M.S AbmmemMs-Krdwgunzni: «bonnemintS- Preis pränumerando: vicrleljährl. S,Z0 Mr., monatl. 1,10 9Ä!-. n-öchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrlrler Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für 1333 unter Nr. 7576. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 13. Jahrg. Di« Inserttstrs-Gedlllfr beträgt für die sechsgespaltene Jtolonct- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für verein»- und BeriammlungS-Anzeigen. sowie ArbeitSmartt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müsfeii bis 1 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr oormittag« geöffnet. Erscheiul täglich ausser Montag«. Vevlinev Volksblakk. Fernsprecher:»ml 1, Nr. 1500. Telegramm-Adresse: „SozUldeiiipKrat Serlw". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, ZSe»ty-Str«ße 2. Mittwoch, den 3. Januar l898. ßjrpedilio»: SW. 19, Mettty-Straße 3; Oeyerrvirh im Jahre 1897. Wie», 1. Jaiurnr. Das verflossene Jahr bedeutet das Todesröcheln eines dreißig jährigen Siegierungssystems. Eine jagende Folge von Fieber paroxysmen hat den österreichischen Scheiukonstiinlioiialismiis, der au- den Finaiiznöthen nach dein deutschen Kriege geboren war, zer» stört. Der buutgeivirkle Teppich moderner politischer Forme», hinter dem die Fürstenniacht, die Feudaliiat und die Siaalsgläubiger ihre Beule theillen, ist jernssen und die jammervolle» Flicken des Z 14 machen den Absolulismus eist recht sichtbar. Aber nichts tödtel den Absolutismus in Kulturländern sicherer als das Tageslicht und es ist nicht der Absolutismus allein, den es in Gefahr bringt. Niemals war in Oesterreich ein ehrlicher Vertrag mit der Demokratie so sehr eine Slaatsnolhwcudigkeit wie in diesem Augenblicke, da die Jahr- zehnte hindurch geiibte Charakterlosigkeit der biirgerlichen Politiker daS ganze Staatswesen auf Schrittweite dem Abgrund zugetrieben hat. Denn nicht der klägliche Graf Badeni, dessen grenzenlose Frivolität allerdings die österreichisch« Krise zur Krise der Gesammlmonarchie erweitert hat, sondern vor allem die bornirte Habsucht der nationalen Bourgeoisien, die bei ihren Schachergeschäjlcn das in den Völkern mit der Kultur wachsende Selbstbewnhscin iguoriren zu können glaubten, hat jene schauerlichen Ansbuiche des Chauvinismus gezeitigt, die heule das Gesiige des Staates ins Wanten gebracht haben. Gescheitert ist die alte österreichische Regiermigskuust, die zum Frommen der feudalen Mächte Volk airs Volk hetzte, gescheitert die traditionelle bürgerliche Politik, die siir angeiiblielliche Vortheile weltgeschichtliche Pflichten vcrricth. In Oesterreich kann sürderhin weder gegen die Deutschen, noch gegen die Slavc» regiert ivcrdcn wenn der Name dieses Staates seine Geltung ins komurcnde Iah* hundert hinuberretlcn soll. Nur in einem Oesterreich der Völker kann der Völlerstreit zum friedlichen Austräg gelangen. Dieses sind die Lehre» eines Jahres, dessen politische Ereignisse gleich der tolle» Szcnensolge jeuer ainerikairischen Senkationsschanspiele, die in innner überrnschendcreir Wendnugeu Situationen hart au den Grenzen des Unmöglicheir pflücken, air uns vornberivirbelle». Mit einer machtvollen Kundgebung des allgemeinen Wahlrechts hat das Stück begonnen, mit der lhalsächlicheu Sistiruug der Verfassung hat es geschlossen. Die loyalsten liberalen Hosrnlhe entpuppten sich darin als die wülhendsten Staatsverbrecher, die jungczechischcn Holl, verrät her als grundgule Patrioten. Abgeordnete kamen ins Landes gericht und Polizisten inS Parlament. Es gab Ministerkriscn, Volks tage, Emeuien mit Brandlegung und Plünderung. Jriedensseste und einigemal wurde auch geschossen. Die ersten drei Monate des vergangenen Jahres waren durch die Wahlbemegung in Anspruch genommen, die in nie gesehenem Maße alle Schichten des Volkes aufwühlte. Vornehmlich waren es die Wahlen in der fünften Kurie, welche die allgcmcine Leiden- schast wachriefen. Denn trotz der Vcrsäls6>nnge>i und Ver- ftnmmelungen, die der Gedanke deS allgemeinen Wahlrechtes von den Schöpfern der allgemeine» Wählerklasse hatte erleiden müssen, war es doch jedermann klar, daß hier der eigentliche Kampf um die knnsligen Geschicke des Reiches ausgefochlen werde. Mit der größten Energie und Begeisterung griff die Arbeiterklasse ein, die zum ersten Male zur Urne schreiten sollte, die sie in dreijährigem, nnermnd- lichem Kampfe erobert hatte. Aber auch die privilegirten Klassen machlcn alle Anslreuguugen, ihren Vertraucnsiuänncrn die Volks- Mandate zu geivinuen. Wie ans dem Erdboden gestampft erschi.nen allerorts„nationale" und„christliche" Arbeiterparteien und zur Demagogie der Tribüne kam die der Kanzel und endlich die des baaren Geldes. Trotzdem errang die Sozialdemokratie einen glänzen- den Sieg. Zwar unterlag sie in den beiden größten Städten des Reiches, in Wien und Prag mit knappen Minoritäten der Koalition der reaktionären Elemente vom Hausherrn bis zum Hausmeister, aber sie gewanir vor allem säunntliche Kreise des indnslriereicheu Nordböhmen gegen die Denlschbnrgerliche», zwei mittclbödnrische Bezirke gegen die fanatischen Juugczechen und das im Herze» der klerikalen Alpenländer gelegene Graz. Jedoch vielleicht von noch größerer Bedeutung war die überwälligcnde Majorität, mit der Dascinsky in Krakau den Regiernngskandidalen schlug und die Geivinnnng Lcnrbergs. Nirgends konnte der Badenisnnis, daS sprichwörtliche galizische Korruptions- und Geivaltsystem empfind licher und schwerer getroffen rverden. Die Gesamnrlzahl der für die sozialdemokratische» Kandidaten abgegebenen Siimmen kann auf eine halbe Million veranschlagt werden, die Zahl der gervählte» Abgeordneten der Partei beträgt vierzehn. Die Sozialdemokratie hatte sich alz die stärkste Partei des allgemeinen Stimmrechts erwiesen, der international« Gedanke mehr Auiverth gefunden, als die chauvinistischen Schlag- Worte. Es war ein Resultat, daS den Lenkern de« durch den Nationali- täten-Streit zerklüfteten Reiches hätte manches zu lernen gebe» können, aber Graf Badeni war auch als österreichischer Minister der polnische Handelsmann gebliebe», dem das schmutzigste Geschäft daS beste ist. Vom Kaiser mit der Ausgabe betraut, de» Ausgleich mit Ungarn zu sichern, begann er damit, die heftigsten Gegner des Ausgleichs, die Juugczechen» zu bestechen. Am 5. April erschiene» die Sprachenverordiinnge» für Böhmen, am Ende des Monats wurden sie auch für Mähren kundgemacht. Ihrem Inhalte nach waren sie eine seltsame Mischung von Recht und Unrecht. Während die Einführung der inneren czechische» Amtssprache im Verkehr czechischcr Gerichte unter einander ganz zivcckmäßig war und kein wirkliches nationales Interesse der Deutschen verletzte, bedeutete die Doppelsprachigkeit der Aemter im ganzen Lande ein Zngeständniß an das phantastische czechische Staats- recht, die obligate Erlernung der äußerst schivierigen czechischen Sprache eine schwere materielle Benachtheilignng der bürgerlichen Schichten des dentschen Böhmens, ans denen sich die Beamtenschast rekrutirt. Die Form ihre» Festsetzung war eine dreiste Verletzung des Gesetzgsbiv gsrechtes des Parlaments. Tie Stellung der Parteien war so gegeben. Die Sozial- demokrate» traten in ihrer traditionellen Rolle als Hüter der bürgerlichen Freiheiten vor allem gegen den Mißbrauch des Ver- Ordnungsrechts ans. sie verlangte» ein Sprachengesetz, die Löstmg der vorhandenen Schwierigkeiten durch die Vereinbarung von Volk zu Volk. Sie traten aber auch gegen das Staatsrecht auf. soweit es historisch war, d. h. ans vergilbten Pergamente» aus der seudale» Herrlichkeit begründet Ivar. illu die Stelle des lodten Slaalsrechis wollle» sie das lebendige Volksrccht setzen. Es war das der Eland- punkt, den die czechischen Milglieder des sozialdemokratische» Klubs gleich bei Eröffnung des Parlaments in ihrem Protest gegen die »Recktsverwadrung", weche die Jringezechen angeblich im Namen des ganzen czechischen Volkes eingelegt hatten, kundgegeben hatten. Die deutsche Bourgeoisie, die lange um de» Negierungstisch ge- strichen war. sah sich natürlich gleichfalls in die Opposition ge- drängt. Gerade in einem Angeirblicke, wo die lange vorbereitete materielle Ausbesserung der Bcamtengehäller zur Thal werden sollte, schien den Deutschen die Staalskarriere abgeschnitten. Die radikalen Gruppen der Denlschbürgerliche». denen die zunächst belroffcne junge Generation insgesannnt anhängt, trieben zum änßetstcn Widerstände und die durch die Wahlen ohnehin geschwächte» gemäßigten Liberalen waren schon durch den Selbsterballurrgsirieb gezwungen, ihnen Ge- folgschasi zu leisten. Das Schlagwort von der„schärssteii Opposition bis zum Stillstand der parlanrcnlarischcn Geschäfte" erschien zum ersten Male ailf der Bühne. Als nun selbst der verfassungstrene Großgrundbesitz das Band, das ibn mit der Regierung verknüpfte, enlzrveischuitt, war das Badeni'sche Unternehmen eigentlich schon verloren. Die Czechc» Halle man gewonnen, aber alle Deutschen mit Ausnahme der Klerikale» und ihrer christlich- soziale» Fremrde in die Opposition gebracht. Judesscu der Kaiser wollle den Grafen Badeni nicht fallen lasse». ES wurde eine anlonomistische Majorität nach dem Muster des Taaffe'sche»„eisernen Ringes" gebildel, in welche die Jnngczechen, Polen, Eüdslavcii und die deulschcn Klerikalen eintraten, rvährend die nnicr Lneger's Komwando stehenden Christlich- Sozialeu dazu auserschen waren. als Franktireure der vereinigle» Opposiiio» gc legeiillich in den Rücken zu fallen. Aber der Apparat>der Majorität begann gegenüber dem euer gische» Ansturm der Opposition zu versagen. In groß angelegleu Debatien enihülllen dw sozialdemokratischen Abgeordiieleu das volks- feindliche Wesen des Regimes BaKuij, wie es sich bei den galizische» Wahlen und der Auflösung der Eisenbnhnerorganiialione» bethäligt halte. Der Antrag der Tcuischbürgerlicben, die an der Sprache»- Verordnung dctheiliglcn Nliinster in Anklagerusland zu versetze» wurde mit einer verhällnihmäßig knappen Majorität abgelehnt Ader Badeni wollte immer noch nicht gehe». Um den Gang der parlamentarischen Geschäfte zu beschleunige», bevolimächtigle er das Präsidiuin, die Geschäftsordnung zu»erlcüen. Es begann nun ein äußerst hartnäckiger Kamps zwifcbe» der Opposition und dem Prä sidium. Für jede Vergewaliianng der Geschäftsordnung, die letzteres aus findig machte, führte die Opposition neue Blitiel, die Verhandlnngeu zu verzöger», ins Feld. Jeder Abslrinnuing ließ man Zehnminnlen- Pausen vorangehen, hunderte von Petitionen wurden zur Verlesnng gebracht. An» 2. Juni wurde das Parlament geschlossen. Diese Schließung roar ein neuer, staalsrechllich äußerst anfecht barer ModuS. disscn Hanpivorlheil gegenüber der Bertagni g für die Regierung darin bestand, daß die Abgeordneten ihrer Immunität verlustig wurden. Aber rve»» Badeni darauf gerechnet hatie, um für einige Zeit vor der Opposilion Ruhe zu bekommen, Halle er sich gründlich verrechnet. Vielmehr ivar mit de»?Ibgcord»ei«>i auch die Opposition ins Land gciricbe» worden. Tie dculsch-böbmischc» Adgeorduele» setzte» ganz Nordböbmeu i» Bewegung. Ter Bolkslag in Egcr, obzwar zweimal verboten, wurde am scstgesetzicn Tage, dem II. Juli, trotz Polizei und Militär abgehalten. Gerade cur diesem Tage zeigte sich die Unfähigkeit des Grase,, Badeni in ihrer lypische» Form. Durch daS vergebliche Verbot einer Veranstaltung, die, erlaubt, rrodl nicht mehr als eine Versammlung in größerem Slile gewesen»äre, holte er sich eine schinäbliche Niederlage und verhalf din dcnlsckreri Oppositionsführern zu eine» billige» Heldengloriole. D- rch die Entsendung Prager czechischcr Polizisten nach d-n, de, l scheu Egcr pflanzte er dort, wo es vorerst nur eine» Kainpf ßegen die Regierung gegolten halle, die Saat der nationale» Raserei, die dann im ganzen Lande blnlig aufgehen sollte,»iid indem er die Dcnionstralio» der Teulichböbmen über die Grenze drängle, machte er die großdentsche Gesinnung, die von jeher in Nordböhme» gcsckliimnrert halle, lebendig. Während an verschiedenen Punkten Böhmens, i» Vrix. Pilsen, auch in Prag der ChanvinismnS zu Gcwaltlhaic» schrill, versnchle die Regierung eine Frirdenskonferenz für Böhme» zu slaudc zu bringen. Sie scheiterte an dem Widerslande der Deutsche», die jede Verhandlnng vor der Zurückziebung derSpracheuverordunngabledrilen. Badeni ging aber auch jetzt nicht. Vielmehr schritt er»»gescheut zum Verfassungsbrnch. Ans gnind einer falschen Interpretation des Paragraphen vierzehn des Staalsgnrndgesetzcs wnrdc die Weiterzahlung dcr Znckerprämie im Berordnungswege festgesetzt, ebenso die im vorigen Jahre mit einjähriger Giltigkeilsdnner beschloffeue Er höhnng der Verbrauchssteuer ans Zucker beibehalte». Di« Prager Friedensdemonstralio» am 5. September, an der sich über zwanzigiansend Arbeiter betheiligie», war ein Ereigniß von kuliurhisiorrscher Bedeulnng, daS die siilliche Ucberlcgenheil der Arbeiterklnfle machlvotl offenbarte.'Aber weder Badeni, noch die bürgerliche» Politiker beider Nationen waren die Leute, etwas daraus zu lernen. Für Badeni wäre eS allerdings auch zu spät gewesen. Am 23. September wurde� der Neichsrath, nieder eröffnet. Sosort kam«S zu hefligen Slnrniszeiien, die sich durch das provokalorische Benehmen der Jungczeckieu zu Raufszene» aiiSivuchsen. Unterdessen wurde am 12. Oktober das Ausgleichsprovisorium vor- gelegt, das in aller Eile durchgepeitscht rverden sollte. Die Obslruk tio», die wohl erkannle, daß an dem Schicksale des Ausgleichs das des Minisieriums hänge, bot alle Kräfte au', um seine Annahme zu verhindern, roogegeu die Majorität sich zusammenschnarle, niu niit geballter Faust die gröblichsten Veigewalligungen der Geschäsls- Ordnung durch das Prästdiu», zu decken. Der klerikale Präsident Kaidrei», dem die gestellten Zumnthimgen endlich doch gegen sein Gewissen gingen, trat zurück. Nun folgte Sitzung ans Sitzung»nd Sluriu ans Sturm. Die glänzendste Leistung der Opposition war die Tauerrede gegen den Ausgleich, die der deutschliberale Adgeorduele Lecher in der Ldstündigen Sitzung vom 23. bis zum 29. Oktober hielt. Die Stellung der Negiernng schien erschnltert, der Ausgleich verloren Aber dcr Kaiser ivollle seinen Liebling Badeni nicht fallen lassen. Er beglückwünschte demonstrativ die beiden Biz-präsidcnten zu ihrer Hallniig, erklärte laut, die namentlichen Abstiminungen nrüßlcn abgeschafft rperden und gab dem Grasen Badeni derartige Zusicherungen, daß dieser es nnternahni. den lange vorbereileten Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung stellen z» lnffen. Ter berüchtigte klerikale Graf Falkenhayn gab seinen Namen zu diefein nnerhöclcn Angriff aus die parlamenlarische Freiheit, der es ermöglichen sollte, die nn- bequemen Abgeordneten einfach auszuschließen. Der Antrag wurde am 26. November ohne Debatte und ohne eigentliche Abstimminig vom betrügerischen Vorsitzenden für angenommen erklärt. Die Gewalt konnte nur durch die Gewalt bezwungen werden. Am 26. November unternahmen die sozialdemokratischen Ab- geordneten in Ersüllnitg ihrer Pflicht als Vorkämpfer des deino- kralischcn Gedankens den denkwürdigen Eturnr auf das Parlaments- Präsidium. Zivar wagte Badeni noch das Unerhörte und ließ die Abgeordneten durch Polizisten hinausschleppe», aber damit war sein Schicksal entschieden. Die Nachricht von der Mißhandlung dcr Abgeordneten versetzte Wien in nngeheucre Aufregung. Die Arbeiterschaft sehte sich in Bewegung nitd die Sludenlenschast, obzwar politisch himntelweit von ihr geschieden, schloß sich ihr an. ES war ein Bild, ivie man es seil 1848 nicht gesehe» Halle. Und so tief ging die Empörung, daß Lueger, dcr Abgott des Wiener Spießbürgers, der sich bisher äußerst zweideutig geberdct halte, sich mit überlauten» Eifer i» die erste Reihe dcr parlamentarischen Opposition einzudrängen versuchte. Als der Kaiser, der am Morgen des 26. Wien verlasse» hatte, offenbar»in die Beranlwortlichkeil für die Enlrveihnng des Parla- ments auf sremden Schultern zu lasse», auf die Kunde von den Wiener Slraßenvorgängen eilends in die Residenz zurückkehrte und die Ringstraße vo» Tauseude» erfüllt sah, die mit Ernst und Eni- schlosscnhcil für die bürgerliche Freiheit einzustehen gewillt schienen, ließ er seine» Liebling falle» und betraute den polilisch ziemlich farblose» Freiberrn von Gaulsch mit der Bildung des neuen Kabinels. Das Abgeordnetenhaus ivnrde vertagt. Der Abgang des Badeni ivnrde fast überall, namentlich in den derilschen Gegenden, jubelnd begrüßt. Nur die Prager czechische Bourgeoisie veraustaltele ihm in der dreitägigen Devastirung und Plünderung dei-lsebe» Eigenlhums vom 29. November bis 2. Dezember eine seiner würdige Todlenseier. DieczechischeArbeiterschasthieUsichvon diesen Exzesse» ebcnio sei», wie die denlsche von de» chauvinisti- scheu Aiisschreilungeir in Denlschböhinen. Baron Gauiscl, bat ein trauriges Erbe angetreten. Ein ver- haudlnngSunsädiges Parlament, eine Provinz i» halbem Aufruhr, und der Ausgleich mit Ungarn auf den Wellen treibend, das ist das Fazil der polnische» Aera. Der neue lvünistcr hat sich freilich zn- nächst seine Sache leicht gemacht, mit Vcrlagnng und Schließnirg. mit Slandrecht und mit Nolhverordriuugc». Das sind aber Dinge, die ihre Noihrvendigkcit rind ihre N-chtferlignng nur von heule ans morgen in sich tragen. Vernnnst wird hier nicht nur zum Unstnn, sondern znni Verbreche». Schon heute bedeutet das Standrecht in Prag die äußerste Bedrohung der Rechtssicherheit. Die Schließung des Abgeordnetenhauses, die in bequemer Weise die schmählichen Ver, valier des Prästdentcnamles ans die Seile geschafft hat, darf nicht das Mittel sei», die durch die drängenden Slaalsbedürfnisse gebotene finanzpolitische Diktatur ans»»gemessene Zeit nuszndehne». Der Tag, an dem Baro» Ganlsch das Portefeuille übernomme» hat, mag ihm gezeigt haben, daß auch»vir Oesterrcicl er die absolnten Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen lassen. Aber auch das Verhältniß z» Ungarn bedingt die Rckonstrnirnng des parlamentarischen Wesens. Der Form nach gleichsam ans dein physikalischen Gesetze der Trägheit e»t- sprurigen, trägt dcr th.rtsächliche Weiterbestand dcr bisher in dem Zoll- uild H-ndelkdündniß gesetzten Bezichnngen seinen Lebensqnell i» dem Voriheil, den das ivirlhschnsilich schwächer« Ungarn im Anschlüsse an die flinkere wesiliche Reichshälsle gewinnt. Die mit dem AbsolntisuruS nolhivendig verknüpfte Aera der inneren Wirren müßte aber das rvirthschasiliche Leben CisleiihanienS i» empfindlicher Weise stören. So verlangt der ülnSgleich mit Ungarn nolhivendig den im Innern. Ob freilich Baro» Ganlsch de» richtigen Weg finden wird, kann billig bezwcisclt ivcrdcn, wenn man erfährt, daß er die schon einmal abgebrochenen Verhandlungen mit den„Führ ern" der Tentschböhmen neu anfyiinmt. Das»nag ja nicht nmlützlich sei», aber rvas noch mehr noihlhut, ist eine aufrichiige demokratische und soziale Politik, die der arbeilendcn Schicht aller Völker siir die Existenz und die Funktionen des Staates ein lebendiges Jnlcrcsse einimpft. Das Jahr 1897 war voller Lehre» für die österreichischen Staatsmänner, es fragt sich nur, ob sie etivas lernen»vollen und können. Die sozialpolitische Ernte deS vergangene» JahreS ist gleich Null. Ist doch im ganze» Jahre ein einziges Gesetz auf parlamen- tarischem Wege durchgesetzt worden: dcr bulgarische Handels- vertrag, dessen Hanptvorlheile natürlich den ungarische» Agrariern zufließe». Die ivirlhsckiaflliche Sitnation dcS Staate? war, wenn ninn von dem rettungslos absterbende» Kleingewerbe absieht, gerade keine schlechte. Insbesondere crholle sich die Laiivwirihschaft von den Krisen der Vorjahre. Von den Industrien warfen die karlcllirten die größlen Prosite ab. So machte sich die Tendenz zur KarleNirmig an vielen Orte» geltend; erivähneiisiverth sind die lokale» Kartelle, ivelchc die Bierbrauereien abschlössen. Die Hanptansbente haben dl« karlellirten Znckerrassiiimre zn verzeichnen, indem es ihnen gelang, durch Erhöbimg der Epamnuig zwischen Rohzucker und Viassimrde vo» 4 auf 7 Fl. an dem inr Jnlande konsnmirten Zucker dreißig Millionen Gulden über den Wellmarklpreis zu„verdienen". Das Leben unserer Parter weist»nch, soweit eS nicht auf den Blättern der Tagesgeschichte eingctrnge» ist, eine iinnnterbrocheue Reihe von Erfolge» ans. Vornehmlich ist es die Wahlbewegung, ore ähnlich dem I. Mai, nur nr einem anderen Kreise, ein sprnnghaslcs Vordringe» der Bewegung zur Folge gehabt hat, der eine forgsam« und unermüdliche Orgauisalioiisarbeit zur Erhaltung veS Erivorbenen zur dringenden Aufgabe gemacht. Hieihcr rechnen wir vor alle», die Erfolge in de» agrarischen Bezirken Nord- und Ostböhmens, sowie irr den Alpenländern. Ferner die Gewinnung einiger klein- bürgerlicher und iuIcNigcnz-prolctarischer Schichten. Allerdings haben wir hier gar vieles unseren Gegnern, insbesondere de» Christlich-- Soziale» zu danken, die im Besitze der Macht ans ihrer BildnngS- und Lehrerfcindlichkeit kein Hehl mehr machen zu meinen glaubten. Auch die Elliunlage am Ende des Novcinber haben manchem Gleich- giltigen oder uns feindlich Gestnnten die Augen geöffnet. Ter gesammt-österrcichische Parteitag wurde vorn 6 biS 12. Jiinx in Wien abgehalten. Dcr wichligste Beschluß bezog sich ans die voll- ständige Tnichsührung des söteralivc» Prinzips der Partei-�>rga»i- 'atiori. Die Gesämmtvertrclung dcr Partei setzt sich nunmehr ans den Vertretungen der deutschen, czechischen. polnischen, italienische, c und südslavischen Parteien zusamnien DaS ständige Exekutivkomitee Sefli'tit au3 fcc« in Wien wohnenden Mitgliedern der Partei- Vertretungen der einzelnen nationalen Gruppen. � Der österreichische Parteitag ist zur Beralhnng nnd Beschlnh- fassuug über die allen Gruppen gemeinsainen Slngeleaenheitcn kompetent, BefonderZ thlttig wann im vergangenen Jahre die czechischen Genossen. 91», 1. Oktober erschien die erste Nummer des Tage- diaites„Prnoa Lidu", das in hartem Kampfe nach zwei Fronte», mit den, Elaaltanwatt und der chanvinistischen Presse, erfolgreich die Lehren des revolntio»Aren und internationale» Sozialismus vertritt. Tie gewerkschaftliche Arbeit hat ei» rnhigeS Fortschreiten, doch rciiic nberrnschendeu Erfolge anfznweisc», was bei dem vornehmlich politischen Charakter des Jahres begreiflich ist. Auch größere Lohn- bewegnngcn sind nicht z» verzeichnen. So kann die Partei, erstarkt im Inneren nnd in gesteigertem «lnsehe,,, dem Loh,, bewahrter Tüchtigkeit, der Zukunft entgegen- sehe». polikipchr Tleborfichk. Berlin. 4. Jannar. Tie kouservative Partei und der Bnnd der Land- tvirthe. Ter konservative Parteitag wird bald in Dresden abgehalten werden. Tort sollen die Vorbereitnngen für die Rcichstagswahl getroffen werden. Aber den konservativen Wahlvorbereitern ist's gar nicht recht geheuer vor den Dingen, die da kommen werden, vor den Gefahren, die ihre Partei bedrohen. Das deutsche Volk in seiner großen Masse freut sich des TogeS, da es den 5konservativen für die zahlreichen politischen Cündc», die sie während der letzten Jahre sich wieder zu schulden kommen ließe», heimzahlen darf. Die konservative Partei hätte unter solchen Uinständen alle Mühe aufzuivenden, nm ihre herannahende Niederlage einigermaßen zu mildern. Die Partei weiß dies auch, die.Krenz-Ztg." alarmirt seit Monaten die Parteianhänger zu regerer Thätigkeit, zn eifriger Propaganda für die Parteipresse. Und in dieser schwierigen Situation knistert nnd knastert es im eigenen Ban inimer geräuschvoller, immer bedrohlicher. Die Antisemiten brechen in die konservative» Kreise ein und der Bund der Landwirthe, die große von den Konservativen aufgezogene nnd gehätschelte Organisation des mittleren nnd großen Grund» besitzcs, sagt sich immer schroffer von der konservativen Bevor- Mttnduug los. Lange schon bahnt sich diese Entwicklung, die ihre guten Ursachen hat, an. Die Konservativen, die Landräthe die Streber, die Ordensjägcr, die rcgierungsgesälligen Leisetreter verlieren auch in der ländlichen Bevölkcrnng, sobald diese einigermaßen selb- ständig zu denken beginnt, Fühlung nnd Anhang. Man verlangt kräftigere Töne, volksthümlichcre Gcbcrde, wie Herr v. Plötz und seinesgleichen sie übten. Dazu kommen die persönlichen Eisersüchtclcien der bündlerischen Führer und ihrer Unter- osfiziere gegen die konservativen Herren, die durch Reichthnm und Stellung bevorzugt sind; ihnen die Mandate abzujagen, welche Lust! Hitzig wogt also zwischen den feindlichen Brüdern der Streit. Klare Antwort forderte wiederholt die„Kreuz- Zeitung" von den Bnudlern ans die Frage, wie sie sich z» den antisemitischen Einbrüchen stellen wollen. Aber die Bündler ließen sie vergeblich fragen und lachten sie hei»»- lich ans. Bon neuem fühlt sich die„Krenz-Zeitung" gedrängt, diese Dinge in einem Leitartikel zn behandeln und so aller Weit die schivärendcn Wunden ihrer Partei zn zeigen. Bangen Gcmüthcs schreibt das einst so stolze Organ der Konservativen: „Die von»nZ kürzlich angeschnitlene Froae, wie sich die Leiinng des Bnndes der Landwirthe bei den Neichslagswahlen verhallen iverde, wenn der konservative Besitzstand durch anti- semillsche Einbrüche gefährdet wird, ist in der Thal eine solche, ans deren»»zweideutige Beantwortung ineite Kreise unserer Parteimitglieder mit Entschieden- heit dringen... Allein so lange sie(die Bundesleilung) nicht eine scharfe Parole ansgicbt, durch welche prinzipiell die Anssleklnng zweier„den, Bunde gleichmäßig nahestehender Kon- didaturen in unsicheren Wahlkreise» vcrnrlheiit wird, sind Er- örternngcn über die obige Frage nnvernieidlich. Wen» die„Deutsche Tageszeitung" die Stellung dieser Frage für„iinnölhig" nnd für„wenig opportun" hält, da die Antwort darauf„längst(!) durch die bezüglichen Grundsätze des BnndeS der Landwirthe gegeben nnd von ibr(der„Deutschen Tagcszellnng") schon deS öfteren i» einer Weise umschriebe» ivorden sei, die auch den Beifall der„Krcuj-Zeilung" gefunden habe", so sind»vir doch anderer Meinung.„Inopportun" ist jedenfalls für die konservative Partei die Fragestellung nicht, und»vir vermögen auch nicht einzusehen,»vie sie«S für den Bnnd der Landivirthe fei» sollte, wenn man dort— »vas»vir keinesfalls»»»nehmen— nicht einer klaren Antivort aus- zuweichen die Absicht hätte. Tab«ine Antwort, wie sie er- forderlich ist, dmilS gegeben sei, müsse»»vir unbedingt bestreite».. Die„Kre»z-Z»it>lng" weist sodann auf die antisemitischen Treibereien in» Wahlkreise deS Herrn v. Levetzow hin, zu denen ebenfalls der Bnnd der Landivirthe keine klar ab- »veisende Stellnng genommen hat, mld fordert wiederholt befriedigende Aufklärungen.— Die„De, tische Tageszeitung" läßt sich aber nicht ans ihrer Ziirückhaltniig herauslocken. Sie thnt den langen„Kreuz- Zeitungs"- Artikel mit wenigen Zeilen ab. Ein Breittretcn derartiger Fragen, sagt sie, iverde keine Klärung herbeiführen, sondern eher eine grgenihcilige Wirkung haben. Sie kömie der„Krenz-Zeitiiiig" nicht Helsen, habe aber keine Veranlassung, an diesen AnScinandersctzungcn theilznnchmen, da sie schon früher ihre Stellung dargelegt habe.„Wozu nene Redereien über eine vorläufig abgeschlossene Sache?... Wir halten die Stellung, die der Bnnd zu den Wahlen aenommen hat, für dnrchans zweckmäßig und seinem Wesen entsprecheitd." Diese fast herausfordernde und hochfahrende Antwort wird die„Kmiz-Zeitiil>gs"'Ko»scrvativcn»venig erfreuen. Der Zwist »vird immer liesligcr. Es wird immer zweifelhafter, ob die konservative Partei von ihrem Dresdener Parteitag neu ge- stärkt und einig heinlkehren wird. Eher ist ein weiteres Zer- bröckeln zu erwarten. Nicht umsonst hat die„Deutsche Tages- zcttnng"»vicdcrholt den Bnnd der Landwirthe als„d i e Partei der Zukunft' gefeiert. Mit dieser„Partei der Znkunft" niag eS nun gute Wege haben. Aber von de» Konservativen wird es bald heißen: „die Partei der Vergangenheit"!— Das 20 jährige Jubiläum der christlich- soziale» Partei ist an» 3. Jannar tn> Saale des Eiskeller- EtnblisseinentS tu der Chaussttstrnße begangen worden. Ter Saal ist gefüllt gewesen und »nai» hat de» Hosprediger S t ö ck e r, den Professor Adolf Wagner und andere Veieranc» der„Berliner Bewegung" gefriert. Aber keiner der Thetluehmer und an»»venigstei, die Gefeierte», die einstigen Führer,»verde», sich der Ansicht ver- schlössen haben, daß ihre 20 jährig- Arbeit so gut»vie vergeblich gewesen ist. Gegen die Sozialdeinotralie»vnrde vor 20 Jahren, am 3. Januar 1878, der Kamps unlernomine»». Man hielt die Sozialdemokratie für.unpraktisch,«„christlich und un- pairiotisch", man«»strebte„eine friedliche Organisation der Ar- beilcr, um in Gemeinschaft mit den andern Fakloren des Staats- lebeus die nolbivendigen praktischen Reformen anzubahnen". Und heule ist die Sozialdemokratie die stärkste Partei Deutschlands, »vährend es eine chustlich-foziale Partei überhaupt nicht mehr giebt. „Es ist znin Weine» traurig!', schrieb vor nicht langer Zeit der „Reick, sbote"»iber den Erfolg der christlich-sozialen Beflrebungen. Wie konnte es auch anders fein. Die junge Arbeiierpartei feierte damals in Berlin ihre erste,, Triumphe, i» Schaaren strömte» den» befreienden Gedanken die Ar- beiler zn,— und diese durch ganz Deutschland dahinbrmifend» Bewegung glaubt, man mit pastoral-deuiagogische,» Phrasen und evangelischer Muckerei beschwichtigen und aufhalte» zu könne»! Das Unternehmer»nußte scheitern.— Wie charakteristisch»var schon eben jene Eiskeller-Bersannuliing vor 20 Jahren, in der die neue Partei von Slöcker gegründet werden sollt». Ein Besucher jener Versaininlnng schildert sie folgendermaßen: Plakate an den Sänlep hatte» angekündigt, daß die Gründung einer„ftaais-sozialiflischen" Partei im Werk« fei. Grund genug, das Bersammllmgslokal zn füllen. Als Schreiber dieser Zeilen das Lokal betrat,»var dasselbe schon nahezu überfüllt,»vie der Augen- schein zeigte, fast ausschließlich von Sozialdemokraten, die mit ihren damaligen Führern, den» Reichstags-Abgeordnete» Most und de», Führer der Berliner Maurer, Grottkan. erschiene» waren. Man harrte gespannt der Dinge, die da komme» sollten. Zuerst gab cS eine Enttäuschung. Ein ehemaliger Sozialdemokrat, der christlich-soziale Schneider Grüneberg, nahm das Wort, um in etivas konsnscr Weis« die Versammlung, die sich sofort«in sozial- demokratisches Bureau geivählt hatte, mjt einigen einleitenden Worten zn begrüße», die zumeist mit Hohngelächler aufgenommen ivurden. Die Silnatio» änderte sich aber, als der inzivische» zum Vorsitzenden avanzirte Maurer Grottkan, dainals Redakteur der später auf grnnd des Sozialiftengesetzes»interdrückse», sozial» demokratischen„Berliner Freien Presse", einem„Manne der theologischen Wissenschaft",»vie er sich nnsdrückte, das Wort erlheille. Dieser Mann»var Herr Slöcker. E t ö ck e r stellte sich zunächst der Versammliing vor.»n» dann sein christlich- soziales Programm in allgemeinen Umrissen zu entivickeln.— Nachdem erhielt Most daS Wort. Nicht endenivollender Bei- fall wnrde dein Redner zu theil, als er an, Schluß den„Psaffcn" zurief:„Macht Eure Siechnnng mit Euren» Himmel, denn Eure Uhr ist abgelaufen!" Es folgte die Annahme einer giesplntion, i» der erklärt wnrde, daß die Berliner Arbeiter keinen Anlaß hätten, die sozialdemokratische Fahne zu verlassen, nachdem das nahezu zwei Jahrtausende alle Christenthum sich„unfähig" enviesen habe, Roth und Elend anS der Welt z« schaffe». Unter dem Gesang der Arbeitermarseillaise ging die Aersanimlung auseinander, So»vnrde einst die christlich-soziale Beivegnng eingeleitet. Die eigentliche Gründung der„Partei"»vurde am 2o. Jannar>» einer kleinen geschlossenen Versannnlung im Saale des Berliner Hand- werke,"Vereins vorgenommen.— Das bald darauf verhängte Sozialisten' gesctz erleichterte die Agitation für die neue„Partei". Herr Slöcker»var ein vielseitiger Mann. Er»var nicht nur Parteigründer, sondern auch ein fleißigerArbeiter im Weinberge des Herrn; die Berliner Stadt- »nssion hat keine» fleißigeren Man» gehabt, als ihn. Sein« frömmelnde, monarchisch- konservative Niichtnng verschaffte»hm i» hohen Kreisen geneigte Ohren,—»vir erinnern an die berühnUe Ver- sanimlnng beim Grafen Waldersee, mit den» danialigen Prinzen Wilhelm als Theilnehmer. Seine kirchlich- reaktionäre Tendenz brachte ihm Einfluß beim orthodoxe» evangelische» Kirchen- regiment. Sein demagogischer Antisemitismus führte ihm 91»- Hänger ans den versinkenden Schichten des Kleinbürgerlhums zn. Aber diejenigen, ailf die es abgesehen»var, die Arbeiter, die kamen nicht. Sie hielten, wie sie versprochen hatte», zur Fahne der Sozialdemokratie. llnd diese Flch>'e ist lustig flatternd aus- recht stehe» geblieben, ivährcnd eZ bei der christlich-soziale» Sturnckolonne abbröckelte. Die Konservativen schivenkten ab »nd entledigten sich deS„nsnen Luther" in»nsanfler Weise. Die«ijrlichcr sozial Denkenden anS dem Stöcker'schen Kreis« gründeten den Evangelisch-sozinlc» Kongreß oder»mirden Rational- sozial. llnd schließlich hat Slöcker a, ch längst den Schmerz erleben müssen, daß die antiseniitilchcn Schneider- nnd Schnstermcister zn de»»mrktich zielbewußten Jndenveililgerii Böcke! und Ahlivardl übergegangen sind. Sic iravsit gloiia imincki! Nach dieser Eelbstanslösung hat man es für angebracht gehalten, das Jubiläum der„Partei" zu feiern. Die konservativen Berliner Bürgervereine haben mit der bei ihnen gewohnten Nichtachtung des § 8 des preußischen Bcreinsgcsetzes Depnlalioiicn und Fahnen ent- sandt, un» den neuen Luther zn ehren. Und Herr Stöcker ist noch »»ithbeseelt, oder spielt doch»venigstcns den Hoffnungsvollen. Er ivill die christlich-soziale Beivegnng neu beleben. „Wenn erst alle Mann»nieder ans Deck sein»Verden, sagte er, iverde» sie auch»vitderkonnnen ans Fabriken nnd Werkslättrn, Kellerwohnungen nnd Dachstübchen, auch aus ehrlichen Bürger- hänsern, daß den Gegnern deS Baterlandes und der Kirch« das Herz entsinkt! Wenn Gott ivill, soll wieder wie iu allrn Zeiten, alle acht Tage eine christltch- soziale Ver. snmmlung stattfinden, uu» nach allen Seite»» die Bruderhand ans- znstrecke». Gott segne die Znkunft Berti»?, vor altem die treuen christlich-soziale» Pastoren. Sie lebe» hoch!"— Die Versammlung hat in das Hoch eingesliinmt, nnd daS»var geiviß ei» Zeichen denlscher Treue nnd rührender Pietät. Aber wir glaube» nicht, daß irgend jemand nach dem von Stöcker selbst gegebene» Rückblick in die christlich-soziale Vergangenheit von der nerie» Aera der Slöcker- scheu Versammlungen die Vernichtung der deutsche» Sozial- demokralie erhofft. Die Hoffnung»väre nach 20jährig«il Mißerfolge» doch etwaS kühn. Tie ostasiatisch« Frage. In London wird eifrig über die chinesische Anleihe verhandelt. Nach einer Mit- theilnng der„Kölnische» Zeitung" ist der zwischen Petersburg und Paris gemachte Versuch, die Anleihe aufzubringen, an der Forderung des französischen Ministers des Auswärtigen Hanotanx gescheitert, welcher verlangte, daß die i» Frankreich anfziihriilgende Anleihe von einer französischen Bank ans- zugeben sei, während der russische Minister des AnS- »värtigen, Graf Murawjew, sie für die russisch-chinesische Bank vorbehalten»vissen wollte. China soll darauf die An- leihe in London angeboten nnd zugleich die Befürivortung der englischen Regierung nachgesucht haben. Als Sicherheit für eine Anleihe von 400 Millionen Franks soll eine innere chinesische Grundsteuer und dadtirch eine g e- »visse Kontrolle in Erwägung stehen. Das Haupt dieser Kontrolle soll« ein Engländer und der Nach- folgcr deS heutigei» Zollvorstehers Sir Robert Hart, cbenfalls ein Engländer»verden. Außerdem bestände das britische Kabinet ans einem GcbictSzugeständniß, daS vor der Hand geheim bliebe. Andererseits soll von russischer Seile neuerdings den Chinesen nahe gelegt worden sein, die in Paris gescheiterte Anleihe unter günstigeren Bedingungen als in London in Deutschland anzubieten. Jedenfalls darf man wohl ans diesen Vorgängen schließe»,, daß es Englaitd gelimge» ist, das unheimliche Vor- dringen des russischen Einflusses in China zu heminen. Man vergleiche hierzu' die folgenden interessanten Mittheilungen unseres Londoner Korrespondenten: Für di« Gestaltung der Dinge in Ostasten ist ein Artikel des „Standard" voin I.Januar sehr bezeichnend. Das konservative Blatt, das in»vichttgen aliStvärlige» Frage» oft von Lord S a l i s b u r y als Mundstück benutzt»vird, meint mit bezng auf die Thalsache, daß der englisch« Leiter der Zoll- Verwaltung von Korea nicht, wie anfangs von feiten der Slegierung Korea'? nnd ihrer russischen Hintermänner beabsichtigt, etnfach durch einen Russe» ersetzt wird, sondern ihn nur zum Kollegen erhält, bis svtveit sei diese Abivehr des gegen England geplanten Streiches keine große Leistung! aber a»ls der Thatsache, daß die bessere Berücksichtigung britischer 9l»sprüche mit der An- »vesenhcil von sechs britische» Kriegsschiffen im Hafen von Chemnlpo znsammeusalle,»verde der einsichtige Beobachter der jüngsten Ereignisse den Schluß ziehen, daß die Kiaft, die das unter- geordnete Objekt erzielen half— d. h. die englische Kriegsflotte „nöthigenfalls mich im stand« sein»vird, greisbarere Bor» »heile d» r ch z n s e tz e n". Und nun geht das Blatt aus die von Rußland geforderten Bedingungen für die von China ge« >v n n s ch t e neue Anleihe über,»vetche in der Forderung gipfellen, an stelle des Engländers, Sir Robert Hart, einem Vertreter Rußlands die Verivallung der chinesischen Zolle zu über- tragen. Unziveifelhast sei es der Ueberrcdnngskunsi der in den Gcivässcrn von Korea ausgestellten Piobe» britischer Panzerschiffe geschuldet, daß dies Projekt bescheidenere Form erhielt. Wichtiger aber noch für die Kennzeichnung der obwaltenden Tendenzen sei, daß die Behörde» in Peking sich jetzt sehr bemüht zeigten, das so dringend benöthigte Anlehen von England zu erlangen. Bekannt sei,»vie Rußland aus finanziellen Geschäften politisches Kapital schlägt.„Eine der deliebleslen Waffen im Arsenal des russischen auswärtigen Amts besteht darin, über dem Haupt irgend einer geldbedürfligen iliegierung «in» Schuld hängen zu lasse». Man»vird sich erinnern, »vie nützlich sich letztes Jahr unbezahlte Kriegsentschädigiings- rate» erwiesen, als die Türkei die Lust zur Widersetzlichkeit verrieth." Unabgelöste Echnldei» seien unzweifelhaft einer der Hebel gewesen, durch»velche der zarische Gesandte in Peking die chinesische vie« gienmg dazu beivog,»» die linverhüllte Anssührnilg eines Theils der ausbednng»»«», scinveren Berpflichtnoge»» zu»villige». Je größer die Zahlungsunfähigkeit Chiua's,»in so sc st er würde eS in der Hand seines nordische» Gläubigers gewesen sein. Ans irgend einem Grunde habe man es jedoch plötzlich für weiser gehalien. den geplante» Hauhel rein geschäslsmäßig z» ge- stalten und die Verpfändung der chinesische»» Ernndstencr niiifammt dem Recht der Leitung ihrer Erhebung zu verlangen. Daran seien die Verhandlungen für den Moment gescheitert. Und das Motiv zu jener anstößigen Bedingmig sei leicht zn erfahren.„In de» meisten Ländern des Oftens ist der Herrscher der oberste Eigner des Bodens, und daS StaatSeinkomnien bedeutet die Rente. Dar- aus ergiebt sich, daß diejenige Behörde, welche die Grundrente ein- zieht, in de» Augen des Volkes als die höchste Gewalt erscheint. In der That schließt, da die Hanptfnnktion dieser alt- eingeivurzelten Despotien die Erhebung von Abgaben ist, die Kontrolle der Grundsteuer die Bestimnmng über di« Einzelheiten der Lokalverwaltiing ein. Wir können uns vor- stellen,»vie»vnndervokl di« bezeichnete Ab- machiiiig den Zielen einer Macht entsprechen ivürd», welche ohne auffällige Eroberungen oder uil- verhüllte lieber nähme der Gewalt schritt>v eise nnd sicher Provinz nach Provinz sich ein zu ver- leiben»v ü» f ch t." An der verzweifelte» Festigkeit der Um- gebnng des chinesischen Thrones sei der Plan vorläufig ge- scheitert,»vährend die Erkenntniß, daß Großbiitannien dein Pta» nicht zustimnien»verde, di« Russen unzweiselhaft einem Komproiniß weniger abgeneigt gemacht habe. Es sei nun- mehr die Pflicht der englischen Nation— und das sei nicht »olhivendigeriveise die Regierung— zn entscheiden, ob es sich„nicht sehr»vohl lohne, iiin der Sicherung oder Wiederherstellung des ge- bührenden AntheilS an dem Einfluß derer»Villen, die den Lauf der Beziehungen Chiua's mit der Außemvelt bestimmen, ein finanzielles Risiko einzugehen." Mit andere» Worten. England oder»ve»» möglich englische Finanziers sollen aus Patriotismus China ans der Kleinine helfen. Den Schluß deS 9lrtikcls»nacht eine Betrachtung Über die allgemein« Linie der von England iin Osten zu beob« achtende» Politik. ES sei klar, daß„die ritterliche Mission des Prinzen Heinrich"»in Einvcrständniß mit Rußland unternommen iverde. Frankreich sei durch die russische Allianz gebunden, die Polilik deS Zaren zu unterstützen,»venngleich die Republik den kommerziellen Einfluß ihre? europäische» Nachbars kaum gern an- »vachscn sehen und daher Englands Vorgehen mit uneingeslandener Siimpalhie betrachten dürste. Anders mit Japan, dessen geo- graphische Aortheile in Verbindung mit seiiien entivickelien Hilss« quellen es in einem Kriegsfalle zn einem kräftigen Verbündeten macke. Und schließlich dürfe»»an»och darauf rechnen, daß China selbst die Bemühungen derjenigen Mächte»interstützen iverde, deren Interesse«nd Polilik es sei, die ehrgeizigen Pläne zu neutralisire», von denen es in letzter Zeil eine so harte Probe zu kosten bekomme».„Barbarisch und schivach»vie das himmlische gleich ist, besitzt es doch in der Masse und der stnn'pfsinnigei» Beschränktheit seiner unwissenden Bevölkcrnng eine Möglichkeit passiven Wider- standes, den selbst der»nteruehmiingilustigste der MiUtärstaaten herauszufordern Anstand»lehmen möchte." Das ist deutlich genug gesprochen— wohl ebenso deutlich, wie der berühmte Artikel des„Standard" nach der Adschickung deS bekannten Telegrannns an Onkel Paul. Aber es liegt auf der Hand, daß der 9lrlikel nur nebenbei naeb Berti» gerichtet ist. Seine eigentliche Spitze geht diesmal nach Petersburg. Rußland, scheint es, ivar seiner Sache et»vas zu sicher. Durch den glücklichen Gang der Dinge in den letzien Jahre» verwöhnt, glaubten die Politiker von Petersburg gar keine Rücksicht mehr nehme» zu brauchen,»im mit völlig aufgedeckten Karlen spielen zu können. Oder aber, da man keinen Kredit geben kann, den man nicht selbst hat, brauchten seine Finanzlente solidere Bürgschaften, als Wechsel auf zukünftige Einnahme»». Co oder so, Lord SaliSbnrn, der gerade vor Jahresfrist erklärte, England habe 18S3 in der Wahl zivischen Rußland und der Türkei sein Geld auf das falsche Pferd gesetzt— womit Rußland als daS richtige Pferd bezeichnet»vnrde— sieht sich jetzt genöthigt. Rußland als das falsche Pferd zu bezeichnen. Wir»nterlaffen eS, daraus Schlüsse auf den Weitblick des ToiyprcmierZ zu ziehe», denn wir kennen in der Tiplomalie kein— Pferd, daS nicht„falsch"»väre. Das wichtigste ist, daß Englands ausioärtige Politik bis auf»veiteres eine entschieden a n t» r u s s i s ch e Wendung zu nehmen sich anschickt. Eine noch deutlichere Sprache als der„Standard" führt der vielgelesene„Manchester Guardian": England habe China nnd die Mächte benachrichtigt, eS könne von China irgend einer Macht in irgend einem Hafen geioätirle Spezialreebre nicht anerkennen und beanspruche »» jeden» Fall« dieselben Siechte ans grnnd der Meist- begünstignngs- Klansel; dies beziehe sich auch ans di« Konzession«» für Bergbau und Eisenbahnen ec. England, vnrde, v« n t u e l l G e>v a l t anwenden, un» überall di« gleiche» Recht« zu er- z»v i n g e». Wenn Rußland das iiiecht erhielte, Eckiffe i» Port Arthur nberivinlern z» lassen, würde England dies Recht auch verlangen. Darnin seien die englische» Schiff«„Jmmortalile" und„Jphigenia" bei Port Arthur eingelaufen. Wen» Deutsch- l a»> d das Recht»»bulle, K i a o t s ch a n als Flollenstation zu benntzen, iverde England aus der Berpnchlmig von Land- gebiet i»» demselben Hafen behufs 91 n l« g n n g e i»« r F l o t t e n st a t i o n bestehen und würden auch dort englische Schisse e»» l a» f e n. Japan soll China »nd den andere» Mächten eine qjznliche Erktärnng überreicht habe». Es wird für die bctheiligten Staaten eine schwere Aufgabe sei»», eine Beseitigung aller dieser Streitigkeiten herbei- zuführen. Die Franzosen gehen an die Aufgabe, die Erschließitng dcZ Tonkin benachbarten südlichen China vorzubereiten. Ein Major und zwei andere Offiziere sind anscrscben, einen Forschungszug in die Provinz Künan zu uiiternehme»,. der»ingefähr zivei Jahre dauern soü. Tie politische Leitung des Zuges ist dein Obersten Penneqnin anvertraut. Anßcrdcni »vürden sich an dem Zuge zivei Jngenicnrosfiziere, ein Ver. treter deS MinisterinmS des Aenßern �md einer des Kolonien« Ministeriums betheiligen.— Deutsches Reich. — Für den Mittelland-Kanal., die Wafserverbindung zwischen Elbe und Rhein erwärmen sich am meisten die National- liberalen, während die Ostelbier Gegner des Projektes sind. In der Landtagssesston von ILM wurde die bezügliche Vorlage der Regierung mit einer Mehrheit von 186 Stimmen abgelehnt. Nach einer Mittheilung des„Rsichs-Anzeigers" soll die Vorlage den Landlag in seiner diesjährigen Session wieder beschästigen. Das Sprachrohr der Agrarier erklärt sich auch jetzt mit einigen Wenn und Ader gegen die Vorlage. Die.Deutsche Tages-Zeitnng" schreibt: In der konservativen Partei— darüber kann nach ver- schiedenen Auslassungen hervorragender Mitglieder derselben kein Zweifel sein— denkt man nicht daran, das Kapital des preußischen Staates, daS in großen Kanalbanlen angelegt ist und nur Bruch- theile eines Prozentes als Durchschnittsertrag bringt, ohne einiger- maßen ausreichende Zinsgaranlie der Interessenten weiter ver- mehren zu lasse». Der Satz von der„Ergänzung" der Wasser- straßen und Eisenbahnen ist doch nur bedingt zutreffend, wenn man ihn nicht etwa so verstehen soll, daß in der Praxis der bisherigen preußischen Verkehrspolitik die Ueberschüsse aus dem inländischen Verkehr der Eisenbahn nothwendig sind, um die Ausfälle der Betriebs- oder Zinsergebnisse der Kanäle decken zu können. Die„Nationallib. Korr.", die sich für daS Kanalprojekt sehr er- wärnil, möchte gerne die Agrarier begütigen. Sie schreibt: „.... Da die Lage der Landwirthschaft sich gehoben, zu prin.ipieller Feindschaft gegen die Regierung, die damals das Nachwort„Kein Kanitz" keine„Kanäle" münzte, zumal die Ge- treidepreise die erwünschte Höhe haben, kein Anlaß mehr vor- liegt, und schließlich die Finanzlage außerordentlich günstig ist, so wird diesmal wohl auch die Rechte sich einer unbefangenen Prüfung und Förderung des Kanalprojekts'mehr zugänglich er- weisen, als vor vier Jahren. Da das Haus im wesentliche» un- verändert geblieben, liegt hier die Entscheidung. Mir können uns nicht denken, daß die Regierung sich nicht in irgend einer Weife versichert haben sollte, diese für den Kanalbau herbei- führen zu können. Die politische und wirlhschaftliche Kon- ftellalion ist jedenfalls so günstig als möglich und es ist daher dringend zu wünschen, daß die Westprovinzen sie wahrz»- nehmen und die von der Regierung gewünschten Entschließungen herbeizuführen wissen." Wir sind sehr begierig, wer in diesem Kampfe deS Ostens mit dem Westen Sieger bleiben wird. An eine ständige Ausgleichung der sich entgegenstehenden Interessen de? industriellen Westens und des agrarischen Ostens glaubten wir nie. Kommen diese Gegensätze zui» Kampf, so kann das Volksganze nur gewinnen.— — Die Stellung des Zentrums zur Flotten- vorläge. In Bayern macht die Bewegung gegen das Septennat und die Flottenvorlage Fortschritte: In Pfeffen- Hansen im Wahlbezirk Kelheim fand am 23. v. M., wie ivir der „Voss. Ztg." entnehmen, eine Versammlung der Zentrnmspartei statt, ivorin die niederbayerischen Abgeordneten aufgefordert wurden, un- bedingt gegen das Septennat in der Flottenvorlage zu stimmen und nur soweit neue Schisse zu bewilligen, als sich deren Nolhwendigkeit in der Kommissionsberathung ergebe und die Herstellung aus den Erübrignngen im Reichshanshalte ohne Zuhilfenahme neuer Steuern und ohne Reichsanleihe ermöglichen lasse. In S ch>v e i n f u r t fand am 29. v. M. die fünfte Generalversammlung des christlichen Bauernvereins sür Unterfranken und Aschaffenburg statt, woran auch mehrere bayerische Reichstags- Abgeordnete theil- nahmen. Die Versammlung faßte einen Beschluß, der enlschieden gegen daS Marinefeptennat Stellung nahm und die Erwartung ans- sprach, daß die bayerischen Zentruinsabgeordneten jede weitere Be- lastung des Volk«?, sei eS mit direkten oder mit indirekten Steuer», auf daS entschiedenste zurückweise» würden. Auf der anderen Seite scheint die Regierung sehr bemüht zu fein, einflußreiche katholische Persönlichkeiten sich und ihre» Plänen günstig zu stimmen. Herr v. S t a b l e w s k i, der Posener Erz- bischof, ist dieser Tage nicht nur vom Reichskanzler empfangen worden, sondern wohnte auch der kaiserl. Tafel bei. — Eine Veranlagung zur Ergänzungssteuer wird in diesem Jahre zum ersten Male seit Bestehen der Steuer nicht vorgenommen werden. Für das Steuerjahr 1398/99 wird aus grund der Veranlagungen des Vorjahres die Ergänzungssteuer er- hoben. Mit dein Jahre I3S9/l900 beginne» dann die schon früher in Aussicht genommenen dreijährigen Veranlagungsperioden.— — Gewerbe-Jnspektion in Preußen. Dem Ver- nehmen deS„Hamb. Korr." nach werden auch im preußischen Etat für daS Rechnungsjahr 1398 einige bisher austragsweise verwaltete Stellen von Gcwerbc-Jnspektoren in etatsmäßige verwandelt werden. ES ist demnach Aussicht vorhanden, daß die im Anfang der nenn- ziger Jahre durchgeführte Reorganisation des Fabrikiuspekiorals auch nach dieser Richtung bald zu einem«ndgilligen Abschluß ge- langt. Im laufenden Etatsjahre waren von den in den, Organs- fationSplane vorgesehenen Ivo Gewerbe-Jnspektoren bereits 38 zur etatsmäßigen Anstellung gekommen. Nach dem Eingeständnisse des Grase» PosadowSky, daß die Gewerbe-Aufficht und die Durchführung der Arbeiterfchutz-Gesetz- gebung noch sehr im Argen liegen, hatte man schon etwas mehr als die Verwandlung einiger nicht etalsmäßiger Stellen in etais- mäßig« erwarten sollen. Bei der Berathnng des Etats deS Reichsamts deS Jnnern wird man auf diesen Punkt noch zurückkomme».— — Professor Virchow will bei den Wahlen zum prenßi- schen Abgeordnetenhaufe und zum deutschen Reichstage keine Kan- didatur übernehmen. Damit zieht sich wieder eine charakteristische Gestalt, die auf ein mehr als Svjähriges Wirken in ver Oeffentlichkeit zurücksehen kann, auS dem politischen Leben zurück. Die Stärke Virchow's lag zwar stels ans vom politischen Leben sehr abseits liegenden Gebieten, doch erscheint er auch auf diesem Felde gegen- über den allermeisten Epigonen seiner Partei noch als ein Mann von Bedeutung und Konsequenz.— — Gegen die Großindustrie. Der Kampf der Mittel- standspolitiker im Königreiche Sachsen hat nun in der preußische» Stadt Mühlhausen in Thüringen sein Gegenstück gesunden. Die dortige Siadtverordneten-Versammlung beschloß am 39. Dezember die Einführung einer besonderen Gewerbesteuer, nach welcher daS Betriebskapital versteuert wird, und zwar in den Klasse» I und II mit Vj* pCt., in Klasse III init l pCt.; Klasse IV soll zu der besonderen Gewerbesteuer nicht mit herangezogen werden. Ferner sollen in den Gewerbesteuerklassen I, II und III für alle diejenigen Betriebe, in denen mehr alS 20 Personen(Haud- lungS- u»b Gewerbegehilfen, Gesellen, Lehrlinge, Fabrik- und andere Handaibeiter) beschäfttgl werde», die in 9 und 14 des Gesetzes vom 24. Juni 1891 festgestellten Sleuersätze unter Erhöhung»in 121/I pCt. bei einer Beschäfligung von mehr alS 29 bis einschließlich 59 Personen, um 25 pCl. bei einer Beschäftigung von mehr als 59 Personen der Gemeiiidchestenerung zu gründe gelegt werden. Für Belrirbc der Klassen I, II und III, in denen mehr als 29 Per- sonen beschäftigt werden, tritt eine Erhöhung der vorerwähnten Steuersätze ein, ivenn die Zahl der beschäftigten Personen beträgt a) nicht mehr als 299 für jede angefangen« Zahl von 19 Personen um 1 pCl., d) mehr als 299 für �ede angefangene Zahl von 59 Per- sonen um 6 pCt. Maßgebend sür die Erhöhung des Steuersatzes nach der Zahl der beschäf>'gten Personen ist der durchschnittliche Stand in dem letzte» Jahre oder der letzten kürzere Belriebszeit. Da werden die Gewerbetreidenden recht erbaut sei»! Die Entwickelung der großkapitalistische» Betriebe und den Niedergang der Kleinindustrie w-rd man durch solche Maßnahmen nicht hindern, kaum merklich aufhallen können. Höchstens gelingt es, die Konkurrenzfähigkeit so abnorm besteuerter Betriebe gegen Betrieb« an anderen Orten, die solche Steuern nicht einsühren, zu vermindern. Ueber die Weitsichtigkeit einer solchen Politik ist kein Wort zu verliere».— » Zentrum und BundeSrathS-AuSfchuß. AuS München wird versichert, daß die Absicht, in der dortigen zweite» Kammer wegen der Thätigkeit des Bundesraths-Ausschusses sür aus- wärttße Angelegenheiten zu interpelliren, innerhalb der Zentrums- Fraktion nicht bestanden habe. Diese Erklärung kommt sehr spät und man darf annehmen, da wenigstens Mitglieder der Zentrumsfraklio» die Absicht einer solchen Interpellation gehabt haben. Wahrscheinlich hat man aber bei reis. licherUeberlegung eingesehen, daß es klüger fei, davon Abstand zu nehmen. Das Zentrum will es mit der„maßgebenden Stelle" im Reiche nicht verderben, um seine Stellung als„maßgebende Partei" nicht zu erschweren. Ob dabei die Rechte der Bundesstaaten verkümmern, danach fragt es ebenso wenig wie nach Erhaltung der Volksrechte. Am Ruder bleiben, das ist den Lieber'schen die Hauptsache.— — LiberaliS niuS und Kommnnal-Wahlrecht. Die Aeuderung des Wahlrechts zur Kommunalvertretung in Elms- Horn ist nunmehr vollendete Thatsache geworden. Am 39. De- zember v. I. hat das liberale Stadlverordneten-Kollegium dieser Stadt mit sieben gegen vier Stimmen beschlossen, den ZensuS au neu» Mark Einkommensteuer zu erhöhen. Damit verlieren 799 Ein- wohuer das Wahlrecht. Bezeichnend sür die liberale Gesinnung dieser Ordnungsstützen ist es, daß die Herren den Muth hatten, noch kurz vor Ablauf der Giltigkeit von sechs Mandate» diesen Beschl»! zu fassen. Die vier Sozialdemokraten, die jetzt in der städtischen Vertretung Einzug hallen werden, haben also ähnlich wie in Kiel bei den Liberalen den letzten Rest demokratischer Grundsätze hinweg- gefegt. Wir haben das liberale Bürgerthum nie höher eingeschätzt, »och weniger glaubten wir an ihre demokratisch schillernden Phrasen, aber dankbar sind wir ihnen, daß sie so deutlich zeigen, wie sie die erworbenen Rechte des Volkes zu wahren und zu achten wissen. — In der Stadt Cottbus zirkulirt ein Schreiben, unter-, zeichnet vorn Oberbürgermeister Werner, Stadtverordneten-Vorsteher Lehmann gerichtet an den liberalen Verein, worin die Ausstellung eines gemäßigte» Kandidaten für die bevorstehende Reichstagswahl als erwünscht erklärt wird. Wenn diese Herren glauben, damit Glück zu haben, jo täuschen sie sich.— — Vom Duellunfug. Eine grelle Beleuchtung des Duell- skandals findet sich in einer Mitiheilung der„Königsberger Hart. Zeitung". Ei» Mann, der Reserve-Osfizier war, halte sich sebr iaktlos benommen und sich dafür«ine sehr nachdrückliche körperliche Zurechtweisung zugezogen. Er war ein moralisch recht schwacher Geselle. Die Thatsache wurde bekannt, und»ach einer geraume» Frist sah sich der Offizier im Hinblick ans die gesellschaftlichen Sitten gegen seine Neigung genöthigt, den Gegner zum Duell zu fordern, der jetzt jedoch das Duell ablehnte. Der Valer des Offiziers war ein angesehener Edelmann. Er kam zu dem Gegner und bat ihn flehentlich, das Duell anzunehmen, er dürfe sicher sein, daß der Sohn ihm kein Leids t h n n werde. Aber der Gegner blieb nuerbittlich und darauf gab der Vater dem eigenen SohndiePistoleindieHand, aus daß er sich er- schieße. Denn der junge Mann wäre gesellschaftlich geächtet gewesen, er bedürfte des Duells, um, wie oft genug gesagt worden ist, sich„ehrlich z» schießen". Passend zu dieser Miltheilung ist folgende andere: Der Regie- rnngsseldmesser. welcher, wie seiner Zeit gemeldet wurde, im vorigen Sommer den Ober-Postsekretär Sachs, Sohn des Postdireklors Sachs aus Graudenz, i» Deuisch-Südwestasrika im Duell erschoß, ist »»»mehr zu einem Jahre Fesiungshafi veruriheilt worden. Er wird seine Strafe aus der Festung Weichselmünde antreten. Bei solch milder Bestrafung des dnellmäßigen Todtschlags wird dieser scheußliche Aberwitz eines verstiegenen„Standeebewußtseins" nicht beseitigt werde» können. Und wird der Herr Regierungsfeld- messer iein Jahr Festung auch wirklich abbrummen? Oder wird ihn der Herr Jnstizministcr nach 4 Wochen znr Begnadigung vor- schlagen? — Ratio n al-soziale Wahlvorbereitungen. Aus Kiel wird uns geschrieben: Eonntag Nachmittag fand in Neu- Münster eine Ziisanimenkiinft von Anbängern der National- Sozialen a»s Schleswig- Holstein und den Hansestädten statt. An- ivesend waren auch die Herren Göhr« und Gerlnch. Für jeden der schleswig- holsteinische» Wahlkreise ivurdeii zwei Vertrauensleute bc- stellt. Sodann soll vorläufig eine in größeren oder geringeren Zeil- räumen, je nach Bedarf, erscheinende Zeitung, die als Flugblatt ver- breitet werden soll, herausgegeben werde». Für den 9. Kreis wurde der bisherige Kandidat, Damaschke, wieder ausgestellt.— — Böckel's Ende. Ans Marburg wird berichtet: Die hiesige antisemitische Partei hat als Kandidaten für den Marburger Wahlkreis, den jetzt Dr. Böckel vertritt, den Landwirlh Wiegand in Friedrichsdors bei Hofgeismar aufgestellt. — Chronik der Eisenbahn- Unfälle. Zwei Güter- züge sind auf der Station Zwingenberg der Main-Neckarbahn zu- sanimengestoßen. Menschenleben sind infolge der Geistesgegenwari des Zugpersonals nicht zu beklagen. Der Schaden soll sonst groß sein, der Verkehr ist unlerbrochen.— — Der Landtag von Braunschweig ist, dem„Hann. Eonr." zufolge, zum 29. Januar einberufen worden.— RiiS der Pfalz, 3, Januar.(Eig. Ber.) In der Kandidaten- frage im fünsten pfälzischen Wahlkreis find jetzt endlich die Würfel ge- fallen und der Tanz wird jetzt losgehen. In einer gestern Nach- mittag in Kaiserslautern slaltgehabten zweilen Vertrauensmänner- Versammlung des BundeS der Landwirthe wurde beschlossen, an der Kandidatur Lncke festzuhalten. Damit ist den Nationalliberalen von den BünMern der förmlich« Krieg erklärt worden. Lücke erklärte ganz offen, daß diese Mahl von syinpiomati- scher Bedentiing sei und für den Bund der Landwirthe eine Kraft- probe bedenle. Nach dreistündiger erregter Unterhandlung kain Ab. stiinmniig über einen Antrag zu staube, an der Kandidatur Lncke sestzuhalte». Die Gegner dieser Kandidalur verließen darauf den Saal, während die Anhänger Lncke'S beisammen blieben und über die vorbereileiiden Schritte zur Wahlagilalion berielhen. Bei dieser Beralhnug war auch der Vorsitzende des Bundes der Handwerker anwesend, der erklärte, die Handiverker würden von vornherein die Kandidatur Lncke Unterstlitzen. Die Zünfller find in jenem Wahl- kreis ziemlich stark organifirt! bei der letzlen Wahl brachlen sie es auf 2399 Stimmen.— AuS Elsaß-Lothringen, 3. Januar.(Eig. Ber.) Der.Elsässer", daS leitende Organ dcs nnlerelsässilchen KlerikalismuS, veröffeiillichte zur Jahreswende eine Betrachtung über die i n n e r p o l i t i s ch e Lage der Reichslande, welche sehr bezeichnend ist für die Stimmung im Lager derjenigen Partei, die von der offiziösen Presse des Reicb-s ans durchstchligen Gründen als die deS„Protestes" bezeichnet z» werden pflegt. Das genannte Blatt sagt n. a.: „Der Ruf nach Gleichberechtigniig mit den andere» deutschen Landen, der Wunsch nach Beseitigung der unerlräglichen Ans- nahmeznstände erscholl auch in dem nun verflossenen Jahre, laut, laut genug, daß diejenigen ihn hören konnten, die ihn hören sollten. Sie habe» ihn auch gekört, aber sie haben ihn nicht erhört. Es gab ellie Zeit, wo in Elsaß-Lothriugen viele gegen die Aiiuektirniig des Landes prolestirlen. Damals war es vielleicht nicht so unberechligt, das Land nach andere» Griiudsätzen zu ver- walten, als nach denen, die gemeinem Rechte eiilspringen. Inzwischen sind viele von denen, die prolestirlen, ins Grab gesunken, andere, beherrscht von anderen Gesiiinungen, flnd an ihre Stelle getreten, und auch die, die vom Tode verschont noch geblieben sind, sind anderer Meinung geworden. Heute ist der Protest gegen die Zugehörigkeit der Reichslande zum Deutschen Reiche verstummt und der allgemein und deutlich ausgesprochene Wille, die durch den Frankfurter Frieden ge- scbaffeiie Lage anzuerkennen, ist an seine Stelle getreten. Durch seine Vertreter im LaudeSansschiisse und im Reichstage hat der Ellaß-Lothringer schon zum öfleren die Erklärung abgegeben, daß er sich auf den Boden gegebener Verhältnisse stelle, eS aber von anderen gleichfalls verlange und demzufolge als sein gutes Recht die Beseitigung von Ausnabmezuständen fordere, deren Weiter- bestehen ebenso willkürlich alS verletzend ist." Wie eS die Reich?- und LcmdeSregierungen fertig bringen, angesichts solcher unzweideutiger Aeußerungen, die nach Anficht jedes Kunoigen der allgemeinen Stimmimg im Lande entsprechen, immer und immer wieder dem Wunsche des Reichstages und unseres Landesausschusses nach Befeiligung der Ausnahmegesetze und der Diktatur entgegen- zuhandelii, ist sür uns unverständlich. Dem Vorbilde von Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen folgend, hatte der kais. Statthalter zum Zwecke der Bildung einer historischen Kommission für Elsaß-Lothringen eine Anzahl Vertreter der Universität, der historischen Vereine des Landes, der Bezirks- und großen Stadtarchive, der Universttäts- und Landes- bibliothek ec. mit der Vorberathung der hierzu nöthigen Schritte be- auftragt. Die Entscheidung> derselben lautete dahin, daß von der beabsichtigten Bildung einer historischen Kommission Nutzen zu er« warten sei. Jetzt ist in den Landeshaushalt für 1898/99 eine Summe von 15 999 M. eingestellt worden, um die persönlichen und sachlichen Kosten der Kommission vorerst zu bestreiten. Von den elsässischen Reichstags- Abgeordnete» be- abfichligen nach Straßburger Blättermeldungen die Herren Dr. Simon is-Rappoltsweiler, G u er b er- Gebweiler und Win lerer- Altkirch-Than, keine Kandidalur mehr anzunehmen.— —„Strafzüge." Ueber Expeditionen gegen Eingeborenen« Stämme im Kameruner Hinlerland brachten wir kürzlich einige Mitlheilnngen. Jetzt wird darüber näheres bekannt. Die bisherigen Expeditionen gegen die Baue, welche unter Führung des Premier- lienlenants v. Stein von Lolodors aus unternommen wurden, haben noch nicht zu einer Entscheidung geführt, obwohl einige Sieg« er- fochten wurden. Inzwischen haben einige den Baues befreundete, im Hinterlande wohnende Buli-Stämme, eifersüchtig auf den Handel aus dem Innern nach der Küste und Entziehung ihres Zwischenhandels, die durch ihr Gebiet führenden Straßen gesperrt und die durch- ziehenden Karawanen geplündert. Diese Buiis drängen nebst eiliigen ihnen verwandten Slämmen der Mpangnes seit längerer Zeit nach der Küste zu, um sich dort festzusetzen, und bedrängen die weniger kriegstüchtigen und befreundeten Bantanga- und Mahea-Leute, welche in steter Furcht vor den Balis lebe» und nach Norden auszuwandern schon halb entschlossen sind. Z» ihrem Schutze ist zunächst der „Habicht" vor Batanga und Kribi erschienen, während die Schutz- truppe»ach Beendigung der Expedilion gegen die Bane-Leute auch eine» Straszng gegen die Bnlis übernehmen soll. Oesterreich. Wie», 4. Januar. Weil nunmehr die Verhandlungen zwischen dem Ministerpräsidenten Freiherrn v. Gantsch und den Vertretern der denlsch-böhmischen Abgeordnelen znr beiderseitigen Zufriedenheit erledigt sind, werden die deutschen Abgeordneten an den VerHand- lnngen des böhmischen Landlages theilnehmen.— Nvgarn. Budapest, 3. Januar. Abgeordnetenhaus. Der Präsident legt eine Züsch, ist des Ministerprästbenten über die königliche Eni- scheidung belressend Erhaltung des stutus quo in der Qnotenfrage vor. Mehrere lllbgeordnete der äußerste» Linken verlangen, daß die königliche Enlscheidnng behufs Erörterung aus die Tagesordnung gesetzt werde. Minislerpräsident Baron Bauffy bittet, die Entscheidung zur Kenntniß zu nehmen, weil deren Giltigkeit unzweifelhaft sei. Das Haus beschließt die einfache Kenntniß- nähme. Der Mininerprasident erklärt sodann, die Regierimg war genöthigt. Verfügungen zur Erhallung des Status quo zu treffen, wie sie beide Häuser des Reichstags i» der ersten Provisoriumsvorlage bereits gutgeheißen haben. Die Regierung hätte auch Verorduunge» ansgeben können, sie habe jedoch deren Noihwendiakeit nicht eingesehen. Der Ministerrath habe sich für die Aufrechierdaliung des Status quo ausgesprochen, sosern Oesterreich Hierun nichls ändere Ferner habe die Regierung mit der österreichisch-� ungarischen Bank ein Uedereinkomnieii abgeschlossen; die österreichische Regierung habe Reziprozität zugesagt. Der Ministerpräsident erklärt schließlich, er werde bei der Eiuzelberalhung der Vorlage eine Ab-. äuderuug vorschlagen, nach welcher das Provisorium bis zum 1. Ja- nuar rückwirkend sei und das Parlament der Regierung Absolulorinm ertheile. Die liberale Partei zollte der Erklärung Beifall. Sodann wurde die Berathnng der Provisoriumsvorlage forlgesetzt.— Budapest, 4. Januar. Nachdem die Oppositionsparteien die. Obstruktion heule haben fallen lassen, nahm das ülbgeordnetenhaus die Ansgleichsprovisorinms-Vorlage an. Dafür stimmten die Liberalen, die Naiionälpartei und die Volkspartei. Die Anträge der oppositio-. nellen Parteien wurden abgelehitt, und nur der Antrag des Ab-. geordneten Enyedy, wonach die Regierung die Daten bezüglich des desonderen Zollgebiets der Legislative vorzulegen hat, gelangte znr Annahme. Frankreich. Paris, 2. Januar.(E,g Ber.) Die Freisprechung s ä n> m l l i ch e r Angeklagten im P a n a m a- P r o z e ß ist eine schallende Ohrfeige an die Adresse der Parteijuftiz und deren Auflraggeber. Im Lichte der öffeiillichen Gerichtsverhandlungen.ist doS mühsam ansgerichlele Gebäude der Anklage jäinnierlich zu- sammengeslürzt. Ter Prozeß drebte sich schließlich nicht mehr um die korruptiousverdächliacii Angeklagten, sondern um die Pflicht- vergessene Meliue'sche Justiz. Auch die anscheinend solid be» gründeten Belastungsmomeiite gegen Henry Maret, Saint» Marlin und Planleau haben sich als juriuisch haltlos erwiesen. Alle Welt mußte sich sagen, daß. hätte die Justiz auch nur d«» zehnten Theil der gegen die oppositionelle» Parlamentarier ans- gewendeleu Spitzsindigkeit den Regiermigsfrerniun gegenüber be- lhäligt, diese nicht aus der Anklagebank hätten fehlen köiinen. Ber- gebeus versuchte der Stnatsauwalt, durch ein geschicktes Manöver zu relten, was»och zu retten war, indem er die absolut in der Luft schwebende Anklage gegen den sozialistischen Abgeordneten Anton Boyer„..d die drei edemaligen boulangistischen Abgeordneten Laisant, Guillard und Rigand fallen ließ. Die Geschworeneil gingen nicht in die Falle Die Bedeutung oes Wahrspruches als eines Protestes gegen die Parleijustiz erhellt insbesondere daraus, daß auch der flüchtige Abg. Alsred Noquel freigesprochen wurde. Einige trockene Zahlen zeigen beredt die moralische Unmöglich- keit einer Veriirtheilung selbst dann, wenn der juristische Schuld- beweis gegen die vier von den acht Angeklagten erbracht worden wäre. Nach Arlon's Behauptltngen sollen von ihm nnler die Parka» iiientarier insgesammt rund 1 299 999 Fr. vertheilt worden sein. Daran sind aber die von Meline's Justiz ausgewählten Angeklagteii. einschließlich des vor dem Prozeß mit Eeldstniord abgegangenen Richard, dloS mit 353 99« Fr. betheiligl, die vier vom Staatsanwalt für schuldig crachtelen Angeklaglen mit 279 999 Fr. An die Ge- schworen«« wurde aber die Zumuthung gestellt, auf jede» Fall nur für>/« der Besiechungssiimnie Sühne zu nehmen. DaS Urlheil ist allgemein mit Befriedigung aufgenommm worden, freilich ans verschiedenen Gründen. Während die rechtlich Denkenden die Brandinarkmig der verfaulten Bcamtenjustiz durch das Volks- gericht begrüßen, jubeln die pa.mniislisch-ministerielleu Kreise über den Zusammenbruch desjenigen, was sie niiii mit einem dreiste» Stoßseufzer der Erleichterung„Panstnia-Legeiide" nennen. Und in der Thal hat die Regierung durch die parteiische Gcrichtskoinödie wenigstens die gründliche Verluschuug der Pauama-Affäre erreicht. Arlon's Notizbücher und Aussagen gehören fortan in die Rümpel- kammer. Daß dieses Resultat um den Preis der unheilbaren Herab- Würdigung der Justiz erzielt wurde, kann den herrschenden Klüngel nicht weiter stören. Wie allen verfallenden Klassen, kommt es der Tanzti fischen Bourgeoisie immer und überall lediglich auf das grob materielle iiud«ugeublickliche Resultat an. Immerhin gehen die Panamisten zu weit, wenn sie in ihrer übersprudelnde» Freude auch die Arbeiten der parlamentari che» Panama-Unlersnchuiigskoiiiiiiisston in die Rumpelkammer verweisen Die von der Kominisston trotz des bösen Willens der Regieruna ausgegebenen Dokument« habe» mit Arton'S Notizbüchern nichts z» thun. Und mag auch die große Masse der ihr seit sechs Jahren in die Ohren gellenden Panamn-Affäre überdrüssig geworden sciu, die Kommission wird nicht bloS für den Aeschichlsschuiber der kapita, l>st>schen Korruption gearbeitet haben.— Pari», 4. Januar. f.,Vofs. Ztg.") Die Regierung begnadigte den vor sechzehn Jahren wegen des erste» Lyoner Bomben- anschlags zu lebenslänglicher Zwangsarbeit i» Nen-Kaledonieii ver- urtheille» anarchistischen Schriftsteller und Wanderredner Cyvoct, der imnier bethenert hat, an dein ihm zur Last gelegte» Verbrechen unschuldig zn sein.— Italien. Rom, 3. Januar. Carlo di Nudini, ein Sohn des Minister- Präsidenten, brachte in der Deputirteukammer eine Interpellation ein. in welcher die Regierung über ihre Absichten gegenüber den Er eignissen in China befragt wird. Die Interpellation ist offenbar bestellte Arbeit. Die italienische Regierung empsindet das Bedürfnis, ihre Meinung zn de» vstasiatische» Vorgängen zn sagen.— Rom, 4. Januar. Bei der feierlichen Eröffnung der dies- jährige» Session des obersten Gerichtshofes sprach sich General-StaalSanwalt Pascalc über die Agitation der Klerikalen äußerst scharf ans und bestritt ihnen das Recht, sich zu vereinigen. so lange sie, möge es aufrichtig gemeint oder ein Mittel zum Zweck fei», die Lostrennnng Roms vom Staate an die Spitze ihres Pro- grainuis stelle». Es ist hocherfreulich, daß einer der höchsten Justizbeamten so ehrlich die blinde Justitia als Märchengestalt behandelt und so offen fordert, daß die Richter sich als die Organe der jeweilig herrschenden Politik ansehen. Wir lieben diese Offenheit viel mehr als das pathetische Betonen der«»bedingten Unparteilichkeit der Justiz in politische» und sozialen Streitjällen.— Niederlande. — Die bedingte V e r u r t h e i l n n g. Der Justizminister Legere», hat der Kammer einen 21 Druckseiten füllende» Bericht über die Ausführung des Gesetzes über die bedingte Berurtheilung und die bedingte Haftentlassung betreffend das Jahr 1396 und über die Ergebnisse der Ausführung vom Jahre 1338, wo das Gesetz ein- geführt wurde, bis 1896 vorgelegt. Der Bericht theilt mit, daß die Anwendung des Gesetze? eine gleichmäßige geworden ist, die Zahl der Rückfälle ein sehr geringes Verhältniß ausweist und ei» Riut gang der Verbrecher herbeigeführt ist. Im Jahre 1396 sind 47 913 zuchtpolizeiliche Verurtheilungen erfolgt, davon 41 S33 Vcrurlheilunge» zu höchstens sechs Monaten Gefängniß. Bedingte Verurtheilnnge» gab es 16 161, Rückfälle 176S. Ferner sind 156 618 polizeiliche Verurtheilungen ausgesprochen worden, davon 45 149 bedingte; es er- gaben sich 965 Rückfälle. In 1396 waren 293 631 Verurtheilungeu erfolgt, davon 31319 bedingte. Die Rückfälle betrugen zu- sammen 2739. Spanien. Madrid, 4. Januar. Der Präsident der Deputirteukammer Pidal hielt in dem Klub der Konservativen eine Jiede, iii ivelcher er die Politik der Liberalen bekämpfte, die die Ersetzung des Generals Weyler herbeigeführt habe, sowie die Oktroyirung einer Autonomie für Kuba, welche der Redner als traurig bezeichnete. Die Konser- vativen müßten sich vereinige», um die durch de» Tod Canovas' geschaffene Lage zu verbessern, aber sie würden der Vollendung des von der Regierung unternommenen Werkes kein« Schwierigkeiten i» de» Weg legen.— Tnikei. Konstantinopel, 4. Januar. Wie jetzt verlautet, ist die Gewährung von drei bulgarische» Berats in aller Stille bereits erfolgt. In bulgarischen Kreise» herrscht darüber lebhaite Befriedigung. Fürst Ferdinand, das Exarchat und die bulgarische lliegierung brachten dem Sultan ihren Dank zur Kenntniß. Von rumäuischer Seite werden Schritte unternommen, um das wiederholt vom Sultan in feierlicher Weise gegebene Versprechen betreffend die Einsehung eines ständigen Metropoliten für die oltomanischen Rumänen zu ver- wirklichen.-» Asien. 4. Januar. Graf I t o ist mit der Kabinetsbildung beschäftigt. — Eine Staaten in Amerika. neue Einmischung der Vereinigte» die kubanische Frage. Am Neujahrktage erließ Staatssekretär S ch e r m a n im Auftrage Mac Kinley's einen Aufruf, worin er zu allgemeinen Sammlungen für die durch den Krieg geschädigten Kubaner auffordert. Es sollen Geld, Kleiduugs- stücke und Nahrungsmittel gesammelt und auf Kuba durch die amerikanischen Konsule vertheilt werden. In Madrid ist man durch dieses Vorgehen auf das peinlichste berührt, da es nicht in der für Wohlthätigkeitszwecke üblichen privaten Form erfolgt ist. sonder» sich als ein amtliches Eingreisen der Regierung darstellt.-_ VÄrlÄnrentslvtPches. Die Bndgetkommissio» des Reichstags wird am 12� d. M. ihre Berathungeu mit den Etats des llieichskanzlers, der Reichs- kanzlei und des Reichsamts des Inner» aufnehmen. Die Reichstags- Kommission zur Borberathung des Gesetz- entwurfs, betreffend das W i e d e r a n s n a h m e- V e r f a h r e n freigesprochener Personen ist zum 12. Januar einberufen worden. An demsclbe» Tage wird die andere Kommission zur Vor- berathung des Gesehentivnrss, betreffend die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, ihre zweite Lesung de- ginnen, nachdem die Redaktionskommission am 11. d. M. getagt und die zweite Lesung vorbereitet haben wird.— Rbrechnnng de? Komitees zur Unterstützung der Familien Schröder, Meyer und Genossen vom 1. Juli bis 31. Dezember 1897. Einnahme: 1. Juli Bestand. 46 294,43 M. Juli an August Sept. Okt. Nov. Dez. Ausgabe: Unterst, je. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. 789,— 456,19 624,29 732,79 839,— 609,45 M. 46 294,43 M. 3 561,45 42 732,98 M. 3361,45 M. Einnahme... Ausgabe... Bestand. Bochum, 2. Januar 1893. Johanniterstr. 19. Wolfgang Wunderlich, Kassirer. Di« Uebereinstimmnng dieser Abrechnung mit säuuntlichen Be- lägen bestätigen die Revisoren: H e i n r. F i ck e r m a n n in Dortmund, Düppelstr. 4. Her m. I a n k in Essen, Stoppenbergstr. 33 II. Sozialdemokratische Reichstags- Kandidaturen. Lübeck: Schwartz. H a g e» o w- G r e v e s m ü h l e n(1. Mecklenburg- Schwerin): Seß aus Güstrow. Mecklenburg-Strelitz: Baker aus Hamburg. K a s s e l- M e l s u n g e n: Karl Thiel, Siedakteur des„Volksblatls für Hessen". Die Parteikonferenz fiir den Wahlkreis Friedebcrg-StrnS- walde, die dieser Tage i» D r i e s e u abgehalten wurde, betraute den Parteigenossen Liebrandt in Fricdeberg wieder mit dem Amte des Vertrauensmannes. Von der Einsetzung eines Reichstags- Wahlkomitees wurde Abstand genommen, da sich nicht genügend Parteigenosse» fanden, die wirthschastlich so unabhängig sind, daß sie die Wahl annehmen könne». Versammlungen konnle» im letzten Verwaltungsjahr nur zwei abgehalten werden; die Wirlhe fürchten die bekannten Benachtheiligungen. wenn sie uns ihre Lokale über- lassen. So groß aber auch die Hindernisse sind, die man der So- zialdemokratie bereitet, so ist doch ein, wenn auch kleiner Fortschritt unserer Bewegung zu bemerken. Die Einnahme des Vertrauens- Mannes betrug 134,82 M., die Ausgabe 93.13 M., der Bestand sonach 36,69 M. Als Vertreter der brandenburgischen AgitationS- kommissio» wohnte der Konferenz der Parteigenosse Weise aus Berlin bei. Der„Lllbccker VokkSbote" theilt mit, daß das Jahr 1897 verflossen ist, ohne daß gegen ihn ein Strafverfahren anhängig ge- macht worden wäre. Auch von polizeilichen Vernehmungen ist unser Bruderorgan verschont geblieben. Aus der Schweiz. Eine Versammlung von Delegirten aller in der Schweiz bestehenden österreichischen sozialdemokratischen Vereine, die zu Neujahr in Zürich tagte, beschloß die Gründung eines sozialdemokratischen Verbandes der österreichi- scheu Parteigenossen. Ein Antrag, den Verband auf„Sozialisten aller Schattirungen" auszudehnen, wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. An die Konferenz der czechischen Sozialdemo- kratie in Prag sandte man«in Begrüßungstelegramm ab. Der Ver- sammlnng wohnten noch bei: als Vertreter der österreichischen Partei Dr. Adler, als Vertreter der schweizerischen Sozialdemokratie Long, als Vertreter der in der Schweiz lebenden deutschen Sozial- demokralen N ü s p e r l i und Witt, serner als Gast Reichstags- Abgeordneter Bebel. Die schivcizerische Arbeilerschaft besitzt 13 Prestorgane, wovon 8 politischer und 5 geiverkschastlicher Natur sind. Täglich erscheint bis jetzt nur eines dieser Blätter, und zwar der„Basier Vonvärts". Ei» iicues sozialistisches Wochcublatt wird dieser Tage in Großbritannien erscheinen, und zwar in k y m r i s ch e r (keltischer) und englischer Sprache; in elfterer Sprache deshalb, um den Sozialisnnls unter der Bevölkerung von Wales zu ver- breiten, die»och vorwiegend keltisch spricht. Wie das„Hamb. Echo" erfährt, wird das neue Blatt in Istalysera herausgegeben wer- den und den Doppellitel„ L l a i s L l a s n r— L a b o n r B o ice" (Stimme'der Arbeit) führe». Besonderes Gewicht soll auf Mit« theilungen über die sozialistische Bewegung anderer Länder gelegt werden. Polizeiliches, Gerichtliches:e. — Die Polizeibehörde in Harburg hat von einem Verein, der Arthur S ch n i tz l e r' s Schanspiel„Liebelei" ausführte. 3 M. Bergnügnngsftener erhoben. Das„Volksblait für Harburg" rügte das in einem mit der Spitzmarke„Ein Schildbürgerstreich" versehenen Artikel und warf der Polizei vor, sie wisse noch nicht, daß das Thealer nicht dem bloßen Vergnügen dient, sonder» höhere Kunstiuteressen verfolgt. Das Landgcrichl in Stade erblickte in dieser Kritik eine Beleidigung der Polizei und vernrtheille den Sie- dakleur Heinrich Kanfsmaun zu 299 M. Geldstrafe. Das Reichsgericht hat dieses Erkennlniß jetzt bestätigt; die Revision des Angeklagten wurde verworfen. — Die Magdeburger„Volksstimme" schreibt:„Bis Freitag Abend war die Buchhandliiiig der„Volksftimme" 336 Stunden bewacht. In Dienst traten 22t Schutzleute. Die Beobachtung der Buchhandlung wird auch im neuen Jahre fortgesetzt. Montag früh 8 llhr ist der Doppelposten wieder ausgezogen. Wie das alte Jahr geendet, so beginnt das nene Jahr. Wir sind damit zu- frieden. Wenn die der Schrotdorferstraße zu gelegenen Schau- fenster gleich so mit Gardinen behangen würden wie die Fenster der Redaktion und Expedition, dann würde der Schntzmanns-Doppel- Posten eingezogen»verden. Die Buchhandlung ist nicht in der Lage, diesem Winke mit dem Zaunspfahl Folge zn geben. Die Ansang Dezember beschlagnahmten Bilder sind am 31. Dezember 1897 auf Beschluß des königl. Amtsgerichts wieder frei» gegeben. Der Kriminalpolizei wird dieser Beschluß nicht sehr an- genehm sein." — Freigesprochen wurde» am Montag in Kiel 19 Partei- genossen von der Anklage, Druckschrifteu ohne polizeiliche Erlaubniß „gewerbsmäßig" öffentlich Verbreiter zu haben. Ein anderer au- geklagter Parteigenosse erhielt 19 M. Geldstrafe. — Wegen eines Gedichts über de» Tod eines HuiideS des Fürsten Bismarck war der Redakteur dcS„Süddeutschen P o st i l I o n s". Ed. Fuchs, vom Schöffengericht i» München des grobe» Unfugs schuldig erkannt und zu 8 Tagen Haft verurtheilt ivorde». Das Landgericht dagegen erkaiiiit« auf Freisprechlliig,>veil der Angeklagte glaubhast dargelha» habe, daß er i» dem Gedicht lediglich eine scharfe Kritik des übertriebenen und geschmacklosen Bismarck-Kultns erblickt hätte. Eine Beschimpfiiiig aller Patrioten enthalte das Gedicht nicht. Der Slaalsanwalt legte gegen das Urlheil Revision beim Oberlandesgericht ein. Die Revision Halle Erfolg. Das Oberlandesgericht hob das Urtheil sanunt den ihm zu gründe liegenden Feststellunge» ans und wies die Sache a» die Vorderiuslanz zur abermaligen Verhandlung zurück. Gemerk srhstfkliches. Die Tischler der Firma Horstmann u. MalhiaS in Stendal stehen tili Streik. Zuzug ist fernzuhalten. Säiniittlichc Stuhlbauer der Firma Visier in Rabenau, 17 Mann, haben an, Sylvesterabend wegen Lehndifferenzeii die Arbeit niedergelegt. Sie sollten eine bessere Qualität einer bestimmten Sinhl- forte für denselbeii Preis mache», wie die geringere Qualität. Als sie mehr forderte», wurde» sie in brüsker Weis« abgewiesen. Sie legten deshalb gemeinschaftlich die Arbeit nieder und fordern»»» gleichzeitig Anfstellnng eines Lohntarifs. Mit welchen niedrige« Löhnen die Arbeiter abgespeist werde», zeigt dieThalsache, daß i» der Alsen'sche» Zemenlfabrik in Uetersen nach der Lohnzahlung z>vischen Weihnachte» n»d Reujahr 49 Arbeiter das Arbeitsverhältniß wegen des überaus geringen Lohnes aufgaben. Die Löhne, welche den Arbeiter» nach füujtägiger Arbeir aus- gezahlt wurde», wäre» aber derartig, daß man es den Arbeiter» ivirktich nicht verdenken kann, daß sie lieber aus der Landstraße ei» elendes Dasein sristen, als bei schwerer Arbeil ein Hungerdasei» zu führe». Mau bedenk«: für sünftägige schwere Akkordarbeit erhielten die Arbeiter, nachdem ihnen Kost und Logis mit 6,59 M. und 48 Pf. Kranken- und Jnvalidengeld abgezogen waren, Beträge bis zn 1,39 M. ansbezahlt, ja, einzelne halten noch nicht eiinnal so viel verdient, wie sie sär Kost u.s. iv. gebrauchten und sollten noch einige Groschen mitbringen. Ein polizeilich übertvachtcS Vergnügen. Diese besondere Ehrung ivurde der Landsberger Filiale des Zeutralverbandes der Maurer am dritten Weihnachtsseiertage zu theil. Bei der Anmeldung des Vergnügens seitens des Kassirers bei der Behörde wurde dem- selben mitgeiheiU, daß dasselbe überwacht würde, und richtig, kau», balle das Vergnügen begonnen, als sich auch Polizcibeanite ein- stellten und trotz aller Vorstelliingen in dem Lokal platznahmen. Die Veranstalter des Vergnügens»verden nun gegen die Beamten Slrnfantrng wegen Hausfriedeiisbruchs stellen. In aubetracht dcr vielen Vaniittsällc fordert das Nürnberger Arbeuersekretariat die Bauarbeiter aus, Berfehlungeii gegen die behördliche» oder berussgenosienschaftliche» Anordiilnigen belreffend die Schntzmaßregeln im Baugewerbe sofort schriftlich oder mündlich dem Sekretariat zur Kennlniß zu bringen, soivie auch von Bau- Unfälle» Millheiluiig zn machen. Die Arbeiterfrenndlichkeit des Herr» Kaplan Dasbach. I» Saarbrücken und St. Johann machten die Bnchdr, ickergehilfen Ansang Dezember den erfolgreichen Versuch, hier de» allgemeinen Buchdrnckertarif eiiizuführe». Schließlich weigerte sich nur»och der Herr Kaplan Dasbach. Besitzer einer Druckerei, den Tarif an- znerkenncn. Bezeichneud ist es, daß für den Herrn, der übrigens Zentriiinsabgeordneler im preußische» Landtag ist. der Tarif eine wöchentliche Mehrausgabe von ungefähr 5 M. verursacht hätte. Schließlich bequemte sich der Herr Kaplan aber doch dazu, dem Ver- langen der Arbeiter»achzukomine», verfügte aber, daß von dcmPersoual, das die Kündigung eingereicht hatte behufs Geltendmachung ihrerForde- rirng, niemand behalten werde und nun dem neuen Personal nach dem Tarif bezahlt würde. Nach laugei» Verhandlungen sollle die En!- lassiuig»nr zivei Arbeiter treffen, von denen der eine als Rädels- sührer bezeichnet wurde. Mit diesem Ausgang der Sache waren eben die übrigen Arbeiter nicht einverstandeli und traten aus dem Geschäft aus. Ei» hübsches Beispiel, wie das Koalitioiisrecht der Arbeiter vo» einem Zentrums-Abgeordneten geachtet wird. Der Boykott über die Landspergetcksche Brauerei in Eilen« bürg ist in ein schärferes Stadium getreten. Die Polizei fahndet eifrig auf etwaige Bertheiler von Flugblättern oder Handzettel«. Wegen eines kürzlich verbreiteten Flugblattes, das die Ursache der Verhängung des Boykotts klarlegt«, wurde der Brauer Schöneich bereits polizeilich vernommen; ebenso erging es mehreren Verlheilern von Handzetteln, ans denen weiter nichts stand als„Trinkt kein Boykollbier!" Wie sich die Sache weiter gestallen wird, muß ab- gewartet werden. Am zweiten Wsihnachtsseiertag war das Tivoli, das Haiiptversammliingslokal. /ind das Restaurant Nene Well poli- zeilich besetzt. Viele, die sich bis dahin nicht um den Boykott ge- kümmert, haben sich infolge dieser polizeilichen Maßnahmen auf die Seile der Arbeiter gestellt, und ist infolgedesse» zu Weihnachten eine ganz beträchtliche Wirkung des Boykotts zu verzeichnen gewesen. Der grosse Stnhlarbeiterstrcik in Lauterberg scheint doch verschiedene Nachwehen hinterlassen zu haben. Jetzt hat wieder die bekannte Stuhlfabrik von Fechter u. Kaltwasser den Konkurs angemeldet. Herr Kaltwasser neben Herrn Weiß, in' Firma Brune n. Weiß, waren die geistigen Führer der Fabrikanten im Streik 1896. Beide sind bereits von der Bildfläche ver- schwunden._ Soziales. Die BevölkerttugSzutlahnle in Dcntschlaiid hat im Jahre 1896 eine Höhe erreicht, die von keinem Vorjahre übertrossen tvird. Die Gesaminizahl der Geburten in Deutschland betrug 1895 1 941 6-14 gegen 1 979 947 im Jahre 1396, was also eine Zunahme von 33 193 Geburten ergiebt. Tie Zahl der Todesfälle betrug in» Jahre 1395 in Denlschland 1215 854 n»d sank im Jahre 1896 ans l 163 964, mithin sind 1896 51899 Personell weniger verstorben nl? im vorangegangenen Jahre. Thatsächlich war das Jahr 1896 für Deutschland das allmmgiinsligste in bezug auf die Sterblichkeit, da die Zahl der auf je 1999 Personell entfallenden Todessälle nur 22,7 betrug, während in de» früheren Jahren aus 1999 Personen noch 28,8 Todesfälle kamen. Eine vollständige Zllsammeilstellllug dcr ortsübliche» Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeitcr ist vom kaiserl. Stalistischei, Amte nach dem Stande vom 19. Dezember 1897 publizirt worden. Die Zusammenstellung erstreckt sich auf ganz Deutschland. Soweit darin Aendernngen gegen die bisherige» Sätze enthalte» sind, treten sie sechs Monate nach der VeiäfseiUlichimg, also Anfang Juli d. I. i» kraft. Die„Berliner Politischei» Nachrichten" schreiben über die Pnblikalion: lieber blickt man die Zusammenstellnllg, so fällt sofort dcr Gegensatz in de» Lohnhöhen zwischen den mehr industriellen und den mehr t a n d w i r t h i ch a f t l i ch e n B e z r r k e n auf. Nur der oberschlesische, doch auch zu einem guten Theile auf die Industrie angewiesene Bezirk hat im Verhältniß zn den westlichen Jndnslriebezirkeii niedrige Lohnsätze. Ja, der R e g i e r» n g s- bezirk Oppeln ist, soviel sich übersehen läßt, der einzige Bezirk, wo der ortsübliche Tagelohn für mäiiiiliche erwachsene Arbeiter an einzelnen Stellen noch unter I Mark täglich beträgt. Für die »läuulichen erwachsenen Arbeiter iveisen auch die Provinzen Ost-, West- preuße», Posen und Pommern höhere Sätze ans. Dagegen dürfte» die »iedrigsteu für die jugendlichen Arbeiter im Regier ungL- bezirk Königsberg vorkommen. wo für solche Arbeilcr inännlichen Geschlechts an einzelnen Stellen 4V Pfennige und für solche weiblichen Geschlechts 30 Pfennige für den Tag verzeichnet sind. Man würde aber irren, alizunehmen. daß dw hauptsächlich industriellen Bezirke die h ö ch st e n ortsübliche» Tagelühne verzeichneten. Der Handel ist hierin der Industrie „über". Die höchsten Lohnsätze verzeichnet wohl Bremerhaven mit 3 M. für männliche, 2 M. für weibliche erwachsene Arbeiter. 1,20 M. für männliche und 1 M. für weibliche jugendliche Arbeiter. De» 3 M.-Sntz für männliche erwachsene Arbeiter weisen auch noch Hamburg, Bremen, Bergedors»nd Altona auf. Dcr Stadtkreis Berlin figurirl in der Zufaminenstellung mit 2,79 M. für männ- liche, 1,59 M. für weibliche erivachsene und 1,39 für»lännliche, 1 M. für weibliche jiigentliche Arbeiter. Der Tagelohn für er» wachsen« männliche Arbeiter ist danach in der neuen Zusammen- stell, mg um 0,39 M. erhöht worden. Eine weitere bemerkenswerlh« Erscheinung ist schließlich die, daß die in der Nähe großer Städte gelegene» Orte fast stets dieselben ortsüblichen Tagelohnsätze haben» wie die großen Städte selbst. Arbeiter- Risiko. J" der Thongrube deS Unternehmers K. Fliesen in H e t t e» l e i d e l h e i n» in der Rheinpfalz wllrde ein Arbeiter durch ein etlva 25 Zentner schivms Stück Erdreich bis zur Unkenntlichkeit zerdrückt. Er hinterläßt eine Wittwe und zwei kleine Kinder. Die Thongräberei bildet in Hettenleidelheim eine» wichtigeil EriverbSzweig. Wie steht es dort mit der U» f a l l v e r h ü t n n g k Gegen die Verwendnng von sogenannten Kranken- schwester» als Vertrau enspersone» der Fabrik-Jn» s p e k t o r e n hat sich der G e m e i n d e r a t h der schwäbischen Stadt Göppingen erklärt. Er war vom Oberamt um sein Gut- achten ersucht worden. Ganz vernünftigerweise gab der Gemeinde- rath seine Meinung dahin ab, daß nur wirkliche Arbeite« rill»en als Verlranenspersonen verwendet werden sollen. Ter RnSschnft der Württembergischen Jnvaliditätö-«nd AlterSvcrfichcrnilgö-Ai, statt hat an den Bundesrath eine Eingab? gerichtet, worin gegen die projektirte Beschränkung des S e l b st v e r>v a l t u» g s r e ch t s d e r Anstalt Verwahrung ein. gelegt lvird. Diese Eingabe ging zunächst an das würltembergische Ministerin»». Tags daraus wurde ein Mitglied des Ansschnffcs, Fabrikant Pöppel in Renllingen, durch den Oberregiernngsrati, At o sl h a f vor die Kceisregierung geladen, wo er wegen des angeb lich„demagogischen" Tones der Eingabe vernommen und nach dem Verfasser derselben befragt lvnrde. Der Ausschuß beschästigte sich i» seiner Sitzung am letzten Donnerslag mit dieser Sache. Präsident v. Häberlen gab seinem Erstaune» über den Vorfall Ausdruck und Buchdrucker K n i e beantragte, der Ansschuß solle dem Ober, regierungsrath Mosthaf wegen seines Vorgehens sein Befrem den aussprechen. Der amvesende Staatskommissar Oberregierungsrath Haag warnte vor einem solche» Beschluß, der bedenkliche Konsequellze,, nach sich ziehen könnte. Der Ansschuß nahm aber den Knie'scheir Antrag einstimmig an._ DepeMzen und letzte Archer, tzlen. Wicöbadci», 4. Januar.(B. H.) Das Urtheil gegen den Redakteur der„Freisinnigen Zeitung" i» Berlin wegen Beleidigung des Zemrmiiskandidateu Grasen Fugger ivurde seitens der hiesigen Strafkammer als Berufungsinstanz mit 569 M. bestätigt; die Strafe des Redakteurs deS Wiesbadener Blattes, ivelches eine» Abdruck des betreffende» Artikels brachte, wurde auf 399 M. rednzirt. Lemberg, 4. Januar.(B. H.) In Krakau Hai sich gestern die allgemein geachtete Gattin des Schnkralhs Baranowski, Mutter von neun Kindern, in einem Anfall von Geistesstörung ans das Bad»- gelcise gelegt, als der Zug>» den Krakauer Bahnhof einfuhr. Sie ivar sofort todt. Der Leichnam ist furchtbar verstümmelt. Bildapeft, 4. Januar.(B. H.) Anläßlich der i» den letzten Tagen im Zlbgeordnctenhaiise ftaligehabten Debatte» werde» drei Ehrenaffärm ausgefochtcn weiden, an denen Graf Stephan TiSz», Ludwig Olay, Stephan lliadkowsky, Gajary und Edmund Olay de- theiligt sind. Autwerpeu, 4. Januar.(W. T. B.) Der deutsche Dampfer „Bonn" gerielh bei der Abfahrt»ach dem La Plata ans der Scheide inlt dem englischen Dreimaster„Blairgowerie" in Kollision. Dem Dampfer„Bonn" wurde» einige Platten eingedrückt»nd mußte der« selbe nach Antwerpen zurückkehren. Inzwischen dürste der Dampfer die Reise»ach Cormmc» fortgesetzt haben. Hongkong, 4. Januar.(Meldung des„Renter'schen Bureaus".) Der englische Kreuzer„Edgar" ist hier angekommen; die englischen Torpedojäger werde» so lange in Singapore bleiben, bis der Monsnmwind nachläßt. Der englische Kreuzer„Grafton" ist in der Richtung nach Norden abgegangen; nach Gerüchten unter den Ein» geborenen wäre das englische Geschwader in der Höhe von Chnsnn angekommen. 'Verantwortlicher Redatteur: Angnst Jacobey in Berlin. Für den JnskrateMheil verautwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage«. Unterhalt, iiigsblatt. � ä- l5- Dtilllge des„Umlirts" Kerliller KIKsblM �».8.?««« 1898. Situ Frstge dcv AlajefliitAbelvidig«ttüs��ozrsse. (Schluß., rlikel.) In dein voruuffte<,u»ge»e» Artikel i» Nr. I wurde durgelegt, duß die Aufhebung der Ntujesiätedeleidiguiigs-Puragruphe», also die fonuule tSInchstelliliig der Fürsten und Prinzen in.t anderen Personen hmtrchllich der strasrechilichen Verfolgung der ihnen an- geolich angethane» Beleidigungen zu einer wcsenllichen Aende. vuiig unserer Slrafpruxis in politische» Prozesse» nicht stlhien würde. Nuch wie vor würde dos freie JJort durch eine Flulh von BelcidigungKprozessen eingeschränkt werde». Noch wie vor wurden die„Beleidigungen" eines Monarchen mit schärferen Strasen geahndet werden, als wie eines Beamten, denn diese Praxis beruht weniger auf der Rubrizirung der Majeslälst>eleidigu»g als besonderes Vergehen, dessen Verfolgung schon ohne Antrag des Ve. lerdigten von den Staatsanwullschafte» einzuleiten ist, als vielniehr anf� de», Bewußtsein der Nichter von der Nolhwendigkeil einer staffelweise» Verschärfung der Strafe je nach der Stellung der au geblich Beleidigte» auf der Stufenleiter der staatliche» Hierarchie. Man kann also nicht den üblen Folgen der Majestätsbeleidigungs. Prozesse ei» Ende inachen, ohne gleichzeitig ans»»screm Strafgesetz- buch den Begriff der einfachen Beleidigung überhaupt anszuiiierren. Den» durch die Verfolgung der einfache» Beleidigung haben unsere Richter es schließlich dahin gebracht, die„vorsätzliche ttuudgebung der Mißachtung" auch in einer an sich unanstößige» Form für strafbar zu erklären. Eine derartige Reform, das mag zur Beruhigung der frommen Seelen, die sich gegen eine solche„sozialdemokratische" Forderung empöre». im voraus bemerk, werde», würde nicht einmal etwas absolut Neues bringen, sie würde bei uns»nr einen Zustand herbei« führen, der sich in England durch die Entwickelung der Rechtspflege längst zum Heile für das gesauinit« politische Leben herausgebildei bat. Wäre es den bürgerlichen Parteien also ernst mit dem Ko». stitutionaliSmus oder Parlamentarieinns, so müßten auch sie dafür eintreten. DaS deutsche Elrafrecht»nterfcheidet drei Arten von Be. leidiguuge» lebender Personen: I. die einfache Beleidigung; 2. die Beleidigung durch Behauptung von Tbalsachen, die nicht nach- incislich wahr sind; 3. die verleumderische Beleidigung dnrch die Behauptung unwahrer Thatsachen wider besseres Wissen. Ausdrücklich definirt wird die zweite Art der Beleidigung im Z 186 D. R.-Slr.-G. durch die Worte: „Wer in Beziehung auf einen anderen eine Thalsache be- hauplet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu mache» oder in der öffenllicheu Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht die Thatsache erweislich wahr ist,... bestraf,!" Ebenso charakterisirt das Reichs-Slrafgesetzbuch die dritte Art der Beleidigung, die Verleumdung, im(j 187: »Wer wider besse.es Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Thalsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herab- zuwürdigen, oder dessen Kredit zu gefährde» geeignet ist, wird wegen verleumderischer Beleidigung... bestraft." Es werden da also ganz bestimmte Merkmale angegeben, die an irgend einer Behauptung nachgewiesen werden müssen, um sie nach Maßgabe jener Paragraphen strafbar zu mache». Ganz anders ist es mit der einfache» Beleidigung. Für die giebl es keine Definition. Es heißt da im§ 185: „Die Beleidigung wird mit Geldstrafe bis zu 600 M oder mit Hast oder mit Gefnnguiß bis zu einem Jahre»nd, wenn die Beleidigung mittels einer Thätlich- keit begange» wird, mit Geldstrafe bis zu ISO» M. oder mit Gesängniß bis zu zwei Jahren bestraft." Könne» schon über eine„Beleidigung initlels einer Thätlichkeit" Unklarheiten«nlstehen, da dieser Begriff gegen den Begriff der Miß- Handlung nicht abgegrenzt ist, so überläßt es das Strafgesetzbuch völlig de», subjektiven Ermesse» des' Richters, was als einfache „Beleidigung" aufzufassen ist. Das subjektive Ermessen des Richters hat denn a»ch zu de» mannigfaltigsten»nd widersprechendste» Urtheilen in Beleidigungsprozesse» geführt. Je nach de» herrschenden Strömungen unter der Beamtenwelt, je nach den zeitweiligen„Standescmpsin- düngen", hat sich, da kein Mensch, auch ei» Richter nicht, sich völlig de», Einfluß seines Milieus entziehe» kann, anch die Praxis in Be leidigungsprozessen geändert. Ii» allgemeinen aber hat die Eni Wickelung dazu geführt, de» Bcleidigungsprozeß zu einer Schutz »muer der herrschende» Schichten in Staat und Gesellschaft gegen die Kritik der Nnterthanenschaft auszubauen. Seit- dem im Bcamteuthum sich mehr und mehr der Glaube festgesetzt hat, daß es auch berufen ist, die Unternehmerschaft in ihrem Widerstaude gegen die EmanzipationSbestrebnngen der Arbeiter zu unterstützen, sind auch besonders in industriell vor- geschrittene» Gegenden die den Fabrikanten angeblich angeihanen Beleidigungen mit schärfere» Strafen belegt worden. Von dieser Art der Staalsrettnng vermittelst des Beleidigungs Prozesses ist die englische Rechtspflege, die ja sonst auch ihre Mängel hat, vollständig frei, weil sie die sogenannte einfache Beleidigung überhaupt nicht kennt, also die„erkennbar zum Ausdruck ge- brachte Mißachtung" gar nicht bestrasen kann. Denn die in England strafbaren Vergehen„libol" und„defamation of character" würden in Deutschland unter die vorhin angesührle» ZZ 186 oder 187 deS Elr.-G.-B. fallen, während der nicht als Mißhandlung auf- zufassende Angriff, der bei unS widersinniger Weise mit der ein- fachen Beleidigung verkoppelt ist, im englische» Strafrecht als „aseoulb"(lhälticher Angriff) gesondert strafbar gemacht wird. Lothar Bucher hat einmal in einer seiner Schriften den Unter- schied zwischen de», deutschen und den, englische» Beleidigungsprozeß treffend und drastisch durch folgendes Beispiel erläutert: Wenn man in England zu jemandem sagt:„Du bist ein Dieb", so ist das strafbar, vorausgesetzt, daß sich nicht beweisen läßt, daß der Beschimpfte wirklich gewohnheitsmäßig stiehlt. Sagt ma» aber:„Du bist schlimmer als ein Dieb", so ist das nicht strafbar, weil es nur ein krasser Ausdruck der Mißachtung ist, aber keine Behauptung irgend welcher Thatsachen enthält. Das Charakteristische des deutschen Strafverfahrens wegen ein- facher Beleidigung ist, daß dabei die Behauptung unwahrer That- fachen nicht»othivcndiger Weise vorausgesetzt wird, weshalb der Z 192 des St.-G.-B. ausdrücklich festsetzt: „Der Beweis der Wahrheit der behaupteten oder verbreiteten Thatsache schließt die Bestrafung»ach Vorschrift des§ 185 nicht ans, wenn das Vorhandcnsci» einer Beleidigung aus der Form der Behauptung oder Verbreitung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschehe», hervorgeht." Wollen wir also gesunde Zustände in unserem öffentlichen Leben erzielen, wollen wir das Recht der freien Kritik in Wort und Schrift, diese unumgängliche Voraussetzung für ei» dem Absolutismus der Bureaukralcnherrschaft entwachsenes Staatswesen gewahrt wissen gegen jedermann, so dürfen wir uns nicht mit der Aushebung des Majestätsbelcidigungs-Paragraphe» begnügen, sonder» müssen die sogenannte„einfache Beleidigung" ansmerzen aus unserem Slrafrecht. Die Beseitigung der einfachen Beleidigung aus unserem Straf- gesetzbuch würde sich ebenso einfach bewerkstelligen lassen, wie die der besonderen Majestätsbeleidigungs-Paragraphen. Es wären der§ 185 und der§ 191 ganz zu streichen. Beseitigt müßte auch werden der Z 192, der jetzt der vorgesetzten Behörde eines Beamten die Befugniß giebt, den Strafantrag wegen Be- leidiguug jenes Beamten zu stelle». Dadurch würde der Mißstand beseitigt, daß der Beamte, der als Beleidigter eigentlich Partei ist in dem lliechisstreit, vor Gericht als Zeuge gegen die Person, mit der er eine» Streit gehabt hat, auftreten kann. Auch ans de»,§ 193 (Wahrung berechtigter Interesse» rc.) müßte der Schlußpassus ge- strichen werden, der die Form einer in Wahrung berechtigter Jnte.essen erfolgten Aeußerung doch wieder strafbar macht. Der jetzt in dem 8 l3ö ganz unlogischer Weise als„lhälliche Beleidigung" eingeschaliele thälliche Angriff müßte als solcher be- sonders unter Strafe gestellt und in dem»ämlichen Abschnitt mit Körperverletzung rubrizirr werden. Die Befür.vortung einer derartigen Reform»nsercs Slrasrechts würde unserer Partei um so mehr ziemen, da gerade jetzt die Regie rung die ihr durch die öffenlliche Meinnng aufgezwungene schärfer« Bestrafung des Duells ihrerseiis zu einer Verschärfung der Be- leidigungsprozesse auszunutzen sucht, eingedenk der Thatsache. daß England, das Land ohne Duelle, auch ohne unseren Beleidigungs prozeß auskommt. Es wird allerdings einer langwierigen Arbeit bedürfen, um die öffentliche Meinung i» Deutschland anfzulläre» über die Gemein schädlichkcil unseres Beleidigungsprozesses, aber je früher und je energischer damit begonnen wird, um so besser. Wird der Magistrat zu Kreuze krieche»? Wie wir hören, ist beim Magistrat ein Schreiben des Oberpräsidenten eingegangen, worin unter Hinweis auf«in eventuelles Einschreilen der Aufsichls- behörde der Magistrat aufgefordert wird, dem Beschlüsse der Stadl verordneten-Versammlung, betreffend die Errichtung eines Denksteines für die Märzgefallenen, nicht beizutreten. Nach Lage der Gesetz gebung hat die Aufsichtsbehörde— wie auch die„Kreuz- Zeitung" in ihrem vorgestrige» Artikel ganz richtig ausführte— keine Hand. habe,«inen zustimmende» Beschluß deS Magistrats zu ver> hindern. Es muß nun abgewartet werden, ob der Magistrat dem freundschaftlichen Winke aus Potsdam folgt, oder ob er dein mit einer Biersüustel- Majorität ge faßten Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung beitritt und dadurch bekundet, daß ihm das Einvernehmen und die Einigkeit bei den städtischen Körperschaften höher stehen, als Anerkennung und Lob der Regierung für seine Folgsamkeit und Devotion. Manchem glück- lichen Besitzer von Eskaipins und Kniestrümpfen im Magistrats kollegium mag die Entscheidung schwer fallen— desto leichter dafür wird die Wahl für die Anhänger und Förderer einer unbeeinflußten kommunalen Selbstverwallung sein. Hier heißt's Farbe bekennen. Also, Ihr Herren mit der güldenen Ralhsketle! Lio Kstodus— hic salta! Ter Zehupfeunigtarif. Wie berechtigt der Wunsch»ach einer allgemeinen Einführung des Zebupfennigtarifs für Omnibusse und Straßenbahnen ist, zeigt wieder die Verkehrsstatistik der Neue» Berliner Omnibusgescllschafl für das verflossene Jahr. Die Gesell- schuft beförderte insgesammt 17 222 477 Personen. Von diesen lösten Fahrscheine zu 19 Pf. 16 451376— 95.54 pCt.; Fahrscheine zu 15 Pf. 669 915 Personen— 3,84 pCt. und Fahrscheine zu 29 Pf. 111 986 Personen— 9,62 pCt. Diese Zahle» bedürfen keines Kommentares! Tie Bauthätigkeit in Berlin war im verflossenen Jahre recht umfangreich. Der örtlichen Slraßenpolizei, Ablheilung I, habe» nicht weniger als 2228 Hochbau-Eutwiirfe vorgelegen. Außerdem wurden geprüfl 515 Eulwürfe(gegen 32l im Jahre vorher) zu Kleinbahnen, Neu- oder Erweiterungsaulagen, zu Neueintheilunge» und Pflasterungen von Straßen»nd Plätzen, zu Fcststclluugen, Fluchtlinien tt. Bon den 2228 Hochbau-Entwürfe» wurde» nur 136 abgelehnt, zumeist, weil es sich um Errichtung von Wohnhäusern an noch nicht regnlirten Straße» handelte. Die Prüfung der meisten Entwürfe(93 v. H.)»ahm noch nicht drei Wochen in Anspruch. AuS dem Leben der Hungernden- Die Aermsten der Armen, die Obdachlosen, welche nicht wissen, ivo sie ihr müdes Haupt hin- legen solle» und gezwungen sind, in» Freien zu nächtigen, werde» zeilweise von der Polizei in ihre» Schlupfwinkel» aufgcsiöberl, weil die Ausgestoßeuen»öihigenfalls zur„Berautworlung" gezogen werden können. Eine derartige polizeiliche Razzia wurde in einer der letzte» Nächte vorgcuommeu und zwar aus den Felder» in der Umgebung des Güterbahnhofes der Viordbahn. Halb erstarrt wurde» zehn Personen aufgefunden, welche hinler Bauzäune», altem Gerürnpcl zc, ja selbst in Düngerhaufen ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. Etwas wohnlicher hatte sich ein Topsbiuderpaar, Man» und Frau, in einer aus sreienr Felde stehenden verlassenen Laube eingerichtet. Durch zusauttneugelragenes Stroh und Heu hatten sie sich eine Lager- statt bereitet und durch Lumpen aller Art dem Einflüsse der Witterung zu trotzen gesucht. Ein Waschgeschirr und ein primitiver Kochapparat bildeten das weitere Mobiliar dieser Wohuställe des Elends. in welcher»ach ihrer Bekundung die beiden Insassen schon mehrere Wochen hindurch ungestört gehaust haben. Die Polizei Halle keine» guten Fang gemacht, die Sistirle» erwiese» sich sämuitlich als un- verdächtige Obdachlose, welche unter der übliche» protokollarische» Verwarnung,„sich bei Vermeidung der gesetzlich anftedrohien Hast- strafe binnen drei Tagen ei» festes Obdach zu verschaffe»", wieder entlassen wurden. Es ist dies der Anfang vom Ende. Werden die Unglückliche» wieder als obdachlos ansgegriffe»— und wie könnte es anders sein?— so wird über sie die„gesetzlich angedrohte Hast- strafe" verhängt, deren Wiederholung die Ueberweisung an die Landespolizei, d. h. das Arbeitshans, im Gefolge hat. So faßt der Staat der Sozialreform seine sozialen Pflichten auf. Und dieser Staat hat die Kühnheit, es de» Proletariern zum Vorwurf zu machen, daß sie nicht im landläufigen Sinne patriotisch sind. Tie amtliche Bekanntmachung über das Eingehe» deS Nord- bnhuhofs Gesundbrunnen mir dem 1. Februar d. Js. ist vielfach falsch verstanden worden. Mit dem erwähnte» Termin und der a» diesem Tage stattfindenden Verlegnng des gesaininten Nord- bahn-Verkehrs nach dem Stettiner Bahnhof wird nur der aus Anlaß des Umbaues der Slettiner Bahn errichtete vorläufige Bahnhof Gesundbrunnen a» der Echwedterstraße beseitigt. Ter erst am 1. Mai o. Js. eröffnet« Zentralbahnhof Gesundbrunnen an der Badstraße bleibt jedoch erhalten und die sänuntiichen Nordbahnzüge, auch Schnell- und Kurierzüge werden auf dieser Station halten. Eine sehr verspätete NeujahrS-Gratnlation ist der Wittwe eines Schuhmachers in der Höchsteftraße zugegangen. Es ist dies eine Postkarte mit dem üblichen Neujahrswnnsch«. Sie ist laut Aufgabistempel bereits am 1. Januar 1895 von einem hiesigen Postamt befördert worden. Wie der Verzugsüempel ergiebt, wurde der Adressat aus irgend einem Grunde nicht aufgefunden, und daher muß die Kart« wieder an das Postamt zurückgewandert fei». Ein Zufall wollte es nun, daß sie von dort am 2. Januar d. I. aber- mals befördert wurde und nunmehr wohl an die richtige Sldresse. aber nicht an de» Adressaten gelangt. Dieser ist nämlich im Laufe der Jahre gestorben, und die Gratulationskarte mußte daher von der trauernden Wittwe in Empfang genomnie» werden. Dem Märkischen Museum sind nach dem soeben erschienenen 92. Bericht neue Zuwendungen von 135 Behörden nnd Personen zugegangen. Ein besonderes Interesse haben in diesem Jahre die vom Bezirksvorsteher Woltmann überwiesenen Waffen und sonstigen Ausrüstungsgegenstände der Berliner Bürgerwehr von 1843. DaS Berliner Dampfstraßenbahu- Konsortium hat den neuen Vertrag mit der Stadlgemeinde Charloltenburg in der Fassung nach dem Gemeindebeschluß vom 8. Dezember endgiltig an- genommen. Die Berliner ärztlichen Kreise sind, wie das„Verl. Tagebl." schreibt, durch ein Vorkommniß in der Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie nicht wenig erregt. Es sind nämlich in der letzten Sitzung, welche über die Aufnahme einer großen Anzahl neu auge» lueldeler Mitglieder die Entscheidung bringen sollte, sämnrtliche Kandidaten durch Kugeluna abgelehnt worden. Trotzdem erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft die betreffende» Bewerber um die Mit- gliedschaft für angenommen. Hieraus erfolgte ein Prolest seitens derjenigen Mitglieder, welche die ablehnenden Kugeln in die Urne geworfen halten. nachdem sie unter einander die ehrenwörtliche Versicherung gegeben, daß thalsächlich die für die Ablehnung statutengemäß vorgeschriebene» Kugeln in die Wahlurne gelegt worden waren. Der Vorsitzende ordnete nunmehr eine Neu- wähl an, und daraufhin erschien die Protestminderheit in der er- sorderlichen Kopszahl und lehnte alsdann jedweden neu vorgeschlagenen Bewerber um die Mitgliedschaft zur Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie ab. Die Protestminderheit gedenkt, diese Obstruklions- melhode so lange sortzusetze», als der gegenwärtige Vorstand sein Amt verwallet. Ob dabei auch das auf wissenschaslliche Vereinigungen eigentlich»uanwendbare Prinzip der Kttgelung falle» gelassen wird, bleibt vorläufig»och unentschieden. Sikadcmischer Kampf gegen die Sozialdemokratie. Gestern Vormittag erschien in der Akademischen Lesehalle ein Beamter der Universität, um im Auftrage des Herr» Rektors die„Sozialistischen Monatshefte" und den„Soz. Student", von denen je ein Exemplar nach Beginn von Schmoller's Liekiornt wieder ausgelegt worden war, zn konfiszireu. Und zwar traf �laArukicenis diese Verfügung aus direkte» Erlaß des Ministers hin. Also sind die Akademiker abermals vor sozialistischer Vergiftung bewahrt worden. Auf der elektrischen Bah» Zoologischer Garten— Schlesi- sches Thor ist jetzt an der Lutherkirche statt der unterirdischen Stromzuführung definitiv und für immer die oberirdische Strom- leitung eingerichtet worden, sodaß dieses System jetzt auf der ganzen Linie zur Anivendung gelangt. Nrucvolle Heimkehr. Ein hiesige? Blatt berichtet: Paula Wirth wird dem Beispiele ihrer Kollcgi» Elli Bender folge» und definitiv zur Bühne zurückkehren. Die Künstlerin erklärte, daß sie sich einschlösse» habe, dem Chantant Adieu zu sagen und— höheren moralischen Gesetzen folgend— wieder Schauspielerin zu werden. Daö Schauspiel cineS seltsamen Trauerzuges genossen am Donnerstag Vormittag die Bewohner des Nordens. Vorn Leichen- schauhause in der Hani.overschenstraße aus wurde der italienische Artist Angela Delphini, über dessen Selbstmord wir berichteten.' nach dem katholischen Friedhof in Weißcnsee zu Grabe geleitet.� Um 19 Uhr vormitiags versammelte sich mit der Direktion das ganze Personal des Olyuipia-Niesenlheaters am ehemaligen Zirkus Renz in der Karlstraße und begab sich in geschlossenem Zuge von etwa 899—1999 Menschen durch die Friedrichstraße nach dem Schau- Hause. Dort halte» sich schon zahlreiche männliche und weibliche Artisten vom Zirkus Rusch, aus dem Wintergarten, dem Apollo- Theater, den Sieichshalten und de» kleinereu Spezialitäten- bühue» eingefunden. um dem Direktor der Delphini-> truppe die letzte Ehre zn erweisen. Um 19Ve Uhr wurde der Trauerversannnlung die Leichenhalle des Schanhauses, der Kapellenrauni, in dem de brnnne Sarg aufgebahrt war, ge- öffnet. Ria» hob dann den Deckel ab und in langem Zuge gingen die Kunstgenossen und-Genossinnen des Verstorbene» an dem Sarge vorüber, um noch einmal seine Züge zu sehe». Sein Familienbild und die Puppe des zuletzt ihm entrissene» Kindes, die man auf dem' Todtenlagcr bei ihm gefunden halte, waren ihn» auch i» den Sarg mitgegeben morde». Die Puppe hielt er in der rechten, die Photo- graphie in der linken Hand. Um 11 Uhr hoben Leichendiener des Schauhauses den mit schwarzem Flor behaugenen Sarg auf den Wagen und»nmillelbar darauf setzte sich der lange Zug in Beivegung. Die Schippauoivsky'sche Bersaglierikapelle a» der Spitze spielte italienische Trauermärsche. Zu beide» Seiten des Leichenivagens gingen vier! Schivarze des Olympia- Thealers in mohamedanischer Tracht mit Palnienwedeln. Dein Leicheuwagc» folgte der Kranz- und Palmen- ivage», diesem die Direktion des Olympia« Theaters, die Delphini- Truppe, die Vertreter der andere» Büdneii»nd endlich in buntem Zuge das männliche und weibliche Personal des Olyinpia-Theaters.� Der Zug wurde auf dem Friedhofe von der Kapell« und dein Chor des Olympia-Theaters empfange». Ein Geistlicher wirkte bei der Beerdigung nicht mit. Der WdhuachtS- Patkctticrkchr ist nach vorläufigen Fest- stellunge» über die Aus- und Einläufe von und nach Berlin diesmal wieder bedeutend stärker gewesen als i» früheren Jahren. Ans dein Bahn-Packetpostauit des Schlesischen Bahnhofes allein sind in diesem Jahre in dein Zeiträume von vierzehn Tage» vor und nach Weih- nachten 399 999 Packele mehr ein- und ausgegatigen als im Vorjahre. In diese» vierzehn Tagen ivurden von diesem Amte allein täglich in« Durchschnitt 89- bis 99 999 Packele aus Berlin hinausbefördert. Die Sonderpostzüge, die von Berlin auf allen Hauptlinien nach der Provinz vom Sckckesische» Bahnhos ausliefen, hatten bis zu 16 und 13 Beiwage». Solcher Sonderzüge ivurden täglich mindestens zwei' abgelassen und ebenso viele ginge» ein. Hinsichtlich der Strafgelder, welche dnrch polizeiliche Be- strafungen von den im Droschkenfuhrgeiverb e beschäsligten Personen eingehen, hat der„Fachverein Berliner Droschkenbesitzer" in feiner letzten Versammlung beschlossen, zusammen mit der Berliner Fnhrherre»- Innung nnd den anderen Fachvereinen des Droschken- sithrgeiverbes beim Polizeipräsidium dahin vorstellig zu werden, daß diese Gelder in Zukunft zur Subventionirung der in Berlin zu er- richtenden Fach- und Fahrschule verwendet werden solle». Behördliche Untersuchuuge» waren, wie wir mitlheilte», im Anschluß an de» unter eigetithümlichen Umstände» erfolgte» plötzliche» Tod der Wittwe des Kaseruenwärters Steiner aus der Blücher« straßc 38 gegen die Kraukenpflegerin Frau Minna Rauchstädt aus der Gräfestraße 8 eingeleitet worden. Die Staalsanwaltschast ließ die Leiche zur geilauen Feststellung der Todesursache gtrichtsärztlict, öffnen. Nach dein daranshiu ausgestellte» Beerdigungsscheiiie, auf grund dessen Frau Steiner am Neujahrslage aus dem städtischen Friedhof in Friedrichsfelde begraben wurde, ist die Frau an«incin allen Lnngenleiden eines natürlichen Todes plötzlich gestorben. Die Vermuthung der Behörde, die wir in»nsereni Berichte über den Todes- fall andeuteten, trifft also nicht z». A»S Gram über den Tod seiner Fra» hat der 69 jährige Hauseigenthümer Karl T. i» der Goltzstraße zu Schöneberg Selbst- mord verübt. Seine Gattin war am 31. Dezember gestorben»nd der bejahrte Mann war infolge des Berlustes seiner langjährigen Lebensgefährtin tiefsinnig geworden. Als am 2. Januar der Tischler- nicisler Hoffuian» Einlaß begehrte, un» de» Sarg für die Verstorbene abzulicfer», wurde ihm nicht geöffnet. Man ließ einen Schlosser hole» und die Thür gewaltsam ausbrechen. Nun bot sich den Ein- tretende» ei» schrecklicher Anblick: Neben der Leiche seiner Gattin lag an» Boden der Greis in einer Blutlache mit geöffneten Puls- ädern, neben ihm das blutige Federmesser, mit welchem die Thar geschehen war. Der Lebensmüde hatte«inen so starken Blutverlust erlitte», daß er völlig hoffmingslos darniederligt. R»S Lebensüberdruß hat der m hiesigen Kmislkreisen wobl- bekannte Bildhauer Robert Hennsler in Charlotteiiburg Selbstmord begange». Er wurde gester» Nachmittag in seine», Atelier, Rüüort- straße 3, erhängt und erschossen nufgefunde». Hennsler wohnte seit etwa eine»» Jahre in der Bismarckstr. 75. Die Leiche wurde auf polizeiliche Anordnung nach dem Schauhause aus Westend gebracht und das Atelier verschlossen. DaS Polizeipräsidinm theilt mit: Bei einem hiesigen Pfand- leiher ist ein Zweirad.„Brcnuabor Nr. 14, Fabrik»»»mier 111281, Lenlstange vernickelt und mit Korkgriffen versehe», Rahmen schwarz lackirt, die Felgen gelb", unter Uinständen zum Versatz gelangt, die darauf schließen lassen, daß der unbekannt gebliebcue Acrsetzcr des WnbcS bicfcä auf»«rebliche Meise erworben hat. GeschKdigte wollen sich in ben Bonnillngssluube» auf bei« PolizeipriisibiNI» Ziiliiner 36 nielben.— St», 27. Gezeniber Nachinillags ist i» bei» SlniISburcau zn Slhrensfelb«, Krci-Z Siieber-Parniin, von einem etwa 20 Jahre alte» Nienschen das Dienstsiegels ber preußische Adler init der Um- schrist: Amt Ahrensfelde, Kr. Nieber-Varniin, gestohlen worden In clNcm Krnmpfaiifall hat sich nahe dem Zirkus Busch die Nähert» August» Schienicck, die seit drei Jahren in der Usedom- ftraße 1 bei dem Säuget Mliller wohnt, in die Spree gestürzt. Das Mädchen leidet au Kränipse» und war in den letzten acht Tagen sehr niedergeschlageu. Gestern verließ die Unglückliche ihre Wohnung, ohne den Wirthsleuten ein Ziel ihres Ausganges anzugeben. Am Zirkus Busch bekam sie wiederlii» einen Anfall und sprang alsbald in die Eprce. Passanten»nd ein Schutzmann des 13. Vieviers be- wirkten jedoch ihre Nettukg«Nd brachten sie in ein Kraukenhans. Etraßensperriing. Behufs Abbruchs der Alsenbrück« werden der die Spree und die Ladeslraße am Koliprinzen-Ufer tlberschreileude Theil der Alsenbrück«, sowie die Ladtstrahe am Kronprittzen-User nnter der Brücke Und auf je 40 Meter stromauf- und slronrabwärls vom 7. d. M. ab bis ans weiteres für jegliche» Verkehr gesperrt. sfeiierberlcht. Montag Abend verursachte Reichen berger- stra he 74a ein WeihnachtSbautt, eine» Zimmcrbraud, der Gardinen und Möbel zerstörte. Bei de» LöschungSarbeite» wurde der Wohnuugsinhaber iin Gesicht erheblich verbrnuut. Die Wehr be- feitigie die Gefahr leicht. Kurz darauf erfolgte Rosent Haler- st r» ß e 23 ein Gardtneubrand. Dieuslag früh v Uhr hatte die Wehr längere Zeit K ö n i g S b e r g e r p r. 28 aus zwei Stohren Wasser zu gebe». Hier stand ein größerer Posten Nutzholz tu Jlamme». Gegen l2>/s Uhr mittags erfolgte Alarm»ach dem Güterbahnhofe der Ostbahu i» der Fr» cht stra he. Gin mit He» beladeiier Wagen hatte Feuer gesaugen, das uul zwei Schlauch- Icituugeu abgelöscht iverde» mußt«. Bald«ach 9 Uhr»achmiltags wurde die Wehr«ach S ch ö n e b e r g e r U f e r tS gerufen, wo etue Brettekivaud braun«. DaS Haus erlitt außerdem beträchtliche» Schaden. Im Ilrania-Theater(Jubalidcnstrnße, Dr. Köppen und Dr. Stödtner) spricht Mittwoch abends 8 Uhr Herr Dr. Köppen über„Meisterwerke der Renaissauce(Limmrdo, Raphael, Michelangelo)" unter Vorsührimg von ra. 00 Lichtbildern. Mit ben DtrektlonSgrschilften der Urania lst durch Beschlng des Aufstchtsrathes der Gesellschaft von Anfang Januar ab der btShcrtge Bor- steher ber Phystkaltschen Abthetluug Dr. Paul Gpies betraut worden. Theater. DaS Schiller-Theater veranstaltet, da ein großer Theil der Bestellungen für den erste» Schtller-gvkliiS nicht uiehr ber-iicksichtigt werden konnte, einen zweiten Schiger-Zpklus, der, 7 Vorstellnngen»in- fassend, an 7 Sonntag-Nachinittagen stattfindet. Die erste BorstcUung im zweiten Zyklus ist Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 3 Uhr:„Die Riinber". Die Ausgabe der Aboimemems bcgtmtt morgen In drr Billei- Abthetluug des Theaters und in der TraNtwclnsschen Buchhaudluna. Die AbonnemcntSpreiss sind auf den Anschlagsäulen ersichtlich. AliS den Nnchbaroriett. ldie stitdilsifir Bolköbibltothek in Charlottcnbnrst ist gestern der öffenttichen Benutzung übergeben worden. Die Lesebaüe— Ein- gang ttirchflr. 4— ist an den Wochenlag«» von 10— II Uhr mittags und von 5— 0 Uhr abends, an Sonntagen von 10-—I Uhr mittags geöffnet. Die Ansleihe-Bibliolhek— Eingang Kirchstr. S— ist nur an Wochentage» von 12—1 Uhr mittags und von 0-8 abends ge- öffnet. Biicherbcstelliingen werden auch i» der Lesehalle«»«gegen geniuiime». Kampf gcgr«» Slrbcitcr« Gcsaiigvricinr. Der Weber Brüggeittan», der Schrislsctzer Blum Und der Maler Goß z»»tünfler waren als Vorsteher doS Gesangvereins„Hoffnung" angeklagt worden, stch gegen die tzg 2, 3, 13 und IG des BeretnSgesetzes vergangen z» haben. Man warf ihnen vor: 1. daß sie als Borsirher eines Vcr- ein?, der ans öffentlich« A n g e l e g e» h« i l e» e I n z U- wirke» bezwecke, es unterlasse» hälieu, die Bereiusstalutcu »nd das Milgliederverzeiehniß des Vereins der OrtS- Polizei- behörde eiuzurelche»; 2. daß sie als Vorsteher eines Ber- eiuS. der eine Erörterung politischer Gegenstände in seine» V e r s a in m l u n g e n bezwecke,'>ui! andern Vereine» gleicher Art, insbesondere mit dem Sängerbund „Westfalen", in Verbindung gelrelen seien. Vor allein hallen es der Polizei Und der Ctaatsnnwallschasl die Texle»inncher der von: Verein gesungenen Lieder angethan. sowie der ursprünglich« tz 1 deS VereinSstntnlS und der tz 7 beS ElatNtS des Sängerbundes „Westfalen", dem der Verein„Hoffnung" angehöit. Der ß 7 deS VerbandSstatntes bestimmt: Die Vereine, die gegen einen Jahresbeitrag von 4 M. Mitglieder deZ Verbandes„Westfalen" sind, haben die Pflicht, ihr Lied i» erster Reihe in ben Dienst der um ihre Existenz Und um die Verbesserung ihrer politischen und wirth- schaftlichen Lage ringenden Arbeilerschast und deren Vereinigungen zn stelle».— Der Verband selber bezweckt, die westfälische» Ar- beiier-Gesangvercin» in feenndschnslliche» Verkehr zu bringen n»d Lieder sreihetiliche» Inhaiis zn beschaffe» und einzuüben. N»d der Gesangverein„Hoffnung" hat vor mehreren Jahren die uriprüng- liche Bestimmung seines Stnlnls, daß er seine Mitglieder in, Gesänge volksthürnlicher Lieder sreiheillichcn Inhalts ausbilden ivolle, dahin abgeändert, daß er Volkslieder einzmibe» bezwecke. Ans den Liedern wnrden als markant solgende Stellen angestihrt: .Die Arbeit soll nicht Sklavin sein"„Wir sind nicht Dividenden- knechte, wir wollen unsere Menschenrechte"—„Wee nicht mit will thntt, lief i» den Stand und Moderl" Unstreitig ist, daß der Verein„Hoffnung" a» zwei Sängersesten deS Bundes theil- genommen hat. Das Landgericht in Münfler sprach die Angeklagten unter folgender Begründung frei: Thalsächlich seien an den Aercinsabeiide» des Vereins„Hoffnung" Lieder der im ß 7 des B ti» d e s st a t» t s bezetchneten Art vielfach ein- geübt und gesungen worden, et» Theil der gesmigene» Lieder habe wenigsteiis sicher der im Z 7 den Vereinen gegebenen DIrekiive enlsprochen. Der Inhalt dieser Lieder berühre»nzwciselhast dnS „soziale Gebiet" niid gehe über das Interesse der einzelnen physischen oder juristischen Person weit hinaus, er habe also demnach öffeut- tiche Angelegenheiie» zum Gegenstände. Dessen ungeachtet fehle hier aber eine wefenlliche Voranssehung des§ 2 des VercinSgesekes. Der Paragraph setze nämlich einen Verein voraus, der eine Ein- Wirkung». f. f. bezweck e. Dazu gehöre Ii»II, daß ber Verein absichtlich und bewußt öffentliche Angelegenheiten er- örlere. Das habe aber das Gericht im vorliegenden Falle nicht t h a t s ä ch I i ch f e st st e t I e n können. Ebenso stehe es mit der Anwendbarkeit des§ 8 des Vereinsgesetzes. Gr verbiete das Inverbindungtretcn von Vereinen, die bezwecken, politische Gegenstände tu ihren Vcrsaminlnngen z««rörier». That« sächlich stehe fest, daß(Hl Theil der vom Verein»Hoffnung" geüblen Lleder die politische und wirlhschaflliche Lage der Sirbeiler zu», Gegenstände habe. Ob darin ei»« Erörterung politischer Gegenstände liege, sei unerheblich, denn eS habe sich nicht f e st st e l l e N lassen, daß der Verein als solcher dies als Zweck verfolgt habe. Das einfache Singen der fragliche» Lieder genüge zn einer solchen Feststellung nicht.— Das K a m m e r g e r i ch t, vor dem R-A. Dr. H erz fe ld die An- geklagten vertrat, verwarf die Revision der Staatsanwallschast gegen das landgerichtliche Urlheil. Sie scheitere an den thatsäch- lichen Feststellungen des Vorderrichters. Die Parteigenossen Schneider Kunst und Zigarrenarbeiter Faust in Wiesbaden waren angeklagi, als Vorsitzende der Arbeiter- Gesangvereine„Bruderbund" und„Harmonie" sich gegen de» Z 3 der Negiernngs-Polizeiverordnung vom 1. Niiausl 1831 vergangen zu hadert. Danach muß, wer in einer Wirthschaft Gesniigsvorlräge darbieien will, hiervon vorher der Polizeibehörde Anzeige machen. Der Sachverhalt rvar kurz folgender. Zum 21. März 1897 berief der Parteigenoffe Schuhinacher Stolle in Wiesbaden eine Versammlung(Fest- ««rsammliing?) ein. Zn der Znsamiiieiiknlift lud er die beiden Gesang- vereine ein; sie sollten die Anwesenden durch einige Lieder erfreuen. Natürlich ging die Einladung a» die Vorsitzenden, auf deren Ver- anlassnng die Sänger denn auch erschienen und verschiedene Lieder vortrüge». Die Angeklagten lehnten jede Verantwortung ab, da der Eiirbernfer der Versammlung der Darbieter im Sinne der Verordnung sei. Schöffengericht und Strafkammer sprachen sie auch frei. Stolte sei thatsächlich der Darbieter und die An- geklagten könnten nicht bestraft werden. Die Stanlsanwalt« schnft legte hiergegen die Revision ein und machte geltend, die Angeklagien feie»»tiiidistenS ebenso haftbar wie Slolte. Als Vor- sitzende der Gesangvereine hallen sie die Vorträge ebenfaNS dar- geboten. Die?liigeklag>en wurde» von Rechtsanwalt Dr. H e r z- f e l d vor dem Kanimergericht vertreten. Der Vertheidiger fnhrle aus, unter einem Darbieten verstehe man soviel wie eine Veraustaliung. Die Veranstalinng der Versammlnng»nd der Vorträge fei aber nicht von den Angeklagten ausgegangen. Das K a in nr er g e r i ch t wies die Revision der StnatsanwaltscbafI als unbegründet zurück. Stolte sei die einzig vcrantrvorlliche Person. Er habe die Darbielnng veranlaßt und die Gesangvereine gleichsam engägirt. Die ausübenden Personen seien nur dann anzeigepflichlig, wen» sie unmittelbar und unverinlllclt die Aussührnng veranslallilen. — Gegen Stelle kann wegen Verjährung nicht mehr vorgegangen werden. Gauner«nd ZeitiiilgSredaktenr. Eine gestern vor der 4. Slraskaininer des Landgerichts I verhandelte DiebstahlSanklage Halle einen elwas komischen Hintergrund und erwies zugleich, daß die so oft beklagte gleichmäßige'Behandlung v e r u r t h e i l t e r Zeitnngsredakteure und verurlheilter Spitzbuben unter Umständen doch auch einmal dem, was man gemeinhi» Gerechtigkeit nennt, zum Siege verhelfen kann. Zu dem Tausch- Prozesse war auch ein hiesiger Zeitungsredakienr, der in Plötzensee eine Strafe wegen Preßvergehens abbüßl«, als Zeuge vorgeladen worden. Er halte gerade an dem Tage, au welchem er Zeugniß ablegen sollte, nur noch mehrere Stunden seiner Strafe abzubüßen, dies hinderte aber nicht, daß man ihn bis zu dem zn er- w a r l e n d e Ii A» f r n f als Zeuge in daS Z i m m i r der Vor- geführten sperrte, wo er recht lange Zeit in der freund- lichen Nachbarschaft von Spitzbuben, Betrügern und Zuhältern zubringen mußte. Da war er denn Zeuge folgender Szene: Der Former Jnl. I a g d in a n n, der sich an jenem Tage wegen Diebstahls aneinerTaschenuhr vorderIV.Gtraikmnmerzn veranlworten Halle, wurde dem Gerichte vorgeführt. Erst nach längerer Zeit kehrte er in die Zelle zurück und erzählte seinen Leidensgenossen, daß er zu seiner eigenen Ueberraschnng freigesprochen worden sc!, weil»ran ihn» den Diebstahl nicht habe»achivciseu könne». Mit offensichl- lichern Stolz über seine Geriebenheit sügie er hinzu, daß er die gestohlene Uhr zwischen Heindenkrage»»nd Hemd versteckt gelragen habe, so daß sie bei der Hanssuchung nicht habe gefunden werden können. Als für de» Redakleur endlich die Stunde der Erlösung ans diesem Milien geschlagen halle, inachie er im Nedaklioiisbiireau seiner erklärlichen Empörung Über VaS, was er in den letzten Glmiden erlebt, Luft und erwähnte dabei auch den Zwischenfall mit dem Uhrendieb. Die Klagen des Redakteurs halllen da»» ans einem nicht von ihm verfaßlen Leitartikel wieder, in welche», auch die kleine Episode des Formers Jagdiiiann ihren Platz fand. Tie Folge hiervon war, daß nun- mehr einer der seltene» Fäll« eintrat, in denen die Staats- anwalischast das W i e d e r a u f n a h»i e- B e r f a h r e» z n Ungunsten des Angeklagten durchsetzte. Jagdma»» stand gestern rvegen desselben Diebstahls an einer Taschenuhr anfS neue vor der Straskammer und wurde diesmal aus grlmd seines in der Deteirtionszelle freiwillig abgelegte» Geständnisses zu einer» Jahre Gefängniß verurtheilt. Tie Regierung wird nicht verfehlen, ans diese», Ereignis! die Nothwendigkeit herzuleiten, daß der gegenwärtige entehrende Znstand in der Behandlung der Preß- siinder beibehalten werde» iniiffe. Gehässigkeit und Feindseligkeit waren die Triebfedern ge- wesen, rvelche derzeit de» früheren Ilenerempsänger Enge» Brink- m a n ir unter der Anklage der Verleitung z n in Meineide vor die zweite Straskammer des Landgerichts l brachte». Brinkmann lebte seil Jahre» nrit seiner Ehefrau in höchst unglückliche» Verhält- nissen. Er macht« dein unerquicklichen Znstande dadurch ein Ende, daß er sich von seiner Ehefrau trennt« und eine eigene Wohnung i» Reinickendorf bezog. Von jetzt an wurde Brinkmann der Gegenstand heftigster Verfolgungen seitens seiner Ehefrau. Sie zeigte ihn wegen Verleitung zum Meineide an, trat Im Termine als Belastniigszengln gegen ihn ans und erzielte auch, daß ihr Ehemann zu einer zwetjährigen ZuchlhanSstrase verurtheilt wurde. DaS Reichsgericht verwarf dle eingelegt« Revision, Brink- inmrn verbüßt seine Strafe tm Zuchlhanse zu Brandenburg, bethenert aber nrrentwegt seine Unschuld und hat es auch mlt großer Mühe erreicht, daß das W i e d e r n n f» a h in e v e r f a h r e» angeordnet ist. Inzwischen hatte seine Ehefrau eine Anzeige wegen ivissentltchen Meineides gegen ihn erstattet. Im August 189-1 hatte Brinkmann eine» Offenbar»,, gsetd geleistet. Wie seine Ehekra» behauptet, hat er dabei verschiedene Nleidnngsstlicke, eine goldene Uhr, zwei Ring«»nd eine Stadel nicht mtl angegeben. Er ist deshalb von Brandenburg nach Berlin lranSporlirt rvorben. nm sich wegen des neuen Verbrechens zn verant- worlcn Der Beschuldigte, der von den Rechtsanwälten Dr.Schwiridt und Dr. Coßman» verthe'tdigt wurde, erklärte, daß er ivieden»» das Op«r der Gehässigkeit seiner Ehesran werden solle. Die Uhr bade cr schon im Jahre 1894 seiner Ehefrau übergeben, als diese ihn in seiner Wohnung tu Reinickendorf besucht habe. Er sei damals krank gewesen und habe geglaubt, sterben zu müsse». Die nicht mit ansgefnhrlen Kleidungsstücke habe er schon vor der Leistung deS OffenbarnngscideS verkauft. Ter nach letzlerer Richtung angetretene Beweis gelang, dagegen behauptete seine als BolaslnngSzengi» auslrelende Ehefrau, daß seine angebliche Verschenkung feinet Uhr an sie erfunden sei. Sie habe ihn»jemals in Reinickendorf besucht. In dieser Beztehuug stand die Zeugin Brinkmann in direktem Widerspruch zu der Aus- sage einer anderen Zeugin, der damalige» Wirthin deS Angeklagten, welche bekundete, daß sie Augen» und OhrenzeNgin gewesen sei. als Brinkmann seiner Ebefrmi die Uhr überreichte. Die letztere bezichtigte noch andere Entlastungszeugen der Unwahr- Heft NNd es kam hänsig zu lebhaften AiiSeinarrdersctznngen. Der Umstand, daß die Uhr nach Leistniig deS OffenbarungsetdeS wieder im Besitze des Angeklagten gesehen wurde, wird von demselben dahin anfgetinrt, daß seine Frau ihm die Uhr in, Herbst 1891 zurück- gegeben habe. Während der DeiveiSaufiiahni« spielte stch ein iniereffanter Zwischenfall ab. Die Hauptzengin, welche in der früheren Ver- Handlung gegen den Angeklaglen eine derart belastende Slnssage gemacht halte, daß seine Vernrlheilnng erfolgen mußt«, trat ans eigenem Antriebe vor den Gerichtshof»nd erklärte, daß sie da- rnnls eine» Meineid geleistet habe. Ihr Gewiffen lasse ihr keine Ruhe. Die Selbstbezichtignng hat die Zengin bereits früher vor dem Staatsanwalt abgelegt und wird darauf das Wiederaufnahm«- Verfahren begründet.— Der Elaalsanwalt hielt dennoch das Beiveismaterial für anSreichenv, um mindestens zn einem Schuldspruch wegen fahrlässigen Meineides zu gelangen, während die v-rlheidiger mit Energie für völlige Freisprechung plädirten. Die Gefchivorenen«rknnnten auf Richtschnidig, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Die Ehrcnrettniig d«S Königs Leopold von Belgien, die in der Angelegenheit des zn acht Monate» Gefängniß verurlheilten Parteigenossen Slenzel vom„Hamburger Echo" nunmehr auch vorn llteichsgericht vollzogen ist, ging, wie uns i», Anschlug an die gestrige Meldung von der Verwerfung der Revision aus Leipzig niilgetherll wird, in der folgenden Weise vor sich: Der Vertheidiger Rechts- anwalt Dr. Suse aus Hamburg vertrat die Ansicht, daß die Voll- macht des belgischen Gesandten Baron Reindl, der den Slrafantrag gestellt hat, hätte geprüft werden müssen. Der Gesandle habe de» Strafantrag gestellt„im Auftrage der Regierung". Hier sei fest- zustellen gewesen, wer nach der belgischen Verfassung„Regierung" ist. Die belgische Versaffung habe dem Landgerichte höchst wahrscheinlich gar nicht vorgelegen.(Der Vertheidiger liber- reicht dem Reichsgerichte ein Exemplar der belgischen Vcr- fassung; der Senat lehnt aber die Annahme ab, da er schon versorgt sei.) Der Wahrheilsbeweis hätte, so fuhr der Vertheidiger fort, nicht abgelehnt werden dürfen, mindestens deshalb »icht, damit der Angeklagte seinen guten Glauden erhärten konnte. Es habe sich ja nicht darum gehandelt, die Ehre des Belgierköuigs zu retten, sondern darum, ob der§ 103 vorn Angeklagten verletzt war. Der gute Glaube des Angeklagte» komme aber dabei wesenl- lich in betracht. Der Passus des einen inkriminirten Artikels, der von der„Liebenswürdigkeit" des Königs Leopold handele, sei in der Verhandlung von beide» Parteien mit Stillschweige» übergangen worden, u», nicht Dinge zur Sprache zu bringen, die den Prozeß sensationell gemacht haben würden. Dann hätte aber auch das Urtheil nicht, wie geschehe», sich mit diesem PaffuS beschäsligen dürfen.— Der ReichSanwalt erklärte die Revision für vollständig unbegründet. Der Slrafantrag sei, wie festgestellt, von Baron Reindl im Sluflrage der belgischen Regierung gestellt. Es gehe aber nicht an, den Be- vollwächtigten einer SHegiermig mit einem Privalbevollinächtigte» ans eine Stufe zu stellen. Deshalb könne nicht geprüft werden, iv i e der Slrafantrag zu stände gekommen i't. Ei» anderer Senat habe schon am 10. November v. I. in der ähnlichen Sache gegen Feld- man» entschieden, daß es gleichgillig sei, wer die belgische Re- gierung sei.— Der Senat erkannte sota»», wie schon berichtet, auf Verwerfung der Revision. WclchcS Unheil entstehen kann, wenn Dampfbahn und Pferdebahn gemeinsam auf einer eingeleistgen Strecke verkehren. zeigte sich in einer Verhandlung, welche gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II staiisand. Am 13. September, einem starkbelebten Sonntage, fuhr der Hilfsschaffner Wilhelm Steiner einen Pferdebahnivage» zwischen„Steglitz" und„Zoologischer Garten". Abends 3,37 Minuten begegnete er in der Weiche a» der Schöne- berqcr Kirche zwei Tampsbahnzüge»; er glaubte, daß der fahrpla»- mäßige Zug dabei sei und fahr weiter, beide Züge wäre» aber zum Aussetzen bestimmt und den, fahrplanniäßige» begegnete er mitten auf der eingeleistgen Strecke. Von beiden Seite» wurde zwar sofort angehallen, es gab aber doch eine kleine Kollision, bei weicher Major Blum eine kleine Verletzung am Gesicht und eine an. Knie erhielt. Nachdem die Pferdebahn zurnckgezoge» und der Dainps- inage» in der Weiche passirt war, gelangt- die Pferdebahn bis zur Akazienstraße, wo wieder»», ein vom Schlosser August Lehmann geführter Wagen der Dampfbahn anf den Wechsel wartete. Dieser fuhr nun mit erheblicher Verspätung weiler und gelangte bis zum„Echivarzen Adler", wo wiederum eine Kollision mit einem anderen Dainpfivagen erfolgte, bei welcher eine Frau Schulz verletzt wurde. Steiner und Lehmann wurde,, daher wegen Transporlgesährdung angeklagt. Die Anklage nahm an, sie hätten absteigen solle», um sich an den betreffenden Weichen zn überzeugen, ob der Kreuzunqsivage» schon„durch" sei oder»och ausstehe. Der Vertheidiger, RechlsaNivalt Morris führte aber de» Beweis, daß die Angeklagten, die mit erheblicher Ber- späluiig fuhren, gar nicht Zeit halte», von ihren Wagen adzu- steigen, daß beide nur„Hilfsschaffner" seien, daß sogar die Direktion der Bachstein'schen Danipsstraßenbahn mit dein von Leh» man» geführten Train einen Versuch gemacht habe, ob die Bremse filiiktionir« und daß dieser Versnch llägliches Fiasko gemacht habt. Ei» höherer Beamter der Staatsbahn sprach stch auch in den, Sinne ans, daß die Angeschiildiglen unter den gegebenen Uinsländen gar »icht anders hiindeln konnten, worauf der Gerichtshof ans Frei- sprechung erkannte, weil die vorgekommenen Zusammenstöße nicht auf das Schnlvkonto der Angeklagte» z» stelle» seien. Polizeistnndc und geschlossene Gesellschaft. Auf die Aus- legung des Begriffes„geschlossene Gesellschaft" kam es in einem Slrasversahren an, das gegen den Gastwirlh Jahnke eingeleitet worden war, weil er Gäste über die Polizeislnude hinaus in seinem Lokal geduldet haben sollte. Der Sachverhalt war folgender: Eines Abends machte» mehrer« Gäste des Angeschuldigten de» Vorschlag, ein Fäßchen Vier auf gemeinsame Rechnung zn trinken. Nachdem die übrigen Anwesenden ihre Zustiurinnng dazu gegeben hallen, wurde das Fäßchen Bier im sogenannten Herre»zin»»«r ausgelegt und der Inhalt gcmilhlich ausgelrnnken. Man blieb hier im Einvcrständniß mit den, Wirth eine ganz erhebliche Zeit über die Polizeistunde hin- aus zusammen. Die Gäste sowohl wie der Wirth waren der festen Ueberzeugnug, daß die Versammelten unter den obwaltenden Um» ständen eine geschlossene Gesellschaft gebildet hätten, und daß sie deshalb an die' Polizeistunde nicht gebunden seien. Das Schöffen- aericift verurtheilt« jedoch I. zu einer Geldsirase und das Landgericht verwarf sein« Berus»»«. Die Straskammer führte aus, die Leute, die im Lokal des Angeklaglen das Fäßchen Bier getrunken hätte», seien dadurch, daß sie dies aus gemeinsam« Rechnung thaken, »och nicht eine geschlossen«Gesellschaft geworden. Sie seien ganz znsällig zusaminengelroffen und der Plan, gemeinsam ein Fäßchen Bier zn trinken, s«! erst während ihres ganz lose» Zn- sanimenfeins entstanden, auch geHörle» sie verschiedene» Ständen an, so daß sie ein inneres Band nicht aneinander gekettet habe. Ferner wäre das betreffende Zimmer auch anderen Gästen zugänglich gervesen. I. legte nunmehr Revision ei» und machte geltend, ß LOS des Strafgesetzbuches sei verletzt worden. Der Vorderrichu-r habe den Begriff der geschloffen«» Gesellschaft verkannt. Der Slrafsenat des KammergerichiS verwarf aber die ilievision alS unbegründet. Nach de» Feslsiellnngen der Vorinstanzen sei an- zunehme», daß es sich hier nicht»in ein« geschlossene Gesellschaft gehandelt habe. Die Ansjühriingen des Landgerichts seien durchaus zutreffend. Ganz gleich gilt ig sei es, daß andere Personen als die, welche daS Bier auf gemeinsame Rechnnng nahmen, nicht zugegen gewesen wäre». Hat ei» Arzt da» Recht, clu Kind zn ohrfeigen? Professor Straßmami, der städtische GeuchlSphysikns von Berlin, veröffentlicht in der„Aerzllichen Sachverständigen-Zeitnng" vier Obergutachleii, die er über Handlungen von Aerzlen abgegeben hat, rvegen deren gegen die betreffenden Aerzle ei» Strakverfahren eingeleiiet wurde. Es handelte sich um?l»klage» wegen fahrlässiger Körpervrrletznilg, Miß« handlniig eines Kranke», Schamverletzung gegenüber eiiierPatientlti nnd Ansstellnng eines falsche» ZengnlsseS. Der zweite Fall, die Mißhandlung eines Kranken durch den Arzt betreffend, ist von besondere»! Jnleresse nnd wir lheiten den Fall daher in Kürze mit.— Der praktische Arzt Dr. X. hatte einem nemijährlgcii Knaben, der wegen Enlfernung der Mandeln in seine Klinik gekommen war, gelegentlich der Operation ein paar kräftige Ohrfeigen versetzt. Die Mutier des Knaben erstattete gegen den Arzt die Anzeige. Die Slaalsanivaltschast verlangt« von Professor Sltaßmann et» Gntachlen darüber, ob in dem Verhalten des Dr. X. eine Verletzung der ärztlichen Bernfspflichlen zn erblicken sei. Da nacti den auch von anderer Seite bestätigten Angaben des Dr. X. der Knabe bei der Operation gespuckt und mit den Füßen gestoßen haben soll. außer- dem den Mund krampfhaft zugehalten hat, trotzdem ihm bereits einig« Tage vorher«tue Mandel enlferiit worden rvar, er also wissen iiUtßte, daß die Operation sehr wenig schmerzhaft ist, so erscheint Pros. Straß», an» die Handlung deS Arztes als durchaus entschuldbar. Namenilich in anbelracht dessen, daß durch ein solches Sträuben beider Operativ» daS Kind leicht in nicht ungefährlicher Weise v e r l e tz t w« r d e n k a n ii. Dazu kam noch, daß die Poliklinik stark besucht war, was«ine möglichst rasche Abfertigung der einzelnen Patienten nothwendig machte, und daß ein störrisches Kind leicht alle anderen rebellisch macht. Unter Bmicksichlignug all dieser Umstände, so erklärte Professor Strnßmann, könne er eine Verletzung der ärzllichen Bernispflichten in dem Verhallen des Dr. X. nicht erblicken. Die Staatsanwaltschaft lehnte anf grniid dieses Gutachtens die Sirafverfolgung ab. Professor Straß- inaiin weist noch darauf hin, daß in der Zeit vor der Einfnhrnnz der Narkose die Betäubung der Operirten durch einen kräftigen Schlag nicht ungewöhnlich gewesen sein soll. er empfiehlt aber den Gebrauch dieser anscheinend noch ziemlich verbreiteten BernhignngS» Methode möglichst einzuschränken. Sollten die prügelnden Schutz- leute sich nicht aus die Bernhigungsmeihode des Dr. Slraßninon berufen können. wenn ihnen einmal daS Malheur passirt, vom Gericht belangt zu werden? Sliic» flfolifn vet»ra,ic»Sbt«chcS hat stch der Kulscher Otto Gräfins schuldig gemacht, der gestern wegen Unter- scblngung vor der I. Straikraminer des Landgerichts I stand. Der schon wegen Nanves vordeslrafle Meusch hatte bei einem hiesigen Möbelsabrikanlen eine Anstellung als Kutscher gefunden. Als er eines Tages ausgeschickt worden war, um eine Nechnung über 2270 M. rinzukassircn, kehrte er nicht ivieder heim, sondern»nlerschlng die ganze Sumuie. Er eilte zunächst nach dem Spandauer Bock u»d vergrub dort unter einer Birk- 900 M., die er in eine Selterwasserflasche gclbau hatte. Dann kehrte er wieder nach Berlin zurück, kaufte sich einen neuen Anzug und beabsichtigte, sich für die nächste Zeit nn- sichtbar zu machen. Es gelang aber in kurzer Zeit ihn zu ver- haften, wobei noch ei» Betrag �on 100S M. ihm abgenommen werden koiiiile. Bald darauf' konnten auch die auf dem Spandauer Bock vergrabene» 900 M. wieder ans Tageslicht befördert werden. Der Staatsauivalt beantragte nur neun Monate Gefängnis!, der Gerichtshof incinte aber, daß ein so gemeingefährlicher und schwer vorbestrafter Mensch, wie der Angeklagte, auf längere Zeit unschädlich gemacht werde» müsse und erkaunle deshalb auf zwei Lahre Gesang niß. Vcvsainmlttngen. Ter Zivcigvcrri» Berlin des Verbandes dentschcr Varbier-, Friseur-»nd Pcrriickciimachcrgchilfen hielt am 30. Dezember 1897 seine außerordentliche Generalversammlung ab, in der eine Urabstiininung über den Verbandstag vorgenonune» wurde. Die Mehrheil erklärte sich gegen den von München geslellle» Antrag: im nächsten Jahre erst einen Verbandstag stattfinden z» lassen, und zwar in München. Jedoch wurde sür den vom BerdandS- vorstand gestellte» Antrag gestimmt, vorerst keine» Kongreß stall» finden zu lassen, sondern Bezirkstage, je«inen für Nord- und Süd- deulfchland, einzuberufen. Die nächste Versammlung findet am 13. Januar statt und ist eine Generalversammlung. Ter Zentralverbaud der Maurer, Zahlstelle Berlin I, hielt am 2. Januar seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Nach dem Bericht des Bevollmächtigten fanden im Jahre 1897 dreizehn Mitgliederversammlungen statt, darunter zivei außerordentliche; ferner fanden 19 Vorstandssitzungen statt. Die Korrespondenz betrug im Jahre 1897 325 abgegangene und 113 eingelaufene Sendungen. Nechtschntz-Gesuche fanden mit zwei aus vergangenem Jahre übernommenen neun statt. Von diesen Prozessen gingen zwei gänzlich verloren, zwei theilweise verloren, einer abgewiesen, drei gänzlich gewonnen und einer ist zur Verhandlung noch nicht gelaugt. Diese Klagesachen verursachten zusammen 810.51 M. Kosten. Die Wahl der örtlichen Verwaltung ergab folgendes Nesultat: L c h in p h u l, 1. Bevollmächtigter; G r o t h in a n n, 2. Bevollmächtigter; K e l p i n, 1. Kassirer; Kurzrock, 2. Kassirer; O. M a r k e r. Schriftführer. Die Versammlung beschloß sodann, daß ein jedes Mitglied für den Monat Januar 20 Pf. sür erkrankte Mitglieder zu zahlen hat. Ferner machte der Bevollmächtigte daraus ansmerksam, daß die regelmäßigen Beiträge in diesem Jahr vom März bis November zu zahlen sind. Zum Schluß theilte der Vertrauensmann mit, daß mit dem Abstempeln der allen Karten sowie Ausgabe der neuen Karten begonnen worden ist»nd fordert die Baudeputirlen auf, am Mittwoch, den 5. Januar, zahlreich in der Sitzung zu erscheinen, ebendaselbst neue Listen in Empfang zu nehmen. »«„»«monuwiaf»»*» Kchl««wt«.K»in»>n»». Ml«n>»ch, den». Januar. abends 8)i Uhr, g usammenlunst im«erelnSlvlal Alte Jakvbstr. 75. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei l-der Anlraae eine«hiffre(»wei«uchsiaben oder eine Saht) anzugeben, unter der die Anuvorl«rthetlt werden so». Die su ristische Sprechstunde findet am Montag. Freitag und Sonnabend von k bis 8 Uhr abends statt. N. St,(5). Ja. Kottbus, G. L. New. W. S. 9V. Verjährung liegt nicht vor.— Rndorff. Schriftliche Antwort ertheilen wir nicht. Sie sind ini Unrecht.— E. E. 10«. 1. Nein. 2. Bei der Polizei. 3. Etwa 3 bis 5 Mark. i. Wenden Sie sich an die Redaktion des„Petite Republique" in Paris. 101. Lag nicht ein Leih-, sondern ein wirklicher Kaufvertrag vor und wußte dies der betreffende bei der Eidesleistung, so leistete er durch wissent- liche Verschweigung einen Meineid, sonst nicht.— Lüneburg. Ob die Art der Anmeldung der Versammlungen genügte, läßt sich nicht sagen, weil Sie den Wortlaut Ihrer Anmeldung nicht mitgethcilt haben. Lautete sie etwa dahin: ich theile mit, daß die Versammlung u. s. w. jeden Mittwoch, abends um 8 Uhr, im Lokal von A. stattstndet, so war sie hinreichend. Beantragen Sie dann, nicht nur Sie freizusprechen, sondern auch die Auslagen der Staatskasse aufzuerlegen. Eventuell legen Sie Berusttng ein. Wetter-Prognose fiir Mittwoch, 5. Januar I8»8. Zunächst ziemlich heiter bei mäßige», südwestlichen Winden, etwas kälterer Nacht und steigender Tagestemperatnr; nachher zu- nehmende Bewölkung und Regen. Berliner Wetterb»rean. Für den Inhalt der Inserate übcrnimuit die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcranlwortiiiig. GlzeNtev. Mittwoch, den S. Januar. Opcruhans. gauberflöte. Anfang T'/j Uhr. Schauspielhaus. Das neue Welb. Anfang 7V- Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Ansang TV, Uhr. Lessing. Im weißen RößD Anfang U/z Uhr. Berliner. Dornröschen. Anfang Nachm. 3 Uhr. In Behandlung. Anfang 7»/, Uhr. lLoethe. König Krause. Anfang 71/, Uhr. Unter den Linden. Die schöne Helena. Ansana 7>/, Uhr. sstenes. Die Logenbrüder. Ansang 71/, Uhr. Schiller. Der Rcglstratvr auf Reisen. Anfang 7 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7i/, Uhr. Thalia. Da« Opferlam«. Anfang 7i/, Uhr. Ten trat. Berliner Fahrten. Anfang ?»/, Uhr. Lnise». Ans eigenen Füßen. An- sang 8 Uhr. Belle< Alliance. Romeo und Julia. Anfang 8 Uh«. Osten». Leben und Lieben. Ansang 8 Uhr. Friedrich.«»ilhrlmftndtischr«. Die Parts« Bluthochzeit od«: Die Hugenotten. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Die Berführerw. Anfang 8 Uhr. Urania. Tauvenstrafte 48—49. Nattirkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vonuMagS ab. Abend« 8 Ufir Wrffenschaftl. Theater. Jnvalidrnftrafic S7/««. Täglich (außer Soimtag« unb Mittwochs) abends 8 Uhr: Wiffenschaftlichc Borttige. »merican. SpeztaMllten. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. An- sang?i/, Uhr. «pollo. Spezialitäten. Ans. 7»/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikum. Wiener Tanz« und Operetten-Besellschaft. V«sZ k/8- U» liu IVelt-ltcHlaurant 97. Dresdener-Straße 97. Auf allgemeines Verlangen, neu einstudirt: Die Reezettbnrg. Bilder aus dem Berliner Bollsleben von Ely. Neu! Ceschw. Tilly. Neu! Im vorderen Saale: I�olei' Lsngei' Alois Ednei'. Unfaiia. Sonntags C Uhr. illlltllljj. Wochentag« 7'/, Uhr. i Passage- Panopticum. Wiener Tanz- und Operellen- Geselischaft. Zum Schluss: llluatrirtos In 12 lebenden Bildern. OLYMPIA Riesentheater (Cirons Renz.) Karlstrasse. Bolossy Klralfy's „Constantiiiopel!' An Sonn- und Feiertagen 2 Vorstellungen, naoluaittags 4 Uhr, abends 8 Uhr. T&Kllch abends 8 Uhr c.»: 's«ö Oy?' 'sx%, a»«vi � s V, (Wallner-Theater). Mittwoch, abend« 8 Uhr: Ter Regi- strator auf Reisen. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein'« Lager. Die Picea- lomint. Freitag, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd._ Ostend-Theater. ®t. Fraulfurlerstr. 132. Dir. ff. Weih. Leben und Lieben. Bolksstück mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wanda. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Mittwoch bis Sonnabend: Leben «nd Lieben.— Sonntag Nachmittag, halbe Preise: Berlin, wie es weint und lacht. Ferdinand: Carl Weiß. w liohshallen- Thcatcr. Leipzigerstrasse 77, Da» splendide SrenjHhri(-5»ros:ranini mit allerersten Knnntkrllften. Family Derrlnffton. Hax Waldon. Die drei Mnakwoods. Exe dolor- Miiuograph u. s. w. ZAM Anfang?!/, Uhr. Vm E n t r«S c SO P f. ! Avis! Am 15. Januar; Avis! 1. Elite-Masken-Ball (Ein Sommertao In Monaco).' Im Relchshailen-Tunnel föiilitap-Concert In Unlforni... F M Gra, gHeut Central-Theater Alte Jakobsir. 30. Direktion Kichard Schultx. Mittwoch, den 5. Januar: E m 1 1 T Ii u in n s a. G. Zinn 122. Male: Rerliner bahrten. Burleske AuSslalwngspoffe mit Gesang und Tanz in S Bildem von JuIluS Freund und Wilhelm Mannstäbt. Musik von Jul. EinödShofer. Anfang i/,8 Übt. Morgen und die folgenden Tage: Rerliner fahrten» Lnisen- Theater 34. Rcichrnbergcrstrafte 34. Abends 8 Uhr: Auf tijfnfH inhfn. Gesangsposse in 6 Bildern von E. Pohl und H. Willen. Münk von A. Conradi. Donnerstag, zum ersten Male: Auf goldenem Boden. VolkSstück mit Gesang in b Bildern von Wilhelm Frerling. Musik von Gustav Steffens. ' irekte Verbindung mU dem Theater: Ur. Bahn: Dönhoffplatz— Neichcn- bergerstraße in 10 Minuten. �IRNR'K'8 VslläevlUe-'rksster Grand-Hotcl Alexanderplab. Heut« Mittwoch, t>. Januar: �Znm 50. Male: fc {Das Armband.! ? Von Müller.*■ I Das Modell. I Von HaSkel. Dazu das großartige Morgen Donnerstag u. folgende Tage: Dieselbe Vorstellnng. Concerthaus l.elpsifferstr. No. 48 Täglich: Hoffmann's Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Log« 1 M., Sperrsitz 50 Pf.. Entree 30 Pf. I Alle 5 borrlsons. Lene, liebe Lene. W. Moack's Theater Krniinen-Ntrasse 10. Heute Mittwoch, den 5. Januar 1898: Das Forsthaus. Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Donnerstag: Berliner Kinder. "V ❖ Qebrüder Herriifeld's Erstes Original Bndapester Possen- und Operetten-Theater. Heute Dienstag, Anfang 8 Uhr; j Die Anton u. Donat Herrnfeld'sche| ÄTovitüt Familie iKochsalzS Vorher die reizende Operette I Ccfiilschtc Jungen. W?- Neuer Novitätentheil.-�9 Unter anderem: ] Dr. Guido Stelnitz u. William Schaff, i In Vorbereitung: Von Dreien der Glücklichste. AIcazar-Theater. DreSdencrslraße 52/53(City-Paffoge) Annen straße 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Famtlien-Aufenthalt. Neu! Flotte IMatrosen. Neu! Große Ausstattungs-Operette in X Akt von Ed. Lindner. Neu! Vorher: Msul Die Elebe im Eckhuuse. Lustspiel in 2 Aufzügen v. A. Cosmar. Anftrcten sümiiiflichcr Kunst- Spezialitäten. Ullkllllll' Wochentags 8 Uhr. ZUlsUIilj. Sonntags 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ztcscrvlrt. Platz 60 Pf. Lorzugskarien haben Giltigkelt. Otr««« Nnsvl» (»»Iinlior UOrse). Mittwoch, den 3. Januar 1898. abends?>/, Uhr: . Mra- Vorstellung. Zaragoza. Orlg.-Mandgen-Schaustück des CircuS Busch, entnommen ans dem spanisch. Leben. In nie gezeigter glänzender Ausstattung, darunter mehrere direkt aus Spanien importirte Maulthier- Viercrzüge. Besonders hervorzuheben: Eine spanische Eisenbahn mit ein- tretender Katastrophe. Die Flucht des Don Cafiodorus mit seiner Geliebten und sämmtl. Pferden ans dem brennen- de» Schloß. Außerdem: Conversano II, echt Lippizaner Hengst, ger. von Herrn Footttt- Burghardt, darauf der Lanza- deur Bator. Die vorzügl. Freiheit«- drcffnren des Dir. Busch. Double Trick Act von Geschwister Powell. Sämmtliche Clowns mit ihren besten Späßen.— Morgen 7'/, Uhr: Grosso brillante Vorstellung, DeMttlMmg. Zehnte Abänderung zum Staint der Ortskrankenkasie d. Kürschner und verw.(.Gewerbe zu Berlin. Art. 1. ß 2 Abs. 1 Ziff. 3 werden die Worte:«sowie der Handlungs- gehilsen und Lehrlinge" gestrichen. Art. 2. Vorstehende Abänderung tritt mit dem 1. Januar 1893 in Kraft. Berlin, den 22. November 1897. Der Vorstand. I.A.: Wtlh. Freyer, Vors., Heinersdorferstr. 6. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 14. Dezember 1897. Der Bezirk«-Ausschuft. Kaiser. 92/1 Urania-Theater(Lehtter Bahnhof). Dir.: Dr. Heppen u. Dr. 8toedtner. Mittw: RSenoTssm.ece 8 Uhr. Bortrag mit sarbigen Lichtbildern. Castan's Panopticnm. rriedrioliBtr. 165. Indlsch- hlndustn- nische Gaukler — und— Schlansen- Beschwörer. Das BÄRENWEIB. Apollo-Theater. Frledrichatr. 218. Dir. J. ClUck. Neues Programm. M 1? Oebiit! ü sowie Carmen-Faur. Paul Spadoni. Desroches-Blanca. The 5 Reyvals. Kosmograph. Kasseneröfl'nungB1/,, Anf. 77, Uhr. Feen-Palast SS B II r ff str. SS. Direktion: Winkler& FrBbel. Das neue erfolgreiche Niese»- duuuur-Broffi'oiiim. 3sluffurru, Könige»»er Diiuriuseillttiifer. I EAhlsdorr märk. Elchen.| | Caboret, dressirte Liliputaner| llllndchen. Lebend« Photographien. iNovitätl Um SV, Uhr: Novität!! Nich. Winkler und Wilh. Fröbel ßin der aktuellen Operetten-Burleskej Das radelnhe Berliu. Anfang 7V, Uhr. Enttee 30 Pf. Ülaedr's'I'deater Bruuleu-8tr»sse St. ___ aSF- Täglich: Theater- u. NpozlalUttten- Torsteflunff. Neu! Die NeujahrSnacht. Neu! Ein militärischer Don Juan. Relnhold Lange, 1 Käthe Leonard), der beste Humorist l bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Brothers Therros, die berühmtesten Ketten- Turner. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Preis« wie gewöhnlich. Gesailgütttiu„Freie Siiuger" JUdeustrasse 35 — ladet hiermit ergebeust zum Beitritt ein.--- Meldungen jeden Donnerstag Abend von 9—11 Uhr. s2S90b Deutscher BWarMter-Verband. Branche der Korbmacher. Nlttwooh, den 5. dunuur,«heuds 8 Ehr, hei StraMM, Kitterstrasse 1S3: Gemeinschaftliche Sitzung der Koutrollkommisfio» mit den Vertrauensleuten. - Wichtige Tagesordnung.[76/4 Chemigraphen. Donnerstag, den 6. Januar, abends SV, Uhr, im Lokale drS Herr» Zuhell, Lindenstrafie 106; Mitglieder- Tei*Hammlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn O. Gcdlckc über:«Die Zähne, ihre Krantyeiten und ihre Pflege". 2. Diskusston. 3. Vereins- angelegenheiten.— Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 96/1_ l»le Yerwnltnnff. Kh»»es,,t" Sanssouci «ottbnser Straffe Nr. 4». Dir. H. Piere,>. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Itzeuk Ken! Im Rtilhe der Sireilc«. Ausstattungsschck mit Gesang und Tanz in 3 Bildem von Joh. Sißner u. Jean Häubler. Musik von Joh. Eißner. steue SpeilalUalen. Grosser Ball. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der _ Vorstellung 6 Uhr. Elitree 5« IM'. IM Orts- Kränkenkasse der MschillenblUl-Arbtittr und verw. Gewerbe z» Berlin. Die Wahlen von 153 Vertretern der verfichcriiiigspslichtigen und 17 Vertretern der freiwilligen Mit- glieder für die Generalversammlungen pro 1898 gemäß z 44 vierten Nach- tragS zum Statut finden statt am Mittwoch, d. lÄ. Jauuar, abends vo» 7 bis 9 Uhr. Es wählen: Abtheilnng I(8. tt. SO.) 41 Vertreter im Märkischen Hof(Wilh. Möhring) hier, Ndmiralstr. 18c. Abtheilnng II(W., SW. uud C.) 13 Vertreter im Zubeil'schen Lo- kale, hier, Lindenstr. 100. Llbtheilung III(H. u. 1 Unternehmer werden dringend ersucht, die zum Zwecke der Wahle» besonders angefertigte» Legitimationskarte» zu- vor im Kaffrulokal abheben oder aber de» Mitgliedern ihre Legi- timationsbitcher an diesem Tage aushändigen zu lassen. Berlin, den 22. Dczeulber 1897. Der Borstand der Orts- Krankenkasse der Maschinenban-Arbeiter n. verw. Gewerbe, H-nS Zepssig. H.«llslnfeldt. Für die mir Seim Hinscheiden meines geliebten Mannes, des Schriftsetzers Aihert Rrupke erwiesene große Theilnahme sage ich hiermit meinen verbindlichsten Dank. Ann» Krnpke geb. Kantien. Berlin, 3. Januar 1898. Zentral- Kranken-». Sterbe- Kasse der Muler «. H. 71. Filiale I. Nord. Mittwoch, 12. Jannar 1898, abends S'/j Uhr, im Kassenlokal Nuppiner- und SchSuholzerstraßon-Ecke: Bierteljährliche Mitglieder-Bersaminlnns Tagesordnung: Vierteljährlicher KaffeuberichL Wahl der gesammtcn Verwaltung. 3. Verschiedenes. 123/1 Die Ortsverwnltung. Verein„Berliner Presse". Zum Besten der Unterstütznngs- lassen: Vorträge im groften Saale des Architekten' hanseS, Berlin 81V., 92. Wilhelm- Straße Nr. 92. Anfang: Punkt 8 Uhr abends. Donnerstag, 6. Januar: Dr. Max Dreher:„Vater und Sohn".— Domierstag, 20. Jannar. Geheimer Medtzinalrath Prof. Dr. Schwe- »ingcr:„Aerztliche Plaudereien".— Domierstag, 3. Februar. Rudolf Straff i„Vom Gipfel des Moni- blaue. Ein Stimmunasbild", und Heinrich Seidel: Humoristisches.— Donnerstag, 10. Februar. Dichtungen verschiedener Meister, gelesen von Frau Paula ffonrad, mit literarischem Borwort von Dr. Paul Schlenther. — Donnerstag, 17. Februar. Hmnoristi- scher Abend; Johannes Trojan: „Humoristische Gedichte". Sigmar Mehring:„Chauwagner- Geist", u. a. und Otto Sommerstorss x> „Eigene Scherzgedichte".— Donners- tag, 3. März. Ossip Schnbin(Frl.; Lola Kirschner, Schloß Bonrepos)p Novellistitches.' Eintrittskarten zum Preise von 15, 12 und 10 M. für sämmtliche Bor- träge, und von 3 und 1,50 M. sür den ersten Vortrag sind zu haben in- den Buchhandlungen von Amelang, Potsdamerstraße 126; Lazarus, Friedrtchstraße 66; Speyer n. Peters, Unter den Linden 43; und T r a u t w e i n, Leipzigerstr. 8,! und so weit der Vorrath reicht, au der Abendkasse. Proben und Preislisten Portofrei. Mittwoch, Donnerstag, Versand-Abteilung Berlin W.. I Leipziger str. 132/33. Ball-Stoffe BaBB-�ostüme BaEB-Blusen Oall-Handschuhe Hall O Ball'StrQmpffe nnd Schuhe BaBB-Echarpes Ball-BSusueu und Fächer \ Warer�hau�/vWertheirq. Tätlich von 7 Uhr»ivlgeiis bis 6 IIHv abends: Vtcktls srisllj llek. schlv. Verls, tind fiim. Ueislhes. Niudsleisch.... pro Psd. von 30 Pf an, Schweinefleisch..„„ 40 Pf. fdO-ill,» Venvaltiuig der Kochanstalt 8 lädt. Selilaelilliof Rum. Echt und echt Verschnitt.— ä Liter- Flasche Mark 1,60. 2,10. 3,l0. 4,30. Nr. 3. Fa�.— ca. bv pCt.— ä Liter Mark 1.—. 5 Liter Mark 4,50. 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