Ar. 8. Abmmements-Kedingusge«: Abonnements- Preis pränumerando! vierteljährl. SL0 Ml., monatl. l.lOMl., wöchentlich 28 Pfg. frei inj Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» Nunimsr mit illuftrirter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- blbonnsmen«: 3,30 Marl pro vuarlal. Eingetragen in der Post- Zeil»»gS- Preisliste für ISSS unter Dr. 7576. U nier Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint lüglich aicher Wonlag». 13. Jahrg. Dt» Instrtwns-GMIIsv beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum.0 Pfg., für Vereins- und BersammlungS-Anzstgen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt« S Uhr nachinitlags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», <« Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Verlinev Volksbl�kt. Aernsprecher:»ml l, Zir. 1S0S. Telegramm-Adreffe: „Solialdemokrak verlin". Zentralorgan der soziatdemokratisthen Partei Deutschlands. WedaKtion: 8V. 19, M-uly-Straße 2. Kerpeditio»: SW. 19, ZSettty-Straße 3. B«m Vrozeß Oretzfns � Epterhttztz. Paris, S. Januar. An> Vorabend der kriegsgerichtlichen Verhandlungen konzentrirl fich die öffentliche Allfnierksamkeit iviederum auf die Affäre Treysns- Esterhazy. Während aber die freiwilligen und besahllen offiziösen Organe des Kliegsministcrililns zui» x-te» Male die absurde» Lügen anfwärinen, die höchstens dein Verstände eines Feiierländers intponiren können, hat der„Sibcle", seit kurzen, zum Organ der Dreyslls-Frcunde geworden, ein entscheidendes neues Doknnient zur Aufhellung der Slffäre veröffentlicht. Welcher Natur imuier die Motive der Parteinahine Jves Guyot's, des Redakteurs des sehr wenig gelesenen„Siocle", sei mögen, sie nehmen dein Dokument nichts von seiner Bedeutung. Es ist nämlich der authentische Anklageakt gegen Dreyfus im Prozeß von 133 4. Man hat jetzt die aktenmäßige Erklärung vör Augen, warum der militärische Klüngel und dessen Preßmente den neue» Prozeß hinter verschlossenen Thüreu verhandelt wissen wollen. Dem Anilage-Akt zufolge ist Drrysus einzig und allein ans grund des'Bordereau's vernrtheilt worden, jenes nicht gezeichneten und nicht datirten Begleitschreibens an einen Agenten einer fremden Macht, worin snns bedeutungslose militärische Dokumente ausgezählt sind. Wen» also— von den unzähligen Er- sindungen der Preßmeute ganz abgesehen— der Kriegs minister General Billot, im Parlament außer dem Bordereau die„Zeugein aussagen von 21 Offizieren" gegen Dreyfus in patriotisch- militärisÄfer Verzückung anrief, so war das— sagen wir höflich: eine Flunkerei. Denn die Aussagen beziehe» sich sammtlich aus die„moralischen Beweise" des Anklageaktes,„Beweise" die jedem Nnbcfangeue» samt und sonders als die frechste Ver< höhnung des gesunde» Menschenverstandes erscheinen müssen. Die Anklage konnte nicht umhin, die Motive des Verraths seitens eineS steinreichen Offiziers, wie Dreykns, nachzuweisen suche». WaS findet man nun da an solchen Motive»? Zwei Liebesabenteuer vor der Heirath mit reichen Frauen, die im Rufe standen, ihre Liebhaber zu bezahlen; zwei Acrhällniffe nach der Heirath, in einem Falle mit der Schwester eines österreichischen Offiziers, die übrigens mit sranzöstschen Offizieren vielseitig verkehrte, im anderen Falle mit einer Dame, welcher Dreysns bald den Laufpaß gab, weil sie ihm zu kost s p, e l i g wurde. Ferner will die Anklage aus Dreyfus einen Karlen spieler machen. Neben Liebesabenteneru ist ja das Kartenspiel der wichtigste Ansgabeposte» eines Oifiziers. Aber der Beweis für Treysns' Spielsnchl? Dessen Aussage, daß er ein einziges Mal in de»„Spietzirkel der Presse" zum Diner eingeladen worden sei. ohne aber gespielt zu habe». Was die übrigen Spielhöhle» be� trifft, so heißt es im Anklageakt wörtlich:..... da deren Kund. schaft im allgemeine» wenig empsehlenswerth ist, so wären die Zeuge», welche wir hätte» fordern können, sehr verdächtig gewesen; wir haben daher verzichtet, solche zu verhören" Auf der gleiche» logischen und juristische» Höhe steht der„moralische Beweis", den die Anklage darin erblickt, daß während der Haussuchung bei Dreyfus» i ch t S gefunden wurde, „selbst keine Licferanten-Nechnnng"!... Vo» de» übrigen Einfällen der Anklage seien erwähnt die Ver- dächtigkeit der Sprachkenntnisse bei einem Offizier des Generalstabes („Dreyfus spricht niedrere Sprache», namentlich deutsch"); die Ver- dächtigkeit seiner unbehinderten Jnkognitoreisen nach dem Elsaß, wo seine drei Brüder, darunter zwei nainralifirle Franzosen, ein großes industrielles Geschäft betreiben; die Verdächtigkeit der„neugierigen" und fleißigen Erkundigungen über alle Zweige der Armeeleitung bei einem Neuling, dessen Eintritt in de» Generalstad nach lang- jährigen glänzenden Studie» gar keinen andere', Zweck haben konnte als die allseitige Erfvrsckmng des leite,. den militärische» Mechanisnins; und schließlich fignrirt sogar als Verdachs- Moment daS schroffe Verhalten einiger Generalstabsoffiziere gegenüber den Anfrage» des Dreyfus. der ja ihnen von vornherein als„jüdischer Eindringling" ein Dorn im Auge war... Das einzige moralische Verdachtsmonieut, welches fich sehen lassen kann, besteht in der vom Major du Pnty de Clam gegebenen Beschreibung der Bcrhastungsszene. Danach hätte Dreyfus, während man ihm zur Probe das Bordereau in die Feder diktirle, nach den ersten Zeile»„sich in offenkundiger Weise verstört gezeigt". Jndeß, abgesehen davon, daß der Major sehr leicht sehen konnte, was er durch die melodramatische Veranstaltung zu sehen beab- fichtige, ist hervorzuheben, daß der illnkläger während der Prozeß- Verhandlungen sämmtliche„moralische Beweise", von denen einige auf unkontrollirt gebliebenen Polizeiberichlen bernhlen, fallen laste» mußte. Diese Enthüllung des„Eibele" ist seit 24 Stunden un- widersprochen geblieben. Was aber de»„materiellen Beweis", daS Bordereau, betrifft, d. h. die einzige Grundlage der Berurtheilung, so erscheint Dreyfus' Urheberschaft selbst aus grund des Anklageaktes als sehr zweifelhaft. Von den sünfHandschrifts-Experten haben zwei fich im verneinenden S i» u e ausgesprochen. Seitdem vollends die Handschrift Esterhazy's»nd Dreyfus' mit derjenigen des Bordereans auf grund der zahlreichen Zsacsimile's in de» Zeitungen verglichen werde» l„n, kann für jeden Un- befangenen kein Zweifel bestehen, daß Esterhazy und nicht DreysnS das Bordereau geschrieben bat. Uebrigens hat ja Esterhazy selber in den ihm ergebenen Zeitungen die Aehnlichkeit zwischen seiner Handschrift und deijrnigen des Bordereans für„erschreckend" erklärt. Seine Ausrede aber, Dreysns hätte seine Handschiist„abgestochen", fällt in fich zusaunne», nachde», dieser sich hat verurtheilen lassen, ohne Esterhazy genannt zn haben. Daher die entscheidende Bedeutung der Veröffentlichung des An- klageaktcs, des aktenmäßigt» Nachweises, daß Dreysns einzignnd allein ans grund dcS Bordereau's verurtheilt wurde, daß er folglich d a s O p f e r eines I n st i z»> o r d e s ist. Habe» dagegen die kriegsminislerielleu Organe nicht gelogen, indem sie auf andere, dem Rlililärgericht erst im B e r a t h>,» g s, i»,»> e r vorgelegte Dokumente gegen Dreyfus pochte», so wäre die Revision des Dreysns» Prozesses ebenso unvermeidlich, da auch der Militärjnstiz- Kodex die Verheimlichung von Schnldbeweisen vor dem Angeklagte» und desse» Verlheidiger ausdrücklich verbietet. Die Veröffentlich nng des Anklage-Aktes hat a-'f alle dem mili- täusche» Klüngel nicht verschriebene» Kreise einen tiesen Eindruck gemacht. Die„Petite Röpublique" erklärt, daß nunmehr„die ganze Situatio» vollständig verändert ist". Genosse Gbraull- Richard zerpflückt in einem Leitartikel de»„wahnsinnige»" Anklage-Akt und verlangt mit verstärktem Nachdruck die Oeffentlich- keit des Prozesses Esterhazy. Ueberhaupt beginnt in der Presse— endlich!— eine erfreliliche breitere Strömung gegen den militärisch- chauvinistisch. antisemitischen Terrorismns sich hervorzuwageu. Selbst der hochosfiziöse„Temps" verlangt wenigstens ein„Maximum der Oeffeutlichkeil". wo nicht die volle Oeffentlichkeit. Der ministerielle Senator und ehemalige opportilnistische Justiz- minister T r a r i e» x geht viel weiter. I» einem lange» Schreibe» an de» Kriegsminister, einer wahren Anklage gegen die frech- parteiische und gesetzesbrecherische Untersuch»,, gskomödie in Sache» Dreyfus. Esterhazy, verlangt er die Wiederanfnahme der abgeschlossene» Untersuchung. Freilich wäre davon nichts z» erwarten. Denn die Art und Weise, wie die bisherige Untersuchimg geführt wurde, bildet für fich allein einen erdrückenden Beweis dafür, daß der militärische Klüngel in der Person Esterhazy's wichtige Kaste»- interesse» und hochstchende militärische Würdenträger verlheidigt. Henry Rochefort, der sich i» eine» Vertrauensmann der kriegs- »linisteriklle» Biireaus und Esterhazy's nmgeinansert, hat überdies in einen»»nbewachlen Augenblicke ausgeplaudert, Esterhazy habe genug Steine im Sacke, um sämmtliche m i n i st e r i e l l e F e n st e r s ch e i b e n e i» z n w e r s e»... I» diesem offenkundige» Bnndc zivischc» dem Lumpe» Esterhazy und der militärischen Oligarchie besteht die politisch bcdcntsamsii Seite der'Affäre. Dagegen könnte höchstens eine»inthige öffentliche Protestbewegung aufkomme», die ebenso stark wäre, wie die bisherige gewissenlose Lug- und Trng-Kampagne. Emile Zola, der tapfer, alle» Koth-Anwürfe» zum Trotz den Kampf»ms Recht sortsetzt, bat soeben eine ziveite Broschüre veröffentlicht, einen„Brief a» Frankreich". Er schließt mit der Hoffnung ans ei»„lriinnphirendes Wiedererwachen vo» Wahrheit »nd Gerechtigkeit" i» Frankreich. Es inüßte mit Wunder» zugehe», wen» Zola's Hoffnung sich erfüllen sollte, so lange nämlich die inilitänsche Oligarchie in ihrem Wirknngsgebiete allmächtig ist. Zum Schluß ei» paar Worte über die in mancher Hinsicht be- zeichnende Ausnahme der offiziöse» Anslassung der„Köln. Ztg." z», Affäre Dreysns- Esterhazy. Die chanvinistische Presse erblickt darin den Beiveis, daß die deutiche Regierung hinter der Dreysns- Kampagne stecke. Sie benutzt daher jene Anslassung als eine inirk- snnie Waffe— für Esterhazy und für de» Ausschluß der Oeffentlichkeit im Prozeß. Die übrige» O,ga»e beschränken sich— mit ei» paar Ausnahmen— auf die trockene Wiebergabe. Nur der„Siöcte" betont nachdrücklich, daß die deutsche Regierung keine ähnliche Er- klänmg zu gunsten Esterhazy's abgegeben habe noch abgebe» könne— eine Anspielung auf die notorische» Beziehungen Esterhazy's mit dem neulich abberufenen deutsche» Mililäraltachö i» Paris, v. Schwartz- koppe». Schließlich sucht ei» chanvmistischer Rebaklenr des„Rappel", der im Gegensatz z» seinen Gesi»»»»gsge»osse» in der Dreysns- Affäre Verstand und Gewisse» nicht verloren ha«, die Oeffentlich- keil der Prozeßveihandlnngen als«ine»olhwendige trotzige AnlwoU aus bie hypothetische deutsche„Herausforderung"(falls nämlich die Erklärung der„Köln. Ztg."»nwahr wäre) nachzuweiseu... 4-* Wir verzeichnen nachstehend die a»S Paris eingetroffenen Depeschen über den Gang der heutigen Bcrhaublnng vor de», Kriegsgericht: Paris, 10. Januar. Unter de» zur Verhandlung Erschienenen bemerlle man mehrere Depnlirte, die Frau des früheren Haupt- manns Dreysns, welche von de» Rechtsanwälten Demange und Labor, und vo» Mathie» Dreyius begleitet war, ferner eine» stlegimii'gskoimmssar und den Major Hervieux. Der Vorsitzende des Kriegsgerichts, General de Luxer, gab den Befehl, den Aiigeklagten E st e r h a z y in de» Saal zu sührc». Nachdem dieser den Saal betrete» hatte, begründete» die Rechlsonwältc Labori und Demange ihre Anträge, der Frau Dreyfus und Mathie» Drcysus zu gestatte», dem ganze» Verfahre» bei- z u w o b n e n. Major Hervieux und Esterhazy's Anivalt Tezenae träte» diesen Forderungen entgegen, worauf das Kriegsgericht die Anträge ablehnte. Auf den Namensaufruf der Zeugen antworteten u. a. Malhieu Dreyfus, Senator Scheurer- Kcstner, Major du Paty de Clam, Oberst Picquart, Oberst Henry und General Gonse. Der Rc- gierungskoinmiffar beantragte, die Verhandlung bei ver- schloffene» Thüre» zu führe». Das Kriegsgericht beschloß indessen »ach einstünd ger Veratdung mit süns gegen zwei Sliinmcn, die Verhandlunge» sollten bis zn dem Augenblick öffentlich sei», wo die Oeffentlichkeit für die»altonale Bertheidigung gefährlich e r s ch e>» e n dürfte. Der Bericht des Majors Ravary, welcher die Anklage ver- tritt, erinnert a» die Umstände, welche i» Malhieu Dreyfus Verdacht gegen Esterhazy erregte», und welche ihn veranlaßten, de» selbe» bei dem KricgZininister zu denunzire»; der Bericht stellt ferner fest, daß infolge der Aehnlichkeit der Handschrist in dem Dreyfiis'scheu Verzeichnisse mit derjenigen Esterhazy's auch bei dem Obersten Picquart Verdacht entstände» sei. inid bemerkt, daß Esterhazy alle gegen ihn erhöbe»?» Anschnldigniigen von s i ch iveise nnd leugne, der Verfasser des Bordereans zu sein. Esterhazy behaupte. eS sei materiell unmöglich. daß er die Schriftstücke besessen haben könne, von denen das Bordereau spreche; die S a ch v e r st ä» d i g e» in S ch r e i b s a ch e n hätten auch ihrerseits erklärt, das Borderea» sei nicht das Werk Esterhazy's. Der Bericht behauptet sodann, Oberst Picquart habe in dieser Aiigeiegenheit schwer gefehlt nnd sich der Indiskretion schuldig gemacht. Als seine Vorgesetzten ihn aufgefordert hätte», nicht auf seinen Behanptungen zu beharren, habe er in eiueni Nngeiidlicke der Erreg»»« ausgerufen:„Ah, Sie wolle» nicht voran, ich werde Sie dazu zwingen!" Picquart hätte hinzugesügt: Sie»icrken wohl, daß eine schreckliche„Kawpagne" sich vor- bereitet." Picquart scheine die Seele dieser„Kampagne" gewesen zu sei»; er ivnrde im Jahre 1836 dabei überrascht, wie er in einci» Schranke wühlte und mit dem Advoiaten Leblois geheime Akiensiücke durchstöberte. Der Bericht gelangt zu dem Ergebniß, von der traurigen, so schla» eingefädelte» Angelegenheit bleche nichts übrig, als ein peinlicher Eindruck, der einen schmerz- lichen WiederhaU finden werde in allen wahrhaft französische» Herzen. Alle dabei anfgewendete» Mittel hatten den Zweck, eine Revision des gesetzmäßig nnd gerecht gefällten Urtheils zu erlangen. „Dem zu schließe», sagen wir, daß, wenn die Anschuldigungen gegen Esterhazy im stände wäre», die öffentliche Meinung zu er- rege», kein stichhaltiger juristischer Beiveis von seiner Strafbarkeit erbracht worden ist,»»d daß die mühevolle Borunter- suchung keine genügende Belastnng Esterhazy's hat erniittel» können. nm eine Anklage auf Hochverrath gegen ihn zn begründen. Wir stich der Ansicht, daß es angezeigt ist, eine» E i n st e l l u» g s- beschlnß ergehe» zn lassen." (Weitere MiUhellmigen siehe unter„Depeschen und letzte Nach- richten".)_____ Uolitifchv Mebevstcht. Berlin, 10. Januar. Der Reichstag und der preuftische Landtag nehmen morgen, Dienstag, ihre Sitzungen ivicder ans. Beide Parla« mente treten' in den Schlußabschuitt ihres Wirkens ein. Im Abgeordnetenhaus wird zunächst der Etat behandelt werden; über die ferneren Arbeiten dieses Hailses haben wir bereits aussnhrlich gesprochen. Der Reichstag besaßt sich zunächst mit der ersten Berathung der Gesetzentivnrfe zlim Gerichtsvcrfassungs-Gesctz und zur Zivil- nnd Strafprozeß- Ordnung. Im Vordergrund des öffentlichen Interesses werden auch weiterhin die Vorlage zur Militär-Strafprozeß- Reform nnd das Tirpitz'sche Flottengesetz stehen. Auch die Vorgänge in China dürften den Reichstag bald be- schäsligen.— Zur chinesischen Angelegenheit will die„Köln. Ztg." ivissen, daß die von China in England nachgesuchte Anleihe von 16 Rt i t l i o n e n Pfund Sterling ihrem Abschluß eutgegeurncke. Von der öffeutlichen Meinung dringlich unter- stützt, neige das englische Kabinet mehr und mehr dem Cut- schlnfse zu, der chincsischeu Regierung eine direkte Staatsanleihe zu gewähren. Durch diese Anleihe, die den Chinesen unter sehr günstigen Bediugungeit gegeben iverdcil soll, wurde England seine Position m China wieder bedeutend befestigen. Uebcr deuWcrth der K i a o t s ch a u-B u ch t für Deutsch- l a n d unterhielt sich, wie wir in„Daily Chromcle" lesen, ein Vertreter des Renter'schen Bureall's mit eiueni Eng- läuder, der sich über 25 Jahre in jenen Gegenden aufgehalten hat. Die Antwort lautete für Deutschland weit weniger g ü u st i g, als die Ansführnngen, die kürzlich in dem Wiener „Handels- Museum" zum Ausdruck gebracht ivurden und die wir im Auszuge wiedergegeben haben. Der Befragte erklärte: „Kiaotschan liegt unfern des blühenden Handelshafens von Tschisu; au dem Handelsverkehr dieses wichtige» Platzes ist Eng- land mit 60.73 pCl. betheiligt. Di« Umgebung vo» Kiaotschan ist ivenig industriell, fast durchaus landwirthschaftlich, Slraße» nach dem Inner» sind hier noch wenig angelegt. Unter diesen Um- stände» kann Denlschland seine Güter vo» anderen Häfen anS viel billiger und einfacher ins Innere des Landes expedire». Ter»ene Pachtvertrag ändert auch nichts i» bezug auf den Transport der Maaren von dem Freihafen nach dem Innern. Haben die Güler das gepachtete und besetzte Territorium verlassen. >o stehe» sie niit denen anderer Ralione» ans durchaus gleicher Stufe. Die Provinz Schanlung kann ihre eigene Bevölkerung nicht er- nähren; diese wandert in großer Zahl ans»ach dem Norde» China'S »nd der Mandschuri. Auch die strategische Bedenlnng von Kiaotschau soll nicht be- deutend sei». Tie offene Bai könne nur durch Ausivendung ganz enormer Summe» in eine» halbwegs genügende» Bertheidigungs- zustand versetzt iverden. Rußland habe ja, ivie bekannt,»ach Beeiidiguiig des chinesisch-japanische» Krieges diesen Platz besetze» wollen, sei aber, wohl i» Rücksicht auf dessen Werthlosigkeit davon abgekoaiinen..." Die Zukunft wird lehre», was Kiaotschau werth ist. Bedeutende Kosten iverden sicherlich nicht ausbleiben und die Kapitalistenklasse wird sich auch in diesem Fall nicht scheuen, die Kosten für das Unternehnien, das ihnen in erster Linie zu gute kommen soll, der großen, indirekte Steiler» zahlenden Piasse aufzubürden.— » �» Deutsches Reich. — Gendarm, A in t s v o r st e h e r und L a n d r a t h im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie erschien den Polizeibehörden immer als ein Gebiet, ans dem sie den Beiveis für ihre Unenlbehrlichkeit zn sühren haben, und vo» ihrer hohen Mission ersüllt haben sie im Eifer der Geschälte nicht selten Wege eingeschlagen, die vo» der sonst üblichen Auffassung über die Anfgabe» der Polizei weit abiveiche». In Hirschberg fand dieser Tage eine Gerichtsverhandlung statl, die iinuurhi» einen interessanten Beitrag liefert zu de» von de» Behörden gegen unsere Parteigenosse» be- liebte» Berfolgunge» und Maßregelungen. Der„Bote ans dem Riesengebirge" berichtet darüber: „Angeklagt war der Mühlenwerksührer Welnert ans Werner?- dorf im Kreise Bolkenhain. Er ist beschuldigt, den Gendarm Fiebig wissentlich salsch eines Meineides beschuldigt»nd beleidigt zn haben und ferner versucht zu haben, die Gendarmeric- Brigade durch Drohung zn einer Anilshandlung zu nölhigen. Weinert war seit Beginn des vorigen Jahres in der Mühle zu Weruersdorf thätig. Seine Herrin schätzte ihn als tüchtigen und pflichtgelreuc»'Arbeiter. Als»un eines Tages bekannt wurde, daß Weinert Sozialdemokrat sei und auch früher im Görlitz-Lanbaner Wahlkreise eifrig agilirt habe, kam der Gendari» Fiebig in höhere n> A u st r a g e zur D i e n st h» r r in des A n g c k l a g l e» und st e l I t e a» diese das A u s i» n e n, d e n Werk- f>i h r e r z» entlassen, damit das Dorf nicht verseucht werde. Bisher seien die Sozialdemolratc» glücklicherweise fern geHallen worden. Die Besitzerin der Mühle weigerte sich jedoch, diesem Ansinnen Folge zu gebe». Nunmehr bemühte sich der A in t s- Vorsteher»nd als auch dieser keinen besseren Erfolg hatte, sogar der Herr L a n d r a l h höchst eigenhändig. Er schrieb an die Besitzeri» einen Bnef, worin«r sie um die Entlassung des Werfiihrers er- suchte und sie darauf hinwies, daß ihre Fnmile doch stets gut patriotisch gesonnen gewesen sei. Die Fran blieb jedoch fest. Die politische Gesinnnng ihres Werkführers war ihr gleichgiltig. Auf- fallender Weise häufte» sich von diesem Tage an die Anzeige n gegen die Be Ivohuer der Mühle wegen der verschieden- artigsten Ilebcrtrctnngen. Die also Betroffenen glaubten Grund zn haben, daß die Anzeigen aus persönliche Feindschaft zurückzuführen feien. In mehreren Fällen waren die mit de» Strafmandaten Bedachten bei Anrufung des richterlichen Verfahrens freigesprochen worden. In einer Gerichtssitzung ermahnte der Vorsitzende sogar de» Gen- bannen, in Zukunft mit Weinert ein besseres Einvernehmen zu halten. Tlin 12. und 18. Oktoberr schrieb nun Weinert a» die Gendarmerie-Brigade, daß der Gendarm Fiebig gegen ihn und seine Arbeilslente wissentlich falsche Anzeige erstaltet und vor Gericht Unwahres ausgesagt habe. Ferner drohte er in dem Schreiben mit weiteren Schritten. insbesondere mit Veröffentlichung der ganzen Angelegenheit, falls Fiebig nicht in einen anderen Bezirk verseht werde. Wegen dieses Schreibens hatte sich nun W. zu verantworten. Auf grund der umfangreichen Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt eine falsche Anschuldigung wider besseres Wissen nicht für erwiesen. Doch habe W. dein Beamte» in frivoler Weise den Vorwurf des Meineides gemacht. Desgleichen sei das Vergehen aus Z Iis erwiesen. Er beantrage deshalb fünf Monate G e f ä n g n i ß und zwei Jahre E h r v c r l u st. Bon der Bertheidignug wurde geltend gemacht, daß W. höchstens formell gefehlt habe, doch habe er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, da ihn der Gendarm und dessen Vorgesetzter aus seiner sicheren Stellung verdrängen wollte». Er habe in dem guten Glauben gehandelt, daß der Gendarm Ihatsächlich, fei es auch aus Jrrlhum. etwas Unrichtiges beeidigt habe. Es sei deshalb Freisprechung des Augeklagte» oder die geringste Straf« wegen Nöthigung am Platze. Der Gerichtshof gewann ebenfalls nicht die Ueberzeugung, daß der Angeklagte wider besseres Wisse» gehandelt habe, noch daß er sich überhaupt einer Beleidigung schuldig gemacht habe. Dagegen wurde die Nöthigung für er- wiesen erachtet und W. unter Zubilligung mildernder Umstände, weil er durch das Vorgehe» des Gendarmen zu sehr gereizt worden war, zu vierzehn Tagen G e s ä n g n i h vernrtheilt." Die Gerichtsverhandlung hat den Beweis geliefert, daß Gendarm, Amtsvorsteher und Landrath sich mit dem ganzeu Einfluß, den ihnen ihre amtliche Stellung aicbt, bemüht haben, einen fleißigen, an- ständig«» Arbeiter aus seiner Arbeitsstätte zu entferne». Selbst der- jenige, der als schwerer Verbrecher durch Urthetl des Gerichts unter Polizeianfsichl gestellt wird, hat ein« solche polizeiliche Maßnahm« nicht zu erwarten; in seinem redlichen Erwerb darf ihm kein Hiuder- niß in den Weg gelegt werden. Nur gegen den Sozialdemokrat glauben die Hüter der öffentlichen Ordnung Mittel in Anwendung bringen zu können, die einem Mann, der eine dem Gcndarni, Amts- Vorsteher und Landrath nicht genehme politische Gesinnung hat, schwere wirthschaftliche Schädigungen bringen müssen. Ist dies die Aufgabe der Polizeibehörde? Und waö geschieht gegen die Beamten, die sich solcher Maßnahme» schuldig inache»? In Deutschland nichts— und das ist charakte- ristisch für das heutig- politische Syste in. Noch schlimmer gestalten sich diese Dinge, wenn man bedenkt, daß der von der Behörde Geächtete, weil er in wohl begreiflicher Erregung seinem Herzen Lust machte, nach dem Antrage des Staats- anwaltS Aussicht hatte, auf 5 Monate ins Gesängniß zu spazieren und 2 Jahre seiner bürgerlichen Ehrenrechte verlustig zu gehen. Schließlich hat das Gericht die Strafe auf 14 Tage ermäßigt. Sie erscheint aber trotzdem in anbetracht der ganzen Sachlage für den Augeklagte» äußerst schwer. Die„Volks-Ztg.* erwartet, daß im preußische» Landtag über diesen Fall eine Interpellation eingebracht werde. Wir sind neu- gierig, ob die Leute, an welche die„Volks-Ztg." denken mag, den Muth finden werden, in energischer Weis« hier einzu- greisen. Stoff giebt es in Hüll« und Füll«. Polizeizustände in Preußen zu geißeln, aber im preußischen Landtag hat sich bisher auch die freisinnig« Partei nicht als«in be- sonders energischer Anwalt der von Polizeileuten Gemißhaudelten gezeigt. So wird auch dieser Fall achtlos von den Herren in, Landtag bei seile gelegt werde». Wir werden aber dafür sorgen, daß solche Dinge sich in dem Gedächtniß des Volkes einprägen.— — Sozialdemokratie und Zentrum in Bezirken mit polnischer Bevölkerung. Die.Köln. Volkszeitung" schließt eine Besprechung der sozialdemokratischen Konferenz für Oberschlesten mit folgende» Ausführungen:„Für Nalibor hat mau Bebel als Kandidat aufgestellt. In den meisten Kreisen Handell es sich um bloße Zähl-Kandidaturen; doch sind i» einigen Kreisen bei der Eigenartigkeit der Verhältnisse Ueberraschuiigen nicht ausgeschlossen. Die Sozialdemokroten sind schon in der letzte» Zeit i» Oberschlesten sehr rührig gewesen, und nian möge Ihre Agitation nicht unterschätzen. DaS gilt auch von der sozial- demokratischen Propaganda unter der polnischen Arbeiterschaft im rheiiiisch-westfälischen Jndustriebezirk, in Hambnrg-Altona, Brcm-u, Magdeburg, Leipzig u. s. w. von gertnaerem Belang erscheint da- gegen die Agitation in Posen und Westprenße», Bromberg ans- genommen, wo unter der deutschen Arbeiterbevölkernng die Sozial- demokratie stark vertreten ist."— — Zentrum und Flotten vorläge.?l»S Mainz wird berichtet: Vor einer von etwa I2 Personen besuchte» ZentrumSwähler-Versamiiilung des Wahlkreises Mainz-Oppenheim entwickelte der NeichstagS-Abgeordnet« Dr. Schmitt seinen Stand- pnnkt zur Flottenvorlag«. Für die Mehrheit der Zentrumsfraktion könne er erklären, daß sie nur für ein« jährlich« Be- willigung sei. Cr, Redner selbst, der sein Erstaunen über Dr. Lieber's Reichstagsrcde äußerte, ist gegen die RegicrungSforderung. Und wenn die Regierung den Papst anrufe, so meine er, daß daS Zentrum mir religiöse Weisungen von Rom hole, die politische Haltung aber sei frei. Zum Schluß wurde eine entsprechende Reso- lntio» für die ZentrnmZsraktion angenommen. Neber die St euer frage schreibt die„Köln. Bolkseitnng": „Ist erst die junge Begeisterung verraucht und die RegierungS-Vor- läge bewilligt, so kommt das öde prosaische Bezahle». Daß dies aber auch nicht zu den beliebteste» Leibesübungen der Marine- Schwärmer gehört, zeigt die Thatsache. daß die Sammlungen für die Marine nur tausend Thaler eingetragen haben. Die Offiziösen lassen sich ebenfalls über die DeckuugS fragt nicht ans, und ivenn sie auch nicht gerade Camphausen's bekanntes Wort variiren:„Wir haben heidenmäßig viel Geld", so nehme» sie doch eine Miene an. die in keiner Weise au die Physiognomie eines»m Gehaltserhöhung biltendenReichs- boten-Lesers erinnert. Die Herren von der Finanz machen«inen höchst „wohlhabenden" Eindruck, als wollte» sie mit dem bekannten öden Berliner Sprüchlein sagen:„Es ist ja alles da. es ist nicht wie bei armen Leuten."„Nach Tische" wird inan's fckw» anders lesen. Ist erst das Flotten-Menn gegessen, so wird auch schon die Rechnung präsentirt werden. Aber dann wird, wie die Menschen nun einmal sind, mancher nicht„B" sagen wolle», der heute in das„A" sröh- lich eingestimmt. Unter diesen Umständen wird die Budget- koimnission der Deckungsfrage ihre ganz besondere und kühl« Ans- mnksamkeit znziliveiiden haben." Das klingt alles ganz hübsch, aber jedermann weiß, daß in irgend einer Form der Kuhhandel zivischen Zentrum und Regjernng fertig lverden wird. — Die„A d in i r a k 8 k i" der polnischen Fraktion sollen be- schlössen habe», für die F l o t t e n v o r l a g e zu stinmien. DaS Organ der polnischen Volkspartei, der„Oredownik", will es wenigstens aus sicherer Quelle erfahren haben. Die Nachricht klingt nicht unwahrscheinlich. Der Segen deS Erzbischofs Slablewski und feine Sieisen nach Berlin lhu» ihre Wirkung. Der polnische Adel, die polnische Bourgeoisie hoffen eher ihre Rechnung zu finden, wenn sie sich mit der Regierung gut stelle», als wenn sie, wie in den letzten Jahren, oppositionell auftreten. Dabei soll die preußische Regierung sich bekanntlich mit der Absicht tragen, vom Landtage die Verdoppelung des Hundertmillionenfonds zu verlangen, der der Germanisirung polnischer Landestheile durch deutsche Ansiedler dienen soll. Erfolge sind auf diesem Wege aber noch nicht errungen worden. Die deutsche» Agrarier ini Osten ziehen nach wie vor die bednrsnißlosen polnischen und russischen Landarbeiter heran. Aus jeden deutschen Bauer, der dort angesiedelt wird, kommen zehn sremdsprachige Kulis. Dazu kommt, daß in dem Anfiedelungswerk ein natürlicher Ansporn für das Polenthum liegt, seine Interessen erst recht wahr zu nehmen. Kurz, die Ber- doppelung des HnndertmillionenfondS ist der polnischen Partei nicht so»naugenehm, daß sie dadurch zu konsequenter Opposition in anderen Dingen gezwungen würde. Die Polen werden also wahr- scheinlich als Hilfstruppe für die Flottenvorlage auftrete». Unser» polnischen Genossen wird durch dieS Verhallen der herrschenden Klassen die Agitation bei den kommenden ReichstagSwahleu sehr erleichtert werden, — Die Postunterdeamten haben au den Reichstag eine Petition gerichtet� die 30 000 Unterschriften enthält. Die Peienten fordern u.«.Beseitigung der Schädigung durch die Einführung deS Dienst- aliersstufen-SysteinS; für Postschaffner und Briefträger ein Anfang«- gehalt von 1000 M. bis zur Höchstuse von 1800 M.; Er- höhung des Höchstgehalts der Landbriesträger ans 1200 M.; Erholungsurlaub von vierzehn Tagen für alle Unterbeamten; Feststellung eineS bestimmten WochenleistungsmaßcS an Dienststunde», Festlegung eines Höchstmaßes der von den Landbriefträgern zn leisteiiven täglichen Kilometerzahl und Einführung einer leichten Sommerkleidung. — Wieder ein Zengnißz wangS-Verfahren. Nach- träglich in Strafe genommen wurde der Setzerlehrlin g Kur- z y n s k i von der„Gazela Grndziadzka", welcher vor einiger Zeil dem Untersuchungsrichter des Landgericht? Grandenz den Name» d e s Verfassers eines Artikels nicht angeben wollte. Wie wir seinerzeit weldete», hatte der genannt« Lehrling auf Befragen vor Gericht erklärt, daß ihm zwar der Verfasser des inkrimi- Hirten Artikel? bekannt fei, doch werde er denselben nicht nam- Haft machen, da er sich sonst„als einen Lumpen" betrachten müsse. Kurzynski wurde nun zunächst in eine Geldstraf« von dreißig Mark genommen, an deren Stell» im NicdtbeilreibnngSsalle eine Haft von 6 Tagen tritt. Sollte K. nach dieser Vernrlheilung den von ihm verlangten Namen auch serner noch verschweigen, so kann die Strafe progressiv weiter erhöht werden.—- — Von der dänischen Sl g i t at i o n. Aus Kiel wird u»S geschrieben: Wie die dänischen Blälier des nördlichen Schleswigs melden, hat der dänische Schnlvmin in NordschleSwig im Jahre 1897 an 237 Personen Unterstützungen zum Besuch dänischer Schule» verliehen. In den Jahren 1894, l69S und 1896 betrug die Anzahl 266, 193 und 200. Gegenwärtig befinden sich mit Hilfe des Ver> eins 123 junge NordschleSwig« ans dänischen Schulen. Der Verein hat bei einer Milgliederzahl von jetzt 4740 eine Einnahme und Aus- gab« von 14 377 M. gehabt» Erfurt, 9. Januar.(Eig. Ber.) Der näherrückende Termin der ReichStags-Nenwablen veranlaßt endlich die bürgerlichen Parteien des Wahlkreises Erfurt-Schlenstugen. auS ihrer bisherigen Indolenz heranszntrete» und sich mit der Kandidatenfrage zu beschäsligeu. Am raschesten sind diejenigen Parteien bei der Hand, die weder groß zu verlieren noch zu gewinnen haben. So haben die Ratio nal-Sozialen bereits den Pastor Naum ann, dieFrcisin nige« den jetzigen Reichs- tags'Abgeordnctcii für Varel(Oldenburg), Rechtsanwalt Träger, und die Antisemiten den Kaufmaiin K u r z h a l s au« Suhl aufgestellt. Die antisemitische Kandidatur ist besonders interessant, da bei der 1893er Wahl der jetzig« konservative Vertreter für Erfurt, Herr Jacobskötter, wesentlich durch die Antisemiten unterstützt wurde, während sie ihn jetzt fallen lassen. Ein« Kom- promiß• Kandidatur Jacobskötter scheint auch seitens der übrigen in Frage kounnendeu Parteien wenig Gegen- liebe zu finden, denn in einer gestern hier stattgefundeneu„vertraii- lichen" Versammlung der N a t i o n a l l i b e r a l e n äußerte man verschiedene Bedenken gegen einen konservativen Kompromißkaudidaten im allgemeinen, gegen den wandlungssähigen Herrn JacobSköter im besonderen. Man will deshalb von nalionalliberaler Seite den früheren Minister von Lucius z»„bewegen" ver- suchen, die Kandidatur zu übernehmen, da man in setner Person die nöthigen Kompromiß- und Kartellelgeuschaften gesunden zu haben glaubt. Herr Lucius hat aber be- reils die ihm angebotene Kandidatur Mühlhausen- Langen- salza abgelehnt, so daß noch Zweifel bestehen, ob er die Erfurter annehmen wird. Da die Konservativen höchstwahrscheinlich a» dem „bewährten" Herrn Jacobskötter sesthalte» werden, daS Zentrum wie gewühnlich einen Zählkandidaten Ausstellt, haben dt« bürgerlichen Wähler die reichltche Auswahl zivischen sechs Kandidaten. Für unsere Partei, von der, wie schon früher niitgelhettt, der Redakteur Heinrich Schulz- Erfurt anfgestellt ist, stehen die Slktien in Ersurl-Stadt, sowie besonders im Schlenstnger Kreis(Thüringer Wald), ivoselbst in fast allen Ortschaften der Kandidat bereits Versainmlnngen ab- gehalten hat, sehr günstig, so daß der Kreis Erfurt bei einigem Eiser der biestgen Genossen in ver»nchften Wahl unser werden »mß, trotzdem u»S die mündlich« Agitation im Erfurter Land- kreis durch das„geistige" Mittel der Saalabtreiberet fast ganz un» möglich gemacht wird.--- — Im Berel»»gesetz-AilSschuß des bayerischen Landtages beantragte heute v. V o l l in a r. wie uns telegraphisch aus München belichtet wird, die StaatSregiernng zu er- suchen, baldthunlich«ine Gesetzesvorlage zu unterbreiten, durch welche ein« gründliche Umgestaltung des bestehenden Gesetzes vorgenommen und eine unbeschränkt« Vereins- und Aersammlnngsfreiheit wie in Württemberg und Hessen durchgeführt werde. Eventuell soll durch Gesetz grundsätzlich bestimmt werden, daß der Besuch von Versamm- lungen und die Theilnahme an Vereinen allen Staatsangehörigen uneingeschränkt sreistehe und daß«in BerbindungSverbot politischer Vereine unbedingt ausgeschlossen sei. Stilttgart, 9. Januar.(Eig. Ver.) Die V e r f a s f u n g s- k o m m i s s i o n des württembergischen Landtags hat ihre Thätigteit am Freitag wieder anfaenommen. In der ersten Sitzung wurde der Antrag»nsereS Genossen Kloß, der Stadt Stnttgart, die ihrer Einwohnerzahl nach eigentlich b Abgeordnet« haben sollte, 4 Ab- geordnete zuzubilligen, mit allen gegen 1 Stimme abgelehnt und der Regiernngsenlwurf angenommen, der 3 Abgeordnete vorsteht. Der Ersatz der auS der zweiten Kammer ansznfcheidende» Privilegirten(Adel und Kirche) durch 2i mittels der P r o p o r t i o n a l iv a h l zn gewinnenden Abgeordnete» wurde mit 10 gegen 4(nationalliberale) Stimmen angenommen.— Die Wasserrechtskommission wird am 18. Januar und die Konnnission für?l b s ch a f f u n g der L e b e n S l ä n g l i ch k e i t der Ortkvorsteher am 24. Januar zufaniinentreten. Der Landtag wird nicht vor Mitte Februar einbernfen werden. — Chronik der Majestät s b e l e i d i g u» g S- Pr o z e fs e. Die Prostituirte Klara Bornba aus Kaltowitz wurde von der Strafkammer in Benthe» O.-S. wegen Majestätsbeleidiglnig zu vier Monaten Gesängniß vernrtheilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oessenllichkeit statt. — Die VertragS-Urkunden übe« das deutsch. französische T o g o- A b k o»> m e n sind am Sonntag in Berlin »»d Paris ausgetauscht worden. Damit hat diese Frag, ihre» volle» Abschluß erreicht. Oesterreich. Prag, 9. Januar.(Elg. Ber.) Die Jnngczechen bilden heute da» mustergilltige Beispiel poltlischer Dekadenz. Sie sind nicht ver- § leichbar jenen politischen UntergangStypen, deren Zerfall und lbsterben historische Nothwendigkeit ist, vielmehr gleichen st« jene» Existenzen, die durch unredliches S-bahren dem Ruin entgegen gehen und sich nur durch Hochstaplerküust« über Waffer zu halten vermögen. Das Unglück, daS sie über die Nation und die Stadt Prag heransbeschworen haben, dauert fort, aber die Jung- czechen können sich nicht einmal mehr zu einem Protest gegen die jetzt überflüssig gewordene Maßregel deS EtandrechlS aufraffen; sie setzte» sich durch frivolen Galgenhumor darüber hinweg. Vor dem Volk Rechenschaft abzulegen, auch das vermöge» sie nicht, vielmehr halten sie hinter Schloß und Riegel, unier dem Schutz der Bajonette ihr« Bet- sammlnngen ab und jedem, der sich nicht willenlos dem Szepter dieser Demagogen beugt, wird der Eintritt versperrt. Da es den Sozialdemokraten unmöglich war, in einer jungczechischen Ber- saminlung daZ Wort zu erhalten, berief der politische sozialdemokratische Klub für heute«ine groß« öffentlich« Versanim- lung ein, zu der er auch den Führer der Jungczechen Dr. Engel lud. Merkwürdigerweise erschien Dr. Engel. Es ist bekannt, wie die Sozialdemokraten in jnngczechischeu Versammlungen behandelt werden und besonders«ine Versammlung im Vorjahr ist noch in aller Gedächtniß, wo Sozialisten blutig geschlagen wurden. Wie weit die czechisch« Arbeiter- schast politisch geschult ist und mit welchem Ernst sie ihre politische» Angelegenheiten zu verfechte» sucht, geht ans dem Umstand« hervor. daß Dr. Eugel's Rede angehört und sachlich widerlegt wurde. Die Vernichtung war aber auch vollständig. Die besten Redner der Arbeiterschaft übten die schärfste Kritik an der Politik der Jnngczechen und mit stürmischem Beifall ward am Schluß ein« Resolution angenommen, in welcher de» Jnngczeche» die schärfste Mißbilligung ansgesprockien wird. Nicht nur in den Reihen der Arbeiterschaft ist dieser gerecht« Zorn zum Durch- bruch gekommen, auch ein Theil des Bürgerthams sagte sich vo» der jungczechischen Partei los. In Oesterreich sind es nur die Lehrer, welche unter dem Bürgerthum einen gesunden Fortschritt vertreten,>vo sie nicht im sozialdemokratischen Lager stehen. Seinerzeit war es die Lehrerschaft, die den Jnngczechen zum Sieg über dieAltczechen verhalf, und heule bereits lasse» sie durch ihr Organ verkünden, daß sie in d« gegenwärtigen jungczechischen Politik keine Gewähr sehen für einen gedeihlichen Fortschritt und namentlich von der Ber- brüderung mit de» Klerikalen das ärgste befürchte». Das Jung- czechenthmii scheint als politischer Machlfaktor immer mehr bergab zu gehen.— Prag, 10. Januar. Eine Txlra-AnSgabe der amtlichen„Präger Zeitung" sowie Straßenplakate geben bekannt, daß das Staudrecht von heute früh S Uhr ab aufgehoben ist. Prag, 19. Januar. Der Landtag wurde heut« wieder eröffnet. Der Zugang zu dem LandtagShause wurde durch Eicher- heitswacheu freigehalten. Bor dem Beginn der Sitzung traten die Klubs zusammen. Der Obmann der Kurie, der Großgrundbesitzer Gras Bouquoy, beantragte die Einsetzung eines aus de» Kurien und dem ganzen Haus« zu wählenden 24s>liedrige» Ausschusses, welcher Anträge stelle» soll, wie im Eiuverständniß mit de» Vertretern beider Volk«- slämme die S p r a ch e n v« r h ä l t n i s s e des Landes geregelt iverden können. Abg. Schlesinger beantragte Aufhebung der Sprachenverordiiungen. Es wurden Jnterpellaiioiien eingebracht über die im August v. I. in Brüx vorgekommenen Uebersälle aus die Czechen und wegen der stürmischen Vorgänge in Prag.— Trappan, 9. Januar. Eine für heute Nachmittag hier beabsichtigte VolkSverfainmlung wurde seitens der Behörde untersagt. Aus diesem Anlaß demoilstrirten etwa«00 Arbeiter, unter denen sich ungefähr 300 ans dem schlesische» Kohlenreviere befanden, vor dem Landhanke und dem Regierungsgebände für das allgemein« Wahl- recht.— Schweiz. Bern, 9. Januar.(Eig. Ber.) Die Poklzeipokitik der Negleriing und städlische» Behörden ist nun zum zweiten Male gerichtlich ver- urlheilt worden. Wie vor einiger Zeil daS Verbot des Tragens der rolhcn Fahnen vom Bundesgericht als verfassungswidrig erklärt und der verurtbeilte Genosse Egenter fielgesprochen wurde, so hat nun daS bernische Obergericht auch die stadtbernische Verordnung gegen die Streikenden als verfassungsividrig erkannt, eine» verurlheilten Buchbinder freigesprochen und ihm noch 40 Fr. Entschädigung zu- gesprochen. So holen sich die kapitalistisch gesinnten und arbeit«- feindlicyen Bchöide» bei ihr« eifrigen Gesellschaftkrettung eine Niederlage und Blamage nach der andern und wird damit bewiesen, daß man der ans gesetzlichem Bode» flehenden Arbeiterbewegung mit ungesetzlichen Mittel» nicht beikommen kann.-- Spanien. Madrid, 9. Januar. Die gestern gefällte Entscheidung deS hohen Ralhes erblickt ein Vergehen in dem Verhalten W e y l« r' s und trägt dem Generalkapitän de» Distriktes als richterlicher Be- Hörde auf, d e» P r o z e ß« t» z u l« i t e n; der hohe Rath behält sich jedoch vor, den Prozeß hinterher zu prüfen. Ans grund dieser Entscheidung wurde«in Militärprokurator ernannt, welcher die Untersuchung vornehmen soll, damit Wetzl« vor dem Krlegsrath erscheine. Sin« Depesche au» H a v a n a meldet, General Ochoa, welcher «ine» Transport befehligte, hätte bei Bayanio mehrere Gefechte mit den Auiständischen gehabt; die Spanier nahmen drei Lagerplätze der Aufständischen; diese hinterließen 8 Tobte und zahlreiche Waffen. Der Sekretär des Marquis Santalueia, sogenannten Präsidenten der kubanischen Republik, namens Quiros, hat sich unterworfen, indem er erklärt, daß nach der Einsetzung der tzlntonomie zu einer Fortsetzung des Anfftande« kein Grund mehr vorhanden sei; ebenso haben stäi der Kommandant Antonio Nunez, zwei Offiziere und«ine Anzahl Ausständischer, alle bewaffnet,«mtmvorsen. Man glaubt, daß weitere Unlerwerfungen von Allsständischen folgen werden.— Rußland. — VerHaft»ingen i» W o r o n« f ch. I» Woronesch, einer GouvernemenlSftadt in Westrußland, südlich von Moska», sind in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 27 Personen ver- haftet worden inid zwar vier Statistiker des Semstwo Syziansky, Roßliakoiv, Dobrjakow und Rjachowsky; Frau Loiko. welche im Statistischen Komitee arbeitete, und ein Beamter des Statistischen Komitees der Kanzlei d«S Gouverneurs, dessen Namen uns unbekannt ist; zwei Offiziere Masurenko und Petin; zwei Herren von uns nnbekannleni Berufe Kostomarow und Tschernyschow; der Eisenbahnarzt Jspolatow; drei Eisenbahnkomptoiristen Krap. Tscherenkow und Tschasoivnikow; der Besitzer einer Schlosser- werkstätle Iwanow- Rybakow(Meisler der elektrotechnischen Abtheilmig der Eisenbahnwerkstätten) und II Arbeiter der Eisenbahn- iverkstätte», von denen uns nur der Name des einen— Gusseiv— bekannt ist. Ein paar Tage daraus sind sechs weitere Personen verhaftet worden. Von den Verhafteten sind mehrere, so z. B. der Arzt Jspolatow und der Statistiker Syziansky im Alter von 40 bis 50 Jahre stehende Leute. Der Anlaß zu diesem außer- aeivöhnlichen Vorgehen der Gendarmerie ist uns nicht bekannt. Jedoch mußte man in Woronesch, daß«in Gewitter im Anzug ist. Im letzten Sommer wurden zwei Offiziere deS Gendarmerie. korpS nach Woronesch zur Unterstützung der dortigen Gendarmerie abkoimnandtrt u»d während eines Zechgelages plauderten sie anS, daß von ihrer Thätigkeit bald ganz Rußland reden wird. Unter den Verhaftete» befinden sich Leute, deren politische Unschuld für jeden, der sie kennt, keinem Zweifel unterliegt, und, wie wir höre», hat der Staatsanwalt mangels jediveden Belastungsmaterials die Eiöffnuug eines Verfahrens gegen die BerhasUU» abgelehnt.— ?iii Wilua wurde am 81. Dezeniber in den verkehrsreichsten m der Stadt ein in der geheimen Druckerei des jüdischen ArbeiterbnndeS hergestelltes Flugblatt des Wilnaer sozialdemo- kratischen Komitees anSgelheut. In den» Flugblatt wurden die Wilnaer Arbeiter aufgefordert, ihre verhasteten und verbannten Kollegen materiell zu unterstützen und— allen Unterdrückungs- maßregeln zum Trotze— den Kampf gegen die Unternehiuer weiter- zuführen, welcher als Erziehungsmittel und VorbereitungZstadium zu dem Kampf« gegen den russischen Absolutismus, welcher der ge- sammlen russischen Arbeiterschaft bevorstehe, zu betrachten sei. Die Verbreitung des Flugblattes niachte das größte Anssche» in allen Bevölkerungskreise» der Stadt. Füns Arbeit« sind aus Anlaß dieses Borsalles verhaftet worden.— Griecheulaud. Athen, 8. Januar. Deputirtenkammer. Der Finanz» minister Streit legte das Budget für das Jahr 1898 vor; das- selbe schließt in de» AuZgnben und den Einnabmen mit S7S7SCI00 Drachme» ab. Von dieser Siunm« werden 21 44S 000 Drachme» für den Dienst der öffenllichen Schuld in Anspruch genommen. Das Budget enthält keinen Betrag für den tnnflige» Dienst der ZiriegS- «ntschädigmigs-Aiileihe. Der Minister gab keine Erklärung ab hin- sichtlich der Gesetzenlivurse betreffend die Finanzkontroll« und das Abkommen mit den Gläubigern. Die Sitzung wurde ohne Zwischen- fall geschlossen. Aus Ersuche» des Ministerpräsidenten Z a i m i s vertagte sich die Kammer, bis die oben erwähnten Entwürfe zur Vorlage in der Kammer vorbereitet sind.— Afrika. Kair», 9. Januar. Ein Bataillon englischer Truppen ist heute Nachmittag nach Luxor abgegangen, von wo sich dasselbe nach Wadi-Halsa einschifft; ei» weiteres Bataillon wird am Freitag ab- gehen und es ivird später auch Kavallerie nachfolge». Die Derwische konzeutriren sich immer noch bei Melemmeh und Ehendi. In Omdurman herrscht reg« Thätigkeit. Kitchener Pascha»leibt noch in Wadi-Halfa. Die Eisenbahn nach Assnan wird in einigen Tagen fertig gestellt sei«. Asien. Bombay, 10. Januar. Eine Abtheilung Infanterie in Stärke von ISO Plan» ist gestern ivenige Stunden nach Eingang des Be- fehls von hier»ach dem persischen Meerbusen ab- gegangen. Man glaubt, die Entsendung steh« mit der jüngst er- folgte» Ermordung eines englischen Telegrapheu-Beamteu an der persischen Küste in Zusammenhang.— Innerhalb der letzten 48 Stunden wurden ISO S!eu-Erkrank»nge» an der Pest und 126 Todesfälle gemeldet. Seit Wiederausbruch der Pest find int- gesammt 406 Todesfälle vorgekommen.•— Amerika. Montevideo, 9. Januar. Der Präsident unterzeichnete«in Dekret, durch welches fünf Bataillone der Nationalgarde einberufe» werden. Es wird vermutbet, daß damit aus die der Kandidatur des Präsidenten feindliche» Mitglieder des gesetzgebenden Körpers ei» Zwang ausgeübt werden solle.— Jpttvlamenkarisches. Da» Reichs Marine-Amt hat, wie die„B. 31. 31." mit- thellen, als Ergänzung des mit dem Flottengesetzentwurf ver- öffentlichten statistischen Materials, bttreffend die Seeiulereffen des Deutschen Reiches, die Znsammenstellung und die Herausgabe weitere» Material? in Aussicht genommen, die-sich vor allem auf Bergleichungen der Seeintereffen der übrigen Länder be- ziehen soll. Ter vrenfitsche Landtag wird am Dienstag Mittag I Uhr seine erste Plenarsitzung abhalte». Eine Reihe von Vorlagen weide» dem Haus« erst am zweiten EitzungSlage zugehen. Seitens des Finanfz» Ministeriums werden die vom Staatsministerium genehmigten Gesetzentwürfe, wie betreffend den EtaalshanShalts-Etat(sog. Komp- tabililätsgesetz), die Neuvewilligung von 100 Millionen für An- siedelungszwecke in Posen und Westpreußen, Berstäiknng der Fonds der Prenbischen Zentral-Etuossenschaflskass«. Entschädigung der durch Hochwasser erlittene» Verlust««. zusammen mit dem StaatkhauS- Halts-Etat eingebracht werden. Finanjininister Dr. v. Miquel wird im Abgeordnetenhaus« den Etat mit diesen anderen Vor- lagen erläutern. Nach Eröffnung des Landtages werde» dem Herren- hause das von der Generalsynode beschlossene und in dieser Fassung von der GtaatSregierung genehmigte Gesetz betreffend daS Dienst- einkoinmen der Geistlichen, und dem Abgeordnetenhause der Bericht über die BetriebSergebnisse der Eisenbahn-Verwaltung pro 1897 zugehe». Mit dem Eisenbahuetat für daS Rechmnigsjahr lS9S wird dem Landtage auch eine aussührliche Deukschrist über die B et riebS- sicherheit der Eisenbahnen zugehe». Acht» Zand»«- Nersammwus der Sozialdemokratie Kaden». O f f» n b n r g, 9. Januar 1898. In der gestrigen Vorverfammlung wurden verschiedene interne Angelegenheiten erledigt. Von besonderem Interesse war dabei die prinzipielle Debatte über die Frage, ob im Dienst der Varteipresse stehende Journalisten Beziehnngen zu bürgerliche» Blättern von der Art der.Frankfurter Zeitung" unterhalten dürfe». Die grobe Mehrheit der Delegtrten sprach sich direkt gegen einen Antrag anS, worin der Parteitag ersucht war. de» Parteiredakleuren alle Beziehungen zu bürgerlichen Blättern zu untersagen. Infolge dessen zog der Antragsteller seinen Antrag zurück. Mit großer Geuugthuung wurde von der Versammlnng die Er- kkärung DreeSbach'S aufgenommen, daß vo» der au? der Zeit der Rüdtsschen Konflikte datirenden Spannung zwischen ihm und seinem LandtagS-Kollegen Ad. Geck nicht mehr«in Schatten besteh«, und daß sie beide entschlossen seien, zusammen zur Ehre der Partei zu wirken. Hierauf wurde da» Bureau der LandeZ-Versammlnng wie folgt Jusammengesetzt: DreeSbach- Mannheim, 1. Vorsstzender; trobn- Konstanz, S. vorsstzender; K o l b- Karlsruhe und O p i f i- ziu»- Pforzheim, Schriftführer. vom LandeSvorstand der sozialdemokratischen Partei Württem- bergS ist«in herzliches Begrüßungstelegramm eingelaufen. Bei Beginn der heutige» Hauptversammlung protestirt« der Borfitzend« DreeSbach gegen die polizeiliche Ueberwachung de» Parteitages durch zwei vom hiesigen Bezirksamt abgesandte Gen- darmerie-Wachtmeister. Nach dem badischen BereinS- und Versammlungsgesetz sei nur die Ueberwachung öffentlicher Volksversammlungen gesetzlich zulässig; aus den Motiven des Gesetzes ergebe sich, daß ein Parteitag nicht als«ine solche Versammlung zu betrachten sei. Da die überwachenden Beamte» sich nicht entfernten, erklärte Dreesbach. daß die Landesversammlung sich die Ueberwachung unter Protest und um der angedrohte» Auflösung des Parteitages vorzubeuge», geiallen lasse, daß fle aber»»gleich die Landtngsfraklion der badischen Sozialdemokratie beauftrag», diese Sache im Landtag zur Sprache zu bringen und eine prinzipielle Entscheidung darüber herbeizuführen, ob ein ordentlicher Parleitag der Sozialdemokratie Badens als öffenttiche BolkSverfammlnng zu betrachten fei; dies um so mehr, alS die Parteitag« der übrigen Parteien Bavens nicht polizeilich überwacht werden, und«S sich daher um ein Ausnahmegesetz gegen die badische Sozialdemokratie bandele. Di« Landesversamnilnng erklärt« sich mit diesen AnS- führnngen vollständig einverstanden. Es folgte»nn ein einleitendes Referat DreeSbach'» über die Erfolge der badiscden Sozialdemokratie im letzten Jahre. DreeS- back betrachtet die Wahlerfolge der badischen Genossen auch für die Zukunft als vollständig gesichert und ist überzeugt, daß bei den nächsten Wahlen weitere Erfolge nicht ausbleibe» werden. Dreesbach gedachte sodann der Tobte» der Partei aus dem letzten Jahre, be- sonders der Genossen Am and Goegg, Grillenberger, Schulze und N o e b e r- Mannheim. Di« Delegirte» erhoben sich zur Ehrung der Verstorbene» von ihren Sitzen. Hierauf gab E n g e n G e ck den Bericht über die Mandat»- Prüfungen. Eingelaufen sind SO Mandate von 49 Delegirten, die zusammen 41 Mitgliedschaften repräsentiren. Ferner sind vertreten der Landeßvorsland, die Landlagsfraktion und die Parteipresse. Zum l. Punkt der Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenbericht erhält der Landesvorstand Hang das Wort. Das hauptsächlichste anS diesem Geschäfts- und Kassenbericht hat der.Vorwärts" bereits in einer seiner letzten stknmmern gebracht. Von den zu diesem Punkt der Tagesordnung vorliegenden A n« trägen wurden folgende angenommen: Frei bei rg. Lörrach und Durlach: Die Beiträge für die Landeskasse sind von S auf 10 Pfg. pro Mitglied und Monat zu erböhen. Offen bürg: Der ß II des Etat»» erhält folgende Fassung: Der monatliche Beitrag der Mitgliedfehasteu an die Landesorganisatio» beträgt 10 Pfg. Durlach: Die Mitgliedsbücher find obligatorisch einzuführen. Die Marken sind vom Landesvorstand zu beziehen, mit vierteljähr- licher Abrechnung; die Abrechnungssormulare stellt der Landes- vorstand. Ein Antrag von Ossenburg betreffend Verlegung des.Volks- freuuds" wurde wegen dessen Ucberholnng durch die Ereignisse zurückgezogen. Nach dem hierauf gegebenen Bericht der Revisoren wurde dem Kassier des LandeSvorstandeS, E n g« s s e r- Freiburg. einstimmig Decharge ertbeilt. Beim Punkt Presse führte der Berichterstatter Adolf Geck auS. daß er in der erfreulichen Lag« sei, in Beziehung auf die geschäftliche Lage wie auf die GerichiSstatistik der beiden badischen Parteiblälter Gutes mittheilen zu könne». Der Abonnenteustand der Parleiblälter habe sich auch dieses Jahr erhöht;„Volksfreund" und„Volksstimme" hätten zusammen gegenwärtig 10000 Abonnenten. wovon etwa 4500 auf den.BolkSfreund" kämen. WaS speziell den „Volksfreund" anlange, so müsse er besonders hervorheben, daß die zahlreichen Korrespondenten des Blatte? die Mabnung des letzten Parteitages, bei der Berichterstattung mehr alS bisher aus Zuverlässigkeit der Angaben zu sehen, beherzigt hätten. Infolge dessen sei die Zahl der Privatklagen gegen de»„Volks- freund' erheblich geringer alS im Borjahre. Zluch die Offizialklagen seien nicht mehr so häufig als in früheren Jahren. So habe die „VolkSstimme" dieses Jahr gar keine Offizialklage zu verzeichnen, und die Anklagen gegen den„Volksfrennd" im Iltis- und im Mili- tärboykolt-Prozeß, die bekanntlich beide mit Freisprechungen endeten, seien von der Staatsanwaltschaft erst ans Drängen von Berlin aus gestellt worden. Während die Staatsanwaltschaft die absolute Fruchtlosigkeit ihre? Kampfes gegen die Sozialdemokrati« eingesehen hätten, führten die Bezirksämter diesen Kampf mit umso mehr Hingebung.— Weniger ersrent alS bei diesem Punkte sprach sich Geck über die Frage der Verlegung des „V o lks f re un d s' nach Karlsruhe auS. Gr gab zunächst eine Darstellung des Ganges der Verhandlungen mit Dietz-Ginttgnrl und erklärte, daß es ganz anßer allem Zweifel sei, daß Genosse Dietz, der sich ursprünglich bereit erklärt hatte, den Verlag des„Volks- frennds" bei seiner Verlegung nach Karlsruhe zu übernehmen, feine anfänglich günstige Ansicht über daS Unternehme» erst in der„Berliner Luft' geändert habe. Sehr scharf wandt« fich Geck gegen die Auffassung, alS ob die Unterhandlungen niitDietz anderHöheder geforderten Summe für den Verlag d«S„Volksfreunds', nämlich 15 000 M., gescheitert seien. Die Kumme vo» IS 000 M. für den Verlag sei lhalsächlich sehr bescheiden. Zum Schluß erklärt- Geck, daß so. wie die Situation etzt liege, eS thalsächlich aussichtslos fei, über diese Angelegenheit rgend noch auf dem Parteitag zu diskntiren. K o l b- Karlsruhe hält die gegenwärtigen Zeitungsverhälinifl« in Karlsruh« für unhaltbar. Die Karlsruher hätten ans den bis- herigen Erfahrungen mit den Verhandlungen über die Verlegung des .VolkSfrennds' die Lehre gezogen, daß sie sich anf keinen Fall aus irgend welche Versprechungen inehr einlassen würden. Sofern man nicht aus der»inen oder andern Seit« nachgebe, ivürde» die KarlS- ruher ihre eigene» Wege gehen, d. h. sobald als möglich«i» eigenes Blatt gründen. Die Karllrnher Parteigenossen stellen nach der Erklärung Kolb's an G« ck die direkt« Anfrage, ob er gewillt sei, den Verlag und die Druckerei»ach Karlsruhe zu verlegen. Sei dieS nicht der Fall, dann feie» die Karlsruher nicht verantwortlich, wenn in Baden«in bäß- licher Parteistreit entstehe, wie«S bereit? in anderen Gegenden Deutfchlands geschehen. T r e p p e r- Karlsruh« steht auf dem gleichen Standpunkte wie Kolb. Eugen Geck befürwortet»ine etappenweise Ueberfübrnng des „VolkSfreundS' nach Karlsruhe; die nächst« Stuf» auf diesem Wege sei die Ueberführnng de» BlattverlageS in Partei-Eigenthum, vorerst ohne Verlegung nach Karlsruh«. Adolf Geck erklärt auf die Anfrage Kolb'S, daß er nie und nimmer, wie er«S übrigen» oft erklärt habe, daS Blatt und die Druckerei auf fein eigene» Risiko nach Karlsruhe verlegen könne. Hang- Freiburg wehrt sich entschieden gegen dt« Behauptung A. G-ck'S, daß die Verhandlungen nicht an dem hohen Preis vo» IS 000 M. gescheitert feie». Der PreiS fei zwar nicht z» hoch be- rechnet für die V-rhällniffe, unter welchen der„Volksfrennd" ent- standen ist und gekämpft hat, wohl aber für die Partei, die eben dies» Snnnn« nicht erschwinge» könne. S ch ä tz l e- Bulach spricht sich ebenso wie Kolb über die Sache au». Hierauf geht von de» O f f e n b n r g« r Parteigenossen folgen« der Antrag ein, über den sofort die Diskussion beschlossen wird: .Es ist die Ueberführnng des Verlagsrechts des„Volkssreunde»' in daS Eigenthnm der Laudes-Organisation anzubahnen. Der „Volksfrennd' soll, wenn die materiellen Bedingungen hierfür vorhanden sind, täglich in Karlsruhe erscheinen. Vi» dahin wird daS Blatt, wie bisher, in Offenburg, aber im Partei-verlag Herausgegeb«». Eine heul« zu wählende Kommission, von Parteigeuoffe» auS den verschiedenen Laudeslheile» zusammengesetzt, soll die Bedingungen für die Ueberstthrnng sest- setzen." DreeSbach hält die«uffaffung d«S Antrages für richtig und glaubt, daß besonders vom geschäftlichen Elandpiintt ans der Verwirklichung d«S Projekts in diesem Sinne nichlS entgegenstehe. Eugen Geck schließt sich den AuSführunge» Dreesbach's an. Adolf Geck hält da? angedrohte eigenmächtige Vorgehen der Karlsruher für abfolnl unangängig. Er glaubt, daß der Antrag der Offenburger Genoffen, obwohl vorerst nur platonisch zu nehme», dennoch mehr Aussicht auf praktischen Erfolg habe. Was ihn persönlich betreffe, so häng« die Ueberführnng des„VolkSfreundS" in Parteieigenlhum lediglich davon ab, ob die Partei im stände fei, Garantie für Beschaffung der für die Ablretnng deS Verlags ge- forderte» Summe zu leisten. Im übrigen befürwortet Geck, in die Kommission in allererster Reihe Fachleute zu wählen. Kolb- Karlsruhe wehrt sich gegen die Vorwürfe, als ob die Karlsruher in ihren Wünschen zu weit gingen. T r e p p e r» Karlsruhe spricht sich ebenso wie Kolb auS. Ei» Antrag ans Debalteschlnß wird angenommen. Im Schluß- wort bält DreeSbach eS vor allem für nöthig, das im Antrag der Offenburger Parteigenossen enthalten« Projekt»ach der geschäft« lichen Seit« hin zu prüfen, und giebt den Rath, für den Antrag der Offenburger in dem Sinne zu stiinmen, daß für den Fall, daß die zu wählende Kommission die Ueberführnng deS.VolkSfreundS' geschäftlich für möglich erachtet, diese in absehbarer Zeit erfolgen soll. Im übrigen giebt DreeSbach eine Definition deS von Ad. Geck gebrauchten Ausdrucks„Berliner Luft". Der Grund de» Scheiterns der Verhandlungen mit dem Genossen I. H. W. Di-tz fei nicht nur in der Forderung von IS 000 M. für den Verlag zu suchen, sondern auch darin, daß Dietz in seinen Entschließungen über derartig« Unternehmungen eben nicht mehr frei sei, seitdem er in Gemein- schaft mit Bebel und Singer die Stuttgarter Firma führt. Bei der Abstimmung wird der Offenburger Antrag an- genommen. In die Kommission werden gewählt: DreeSbach- Mannheim. H a u eisen-Offenburg, Eugen G e ck- Offenburg. Kräuter- Freiburg. Horst- Durlach, O p i f i z i u S« Pforzheim. Damit ist der Punkt Press« erledigt. In den L a n d e S- B o r st a n d werden ivieder Hang als Bor- stand und Engesfer alS Kafsirer gewählt: man bewilligte ihnen 100 M. Entschädigung. Zum Vorort wird wieder Fr ei bürg bestimmt. Die Wahl der Sievisoren ist dem Wahlverein deS Vororts überlassen. Als Ort der nächsten Landes-Versammlnng wird Durlach gewählt. Schließlich wird ein Mannheimer Antrag anaenomnien, der sich für die Abhaltung der Parteitage an gewöhnlichen Sonn- tagen und nicht etwa an Weihnachten, Ostern oder Pfingsten aus- spricht. Beim Punkt Reichstag»»Wahlen giebt Dreesbach ein scharf»», risseneS Bild der heulige» politischen Situation im Reich. Er glaubt, daß wir uns im nächsten Wahlkamps in aller- erster Reihe gegen den Meergott Aegir wappnen müssen. Einen Erfolg im 1. badischen Reichstags- Wahlkreis Konstanz hält Redner für total aussichtslos. Auch im L. und 3. Wahl- kreis(Donaueschwgen- Villingen und Eäckingen- Waldshut) sei wenig zu erwarten; doch wäre immerhin einige Agitation in diesen Kreisen zu empfehlen. Sehr wann trat Dreesbach für die Agitation im 4. Wahlkreis Lörrach ein, das sich bei den letzten Landtagswahlen sehr gut gehalten hat. Der S. Wahlkreis Freiburg müsse mehr als bisher berücksichtigt werden; ebeuso der 6. Kreis Lahr. Mit ganz besonderer Energie müffe im 7. Wahlkreis Offenburg gearbeitet werden. Im 3. badischen Reichstags- Wahl- kreis Baden-Rastatt ständen unsere Aussichten sehr schlecht; es werde angesichts der lokalen Streitigkeiten in diesem Wahlkreis Mühe kosten, unsere letzte Stimmenzahl zu erhalten. Im 9. badischen Wahlkreis Pforzheim müßte, wenn nicht wieder lokal« Streitigkeiten wie bei der Landtagswahl den Erfolg vereiteln, der Sieg sicher sein. Mit Sicherheit sei für den 10. Wahlkreis Karlsruhe vorauszusagen, daß er im nächsten Reichstag nicht mehr freisinnig-demokratisch, sondern entweder nationalliberal oder sozialdemokratisch ver« treten werde. Unser Sieg werde ganz allein von der Haltung der Karlsruher Freisinns-Demokratie abhängen; denn die Stichwahl zwischen dem nationalliberalen und dem sozialdemokratischen Kandidaten sei fast sicher. Ein sehr buntes Kolorit werde der 11. badische Wahlkreis Mannheim im Wahlkamps zeigen. Wenn die Steigerung der sozialdemokratischen Stimlnenzahl in Mannhei», bei der Reichstagswahl der Stimmenzahl bei der letzten Landtagswahl entspreche, dann sei unser Sieg nicht zweifel- Haft. So viel sei sicher, daß der bisherige Abgeordnete, der National« liberale Bafferwann, nicht wieder in den Reichstag einziehen werde. Im 12. Wahlkreis Heidelberg werde es sich darum handeln, unsere bisherige Stimmenzahl zu erhalten. Sehr dunkel sähe es im 13. und 14. Wahlkreise Wert heim und Walldürn aus. Unsere Hnuptkräste müssen wir nach Anficht Dreesbach's anf den 9., 10. und 11. Wahlkreis konzeutriren. Redner warnt vor Vergeudung von materiellen und rednerischen Mitteln in aussichtslosen Wahlkreisen und ist der Ueberzeugnng, daß wir bei Einsetzung aller Krast glänzende Erfolge bei den nächste» Reichs- tagswahten zu verzeichnen haben werden.(Großer Beifall.) O p i f i z i u s> Pforzheim verwahrt sich gegen die Ansicht Dreesbach's, daß die lokalen Streitigkeiten schuld an dem Mißerfolg bei der Landtagswahl in Pforzheim gewesen seien. Ad. Geck macht de» Vorschlag, eS den Organisationen her einzelnen Wahlkreise zu überlassen, ihre Kandidaten aufzustellen; der Parteitag habe nur die allgemeinen Grundsätze für die Mahl anfznsteNen. Geck beantragt, die Reichstagswahl-Agilation mit der Feier der 4Ser Revolution einzuleiten. Angesichts der vorgeschrittenen Zeit wird Schluß der Debatte beschlossen. Der Antrag Hornbergs:„Die Landesversammlung möge, so weit dies möglich ist, beschließen, daß jeder aufgestellte Kandidat nur einen Wahlkreis bekommen soll, es soll also so gut wie möglich jede Doppelkandidatur vermieden werden", wird an- genommen und sodan» beschlossen, die Aufstellung der Kandidaten de» einzelnen Wahlkreisen im Verein mit dem Laudesvorstand zu llberlaffen. Zi»» Antrag OffenbnrßS:„Die LandeSversammlung möge sich darüber schlüssig machen, l» welcher Weise die Sozialdemokratie Badens die fünfzigjährige Feier der Volks- er Hebung von 1348/49 zu begehe» gedenkt," wird beschlossen, diese Angelegenheit dem Landesvorstand und der Landtagssraktion zur Regelttng zu überlasse». Der An trag P s l e i d e r e r- Villingen:„Die Landesversammlung möge darüber»> Berathnng treten, ob der Herausgabe eines sozial- demokratische» Bauernkalenders durch die sozialdemokratische Partei Badens gewichtige Hindernisse im Wege stehe», und ob es anginge, einen Kalender womöglich zum Selbstkostenpreis herauszugeben. da bei Bauern der billige Preis den Absatz sichern würde. Eventuell: Die LandeSversammlung möge eine Kommisston wählen, n>«Iche diese Frag«»ach ihrer technischen und finanziellen Seite zu unter- suchen und die Verwirklichnng des Projekts in die Hand zu nehmen hätte", wird dem Landesvorstand zur Erwägung überwiesen. I» einem schwungvollen Schlußwort betonte DreeSbach die würdige sachlich« Art der Debatten bei Parteitages und sprach die Hoffnung auS, daß insbesondere der Beschluß betr. Ueberführnng deS„Volksfreiinds" in Partei- Eigenthnm entsprechend ausgeführt werde. Mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie wurde die LaudeSversaininlung geschlossen. Nsivkri-MachVichkenv Berichtigniig. In der in der Sonntags- Nummer veröffeut- lichten Notiz»der die Magdeburger„V o l k s st i m m e' ist ein sinnenistellender Druckfehler enthalten. Es heißt dort am Anfang: „Die Magdeburger„Volksstimme", deren Abonnentenstand schon im alte» Jahre besonders infolge der polizeiliche» B er h e tz n» g e n zngenonunen hat" w. Es sollt« natürlich heißen:„polizeilichen Verfolg»ng« n". Weiter ist tu der Notiz aus Norwegen Zeile 11 vo» oben anstatt„aber" zu lesen:„o d e r". In Zwickau stellte am Sonntag eine starkbesucht» Volk?- versammlnng de» bisherigen sozialdemokratischen Vertreter des Kreises im Reichstage. Genoffe» Gärtner W. Stolle aus Gesa», einstimmig wieder als Kandidaten für den Reichstag auf. Weiter wnrde ein« Resolution angenommen, worin die Landes- konferenz aufgefordert wird, gegen die von den Konservativen beantragt« Verschlechterung des Vereins- und Versammlungsrechts Slellniig»u nehmen. Ferner wird beantragt, daß die Landes- konserenz daS nächste Mal i» Crimmitschan abgehalten werden soll. I» die Redaktion der„Leipziger tvoir«zeitung"stist. wie die„München«! Post" mitiheilt, deren Mitarbeiter Dr. Gustav M o r g« n st e r n am 1. Januar eingetreten. Ueber die Wirksamkeit der dänische» Sozialdemokratie im Jahre 18t»7 wird n»S geschrieben: Am Schluß des Jahres 1896 bekleidete die Sozialdemokratie Dänemarks l0ö öffentliche Vertrauens» ämter, davon 11 im Reichslage und die übrigen in den Gemeinde- Vertretungen. Im Jahre 1397 ist die Macht der Partei namentlich in den Gemeindeverlrelungen gewachsen, und zwar sind nicht weniger als 109 Sozialdemokraten neu in solche Stellungen gewählt worden, so- daß sich also die Zahl der Parteirepräsentante» verdoppelt hat. In einer großen Anzahl anderer Genieinden hat die Sozialdemokratie mit so bedeutend steigender Slimmenzahl an den Wahlen theil- genommen, daß für die nächsten Wahlen zahlreiche weiiere Siege zu hoffen sind. Aber nicht nur in diesen Wahlresultaten offenbart sich der wachsende Einfluß der Partei, sonder» noch viel mehr in dem ge- kämmten politischen Leben. Charakteristisch hierfür ist. daß die von der Sozialdemokratie im Vorjahre gestellte Forderung auf Erhöhung d«S Lohne» der EtaatSarbeiter, wodurch erreicht wnrde, daß die Regierung«ine Enquete über diese Lohnverhältnisse veranstaltete. jetzt auch in den anderen Parteien Zustimmung gefunden und Aussicht anf eine wenigstens theiliveise Erfüllung hat. Erfolgreich beginnt auch die Agitation der Partei für Durch- sührnng des Rchtstnnden- Arbeitstages zu werden. Eo haben die Kopenhagener und Frederiksborger Gaswerk« ihn eingeführt. Auch die Annahme eines Gesetzes, daS die Arbeitszeit t» den Bäckereien und Konditoreien beschränkt, ist ein Erfolg der ans Verkürzung der Arbeitszett gerichteten Bestrebungen der Partei. In der Frage der Unterstützung der Arbeitslosen durch Staats- zuschösse an die Hilfskaffen der Gewerkschaften ist infolge der ab« ablehnenden Haltung der anderen Parteien bisher sreilich nichts er- reicht— aber die Partei wird mit ihren Fordernngen so oft wiederkommen, biS auch dieser Stein des Widerstände? hiniveggeräumt ist. Zu den auf die immer wiederholten Forderungen der Sozial- demokratie znrückzuführenden Reformen gehört auch das vom Jolke- thing angenommene Arbeiter> UnfallverstcheruugS- Gesetz, das, trotz seiner Mangelhaftigkeit, doch erfreulich ist als Anerkennung des Prinzips der weiter«msichgreifenden EtaatSfürsorge. Aber anch sonst hat die Sozialdemokratie im Parlament ein« eifrige Thäiigkcit entfaltet, die nicht ohne Einfluß geblieben ist. Wir erwähne» nur ihre zahlreiche» Anträge und Vorschläge zum RrveitttnnsiedelniigK-Gesetz, zur Steuerreform hinsichtlich einer stärker fteigende» Stola, zur Schulfrage in Beziehung ans Eoveiterung des Unterrichts, freie Speisung armer Kinder und freiere Stellung der Eltern in der Frage des Religionsunterrichts, ferner die Be- niühnngeu. die»vachsendeu Militärfordernnge» herabzusehen. In» F o l k e t h i» g ist die Partei dabei nicht ohne Einfluß gewesen, aber alles scheitert an, Widerstande des Laudestdiiigs, der alle Reformen ablehnt und damit beweist, daß dieser Thing nicht mehr zeitgemäß ist und daher fortgesegl werde» muß. Endlich hat der skandinavische Kongreß in Stock- Holm im letzten Sommer viel dazu beigetragen, die internationale Verbrüderung der Arbeiter zu fördern. Polizeiliches, Gerichtliches ,c. — Gegen die„Fränkische Tagespost" in Nürnberg find im vergangeneu Jahre Strafen erkannt worden: ISO M. wegen Beleidigung des ehemaligen Polizeihauptmanns Pglmberger; SO M. wegen grobe» Unfugs, verübt durch ironische Besprechung eines bei der Staatsbürger-Vereidigung vorgekommenen Zwischen- falls; 10 M. wegen Qnitlirens über eine für die streikenden Ham- burger Hafenarbeiter eingegangene Unterstützung, und 20 M. Geldstrafe wegen des Berichts über eine Sitzung der Gen'erkschasts- vorstände, wo beschlossen worden war, zum beste» der Hafenarbeiter Extramarken auszugeben. In den beiden letztere» Fällen soll die „Fränk. Tagespost" zu einer verbotenen, weil nicht genchmigten Sammlung aufgefordert haben. Itntevm nenrptrtr Vuvs. Dezember. 1. Lüneburg. Wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz 3 Ge- nassen je 15 M., und 2 Genossen je 30 M. Geldstrafe.— Wegen Verbreitung von Druckschriften an öffentlichen Orte» I Genosse 12 M. Geldstrafe. 4. Berlin. Genosse I a c o b e y wegen Beleidigung von Militär- Personen 100 M. Geldstrafe. „ Hof. 2 Monate 15 Tage Gefänguiß Genosse Taubold wegen Beleidigung der Ctaatsanwallschasl. S. BrrSlau. Wegen Beleidigung des Eisenbahnministers Ge- »osse Neukirch 150 M. Geldstrafe. Antrag S Monate Gefäugniß. „ Bochum. 30 M. Geldstrafe Genosse Nut ha» wegen Be- leidigung eines Wachtmeisters. „ Witten. Ei» Genosse wegeu Uebertretung deS VereinSgesetzeS J5 371. Geldstrafe. 10. Leipzig. Zwei Maurer wegen Mißhandlung eine? Streik brechers je 0 Monate Gcfänguiß. 11. Glauchau. Wege» Vernbmig groben Unfugs Genosse Echmal> fuß 20 M. Geldstrafe. 14. Leipzig. 2 Wochen Gefäugniß ein Maurer wegen Bedrohung eines Streikbrechers. 15. Dauzig. Drei Genossen je 60 M. Geldstrafe wegen Veo bieitnng von Flugblättern an öffentlichen Orten. , Langcubielau. Genosse F e l d m a» n 50 M. Geldstrafe wegen Veleidignug des Abgeordneten Schoos. 17. TrcSdc». Zwei Wochen Gefänguiß Genosse N i tz s ch e wegen Beleidigung eines Gendarmen. „ Magdeburg. Wegen unerlaubten Kolleklirens die Genossen Gärtner, Schulz und Vahle je 5 M. Geldstrafe.— Genosse Vahle wegen Beleidigung von Militärpersonen 3 Monate Gefäugniß. „ Borna. 5 Genossen wegen Verübung groben Unfugs je 15 M. Geldstrafe. 13. Hamburg. Einen Monat Gefäugniß ein Korbmacher wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung. 21. Halle. Genosse B ö l k e l wegen Beleidigung der Staat?- nnwaltschaft 30 M. Geldstrafe. „ Münchcn. Wegen Beleidigung des Besitzers de?„Eimpli zisstmns" Genosse S ch in i d 10 M. Geldstrafe. m Odcrbcrg. Ein Monat Gefäugniß Genosse Küneke wegen Beleidigung eines Gendarmen. „ Stuttgart. 50 und 75 M. Geldstrafe Genosse Keil wegen Beleidigung eines Schullheiße» und eines Vizefeldwebels. 23. Breslau. Wegen Beleidigung eines Gendarmen Genosse ?! c n k i r ch 1 Monat Gefäugniß. 23. Liibcck. Zwei Tischler und zwei Bauarbeiter je 3 Tage Hast wegen Verübung groben Unfugs. Jnsgesammt wurde erkannt ans 1 Jahr 3 Monate 3 Wochen und 6 Tage Gefänguiß und 737 M. Geldstrafe. Berlin, de» 3. Januar 1398. Der Parteivorstand. GemevltpllhnfHitfses. ■Deutsches Reich. Lohureduktio». Die Weberei von Kießig und Heicr in Elsterberg hat ihren Arbeitern eine Lohnrednktion bekannt- gegeben, weil angeblich infolge der schlechten Geschäftslage die Waareupreise herabgesetzt werben mußte». Da die Organisation der Arbeiter recht schwach ist, so müssen die niederen Löhne von de» Arbeitern ruhig ertrage» werden. DaS GewerkschaftSkartell in O f f e u b a ch hatte im ver- floflenen Jahre eine Einnahme von 4627,09 M. und eine Ausgabe von 4405,71 371. zu verzeichne». Das Geiverkschaftskarlell in Hall« verfügte über«ine Einnahm« von 4052,51 M, der eine Aus- gäbe von 8301,50 M. gegenüberstanden. Der Streik der Schuhmacher in der Fabrik von Regensteiner in P a s i» g- M ü» ch e n dauert unverändert fort. Der Fabrikant hat nnnmehr auch den Arbeiter» seiner Filiale in München ge- kündigt und dem Arbeiteransschnß-röffnet.l daß die Kündigung in 14 Tagen zurückgezogen wird, wetz» bis dahin der Ausstand in Pasing beendet ist. Die Steiuhauer und Schleifer der Firma Tröger u. Frister in S e u s s e»(Fichtelgebirge) haben die Arbeit eingestellt, weil die bisherige Arbeitszeit um eine Stunde verlängert werden sollte. Ausland. Die englische» Maschinenbauer erhielten am Freitag über 300 Pfd. Sterl., wornnter wieder 160 Pfd. Sterl. vom deutschen Holzarbeiler- Verband. Der Gewerkverein der Maschinenbauer hat gegenwärtig zu unterstützen 3000 seiner Mitglieder aus der Alters- Penstonskasse und 2000 Kranke. 27 000 Mitglieder stnd im Streik bezw. ausgesperrt. außerdem zahlt der Gewerkvereiii Streikunterstützung a» 4000 Nichtorganisirte, an 350 Lehrlinge und 3000 Man». die andere» Berufen augehöre», aber durch de» Kampf arbeitslos geworden sind. Zur Unterstützung der am Streik Betheiliglen braucht die Union jetzt wöchentlich 26 000 Pfd. Sterl. Diese Summe wird aufgebracht durch die Extrabeiträge der weiterarbeitenden Mitglieder und zwar 11 000 Pfd. Sterl. pro Woche; die durchschnittliche Einnahme aus Quellen außerhalb des Vereins betrug bisher pro Woche 7000 Pfd. Sterl., die kürzlich beschlossene Erhöhung der Extrabeiträge wird etwa 2000 Pfd. Sterl. wöchentlich bringen. DaS macht zusammen 20 000 Pfd. Sterl.. so daß ein Defizit von 6000 Psd. Sterl. verbleibt, die aber jedenfalls nach den auf der Londoner Gewerkschaftskonserenz gefaßten Beschlnffen durch Beiträge derZ Trades-Unions hernngeschafft werde» dürfte». An Streikunterstützung erhielte» bisher pro güoche: Londoner verheiralhele Mitglieder 18 Schilling, verheirathete Mitglieder in der Provinz 16 Sch., Ledige 12 Sch.; an die zu andere» Berufen Gehörigen wurden 9 Sch., und den Nichtorganisirte» 7,5 Sh. bezahlt. Von?lnbeginn des Streiks sind an freiwilligen Gaben im Bureau der Maschinenbauer eingegangen 113 000 Pfd. Sterl.— Die Konferenz der englische» Bergarbelter-Föderation sanktionirte die von ihrem Komitee gezahlte» Zuschüsse an die Maschinenbauer und votirte für die Zukunft 300 Pfd. Sterl. pro Woche. Soziales. Die soziale Schichtung der gewerbliche» Bebölkernng im preußischen Staate mit Berülksichtigung des Geschlechts i» de» Jahre» 1882«ud 1895, Wie bekannt, ist die Zahl der im preußischen Staate gewerblich thätigen Persone» in der Zeit von 1882 bis 1395 von 4 209 535 ans 5 376 033, d. i. um 38 pCt.. gestiegen. Von ihnen waren im Jahre 1382 3 414 045. im Jahre 1395 4 633 864 männliche», im Jahre 1332 795 490, im Jahre 1395 1 187 219 weiblichen Geschlechtes; die Steigerung beträgt inithi» bei den Männern 37 pCt., bei den Frauen 49 pCt. Ihrer soziale» Stellung»ach waren 1. B e t r i e b s i n h a b e r im Jahre 1882 1 600 955, nämlich 1 203 056 Männer und 392 899 Frauen, im Jahre 1895 1 648 633, nämlich l 235 253 Männer und 363 330 Frauen. 2) V e r w a l t u n g s-, technisches A n s s i ch t s-, Kontor- und R e ch n n» g s p e r s o n a l im Jahre 1382 115 491, nämlich 113 023 Männer 2463 und Frauen, im Jahre 1395 232 862, nämlich 242 435 Männer und 10 427 Frauen. 3) Gehilsen. Älrbeiter und niitarbeitende Familienangehörige im Jahre 1832 2493039, nämlich 2092 966 Männer und 400123 Franc», im Jahre 1895 3 974 583, nänilich 3 161 176 Männer und 813 412 Frauen. Es hat sich mithin in der gedachte» Zeit die Zahl der Betrieb? inhaber um 3, die des Verwaliungs-, techuischeu Aussichts-, Kontor und Rechnungspersonals um 119 und die der Gehilfe» und Arbeiter rc. um 59 v. H. vermehrt, und zwar beträgt diese Zunahme, nach Geschlechtern getrennt, beide» männliche» Belriebsinhabern 6, bei dem männliche» Berwaltungs-, technischen AufsichtS- 2C. Personal 116 und bei dem männlichen Gehilfen- und Arbeiter- zc. Personal 51 v. H., bei dem weiblichen Berwallungs-, technischen Aufsicht? personale zc. 322 und bei dem weibliche» Gehilfen- und Arbeiter personale:c. 103 v. H.; die Zahl der weiblichen Betriebs- inhaber hat dagegen um 8 v. H. a b g e» o m m e n. Ihrer Beschäftigung nach in folgende drei Hanptgrnppen ein getheilt: A. umfassend die der L a n d>v i r t h s ch a s t nahe stehenden Gewerbe(Kunst- und Handelsgärtnerei; Thierzucht, mil AnSnahme der landwirthschaftlichen; Fischerei). B.»infassend die eigentlichen Gewerbe und die Industrie. C. um fassend die Handels- und Berkehrsge werbe einschließlich der Gastwirthschaft,— setzt sich die gewerblich thälige Bevölkerung wie folgt zusammen. Es waren beschäftigt: in der Haupt- gruppe ■A-•••< B,,,, C.,,. im Jahr« 1882 männl. 42 129 2 778 557 693 359 weibl. 5 790 611 736 177 964 im Jahre 1895 männl. 65 001 3 803 623 830 240 weibl. 11076 768 602 407 642 Zunahme v. H. männl. weibl. 31 37 30 + 91 -h 26 +125 Bei dieser Zusammenstellung fällt die verhältnißmäßig außer ordentlich starke Zunahme der Frauen bei A, ganz besonders aber bei C und, im Gegensätze dazn, ihre im Verhältnisse geringe Ver- mehrnng bei B in die Auge». Einen Aufruf an die deutsche» Frauen auf den« Lande erläßt der Ausschuß für Wohlfahrtspflege ans dem Lande. Ei» großer Theil der Ausgaben, die sich der genannte Ausschuß gestellt hat, falle i» das Arbeitsgebiet der Frau und könne ohne deren Mit arbeit nicht gelöst werden. Speziell den Frauen zugewiesen werden Maßnahmen zur Ansbessernng der ivirthschafllichen und soziale» Nolhstände ans dem Laude, wie Kinderpflege, Krankenpflege, Mädchen horte, hanswirthschastliche Ausbildung der Mädchen. Erleichterung der Erwerbslhätigkeit von Frauen und Mädchen, Armenpflege.Beförderung der Mäßigkeitsbestrebungen zc. Ferner wird den Frauen nahe gelegt die Pflege des Gemüths-»nd Geisteslebens der Landbevölkernng. Hier gelte es vor aNein, an der Förderung und Veredelung der geselligen Unterhaltungen»nd Bergnügunge», besonders an der Reform der Sonntags- und Festtagsfeier mitzuarbeiten, Familien-, Volks- und Gutsabende einzurichten, Dors-Gesangvereine, Volks- und Jngendspiele zu befördern und persönlich daran theil- zunehme». Lesevereiue, gesellige Abende der Arbeiterinnen n»f dem Lande, gemeinsame Ausflüge mit ihnen könnten den „Damen der gebildeten Stände", wie es im Aufruf heißt, ein un- gemein segensreiches Feld der Thäligkeit eröffnen. Man«vendet sich deshalb an die Frauen der gebildete» Stände ans den, Lande init der Bitte, an diesem„Knltnrwerk" theilnehmen zu wolle», partes- politische, soziale und religiöse Verschiedenheiten sollen bei dieser Arbeit ganz zurücktreten. Schon früher habe» wir Gelegenheit gehabt, unS mit diese» etwas sentimental angehauchten Bestrebungen zu beschästige». Wir habe» keine» besonderen Grund, sie zu fördern, und ebensowenig einen, sie zu bekämpfe», sofern wir nicht etwa durch spezielle Vor koimmiisse zur Bekäinpfnug gezwungen»verde». Alle diese Pläne möge» ganz guter»nd edler Gesinnung entspringen, aber an irgend- welche Erfolge ist nicht zu denke». Zur Pflege deS GemüthS- und Geisteslebens insbesondere gehört vor allen Dinge»«in Menschenmaterial, daß nicht durch übermäßige Arbeit lörper- lich und geistig ermüdet ist, und den, man durch a»S- reichende Bezahlung und weniger elende Wohnungen die gesunde Empfänglichkeit»nd Heilerkeit des GemüthS erhalte» hat, die die erste Voraussetzung für die Pflege des Gemüths- und Geisteslebensdes Volkes stnd. Aber hier hapert's. Die Wohlfahrtspflege möchten manche Jnnker und sonstige Großgrundbesitzer schon haben, weil sie hoffe», sich dadurch die Landarbeiter ans der Scholle zu erhalte». Aber die Fundamente aller Wohlsahrtspflcge zu schaffen, nmnlich anständige Bezahlung, anständige Arbeitszeit und anständige Wohnungen, dazn mögen sie sich nicht verstehe». So hängt die ganze ländliche Wohlfahrtspflege in der Lnft, und auch die zarten Finger der„de»lschen Frmien" werde» nicht im stand« sein, sie ans den realen Boden ostelbischer Kartoffelfelder herabzuziehen._ Geriikzts»Leitung. Fiir verantwortliche Redakteure ist eine Kammergerichts- Entscheidung von großer Bedeutung. Der Schriftsteller L a v e r e n z war seinerzeit angeklagt worden, als Redakteur des„Schöneberger Tageblattes" den Gemeindevorsteher Schmok von Schöneberg beleidigt zu habe». In einer Stummer der genannten Zeitung, die der Angeklagt« verantwortlich gezeichnet hatte, war nämlich ein Artikel erschienen. worin be», Gemeindevorsteher Schmok der Vorwurf der Parleilichkeit gemacht wurde. Das Schöffen- gericht verurtheilte L. den» auch zu einer Geldstrafe von 30 M. Der Angeklagte legte Berufung ei» und»lachte folgendes geltend: Er habe zwar»n der betreffenden Angelegenheit eine» Artikel ge- schrieben und ihn auch nach der Druckerei zu», Abdrucke in der eitnng gesandt. Der Artikel sei aber nicht gedruckt worden. ilatl seiner habe»»an eine» weit schärfere» Artikel ohne Wissen und Willen des Angeklagten i» die Zeitung ausgenommen, nämlich de», worin Schniok die Beleidigung finde. Hierfür könne ina» ihn unter den obwaltenden Umstände» nicht verantwortlich machen. Sein Artikel habe keine Beleidigung ent- halte»,«nd er sei über den Abdruck des andere» Artikels sehr über- rascht und sehr aufgeregt gewesen. Die Straskanimer wies indessen die Bernfung mit der Begründung zurück, daß dem Angeklagte» doch eine gewisse Fahrlässigkeit zur Last fall«. Er hätte sich, bevor die eitnng zum Versandt gelangte, davon überzeugen müffen. daß sein !ame nicht mißbraucht werbe. Da er dies nicht gelhan habe, sei er immerhin haftbar. Nunmehr ergriff L. dnS Rechtsmittel der Revision an das Kammergericht. I» der gestrigen Verhandlung er- klärte selbst der Oberstaatsanwalt, das Landgericht fei z» meit gegange». Wenn wirklich die Aufnahme des Artikels wider Wissen und Willen des Nngeklaglei, erfolgt sei, dann wäre doch wohl dessen Schuldlosigkeit anzunehmen. Nach der Drucklegung könne ja der Redakteur kaum etwas an den Thatsachen ändern. Der Strafsenat trat dieser Auffassung bei, bob das Urtbeil aus und wies die Sache zu anderweitiger Entscheidung in die Borinstanz zurück. Sache des Redakteurs sei es, das Material xnsaiiiineiiznfielle», lind wenn er es an die Drnckere» abgegeben habe, dam, könne er mit recht annehmen, daß es auch seiner Weisung entsprechend gedruckt werde. Für wider sein Wissen eingeschaltete Artikel sei er nicht verantwortlich zu machen. Wegen angeblicher Beschiinpfnng einer Einrichtung der christlichen Kirche halte sich gestern der Maurer Karl Peters vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Am Abend des 12. Oktober v. I. fand im Lokal« Waldemarstr. 75 eine Versammlung des Sozialdein akratischen Wahlvereins des 4. Wahl- kreises statt. I» dieser Versamniliing soll der Angeklagte u.a. gesagt habe», daß ein Prediger bei der Beerdigung nicht»öthig sei. Was sei es denn für eine Kunst, eine Rede zu halte»? Er habe am Grabe seiner Mutter selbst eine Rede gehalten, die Genosse» würden wohl den Unterschied zwischen eine», Pfaffentalar und einem sozialdemokratischen rothen Kranz kennen. Nach dieser Aenßerung nahm der über- wachende Polizeilieutenant Veranlassung, die Versanunlung auf- julösen. Der Angeklagte gab den Thatbestand zu, wollte in der be- anstaiideten Aenßerung etwas Strafbares aber nicht erblicke» können. Der Gerichtshof war mit den, Staatsanwalt« anderer Ansicht, zweifellos sei durch de» angezogene» Vergleich das Kleid des Geist- licheu herabgewürdigt worden. Das Urlheil lautete ans 14 Tag« Gefäugniß. Hoffentlich hebt die Revistonsinstanz das sonderbare Urtheil ans. Das könnte ja immer merkivürdiger iverde», wenn die Hervorhebung desj Gegensatzes zwischen der Amtstracht eines Pastors nnds einem rothen Kranze schon als Religionsvergehe» be- trachtet würde i AnS welch geringfügigen Anlässen bisweilen Anklagen entstehen, lehrte eine Verhandlung, welche gester» vor der driuei, Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Der Konditor Max L e w y war deS Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnnng und der versuchte» Beamtenbestechung beschuldigt. Au einem Sonntag-Nach- mittag war ein kleines Mädchen in den Laden des Aiigeklagien gekommen und hatte ei» Stück Chokolade für 5 Pf. gekauft. Als Lewy das Kind darauf aufmerksam machte, daß er des Sonntags nichts über die Straße verkaufe» dürfe und dasselbe die Chokolade deshalb im Lokale verzehren nn'isse, erwiderte das Kind, daß es mit seiner draußen wartende» Echivester die Chokolade theilen»uisse. Der Verkänscr wagte e? darauf, gegen die gesetzliche Vorschrift z» verstoße». Gleich darauf erschien ein Kriminalbeamter im Lade» und wies den In- Haber auf da? begangene Vergehe» hin. Der Angeklagte erklärte oi« Umstände, unter denen es geschehen war,»nd fügte hinzu:„Sie werden mich doch nicht anzeigen? Kommen Sie, trinke» Sie ein GlaS Bier". Hierin erblickt« der Beamte einen B e- stechungSversuch. da er annahl». daß er für die Unter- lassung der Erstattung einer Anzeige das Glas Bier erhalle» solle. Der Elaalsanwalt war derselbe» Ansicht, er beantragte wegen des Vergehens gegen die Gewerbe- Ordnung eine Mark, wegen der ziveiten Strafthat 50 M. Geldstrafe. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Jonas erzielte, daß der Gerichtshof die Strafe wegen der ver- suchten Bestechung auf 10 M. ermäßigte. Zu dem am Sonntaa gebrachten Bericht über die Entscheidung der Frage, ob in Barbierstuben ohne Erlaubniß der Polizei Druck- schriflen vertheilt werden dürfen, theilt uns der aus dem Prozeß als Freigesprochener hervorgegangene Parteigenosse I. aus Danzig mit, daß er nicht Barbier, sondern Zimmergesellt fei. Das Reichsgericht hat das Verfahren gegen einen f. Z. in Flensburg verhafteten Mann namenS Bülow alias Schulze, gegen den die Voruntersuchung wegen Verrathes militärischer Geheimnisse(Gesetz vom Mai 1893) geführt wurde, wie das Leipz. Tagebl." meldet, eingestellt. Oepeflszen und letzte Llsrheichken. Berlin, 10. Januar.(W. T. B.) Nach einer an da» iOber« kommando der Marine gelangten telegraphischen Meldung ist der Dampfer„Darmstadt" mit dem AnslandSbataillo» am 10. Januar in Colombo«ingetroffen und beabsichtigt am 11. Januar nach Hongkong in See zu gehen. Gleiwitz, 10. Januar.(W. T. B.) Der„Oberfchl. Wanderer' meldet: Heute Abend 6>/z Uhr fuhr auf dem Gleiwitzer Rangir- bahnhofe ein Personenzug auf eine» Güterzug auf. Von dem Personenzuge, der mit zwei Maschine» bespannt war, wurde die erste Maschine zertrümmert, von den, Güterzuge die Lokomotive und fünf Wagen beschädigt. Ein Bremser des Güterzuges. sowie der Zugführer»nd ein HilfSbremser deS Personenzuges wurden schwer verletzt; zwei Beamte solle» leicht verletzt sein. Von den Paffagiere» wurde niemand verletzt. Beide Geleise stnd geseperrt. Die Verletzten wurden nach dem Gleiwitzer Krankenhanse gebracht. Leipzig, 10. Januar.(W. T. B.) Wi« da?„Leipz. Tagebl." erfährt, bestätigt sich die Nachricht, daß eS sich bei der vor kurzem in Nachen vorgenommenen Verhaftung eines Bezirksfeldwebels um Landesverrath handle. Die Sache ist bereits beim Reichsgericht an- hängig gemacht. , Strastbnrg i. Elf., 10. Januar.(W. T. B.) Der Statt- Halter eröffnete den Landesansschuß mit einer Rede, welche die Finanzlage als befriedigend bezeichnet. Er kündigt sodann»och die Einbringung verschiedener Gesetzentwürfe an, namentlich solcher Borlage», die sich auf die Ansführnng des Bürgerlichen Gesetz- buches beziehen. Zum Präsidenten wnrde Dr. v. Schlumberger, zum erste» Vizepräsidenten Jannez und zum zweiten Vizepräsidenten Staatsrath Dr. Gnnzert gewählt. Linz» 10. Januar.(B. H.) In der heutige» ersten Eihnug des Landtages für Oberösterreich ivurde der klerikale Abg. Dr. Ebenhoch bei seine». Erscheinen von de» vollbesetzte» Gallerte» mit stürmischen Pfuirufen begrüßt. Nachdem Ruhe eingetrclen war, brachte» die liberale» Abgeordnete» de» Antrag ei», die Regierung anfznsordern, die Eprachenverordnungen für Böhmen»nd Mähren anfznhebe». Paris, 10. Januar.(W. T. B.) Prozeß Ester hazy. (Forts.) Major Esterhazt) erzählt auf Befragen,«in anoiihincr Brief, der die Unterschrisl„Esperanza" trug, habe ihn davon in Kenntnib gesetzt, daß ein Komplott gegen ihn angezettelt sei. Er habe denselben der Nähe der Alexanderbrücke von einer verschleierlei« Dame erhalten, deren Namen er nicht kenne. Er habe den Kriegsminister Billot und den Präsidenlen der Republik hiervon benachrichtigt. Efterhazy fügte Hinz», er habe im Februar 1893 einen langen eigenhändig geschriebenen Bericht abgesandt, von den, er glaubte, daß er ihm von einem Offizier abverlangt sei. Später habe die Polizei entdeckt, daß das Verlaugen von Hadamard, dein Schwiegervater Dreyfus', herznrnhre» scheine. Nach den» weitere» Verhör des Angeklagt«,, wird zur Vernehmung der Zeugen geschritle». Der erste Zeuge ist Malhieu Dreyfus. Er sagt auS, ohne Fachmai», zu sei», genüge es, die beiden Handschriften, die Esterhazy'S und die ans de», Borderau 1» vergleiche», um zu e, kennen, daß sie vo» derselben Hand herrühren. Zeug« giebt sodann eine graphologische Ans- einandersetznng und sagt, die Tdalsache, daß Esterhazy gesucht habe, seine Handschrist zu veiändern, sei ihm sehr wesentlich. Der Zeuge erhebt hierauf gegen Esterhazy de» Vorwnrf. er bade eine» Brief geschrieben, in dem er sagte, er könne nur durch ei» Verbrechen ans seiner Lage herauskomineii, und fügt hinzu:„Ester- hazy, welcher die Ehre hatte, die französische Unisorn, zu tragen." Heftige Ausrufe. Dreysns ninß in seinen Ausfnhrnngen ab- brechen. Der Vertheidiger TezenaS e, klärt, ganz Frankreich werde mit Echmäbschrislen nberschweiiimt, welche ans Esterhazy hinziele». Er(Tezenas) möchle wohl wissen,»ver die hie, für er- forderliche» uugebeuren Summen zahle. Dreysns erwidert, das fei eine Angelegenheit, nicht diejenige Tezenas'.(Mehrere Anwesende rufen„Elender". Große Erregung.) Es folgt das Verhör Schcnrer» Kestner's. Nach der Vernehmung einiger weiterer Zeugen wurde für die folgenden Verhandlungen die Oeffeiillichkeit ausgeschlossen und. nach Wiederherstellung derselben die Verhandlung um 7 llhr 10 Minuten ans morgen Vormittag 9 Uhr vertagt. Verantwortlicher Redakteur: Zlngust Jacobey in Berlin. Für den Jnseratemheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing i» Berlin. Hierzu 1 Beilage u. llnterhattungsblatt. Zlr. 8. 15. ?"-»» ftilfljc kä„öoiiärts" Ncilink WlksdlÄ Äuv UÄgv im SttdKN. Während die allgemeine Anfmerlsamkeit ans die Vorgänge in Ostasieii gerichtet war. haben England und Frankreich in Afrika nnverdrosfe» darauf bingearbeilel, dem Reich des Mhadi, dessen Erbe beide Staaten nur zu gern für sich erlangen möchte», den Todesstob z» versetzen. Während England dies ganz systematisch durch den egyplisch- sudanesischen Feldzng, der das englisch- egyplische Expeditionskorps von Wady.Halfa, 'vo dasselbe noch vor 18 Monaten stand, nilaiesivärts über Dongola und Abu Hannued dis nach Berber geführt hat, in verhällmß- mäßiger Ruhe und Bequemlichkeit aus- zuführe» suchte, hat Frankreich im ganzen 4 Expeditionen, 3 vom obere» Ubangi aus und 1 von Obok ans durch Abessynien nach dem oberen Nil entsendet, um ihre» Neben- buhlern m Afrika, eben den Engländern, de» Rang abzulaufen. Die Gerüchte von dem Bordringen der Franzosen nach Faschoda baden aber auch ein schnelleres energisches Handeln der Engländer zur Folge gehabt, welche endlich in, Dezeinber vorigen Jahres die Festung Knssala durch ein« von Massaua dorthin entsandte Trnppenabtheilung von rund 850 Köpfen, von den Italienern, die bekanntlich bis dahin diesen Platz besetzt hielten, übernommen haben. Wie verlautet, baden 4 Bataillone englischer Truppen Be- fehl erhalten, unverzüglich nach dem obere» Stil aufzubrechen, und 2 aus dem Rückweg von Indien nach England befindliche Regi- menler sollen gleichfalls von Alexandrien »ach dem Kriegslheater im Sudan beordert werde». Die vorerwähnten 4 Bataillone sind«in Jnfanterie-Bataillon ans Gibraltar, das erste Bataillon der Seaford-Hochländer in Malta, und je ein Batalllon des Warwickshire» und des Lincolnshire-Regi- ments in Kairo. Da nun auch ein Theil der alten Besatzungstruppeu von Kassala (im ganzen 600 Man») i» englische Dienste übergetreten ist, so verfügt das englisch- egyplische Expeditionskorps zur Zeil über sehr ansehnliche Streitkräfte. Dieselbe setzen sich, von den rein englische» Truppen ganz adgesehe», deren weitere Berstärkung, falls erforderlich, erfolgen wird, wie nachstehend angegeben, zusammen: 15 arabisch« Bataillone i, 800 Mann»m 10 400 Mann, 6 sndan. eingeb. Bat. b. 1200 Man»— 7200„ 10 Eskadrous Kavallerie ä 120 Reiter=■ 1 200„ 3 Komp. Kameelreiter ä 80 Man»= 240, 7 Batterien a 6 Geschütze u ISO M.— 1 050„ u. 42 Geschütze. Zusammen 20 090 Mann u. 42 Geschütze. Hierzu kommen noch da? gesammte Sanitätspersonal, die Pioniere, Mechaniker, die Hilsstruppen befreundeter Nigers, ämme, desertirte Derivische und zahlreiche Galeerensträflinge, welche be- sonders beim Eisenbahnbau Berwendung finden. Als besonderer Bestandtheil des Expeditionskorps ist die Nil- flottill« anzusehen, die aus 10 sehr flach gehenden, aber trotzdem »nit Panzerschutz versehenen Flußkanonenboole», 26 Dampfschiffen für den Transport und Remorqeurdieust, und 800 Segelfahrzeugen besteht. Im ganzen zählen hiernach, immer von den rein englischen Truppen abgesehen die«nglisch-egyptischen Streitkräfte im Sndan 86 000 Mann mit 42 Geschützen und etwa 7000 Kameeleu. Maul- thieren und Pferden. Dies« Truppen sind nun zum theil als Besatzung der wichtigsten Orte am Nil, besonders in Dongola, EI Debbeh, Korti, Merawi und Abu Hammed, sowie weiter fluftabwärtS in den Garuisonorten Neu Dongola, Wady Halfa, Korosko und Assonan und neuerdingS Kaffala und in den beiden erst vor wenigen Tagen de» Derivische» entrissenen Orten El Fascher und Osobri am Atbarafluß stationirt. Das Gros aber befindet sich in Berber und den umliegenden Orten, wie beispielsweise in de», an dem Zusammenfluß des Atbara und des Nil gelegene» jetzt gut befestigten Orte El Damer.»nd bedroht direkt von Norden her das Heer des Mahdi, welches sich, 15 000 Mann stark, in Metennneh und Shendi zu cinci» Vorstoß gegen Berber versammelt haben soll, während weitere Streilkrästc des Kalifen in dem Gebiete zivische» Ehartn», und dem Atbara, sowie weiter»ilaufivärls bei Faschoda stehen sollen. Genaue An gaben hierüber fehlen. Ans dieser Darlegung, welche durch unsere beistehende Karte in übersichtlicher Weise illustrirt wird, geht zur genüge hervor, wie sich das Netz der englisch- egyplische»»nd französischen Truppen innner enger um de» Sitz des Mhadi Omdurma» am linke» Nil- ufer, Chartum gegenüber gelegen, zusamnienzieht. In der Karle sind serner auch alle fertig gestellten, sowie im Bau befindlichen und auch die erst projektirten Eisenbahnlinien und Hauplkarawanenwegc ein- getragen. Das ganze Bild zeigt deutlich, daß die Erschließung des Sudan jetzt wiiklich mächtig vor sich geht, und wiedernn, in Kürze ein bedeutendes Stück des schwarzen Kontinents eröffne, werden wird. Fviedvich Mtthvltn IV. und die Mliffion. Die Ermordung einiger deutscher Missionare bot bekanntlich den Anstoß zur Besetzung der Kiaotschau-Bnchl durch die Deutschen»nd zur Entsendung des Prinzen Heinrich»ach China. Bei dieser Sach. lag« ist es nicht uninteressant, daran zu erinner». daß auch Friedrich Wilhelm IV. sich in seinen späteren Regierungsjahre» eingehend mit der chinesischen Mission beschäftigt hat. In einem Briefe an seinen Vertrauten Bunsen. datirt Sanssouci, de» 29. August 1350, äußert er sich zu diesen, Thema unter anderem solgendermaßen: »Glückt dem Gützlaff(«in in englischen Diensten stehender Missionar deutscher Geburt. Red.) sein Werben von geistliche» Missionaren für China, kann er, was Gott allein weiß, mit bedeutenden Kräften an die Verkündung des Evangelii dort im Lande gehen, so ist für mich— für andere leider!!! gar nicht die Hauptfrage:»Was soll sich(bekennt sich der HErr zur Sache) aus dem Unternehme», für China in christlicher Hinsicht dann ge- stalten. Will man das Schicksal Hunderttansender und viel- leicht bald von Millionen Bekehrter dem sogenannten Zufall überlassen? oder eS der römische» oder der englischen Kirche überlassen, die Bekehrte» durch neue Missionen oder vielmehr durch Missions- Jagdparlie» für sich einzusaugen? Oder will man das gleichsan, von hundert Sekten begonnene Werk, durch de» Mangel jeglichen einigenden Bande? in 10 000 Sekten zersplittern lasse»?* Diese Frage ist eine verzweifelt ernste und dürfte zur gräulichen Unehre der Protestanten ausfallen. Ich weiß wohl, daß ich bei dem agonisirenden Zustand« der köpf- und schwänz lose» denlsch-evangelischen ttiiche gar nichts thun kann, als rathe», bitten, flehen, ivarnen.... Dann,>vaS das Etabliren der evangelischen Kirche betrifft, ist meiner heiligsten Ueberzeiiguiig nach das geistlich-taktifch.stratcgische Borgehen, Eindringe» inS Land durch Ansetziing(Agglomeration) unzähliger kleiner Kirche» in apostolischem Sinne deS Wortes. Es versteht sich von selbst, daß jede dieser.anzusetzenden" Kirchen ihren Bischof haben muß, aber wiederum natürlich in apostolischein Sinne, nicht mit 8000 Thalern Revenuen, nicht im Lande spekulirende, sondern einer Kirche vorstehende.— Ich suhle, theuerster Freund, daß man mir sagen kann:„was Schwernoth geht Dich das an?"— Antwort— Ich bin ein Christ und nota bene ein evangelischer nicht den, Namen nach, sondern mit Leib und Seele. Die Ehre wie die Unehre des evangelische» Bekenntnisses ist nun einmal für mich meine Unehre, meine Ehre! Ich sehe aber, gewitzigt durch 100 Excmpel, neue kolossale Blamage, wen» das eine, was der evangelischen Kirche noth thut, auch dort, bei dem i» jeder Hinficht großen und heiligen Unternehmen wieder!!!!!! aus den Auge» gesetzt wird und Dinge geschehe» wie die, welche den Emir Beschir zwischen amerikanischen Baptisten und englischen Priestern in eniem Tage dazu brachten— römisch-katholisch zu werden!!!.,, Wie aber wird das erst geschehen, wenn das Mission?wcrl von allen Kirchen evangelische» Bekenntnisses auf einmal,»nd ans hergebrachte Art ohne Plan geschieht, und mit der bekannte» Liebcns- würdigkeil von Lutherische» gegen Reform irle, von Presbylerianern gegen Episkopale, von Tenlschen gegen Engländer und Franzosen!!!!! Ha!! mir graut, bei Gott,»nd das ist dann wahrlich,„um katbolisch zu werden". China aber wird dann gewiß katholisch.— Sprechen Sie mir nicht(norddeulsch-sentimental) von„der Wahrheit, die sich doch Bah» bricht!" Gottes Ordnung ist wohl, daß die Wahrheit im Beltlergewande siegt, aber nicht— in, Narrenklcide." An dem vom König so schön geschilderte» Zustand hat sich heute noch nicht geändert. Immer noch werden von den verschiedensten Natioualitäte». Kirchen und Missionsgefellschaften„Missions-Jagd- Partien' auf Chinese» veranstaltet, sodaß sich die Chinesen selbst lustig mache» Über die verschiedenartige» Formen, in denen ihnen der christliche Gott angeboten wird. Und immer»och sind die Jagdpnrtien so gut wie ohne jede Beute. Das himmlische Reich der Milte wird auf 357 Millioue» Einwohner geschätzt; davon sind oder wurden wenigstens als solche gezählt römisch-katholisch eine Million und evangelisch lJio Million. Die reftircnden 356 Millionen Chinese» sind nach wie vor Buddhisten, Taoisten, Anhänger des Coufulse, Mohamedaner oder religionslos.— Auch die Befürchtung des preußischen Königs, daß die römisch- katholisch« Mission die Oberhand behalten werde, hat sich bestätigt, wie die obigen Zahlen lehren. Waren doch auch die „tenlschen Brüder kirchlichen Berufs', wie sich Wilhelm II. aus- drückte.„die hinausgezogen sind zu stillem Wirken und die nicht gescheut habe», ihr Leben einzusetzen, um unsere Religion aus fremden, Boden, bei fremdem Volk« heimisch zu machen"— römisch-katholische Missionare. In unseren Tagen aber sind auch katholische Missionare de» Evangelischen lieb und werlh, besonders, wen» sie meuchlings er- mordet werden. Dann sind sie gut zu gebrauchen, um als E»t- gelt neues Land zu erwerben und schwunghaste Handelsbeziehungen anzuknüpfen.__ Uoksle-s. P,oteftversam»>l»ng der Frauen und Mädchen Berlins. Di« Besucher und Besucherinne» der heute bei Lips am Königslhor tagende» Versammlung werden dringend gebeten, rechtzeitig vor der Eröffnung zu erscheinen. Bekanntlich hat die Polizei bei der am Sonntage im Konzerthause abgehaltenen Versammlung noch vor deren Beginn das Lokal gesperrt. Es gilt, die unangenehmen Folgen einer solchen Maßregel nach Kräften illusorisch zu machen. Die Vertraueusperfon. Sozialdemokratischer Wahlberein für de»«. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Die Mitglieder des Gesundbrunnens sowie der Rosenthaler und Oranieuburger Borstadt werden ganz besonders ans die heute Dienstag in de» beireffende» Stadttheilen stattfindenden Wahlvereins-Bersantmlungen anfmerksan» gemacht. I» der erste» reserirt Genosse Bernstein, in der zweiten Genosse Ledebour. Siehe auch Inserat. Die Parteigenoffen deS zweiten RcichStagS-WahlkreifeS werden hiermit auf die Versammlung hingewiesen, die der Wahl- verein heute Abend in Habel's Brauerei, Bergmannstr. 5/7, abhält. Genosse Dr. Friedeberg hält in derselben einen Vortrag über „Die sogenannte soziale Gesetzgebung". Zahlreicher Besuch ist erwünscht._ Unter reger Bethcilignng der Parteigenosse» deS sechsten Rrichstagö-Wahlkreises wnrde am Sonntag der alte Vater Stiller zu Grabe getragen. Als langjähriger treuer Anhänger unserer Partei bewährte er sich sowohl in politischer wie gewerk- schaftlicher Beziehung. So war er lebhast für die Organisation der Kutscher thälig; auch haben ihn die Berliner Arbeiter in die Stellung eines Arbeitnehmer. Beisitzers für das Berliner Gewerbegerichl berufen. Wer den Verstorbeuen kannte, schätzte ihn als ansrichtige», charakterseste» Genosse». Ter Magistrat vou Neu-Byzanz. Der wohllöbliche Ma- gistrat hiesiger Neichshauptstadt und unser Oberbürgermeister lieben bekanntlich zuweilen eine sehr„geivählte" Sprache. I» der Neujahrs- adresse a» de» Kaiser heißt es wörtlich:„Weil tragender elektrischer Welle» ferne Wirkungen lernte das Zeitaller «rkeime», und ferner Völker politische Bewegunge» rufen den durch- h'uchtigste» Hüter des Reiches zu w e i t s ch a u e» d e r Sorge." Man begreift, daß Leute, die vor lauter Devotion die deutsche Sprache mißhandeln, schwer geneigt sind, de» Männern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, denen das deutsche Volk seiueu erhabenste» Ruhmeslag, den 13. März 1843, verdankt! Ucbcr SS Millionen Fahrkarten sind in, Jahre 1895 auf den Slationen der Berliner Stadt- und Iking bahn verkauft worden: in Stadl-, Stadtring-, Borort- und Fernverkehr. Davon entfalle» 45 Mcllionen ans die elf Slalionen der Stadt» bahn vom Schlesische» Bahnhof bis Westend. De» größte» Ver- kehr hatte Bahnhof Friedrichstraße. Hier wurden 6.84 Millionen Fahrkarte» ausgegeben. Daun folgt der Schlesische Bahnhof mit 6,15 Millionen Fahrkarlen,'Alexanderplatz mit 5.49 Millionen und Zoologischer Garten mit 5 Millioncii, Bcllevue mit 4,7, Börse 3,7, Charlolteuburg 3,6, Jannowitzbrücke 3,06, Lehrter Bahnhof 2,7, Thiergarte» 2,06 und Westend mit 1,6 Millionen verkauften Fahr- karte». Unter den Siatione» der Ringbahn(mit zusammen 20 Millionen verkaufte» Fahrkarle») hatte Stralau-Rummelsburg mit 2,15 Millioue» Fahrkarten den stärkste» und Station Jungfern- Haide mit 153 948 Fahrkarte» de» geringste» Verkehr. Auf Stralau- Rummelsburg folgt Wedding mit 1,97 Millionen Fahrkarte», Rixdors mit 1,79 Millionen, Polsda mer Ringbahn Hof 1,65 Millionen, Schöueberg J,47, Warschauer Straße 1,38, Halensee 1,2, Gesuud- brminen 1,19 und Friedrichsberg mit rund 1 Million Fahrkarten. Eine neue Ranchschntzvorrichtung ist bei der Berliner Feuer- wehr zur Einführung gelaugt. Bisher war der Wehrmauu beim Eindringen in leicht verqualmte Gebäude auf sei» Taschentuch an- gewiesen, das er vor Nase»nd Mund hielt, um die Schädlichkeit des Rauches beim Eiualhme» möglichst abzuschwächen. Immerhin aber bildete dieses primitive Hilfsmittel mir einen geringen Schutz. Der neue, von seinem Erfinder, einem Schlesier, zur Paten- tirung angemeldete Schntzapparat besteht aus einem unten und oben offene» Zylinder ans seinstein, braunen Tuch, mit nicht ganz dichtem Geu-ebe, das noch besonders für seinen Zweck präparirt ist. Der etwa 30 Zentimetcr hohe Zylinder wird bei seiner Verivendung im Dienst einfach wie eine Nachtnuitze ans den Kopf gestülpt, ivorauf das obere Ende derart umgeschlagen und herabgezogen wird, daß das Ganze schließlich der belaniiten Schorn- steinfegcrkappe nicht unähnlich ficht. Mit Ausnahme der frei- bleibenden Augen ist der Kops dann vollständig ciiigehiillt. Bei leichter Raucheiilwicklnng soll sich der Apparat angeblich vorzüglich bewährt haben, weshalb de» Berliner Löschzügen vorläufig ins- gesammt 30 Stück zur Probe überwiesen sind. Die Stadtverordneten-Bersaninilnug hat dein Stadlv. Dr. Otto Hermes aus Veranlassung seiner 25jährigen Feier als ihr Mit- glied durch eine Deputalio», bestehend aus dem Stadlverordneten- Vorsteher Dr. Langcrhans, dem Stadlverordncten-Aorsteher-Stell- Vertreter Michelei, de» Sladlverordneten Seibert, Wilhelm Gericke »nd Hellricgel eine kunstvoll ausgestatlete Adresse überreichen lassen. lieber eine Erfindung zur Erzeugung eines hellweiß leuchtenden Gases aus Hans-, Markt- und Straßenkchricht und Abfallstoffc» aller Ztrt hat die Firma G Otlermann u. Co. in Wien neuer- di> gs wiederholt mit der Sindtvcrordneten-Vcrsaimnlnng korrespondirt. In dem letzten vom 30. v. M. dalirle» Schreiben wird mitgelheilt, »aß die angestellte» Versuche die besondere Einigung dieses neuen Gases zur Sladtbelenchtung bereits unzweifelhaft ergeben habe». Die Firma hat die Stadlverordneten-Versninmlnng ersucht, mit der deabsichtigle» anderweitigen Berwerthung des Mülls zu warte», da eine günstigere Lösung der Kehrichlfrage, als die der Vergasung bei gleici>zeitiger«ntgiliiger Vernichtung kaum möglich sein dürfte. DaS Schreiben ist der Straßenrciniguiigs-Depntalion zur Prüfung über» wiesen worden. Ein Denunziant. Dem Borsitzenden des Vereins zur Wahrung der Jiilercffen ver Zinkgießer ist vor kurzem ein polizeiliches Straf- Mandat zugestellt worden, Iveil er bei einem im Lokal Sanssouci veraiistallete» Vergnügen auch einem Nichtmitgliede, das sich heran- zndräugeu wußte, gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes Znlritt gewährt hatte. Als Denunziant wird in der Elrafverfüauug der Mechaniker Rudolf Rausch aus der Urbauflr. 128 bezeichnet. Vielleicht wird die Veröffentlichung dieses Falles entsprechende Be- achtung finden. Den Gelüste» der HanSagrarler nach Erweiterung ihrer Exmissiousrcchlo tritt selbst die Regierung verschämt entgegen. Aus die Petitionen, welche der Vorstand des„Bundes der Berliner Grundbesitzer-Vereine" behufs Wicdereinrichluug der sogenannten „schleunigen Abtheilmigen" zur schnelleren Erledigung von Exmissions- klagen au die Präsidenten des Landgerichts und Amtsgerichts I am 24. Dezember abgesendet hatte, ist nunmehr folgender Bescheid eingegangen:„In Räumungssachen werden die Berhandlnngs- termine beim Amtsgericht I mit thunlichst kurzen Fristen bestimmt. Sie schon innerhalb der nächsten 4 bis 6 Tage nach Einreichuug der Klage anzusetze», wird zumeist nicht angängig sein, da die dreitägige Eiulnssnugsfrist gewahrt werden muß, falls ihre Ab- kürziing seitens der Partei nicht beantragt ist. De» auf Abkürzung dieser Frist und Anberaumung eines näheren Termins gerichteten Anträgen wird regelmäßig staltgegeben, sosern sie ausreichend be- gründet erscheinen. Hiernach ist cs nicht t h u n l i ch, eine all- gemeine Anweisung an die Richter zu erlassen, daß in Räünumgssachen die Termine mit den von Ihnen bezeichneten Fristen anzusetzen seien." Die. Brandstätte in Rlt-Moabit bildet« am Sonntag« den Ausflugspunkl für viele Zehntansende. Die fäinmtlichen Stadtbahn- zöge brachten nugeheuere Menschenmengen nach der Stalion Bellevne, nnd so groß war der Verkehr auf diesem Bahnhof, daß die Hilfsbeamten der Station hinzugezogen werden mußten, um den Verkehr ans dem Bahnsteig zu regeln. Ein großes Aufgebot von Schutzlenlen, wie es schon seit Tagen an die Brandstelle gefesselt ist, war erforderlich, um die Mengen i» Bewegung zu halten und die Gefahr einer Katastrophe durch Eindrücken der Ufergeländcr zu verhüten.� Das Feuer selbst wüthet noch mit unverminderter Gewalt und es dürfte» wohl«och ziemlich acht Tage vergehen, ehe das ge- sammte Brennmaterial vernichtet und dem Feuer hierdurch ein natürliches Ende gesetzt ist. Die Löschthätigkeit der Feuerwehr ist gänzlich eingestellt, nur bleibt ständig ein Zug zur Ueberwachnng des verheerenden Elementes an der Brandstätte. „ drS WclthanscS Rudolph Herpyg, Herr Nittdolph�Hertzllg. ist vestcnl Morgen S Uhr»nch I4I«g>gcr Krnn!« h«it in seiner Wohl»,»« Vreilefir. 16 geslorbe». Bürgerliche Blätter »vidi» eil dem Todlen zum ihcil Nekrologe, in denen seine geschäft. Uche Tüchtigkeit n. a. ans dein Umstände gefolgert wird, daß der Umfang des kolossalen Geschäflsbetriebes sich„unter Leitung' deS Verstorbenen verdoppelt habe. Wen» je der BeiveiS dafür erbracht worden ist. daß in den modernen Riesen- geschäftrn Tüchtigkeit und Untüchtigkcit des Chefs eine recht nebensächliche Rolle spielen, so ist dies im Falle Rudolph Herhog geschehen. Die Tüchtigkeit des Verstorbenen bestand zum wesentlichen darin, daß er der Sohn seines vor wenigen Jahre» verstorbenen VaterS war. und daß er verstand. Tag für Tag schon des Morgens i» der Frühe 100 bis 150 M. zu versrühstücke». Rudolph Herhog hat ein Alter von 46 Jahren erreicht. Er hinterläßt als Erbe«inen 17 Jahre alten Sohn aus erster Ehe. In zweiler Ehe war er mit einer Gräfin Baudissi» verhcirathet. $ie Mcldntig, dast die ersten elektrische» Straßenbahn- linirn Mitte Januar eröffnet werden, bestätigt sich leider nicht. Trotz der seitens der Direktion der Große» Berliner Pferdebahn- gesellschaft gegebenen Versicherung, daß der elektrisch« Betrieb ans den Linien Demminerstraße— lkrenzberg und Alexanderplatz— Schöne- berg bereits innerhalb weniger Tage nach der vom Kaiser erlheilten Bestätigung zur Durchführung kommen soll, sind die Vorarbeiten auf den erwähnten beiden Strecken noch derartig weit zurück, daß von einer Aufnahme des elektrischen Betriebes vor Beginn des Sommer- fahrplanS wohl kaum die Rede fein dürfte. Die Berliner Polizei. Zur JNustrirnng der polizeilichen Praxis bei Sistirnngen bringt das„Berliner Tageblatt" eine» Bei- trag, der einen jungen Dänen betrifft, der sich seit wenigen Tagen in Berlin befindet und eine Anstellung als Elektrotechniker bei einer hiefigcn Weltfirma erhalten hat. Der Thatbestand ,st folgender: Der junge Däne betrat mit zwei LandSlenle» und Kollegen am Abend einen Zigarrenladen in der RovaliZ- firaße. um Zigarren zu kaufen. Er gab ein Zivanzigmarkstück in Zahlung, daS der Verkäufer in der üblichen Weise durch Auswerfen auf den Ladentisch prüfte. Das Goldstück gab dabei einen hohlen Klang, sodaß es der Verkäufer zurückwies und dem Kläger gegen- über den Verdacht äußerte, das Goldstück sei falsch. Der Aus- länder bezahlte darauf mit andere», Gelde. fürchtete aber Weit- läufigkeiten, falls das Goldstück wirklich unecht wäre, und ersuchte einen seiner Begleiter, zu einem Schutzmann, der in unmittelbarer Nähe stand, zu gehen und ihm den Fall vorzu- tragen. Der Schutzmann trat in den Laden, stellte fest, wem das beanstandete Goldstück gehöre und veranlaßle den Elektrotechniker, der sich als Eigenthümer bekannte, mit ihm z u r W a ch e z» gehen. In Begleitung der beiden anderen jungen Dänen wurde der Elektrotechniker in das Wachtlokal Novalisstraße geführt. Der Beamte dort wieS. nachdem er den Thatbestand erfahren balle, die beide» Begleiter aus der Wachlstnbe, während er den Eigenthümer deZ Zwanzigmarkstücks zurückbehielt und ihn— »ach der Darstellung des Verhaslelen— mit den Worten apostrophirte:„Sie werden wir schon kriegen, bleibt doch mit Eurem falschen Gelde hübsch zu Hanse." Der Däne bat im Laufe der Nacht vergeblich um Auskunft darüber. warum und wie lauge er denn verhastet bleiben sollte. Einer seiner beiden Kollegen war inzwischen zur Wach« zurückgekehrt, um de» Schlüssel zu ihrer gemeinsame» Wohnung von dem Verhafteten zu holen, den er anch erhielt. Nm 7 Uhr morgens kam ein Schutz- mann in die Wohnung und stellte fest, daß die Augabc» des Verhafteten richtig feie»: um 8'/« Uhr wurde letzterer dem inzwischen eingetroffenen Revier- Osfizicr vorgeführt, der ihn sofort entließ, die Münze aber zuriick be- hielt und den Freigelassenen für de» Nachmittag wieder bestellle. Der Däne war nun zwar frei. er/>esürchtete aber nach den gemachte» Erfahrungen von seinem Besuch am Nachmittag neue Komplikationen und ging daher den Konsul seines Vaterlandes in Berlin, Geheimen Kominerzienralh v. Mendelssohn, um Beistand an. Der Konsul geleitete nun seinen Schützling nach der genannten Polizeiwache. In der königlichen Münze war inzwischen festgestellt worden, daß das Goldstück echt sei und nnr durch einen äußerlich nicht sichtbaren Sprung seinen Klang verloren habe, und die Angelegenheit war somit erledigt. Z« den, Verschwinden deö Kaufmanns Bchrendse», über welches wir bereits eingehender berichtet, wird mitgelheilt, daß die Berdachtsgründe, die Anlaß z» der Vermuthung eines an D. be- gangenen Verbrechens gegebe», sich noch wesentlich verstärkt habe», Der Umstand, daß der Begleiter des Vermißten nach wiederholte» Auffordernngen sich bisher nicht gemeldet hat, erscheint ebenso auf- fällig wie die Thatsache, daß der Fremde seine srüheren wieder- holten Besuche in der Stralaner Chaussee jetzt gänzlich eiiigestelll hat. Die Vernehmung derjenigen Personen, welche an, Sonntag, 2. Januar, nachmittags mit B. gesprochen, hat ergeben, daß in de», Betragen deS Kanfinanns durchaus nichts Aufsälllges zu beob- achten war und derselbe sich ziveifellos weder mit Selbstmord- abflchten»och mit Flnchtgedanken, zu denen, wie erwähnt, anch keine Veranlassnng vorlag, getragen hat. Die Thatsache. daß die Leiche deS Kaufmanns bisher»och nicht gefnnde». wird be- hördltcherseits darauf zurückgeführt, daß der Körper des vermnlhlich im Wasser Liegende» entweder beschwert oder u»ter die dünne Eis- schicht an den Epree-Ufern getrieben und infolge dessen nicht an die Oberfläche trete» kann. Die RettniigSapparate an de» Berliner Brücken find„den, Schutze der Bürger" bezw.„deS PublikninS" empsohlen. Dieser Schutz bewährt sich auch, von seltenen Ausuahmen abgesehen, ganz gut, nur mit dem Schutze und der Fürsorge, welchen der Magistrat diese» Apparate» nngedeihen läßt, scheint es sehr mißlich bestellt zu sei». Während sich am Freitag srüh ein Knabe an der Oberbau»,- brück« vor den Augen von Zuschauern ertränke» konnte, weil der a» der Brücke befindliche ReltungSkahn mehr als halbvoll Wasser stand und demgemäß zu schleuniger Rettung unbrauchbar war. ging am Sonnabend an der Michaelsbrncke ein Menschenleben zu gründe, weil über- Haupt kein Rettungskahn vorhanden war. Es war gege» IVUHr vormittags, als ein ärnilich gekleideter Mensch auf der Brücke plötzlich seine» Ueberzieher anszog, sich zu Boden warf und mit de». Rufe:„Ich gehe ins Wasser!" dicht bei dem Gtadtbahn-Viadnkt und zwar ftrom- anfwärts über das Geländer ins Wasser sprang. Di« in der Nähe befindlichen Passanten fnchte» sofort nach dem RettungSkahne, der an jeder Brücke liegen soll, fanden jedoch keinen. Man mußt« sich daher darauf beschränken, dem Lebensmüden, der inzwischen unter der Brücke hindurch getrieben war, den Rettungsball znzn- werfen, den jener aber nicht mehr erreichen konnte oder wollte. Mehrere Zeugen des Vorfalles liefe»»»»»ach de» Grund- stücken der Holzmarktstrabe, vor denen Spreezillen lagen, um die Schiffer zu alarmiren. Diese zeigte» sich min zwar hilfsbereit, indessen war der Selbstmörder— obwohl nnr 6-8 Minnten ver- gangen waren— bereits»ntergesunken und die Bemühungen der Schiffer waren vergeblich, die Leiche kam nicht wieder zum Vor- schein. In dem auf der Brücke zilrückgelaffene» Ueberzieher, der »ach de», Polizeirevier in der Holzmarklstraße gebracht wurde, be> fanden sich keinerlei Ausweise über die Persönlichkeit deS Er- trunkenen, der wohl z» retten gewesen wäre, hätte sich ein brauch- barer ReltiingSkahn an der Brücke befunden. Gi» Sonderling. Der„Kapitän" Käding ans Granzow ist am Sonntag in seiner Hinterhanswohnung Stephanstr. 19 als Leiche anfgefnuden worden. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß der vermögende Mann, der recht kärglich lebte. Selbstmord begangen hat. Sei» Geld hat der Verstorbene sich in Amerika er- worbe». Er fiel der Nachbarschaft durch seine wunderlichen Gewöhn- Helten auf; man sah ihn nie anders als im Zylinder, den er selbst bei». Reinige» seiner Wohnung nicht vom Kopfe»ahm. Ein heftiger Znsanimeustoß zweier Pferdebahnwagen ereignete sich gestern infolge falscher Weichenstellung i» der Alexauderftraße. Der Kandidat der Medizin Fritz Sch., welcher auf de». Vorder- perron deS einen Wagens stand, erlitt durch den Zusammenstoß eine schwere Handverletz, mg. Man brachte ihn nach der nächflen Unfall- station, wo festgestellt wurde, daß«in« Unmenge GlaSsplitter. her» rührend von den zersplitterten Fensterscheiben, in der Hand saßen. AlS HeirathSschtvindlcri» ist die VSjährige Luise Rothmann hier verhaftet worden. Di« Dame hat»nter dem Namen Freifrau von Redern vornehm« Ginipel an sich zu locke» gewußt, und ihnen dann»nter dem Versprechen, daß sie reiche HeirathSparthien ver- mittel» könne, Geld abgelockt. Bei den Anschauungen, die in söge- nannten bessere» Kreise» übe, das Heiligste, waS der Deutsche kennt, gang und gäbe find, sollen ihr diese Mannöver ziemlich leicht ge- worden sei». Vielfach vermißt wurde in den letzten Tagen ein Original am Anhalter Bahnhof, der Stieselputzer, Lotleriebändler, Bürstenmacher, Weltenverniiltler und Handelsmann Wilhelm Nische ans der Schöne- bergerstr. 16a. Ueber de» Mann wird berichtet: Nische, der seit 2& Jahren in jener Gegend wohnt und bei Arm und Reich, Alt und Jung allgemein bekannt ist, war früher Fenerivehrniann und verunglückle vor sieben Jahren bei eine», großen Brand i» der Chansseestrabe. Seitdem ist er Invalide. Da die Pension für ihn»»d seine Frau und vier Kinder nicht ans- reichte, so etablirt« er sich zunächst mit eine», Kasten an der Seltersbude am Anhalter Bahnhof als Stiefelputzer. Anch dieses Geschäft brachte nicht soviel ein, daß er lebe» konnte. Aber ans diese», Hauptgeschäft«ntivickelte» sich die verschiedensten Zweige. I» der freie» Zeit fabrizirle der arbeitsame Man» Bürste» und diese sehte er im Selbstverkauf ab, wo sich ihm eine Gelegenheit dazu bot. Inhaber der Wettbnreaus gaben ihm Beimitteliings- anslräge, und dem fügte er selbst einen kleinen Handel mit Loose» Hinz». I» den letzten Tagen wurde vergeblich nach dem vielbegehrlen Manne gefragt. Am Donnerstag Nachmillag war er auf eine», Geschäftsgänge auf der Cchöneberger Brücke zusammengebrochen und hilflos liegen geblieben, bis man sich seiner annahm. Der Schlag hat ihn gerührt, so daß er sich nicht mehr regen kann. An der rechten Seite ist er ganz gelähmt und die Sprache hat er vollständig verloren. In die Spree gestürzt hat sich vorgestern Boriuiliag gegen !0 Uhr von der Michaelbrücke«i»»»bekannter etwa 80 Jah>e aller Mann mit dunkler Kleidung»nd blonde», Schnurrbart. Die Leiche des Selbstmörders, der ei» Arbeiter z» sei» schien, ist noch nicht gefunden. Arbeltcrrisiko. Ei» schwerer Unfall ereignete sich Sonnabend ans de», Neiiban der Aktiengesellschaft L. Löwe„. Ko, Hntienstr. 16. Dort verunglückte» durch Umkippen eines mit etwa 200 Zentnern beschwerten Senkkastens die Arbeiter Lampe und Bergeina»». Ersterem wurden beide Beine gebrochen. Letzterem wnrde der Brust- korb eingedrückt und das Rückgrat gebrochen. Beide wurde» nach de». Kranken hause gebracht. Wen die Sch»ld an de», Unfall trisst, ist noch nicht aufgeklärt. Brandstiftiiiig. Sonntag Abend brach in der Wohnung des Arbeiters L. in der Slromslrnße Feuer ans. Bei näherer Be- sichligmig wurde festgestellt, daß Belle», Kleidungsstücke„. s. w mit Pelroleum begossen„nd vermnlhlich vorsätzlich in Brand geseht worden waren. Das Ehepaar wurde infolge dessen bei seiner Rück- kehr sestgenomme» und der ttriminalpolize, zugeführt. Fencrbcricht. Ein Kellcrbrand rief die Wehr Sonnabend Abend»ach M> ch a e l k i r ch st r. 30. Sonnlag früh l'/z Uhr erfolgte Kleine A l e x a» d e r st r. 17 ei» Bodenbrand, der mehrere Bodenverschläge und Dachsparren zerstörte, durch rechlzeiliges Ei»- greifen der Wehr aber bald gedämpst wnrde. Kurz nach 8 Uhr brannte L e s s i» g st r. 23 Wäsche und Gcrünipel aus dem Hänge- boden. Nachmittags 4 Uhr mußte Grüner Weg 64«in Vodenbrand beseitigt werde», bei dem Verschlage»nd der gnßboden in Flnmnien misgingen. Eine Elnnde später erfolgt» d e r b e r g e r st r. 23 ein Ziminerbrand, der durch einen brennende» Weihnnchlsban», verursach, wurde»nd verschiedene Möbel be- schädigte. Um 9 Uhr erfolgte R a t h e n o w e r st r. 9ö ei» Küchen- brand. Bald»ach 10 Uhr mußte die Wehr nach S l r o m st r. 4J und„ach E l s a s s e r st r 2Sv. ansrücke». I» beiden Fälle» brannten Gardinen, Kleider»nd Möbel. AnS gleicher Beranlassiiny wurde die Wehr kurz vorher nach I a s m„ n d« r st r. 18 gerufen. Montag Nachmittag 3'/« Uhr brannte B r a n d e» b u r g st r. 20 eine Partie Holz im Keller. Die Dresdcncrstr. 113 befindliche Lelzrslälte 8. der Volkshochschule der Huniboldt- Akademie eröffnet vom 17. bis 21. Januar ihre Vortragsreihen für das I Quartal 1898. Besonders hingewicsen sei ans die beiden Vorträge mit Experimenten des Dr. H. Lange über„Metallurgie" und des Dr. R. Hcilbrun über„Praktisch« Anwendung elektrischer Erschci- nungen". Dienstags findet auch Unterricht in der schwedischen Sprache für Anfänger statt und Freitags Eugligh Beading and Conversation. Die ersten Vorlesungen einer jeden Vortragsreihe flnd unentgeltlich. Für Mit- glieber von Arbeiter-Berufsvereinen und Kassen sind bedeutende Ermäbi- gungei, des Honorars vorhanden. Programme werden kostenlos in der Buchhandlung von S. Hahne, Prtnzenstr. b4, in der Musikalienhandlung von Rühle, Morihplatz, und bei dem Borsttzenden des Kuratoriums Stadt- verordneten Rosenow. Schmidtstr. ö, gern abgegeben. Nnthsclhnft ist der Selbstmord»ineS junge» Mannes, der ans Moabit gemeldet wird. Der 17 Jahre alte Sohn Rcinhold des Psörlners Zn»k ans der Lüneburgerstr. 3 war bis vor kurzem als Hausdiener in einem Teppichgeschäft der Elsasserstraß« be- schäsligt. Vorgestern gegen Abend ging er mit de», Bemerken, daß er sich umziehei»„nd die Kleider wechseln wolle, in das Hiiilerzimmer der«llerlichen Kellerivohniing. Als die Mntler später in daß Zimmer kam, fand sie den Sohn als Leiche a» der Thürklinke hänge». Wiederbeleblingsversnch« bliebe» ohne Erfolg. Ueber de» Be,v«ggr»,id zum Selbstmord hat der jung« Mann nicht die leiseste Andeutung gegeben. Tic„Urania" ist in diese» Tagen mit«liier Neuerung hervor- getreten, die weit mehr Beachtung verdient, als ihr bis jetzt an- scheinend entgegengebracht wird. Es werde» nämlich i» de», allen Institut der Gesellschaft i» der Jnvalidenslrnße eine Reihe Boriräge geHalle», i» denen die Beziehungen bedenisamerer wissenschaftlicher Erstndliiigei, und Enldeckniigen zum tägliche» Lebe» erläutert werden solle». Der erste dieser Experimentalvorträge befaßte sich niit der Gasfabrikation und deren Geschichte. Herr Dr. G. N a ß wieS i» lebendige» AnSführungei, auf den Ursprung dies«! für«»fer öffentliches und privates Leben so bedeuisamen GewerbezweigeS HI»„nd schildert« anschaulich daS in de» Begi»» dieses Jahrhunderts fallende Vordringen der moderiien Gasbeleuchtung. Dan» ging der Redner zu der«igent- lichen Erläuterung der GaSfabrikation über, die durch zahlreich« von der städtischen Gasanstalt in Charlottenbiirg aufgenommene Photo- graphien veranschaulicht wurde. Doch damit ließ die„Urania"«S nicht geniig sein. Der Bortrag an, Sonnabend Abend, der sich im weiteren Verlaufe besonders eingehend mit der Herstellung deS GaS- glühlichlS befaßte, war sozusagen nur die Einleitung zu einem praktischen Lehrgange. Die Zuhörer wurden in aller Form„nd Feierlichkeit eiiigeladen. am nächste» Morgen, dem Sonnlage, unter Führung des Vortragenden die Eharlottenburger Gasanstalt persönlich zu be- sichtige». Bei diese», Rnndgang« nahm Herr Dr. Naß dann noch i» liebenSwürdtgster Weise Gelegenheit, unter seinen Schülern und Schülerinnen die am Abend vorher gesammelten Keuntnlsse zu be- festigen. Unterrichtsvortrüge der geschilderie» Art stehen in der „Urania"»och mehrere in Aussicht. Wir können denjenigen„nter unseren Leser», denen ihr« Mittel solches erlaube», den Besuch nach jeder Richlnng hin empfehlen. Schön wäre es, wenn die„Urania" Mittel und Wege fände,»m auch Bireinen diese Exkiwstanen zu an- nehmbaren Bedingmigen möglich zu machen. Theater. Im Schiller-Theater wird„Der König", Schauspiel in fünf Aufzügen von Richard Boß, am Donnerstag zum ersten Male in folgender Besetzung der Hauptrollen in Szene gehen: Ratmon„der Sonnige", König von Asturien— Ewald Bach, Königin Affalide—.Hedwig Panly, Königin Germonde— Clvthilde Barth, Berengar, Herzog von HueSla— Max Pategg, Admar den Medina— Willy Froböfe, Mira— Fanny Wagner, Oran— Leopold Thurner, Ein junger Edler— Eduard v. Winter- stein. Heute und morgen finden wettere Wiederholungen von„Der Registratur auf Reils," statt.— Wegen Heiserkeit des Dttettors Earl Weih muh„Leben und Lieben" im Ostend-Theater vorläufig vom Repertoir abgesetzt werden! am Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird das ronian- tische Zaubermärchen„Der Verschwender" mit den ersten Kräften zur Aufführung gelangen. SlttS de» Nachbarortei». Stralau. Den Parteigenossen und Genossinnen hiermit zur Nachricht, daß am Sonnlag. den 16. Jannar. nachmittags 2 Uhr, hierselbft eine öffentliche Parleiversammlung stattfindet, in welcher Rechtsanwult Gen. Wolfgang Hein« einen Vortrag über„Die Sozialdemokatie und die Todesstrafe" halten wird. Ferner findet die Neuwahl der Bertrauensperso» sowie der Lokalkommissio» statt. Nähere? i», JiiseratentHeil der Freitags-Nummer. D i e Vertrauensperfon. Den Aakl Maltis machen sich neuerdings Bureauhilfsarbeiter des Charlottenburger Magistrats zu nutze,„in anch ihrerseiis An- spräche auf Anerkennung als lebenslänglich angestellte Gemeinde- beamt« auf gerichtlichem Wege durchznsechlen. Gegenwärtig schweben drei derartige Klage»,»»d zwar der Hilfsarbeiter Munter und Bari- kn echt und des BohlwerkSiväiters Schwarz. In dem Falle Schwarz ist der Magistrat beim Landgericht II unterlege», hat aber Berufung eingelegt. DaS Kraftiver? fsie den ekektrischeu Vctriet der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn hat sich als zu klein erwies«»„nd »»iß bedenlend erweitert werde». Die Gesellschaft hat zu diese», Zweck« das an die Zenirale in der Spreestraße zu Charlottenburg angrenzende über 3000 Quadrat»,«!« groß« Grundstück des Geh. Kommerzienralhs Mendelssohn angekauft. Mit dem Erweilerungs- bau wird im nächste» Frühjahr begonnen werden. Ter Niischlnß der Charlottenburger städtischen Uhren an das Regulin,»gssysten, der Gesellschaft„Normalzeit" ist nun- mehr von dem Magistrat wie von der Stadtverorbneten-Versamm- lung endgillig beschlossen, vorbei,,»nd der Magistrat verlangt jetzt vo» der Stadlverordneten-Versaminlung, daß i» de» nächste» Etat ISOO M für den Anschluß von 12 Uhren»nd IIvvM. alS laufende Ausgabe für die Negulirung und Instandhaltung der Uhren ein- gestellt werden. Eincii Selbstmordversiich machte Sonntag Morgen ans dem fersoiien-Bahnhof in Spandan der Ibjährige Realschüler Adolf ilas ans Tnchel»; er schoß sich eine Revolverkugel in die linke Bruslseite. Noch lebend aber schwer verletzt, wurde er inS städtische KrankenhanS geschafft, wo er»och einige Angabe» über seine Person zn mache» im stände war. Daraus ging anch hervor, daß er ans „LiedcSgrau," den Tod gesucht habe. Später verlor er daS Bewußt- sein; sei» Zustand ist hoffnungslos. Geviltzks-SettnnK. In der Sotteriefrage liegt i» der„Lolterie-Post"»in sehr inte, essantes 1I>«heil des Schöffengerichts zu Halle a. S. vor. Ein An- geklag, cr, der eine», Restanrateur zwei Loose der Hamburger Lotterie mit der Aufforderung zum Spiele» zugesandt halte, war ans§ 2 des preußische» Gesetzes vom 29. Juli I88S angeklagt worden. Das Schöffengericht hat ans Freisprechung erkannt, weil das preußische Gesetz vom 29. J»li 138d der Rechtsgiltigkeit entbehr«. Zur Begründung dieser Ansicht heiß, es in dem Erkenntniß». a.: Unbedenklich ist davon ansz,, gehen, daß das Slrafgesetzbuch beabsichtigt hat, durch die Bestimmungen in den Zz 284—86. 360 Ziffer 14 die Materie des Glücksspieles im ivcileren Sinne strasrechilich zn erschöpfen. DaS Sirafgesetz- buch bezeichnet die Theilnahme an, Glücksspiel„nd dessen Förderung Puter gewissen thatsächlichen Vorausletziiiigen als straf- bar. Insofern es aber diese besonderen That,»»stände zur B e- d i» g n n g der Strafbarkeit der Theilnahme am Glücksspiele macht, spricht eS stillichweigend a»S, daß da,>vv dies«, haisächlichen Vor- nussetznngen niciit z», reffen, die Betheilignng am Glücksspiel straflos sei» soll. ES würde ganz„»faßbar erscheinen, wenn der Gesetz- geber zwar die TIieil»ahi»e an Glücksspiel„nter de» i» de» an- gezogenen Vorschrifle» angegebenen VorauSsetzniige» hätte mit Strafe bedrohen wollen, gleichzeiiig aber vo» dem Gedanken geleitet worden niäre, baß hiermit die Materie deS Glücksspiels vom slrafrechlliche» Gesichtspunkt« aus nicht abgeschlossen sei,,, daß ei jedoch lediglich der P arti ku l a rg es etz g e b» n g überlassen bleibe» solle, darüber zn bestimme», ob die Theilnahme am Glücksspiele anch„och i» anderen, vom Strafgesetzbuch nicht bezeichneten Fälle» strafrechtlich zu ahnden sei. So heißt e? wörtlich i» dem Urlheil bei Reichsgerichts vom 3. Mai 1888(Enlsch. Bd. 18®. 5). Mit diesen Ans- fü>»»>iitzen ist die Frag« erledigt. Die Materie deS Glücksspiels im iveilere» Sinne ist reichsrechtlich geregelt, d. h.«rschöpjt, nicht blas gestreist. Für die(vorhandene wie zutiiiistige) LandeSgesetz- gebnng ist demnach kein Ran«. Das preußische Gesetz vom 29. Juli 18?» widerspricht de», ReichSrecht. Dt««»tgegengesetzte Meinung stützt sich auf ein« Bemerknng der Motiv« zum tz 281 des Entwurfs, wonach das Verbot des Spiel«,>S in ans- wältige» Lotterien der LandeSgesetzgebnng nicht hat abgeschnitten iverde» sollen Es mag sein, daß der Verfasser der Motive die Tendenz verfolgte: eS„solle" die Materie deS Glücks- spiele? in diesem Einzelpunkle nicht geregelt werden. Thatsächlich aber ist sie geregelt worden. Taraus«rgicbt sich, daß die Motive mangels jeder Gesetzeskraft hinfällig sind gegenüber dem, was wirklich Gesetz geworden ist. ES heißt, den Motiven übermäßig hohen Werth beilegen, wen» man die in ihnen ausgesprochene Tendenz gegenüber de», aus den, Zusammenhalt der gesetzeslextliche» Bestimmungen sich ergebende» gedankliche» Inhalt durchsetze» will. In dem Falle eineS Widerspruchs, wie hier, ist die Bemerk, mg der Molivr lediglich die Privatanstcht des Verfassers der Motive. A»S- fchlaggebend' bleibt, daß die Materie deS«lückspiele» thatsächlich geregelt worden ist. Ein En» de Cokogne-Prozcß beschäftigte gestern längere Zeit die 1. Straskammer des Landgenchls I. Unter der Anklage deS Vergehens gegen das Waarenzeichen-Gesetz hatte» sich der Fabrikant Bruno H a s e l o f f und der Kaufma»» Anton Cohn zu verant- ivorle». Beide haben im März v. I. eine der 31 Johann Maria Farina- Firme», deren sich die Stadt Köln erfreut, überiiommen, und betreibe» das Geschäft unter der Firma„Johann Maria Farina gegenüber de», Rudolfs- Platz" sowohl in Köln als anch in Berlin. Eine andere Kölner Firma ist bekanntlich die von „Johann Maria Farina gegenüber de»» Jülich- Platz", die sich die äußere Ausstaitung ihrer Flaschen hat schützen und 1894 i» die Zeichen-Liste hat eintragen lassen. Sie hat gegen die Angeklagten die Strafanzeige wegen Verletzung deS Z 14 des Gesetzes zum Schutze der Waareiibezeichiiunge» erstattet, weil die A.isstattung ihrer Flaschen, iiisbesonder« die Etiquetl«„nd der Namenszug so geiia» mit denjenigen der Antragsteller überein- stimmen, daß das Publikum de» kleine,,. in de» Worten„gegen- über dem Rudolfs- Platze" liegende» Unterschied gar nicht bemerkte und annehme» mußte, daß es sich»m Eau de Cologne«»n „gegenüber dem Jülichplatz«" handele. Die Gerechlsame der klagenden ?ir»>a vertrat Rechtsanwalt S ch in i d, während die RechtSanwälie ü d i ck e»nd Marcus« ein« Strasbarkeit der AngeklagUn sowohl in snbjekiiver als in objektiver Beziehung als ausgeschlossen erachteten. Sie stellten eine ganze Reihe vo» Eau de Cologne- Flaschen der allerverichiedenste» Farina-Firme» ans de» Tisch deS Berichts, um die gerichtsnotorische Thatsache zu erweise», daß die Flaschen- rn.i stattung aller dieser Firmen und auch der Namensz, ig derselben fast ganz gleich sei. Darunier befände,, sich Firme», die sich schon 200 Jahr« lang desselben Waarenzeichens bediene». DieseS Zeichen fei nachgerade ei» Freizeichen in der Geschäftsbranche der Eau de Cologne-Fabtilatio,, geworden„»d anch von der Firma der An- geklagten auch schon vor dem Jahr« 1394 geführt worden. Wen» es sich um Kölnisches Waffer handle, fei eine Täuschung des Publikums überhaupt ausgeschlosse», den» dieses sei gewissermaßen schon darauf dressirt, sich beim Ankaufe die Flaschen ganz genau aiizusehen.— Der Gerichtshof erachtete die Angeklagten zwar nicht deS vergehe»? gegen tz 14, aber doch gegen ß 1» des Gesetzes zum Schutze der Waaren- bezeichnungen für schuldig, weil hier„zum Zwecke der Täuschung in Handel und Berkehr Waaren oder der«» Verpackung und Umhüllung mit einer Ausstattung, welche innerhalb betheiligter BertehrSkreise als Kennzeichen gleichartiger Waaren eine? anderen gilt, ohne dessen Genelimlgung versehe» worden seien.» Der Staatsanwalt beantragte 600 M. Geldstrafe, der Gerichtshof erkannt« aus je 200 M. Geldstrafe und sprach dem Vertreter der Firma„Johann Maria F.uina pegenüber dem Jülich-Platz«" die Befugnip zu, das Urlheil aus Kosten der Angeklagten in der„Köln. Ztg." und in der»Voss. Ztg.» zn veröffentlichen. Außerdem wurde auf Beseitigung der wider- rechtlichen Kennzeichnung von den im Besitz der Verurtheilten de- findlichen Flaschen erkannt. VerNumttlungen. Ciiie sehr stark besuchte Volksversammlung, ans Anlaß deS F lies Koppen von Vertreterinnen der bürgerlichen Frauen- bewegnng einberufen, tagte am Sonntag in einer Anzahl von mehr als 2000 Personen im Konzerthnus« in der Leipzigerstraße.„Die Scbutzlosigkeil der Frau im öffentlichen Leben" lautete das Thema, welches zur Verhandlung stand. Frau Schnlralh Cauer, welche der Versammlung prästdirte, bemerkte, die Einberuferinnen hätten. da es sich um eine Frage von allgemeiner Bedeutung handele, alle Kreise, bei denen man ein Jntereffe für diese Angelegenheit voraussetzen durfte, eingeladen: die Reichstags- Abgeordneten, die in der Bewegung bekannten Arbeiterinnen; diese hätten jedoch die Betheiligung abgelehnt, weil sie die Angelegenheit in einer besonderen Versammlung von ihrem Partcistandpunkt behandeln wollen. Auch an Personen von der Stadtmission seien Einladungen ergangen, dieselben scheuen sich jedoch vor einer öffentlichen Besprechung sittlicher Mißstände, obgleich sie ihnen, namentlich dem Leiter der Stadlmission, längst bekannt seien. Zustimmende Er- klärunge» zu dieser Prolestversammlung seien aus einer Reibe der größten Städte Deutschlands eingelaufen. Erfreulich sei es, daß die Presse den Fall Köppen mit einer Ein- uiütbigkeit, die man sonst, wenn eS sich um Franen- angelegenheiten handelt, nicht gewohnt ist, verurtheilt hat. Der Fall Köppen, der den ruhigen Bürger aufgeschreckt habe, werde wohl nicht vereinzelt dastehen. Er sei ein Symptom unserer Zu- stände. Der Angabe des Manne? habe man aus der Polizeiwache Glauben geschenkt, aber nicht de» Versicherungen des schuldlosen Mädchens. DnS sei bezeichnend für die Stellung der Frau i» der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. Die Redneriu kritisirte das Institut der Sittenpolizei und theilte miS den Erfahrungen, die sie bei ihrem Besuch aus dein Polizeipräsidium gemacht, einiges mit. Der Raum für die Sistirte», den sie gesehen, fei ganz ungenügend. Echaaren von Prostituirten, den verschiedensten Altersstufen angehörend, in ärmlicher und in eleganter Kleidung, habe sie bei diesem Besuche gesehen. Wie ihr Graf Pückler mittheilte, gäbe es Mädchen von 12 Jahren, die schon unter polizeilicher Kontrolle stehe». Wenn mau nun frage, warum diese jugendlichen Geschöpfe nicht in einer Erziehungsanstalt untergebracht iverden, dann laute die Antwort: dazu sei kein Geld da. Unsere Volksvertretung sollte doch nicht nur Flotten bewilligen, sondern auch dainr sorge», d ß derartigen sitt- lichen Mißständen ei» Ende gemacht werde. Rednerin forderte die Frauen ans, sich ihr« Gleichberechtigung zn erringe». Rur dann könne die Frauen- und Siltlichkeitsfrage ge< löst werden. Die zweite Rednerin, Frau Bicber-Böhm verbreitete sich über die Uebelstände auf dem Gebiete der polizeilichen Eittenkontrolle. Die Polizei müsse elhisirt werden, aber nicht nur die Schutzleute, sondern auch deren Vorgesetzt«. Die Rednerin tritt ein für Anstellung von Polizeimatronen und Polizei- Aerztinnen und beleuchtet das unsittliche Verhallen gewiffer Prinzipale und Unternehmer ihren weiblichen Angestellten gegenüber. Wenn«in Schutzmann eiuem Mädchen zn nahe tritt, dann mache die Preffe dagegen Front und zeige, daß sie auch ans ethischer Höhe stehen könne. Anders dagegen, wenn ein Unternehmer ei» Atteniat auf die weibliche Ehre seiner Angestellten begehe: da entrüste sich die Preffe nicht, es komme sogar vor, daß die moralische Qualifikation deS beleidigten Mädchens angezweifelt werde. Fräulein W i e s»« r führte in längerem Vortrage aus: Die mangelnde Achtung vor der weibliche» Ehre fei darauf zurück- zuführen, daß die sittlichen Anschauungen, die hinsichtlich des Ver- kehrS zwischen beiden Geschlechtern bei uns herrschen, hinter der Kulturentwickelung zurückgeblieben seien. Di« staatlich konzessionirte Prostitution verleite Jüngling« und Knaben zn Ausschweifungen, deren Opfer meist die Mädchen der sogenannten niederen Stände seien. Durch Erziehung in Schule und Haus müßten die jungen Männer zu einem sittlichen Lebenswandel an- gehalten, die Mädchen aber unter Leitung von Lehrerinnen über ihre Bestimmung als GeschlechtSwefen aufgeklärt werden. Hierauf beleuchtete Fräulein BarkowSki die Lage der Handelsgehilfinnen uud schilderte in beredten Worten, wie diese oft unter den Nach- stellungeu ihrer Prinzipale zu leiden hätten, die in den Augestellten ein zu ihrer Verfügung stehend«? Genußobjekt erblicken. Fräulein vr. jur. Anita AugSpurg, mit lebhaftem Beifall begrüßt, sagte in Anknüpfung an den Fall Köppen: Die Preffe halte es für »öthig, in solchen Fällen EntschuldigungSmotive dafür anzuführen. daß«in Mädchen zu später Abend- oder Nachtstunde allein aus der Siraße weilte. Solche Ausfaflung sei zu verwerfe». Man müffe den trauen das Recht zuerkenne», sich auch des RachtS allein auf der traße zu bewegen, zu deren Erhaltung sie in gleicher Weise beisteuern müssen, wie die Männer. Heute halte sich jeder Mann für berechtigt, alleingehend« Mädchen und Frauen unter dem Schutze der Dunkelheit zu belästigen. Wenn wir(die Frauen) Abend für Abend solche Insulten erleben, dann darf man es uns nicht verdenken, wenn wir auf das ganze männlich« Geschlecht das Odium der Eittenlosigkeit werfen. ES heiß«, wenn«ine weidliche Person deS Nachts auf der Straß« langsam promenire, so genüge daS schon, um die Aufmerksamkeit des Schutzmanns zn erregen Warum werde denn nicht langsam promenirenden Männern die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt? Im Falle Köppen sei der Angeber Herzog, nachdem er seinen Name» genannt, sogleich von der Polizeiwach« entlassen worden, ivährend Elise Köppen zurückbehalten wurde, obgleich doch die gegen sie vorgeblachl« Beschuldigung durch nichts erwiesen war. Der Wachtmeister hatte sich allerdings, wie das Polizeipräsidium sagt, geirrt. Dieser Jrrihum habe aber schwere Folgen für Fräulein Köppen gehabt. Man dürfe wohl fragen, welche Sühne daS öffentliche Rechtsgeiühl uud die schwer gekränkte Elise Köppen erhalle» habe? Der Wachimeister sei in ein anderes Revier versetzt. Welche Sicherheit Hab« man, daß sich in seinem jetzigen Revier nicht ein solcher Fall wiederhole? Die Redner!» führt weiter aus, daß die Behandlung Fräulein Köppen's auf dem Polizei pr'sidium den bestehenden Vorschriften nicht entsprochen habe. Prinzipiell habe die Polizei durchaus falsch gehandelt. Sie sei in keiner Weis« berechtigt gewesen, Elise Köppen in Gewahrsam zu halten und ohne ihren Willen imterfuchen zu lassen. Selbst wen» die Angab« Herzog's wahr gewesen wäre, so lag keine strafbare That, sondern nur ei» strafloser Versuch vor. Dem Herzog, der mit 6 Monaten Gefängniß bestraft wurde, sei es als strafmildernd nngerechuct worden, daß Elise Köppen schon in Beziehungen zu ihrem Bräutigam stand. Eine solche Heranziehung von Privat angelegenheite» zieme dem Richter nicht. Das Verfahren, welches ein Mädchen»ntersttteupolizeiliche Kontrolle stellt, geschehe ohne Mitwirkung des Gerichts, nur auf polizeiliche Verfügung. Wenn diese auch meist sehr liberal gehandhabt werde, feie» ungerechtfertigte Vers gungen doch nicht ausgeschlossen, und müsse gegen solche die Möglichkeit eiueS Rekurses mit aufschiebender Kraft gegebe» sein. Es»u'isse scharf unterschieden iverden zwischen Verdacht und That. Anstalt der zwangsweisen ärztlichen Untersuchung inüffe die Beibringung eines privatärztlichen Attestes zulässig sei». Die Sittenpolizei müsse beseitigt werden, den» sie gewähre keinen Schutz gegen Ansteckung und sei eine ungerechte Institution, die ihre härtesten Konsequenzen auf die Opfer der Prostitution wirst und die Anstifter unbehelligt läßt. Sollte das Institut aufrecht erbal'e» bleiben, dann bedürfe es durchgreifender Reformen, die ohne Hilfe von Frauen nicht durch sührbar seien. Im Jnimsse eines wirksamen Schutzes der erwerbs thätigen Fraue» uud Mädchen sei«ine Aeuderung des Sirafrechis erforderlich iusoferu, daß unsitiliche Atleutal« des Uuleruehiners gegen seine Angestellie» ohne Antrag von der Behörde verfolgt iverden. Ferner sei die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren und eine zeitgemäße Aeuderung der G-stndc- Ordnung zu fordern. Fräulein A n g s p u r g brachte zwei im Sinn« ihrer letzten Ausführungen geballen« Resolutionen«in. die an den Reichstag, da» preußische Ministerium de» Innern nnd di» Polizeibehörden der großen Städte geschickt werde» sollen.— Di« vorstehend skizzirten Referate wurden sämmlsich mit Beifall begleitet. Nachdem di« Diskussion eröffnet, nahm Frau Marie Greifen- b« r g das Wort, um auf die von sozialdemokratischer Seit« ein-. berufen« Versammlung aufmerksam zu«lachen, die am Dienstag in der Brauerei Friedrtchshain stattfindet und sich mit der- selben Angelegenheit beschäftigt. Frau Gubela erzählte-in eigenes Erlebniß auf der Polizeiwache und kritisirte das Verhaltei» von Polizeibeamlen dem Publikum gegenüber. Ihre Schlußworte: Di- einzige Partei, welch« bestrebt fei, die Mißstände� auf dem Gebiet deS Polizeiwesens mit der Wurzel auszurotten, sei die Sozialdemokratie, entsesselien einen wahren Beifallssturm. Diese Thatsache zeigt, daß die überwiegende Mehrheit der Versammlung ans Anhänger» der Sozialdemokratie bestand, die bürgerlichen Elemente aber nur schwach vertreten waren. Pr»>« s»lt>ftii»»ig»r putzer. Heule Abend 8 Uhr bei Mebrwald, Alle Jakobstrab- 64/66: Versammlung.— Da» erst« SUflungSsest stndel am Sonntag, den ls. Januar, tm Neuen Klubhaus, Kommandanlenstrabe TS, statt. Uitevsvipches. CoSmoPoliS, Internationale Revue. DaS Januarheft dieser dreisprachigen Zeitschrift hat auch für sozialistisch« Leser ein be- sonderes Jntereffe. Bekanntere Sozialisten der drei Länder England, Frankreich und Denlschland, in deren Sprachen„EosmopoliS" seine Aufsätze veröffentlicht, haben Beiträge geliefert. Hyndma» schreibt über den Sozialismus und die Zukunft Englands, Ja»res ül>er den französischen Sozialismus, nnd Liebknecht Über„Zukunslsstaailiches". Der Aussatz Liebknecht's datirl von Mitte November 1397, ist also geschrieben worden kurz bevor Ge- noss« Liebknecht ins Gefängniß gehen mußte. Wie die Redaktion des„Cosmopolis" mittheilt, werden im Febrnarhest Entgegnungen auf die genannten drei Aussätze vom idealistischen Standpunkte aus erfolgen._ Briefkasten der Redaktion. Dl« juristische Sprechstunde findet am Montag. Freitag und Sonnabend von Ü bis 8 Uhr abends statt. P. W. Brief erhalten. Merten. Der AbonneinentSverein von Dienstherrschaften für kranke Dienstboien hat sein Bureau Mohrenstraße 34. Geöffnet von 10—1 nnd 4—6 Uhr. Lichtenberg 176. I Hat Ebbe und Fluth. 2. Ist Gemeinjahr. F. W. Wetten. Die gesetzliche Wartezeit für Witiwcn und geschiedene Ehefrauen zur Wiederverheirathmig beträgt in Deutschland 10 Monate. Will die Betreffende sich früher verheiratheiy so kann sie(am besten unter Beifügung cincs Hebammen- oder ärztlichen AttcsteS) einen Antrag, ste von der Wartezeit zu dispensiren, an das Amtsgericht richten.— Kirchhain 169. 1. Nur wenn er den früheren Zustand unverändert wiederherstellt. 2. Nein. — F. K. 461. Zahlen Sie nicht, der Einwand der Verjährung ist durch- schlagend.— Meyer in D. Ste könnten auf Exmission klagen; der Er- folg hängt aber sehr von der Eiitpstndung des Richters ab.— W. K. IS. Sprechen Sic mit den betreffenden Papieren, insbesondere mit etwa älteren Antworten der BenifSaenoffeulchaft, in der Sprechstunde vor.— A. Z. Nur wenn vertraglich die im Betriebe gemachten Erstndimgei» dem Arbeit- gcber zustehen sollen(z. B. bei einem behufs Erstndnna von patentfähige» Gestaltungen engagirten Ingenieur) hat dieser, sonst der Arbeiter daS Urheberrecht.— P. M. G. Besten Dank. Der Prospekt würde uns aber zu einer Empfehlung nicht veranlassen können. ES kommt auf die Statuten und vor allem auf daS Geschästsgebahren an. Ohne den Betreffenden zu nahe treten zu wollen, können wir ohne genaue Kenntniß dieser Grundlagen. Bureaus, Vereinigungen u. f. w., die angeblich unent- geltlich geistiges Eigenthum schützen wollen, nicht empfehlen. — F. St. 99. Ein neuer Unterstützungswohnsttz wird durch zweijährigen, ununterbrochenen Aufenthalt in dem neuen Wohnort erworben, falls in dieser Zeit Almosen nicht gezahlt werden. Wer in Verlin nnterstützungs- berechtigt ist, verliert also den hiesigen Unterstützungswohnsttz nicht, wenn er fortzieht, aber innerhalb zwei Jahren hier wieder Wohnsitz nimmt. Wetter-Prognos« für Dieustng, 11. Januar 1808, Ein» enig wärmer, ziemlich lrübc und nebelig mit geringen Niederschlägen nnd schwachen westlichen Winden. V e r I in e r W e t t e r b n r« a». SMaldemolttaMer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags-WaMreis. Dienstag, den 11. Januar, abends pünktlich Uhr. In Habel'« Arauercl- Au«8chunk, BcrgiuniiiiHtr. 5—7: WM" N e r s a m m t lt n g. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genoffen Di». Frledebere über:„Die sogenannte ziale Gesetzgebung". 2. Diskussion. 3. Vereinsaiy�legeiiheiten. ' Vorortaiid. Sozialdemokratischer Wahlvereln für den L Verl. Reichstags-Wahlkreis Wen). Dienstag, 11. Januar, abends 8 Nhr, im Lokal des Herrn Haase, Gr. Frankfurterstr. 117: Bersammlung. TageS-Ordnuug: 1. Vortrag des Aenofle» II."tzVaxner über:„Industrie und Marine" 2. Disriisston. 3. Verschiedene». Um zahlreiches Erscheinen ersucht 242/1 Hei» Toi-atand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. RHvnstax, den II. Januar, abends 8V2 l'>r; Bmet DerlAtNtnlunnen. Für<*e8undbrnnnen im.Viktoria-Garten", Badstrafte Nr. 12. Taaes-Ordnung: deS Genossen I»r. Alfr. Bernstein über: .Der Welt- I. Dortro markt". 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten. Für Koaenthaler- und Orauicnbnrger Torstadt int Lokal von HUndner, Bergstrafte Nr. 13. Taaes-Ordnung: 1. Di« politische Lage. Referent«eorg l-edeboar. 2. DiSkusfivn. Z. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet 246/2_ Her Tomtand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwach, Ist. Januar, abends 8>/« tthr, bei Cohn, Benthstr. 30/Ä1: Vertvattensmiittner-Vevsammlmig für sämmtliche Bezirke und Brauchen. Taaes-Ordnung: Unsere Gewerkschaft, wie sie ist und wie ste sein soll. Werfftatt-StreikS und ��erenzen. BerbaiidSangelegenheiten. Ausgabe deS Jahresberichts. 76/7 Jede Werkstatt muß vertreten sein. _ Die OrtnTerwnltnng. Altitllilg! Putzer. MüMi Die erste Bandepntlrten-SltEiing findet am Mittwoch, den IS. Januar, abends« Nhr, bei Bunhe, Grenadierstrafte 38, statt. Pünktliches Erscheinen der Deputitten ist nothwcndig. Achtung! WM" Achtung! M Dienftg, dkil 11. Mutt, sbendS 8 Nhr, im Saale der Llauem zriedrichshain: Kruse Protest-VersaRimiung der Frauen uud Aiiidche» Berlins. ! We DeiligKeit der Zamilie in Theorie und Polizei-Vraiis. Referenten: AeichStags-Abgeordneter Arthur Stadthagen und Genossin lilly Braun. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch seitens der Genossinnen und Genoffen ersucht Die Tertrauennpernon. Achtung. Maurer Kerttns und der Umgegend. Mittwoch, den 12. Januar, abends 8 Nhr, in der Tonhalle. Friedrichstr. 112: Grvsze öffentliche Maurer-Bersauunlung. ZortsMng der Diskussion über die Eiltignngsftage. Kollegen! Erscheint alle in dieser Versammlung._(131/2) Die Iioliiilioninilfliilon. Buchdrucker! ttwecb, den 12. Januar, abends SVj Uhr, in den Arminhall« versammeln sich alle Tarifgerncksdiafts-Geaatt. T.-O.: Ist eine Trennung vom Verband« nothwenbig? Referent Kall. Kitzler. 2. Dtskusston. 3. Event. Gründung eines Buchdrucker- Vereins. 4. Aufnahme von Mitgliedern.[26576] Der Ginderufer. Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravatten- Branche Berlin« und Ilmgegead. Dienstag, den 11. Januar, abend« SV« Uhr, im Lokal« de» Herrn Schnla, Reue Königstrafte Rr. 7t (DenovEtzl- NerAtttNMlung TageS-Ordnung! 1. Bericht deS Vorstandes, deS Bibliothekars und deS ArbeitSvennittlerS. 2. Neuwahl deS GefammtvorstandeS, des Bibliothekars und des Arbeits- Vermittlers. 3. Wahl der Revisoren. 4. Berschtedeues. Ausgabe der BtlletS zu unserem am 6. Februar im Schweizer Garten stattfindenden Karneval«re«t(Ein Sommerteit In Ulkwiti), sowie der Vrania-Blllet«(Der dunkle Erdthell). 251/1 Einen recht zahlreichen Besuch erwattet Der Borftand. 6Psliilil Brot siir 50 Psg. liefert 3foE» Albrecht'« Biloheret, BSraiigelftr. S Kalckenfteinstr. Laugestr. 26, SS. Lausitzerstr. 2. Steppdecken, Regulatoren, Viliril, spotib. Ncanderstr.ö.Pfandl. Bokanntiuachang. Fünfte Abänderung zum Statut de» Ort»- Krankenlmste her TttßOer, Gvldschtäger $rriif0po|jftt nn Berlin. 227/1 Artikel I. § 2 Absatz 1 Ziffer 8 werden die Worte gestrichen:„sowie der Hand- lungs-Gehilfen und Lehrlinge." Artikel Ii. Diese Abänderung tritt aml.Janna» !8!W In kraft. Berlin, den 15. Dezember 1897. Der Borstand. Paul HöPfner, Vorsitzender. Hermann B o r ch e r t, Schriftf. Vorstehende Abänderung wird hier- mit genehmigt. Berlin, den 30. Dezember 1897. Der VrzirkSausschnft. Mcher. Gemischter Chor, 26626 Mitglied de« Arbeiter-Sängerbundes. Sangeslustigc Damen uud Herren wollen sich zur Aufnahm« melden, jeden Donnerstag Abend 9 Uhr in Hossmanu's Festsnle», Alexander- straffe 27 v(Englischer Garten) Part. Empfehle allen Freunden und Be» kannten mein V-«nd Vi» Liter Bitraiiöschllnk\i Weißbier. Ein Vereinszimmer steht z. Verfügung. 2656b D. I-nnow, Raumerstr. 11, Strickwolle-Ausverkanf.* Reste hi Zephyr und Rockwolle zu Fabrilpr. Hvlzmarktstr. 60, H. l. 1 Tr. Fachverein der Stellmacher Berlin»»ud Uniscjrcnd. Donnerstag, den 13. Januar, abends 8V2 Nhr, im Lokale deS _ Herrn Schiller, Roscuthalerstr. 57: Mff- General-Nersammlung. Tagesordnung: 1. Abrechmuia vom 4 Quartal 1897. 2. Bericht» erstatiung der Fünfer»Kommission. 3. Endailtige Beschlußfassung über den Anschluß an de» Holzarbeiter-Verband. 4. Verschiedenes. 159/1 Um zahlreiches»nd pünktliches Erscheinen ersucht Der Voretevd. Achtung! Tapezirer. Achtung! Mittwoch, de» IL. Januar, abends 9 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantrnstrafte 89: Oeffientl. Nrri'n»mtUmg. Taaes-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Johann Saesenhach über:„Die neue JnnungS-Gesctzgebung." 2. Diskussion. 3. Die Reorganisation des Arbeits- Nachweises. 4. Gewerkschaftliches. 1Qn„ Es ist Pflicht aller Kollege», unbedingt pünktlich zu erscheinen. lm'1 Die Agitations-Kommission. I. A.: D. Wels, Greifswalderstr. 29. Versandhaus vo» Kaffee und Kaffrrsurrogaten. Deutsche Kaffee-Rösterel von A. 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Ansang °.7'/- Uhr. Liitse». Auf goldenem Boden. An- fang 8 Uhr. BeKc-Zllliance Der Bräutigam auf Probe. Anfang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Anfang 8 Uhr. Sricdrich> Wilvclmstiidllschcs Die kleinen Vagabunden.(I.os deux gosses.) Anfang 7Vz Uhr. Rletianderplah. Die Verführerin. Anfang 7h'2 Uhr. Urania. Xaubenstraste 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 3 Uhr Wifscnschaftl. Theater. Jnvalidenstraste 37 62. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. American. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichöhallen. Spezialitaten. Anfang 71/2 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7l/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikum. Wiener Tanz- und Operettcn-Gesellschaft. S Beschwörer. Das BÄRENWEIB. W. Hoack's Theater ilriinucii-üitrasse 10. Heute Dienstag, 11. Januar 1898: lioefor Wespe. Lustspiel in 5 Auszügen von Benedix. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Mittwoch: Doctor Wespe. Feeu-Palast SÄ Burg-sir. SS. Direktion: Winkler& Fröbei. Das neue erfolgreiche Niesen- Jaiinar-Prograiiiin. Klagarra, Könige aller Tliarmseiilttufer. Liühlsdorf märk. Elchen. I Cabaret. dressirte Liliputaner j Hündchen. Lebende Photographien. Novität! Uul8V2llhr: Novitätij Rich..Wiilklcr und Wilh. Fröbei s in der aktuellen Operettcn-BnrlcslrB Das rndtlnde Berlin. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. V eil; s- Tliesiter Im AVcIt-Bcstnurant 97. Drcsdencr-Straste 97. Neu! Neu! Hahnemann& Kahnemann. Schwank in einem Aufzuge. Novität! Novität! Die Regliiientsniluinier. Urdrollige Posse mit Gesang. Im vorderen Saale: tyolei' Sänger Alois Ebner. WllfrllKl* Sonntags(1 Uhr. AIljU«N. Wochentags T/2 Uhr. "hans1'" Sanssouci Ikottbnser Straste Nr. 4 a. Dir. H. Pierrh. Artistischer Leiter Jos. Zlschinger. Großer Beifall! z»! Reillie her Sirenen. Ausstattungsstück iuit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Joh. Eigner u. Jean Häußler. Musik von Joh. Eißner. Heue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Borstellung 6 Uhr. Grotzvv VttU. Entree 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. NM- Entree 30 Pf.-MM Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. Äicazar-Theater. Dresdcuerstraßc 52/53(Ciih-Passage) Annensiraße 42/43, Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familicn-Ausenthalt. Neu! Platte Watrosen. Neu! Große Ailsstattungs-Opcrette in 1 Akt von Ed. Lindner. Neu! Vorher: Meu! Die Eiebc im Eckhanse. Lustspiel in 2 Aufzügen v. A. Cosmar. Zlnstrctcn säniintlicher Kunst- Spezialitäten. Untaitg' Wocheniags 8 Uhr. ZUlsllllA. Sonntagö 6 Uhr. Entrcc 30 Pf. Ziefervirt. Platz 50 Pf. Vorzugskarten haben Giltigkeit. R eichshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Jubelnder Beifall! Stürmische Dacapo's! Das sind die Erfolge des wirklich grossartigen Spezialitäten-Programms. Anfang l1/� Uhr. Entree 50 Pf. Avis! Sonnabend, 15. Januar: Elite-Masken-Ball (Ein Sommertag in Monaco). Billetvorverkauf tügllch von 11 bis 1 Ehr. Im Reichslialien-Tunnel Militar-Conceri in Uniform. mmm Qnargfs | Vaudeville-Tlieater i Grand-Ho tel Alexanderplast 1 Das Armband. ter i Plast, j Das Modell. Avi«!-7WB Sonnabend, den 15. Januar,? ® bleibt das Vandeville-Dheater? ri geschlossen. Dafür: Einmaliges Gastspiel der Dndapester im ?aroü!ö-?beatsr, Oranienstraße 52. I Naedr's'rdeater Oran icii-Slrasee ZI. KV" Täglich:-MlZ Theater- n. Speziialltttten- Torsteuung. Un.. 1 Die beiden Kompagnons Upi.) HCU. und Die Verschwörer, n««. Reinhoid Lange, I Käthe Leonard!, der beste Humorist I bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Neu! Wr. Alfons, Neu! der bedeutendste Hand- und Fuß- Schnellmaler. Uliktlllll' Wochentags 8 Uhr. ZlllsUUß. Sonntags 0 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Eebr. Herrnfeld's I. Original- Badapester Possen- n. Operetten Theater Kaufmann's Varietö. M?- Täglich-9m ausverkauft! Heute und folgende Tage die Gebr. Herrnfeld'sche lVovItitt Familie IKochsal: | Vorher dio reizende Operette j OcflUschtc Jungen und das auserlesene Spezialitäten-Ensemble. U. n.: | William SchUff, Dr. Guido Steinltz, j Amanda-Nordstern, Geschwister Rebentisch. Anfang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Böhmisches Brauhaus Landsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Stetiiner Sänger tMehsel. Pielro, Prillon, Sieidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. � Entree 50 Pf. 1 Vorverkauf 40 Pf. Feuerstein'8 Festsäle Alle Jakobstrasse 75. Ziih. Martin Herzberg. C.rossc iiikI kleine SUIe zu Versammlungen unentgeltlich� sowie zu Sommer- u.Winterfestlich- koiten b. koulauten Bedingungen. Künstliche Zähne. 5?. Steffens. Noseulhalerstr. 61, 2 Tr. »1 Theilzahliing pr. Woche 1 M. 1463bl Künstliche Zähne:c. O. Oeslicke, Strelitzerstr. 52. Neues lympia-Biesentheater (Circus Eenz.) Täglich 8 Uhr abends: Karlstrasse. Bolossy Kiralfy's„Constantlnopel� An Sonn- und Feiertagen: Zwei Vorstellungen. (Nachmittags 1 Kind frei.) —— Nhheros siehe Anschlagahalen Dem treuen Kämpfer des Proletariats, dem Vertreter des Kreises Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg keiellstaxs-AbKeeillileleu krit2 Znbeil senden die herzlichsten Glückwünsche zu fernem 50. Geburtstag« Die Parteigenossen und Genossinneu KSpnioks. \ Unferm Genossen Zubeil zum Wiegenfeste die herzlichsten Glück- lvünsche. Fr. B. Fr. R. E. L. (vnhnhof llör«c). Dienstag, den 11. Januar 1898, abends 7Vz Uhr: Grande Soiree equestre. Zaragoza. Orig.-Manege- Schaustück des Circus Busch, entnommen ans dem spanisch. Leben. Besonders hervorzuheben: Eine spanilche Eisenbahn mit eintretender Katastrophe. Die Flucht des Don Cafiodurus mit seiner Geliebten und sämmtl. Pferden ans dem brennenden Schlosse. Außerdem: Die vorzüglichsten Freiheitsdressuren des Dir. Busch. Moderne Reiterspiele. Der Clown Boganowsky als Tanzimitator. Die Dogcartfahrt mit eigens dazu dresstrt. Pferde, vorgeführt von Mdine. Maria Bore. Die acht berühmten Vollblut- Springpferde.— Morgen ll/t Uhr: Elite-Abend. Zaragoza. »iittrwlrtitä/SSBlffi; Neauderstr. 6, Pfandleihe.* Jetitsth. Porter Dessert- u. Nialzkraftbier 1. Rang. Brauerei Bnrghalter, Potsdam, gegr. 173ö, bes. f. Blutarme, Brustkranke, Bleichst, Wöch»., Rekonv.rc.d. leicht bekömml., nahrh. kräftigste Bier.— Jstblutbild.,desh. best. Gesichtsf. n. GewichtSzunahm. überr. 14 Flaich. drei, 50 zehn M. erkl. In Geb.(V,, Vs, Vi») ä- Selbst- abz. wesentl. bill. ANein. Bersandtst. f. Berlin n.Prov. Porterlellcrei Hin gl er, Berlin, Brun- nenstrasse 152. NichtFlaschenzabl —Qual, entscheid. Möötl Theilzahlitiig. d.Hellei'rnann..? .fnkob«tr. ZG. meines reinen Die Heilkraft Brombeerweines ist erprobt bei Asthma, Berschlrimung, Huste», Erkältung, Influenza, Schlaflosigkeit. Gebrauchs-An- Weisung anf dem Etiguett jeder Flasche. Geschmart tvie Portwein. Preis pr. 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Werner, Alt-Moabit 15.<1., 80. n.lVO.; A. Schmidt, Petersburgerstr. 85. Rausch, Gr. Frankfurtcrstraße 65. Behl, Marienburgeistr. 36. O. Neumann, Blumenstr. 21a. Zimmer, Thacrstr. 62. C. n. W.: Henke, Spandauer Brücke la. Marzahn, Potsdamerstr. IG. Lulay, Neue Winterfeldtstr. 47. Geuoffensch. Hülfe, Brüderslr. 41/42. Charlottcnbnrg: Sieske, Grolmanstraße 18. König, Grolmanstr. 14. Schiineberg: Niemann, Colonnenstr. 1. Alte daitobati'. 33. tvorrnals Orpheum), Säle mit Bühne, 50—800 Personen fassend. Vereine und Versammlungen erhalten noch von Garderobe, Kaffeetafel Rabatt. Ernna ITitiller.* KDnstl Zähnel 50 M Rasmas»»» aUlläll.LUIIIIU l,UU Oranienstraße. Spr. 8-10 und 1—3 Uhr. Spezialität: Porträts sozialistischer Führer, Lassalle, Marx rc. in Cigarreiispitzcu, Pfeifen, Nadeln, Brockieu, Knüpfen, Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede Drcchslerwaarc u. Nevar.(Mau Verl. Preiskuraut.) B. Gunzel, Lothringerstr. 52. Vilncflinho 73hno9 M schmerzlos. Zahnziehen I M.,Plomb. 1.50H.Theilz. 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M. verstarb unser Kollege 197/2 Emil Wellmann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. d. M., nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Elisabeth-Kirch- Hofes, Priuzen-Allee statt. Die Lokalverwaltnng. Deutscher Mettlllarbeiter-Kerband (Verwaltungsstelle Berlin.) Toves�NnzeiAe. Am Sonnabend, den 8. Januar 1898 starb unser Mitglied, der Arbeiter tüotthnrd Koote. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Krankenhauses in der Birkcnftraße ans nach der Seestraße statt. Um rege Betheiligung bittet 110/3 Die Ortsverwaltnng. Die Beerdigung des Schneider Idler findet heute, Dienstag, den 11. d. M., nachmittags 31/- Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiäsen Friedhofs, Pappel-Allee, aus statt. lirnnübindcrel u. Blnraen- bandlnng; von 40768* Rol>ert Meyer, Bio. Ä. Mnrinnncnstr. Bfo. Z. 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