Zlr. 2 Kdomemna«- Hedingung«»: Abonnements- Preis prSnumeravdo: vterteljährl. SL0 MI., monatl. 1,l0Mr., wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zettung»» Preisliste für l3SS unter Sr. 7576. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige»u»land S Marl pro Monat. «rschelni tSglich auher Montag«. Vevliner Volksblettt. 13« Jahrg. Die JnstrtiollS-GebMsr betrügt für die sechZgespallen« Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg., für «eretnS- und«ersammlungi-Anzeigen, sowie«rbetlSniarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» t Uhr nachmittag» tn der Erpedttton abgegeben werde». Tie Erpedttton ist an Wochentagen bt« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher:»ml l, Nr. 1563. Telegramm-Adrefset „Sozialdemokral»«Ilm". Dentralorgcm> der sozialdemokratischen Nartei Deutschlands. Nedoliti«»!»V. IS. Weiity-Strasp z. Dienstag» den 4. Januar k898. Spedition: LV. 19. Mettty-Struße 3. Der Kaisev» die FimNev«nd die SoziAleeform. Beim Regierungsantritt des jetzigen Kaiser? wurde, stärker wie früher unter dem Fürsten Bismarck, auf Beseitigung einiger der schreiendsten Mißstände in den deutschen Arbeits- Verhältnissen hinzuwirken versucht. Sogar den hartgesottensten Junkern dachte man damals größere Achtung vor Menschen- leben und Menschenglück einzuschärfen, auch wenn der Mensch nur ein Lohnarbeiter ist. Die skrupellose Verivüstung von Leben und Gesundheit in den landwirthschaftlichen Betrieben hatte zu jener Zeit in den regierenden Kreisen besonderes Au" sehen erregt. 1889 ging den landwirthschaftlichen Zentra vereinen Prelißens eine kaiserliche Willensäiißeriing zu, wonach»wegen der Wichtigkeit der Sache und der stch mehrenden Unglücksfälle es nicht in der Absicht liege, Be gnadigungeu eintreten zu lassen", falls durch die Fahrlässigkeit von Landwirthcn Arbeiter zu Schaden gekommen wären. Vorher muß also in solchen Fällen die Begnadigung wohl als Regel und selbstverständlich angesehen worden sein, da sonst eine derartige Warnung schwer erklärlich wäre! In demselben Jahre stand auch schon die Bcrathnng von Schutzmaßregeln für landivirthschaftliche Arbeiter auf der Tagesordnung des Landcsökononiic-Kvllegiums. Die Herren hatten es jedoch zum theil recht wenig eilig. Herr Stockei- Justerburg meinte zwar,„daß, je mehr wir Maschinen ein führen, um Menscheukräfte zu sparen, rmd je mehr wir damit das Leben der Menschen gefährden, die wir zur Bedienung der Maschinen verwenden, um so höher die Verantwortung für den Unternehmer wächst, und daß er sich bewußt sein muß, daß da? Menschenleben selbst den höchsten Werth rcpräsentirt, mit dem die Landwirthschaft zu rechnen hat". Aber Herr K n a u e r- Gröbers sah nur darin eine„Gefahr" und ein Uebel, daß man sich überhaupt untersängt, die Landwirlhe verantwortlich zu machen, daß— um wörtlich zu zitircn— «in Landwirth wie ich, der sei» Gnt gar nicht persönlich verwattcf, sondern einen Adininistralor auf dem Gnie hat, durch aus nicht davor geschützt ist, daß er noch persönlich in An spruch genommen wird— dnß jemand, der gar keine Einwirkung direkt ans diese Maschinen hat, der Mos die Maschine» anschafft und sie seineni Administrator nbergiebl, für den eintretenden U» glückssall schließlich noch verantivortlich gemacht»vird. Das Zaudern und Widerstreben der Interessenten brachte die damalige Regiernng nur noch mehr in Harnisch. 1890 mußte das Landesökonomie» Kollegium abermals die An- gelcgcnhcit prüfen. Am 11. November erschien hierbei zu all> gemeiner Ucbcrraschnng der Kaiser persönlich in der Sitzung. Der Echeimrath Dr. Thiel, das bekannte landwirth- schaftliche Univcrsallexikon für Preußen, hielt ein wirksames einleitendes Referat, das er in voller Toastbegeisterung mit den Worten schloß: „Die große Aufgabe unserer Zeit, die Versöhnung der sozialen Gegensätze, die Erfüllung der Massen mit dem Gefühl, daß sie in einer Gesellschast lebe», welche sie nicht nur ans n» tz l, sondern ivelche sie schützt, und welcher die Interesse» des Cch mäch sie ii ebenso heilig sind, wie die Interessen des Stärksten,— dies« große Ausgabe kann nur erfüllt ivtrden, wenn auch auf dem Lande in dem Verhällniß von Arbeitgeber zu Arbeituehnier daS Bewußtsein lebendig wird und ledendig er- ballen bleibt, daß nicht Mos so weit wie der Zwang eines Gesetze? und einer Polizei-Verorduung geht, nicht Mos so weit wie der eigene Nutzen des einzeliien ihm sein Ver- halten diklirt, sondern aus wirklich echter Hiimauität auch über solche gebotenen Maßregeln hinanS noch ein übriges gcthan wird, daß der Arbeiter das Bewußtsein empfängt, daß sein Arbeitgeber bemüht ist, ihn in jeder Beziebung zu schützen und vor allen Unsälleii zu bewahren. Dieser Geist echter Huiiiaiilläl lebt gewiß— ich darf das hier im Namen der Vertreter der Landwirthschaft aussprechen— in weiten Kreise» der Laudivirthschnft.„Ich bitte Sie, mein« Herren, in diesem Geiste in die Berathnng des Details, daS uns»och später be- schäftigen wird, einzutreten. Diese Berathnng wird dann gewiß Früchte zeitigen, die den Allerhöchsten Auspizien, unter denen sie beginnt, würdig sind." Auch Professor S eh m o l l e r hatte, wie gewöhnlich, eine feine Witterung und trat für umfassendste Ausbildung der Unfall Verhütung durch die laudwirthschastlicheu Berufs- genossenschaften ein: Die Frage ist bisher noch gar nicht aufgeworfen, ob wirklich der Weg der Polizeivcrordnung der richtige sei. Die anßerordeut- lich segensreich wirkenden industriellen BerufSgeuoffen- fchaflen sind stolz darauf, daß die Industriellen selbst und nicht die Polizei die umfangreichen UiifaUverhütnngs-Borschriften aus- gearbeitet habe», daß sie so nicht von oben herab gleichsam dazu kommaiidirt werden, ihre Betriebe technisch richtig, für die Arbeiter »ngesährlicher eiuzuuchlen. Ich bin daher sehr zweiselbaft, ob nicht auch ans den Kreisen der preußischen landwirthschaftlichen Unsallversicherungs-Genossenschaftei, selbständig Ilnfallverhütungs-Borschriften erlassen werden sollte». Dann kann man auch weiter greisen als durch die Polizeiverordunng. Es kommt dann noch daS eine hinzu: wenn die Berufs- gtiiossenschafte» solche Vorschriften erlassen, dann entsteht damit die Möglichkeit der Exekutive in ähnlicher Weise, wie sie die industriellen Berussgenossenschaften orgauisirt habe» durch ihre Beauftragte. Es ist eine der größten Leistungen der in- dustrielleu Berufsgeuosseuschaslen, daß sie sich in ihren Beauf- tragten gleichsam eigene Fabrikinspekloreu hergestellt haben. Da- Much haben sie am meisten erreicht. Solche Beaiiflragleu müssen auch in den laiidwirlhschastlicheii Geuoffeiischaflen nachgeahmt werden. Durch eine derartige Kontrolle kann sehr viel mehr er- reicht werden, als dmch das bloße Strafgesetz. „Hierauf— heißt es in dem Protokoll— nahm das Wort Seine Majestät der Kaiser und König", um den Ans- führnngen Schmoller's im wesentlichen zuzilstimmeit. Die Rede soll in der amtlichen Wiedergabe gemildert sein; auf jeden Fall konnte man noch lange darauf den merkwürdigen Ein- druck dieser ungewöhnlichen Knndgebnng auf die konservativen Throilstützcn wahrnehmen. Einige Worte mögen hier nach der amtlichen Fassung Platz finden— in konservativen Blättern wird man sie heute vielleicht weniger gern wiederholen: „Es sind seit meiner Regiernngszeit merkwürdig viele Fälle vorgekommen, in denen Arbeilerinnen umgekomuiei! sind durch Verunglückung bei Maschinen... Ich habe, wie dies auch schon angeführt worden ist, die Beguadignng i>id)t mehr so leicht wie früher eintreten lassen... Nun erkundigte ich mich, ob keine Schntzvorrich- t n n g e n da waren. Jawohl, hieß es, nach den polizeilichen Vorschriften müßte die Welle mit eineui Deckel oder einem Kasten zugedeckt sein, aber das war in diesen Fälle» jedesmal anßer Acht gelassen. Es zeigt sich also hier ein« gewisse Gleichgilti gleit seitens des Besitzers oder desjenigen, der den Betrieb z» leiten hat, gegen das Lebe» der von ihm B e- s ch ä f t i g t e n.... Ich glaube, daß es nicht genügt, wenn der Staat den Ar» be i te r ii die Verpflichlnug auferlegt, sich in Acht»n nehmen, und wenn er ihnen Vorschriften macht, wie s i e sich bei den Maschinen zu benehmen haben.(Dazu hatten nämlich verschiedene wie immer opferwillige Mitglieder des Laiides-Oekonoiuiekollegiums gerathen! D.Red.) Es istdies nicht durchführbar. Ich glaube vielmehr, daß, wenn solche Wunsche vorhanden sind, wenn sich Nachtheile in der Beziehnng hernusgesiclll haben, daß die Arbeiter zu leicht- sinnig verfahren, so ist es viel besser, man legt dem betreffenden Besitzer oder dem, der mit der Leitung beanstragl ist, die Ver- pflichluug ans... Kann der Besitzer sich selbst nicht darum kümmern, dann möge er sich doch Beamte halten, Verordnungen, ivelche sich nur oder vor zugsweise auf die Arbeiter beziehen, würden nichls nützen... Es ist mir sehr aiigenehm, daß auch die Seite der Unfalls� Verhütung hier angeregt ist und daß die Herren sich damit be- schästigt haben." Der Feldzng zum Schuhe der landivirthschastlicheu Arbeiter war damit auf diesem Erbiete in feierlichster Weise eröffnet. Die braven Landjnnker, die tagtäglich versichern, daß sie auf Befehl jeden Augenblick ihr Leben für den Monarchen lassen, sie haben doch nnterdeß zweifellos Kopf und Kragen daran gesetzt, durch ihre BerufSgenossenschasten die UnfallsverhNtnng zur höchsten Vollendung zu entwickeln? Welche Lorbeeren waren hier zn holen! Nun sind dem Reichstage gerade bei seinem zeitweiligen Auseinandergehen die Rechnnngsergebnisse der Bernfsqenosseiu schafte» für 1896 mitgetheilt worden. An der Spitze der Ver- nnglncknngen marschirt— die Landwirthschaft mit 42 934 Ver- letzten gegenüber 38 538 Verletzten in den gewerblichen Berufs- gcnossenschaftcn. Die incisten dauernd völlig Erivcrbsunfähigc» zählt— die Landwirthschaft: 623 gegen 595 in der Industrie. Ebenso die meisten zwar theilweisc, aber doch dauernd Erwerbs- unfähige»: 22 222 gegen 20 251. Nur die Todesfälle sind in der Industrie um 1677 häufiger, ivas angesichts so lebens gesälfrlicher Berufe wie des Bergbaues, der Arbeit in Stein brnchc». Walz- und Hüttenwerken, aus Baute» weiter nicht Wunder nehmen kann. Man mag einwende», daß in der Landwirthschaft auch mehr versichcruiigspflichtige Personen thälig seien. Aber ans der anderen Seite hat die Mehrzahl dieser Personen auch nur zeitweilig ans gefährlichen Posten zu stehen: ein paar Tage oder Wochen im Jahre an der Dreschmaschine, ein paar Viertelstunden täglich beim Häckselschneiden. Doch auf diese Streitfragen kouimt es uns heute nicht an. Eines ist zweifellos unbestreitbar: Ei» Erwerbszweig, der in e h r Un> sälle, und zwar gerade auch'chwererer Art, ausweist wie die Industrie, wüßte auch in der Unfallverhiitimg an der Spitze stehen. Aber wie sieht es da aus? Wir sinden als Unfallvcrhütungskostell verzeichnet: bei den gewerbliche« bei den londivirtdschof». Buussgeuosseiischasteii Berussgenosseuschasten für Ueberwachung der Betriebe..... 485 802 271. 0,000 M. als Kosten bei Erlaß derUnfallverhülnngs- Borschriften.., 80 92»„ 2075. Nicht einen Pfennig für Ueberwachung, baare 2000 Mark für Unfallverhütung bei der Landwirthschaft! Und von diese» 2000 Mark wiederum ganze 82 M a r k und 66 P f e n u i g e im Reiche Seiner Majestät des Königs von Preußen! Dagegen zahlte Anhalt immer noch 730 Mark, Mittelfranken 480 Mark, Rcuß ä. L. 320 Mark. Man hat, nach dem Anlauf von 1890, zu diesem Skandal jahrelang gcschiviegen. Das Reichs-Versichernilgsanit versuchte vor mehr als einem Jahre noch einmal unter der Hand die landwirthschasllichen Bcrufsgcnossenschaftcu zum Erlaß von Unfallverhütungsvorschriften anzuregen— nach endlos langen Dorberathungen mit Sachverftändigen und ohne jede Pression. „Die hohen Zahle» der Unfälle'— endschnldigte es sich chüchtern-„umfassen eine solche Fülle von Roth»nd Elend, daß keine Anstrengungen gescheut werde» dürfen,»m für die Folge eine Verminderung derselben berbeiznsühien." Man erinnert sich, mit welchem Hohn die konservativen Abgeordneteii Gawp, v. Mantenffcl und v. Standy diese„bnreankratischen Theorien" abkanzelte». Es war eben»nr noch das Reichs» Versichernngsamt, das die Agrarier zur Scham rief. So konnte man leicht tapfer sei», ivcun man die konservative Filzigkeit vertheidigte. Aber wir sind auch noch auf der Welt und auch die ländlichen Arbeiter sind keine regungslose, von der Außenwelt abgeschlossene Masse mehr. Seit dem berufenen Jahre 1890 haben sie Jahr für Jahr mehr V e r w u n d e t e auf dem Schlachtfelde der Arbeit hinsinken sehen: 1890 12 573, dann 19 359, dann 23 231, dann 27 553, dann 32 491 und 37383, 1896 endlich gar 42943! Todte sind gefallen 1890 1877, 1891 2153, 1894 2261 und 1896 2363, die höchste je erreichte Ziffer. Was die Agrarier an Unfallverhtttullgskosten spare», muß die Nation in verwüsteten Menschenleben büßen. Ob eine Regierung denkbar ist, die so schwach wäre, so skandalösen, stetig sich verschlimmernden Zuständen ruhig mit verschränkten Armen zuzusehen? In den„Verl. P o l i t. Nach r.", die Herrn M i q u e l nahe stehen, ssudcn wir eben eine leise Andeutung, daß es„wohl zweckmäßig wäre, wenn die landivirthschastlicheu Bcrufsgenossenschaften der Verhütung der Unfälle eine größere Ailfnierksamkcit als bisher zuwendeten." Wie bescheiden wir gegen das Jahr 1890 auf dem Gebiete der Sozialrcform geivorden sind! politische Llebeehsht. Berlin, 3. Januar. Das neue Jahr hat diesmal sehr ruhig begonnen. Sensationelle Reden sind diesmal nicht gehalten worden. Die Neujahrseinpfänge in Berlin, Paris, Rom, Budapest und anderwärts brachten keine Ueberraschnugen, alles verlief im Rahmen des Zeremoniellen und Konventionellen. An Friedens- bethenernngen und Frenndschaftsversichcrungen fehlte es nicht; doch dies gehört zum kouveutiouellen To» und ist politisch ganz bedeutungslos. Bemerkensiverth ivar höässtenS der sehr warme Depeschen- austansch zivischen dem Zaren aller Reußen und dem Präsi- deuten der französischen Republik. Er soll wohl die fran« zö fisch en Politiker und Fiilanziers über die zur Schau getragene Intimität der drei Kaiscrhöfe beruhigen. Ob die„ans- rechtigcn Wünsche" des Kaisers und der Kaiserin von Ruß» land den Enthlisiasmns für den„großen Alliirten" noch ein« mal zum Aufflackern bringen können, darf bezweifelt werden. Das Zeremoniell des auch in Paris programmgemäß ver- lanfenen Nenjahrscnipfanges hat nur ein dem Präsidenten Fanre zugestokener Unfall durchbrochen, über den eine Depesche aus Paris vom 1. Jammr meldet: Als Piäsident Fanre sich heule Vormittag zu dem Präsidenten de? Senat» begab, nm ihm seine» Besuch abzustatten, gingen die Pferde des der Equipage des Präsidenten folgenden Wagens durch und rannten gegen den Wagen des Präsidenten. Der Wagen wurde leicht beschädigt. Der Präsident wurde nicht verletzt, »mßte jedoch den Wagen wechseln.— Lropold von Belgien ist nun endgiltig vom Reichs- geriebt als ein ehreuiverther Mann erklärt worden. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Redakteurs Sleiizcl vom„Hamburger Echo", welcher wegen Beleidigung Leopold's am 11. Oktober vorigen Jahres zu acht Monaten Gefangniß vernrtheilt wurde. Das Urtheil gegen unseren Parteigenossen Stcntzel hatte das größte Aufsehen erregt, nicht nur wegeil der Höhe des Strafmaßes, sondern auch ivegen der sonderbaren Umstände, unter denen die Anklage zn stände kam und der Prozeß geführt lvurdc. So werde» in Deutschland nicht nur die zahlreichen deutschen Atajestätc», sondern auch die ausländischen eifrigst geschützt. Während in Belgien selbst Leopolo dieselbe Kritik ruhig hinnehmer muß, welche das„Hambnrger Echo" und zahlreiche andere deulsche Blätter geübt haben, wird ihm in Dcnlscliland Weißwaschung seiner gekränkten Ehre gern geboten. Es ist soweit gekommen, daß eine Broschüre des Abgeordneten und Redakteurs Louis Bertrand vom Brüsseler„Pcnple" über Leopold II. von Belgier und seine Regierung nicht ohne bedenlende Streichungen ins Deutsche übertragen werden konnte, da befürchtet werdeil»lllßte, daß Staatsanwalt und Richter wie im Prozeß Slenzcl ihren„Arm der Gcrechligkeit" ausstrecken würden. Dciilschland Hort und Schutz der Monarchien und Monarchen aller Länder vom großinächtigen Zaren aller Reußen bis zum indischen Stammesfürsten und afrikanischen Häuptling! Oder wäre die Wirkung solcher Btajestäts» beleibigungs-Prozessc vielleicht eine ganz andere als die Frenude des Monarchismus meuieu? Würde vielleicht durch solche Verhindernng der freien Kritik das„monarchische Beivußlsem" mehr und gefährlicher unlergraben als es den Gegiiern der Monarchie gelingen würde, wenn ihnen das freie Wort nicht verklimliiert würde?! Das Reichsgericht hat gesprochen, unser Parteigenosse wird zwei Drilthcile eines vollen Jahres im Kerker zubringen. Bedauerliche Monarchien, die so geschützt werden niüssen!— Herrn Rrcke'ö Schntzniannspolitit scheint in der Thät selbst ii» preußischen Staalsuliilisterinm, trotz dessen neuer einheitlicher Zusammensetzung, vorläufig Fiasko gc- macht zu haben. Darauf deuten die widersprechenden Nach» richte», die wir i» den letzten Tagen über die Veceiiisgescg- frage z»sa»i>nenstellen konnten. Sowie die abermalige Entscheidniig des Ober-Verivaltnngs» gerichls ivegen des Verbotes polnischer Versaliimlungen gefallen war, fingen die offiziösen Blätter an, Stimmung für eine„Aiissülliing dieser Lücke des bestehenden Rechtes" zn machen. In der„Post" vor allem predigten dje Hekatisten„Energie". In seiner letzten Nummer muß dasselbe Blatt mit sauersüßer Miene eingestehen, daß für die nächste Laudtagssession„der Plan ivicder auf. gegeben" und keine Vorlage zu erwarten ist niit dein Ziele, einer Bevölkerung das Versamnilungsrecht zu nehmen, weil der Schutzmann die Sprache seines Amtsgebietes nicht versteht oder nicht verstehen will: Man will vorerst den Versuch machen, ob eS möglich ist, durch Heranziehung von der polnischen Sprach« mächtigen Kräfte» die Ueberwnchung von Versammlungen in polnischer Sprache wenigstens einigermaßen sicher zn stellen. Wir f ü r ch t- n. daß dieser Versuch, wenn erst mit dem Herannahen des Termins der nächsten allgemeinen Wahlen die Zahl der Versannnlungeu erheb- ltch wächst, sich als undurchführbar erweisen wird. Schon die letzte Bemerkung zeigt, wie enttäuscht die Hekatisten sind. Die„Post" spricht dann niißgelaunt noch weiter von den für das preußische Ministerium anscheinend maßgebenden Rücksichten auf die Ncichspolitik, das heißt ans das Zentrum, allerdings auch von geltend gemachten Erwägungen, daß ein Vorgehen, welche», wenn auch nicht formell, so doch der Sache nach, auf-Ine gewisse Elnschränkung des Versammlung?- rechts hinauslaufen würde,«ine» neuen Zwiespalt zwischen die- jenigen Parteien tragen könnte, auf deren Zusammenhalten die Regierung angesicht» der bevorstehenden Neuwahlen Gewicht zu legen hat. Ja die Wahlen! Sie sind heute schon ein recht störender lFaktor für die Freunde der Herren Stumm und Zedlitz. Aber lvenn diese Sorge um die nächste Zukunft erst gehoben fein wird, dann hofft man auch auf dem Felde der Vereins- gesctzgcbung nach allen Seiten hin, gegen national- wie sozial- revolutionäre Bestrebungen, freie Hand zu haben. Da? ganze Hin und Her in der offiziösen und halboffiziösen Presse ist also ein Beweis mehr,»vi e entscheidend für alle grund« legenden Volksrechle die nächsten Wahlen sein werden, nicht nur die zum Reichstag, sondern auch die zum Landtag. Tie Situation in Ostnsica. AuS Pe k i n g wurde am I. dS. MtS. gemeldet: Die deutschen Missionare in T s a o- t s ch o u(im Innern der Provinz Schantnng, unfern von Hoangho) beklagten sich bei dem deutschen Gcsanvten Frhrn. v. Heynng darüber, daß der Befehlshaber der chinesischen Garnison eine drohende Sprache zu ihnen oder über sie geführt habe. Frhr. v. Hcyking verlangte die Absetzung des Komman- danten, welche auch tclcgraphisch verfügt wurde. In Söul und Peking ringen die Engländer um Er- balhuig ihres schwer bedrohten Einflusses. Nach einer Reuter- Meldung soll die Spannung wegen der Zurücksetzung des Zolldircktors Brown vom koreanischen Hofe durch Abschluß eines Kompromisses beseitigt worden sein, wo- nach der Engländer Brown im Auftrage der koreanischen Regierung das Zollamt weiter verwalten soll, während der Russe Alexe j ew dem koreanischen Finanzministerium zur Seite stehen soll. Dieser Kompromiß würde natürlich für England nicht günstig sein und den gewachsenen Einfluß Ruß- lands bekräftigen. In Peking sucht die britische Regierung zu retten, was z« retten ist. Nach einer Mitthcilung der„Central RewS" sucht England zu erreichen, daß Port Arthur dem Alleinbesitz Rußlands entzogen und, gleich den übrigen BertragShäsen, allen HandelSinächten in gleicher Weise szur Verfügung gestellt werde. Nach demselben Blatt sollen auch zwei englische Kriegsschiffe sich in Port Arthur aufhalten, was jedoch nicht glaubhaft erscheint. Ferner sucht England eine weitere Verstärkung der finanzielleu Herrschaft Rußlands über die chinesische Regierung izu verhüten. Nach einer Meldung der„Times" vom 31. De- izember werden die Verhandlungen China's mit Rußland wegen eiuer garantirten Anleihe lebhaft fortgesetzt. Wenn die Vereinbarungen zum Abschluß känicn, würden die Rnfien unter dem Vorgeben, die Einziehung der Grund- st euer zn überwachen, das Recht erhalten, in jeden Ver- waltungSzweig Chinas einzugreifen. Dies will man von englischer Seite natürlich verhüten. Nach einer weiteren Meldung der„TimcS" aus Hongkong von gestern herrscht in den dortigen Schiffswerflen die größte Thätigkeit, jedoch beobachtet nian das größte Geheimniß hinsichtlich der- selben, lieber die Bewegungen ver britischen Flotte weiß man nichts. Der Kreuzer„Grafton' wird Hongkong verlassen; für den 5. Januar erwartet man die Ankunft zweier Kreuzer und zweier Torpedobootsjäger. Eine sehr interessante Nachricht von amtlicher russischer Seite ist noch zu verzeichnen. ES sollen durch zarischen Ukas die Söhne des früheren KhanS von K o k a n d(ehemals selbständiges Khanat an den Ufern des Syrdarja in Zentral- asien, in den«Oer und 70« Jahren von den Russen erobert), Mohamed Amin und Mohamcd Hni Amin mit deren Kindern in den erblichen Adelsstand Rußlands auf- genommen werden. So verstehen es die Russen, den unter- jochten Völkern Zentralastcns zn schmeicheln und sie ihren weiteren Erobernngsplänen, die sich gegen daS englische Indien richten, gefällig zu erhalten.— „Die Ucbrniahmc unseres Schutzgebietes N e u- G u i n e a und B i s»i n r ck- A r ch i p e l durch d at R« i ch ist»ach unseren Erruugenschasleu in Ostasien kaum mehr zu umgehen"— diese er- sreulich« Neiyahrsbotschaft verkündet die Kolonialprcsse ihren Leser». Ganz klar ist u»S der Zusnniinenhaug zwischen den polynesischc» und den ostasiaiische»„Ernmgeuschafteu" allerdings nicht geivorden, aber darüber sind wir längst im Reinen, daß die seinerzeit nnler der Führung Hansemaiin's gegründete Gesellschaft froh sein würde, ihre» Besitz loSziuverde», selbst zu einem geringere» Preise wie bei dem frühere» Angebot, das im Borjahre der Reichstag zurückwies. Das Land wird von Seuche» schwer heimgesucht. Die Aiipflnnzungskosten für Tabak habe» sich als zu hoch erwiesen, um ans dein Weltmarkt konkurrenzfähig sei» zu könue». Nur die Baumwolle und die harten und dauerhaften, für die Möbel- indnstrie brauchbaren Hölzer sollen dem Kapital Nutzen verheißen. DaS spricht nun gerade nicht für neue Opfer von anderer Seite, aber man spekulirt bei der ganzen Treiberei auf die»»klare Vor- stellnng des unterthäiiigen Slaalsbürgers, daß das Reich alles könne, wenn es nur wolle. Vielleicht fällt ihm dann auch die Rufgab« zn, de» Handel in Mcnschenfleisch zn organisiren, um die Plantagen Nen-Guinea's ertragreicher zu machen. Die Eingeborenen sind kein gutes AuZbeutungsmalerial,stattderKull'sa»SJavaundChinaim allgemeinen räth man nun, vorwiegend aus dem Hinterlande vo» Kiaolschau de»„Zuzug an fleißige!» und werthvoNen Arbeitskräfien" zu steigern. Wahrscheinlich rechnet die christliche Barmherzigkeit unseres Plantagen- tapitals damit, daß ein solcher Rcichskuli doppelt hilflos dastehen werde, weil er bei einer Flucht in die Heimath immer wieder einer deutschen Behörde in die Hände lanfen muß. und diese Hände wissen die Nilpferdp-ilsche und das Bambusrohr recht eindrucksvoll zn ge- brauchen.— Man wird sehr bald nähere» über ein etwaiges neues Abkommen zwischen der Neu-Guiuea-Kompagni« und dem Reiche erfahren müssen, ebenso Über die Stimmung im Reichstage, die in Fragen der Kolonialpolitil wie der gesammlen auswärtigen Politik ja sehr wandelbar ist.— Ei» Prounneiamento spanischer Generale unter Führung des Bluthundes Weyler und mit Unterstützung eines Theiles der Konservativen scheint geplant zu sein. Die von lauger Hand vorbereitete Aktion tritt mit einem Proteste des Generals Weyler, die in allen Kasernen verbreitet wurde, in die Oessentlichkcit. Sechs Madrider Zeitungen, welche den Protest des Generals Weyler veröffentlicht haben, sind mit Beschlag belegt worden. In dem Proteste Weyler's beißt es, die spanischen Soldaten seien in seiger und roher Weis« vor der ganzen Welt beschimpft worden. Es bedürfe einer soforligen ösfenilichen Genngihuung; die be- schmutzte Ehre Spaniens und der Armee verlange es. Weyler bittet schließlich die Königin chrsnrchlßvollst. der Armee die un- umgänglich nöthige Gerniglhuirng zn verschaffen. Gutem Vernehmen nach haben an dem Tage, an welchem General Wepler seine Protestschrift überreichte. IS höhere Ofstziere der Garnison dem General ihre Glückivünsche überbracht. Der Kriegsminister legt« im Ministerralh den an die Königin- Regentin gerichteten Protest des Generals Weyler vor, ferner eine königliche Kabinetsordre an Weyler, i» der letzterer gefragt wird, ob er seinen Protest der Presse mitgetheilt habe. deZ weileren die veriieiiiend« Antwort Weylers, soivie zwei Kabinetsordres, die Nachforschnngen nach de»» Urheber der Mitlheililng an die Presse anordnen und den obersten Kriegsrath amvetsen, in Aktion zu treten. Der KriegSminister sprach sich dahin ans, daß nach seiner Ailsicht in der Angelegenheit Weyler's verschiedene Bergehungett vorliege». Die Regierung ist eiltschlossen, in dieser Angelegenheit eventuell zn den schärfsten Mitteln zu greise». Der Direktor des BlaileS„National" hat erklärt. Weyler fei an der Veröffcnllichnng feines ProtestschreibenS an die Regenli» nicht belheiligl, denn er, der Direktor, habe sich in dem Arbeitszimmer des»hm befreundeten Generals Weyler heimlich eine Kopie des EntivnrseS des Proiesles angefertigt und dieselbe de» Zeitunge» milgetheilt. Wcyler, der ein Raufbold, aber kein Held ist, soll nun schon feierlich sein Bedanern über die Veröffeiitlichimg seines Protestes ausgedrückt haben, was von denen, die sich seiller be- dienen, sehr übel empfunden wird. Die nächsten Tage müssen eS lehren, ob die spanische Re- gierung den Muth und die Energie hat, gegen die disziplin- verachtenden Generale aufzutreten und diese Bewegung im Keime zu ersticken. Gelingt dies nicht, dann ist daS ohnedies schwer geprüfte Land einer überaus gefährlichen Abenteurer. Politik und schweren Katastrophen ausgesetzt. Afrikanische Spannungen. Der schwarze Erdtheil ist im allgenieinen vertyeilt. E'.iglaud, Frankreich, Delltschland, Porlngal haben die größten Stücke sich zngeeigiiet. Aber noch manche schivierige Frage bleibt zu lösen, an vielen Stellen sind die Grcnzlinietl der verschiedenen Jiltercsselisphären noch schwankend und jedes der croberndeil Völker sucht möglichst viel Land zu besetzen, um es völkerrechtlich für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Das rimstrittenste Gebiet Afrika's ist zur Zeit noch immer das gchcimnißvolle Quelllaud des Nil ii»d dcisen oberer Lauf, der ehemalige egyptische Sudan, das jetzige Reich der Derwische. Es gehört zn Englands brennendsten Wünschen, dies Gebiet, welches bis zur Erhebling des Mahdi zu Egypten gehörte— und Egypten betrachtet ja England jetzt schon wie sein Eiaelithum— wieder zu gewimicu. Denn hierdurch würde die Nerbinduiig zwischen Egypten und Britisch Ost-Afrika hergestellt werden und daS Ideal der englischen Afrikapolitik: Ein Ländergebiet von Alexandria bis Kapstadt! der Verwirklichung nahe geführt werden. Aber Frankreich tritt den Engländern in den Weg. Die nördliche und nordöstliche Grenze deZ französisch«» Koiigo oder richtiger deS französischen Saut Ubangi konnte aus der Berliner Konferenz von 1SSS nicht genau bestimmt werden und ans den egyptischcn Sudan erhebt Frankreich ebenso Ansprüche wie England.„Daily Mail" berichtet anS Kairo, man glaube die französischeNilexpedition stände bereits ganz dicht bei O m d n r m a n, der Hauptstadt des Mahdistischcn Reiches am iveißenNil. Mögen auch diese Nachrichten vielleicht nbertrieben seien, so steht doch fest, daß französische Expeditionen mit großer Schnelligkeit vor- gedrungen sind und den Engländern den Weg südivärtS zu verlegen suchen. Die Franzosen stehen im Freuildschafts- vcrhältuiß zum Herrscher von Abessynien und wünschen,»vie England ein nord- südliches zrlsalnmcllhängendes Afrikareich begründen will, ein west- östliches Französisch- Afrika zu ge- Winnen. Den Weg zu diesem Ziele haben sie cbeilfalls bereits fast vollständig zurückgelegt. Von Algier bis Ober- Guinea, von der Mündung des Senegal bis Wadai und Darfur ist ein einheitliches französisches Gebiet geschaffen Wörden: in de» Landstrichen östlich vom Tschad-See hängt dies Gebiet mit dem französischen Kongo zusammen und von dort versucht nun Frankreich eine Landbrücke zu schlagen bis zn seinen Besitzungen am Golf von Aden. So rücken dort im oberen Nilgebict die Interessen Frank- reichs und Englands scharf auf einander. Seit 1894 bemüht sich England das mahdiftische Reich wieder zu erobern. Be- sonders im letzten Sommer und Herbst waren diese Bemühllilgen von großen Erfolgen gekrönt. Dongola wurde eingcnommeil, Eisenbahnen gebaut, um die Truppen schneller südwärts führen zu können, als ans dem kataraktenrcichei» Nil möglich ivar; durch die kürzliche Abtretung Kassala'S seitens Italien ist et den Engländern gelungen, auch von der östlichen Flanke her die Derwische zn bedrängen. Vor einigen Woche» wurde noch berichtet, daß die Eng- laudcr den Feldzng eingestellt hätten und ihn erst im Früh- jähr fortführen lvollten. Aber schon jetzt treffen sie erfrige niid vermehrte Rnstuilgen, offenbar infolge der Meldungen vom Dordringeir der Franzosen. Dazu wird allerdings auch von offelisivcn Absichten der Derwische berichtet. Nach diesen Bemcrkliiigeil über die Verhältnisse im oberen Nilgebiet lassen wir die eingegangenen Depeschen folgen: Kairo, I. Januar. Je ein Baiaillon des Wanvickshire- und des Lincolilshire- Iicginicnls hat Befehl erhallen, billne» wenigen Tagen nach Wadyhnlfa abzurücken, uni im Gre»zdie»st verwendet zn werde». Kairo, 1. Jaimar. Die gemeldet« Sendung englischer Truppen nach der Grenze ist veranlaßt durch Nachrichten, ivonach die Derwische«inen Bormarsch»ach Norde» beabsichtige». 200 Mann gehen heute ab, der Rest folgt am 9 d. Mls. Beide Reoiinenler werden zur Verfügung des Befehlshabers der egyptische», Armee, Kilchener-Pascha, stehen. Wahrscheinlich werden sie sofort»ach der Ankunft in Wadyhnlfa auf der nenen Wüsten- Eisenbahn nach Abuhamed weiter befördert werde». Malta, 2. Januar. Das erste Bataillon Scaford-Hoch- länder erhielt Befehl,»ach Egypten abzugehen. Das Baiallloii ivird sich auf dem Dampfer„Nnbia", welcher am S. d. M. aus Port Said hier erwartet wird, einschiffen. London, 3. Januar. Die„Daily Mail" meldet ans Kairo, mau glaube, die französischeu Nilexpedilione» ständen ganz dicht bei Kharlun»: deshalb sei es nothwendig geworden, sobald als möglich den Befehl zum Vormarsch auf Melemmeh zu geben. Die„Times" erfahre», auch ein Jnfanterie-Bataillon i» Gibraltar habe Befehl erhalten, nach Egypten abzugehen: zwei andere Bataillone, die sich auf dem Heimwege von Jndie» befänden, würden nnterwegs angehalten werden»nd in Egypten lailden. Dadurch erhalt« man die Möglichkeit, vier«»glifchc Bataillone iiilanfwärts zn sende». »• « Deutsches Reich. — Die s e» s a t i o» e l l e F o r m, in der die„Nordd. Allg. Ztg." den Besuch deS Kaisers beim Reichskanzler angekündigt hat. verdiente nicht, vo» koiilbiimtionslnstige» Politikern beachtet zn werde»: war sie doch bloS der Ausfluß des sich»ie Genüge lhueuden ByzantillismuS feiler Feder». Der Besuch deS Kaisers hatte lediglich de» Zweck, feinem oberste» Berather und Verwandten NenjahrSwüiifche zu über- bringen.— — BehnfS Bildung von Handwerkerkaminern, wie sie nach der Geiverbc-Ordnungs-Novell» vom 26. Juli vorige» Jahres vorgen o»»»«» werden sollen, geht, wie eine Lokalkorrespondeuz miüheil!, jetzt den OrtS- Polizeibehörden die Aufforderung z», bis zum lö. Januar d. I. ei» N a m e n s v e r z e i ch n i ß der in ihren Bezirken anfässigen selbständigen Handwerker unter Bezeichnung ihres Handwerks aufzustellen. Hierbei soll die Frage, welche Geiverbetreibenden als Handwerker anzusehen sind, stets»ach Lage der thatsächlichen Umstände beurtheilt werde»; jedoch solle» Be- triebe, bei denen es ziveifelhast erscheint, ob sie als bandiverksmäßige an- zusehen sind, einstweilen als solch« mit berücksichtigt werde». Bei Hand- iverker», die bereits Innungen oder Gewerbevereine» und sonstigen Vereinigungen, welche die Forderung der geiverblichen Interessen deS Handwerks verfolgen, angehören, ist dies in de» Listen bei der Aufführung ihrer Name» mit genauer Bezeichnulig der betreffenden Innung oder Vereiliigung nnd des Sitzes derselben zu vermerken. Diese Verzeichnisse müssen alsdann der tgl. Regirrung eingereicht werden. — Der B a n s ch»v i» d e k. Man schreibt nnS: Zu de», pro« jeklirten Schutz der Bangeweckslneister gegen den Bauschmindcl haben wir bereits in der Nnnnner des„Vorwärts" vom 24. Dezember ausführlich Stellung genommen. Interessant ist, was in dieser Erage dem„Berliner Tageblatt" von einem der.erste» hiesigen ypothekenmakler, der zugleich gerichtlich vereideter Sachverständiger ist", geschrieben wird. Dieser Fachmai»» des Berliner Terraiilgeschästs glaubt nicht, daS die Berliner Baulhätigkeit, weiill das vorgclegie Gesetz eingeführt werde» sollte, irgendwie lahmgelegt würde. Dazu stände» zu viele Interessen aus dem Spiele, nnd der Zunahme der Ve- oölkernug, der fortschreitende» Industrie und der stetige» E»l- Wickelung der Stadt könne kein Halt geboten»verde». „Es werden sich dann, schreibt er, ivie dies schon jetzt in New-Uork, London und anderen überseeische» Städte» der Fall, in Anlehnnug a» Hypothekenbank«» und sonstige Geldinstitute große Ballgesellschaften bilden, die alljährlich Hunderte von Häuser» nach den jeweilige» Bedürfnisse» fertigstellen, vermiethen und auch verkansen.— Zur Durchführung solcher Unlerilehniiiligen lverden diese Banbaiiken eigene Ziegeleien, Schneidemühlen, ttalkwerke, Dampsiischlereie», Ofen«, Parketflißböden-, Tapele»- fabrike», Schlossereien und sonstige Etablissellienis deS Baufaches elablirc», und die Meister, die jetzt so laut un» Hilfe schreie», werden dann genöthigt sein, ihr« Thätigkeit diese» ElablissemenlS zu unterstellen, nnd hierdurch ihre Selbständigkeit verlieren." Daß die Erschwerung des Schwindels im Bangcschäft solche oder ähnliche Wirkungen' habeil könnle, ist keineswegs unwayr« scheiiilich. Das schließliche Ergebniß der Schntzgesehgebnng würde danach die Stärkung des G r o ß k a p i t a l i s m n s in» Bangcschäft sein, und den Handwerker» würde das, waS ihnen auf der ei»?» Seile mit Hände» gegeben wird, durch die angedenteie Enlivickelung auf der andere,, Seit«>»il Scheffeln wieder genomlnell. Allerdings ist ja nicht zu übersehen, daß Grundstücks- und Hlwoiheken- agenten, wie ei» solcher die obige ungünstige Proanos« gestellt hat, e», Jnlcresse daran haben, de» henligen Znstaild ausrecht zn er- hallen nnd die Folgen eines eventnellen Echntzgesetzes als für die Handiverkcr sehr bedenklich hinzustellen: weil sie ja gerade bei dem henligen System am meisten verdienen. Mit den Erschetnunge» des Bnuschwindels hat sich auch daS Berliner Gewerbegertcht vielfach zu beschäftigen, und es ist deswegen vom Berliner Polizeiprästdin», schon vor einiger Zeit aufgefordert worden, ein Gniachlen über den Gegenstand einzureichen. Ei» solches ist denn auch von dem Vorsitzenden der Kannner für Bausachcn, Magistrnlsasscssor Enno, erstaliei worden. Wir wollen ans diesem, i» der Tagespresse nicht pnblizirte» Gutachte» wieder- geben, in welcher Weise besonders die Bauarbeiter unter dem Schivindelsyste»» zu leide» haben. Der Verfasser»»eint, sobald der Baugeldgeber oder der Verkänfer der Baustelle gewillt sind, das Grundstück zum Zwangsverkauf zn ireiben, fände sich für sie hierzu leicht die Möglichkeit. Die Folge sei, daß dann die Bauarbeiter, allerdings»>eist nnr mit den» Betrage eines Wochenlohnes, ausfielen; eine frühere Nichizahlung der Löhne habe zur Folge, daß der Bau liegen bleibe, und das liege zniiächst nicht im Interesse der Gcldmämicr. Hanplsächlich würden von diesen Schäden die unmittelbar vom Bauherrn n» Kolonne»- system beschäftigte» Putzer getroffen. Häufig seien sie gezivnngen, Anweisungen der Bauherren ans das Baligeld anzullehmen. Bei der Koukumnz der Putzer untereinander und andererseiiS bei der große» Zahl von Bauten, aus denei» dieses System herrscht, ivürden diejenigen Putzer» die gegen Aniveisiuige» nicht arbciien wollen, überhaupt schwer Arbeit finden. Die Ausfälle der Putzer seien oft recht erheblich; ans maiiHelnde Vor- sichl der Banarbeiler könne man sie aber nicht ziirücksnhre». Die Arbeiter könnle» in der Auswahl der Arbeit nicht wäblrrisch sei», >lnd persönlich zahlnngssähige Untiriiehnier bauten überhaupt nnr in geringer Zahl. Das Gutachten US Gewerbegerichts fährt folgendermaßen fort: „Das Gewerbegerlcht hat in viele» Fällen dadurch z» helfen gesucht, daß es aus der Sachlage heraus eine Haftung der Baugeldgeber oder anderer Jiiterrsseute», denen an der Förderung des Baues mehr gelegen war. als dem Bauherrn, zu konstrniren sucht«. Dies wird da»» glücken, wen» die Baugeldgeber nicht hinreichend vor- sichtig ngircn. insbesondere sich als gar zu inieressirl«riveisen nnd sich als die eigenllichen Arbeitgeber geriren. In vielen Fällen hat das Landgericht allerdings diese Entscheidungen aufgehove», weil ein B-rtragsverhältniß zwischen dem Baugeldgeber beziehungsweise den Jnleresseulen und den Arbeiter» sormal-juristisch nicht zu konstrnire» sei. Weilerhi» leiden die Bauarbeiter darunter, daß seitens der zweifelhasten Bauherren zahlungsunsähige Personen als Zwischen- »»lcrnehmer eingeschoben werden, denen die Aussührnng eines Bauwerks oder eineS Theils desselben durch Entreprise-Vertrag übertragen wird. Ebenso werde» für gewisse Arbeilszweige, die ven den Arbeitern im Koloiinensystem auf geliieilischaftliche Rechnung ausgeführt zu werden pflegen, wie Sleinelragei», Putzer-, Slakcr-, Einsetzerarbeite», statt eines mtt der Kolo»»« zu schließende» Arbeitsvertrages, formell Werkverdinguiigsverträge mit einem der Arbeiter geschlosse»». Die Arbeiter find da,»» nnr in der Lage, sich an den völlig zahlungSliilfähigeil Arbeiter, mit den, der Vertrag geschlosse» ist, wegen ihrer Lohnforderung. insbesondere auch ihrer ElitschädigungSansprüche wegen kündigungMoser Eilllassniig zu halten. Auch in diese» Fällen hat daS Gewerbegericht vielfach an- genommen, daß mit Rücksicht auf die de» Parteien bekannte soziale nnd wirlbschastliche Stellung deS vertragschließenden Arbeiters nnd die als bekannt voranSzusetzende, im Gewerbe herrschende Ucbnng nicht ein Werkverdiiigungs« Vertrag, sondern ein Arbeilsvertrag mit der Kolonne, vertreten durch de» Kolonilenführer. vorliege, nnd hat demgemäß de» Baiiunlemehmer direkt vernriheilt. Das Landgericht hat jedoch in vielen Fällen solche Enlscheidiingeii aufgehoben, ind:», allein der Inhalt des schristliche» Vertrages alS mastgebeiid an- gesehen wurde." Die Stellung dieser Arbeiter würde durch daS vorgelegte Gesetz ja immerhin verbessert werden, indem entweder der Pntzcrkolonne als solcher oder dem Arbeiter, mit dein der Vertrag geschlossen wurde, daS Recht gegeben wäre, ihre Fordern, igen mit in die zn gewährende, mit Vorzugsrechten versehene Sicherheitshypolhek ans- nehiiien zn lassen. — Die Nachricht vom Tode deS Fürsten Bismarck wurde in de» Feirrlage» durch de» Telegraph s ü l s ch l i ch verbreitet.— — Zur Geschichte deS Toziklistengesetze». Zwar schon gedruckt, aber an einer abgelegenen Stelle veröffentlicht und deshalb mit recht von Poschinger im 3. Bande seines Werkes„Fürst Bismarck und der Bundesralh" reprodnzirt ist folgender aus Kissingen unter dem Ib. August 1379 an den Chef der Reichskanzlei gerichtete Erlaß. „Ew. Hochwohlgeboren bitte ich, Herrn Minister Grafen Eulen- bürg und Herrn Geheimrath Hahn mein Bedauern darüber auszu- sprechen, daß der Entwurf des Sozialistengesetzes in der„Provinzial- korrespondenz" amtlich publizirt worden ist. bevor er im Bundes- ralh vorgelegt war. Diese Veröffentlichung präjudizirt jeder Ainendirung durch uns und ist für Bayern und andere Dissentirende verletzend. Nach meinen Verhandlungen von hier a«S mit Bayern muß ich annehmen, daß letzteres an feinem Widerspruche gegen das Reichsamt festhält. Württemberg und, wie ich höre, auch Sachsen, widersprechen dem ReichSamt nicht im Prinzip, wohl aber angebrachtermaßen, indem sie die Zuziehung von Richtern perhorresziren. Diesem Widerspruche kann ich mich persönlich nur anschließen. SS handelt sich nicht um richterliche, sonoern um politische Funktionen, und auch daS preußische Ministerium darf in seinen Vorentscheidungen nicht einem richterlichen Kollegium unterstellt und ans diese Weis» für alle Zukunft w seiner politischen Bewegung gegen den Sozialismus lahm gelegt worden. Die Funk- tione» des Reichsamis können»ach meiner Auffassung nur durch de» Bundesralh entweder direkt oder durch Delegationen an einen jährlich zu wählenden Ausschuß geübt werden. Der Bundesralh repräsenlirt die Regierungsgewall der Gesammtsouveräuetät von Drulschlaud, dabei etwa dem Staalsrathe unter anderen Verhält- uisse» entsprechend. Bisher muß ich indeffsn annehmen, das Bayern auf diesen für Wiulleniberg, Sachsen und für mich persönlich annehmbaren Ausweg nicht eingehen wird. Auch die Klausel in Nr. 3, Artikel 23. daß nur arbeitslose Individuen ausgewiesen werden dürfen, ist für den Zweck ungenügend. Ferner bedarf daS Gesetz meine? Erachten?«ine? Zusätze? in betreff der B e a in t e n, dahingehend, daß BetheiUgnng an sozialistischer Politik die Entlassung ohne Pension nach sich zieht. Die Mehrzahl der schlecht bezahlten Subaltern- b e a m t e n zu Berlin»nd dann der Bahnwärter, Weichensteller und ähnlicher Kategorien sind Sozialisten, eine Tdalsache, deren Gefährlichkeit bei Ausständen und Truppentransporten einleuchtet. Ich halt« ferner, wenn daS Gesetz wirken soll, für die Dauer nicht möglich, den gesetzlich alSEozialisten erweis' lichen Staatsbürgern das Wahlrecht und die Wähl- barkeit und den Genuß der Privilegien der Reichstagsmitglieder zu lassen. Alle diese Verschärfungen werden, nachdem einmal die mildere Form in allen Zeitungen gleichzeitig bekannt gegeben, denselben also ivohl amtlich initgetheilt ist, im Reichstage sehr viel weniger Ans- ficht haben, als der Fall sein könnte, wen» eine mildere Version nicht amtlich bekannt geworden wäre. Die Vorlage, so wie sie jetzt ist, wird praktisch den, Sozialismus nicht Schaden lhu». zu seiner Un- schädlichkeitmachnug keineswegs ausreiche», namentlich da ganz ziveifellos ist, daß der Reichstag von jeder Borlage etwas abhandelt. Ich bedaure, daß meine Gesundheit mir absolut verbietet, mich jetzt sofort an den Verhandlungen des Bnndesrathes zu detheilige», und muß mir vorbehalten, tiieine weiteren Anträge im Bundesralh im Hinblick ans die Reichstngssession im Winter zu stellen."—- — Schiffsverkehr mit O st a f i e n. Die Hamburg. Amerika- Linie erläßt folgende Bekanntmachung: Angesichts der Entwickelung, welche die Verhältnisse in Ostasien, besonders in lichter Zeit, genommen haben, glaubt die Verwaltung der ,, Hamburg> Amerika- Linie nicht länger auf eine Ausdehnung ihre? Betriebes dorthin verzichten zu können. Sie hat deS- bald beschlossen, einen regeln« äßigeu monatlichen Dampferdienst zivischen Hamburg und Penang, Eingapore, Hong. kong. Schanghai, Jokohama, Hiogo er. zu errichten. Für die Linie werde» neue Schiffe der sog.L.-Klasse Ver>vend»ng finden, dieselben lade» mehr al? SOOOTonS»nd haben ein« Geschivindigkeil von etiva 12 Knoten perStunde. DieEinstellung vonschnellcren und noch größeren Passagier- dampfen« ist i» Aussicht genoininc««, sobald die Gestaltung der Verhältnisse in Ostasien ein Bedürfniß dafür erkenne«, läßt. Die Abfahrten von Hamburg sollen ain 2S. eines jeden Monats stattfinden. Die neue Verbindung«vird bereits am 2S. Januar mit der Expedition des Dainpfers„Audalnsia", Kapitän Schröder, eröffnet. Diese Ankündigung zeigt, daß auch ohne staatliche Snb- ventiouen der deutsche Schiffsverkehr nach Ostasien sich«veiter günstig «utivickeln wird.— — Chronik der Eisenbahn-Unfälle. Ans dem Borortbahnhose im Dresdener Hanpibahnhof fuhr gester»«ine Rangirmaschine gegen den»»n Uhr abends nach Pirna abgehenden ug. Ein Borarbeiter ivurde gelödtet. Drei Personenivagen des iigeS wurden beschädigt.— — Uefttr«ine Grenzverletzung durch einen russische« Grenzsoldaten«vird aus Memel folgendes berichtet: Ein russischer Grenzsoldat versuchte in einer der letzten Rächt« ia voller Bewaffnung bei den« Besitzer BonsdeylinS in in Truschen bei Plicken«in« Kuh aus dem Stalle z» stehlen. B., der durch daS hierbei verursachte Geräusch aus dem Schlafe er- wacht«, begab sich sofort mit einem Nachbarn ans die Suche,«vobei st« die Kuh au freiem Felde vorfanden. Als die beiden Besitzer von ihrer Stre fe nach dem GeHöst» zilrückkehrten, trafen sie dort den Dieb, der sein Bajonnet verloren hatte und zurnckgekonime» «var, dasselbe zu suchen. Der Russe wurde, nachdem er mit einer Brechstange gegen seine beiden Gegner losgegangen«var, überivältigt und gefesselt»ach Memel gebracht, wo der selisame Transport großes«nfsehen erregte. Der Grenzsoldat wurde in das dortige GenchtSgefangniß eingeliefert.— — Sin nettes Pröbehen bureankratischer Lang- s a m k« i t theilt die„Mitleid. Morgenztg." mit. Am Himmelfahrts- tag« war«ine politische Versammlung deS Pastors Kötzschke i» Helvrnngen aufgelöst worden, weil er von den Anarchisten gesagt hatte,„sie feien zwar Schwärmer, aber im übrigen harmlose Leute". In der Woche vor Weihnachten ist endlich ans Kötzschke's Beschiverde dt« Antwort eingegangen, daß die Versammlung zu Unrecht auf- gelöst«nd der überwachende Beamte ermahnt worden sei, künftig vorsichtiger zu verfahren.— — In Breslau soll ähnlich, wie in Karlsruhe i. B. und in Berlin, ein Mädchengyinnastum errichtet werden und zivar aus städtische» Mitteln.— — Der neue«merikanisch, Konsul vrodowSki hat. wie man dem„Berl. Tagebl." auS Breslau meldet, daS Exequatur nicht erdalten, weil er polnischer Abstammung ist. DaS Bre«lauer Konsulat ist dem seitherigen UniouSvertreter Erdmann in Fürth übertragen ivorden. an dessen Stelle BrodowSkt tritt.— — Dr. Ratzinger hat in der bayerischen Abgeordnetenkammer folgenden Antrag«ingebracht: Es sei an die kgl. Staats- regier«, ng daS Ersuchen zu richten, dem nächsten Landlage einen Gesetzentwurf, beireffend die Errichtung einer all« Landwirthe«im» fassenden berussgenossenschastliche» Organisation, in Vorlage zn bringen.— — Am schwäbischen Beamtenhimmel ist wieder«in weithin stcablender Stern erlösche». Er war«ine Säule für Thron und Altar zugleich, der EphoruS deS evangelisch» theologischen EemiuarS Maulbronn August Palm, der in diesem welt- abgeschiedenen früheren Eisterzienkloster die schwäbischen Pfarrer- und Schulmeisterlöhne für das Tübinger Slist vorbereitete und alS der dazu bestqualifizirte sie erzog für den Kampf für gute Sitte und Moral. Und er«var der Bestqualifizirte. Selbst der Sohn eines schiväbischen Theologe» heirathele er wieder dieTochter eines solchen und «var aainit verivandt»nd verschivägert mit b«r einflußreichen Sippe des schwäbischen MuckerihumS, und da er mich«in Bundesbruder der „Nw wannen" war, tonnte es ihm nicht fehlen. Als Tdeilnehmer am 70« Kutge repräsenlirt« er ei» Stück nationales Märtyrerthum, daS ihn als waschechten Nationalliberalen zum nationalen Festredner und phrasenreichen Wahlagitator qualifizirte, als welcher er es in ziveiter Linie verstand, sich oben beliebt zu machen. So kan« er nach einer ganz auffallend rasche» Karriere zn der gut dotirten, selbständigen Stell«mg des Ephorus in Maulbronn, die sonst nur alten Theologen zuzufallen pflegt. In dieser Stellung führte er nun ein Leben wie Gott in Frankreich. In wenige» Jahren hatte er das Vermögen seiner Frau in Höhe von ca. 89 000 M. verputzt und eine Schuldeulast von 27000 M. angehäuft, so daß 1894 der Bankrott vor d e r T h ü r e st a>« d. Da traten die„Normannen" für ihn ein und zahlten«hm seine Schulden auf Heller und Pfennig. Aber wenige Jahre später war er wieder verschuldet. Bei den Geschäftsleute«, kleine Bedürfnisse gleich zu bezahlen, fiel ihm nicht ein. Er pumpte all« Welt au, selbst seinen Ober- und Unterfamulus; als auch das nicht mehr half, griff er zur Berivendung ihm amtlich an- vertrauter Gelder. Er erhielt Stipendiengelder für sein« Zög- linge, ließ diese de» Einpfang unterschreiben, zahlte ihnen aber das Geld nicht aus, sondern ver«vendete eS für sich. Auch die Lehrmiltelkafle verivendete er für sich. Die„Schwäbische Tagivacht" brachte das Gebahren dieses nationalen Helden vor die Oeffentlichkeit; die Staatsanwaltschaft mußte nach der Sache sehen und die Folge war, daß der Siaatsamvalt nach einer zweitägigen Gerichtsverhandlung vor der Strafkammer H e i l b r o>« n an« Donnerstag Abend den Antrag stellte,«vegei« amtlicher Unterschlagung in vier Fällen den Herrn Ephoros zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängntß und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre zu ver- u r t h e i l e i«. Das Urtheil»vird am 7. Januar abends 6 Uhr ver- kündigt«verde».— — Chronik der MajestätSbeleidigungS-Prozesse. Am ziveiten Weihnachtsfeiertag« machte i»«inen« Gasthaus« i» G l o g a u ein angeheiterler Kutscher eine Beußerung, die eine Majestätsbeleidigung in sich schließe» soll; ein aus Urlaub befind- licher Soldat,«velchcr»eben dem Kutscher saß, beivirlte sofort die Verhaftung des Knlschers. Gegen den Chefredakteur deS„Kladdera d atfch", Johannes Trojan, ist, wie eine Lokalkorrespondenz«nittheilt, «vegen des Ariikels„Brave Christen, brave Soldaten" und«vege» des Bildes„Aus dem Lager der himmlischen Heerschaare»", das bekannilich zn einer Beschlag«, ahmnng des„Kladderadatsch" ge- fuhrt hat, Anklage«vege» Majestälsbeleidigiing erHobe» worden. Ein Termin zur Hauptverhandlung ist noch nicht angesetzt.— Oesterreich. — Di e Parteiführer der deutschen und czechische» Bourgeoisie Böhmens sind vom Miuisterpräsidente» Kautsch zu einer unverbindliche» Besprechung über die politische Lage„ach Wie» ein- geladen«vorden. Die Regierung soll eiilschlossen sein, selbständig noch vor den« Zusainmcntrilt des böhmischen Landinges eine neue Sprachen- Verordnung zu eilasseii. Ans diesen« Grunde«vlll sie vorher die Meinungsäußerungen der Parteiführer einholen.— Wien, 1. Januar. Die„Wiener Zeitiiiig" veröffentlicht das Uebereinkoniinen vom 31. Dezember 1897 zivischen dem Finanz- »««nister und der Oesterreichisch-Ungarischen Bank betreffend die Ver- längernng des Bankprivileginms bis zum 31. Dezember l893 aus grund der kaiserlicheii Verordnung vom 30. Dezember 1897.— Ungarn. Budapest, 2. Januar.(„Frankfurter Zeitung.') Die Obstrnktio» der Unabhüngigkeilspartei wird unbedingt fortgesetzt. Für morgen sind fünf Redner vorgemerkt. Die Extremen der Parle« kündigen Skandale a». Man glaubt, die Publikation der ferliggestellten Ver- Ordnungen«verde in den nächste» Tagen unvermeidlich. Der Aulrag der Einführung der Clolure(de« Schlusses der Debatte)«verde schon demnächst erwartet. Die Nnadbängtgkeilsparlei«vird ei» Manifest an die Nation piiblizirei». 60(soll«vohl 6 heißen) Abgeordnet« habe» «vege«, Magyaristrniig von Ortsnamen ihr Mandat niedergetegt Weitere vier Mandaiverzichte st»d bevorstehend.— Budapest, 2. Januar. Die Regierung hat keine Verordninige» wegen Einführung des Provisoriums erlassen, sondern die öfter- reichische sttegierung durch eine Note verständigt, daß, sofer» von Oesterreich die Reziprozität provisorisch aufrecht erhalten«verde, Ungarn gleichfalls zur Aenderung des bestehenden Zustandes nichts thun«verde. Somit bleibt der status quo von selbst bestehe». Das Ansehe» des Parlainentarismus freilich leidet durch solche horrende Willkürakte aufs schwerste.— Budapest, 3. Januar. Die heutige Sitzung deS Abgeordnetenhauses nahm einen ziemlich beivegte» Verlaus. Zivischen mehreren Abgeordnete» der Unabhängigkeitspartei und de«» Ministerpräsidenten Bauffy kam es wegen der Entscheidung in der Ouotentrage. sowie«vege» der NenjahrZrede Banffy's, in«velcher er das Vorgeben der Un- abhängigkeitspartei scharf getadelt,«viederholt zu stürmischen A»s- einandersetzltngei«. Schließlich erklärte Banffy, daß die Regierung für alle Maßregeln in der Angelegenheit der Anfrechlerhalinng des Status quo volle Berontivortung trage und sich durch das unrichtige Vorgehen der Unabhängigkeilspartei nicht irrttireu lasse»«verde.— Frankreich. PariS, 2. Januar. Wie„Echo de NArmäe' berichtet, sind mehrere Dragoner- Reginienter probeweise mit neuen Geivehr- patrone» ausgerüstet worden. Man soll mit diese» Patrone» bei der Infanterie bereits gute Erfolg« erzielt haben.— Paris, 3. Janliar I» der A»gelege»h«it Ester hazy gab General Saussi er seine» Spruch in folgender Form ab: Major Estcrhazy«vird a» daS erste Kriegogerichl zu Paris veriviesen. Die Berhandlimgen werden unter Aueschluß der Oeffentlichkeit am Mo»- lag, den 10. d. M.. in der Kaserne Cherche-Mid« stattfinden. England. London, 31. Dezember. Gegen die Russen Wlabimtr Burtzess und Ctemenl Wirzbecki,«velche eines Anschlages gegen das Leben des Zaren beschuldigt sind, ist die gerichtliche Untersuchung verfügt 'vorden.— Italien. Rom, 3. Januar. Nach einer Depesche der„Trlbnna" auS Girgenl« kam es beute in Eikuliana(Provinz Girgeiiti) zu einer Kundgebung ländlicher Arbeiter,«velche die Rufe:„Wir wollen Brot,«vir wolle» Arbeit!" ausstieße««. Die Kundgebung ging in Nnhestörungen über,«vobei das Rathhaus in Brand gesteckt und geplündert ivurde. Truppen wurde» herangezogen.— Bei de» gestrige» Unruhen«n Sicnliana«vnrden ein Beamter, ein Polizei-Unleroffizier und zwei Polizisten leicht verletzt. Ein Bauer wurde gelödtet. Es gelang den Ortsbedörden, die Ruhe «vieder herzustellen. Der Präfekt hat sich nach Siculiana begeben, um eine Untersiichmig einzuleiten.— Venedig, 2. Januar. Das Kriegsschiff„Bausan", welches Befehl erhalte» hat, nach China z» gehe»,«vird jetzt sür diese» Zweck ans- gorüstet.— Spanie««. — DieLage in den Kolonien legt nach wie vor dem Mutterlande die schwerste» Opfer auf. Wie die„Correspondencia de Espanna" meldet, verlangt General Blanco 60 Millionen Pesetas»louallich für Kuba. Der Finanz- minister, der»ur 40 Millionen monatlich für erforderlich hält,«vürde eine neue Emission von 200 Millionen Schatzobligattone», ivofür die Zolleinnahnie» als Sirberheit dienen solle», vorschlagen. Ebenso würde» >00 Miuioueii kubanische Obligationen, die sich gegenwärtig in derBank von Spanien befinden, auf den Markt gebracht werden. Der „Franks. Ztg." wird aus New-Dork gemeldet:„Sun" erklärt, daß das Verlange» des Generals Blanco aus Kuba um VOOOO«vettere Soldaten abgeschlagen worden sei. Das kilbanische Ministerium hat heute i» Gegenwart deS Generals Blanco und der Konsul» den Eid geleistet. Ein Bruder des ehemalige» Ministers EanalejaS, welcher mit diese», Kuba bereist hat, um die Lage auf der Insel zu studiren, spricht sich in einem Telegranm, sehr pessimistisch über den Zustand des östliche» Thciles der Insel in militärischer Hinsicht aus. Dieser Zustand sei der Ungeschicklichkeit Weyler's zuzuschreiben, der es geschehe» ließ, daß die Aufständischen Herren des Landes«vurdei, mit Ausnahme der Häfen und festen Plätze. Das Telegramm unter- stützt die Vorwürfe,«velche Wet)ler gemacht werden. Ueber die Situation auf den Philippine» wird telegraphirt: Der Führer der Aufständische«« auf den Philippinen Aguinaldo ist in Hongkong eingetroffen. Derselbe«veigerle sich einem Bericht- erstatter gegenüber, sich über seine Pläne sür die Zukunft aus- zulassen. BorfichtShalber wird eine auS 22 000 europäische» Soldaten bestehend« Arme« auf den Philippinen bleiben. Nach einer amtlichen Depesche auS Manila von vorgestern ist an mehreren Orten die spanische Flagge gehißt und von den Ausständischen unter dem Rufe „Es lebe Spanien" salulirt worden.— Ruklanb. Petersburg, 1. Januar. Der„RegiermigSbote" veröffenMcht eine» kaiserlichen Ukas an den Senat über die Gewährung von Rechten eines Miiiistergehilfen an den Gehilsen des Chefs der Gendarmen, dem eS zusteht, an stelle des Ministers des Innern an Reichsraths-, Ministerkomitee- und Eenats-Sitzungen bei Angelegenheiten des Gendarinerie-KorpS theilzunehmen.— Warschau, 2. Januar. Hier ist eine Geheimdruckerei entdeckt worden, in«velcher auch die»n der letzte» Zeit vertriebenen revolutionäre» Flugschriften hergestellt wurden. Es wurden in dieser Woche viele Verhaftungen vorgenomme».— — Ueber den großen russischen Kanal, welcher zivischen der Ostsee und d«»n Schwarze» Meer« projektirt ist. bringt„Engineering" genauere Angaben. Die Aufnahmen und Vermessniige» für den Kanalbau sind jetzt soweit vollendet, daß das gewaltige Uniernehinen iin nächste» Frühjahr begonnen werden kan». In« Kanal soll bei norinnlem Wasserstande die Wasserfläche 216,7 Fuß englisch breit sein; die Sohlenbreite soll 116,7 Fuß und die Waffer- tiefe 23,3 Fuß betragen. Der Kanal soll bei Riga begiu«,«» und dem Laus der Düna biS Dünaburg folgen; von dort«vird er durch künst- liche Ausgrabungen bis Lepel an der Bercsina geführt«verde», von >vo ab der Lauf dieses FlufleS benutzt«vird, bis der Dnieper er- reicht«vird. Diesem Flusse wird dann gefolgt, bis der Kanal bei Cherson in das Schwarze Meer mündet. Ans seiner ganzen etiva 1000 Seemeilen betragenden Länge wird der Kanal nur aus t2S Meile» durch künltliche kostspleiigere Ausgrabungen hergestellt «verde«»; der große übrige Thett des Kanals«vird durch Be- »utzung des Bettes eines Stromes und der kaualisirtei« Läufe von zwei Ftnsscn gebildet«verde». Unter Einrechnung der beiden Endhäfen wird der Kanal 17 Häfen erhalten,«velche Riga, Jacobstadt, Dünaburg. Lcpel, Borisoiv, Robruisk, Kiew. Pergeslaw, ttnnow, Cherk»ss>i. Kreineulschug. Weschnedieprowsk, Jekateriuoslaiv, Alexandrowsk, Nikopol, Bercslow«, Aleschk« und Cherso» sei»«verde««. Jede dieser Siädte«vird dadurch Seestadt«verde» und kann die größten Schiffe an ihre» Quais liegen haben. Bei seiner Tiefe «vird der Kanal de» große» Ozeandampfer und den Panzerschiffen die Passage gestatten und soivohl Handels- als auch strategische» Zwecke» dienen. Durch Vertiefung einiger Nebenflüsse wird der Werth des Kanals für den Handel»och gesteigert«Verden. Die Brette und Tiefe des Kanals soll daS Plissiren der größte» Dampfer niit sechs Knoten Fahrt ge- statten, so daß die ganze Steife zwischen der Ostsee und dem Schivarze» Meere dann i» 6 bis 7 Tagen gemacht«verde«, könnte. Die Gesaninukoslen sind nicht so bedeutend, als man zuerst aiinehmei« möchte. Man rechnet bei einer Bauzeit von süus Jahre» aus etwa 403 Millionen Mark Kosten. Tiirkei. — Massenverhaftungen von Bukgaren tn Makedonien. AuS Konstantinopel wird unterm 2. Januar telegraphisch gemeldet: I» den türkischen Regierungs» kreiien versichert man, es sei in Makedonien eine weitverzweigte Verschwörung entdeckt ivorde»,«velche von bulgarische» Sendbote» angczetielt«vurbe. Dieselbe» hätte» sich Hilter der Maske von Prieiteri» bei der Landbevölkerung der Bezirke Seres, Monastir und Koschani Eingang verschafft und eine geivaltsanie Erhebung für Mitte Januar vorbereitet. Der Plan sei durch Serben verrathen ivorden,«voraus die türkischen Behörde» gegen 200 Betheiligle ver- haftet hätte». Mehrere der Hauplaustister seien aber rechizeilig nach Butgariei» entkommen.— Asien. — Vom indischen Kriegsschauplatz. Der Winter hat den Kämpfe» kein Ende gemacht. Aus Kalkutta ivurde am 1. Januar telegraphisch gemeldet: Die Zakkakhels sperrten den Weg Ali Muichid— Lundi-Kotal. Die Feinde feuerlen im Kaibar- passe aus die Mannschaften des Oxfordshire-Siegiments. Die Truppen konnten sich erst ans dem Gefecht zurückziehei«, nachdem sie Verstärkungen erhalte» hatien. Drei englische Ojfiziere und elf Soldaten sind verivuudet, drei Soldaten gefallen.— Afrika. — Befürchtete Arbeiterunruhen in Trans« v a a l. Wie der„Jnlern. Corresp." auS London gemeldet«vird, sind dort Prtvaiinelbungen auS Kapstadt eingetroffen,«vonach in Johannesburg und im ganzen Randgebiete der Ausbruch von Ar- beiterunruheii zu erwarte» sei. Die Arbeitslosigkeit und die Theuerung aller Lebeiisdedürfniffe hätten eine» derartigen Umfang angenominen, daß die Lage der Arbeiler, soivohl der farbigen,«vie auch der«veiße», eine völlig verzweifelte geivorden sei. Infolge dessen hätten sich«vährend der letzte» Woche» mehrere geheime Ge- sellickafien gebildet, deren Zweck der Sturz der gegenwärtigen Re- gierungegeivalt sei. Die Nachrichten von englischer Seite über Verhältnisse in Transvaal sind natürlich nur mit großer Vorsicht altszunehinen.— Aueerika. — Gegen die fremden Arbeiter in Pennsyl» v a>« i e>i. Wie erinnerlich, kam eS kürzlich im Kohlendistrikte von Pennsylvaiiien zn blutigen Zusammenstößen zivischen streikenden ungarischen und polnischen Kohlenarbeitern und sogenannten frei- ivillige» Eheriffs. Diese letzteren scheine» speziell durch die in Penitsylvanicn verbreitele Abneigung gegen die fremden Arbeiter in ihrer Funktion begünstigt zu werden. Neueste»? w«»det sich auch die Gesetzgebung gegen die fremden Arbeiter, ivorüber daS österreichisch-imgarische Konsulat in Philadelphia berichtet: Seitens der Gesetzgebung de? Staates Pen,«- sylvanien ivurde der Versuch«»iternon»»e«>, die fremden Arbeiter oder eigeiitlich die Unternehmer,«velche fremde Arbeiter beschäftigen. per Man» und RrbeilStar mit einer Taxe von drei Cents zu be- steuern. Das«rivädnte Gesetz ist jedoch für unkonstilutionell erklärt ivorden. Es drückt iminerhin in bezug ans die Behandlung der fremden Arbeiter eher de» Wunsch»ach Rück- als»ach Fortschritt aus in der Legislation PeinifylvaiiienS»nd sollte als Warnung vor leichtfertiger Ausivaiiderung hierher beachtet«verde».— New- Port, 2. Januar.(,. Franks. Ztg.") Der Bürgermeister van Wyk hat bei seinen, Amtsantritt alle städtische» Beamten durch Anhänger der Tamanypartei ersetzt.— N-rfass«ng«nd Uermaltnng in China. Die»verthvolle Karte von Ostasien, welche der Verlag vo>» Dietrich R e i in e r herausgegeben hat, ist von einen, gediegenen Text ans der Feder der Herren Dr. Lippert und Bttseniann begleitet. Diesem Text entnehmen«vir die folgende interessante Skizze über die Verfassung und Verivaltung des chinesische» Reiches: Die Verfassung China's, die niedergelegt ist in dem Ta- tsing- hivai-tien,„Sammlung von Verordnungen der Tsing Dynastie". giebt dem Kaiser«ine inibeschränkte Machtfälle, soivohl auf «veltlichem als auf religiösem Gebiete. In Wirklichkeit ist jedoch seine Herrschaft«tngeengt durch strenge zeremoniell« Bestimmungen. die ihm»ainenllich jeglichen Verkehr mtt dem Volke»n«. möglich machen und ein Auftreten in der Oeffentlichkeit fast ganz »«Meten; auSgenonnne» sind mir einzelne Delegn, heiien, insbesondere jährlich zwei Prozessionen nach dein„Allar des Hiinniels in Peking nnd die Zeremonie des Pflügens nnd Säens des Kaisers zn Frühlingsanfang. Außer dieser mehr äußerlichen Einschränkung seiner ZAmM muß der Kaiser eine Art satrapischer Miiregiernng durch die V i z e k ö in g e dulden, die in den ihnen imierstellie» Provinze» meist sehr selbständig regieren. Seit dem Jahre Iö44 ist der Thron erblich in der von den mandschurischen Eroberer» begründete» Tsing(d. i.„Reinen") Dynastie. Der Kaiser bestimmt seinen Nachfolger unter de» Söhnen seiner drei erste» Gemahlinnen. Fehlen solche, erbt ein anderer Prinz. In jedem Falle muß der Nachfolger jünger sein als sei» Vorgänger. Der zur Zeit regierende Kaiser, Kwang-sü, »Fortsetzung des Glanzes", auch Tsai-linh genannt, kam im Jahre 1875 als Nachsolger seines im Aller von 13 Jahren kinderlos gestorbenen Vetters T»ug°tschi als vierjähriger Knabe auf de» Thron. Im Jahre 1889 wurde er selbständig. Während der Minderjährigkeil hat seine thatkräftige Mutter die Regierungsgeschäste geführt. Die Zenlralregiernng hat ihren Sitz in Peking. Die wichtigsten Elaaksangelegenheile» werde» von dem S l a a t s r a l h, Knixki-tschu, angeblich in Gegenwart des Kaisers, meist des Morgens zwischen 5 und 6 Uhr verhandelt. Nächst diesem höchste» Kollegium giebt es eine„Innere R a t h s k a m m e r", Nci-ko, bestehend aus vier Mitgliedern, zwei Chinesen und zwei Mandsch». Daraus folge» die sechs M i n i st e r i e n, deren jedes von je einem Mandsch» und einem Chinese» verwaltet wird. ES sind: das Li-p» für das Personal der Beamten, das Hn-pn für das Finanzwesen, das Li-pn für Kultus und Zeremonien, das Ping-pu für 5?riegswesen, das Hstng-pu für Justiz, das Kung-pu für öffentliche Arbeiten. Ein besonderes Ministerium, das T s u u g- l i- y a- in e», dem nur Mandsch» angehöre», besorgt die auswärtige» Aiigelegeiiheiteii unter Vorsitz eines kaiserl. Prinzen. Eine völlig selbständige, eigenartige Stellung nimmt das Kollegium der Zensoren ein, denen das Recht zusteht, das öffentliche Auf- trete» sowohl wie die Aiutshandlunge» der Beamte» offiziell zu krilisiren und selbst das Verhalten des Kaisers zu tadeln. Es besteht aus 49 bis 59 Mitglieder», nnter der Leitung eines Mandsclm und eines Chinese». Jeder Sitzung der Ministerien muß ein Mitglied dieser Körperschaft beiwohnen. Für die Nebenländer, Tibet, Mand- schüre!, Mongolei, bestehe» besondere Ministerien. Die Provinzen stehen unter Gouverneuren, Fn-tai, die zum theil unmittelbar mit der Zentralverwaltung in Verbindung stehe», zum theil noch erst wieder einem Generalgouverneur unter- geordnet sind, dessen Machtbefugniffe sich über zwei Provinzen er- strecke». Die Generalgouverneure, Tsung- tu, von den Europäern oft auch Vize kön ige genannt, könne» sowohl Maudschu wie Chinesen sein. Unter dem Provinzialgouverneur steht wieder eine Anzahl Tan-tai oder Regierungspräsidenten. Das von dem Tau-tai verwaltete Gebiet zerfällt wieder i» mehrere Departements, Fu, Tschou und Ti»g, und diese theilen sich wieder in eine Anzahl Kreise, Hiö». Die Kreisvorsteher habe» eine sehr wichtige Stellung, indem sie die gesaniinte Verwaltung, eiuschlteßlich der Besteuerung, und auch die Rechtsprechung zu besorge» haben. Die gesammle» Staatsbeamten, außerhalb China's M a n d a« r i II e genannt, zerfalle» iu 9 Klasse». Sie bilde» geu'issermaßen eine Aristokratie und besitze» de», Volke gegenüber große Macht. Der Zutritt zu de» Bcamleustelle» steht gesetzlich jedem frei, der vie zum theil sehr schweren Examina bestanden hat. Doch komme» bei letztere» große Ungerechtigkeiten vor. Auch werde» viele Aemler und Würden mit Geld er- kaust, und es bildet sogar der Verkauf von Stellen eine offizielle Einiiahuieguelle des kaiserliche» Hofes. Die Gehälter sind sehr gering, und da überdies die Beamten in der Regel nach einige» Jahre» ihr Amt abzutreten habe», sucht jeder, die Zeil »ach Kräfte» anszunutze», um sich zu bereichern; infolge dessen ist das chinesische Beamteuthum von grund aus korruiupirt. Die Rechtsprechung liegt i» der untersten Instanz i» den Händen des Kreis- Vorstehers, der somit VerwallungSbeamler und Richter zugleich ist. Eine höhere Instanz bildet das ausschließlill, sür Rechtc-pfiege i» jeder Provinz eingerichtete Amt des Provinzialrichters. Der höchste Gerichtshof, dem allein die Entscheidung über Todesurtheile zusieht, ist eine Abtheiluug des Justizministers iu Peking. Eine sehr häufig zuerkannte Strafe ist die Prügelstrafe; die Folter ist allgemein im Gebrauch. Die Mongolei hat ein gemeiusam verehrtes Oberhaupt in dem irdischen Repräsenlanle» Budhha's, der unter Einwirkung der Chinesen von dem Dalai Lama eingesetzt ist und in Urga seinen Sitz hat. Im übrigen wird das Land von Mandsch» verwaltet, denen vereinzelt mongolische Fürsten zur Seite stehen. Tibet ist i» politischer Hinsicht vollständig den Chinesen unter- worfe». Der Dalai Lama sowohl wie der weltliche tibetanische Regent und die tibetanische» Minister werde» nur mit Genehmigung der Chinese» eingesetzt und stehen völlig unter ihrem Einfluß. Die eigentliche» Regente» sind zwei chinesische Residenten, die dcn zu- verlässige» Maudschu i» Peking eutstamnien, und denen hinreichende chinesische Truppenmacht zur Verfügung steht. Ost-Tibct wird zum theil von der benachbarten Provinz Sze-tschhuan mitverwaltet. Die Mandschurei hat als Slammlaud der chinesischen Kaiser siaalsrechtlich die SUNmig eines in Personalunion mit China verbundenen Landes. Der Einfluß des Mändsdm ist jedoch durch die an Zahl weil überlegenen Chinese» stark zurückgedrängt. Das Land wird von Pikmg aus verwaltet mit Hilje starker militärischer Besatzmigeit._ Ueber die vberschlesischc Parteikonferenz, die am Neujahrs- tag i» N e» st a d t abgehalten wurde, wird uns geschrirbi»: Der vornehmste Zweck der Konferenz war die Beseitigung der Differenzen, die zwischen den polnischen und deutschen Parteigenossen des oberschlesischen Jndustricbezirks entstanden wäre» und die ein gedeihliches, die Partei förderndes Zusainmenivirkeii verhinderten. Wir gestehen ein, daß wir mit großen Hoffnungen aus ein günstiges Resultat nicht belastet waren, als wir uns zur Reis« nach Neustadt anschickten. Mit»m so gröberer Freude köiincii wir feststellen, daß die Berathungen und Beschlüsse der Kon- serenz unsere kühnste» Envarlunge» übertroffen habe». Die alte Praxis hat sich wieder einmal bewährt: die beste Art der Be- seitigung von Meinungsverschiedenheiten ist die Aussprache Auge i» Auge. Die Konferenz war von L9 Delegirten besucht, Polen und Deutsche waren fast zu gleichen Theilen vertrete». Außerdem wäre» acht Gaste anwesend, darunter die Genossen M o i a w S k i und M e r k o w s k i als Vertreter der polnischen und Genosse P f a n»- kuch als Vertreter der deutschen Parteileitniig. Es muß festgestellt werden, daß aus beiden Seilen der ehrliche Wille vorhanden war, eine gesunde Grundlage des Zusammfiiwirkens bei der Agitation zu schassen. Und wo der Wllie in, findet sich auch der Weg. Der Weg wurde gefunden. Nach eingehender Debatte beschloß die Konferenz die Bildmig eineS besonderen oberschlesischen Agitationsbezirks. Derselbe untersteht der Leitung zweier Vertrauensleute, je der polnischen»nd deutschen Zunge zugehörig. Eitz der beide» Vertrauensleute ist ein Ort des I»- dustriebezirkS. Gewählt als Vertrauenslente wurden die Genossen D y l o n g und Dr. Winter ans Königshütte. Damit war die Hanplansgabe der Konserenz gelöst Der Ncst der noch ziemlich iimfangrciche» Tagesordnung bereitete keine Schwierigkeiten ernstlicher Natur. In Ausführung eines gefaßten Beschlusses setzte die Konferenz, auf Vorschlag der Delegirten der beireffenden Kreise, sofort Kreis- v e r t r a u e Ii s in ä n n e r ein. Damit ist das Gerippe der Orga- »isatio» des oberschlesischen Agilalionsbezirls geschaffen. Den leitenden Personen wurde gleich eine Anzahl zu erledigender Aufgaben übertragen. So sollen die Wahler durch ein besonderes Flugblatt über das Wahlgesetz und Wahlreglement unterrichtet werden. Weiter solle» zur Wahlagilalion zwei in polnischer und deutscher Sprache herauszugebende Flugblätter verbreitet werden; das eine ist für die Landbevölkerung nnd das ländliche Proletarial. das andere für die Jndustriebevölkerung bestimmt.____ ' Veiantlvvrllicher Nedakleur: August Jacoben»i Berlin, ftiit den Jnsei Zur cnergischeu Betreibung der Wahlagitation wurde noch ein besonderes Wahlkomilee eingesetzt, bestehend aus den Genosse» T n s k e r, K o n i tz k i, und Z i e g l e r. Dasselbe wird in Ber- bindnng mit dcn beiden gewählten Bezirks-Berlrauensleiilen das Zentral-Wahlkomitee des oberschlesischen Agilalionsbezirks bilden. Die Regelung der K a n d i d a l e n f r a g e ging glatt von statten. Die Konferenz schloß sich den von den Delegirten der betreffenden Kreise gemachten Vorschlägen durchweg an. Dieselben lauteten betreffs der beiden bisher den Zankapfel bildenden Kreise Kattowitz-Zabrze »nd Tarnowitz-Benthen dahin, daß für ersteren Kreis Genosse M o r a w s k i ans Berlin und für den letzteren Kreis Genosse S a ch ß e aus Zwickau ausgestellt werde. Hervorgehoben zu werden verdient, daß fast alle Beschlüsse mit Eininnlhigkeil gesaßt wurden, was Gewähr dafür bietet, daß die Arbeit der Konferenz von segensreicher Wirkung sein wird. Der Eindruck, de» wir von dc» Aerhaudlungen»nd Beschlußsassungeii gewonnen habe», läßt sich dahin zusammenfasse»: von nun an wird die sozialdemolralischeAgitationplaiiinäßig, und damit auch erfolgreich, in einem der dunkelsten Distrikte Deutschlands betricben werden. Die Verhandlungen der Konferenz, die morgens 11 Uhr begannen, wurden nnr von einer einstündigen Mittagspause unterbrochen und abends nach 8 Uhr zu Ende geführt. Sie fanden in dem Lokal des Arbeiterkasinos statt, das von den Nenstädter Genossen in sinniger Weise geschmückt war. Zur Unterstützung der Ortspolizeibehörde war für die Ueberwachnng der Verhandlungen der Grenzkommissar M ä d I e r ans B e u t h e n herangezogen. Am 2. Januar wurde in N e u st a d t eine Volksversammlung abgehalten, die sehr gut besucht war. Pfannknch sprach unter großem Beifall der Hörer über die nächsten Neichstagsivahlen. Auch in Solingen scheint der Zwist nnter den Parteigenossen endlich beigelegt zu sein. Auf den 2. Janiiar hatte die zur Regelung der Solinger Verhältnisse eingesetzte Kominisston eine öffentliche Parteiversaininlung einberufen, um über ihre Thcitigkeit zn berichten und um die Frage der Neichstags-Kandidatur zu erledigen, lieber das Ergebuiß wird uns telegraphirt: Die Parteiversammluiig iiahin einen glaiizendeii Verlauf. Gerisch's Resolution über die Presse wurde angenommen und hierauf S ch e i d e m a n n ans Gießen als Neichstags-Kandidal proklamirt. Die Abstiiiiinunge» erfolgten mit großer Majorität. Todtenliste der Partei. In Magdeburg ist am Donners- tag Vormittag der im 56. Lebensjahre stehende Parteigenosse Adolf Bertram, Mitglied deS Gewerbegerichls, auf seiner Arbeitsstätte infolge eines Schlaganfalls verstorben. Ehre seinem Andenken! In Griesheim bei Darinstadt wurde am 28. D'znnber der wohlbewährte Jakob Stelz unter zahlreicher Belheiligmig der Bevölkerung zur letzten Ruhe gebracht. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Die Kreishaiiptniaiinfchast in Zwickau hat jetzt, wie ge- meldet wird, die Ministerial-Entscheidnng bekannt gewacht, wonach die Polizeibehörde» nicht befugt sind, bei der Anmeldung von Ver- saminlniige» die N a>» h a s r m a ch n n g der Referenten zu fordern. Gr im rrkMafkl ich es. Deutsches Reich. Regelt die Liquidatoren des vom Zwickaner Amtsgericht aufgelösten sächsischen Berg- und Hiiüenarbeiter-Verbandes schwebte seit 8 Monaten vor dem Zwickaner Landgericht ein Privalprozeß, der am 99. Dezember v. I. zum Ausliag kam. Die Beklagten sind ver- urtheilt, den Klägern über das Verbands- und Beerdignngskassen- Vermöge» Rechiinng abzulegen und �.5 der Kosten zu zahlen; die Kläger sind in de» übrige» Klagepnnkle» abgewiesen und z» 2/5 der Kosten verurlheilt Ter Beschluß der General-Versaminlung deS aufgelösten Verbandes vom 21. September l8S5, ivonach die ca. 99 999 Mark Kapital der mitansgelösteu Bcgräbnistkasse der neubegründelen Bcgräbnißkaffe„Glückauf", Sitz Zwickau, überwiesen wurden, ist ohne Erfolg in obigem Prozeß angesochte» worden. lieber dieses Vcrwögcn ist auch schon zweimal seit dieser Zeit Rechiinng gelegt, mir über das Verbandsvermögen noch nicht, weil es hypothekarisch, gegen mündelmäßige Sicherheit angelegt war und schwer einzutreiben gewesen ist. Einen nennenswert Ken Erfolg haben also die 36 Klüger nicht erreicht; die Begrübnißkaffe, die vergeblich ihre Eintragung in das Genosseiischaftsregister nachsuchte und unter dem Aereinsgesetz steht, hat gegen 14 999 Mitglieder und dem deutschen Berg- und Hüllenarbciter-Verband schließen sich immer mehr sächsische Bergleute a». hier Ersatz suchend und stndend sür ihre» ausgelösten Verband. Mit dem Leipziger M-iurerstreik halle sich abermals das Ober-LandeSgericht als Rcvisiousii stanz zu beschüsligeii. Gerade dieser Streik hat bekanntlich eine Reihe früher selbst in Sachse» nicht gekannte behördliche Maßnahme» gezeitigt. So erließ miter anderem die Polizeibehörde zu Leipzig eine Verordnung, n ach welcher das Siehenbleiben und„belästigende" Verweilen iu den Promenaden in der Nahe der Bahnhöfe verböte» wurde. Gegen die Ueberiretimg dieses Verbotes wurde eine Geldstrafe bis zu sechzig Mail oder Haft bis zu vierzehn Tagen angedroht. Begründet war die famose Verordnung aus- dnicklich damit, daß hauptsächlich das 3lnsstelleii vo» Posten seitens der streikende» Maurer verböten sei, bezw. zu dem Verbot im allgemeflinl die Veranlassung gegeben habe. Der Maurer Brendel sollte nun gegen die fragliche Verordnung gefehlt chaben. Es wurde» ihm deshalb 3 M. Geldstrafe zudiktirt. Das Sehöffen- gericht bestätigte diese Strafe und erkannte die Verordnung als rechts gilt ig an. Dieselbe sei durch tz 366 Älbsatz 19 des R.-Slr.-G.-B. gerechtfertigt. Derselbe lautet: Mit Geldstrafe bis zu 69 M. oder mit Haft bis zu 14 Tage« wird bestrast, wer die zur Erhaltung der Sicherheit, Bequemlichkeit und Ruhe auf den öffent- lichcn Wege», Straße», Plätze» oder Wasserstraßen erlassenen Polizei- Verordnungen übertritt. Zum Erlaß der Veroidiiung sei die Behörde serner auf grund des tz 2 des einschlägigen Gesetzes vom Jahre 1835 berechtigt, nach welchem die Behörde sür alle sicherheits- polizeilieh nolhwendigea Maßnahmen Sorge zu tragen habe. Das Landgericht als BerufungSiustauz entschied genau so. Die eingelegte Revision bestritt dieRechtsgiltigkeit der Berordnuiig. Die Revision wurde verworfen und heißt es i» der Urtheilsbegniudimg: Das Polizeiamt bade vollständig korrekt von einem ihm gesetzlich zusteheude» Rechte Gebrauch gemacht. Die Behauptung einer Verkümmerung des Koalitionsrechles sei eine ganz„unbegründete Unterstellung". Die Erfahrung lehre in der Beziehung, daß Streiks mit allen Mitteln, auch mit strafbaren. durchzuführen gesucht würden. Punktum. Der Geist, welcher durch die Begründnng dieses Urtheils weht, entspricht ja den Aussaffnngen sächsischer Behörden und Gerichte vollständig. Mit straflosen Mitteln werden die Arbeiter in Sachsen allerdings in absehbarer Zeit einen Streik überhaupt nicht mehr führen können, weil eben nach und nach jedes auch das harmloseste Mittel für st r a s b a r erklärt wird. Ncber den Torgelower Metallarbeiter> Streik schreibt der „Stetliner Bolksbole";„Die Hirsch- Duncker'schen Gewerkucreinler spiele» bekanntlich in diesem Ausstand eine schofle Rolle. Es handelt sich dort nicht um Lohnsragen, sondern einzig»in die Au- erkennnng deS Koalilionsrechts. Die Unternehmer wollen niemand beschäftige», der dem Deutschen Metallarbeiter- Verband angehört. Die Gewerkvereinler sind sännnllich, wie man das gewöhnt ist, zu Streikbrechern geworden. Damit sie genau überwacht werden können und etwa leine rollenwidrigen Seitensprünge mache», hat sich ein Fabrikant in den Vorstand wähle» lassen. Nun wäre es eine schöne Sache, iveiin man, da die Arbeiter doch nun einmal Vereine bilden wolle», diese in die von Fabrikanten geleiteten Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereine bringen könnte. Zu diesem Zweck war eines der kleine» Lichter aus Stettin, ein Herr Scherbath, verschrieben worden. Er ist aber nach einem Bericht der„Stell. Abeudztg." damit hinein« gefallen. Ans W»Ih darüber wird nun auf den Führer der dortigen Arbeiter,„der bei dem ganzen Streik am besten weg- ttcncheil verantwortlich: Zh. Glocke in Berlin. Druck»»d Verlag vv» Mi kommt", geschimpft. Dies« so> mit Aufbietung all seiner Rede- gewandlheit die Beendigung des Streiks hintertrieben habe». In dem Bericht wird aber wohlweislich verschwiegen, unter welchen Bedingungen d« Streik beendet werden sollte. Der Streik ist sofort beendet, wenn die Nnternehmer die von den Arbeitern selbst gebildete Organisation anerkennen. Sogar das Gewerbegericht in Ueckermünde hat den Arbeitern Recht gegeben. Ab« die Unter- nehm« scheren sich den Teufel um die Rechte der Arbeiter, si« wollen herrsche», und zwar rückstchlslos. Leider finden sie in diesem Bestreben eine immer dienstbereite Presse und an Kriecherei gewöhnte Arbeiter. Bei der GewerbcgerichtSwahl in E i f e n a ch wurden in der Klaffe der Arbeitnehmer die Kandidaten des Gewerkschafts- kartells gewählt. Auf dem Zementwerk« in Leimen bei Heidelberg stellten sämintlicke Auslarrer, 89 an der Zahl, wegen einer nahezu 25pro- zentigen Lohnreduktion die Slrbeit ein. Zur Beschlagnahme der Geschäftsbücher ans dem Verbands« bnreau der Bergarbeiter, die wir schon kurz meldeten, schreibt die „Berg- und Hültenarbeiter-Zeitung":„Zum Schlüsse des Jahres wollte man uns doch noch eine hübsche Ueberraschnng bereiten; es erfolgte auf Antrag der Staatsanwaltschaft zu Bochum die Beschlag- nähme unserer Geschäftsbücher. Büeherbeschlagnahmen treffen uns nicht zum ersten Mal. Und die am 27. Dezember erfolgte wird auch nicht die letzte fein. Wir sagen, man wollte uns überraschen, aber wir sind nicht zu überraschen, da wir immer auf das Schlimmste gefaßt sind, was eine Arbeiterorganisation treffen kann. U»S ist n»r zu gut bekannt, was man seitens unserer guten Freunde gern möchte. Die jetzige Maßregel, welche zusammenhangt mit der Thiemann'schen Denunziation betreffend de» Meyer'schen Schuld- schein, haben wir sogar gewünscht, da hiermit endlich einmal der Weg beschritten wurde, der unseren Verleumdern de» Mund stopfen wird. Rnölaud. Der BäckeranSstaild in Krakau ist. nachdem die streitenden Parteien vor der Gewerbebehörde nach längeren Unterhandlungen zu einer Einigung gelangte», als beendigt erklärt worden. AuS New-Pork wird gemeldet, daß die Baninwollspinnerei- Besitzer von Ne»-England, welche zusammen 99 999 Mau u beschäslige». eine Herabsetzung der Löhne beschlossen habe». Vevsmitmlimgei*. Die Schuhmacher hielten am Sonntag eine öffentliche Versammlung ab, wo über die von dem Verein der Berliner Schub- fabrikanteu erlassene Fabrikordunug verhandelt wurde. Wie Nowak berichtete, hat, nachdem iu der am dritte» Feiertag abgehallenen Versammlung die wil dem Erlaß der Fabrikordumig in Ver- bindnng gebrachte Entlassung von 239 IHrbeitern bekannt geworden ist, eine Kommisston von Arbeitern mit dem Vorstand« des Fabrikantenvereins unterhandelt. Di« Fabrikanten haben sich bei dieser Gelegenheit bereit erklärt, eine Reihe derjenigen Bestimmungen, die den Arbeitern mißfielen, theils zu streichen, lbeilS zu mildern. Dagegen gelang es den Arbeitern nicht, einige ihnen gleichfalls anstößige Punkte zu eulferue». Es sind das die Bestimmnnge», welche Ersatz für de» von de» Arbeiler» absichilich oder initthwillig verursachte» Schade» fordern, ferner das Verlangen, daß jeder?lrbeiter verpflichtet ist, seine Kollegen wegen bestimmter Verstöße zu demmziren und endlich bai Verbot des EamiiielnS in der Fabrik. Die Fabrikanten haben sich verpflichtet, die so geänderte Fabrikordunug in alle» Verbands-Fabriken gelten zn lassen und die ursprüngliche Fassung derselben, welch« bereits in einigen Fabriken Rechtskraft erlangt bat, zurückzuziebeck. Die Kommission der Arbeiter konnte dagegen keine bindende Er- klärung abgeben, weil sie erst die gegenwärtige Versammlung um ihre Meinung befragen mußte. Es entspann sich nun eine lange Debatte, in der die lueiften Redner sich gegen das Beibehalten der angeführten drei Punkte wandten. Namentlich wurde das Verbot des Sammeln# mit großer Entschiedenheit bekämpft. Die Redner waren der Meinung, daß mit diesem Verbot in«st« Linie die Sammlung der gewerkschaftlichen Beiträge und damit die gewerkschaft- liche Organisation getroffen werden solle. Die Bestimiming betreffs des Schadensersatzes hielt man deshalb fiir bedenklich, weil dieselbe auch angewandt werden könne auf solche Fäll«, wo ohne Schuld des?lrbeil«S unbrauchbare Maare erzeugt werde. Während einige Redner auf unbedingt« Entfermmg der anstößigen Punkte bestanden und es»ölhigenfalls auf einen Kampf wegen derselben ankommen lassen wollten, wurde andererseits zur Annahme der geänderten Fabrikordnung gerathen, da diesetb« doch immerhin«ine Besserung gegen die erste Faffung de- deute und das Sammelivesen wohl von den Kollegen so gehandyabt werden könne, daß ein Verbot desselben— was ja in den Fabriken anderer Berufe auch bestehe— die Ge- werkschaft nicht schädig«. Die Versammlung erklärte sich schließlich durch Annahme einer Resolution mit dem bisherigen Verhalten der Kommisston einverstanden, beauftragte dieselbe jedoch, wegen der strittigen Pmikie nochmals mit den Fabrikanten in Unterhandlung zu treten und das Resultat der nächsten Versammlung vorzulegen. Pnherversammlnng. Berichtigung. In der Nr. 1 de# „Vorwärts" vom I. Januar 1898, Versanniilungsbericht der Putzer. muß«s heißen: Die Versammlung beschloß, de» Jahresbericht drucken zu lassen, um denselben behufs Zlgilation unter faiumtliche» Putzern z» verbreiten. Ferner wurde beschlossen, an sämintliche Putzer, welche an dem Bau R« i m a n n. Hermaiinstraße, Rixdorf, gemeinsam die Arbeit niederlegte», die Übliche Slreikunteisiützung zu zahlen. giere!»»Itmändlger xenfterpicher. Heule SIbend» Ildr bei Mehrroal». Alle Jalodsticche BUle>n»»(\aI>e iiun ersten s»stnng»s«f> Dasselbe stndel am 1°. Januar Im Neue» Ktubhau«,«ommandamenftralie>u, stall. Vcpesicheir unv letzie VArhvirfjken. Berlin, 3 Jaiinnrcs„Dmiirls" Dcrlm WsblÄ.<. J. n F. 1033. 97. .. Beglaubigte Abschrift. In der Strafsache gegen den Redalteur August Jacobcy zu Berlin, gevorm am 21. März 1831 in Frankfurt a. O., Tusndeut, wegen Beleidigung, hat die vierte Strafkammer des lgl. Land- genchtS I Berlin am 4. Dezember 1897 für Recht erkannt: Der Angeklagte ist der offetttlichen Beleidigung durch die Presse schuldig und wird deshalb unter Belastung mit den Kosten des Verfahrens mit 100— einhundert— Marl Geldstrafe bestraft, an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle für je b Mark ein Tag Hast tritt. Ferner erhält der preubische Kricgsministcr die Bemgnist' die Venuthcilnug des Angeklagte» auf dessen Kosten innerhalb 4 Wochen nach Znstcllnng einer Ausfertigung des rcchtslrästigen Urtheils durch einmalige Einnickung in den..Reichs-Anzeiger" nnd den„Bonvärts" vstentllch bekannt z» machen. Endlich sind die Nummern 213 des„Vorwärts" vom 12. Septeinber 1897 nnd die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten uud Formen unbrauchbar zu mache». Sir Chr. Fnrneß hat sich dafür erNärk, die Streitfrage einem »»parteiische» Sachverständigen zu unterbreiten, und inzwischen nach dem Vorschlag Dcrf„Shipping World", einem unparteiisch gehaltenen Gewerbeblalt, die Arbeiter unter Zusicherung gegenseitigen Eni- geaenkomnienS in Stücklohn- und Maschinensrag« wieder aufzn- nehmen. Einen andern Vorschlag macht fheut Sir T. Brassey, der Sohn des bekannte» philanthropischen Unternehmers, in den„Times". Nach ihm ist es unvermeidlich, daß über kurz oder lang die Unter- nehmer in der Maschinensrage Stecht behalten, und er empsiehlt daher, dast hierin die Arbeiter nachgeben, dieUuternehmer aber die 51 Stunden- ivoche bewilligen sollen. Trotz der eben erfolgte» Sldftimmnng sei vorauszusehen, daß die Arbeiter darauf eingehen wurden, denn ohne vorliegendes Angebot sür solche» Kompromist zu slimmen, wäre ihrerseits ein Eingeständniß der Schivächc geivesen. Noch sei erwähnt, dast der Vorstand der Fabicr'fchen Gesellschaft ei» geharnischtes Manifest erlassen hat, das die Gewerkschaslen aufrnft, mit allen Mittel» für ihr volles Recht der kollektiven Arbeitsverträge zu kämpfen, und daß die Erzbischöfe von Canlerbury und Jork an die Priester der Kirche einen Appell haben ergchen lasse», sür einen Friedensschluß im Maschinen bau-Gewerbe zu beten. Colonell D y e r erließ am Freilag in den Tageszeitungen einen von der Unternehnier-Versammlung in Jork gefaßten Aufruf an die Arbeiter, ihre Thätigkeit aus grund der r» der Konferenz am 17. De. zember von den Unternehmern gestellten Vorschläge wieder ans- znuehmen. Es ist kaum anzunetnnen, daß sich Arbeiter finden werden, die diesem Nuse Folge leiste». UtfktKsssu Slchtnng, sechster Wahlkreis! Sonntag de» ll. Januar, abends 6 Uhr, findet eine öffenlliche Versammlung sür Männer und Frauen im ftäöliner Hos, Köslinerstr. ö, statt. Zahlreiche» Besuch erwartet Der Vertranensmann. Die Blumeuhändlerl«. In der jetzigen öde» JahreSzeit ist sie in uulcre» sleingraueu Straßen das Einzige, was uns daran er- innert, daß es außerhalb der kalten, tobten Häuser»och etwas giebt, ivas man Natur nennt. Sie ist mit ihrem bunte» Tragkorb eine klein« Oase in der riesigen Slemwüsle Berlin. Wenn sie, die de» Vorübergehenden die lieblichen Kinder Florn's entgegenhält, auch gerade kein Sphäreniveseu nach idealistischem Musler ist, so bleibt sie doch eine freundliche Erscheinung in unserem hasten- den Straßenlebe». Ihre Kleidung koutrastirt zwar stark mit ihrem Handelearlikel, wer aber von früh bis spät in Sommer- Hitze uud Wintcrstimne» auf der Straße stehe» muß, kann sich nicht modisch herausputzen. So iverden wir ivohl die Blnmensrauen noch lange in jenein praktische» Kleidungsstücke sehen, das ein Mittelding zwischen Jaquel nnd Mantel ist und vor so langer Zeit in der Mode war, daß sich selbst die allen Leute nur schwer darauf de- sinnen können. Suid unsere Blninenhändleriune» in ihrer Kleidung incksländig, so haben sie aber in ihrem Handelsartikel die Mode mitgemacht, ja, man kann sagen, dast sie selbst ein wenig Mode gemacht haben. Wenigstens gilt dies von jenen Hnndlerinue», die am Potsdamer Platz, in der Leipzigerslraße und auf dem Spittelmarkt ihrem Geschäfte „vorstehen". Nebe» fertigen Sträuße» müssen sie auch lose Blumen seilhalle», aus denen sich der Käufer selbst nach Gefallen einen Strauß aussucht. Und ivährend die Blumenverkäuserinnen der anderen Stadtgegende» nur ihre Saisonblumen: Siose», Veilchen, Maiglöckchen u. s.>v. anbieten, findet man in den Tragkörben der Händlerinnen am Potsdamer Platz und dem von dort auslausenden Straßenznge auch Chrysanthe»»»!, vielerlei Lilien und noch eine ganze Menge modischer Zterblumen. Wenn mau die Händlerinneu mit ihrem Kram stehen sieht, möchte man glaube», sie habeu's nicht zu schwer, sie brauchen nur auf ihre Abnehmer warlen. Aber man muß nur einmal ihren Geschäsls- Gewohnheilen ein wenig nachspüren, um zu erfahren, daß die Blumensrane» wirklich nicht auf Rosen gebettet sind. Zu frühe» Stunde schon müssen sie stcit in der Blumenballe in der Linde> straße einfinden, um ihre» Tagesbedarf eiiiznkaufc». Die Händleriunen vom Potsdamer Platz müssen noch einen ziveilen Markt besuche». In den ersten Tagesstmide» kommen nämlich Slcglitze» Gärtner mit hoch- bepackleu Körbe»»ach Berlin. Dutzeudweise verkauseu sie die Neu- heilen der Bliimenzüchtereie» am Polsdamer Bahnhof. Dieser witde Markt muß von den Händlerin»?» stets beachtet werden, wollen sie nicht unbeachtet abseits stehe» und abends mit leeren Taschen und vollen Körben heimziehe». Für sie giebt es leinen Ausiveg, wie ihn die andere» Händlerinnen haben, die mit ihren unverkaufte» Rosen und Veilchen die Lokale durchziehen, in denen sie sich besonders au junge Paare wende». Der Herr fühlt sich meist moralisch gezwungen, seine Dame nicht straußlos sitzen zu lassen, und so werde» sie immer noch ihre Slränßche» los. Ist also das Risiko der NeiiheUen-Häudlerumen viel größer, da ihre nnverkanste» losen Blumen und Büsche keine Abnehmer in den Lokalen finde», so haben sie doch nndererseiis kaum einen höhere» Verdienst. Zwar kaufe» die Dame» des Westens, wenn sie von ihrem Koketlier- bummel durch die Leipziyerstraße zurückkehre», ganz gern einige Blume», die sie ihren Männern auf den Tcsch stellen, damit sie sehen, daß sie unlerwegs auch an sie gedacht haben, doch müssen die Händlerinnen auch bedeutend billiger sein als die eleganten Blinnenhandlungen der Potsdamerstraße. Und sind sie wirklich schon bedeutend billiger, so enlblöden sich die Damen doch noch nicht, mil ihnen zu handeln. Man»inß einmal beobachten, wie Damen mil Brillanlringen und anderem Schmuck, in pelzverbrämten Kleidern, Damen, l ie ein kleines Vermögen auf ihrem Körper herum- tragen, wegen weniger Pfennige feilschen, und man wird verstehen, warum die Blumeuhändlerinneu ans keinen grünen Zweig kommen. Tic vier städtischen Hcinistättc» für Genesende haben im Jahre 189ö/v7(beziv. 1896/06) zusammen 1957(2155) Personen aus« gen omm e«, nnd zwar die Heimstätte für genesende Frauen in Blankenburg 503(605), die für genesende Männer in Heinersdorf 459(599), die sür drustkrankc Frauen in Blankenfelde 320(268), die sür brustkraule Männer in Malchow 675(633). Der Rück- gang der Gesammtzahl der Anfnahmen(um 193) ist eine Wirkung des bedeutenden Rückganges der Ausnahme» in Blankenburg und HeinerSdorf(um 102 und 140), der nach dem Bericht pro 1896/97 hauptsächlich daraus zu erklären ist, daß im Berichtsjahre nicht blos die Influenza saiinnt den anderen sogenannten Erkältungskrank- heilen, sondern auch der Typhus in Berlin weniger häusig und in milderer Form ausgetreten ist«IS im Vorjahre. In Malchoiv da- gegen hat der Andrang von Genesnngsuchenden fast nnvermiydert fortgedauert(nur ö weniger anfgenominen),»nd in Blankenfelde hat er sogar noch bedeutend z n g e n o in m e n(52 mehr anfgeuommen). Die wenigsten wurden, wie immer, in de» Winter- monate» aufgenommen, z. B. im Dezember in alle» vier Anstalten zusammen nur 51(62), die meisten in de» Sommermonaten, z. B. im Juli zusammen 251(287). Im Durchschnitt waren pro Tag z n verpflegen: in Blankenburg 40(41), Heinersdorf 30(37), Blankenfelde 44(36). Malchow 79(73), zusammen 193(187). Natürlich war auch dieser Durchschnitt am niedrigsten im Winter, z. B. im Dezember 112(87), am höchsten im Sommer, z. B. im Juli 275(276). Da im ganzen nur 281 Betten(ein- schließlich Reservebetten) vorhanden sind, so begreift man, warm» die Sl u f n a h m e s u ch e n d e n im E o in m e r manchmal bis zu einem vollen Vierteljahr auf die Aufnahme warten müssen. 1896/97 blieb die durchschnittliche Belegungs- ziffer besonders in Blankenfelde im Juli um 0, im Juni und August um I. in Malchow im Juni, Juli, August um 1. im Mai»nd September um 2 hinter der Hochslzaht der Betten zurück; und im Vorjahre lagen die Verhällniffe ganz ähnlich. Demgegenüber erscheint es völlig unverständlich, wie der Magistrat kürzlich dazu gelangen konnle, die von der Stadt- verordiieteii-Versauiinlung auf Antrag Borgma»» it. Gen. im November geforderte Einrichtung noch zweier städtischer Riesel guter zur Ausnahme von Lungen kranken abzulehnen,— und zwar mit der Begründung, daß zur Zei� kein B e d ü r s n i ß vorliege. Das ist in» so bedauerlicher, da die Berichte der Aerzte auch für 1396/97 wieder koiistatiren können, daß bei de» Aufgenoinmenen, wenn sie längere Zeit i» den Hcimstätlc» bleibe» konnte», meist eine nierkliche Besse- r u n g eintrat. Freilich schiede» viele schon bald»ach ihrer A» f» a h»i e iv i e d e r aus. Sie mußte» entlasse» werden, iveil sie zu krank, also für die Geuesungsheime ungeeignet waren, weil die Kasse» nicht länger zahlen konnten, wegen Uebertretung der Hausordiiiiiig u. f. w.; oder sie gingen selber aus verschiedenen Gründen, oft gezwunge» durch traurige Familie»verhält- » i s s e, durch Krankheit nnd vioth der Angehörigen, denen die sorgende Muller oder der ernährende Vater entzogen war. Am aus- führlichsleii äußert sich der ärztliche Bericht der Mnlchower Anstalt über diese» Piinkl. Verschiedene Pfleglinge traten hier vorzeitig aus, weil sie die A r b e i l wieder aufnehmen wollte», theils mit Rücksicht auf die Nolh der Familie, theils aus Furcht vor Verlust ihrer alten festen Arbeitsstelle.„Groß>var die Zahl solcher Pfleglinge," sagt der Bericht,„welche nach verhällniß- mäßig kurzem Aiiseuthalt eine leichte sich bieleude Arbeitsstelle freudig aiuiahmen, für die sie sich bei ihrem derzeitige» Zustand ge- wachsen fühlten, auch wenn sie mit Rücksicht aus die noch wenig vorgeschrillene Genesung gern länger i» der Heimstätte geweilt hätten. Denn sie ivußteu, wie schwer es unter de» heutigen Verhältnisse» bei dein starken Angebot gesiiuder Ncbeilskräsle hält, eine leichte nnd doch leiblich bezahlte Arbeit zu siiide»." Andere mußte» vorzeitig uns« scheiden,>»» zu Hause die Kinder zu beaufsichtige» oder leichte Ar- beit zu thu», damit die Frau ungestört für de» Uulerhall der Familie arbeite» kouute. Diese vielsache» Abkürzungen der Ausenthallsdauer beeinträchtigen natürlich die Heilerfolge der Heiiiistätten. Auch in dem Berichte pro 1896/97 ivagen daher die Aerzte wieder nur von erfreulichen Besserungen und nicht von eigentliche» Heilnnge» zu sprechen. Bei der bevorsteheiidc» Umtvandlnug dcö Pferdebahn- bctriebeö iu elektrischen ist jetzt eine Petition von ganz de- sonderem Julereffe, welche der„Verband deutscher Lohiifuhr-Uiiler- nehmer" wegen Abänderung des§ 316 des Reichs-Slrafgesehbnchs kurz vor Schluß des alten Jahres an den Reichstag gerichtet hat. Es wird in der Petition u. a. folgendes ansgesührt: Das Reichsgericht hat bereits durch Urtheil vom 17. September 1385 die Strasbestimmnngen ivegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Bahn- gesährdiiiig ans elektrische Bahnen sür anwendbar erklärt, nnd seil dieser Zeit sind i» zahlreiche» Fällen theils Führer elektrisch betriebener Straßenbahnen, theils die Kutscher sonstiger Fuhrwerke ivegen vorsätzlictier oder fahrlässiger Bahngesähr- d u n g zu G e f ä n g n i ß st r a f e n verurtheilt worden. In srüherc» Zeilen, als nur einige mit Dainpf oder elektrisch betriebene Straßenbahnen auf ivenig belebten Straße» exislirlen, kam die Be- deutung dieser UnlersleUung der Straßenbahnen unter besagte Ge- setzespnragraphcn nicht znm Bewnßlsei» der zilmeist betheiligte» Kreise der Fuhriveiksbesitzer. Nachdem aber im Zeitraum von laiiiu 2 Jahren in en. 316 Fälle» Wagenführer ivegen Gesährdung von Straßenbahnen allein i» B e r l in mit Gefängniß bestraft, Vörden si»d, eine Zahl, ivclche sich ohne Zweifel mit Verinehrung der elektrischen Straßenbahneu und dem stelig sich steigernden Ver- lehr der Großstädte rapid erhöhen wird, hat sich i»it dieser Wahr- nehmnng der Fuhriverksbesitzer geradezu eine Bestürzung bemächtigt, da die sich Hieraiis ergebende» Folge» für das gesainmte Fiihrgewerbe nn absehbar sind. Als eine ganz be- sondere Härte wird aber die Handhabung des Z 316 deS- halb empinnden, iveil derselbe keine Geldstrafe zuläßt, sondern iveil stets auf Gefängniß st rase erkannt wird. Unter diesen ilmstöiide» erscheint daher das allgemeine Verlangen nach Ab- ändl iiug des Z 316 durch Zulassung der Geldürase neben der Ge'.»gnißstrnfe behufs Milderung der hervorgetretenen Härlen als du chauS gerechtfertigt, und deshalb bittet der Verband den Reichstag am Schlüsse der Petition, in diesem Sinne eine Abänderung des Paragraphen herbeiführen zu wollen. Die NcujahrSiiacht ist nicht allzu unruhig verlaufen. Zn ernsten Aiiflrilteii kam es nur in dem oberen Theile der Friedrich- stadt. Wie alljährlich halten sich große Schaar«» von halbwüchsigen Burschen unter den Linden cingefuiide», die, nachdem das neue Jahr angebrochen, die Nebenstraßen dieses Stadltheils durchzogen nnd hier die Passanten i» nnflälhiger Weise belästigten. An der Ecke der Inger« und Friedrichstraße entstand infolge dessen gegen halb 2 Uhr morgens eine Schlägerei zwischen einem Passanten und mehreren Rowdies. die dem erstere» den Hut eingetrieben hallen. Der Exzeß nahm bald so große Dimensionen an, daß die daselbst poslirle» Schutzleute nicht mehr ansreichtem Erst als eine Ab- theilung berittener Schutzleute in die Menge hineinjagte, tonnten die Exzedenten anseinandcrgelrieben und eine Anzahl Radaubrüder verhastet werden. Z w e i h u u d er t f ü n fzi g polizeiliche S i st i r n ii g e n wurden, wie der Polizeibericht meldet, in der Sylvesleruacht vorgen vinmen. Davon enlsieleii 165 ans die inneren Stadtbezirke. 116 Sistiruiigen fanden wegen Berübung groben Un- fugs stall. In der Wilhelinstraße, in der Kraut- und Mnnzstraße kam es zu Schlägereien, bei denen mehrere Personen durch Messer- stich« verletzt wurden. Ein Mann wurde festgenommen, weil er das Papier einer Anschlagsäule in Brand setzte. Mit der Briefbcstcllung haperte es in diesem Jahre theil- weise recht bedenklich. Sehr langsam ging die Post nach den Bor« orten. Briese und Karten, die am Nachmittage des 8l. Dezember in Berlin in den Kasten gesteckt waren, gelaugten z. B. erst am Vormittage des 2. Januar in die Hände der im Postbezirk Gnme« wald wohneiiden Adressaten. Bismarck, die Halbwelt«nd das deutsche Volk. DaS hiesige Kokolteublatt berichtet: Im Wintergarten gab am Neujahrstage das falsche Gerüchl vo» einer schweren Erkrankung des Fürsten Bismarck Anlaß zu einer begeisterten Ovation für den greisen Paladin deS Deutschen Reiches Zum Schlüsse seiner Produltion hatte der Mimiker Aman» die MaSken dreier Reichstags- Abgeordneten vorgeführt, und zwar der Abgeordnete» v. Stumm, v. Vollmar und Engen Richter. Jeder schüchterne Versuch, zn klatschen, wurde von dem gewaltigen Publikum des ansverkailsten Hauses sofort mit Zischen unterdrückt. Darauf trat Ainanii nochmals vor nnd sagte:„Jetzt werde ich eine Maske des berühmtesten lebenden deutsche» Staatsmannes vorführen, dessen Befinden trotz aller gegenlheiligen Nachrichten durchaus ziifriedenstelleiid ist. Fürst Bismarck hat heute an der Familientafel theilgenomnien!* Nnd nun brach ein Jubel aus, der wohl fünf Minuten lang währte. Der Vorhang ninßte sich fünfzehn Mal heben und die begeisterten Zuschauer wurden nicht müde, immer wieder das Konterfei des allverehrten eisernen Kanzlers mit donnciiidem Applaus zu begrüßen. Es war jedenialls im lleincii Rahnieii ein politisches Glaubens» b e k e n u t>i i ß des deutschen Volkes. Der Wintergarten hat bekanntlich eine Art Berübmlhcil dadurch erlangt, daß er zu einem nicht unbeträchtlichen Theil von der höheren Halbwelt gefüllt wird. Daß diese sehr viel mif Patriotismus hält, ist ja bekannt. Das deutsche Volk dürfte jedoch kaiiin damit cinverstandcii sein, daß die genannte Damensorte zu seiner Worlführcrin ernannt worden ist. Ei» Ehrenwort. Eine nette Festbescheernng ist de» Sehern der„Berliner G e r i ch t s- Z e i t u n g" zu theil geworden. In einer uns von autoristrter Seite zugegangenen Mittheilung werden die„Lohn- lind Arbeitsverhältnisse" an diesem Blatte wie folgt dar- gestellt: Am Sonnabend, den 18. Dezember erhielten die Setzer eine Abschlagszahlung von je 15 Mark. Man ivollte initer diesen Um» ständen anfangs nicht mehr das Risiko für Herstellung der Sonntags- numnier Lbernehnien; jedoch ließen die in delracht kominendeii Setzer sich durch die Versprechungen des Bnchdruckereibesitzers Cynamo» Dir Gewerkschnfkskonferenz füv div MtafrigitiVnbttitcv. London, 1. Januar 1898. Die vom Londoner Geirnkschnslsralh einberufene Konserenz zu flnuste» der Maschinenbauer hat heute(1. Januar) siailgefuiideu. 198 Delegirte waren anwesend, und wenn auch bei der Angabe, daß 11/2 Millionen orgauisirter Arbeiter vertreten waren, Doppel- zähliingeu unterlansen sein mögen, so war die Zahl der Aerlrcteuen doch nicht viel biuter einer Million zurück, nnd von den fern- gebliebenen Gewerkschaften haben die meisten, wie zum Beispiel die Baumwollarbeiter. ihre Uebereinstimmnng mit dem Zweck der Konserenz— Aufbringung der Miitel, die erforderlich sind, den Maschinenbauern die erfolgreiche Fortsetzung des Kampfes zn sichern— in Wort nnd Thal bewiesen. Außer den regelmäßig jede Woche zu leistenden Zuschiiß zum Streikfonds haben die Bamnwoll- spiuiier ein Darlehn von 10 000 Pfund Sterling angeboten. Die Konferenz wurde mit einer Sitzung eröffnet, von der die Presse ausgeschlossen war. Hier legten Barnes nnd Sellicks den augenblicklichen Stand der Dinge dar nnd führten ans, daß, wenn ihnen die britischen Gewerkschaslen eine regelmüßige wöchentliche Unterstützung von 10000 Pfund lieferten, der Kampf niil Hilfe der v o n auswärts und in Form von Darlehen zugehenden Fonds erfolgreich fortgesetzt werden könne. In öffentlicher Sitzung wurden alsdann folgende Beschlüsse gefaßt. I. Den Maschinenbauern zu ihrem glänzend geführten Kampf und zur nahezu einstimmigen Ablehmiiig der„aus die Zerstörung der wichtigsten Prinzipien des Gewerkschaflswesens abzielenden" Bor- schlage der Unternehmer zu beglückwünschen. Zu dieser einstimmig beschlossenen Resolution ward ein Zusatz, der neben der rein gewerkschaftlichen Aktion Inanspruchnahme der Gesetzgebung und vereinte p o l i t i s ch e A k t i o n empfiehlt, mit 99 gegen 42 Stimmen aiigenoimnen. 2. Alle Gewerkschaften sollen sich verpflichten, eine Extra- st e u e r v o n in i n d e st e n s 3 P e n c e die Woche zu gunsteu der Maschiueubaiier zu erheben.(Der niedrige Satz wurde trotz mehrfacher Oppostliou deshalb belassen, um den ohnehin indirell durch den Kampf in Anspruch genommenen ärmeren Vereinen der Tagelöhner nicht zu schwere Verpflichtungen anfziierlegeii). Bei einer Million Beitragszahler würde dieser Mindestbetrag wöchentlich 12 500 Pfd. Sterling(250 000 M.) ergeben. 3. De» Gewerlschasten wurde weiter an's Herz gelegt, den Maschiiienbaiierii durch größere Darlehen oder Ge- schenke einen Garanliefouds zu sichern. Bei dieser Gelegen- heit machte Sl. R. Taylor, progressistisches Grasschaftsraths- Mitglied in London, die Mitlheiliing, daß der Verein der Maurer, dessen Mitglied er ist, beschlossen habe, den Maschiueiibauerii 10 000 Psund Sterling zinsfrei zu borge». 4. Den Arbeitern auf dem Fe st lande, in Amerika u n d in d e ii K o l o n i en wurde einstimmig der Dank der Konferenz für ihre hochherzige Unterstütziing der Maschinenbauer ausgedrückt nnd die dringende Bitte an sie gerichtet, mit ihren U n t e r st ü tz u n g e n unablässig f o r tz u- sahren. bis der K a m p f z u Ende ist. Andere Anträge, die sich auf die Verwaltung der Gelder be- zogen, find von keinem Belang für weitere Kreise. Versuche, dem Paria- mentarischen GewerkschaslSkomitee direkt oder indirekt ein Mißtrauens- votum erlheilen zu lassen, weil eS seine Pflichten mit bezng auf diesen Kampf vernachlässigt habe, scheiterten an dem Widerstand der große» Mehrheit der Konferenz. Der Gedanke überwog, daü eS verfehlt sein würde, bei diesem wichtigen Anlaß kleinere Differenzen aus- zukämpfen. Ucberhaupt war der Ton der Konferenz ein ausnehmend ruhiger, das deklamatorische Element völlig ausgeschlossen. Man merkte eS, daß die Delegirte» sich des Ernstes der Sachlage bewußt waren, und wiederholt wurde betont, daß man nicht zum Reden- Halten. sondern zur Berathung der gebotene» Maßnahmen znsammei» gekommen sei. In letzterer Hinsicht gab vielleicht der Schriftsetzer Tavies am prägnantesten der Stimmung der Konferenz Ausdruck. als er bei Begründung der Resolution zum dritten Punkt der Tages- ordnung erklärte:„Wir können es nicht darauf an» kommen lassen, daß die Maschinenbauer ver- lierenundderRechte entsagen, die sie in langen Kämpfen errungen haben. Die Folge würde eine Er- m u» t e r u n g z u A n g r i f f e n ans allen Punkten sei n." Das ist jetzt der Kern des Streikes. Es handelt sich nicht mehr in erster Linie um die Arbeitszeitfrage, obgleich diese nicht fallen gelaffen wird, sondern vor allem um die Position der Gewerkschaft. Was die Unternehmer in dieser Hinsicht ziigestanden haben, wird als ungenügend betrachtet, die Gewerkschaften halten eS für»nbedingt geboten, daß Abmachungen über Stückarbeit K. nicht ohne ihre Zu- stimmimg getroffen werden. WaS nun die allgemeine Position anbetrifft, so ist schon bekannt, daß die große Echiffsbaufirnia Fairfield in Glasgow, die sich bisher abseits vom Uiiternehmerbuiid gehalten hatte, sich jetzt dessen Vorgehen angeschlossen und dem vierten Theil der von ihr beschäftigten Mitglieder deS Maschinenbauer- Bundes gekündigt hat. Ebenso eine Reihe von Maschinen- firmen im Distrikt von Bolton. Es ist noch fraglich, ob die Maschinenbauer darauf mit dem freiwilligen Austritt der anderen 75 pCt. antworten werden; sie scheinen den Unlernehinern die Ver- aiitivortlichkeit für die Stockung völlig überlassen zu wollen. Während die Unternehmer und die zn ihnen haltende Presse von einreißender Neigung zur Unterwerfung in den Reihen der Arbeiter erzähle», wurden auf der Arbeiterkonferenz Fälle erzählt. daß Unternehmer ihren Entschluß erklärt hätten, dem„verdanimleii" Uiiternehmerbuiid den Rücken zu kehren. Thatsache ist. daß viele Unternehmer zu weiteren Konzessionen an die Arbeiter bereit waren, aber sich scheuen, ihren Mitunter- nehmern gegenüber die Rolle der Streikbrecher zn spielen. Einer dieser Versöhiiiingslustigeii, Sir Christopher Fnrneß, ein reicher Schiffseigner, kandidirt als liberaler Kandidat bei einer nothwendig gewordenen Nachwahl in Jork gegen den konservativen General Lord Charles Beresford. uud es wird interessant sein, wie sich die Arbeiter in Aork z» dieser Kandidatur eines Mannes stellen werden, der Mitglied deS Unternehmerbiindes ist und als solcher sich an der Sperre betheiligt hat. Von einer Seite wurde behauptet, man werde gewerkschajtlicherseits entschieden gegen ihn eintreten. Da kein Arbeilerkandidat im Felde, würde das Stimmen für Lord Beresford beißen, dessen Partei im Norden die Unternehmer der schärferen «nb des TbeilhaberS Fi-eNiier überreden, am selbigen Tage weiter zu arbeite». Herr Foellner hatte»änilich auf sei» Ehren» wort die Zusage abgegeben, daß m» Montag oder spätestens nui Dienstag Mittag der schuldige Arbeitslohn voll ausbezahlt werden solle. Als jedoch am Dienstag nachmittags 3 Uhr noch kein Geld bereit lag. weigerten die Setzer sich ans daS entschiedenste, die Zeitung weiter fertig zu stellen. Gegen 5 Uhr kamen die Herren Förstner und Foellner im Namen des Buchdruckerei- besitzers und baten das Personal flehend, sie doch nicht unglücklich zu mache»; abermals ließen sich die Setzer bewegen, am Blatte weiter zu arbeiten. Am Mittwoch Mitlag wurden plötzlich die Clichos der Zeitung abgeholt; auch wollte inan die Manuskripte habe». Diese wurden jedoch, da der Metteur noch nicht zur Stelle war, verweigert; die beschäftigungslosen Setzer aber, die von Herrn Cynamo» nicht entlassen waren, wurden mit Ausräume» beschäftigt. Nach Geschästsschluß erfuhr das Personal, daß die Zeitung in einer andere» Druckerei hergestellt n>erde. Am folgende» Morgen begab sich eine Deputation der Setzer zu den Herren Förster und Foellner, um die beiden Geschäftsinhaber an ihr Ehrenwort zu erinnern. Diese jedoch wußten nur ihrer Verwunderung darüber Ausdruck zu gebe», daß die.Berliner GerichtS-Zeitimg" mit einem Male anderswo gedruckt werde; die Bedeutung des Ehrenwortes schrumpfte zu dem Bersprechen zu- sammen, daß sie sich bemühen wollte», bei dem neuen Drucker der Zeitung wenigstens einen Theil der Setzer unterzubringen. Zur Zeit sind 14 verheirathete und 4 unverheiralhete Setzer des Blattes arbeitslos; die Geschädigten haben die in belracht kommenden .Prinzipale" um über 1000 Mark verklagen müssen. An der Spitze der Zeitung, bei deren Herstellung ein Ehrenwort so leicht wiegt. steht folgender Leitspruch:„Das Gesetz unsere Waffe, Gerechtigkeit unser Ziel." Theaterzcnsnr. Die vom Berliner Friedrich-Wilhelmflädtischen Theater vorbereitete Aufführung von Karl Böttcher's Bolksstück „Ausgewiesen!" wurde vom Polizeipräsidium„ans ordnnngs- polizeilichen Gründen" verboten. Dasselbe Stück ist erst kürzlich in der Zentralhalle zu Hamburg aufgeführt worden. Die neueste Begnadigung. Herr Georg Liebling, der Vater der Tappert-Affaire, meldel verschiedenen hiesigen Blättern ans Algier, daß er an stelle der ihm wegen Mißhandlimg d«S Musikkritikers Löwengard zuerkannten Gefängnißstrafc zu övo M. Geld» strafe begnadigt worden sei. Ei» neuer Kursus für Schreibmaschine» wird in der siebente» Städtischen Fortbildungsschule für Jünglinge und Männer. Gräfe- siraße SS— SS, an der Koltbuser Brücke, jetzt eingerichtet. Der Unterricht findet Freitags abends von 7Vg-0V, Uhr statt. Das Unterrichtsgeld beträgt vierteljährlich 1 M. Anmeldungen nimmt Herr Rektor Faltz noch täglich von 12—1 und von 7-ö Uhr abends im Amtszimmer entgegen. Die Große Berliner Pferdebahn- Gesellschaft beabsichtigt. «ach Umwandlung des gegenwärtige» Betriebes in eine» elektrische» dementsprechend ihren Namen zu ändern, und hat als solchen ge» wählt Große Etraßenbahn-Aktiengesellschast. Die gegenwärtig im Bau befindlichen Motorwage» erhalten bereits die neue Bezeichnung. Der Fernsprcch-Verkehr mit Brunsbüttel. Buxtehude, ElmS- Horn, Glückstadt, Itzehoe, Knxhaven, Oldesloe, Pinneberg, Stade, Uetersen und Wilster ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhn- liches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt im Verkehr mit sämmtlichen vorgenannten Orten 1 M. DaS Polizeipräsidium theilt mit: ES wird hiermit bekannt gemacht, daß die Mitglieder der hiesigen dem Verbände deutscher Brieftaube»- Licbhaber-Vereine angehorigen Vereine„Berolina", Verein für Brieftaubenzuchl,„Phönix", Verein für Brieftanbenzucht, „Komet", Verein für Brieftaubenzucht, und„Columbia", Verein für Brieftanbenzucht, ihre Tauben der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt habe». Die diesen Mitglieder» gehörigen Brieftaube» habe» de» Schutz des Gefetzes vom 20. Mai 1894(R. G.-B. 4G3f) betr. de» Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege. Behufs ihrer Erkennung sind diese Tauben mit einem ans die Innen- feite beider Flügel ausgedruckte» Stempel, welcher das kaiserliche Wappen zeigt, bezeichnet. Die Frage, ob es einen Rothstaud in Berlin giebt, findet vielleicht in folgender Mittheilung der.Bossischen Zeitung" ihre Be- antwortung: An der Abgabestellc für durchkochtes Fleisch auf dem städtischen Viehhof ist die Zahl der Käufer in letzter Zeit derart gestiegen, daß bei weitem nicht alle Wünsche berücksichtigt werde» können. Infolge der hohen Fleischpreise kommen innner mehr kleine Leute, Handwerker und Arbeiter dazu, dort ihren Bedarf an Fleisch- waaren zum theil zu decken. Die Verhaftung einer Fürstin, welche auch in Berlin ei» schlechtes'Andenken hinterlassen hat, wird a»S Lüttich gemeldet. Es handelt sich um die russische Prinzessin Evelina Trutzbetzkoi, welche in Berlin. Brüssel, Paris und Gens Betrügereien im Betrage von 800 000 Fr. verübt hat. Ei» Polizciwachtmeister z. D. als SittlichkcitSverbrccher. Das„Berl. Tngebl." schreibt: Der Versuch eines Eittlichkeilsver- brechens gegenüber einem kleine» Mädchen von zehn Jahren erregte gestern Vormittag in der Gegend der Frankfurterstraße begreifliche Aufregung, um so mehr, als wiederum ein Polizeibcamter und zwar ein Wachtmeister als der Thäter bezeichnet wird. Nach einer uns zugehende» Meldung verschleppte der Wüstling das Kind, welches als Waise»och besonderes Mitleid verdient hätte, in das Haus Große Frankfurtersir. 137, und nur dem Hinzukommen von Haus- bewohner» ist es zu danken, daß der Unhold nicht zur Ausführung seiner scheußlichen Absicht kam. Er ivurde sofort kräftig gepackt und nach dem nächste» Polizeirevier gebracht. Wie uns von anderer Seile milgelheilt wird, befindet sich der Attentäter, welcher Zivil- kleidung trug, nicht mehr im aktive» Polizeidienst, sondern steht zur Dispositio». I« der Angelegeuhelt dcS Berliner SchuhmaunS, der einer von ihm sistirteu anständigen Dame unsittliche Anträge stellte, theilt das Polizeipräsidium folgendes mit: Der Schutzmann, der in der Nacht vom 30./S1. Dezember ein Mädchen nach dem Thiergarten verschleppt und ihr unsittliche Zumuthungen gestellt haben soll, ist nach Eingang der Beschwerde vom Amt suspendirt worden und wird, wenn die im Gange befindliche Untersuchung de» Verdacht bestärkt, der Staatsanwaltschaft überwiese» werden. El» aufregender Vorgang trug sich am Nenjahrstag gegen S Uhr abends an der Ecke der Greifswalder- und der Marienbnrger- firaße zu. Ein Mann, deffen Persönlichkeit noch nicht scstgestellt werden konnte, warf sich plötzlich vor den Augen zahlreicher Zu» schauer vor das Hinterrad eines Omnibus, das ihm, bevor eS jemand hindern konnte, de» Kopf zermalmte. Der etwa 40 Jahre alte Selbstmörder scheint ein Arbeiter gewesen zu sein; sein« Wäsche ist A. M. gezeichnet. TaS Befinde» de? HandelSmanneS Zimmeck. der am Mittwoch Abend von einem Schutzmann in der Dreideuerstraße schwer ver- wundet wurde, erscheint immer noch sehr besorgnißerregend. Der linke Arm ist, wie anS dem Krankenhause am Urban berichtet wird, durch Säbelhiebe bedenklich verletzt und ebenso ist der Kopf des Unglückliche» derart bearbeitet worden, daß ihm daS Spreche» außerordentlich schwer fällt. Die Fra» des Handelsmannes, die sich nunmehr allein kümmerlich durch den Straßenhandel ernähren muß, bittet nochmals die Personen, welche der Sädelaffaire beigewohnt haben, um Angabe ihrer Adresse. Vor allem ergeht diese Auf- fordernug an die Personen, die in dem Augenblick, alS der Schutzmann einschritt, de» Wagen umstanden. Frau Zimmeck wohnt Reichenbergerstr. 43. Hof pari. Eine Erklärung deS Polizeipräsidiums darüber, wie es kam. daß der Polizeibericht fälschlicherweis« von einer Entlassung deS Verwundeten redete, ist noch nicht erfolgt. Verdorbene Räncherwaaren. 133 Kisten ans Frankfurt a. M. hierher zum Verkauf gesandter Bücklinge. 6 Doppelzentner 49 Kilogramm schwer, wurden in der Zentralmarkthalle als verdorben polizeilich beschlagnahmt und der Abdeckerei überwiesen. Ncber ein iu der Kirche mit der weggemeißellen Kameels- Inschrift passirles Malheur weiß ein hiesiges Blatt folgendes z» berichten: In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche ist beim Borläuten zum Hanptgottesdienst am Nenjahrstage der Klöppel ans einer der Glocke» des großen Geläutes Heransgefallen. Das Läuten hatte um 9'/, Nhr vormittags begonnen; etwa drei Minuten später schwieg plötzlich die zweitgrößte Glocke, die„Nngnsta"; gleichzeitig Hörle man vom Länteranm her in der Glockenstnbe den Aufprall eines hernieder- stürzenden schweren Gegenstandes. Die Untersuchung ergab, daß der 2,33 Meter hohen Glocke ein fast 2 Meter langes und 6 Zentner schweres Stück des Klöppels abgesprungen und lothrecht ans den Boden der Glockenstnbe aufgeschlagen war. Der Rand der noch schwingenden Glocke hatte das Bruchstück dann umgeworfen. Gebälk und Dielnng des Glockenraumes sind bei dem Unfall nur unerheblich beschädigt worden. Ei» aiidanerndeS Leiden, daS seine ErwerbSfähigkelt sehr beeinträchligle, hat den 33 Jahre alten Tischler Karl Ebenhahn aus der Reichenbergerstraße Nr. 101 in den Tod getrieben. Vor vierzehn Tagen schon versuchte er, sich zu vergiften; aber im letzlen Augen- blick riß seine Tochter ihm das Gift aus der Hand. Am Neujahrs- morgen, um halb S Uhr, fand ihn die Tochter als Leiche an einem Küchenschrank hängend vor. Ter Prinzipal als Verführer. Zu erschießen versuchte sich am Sonntag Abend die 26 Jahre alte Putzmacherin Bertha Jrmgang ans der Kurfürstenstr. 142. Das Mädchen war seit zwei Jahren in dem Pntzgeschäsl der Frau B. in der Kurfürstenstraße beschäftigt. Der Mann der Fran B., ein Franzose, fand Gefallen an dem hübschen Mädchen und Entgegenkommen. Vor einem Jahre schenkte Fräulein Jrmgang in einem Krankenhause einem Kinde das Leben. Nach einem halben Jahre erfuhr die Arbeitgcberi» ans Briefen, daß ihr Mann der Vater dieses Kinde? war, das sich in Nnmmelsbnrg in Pflege befand. Sie entließ nun das Mädchen ans der Arbeil, und verlangte eine gerichfliche Feststellung dessen, was ihr Mann der Mutter seines Kindes an llnlerbaltnngs- und Erziehungs- koste» z» leiste» verpflichtet sei. Fräulein Jrmgang gelang es nicht, dauernd wieder Arbeit zu bekommen und beschloß daher, aus dem Leben zu scheide». Gestern Abend ging sie in das HanS der Frau B., fetzte sich auf den Treppenabsatz und jagte sich ans einem llicvolver großen Kalibers eine Kugel in die rechte Kopfseite. Ein Schutzmann brachte sie in ei» Krankenhaus. Einen Brief, den die Lebensmüde an eine in der Heimath Weimar lebende Schwester geschrieben hatte, nahm die Polizei an sich, um ih» zur Beförderung abzugeben. Unfall beim Schlittschuhlaufen. Auf der Eisbahu in der Schönhauser Allee stürzte vorgestern Nachmittag der 11jährige Sohn des Buchhalter? Fromm beim Schlittschuhlaufen zu Bode» und brach den linken Unterschenkel. Er erhielt ans der Unfallstation V einen Verband. In ciuer Droschke gestorben ist gestern Abend gegen 11 Uhr die 40 Jahre alte Frau des Arbeiters Schnellstein ans der Forster- straße. Die Fran war mit ihrem Manne ausgegangen. Ans dem Heimwege erkrankte sie in der Slallschreiberstraße so schwer, daß der Mann mit ihr in einer Droschke»ach der Sanitätsivache fahren wollte. Als man dort ankam, war die Frau bereits todt. Von einem Eilgiitcrznge hat sich der 23jährige Kaufmann Wilhelm Müller in der Nenjahrsnacht überfahren lassen. Er ist der Sohn eines begüterten Rentiers aus Schönholz und hat den Selbstmordversuch, an dessen Folgen er am Nenjahrstag« starb, in der Wnih darüber begangen, daß der Vater ihm nicht genügend Geld zum Verjubeln gebe» wollte. AnS dem Amtsgerichts> Gefängnisse zn Kiistrin ist am 10. Dezember der Arbeiter Josef K r i u z e l ausgebrochen, der sei» eigenes Kind erwürgt hat und deshalb wegen Körperverletzung mit lödtlichem Erfolge bezw. wegen Todtschlags in Nnlersnchnngshast genommen ivar. Hinter dein Verbrecher war«in Steckbrief erlassen ivorden. Am Sonnlag Normitlag wurde der Verbrecher in Friedrichsfelde vo» einem Gendarm aufgegriffen und wieder nach Küstrin transporlirt. In der Sylvesternacht ertrunken sind in der Havel bei Ketzin zivei Brüder, Kinder des Dachdeckers Richter. Die beiden Knaben halten sich ans die»och schivache Eisdecke des Flusses ge- wagt, wobei zuerst der ältere, zehnjährige einbrach. Als der um zwei Jahre jüngere Bruder dies wahrnahm, lief er Hinz«, nm dem Verunglnckicn Hilfe zu bringen; er vermocht« abcr nichts aus- zurichten, brach vielmehr selbst ein und folgte dem Binder in das nasse Grab. Die Leichen wurden später gefunden und den Elter» ins Haus gebracht. Selbstmord. Am 31. Dezember vergiftete sich die Fra» des Bankiers S. in der Griebenoivstraße. Ein»»heilbares Leiden scheint der Grund zn dem Selbstmord geivesen zn sein. Fencrbcricht. Am Neujahrstage ivurde die Feuerwehr lS mal alarmirl. Kurz nach Mitternacht brannte» Iorkstraße 79 Gardinen und Möbel und F ü r st e n b e r g e r st r a ß e 3 der Weih- nachtsbanm. Um 3 Nhr erfolgte A l e x a n d e r st r a ß e 2Sa eine Lainpenexplosio», doch brauchte die herbeigerufene Wehr nicht in Thätigkeil zn treten. Kurz nach 1 Uhr nachmitlags brannte D i e s f e n b a ch st r a ß e 11 im Keller ein Faß init Kienrnß. Ein größerer Zinunerbrand war 4>/, Uhr M i l t e n>v a l d e r st r a ß e 33 abzulöschen. Abgesehen von verbrannten Möbeln hat hier das Hans erheblichen Schaden gelitte». Kurz darauf erfolgte Ilm Friedrichs- Hai» 32 ein Küchenbrand. Um 7 Uhr mußte die Wehr gleichzeitig nach R i t t e r st r a ß e 98 und»ach G e r i ch t st r a ß e 32 aus- rücken. Jin erster«» Falle brannten Möbel. Gardinen und Fuß- boden; auch erlitt das Hans beträchtlichen Schaden; im andere» Falle mußten brennende Bellen abgelöscht werden. Am Sonntag früh 2 Uhr entstand Stein metzstraße 27 ein Schadenfeuer, bei dem besonders die Balkenlage zer- stört wurde. AnS gleichem Anlaß wurde die Wehr um 7 Uhr nach Forsterstr. 7 gerufen. Nachmittags nm 3 Uhr brannten I a s»> n n d e r st r. 18 Möbel und M e y e r st r. 33 Gardinen und verschiedenes Hansgeräth. Bald darauf waren noch drei Zimmer- brände abznloschen und zwar Lonisenufer 3S. Kaiser Wilhelmstr. ISa und B e l l e-A l li a n c e st r. 26. Montag Mittag II Uhr entstand ein größeres Feuer in dem 30 Pfennig- Bazar von Aernick. F r i e d r i ch st r. 199. Dort gericthen in einem Nebenraume Kisten und Pappkartons in Flammen, die bald nach dem Ladenraum übersprangen und dessen Inhalt zum größten Theil zerstörten. Do» gelang es der schnell herbeigernsenen Wehr, den Brand zu lotalisiven. Orgelkonzert. Beim Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittivoch, de» 3. Januar, millags 12 Uhr. werden Frau Marie Kornalis, Fräulein Slmelin« Rehbein, der Cellist Herr Heinrich Beyer. Herr Robert Schwiesselmn»» und Herr Musikdirekior Diene! Kompositionen von Bach, Händel, Adam, Otto Brieger, Goltecmann und Dienel aufführen. Der Eintritt ist frei. I« dieser Woche wird in der alten„Urania"(Invaliden- straße), deren AusstellnngSsaal um 7 Uhr abendS geöffnet wird,«ine Reihe von Vorträgen zum ersten Male gehalten. Zunächst spricht morgen Herr Ban-Jnspektor Körber„lieber die Natur als Lehr- meisterin der bildenden Kunst' und am Freitag der bekannte Wüsten- forscher Professor Joh. Walther miS Jena„lieber den Samum als geologische Kraft". Herr Dr. SpieS beginnt am Donnerstag seinen Kursus über Elektrizitätslehre. Herr Dr. Naß am Sonnabend den seinigen über die„Technologie des täglichen Lebens".— Im wissen- schastlichen Theater der neuen„Urania"(Taubenstraße) wird das Ausstattungsstück„Der dunkle Erdtheil" die ganze Woche hindurch gegeben. Theater. Im Deutschen Theater ist der Erfolg von Fulda'S „Jugcndfrcunde" andauernd ein so günstiger, daß für nächsten Mittwoch bereits die 25. Ausführung deö Lustspiels angesetzt»verde» konnte.— Im Schiller-Theater beginnt morgen, Mittwoch, die Ausgabe von neuen Abonncmcntshestcn für das 3. Quartal. Das 3. Quartal umfaßt 5 Vorstellungen in ittägigem Turnus. Die genauen Bedingungen sind aus den Anschlagfäuleu ersichtlich. Wiederholungen der Posse„Der Registrator aus Reisen" finden heute und morgen statt.— In» Luisen- Theater wird am Donnerstag zum ersten Male daS Volksstüct«Aus goldenem Boden" gegeben._______ Gerichts-Jeikung. Tie morgen(S.) austcheude Verhandlung in dem Disziplinarverfahren gegen den Kriminal- KomiuissarinS v. Tausch dürfte einen ganzen Sitzungstag ausfülle». Das Ver- fahren, welches sich»ach den Vorschriften des Disziplinargesetzes von» 21. Juli 1832(für nichtrichlerliche Beamte) regelt, ist nicht öffentlich. Zeugen sind der Verhandlung nicht vor- geladen. Dieselbe baut sich vielmehr aus den Ergebnissen der Allen ans. Der dazu bestellte Referent giebt eine Darstellung der ganze» Sache, wie sie ans den bisherige» Verhandlungen in der Vornnlersnchung hervorgeht. Dann wird der Beainle der Slaais- anivaltschast mit seinem Vor- und Antrage vernommen und schließlich erhält der Angeklagle selbst das Wort. In der Voruntersuchung sind mehrere der Schriftsteller vernommen»vorden, die auch im Prozeß gegen Tausch-Lntzow als Zeugen sungirte», insbesondere Maximilian Horden, Herr Krämer und Redakteur Dr. Lima n it. Auch der frühere Staatssekretär Frhr. Marschall von Biberstein ist über de» Auftrag vernommen»vorden, de» von Tausch bei der vorzunehinende» Verhaftung der Lcckert und Lützoiv erhalle» halte.— Entgegen früheren Millheilungen wird sich übri- gens der Beschuldigte nicht selbst vertheidigen, vielmehr»vird Rechts- anmalt Dr. S ch w i» d t seine Verlheidigiing sühreit. In'dein Rechtsstreit des Arbeitsausschusses der Gewerbe« Ausstellung gegen die säumige» Garantiefoudszeichner wurde gestern, Montag,»vieder in einer Anzahl Fälle vor der 12. Zivil- kamiuer des Landgerichts I verhandelt. Auch bei veränderter Be- sctznng— den Vorsitz führte diesmal Landrichter Schnlke— ist das Landgericht bei seiner bisherigen, bereits cnlivickelte» Nechlsauffassmig stehen geblieben und hat i» sämmtlichen kontradiktorisch verhaiideltcu Sachen die Beklagten verurtheilt und das Urlheit für vorlänsig voll- streckbar erklärt. AlS ein bedenklicher Geldvermittler bat sich der Agent Alexander Ettig gezeigt, der gestern unter der Anklage des Betruges vor der ersten Slraftammer des Landgerichts 1 stand. Wie die Verhandlung ergab, hat er eS verstanden, sich als Agent für die Bremer Lebensversichernngsbank beschäftigen zu lassen, diese Thätigkeit aber in schivindelhafter Weise ausgebeutet, indem er sie mit Geldvermittelungs- Geschäften verquickte. So ist er von einen» Dr. L. angegangen»vorden, ihm ein Darlehe» von 300 Mark zu verinitteln. Er hat ihin dies auch zugesagt, daran abcr die Bedingung geknüpft, daß sich die Darlehnesucher mit 4000 M. bei der Lebensversichernngsbank ver- sicher». Dies geschah. Dr. L. bezahlte die Einstandspräinie von 120 M., es gelang ihm jedoch nicht, das Geld von den» Angeklagte» zu erhalten, letzlecein»rar es vielmehr nur daraus angelomme», die ihm von der Bank zu zahlende Prämie einzustreichen.— In einem anderen Falle ist«S beim Versuch geblieben. Der An- geklagte war mit einem Geiverbelreibenden P.,»vclcher 3000 M. gebrauchte, in Verbindung getreten. Er versprach ihm, ihm einen alte» Pensionär in Pflege zu gebe»,»velcher die verlangte Summ« sofort baar erlegen könne. P. sollte sich nnr verpflichten, die 3000 M. zu verzinse», gleichzeitig aber auch sich in Höhe von 3000 M. versichern. P. hatte auch seinen Antrag für die Versicherungsbank bereits »interschrieben, da er aber die Einzahlung der Prämie von der llebenveisiing der Summe vo» 8000 Mark abhängig machte und diese ausblieb, so ist dieses Geschäft nicht zn stände gelonnnen. In einem dritten Falle, der ganz ähnlich lag,»var dem Angeklagle» die Schuld nicht i» dem Maße nachzuiveise»», daß er hätte bestraft werde» könne». Der Gerichtshof vernriheilte ih»»vegen der beide» anderen Fälle zu vier Monaten Gefängniß. AlS„SchiffSarzt",„englischer Arzt" n. dergl. hat sich der„Arbeiter" August Einil Stötzer ausgegeben, der gestern wegen Betrüge? vor den» Schöffengericht stand. Der schon vielfach »vegen Bellelns, Diebstahls und dergleichen vorbestrafte Angeklagte, »velcher behauptet, bis znin 17. Lebensjahre Gymnasialbildnng ge- »offen zi» haben, scheint de» Ehrentitel„Arbeiter" nach der Methode luous a noa lucendo sich zugelegt zu haben und er arbeitet nicht. Er halte sich hier in der Person einer Näherin eine Braut angeschafft, die ihn bei ihrer Echlasivirthin als ihren Bräntigalii und Arzt einführte. Der Angeklagle machte auch ganz den Eindruck eines stlidirten ManneS und er ivurde uberall als der„Herr Doktor" mlt Hochachtung behandelt. Der Zu« fall brachte ihn mich zum AnSüben der Praxis: die Frau Wirthin hatte«ine» Pfleaesoh». der anS den» FriedrichS-KrankenyauS alS von einer schlvereu Lnngenkraiilhcit geheilt entlassen»vorden war, aber von einem recht bedenklichen Husten befallen wurde. Da wurde denn die ärzlliche Kunst des Angeklagten in Anspruch genommen; dieser betastete das Kind, erklärte, daß schiverer Bronchialkatarrh vorliege und verschrieb Fenchelhonig und ein Schlafmittel,»vobei er sich ans der Verordnung als.Arzt" bezeichnete. Als Honorar für seine Bentühunaen, einschließlich des Betrages für die Medizin er« hielt er 7 M. 65 Pf. Glücklicheriveise hat er mit seiner medizini« scheu Wissenschaft leinen Schaden angerichtet; der kleine Kerl wurde z»var bald darauf so krank, daß er in die Charilee gebracht»verde» mußte und dort verstarb, es wurde aber ärztlicherseits festgestellt, daß er an einer unheilbaren Liinge»schivi»ds»»cht litt. Da die Pflegemutter versicherte, daß sie dem Angeklagten das Honorar nicht gezahlt haben»vürde,»venn er sich nicht fälschlich als Arzt ansgegebe» hätte, so ninßte er bestraft werden. Der Gerichtshof»var der Meinung deS Etaatsanivalls. daß solche gefährlichen Quacksalbereien streng zu ahnden seien und vernriheilte deshalb den Angeklagten zu eine»t Monat Gefängniß. Ei» gegen einen Radfahrer verübter grober Unfug ist dein Borbier Sunt Lührs,»velcher gestern dieserhalb vor der 133. Ab- theilniig des Schöffengerichts stand, theuer zu stehen gekommen. An einen» November- Nachmittage des verflossenen Jahres steckte der Angeklagte ans reinem Mnthivillen«inen» an ihm vorüberfahrendeit Radsahrer seinen Spazierstock zivischen die Speichen. Die natürliche Folge»var. daß der Radfahrer vo» seinen» Sitz herabgeschlendert wurde. Der Angeklagt« versuchte da»» sich der Bcrantivortnng zu entziehe»», er sprang in ein» gerade vorübersahrende Droschke, dessen Führer ihn» den Gefallen that, so schnell»vi« möglich mit ihn, davon zu fahre». Ter gestürzte Radfahrer hatte sich aber»vieder erhoben und nahin die Bersolgung ans. Als er die Droschke erreicht hatte und Halt gebot» beugte der Aitgellagte sich ziiin Wagen hinaus und schlug ihn»nehrere Mol« mit seinem Stock. Nun nahm das Publikum für den Rodfahrer Partei und veranlaßte die Festnahm« deS Angeklagten. Der Gerichtshof war mit den, Staatsanwalt« der Ansicht. daß daS»nnthivillig« Zufalle- bringen eines Radfahrers ein« Niederträchtigkeit sei, die nur mit einer Freiheitsstrafe ,u ahnde» sei; der Angeklagle wurde dieserhalb mit einer Woche Haft belegt. Wegen der Körperverletzung traf ihn«ine Geldstrafe vo» dreißig Mark. Eine Woche Gefiinanih wegen des AnSdrnAS„Apfelsinen- Orden". In«inein Lokale zu Köpenick hatte ein Arbeiter gegen- über einem anderen Arbeiter,»velcher verschiedene militärische Ehren« zeiche» ans der Brust trug, den AnSbrnck„Apfelsine»- Orden" fallen lassen. Er ivurde dcsivegen denunzirt, und da§ Köpenicker Schöffengericht verhängte in feiner letzte,, Sitzung gegen den Uebel- thäter eine Gefängnißstrafe von einer Woche. Wegen unerlaubte» VetriebeS der Gchankivirthschaft war gegen de» Kaiifman» Jansen in Husum ein Slrafversahren ein- geleitet worden. Dos Schöffengericht vernriheilte I. wegen Ncber» tretung der§§ 33 und 147 der Gewerbe-Ordnung und der§§ 56 und 70 des Geiverbesteuer-Gesetzes zn einer Geldstrafe von 30 M. Seine Berufung ivurde vom Landgericht verivorsen, nachdem dieses folgenden Sachverhalt sestgeftellt hatte. Der Angcllagte besitzt in Hnsn», einen offene» Laden und hat die> Erlaubniß zum Kleinhandel mit geistigen Getränken. Er ver« kaufte nnn Bier in Flaschen an Leute, die aus der Straße warteten, indem et ihnen die meist von ihm enl!or!ten Flaschen durch ein Loch in der Wnnd hinansreichte. Durch das Loch nahm er dann die leeren Flaschen wieder zurück. Die Käufer tranken das Bier theils gleich auf der Straße in der Nähe des Ladens aus, theils begaben sie sich damit an einen andern Ort. Das Landgericht nahm an. daß er das Ge- werbe der Schankwirthschaft. wozu er keine Konzesston besaß, betrieben habe. Es liege ein gewerbsinäßiges Verkaufen von Gelränken zum Zwecke des sofortigen Genusses vor. Nußer gegen die Bestimmungen der Geiverbe-Ordnung über die Schankkonzessionen habe er sich auch gegen das Gewerbesteuer-Gesetz vergangen, da er es unterlassen habe, den neu unternommenen Schankdetrieb zur Besteuerung an- zumelden.-- Jansen legte gegen das Urldeil die Revision ein und machte geltend, er habe den Käufern nicht die Gelegenheit geboten, a n Ort und Stelle das Bier auszutrinken; denn wenn es auch i» der Nähe des Ladens getrunken worden sei, so sei dies doch aus der öffentlichen Straße gewesen. Das Kammergericht wies jedoch die Revision mit der Begründung zurück, die thatsächlichen Fest- stellangen seien ohne Rechtsirrthum ausgelegt worden. Der An- geklagte habe gewußt und gewollt, daß die Flaschen auf der Straße geleert werden sollten. Ohne Belang sei für die Entscheidung, daß er einen seiner Verfügung unterstehenden Platz nicht dazu hergegeben habe. DaS Obcr-LandcSgcricht Mstuchen als Revisionsgericht hat sich— im Gegensatze zum Reichsgericht— zum zweiten Male dahin entschieden, daß rechtswidrige Aneignung eines elektrischen Stromes den Thatbestand des Diebstahls darstelle. Aus der in der„D. Jurisienztg." abgedruckten Urtheilsbegrnndung ergeben sich folgende Sätze: Tie Elektrizität ist eine Sache im Sinne des§ 242 des Straf- Gesetzbuchs. Die bisherige Meinung, wonach erstere eine den Körpern innewohnende Kraft ist, dadurch erzeugt, daß die Molekülen derselbe» durch menschliche Thätigkeil in Bewegung versetzt werden, ist verlasse». Nach»euere» Nutersuchungen ist'Elektrizität ein im Weltenraume vorhandener äußerst seiner Stoff, Acther, dessen positiver und negativer Charakter durch Ueberschuß oder Mangel bestimmt wird. Dieser feine Stoff ist im ganzen Universum zerstreut. Er findet sich auf der Erde, im menschliche» und thierischen Körper und in der Lust, in welch' letzterer Beziehung die bekannten Lichterscheiuungen des Blitzes, des Elmsfeuers und des Nordlichtes beweisend sind. Elektrizität ist demnach als Stosi in der Natur vorbanden und kann als solcher durch menschliche Thätigkeit weder geschaffen noch zerstört werden. Dagegen kann sie durch maschiiieve Einrichtung bewegt und in Spannung versetzt und so zum Dienste des Mensche» branchbar gemacht werden. Der elektrische Strom kann durch geeignete Vor- richtungen beliebig weit fortgeleitel werden und ist deshalb beweg- lich. I» dem Anschlüsse au eine Leitung und in der Verwendung des so gewoimene» Stromes kanu eine Hinwegnahme unbedenklich erblickt werde». Soziales. Ardeiter-Riffko. Aus Schönebeck wurde der Halberstädter „EomitagSzeitmig" mitgetheilt:.Auf der königlichen Saline verunglückte am 3. Dezember der Sieder Backhaus, indem er i n die Siedepfanne fiel und sich schwer verbrannte; er mußte sofort»ach Halle gebracht werden. Ist es denn garnicht»nöglich, daß Schutzvorrichtungen getroffen werden könne», damit diese viele» Unglücksfälle, die durch das Hineinfallen in die Siedcpfanne vor- kommen, vermieden werden? Schreiber dieses ist der Meinung, daß baS Akkordsystem viel schuld daran ist. Greifen wir zehn Jahre zurück. Damals brauchten die Arbeiter nicht soviel zu arbeite» wie jetzt; man hat den Arbeitern immer mehr Arbeit aufgehalst, was zur Folge hat, daß die Arbeiter, wenn sie zu ihrem Geldc kommen wollen, nicht die genügende Vorsicht üben." DaS Hamburger Gewerbegericht hat in diesen Tagen zum ersten Male«inen statistische» Bericht über seine Thätigkeil heraus- gegeben. Derselbe umfaßt die drei Jahre 1895 bis 1897. Die Thätigkeit des Gewerbegerichts ist stetig gewachsen. Im Jahre 1895 wurden 2511 Klagen anhängig gemacht, im Jahre 1896 2667 und im Jahre 1897 2762. Die Zahl der Sachen, die durch Vergleiche ge- regelt wurde», ist in den drei Jahren ziemlich dieselbe geblieben. In» letzte» Jahre wurden 1272 Sachen, also nahezu die Hülste, durch Vergleiche geregelt, während in 553 Fällen die Klagen zurück- gezogen wurden und in den übrigen Fällen Urtbeile ergingen. Bei den 2762 Klagen im letzten Jahre handelte eS sich um 42 837,56 M. Arbeitslohn und um 65 085,63 M. Entschädigung. In 1363 Fällen handelte es sich um Objekte bis zu 20 M., in 822 Fällen um Objekte von 20—50 M., in einem Falle um«in Objekt von 1000—2000 M. Im Jahre 1896 handelte es sich einmal um ein Objekt von 5000—10 000 M. Gegen 13 Entscheidungen des Gewerbegerichts in diesem Jahre ist Berufung eingelegt worden. Als Einigungsamt ist daS Gewerbegericht während des ganze» JahreS 1897 nicht angerufen worden. Die meisten Klagen wurden anhängig gemacht ans den Kreisen des Gastwirthschafts-Betriebes, nämlich 485 im letzten Jahre, an zweiter Stelle figuriren die Maurer und Architekten, jedoch mit nur 166 Klagen, dann kommen erst die in Hamburg zahlreichen Kaufleute mit 124, die Bleicher mit 121, die umfangreiche Koufcktionsbranche mit 120 und die Maler und Lackirer mit 92 Fällen. Die übrigen Brauchen bleiben weit hinter den genannten zurück. Recht augenfällig ist die Zahl der Klagen aus dem Gastivirthschaftsbetriebe. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Schuld an diesem Umstände den absolut anormalen Eni- lohnungsverhältnissen in diesem Gewerbebetriebe zuschiebt. Zentralisation dcS Arbeitsnachweises in Badern. Wie seinerzeit berichtet, wurde bei einer am 11. Dezember 1897 in München gepflogenen Besprechung von Gemeinde- Ber- tretern eine Vereinbarung wegen der Zentralisirung des Arbeits- Nachweises(mit den Hauptvermittlungsstellen München, Straubing, Kaiserslauter», Bamberg. Nürnberg und Würzburg) getroffen. Das Staatsministerium deS Innern hat nunmehr die Stadlmagistrate von München, Straubing, Bamberg, Nürnberg und Würzburg ver- anlaßt, auf dieser Grundlage die endgiltige Beschlußfassung der Gemeindekollegieu wegen der Uebernahnie der Thätigkeil der Haupt- Vermittlungsstellen für die betreffenden Bezirke seitens der städtischen Arbeitsämter herbeizuführe». Für die Pfalz hat das städtische Arbeilsamt in Kaiserslautern bereits die Thätigkeit einer Haupt- Vermittlungsstelle übernommen. Der Verein der Ladenbesitzer BarmenS beschloß einstimmig, dahin zu wirken, daß vom 1. Januar d. I. an die Läden spätestens 9 Uhr abends geschlossen werden: ausgenommen sind die Sonn- abende und die vier letzleu Wochen vor Weihnachten. Der Verein bezweckt, durch die Abkürzung der Arbeitsdauer sowohl den Geschäfts- inhabern wie dem Personal Zeit zur körperlichen Erbolung und geistigen Sanimlung zu verschaffen, und glaubt bestimmt annehmen zu können, daß es nicht schwer fallen dürfte, die Mehrzahl der Ge- fchäfisinbaber für de» Neun-Uhr-Ladeuschlnß zu gewinnen, znmal die Nachbarstadt Elberfeld schon mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Das Kollegium der Handelskammer hat diesen Bestrebungen seine volle Zustimmung ausgesprochen und giebt der Hoffnung Aus- druck, daß sie zu einem gedeihliche» Ende führen werden. Für Beschränkung der Einwandernng in Amerika ver- nüttelsi des sogenannten»BildungSexamens" hat sich die(nicht sozialistische) anierikanische Federation of Labor auf ihrer Konvention(Generalversammlung) am 20. Dezember erklärt. Bei der Agitation, die hierfür vorher in den einzelnen Vereinen der Fedeyalion betrieben worden war, hatte man sich hauptsächlich darauf berufen, daß durch die Einwanderung die Lebenshaltung der orgaui- sirten Arbeiter herabgedrückt werde. Franenmangcl in Sibirien. Nach Angabe des Professors T s ch e k o l j e w, der im Auftrage der Gemeinnützigen Gesellschaft in Kiew eine längere Reise durch Sibirien gemacht hat, ist das haiiplsächltchste Hinderniß der wirthschaftliche» Entivicklnng Sibiriens der Mangel a» Frane». Unter den Millionen Menschen. die im Laufe der letzten 50 Jahre zwangsweise nach Sibirien ge- schafft wnrde», wären kaum ei» Sechstel Frauen gewesen niid diese seien wenigstens zur Hälfte den Unbilden der Witterung und der Zwangsarbeit erlegen, ehe sie zu einer halbwegs geordneten Ansiedelung hätte» gelangen können. Aber auch unter den freie» Einwanderern wäre höchstens der vierte Theil weiblichen Geschlechts gewesen, so daß unter den in Sibirien wohnende» Europäern noch hente das Zahlenverhältniß der Frauen zu de» Männer» wie 1 zu 3 stehe. In den an der sibirischen Eisenbahn gelegenen Städten habe sich das VerbäUniß zwar um ein wenig besser gestaltet, aber auf dem Lande seien die Zustände um so schlmnner. Der genannt« Gelehrte hat zahlreiche Gemeinde» angetroffen, wo sich die Vielmänner-Ede fast zu einem gesetzmäßigen Zustande ausgebildet haben soll. Andererseits werde daS Zusammen- leben der europäischen Einwanderer oder der Etraf-Verschickten mit chinesischen Weibern oder mit solchen ans den eingeborenen Horden- völleni nirgends als eine bindende Eheform angesehen, so daß es auch aus diesem Grunde zu einer seßhaften Ackerbaubevölkerung nicht komm«. Tschekoljew kommt zu dem Schluß, daß auf cineu wirthschaftliche» Aufschwung Sibiriens in Jahrzehnte» noch kaum zu rechnen wäre.______ Mngelanfeue Druckschriften. ,,Zlrchw fS« fojial,«»sttzgednng und Statistik". TaS neuest« Heft dieser nunmehr im zehnten Jahrgang erscheinenden von Dr. Heinrich Braun heran!- gegebenen ZeUschrist(Berlin, Carl Hcymann'Z Verlag) hat solgenden Inhalt: Abhandlungen: Die Reform der direlten Steuern in Bayern, unter besonderer Bernclsich Ngung der sozialen und wirthschaftltchen Verhälrnlsfe. von Professor Dr. Wallher Lötz in München.— Die obligatorischen Schieddgerichte in einigen englischen Kolonien von Hon. W. P. Recves, Agenl-Seneral for Nem-Jealand in London.— Die Frage der tausmännischen Schiedsgerichte in Deutschland. von Dr. Joses Stlbermann in Berlin.— Gesetzgebung: Großbritannien. Das Arbeiter- Unfallentschädigungs- Gesetz.(Wortmen'S Eompensatton Act.) von Henry W. Wolfs tn London— Wortlaut der Alle zur Verbesserung deS Gesetze« tn belress der Entschädigung von Arbeitern infolge von Unsallver- letzungen, welche sie im Laufe ihrer Belchäftigung erleiden(«. August lSS7>.— Italien. Die soziale Gesetzbung tn Italien. Bon Prof. Dr. Filippo Birgilit in Etena.— Nieverlande. Gesetz betressend die Srrtchtung von ArbeUSIammern. von Dr. Philipp Faltenburg, Direltor de« Statistischen Amte« der Stadl Amsterdam, und Dr. Gustav Mayer tn Amsterdam.— Wortlaut der Haupt- sächlichsten Artikel de« Gesetze« betreffend die Errichtung von ArbeitZlammern. — Das Projelt einer Arbeitslolenverstcherung in Zürich von Dr. E. Hofmann tn Sretlsurt(Schweiz).— War' laut des Gesetzentwurs« betreffend Arbeitslosen- Versicherung in Zürich.— Wortlaut des Entmurss einer Verordnung betreffend Arbettslosenverstcherung tn Zürich.— Miszellen: Zur Frage der kündtgungs- losen Entlassung der Arbeiter tm deutschen Gewerberecht(§ 133 Ziffer 8 der R.-G-O). Bon M. von Schulz, Magistratsassessor und Vorsitzendem des Gewerbegerichts in Berlin.— Literatur: Booid, Charles, Life and Labour of the psople in London. Bol I— IX. Besprochen von Arthur L. Bowley, M. A. Dozent der Stattstil an der Schoo! os Economic« and Poltttcal Sctence tn London.— May. Mar, Wie der Albeiter lebt Besprochen von Dr. E Hof- mann in Stetlsurt(Schweiz).— Donald, Robert, The London Manual and Munlclpal Uear-Bool 1866/97 and 1897/98.— The Muntcipal Fear-Book os the Untied Ktngdom sor 1897. Besprochen von Dr. L Sinzheimer tn Frankfurt am Main.— Reitzenstetn, Dr. Freiherr von. Der Arbeitsnachweis, seine Gestaltung im In- und Ausland«. Besprochen von Prof. Dr. Georg Schanz tn Würzburg._ In der Notiz»Irische? Revolntiousjnblläiim' sind in der letzten Zeile irrthüinlich die Kosten der Bestechung des irischen Parlamenis mit 32 000 000 Pfund Sterling, statt mit 32 Millionen Marl angegeben. Briefkasten der Redaktion. Wir Hillen, bei I«der«nsrage«ine Chiffre(zwei vuchstaben oder«in« Zahy anzugeben, unter der die Aniwort ertheilt werde» soll. Die jnitstischc Sprechstunde finde» am Montag. Freitag un» Sonnabend von k bis 8 Uhr abends statt. Dr. L.(D.), Kstr. 30. Tagt jede» Montag nach dem 1. und 15. im Monat, bei Zippke, Marlusstr. 14(Eingang Grüner Weg.) Glauc, Stralsnnd. Die Angelegenheit hat nur ein lolales Interesse und würden wir Ihnen nnpsehlen, an das Stettiner Parteiblatt die Mit- theilung gelangen zn lassen. R. Gerling. Wir bedauern, auf Ihr Anerbieten nicht eingehen zu können. Cßadero. Es ist nicht ersichtlich, aus welchem Gmnde Sie vermeinen, einen Anspruch(gegen wen?) ableiten zu können. Vielleicht sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— Krom. Wenn 3 Monate § Tage vor Ablauf dcS Vertrages gekündigt sein muß, so muß das Kündtgungs- fchreiden spätestens nm 28. in des Wirths Hände gelangt sein. Verweigert der Wirth die Annahme, so wird das ebenso gerechnet, als ob er dieKündi- gu»g thatsächlich erhalten hätte.- S. P. 310. Sic müsse» nunmehr die Sache abwarten, bis Bescheid lommt.— Licgnitz. Liegt schrtsllicher Ver- trag vor, so ist derselbe zu erfüllen. Liegt nur mündlicher Lehrvertrag vor. so läßt sich gegen den Rücktritt des Meisters nichts machen.— O. G. 40. Ihre Frau ist nicht gezwungen, auf den Vorschlag einzugehen. — Schw. Wenden Sie sich an irgend emen Verein zu gunsten Taub- stummer; wir nehmen an, der betreffende, der sich für das Fortkommen von Blinden sehr iutcressirt, wird Ihnen auch hierin am besten rathen können. — M. S. 07. 1. Ja; die Ehe könnte ja dann noch wegen deS Ehebruchs geschieden werden. 2. z 112 Str.-G.-B. Sie thnn am besten, sich von den bctresjenden nunmehr fern zu halten.— R. Z. Nein. Wetter-Prognose für Diensiag» 4. J»n«ar kKS8. Ein wenig kühler, ziemlich trübe»nd nebelig bei schwacher Lustbewegung; leine weseulliche» Niederschläge. Berliner W e t t e r b» r e a n. Fr.KraM-v.BegrabüWjse dttWhmchttit.BerBgt «erltn(«. H. Nr. 37). Montag, den 17. Januar, abds. 8 Uhr, bei Herzberg(früher Feuerstein), Alte Jakobstr. 75: VeverÄ-VersammIullg. TageS- Ordnung: l.sJährlicher Kassenbericht. 2, Wahl des Vorstandes und des Ausschusses. 3. Innere Kassenangelegenheit. Mitgliedsbuch legilimirt 26721 Der Vorstand Das Kaffenlokal bestndct sich jetzt Vrettestr. 34 bei Hrn. Max Scheps Künstliche Zähne. F. Steffens. Rosenthalcrsir. 6!, 2 Tr. >1 Theilzahluiig pr. Woche 1 M. 14036] Künstliche Zähne ec. C. Oedicke, Strclitzerstr. 62. Feuerstein'3 Festsäle Alte Jakobstrasse 75, Znh. Marlin Herzberg. Grosse und kleine Siile zu Versammlungen unentgeltliclij sowie zu Sommer- wV�iuterkestlielr- keilen b. koulanten Bedingungen Möbel verliehen gewesene und neue, stannend billig, Theilzahluiig gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 4055 2* Neue Königstr. 59 II. Gueiseuaustr. 15. Fahrrad, 4 Wochen gesahr., bill. zu verkaufe», 140 M. 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Die Mitglleder der Werlslatt-Kontrolllvnunission versammeln sich um 7 Uhr vorn im Lokal. Rosenthaler nnd Schönhauser Dorstadi: Schwcdtcrstr. 33 bei Wernau. Modell- und Fabriktischler Im„Torstlidtlschcn Knsino", Ackerstrasse 144. Die Kollegen werden ersucht, die ausgefüllten Statistik-Fragebogen in dieser Versammlung zurückzugeben. Mttsikmstrumenten- Branche In» Kokal des Herrn Fritz: Zcibell, I, In den Strasse 196. Tages-Ordnuug: 1. Ausgabe der Statlstik-Fragebogen, die Einziehung derselben und die Ueberwindung des Judtffcrentismus bezüglich der Ausfüllung. 2. Innere Branchenangelegenheitcn. 76/3 Mung, Miltim Berlills itni Mittwoch, den 5. zamm, Mi 8 Uhr, in her„Tsn! Große öffentlichk Mourerve TageS-Ordnung: Verichterswttung der Eimqnuqskommission über die Der Wichtigkeit der Tagesordnung zufolge erwarten wir, da an der Einigung hat, in dieser Bcrsauunlung erscheint. 131/1 Arbeifer-Bildimgssclrnle. Hittwocli. den 5. Januar 1808, abends 8'/- Vhr, Im l.okal von Stabernack�. Insclstr. 10: Ordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 6/18 Mitgliedsbuch legttlmlrt. Beitrage werden entgegengenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. In dieser Versammlung sind„Leitsätze Uber die Crund- begriffe der theoretischen Nationalökonomie" von Dr. Conrad Schmidt ä 5 Pf. zu haben. Verband der Graveure, Ciseleure etc. (Zahlstelle Berlin). Dienftag, 4. Januar» abends S'/e Uhr, Orantenstraße 51 Versammlung, 74/1 Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn „Die Lungenschwindsucht und ihre Heilung". Am Dienstag, den 18. Januar« General- Versaininiiing. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet _ l*le Ort«Verwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Schdneberg.) Donnerstag,«. Januar, abds. 8 Uhr, bei Obst, Grunewaldstr. 11»: General- Versammlung. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist zahlreiches Erscheinen nöthig. SÄT" Mitgliedsbuch legittmirt.."TtHS 76/2 Die Ort« Verwaltung. zranell- o. Mchen-MllWvtttlil für Rirbsrf«. Ums. Mittwoch, den S. Januar, abends 8V- Uhr: Mitglieder-Nersammlnng in Knmmer's Salon, Berlinerstraste. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Jovl über:„Die Steinzeit." 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. Verschiedenes. Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. 3/1 Dr. D'vledeberg über: 3. Diskussion. 4. Verschiedenes Achtung! BW Achtung! Charlottenburg. Mittwoch, den 5. Januar 1808. abendS 8 Ilhr, im „BlsmarckshOhe", Wilmersdorserstraste Str. 30: Lokal Große öffentliche Versammlung aller Arbeiter ui Arbeiterinnen sämtlicher Branchen. TageS-Ordnuug: 1. Die bevorstehenden GewerbegerichtSwahlen. 2. Diskusston. 3. Definitive Beschlußfaffung über die voll den einzelnen Gewerkschaften ausgestellten Kandidaten. 4. Gewerkschaftliches. 202/1 Die Gewerkschaftökommissto». J. 8t.: O. Flemming, Schlüterstr. 71. Slnst. IHDüt««, Markgrafen-Damm 16, zwischen Stralauer Allee u. Bahnhoj Stralau-Rmnmelöburg, empfiehlt sein neu eröffnetes Weiss- nnd Bairischblcr■ Lokal. Stempel< Fabrik von klobert Hncht, Berlin 8., Oranienstr. 143. liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausstthrung. WW Man trinke: üripsl- Löwenbitter In Flaschen ä Mk.«,00. 1,10 m. 1,80. I Wielm Ausschank überall zu haben. Wo nicht vorhanden, bitte zu verlangen. R. F. Mittelstadt Wetnhandlung und Likör-Fabrik Zi., Bruunenstr. 153. S'ir de» Juhnlt der Jnser.ue iiberuimmt die Redaktion de», Publik»,» gcgeuiiber keinerlei Berautwortniig. �lzvtttev. Dienstag, den 4. Januar. Opernhaus. Der Evangelmiann. Phantasien im Bremer RathS'- keller. Anfang 7 Uhr. Tchanspielhans. Mutter Thiele. Ansang 7V2 Uhr. Dentsches. Die versunlene Glocke. Anfang 7!/z Uhr. Lessing. Im weißen RöfcX Anfang 7Vj Uhr. Berliner. Domröschen. Anfang Nachm. 3 Uhr. Die Wunderquelle. Anfang 71/, Uhr. Goethe. DaS Hans des Majors. Anfang 71/2 Uhr. Unter de» Linde». Pariser Leben Ansang 71/2 Uhr. Neues. Die Logenbrüder. Ansang 7Vj Uhr. Bchiller. Der Negistrator aus Reifen. Anfang 7 Uhr. Residenz. Sein Trick. Ansang 7i/2 Uhr. Thalia. DaS Opferlamm. Anfang 7i/, Uhr. Central. Berliner Frihrlen. Anfang 71/2 Uhr. Luise». Auf eigenen Füßen. An- fang 3 Uhr. Belle- Alliance. Der Bräutigam auf Probe. Anfang 3 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich. WilhelmftiidtischeS. Der Trompeter von SäMngeu. Anfang 8 Uhr. Mlexanderplah. Die Berführcrin. Anfang 8 Uhr. Urania. Xanbenstrahe 48-49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisienschaftl. Theater. Jnvalidenstrasje 27/92. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschastlichc Vorträge. America». Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. Au- fang 8i/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 71/z Uhr. Fecn-Palnft. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Opcretten-Gesellfchaft. Siszillev-TheQkor (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Der Regi- ftrator auf Reisen. Mittwoch, abeuds 8 Uhr: Der Regi. ftrator auf Reisen. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein's Lager. Die Pieeo- lomini. Oftettd-Theater. Gr. Franlfnrlerslr.lZL. Dir. tk.Weift. Leben und Lieben. Volksstück niit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Mufti von G. Wanda. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Mittwoch bis Sonnabend: Leben und Lieben.— Sonntag Nachmittag, halbe Preise: Berlin, wie es weint und lacht. Ferdinand: Carl Weiß. Luisen-Theater 34. Reichenvergerstrafte 34. Abends 8 Uhr: A«f eigellt» Men. Gesangsposse in 6 Bildem von E. Pohl und H. Wilkcn. Musik von«. Conradi. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag, zum ersten Male: Auf goldenem Boden. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dz/nhossplatz— Reichen- bergerstraßc 7ii 19 Minuten. Apollo-Iliestei'. Irloärlcbstr. 2tS. vir. J. Glllck. Nettes Programm. M IZ llediits W sowie Paul Spadoni. Desroches-Bianca. The S Reyvais. Kosrnograph. KassonorötknungCVs, Anf. T1/, Uhr. Central-leater Alte Jakobsir. 30. Direktion Kichanl Scluilia;. Dienstag, den 4. Januar 1898; Knill Thomas a. G. Zum 121. Male: BoHiiien Fahrten. Burleske AnsstattnngSposse mit Gesang «nd Tanz in S Bildern von Julius Freund»nd Wilhelm Mannstädt. Musik von Jnl. Einiidshofer. Anfang 1/28 Uhr. Morgen und die folgenoen Tage: Berliner Fahrten-. Concerthans I.eipB igcrsir. Mo. 48 Sef~ Täglich: Hoffmann's Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Loge 1 M, Sperrstli 50 Pf. Entree 30 Pf. , Alle 5 Barrleons. Lene, liebe Leite Passaoe-Panopticum. Wiener Tanz- und .Opereden- k*Gesellsshaft. Zum Sohluss: Illnstrlrtes Quodlibet In 12 lebenden Bildern. Castan's Panopticnm. Friednohstr. 165. 1 1 Indisch- 085 j( hlndnsta- Uil• t»ischc Gaukler — und— Schlange n- BcschwUrer. BÄRENWEIB. BBBKaBBHHBannn Volk s- TClie ater Im Wclt-ltcstanrnnt »7. D r e S d e» e r-S t r a st e 97. Auf allgemeines Verlangen, neu einstudirt: Die Reezettbtlrg. Bilder aus dem Berliner Volksleben von Elp. �leu! Gesciiw. Tills. Neu! Im vorderen Saale: "tyroler Sänger Alois Ebner. AuklillU' Sonntags 8 Uhr. 3lil|llng. Wochentags V/2 Uhr. Qnarg's mm Vaudeville-Theater I Grand-Hotel Alexanderplah, iieute Dienstag, 4. Januar 1898: Zum 49. Male bei den 1. Nriginsl-Buhapestml Das Armband. Das Modell. Morgen Mittwoch, 5. Januar: Zum 50. Male. I Daö Armband. Das Modell. leichshallen- Theater. Leipzifferstrasse 77. Das splendide Meujnhrs-Progcamm mit allerersten Kanstkrtttten. | üliss Ophelia Orbasany. The two Namruyt. Family Iterriiigton. Max IValdon. Hilgcr-Trnppe. l>le drei Muaktroods. Pauiette Andrse. Kxcelslor- Mlmograph U. S. W. IM- Anfang 71/, Uhr. Kntrde 5« Pf. Im Reichshallen-Tunnel SMilitär-Concert in Uniform. ' Tttglich abends 8 Uhr Neues v>x kJV A.�, OLYMPIA- Riesentheater (Circus Benz.) Karlstrasse. Bolossy Kiralfy's 0>- v0. A ,€oiislaiitiiioi)ek' An Sonn- und Feiertagen 8 Vorstellungen, ■0 y* xav nachmittags 4 Ulrr, � /, Uhr: Sport-Abend Meiler- Bildungs- Schule Inselstr. IO, vorn II. Ktaftc. Lehrplan für das 1. Guar Unterrichtsfach Decke- Uebung. National- Oekonom. Geschichte. Behandelter Lehrstoff al 1898. Lehrer Ueber den Aufbau der Becke. Besprechung volkswirthschaftlich. und anderer Grundfragen. Die wirthsohaftliche Entwicklung, Grossbetrieb u. Handwerk; Kartellwesen; Arbeitsmarkt und Arbeitsnachweis; die Aufgaben der Gewerkschaften. Hellas und Born. Dr. Conrad Schmidt Schriftsteller Richard Calwer Dr. A. Berthold Unterrichts- Abend Montag Mittwoch Freitag Der Unterricht beginnt in Redeäbnng Montag, den 10. Januar; in Xatlonal-Oekonomle Mittwoch, den 12. Januar; in Geschichte Freitag, den 14. Januar. Jeder Kursus erstreckt sich auf 10 Abende und beginnt pünktlich um O Uhr und endet pünktlich um>/,41 Uhr. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 M. und ist spiltestcns am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kurses steht Jedermann zur unent- geldlichen Benutzung frei. Ausserdem finden in kurzen Zwischenräumen Sonntags- Versammlungen statt. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt— am besten bei Beginn jedes Kurses— im Schullokal Inselstr. IO und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Adrniral- Strasse 40a; Real, Barnimstr. 42; Schiller, Rosenthalerstr. 57; Glcincrt, Müllerstr. 7a; II. Kttnlg«, Dieffenbaohstr. 30. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden P. Mücke jr., Berlin S.O. 33, Manteuffelstr. 128, Geldsendungen an den Kassirer H. Königs, Berlin S. 59, Dieffenbachstr. 30, zu senden. 6/17 Der Vorstand. Franz Müller's„Central-Festsäle"(oÄnm) Alte Jakobstrassc 3Ä, empfiehlt 8ttle von 100—800 Personen. Sonntag,»e»»./I.. S7./S., Sonnabend, den 12./3., 26./3.»och frei! M"-AI CflBS Plomben 4 M. Zahnziehen frei. Zahn e!!lll8!I.�A>lllL l.Jll W. ärztliche Klinik, Mantenffristr. 43, L. Ecke ' Oranienstraße. Spr. 8—10 und 1—3 Uhr. Hum. t Liter-Flasche Mark 1,60. 2,10. 3,10. 4,50. - a Liter Mark 1.—. 5 Liter Mark 4,50. Amt IV. 9076. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Sophien- Kirchhofes aus statt. Zeutral-Hmleu- it. Lterbc- kajse der Tischler v. s. u>. Berwallung Lerlln«. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß unser Mitglied Herr August Fritsch am 31. Dezember 1897, früh 7 Uhr, verstorben ist. 181/1 Die OrtSvcrwaltnng. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß mein lieber Mann, unser guter Sohn, Bruder und Schwager Ulbert Saumann, Piano-Aibciter zu Johannisthal, am 2. Januar, vorm. 11 Uhr, nach lurzein, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet von der Halle der freireligiösen Gemeinde aus Punkt 4 Uhr statt. 2582b Die trauernden Hinterbliebenen. Den Parteigenossen von Joha»«»isthal- Nieder-Schöneweide zur Nachricht, daß unser braver und treuerParteigeuosse, der Klavierarbeiter Ulbert öauniann, am 2. Januar cr., vorm. 11 Uhr, nach kurzem, aber schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Tie Beerdigung findet am Mittwoch Nachm. 4 Uhr von der Halle des frei« religiösen Friedhofs aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 202b Der Vertrauensmann. Arbeiter-BildllilDmm zshallilisthal-Mn- Den Mitglieder« zur Nachricht, daß unser 1. Vorsitzender, Genosse 2583b Albert Baumann, am 2. Januar cr. nach kurzem, abe, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Mr verlieren in ihm einen eh» liche», stetS thättgen Genossen. Ehre seinen« Andenken. Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 4 Uhr von der Halle dcS freireligiösen Friedhofs, Pappel-Allee, aus statt. Um zahlreiche Betheiligung hittct Der Borstand. JVIöbel in jedem Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch ans Theilzahlnvg'. Gr. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 4053L* Oranienstr. 73. Möbel anf J.Kellermann.j.tÄ.se. LtWii, 1 Velethung von Werthsache» jeder Art. Aufbewahrung der Pfandsachen 12 Monate. 2513b �>V#v Wererth. einem Arb.Nachhilsestundeu in Algebra? Off. m. Preiöang. erb. 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Sie oflerirt für jede Kolonne von 3 Arbeitern(1 Bläser, 1 Mundstückmacher und 1 Ausheber) 3 Francs 15 Cts. für 106 Flaschen von 70—75 Centilite* 8„ 50,„„„ ,1 Liter Inhalt. Zur näheren Oriontirnng bemerkt die Gesellschaft noch, dass deutsche Arbeiter, die bereits in Belgien arbeiten, täglich 850 bis 900 Flaschen von 70—75 Ccntiliter und 800 bis 850 Haschen von 1 Liter Inhalt(pro Tag u. 3 Arbeiter) liefern, was für diese drei Arbeiter einen Lohn von 26,75 Frcs. bis 30 Frcs. ungefähr täglich ausmacht. Diese 3 Arbeiter können sich ihr» Aibeit nach Belieben einrichten. Vorhanden sind noch 40 Plätze, jeder zu 3 Arbeiter. Offerten sind zu richten an Bomslcnr le Dlrectenr dt la Ste de» Bnntellle» de Conrcelles a Conrcelle» Motte(pres Charleroi, Belgien). «eraiilivortlicher Redaltenr: An au st Iieobry in Berlin. Sur den Juleratentheil veranlwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Mnx Bading in Berlin.