19 Scr. 26 ab ea m in on an im ſch en ag er et er af tel BE ttt In er, a en. en 13 ut en. nd cn. nd 3! t? Da $ 3 ein per St ich ch er tu ft. ft it! t! 1, d fo nd b ch in 3 3 er hr ift 5', n, να a ts ht 11, ge Die Gleichheit 18. Jahrgang eeeer Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen esaKERKETAKERS Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die Gleichbett erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post viertelfährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Sabres- Abonnement 2,60 Mart. Juhaltsverzeichnis. Stuttgart den 28. September 1908 Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( Zundel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bet Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. gang des proletarischen Klassentampfes kann die Bös| Parteitags, und das allein zeigt, wie sehr die deutsche Zur Beachtung! Der Parteitag in Nürnberg. Schulspeisung. willigkeit, die Streitluft oder die Herrschsucht einzelner Arbeiterklasse an dem Maigedanken festhält, wie sehr sie VIII. Von Luise Kautsty.- Die Gewerbeaufsichtsbeamten über Personen in den Reihen der Sozialdemokratie, etwa der an der würdigen Ausgestaltung dieser einzigen interdie Frauenarbeit in Preußen. Von gh.- Das Privatrecht sogenannten Theoretiker, für die häufigen und leiden- nationalen Massenaktion und Demonstration mit ihren Bertragsfreiheit. Bon Simon Katzenstein. Die sozialistische schaftlichen Debatten über prinzipielle und taktische Fragen Gedanken und ihrem Herzen interessiert ist. Eine Neuerung Frauenkonferenz zu Nürnberg.-Resolutionen und Beschlüsse verantwortlich machen. Die Sozialdemokratie ist eine in diesem Jahre war die erste Abmachung der beiden des Parteitags zu Nürnberg. Beschlüsse der Frauenkonferenz geschichtliche Bewegung, sie wächst und lernt ihre Mittel obersten Instanzen der Partei und der Gewerkschaften zu Nürnberg. Aus der Bewegung: Beteiligung der Genoffinnen an der Frauen- und Wege erst im Kampfe selbst zu wählen und zu er- zum Zwecke der gemeinsamen Regelung der Unterfonferenz und dem Parteitag. Bekundungen internationaler proben. Nicht in einem Buche ein für allemal, nicht in ftügungen an die gemaßregelten Opfer der Maifeier. Solidarität zur Frauenkonferenz.- Agitation im fünften Schleswigs einem fertigen Rezept sind die Taktik, die Formen des Nach dieser Abmachung sollte die Unterstützung der GeHolsteinischen Wahlkreis.- Bericht der Vertrauensperson der Klassentampfes von vornherein niedergelegt. Der wissen maßregelten, also auch die Entscheidung über die MaiGenoffinnen des Wahlkreises Bochum- Gelsenkirchen- Hattingen- schaftliche Sozialismus, die Theorie unserer Meister gibt feier, in die Hände der lokalen Organisationen gelegt Witten. Der sozialdemokratische Parteitag für die Provinz uns die Richtschnur an die Hand, die jedesmalige werden. In den meisten Parteiorganisationen sowie in Schleswig- Holstein und das Fürstentum Lübed. Politische Anwendung dieser Prinzipien in der Praxis müssen wir vielen Gewerkschaftskartellen war die vorgesehene Regelung Rundschau. Bon H. B.- Gewerkschaftliche Rundschau. Ge- aus der Praxis selbst, aus der Erfahrung lernen. Daß einer scharfen Kritik begegnet, die auch auf dem Parteinoffenschaftliche Rundschau. Bon H. FL Notizenteil: Dienstbotenfrage.- Frauenarbeit auf dem Gebiet der dabei einzelne Fehler unterlaufen, daß die Bewegung tag ein lautes Echo fand. Nicht als ob der GeneralIndustrie, des Handels- und Berkehrswesens.- Kellnerinnenelend. im ganzen oder in einzelnen Teilen auf Abwege geraten kommission oder dem Parteivorstand im geringsten der Feuilleton: Aus: Der entfesselte Prometheus. Von Bercy Bysshe kann, ist unvermeidlich und deshalb auch nicht bedauer Mangel an gutem Willen, an Gifer oder an Geschick bei der Schwur. Von lich. Ja, die Fehler, die daraus sich ergebenden Ideen betreffenden Abmachung vorgeworfen worden wäre. Nein! Shelley.( Gedicht.) Zu Ende. Bon A. R. Horace Traubel. Zur Beachtung! Technische Veränderungen zwingen uns, den laufenden Jahrgang der„ Gleichheit" mit dieser Nummer zu schließen. Die Jahrgänge unserer Zeitschrift werden fünftighin von Oftober zu Oktober gehen. Zusammen mit dieser Neuerung tritt eine Veränderung des Formats der„ Gleichbamis dringende Wünsche unserer Beferinnen erfällen, und fämpfe können sich in ebensoviele Duellen der inneren Giner langen Liste von Anträgen an den Parteitag wie Stärkung und Klärung verwandeln, wenn wenn die fast allen Reden auf demselben lag vielmehr der folgende Partei eben als Ganzes Kraft und Entschloffenheit genug Gedanke zugrunde: Die Regelung der Unterſtüßung, besitzt, jedesmal ihre Kader wieder auf den richtigen mag sie sein, wie sie wolle, darf nicht zum Hindernis, Weg zu weisen und das Banner des unerbittlichen darf nicht zum Schwerpunkt für die Behandlung der Dies hat der Nürnberger Parteitag getan, und zwar mit Maifeier, die machtvolle und kraftvolle Massentundgebung Klassenkampfes wieder mit starker Hand aufzupflanzen. Maifeier werden. Nur die möglichste Ausdehnung der mehr Nachbruck, als irgend einer seiner Vorgänger. des proletarischen Willens, wie sie in einer allgemeinen Der erste Gegenstand, der zu einer lebhafteren Aus- Arbeitsruhe am 1. Mai Ausdruck findet, vermag dem heit" ein, gleichzeitig aber auch eine Vergrößerung ihres einandersetzung Anlaß gegeben hat, war die Tätigkeit des Unternehmertum genügenden Respekt vor dem klassenUmfanges, die es ermöglicht, jeder Nummer zugleich Bildungsausschusses und der Parteischule. Die Debatte bewußten Proletariat einzuflößen, um es von MaßText Für unsere Mütter und Hausfrauen" und die Bei wurde im Sinne jener Kritik geführt, die von dem Nürn- regelungen Abstand nehmen zu lassen. Eine zaghafte, lage„ Für unsere Kinder" beizugeben. Wir wissen, daß wir berger Parteiblatt schon vor dem Parteitag an der Partei- unsichere, auf eine Niederlage im voraus berechnete Mais schule geübt worden war, und die darauf hinausging, fampagne ermuntert im Gegenteil das protzige und hoffen, daß die Genossinnen daher mit dem größten Eifer die Parteiſchule als zentrales Legrinstitut aufzulösen und brutale Unternehmertum zu Gewaltstreichen und zur Rache für die weitere Berbreitung ihres Organs wirken werden. Durch lokale Bildungsveranstaltungen nach dem Nürn- an der opferfreudigen Minderheit der Feiernden. Also: Es versteht sich von selbst, daß die„ Gleichheit" in der berger Muster zu ersetzen. Dabei stellte es sich mit voller vorwärts zur Maifeier mit aller Frische und Kraft, unneuen Gestalt in betreff ihres Charakters, des Zieles, das Klarheit heraus, wes Geistes Kind jene Kritik war, und abhängig von aller Art Regelung der Unterstützungsfrage! fie verfolgt, die alte bleibt, daß sie aber danach trachten welche Ideenrichtung fie verfocht. Gin Artikel des von Das war die Losung, die der Parteitag fast einmütig auswird, unter den gewandelten äußeren Bedingungen immer dem Nürnberger Bildungsausschuß als Hauptlehrer ge- gegeben hat, indem er den entscheidenden Teil der Abmachung In dem Preis des Blattes tritt keine Verände Besseres zu leisten. rung ein. Mit Parteigruß Redaktion und Verlag. Der Parteitag in Nürnberg. wonnenen Genossen Maurenbrecher in der Parteitags- des Parteivorstandes mit der Generalfommission verwarf nummer der Fränkischen Tagespost" legte die richtenden und beide Körperschaften zu neuen Verhandlungen in dieser " Gedanken der geplanten Bildung flar. Der Kernpunkt Frage ermächtigte. Nicht etwa gegen die Gewerks dieser Gedanken war: Die Masse der Proletarier braucht schaften" richtet sich dieser Beschluß des Parteitags, wie nichts von der Theorie, nichts von der Werttheorie, nichts einzelne Redner zu deuten versuchten, sondern gegen die von der materialistischen Geschichtsauffassung zu wissen, Baghaftigkeit und die Unterschätzung der Maidemonstration die Theorie fann ihr nur schaden. Bloß die Lehrer, also in beiden Lagern der Arbeiterbewegung, ebenso wie der in der Regel die Akademiker, brauchen die Theorie des Kampfmut und die Begeisterung für die Maifeier in wissenschaftlichen Sozialismus zu kennen. Für die Masse beiden Lagern die große Mehrheit auf ihrer Seite haben. Nach der Maifeier wurde über den wichtigsten und Die diesjährige Tagung der obersten Parteiinstanz sind Brocken allgemeiner„ Bildung": Geschichte, nament der Deutschen Sozialdemokratie ist zu Ende, und diese lich Lebensgeschichte großer Männer" und dergleichen, zentralen Streitpunkt der diesjährigen Tagung verhat allen Grund, mit dem Verlauf und den Ergebnissen und möglichst viel Stoff" aus dem täglichen Leben gut handelt, über die Frage der Budgetbewilligung. Zweizufrieden zu sein. Eine schwere und eine wichtige Ar- genug. Der Parteitag erhob energischen Protest gegen die undeinhalb Tage nahm die Erledigung in Anspruch, und beit ist in Nürnberg geleistet worden, und sie wird Früchte Abrichtung der Proletarier zu theoretisch ungeschulten, von wenigstens von der norddeutschen Mehrheit der Deleden gelehrten Akademikern geleithammelten Werkzeugen, gierten wurde die Debatte mit strengster Sachlichkeit und tragen. Wie ein roter Faden zog sich wieder durch die Ver- gegen ihre Beraubung um das Teuerste und Unentbehrlichste, Objektivität geführt. Gar bald stellte es sich heraus, daß handlungen in Nürnberg jene Auseinandersetzung zweier nämlich die volle Einsicht in die historischen Bedingungen die schroffsten Gegensätze in der Auffassung des Parla Richtungen, zweier Auffassungen des proletarischen Klaffen- der eigenen Klassenbefreiung, also den wissenschaftlichen mentarismus im besonderen und der sozialdemokratischen fampjes, die unser inneres, geistiges Parteileben seit einem Sozialismus, gegen eine Art Bildung" der Massen, von Taftit im allgemeinen einander entgegenstanden. Auf der Jahrzehnt beherrscht: die Auseinandersetzung zwischen der sich die deutsche Arbeiterschaft bereits vor 40 Jahren einen Seite partikularistische Überschäzung der süddeutschen bem Standpunkt des unerbittlichen, schroffen Klassen gerade in Nürnberg losgesagt hatte. Die Parteischule Eigenarten", auf der anderen die Auffassung, daß es kampfes, dem das sozialistische Zukunftsideal, das End- kann allerdings solchen Bestrebungen nicht gerecht werden. teine gesonderte bayerische, badische und württembergische ziel als Leitstern in allem Tun voranleuchtet, und dem Sie war vom Augenblick ihrer Gründung und bleibt in Sozialdemokratie gibt, sondern eine einige deutsche SozialStandpunkt des unbewußten Kompromisses mit der be- der Zukunft gerade die Pflanzſtätte theoretischer Einsicht, demokratie, für die dieselben Gesichtspunkte des Klassenstehenden Ordnung, dem ein ebenso unbewußter Skepti- fie stellt sich zur Aufgabe, gerade die streng wissenschaft- tampfes im Norden wie im Süden maßgebend und richzismus inbezug auf das sozialistische Endziel zugrunde liche Theorie des proletarischen Klassenkampfes den Prole tungfeßend find. Auf der einen Seite Überschätzung der liegt und gleichzeitig damit eine überschäzung der auf tariern felbft beizubringen, das scharfgeschliffene Schwert parlamentarischen Errungenschaften und der sozialreformedem Boden des Bestehenden erreichbaren Reformen und ihrer Befreiung ihnen selbst in die Hand zu drücken. Und rischen Konzessionen, die man von den herrschenden Klaffen Besserungen. Die Joeenkämpfe, die um das was und Wie der Parteitag hat diese Richtung der Parteischule gut erringen kann, auf der anderen Seite der Standpunkt, der Betätigung in unseren Reihen entbrennen, sind weder geheißen, er hat die junge Gründung als eine Notwendig- daß bei allem Nachdruck im täglichen Kampfe um positive die Schuld einzelner Bersonen, noch eine krankhafte Neuße feit und eine wichtige Bereicherung der Rüstkammer der Errungenschaften und sozialreformerische Konzessionen rung des Parteilebens. Im Gegenteil, sie sind ein un Sozialdemokratie anerkannt und zu weiterem Fortschreiten diese doch immer an unserem Endziel gemessen und als bloße Abschlagzahlungen eingeschätzt werden müssen, vermeidliches, historisch bedingtes, deshalb auch völlig nor auf derselben Bahn ermuntert. Zweiter Gegenstand größerer Meinungsgegensäge war die niemals unserer grundsäglichen Opposition und unserer males Ergebnis unseres Wachstums. Mit ihm ist einerseits der Zulauf großer Schichten aus dem Kleinbürgertum ver- die Maifeier. Hier galt es, der Unzufriedenheit Aus- unversöhnlichen Feindschaft zum Klaffenstaate im geringsten bunden, andererseits die naheliegende Versuchung, mit druck zu verleihen, die im letzten Jahre die ungenügenden Abbruch tun dürfen. Auf der einen Seite die irrige Ander so mächtig angewachsenen Anhängerarmee nun- Fortschritte der Maifeier in weiten Kreisen der Partei- nahme, daß wir die indifferenten Massen nur durch allermehr positive, greifbare, klingende Erfolge zu erzielen. und Gewerkschaftsgenossen hervorgerufen haben. Jahr lei Brocken positiver Besserungen für uns gewinnen können, Nur eine völlig oberflächliche Borstellung von dem Werde- für Jahr steht die Maifeier auf der Tagesordnung des auf der anderen Seite die fiberzeugung, daß wir die Ges " 182 folgschaft und das Vertrauen der Massen vor allem durch unsere rücksichtslose Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung und durch unser sozialistisches Zukunftsideal gewinnen. Es waren zwei grundverschiedene Theorien des politischen Kampfes, die sich gemessen haben, zwei Theorien, die so gegensätzlich sind wie bürgerliche Reformpartei und proletarisch-revolutionäre Klassenpartei. Es ist daher kein Wunder, daß eine Verständigung sich als äußerst schwierig erwies, daß aber auch die Debatten lang und bei allerSachlich- keit leidenschaftlich waren. Die Auseinandersetzung wurde außerdem noch dadurch ungemein erschwert und verschärft, daß die süddeutschen Genossen einen Gegensatz mehr in die Debatte hineinwarfen. Sie erklärten vom ersten Augenblick an kategorisch: was immer der Parteitag in Sachen der Budgetbewilligung gegen unsere Auffassung beschließen möge, wir fügen uns nicht. Damit wurde der prinzipielle Streit zugleich zum Streit um die Parteidisziplin, ja, uni die Einheit, um den Bestand der Partei selbst. In der Tat: die Sozialdemokratie ist eine demokratische Partei, sie ist die Kampforganisation des klassenbewußten Proletariats. Als eine Massenpartei, die die Befreiung des arbeitenden Volkes durch das arbeitende Volk selbst bewirken will, muß sie naturgemäß den bewußten und klaren Willen der Mehrheit zur bindenden Richtschnur für ihre ganze Anhängerschaft macheu. Ohne Unterordnung aller Kampfgenossen vom obersten Führer bis zum einfachen Soldaten unter den Willen der Mehrheit gibt es keine proletarische Parteiorganisation, keine Sozialdemokratie. Ohne strenge Unterordnung unter den Willen der Mehrheit, das heißt der klassenbewußten proletarischen Masse, würde die Sozialdemokratie bald zum Werkzeug von Parlamentariern, Funktionären und Literaten werden, würde sie zu einer Karikatur auf eine Proletarische Partei herabsinken und dem Ruin entgegengehen. In Italien und eine Zeillang auch in Frankreich haben solche Unabhängigkeitsgelüste sozialistischer Parlamentarier und Literaten die proletarische Partei an den Rand des Verfalls gebracht. In der deutschen Sozialdemokralle war eine offene Rebellion gegen die Parteidisziplin eine neue Erscheinung. Um so mehr galt es, dem gefährlichen Beginnen den ganzen Widerstand der alten sturmerprobten Parteidemokratie entgegenzusetzen. Und dies hat der Nürnberger Parteitag getan. Unbeirrt durch die unausgesetzten erbitterten Drohungen mit Aus- lehnung und Spaltung nahm der Parteitag mit über- wälllgender Majorität die Resolullon des Parteivorstandes an, die die Budgetbewilligung der drei süddeutschen Landtagsfraktionm als unvereinbar mit den Grundsätzen und Beschlüssen der Partei bezeichnet und für die künstige Stellung zur Budgetsrage feste Richtlinien zieht. Daß die Resolution weder ein Mißtrauens- noch ein Tadelsvotum für die Budgetbewilliger sein soll, wurde ausdrücklich erklärt. Wir erwarten, was wir wünschen, nämlich daß die süddeutschen Genossen, belehrt durch den unbeugsamen Widerstand der kompakten Parteimehrheit, Schulter an Schulter mit den bisherigen Kampfgenossen in fester Geschlossenheit und Treue wie bisher weiterkämpfen werden. Jedenfalls ist die Partei aus der ersten Krise dieser Art gestärkt, gefestigt, innerlich geschlossener hervorgegangen, als sie war. Die sozialistische Internationale, die mit Spannung auf die Verhandlungen in Nürnberg blickte, kann beruhigt sein. Die deuffche Sozialdemokratie bleibt, was sie war: die treue alte Garde der Marxschen Lehre des Klassenkampfes und das Muster der rein proletarischen Parteidisziplin. Nach den heißen und anstrengenden Debatten über die Budgeffrage fand der Parteitag noch Zeit, um noch drei wichtige Gegenstände zu erledigen: die Sozialpolitik, die Frage der Reichsfinanzreform und die Frage der Jugendorganisation. Der Molkenbuhrsche Vortrag über die Sozialpolitik gestaltete sich zu einem rein sachlichen Exempel auf die Richtigkeit jener Theorie des immer schärferen Klassenkampfes, die in den vorhergegangenen Debatten so glänzend gesiegt hatte. Bei dem Kapitel Sozialpolitik des neuesten Kurses, der Blockparteien, stand wieder lebendigst vor aller Augen, daß die Parole der herrschenden Parteien heutzutage immer größere Reaktion und nicht sozialpolillscher Forffchritt oder Demokralle ist, und daß allein die entschlossenste Kampfstellung des Proletariats der geschlossenen reaktionären Phalanx etwas Recht und Schutz für die Arbeitenden und Ausgebeuteten entreißen kann. Der Parteitag zog auch die richtigen Schlüsse aus dieser Situation, indem er die äußerst wichtige Resolution der Frankfurter Genossen annahm, wonach von Partei- und Gewerkschastskreisen eine große umfassende Massenagitallon zugunsten der Einführung des Neunstundentags als Vorstufe zur Erringung des Achtstundentags eingeleitet werden soll. Als ein Gegenstück und eine Ergänzung der Stellungnahme des Parteitags zur Maifeier bezeugt auch dieser Beschluß, daß die eigentliche Kraft, die dem steinigen Boden der kapita- listischen Gesellschaft sozialreformerische Früchte zu entlocken vermag, nicht in den Parlamenten liegt, sondern in den Massen, in chrer Entschlossenheit und Kampstüchtigkeit. Die Gleichheit In der Frage der Jugendorganisation hat der Parteitag eine glückliche Lösung gefunden, die sowohl den gewerkschaftlichen wie den Parteikreisen annehmbar war. In Ubereinstimmung mit den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses sprach er sich für die Gründung von örtlichen Kommissionen zur Förderung der proletarischen Jugendbildung aus, zugleich aber anerkannte er das Existenzrecht selbständiger, unpolitischer Jugendorganisationen, die aus der Initiative der jungen Proletarier selbst entstehen. Der Jugendbewegung ist also freie Bahn geschaffen und die tatkräftige Unterstützung der reifen Arbeiterbewegung gesichert. Die nächste Zukunft muß zeigen, welche Formen dieses jungen Sprosses des großen Klassenkampfes sich als die lebensfähigsten und zweckentsprechendsten erweisen werden. Endlich hat der Parteitag in der Frage der Frauen- organisallon den ihm vorgelegten Organisallonsvorschlag akzeptiert, die Frauenkonferenzen auch weiterhin als nützlich und notwendig anerkannt und eine Vertreterin der proletarischen Frauen, Genossin Luise Zietz als Beisitzerin in den Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie gewählt. Mögen die Genossinnen überall mit regstem Eifer an die Arbeit gehen, um zu erfüllen, was die Partei von der festeren Eingliederung der proletarischen Frauenbewegung in ihren Heerbann erwartet: regste Agitation unter dem weiblichen Proletariat, theorellsche und praktische Schulung der weiblichen Mitglieder. Der Parteitag klang in einem vollen Akkord internationaler Solidarität aus. Er stimmte debattelos einer Resolution zu, welche der augenblicklichen wüsten Kriegshetze in England und Deutschland die Bekundung brüderlicher Gesinnung des deuffchen Proletariats entgegenstellt und dieses auftecht, mit starker Hand den bedrohten Frieden zu schirmen. So ist die getane Arbeit reichlich und ernst. Durch Kampf und Gegensätze zum festen Entschluß, zur einheitlichen Tat— das ist die geschichllich bedingte Bahn des Proletariats im großen wie im kleinen. Der Nürnberger Parteitag hat als ein Moment des inneren Lebens und Entwicklungsganges der Sozialdemokralle die ganze Lebensfähigkeit, Entwicklungsfähigkeit und unverwüstliche Kraft unserer Partei gezeigt. Sein Werk wird fördernd und befruchtend wirken— den proletarischen Massen zu Nutz, der herrschenden Ausbeuterwelt zum Trutz. Schulspeisung. Von Luise Kautskp. VIII. In Holland ist seit 1899 der Volksschulzwang eingeführt, und seitdem datieren auch die Bestrebungen, die Gemeinden für den Unterhalt der bedürftigen Kinder heranzuziehen. Zahlreiche private Fürsorgeanstalten existierten bereits seit langem, aber es erwies sich hier wie überall, daß sie gänzlich unzureichend sind, und daß die Gemeinden ihres Amtes walten müssen, wenn Einheitlichkeit und wirklicher Nutzen erzielt werden soll. Die Privatanstalten zur Fürsorge für bedürftige Schulkinder sind oft aus Mangel an Mitteln gezwungen, die Zahl der Rationen einzuschränken. Ost gewähren sie nur viermal, dreimal, ja gar nur zweimal wöchentlich eine Mahlzeit und haben dennoch immer mit Defizit zu kämpfen. In Dänemark wurde am 23. Mai 1992 ein eigenes Gesetz über die Schulspeisung erlassen. Wir entnehmen dem Wortlaut desselben der gebotenen Kürze halber nur einige wichtige Stellen. 1..Das in den Schulküchen auf Kommunekosten zubereitete Essen soll in der betreffenden Schule den Schülern gewährt werden, deren Verhältnisse im Elternhause nach Ansicht der Kommunalverwaltung es erfordern; diese Speisung soll nicht als Armenunterstützung gelten. 2.„Die Kommunalverwaltung kann den Vereinen zur Speisung armer Schulkinder in den Monaten Dezember bis März einen Beitrag gewähren, doch darf derselbe den Betrag nicht übersteigen, den die privaten Kreise selbst in diesem Zeilraum aufbringen. Die Ermächtigung zur Aus- wersung größerer Beiträge aus der Kommunalkasse wird für die Landgemeinden nur vom Amtsrat erteilt, für Kopenhagen und die übrigen Städte nur von dem Minister des Innern." In der Reichstagssession 1996 bis 1997 legten die Sozialdemokraten einen neuen Gesetzentwurf vor, der den zwetten Teil des Gesetzes von 1992 abänderte. Sie forderten, daß„die Schullommissionen, respektive die Schul- direttionen in jeder öffentlichen Freischule in den vier Wintermonaten für warmes Essen für jedes Kind sorgen. Für arme Kinder erfolgt die unentgeltliche Speisung sogar dann, wenn die Eltern nicht darum ersuchen, sondern wenn Lehrer oder Lehrerinnen oder sonsttge Behörden sie für notwendig erachten. Nie darf die Speisung als Armenunterstützung betrachtet werden. Die Ausgaben für die unentgeltliche Speisung sowie für die Einrichtung der notwendigen Küchen und Speiselokalitäten werden der Gemeindekasse zur Last gelegt. Die Hälfte dieser Ausgaben soll den Gemeinden aus dem Schulfonds der Staatskasse zurückerstattet werden. Dieses Gesetz tritt im Dezember 1997 in Kraft, und es wird dadurch der zweite Teil des Gesetzes von 1992 annulliert." Der sozialdemokratische Abänderungsantrag wurde einer Kommission zu weiteren Erhebungen überwiesen. Nr. 20 Ein Blick auf die Schulspeisung in Dänemark zeigt augenblicklich folgendes Bild: In sämtlichen Freischulen Kopenhagens, deren Zahl 25 mit 32563 Schülern beträgt, ist die Speisung eingeführt. Offiziell erfolgt sie durch einen privaten Verein, dem die Kommune 25999 dünische Kronen (l Krone gleich 1>/° Mark) beisteuert. Im Winter 1996 bis 1997 wurden 9146 Kinder von Anfang Januar bis Ende März täglich mit zwei warmen Gerichten gespeist. Die Gesamtausgaben hierfür beliefen sich auf 33 399 Kronen. Die Konimune gewährt allen Schulküchen Lokalitäten, Beleuchtung und Heizung unentgeltlich. In den Gemeinden der Provinz wird in verschiedener Weist für die notleidende Schuljugend gesorgt. Die Kommunalverwaltung der drei Gemeinden Hörsholm, Torrild, Vejle hat allein, ohne Mithilfe von privaten Vereinen, die Speisung in die Hand genommen. In den acht Gemeinden Helsingör, Holbäk, Nyköbing auf Falfler, Viborg, Aarhus, Holsens, Silkeborg, Esbjerg gewährten die Gemeinden Geld und Lokalitäten usw. solchen Vereinen, die die Schülerspeisung übernahmen. Die Verwaltung von weiteren elf Gemeinden stellte unentgeltlich Lokalitäten, Feuerung, Licht usw. für die Vereine, die ihrerseits für die Speisung sorgten. Es erwuchsen den 22 Gemeinden infolge ihrer verschiedenen Maßregeln insgesamt 38992 Kronen an Unkosten, und 6517 Kinder erhielten täglich teils zweimal warmes Essen, teils eine Mahlzeit, teils auch nur Milch und Brot. In Dänemark wurden also im Winter 1996 bis 1997 zusammen 15 663 Kinder gespeist, die Aufwendungen für diesen Zweck beliefen sich aus 76482 Kronen. Bei den 22 in Betracht kommenden Kommunen handett es sich um 19 städtische und 3 Landgemeinden. über die Schweiz liegen uns detaillierte Bericht« zu dieser Frage nicht vor. 1895 wurde eine Enquete veranstaltet, derzufolge es 3999 Schulen mit etwa 475 999 Schülern gab. Von 26594 Zöglingen, die in der Schule aßen, wurden 24566 unentgeltlich gespeist. 32 Schulen gaben das ganze Jahr, 699 nur im Winter eine Mittagsmahlzeit. 14815 Schüler mußten bis zu einer Stunde weit in die Schule gehen, 2463 mehr als eine Stunde. Einem guten Ansatz zur sozialen Fürsorge für die Kinder begegnen wir in der Schweiz in der Einrichtung, daß Kinder, die mit nassen Schuhen und Strümpfen in die Schule kommen, dort trockene Strümpfe und Pantoffeln erhalten. Während der Unterrichtsstunden werden die Sachen getrocknet, und das Kind kann, ohne Schaden an seiner Gesundheit zu nehmen, wieder heimkehren. Doch liegt in der Schweiz die Ernährung und Bekleidung der Schulkinder fast überall in privaten Händen und wird von kommunaler und kantonaler Seite bloß mit Geldmitteln unterstützt. Ein Teil der hierfür aufgewendeten Summen wird aus dem Ertrag derSteuer auf denAlkohol gewonnen.' Eine Ausnahme macht Zürich. Einer Denkschrift zum sozialdemokratischen Kommunaltag in Zürich, � 23. bis 24. Mai 1998' entnehmen wir, daß im Jahre 1997 während der Wintermonate ans Kosten der Stadt 3589 Kinder mit Suppe, Brot und Zulage zu MUrag gespeist wurden und 715 Kinder Frühstück erhielten. Diese Speisung kostete Zürich 47 745 Fr. Die Stadt verausgabte außerdem 26 399 Fr. für I u g e n d h o r te, in denen an den Nachmittagen unter der Obhut eines Lehrers sich solche Kinder aufhalten können, die zu Hause keine Aufsicht haben. Die Kinder bekommen dort ein aus Brot und Milch bestehendes Abendbrot. 773 Kinder wurden 1997 in dieser Weis« beaufsichtigt und versorgt. Außerdem wurden in Zürich während der Sommerferien Milchkuren durchgeführt, in denen 951 Kinder während drei Wochen täglich zweimal Milch und Brot erhielten. 1997 betrugen die Kosten dafür 4737 Fr. In der Rubrik„Sozialpädagogische Fürsorge" finden wir überhaupt zahlreiche Posten, die wir gern in allen Gemeindebudgets aufgenommen sähen. Daß sie in dem Etat der Stadt Zürich stehen, ist dem kräftigen Anstoß zu verdanken, den die sozialdemokratisch« Arbeiterpartei unter Zustimmung der übrigen Bevölkerung der Kommunalpolitik gegeben hat. In den übrigen Kantonen bemüht man sich nach Kräften, dem Beispiel Zürichs nachzuahmen; Ziffern über das, was geleistet wurde, liegen uns nicht vor. Wir möchten diese Studie mit einem Blick nach dem hohen Norden abschließen. Unsere tapferen finnischen Genossinnen hielten in Hel- singfors am 9. und 19. Februar 1993 ein« Konferenz ab, aus der 22 sozialdemokrattsche Frauenorganisationen durch 26 Delegierte vertreten waren. Es wurden die Ausgaben und Pflichten der Gemeinden erörtert und dabei auch die Einrichtung von Schulküchen gefordert. Es wurde beschloffen, die Forderung mit dem Antrag der sozialdemokratischen Landtagsfraktion über den allgemeinen Schulzwang zu verbinden und gleichzeitig für die gründliche Neugestaltung des Schulwesens einzutrelen. Unsere Genossinnen bekundeten also auch auf dem Gebiet der Sozialpolitik dieselbe klare grundsätzliche Reife der Erkenntnis, die sie in der Frage des Frauenstimmrechts betätigt haben. Sie weisen von Anfang an die bei den Bürgerlichen aller Schattierungen so beliebten Palliativmittelchen zurück, und den Bick fest auf das Ganze gerichtet, stellen sie sogleich die weitestgehenden grundsätzlichen Forderungen. Wie erbärmlich sticht davon das Verhalten der herrschenden Klasse in Öfterre ich ab, wo dieses Jahr zur Feier des 69 jährigen Regierungsjubiläums Franz Josefs I. der Ministerrat der Offenllichkeit„eine große Fürsorgeaktion für daS Kind" empfahl.„Der patriotischen Ops erwilligkeit und dem « S. Binck, I/alimentutiou et le Vötewent äes enkant» en äge ä'öoole. Brüssel. � ' Ter GcmeindesozialismuS der Stadt Zürich. P. Pstüger, Zürich, Ärütliverein. > Nr. 20 Gemeinsinn der österreichischen Völker/ so erklärte er,„eröffnet sich damit ein weites Gebiet der Betätigung. Indem der Staat seine Fürsorge dem Kinde zuwendet, sorgt er auch für seine eigene Zukunft; aber so groß auch sein Interesse am Schicksal des Kindes ist, so wenig vermag er trotz der Fülle seiner Machtmittel hier unmittelbar einzugreifen/... „Mit der Alters- und Jnvaliditätsversicheruug wird das Werk der sozialen Versicherung, soweit es auf den Staat ankommt, zum Abschluß gelangen. Für das Kind aber verfügt der Staat über solche Mittel der Fürsorge nicht. Er kann nur anregen, leiten, organisieren/... Der ministerielle Aufruf schließt in der üblichen Weise, indem der Bettelsack geschwungen und den edlen Spendern die verdient« Belohnung durch Veröffentlichung ihrer Namen in Aussicht gestellt wird. Klipp und klar wird also hier gesagt, daß der Staat die Mittel nicht hat, das Qbel an der Wurzel zu packen.„Für Gefängnisse hat der Staat immer Geld, für eine ausreichende Vorsorge, daß dem Elend und Verbrechen beizeiten die Opfer entrissen werden, hat er keine Mittel/ so bemerkte treffend die„Wiener Arbeiterzeitung' zu diesem Erlaß. Und«in gut bürgerlicher Arzt, der die Gelegenheit dieses Erlasse? benutzte, um für ein von ihm schon längst erstrebtes, unumgänglich notwendiges Kinderspital bei einem verehrlichen Publikum zu betteln, brach in die Klag« aus:„Wie oft mußte ich beim Anblick kranker Kinder denken: Armer Junge, wir kurieren dich, so gut wir können, wir betteln für dich bei guten Menschen— aber der Staat kümmert sich um dich erst, wenn du kriegZdiensttauglich geworden; bis dahin hat er für dich nichts übrig.' Zu VO Zentimes täglicher Erhaltungskosten für einen Hund verurteilt« ein belgischer Richter einen Mann, der sein Tier nicht genügend nährte.„Sollte da der Staat nicht imstande sein, S3 ZenttmeS für die Erhaltung eines Kindes täglich aufzuwenden?' rief Genosse Vinck aus, als er die obligatorische Schulspeisung für ganz Belgien forderte. Wohl preßt die Staatsgewalt dem Arbeiter von seiner frühesten Jugend an den sauer erworbenen Verdienst in Gestalt von direkten und indirekten Steuern ab, wohl nimmt sie ihm seine schönsten kraftvollsten Jahre, um ihn in ihren Militärdienst zu zwingen; wenn aber derselbe Arbeiter, der all« Werte produziert, von dieser Staatsgewalt oerlangt, sie solle ihm fem Kind mit den ihm abgenommenen Eteuergroschen ernähre» helfen, so schreit die bürgerliche Gesellschaft Zetermordio. Auf seine Forderung antwortet sie mit dem Vorwurf, der Proletarier sei unmoralisch und kenne kein Verantwortlichkeitsgefühl als Vater. Hinter der Staatsgewalt, die den Kindern nicht helfen kann, stehen die besitzenden, die herrschenden Klassen, die nicht helfen wollen. DaS erweist recht deutlich daS Verhalten des Berliner Kom- munalfreistnns in der Frage. Dieselbe Berliner Stadtverordnetenversammlung, die nach endlosem Feilschen ganze 2S«)0 Mk. zur Speisung der hungernden Schüler bewilligte. hat eS fertig gebracht, die Frag« der Schulspeisung zu einer Armenunterstützungsfrage zu machen. Mit 4S gegen 30 Stimmen beschloß sie, daß von nun an die Eltern der nahrungSbedürstigen Kinder sich an das Armendepartement zu wenden hätten. Trotz schärfster Gegenwehr der sozialdemokratischen Fraktion und eines Teils der Linken, der noch nicht alle Scham verloren halte, wird in Berlin von nun an die Armenverwaltung in der Sache zu entscheiden haben. Die bürgerliche Presse fand diesen Beschluß ganz in der Ordnung, brach in ein Jubelgeheul aus und konnte sich nicht fassen vor Freude darüber, daß durch die betreffende Bestimmung vielleicht wieder eine erkleckliche Anzahl.Roter',.Unzufriedener' politisch mundtot gemacht worden sei. Der Proletarier geht als Armenunterstützter feines Wahlrechts verlustig, oder aber er muß seine Kinder hungern lassen. Und wie entrüstete sich die Welt der„Gutgesinnten' bei dieser Gelegenheit wieder über die Mütter, diese gegen ihre eigenen Kinder gleichgültigen Weiber, die aus purer Trägheit verlangen, daß der Staat, die Gemeinde ihre Kinder füttere! Die Bourgeoismeute besitzt die Unverfrorenheit, der armen geplagten Proletarierin zum Borwurf zu machen, was das Verbrechen der kapitalistischen Ausbeutung ist, welche die Mutter früh morgens vom Herde zum Frondienst in die Fabrik reißt oder sie als elend entlohnte Heimarbeiterin zur Vernachlässigung von Haushalt und Kindern zwingt, denn sie muß ja zu des Mannes kargem Verdienst noch einige blutige Groschen hinzu verdienen. Wo bleibt der Vorwurf des mangelnden Verantwortlichkeitsgefühls, der Faulheit, der Liederlichkeit, der Gleichgültigkeit, mit dem man die Arbeiterftau so reichlich bedenkt, der Bourgeoisdame gegenüber, die keinen Moment zögert, wenn ihr die Erziehung ihres Kindes auch nur die geringst« Schwierigkeit bereitet, dieses in Pensionen, Internate, Landerziehungsheime zu geben und so alle mütterlichen Verpflichtungen auf ander« abzuwälzen? Aber alle Schmähungen, alle Einwände gegen die Forderung sozialer Fürsorge für die Schulkinder dürfen die Prole- tariermnen nicht veranlassen, im Kampfe für die Verwirklichung unserer Forderungen zu erlahmen. Sie müssen vielmehr mit aller Energie für das Ziel wirken, das Klara Zetkin und Heinrich Schulz in ihren Leitsätzen über die Volkserziehung(Mannheimer Parteitag) folgendermaßen formuliert haben:.Nicht minder wichtig ist die unentgeltliche Verpflegung in allen öffentlichen Schulen, da nur bei genügend genährtem Körper ein körperliches und geistiges Arbeiten möglich ist. Auch die Einbeziehung der Kinderder Wohlhabenden in die schlichte aber nahrhafte öffentliche Verpflegung ist für diese körperlich und seelisch nur ein Vorteil und bewahrt außerdem die öffentliche Verpflegung vor dem Odium des Almosens/ Die Gleichheit Darum, Genossinnen, seid unermüdlich in der Agitation für diese Ideen. Verabsäumt keine Gelegenheit, sie unter die Massen der proletarischen Frauen zu tragen. Sorgt dafür, daß in die Parlamente und Kommunalvertretungen Männer entsendet werden, welche die in Frage kommenden Reformen mit Nachdruck und Treue verfechten. Erweckt die Frauen zum Interesse an allen öffentlichen Angelegenheiten, indem ihr ihnen beweist, daß sie ihre eigenen Angelegenheiten und die ihrer Familie sind. Die vorliegenden Beispiele zeigen, was sogar vereinzelte Rufer im Streit in einer öffentlichen Körperschaft wirken können. Mögen sie die Genossinnen anspornen, nach ihren Kräften dazu beizutragen, daß in jeder Gemeinde unsere Vertreter sich mehren, unsere Ideen durchdringen, unsere Stimmen den Ausschlag geben, wenn es gilt, dem proletarischen Nachwuchs die körperliche und geistige Kraft zu stärken und ihn dadurch zu befähigen, die Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle aufzubauen und zu tragen. Die Gewerbeaufsichtsbeamten über die Frauenarbeit in Preußen. Die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten in Preußen haben in diesem Jahre ein besonderes Interesse für uns deshalb, weil sie ausführlichere Mitteilungen über die ltber- arbeit in den Werkstätten der Kleider- und Wäschekonfektion enthalten. Bekanntlich hat eine kaiserliche Verordnung im Jahre 1897 die ZZ ISS bis 139 und den Z 139 b der Gewerbeordnung, also die Schutzbestimmungen für die in den Fabriken beschäftigten Kinder und Arbeiterinnen, mit einigen Abänderungen auf die Werkstätten ausgedehnt, in denen die Anferttgung oder Bearbeitung von Männer- und Knabenkleidern, Frauen- und Kinderkleidung sowie von weißer und bunter Wäsche im großen erfolgt. Sieben Jahre später dehnte eine zweite kaiserliche Verordnung den Kreis der Werkstätten, auf die jene Schutzbestimmungen Anwendung finden, weiter aus. Die Schutzbestimmungen sollten auch für die Werkstätten gelten, in denen Frauen- und Kinderkleidung auf Bestellung nach Maß für den persönlichen Bedarf der Besteller angefertigt oder bearbeitet wird, ferner für die Werkstätten, in denen Frauen- und Kinderhüte besetzt werden. Die Verordnungen haben aber den Betriebsleitern das Recht eingeräumt, an M Tagen im Jahre die Arbeiterinnen über 13 Jahre bis zu 13 Stunden beschäftigen zu dürfen. Die Erhebungen der Gewerbeaufsichtsbeamten ergeben nun, daß die llberarbeit in verhältnismäßig viel Betrieben und meistens an den Sonnabenden üblich ist. Eine genaue Angabe darüber, wie viele Arbeiterinnen llberarbeit leisten müssen, ist freilich unmöglich. Denn es fehlt jede ernsthafte Kontrolle darüber. Die Verordnungen schreiben freilich vor, daß die Betriebsleiter jeden Tag, an dem sie Überstunden machen lassen, aus einer Tafel vor Beginn der Überarbeit eintragen und daß sie die Tafel an einer in die Augen fallenden Stelle der Werkstätte aushängen sollen. Wie es mit dieser Art von Kontrolle in der Praxis aussieht, dafür einige Belege aus den Berichten. Regierungsbezirke Königsberg und Allenstein: Die Kontrolle darüber, ob in Wirklichkeit nur an 30 Tagen im Jahre llberarbeit stattfindet, ist sehr schwer, da die Geschäftsinhaber in vielen Fällen nur dann Vermerke auf die Kalendertafel machen, wenn sie eine Revision oder eine Anzeige durch die Arbeiterinnen fürchten.— Landespolizei- bezirk Berlin: Die jetzige Einrichtung der Verzeichnisse bietet kein« Gewähr für eine wirksame Kontrolle.— Regierungsbezirk Hildesheim: Die Kontrolle der llberarbeit durch die vorgeschriebene überarbeitstafcl hatte Schwierigkeiten. Denn ob die Eintragung der llberarbeit überhaupt gemacht worden war, ließ sich im allgemeinen nur durch eine Revision während der Überarbeit ermitteln. Da der Gewerdeaufsichtsbeamte aber vorher von der Überarbeit nicht benachrichtigt wird, ist es mehr oder weniger Zufall, wenn er gerade während der llberarbeit den Betrieb besichtigt. An den aushängenden Tafeln konnten die Beamten öfters nicht erkennen, ob die Überarbeitstage für das ganze Jahr eingetragen waren.— Regierungsbezirk Arnsberg: Die Kontrolle in den Konfektionsiverkstätten ist sehr schwierig. Die Tage, an denen die Arbeiterinnen llberarbeit leisten müssen, tragen in vielen Betrieben die Unternehmer nicht rechtzeitig auf der Kalendertafel ein. Daher ist es kaum möglich, die Zahl der Überarbeitstage zu ermitteln. Ebenso läßt sich nur ausnahmsweise feststellen, ob die Arbeiterinnen an den Tagen, an denen Überarbeit eintritt, nicht länger als bis 10 Uhr abends arbeiten müssen. Denn die Beamten können nicht nach 10 Uhr abends in die Wohnhäuser, in denen die kleineren Betrieb« sich befinden, eindringen. So viel haben aber die Beamten festgestellt, daß sehr oft die Betriebsleiter ihre Arbeiterinnen zur Überarbeit zwingen, ohne daß ein wirklich dringender Grund für sie verliegt. Da llberarbeit so leicht möglich ist, greifen viele Betriebsleiter zur llberarbeit, um einer Kundin ein Kleid oder einen Hut sofort zu liefern. Die Konkurrenz zwingt dann oft genug auch solche Unternehmer, die von der Überarbeit gar nicht erbaut sind, zu derselben rücksichtslosen Ausbeutung der Arbeiterinnen. Und dies kommt um so häufiger vor, weil vielfach die Arbeiterinnen, die in einem festen Wochen- oder Tagelohn stehen, die llberarbeit ohne jede Entschädigung oder gegen das Versprechen leisten müssen, daß sie in der stillen Geschäftszeit kurze Ferien unter Fortbezug des Lohnes machen dürfen. Hier zeigt sich, wie notwendig es wäre, daß unsere Gesetzgebung— um das neueste Vorbild zu erwähnen— dem guten Beispiel des Arbeiterinnen- I8Z schutzgesetzes für den Kanton Bern folgte. Denn dieses Gesetz verpflichtet die Unternehmer, für alle llberarbeit einen besonderen Lohn zu zahlen, der wenigstens 2S Prozent höher als der gewöhnliche Lohn sein muß, und den Arbeiterinnen mit festem Wochen- oder Tagelohn jedes Jahr Ferien zu gewähren. Das Beste aber wäre das unbedingte Verbot der llberarbeit, das hier ganz gewiß notwendig und durchführbar ist. Jede Halbheit führt in diesen Werkstätten zu schweren Mißständen, weil leider noch viele der beteiligten Arbeiterinnen aus Mangel an Aufklärung die schrankenlose Ausbeutung unterstützen, die sich gewissenlose Unternehmer erlauben. So beschwert sich der Berichterstatter über den Regierungsbezirk Minden: Die Feststellung, ob und inwieweit in den einzelnen Fällen unzulässige llberarbeit vorliegt, wird den Beamten durch das Verhalten der Arbeiterinnen, die auf Befragen meistens entweder gar keine oder keine wahrheitsgemäßen Antworten geben, sehr erschwert. Ebenso führt der Berichterstatter über den Regierungsbezirk Hildesheim an, daß Beftagungen der Arbeiterinnen, ob llberarbeit vorgekommen sei, ein genügende? Ergebnis nicht zu haben pflegen. Selbst in einer Stadt wie Berlin machen„die Arbeiterinnen erfahrungsgemäß häufig erst dann der Wahrheit entsprechende Aussagen, wenn sie unter dem Zeugeneide vernommen werden'. Wie viel Arbeit hat hier unsere Aufklärung noch zu leisten! Um aber eine Umgehung des Verbots der Überarbeit zu verhindern, muß auch die Mitnahme von Arbeit nach Haus« verboten werden. Schon jetzt macht sich in einigen Bezirken dieser übelstand bemerkbar. Endlich müssen die Schutzvorschristen ausdrücklich auf die sogenannten Lehrfräuleins und auf die Arbeiterinnen ausgedehnt werden, die auch beim Verkauf im Laden mithelfen. Denn so lange das nicht der Fall ist, finden Betriebsleiter Vorwände zu Ausreden, um die Schutzvorschriften zu umgehen. Endlich müssen wir uns gegen den Vorschlag einiger Berichterstatter wenden, daß die Revisionen der Werkstätten in der Hauptsache der Polizei überlaffen bleiben sollen. Als Grund hierfür wird angeführt, daß die Revisionen verhältnismäßig einfach sind und die Gewerbeaussichtsbeamten ihre Zeit besser für ihre schwierigeren Aufgaben verwenden können. Diese Gründe sprechen aber nur für die Erfüllung der alten Arbeiterforderung, daß den Gewerbeaufsichtsbehörden Hilfsbeamte aus den Reihen der praktisch erfahrenen Arbeiter und Arbeiterinnen beigegeben werden. Diese sind viel besser geeignet, solche Besichttgungen vorzunehmen, als die Polizeibeamten. Im übrigen bestätigen die Berichte, daß noch immer die Arbeiterinnen sehr oft in den verschiedenen Betrieben weit über das zulässige Maß ausgebeutet werden. Die Schuld hieran liegt an der gegenwärtigen Klassenwirtschaft, die zwar sehr scharf gegen die umstürzlerischen Arbeiter, dagegen sehr entgegenkommend gegen die ihre Arbeiter ausbeutenden Unternehmer ist. Obgleich es bereits unzweifelhaft feststeht, daß Arbeiten wie Heben und Tragen schwerer Lasten sowie das stundenlang« Treten der Maschinen dem weiblichen Organismus ganz besonders schädlich sind, wird das Verbot, die Arbeiterinnen zu derartigen Arbeiten zu verwenden, noch immer nicht allgemein durchgeführt. Genau so verhält es sich in vielen anderen Beziehungen. Besser wird es nur in dem Maße, in dem sich auch die Arbeiterinnen den gewerkschaftlichen und politischen Organisationen anschließen und deren Druck auf unser öffentliches Leben verstärken. xb. Das Privatrecht.— Vertragsfreiheit. Das Recht zerfällt in zwei große Gebiete: Privatrecht und öffentliches Recht. Das öffentliche Recht regelt die Beziehungen des Menschen zu den mit zwingender Gewalt ausgestatteten Verbänden und die Beziehungen dieser Verbände untereinander. So umfaßt es das Staatsrecht, das Verwaltungsrecht, das Recht der Gemeinden und der Kommunalverbände, der Kirchen, umfaßt Völkerrecht, Strafrecht und Prozeßrecht. Es trägt in der Hauptsache zwingenden Charakter, wenn auch Ausnahmen vorhanden sind. So ist zum Beispiel die Ausübung des Wahlrechts, die Annahme der meisten Amter freiwillig. Das Privatrecht regelt die Beziehungen der einzelnen Personen zueinander, soweit sie nicht den Vorschriften des öffentlichen Rechts(zum Beispiel des Strafrechts) unterliegen. In der Hauptsache handelt es sich dabei um Vermögens- und Familieninteressen. Darum sind die Vorschriften hier zum überwiegenden Teil nicht zwingend, sie können vielmehr durch den Willen der Beteiligten abgeändert werden. Wenn zum Beispiel das Gesetz über die Kündigung in Miet- oder Arbeitsverträgen, über die Formen des Vertragsschlusses oder die Art der zu liefernden Kaufware Bestimmungen trifft, so enthalten diese die allgemeine Regel, die in Ermangelung abweichender Vereinbarung gilt. Diese Bestimmungen können aber durch den Willen der Vertragschließenden außer Kraft gesetzt werden(dispositives Recht). Eine Ausnahme davon machen eine Reihe von Bestimmungen, denen aus sozialen Gründen oder im Interesse der Verkehrssicherheit zwingender Charatter gegeben ist. So kann zum Beispiel die Vorschrift der Gewerbeordnung, die für Arbeiter und Arbeitgeber gleiche Kündigungsfristen festsetzt, der Satz des Mietrechts, der bei erheblicher Gesundheitsgefahr die sofortige Räumung der Wohnung gestattet, auch durch entgegenstehend« Verabredungen nicht aufgehoben werden. Diese sind vielmehr nichtig. Gleiches gilt von gewissen Formvorschriften, zum Beispiel für Wechsel oder Testamente. 184 Die Gleichheit Nr. 20 Manche RechtZgebiete stehen zwischen dem öffentlichen und dem Privatrecht. Zum Beispiel ist das Kirchcnrecht öffentliches Recht dort, wo die Kirche mit dem Staat verbunden oder als eine gleichberechtigte Körperschaft anerkannt ist. Allein es ist nicht mehr öffentliches Recht, sobald die völlige Trennung von Staat und Kirche durchgeführt ist. Das Vereinsrecht, das Eherecht, das Erziehungsrecht und andere gehören teils dem öffentlichen, teils dem Privatrecht an— dem ersteren, soweit die Stellung zu den staatlichen Aufsichtsbehörden, dem letzteren, soweit die der Beteiligten zueinander in Frage kommt. Und auch für die öffentlichen Körperschaften gilt Privatrecht, soweit sie nach der Art von Privatleuten Geschäfte abschließen. So gehört die Festsetzung der staatlichen Steuern dem Staats-, ihre Erhebung dem Verwaltungsrecht an, dagegen der Verkauf von Holz aus Staatsforsten, der Einkauf von Schreibmaterial für die Gerichte dem Privatrecht. Der Staat heißt in letzterem Falle Fiskus. Das Privatrecht zerfällt in Personen- und Vermögensrecht. Das Personenrecht wird gebildet durch die Rechtssätze über das Wesen und die rechtlich wirksamen Handlungen der Einzelnen und ihrer auf Freiwilligkeit beruhenden Vereinigungen und Einrichtungen. Zum Personenrecht gehört auch das Familienrecht als Regelung der geschlechtlichen Lebensgemeinschaft und ihrer Folgen. Das Vermögensrecht regelt die Stellung der Menschen im wirtschaftlichen Leben: das Verhältnis zu den Sachen, die den Menschen gehören(Eigentum, Besitz, Pfandrecht), und das der Menschen, die im rechtlichen Verkehr zueinander stehen(Vertragsrecht). In beide Gebiete ragen die Rechtsverhältnisse, die sowohl persönlicher als wirtschaftlicher Art sind: eheliches Güterrecht und Unterhaltsrecht der Kinder, Arbeits- und Dienstvertrag. Das Vertragsrecht umfaßt neben den allgemeinen Grundsätzen über Abschluß und Rechtswirkung der Verträge die Vorschriften über die einzelnen wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen zueinander: so den Kauf-, Miet-, Dienst-, Darlehensvertrag usw. In ihm drückt sich am klarsten und unmittelbar die wirtschaftliche Organisation unseres Gesellschastslebens aus, auf die aus dem öffentlichen Recht, zum Beispiel dem Strafrecht oder Staatsrecht, nur indirekt geschlossen werden kann. So finden wir im Preußischen Landrecht von 1794 eine Widerspiegelung der ausgeprägtesten Junkerwirtschast: Erbuntertänigkeit des Landvolkes, Züchtigungsrecht der Herrschaft usw. Und das Bürgerliche Gesetzbuch für das Deutsche Reich zeigt uns eine ausgebildete Verkehrswirtschaft von kapitalistischem Charakter, mit Aufrechterhaltung starker agrarischfeudalistischer Rechte(Fideikommisse, Gesindeordnungen und andere?) und daneben einigen zaghaften Ansätzen zu einem „sozialen" Recht. Das Familienrecht läßt die Vorherrschaft des Mannes erkennen, die jedoch schon durch eine Anzahl Rechts- sütze durchbrochen ist, die der Frau gleiches Recht einräumen. Drei Grundtriebe sind es, die den Menschen und das menschliche Gesellschaftsleben beherrschen: die Triebe der Selbsterhaltung(Hunger), der Arterhaltung (Liebe) und der Selbstbetätigung(Spiel und Gedanke). Das Bedürfnis, sich und die Seinen zu schützen, zu erhalten und zu fördern, führt zur Gemeinschaftsbildung. Entstanden aus der Blutsverwandtschaft, aber über deren enge Grenzen hinausgewachsen, erweist sich die Gesellschaft als das wichtigste Mittel zur Entfaltung und Erweiterung der Fähigkeiten und des äußeren Besitztums der Gesellschaftsgliedcr. Dieser allgemein wirksame Zwang zum Zusammenschluß— zur Vermeidung der Verkümmerung und selbst völligen Untergangs— erzeugt jenes gewaltige, unwiderstehlich wirkende Gefühl der Solidarität, wie wir es bei allen Völkern vor Eintritt der Klaffenscheidung finden- Gefestigt und erhoben wird es noch durch den Drang zum geselligen Anschluß, dem das mitinteressierte Gefühl der Sympathie entspringt, das sich zur idealen Hingabe an die Gemeinschaft und ihre Interessen steigert. In diesen Urgesellschaften ist das Wort: Einer für alle und alle für einen keine schönklingende Phrase, sondern der Ausdruck wirklicher Verhältniffe. In ihnen ist von einer Rechtsordnung in unserem Sinn noch nicht die Rede, denn eine solche hat ja getrennte und gegensätzliche Interessen zur Voraussetzung, die sie regeln und schlichten will. Am wenigsten existiert dort ein Privatrecht, weil die Unterlage des Privateigentums fehlt. Alles ist gemeinsam. Recht, Moral, Sitte, Religion sind noch ungetrennt, der Ausdruck einfacher und gemeinsamer Interessen. Mit dem Aufkommen des Privateigentums bildet sich das Recht als eine besondere Lebensregelung aus. „Richten" heißt eigentlich: gerade machen. Das Wort ist hergenommen von der Verteilung des Ackerlandes, das ursprünglich Gemeingut war, später zu zeitweiliger Benutzung, zuletzt dauernd als Eigentum an die Einzelnen vergeben(oder von den Mächtigen mit Gewalt, von den Schlauen mit List genommen) wurde. So bedeutet„Recht" zunächst Eigentumsordnung. Als sich dann zum Schutze des Eigentums und der Klaffenherrschaft der Besitzenden der Staat gebildet hatte, erhielt das Wort auch die Bedeutung: öffentliche Ordnung. Grundlegend und in letzter Linie entscheidend für das Recht ist die Organisation der wirtschaftlichen Interessen, die sich im Privatrecht ausdrückt. Das heute geltende Privatrecht beruht auf den Grundsätzen des Privateigentums, des Erbrechts, der Gleichheit vor dem Gesetz, der Freiheit der Person und der Vertragsfreiheit. Es entspricht das den wirtschaftlichen Grundlagen und Bedürfnissen der entwickelten kapitalistischen Produktion. Doch sind die betreffenden Grundsätze nicht rein zur Ausbildung gelangt. Neben und innerhalb der kapitalistischen Privatwirtschaft stehen kleine Überreste kommunistischer Gemeinwirtschaft, erheblichere Reste feudaler (auf Standesvorrechten beruhender) Familienwirtschaft, einige, allmählich wachsende Ansätze neuer Genosscnschafts- wirtschaft, namentlich aber, rasch wachsend, starke Einschläge neuer Staats- und Gemeindewirtschast. Unterliegen diese Reste und Ansätze usw. auch alle im allgemeinen den Rcchtssätzen, die für die kapitalistische Privatwirtschaft des freien Verkehrs gelten, so prägt sich doch die Verschiedenartigkeit der Herkunft und des Zweckes in mannigfachen Sonderbestimmungen aus. Dazu kommen sozialpolitische Einflüsse, die manche Schroffheit der kapitalistischen Wirtschaft gemildert, Ansätze zu künftigem Ausbau im Sinne des Gesamtinteresses und des Schutzes der menschlichen Persönlichkeit vor der Unterdrückung durch die Geldmacht geschaffen haben. Zum Teil stellen sie sich dar als Folgerungen aus dem Grundsatz der Freiheit und Gleichheit, der das bürgerliche Rechtsideal darstellt, aber durch die kapitalistische Übermacht fortwährend zurückgedrängt wird. So ist das Wucherverbot des Mittelalters in neuerer Zeit wieder zu Ehren gekommen, tz 133 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bestimmt:„Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig."' „Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Notlage, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren läßt, welche den Wert der Leistung dergestalt übersteigen, daß den Umständen nach die Vermögensvorteile in auffälligem Mißverhältnis zu der Leistung stehen." Die verklausulierte Form beeinträchtigt stark die Tragweite des Grundsatzes, der ja bei strenger Durchführung die kapitalistische Produktionsweise über den Haufen werfen müßte. Das ist natürlich nicht sein Zweck, vielmehr nur eine Abfeilung einiger der schlimmsten Ecken des Kapitalismus, namentlich in seiner altmodischen Form des Bauern- und Ofsizierswuchers. Nur ganz ausnahmsweise ist damit schon die Beschäftigung gegen Hungerlohn als Wucher getroffen worden. Konsequent durchgeführt, müßte der Satz fast die ganze Hausindustrie, das großstädtische Mietsgeschäft usw. abschaffen. Darum ist eben von einer konsequenten Durchführung keine Rede. Ahnliche Zwecke de? Schutzes vor übermäßiger Ausbeutung verfolgen die Vorschriften, die dem Richter das Recht geben, eine unverhältnismäßig hohe Vectra g s-(„Konventional"-)S traf e auf den angemessenen Bettag herabzusetzen(Bürgerliches Gesetzbuch 343)— diederKonkurrenzklaufel" Schranken setzen(ArtikelSIl des Einführungsgeseyes zum Handelsgesetzbuch, S 133 k. der Gewerbeordnung). Ferner wird der Grundsatz der persönlichen Freiheit nicht allein in bestimmten Rechtssätzen: Uneinklagbarkeit eines Eheversprechens; Ungültigkeit des Verzichtes auf bestimmte Schutzvorschriften für den Arbeiter(Bürgerliches Gesetzbuch 617 bis 619) oder den Mieter(544) zur Geltung gebracht, sondern auch in der ganzen Rechtsauslegung unserer Gerichte. Als ein Eingriff in die persönliche Freiheit würde sicher in einem Testament eine Bestinimung erklärt werden, daß ein Vermächtnisnehmer seine Religion oder seine polittsche Haltung ändern müsse. Gegenüber den Eingriffen in die politische und Koalitionsfreiheit der Arbeiter wird freilich eine weit größere Nachsicht geübt: in zahllosen Arbeitsordnungen und Arbeitsverträgen findet sich das Verbot der Zugehörig»- keit zu einer Gewerkschaft oder einem sozialdemokratischen Verein, ohne daß unsere Gerichte solche Vorschriften/ als gegen die persönliche Freiheit und damit gegen die guten Sitten verstoßend, für nichtig erklären. Im übrigen gelten die Rechtsgrundsätze von Treu und Glauben und freier Vertragsauslegung.„Verträge sind so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern."(Bürgerliches Gesetzbuch 157.) In gleicher Weise ist der Schuldner, das heißt der durch einen Vertrag Verpflichtete, zur Leistung verbunden(242). Und:„Bei der Auslegung einer Willenserklärung ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften" (133, 157). So haben wir es heute zu tun mit einem nicht ganz einheitlichen, aber ganz überwiegend kapitalistischen Rechtssystem, das, von der formalen Bindung früherer Zeiten befreit, dem Verkehrsbedürfnis angepaßt und frei auslegbar ist. Wir werden später seine Ausgestaltung im einzelnen auf dem Gebiet bettachten, das für die Arbeiterklasse das wichtigste ist: dem des Arbeitsvertrags. Simon Katzenstein. Die sozialistische Frauenkonferenz zu Nürnberg. Zahlreicher beschickt als eine ihrer Vorgängerinnen, von dem nämlichen Geiste zielklarer Erkenntnis und tatfreudigen Wollens beseelt wie sie, hat die Frauenkonferenz ihre Aufgaben erledigt. Auffällig groß war die Zahl der Dele- gierttn, die zum erstenmal an einer Tagung der Genossinnen teilnahmen. Schon dieser Umstand allein bezeugte, daß die proletarische Frauenbewegung neue Kreise ergriffen, in immer mehr Gegenden des Reiches festen Fuß gefaßt hat. Daß sie die Proletarierinnen nicht bloß packt, sondern ' DaS heißt ohne rechtliche Wirkunz. ES ist dann, als ob gar nichts vereinbart wäre. " DaS heißt der vertragsmäßigen Beschränkung der gewerblichen Tätigkeil eincS Angestellten nach Beendigung deS lausenden Dienstverhältnisses. zu überzeugten, leistungslüchtigen Genossinnen schult, wurde durch die Reife des Urteils, die Gewandtheil der Rede, die knappe Sachlichkeit bekundet, mit der die jungen wie die alten Trägerinnen der Bewegung die zur Behandlung stehenden Fragen erörtevten. Es war ein Bild blühenden, vorwärtsdrängenden Lebens, das Berichte und Beratungen auftollten, ein Bild, welches das hohe Lob als verdient erscheinen ließ, das Genosse Singer der Betätigung der Genossinnen im proletarischen Emanzipationskampf spendete. Der ausgiebige Meinungsaustausch der Delegierten, die aus allen Teilen des Reichs zu ernster, fleißiger Arbeit herbeigekommen waren, hat eine Fülle neuer, fruchtbarer Anregungen zur Förderung der proletarischen Frauenbewegung an den Tag gehoben. Stets war er vom Geiste herzlichen Einvernehmens getragen und ließ scharf erkennen, daß die Genossinnen trotz der seitherigen losen und vielgestaltigen Organisation eins sind in der Einsicht, welchem Ziel sie zustreben, welche Wege sie beschreiten müssen, wenn für die Gesamtheit des weiblichen Geschlechts die sozialen Vorbedingungen vollen Menschentums geschaffen werden sollen. Ebenso unzweideutig wie die Scheidung von jeder bürgerlichen Frauenrechtelei trat die innere Zusammengehörigkeit mit der allgemeinen politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in die Erscheinung. Sie wurde unter anderem auch durch die Beteiligung von Genossen an den Arbeiten der Konferenz beleuchtet. Die Anwesenheit zweier Vertreterinnen der österreichischen Genossinnen und Begrüßungsschreiben aus dem Ausland legten Zeugnis davon ab, daß die proletarische Fraueubeweaung aller Länder sich in dem einen sozialistischen Endziel solidarisch verbunden fühlt. Die Nürnberger Genossinnen, welche für den schönen Schmuck des Sitzungslokals und schwesterliches Willkommen der Delegierten gesorgt hatten, verfolgten die Beratungen der Konferenz mit lebendigem Interesse. Eine eingehende Würdigung der Arbeiten des Frauentags kann zu unserem großen Bedauern erst in nächster Nummer erscheinen. Der uns auf das Bestimmteste zugesagte Arttkel darüber ist unerklärlicher Weise bis zur Stunde nicht eingetroffen, wo diese Nummer— zeitiger als gewöhnlich infolge technischer Bedingungen— unter die Presse gehen muß. Wir bitten unsere Leserinnen, die Verspätung freundlichst zu entschuldigen, die auch der beste Wille nicht mehr abzuwehren vermochte. Zum Schlüsse nur so viel, daß den Leistungen der Frauenkonfercnz, dem sachlichen, hohen Niveau, auf dem sie sich hielt, allgemein und gerade nicht zum mindesten von den Genossen Anerkennung gezollt wurde. Die beweiskräftigste Quittung über ihre Bedeutung, ihren Erfolg erblicken wir darin, daß der Parteitag der Sozialdemottatie der Auffassung des Parteivorstandes beipflichtete, wonach auch in Zukunft Frauenkonferenzen stattfinden sollen. Die Tagungen der Genossinnen haben sich als wertvolles und unentbehrliches Glied in der Kette der Maßnahmen erwiesen, welche der Aufrüttelung der Proletarierinncn und der Schulung der Genossinnen dienen. Dank dem, was sie geworden sind und wirken, haben sie ihre Existenzberechtigung errungen. Resolutionen und Beschlüsse des Parteitags zu Nürnberg. I. Politische Frauenorganisation. I. Jede Genossin ist verpflichtet, der sozialdemokratischen Parteiorganisatton ihres Ortes beizutteten. Politische Sonderorganisationen der Frauen sind nicht gestattet. Uber das Fortbestehen besonderer Frauenbildungsvereine entscheiden die Genoffen und Genossinnen der einzelnen Orte. Die Mitgliedschaften in solchen Vereinen enthebt jedoch die Genossinnen nicht der Verpflichtung, den sozialdemoftatischen Parteiorganisationen anzugehören. 2. Unabhängig von den Vereinsabenden der Männer sind für die weiblichen Mitglieder Zusammenkünfte einzurichten, welche ihrer theoretischen und praktischen Schulung dienen. 3. Die Festsetzung der Beiträge für die weiblichen Mitglieder bleibt den einzelnen Organisationen überlasten. Empfehlenswert ist, die Beiträge für die weiblichen Mitglieder niedriger zu bemessen wie für die männlichen. 4. Die weiblichen Mitglieder sind im Verhältnis zu ihrer Zahl im Vorstand vertreten. Doch muß diesem mindestens eine Genossin angehören. 5. Den weiblichen Mitgliedern des Vorstandes liegt es ob, die notwendige Agitation unter dem weiblichen Proletariat im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand und unter Mitwirkung der tätigen Genossinnen zu betteiben. 6. Solange betreffs der Beschickung der Parteitage durch die Parteiorganisationen noch das gegenwärtige Provisorium gilt, bleiben auch für die Delegierungen der Genossinnen die jetzigen Bestimmungen des Parteistatuts in Kraft. Das Zenttalbureau der Genossinnen bleibt bestehen. Eine Vertteterin der Genossinnen gehört als Beisitzerin dem Parteivorstand an._ Nachdem die gesetzlichen Schranken gefallen sind, d'.e in den einzelnen Bundesstaaten den Frauen den Eintritt in die politischen Vereine verwehrten, muß es um so mehr Aufgabe der Genossen sein, ihre weiblichen Angehörigen aufzuklären, damit sie Mitglieder der Partei werden. II. Stellungnahme zu den lokalistischen GcwcrkschaftS- orgauisationeu. Der Parteitag begrüßt den infolge der Eiuigungsver- handlungen erfolgten tlbertritt der lokalikftschen Vereine an die Zenttalverbände. Nr. 20 Die Gleichheit 185 D,e Vereme, die trotz der geführten Verhandlungen bei der Fre,en Vereinigung der Gewerkschaften geblieben sind haben durch ihr Verhalten bekundet, daß sie. entgegen den Beichlüssen der Parteitage und des Internationalen Sozia- Intenkongresses in Stuttgart, die dringend gebotene einheitliche Organisation des wirtschaftlichen Kampfes der Arbeiterklasse nicht wollen. Die Freie Bereinigung deutscher Gewerkschaften hat sich auch in offenen Gegensatz zur Partei gestellt, indem sie unter Anlehnung an die anarcho-syndika- listischen Bestrebungen die Sozialdemokratie geflissentlich bekämpft und schmäht. Nachdem weiter die Einigungsverhandlungen mit dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverband, dessen im Gegensatz zur Lübecker Resolution erfolgte Gründung schon vom Mannheimer Parteitag als schwere Schädigung der Arbeiterbewegung bezeichnet worden ist, zu keinem Ergebnis geführt haben, erklärt der Parteitag: Jede Mitarbeit von Parteigenossen in den mit der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften verbundenen Vereinen sowie in dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverband ist unvereinbar mit den Grundsätzen und Interessen der Sozialdemokratie. Das gilt auch für solche Gewerkschaften, die von den örtlichen Gewerkschastskartellen und Parteiorganisationen icht anerkannt sind. III. Parteischule. er Parteitag nimmt mit Befriedigung Kenntnis von Gericht des Vorstandes über die Tätigkeit der Partei- . und ersucht den Vorstand, diese in der bisherigen Richtung weiter auszubauen. 1?. Maifeier. Zur Vorbereitung der Maifeier ist an allen Orten möglichst zu Beginn des Jahres eine Kommission einzusetzen, für die zu gleichen Tellen das Gewerkschaftskartell und die Parteiorganisation ihre Vertretung bestimmen. Den Vorsitzenden wählt die Kommission selbst. Die Kommission hat die Aufgabe, unter Berücksichtigung der örtlichen und beruflichen Verhältnisse und der Bestimmungen der gewerkschaftlichen Organisationen sowie der Beschlüsse des Parteitags für eine würdige Feier Sorge zu tragen. Die in Aussicht genommene Feier darf an keinem anderen Tag« als am 1. Mai stallsinden. Bei Aussperrungen infolge der Maifeier kann den davon betroffenen Arbeitern eine Unterstützung gewährt werden, und darauf haben die politisch wie auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Anspruch. Erheben die Gewerkschaften im Anschluß an die Aussperrung Lohnforderungen, so haben sie die Unterstützung der Ausgesperrten allein zu übernehmen. Der Parleivorstand wird beauftragt, die Verhandlungen mit der Generalkommission über die Maifeier wieder auszunehmen. Die Beamten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, welche am 1. Mai seiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind verpflichtet, an die Partei- und Gewerkschaftskasse einen Tagesverdienst abzugeben._ Beschlüsse der Frauenkonferenz zu Nürnberg. I. Politische Fr-«e»orga»isation. Die zu dieser Frage gefaßten Beschlüsse haben unsere Leserinnen an anderer Stelle gesunden, da sie der Zustimmung des Parteitags bedursten. -Ii. Unpolitische FrauenbildungSvereiue. FZie in Nürnberg tagende Frauenkonferenz erklärt, daß Frauenbildungsvereine trotz der Neuorganisation der Frauen ein wertvolles Mittel bilden können, die geistige Entwicklung der proletarischen Frauen zu fördern. Es ist daher zu emp- fehlen, daß die Frauenbildungsvereine dort bestehen bleiben und Unterstützung finden, wo sie den Frauen Kenntnisse vermitteln, die zwar nicht direkt dem Klassenkampf dienen, wohl aber der geistigen Entwicklung proletarischer Frauenschichten. und wo die geeigneten Kräfte zu ihrer Leitung vorhanden sind, ohne daß die Beteiligung an der allgemeinen Arbeiterbewegung darunter leidet. IN.». Sozialistische Kindererziehung im Heim. Genossin Tunckers Referat zu dieser Frage ist als Broschüre zu veröffentlichen. d. Sozialistische Jugendbewegung. Die Konferenz nahm die Leitsätze und Resolution an, welche bereits in Nr. IS veröffentlicht worden sind. Aus der Bewegung. Die Beteiligung an der sozialistischen Frauenkonferenz war dieses Jahr eine größere als je zuvor. 62D�xgierte nahmen an ihr teil— der weitaus größten Zahlnach Genossinnen—, außerdem mehrere Genossen, die zwar kein ordnungsgemäßes Mandat als Delegierte hatten, jedoch von ihren Wahlvereinen beziehungsweise Kreisorganisationen in öffentlichen Versammlungen beaustragt worden waren, an den Beratungen teilzunehmen. Der Parteivorstand der Sozialdemokratie war durch die Genossen Molkenbuhr, Müller und Singer vertrete», der sozialdemokratische Wahlverein Nürnberg durch Genossen Haugenstein. Die Genossen Hau genstein und Singer begrüßten die Konferenz in herzlichen und anfeuernden Worten, in denen sie die Bedeutung der proletarischen Frauenbewegung für den allgemeinen proletarischen Emanzipationskampf nachdrücklichst hervorhoben. Ein zahlreiches und aufmerksames Publikum, das den Verhandlungen von Anfang bis zu Ende beiwohnte, legte Zeugnis davon ab, daß Verständnis und Sympathie für die Arbeit der Genossinnen auch in Nürnberg in hohem Maße vorhanden sind. Bekundungeninternationaler Solidarität znrFrancn- konserenz fehlten nicht. Die Ideen- und Kampsesgcmein- schaft, welche die Genossinnen aller Länder verbindet, gelangte besonders wahrnehmbar in der Anwesenheit der österreichischen Genossinnen Popp und Pölzer zum Ausdruck, ferner aber auch in begeisternden Begrüßungsschreiben der organisierten sozialistischen Frauen aus Böhmen, der Schweiz, Holland und den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Wie die Reden der Genossinnen Pölzer und Popp, so wurden auch die Glückwünsche der tschechischen, schweizerischen, amerikanischen und holländischen Genossinnen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die deutschen Genossinnen wissen das rege Interesse zu würdigen, mit welchem ihre ausländischen Schwestern die Entwicklung der sozialistischen Frauenbewegung in Deutschland verfolgen. Die Frauenkonfersnz brachte die internationale Gesinnung Zum Ausdruck, die auch sie beseelt, indem sie die persönlich -und schriftlich übermittelten Grüße herzlichst erwiderte. Die Beteiligung der Genossinnen am sozialdemokratischen Parteitag war Heuer besonders groß.; A) Ge-l„ nossiuuew-wohnten ihm als Delegierte bei, außerd�n noch zwei Genossinnen als Gäste aus dem Ausland: Genossin Popp, welche die sozialdemokratische Partei O st err eich s, und Genossin Schön berg, welche den Jüdischen Arbeiterbund in Rußland vertrat. Die weiblichen Delegierten rekrutierten sich aus fast allen Teilen Deutschlands. Daß die Genossinnen der bayerischen Städte, wo die proletarische Frauenbewegung sich kräftig zu entwickeln beginnt, ihre Vertreterinnen nach Nürnberg entsendet hatten, versteht sich von selbst. Jedoch hatten auch weit gelegene Zentren unserer Bewegung Genossinnen zum Parteitag delegiert. So Kiel, Lübeck, Altona, Hamburg, mehrere Bezirke Rheinlands und Westfalens usw. Neben den Genossinnen von Groß- Berlin waren die von Sachsen, Thüringen, der Provinz Sachsen usw. durch eigene Delegierte vertreten. Die meisten weiblichen Delegierten waren in Parteiversammlungen von Genossinnen und Genossen gemeinsam zum Parteitag entsendet worden. Alle nahmen mit höchstem Interesse an den Arbeiten des Kongresses teil; die Stellung der Genossinnen zu den einzelnen umstrittenen Fragen deckte sich meist mit derjenigen der Genossen ihrer Kreise. Genossin Baader gehörte als Schriftführerin dem Bureau des Parteitags an, Genossin Zietz der Mandatprüfungskommission, Genossin Baumann der Beschwerdekommission; die Genossinnen Zietz und Zetkin wurden vom Parteitag in die Kommission zur Beratung der Frage der Jugendorganisation delegiert. Genossinnen griffen wiederholt und zu den verschiedensten Fragen in die Debatten ein. Zur Frage der Parteischule beziehungsweise der Verbreitung theoretischer Bildung in der Partei sprachen die Genossinnen Luxemburg und Zetkin. Die Genossinnen Zietz und W a ck w i tz beteiligten sich an den Debatten über die Frauen organisatio n.Genossin Luxemburg nahm in den Verhandlungen über die Maifeier das Wort. Zur Frage der Budgetbewilligung machten die Genossinnen Luxemburg, Zietz und Zetkin Ausführungen. Die Resolution gegen die Krieghetze wurde von Genossin Zetkin begründet. Der Kommission, welche sich im Laufe des Jahres mit der Prüfung bezw. Verbesserung des Organisationsstatuts der Partei beschästtgen soll, gehören die Genossinnen Zietz und Zetkin an; die letztere ist Mitglied des Bildungsausschusses, dessen Mandat vom Parteitag aus ein weiteres Jahr verlängert wurde. Als Beisitzerin im Parteiv or stand wurde Genossin Zietz, als Mitglied der Kontrollkommission Genossin Zetkin gewählt. Die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts ist in der Sozialdemokratie kein leeres Wort, und die Genossinnen streben danach, durch die Tat ihre Überzeugung zu bekunden, daß Gleichböwchtigung Gleichverpflichtung bedeutet. Agitation im fünften Schleswig- Holsteinischen Wahlkreis. Im Auftrage des Kreisvertrauensmannes für den fünften Kreis in Schleswig-Holstein sprach Genossin Zietz in den Orten Itzehoe, Lägerdorf, Meldorf, Marne und Heide über:„Die Frau im Kampfe um Staatsbürgerrechte-. Die Versammlung in I tz eh o e brachte uns 42 Neuaufnahmen für die Partei, hauptsächlich Frauen. Und was besonders erfreulich war, die dortigen Genossinnen selbst gingen die Reihen der Versammlungsbesucher durch. um anzufragen, wer dem sozialdemokratischen Verein beizutreten wünsche, daher der Erfolg. In Lägerdorf traten 12 Frauen der Partei bei, in Marne 15, in Meldorf 14 Personen, darunter 5 Frauen, und in Heide 16. Wenn man bedenkt, daß fast alle Orte klein sind, ist der Erfolg befriedigend. In Meldorf fiel die Versammlung in die Zeit der Haferernte, bei der die meisten Frauen beschäftigt sind. Ohne diesen Umstand wäre ihr Besuch und der organisatorische Erfolg sicher ein besserer gewesen. In Marne war just eine Sendung frischer Krabben angekommen, Frauen und Kinder mußten bis in die Nacht hinein sitzen, um die Krabben aus- zupuhlen. Wir können es nicht unterlassen, auch an dieser Stelle die Frauen darauf hinzuweisen, daß sie ihren Kindern die Jugend rauben, sie in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung hemmen, wenn sie dieselben in die Erwerbs arbeit spannen, wie es hier geschieht. Zudem rechnen die Unternehmer damit, daß die Kinder helfen, und halten deshalb den Lohnsatz möglichst tief. Ohne Kinderhilfe und gut organisiert, vermöchten die Frauen sich bald einen Lohn zu erkämpfen, der ihr Einkommen höher stellt, als es jetzt mit Hilfe der Kinder ist. Möchten doch unsere Frauen das beherzigen.— Versammlungen mit dem gleichen Thema fanden noch statt in Neumünster und Elmshorn. Im letzteren Orte wurden 20 neue Parteimitglieder gewonnen. Im ersten Hamburger Wahlkreis, wo Genossin Zietz über:„Die Leiden der proletarischen Frauen durch die herrschende Arbeitslosigkeit" referierte, wurden 40 neue Parteimitglieder gewonnen und eine ganze Anzahl Gleichheitsleserinnen. I-. Bericht der Bertrauensperson der Genossinnen des Wahlkreises Bochum- Gelsenkirchen- Hattingen- Witte« für die Zeit vom November 1907 bis August 1908. Im Bochumer Wahlkreis ist schon vor Jahren wiederholt versucht worden, die proletarischen Frauen zu organisieren. Die Versuche scheiterten aber zum größten Teil daran, daß kaum geschaffene Organisationen durch behördliche Maßnahmen wieder zerstört wurden und Neugründungen oft schon den Todeskeim in sich trugen. Die in unserem Kreise tätigen Genossen empfanden jedoch immer mehr die Notwendigkeit einer zielklaren proletarischen Frauenbewegung. Im Herbst 1907 befaßte sich die Landeskommission der sozialdemokratischen Partei für das westliche Westfalen in mehreren Sitzungen mit der Frage. Das Ergebnis ihrer Beratungen war ein Beschluß, im Agitationsbezirk die lose Frauenorganisation einzuführen. Jeder Wahlkreis sollte eine Kreisvertrauensperson mit der Leitung der Organisation betrauen. Eine Umfrage ergab, daß die Genossinnen von 15 Orten des Bochumer Kreises mit der Wahl einer Kreisvertrauensperson einverstanden waren. Diese Wahl fand dann im Oktober 1907 in Bochum statt und siel auf die Unterzeichnete. Wenige Tage darauf wurde in den meisten Orten des Wahlkreises mit der Agitation unter den proletarischen Frauen und Mädchen begonnen. Leider war ei nicht überall möglich, in öffentlichen Versammlungen die Notwendigkeit der Frauenorganisation zu erörtern. Desto eifriger wurde die Agitatton von Person zu Person betrieben. In Langendreer bestand bei der Gründung der losen Frauenorganisation ein Frauenbildungsverein, der sich auflöste. Alle Mitglieder traten der losen Organisation bei. Die bisherige Vorsitzende dieses Vereins, Genossin Stöter-Tillmann, wurde zur Vertrauensperson für Langendreer ernannt. Wo den Genossinnen Lokale zur Verfügung standen, wurden öffentliche Frauenversammlungen abgehalten, durch die Aufklärung verbreitet und Propaganda für die Organisation und die„Gleichheit" gemacht ward. Während der Berichtsperiode fanden im Wahlkreis 12 solche Versammlungen statt, und zwar in Bochum 2, Durchholz 1, Harpen 2, Herne 1, Horst 1, Laer 2, Langendreer 2 und Stockum 1. Es referierten in ihnen die Genossinnen Nemitz-Bochum, Plum-Essen, Kähler- Düsseldorf und die Genossen König-Dortmund, Löffler- Gelsenkirchen, Brauns-, Klotz- und Steinkamp- Bochum. Die während der Wahlrechtsbewegung von der Parteiorganisatton einberufenen Versammlungen waren oft sehr zahlreich von Frauen besucht. Auch an Flugblattverbreitungen usw. beteiligten die Genossinnen sich aktiv. Obgleich die Organisation noch so jung ist, wurden in der Berichtszeit erhebliche Anforderungen an die Kreisvertrauensperson gestellt. An 68 Tagen war sie außerhalb ihre? Wohnortes im Wahlkreis tätig, an 5 Tagen im Wahlkreis Recklinghausen auf Wunsch der dortigen Genossinnen. Es gingen bei ihr abgesehen von Postanweisungen und Paketen 167 Briefe und Karten ein und 182 Briefe und Karten sowie 1S0 Drucksachen aus. Die geleistete Arbeit ist gern getan worden und war von Erfolg gekrönt. Schon auf dem Parteitag für das westliche Westfalen im Dezember 1907 waren die Genossinnen des Kreises durch drei weibliche Delegierte vertreten. Am Schlüsse des Geschäftsjahres umfaßte die lose Organisation 1244 Genossinnen. Die „Gleichheit" hatte 928 Abonnenten. 7220 Beitragsmarken sind verkauft worden. An die Kreiskasse wurden 470,07 Mk. abgeführt. Die Einnahmen der Kreisvertrauensperson betrugen einschließlich eines Kassenbestandes von 22,37 Mk. 655,22 Mk., die Ausgaben 247,17 Mk. In der Kasse verblieben 408,05 Mk. Die sozialdemokratischen Frauen im Wahlkreis haben für die Ausbreitung der sozialistischen Ideen wacker gearbeitet. Nun das Reichsvereinsgesetz den Frauen den Beitritt zu den politischen Organisationen zugesteht, wird es ihre Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß der übertritt der Genossinnen in den sozialdemokrattschen Kreisverein möglichst einheitlich vollzogen wird, damit sie gemeinsam mit den Genossen für unsere gerechte Sache weiterkämpfen können. Anna Nemitz-Bochum. Der sozialdemokratische Parteitag für die Provinz Schleswig-Holstein und das Fürstentum Lübeck tagt« am 30. und 31. August in Kiel. Unter den 106 Teilnehmern befanden sich neun Genossinnen. Nach dem Bericht der Agitationskommission ist die Zahl der Genossinnen. welche regelmäßig Beiträge an die Partei zahlen, von 2576 auf 3232 gestiegen. Diese weiblichen Parteimitglieder verteilen sich auf die verschiedenen Wahlkreise wie folgt: erster und zweiter Kreis 42, dritter Kreis 44, fünfter Kreis 164, sechster Kreis 1267, siebter Kreis 814, achter und zehnter Kreis 800, Fürstentum Lübeck 101. In dem letzteren gab es am Anfang des Berichtsjahres noch keine weiblichen Mitglieder der Sozialdemokratie, trotzdem die Frauen dort — das Fürstentum gehört zum Großherzogtum Oldenburg — das Vereinsrecht hatten. In 47 Orten arbeiteten weibliche Vertrauenspersonen. Im achten Kreis ist die Zal/ der weiblichen Parteimitglieder jetzt schon höher, als sie im 186 Die Gleichheit Nr. 20 Bericht angegeben ist. Die Genossinnen von Altona und Wandsbeck hatten während der preußischen Landtagswahl Frauenwahlvereine gegründet und ihre Mitgliederzahl durch intensive Agitation zusammen auf über 130(1 gebracht. Im achten und zehnten Kreis zählt die Bewegung infolgedessen jetzt schon fast 16(X> Anhängerinnen. Die„Gleichheit" hatte in diesem Jahre 4190 Leserinnen gegen 3248 im Vorjahre. 103 Frauenversammlungen fanden statt. Große Gebiete des Agitationsbezirkes sind rein ländlich. Um auch die ländlichen Proletarier für unsere Ideen zugänglich zu machen, wurde seit Jahren alljährlich ein Kalender gratis verbreitet. Im letzten Jahre ist neben ihm noch eine Zeitung zur Verteilung gelangt, und zwar die frühere„Rote Landpost", die auf Beschluß des vorjährigen Parteitags aus einem gelegentlich erscheinenden Organ in eine Monatszeitung von acht Seiten Umfang mit dem Titel„Schleswig- Holsteinische Landpost" umgewandelt worden ist. Seit Oktober 1907 ist dieses Blatt in 355090 Exemplaren auf dem Lande verbreitet worden. Die Verbreitung fand zweimal statt, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst; 283020 Exemplare wurden allgemein ausgeteilt und 92 070 siebenmal an Besteller durch die Post geschickt. Der Bezug ist unentgeltlich. Die Zahl derjenigen, welche um Zusendung ersuchten, ist andauernd gestiegen. Nach der ersten allgemeinen Verbreitung im Oktober 1907 ließen sich nur 5500 Landarbeiter das Blatt regelmäßig schicken, im Juni dieses Jahres schon 11580. Die Agitationskommission ist zu der Ansicht gekommen, daß die„Schleswig-Holsteinische Landpost" durch ihre agitatorische Wirkung den früher verteilten Kalender überflüssig macht, und stellte deshalb beim Parteitag den Antrag, den Kalender eingehen zu lassen. Der Antrag fand die Zustimmung der Delegierten. Eine Änderung de? Organisati onsstatuts der Provinz, die der Parteitag beschloß, geht dahm, daß die Agitattonskommission um zwei Mitglieder, darunter ein weibliches, vermehrt werden soll. Das weibliche Mitglied hat die Arbeit der Vertrauensperson fortzuführen, die im vorigen Jahre zur Förderung der Agitation unter den proletarischen Frauen eingesetzt wurde. Der Parteitag befaßte sich noch mit den Fragen der Maifeier, der Jugendorganisation, der Budgetbewilligung süddeutscher sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter und und den wichttgsten polittschen Tagesfragen. Aus Mangel an Raum muß auf eine Darstellung der diesbezüglichen Verhandlungen verzichtet werden. Der Eintritt der Ge- nossinnen in die Parteiorganisattonen ist fast in allen Kreisen schon vollzogen. Der Beitrag beträgt für die weiblichen Mitglieder zehn Pfennig. Hoffentlich gelingt es unter den neuen Verhältnissen besser noch als bisher, die Frauen der Arbeiterklasse in großen Massen der Partei zuzuführen und sie zu Mitkämpferinnen im Befreiungsringen des Proletariats zu erziehen. Linchen Baumann. Politische Rundschan. Unter der Devise:„Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht naß!" ist am 17. September zu Berlin der„Interparlamentarische Kongreß" zusammengetreten, eine der Veranstaltungen der bürgerlichen Friedensfreunde, die des kindlichen Glaubens leben, sie könnten die aus der Struktur des kapitalistischen Systems notwendig entspringende Kriegsgefahr beseitigen, ohne diesem System selbst ein Haar zu kriimmen. Nichts kennzeichnet besser die Wertlosigkeit dieses Parlaments als die Tatsache, daß auZ Deutschland zahlreiche unbedingte Befürworter der wildesten Kriegsrüstungen und der ausschweifendsten Weltpolitik, nattonal- liberale und konservative Reichstagsabgeordnete, daran teilnehmen. Vor allem aber wird der Kongreß dadurch charatteri- siert, daß er sich der Protektion der deutschen Regierung erfreut, der unentwegtesten Vertreterin des Land- und Wassermilitaris- mus, der Verantwortlichen für jene gefährliche äußere Zickzack- und Abenteuerpolitik, die um Marokkos willen mehr als einmal den Weltfrieden in Gefahr gebracht hat, der entschiedensten Gegnerin jeglichen Abkommens auf Einschränkung der KriegS- rüstungen, jeglichen wirksamen Schiedsgerichtsvertrags. Aber alle diese schreienden Widersprüche haben die Mitglieder des Kongresses nicht gestört, sie haben, ohne mit der Wimper zu zucken, die nichtssagende Begrüßungsrede des Reichskanzlers ertragen, worin neben den üblichen platonischen Versicherungen der Friedensliebe das Recht auf die Kriegsrüstung in nacktester Form proklamiert wurde, und sie waren glücklich, daß ein Vertreter deS HohenzollernhauseS, Prinz Heinrich, sie einer Ansprache würdigte und der Kaiser ihnen ein Begrüßungstelegramm sandte. Die Verteidiger des Militarismus tun ganz recht, wenn sie an diesem Kongreß teilnehmen: er ist chrer Sache ganz ungefährlich. Bezeichnend ist, daß das Gros der deutschen Vertreter von den Mitgliedern der freisinnigen Fraktionen gestellt wird, die sich seit den Wahlen von 1907 mit Haut und Haaren dem Militarismus in jeder Form verschrieben haben. Demnächst werden sie von dieser neuerworbenen„nationalen" Zuverlässigkeit wieder Proben ablegen dürfen. Die Zeichen, daß trotz des doppelten Dementis der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" eine neue Militärvorlage nicht mehr weit ist, mehren sich— die„Kreuzzeitung" brachte jüngst einen Artikel, der lebhaft für eine Verstärkung der Landarmee eintrat, die für Deutschland weit nötiger sei als die Flotte. Die Begründung war eine völlige Preisgabe alles dessen, was die Regierung und mit ihr die Konservativen seinerzeit für die Flottenvermehrung angeführt haben— auf solche kleine Widersprüche kommt es den Herren nicht an. Einen interessanten Blick in die Geheimwerkstatt der Flottenagitation ließ die Erklärung eines katholischen Geistlichen, des Rektors Schütz, in der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" tun, der sich als Schreiber mehrerer hurrapatriotischer Flottenbroschüren betätigt hat. In der Verteidigung gegen Zentrumsangriffe erzählt Herr Schütz, daß er, um schwer drückende Schulden los zu werden, die er sich durch Genossenschaftsgründungen im Interesse seiner Pfarrkinder zugezogen hatte, die Broschüren geschrieben und damit seine Schulden von 80000 auf 12000 Mk. vermindert habe. Daß das Autorenhonorar ihm nicht 68 000 Mark abgeworfen haben kann, ist klar— jene 68000 Mk. stammen denn auch zum überwiegenden Teil aus den Kassen der— Panzerplattenlieferanten! Die Großindustriellen lassen sich's etwas kosten, wenn es die publizistische Vertretung ihrer Sache gilt— sie zahlen gern, wenn ein Vorteil für sie dabei herausschaut. Und sie kaufen alles, was ihnen nützlich erscheint, Waren wie Menschen. So wird jetzt bekannt, daß die reichstreuen Bergarbeitervereine von den Bergherren Niederschlesiens zur Veranstaltung eines Verttetertags der reichstreuen Arbeitervereine Deutschlands 1500 Mk. erhielten Aus der Korrespondenz, die die Zechenbarone über den Fall untereinander geführt haben— die„Breslauer Volksmacht" konnte die Schreiben veröffentlichen—, ergibt sich, daß die Herren über ihre gelben Sklaven eine scharfe Kontrolle ausüben und für ihr gutes Geld unbedingte Gefügigkeit fordern. Eingaben an die Behörden, die den Grubengewaltigen nicht passen, dürfen nicht gemacht werden; der Sklave muß sich mit Leib und Seele verkaufen. So wenig die Unternehmer übrigens auf Geld sehen, wenn es ihre eigene Sache gilt, um so zugeknöpfter werden die Herren selbst, wenn es sich um Ausgaben für die Allgemeinheit handelt, wenn sie nicht einen direkten, sofort greifbaren Gewinn für sich davon erwarten dürfen. Nur keine direkten Reichssteuern, das ist angesichts der kommenden Finanzreform ihre Devise— die arbeitende Masse mag sich Bier, Branntwein und Tabak verteuern lassen! Die Junker vertreten diesen Standpunkt womöglich noch brutaler. Es vergeht kaum ein Tag, da nicht die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der Landbündler, über die Zerstörung des Familiensinns zetert, die angeblich die kommende Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Gatten mit sich bringen muß. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat eine kategorische Absage an die Forderung der direkten Reichssteuern gebracht. Nach ihren Angaben zu schließen, sollen an 90 Prozent der neuen Steuern indirekte sein. Die Gesamtsumme dieser neuen Lasten aber darf man auf 600 Millionen Mark schätzen. Hat doch schon der Etat von 1907 ein rechnungsmäßiges Defizit von 14 Millionen Mark, wozu noch 96 Millionen Mark ungedeckte Matrikularbeiträge kommen, so daß der wirkliche Fehlbetrag auf 110 Millionen steigt. Im Etat für 1903 mußten 260 Millionen durch Anleihen gedeckt werden. Die nächsten Jahre bringen große Mehrausgaben für Beamtenbesoldungen, für die Marine und anderes mehr, so daß die Forderung der Regierung mit 600 Millionen nicht zu hoch taxiert sein dürfte. Die Meldungen, daß die Fahrkartensteuer und die Erhöhung des Ortsportos wieder fallen sollen, um die neuen Lassen etwas zu mildern, sind von den Offiziösen schleunigst dementiert worden. Der deutsche Reichsfiskus gibt so leicht nichts wieder heraus. In England gab es an mehreren Orten große Ar- beitslosendemonstrationen; in Glasgow offenbarte sich der Klassenstaat in heftigen Polizeiattacken auf die Brot heischenden Proletarier.— Der Kongreß der Trade Unions zeigte die englischen Gewerkschafter noch zwischen liberalen und sozialistischen Anschauungen schwankend, doch gewinnen die sozialistischen. Die Klassenjustiz hat in Frankreich ein Urteil gegen den Leiter des Elektrizitätsarbeiterverbandes, Pataud, gezeitigt, das die Leiter der Verbände entschädigungspflichtig erklärt bei Streiks, die„keinem korporativen Bedürfnis entsprechen", sondern„einer dösen Absicht" entspringen. Was„korporatives Bedürfnis" und was„böse Absicht" ist, darüber entscheidet der Bourgeois in der Richterrobe. Das Urteil läuft auf eine Konfiskatton des Koalitionsrechts hinaus. Glänzende Siege bei den Reichstagswahlen haben die schwedischen Sozialdemokraten erfochten. Wie hoch ihr Mandatsgewinn sein wird, steht noch nicht fest, da die Wahlen noch fortdauern. In Dänemark ist der Exminister Alberti, der bis zum Juli das Justizministerium verwaltete und in dieser Eigenschaft seinerzeit die Wiedereinführung der Prügelstrafe durchsetzte, und der die Sozialdemokratie stets scharf bekämpfte, als Millionendefraudant entlarvt worden. Er hat das fortschrittliche Ministerium in seinen Sturz mit hineingezogen und seine Partei in eine schwere Krise gestürzt, da die Bauern, die die Hauptmasse ihrer Wählerschaft bildeten, durch AlbertiS Schwindeleien schwer geschädigt sind. Große Demonstrationen für das allgemeine, gleiche Wahlrecht sind in Holland und Ost erreich zu verzeichnen. Im letzteren Land« kämpft die Arbeiterschaft jetzt um die Reform des Wahlrechts zu den Landtagen. L. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Später als sonst veröffentlicht das„Korrespondenzblatt" der Generalkommission die statistischen Ausstellungen über den Stand der Gewerkschaftsorganisationen im Jahre 1907. Die Verzögerung wurde dadurch veranlaßt, daß die Gewerkvereine mit der Veröffentlichung ihrer Statistik in diesem Jahre recht saumselig waren, die General- kommission aber diese Angaben abwarten wollte, um«in vollständiges Bild der Gewerkschaftsentwicklung in Deussch- land geben zu können. Die vorliegenden Zahlen zeigen, daß der Übergang von der Hochkonjunktur zur Krise sich ohne nennenswerte Verluste für die Gewerkschaften vollzogen hat; es ist vielmehr in mehreren Verbänden noch ein ganz ansehnlicher Fortschritt zu verzeichnen. Im Gegensatz zu 1891 und 1901, wo die Krise einen Rückgang der Mitgliederzahlen herbeiführte, haben die Zentralverbände ihre Gesamtmitgliederzahl um 175797 erhöht; die christlichen Gewerkschaften nahmen um rund 27000 Mitglieder zu, die Gewerk- vereinedagegennahmenum etwa 9600 Mitglieder ab. Die Zentralverbände zählten im Jahresdurchschnitt 1865506, am Jahresschluß 1907 sogar 1873 146 Mitglieder. Rechnet man die in lokalistischen, Hirsch-Dunckerschen, christlichen und anderen Verbänden Organisierten dazu, so ergibt sich eine Gesamtzahl von fast 2'/, Millionen gewerkschaftlich Organisierter in Deutschland. Da die englischen Gewerkschaften nur etwas über zwei Millionen Mitglieder zählen, so steht also jetzt Deutschland an der Spitze der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Die Zunahme an Mitgliedern betrug in den Zentralverbänden im Berichtsjahre nur 10,4 Prozent, während in den beiden Vorjahren, der Zeit der Hoch- konjunttur, die Zunahme sich auf 27,3 respektive 25,6 Prozent belief. Eine Gegenüberstellung der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften, der Parteiorganisationen und der Konsumvereine zeigt ein starkes überwiegen der ersteren und veranlaßt den Stattstiker zu dem Ausspruch,„daß ein großer Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft die Bedeutung der politischen wie auch der genossenschaftlichen Organisatton noch recht wenig begriffen hat."— Von den 61 Gewe� schaftsverbänden haben 40 eine Zunahme von insgeftz» zirka 100000 Mitgliedern zu verzeichnen, während 21 Abnahme von etwa 26000 hatten. An der Zunahm« unter anderen beteiligt: die Metallarbeiter mit 24365,- Textilarbeiter mit 14908, die Fabrikarbeiter mit 13670, die Transportarbeiter mit 7177, die Brauereiarbeiter mit 4575, die Buchdrucker mit 4067, die Maschinisten mit 3535, die Gemeindearbeiter mit 2969, die Schuhmacher mit 2336 Neuorganisierten usw. An der Mitgliederabnahme sind beteiligt: die Bauhilfsarbeiter mit 11 147, die Holzarbeiter mit 4225, die Maurer mit 2955, die Tabakarbeiter mit 2830 usw.— Die Zahl der weiblichen Organisierten zeigt erfteulicherweise eine etwas größere Zunahme als die, welche im allgemeinen konstattert werden konnte. Während die Zahl der männlichen Mitglieder um 10 Prozent wuchs, stieg die der weiblichen um 15,1 Prozent. In 35 Verbänden wurden 136 92S weibliche Mitglieder gezählt, gegen 113903 im Borjahre; die Zunahme betrug also 13021. Den Hauptanteil an der Zahl der weiblichen Organisierten hat der Verband der Textilarbeiter mit 44277, ihm folgen Metallarbeiter 14693, Tabakarbeiter 14182, Fabrikarbeiter 12121, Buchbinder 3841, Buchdruckereihilfsarbeiter 3333, Schuhmacher 5364, Schneider 4933, Handlungsgehilfen 4167, Holzarbeiter 8457, Transportarbeiter 3158, Hutmacher 2059, Porzellanarbeiter 1938, Bäcker und Konditoren 1199 usw.— Welche ungeheure Entwicklungsmöglichkeit für die Arbeiterinnenorganisation jedoch noch vorhanden ist, zeigt folgend« kurz« Gegenüberstellung der in den großen Industrien beschäftigten und organisierten Arbeiterinnen. veschSsttgt« WetbNche Drdktlcrtnnen Organtstert« ISO« 1907 Textilindustrie...... 397321 44277 Metall- und Maschinenindustrie 98743 14693 Holzindustrie....... 26645 3457 Nahrungs- u. Genußm.-Jndustrie 147 741 16 925 Graphisches Gewerbe.... 36204 8333 Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe(einschl. Konfettion). 211407 13640 Sehr günstig gestalteten sich die Finanzen der Gewerkschaften im Berichtsjahre. Die Gesamteinnahmen stiegen von rund 41 Millionen Mark im Jahre 1906 auf 51 Millionen Mark im Jahre 1907, die Ausgaben von 37 auf 43 Millionen Mark, die Vermögensbestände von 25 auf 33 Millionen Mark. Infolge der Arbeitslosigkeit erhöhten sich die Aufwendungen für Reise- und Arbeitslosenunterstützung von 3,4 auf 7,4 Millionen Mark, die Streikunterstützung dagegen verminderte sich von 13,7 auf 13,2 Millionen Mark. Wie aus diesen kurzen Angaben ersichtlich ist, entbehrt das Frohlocken der Gegner über den Stillstand der freien Gewerkschaften, der durch die erfolgreiche Konkurrenz der gelben Streikbrechervereine herbeigeführt worden sein sollte, jeder tatsächlichen Grundlage. Die„Metallarbeiterzeitung" feierte am 15. September ihr 25jähriges Jubiläum. Das Blatt verdankt seine Entstehung der Initiative Grillenbergers, der den Genossen Scherm, der das Blatt jetzt noch leitet, zu der Herausgabe einer solchen Zeitung anregte. Die Allgemeine Krankenkasse der Metallarbeiter in Hamburg wurde für den Plan gewonnen. Die Zeitung galt in der Zeit des Sozialistengesetzes wesentlich als Publikationsorgan der Krankenlasse, wurde dann aber 1391, nachdem sie lebhaft für die Schaffung einer Metallarbeiterorganisation eingetreten war, zum offiziellen Organ des damals geschaffenen Jndustrieverbandes der Metallarbeiter bestimmt. Das ist sie geblieben, und sie ist heute mit einer Auflage von 380000 Exemplaren das am wettesten verbreitete Arbeiterblatt der Welt. Der übertritt der Lokalorganisierten, die nach den Einigungsversuchen des Parteivorstandes ihre Sonderorganisation aufgaben, ist in einer Zahl von etwa 5000 Personen erfolgt. Die Heimarbeitausstellung in Frankfur am Main hat mit einem Defizit von 28000 Mark abge- geschlossen, so daß die Garantiezeichuer noch tüchtig zahlen müssen. H Nr. 20 enossenschaftliche Rundschau. Die Gleichheit 187 schaftlichen Maschinen organisiert haben. Das ist natürlich| funftsstelle bekannt wurden, seien nur einige angeführt. ein Eingriff in die geheiligten Privilegien fapitalistischer Eine Herrschaft stellte das Ansinnen an ihr Mädchen, sich Am 29, ust waren 100 Jahre seit der Geburt des Regale, und die Handels- und Gewerbekammer in der Pfalz in schmutzigem, bereits benuttem Badewasser zu baden. Mannes ven, den man mit einem gewissen Recht den ist nur konsequent, wenn sie meint: was der einen Genossen- Lehnte das Mädchen das ab, so mußte es überhaupt auf Vater des fchen Genossenschaftswesens genannt hat: schaft recht ist, muß der anderen billig sein. Die Konse- ein Bad verzichten. Urlaub bekam es nicht. Einem Mädchen wurde zugemutet, aus einem Hundenapf zu essen, einem Schulzeitsch. Hermann Schulze entstammte einer quenz der Rückständigkeit! alten Jurifmilie in dem provinzfächsischen Kreisstädtchen Auch in Osterreich scheinen die Behörden die aus anderen, vom Tag zuvor stehen gebliebene Kartoffeln für Delitzsch. ich gehörte er der demokratisch- op positionellen getretenen Pfade deutscher Konsumvereinstöterei einschlagen sich zum Abend zu wärmen und zu gleicher Zeit für den Hund Richtung Ber Zeit an; er war mit unter den Steuer- zu wollen. Das Eisenbahnministerium hat einen Erlaß ein Kotelett zu braten; das Mädchen bekam Kakao, der mit verweigerer aufgelösten Nationalversammlung und be- herausgegeben, der den Eisenbahnangestellten die wirtschaft- Gierwasser aufgebrüht war. Diese und noch andere Unge tam durch Bregelungen mancherlei Art die Autofratie lichen Vorteile konsumgenossenschaftlicher Einrichtungen ver- hörigkeiten wurden leider erst nach Aufgabe der betreffenden des preuß Staates zu fühlen. Das bestimmte ihn schließen soll. Vom 1. Januar 1909 sollen sie nicht mehr Stellungen angemeldet. Größtenteils wird dergleichen nur auch, den tsdienst zu quittieren und sich in seiner Vater- das Recht haben, in den genossenschaftlichen Lebensmittel- den ganz jungen Mädchen zugemutet, die noch glauben, stadt als alt niederzulassen. Von der Zeit an propa- magazinen der Nordbahn einzukaufen. Die treibenden Kräfte alles tun zu müssen, was die Herrschaft befiehlt. Eine gierte er dpee des genossenschaftlichen Zusammenschlusses zu diesem Vorgehen sind die Krämer, denen die Regierung genaue Aufstellung aller gemeldeten Mißstände, auch der durch die Organisation abgestellten, gestattete leider der der minderittelten Bevölkerung, eine Idee, auf die ihn ihre tadellose Mittelstandsfreundlichkeit beweisen will. die wirtschiche Not hingewiesen hatte, die Mitte der Der österreichische Kaufmannstag verlangte ebenfalls Maß- Mangel an Zeit nicht, der auch verhinderte, daß jeder Fall genügende Beachtung fand. Das Drgan des Vereins, die 40er Jahre Deutschland herrschte. Das Verdienst, diese regeln gegen die Konsumvereine. Feinde ringsum! Idee in grt praktischen Resultaten verwirklicht zu haben, Der Allgemeine Konsumverein in Basel hat im Monatsschrift für die Interessen der Hausangestellten, beist ihm ohpeiteres zuzuerkennen. Freilich blieb sein Ge- Jahre 1907 einen Gesamtumsatz von rund 14310 000 t. fteht wie dieser seit 9 Jahren. Bis zum Juni 1906, wo sichtskreis präntt; sein Wirken war vornehmlich darauf erreicht gegen 13126400 Mt. im Vorjahre. Die Zahl der Genossin Bahr die Redaktion übernahm, wurde es von gerichtet, Genossenschaftswesen dem Kleinbürgertum Mitglieder stieg von 28538 auf 29841. Die Genossenschaft der damaligen Vorsitzenden, Frau Deutsch, redigiert. Im nutzbar zu achen, der Klasse, der er auch politisch am besitzt gegenwärtig 63 Warenlofale, 21 Spezialgeschäfte für Mai 1907 ging es zuerst über die Grenzen Berlins hinaus, nächsten ste Die Konsumvereinsbewegung der Arbeiter Fleisch- und Wurstwaren, 5 Schuhlokale und eine Verkaufs- und heute ist es auch in den Hausangestelltenorganisationen schaft hat enig praktischen Nutzen von der Tätigkeit ftelle für Haushaltungsartikel, insgesamt 90 Verkaufsstellen. von Breslau, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mannheim, chulze- Dechs gehabt, dessen Blick bis an sein Ende in Beschäftigt waren am Schlusse des Jahres 774 Personen. München, Wiesbaden und Stuttgart obligatorisch eingeführt. Die Auflage betrug im Juni d. J. 1500 Gremplare. ngen enzen des Provinzmilieus gebannt blieb. Was Der Reinüberschuß betrug 1103 654 Mt. r get hat, und das ist trotzdem nicht wenig, das Die Großeinkaufsgesellschaft der französischen- Den Mitgliedern des Vereins wird eine Krantenunterus cher, fester überzeugung; die Geradheit seines sozialistischen Genossenschaften, die im September ftüßung von 1 Mt. pro Tag auf die Dauer von 4 Wochen ters sicher von Freund und Feind anerkannt. 1906 gegründet worden ist, entwickelt sich gut. Sie begann mit gezahlt, aber erst nach Ablauf der gesetzlichen FürsorgeSie erhalten ferner fostenlose Dr inzipier modernen Konsumvereinsbewegung aber 97 Genossenschaften, die 650 Anteile, und 292 Einzelmitgliedern, pflicht der Dienstgeber. bat er eben enig erfannt, wie viele bürgerliche Genossen- die 404 Anteile repräsentierten. Von dem gezeichneten An- ärztliche Behandlung. Durch die Vermittlung des Vereins #teilskapital von 21 120 Mt. waren 13 700 Mt. eingezahlt. wird ihnen auch Zahnbehandlung zu ermäßigten Preisen schafter nathm. Der Kapf gegen die Konsumvereine geht auf In den ersten acht Monaten erreichte der Umsatz 1501 600 gewährt. Die Einnahmen des Vereins betrugen 4357,74 Der Bestand beträgt der ganzen nie weiter. Behörden, Krämerverbände und Mart. Das erste Geschäftshalbjahr 1907, das Ende November Mart, die Ausgaben 2249,21 Mart. andere Orgisationen wetteifern förmlich miteinander in abschloß, weist einen Umsatz von bereits 1596 800 Mt. und Maßregeln gen die verhaßten Genossenschaften der Ar- einen Reinüberschuß von 22 240 Mt. auf. Die Zahl der anbeiter. Mbekanntem Muster verbietet die Mainzer geschlossenen Vereine ist inzwischen von 97 auf 160 und das Eisenbahndition direkt oder indirekt ihren Beamten und Stammtapital auf 40 880 Mt. gestiegen. Arbeitern Beteiligung am dortigen Spar- und Konsumverein. W diese Behörde etwa meint, daß ihren Angestellten zumparen nichts übrig bleibt, so mag das vielleicht stimmen. gn müssen sie aber, und die Lebensmittel im Ronfumvere zu laufen sollte man ihnen daher nicht verwehren. Eisenbahndirektion hat ein förmliches Schnüffelsys zur Erreichung ihres Swedes etabliert, wie in einer Gealversammlung der Genossenschaft festgestellt wurde. Sihat wochenlang einen Beamten auf das Amtsgericht esetzt und dort aus den Mitgliederlisten des Konfurteins alle Eisenbahner notieren lassen(!), die dann zu Austritt aufgefordert wurden. Das Gericht scheint also Eisenbahnbehörde verständnisvoll entgegen gekommen fein. Der Konsumverein will sich dieses Treiben nichuhig gefallen lassen. Notizenteil. Dienstbotenfrage. 2108,53 Mart. H. Fl. Franenarbeit auf dem Gebiet der Jndustrie, des Handelsund Verkehrswesens. Unter 16 bis 21 21 bis 40 40 bis 60 über 16 Jahren Jahren Jahren Jahren 60 Jahren Summa Die Frau in der Tabakindustrie. Die Tabatberufsgenossenschaft ist leider der Aufforderung des Reichsversiche rungsamtes nach einer Berufsstatistit in ihrem Bericht für das Jahr 1907 noch nicht nachgekommen. Die Zahl der in Der Berliner Verein für die Interessen der Hand- der Tabatindustrie beschäftigten Arbeiterinnen ist daher aus angestellten blickt auf eine neunjährige Tätigkeit zurück. ihm nicht zu ersehen. Der Bericht läßt nur erkennen, daß Früher fonnten ihm auch Herrschaften angehören, bis er im Jahre 1907 6923 Betriebe mit 160 804 Arbeitern und sich am 31. Januar v. J. durch einen Generalversammlungs- Arbeiterinnen versichert waren. Die Zahl der Betriebe ist beschluß in die Reihen der Organisationen stellte, die auf dem um 232, die der versicherten Arbeiter um 8744 gestiegen. Zigarrenfabriken, die weder Maschinen noch Motore be Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen. Das Jahr 1906 schloß mit 402 Mitgliedern ab, 1907 mit 465. Die fizzen, in denen also nur Handarbeit geleistet wird, sind in Mitgliederzahl stieg ständig, wenn auch langsam, und zwar Deutschland 5101 mit 81 141 Arbeitern vorhanden. Die um so höher, je mehr Herrschaften aus dem Verein aus- Hälfte der versicherten Personen arbeitet demnach noch in In Sachsen bezen traten. Die Fluktuation ist start Sehr viele Mitglieder Sandbetrieben. 921 Bigarrenfabriken haben MaschinenDie Militär- Kriegervereine nach wie vor munter gegen gehen dem Verein dadurch verloren, daß sie es versäumen, betrieb. Sie beschäftigen 53 856 Arbeiter und Arbeiterinnen die„ sozialdekratischen" Konsumgenossenschaften. So hat bei Stellenwechsel ihre neue Adresse anzugeben und dann und werden gar bald die Handbetriebe überflügelt haben. vor kurzem Militärverein zu Geithain 16 Mitglieder wegen mangelnder Beitragszahlung gestrichen werden müssen. 150 Zigarettenfabriten mit Motorbetrieb sind vorhanden, ausgeschlosseweil sie teils Lieferanten, teils Mitglieder des Im vergangenen Jahre wurden 8 öffentliche Versammlungen in denen 10 022 Arbeitskräfte tätig sind. in Geithain sind. Unter den Ausgeschlossenen abgehalten, zu deren Vorbereitung 16000 Handzettel zur Konsumverei Der Bericht läßt die Hungerlöhne der Tabatarbeiterschaft befindet sichter, der 24 Jahre dem Verein angehört. Der Verteilung gelangten. Ferner fand eine Generalversamm- erkennen. Der Jahresverdienst eines Tabalarbeiters oder Ausschluß egte auf Grund folgender vereins statutarischer lung statt, sowie 10 Vereinsversammlungen, wo zumeist be- einer Tabatarbeiterin betrug nach ihm im Jahre 1907 durchBestimmung Die Ausstoßung eines Mitglieds muß er lehrende Vorträge gehalten wurden, denen rege Diskussionen schnittlich nur 608 Mt., in einzelnen Bezirken sogar nur folgen, wennasselbe sich zu sozialdemokratischen und über- und Erörterungen von Berufs- und Rechtsfragen folgten. 531 Mt. Damit soll heute auszufommen sein!... Es sind haupt zu som Bestrebungen bekennt, welche auf Umstura An 3 Sonntagen wurden den Mitgliedern unterhaltende seit Bestehen der Berufsgenossenschaft insgesamt 9699 Under bestehend Ordnung und Beseitigung der Monarchie Vorträge und an 9 Sonntagen Unterhaltungsabende mit fälle zur Anmeldung gekommen. Davon wurden aber nur hinzielen, odzu der Annahme berechtigt, daß es sich der Tanzvergnügen geboten. Außerdem fanden ein Weihnachts- 1350 entschädigt. Im Berichtsjahr wurden von 716 ge= Die Militärvereine in fest, ein Maskenball und 11 Ausflüge statt. Zur Aufklärung meldeten Unfällen 81 entschädigt. Die seit dem Bestehen artigen Bepungen hingibt." Sachsen habe bei diesem terroristischen Vorgehen sehr oft der Dienstboten sind im ganzen 32 000 Flugblätter verbreitet der Berufsgenossenschaft entschädigten Unfälle verteilen sich schlechte Gesite gemacht: sie verloren nämlich die Mit- worden, zum großen Teil durch Arbeiterfrauen. Auf 5000 laut Bericht auf Alter und Geschlecht wie folgt: glieder, die porzogen, im Konsumverein zu bleiben. So zur Verteilung gelangten Flugblättern war der freie Arbeitsfollten die After in jedem derartigen Falle handeln. Ein vertrag abgedruckt, der auch durch Vorträge und in BerDentender Arter gehört von vornherein nicht in einen sammlungen propagiert wurde. 5 Arbeitgeber anerkannten Männlich 85( 7) 90( 5) 341( 17) 343( 22) 94( 4) 953 Militärverein Schabe um Gelb und Zeit, die er dafür den Vertrag, 4 wandten sich an die Organisationsleitung Weiblich) 36( 5) 84( 8) 129( 8) 107( 4) 41( 1) 397) opfert, und dim Interesse der Familie besser angewendet um Ginsendung der betreffenden Formulare. Wie gering werden könn Aus der Reihe der Unternehmer- auch die Zahl der Fälle ist, in denen der Vertrag unterverbände hatch in letzter Zeit der deutsche Konditoren- schrieben wurde: seine Propagierung hatte doch den Erfolg, bund auf denriegspfad gegen die Konsumvereine begeben. daß sich die bürgerlichen Zeitungen mit ihm befaßten und Er nahm ausinem Verbandstag Ende August nach einem die Arbeitgeber Kenntnis von ihm erhielten. Der Verein entsprechendereferat eine Resolution an, die behauptet, ist bemüht, bei den Dienenden das Bewußtsein ihres Rechts daß die Konvereine andauernd eine Gefahr für alle auf Forderungen zu wecken und auszubilden. Als sehr Gewerbetreiben, ebenso auch für Staat und Gemeinde nützlich hat es sich bewährt, daß von der Vorsitzenden den in sich schließe Der wunderbar schöne Stil dieses Un- Dienenden wöchentlich einmal während zwei Stunden unentfinns zeugt ni gerade davon, daß auf diesem Verbands- geltlich Auskunft erteilt wird. 9 Prozefse wurden anhängig tag die Intel besonders stark vertreten gewesen ist.- gemacht, die Lohnforderungen und Zeugnisänderungen be Die Ausbeutung der Kellnerinnen im oberen ErzIn Görlig ha die Stadtväter eine Umsatzsteuer be trafen, und einer wurde wegen tätlicher Beleidigung geschlossen, von alle Gewerbe betroffen werden sollen, die führt. Bei der nicht offiziellen Stellenvermittlung des Ver- gebirge zu beobachten, hatte die Unterzeichnete mehrmals durch Handel it Waren einen Umsatz von mindestens eins liefen 20 Nachfragen nach Dienstmädchen ein und 18 in Hotels Gelegenheit. Sie machte die Wahrnehmung, daß 300 000 mt. eren. Diese Steuer richtet sich vornehmlich Angebote von Mitgliedern. Vermittelt wurden 6 Stellungen. oftmals auf den Schultern einer Kellnerin das ganze Gegegen den dorn Konsumverein, der unter freisinniger 3 Mädchen blieben in ihrem Dienst, nachdem durch die Ver- schäft ruhte. In einem Fall arbeitete eine Kellnerin von Verwaltung stel Da die Stadtverordneten in Görlig sich mittlung der Organisation die strittigen Punkte erledigt morgens 8 oder 9 Uhr an bis nachts 12, 1 oder 2 Uhr. ebenfalls in berlehrheit freisinnig nennen, so charatteri waren: einmal Bubilligung eines halben freien Tages in Sie hatte nicht nur für die Hotelgäste zu sorgen, sondern fiert sich ihr hluß nicht nur als eine Ungerechtigkeit, der Woche, zweimal Gewährung höheren Lohnes. In einem auch den ganzen Bier- und Zigarrenverlauf im Lokal und Fall wurde durch den Verein die Verringerung eines Lohn- über die Straße zu erledigen. Alle Waren mußte sie selbst sondern auch alin rechter Schwabenstreich. Alle diese mänge, von denen wir nur eine fleine abzuges erzielt; in einem anderen, in dem ein Mädchen einlassen und die Kontrolle darüber führen. Sie bediente Blütenlese gabereigen deutlich, wie der Haß des Bürger eine allzu mangelhafte Schlafstelle hatte, wurde mit Hilfe die Mittagsgäste, buchte die Telephongespräche und fassierte tums gegen die beiterfonsumvereine stetig wächst. Das der Polizei durch die Umwandlung der Dienststellung in die Gebühren dafür ein. Für das Geld haftete sie selbst. muß für die Froh der Arbeiterklasse, besonders für die eine Tagesstellung Besserung geschaffen. Auf schriftliche Morgens mußte sie die Gaststuben in Ordnung bringen, organisierte frauen und Mädchen eine Beran- Aufforderung hin erhielt eine Hausangestellte den ihr zu- Fenster putzen, Gläser waschen, Deckel putzen, das Billard lassung mehr sei die Konsumvereine zu schützen und zu stehenden Lohn ausgezahlt, und die betreffende Herrschaft reinigen usw. Zu alledem soll sie frisch und munter sein nahm eine gegen sie eingereichte Klage zurück. Leider und schließlich auch noch die Gäste zum Trinken und Sitzenstützen. 1350 Die in Klammern stehenden Zahlen bezeichnen den Zugang in 1907. Von 1350 Unfallverletzten waren somit 397 Frauen. Bis zu 21 Jahren ist die Zahl der Verunglückten bei beiden Geschlechtern fast gleich. Bis ins späte Alter hinein müssen die Frauen in der Tabalindustrie mitverdienen, denn die obige Statistit weist noch verletzte Frauen auf, die über 60 Jahre alt sind. Kellnerinnenelend. E. G. In der Pfalz die merkwürdige Tatsache zu verzeich- haben die Mädchen nicht in allen Fällen der Organi- bleiben anhalten. Die Organisation der Kellnerinnen nen, daß eine dose Handels- und Gewerbefammer gegen fationsleitung die nötige Rückantwort gegeben. Hoffent wird es sich angelegen sein lassen, auch im oberen Erzge die landwirtfiftlichen Genossenschaften Front lich schwindet diese Interesselosigkeit mehr und mehr. Von birge Umschau zu halten, um den Kampf gegen die scham gemacht hat. Unwar, weil sie den Berlauf von landwirt- den vielen Mißständen, die dem Vorstand durch die Aus- lofe Ausbeutung aufzunehmen M. Wadwig. 188 Die Gleichheit Mr. 20 Aus: Der entfesselte Prometheus. Bon Percy Bysshe Shelley. Prometheus( zum Geist der Stunde). Geh denn! von Rennern, Schnellfüßig, wie der Wirbelwind, getragen, Zieh' ob den Städten du der Menschheit hin! Noch einmal tu's der Sonne selbst zuvor Im schnellen Kreislauf um die runde Welt, Und während durch die funkensprühnde Luft Dein Wagen schneidet, blas ins Muschelhorn Und löse seine mächtige Musik! Es wird wie Donner sein, der mit dem Klang Des Echos sich vermischt. Dann fehr' zurück Und neben unserer Grotte sollst du wohnen. Und Mutter Erde, du! Erde. Ich hör' ich fühle! Ich fühl's, wie deine Lippen mich durchglühn Und wie du mich berührst, durchrieselt mich, Die Marmornerven hier entlang, ein Schauer Bis in des Martes diamantnen Kern! ' 3 ist Leben, o' s ist Freude, und in meinem Verwelften, alten, eif'gen Körper schießt Die Wärme em'ger Jugend freisend ein! So werden denn hinfort die schönen Kinder, Die liebend ich auf meinen Armen trage, Die Pflanzen all und was am Boden kriecht, Und der Insekten farbenschillernd Bolt, Die Tiere all des Wassers und der Luft, Und was da lebt in menschlicher Gestalt, Sie, die bisher nur Pein und Krankheit sogen Und der Verzweiflung Gift aus meiner Brust, Sie werden draus nur füße Nahrung ziehn Und füße Nahrung geben eins dem andern! Sie werden fünftig alle für mich sein Wie holde, zarte Schwesterantilopen, Von einer schönen Mutter, schneeig weiß, Schnellfüßig wie der Wind, genährt Am klaren Strome zwischen Lilien. Die tau'gen Nebel meiner Nächte werden Wie Balsam fluten unter den Gestirnen, Und nachts geschloßne Blumen werden schlafend In unweltbaren Farbenschmelz getaucht. Und Mensch und Tier in sel'gen Träumen werden Sich Kräfte sammeln für den nächsten Tag Mit allen seinen Freuden, und der Tod Soll nur die letzte der Umarmungen Von ihr sein, die zurücknimmt, was sie gab, Wie eine Mutter wohl ihr Kind umarmt Und sagt: Berlaß mich nimmermehr! Zu Ende. Von A. R. harter, naffer Wind strich vom Walde her. Sie gingen, Bett gegangen, befümmert über all die Eschung. weiter, die Röpfe gesenkt wie zwei müde Pferde. Am Ein Ich bin mit demselben Rummer am nächsten wieder gang des Dorfes trennten sie sich mit einem guten Wort. aufgeftanden. Jetzt schwöre ich, daß ich meilauben In der Nacht tam der Sturm und sprang um die auf eine festere Tonart stimmen werde. Ill nicht Häuser und über die Zäune. Die Fenster zitterten und rechts oder links schauen. Geradeaus willschauen flirrten, ein heftiger Regen schlug an die Scheiben. Der und will ich leben. Ich schwöre, daß ich nanderes eine Holzhauer lauschte und lauschte, und der rauhe Sturm sehen will, bis ich dies gesehen habe. Ich re, daß fuhr durchs Fenster in seine Seele. Am Morgen waren alles andere nuglos ist, bis dies nutzbar gemist. Ich seine Hände heiß und die müden Augen glänzten. Er habe mit Nichtigem getändelt. Ich habe Seele redete mit seinem alten Weiblein und sprach: Mein warten lassen. Ich habe den Reichtum inrtrauen Schat," trant und schlug und redete irre. Der andere gezogen. Ich habe hoher Stellung Ehre ern. Ich Holzhauer kam und lehnte die Art an den Tisch. habe den Arbeitgeber beim Wort genommen. schwöre ,, Ganz weg mit der Art, der Wald hat jetzt Ruhe, ich, daß ich vom Reichtum und den Dienstes Reichund du und ich, wir haben jetzt Geld genug und wohnen tums nichts wissen will. Und den Arbeitgaand die in einem schönen Hause, und die Leute gehen alle so Tyrannei will ich nicht mehr beim Wort na. Nur leise, so leife. Und ich will ein goldenes Dach über die den freien Menschen und die Freiheit will ichn Wort Kirche bauen laffen. Was bist du so still? Ja ja, jetzt nehmen. Lieber als ein halbtreuer Freund mir ein ist's zu Ende mit der Not und der Arbeit; freu' dich, ganzhassender Feind. Lieber als eine gutbee mit geh' heim und freu' dich und sag's den andern, und sag's halbem Herzen will ich eine schlechte Jdait dem dem alten Knecht auf der Mühle, daß er das Wasserrad ganzen Herzen umfassen. Es wäre mir er, das stehen lasse. Hörst du den Bach? Du hörst ihn doch?" Kapital hätte ganz recht und die Arbeiterft ganz Der andere ging hinaus, schüttelte den Kopf und unrecht, als daß die Arbeiterschaft um driedens ging langsam nach dem Wald. Er ging quer durch den willen sich mit halbem Anspruch begnügte.ch hätte Wald, stieg über die Stämme, die beide gefällt hatten, lieber eine Welt voll ehrlicher Tyrannen, alne W und schlug mit dem Stiel der Art an die Bäume. Bald voll ehrloser Hofschranzen. Die Stärke hätte iebe fam er an das tote Feuer. An diesem Tage schaffte er die Schwäche, auch wenn die Stärke ganz inge wenig, oft ftand er still; ein feiner Regen fiel. Schwere Gegners stünde. Ich will all meine schwaa Ft Nebel sentten sich nieder, so daß man nichts mehr sehen abschütteln. Ich will all die Schwäche in fet, fonnte. Alles war grau. Und er ging früh und traurig nach Hause. Die Totenfrau ging an ihm vorbei; sie trug etwas in der Schürze. Nun trat er zur Seite, er wußte, was geschehen war, und zwei Tränen standen in den roten alten Augen. Morgen geht er wieder in den Wald allein. So alle Tage. schütteln. Ich will wissen, worauf ich moeren fann in mir und in dir. Ich hätte lieber diereinzelt, ich hätte lieber mich selbst vereinzelt und diend mich in der Vereinzelung fest, als dich und minit einer ganzen Masse durch lähmenden Kompromiß veichlicht. Schwöre! Schau nicht nach den Sternen Himmel. Schau in dich selbst. Halte dich nicht dabeuf, nach Signalen Ausschau zu halten. Du kannsir selbst Signal sein. Dein färglicher Lohn ist ein Sal. Dein Weib im Sklavendienst ans Haus gefesselt. De Kinder, Schwöre, daß du laut rufen willst.* deren Jugend an den Türschwellen der Feken hinVon Horace Traubel. fiecht. Dies können deine Signale sein. Diender des verworfenen Proletariats. Die Kinder, der Zukunft Schwöre! Das ist es, was ich dir sage! Schwöre! Krankheiten anheimfällt. Die Kinder, die inädtischen Sage nicht Ja und Nein. Mache nicht hier und dort Glend der Gossen und Gaffen kommen und jen. Die Zugeständnisse. Gib nicht zu, daß deine Sache wahr und können deine Signale sein. Die Armenqtiere der falsch sei. Bestehe auf deiner Sache. Gestehe ihre Fehler. Großstadt. Rußbeschmutzte Hüttenwerke. Zufrüh Doch beharre bei ihr. Das Fehlerhafte braucht nicht falsch des Morgenarbeiters. Das Zuspät des Narbeiters. zu sein. Entschuldige dich nicht wegen deiner Fehlgriffe. Das fann dir Signal sein. Mögen Stür fommen, Schäme dich nicht wegen deiner Irrtümer. Laß dich's Regengüsse, furchtbar drohende Windstöße Deine Si nicht fümmern, wenn du dich getäuscht hast. Alles andere quale bleiben aufrecht. Sie wurzeln fest und gen hoch fannst du im Stich lassen. Dir selbst sollst du treu sein. in deinem Herzen. Andere Signale versa. Dieje Schwöre, daß du dir treu bleibst. Schwöre! Du hast bleiben. Die Ungerechtigkeit ist ein Signal. Berräterei Feinde, wohin du auch blickst. Man führt dich in Ber ist ein Signal. Jedes üppige Fest, jeder le Tisch ist Die Nacht kam, die frühe Winternacht. Sie tam in fuchung. Mtani bezahlt dich, damit du dich fügest. Die ein Signal. Jeder Sonnenuntergang und jel Sonnenden Wald und lag unter den Tannen und stieg in die fonventionelle Welt bietet dir ihren Luxus, dich zu beaufgang ist ein Signal. Mag die Welt sichre Hoffnassen Aste. Die beiden Holzhauer saben sie und legten stechen. Die Welt bietet dir Komfort und Stellung. nungen selbst trüben. Magst du mit den eigenen die blanken Arte neben das Feuer. Das wollte schlafen Willst du Komfort und Stellung? Oder willst du dich dealen spielen: solange deine Seele gesundeibt, sind gehen, seine Seele entschwand in einem feinen grauen selbst? Schwöre, daß du dich selbst willst. Daß du deine die Signale gesichert. Die geweihten Sign: heiliger Rauch, der über den Waldweg zog. Die Männer besahen dee willst. Daß Komfort und Lurus sehr schön sind. als die Heilige Schrift, christlicher als die Chlusse. Un die Arbeit des Tages und fanden, daß es wenig war, Aber daß etwas anderes, weniger Komfortables und sterbliche Signale. Signale, die Träume wanachen im und fanden, daß sie alt geworden waren. Sie griffen Luxuriöses, besser ist. Leben und in den Träumen das Leben. nach den Taschen und knöpften die überkleider fest, und Schwöre! Rede dir nicht ein, daß du, schlecht oder Schwöre! Du hast oft genug nachgeget. Lange ihre harten Hände zitterten. Aber wenn diese Hände recht, derselbe Mensch seist. Bürde dir nicht das Gewissen genug haft du den Glauben anderer gegibt. Jetzt die Art schwangen, dann waren sie so fest wie die Aste anderer auf. Sorge für dein eigenes Gewissen. Freilich, fordere ich dich auf, deinen eigenen Glauben glauben. alter Eichen. Der Heimweg führte die Männer durch das ist eine schroere Aufgabe. Es ist die schwerste Auf- Jetzt fordere ich dich auf, alles an die Sptsache zu junge Tannen; da war es still. Nur einmal berührten gabe, die es gibt. Nur bei deiner Idee zu beharren. wagen. Allzuleicht hast du dich irre führen sen. Weil sich ihre Arte und gaben einen harten Klang. Die Beharren durch den Schmutz und Schimpf des Alltags. es mit fleinen Dingen schlecht gegangen istjaft du zuMänner sahen einander an, sprachen aber wenig. Manches Beharren, nachdem jedermann zu Bett ist. Beharren, gegeben, daß es mit der großen Sache nit gut gehen fagten fie zweimal. ehe jemand auf ist am Morgen. Es ist eine harte Arbeit. tönne. Weil der Feind viel Lärm machenonnte, haft Es fostet einen Menschen viel Mühe, hinunterzugraben du geschwiegen. Jetzt fordere ich dich zt Sprechen bis zu den eigenen Wurzeln. Ein anderes Mittel, dorthin heraus. Sprich laut. Sprich nicht nur ir die, die zu gelangen, gibt es nicht. Und dorthin gelangen, heißt hören wollen, sondern für die, die nicht ren wollen. leben. Oder wenigstens, es versuchen, so weit zu gelangen. Gib nicht alle Anfangs- und Schlußworte is. Behalte Den Versuch aber nicht machen, heißt sterben. Schwöre! sie für dich. Besonders die Schlußworte. Se nicht Ja, zum Schwöre, daß du mit dir selbst eins werden willst. Schwöre, weil es einem Toten oder einem noch Ungorenen weh daß, was auch geschehen mag, dich deinen Genossen zu tun könnte, wenn du Nein sagst. Versucheicht, nett zu entfremden, nichts geschehen kann, dich dir selbst zu ent sein. Versuche, wahr zu sein. Lezten es wird dir fremden. Schwöre, daß du dein ungeschriebenes Jdeal niemand für Schmeicheleien Dank wissen Jedermann nicht den neununddreißig Artikeln eines verknöcherten wird dir schließlich für die Wahrheit Dat wissen. Wir gesellschaftlichen Dogmas unterwerfen willst. Schwöre, wollen den Gegner warnen. Bom heijen Tage an daß nichts dich dazu bestimmen wird, die blassen Gesichter machen wir keine Zugeständnisse mehr. Bom heutigen Die Jungen nicht, die waren draußen im Rheinland. der überarbeiteten Männer, Frauen und Kinder zu über- Tage an wollen wir fein Kapitel der Geschte verbergen, Zuweilen tamen fie und hatten bessere Kleider an und sehen. Schwöre, daß du laut nach Gerechtigkeit rufen zurückhalten, überschlagen oder ausmem. Alles soll brachten viele Zeitungen mit. Sie saßen an dem schweren willst. Nicht nach einem Stück Gerechtigkeit. Nicht nach gesagt werden. Und in Worten, die ht schmeicheln. eichenen Tisch und redeten davon, daß alles anders Gerechtigkeit für heute und irgend etwas anderem für In Worten, die treffen und beißen. Diufgabe ist zu werden müsse, daß die armen Leute auch einmal feiern morgen. Nicht nach der Gerechtigkeit eines beliebigen groß und zu heilig, als daß sie in de abgestandenen dürften und die alten Männer nicht mehr in den Wald andern. Sondern nach der Gerechtigkeit deiner eigenen Etikette der Höfe vertändelt werden dür. Wir wollen gehen sollten. Solche wunderliche Gedanken hatten die besten Träume. Schwöre! Schwöre! Schwöre! diesen Rampf auf gleichem Boden austäpfen. Es darf Jungen. Was für wunderliche Gedanken! Und morgen Ich bin die Halbheiten satt. Ich bin das Herum fein Oben oder Unten, fein Rechts er Links mehr gingen sie doch wieder in den Wald. Daran dachten sie, probieren satt. Ich bin die Kompromißleute und Mit geben. Wir wollen auf dem gemeinsten Wege vers faßten nach den Arten und sprachen nichts mehr. läufer und Diplomaten satt. Ich habe es mit allem barren. Unser Kampf ist der Kampf ir den gemeinDer Wald war zu Ende, im Dorf wurde ein Licht versucht. Nichts davon hat sich bewährt. Ich bin zu samen Weg. Schwöre! nach dem andern angezündet. Der Weg wurde schlecht und schmutzig, und sie sahen mit ihren alten Augen nicht " " Es ist nichts mehr mit uns, ich bin zu müde." Der Wald frißt uns noch." " Ja, der Wald frißt uns noch." Dann schwiegen fie. " Heute ist Donnerstag, gelt?" " Nein, Mittwoch, dann noch drei Tage bis Sonntag. Ach, ich möchte mal einen ganzen Tag auf der Ofenbank liegen, bloß einen Tag." " Und morgen gehen wir wieder in den Wald." Alle Tage, wir zwei sterben im Wald; und wer soll dann in den Wald gehen?" " Wer soll dann in den Wald gehen?" Aus Wedruje", Kommunistische Gesänge. Deutsch von mehr nach den Lichtern, sondern auf den Weg. Ein D. E. Leffing. München und Leipzig 1907, R. Pieper& Co. Berantwortlich für die Redaktion: Fr. Klara Bettin( gdel), Wilhelmshöhe Boft Degerloch bei Stuttgart. Druck und Berlag von Baul Singer in tuttgart.