Nr.?. AbsmtmeMs• Kedwgungen: Bbonnementä>®t«l4 pränumerando: vterteljährl. 330 Ml., monatl. 1.10 MI., wöchentlich SS Psg. frei WS Hau». Ewjilne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Tonntag»- Beilage»Di« Reue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonnement: 330 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post-Zettung»- Preisliste sür 1SSS unter Mr. 7S7S. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Ausland S Marl pro Monat. 13. Jahrg. Di« Inftrtions- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltens»olonel« zetle oder deren Raum SO Psg., sür Vereins- und VersannnlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen btS s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expeditton ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends. an So»»- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geösfnet. Erscheint täglich ausser M anlag». Berliner Volksblnkk. Fernsprecher: Mint I, Mr. 1508. Telegramm-Adresse: »Sozialdeniostrat Verlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Ztedokiio»:«V. 19. Ne»tls.Str<>!j- 2. Vie UAndtags-Sesiion in Brvußvn. Weuu es«ach den Konservativen und vor allem nach Herrn v. Zedlitz und seinem Hinternianne ginge, so würde der preußische Landtag nicht i« die Grube fahren, ohne noch einmal wie im Vorjahre die Volksmassen gegen sich anzubringen. Die Regierung ist es, die ihn vor diesem selbstmörderischen Beginnen hütet, weil sie, weitsichtiger wie die parlamentarischen Vertreter der Reaktion, mit den nächsten Wahlen rechnet. Die Wahlen vollziehen sich sür die heutige Regierung und Kammer Mehrheit am besten in der faiilen Stille des Sumpfes, in dem der einst so lebendige Strom des politischen Lebens in Preußen nun seit Jahrzehnten schon stockt. Heraus forderuugen dagegen setze» Wählermassen in Gährnng und Bewegung, deren Einfluß unter dem wider- spruchsvollen Dreiklassensystem ganz unberechenbar ist. Besonders gegenüber der Arbeiterklasse— der es wie jeder großen und tiefgehenden Maffenbewcgnng schwer fällt, alte Ueberliefernngen entschlossen aufzugeben und einen für nöthig erklärten Frontwechsel auch in allen seinen Erforder nisseu und Folgen zielbewußt zu vollziehen— rechnet man wohl vor allem damit, daß die Wahlbetheilignng unten eine um so lässigere sein wird, je mehr man von oben Provokationen unterläßt und die unschllldigen Sammetpfötchen herauskehrt. In dieser Spekulation wird man allerdings, ivie wir hoffen, eine bittere Enttäuschung erleben. Aber von den Voraus- setznngen der Miqnel und Genossen ans ist es ganz erklärlich, daß man Herrn Recke nach einigem Widerstreben genöthigt hat, auf seine kluge Kunst des Eierlegens diesmal zu verzichten und . daß man der ganzen Session überwiegend einen geschäfilichen Charakter geben ivill. Die Opposition ist im Abgeordnetenhause so schwach, daß sie diesen Gang der Berathnngen wenig ändern kann 142 Konservativen und 66 Freikonservativen, an die sich 84 Nationalliberale anschließen, stehen 95 Mitglieder vom Zentrum, 18 Polen und nur 14 Abgeordnete der Freisinnigen Volkspartei und 6 der Freisinnigen Vereinigung gegenüber. Die zehn Wilden verschieben das Bild auch nicht zu gunsten der Opposition. Diese kann also wohl der Regierung ihre unerfüllten Versprechungen betreffs der Wahlrechtsänderung nach Abschluß der Stenerreform vorhalten, sie kann die sträfliche Vernachlässigung wichtigster Knltnranfgaben im Militärstaate geißeln, sie wird ihre Erfahrungen über pommersche Landrälhe und preußische Polen- bekämpfnng aufs neue zu Angriffen gegen das Vorherrschen des Jnnkerthums und gegen die ganze ostelbische Art des Regierens und Verwalteus ausnutzen. Viel mehr jedoch wird niau von ihr nicht erwarten dürfen. Denn ohne persönlich zu verletzen, wird man doch sagen können, daß auch die bürger- liche Opposition in der erstickenden Enge des preußische,: Par- lamentes niehr wie sonst verkümmert ist, weil sie jede Fühlung mit den breitereu Volksmassen verloren hat. Nicht nur die ganze Physiognomie des Wahlkampfes wird eine veränderte, wenn sich die Massen betheiligen, auch der Gewählte selber wird ein anderer, wenn ihn die Wellen einer regen Antheil- nähme des Volkes, der Presse, der Vereine tragen und stärken. Um Arbeiterintcressen wird sich natürlich die Majorität nach wie vor nicht scheeren. Zivar hat der preußische Staat eine Riesenarmee von Angestellten unter seiner Botmäßigkeit; für das Wohlergehen dieser Hunderttausende tragen die Parteien des Landtages mit die Verantwortung. Doch für die Konser- vätiven fängt hier der zu beachtende Wähler erst beim Be- amten an, dem man deswegen auch gelegentlich eine» Köder zuwirft. Den eigentlichen Staatsarbeiter würdigt man keines Blickes; will er sich etwa oppositionell aufbäumen, so hat man im Nolhfalle in der Ecke die Hungerpeitsche stehen, die ihn bei öffentlicher Stimmabgabe immer wieder zur konservativen Staatsraison zurückbringt. Die Unzufriedenheit dieser Kreise braucht man also höchstens in ihrem Rückschläge auf die Reichs- tagswahlen zu fürchten. Bisher hat es der Landtag denn auch, von ein paar widerwilligen Zugeständnissen an den 1890 er Kurs abgesehen, zu weiter nichts gebracht, wie zur Forderung einer Lohn- und Arbeitsstatistik für die Eisenbahnen. Herr Thielen hat in der That diese Statistik sofort vorgelegt, sie war aber auch danach. Vielleicht ist sie dieses Jahr noch schlechter. Dagegen soll wirklich im nächsten Etat, weil er nun ei»- mal der glänzendste dieses Jahrhunderts ist, ein dürftiger Brocken sür die Knltnranfgaben abfallen: eine halbe Million, wie man sagt, für die Fortbildnngs- und Fachschulen, und dann noch„erhebliche Summen" für die Erweiterung und Verbesserung der Berliner Museumsgebäude und Kunstsamm- lungen und für ähnliche Zwecke. Gerade die Arbeiter und kleinen Leute auf dem Lande iverden sich bei dieser Mittheilung verblüfft frage», ivarnm man so wenig an sie denkt, die der Kultnrförderuug in ihren armen Gemeinden wahrlich am dringendsten bedürfe». Hat doch die letzte Zeit grauen- hafte, wirklich gemeingefährliche Zustände enthüllt über das Medizinalwesen besonders im Osten, über die russische Rück- ständigkeit des ländlichen Fortbildnngsschulwesens in allen Theilen Preußens. Hier muß mit der wachsenden Aufklärung der Mltcr solchen Mißständen leidenden Bevölkerung die Un- Zufriedenheit üppig in die Halme schieße». Trotzdem scheint man alles beim alten lassen zu ivollen, denn die angekündigten Schulunterstützunge» fallen nach dieser Seite nicht ins Gewicht, weil die junkerlichen und bäuerlichen Schulverwaltungen gar nicht daran denken, Fortbildnngsschnlen zu gründen, denen der Staat mit Beiträgen zu Hilfe kommen könnte; fast alle Land- wirthschafts-Bertretungen haben, eine nach der anderen, Herrn v. Hammerstein einen Korb ertheilt, als er neulich die Föroernng des Fortbildungsunterrichts abermals anzuregeil sich erlaubte. Dagegen sollen die Geistlichen allgemein mit einer Ver- bessernng ihres Diensteinkommens, soweit der Staat dabei in Frage steht, bedacht werden. Dafür haben die Geistlichen an ihrer letzten Synode den Unsinn christlich-sozialcr Bestrebungen feierlich abgeschivoren niid in die Acht erklärt. Einige gerad- gewachsene Privatdozenten lassen hingegen noch an Biegsamkeit zu wünschen übrig, sie sollen deshalb durch ein schärferes Disziplinarverfahren geschmeidig gemacht oder in Znkuufl ans der Mnstcrschaar der Universitätslehrer ausgemärzt werde» Die Kanalfrage wird, wie nunmehr feststeht, nicht die nächste Session, sondern erst den nächsten Landtag wieder beschäftige». Mau hat wohl eingesehen, daß die Agrarier bei ihrem alten Widerstände zunächst verbleiben und daß die große„Sammlung" sür die Wahlen eine arge Beeinträchtigung erfahren müßhe, iveun sie zur Freude aller dritten mit einem Handgemenge zwischen den agrarischen und industriellen Feudal Herren eingeleitet würde. Selbst der Reform der Eisenbahn Personcnlarife scheint dieser Landtag»nr ein Hindermß sein zu ivollen. Die Entscheidung steht ihm freilich nicht zu, aber wenn man in den letzten Wochen die Presse der Junker wie der Großindustriellen verfolgte, so trat die Absicht klar hervor, alle überschüssigen Gelder zur Hebung des Waarentransportes festzuhalten— wobei der Junker natürlich an Rüben und Getreide, der Großindustrielle au Kohlen und Erze denkt. Maaren verfrachtet der Groß Unternehmer Tag für Tag in beträchtlichen Mengen, Personen zieht er nur verhältnißmäßig selten und in relativ geringer Zahl aus größeren Entfernungen heran, und selbst dann fallen ihm die Transportkosten häufig genug nicht zur Last. Billige Personentarife im Vorortsverkchr genügen ihm daher, und dem ländlichen Arbeitsherrn sind selbst die heutigen Fahrpreise zu niedrig, weil sie noch immer eine Abwanderung vom Lande ermöglichen. Lebhafte Redekämpfe wird wahrscheinlich die beabsichtigte energischere Germanisirung der polnischen Gebiete entfesseln. Der alte Hundertmillionen-Kredit zum Ankauf polnischer Güter und zur Begründung deutscher Kolonien geht auf die Neige, und besonders Herr Miquel soll auf seine Wiederauffüllnng dränge», obwohl die bisherigen Wirkungen dieser Art von Kolonisationspolitik selbst alten Anhängern und Befürwortern nicht gefallen. Weiter spricht man in etwas nebelhaften Am dentnngen von einer noch„zielbewußteren" Thätigkeit der Verwaltung gegen großpolnische Bestrebungen. Wir be- zweifeln, daß dieses Streben, die nationalen Gegensätze bis zur Siedehitze zu entflammen, bei den nächste» Wahlen in den östlichen Grenzprovinzen ein Vortheil für die Regierung und die heutigen Mehrheitsparteien sein wird. Sonst hat man dem Landtage anscheinend keine weiteren Aufgaben zugedacht. Natürlich wird Herr Miquel sich vor aller Welt in dem Goldglanze seiner leichterworbenen Uebcr- schüsse sonnen, Herr Ring wird vor den Seuchen des impor- tirten Viehes, Herr Hahn vor den Bakterien des ausländischen Getreides und den Schädlinge» der heimischen Produkten- börse warnen. Das Zentrum wird über die Bevorzugung der Evangelischeu in der staatlichen Bnreaukratie wie im Schul- und Kirchenwesen zetern. Das arbeitende Volk wird keinen einzigen Vertreter seiner Forderungen und Anklagen haben. Aber aufmerksamer wie je wird es die Handlungs- und Unterlassungssünden dieses, von der blinden W'llkür zusammen- gewürfelten, schon aus seiner Vergangenheit schwer belasteten Landtages verfolgen, dessen Mehrheit sich— dem Reichstage und der Reichspolitik gegenüber— gern und mit Wärme eine Vertretung des preußischen Volkes nennt, während ihr Au- sehen und ihre Achtung beim preußischen Volke längst bis unter den Nullpunkt gesunken ist. Während sie reden, werden wir rüsten. Wenn dann in einigen Monaten die Wahlen geschlagen sind, so wird hoffentlich nicht nur diese, lediglich zum Schaden fähige junkerliche Mehrheit zersprengt, sondern auch dem ganzen Drciklassen-Wahlsystcm ein unvergeßliches vernichtendes Urtheil gesprochen sein._ politische Tleb erficht. Berlin, 8. Januar. Die L.onseivntive» und das allgemeine Wahlrecht. In der„Kreuz- Zeitung", dem Organ mit der Parole: „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland", läßt sich ein Leitartikler vernehmen, der schmerzlich berührt davon ist, daß die Gegner ihm und seiner Partei eine ausgesprochene Feindschaft gegen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht und das Gelüste, dasselbe bei der ersten besten Gelegen- heit zu beseitigen, zuschreiben. Der Artikelschreiber der „Kreuz- Zeitung" verwahrt sich und die konservative Partei feierlich gegen eine solche Absicht— obgleich z. B. die Grafen v. Limburg-Stirum lind Mirbach in ihren Reden in» Reichs- tag keinen Zweifel darüber bestehen ließen— und wünscht, daß der bevorstehende konservative Parteitag in Dresden eine diesbezügliche Erklärung abgebe. Aber mit einer sehr wesentlichen Einschränkung. Der Parteitag solle sich sür das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aus- K-peditio»: 8V. 19. Wettty-Str.lße 8. sprechen, aber gegen die geheime Stiminabgabe, weil diese der politischen Korruption Vorschub leiste! Uns wäre eine solche Erklärung des konservativen Partei- tags. außerordentlich erwünscht, eine bessere Wahlagitation gerade gegen die Konservativen könnten wir uns, trotz ihrer sonstigen Sünden gegen das arbeitende Volk, nicht wünschen. Das allgenieine, gleiche und direkte Wahlrecht ohne die geheime Stimmabgabe ist fast werthlos, es ist ein Lichten- bcrgischcs Messer ohne Heft und Klinge und nur ein Volks- und Arbeiterfeind er st er Klasse kann sich sür eine solche Forderung ent- scheiden. Dank der frommen„Kreuz-Zeitung", daß sie vor de» Wahlen so offen ihr Innerstes enthüllt. Ob der konservative Parteitag in Dresden ihren Wünschen nachkommt oder nicht, wir»v i s s e n, woran»vir s i u d!— Wafscr-MilitariSninS. Ei» Staat um den andern vermehrt seine Zkriegsflotle. lieber die r» s s i s ch e n Pläne wird jetzt etwas Näheres bekannt, die„Marine-Pol. Korresp." theill mit:„Durch Reichsraihs-Beschlns, sind dem russischen Marineministerium für den Zeitraum von 5 Jahren 60 Millionen Rubel außerordentlich«« Kredites für Schiffbauzwecke zur Verfügung gestellt. Die im Budget für 1898 geforderten 6 Millionen für Ver- stärkung des Schiffsbaues stelle» die erste Rate dieses Kredits dar." Auch die V e i e i n i g t e» Staaten wolle» nicht zurückstehen, wo alles um die Welte Panzerschiffe und Kreuzer bauen will. Mac Kiuley hat dem zusammentretenden Kongreß seine Botschaft über- sandt, in welcher es heißt: „Im Bau befinden sich fünf Schlachtschiffe erster Klasse, sechzehn Torpedoboote und ein unterseeisches Boot. Die starke Vermehrung der Marine, welche in den letzten Jahren an- gebahnt worden ist, war durch die Forderungen der Nationalen Vertheidigung gerechtfertigt und hat die Billigung der öffeullichen Meinung gesunden. Es ist jedoch ei» beklagens- wcrlhes Faklum, daß an der Küste des Stille» Ozeans und an der Küste des Atlantische» Meeres sich nur je ein Dock befindet, welches im stände ist. unsere größten Schiffe aufzunehmen, und daß das letztere sich seit sechs Monaten dauernd im Zustand der Reperatur befindet. Es sollten unverweilt Maßregeln ergriffe» werden, um drei oder vier Docks an der atlantische» Küste, wenigstens eins an der Küste des Stillen Ozeans und ein Schwimm- dock im Golf von' Mexiko zu erbauen. Der Vorrath an Munition und die Anzahl der Olfiziere und Mannschaften bedürfen gleicher- weise der Vermehrung. Ich schließe mich dem Vorschlag des MarinesekrelärS an, indem ich de» Bau eines Schlachtschiffes erster Klaffe für den Stille» Ozean empfehle, sowie die Konstruktion etlicher neuer Torpedoboote zur Vervollständigung unseres all- gemeine» Küftenvertheidigungs-Syslems."— Das militärische Panama. Kur, bevor die französische Re- giernng die Dreyfuß-Affäre endgiltig im Geheimgericht gegen Efterhazy begraben will, nimmt dieselbe nochmals die Oeffentlichkeit aufs leb- Hasteste in Anspruch. Die bisher geheim gehaltene Anklageschrift aus dem DceysuS-Prozeffe wird, wie der„Frankfurter Zeitung" telegraphirt wird, vom„Sieele" veröffentlicht. Die Schrift bezeichnet das Borderean als die Basis der Anklage. General Gonse, Ilnterchef des Generalstabes, übergab das Bordcrea» dem Major Taty du Clan, behufs Er- öffnung der Voruntersuchung. Gonse fügte hinzu, das Bordcrea» sei an eine auswärtige Macht gesandt worden, aber in seine Hände ge- kommen; er könne jedoch auf grnnd eines formellen Befehls deS Kriegsministeriums nicht miitheile». durch welche Mittel das Borderean in seine» Besitz gelangt sei. Die Untersuchung ergab, daß die Handschrift des Dreyfns eine bemerkenswerlhe Aelmlichkeit mit der Handschrift des Bordereau auswies. Der Kriegsininister ordnete die Befragung des Schreibsachverftändigc» Gebert, Schreibexperte der Bank von Frankreich, an. Dieser erklärte die Schrift des Dreyfus mit derjenigen des Borderean nicht für. identisch. Der Kriegsminister, welchem dieses Gutachten Mißtrauen einflößte, ordnete die Befragung eines zweite» Experte» an. Man wandte sich an Bertillon, de» Chef des polizeilichen KörpermessungsdieustcS. Bertillon erklärte die Schrift des DreyiuS mit derjenigen des Bordereaus für identisch. Daraufhin befahl der Kriegsuiinister sofort die Verhaftung des Dreyfus. Die Anklage- schrift selbst giebt zu, daß das Bordereau die einzige materielle Grundlage der Anklage bilde. Älls moralische Grundlagen figuriren die Aussagen verschiedener Generalstabsofsiziere, die erklären, Dreyfus sei in verschiedene» Bureaus durch seine indiskrete Haltung und sein eltsames Wesen aufgefaNc»; er habe sich zu späte» Stunden allein in anderen Bureaus, als dem seinigen, befunden, ohne daß seine Anwesenheit dort nöthig gewesen sei, er habe besonders eifrig die auf eine Mobilisirnug bezüglichen Akten stndirt. Die Anklageschrift erwähnt, daß Dreyfns nach seiner Ver- Haftung gerufen habe:„Nehmt meine Schlüssel! Durchsucht alle meine Schubladen! Ihr werdet nichts finden." Die Anklageschrist konstaUrt. daß bei der sofort angestellten Haussuchung lhatsächlich nichts gefunden wurde, daß aber wahrscheinlich Dreyfns alle koin- promiltirenden Papiere versteckt oder vernichtet hätte. Die Anklage- chrift theill ferner niit, daß alle Verhöre mit Protesten von Dreyfns zegen die erhobene Anklage wären angefülii worden. Die Anklage- 'chrift sucht iveitere moralische Grundlagen für die Anklage in dem Privatleben des Dreyfns zu finden, ivelches durchaus nicht musterhaft gewesen sei. Die Auklageschrisl erwähnt endlich als einen Verdachts- Moment, daß Dreyfus häufig nach dem Elsaß reiste, daß die deutsche» Behörde» über seine Anwesenheit die Augen zudrückte», während andere französische Offiziere»nr mit de» größten Schwierig- leiten von den deutschen Behörden eine Erlanbniß zum Aufenthalt im Elsaß erhielten. Es verlautet, die Staatsanwaltschaft werde gegen den Urheber der Veröffentlichung der Anklageschrift gegen Dreyfus einschreiten. Der Vertieter von Dreyfus, Advokat Dcniange, prolestirte öffentlich gegen das Gerücht, er habe irgend etwas mit der Veröffentlichung zu th»». Mehrere Blätter erklären, man erhalte aus der Anklageschrift keineswegs de» Eindruck, daß die Beweise gegen Dreyfus sehr »iederschmelternd waren.„Echo de Paris" dagegen i»eiiit, der Anklnge-Zlkt sei nichts im Vergleich zu dem geheim gehaltenen Akten Material, Meiches flagrante Beiveise gegen Dreyflls enthalte. Ter ehemalige Justizminister Senator T r a r i e n x überreichte dein Kriegsmiuister persönlich ein Schreiben, in welchem er erklärt. daß er angesichts der seltsamen Informationen gewisser Blätter, denen zufolge das ttriegsgericht nur bezwecke, der Unschuld Ester- hazy's die Kraft einer abgenrlheilten Sache zu verleihe», und in Er- «nangelung einer Interpellation, auf brieflichem Wege der Erregung Ausdruck geben müsse, welche alle empfinden» die von der Militär- justiz ein Werk der Aufrichtigkeit erwarten. Trairieux führt in seinem, im„Temps" veröffentlichten Briefe weiter aus, daß das Gutachte» der Sachverständigen bezüglich des die Grundlage zur Anklage gegen Dreyfus bildenden BordereauS zu verschiedenen, sehr schiveriviegenden Einwänden Anlaß gebe und daß die allgemein verbreitete Annahme, daß ein geheim gehaltenes Dokument den Mitgliedern des Kriegsgerichtes erst im BeralhnngS- zimmex vorgelegt wurde, schwere Ziveifel an der Regelmäßigkeit des Prozeßverfahrens wachgerufen habe. Trarienx weist ferner auf die von Piqnarl festgestellte Thatsache hin, daß die Schrift Esterhazy's große Aehnlichkeit mit den Schristzügen des Bordereaus habe. Schließlich hebt Trarienx hervor, daß, wie Esterhazy selbst behaupte, Dokumente aus den Prozeßakte» Dreyfus gestohlen worden feie». Warm» sei nichts geschehen. um die Urheber des Diebstahls zu suchen? Man habe an Piqnard falsche Depeschen geschickt, um ihn zu entehre», man habe jedoch die verbrecherischen Absender nicht gesucht. In» Hinblick aus die Umstände fordert Trarieux. wie beretis gestern im Depeschentheil niitgetheilt wurde, daß eine neue Untersuchung betreffs des»Bordereaus angeordnet und der Prozeß Esterhazy'S in weitgehendster Oeffcttllichkctl verhandelt werde und Mathieu Dreyfus mit seinem Rechtsbeistand der Prozeß-Ver« Handlung beiwohne» könne.— England nnd die ostasiatische Frage. Die britische Schiffsinacht in Port Arthur ist weiter verstärkt worden. Die Kreuzer„Jphigenia" und.Jmmortalitö« und zwei Torpedo- zerstörer sind dort angekommen und der Rest deS britischen ostasiatischen Geschwaders ist in Tschemulpo eingetroffen. Man nimmt jedoch an, daß die koreanische Angelegenheit sich ruhig entwickeln werde, indem Rußland, Japan nnd England sich verständigen würden. Das japanische Geschwader soll angeblich dem englischen Admiral Butler zur Verfügung gestellt worden sein. Neber die Stimmung in der englischen Presse nnd den Gang der finanziellen Verhandlungen zwischen England und China schreibt nuS unser Londoner Korrespondent vom 6. d. Mts.: „Die Maßnahmen Lord Salisbury's gegenüber dem Vorgehen Rußlands und Deutschlands tn Ostasien finde» hier nahezu überall Zustimmung, höchstens daß man auf liberaler Seite dein Tory- minister den Vorwurf macht, sich viel zu spät zu seiner jetzigen Politik entschlossen zu habe». Wenn er jetzt Japan ans seiner Seile finde, so sei das nicht sein Verdienst, fondern das Verdienst der Sialtimg Rosebery's zur Zeit des Krieges zwischen Japan und China. lbgesehe» von diesen Parteiliebenswürdigkeilen herrscht aber Ein- stimmigkiit darüber, daß England die von China gewünschte Anleihe vermitteln und jedem Versuch der Gerkürzung seiner Verlragsrechie energisch entgegentreten solle. Wobei denn wieder auf liberaler Seite mit Genugthuung darauf verwiesen wird, welche Kräsligung Englands Position in Asten durch seine Freihandelopolitik erfährt. An der Börse ging heute das Gerücht um, die Regierung sei zur Garanlierung der chinesischen Anleihe entschlossen und werde die- selbe als dreiprozentigei Papier zum Preise von 110 pCl. auf den Markt bringe», was Ruhland freilich nicht kann. Was die englische Preff« über den„Pachtvertrag" betreffs Kiaolschan schreibt, wird wohl der offiziöse Telegraph eiligst»ach dort berichtet haben. Abgesehen von«inigen Krastausdrücke» über die Art. wie der Vertrag erlangt wurde, laufen die Kommentare ins- gesammt darauf hinau», daß von einem förmliche» Protest Englands gegen denselben kaum die Red, sein wird, daß sich England aber die ihm auS feinem eigenen MeistbeganstigungSvertrag mit China zukommenden Rechte um kein Jota vertiirz«» lasse» werde. Der mit dezug auf Ostasien sehr gut unterrichtete IL IL-Milnrbeiter der „Daily Ehronicle"— Mr. Henry Norman meint, wenn es i» dem Vertrag heiße, daß Deutschland„ebenso wie andere Mächte" eine» Hase» in den chinesische» Gewässern zu haben wünsche, das sich höchstens ans das vo» de» Portugiesen besetzte M a c a v anwenden ließe; i» diesem Falle aber hätte man den» Vertrage gleich die Worle Hinz»- füge» können: absit omeul(möge es keine Vorbedeutung sei»)." Charakteristisch für die englische Stiiinnung gegenüber dem deutschen Vorgehen ist die folgende Aeußernng der„Pall Mall Gazette", welche die„Köln. Ztg." wicdergiebt: „Wir verlasse» uns auf die Thalsach«, daß die britisch« Faust im fernen Osten«ine beträchtlich größere Rummer in gewappneten Handschuhen hat, als die deutsche, und so betrachte» wir die Wiedereröffnung der ostnsiattschen Frage durch den Kaiser ohne «rnste Sorge. ES ist indessen erlaubt, zu fragen, was der Ver- sasser deS Krüger-TelegramineS gesagt haben würde, wenn ein britischer v. Dicderichs angewiesen worden wäre, zu landen und sich eine» chinesischen Hafen» zu bemächtigen. Wir waren der Meinung, wenn der Kaiser irgend etwas in der Welt nicht leiden könnt«, so seien daS bewaffnete Einbrüche. Wir glaubten, das sei ein höchst veriverflicheS Beginnen i» feinen Augen. Hai nicht Frhr. v. Marschall dem engltschen Botschafter bei einer denk- würdige» Gelegenheit vorgehalten, die Deutschen seien in RechiS- fragen»ngemetn empfindlich»nd würden sich niemals erlauben, andern ans die Füße zu trete»? Man sollte in der deutschen Presse «inen allgemeinen Ausbruch des Schmerzes und der Entrüstung über de» To» erwarten, den der deutsch« Dr. Jim(Jameso») im fernen Osten angeschlagen hat..." Das Jahr 1898 ist für Italien auch ein Jubel- jähr der Äievolution. Am 12. Januar 1848 erhob sich Palermo und zwang am 4. Februar die Truppe» des damaligen Königreichs beider Sizilien zu,n Abzug. Ganz Sizilien erhob sich gegen das Regiment des elenden Ferdinand II. Diese revolutionäre Bewegung wurde aber niedergeschlagen nnd das Königreich beider Sizilien existirte noch bis zum Oktober 1860, in welchem Monate sich 1 734 127 gegen 10 979 Stimmen für den Anschluß an Viktor Emmanuel'» Reich erklärten. Während in Berlin gewissen Leuten der Angstschweiß ins Gesicht kommt, weil der Berliner Magistrat eine überaus harmlose Inschrift auf«inen Gedenkstein für die ain 18. März Ge- sallencn setzen lassen soll, feiert das offizielle Italien die sizilianische Revolution. Der Kronprinz, die Kronprinzessin, ein ehemaliger Ministerpräsident und andere offizielle Persön- lichkeiten nehmen an dem Gedenkfeste �theil.— Deutsches Reich. — Die Rechnung wird präsentirt. Nachdem der Kiaotschan-Vertrag zwische» Deutschland und China zu stände ge- kommen ist, wird der Reichskanzler, wie das„Bert. Tagebl." mit- theilt, an die gesetzgebenden Körperschaften mit einer Nachtrags- s o r d e r n n g herantreten, um den sich ans dem Abschluß deS Vertrages ergebende» Konsequenzen entsprechen zu können. Der Reichskanzler wird nicht nur mit einer Nachlragsfordernng an den Reichstag herantreten, sondern auch die Genehmigung des BerlrageS selbst vom Reichstag fordern müssen. lieber die Geldmittel, welche die Okkupation Kiaotfchau'S er- heischen wird, ist noch gar nichts bekannt. Von den Konservativen bis zur Freifinnigen Vereinigung wird der Reichstag geschlossen für diese Fordernngen stimmen.— — Aus den HandelSkammerberichten, soweit sie bis jetzt vorliegen, seien im folgenden noch einiae AuSzüae wiedergegeben, die darthnn, wie sich die Handclswelt zu einigen allgemeinen polilischen Fragen stellt.— lieber die vom Deutschen Reich abge schlösse»?» ober noch abzuschließenden Handelsverträge schreibt die Lübecker Kammer: „Soweit für den hiesigen Bezirk die in dem ersten Theile dieses Jahrzents abgeschlossenen Handelsverträge in betracht kommen, wird deren Wirkung wegen der vielfach dadurch erzielten Möglichkeit der Ausfuhr und der dabei erreichten Ruhe und Stabililät alS günstig bezeichnet. Der Abschluß ähn licher Verträge mit den skandinavischen Ländern sowie mit Spanien und Portugal ist ein schon wiederholt geäußerter Wunsch. Auch ist es bei den engen Beziehungen Teutschlands zu Groß- britannien nothwendig, das Verlragsverhältniß zwischen den beiden Neichen ohne Siörnng dieser Beziehungen zu erneuern. Bei der großen Bedeutung, welche die Handelsverträge für das ganze Wirthschaflsleben haben, ist es erforderlich, die Arbeiten für Erueuernng derselben frühzeitig vorzubereiten. Erfreulich bleibt es, daß sowohl die Reichsregiernng durch Einsetzung eines wirth schaftlichen AusschnffeS als auch größere Korporationen und sonst interesstrte Kreise die Arbeiten für eine gedeihliche Lösung dieser höchst wichtigen Frage begonnen haben." Auch die Bremer Handelskammer tritt lebhaft für die HandelsvertragS-Politik ein. „Von ihrer hohen Bedeutung, schreibt ste, legt nichts so sehr Zeugniß ab. wie, daß schon jetzt, sechs Jahre vor Ablauf der Verträge, der Kampf um ihre Erneuerung eingeleitet wird. In ganz Deutschland regen sich bereits die Parteien, um in der Eulscheidungsstiinde mit allem Material gerüstet zu sei». daS sich auS den iinerfchöpslichen Quellen deS wirthschastlichen Lebens sür oder wider die Handelsverträge gewinne» läßt. Auch wir haben damit begonnen, uns«in umfassendes Bild von den Er fahrnngen zu verschaffen. die mit dieser von Anfang an lebhaft von unS unterstützten Politik gemacht sind, und die Wünsche z» sammeln, die in den Kreisen nnseres Handels, unserer Industrie»nd unserer Schiffsahrt für den Fall der Enieuernng der Handelsverlräge und der Abschließnng weiterer Verträge gemacht werden. Wir dürfen aussprechen, daß unsere Kaufmannschaft in allen Zweigen durchdrungen ist von dem un- schätzbaren Werth« der Haiidelsvertrags-Polillk und, unbekümmert im, einzelüe Mißgriffe, die begangen sein mögen, den Blick lediglich auf das große Ganze richlend, nichts sehnlicher wünscht, alS daß auf den im Jahre ISS1 so glücklich betretenen Bahnen weiter ge- schritten werden möge." Mit grober Energie spricht sich dieselbe Handelskamnier, ähnlich der Hamburger(worüber wir schon berichteien), gegen die agrarische Jnteresseiigesetzgebung aus. Wir heben folgende Sätze heraus: „Hat die Handelskammer alle Ursache, sich der Erfolg« der auSwärtigiii Politik Teutschlands z» freuen und ihrer weiteren Elitivickelnng ohne Sorgen entgegenzusehen, so läßt sich dns Gleiche nicht von der Gesialliiug der imierpoltlischcii Verbälluisse sagen. Zwar ist es der kiilturseindlichen agrarischen Reaklion nicht geglückt, so viel Unheil nnznrichien. wie sie im Schilde führte, sondern, allen Angriffen überlegen, haben Handel und Schifffahrl, Industrie und Technik ihren Aufschwung genommen und eine Lebenskraft bewiesen, die der kleinlichen gegen sie ersonneneii Hindernisse am Ende spottet. Aber, dnß überhaupt solche Htnder- niffe zu überwinden waren, daß die freie Bclhätigung der sich massenhaft regenden Kräfte erschwert wurde, hat tn den am inlei naiioiialen Güteranslansch belheiligteii Kreisen«ine tiefe Ver- sliiinnung erzeugt. Und, da ans der anderen Seit« die ans thörichte Geseye gegründeten Hoffnnngen fehlschlugen, und die gesetzgeberischen Mißgriff« sich schließlich an ihren Urhebern zu rächen begannen, so blieb auch im agrarischen Lager die Besriedi- gniig aus, und selten ivohl ist am Schlüsse de§ Jahres die Summe der Unzufriedenheit mit der wlrchschafllichcn Gesetzgebung so hoch gestiegen, wie gegenwärtig." Ueber die Handelsverliägt äußert sich endlich auch der bereits vorliegende Bericht der M a i> i> h« t Iii« r HnndelSkamiu««. ES heißt darin: „Die von Deutschland inangnririe HandelSvtrtragkpolitik hat weiter diejenigen Früchte gelragen, die man von ihr erwarleii durfte. Wir vertraue» darauf, daß die Reichsregiernng auch für die Znkunst an dieser Politik feslznballe» gesonnen ist." Dieselbe Handelskammer macht bezüglich der Arbeiter» Verhältnisse die folgenden Miltheilnngeii: „Die Arbeiterverhältnifle haben sich nach den vorliegenden Berichten nicht ungünstig verändert. Lohnherabsetzniigen sind über- Haupt nicht gemelbet, Verminderung der Arbeiterznhl nur in einem Falle. Dagegen wurden in vielen Industrien mehr, zum lbtil erheblich mehr Arbeiier eingestellt nnd die Löbne bewegte» sich in ausgesprochen, wenngleich langsam steigender Richtung. Vertrags- bruch ist auch dieses Jahr nur vereinzelt vorgekomvien; die wenigen gemeldeten Fälle vermochten Nicht, daS im allgemeinen notorisch gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber nnd Arbeit- nehmer zu stören." Schade, daß derartiges nicht a»> dem ganzen Deutschen Reich gemeldet werden kann! — Fe n tr um und Deiitsch-Konservative. Sehr merkwürdig ist e», tn der„Kons. Korr." die solgende Auslassung zu sind«»: In leitenden gentrumskreisen scheint man von der Unzerstör- barkeit des„Zenlrumsthurmes" nichl mehr recht überzeugt zu sein. Die„Kölnische Volkszeitimg" wenigllenS schreibt in einem bei ihr sonst nicht wahrnehinbaren gedrücklen Ton: „In allen iiiaßgebevden polilischen Kreisen ist man wohl gegenwärtig der Ansicht, daß daS Zentrum nicht zerstört werden könne durch Angriffe von außen, sondern i»ir durch Krisen vo» von innen beranS, so durch ein« Sezession der Bayern oder der- gleichen. Will daS Zentrum sich also seine Bedeulnng erdalten, so braucht eS nur einig zu bleiben. Die Theile würden zusammen viel weniger bedeuten alS heute daS einige geschlossene Zentrum. Die Parabel deS sterbenden VaterS mit den siebe» Söhtten und dem Bündel vo» sieben Stäben kann man sich nicht oft genug in? Gedächtniß zurückrufen. Außerdem beherzige man das Sprüch- wort, daß nur der erste Schritt schwierig ist— ans ein« Sezesston würden bald ander« folgen. Die Parole muß daher sei» n»d bleiben:„Einigkeit macht stark!"— Unter dieser Devise möge das Zentrum einrücken in das neu« Jahr und ans die kommenden Wahlen sich rüsten." Da die Zentrumsführerschaft daS Laviren vorzüglich versteht, ist wohl anzuiiehinen, daß die so ängstlich von der„Kölnische» Volks- zeilung" erflehte Einigkeit noch eine Zeit lang erhallen bleiben>verd«; allein die Bestrebungen, die immer mehr sich erweiternden Risse im ZentriimSthurm zu verkleistern, dürften einen nicht sehr erwünschte» Einfluß aiif die Zeniruinspolitik überhaupt ausüben. Wenn zudem eine auf daS stete Laviren angewiesene Partei im Parlnment den „Ausschlag" giebt, so ist das sehr bedenklich: jedenfalls kann eine solche Partei niemals beanspruchen, die Führung in der Politik zu übernehmen oder als zuverlässige Stütze der Regierung zu gelten. Die Flottenvorlage wird vermnthlich den Prüfstein der Zentrums- Einigkeit abgebe»: anscheinend weiß man in der„ausschlaggebenden Partei in dieser Hinsicht noch heute nicht,„was wird". — Die Berliner Polizei findet eine Vertbeidigerin in der„Kreiiz-Zeitnng". Wir begreifen eS wohl, daß ein Blatt, das sich der Oh», und Gödsche bedient hat, nichts an der Berliner Polizei bemängelt sehen möchte. Wie kommt aber daS Blatt, dem jeder Rückhalt in Berlin fehlt, dazu, den bezüglichen Artikel„Polizei und „öffentliche Meinung" zu betiteln? — Abgelehntes Gesuch. AuS RoSdztn(Schlesien) wird gemeldet: Ein hiesiger Slellmachermeister halt« sich mit dem Smmediatgesuch an den Kaiser gewendet, ein« Beschleunigung der ntschädigung für die durch die Grnbenkatastrophe Geschädigten herbeizuführen. Hierauf ist ein ausweichender ministerieller Bescheid an den Petenten ergangen.— — Bürgerliche Frauen im Kampf« uni das Ver« elnsrecht in Sachsen. Aus Dresden wird uns geschrieben: Von bürgerlichen Frauen wurde eine in ihrer Art hier bisher un- gewohnte Kniidgebung gegen die geplante Veschlechterung deS Vereins- und Versammlungsrechls veranstaltet. Einderuferin und Leiierin der Versammlung war Gräsi» Bülow von Deünewitz. Als Rednerin trat die bekannte Vertreterin der bürgerlichen Frauen- bewegniig Frau Marie Stritt ans. Sie gelangte in ihrem Referat zu einer rücksichtslosen Veruriheilung der Wünsche der Konservativen. Das Vorgehen der Konservaliven sei ein Gradmesser ihrer Merlh- schätzung der Frauenwelt, viel wichtiger als alle blumenreichen Dameiitoaste; es bedeute eine Erniedrigung des ganzen Geschlcchles. Man solle doch nicht mit den„sozialistischen Gefahren" und der „Heilighallung der Familie" komme». Die Frau sei längst mündig und ring« nach Selbständigkeit. Sie fei hineingedrängt in die Pro- duklion und müsse sich da nun bessere Existenzbedingungen zu schaffen versuchen. Die sozialdemokratische Parlei sei die einzige, welche bis jetzt geschlossen und konsequent für die Frauen eingetreten sei. In der Diskussion sprachen uuter andere» der sozialistische Landtags- Abgeordnete Fräßdorf, und auf direkte Aufforderung der Dresdener konservative Landtags- Abgeordnete Behrens. Letzlerer vertheidigte im allgemeinen das Vorgehen der Konservaliven. Man wolle ja die Frauen mir von sozialistischen und anarchistischen Versammluiigeii fernhalten; dort gehörten ste nicht hin. I» schlagfertiger Weise wurde der konservative Mann von der Referentin und noch einer anderen Rednerin so abgeführt, daß er davonschlich. So wurde ihm gesagt, daß man mit solchen kindischen Vorwürfen den Frauen nicht mehr kommen solle. Sie würden selbst enischeiden, in welche Versammlungen st« gingen. Uebrigens hätten die bürgerlichen Frauen, die ja noch weit zurück seien, von de» Sozial- demokraten sehr viel gelernt. Man Hab« dort«in Entgegenloiumeii gefunden, wie sonst nirgends in anderen politischen Verfammlungen. Vor allem habe man parlamentarischen Takt ge- lernt. Diese Kundgebung— eS wurde auch eine Prolest-Resolntion angenommen— zeigt deutlich, wie weile Kreis« der Bkvölkernng von der Erregung über die in Sachsen immer mehr überwuchernde Reaktion ergriffen sind. Werden die sächsischen Unterdrnckungspolitiker sich durch diese Zeichen warnen lassen und von ihrem neuesten Atienlat auf die Volksrechte Abstand nehmen? Thun ste es nicht, so wird ste bei der ReichstagSwahl ein böfeS Strafgericht heimsuchen.— ivian«schweig, S. Januar.(.Franks. Ztg.") Dem Landtage geht demnächst eine Vorlage zu, belreffcnd die Ausbeute nnd den Betrieb des staatlichen KalifalzlagerS bei Reinltiigeu an der Asse durch Privatunternehmer. Hamburg, 7. Januar.(Eig. Ber.) Heute Abend fanden im zweite» und driilen Hamburger Wnhlkreise elf grvßc Volikversaiinn- lungeii statt, tn denen über daS Schema:„Die Flotten- v e r»i e h r u n g und das Volk" referirt und die Flottenvorlage der Regierung entschieden vernrlheilt wurde. Di« Bersaminlnnge» waren von lansenden Hamburger Etiiwohner, Arbeiter nnd Klein- bürger, besucht, und überall wurden Protestresolutionen gegen die Marinevorlage angenommen. So sprach dns Volk vo» Hamburg sein Urlheil über die geplanle Flolienvermehruug, der vor einiger Zeit von der kleinen Gruppe vo» Handelsherren in der bekannten Börseiiversaminlnna das Wort geredet wurde. Auf erfolgte Aufforderung der zuständigen Relchsbehvrde hat sich die Hnmbuiger G e w er b e ka m m« r über die Dnrchfühnmg deS neuen Handwerkergesetzes dahin gutachtlich geäußert, daß st« für zweckmäßig erachl«, statt reine Handwerkerkaminern zu errichten, der bestehenden Gewerbetaminer die Rechl« und Pflichten einer reinen Handwerterknmmer zu geben, damit die Industrie(in Hamburg >141 Fabriken mit 36 000 Arbeitern) nicht vom Ha werde.— Handwerk getrennl Mliiiicheti, 6. Januar. Di« Kammer der Abgeordneten berleth heul« über die von der Regierung vorgeschlagene GehallZausdesseriing "er katholischen und der protestantischen Geistlichkeit. Zentrum und Banerubunv nabmen«ine avlednend» Hatiung«in, da bei dem Modus der iZlnsbesserung die Parität zwischen den katholischen »nd prolestniitlschen Geistliche» nicht genügend gewahrt sei. Die Liberalen N»d Dr. Eigl befürworteten die Vorlage. Schließlich wurde jedoch mit 76 gegen 67 Sttmiiien die GehaltSausbessernng abgelehnt. Nu» ber Pfalz, 7. Jan.(Eig. Ber.) In der Kandldatensrage Im Wahlkreis Homburg-Kusel bringt jeder Tag«ine neue Ueber- raschung. Gestern inelrete» die liberalen Blätter, am Sonnlag solle nochmals«ine Besprechung der Liberalen mit den Bündlern statt« finden wegen Ausstellnng eines gemeinsamen Kandidaten, und heute bringen sie die überraschende Miltheilung, daß in Landstuhl gester» eine Versammlung der Vertrauensmänner der iiaiionalllbcralen Parlei stallgefunden, i» der Herr Oberbürgermeister v. Fischer in Augsburg endatltig als Kandidat aufgestellt worden sei. Auf tele- graphische Anfrage hat Herr Fischer erklärt, daß er ohne Vor- behalt bereit sei, die Kandidatur anzunehmen. Vorher halle er erklärt, er nebm« nur an, wenn Herr Luke zurück- trete und die Bündler setn« Kandidatur unlerstNtzeii. Jetzt hat er sich also«tnes besseren besonnen und will den Kampf niit den Bündlern anfnehmen. Der Krieg zwischen den beiden feindlichen Brüdern kann heiler werden. Selbst wenn Fischer siegen würde, wäre«S doch ein Pyrhnssieg, denn dieser Kamps tostet den National- liberalen bei den allgemeinen Wahlen sicher einig« Mandate.— — Chronik der MajestätibeletdigungS-Prozesse. »r Verhandlung gegen den Cbefredakleur des„Kladderadatsch", �obannes Trojan, rvege» lvlajestälsbeleidiguna, die bekanntlich durch die Veröffentlichung dcs Bildes.?liis dem Lager der himmlischeii Hcerschaaren" verübt sein soll, ist Termin ans den 2S. d. Mls. angesetzt. Herr Trojan wird durch den Justizralh Dr. v. Gordou ver- lheibigt werden. Wegen MajestäiSbeleidignng verbastet wurde der Steinsetzer Czmietzli ans Danzig. Er hatte gelegentlich einer Revision der erberge in Siolp. wo er sich zur Zeit befand, an den revidirenden .enmie» das Ersuche» gestellt, ihn zu verhaften. Dazu lag aber kein Grund vor; daraus stieß er MajestätSbeleidignngeii ans und wurde nalnrlicherweise abgeführt.— AnS Biel an in Sachse» wird geschrieben: Gegen den Berg, invaliden Ernst Michael von hier ist auf eine Denunzialioii seincs Schwagers(!) Bley?l»klage wegen Majestätsbeleidigung«rdode» worden. Die Aeußeriinge», welche die Beleivigungeii«nchallen, solle» bereits vor eineui Jahr« gethan worden sein. Oesterreich. Wien, 7. Januar. Einem Kommuntquä der parlamentarischen Koinmiision des I u n g c z e ch e II- K l n b s zufolge gab der Minister. Präsident in der heutigen um'/zl2 Uhr vormittags begonnenen Konferenz mit den Vertretern des Jungczeche». KludS, Engel, KaizI, K r a in a r z und P a? a k, eine Darstellung der politiscben Situation. Ails den Ausfnhrnnge» des Ministerprästdenien gebt hervor, daß die Regierung entschlossen ist, einer DiStussio» über die Sprachensrage im böhmischen Landtage nicht aus dem Wege zu gehen, vielmehr im gegedenen Falle ihre» Standpunkt präzise darzn- legen nnd mit allen Kräflen sich zu bestreben, die Gegensätze zu mildern. Die czechischen Vertreter beionlen ihre Bereitwilligkeit, an der friedlichen Lösung der nationalen Frage mitzuwirken, allerdings uuter dem selbstverständlichen Vorbehalt, daß das gleiche Recht des böhmischen Volkes voll und ganz gewahrt bleibe. Di« dies- jährige Session des böhmische» Landtages werde zur Erreicynng dieses Zieles beitrage» können, falls auch ans deutscher Seite sriev» liche Dispositionen vorhanden seien. Der Minislerpräsident ver» sicherte, obwohl er das größte Gewicht darauf lege, sich mit de» Deutschen über die Beilegung deS Eprachenstreites zu verständigen, weit davon entfernt zu sein, etwas zu veranlassen, was der Gleich- berechlignng und dem gleichen Recht der böhmische» Sprache oder der Unlheitbarkeil Böhmens abträglich wäre nnd hob wiederholt die absolut« Nothweiidigkeit hervor, im Interesse des Reiches und Landes in der Sprachenfrage zu einer beide Theile befriedigenden Löiuug zu gelangen. Unter anderem gaben die böhmischen Vertreter bezüglich der Lage in Prag die entschiedenst« Versicherung rä, daß, falls demnächst das Standrecht aufgehoben sein ivnrd«. in Prag keinerlei Unruhen zu befnrchlen seien, um s» weniger, da die Prager Bevölkerung schon im eigenen Interesse, im Interesse der böhmischen Sache und auch ans Achtung vor dem Landtag« Böhmens, sowie vor allen Landtags-Abgeordnelen, sowohl den böhmischen wie den deutschen, volle Ruhe bewahren werde. Die Beiprechungen wurde» um!>/, Uhr unterbrochen und sodann von S'/z— KVs Uhr fortgesetzt. Hieraus wurden die Verhandlungen ab- geschlossen. Wie», 7. Januar. DaS Eisenbahn-Ministerium ordneie mit dem Zeitpunkt der Einführung des diesjährigen Sommer- Fahrplans eine Einschränkung des Güter- Verkehrs an Sonn» und hohen Feiertagen auf allen öfter- reichischen Bahnen an. Prag, 3. Januar. Gerüchtweise verlautet, daS Standrecht solle mit dem Beginn der Landtags-Berhandlungen aufgehoben werden.— Niederlande. — Eine Konferenz für iniernationaleS Privat- recht ist von der holländischen Regierung für das Jahr 13S9«in- berufen. Fragen des H-iraths-, Erbschasls- und Bormundschafts- rechts sollen verhandelt werden.— England. London, 6. Januar.(Eig B-r.) Mit bezng auf die Nachwahl in Jork, von der ich neulich schrieb, hat der Ausschuß der Sozialdemokratischen Föderalion beschlossen, ein Manifest zu erlassen, worin die Arbeiter ausgeforderl werden, unter keinen Um- ständen für Mr. Furneß, den liberalen Kandidaten, zu stimmen, und das„schmachvolle" Vorgehen der liberalen Partei gegeißelt wird, ein Mitglied des Fabrikaulenbundes als Parlamentskandidat anfzu« stellen. Auf der anderen Seite haben verschiedene Gewerkschafts- fülirer des Nordens für die Kandidatur des Genannten gesprochen und ihn für einen der besten Freunde der organisirlen Arbeiter er- klärt. In P l y m o u t h, wo ebenfalls eine Nachwahl aussteht, haben die Maschinenbauer beschlossen, die Kandidatur des liberale» Kandidaten zu unterstützen, nachdem derselbe sich verpflichtet hat, im Parlament dafür zn wirken: 1. daß keine Firma einen Rc- giernngSauftrag erhält, welche nicht dieselbe Arbeitszeit hat, wie die Regiernngswerkstätten, und die Gewerkschaflslöhne zahlt, und 2. daß keiner Kontrakt- Firma, welche ihre Arbeiter ausgeschlossen hat, die Vergünstigung der Streikklausel zugebilligt wird.— Schweden. Makmö» 7. Januar. Die GeschäftSkommission der hiesigen Landwirihschasts-Gesellschaft beschlon heiite, eine Rindviehschlächterei, hauptsächlich für den Export nach Berlin, zn errichlen. Es wird beabsichtigt, das Schlachten in Anwesenheit eines deutschen Veterinärs geschehen zu lassen. Man hofft, die Schlächterei bereits am 1. Februar d. Js. eröffnen zu können.— Spanien. Madrid, 7. Januar. Auf Antrag deS Kriegsministers beschloß heute der Ministerralh, die Untersuchung über die vom General Weyler begangenen Verstöße zu eröffnen. Infolge dessen ist die Ge- fahr einer Ministerkrisis beseitigt. Emilio Castelar, der theoretische Republikaner, veröffentlicht einen Aussatz über die Botschaft des Präfidenten Mc Kinley; darin schreibt er, ein Dazwischentreten der Vereinigien Staaten ans Kuba würde ein Verbrechen analog der Theilung Polens sein; das ganze lateinische Amerika würde dadurch in Erregung versetzt werden. Stlvela, einer der konservativen Gruppenführer, hielt heute in Bajadoz«ine Rede, in der er ausführte, Spanien würde eine Intervention der Vereinigten Staaten als Angriff auf die nationale Ehre und daS Völkerrecht betrachten und einem solchen thatkrästigen Widerstand leisten, wobei eS Europa auf seiner Seite haben werde. Er schloß Mit dir Aufforderung an die Konservativen, sich zu orga- nifiren für den Fall, daß sie zur Macht gelangen sollten. Dem„Heraldo" zufolge hätte Mc Kinley die Absicht, Spanien aufzufordern, den Krieg auf Kuba schleunig zu beenden.— — Di« Hoffnung auf Wiederherstellung deS rieben? auf Kuba wird wieder erweckt durch die folgende eptsche aus Paris: Au der heutigen Börse liefen Gerücht« a»S Havannah um, nach welchen daS Komitee der Aufständischen in New-Aork Briese dorthin ge- lange» ließ, mit dem Ersuche» um Mittheilunge», aus grund deren über den Frieden verhandelt werden könne.— Bulgarien. — Die Sozialdemokratie und die türkische Herrschaft auf der Balkan- Halbinsel. In einer großen öffentlichen Versammlung in Sofia, die von der Sozial- demokratischen Arbeiterpartei einberufen war, wurde nach Referaten von Dr. Rakowski und Harlakoff, folgende Resolution angenommen: „In Erwägung, daß daS gegenwärtige politische Regiment in der Türkei, dag sich charakterifirt durch den Maffenmord von Zehn- taufenden unschuldiger Bürger, gestern in Armenien und Kreta, heute in Makedonien, jeden ökonomischen und politischen Fortschritt erstickt und eine ständige Gefahr für de» Frieden der Völker bedeutet; in fernerer Erwägung, daß Europa durch internationale Ber- einbarungen daS Recht besitzt, die inneren Angelegenheiten der Türkei zu regeln; in schließlicher Erwägung, daß der blutige, innere Kampf, den die Balkanvölker um den Besitz Makedoniens führen, geschürt durch die Siegieruugen und die chauvinistiiche Presse der betreffenden Länder diese selbst vernichten und in die Gewalt ihres gemeinsame» Feindes bringt, daß ferner diese Kämpfe nicht blos die politische Selbständigkeil der Balkanländer gesährdet, sondern auch für Makedonien selbst sehr schädlich ist, indem e? seine Kräfte zer- splittert und es dem Willen des Sultans ausliefert, proteftiren die Bürger von Sofia l. gegen die gegenwärtige Regime im ganzen türkischen Reiche. II. Appelliren fie an die öffentliche Meinung Europa'?, in erster Linie an die demokralische» Parteien, indem st« die Un- abhängigkeil Makedoniens, sowie aller übrigen Balkanstaaten ver- langen. III. Verurtheilen sie aus daS energischste die unaufhörlichen Verfolgungen in Makedonien, die veranlaßt find durch die Propa- ganda der verschiedensten politischen und religiöse» Richtungen. IV. Appelliren sie an die Balkanvölker und an die forlschritt- lichen Parteien der ganzen Balkanhalbinsel, z» einer Verständigung zu gelange» bezüglich der Forderung! Autonomie für Makedonien und der übrige» Balkanftaal,» bei gleichzeitiger Ver, ichileiftung aller Ansprüche ans Makedonien. Für Makedonien muß diese Un- abhäugigleit sich soiveil erstrecken, daß die Bevölkerung jede« Distrikts sich der ihr geläufigen Sprach« bedienen kan». während für das ganze Land mehrere Svrachen als offizielle zuzulassen sind. damit alle in jenem Lande vereinigten Völkerschaften w de» Stand gesetzt sind, ihre nationalen Eigenthümlichkeilen frei entfalte» zu können. Tin so gestaltetes Makedonien würde den Kämpfe» ein Ende machen und die nöthige Grundlage biete» für ein genieinsames Vorgehen gegen die türkische titegierung sowohl, als auch gegen die diplomaitschen Jntriguen des Auslandes. V. Das Bureau wird beauftragt, der Resolution in der Presse der Balkanländer»nd des übrige» Europa's die weitgehendste Ber- breitung zn verschaffen. Griechenland. — Beschränkung der auswärtigen Vertretungen Griechenlands. Aus Athen wird der„Jutern. Corresp." gemeldet:__, Der griechische Sesaudt« am Berliner Hofe, Herr Cleon Rangabä, wird demnächst«inen längere» Urlaub antreten, wofür der bisherige Cesandtichaftssekretär, Herr Antonopulos, wclchcr binnen kurzei» nach Berlin zurückkehrt, die Geschäfte der Gesandtschast führe» wird. Die zeitiveilige Beurlaubung deS Herrn Rangabö wird mit Familienangelegenheiten begründet; Doch sieht man in Athen diesen Schritt als Einleitung der vor- läufigen Aufhebung des GesandischastSpostens in Berlin an. worauf die gleiche Maßregel für Paris erfolge» dürft«. Di« schwierige finanzielle Lage Griechenlands, welche zu äußerster Beschränkung aller Ausgaben nöthig, ist wohl der Hauptgrund dieser Entschließung, und wird daher das hellenische Königreich künstig nur in Konstantinopel durch«inen Gesandten vertreten sein, während an die übrigen Höfe nur GeschästSlräger entsandt werden�sollen.— «frikn. — Zur Sudansrag«. A»S Paris wird gemeldet: Die Regierung erhielt vom Gouverneur des französischen Kongo eine Drahtnachricht, wonach die Expedition Marchand am Nil an- gekommen ist. Nach einer Meldung der„DimeS" a«S Kairo wird die Operalionsarmee im Sudan a»S etwa 18 000 Mann«gyptifcher Truppen, der Kanonenboot-Flotille auf dem Nil und drei englischen Bataillonen bestehen; die letzteren würden verstärkt werden, falls eS sich als»othwendig erweise. Die ganze Streitmacht werde unter dem Befehle Küche»« Paschas stehen.— Asien. — Vom Fortgang d eS sibirischen Eisenbahn- b a n e s. AnS Petersburg wird geschrieben, daß trotz der großen Anstrengungen, welche die Regierung macht, um den Bau der stbiriichen Eisenbahn niit Beginn des Frübjahrs in außerordent- licher Weile zn beschleunigen, der thatsächliche Stand der bisher fertig gestellten Strecken sehr viel zu wünschen übrig lasse. So soll während der Herbstinonate in der Gegend des Baikal-Sees eine Strecke vo» nahezu fünfzig geographischen Meile» durch Ueber- schwemniuiigen derart geliite» haben, daß ein vollständiger Neubau erforderlich ist. Die Bah» durch die Maiidschnrei dagegen bietet ni» deswille» liiierwartele Schwierigkeit, weil die geplante gerade Verbindinigslinie»ach Port Arlhnr durch Gebiet« führt, welche vo» sehr kriegerische» nomadisirenden Mongolenstäinme» bewohnt sind. Die Sicherung des Bahnbaues würde deninach erst inöglich werden, nachdem diese Stämme durch ein starkes militärisches Aufgedol dauernd zur Rnhe gebracht sind, was eine vorherige vollständige Besitzergreifling dieser chinesischen Provinz von russischer Seile forderlich»lacht. Andererseiis ist von dein russischen Verkehrs- Ministerium eine wesenlliche Umlegnng der Bahnstrecke in Vorschlag gebracht worden, ivelche die volkreichere»»nd zivilistrleren Gegen- den des nordöiliichen China durchziehe» soll. Die Ansiührung dieses Planes schließt jedoch eine bedenieiid« Vergiößerung der Bahn- arbeiteu in sich.— Amerika. — Die Militär bevollmächtigten der Ver einigten Staaten. Der»ordaineiikanische Kriegsselreiär Alger hat eine Vorlage ausgearbeitet, welche die Veimehriiiig der Miliiärbevollinächiigte» der Union bei den auswärtigen Vertretungen vorsieht. Nach der ainllichen freilich sehr eigen Ihnmlich klingenden Angabe würde diele»» Vorgehen jedoch weniger ei» militärischer als handelspoliiischer Ziveck z» gründe liegen,»»dein die ausgesaiidle» Bevollmächligle» hnnpisächlich auf den Absatz von Kriegs- bedarssartikel» hinwirken sollen, welche in de» Bereinigten Slaate» prodnzirt werden. In den Staaten vo» Süd- und MiNel- Amerika, sowie i» den Ländern Süd-Enropa's würde hierbei die Lieferung vo» BekleidungSslücken und Gewehren in Fragt'oniiiiea, während für die großen Milüärstaate» Europa's au die Aussuhr von Kavalleriepserden gedachl ist. Auch die japanische Armee hofft man von Nordamerika mit Pferden vei sorgen zu können, und sind lur entsprechenden H-i-uag der einbeimischen Pserdezucht seitens ber Regieruag bedeiilende Mittel bewilligt worden. Es dürfte jedoch n>iz>veis«lhafl sein, daß besonders in den miitel- und tndamerikanischr» Stnaien die Mililärbenollniächtigten auch weitergehende politische Zwecke zu erfüllen habe».— Der Fall Fink. Die Verhandlungen deS ReichSlageS über den Fall Ftiik habe» tu der deiilsch-aiiienkaiiischen Presse viel Staub aufgewirbell. Der Rebaklenr der„Post" scheint danach»nter den Deutschen in den Vereinigten Staate» ein sehr bekannter, aber nichl gerade rübnilich bekannler Mann z» sein. Unter anderen geht uns heute die Nnmmer 13 der„Kansas Cily Reiorm" vom 23. Dezember zn, die einen lange» Ariikel enihält unier der Ueberschrist: Carolns Fink. Sch.. und Kaktiiskönig, in dem eine Fülle von Mittheiluiigen über die Thnten Fink's in den Siädlen Mexiko, Kansas City und Chicago gemacht worden, die, wenn — um mit Herrn v. Kardorff zu reden— nur der zehnte Theil davon wahr ist, den Redakteur Fink in jeder aiisländigen Zeitungs- redaktio» für imnier unmöglich machen. Es sind Schritte gelban, um ein möglichst umfängliches Beweis- Material gegen Fink zu Tage zu fördern. Auch dal Bebel die ihm z»gega»ge»e Anfsorderiing des Schiedsinmiiis, zu einem Sühiieterniin zu erscheinen, abgelehnt mit dem Hinweis, daß er eine» gerichtliche» AuStrag der Sache wünsche» müffe. Der BmideSrath hat in seiner gestrigen Sitzung außer den schon in der letzte» Nummer erwähnten Beschlüffen sich dahin entschieden, den vom Reichstag angenomineiien Gesetzeiilwurs betreffend die Kontrolle des ReichsdaushaliS, des LandeshausbailS von Elsaß- Lotdringen und des Haushalts der Schutzgebiete snr 1897/93 dem Kaiser zur Vollziehinig vor,»lege». De» zuständigen Ausschüssen ivurden überwiesen: der Reichstagsbeschlub zu der Denkschrift, be- treffend die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anlelhegesetze, sowie die Vorlage, betreffend die AnSprägmig von Zehiipiennigftücken. Bon der Miltbeiliing, betreffend die Nachiveisnng der Geschäsis- und Rechnuiigsergebniffe der Jnvalrdiläts- und Aliersversicheriiugs- An- stalte» für l89«. wurde Kenntntb genoininen und über einen dem Kaiser für die Besetzung einer ReichSgerichlsrathsstelle z» machende» Vorschlag, sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.— DaS HerreuhanS hat als Tagesordnung für die erste Plenar- sitzung, die am komnienden Dienstag, den 11. Jannar 1893, nachmittags L'/e Uhr, statlfindet, angesetzt: l. Konstiluiruiig des Hauses. 2. Wahl des Präsidenten, der beiden Vizepräsidenten und der Schriftführer. An demselben Tage werde» sich unmitielbar nach dem Schlüsse der Plenarsitzung die fünf Abiheiluligen in de» Ab- Iheililiigszimmerii konstitniren. Ferner findet die Wabl vo» je drei Mitglieder» für die acht Fachkonimissiolien statt und zwar: 1. für die Geschäftsordnung. 2. für Petitionen, S. kür den Slaatshausbalis- Etal und Fiiiaiizangelegenheiten. 4. für Justizangelegenheilen, 5. für Handels- und Gewerde-Aiigelegenheilen, 6. für Eiseiidahn-Angelegeii- heilen, 7. für kommunale Angelegenheiten. 8. für Agrarverhältnisse. Im Herrenhause sind seit dem Schlüsse der verflossenen Landlags-Sessio» eine Reihe von Personalveränderungen «ingeireten. Gestorben sind Fürst Hugo zu Hohelilohe-Oehringeu, Herzog von Ujest auf Slawentzitz(am 23. Augnti 1897), Graf Paul Dorl von Wartenburg auf Klein-Oels(am 12. September 1897), Alexander v. Dießler auf Wilkischken(am 18. Oktober 1397), Gras Fred v. Frankenberg ans Tillowitz(am 30. Dezember 1897). Dr. Bernhard Möllmann, Oberbürgermeister in Osnabrück(am 30. De- zember 1397). Ausgeschieden sind Reinhold Bote, bisheringer Oberbürgermeister von Poisbam(am 1. Juli 1897), und Karl Windthorst. bisheriger Oberbürgermeister in Münster(am 1. Oktober 1897). Nenn neue Mitglieder find zu verzeichnen: Julius v. Gordon, Rittergutsbesitzer auf Laskowitz in Westpreußen, präsent irt vom Verbände deS alte» und befestigten Griindbesitzes in Süd- Pomerelleii, durch königlichen Erlaß vom 28. Juli 1897 auf Lebens- zeit berufen, Hngo Freiherr v. Dörnberg ans Hansen bei Ober-Aula, durch Erlaß vom 8. September 1897 ans besonderem königlichen Vertrauen ans Lebenszeit berufen, Diepold v. Köckritz auf Monschütz bei Wohlau, präsentirt vom Kerbanbe des alten befestigten Grundbesitzes im Fürstentdum Liegnitz und Wohla». durch königlichen Erlaß vom 23. August 1397 auf Lebens- zeit berufen. Ernst Freiherr v. Eckardtstetn ans Prötzel, präsentirt vom Verbände des alten und befestigten Grundbesitzes im Land- schastSbezirk Barnim, durch königlichen Erlaß vom 4. Oktober 1897 auf Lebenszeit berufen, Di-tlof Graf Arnim auf Boitzenburg, als Besitz« d« Grafschaft Boitzenburg durch königlichen Erlaß vom 28. September 1397 aus Lebenszeit berufen, Maximilian Ego» Fürst zu Fürstenberg zu Donaueschinge» als Besitz« der Herrschaften Jungenau und Trochlefinaen, durch königlichen Erlaß vom 4. Oktober 1897 auf Lebenszeit bernsen, Otto Fürst und Rheingraf zu Salm- Horstmar ans Schloß Barlar als Besitzer der Grafschasl Horstiiiar durch königliche» Erlaß vom 15. November 1397 auf Lebenszeit de- rufen, Christian Kraft Fürst Hohenlohe-Oehringen. Herzog von Ujest als freier Standesherr des H-rzoglhums Ujest durch königlichen Er- laß vom 24. Noveinber 1897 auf Lebenszeit berufen. Richard Jähne, Erster Bürgermeister in Potsdam, geboren 6. Novemb« 1353 zu Potsdam, durch königlichen Erlaß vom 22, Dezember 1897 berufen. P&tifti-Nschvirtzken, Kundgebungen für unseren inhaftirten Partetgeuosfen Wilhelm Liebknecht sind während der Feierlage aus den ver- schiedensten Orten des Iii- und Auslandes in so großer Zahl ein- gegangen, daß wir in seinem Sinne zu handeln glauben, wenn wir de» Einsendern der Znschristen an dieser Stelle für ihre Auf» merksanikeit herzlich Dank sagen. Die Sozialdemokratie aller Länder wird es freudig vernehme», daß es unserm greisen Borkämpser den Umstände» nach wohl geht, lind daß wir hoffen dürfe», ihn in d«- selben Frische das Geiängniß verlassen zu sehen, die er zeigte,»lS er es betrat. Die Frankfurter„Volksstimme" bespricht unter der Auf- schrift„Sozialdemokralie und deutsche China-Politik" die Haltung der sozialdemokralische» Blätier zu der Olknpalion vo» Kiaotschau und den ostasiatischen Vorgängen. Die„Vollsstinnne" glaubt einen gewissen Unterschieb in der Haltung des„Vorwärts" und anderer Parteiblätter gesnnde» zu haben. Allerdings sagt sie selbst, daß es Unterschiede„in dem Grade und in dem Ton" seien, in dem wir gegen die dentschen China-Abenteur« vorgehen. Immerhin bemerkt sie zu be» Ausführungen, die der„Vorwärts" bei der Meldiiiig von de», Abschluß der deutsch-chinesilchen Vereinbarung gemacht hat, folgendes: „Also kein Wort davon, daß ber„Zwang", dem China nach- gebe» müßte, die brutale deutsche Marinegewalt war, die ohne Parlament und mit Verletzung des Völkerrechts vorging, und ans die Zutilnst einen ganz akademischeii'Ausblick, als wenn nicht trotz ber„VersiSnt igung" noch Prinz Heinrich niit der„gepanzerten Faust" in de» chinesiichen Gewässern führe. Auch kein Wort von dem Zusammenhang der inneren und äußeren Gewaltpolitik der henligen dentschen Machihaber." Die„Voltssti»»»e" ziiirt dann einige Anslaffuiigen anderer Partei Organe, ivelche nach ihrer Meinung Dinge sagen, die zu sagen der„Vorwärts" unierlassen häile. Die„Volksstiinme wird aber lviffeli, daß ivir ähnliche Gedanken, ivie fie sie vermißt, zu wieder- holte» Malen in mehr oder weniger ähnlicher Form auch geäußert haben. Der„Vorwär ts" dal schon in seinen Leiiariileln vom 13. Dezember über„Die ausivärlige Politik und der Reichstag" lind vom 2l. Dezember über„Der Sireit INN China", die chinesische Angelegenheit ausführlich behaiivell und sonst fortlniiseiid in kleinerei, Notizen Kritik an dem Vorgehen DenischlandS i» der Ki»oischail-Ailgelege»h«it geübt. Richtig ist allerdings, daß„tu dem Grade und i» dem Ton" dieser Kritik sehr verschiedene Nuancen vorhanden sind; die.Volksstimine" unterscheidet z. B. sich von dem Tone der„Sächs. Arb.-Zlg." in sehr vielen Angelegenheiie» ed»»so erheblich, wie sich ber To» des„VormärlS" in der chinestsche» Frag« vom Ton« einiger anderer Parieiblälter nnterschiedeil habe» mag. Wir könnten es übrigens keineswegs als ein« glücklich« Entwickelung unser« Parielpresse ansehen, wen» nnsere Organe durchweg die gleich« Physiognomie aufwessen würden. AlS RcichStagö-Kaudidat für den 20. sächsischen Wahlkreis Zschopau-Marienderg wurde von einer von zirka 800 P«- sonen besilchien versainmliing i» Thum einstimmig Emil R o s e» o iv ans Chenniitz aufgestellt. Im 5. pfälzischen Wahlkreise H o m b u r g- K u s e l. wo an stelle des verstorbenen nalionaUiberalen Vertreters Professors v. Marquardfen eine Ersatzwahl vorjunehmen ist, kandibirt von nnserer Seite Laiibtags-ilibg» ordnet« und Stadtrath Franz Joses Ehrhart aus Lndivigshafen. Im Bericht über die Parteikonferenz deS KreiscS Oft- und West Strrnbcrg, ber in gestriger Niimiii« veröffentlicht wurde, ist insofern ei» Jrrihnm eiilhatleii, als der Parieigenosse Weiße anS Berlin auf der Konserenz nichl die brandenbnrgische Agitations- koinmission verlrat, sondern das Z e» t r a l- W a h t k o»i i l e e für die bevorstehenden Reichslagswahle» in der Provinz Branbenbiirg. Zur Agitation für die RrichStaaStvahlru im 23. sächsischen Wahllreise ericheml, wie ber„Leipz. Volkeztg." mitgethetlt wird, vom S. Januar an in Planen i. B. monallich einmal eine Wahl- zeitung„Der Voglländer" unter Redaktion deS Parteigenossen L a» g e u st e i n. Die Magdeburger„Volksstimme", deren Abonnentenstand schon ini alten Jahr« besonders insolge der polizeilichen Verhetzungen zugenominen hat, kann die«frenliche Thatsache mittheilen, daß im Monat Januar die Zahl der Stbonnenlen wiederum um einige Hundert gewachsen ist. J„ Mannheim feierte am 8 Januar der Parteigenosse Gast- wirth Josef B» t l l e seinen 70. Geburtsiag nud zugleich den ErinnerungStag seines Anschlusses a» de» badlschen Freiheitskampf im Jahre 1843 Als einer der erste» in Mannheim hat er sich der Sozialdemokralie angeschlossen. Vom Jahre 1873 bis 1393 war er Miiglieb der Siadtverorbneten- Bersa»iml»ng Mannheims. Möge dem wackeren Mitkämpfer noch ein langer, freundlicher Lebensabend beschieden sein I AuS Norwegen. Im April 1834 hatte in Christiania daS „Zentralkomitee der Gewcrkschnslen" getagt, um darüber zn berathen, ivie man die eiiizelne» Gewerkschaftsverbände vereinigen und zu ge- nieinsamem Handeln organisiren könnle. Schon damals sah man ei», daß ein Blatt, worin die'Arbeiterfragen bedanbelt werden lönnlen, das beste Vcrbi»bu»gsinillel wäre. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Knudfe», wollte die Herausgabe dieses Blattes in Szene setzen, stieß ab« sofort ans Schwierigkeilen, da ihm die Allernalive gestellt wurde, entweder dielen Plan anfzu« gebe» und zugleich seine» Beilranensposten als Vorsitzender nieder- zulegen, aber auf seine'Anstellung als Leiter einer Bnchdruckerei zu verzichten.(Man sieht, daß der Kapilalismirs zu allen Zeiten mit den gleichen Mitteln die Koalitionsbestrebunge» der Arbeiter be- kämpft bat.) Knudsen bedachte sich nicht, er wählte die Sache seiner Genoffen, statt der gesicherten LebenssteNling. Aber auch die Beschaffnng eines Druckers für die übrigens sehr zahme Probenummer des neue» Blattes war recht schwierig, da ina» damals in Norwegen noch»ichis über die?lrbeit«frage gedruckt gesehe» hatte und in allem die rothe Revolution witterte. Knudsen«ntschloß sich daher, sofort et» Blatt dreimal wöchentlich herauszugeben, da er dann eine eigene Druckerei errichte» konnte. Leider zeigte sich bald, daß sein« paar Spargroschen sür ein solches Unternehme» nicht ans- reichten. Die Probenummer des Blattes«schien unter dem Titel: „Varl Arbejda"(„Unsere Arbeit"); sie enthielt unter anderem einen Artikel, daß die Arbeit« beim 17. Mai-Festzng««ine» eigenen Zug bilden und nicht mehr mit dem der„Rechten" gehen solltet«, was auch geschah. Diese Probennnimer deS ersten sozialistischen BlatteS in Norwegen erschien im Mai in einer Auflage von 20 000 Exemplaren. Die zweite Nummer koniite erst im August herausgegeben werden. Bald daraus entstand aber in Christiania von seilen deS neu- begründeten Norwegische,, Älrbeitervereins ein zweites Blatt unter dem Titel„Der Arbeiter" und auch in Bergen wurde ein Blatt„Der Arbeiterfreund" begründet. So war„Unserer Arbeit" die Existenz nicht nur durch Anfeindung, sondern auch durch Kon- knrrenz erschivert. Als Ausweg blieb nur die Begründung eines Vereins, der das Blatt stützen konnte. Und am 2. Februar 1885 wurde eine Einladung zur Begründung de? sozialdemolrattschen Vereins erlnssen. 1. Mlnz tonfiituivtt sch der Verein, der„Uiisere Arbeit- ols Vereinsorga» anerkannte, und an» IS. April sogar als Eigenthnm nbernahm. Jedoch erschien es nun zunächst nur zweimal wöchent- lich. Seit 1833 wurde das Blatt erheblich erweitert. Polizeiliches, Gerichtliches ic. Der Parteigenosse K ü n n e, verantwortlicher Redakteur der Halberstädter„ S o» n t a g s z e i t u n g", tritt am 10. Januar eine zweimonatige Gefäuguibstrafe an. die ihm wegen Beleidigung des Polizeikommissars in Wernigerode auferlegt ist. Ei» Strafverfahren wegen angeblicher Militärbeleidigung, die durch de» Bericht über eine Soldaleuprügelei verübt sein soll, schwebt»och. — Redakteur Friedrich vom„ L ü b c ck e r Volks« boten-, der seit Ostern v. I. mehrere ßlefäiigiiisjslrase» verbüßt «nd erst zu Pfingsten d. I. seine Freiheit wieder erhält, erkrankte kurz vor Weihnachten und mußte dem Allgemeine» jiranlenhans übergeben werden, wo er ctiva 14 Tage in ärzlicher Behandlung blieb, worauf er wieder ins Gesängniß zurückkehrte. — Redakteur G o l d st e i n vom„Sächsische» Volks- b l a t t- in Zwickau, der wegen Beleidigung des Fcnerwehr-Kom- Mandanten G n t h m a n n vom Schöffengericht in Kriunnitschan zu v Wochen Gesängniß verurlheilt worden ist, hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt, zog dieselbe aber in der Verhandlung vor dem Landgericht in Zwickau zurück, weil sein Antrag, die Ver> Handlung zwecks Vorladung von 14 neuen Zeugen zu vertagen, ab� gelehnt worden ivar, weshalb Goldstei» die Berufung für aussichtslos erachtete. Wegen der Ablehnung seines Antrags will er Beschtverde beim Oberlandesgericht führen.— Ein Prozeß, de» die Staatsanwalt- schaft in Greiz zu gnnslcn des Pfarrers Hofmann in Casselwitz, gegen Goldstein als verantwortlichem SIedaktenr der„ilt e n ß i s ch e n B o l k s z e i t u» g" angestrengt halle, ist vom Greizer Wntsgericht „begraben" worden._ GemevkMAftliches. Berlin und ttmgebnng. Deutscher Holzarbcitcr-Berbaud. In der Bezirksvrrsamm- lung für den Osten und Nord-Osten wurden in die Werkstätten- Rontrollkommission gewählt: Stnsche, Kohl, Ostermnnn, Lalla, Haffner, Tluka, Grouim, Kothe, Peschke, Gröling, Mnhlbach und Held. Achtung, Schuhmacher! Infolge von Differenzen wegen Ein- führung der neuen Fabrikordnnng sind Sonnabend, den 8. d. M., entgegen den Abmachungen mit den Fabrikanten, bei der Firma Lüde ritz, Georgenkirchslr. 04, sänuntliche Arbeiter ausgesperrt worden. Wir ersuchen den Zuzug fernzuhalten. Die A g i- t a t i o n s k o m m i s s i o n. Rixdorfrr Gcwcrkschafts- Kartell. Für die englische» Maschinenbauer sind ferner eingegangen: 85,—, darunter vom Verein der Buchdrucker und Schristgiefter Rixdorf-Britz 10,—, Personal deö „Rixdorfer Tageblatt" 12.30, Frauen- und Mädchen-Bildungsverein Ripdorf lS,—.— Es muß in der vorige» Quittung heißen statt: Textilarbeiter, von Gesellschaft Marsellaise- Gesang 6,30 M.— Weitere Beiträge nimmt entgegen der Vertrauensmann der Ge- werkschaslen Ripdorfs I u l i u s V i e w e g, Nixdorf, Bergstr..132. Deutsches Reich. Die Gegensätze, die zivische» dem alten Bergarbeiter-Verband und dem christlichen Bergarbeiter-Verein oft in recht heftiger Fehde zum Austrag kamen, scheinen in den Kreisen der christlichen Berg- arbeiler einer ruhigeren Auffassung gewichen zu sein. Vor kurzem »varen von dem Redakteur H n e der„Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung- in einem Vertrag in Wattenscheid gegen de» christliche» Gewerkverein eine Reihe sachlicher Einwände erhoben und sehr ent- schieden die Verdächtigungen gegen de» Verband zurückgewiesen worden. Darauf nahm in der Versammlung der zweite Vorsitzende des christlichen Bergarbeiler-Vereins, Bergarbeiter Wahl, das Wort und äußerte in anerkenneuSwerther Objektivität: Nach meiner Meinung hat die Organisation folgende Aufgaben: I. Auf die Gestaltung der Gesetzgebnng im Interesse der Arbeiter hinzuwirken. 2. Für Ausbildung der Mitglieder zu sorgen. Wen» Herr Hue auch nicht auf mcincm Standpunkt steht, so kann ich de» Kamerade» doch nur empfehlen, sich die Vorträge desselben im Interesse der Erweiterung ihres Wissens»nd ihrer Bildung au- zuhören. Als 3. Ausgabe hat der Gewerkvereiu die Frage der Grnben-Jnspektion zu lösen. De» Vorschlag Hne's halle ich gerade nicht sür schlecht, meine aber, daß es besser sei, für staatliche Beamte einzutreten. Ich betrachte Hue auch nicht als Gegner, muß aber trotzdem den„Bergknappen", der doch unser Organ ist, in Schutz nehme». Er erkenne auch gerne an, daß die„Berg- arbeiler-Zeitnug" jetzt ganz im gewerkschaftlichen Sinne redigirt werde und daß sie die Vergarbeilcr-Verhältinsse wahr schildere. Ich kann den Kameraden nur einpsehlen, die Lektüre der„Bergarbeiter- Zeitung" nicht zu vernachlässigen. Möge der alte Verband ans dem zetziaen Wege nur fortschreiten, der Erfolg für die Bergmannssache wird dann nicht ausbleiben. Wer darum»icht Mitglied des Gcwerk- vereinS werden will, lasse sich nur ruhig in den alten Verband ans- nehmen." Ter Ausstand der Schuhmacher bei der Firma Meyer in Bremen ist durch einen Vergleich, in dem theilweise die Forderungen der Ausständigen bewilligt wurden, beigelegt. Bergarbeiter- Bewegung. Wie aus Gottesberg gemeldet wird, hegt man in Berginaunskreise» die Absicht, aus den Herins- dorfer Gruben in ganz kurzer Zeit die Arbeit niederzulegen. weil die Verwaltung die achtstündige Schicht nicht einführen will.— Ans den Gottesberger Grube» besieht die achtstündige Schicht schon seit vorigem Herbst und bewährt sich sehr gut. Tie Arbeit eingestellt haben in der Gnßwaarenfabrik von Wübbeus u. Voßivinlel in Hannover eine Anzahl Arbeiter, denen ein bedeutender Lohnabzug als Ncujahrsgeschenk zu theil werden sollte. Die betreffenden, Schleifer, hatte» schon in voriger Woche wegen der Inventur- Ausnahme seiern niüffen und nachdem sie nun ihre Arbeit wieder auf- nehmen wollten, ist inzivischen der Alkorbsatz derartig umgemodelt, daß einzelne Arbeiter bis zu 50 pCt. Ausfall erleiden. Was ohne Einführung technischer Verbessernugen eine solche Herabsetzung des Lohnes bedeutet, wenn der bisherige Verdienst bei zehnstündiger Arbeitszeit etwa 20—24 M. betrage» hat, kann nia» sich leicht berechnen. Einzelne Arbeiter, die in aubelracht der wirthschaftlichen Verhältnisse zu einem kleinen Abzüge vielleicht geschwiegen haben würden, haben erst versucht, nach den» ncnen Akkordtarise zu arbeiten, aber essoll»hne» einfach unmöglich sein, auch nur annähernd einen halbwegs auskömmlichen Verdienst zu erreichen,»veshalb den» auch diese Arbeiter, neun an der Zahl, die Arbeit niedergelegt haben. TaS gesammte Personal der Bnchdrttckerci Brendoiv u. Sohn (Ruhrorler Zeitung) in R» h r o r t kündigte wegen Verweigerung der Koalitionsfreiheit und Nichtanerkennung des Tariss. Nach Be- arbeitnug seitens der Geschäslsleilung ging ein Theil des Personals die schivächliche Bedingung ei», innerhalb 6 Monate» ans dem Verbände auszutreten oder sich nach einer anderen Stellung umzusehen. Die übrigen blieben bei der Kündigung. Die Haudschnhmachcr in Halberstadt beabsichtigen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Gefordert wird eine Sprozentige Lohnerhöhung. Die Fabrikanten stehe» bis jetzt dieser Forderung ablehnend gegenüber. DaS Agitationskomitee der Leipziger MetaNarbeiter ersucht um Fernhallen des Zuzugs nach der Firma EwiderSky, Motorenfabrik»nd Eisengießerei in L e i p z i g- P l a g w i tz, da hier Differenzen ausgebrochen sind. AuSland. In Belgien ist mit dem 1. Januar das Gesetz in kraft ge- trete», das zeden Unternehmer verpflichtet, in seinem Betrieb« eine Arbeitsordnung auszuhängen. Diese entsprechen nun vielfach nicht dem Wunsche der Arbeiter, sodaß ans diesem Grunde bereits mehrere Streiks entstanden sind. Außer den gestern gemeldeten Bergarbeiter- ausständen sind, wie der„Penplc" meldet, auch in Brüssel nrehrere Gruppe» ausständig, so u. a. die Arbeiter einer Ziicker-Rasfiuerie. — Eine Bergarbeiter-Konferenz in Charleroi beschloß,> die Streikbewegung niöglichst einzudämmen, biS alle Gruppen Stellung dazu genommen haben. Der„Köln. Ztg." wird aus Brüssel geschrieben:„Ob die Zahl der Ausständigen um Charleroi sich ver- mehrt oder vermindert, ist schwer zu sagen, da einzelne Belegschafte» zur Arbeit zurückgekehrt, während andere neu in den Ausstand ein- getreten sind. Die Sozialistenführer sind gegen den Ausstand und wolle» auf Sonntag eine Verfaminlnng des Revicrverbandes ein- berufen. In den übrigen Revieren ist alles ruhig." Znsamnicnfchlnst aller organisirten Arbeiter Dänemarks. Der Delegirtenkongreß aller Fach vereine Däne- ma-rks ist soeben nach dreitägiger Daner beendigt. Es waren 403 Delegirte anwesend, hinler denen 943 Organisationen mit 69 720 Mitgliedern stehen. Die Aufgabe dieses großen Arbeiter- kongresses, des ersten n u r geiverkschafllichen i» Dänemark, war der Zusammenschluß aller gewerkschaftlichen Ver- e i n i g n n g« n. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete der Vorschlag der Errichtung einer Zenlralorganisalion der sänuntliche» Fachorganisationen Dänemarks. Nach längerer Debatte wird hinsichtlich dieser Frage folgende Resolution angenommen:„Es wird beschloffen, eine Zentralorganisatio» für sänuntliche Fachorganisatione» i» Dänemark zu begründen auf der Basis der durch die skandinavische» Zlrbeiter- kongreffe, speziell den Kongreß in Stockholm 1897, angenommene» Grundlage, und zivar so, daß eine möglichst weitgehende Selbst- leitnng der bestehende» Verbände beibehalten wird."— An de» folgenden Tagen wurden dann die Statuten dieser Zentral- organisation besprochen und die spezielle Formnlirung einem'Ausschuß von 16 Mitgliedern übertragen. Aus den Bestim- mnngen ist von Wichtigkeit, oaß jeder Streik dem Gcschästsansschnß angemeldet und von diesem unerkannt werden muß. Die Antwort des Ausschusses muß innerhalb 14 Tagen erfolge». Der Ausschuß hat in größere» Streitfällen Verinittelnngsversnche zu machen. Die Zentralorganisation wird in Streiksällen 10 Kr. für männliche und 6 Kr. für weibliche Mitglieder pro Woche zahle». Die Beiträge werden durch Ausschreibung eines Extra-Kontingents von 50 Oeren für ganzbezahleude und von 25 Oeren für halbbezahlende Mitglieder aufgebracht. Die Zentralorganisation erhält einen Vorstand von 21 Mitgliedern, der ans sich einen geschäsisführenden Ausschuß von fünf Mitgliedern wählt, dem noch zwei voin Hanptvorstand des sozialdemokratischen Verbandes gewählte Mitglieder hinzutreten. In wichtigen Fragen hat sich der Zenlralvorsland mit den Vorständen der einzelne» Fachverbände zu verständigen. Diese Statute» wurden angenommen und dann der Zentralvorsland ge- wählt. Alsdann wnrden noch eine Reihe Resolutionen angenommen, so namentlich eine über de» A ch t st u» d e n- A r b e i t s l n g. Die Zentralorganisatio» will aus allen Kräften auf dessen Einsührung wirke». Hiermit ist also in dem kleine» Dänemark eine großartige Organisation geschaffen. Nicht weniger als 70 000 Arbeiter sind zn einem Schutz- und Trntzbündniß ihn Lohn-»nd Arbeitsfragen vereinigt. Dänemai k ist das erste Land, das eine so allgemeine Z u s a n, m e n s ch l i e ß n n g aller organisirten Arbeiter besitzt. Daß alle diese Fachvereinsinitglicder auch Sozialdemo- krate» sind, geht erstlich ans der Znstiinmung hervor, die bei dem Kongreß die Erklärung betreffs der Zneinandergehvrigkeit von Partei und Fachorgnnisalion fanden, dann aber auch durch die Verbreitung der sozialistischen Presse. Haben doch die Blätter.„Sozial- democraten"(Kopenhagen),„Fyen's Sozialdemocralen",„Ostjyllands Sozialdemocral",„Slander's Arbcjdetblad" etwa 50 000 Abonnent«». Zum Kampf der englischen Maschinenba, tcr. Von L e c d s koiinnt die wichtige Nachricht, daß die große Maschinenfabrik von Mrs. Fowler». Sons mit de», dortigen Distrikt- Komitee des Maschinenbaucr-Gewerkvereins in llnterhandlung getreten ist. Das lliesnltat ist»och»icht bekannt. Bei der genannten Firma, deren Inhaber Mitglieder des Unlernchinerverbaiides sind, waren bei Beginn des Konfliktes 230 Mitglieder des Maschinenbauer- Verbandes i» 'Arbeit. Es ist leicht möglich, daß es auf diese Weise an viele» Plätze» zu einer Bersländigung komme» wird. Von unserem Londoner Korrcspoudciiten wird uns nnlerm 6 Jannar»och geschrieben:„Die Versuche einiger Firmen des Nordens, durch AnShänaung der zuletzt vom Fabrikanienbnnd bewilligten Regulationen Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, sind im ganzen bisher frnchllos geblieben. In Leeds sollen nicht mehr als ein Dutzend, in Sheffield i», ganze» etwa zivanzig Arbeiter der Aufforderung Folge geleistet haben.„Daily Mail" veröffentlicht heule eine Aufstellung, nach der der Mnschinenbanervcrein im ganzen höchstens noch sSOOO Pfund für Kampfzwccke disponibel habe, die bei 82 000 Ausständigen natürlich bald anfgedrnnchr sein würde». Die Nechining gehl theilweise von unrichtigcn Vvrausschnngc» ans, aber daß die Mittel des Vereins sehr stark erschöpft sind, ist selbst- verständlich. Von einer Altion der Schiffsban-Gewerkschnsten hört man noch nichts. Es scheint, als ob die frühere Meldung, daß mit ihnen eine Verständigniig erzielt sei, mehr einem Wunsch als einer Thalsache Ausdruck gab. Inzivischen gehe» die Veruiiltelnngsversiiche nuinter fort. Jetzt hat nia» auch die Meinung des Kardinals Banghan(der Amts- Nachfolger des„sozialistischen" Kardinals Mauniug) über cincn Ausgleichsvertrag eingeholt, der für einen„iliipartciischen" Vorsorge trifft, und der Vertreter Roms hat natürlich seinen Segen dazu ge- gebe». Darüber ist der konservative„Evening Standard" sehr erbost und srägt wülhend, was wohl der Kardinal dazu sagen würde, wenn ihn» einige zwanzig Gewerkschaftsführer ihre Gut- achten über eine religiöse Doktrin seiner Kirche vorlegten; die selben seien dazu gerade so befähigt, wie der Kardinal zn einem Gutachten über den Konflikt in, Maschinengewerbe. Der Protest des Toryblattcs ist begreiflich genug, unter anderen Ilm- stände» würde dasselbe aber mit einer Einmischung der Geistlichkeil sehr zufrieden sein. Nämlich wenn es sich darum handelte, den Ar- beiler» ins Gewissen zu reden. Die Konferenz der großen ciiglischeu Bergarbeiter- Föderation hat dieser Tage in Bristol getagt. Selbstverständlich stand die Achlstundenfrage im Vordergrund der Debatte und Pickard drückte die Ueberzengmig ans, daß die Erfahrung des Maschinen- bauer- Kampfes der Bewegung für das Achlstundengesctz große» Vorschub leiste» werde. Es wurde beschlossen, mit verstärkter Energie d e n K a m p f für das A ch t st n» d e n g e s e tz im Bergbau a» s z u n« h m e n. Soztolvs. Die Beil» agSleistnugcn für die Jnbaliditätö-»nd Alters- Versicherung habe» in den letzten Jahre» eine nicht unbedenleude SUigeruitg erfahre». Die Zahl der zur Verwendung gekommenen Marke» stieg von 427 182 950 im Jahre 189l ans 479S12 097 im Jahre 1896. Da auch die Zahl der für den einzelne» Beitrags- Pflichtige» im Turchschnitt zur Verwendung gekommene» Marken in denisclbcii Zeilranme sich erhöhie(von 39,7 aus 43) und da die Beilragsleisttingc» im Durchschnitte von 20,81 Pf. im Jahre 1891 auf 21.17 Pf. im Jahre 189« zunähme», so schließt die Schweinbnrg'schc Korrespondenz, daß sich in diesem Zeitraum die Arbeilsgetegriiheit nicht vcruiindert hat und die in Deutschland an die Arbeiterschaft gezahlten Löhne sich im allgemeine» gehoben habe». Obivohl wir auch der Meinung sind, daß in dem angegebene» Zeitraum die Arbeitsgelegenheit»nd die Löhne sich günstiger gestallet habe», so läßt sich doch gegen die von dem Herrn Echweinburg aus jenen Zahlen gezogenen Schlüsse manches einwende». Zum großen Theil ist die größere Beitragsleistnug eine Folge der stärkere» Kon- trolle. die von de» Versicheriiiigs- Anstalten i» den letzten Jahren ausgeübt wurde. Für die Lohnhöhe im allgemeinen kommen die Zahle» schon deshalb gamicht i» belracht, weil ihnen eine ver- iiiehrle Arbeitsleistung des einzelnen Arbeiters gegenüber steht. I», Eifer, seine Anslraggeber als recht noble Leute hmzuflelle», haut Herr Schwelliburg wieder einmal recht tüchtig daneben. Arbeiter-Nisiko. I» Grevenbroich in der Rheiuprovinz brach am Freitag Abend in der M a s ch i» e n f a b r i k Greven- broich infolge einer Explosion Feuer anS. Dabei sind, wie eine Wolff'sche Depesche meldet, 50 Personen verletzt worden. N.>ch der„Frankfurter Ztg." beträgt die Zahl der s ch w e r verletzte» 25. „Berkäuferiiiueil-Heime" sollen im Anschluß an die.Hilss' vereine für weibliche Angestellte" in einigen Großstädten Deutsch- lands ins Leben gerufen werden. Diese Anstalten sollen allein- stehenden oder von außerhalb zugezogenen Handlungsgehilsiiiiiei» wohnliches Quartier biete» und im Gegensatz zu den bestehendeii „Heiiiien und Herbergen" ohne jeden religiösen und politischen B�i- geschmack sein. Sollte die Einrichtnng sich bewähren, so soll jedes Heim eine gemeinsame Küche, Speisesaal n. s.>v. erhalten. �. Ucber diese Angelegenheit wird uns ans kaufmännischen Kreisen geschrieben:„Die Väter dieses Projektes scheinen sich über die Bortheile, die die Verwirklichung desselben den Ver- käuferinnen bringen wird, großen Illusionen hinzugeben. Bei dem bekannten Optimismus der Leiter der Hilfsvereine wäre dies auch gar»icht verwunderlich. In Wirklichkeit ist die Errichtung der- artiger Heime für die Gesammtheit der Verkäuferinnen ohne jede Bedcutniig. Werden die Heime vortheilhast wirken, dann werden diese Vortheile nur einem verschwindend kleinen Brnchtheile der Verkäuferinnen zn gute kommen. Es ist jedoch mehr als wahrscheinlich, daß diese Vorlheile nur in der Kasernirung »nd der Beschränkung der persönliche» Freiheil bestehen werden. Wohl wird es der Verkäuferin möglich sei», ihren Lebensunterhalt billiger zu bestreite», dieser Vortheil wird aber nur den Unternehmern zn gute kommen. Diese werden dann die Verkäuferinnen mit noch ärgeren Hnngerlöhne» abspeisen als dies schon jetzt der Fall ist. Wer de» Verkäuferinnen Helsen will, der muß vor allein eine Verkürzniig der Arbeitszeit und eine bessere Entlohnung an- streben. Wird dies erreicht, dann ist die Errichtung von Ver- käufeiinnen-Heimen ganz überflüssig. Die Verkäuferin, die selbst- ständig arbeiten, ihren Lebensiinierhalt selbständig bestreite» ninß, ivird auch außerhalb des Geschäfts— trotz ihres Alleinstehens— selbständig zu leben wissen." Staatsarbcitcr in der Schweiz. Der Parteigenosse W n l l s ch l e g e r hat, um zur näheren Begrniidnng seiner im Nationalrnlh gestellten Forderung auf gesetzliche Regelung der Lohn- und A n st e l l n» g s v e r h ä l t» i s s e der e i d- genössischen Staatsarbeiler Material zn erhalten, in Gemeinschaft mit dem Parteigenosse» Dr. W a s s i l i e s f in Bern eine Erhebung vorgeiioiinncn, die folgendes Ergebnis! lieferte. Die Eid- gcnosjenschasl besitzt 16 Etadtiffeineiits, wovon die meisten niililärischen Zivcckcn dienen; dem Posideparlement unterstehen 3 Anstalten und dem Finanzdeparlemenl 1. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter beträgt 18ao bis 1900, wovon sich 1602 an de» Erhebnngeii betheiligten. 88 pCt. der Gcsamml-Arbeiterschast sind erwachse»« inäiinliche und 12 pCt. jugendliche Arbeiter, Frauen sind nur 4 be- schästigt. 1315 Ardeiter stehen niindestens 2 Jahre im Dienste der Bniidesverwaltniig. Im Lohnwese» herrscht die Stückarbeit vor. Die Lohnzahliiiig erfolgt aller 14 Tage. I» Krankheiissälleu erhält der Arbeiter lji bis des Tagelohns fortbezahlr, während des Mililärdieiistes oagcgcn den vollen Lob». Für Ncbcrzeitarbeil wird ein Lohnzuschlag von 60 pCt. gewährt. Etwas anfechtbar ist wohl das Verfahre» der Konimission, den dnrchschnitllichcn Taaelvhn ans 7 Wochentage zu berechne». Bei diesem Verfahre» ergab sich, daß 26 pCt. durchschnittliche Tagelöbn« bis zu 3 Fr., 22 pCt. bis zn 3,50 Fr., 26 pCt. bis zu 4 Fr., 16,5 pCt. bis zii 5 Fr. und 6,7 pCt. bis zu 6 Fr. und darüber ver- diene». Die normale tägliche Arbeitszeit beträgt in je l Etabtiffe» ment 8, 9, 9 bis 10, 93/4»nd 10 bis lO'/d Stunden, in 2 Anst itlxn 'J'/o, in 3 je lO'/e und in 6 je 10 Stundeli. Da kann freilich»och manches verbessert werden. Dir Arbritcr-GlaShütic in Albi. jUnser Pariser Korrespondent schreibt: Aus Anlaß der Gründung eines V c r t h e i d i g n» g s- b und es sür die Arbeitcr. Glashütte von Albi wäulit ein Schweinbnrgischer Waschzettel wieder einmal die abgestandene» Verleitnidunge» der französischen Bourgeoispresse gegen dos proletarische U»ternehn>en ans. Aber, wie immer, üverlriiinpit der deutsche Sozialistcnfcesser seine französischen Kollegen. Dies« wagen es vorsichtiger Weise nicht, die Ehrenhafügkeit der Geschäfts« leitnng der Genossenschäst zu verdächtigen. Und die alten Bc- hanplnngen betreffs des in Sans und Braus Lebens der Geschäsls» leiter sind, wie der Schweinburg genau tvissen muß, in der französische» Presse als Verleiiindnnge» nachgewiesen worden. Ferner lügt Schweinburg von neuem, daß„um ihre» Lohn be- trogen« A'beiter Knall und Fall" entlassen ivurden. Dieser allge- meinen Redensart liegt als Thalsächliches lediglich das z» gr»»ve, daß vier'Anarchisten, die nionatelang in der Glashütte Zwietracht zu säen gesucht halte», entlasse» werde»»inßten. Ich habe darüber i» der Nnmmcr des„Vorwärts" vom 23. Februar vorigen Jahres schon ausführlich berichtct. Es sci nur daran erinnert. daß die Entlassung ans der nUgeineiiie» Vcrsainmlung der GlaS» arbeiler beschlossen wurde, nachdem die vier sich geweigert hatten, die von den Arbeitern selber beschlossene Werk- st ä I t e n- O r d Ii n n g zu befolgen. Seit der Entlassung, d. i. seit mehr als einem Jahre, finde» die vier von den deutsche» und französischen Schivcinbnrgernbciiiitleideten„Opfer" nicht nnrMittelznn, Lebensnnlerhalt, sondern auch zur gerichtliche» Verfolgung der Glas« Hütte. Ihre Klage ans„Schadenersatz" wird diese Woche in Albi verhandelt. Das Geld stammt ohne Zweifel ans einer ähnliche» Quelle, wie dnS Gehalt des Schweinburg. Wahr ist an dein Waschzettel nur die Thatsache, daß die GlaS- Hütte wieder eine kritische Zeit dnrchniachl. Das hat Genosse Jaurss, oo» dem Schweinburg sagt, er hätte es vorgezogen,„sich ganz mänschcnstill seitwärts in die Büsche zu schlagen", bereits vor mehreren Wochen in der„Pctile Nöpnbliquc" nachdrücklich belonk. Die Ursache davon ist namentlich die S ch in u tz k o» k n r r e n z der k o a! i r t e n Glasfabrikanten, die unter dem Selbstkostenpreis verknusen,»m das proletarische Unternehmen zn rniniren. Aus dem Toulonser Gewcrkschaflskongreß(September 1897) hatte man beschlossen, eventuell vermittelst des Boykotts die Getränkchändler und Sch'ukivirthe zur Benntzuiig der Albi-Flasche zu zwingen. De« soeben gegründete Vcrtheidigiingsbund stellt sich u. a. zum Zweck, dtm Toulonser Beschluß zur Durchführung zn verhelfen. und letzte Mucheichteu. Frankfurt a. M.« S. Januar.(B. H.) Der„Franks. Ztg.' wird ans Dresden gemeldet: 8000 sächsische Bahnarbeiler pelitionir«» bei der Regierung um den Achistniideiilag. ClcNc, 8. Jannar.(„Franks. Ztg.") Der Wirth Pollmann zn Dombrllgge» schoß ans drei betrunkene Soldaten der hiesigen Garnison. die gewaltsam i» sein Lokal eindniige» wollten. Alle drei sind schwer verwundet. Basel, 8. Januar.(W. T. B) Das hiesige Strafgericht ver« »rthcilie heute Flora Gaß. die Geliebte des Freidcrr» v. Hammer- stein, wegen Urkundenfälschung z» sechs Monaten Gesängniß. PariS, 8. Januar.(W. T. 93.) Der„Tenips" veröffentlicht einen Brief des Verwalters des Hauses, in dem Major Eslerhazy mit seiner Maitrcsse wohnte. In diese», Briese wird erzählt, tetzicre habe am 23. Oktober v. I. dringend die Ueberlragung des Miclhs- Vertrages ans ihren Namen verlangt, da Esterhazy erkläit bätle. er müsse sich das Leben nehuien, er inüsse in» jeden Preis verschwinde». Tonlou, 8. Januar.(W. T. 93.) Der K renzer„Pascal" ist heule Nachmittag nach Ostasien in See gegangen. London, 8. Jannar.(W. T. 93.) Die„St. JameS Gazette" meldet, der britische Botschafter in Petersburg O'Conor, welcher am am Mittwoch mit Salisbury eine Unlerredniig hatte, sei alsbald »ach Petersburg zurückgekehrt. Man glaube, die? stehe mit der chinesischen Frage in Zusammenhang. London, 8. Januar.(W. T. 99.) Nach einer Meldung de« „Evening News" ans Kapstadt hat der Oberhäuptling Lerolbodi von Basutoland mit 15 000 Kriegern den aiifständischeii Hänpttjng Masnpha angegriffen. Beide Theil« haben zahlreiche Veiliiste an Todten und Verwundelen erlitten. Ein neuer Zusaiiiinenstoß siebt bevor. Alle Kausleute verlassen Basutoland; das ganze Gebiet ist i» Gährnng. ' Berantwortlicher Redakteur: August Jarobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilagen«. ilnterhaltungsblatt. it.». i5.w„..t ijeiimit des„Umiirts" Serliiift UcksM».z...»«. III I..... IIIIIIIWM An die Fennen und Miidchen Veelins! Kn»er unter Euch wird das Schicksal jeneS Mädchens ent- gnn�e» sei», das auf die haltlose Denunziation eines Menschen hin, dessen Znmnthungen es nicht zugänglich war, von der Strasie fort verhaftet wurde. Es wurde während vierzehn Stunden gefangen gehalten und»»chte sich der Schwach einer ärztliche» Untersuchung unterwerfen, obwohl es doch wohl ein leichtes gewesen wäre, feine Unschuld in anderer Weise sogleich festznslelle». Wer von Euch Frauen»nd Mädchen ist vor einem ähnlichen Schicksal sicher? Handelt es sich nur um die Roheit eines einzelnen Menschen, um das Verseben eines einzelne» Polizeibcaintcn oder lag die Ursache tiefer? Ist die Ursache nicht vielmehr in dem System der be- steheudeu Gesellschaftsordnnng zu suchen? Verdächtigt ist heutzutage von vornherein die schuldlose, alleinstehende Frau, verfolgt wie ein geHetzles Wild nicht nur das arme, der Ver- siihrung zum Opfer gefallene Mädchen. Wenn wir Euch auffordern, an einer Vollsversanunlnng theilzunehmen, so lhnn wir es nicht nur des einzelne» Falles halber, sonder» nur Euch zur Stellung gegen die durch jenen Einzelfall so klar zu tage getretenen Mißstände aufzurufen. Soll das Mädchen und die Frau in Berlin vogelfrei sein und bleiben? Sollen die Mädchen und Frauen Berlins anch sürderhin der Charakterlosigkeit einzelner Burschen, die sich auf der Straft« in Zylinder oder Ballonmütze umhertreiben, preisgegeben sein? Müssen wir diesen Zuständen rath- und thatlos zuschaue»? Nein, Schwester», das müssen, das »vollen, das dürfen wir nicht. 3Inf zum Prolest gegen die Unter- drücknng, für Menschenrccht und Bnrgersreiheit! 31 m Dienstag, den II. Januar, abends S Uhr, wird im Saale der Brauerei Friedrichshain(Lips) eine ö f s e n t- liche Volksversammlung statlsinden, in der die Genossin Lily Braun und der Genosse 3Irthur Stadthagen über die Heiligkeit der Fan, ilie in Theorie und Poli�eipraxis spreche» werden. Wir erwarten von Euch, daft Ihr durch Euer zahlreiches Erscheinen Euch mit allen Euren Schwestern solidarisch erklärt und den Sp>uch bewahrheiten helft: Einer für Sllle und?lNe für Einen! Die Vertraue» sperson. Wie wir mitgcthcilt haben, hat der Magistrat in seiner Freitags-Sitzuna über die Regelung der GehaltSverhält- nisfe des Lehrpersonals der höheren Lehranstalten be- schlössen. Demnach sollen erhalten: Die Direktoren an den V o l I a n st a l t e n r) Gehalt 6900 bis 7800 M., in dreijährigen Zivisckenräumen um je 300 M. steigend, b) freie Dieiistwobnnng oder 1300 M.. wofür jedoch bei der Pensionirung nur 402 M. in ZIn- rcchnnug konnnen. B. Die Direktoren an den Realschule» und die Direktoren an den höheren Mädchenschulen: r) Gehalt 6600 M. bis 7200 M, in zwei dreijährigen Zwischen- räumen uin je 300 M. steigend, b) freie Dienstwohnung oder je 1300 M., wofür jedoch bei der Pensionirung nur 492 M. in Sin- reckming kommen. Die Gehaltsverhältnisse der Oberlehrer an den Vollanstalten und Realschulen sind nach den Ansätzen bei den Stantsanstallen geregelt worden. Die daraus sich ergebenden Zulagen sollen mit Ausnahme der Funktionszulage bereits vom 1. April 1897 gezahlt werden. C. Es werden also die Oberlehrer an den Vollanstalten und Realschulen genau dem staatliche» Besoldungsctat entsprechend erhallen a) Gehalt 2700 M. bis 3100 M., in 8jährigen Zwischen- räumen«», je 300 M steigend: b) 900 M. Wohnungsgeldznschuft, welcher indessen nur mit 492 M. bei der Pensionirung in Rechnung zu bringen ist; o) 900 M. Funktionszulage. Diese soll vom 1. April 1893 ab nach derselben Dienstzeit gewährt werden, nach der sie die im Dienstalter gleichstehenden Oberlehrer in den staatlichen höheren Lehranstalten in Berlin erhalten. Zln den höheren Mädchenschulen sollen die Oberlehrer im Gehalt den Ober- lehren, an den Gymnasien, Realschulen ic. völlig gleichgestellt werden, sodaß jeder derselben dasselbe Gehalt erhält, wie der ihm im Dienstalter gleichstehende Oberlehrer an einem Gymnasium. Die ordentlichen Lehrer an den höheren Mäd- ch e n s ch u l e n beginnen mit einem Gehalte von 2100. das in acht dreijährige» Zwischenräumen i» den beiden ersten Stufen um je 300 M., in den übrigen um je 200 M. steigt bis 4200 M. Dazu koinmen 340 M. Wohnungsgeldznschuft, der bei der Pensionirung mit 297,60 M. zur Anrechnung kommt. Di« ordentlichen Lehrerinnen beginnen mit einem Gehalt« von 1300 M., dai in fünf dreijährigen Zwischenräumen in den ersten 3 Stufen um je 300 M., in den beiden letzten um je 200 M. steigt bis 2400 M. Dazu kommen 340 M. Wohiiungsgeldzuschnft, der bei der Penstoni- rnng mit 297,60 M. angerechnet wird. Die ersten Lehrerinnen er- halten, so lange sie als solche sunklioniren, eine pensionsfähige Zu- läge von 200 M. Tie städtische VcrkchrS-Teputatlon, welche gestern unter Vorsitz des Stadtsyndikus Meubrink eine Sitzung abhielt, hat die Verträge bezüglich der Linie nach Hohen-Echönhausen, der Linie des Berliner Danipsstraftenbahn-KonsortiumS und des Konsortiums der südlichen Vorortbahn durchberathen und werden dieselben den städtischen Behörden zur Genehmigung nnterbreitel.— Bezüglich der Bootsanlegestellen am Grüben-User beschloft die Deputation, daselbst zweckentsprechende Landungsstellen für Boote anzulegen und dieselbe» zu verpachten. Die Staditierordnete» Dinse, Kreitling. Kalisch, Ladewig und Witkowski haben folgenden Antrag in der Stadtverordneten- Bersaininlung eingebracht: Die Versaininliing ersucht den Magistrat, eine erste ärztliche Untersuchung aller im städtischen Dienste Aiizustellendeii schon vor deren Eintritt in den Dienst stattfinden zu lassen. TaftetfoSe' Di« Partekgeuossen des sechst«» Wahlkreises werden darauf aufmerksam gemacht, daft heute 3lbend um 6 Uhr im„Kösliner Hos", Köslinerftr. 8, eine Versaininliing stattfindet, zu der Genosse tltobert Schmidt das Referai übernommen hat. Der Ver- sammlung schließt sich eine zwanglose Unterhaltung an. Arbciter-Bildnugsschnle. Wir weisen auf den heute Abend 7 Uhr in Feuerstein's Feftsälen, Alte Jakobftr. 73, stattsindenden Voctrag des Genossen Johannes Timm besonders hin und bitten um zahlreiche» Besuch. Das Thema, über das Timm sprechen wird, lautet:„Rekruten vor!" Ferner machen wir die Partei- genossinnen und Genossen auf die in dieser Woche in der Insel- strafte 10, 2 Treppen, beginiiendeii Kurse aufmerksam. M o n l a g, den 10. Januar, R e d e- U e b n n g(Ucber den Aufbau der Rede. Besprechung volkswirthschafllicher und anderer Gruudfrageu), Tr. Conrad Schmidt. Mittwoch, den 12. Januar, St a t i o n a l ö k o n o in i e(Die wirthschastliche Entwickelung, Groß- betrieb und Handwerk, Kartellweke», Arbeitsinarkt und Arbeitsnachweis, die Aufgaben der Gewerkschaften), Schriftsteller Richard Calw er. Freitag, den 14. Januar, Geschichte(Hellas und Rom), Dr. A. B e r t h o l d. Die B i b l i o t h e k ist an diesen Abenden von 8-9 Uhr geössnet.— Da die letzten Kurse un- erwarteten Anklang gesunden haben, ersuchen wir die Zlrbeiterschast, sich auch an diesen neuen Kursen zahlreich zu betheilige, i. Der Borstand. Freie Volksbühne. Die außerordentlich günstige SInfnahme der Vereiusvorstelluiigen im Lessing-Theater, besonders die Vor- stellnng des Laiigniann'schcn 3lrbeiter- Drama's„Barkel Tnraser" hat den ülndrang so bedeutend gesteigert, daß sich der Vorstand ge- nöthigt sah, eine fü n f t e 3l b t h e i l n n g zu eröffnen. Die- jenigcn Freunde der Volksbühne, die M i t g l i e d e r der fünften A b t h e i l n n g werden wollen, werden gebeten, sich baldigst in einer Zahlstelle anzumelden und das Eintrittsgeld und einen Monatsbeilrag gegen vorläufige Quittung zu hinterlegen. Die Mitgliedskarle erhalten neue Mitglieder nach'Aufnahme durch den Vorstand vor der Vorstellung in den Zahlstellen. Die erste Vorstellung für die V. Abtheilung findet im Lessing- Theater statt. Zur Aufführung gelangt„Partei T u r a s e r". Heute, Sonntag, nachmittags 2»/« Uhr, II. A b- th eilung! Dieselbe Vorstellung. III. Abtheilung Sonntag. den 30. Januar, dito. Nachzügler anderer Abtheilung«» erhalten nur einen Stehplatz. D e r V o r st a n d. I. A.: G. Winkler. TaS„Berliner Tageblatt" macht sich wieder einmal wichtig, indem es sich zur Abwechslung als magistrats-osfiziös gcrirt, und auf einen Wink aus dem Nalhhans solgende Mittheilung ver- breitet: „Die Nachricht dcS„Vorwärts", daß in der Denkmalssache an den Magistrat oder an den Oberbürgermeister ein Erlaß des Ober- Präsidenten gelangt sei, wonach verboten wird, dem Beschluß der Stadtverordiieten-Versaminlung beizutreten und ihn anszuführe», ist, wie man uns mittheilt, unrichtig. Ein solches Reskript existirt nicht." Die braven Leutchen in der Jcrusaleinerstraße scheinen nicht ge- merkt zu haben, auf welch' pfisfige Weise sie„hineingelegt" worden sind. Wir hatten niitgelheilt, es sei beim Magistrat ein Schreiben des Oberpräsidenten eiugegauge». worin der Magistrat„aus- gefordert wird, de in Beschlüsse der Stadtverord- n e t e n- V er s a in in l u n g nicht beizutreten" und hatten einige Zeilen weiter unten von„dein f r e n n d s ch a f t l i ch e n Wink aus Potsdam" gesprochen. Das„Berliner Tageblatt" läßt sich nun erzählen, daß ein Reskript, wonach dem Magistrat„verboten" wird, dem Beschluß„beizutreten und ihn auszuführen" nicht existirt. Das haben wir anch gar nicht behauptet. TaS Schreiben aber, von de», wir gesprochen, existirt, und wenn die neunmal Weisen des„Tageblatt" sich hiernach noch einmal erkundigen wollen, so erhalten sie vielleicht im Rathhause wieder die Antwort, die neu- lich von ihnen selbst niitgelheilt wurde, nämlich:„daß man hierüber keinerlei Auskunft e r t h e i l e n könne." Wir haben geglaubt, jene diplomatische Slntwort sei selbst für das„Tage- blalt" ein vollgiltiger Beweis für die Richtigkeit unserer Mittheilung— aber wir bekennen reuuiülhig, daß wir die Naivelät des„Berliner Tageblatt" bei weitem nuterschätzt haben. Ter Magistrat ist übel dran, was fängt er ohne König an? Mit welchen Mitteln das Lakaienlhum gegen daS Denkmal ür die Märzgefallenen arbeitet, geht aus der folgenden nr- omische» Zeitungsmeldung hervor, die wir in verschiedenen SIbend- blättern finden: „Ein Potsdamer Berichterstaller stellt es als zweifelhaft hin, ob der Kaiser in diesem Winter nach Berlin übersiedeln wird. In Hofkreisen veilanlet nämlich, daß der Monarch eist a b- warten will, welche Stellung der Berliner Magistrat zu der Errichtung eines Denksteins für die M ä r z g c s a l l e n e n einnehmen wird. Der Beschluß, den in dieser Hinsicht die Berliner Stadtverordueten-Versaminlnng gefaßt hat, soll de» Kaiser sehr unangenehm berührt haben." Die Eunuchen, die derartige Miltheilungen in die Welt setzen, scheinen gar nicht zu wissen, welche Beleidigungen sie mit diesen Abgeschmacktheiten gegen die von ihnen angeblich so verehrte Monarchie schleudern. Der Magistrat aber würde alles Zlnsehe» einbüßen, wenn er sich durch das drollige Gelläfse der reaktionären Meute wirklich ins Bockshorn jagen ließe. Tie Wvchiicriitiicn Pflege in de» städtischen Heimstätte» hat sich im Jahre 1896/97 auf ein Minimum reduzirt. 1893/96 wurden 34, 1896/97 nur 13 genesende Wöchnerinnen ans- genommen(sämmtlich in Blankenburg untergebracht), wovon 31 bczw. 7 von dem„Verein zur Pflege und Unterstützung armer Wöchnerinnen" überwiesen waren. Wie in den Vorjahren, wurden auch diesmal wieder mehrere Pfleglinge durch u n g ü n st t g e Familienverhältnisse gezwungen, den Aufenthalt vorzeitig abzubrechen. 2 verließen nach 3 Tagen, 1 nach 8, 1 nach II, 1 nach 13 Tage» ans Rücksicht ans ihre Familie die An- stalt. In 2 Fällen mußte eine vorzeitige Entlassung— nach 9 Tagen— deshalb erfolgen, weil die Armendireklion die Ueber- nähme der Kosten ablehnte. Rur 10 Wöchnerinnen konnten länger als eine Woche, darunter nur 4 drei Wochen in der Heim- flätte bleiben. Der vorletzte ärztliche Bericht über die Vlankenburger Anstalt wies daraus hin, daß selbst eine Rekonvaleszenz von drei Wochen, die allerdings für gesunde Frauen als reichlich bezeichnet werden müsse, nicht zu viel sei für die zum großen Theil schwäch- lichen und elenden Wöchnerinnen der Heimstätte, die in den arm- lichslen Verhältnissen leben und nicht blo« durch daS Wochenbett, sondern auch durch harte Arbeit und Roth heruntergekommen seien. Der Bericht pro 1896/97 sagt, daß die Anstalt diesmal ni i t den Wöchnerinnen wenig Glück hatte. Selbst die 10, welche über eine Woche bleiben konnten, nahmen im Durchschnitt jede nur um etwas über 4'/« Pfund z». Von den 13 Säuglingen, die mit aufgeuoinineii wurden, starb 1 nach 19 Tagen an Ab- zehrung. Nur drei Säuglingen konnte die Brust gegeben werden, die übrigen erhielten mit Haferschleim verdünnte Kuhmilch.„Einen harten Kamps", sagt der Bericht. „halle die Leitung vielfach mit dein Unverstand der Wöchnerinnen zu bestehen, die, zumeist ans den ärmlichsten Zterhällnisseii stammend. den Aufenthalt in der Heimstätte leider häufig in der Weise ans- zunutzen gedachten, um mit der guten und reichlich gebotenen Nahrung die Säuglinge zu ü b e r f ü> t e r n". Wir vermuthe», der Unverstand der Mütter würde weniger groft und seine Ueberwindung weniger schwer gewesen sein, wenn diese Mütter in der glücklichen Lage gewesen wären, sich sagen zu könne», daft sie nach der Ent- lassnng aus der Heimstätte ihren Kindern«ine gleich oder ähnlich gute und reichliche Nahrung würden reichen können. Tic Kindersterblichkeit in Berlin war im Sommer 1897 etwa? höher als im Sommer 1396, blieb jedoch hinter derjenigen vom Sommer 1893 erheblich zurück. In den 3 Monaten Juni, Jnl i, August 1897 starben hier(nach den jetzt vorliegenden ausführlicheren Moiiatsbcrichten des Berliner Stalistischen Amtes): 393, 1438. 1939, zusammen 4322 Kinder unter einem Jahre, während in dcnisclben Zeitraum der Vorjahre 1896: 3930, 1893: 4908, 1394: 4293. 1393: 4733, 1892: 4133 Kinder dieses Alters starben. Die E r n ä h r n n g S iv e i s e wurde bei 3732 der im Juni, Juli, Angnst 1897 gestorbenen Kinder ermittelt. Davon wurden ernährt: mit Muttermilch 247, Ammenmilch 7, also mit Biustnulch im ganzen nur 234; dagegen mit Tbiermilch 2943, Milchsurrogaten 101, ge- niischter Nahrung 423, sonstiger Nahrung 29, also mit Thierinilch ic. im ganzen 3493 Kinder. Es kamen also unter den 3752 Kindern, bei denen die Ernährniigsweife ermittelt wurde, auf je 10 Brust- linder rund 138 sogenannte„Päppelkinder", d. h.„Päppelkiudcr" starben fast v i e r z e h n ni a l so viel wie Brustkinder. Wenn man sich erinnert, daft(nach den bei den letzten VollSzähIiinaen vor- genommenen Ermittelungen) in Berlin die Zahl der Brustkinder unter den lebenden Säuglingen größer ist als die„Päppel- linder", so kann man ans den obigen Zahlen er- messen, welch« Roll« die Ernähruiigsiveise bei der Kindelsterblichkeit I spielt. Die wichtigste Nolle spielt freilich überhaupt die w i r t h- schaftliche Lage der Eltern, von der nicht blos die Güte der den Kindern gereichten Nahrung abhängt, sondern auch die Be- schaffenheit der Wohnung, in der sie aufwachsen, die Regelmäßigleit der Pflege, die ihnen zu theil wird u. s. w. Die Mängel der oft sehr beschräukleu, eng umbauten und daher schlecht zu lüftenden Wohnungen der ärmeren Bevölkerung werden in den heißen Sommer- monaten den Säuglingen vielleicht nicht weniger verhängnißvoll als die Ernährung mit schlechter Kuhmilch. Ziiuahme des Lnmpcnthumö. Die Anzeigen wegen Majestätsbeleidigung zeigen nach dem neuen Jahrgang des Statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin ebenso wie Anzeigen wegen einiger anderer Vergehen oder Verbrechen gegen die öffentliche Ordnung seit einem Jahrzehnt eine ungewöhnlich starke, iveiiu auch nicht regelinäftige Zunahme. So sind beim Berliner Polizeipräsidium im Jahre 1695 72 Anzeigen wegen M a j e st ä! s b e l e i d i g n n g e n eingegangen, zehn Jahre früher, im Jahre 1885, nur 4. Au Gerichts- slätle ist osimals festgestellt worden, welch eine Fülle von Nieder- tracht und Gemeinheit in diese» Denunziationen verborgen liegt. Die ülnzcigen wegen Veamtenbeleidjgung sind in demselben Zeit- räum von 28 ans 367, die wegen Widerstands gegen die Staats- gewalt von 63 ans 439 gestiegen. Eine ähnliche Zunahme weisen die Anzeigen wegen Verfehlungen gegen das Eigemhnni ans. So sind die Änzeigen wegen Hehlerei von 32 auf 332, wegen strafbaren. Eigennutzes von 92 aus 669 gestiegen. Eine ungewöhnliche Zunahme zeigen ebenso die Anzeigen wegen Vergehens gegen das Nahrungs- inillelgcsetz. Diese sind von 31 auf 291 angewachsen. Fiiiifpfenniei-Streckcn. Das Polizeipräsidium hat der Neuen Berliner O m>u b n s- G e s e l l s ch a s t vorbehaltlich der Zusiim- inung des Magistrats die Geiiehmigiing zur Einführung folgender Fünspsennig-Theilstrecken der Linie Brunnenstraße- Schöneberg ge- »chmigl: Schöneberg— Lühowstrnße, Pallasstrafte— Polsdamer Platz, Lützowstrafte— Brandenburger Thor, Potsdamer Platz— Bahnhof Friedrichstrafte, Brandenburger Thor— Oiaiiieuburger Thor. Bahnhof Friedrichstrafte— Pappelplatz und Steltiner Bahnhof(Borsigstraße)— Brunnenstraße. Zu drin bricltS grincldrtrn Brande der Borssg'schcn Mühl« werden jetzt folgende nähere Einzelheiten niitgelheilt: Das Feuer entstand im 4. Sivck des Mehlspeichers und muß, als es kurz vor 7 Uhr entdeckt wurde, schon längere Zeit gewüthet haben. Um 6 Uhr 37 Min. wurde die Feuerwehr alarmirt und 4 Minuten später war der 15. Zug aus der Thurnistraße an der Brandstelle eingetroffen. Die i» der Mühle z. Z. beschäftigt gewesenen Arbeiter, 23 an der Zahl, hatten sich noch rechtzeitig rette» können, dagegen war, als die Löschmannschaslen eintrafen, das ganze sechsstöckige Gebäude schon derart verqualmt, daß eine Annäherung an den Brandherd von inne» unmöglich war. Zwar wurde mit einer Dincksprihe zunächst vom Dache aus Wasser gegeben, doch niiiftte» sich die Sappeure, da inzwischen Explosionen der Mehlsncke eintraten, aus der gefährdeten Stellung zurück« ziehen. Inzwischen war jedoch bereits„Groftseuer" nach- gemeldet und bald raffelten von allen Seilen die sämmtlicheu disponiblen Löschzüge in kurzer Auseinandersolge heran. Bei dein reichlichen Brennmaterial halte das Feuer jedoch in kurzer Zeit große Dimensionen angeiiommen. Um VaS Uhr brannte bereits der ganze Mehlspeicher sowie das Mittclgebäude. Der Anblick, den das cnlseffelte Element, dessen Lohen aus ca. 120 Fenstern beransschlugen, gewährte, war gcradezn überwältigend. Uni �3 Uhr brach mit donnerndem Gelöse das Dach der beide» Flügel zusammen. Jetzt wurde auch die Sitiialion für unsere Lösch- »lauuschaflen außerordentlich kritisch. Di« Mannschaften, die znin theil ans dem Getreidespeicher postirt waren, zum theil in niimiltelbarer Nähe des Mühlengebäudes arbeiteten, »ilißten zurückgezogen werden, da das herabstürzende Mauerwerk und die von einem hcsligcn Südwestwiud getriebenen haushohen Slichflammen den Aufenthalt in der Nähe des brennenden Gebäudes lebensgesährlich machte. Der Versuch, den Getreidespeicher zu retten. mußte infolge dessen aufgegeben werten. Die von Herrn Brand- direktor Giersberg persönlich geleitelen Slngrisse gegen daS Element erwiesen sich bei der enornicn Hitze, die das Feuer entwickelte, als wirkungslos. Gegen �/elO Uhr wurde das Treppen- haus des Getreide- Speichers und um'/«II Uhr dieser selbst von den Flammm ergriffen. Da nichts weiter übrig blieb, als das ganze Gebäude ausbrennen zu lassen, so wurde ein Theil der Feuerivehr nach den Depois zurückgesandt. Jetzt wurde aber die Situation für die Häuser am Schleswiger, Holsteiner Ufer, in der Lünebnrgcrstraße». i. w. äußerst gefahrdrohend, da die auf mehrer« 100 Meter nmhergeschleuderleu lichterloh breimeuden Gelrcideinassen ans die Dächer der Gebäude flogen. Seitens der Feuerwehr wurde sofort die Anordnung gctroffeu, daß etwaige offen- stehende Dachluken geschlossen wurden und gleichzeitig wurden die Dächer mit Löschmaiiuschafien besetzt. Nachdem gegen 2 Uhr nachts die Decken derZivischenetagen des Speichers zusammengebrochen waren, galt auch diese Gefahr für beseitigt. In dem Mitlelban verlöschten die Flammen gegen 3 Uhr inorgenS, nachdem sämmUiches Brenn» malerial in demselben von dem Feuer verzehrt war. Die umliegendeii Straßenzüge waren von einer ungeheuren Menscheumasse besetzt und ein großes Aufgebot von Schutzleuten war erforderlich, um Absperrungsmaßregeln durchzuführen. Die Vor- nähme solcher war dringend erforderlich, da die Gefahr des Ein- drückens der Ufergeländer der Spree wie auch der Levetzow- Brücke vorlag. AiiSschreitnngeii seitens des Publikums waren ersrenlicher» weise nicht z» konstaliren. Auf der Brandstätte war die Feuerwehr anch am Sonn- abend Vormillag mit drei Dampfspritzen noch unansgesetzt thätig. Der Getreidespeicher wie auch der Mehlspeicher bilden z. Z. noch ein einziges Flammenmeer. Aus dem Getreidespeicher sind riesig« Massen von Korn in die Spree gestürzt. Wie am vorgestrigen Abend, so war es auch gestern noch unmöglich, die Löscharbeile» in energischer Weise zu betreiben. Das Mauerwerk des Mühlengebäudes ist vollständig zerrissen und die Einsturzgefahr eine so große. daß jede'Annäherung an den Brandherd anSgeschlosseu erscheint. Unter diese» Umständen bleibt nichts weiter übrig, als das Mehl und Getreide, welches ohnehin vollständig»nvraiichbar ist, völlig verbrennen zu laffen. Von Zeil zu Zeit werden die ermüdeten Mannschaften durch andere Löschzüge ab- gelöst. Ueber die Höhe des angerichtelen Schadens war bisher «twas bestimmtes nicht festzustellen. DaS der Firma A. Borsig gehörende Mühlcngcbäudc ist an den Kommerzienralh F. W. Schutt; in Steglitz verpachtet. In demselben lagerten zirka 62 000 Zentner Getreide und Mehl, die vollständig vernichtet sind. 18 000 Zentner Kleie, die in einem Extraschuppen lagerten, konnten gerettet' werde». Jedenfalls aber dürfte der Gesauimtschadeli 2 Millionen Mark überschreiten. Ein Eldorado für Handelsangestellte muß da? Deutsche K o l o n t a l h a II s des Herrn Bruno Antelmann fein. In den ?liistcllungsbedingiiiigen dieses Herrn heißt eS:„Die D a n e r der täglichen Arbeitszeit richtet sich nach dein jeweiligen Er- messen des Herrn Antelmann". Ob der Leiter des Deutschen Kolonialhanses mit solchen ungehenerlichen Anordnungen der Welt klar machen will, wie der Slchtnhr-Ladeiischlnß und andere Be- stiminungen zum Schuhe der Handelsangestellten absolut noth, wendig sind? Bezeichnend für das Vertrauen, daS Herr Antel- mann seinem Personal eiitgegenbringt, ist folgende Bestimmung: „Für den Fall Ihrer Erkrankung oder Ihres sonstigen, von uns nicht genehmigten Fernbleibens von dem Geschäft verpflichten Sie sich hierdurch bei Vermeidung einer gegen den etwaigen Gehalts- ansprnch aiifziirechnenden Konventionalstrafe von zwei Mail für jeden versäumten Tag, Herrn Bruno Antelmann spälesiens inner« halb 6 Stunden«in ärztliches Atlest vorzulegen, oder den Gimib, Ihrer Behinderung innerhalb der fesigesehten Frist glaubhaft nach. zuweise»." Die geschäftliche Noblesse, die Herrn Antelmann eigen, wird durch folgendes Pröbchen illustrirt:„Tritt nach der Kündigung Krankheit ein, oder sonst Behinderung von der geschäftlichen Thätig- keit, so werden die Tage, an denen Sie nicht thätig waren, nicht bezahlt." Beispiele dieser Art sollten auch dein patriotischen Theil der Handlungsgehilfen die Ueberzeugung beibringen, daß das Dentschthnm mancher christlich» germanischen Gcschäflsiuhaber selbst von dem lanimfrömmsten Untergebenen unmöglich verordnet werden kann. Elendsstatistik. Im Männerasyl des Berliner Asylvereins für Obdachlose nächtigten im Monat Dezember 20 842 Personen, im Frauenasyl 3456 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer Wiesenstr. So— öS, für Frauen Füsilierstr. S. In der Nacht zum Sonnabend hat der S t» r in, wie eine Lokalkorrespondenz meldet, viel Unheil angerichtet. Besonders in den freiliegenden Straßen des Südostens, in der Wiener und Skalitzer Straße, sowie au den Ufern der Spree und der Kanäle war die Passage geradezu lebensgefährlich. Mehrfach wurden Menschen von herabgeschleuderten Dachziegeln getroffen n»d verlcht. Das erst theil- weise fertiggestellte Dach eines Neubaues in der Frankfurter Allee wurde mit großem Getöse auf die zum Glück zur Zeit menschenleere Straße geivorfen. Oberhalb der neuen Oberbaumbrücke wurde ein vor Anker liegender Ziegelkah» losgerissen und, während die Be- mannung ahnungslos im Schlafe lag, gegen einen steinernen Brücke»- pfeiler getrieben. Er wäre wohl zerschellt, hätten nicht andere Schiffer den Vorfall bemerkt und im letzten Augenblick noch den Kahn in Sicherheit gebracht. Besonders gefährlich war auch der Weg an den Neubauten der elektrische» Hochbahn, da die auf der Plattform und dem Schienenweg lagernde» Stangen, Eisenblech- theile und so weiter in Masse auf die Straße herabgeworse» wurden. Im Monat Dezember 1337 sind auf dem städtischen Schlachthofe S6 523 Schweine— gegen 59 807 im Dezember 1896— auf Trichinen untersucht worden. Davon sind 13 Stück wegen Trichine» und 56 Stück wegen Finnen als zur menschlichen Nahrung ungeeignet zurückgewiesen worden. Heilmittelschwindcl. Das Polizeipräsidium theilt mit: Die elektrohomöopathischc» Mittel des Grafen Mathei bezw. des Apothekers Sanier in Genf haben nach einem höheren Ortes er- forderten sachverständigen Gutachten mit der eigentliche» Homöopathie Hahneinann's und seiner Schüler nichts gemein, sind vielmehr als völlig werlhlos anzusehe». Ans dem Kntschcrbock vom Schlage gerührt worden ist der 66 Jahre alte Fuhrhcrr Christian Pachal aus der Nostizstraßc 17. Pachal wollte am Donnerstag Abend um 5>/z Uhr seinen Geschäftswagen nach der Remise in der Bärwaldstraße bringe». In der Bergmannstraße vor dem Dreifalligkeitskirchhof fiel er plötzlich vom Bock und blieb auf der Straße mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopf liegen. Der Flcischermeister Freitag, der von der Markt- halle am Marheinekeplatz nach Hause fahre» wollte, sah ihn liege» und brachte ihn mit feinemZWagen in das Krankenhaus am Urban. Hier ist Pachal gestorben. Ist der Gardcgrcnadier Thröner kein braver Ehrist? Das Schicksal des Gardegrenadiers Thröner vou der 9. Kompagnie des Kaiser Alexauder-Regiments, der wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, ist seit kurzem entschieden. Thröner, der aus dem Elsaß stammt, gehört dem„Bund der christlich getauften Gläubigen" an, einer in seiner Heimath verbreitete» Sekte, die einige Verwandt- schaft mit den Mennonite» hat. Auf grund seines religiösen Be- kenntnisses weigerte er sich fortgesetzt, ein Gewehr in die Hand zu nehmen. DaS erste Mal wurde Thröner als Rekrut snr seine Weigerung mit drei Monaten Festung bestraft. Wieder redete man ihm gut zu, als er diese Strafe verbüßt hatte, nnd abermals verlas man dem Manne, der es ernst mit der Religion der Liebe nahm, feierlich die Kriegsartikel. Der Erfolg war derselbe, wie ein Vierteljahr vorher. Am nächsten Tage saß Thröner bereits wieder in Untersuchungshaft. Das Urtheil lautete diesmal ans ein Jahr Festung. Auch diese Strafe konnte den mnlhvollen Widerstand des Mannes nicht brechen. Die früheren Vorgänge wiederholten sich nach seiner Rückkehr von Spandau noch einmal: Gütliche Versuche, das Gewehr anzufassen, Weigerung. Vorlesung der ttriegsartikel, sortgesetzte Weigerung, Untersuchungshaft und Festung, jetzt ändert- halb Jahre. Auf der Festung erwies sich Thröner, der aus klein- bäuerlichen Verhältnisse» stammt und die Stütze seiner Ellern war, als ein durchaus williger Mensch. Es tauchte nun mehrfach die Frage auf, was bei feiner fortgesetzten Weigerung und den nun einmal bestehenden Strafbestimmungen aus ihm werden solle. Diese Frage ist jetzt entschiede». Man hat den Versuch nicht noch einnial wiederholt, fondern Thröner nach Verbüßung der letzte» Strafe zur Disziplinarabtheiluug in Spandan versetzt. Bei dieser befindet er sich seit dem vorigen Monat auf Fort Hahneberg. Er hat noch ei» Jahr nnd zehn Monate nachzudknen, dann wird er in die Heimath entlassen. DaS Polizeipräsidium giebt bekannt: Diejenigen Herren A e r z t e, welche in« vorigen Jahre Privaliinpfnugen vorgenommen, ihre Jmpflisten inveß bis jetzt noch nicht eingereicht haben, werden hiermit unter Hinweis auf Z 8 des Jmpfgesetzes ersucht, dieselben vollständig ausgefüllt nunmehr binnen acht Tagen an daS Bureau der königlichen Sanitätskommission im Polizeiprästdium Zimmer 267 einzureichen. Bei Unterlassung der Einreichung gelangt die vor- gesehene Geldstrafe bis zu 100 M. zur Festsetzung und Einziehung. In Kolonne 3 der Jmpsliste ist, wenn die verwandte Lymphe aus Apotheken bezogen worden ist, anzugeben, woher die Apotheke ihre Lymphe bezieht. Verschwunden ist seit dem Weihnachts-Heiligabend der 31 Jahre alte Dr. pnil. Karl Schubert, der hier in einem Archiv beschäftigt war und feit neu» Monaten bei einer Frau Moritz in der Grcnadierstr. 6 wohnte. Ein Opfer der Kraftmeierei ist der 28 Jahre alle Korb- Niacher B. aus der Sebastianstraße 23 geworden. B. feierte mit niehrere» Freunden, lauter„Kraftmenschen", in einer Schankwirthschaft Geburtstag. Als man sich genügend angeheitert hatte, mußte man auch einmal feine Kräfte messe». B. stürzte dabei, brach ein Bein und mußte von der Geburtstagsfeier weg in ein Krankenhaus ge- bracht werden. Eine turbnlente Szene führte der Schuhmacher H a r d t k e, welcher wegen des auf ihm lastenden Verdachtes der Ermordung der Prostituirten Thiele in Untersuchungshaft sitzt, vorgestern in, Moabiter Kriminalgericht herbei. Hardtke war dem Untersuchnttgsrichter vorgeführt worden, um etwa einem Dutzend junger Mädchen, die dasselbe Gewerbe betreiben wie einst die Thiele, gegenüber gestellt zu werden. Während er eine zeillang in der Delentionszelle eingeschlossen war, versuchte er sich einmal in der Rolle des„wilden Mannes". Den Wasserkrug warf er mit solcher Vehemenz an die Thür seiner Zelle, daß es sich anhörte, als sei ein Büchsenschuß abgefeuert worden. Als ein Gerichtsdiener die Zelle öffnete, fand er den Gefangenen im adamitischen Kostüm. Dieser hatte sich sämmtliche Kleider vom Leibe gerissen nnd drang nun laut tobend auf den Beamte» ein, der sich zunächst schleunigst zurückziehen mußte, um Verstärkung herbeizurufen. Vier Beamte konnten dem Tobenden nur unter Aufbietung aller Kräfte die»olh- dürftigsten Kleider überwerfen und ihn selbst in das Gesängniß zurückbringe», was eine erhebliche Menschenansammlung zur Folge hatte. Gestern ist Hardtke schon wieder recht ruhig und artig gewesen. Noch nicht aufgtklärt ist der Selbstmord eiueS kleinen Knaben an der Oberbanmbrücke. über de» jetzt einige Einzelheiten bekannt rverden. Der einzige Zenge des Vorganges ist ein Kutscher Franz Reiinann a»S der Cnvrystr. 44. Als dieser am Freitag Morgen UN» S'/s uhr über die Oberbaumbrücke ging, um seine Arbeitsstelle in der Mühlenstraße aufzusuchen, sah er an, anderen Ende einen Jungen über das Geländer klettern und in die Spree hinabspringen. Auf sein Rufe» kamen auch andere Leute dazu. Man wollt« nun den Nettnngskahn losmachen, um den Lebensmüden den Fluthen »vieder zu entziehen, mußte aber von diesem Plane Abstand nehmen, da der Kahn mehr als halb voll Wasser und daher für den Augenblick unbrauchbar war. Der Knabe ging inzwischen unter nnd kam nicht mehr zum Vorschein; anch seine Leiche ist noch nicht gesunden. Zurückgelassen hatte er eine kleine Laterne,»vie sie»vohl Zeitungsausträger oder Bäckerjungen tragen, und einen Korb, in dem sich nur eine Schachtel mit Streichhölzern befand. Wer der jugendliche Selbstmörder ist,»veiß man noch nicht. Reiinann»var noch zn»veit von ihm entfernt,»m ihn in der Dunkelheit so genau sehe» zu können, daß er ihn anch nur einigerinaßen zu beschreiben vermöchte. Korb und Laterne hat Reimann der Polizei des 79. Reviers in der Kuvrystraße übergebe». Daö Reichöhallcn-Thcatcr hat mit Beginn des neuen Jahres seine Kräfte i» einer Weife kompletirl, die durchiveg Anerkennung verdient. Vor allen Dingen fesseln die lebenden Bilder der„belle Vernois", die unter der Leitung des Herr» Rossi sich de»»nister- giltigsten Leistungen auf diesem bekannten Gebiete zur Seite stellen können. Als Akrobaten bewähre» sich die vier Hilgerts, als Damen- komiker nnd Verivandlnngskünstler ist Herr Waldow von einer er- staunliche» Fertigkeit, und in der Allerwellsknnst, der Radfahrerei, zeigt die Fainilie Darlington, zn»velcher Virtuosität Ausdauer nnd Uebnng es bringen können. Wir erwähnen ferner der originellen musikalischen Klowns„Dbo Namnr�"; beachtenswerth ans dein Ge- biete der holden Sangesknnst ist das Paar Hella Collier und Anton Müller; drollige französische Duettisten sind die beiden Gignars. Wenn»vir zum Schluß noch hervorheben, daß eine Miß Moraschani sich als leibhaftige Lieblingstänzeri» des schwarzen Menclik vorstellt, so»vird einleuchten, daß das Programi» des Reichshallcn-Theaters an Vielseitigkeit kann» etwas zu wünsche» übrig läßt. I»» Urania-Xheater(Dir. Dr. Köppen und Dr. Stödwer, Invaliden- straße) wird heute Abend Herr Dr. Köppen den Voi-trag:„Meisterwerke der Renaissance"(Lionardo, Michelangelo, Raphael) znin letzten Male wieder- holen. Wie gewöhnlich wird der Vortrag durch künstlerisch ausgestihrte Licht- bilder erläutert. Im Berliner Aquarium interessirt bei der jetzt herrschenden Lieb- habcrei für Ziinmer-Aquarien und fremdländische Zicrfische»»amentlich jenes an der großen Grotteutrcppe stehende Süßwasserbecken, welches vier Arten amerikanischer Fluß- und Teichfische beherbergt und zwar in Größen, wie sie eben jedem Zinimcr-Aquariui» angepaßt sind, während die in einem der ausgedehnten Bassins des unteren Ganges untergebrachten Fische dieser Gattung eben ihrer Länge und Stärke wegen nur für Freilandbecken, Teiche, Gartcnbassins sich eignen. Es sind der schlank gebaute, durch eine gezackte dunkele Seiteubinde kenntliche Forellenbarsch, der ihm verwandte, fast ein- farbig dunkel olivengriin erscheinende Schwarz barsch, der in braunen und schwarzen Tönen inarmorirte glanzreichc Stcinbarsch und der ebenfalls hoch- rückige, durch bunten Ohrdeckel aufsallcndc Soiinenbarsch. Ihre Vereinigung in einem Behälter gerade ist- es, was für den Beschauer belehrend und erziehend zugleich wirkt. An ldcr Volkshochschule Humboldt- Akndciuie beginne» morgen, Montag, nnd folgende Wochentage die 76. Vortragszyklen und Unterrichtskurse aus allen Wissensgebieten, ivelche in den Lehr- stalten NW., G e o r g e n st r. 30/31, W., L ü tz o»v st r. 81Ä und W. II., Wilhelm st r. 92/93(Archilektenhaus) in diesem Winter- q u a r t a l für Herren und Damen gehalten»Verden. Die Zyklen siuden in de» beiden erstgenannte» Lchrstälten,»vie bisher, in den A b e n d st»»»»de» statt, in». A r ch i t e k t e n h a n s e dagegen in den V o r m i t t a g s st u n d e» 11—12 und 12—1 Uhr. Diese neue Lehr- statte»vird Montag, 11�/« Uhr vorm.(nicht 10�/<) Wilhelinstr. 92/93 2 Tr., mit einer Ansprache des Dozenten Dr.tzldalbert v. Hanstein eröffnet,»vozn alle Wissenssreunde, Herren und Dame»,»villkonunen sind. Auch der erste Vortrag jedes Zyklus ist ohne Hörerkarte zu- gängig. Alles Naher» enlhallen die ausführlichen Programme, ivelche in viele» Bnchhandluugcn, in» Jnvalidendank, im'Architekten- Haufe und in den Bureaus: Unter den Linden 47, Potsdamer- straße 116», Priuzenstr. 54 und Landsbergerslr. 32 für 10 Pf. käuflich sind. Die Sonderprogramme für die Lehrslällen L.(Luisenstadt) nnd U.V.(Königstadl), deren Vortragsreiscn erst von» 17. Januar ab beginnen,»verde» ebenda unentgeltlich ausgegeben. Fcncr'bcricht. Freitag, früh 10 Uhr, halte Matthäikirch- strafte 1l die Balkenlage Fencr gefangen, das erst spät bemerkt wurde, sodab das Hans beträchtlichen Schaden erlitt. Um 10 Uhr ging L iu den slr. 16/17 in einein Neubau ei» Posten Bretter in Flanime» auf. Brennende Koakskörbe wäre» die Veranlassung. Eine Stunde später brannte M Ü h l e n st r. 7 auf dem Schlesischen Aiißenbahnhofe eine Bretterbude nieder. Sonnabend früh 10>/2 Uhr erfolgte B l ü ch e r st r. 9 ei» Schorustcinbrand und nachmittags 4>/, Uhr M o h r e n st r. 6 ein Zimmerbrand, der jedoch leine große Aus- dehnnug erlangte. Vciu» Brande verunglückt ist Freitag Abend der Feuerniann Ripperger von der dritte» Kompagnie. Es brannte kurz nach 7 Uhr O r a» i e n b u r g e r st r. 59 in einer Druckerei Terpentin nnd der Fußboden, wobei eine große Naucheiilwickelling statlfand. Bei den Löschuiigsarbeitei» erkrankte der Feuermann schwer infolge Einalhmung von Dämpfe». Slns den Nachbavorten. Flugblatt- Verbreitung in Steglitz. Die Parteigenossen werden ersucht, sich heute Sonntag früh recht zahlreich zur Fing- blalt- Vertheilung eiiizufinden. Treffpunkt früh 8 Uhr bei Schell- haase in Steglitz, Ahornstraße 15, nnd in Friedenau bei Weinert, Rönnebergstr. 3, ebenfalls früh 8 Uhr. Für Pankow-Nieder-Schönhansen findet am Somiabend, de» 15. Januar,«ine öffentliche Versammlung statt, in»velcher Genosse A. Bebel über die bevorstehende» Reichstags-Wahlcn reserireu »vird. Näheres»vird noch bekannt gemacht. Der Vertrauens- m a u n. In Wcisteusee erregt folgender kauu» glaublicher Fall be- greifliches Aussehen. Einem in der Sedanstraße»vohnhasien Schuhmacher, den seine Frau im vorigen Monat mit Zwillingen beschenkt hatte,»var am Weihnachtsabend eiiies der Kinder gestorben. Der Vater»var gänzlich mittellos und kau» daher bei der Ariuenbehörde um Unterstützung ein. Der Amtsvorstcher »var dainit einverstanden, daß das Kind auf öffentliche Kosten be- erdigt»verde. Anders dachte jedoch der Armenvorsteher Rothe; als die noch schwache Mutter bei diesem Herr» vorsprach, soll er geäußert haben, daß der Trauring, den sie auf dem Finger trage, nur ver- lauft oder versetzt zu»verde»» brauche; für den Erlös könne die Leiche zweinial zur Erde gebracht»verde». Vergebens»var der Himveis der Mutter, daß der Tranring nur vo» Silber sei, und daß ihr auch sonst keine Mittel zur Verfügung stünden. Die Armen- Unterstützung wurde veriveigert, und soll der kleine Leichnam zivöls Tage lang im Keller des Sterbchauscs gelegen haben. Am Sonntag starb alich das ziveite Kind. Am Dienstag letzter Woche erschien alsdann ein Gendarm in der Wohnung, der die beiden Leiche» in«inen Nasenqneischer packe» und nach dem Fried- Hose bringen ließ! Es bleibt abznivarten, was die Armenbehördc in Weißensee zn dieser Darstellung sagen»vird. A»S Rixdorf. Einen interessanten Einblick in die Verwaltung unseres„Dorfes" gewährt der Geschäfisbericht der Amts- nnd Geineinde- Verivaltung snr das Jahr 1897. Wir entnehmen dem- elben folgendes: Die Gemeinde-Vertretung hielt 26 Sitzungen ab, in welcher 448 Beschlüsse gefaßt»vurden. Die in der Verivaltung geführten Journale weisen 100 401 erledigte Sachen auf. Die Polizeistrafliste hat 3151, die Schulstrafliste 1135 Nummern. Das Unfall-Verzeichniß enthält 500 Fälle. Gesinde-Dienstbücher wurde» 513. Arbeitsbücher 1283, Führuugs-Atteste 573. Paß-Atteste III, Wander- Gewerbescheine 263 ausgeftellt. Baukonsense»vurden ür Rixdorf 285, für Britz 48«rlheilt. Fundsachen waren 869, Fenerversichernngssachen für Rixdorf 4373, für Britz 307 zu erledigen. Unfallanzeigen»vurden 503 erstattet, Renten- empfänger»varen Ende des Jahres 540 vorhanden. IXnitlungs- karten für die Alters- und Jnvalidenverstchernng wurtM» 10 200 ausgestellt, aufgerechnet und a» die Bersicherungsanstalt nbgeliefert 7111. Anträge ans Rentengeivährung»viirde'n 95 gqftellt, in 43 Fällen»vnrde denselben stattgegeben, 40 Anträge»vurden abge- lehnt, 12 sind noch unentschieden. Ende löv?, varen vorhanden 93 Alters- und 104 Jnvalidenrenten-Empfänger. Strafverfahren gegen Arbeitgeber»vurden 25 anhängig gemacht. In 800 Fällen wurden Beiträge infolge Heirath oder Todesfall zurückerstattet Wegen Verletzung der Anmeldepflicht zur Krankenkasse wurden 73 Arbeilgeber»n Sirafe genommen. Ans grund des Gesetzes über die Gewerbegerichte klagten gegen Arbeitgeber 72 Arbeitnehmer ivegen I4lägigen Lohn resp. Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses, 75 Arbeit- nehmer ivegen Heransgabe der Krankenbücher und Quittnngkarten, 35 Arbeitnehmer ivegen Nichtanineldnng zur Krankenkasse und Nicht- venvendnng von Versichernngsmarken. Gestndestreiligkeiten kamen 122 zur Verhandlung. Das EinwohnerMeldeaml hatte u. a. zu er- ledige» 20 288 Zuzugs-, 13 964 Abzugs- und 34 320 Umzugs- Meldungen. Der Znzng betrug 1897: 6944 Personen. Mit dem Tode gebüßt hat das Dienstmädchen N. iin benach« barlen Rudow eine leichtsinnige Handlnngsiveise. Das Mädchen erkrankt« plötzlich»nd sollte nach dem Britzer Kreis-Krankenhans gebracht»verde», verstarb aber ans dem Transport dahin. Ein Arzt konstaiirte als Todesursache„Blutarmuth". Nachträglich»vnrde festgestellt, daß das Mädchen heimlich geboren und das Kind ans dem Grundstück der Dienstherrschaft versteckt hatte,»vo es nach einige» Tagen von der Nachfolgerin der Verstorbenen todt aufge- funden wurde. Ob das Kind bei der Geburt gelebt, konnte mit Sicherheit nicht festgestellt»verde»». In Lnckenlvalde hat sich nun endlich glücklich die vielfach heiß ersehnte Scheidung der Geister vollzogen. Damit der heranwachsende» Jugend nur gar recht früh die heutigen Klassengegensätze vor Augen und z» Geinülhe geführt»verde»»,»st man auf ein tief- si»»iges Mittel verfallen: man hat nämlich— Schülermützen ein« geführt,»vohlgemerkt, Klassenmützen für die Schüler der Knaben« Mittelschule. So, im» haben die Herren Jungen der„besseren Stände" ein sichtbares äußeres Erkennnngszeiche»; eine Verwechse- lnng mit einein V o l k s s ch ü l e r ist nun nicht mehr ivöglich! Die Herren Mittelschüler sind ebenso stolz»vie deren Eltern auf die neue» Klassenmütze»! Geschieht ihnen ganz recht, so gekennzeichnet zu werde»! An de» Charlottenburger GcwerbegerichtS- Wahlen, die an» 17. Januar stattfinden,»vollen sich,»vie bürgerliche Blätter be- richten) alich die Hirsch- Dniicker'schen lebhast betheiligen. Die 'Arbeiterschaft unserer Nachbarsiadt»vird hoffentlich dafür sorgen, daß die Bedeutungslosigkeit der Herren bei dieser Gelegenheit um so greller hervortritt.— Die Spandaucr Stadtberordneten- Versammlung vollzog an» Freitag die Einsnhnrag der neugewähitei» Stadtverordneten. Bekanntlich sind zivei niiserer Genossen a»is dem Stadtparlnment»»- folge Unierliegens bei den Wahlen ausgeschieden. Als Stadt- vcrordneien-Vorstehcr»vnrde Herr Sturm geivählt. Bei der Be- sehnng des VI. Ausschusses- zur Vorbereitung der Wahlen der Ans- schüsse:c. blieben unsere Genosse» mit ihren Vorschlägen(eine deutliche Folge des letzleu Wahlausganges) in der Minorität. Ebenso engherzig verhielt � sich die Mehrheit der Stadtverordneten zi» de»» Antrage miseres Genosse» Dncksch, die Tagelöhn« der Gasanstalts- Arbeite� von 2,75 M. auf 3 M. zn erhöhen, indem dieser Antrag, allein gege« die Stiininen der sozialdemokratischen Sladtverordneien, abgelehnt »vnrde. Besser konnten die Herren ihre Arbeiterfrenudlichkeit wirklich nicht beweisen; als es sich seinerzeit darum handelte, den Haus« agrariern durch Uebernahnie der Straßenreinignng i» städtische Regie jährlich 15 000 M. zu ersparen und den Stadtsäckel damit zu belasten, da kannte man keine kleinlichen Bedenken und stimmte für das Geschenk. Die arme» Npothckenbcsihcr. Acht Apolhekenbesitzer der P r» g n i tz haben den Vorständen der Krankenkasse», Kranken- hänser»c. der Westprignitz folgendes Schreiben zugehen lassen: Mit dem 1. Januar 1398 tritt für die vrcußischeli Apotheken eine Arzneitaxe in Giltigkeit,»velche ans Veranlassung des MedizinalininisteriumZ nach neuen Grundsätzen ausgearbeitet ist. Die Arzneimittel sind, da eine Erhöhung der Taxe ausgeschlossei» sei» sollte, vielfach derartig in» Preise ermäßigt, daß nach AnS- fpruch des Slaalsministers(siehe Taxentivnrf von» 17. Februar 1897) „eine»vettere Herabsetzung ivegen der finanziellen Lage der Apolhekenbesitzer ohne Schädigung derselben vorläufig nicht möglich ist." Ans diesen Gründen haben die unterzeichnete» Apotheken- besitzer der Prignitz einstiininig beschlossen: die bisher den Kranken- kassen ec. ans Arzneirechnnngen geivährlen Abzüge voin 1. Jan. 1393 ab nicht weiter zu bcivillige». Die Herren ziehe» hierbei nicht in betracht, daß gegenüber der Ermäßigung der Preise für etliche Arzneiiniltel eine theiliveife Erhöhung der Preise für die Arbeiten vorgesehen ist, die Arzneitaxe demnach i» ihrer Gesainintivirknug dieselbe»vie früher ist. Dieselbe hat»vcder eine Erhöhung noch eine Erniedrigung erfahren. Ei» größeres Feuer hat am Freitag in H o h e n- S ch ö n- Hanfe» geivüthet. Es brannte ein Sch»>ppen des Ziinmermeisters Eitner. Der zuerst auf der Brandstelle erschienene Feuer-Lösch-»»d Retlnngs-Verein von Wilhelmsberg— Neu-Hohen-SchSiihausen,»velcher vor kurzem ins Lebe» getreten ist, konnte das Feuer auf seine» Herd beschränken. Infolge des herrschenden starken Nordivestivindes nnd des großen Wassermangels»var es nicht möglich, die in dem Schuppen lagernden Hölzer zu retten. Die Eiitstehlliigsursache des Brandes konnte bisher nicht ermittelt»verde». Der Besitzer»var nicht anivesend._ Wochen-Spielplan der hiesige» Theater. Freie Volksbühne. Heute Nachmittag 23/, Uhr im Lcfsmg-Thcater, II. Abiheilmig(rothe Karten): „Barthcl Turaser".— Opernhaus. Sonntag, 9.:„Die Hugeuoiteu". Anfang 7 Uhr. Montag, 10.:„Tristan und Isolde". Tristan: Herr Heinrich Vogk, lönigl. baycr. Kammersänger, a. G. Anfang 6»/, Uhr. Dienstag. II.: „Haschisch, Die Entführung aus dem Serail". Mittlvoch, 12.:„Cavallona rusticana."„Bajazzi." Donnerstag, 13.:„Lohcngrin". Lohengriu: Herr Emil Götze als Gast. Anfang 7 Uhr. Freitag, 14.:„Uubine". Soimabelid, 15.: „Mignoil". Sonntag, 16:„Rielizi". Ans. 7 Uhr. Montag. 17.:„Die lustigen Wcjber von Windsor.— Schauspielhaus. Sonntag, 9.:„Mutter Thiele". Montag, 10.:„Faust". Ansang 7 Uhr. Dienstag, 11:„Das neue Weib". Mittwoch, 12.:„Cnriolan". Donnerstag, 13:„Mutter Thiele". Freitag, 14.: „Der G'wisseuöivunn". Sonnabend, 15., Grillparzer's Geburtstag: „Sappho". Sonntag, 16.: Die Herniannsschlacht. Montag. 17., zum erste» 'Male:„Die Aufgeregten.— Neues königliches Opern- Theater (Kroll). Sonntag. 9:„Die Gcier-Wally". Sonntag, 16.:„Mutter Thiele". Das Deutsche Theater weist für diese Woche folgenden Spielplan ans: Am Sonntag Abend„Mädchcntranm", morgen, Montag,„Jngendfrcnndc", Dienstag„Midchentraum", Mittlvoch„Die versniltene Glocke" mit Agnes Sorma und Josef Kainz; Dviiiierstag„Mädchcntranm", Freitag„Mutier Erde"; an» Sonnabend geht Hermann Sudermann's neue Tragödie „Johannes" zum ersten Male in Szene»nid»vird darauf solgeuden Sonntag nnd Montag»viederholt. Als Nachmittags- Vorstellimg ist für Sonntag „Faust" angesetzt.— In» Berliner Theater geht Max Dre»)er's Lnst- spiel„In Behandlung" diesen Sonntag, Dienstag, Donnerstag und nächste»» Sonntag in Szene.„Faust l. Theil" wird Montag(Ansang 7 Uhr) und „Faust II. Theil" Mittlvoch gegeben.„Romeo und Julia"»vird»nit Tcrcsina Geßner als Julia und Hermann Schmelzer alö Romeo Freitag um eisten Male anfgeführt nnd Sonnabend»viederholt.— Als iachmittagS- Vorstellung geht diesen Sonntag„Kaiser Heinrich" in Szene.— Im Lessing-Theater»vird das Lustspiel„Im»veißeu Rößl" am Sonntag, Dienstag, Mittlvoch, Donncrstag, Somiabend»nd an» Sonntag wiederholt, während der Schivank„Hails Hnckebein" am Montag nnd Freitag gegeben»vird.—„Sein Trick", daö Zugstück des Residenz- TheaterS, beherrscht auch in der kommenden Woche das Rcperivir ans- schließlich. Als Nachmittags-Vorstellung gelangt Sonntag Rovetta'S Schau- spiel„Doriua" zur Aufführung.— In der kommenden Woche finden die letzte» Aufsührmigei» der„Logenbrüder" im Nene» Theater statt, da am Somiabend, de» 15. d. Mts., das Lustspiel>Fa»»ilie" vo» Auguste Gcrmaii»(deutsch von Max Schönau) in Szene gehen muß.— Im Goethe-Theater wird Mittlvoch„Minna von Barnhclm" zmil erstell Male gegeben.„Krieg im Friede»»", das lustige Militär stück von Moser und Schönthan, wird zum ersten Male Sonntag, den 16. d. Mts., erscheinen.— Im Schillcr-Thcater kommt Sonntag Nachiilittag 3 Uhr„Wnllensiein's Tod" zur Aufführmig, abends 8 Uhr geht das Shakespearciche Lustspiel„Der Widerspenstigen Zähmung" in Szene. Wiederholungen von„Der Negistrator auf Reisen" finden Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonnabend statt. Donnerstag»vird zun» ersten Male„Der König", Schauspiel in fünf Aufzügen von Richard Vag gegeben, Freitag wird diese Vorstellung zum ersten Male wiederholt.— Da tte„SchSne Helena" mit der Kopenhagener Primadonna Petterson-Norrie in der Titelrolle im Theater Unter den Linden einen so großen Erfolg gchadt hat, bleibt das übermüthige, mustlalisch so reich ausgestattete Wert in der kommenden Woche auf dem Repertoire. Heute Nachmittag wird die „Fledermaus" gegeben.— Im Thalia-Theater wird Heinrich Botel im Verlauf der kommenden Woche drei Gastspiel'-Nbcnde absolviren. Direktor Hasemann hat den Sänger für die Opern„Der Troubadour",„Postillon twn Loiijumeau" und„Fra Diapolo" gewonnen. Diese Opernvorstellungcn finden unter Mitwirkung des Berliner Opern-Ensembles(Leiter: Ludwig Steiner) statt und beginnen Dienstag, 11. Januar, mit„Troubadour". Freitag, 13. Januar, singt Heinrich Bötel seinen„Postillon von Lonjumeau", um Sonnabend, 11. Januar, als letzte Gastrolle den„Fra Diavolo" folgen zu lassen. Die Preise der Plätze sür diese Vorstellungen sind die gewöhnlichen des ThaliaiTheaters.— Der Wochenspielplan des Belle-Alliance-Theaters bringt das Dumas- Barnay'sche Lustspiel„Kean" für Sonntag, Mittwoch im!) Freitag.„Romeo und Julia" wird als neunte Abonnementsvorslellung am Montag, sowie als Abendvorstellung Sonntag, 16. Januar, wiederholt. Der„Bräutigam auf Probe" geht Dienstag und Sonnabend, das Lustspiel „Die relcgirten Studenten" Donnerstag in Szene. Als Nachmittags- Bor- flcllung ist für diesen Sonntag Scribes„Glas Wasser" angesetzt, für Sotm- tag, 16., eine Wiederholung der„Grille".— Das L u i s e n- T h e a t e r bringt in der heutige» Sonntag- Nachmittags- Vorstellung, die um 3 Uhr beginnt,„Othello" in theilweise netter Besetzung zur Aufführung. Als Emilia debutirt Frl. Anna Pachun und als Jago Friedrich Knlig. Abend! geht das Volksstück„Auf goldenem Boden" in Szene.— Im O st e n d- Theater gelangt Sonntag Nachmittag bei halben Preisen zum letzten Male „Berlin, wie es weint und lacht", mit Karl Weih als Ferdinand zur Aufführung. Das Repertoire sür die nächste Woche besteht aus dem Kleinffchen Volks- stück„Leben und Lieben".— Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater gelangt nachmittags 1 Uhr auf vielfachen Wunsch„Die Pariser BInthochzeit oder Die Hugenotten" mit Elsa Tauma als Gast zur Dar- stcllung. Am Abend geht um 8 Uhr wiederum das Schauspiel„Der Trompeter von Säkkingcn" in Szene, welches am Montag wiederholt wird. Am Dienstag findet die Premiere des Sensationsschauspiels„Die kleinen Vagabunden" von Lims und Shirlep statt.— Im Alexanderplatz Theater ist die Aufführung des Berliner Sittenbildes„Madame Potiphar" von Charles Duchow bis auf Mittwoch verschoben worden, und bleibt bis dahin das interessante Sittenbild„Die Berfühcrin" von Ad. v. Arnim auf dem Repcrtoir. Als Kindervorstellung gelangt heute Nachmittag 1 Uhr das Märchenbild in 5 Atten„Knecht Ruprecht oder„Die Weihnachtssce zur Darstellung. Gerichts Dürfen in Barbierstnben ohne Erlaubnis der Polizei Druckschriften»ertheilt werden? Der Barbier®. in Danzig besucht« vor längerer Zeit eine Anzahl Barbierstube» und verbreitete dort ein« Druckschrist, die an die Barbiergehilsen gerichtet war Hierdurch sollte er die tztz 10 und 41 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai ILM verletzt haben. Nach dein Z 10 des genannten Gesetzes darf niemand aus öffentlichen Wege». Straßen und Plätzen, oder an anderen öffentlichen Orten Druckschriften ec. vertheilen, wen» er nicht«ine polizeiliche Erlaubniß dazu besitzt Und§ 41 bedroht die Zuwiderhandlung mit Strafe. Das Schöffen- gerichl vernrtheilte G. zu einer Geldstrafe von 10 M. event. 4 Tagen Hast, und da? Landgericht ivies seine Berufung als unbegründet zurück. Die Straskaminer erklärte die Barbierstnben. zu denen jeder Zutritt habe, der sich barbieren laffen wolle, für einen öffentlichen Ort im Sinne des preußischen Preßgesehes. G. sei also strafbar, da er an öffentlichen Orten die Druckschristen vertheilt habe. Auf die Revision des Angeklagten hob aber das K a in in e r g e r i ch t die Vorentscheidung auf und sprach G. frei, indem es ausführte Die§§ 10 und 41 de? preußischen Preßgesetzes seien allerdings noch rechtsgiltig. ihre Anwendbarkeit werde aber durch den§ 43 Nr. 5 der Gewerbe-Ordnung etwas beschränkt, denn dieser Paragraph be stimme, daß man zum unentgeltlichen Vertheilen von Druckschriften in geschlossenen Räumen der polizeilichen Erlaubniß nicht bedürfe Eine Barbierstube sei nun unzweifelhaft, wenn auch ein öffentlicher Ort, so doch ebenfalls ein geschlossener Ran in. Demnach habe G. dort ohne polizeiliche Genehmigung die Schrift vertheilen dürfen und könne nicht wegen Vergehens gegen die ZZ 10 und 41 deS preußischen Preßgesetzes bestraft werden. WaS einer anständigen Fra« passircn kann, haben wir kürzlich in einem Gerichtsrcserat über den Strafprozeß gegen die Ehefrau des Buchdrnckereibesitzers Schumacher mitgetheilt. Frau Sch., welche vor ihrer Hauslhür den Echutzmann W e i n e r t um die Feststellung eines Menschen bat, der ihr Dienstmädchen zum Un gehorsam ausforderte, wurde von der Anklage der Beamienbeleidigung, des groben Unfugs ic. freigesprochen. Das Urlheil, welches in- zwischen Rechtskraft erlangt hat. ist gestern dem Vertheidigcr der Frau Sch., Rechtsanwalt Leopold Meyer, zugestellt worden. Dasselbe enthält eine intercffante Charakteristik jenes Schutz mannS und seiner„Amtshandlungen". Nachdem das Urlheil ge- schildert, wie die mit Morgenrock und leichten Schuhen bekleidete Frau von dem Schutzmann gewaltsam„fortgerissen" und ebenso aus der Droschke„herausgerissen" worden, heißt es wörtlich:„Wenn sie(Frau Sch.) während dieses gewaltsamen Transportes zur Wache gegen den Schutzmann die Wort« gebraucht«: Mensch was denken Sie eigentlich von mir?— so kann in denselben nach Lage der Sache eine Beleidigung nicht erblickt iverdeii. Die Sistiriing der Angeklagten war durchaus ungerechtfertigt und das ganze Benehme» des Schntzniannes gegen sie, eine an- ständige Frau, im höchsten Grade inkorrekt. Sie befand sich daher diesem Beamten gegenüber in der Wahrnehmung berech- tigter Interessen(Z 193 St.-G.-B.) jc." Weder hier noch bei der weiter inkriminirten Aenßerung:„Sie sind ein schöner Schutzmann! Zu was sind Sie eigentlich da?" liege eine beleidigende Form oder Absicht vor. Dann heißt es weiter:„Es wäre Pflicht des Beamten gewesen, ihr dabei(bei der Znrückführung ihres Dienstmädchens) seinen Schutz zu gewähren und nicht gegen sie Partei zu nehmen und s i e in das Hans zu werfen"(soll wohl„weisen" heißen). Zu der Nichtbeachtung der ersten Auf- forderung des Schntzniannes, in das Hans zu gehen und zu der an- geblichen„Rnhestöriing". die Frau Sch. verübt haben sollte, bemerkt das Nrtheil:„Wenn durch das Gespräch zwischen ihr und dem Schutzmann die Passanten aufmerksam wurden und für die Angeklagte Partei nahmen, so hätte der Beamte diese Leute, welche unbefugt stehen blieben, weiter gehen heißen sollen; die an die Angeklagte gerichtete Anffordernng, die nicht auf der Straße, sondern in ihrer HauSthür stand, um ihr Mädchen in das Hans einzulassen, kann hiernach nicht als eine zur Erhaltung der Ruhe auf der öffentlichen Straße ergangene Anordnung eines Anssichtsbeamten gelten, deren Nichtbefolgung Strafe nach sich zieht." Die Berübung groben Unsugs könne darin nicht erblickt werden, daß Frau Sch. sich gegen die ungerechtferligte Sistiriing energisch ge- sträubt habe nud daß es hierbei etwas lebhaft zugegangen sei. Was endlich die Angabe des Schutzmanns anbetrifft, er habe die Frau Sch. nicht zur Feststellung ihres Namens, sondern zur Ver- meidnng einer weiteren Menschenansammlung sistirt. so begegnet das Urthejl dieser Behauptung sehr geschickt mit dem Einwände, daß die Frau Sch. ja nach Aufnahme ihres Nationales gleich wieder entlassen worden sei; Übrigens würde, ivenn der Beamte die Frau in ihr Haus hineingelassen hätte, sein „angeblicher Zweck, einen Auflauf zu verhüten, in der einfachsten Weise erreicht worden" sein. Zum Schluß äußert sich das Urtheil über den Zeugen Weinert wie folgt:„Das Gericht war jedoch leider n i ch t i n d e r L a g«, der Aussage des Schutz- niaiinS, d i e sehr widerspruchsvoll war und einen recht ungünstigen Eindruck machte, irgend welchen erheblichen Werth beizumessen. Es ist ihm daher auch nicht geglaubt worden, wenn er behauptet:c. jc."— Den Vorsitz führte in jener Verhandlung der Amtsrichter Vonhoff. Ei» Riese»- BctrugSprozest wird am 28. d. M. vor der siebenten Straskaminer des hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung gelangen. Die Strafsache heißt„Wendler und Genossen". Die An- klage richtet sich gegen elf Personen, nämlich gegen den Inhaber eines Hypotheken- und Grnndstncksvermitteliings-Geschäfts Wendler und dessen Agenten, die mit Hilfe von Zeitungsannoncen ein sehr um- fangreiches Geschäft betrieben haben. Es wird behauptet, daß es dem Hanptangeklagten gar nicht so sehr daraus angekommen sei, wirklich Geschäfte zu vermitteln, als vielmehr ans die Erlangniig der Unterschrift unter einem Revers, wonach diejenigen Personen, die seine Vermittelung in Anspruch nahmen, nach gewisser Zeit einen Betrag von 20 M. zu zahlen hatten, selbst wenn das Geschäft nicht zu stände kam. Die Verhandlung wird großen Umfang annehmen, etwa zehn Tage dauern und im großen Schwnrgerichtssaal statt- finden. Seitens der Anklagebehörde sind etwa 100, seitens der Vertbeidignng etwa 200 Zeugen geladen. Die Vertheidignng führen die Rechtsanwälte Max Cohn, Dr. S ch w i n d t und Leonhard F r i e d ni a ii n. Unhöflichkeit einem städtischen Sl-uererheber gegenüber hat dem Klempner Karl Müller eine Anklage wegen Beamten- beleidignng zugezogen. Der Augeklagte Halle sich darüber geärgert, daß der Stenererheber Pater, der erst kurz vorher dreimonatige rückständige Steuern bei ihm eingetrieben hatte, schon nach 14 Tagen wieder bei ihm erschienen war, um abermals die Zahlung von Stenern zu fordern. Seine Wirthin hatte ihm erzählt, daß der Steuer- erheber dabei sehr kurz angebunden gewesen sei. Der Angeklagte. der das ganze Vorgehen des Beamten sür ein inkorrektes hielt, richtete deshalb eine geharnischte Beschwerde an die slädlische Stenerdepntalion, in welcher er den Beamten„Sliesel" nannte und darum bat,„daß der Stenererheber zwischen 7 und 8 Uhr ihm zugesandt werden möge, wenn er Bildung lernen wolle." Das Schöffengericht verurtheille den Angeklagten zu 14 Tagen Gesängniß. Ans die von dem Rechlsanwalt Heine eingelegte Bernfnng änderte gestern die 9. Straskaminer die Strafe in SO M. Geldstrafe um. Eine Szene aus dem„Konrfaal" brachte ein Prozeß in Erinneruug. den die Orlskrankenkasse der Gastwirthsgehilsen gegen den Weinreisenden Hermann Feller, den Vertreter einer Lübecker Firma, angestrengt hätte. Herr F. hatte bei einem Besuch im Konr- saal mit eiiieni daselbst besedäsligten Kellner Streit angefangen und in dessen Berlanfe seine» Gegner so arg zugerichtet, daß dieser sich sofort in ärztliche Behandlung begebe» iimßte und mehrere Wochen krank war. Die Oriskiaukeiikasse,>oelcl>« von dem Vorfall erfahre» hatte, richtete a» F. die Auffordernng. ihr Kur- und Verpflegnngs- kosten zunickziierfiatle». Da der schlagfertige Weinreisende sich dessen weigerte, beschritt sie den Klngeweg und erzielte auch ei» obsiegende- Urtheil. F. wurde der„Bolks-Zig." znfolge vernrtheilt, der Oilskaffe, die für den verletzten Kellner ansgewandten Knrkosten im Betrage von 78,75 M. zu ersetzen. Schon wieder ein verlorener PnreailhilfSarbeitcr-Prozeff. Ter Bureauhilfsarbeiter Eichler, der seit dem Jahre 1874 im Dienste der Stadt steht, konnte am 2. Februar 1896 wegen Krankheit nicht im Dienste erscheinen. Die Fortzahlung seines Gehalts aber verweigerte der Magistrat unter dem Hinweise, daß nach den bestehenden Vorschriften den Bilreaubitssarbeitern in Krankheits- fälle» nur ausnahnisweise, jedoch höchstens für die Dauer von vier Wochen, das Gehalt weiter gewährt werden könne, die Frist am erwähnten Tage aber abgelaufen sei. E. war indeß der Meinung, daß er als Beamter dauernd angestellt worden sei, und daß ihm deshalb sei» Gehalt ans Lebenszeit zukomme; er beantragte daher im Wege der Klage, die Stadt zu vernriheilen, anzuerkennen, daß sie zur Zahlung von monatlich 160 M. GeHall verpflichtet sei. so lange er nicht durch Penfioiiirung, Tod oder DiSziplinarnrlhcil ans seinem Amte ausscheide. Das La»dgeriä>t I wies die Klag« ab; das Kamiuergericht dagegen verurlheilte den Mngistrat'nach dem Antrage der Klage._ Verfttnttnlunüen. 3» dem Gesetzriitwurfe zum Schuhe der Panhandwerker nahm die ordentliche Jniinngsversammlnng des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmeruieister zu Berlin in ihrer letzten Sitzung Stellung. Im allgemeinen ging die Ansieht dahin, daß der Gesetz- entwnrf in seiner jetzigen Form einen wirksamen Schuh der Bau-, Handwerker nicht gewähre, wenigstens nicht insoweit, als Berliner Verhältnisse in betracht ko»ii»e». Wie sich die Baiihandwerker ans der Provinz hierzu stellen, wird sich in einer noch i» diesem Monat hier tagenden Versammlung deS Vorstandes des Jnnungs- Verbandes zeigen. Aus dein vom Baiiiueisier F e l i s ch er- statteten Referat heben wir folgendes hervor: Die Ba»ba»dwerker besitzen leider einen guten Theil von Sorglosigkeit und sind leicht geneigt, ohne Prüfung der Person des AustraggeberS Arbeiten zu übernehmen. Ueber den Gesetzentwurf gab Redner folgende Dar- stellung: Man denke sich einen Bezirk, in ivelchein eine größere Bau- lhätigkeit zu erwarten ifl. Dieser Bezirk wird durch landesherrliche Verordnung zu einem Neubau bezirk erklärt. Besitzt irnn jemand dort eine Baustelle, die in den letzten S Jahren un bebaut gewesen ist und will diese bebauen, so wird ihm die Bauerlaubniß nur ertheilt, wenn er. der Eigenthümer, zuvor einen B a u v e r in e rk hat eintragen lassen, der zugleich de» Werth der Baustelle bezeichnet. Nach Fertigstellung und Abnahme des Baues erfolgt Millheilung der Baupolizei an daS Grundbuchamt. Bon dem Tage der Mitlheilung bis zu einer Frist von 2 Monaten kann jeder Bau- gläubiger seine Fordernngen beim Griindbuchaml anmelden. Bau- gläubiger sind die Unternehmer des Bauwerks und die Arbeiter. Eine solche Anmeldung wird aber nur wirksam, wenn der Eigtu» lhNmer bis zum Ablauf der Anmeldefrist schriftlich seine Zustinniniüg erklärt, oder eine einstweilige Verfügung gegen den Eigenthüinev ergangen und eingetragen ist. Die Baufordcrmigen haben unter sieh gleichen Rang. Die Baubypothek folgt unmittelbar nach dem eingetragenen Werth der Baustelle. Ist vor Eintragung des Bauvermerks«ine Bangelderhypothek eingetragen, welche Ge- Währung von Baiigeldern übernommen hat, so erhöht sich»in diese Hypothek der Werth der Baustelle, und zwar um de» Betrag der an die Baiihandwerker geleisteten Zahlungen.— In der leb- hasten Diskussion wurde die Befürchtung laut, daß das beabsichtigte Gesetz geeignet sei. den reellen Bamniternehmer zu stark zu bevor- munden und daneben dem Großkapital beim Bauen ein zu großes Uebergewicht zu verschaffen. Beantragt wurde, an zuständiger Stelle dahin zu wirken, daß jeder Bauende verpflichtet sei. ordentlich Buch zu führen, damit er bei vor- kommenden Schwindeleien vom Staatsanwalt gefaßt werden könne. Außerdem soll dem Bauenden der Gewerbeschein entzogen werden, sobald er mit Zahliing von Steuern und Beiträgen an die Kranken- und Jnvaliditätskaffe, sowie an die Berufs- genossenschaslen im Rückstände bleibt. Briefkasten der Redaklion. Wir bUle», bei seder«»srane eine Shisire izwet VnchNab«»«der«Ine gahl) ainmgkd«»,»nier der die Slnlworl eriheUi werde» soll. DI« inriftischr l?prechsi,i,ide findet am Nkontag, Freitag und Soiinabrnd vv» 6 bis 8 Uhr abends statt. O. W. 103. Wenden Sie sich an die Ober-Postdlrektlon.— W. F. Rixdorf. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja. 4. Nein. 5. Ja, aber nur eine, nicht zwei Raten.— M. F. Bestimmte Taxe» für Hebammen giebt cö nicht. Ist nichts weiter vereinbart, so werde» 6— 12 M. für die Entbindung und t— 2 M. siirjedeiiGana als angemessen erachtet.— A. 1. 60. Nein: Sie behalten Ihr Wahlrecht.— Ein alter Parteigeiiossc. Wiederholen Sie Ihre Sliifrage. — 40. D. 6. Nein, erst vom t. Oktober ab.— P. R. 100. Ist kein das Verwaltiiiigsmht deS Ehegatte» ausschließender Vertrag vor oder wahrend der Ehe geschlossen, so haften die in die Wohnung eingebrachten Sachen der Ehefrau für die Mielhe, nicht aber für andere Schiilden deS Eheniaiines.— P. Z. 101. 1. Ja. 2. Ja, ferner würden Sie zur Rück- zahlnng der Almosen verpflichtet sei».— O. P.. Potsdam. 1. Net». 2. n»s nicht belamit. 3. Ans Zweckinäbigleitsgrimden.— G. H, Nein. —<5. F. 77. l. Ja. 2. Ja, wenn der Vater nicht die Eimvilligung ails- drsicklich zurückzieht. Das ist bis zur Heirath möglich.— A. S., A?laria«»e»-Ilfer. Strasbarteit liegt nicht vor, aber Ersatzpflicht des Wirthcs.— 8t. 2». 1. Sofort. 2. Liefert ans.— B. G. 20. Fiskus ist in Ihrem Fall im Recht.— A. R. 100. Ein städtisches Dieiistmädcheu hat, falls nichts anderes vereinbart ist. eine Kündtgiingsfrist von sechs Wochen zum ersten des Onortals.— M., Wcificnbiirgerstrasse. 1. Nein. 2. Ja. —<£. S. Gewiß kann auch ein Bruch aus einem verstcherungspflichtigen Unfall beruhen. Das ist in der ersten Zeit des Bestehens des Reichs- Versicherungoauites auch stets ang«»oi»»icn. Allmäljg hat sich aber die Rechtsaiisscht derselben Behörde derieuige» der Ber»fsgenvsse»schaften so sehr genähert, daß selten ein Bruch sür tiinchiidiaiiilgspflichtig erachtet, vielmehr oft sormiilannößia die Abweisung damit begründet wird, daß die Entstehung deS Bruches durch den Unfall nicht nachweisbar sei. Melden Sie Ihren Anspruch auf Reiiie dennoch a».— 21. R., 2ldmiralstrassc> Nein. — L. St. Liegt Wergewoltignng vor, so steht der Staatsanwaltschaft allein das Aiiklagerecht zu. An diese»lübten Sic sich wenden. Vergewalfigimg seht voraus, daß Einwilligung nicht vorlag.— Ostbahnhof. Ihre Frän kann auch Aushebung der Steuerlast wegen veränderter Umstände beantrogen. Die betreffende Besiimmung(§58 des Einkoinmensteuer- Gesetzes) besagt nämlich:„Wird nachgeivtesen, daß während des lausenden Steuerjahres iiisolge des Wegfalls einer Einnahmequelle oder infolge außergeivöhnlicher Umstände das Einlonlineii eines Steuerpstichtigen um mehr als den vierten Theil vennindert worden ist, so kann vom Beginn des auf den Eintritt der Eiiikommelisveräiiderung folgenden Monats ab eine dem verbliebene» Ein- kommen ciitsprechcilde Ermäbigimg der Einkoinmeiisteuer beansprucht werden." Der Antrag ist an den Vorsitzenden der VeronlagiingSkommission zu richte». Bis zu dessen Bescheid muß weiter gezahlt werden. WilimiiiftSIiberficht Pom 8. Januar 1898, 8 Uhr niorgenS. Zunächst ziemlich heiter, elivas kälter, bei mäßige» slidwesilichea Winden; nachher neue Erwärmiing, Trübung und etivaS Regen. Berliner W e t l e r b» r e a n. Achtung! 6. Wahlverein Den Genossen zur Nachricht, daß Unser Genosse, der Droschlenkutscher Auyust Stiller am 7. d. Mts. plötzlich verstorben ist. Die Beerdigilng findet am Sonntag Nachmittag von der Leichenhalle des Sebafliaii-Kirckihofes an der Dalldorfer Chaussee nns statt. Um rege Be- theiligung bittet Der Borstand. Todes-Anzeiae. Den Genossen deö 6. Wahlkreises zur Nachricht, daß unser Genosse Stiller am 6. d. M., abends 8 Uhr im Alter von 68 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdig»»« findet am Sonntag, be» 9. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Sebastiail-Kirchhoses an der Dalldorfer Chansiee aus statt. Uni rege Betheiligung bittet 219/3 Der Bertraiiensmanii. »WemleWSÄfÄ Sieanderstr. 6, Pfandleihe.• Freitag, den 7. Januar, nachm. 6'/- Uhr, entschlief nach schweren Leiden iiieiiic iimigst geliebte Frau und glltc Mutter l'i-Ieckvi-llr« Hai-Ievzr geb. R e i n e rk e. Die Beerdtgmig findet Montag, den 10. Jaimar, nachm. 4 Uhr, von der Leicheichalle des alten Elisabeth- Kirchhofes, Ackersttaße, statt. i2042b Heinrich Parken nebst Tochter. Grüntram-Geschäft m. Vorkost u. Rolle verkäuflich Bliiiiienstr. 66. Eine kleine Drehbank, noch gut er- halte», m. durchbohrter Spindel zum Schraubencinschneiden w. zu kauf. ges. b. A. Herda u. Sohn, Wallstr. 23, I. Mlumenhattdlttng Kriinze, Itonqneta, Topf- {jovüoIimc, Onlrlanden etc. Billigste(Markthallen-) Preise bei aeschmackvoller Zlusfiihriina. Der Offenbacher Mihtung. DektÄkenve! (plllals III. des Verbandes deutscher Textilarbeiter und-Arbeiterinnen.) Am Soiiiiabcild, den IS. Januar d. I.: Groszer Wiener Masken-Ball Im„englischen Garten", Alexanderstr. 27c(obere Säle). Während der Kafifeepause; KOItliSCbe Vorträge. Anfang 8 Uhr.- BillctS 50 Pf«.- Ende??? Um zahlreiche Betheiligung ersucht[2607ti] Der Borstand. welche sich über ganz Deiitschland er- streckt und dem§ 75 des Kraiikeil- VersicheriliigSgesetzes entspricht, können Franen und Mädchen vom 14. bis 45. Jahre, gleichviel ob sie erwerbS- mäßig thätig sind oder nicht, in fol- genden vier Berliner VerwaltungS- stellen beitreten: I/ll B. I. Hr. Heckel, Orantenstr. 180 v. IIT Hr. Nenntann, Görlitzerstr. 331. V. n. Frau Lutz, Pilttkamerstr. 7 v. K., Frau Neuendorf, Solnisstr. 22 v. IV. 35. in. Hr. Tölz, Bergstraße 79 v. K., Frau Grünewald, Prinzen-ANee 26 v. I. V. IV. Frau Vterkor», Fricdenstr. 78 v. IV, Herr Eberl, Fricdenstr. 63 IV. Billig t Rester». Aiizngen. Billig t Mädcheiikleider, Knaben- Anzüge und -Paletots sehr preiswerth. «. Hoffinaiin. Veteranen str. 14, IhlnctlinllP 75lino 9 Wl schmerzlos. Zahnziehen 1 iM.,PIomb. l.öOM.Theilz.(Uelfott prachtvoll..sof.20M. zuverk. l\UllölllüllCI.(tlinC6m.ZahnarztWo)f, LeipziSorstr.22,Spr.9-6U. 118, v. II rechts. MünseFs ältestes best- renommirtes l'eiiklun für»ciin-erkraiikc Im Hauise. N., Pankstr. 32, neu renovirt. Bad. f. Krankenk. B. Schneider. _ f4114L* Sozialdemokratischer Wahlverein des III. Berliner Reichstags-Wahlkreises, Sonnabend, den 15. Januar 1898: Sllflungs-Fesl im Konzerthaus„Sanssouci", Kottbuserstrasse 4a unter gütiger Mitwirkung des Gesangverein*„Kreuzberger Harmonie", des Konzertsängers Herrn K. Blobcl etc. Iiistrnmental-Konzert einer starken Kapelle von Zivil-Berufsmusikern. Festrede. Ball(30 Pfg. Nachzahlung). —— Anfang präzise 8 Uhr.—— Billets sind bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern und in den Zahlstelion zu haben._[240/1]_ l>cr Yorstnml. Freie IfolksMhne. IlMite Nachmittag S3/« Uhr Im Leszlng-Theater: Voratellnnfi;. n. Äbtbeilnng. fiBartel T upasei*". Drama in 3 Aufzügen von Ph. Langmann, Mitglieder zur V. Abtheilung werden in allen Zahlstellen des Vereins gegen Hinterlegung 60 Pf. Eintrittsgeld und eines Monatsbeitrages vom Vorstana genommen.[228/2] Der Vorsum"' von auf- I. A.: C. Winkler, Achtung! WV Achtung I Im DimKag, He» 11. Fsiliiar, sbM 8 Uhr, im Saale her Branerei zriedrichshaia: kimu finwi-VemWlling der Frauen«nd Mädchen Berlins. - Me Deillgkett der Emilie I« Theorie«od Volizel-UwÄs. Referenten: ReichstagS-Abgeordneter Arthnr Stadthagen und Genossin Lily Braun. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch seitens der Genossinnen und Genossen ersucht 1/1 IMe Vertrawenaperaon. Mtiiiioi ß. Wahlkreis. AMmtg! Senntag, den S.»lanuai-. ahend»« Uhr: Erch ffeatliche Bersammluilg siir Mätlaer nilh Fralielt In»„UvsBner Hof", Cttelluerstr. S. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordnetcn Hohert Sehmldt über: „Politische TageSfragen". 2. Diskussion und Verschiedenes.— Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Nach der Versammlung: GemQthllches Beisammensein. 219/1 A-wng! ß. Wahlkreis. (Schönhauser Vorstadt.) Sonntag, den 9. Janiiur, abends 6 Uhr, In Wernan's Festsülen, Sehwedterstrasse Ä3'84: (Deffcntl. NevkÄnrrrrlrnrg 219/2~"------- Tagesordnung: über:„Die Krankheiten des Proletariers". Reserent Ge: 2. Diskussion. Nach dem Vortrag: vesellige» Beisammensein und Teni, Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. 1. Vortrag nosse Hr. Weyl. Achtiuis! A. Wahlkreis. Aliit«««! Sonntag, S. Januar, abends K'/z Nhr, bei Ze»beU, Lindenftr. 10«l M&fpsammluwitim"HM Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen.Alfons Borchardt über:„Heinrich Heine/ Nach dem Vortrage: Gemiithlichcs Beisammensein und Tanz. 210/2 Die Bcrtrauensperson. Sozialdemokratischer Mahlvereiu für den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 11. Januar, abendS pünktlich S'/z Uhr, In Ha bei' s Brauerei- Ausschank, Bergmannstr. 5—7: MW" U e r s a m m 1 u u g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hr. Friedeberg über:„Die sogenannte soziale Gesetzgebung". 2. Diskussion. 3. Vereinsaugclegenhciten. 238/1 i>cr Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Donnerstag, den 1». Januar 1898, abends 8'/, Uhr, in den Armin-Hallen, Kommandantenstr. S«: Lvner'sk- TagcS-Ordnuiig: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes, i. Kassenbericht von: 4. Quartal 1897. Die Zahlstellen befinden sich Sei folgenden Genossen: Wilh. Börner, Zigarrengeschäft, Rittcrstr. 13. Gottfr. Schnlz, Zigarrengeschäft, Admiral- strasse 40a,. Schöning, Köpnickerstr. 68.®mU Götte, Brandenburgstr. 18. Flick, Stmconstr. 23. Sieb, Alte Jakobstr. 114. 240/2 Billets zum Stiftungsfest sind in der Versaiumluna zu haben. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahloerein für den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Donnerstag, 13. Januar, abends 8Va Uhr: General Im„Schfltzenhansc", Tdnienstrasse Vo. 5. T a ge s- O r d u u n g: 1. Vortrag des Genossen Sassenbach über:„Kein Denkmal für die Märzgefallenen?" 2. Diskussion. 3. Wahl eines zweiten Kasflrers. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes._ IPF~ Gäste ivillkoinmen."WQ Um zahlreichen Besuch bittet 24S/1___ Der Vorstand. Devfenntnlunnen. Zsnr Gesundbrunnen im„Viktoria Garten�, Badstrafte Rr. 1 Für Gesundbrunnen im„Viktoria-Garten�, Badstrafte Rr. IS. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hr. Alfr. Bernstein über:„Der Weltmarkt". 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten. Für Itasenthaler- und Oranienburger Vorstadt im Lokal von Miindner, Bergstrafte Str. IS. Tages-Ordnung: 1. Die politische Lage. Referent Georg Uedebonr. 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet 246/2_ Der Vorstand. Ärbeiter-Bildnngsschnle. Am Sonntag, den O..Tannar 1898, abends 7 Uhr, In Feuerstein'« Fostsülen, Alte Jakobstr. 75: HÜT Mersammlung."WZ Vortrag des Gen. Joh. Timm über:„ReKnilen yofI" ~ Nachdem; Gemntbliches Beisammensein nnd Tan«.— Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Nach dem Vortrag haben nur noch Mitglieder mit ihren An- gehörigen Zutritt._____________ 4/3 MimOerein„Mehr Licht!" Sonntag, den 9. Januar, abends« Uhr, Nlexanderstrafte 27«: MU" Vvr8s.s>»in1«iAK."WH Tagesordnung: Vorträge über:„Wesen und Werth des Spiritismus." Referent: Herr Hr. Egbert Müller. Korreferent: Herr Schriftsteller Friedrichs. DiSkusston. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Gäste willkommen.- Entree 10 Pf. Garderobe 10 Pf...„.. Mittwoch, den 12. Januar, abends 9 Uhr, im selben Lokale MW" Genevttl-Vevsttmmlung,"MS tvozu die Mitglieder hierdurch eingeladen werden. 120/1 Bekanntmachung. 5. Abündernng zum Statut der LrtS-Kra«kenkajse m Müsikinstruiueilten. Artikel I. Im§ 2, Absatz 1, Ziffer 3 ist gestrichen:„sowie Handlungsgehilfen »nd Lehrlinge". Artikel II. „Diese Bestimmung tritt mit dem Tage der Auslösung der OrtS-Kranken- lasse für Handlungsgchilseu und Lehr- linge in kraft. Berlin, den 25. November 1897. A. P si s ch c l, I. R o t t m a» n, Vorsitzender. Schriftführer. Borst eh ende Abänderung wird hier- durch geuehmigl. Berlin, den 23. Dezember 1897. Der Bezirks-Russchuft. F r u n s b e r g. 2633b StrickwoNe-Niisverkanf.• Reste in Zephyr und Nockwolle zu Fabrikpr. Holzmnrkistr. 60,$). l. 1 Tr. Lieferwagen! Kinderwagen! alt und neu, alle Sorten Räder nnd jede Reparatur Pallisadcnstr. 101. Arbelter-Sfingerbund BerSins und Umgegend. Sonntag, den 16. März 1898, vormittags präzise 10 übr, im Nebeasaale der Branerei„Friedrichshain"" AnsstliuH Sitzung. Tagesordnung: 1. Auwahme von Vereinen. 2. Abrechnung vom Sängersest. 3. Verschiedenes.- Sämmtlicbe Miialieder des Ausschusses werden ersucht, pünktlich zur Stelle zu sein.- Vereins-Bundes-Mitgliedskarte legiftn� Ausgabe eines neuen Liedes: Proletarier-Wiegeniied von Biva. Präzise 12 Uhr: Im großen Saale Beginn der WW" Uebungsstunde. ende Lieder werden geübt: 1. Der Menschheit Erwachen. 2. Sommer-Sonncnwende. Folgende.____ des Volkes 4. Festgesang. Sämmtliche Vereine Berlins und naher Umgegend sind verpflichtet, Bundes-Mitglicdskarte legilimirt._ Orfsentliche Volksversammlung am Montag, den 1«. Januar. abends 8l/z Uhr, in der Donhalle. Friedrichstr. 112. Fkarrer Vaurnann: Di« nattonal- soziale Reichstags- Kandidatur in Berlin I. Ansprache des ReichstagS-Kandidaien. Freie Distussion. Freunde und Gegner, Männer und Frauen, ladet ein Her Vertrauensmann der nattonal-aoriaien Oartei. 3. Ein Sohn 16/1 vollzählig und pünktlich anzutreten. Der Vorstand. Sophaftoff-ReKe zu Bezügen ausreichend, in Phantasie, Rips. Damast, Crepe, Gobelin, Moquette und Plüsch, sowie Satteltaschen spottbillig. JT. Adler, Teppich-Haus, Spandauerstr. BO, vls-ä-vis dem Rathhanse. Jllustrirte Preislisten gratis u. ftanlo. Achtniig! Schmiede! Achtiuis! Mittiooch, den 12. Januar, abends S>/z Uhr, im„Cugltschcn Garte»", Alcxandcrstr. 27 c: dni'. SMkeittllebe Aers»i»inlniKK TageS-Ordiiling: 1. Vorttag des Genossen AdolfHoffmann über„Recht und Gesetz". 2. Welche Maßnahmen treffen die Schmiede Berlins zur Forderung des Neunstundentages. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 176/1_ Die Vertranensperson. Orts- Kraukenkasse t». kiwtütt, Ciselture u. aniierer tiiiift. Etwerkbetritbe. Sonntag, den 16. Januar 1898: WM" Ideleglrtesi- Wahl"Wf in den„Armin-Hallen", Kommandanten- Strasse 20. Die Wahl der Arbeitgeber: 10 Uhr vormittags. Die Wahl der Arbeitnehmer: 11 Uhr vormittags. Quitt nngöbuch legitim tri. _ Der Verstand: I. A.: Alb. Schütz, Vorsitzender. LerHusr Genossenschafts-Bäckerei (Eingetragene Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht) Hoch-Strasse 18. Zu der Bilanz vor.: 11. Dezember 1897, i» Nr. 290 des 14. Jahrgangs dieses Blattes verüffenilicht, haben wir noch hinzilziisügeu: In der Liste der Genossen waren am Schluß des Geschäfts- jahres 20 Genossen eingettagen. Hinzugekommen oder ausgeschieden ist leiner. Das GeschäftSgutyaben jedes Genoffen beträgt 5,00 M., die Haftpflichtsmnme jedes Genossen 5,00 M. Daß gesammte GeschäftSguthaben der Genossen beträgt 100,00 M., die gesammte Hastpflichtsumme der Genossen 100,00 M. Kerner muß es in der Bilanz nicht heißen: Conto der Genossen 95,00, sondern 100,00 M. Ben Vorstand, Karl Petcrsohn, Richard Keim, _ Geschäftsführer.__ Kasstrer. Im Verlag der„Ottebslachen Arbeiter-Zeitung" ist seehen erschienen und durch uns zu beziehen: Marinelorderungeu, Kolonialpolitik und Arbeiterinteressen. Von Parvus. — Preis 25 Pfennig.— Zahlreichen Bestellungen sieht entgegen Buchhandlung Vorwärts. Eleg. Masken-Anzüge für Damen und Nerren 4099C*] vermiethet äußerst billig Cnii Hanke(Kuiicke), Buchhändler, Oranienstr. 157, II. Die Soei�d Anonyme des Bouteilles ä Cour- aoIIoC-llnOa /Ro'nionN'eiche in ein bis zwei Monaton drei LvlIvJ mUlIC yUCiyiull/, Becken(drei Brennöfen) in Betrieb setzen wird, sucht[101/18« Bläser, Ausheber und Mundstflckmacher. Sie offerirt für jede Kolonne von 3 Arbeitern(1 Bläser, l Mundstüokmaoher und 1 Ausheber) 3 Francs 15 Cts. für 106 Flaschen von 70— 75 Centiliter 3„50.p„„„1 Liter Inhalt. Zur näheren Onentirung bemerkt die Gesellschaft noch, dass deutsche Arbeiter, die bereits in Belgien arbeiten, täglich 850 bis 900 Flaschen von 70— 75 Centiliter und 800 bis 850 Flaschen von 1 Liter Inhalt(pro Tag u. 3 Arbeiter) liefern, was für diese drei Arbeiter einen Lohn von 26,75 Frcs. bis 30 Frcs. ungefähr täglich ausmacht. Diese 3 Arbeiter können sich ihre Arbeit nach Belieben einrichten. Vorhanden sind noch 40 Plätze, jeder zu 3 Arbeiter. Offerten sind zu richten an nouslour ie Blrectcnr de la 8tö des Boutcllles de Coupcelles& Courcelles- Motte(pr&s Charleroi, Belgien)._ Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). Bezirks- Ve�sammlutigen m Montag, be« 10. Januar, abends 81, Uhr. Süden nnd Südosten bei Bautenberg, Oranienstr. 180. 1. Vorttag des Kollegen Tost über:„Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Verbände". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beittagsammlers. 4. Verbands- angelegenheiten. Westen nnd Südmesten m Dennewihstr. i». Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über: „Blldiing nnd Klaffenbewufttsein«. Diskussion. ErgSiizungsivahl der Werkstatt-Koiitrolllouimisston. Werkstattangelegenbetten. Verschiedenes. Die ausgefültten Siatistik- Fragebogen werden in der Versamuliung entgegengenommen. Die Kollegen der Bauttschlerei von Jänischen. Gneisenausiraße und Hagelsbergerstraße, stnd wegen dort herrschender Mißstände hierzu eingeladen. Woadll» � Lokal von Fischer, Beuffelstrafte 9, Die Werkstellen, die noch keine Fragebogen abgeliefert haben, find besonders eingeladen. Wedding-Gtsulldkntanen: hn Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Wellheim über: „Natur und Ratnrwiffenschaft«. Diskusston. Wahl eines Beitrag- samniiers. Verbandsangeiegenheiten. Die Kollege» werden ersucht, möglichst zahlreich U. pünktlich z» erscheme». Schönhiutser und Rosentzaler Dorstadt bei Wernau, Schwedterstr. 2»(Hinterer Saal). Tages-Ordnung: 1. Vorttag. 2. Wahl eines Beitragsammlers WedrlchSftlde M Bube, Prinze, ,-Rllee 30. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Koll. Klingner über:„Natur, Wissenschaft". 2. Dtsknsston. 3. Ersatzwahl der Kommisston. Nertranensmanner-Uerfammlnng der vi'eOksIsn in der„Alten Post"(Oehu's Tunnel). BeuiHftr. 20/21. Tages-Ordnung: 1. Einzlehunz und Ausgabe der statistischen Fragebogen. 2. Ergänzung der Werkfiatt-Konttolliommifston. 3. Verschiedenes. Grs her Maskenball � am Sonnabend, den 29. Januar er., bei Mellen Koppenstraße Nr. 39, und bei ZVeonstU. Schwedterstr. 33. _ Bitt-ts ä 50 Pfg. stnd für beide Lokale giltig._ Alktung! Textilarbeiter! AMng! Dienstag, de» 11. Januar, abends SV, Uhr. im Lokale des Herr» Graumann(früher Henke). Nannynftr. 27 t Große öffentliche Versammluttg aller in der TextiliildllsKie bOiistijtev Arbeiter vnb Arbeitemm Berlins nnd der Umgegend. Tagesordnung: I. Vortrag über: Arbeitcr-WohlfahrtSeinrichtungen und daS Verhalten der Kautiuenkonuiitsston der Berliner Velvetfabttk. Refe- reut: Genosse P. Iah». 2. Dislusston. 3. Verschiedenes. Pflicht aller Textilarbeiter ist eS. in dieser Versammlung z« erscheinen, besonders der Arbeiter der Velvetfabrlk. Hlc AgitatioRM-KomiuiHSlon. I. St.; F. Koüke, Manenburgerstr. 31, 2. Sof ID._ 127/1 Zimmerer! Mittwoch, den 12. Januar, abend« pünktlich 8 Uhr, Erste Versammlung der HichHeptirteil im Mre 1898 bei Ku�kc, Grenadi erste. 33. Btp- In dieser Bersammlnng uinft von jeder Arbeitsstelle ein Vertreter zugegen sein. 256/1 Hie r.ohukornmissiou. Zentralverband d. Haildels-, Transport- und Verkehrs- Arbeiter Deutschlands. 9 et» Verwaltung Beriiu: gy Sonntag, de» 9. Januar er., abends 6 Uhr:"TBQ im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, Menevnl VevsÄtNtttlnng. Tages- Ordnung: 1. Mitthcilnngen. 2. Rechenschaftsbcricht. 3. Vor- schläge für die örtlichen Funktionäre. 4. Verbandsangelegenheiten. Znhlrcichein Erscheinen sieht entgegen(67/1 Hie HrtsverwaUuug. Eintritt mir gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein mit Tan». Verein deutscher Schuhmacher. General-Versammlungen am Montag, de» Januar, abends 8'� Nhr. Zahlstelle I bei Felnd, Wcinstr. 11. Zablstelle 11 bei 1-auge, Diagoncrstr. 15. Zahlstelle III Uuuisenstitdt. Klubhau», Koinmaildantcnstr.72. Zahlstelle IV bei Roll, Adalbertstr. 21. 169/3 Zahlstelle V(Schäftebranche) bei Scliiller, Rosciithalerstr. 57. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fuchs, Frankfurter Allee 49. Zahlstelle Schünebceg bei Schilling, Kysshäliserstraße. In sänimtlichen Vcrsammimigen Tagesordnung: Abrechnung pro 4. Quartal und Vorslandsivahl. Um zahlreichen Besuch bitten Die Bevollmächtigte». SST" Komdinirt« Vorstandssttznng findet am 13. d. M. statt. Beraniivortlicher Redakteur: August Jacobey m Berlin. Für den Jnseratenlheil verantivorllich: Dd. NNocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Nr. 7. 15. MWg. Somllig, 9. Janiilir 1898. Kandidaturen zur Krichstagswahl. � Die einzelne» politische» Parteien hoben in de» lehte» Woche» eine iv große Zahl von Koiididatnrcn zur Reichstagsivohl proklamlrt, daß es nch jrtzl lohnt, dieselbe» i»r ganzen»nd»ach Landesbezirken geordnet aufzuzählen. Selbstverständlich steht unsere Partei in der ersten Reihe; von den 397 Wahlkreisen wurden bisher für 217 die Kandidaten öffentlich genannt; auch für den Rest ist bis ans wenige Ansnahine» die Kandidatenfroge geregelt»nd wird die Prolloniation ans den iin lausenden und in> nächste» Monat stallsindenden Partei- koriferenzen erfolge». Der Zahl der Kandidaten nach— aber im weite» Abstände von der Sozialdeniokratie— folgen die Konservativen, die öl Wahtlrcisc besetzt habe», darunter aber eine ganze Reihe Bündler, Kartellkaiididatcn ec., die wir bei den betr. Lnndeslheilen besonders nennen. Tie freisinnige Bolkepartei schließt sich mit 40 Kandidaten an, darunter inehrere mit der Freisinnigen Vereinigung geineinsain aus- gestellte. Tiefe letztere Partei aeniesit dafür in anderen Kreisen die Unter- sintznng der Frcifli mge» Bollsparlei; sie hat für IS Wahlkreise die Kandidaleu ernannt. 29 Wahlkreise wurden von den Anliseiiiite» verschiedener Ilichtung, 21 voin Zentrum, 19 von den Nationalliberalen und nur 5 von der Reichsparlei besetzt. Endlich sind zu nennen 12 Kandidaten der National-Sozialen, 4 Christlich-Soziale SlSefer'schcr Kvnlenr. 6 Welsen, 3 Polen, 2 Rechisparteiler(Brann- schrveig), 1 Elsnsscr, 2 von der Sndd. Volksparlei und 1 Kandidat der Et saß-Lot Hr. Volkspartci. Letzterer ist der Städtrath Böll- Colmar, der irn Colrnarer Kreise unter der Firma„Slrbeiterkandidat" Arbeiterfang treiben will. Dazir kommt aber noch je eine konservative und antisernitische Doppelkandidalur. I», Kreise Königsberg- Fischhaitfen wird der» bisherigen Vertreter Grafen Tönhoff, der für die Handelsverträge stinunte und dafür vom Kaiser als„echter Edelmann" belobt wurde, von ikonservaliven und Bnndlcr» der Graf Dohna-Wundlaeken entgegengestellt, und im Kreise Neu- stetiin wird von den Antisemiten als Fraktionskandidat Gutsbesitzer Aschendorf präscntirt gegen den bisherige» aus der Fraktion ans, getretenen Professor Förster. Das macht irr Sninnia 430 Kandidaten aller Richtungen. Mehr als die Hälste aller ernannten Kandidaten ensällt also aus die Sozialdemokratie. Nach Landcstheilen geordnet ergiebt sich folgende Aufreihung. In der Provinz Ostpreußen wurde» für smmntliche 17 Kreise sozialdemokratische Kandidaten proklamirl; sozialdemokratisch ver- treten ist gegenwärtig»irr die Stadt Königsberg; der bisherige Ber- treter Rechtsanwalt Hanse- Königsberg kandidirt wieder. In Königsberg— Fischhanse» erhielt unsere Partei bei de» letzten Wahlen 29,6 pCt. aller Stimmen; da die Konservative» im Kreise sich befehden, ist es möglich, daß unser Genosse Schnell Königsberg in die Stichwahl kommt. Außer der genannten Doppel kandidalur habe» die Konservative» noch im Kreise Pr. Hollaud- Mohrnngen de» bisherige» Vertreter Grafen Dohna-Schlodie» ans- gestellt. Für die srcisinnnige Volkspartei kandidirt an stelle des Majoratsbcsitzers v. Reibnitz wahrscheinlich dessen Parteigenosse Gutsbesitzer Vräsiefe-Eszeruppen. Für W e st p r e u ß e n wurden bisher nur zwei Kandidaturen bekannt; es sind dies der Reichsparteiler Holtz, dessen Wahl für Schwetz seinerzeit zweimal als uugiltig erklärt wurde und der endlich dem Polen v. Saß-Jaworski weichen mußte; er ist wieder für den Schwetzer Kreis ausgestellt. Dann kandidirt von den Antisemiten Hans v. Mosch in Schlochan-Flatow. In B e r l i ir kandidirt für unsere Partei im 5. Wahlkreise der bisherige Vertreter, für die anderen Kreise werden die Kandidaten erst aufgestellt werden. Von den gegnerischen Kandidaturen ist noch keine ganz sicher; �wahrscheinlich wird die freisinnige Bolksparle! im 3. Kreise den Stadtrath Wilde-Berlin und im S. Kreise den Rechtsanwalt Cassel ausstellen, während die National-Sozialen im 1. Kreise den Pfarrer Naumau» zu präscntiren gedenken. Die Mark B r a» d e n b u rg umfaßt 20 Wahlkreise; mit Ans- »ahme des Kreises Königsberg i. N. hat unsere Partei überall die Kandidaten ernannt. Niederbarnim» Westhavelland und Teltow- Beeslow sind gegenwärtig sozialdemokratisch vertreten. Sehr günstig für unsere Partei liegen die Stimmverhältnisse in Oberbarnini; dort kandidire» Konservative. Nationalliderale und Bündler den Prof. Pauli-Eberswalde gegen unseren Genossen Bruns; außerdem die Freisinnigen den Volksparleiler Bürgermeister Hopf-Cberswalde Vortrefflich steht's auch mit Polsdam-Osthavelland; dort kandidirt Genosse Schröer-Spandan. Die Konservativen nnd Antisemiten konnte» sich nicht einigen und so ist zu den» freisinnige», national- sozialen nnd konservativen Kandidaten noch ein Antisemit zu er« warten. In de» ausstchtsvollen Kreisen Frankfurt- Lebns. Soran> Forst nnd Kottbus- Spremberg ist überhaupt noct, kein gegnerischer Kandidat, in Zauch- Lnckenivald« ist alS Gegner bisher nur der Konservative Kropalscheck ausgestellt. Zur Geschichte der Chinu-Grpeditiou von 1860. Die englisch-sranzösische China-Expcdilion von 1S60 wurde neulich im„Vorwärts" in ihren allgemein-potitischen Zusammenhängen erörtert. Es mag noch zeitgemäß sein, deren tulturgeschichttiche Seite zu beleuchten. Man wird sich dann nicht imr den Fremdenhaß der Chinesen erklären, sonder» auch den Umstand, daß sie von ihrer jahrtausende alten Kultur ans die kapitalistischen Kulturträger Enrvpa's wie auf rohe Barbaren herabblicken. Der Chef der französischen Expeditionslrnppen, General Cousin de M o n t a n b o», gab am 19. November 1869 de» Truppe» folgenden bramarbasirenden Tagesbefehl mit aus den Weg: „Nuter dem Schirm Napoleons III. nnd Frankreich? seid Ihr berufe», ein« ferne nnd glorreiche Expedition zu unternehmen... Ihr werdet dnrch ein« strenge Disziplin zahlreichen Völker- schaften zeigen, daß Ihr nicht die Barbaren seid, welche sie sich vorstellen... Eure Aufgabe ist groß nnd herrlich zu erfülle»... Eines Tages, in das Vaterland zurückgekehrt, werdet Ihr Euren Mitbürgern sagen können, daß Ihr das nationale Banner nach Ländern getragen habt, wohin das unsterbliche Rom zur Zeit seiner Größe seine Legionen zu führe» nie gedacht hat..." Der General war in der That der geeignetste Mann dazu, den Chinesen die lleberlegenheit der enropäischen Knliur vorzudemon- strircn. In seinen früheren algerische» Feldzügen hatte er nicht nur die übliche üiordendc Schneidigkcil gezeigt, sondern auch auf dem Gebiete der Militärvmvaltung, in den berüchtigte» „arabischen Bnreaux", die geschäflsmäßige Ausplünderung der Ein- geborenen anfs gründlichste gelernt. Kaum waren die verbündeten Truppen ohne Widersland an der Mündung des Pciho gelandet, als die„strenge Disziplin" der„Nicht- Barbaren" in Aktion trat. Das am 2. August 1SL0 friedlich besetzte Städtchen P e t a» g ivurde wie eine erstürmte Festung mit Raub, Vergewaltigung und Mord heimgesucht. Die Chinesen tödteten ihre Frauen oder stürzten sie in die Brunnen, nnr sie vor Bergewaltignng zu retten. Mehrere Frauen entleibte» sich.... Aus der Stadl Thung-Tschao halten sich die Einwohner rechtzeitig geflüchtet. Die einrückenden Truppen plünderten aber nicht nur zur Ver- proviantirnng. Nach dein Zeugniß des nnlitärische» Lobsängers der Expedition, de Mntrscy(Journal 6e la camxaAne äv cdiua), wurde» auch die Pfandleihanstalten geplündert. Der kulturgeschichtliche Gipfelpunkt der Expedition war die Ausplünderung nnd N i e d e r b r e n n n n g des Somnüer- palastes, J u« n- in i u g- y u e n, 10 Kilometer nördlich von Peking gelegen. Die Vandallhaten können nicht einmal durd, ein« etwaige Erbitterung über heftigen Widerstand seitens der Chinesen oder über schwere Verluste gemildert werden. Der ganze Feldzug war so gut wie ein militärischer Spaziergang, genauer eine Abschlachtnng bis Im ganzen steht in dieser Provinz die Sache so, daß neben 13 sozial- demokratischen Kandidaten 11 konservative. 2 von der F>eis. Ver- einigung, 3 von der Freif. Volkspartei, 2 Antisemiten nnd 1 National- Sozialer aufgestellt wurden. In zwei Kreisen stehen sich vier Kandi- daten gegenüber: in Potsdam- Osthavelland je ein Sozialdemokrat, Freis. Volksparleiler, Nnlional-Sozialcr nnd Konservativer; in Anis- walde- Friedeberg je ein Sozialdemokrat,„Liberaler"(Freis. Vg, Banernvereiu Nord Ost), Konservativer nnd Antisemit('Ahlwardt). In vier Kreisen stehen sich je ein sozialdemokratischer, freisinniger nnd konservativer Kandidat gegenüber; in vier Kreisen je ein sozial- demokratischer nnd konservativer, in einem Kreise ei» konservativer und antisemitischer. Neun Kreise endlich sind nur von den Sozial- dcmokraten besetzt. Pommern meist erst für vier Kreise sozialdemokratische Kandidaten auf; es sind dies Ueckermünde-Wollin. Randow- Greifen- Hagen(nnssichtsvoll), Stettin(sozialdein. vertreten) nnd Rügen- Stralsund. 10 Kreise hat unsere Partei also noch zu besetze». Inder Noniinirnng der Kandidaten giebt sich Pommern schon als bisherige konservative Domäne kund; nur die Kreise lleckermünde-Wollin, Randow-Grcifenhagen nnd Stettin hat diese Partei noch nicht besetzt. Di« Freisinnige Vereinigung hat S Kreise, die Freisinnige Volkspartei dreiKreisc besetzt.dieAutisemiten zwei(in Nensteltin Doppel- kandidalur). Die Freisinnigen bieten hier ein trauriges Bild dar. In Stellin stimmen z. B. die Volksparleiler für Gaulke-Berlin von der Ver- einigung, desgleichen in Nangard-Regenwalde für de» Brauerei- Direktor Goldschmidt-Bcrlin. Dafür treten in Grimmen-Greifsivald die Freisinnige Vereinigung und die Nationnlliberaleu für den Stadt- ralh Dr. Dohr» in Steltin ein. Vier Kandidaten(zu denen noch zum ersten Male der Sozialdemokrat kommen dürste) stehen sich im Kreise Nenstetlin gegenüber: ei» Konservativer, einer von der Frei- sinnigen Vereinigung und zwei Antisemiten. Drei Kandidaten habe» Belgard-Dramburg, Rügen-Stralsund, Bütow-Schlawe. Sechs Kreise haben zwei, vier einen Kandidaten. I» der Provinz Posen wurden bisher nur in Goflyn-Rabitsch und Bromberg der Sozialdemokrat, in letzterem Kreise außerdem der bisherige Vertreter von Czarlineki von den Polen nominirt. Dessen Gegenkandidat ist Genosse Janiszewski. Schlesien bat von allen 36 Kreisen nur zwei nicht sozial- demokratisch besetzt; es sind dies Lömenberg und Rothenburg- Hoyerswerda. Vier Kreise sind bisher durch Sozialdemo- kraten im Reichstage vertreten. Die Konservativen streiten sich im Kreise Miliisch-Trebnitz noch nm den Kandidaten; angeblich soll Fürst Hatzfeld aufgestellt werden. I» Breslan-Neumarkt kandidirt Gras Limburg-Stirum wieder, der sich kaum gegen unseren Genossen Schutz bchauplcn wird. Die Bündlerkaudidatnr v. Föister-Mittlau im K>eis« Lüben-Bunzlau wird jedenfalls von de» Konservativen »nlersttttzt werden. Weiter sind die Konservativen mit ihren Wahl- Vorbereitungen nicht gediehen. Die ganze Vorbereitung der National- liberalen bestehen darin, daß sie den lächerlichen Versuch unternehmen wollen, das bisher in Breslau bestehende Kartell mit den Konser- vativen fallen zu lassen, um durch Zusammenschluß aller Ordnungs- clemente den Sozialdemokraten die Mandate z» entreißen! Die frei- sinnige Volksparlei stellte in acht Kreisen, die Vereinigung in drei Kreisen einen Kandidaten auf; desgleichen die Antisemiten im Kreise Wartenberg-Oels und die Polen in den obcrschlesischen Kreisen Beulhen und Neustadt. Interessant ist, daß das Zentrum im Kreise Neustadt den Polen Strzoda bekämpft. Sonst hat das Zentrum öffentlich noch»ichis verlauten lassen. Bisher habe» im ganzen drei Kreise je drei Kandidaten. 11 je zwei, IS je einen und zwei sind noch ganz frei. Von den 20 Kreisen der Provinz Sachsen sind mit sozial- demokratischen Kandidaten noch zu besetzen die Kreise Salzwedel- Gardelegen, Osterburg- Stendal»nd Wolmirstedt- Neuhaldcnsleben. Die Konservativen nominirlen Kandidaten für Osterburg- Stendal, Mühlkausen-Langensalza und Eifuri-Schleusinge»; für Wolmirstedt- Nenhaldenslebe» ist ber in Aussicht geuommene Kandidat noch»n- schlüssig. Dann kandidirt Herberl Bismarck wieber für die Reichs- Partei in Jerichow und für dieselbe Partei der bisherige Vertreter Klemm im Kreise Mtthlhause». Die Nalionalliberalen nominirlen fünf Kandidaten; deren Abhängigkeit vom Bund der Laudmirthe irilt besonders kraß in Erscheinung im Kreise Wanzlebe». wo der bisherige Vertreter Rittergutsbesitzer v. Benda direkt als Bündler- kandidat präsentirt wird. In Jerichow. Magdeburg, Sangerhausen und Mühlhauscn hat die freisinnige Volkspartci Kandidaten ernannt Das Zentrum bat Zählkandidaluren ausgestellt iu Magdeburg und Mühthausen; während im ersteren Kreise Lieber kandidirt, wird der Name des anderen Kandidaten noch geheim gehalten. In Magde- bürg präsentiren die Antisemiten den Dr. Lmdslröm, in Nordhausen Liebermann v. Sonnenberg. Schließlich ist der Nattonalsoziate Pastor Kötzschke für Sangerhnusen zu nennen. Fünf Kandidaten weisen schon jetzt auf die Kreise Magdeburg nnd Müblhausen. I» Magdeburg zur Wehrtosigkeit unbeholfener Gegner. An Zahl den englisch- srmizösischen Truppe» mehrfach überlegen, war das chinesische Heer neben altfränkischen Luntengewehre» mit Bogen ausgerüstet und mit veralteten Kanonen, darunter auch Holzkanonen, die es nicht zu de- dienen verstand. General Cousin de Moutaubou prahlt in seinen pomphaften„Sieges"- Berichten über die Kämpfe um Peiho von genommenen fünf Forts, zwei befestigte» Lagern, 318 Kanonen, 2—3000 getödteten Feinde» und 4000 Gefangenen. Aber um welchen Preis wurde» diese großartigen Siege errungen? Bios 40 Mann sielen iu jenen Kämpfe» aus seile» der Sieger. Aehnlich war es in der„großen" Schlacht bei Patikao, welche dem sranzösischeu General den Titel„Graf von Palikao'«inbrachte. Da fochten 6000 Verbündete gegen 66 000 Chinesen. Die Sieger verloren aber 6 Todte und 34 Verwundete gegen 2000 Tobte und Verwundete aus chinesischer Seite. Die„Einnahme" des SommerpalasteS am 7. Oktober, ging noch gemiithticher vor sich. Die chinesischen Truppen, die sich dorthin vor den auf Peking marschirendc» Verbündeten zurückgezogen, hatten de» Palast wieder vollständig geräumt. Die zuerst angekomnienen zwei Konipagnie» französischer Marine-Jusanterie fanden im Palast u»r noch ein Dutzend mit Bogen«nd Lunlengewehren bewaffnete Wächter, die aber sofort flüchtete» Der Sommerpalast, ein Meisterwerk der chinesischen Architektur, wird von allen Augenzeugen als ein verkörpertes„Märchen aus Tausend und Einer Nacht" geschildert. Kliiistmuseum, Bibliothek, Schatzkammer, Tempel nnd Garderobe der chinesischen Kaiser, beherbergte er die vollkommensten Erzeugnisse, die vollständigsten Dokumente der uralten chinesischen Kultur in alle» ihren Formen und zugleich fabelhafte Schätze an Edel- metallen und Edelsteine». Beim Anblick alles dessen war das erst« Gefühl, das sich in de» europäischen Kulturträgern regte, die un- gezügelte Raubgier. General de Montauba» ging mit gutem Beispiel voran. Noch vor der Ankunft des englische» Generals Graut gestattete er zunächst seinem Gcneralstabe und sich selber einen beliebigen Gegenstand„zum Andenken" auszuwählen. Das war der erste Bissen, der den Appetit reizte. Die draußen gebliebenen Offiziere und Mannschaften drängte» immer stürmischer heran. Und die Wache am Eingang des Palastes war kein sicherer Schutz mehr.„Die Versuchung", schreibt P a n l V a r i n (Expedition de Chine),„hatte die wachthabenden Offiziere und Mannschaften ergriffen." Nu» begann, ungeachtet der von Montanban sich und seinen Begleitern auferlegten Ehrenpflicht, die Ankunft des englischen Generals abzuwarten, die planmäßige Aus- raubung. welche nachher von Spöttern der„Umzug aus dem Sommer- palaste" genannt wurde. Der„Umzug" dauerte von früh morgenS bis 2 Uhr nachmittags, bis zur Ankunft des Generals Grant. Dann wurde eine gemischte Konnnission aus drei Offizieren jeder Armee ernannt, mit der hehren Ausgabe, die Gegenstände auszu- wählen, welche Ihren Majestäten Napoleon III. und der Königin Victoria verehrt werden sollten. Und die Mon- archen haben es in der That nicht verschmäht, von der Beraubung sind's dieselben Parteien wie bei der vorigen Wahl, nnd der Aus- gaug wird derselbe; oder vielleicht wird unser Genosse Psannkuch noch im ersten Wahlgang gewählt. In Mülhausen tritt neu hinzu die konservntive Partei, die den ehemaligen Landwirthschaftsminister Lucius gegen den Rcichsparleiler Klemm, der jetzt den Kreis vertritt, ausspielt. Diese Rivalität kann nur unserer Partei zu gute kommen, die 1890 mit dem Reichsparteiler in die Stichwahl kam. Je ein Volksparleiler und Nalioualsozialer bezw. Reichsparteiler(Kötzschke und Bismarck) stehen unsere» Kandidaten in Sangerhausen und Jerichow gegenüber. Zwei Kandidaten sind in fünf Kreisen, je einer in zehn Kreisen ausgesteltt; ein Kreis(Salzwedel-Gardelegen) ist noch ganz frei. In S ch 1 e s w i g- H o l st e i n nominirte unsere Partei Kandt- baten für den 5., 7, 8, 9. und 10. Kreis; fünf Kreise sind noch zu besetzen. Von den gegnerische» Parteien sind besonders dieFreisiuuigeu zu nennen, die nach langem Hader dahin einig wurden, daß die Volkspartei für den 4. und 6., die Vereinigung sür den 3., 7. und 9. Kreis den Kandidaten ernannte Uebrigens ist der ganze Schacher sür die Katz, denn in diesen fünf Kreisen ist nur in Schleswig, bisher von Lorentzen vertreten. welcher der Freisinnigen Vereinigung angehört. Aussicht auf eine Wahl vorhanden. Um den 5. Kreis(Dithmarschen) geht der Kuhhandel»och herüber nnd hinüber; der bisherige freisinnige Vertreter lehnt die Wiederwahl ab. Uebrigens bieten National- liberale, stteichsparteiler, Konservative und Büudler in dicsemIKreise ein noch widerwärtigeres Bild; sie kandidiren genieinsam de» „Ordunngsvertreier" Kahlke i» Heide. Sonst haben die Konservativen noch mit dem Bunde zusammen in Lauenburg den Grasen Bernstorff wieder aufgestellt. Im Kreise Kiel-Rendsburg tritt den Konservativen ein agrarischer Antisemit entgegen. Die Antisemiten haben aussichtS- lose Kandidaturen auch im 6. und 6. Kreise proklamirt. Bon der Reichspartei wird nur Graf Mottle für Ottensen-Piuneberg genannt, der Herr bezeugt aber keine große Lust nach den sauren Trauben. Endlich ist im 9. und II. Kreis von den Nationalsozialcu Damaschke aufgestellt worden. Fünf Kandidaten weist Kiel-Rendsburg auf. drei der 6.. 6. und 9. Kreis, zwei der 4. und 10.. einen der 3. und 8. Kreis. Zwei Kreise sind noch frei. Bon den 19 Kreisen in Hannover sind erst für 7 die sozial« deniokratischen Kandidaten genannt worden und zwar für den 4., 6., 9., 16.. 17.. 18. nnd 19. Kreis. Im 16.. 17.. 18. und 19. KreiS hat der Bund der Landwirthe Kandidaten aufgestellt; auch für den 6., 6., 7. und 14. Kreis liegen dahingehende Beschlüsse vor. Die Natioualliberalen, Reichsparteiler und Konservativen werden den Bündlern Heeresfolge leisten miissen. Die Nationalliberalen haben drei, die freisinnige Volkspartei einen, die Antisemiten zwei, die Welsen endlich sechs Kandidaten ernannt. Während im 17. und 13. Wahlkreise bereits je vier Kandidaten nominirt wurden, geschah dies im 4. und 19. mit je dreien, im 6. und 16. mit je zweien; sechs Kreise haben je eine» Kandidaten und sieben sind noch ganz frei. W e st s a l- n zählt 17 Kreise; für folgende sechs hat erst unsere Partei die Kandidaten publizirt: Bielefeld, Altena-Jserlohn, Hagen, Bochum, Dortmund und Hamm-Soest. Die Gegner haben bisher nur aufgestellt: Slöckcr in Siegen, das Zentrum Fuchs-Köln in Bochum und Slötzel-Essen in Hagen. Außerdem kandidiren in Hagen von der Freisinnigen Volkspartei Eugen Richter, der national- liberale Dr. Beniner und Ahlwardt. Mit unserem Genossen Timm stehen sich also fünf Kandidaten gegenüber. In H e s s e n- N a s s a u hat untere Partei sämmtliche Kreise besetzt. In Goarshausen-Nassau haben die Konservativen noch die Qual wegen zwei Bewerbern; in Dillenburg-Herborn ist v. Oertzen von den Christlich-Sozialen aufgestellt. Die Freisinnige Vvlkspartei präsentirt i» Eschwege-Schmalkalden den R.-A Helff- Franksurt; das Zentrum hat 14(meist Zähl-) Kandidaturen proklamirt. Bleiben drei Antisemiten, von denen Jekraut im Eschweger Kreis »nr unter Protest wieder aufgestellt wurde. Au Böckel's Stelle in Marburg ist der Landwirth Wiegand getreten. Endlich sind noch die aussichtslosen Kandidaturen der Nationalsozialen in Frankfurt u. M. (Pfarrer Naumann) und Marburg(v. Gerlach) zu nennen. Die große 36 Wahlkreise umfassende Rheinproviuz ist mit den Kandidaten noch sehr im Rückstände; für 24Kleise ist überhaupt »och kein Kandidat genannt worden. Unsere Parttigenossen haben in folgenden neun Kreisen Kandidaten nominirt: Wetzlar, Mayen, Solingen. Köln- Siadt, Köln- Land. Bergheim- Euskirchen, Bonn, Mühlheim»nd Aachen- Siadt. Dazu kommen in Duisburg eine nntioualliberale, in Nenß eine Zentrnmskandidatur und wahrscheinlich iu Muhlheim jene des Antisciuiten Raab, der die Unterstützung der Christlich-Soziale» erhalten würde. Ein Christlich-Sozialer kandidirt in Wetzlar und in Saarbrücken der Nalional-Soziale Landgerichts- rath Kulemann-Brauuschweig. Für de» preußische» Regierungsbezirt Eigmaringen ist noch keine Kandidatur aufgestellt.(Schluß folgt.) ihres chinesischen Kollege» zu profiiircn. Napoleon III. war freilich von jeher mit derariigen Erwerbsquellen vertraut. Ihm wurde uuter anderem eine kostbare Rüstung angeboten, deren Kopsbedeckung an der Spitze eine tanbeneigroße Perle reinsten Wassers trug. Die Perle ist aber natürlich uuterivegs„verloren" gegange». Die fran- zöfische Kaiserin durfte sich u. a. mit eiuem erbeuteten prachtvollen Halsband schmücken.... Was nach diese» Hukdignngsgeschenken und dem„Umzug" an Werthsachen übrig blieb, wurde verkaust und der Erlös untcr sämmtliche Soldaten verlheilt. Nach der offizielle» Buchführung des RaubgelchästeS entfielen dabei auf jeden französischen Soldaten zirka 80 FrankS. Monianban schreibt in seinem offiziellen Bericht an den K r i e g s m i n i st e r mit dem Zynismus eines Räuberhaupt« man»?:„Es wäre unmöglich gewesen, daran zu denken, alles ivaS s i ch da vorfand mitzunehinen. da unsere Transportmittel sehr beschränkt waren..." Was nun die Soldateska nicht mitnehmen konnte, wurde zerbrochen, zerrissen, verrnnjenirt. Die feinsten Seidengewebe dienten als Verpackungsstoff. Man warf selbst Silber- darre» weg, infolge des schweren Gewichts.„Mancher Soldat". schreibt Varin,„gab einen Silberbarren von 600 Fr. um eine Flasche Schnaps oder Absinth." Die Soldaten zogen aus dem Palast ab, die Kepis mit werthvollen Seidengeweben umwickelt, jeder einen mit seinem Beute- Anlhcil belastete» Chinesen hinter sich buchstäblich schleppend, da dieser beim Zopfe an den Tornister angebunden war.... Der englische Gesandte Lord E 1 p i n vervollständigte die That des Generals de Montanban. Er ließ— unter dem Vorivaud der Rache für die Folterung von gefangen genomnienen Parlamentirern, in Wirklichkeit aber zur Einschüchterung der chinesischen Regierung— de» Eonnnerpalast in Brand stecken. Nebst allem andere» gingen in Flammen auf die Bibliothek, eine Sammlung der Werke von mehr als vierzig Generationen, nnd die Palastpagodcn(Tempel), die zwei- oder dreimal so alt waren als die ältesten Denkmäler Europa's. In Frankreich, wo man von vornherein die Expedition als ein Ablenkungsmiltel von den innerpolitischeii Schwierigkeiten und ein an sich nutzloses Unternehme» vernrtheilte, erblühte dem Helden des Somnierpalastes nur der Dank Napoleon's, nicht aber der Dank der Nation. Nach dessen Ernennung zum Grasen von Palikao und zum Senator wollte ihm Napoleon noch auf Koste» der Steuerzahler eine ewige auf den Erstgeborenen vererbliche Pension von 60 000 Fr. stiften. Doch selbst der servile gesetzgebende Körper(Abgeordneten- kanimer) von 1862 wählte einen der bezüglichen Vorlage feindlichen Berathungsausschuß. Es half dem freigebige» Kaiser auch nichts. daß er in einem öffentlichen Handschreiben an de» Grafen von Pali- kao über die Abgeordneten also schimpfte:„Nur entartete Nationen feilschen um die öffentliche Anerkennung". Der Ausschuß beant- wortete die Beleidigung mit der Ablehnung der Vorlage, worauf diese von der Regierung zurückgezogen wurde. Die AlkkicnsrscllfilHclftctt Vevltns. ii. (Siehe Nr. 1 des„Vorwärts".) Für den gewerkschaftlichen Kampf ist eine genaue Kenntniß der wirlhschaftlicheii Verhällnisse des Gegners von hohem Werthe. Auf ihr filjzend schätzen wir seine Leistungsfähigkeit; wir wisse», welche Forderungen wir ihm gegenüber ausstellen können. Die Orien- tirung über den Gegner ist daher geradezu die erste Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf. Und diese Oricntirnng darf nicht an der Wahrnehmung von Einzelerscheinungen hängen bleibe», sie muß tiefer gehen und allgemein und fortlaufend die Leislungs- fähigkcit der industriellen Unternehmungen gegenüber den An- sorderungen der Arbeiter nach höherem Lohne und besseren Arbeits- bcdingungen prüfen. Zur Orientierung darüber bieten die Abschlüsse der Aktiengesellschaften treffliches Material. Zeigen sie zunächst auch nur, was der entwickellste Großbetrieb seinen Arbeitern gegen- über zu leisten vermag, und lassen sie den Einspruch zu, daß mittlere und kleine Betriebe die Erfüllung solcher Ansprüche ausschließen, so geben sie mit dieser Erkenntniß uns eine Waffe in die Hand, die im Kampfe um die Besserung der Lage der Arbeiter trefflich veriverlhet werden kann. Können kleine und mittlere Betrieb« de» sozialpolitischen Anforderungen der Arbeiter nicht nachkommen, so haben sie eben keine Existenzberechtigung in unserer Zeit und wir machen gar kein Hehl daraus, daß wir die vernichtende Konkurrenz der großen Betriebe hier nicht lebhast genug wünschen können. Nun haben aber gerade die Arbeiter eine» sehr wirksamen Ansporn auf diese Konkurrenz durch eine geschickte und zur richtigen Zeit an- gewandte Ausnutzung ihrer wirthschafilichen Macht. Sie wirken durch«ine Lohnbewegung nicht nur für das Wachsthum der Löhne, sondern auch für das Fortschreiten der Industrie, für eine Steigerung der Produktivität. Lohn- Bewegungen haben, allgemein betrachtet, nicht etwa die Wirkung, die Industrie zu schädigen, sondern sie vielmehr zu förder». Was am Lohnskonto mehr ausgegeben werden muß, läßt sich auf verschiedene Weise oder durch Kombination einer ganzen Reihe von Ausgleichungsmethoden hereinholen. Dahin gehören Ver- g'ößerung des Absatzes durch Ausdehnung der Produktion, Ein- führung verbesserter Maschinerie», Ausnützung billigen Kredites. Be- fchaffung billigen Kapitals. Wenn in de» Aktiengesellschaften irgend eines Industriezweiges die Rentabilität eine gute ist. die Kurse an der Börse über pari gehandelt werden, so ist das in der Regel ein Anzeichen für den Arbeiter, daß hier nnter Berücksichtigung natürlich der übrige» Umstände eine Lohnbewegung mit begründeter Aussicht auf wirlhschaftlichen Erfolg einzusetzen Hütte. Aus einer Aufstellung der RentabUität der Aktiengesellschaften Berlins in den Jahren 1885 und 1886 ersehen wir auf den ersten Blick die Steigerung des Gewinn- ertrages innerhalb des einen Jahres. Ob die Arbeiter an diesem Aufschwung, wie eS ihnen zukommt, theilgenommen haben, ist schiver genau zu ermitteln, es dürft« aber nach allen, nicht der Fall sein. Vielleicht zeigt gerade eine zusammenfassende Aufstellung den Arbeitern alle die Industriezweige, bei denen das Kapital viel üppiger gedeiht als eS nach dem landesüblichen Zinsfuß, geschweige denn nach dem Zinsfuße entivickelterer Länder wie England gedeihen dürfte. Selbst tvenn man zu diesem Zinsfuße noch die Risikoprämie reichlich be- niessen sollte, so rentirt das in industriellen und Handels-Unter- nehmungen steckende Kapital doch immer noch übermäßig hoch. Zu der nun folgenden Tabelle. aus der diese Thalsach« zu er- sehe» ist, bemerken wir des Verständnisses halber, daß für sämmt- liche Gesellschaften weder für 189S noch für 1896 die Ergebnisse überall vorliegen. Ganz besonders für 1896 war Vollständigkeit um deswillen nicht zu erlangen, weil die Abschlüsse für dieses Jahr. soweit die Gesellschaften ihr Rechnungsjahr von Mitte oder Herbst des eine» Jahres bis Mitte und Herbst des uächstei, Jahres führen, noch nicht alle vorliegen. Denn schließt das Geschäftsjahr 1896/97 Mitte des Jahres 1697, so wird es doch Herbst, ja Winter, bis die Ergebnisse veröffentlicht werden. Aus diese» Gründen konnten ,vir nur immer für einen Theil der Gesellschaften. der innuerhin die Majorität der Gesellschaften umsaßt, die Rentabilität feststellen. Die Rentabilität der Berliner Aktiengesellschaften. 1695 1396 Es ergiebt sich, daß die durchschnittliche Verzinsung deS Ge> sammt-Aktienkapitals beinahe der V-rziusung des Bankkapitnls ent- spricht und daß die Rentabilität und der Geschäftsgang der Banken ein Barometer für die Gesnmmtlage des wirlhschaftlichen Lebens ab- geben können. Ueber dem Durchschnitt stehen 189»: die Brauereien, die chemische Industrie und die VersicherungSgesellschaflen; im Jahre 1896: Metallverarbeitung und Maschinenbau, die chemische In- dustrie, Nahrungsmittel-Industrie mit Ausnahme der Branereie». die Transport- und VersicheruugS- Gesellschaften. Das meiste Juteresse dürste bei dem Vorherrschen der Metall« und Maschinenindustrie in Berlin die Rentabilität dieseS In- duftriezweiges beanspruchen und darum wolle» wir zur eingehenderen Besprechung sie hier noch herausgreife». Durch den Aufschwung der elektrischen Industrie ist das Kapital diesem ProduktionSgebiete in den letzte» zehn Jahren in seltener Fülle zu- gefloffe». Das Eingreifen der Großbanken in diesen Prozeß hat eine Reihe Unternehmuuge» geschaffen, wie sie in so kurzer Zeit vom Privqtkapital überhaupt nie hätten geschaffen werden können. Bei 1ö7>/, Millionen Kapital in der gesanunten Metall- und Maschineniildustrie enifnlleu rund 97 Millionen auf die elektrischen Unternehmungen, von denen die älteste erst 1883 gegründet wurde. Und dabei sind in den einzelnen Unternehuiunge» Kapitalien von enormer Höhe angehäuft, wie sie vorher für industrielle Unter- nehmungeu sonst selten üblich waren. Die Zahl der größte» unter diesen lv Gesellschaften sind: Die Allgemeine Elcktrizitätsgefellschaft mit 23 Millionen Kapital Die internationale Druckluft nnd Elek- trizilätsgesellschnst„21.„ Tie Berliner Elcktriziiäiswerke. 12,6 Die Gesellschaft für elektrische Unter» nehinnnge»„ 18,75„„ Die EleklrizitälsiieferiingSgesellschast„ S„„ Die Akkninnlatorenfabrik, 91. G.„ 4,3„„ Berlin ist die Zentrale der elektrischen Industrie in Deutschland, da zu den Slktiengesellschasten noch eine kleine Zahl großer privater Unternehmungen hinzukomineii, zu denen wir auch die Firma Siemens n. Halske rechnen, die bis jetzt noch nicht als eine ngent- liche Aklieugesellichaft angesehen werden kann. Neben Berlin dürfte höchstens noch Nürnberg in relative Konkurrenz trete», obwohl das Betriebskapital der dortigen Unternehmungen lange nicht an Berlin heranreicht. Wie üppig diese Industrie storirt, gehl daraus hervor, daß allein zehn Gesellschaften, die im Jahre 13SS bei etwa 65 Millionen Mark Aktienkapital 5»/» Millionen Mark Dividende vertheilten, 1896 7,25 Millionen Mark auszuzahlen in der Lage waren und überdies recht ansehnliche Rücklagen machlen. Das Kapital verzinste sich also reichlich zu 1t pCi. Wenn man nun annimmt, daß eine Verzinsung zu 7 bis 8 pCi. für industrielle Werthe schon«ine ziemlich hohe ist, so würde es bei Berücksichligung einer solchen Dividende leicht möglich sei», etwa 2 Millionen Mark für Erhöhung der Arbeitslöhne flüssig zu machen, ohne daß dabei die Aktionäre irgend welchen Schade» von ihrem Slandpunkte aus zu leiden hätten. Das gleiche gilt von den größten Etablissements der Maschineiiban-Jndil'strie. Wohl ist hier«in großer Prozentsatz mittlerer und kleiner Betriebe vorhanden, deren Geschäftsergebnisse recht bescheiden, nicht selten sogar mit direklem Verluste abschließen, »m so erfolgreicher jedoch nutzen die großen Akliengesellschasten die Konjnnkiur ans. Die beiden größten unter ihnen zahlten in den letzten Perioden nie unter zehn Prozent Dividende, wohl aber recht erheblich da' über. Da ist zunächst die 9Ikliengesell- schaft Ludwig Löwe U. Co. mit 7>/s Millionen Mark, die Maschinenbau- Akliengesellschaft vormals L. Schwartzkopff mit T/i Millionen Mark Anlagekapital. Das wirkliche Betriebskapital beträgt bei der ersten Unternehmung an 21 Millionen Mark, bei der zweiten etwa 9 Millionen. Beide Unternehmen verlheilen aber geradezu unverschämt Hobe Dividenden. I» de» Jabren 1836/87 bis 1895/96 verlheilte z. B. Schwartzkopff der Reihe nach 33� sö, l&l*, 14, 16, 18, 18, 15, 121/8, 13V3, da« ist zusammen i» 10 Jahre» 187.66 pCt. Während gewöhnliches Zinskapilal nur etwa 40-50 pCt. in zehn Jahren bringt, industrielles Kapital wit 70—80 pCt. schon über- mäßig hoch verzinst ist, hat diese Gesellschaft ihr Kapital mit nichl iveniger als mit einem zivci- bis dreifach höheren Betragt oder mit I3i/z Millionen Mark verzinst. Die Aktien sind also innerhalb der kurzen Zeit von zehn Jahren in der Dividende zweimal an die Aklieninhaber zurückgezahlt worden. Hier ist ganz klar ersichtlich, wie leicht den Arbeitern jährlich gut 600 000 M. mehr an Lohn hätte zugelegt werden können. Aehnlich ist es bei der Firma Löwe, die seit 1886 bis 1396, also i» elf Jahren zusammen 191 pCt. oder annähernd 14V, Millionen Mark an Dividenden veriheill hat. Wenn wir schon dem Unternehmergewinn deS Fabri- kanten, der mit eigenem Kapital prodnzirt, skeptisch gegenüber- stehen, wie ganz und gar unberechtigl erst ist die an Wncherzinsen erinnernde Höhe der Dividenden, die schließlich in den meiste» Fälle» noch nicht einmal den augenblicklichen Aktienbesitzern den anscheinende» Gewinn bringe», da solch hoch verzinsliche Jndnstriepapiere ganz exorbitanten Kurssteigerungen unterliegen. So kostete eine 9lklie der Löwe'schen Gesellschaft a» der Berliner Börse z. B. Ende 1895 statt 1000 M., ans die sie lautet, nicht weniger als 3290 M. Die Höhe der Dividende wird durch die Verlheuerung des Papiers um mehr alS das dreifache reduzirt. Wir habe» diese Beispiele herausgegriffen,»in dem Arbeiter zu zeigen, in ivelchein Grade unler den überlriebenen Dividenden das Lohnskonto höchst überflüsstgerweise verkürzt oder nicht erhöbt ivird. 9I»s dieser Rundschau über die Aktiengesellschaften Berlins dürfte sich manche Lehre für die Arbeiterbewegnug ergeben. Nicht nur gestattet die Bslrachluug der Aktiengesellschaste» ein Urtheil über die sozialpolilische Lcistnngssähigkeit des einzelnen Betriebes, sondern auch allgemein der verschiedenen Industriezweige, wie der örtliche» Produktion überhaupt. Da bis jetzi ähnliche Unlersnchnngen für andere Produktiouszenireu noch schlen, so sind eiugeheude Ver- gleiche mit anderen Gebielc» noch»»möglich. Aber sobald diese vorliege», wird der stetige Blick aus die Aktiengesellschaften noch viel höhere» Werth gewinnen, als es jetzt schon der Fall ist. Vevsattrittluttlgen. Die Arbcitcr-BildnngSschnle hielt am 5. Januar in Staber- nack's Lokal, Jnselstr. 10, eine Gencralverfamniliing ab, um de» Geschäftsbericht über den ersten Lehrknrsns nnter der neuen Oraani- sationssornr eiilgege» zu nehmen. Der I. Vorsitzende Mücke führte aus, daß noch niemals, so lange die Schule besiehe, in bezug auf die Beihciligung an den Unterrichlsabende». wie auch in stnauzicller Hinsicht, ein so günstiges Resultat erzielt worden sei, als durch die gegemvärlige Form. Zum ersten Mal sei die Betheiligung an de» Lehrlursen so stark, daß allein durch das Schulgeld nnd die Mit- gliedsbeiträge noch ein Ueberschuß aufzuiveise» ist. Der Verein zählte im lehle» Vierteljahr 314 Mitglieder. Iii allen drei Lehrkurscn waren 263 Ilnterrichlskarien ausgegeben und zivar 231 an Herren und 31 a» Dame». Davon enlfiele» auf Nationalökononiie 106 Theilnehmer mit einer durchschnitiliche» Besuchs, ahl von 72; auf Geschichte 67 Theilnehmer mit durchschnittlichem Besuch von 47 und a»f Gesetzeslunde 90 mit durchschnittlichem Besuch von 62. Hierauf gab Königs den Kassenbericht. Der Bestand betrug am I. Okiober 1897 404,16 M.; die Gesan»niei»»ah»ie Oktober bis Dezember 766,75 M.; znsamme» 1170,91 M. Die Gesammtansgabe Oktober— Dezember betrug 859,50 M., so daß am l. Januar 1893 ein Kassenbesland von 311,41 M. verbleibt. Den Bericht über die Bibliothek gab Qnarg. Danach enthält dieselbe 741 Bücher, davon sind 231 im letzten Vierteljahr ausgeliehen worden. Nach diesem Bericht wurde zunächst ans Antrag der Revisoren dem Knsstrer Dccharge ertheill und der Gen. Riedel zum zweiten Kasstrer ge- wählt. Das Schuldgeld für jedes Unterrichtsfach pro Kursus wurde wiederum ans 1 M. bestimmt. Ein ans der Mitte der Versnmm- lung gestellter Antrag, de» erste» Vorsitzende» vierteljährlich mit 25 M. zu besolde», wurde ebenfalls nach längerer Debatte an- genommen. Zum Schluß machte der erste Vorsitzende noch auf de» Beginn der neue» Lehrknrse aufmerksam; die Miiglieder bittend, recht rege für den Besuch derselben zu agitiren. Der Unterricht in Rede-Uebunge» beginnt am Montag, den 10. Januar; in National- ökonomie Mittwoch, de» 12. Januar; in Geschichte Freitag, de» 14. Januar. Als Lehrer sind die Herren Dr. K 0 n r a d Schmidt, Schriftsteller Richard C a l w e r nnd Dr. A. B e r t h 0 l d thätig. Ter Arbeitcrvcrtreter-Verein nahm in seiner Sitzung am Dienstag, den 4. d. M., den Bericht über amtliche Nachrichten (Rekurscntscheidnnge») entgegen. Es wurden verschiedene Urtheile bekannt gegeben, welche in Gruppen geiheilt waren. Die erste handelt davon, ob Betriebsunfall anerkannt oder nicht, die zweile, welche Bmifsaenoffcnschaft entschädigungspflichtig sei, die dritte be- iraf die Verjährungsfrist. Die Versninmelten folgten mit großem Jnleresse der Verlesung. Eine rege Diskussion zeugte davon, daß es von großem Werth ist, derartige Tagesordnung öfters abzuhalte». ierauf wurden zwei Obergutachte», welche sehr wichtig für die chiodSgerichtS'Beisitzcr tsiud, verlesen. Zum Schluß wurde dem Vorstand anheim gegeben, sobald wie möglich eine» Besuch einer Heilanstalt zu veranlassen. Der Zcntralverband der Konditoren hielt am 6. Januar seine Generalversammlung ab, in der nach einem kurzen Vorstands- bericht der Kassenbericht gegebe» wurde; der Bestand betrug am Schluß des November 83,53 M. am Schluß des Dezember 91.48 M., und wurde auf Antrag der Revisoren der Kasstrer entlastet. Die nun folgende Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: I. Vorsitzender Pigusch, II. Vorsitzender Rünger, Kasstrer En ke, Schrift- fiihrer Jobst, Revisoren: Weiß enstein und Hasenkamp, Bibliothekare: Ti et s ch und S ch m i d t, Stellenvermlttler Weißen« stein, Zeilungsspediteur Kabitsch.— Nach Erledigung von Vereinsangelegcnheiten wurde nocb die nächste Milglieder-Versamm- lung auf Donnerstag den 20. Januar festgesetzt. A» Zns-Mr. 10, d. 3 Tr. Unterrtch ti lursei in Nede-Uebung Nt-d-r den Aufbau der Rede, Besprechung voUswirthschaft- Itcher und anderer Trundfrage») Montags, Dr.£ 0» r a d Schmidt; in Nallonalöronomte(Tie ivirthlchaslliche Sulwickelung: Tloßbctrteb und Handwerk; Kartellwesen. Arbeitsmarkt und Arbeitsnachweis; die Aufgaben der(Sewerkschaste») Mittwochs, Schrtsti'eller Richard C a I w e r; in Geschichte(Hellas»nd Rom) FreUagS, Tr. A. Berthold.-- Die Bibliothek ist an diesen Abenden vo»«—9 Uhr geöffnet.- Mitgliedsbeitrag monatlich US Pf.. Kursus<10 Abende) l M. pro Fach. Theilnehmer werden auf- genomnien in der Schule und in folgenden Stelle»: Gottfr. Schulz, Admirai- ftraße roa: Renl, Barnimflr.<9; Schiller, Rofenlhalerür. 67! Aleinert, Müller- stiabe?», u. in den Sonntags. Berfainmiungen. Vorsitzender: Paul Mücke jr., SO. Manteufselslr. 128; Kasstrer: H. Königs. S. Di-ff-ubachstr. 30. K»»d dcr grfrllig»» Ardcitero-r«!»«»>>d drr Zlmgcg-nd. Bor» sitzender P.>»d Srr Zlmgegend. Aenderungen im VereinSkalender sind zu richten an Hermann Braunfchwiig, Dresdener- strahs 80, s. Hof. Zirb»it»r.Kii»g,rd»nd Berlin« und Ningegend. Borsitzender Ad. Reumann, Brunnensir. iso. Alle Aenderung«» im BereittSkalender find zu richien an Friedrich Kortnnt, Manteiiffeliir 60, o. 3 Tr. Kamnriter.Knrfu« fiir Arbeitrr und Arbiltedinnen. Montag, den 10. Zanuar, abends 8x Uhr, im Lokale diS Herrn Reumann, Brunncnstraße 160: Bortrag deS Herrn Dr. ii o l w i tz über„Bergiftungen", Nachdem praltische Uebungen. Deutsch» veseUfchaft für ethische Kultur. Montag, den lo. Januar, abends s>/« Uhr, Ziegelstr. lo/il. Soziale Sntppe. Bortrag: E. H e n l e. Die Ursache der Berrohung eines TheilS der proletarischen Jugend. Diskussion. Koziald«,»akratischer Derer»„Darwart»" in Kirdorf. Dienstag, den lt. Januar, abends 8x Uhr, in Hoffmann'« Salon, Bergstraße: General- Versammlung. Tagesordnung: l. Borirag: 3. Tislussion! 3. Kassenbertcht: «. Bericht deS Borsiande« und Berlefung der Nestantenliste: ö. Bericht des Bibliothlfars:«. Ab.echnung dcr BilletS der Treptow-Eteruwarte und de« Stiftungsfestes. Mitgliedsbuch legtiimirt. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Borstano.______ MkevÄvifLzes« Hirschberg, Dr. E., Direkloricll-Assistent am Statistische» Amt der Smdt Berlin, Leiter des Stlitistischen Amtes der Sladt Char- loltenbnrg. Die soziale Lage der arbeitenden Klassen in Berlin. Berlin 1837. Verlag von Otto Liebmann. 311 Seite» oklav. Das Werk soll ein Handbuch der Berliner Sozialstatistik sein, »nd der Verfasser ist insolge seiner amttichen Thätigkcit anch besonders gut zur Abfassung eines solche» geeignet. Es ,st bei der vorliegende» Arbeit jedoch die im Titel ausgedlückte Beschränkung aus die„arbeilenden Klassen" streng durchgeführt, namentlich nach unten hin, sodaß man über die Lage der 9lrmulh und die für diese besliuimlen Einrichtungen nichts erfährt. Da aber Arbeit nnd Armuth bei deu heuligeu Gesellschaslszusländen leider vielfach ineinander überfließen, so hätte unseres Erachtens die Grenze nach unten hin im Jnleresse der Voll- stäudigkeit des Buches weniger streng gezogen zu werden brauchen. Immerhin ist ein großes sozialftalistisches Material in dem Bnche jnsanimengelragcli worden, dessen Auffindung und Nutzbarmachung nicht jedem, der sich mit diesen Dingen beschäsligen will, leicht mög- lich wäre.— Nach allgemeine» statistischen Mitiheilungen über die Berliner Arbeiterbevöllerung werde» behandelt die Wohnungsverhält- niffe, die Erkrankungen und die Sterblichkeit der ZIrbeiter, das Arbeiter- versicherungs- nnd das Schulwesen. Sodann werden dargestellt die Fabrikinspeklion, die gewerbliche Rechtsprechung und daSJnnungS« wesen in Berlin, serner die Gewerkver-ine, die Genoffenschaften und die Arbeiterbewegung. Es folgen die Kapitel über Arbeitslosigkeit, 9lrbcits»ach>veis, Arbeitslohn»nd Arbeitszeit, sowie endlich einiges über Lebenshallung der Arbeiter und Arbeiter-HanshallungSbiidgetS. — Im Schlußwort kommt der Verfaffer zu folgendem Gesammt- urtheil über die Berliner Arbeiterverhältnisse:„Man lebt von der Hand in denMund, ivcn» auch nicht schlechl.so doch mit Heranziehung der Frau und anderer 9>ngehöriger zum Mttverdienen. Wohl scheinen hierdurch nicht seile» gute Einnahme» erzielt zu werden, aber der Verbrauch scheint dann demenisprcchend zu steige»; denn Berlin bietet viel, und daZ Entsagen dürfte, wo es vorkommt, mehr durch ökonomische Rück« sichten, als durch Sparsamkeit und Selbstbeherrschung diktirt iverden." Wie man sieht, ist das Urtheil des Verfaffers von Einseiligkeiten nicht frei, doch ist anzuerkenne», daß er überall unzweideutig für soziale Reformen eintritt. Hier und da steht er nicht gerade aus dem fortgeschrittensten Standpunkt moderner Sozialpolitik. So erwähnen wir daS Kapilel über die weiblichen Dienstbote», wo der Verfasse« gar rührend das Hinfchiviiiden des patriarchalischen Verhältnisses zwischen Herrschaft nnd Dieustbot« beklagt and die Untugenden der Dienstwädchcn in den schwärzesten Farben malt. Auch sonst operirt Herr Hirschberg gelegentlich mit etwas verbrauchten Mitteln, fcv wenn er die gitieu Gewerkschaften, die mit praktischen Einrichtungen die Lage der Arbeiterklasse verbessern wollen, gegen die böse politische Partei ausspielt und schreibt: „'Allerdings finden diese Bestrebungen einen starken Widerstand innerhalb dcr sozialdemokralische» Partei bei denjenigen, welche, von ihrem Standpunkt aus nicht mit Unrecht, glaube», daß es dieser Richtung gelingen wird, die Arbeiter zufrieden zu stellen und ihnen zu zeige», wie sie anch in der gegen>värtigen Gesell- schaflsordnung ihre Lage zu verbessern im stände sind, und daß dadurch naturgemäß eine Entfremdung von den sozialdemokrati» scheu Lehren einlrelen muß, welche eben diese Möglichkeit leugnen." Nnd ähnlich, wenn Herr Hirschberg über die„unglückselige Mai« feier" folgendes berichtet: „Die Erfindung der Maifeier im Jahre 1890 war die Ein« gcbung des Uebermulhs, eine Demonstration dcr Macht. Was die Arbeiter leider mit recht so oft an de» Arbeitgeber» tadeln, die Ueberhebnng. das protzenhasle Pochen ans die Macht, wurde hier von den 9lrbeitern selbst als ständige Einrichtung erklärt, einseitig. ohne Vereinbarung, zu dem ausgesprochenen Zwecke der Demonstration." Diese schiefen Urlheile über unsere Partei sollen uns jedoch an der objektiven Beuriheilnug des allgemeine» Werthes der Hirsch- berg'schen Arbeit nicht stören. Wir halten das Buch für eine fleißige, verdienstliche 9lrbeit, deren man sich bei der Beschäftigung mit dcr sozialen Lage der Berliner Arbeiter mit Vortheil wird be- dienen können. xx. Rabe, Tr. A.: Die WohlfahrtS-Gesetzgebnng und die deutschen Aerzte.— Berlin, 1833. E. Ebering. 8°. 23 Seiten. Die mit dem Nebentitel„Winke für Gesetzgeber«nd Arbeit- geber"(!) versehene Schrift enthält im weseiitlichen nur«ine Schilderung der Mißstände, welche sich als Folgen der Krankenkassen-Gcsetz- gcbnng für den 9lerztestniid bemerkbar gemacht haben, und Vorschläge zu deren Abstellung. NeiieS Material wird in keiner Weise bei- gebracht. Anch die Form der Darstellung ist eine mangelhaste. C. F. Cnster, Dr., Gustav: Wie erhält man die Wohnung gesund?— Zürich. Th. Schröter. 8». 20 Seiten. Die Schrift stellt eine Plauderei über das im T»cl angegebene Thema dar und nicht eine eingehende Erörterung der cinschlägtgen Fragen._____ c**'• Eiugekansene l Druckschriften. Bon der..Pen,» Zelt" fSNiltgorl, I. H. W. Dies' vertag) ist soeben da» is. Heft bei 16. Jahrgang« erschienen. Au» dem Inhalt heben wir hervor: Rothfoller.— Der Kampf im englischen Maichinenbau-Sewerbe. Vo» Sd. Bernstein— Das Slieskind der Kunft. Bon Johannes fflauit«.— Zum Kapilel der Eisenbahn-Unfälle. Bon OSIar Seil. Das Ende der Heuschrecken- plage in Argentinien. Bon German Ave-Lallcment.— Notizen. Ueber die Zustünde im Tapeziergewerbe zu Berlin im Jahr« t«96. Ueber die Veränderungen dcr Loi.nhöhe und der Arbeitszeit der englischen Arbeiter im ahre Iso«. MUtel gegen SchlangcngM. Feuilleton: Wie Petterffon» cfchichte schloß. Novellen« von Georg NordenSvan. Autorifirl« Ueberfetzung von S. Stine. Bon der Kieichlielt, Zellfchrift für die Jnlereflen der Ardeilerlnnen(«tuttgact, Dietz' Verlag) ist un» soeben die Rr. l des S. Jahrgang« zugegangen. BuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: An die Lefertnnen nnd Leser.— Schutz unseren Kindern.— Au« der Bewegnng.— Feuilleton. Wa« die Revolution für die Frau ihai? Bon Ö. Bellamy. Noiizeniheii von Lsiy Braun und Klara Zeltin; Gewertschasiliche Arbeiterinnen- Organifution.— Sozinle Gesetzgebung.— Weibliche Fabritinspetloren.— SUIlichteiiSfruae.. Frauenarbeit auf dem Gebiete der Jrduftrte. des Handel» und de« B-rlehrS» wefen«.— Kinderarbeit.— Eoziaitsttlche Franenbtwcgung tut Au-iunde.. Frauenbewegung. Für beit der Inserate Üdrrniiiinit die Sirdliklion bei» Piidliknni gegenüber keinerlei Acrnntwvrinng. Theotov. Sonntag, den S. Januar. Ft eie Volksbühne(Lessing-Theater) 2. Abtheilung. Barthel Turafer. Anfang 23/« Uhr. Opernhaus. Die Hugenotten. Auf. 7-/, Uhr. Montag: Tristan und Isolde. NeneS Opern- Theater(Kroll). Gcier-Wally. Anfang 7Vz Uhr. Tchanfpielhans. Mutter Thiele. Ans. 7i/z Uhr. Montag: Faust. Deutsches. Mädchentraum. Anfang 7�2 Uhr. Nachm. 2»/, Uhr: Faust. Montag: Jugendfreunde. Lefsing. Im weißen Röß'l. Anfang 7Vz Uhr. Montag: Hans Huckeckebein. Berliner. In Behandlung. Ans. Uhr. Nachm. 2V2 Uhr: Kaiser Heinrich. Montag: Faust. Goethe. Der VollSgraf. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hafemaun'S Töchter. Montag: Ein Sommernachtstraum. Rüttes. Die Logenbrüder. Anfang 7'/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Die Logenbrüder. Unter de» Linben. Die schöne Helena. Anfang 7r/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die schöne Helena. Schiller. Der Widerspenstigen Zähmung. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wallenstein's Tod. Montag: Der Registrator auf Reisen. Nesibciiz. Sein Trick. Anfang 7-/- Uhr.' Nachm. 3 Uhr: Dortna. Montag: Sein Trick. Thalia. Berlin über Alles! Hierauf Das Opferlamm. Montag: Das Opferlamm. Eeiitral. Berliner Fahrten. Anfang 7V- Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Luise». Auf goldenem Bode». An- fang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. Montag: Auf goldenem Boden. Belle-Nniance. Kcan. Anfang 8 Uhr. Nachmittag: Das Glas Wasser. Montag: Romeo und Julia. Osteiib. Leben und Lieben. Anfang 73/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Berlin, wie eS weint und lacht. Montag: Leben und Lieben. Friedrich. Wilhrlmstäbtische«. Der Trompeter von Sälkingen. Anfang 7V, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Die Pariser Blut- Hochzeit, oder: Die Hugenotten. Montag: Der Trompeter von Säkkingen. Illexanberplatz. Die Berführerin Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Knecht Ruprecht. Montag: Die Verführerin. Urania. Taubenstraste 48— 4g. Nawrlundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. Jnvalibenftrafte 57/68. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Borttäge. America». Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Spezialitäten. An- sang 73/2 Uhr. «Poll». Spezialitäten. Ans. T»/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage< Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Ostend-Theater. Gr. Fraiilfurtcrsir. 132. Dir.(£. Weiss Zum 41. Male: Leben«nd Lieben. Volisstück mit Gesang in fünf Akten von O. Klew. Milsik von G. Wanda. Ans. 73/2 Uhr. Im Tunnel v. 8 Uhr ab: — Frei-Konzert.— Nachmittag, halbe Preise, zum letzten Mal«: Berlin, wie es weint und lacht. Ferdinand: Carl Weiß.— Montag und folgende Tage: Leben «nb Liebe«. Anfang 8 Uhr. Central-Theater Alle Jakobstr. 30. Direktion Klchard Schnitz. Sonntag, den 9. Januar 1898: Borletste Sonntags- Ausführung. Emil Thoinaa a. G. Zum 128. Male: BeHinsi» Fahrten. BnrleSke AuSflattniigSpossemitGefang und Tanz in 8 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Manustädt. Mustk vou Jul. Etnödshofer. Anfang 3/28 Uhr. Morgen und die folgeuoen Tage: Berliner Fahrten-. Luisen-Theater 34. Reichenbergerstrafte 34. Nachm. 3 Uhr: Volts-Borstellnng unter Regie von J. Türk: Othello, der Mohr von Venedig Abends 8 Uhr: M goldenem Zoden. Volisstück mit Gesang in S Bildem von Wilhelm Frerkiug. Musik von Gustav Steffens. Dom... Anna Müller-Lincke. Bollmann.. Arthur Winckler. Montag: Anf goldenen, Boden. Billets k SO Pf. zu der Nachmittags- Volks- Vorstellung i» dm belannten Verkaufsstellen. rama Tnnhenstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöflhet von 10 Uhr vojmutags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidenstr. STo. 57—68. Täglich abends 7 Uhr; — Ausstellungs Saal und Vortrage.— Näheres die Tagesanschläge. llrania- Theater(Lehrter Bahnhof). Dir.: Dr. Könpen u. Dr. Stoedtner. Meisterwerke der Renaissance Vortrag mit farbigen Lichtbildern von Dr. A. K ö p p e n. pAZLSgek'Anoptiellm. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. Zum Schluss: Illnstrirtes Quodlibet In 12 lebenden Bildern. ™ Castan's Pauopticum. •• Friediiohstr. 165. Indlsch- hlndusta- nische Ciaukler — und— Schlanze it- Beschwörer. Das BÄRENWEIB. N I Was??? w gut??? Nur Das Arntband und Das Modell. I werden diese Zug- l».. Mcke immer noch mit ungeschwächtem Erfolg aufgeführt? Bei den 1. in Du ati ff'S Vaudeville-Theater, yildlg Gr.- Hotel Alexanderpl. Avis! Sonuabend, 15. Januar, bleibt O-uarg's Theater wegen Privatfestlichkcit geschlossen. Dafür: Einmaliges Gastspiel der Buda- pester im Parodie-Theater, Oraniensttaßc 52. eichshaltan- Theater. Leipzigerstrasse 77. Heute Sonntag beginnt das grosse erstklassige Spezialitäten-Programm um 63/2 Uhr. 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No. 48 mr Täglich:-WC Hoffmann's Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Barrisons. Fene, ütlt. W. Noack's Theater Brnniicn-bltrasBe I O. Heute Sonntag, den 9. Januar 1898: Grosser Beifall! Berliner Kinder. Original-Posse mit Gesang in 4 Akten von Salingrö. Mustk von T h. H a u p t n e r. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Montag: Doktor Wespe. Kh»ue.rt- Sanssouci Äottbuser Strasse Nr. 4a. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Großer Beifall! Im Reiche der Sireilen. Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz in 3 Bildem von Joh. Eißner u. Jean Häußler. Musik von Joh. Eißner. Beue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Orotzrr Vnll. Entree 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. SM" Entree SO Pf.-HW Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. ltOuis Keiler's Festsäle Koppenstr. 89 Größtes und schönstes Etablissement 4101L's der Residenz. Heute, Sonntag: tSrosse Solr6e der Norddeutschen Sanger Steinuiess, Gahnbley. Zimmerina», 1, Reifing, Stobbe, Stangenberg und Frick, sowie beb Neue» Berliner Konzert- Orchesters unter persönlicher Leitung des Musikdirektors Rnbolf Tietz. Nachdem: Grotzer Ball. Zwei stark besetzte Orchester, Streich- und Blasmusik. Anfang S1/, Uhr. Entree 30%. Nächsten Mittwoch:©r. Solree der Steinmetz-Norddeutschen Sänger u. Familien-Kränzchm. Ansang 8 Uhr. SchMvv-Ghestev (Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Wallen- stein's Tob. Abends 8 Uhr: Der Widerspenstige» Zähmung. Montag, abends 8 Uhr: Der Regt- strator auf Reisen. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Regt- strator auf Reisen._ Gebr. HerrnfeM's I. Original- Bndapester Possen- u. Operetten- Theater Kaufmann s Variete. Taglich ausverkauft! Heute und folgende Tage die Gebr. Hennfeld'ache Novität Familie (Kochsalz | Vorher die reizende Operette Oefhlschte Jungen und das auserlesene Spezialitäten-Ensemble. U. a.: | William Schliff, Dr. Guido Stelnitz, Amanda Nordstern, Geschwister Rebentisch. Anfang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Clrcas Bnseli (Bahnhof BUrse). Sonntag, be« 9. Januar 1898; 2 große Norstettnngen 2 Nachmittags 4 Uhr (auf allen Plätzen ein Kind frei� weitere Kinder zahlen auf allen Plätzen halbe Preise). 5 fache Postfahrschule, geritten von Herm Ernesto. Der neu dressirte Elefant. Die Dogcartfahrt mit eigens dazu dreffirt. Schulpferoe, vorgeführt von Mdme. Dore. Der Kinematograph(System Hagedorn). Außerdem die vorzügl. Clowns mit ihren besten Spähen. Abends 73/, Uhr Zaragoza, Orig.-Mansge- Schaustück deö Circus Busch, entnommen ans dem spanisch. Leben. Besonders hervorzuheben: Eine spanische Eisenbahn mit eintretender Katastrophe. Die Flucht des Don Casiodurus mit seiner Geliebten und sämmtl. Pferden aus dein brennenden Schloß. Außerdem: Die best. Nummem deS Nepertoirs.— Morgen 73/, Uhr Zaragoza. Actien-Brauerei Friedrichshain. Heute Sonntag; Regiments-Musik des 4. Garde-Regts zu Fuss In Uniform Dir. Hr. F. Bergter. Anfang 5 Uhr. Entree 20 Pfennig. ItuiKlt's Saal. Jnh.: Ernst titrUnder. IHP- Kitpnickerstrasse 100. Fernsprecher Amt VII 39. Tngliry: Grouser Ball. ETante| Herren 50 Pf. Garderobe/ Domen 85 Pf. Louisenstädt-Clubliaus 16 Annenstraase 10 empfiehlt Saal, 250 Personen fassend, sowie grosses Bereinszimmer, alles rcnovirt.* Neues Olympia- Riesentheater (Circus Renz.) Täglich 8 Uhr abends: Karlstrasso. Bolossy Kiralfy's„Coitstantinopei*' An Sonn- und Feiertagen: Zwei Vorstellungen. (Nachmittags 1 Kind frei.) i Nkhereu siehe Anschlagsäulen. i Gcsellschaftshaiis Swinemnnberstr. 48(alte Nr. 35) jeden Sonntag: Bilk Ii. Thcater-Boi'sttlliiilg. Empfehle meine Säle(2;i0 it. 700 Personen fassend) sowie Vercinszimmel zu Festlichkeiten und Versammlungen 4002L» BUbner. Elysium Landsberger Allee 40 41. Jeden Sonntag: Crrosser Ball. Tanzmusik ausgef. v. Berufsmustkern. Säle(1000 Personen) zur Abhaltung von Festlichkeiten u. Versammlungen. 41001!* Earl Eisen Carl Elsermann. Treptow. Nsiineilberg's ParkschWen Parkstrasse, Ecke Köpnlcker Landstr, Haltestelle der elektrischen Bahn von Siemens u. Halske. J e den Sonnta g; M Grosser Ball � unt. Leitung d. Tanzlehrers Er. Schulz. Enttee 15 Pf., dafür Garderobe frei. Kaffeeküche Sommer n. Winter. Broolu»ow'8 k'Ssrt-Lais, _ Sebastlanstr. 89. ZM- Jeden Sonntag, Montag, -�Donnerstag, Sonnabend: s VolK8-«»ll. Einige Sonnabende sind noch frei Central»Eests&le«S, JdoWr.K. Säle mit Bühne, 50-800 Personen fassend. Vereine und Versammlunge« erhalten noch von Garderobe, Kaffeetafel Rabatt. Pran« Müller. Robert Scbeere, Restaurant„Säuger heim-, O. Blumen-Strasse 38. Telephon: Amt All Nr. 3759. 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Arbeiter verklagte ihn darauf beim Gewerbegericht, de"n auch den Beklagten verurtheilte. dem'Nläger 13 M. z» zahlen, die er nach dessen Ausstellung ihm schuldig war. Zur Begründung führte der Vorsitzende klammer III aus, der Beklagte hätte bei jeder Zahlung die Jlkkord preise, wenn sie ihm zu hoch schiene», bemängel» müssen. Da er solches nicht that, so habe er sich stillschweigend mit den fragliche» Eätzen einverstanden erklärt. Ei» halbes Jahr lang habe er die Ausstellung im Buch« des Klägers nicht bemängelt, folglich müsse er rhn danach bezahlen. Schlechte Arbeit nnd sofortige Entlassung. Gegen den Schneidermeister Hepprichl klagte der Schneider T. beim Gewerbe- gnicht mit dem Antrage, H. wegen»»berechtigter Entlassung zu einer vierzehutagigen Lohnentschädigung zu vcrnrtheileu. Der Ve- klagte wandte dagegen ein. T. habe ihn durch schlechte Arbeit er- Keblich geschädigt. Er habe die Knöpfe so schlecht angenäht, daß sie nbsielen, als die Sachen hätten geliefert werden solle». Die Ab- lieferung sei infolge dessen zu spät erfolgt und der Konfektionär habe darum von weiteren Austragen abgesehen. Die Stammet I Hilter dem Vorsitz des Assessors Hcllivig verurtheilte jedoch de» Be- klagte» nach dem Klage-Antragc. Der Vorsitzende führte zur Be- grundung aus, die Gründe zur sofortigen Entlassung seien in der Gewerbe-Ordnnng ausdrücklich aufgeführt, schlechte Arbeit sei aber nicht als ein solcher Grund angegeben, der Beklagte könne also damit die Entlassung des Klägers nicht rechtfertigen. Mr alle Person eu, die Arbeitsnachweise benntzen, ist eine Entscheidung der Kammer V des G e w e r b e g e r i ch t s von großer Bedeutung. Mehrere Rohrleger beanspruchten von der Firma Schmalisch u. Behn Lohneiitschädigunge», weil sie eugagirt, nicht aber eingestellt worden seien. Das Gericht stellte folgendes fest: Die beklagte Firma schrieb am 6. Dezember an eine» Arbeitsnach- weis für Schlosser(Jnnungsunchweis?). man möge ihr einige selbständige Rohrleger schicke». Darauf erschienen fünf Personen, wovon vier, die Kläger, nicht eingestellt wurden. In jenem Nach. weis ist eS nun Brauch, wie in den meisten Arbeitsnachweisen, daß die mit einem Arbeitsschein fortgesandten Leute, die als eugagirt gelten, als letzte in dem Register der Arbeitsuchenden dann einge- schrieben werden, wenn sie wiederkomme». Wenigstens behaupteten die Kläger, es sei ihnen so gegangen, auch beriefen sie sich dafür auf das Zeuguiß des Arbeitsvermittleis. Der Gerichtshof hielt jedoch eine Beweiserhebung für überflüssig und wies die Kläger ab. Assessor Hellwig führte ans: Es könne nicht anerkannt werden, daß hier ei» Engagement zu stände gekommen sei. Von einem Ver- Iragsverhältniß könne keine Rede sein. Die Firma habe sich an den Acbeilsnachweis lediglich mit dem Ersuchen gewendet, ihr einige Rohrleger zu senden. Selbstverständlich bleibe es der Firma über- lassen, zu wählen und zu entscheiden, wie viel und welche der er- schieuenen Leute sie behalten wolle. Auch sei in dem Streitversnhren der Umstand nicht zu berücksichtigen, d»ß die Kläger in der Reihe der Arbeitsuchenden hiutenan gekommen seien. Dies liege nur an den Bestimmungen im Reglement des Arbeitsnachweises und die Beklagte könne dafür nicht verantwortlich gemacht werden. I» el«c»i Strcitvcrfahreu wegen Rlilkerstattnng von Bei- trägen zur Alters- und Jnvaliditäls-Versicherung hat das Reichs- Versichernngsamt einige bemerkenswerth« Rechtsgrundsätze aus- gesprochen. Das Schiedsgericht hatte der Wiltwe Narr 35 Beiträge zugesprochen, die an die Versicherungsanstalt Sachse»> Anhalt siir ihren verschiedenen Mann gezahlt worden waren, indem es den § 31 des Gesetzes über die JnvaliditätS« und Altersversicherung anwandte. Der tz 31 bestimmt:„Wenn eine männliche Person, für welche mindestens für fünf Beitragsjahre Beiträge entrichtet worden sind, verstirbt, bevor sie in den Genuß einer Reute gelangt ist, so steht der hinterlassenen Witlwe oder, falls eine solche nicht vorhanden ist, den hinterlassenen ehelichen Kindern unter fünf- zehn Jahren ein Anspruch auf Erstattung der Hälfte der für den Verstorbenen entrichteten Beiträge zu." Gegen das schiedsgerichtliche Urtheil legte nun nicht die Verurtheilte, sondern die Norddeutsche Knappschnfls-Penstouskasse, eine der im§ 33 des erwähnten Gesetzes genannlen„Zuschnßkasseii", die Revision ein und beantragte, unter Aufhebung jenes Urtheils die Frau mit dem Erstattungsanspruche wegen der betreffenden 35 Beiträge abzuweisen. Das Li e i ch s- Versichernngsamt unter Vorsitz des Präsidenten Gaebel wies aber die Revision mit folgender Begründung ab: Ganz unbedenklich sei anzuerkennen, daß die Knappschafls-Pensionskasse(die auch ver- klagt war) befugt gewesen sei, ausschließlich im Interesse einer dritten belheiligten Anstalt Revision einzulegen. Die durch den letzten Beitrag bezeichnete Anstalt sei nach dem System des Gesetzes die einzige für die Vertretung der Verpflichteleu gegenüber dem Er- stattnngsberechtigte» zuständige Stelle. Die Revision sei jedoch un- begründet. Allerdings habe das Schiedsgericht den§ 31 des Gesetzes»»- richtig angewendet. Es habe fälschlicherweise angenommen, zum Beineise der erfolglen Entrichtung nnd zur Erfüllung der vorgeschriebenen Wartezeit könnten auch Beiträge dienen, die in einer Quittung?. karte enthalten wären, welche wegen nicht rechtzeitigen Umtausches nngiltig geworden sei(8 134). Marken in einer solchen Karte könnten nicht zu dem fraglichen Zwccke berücksichtigt werden, die ßij 104 und 32 sprächen dagegen. Auch für den Bereich der ZZ 31 nnd 32 des Gesetzes machten nur 47 Bcitrngswocheu, die gegenwärtig rechlsgiltig seien, ein Beitragsjahr ans. Indessen die angesochtene Entscheidung sei dennoch als i in E r g e b n i ß r i ch 1 i g aufrecht zu erhalten, den» die in betracht kommende Qnittnngskarte Nr. 1 des Verstorbenen sei überhaupt nicht ungiltig geworden. 8 134 des Gesetzes über die Alters- und Jnvaliditäls-Versicherung könne nämlich jedenfalls dann nicht Anwendung finden, wenn ein Versicherter in vier auf einander folgenden Jahren während mindestens 47 Wochen sich in einem Versicherungsverhältniß befunden habe, weil in diesem Falle das im Z 82 vorgesehene Erlöschen der Renleuanwnrtschaft nicht eintrete und der Verfall der Quiltnngsknrte nach der Absich« des Gesetzgebers nur das äußere Kennzeichen, eine Begleiterscheinung des eingetretenen Erlöschens der ZInwartschaft sei, dieser Grundsatz müsse auch im Bereiche der ZZ 81 und 32 angewendet werden. Somit sei aber die Giltigkeit ver Quittuagskarte Nr. 1 durch den unterbliebenen Umtausch nicht berührt worden, da die Anivartschast des Ehemannes der Klägerin bis zu seinem Tode nach Z 32 noch nicht erloschen war. Regicbanarbeit oder Arbeit im laudtvirthschaftlichcn Betriebe? Der Bauer Scnst beabsichtigte, ans seinem Grundstück einen Graben anziilegeu, der dazu dienen sollte, das Wasser abzuleiten. das er zum Betriebe seiner Dreschmaschine brauchte. Er vergab die Arbeit gegen eine Pauschalsumme von 35 M. au die Arbeiter Ehrenstorser und Ohlschmid. Ehrenslorfer vernuglückle bei der Ausführung des Auftrages und beanspruchte dcmiiächft von der zu- ständigen l a n d w i r t h s ch a st i i ch e n Berufsgenosscuschaft eine Unfallrente. Man wies ihn jedoch mit der Begründung ab, daß hier keine landwirthschaitliche Thätigkeit, sondern ein lltegiebau vor- liege, der in das Versicheruugsgebiet der Tiesbau-Berufsgenossenschas« gehöre. Nachdem das Schiedsgericht ebenlalls zu Ungunsten des ManueS entschieden hatte, verurtheilte das Reichs-Veisichernngsniul die laudwirthschaftliche Bcrnssgcnvsseuschaft, ihm die stieute zu ge- «vähren, indem es begründend ausführte: Ehrenstorser und Ohlschmid seien während der Anlegung des Kanals nur Arbeiter des Land- wirlhs Senft gewesen, obgleich als Bezahlungsform die einer Akkord- summe gewählt worden sei. Entscheidend sei hierbei, daß sie ihrer ganzen Stellung nach dem Arbeiterstande angehörten und sonst die selbständig« Ausführung von Bauarbeiten nicht übernähmen, sowie, daß die Arbeiten für Senf in keiner Weise besondere technische Kenntnisse erfordert hätten. Ferner seien die betreffenden Arbeiten nach ihrer Art und ihrem Umfange nnd ivegen ihres Zweckes dem landwirthschaftlichen Betriebe des Seilst zuzurechnen. Der Graben durchquere nur das Griindstück des Bauers, sei nicht lang und diene lediglich dazu, den Betrieb der Dreschmaschine, also einer laudivirth- schaftliche» Einrichtung, zu ermöglichen. Briefkasten der Kedaklion. Wir tllten, de« I-der vn trage eine SHIttr««zwei Viichslaben oder eine gat«) anziiaeben, linier der die Anlivort«riheiU werden ton. Die jnristiiehr �prechstiinde findet am Montag, Freitag und Zloniiabeiid vo» 6 bis 8 Uhr abends statt. M. F. Fragen Sie tn einer der städtischen FortSilbimgsschulen für Mädchen nach. Die Schulen befinden sich Friedenstr. 20, Gubenerstr. 61/52, Höchste. 4, Laugcstr. 7V, Thnrmstr. 75. E. H.. Elberfeld. Wir wiederholen, daß wir die süns Mark zur Ablieferung an P. erhalten haben. Besten Dank. Zwei Wettende. Hierüber existiren keinerlei Bestimmungen; es muß dafür gesorgt werden, daß alljährlich ordnungsmäßig der Etat bewilligt wird. F. L. 14. Wenden Sic sich an den Magistrat und an das Bezirks- kmmnando.— 27. 1. Der HanSwirth nmß Sie zum 1. April ziehen lassen. 2. Nein.- Ernst Becker. Schriftliche Anlwort erthtileu wir nicht. Wenden Sic sich mit dem Antrag auf Untersuchung der Wohnung au die Polizei.— M. W. Ripdorf. Kündigen Sie das Mandat, wenden Sie sich an die Anwaltslaumier und klagen Sie aus Herausgabe. — 101. 1. Durch gerichllich niedergelegtes Testament. 2. Lohnbeschlag- nahme ist auch wegen Alimenten für uneheliche Kinder zulässig, nur geht der nothdürftige Nnterhalt des Schuldners und die AUinenien- sorderung der Ehefrau und der ehelichen Kinder vor.— Bor- ficht. Die Ehefrau soll unter ihrem Namen das Geld anlegen. — 3(. F. 7. 1. Wenn im Vertrage eine dreimonatliche Kündignngssrist vereinbart ist, so muß der, dem gekündigt wird, die Küiidigmig drei Monate lang kennen. Eine erst am 1. Januar angckomincue Kündigung ist mithin verspätet. 2. Das Rctciitionsrecht steht dem Wirth zu. Stellen Sic ihm einen Uuterniiether.— Fr. N. 14. Der Minderjährige kanu nicht ein Grundstück verkaufen. Für ihn kann das nur der Bater oder falls er be- voriiiuudet ist, der Vormund mit Genehmigung des Vormimdschafts- gcrichts.- I. K. ZI. Ja, überdies die Bescheinigung ihres Heiiüathsorirs, daß der Helrnth Hmdeniisse nicht entgcgenslchcn. - Amerika. Nein.- R. G. 2«. Ist uns nicht bckaimt. Genaue Aus- kunft köimten Sie nur durch direkte Ausrnae bei der betreffenden Stadt- vciwaltung erhalten.— K. 80. Natimillsatiousgcsiiche von Ausländern sind auf dem Polizeirevier anzllbringeu. Einen Anspruch auf Naturalisation haben jedoch Ausländer nicht— 51. 50. Sind Sie noch nicht 25 Jahre alt, so bedürfe» Sie der Elnwilligung Ihrer Mutter zur Eheschließung. Sind Sie älter, dann genügt die Einwilligimg Ihrer Braut.— H>®. 10. Sie käimen sich au die Polizeibehörde wenden, haben jedoch einen Anspruch auf die Belohnimg nicht.— E. S. 100. Komin«» Sie in die Sprechstunde. — E. I. 1. Nein: Sie brauckcn»ur Zug um Zug gegen Zahlung der Restsumme anslaffeii. 2. Ja. 3. Ja.- Ruf. 1. Der Fabrikant hatte auch tu Ihrem Falle die Jiivaliditätsmarkcn zu kleben, hat zu viel abgezogen, muß also herauszahlcn. Jndcß ist eL eine leider noch vicl�z» wenig beachtete Thatsachc, daß zur Uiugchimg der Lasten aus den Bersicherungs» gesehen der eigentliche Arbeitgeber �zwischen sich und den Arbeiter Mittels« Personen zwischeiiziischikbeii sucht, mit denen allein er einen formellen aus- drücklicheu Vertrag schließt. Wer den ioirthschastlichcn Nutzen ans der Arbeits- kraft des anderen zieht, ist der eigentliche Arbeitgeber,-in Ihrem Falle also der Fabrikant. Aber gelehrte Gerichte stolpern hänstg über formelle, juristisch scheinende Begriffe und begünstigen dadurch ohne Absicht das Zwischenspstein und mancherlei Lohnschwindcl. Suchen Sie dem Gericht darzulegen, daß dos Reichs- Vcrstchcnillgsamt stets an dem oben dargelegten Grundsatz festgehalten hat und daß ein Abgehen davon die Bersichenmgsgesetze illusorisch machen würde. 2. Leider ist dagegen nichts zu machen. — A. 70. 1. Eine 14 tägige. Die sechswöchentliche Kündigung gilt nicht für auf Akkordlohn gestellte Werkmeister. 2. Mündlichkeit genügt.— L. 10« 1. und 2. Ja. 3. Das allgemeine Landrccht für die preußischen Staaten. ma Selten günstige Kaufgeiegenheit für Brautausstattungen! Die bei dem grossen Brande SmÄdt' durch Wasser zum Theil wenig h��olisiflio-foük"�17"•»•Ti-»«*»*» haben wir gekauft und stelle» dieselben mit den V» a! aü l 4 4b. d,),, img jut Inventur zurückgesetzten Waaren 211.AutsSliSii erregend billigen Preisen zum Verkauf. Für Brantansstattnngen! An Post-» Elsasser Hemdenluch, icst mx. u Pf Ein Posten Elsasser Renforce Stn»». 20 Mw. 5,90 M. Ein Posten EOUiSiana'TUCK Stück von 20 Mir. 8,50 M. Ein Posten Beddamast in ganzer Beitbreite Mir. ßß Pf. Ein Posten KÖper-Inlel in ganzer Bettbreite Mir. RA Pf. Ein Posten RolllÜCher, abgepaßt.. jetzt Stück 42 Pf. Ein Posten Tasclienlüclier, fein. Linon-Gewebe, weiß nud mit buntem Rand, gesäumt Dtzd. 1,30 M. W-.ß. BeKbezüge, 2,*o M. Halblein. 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Januar; in � ntionnl-OcUn iiomic Mittwoch, den 12. Januar; in Geschichte Freitag, den 14. Januar. Jeder Kursus erstreckt sich aut 10 Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um Vall Ihr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8--l( Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 M. und ist apiitestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kurses steht Jedermann zur unentgeltlichen Benutzung frei. Ausserdem finden in kurzen Versammlungen statt. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt- am besten bei Beginn jedes Kurses— im Schullokal Inselstr. 10 und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiral- strasse 40a; Itcnl, Barnimstr. 42; Schiller, Eosenthalerstr. 57; Glelnert, Müllerstr. 7a; II. Königs, Dieffenbachstr. 30. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden P. Bücke Jr., Bcilin S.O. 33 Mantouffelsbr. 128, Geldsendungen an den Kassirer II. 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Oktober ab auch Schöneberg: Hauptstr. 129. 4006L* «era»t>vortlich«r Redakteur: August Jgcobcv in Berlin. Für den Jnseratentheil verautivortlich: Th.«locke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.