18. Jahrgang 'cn ide zh.! sie >h� sei, nd -ttt! icn tet. vie Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die.«letchhetr» erscheint alle vierzehn Tag- einmal,-preis der Nummer U> Pfeantg, durch die Dost vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Dfenntg; unter ttreugband SS Dfennig. Iahres-Abonnemeil» 2,k>> Marl. Stuttgart den 27. April 1908 Zuschriften an die Redattton der.Gleichheit- find zu richten an Frau Klara Zettln lZundel), WilhelmshShe. Post Degerloch bei Stuttgart. Die«xpedirton befinde« sich in Stuttgart, Furth ach�Straße 12. JuhaltSverzrichniS. An die Genossinnen! Bon Ottilie Baader.— Warum fordern wir den Achtstundentag?— Maiseier und WahlrechlSkampf. Von Luise Zietz.— Der Maitag deS internationalen Proletariats. Bon Dora B. Montefiore-London.— Arbeiterschutz für Heimarbeit. Bon Johanne» Heiden.— Der Militarismus und die Frauen. Bon B. Selinger.— Internationale Solidarität. Bon Emmy Freundlich.— Die Maiforderung der Dienstmädchen. Von Helene Grünberg.— Bom Kampf- für die Verkürzung der Arbeit». zeit in den Vereinigten Staaten. Bon Josefine Conger-Kaneko. — Nur Zeit! Bon Frida Wulff.— Arnold Tobel s- Au» der Bewegung: Da» Eintreten der Berliner Genossinnen in den preußischen LandtagSwahlkampf.— Politische Rundschau. Bon kl. L.— Gewerkschaftliche Rundschau. Rotizenteil: Dienstdotenfrage.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Feuilleton: Neuem Menschentum entgegen. Bon Ott» Krille.(Gedicht.) — Der zerNüftete Felsen. Bon Gerschuni. Extrabeilage: Merkblatt für Fabrikarbeiterinnen. Von Wilh. Kähler. An die Genossinnen! Genossinnen! Der Arbeit Maitag ruft euch Heuer besonders laut und gebieterisch zum Kampfe. Er gilt nicht bloß den Reformsorderungen, die wir alljährlich W tiefgewurzelter Solidarität der Interessen gemeinsam n>it dem revolutionären Weltproletariat erheben. Er steht im Zeichen eines Wahlkampfes, der eine wichtige Etappe in einem Wahlrechtskampfe ist, bei dem es über bas Bürgerrecht der werktätigen Massen in Preußen hinaus um die Macht der Ausgebeuteten in ganz Deutschland gebt. Wie euch aus der Tagesxresse bereits bekannt ist, finden am it. Juni die UrWahlen, Nm IS. Juni die Abgeordnetenwahlen zu dem dreuftischen Dreiklassenparlament statt. Die Sozial- demokratie hat bereits getreu dem Beschlüsse des Mainzer Parteitages den Wahlkampf aufgenommen. Genossinnen! Ihr wißt, daß dieser Wahlkampf unter ganz besonders schwierigen Umständen und für ein außerordentliches und großes Ziel geführt werden muß. Er soll dem Proletariat Preußens die Tore des Privilegienparlaments öffnen, welches die besitzenden Klassen durch ein raffiniert ausgeklügeltes. reaktionäres Wahlrecht gegen die werktätigen Massen abgesperrt haben. Die 8S Prozent Wähler, welche das nach dem Geldbeutel abgestufte Wahlrecht in die dritte Klasse stößt, sind in Wirklichkeit im Ab- geordnetenhause unvertreten. Sie sind ja so gut wie vollständig der Möglichkeit beraubt, dorthin Männer ihres Vertrauens zu entsenden, welche ihre Interessen bei der Gestaltung der Zustände im Land zu schützen suchen. Es liefert sie der politischen Herrschaft der kö Prozent Reicher und sehr Reicher aus, welche Wähler ber ersten und zweiten Klasse sind. So ist das Ab geordnetenhaus in der Hauptsache nur ein Werk �ug, das den Interessen der besitzenden Klasse "ient, ein Parlament nicht für das Volk, sondern Legen das Volk. Und trotz alledem! Aller Bestimmungen ungeachtet, Wittels welcher die herrschende Minderheit den Zugang iu dem preußischen Parlament verbarrikadiert hat, soll oer Wahlkampf in dieses Haus des Unrechts und der Schmach siegreich die Fahne des sozialdemokratischen Proletariats tragen. Er soll diesem dort eine Tribüne erobern, von der aus die starke Stimme einer Unerbittlichen Kritik rücksichtslos die fressenden Schäden im politischen, im öffentlichen Leben Preußens geißelt, welche die unausbleiblichen Folgen der Klassenherrschaft des Geldsackes über die ausgebeuteten Habe- nichsse sind; eine Tribüne, von der aus der gewaltige schrei der Massen nach Recht und Gerechtigkeit, Noch der Berücksichtigung ihres Wohls und Wehs er- konl; eine Tribüne endlich, von der aus im besonderen wieder und wieder ein unbarmherziges Verdam- wungsurteil über das Privilegienparlament eibst in die Welt hinausgeht und die Entrech- �ien zum kraftvollen Sturme dawider aufruft. wer- werk- u s uus Genossinnen! Braucht euch erst noch gesagt zu �n, wie wichtig es auch für die Frauen des r tätigen Volkes ist, daß der Wahlkamps dieses Ziel erreicht? Gehören sie nicht zu den ausgebeuteten Massen, über deren Los im preußischen Abgeordnetenhaus deren eigene Herren und Feinde entscheiden! Es sind auch der Frauen ureigenste Angelegenheiten, über die dort verhandelt und beschlossen wird. Da ist das Schul» und Erziehungswesen, die Steuergesetzgebung in Staat und Gemeinde, die Rechtspflege und die Polizei, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der vielen Hunderttausende von Arbeitern und Angestellten im Staatsdienst, die Gewerbeaufsicht, die Armen- und Waisenpflege, das Verkehrswesen, von vielen anderen Materien zu schweigen. Der Philister, der sein Sprüchlein herbetet, daß die Politik das weibliche Geschlecht nichts angehe, zeige eine einzige unter diesen Angelegenheiten, die nicht auch unmittelbar oder mittelbar unsere Interessen als Frauen, als Arbeiterinnen, als Gattinnen und Mütter berührt. Genossinnen in Preußen! Bietet darum eure ganze Kraft auf, um in den Wahlkreisen, wo die Sozialdemokratie für die Eroberung eines Mandats kämpfen kann, den Sieg ihres Kandidaten zu sichern. Dank der Dreiklassenschmach, die durch die öffentliche Stimmabgabe noch besonders verschärft ist, wird ihr der Kampf über alle Maßen erschwert. Erinnert euch angesichts dessen, daß die Frauen, die polittsch Rechtlosen, den Rücken und Tücken der reaktionären öffentlichen Abstimmung nicht machtlos gegenüberstehen. Als Käuferinnen, welche den bescheidenen Bedarf der Arbeiterfamilie zusammentragen, können sie die Macht des Proletariats als Konsument dem Wahlkampf nutzbar machen. Sorgt dafür, daß diese Macht in den Kreisen der Geschäftsteule, welche au; oie Arbeiterkuilv schuft angewiesen sind, zur Geltung kommt. Laßt euch durch das Geschrei der Gegner über den„sozialdemokratischen Terrorismus" nicht anfechten. Ihr handelt in Notwehr gegen die rohe, brutale Geldsacksgewalt, welche sich bei der öffentlichen Stimmabgabe durchsetzt. Und die Notwehr Unterdrückter ist nicht bloß erlaubt, sondern sittliche Pflicht. Aber auch dort, wo die Sozialdemokratte ohne Aussicht auf die Eroberung eines Mandats im Kampfe steht, müßt ihr all eure Kräfte und Mittel für sie einsetzen. Je mehrStimmen die sozialdemokratischen Wahlmänner auf sich vereinigen, um so schärfer kommt denMassenzumBewußtsein, wieschreiend ungerecht und volksfeindlich das geltende Wahlrecht ist, um so vernichtender ist die Brandmarkung dieses erbärmlichsten und widersinnigsten aller Wahlsysteme, um so beredter ist die Mahnung für die Werktätigen, nicht zu ruhen und zu rasten, bis das politische Zwinguri ihres Rechts und ihrer Interessen gebrochen ist. Und in dieser ihrer Wirkung beruht die Hauptbedeutung der bevorstehenden Wahl. Dieser Wahlkampf ist in erster Linie ein Kampf wider die politische Knechtung der Massen durch das geltende Wahlunrecht. Er muß ein entscheidender Schritt vorwärts werden zur Erstürmung und Schleifung des mit harten Fünsmark- stücken gebauten Schutzwalles, hinter dem die besitzenden Klassen— ganz gleich, ob sie die Geburt oder das Gold „adelt"— ihre Klassenherrschaft und ihre Ausbeutungsgewalt verewigen wollen. Er muß dem von der Sozialdemokratie aufgepflanzten Ziel gelten: der Eroberung deS allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Grostjährigen ohne Unterschied des Geschlechts. Dieser Wahlkampf ist daher in ganz besonderem Sinne auch ein Kampf für die Interessen, das Recht der Frauen des arbeitenden Volkes, ein Kampf für das Recht des gesamten weiblichen Geschlechts. Die Partei des klassenbewußten Proletariats trägt ihm das Banner jenes Prinzips wirklicher Demokratie voran, das nicht vor den Mauern altersgrauer Vorurteile gegen das sogenannte„schwächere Geschlecht" halt macht. Sie will Mann und Weib das gleiche, volle Bürgerrecht erobern, und sie ist die einzige Partei, die den Kampf dafür tapfer aufnimmt. Sie gibt damit die Schlußfolgerungen des tiefen Umschwungs, der sich in der wirtschaftlichen Lage der Frau und damit in ihrer Stellung in der Familie und der Gesellschaft vollzogen hat. Als Sachwalterin einer unterdrückten Klasse würdigt sie alle die Umstände, welche dem sozial unterdrückten Geschlecht den leidenschaftlichen Ruf nach Gleichberechttgung abzwingen. Sie sieht die neuen sozialen Lebensnöte, welche ihn aus schüchterne, bebende Frauenlippen drängen, wie das verletzt sich aufbäumende Gefühl der Menschenwürde, der Selbstachtung, der Gerechtigkeit, welches ein Ende des Unrechts fordert, das unsere Mütter und Vormütter geduldig erttagen haben. Sie erkennt klar, wie nötig und wichtig es ist, daß die Frauen der werk tätigen Massen mit vollem Bürgerrecht ausgerüstet werden, auf daß sie den Kampf ihrer Klasse gegen die kapitalistische Ausbeutung und ihre soziale Ordnung teilen können. Auf, Genossinnen in Preußen! An die Arbeit! Für das Recht der Proletarierinnen als zwiefach Unterdrückter muß der Wahlkampf seine volle Frucht tragen. Tut das Eure, damit die entrechteten Volksmassen ohne Unterschied des* Geschlechts wachgerüttelt, aufgeklärt und in den Kampf gegen ihre politische Knechtschaft gepeitscht werden. Nutzt die Gelegenheit, um ihnen die Erkenntnis zu bringen, daß von allen Parteien nur die Sozialdemokratie ihre Interessen mit Kraft und Treue vertritt, und daß einzig und allein die Verwirklichung ihres Endziels, die sozialistische Gesellschaft, ihr Menschentum von der drückenden Mammonsherrschaft erlöst. Laßt euch insbesondere angelegen sein, diese Erkenntnis unter unsere Schwestern des arbeitenden Volkes zu tragen und sie dem Kampf der Sozialdemokratie gegen die Dreiklassenschmach und den vom Volksmark sich nährenden Kapitalismus überhaupt zuzuführen. Agitiert mit allen euch zu Gebote stehenden Mitteln, daß sie in Massen in die Versammlungen kommen, um dort das erweckende Wort zu hören und durch ihre Anwesenheit zu bekunden, wie dringend die Frauen des Volkes unbeschränktes Bürgerrecht bedürfen, und wie ernst sie entschlossen sind, es zu erkämpfen. Genossinnen, gebt eurerseits dieser Entschlossenheit in den Versammlungen Ausdruck! Ihr weckt damit Schlafende und erfüllt Zaghafte mit Mut und Begeisterung. Teilt stolz und gewissenhaft die Arbeit und den Kampf der Genossen, wo und wie ihr nur könnt. Es gibt vielerlei Anforderungen, bei deren Bewältigung ihr willkommene Helferinnen seid. Dieser Wahlkampf wird ein besonders heißes Ringen um das Recht der Besitzlosen und gegen die Macht der Besitzenden sein. In ihm stehen der Partei der Ausgebeuteten und Rechtlosen alle bürgerlichen Parteien mit dem gleichen Haß gegenüber. Er wird daher von den Armen und Kleinen im Lande große Opfer verlangen. Ihr dürft in der Folge weder mit eurer Zeit und Kraft, noch mit euren Mitteln sparen. Bedenkt, wie oft ihr von dem ausbeutenden Unternehmertum, vom kapitalistischen Staat gezwungen werdet, über eure Kraft zu arbeiten und das bitter Nötige zu entbehren. Und da solltet ihr nicht um eurer eigenen großen Sache willen zur höchsten Kraftentfaltung, zur grenzenlosen Opferfreudigkeit bereit sein? Genossinnen außerhalb Preußens! Vergeht nicht einen Augenblick, daß die Schlachten dieses Wahlkampfes auch für euer Recht und euer Wohl geschlagen werden. Der preußische Wahlrechtskampf ist der wichtigste Vorstoß, der bisher in Deutschland zur Uberwindung der schmachvollen und schädlichen politischen Entmündigung des weiblichen Geschlechts unternommen worden ist. Als Angehörige des weiblichen Geschlechts habt ihr, haben eure Schwestern im Proletariat das höchste Interesse an seinem Erfolg. Als Glieder der ausgebeuteten Masse ist es für euch wie für sie erst recht wichtig, daß die Sozialdemokratie ihn siegreich besteht. Die Reaktion in Preußen niederzwingen, dort dem Recht und der Macht des Proletariats eine Gasse bahnen, heißt der politischen Herrfchaft der besitzenden Minderheit in ganz Deutschland einen tödlichen Schlag 78 Die Gleichheit Nr. 9 oersetzen. Spannt deshalb auch ihr eure Energie aufs äußerste an, um moralisch und materiell eure kämpfenden Brüder und Schwestern innerhalb der schwarzweißen Grenzpfähle wirksam zu unterstützen. Die Maiseier muß überall im ganzen Reich, muß aber insbesondere in Preußen ein imposanter Aufmarsch der Entrechteten zum Wahlrechtskampf werden. Bei diesem Aufmarsch und den Schlachten, die er einleitet, müssen die proletarischen Frauen in den vordersten Reihen stehen. Den Geknechteten eine Ermutigung und eine Mahnung, den reaktionären Gewalten eine Warnung und eine Kriegserklärung muß ihre Losung erklingen: Heraus mit dem vollen, gleichen Bürgerrecht für alle grostjahrige» Männer und grauen! Nieder mit dem Trciklassenparlament, mit der politischen Truhburg der Besitzenden! Borwärts in den Wahlkampf» in den Wahlrechtskampf! Genossinnen, tnt eure Pflicht, tut sie ganz, tut sie mit Freudigkeit und Stolz. Mit sozialdemokratischem Gruß Ottilie Baader Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Warum fordern wir den Achtstundentag? Wir fordern den Achtstundentag, weil er die Zeit kürzt, in welcher die Arbeiterin ihre Kräfte anspannen, ja über spannen muß bei einer Tätigkeit, welche recht oft nur durch harte Notwendigkeit ausgezwungene Brotfron ist, nicht eine aus Begabung und Neigung freigewählte, freudig getane Arbeit; bei einer Tätigkeit, welche sich meist in der eintönigen Wiederholung ein und derselben Handgriffe erschöpst, welche einseitig ein und die nämlichen Muskel- und Nerven- gruppon anstrengt, die Sinne stumpf, den Geist matt und schwunglos macht. Wir fordern den Achtstundentag, weil er für die Arbeiterin in Fabrik zmd Werkstatt, in Laden und Bureau oder bei der Heimarbeit die lange Spanne mindert, in der sie Einflüssen ausgesetzt ist, welche der Gesundheit verhängnisvoll werden, das Leben selbst bedrohen. Wir fordern den Achtstundentag, weil er die Arbeiterin vor Überanstrengung daheim schützt. Er gibt ihr Zeit und Kraft, als Gattin und Mutter ihre Pflichten zu erfüllen, als junges Mädchen sich auf die hohen und vielseitigen Aufgaben des Weibes in Familie und Gesellschaft vorzubereiten, ohne daß sie die Nacht zum Tag, den Sonntag zum Werktag verwandeln, ohne daß sie mit übermenschlicher Willensanstrengung das letzte Fünkchen Kraft aus sich herauspressen muß. Wir fordern den Achtstundentag, weil er somit für die Arbesterin in noch höherem Maße als für den Mann eine Ersparnis an dem einzigen Kapital bedeutet, über das sie uersügt: an ihrer Gesundheit, ihrer Lebenskraft. Tatsache ist, daß der Körper der Frau im allgemeinen gesundheitsschädlichen Einflüssen gegenüber weniger widerstandsfähig ist als der männliche Organismus. Tatsache ist ferner, daß die Frau in der Familie Pflichten zu erfüllen hat, von denen der Mann befreit ist. Wir fordern den Achtstundentag, weil er mit der Arbeiterin, die Mutter ist oder Mutter wird, das Kind schützt. Indem er ihre Gesundheit schirmt, vermindert er die Einflüsse, welche das ungeborene Kind mit Schwäche und Siechtum bedrohen, steigert und erhält er die Fähigkeil der Muller, einem kräftigen Nachwuchs das Leben zu schenken. Wir fordern den Achtstundentag, weil er die Arbeiterin in den Stand setzt, ihre Mutterpflichten in größerem Umfang und in besserer Weise erfüllen zu können. Er verleiht shr etliche Tagesstunden, in denen sie der Pflege, Beaufsichtigung und Erziehung ihrer Kinder zu leben vermag, in denen sie dieselben vor Unfällen, Krankheit oder Verwahrlosung schützt, in denen sie die Kräfte des Leibes und Geistes der Kleinen gedeihlich zu entfalten bemüht ist. Er mehrt die körperliche Kraft, damit die geistige Frische und sittliche Stärke, welche die Frau für die Erfüllung ihres Multer- berufs einsetzen kann. Wir fordern den Achtstundentag, weil er der Arbeiterin Zeit und Kraft schenkt, dem Manne mehr als eine zuverlässige, geschickte Hausvesorgerm zu sein. Er schafft ihr die Möglichkeit, am inneren Leben des Gatten teilzunehmen, sein Streben und Sehnen kennen zu lernen, seine Ideale zu verstehen, mit ihm zu empfinden, zu denken, zu wollen und zu kämpfen. Wir iordern den Achtstundentag, weil er der Arbeiterin nicht nur die Pflichterfüllung im Familienleben zurückgibt, sondern auch dessen Freuden. Er mehrt die Minuten, in denen sie sich an dem Geplauder und Spiel des kleinen Kindes ergötzen kann, in denen sie sich an dem aufblühenden seelischen Leben des größeren Knaben, des heranwachsenden Mädckens erfreut, in denen sie sich mit den Ihren zusammen am Schönen zu erquicken, am Wahren zu stärken, am Guten und Großen zu erheben vermag. Wir fordern den Achtstundentag, weil er materielle Vorbedingungen dafür zeitigt, daß die Arbeiterin Sinne, Geist. Gemüt bildet, die Gaben entfaltet, welche die Natur in ihre Brust gelegt, die brennende Sehnsucht nach einem Empor des Seins und Lebens stillt, die in ihrer Seele lodert. Ter Achtstundentag führt die Arbeiterin in die Natur und schenkt ihr Vogelgezwitscher und Blumenduft, Sonnenschein und Waldesrauschen. Er tritt in ihr Stübchen und bringt ihr die herrlichsten Gedichte, daß es ihr Hirn kühn durchblitzt, ihr Herz in heißer Glut durchströmt, daß ihre Brust sich in stolzer Hoffnung hebt. Er führt sie in die Museen und lehrt sie verstehen, was Formen und Farben, was schimmernde Marmorleiber sagen. Er erschließt ihr in der Musik eine Welt von Empfindungen, Träumereien und Gedanken. Er führt sie zu den lebendigen Springquellen der Wissenschaft und läßt hier die bildungsdurstige Seele sich laben. Wir fordern den Achtstundentag, weil er der Arbeiterin gröbere Regelmäßigkeit und Stetigkeit des Erwerbs bringt, denn er vermag den Gegensatz zwischen Flaue und Ilber- zeitarbeit zu mildern. Je weniger schrankenlos der Unternehmer über seine Arbeitskräfte verfügen kann, je kürzer ie Zeit ist, in welcher sie ihm täglich fronden müssen, um so weniger ist es ihm möglich, die Produktion zwischen Hochsaison und toter Zeit hin und her pendeln zu lassen, in kurzer Spanne bei ausgedehntester Arbeitszeit herzustellen, was er auf den Markt bringen will, um dann lange Monate die Arbeitenden ganz oder teilweise brotlos auf die Straße zu setzen. Wir fordern den Achtstundentag, weil er zu einer Erhöhung des Lohnes der Arbeiterin beiträgt. Die Wissenschaft lehrt und die Erfahrung bestätigt, daß lange Arbeitszeit und niedriger Lohn Hand in Hand gehen, daß kurze Arbeitszeit von guter Bezahlung begleitet ist. Wir fordern den Achtstundentag, weil er unerläßliche Voraussetzungen dafür schafft, daß die großen Arbciterinnen- massen sich den Gewerkschaften anschließen und zu pflichttreuen, erkenntnisklaren Gewertschaftlerinnen erzogen werden. Der Achtstundentag gibt der Arbeiterin jenes Mehr an Muße, an körperlicher und geistiger Spannkrast, an Willensenergie, das ihr zu Gebote stehen muß, wenn sie sich in Gemeinschaft mit ihren Arbeitsbrüdern aufklären, wenn ihrem Geist das Verständnis für den Organisationsgedanken und seine Segnungen erschloffen werden, wenn sie für ihn wirken soll. Wir fordern den Achtstundentag, weil er durch Einbeziehung der Arbeiterinnen in die Gewerkschaften den wirtschaftlichen Klaffenkampf des Proletariats gegen das ausbeutende Kapital fördert und damit auch der Arbeiterin selbst zu höherem Lohn und günstigeren Arbeitsbedingungen verhilft. Wir fordern den Achtstundentag, weil er der Arbeiterin ermöglicht, sich über ihre eigenen persönlichen und Klasseninteressen aufzuklären, sich über das Wesen der heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und die treibenden Kräfte der geschichtlichen Entwicklung zu belehren, die Ursachen des proletarischen Elends und die Bedingungen der Befreiung des Proletariats kennen zu lernen. Der Achtstundentag läßt die Arbeiterin zum Bewußtsein ihrer Rechtlosigkeit als Frau, ihrer Ausbeutung und Verknechtung als Proletarierin erwachen und treibt sie in den Kampf für ihre soziale Gleichberechtigung, ihre Befreiung in der einen und anderen Beziehung. Wir fordern den Achtstundentag, weil er in der Folge dem politischen Klassenkampf des Proletariats die proletarischen Frauenmassen als zielbewußte Streiterinnen zuführt. Er stärkt die einzige gesellschaftliche Macht, welche der kapitalistischen Gesellschaft die erforderlichen Reformen zu Nutz und Frommen der Ausgebeuteten abtrotzt, welche die kapitalistische Gesellschaft stürzt und die sozialistische Ordnung aufrichtet, die alle Ketten bricht. Wir fordern den Achtstundentag für alle erwachsenen Arbeiter, weil auch der Mann in seiner Gesundheit und Lebenskraft gegen den Wehrwolfsheißhunger des Kapitals nach Profit geschützt werden muß; weil auch der Mann in all seinen Lebensbeziehungen durch die ungezügelte kapitalistische Ausbeutung auf das schwerste geschädigt, durch die Segnungen verkürzter Arbeitszeit aber gefördert wird. Wir fordern den Achtstundentag, weil er den Ausstieg des Proletariats zu höherer Kultur und größerer Freiheit begünstigt, und weil nur ein wirtschaftlich gehobenes, körperlich, geistig und sittlich krafwolles Proletariat die kapitalistische Herrschaft zu brechen, die Gesellschaft der Freiheit, Gleichhett. Brüderlichkeit zu zimmern imstande ist. Wir fordern den Achtstundentag, weil er die Anerkennung der Talsache ist, daß die Arbeiterinnen und Arbeiter lebendige Menschen sind und nicht bloße Rädchen des Wirtschaftsbetriebs; daß die Ware Arbeitskrast, die sie dem Kapitalisten verkaufen müssen, mehr ist als der übrige„Waren- pöbel", den dieser sonst erschachert und verschachert. Der Achtstundentag ist die Anerkennung der Tatsache, daß Menschenrecht über Goldesmacht gehen muß. Wir fordern den Achtstundentag, weil wir wissen, daß das„gute Herz" und die„geläuterte Vernunft" der Besitzenden und Herrschenden ihn nicht gewähren werden. Wir fordern ihn nachdrücklichst, weil wir überzeugt sind, daß ihn nicht die Güte und Unwiderleglichkeit der Gründe beschert, welche unsere Vertreter in den Parlamenten entwickeln. Der Achtstundentag wird uns zuteil werden als Frucht der steigenden Erkenntnis, der energischen Willensäußerung, der wachsenden Macht der proletarischen Massen außerhalb der Parlamente. Erst wenn die bürgerliche Gesellschaft vor dieser Macht zittert, wird sie die Gründe würdigen, welche die Forderung diklieren: Her mit dem Achtstundentag! Maifeier und Wahlrechtskampf. Neue mächtige Impulse erhält Heuer unsere Maifeier durch die Wahlrechtskämpfe in Preußen, Sachsen und anderen Bundesstaaten, sowie durch den preußischen Landtagswahlkampf. Schärfer umrissen denn je tritt in der gegebenen Lage der Klassenkampfcharakter der Maidemonstration in- die Erscheinung. Der Kampf für den Achtstundentag, diese fundamentale Forderung eines wirksamen Arbeiterschutzes, hat es dem Proletariat immer klarer zum Bewußtsein gebracht, daß es nur dank eigener Kraft, nur dank der wachsenden! Reife und Macht der Arbeiterbewegung die dringend wichtigen Reformen erringen wird, deren es bedarf, um für seinen Emanzipationskampf die erforderliche Energie und geistige Elastizität zu behalten. Heuer nun wird es ihnen aufs neue illustriert, daß sie- gleichfalls für die Eroberung von Staatsbürgerrechten, deren sie als Waffen im Befreiungskampfe benötigen, auf sich und! ihre eigene Kraft angewiesen sind. Die Blockpolitik in all ihren Einzelerscheinungen hat! diese Tatsache schärfer denn je erwiesen. Den vollständigen politischen Bankerott der Liberalen mögen wir verurteilen l oder bedauern, jedenfalls müssen wir mit ihm rechnen. Die Angriffe des gefürsteten Bernhard auf das Reichstagswahl- recht und der freudige Widerhall, den sie in der reaktionären Reichstagsmehrheit und der reaktionären Presse gefunden haben, zeigen die ganze Stärke preußisch-deutscher Reaktion in hellster Beleuchtung. Diese Vorkommnisse, des sind wir sicher, müssen vorzüglich zur Aufrüttelung der Massen, zur Erweckung und Vertiefung des Klassenbewußtseins beitragen. Bei einer gewissen Höhe der Klassenerkenntnis und des sozialistischen Denkens müssen uns eben „alle Dinge zum Besten dienen". Reformen stärken unsere Widerstandskraft, die Reaktion reizt unsere Kampfeslust, schürt die Empörung und erweist sich so als„revolutionär", denn sie löst die Kräfte aus zu ihrer eigenen Überwindung. Nicht umsonst hat gerade in der letzten Zeit der Wahlrechtskampf an Intensität, Umfang j und Tiefe zugenommen. Die immer unverhüllter und rück-! sichtsloser auftretende Reaktion wirkt aufpettschend und j oorwärtstreibend. Die Reaktion konnte diese Wirkung jedoch nur hervorbringen, weil die Erkenntnis und das in dieser> wurzelnde Klassenbewußtsein der Massen eine bestimmte! Höhe erreicht haben. Deshalb empfinden diese die Vorenthaltung der Staatsbürgerrechte nicht nur als Demütigung! und Erniedrigung des einzelnen, sondern auch als«in schweres Unrecht gegen die gesamte Klasse. Erklärlich genug: das Proletariat bildet heute den wichtigsten Faktor im nationalen Wirtschaftsleben, es ist der Träger der Produktion, und es ist sich dieser wichtigen Aufgabe auch bewußt. Aber mehr als das: das klassenbewußte Proletariat hat dank der sozialdemokratischen Schulung die! unserer heuttgen Wirtschaftsordnung innewohnenden trei-! bcnden Kräfte und Entwicklungsgesetze erkannt. Es weiß, daß diese Kräfte in der Richtung zum Sozialismus wirken, und daß die proletarischen Massen die bewußten Träger! dieser Entwicklung sind, daß sie also eine hohe historische Aufgabe zu erfüllen haben. � � Im Bewußtsein seiner wirtschaftlichen Unentbehrlichkeit wie auch seiner geschichtlichen Misston empfindet das Proletariat um so tiefer die Schmach seines politischen Heloten-! tums, sieht es mit um so größerer Erbitterung, daß ihm ein hochbedeutsames Staatsbürgerrecht vorenthalten wird. Auf dieses Recht hat es dank seiner ökonomischen Bedeutung nicht nur den wohlbegründetsten Anspruch, sondern es bedarf auck seiner für den Kampf um Gegenwartsforderungen, um ein Empor in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung, es bedarf seiner als eines politischen Erziehungsmittels und eines Mittels zur Eroberung der politischen Macht und damit> zu seiner endgültigen Befreiung. Gewiß, das heldenmüttge Ringen der russischen Revolutionäre hat den Idealismus und den Kampfesmut unserer- deutschen Wahlrechtskämpfer beeinflußt. Ebenso unbestritten. daß auch die glänzenden Errungenschaften unserer österreichischen Bruderpartei und die Demokratisierung des � Wahlrechts in den Bundesstaaten südlich des Mains den nördlich wohnenden Deutschen ihre polittsche Rechtlosigkeil! schärfer fühlbar gemacht haben. Allein alles zusammen hätte; nicht den tiefen, nachhaltigen, erbitternden Eindruck hervor-! rufen können, der zur höchsten Kraftentfaltung anspornt' hätten wir nicht ein klassenbewußtes Proletariat, welches sich seiner historischen Ausgabe als Totengräber des Kapitalismus und Geburtshelfer des Sozialismus bewußt wäre- Dieses Bewußtsein vermittelte den Massen die weitere Erkenntnis, daß für sie die Eroberung des allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle zwanzigjährigen Staatsbürger, ohnr Unterschied des Geschlechts eine Lebensfrage ist. Deshalb hat das Proletariat sein Ehrenwort verpfändet, seinen Kampf nicht früher zu beenden, als bis dieses Recht errungen ist. Dieser Erkenntnis und diesem Willen des Proletariats wird die heurige Maifeier wuchtigen Ausdruck geben. S't wird bekunden, daß es durchdrungen ist von der Wahrhe-i des Wortes im Kommunistischen Manifest: Die Befreiung der Arbeiterschaft aus den Banden des Kapitalismus inus das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Die jüngsten pol>' tischen Vorkommnisse haben dieses Wo« nicht nur bestätigt- sondern wir können es sogar dahin erweitern, daß heult die Eroberung wichtiger Staatsbürgerrechle gleichfalls da- Werk der Arbeiterklasse sein muß. Seiner geschichtliche" Erkenntnis getreu wird die deutsche Arbeiterklasse, Männet und Frauen, ihre Ehre darin sehen, die Maifeier in dieseut Jahr zu einer besonders imposanten zu gestalten. S't zählt damit ihre Kerntruppen und wirbt gleichzeitig neu' Kämpfer für den proletarischen Emanzipationskampf. Luise Zie?- Nr. 9 Die Gleichheit 79 Der Maitag des internationalen Proletariats. In der Maifeier findet die Solidarität der Interessen und des Zieles, welche die internationale sozialistische Bewegung erfüllt, einen erhebenden Ausdruck. Das klare Bewußtsein dieser Solidarität hat auf dem Internationalen Sozialistischen Kongreß zu Paris l88g die Maidemonstration geschaffen. Und jeder neue I. Mai beweist, daß es in immer größeren Kreisen des Proletariats lebendig wird. Ist das vielleicht wunderbar angesichts der Tatsache, daß die Arbeiterklasse in allen kapitalistischen Ländern des Erdballs das Joch der gleichen Ausbeutung und Unterdrückung trägt und daher unter den gleichen Übeln leidet? Aus dem nämlichen Mutterboden— der Klassenlage der ausgebeuteten Massen— erwächst überall die tiefe Sehnsucht nach Erlösung, welche die Bedeutung des Wortes begreift: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Ihr habt nichts zu verlieren als eure Ketten und eine Welt zu gewinnen! Der Wille aber, die Welt der Freiheit zu erobern, hat sein Symbol in dem internationalen Maitag der Arbeit erhalten. An dem ersten Mai, welcher der Annahme des Pariser Beschlusses folgte, waren es allen voran die belgischen Bergarbeiter, die in fast allen größeren Städten ihres Vaterlandes für die Einführung des gesetzlichen Achtstundentags demonstrierten. Aber auch in Dänemark, Osterreich, Deutschland und Frankreich erhoben die organisierten Arbeiter am 1. Mai ihre Stimme, um den Achtstundentag und andere Maßregeln des gesetzlichen Arbeiterschutzes zu fordern und die sozialistische Brüderlichkeit zu bekunden, welche sie über Meere, Berge und Grenzen hinweg miteinander vereint. In London fanden 1390 zwei getrennte Maifeiern statt, und das nicht am 1. Mai, sondern am ersten Sonntag des Monats. Di« eine Manifestation wurde von dem Londoner Trackes Louoeil(in England entsprechen die Druckes Lounoils ungefähr den deutschen Gewertschaftskartellen) veranstaltet, der damals gegen die Einführung eines gesetzlichen Achtstundentags war, die andere von dem Zentralkomitee für die Maidemonstration. Es verdient das erwähnt zu werden, weil schon im folgenden Jahre die beiden Körperschaften gemeinsam die Demonstration organisierten, die abermals am ersten Sonntag des Mai stattfand. Der Gedanke des gesetzlichen Achtstundentags und der Einigung der Arbeiter begann also zu marschieren. Heuer, 1906, hat daS englische Parlament über einen Regierungsentwurf zu beschließen, welcher den Achtstundentag für die Grubenarbeiter einführen soll, und in Westminster(dem Parlamentsgebäude) wurde kürzlich über einen Antrag zur Einführung des allgemeinen Achtstundentags debattiert. Erst 1894 entschloffen sich die englischen Genossen, ihre internationale Demonstration für den Achtstundentag auf den 1. Mai zu verlegen. Die Initiative dazu ging von der »Sozialdemokratischen Föderation� aus, die sich auf einen entsprechenden Beschluß des Internationalen Sozialistischen Kongresses z« Zürich berief. Stur etwa ein halbes Dutzend Gewerkschafte» demonstrierte in dem genannten Jahre, wo die Neuerung Platz gegriffen hatte, zusammen mit den E-�alisten für den Achtstundentag. 1395 nahmen fünfmal so viel Gewerlschaften durch Delegationen an der Maifeier teil, die dem kämpfenden Proletariat der ganzen Welt brüderliche Grüße entbot. Seither hat der Gedanke des Weltfeiertags der Arbeit unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Englands immer mehr Boden gewonnen. Es ist dies der unermüdlichen Agitation der Sozialisten zu verdanken. Sie haben wieder und wieder nachgewiesen, daß die unentbehrliche Selbsthilfe, welche die Gewerkschaften den Arbeitern gewähren, durch gesetzlichen Schutz ergänzt werden wuß. Sie haben sich aber auch ganz besonders angelegen s«n lassen, unter den englischen Proletariern wahres Klassenbewußtsein und die Erkenntnis internationaler Solidarität »u wecken und zu pflegen. Ihrer Aufklärungsarbeit sind die Früchte nicht versagt geblieben. Ein großer Schritt nach vorwärts ist unverkennbar. Auf dem 39. Trade Unions- Kongreß zu Liverpool nahmen die Vertreter der organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen einstimmig folgende Resolution an:»In Anbetracht dessen, daß die Demonstration der Arbeiter am 1. Mai den Zweck verfolgt, in allen Ländern, wo es eine Arbeiterbewegung gibt, an einem bestimmten Tage eine gemeinsame Kundgebung für die Sache d« Arbeil herbeizuführen, fordert der Kongreß die organisierten Arbeiter auf, sich zur Maifeier in Reih und Glied wit den Kameraden anderer Länder zu stellen, um die gesetzliche Einführung des Achtstundentags und zur Wahrung d°r allgemeinen Interessen der Arbeiter den Weltfrieden zu fordern. Am 1. Mai soll daher die Arbeit überall eingestellt werden, wo dies geschehen kann, ohne daß dadurch Klassen- wteressen der Arbeiter geschädigt werden.' Tie Resolution läßt erkennen, daß der sozialistische Ge- danke immer mehr die Massen der organisierten Arbeiter �saßt und durchdringt, und daß in der Folge ihr internationales Solidaritätsgefühl wächst. Will man in dieser Hinsicht die Resolution richtig schätzen, so muß man bedenken, daß die meisten englischen Trade Unions noch nicht den Gewerkschaften auf dem Festland gleich sozialistisch sind. Unaufhaltsam naht jedoch der Tag, wo auch in England willionenköpsige Massen, vom Geiste des Sozialismus er- süUt. mit dem Proletariat aller Länder gemeinsam am l> Mai ihre Reformforderungen erheben und der kapitalistischen Ordnung der Ausbeutung und Unterdrückung des Renschen durch den Menschen den Krieg erklären werden. Unter den Massen werden aber die Arbeiterinnen nicht Elsten. Auch ihneu wird eine von Begeisterung und Hin- gabe getragene sozialistische Agitation die Erkenntnis bringen, °aß nur der Sozialismus und der Sozialismus allein die Leiden aufhebt, unter denen sie seufzen, und ihnen mit der Freiheit der Arbeit, mit der Würde und schöpferischen Kraft der Arbeit volles, schönes Menschentum gibt. Auch die englischen Arbeiterinnen werden sich so immer zahlreicher in Reih und Glied der sozialistischen Fraueninternationale stellen, die in Stuttgart auf der Frauenkonferenz in der Erkenntnis des gemeinsamen Zieles den festen Willen bekundet hat, für die Gesellschaft der Zukunft zu kämpfen. Wie der Schatten vom Licht untrennbar ist, so ist die internationale Maikundgebung des Proletariats von einer internationalen Manifestation deS Kapitalismus begleitet. Das Unternehmertum bietet seine Machtmittel auf, um den Aufmarsch der Ausgebeuteten zu verhindern. Damit nicht genug. Fast in allen Ländern mobilisiert auch der Staat gegen die Maifeier, und zwar nicht bloß seine Polizei, sondern vielerorts auch sein Militär. Das alles zeigt besser als viele Worte, daß die ausbeutende Minderheit das Erwachen der ausgebeuteten ungeheuren Mehrzahl fürchtet, das sich am 1. Mai mit dem Erwachen, dem neuen blühenden Leben in der Natur offenbart. Mögen die werktätigen Massen immer mehr den richtigen Schluß aus dieser Furcht ziehen und sich organisiert zum Kampfe für ihr Recht stellen. Die Maifeier, die ein Glied in der Kette des Wollens und Handelns ist, welche das Proletariat der ganzen Welt umspannt, muß die arbeitenden Massen mit einem immer klareren, stärkeren Bewußtsein ihrer Macht und der Notwendigkeit ihrer Organisation erfüllen. Das Kapital organisiert sich gegen sie. tlberall erheben die Trusts, die Scharfmacherverbände ihr furchtbares Haupt. Die einzige Bürgschaft dafür, daß diese kapitalistischen Machtgebilde nicht schrankenlos ausbeuten und herrschen, liegt in der gewerkschaftlichen und politischen Organisation der Arbeiter, liegt in ihrem bewußt geführten Klaffenkampf. Wirken wir unablässig, die Arbeiterschaft durch Organisation zur Macht zu erheben, welche den Kampf erfolgreich führen kann. Am Maitag der Arbeit, wenn die klassenbewußten Proletarier und Proletarierinnen ihren Brüdern und Schwestern der ganzen Welt brüderliche Grüße entbieten, sammeln wir Hoffnung und Kraft für den bitteren Klassenkampf des Jahres. Am Maitag der Arbeit rufen wir allen noch schlafenden Arbeitern und Arbeiterinnen zu: erwachet, euer Freiheitsmorgen will tagen! Am Maitag der Arbeit forden: wir die Proletarierinnen auf, mit ihren Klaffengenossen zusammen für volles Bürgerrecht— für das allgemeine Stimmrecht aller Großjährigen zu demonstrieren, für ein Recht, dessen sie als Mittel zum Zweck der sozialen Revolution bedürfen. Am Maitag der Arbeit scharen wir die Jugend um das rote Banner, sie, die berufen ist, das Werk fortzusetzen und zu vollenden, das wir begonnen. Am Maitag der Arbeit erklären wir allen Ausgebeuteten mit den schönen Worten unseres Dichters William Morris, daß es für sie Zeit ist, „zu lernen, was ihr Eigen ist, zu fordern, was ihr Eigen ist, und zu erobern, was ihr Eigen ist'. Tora B. Montessore-London. Arbeiterschutz für Heimarbeiter. Unter den Forderungen, für die das Proletariat der ganzen Welt alljährlich am 1. Mai demonstriert, steht, weil seine Interessen am unmittelbarsten berührend, das Verlangen nach ausreichendem Arbeiterschutz an erster Stelle. In Deutschland haben die proletarischen Massen dieses Jahr besonderen Grund, ihre entsprechenden Forderungen nachdrücklich geltend zu machen, wird doch im Parlament des Deutschen Reichs wieder einmal über eine armselige Novelle zur Gewerbeordnung beraten, die den deutschen Arbeitern Schutz gegen übermäßige Ausbeutung bringen soll, über selbstverständliche Dinge wie die Arbeitszeitbeschränkung für Frauen wird mit einem ungeheuren Aufwand von„Gründlichkeit' und schönen Worten verhandelt, obwohl wahre Einsicht und wirkliche Gründlichkeit seit langem weiß, daß es in dieser Sache keines Parlamentierens mehr bedarf, sondern nur des festen und ernsten Willens, der Taten gebiert. Klingt es doch wie Hohn, wenn man liest, daß die Reichsregierung jetzt erst von der Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung für Frauen spricht, obgleich diese Notwendigkeit seit Jahrzehnten feststeht, und daß sie noch obendrein diese Verkürzung nicht für so notwendig hält, daß sie sofort dekretiert werden muß. Dem ausbeutungslustigen Unternehmertum soll ja noch ein« Schonfrist bis zum Jahre 1910 gewährt werden. Vor 6 Jahren wurde festgestellt, daß zirka zwei Drittelte aller in Fabriken beschäftigten Arbeiterinnen einen Arbeitstag von 10 Stunden und darunter haben, der zumeist durch die gewerkschaftliche Selbsthilfe der Arbeiterschaft errungen worden ist. Die Regierung aber hält in ihrer Weisheit und Arbeiterfürsorge noch heute die Zeit nicht für gekommen, um auch dem letzten Drittel der Arbeiterinnen den Zehnstundentag durch Gesetz zu geben. Die Arbeiterklasse ruht nicht in ihrem Kampfe gegen die kapitalistische Ausbeutung. Ihre Vertreter im Parlament haben ihre Forderungen zu Gesetzesvorschlägen verdichtet, und die wirtschaftlichen Organisationen, die Gewerkschaften, haben auf dem Wege des Kampfes und der friedlichen Vereinbarung für Verbesserung der Arbeitsverhältnisse gewirkt. Die vor einigen Wochen in Frankfurt a. M. eröffnete Heimarbeitausstellung, über die schon an dieser Stelle gesprochen worden ist, hat die Notwendigkeit ausgedehnten und wirksamen Arbeiterschutzes allen Einsichtigen wieder vor Augen geführt. Oberflächliche und voreilige Beurteilung will gefunden haben, daß die Frankfurter Veranstaltung ein weniger düsteres Bild entrolle, als die Berliner Heimarbeitausstellung vom Jahre 1906. Nichts ist falscher als diese Annahme, die nur dem Wunkck-)l- wollender" Sozialpolitiker entsprungen sein kann. Wer genau zusieht, die Etiketten, die den Ausstellungsgegenständen anhaften, und die Angaben der Skizzen, die für die einzelnen Zweige der Heimarbeit hergestellt worden sind, aufmerksam liest und würdigt, der wird auch von der Frankfurter Ausstellung als stärksten Eindruck die Überzeugung fortnehmen, wie unsagbar groß das Elend der Heimarbeiter ist, wie kärglich ihr Verdienst, wie lang ihre Arbeitszeit, wie ungesund, ja mörderisch ihr Hausen in ungeeigneten Räumen, die in vielen Fällen Wohn-, Schlaf- und Arbeitsstätte zugleich sein müssen. Und wer die zahlreichen„schönen' Photographien von Heimarbeitsstätten sieht und sich nicht durch den eigentümlichen Schimmer täuschen läßt, den die Photographie ihrem Gegenstand zu verleihen pflegt, der wird aus den engen und niedrigen Räumen, in denen ganze Familien bei der Arbeit hocken, und aus den ernsten Blicken der fleißigen Frauen und Kinder beredte Klagen herauslesen über Mangel und Entbehrung, über den Raub des Spiels und Jugendglücks, der erbarmungslos an zarten Kleinen begangen wird. Diese eindringliche Sprache auch der Frankfurter Heimarbeitausstellung kann nicht übertönt werden durch einige zweifellos irreführende Angaben von höheren Lohnsätzen- Mit einer Deutlichkeit, die keinen Widerspruch duldet und aller Beschönigungen spottet, spricht aus ihr daS Fehlen jeder Grenze des Arbeitstags und jeden Schutzes für Kinder, Jugendliche und Frauen. Wahrlich, der gesetzliche Schutz, den die deutsche Sozialreform der Fabrikarbeiterschaft gebracht hat, ist winzig genug. Er ist ein unzureichendes Stück- und Flickwerk und scheint für lange Zeit aus dem Stadium des planlosen„Verbefferns' nicht herauszukommen, das sich scheut, ernstlich anzufaffen und ganze Arbeit zu leisten. So wenig aber der Arbeiterschutz für Fabrikarbeiter und-arbeiterinnen ausreicht: die in der Heimarbeit beschäfttgten Männer, Frauen und Kinder entbehren auch dieser geringen Verteidigung gegen die kapitalistische Raffgier. Sie sind durch übermäßig lange Arbeitszeit, durch Nacht- und Sonntagsarbeit den größten Gesundheitschädigungen und damit auch der Untergrabung ihrer geistigen und sittlichen Kräfte schutzlos preisgegeben. Ihrem Arbeitstag gebietet keine gesetzliche Bestimmung Feierabend. und kein Gewerbeinspektor dringt auf Beseitigung allzu gefährlicher und gesundheitschädlicher Zustände, wie er das in Fabriken wenigstens versuchen und bei etwas Energie auch erreichen kann. Gerade für die Notwendigkeit, die Arbeitszeit der Heimarbeiterschaft gesetzlich zu beschränken, bietet die Frankfurter Heimarbeitausstellung wertvolles Beweismaterial. In den mir zur Verfügung stehenden Skizzen sind Arbeitstage von 12, 14, 16 und 13 Stunden verzeichnet. Die Näherin von Pelzwaren ist zuweilen bis zu 14 Stunden emsig mit der Nadel tätig, und in der Wäschekonfektion finden wir in der Nähe der Großstadt sogar noch den achtzehnstündigen Arbeitstag. In der Töpferei, die hauptsächlich Männer beschäftigt, beträgt die tägliche Arbeitszeit 10 bis 12 Stunden, und in der Handschuhnäherei, Strohhutfabrikation, Gürtelnäherei ist die gleiche Arbeitsdauer üblich. Di« Perlkranznäherin, der Holzschnitzer, die Arbeiterinnen und Arbeiter der Mützenfabrikation und die Glühstrumpfarbeiterin schaffen zeitweilig bis zu 14 Stunden, der Konfektionsschneider hat sogar fast regelmäßig einen so lang ausgedehnten Arbeitstag. Am Webstuhl und in der Korbflechterei tritt erst nach 16- bis 17 stündiger Arbeit Feierabend ein, und auch die Bürstenmacherin seufzt unter einem Arbeitstag von 17 Stunden. Kinder voin dritten Jahre an helfen in der Kranznäherei, Filetstrickerei, Stuhlflechterei und beim Saftanreiben. Die Konfektion spannt die jungen Arbeiter von 14 bis 16 Jahren gleich den Erwachsenen täglich auf 13 bis 14 Stunden ins Arbeitsjoch. Es ist begreiflich, daß der Unterricht unter der Arbeit leidet, die die Kinder ermüdet und ihnen die Zeit zur Erholung raubt. Der Lehrer Schreiner erklärt betreffs der Holzschnitzerei im Eisenacher Oberland:„Der Einfluß der Heimarbeit auf die geistige Entwicklung der Jugend ist ungünstig. Durch die Mithilfe und Ausführung leichter Arbeiten bleibt wenig Zeit zur Ausführung der notwendigen Schularbeiten, und oft wird die geistige Regsamkeit der Kinder durch die Gleichförmigkeit der Arbeit abgestumpft.' Ahnliche Zeugnisse über den schädigenden Einfluß der Heimarbeit auf Körper und Geist der Kleinen finde» sich noch mehr. Ter von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ausgearbeitete Gesetzentwurf zum Schutze der Heimarbeiter verlangt, daß die Kinder unter 13 Jahren ganz von der Arbeitslast befreit werden, und daß der Arbeitstag der Dreizehn- bis Vierzehnjährigen 6 Stunden nicht übersteigen dürfe. Das ist gewiß eine bescheidene Forderung. Wie die Verhältnisse liegen, würde ihre Durchführung immerhin eine Besserung herbeiführen. Zur Einschränkung der langen Arbeitszeit sucht der erwähnte Entwurf auch durch die Bestimmung beizutragen, daß die Ruhezeit mindestens von 3 Uhr abends bis 6 Uhr morgens dauern muß. Hiermit würde er einer nicht geringen Anzahl von Arbeiterinnen zugute kommen, die zwar für die Erwerbsarbeit nur wenige Stunden täglich aufwenden, diese wenigen Stunden aber in die Nacht verlegen müssen, weil sie am Tage ganz durch die Pflichten der Hausfrau und Mutter in Anspruch ge- nommen sind. Gerade für die Verwendung der Nachtzeit zur Heimarbeit bietet die Frankfurter Ausstellung in den vorliegenden Skizzen wie den Monographien, die noch veröffentlicht werden sollen, wichtige Nachweise. Und was für hygienische Zustände sind es, in denen die Heimarbeiter dahinvegetieren! der Fabrik sorgt die Gesamtheit der Arbeiter, zumal der organisierten Arbeiter, sorgt auch die Gewerbeinspektion dafür, daß die aller- gröbsten sanitären Mißstände nicht aufkommen oder möglichst schnell beseitigt werden. In allzu unsauberen Arb-0«, 80 Die Gleichheit Nr. 9 92 he get im Be au IEEE fch au mi Be pro So un räumen oder in solchen, deren Luft mit giftigen und schäd-| ihre Freiheit, zu leben, wie sie wollen, soll beschränkt werden, Feldherren und Generäle, die in einer„ fiegreichen Schlacht lichen Dünsten und Staub geschwängert ist, darf nicht ge- sondern ihre Freiheit, sich selbst zu Nutz und Frommen des oft ganze Völker um eines Phantoms willen in Tod und gessen werden; die Arbeiter müssen Schutkleider anlegen ausbeutenden Reichtums zu ruinieren. Dazu ist Zusammen- Vernichtung trieben? Lange, lange wird es noch dauern, und Bäder nehmen, wenn sie mit besonders giftigen Stoffen fassung aller zu einem mächtigen und ernsten Wollen nötig, ehe sich diese Erkenntnis in den armen Weiberhirnen Bahn hantieren. Von diesem Schuh, so minimal er ist, verspüren damit die Arbeiterklasse Schutzgesetze erzwingt, die nicht gebrochen hat, und unserer Maienfämpfer harrt da ein die Heimarbeitenden nichts. Ein und derselbe Raum dient nur ihre Feinde binden, sondern auch einzelne einsichtslose weites, fruchtbares Arbeitsfeld. ihnen meist zur Arbeit, zum Wohnen und Schlafen. Eine Arbeiter. Zum Schutze gegen die Schlange ihrer Dualen Hier muß die Propaganda der Antimilitaristen einsehen, Photographie in der Frankfurter Ausstellung zeigt in einem müssen die Arbeiter ihre Köpfe zusammenrotten und als wenn sie gesunde Frucht bringen soll. Den Frauen und engen Raum, der zugleich als Schlafzimmer dient, eine Mutter Klasse ein Staatsgesetz erzwingen, ein übermächtiges gesell- Müttern müssen sie den Abscheu vor den Maffenschlächte mit sechs Kindern, von denen einige schon fleißig beim An- fchaftliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch freis reien des Krieges, den Haß gegen den waffenftarrenden fertigen von Müßen helfen. Die Hafenhaarschneiderei, die willigen Kontraft mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht Frieden", der die Bölfer zu Hunger und Knechtschaft ver vielen Schmutz ins Haus bringt und in hohem Maße in Tod und Sklaverei zu verkaufen." Dieses Wort unseres dammt, den Haß vor allem gegen das brutale Werkzeug der gesundheitsgefährlich ist, weil die Felle zuweilen mit Qued Vorfämpfers Mary gilt auch für die Heimarbeiter. Und so Klaffenherrschaft in die Seele brennen. filber gebeizt sind, wird ausnahmslos im Wohn- oder Schlaf- möge am Maifest der Arbeit allen Heimarbeitern und zimmer oder in der Küche verrichtet. Die Größe der Ar--arbeiterinnen der Ruf in die Ohren klingen: Wacht auf, beitsräume der Heimarbeiter ist fast immer unzureichend. schließt euch zusammen und kämpft für euer Recht!" Sehr häufig findet man fleine, auf dem Lande oft furchtbar Johannes Heiden. niedrige Zimmerchen, die schlecht gelüftet werden und das Tageslicht nicht genügend aufnehmen. Die Frankfurter Ausstellung bringt auch hierfür lehrreiche Beispiele. Von der Offenbacher Lederwarenindustrie sind Photographien von Arbeitsräumen ausgestellt. Da finden wir Simmer von: Brette Höhe Rubitinhalt Darin beschäf Rubikmeter tigte Personen Länge Meter Meter Meter 7 2,50 2,25 39,30 5 3, 3, 45 7 3,60 3, 75 7 2,40 2,80 47 3 6 9 4 " Der Militarismus und die Frauen. " Wann wirst du frei und einig sein, mein Bolt? Wenn die Kutten nicht mehr das Sonnenlicht verhängen Und deine Kinder nicht mehr spielen mit dem blutigen Werkzeug des Kriegs." Dann wird das junge Geschlecht von selbst den Fängen des Militarismus entwachsen und untauglich werden zum Kampfe gegen den inneren Feind". Dann wird die internationale Solidarität des Proletariats über den völkerverheizenden Mordspatriotismus triumphieren, der nur den Geldsacksinteressen der herrschenden Klassen und dem Machts titel der regierenden Dynastien dient. Dann ist die Bahn frei für Völkerfreiheit, für Bölkerfrieden! B. Selinger. Wieder begeht das flaffenbewußte Proletariat aller Nationen den Weltfeiertag der Arbeit. Millionen kampfes froher Streiter und Streiterinnen finden sich unter dem purpurnen Banner der Freiheit zusammen, Millionen harter schwieliger Hände vereinen sich zu neuem Bunde. Der Freiheit und den heiligsten Menschenrechten gilt ihr Kämpfen und Ringen. Nicht den Menschenrechten, wie sie von der aufstrebenden Bourgeoisie, während der großen", jetzt so verabscheuten Revolution von 1789 proklamiert wurden, nicht der Freiheit, die in leuchtenden Lettern auf dem schwarz- rot- goldenen Banner der Liberalen von 1848 prangte. Und diese Angaben berichten zweifellos noch von günstigen Verhältnissen. Fast in allen Fällen handelt es sich da nämlich um besondere Arbeitsräume, die für den Zweck der Arbeit hergerichtet sind. Viel schlimmer sieht es natürlich in den( zahlreichsten) Fällen aus, in denen die Heimarbeit nur ein Nebenerwerb für die Frau ist. Das illustriert die Ausstellung zwar weniger durch Photographien, aber in den Beschreibungen begegnet man oft der Klage über traurige Wohnverhältnisse. Mit Recht fordert der sozialdemokratische Gefeßentwurf eine besondere Arbeitsstätte und auch sehr bescheiden mindestens 12 Rubikmeter Luftraum für den einzelnen Arbeiter sowie das Berbot besonders gefährlicher Arbeiten für die Heimindustrie. Die meisten Wohnungen find nicht mit den nötigen Einrichtungen versehen, um auch nur den geringsten hygienischen Anforderungen zu genügen, die an einen zur Verrichtung stauberregender Arbeiten benutzten Raum gestellt werden müssen. Internationale Solidarität. Ir ern Fr un den Des fte viel ma Es war ein erhebender und unvergeßlicher Moment, als sich im vorigen Jahr am Schluß der ersten internationalen Ronferenz fozialistischer Frauen zu Stuttgart die Teilnehme rinnen mit dem begeisterten Rufe trennten: Es lebe der völferbefreiende, der menschheitsbefreiende internationale So zialismus! Aus fast allen Ländern Europas, aus Amerika und Indien waren die Genoffinnen zur Beratung zusammen getreten, des einen Willens voll: in treuer schwesterlicher Gemeinschaft für das große Ziel der sozialistischen Gesellschaft zu wirken. Und welche Verschiedenartigkeit der Verhältnisse, unter denen für dieses Ziel gearbeitet werden muß, welche Unterschiede der Meinungen über die erfolg reichste Art und Weise, wie dafür gearbeitet werden kann, auch im Verlauf der Beratungen zutage getreten waren, ein starkes Gefühl der Gemeinsamkeit, der Zusammengehörigfeit hatte alle Erörterungen getragen und in den Beschlüssen feinen Ausdruck gefunden. Nach Nord und Süd, nach Ost und West nahmen die Delegierten für die mühereiche Tagesarbeit, für die großen, opfervollen Kämpfe das Bewußtsein mit heim, daß die sozialistische Frauenbewegung mit uns widerstehlicher Kraft aus den Lebensbedingungen der proletarischen Frauenwelt hervorbricht und einem gemeinsamen Biel zustrebt. Das Ziel der Maientämpfer ist ein unendlich größeres, höheres, weil es nicht an eine Klasse, eine Nation gebunden ist, sondern die ganze Menschheit umfaßt. Bölkerfreiheit! Völkerfriede ist ihre Losung, Kampf dem Kapitalismus, Kampf dem Militarismus! Saufende, braufende Frühlingsstürme tragen den Kampfes ruf über Täler und Höhen und rufen die Säumigen zu frischer Tat. Und immer neue Scharen ziehen heran, fich mit den fröhlichen Kämpfern zu vereinen. Aber Tausende stehen noch abseits, den Blick troftlos zu Boden gerichtet, und sehen nicht die strahlende Sonne am azurnen Himmel, nicht die lachenden Blumen an ihrem Wege, und wollen den trotzigen Ruf nicht hören. an fuc ber Sa frü Rec Frü übe Bei Her und fein der und es, fau gar Das Bewußtsein tiefer internationaler Solidarität wurde Und unter ihnen sind unzählige Frauen und Mütter, am Vorabend des Weltfeiertags der Arbeit den österdenen doch die Liebe zu ihren Kindern die Glut des Zornes reichischen Genoffinnen lebendigst gegenwärtig, als auf ihrer und der Empörung im Herzen entfachen sollte; die ihre dritten Konferenz zu Wien die Vertreterin der deutschen Unterdrücker hassen müßten, wie nur Frauen hassen können, Genoffinnen für die schwesterliche Aufnahme dankte, die ste deren heiligste Gefühle man täglich, stündlich mit Füßen in Österreich gefunden hat. Mit Recht erklärte fie, daß sie tritt. Aber sie hassen nicht, diese Frauen mit dem Stempel das freundschaftliche Entgegenkommen vor allem nicht als tausendjähriger Knechtschaft auf dem blassen Antlig. Lächelnd ihrer Person geltend werte, sondern als den deutschen Gezeigen sie ihren Kleinen die braven Jungen in des Königs nossinnen zugedacht, die sie nach Wien gesandt. In der Rock, die eben mit flingendem Spiele durch die Straßen herzlichen Aufnahme, die sie erfahren, sei das tiefe ziehen, und merken nicht, daß diefer Rock längst zum Knechtes Solidaritätsgefühl zum Ausdruck gekommen, das die zeichen geworden ist, das seinen Träger zum willenlosen österreichischen Genoffinnen mit den deutschen GenosWerkzeug der herrschenden, zum Feinde seiner eigenen Klaffe finnen verbindet. In der Tat: mehr und fester als macht, ihn zwingt, auf höheren Befehl selbst auf„ Vater alle anderen Organisationen sozialdemokratischer Frauen und Mutter zu schießen". Lächelnd blicken fie nach den fühlen sich die der deutschen und österreichischen Genossinnen bunten Treffen und Litzen und wissen nicht, daß der glitzernde solidarisch. Nicht nur, weil die Genofsinnen eine Sprache Firlefanz mit dem blutigen Schweiße ihrer Brüder und sprechen. Mehr als das gemeinsame Jdiom verbindet sie Schwestern bezahlt werden muß, daß sie selbst mit ihren der gemeinsame Kampf um gleiche Ziele. Immer geht es Kindern dafür hungern und darben müssen. wie eine schwellende Flut von Anregungen, von solidarischen Für Krankheits- und Invaliditätsfälle sind viele Heim arbeiter nicht versichert, manchen von ihnen ist sogar unbekannt, daß solche Versicherung möglich ist. Viele Tausende wissen nichts von der Tatsache, daß draußen in der Welt die Arbeitsbrüber sich schon seit Jahrzehnten in hartem Kampfe bemühen, durch Selbsthilfe und Staatshilfe ihr Los zu bessern. Es ist selbstverständlich, daß von Schonung im Falle einer Erkrankung keine Rede ist, und daß es äußerst traurig um die Krankenpflege aussieht. Auch die heimarbeitende Wöchnerin verläßt sehr häufig schon nach wenigen Tagen das Wochenbett und geht an ihren Erwerb. Das bißchen Schutz, das die Gewerbeordnung der Fabrikarbeiterin als Wöchnerin bietet, existiert für die Heimarbeiterin ja nicht. Das klassenbewußte Proletariat verlangt mit Recht die Ausdehnung der gesamten Arbeiterversicherung und der Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung auf die Haus industrie. Daß die Heimarbeit der Gewerbeinspektion unter stellt werden muß, versteht sich von selbst, und zwar einer verbesserten Aufsicht als der bestehenden. Uns erscheint die Einführung einer besonderen Inspektion für die Hausindustrie dringend nötig, weil sie allein imftande sein wird, eine genügende Kontrolle auszuüben, des weiteren aber auch, weil sie eher mit den technischen Voraussetzungen für eine wirksame Kontrolle ausgestattet werden kann, als die im großen und ganzen doch nur auf Fabrikbetriebe zugeschnittene Gewerbeinspektion. Ma Gru Jul beit bei beg gefe Don arbe die Arb auf wiet Urb beits liche heit gem Don gehi thre Urb dau fchal Arb ง eine laut deut gefe Gon 14 S wad bem aud ficht böl nich Was von allen Erfolgen des Proletariats gilt, daß die Erfolge in einem Lande auch die Erfolge der gesamten sos zialistischen Internationale sind, gilt auch für die sozialistische Frauenbewegung. Ja, für sie erst recht und fast in höherem die Maße, weil sie noch vieles erringen muß, was das männ liche Proletariat bereits durchgesezt hat. Jedes Recht, das sie hier oder dort erobert, wirkt trefflich mahnend, auf int rüttelnd auch im Nachbarland nach, spornt auch da die Kräfte und die Energie der Genossinnen an. Die Steuern und Abgaben steigen von Jahr zu Jahr, Arbeiten hinüber und herüber. Ein gegenseitiges Lernen Brot und Fleisch werden bald zu sagenhaften Leckerbissen in Theorie und Praxis, ein steter Austausch von Erfahrungen werden, nur für eine Handvoll Bevorrechteter geschaffen, und Anschauungen, ein teilnehmendes und achtungsvolles Den hier erwähnten Forderungen des Entwurfes der Schulen und Krankenhäuser sind überfüllt, die Armenpflege Verstehen der beiderseitigen Rämpfe hält diese beiden Drsozialdemokratischen Reichstagsfraktion schließen sich noch liegt danieder, Taufende von Kindern gehen infolge mangel- ganisationen des internationalen Proletariats in enger und andere an, das Verbot der Mitgabe von Heimarbeit an hafter Pflege und Erziehung physisch und moralisch zugrunde, lebendiger Fühlung. Und wenn die deutschen und die österFabritarbeiterinnen( wodurch die Beschränkung der Arbeits- aber das deutsche Volk zahlt jährlich an 1300 Millionen reichischen Genossinnen auch nicht allen Situationen und zeit für diese vielfach illusorisch gemacht wird), Deklarations- Mark für sein herrliches Kriegsheer, für seine stolze Flotte. Aufgaben gegenüber eines Sinnes waren und sein konnten, awang für Produkte der Heimarbeit, Minimallöhne und Dafür bleichen die Knochen seiner Söhne in den Sümpfen wenn sich manchmal Meinungsverschiedenheiten zwischen anderes mehr. Ihre Verwirklichung wird natürlich die Chinas, in den Sandwüsten Südwestafritas. Um das„ Vater- ihnen geltend machten, immer war die gegenseitige Kritik Schäden der Heimarbeit nur mildern, nicht heilen. Eine solche land" gegen eine Handvoll„ Feinde" zu verteidigen, wurden wie die gegenseitige Zustimmung diftiert und beherrscht von Milberung fann jedoch der kämpfenden Arbeiterklasse nicht sie hinausgeschickt, sie, die selber kein Vaterland haben, die dem reinen Gefühl, sich gegenseitig helfen und fördern zu wollen, um in treuer Gemeinschaft stets vorwärts zu mars bie genügen, fie muß die Beseitigung des Heimarbeiter umhergetrieben werden wie Dünensand im Winde. elen des erstreben. Aber so groß ist dieses, daß es zunächst Und alle, die da draußen zugrunde gehen oder als Krüppel schieren dem Endziel entgegen. möglichst bald wenigstens einen Anfang mit seiner Linderung zurückkehren, und alle, die in den Kasernen zu Hundedemut zu machen gilt. Daher kämpft das Proletariat vorerst mit und Kadavergehorsam erzogen, von rohen Vorgesetzten be aller Wucht für die Reformen, die heute schon längst reif schimpft und mißhandelt werden, find Söhne deutscher zur Entscheidung sind, und die der Heimarbeiterschaft schon Frauen. Woche um Woche melden die Zeitungen neue hätten gegeben werden müssen, wenn wirklich ernsthafte Fälle von brutalen Soldatenmißhandlungen, furchtbare Ansozialpolitische Bestrebungen die deutsche Gesetzgebung be- flagen werden von der Tribüne des Reichstags ins Land herrschten. Sogar diesen bescheidenen Reformen stellen sich hinausgeschleudert. Was wir in dieser Hinsicht schaudernd der Widerstände genug entgegen. Und was das Traurigste hören und miterleben, zeigt zum Greifen deutlich, daß das ist: nicht nur Scharfmacher und Arbeiterfeinde bekämpfen Wesen des Militarismus auf Unterdrückung des Volkes gefie, sondern auch Heimarbeiter selbst. Sie sind zum Teil richtet ist. Denn es sind Söhne des Voltes, die wie Bestien Das innige Solidaritätsgefühl, von dem die sozialistische Bab noch so rückständig, zum Teil so an ihr Elend gewöhnt, von Bestien behandelt werden. Und warum im letzten Frauenbewegung als Teil des gewaltigen Emanzipations män daß sie oft das Wünschen und Hoffen und erst recht das Grunde? Um sie von den Massen zu trennen, um sie gegen ringens der Arbeiterklasse aller Länder durchglüht wird, i liche Kämpfen verlernt haben. Ihre Isoliertheit ist mit die Massen den Säbel hauen und die Flinte schießen zu auch ein Schatz von höchster Kostbarkeit. In ihm liegt ein des ihrer maßlosen Ausbeutung zusammen der Grund ihrer lassen. Kein Schrei der Entrüstung ob dieses Greuels bricht Teil der Kraft, die wir in den Kampf um unsere Forde Schwäche und ihrer Widerstandslosigkeit. Sie hieraus auf- hervor aus den Reihen der Mütter, deren Lieblinge solcher rungen einſegen müssen, es ruft uns zur Selbstprüfung, zum beut zurütteln, sie, die heute oft eine Gefahr für das schon zum Behandlung ausgesetzt sind, deren Fleisch und Blut eines rastlosen Aufstieg in guten Tagen, es gibt uns Halt und Klassenbewußtsein erwachte Proletariat der Fabrit find, Tages das Mordgewehr gegen sie selbst kehren soll. Hoffnung in bösen Zeiten. Die Genofsinnen Österreichs am zu Mitkämpfern zu machen, dazu soll uns die Frankfurter Es ist, als ob alles Gefühl für das schreiende Unrecht, banken deshalb ihren deutschen Schwestern, daß sie sich auf die s Ausstellung ein rechter Ansporn sein. Und wenn wir bei für die blutige Schmach dieser Zustände im Herzen der ihrer Konferenz vertreten ließen. Sie würdigen das als arbe unseren Bemühungen auf Widerstand in den Reihen der Frauen erstorben wäre. Erkennen sie denn nicht, daß jede einen neuen und schönen Beweis ihres Solidaritätsgefühls. Heimarbeiter selbst stoßen, so wollen wir daran denten, daß von ihnen, die einem Rinde das Leben gegeben, unendlich Sie erblicken darin aber auch eine Bürgschaft für ein gerb es gerade den Innerstand der Moffen zu besiegen gilt. Nicht viel mehr für die Menschheit geleistet hat, als alle die großen deihliches, einträchtiges Arbeiten in der Zukunft. Wie bis Bab ber geht ง 81 Nr. 9 Die Gleichheit her, so wollen wir auch fernerhin uns aneifern und fördern.( rungen eine geschlossene Macht steht, so sei auch heute| flärte Richter Breuwer, als er die Entscheidung des Obersten Wenn die österreichischen und die deutschen Genossinnen auch wieder den Hausgehilfinnen ans Herz gelegt, unermüdlich Gerichtshofes verkündete. Es trifft nicht zu," erklären die getrennt marschieren und getrennt tämpfen, im Geist und zur Stärkung der Dienstbotenvereine beizutragen. In den Frauenrechtlerinnen, daß die Frau, die erwerbstätige Frau, im Ziel sind sie eins. Mit aller Kraft kämpfen sie für die zwei Jahren, seit Dienstbotenvereine bestehen, ist in den sich noch auf ihren Bruder verläßt und von ihm abhängig Befreiung der Frau und die Befreiung der Arbeiterklasse Kreisen der Hausangestellten eine starke Bewegung ent- ist. Zumal in der gegenwärtigen Zeit der Krise erhalten aus wirtschaftlicher Not und politischer Rechtlosigkeit. In standen. Als am 18. März 1906 der erste freiheitliche Dienst Zehntausende von Frauen nicht bloß sich selbst, sondern auch schwesterlichem Solidaritätsgefühl helfen wir uns vorwärts botenverein in Nürnberg gegründet wurde, ging es wie ein noch ihre Familien, Gatten und Brüder eingerechnet. Die auf dem Wege zur sozialistischen Gesellschaft. Hand in Hand Frühlingsbrausen durch die Reihen der Hausgehilfinnen Entscheidung nimmt diesen Frauen einen Teil ihres Lohnes mit den deutschen Genoffinnen gesellen sich die österreichischen ganz Deutschlands. überall gingen die Dienstmädchen ans und gibt ihnen feinen Ersatz dafür. Sie läßt ihnen keinen Genoffinnen am 1. Mai dem Heerbann des kämpfenden Welt- Wert, sich zu organisieren und dadurch gegen die überaus anderen Ausweg, als auf der Straße durch die Prostitution proletariats zu, das ausrückt, um mit dem Reiche des lange Arbeitszeit und die vielen anderen Mißstände zu Felde Verdienst zu suchen." So unrichtig die Auffassung des Sozialismus die Herrschaft der Brüderlichkeit aller Nationen zu ziehen. Richters Breuwer ist, so unzutreffend ist auch die frauenrechtund Rassen, die Herrschaft des Weltfriedens zu begründen. Wenn am 1. Mai aus der organisierten Arbeiterschaft lerische Behauptung. Die Verkürzung der Arbeitszeit führt Emmy Freundlich, Mähr. Schönberg. aller Länder wieder der Ruf erklingt nach einer Verkürzung nicht zu einer Senkung des Lohnes, vielmehr umgekehrt, sie der Arbeitszeit, so findet er diesmal auch einen Wider hall bewirkt dessen Steigen. Es ist eine wissenschaftlich längst in Tausenden und aber Tausenden Dienstmädchenherzen. Zwar erwiesene Tatsache, daß lange Arbeitszeit und niedriger ist die übergroße Mehrzahl der Hausangestellten in ihrer Lohn sowie kurzer Arbeitstag und hoher Lohn Hand in Hand persönlichen Freiheit noch so beschränkt, daß es ihnen nicht gehen. Wir haben also die Beschränkung des Arbeitstages einmal möglich ist, die Demonstrationsversammlungen am der Frauen sowohl als ein Mittel zu bewerten, die ArbeitsAbend des 1. Mai zu besuchen. Aber die Agitation wird qual, die Ausbeutung der Lohnfflavinnen des Kapitals nicht eher ruhen, bis nicht nur freie Abende für die Dienst- etwas zu mildern, wie als Mittel, ihren fargen Verdienst mädchen erobert, sondern auch ihrer Arbeitszeit dieselben zu erhöhen. Der fürzere Arbeitstag macht die Arbeiterinnen Grenzen gezogen sind, die die gesamte aufgeklärte Arbeiter- tampfeslustiger und tampfestüchtiger. Wo er besteht, wird schaft erstrebt. Auch unser Ruf muß sein: dem ausbeutenden Unternehmertum Zeit und Kraft entzogen, die der Bildung und der Organisation der Frauen zugute kommen können. Die Beschränkung des Arbeitstages schmälert feineswegs das Recht der Frau, sie begrenzt Helene Grünberg. nur die Macht des profithungrigen Kapitals. Je nötiger es ist, daß die Arbeiterinnen sich selbst mit ihren Brüdern der Arbeit zusammen gegen die kapitalistische Ausbeutung wehren, daß sie für ihre Gleichberechtigung als Frauen, für wertvoller ist gerade für sie die Verkürzung der Arbeitszeit und insbesondere die Einführung des Achtstundentags. Die Maiforderung der Dienstmädchen. Bu teiner Zeit des Jahres ist die Sehnsucht nach fürzerer Arbeitszeit so groß, wie gerade im Monat Mai. Die neuerwachte Natur zieht uns mit magischer Gewalt hinaus ins Freie, hinaus in den grünenden Wald, zu den blühenden Hecken und Sträuchern, hinaus zu Blumenduft und Vogelsang. Auch manches Dienstmädchen schaut wohl sehnsüchtig den fleinen Sängern nach, die sich hoch oben in Slauer Luft des Frühlings und der Freiheit freuen. Als Kind hat auch fie die Freuden des Frühlings genossen, jetzt aber, wo ihr vielleicht erst das Verständnis für die Schönheit der er wachenden Natur aufgegangen ist, hat sie keinen Teil mehr an ihr. Die rauhe Wirklichkeit, die brutale Ausbeutungssucht der Herrschaften schließt die Dienstmädchen aus von Acht Stunden Arbeit, Acht Stunden Muße, Acht Stunden Schlaf! Vom Kampfe für die Verkürzung Die Berkürzung der Arbeitszeit ist höchst wahrscheinlich der größte Vorteil, den die Gewerkschaften den Männern und Frauen bringen, welche ihren Lebensunterhalt als ausgebeutete Lohnarbeiter erwerben. der Freude an all dem Werden und Wachsen draußen. Der Arbeitszeit in den Vereinigten Staaten. ibre volle Befreiung als Proletarierinnen tämpfen, um so Saben doch diese Haussflavinnen Arbeitszeiten, die von früh bis in die späte Nacht hinein dauern. Sie haben kein Recht zu sagen: Heut will ich hinaus in den lachenden Der Kampf des gewerkschaftlich und politisch organisierten Frühling." Ja, nicht einmal des Sonntags tönnen fie frei Proletariats für den Achtstundentag gilt einem schönen Ziel. über ihre Zeit verfügen. Wie die Leibeigenen vergangener Wie bedeutsam es ist, erhellt aus der Tatsache, daß die Seiten sind die Dienenden auf Gnade und Ungnade den Üüberall in den Vereinigten Staaten haben die organi- Ausgebeuteten der ganzen Welt ihn führen. Am 1. Mai Herrschaften ausgeliefert. Sie schreiben die Arbeitszeit vor, fierten Arbeiter schon für den Achtstundentag gekämpft und fliegt ihre Forderung von Land zu Land, den Mühseligen und schweigend haben die Mädchen zu gehorchen. Es ist tämpfen sie für ihn mit steigender Energie weiter. Ihr und Beladenen der kapitalistischen Ordnung ein Trost, ihren tein Wunder, wenn so manches gesunde Landkind, das in Kampf stößt auf den zähesten Widerstand der Unternehmer. Nuznießern eine Drohung. Denn die Proletarier aller Länder, der Stadt einen Dienst angenommen hat, bald mit blaffem Es ist zweifelsohne allgemein bekannt, daß die Verhaftung die sich vereinigt haben, heischen den Achtstundentag nicht, und müdem Gesicht umherläuft. Die lange Arbeitszeit ist der Vorstandsmitglieder des Westlichen Bergarbeiterver- um Frieden mit dem Kapitalismus zu schließen. Umgekehrt, es, die ihm den Stempel des Leidens aufgedrückt hat. bandes in Kolorado und Jdaho und der berüchtigte Tendenz sie wollen besser für den Kampf gegen ihn gerüstet sein. Gerade weil die lange Arbeitszeit die Lebenskraft auf- prozeß, der ihnen gemacht wurde, durch den Kampf ver- Ihr Endziel ist und bleibt, den Kapitalismus zu überwinden faugt, die Menschen aufs Krankenlager und nicht selten so- ursacht worden ist, in welchem sich die Arbeiter dagegen und die sozialistische Ordnung aufzubauen. Niemand hat gar frühzeitig ins Grab bringt, deshalb muß mit aller wehrten, daß die Grubenherren den Achtstundentag nicht von der Verwirklichung des Sozialismus mehr zu erwarten, Macht auf ihre Verkürzung hingearbeitet werden. Aus diesem respektierten, den die Bergarbeiterorganisation durchgesetzt als gerade die Frauen, die Arbeiterinnen. Sie allein schafft Grunde hat der internationale Arbeiterkongreß zu Paris im hatte. Der Kampf in den Weststaaten der Union ist durch ja die Gesellschaftsordnung, in welcher alle Ausbeutung des Juli 1889 den Achtstundentag für alle Arbeiter und Ar- aus noch nicht zu Ende. Er ist eine Kraftprobe zwischen Menschen durch den Menschen, alle Unterdrückung des beiterinnen an die Spitze seiner Forderungen gestellt. Hier. Kapital und Arbeit und geht um das Recht des Prole- Menschen durch den Menschen ein Ende nimmt, die Gebei waren selbstverständlich auch die Dienstmädchen mit in- tariats auf einen turzen Arbeitstag und einen menschen- sellschaftsordnung, in welcher die Lohnsflaverei ebensowenig begriffen. Als aber im Jahre 1891 in Deutschland ein würdigen Lohn. Boden zu behaupten vermag wie die Geschlechtssflaverei, gefeglicher Marimalarbeitstag von 11, für die Jugendlichen In den Südstaaten hält es ungemein schwer, den Acht- in welcher daher alle Gaben jeder Frau aufblühen und von 10 Stunden festgesetzt wurde, da blieb er auf die Fabrik- stundentag auch nur für die Kinder durchzusehen oder in wirken tönnen, ihr selbst zur Befriedigung, der Allgemeinheit arbeiterinnen beschränkt. Um die Dienstmädchen hatten sich sonst einer Weise die Arbeitsbedingungen der Lohnarbeiter zum Segen. Die proletarischen Frauen müssen sich daher die Gesetzgeber gar nicht gekümmert. Und auch jetzt, wo die zu regeln und zu verbessern. Diese sind dem Unternehmer- in dichten Scharen um den Maibaum, den Freiheitsbaum Arbeitszeit für die erwachsenen gewerblichen Arbeiterinnen tum auf Gnade und Ungnade ausgeliefert, und da die Ge- des Weltproletariats fammeln, das für das hehre soziali auf 10 Stunden festgelegt werden soll, sind die Dienstmädchen richtshöfe sich in den Händen der Kapitalisten und der stische Endziel kämpft. In der frohen Überzeugung, daß in wiederum nicht berüdsichtigt worden. Baumwollbarone im besonderen befinden, so haben die allen Ländern die Proletarierinnen immer flarer ihre Wie notwendig es wäre, für die Hausgehilfinnen die Proletarier zurzeit wenig von ihnen zu hoffen. So haben Pflicht erkennen und sich in einem Willen, zu der einen Arbeitszeit zu vertürzen, geht schon aus der Bahl der Ar- wir das furchtbare Schauspiel vor Augen, daß in den Baum großen Tat mit ihrer Klasse vereinigen, herzlichen Schwesterbeitsstunden hervor. Bei den Dienstmädchen sind ja wöchent- wollfabriken Scharen von Männern, Frauen und Kindern gruß den deutschen Genossinnen. liche Arbeitszeiten von 120 bis 180 Stunden teine Selten- zarten Alters von der Morgendämmerung an bis spät in Josefine Conger- Raneto, Chicago. heit, während die gewerblichen Arbeiterinnen dank der die Nacht hinein schuften und schanzen und dabei gerade gewerkschaftlichen Organisation wöchentliche Arbeitszeiten nur genug verdienen, um von heute auf morgen von der bon 54 bis 60 Stunden haben. Somit haben also die Hausgehilfinnen in einer Woche noch mehr Arbeitsstunden, als ihre gewerblichen Schwestern in 14 Tagen. Während die Urbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen täglich 9 oder 10 Stunden dauert, müssen die Dienstmädchen täglich 17 bis 19 Stunden schaffen, und zwar auch noch am Sonntag, den doch die Arbeiterinnen meist ganz frei haben. Hand in den Mund leben zu können. Das aber einen Tag nach dem anderen, bis die Unglücklichen dank ständiger Überanstrengung und des Mangels an genügender Ernährung zugrunde gehen. Nur Zeit! Zum neunzehnten Male begeht das flaffenbewußte Proletariat das Fest der Völkerbefreiung. Die Forderungen, die an jedem ersten Maientage wiederum erhoben werden, lassen in jedes Arbeiters Brust eine Sehnsucht nach Erlösung, aber auch neuen Kampfesmut erwachen. Das Proletariat fühlt sich an diesem Tage dem Sozialismus näher gerückt. Wie der Frühling fiegreich die rauhe Jahreszeit verdrängt, so wird auch das Proletariat alle finsteren Mächte der Realtion Schlimm genug steht es um das Arbeiterrecht auch in den Oststaaten der großen Union. Wo immer die Herren Rapitalisten es begehren, oder richtiger, wo sie es durch Diese lange Arbeitszeit der Dienstmädchen zu beseitigen, ist setzen fönnen, daß ihr Begehren berücksichtigt wird, da eine der Hauptaufgaben der freien Dienstbotenvereine. Darum werden auch die Arbeiterschutzgesetze beständig mit Füßen lautet eine der sechs Forderungen, die diese Vereine dem getreten. Es bestehen auf dem Papier zahlreiche ausgedeutschen Reichstag übermittelt haben,„ Einführung eines zeichnete gesetzliche Bestimmungen, die, wenn sie mit aller überwinden gesetzlich geregelten Arbeitstags, Gewährung des freien Sonntagnachmittags und eines vollen freien Tages alle das ist Maienverheißung, Maienglaube. Und ist nicht so ein Maientag ganz besonders dazu an getan, die Sehnsucht der Enterbten nach Lebensglück, nach Daseinsfreude emporlodern zu lassen? Wenn das Proletariat am 1. Mai hinauszieht ins Freie, in all die lachende Frühlingspracht, dann kommt es ihm erst recht zum Bewußtsein, was der Kapitalismus ihm alles vorenthält. Gingeferfert in heißem, staubigem Fabriksaal, in dumpfer Werkstatt, im nächtlichen Dunkel des Bergwerks, sieht es nichts von der Herrlichkeit der erwachenden Natur. Statt des vielstimmigen Frühlingskonzerts der Vögel hört es nur das ohrenbetäubende Sausen und Rasseln der Maschinen. Besonders das Proletarierweib, doppelt belastet durch Erwerbsfron und Arbeit für Haushalt und Familie, ist ausgeschlossen vom Genuß der Naturschönheit. Die knapp bemessenen Ruhepausen nach überlanger Arbeitszeit sind für die Proletarierin nicht zur Erholung im Freien da, kaum daß sie sich am Sonntag eine kurze Sklavenrast gönnen kann. Strenge gewissenhaft durchgeführt würden, ganz bedeutend zur Hebung der gegenwärtigen Lage der Arbeiter und Ar14 Zage". beiterinnen beitragen müßten. Als Sozialisten wissen wir Die Gesetzgebung hat bisher, wie bereits ausgeführt, für jedoch, daß die Kapitalisten nicht bloß die Herren im Wirtdie Dienenden nicht das geringste getan. Nicht nur die Er- fchaftsleben sind, sondern daß sie auch auf politischem Gewachſenen unter ihnen hat man stiefmütterlich behandelt, in- biet herrschen. Sie haben den größten Einfluß darauf, wie dem man sie von der Arbeiterinnenschutzgesetzgebung ausschloß, die Gesetze ausgelegt und angewendet werden. Die Gewerf auch die Jugendlichen und die Kinder hat man nicht berückschaften wie die politisch organisierten Arbeiter müssen da ichtigt. Das Kinderschutzgesetz vom 1. Januar 1904 läßt her nicht bloß bafür kämpfen, daß gute Schutzgesetze gegen bie Stinder, die zu häuslichen Diensten verwendet werden, die kapitalistische Ausbeutung zustande kommen, sondern völlig ungeschützt. Und doch waren schon im Jahre 1895 auch ihren Brüdern in den Weststaaten gleich, daß Eine Entscheidung, welche der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im vorigen Monat gefällt hat, besagt, der Dienenden über 16 Jahre 1 152527. Von der Gesamt- daß es ungefeßlich ist, Frauen bei schwerer Arbeit länger Bahl der Dienenden find nur 24511 als zehn Stunden täglich zu beschäftigen. Diese Entscheis Kinder, Jugend- dung verdient insofern Interesse, als sie von den GewerkMit der Möglichkeit zum Naturgenuß hat der Kader zugunsten der erwerbstätigen Frauen über bas profit- pitalismus bei vielen Arbeitern und Arbeiterfrauen selbst Die dringende Notwendigkeit, daß endlich auch der Aus- wütige Unternehmertum davongetragen worden ist. Viele die Fähigkeit dazu verfümmert; stumpf und dumpf sind sie beutung der Dienenden gesetzliche Schranken gezogen werden, Anhängerinnen des Frauenstimmrechts dagegen betrachten geworden. Mit hundert Fragen drängen sich die wißbegienicht weniger als 7812 Kinder unter 12 Jahren und 25 689 diese Gesetze respektiert werden. Kinder unter 14 Jahren als Dienende beschäftigt. Die Bahl also 1839 316 männlich. 1314 805 Hausgehilfinnen liche und Erwachsene- unterstehen also nicht dem Schuße schaften und den Sozialisten als ein Sieg begrüßt wurde, des geht gefeßlich festgelegten Arbeitstages. am 1. Mai sei somit laut und eindringlich den Gesetzgebern Prinzip der Gleichberechtigung der Geschlechter. Ganz be bie Forderung zugerufen: Her mit dem gesetzlichen Maximal- sonders wenden sie sich gegen die Begründung, welche dem arbeitstag für die Dienstmädchen! " Urteil gegeben worden ist. Es ist unmöglich, die Augen Da aber die Gesetzgebung im Klassenstaat nur dann gegen die Tatsache zu verschließen, daß sie( die Frau) sich was wächst und blüht, was friecht und fliegt, ist noch nicht in tagtäglichem Sorgen und Mühen erstickt. Aber verständnislos blickt die Muttter meist auf sie herab. Das weiß ich nicht, laßt mich in Ruh!" so lautet ihre ständige Antwort. Arbeiterforderungen berücksichtigt, wenn hinter diesen Forde auf ihren Bruder verläßt und von ihm abhängig ist," er Wie sollte denn auch sie, die in der Regel selber keine Linde Nr. 9 82 Der Drang nach Wissen und Bildung macht sich allents halben geltend. Zum Beweise dafür brauchen wir nur daran zu erinnern, wie viel heute gelesen wird im Vergleiche zu früher. Aber was wird alles gelesen! Nicht nur, daß die leichte Unterhaltungslektüre der aufklärenden wissenschaftlichen Literatur vorgezogen wird, es fehlt dem Volfe im allgemeinen auch das Unterscheidungsvermögen zwischen guter und schlechter Lektüre. Vor allem die Frauen sündigen hier viel, indem sie ihre targbemessenen Mußestunden mit schlechten Rolportageromanen und ähnlichem geistverdummenden und geschmackverderbenden Schund vergeuden. Auch zum Bildungserwerb gehört Anleitung, auch das rechte Genießen will erlernt sein. " Die Gleichheit Arnold Dodel+ Nr. Genoffinnen! Lange genug haben die Frauen unter der ferva Entrechtung durch das preußische Vereinsgesetz zu leiden die gehabt. Mit Kindern und Unmündigen, ja mit Jdioten hat Die K man uns auf eine Stufe gestellt, indem man uns vers wehrte, Mitglied politischer Vereine zu werden. Es be der nuze daher jetzt jede Frau die Gelegenheit, fich politisch zu einem den organisieren. geno Der Vorstand des Vereins hat seinen Hauptsiz Linden Delir straße 3, 1. Hof, 4 Treppen. beide das e Der genannte Frauenwahlverein für Berlin und Um Wahl gegend hat sich folgende Statuten gegeben: § 1. Der Verein bezweckt die Agitation für die Land tagswahlen 1908. geftel ganz Arbei von einer Buche unterscheiden kann, selber nicht das geringste| Mütter ist es dann, die Kinder im Sinne des Sozialismus| tagswahl haben die Berliner Genoffinnen einen Frauenvon der Lebensweise der Tiere, von dem Lauf der Gestirne zu erziehen. Haben wir die Jugend, so haben wir die wahlverein gegründet. Das ist auch jetzt wieder geschehen. aufr weiß, die Fragen ihrer Kinder befriedigen können? Die Zukunft", das ist ein bekanntes Wort, es muß aber hinzu Mit dem heutigen Tage tritt der Frauenwahlverein ins die a gar f elende Volksschule hat ihr kaum die elementarsten Kenntnisse gefügt werden: Wollen wir die Jugend erobern, so müssen Leben. beigebracht. Nach der Schulentlassung ist sie in die Tret- wir zuerst die Mütter aufklären". Nur aufgeklärte Mütter mühle der Arbeit gespannt worden. Sie hat weder ihr sind imstande, ihre Kinder zu aufgeklärten Menschen, zu bißchen Naturerkenntnis durch Anschauung und Beobachtung tapferen Kämpfern für Freiheit und Recht zu erziehen. ergänzen können, noch hat sie Zeit gehabt, ihr Wissen durch Darum erheben wir heute am 1. Mai den Ruf: Gebt uns Lektüre zu erweitern. Im Gegenteil, in der schweren Fron Zeit, uns zu bilden! Gebt uns Zeit, unseren Kindern zu der Lohnarbeit ist oft auch noch das wenige verloren ge- leben! Gebt uns Zeit, mit zu genießen, was Natur und Frida Wulff. gangen, das die Schule ihr mitgegeben. Das ist traurig für Kunst Herrliches bieten! Vom 15. Mai ab haben wir durch das Inkrafttreten des demo die Proletarierfrau selbst, trauriger noch für das heranneuen Reichsvereinsgesetzes das Recht, den Wahlvereinen der wachsende Geschlecht. Jede Mutter hat den Wunsch, ihren Kindern das Beste zu geben. Aber kann man denn mehr Männer beizutreten. Vorläufig trete aber jede Frau dem Zent Frauenwahlverein bei; nach den Wahlen tritt dieser korpo- Kand geben, als man selbst hat? In jeder Brust schlummert das pflich Empfinden für die Schönheiten der Natur, aber sie zu ge- Das Proletariat hat einen warmherzigen und treuen rativ dem Wahlverein der Männer bei. Genofsinnen! Das neue Vereinsgesetz hat uns erst einen ihre nießen, das ist nur denen verstattet, denen ein gefüllter Freund verloren. In Zürich ist am 11. April Professor leinen Schritt vorwärts gebracht. Dieſem ersten Schritt neten Geldbeutel die Zeit dazu garantiert. Und was von den Dr. Arnold Dodel gestorben. Schönheiten der Natur gilt, das gilt noch mehr von den Arnold Dodel gehörte zu der Kleinen und immer Kleiner muß ein zweiter folgen. Man muß uns auch das Wahlrecht ist zi Errungenschaften der Wissenschaft und den Schäßen der werdenden Zahl von Gelehrten, für welche die Wissenschaft zu allen gefeßgebenden Körperschaften gewähren. Wir wollen wird. Kunst furz von allem, was eigentlich das Leben erst die hohe, die himmlische Göttin" bleibt, der sie dienen, mitreden, wenn Geseze gemacht werden, denen wir genau ab m lebenswert macht. Bei zehn, elf- und mehrstündiger Ar- und nicht zur„ tüchtigen Ruh wird, die sie mit Butter verso unterstehen, wie alle anderen Staatsbürger. Die Sozial gleid beitszeit findet niemand mehr Muße und Kraft für geistige forgt". Wissenschaftliche Forschung und Arbeit war ihm demokratie allein tritt als Partei für das Frauenwahlrecht für Tätigkeit. Wissenschaftliche Lektüre tann man nicht mit fein Geschäft, sondern eine heilige Pflicht der Überzeugung ein, sie fordert nicht nur ein freies Wahlrecht für die Männer, wirt nicht müden Augen lesen, da bleibt das Verständnis aus. Und im Dienste der Wahrheit, die zur Freiheit führen soll. Er sondern auch für die Frauen. Genofsinnen! Wir stehen in dieser Beziehung noch einer Freif auch fünstlerische Genüsse verlangen unabgeftumpfte Nerven. hat sich nie zum gelehrten Lohnarbeiter einer Klasse, einer Wenn wir also heute von neuem die Forderung nach herrschenden Macht erniedrigt, auch in den Zeiten nicht, wo Welt von Feinden gegenüber. Die Herrschenden denken nicht den dem Achtstundentag erheben, so geschieht es vor allem, um er am härtesten nicht bloß um seine wissenschaftliche daran, das Reichstagswahlrecht auf den Landtag zu über wäre dem Proletariat die Möglichkeit zu verschaffen, Existenz, vielmehr auch um des Tages Notdurft ringen tragen, sie denten erst recht nicht daran, das Frauenwahl Freis seinen Geist zu bilden und teilzunehmen an mußte. Dodel war Häckels Schüler, und zwar im besten recht für beide Parlamente einzuführen. Aber wir wissen gern allem, was Natur, Wissenschaft und Kunst Sinne des Wortes und für das Beste, was dieser bedeutende auch, daß der jetzige Zustand auf die Dauer unhaltbar ist offen Schönes und Großes bieten. Gelehrte von dem engen Gebiet fachwissenschaftlicher Ar- Die Entwicklung treibt vorwärts, man wird in nicht allzu Bloc beiten abgesehen den Naturwissenschaften als Ganzes ferner Zeit sich genötigt sehen, den Frauen das Wahlrecht herau geschenkt hat. Gleich dem Meister gehörte der Schüler zu zu gewähren. Die Frist bis dahin nach Möglichkeit abzufürzen, nicht den ersten und leidenschaftlichsten Verfechtern der sogenannten muß unsere Aufgabe sein. Fortwährend müssen wir unsere ist fei Darwinschen Theorie in Deutschland, ja der Welt. Und er Forderungen wiederholen, um endlich zu erringen, was man Naun bewährte sich seinerseits bald als Meister in dem Kampfe uns jetzt noch vorenthält. Als Protest gegen die politische mit für die Umwertung aller naturwissenschaftlichen und geistigen Unterdrückung und um die Männer im Kampfe zu unter Werte. Er begnügte sich aber nicht damit, die neuen wissen- stüßen, gründen wir jetzt den Frauenwahlverein. Die Beden zu de schaftlichen Wahrheiten und ihre Konsequenzen für die Welt- tung des Protestes wächst mit der Zahl der Frauen, die dem die p anschauung der kleinen Zunft der Studierten zuzuflüstern Verein sofort beitreten. Jede Proletarierin setze ihren Stol Demi oder fie literarisch aufgepußt einem mehr sensationslüsternen darein, mitzufämpfen, um dem elendesten aller Wahlsysteme es ha Schut als bildungshungrigen außerlesenen" Publikum vorzutragen. den Garaus zu machen. Eine durch und durch demokratische Natur, war in ihm die Sehnsucht lebendig, sie den großen Massen des arbeitenden Die Arbeiterorganisationen haben auf diesem Gebiete Volkes zu eigen zu machen. Was die wissenschaftliche Erschon viel geleistet, für die Frauen vor allem die Frauen- fenntnis in seinem Leben gewesen: die Befreierin von bildungsvereine. Durch Vorträge aus allen Gebieten geistiger Knechtschaft, die Grweckerin reichen, fraftvollen des Wissens ist den Mitgliedern ein Blick in eine ihnen un- Lebens, das aus dem fruchtbaren Boden einer einheitlichen, bekannte Welt eröffnet worden. Die sozialdemokratischen wohlbegründeten Weltanschauung erwuchs, die von allen Frauen haben es mit Recht bitter empfunden, daß die Schlacken der Kirchenweisheit geläutert die ganze Natur, reaktionäre Vereinsgesetzgebung in den meisten deutschen den Menschen inbegriffen, in ihrer schöpferlosen Ewigkeit Bundesstaaten sie vom politischen Vereinsleben fern hielt und Gesetzmäßigkeit, in der unzerstörbaren Einheit von des und ihnen so eine gründliche politische Aufklärung erschwerte. Daseins unendlicher Kette erfaßte: das sollte sie auch den Aber was die unpolitischen Bildungsvereine unter polizei- vielen Millionen der Kleinen" werden. Dodel war ein licher Oberhoheit nicht tun konnten, ist in den Leseaben- Popularisator von wissenschaftlicher Gründlichkeit und Klarden geschehen. Sie sollten dazu dienen, die Frauen mit heit, und der Künstler, der in dem Gelehrten start war, verSeine wahrem sozialistischen Geiste zu erfüllen, sie mit den Lehren lieh seinen Schriften einen besonderen Zauber. unserer großen Meister bekannt zu machen. Die starke Betei- Schriften„ Moses oder Darwin"," Aus Leben und Wissenligung an den Leseabenden zeigt das Bildungsbedürfnis der schaft", seine Biographie des Bauernphilosophen Deubler Frau, das einmal geweckt nicht mehr zu unterdrücken ist. sind für das kämpfende Proletariat Quellen der Erkenntnis Bei den Arbeiterfesten ist versucht worden, das Prole- und Erhebung. Die Genofsinnen insbesondere werden sie mit Getariat zu höheren tünstlerischen Bedürfnissen zu erziehen, winn und Genuß lesen; dem Verstorbenen war die soziale Beseinen Geschmack zu läutern und zu verfeinern. Und auch vorrechtung eines Geschlechtes zum Schaden des anderen ebenso hier sind schon Erfolge zu verzeichnen. An der Steigerung in tiefster Seele verhaßt, wie die Ausbeutungs- und Herr Börsenreform und Vereinsgeseh sind nach dem Programm mito des Lesebedürfnisses und der Hebung des literarischen Geschaftsstellung einer Klasse über die andere. Er war ein schmacks arbeitet die moderne Arbeiterbewegung eifrig. tonsequenter und begeisterter Verfechter des Prinzips der des Blocks noch vor den Osterferien des Reichstags i eine Allenthalben entstehen gut ausgewählte Arbeiterbiblio- Gleichberechtigung aller Gesellschaftsglieder und hat daher wilder Eile, nach würdeloser Durchpeitschung, unter Dad thefen, unsere Presse bietet in ihrem Unterhaltungsteil stets für das Recht der Frau gekämpft. Zum vollen Ber- und Fach gebracht worden. Die Junkerschaft hat den Frei voluti nur das Beste, unsere Buchhandlungen suchen durch ihre ständnis des wissenschaftlichen Sozialismus hat sich Dodel finn für die Auslieferung des Vereinsrechts bar bezahlt inr Kataloge den Bücherkauf auf wertvolle Schriften zu lenken. nicht durchgerungen, aber er war ein ehrlicher Gefühls- Am selben Tage, da der Freifinn in dritter endgültige offenb So hat die Arbeiterbewegung auf den verschiedensten sozialist, der sich jederzeit mutvoll und opferfreudig mit Lesung den Sprachenzwang und die Entrechtung der Jugend Euror Gebieten erzieherisch auf Arbeiter und Arbeiterinnen gewirkt. Wort und Tat zu seiner überzeugung bekannte. Aus dem lichen durchbringen half, den liberalen Grundsatz der Recht Um so trauriger ist es, daß ihr noch so viele Klassengenossen kleinen Handwerkerstand des flachen Landes hervorgegangen, gleichheit, die Bedürfnisse der Arbeiterschaft hinter di beend fernstehen. Halten wir doch einmal Umschau, wie unendlich hatte er sich aus eigener Kraft emporgerungen, und seine Intereffen der Börsianer zurückstellte, bezähmten die Ronse gegen viele Frauen es gibt, die teine Ahnung haben von unseren starte, grundehrliche, reiche und eigenartige Persönlichkeit vativen und Antisemiten ihre langjährige Börsenfeindscha batte Organisationen und ihrem Wirken. An sie alle soll heute bewahrte den erfrischenden Erdgeruch der Scholle. Der Kopf und gaben der Effektenbörse den Terminhandel frei. Fügerich der Ruf ergehen: Schließt euch uns an zum Kampfe um dieses trefflichen und bedeutenden Mannes gehörte der die Produktenbörse, wo der Terminhandel zu einer Ve Wissenschaft, sein Herz, das leidenschaftliche, das sich stets billigung des Getreides führen könnte, bleibt es dagege diften mehr Zeit zum Lernen, um mehr Anteil am Leben! Vor allem für die Frau erheben wir die Forderung auf die Lippen und in die Hand drängte, gehörte dem Volfe. bei dem Verbot. Die Kornpreise müssen hoch bleiben wege Deutsc nach dem Achtstundentag, für die Frau, die doppelt belastete, Er hat dem Kulturerbe der Menschheit köftliche Gaben ge- der standesgemäßen Lebensweise der Junker- wie dab doppelt ausgebeutete. Sie bedarf der Bildung, der Auf- spendet. Sehen wir von dem ab, was er als Botanifer auf die Lebenshaltung des Proletariats fährt, ist gleichgült flärung mehr noch als der Mann. Einmal, weil sie darin dem Gebiet seiner Fachwissenschaft geleistet hat, so gilt auch für sie. Schon um dieses Umstandes willen mußte d bisher noch hinter dem Mann zurückstand, dann aber auch, von seinem Lebenswert, daß in unseren Zeiten des geschicht- Sozialdemokratie die Börsenreform als gänzlich ungenügen weil ihr die neue Zeit eine Fülle neuer Aufgaben gestellt lichen Niederganges der bürgerlichen Klassen das Proletariat ablehnen, ganz abgesehen davon, daß um ihretwillen de hat. Wir brauchen Frauen, die bereit und fähig sind, Seite der Erbe des Besten sein wird, das er in mühevoller Ar- Freisinn in eine elende Verschacherung der Vereinsfreihe an Seite mit den Männern ihrer Klasse um Menschenrechte beit geschaffen hat. Und es wird mit diesem Erbe wuchern! willigte. zu kämpfen. Wir brauchen Frauen, die geschickt sind, ihre Das ist seine lebendig fortwirkende Dankbarkeit für den unKinder zu freien, willensstarten Menschen heranzubilden. Die vergeßlichen Freund und Kämpfer. fleine Schar derer, die bisher in Bildungsvereinen und Leseabenden zu aufgeklärten Menschen und tüchtigen Klassentämpferinnen erzogen worden sind, genügt nicht. In dieser Beziehung bietet das neue Vereinsgeseh, so elend es in einigen Punkten auch ist, doch den Frauen eine Fülle von Entwicklungsmöglichkeiten. Was bisher nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit fleinen Gruppen zugute kam, wird nun den breiten Massen der Frauen zugänglich. Aus der Bewegung. § 2. Jede erwachsene weibliche Person kann Mitglied Spit des Vereins werden. § 3. Der monatliche Beitrag ist auf 20 Pf. festgesetzt. § 4. Der Vorstand besteht aus drei Personen: einer Bor fizzenden, einer Schriftführerin, einer Kassiererin. jogen Bran entor demo S1 politi nische e Unter § 5. Nach Beendigung der Landtagswahlen löst der Ver ein sich auf. Etwa noch vorhandene Gelder werden in Intereffe der Arbeiterbewegung verwendet. Mögen die preußischen Genofsinnen überall dort, wo die Umstände erlauben, dem Beispiel der Berlinerinnen lat h Landt folgen, Frauenwahlvereine gründen und sich auch sonst reg am Wahlkampf beteiligen. Das Eintreten der Berliner Genossinnen in den preußischen Landtagswahlkampf. Genossin Baader hat folgenden Aufruf veröffentlicht: Genossinnen! Der Termin der Landtagswahlen ist nunmehr bekanntgegeben. Am 3. Juni finden die Wahlmännerwahlen und am 16. Juni die Abgeordnetenwahlen statt. Politische Rundschau. gefäls zu Le erscho wider De im B G Arbeit forder Lages fam nahe. durch Wohn Ramp Ander allen befont Zeit. die de bi Er hat sein Ziel erreicht, er darf auf der Bant b Regierungsparteien ſizen bleiben das Zentrum, das g fährliche, wird ihn nicht verdrängen. Denn er bewilligt alles, was die Reaktion fordert: heute Sprachenzwan Polen- und Arbeiterknebelung, morgen indirekte Steuer um das große Loch im Reichssäckel zu stopfen. Dem to menden Parteitag der Freisinnigen Vereinigung legen Abgeordneten Dove und Mommsen eine Resolution vo worin die Bereitwilligkeit zu solchem Tun ganz offen au gesprochen wird. Zur dauernden Deckung des Meh bedarfs," so heißt es in der Resolution, genügen allein direkte Steuern oder Steuern, die die vermögende Klassen treffen, es muß auch auf geeignete Verbrauchssteuer zurückgegriffen werden...." Ein Programm, womit auch die Junker einverstanden erklären können, denn d die Reichsfinanzreform wenigstens eine kleine Dekoration Gestalt einer möalichst geringfügigen direkten Reichssteu Gewiß, das neue Vereinsgesetz schließt die Jugend vom öffentlichen Leben aus. Dafür gibt es aber den Frauen neue Rechte, und das läßt uns getroster in die Zukunft Mit dem Tage der Wahlausschreibung bis zur Beendischauen. An diesem 1. Mai wird es unsere Aufgabe sein, die Mütter mit dem Gedanken der politischen Organisation gung des Wahlgeschäfts haben auch die Frauen das Recht, bekannt zu machen, sie für das öffentliche Leben zu inter- sich politisch zu organisieren. Schon im Jahre 1903 bei effieren, für den Sozialismus zu gewinnen. Aufgabe der der Reichstagswahl und der bald darauf folgenden Landnid eine 2 erreich der 2 türzun Nicht des A gegen entiche 83 Nr. 9 Die Gleichheit rung des ersten Mai weist uns daher wieder darauf hin,| wird nicht bloß die Rechte, sondern auch die Pflichten den unermüdlich weiter für die Stärkung der wirtschaftlichen Mitgliedern einprägen. Heute wagt kein Einsichtiger, derund politischen Macht des Proletariats zu wirken. artige Vorwürfe zu erheben gegen die Tätigkeit unserer Jm Baugewerbe sieht es nach den letzten Meldungen fonfeffionellen Jugend, Gesellen- und Arbeitervereine. Ganz immer noch nicht allzu friedlich aus. Von Berlin, Frank im Gegenteil wird deren beruhigende Wirkung auf furt, Essen und anderen Orten wird ein Scheitern der ört- die Vereinsmitglieder, besonders gegenüber der lichen Verhandlungen gemeldet, da über die Lohnfrage teine sozialistischen Agitation, rühmend anerkannt." Das Ginigung erzielt werden konnte. Ende April treten die Eingeständnis, daß die konfessionellen Dienstboten- und sonZentralvorstände der in Frage kommenden Organisationen stigen Arbeitervereine nicht zum Zweck der Interessenvernochmals zu Verhandlungen zusammen. tretung, sondern vielmehr zur„ Beruhigung ihrer Mitglieder gegenüber der sozialistischen Agitation" ins Leben gerufen sind, ist höchst wertvoll. Mögen es sich alle die merken, die es angeht. Auch im Schuhgewerbe stößt die Schaffung eines Einheitstarifes auf Schwierigkeiten. So haben zum Beispiel die Unternehmer in Köln eine von den Schuhmachern geforderte Lohnerhöhung von 10 bis 20 Prozent abgelehnt, da sonst die Käufer noch mehr in die Basare gedrängt würden, was doch auch nicht im Interesse der Gehilfen liege. Erst Ende dieses Jahres wollen die Unternehmer in Tarifverhandlungen eintreten. Ein Kampf scheint also hier wahr scheinlich. Notizenteil. Dienstbotenfrage. # Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Die sozialdemokratischen Frauenvereine Hollands haben in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht. In zwölf Städten existieren solche Vereine, sie stehen aber bisher noch unter einander organisatorisch in feiner Verbindung. aufweisen soll, damit die Abwälzung der neuen Lasten auf die arbeitende Masse nicht gar so nackt zutage tritt, nicht gar so aufreizend wirkt, darüber sind sich die Herren Konservativen längst im flaren. Der Block wird also auch um die gefährliche Finanzklippe unbeschädigt herumfommen. Die bürgerliche Linke eristiert in Deutschland nicht mehr. Kurz bevor der Reichstag die Osterferien begann, wurde der preußische Landtag aufgelöst, damit die Wahlen zu einem den Junkern genehmen Zeitpunkt vorgenommen werden tönnen. Mit Eifer haben die preußischen Sozial demokraten die ersten Arbeiten der Wahlbewegung aufgenommen. In einem besonderen Aufruf erklärt das Zentralwahlkomitee, daß bei den Stichwahlen die freifinnigen Kandidaten zu unterstützen sind, sofern sie bestimmte Verpflichtungen in der Wahlrechtsfrage eingehen und sofern ihre Wahlmänner sich in Kreisen mit mehreren Abgeord neten zur Wahl eines Sozialdemokraten bereit erklären. Es ist ziemlich sicher, daß dieser Fall nur vereinzelt eintreten wird. Der Freisinn schließt bereits nach Kräften Kompromisse ab mit den Nationalliberalen, ausgesprochenen Gegnern des Daß der Fabrikarbeiterverband auch in jenen gleichen Landtagswahlrechts, und stellt damit seinen Eifer Industrien auf die Arbeitsverhältnisse regelnd einwirkt, Nur das gemeinsame Organ ,, De proletarische Vrouw", das für die Wahlreform ins hellste Licht. Sein Haß gegen in denen die Unternehmerschaft bisher die Lohnsätze noch vom Amsterdamer Klub herausgegeben wird, bildet bis jetzt wirkliche ehrliche Wahlrechtskämpfer geht so weit, daß er völlig willkürlich festsetzte, beweist die Verbandsstatistik das Bindeglied zwischen ihnen. Zum bevorstehenden Parteinicht bloß gegen Sozialdemokraten, sondern auch gegen über die zum Abschluß gebrachten Tarifverträge. Im Jahre tag der holländischen Sozialdemokraten hat nun der ParteiFreifinnige der Barthschen Richtung solche Bündnisse mit 1907 hat der Verband in 52 Drten 93 neue Tarife ver- vorstand auf Ersuchen des Frauenflubs einen Antrag einden Nationalliberalen schließt. Die echten Blockfreisinnigen einbart, darunter 29 in Ziegeleien, 3 in Papierfabriken, einen gebracht dahingehend, daß diesen Klubs das Recht einer wären die unbequemen Mahner und Protestler, die die in der Konservenindustrie, 28 in diversen anderen Fabriken. gemeinsamen selbständigen Vertretung auf den Parteitagen Freisinnige Zeitung ergrimmt Demagogen" getauft hat, Die Arbeitgeberverbände machen leider nicht eingeräumt werden soll. Bis jetzt hatten die Frauenvereine gern los. Indes finden die Barth, Breitscheid und Gerlach unwesentliche Fortschritte. Der Verein der deutschen Arbeit nämlich noch nicht das Recht einer solchen Vertretung. offenbar nicht den Mut, das Tischtuch zwischen sich und den geberverbände hat fürzlich unter Vorsitz des Kommerzienrats Wollten sie Anträge zum Parteitag stellen, so konnte das nur Blocklataien zu zerschneiden, wobei allerdings auch nicht viel Mend- Altona in Berlin seine Hauptversammlung abgehalten. durch Vermittlung der örtlichen Parteiorganisationen oder herauskommen würde. Eine Partei bringen die Herren Nach dem dort erstatteten Bericht sind im letzten Jahre des Parteivorstandes geschehen. Eine gemeinsame Vertretung der Frauenklubs, wie sie jetzt beantragt wird, setzt aber vornicht zusammen zwischen Freifinn und Sozialdemokratie dem Gesamtverband 20 neue Verbände beigetreten, deren der Frauenklubs, wie sie jetzt beantragt wird, setzt aber vorift fein Raum für eine dritte Partei. Das hat der Pfarrer Mitglieder 180000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen, aus, daß die einzelne Vereine sich organisatorisch zusammenNaumann wenigstens richtig erkannt, und so ist er denn so daß jetzt nach vierjährigem Bestehen insgesamt 30 Ber- schließen, und die Frage der Gründung eines Verbandes mit beiden Beinen resolut in den Blocksumpf gestiegen. bände mit 1400000 Arbeitern und Arbeiterinnen dem Ver- der sozialdemokatischen Frauenklubs wird daher jetzt lebhaft In Berlin gab es in diesen Tagen gerichtliche Nachspiele bande angeschlossen sind, darunter die Metallindustriellen erörtert. Der Frauenverein von Rotterdam hat sich gegen zu der großen Straßenfundgebung des Proletariats wider mit 50000, die sächsischen Industriellen mit 40000, der diesen Plan ausgesprochen. Er hegt die Befürchtung, daß die preußische Dreiflaffenschmach am 12. Januar und der Arbeitgeberverband Hamburg- Altona mit 140000 Arbeitern mit dem Verband eine besondere Gruppe in der Partei geDemonstration der Arbeitslosen. In beiden Prozessen hat und Arbeiterinnen. Es wurde vor allem über die Frage schaffen werde. Gegen diese Auffassung wendet sich die es harte Strafen gegeben auf Grund des berüchtigten Raut der Arbeiterausschüsse und der Tarifverträge verhandelt. Redakteurin von„ De proletarische Vrouw", Genoffin Potschutparagraphen vom Aufruhr. Und auch andere, geringere Natürlich tagten die Herren hinter verschlossenen Türen. huis- Smit. Sie schreibt unter anderem:„ Die Frauenklubs Delikte sind sehr hart bestraft worden. Dennoch liefern die Sicherlich haben diese organisierten Unternehmer ihre Inter- wirken gut. Sie beginnen durchzubringen zu den Frauen, beiden Prozesse den Feinden der Arbeiterbewegung nicht effen besser begriffen, als mancher Arbeiter und manche und schon sieht man nicht allein, wie der Partei weibliche das erhoffte Material zu ihrer Diskreditierung. Nicht der Arbeiterin die ihrigen. Mitglieder zugeführt werden, sondern auch, wie Frauen, Wahlrechtskampf ist durch das gerichtliche Verfahren bloßdie schon lange Mitglied waren, sich zu propagandistischen Kräften entwickeln. Wohl ist das Interesse unter den Frauen gestellt worden, sondern die Polizei, deren Säbelattacken als ganz überflüssig erwiesen wurden, die besonders gegen die im allgemeinen noch gering, aber es hat in den letzten Arbeitslosen wie besinnungslos gewütet hat. Auch die Jahren schon viel gewonnen. Wir stehen noch an dem AnSpitzelwirtschaft der Berliner Polizei wurde ans Licht gefang unserer Arbeit; dort ungefähr, wo die deutschen sozialjogen. So ist es ganz anders gekommen, als der Junker Katholische Dienstbotenfreunde. Wie lebhaft in den demokratischen Frauen 1890 standen, oder vielleicht noch Brandenstein im Dreitlaffenparlament am 29. Januar wut verschiedensten bürgerlichen Kreisen das Interesse für die nicht einmal so weit. Nun ist es unsere Sache, daß wir so entbrannt in seiner Scharfmacherrede gegen die Wahlrechts- Dienstboten geworden ist, seit die Sozialdemokratie die Auf schnell wie möglich vorwärts fommen. Wir müssen zudemonstranten gefordert hat. Hlärung und Organisierung dieser Ausgebeutetsten aller sammenarbeiten, um stärker dazustehen. Bereits ist unter In Desterreich hat die schamlose Unterdrückungs- Lohnarbeiter mit ebensoviel Berständnis wie Energie in die allgemeiner Zustimmung das Amsterdamer Blatt ,, De propolitik dor polnischen Schlachta Galiziens wider die ruthe Hand genommen hat, davon haben wir bereits zahlreiche letarische Vrouw" das Organ der Klubs geworden. Rolters nischen Bauern zu wahrhaft russischen Zuständen geführt. Beispiele angeführt. Besonders die katholische Geistlichkeit, dam hat nicht protestiert; ebensowenig gegen die Abhaltung Unter Anwendung gesetzwidriger Gewalt und brutaler Blut die Zentrumspolitiker und die von beiden gegängelten einer Jahresfonferenz vor dem Parteikongreß, wie dies 1907 lat hatten die Behörden seinerzeit die Reichsrats- und Frauenvereine sind eifrigst bemüht, die Dienstboten durch zu Haarlem beschloffen wurde. Allein schon das gemeinsame Landtagswahlen systematisch zuungunsten der Ruthenen die Schuhimpfung mit geistlicher Verbummung und Verhebung Organ erfordert gemeinsame Besprechung." Sie beruft sich gefälscht. Jetzt ist der galizische Statthalter, Graf Potocki, gegen den Emanzipationsbazillus immun zu machen. Zu schließlich auch auf das Beispiel der deutschen Genofsinnen, zu Lemberg von dem jungruthenischen Studenten Siczinsti diesem Zwecke werden fatholische Dienstbotenvereine ge- beren prächtige Organisation" und einmütiges Zusammenerschoffen worden. Wie hoch die Erbitterung der Ruthenen gründet, Traktätchen verbreitet, Zeitungsblättchen heraus- arbeiten mit den Genossen sie rühmt. wider die polnischen Unterdrücker gestiegen ist, zeigt der gegeben, in denen die Haussklavinnen natürlich kein Wort I. K. Sozialistische Frauengewerkschaften in Paris. Umstand, daß die Tat im ruthenischen Wolfe eine nicht von ihren wirtschaftlichen Interessen, von Verkürzung der Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß in Frankreich leine Zahl von Billigungserklärungen gefunden hat. Arbeitszeit, von menschenwürdiger Behandlung erfahren, sich die gewerkschaftliche Organisation des Proletariats nur Der Zarismus, der in seiner Blindheit die russische Re- desto mehr dafür zur Demut, Bescheidenheit und Frömmig- langsam und unter besonderen Schwierigkeiten vollzieht. volution völlig gebändigt zu haben glaubt, fällt jetzt über feit ermahnt werden. Gin Organ für katholische Dienst- Die französische Gewerkschaftsbewegung leidet unter anderem Finnland her. Der Landtag ist aufgelöst worden boten" leistet in dieser Beziehung Erstaunliches. Auf 16 Seiten auch an einer großen Zersplitterung. Für die Angehörigen offenbar wird geplant, das fortgeschrittenste aller Wahlrechte enthält es auch nicht das Allergeringste zur geistigen ein und desselben Berufs bestehen die verschiedensten Europas dem finnischen Bolte wieder zu nehmen. Schulung seiner Leserinnen, nur tindische Erzählungen, Organisationen nebeneinander. Da ist es nicht wunderDer Generalstreit zu Rom ist nach einigen Tagen Dauer falbungsvolle Ermahnungen, Bibelsprüche, Kochrezepte und zunehmen, daß die gewerkschaftliche Organisation der Arbeendet worden einer Ausdehnung der Protestaktion alberne Anekdoten. Diese Herrschaften gehen eben von dem beiterinnen erst recht noch schwach und mangelhaft ist. In gegen die Arbeitermegelei am 2. April auf ganz Italien durchaus richtigen Grundsatz aus, daß Verdummung das Paris ist seit langen Jahren von etlichen Genossinnen hatte der Vorstand der Sozialdemokratie widerraten. Ein beste Mittel gegen erwachendes Selbstbewußtsein ist. wieder und wieder der Verfuch gemacht worden, die weib lichen Berufstätigen einiger Gewerbe gewerkschaftlich zugerichtliches Nachspiel soll folgen nicht gegen die Mörder Auf einer höheren Warte als die Herausgeber des geim Polizistenrock, sondern gegen die Arbeiter, die die Poli- fennzeichneten„ Dienstbotenorgans", aber mit ihnen auf sammenzufassen. Doch ist der Erfolg ein ganz geringer. Die giften beleidigt haben sollen. Gerechtigkeit, wie sie uns in demselben Boden steht der Verfasser einer Broschüre über betreffenden sogenannten sozialistischen Frauengewerk. Deutschland nur zu sehr bekannt ist. H. B. Dienstbotenfrage und Dienstbotenvereine", Dr. Aug. Pieper. Schaften, welche nur weibliche Mitglieder aufnehmen, Seine Arbeit hat zunächst das eine Gute, daß sie gleich ein- teilen das Schicksal fast aller Nur- Frauengewerkschaften; fie sind der Zahl der Mitglieder und ihrer materiellen gangs die Mannheimer Resolution zur Dienstbotenfrage zusammen mit der von Genossin Grünberg gegebenen Be- Leistungsfähigkeit nach schwach. Aber dank des oben er Der Maienfeiertag bringt alljährlich den Arbeitern und gründung mitteilt. Auf diese Weise kommen unsere Be- wähnten Umstandes ist ihre Schwäche besonders groß. Es Arbeiterinnen die kulturelle Bedeutung der Achtstunden- schlüsse in Kreise, die sonst schwerlich je etwas von ihnen bestehen in Paris fünf solcher sozialistischen Frauengewerkforderung zu stärkerem Bewußtsein, als es im aufreibenden erfahren hätten. Auch steht der Verfasser nicht an, die schaften. Es sind die der Kragen- und Krawattennäherinnen Tagestampfe sonst gemeinhin geschieht. Nur sehr lang- soziale Not der Dienstboten, die durch Gesindeordnung und mit 300, der Stenographinnen mit 400, der Wäschenäherinnen fam kommen die Gewerkschaften dem Achtstundentag Haustyrannei hervorgerufenen Mißstände anzuerkennen. Aber mit 120, der Angestellten in Cafés und Restaurants mit 500 und Wirtschaftliche Not, hauptsächlich hervorgerufen die Mittel, die er zu ihrer Abstellung vorschlägt, und das der Federn- und Blumenarbeiterinnen mit 300 Mitgliedern. durch die ungeheure Steigerung der Lebensmittelpreise, der Ziel, das er erstrebt, zeigen die Kluſt, die uns von diesem Diese Syndikate umschließen einen ganz winzigen Bruchteil Wohnungsmieten, der Steuern und Abgaben, drängt den wie von allen anderen Verteidigern der heutigen Weltordnung Paris tätig sind. Berhältnismäßig sind nur die Stenoder Arbeiterinnen, welche in den betreffenden Branchen in um Lohnerhöhung zunächst in den Vordergrund. trennt. Das Ziel ist dem Verfasser die Wiederherstellung graphinnen in etwas größerer Zahl organisiert. Pariser Andererseits iſt der Widerstand der Unternehmerverbände des patriarchalischen Verhältnisses, in dem die Herr Arbeiterinnen sind außerdem noch in einer Reihe von Ge= allen Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung gegenüber schaften von väterlichem Wohlwollen für die dienenden er werkschaften organisiert, welche Männer und Frauen als besonders hartnäckig. Das beweisen die Kämpfe der letzten füllt sind und die Dienenden die Autorität der Herrschaften Mitglieder aufnehmen. Aber auch ihre Zahl ist nicht beBeit. Selbst eine so starke Gewerkschaftsorganisation wie gewissermaßen als Ausfluß der göttlichen Weltordnung die der Buchdrucker konnte bei ihrer letzten Tarifberatung willig anerkennen. Zur Erreichung dieses Zieles wird die trächtlich. Wir werden sie in einer folgenden Nummer eine Verkürzung der Arbeitszeit unter neun Stunden nicht Gründung katholischer Dienstbotenvereine empfohlen, erreichen. Und auch bei den jezigen Tarifverhandlungen denen die Herrschaften„ freundschaftlich" den Ton angeben.| der Bauarbeiter stieß die Forderung der Arbeitszeitver Diejenigen Hausfrauen, die sogar solch en Dienstbotenürzung auf energischen Widerstand bei den Arbeitgebern. organisationen gegenüber von Mißtrauen erfüllt sind, sogar| Nicht geringer ist der Widerstand, der sich der Erringung von ihnen„ Verheyung" der Haussklaven befürchten, beruhigt| des von Frau W. Kähler kostet gesondert von der Expedition gegenstellt. Sie jetzt voraus, daß die Arbeiterschaft eine Vereins wird niemals ihre Aufgabe sehen in einer Ver- der Gleichheit bezogen pro 100 Exemplare Mr. 1.50, pro entscheidende politische Machtstellung erreicht. Die Forde hehung, sondern in ruhiger, sachgemäßer Aufklärung; sie 1000 Exemplare Mt. 12.-. nahe. Kampf Gewerkschaftliche Rundschau. " in mitteilen. Das dieser Nummer beiliegende es Merkblatt e Sch. 84 Die Gleichheit Nr. 9 Neuem MenjHcnmm entgegen. von ono«Nlir. Dieser Zeiten neue ZIamme Schwing' ich in der nerv'gen Zaust, Daß die funkenhelle Lohe Sprühend euch zu HSupten braust. Sonne sei ste allen Müden, Allen, die um Leben flehn, Zeuerbrand den trotzig Starken. Die der Zreiheit psade gehn. Ausgetilgt in Hirn und Herzen Sei der Knechtschaft bleiche» Mal, Und den kühnen Sinn erfülle Eines Gottgedanken» Strahl, Der de» Geistes träge Schwingen Sonnenwärt» zum Zluge reißt, Tteue Welten, neue Zernen Dem getrübten Blicke weist. Bauen wir auch an der Brücke, Die stch wäldt zur ZuKunst Land. Edle Fehde noch zu tragen. Blinkt das Schwert in unsrer Hand. Blühen, Brüder, keine Kränze Such, wenn ihr im Dunkel sterbt Und de» Heldentumes hehrsten, Wehsten Siegespreis erwerbt, D, es werden andre Welten Sure» Zorne» Richter sein. Suren ungerächten Dualen Sine stille Träne weihn. Db des Glückes goldner Schimmer, Schwestern, eure Scheitel mied, Dankt doch einst in freien Tagen Euch ein frohe» Kinderlied. Za, es tagt ein beßrer Morgen. Und es keimt ein neu Geschlechti Tragt voran ihm seine Speere, Macht ihm seine Steige recht! Hellen wir das trübe Leben Mit des Sturmes Wetterschein! Zeder Schwertschlag soll ein Zubel Reuem Menschentum« sein. Der zerklüftete Felsen.* Heller Sonnenschein breitet sich über die Erde. Die Luft ist still, nur hin und wieder erhebt sich leis ein zarter Windhauch. Das Meer bewegt stch leicht. Unser Boot gleitet still über die kleinen Wellen. In weiter Ferne ragt ein zerklüsteter Felsen empor. Wir rudern ihm entgegen. Die Wellen prallen stark gegen die steinerne Mauer an und rollen dann frei und froh durch die tiefe Höhlung. „Das Meer kennt keine Hindern! sie/ bemerkte mein Führer, ein alter, wetterfester Seemann. „Seit wann mag wohl dieser Felsblock so zerklüftet sein?" fragte ich und stellte mir unbewußt vor, wie groß die Gewalt des Wellengangs sein mußte, um diesen Felsstein zu zertrümmern. „Es ist wohl lange her/ antwortete der Seemann nachdenklich. Dann wandte er sich plötzlich an mich und fuhr fort:„Kennt Ihr denn die alte Seemannssage nicht, die von dem Kampf der Wellen mit den Felsenmasien erzählt? Ich werde sie Euch erzählen../ Frei wie die Adler in Himmelshöhen waren einst die Meereswellen. Zärtlich sang sie Mutter Sturm in den Schlummer; und wie ein heiteres Kind rollten sie schrankenlos dahin. Doch gönnte ihnen ein finsterer Tyrann ihr Schicksal nicht. Ihnen die Freiheit zu rauben, hatte er beschlossen: nicht sollten sie fürder so stolz über des Meeres Tiefen dahinrauschen, zur hellen Sonne, zum blauen Himmelsgewölbe nicht frohlockend emporbrausen! Gehorsame Diener wurden entsandt: sie hoben Felsen aus der Erde Schoß und schütteten Sand in die Tiefen hinab. Es rauscht das Meer. Fröhlich sehen es die Wellen mit an, wie die Felsen wieder hinabstürzen. Und sie eilen und überstürzen sich und umspülen kosend die düsteren Felsen.„Wie schön sie sind/ flüstern sie. Aus der Erde Schoß kamen Gäste zu uns empor. Laßt fröhliche Lieder zu ihrer Begrüßung erschallen! Nun erst wird das Meer in voller Schönheit prangen, * Düse Ballade, die 1SV2 in Rußland unter den RevolutionSren verbreitet wurde, warb anfänglich Gorki zugeschrieben, stammt jedoch von dem kürzlich verstorbene» Sozialrevolutionär Kersch um. nun werden Jubellieder dem Licht und der Freiheit lobfingen! Und sie frohlocken, die jungen Wellen.... Nur Mutter Sturm und Vater Orkan stürzen den Gästen heulend entgegen und schauen sie finster an. Es häufen sich die Felsen, die hinab in das Meer fallen, und eS entsteht eine dichte Mauer. Der Wellen Lauf wird gehindert,— gar mächtig prallen sie ab. Von Schrecken ergriffen, blicken sie schau dernd zur finsteren, hohen Mauer empor. Zum erstenmal werden sie in ihrem freien Lauf gestört. Zaghast und ängstlich dringen sie vor, zerschellen am Felsen ihre junge Brust und prallen stöhnend ab. Kall und unnahbar ist die Mauer. Es erbebt das Meer.... Angsterfüllt ringen die Wellen und zerbersten an der harten Felsmauer. Ein Wehruf durchdringt die Meeresstille. Traurig rauschen die Wellen....„Verrat! Verrat/ rufen sie laut.„Die wir freundlich empfingen, rauben die Freiheit uns jetzt/ Still weinend klagt Mutter Sturm, und wehrufend stürmt zur düsteren Mauer Vater Orkan. „O Felsen, ihr dunklen Felsen, wie könnt ihr meine Kinder der Freiheit berauben? Wart nicht auch ihr einst ! frei und liebtet die Freihell ihr nicht? Wie könnt ihr ! uns sie nun nehmen?�' „Nicht aus freiem Willen handeln wir/ erwiderten die düsteren Felsen. „Uns ward zu rauben befohlen... so führten wir folgsam es aus/ fügten sie brummend hinzu und schauten zornig die Wellen an. Es braust Mutter Sturm, es saust Dater Orkan klagend und jammernd dahin, und sie künden den Wellen die traurige Botschaft: „Ihr armen Wellen, vorbei sind die goldenen Zeiten der Freiheit! Sklaven seid ihr nun geworden!' Und ste eilen davon. Es erstarrt das Meer. Die allen, starken Wellen fließen in die Meeresfluten zurück. Kein Sturm weckt sie mehr, kein Ruf erschallt ihnen vom Vater Orkan. Traurig fließen die jungen dahin; kein Lied ertönt mehr, verstummt ist das muntere Lachen, trübe der Sonnenschein und grau und nebelig der Himmel.... Aber nicht länger wollen die jungen Wellen die finstere Gefangenschast ertragen, mit vereinten Kräften bestürmen sie den Feind; doch nur selten empören sie sich. In langen Reihen stoßen sie dann gegen die steile Felsenwand.... Unerschüttert und unnahbar bleibt die Mauer stehen, nur ein wehklagendes Echo durchdringt die Luft,— es sind die Schmerzensrufe sterbender Kämpfer.... Es weint das Meer... Es schwindet die Zeit Und Jahre verstreichen... Groß ist die Zahl der Wellen, die ihre Brust am hohen Felsen zerschlagen. Düsterer und immer finsterer wird es umher.... Es wächst der Wellen Groll.„So kann es nicht länger bleiben! Auch unsere Stunde wird einst schlagen! Nur warten müssen wir! Und Kräfte sammeln!' Und eine lange Zeit vergeht wieder.... Die jungen Wellen sind stark und kräftig geworden. Nach allen Seiten fliegen Boten, um die Schlafenden zum Kampf gegen die Felsen zu wecken. Zu den alten Wellen, die in den Meeresfluten ruhen, eilen die Boten zuerst. „Nein/ sagen sie.„Kraft und Lust fehlt uns zum Känipsen und Ringen. Wie auch könnten wir uns gegen die Felsen erheben, wie sie besiegen?' Da eilen sie weiter, der Wellen Boten, zur Mutter Sturm und Vater Orkan. Lange mußten sie nach ihnen suchen. Auf dem Meere waren sie nicht. In den Bergeshöhlen hielten sie sich verborgen.„Grüß euch Gott, ihr Alten/ riefen die Boten ihnen zu.„Flieht die engen Berge und kommt aufs offene Meer. Haucht den alten Wellen neues Leben und Freiheitssinn ein. Macht euch auf und führt die Massen gegen die starren Felsen. Wir fürchten den Tod nicht und schrecken nicht vor dem Kampf zurück, da es gilt, uns und den Brüdern die Frech eit wiederzugeben!' Mutter Sturm hört ihr Herz laut schlagen, und feurig heiß erglüht das Blut des Vaters Orkan. Wehmutsvoll gedenken sie der alten, schönen Tage. Mit Blicken voll Liebe betrachten sie die jungen Boten, und es ertönt mit starker Stimme von den Bergeshöhen der Freudenruf, weit über das grenzenlose Meer: Wir kommen! Wir kommen! Wir kommen! Die Freihett zu erobern! Für die Frecheit zu kämpfen! Wacht auf, gewalttge Wellen, erhebt euch, der Knechtschaft Fesseln zu sprengen! Allmächtig stark ertöntder Ruf. Er weckt die Schlafenden, macht die Alten wieder jung, flößt allen Tapferkeit und Heldenmut ein.... Und die Wellen erheben sich, rauschend eilen sie dahin, von wo der Ruf mächtig erschallt. Finster war die Nacht, bleischwer hingen die Wolken über dem Meer, als der erste Ruf erklang. Von Ost und West, von Nord und Süd strömen die Wellen herbei und sammeln sich in stolzen Reihen. Heldenmut erfüllt die Herzen der Jungen, die als die ersten zum Kampfe eilen. Ein Blitz durchzuckt die Luft; schnell braust der Orkan der Mutter Sturm zu Hilfe. Das Gewitter enttadet sich, der Orkan dröhnt. Hoch den Schild! „Vorwärts, gewaltige Wellen! Tod oder Sieg!' rufe« sie laut und bestürmen die düstere Felsmauer. Die Felsen erzittern. Schon nahen die stürmenden Wellen. Bald sind sie da. Mit der Brust prallen sie gewaltig gegen die Felsen, um verwundet zusammenzustürzen. Und die Felsen werde» von ihrem Blut bespritzt.„Meine Kinder/ ruft wehklagend Mutter Sturm.„Ihr fielt als die ersten, und unendlich viele werden euch folgen. Doch heute noch muß der Feind bezwungen werden!' Aufbraust daS ganze Meer.... Immer neue Kämpfer rücken heran, die Gefallenen zu ersetzen.... Wie opfermutig, wie stark sie sind. Wogend und brausend prallen sie an die furchtbare Mauer, sinken wieder zurück, erheben sich zu neuem Kamps und rufen im Tode ihre Brüder zu Hilfe. Noch immer scheint der Felsen unbezwingbar. Doch dringen schon neue Massen vor, mit kühnem Mut und frischer Kraft. Furchtbar tobt der Kampf. Das Meer weicht von den Ufern zurück. Eng recht sich Welle an Welle. Vom Brausen und Wogen erzittert die Luft. An der Seite der Jungen kämpfen die Alten, wie die Löwen so stark und gewaltig. Ihre weißen Haare flattern, die Erde erbebt bei dem Anprall. Der Morgen graute... Ein trüber, nebliger Morgen. Noch immer halten die Felsen stand, wild heult der Sturm, und die Wogen rollen mit zerschmetterter Brust hinab. Vor Angst bebend strömen Menschen herbei. Mit Grauen blicken die Fischer auf den Opfertod so vieler prächtiger Wellen. Schmerzerfüllt preßt sich ihr Herz zusammen. Weinend flehen die Menschen zu Gott, das Ende des Kampfes herbeizuführen und Sieg den Wellen zu schenken. Selbst der Tyrann, der die Felsen ins Meer schickte, ist von Schrecken erfüllt. Sein hartes Herz erbebt beim Anblick der Qualen der in den Tod gehende« Wellen. Wie gern würde er jetzt die Felsen räumen und den Wellen die Freiheit schenken. Es ist zu spät.... Die Wellen weinen und beten nicht mehr. Es sind ihrer zu viel gefallen, die Rache peitscht sie vorwärts. Opferfroh rücken sie vor, immer mächtiger erschallt der Kriegsruf, der sie lettet. Kein Zweifel besteht, ihnen gehört der Sieg, oder das große Meer wird ihnen zur Grabstätte. Unaufhaltsam und finster rollen sie weiter. Und plötzlich erbeben die Felsen im heftigen Ansturm.... Die Wellen! erstarren. Doch einen Augenblick nur; nach dem Rückprall stürmen sie von neuem in rasender Wut vor.... Eine furcht- � bare Verwirrung entsteht. Ein Wogen und Brausen erfüllt die Luft, es scheint, als flössen Himmel und Meer ineinander. Die Felsen zerschellen. Im letzten Ansturn> geben sie nach und stürzen in die Fluten hinab, ins Grab der gefallenen Wellen.„Fort, schmachvolle Leichen!� schreit das Meer den einstürzenden Felsen nach.„Hier sind die Gräber der Freiheitskämpfer, die Gräber der jungen Wellen!' Weit öffnet sich der Meeresschlund und verschlingt fluchend die finsteren Felsen. „Was haben wir eigentlich verschuldet? Den Welle« ist Ruhm zuteil geworden, uns Schmach für die Schandtaten.' Es frohlockt das Meer. Bezwungen ist des Feindes gewalttge Macht. Und fröhlich fließen die Wellen dahi« und preisen die gefallenen Kämpfer, die ihnen die Freihett eroberten. „Hell den Gefallenen— den Lebenden die Freiheit!� Wie in Zanberbanden hörte ich der wunderbare« Volkslegende zu. Ganz verzückt blickte ich aus die vo« Kraft und Mut strotzenden Wellen. Tiefblauer Himm� breitet sich über mir aus, vor mir liegt endlos das weite, vom goldenen Licht der Maiensonne überflutete Mee« Und von der Ferne dringt zu mir das bunte Treibe« des Stadttebens, Laute der gesättigten Befriedigung, das Sausen der Knuten, das Rasseln der Ketten und ja«« merndes Stöhnen und Klagen. ... Eine Ahnung stieg in mir auf, daß in weite« Ferne ein Gewitter tobte...., ... O Menschen! Armselige, elende Menschen! verantworUtch Mr dt« Si«daltto» � ffr«lara geMnch d«» Stuttgart. «r»a«a»«lag vo» Paul»wg« tu Stuttgart.