ihr. 6. AbomemeMs-KedwgANge«: Abonnements- Preis pränumerando: Bierleljährl. S,Z0 Mb, monatl. l,I0Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. EonntagS- N ummer mit tlluftrirter Sonntags- Beilage„Die Neu- Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste ftir 1SSS unter Dr. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 13. Jahrg. Die Inftrttons-Grliülfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Zeile oder deren Raum SO Pfg., für PerewS- und versanimlungS-Anzetgeu. sowie ArbetlSniarN 20 Pfg. Inserate für dt« nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittag» in der Expedilio» abgegeben iverden. Die ExpedUton ist an Wochenlage» bt» 7 Uhr abends, U» Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich»uster Monk.g». Nerltnev VolKsblÄkk. Fernsprecher: Srni I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „AoziiUdeuioKrak verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. AiedafUiott: SW. 19, ZZeuly-Straße 2. KLpcditiott: SM/. 19, Alettly-Struße 3. Guitkung. J»t Monat Dezember gingen bei dem Unterzeichneten folgende PlUteibeUrage ein: Augsburg, U. 20,—. Altona, v. Arbeitern v. H. P., Winkeb platz 15,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. Kr. 100.— (darunter v. Geuossen Petermann 10,—). S. Kr. 320,—(darunter S. C. W. 20.-). 4. Kr.(Oste») 1000,-(darunter Ost 10,-. rothe Kindtaufe bei Krippehn 2,—, Bierprozente v. 8 Tischler» ans der Möbelfabrik von Bölling u. Hirsch 20.—, Buchbinder aus der Swinemünderstraße 6,—). 6. Kr.(Wedding und Oranien burger Borstadt) 700,—(darunter Nordkante 20,-, neu« gebackener Kapitalist 12,—, auf dem Stiftungsfest des Gesaugv. „Nordwachl" durch Frauen gesammelt 2,03, Zigarre»- Prozente d. C. F. 21.86). 0. Kr.(Schönh. Borst.) 350,-(darunter St. L. 1.50). Berlin, diverse Beiträge: P. S. 50,—. A. B. 50.—. Dr. L. A. 50,—. Hoch August! 60,—. Ertrag der Zeitungstaschen von K. K. 7,—. Die Möbelpolirer von F. A. Treue, Wienerstr. 44, 5,—. L. und H. B. 10,—. Schierig aus Plötzensee 20,—. Geburtst. b. Geuossen Brüstle 2,80. Tapezirerwerkst. Landsbergerstr. 02 100.—. Buch binderei v. M. Babing 10,—. Fünf Hutmacher Königstr. 25 5,—. Rohgürtler der Firma Calm n. Bender 25,—. Stothe Buchbinder, Grünstr. 5,—. Bon Mitgliedern des deutschen Buchdrucker-Berbandes im„Vorwärts" 150,—. Rother Kouleurstudeut 20,—. Vergolder Wrangelstr. 5,—. Guteuberg 100,—, Auf zur Reichstagswahl 3,— Sparpfennige der Löive'schen Gürtler 4,50. Bierprozenle der Ge> schäftsbucherfabrik v. A. Zump« Oranienstr. 5,—. Bo» Mitgl. d U.-Dr. 5,40.— Bernburg 10,—. Bremen 300,—, Bunzlau, d. d. Vertrauensmann 25,—. Bünde i. W.. gesammelt aus einer rothen Hochzeit in S. b. B. 2,—. Bramsche(4. hannoverscher Wahlkreis), von Genossen 5,—. Barme» Ivo,—. Bamberg, Jäcklein Rohrbach 5,—. Bern, P. L. 50,—. Cottbus, S. 10,—. Crimmitschau 200,—. Cunnersdorf in Schlesien, von Genossen 10,—. Dresden, 4. sächs. Reichstags-Wahlkreis 500,—. Erfurt. rother Pädagoge 3,—. Elberfeld 200,—, Falkenberg(Oberschl.) 8,—. Greiz, vom Wahlkreis Reuß ä. L. 50,—. Gera(Reust) 60,—. Gießen, 6. K. 5,—. Hilden 10,—. Harburg, Dr. E. H. für einen in Hamburg b. d. Buchdruckern gehaltenen Bortrag 80,—. Hamburg. divers« Beiträge: Fortuna von 1883 Eppendorf 30,—. Von de» Korbmachern bei E. u. W. Schräder 11,—. Hochzeilsfeier Schlump 5.—. A. Z., Postbote 3,—. Freiheit, bei Hanimel, Gertigstr. 10,—. Ar- beiter der Simon'schen Schuhfabrik, 1. Rate 16,—. Itzehoe 100,—, Kellinghtlsen, von Hönschs Zigarrenfabrik 30,—. Luxemburg, L. 200.—. Luga», weil zweimal unschuldig verurtheilt 5,—. München, Waldläufer 5,—. Meißen, von sechs Nebenstehende» 11,51. München, Genossen d. Gärtnerplatz-Viertels 36,30. Marburg, ein Einsamer 10,—. Mainz, gesammelt v. rothen Goldschmieden 4,—. Nordische Wasserkant« 30 000,—. Nürnberg, fürs Recht gesammelt 5.—. Neviges 20.—. Oetzsch, rothe Kindtaufe 1,60. Oschatz, 11. sächs. Wahlkr. 10,—. Pirna, Rotte Gottleubathal 6,—. Richzenhain 12,50. Neichenbach im Bogtl. 50,—. Stuttgart, G. U. 10.—. Suhl, Wahl- kreis Schleusing 20,—. Schwiebus, Hochzeit 1,30. Sagau, d. d Vertrauensmann 3,—. Saarabien, ans dem Köuigr. Stumm 10.— Stastfurt, v. d. Parteigenossen 20,—. Tambach-Dietharz i. Th., von Genossen 5,—. Württemberg 50,—. Wilkau, rothe Kind taufe 5,—. In der Quittung in Nummer 240 deS„Vorwärts" vom v. I. über die Eingänge im Monat September v. I., muß es unter de» Einzelbeiträgen de? 4. Berliner Wahlkreises(Ost) nicht heißen Heber fchiiß Geburtstagsfeier E. B. 3,—, sondern Geburtstagsfeier bei Böhl 5.-. Berlin, den 6. Januar 1898. Für den Partei v'orstand: A. Gerisch, Katzbach str. 0 I. Meg mik den ViehJVevven! Wenn es unserer Regierung mit dem Bestreben ernst wäre, die deutsche Industrie, den deutschen Haitdel exportfähig zu erhalten, so müßte ihre erste Aufgabe darin bestehen, die Leistungsfähigkeit der deutschen Arbeiter zu steigern oder doch wenigstens auf dem gegenwärtigen Niveau zu erhalten. Aber die in der inneren Politik agrarisch angehauchte Regierung steuert mit verbundenen Augen gerade auf das entgegengesetzte Ziel zu. Nicht nur, daß jegliche sozialpolitische Aktion in weite Ferne gerückt ist, die fortwährende Begünstigung der agrarischen Wünsche führt direkt zu einer Vertheuerung der Lebenshaltung der arbeitenden Klasse und damit zu einer Minderung ihrer Leistnngssähigkeit. Wir behandeln das Kapitel der Viehsperren hier nicht zum ersten, wahrscheinlich auch nicht zum letzten Male. Denn die Junker lassen nicht so leicht locker, wo sie einmal mit Erfolg angebissen haben. Es ist ihnen in der That gelungen, Deutschland von der Einfuhr fremden Schlachtviehes vollständig abzusperren. Alsbald zogen die Fleischprcise an, namentlich trat iu Schlesien und Ostpreußen direkter Schweinemaugel ein, der immer mehr zunimmt, da die deutsche Landwirthschaft nicht im stände ist, den deutschen Markt genügend mit Schlachlvieh zu versorgen. Die Steige- rnng der Fleischprcise setzte sich in allen Industriezentren fort und auch in Berlin haben die Preise ganz energisch angezogen. Seit 17 Jahren haben die Schweincfleisch-Preise noch nie eine solche Höhe erreicht, wie gerade gegenwärtig. Bor 10 uud 9 Jahren stellten sich die Preise beinahe um ein ganzes Drittel niedriger als heute. Eine Preissteigerung wie die gegenwärtige, hat aber ans die Ernährung der Arbeiterfamilie einen ganz wesentlichen Einfluß. Bei der begüterten Familie geht der Fleischkonsum nicht zurück, selbst wenn das Kilo um 10 oder gar 20 Pf. aufschlägt. Anders bei der Arbeiterfamilie, oie nach Berliner Durchschnitt etwa für 50 Psnm'Q Fleisch täglich zu verzehren in der Lage ist. Hier tritt bei Vertheuerung der Fleischprcise alsbald ein starker, dem Steigen der Preise entsprechender Rückgang des Verbrauchs ein. Darüber liegen unanfechtbare statistische Gegenüber- stellungen vor. Vergleicht man in nachstehender Tabelle in den verschiedenen Jahren die Schwankungen der Fleischpreise mit dem durchschnittlichen Fleischverbrauch pro Kopf der Berliner- Bevölkerung, so ergicbt sich deutlich, daß mit dem Steigen der Flcischpreise der Konsum sinkt, mit ihrem Fallen dagegen das umgekehrte Verhältniß eintritt. Wir wählen als Beobachtungs reihe das Jahrzehnt 1883 bis 1892. In diesem Zeitraum betrugen die Fleischpreise nnd der Fleischverbrauch in Berlin: Rindfleisch Schweinefleisch Fleischverbrauch pro 100 Kilo pro 100 Kilo pro Kops in Mark in Mark iu Kilo 1383 101.7 103.5 69.49 1884 98,2 92.3 74,77 1835 97 99,3 76,24 1836 93.5 94,2 79,33 1837 91,9 87,2 86,27 1888 90.1 85.3 85,13 1839 95,9 110,6 80,46 1890 109.9 115,7 68,66 1891 110,9 102,2 63,01 1892 107,9 110 69,80 Da NUN die Viehsperren, wie selbst agrarische Blätter zngeben müssen, auf die Fleischpreise steigernd einwirken, so tragen sie darauf unmittelbar zu einer Verschlechterung der Lebenshaltung der industriellen Bevölkerung bei. Schlechtere Ernährung setzt sich aber in geringere Arbeitsleistungen um. Ehe man eine Regiernngsmaßregcl durchführt, von der gewiß ist, daß sie über einen großen Theil des Volkes nur Nachtheile verhängen, müssen die Gründe für solche Maßregeln so zwingende sein, daß eben auch die Nachtheile wohl oder übel mit in Kauf genommen werden müssen. Welches sind aber die zwingenden Gründe für die Viehsperren? Nach der Auffassung der Regierung ist es die Seuchengefahr für unseren inländischen Vichstand, der durch fremdes Vieh leicht angesteckt und dann theilweise vernichtet wird. Nun ist nicht zn leugnen, daß die Verluste an Vieh, die durch die Maul- und Klauenseuche Deutschland in den letzten Jahren erlitten hat, allerdings ganz gewaltige sind. Während noch im Jahre 1837 nur 12 723 Stück Rind- vieh von der Seuche befallen wurden, waren es 1892 schon 1 504 308. Der Schaden betrug im letztgenannten Jahre über 60 Btillioncn Mark gegen 500 000 Mark im Jahre 1887. Dabei sind die Verluste an Kleinvieh noch nicht einmal mit- gerechnet. Im Lichte dieser Statistik erscheinen Maßregeln, die auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit ausgehen, auf alle Fälle gcrcchtfcrligt. Aber die Grenzsperre ist keine Maßregel, durch die das Vieh vor der Krankheit nun auch wirklich geschützt wird. In der Berliner„Thicrärztlichen Wochenschau" ist an der Hand sehr eingehenden Materials vor kurzem nachgewiesen worden, daß die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in den ver- schiedencn preußischen Regierungsbezirken nicht iu den Grenz- bezirken am größten ist nnd»ach dem Inneren des Landes zu abnimmt, sondern daß im Gepentheil die inneren Bezirke, wie beispielsweise Merseburg, Erfurt, Hildesheim, Aurich, Düsseldorf, Arnsberg die größten Versenchungsziffcrn (in Maxiino 102,94—342,09 verseuchte Gemeinden auf 1000) aufweisen und die der Ostgrenze näher gelegenen Bezirke wie Königsberg, Marienwerder, Posen, Bromberg, Breslau, Liegnitz, Oppeln die günstigsten Ziffern(nur 0,24 bis höchstens 25,34 pro 1000 Gemeinden). Bisher ist nicht im mindestens von irgend einer Seite der Versuch unter- nommeu worden, die Aufstellungen der Berliner Thierärztlichcn Wochenschrift zn entkräften. Wenn damit nachgewiesen ist, daß die Grenzsperr-l die Zu» oder Abnahme der Viehseuchen in keiner Weise beeinflußt, so ist eine längere Anfrechterhaltnng solcher Maßregeln, der nur Nachthcilc für die arbeitende Bevölkerung im Gefolge haben, in keiner Weise zu rechtfertigen. Und man fragt allmälig immer dringender, warum fallen die Vichspcrrcn nicht? Nicht nur die Arbeiter, auch die Be� Hörden, selbst die Fleischer werden von Tag zn Tag errcgtcr über einen Znstand, der ein nolhwendigcs Lebensmittel ungerecht- fertigter Weise im Preise in eine ganz ausnahmsweise Höhe schraubt. Die Eingaben au den Reichskanzler, die Grenzen, vornehmlich die russische, für fremdes Vieh zu öffnen, mehren sich. Trotzdem setzt die Regierung allen Vorstellungen gegen- über ihre Sperrpolitik hartnäckig fort. In manchen Städten des Ostens versucht man daher, sich direkt an den Reichstag zu wenden, nni dessen Intervention in dieser für das ivirth- schastliche Leben der östlichen Gegenden so brennenden Frage zu erreichen. Und dort wird allerdings die Regierung Red' und Antivort stehen müssen. Es wird sich das längst bekannte Resultat ergeben, daß die ganze Sperrpolitik eines der kleinen Mittel darstellen soll, mit denen die Regierung der noth- leidenden Landwirthschaft aushelfen möchte. Bian wird das einzige Schwein des kleineu Mannes vom Lande vorführen, der durch hohe Fleischprcise wenigstens einiges baare Geld in die Hand bekomme. Die künstliche Vertheuerung von Borsten- vieh und Schweinespeck muß das Tauschobjekt für die Schiffe, die Herr Tirpitz fordert, bilden. Ans diesem Grunde kann und will die Regierung jetzt nicht nachgeben, sie wird viel- mehr halsstarrig aus ihren Viehsperren bestehen. Daraufhin aber ist sie im Reichstag festzunageln, damit das Volk sehe, daß hinter der Phrase„Schutz der nationalen Arbeit" nichts steckt als eitel Begünstigung der Nimmersatten preußischen Agrarier, denen zu Liebe die ganze deutsche Arbeiterbevölkerung auf halbe Fleischration gesetzt wird. politische Mebevlfcht. Berlin, 7. Januar. Uever die ostafiatischen Dinge verlautet heute nichts von Wichtigkeit, denn wenn der„Globc" berichtet— so wird aus London telegraphirt—, die englische Regierung habe die öVsprozentige chinesische Anleihe gewährleistet, so bc- darf diese Nachricht recht sehr der Bestätigung. Wäre sie wahr, so bedeutete sie, daß England ein starkes finanzielles Risiko nicht scheut, um seinen Einfluß in China zu wahren und Rußland ein Paroli zu bieten. Doch, ivie gc- sagt, jene Mittheilnng dürfte mindestens verfrüht sein. Interessant sind einige Auslassungen der„Nowosti" an die Adresse Englands, welche die«Voss. Ztg." mittheilt. Das russische Blatt sagt: „Wir möchten auf selten der englischen Diplomatie mehr Scharsblick hinsichtlich der künftigen Geschicke des Menschen- geschlechtes sehen, als sie bei den geheimnisivolle» Abenteuer» ihrer Flotte offenbart. Wen» durch die Macht der Thatsache» binnen' kürzester Zeit die Theilnng eines ganzen Erdtheils— wir sprechen von Afrika— ohne alle Wirren und ohne Blntvergiehen vor sich gegangen ist, so könnte die unvermeidliche Wandlung auf dem asiatische» Kontinent mit der Zeit unter noch größerer Ruhe statt- haben. Man muß nur zeitig übereinkommen und, wenn auch mir theoretisch, die Interessen- und Einflußsphären der europäischen Mächte abgrenzen. Vor allem muß man aber der Idee der Weltherrschaft ein für alle Mal entsage». Es giebt nur eine» Erdball nnd die Mensch- heit kann nur auf ihm leben. Möge England dasjenige bezeichnen, was nothwendigeriveise zu feiner HerrschaftS-Sphäre gehören muß, den übrigen aber aiiheinislellen, d a s z u nehmen, was ihnen n ö t h i g i st. Was hat die Annexion von Hunderten von Inseln und taufenden von Flecken Erde in allen Welttheilen für eine» Sinn! Es giebt keine Land- oder Seemacht, die im stände wäre, ein solches Besitzspfteiu zu bewahren. Ein tüchtiger Stoß, nnd die schlecht gefestigte Mosaikarbcit fällt in Trüinmer zusammen. Und wir befürchte», daß die englische Diplomatie durch ihre heraussorderude Politik ihr Land früher oder später zu dieser Katastrophe führen wird. Wir wiederholen es: lieber recht- zeitig übereinkommen und abgrenze n." Das klingt sehr friedlich und vernünftig. Aber auch Afrika ist noch nicht endgiltig anfgelheilt und der Wettstreit nm diesen Erdtheil wird noch manche Wirren und— wir fürchten— viel Blutvergießen herbeiführen. Es ist eine ganz nette Methode zn sagen: Jeder soll das haben, ivas er für nöthig hält. Darüber haben eben die Kapitalisten des einen Landes andere Pieinnng, als diejenigen des anderen Landes. Am sonderbarsten klingen diese guten Lehren aus russi- schein Munde. Rußland, noch vor wenigen Jahrhunderten ein nnbedentendes binnenländisches Fürstenthum, hat so viel Land „für nöthig" gehalten, daß es jetzt ein Sechstel des gesammten Festlandes der Erde umfaßt nnd an drei für den Weltverkehr ivichtige Meere grenzt. Und was mag man in Petersburg noch alles für nöthig halten? England soll nicht nach Welt- Herrschast strebe», sagt das russische Blatt; aber gerade Rnß- land's Vorgehen sieht einem solchen Streben sehr ähnlich. Immerhin ist sehr benierkenswerth, daß die Idee einer Abgrenzung der Interessensphären der europäischen Staaten in Ostasien jetzt an vielen Orten auftaucht. Armes China!— Die Pachtzeit für die Kiaotschau-Bucht beträgt, wie jetzt mitgetheilt ivird, 99 Jahre. »» « Deutsches 9! eich. — Die Orden des Kronprinzen des deutsche» Reiches und von Pmißen sind für unsere Leser nicht gerade eine Angelegen- heit von brennendem Interesse; aber anläßlich der ostasialischen Berivickelungen entbehrt es nicht ganz des Reizes der Pikanterie zn erfahren, daß der Idh'sjährige Stammhalter der Königsfamilie bisher blas drei ausländische Ordensdekorationen besitzt, und zwar nebe» eineni portugiesischen und türkischen den kaiserlich chinesischen Orden des' doppelten Drachens(Shuang- lung- Pao> sing) 1. Klasse zweiter Stufe.' Auch der 14>/sjährige Prinz Eitel Fritz besitzt den gleichen Orden. Dagegen ist der 13>/zjährige Prinz Adalbert zwar türkisch und portugiesisch aber noch nicht chinesisch delorirt. Bei der Abreise de? Prinzen Heinrich nach China zur Ver- breilung des Evangeliums seiner Majestäk trugen die junge» Prinzen den chinesischen Orden nicht. Sie dürsten ihn bei der Rückkehr ihres Onkels anlegen. Unter den, wen» wir richtig gezählt habe», 42 Orden de? Prinzen Heinrich befindet sich wohl der kaiserlich japanische Chrysanlhemum-Orden(Kiktiva Daijusho), aber noch innner kein chinesischer. Bevor der Bruder des deutsche» Kaisers de» Kaiser von China in Peking besuche» und ihm die Zeichnung des Kaisers „Völker Enropa's, wahret Eure heiligsten Guter" überreichen wird. dürfte dieser Mangel au Toilette beseitigt sein. Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe nnd der frühere Staatssekretär des Auswärtigen, Marschall von Bieberstein, besitze» glücklicherweise schon den doppelten Drache»-Orden erster Klaffe dritter Stufe. Der aktive Staats- minister und Staatssekretär v. Bülow muß sich vorläufig»och mit dem ihm eben verliehenen Rothen Adlerorde» erster Klasse über die traurige Thatsache trösten, daß er ans den Shuang-lung-Pao-sing erster Klasse dritter Stufe»och warten muß. Bei dem Anstansch. von Freundlichkeiten mit China, die während seiner kurzen Laufbahn stattgefunden haben, wird auch ihm bald diese hohe Auszeichnung des Sohnes des Himmels erblühen.— — Die Bekämpfung der Hochwasserschäden in Preußen geht sehr langsam und zaghaft vorwärts, wie aus dem folgenden, jedenfalls ans dem Fianzuiinistemiin stammenden Communiqus der„Bol. Pol. Nachr." hervorgeht: „Die von den zunächst betheiligte» Ressorlniinistern mit den Oberpräsidenten und Landesdirektoreu der Provinze» Schlesien und Brandenburg gepflogenen Verhandlungen bezivcckten, die Vorbereitung«, jür die dem Landtage baldmöglichst zu unterbreitende NothstandS-, Vorlage zim> Mschliiß zn bringen. Dicse Vorlage soll diejenigen Maßregeln treffe», rvelche sich znr Beseitigung der schliunnslen Folge» der letzten Hochivasser-Kalastrophe als zweckmäßig oder selbst nolhivendig erweisen. Sie wird sich aber nicht auf die- j e n i a e n B o r k e h r n n g e n erstrecken, durch welch« plan- mäßig d« r W i e d e r h o l n n g ä h n l i ch e r V e r h e e r u n g e n, wie sie in diesem Sommer zu beklage» waren,»ach Zkrnften vorgebeugt werden soll, weil dieser Theil der zu lösenden Ausgabe noch nicht spruchreis ist. die Maßregeln zur Verhütung von Nothständen oder znr Erhaltung der am schwersten betroffene» Einwohner deS Uebcrschwenniuuigsgebietes aber dringlich und unausschiebbar sind. Man würde indessen sehlgehe», wenn man ans diesem Charakter der zu erwartenden Vorlage den Schluß ziehen wollte, daß darin keinerlei Fürsorge für die Zilknnft getroffen fei. Es liegt vielmehr in der Ab- ficht, wie zur Erhaltung der wirthschaftlichen Existenz und zur Wiederherstellung der vom Hochwaffer beschädigten öffentlichen Anlagen, Wege, Brücken u. s. w. auch Mittel znr Beseitigung schwerer Hindernifle deS Hochwasserabflnffes bereit zn stellen, die zweifellos dringlich und nothwendig ist und deren Ausführung un- veschadet späteren planmäßigen Ausbaues der Hochwasserflüsse, wobei ein Znsammengehen zwischen Staat und Provinzen zu«rivarten sein dürfte, vorgenommen werden kann. Wie bereits mit Hilfe der bisher für die Neberschwennnnngs- gebiete bereitgestellten Staatsmittel manch« Hochflnth. Hindernisse, wie zu geringe Abmessungen von Brücken, Stauwerken im Hoch. wassergebiet n. s. w. beseitigt worden sind, so ist auch von der jetzt in Aussicht stehenden Vorlage eine in ihrer Bedeutung nicht zn unterschätzende Verbesserung der Hochwasserabfluß- Verhältnisse der von Ueberschiveuunungsgefahr am meisteu bedrohten Landstriche zu erhoffen." Selbstzufrieden wie immer!— -»Zur Zuckerpämien-Frage wird offiziös folgendes »litgethellt:„Es ist gegenwärtig wohl kaum jemand in der Lage, Mit Bestimmtheit sagen zn könne», ivie sich die Angelegenheit ge- stalten wird. An dem guten Willen Deutschlands und Oesterreichs zur Herbeiführung der Abschaffung ist nicht zu zweifeln. Vorläufig liegt aber die Förderung der Sache bei Belgien. Belgien hatte vor einiger Zeit bei Deutschland anfragen lassen, ob dieses eine solche Konferenz beschicken würde. Nachdem Deutschland sich mit Oester- reich wegen einiger dabei zu beobachtenden Einzelheiten ins Bc- nehmen gesetzt halte, konnte es an Belgien«ine zustimmende Ant- wort abgehe» lassen. Ans diesem Punkte stehen die Vorverhandlungen noch. Es wird seit mehreren Wochen aus die Entschließungen Belgiens gewartet. Man wird jedoch voraussetzen können� daß die- selben nunmehr bald erfolgen werden."— — Enquete über das kaufmännische Unterricht s w e s e n. Die„Berk. Corr." schreibt: Der Minister für Handel und Gewerbe hat auf den 31. d. M. die Oberbürgermeister mehrerer großer Städte. Vertreter des Handels- und Gewerbe- ftandeS, Direktoren von kaufmännischen Forlbildnngs» und Fach- schulen und sonstige Sachverständige nach Berlin«ingeladen, um mit ihnen über verschiedene, die Ausdehnung und Ans- gestaltung d«S kaufmännischen Unterrichlswesens in Preußen betreffende Fragen zu beratheu. Dabei solle» die Verhältnisse der kaufmännischen Fortbildungs-, Handels- und höheren Handelsschulen besprochen werden; auch wird die Frage znr Erörterung kommen, ob es in Preußen als ein Bedürfuiß anzuerkennen ist. neben de» Handels- und höhere» Handelsschulen noch besondere Handels- Hochschulen, fei es als selbständig« Einrichtung oder in Ver bindnng mit anderni Hochschulen(Universitäten und Polytechniken) zu schaffen.— --- Ueber die Sozialdemokratie im deutschen Heere schwadronirt die„Staatsbürger Zeitung". Das Gerede kommt darauf hinaus, daß„mit der neuen SlrafgerichtSordnnng ei» gut Stück militärischer Tradition zu Grabe getragen werden soll" und daß man deshalb darauf achten möge,„keine Lücken zn lassen, durch die da? feste Bollwerk gegen die umstürzlerischen Umtriebe dermaleinst niedergerissen werden könnte." Thatsächlich hat der heutige Militarismus, diese?„feste Boll- werk", bisher nur dazu beigetragen, der Sozialdemokratie Anhänger zuzuführen. Und wenn durch eine stteform der Mililärjnstiz einige Härten dieses Militarismus gemildert werden würden, ivas vor- läusig von der Borlage, die jetzt die Regierung vorgelegt hat, nicht zu erivarten ist, so bleibt noch genug übrig, um die jungen Leute, die mit konservativen Empfindungen in de» Dienst rücken, in dieselbe» nicht zu erhalten, wenn sie vom Militärdienst zurückgekehrt sind. Im übrigen haben wir keine Veranlassung, ans alle Thor- heiten und Blödigkeiten des antisemitischen Blattes einzugehen, umso weniger, als dies« Dinge schon oft genug erörtert sind und alle Lcit- arlikel dieses und ähnlicher Blätter nichts gegen die fortschreitende Erfüllung der männlichen Jngend mit sozialdemokralischen Ideen ausrichten können.--> — Juristerei und Sittlichkeit. Unser Hamburger Partei-Organ theilt ein sehr vierkwürdiges Urtheil des dortige» Landgerichts, Strafkammer l. mit, Aul 4. d. MiS. wurde eine Wittwe A. zu fünfzehn Monaten Zuchthans wegen schwerer Kuppelei verurtheilt. Die Frau hatte geduldet, daß in ihrer Wohnung ZwirkhWrnffliche Vrrhälkntst« in Schnnkung. A»S Shanghai macht N. Post dem Wiener„Handels- Museum" Mittheilungen über die wirthschastliche Bedeutung der Kiaolschau-Bncht und der Provinz Schantung: Im Norden durch den Golf von Petschili, im Nordwesten durch den Hoanghostrom, im Eüdivesten und Süden durch den Kaiser- kanal, welcher den vorgenannten Strom mit dem Jangtsekiang verbindet, im Osten endlich durch das Gelbe Meer begrenzt, uiniml diese Provinz einen Flächenraum von zirka KV00 Quadratmeilen ein und schiebt sich als ein aus der großen chinesischen Tief- ebene sich tsoltrt erhebendes Gebirgsland gegen Nordosten vor, wo cS zusammen mit der gegenüberliegenden Halbinsel Laotung das Gelbe Meer vom Golfe von Pelschili trennt. Die Gebirge EchantungS erreichen ihre höchste Erhebung im westlichen Theile der Provinz im Taischau(lS4ö Meter hoch), einem wunder- thättgen WallfahrlSpunkte der frommen Anhänger des ConfuciuS. Die geringe Höhe dieses Berglandes, die beiden Thäler, welche zahlreiche Wasserläufe durchströmen, die sanfte», sonnigen Abhänge der Bergketten gestaltelen der Bevölkerung«ine erfolg- reiche Pflege fast sämmtlicher Zweige der Landwirlhschaft. Lediglich der nordöstliche Theil der Provinz, welcher im Vorgebirge Echantung endigt, zeigt schroffe und vom Wasser zerrissene Gebirgs- forination auf, ivovon Unfruchtbarkeit des Bodens sowie eine stets nolhleidende Bevölkerung die natürlichen Folgen sind. Der Handelsverkehr der Provinz Schantung mit den übrigen Theilen China'S sowie mit fremden Ländern überhaupt wurde znr See fast ausschließlich durch den einzigen, auf der Nordseite der Provinz gelegenen Verlragshafen. Tschisn, vermittelt, welcher mit der Zunahme der Dampfschiffahrt in diesen Gewässern auch eine steigende Bedeutung als Kohlenstation erlangt hat. Denn damit die Dampfer, welche zwischen Shanghai und Tientsin laufen, die diesen beiden Häsen vorgelagerten Flnßbarren leichter passiren können, sind sie gezwungen, aus der Milte ihres Weges, d. i. in Tschifu ihren Bedarf an Kohle zu decken. Eine namhafte Belebung erfährt Tschisn auch durch die regen Handelsbeziehungen, welche eS mit Korea, sowie mit dem russischen Amurgebiet unterhält. Erstercm Lande ist Tschifu der zunächst gelegene chinesische Hafen, nach zweitgenanntem Lande findet alljährlich eine namhafte Auswanderung der eingeborenen chinesischen Bevölkerung statt, welche durch die Nothlage in der eigenen Heimalh gezwungen wird, sich anderwärts Lebensunterhalt zu suchen. Chinesen auS Schantung finden theil? bei den Hafen- und Eisenbahnbauten im Amurgcbiet lohnend« Beschäftigung, theil? lassen sie sich daselbst als Handiverker »nid Geschäftsleute nieder. ihre Tochter mit ihrem verlobten Bräutigam intim verkehrte. Die Kuppelei wird im Strafgesetzbuch mit Straf« bedroht und wegen sogenannter schwerer Kuppelei, also wenn die Person, welcher Gelegenheit zur„Unzucht"— so nennt der Jurist den nicht durch vorangegangene Ehe sanktiontrten Geschlechtsverkehr— ge- geben wurde, zum Kuppler in blutsverwandtem Verhällniß steht, ist auf Zuchthaus zu erkennen, mindestens aus ein Jahr. Der Gesetz. geber hatte bei der harten Strafandrohung(bis fünf Jahre Zucht- hau?) zweifellos jene verworfenen Menschen im Auge, die aus der Prostitution ihrer Töchter«in Geschäft machen. Die gerichtliche Praxis aber hat au? dem Paragraphen über schwere Kuppelei ein Damoklesschwert geschmiedet, das über den Häuptern aller Eltern hängt, welche gegen ihre Töchter nachsichtig sind und vorurtheilsfrei über deren Verkehr mit ihren Verlobten denken. In der Regel sind ja dies« im Sinne der Juristerei unsittlichen Ver- hnltnisse durchaus der Ehr gleichznachten, und die formelle Ehe- fchließung wird nur darum hinansgeschoben, weil die Mittel zur Ein- richlung der eigenen Wohnung fehlen oder sonstige rein äußerliche Umstände der Gründung eines eigenen Herdes einstweilen noch im Wege stehen. Die gesunde Bolksanschaunng findet in dieser Vor- wegnähme der ehelichen Rechte durchaus nichts Anstößiges, und wenn, wie in dein oben erwähnten Falle, eine Denunziation erfolgt, so ist sie geiviß nicht die Folge sittlicher Entrüstung, sondern der Ausfluß sehr wenig moralischer Triebe, wie Rachsucht, Neid ic. Indessen, wie gesagt, die gerichtliche Praxi? bestrast die Duldung solcher Verhältnisse an de» Eltern als schwere Pmjpelei. Aber in Preußen und anderswo macht die Juristerei der Rechts- anschaunug des Volkes wenigstens die Konzession, daß nur auf das Etrafmluimum— ein Jahr— erkannt wird, und außerdem wird. wie gelegentlich einer Reichsgerichts- Verhandlung vor kurzem konstalirt wurde, regelmäßig durch Begnadigung die Strafe auf einige Wochen Gefängniß reduzirt. Das Hambnrger Gericht indessen hat geglaubt, über das Minimalstrafmaß hinansaehen zu müssen und es hat auf fünfzehn Monate erkannt. Warum? Das ivissen wir nicht. Aber das wissen wir. daß in Hamburg die schändliche, gemeinste Kuppelei, die Kuppelei en gros, vollständig geschäftsmäßig und unter polizeilich sanktionirten Normen betrieben wird, ohne daß die Staatsaniv altschaft daran Anstoß nimmt und einschreitet. Wir stehen also vor der Thatsache, daß die Anlicipirung der Ehe an den Eltern der Eheleute in spe mit Zucht. Haus bestrast wird, daß aber die schmutzige gewerbsmäßige Kuppelei keine Strafe zu fürchten hat und nngenirt den scheußlichsten Menschenhandel treiben darf. Lediglich einige polizeiliche Bor'schristen hat er zu beobachten; im übrigen kann er seine„Waare" nach Belieben verwerlhen und der wirklichen Unzucht ekelhaftester Art ziveckmäßig eingerichtete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, ohne init Ausnahme vereinzelter Fälle eine Anklage wegen Kuppelei zu riskiren. Anzeigen gegen die privilegirten Großkuppler sind selten von Erfolg begleitet. Wir meinen, die Verurtheilnng einer unglücklichen und nur etwas nachsichligen, vielleicht auch kurzsichtigen Wittwe zu fünfzehn Monale» Zuchthaus, und andererseits die notorische Straflosigkeit der geschäsls- und gewerbsmäßigen Kuppelei durch privtlegirte Menschenhändler— diese zwei Thatsachen zeigen, wie wenig die heutige Juristik mit dem Rechtsbewußtsein des Volkes zu thun hat.— — Der Prozeß gegen den Mitschuldigen des Dr. Peters, den Bezirksamts-Sekretär Jancke, der beide» am Kilimandscharo von Dr. Peters verhängten Todesnrtheile» gegen einen Neger und eine Negerin als Mitglied deS Gerichtshofes mitgewirkt und diese Urtheile mit unterschrieben hat, wirb am IS. Januar vor der kaiserlichen Disziplinarkammer für die Beamten der deutschen Schutzgebiete znr Verhandlung kommen.— — Herr v. Kardorff feiert morgen seinen 70. Geburtstag. Nur die von ihm direkt abhängigen„Berk. Neuesten Nachrichten" widmen ihm einen Leitartikel. Selbst die„Post" lhut das„Er- eiguiß" mit einigen Zeilen ab und ander« Blätter würdigen errn v. Kardorss's Wiegenfest nicht einmal einer Erwähnung. aß die freikouservativen Blätter das Wirken deS„nationalen, wirlhschastspolitischen' Kardorff für den Absatz und für gute Preise deS nordamerikanischen SilberS, für die Vertheuernng des Brote? und Fleisches, seine Mitnnrknng an dem Börsenschwindel mit keiner Silbe erwähnen, begreift sich wohl. Wir sind stets bereit, die guten Seiten deS politischen Gegner» rückhaltlos anzuerkennen, bei Herrn v. Kardorff sind wir beim besten Willen hierzu nicht im stände.— — Agrarierinteresse und Konfirmandenunter« richt. Das Konsistorium der Provinz Ostpreußen hat a»f ein Gesuch des landwirthschastlichen Zenlralvereins eine Verfügung erlassen, ivorin die Erwartung ausgesprochen ist, daß all« Geist- lichen in den ländlichen Gemeinden, wo nicht besondere örtliche Berhältniffe im Wege stehen, hinfort während der Somnier- monate den Konsirmandenunterricht späteste»? um 8 Uhr morgenS beginne». Wo dies nicht möglich ist, soll der Unterricht spätestens um 9 Uhr beginnen. Beim Konsirmandenunterricht iverden gewöhnlich die Kinder ans mehreren Dörfer» ver- einigt. Der Schulunlerricht wird für die ältere» Kinder von 7—9 oder von L— 9 Uhr abgehalten, ist also aus zwei bis drei Stunden täglich beschränkt. Wenn nun der Koufirmandeuunlerricht in die ersten Morgenstunden gelegt wird, so haben die betreffenden Kinder Die Besetzung der Kiaolfchau-Bai durch die deutsche Flotte und die Befürchtung, daß Deutschland daselbst dauenid seine Macht be- Haupte» wird, hat begreiflicherweise in Tschifu große Ausregung ver- ursacht, da man nicht mit unrecht besorgt, daß vorgenannte Bai, im Besitze einer europäischen Macht, bald Tschifu in kominerzieller wie in maritimer Bedeutung überflügeln wird. Diese Befürchtung ist um so begründeter, als die Kiaolschau-Bai nicht nur den Schisse» bei stürmischem Wetter viel mehr Schutz gewährt, als die offene Rhede von Tschifu, sondern auch weil sie, an der Ettdivestküste Schantungs gelegen, de» fruchtbaren Theileii dieser Provinz viel näher ist. Wie schon eingangs erwähnt und auch aus obiger Liste der wichtigsten Ausfuhrartikel SchantungS erhellt, erfreut sich die Land- wirthschaft daselbst einer gedeihlichen und vielseitigen Pflege. Der Ackerbau umfaßt den Anbau von Weizen, Roggen, Gerste, MaiS, Hirse und Baumwolle. Das Stroh vorgenannter Getreidearten findet auch zur Verfertigung von Slrohborten Ver- wendnng, ivelche eine der werthvollsten AuSsuhrwaaren bilden. Die ungleiche Qualität der Slrohborten. eine Folge der un- rationellen Verfertigung, verringert die Konkurrenzfähigkeit dieses chinesischen Fabrikates gegenüber jenem Italiens und Japans, welch« auf den europäischen Märkten der meisten Stachfrage begegne». In anbetracht der billigen Preise des Rohmaterials soivohl als auch der Arbeit durfte eS ledig- lich von der Verbesserung der Herstellungsart abhängen, um dieses Erzeugniß den andere» vorgenannten Provenienzen gleichtverthig zu machen. Ein hervorragender Zweig der Landwirthschaft ist die Pflege deS Maiilbeerbaumes und der Seidenraupe, welch letztere durch drei Epezien in Schantung vertreten ist, durch die branne, weiße und schwarze. Ans den Kokons der ersteren wird die be- kannte Pongeeseide, ans jenen der zweiten Gattung die weiße und gelbe Seide, aus jenen der dritten endlich eine schwarze Seide gewonnen, welche ein äußerst dauerhaftes Gewebe liefert, das von den Chinese» hochgeschätzt wird. Die oben angeführte Wertdsnnnne der jährlichen Seideuausfuhr Tschifn's ist ein beredtes Zeugniß für die hohe Bedeutung der Seidenkultur in Schantung. Gleichivohl herrscht in hiesige» Handelskreisen die Ansicht vor, daß sowohl die Qualität als auch die Produktion durch Einführung eines rationellen Betriebes, insbesondere Begründung von Seidenspinnereien an Ort und Stelle, »och bedeutend erhöht werde» könnte. Eine Eigenheit dieser Halbinsel, welch« dieselbe vor allen übrigen Theile» China's auszeichnet, ist auch daS vortreffliche Gedeihe», dessen sich daselbst die Weinrebe, dank dem günstigen Boden und dem milde» Klima, erfreut. Der Anbau südtirolischer Reben wurde bereits mit Erfolg versucht, und ist auch ein österreichischer Oenologe daselbst bei einem chinesischen Großgrundbesitzer angestellt, an zwei Wochentagen auch dlesen dürfiige» Unterricht nicht. AuS diesem Grunde fand der Ko»sirntande»u»Ierricht bisher in den spätere» Vormittagsstnnden statt. Dan» konnten die Kinder an diesen Vormittagen natürlich nicht zur Erwerbsarbeit herangezogen werden. Die»ene Verordnung schränkt also de» Schulunterricht zu gnnsten der landwirthschastlichen Nllsnutznng der Kinder ei».— Tilfit, 7. Januar. Bei der Wahl eines Miigliedes zum Herren- hause wurde aus dein Verband deS alten Grundbesitzes Oberstaatsanwalt v. Plehw«- Dwarischken zu Königsberg einstimmig gewählt.-- Nrustadt i Th., 3. Januar.(Eig. Ber.) Ein landräth- liches Helden st ücklein ist hier in diese» Tage» bei der Er- öffnung des Gemeinderaihs verübt worden. Zn»» ersten Male befand sich unter den neu zu verpflichtenden Gemeinde- Vertretern ein Eozialdemolrat, der Genosse Kürschner Günther Henning, welches bis dahin im schwarzbnrg- sonders- hansische» Staatswesen unerhörte Borkommniß den Laudralh vo» Schwing, der die Verpflichtung vorzunehmen halte, zn einer glänzeilden sozialisteiisresserischen Rede veranlaßte. Der Redner ver- breitet« sich, so berichtet darüber ei» Arnstädler Lokalblatt,„alsdann geschichtlich(!) in längere», theils scharfen Worte» über das staalS- zersetzende Wesen und Treiben der internationalen Sozialdemokratie, sowie deren Ziele. Der fürstliche Landrath hofft, falls der eine Vertreter der sozialdemolralische» Partei, welcher nunmehr dem Stadtverordneten- Kollegium angehört, seine Idee» im Gemeinderalhe vertrete» sollte, es Männer genug im Kollegium gebe» würde, welche denselben in entsprechender Weise darauf hinweisen, daß i», Gemeinderalhe ein nationaler Geist herrsche, welcher daS Gemeinwesen fördere, die Liebe zur engere» Heimath, zu Kaiser uud Reich, Fürst und Vater- land pflege." Als unser Genosse ans diese Redensarten antworten wollte, erhielt er nicht das Wort, und der Herr Laudralh verließ den Sitzungssaal. Tapfer war da? nicht von dem Herrn Landrath. Aber die Antwort wird ihm kaum erspart bleibe» und damit vielleicht die Lust vergehe», bei der nächsten Einführung eines Sozialdimolralen eine ähnliche geschmackvolle Begrüßungsrede zu hallen.— — Di« Landes-Versamntlu, lg der mürttem- bergische» Volkspartei fand am Donneistag in Stntt- gart statt. Sämmiliche»vürltembergisch« Reichstags- und Land- tags- Abgeordnet« der Partei war«» anwesend. Konrad H a u ß- niann sprach über die Lage im Reich. Es wurden Resoinlionen gegen den Entwurf der Regierung zur Militär-Strasprozeß-Neform und die Flottenvorlage in ihrer jetzigen Gestalt angenommen.— — Chronik der Majestät s b e l e i d i g u n g s- Pr o z e sf«. Bei einem Disput in der Küche ließ der Küchenchef eines Mann- heimer Hotels, der Franzose Lonis Tschirret ans Thillot, eine sin». lose Bemerkung über den Kaiser fallen. Tschirret wurde wegen Majestälsbeleidigung zu dem Slrasminimnm von 2 Monaten Gefängniß verurtheilt.— Oesterreich. Wie», 7. Januar. Heute Vormittag 1! Uhr fand eine Be- sprechnng de? Ministerpräsidenten Freiherr» v. Ganlsch mit den Ver- tretern des Jungczechenklnbs Engel, Herold, Kaizl, Kramarz und Paeak statt. Die„Reite Freie Presse" bemerkt hierzu, auch dieser Besprechung werde ein ganz unverbindlicher Charakter zugeschrieben. Es soll sich lediglich um einen Gedankenaustausch über die polilische Lage, in erster Reihe im Hinblick auf de» am ll). Januar erfolgende» Zusammentritt des böhmischen Landtages handeln.— Eger, 7. Januar. Beim Bezirksgericht Eger wurde im Mai 1897 ans eine deutsche Klage eine czechische Einrede erstatlet, mo- gegen die klägerische Partei Einspruch erhob, das Bezirksgericht gab dem Einspruch Folge. Ans Rekurs deS Beklagle» erklärte das Prager Ober» gericht unter Berus»»« aus die Sprachenvervrdnnng von 1897, daß die Berufung in czechischer Sprache zulässig sei. Auf weitere» Rekurs des Klägers erkannte nun der Oberste Gerichtshof in der vor einigen Tagen hierher gelangten Entscheidnng vom 3. November 1897, ohne die Frage der R-chtsgiltigkeit der Sprachenverordnung einer Erörterung zn unterziehe» und hierüber eine Entscheidung zu treffen, ans grund der bestehende» Eesetzesvorschrifte», nämlich des s 13 der Allgemeinen Gerichtsordnung, daß der Beschluß des Egerer Bezirks- Gerichtes ans Prolokollführnng in deutscher Sprache begründet sei und daß als übliche Landes- spräche die bei dem betreffende» Bezirksgerichte übliche Sprache, also in Eger die deutsche, anzusehen sei. Damit ist die Rechtsgiltigkeit der Badeni'schen Eprachenverord- »unge» bei jedem Gerichte anfechtbar. Das mag den Deutsch-nalio- nalen sehr erfreulich klingen, trägt aber znr Lösung der strittigen Fragen sehr wenig bei. Auch in Böhmen handelt es sich nicht um Rechtsfragen, Machlfragen sind es, die der Entscheidung harren.— Budweis, 7. Januar. In einer gestern abgehaltenen, von 3090 Czechen besuchten Bersannnlung sprachen die Abgeordneten Prinz Friedrich Schmarzenberg, Engel, Skala und Pacak. Letzlerer erklärte, die Czechen ivürden niemals auf das Drei- theilungs- Projekt eingehen, sondern immer ans der Forderung beharren, daß jeder Czeche und Deutsche in seiner Sprache bei jedem Amt und jeder Behörde sein Recht finde, daß Anliegen in der Sprache der Eingabe um ans dessen Ländereien den Weinbau nach rationeller Methode einzuführen. Die bisher von den chinesischen Bauern gezogenen Weintranben werden gegenwärtig zumeist nach Peking und den chinesischen Beriragshäfen ausgeführt, wozu sie sich wegen ihrer guten Transportfä'bigkeit sehr eignen. Eine besondere Bedeutung gewinnt jedoch die Errichtung einer deutschen Flottenstation in Schantung durch den Umstand, daß diese Provinz nicht nur zu de» mineralreichsten Gegenden China's, sondern Asiens überhaupt gehört. Folgend« Mineralien sind in größerer Menge nachgewiesen: Kohle, Eiien, Gold, Bleiglanz. Kupfer, Edel« steine, Marmor und Granit. Asbest, Schwefel und Seisenstein. Kohlenlager finden sich allenthalben auf der Halbinsel, am reichsten im südtvestlichen Theile derselben, für welchen die Kiaotschan« Bai der nächstgelegene Hafen ist. Kohle tvird auch vo» Einbeimi« sehen gegraben, welche sie jedoch nur für ihren eigenen Hansbedarf verivenden. Ter Beschaffenheit»ach ist dieselbe theils eine bitluni- nöse Sorte, theils Anthracit. Hinsichtlich der Bedeutung, welche die Ausschließung vo» Kohlenlagern ans der Halbinsel Schan- tmlg haben würde, ist nur auf das oben über Tschisn als Kohlenstalio» gesagte zn verweise». Gelingt es in der Zukunft, aus Schantung eine brauchbare Schiffskohle zu geivinnen»»d dieselbe billig nach Kiaolschan-Bai zn lransporltren, so unterliegt es keinem Zweifel, daß nicht nur der bisherige Import fremder Kohle nach Tschisu anfhört, sondern wird die Rolle, welche letzlercr Hase» bisher für die Cchifffahrt in de» chinesischen Gewässern gespielt hat, auf den günstiger gelegenen Hafen, an Kiaolsclmu übergehen. Die Bedeutung der Kohlenlager von Schantung wird noch erhöht dnrch das gleichzeitige Vorkommen von Eisenerzen in den verschiedensten Tbeilen der Provinz. Obioohl diese Lager noch wenig erforscht sind, so läßt sich doch nicht leugnen, daß im gleichzeitigen Vorkomme» von Kohle und Eisen eventuell die Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwickeln»« metallurgischer Industrie» in diesem Theile China's gesunde» werde» können. Gold ist in den Quarz-»»d Granitschichle» der Berge Schantungs vielfach entHalle», theils in Adern, theilS«ingesprengt und bildet auch daS einzige Mineral, welchem seitens der eingeborenen Bevölkerung Beachtung geschenkt wird. Slbgesehen von einigen lvenigen Golbmine», die im Inneren des Landes betrieben werden sollen, wird Gold in den zahheiche» Flüsie» n»d Bächen geivaschen, eine Beschäftigultg, welche dem chinesischen Ar. beiter mit Rücksicht ans die primitive» Vorrichtungen, deren er sich hierbei bedient, werng Verdienst bringt. Blei und Silber sollen in ziemlich namhafte» Prozentsätze» in dem Bleiglanze enthalte» sei». welcher in den weftlichen und östlichen Theilen der Provinz ans weiten Strecke» zn tage tritt. Aus diese» Gegenden sollen auch wiederholt Proben von Kupfererzen nach Tschisn gebracht worden sein, welche aus abbanungsfähige Lager dieses Minerale» schließen nicht ritt erledigt, sondern auch behnndelt werden. In diesem Sinne wurde eine Nesolntion beschlossen, welche vornehmlich a» die Einigkeit oppellirl. Viel Hoffnung auf Beilegung der Differenzen zwischen deutscher und czechischer Bourgeoisie läßt der Verlaus dieser Versammlung nicht erkennen.— Linz, K. Januar. Heute fand unter sehr zahlreicher Be. theilrgung der deutsche Volkstag statt. In zwei Lokalen wurden Versanrinlnnge» abgebalten, in welchen verschiedene Reichstags- Abgeordnete, darunter Lecher und Wolf, sprachen. In den Begrükungsreden wurde die Noihwendigkeil des Volkstages als Antwort auf die czechisch-polnischen Verbrüderungsseste betont. Iii alle» Reden wurde Zusaminenhalten aller Denlsche» Oesterreichs sowie Fortsetzung des jkanipfes gefordert. Gegen die Regierung Badeni'K wurde» Ausfäll« gemacht. Ein Redner erklärte, daß an stelle der Real-Unron die Personal-Union treten soll. Dle Klerikalen und der Ausgleich mit Ungarn wurden heftig bekämpft.— Die Stadt war lheilweise beflaggt, zumeist in schwarz-gelben und weiß« rothen Farben. Abends fand ei» Festkommers statt.— In einer am Voimiltage abgehaltenen sozialdemokratischen Ver- s a m in l u» g war die Arbeilerschast gemahnt worden, an dem Volkstage nicht theilzunehmen.-» Ungarn. Vndapcst, 7. Januar.(B. H.) Die Provisoriumsvorlage ge- laugie im Abgeordnelenhaus« heute in zweiler Lesung zur Annahme. — Zum Rücktritt des Abg. Ugron aus dem politischen Lebe» ist zur giichiigstellung der in der telegraphischen Miltheilung ungenügend mitgelheillen Begründung iiachzulragen, daß Ugron feinen Ekel vor weilerer politischer Beihätignng damit erklärt, daß.mit einer in ihrem überwiegenden Theile korrninpirten Jnlelligenz und mit einem schwachen Volke der versassiingsmäßige Kamps der Unabhängigkeit siegreich nicht zu Ende geführt werden kann".— Frankreich. — Der Fall Dreyfns-Esterhazy. Klscle vervffentlichl die bisher geheim gehaltene Anklageschrisl des DreysnS-Prozesses und folgert ans derselben, daß thalsächlich das Bordereau die einzige materielle Grundlage der Anklage gebildet habe. .Petit Parisien" sagt, die Sachverständigen hätten bewiesen, daß der durch den„Figaro" veröffentlichte Brief Esterhazy's, worin dieser sein Bedauern ausspricht, nicht an der Spitze eines deutschen Ulanenregimeuls zu stehen, falsch ist. England. London, 7. Januar. Nach dem HandelSanSweiS zeigte die Waareneinfuhr im Dezember v. I. eine Abnahme von 4S Millionen Mark gegen das Vorjahr, die Ausfuhr eine Abnahme von 20 Millionen Mark. Die Einfuhr während des ganzen Jahres ergab eine Zunahme von ISS, die Ausfuhr eine Abnahme von IIS Millionen Mark.— Dänemark. Kopenhagen, 7. Januar. Die Finanzkommisston deS Folke- t h i n g erstattete heule Nachmittag ihren Bericht, der einen durchaus friedlichen Charakter trägt. In allen wesentlichen Punkten der Etats besteht Einigkeit, nur im Militäretat bestehen zwischen der Linken-Mehrheit und der Rechten Differenzen im Betrage von 330 000 Kronen, während allein das slozialdem akratische Mitglied der Kommisston noch weitere Herabsetzungen beantragt. Die gesammte Kommission beantragt, in der Regierungsvorlage die Position von 79 000 Kronen für die Anlage einiger Küstenbefestigungen aus Seeland zu streichen. Tchlveden. Göteborg, 7. Januar. Der Bericht de? gemeinsamen U n i o n s k o m i t e e s, welches die Aufgabe hatte. Vorschläge zu einer befriedigenden Ordnung der Verhältnisse zwischen Schweden und Norwegen zu machen, wird dem„Götedorgsposten" zufolge am 1. Februar den beiden Parlamenten vorgelegt werden.— Jtalieu. Rom» 7. Januar. Die italienischen Albanesen haben dem Minister des Aeußern Visconti Venosta in der Depiitirienkammer Pelitionen überreicht, worin sie die Bitte ausdrücken, Italien möge viranlassen, daß Albanien eine gleiche Stellung erhalle, wie Kreta. Bekanntlich möchte Italien bei der Theilung der Türkei gerne Albanien gswinnen. Deshalb braucht Rndini von Zeit zu Zeit«ine solche Komödie.— Spanien. Madrid, 7. Januar. Hier geht daS Gerücht von dem Ausbruch einer neuen Ministerkrisis. infolge der Antwort des Generalproku- rators auf den Protest Weyler's. Vielleicht tritt nur der Justiz- minister zurück. Aus heute Abend ist ein Ministerrath zusainmen- berusen.— Türke«. Konstantinopel. 7. Januar. Infolge wiederholt vorgekommener Verhaftungen und Sistirungen von Engländern an der Küste von Syrien bei Evedla hat die englische Botschaft die Absetzung des Mutessarif verlangt und durchgesetzt. lassen. Edelsteine, insbesondere Ameihnste, nicht minder Bergkrystalle werden an verschiedenen Orten der Provinz gegraben und Haupt- sächlich von den Eingebornen r Verfertigung von Schmucksachen, Bergkrystalle zur Anfertigung' c von den Chinesen sehr gerne ge- tragenen Brillen verwendet. Granit- und Marmorlager sind geergnet, bei Bestellung entsprechender Kommunikationen ei» vorzüg. lichcs Baiunalerial zu liefern. Asbest soll sich in zwei Distrikten der Provinz vorflnden und die Faser desselben, welche von ausgezeichneter Qualität ist, von den Chinesen schon längst zur Erzeugung von feuersesten Ziegeln, sowie zur Anfertignng von Kleidungsstücken benutzt werden. Schwefel kommt theils als festes Mineral, tbeils in flüsstgem Zu- stände in zahlreichen heißen Quellen vor, deren heilkräftige Wirkung auch von der eingeborenen Bevölkerung hochgeschätzt wird. Seifen« stein endlich findet sowohl znin Waschen und Bleichen von Geweben, als zur Herstellung von Schnitzereien(daher auch Pagodit genannt) Verwendung. Am Schlüsse ist auch noch der Anfänge einer einheimischen Glasindustrie in Schantnng Erwähnung zu machen. Die Erfahrung nämlich, daß Quarzstaub mit Pottasche gemengt eine glasartige Masse liefert, hat die Eingeborenen zur Erzeugung von Krügen, Schalen u. s. w. in den einfachsten Formen aus diesem Material« veranlaßt. Auch ans diesem Gebiete eröffnet sich sremdländischeni Unteriiehmiingsgeiste und Intelligenz ein reiches Feld industrieller Thätigkeil, hinsichtlich welcher lediglich auf die Thatsache zu verweisen ist. daß China Glas und GlaSwaarcn aus fremden Landern, zumeist Belgien im Werths von ca. 700 000 Hl. Taels im abge- gelanfenen Jahre importirt hat. Wenn heute alle diese reichen Bodenschätze, mit welchen die Natur diesen Theil China's ausgestattet hat, fast»och jeglicher Aus- beutung entbehren, so ist dies nicht nur eine Folge der allgemeinen Mißwirthschaft und Habsucht, welche die Thätigkeil der höchsten Beamten sowohl als auch die ArdeilSleistung des niedrigsten Auf- sehers im chinesischen Staate kennzeichnet und die gedeihliche Entwickelung irgendwelchen Unternehmens verhindert, sondern auch eine Folge der Ignoranz der eingeborenen Bevölkerung, welche, von den Mandarinen und Bonzen aufgehetzt, jeder Neuerung feindlich gesinnt und besorgt ist, daß durch die Anlage von Minen und Schächten die bösen Geister, welche nach ihrer Meinung im Erdinnern Hansen, an die Oberfläche gelockt werden. Eine Wendung zum Besseren ist von der Festsetzung und Entfaltung westländischer Macht und Kultur in China erwartet worden. Daß dies in Schantung Deutschland gelingt und auch Industrie und Handel der übrigen fremden Staaten dadurch im Reiche der Milte sich günstiger entwickeln, als dies bisher möglich war, kann nur die Hoffnung aller derjenigen fein, welche eine wirthschaftliche Ausschließung China's wünschen." Wie verlautet, wird der russische Botschafter Sinowjew nach Uebcrreichung seines Bealanbigniigsschreibens die jüngsten Schritte Rußlands bezüglich der Zahlung des rückständigen Theils der Kriegs- entschädigung erneuern. Afrika. — Verfassungsänderungen im Oranje-Frei- staat. Der„Jnlern. Corr." wird geschrieben: In London ist eine für die Engländer sehr angenehme Drahtmeldung ans Kapstadt eingetroffen. wonach dem Volksraad des Oranje-Freistaats -in Gesetzentwurf zur Erleichterung der Naturalisation von Ans- ländern vorgelegt wurde. Die Fremden sollen bereits nach drei- jährigem Aufenthalt im Lande in den Etaalsverband aufgiiiommen werden können, wobei sie nur einen Eid zur treuen Befolgung der Slaatsgesetze abzulegen haben. Die Klausel, daß st« dabei ihre frühere Staatsangehörigkeit auszugeben erklären, sei weggelassen. Diese Mittherlung bedarf sicher der Bestätigung, um glaubhaft zu erscheinen.— — Zur Lage im Sudan. AuS Kairo wird gemeldet: Es ist beschlossen worden, die biS Abu Hammed fertig gestellte Eisenbahn bis Ed Damer an der Mündung deS Atbara in den Nil zu verlängern. Die offizielle und feierliche Eröffnung der Eisenbahn von Keneh bis Assnan ist gegen Anfang Februar in Aussicht ge- nommen; der Verkehr für Militärzüge beginnt bereits Mitte dieses MonatZ. Dem Blatte„Monde JllustrS" zufolge befand fich die Expedition des Majors Marchand zu Beginn des Septembers im Bongo- gebiet, wo sie das Fort Hosflnger besetzte. Es sei nahe- zu gewiß, daß Major Marchand sich gegenwärtig aus dem Nil befindet. Asien. Bombay, 6. Januar. In den letzten 43 Stunden find hier 142 Erlrankungen an Pest vorgekommen, von denen lOS tödllich verliefen. Di- Epidemie ist jetzt wieder annähernd so beslig, wie bei deren ersterem Auftreten. Im Falle nicht vor dem Eintritt der Sonnenfinsterniß am 22. Januar eine Besserung erfolgt, werden weitgehende Auswandtrungen und«ine allgemein« Einstellung der Geschäfte besärchtet._ Der BnndeSrath hat in seiner heutigen Sitzung den zu- ständigen Ausschüssen überwiesen: den Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung der Gefetze Über Postdanipfschiffs-Verbinduiig-n mit über- seeischen Ländern, den Entwurf von Borschriiten über den Verkehr mit Geheiiiimitteln in den Apotheken, den Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des Landes-Hanshalisetais von Elsaß-Loihringen sür das EtalSjahr 1898/99, den Entwurs eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über die Kapital- Rentenstener und den Entwurf eines Gesetzes wegen Aushebung der Kantionspflicht der Reichsbeamlen. Im Bnndesrath wird nach der„Apotheker- Zeitung"«in Entwurf von Vorschriften Über den Verkehr mit Geheim- Mitteln in den Apotheken vorbereitet. Nach dem Vorbilde dieses Entwurfes sollen, soweit nicht in den BnndeSstaalen strengere Vorschriften bestehen und in Geltung bleiben, gleichförmige Be- stimmnngen für die Einzelstaaten erlassen werden und zum 1. Juli d. I. in kraft treten.— Die Piäsidcntenwahl km Nbgcordnetenhanse dürfte nach den„Berl. Pol. Nachr." einen Tag nach der Eröffnung des Land- tages, also am 12. Januar, stattfinden und unmillelbar nach dieser Wahl will der Finanzininister in der Üblichen Weise den Etat und zugleich auch den Kompladiliiäts-Gesetzentwurs vorlegen.— Parteiliteratur. Von den Bebel' scheu Etatsreden, die unter dem Titel„Klassenpolitik und Sozialresorm", zum Preise von IS Pf. in Broschürcusorm erschienen und durch Au, fügung des Parteiprogramms sich zu Agitalionszwecken besonders eignen, ist die erste Auflage bereits vergriffen und die zweite eben erichienen. Ob das mit der P o s a d o w s k y' scheu Rede, die ohne Firmendruck in die Welt gegangen ist, auch der Fall sein wird? Wobei noch zu beachten, daß diese»msonst abgegeben, die Bebel'sche Broschüre aber verkauft wird! Als ReichStagSkandidat für den elsässischen Wahlkreis Colmar ist von unferen Parteigenossen Apotheker T h. Lutz ans Baden-Baden aufgestellt. In Oberschlesien, dessen Kandidateuverzeichniß bereits in gestriger Nummer mitgelheilt wurde, ist nnsere Parier die erste, die die Kandidatenfrage vollständig erledigt und alles zur Reichstags- wähl vorbereitet hat. Beim Zentrum habe» sich die Anhänger der offiziellen Zentrumspartei mit den Anhänger» des deniokraiisch angehauchten polnischen Flügels des Zentrums noch immer nicht über die Kandidaten geeinigt. Bei der BiirgerschaftSwahl in Bremen, wo der bisherige bürgerliche Inhaber des Mandats für den S. Bezirk gestorben war, ist es unseren Parteigenossen zwar nicht gelungen, ihren Kandidaten I m w o l d e dnrchznbringen, ihre Mühe blieb aber insofern nicht nnbelohnt, als die Zahl der sozialdemokratischen Sliminen seit den Wahlen im vorigen Jahre von 134 aus IS7 gestiegen ist, während die Liberalen einen Ziückgang von L6S aus 209 zu verzeichnen haben. Das verräth, sagt unser breniifches Brudcrorgan, die„Bürger-Ztg". „gleichzeitig ein weiteres Eindringen der Sozialdemokratie in bürgerliche Kreise". RnS Solingen. In der DonnerstagS-Nummer der.Bergischen Arbeiterstimme" veröffentlicht der Parteilassirer Genosse Alwin Gerisch folgende Erklärung: In der letzten Kreis- Parteiversammlung wurde von einem Redner zur Charakterisirung der vom Parteivorstand beliebten Diktatur auf dessen Thätigkeil im Magdeburger Wahlkreise verwiesen. Wahrscheinlich sollte damit angedeutet werden, daß der Partei- vorstand den in letzterem Wahlkreise eingetretenen Kandidatenwechsel veranlaßt habe. Da ich durch Schluß der Debatte verhindert wurde, diesen Vorwurf zurückzuweisen, will ich, um allen Mythenbildungeii vorzubeugen, hier noch nachträglich folgendes erklären: Der Partei- vorstand hat den Kandidatenwechfel im Magdeburger Wahl- kreise in keiner Weise veranlaßt. Derselbe ist lediglich Sache der Magdeburger Genossen gewesen. Als die letzteren den Vorstand von ihrem Vorhaben unterrichteten, hat dieser einstimmig dem Kandidatenivechfel widerrathe» und schließ- lich noch eines seiner Mitglieder nach Magdeburg geschickt, um die dortigen Genossen von ihrem Vorhaben abzubringen. Der Vorstand hat also das gerade Gegentheil von dem gethan, was ihm in der gedachten Versammlung in nicht mißzuverstehender Meise unterstellt wurde. Möglicherweise erblicken aber auch darin wieder gewisse Genossen eine„Diktatur". Ucber die Parteikonferenz für den Wahlkreis Ost- und West- Steruberg, die am 2. Januar in Dro ssen abgehalten wurde, wird uns geschrieben: Die Konferenz war gut besucht. Die brandenburgische Agitationskommission war durch Weife ans Berlin vertreten, ferner war der Reichstags- Kandidat des Kreises, Jahn, zugegen. Zunächst gab der Kreisvertrauensmann seinen Bericht. Die Konferenz erlheilte ihm Entlastung. Dann wurde die Wahlagitation besprochen. Die Delcgirten schilderten die großen Schwierigkeiten, die der Agitation in einzelnen Gegenden dieses überwiegend ländlichen und sehr umfangreiche» Wahlkreises, namentlich in O st- S t e r n b e r g. entgegenstehen. Da gewöhnlich im Frühjahr eine große Anzahl von Arbeitern als Sachsen- gänger(als Schnitter. Zuckerrüben- Arbeiter u. f. w.) die Gegend sür den ganzen Sommer verlassen, um erst im Spätherbst zurückzukehren, ist die Verbreitung der Partei- organe und das Abhalten von Versammlungen äußerst erschwert, wozu noch die Beeinflussung und Einschüchterung der Lokalinhaber kommt. Nichts desto weniger find die Kalender und die dieselben verbreitende» Genossen fast überall, sogar in dem politisch rück- ständigen Warlhebrnch gut aufgenommen worden. Am Kalender bat man nur auszusetzen, daß er zu.hoch" geschrieben und deshalb schwer verständlich sei. Günstiger liegen die Verhältnisse in West-Sternberg, wo, wie in R« p p e n und S o n n e n b u r g, bereits ein Stamm geschulter und intelligenter Genossen vorhanden ist, leider aber bis jetzt keine Lokale zu haben find, obwohl sich die Wirthe persönlich entgegen- kommend zeigen. Das Hauptaugenmerk muß also auf Verbreitung von Flugschriften gerichtet sein, da die Antisemiten, wie in anderen Kreisen, auch hier mit Hilfe einiger Pastoren, Beamten ec. schon seit längerer Zeit eine rege Agitation entfalten. Um die Agitation für die Reichstagswahl einheitlicher zu gestallen, wurde ein Wahlkomitee von zunächst sechs Personen gewählt, deren später aus den Hauptortschaflen noch einige hinzukommen sollen. Bedauert wurde im allaemeinen, daß wegen der Arninth der Bevölkerung der Verkauf von Bons äußerst schwierig ist. Trotz aller Schwierigkeiten find die Genossen der besten Hoffnung, daß der Kandidat unserer Partei in die Stichwahl kommt. In Elberfeld hat der Partei-VertrauenSmann im Jahre 1897 einschließlich 68,62 M. früheren Bestandes eine Einnahme von 2337, 7ö M gehabt. Die Ausgabe betrug 2190,07 M., der Bestand am Jahresschluß sonach 147,68 M. An die Hauptkasse der Partei in Berlin wurden 600 M., an das niederrheinische Agitationskomitee SOO M. abgeführt. An Prozeß- tc, Kosten waren 169,51 M. zu zahlen. An» der Schweiz. DaS sazsialdemokratische Tage- b l a t t, das am 1. April in Zürich herausgegeben werden soll wird den Titel„Das VolkSwohl" führen. »,L' Avanti", das Haupt- und Zentralorgan der ttalieni- ssch e n Sozialdemokratie, ist mit Beginn dieses Jahres in den zweiten Jahrgang seines Bestehens eingetreten. Trotz der Ver- solgungen, denen der„Avanti" ausgesetzt war, steht er finanziell auf so gesicherter Basis, daß er von Neujahr ab anstatt vierseilig, sechs- seitig erscheint. Die perinanenten Sammlungen, die unter den Parleigenoffen des Landes zu seinen gunften betrieben werden, haben im vorigen Jahre die Summe von 65 7V0 Fcs. ergeben. Polizeiliches, Gerichtliches ,c. Gegen den„Vorwärts" waren im letzten Jahre sechs Klagen anhängig, wovon fünf durch Gerichtsbeschluß erledigt wurden. Es wurde erkannt gegen den verantwortlichen Redakteur Jacobey: d. wegen Beleidigung der Breslauer Staatsanwaltschaft in der Be- rnsungSinstanz auf 4 Wochen Haft(das Urtheil hatte ursprünglich auf 6 Wochen Gefängniß gelautet); 2. wegen Uebertretnng des Preß- gesetzes durch vorzeitige Veröffentlichung einer Anklageschrist, betreffend das Wiederaufnahme- Verfahren im Msineidsprozeß gegen Schröder und Genosse» 50 Mark Geldstrafe; 3 wegen Beleidigung des Geldschrank-Fabrikanten Arnheim 100 M. Geldstrafe; 4. wegen Militärbeleidigung 100 M. Geldstrafe. Endlich ivnrde der frühere verantwortliche Redakteur Roland wegen Hans Blum- Beleidigung zu 150 M. Geldstrafe verurtheilt. Anhängig ist noch aus dem vorigen Jahre eine Beleidigungsklage des Mödelfabrikanten Eber Hardt gegen den verantwortlichen Re- daktenr Jacobey. Verbunden mit dieser läuft die in den letzten Tagen anhängig gemachte Privat-Beleidigungsklage des Mitinhabers der vorgenannten Firma, Engen Hellriegel. — In Wittenberg wurde vor einigen Wochen in einer VolkSversaminlung ein dreigliedriges Wahlkomitee ge- wählt. Jetzt hat jeder der Gewählten vom Magistrat ein ans 15 M. lautendes Strafmandat erhalten, weil der„Verein" Wablkomitee nicht angemeldet worden sei. Gegen die Strafmandate wird natür- lich gerichtliche Entscheidung beantragt werden. — Der österreichische ReichSralhs- Abgeordnete DaszynSki hat, nachdem der Reichsralh geschlossen ist, demnächst vor dem Landes- gericht in K r a k a u einen Prozeß wegen„Störung der öffentlichen Ruhe in einer Volksversammlung" und wegen„öffentlicher Gewaltthätigkeit" zu bestehen, die er bei der Aufführung des Tendenzstückes„Die Ver- sichrer des Volkes" im Krakauer Sommertheater begangen habe» soll Unser Parteigenosse Daszynski ist dem galizischen Schlachzizen- regiment besonders verhaßt; er hat hervorragend mit dazu beige- tragen, daß Badeni vom Kaiser entlassen werden mußte. Durch de» Prozeß soll der mannhafte Vertreter des arbeitenden Volkes un« schädlich gemacht werden._ Gewevkfchctftlirlzes. Berlin und Ilmaebniig. Achlnng, Maurer Berlins nndjUingegend! Wir machen die Kollege» darauf ansmerksa»!, daß die Sammliingen auf Bauten zu giinsle» des Slreilfonds der Maurer Berlins und der Umgegend mit dem 11. Dezember vorigen Jahres ihr vorläufiges Ende gesunden haben. Wenn trotzdem nach diesem Termin Sammlungen zu einem Slreiksonds der Maurer staltgefunden haben, so er- klären wir, daß bis heule der Ertrag dieser Sammlung an die Lohn- kommisston nicht abgeliefert worden ist. Wir erklären ferner diese Sammliingen als unstallhaft. da nach unserer Meinung der Vertrag bei Gründung der Lohnkommissio» bis heute noch seine Gilligkeit hat und ansdiücklich in der am 19. März 1896 statt- gefundenen Versammlung beschlossen wurde, daß mit den» Jnkraft- treten der Lodnkommission jede Sammlung in beiden Richtungen zu nnterbleiben hat. Wir ersuchen daher die Kollegen, die ihnen auf Bauten angebotene» Murken zurückzuweisen und die Namen der Sammler den Unierzcichneten inilzutheilen. H. S i l b e r s ch m i d t. W. Fritz sch. K a r l P a n s e r. DrntschcS Reich. DaS neue Beraarbeitcr-Organ für die polnischen Berg- ardeiier in Obeischlesten findet eine recht günstige Ausnahme. Wie man der in B o ch u m erscheinende»„Berg- und Hütten- arbeiter-Zeitnng" schreibt, hat man sich überall, wo der „ G o r n i k" verbreitet wurde, gern zum Beitritt zum Verbände oder zum Abonnement bereit erklärt. Für Ober- schlesien werden bekanntlich, den polizeilichen Zuständen dort Rechnung tragend, nur Eiuzrlmilglieder angenommen. Zahlstellen zu gründen verbieten uns die in Oberschlesien gemachten Er- fahrungen. Jetzt wieder, bei der Verbreitung des„Gornik" zeigte sich die Polizei thätig. In L i p i n e wurden einem Kaineraden von dem Geuieiiidediener etwa 100 Gorniks abgenommen. Die Kolporteure hatten genaue Anweisung, die Blätter von Hans zu Hau?, in die Stuben hereinzutragen. Sobald der Fall Lipiue klargestellt ist, wird dem Gemeindediener schon je nach dem klar gemacht werden, was seines Amtes ist.— Der polnische Dichter Kraszewski schildert in seinem großen Roman „Morituri"(Die Sterbenden) den Untergang der trägen, ver- kommenen adeligen Polengesellschast. Der Niedergang des Schlach- zizenthrims hat auch mitgewirkl ans das geflissentlich seit Jahr- Hunderten in Unwissenheit gehaltene arme polnische Volk. Unser „Gornik" soll in diese elende Arbeiterschicht hineinleuchten mit der Fackel der Wahrheit. Das arbeitende polnische Volk soll nicht z» den Sterbenden gehören, es soll und wird sich anschließen seinen kämpfenden deutschen Klassengenossen. Der Streik der Buchbinder bei der Firma Oldemeyer Nachfl. in H a n n o v e r ist nach zehnwöchentlicher Dauer von den Ans- ständigen für beendet erklärt. Der Ausstand hatte nicht mehr die volle Wirkung ausgeübt, da es der Firma gelungen mar, einige Ersatzkräfte zu erlangen, sowie auch von den Streikenden fünf ihren Kollegen untreu wurden. Der Kampf ist mithin für die Arbeiter er» folglos verlausen. RiiSlaiid. AnS Charleroi(Belgien) wird berichtet: Die allgemeine Vereinigung der Grubenarbeiter hat gestern beschlossen, einen Kongreß der Gruben- Gewerkschaften für nächsten Sonntag einzu» berufen. Die örtlichen Gewerkschaslen werden jede für sich zu ent- scheiden haben, ob wegen der Ausgabe des neuen Reglements der Ausstand erklärt werden soll.— In M a r i h a g e haben 350 Bergleute die Arbeil eingestellt; ihre Beschwerden richten sich gegen die neue Arbeitsordnung. Vom Kampfe der englische» Maschinenbauer ist heute nur so viel zu berichten, daß Herr Siemens auf einem Festmahl ver- sicherte, daß die Unternehmer heute noch genau so einig wären, alz efiebem. Dciiigegkntibcv I)filt„Dnily©(jvoiiicTe" ihre Miilheilmig nufrecht. es seien U»>c/..u'.dlli»gen zwischen einzelnen Unter- nehmern und den Btnschinenbnnern iin Gange. Die Angabe» genannten Blattes scheinen die größere Wahrscheinlichkeit für sich zn daben. denn nnch der„Franks. Zig." wird in dieser Beziehung von London berichtet:„Scheint es nun ans der einen Seile so. als ob die Maschinenbauer, welche, wie manche Leute glanbc», ihre Mittel schon nahezu erschöpft haben, vor einem langen Kamps stehen, so mehre» sich doch ans der anderen Seite die Anzeichen, daß einzelne Unternehmer nachgeben und andere zum Nachgeben geneigt sind. Eine Maschinenbau-Firma in Slonrbridge bewilligte am Anfang dieser Woche de» Achtstundentag, und verschiedene Firme» in, Norden Englands haben thalsächlich gestern die Bedingungen, welche die Unternehmer aus der letzten Konserenz stellten, angeschlagen und ihre Maschinenbauer aufgefordert,»ach Unterzeichnung dieser Bedingungen die Arbeit wieder auszunehmen. Allerdings haben nur wenige der Aufforderung Folge geleistet. Ferner besteht kein Zweifel darüber, daß einzelne hervorragende Mitglieder des Unternehinerverbandes zu einer Verminderung der Arbeitszeit unter der Bedingung bereit sind, daß eine entsprechende Herabsetzung des Wochenlohns angenommen wird. Unterhandlungen, um ans einer solchen Grundlage eine Einigung herbeizuführen, sind lhat- sächlich im Gange und eine Firma in Manchester und eine andere Firma in Sheffield haben sich zu diesem Zweck au der Vorstand der Vereinigten Gesellschaft der Maschinenbauer gewendet."— Der Maschinen- bauer-Verband hat au alle Gewerkschaftskartells ei» Zirkular er- lassen, in welchem er ans die in der Konferenz vom 1. Januar gefaßten Beschlüsse hinweist und ersucht, die Sammlungen— nicht unter drei Pence pro Mitglied und Woche— sofort zu eröffne». MntovnvHHnev�Vvvbiinde. An der Chikagoer Produktenbörse spielt sich ein bisher im gleichen Umfange noch nicht dagewesener Weizenkrieg ab. Ueber die Häupter der Bewegung und deren Operation bringt die„N. A. HandelS-Ztg." folgendes: „Die leitenden Geister dieses Riesinkampfes sind Joseph Leiter, der kann» dreißigjährige Sohn des Chicagoer Mnlliniillionärs Levi Z. Leiter, und der bekarnile Schlachthansbesitzer P. D. Armour, »velcher seine vierzig Millionen„unter Brüdern" werlh sein soll. Leiter hat bereits seit Juli dieses Jahres immense Kontrakte für Weizen auf Dezember- Lieferung abgeschlossen. Einen großen,»venu nicht de» größte» Theil dieser Lieferungen soll Armour übernomine» haben. Leiter besteht auf seinem Scheine, er verlangt, daß ihm der Weizen, den er seit Monaten auf Dezember- Lieferung gekaust, auch thatsächlich geliefert ivird. Da nun in Chikago auch nicht annähernd so viel Weizen vorhanden ist,»vie das von Leiter kontrahirte Quantum ausmacht, so versuchen Armour und dessen Leidensgenossen, so viel Weizen nach Chikago zn schaffen,»vie die Bahnen und Dampfer nur irgendivie befördern können. � Obgleich die Schifffahrt aus den große» Binnenseen des Nordivestens bereits amtlich geschlossen ist, so sind doch gewaltige Ladungen Weizen von Dulnth und andere» nördlichen Häsen theils schon in Chikago angekommen und zum theil noch nach dort unterwegs. Es ist sogar Weizen, der von Chikago nach Newyork unterwegs nnd bereits bis nach Bnffalo ge- langt war, von dort nach Chikago zurückbeordert ivorden. Um die großen Kanäle Sault St. Marie und Mackinaw Narroivs nicht einfrieren zu lassen, sind Eisbrecher gcmiethet nnd dorthin expedirt ivorden. Während Armour und Genossen sich ihrer Haut, »vie vorerwähnt, z» wehre» suche», sendet Leiter allen ihm gelieferten Weizen unverzüglich nach den atlantischen und den Golfhäfen, von >»o aus derselbe iveiter nach Europa befördert wird. Und was die Hauptsache ist, die Millionen seines Vaters setzen ihn in den Stand, jeden Bnshel Weizen, der an ihn abgeliefert wird, sofort in baar zu bezahlen. Leiter soll seit dein l. Dezember etwa zivölf Millionen Bnshel Weizen empfangen und per Check bezahlt haben. Wer ans diesein Weizenkriege als Sieger hervorgehe» ivird, ist noch nicht zu ersehen."_ Soziales. Arbeiter- Risiko. Ans N e u- R U P p i n wird telegraphirt: Durch eine 5k e s s e l exp l o si o n auf der hiesigen landivirlhschaft- lichen Stärkemehl- Fabrik wurde der A n s s e h c r Christ g e- tödtet. Das Maschinenhans wurde gänzlich zerstört. Die Ursache der Explosion ist noch nicht aufgeklärt. Eiitfiihrung deS Neu», ihr- LadenschlnskcS beschloß die Fleischer-Innung in G r ü n b e r g in Schlesien für die Zeit der Wintermonate. Das Kleingewerbe ans dem Lande erklärte der bekannte Nationalökonom' Pros. B ü ch e r auf der Hauptversammlung des Vereins für Sozialpolitik im allgemeinen für lebensfähig. Darauf- hin fragte eine Leipziger Frauenvereinignug bei Prof. Bücher an, was er von den Bestrebungen halle, das Selb st verfertigen von Leinen» und Frauen kleider-Stossen auf dem Lande wieder einzuführen. Ans der Antwort geht hervor, daß Prof. Bücher derartige Bestrebungen für wenig anssichtsvoll hält, da sich die Landfrauen bereits zu sehr an den Einkauf fertiger Stoffe vom Hausirer und Landkrämer gewöhnt hätten. Anch sei der heutige Zeitgeist zu mächtig, der auf eine völlige Ausgleichung der Sitten der Stadt und des Landes hindränge. Endlich sei sehr»vesentlich. daß die landivirthschaftlichen Betriebe heute nur noch über ein sehr be- schränktes weibliches Hausgesinde verfügen, das nicht einmal im Winter Zeit zun» Weben und Spinne» übrig haben»vürde. Religio»» und Geschäft. Die Verivaltnng der Hilss- a» st a l t e n zu Kropp in Schlesivig. an deren Spitze der orlho- doxe Pastor Johannes P a u l s e» steht, bittet in einem Zirkular die Aerzte,„gelegentlich" auf diese Anstalten ausmcrksam machen zu »vollen. Die Anstalten seien durchaus nicht daraus berechnet, Geld zn inachen. Sie»vürden im christlichen Geiste geführt, sollten dem Wohle der Menschheit dienen und würden so geleitet, daß etwaige Ueberschüsse immer wieder den Hilfsbedürftigen zn gnte kämen. Schon jetzt sei eine Reihe Bedürftiger, besonders ans „besseren Ständen", unentgeltlich dort untergebracht. Soweit, so gut! Dann aber ist der Herr Pastor Johannes Paulsen des salbungsvollen Tones satt gewesen. In dem Zirkular heißt es »vciter: „Die Anstalten umfassen 1. eine E r z i e h n n g s a» st a l t für elternlose Kinder, in»velche anch Kinder diskreter Geburt anfgenommen werden... Uneheliche Kinder»verde», natürlich(!) nur durch Einkauf in das Waisenhaus oder Ninderhein, aufgenonnnen und vertritt die Anstalt v o l l st ä n d i g E l t e r n st e l I e.... Das Waisenhans bietet«ine einfache bürgerlich« Erziehung, das Kinderheim... nimmt nur Kinder ans für eine standesgemäße Erziehung... Ueber die hier eingekauften Kinder»vird strengste Diskretion zugesichert nnd erfährt niemand e t»v a s über die Herkunft derselben... Ei», Einkauf ins Waisenhans kostet ein für allen, al 1S00 M. eventuell 1000 M„ ins Kinderheim 8—6000 M. Bei älteren Kin- der», findet natürlich Ermäßigung statt. Die Herren Aerzte bilten »vir, von den durch sie verinittelte« Einkäufen sich 6 pCt. für ihre Auslagen und Bemühungen be- rechnen z u>v o l l e n." Faines Geschäft, nicht»vahr? Aber die Aerzte können durch die Empfehlung der frommen Anstalte» noch mehr des sündigen Maminons verdiene». Es heißt in den, Zirkular iveiter: „2. Das A I t e n h e i in und Pensionat der Anstalten nimmt alleinstehende Damen nnd Herren soivie kinderlose Eheleute auf... Die Verpflegung geschieht in drei Klassen und werden die Einkaufssummen berechnet nach den» Aller der Betreffenden soivie nach de» Ansprüchen derselben... Auch von diesen Einkaufs- summen bitten»vir die Herren Aerzte, bei durch sie vermittelten Ein- käufen flir Auslagen nnd Bemühungen S pCt. abzuziehen." Dann preist Herr Pastor Johannes Paulsen seine Irren- a n st a l t e» in der gebräuchlichen Weise an. Wiederum werden den Acrzten, durch deren Bemühungen Kranke dorthin komme,», 5 pCt. versprochen, und zwar von den Einkaufssnmine» oder von Veräntwortlicher Redakteur: August Jacobev in Berlin. Für dem Pensionspreis, den die Kranken zu bezahlen haben und der in der I. Klasse jährlich 10( 0 M., in der 2. Klasse 800—1000 M.. in der 3. Klasse 400-600 M. beträgt. Versichert wird noch, daß die Kropp'schen Anstalten unter den Aerzte» eine Reihe von Freunden haben, die die Anstalte» in jeder Weise unterstützen. Also»vohl anch durch das Verschachern von Patienten. Das Zirkular spricht eigentlich für sich selbst. Ans ziveierlei sei aber doch besonders aufmerksam geinacht. I» den Kirchen»vird salbungsvoll gezetert über das angebliche Umsichgreifen der U n s i t tl i ch k e i t besonders nnter den „niederen" Klassen,»vobei ge»vöhnlich auch für die„Partei des Uiustuizes" eine mehr oder»veniger saftige Redeblume mit abfällt. Die christlichen Anstalte» in Kropp, an deren Spitze einer der orthodoxesten Pastoren steht, zahle» den Agenten für die Zu- >v ei s»» g unehelicher Kinder der„besseren" Gesellschaft aber sogar noch Prozente und versichern, Diskretion derart zu bewahren, daß nieniand elwas über die Herkunft der Kinder erfährt, die Kinder also wahr- scheinlich selber nicht. Wo bleibt denn da der kirchliche Kampf gegen die UnsiUlichkeit? Anderseits läßt das Zirkular daraus schließen, daß die An- nähme v o u P r o z e n t e n unter den A e r z t e n schon etwas gewöhnliches ist. Das aber ivare gerade in Beziehung a»f private I r r e n a n st a l t e n besonders bedenklich. Soziale Rechtspflege. NuSsetzc» der Arbeit. Der Bauunternehmer Mittag halte wegen Nichtarbeite» der Zimmerer mehrere seiner anderen Arbeiter aussetzen lassen. Diese beanspruchten deshalb eine Entschädigung. Mittag lehnte ihre Forderung mit der Begründung ab. er hätte sie nicht arbeite» lasse» können nnd im übrige» sei ja die Kündigungsfrist ansgeschlossen worden. Tie Kammer III des Gewerbegerichts, an die sich die benachtheiliglei» Leute ge- wandt hatten, erkannte aber ihre Forderungen als berechtigt an nnd verurtheille demgemäß den Beklagten. Es möge ja lebensgefährlich gewesen sei», die Kläger zu beschäftigen, während die Zimmerer richteten. Indessen der Arbeilgeber müsse solche Even- lualiiäten vorhersehen und sich danach richten. Er müsse die Kläger auf jeden Fall entschädigen, da sie sich nicht mit dem Aussetzen der Arbeit einverstanden erklärt hätten. Ter Ausschluß der Kündigung?- frist entbinde ihn davon nicht. „Erschlcichung" eiueS Engagements. Ein Buchbinder Halle bei der Firma Kirchner und Schivedhclm vor mehreren Jahren gairz kurze Zeit gearbeitet. Als er nun vor einiger Zeit bei der Firma wieder in» Arbeit vorsprach, fragte ihn der Werlführer, ob er schon einmal in ihrer Fabrik gearbeitet habe, worauf jener verneinend anlivorlete. Er erhielt dann die gewünschte Stellung, wnrde aber schon an» andern Tage nicht»veitcr bcschästigt, da sich herausstellte, daß er doch schon bei dcrFirma gearbeitet hatte. DieKmnmer VIII wies seine Klage auf Gewährung einer Entschädignng ab, und der Vorsitzende Dr. Meier führte begründend auS: Der Werkmeister habe glaubhaft bekundet, daß er den Kläger nicht engagirt hätte,»venu ihm dessen frühere Thäligkeit bei der Firnia bekannt gewesen wäre. Da sich somit der Kläger das Engagement lediglich erschlichen habe, so hätte ihn die Beklagte trotz des Engagements sofort wieder ent- lassen können. Gevickzks-Rvikung» Bon dm Treiben der Pfandscheiufchicbcr entrollte eine gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte um- fangreiche Zlnklage ein anschauliches Bild. Angeklagt waren der Kellner Bruno W i r s i g nnd sechs Handelsleute: Karl Ludwig Linde. Claudius Otto Gees, Ludwig Wall brück, Karl Otto Kiesling nnd Julius Rochlitz, welche von den Rechtsanwälten Rosenthal I nnd Barnan verlheidigt wurden. Die Anklage be- hanptete, daß die Angeklagten zn den Pfandscheinschiebern gehören, welche Pfandscheine über verpfändete Gegenstände, hauptsächlich Uhren verpfänden, indem sie nach Art der Nepper zn- snmme» wirkend, den Abnehmer über den Werlh des Pfandobjekts täuschen. Sie bewirken diese Tnuschnng nicht nur durch die betrügerischen Machenschaften, durch welche sie die Vorstellung von einem besonders bohen Werth« des Pfandobjekts erzeugen, durch einen lebhaften Scheinhandcl, die Ver> sichernng, daß das Pfandobjekt viel gekostet und nur in der höchsten Nothtage versetzt sei, sondern hauptsächlich auch durch den Hinweis ans die hohe Snmme, die auf das Pfand geliehen ivorden ist. Be- kannt ist, daß der Pfandleiher»veit unter den» von ihm genau ge- prüften Werth des Pfandstückes beleibt, sodaß,»venu beispielsweise ein Psandschein vorliegt, nach welchen, ans eine goldene tthr 60 Mark geliehen sind, man im allgemeinen annehmen darf, daß die Uhr ILO bis 180 M. werlh fei. Auffallend ist nun die in vielen Prozessen scstgestellte Thalsache, daß die den Pfand- leihern wohlbekannten Piandscheiiischieber in vielen Fällen nahezu den vollen Werlh geliehen erhallen, so daß bei der Anklagebehörde der Verdacht rege geworden ist, daß einzelne dieser Pfandleiher das betrügerische Treiben der Psandscheinschieber geradezu unterstütze».— Unter den vielen ziemlich gleichartigen Fälle», die gestern zur Ver- Handlung standen, mag der folgende als typisch hervorgehoben werden. Der Klempner O. befand sich am 26. Juni 1896 i» dem Anktionslokal Neue Schöiihanserstr. 17, nin sich einen Ladentisch zn kaufen. Ans dem Hofe sah er dm der jetzigen Angeklagten»in einen Pfandschein handeln. Da trat plötzlich Wirsig auf ihn zu und forderte ihn auf, den Pfandscheinbesitzer zum Vor- kauf an ihn, Wirsig, bestimmen zu helfen. Der Angeklagte Wallbrück, der dieser Pfandscheinliesitzcr war, weigerte sich aber sehr bestimmt, an Wirsing zn verkaufen,„iveil dieser Händler sei". O. ließ sich zu- nächst nicht ans die Belheiligung ein nnd ging in eine in der Nähe gelegene Kneipe. Hier suchte ihn Wirsing aus und erklärte ihn», daß er den Pfandschein gesehen habe, den Psandleiher kenne und daß die Uhr gut sei. Er fügte hinzu, daß er schon einmal von demselben Besitzer einen Pfandschein über eine Uhrkctl« erworben und dabei 30 M. verdient habe. O. ließ sich ans diese Angaben hin zum Ankauf des Pfandscheins bewegen. löste alsdann die Uhr gegen 62 Mark ein, mußte aber dann z» seinen» Leidwesen erfahren, daß sie überhaupt nur 75 Mark werlh sei. Stach den Ergebnissen der Verhandlung betreiben einige der Slngiklagtcn diesen lukrativen Psandschcinhandel ganz geiverbsmäßig. Schwierig bei Anklagen dieser Art ist die Feststellung der Vermögensbeschädigung, da in vielen Fällen eine annähernde Gleichwerthigkeit des Psandobjekls mit den baaren Aus- lagen des Getäuschten vorliegt. Die Staalsainvaltschast steht aber auf folgendem Standpunkt: Für den Enverber des Pfandscheines bandelt es sich nicht um eine Anschassniig des Pfandobjektes zum Gebrauch, sondern zur Weiterveränßerung. Die Erwerber kaufen, um durch Weiterverkauf Geschäfte zn machen; sie wollen einen Eriverb machen, der sie nicht nnr deckt für die baaren Aus- lagen, sondern anch für die Spesen, den Zeitaufwand, die Koste» der Einlösung u. s.»v. Die dadurch entstehenden Vermögensansivendnnge» sind den baaren Auslagen hinznzurechn«,, nnd es bildet eine Verniögensbeschädigniig, wenn der Werth des Pfandobjekts die Baarauslagei» nicht angenfchemlich übersteigt.— In den zur Verhandlung stehenden Fällen»var die Feststellung der Thatsachen so schwierig. daß die Verhandlung bis ziim Abend sich hinzog. Das Ergebniß»var. daß W i r f i g zu 2 Jahren Gefängniß und 3 Jahren Ehrverlust, Gees zn 9 Monaten G e f ä ii g n i ß und 2 Jahren Ehrverlust, W a I l b r ü ck zu 2 Jahren Gefängniß nnd 3 Jahren Ehrverlust. Rochlitz zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängniß nnd 2 Jahren Ehr- verlust vermtheilt wurde. Linde und Kiesling»vurden freigesprochen. Priigeleie» unter Studenten. Der Plenarbeschluß des Reichs- gerichts, daß anch die unter den Verbindungen so häufig statt- findenden B e st i in in u n g s- M e n s u r« n mit geschlissenen Schlägern als Zweikampf mit tödtlichen Waffen anzusehcn sind. kam»viederum w einer Verhandlung zur Gellung,»velche gestern vor ver dritten Strafkammer deS Landgerichts I stattfand. Am 9. Noveuiber v. I. fochten die Studenten L.»ind K., von denen der ersters der Verbindung„Markomannia", der letztere der Verbindung „Borussia" angehört, mit geschliffenen Säbeln im Restaurant Elsafferstr. 26. Die Polizei war durch einen anonymen Brief benachrichtigt worden; als der Schutzmann erschien, waren die Duellanten aber bereits in Thätigkeit, und der eine hatte drei, der andere eine Kopfwunde erhalten. Staatsanwalt Kanzow beantragte die zulässig niedrigste Strafe— je 3 Monate Festnug— und der Gerichtshof erkannte nach diesen» Antrage. Ein für die öffentliche Sicherheit besonders gefährlicher Mensch stand gestern in der Person des Arbeiters Paul Max Ulrich vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. Der Angeklagte, der außer»vege» anderer Slrafthaten bereits wegen Straßenraubes mit drei Jahren Gefängniß vorbestraft ist, sollte sich wieder»«», des- selbe» Verbrechens schuldig gemacht haben. In der Nacht zum 24. Mai v. I. saß der Tischlergeselle Eller auf einer Bank am Koppen- platz, als der ihm völlig unbekannte Angeklagte auf ihn zutrat und ei» Gespräch mit ihm anknüpfte. Plötzlich versetzte der Angeklagte ihm einen so wuchtigen Hieb gegen den Kopf, daß der Getroffene zu Boden stürzte. Er behielt aber seine Besinnruig und merkte deutlich, daß der Angeklagle ihm»»»»ittelbar nach dem Schlage an der Uhr- kette zcrrle. Die Uhr»var aber innerhalb der Weste durch einen Karabinerhaken befestigt, sodaß es den» Räuber»»cht gelang, sie loszureißen. Er zog es vor, nach den» mißlungenen Versuch die Flucht zu ergreifen, der Ueberfallene nahm aber die Verfolgung aus und mit Hilfe anderer Leute gelang es. den Angeklagten einzu- hole,, nnd dingfest zn machen. In der Hauptverhandlung schützte der Angeklagte sinnlose Trnnkenheit vor und berief sich auf mehrere Zeugen darüber, daß er in dem Dally'schen Keller in der Artillerie- straße enorme Mengen Spirituosen und Bier zu sich genominen Halle. Die Geschworene» ließen sich dadurch nicht becinflnsseii. sondern be- jahte» die Schnldfrage unter Ausschluß von milderndei» Umsländen, worauf der Angeklagte zn einer Znchlhausstrafe von 1 Jahr nein» Monaten verurtheill ivnrde. Drei Monate»vllrde» durch die er- liltene Untersuchnngshaft als verbüßt erachtet. Eine»»» Mistverstaubniff hatte ei» Geschworener es zuzuschreiben, daß er in eine Geldstrafe von 200 M. genommen ivorden»var. Als am verflossenen Montag die neue Tagung des Schwnrgerichls bei dem Landgericht I begann und von de» geladenen 26 Geschivorenei» 12 ansgeloost ivorden»varei». erklärte der Präsident de» nicht ansgelooste» Geschworene», daß sie entlassei, seien und am folgenden Tage vormiltags OV* Uhr wieder zu erscheinen hätten. Die letztere Aeußerung Halle einer der Geschivorenei» über- hört. Er erschien am Dienstag nicht und ivnrde»vege» u»- enlschnldigteii Ausbleibens in eine Geldstrafe von 100 Mark genommen. Dasselbe»viedcrholte sich, als der betreffende Ge- schwor«»- an» Mittwoch, viederum beim Ausruf fehlte. Gestern war er dagegen erschiene». Er»viederholte seine bereits schr.sl- lich eingegangene Entschuldigung, daß er, der zn»» ersten Male Ge- schivorener sei, geglaubt habe, die erste Ansloosung beziehe sich aas o»e ganze Schwurgcrichtspcriode; de» Znsatz des Präsidenten habe er überhört. Der Stanlsanivalt beantragte nnter diese» Umständen die Aushebung der beiden erlassenen Slrafverfiigllngei» und der Gerichtshof entschied in diesem Sinne. Eine fatale Ueberraschnug wurde dem Bäckermeister D ii m e- rose ans Wcißensee zu lheil,»velcher sich vor der zweiten Straf- kammer des Landgerichts II wegen strafbaren Eigennutzes und vor der vierten Strafkammer desselben Gerichts in einer BerufnngSsache zn verantworten hatte. Als er nach erfolgter Bernrtheilung zu 15 M. Geldstrafe de» einen Sitzungssaal verließ, u», sich nach den» zweiten Sitzungszinnner zn begeben, trat ihn» der Gerichts- Vollzieher entgegen und erklärte ihn für verhaftet. D.Halte vor den» Zivilgericht de» Offenbarnngseid leisten sollen, aber der Ladung nicht Folge geleistet. Der Gerichtsvollzieher hatte erfahren, daß D. Termin hatte und fand sich an Gerichtsstelle ein, um den Gesuchten hier in Einsang zn nehmen. Der zweite Termin konnte deshalb gar nicht stallfinden, derselbe wurde aber anstandslos vertagt, weil der Angeklagte durch den oben bezeichneten Vorfall als„ausreichend ent- schuldigt" angesehen wurde. Die Frage, ob Polizeibcainte unter keinen Umständen Stadtverordnete sein dürfen, hatte der zweite Senat des Ober« V e r w a l t» n g s g e r i ch t s in seiner letzten Sitzung zu entscheiden. Der Distriktskoinniissar(Amlsvorsleher) Büttner ist Polizeiverweser eines ländlichen Distrikts in Posen, wohnt aber in der Stadt Znin. Hier bewarb er sich im» ein Mandat für das Stadtverordneten- Kollegium»nd ivnrde nnch gewählt. Ans den zulässigen Einsprnch ans der Biärgerschast erklärte die Mehrheit der Stadtväter seine Wahl für n n g i l t i g, indem sie sich auf den§ 17 Nummer 5 nnd 6 der Städle-Ordnung berief. Darin heißt es, daß Beamte der Staatsanwaltschaft nnd Polizeibeamte nicht gcivählt»Verden können. Der Bezirksansschuß gab indessen der Klage des Herrn Büttner stall nnd entschied, daß seine Wahl gillig sei. Zur Be- grüiidnng seines Urtheils führte das Gericht aus: Als Beamter der Slaalsainvaltschast in» Sinne der Slädle-Ordnnng könne B.� nicht angesehen»verde»», höchstens sei er ihr Hilfsbeamter. Nun wäre er ja allerdings Polizeibeamter, jedoch nicht im Bezirk der Stadt- gemeinde Znin. Es sei also eine Jnleressenkolliston. die der Gesetz- geber durch Z 17 Nr. 6 habe verhindern wollen, hier ansgeschlossen. Das Ober-Vcrwaltnngsgericht hob diese Entscheidung ans nnd er- klärte Büttner's Wahl für unzulässig und darum für»»giltig. P o l i z e i b e a n» t e könnte» überhaupt nicht in städtische Vertretungen gewählt»verde», denn ß 17 der Slädte-Ordnimg spreche von Polizeibeamte» in» allgemeinen und schließe solche nicht ans- driicklich ans, die außerhalb der gerade in Frage kommendei» Stadt ihrer Bernfspflicht genügten. Der Wortlaut sei aber ent- scheidend._ DepeMen lekzke RAcheichkett. Nolls), 7. Januar.(B. H.) In einer großen Maftliinenfabn! zu Grevenbroich erfolgte heute gegen Abend eine Explosion. Die durch die Meldung„Großsener" alarmirle hiesige Fenerivehr hat sich mittels Extrazuges an den Brandherd begeben. Braimschwcig, 7. Januar.(W. T. B.) Die„Brannschweiger Neuesten Nachrichlen" melden aus Großrhüden: Auf dem Kalia-erk Carlsfund riß in der heutigen Morgenschicht ein Dralhscil; ei» daran befestigter Kübel zerschmetterte einen Bergmann,»velcher so- sort todt»vor; zivei andere»vnrdeii schwer verletzt. Budapest, 7. Januar.(W. T. B.) Das Abgeordnelenhans erledigte in der Spezinldcbatte die Provisoriinnsvoilage. Für dieselbe stimmten die liberale Partei, die Nalionalpartci nnd die Volkspartei, dagegen stimmte die äußerste Linke. Paris, 7. Jannar.(W. T. B.) Von aulbenlischer Seile»vird die Nachricht von einen» Bündnisse zwischen England und Japan für falsch erklärt. Die japanische Diplomalie beobachte eine reservirte Haltung,»velche zn den» Glauben berechtige, daß sie Werth daraus lege, mit allen Mächten gleichinäßig srenndschastliche Be- ziehiingeii z» nüterhalte». Paris, 7. Januar.(W. T. B.) Der ehemalige Jnstizminister, Senator Trarienx, überreichte dem Kriegsminifier persönlich ein längeres Schreiben, in»vclchcm er unter andeii» fordert, daß eine neue Uiitersiichiing betreffs des Bordereans angeordnet und der Prozeß Esterhazy in»veilgehenstcr Ocffentlichkeit verhandelt werde »nd Wathien Dreysns mit seinein Rechtsbeistand der Prozeß- Verhandlung beiwohnen könne. GlaSgoiv, 7. Januar.(B. H.) Hier ist ein großes HandelshanS niedergebrannt. Vier Personen sind dabei in den Flaminci» um- gekommen; zwei Fenerwehrlente erlitte» Verletzungen. Der an» gerichtete Schaden beträgt 1 200 000 Franks. Suez, 7. Jannar.(W. T. B.) Um 9 Uhr vornnltag? passirte das deutsche Geschivader unter dem Salut des englischen Kreuzer? „Scont"»nd der Festung die Mündung des Kanals. Pcrth(West- Ansiralien), 7. Januar.(W. T. B.) Die Zoll- anits-Niederlage des hiesigen Bahnhofes mit einer Überaus großen Menge von Maaren ist völlig abgebrannt. Die Höhe des Verluste? ist»och nicht ermittelt. Hierzu 1 Beilage. de» Jnserateulheil veranUvvrllich: Th. Glocke»n Berliu. Druck und Verlag von Max Badiiig in Berlin. im. i5. mm Keilllge des Dmiick"§nkn MMdlM. srnM�müm. Volksmivth feh«ftliche Nun dfrh cr u. Zur Eiitwickelttttg deS moderne» Arbeitervertragsrechts. Die rechtliche Behandlung der Slrbeit. Von Professor Dr. W. En bemann zu Bonn. Jena 1896. Verlag von Gustav Fischer. Der Bonner Professor Endeinann giebt in dieser 68 Seiten um- fassenden Abhandlung einen auberordentlich iverthvollen Beitrag zni» Arbeiterrecht. Endenimm's Zivilprozeß- Ordnung. Urheberrecht, Handelsrecht, Eisenbahnrecht, vor allem aber seine 1874 bis 1883 erschienenen Studien in der roinanisch-kanonistischen WirlhschastS- und Rechtslehre unterscheiden sich von den ineisten sogenannten wissenschaftlichen juristischen Werken in vorlheilhafter Weise. Sie haben nicht das Bestrebe», lediglich Eselsbrücken für praktische oder unpraktische Juristen zu sei», sondern suchen mit geradezu bienen- haftein Fleib in das Wesen der Dinge und deren historische E»t- wickelniig einzudringen und dem Leser ein selbständiges Unheil zu ermöglichen. I» ersrenlichstcr Weise»»terscheidel sich der Bcifasser von de» hnndiverlsinäßigcn Juristen, die die Gesetze ohne Rücksicht auf den wirthschafilichen Werdegang betrachten und ihre Scheu vor wisscnschasilicher Arbeit durch byzantinische?ln- betnng des Erfolges und banausische Wichtigthnerei mit lleiulichem Kriniskrams glaube» ersetzen zu könne». Freilich Anhänger der malerialislischen Geschichtsaiifsassung ist Eiideman» nichts fast scheint es, als kenne er sie nicht eiiiinal. Aber die ohne Vomngcnommenheit«ingeschlagene Methode der historische» Schule bringt ihn der materialistischen Ausfassung unbewußt näher. Er rückt mit Entschiedenheit von jenen Rcchtsgelehrle» ein weites Stück ab, die das Siecht.aus sich selbst" oder ans„Rechtsbegriffen" kon- struiren: man konstruirt dann stets das heraus, was man von vornherein konstruirt haben wollte. Endemann fühlt ans fast jeder Seite das unzulängliche der juristischen Scholastik. Erstaunt schüttelt er seinen Kopf über jene Gelehrte, die Rechtssätze nicht aus der reesien Wirklichkeit, nicht aus de» Bedürfnifsen der Werkthätig- kcit ableiten, sondern nach vermeintlich aprioristischeu Müttern und metaphysischen Väter» für Neckt und Gesetz suchen. Der eine hat„ein göttliches Recht" als Urquell erschaut. Der andere sabulirt vom„Bernunslrecht". Ein dritter weiß vom Naturrecht, der„Ritter vom freien Willen" von einem„fingirten Vertrag" als d�r Grundlage des Rechts zu erzählen, den jeder einzelne Bürger mit dem Staate durch die Gesetze schließe. Diesen phantastischen Grübeleien und bodenlose» Vorstellunge», die neben den juristischen Machtanbelungstheoretikern noch heut« in des gelahrten Deutsch- lnnds juristischer Literatur herrschen, steht Endemann's Abhandlung fern. Er sucht dem Quell des Rechts, dem wirthschastlichen Be- dursniß und seiner Entwicklung nachzuspüren und aus den von diesen abgeleiteten Vorstellungen heraus zu urtheilen. Gerade daS von ihm geivählte Thema führte ihn noth- wendig zur Berurlheilung jeuer wunderlichen ideologischen Juristen, die die Wirklichkeit in das kurze und schmale Prokuftusbett z» zwingen suchen, das irgend ein eingetrocknetes Männlein für ganz andere Verhältuifse vor mehr als tausend Jahren gezimmert und das vielleicht noch eine kurzsichtige Philologenseele verschnitten hat. Freilich ist auch Endemann aus den Eierschalen der ideologischen Betrachtung durchaus noch nicht heraus. Ein fast wehmüthiges Bckenutuiß deS siebzigjährigen Gelehrten liegt in dein, was er als Zweck seiner Arbeit bezeichnet.„Die Nebersicht," führt er aus,„die im folgenden dargeboten werden soll, zeigt, welche Verschiedenheit in verschiedenen Zeiten geherrscht hat, führt zugleich zu der Eikenntniß, daß uns noch viel an voller, de» soziale» n n d wirthschastlichen Zu- ständen entsprechender Würdigung der Arbeit alS Gegenstand der Rechtsgeschäfte fehlt." Als Hauptziveck seiner Arbeit bezeichnet Endemann de»„Nachweis, zu dem gerade die von ihr behandelte Materie ausfvrderi, wie mühsam und ungenügend biS in die Neuzeit hinein die Rechtsivisfenschasi sich mit dem Wechsel der realen Zustände abgefunden hat, und w i e n o t h w e n d i g e S e r s ch e i n t, s i ch v o n d e n, s ch e m a- tischen Festhalten überlieferter Rechtsbild nng, die aus ganz anderen Verhältnissen stammt, loszumachen. frisch und frei die uns jetzt umgebende Wirklich- keit zu erfassen." Der Verfasser bemüht sich daim in 8 Abschnitten die Behandlung oder Mißhandlung deS Arbeitsvertrages in den verschiedensten Zeilperioden darzulegen. Der erste Abschnitt behandelt das römische Recht, der zweite den Einfluß des kanonische» Rechts, der dritte die EntwickelungdesArbeilsverhältnisses inDeutschland bis indas 18. Jahr- hundert, der vierte die Gesetzgebung und Rechtswissenschaft bis zu liuserer Zeit, der letzte die Regelung des Arbeitsvertrages im Bürger- lichen Gesetzbuch. Echo» diese Eintheilung zeigt, daß der Verfasser sich von der ihm als Juristen und Nechtshistoriker seit einem halben Jahrhundert gewohnten Betrachtungsweise, die er selbst als schematische dezeichnet, nicht gänzlich loszulösen vermag. Dieselbe Empsindung ruft die AuSwahl der benutzten Literatur hervor. Die rein juristische Literatur ist in der sorgfältigsten, ausgiebigsten Weise benutzt. DaS Gegentheil ist bezüglich derjenigen Literatur zu sagen, welche die w i r t h f ch a s t l i ch e Grundlage der verschiedenen Zettperioden behandelt. Bon national- ökonomischen Betrachtungen ist fast nur da» benutzt, was juristisch« Echrislsteller(Herrinann, Tydemann, Dankwardt. Oert- mann, Jhering, Mommseu) in unzureichender Weise darbiete». Die ökonomische Basis der verschiedenen Entwickelungsstuscn der Gesell- schnft und die daraus resullirende Vcrschiedeuartigteit der Auf- sassung des Arbeitsverhältnisses schwebt dem Verfasser mehr als undeutliche Ahnung, wie alS feste Erkeunlniß vor. Nnd dennoch hat das gründliche Studium der früheren und der vorhandenen Rechisquelle» dem Verfasser die Erkenntniß aufgedrängt, daß die Regelung des Arbeitsvertrages weder im be- stehenden Stecht noch in» Bttrgerltcheu Gesetzbuch den»virthschaft. lichen Bedürfnissen genügt. Endemann geht bei Betrachtung der verschiedenen Perioden »»esentlich von der Erkenntniß aus, daß die moderne Arbeit nicht Sklavenarbeit sein kann, sondern auf einem Verlrag freier Leute beruhen müsse. Schon bei Betrachtung der Darlegung des altrömische» Rechts hebt er zutreffend die der Wirklichkeit abgeivandleVehmidlungsweiseder nioderuen Zopf- nnd StaatS-Juristen hervor.„Es ist", führt er aus,„an die Aufgabe, anschaulich darzu- legen, wie die gesammte ökonomische Thäligkeit beschaffen war, noch niemand ex profeaso herangetreten. Gerade nach Berücksichtigung dieser Aufgabe muß aber die Rechtsgeschichle das größte Verlange» empsinden, weil daraus ein ganz anderes Verständntß der RechlSbildnng eiilfpring», als auS der Aufzählung dessen,»vas nach und nach v e r m e i n t l i ch n u r ans sich d e r j u r i st i s ch e B e r st a» d zu weg« gebracht haben soll. Das gilt insonderheit von dem Zweige des»virthschaftliche» Lebens, init dem wir u»S hier beschäftigen, von der Arbeilsthätigkett und deren Behandlung. So viel ist oft genug gesagt ivorde» und allbekannt, daß die Produktion auf unsreier Arbeit beruht«, frei« Arbeit nur in beschränktestem Maße als Faktor der Gütererzeuguug inilivirkte. In vollstem Gegensatz zu � der Gegenwart, in der frei« Arbeit alle Produktionen, allen Güter- Umsatz schafft, die Pflicht n»d die Zierde jeden Bürgers, die Grundlage der ttulturentwickclung der Völker bildet, wurde nach römischer Grundidee Hebung wirthschastlicher Arbeit durch Freie mißachtet und zurückge- drängt. Daher das große„Vakuum", welches für uns das römische Stecht in der Behandlung der Privalrechtssätze über das Arbeits- verhältniß außerhalb deS Sllaventhums zur Erscheinung bringt." Bei de» Römern wurde die Arbelt durch Sklaven verrichtet, diese waren rechtlos. Dem freien Mann ziemte nach römischer Rusfassnng nicht die entgeltliche Aufwendung seiner Kräfte für einen anderen. Denn dadurch stellte er sich in eine dein Freie» ungehörige Botmäßig- keit unter den Arbeitgeber. Von diesem Gmndsatz schuf das wirlh- schastliche Bedürsniß allmälig einige Abweichltiige». Mit recht hebt Endemann hervor, daß ein großer Theil unserer modernen Juristen noch immer unverdrossen die Grundsätze des auf Sklavenarbeit be- ruhenden römische» Sticht? ans die modernen ans freier Arbeit be- ruhenden Verhältnisse anwendet. Diese Behauptung ist zutreffender als Endemann selbst vielleicht annimmt. Soweit unser« modernen Juristen Würmer sind, die von todtcin Holze leben, ereignet es sich leicht, daß sie selbst heut« noch als Voraussetzung eines Arbeitsvertrages ein„wahres Abhängigkeitsverhällniß" be- trachten. Wir haben wiederholt auf derlei Ungcthüme von Gerichts- erkenntniffen hinweisen müssen. Ter Arbeiter erscheint jenen immer noch als eine Art Höriger, der nicht nur seine Arbeitskrast, sondern seine gesammte Person dem Arbeitgeber verdungen hat. Es können solche Erkenntnisse sich ja fast mit recht darauf berufen, daß auch die Mehrheit des Reichstags vo» demselben Tiefgrad ökonomischer Kenntnis! beherrscht wurde. Entschlüpste doch seinerzeit der Kom- Mission für daS Uiisallversichermigs-Gesetz der pyramidale Ausdruck: „das gewerbliche nnd sonstige Gesinde". Ter Abschnitt der Endemann'schtn Abhandlung, welcher sich mit der kanonistischen Lehre befaßt, enthält in gedrängter Kürze eine Darlegung der mittelalterlichen wechselreichen Erörterungen, ob es nach christlichem Rechl zulässig sei,«inen Menschen als Sklaven zu behandeln. Endemann führt zutreffend an, daß das Christenthum keineswegs der Sklaverei ein Ende gemacht habe. Im Gegentheil: Die christlichen römischen Kaiser und bis an das Ende des 16. Jahr- Hunderts eine große Reihe kirchlicher Gelehrter und Würdenträger anerkennen das{Jnstilnt der Sklaverei. Sie vertreten die Ansicht, die Sklaverei sei nicht abzuschaffen. Das wellliche Gesetz(corpus iuris) billige sie, die Bibel heiße im alten wie im neuen Testament die Sklaverei gut, selbst der Heide Aristoteles wird zur Recht- ferligung der Sklaverei herangezogen. Airchenmänner wie Isidor»», Augustinus, GregoriuS, Thomas von Aquino, werden von den Lobrednern der Sklaverei ins Feld geführt. Päpstliche Er- laffe. unter andere» solche die das Recht ertheile», in Bann erklärte Personen zu Sklaven zu machen, werden als Zeugen der Nolhwendigkeit oder mindestens Erlaubthcit der Sklaverei herangezogen. Ans der anderen Seite fehlt es auch ans kirchlicher Seite durchaus nicht. an Stimmen, die nicht nur die Sklaven auch als Menschen behandelt wissen wollten, sondern die auch die Knechtschaft für ein unnatürliches, gegen göllliches Gebot streitendes Verhältniß erklärten. Die letztere Ansicht drang schließlich durch. Endemann entgeht der Umstand nicht, daß das Kontingent von Arbeitsthäligkeit, ivelches das Eklaventhum für das wirthschaftliche Leben im Mittelalter lieferte, an Umfang und an materieller Bedeutung längst nicht mehr mit dem der antiken Welt zu vergleichen war. Der Grundsatz, daß alle Arbeit auf freiem Verlragsimllen beruhen soll, mußte infolge der ökonomischen Ver- Hältnisse sich in dieser Periode Anerkennung erringen. Die Arbeits- kräste im Hause, im Handwerk, in der Industrie waren sast nur, die in der Laudivirlhschaft zum großen Theil« ArbeitSkrästc Freier. Eudeiuann fällt aber in den Fehler der von ihm selbst an ver- schiedencn Stellen init recht getadelten Juristen, die den Gang der Welt aus dem Juristeuyerstand heraus erklären möchten, zurück, wenn er meint:„nach der christlichen Lehre, welche das wirthschaftliche Leben durchdrang, erschien Arbeil als eine ethische Haupt- pflicht des Menschen, Uebung wirthfchaftlich nützlicher Arbeit stets ihrcS Lohnes werth." DaS Umgekehrte ist richtig: nicht die christliche Lehre beeinflußt« das ivirlhschaftljche Leben, sondern die für alle Verhält- niffe lo anschmiegsame christliche Lehre wurde durch die wirthschast- liche Lehre beeinflußt. Den Unlerba» giebt die wirthschaftliche Ent- Wickelung, die Entwicklung der Manufaktur, der Siädie ab; auf diesem Unterbau beruhte die Wandlung in der Auffassung der chrift- lichen Scholastiker. Gerade der allmälige Umschlag in der Auf- sassung kanonischer Theologen und Rechlsgelehrter ist geeignet, auch dem verbohrtesten Idealisten diese Wechselbeziehniig zwischen der ökonomischeii Grundlage einer Gesellschast nnd ihrem ideologischen Ueberban stnnenfällig klar zu machen. Der Betrachinng der Eutwickelung der Dinge in Deutschland bi? in das 18. Jahrhundert ist der dritte Abschnitt geividmet. Klar stellt sich dem Verfasser die Rolhivendigkeit vor Auge», den wirlh- lchaflliche» Verhälinisse» entsprechend, volle rechtliche Freiheit des Arbeiters zu schaffen. Umpillig schüttelt er den Kopf über die vertrocknete Scholastik der, Gelehrten". Debattirt doch ein solch' Schul- iveiser(BriunliS Menandri) allen Ernstes noch im 17. Johrhnnderl in langalhinigei! AuSsüdruiigen darüber, daß eS«mpsehlcnswerth sei. die echte römische Sklaverei in Deutschland zur Einsührung zu bringen. „Mit dem End« de? 13. Jahrhunderts hätte die Doklrin nnd die Gesetzgebung", meint Endemann,„vollends Ursache gehabt, andere Bahnen einzuschlagen, nunmehr sich des Vertrags über frei« Arbeit aiiznnehinen. Die Maßnahmei! der Revolution hallen in Frankreich alle Unfreiheit der Person«in für allemal beseitigt." Bei näherer Betrachlung der Gesetzgebungen und der juristische» Literatur vermag der Verfasser allerdings mit dem Geständniß nicht zurückzuhalten, daß eS in Deulschland mit der juristischen Entivickelnug des Arbeits- verirages außerordentlich langsam ging. Die juristische»„Gelehrten" sind eben mit Scheullappen gegenüber den wirthschafilichen Grund- lagen versehe», welche sie hindern, die wirthschafilichen Bedürfnisse und zeitgemäße Forderungen zu erkeimen. Ein» erfreuliche Ausnahme macht der tloäo civil. Per im Anfang dieses Jahrhunderts erschien..Offenbar", meint Endemann mit recht,„ivehte hier in beziig aus Mürdigniig de» Dienst- und ArbeiiSveriragcs vom durchschlagenden Prinzip der freien Arbeit ans eine Stimmung, welch« die in Deutschland herrschend« der Lehr« und der Gesetz. gebmig weit überflügelte." Den Schluß der Endemaun'schen Arbeit bildet eine kurze Kritik der Regelung des Arbeitsverirages im Bürgerlichen Gesetzbuch für Deulschland. Hier tadelt er insbesondere, daß von einem Streben nach schlüssigem Zusainmenfaffei! alles deffen, was hierzu gchört, nichis zu gewahren ist, daß sich im Gegentheil viel Zer- splitlcrung zeigt. Er hält die au da» römisch« Recht sich aulehueude Scheidung zwischen Dienst- und Werkvertrag mit recht für verfehlt. Er irrt aber, wenn er annimmt, der Gegensatz von Zeit« und Slücklohu-Arbeit sei identisch mit dem zwischen Dienst(Arbeit»-) und Werkverdingiings- Berti ag. Dieser Jrrlhum ist begreiflich, weiin man die herrschende Unklarheit der Juristen über die wirklichen Verhältmsi« in Rücksicht zieht. Die Akkordarbeit darf mit der Werkverdinanng nicht verwechselt merdeu. Dienstmieth« lieg« vor. wenn die Arbeiiskrast verdungen wird, während ein anderer Verlrag, nämlich Werkverdingungs- vertrag, vorhanden sei. wenn die Herstellnng eine» bestimmte!, Werke», z. B. die Herstellung einer Brücke,«ine» Anzuges, eine» Baues und dergleichen vereinbart wird. Für beide VertragSarte» verschiedene Regel» ailfziistellen. ist»utreffend. soweit es sich um nicht gewerbliche A r b e i l handelt. Eo ist z. B. die Anfertiglliig eine» Anzugs für den SanitätSrath Hilf ein Werkverdingnngsvertrag, der wie«n Kauf zu be, irlheilen ist. Hat aber der Schneidergeselle Fertig für da» Gewerbe de» Schneidermeisters Fips einen Anzug zu fertigen, so liegt kein Wcrkverdingiings-Vertrag. sondern«in gewerblicher Arbeitsvertrag vor, bei dem die Arbeits- 1 kraft in Zeitlohn, in Stücklohn oder ln einer anderen Lohnsorm vergüligt wird. Mit Unrecht wendet man die erwähnte Unter- scheidung zwischen„Dienstiniethe" und„Werkverdingiing" auch auf die verschiedenen Lohnsormeu des geiverblichen ZIrbeilsverlrages an; es ist der geiverbliche Arbeilsverlrag, mag die Lohnsorm sein, welche sie wolle, nie Werkverdiugungs-Berlrag. Die gegenlheilige Ansicht beruht aus Verkeiiinnig der ivirihschastlichcn Grundlage des Arbeits- Vertrages, der sozialen Verhälinisse und deren Entwickelimg sowie aus Unkenntniß der heutigen Produklionsireise. Zeitlohn nnd Akkord« lohn bilden nicht verschiedene Arten des Arbeitsvertrages, sie ent- halte» nur eine andere L o h n s o r m. Bei den, Akkordlohn bildet nur scheinbar nicht die Zeit, sondern die thatsächlich erfolgte Leistung den Gradmesser für die Berechnung der Lohnhöhe. Das ist jedoch nur Schein, thatsächlich bildet auch beim Akkordlohn die auf die Leistung der Arbeit verwendete Zeit das Maß sür die Lohnhöhe. Die Mühe und Kosten der Kontrolle über die Zeildauer der gedliiigeuen Arbeitskraft und der Beauf- sichtiguug über die Art der Acbeilsleistiiug bei», Zeitlohu verringert sich in erheblichem Maße, wenn eine Lohnsorm zur Anwendung gelangi, die selbst die ikontrolle und Beanssichliguiig übernimmt oder mindestens iheiliveise übernimmt. Diese Form ist der Akkord- oder Stücklohn. Er kommt dadurch z» stände, daß der Arbeitgeber berechnet (oder durch seine Angestellte» oder durch seine Fnchgenosscn be« rechne,, läßt), üneviel Stuck einer bestimmte» Maare durch- schniltlich iniierhalb einer bestimmten Zeit verfertigt werden. Danach bemißt er de» Preis sür das Anserlige» eines einzelnen Siückcs. Das ist eine wohl jede», werklhäligen, sicher jedem gewcrk- schastlich orgnnisirlen Arbeiter geläufige ökonomische Erscheinung, die aber dennoch de» i» römisch-rech, lichem Sklavenhimmel anf- crzogeiicn Juristen leider noch immer mit selleneu Ausnahmen un« bekannt ist. Will man eine für»nsere Verhältnisse paffende Nnterscheidung finde», so innß man ans das Charakteristische unserer Prodnkiions- weise zurückgehen.'Das Charaltensiische der heutigen lapilalistischen Produktionsweise, daß der Arbeiter seine eigene Arbeitskraft als Waare für das Gewerbe eines Andere» verkauft, fehlt« der ans Sklavenhmschaft beruhende» römischen Wirth- schaflswcise oder bildete wenigstens eine seliene Ausnahme. Eine Gesetzgebung, die nicht absichtlich die feudalen Ver- Hältnisse konserviren und aus Begriffe» heraus, die in sllaven- rechtlicher Wirlhjchaflsorduiing wurzel», den moderne» Arbeitsverlrag regeln will, muß also de» eigentlichen Llrbeilsvertrag an die Spitz« der Arbeitsvertragsverhällnisse stelle». Dieser eigentliche Arbeits- vertrag ist'derjenige Verlrag,„durch welche» der Arbeitnehmer sich verpflichtet, eine» Theit seiner geistige» oder körperliche» Arbeitskrast sür die häusliche Gemeinschaft, ei» ivirthschaftliches oder gewcrb- liches Unternehmen des Arbeitgebers gegen eine» vereinbarten Lohn zu verwenden". De» Bemühungen»»serer Fraktion ist es ja be- kaiiiitlich gelungen, diese Zlnschanniig insosern zum Durchbruch zu bringe», als der Sieichstag eine Resolnlio» annahm, daß diese Art Arbeitsvertrag einheitlich geregelt werden solle. Ter reaktionäre Charakter deS Bürgerliche» Gesetzbuchs zeigt sich insbesondere i» der Möglichkeit der Ausrechterhatlnug der landes- rechtlichen G e s i» d e- O r d n u n g e». Endema»» wendet sich gegen die dadurch de», Gesinde und einem große» Theile der ländliche» Arbeiter zugewiesene ansnahmerechlliche Stellung, die dem Grundsatz der. rechtlichen Freiheit des Arbeiters schuurstraks zuwiderläuft. Völlig berechtigt weist Endemann auch darauf hin, daß das Urtheil ans Ersültung einer Arbeitsleistung und die Aus- sühruiig solches Urtheils durch Zwangsvollstreckung(Hast) der rechtlichen Freiheit widerspricht und daß eine Einschränkung der Lohnbeschlagnahme erforderlich sei. Selbst»ach römische», Siecht konnte bei verweigerter Arbeitsleistung nur das Vennögensinlereffe gefordert werden. Denselben Grundsatz stellte der codo civil auf. Unsere Zivilprozeß- Ordnung oder richliger die ans gr»»d derselben gcbildele Praxi» einiger„gelehrter" Richter geht ja gar dahin, Haft zur Erzwingung der Foilsetznng eines Arbeitsverhältnisses zuzulassen. ES wird Ans- gäbe»»serer Genossen im Reichslage sein, bei der jetzt vorgelegte» Novelle zur Zivilprozeß-Ordnnng ans Beseitigung dieser indirekte» Schnldbaft und Beschränkuiig der persönlichen Freiheit bedacht zu sein. Ende», an» hofft, daß die Wissenschaft eine bessere, den wirlh- schaftliche» Bedürfnissen entsprechende Regelung des Arbeitsvertrages zeitigen werde. Er schreibt:„Bon der wirthschastlichen Erkenntniß ans müsse» wir den»msassendste» einheitliche» Begriff der Arbeit schöpfe» nnd zu», Ausgangspunkt auch der juristische» Bchandliing nehme»", und der Schlußsatz:„Wer es unternähme„liier den RechtSgelehrte», sich des Themas von der Arbeit»»d dem Arbeits« geschäft gründlich, so wie es die heutige» Zustände fordern, zu bemächtige» und dasselbe t» seinen vielverzweigten Erscheinimgen geschichtlich und den heutige» Verhältnisse,, entsprechend zu verfolgen, würde sich kein kleine» Verdienst erwerben." Der greise Forscher dürste bei diese», warmen Appell die wissenschaftliche Leist,»igssähigkeit der Juriste» und die Kraft der juristischen Wisse»- schast im Zeitalter der Stumm- Posadoivsky außerordenllich überschätzen. Jndcß sei dem, wie ihm wolle, die Endemann'sche Arbeit wird für jeden, der die vo» seinem Ver- faffer erwünschte Arbeit de», Ziel« näher führen will, eine lebhafte Anregung bilden. Erleichtert wird die Schaffung eine» einheitlichen, der modernen Produktionsweise entsprechende» Arbeitsvertrages durch die Einheitlichkeit des sonstige» bürgerliche» Recht». Freilich dars vor alle», bei Ausgestaltung des Arbeitsvertrages eins nicht über- sehe» werde», das Endema»» sast nicht berücksichtigt hat. Die r e ch> l i ch e Freiheit ist allerdings die Voraussetzung sür die Möglichkeit,«ine» Arbeitsvertrag abzuschließen, und daher schon ist es erforderlich, alle aus der rechllichen Freiheit der Arbeiter folgende» Konsequenzen zu ziehen. Dahin gehört insbesondere die Freibeit des Koalilionsrechtö. Mit de» Konsequenzen der rechtliche,, Freiheit allein ist«S aber nicht gelha». Diese rechtliche Ebe» büriigkeit ist eine nur scheinbare Freiheit, weil der Arbeiter wirtlischnsllich»»selbständig ist, seine Freiheit also lediglich in der Freiheit besteht, ob er sein« einzig« Waare, seine Arbeitskraft, unter ihrem Werth an Andere veräußern oder— ob er hungern will. A» stelle der Lede, peitsche»nd des Stocks, durch die der altrömische Sklavenhalier seinen Sklave» zur Arbeit zwingen konnte» ist die Hungerpeiische dem modernei, Arbeiter gegenüber getrete», der sich i» wirthschastlicher Botmäßigkeit der Uuternehmerklasse gegenüber befindet. Sogenannte Arbeiterschntz-Bestimninngen sind der wirthschast- liche» Macht deS Unlernehmerthums gegenüber dringend erforderlich, wenn nicht die„ V e r t r a g s s r e i h e i t" der Arbeiter ein« bloße Phrase bleiben soll. Um Arbeiterschntz-Bestimmlmgen zu erreiche», die als zwingendes Recht jedem N»Ier»ih»iergege»Nber oh>,eW-itereS gelten, nützen jnristich« Wiffenschastler wenig. Arbeit«rsch»tz-B«slim»,»»,ge» können»»r durch Zusammenschluß der Arbeilertlasse in gewerkschast» liche» und politischen Vereinig»»««» errungei» werde». Je ,»,» verhüllter die wirthschasiliche Macht des UnternehmerthuinS sich in der Gesetzgebung und de» Verwaltnnaskörper» widerspiegelt, desto dringender ist die Nolhivendigkeit, die Indifferente» anszurültel», um den Weg der Erlang»»» der volitischen Macht für die Arbeiterklaffe abzukürzen. Je meyr politisch« Macht die Arbeiterklasse geivi»»». desto deutlicher wird ihre Macht sich, wen» auch laugsam i» der Gesetzgebuna wiederspiegeln. a. st. MommunÄres» V» Fortsehnug seiner Berathungen zur Fertigstellung de? S t a d t h a u S h a l t s- E t a t s pro Iö98/gg stellte dns Magistratskollegium den Eiuzelctnt für dos Arbeitshaus in Rumiuelsburg in Einnahine mit 170 277 M>. in Ausgabe mit V(10ö34 M. fest, so dah ein Zuschuß von 330 357 M. erforderlich wird. Die Durchschnittszahl der Insassen des Arbeitshauses ist täglich ans 1000 Köpfe festgesetzt.— Der Spezialetat des städtischen Obdachs nnd der damit verbundenen Desinfektionsanstalt und der Hilfsstation siir Geschlechtskranke ist in Einnahine mit 27 692 M. und in Ausgabe mit 364 060 M. festgestellt.— Der Etat der D e s i n f e k t i o n s a» st a l t in d e r R e i ch e n b e r g e r» st r a ß e schließt in Einnahme mit 35 650 M. und in Ausgabe mit 171263 M. ab. so daß ei» Zuschuß von 135 618 M. zu leiste» ist.— Der Etat für das Friedrich Wilhelm s-Hospital und die S i e ch e n a u st a l t e n ist in Einnahme mit 64 600 M. und in Ausgabe mit 582 900 M. seftgcstellt und erfordert daher einen Zuschuß von 513 300 M.— In bczug auf das Deiirmal der Märzgefallenen hat das Magistratskollegium beschlossen, die Angelegenheit in der bestehenden Subkommisston des Magistrats, verstärkt durch den Oberbürgerineister, zu verhandeln. DaS Projekt des N l s e n b r ii S e u- U ni b a n e S wurde nach Beschlüssen der Baudepntation genehmigt. Zu der am Sl. Januar er. anberaumten Konferenz zur Er- r i ch l u n g von kaufmännischen F o r t b i l d u n g s- u n d Fachschulen hat das Magistratskolleginm ans Einladung des Handclsministers beschlossen, den Stadlschulralh Dr. Bertram und Stadlrath Dr. Weigert zu dcputiren. Tie Gchaltsticrhältiiifse der Lehrer der höhereu Lehr- anstalten wurden vom Magistratskollegium im wesentlichen nach den Ansätzen für die staatlichen Lehrer beschlossen. ITolmlvS. Die Adressen der PresskommissionS-Mitglieder sind: Für den 1. Wahlkreis: I o h. Timm, Annenstr. 38. IV. Karl W o l d t, Kanonierstr. 13, I. Für den 2. W a h l k r e i S: Ferdinand Ewald, Schönleinstr. 6. Gustav Bartsch, Golhstr. 28. Für den 3. Wahlkreis: W. Schölzel, Marianiienplatz 5. A. Wartenberg, Louisen-Ufer 39. Für den 4. Wahlkreis: Paul Hoffmann. Oppelnerstr. 21, v. II. W. Schulz, Weidenweg 5, IV. Für den 5. Wahlkreis: Leopold Liepmann, Linienstr. 25. A. Roth. Schönhauser Allee 2, rechter Seitenfl. IV, Für den 6. Wa hlkreis: Adolf Jacobin S, Diedcnhofenerstr. 4, Hof IV. Franz Starosson, Wollinerstraße 58. Für Teltow- Beeskow: PH. Thomas, Nixdorf, Bergstr. 162. Für N i e d e r- B a r n i m: Emil Gerste n berger, Weißensee, Wilhelmstr. 3, I. RobertPasewaldt,„ Streustr. 120, IH. Alle hier genannten Parteigenossen nehmen Beschiverden, An- regiu, gen:c. entgegen. Die Partcigcnosscn im 6. Wahlkreise werden ans die öffentliche V c r sa»i M l n n g für Männer und Frauen ausmerksam gemacht, die am Sonntag Abend 6 Uhr im Cösliner Hof, Cösliner- straße 8, stattfindet. Reichstags-Abgeordneler Roberl Schmidt referirt über das Thema„Politische Tagesfragen". Nach der Ver- sammluiig findet gemnthliches Beisammensein statt. Zur Lokalliste. Die Genossen Berlins werden darauf auf- nierksam gemacht, daß das Lokal von Kintz n. Co., Alte Jakob- straße 83, für Versammlungen nicht mehr zu haben ist, da der Wirth seine Nnterschrist verweigert. Die Lokalkominission. Die vaterländische VerlagSa, istalt, die identisch ist mit dem Stöcker'schen Volke, empfiehlt des Messerstechers Fischer Schrift „Der Werth der Sozialdemokratie" trotz der Feststellungen über den Verfasser dieser Schrift. Ein Zeichen, wie gering dieser Verlag sich selber einschätzt! Die Anzahl der Geburten in Berlin ist nach den amllicheii Mittheilimgen, welche in dem soeben ausgegebenen Jahrbuch der Stadt Berlin 1395 veröffentlicht sind, seit dem Jahr 1376 in fast ständigem Rüefgauge. Im Jahr« 1876 fielen noch aus 1000 Ein- wohner� 47,17 Geburten; die Gebnrlsziffer war im Jahre 1386 bereits auf 35,60, in den folgenden Jahren auf 35,24, 34,56, 34,00, 32,98, 33,60, 32,56, 31,47, 30,12 gesunken. Im Jahre 1895 betrug die Gebnrlsziffer nur noch 29,38 auf 1000 Einwohner und blieb noch hinter der des JahreS 1814, wo sie 29,8 betrug, zurück. Es wäre, so bemerkt das Jahrbuch, irrig, aus diesen Zahlen aus eine entsprechende Abnahme der ForlpflanznngS-Verhältnisse zu schließe», vielmehr dürfte der bei der Betrachtung des Verhältnisses lder Geburtenziffer zu der Gesammtzahl der Einwohner auffallende Rückgang wesentlich auf die eigenthümliche Zusauiinensehung der großstädtischen Bevölkerung zurückzuführen sei». Diese Anficht wird zutreffen. Ist doch die Schwankung in der Zahl der Heirathen eine weit geringere. Es kommen nämlich auf je 1000 Einwohner Ehe- schließungen im Jahre 1886: 21,61, in den solgendeii Jahren bis einschließlich 1895: 21,91, 21,92, 22,33, 23,01.22,17.21,10.20.33. 20,47, 20,75. Ferner hielten sich die Zahlen der Eheschließungen, sämmtlicher Geburten und die der nnchelichen Geburten in ziemlich gleichem Vcrhältniß. Es wurden nämlich Um ein durchaus zutreffendes Resultat darüber zu erzielen, ob tiberhanpt ein Rückgang in der Geburtenzahl stattgefunden hat, müßte man noch andere Momente, insbesondere die Zahl der Ehe- frauen in den verschiedensten Altersklassen von Jahr zu Jahr ver- gleichen. DaS würde aber eine sehr langwierige Arbeit fein. Vielleicht kommen wir gelegentlich auf dieselbe zurück. Denn von recht erheblichem Interesse ist sicherlich die Frage, ob. inwieweit und welche Ursachen etwa die Fortpflaiizuiigsverhältnisse ungünstig be- einträchtigen. Nochmals die Sittenpolizei nnd der Fall Köppern Um für die Volksversammlung am 9. d. M. sicheres Material zu haben und zur Jnformirung, über die Sittenpolizei überhaupt, haben Frau Schulrath Caner. Fräulein Dres.Gebser und Angspiirg am Dienstag im Polizeipräsidium in die Abtheilung„Sittenpolizei" Einblick ge- sucht und wie die Damen mittheile», wirklich auch gefunden. Sie hatten eingehende Unterredungen mit Herrn Grafen Pückler, sowie mit mehreren Beamten, die in zuvorkommendster Weise ausführliche Erklärungen abgaben, und besichtigten sämmtliche Räume und Ge- wahrsame der Abtheilung. Am Mittwoch waren dann die Damen Augspnrg und Gebser in Pankow, um durch Fräulein Kövpen sich noch einmal eine Darstellung ihrer Sistirung geben zu lassen. Im wesentlichen wiederholte Fräulein Köppen daS, was ihr Vater erklärt hat. Sie erzählte von ihrer Verzweiflung, in der sie auf der Polizei- wache nicht geweint, sondern geschrien habe, deshalb sei sie auch auf der Bezirkswache nicht nach den Kellerräumen, wo sich das Gewahr- sam für die aufgegriffenen Mädchen befindet, gebracht worden, sondeni oben in der Wachtstube geblieben. Um Vs3 Uhr wurde sie nach dem Polizeipräsidium gebracht, gegen 2 Uhr kam sie endlich zu Hause a», wo bereits ihre Mutter, Schwester und ihr Bräutigam»ach allen Seiten ausgegangen waren, um sie zu suchen. Beschwerde gegen de» Verkauf von sterilisirtcr Wurst in der auf dem Viehhos belegenen Kochküche für minderwerihiges Fleisch hatte die Berliner Fleischer-Jniinng erhoben. Der Oberpräsideiil hat, wie berichtet wird, der Innung den Bescheid erlheilt, daß nach einem Berichte des Polizeipräsidiums der Pächter der Kochküche die Fabrikation solcher Wurst endgiltig aufgegeben habe. Die Konfiökati'ou des„Soz. Akademiker" und deS„Soz. Student", über die wir anfangs der Woche berichten, soll auf einen direkten Erlaß des Ministers hin erfolgt sein. Ob die Akademische Lesehalle nun wirklich für giftfrei gehalten wird? NahrungSiiiitteluntcrsuchimgcu. Im Monat November 1897 wurden in Berlin 208 Proben von Nahrungsmitteln untersucht und 33 davon beanstandet; je 12 Bcanstandungeu betrafen Butter und Milch. Die Milchnntersuchiing erstreckte sich auf 1483 Geschäfte mit 26 Beanstandiliigen, die Butteruntcrsuchung aus 315 Geschäfte mit 45 Bcanstandungeu. Die elektrische Straßenbahn SchlcsischcS Thor— Treptow über die Slralaucr Chaussee und Stralau soll möglichst noch im Sommer dieses Jahres zur Eiöffnung gelangen. Da jedoch der Spreetuiinel voraussichtlich nicht vor Einbruch des Herbstes fertig- gestellt sein dürste, so wird die Bahn vorläufig nur bis Stralau verkehren. Die Vorarbeite» für Legung der Geleise der mittels Akkumulatoren zu betreibenden Bahn werde» noch in diesem Früh- jähr in Angriss genoniinen. Die Gesellschaft beabsichtigt, die elektrische Bahn später nach den Vororten an der Oberspree weiter zu führen. Das Verbrecher-Albiim, welches die Berliner Kriminalpolizei im Jahre 1876 angelegt hat, enthielt am Schlüsse des Jahres 1895 in 17 Bänden 13 418 nicht retouchirte Photographien von 57 Mördern, 2793 Einbrechern, 931 Taschendieben, 521 Ladendieben, 721 Schlaf- stellendieben, 371 Banernfängern, 1038 Betrügern nnd Hochstaplern, 130 iiilernationaleii Verbrechern, 541 Boden-, Kolli- nnd Paletot- dieben, 1242 Prostituirlen, 1343 Zuhältern, 323 Päderasten, 325 Landstreichern und 1791 sonstigeii Personen. Mit Hilfe des Verbrecher-Albums wurden im Jahre 1895 Einbrecher in 10 Fällen, Taschendiebe in 15, Ladendiebe in 6. SchlassteUendiebe in 11, Be- trüger in 65. Bodendiebe in 10. Kollidiebe in 1, Falschmünzer in 4, Proslituirte in 5, Zuhälter in 1, Spieler in 1, Bauernfänger in 5, Päderasten in 2 nnd sonstige Personen in 10 Fällen, zusammen in 145 Fällen, rekognoszirt. Der Berliner Schriftsteller Dr. Richard Wrede, der seil dem 2. November in Wcichselmünde eine sechsmonatliche Festungs- hast verbüßt, ist flüchtig geworden. Er war am Eylvcstertag auf vier Sliinden heurlaubt und ist nicht wieder in die Festung zurück- gekehrt. Wrede war bekanntlich Redakteur der„Kritik". Der Schriftsteller Schwcnnhage», der in dem bekannten Prozeß Schwennhagen-Sedlatzek wegen Beleidigung deS Oberhof- meisters Frhrn. v. Mirbach vom Landgericht I Berlin zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt wurde, hat vorgestern nach Berbüßung dieser Strafe das Slrafgefängniß Plötzensee verlassen. Wie verlautet, geht Schwennhagen nach Numänien zurück. Mit dem Abbruch der Alseubrncke ist gestern begonnen worden. Die Ncctyleilbclciichtuitg. die probeweise in fünf Zügen der Stadtbahn eingerichtet ist, hat sich ganz vorzüglich bewährt. Trotz der größereu Leuchtkraft des Acetylengases verursacht der Verbrauch doch nur unerhebliche Mehrkosten gegen früher. Es sollen darum sämmtliche Züge der Stadtbahn und des Vororl-Verkehrs mit dieser neuen Beleuchtung versehen werden. Die erste Probefahrt mit dem für sie hergestellten Akknmn- lator-Omnibiis hofft die Neue Berliner Omnibukgesellschast demnächst unternehmen zu tönnen. Ei» Prcstpirat, dessen Treiben bereits zu gerichtlicher Be- strafung geführt hat, versorgte seit mehreren Monaten wieder ver- schiedene Berliner Zeitungen mit völlig erfundenen Nachrichten. Er giebl seine Meldungen unter sensationellen Spitzmarken, wie heute z. B. uuter„Aufgespießt" und„Mann über Bord". Wir sehen uns, so schreibt die„Post", diesen groben Unfug zu charakterisiren ver- anlaßt, weil der Mann heute sich erlaubt, auch uns eine derartige Einsendung zu machen. Er bezeichnet sich als Sporlagent Paul Höppner. Früher bezeichnete er sich auch als Monteur, noch früher als Kraiikenwärter. Damals nannte er sich Hoppe. Unfug. Die böswillige Alarmirung der Feuerwehr scheint sportmäßig betrieben zu werden. Es vergeht keine Woche, wo die Feuerwehr»icbl einige Male zum Schabernack gerufen wird. In der vorletzten Nacht geschah dies nicht weniger als dreimal allein im Stadttheil Moabit. Nur eininal, nachts um 31/, Uhr, glückte es, einen der Thäter in der Birkenstraße dingfest zu machen. Der Bursche gestand ein, den Feuermelder in der Birkenstr. 28 auch schon um 2>/« Uhr in Thätigkeit gesetzt zu haben, bestritt aber die übrigen Fälle. Der Frevler wurde der Polizei übergeben und sieht seiner Bestrafung wegen Verübung groben UnfngS. Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit und Beschädigung des Feuermelders entgegen. Die Berliner NufaNstationeu wurden im Monat Dezember 1897 in 1933 Fällen gegen 1306 im gleichen Monat 1896 für erste Hilfe in Anspruch genomnicn, 1632 Mal bei Unfällen und 306 Mal bei plötzlichen Erkrankuiigeii. In den Stationen wurden 1797, außer- halb der Stationen 141 Peilsoneii behandelt. Jnsgcsniiimt haben die Stationen während des verflossenen Jahres 21 043 Personen erste Hilfe gewährt gegen 16 003 im Jahre 1896 und 11 800 im Jahre 1895. Im letzten Halbjahr wurden 620 Verunglückte oder plötzlich Erkrankte in den eigenen iienen Krankenwagen der Unfall- staliouen nach den öffentlichen Kraiikeuhäusern oder nach ihren Wohnungen befördert. Das Polizeipräsidium theilt mit: Die Maul- nnd Klanen- seuche bei Rindern auf dem Grundstücke Lillhauer Straße 4 hier, ist erloschen. Eine»«ödtlichcn AnSgans hat ein Unfall genommen, den der Schornsteinsegergeselle Herrmauii Lutze auf einein Hause der Ranpachstraße erlitt. Lutze wollte, auf dem Schornsteine stehend, in diesen eine Kugel hinablassen, verlor das Gleichgewicht und stürzte zwei Meter tief aus das Dach hinab. Erschossen hat sich Donnerstag Abend der 33 Jahre alte Tele- graphcuanwärter Otto Knill aus der Georgenkirchstraße. Knill diente neun Jahre beim Militär, ging dann mit dem Zivilver- sorgungsschei» ab und war zunächst bei der Kriminalpolizei in Wiesbaden. Von hier kam er nach Berlin, um die Telegraphen- Nssistenteulaiifbahn einzuschlagen. Ein Kollege von ihm war während der Ausbildungszeit von einem Nervenleiden befallen worden und gestorben. Diesen hatte Krull am Mittwoch zu Grabe geleitet. Heute sollte er zu dem im März stattfindenden Hauptexamen eine schriftliche Vorprüfung machen; er fühlte sich nicht sehr stark und fürchtete, daß er nicht durchkommen werde. Vorgestern Nachmittag war er ans seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung, in der ihm eine Schwester die Wirlhschaft führte, weggegangen. Gegen zehn Uhr abends kam er zurück, ging an der Wohnung vorbei, setzte sich auf den nächsten Treppenabsatz zwischen dem dritten und vierten Stock und tödtete sich durch einen Revolverschuß in die rechte Schläfe. Einem Verbreche» zum Opfer gefalle»? Vermißt wird der Kaufmann Behrendsen, der ohne Familieuaugehörig« in Berlin lebte. Die alten Eltern wohnen in Hamburg. Seit vorgestern hat die Polizei sich mit dem Verschwinden des Vermißten zu beschäftigen. Läden und Kell« sind, eingedenk des Gönezischen Mordes, von der Polizei gründlich untersucht worden; es hat sich alles in peinlichster Ordnung vorgefunden, und man sah sofort, daß der Jnbaber des Ladens seine Vorbereitungen gelroffeu hatte, um das Geschäft am nächsten Morgen zu öffnen. Man ist sehr geneigt, an ein Ver- brechen zu glauben, da Behrendsen sich am 2. Januar Nachmittag fortgesetzt in Begleitung eines»nbekannle» Mannes besnndeii hak. Dieser soll merkwürdigerweise wiederholt, zuletzt des Nachts um 10 Uhr, in Behrendsen gedrungen sein, auf dem sliummelsburger See mit ihm Schlittschuh zu laufen. Bcliiendseii wußte aber, daß das Wasser noch nicht zugefroren war. Es ist daher nicht anzunehmen, daß er freiwillig aus den See gegangen ist. Behrendsen hätte sich 600 M. eingesteckt, um eine Nechnuiig zu begleichen. Zwei gewerbsmäßige Diebiiiiic», Mutter und Tochter, die beide erst vor kurzem längere Gefängnißstrafen verbüßt halten. Frau Heyne und Frau Sagorski, beide zu Schöneberg wohnend, sind bei einem neuen Diebstahl in Schöneberg ertappt und verhaftet worden. Tie Borsig'sche Mühle bei den Jndenwiesen ging gestern Abend gegen 9 Uhr in Flammen auf. Der Brand, weithin sichtbar, bot einen überwältigenden Anblick. „Kultur- Schaubühne" in dem Saale der königl. Hochschule, Pots- damerstr. 120. Unter diesem Titel wird die Direktion Dr. Köppen und Dr. Stödtner jeden Sonntag und Mittwoch ihre bisher im Urania-Thcater veranstalteten Vorstellungen vom 16. Januar fortsetzen. Eine Reihe nam- haftcr Gelehrter und Schriftsteller haben bereits Vorträge zugesagt, so: Prof. Dr. A. G. Meher, Fr..H. Meißner, Fritz Stahl, Prof. Dr. Max Schmid, Prof. Dr. E. Steindörf, Eugen Zabel, Direktor Schuby- Henke, unsere ersten Künstler, wie Liebennann, Begas, Dill, Klinger, Köpping, Lcnbach, Bartels, Uhde, Albcrtö, Leistikow n. a. werden es durch ihre Unter- stützung erniöglichcn, daß farbige Lichtbilder nach den neuesten Original- werken hergestellt werden, die dem Zuschauer eine möglichst getreue An- schauung vermitteln.— Am Sonntag, de» 9. Januar, und Mittwoch, den 12. Januar, finden als letzte Vorstellungen im Urania-Theater„Meister- werke der Renaissance" und„Max Klinger" statt. Die Nene Freie Volksbühne bringt am Sonntag, den s. Jannar, nachmittags 2'/, Uhr. im Thalia- Theater„Die Kinder der Exzellenz", Lustspiel in 4 Aufzüge» von E. v. Wolzogen und W. Schnmann zur Aufführung. Die Regie hat Clandins Merten.— Sonntag, de» 30. Januar, veranstaltet dieselbe einen Modernen Dichter- und Lieder-Abend in C o h n's F e st s a a l, B c u t h st r. 19. Tic diesjährige große Berliner KnnstäiiSstelluug im LandeS- AuSsteNungsgebäude wird programmgemäß am 29. April eröffnet und am 16. Oktober er. geschloffen. DaS Deutsche Kolonial-Mnseum wird im Frühjahr dieses Jahres eröffnet werden._ Sstts de«» Nnchbarortett. AdlerShof. Das Lokal des Herrn H e r r g u t h(früher Stippe- kohl) in der Oppenstraße steht der Arbeiterschaft zu allen politischen und gewerkschaftlichen Versammlimgen zur Verfügung. Es wird um zahlreichen Besuch der Metallarbeiter-Versaniniliing gebeten, die am Sonntag Nachniitlag 4 Uhr in diesem Lokale stattfindet. Die L o k a l k o»i in i s s i o n von A d l e r s h o f. Ten Genosse» vo» AdlerShof wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß die Gemeindewähler-Liste in der Zeit vom 15. bis 31. Januar ansliegt. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, sich davon zu überzeugen, ob er in derselben verzeichnet ist. Für diejenigen, die keine Zeit haben, erklärt sich Gustav Tempel, Kronprinzen- straße 6, gern bereit, die Wählerliste durchzusehen. Der V e r t r a u e u S in a n n. Steglitz lind Friedenau. Am Sonntag, nachmiltagS 3'/« Uhr, findet in Sieglitz, Ahornstr. 15», bei Schellhase eine Volksversanim- lung statt mit folgender Tagesordnung: 1. Die industrielle Eni- wickelnng und die bevorslehenden Reichstngswahleii. Referent Genosse Wagner- Berlin. 2. Diskussion. 3. Siclluiignahnie zu den bevor- stehenden Gemeindevertreler-Wahlen in Steglitz. 4. Verschiedenes. Arbeiter, Parteigeiioffen! Denkt an die bevorstehenden Itcichstags« Wahlen; unsere Gegner bieten alles auf, um die schon an und sür sich spärlichen Rechie der Arbeiter zu schmälern, und ist es daher Pflicht eines jede» Arbeiters, die Interessen der arbeilenden Massen zu unterstützen. Wir fordern Euch deshalb auf, in dieser Ver« sniiimlnng zahlreich zu erscheinen und dem Arbciter-Vilduiigsverein beizntreten, denn dieser Verein ist die einzige polilische Organisation am Orte, in welcher sich der Arbeiter Anftlärung nnd Bildung ver- schaffen kann. Nach der Versaiiimlmig findet ein gemüthlichcs Beisammensein statt. Zur Deckung der Unkosteii wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Der Vorstand. Tie Rixdorfcr Gemeindevertretung beschäftigte sich am Donnerstag mit dem neuen Lehrer-Besotdungsplan und faßte folgende Beschlüsse: Das Grundgehalt beträgt für vollbeschäftigte Lehrkräfte: a) Lehrer 1300 M., b) Rektoren 1900 M, c) Lebreriiinen 1150 M. Einstweilig angestellte lind solche Lehrer, welche noch nicht vier Jahre im öffentlichen Schuldienst gestanden haben, erhalten 1040 M., «iusliveilig angestellte Lehreriiinen 920 M. Die Alterszulagen be- tragen sür Lehrer und Reltoren 200 M., für Lehreriiiuen 130 M. Soweit die Lehrkräfte nicht«ine freie Dienstwohiiimg zu dem be- sonders dafür festgesetzten Werlhe erhalle», beträgt die bnar zu zahlende Mielhseiitschävigniig: a) für verheirathete Lehrer 450 M., b) sür unvcrheirathete Lehrer 300 M., o) sür einstweilig angestellt« oder noch nicht 4 Jahr« im öffentlichen Schuldienste stehende Lehrer 300 M., d) sür verheirathete Nektorcn 600 M., e) für uuverheirnlhcte Rektoren 400 M., k) sür Lehrerinnen 300 M. Der Rektor Glöckner erhält ei» Grundgehalt von 2500 M., 200 M. Alterszulagen und 750 M. Miethsentschädigung. Die jctzt widerruflich aiigestcllteu Hauptlehrer erhalten bis auf weiteres 200 M. Grundgehalt mehr, als ihnen in ihrer Eigcnschnfl als Lehrer zusteht, Alterszulagen wie als Lehrer und Miethsentschädigung bci eigenem Hausstände 500 M.. ohne solchen 335 M. Diese Besolduugs-Verorduung lrilt rückwirkend mit dem 1. April 1398 in kraft. AnS Rixdorf. Durch Erhängen mnchle der 36 Jahre alt« Arbeiter Herinanii Hähnel, Kopsstraße 34, seinem Leben ein Ende. Familieiizirnstigkeileii werden als Motiv der That bezeichnet.— Die Eiiiwohnerzaht»usercs„Torfes" beträgt zur Zeil zirka 73 990.— Die Regierung hat die Geuehinigiing zur Errichlung einer Real« schule in unserem Orte vorläufig versagt, weil die Gemeinde noch verschiedene Verpflichtungen gegen die Volksschule zu ersüllen habe und weil erst darüber Erfabruiigtii gemacht werden wüßten, welche» Einfluß da? neue Lehrerbesoldiings. Gesetz ans die finanzielle Lage der Gemeinde ansüben werde. Infolge dessen ist das Realschul» Projekt auf«in Jahr vertagt worden. Am ketzleu Soniiabcud ist ein etwa fünfjähriger Knabe am Wilhelmplatz in Charloltenburg dadurch verimglückl, daß er sich an einem in der Fahrt begriffeucii Molorwagen der Berlin- Char- loltenburger Straßenbahn von der Boidkanle ans zu schaffen machte, hierbei unter die Hintenäder gerielh, deren eines ihm über den rechten Fuß ging. Die Direktion hat diesen Vorgang dem Magistrat mitgetheilt»nd ihn ersucht, an die ihm nnterstellten Schulanstalten die Weisung ergehen zu lassen, daß die Schüler davor gewarnt werden, stch in'der gcinhrlicheii Nähe der Motorwagen auszuhallen und an und ans de» Geleisen serner zu spielen. Der Magistrat hat dem Ersuchen Folge geleistet. Ter merkwürdige Konflikt, tu welchen der Landrath des Kreises W e st p r i g» i tz in Peileberg mit dem dortigen Musikdirektor Gerlosf darüber gerathe» war. daß letzterer in seinem dem Landrathsamte unmittelbar benachbarten Hanse die Uebnnge» seiner Kapelle bei offenen Fenstern halte abhalten lasse», hat jetzt zn einem überraschenden Ende geführt. Der Landralh hatte nämlich dem genannten Kapellmeister das Offenhalten der Fenster während der Uebnngsstuiideii untersagt, weil das�Landrathsamt durch die vielen Mufikpiobeii in unangenehmer Weise gestört wurde. Diesem Verbote leistete jedoch der Kapcllineisler keine Folge, infolge dessen er seitens des Landraths mit einem Strafmandat bedacht wurde. Hiergegen erhob er Widerspruch und bcautragle richterliche Entscheidung. Und aus dieser ging er als Sieger hervor, sodaß er nach wie vor seine Mufikproben bei geöffneten Fenstern ausführen durfte. Der Landralh brachte nunmehr die Angelegenheit vor"den Svdltng, und dieser hat jetzt beschlossen, bn5 Grundstück des Mnsck- direktors Gerlvff für de» verhättnihmäßig hohe» Preis von S0 000 M.nk— anzukaufen. Sind denn dazu die Steuer- groschen nolhwcndig? In Erkner ist unter den frommen Kirchenvätern ein sündiger Shv>l ausgebrochen, welcher das dortige kirchliche Leben zu unter- graben droht. Ein Theil der Kirchenvertreter verlangt nämlich, daß in der Kirche beim Singen der Lithnrgie die Anwesenden sich von de» Plätzen erheben, indessen der andere Theil gegensätzlicher Ansicht iü n»d beim Singen der Lithnrgie hartnäckig sitze» bleibt zum schaudernden Eulsetzen der Ausständige». Darob wüthet nun eine grimme Fehde in Erkner, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Und dies trotz der»enerbanten Kirche! Iii Köpenick hat eine stattliche Zahl von Geschäftsleuten sich dahin geeinigt, daß um 9 Uhr abends die Läden geschlossen werden. Derartige private Vereinbarungen haben erfahrungsgemäsi nickt den geringsten Werth. Sobald irgend ein Konkurrent eine Viertelstunde länger geöffnet hält, glaubt auch der prinzipienfesteste Geschäftsmann ein gleiches thnn zu müssen. Nur durch das Gesetz kann Ordnung geschaffen werden. 9Inf der Landstraße ist am Donnerstag Nachmittag zwischen Spandau uird Döberitz der 13 Jahre alte Arbeiter Wiüy_SZredoiv überfallen und beraubt worden. Er war von Berlin nach Spandau gewandert, um sich dort nach Arbeit umzusehen. Da er keine fand, so folgte er dem Nathe zweier Leidensgefährte», die er in Spandan kennen lernte, mit ihnen nach Döbcritz weiter zu gehen, wo es sicher Arbeit gebe. Bredow's Begleiter, ebenfalls junge Männer von 20 bis 22 Jahren, scheinen aus irgend eine Weise erfahren zu haben, daß er noch etwas Geld, zehn Mark, besaß, und habe» wohl schon in Spandau den Plan gefaßt, ihn zu berauben. Als sie mit ihm anscheinend harmlos dahinwaiiderte», fielen sie kurz vor Döberitz plötzlich über ihn her, schlugen ihn zu Boden, beraubten ihn des Geldes und der llhr und ließen ihn dann hilflos liegen, nachdem sie ihn noch durch Messerstiche schwer verletzt hatten. Zum Glück für den Uebersallenen kamen vom Döberitzer Uebungsplatze Soldaten, die ihn fanden und sich seiner annahmen. Man brachte ihn nach Berlin in ein Krankenhaus. Die Räuber sind noch nicht ermittelt._ TheÄkev. —t. Im Luisen-Theater wurde am Donnerstag das alte Lied vom Ruhm der ehrlichen Haudwerksarbeit nach alle» Regeln einer thränenseeligen Kunst gesungen. Das Stück„A u f goldenem Boden" ist nicht neuesten Datums: sei» Verfasser, Herr Oberlehrer Frerking in Hannover, hatte es bereits vor acht Jahren im König- städtischen Theater aufführen lassen. Aber auch damals war schon inänniglich bekannt, wie hohl die Phrase vom goldenen Handwerks- boden klingt, und eine wie geringe Rolle den hergebrachten Begriffen von Moral und Tugend im heutigen Geschäsisleben zu- gemessen ist. Das bleibt den Volksstück-Fabrikante» aber gleich- giltig. Sie fließen über von einer Sentimentalität, die bereits vor dreißig, vierzig Jahren unwahrhaftig»nd anliqnirt war. Es lohnt sich nicht, zu erzählen, wie vorgestern im Luisen-Theatcr der fleißige Schlossergcselle zum wohlhabenden Mann wurde, während sein bummelnder Milchbruder trotz der reiche» Geschäslsheirath elend zu gründe ging und die bitterlichsten Moralpredigten anhören mußte. Wann werden auch die Theaterdichter dieser Sphäre endlich einmal anfangen, das Leben zu schildern, wie es wirklich ist? Zum Glück war das Stück einigermaßen geschickt aufgebaut und mit wirknngs- vollen Aktschlüssen versehen. Da außerdem flott gespielt wurde, war der billige Beifall des Publikums leicht zu erringen. Lebhasle Be- grüßung wurde der Frau Anna Müller zu theil. die bis vor kurzem unter der Direktion Weiß im Ostend-Thentcr gewirkt hat und nun in der Reichenbergerstraße engagirl worden ist. Die Künstlerin spielte die originelle Rolle einer tugendhaste» Büffetmamscll so lebensinahr wie möglich. Ihr standen die Damen Marlens, Senden und Bendix, sowie die Herreu Ruff, Landeck, Conrad, Kettner und Uhlig wacker zur Seite.— — AuS dem Goethe-Theater(Theater des Westens) wird am I. September dieses Jahres«in Opernhaus. Unternehmer ist der Schattspieler Max Hospauer. Der Pachtkonlrakt lautet aus v Jahre.—_ Vevfomttttlttttgen. Tie Schuhmacher wählten in einer am Donnerstag abgehal- teilen öffentlichen Versammlung zunächst drei Mitglieder in die Agilationskommission. Dann erstattete Nowak Bericht über die erneuten Verhandlungen, die mit dem Vertreter des Fabrikanten- Vereins wegen Abänderung der Fabrikordnung gemäß dem Beschluß einer vorhergegangenen Versaminlung gepflogen worden sind. Das Verbot des Beitragsammelns in den Fabriken ist jetzt soweit ge- mildert worden, daß nur in den Arbeitsrällmen das Sammeln verboten wird, während eS aus Fluren und Höfen ge- staltet ist. Hinsichtlich des Schadenersatzes wurde das Zu- geständuiß gemacht, daß bei der Entscheidung, ob Arbeits- Produkte durch Schuld des Arbeiters unbrauchbar geworden sind, Arbeiter mitzureden haben. Die den Arbeitern auferlegte Verpflick- tung, ihre Kollegen bei vorkommenden Verstößen zn denunziren, sollte dem Verlangen der vorigen Versammlung gemäß gleichfalls gestrichen werden. Dazu wollte sich aber der Fabrikanten-Verlreler durchaus nicht bereit finden lassen, so daß dieser Punkt unverändert gebliebe» ist. Solange die Verhandlungen über die Fabrikordnung noch schweben, soll wegen der letzteren von keiner Seite etwas unter- nominen werden. Die Diskussionsredner waren alle darin einig, daß die Fabrikordnung auch in der jetzigen Fassung nicht annehmbar sei und die von den Arbeitern be- anstandeten Punkte gänzlich gestrichen werden müßten. Es wurde vorgeschlagen, in diesem Sinne nochmals mit den Fabri- kanten zn nuterhaiideln, einzelne Redner wollten auch noch andere Bestimmungen zu gunsten der Arbeiter in die Fabrikordnung auf- genommen wissen. Von anderer Seite wurde beantragt, von jeder weiteren Verhandlimg abzusehen, und die ganze Fabrikorduniig abzulehnen, gleichzeitig auch eine andere Handhabung des Arbeits- Nachweises und die Mitwirkung der Arbeiter bei der Verwaltung desselben zu verlangen. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrhelt abgelehnt. Dagegen beauftragte die Versammlung die Ngilatious- Kommission mit der Ausarbeitung einer neuen Fabrik- Ordnung unter Berücksichtigung folgender Gesichispunkte: Eut- schädignug der Arbeiter für die 15 Minuten überschreitende Zeit, während welcher sie ohne ihre Schuld auf Arbeit warten müssen, und für den durch verspätete Lohuauszahlung entstaiidenen Zeitverlust.(gehorsam gegen Werkführer k.„nur in gesckästlichen An- gelegenheiren", das Sammeln soll nur während der Arbeitszeit ver- boten sein, Hinzuziehung des Arbeitcr-Ausschnsses bei Eutscheidniigcii über unbruiichbare Arbeit. Die von der Kommission auszuarbeitende Fabrikordnung soll den Fabrikanten vorgelegt und das weitere in der nächsten Versammlung beschlossen werden. Charlottenburg. Eine von der Gewerkschaftekommission ein- berusene öffentliche allgemeine Versammlung sämmllicher Berufs- grnppen, welche am 5. Januar im Lokal Bismarckshöhe stallfand, beschäftigte sich mit den kommenden Gewerbegerichlswahle». Tie- selben finden am Montag, den 17. Januar, von vormittags 10 Nhr bis mittags 1 llhr und von nachmittags 5 Uhr bis abends 8 Uhr in de» bekaauten sieben Kommiinal-Wahlbezirken statt. Die Ver- samnilung akzeptirte ohne Widerspruch folgende von der Kom- Mission empfohlene zwölf Kandidaten, die sich auf folgende Wahlbezirke nerlheilen: I. Bezirk: Pnrkellbodenleger Vogel, Metall- arbeiter Spörer. 2. Bezirk: Zimmerer Fleischer. Anstreicher Diecke S.Bezirk: Metallarbeiter.Menge, Bauarbeiter Slrauff. 4. Bezirk: Zimmerer Secgers. Putzer Gras. 5. Bezirk: Tischler Licdlke. Bau- arbeiter Grober. 6. Bezirk: Drechsler Beuschcck. 7. Bezirk: Maurer Bernsee.— Flemming ersuchte, daß arbeitslose Genossen am Tage der Wahl sich als Slimmzettelverlheiler der Kommission zur Ver- fiiguiig slelltn inöchlen und machte ferner bekannt, daß am Sonntag, den 16. Januar, früh 7>/z Uhr, ein Flugbtalt zu den Wahle» verbleitet ivird. Auch flicket noch am Eouutag. den 16. Januar, uachmillags 2 Uhr, im Lokal Bismarckshöhe eine öffentliche Versammlung statt. Vogel»ick Menge ermahute», sich an den Wahlen reger als wie vor zwei Jahren zu belheiiigeii, sousi könne es vorkommen, daß die„Hirsch-Duiicker'scheu". welche sich ebenfalls an den Wahlen belbeiligea wollen, einige Sitze erobern. — Da der Kampf der englischen Maschineiibaiier immer noch sorl- dauert nick erbilterter wird, so wird gebeten, Saiimiellistcn für dieselben beim Obmann der Gewerkschafiskommission, Otto Flemming, Schlüterstr. 7l. zu enluehiiien. Lckchler- Uk! rill. Heule Adend Uhr, Melchiorstraße 16; Scneral- Versammlung. LrriretigiSs««emeliide. Sonntag, den g. Januar, vorm. o Nhr, im groben Feslsaal l er Berliner Nessomce. Kainmandantenslr. e?: Versammlung. Ereireliglöse Vorlcsung.— lli» n lllit vqimiUags cbendgselbil: Vortrag des errn Dr. es. Kramer-Magdcbnrg:..Die Sünde"—(Säfte willkommen. vild» Ngovr, ,i»„Wehr Sonnlag, den s. Januar, abend? « Nhr. Nlexandersle. 17 0(oberer Saal) Versammlung 1 Vortrag über:..Wesen und Warl de? Spiciti«,«»?". Meserent: Herr Dr Egbert Müller, Korreserent: Herr Ecbrisisleller ijrlcdrichs. DlSlussloii.(Säst« willkommen. Moabiter 31 g tuiii-i Ivercin. Sonnlag, den» Januar, abends 7 Uhr, im VcreinSIokal All Moablk, Ecke Llllleburgerftraße, Siadibahnbogcn Nr. 829-831: Sitzung mit nachfolgendem FamiUenabend. Wottcr-Prognose für Sonnabcnd, 8. Januar Etwas kühler, zeitweise'ausklareud, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden. Vevmifchkes vom Möge« — Die Zahl der Ausländer an den reichsdeutschen Universitäten beträgt in diesem Winter-Halbjahr in Verliii 730. in Bonn 33. Breslau 25. Erlangen 34, Freibnrg 86, Gießen lo. Götlingen 83, Greifswald 8, Halle 162, Heidelberg 156, Jena 63. Kiel 12, Königsberg 50, Leipzig 861, Marburg 56, München 236, Münster 4, Rostock 12, Straßburg 83, Tübingen 25, Wurzburg 06, im ganzen 2350. Die Zahl der stndirenden Frau en betragt in diesem Semester in Berlin 172, in Bonn 19. Breslau 31, Göltnigen 42, Halle 14. Heidelberg 20. Königsberg 12, Marburg 8, im ganzen 318.— — Wie der„Hamb. Corr."»lillheilt. ist die Nachricht, in Mölln hälte ein Geschäslsmami sein Dienstmädchen er» mordet, völlig ans der Luft gegriffen.—„■ — Braun schweig, 7. Januar. Die.Braunschivetger Neuesten Nachrichten" melden aus Wernigerode: Nachdem sich der erste Bürgermeister Schultz vor einigen Tagen er» schössen hat, wurde gestern der zweite Bürgermeister Lucas ivegen Verdachtes der Unterschlagung verhaftet.— ü. In Kaditz, einem Dorfe bei Dresden, hat e,n Ar» beiter seine Frau, seine drei Nin der und dann sich selbst erschossen.— Straßbnrg t. E.» 7. Januar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Bei dem fürchterliche» HauSeinstnrz wurde im erste» Augciiblick die Anzahl der Tobten überschätzt, iveil man vermuthele, daß die meisten Arbeiter, die sofort nach der Katastrophe angstersüllt davonliefen. verschüttet und rettungslos verloren seien. Die endgiltige Fest- stellilng der Zahl der Opfer der Katastrophe steht noch aus. Immerhin dürste die Zahl der Opfer zehn betragen, da zwei Schwerverletzte kaum mit dem Leben davoiikoiiimcn dürfte». Außer diesen beiden sind noch vier andere Personen schwer und sechs leicht verletzt. — Der älteste Mann WienS heißt M. L. Cohn. Er winde im Jahre 1787 in Frauenkirche»(Wiefelburger Komitat, Ungar») geboren. Vor einigen Tagen feierte er feinen III. Ge- burlstag.—,..... - Ein u n b e k a» n t e r D a m p s e r ist an der iraiizöiische» Millelmeeiküste untergegangen. Bei B e a u d u c sind mehrere Leichen anS Land geschwemml worden.—.... — DieTodesstraf-alsabschreckendesBeispl-l. Neber dieses Thema äußert sich Goro», der frühere Chef der Pariser Kiimiiialpoiizei:„Die Toteosiiafe ist kein abschreckendes Beispiel; ueiii. die Furcht vor der höchsien Sirase hat die Hand keiucs ein» zigen Mörders zurückgehalten I» Wirllichscit flößt die ffliiillotnie nur deue» Fuicht ein, die schon zum Tove verurtheilt sind. Die anderen spotien darüber."— — London, 7. Januar. Nach einer Lloydmelduiig von der Insel Wight sigualisirt« der D a in p f e r„Knights of Saint George", daß er mit dem Dampfer„ L e p a n t o" aus Hüll im dicke» Nebel k o l l i d i r t e. Der„Lepanio" s a n k, alle P-rsone» wurdeu gerellet.— —.Glasgow, 7. Januar. In dem Maaren Hanse einer Chnnikafieii-Exporistiiiia in der Rc. sicld Street brach heute Morgen Feuer a»S, dem eine Explosion solgle, durch die vier F e u e r iv e h r l en t e g e t ö v t e t mid mehrere verletzt wurden.— c. s. Der wahrscheinlich älteste F r e i h e i! S k ä»i p f e r von 1843 dürste der in Woodstock. Si. Louis Couuly(Nord» ainerika) lebende, 90 Jahre alle Carl v. Rotteck sei». Er ist ein Sohn des bskanulen Historikers.— — Der in St. Paul, Miiinesota, wohiieicke Goldarbeiler Hummel hat ein Verfahren ciildcckt, wodurch Zeichnungen von Bilder». Pholographieu». s. w. auf t e l e g r a p h i s ch e m Wege auf b e l i e b i a große E n t s e r u»>> g e n»ntgelheilt werden köuiieii.'Der„New Dork Herald" verösseullichle am 19. Dezember v. I. die erste» drei Bilduisse, die ihm aus einer Eni- sernung von über 500 Kilomeier» auf lelegraphischem Wege milgelheilt wurden. Die Bilder gäbe» in wagerechlerLiniirnug die vorgeleglen Photographie» überraschend getreu wieder.— Brieflkastcn der KedaKkivn. Wir biiieii, bei seder Miisraii« eine«higre lzwei viichslabe» oder«in« tzatz» owurtzeden, iml«r der die Slmmott«rUieili werden soll. Tie juristische S-prechsiunde findet am Montag. Freitag«nd Sonnaveud von K bis 8 llhr abends statt. Z. Z. 1234. Ripdorf hat eiwa 60000 Einwohner, Schöneberg hin- acaen(>3 000._ M. W in W. 1. In atlen Erdiheilen die englische Sprache. 2. Slavischer Ursprung. 3. Lassen Sie sich ein Berzeichniß von I. H. W. Dietf Nnchf., Stuttgart, schicke». 4. Die Einbanddecke kostet 1 M._ Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Viibliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. TTzrafev. Sonnabend, den 6. Januar. Opernhans. Overon. Ans. 7?/, Uhr. Schanspielhanö. Das neue Weib. Ansang?>/- Mr. Deutsches. Atädchentraum. Anfang 7Vz Mr. Lrsstng. Im weißen Röß'l. Anfang 7'/- Uhr. Berliner. Die Wunderquelle. Anfang 7V- Uhr. Goethe. Der Volkögraf. Anfang 7H'- Uhr. Stcncs. Die Logenbrüder. Anfang 7-/, llhr. Schiller. Der Rcgistrator aus Reisen. Anfang 8 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 77, Uhr. Thalia. Das Opferlamm. Anfang 7-/z Uhr. Ecntrai. Berliner Fahrten. Anfang 7V- llhr. Luisen. Auf goldenem Boden. An- saug 8 Uhr. Bellc-Alliauce. Kean. Anfang 8 Uhr. (Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Friedrich- BöilhelinstädiischeS. Der Trompeter von Säklingen. Anfang 7>/z llhr. Nachm. 4 Uhr: Knecht Ruprecht. Illexauderplah. Die Berführerin. Anfaiig 8 Uhr. Urania. Taubeustraste 48—49. Nalurkuiidl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisseiischaftl. Theater. Jiivnlidcnstraste 57/62. Täglich (außer Sountags und Mittivochs) abends 8 Uhr: Wisseuschastliche Vorträge. Umerica». Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichs hallen. Spezialitäten. An- fang 7V- Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7»/z Uhr. Fecii-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptiknm. Wiener Tanz-»nd Operelteii-Äesellschast. Sztz ill rv-' T h e Älteu (WaNner-Thcater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Rcgistrator anf Meisen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Walle» ftein's Tod. Abends 8 Uhr: Ter Widerspenstigen Zähmung. Montag, abends 8 Uhr: Der Regt strator anf Reise». Central-Theatep Alte Jakobstr. 30. Direktion Iticlmi-il SclmKx. Sonnabend, den 8. Januar 1808; £ in 1 1 T h n in a 8 a./-8 Uhr. Morgen und die folgende» Tage: Berliner Fahrtem Luisen-Theater 34. Neichcnbergcrstrasse 34. Abends 8 Uhr: Auf goldeuem Paden. Bollsslück mit Gesang iu.-> Bildern von Wilhelm Frerling. Musik von Gustav Stessens. Dorn... Ainia Müller- Lincke. Bollmaiin.. Arthur Winckler. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Volks- Vorstellung unter Regie von 1. Türk: Othello, der Mohr von Venedig.— Abends 8 Uhr: Auf goldenem Boden. Billcts 5. 60 Pf. zu der Nachmittags- Bolls- Vorstellmig in den bekannten Verkaufsstelle»._ llrania Tanhcnstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnel. von 10 Uhr voimiitags ab. Eintritt 50 Pf, Abends 8 Uhr; — Wissenschaftliches Theater.— Invalidenstp. ÄTo. 57— OÄ. Täglich abends 7 Uhr: — AusstellungS' Saal und Vorträge.— Näheres die Tagosanschläge. Passage-Panopiicuin. Wiener Tanz- und Operellen- Gesellschaft. Zum Schluss: lllustrli-tea Quodlibet In 12 lebenden Bildern. S®® Castan's■■ Fanopticnm. Ostend-Theater« Gr. Fra»kfiiricrslr.I3Z. Dir.(k-Weifi. Leven«nd Kiebe«. Volksstüd mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wando. Anf. 8 Uhr. Im Tilimel von 7 Uhr ab: — Frei-Kouzert.— Sonnabend: Leben und Lieben. Sonntag Nachmittag, halbe Preise: Berlin, wie es weint und lacht. Ferdinand: Carl Weiß. »» Friediichstr. 165. Indisch- hindnsta- nlsche Oankl er — und— chlangcn- UcachwOrer. Das BÄRENWEIB. N Apollo-Theater. Friedrlchstr. 218. Dir. J. Glück. Paul Spadoni.* Lina Goltz. Oesroctiss-Bianca. Aurora-Troupe.* Splnk-Spink. Miss Berti» olcli Mr. Arras. Brook and Dunckam. €a enteil-Faur Les 5 Reyvais.« Slsters Morden. Siegwart Gentes u. s. w. u. s. w. KassoneröifnnngOVg� Anf. T1/� Uhr. Gebrüder Herrnfeld's Hrstcii Origliuil Budapester Possen- und Operetten-Theater. Heute Dienstag, Anfang 8 llhr: Die Anton u. Donat Herrnfeld'sche Wovltllt Familie Kochsalz Vorher die reizende Operette GefiUschte Jungen. Heuer Novttätenthell.-WlB Unter anderem: Dr. Guido Stelnitz u. William Schüft. In Vorbereitung: Von Dreien der Glücklichste. V«I k s- Tli ca tcr im WcIt-lteHianriint 97. D r e s d c n c r>S t r a ss e 97. Ren! Ncnl ttabnemann& Kalmemann. Schwank in einem Aufzuge. Novität: Novität: Die Regimtlltsllmiiiner. Urdrollige Posse mit Gesang. Im»orderen Saale: Tyrolep Sänger Alois Ebner. Utlknitg' Sonnlag? 6 Uhr. 2t«(BIlfl. Wochcnlags 7>/, Uhr. w. klouok's Thester » i- n n Ii e ii» S i i-«i 8« e 1«. Scinniihen«! «'exon I'i'I vnl lo-it Ilchhclt heine V«>i?»teI1nnx. Morgen Sonntag, den 9. Januar 1898: Großer Beifall: Berliner Kinder. Original-Posse mit Gesang in 4 Alte» von Salingrö. Musik vou T h. H a n p t n e r. Nach der Vorstellung: kanzkrSnzcben. Montag: Doktor Wespe. Alcazar-THeater. DreSdeumslraße 52/53(Eith-Passage) Aiiueiisiraße 43/43. Direkilou: Richard Winkler. Vornehiiisier Fauillleu-Auseulhakt. Neu! Flotte Klatroscn. Neu! Große AnsstaltiingS-Operette in 1 Akt vo» Ed. Lindner. Heu! Vorher: Heul l>le Ucbe im Eeklmnae. Lustspiel in 2 Aufzügen v. A. EoSmar. Auftreten snmintlicher Kunst- Spezialitäten. Anfgllg' Wochenlags 8 Nhr. ZUIIllllg. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Sleservirt. Platz 50 Ps. Vorzugslarten haben Giltigkeit. Veen-VnUist Neues Olympia- Biesentheater (Circus Eenz.) Täglich 8 Uhr abends: Karlstrasee. Bolossy Kiralfy's„Coiistantinopel� An Sonn- und Feiertagen: Zwei Vorstellungen.' (Nachmittags 1 Kind frei.) —— Sniheres siehe AnschlagsHnlen.—— Clrcns Busch (■talinhof UOrse). Sonnabend, den 8. Januar 1898. abends 7Va Uhr: M-LttßtllW. Zaragoza. Orig.- Manöge- Schaustück des EireuS Busch, entnommen aus dem spanisch. Leben. Besonders hervorzuheben: Eine spanische Eisenbahn mit eintreteiider Katastrophe. Die Flucht des Don Easiodurus mit seiner Geliebte» und säunntl. Pferden aus dem brennenden Schloße. Anberdeiu: Große Schul- quadrllle, geritten von 6 Damen und 6 Herren. Die berühmten Freiheits- dressuren des Dir. Busch. Miss loulse als Lady-Jockey. Die beriihiuten acht VoNblut-Springpferde, sowie Auftreten säiiimtlicher Clowns. Morgen Sonntag: 2 große Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr, abends 7V, Uhr: Zaragoia, LS ItnreNlr. LS. Direltiou: Winkler fc Fröbel. Das neue erfolgreiche Riesen- Jannar-Programni. Klagarra, Könige aller Th n ein s cl 1 Hin fer. fjtlhlsdoi-r märk. Iiiehen. Cabarct, dressirte Liliputaner Hündchen. Lebende Photographien. Novität! Ui»8V, Uhr: Novität! Nich. Winklcr und Wilh. Fröbel i» der aktueNcii Operettcn-Biirleske As MMt Berlin. Anfang 7r/z Uhr. Entree 30 Pf. Haelir'sVIivilter Qi-anten-Sti-asse 24. PST Täglich:"VS Theater- u. Spexialltüteii- Vorstellung:. Neu! Die NeujahrSnacht.Neul Ein militärischer Don Juan. Belnheld Lange, 1 Käthe Leonard), der beste Humorist bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Brothers Thenns, die berühmtesten Ketten- Turner. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Carl Becker Clsnrrcn.CIsrarretton n. Tabake"YWU Lindowerstr. L5 an der Müllerpp. ist gut??? Rur Das Arttlbatld und Das Modell. I werden diese Zug- -> v... immer noch mit uugeschwächtem Erfolg aufgefiihrt? Bei den 1. in AnflPlf'S VttideTillo-Theater, yualg Gr-Hotel Alexanderpl� Avis! Sonnabend, 15. Januar, v leibt Quarg's Theater wegen Privatfcstlichkeit geschloffen. Dafür: Einmaliges Gastspiel der Buda- pester im Parodie- Theater, Oraniettstraße 52. eichshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Das splendide K cnj ah rn-Programm mit allerersten Kanstkrüften. Family Derrlngton. Max Waldon. Die drei 9Iaahwoodfl. Excelslor- Dlmograph u. s. w. Stf Anfang l1/, Uhr.-ML EntrAe SO Pf. AtIs! Am 15. Januar: Avis! 1. Elite-Masken-Ball (Ein Sommertag In Monaco). Im Reichshallen-Tunnel Militap-Concert In Uniform. Concerthaus T>elpzlger8tr.]iro. 48 NW- Täglich:-ME Hoffmann's Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Loge 1 M., Sperrsitz 50 Ps. Entree 30 Pf. Alle 5 Barrisons. Lene, Hebe Lene. Ki.anesPt' Sanssouci Kottbuscr Strasse Nr. 4 a. Dir. H. Pierrh. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Großer Beifall! Im Reiche der Sireilen. Ausstatwngsstitck mit Gesang und Tanz in 3 Bildcm von Joh. Eißncr u. Jean Häußler. Mustk von Joh. Eißner. Heue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Gvoßev VAll. Entree 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. DM- Entree 3« Pf.-MM Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. Striitwolle-AuSverkauf.* Reste in Zephyr und Rockwolle zu Fabrikpr. Holzmarktstr. CO, H. l. 1 Tr. Achtung![26236 Die Beleidigung des Frl. Emma Gildemeister nehme ich hiermit zurück und erkläre sie als eine ehrenhafte Person. Frau Kummer. Künstliche Zähne. F. Steffens, Rofenlhalerstr. 61, 2 Tr. »I Theilzahlung pr. Woche 1 M. IHerreu-Hüte! Weiche von 1,50 an, Kindcrhüte und Mützen in großer Auswahl. 2175b Erlte Welth, Ripdorf, Hvbrcchtstr. 78, pt., am H crm annplatz Reell und billig kauft man in der Norddeutschen Schuh- fabrik von W. llltschke, gegründet 1872, Skaliherftr. 13, Ecke Admiralstrnße, am Kottbuser Thor.* Fracks u. Gesellschastsanz., für jede Figur passend, werden verliehen. J. Narnch, Kommandantenstr. 72 1, 2441-_ Ecke Beuthstraße._ Mähe! I» jedem Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch auf Theilzahlung. Gr. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel 4053L- Oranienstr, Leihhaus von Gold, Uhren, Silber, Wäsche, Kleidungsstücken. Aus- bewahrnng der Psandstücke 12 Monate KSLKvI verllcheii gewesene»nd»cne, staunend billig, Theilzahlung gestaltet. Beamte» ohne Anzahlung. 4055L- Nette Köttigstr. 59 II. Gneisettattstr. 15. Maskengarderobe *** von Otto Runge Cr. Frankfurterstr. 75, Amt V», 4075 empffehlt den Vereinen seine große Auswahl in Kostümen in jed. Preislage. Gr. Lager von Karneval-Aufzügcn. Maiidarlucn- Daniien[4096S* & Pfund%,40 Mark E. Becker, 45. Eandsbcrgcrettr. 45 II. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich Wraugelstr. 136 und 141(alte Nr.) das Weist-«nd Bayrisch-Bicr-Lokal v. W. Schmidt übemoinuien habe. Vereinszimmer für 30—70 Pers. siehe« zur Verfügung. 26igb« W. Grube. unglaub-B _ lieh! Eine hvcüieine�ilccordzither mit« Mannaleu, S5 Saiten, 53 cm groß, ff. polirt, herrlicher Ton, in einer Stunde erlernbar, die sonst überall 12 und 15 Mark kostet, liefere ich für Moor«. 7.50.. nebst Schule, mit neuesten Stücken, NotcnPnlt.Schlnsfel, Ring, ztarto» u. Berpacknng. Porto 80 Pf. Jeder Käufer wird staunen und lasse sich nie- mand diese Gelegenheit ent- gehe». Versand vr. Nachnahme ohne Risiko! nicht conv. Be< trag sofort zurück. Grostes Mnfikw.- Musterbuch wird umsonst beigefügt. Rhein. MnsikhanSV.SvIimtts, Höhscheid-Solingen 53. Bin sehr erstannt über den so billigen PreiS der Zither. Akknmulatorcnfabrik A. Zappe, Hagen i. W. 377(58» Habe mich sehr gewundert, toie cS möglich ist, diese Zither für M. 7,50 zu liefern; hier kosten fle überall 15 M. A. dlorgenstern, Dresden- A. Die Echtheit der Originale be- sdieinigt die Exped. d. Bl. s:. »« S» c**<> « K Jede UHp reparire» und reinigen kostet bei mir unter Garantie d. GntgehenS nur 1 Mark 5« Pf. außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Großes Lager»euer und gebrauchter Taschenuhren, Regn- latoren und Wecker, alle Arten Ketten, sowie Brillen n. Piuccnez. * Carl I,nx, Uhrmacher, 35 Chanssec-Ttraise 35, Für nur 3 versende ich per jNachnahmc eine !eleaa»lc jlkk-rd» ! Zither mit 20 Eaiicn.OManu- „um,, i■ 1 dien, Ring, � chliiffcl, Schule und Karton. I» einer Stunde kann Jedermann ohne Lehrer u. ohne Notcnkcnntniß noch der vor- znzlicken, nmsonst beigeleoren Schnle die hcrrliibllcn Mustlsiücke spiele». Porto u. Kiste 1 Wk.i 2 Stck. Akkord- Zithern sür nur 7 Mk. sranko. k>nt grohe S-monvalige Dooeeet.zihhzrt Zithtr woodervoll i->?on mit Ktimmvornchiiniz mir 8,— M.. früher IV- M.«»st b«' stelle d.Koinr. Puhr.�t-uenrade>.W. ENU Plomben I M. Zahnziehen frei. Zahn- aaasii.�ahaa 1,2» ManwiffeM..43, i..«»0 'Oranieuftraße. Spr. 8—10 und 1—3 Uhr. Pelzwaaren, Hüte, Schirme. Gewähr« den Genossen bei Vorzeigung dieser Annonce 5pEt. f4050L' »llo verlieläl,!. Heinrich Herines I Treppe. 54 AleXanderStf. 54,> Treppe. Waarrnhaus für Grlrgruhritskäufe. GW«- Soeben eingetroffen ein groieer Pölten Tapisserie- Waaren, den en meinen bekannt apottbllllgcn Preisen abgebe, ebenso mehrere Kollektionen aW Mittdev- ttttv Erlklittgs�Äviisrfze. Ausserdem bietet mein I-ager durch tAgllctaen Eingang von Partien für ganze Ansstattangen"HW in Eelnen-Wnaren, feiner Bett- und EeUmüschc, Baumwollcn-Waaren u., w. sehr reiche Auswahl. Für die Ball- und Oesellscliafts- Saison finde« die Damen Seide, Wolle, herrlicher Aaawahl Damen Seide, Wolle� fiaae und TttllstolTe, wie Spltxcn in IMT" bekannt und besten ijnalltaten in uberraachend groHecn Sortimenten vor. Achtum! Kirdorf. Achtntta! Sozialdemokratischer Verein„Vorwärts". _ Dienstag, den 11. Januar et., abens 8l/2 Uhr,_ AM" in Hoffmann'e Salon, Bcrgetrasee"M� General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Kassenbericht. 4. Bericht deS Vorstandes und Verlesung der Restantenliste. 5. Bericht des Bibliothekars. 6. Ab- rechnung der Billets der Treptower Stermvarte und des Stiftungsfestes. Mitgliedsbuch legitiuiirt! Um zahlreichen Besuch ersucht s274/l _ Ter Borstand. Deutsch. Hietallarheiter-Verhand (Vcrwaltnngsstelle Berlin). Sonntag, den 9. Januar, nachmittags 4 Uhr: Versammlung tamnrti. Metallardeittt von Adlershof u. Umg. im Lokale von Berrgntb(fr. Stippekohl), Oppenstraste. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pnnl Eitfln über!»Der Ricsenkampf der englischen Maschinenbauer". 2. Diskussion. 3. BerbandSangelegen- heiten und Verschiedenes._ Dienstag, den 11. Januar 1898, abends S1/: Nhr, im Lokal von Eebder, Bismarckstraste Nr. 74i Vezifks-Norsoininliing tär OharlottSnhnrA. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Kollegen Panl I.itfin übet:„Ulrich von Hnttrn«. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegenheitcn und Verschiedenes. Die Kollegen werden dringend ersucht, zahlreich lind pünktlich zu erscheinen. Um weiteste Verbreitung dieser Annonce ersucht 110/2 Die Ortsvcrwaltnng. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Gatanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlalids. Zahlstelle Berlin. Montag, den 11». Januar 1898, abens 8Vzllhr, in Eenereteln'a Feftsälen, Alte Jakob- Strafte 75. Mitglieder-Nersammlnng TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Theobald Böltcr über: Goethe'S»Faust« 1. und 2. Thcil. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 23/2 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht Ble Bevollnittchtigten. IM- Die Bibliothek ist geöffnet: Mittwoch von 7-8 Uhr abendS, Sonnabend von V-?— 9 Uhr abends.__'_ Verband der Möbelpolirer. Bon tag, den II» d. Id., abends 8'/, Ehr bei Sienmann, Brnnnen-Strasse 150, Vevfnttrnilnng. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. W eyl und Fortsetzung der Diskussion über:„Gcwctbeljvgiciie". 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 145/2 Die Generalversammlung findet am 17. d. M., abends pnnkt 8 Uhr bei Keller, Koppenstr. 20, statt. AM- Die Kollegen werden ersucht, ihre Kontrollkarten heute Abend in den Zahlstelle» umzutauschen. Daselbst erhalte» die Mitglieder einen gedruckten Jahresbericht. Der Vorstand. Vminsdnnktti-AnsschM RMott Hermanustr. 21121«. Sonnabend, den 8. Januar 1898: Krosser Volks-Maskenball 4088Ü» Entree 25 Pfennig."9(1 71. Berndt, Oekonom. tp machen wir unsere Herren-Parthie » hin? Zum alten soesD« kreuirä auf Pichelswerder. lOOOOO Harmonikas* m it meinet selbflers undenc»,»vrantirt unterbrechlicben Spiral- lllavialuc'ilcdcruno kncbe ich bereit« seit kurzer Zeil verkauft. Nicht eine ciozige Neklainalion tvegen Brechen oder Lahm- werde»»icincr»cne» Tasienfrdcrung ist in dieser Zeil ein« gegangen. Tiese Federung ist in vcrlchtrdcnen Ländern patcntlrt. in Deutichland u»l-r D.-N.-G.-Ai.No.474S2 geschützt. Ich versende tu? NN? S Mark! aeaen Nachnahme, al» besonder» xpeciatltZt, eine elennnt» xo„cert-Zug-L»>'N>oVlk», mit einer! t>c>ciil.cnZ-chäcige»Orgeli»ttsir,tIiaviat»rm.Sp!ra!-> federnua und abnodmbarcm Rückentheil, lOTaüen, «cidreiteZtimmen.llBässl.ÜRegiger, brillantcNickcl- bcschlägc. offene Nickcl-lllaviatnr mit einem bretie» ?!>ckclstad umlegt, guiem, starlcm Balg mit 2 Doppel- bälac». ti Lnbalt-r, icvtivlc Balgfalle» mit Metall- Eckenschoner, S-> cm Höhe. BerpockUNg und Srldft- erlernschule»insankt. Alete» Instrnnient»»it liavmanirchemOtaih»), spiel nur UO Pfg. mehr. Rur zu dcjichcn durch den Erfinder Hemr. Sichr. Ueiienrade i. M. Nachweislich ältester und gröhlcrgarmonißa« »erfand in Heuenrad».» Masehin.-Kleidung Maschin-Jackets Guter blauor Baumwollstoff, mit Steh- od. ümlegekragen, auch schräg au der Seite zum Knöpfen. Als Maass genügt Brustweite, Qual. II X| Blau Leder 1,»0 2,10 2,80 u. 3,50 Maschin.-Hosen Ans demselben Stoff wie obige Jackets. Als Maass genügen Leibweite und Schrittlänge. Qual.ni I 1 Blau Leder l,50 1,75 2,20 u. 2,80 Laer Sohn Cliausseestr.24k Bruckens tr.H vr. Frankfurterstr. 16. Aufträge von M. 20,— an franoo.— Preisliste gratis. Obige Preise gelten für normale Figuren. Siimmbegabte Herren wollen sich meiden, behnfS Gründung eines Gesangvereins Sonnabend Abend 8 Uhr bei Albert Longe. Reichenbergerstr. 83._[26255 Restauration, SO., Vereine, Zahlstelle, gr. und N. Bereinszimm, Preis 500 Thlr., Miethe 2000 M. sofort vcr« käuflich. Offerten unter B 4 nimmt die Expedition entgegen. 2629b sofort 19. f Restauration mit Billard billig zu verkaufen, Lübeckerstr. WWWWKZS: Neandcrstr. 6, Pfandleihe." Steppdecken, Regulatoren, spottb. Neanderstr. 6, Pfandl. 15 Pf. an, Dres, Schlittschuhe v benersrr. 28 bei Zimmermann [2537h SiiHtHst. 8, BS, ÄS Vchlestschem Bahnhof, sind von sofort u»d 1. April 1898 freundliche Vorder» und Hofwohnnngen von 2 u. 1 Stube nebst Korridor-, Küche, Kloset u. Keller oder Boden billig zu vermtethcn. Näheres beim Verwalter.[40662� Eine Schlafstelle»st zu Venn, bei Walter. Langestr. 3 IV.[26276 lieilrff Werkzeugschlosser auf Schnitte und Stanzen und der in der Mechanik- Knopfsabrikativn Er- fahrungcn besitzt, findet sofort dauernde und lohnende( Beschäftigung. Paul HUbner, Mech.-Kpffbk., MarlnSstr. 6. Mechaniker-Meister gesucht für eine große mechanische Werkstatt sür Massenartikel. Offerten mit. P. R. No. 582 postlagernd Post- amt IV. 57._ 9/18 Ein Presser, der uns der amcrikan. Belagmafchine zum direkten Verzieren von Goldleisten Bescheid weiß, findet dancrndc Be- schäftigung bei 40938" Heidt dic Hotfinann, Strclitz i. Mcckl. Tücht. Versilbert» aus Goldleisten und die es erlenien wolle» verlangt A. Werkmeister, Schmidstr. 8a. in und außer dem Hanse aus Man- scheiten finden dauernde BefchäftigunA bei BUller«V. SiiNKiuniin * Grüner Weg 119. Pllitteriilueil� Waeirsiiliaiis Li. Lpanri Sc Co.. Moabit. Der Ausirerkaiif ,on den durc'> unseren VergrSssernngsbau leicht angestaubten Waaren Imdet MW" nur noch bis Montagp den 10. dieses Monats abends statt, worauf wir gefälligst hinweisen. Waarenhans S. Braun& Co., Moabit, Wilsnackerstrasse 23. Beranlwortlicher Redakteur: Anglist Jacobeh in Berlin. Für den Juseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.