung leider nur bei den Frauen zwischen 17,2 und 23,5 Tagen; sie war aber tönne es auch nicht einlösen. Er schimpfte auf die„ Führer" zu deutlich. Mögen daraus die Arbeiter und Arbeiterinnen für die Frauen stets länger als für die Männer. Eine ge- der Sozialdemokratie, der Gewerkschaften und der Genossendie nötigen Lehren ziehen und mit um so größerer Tattraft wisse Gesetzmäßigkeit zeigt sich auch darin, daß die Ziffern schaftsbewegung und schleuderte allerhand Vorwürfe gegen gegen die jezige Ausbeutungswirtschaft ankämpfen. für die Männer und für die Frauen die Jahre hindurch fast sie. Als der Herr ersucht wurde, Beweise für seine BeGustav Hoch- Hanau a. M. ftets gemeinsam stiegen und santen. Im Durchschnitt der hauptungen zu erbringen und Namen zu nennen, da verlegten 18 Jahre( 1888 bis 1905) stellte sich die durchschnitt- sagte er, und nur mit Mühe konnten die Versammlungsliche Unterstützungsdauer bei allen Kaffen für die Männer besucher davon zurückgehalten werden, ihn hinauszuwerfen. Die Frauen in der Statistik der Kranken- auf 17,1 und für die Frauen auf 19,4 Tage pro Erkrankungs- In der Versammlung in Mügeln waren die Beiter der fall. Die Statistik hebt noch hervor, daß bei den Männern christlichen Organisation anwesend, die am Orte ein halbes versicherung. die Krankheiten von kurzer Dauer fast doppelt so zahlreich Dußend Mitglieder zählt. Eine Boltsversammlung in Nier sind als bei den Frauen. Bei den Krankheiten von längerer schütz bei Meißen war sehr gut besucht. Es war das ersteDauer( von mehr als drei Wochen) findet das Umgekehrte mal, daß eine Frau am Orte referieren sollte, und dieser statt. Gründe für diese Erscheinung werden nicht angeführt. Umstand hätte beinahe dazu geführt, daß den Genossen der Jedenfalls aber zeigt dieselbe, daß gerade die Frauen alle Saal verweigert wurde. Nur mit Mühe gelang es ihnen, Ursache haben, für eine Verlängerung der Unterstüßungs- den Wirt umzustimmen. Daß eine Frau als Rednerin aufdauer durch das Kassenstatut einzutreten. treten sollte, und gar noch eine Sozialdemokratin, erregte in gewissen Kreisen des Ortes helle Empörung. Die Versamm lungen gewannen den Organisationen der Partei neue Mitglieder und der Arbeiterpresse neue Leser. Unter den verschiedenen Zweigen der Arbeiter fürsorge ist es die Krankenversicherung, der die Arbeiterschaft das meiste Interesse entgegenbringt. Das gilt besonders auch von den Frauen, die ja teils als Selbstversicherte, teils auch im Interesse ihrer Familienangehörigen mit den Organen der Krantenversicherung häufig in Berührung kommen, und für die die Krankenkassen die einzigen öffentlichen Institute sind, Sterbefälle sind bei den weiblichen Mitgliedern in denen sie indirekt und direkt an der Verwaltung teilweniger zahlreich als bei den männlichen. Im Durchschnitt der Jahre 1888 bis 1905 tamen auf je 100 männliche Mit glieder 0,94 und auf dieselbe Zahl weiblicher Mitglieder 0,68 Sterbefälle.[ Das wird wieder damit zusammenhängen, daß die Mehrzahl der weiblichen Mitglieder jüngeren Alters lassen angehören als die Mehrzahl der männlichen. Anm. nehmen können. Marie Wadwig. Mitte März tagte in G5In- Ehrenfeld eine öffentliche Frauen- und Mädchenversammlung, in welcher der Arbeiter sekretär Genosse Bartels die sozialdemokratische Forderung begründete: Unentgeltlichkeit der ärztlichen Hilfeleistung bei Deshalb sei an dieser Stelle einiges aus der Statistit der Krankenversicherung wiedergegeben, die vieles enthält, was die Frauen lebhaft interessieren muß. Es ist ja richtig, daß diese Statistik sehr mangelhaft ist. Bringt sie doch teinerlei Angaben über die gesamte innere Organisation d. Red.] der Kassen. Nicht einmal die Zahl der Generalversamm- über den Umfang der so wichtigen Familienunter- Geburten und Krankheitsfällen und Unentgeltlichkeit der lungsvertreter und der Vorstandsmitglieder teilt sie mit, gestühung( Mehrleistungen nach§ 21 Krankenversicherungs- Heilmittel. Der Referent berücksichtigte besonders die un schweige denn, daß sie Auskunft gibt über die Beteiligung geseg in Gestalt von ärztlicher Behandlung und freier längst in Göln und Mühlheim aufgedeckten Mißstände. An an den Wahlen der Kassenorgane und über den Üm- Arznei für nichtversicherte Familienangehörige) gibt die den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, die mit der fang der Teilnahme der Frauen an der Ver- Statistit ebenfalls feine Auskunft. Nur die Summen der er- Annahme der schon in Cöln( siehe Nummer 5) gefaßten waltung. Immerhin lassen die dargebotenen Zahlen erhobenen Zusatzbeiträge für solche Mehrleistungen sind ange- Resolution endete. Die Vertrauensperson erstattete darauf tennen, welche Bedeutung die Versicherung erreicht und führt, sind aber sehr belanglos. ihren Jahresbericht. Die Einnahmen betrugen 70,15 Mt., welche Entwicklung sie hauptsächlich infolge des Fleißes der Für Wöchnerinnenunterstützung verausgabten die die Ausgaben 66,50 Mt., so daß ein Bestand von 3,65 t. Arbeitervertreter genommen hat. Ortsfrankenkassen 2936499 Mt., die Betriebstrantenfaffen in der Kasse bleibt. Genossin Schütz wurde zur BertrauensDer eben erschienene Bend 177 der Statistik des Deutschen 1562126 Mr., die Baufrankenkassen 742 Mt. und die In- person für das neue Tätigkeitsjahr gewählt. Die Ge Reiches enthält Mitteilungen über den Stand der Kranten nungsfrankentassen 56297 Mt. Bei den Ortsfrankentassen nofsinnen werden eifrig weiter arbeiten, damit immer mehr versicherung im Jahre 1905. Überschlagen wir die Angaben steigerte sich der Aufwand auf den Kopf des weiblichen Frauen und Mädchen sich ihren Reihen anschließen. Frau Schüßüber die Zahl und Größe der Kassen, welche die unheim- Mitgliedes von 0,92 Mit. im Jahre 1892 auf 1,83 Mt. im liche Zersplitterung der Präfte auf diesem Gebiet von neuem Jahre 1905. Aus der Statistit ersteht man, daß den Orts- In verschiedenen sächsischen Wahlkreisen referierte Ge dartun, so interessieren uns besonders die Mitteilungen über trantentassen ein Aufwand von wöchentlich nur 3% Pf. noffin Wartenberg- Ottensen über das Thema: Wie er die Beteiligung des weiblichen Geschlechtes an pro Arbeiterin durch die Wöchnerinnenunterstützung erwächst. halten wir uns gesunde Mütter und gesunde, lebensfrohe der Mitgliederbewegung. In der Gemeindekrankenversicherung und den Hilfstassen Nachkommenschaft?" Die Referentin verbreitete sich in ihrem Da ist vor allem eine starke Zunahme der weib- fehlt diese so überaus wichtige Unterstützung fast ganz, Vortrag unter anderem über die Frage, wie und wann lichen Mitglieder zu verzeichnen. Die durchschnittliche obwohl es sich bei diesen beiden Kassenarien um rund 604000 die Kinder über sexuelle Dinge aufgeklärt werden sollen, Zahl der männlichen Versicherten bei sämtlichen Kassen weibliche Mitglieder handelt. übte Kritik an der gesundheitsschädigenden Beschäftigung ftieg von 4948 537 im hre 1889 auf 8349 779 im Jahre Die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz von 1903 der Frauen und beschäftigte sich eingehend mit der sexuellen 1905( gleich von 100 auf ICS), die der weiblichen aber von brachte für die Zwangstassen( außer für die Gemeindekranken- Hygiene des Weibes. Nach dem Vortrag beantwortete fie 1195 662 auf 2834 697( gfeid) von 100 auf 237). Da- versicherung) als statutarisch einführbare Mehrleistung noch die Fragen, die in großer Zahl an sie gestellt wurden. Die durch verschiebt sich natürlich das Verhältnis der Zahl der die Schwangerenunterstützung.§ 21 Abs. 1 Ziff. 4 Versammlungen waren durchweg überfüllt; die Säle reichten Frauen zu der Zahl der Männer; während im Jahre 1889 des Gesetzes besagt:„ Schwangeren, welche mindestens sechs bei weitem nicht zu, alle zu fassen, welche den Vortrag auf je 100 versicherte Männer 24 Frauen kamen, waren dies Monate der Kasse angehören, kann eine der Wöchnerinnen- hören wollten; und Genossin Wartenberg mußte ihn aus im Jahre 1898 durchschnittlich 29 und 1905 bereits 33. Bei unterstützung gleiche Unterstützung wegen der durch die diesem Grunde in verschiedenen Orten wiederholen. Überall der Gemeindeversicherung und den Ortskrankenkassen steigt Schwangerschaft verursachten Erwerbsunfähigkeit bis zur wurde der Wunsch geäußert, daß recht bald mehr solcher die Verhältniszahl der Frauen gegenüber den Männern Gesamtdauer von sechs Wochen gewährt werden." Inwie- Vorträge gehalten werden mögen. stetig und start, bei den Innungsfrankenkassen und den weit die Kassen diese Mehrleistungen eingeführt Hilfskaffen steigt sie mit Schwankungen. Die Zunahme der haben, geht aus der Statistit leider nicht hervor. Der Frauenbildungsverein in Altwasser hielt weiblichen Mitglieder bei den einzelnen Kassenarten betrug Wieviel Personen Krankenhausverpflegung er- am 29. März seine monatliche Mitgliederversammlung ab, von 1889 auf 1905: in der Gemeindeversicherung 94 Pro hielten, ist nicht erwähnt. die sehr zahlreich besucht war. Genosse Arbeitersekretär zent, bei den Ortsfrankenkassen 222 Prozent(!), bei den Die finanziellen Leistungen der Krankenkassen ins Osterrot- Waldenburg referierte über das Thema: Die Innungstrankenkassen 977 Prozent(!), bei den Hilfskaffen gesamt veranschaulichen folgende Zahlen. Die ordentlichen Frauen einst und jetzt." Er erörterte unter anderem die 32 Prozent und bei den Betriebs-( Fabrik-) Krankenkassen Ginnahmen betrugen 266912673 Mt.( gegen 246005055 Mt. wirtschaftliche Lage der Arbeiter und Arbeiterfrauen und be71 Prozent. Bei allen Rassenarten zusammen betrug die im Jahre 1904). Darunter befanden sich an Eintrittsgeldern gründete die Forderung des Frauenwahlrechts. Die Zuhörer Zunahme 187 Prozent. und Beiträgen 250351 868 Mt. Die ordentlichen Ausgaben dankten ihm durch lebhaften Beifall. Dem Antrag verFür diese Verschiebung der Mitgliederbestände sind vor- betrugen insgesamt 233835378 m.( gegen 234084806 mr. schiedener Genossinnen entsprechend, wurde eine Beschwerde nehmlich zwei Gründe anzuführen: erstens die steigende im Jahre 1904). Darunter befanden sich für Krankheits- tommission gewählt. Es wurden in sie delegiert die Ge Teilnahme der Frauen am Erwerbsleben, welche fosten 282243886 Mt. Auf ein Mitglied tamen im Jahre nofsinnen Mende, Gärtner und Heinzelmann. Außer einen immer wachsenden Kreis von Frauen der Versicherungs- 1888 an Krankheitstoften 11,40 Mt., im Jahre 1905 aber 20,76 dem wählte die Versammlung zwei Bezirksführerinnen, und pflicht unterwirft, und zweitens die zunehmende Be- Mart. An Verwaltungsfosten entfielen 1905 auf ein mit zwar zur Führerin des 3. Bezirks Genossin Niesel, zu der achtung der Krantenversicherung, welche die nicht zwangs- glieb 1,27 Mr. des 4. Genossin Seidel. Auguste Grunwald. versicherten Frauen veranlaßt, freiwillige Kaffenmitglieder Die Rassen würden zweifellos noch mehr leisten können, Ein Pröbchen vom Kampfe mit geistigen Waffen zu werden. Daß gerade die legterwähnte Ursache mitspricht, wenn sie besser zentralisiert wären, und wenn die Anteil- gegen die Sozialdemokratie. Um die Frauen der polis geht daraus hervor, daß die Zunahme der weiblichen Mitnahme der Arbeiter an der Verwaltung überall zur vollen tischen Organisation zuzuführen, hatte der Landesvorstand glieder gerade bei den Ortsfrankentassen so groß ist, bei Geltung fäme. Daß große, von Arbeitern geleitete Rassen der sozialdemokratischen Partei in Hessen mich beauftragt, denen die Erwerbung der freiwilligen Mitgliedschaft am be- mehr leisten fönnen als fleine Käßchen, das ist klar. Am in den Kreisen Offenbach, Darmstadt und Fried deutlichsten tritt das bei der Refonvaleszenten-( Gene berg- Bensheim zu agitieren. Das gab mir Gelegenheit, Interessant ist auch die Statistik der Erkrankungsfälle senden-) Fürsorge hervor. Während die Ortskrankentassen im beliebte Agitationsmethoden der zentrümlerischen Gegner und der Krankheitsdauer. Leider erstreckt sie sich nicht auf Jahre 1905 dafür 120786 Mt. ausgegeben haben, hat die Ge- fennen zu lernen. Die Herren Pfarrer und Kapläne, welche die Krankheitsarten und-formen, nicht einmal die Betrieb3- meindefrankenversicherung ganze 282 Mt. dafür aufgeroendet. hervorragende Agitatoren des Zentrums sind, sehen mit unfälle werden getrennt aufgeführt. Das ist ein großer Zu den Aufgaben der Arbeiterbewegung gehört auch die Schrecken, daß die Proletarierinnen beginnen, ihren Platz im Mangel, denn gerade diese Aufstellungen müßten zu sehr möglichste Nutzbarmachung der Gesetze, die dem Schutze der Beichtstuhl mit der Mitgliedschaft in der sozialdemokratischen quemsten ist. Marie Wadwig- Dresden. 73 . Nr. 8 Die Gleichheit Organisation zu vertauschen. Sie fürchten mit Recht, mit schärfungen wieder umgestoßen, die sie in erster Lesung zum| geißelte Genosse Bebel in zwei prächtigen Reden die der Frau eine der besten Stüßen der Zentrumsherrlichkeit Schrecken der Börse und des Freisinns beschlossen hatten: preußisch- deutsche Ausweisungsschmach und die zerfahrene, und der Kirche zu verlieren. Um der Gefahr vorzubeugen, sie stellten im allgemeinen die Regierungsvorlage wieder her. schwankende auswärtige Politik des Reiches. Zu diesem ist ihnen jedes Mittel recht. Sie verwandeln die Kanzel in Der Freifinn atmet erleichtert auf, das Geschäft erweist sich letzteren Kapitel ist ein neuer Beitrag durch den Fall Hill eine politische Tribüne und wettern von dort aus wo sie als rentabel. Er liefert die Versammlungsfreiheit der Polen geliefert worden. Die Regierung der Vereinigten Staaten wider jede Opposition geschützt sind gegen die„ verruchte", und Dänen und ein Stück Koalitionsrecht der Arbeiterklasse hatte die Absicht zu erkennen gegeben, ihren bisherigen Botideallose" Sozialdemokratie los. In dieser„ gerechten" und wie das Recht der jugendlichen Proletarier der preußischen schafter in Berlin, Tower, abzuberufen und ihm einen Herrn christlichen" Weise hatte auch der Diener des menschen- Reaktion aus, und als Gegenleistung gewährt sie ihm Börsen Hill zum Nachfolger zu geben. Die deutsche Reichsregierung freundlichen Nazareners die Bevölkerung von Ober- Roden freiheit! hatte die übliche Versicherung abgegeben, daß sie gegen die bei Offenbach auf die sozialdemokratische Versammlung vor- So hat der Freifinn denn bei den herannahenden preußi- Person des Nachfolgers nichts einzuwenden habe. Hinterher bereitet, die dort am 1. März stattfinden sollte. Hear Kaplan schen Landtagswahlen seinen Wählern doch einige positive ist aber ein Schreiben Wilhelm II. nach Washington abCallaim, dies der Name, hatte den Frauen, die etwa nachmit- Erfolge der Blockpolitik zu bieten- denen erster und zweiter gegangen, worin gesagt wurde, daß das Ansehen der Union tags die Versammlung besuchen würden, die schwersten Strafen Klasse das Reelle, die Börsenreform, denen dritter Klasse in Deutschland durch die Ernennung Hills beeinträchtigt angedroht und ihnen die Absolution verweigert. Und als den Schwindel von den großen Errungenschaften", die das werden würde, da Hill nicht über ein so großes Vermögen berufener Erzieher der Jugend hatte er von der Kanzel herab Vereinsgesetz in sich birgt. Außerdem noch ein Bülow- wie Tower verfüge und also nicht so glänzende Geselldie Kinder aufgefordert, der roten Rednerin" beim Ver- Versprechen auf eine„ grundlegende Wahlreform" in Preußen. fchaften geben könne wie dieser. Die Amerikaner ärgern lassen der Eisenbahnstation solch einen Empfang zu bereiten, Das hat nämlich der Freisinnige Potthof aus der Rede fich über diesen Schritt, und Präsident Roosevelt hat Hill, daß sie schleunigst Kehrtum mache. Seine Lehren waren auf herausgehört, die Bülow am 26. März im Reichstag zu der für einen der besten Diplomaten seines Landes gilt, unguten Boden gefallen. Als ich in Begleitung von Partei- einer sozialdemokratischen Resolution hielt. Sie forderte die geachtet der kaiserlichen Bedenken zum Berliner Botschafter sekretär Rind- Offenbach den Zug verließ, wurden wir Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten ernannt. Die an sich unbedeutende Affäre zeigt wieder einvon etwa 30 Kindern mit Geschrei und Pfeifen begrüßt. Wahlrechts für alle über zwanzig Jahre alten Bürger ohne mal, wie in Deutschland regiert und auswärtige Politik geDie Zahl der kleinen„ Demonstranten" wuchs rasch, Unterschied des Geschlechts im Reich und den Bundesstaaten macht wird. ein Zug von mindestens hundert Kindern begleitete und erhielt außer den Stimmen der Sozialdemokraten nur In Rom hat die Polizei eine blutige Metzelei unter die„ räudigen Schafe" unter ohrenbetäubendem Lärm die von ganzen zwei Freisinnigen. Wie die„ grundlegende" Arbeitern angerichtet, die mit der Leiche eines Kameraden nach dem Versammlungslokal. Unterwegs flogen die Reform aussehen soll, darüber hat der Kanzler nichts gefagt einen von der Polizei gesperrten Weg ziehen wollten. Auf Fenster nur so auf, und Frauen und Mädchen schrien- um so redseliger hat er über das Reichstagswahlrecht dem Platze blieben zwei Tote und zwanzig Verwundete, lachend„ artige" Begrüßungsworte heraus. Am Ver- sich ausgelassen. Er hat es in schlimmster Weise angegriffen darunter fünf lebensgefährlich Verlegte, von denen einer fammlungslokal gab es schließlich eine„ Ovation" und heruntergerissen. Er suchte dabei Deckung hinter anderen, schon nach einigen Stunden starb. Das Proletariat hat seitens der Lehrbuben, die das Johlen aus dem ff verstanden. indem er Aussprüche von Wahlrechtsfeinden zitierte und diese Bluttat mit einem imposanten Generalstreit beantwortet, In Nieder- Roden hatte Herr Kaplan Schmidt von der immer wieder mit höhnischem Lächeln betonte, daß er nur der bei Abschluß der Rundschau noch andauerte. Ranzel herab erklärt:„ Ich wünsche, daß die rote Rednerin, zitiere, nur referiere, daß er und die verbündeten Regie- Erfreuliche Symptome zeigen sich unter den Gewerkwenn sie hier eintrifft, sich die Beine und das Genick bricht." rungen nicht an eine Abänderung des Reichstagswahlrechts schaftlern Nordamerikas. Die schändlichen Klassenurteile Gewiß ein recht frommer, christlicher Wunsch, der dem Prediger denten. Daß solche Pläne zurzeit nicht in tonkreter Form wider die Gewerkschaften haben den Ruf nach selbständiger der Moral„ Liebet eure Feinde" zur Ehre gereicht. Die Er- vorliegen, mag stimmen. Das grinsende Behagen jedoch, Beteiligung der Arbeiterschaft an der Politik ausgelöst. tegung im Orte war so groß, daß die Parteigenossen uns womit der oberste Reichsbeamte alle jene Angriffe gegen das Die Führer, die sich früher ablehnend dazu verhielten, wagen am Bahnhof erwarteten, um Widerstand entgegenzusehen, wichtigste Bolfsrecht vortrug, läßt feinen Zweifel darüber, nicht mehr zu opponieren. Die Logik der Tatsachen wird wenn gläubige Gemüter versuchen sollten, dem Wunsche des daß er mit Vergnügen zur Abwürgung des Reichstags- dafür sorgen, daß das der erste Schritt der Arbeitermassen Raplans etwas nachzuhelfen. Zur selben Zeit, wo in Weiß- wahlrechts bereit wäre, sobald er Aussicht hätte, dafür im zum Sozialismus ist. Die amerikanische Sozialdemokratie tirchen unsere Bersammlung tagen sollte, hielt der Herr Reichstag eine Mehrheit zu finden. Also hat das deutsche Prole wird das Ihrige dazu tun. Pfarrer von Drbertshausen dort seinerseits eine Versamm tariat allen Anlaß, sich start zu machen zu einer Verteidigung lung ab. Diese Versammlung zu besuchen, nicht aber jene, dieses Rechtes, die ihr früher oder später aufgezwungen Too„ die Frau" sprechen sollte, dazu hatte der alte Dorf werden wird. Auf die bürgerlichen Parteien, die heute noch pfarrer vormittags in der Predigt eindringlich aufgefordert. als Anhänger des Reichstagswahlrechts auftreten, ist nicht Ich brauche wohl kaum zu versichern, daß in allen drei für alle Dauer Verlaß. Der Freifinn fann nach den Proben Orten die Agitation der Herren Pfarrer und Rapläne uns von Anpassungsfähigkeit, die er jetzt ablegt, in vielleicht gar träftig gefördert hat. Unsere Versammlungen waren über- nicht allzu langer Frist auch für eine Verschlechterung des füllt, wir fanden eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft. Die grundlegenden Wahlrechts zu haben sein. Hat er doch jetzt Wahrheit, welche im Sozialismus liegt, läßt sich ebensowenig auch für die Reichsbeamten die forrumpierenden Ostmarkenmit Pfarrerstutten verhängen, als mit Säbelhieben erschlagen. zulagen bewilligt. Sie bringt Gehaltszulagen für Beamte, Ich wünsche mit aufrichtigem Herzen, die Herren Geistlichen die in den polnischen Landesteilen stationiert sind, die aber jeder Konfession möchten überall von der Kanzel herab auf nur solchen zugeteilt werden, die gut polenfresserische Geunsere Versammlungen aufmerksam machen. Wir ersparen sinnung befunden. Mit gewohnter Halbheit hat der Freifinn bie Rosten der Annoncen in der Presse, die Mühe der Vor- sich zu salvieren gesucht, durch die Bedingung, daß die Zu agitation und dürfen einer zahlreichen Zuhörerschaft gewiß lagen fünftig unwiderruflich sein sollen. Praktisch bedeutet sein. Ich danke den Herren Pfarrern und Kaplänen, welche das so gut wie nichts- die Regierung kann den Beamten, sich in den drei Orten so rebliche Mühe für den Erfolg dessen Gesinnung ihr nicht mehr gefällt, nach dem teureren unferer Agitation gegeben haben, sie haben sich um unsere Westen versetzen, wo es feine Ostmarkenzulagen gibt. Die Sache wohlverdient gemacht. Agnes Fahrenwald. torrumpierende Wirkung der Zulagen wird also durch die freisinnige Verbesserung" in feiner Weise aufgehoben. Unter den sozialdemokratischen Antworten auf die reichskanzlerische Verunglimpfung des Reichstagswahlrechts hat dem Empfinden des Proletariats und der Situation am besten die Rede Bebels entsprochen, in der es furz und treffend hieß: „ Wenn Sie dem Proletariat die politische Gleichberechtigung versagen, so treiben Sie es zur Revolution!" Für unsere Kinder Politische Rundschan. Gewerkschaftliche Rundschau. H. B. Gegen den in der Kommission durch die Freisinnsmannen noch verschlechterten Entwurf eines Reichsvereinsgesetzes hat nunmehr die Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands doch noch eine allgemeine Protestbewegung eingeleitet. Sie hat an die Arbeiterschaft bas dringende Ersuchen gerichtet, allerorts Bersammlungen einzuberufen, in denen gegen die Verpreußung und Bersachse lung des Vereins- und Versammlungsrechtes protestiert und für das Recht des Staatsbürgers, sich zu vereinigen und zu versammeln, ohne von der Gnade der Polizei abzuhängen, demonstriert werden soll. Jm Baugewerbe ist zurzeit Waffenstillstand eingetreten. Auf Betreiben des Professors Dr. France- Berlin, des Herausgebers der Sozialen Praxis", tam unter Leitung des Gewerbegerichtsvorsitzenden v. Schulz eine gemeinsame Sigung von Vertretern beider Parteien zustande, in der nach zweitägiger, schwieriger Verhandlung eine Einigung über den sogenannten Mustertarif" erzielt wurde. Auf Grund dieses Tarifs werden nun die örtlichen Verhand Noch vor Ostern soll das Reichsvereinsgesetz im Reichs lungen stattfinden. Die neuen Verträge sollen den Zentraltag verabschiedet werden. Rücksichtslos und schamlos peitscht vorständen bis Ostern vorgelegt und bis zum 1. Mai geber Block die Vorlage durch, Schlußanträge über Schlußnehmigt werden. Es gelang den Arbeitervertretern, einige anträge schneiden den Rednern der Minorität das Wort der bedenklichsten Bestimmungen zu beseitigen oder doch ab. Am Sonnabend den 4. April wurde mit 200 gegen Während die Beamten im übrigen im Reich wie in zugunsten der Arbeiter abzuschwächen. Die von den Arbeit179 Stimmen der berüchtigte Sprachenparagraph ange. Preußen wegen der versprochenen Gehaltsaufbesserungen gebern gewünschte Bestimmung, daß die tarifmäßig feftnommen. Von den Freisinnigen stimmten nur die vier Ab- auf die Reichsfinanzreform vertröstet werden, geht unwider gelegten Lohnsäge nur für„ tüchtige" Arbeiter bemessen geordneten Dohrn, Haußmann, Dr. Neumann- Sofer und sprochen die Meldung durch die Zeitungen, daß eine Erhöhung seien, ist in den Mustervertrag nicht aufgenommen worden. Dr. Potthoff dagegen. Wirkungslos sind also die Protest- der Zivilliste des Kaisers als König von Preußen um einige Auch das von den Unternehmern geforderte Verbot der bewegungen geblieben, die Professor Quidde in der füd- Millionen geplant wird. Die Verteuerung des Lebensunter Agitation auf der Arbeitsstelle ist im wesentlichen gefallen. deutschen Boltspartei und Barth in der Freifinnigen Ver- halts wird als Grund für die Erhöhung angegeben. Der Die Agitation soll nur in der Arbeitszeit unterbleiben, nicht einigung gegen den Verrat an den liberalen Grundsätzen Reichstag hat foeben die neue Flottenvorlage befinitiv be aber während der Pausen. Die Arbeiter dagegen müssen einleiteten, ebenso auch die Protestrefolutionen verschiedener willigt, die pro Jahr eine Mehrausgabe von 100 Millionen vorläufig auf eine Verkürzung der Arbeitszeit verzichten, Lotalorganisationen beider Parteien und die geharnischten für Marinezwecke bedeutet. Die Gehaltserhöhung der Be sofern ihre Arbeitszeit nicht mehr als zehn Stunden beträgt, Erklärungen Hirsch- Dunckerscher Gewerkvereinsblätter und amten wird eine ähnliche jährliche Mehrausgabe herbei und sich verpflichten, die neuen Verträge auf zwei Jahre -führer. Der weitere Ausschuß der Deutschen Volkspartei führen. Das Reichsdefizit, das die Germania auf 400 Mil anzuerkennen. Die Lohnfrage ist nicht generell geregelt, der am 29. März in Stuttgart tagte, zeigte lediglich, daß lionen berechnet hat, würde somit auf 600 Millionen Mart sondern unterliegt den örtlichen Vereinbarungen. Der Friede die Mehrheit der Vertrauensmänner auf der Seite Payers steigen. Dafür muß Deckung durch neue Steuern gesucht ist also noch nicht gesichert, vielmehr ist wahrscheinlich, daß fland, der über der Sorge um den Block die demokratischen werden. Man versteht, daß es den besitzenden Klassen es wegen der Lohnhöhe in den einzelnen Orten noch zu Grundsäge vollständig aus den Augen verloren hat. Ihm schwül wird bei dem Gedanken, man tönnte zur Deckung schroffen Meinungsdifferenzen kommen wird. fiel benn auch die traurige Aufgabe zu, im Reichstag den dieser Summe auch nur teilweise direkte Reichssteuern Verrat Ähnlich ist die Situation in der Holzindustrie. Die Jm Schneidergewerbe haben Schlichtungsverhandzu rechtfertigen. Er löste sie, indem er zunächst die schaffen, das heißt die Besitzenden für die von ihnen gewollte Verhandlungen, die Ende März unter Vorsitz des Freiherrn angeblichen Vorteile des Gesetzes über den Schellendaus und gebilligte Heeres, Flotten- und Rolonialpolitik zahlen v. Berlepsch in Leipzig stattfanden, haben ein endgültiges pries. Ehrlicher war er, als er sagte: Außerdem werden lassen. Im Herrenhaus Preußens haben die erblichen Ge- Resultat nicht ergeben. Es ist nun eine Schlichtungswir aber nicht unsere Organisation durchbrechen, damit die setzgeber dieser Angst Ausdruck gegeben durch Protestreden kommission eingesetzt worden, die die Aufgabe hat, mit den Regierung einen Vorwand findet, um uns ausschalten und gegen direkte Reichssteuern und durch die Empfehlung neuer Parteien über die noch nicht erledigten Streitpunkte zu vers eine andere Partei wieder zur regierenden machen zu können. Belastungen der Genußmittel der arbeitenden Massen, des handeln, die in 23 Orten dem Abschluß neuer Tarifverträge Wir wollen auf der Bahn des Blocks weitergehen." Das Bieres, des Branntweins und des Tabaks. noch entgegenstehen. Anfang April wird wiederum in Leipzig heißt also: um einen lumpigen Grundsatz geben wir die In jenen Sigungen des Reichstags, die infolge des und unter Vorsiz v. Berlepschs ein Schiedsgericht tagen, Borteile der Stellung als Regierungspartei nicht auf! Um Journalistenstreits unter Ausschluß der Offentlichkeit statt das die letzte Entscheidung fällen soll. im Block bleiben zu können, um das Zentrum von der fanden, wurde der Kolonialetat und der Etat des ReichsGutterkrippe fernzuhalten, lassen sich die Linksliberalen zu tanglers verhandelt. Beim ersteren übte Genosse Ledebour lungen einen Einigungsvertrag für sechs Städte zustande Sandlangern der brutalſten Reaktion machen, zu Lakaien scharfe grundsätzliche und Detailkritik an der Kolonialpolitit. gebracht, nachdem örtliche Verhandlungen zu keinem Verber preußischen Junter und Scharfmacher und ihrer Regie- Daß sich ihre grundsägliche Verwerfung der Kolonialpolitit gleich geführt hatten. Auch sonst machen die Tarifabschlüsse rung. Denn aus eigener Kraft getrauen sich diese marklosen mit der Sorge für das Wohl der Eingeborenen sehr wohl in diesem Gewerbe lebhafte Fortschritte. In Berlin soll Nachfahren der achtundvierziger Sturmgesellen nichts mehr verträgt, wurde durch mehrere sozialdemokratische Resolu- jetzt der Tarif auf alle Herrenmaßgeschäfte ausgedehnt wer au erobern und an einem Zusammengehen oder auch nur tionen zugunsten der Eingeborenen bewiesen, die so sach- den. Bisher haben nämlich von den 600 in Frage kommenParallelmarschieren mit den Sozialdemokraten hindert sie gemäß waren, daß selbst der Staatssekretär Dernburg nicht den Firmen 300 ben Bertrag noch nicht anerkannt, obgleich ihr Klassenbewußtsein als Verteidiger des Privateigentums. ihre Ablehnung zu fordern wagte. Sie wurden denn auch fie dem vertragschließenden Arbeitgeberverband angehören. Übrigens sind die Junter feine Unmenschen. Sie er- angenommen. Dernburg mußte weiter anerkennen, daß eine Die Aussperrung auf den deutschen Sees weisen sich für den Verrat des Freisinns am freisinnigen bestimmte Maßregel zugunsten der Gingeborenen auf das werften ist nun zur Tat geworden. Weil die Arbeiter Brogramm erkenntlich. In der Kommission für die Beratung Drängen des scharfen sozialdemokratischen Kolonialfritikers der Howaldtwerke nicht, wie die Unternehmer verlangten, Der Börsengesegnovelle haben sie in zweiter Lesung die Ver- Ledebour zurückzuführen sei. Beim Etat des Reichstanzlers am 21. März die Arbeit wieder aufgenommen haben, sperrt 29 29 74 jetzt das Reederprotzentum 30 Prozent der gesamten Arbeiter aus, obgleich die Lohnsklaven der genannten Kieler Firma sich unterdes bereit erklärten, die Arbeit am 30. März wieder aufzunehmen. Es sind insgesamt etwa 12000 Arbeiter der Werften in Hamburg, Kiel, Stettin, Flensburg, Lübeck, Bremen, Bremerhaven, Vegesack, Rostock und Tönning ausgesperrt worden. Die Streikenden der Howaldtwerke haben daraufhin die Arbeit nicht aufgenommen. In der Nordhauser Kautabakindustrie droht ebenfalls ein Kampf auszubrechen. Die Fabrikanten haben, um einen Ausgleich für die Steigerung der Rohtabakpreise zu schaffen, nicht allein den Preis der Ware erhöht, sondern sie haben zugleich die Kautabakportionen verkleinert und so die Stückzahl der Röllchen pro Pfund vermehrt. Dadurch entstand für die Arbeiter und Arbeiterinnen ein empfindlicher Lohnaussall. Die Arbeiter wurden vorstellig und erreichten bei einigen Fabrikanten Zugeständnisse. Nun trat der Unternehmerverband in Aktion und setzte Lohnzulagen fest, die den Lohnausfall auch nicht annähernd deckten. Infolgedessen spitzte sich die Situation so zu, daß es in Nordhausen wahrscheinlich wieder, wie vor sieben Jahren, zu einem großen Kampfe kommen wird. Ein Streik des Personals der Alsterdampfer in Hamburg ist nach vierwöchiger Dauer beendet worden. In dem vor dem Hamburger Gewerbegericht zustande gekommenen Vergleich haben die Arbeiter nur geringe Erfolge errungen. Und das, obwohl die geschädigten Abonnenten der Dampfer die Direktion nachdrücklich zu einer Beendigung des Streiks gedrängt hatten. Der Zentralverbaud der Handlungsgehilfen hat dem Reichstag eine ausführliche Eingabe zugehen lassen, die eine Abänderung der auf die Handelsangestellten bezüglichen Paragraphen der Gewerbeordnung bezweckt. Die Eingabe umfaßt folgende Forderungen: Achtstündige Arbeitszeit, reichsgesetzlicher Achtuhrladenschluß, ortsgesetzlicher Siebenuhrladenschluß, Sonntagsruhe, Ferien, Verbot des Kost- und Logiszwanges, Verbot der Konkurrenzklausel, Ausstellung eines Zeugnisses auf Wunsch, Regelung des Lehrlingswesens, Fortbildungsschulpflicht und Schutz des weiblichen Personals vor unsittlichen Angriffen seitens des Arbeitgebers. Der Verband deutscher Handlungsgehilfen und der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband sind bescheidener; sie verlangen vom Reichstag nur die Sonntagsruhe. In Frankfurt a. M. ist eine Heimarbeitausstellung eröffnet worden. Ihr Zustandekommen ist wesentlich der Mitwirkung der Gewerkschaftsorganisationen zu danken. In den Sommermonaten dieses Jahres halten 19 Gewerkschaftsverbände ihre Generalversammlungen ab. � Genossenschaftliche Rundschan. Der Erörterung des Umsatzsteuerantrages im sächsischen Landtag folgte acht Tage später eine Interpellation des einzigen sozialdemokratischen Abgeordneten, Genossen Goldstein, über die Beteiligung der Staatsangestellten an Konsumvereinen. Veranlaffung dazu gab die Tatsache, daß die Eisenbahnangestellten, wie bereits in voriger Rundschau erwähnt, nach ihrer Zugehörigkeil zu Konsumvereinen von den Vorgesetzten amtlich befragt worden waren. Der Minister Or. von Rüger antwortete auf die Interpellation, daß die Umfrage nicht den Zweck hätte, den Angestellten das Recht zu verwehren, ihren Warenbedarf in Kousum- vereinen zu decken, einige Dienststellen seien nur ungeschickt vorgegangen. Er konnte es sich aber nicht verkneifen, vor den „sozialdemokratischen" Konsumvereinen zu warnen. Diesen dürften die Beamten unter keinen Umständen angehören. Wenn der Minister seine Sachkenntnisse nicht nur aus mittel- standsretterischen und konservativen Quellen schöpfte, hätte er wissen können, daß es in Deutschland gar keine sozialdemokratischen Konsumvereine gibt. Es sei denn, man beurteilte die Konsumvereine nicht nach ihre Tätigkeit, sondern nach den Personen ihrer Mitglieder und ihrer Verwaltungen. Darunter gibt es allerdings in Sachsen sehr viele Sozialdemokraten. Sie denken aber nicht daran, im Konsumvereine Politik zu betreiben. Dazu ist der Einkauf von Brot, Butter, Petroleum usw. wahrlich nicht angetan.— Der Minister erklärte sehr zweideutig, daß er die Mitgliedschaft von Staatsangestellten in solchen Konsumvereinen nicht zulassen würde, deren Leiter und Verwalter sich„sozialdemokratisch betätigten". Die Hetzereien der Mittelständler gegen die Konsumvereine sind, wie man sieht, nicht wirkungslos geblieben. Das geht auch aus einer anderen Tatsache hervor. Die„Sächsische Arbeiterzeitung" war in der Lage, ein vertrauliches Zirkular des Ministeriums des Innern an die Dienstbehörden abzudrucken. Danach soll den Angestellten mit dem Zaunpfahle zu verstehen gegeben werden, daß es doch besser sei, wenn sie bei den Rabattsparvereinlern, statt in den Konsumvereinsläden kauften. So greift man in die Rechte der abhängigen Staatsangestellten ein, nur um den Mittelstandsschreiern gefällig zu sein! Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine hat mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen einen Tarifvertrag abgeschlossen. Derselben enthält unter anderen folgende Bestimmungen: Die tägliche Arbeitszeit dauert acht Stunden, im Hauptkontor in Hamburg am Sonnabend sechs Stunden. Das Mindestgehalt für männliche Angestellte beträgt 1200 Mk. pro Jahr. Hierzu kommt alljährlich eine Zulage von 120 Mk., bis das Gehalt 1800 Mk. beträgt, von dann ab eine jährliche Zulage von 100 Mk., bis das Gehalt nach achtiähriger Tätigkeit 2100 Mk. erreicht hat. Das Mindestgehalt für weibliche Angestellte(Maschinenschreiberinnen) beträgt 300 Mark pro Jahr. Hierzu kommt alljährlich eine Zulage von 120 Mk., bis das Gehalt 1380 Mk. erreicht, von dann ab Die Gleichheit eine jährliche Zulage von 80 Mk., bis zu einem Höchstgehalt von 1620 Mk. pro Jahr. Diese Gehaltsätze bezeichnen nur den Betrag, unter den nicht gegangen werden darf; wohl aber werden ältere Angestellte und solche, denen nicht einfache Kontorarbeit, sondern verantwortliche Posten übertragen sind, zu höheren Sätzen angestellt. Überstunden werden auf das Allernotwendigste beschränkt und mit 25 Prozent Gehaltsaufschlag besonders vergütet. Der Tarif bestimmt weiter, daß die Angestellten an Sonntagen, außer bei Inventuren, nur in dringenden Fällen zur Arbeit herangezogen werden dürfen. Sonntagsarbeit wird mit 50 Prozent Aufschlag extra bezahlt. Sämtliche Angestellte erhalten in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September jedes Jahres in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit eine Woche, nach fünfjähriger Tätigkeit zwei zusammenhängende Wochen Ferien. Bei größeren Reisen wird der vorhergehende Sonnabend und der nachfolgende Montag als Reisetag freigegeben. Das Gehalt wird für die Dauer der Ferien weiter und zwar im voraus bezahlt. Der Tarif garantiert den Angestellten die aus Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und aus Z 63 des Handelsgesetzbuchs herzuleitenden Rechte- sichert ihnen auch den Weiterbezug des Gehalts bei militärischen Übungen bis zu sechs Wochen. Die Angestellten sind bei der Unterstützungskasse des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine nach den Satzungen dieser Kasse zu versichern. Beiträge für die staatliche Kranken- und Invalidenversicherung werden vom Gehalt nicht gekürzt. Das kaufmännische Personal der Großemkaufsgefellschaft deutscher Konsumvereine, auf das sich der Tarif erstreckt, zählt über 150 Köpfe. Den meisten Privatbetrieben gleicher Art wird das durch diesen Vertrag geschaffene Lohn- und Arbeitsverhältnis als mustergültig und nachahmungswert empfohlen werden können. Der fünfte Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine wird vom 22. bis 24. Juni in Eisenach abgehalten werden. Außer den üblichen mehr geschäftsmäßigen Punkten stehen Referate über das Bank- und Kassenwesen der Konsumvereine, über die Belastung der Konsumvereine durch Steuern, sowie Berichte vom Tarifamt und über die Unterstützungskasse auf der Tagesordnung. Wie sonst schließt sich die Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft dem Genossenschaftstag an. In Euba bei Chemnitz ist die Schlächterei des Produkten- verteilungsvereins polizeilich geschlossen worden, weil ein großer Teil der Waren verdorben war. Die„Konsumgenossenschaftliche Korrespondenz" sagt dazu:„Größtenteils waren es Waren, die bereits vom Verkauf zurückgezogen, nachlässigerweise aber nicht beseitigt worden waren. Vierzehn Zentner Fleisch wurden beschlagnahmt. Natürlich ist der Fall ein gefundenes Fressen für alle Konsumvereinsfeinde. Das Verhalten der Verwaltung des Vereins ist auch ganz unentschuldbar, denn verdorbenes Fleisch hebt man nicht auf, sondern versichtet es sofort. Der Verein hat übrigens mit dem Zentralverband deutscher Konsumvereine nichts zu tun, wie allen denen bemerkt sein mag, die dabei sind, die Affäre gegen die moderne Konsumvereinsbewegung auszuschlachten. Das Vorkommnis wird von uns ebenso entschieden verurteilt, wie von jedem Menschen, der den Wert hygienisch einwandfreier Nahrungsmittel zu würdigen weiß. Für solche Dinge sind aber die Konsumvereine ebensowenig verantwortlich zu machen, wie die Schlächtermeister für die Versehlungen einzelner Polkaschlächter."— In Merseburg wurden drei Vorstandsmitglieder eines verkrachten Konsumvereins zu größeren Geldstrafen verurteilt, weil sie den Verein in unglaublich lottriger Weise verwaltet haben. Es handelt sich aber nicht etwa um einen„sozialdemokratischen" Konsumverein, sondern um einen, der gegen den seit zehn Jahren dort bestehenden 1904 ins Leben gerufen wurde. Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine erzielte im Jahre 1907 einen Umsatz von 59886220 Mark gegen 46503237 Mk. im Jahre 1906, also fast 13'/» Millionen mehr. Seit einigen Jahren bestehen in der Schweiz Genossenschaftsapotheken. Die erste derartige Genossenschaft wurde im Jahre 1891 in Genf von den dortigen Krankenkassen ins Leben gerufen. Heute besitzt die Genossenschaft, der 91 Krankenkassen angeschlossen sind, neben ihrem Zentrallager mit Laboratorium sechs Apotheken mit einem Jahresumsatz von 240000 Mk. Ferner existieren Genossenschaftsapotheken in Schaffhausen, Neuhausen, Chaux-de-Fonds und Lausanne. Die in Chaux-de-Fonds zählt 24 angeschlossene Krankenkassen als Mitglieder.— Als Verbandssekretär schweizerischer Konsumvereine ist an Stelle des am 1. Januar zurückgetretenen Herrn Or. Hans Müller dessen bisheriger Stellvertteter, Herr Ulrich Meyer, gewählt worden. Herr Dr. Hans Müller, der seinerzeit in der sozialdemokratischen Bewegung Deutschlands eine gewisse Rolle spielte, hat vor einiger Zeit eine Artikelserie und dann eine Broschüre geschrieben, in der recht sonderbare Grundsätze über genossenschaftliche Neutralität entwickelt wurden. Es scheint, als ob sein RückKitt damit zusammenhinge. II. kT Die englischen Konsumvereine und ihre Groß- einkaufsgesellschasten haben im Jahre 1906 für 279030040 Mark Waren in eigenen Betrieben produziert. 37000 Arbeiter und Beamte wurden darin beschäftigt. Notizenteil. Dicnstbotensrage. In einer öffentliche» Dienstbotenversammlung zu Hamburg, die am 25. März stattfand, referierte Genossin Rolfs über den Nutzen des Zusammenschlusses der Dienst- __ N, mädchen. In der Diskussion sprachen die Genossinnen Koltrowitz und Mangels und ein junges Mädchen. El � wurde ein Fall angeführt, in dem dem Mädchen die Na«,/ � rung vorenthalten ward, wenn die Herrschaft ausging. AA Eßwaren wurden unter Schloß und Riegel gehalten, und! � im ganzen Hause war für das Mädchen nur die Wassel � leitung und das Klosett erreichbar. Den vom Lande zu� ziehenden Mädchen, so ward betont, könnten die Herrschafte» � alles bieten, und deshalb sei es notwendig, daß auch in � den Kleinstädten Organisationen gegründet würden, die di«' � Mädchen von vornherein mit dem Gedanken der Solidarität erfüllten. 18 Mädchen traten dem Verein bei. Bertha Mangels Der Verein der Dienstmädchen Bremens und UM' gegcnd feierte am 22. März sein erstes Stiftungsfest- tt! das einen schönen Verlauf nahm. Allen, die zur Verschöne- rung der Feier mitwirkten, wurde reicher Beifall zuteil/ besonders einem jungen Mitglied, das mehrere Gedichte! vortrug. Das Fest führte dem Verein eine Reihe neuer° � Mitglieder zu und stärkte seine Kasse durch einen Überschuß-' Die junge Organisation kann freudig in die Zukunft blicken,°" Die Arbeit ist zwar sehr mühsam, insbesondere da viel mit!? lu ländlicher Bevölkerung gerechnet werden muß, die ja nur außerordentlich schwer für die Organisation zu interessiere». � ist. Aber wenn die Genossinnen und vor allem die Dienern!. � den selbst mit Liebe und Eifer für die Organisation weiter! � arbeiten, so wird der Sieg unser sein trotz aller Begeiferung � von gegnerischer Seite. Marie Münchenberg, � Nus dem Leben eines Dienstmädchens. Bei einer». Kaufmann in Posen war um die Wende des letzten Jahrel. � ein Dienstmädchen in Stellung, das mit so vielen seines.' Leidensgenossinnen das Los teilte, Mutter eines uneheliche» Kindes zu sein. Und wie das nun einmal zu unserer Ge-! � � sellschaftsordnung gehört, die angeblich von dem gütigste» � Gotte eingesetzt ist, sollte auch für diese Proletarierin di« 5! Mutterliebe, von der Natur zur Quelle des höchsten Glücff bestimmt, ein Born unsäglichen Leides werden. Die Pflege- � � frau, der sie ihr 2'/, monatiges Kind halte anvertraue» müssen, kam eines Tages im Januar in die Wohnung de« Dienstherrschaft, um die Überführung des zarten Menschleiill in ein Krankenhaus zu verlangen. Die anscheinend vo» � � reinster Menschenliebe und höchster Herzenszartheit beseelt« Herrschaft machte dem Mädchen darauf die kränkendste» � Borwürfe, so daß dieses vor Scham und Verzweiflung Z» � dem Entschluß getrieben wurde, die Bürde deS Lebens vo» � sich zu werfen. Die Sorge um das Kindchen reffte nach � langem Kampfe in der Unglücklichen schließlich den Ent- � � schluß, dieses mit sich in den Tod zu nehmen. Mit de»' Kinde auf dem Arme sprang sie in die Warthe. Das Kinds � ertrank, die unselige Mutter aber wurde gerettet und nach � der Entlassung aus dem Krankenhaus in Untersuchungshaft� � genommen. Denn die gottgewollte Rechtsordnung verlangt« daß der„Kindsmörderin" der Prozeß gemacht wurde. Vo« den Geschworenen hatte sich das arme Mädchen nun unt«', � der Anklage des Todschlages, begangen am eigenen Kind«, � zu verantworten. Die Verhandlung enthüllte ein wahrhaft erschütterndes Bild von den Qualen dieses Mutterschicksal- Die Geschworenen kamen zu der Überzeugung, daß die Tat unter Ausschluß freier Willensbestimmung begangen s«'" mußte, und sprachen die Angeklagte frei. Nun haben di« � „Gutgesinnten" wieder einmal Gelegenheit, die Gerechtigke" unserer Gesellschaftsordnung zu preisen, oder— die Mild« � zu verdammen, die eine„unnatürliche" Mutter nicht de> „verdienten" Strafe auslieferte. EmmaKaul-Bresla», Wie die Frau Sekretär ihr Dienstmädchen erzieht Aus reiner Gnade und Barmherzigkeit, bloß um aus de»' „dummen Bauerntrampel etwas Ordentliches zu machen, � hatte Frau Sekretär Schön feld in Breslau ein fünfzehn' � jähriges Dienstmädchen vom Lande gemietet, dem es„meh« � auf gute Behandlung als auf hohen Lohn" ankam. M Leibe war es nicht die Absicht der edelmütigen Dame, eine Arbeitskast zu verschaffen, die sich billig und ohnt jeden Widerstand ausbeuten läßt. Die Frau Sekretär nahN � vielmehr ihre Erziehungsabsichten sehr ernst und wo« redlich bemüht, sie in Taten umzusetzen. Zunächst sollte d-v � Mädchen lernen, wie man sich im Lebenskämpfe seind � Widersacher wehrt. Eine Nachbarin, der die Frau Selrel� nicht ganz grün war, wurde als Übungsobjekt für die Es ziehungsstudien ausersehen. Das Mädchen erhielt den AU- ein« trag, die böse Nachbarin zu beschimpfen und ihr zum To» h, Asche vor die Tür zu skeuen. Doch das Mädchen war bo? willig und undankbar genug, die Notwendigkeit und NN lichkeit einer solchen Übung nicht einzusehen. Hiebe sollt«« zg der Verstockten die Augen öffnen. Als die nichts fruchtete» wurde die Widerspenstige auf halbe Kost gesetzt, und schl««« geft lich entzog ihr die gestrenge, aber gerechte Erzieherin au- das Bett. Auch zur peinlichsten Sauberkeit wurde � Mädchen angehalten. Als es eines Tages einen angeblich« abx Schmutzflecken auf einem zum Putzen übergebenen Sch»' s�, absolut nicht bemerken wollte, brachte ihm die Frau Sekret» � den Stiefel zur besseren Bekachtung so nahe ans Gesichf � daß dieses blaue Flecken bekam und das eine Auge mit LM unterlief. Doch das Mädchen war eine Verworfene. Es zeig' keine Dankbarkeit für die redlichen Erziehungsabsichten, sch� dern ging hin und verklagte die Frau Sekretär wegen Ä>« Handlung. Und diese mußte sich die tiefe Kränkung gefall» lassen, daß sie vom Gericht zu hundert Mark Ge«' reft� strafe verurteilt wurde. Undank ist eben der Well Loh» L.>»iz DaS furchtbare Elend, in dem em grosser Teck � kz�, Dienstmädchen lebt, wird durch einzelne Vorfälle illustri«» daß die Genossin Grünberg kürzlich in einer Dienstbolcno«» sammlung zu Nürnberg mitteilte. Ein zwanzigjähriges T««'� Und mädchen war bei der Vrivatierswilwe Bender, mittl«» .8 Ten ah nd Ter zu ten in Etät 13. m eft ne eil hte uer uß. Cen Nr. 8 " Die Gleichheit 75 Birkheimerstraße 67, einige Monate in Stellung. Da es A das B im Abc das Stimmrecht der Frauen.( Sehr richtig| demokratischen Gesamtbewegung einnehmen, die Vereinigung unter fortwährenden Schikanen zu leiden hatte, tündigte es bei den Sozialdemokraten.) Haben Sie den Frauen einmal dieser Organisation zu einem Verband notwendig sei. Seiner seinen Dienst zum 1. April. Nun wurde seine Lage beinahe das Vereins- und Versammlungsrecht eingeräumt, fönnen Meinung nach gibt es teinerlei Fragen und Umstände, umerträglich. Am 4. März hatte das Mädchen gewaschen; Sie ihnen das Stimmrecht nicht mehr verweigern.( Sehr welche innerhalb der Partei bestimmte gemeinsame Bestre am 5. März tam auf unerklärliche Weise der Schlüssel zum richtig bei den Sozialdemokraten.) Sie sehen heute, daß bungen und Aktionen der Genossinnen als zweckmäßig er Waschhaus abhanden. Die„ Gnädige" tobte den ganzen überall nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen fcheinen lassen. Diese Ansicht dürfte jedoch auf der Konferenz Nachmittag und schloß dem Mädchen zur Strafe am Abend Kulturwelt die Frauen sich zum Kampfe um das Wahl- von der Mehrheit der Genossinnen taum geteilt werden. die Schlaffammer zu. Auf vieles Weinen und Bitten der recht anschicken. Ich erinnere an die etwas eigentümlichen Die Amsterdamer Genofsinnen insbesondere sind überzeugt, Gestraften" wollte die Dame die Tür wieder aufschließen, Kämpfe, die die englischen Frauen in London und ander daß die einheitliche Zusammenfassung aller sozialistischen aber das Schloß war derart verrostet, daß das nicht möglich wärts in England um das Parlamentswahlrecht durch- Frauenkräfte in einem Verband der Entwicklung einer war. Das Mädchen wollte einen Schloffer holen, das ward fechten. Haben nicht die Frauen das gleiche Interesse wie gefunden, zielflaren proletarischen Frauenbewegung ihm jedoch barsch verboten. Unter fortwährendem Schimpfen die Männer an der Entwicklung des Staatslebens? Haben förderlich sein werde, welche die Massen der Prole ging die„ gnädige" Frau Bender um 10 Uhr schlafen. Frierend sie nicht das gleiche Interesse am Arbeiterschuß, an der Ge- tarierinnen ergreift und sie der allgemeinen Partei faß das Mädchen in der falten Küche allein. Nicht einmal werbegesetzgebung, an der Versicherungsgesetzgebung, an zuführt. Sie erwarten des weiteren, daß dieser Zusammeneine Decke war für das arme Ding vorhanden, der Dame" der Zoll- und Handelspolitik, an der Voltserziehung, dem schluß durch die fefte und regelmäßige Verbindung aller standen sechs Zimmer zur Verfügung. Bis um 12 Uhr Volksgesundheitswesen, der Armen- und Waisenpflege, Klubs untereinander sowohl die systematische Erziehung der wartete die Bedauernswerte unter vielem Weinen ver- der Steuergesetzgebung, dem bürgerlichen Recht und noch wachgerüttelten Proletarierinnen zum Klaffenbewußtsein ergeblich darauf, daß ihr noch geholfen werde. Dann öffnete vielem anderem? Das alles geht die Frauen genau so an leichtern werde, wie auch die Herausbildung von Agis sie in der Verzweiflung die Gashahnen, um sich das Leben wie die Männer; und es ist daher auf die Dauer unmög- tatorinnen und Organisatorinnen für die Kleinarbeit, wie zu nehmen. Bewußtlos wurde sie am anderen Morgen aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht; noch jetzt ist sie schwer trant. Bei einer Herrschaft in der Karolinenstraße in Nürnberg wurde das Mädchen geschlagen. Es lief deshalb schon wenige Tage nach dem Dienstantritt weinend davon. Als es sich seine Sachen und sein Geld holen wollte, wurde ihm nicht mehr geöffnet. Ohne einen Pfennig Geld und ohne ein Tuch zum Umlegen irrte das Mädchen durch die Stadt. Kein Schuhmann stand ihm bei; auf dem Rathaus wurde ihm gefagt, es sei im Recht und könne die Herrschaft vertlagen, aber einen Beistand gab die hohe Behörde der Armen nicht. Halb ohnmächtig vor Hunger fam das junge Madchen auf das Arbeiterfekretariat, erzählte unter Schluchzen seine Erlebnisse und bat um Beistand. Dank dem Eingreifen der Sefretärin bekam es Geld und Sachen heraus. mit tur ren en ter ing zem rea ner hen Se ten Die id ge uen ber in lich, ihnen das Wahlrecht zu verweigern! Wir wissen, meine Herren, daß wir heute in diesem Punkt bei Ihnen noch tauben Ohren predigen, wir wissen, daß Sie nicht ge willt sind, auf diese Reformen einzugehen. Aber die Welt ist rund, sie dreht sich, und was heute oben ist, ist morgen unten!( Heiterkeit.) Und so werden wir es erleben, daß alle unsere Forderungen, wenn auch gegen Ihren Willen von heute, durchgeführt werden. Soll es wahr werden, daß Deutschland in der Welt vorangeht, dann, meine Herren, müssen Sie ohne Zögern unsere Anträge annehmen."( Lebhastes Bravo bei den Sozialdemokraten.) Für die Refolution stimmten außer den Sozialdemokraten nur die Frei sinnigen Naumann und Potthoff. für die Arbeit in der Offentlichkeit. Endlich sind sie der Meinung, daß ein Verband der sozialdemokratischen Frauenvereine dem Verlangen nach dem allgemeinen Wahlrecht, nach durchgreifendem gesetzlichen Schutz der ausgebeuteten Arbeit, der Frauen- und Kinderarbeit an erster Stelle, nach sozialer Fürsorge für Mutter und Kind, nach besserer Voltsbildung usw. einen mächtigeren und wirksameren Ausdruck zu verleihen vermag, als einzelne Vereine. Dadurch aber wird er gleichzeitig die Partei im Kampfe für die entsprechenden Reformen vorantreiben, wie deren Attion dafür erfolgreich unterstützen. Es steht im Zusammenhang mit der Stimmung für die Gründung eines Verbandes, daß mehrere sozialdemokratische Frauenklubs den Vorstand Die Wahlen zu den Hilfskaffen in Dänemark, die der sozialdemokratischen Partei ersucht haben, er möge auf türzlich stattgefunden haben, zeigten das Verständnis der bie Tagesordnung des bevorstehenden Parteitags einen AnDie gnädige" Frau gestand, daß sie eine Voreingenommen- Frauen für den Besitz eines öffentlichen Rechts. Es war trag stellen, den Frauenorganisationen fünftighin das Recht heit gegen das Mädchen hatte, weil seine letzte Herrschaft zum erstenmal, daß die dänischen Frauen ein öffentliches eigener Vertretung und der Einbringung eigener Anträge in das Buch wohl ein gutes Zeugnis eingetragen, aber per Wahlrecht ausüben fonnten. Sowohl die organisierten Ge- zuzuerkennen. Bis jetzt tönnen die Frauenklubs nur durch Telephon eine schlechte Auskunft erteilt habe.- Die Be- nofsinnen wie die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen hatten die Parteiorganisation, der sie angegliedert sind, Delegierte föstigung der Hausangestellten läßt viel zu wünschen übrig. sich angelegen sein lassen, durch ihre Agitation die Frauen und Anträge zu dem Parteitage entsenden. Der Parteivor Das Mädchen des Freiherrn v. E. in der Wielandstraße über die Bedeutung des Wahlrechts aufzuklären. Die sozial stand hat den Antrag der Genofsinnen auf die Tagesordnung in Nürnberg muß um 7 Uhr früh aufstehen; um 10 Uhr demokratischen Frauenorganisationen gingen natürlich mit des Arnhemer Parteitags gestellt. Wie wichtig eine bessere erhält es das erste und einzige Frühstück, das aus einer den Genossen zusammen vor und hatten mit ihnen zusammen Verbindung der organisierten Genoffinnen untereinander und Taffe Kaffee und einem Wecken besteht, um 1/23 Uhr folgt eine gemeinsame Kandidatenliste. Die Frauenrechtlerinnen ein tiefercs, grundsätzliches Erfassen der verschiedenen Seiten ein sehr fnappes Mittagessen, und um 19 Uhr werden dem traten in den Wahlkampf mit einer eigenen Randidatenliste der Frauenfrage not tut- und zwar für die Genossen ebensoMädchen 18 Pf. für das Abendbrot gegeben. Der Lohn, ein, auf der ausschließlich Damen standen. Der sozialdemo- gut wie für die Genoffinnen, beweisen die Grörterungen der bei dieser unzureichenden Kost gezahlt wird, beträgt fratische Wahlverein lehnte das angebotene Bündnis mit über die Frage der Frauenarbeit und ihres gesetzlichen 10 mt. monatlich. Welchen gesundheitlichen Gefahren die den Frauenrechtlerinnen ab. In vielen Stadt- und Land- Schutzes. Dafür spricht auch die Notwendigkeit einer träfMädchen ausgesezt sind, zeigt der folgende Fall. Das Kind gemeinden haben die Genofsinnen und Genossen gute Er- tigen Agitation zugunsten des allgemeinen Frauenwahlrechts. einer Nürnberger Herrschaft leidet an einem bösen Ausschlag: folge erzielt. Fast überall soll die Beteiligung der Frauen über beide Fragen in einer folgenden Korrespondenz. Die Körper und Gesichtchen sind mit grünlichen Bläschen bedeckt, an den Wahlen eine sehr gute gewesen sein. In Frederiks- holländischen Genossinnen hoffen, daß ihre Konferenz gute Die Mädchen, die mit dem Kinde zu tun haben, bekommen borg tamen in den Vormittagsstunden fast mehr Frauen Arbeit leisten und dadurch auch die Stellungnahme des böse Finger. Das letzte Kindermädchen verletzte sich am- Damen der besseren Stände als Männer zur Wahl. Parteitags zur proletarischen Frauenbewegung günstig beFinger, und bald darauf mußte es ins Krantenhaus gebracht Die Frauen und Männer der Arbeiterklasse wählten meist einflussen wird. werden. Der Finger wurde so schlimm, daß er abgenommen erst in den Abendstunden; ihr Andrang war so groß, daß werden muß. Die Wunde darf nicht zuheilen, damit der die Stimmabgabe sich bis nach 9 Uhr hinzog, und daß Giter frei herauslaufen kann. Auch am Arm zeigen sich Hunderte umfehren mußten, ohne gewählt zu haben. Unser verschiedene Bläschen, und vielleicht verliert die Armste auch Bruderorgan„ Sozialdemokraten" schreibt über die Beteiliihn noch. Tatsachen wie die mitgeteilten müssen jeden gung der Frauen an der Wahl:„ Man hatte angenommen, Unbefangenen von der Notwendigkeit der Dienstbotenbewe. daß meist nur jüngere Frauen sich an der Wahl beteiligen gung überzeugen. Den organisierten Mädchen gegenüber würden. Weit gefehlt! Alte wie junge, arme wie reiche nehmen sich die Herrschaften bei weitem nicht so viel heraus wählten! Sogar weißhaarige, zusammengeschrumpfte Greiwie gegenüber den unorganisierten, weil sie wissen, daß der sinnen traten an die Wahltische, um nicht den Augenblick zu Berein hinter den ersteren steht. Die Erfahrung hat das in versäumen, wo eine neue Zeit anbrechen sollte. Frauen, Nürnberg gelehrt, wo die Stellenvermittlung des Dienst- bie niemand hatten, der ihre Kinder versorgte, tamen mit botenvereins vielen Berdingerinnen das Handwerk schon diesen zur Wahl, und oft sah man, daß gebrechliche alte vollständig gelegt hat. Mögen immer mehr Dienstmädchen Frauen von ihren Söhnen zur Wahl geleitet wurden." Die den Organisationen beitreten, damit ihre Lage verbessert und sozialdemokratische Wählerliste erhielt die meisten Stimmen, die Gesindeordnung nach und nach vollständig ausgeschaltet 6077; gewählt wurden von ihren Kandidaten die drei GeDon elte ten 311 ach Ent Dem ind ad Saf gte Bor iter ειδι haft als Tal fein die feit ilde bet ан eht Dem en Be fid Ohn ahm ma ba cine Ceta u bö Nü Ate eten lief aud ba che chu reta fich 20 werden kann. Frauenstimmrecht. + noffen, welche bereits in der Verwaltung der Freien Armentaffe" waren, und die beiden Genossinnen Kamilla Nielsen und Mathilde Petersen. Es wurden außerdem noch drei Frauen gewählt: zwei konservative und eine bürgerlich- radikale. Die Hilfskaffe von Frederitsborg wird nun von fünf Frauen und sechs Männern verwaltet. Feststellung. Die letzte Nummer der Zeitschrift Marie Mensing. Fürsorge für Mutter und Kind. Fürsorge für Säuglinge in Bayern. In der banes rischen Abgeordnetenkammer brachte die sozialdemokra tische Fraktion einen Antrag ein, wonach in den Etat des Innern 50000 Mt. zu Zwecken der Säuglingsfürsorge eingestellt werden sollten. Von diesem Betrage sollten Gemeinden und Vereine, welche für Säuglingsfürsorge besondere Aufwendungen machen, nach Maßgabe der ver fügbaren Mittel und ihrer Ausgaben Subventionen erhalten. Busammen mit dem sozialdemokratischen Antrage stand eine Petition der Zentrale für Säuglingsfürsorge in München zur Beratung, die um staatliche Abhilfe gegen die Säuglingssterblichkeit in Bayern ersuchte. Genoffe Segih begründete den sozialdemokratischen Antrag in einer fachkundigen und wirksamen Rede. Er wies auf den Zus fammenhang hin, der zwischen der erschreckend hohen KinderSterblichkeit und dem Rückgang der natürlichen Ernährung der Säuglinge besteht, und zeigte die sozialen Ursachen auf, welche die Abnahme der Stillfähigkeit und Stillmöglichfeit der Mütter verursachen und auch noch in anderer Be Die Einführung des Frauenwahlrechts zu allen Landtagen wie zum Reichstag in Deutschland hat die Sozialdemokratie türzlich wieder einmal beantragt. Sie hatte zum Etat des Reichskanzlers und der Reichs- für Frauenstimmrecht" vom 1. April teilt ihren Lese- ziehung die Kinder der Armen zu frühem Tode verurteilen. fanzlei eine Resolution eingebracht, welche den Reichs- rinnen auch nicht eine der sachlichen Informationen zur Er hob den Widerspruch hervor, der darin besteht, daß der tanzler beauftragte,„ bem Reichstag in seiner nächsten Session Frage der Frauenkandidaturen in Böhmen mit, welche in Minister gelegentlich eine Versicherung der Mütter zum einen Gesehentwurf vorzulegen, wonach im Deutschen Reich, unserer Nr. 6 enthalten waren. Sie läßt den Schein weiter Bwecke besserer Säuglingsfürsorge für wünschenswert erklärt in den Bundesstaaten und in Elsaß- Lothringen für die bestehen, als ob ihre Anrempelung der„ Gleichheit" berechtigt habe, während in Bayern durch die Schuld der Regierung Bahlen zum Reichstag und zu den Landtagen das allge- gewesen wäre. Wir haben also Fräulein Augspurg in die Gemeindefrankenkassen vorherrschen, welche Wöchnerinnen meine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle über unserer Polemik richtig eingeschäzt. Auch von den Ber- und Schwangeren feine Unterstüßung zahlen. Einzelne Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied handlungen über den sozialdemokratischen Antrag zur Ein Städte haben bereits Maßregeln zum Säuglingsschutz er des Geschlechts nach Maßgabe der Verhältniswahl ein- führung des politischen Frauenwahlrechts in Oldenburg griffen. Genosse Segit nannte an erster Stelle Nürnberg, geführt wird". Bebel begründete die Resolution in einer erwähnt die Zeitschrift mit dem vorzüglichen Nachrichten bas jährlich 20000 Mt. für Säuglingsfürsorge verausgabt, Rede, die in der gegebenen Situation in erster Linie mit der dienst noch immer fein Wort! Liegt Oldenburg für sie ferner Regensburg und Fürth. In der letztgenannten Berweigerung des politischen Rechts der Massen in Preußen etwa nicht bloß auf dem Monde, sondern gar außerhalb der Stadt konnten nur 3 Monate hindurch Stillprämien an beabrechnen mußte. Seine scharfen, wuchtigen Ausführungen Welt? dürftige Mütter gezahlt merden, da die Geldmittel versagten. schlossen mit der Forderung des Frauenwahlrechts. Bebel sagte Nach seiner Ansicht müssen Staat und Gemeinden zur Säugdazu: Wenn wir nun auch das Frauenwahlrecht fordern, fo lingsfürsorge zusammenwirken, und zwar in der Art, daß berlangen wir damit nichts Wildfremdes. Wir sind ja gar der Staat mit gutem Beispiel vorangeht, fich nicht auf nicht der Staat, der in der Welt vorangeht, sondern der, I. K. Eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen- papierene Erlasse beschränkt, sondern dem sozialdemokratischen eig- das habe ich klubs in Holland wird am Tage vor dem Zusammentritt Antrag entsprechend materielle Mittel aufwendet. Die Ander immer hinterbrein geht. Ehemals schon neulich ausgeführt haben Sie den Frauen auch das des sozialdemokratischen Parteitags zu Arnhem stattfinden, nahme dieses Antrags sei ein erster Schritt zur Besserung. Bereins- und Versammlungsrecht verweigert. Noch vor zehn Sie wird in der Hauptsache die Frage zu prüfen haben, Die Redner des Zentrums, der Liberalen und der freien Jahren war ein hervorragender Redner des Zentrums be- ob sich der Zusammenschluß aller sozialdemokratischen Frauen- Vereinigung gaben der sozialdemokratischen Forderung ihre reit, den Frauen das Vereins- und Versammlungsrecht nur flubs zu einem besonderen Verband empfiehlt. Der Klub Zustimmung. Der Minister des Innern erflärte, daß die insoweit einzuräumen, daß sie ihre materiellen Interessen der Amsterdamer Genossinnen hat die Gründung eines Regierung bereit fei, in den Etat Mittel für den Zweck einals Arbeiterinnen wahrnehmen, also Gewerkschaften bilden solchen Verbands beantragt und bereits ein Statut dafür zustellen, den der Antrag verfolge. Auch er anerkannte den tönnten. Im Jahre des Heils 1907 haben wir aber erlebt, in der„ Proletarische Vroum" veröffentlicht. Der Klub von Zusammenhang zwischen armseligen sozialen Berhältnissen daß sogar die verbündeten Regierungen einen Gesetzentwurf Rotterdam, einer der größten sozialdemokratischen Frauen- und hoher Kindersterblichkeit und gab der überzeugung Auseinbrachten, der den Frauen das uneingeschränkte Vereins- vereine, hat sich im Tageblatt der Partei, het Volt", druck, daß mit der Besserung der sozialen Verhältnisse die und Versammlungsrecht bringen soll. Meine Herren, dem gegen den Vorschlag gewendet. Er bestreitet, daß bei der Biffer der Kindersterblichkeit sinten werde. Der sozialdemoBereins- und Bersammlungsrecht der Frauen folgt wie dem Stellung, welche die Klubs der Genossinnen in der sozial- fratische Antrag gelangte einstimmig zur Annahme. Bl for Mi alle elb Cob E. I bd rier nper ien ttle Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. 76 Die Gleichheit ' R Zn rörsnno!. ?Iiu.v«r Mlloer Vinn»»?'. 0«ll kmlpiae». Das schlimmste für ein Volk ist Sinzelherrschast. Da gilt vor allen Dingen kein Gesetz, va» aber allen stünde, sondern einer desitzt die Macht: sein Will' ist da» Gesetz. Wo bleibt die Gleichheit da? Ganz ander», wo geschnednes Recht gilt, arm und reich denselben Gesetzen unterliegen, der Geringe dem Großen obsiegt in gerechter Sache. Und jener Rus der Zreiheit:»Wer dem Staate mit gutem Rate dienen will, der rede." Da bringt das Reden Ghre, und das Schweigen ist jedem unbenommen: da» ist Gleichheit. Und weiter, wo da» Volk die Herrschast sührt, da sreuen alle stch, wenn frischer Rachwuch» die Aürgerschaft vermehrt. Allein«in Zürst steht in dem Sdlen, Mutigen seinen jeind und bringt ihn um au» Angst um seinen Thron. Wo bleibt de» Staates Kraft, aus dem die Zugend getilgt wird und ihr Wagemut, ein Zeld, dem man im Mai die Aehrenhalme kappt. Wozu ein Erbe für die Klnder sammeln, wenn's nur die Schätze de» Tyrannen mehrt? Wozu die holden Töchter keusch erzieh», ihm zum Genuß, wenn sein« Lust stch regt, zur Schmach den Gltern? Lieder sei ich tot, als mein« Kinder der Gewalt zu opfern. Die Distel.* Bon Elisabeth Gnauck-Kühne. Nein, war das ein Sommertag! DaS Herz im Leibe lachte einem vor Wonne. Aber heiß war's. Schon um 3 Uhr morgens hatte die Sonne aus der Himmelstür geguckt und der Erde Guten Morgen gewünscht; die hohe Frau mußte recht gut geschlafen haben, denn sie lachte mit dem ganzen Gesicht, und nicht ein einziges Wölkchen zog während des Tages über ihr strahlend frohes Antlitz. Es war so ein echter Sommertag. Auf den Feldern reifte still das Getreide und in den Obstgärten rundeten sich heimlich die Apfel und Birnen. So heiß war's, daß im Grasgarten die Kirschen am Baume und die spielenden Kinder darunter um die Wette rote Bäckchen bekamen. Schritt für Schritt zogen die Pferde auf der weiß schimmernden Straße die Lastwagen bergan, der Fuhrmann ging nebenher, aber statt der gewohnten kurzen Pfeife hatte er jetzt eine Rose im Munde. Ab und zu nahm er den Stiel fest zwischen die Zähne und drückte ihn mit der Zunge hinunter, dann mußte die Blüte sich aufrichten, und er konnte daran riechen, ohne die Peitsche in die linke oder die Zügel in die rechte Hand zu nehmen. Der Staub, den der Wagen aufwirbelte, flog auch auf die steinige, steile Böschung, die den Weg rechter Hand begleitete. Dort stand eine kleine Distel. Sie war zwischen zwei Steine eingeklemmt, und ihre drei Blätter hatten sich fest darüber gebreitet, als ob sie Halt suchten. Sie hatte nicht immer hier gestanden. Im vorigen Jahre war sie ganz oben am Rande der Böschung, wo die Bevgwiese beginnt, aus dem Erdenschoß ans Licht gekommen, in der nächsten Nachbarschaft der roten Stein- nelten und des windigen Taubenkropfes. Als ihre grau- grüne Spitze zum erstenmal in die weite Ebene hinunterblicken konnte, war sie ganz erstaunt über die Größe der Welt und rief der Steinnelke auf schlankem Stengel zu: »O sieh doch, wie groß die Welt ist! Was mag dort hinten zu sehen sein, wo der Himmel sich auf die Erde stützt? Du bist grüßer als ich, sage mir doch, was du siehst." „Größer als du? Dazu gehört nicht viel," höhnte die Nelke; übrigens sei so gut und behalte deine Weisheit für dich. Ich stehe höher als du, und du hast zu warten, bis ich geneigt bin, dich anzureden!" Die kleine Distel fühlte einen Stich bei diesen Worten und nahm sich vor, zu schweigen. Aber schon am nächsten Abend, als der Mond sanft und voll am dunklen Himmel stand, vergaß sie in ihrem Entzücken den Vorsatz und wandte sich an den Taubenkropf, der seine aufgeblasenen Blüten- fäcke im lauen Abendwind wiegte. »Sage mir doch," bat die Distel,»warum die Blumen am Abend so süß duften?" Der Taubenkropf tat, als hörte er nicht, aber die einfältige Distel verstand den Wink nicht und fragte lauter und lauter, bis der Taubenkropf aufgebracht rief:»Schweig, du ordinäres Ding, lerne erst Lebensart, ehe du mit meinesgleichen anbindest; wenn ein Großer, wie ich, nicht aufgelegt ist, zu reden, haben die Kleinen zu schweigen." Ter Distel war es wieder, als habe ein Dorn sie gestochen; sie stand regungslos und nahm stch fest vor, " Au»»Goldene Früchte au» MSrchniland". Märchen für jung und all von Slisadeth Gnauck-Kühne. Mi, 4K Jllustrarionen von Franz Siassen.«Nemen,«erlag von G.«.». H-lem.«in seüisinnigc» Buch, da« unserer Meinung»ach JnhaU und Form »tt zu de»«kftrn semer»n gehört. nichts mehr zu erfragen. AIS aber am folgenden Morgen ein Fink auf der Spitze einer hohen Lärchentanne das Morgenrot mit einem Jubellied auS tiefster Brust grüßte, da zitterte etwas in ihr, und bewegt sah sie sich doch wieder um. Diesmal wandte sie sich an das gelbe Johanniskraut:»WaS hat der schöne Vogel gesungen? Hast du gehört, was er sang?" DaS Johanniskraut war mit der Zeit so steif geworden, daß es sich gar nicht herunterbiegen konnte, selbst wenn es gewollt hätte; es rührte kein Blatt, sah starr nach oben und bemerkte halblaut zur Nelke:„DaS unterirdische Gewächs fängt an, frech zu werden, es tut wahrhaftig, als wäre es unseresgleichen. Pfui!" »Wie kommt eS nur hierher auf unsere Wiese?" fragte der Taubenkropf gereizt;»es verdirbt unsere Gesellschaft." »Reiht es erst ein, daß solches Unkraut reden darf, wie eS will," meinte die Nelke,»so kommen wir bald nicht mehr zum Worte." »Das verhüte der Schöpfer!" rief das Johanniskraut voll Schrecken. »Ja ja," seufzte die Nelke,»ein böser Geist steckt in dem Dinge, nach allem fragt es. Das ist gegen die Sitte. Unkraut muß schweigen und immer eingedenk sein, daß es nur geduldet wird." »Kurz und gut," schloß der Taubenkropf,»wir sind hier die Herren und wollen unter unS bleiben und nicht mit Fragen belästigt werden. Also fort mit dem Eindringling!" »Das ist leichter gesagt als getan," meinte bedächtig die Nelke;»wie sollen wir die Distel abschieben?" »Ich weiß Rat," rief da die Königskerze, die bisher gleichgültig geschwiegen hatte.»Unter meinen flinken Boten, den schwarzen Samtmäuschen, befindet sich sicher eins, das den Maulwurf kennt, dem weiter oben die Wiese gehört. Ich lasse ihn bitten, sich hierher zu bemühen und den Boden zu lockern, genau an der Stelle, die ich ihm zeigen werde." Gesagt, getan. Die Königskerze ließ den Maulwurf bitten. Er kam und lockerte den Boden um die kleine Distel herum, so daß sie allen festen Hall verlor. Dazu eilten die flinken Mäuse geschäftig hin und her und bohrten kleine Gänge in das Erdreich, das trocken und bröcklig wurde. Die anspruchslose Distel verlangte so wenig von dem Boden, auf dem sie stand, daß sie anfangs gar Nlcht merkte, was ihr geschah; die Wurzeln fanden immer noch genug, sich zu sättigen; aber der aufgeblasene Taubenkropf sorgte, daß sie Üar sah. »Nun, lebst du immer noch?" fragte er,»ich dachte, du müßtest doch nun bald verhungert sein: aber freilich: Unkraut vergeht nicht." Die anderen Blumen kicherten über diese witzige Bemerkung und zischelten einander boshafte Spöttereien zu; der Distel aber war es, als ob jedes Wort wie ein Stachel sich in ihr Fleisch bohrte. Was habe ich euch getan," rief sie unter Schmerzen, daß ihr mich haßt und umbringen wollt? Weshalb soll ich nicht an dem Orte bleiben, wo ich gewachsen bin? Ich will hier stehen und groß»verden und in die Ebene hinabsehen." »Was du willst oder nicht willst, ist ganz gleich- gültig," entschied herrisch die Königskerze.»Unkraut bist du und gehörst nicht auf die Wiese unter Blumen und blühendes Gras. Dazu bist du viel zu derb und unschön. Wir wollen unsere Gemeinschaft rein halten- Punktum." Inzwischen war da, wo die Sonne untergeht, der Westwind aufgestanden. Er tauchte langsam aus dem Meere auf und blies mit vollen Backen über die Wasserfläche, daß die Wellen schäumend sich jagten. Dann hob er den Riesenleib ganz aus den Fluten, breitete seine meerfeuchten, dunklen Flügel aus, daß der Himmel sich plötzlich verfinsterte und Wasserströme Herabflossen, und flog brausend über die Erde. Es regnete und stürmte, bis Haar und Gefieder des Südwindes trocken geworden war; dann mußte er wieder hinab in die feuchte Tiefe. Der Regen war durch das gelockerte Erdreich leicht in die Höhlen und die Gänge eingedrungen, welche Maulwurf und Mäuse auf Befehl der hochmütigen Königskerze emsig gegraben hatten, und nach wenigen Stunden kam der Augenblick, wo die Wurzeln der Distel den Boden verloren und sie anfing, hinabzurutschen.»Ich falle, ich falle— helft mir!" rief die geängstigte Pflanze, aber der mitleidlose Taubenkropf antwortete ungerührt: Glück auf zur Fahrt! Du gehst, wohin du gehörst." Es war das letzte, was die T istel vernahm; im nächsten Augenblick verging ihr Hören und Sehen, denn der Erdklmnpen, in dem ihre Wurzel steckte, rutschte mit wachsender Schnelligkeit die Böschung hinab, bis er von zwei Steinen aufgehalten wurde. Als die Distel wieder zu sich kam, war'S Frühling; vom blaßblauen Himmel wehte ein frischer Wind, die Bäume halten schwellende Knospen und die Stare zwitscherten. Sie mußte sich erst besinnen, wo sie war und wie sie dahin gekommen. Nach und nach aber wurde ihr alles klar: sie sah die Böschung, an deren oberes Rand sie gestanden, und die Spur, die das abrutschende Erdreich hinterlassen hatte; und als sie das alles sah, da faßte sie ein heißer Zorn, und sie rief, so laut sie konnte:»Hart und wehrhaft will ich werden, daß ihr mich fürchten sollt samt euren Dienern, den Mäusen und Maulwürfen." Da wurden ihre Blätter hart und fest und zäh, und jedes kränkende Wort, das sie halte hören müssen, wurde zu einem Stachel, den sie von innen nach außen kehrte. So stand sie da. von allen gefürchtet. Kein Vogel ruhte auf ihr aus, und die Bienen flogen in weitem Bogen um sie herum, die Kinder warnten einander vor der stacheligen Pflanze und riefen ihren spürenden Hund zurück. Die Distel hatte ihren Zweck erreicht: sie war gefürchtet— aber sie war auch verlasse» und sreudeleer. Mit der Zeit wurde sie immer spitzer und! härter, und wer ihr unversehens nahe kam, den stach sie, daß er wehklagte. Die Vögel erzählten einander, wie lieblos sie sei, die Mäuse zeigten die Stellen, wo sie ihnen das Fellchen geritzt, als sie an ihr vorbeischlüpften, und die scheuen Eidechsen behaupteten sogar, sie wolle sie ausspießen. Endlich wurde» die Klagen so laut, daß Frau Sonne einen goldenen Strahl hinnnterschickte, um nachzusehen. Der Sonnenstrahl fand alles so, wie die Klagenden gesagt hatten, und er wurde so betrübt, daß er ganz schmal und blaß zur Sonne zurückkehrte und kleinlaut versicherte, eS sei nichts, rein gar nichts weitet mit der Distel zu machen, als sie zu versengen. Frau Sonne aber hieß den Strahl wieder an seine Stelle gehen und lächelte still vor sich hin, wie jemand, der es besser weiß. Sie strengte nun ihre hellen Augen an, um die kleine Distel an der steinigen Böschung zu finden— und richtig: da stand sie, die drei Blätter fest auf die Stein« gebreitet, als suche sie Halt an ihnen. Da wandte di« Sonne der Distel ihr Antlitz zu und sah sie mit de» strahlenden, warmen, wonnigen Augen so freundlich an, daß der Distel daS Herz unter dem stacheligen Kleide zu lachen begann; sie hob die Spitze aus den Blättern deM Lichte entgegen. Als die Sonne das sah, war die Reih«, zu lachen, an ihr, und sie lachte das Stengelspitzchen st lieblich lockend an, daß es eilig, eilig wuchs, um de« holdseligen Sonne näher zu kommen, und nach kürzet Zeit war aus dem finsteren Schöße ein stattlicher Stengel emporgeschossen, der rechts und links schön gezackt« Blätter ansetzte, aber immer auch Stacheln zeigte. Di« Vögel und Bienen und Mäuse und Glockenblumen hatte» oerwundert zugesehen, wie da» Herz der Distel sich naä dem Lichte streckte; als aber mtt dem Stengel auch d» Stacheln wuchsen, da wandten sie sich enttäuscht ab un!> sagten:»Es nützt doch nichts." Die große Sonne war aber in ihrer Stärke geduldig«« und lachte die harte Distel weiter an und vergoldete s't mit dem Himmelslicht, bis die endlich eineS TagcS fragt«! »Warum kommst du immer zu mir und suchst mich?" »Weil ich dich liebe," antwortete die Sonne. »Ich bin nicht liebenswürdig," murrte die Distel. »Nein," lachte die Sonne,»aber du kannst es werden-' »Du hast keinen Dank dafür, Sonne," grollte di« Distel weiter. »Vorläufig ist's genug, daß ich dich sehe," beharrt« die Sonne.»Liebe will weder Dank noch Lohn. Weiß� du das nicht?" »Nein." »Liebe ist glücklich, wenn sie geben kann." Die Distel schwieg und badete weiter im Sonnenlicht- und nach und nach schmolz ihr harter Sinn, und fi' wurde weicher. »Du bist schön und gut," sprach sie da zur Sonn«- »Findest du?" antwortete diese,»ja, möchtest du m't nicht ähnlich werden?" »Ich dir ähnlich?" Zum erstenmal in ihrem Leb«» lachte die Distel. Nein, das war wirklich spaßig. »Ich spreche ernsthaft," sagte die Sonne,»sieh m« nur an, so recht innig, und hatte mir still." Die Distel tat's, und die sonnige Wärme durchdranS sie bis in die Wurzel hinein, daß ihr wohler und wohl«' wurde, und je wohler ihr wurde, desto sanfter und froh«' wurde sie. Und eineS schönen Tages hatte sie eine dist Knospe angesetzt, und als diese sich erschloß, da war rund wie die liebe Sonne und voll von feinen, spitz«" Blütenblättchen, die alle nach außen strebten wie Strahl«» Und die Vögel zwitscherten vor Verwunderung und Bienen kamen und saugten sich an der Blüte fest. D» Distel aber gab ihnen willig alle Honigsüßigkett, die v' Sonne in ihr hervorgezaubert hatte. »Siehst du, kleine Distel," sprach die große Son»» »jetzt bist du mir ähnlich geworden." Da wurde die Distelblüte ganz rot vor schämig Freude und senkte da» Haupt. Frau Sonne aber � schnell ein Wölkchen vor ihr Gesicht und lächelt« in s" hinein, wie jemand, der weiß, warum._ «»raMworMch Mr dt»«edatttd»: Ar Mar« Z«rNn, »o» Zxiertoch d«1 vlungar». «ruck w» V-Na«»»n»aiU Vtn«« w