Ar. 11. Abonnkment«-Sedingungen: NbonnemenlZ-Preii pränumerando: vierteljährl. 3L0 Mk� monatl. I.lo MI., ivöchentltch 2S Pfg. srei tnz Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonniag», Nummer mit illustrirter SonnmgS- Beilag«„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quarlal, Eingetragen in der Post- Zeitung»» Preisliste sür 1898 unter Nr. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. IS. Jahrg. Die Jnstrtksns-GtbLhr beträgt für die fechSgefpalten« Kolonsl- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für BereinS- und PersammlungS-Anzsigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer niüsse» bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag» geöffnet. Erschewi täglich»utzer Montags. Devlinev VolksblÄkk. Fornsprech«! Nmt I,»r. ISOS. Telegramm-Adresse: »»oxialdemostrat»erlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Dentschtands. Wedaktio»: 8V. lg. W-ttly-Straße 2. Freitag» den 14. Januar 1898. ß�pedition: 8V.!9. Menty-Straße 3. Die pveuMPLzett Fhmnzen. „Uusere Fiuanzen haben sich seit dem Jahre 1894 iu gauz über laschender Weise gebessert", dieses Ziigeständuiß mußte Herr Miquel in seiner Etatsrede mache», nachdem er früher bei dieser Gelegenheit so gern grau in grau gemalt hatte. Fast klang es, als ob diese Vergangenheit noch weiter aus dem sonst so beweglichen Finanzminister laste, denn nach jeder er- freulichen Mittheilmig ging er sofort wieder zu Warnungen über, die Lage nicht allzu rosig aufzufassen und daraufhin nicht allzu viele dauernde Nen-Ansgabcn zu schaffen. Immer von neuem treten bei Herrn Miquel seine zivci Seelen hervor; wo er sür die Finanzen verantwortlich ist, predigt er hausbackenste Sparsamkeit und Vorsicht, auch wenn diese nur auf Kosten von Kultnrausgaben geübt wird; in der Reichs Politik, der er stm Sommer kluger Weise fernblieb, schwärmt er mit allen Weltpolitikern um die Wette für Schiffe, Kanonen und Abenteuer. Altpreußische Knickerei und jüngstdeutsche Weltmachtsträume vereinigen sich in ihm zu einem seltsamen Gemisch. Recht ivird der Finanzminister zweifellos darin haben, daß die Haupteinnahmen Prellßens leicht einen starken Rück- schlag erfahren können, weil sie ganz und gar vom allgemeine» Geschäftsgang abhängen. Seitdem der Staat ans die Real- steuern zu" gnnsten der Gemeinden verzichtet hat, ist er vollends vorwiegend ans die Ueberschüssc der staatlichen w i r t h s ch a f t l i ch e u Unternehmungen angewiesen. Die Einkommensteuer- Jsteinnahme betrug I894/9S 120,97 Millionen Mark, 1895/96 122,75 Millionen, 1896/97 126,87 Millionen. Sie wird jetzt für 1898/99 geschätzt ans 133 Millionen, acht Millionen höher wie im laufenden Etat. Die Ergänznngs-(Vermögens-)steuer tritt dazu mit 31,5Millionen, das sind 400 000 M. mehr, wie bei dem vorjährigen Ansatz. Daran reihen sich bei dem Kapitel der direkte» Steuern noch einige kleinere steigende Einnahmequellen, so daß hier einem Mehrertrag von insgesamnit 8,81 Millionen gegenüber steht eine Mehransgabe von 1,57 Millionen und mithin ledig- lich ein Mehrüberschuß von 7,24 Millionen verbleibt. Aller- dings sind die Ertragsschätzungen sehr mäßig und vorsichtig gewählt. Damit vergleiche man die Eisenbahn einnahmen. Im abgeschlossen vorliegenden Rechnungsjahre 1896/97 nahm man 290,29 Millionen Mark aus dem Personen- und Gepäckverkehr ein, 733,60 Millionen ans dem Gütertransport. Das Wachs- thnm aus reiner Vcrkehrssteigerung betrug beim Personenl verkehr in den zehn Jahren 1887/88 bis 1896/97 durchschnitt- lich 4,25 pCt., dagegen von 1895 auf 1896 5 37 pCt. Beim Güterverkehr belief sich die letzterwähnte Steigerung auf 6,02 pCt. gegen einen zehnjährigen Durchschnitt von 4,31 pCt. Diesmal sind trotz größter Zurückhaltung die Eingänge um 91,36 Millionen höher wie im Vorjahre veranschlagt (21,70 Millionen aus dem Personen-, 63,76 Millionen ans dem Gütertransport), während an dauernden Ausgaben 59,47 Millionen mehr angesetzt sind. Den sich so heraus- stellenden Mehrüberschuß von 31,89 Millionen denkt man zum größten Theil im Extra- Ordinarium desselben Betriebszweiges, zur Vermehrung der Betriebsmittel, fest- zuhalten; sür allgemeine Staatszwecke würden davon alsdann nur etwas über 4 Millionen verfügbar bleiben. Bei der Verwaltung für Berg-, Hütten- und S a l i n e n w e s e n wird ebenfalls betont, daß„die allgemein günstige Lage für das nächste Rechnungsjahr die Einstellung größerer Absatzmeugen und höherer Verkaufspreise rechtfertigt, als sie der Etat 1897/98 nachweist". Der Abschluß stellt sich hier wie folgt:' 1898/97 1897/98 mithin jetzt Millionen Mark Einnahiue... 134.80 127,19 7,61 mehr Drnieinde SluZgobe 118,52 118,05 5,47 weniger Auch die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben be- tragen diesmal 596,400 M. weniger, sodaß sich ein Mehr- Überschuß von etwa 23l* Millionen im Zwischenraum eines Jahres herausstellt. Bei den Forsten mit im ganzen 67,23 Millionen Brutto- einnähme ist der Holzerlös natürlich die Grundlage der Finanzen. Dafür wird die Jsteinnahme mitgetheilt: 1895/96... 53.43 Millionen Mark, 1336/97... 64,48„ „Angesichts des günstigen Ergebnisses des Etatsjahres 1897/98 erscheint der Ansatz der vollen Durchschnittssumme mit 61,5 Millionen Mark unbedenklich." Das gebt um 3'/s Millionen über den Ansatz des laufenden Etats hinaus. Von den finanziellen Ergebnissen der kleineren Ver- waltungen sehen wir an dieser Stelle ab. Selbst die Justiz hat„hauptsächlich an Kosten und Geldstrafen" 1,91 Mill. Mark mehr eingebracht. Blüht das Geschäft, so blüht auch der Weizen der Advokaten und Staatsanwälte! Außerdem wirkt hier auch die scharfe Luft gegen Reichsfeinde und sonstige politische Missethätcr ertragsteigernd, und auch hier ist der Ausblick für Herrn Miquel immer noch günstig. Rur die Domäne n haben, wie fast imnier seit 1890, eine weitere Abwärtsbewegung zu verzeichnen. Bei den langen, meist zwölf- und mehrjährigen Pachtfristen kommt der Um- schlag aus dem Ende der siebziger Jahre wesentlich erst seit 1890 zum Ausdruck, während bis dahin die Pachtverträge ans der guten Zeit der Landwirthschaft fortfielen, zum Schaden der Pächter und zum Vortheil des Fiskus, der allerdings oft genug von seinem formellen Recht abstehen und Nachlässe und Stundungen gewähren mußte. Für 1898 gegen 1897 wird der Minderertrag nnt 407 000 M. beziffert. Dagegen sollen 27 800 M. im Ordinarium und 930 000 M. im Extra- ordinarium mehr ausgegeben werden, hauptsächlich für land- wirthschastliche Mittelschulen, für Förderung der Geflügel. zucht in bäuerlichen Wirthschaften, zu Beihilfen an die Dcichverbände, vor allem an die Meliorations- genossenschaften, da man— wie Herr Miquel sich aus- drückte— das zur Zeit ziemlich verbummelte Meliorations- wesen wieder etwas auf die Beine bringen nniß. Von sonstigen Mehrausgaben sind einige noch erwähnens- werth. Für das gewerbliche Unterrichts wesen sollen nun doch niehr wie eine halbe Million, nämlich 868 674 M. bereitgestellt werden, denen allerdings noch 128 972 M. Mehr- einnähme gegenüberzustellen sein würden. Die Polizei und die Landrälhe erwischen da bedeutend mehr. Bei der Verwaltung des Innern sind an Mehrausgaben verzeichnet für die königlichen Polizeiverwaltnngen 1,08 Millionen Mark, darunter 120 760 M. für die Berliner Kriminalpolizei, 188 772 M. für Schöneberg, 314 086 Mark für Kiel, ferner 146 700 Mark zur Erhöhung der Dienstaufwands- Entschädigung der Landräthe, nachdem diese schon im Vorjahre anfgebessert wurden. Ferner ist für die Ober- Präsidenten der deutsch-polnischen Provinzen ein Dispositionsfonds zur Förderung und Befestigung des Deutschthums im Betrage von 400 000 M. im Etat neu aus- geworfen. Ein ähnlicher bisheriger Fonds von 150 000 Mark war speziell zur Unterstützung deutscher Schüler und Studircnder bestinnnt. Für die neue Forderung werden besondere Gründe und Ziele nicht angeführt. Recht annnehmbar für die Regierung wie für die Steuer- zahler ist die Z i n s e r s p a r n i ß von 12,73 Millionen Mark infolge der Umwaudlung der vierprozentigen konsolidirten Staatsanleihe in eine 3Vsprozentige. Der vorgelegte Staatshanshalt, der sich als Brutto-Etat naturgemäß in viel größeren Ziffern bewegt wie der Reichshaushalt, schließt inSgesariiml in Einnahme wie in Aus- gäbe mit 2187,5 Millionen ab. Dabei stehen aber ganz un- geheuere Beträge— 131,64 Millionen, davon 76,84 Millionen allein bei den Eisenbahnen— im Extra-Ordinarium der Aus gaben, während sie durch die ordentlichen Einnahmen, nicht durch Anleihen, gedeckt und mehr wie gedeckt sind. Ob diese Miquel'sche Art,„Reserven zu legen", richtig ist, erörtern wir heute nicht. Jedenfalls hat hier der preußische Staat noch große Hilfsquellen in Bereitschaft, die er auch sür dauernde Mehrausgaben heranziehen könnte. Selbst wenn in den staat- lichen Betrieben der Rückschlag käme, würde er diese Hilss- quellen noch nicht erschöpfen. Dev Drozeß Estrrhsz�. Paris, 12. Januar 1898. Die Verhandlung im Prozeß Esterhazy hat alles, was man vom militärischen Klüngel an frechem Zynismus i» der Affäre Dreysns- Estcrhazy zu erwarten berechtigt war, weit übertroffen. Im Ber» gleiche mit den offenbarten Praktiken der Militärjustiz erscheine» die schlimmste» Missethate» der zivilen Klassenjustiz beinahe als Muster von Gerechtigkeit. Das ist keine von der Entrüstung des frische» Eindrucks eingegebene Uebertreibung. Wir lassen die nackten Thal- fachen sprechen. Der komödienhafte Charakter des Prozesses erhellte bereits deutlich ans dem Texte der Entscheidung des Generals Saussier, des militätischen Gouverneurs von Paris, wodurch Esterhazy vor das Kriegsgericht verwiesen wurde. Der General erkennt an, daß die Uutersuchnng des Kommandanten Siavary, die ans Einstellung der Verfolgung gegen Esterhazy schließt,„nicht alle P u n k t e h i n r e i ch e n d a u f g e h« l l t h a t, um mit voll- st ä» d i g e r S a ch k e n n t n i ß die Unschuld des Zl n- geklagten zu p r o k l a m i r e n". Der Prozeß Halle somit zur Grundlage eine mangelhafte Untersuchung und zum Zwecke die Reinwaschnng Esterhazy's. Immerhin sprach Saussier noch von„kontradiktorischen De- hatten", die erforderlich seien. Was that aber das Kriegsgericht? begann gerade damit, den Debatten jede» kontra- diktorischen Charakter zn nehmen. Das Gesuch des Malhie» Drcyfns und der Frau Dreyfns, mit ihrem Rechtsbeistand die Anklage vertreten zu dürfen, wurde zurückgewiesen und zwar auf das ü b e r e i n st i m i» ende Verlangen des„Regierungskonnniffars", der den Staatsanwalt spielt, und des zivile» Vertheidigers Ester- hazy's. Dieselbe einzig dastehende innige Harmonie zwischen Staats- anwalt und Vertheidiger offenbarte sich in der Frage des Aus- schltisses der Oeffentlichkeit. Beide verlangten— der erstere ausdrücklich, der letztere durch lakonische Zustimmung— den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Und die Motive der Zurückweisung des wirklichen Anklägers, Mathieil Dreyfns, aus dessen Denunziation die ganze Prozedur eröffnet wurde? Regierungekommissar und Kriegsgericht beriefen sich dabei gerade heraus ans das„gerechte und gesetzliche" Urthcil im Dreyfus-Prozeß von 1894!... Also die Richter, die lediglich gerade deshalb zusanimengelrete» sind. um die Zweifel über die einzige rechtliche Grundlage jenes Urtheils, die Urheber- schaft des Bordcreaus, zu lösen, erklären gleich im Beginn der Ver- Handlungen, daß sie über den springenden Punkt des Prozesses eine vorgefaßte unerschütterliche Meinung besitzen... Den Gipfelpunkt des Zynismus erreichte die Gerichtsposse im Ausschluß der Oeffentlichkeit, sobald die Reihe an de» wichtigste» Belastungszeugen, den Oberste» P i c q n a r t, des früheren Chefs im Nachforschnngsbureau des Kriegsminisleriunrs, kam. Der Bericht des Untersuchungsrichters, das Verhör Esterhazy's und die Aussagen einiger Belastungszeuge» konnten mit Vortheil oder ohne Nachtkeil für die hochmögende» Gönner Esterhazy's und für diesen selber der Oeffentlichkeit preisgegeben werden. Der Bericht des Untersuchungsrichters ist nämlich eine frech- parteiische Verlheidignngsschrift für Esterhazy und eine ebenso parteiische Anklageschrift gegen Picqnart. Dieser wird darin geradezu beschuldigt,„die Seele der skandalöse» Kampagne" gegen Esterhazy zn sein, eine Reihe amtspflichtwidriger Handlungen zun» Nachtheil Esterhazy's und sogar eines Fälschnngsversnchs ver- dächtigt, sowie mit der kommenden Strafe bedroht. Die Aussagen Picqliart's gegen Esterhazy, dessen Vertheidignng gegen die schweren 'Anschuldigungen mußten dagegen geheim bleiben— im Namen der„Staatssicherheit", d. h. im Interesse der militärischen Oligarchie, die um jede» Preis Esterhazy retten mill und muß.... Das Vor- gehe» des Kriegsgerichts ist die würdige Krönung der militärischen Untersuchung, in deren Verlauf der Angeklagte Esterhazy nicht ein- mal der Form wegen behaussncht wurde, während beim Belastungs- zeugen Picquard in dessen Abwesenheit, d. h. in gesetzesbrecherischer Weise geyanSsucht und sämmtliche vorgefundene Schriftsachen beschlagnahmt wurden. Pi'cqnart's Rolle kann, trotz der Verheimlichung feiner Aussagen, auf gruud des thalsächlichen Theils des UntersnchungSberichtes in Verbindung mit den wiederholten Aenßerungen Clemenceau's in der „Anrore" mit ziemlicher Sicherheit angegeben werden. Als Vorsteher des Nachforschnngsbnreans kam er 1395 verdächtigen Umtrieben Ester- hazy's aus die Spur. Anfänglich war er in feiner geheimen Enquete vou seinem unmittelbaren Chef, General G onse, unterstützt. Diese Unterstützung dauerte eine Zeit lang, auch nachdem Picqnart die auffallende Aehnlichkeit zwischen Esterhazy's Handschrift und der- jenigen des Bordercaus entdeckt hatte. Im September 1896 aber wurde General Gonse andere» Sinnes, zweifelsohne infolge einer höheren Belehrung über die Interessen der„militärischen Ehre". Picqnart, anscheinend ein weißer Rabe unter den Offizieren, folgte de» freundlichen Ermahnungen des Generals nicht und setzte die Enquete pflichtgemäß fort, da er die feste Ueberzeugung gewonnen, daß Esterhazy der Verfasser des Bordereaus ist. Picquart's Ein- Mischung war für den Klüngel ganz besonders gefährlich, weil er im Dreyfus-Prozeß von 1394 als Vertreter des K r i e g s m i n i st e r s de» geheimen Verhandlungen beigewohnt hatte. Desto mehr Gewicht hatte seine Ueber- zeugung, daß Dreysus einem Justizirrthum zum Opfer gefallen ist. Das weitere ist offiziell bekannt: Der Störenfried wurde am 16. No- veniber 1896, bezeichnenderweise am Vorabend der Dreysus- Jnter- pellation vom 13. November des gleiche» Jahres, aus Paris— unter dem Vorwand einer Mission in Ostfrankreich— entfernt und einige Monate später, infolge von Halsstarrigkeit, nach Tunis ver- setzt. Andererseits aber wurde Esterhazy im Frühjahr 1897 aus dem aktive» Dienst entlassen— wegen „zeitweiligen K r a n k h e i t s z u st a n d e s". Die beiden Maßregeln spieche» Bände. Und wenn nun der Untersuchungs- richter gegen Picqnart die schwersten Anschuldigungen erhebt und' Esterhazy reinwäscht, muß man sich fragen, warum Picqnart nicht vor ein Knegsgericht verwiesen»nd Esterhazy unter einem lächcr- liche» Vorwand enilassen worden war... In diesem Zusammen- hang sei noch erwähnt, daß das Kriegsgericht trotz der Aufforderung Clemenceau's de» General Guerrier, de» Vorgesetzte» Esterhazy's zur Zeit der Entlassung, als Zeugen nicht vorgeladen hat. Des Raumes wegen solle» nur noch die wesentlichsten Züge der öffentlichen Verhandlungen angeführt werde». Der Vorsitzende des Kriegsgerichts, General de Luxer, stand ans der Höhe der ihm vorgeschriebenen Ausgabe. Im Gegensatz zu den zivilen Gerichtsvorsitzenden, welche in Frankreich dem Angeklagten gegenüber sich wie Staatsanwälte zu benehme» pflegen, verhielt er sich wohlwollend-nentral. Er begnügte sich fast durchweg mit den dreisten, einander widersprechenden'Ableugnungen Esterhazy's, ohne eine verfängliche Frage zu stellen. Selbst die Fabel Esterhazy's von der„verschleierten Dame" erregle beim General nur einen leise», rasch wieder beschwichtigten Ziveifel. Freilich, besagte Dame sieht einem Offizier deS Generalstabos verteufelt ähnlich, da fie nach dem Zeugnil! des Untersuchungsberichtes Esterhazy wirklich ein ge- Heimes militärisches Dokument gegen Dreysus, das zugleich indirekt Esterhazy's Unschuld beweisen soll, ausgeliefert hat. Die„Dame" spielte dabei eine ähnliche Rolle, ivie der Kommandant Pauffin de Saint-Morel, der Kabineischef des Generalstabschess de Bois- deffre, der im höheren Auftrag Rochefort„Enthüllungen" über die Schuld des Dreysus und die Machenschaften des„jüdischen Kon- sorliinnS" gemacht hat. Ans dem Verhör Mathieu Dreyfns' ist hervorzuheben, daß einige Sätze des Bordereaus ihres Inhalts ivege» von feinem vor- urtheilten Bruder nicht geschrieben iverden konnten, während sie auf Esterhazy genau paffen. Dieser konnte den Nachweisen des Anklägers nur nackte Ableugnungen entgegenstellen. Sein„Ehrenwort" genügte aber dem Gerichlsvorsitzenden, wie es dem Untersuchungs- richter genügt hatte. Daß die amtlichen Handschrist- Experten da? Bordereau dem Esterhazy nicht zugeschrieben haben, ist selbstverständlich. Ihr Gut« achten ist desto werthloser, als Esterhazy im erste» Augenblick— was wiederholt iverden muß— in seinen und des Kriegsministeriums Preßorganen die Aehnlichkeit der Handschristen für„erschwerend" erklärt und als er seit November 1396, wo das Bordereau im Ans- trage des Kriegsministeriums vom„Matin" im Faksimile veröffent- licht wurde, seine Handschrift plötzlich in auffälliger Meise ge- ändert hat... Zu erwähnen ist schließlich die von Scheurer-Kestner enthüllte persönliche Parteinahme des Kriegs Ministers, Ge- neral Billot, sür Esterhazy. Als Scheurer-Kestner den mit der Voruntersuchung betrauten General de Pellieux zur Rede stellte, warum er sich weigere, den Obersten Picqnart aus Tunis zu berufen, wurde ihm die Antwort:„Der General B i l l o t will das nicht!" Erst die Proteste der unabhängigen Press« haben den Willen des Kriegsministers ändern können... Der ehrliche Theil der Presse hat das Thun und Lassen des Kriegsgerichts mit Entrüstung aufgenommen. Der Eindruck, daß es sich um eine freche Beschwindelung der Oeffentlichkeit handelt, drängt sich nun auch denjenigen Blättern ans, die sich bisher ganz neutral verhielten. I» einem Leitartikel der„Petite Republiqne". schreibt Genosse Gerault-Richard:„So ist nun einmal stets die Jurisprudenz unserer Kriegsgerichte beschaffen, die mit stoischer Feigheil unschuldige gemeine Soldaten zum Tode verurtheilen und schamlos brutale, diebische und mitunter incnschentödterischc Chefs freisprechen... Mögen sie also Esterhazy freisprechen. Mögen sie ihn zum Feldmarschall ernennen. Er ist ihrer würdig, sie sind seiner würdig." D.iß Sstelhnzy's Freisprechung die Affäre Dreyfns-Eslerhazy nichl zu,» Abschluß bringe» kmi», steht bereits fest. Bei nlter »urterielle» Macht, die der militärischen Oligarchie zur Verfügung steht, vermag sie nicht, de» Schrei des auf tiefste verletzten Siechls- gesühls zu erdrücke». Genosse I a u r v s. der den Verhandlungen dcS Kriegsgerichts beiwohnte, läsit in der„Petile Nöpnbliqne" erklären, man werde nach Erledigung des Prozesses„die V e r- an t w o r t l i ch k e i t der k r i e g s m i n i st e r i e l l e n B» r e a n 3 für die ganze sittliche Krise, unter welcher das Land leidet, fest- zustelle» haben." Es ist eine neue, eine militärische Panama-Affäre, die ihre» «chatten vorauSwujl. •» « Ueber die Vorgänge»ach Beendigung des Prozesses liegen die folgeubc» telegraphischen Mitlheilungen vor: Paris, 12. Januar. Tie republikanischen Gruppen des Senats haben davon Abstand g e n o m m e n, S ch e u r e r- K e st u e r als Kandidaten für die Vizcpräsidenlschaft aufzustellen, und haben de» Mitgliedern des Senats in dieser Beziehung freie Hand ge- lasse». Der frühere Justizininisler T r a r i e u x beabsichtigt, den Kriegs- nnnisler darüber zu iuterpelliren, ob das Kriegsgericht in de», Prozeß Drctzfus von Thatsachen oder Dokunienten Kenntniß er- Halle» habe, welche dem Angeklagten nicht m i t g e t h e i l t worden sind und ob der Minister ein Mitglied jenes Kriegsgerichts crmächligeu wolle, in dieser Beziehung«ine eidliche Erklärung ab- zugebe». Paris, 13. Januar. Infolge der im Prozesse Esterhazy cnt« bülllc» Thalsachc» wurde Oberst P i c q„ a r t heule Voruiiltag i» Haft ge uo m ine» und in das Fort MoUt Valsrie» gebracht bis eine Eutscheidnng darüber erfolgt, ob er vor ein Unlersuchuugs- gericht gestellt werden soll. „L'Äurore" veröffentlicht einen offenen Brief Z o l a's an den Präsidenten der Republik, überschrieben„ll'accriso" (Ich erhebe Anklage), in welchem der ganze Prozeß, der sich soeben abgespielt hat, noch einmal vorgeführt wird. Zola hebt in der Untersuchnngsführnng und den Ver- bandluuge» des Kriegsgerichtes Nnregelmäßigkeite» und Ungesetzlich- keiten ohne Zahl hervor und beschuldigt du Paly de Elm», Ravary, 'Billot und Mcrcier forinell der Pflichtvergessenheit. Zola faßt seine Anklagen in folgenden Sätze» zusammen: „Ich klage du Paly de Clan, an. der diabolische Urheber des JustizirrthuniS gewesen zu sei». Ich klage General Mercier der Mitschuld hierbei au. Ich klage Billot an, die Beweise der Unschuld des Treysus unterdrückt und Boisdcsfre und Gonse, hierbei mitgewirkt zu babcn. Ich klage Pellieux und Ravary einer verbrecherischen Unter- suchung an. Ich klage das erste Kriegsgericht an, Dreysus auf ein geheim gehaltenes Dokument vernrlheilt und ich klage das zweite Kriegsgericht an, wissentlich einen Schuldige» freigesprochen zu habe». Man möge mich vor die Geschworeneu stellen und eine offene Untersuchung einleiten." In dem heutigen Ministcrrathe theilte der Ministerpräsident Meline das Jnlerpellationsbegehren des Dcpnlirten de Pontbriand Über die Maßregeln mit, welche die gicgicrnng zu ergreise» gedenke, u m d e r K a ,» p a g n e zu gunsten des Hauptmanns Dreysus e i n Ende zu mache». Die Minister vertagten ihre Eiitscheidung über diese Angelegenheit und über andere ähnliche angekündigte An- sraHe» bis zu de», a», nächsten Sonnabend unter dem Boisitze des Präsidenten Faiire stattfindende» Ministerrathe. polMfchr Arb-rlichk. Berlin, 13. Januar. AuS dem RcichStnge. Die lex Heiiize verdankt bekanntlich ihren Ursprung ciuein Prozeß, in dein Personen ans den untersten Schichten der Berliner Halbwelt die Hauptrolle spielten. An diesen Ausgaugspnnkl erinner» noch einzelne Paragraphen der Vorlage, so besonders die Restiminnngen in tz 181, die in Ziffer 2 die Bestrafung mit Zuchthaus anch gegen den Ehe- mann aussprechen ivotten, wenn er bei seiner Frau den Kuppler spielt, was bisher straffrei ist und eben- fo hängt der§ 181a(Louisunwesen) direkt mit dem Prozeß Heinze zujcapme». Tie Zcntrninspartci hat aber der ursprünglichen lox Heinze eine weitere Ans- gestaltnng gegeben, deren sachlicher Werth sehr verschieden ein- geschätzt werden iiinß. Soweit die Vcriniethnng von Woh- nnngen an Prostituirte in Zukunft straffrei bleiben soll, soweit damit nicht eine Ausbentnng des nusittluhm Erwerbes verbunden ist, so kann man dein nur zustimmen. Es hört damit der nnglanbliche Znstand auf, daß einWohnungsvermielher bestraft werden kann, der an eine Person vcrmiethet, welche ihr lichtscheues Gewerbe nicht nur unter Kenntniß der Polizei ausübt, sondern von dicscr dazu sogar gewisscrinaßen einen Berechtigungsschein hat. Ganz einverstanden muß man anch mit der Tendenz der ßß 182a und 827a sein, welche den Mißbrauch der Unternehmer- Autorität, um uusittlichc Zwecke zu erreichen, unter Strafe stellt und ebenso bestrafen denjenigen, der bei ansteckender Krankheit dieselbe ans andere überträgt. Was dagegen die neuen Strasvorschristcn betrifft, die sich damit befassen, den Verkauf, Handel und die Herstellung von Schriften, Abbil- düngen ic. ans sittlichen Gründen noch mehr einzuschränken, als dics heule schon der Fall ist, so schießen die neuen Anträge weit übet das zulässige Maß hinaus. Will doch der Z 184a mit Gesängniß bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 300 Mark denjenigen bestrafen, der an öffentlichen Straßen oder Plätzen Schriften, Ab- bildungcn oder Darstellungen ausstellt oder anschlägt, welche, anch ohne n n z ü ch l i g zu sein, durch grobe U n a n- st ä n d i g k e i t geeignet sind, das Scham« und Sittlichkeils- gefühl erheblich zu verletzen. Man kann sich vorstelle», was ans einem solchen Paragraphen unsere Rechtsprechung machen würde. Die Verhandlung leitete nainenS der Antragsteller in ruhiger und geschickter Weise der Abg. Spahn. Derselbe verwahrte sich besonders auch gegen den Vorwurf zu weitgehender Prüderie oder der Feindschaft gegen die Kniist. Nicht diese, sondern die Spekulation ans die Lüsternheit solle getroffen werden. Nach Spahn sprachen Pastor Schall für die Konserva- tiven und Pieschel für die Nationalliberalen. Beide sind für Theile der Vorlage, für das Ganze konnte aber keiner von beiden rückhaltlos eintreten, wenigstens nicht in der vorliegenden Form. Herr Pieschel verrieth besonders die Schmerzen der Unternehmer, wenn sie hastbar gemacht werden sollen für den Mißbrauch ihrer sozialen Stellung gegenüber ihren weiblichen Kulis. In einer meisterhaften Rede nahm darauf unser Genosse Bebel Stellung zu der Vorlage. Derselbe anerkannte, daß eine Reihe von Uebelständen durch dieselbe getroffen würden, nur dürfe darüber nicht vergessen werden, daß es gerade ans dem Gebiete, das die Vorlage berühre, noch außerdem viel zu reformiren gäbe. Der Redner wies besonders auf die That- fache hin, daß das bestehende Gesetz, durch das System der Tolerirung der Prostitution durch die Polizei, direkt durch- broche» werde. Dieser Znstand, welcher auf Willkür beruht und zur Korruption sichre, niiiffe beseitigt werden. Unsere gesetzliche Praxis und deren Handhabung durch die Polizei führe zu einein Ausnahmerecht nicht nur gegen die Prosti- tuirteu, sondern gegen die ganze weibliche Bevölkerung. Der Redner brachte dann die Thatsache zur Sprache, daß unter den Männern Unsitten weit verbreitet sind, welche das Gesetz strenge bestraft. Man hütet sich aber vor Anklagen, obwohl der Polizei die Ucbelthäter wohl bekannt sind. Warum diese Rücksicht, wohl weil man den Skandal furchte! Wenn aber das Gesetz nicht durchgeführt werden könne, dann habe man den Mnth und hebe die betr. Paragraphen ans. Wenn man das Weib polizeilich verfolge, das sich prostünirt, warum geschieht dasselbe nicht mit dem Manne, der sich des gleichen Lasters schuldig mache? Aus die Frau scheinheilig zu lästern, sei Heuchelei, ivenn man nicht den Mnth hat, die sozialen Ursachen zu beseitigen, welche Frauen und Mädchen dazu zwingen, ihren Körper zu verkaufen, wenn sie nicht in Roth und Elend verkoinmeu wollen. Als sicherstes Schutzmittel gegen das bckänipste Uebel verlangte Bebel politische und soziale Gleichstellung der Frau mit dem Manne und weitgehende Arbeiterschntz-Bestiniinungen. Als letzter Redner sprach heute Fürst von R a d z i iv i l l. Stürmische Heiterkeit erregte derselbe, als er erzählte, daß französische Soldaten der Okkupationsarmee in Rom sich ihm gegenüber über diese Garnisonstadt um deswillen be- schiverteu, weil„der Klerus alle jungen Mädchen in der Hand habe". Selbst die Herren vom Zentrum mußten über dieses unfreiwillige Geständniß herzlich initlachen. Hierauf wurde die Verhandlung vertagt. Morgen 1 Uhr Zivilprozeß- und einige Anträge zur Strafprozeß-Ordnnng. Die Sliissichtc» drö Flottengcseizcs. Die mit großem Lärm angekündigte Kundgebung der Kaufherren und Industriellen im Kaiserhos für die Flottenverniehriliig ist prograininmäßig verlaufen. Herr W o r m a n n hielt eine Rede, in der er mit rechtein Fleiß alles, was großkauf- herrliches Interesse für neue Kriegsschiffsbanteu in den letzten Monaten vorgebracht hat, zusaininentrug und in der es nicht au dem üblichen„patriotischen" Ueberschwang fehlte. Gegen die Sozialdemokratie brachte der Herr wieder das liebliche Argument vor, sie ihaben keinenZAnlaß, gegen die Schiffsbantcu auszutreten, da zahlreiche Arbeiter dadurch lohnende Arbeit erhielten. Von einem Großkaufherrn darf man ein Verständniß dafür nicht erwarten, daß eine Partei allgemeine Arbeiterinteressen üöer die Sonderinteressen Einzelner stellt, und noch weniger dafür, daß es für eine Nation iverth- voller ist, wenn ihre Mitglieder an Kulturarbeiten statt an Kriegsrüstungswcrkeii arbeite». Die Versammlung der ge- Heimen und noch nicht geheimen Kommerzienräthe nahm natürlich eine Resolution au, wonach es„ein nationales Bc- dürsniß sei, daß die geplante Ansgestaltnng der deutschen Seemacht zur Annahme und gesicherten Durchführung ge- lange". Erfrcnlichcriveise sind diese Herrn nicht die einzig be- rnfenen, darüber zu urtheilen, was'„nationales Bedürfniß" ist. Ihr Bedürfniß mag es sein, was sie nationales Bedürfniß zu nennen sich erlauben. Ihren Interessen mag es auch entsprechen, wenn die Frage,»v e r denn die gewaltige» Kosten für die gewaltige Vermehrung der Kriegsschiffe tragen soll, völlig übergangen wird; es erscheiM den reichen Kapitalisten von Handel und Industrie selbstverständlich, daß den Massen des Volkes, den Arbeitenden und Armen auch diese neuen Lasten aufgebürdet werde». Diese Herren brauchen anch nicht danach zu fragen, ob nicht durch die Bewilligung des Flottengesctzes die elementarsten Rechte der deutschen Volks- Vertretung preisgegeben werden. Was brauchen die Groß- rhedcr und Handelsmagnaten und Schlotbarone eine selb- ständige Volksvertretung, können sie doch die Vertretung ihrer Interessen unbesorgt der Regierung anvertrauen, welche im Streik gegen die Hamburger Hafenarbeiter ihr Unternehmer- liebendes Herz so herrlich offenbart hat. Uebrigens hat die Kundgebung im Kaiserhof keine poli- tische Bedeutuiig. Daß die Wörmann und Haiisemaiiii, die Mendelssohn und Bleicbröder für das Tirpitz- Gesetz eintreten würden, daran hat kein Mensch gezweifelt. Politisch ungleich wichtiger sind die Mittheilunge», die über die Haltung der Z e n l r u in s p a r t e i gemacht werden. Schon soll inner- halb der schwarzen Partei eine Verständigung her- gestellt, die Differenzen zwischen den bayerischen und den preußischen Mitgliedern des Zeutrnins begliche» sein. Kanin noch ein Zweifel, das Zentrnui wird der Negiernng zu Willen sei». Es wird sich vielleicht einige Schein- koiizcsstonen in der Tcckuiigsfrage und bezüglich der Bindung des Bndgetrechts geben lassen— ans solchen Handel ist ja die Regierungsvorlage von vornherein zugeschnitten— und dann seine Regierungsfähigkcit glänzend bewähren. Aber je mehr die Partei der Jesuilcu an RegierungS- fähigkeit gewinnen wurde, um so mehr wird sie an Volks- thiimlichkeit verlieren. Nicht noch so schlaue Kniffe werden über die Preisgabe der Volksrechte und die Verschtimuierung der Steuerlasten hinwegtäuschen. Da ist der Bericht über ein Bersaminlung in Posen be- zeichnend und vorbildlich. Die zentriimSverwandten Polen gedenken bekanntlich die pfiffige Politik des Dr. Lieber mit- zninachen. Aber dem Abg. v. Dzieinbowski, der die Ver- sammlung zu überreden suchte, die Marinevorlage sei für die Polen eine Frage zweiter Klasse, wurde zugerufen:«Ver- söhnnngs Politik",„echte und rechte Advokatenkniffe",„diplo- matischc Knnststückchen" n. s. w. Die Versammlung drückte, so sagt der Bericht, ihren höchsten Unwillen gegen- über den Aiisführimgen des Herrn v. Dziembowski anS, und eine Resolution gegen die Vorlage wurde e i n st i in m i g von den Wählern des Abg. Cegiclski beschlossen. Die Wähler denken anders über das Flottengesetz als die Millionäre um Wörmann und die Handelsleute' um Lieber. DaS arbeitende Volk will nicht, daß die Kriegsrüstiiiigen ins unendliche fortgetrieben werden. Es will nicht immer neue Stenermassen aiifbringeii. Es will nicht die schmalen Rechte seiner Vertretung im Reichsparlainent preisgeben. Wird des arbeitenden Volkes Wille nicht berücksichtigt, so wird es über die Parteien der Wörmann, Lieber und Dziem- bowski bei den Wahlen sein Urtheil sprechen!— Der Gesetzentwurf über die ärztlichen Ehrengerichte ist. wie wir bercils gemeldet Hoden, im Kulliisiiiinisteriuin a»f gnnid der Berbessernngsvorschläge der Aerztekmiiinern e.uer nochmaligen Durchsicht unterzogen worden. Dabei haben jedoch die von de» Aerztekammern geäußerten Wünsche nur in sehr geringen, Maße Berücksichtigung gesmide». Geändert sind eigentlich nur zwei Punkte: Slait der»rspriiiiglich vorgcsctilagene» einfachen Mehrheit soll zur Bejahung der Echuldfrage ZweidrUtel-Mehrheit erforderlich sein. und in dem Ehrengerichishof, welcher die oberste Instanz bildet, sollen neben dein juristischen Vorsitzenden vier gewählte Mit- glieder des Aerztekaiinnrr- AnSschiisses und zwei vom Könige ernannte Aerzte sitzen, während der ursprüngliche Entwurs eine Besetzung mit je drei Miigliedern der beiden genannten Gruppen vorsah. Nicht berücksichtigt ist dagegen die Forderung, daß auch die deamteteii und Mililnrärzte, soweit sie Privatpraxis treibe», den Ehrengerichten miterstellt werden. Der Kullusininister betont in einem an den Aerztekaiilnier-Ansschuß gerichteten Minislerial- erlaß, daß die Aerhältnisse der genaiiiilcii Acrztegrnppen einen Ver- gleich mit den Notare»,„die, wenn sie zugleich Rechtsanwälte sind, in ihrer letzteren Eigenschaft de» Ehrengerichten der Rechtsanwälte „»lerslehen", nicht z,»lassen.„Ten» die Beaiiitenstellnng der Notare ist eine eigenartige und»nl der Stellung der beamteten„„d Militär- u. st>v. Aerzte in keiner Weise vergleichbar." Diese Behauptung ist für große Gruppen der bcamtete» Aerzte durchaus unzutreffend. D>e Stellung der medizinischen Privaldozente» zn», Beispiel, welche ja nach Annahme der Isx Arons mich als Beamte gellen werde», stimml durchaus mit der der Liolare überein. Aber anch die Siellnng der Direktoren von staatlichen Kranke»- Häuser», der mißerordeiiilichc» Professoren, der Pdysiei und Kreis- wnudärzte ist eine ganz ähnliche, da auch hier die staatliche Thäiig- keil»ud das daraus gezogene Einkomnie» meist weit zurücklrilt gegenüber der Privalpraxis n»d deren Einiiahme». Aehnliches gilt von vielen Militärärzle». Mit recht aber verlangen die Aerzte. daß, wenn überhaupt das berusliche Verhalte» eines Arztes einer Ehre»- gcrichlsbarkeit»ntersiellt wird, diese Ehrengericht« für alle Praxis treibenden Aerzte die gleichen seien. Die staatlichen n»d militärischen Behörden habe» bisher fast siels versagt, wen» das berasliche Ver- halten von beamteten oder Militärärzte»»ach ärztliche» Begriffen den Anlast zum Einschreile» hätte geben können. So hat der Minister es abgelehnt zu verbiete», daß die staat- liche» EntbindungsanstaUeii fernerhin Fauggelder an die Hebamme» zahlen. So habe» die Militärbehöiden ei» Einschieile» gegen einen Slabsarzt d.!1i. abgelehnt. Über welche» späler die Aerztekaminer die einzige gegenwärtig zulässige Slrase, die Entziehnug des Wahlrechts auf S Jahre, verhängle. Sticht berücksichtigt ist ferner die Forderniig, daß das Verhallen außerhalb des BernsS der Ehrengerichlsbarkeit nicht imlerliege» soll. Wir habe» seinerzeit anseinandergesetzt, daß unseres Erachlens politische Giüiide die Regieiung veranlasse», in dieser Beziehung den allgemeinen Wünschen der Aerzte»Ichl»achzngebcn. Der Minister verwahrt sich nun in seine», Erlasse gegen die Auffasfuiig, als ob „die politische», religiöse» oder wissenschasiliche» Anfichle» nnd Handlungen eines Arztes zu», Gegenstand einer ehrengerichtliche» U»Ie>s»ch»»g" gemacht werde» sollten. Leider aber tön»«» die Ersah,„„gen, die bei Gelegenheit des Vcrciiisgesetzes gemacht wurde», nicht gerade dazu erimithige», allzusest auf Ministerversprechunge» zu baue». 11»d will>»a» das selbst, so ist»och zu bedenke», daß Herr Bosse, dank seiner Aue», pfiuduugS- iähigkeit für höhere Wünsche zwar schon auffällig lange preußischer Minister ist, daß aber doch auch für ih» die Möglichkeit einer „Lncaiiisirnng" besteht. Wer bürgt aber dam, dafür, daß auch sei» Nachfolger sich durch seine Deuiung des Gesetzesparagraphen ge- buiide» fühle» wird? Nicht berücksichtigt ist feriier die Forderung, daß»ur dem Nu- geklagte», nicht auch dem Vertreter der Anklage die Berufung an die zweite Instanz zustehen soll. Die Pnukle, in welche» die Regierung auf ihrem Standpmikle stelle,, geblieben ist, sind so wesentliche, daß die geringe» Zugestand- »isse daneben kam» ins Gewicht fallen. Die Vorlage ninßle also den Aerzte» auf andere Weise schmackhafter gemacht werden. Der Kultusminister theilt daher in de», Erlaß an den Aerziekammer- Ausschuß mit, daß er die«inleitenden Schritte getha» habe,»m zwei hänsig von de» Aerzte» gestellte Forderungen zn ersüllen: die Heraus« Hebung der Aerzte aus der Gciverbe-Ordnung und die Wieder- einsühruiig des Knrpfiischerei-Verbols. Es möge dahingeftelll bleiben, ob wirklich die Mchrheit der deutsche» Aerzte auf de», Boden der genannte» Fordermige» steht,»»d ob sie vor alle» Dinge» bereit ist, für die ErsüUnng dieser Forderungen als Preis die Unter« stellnng linier eine Disziplinargerichtsbarkeit zu zahlen. Thal- sächlich aber ist der Minister— glücklicherweise— gar nicht i» der Lage, die Wiedereinführung deS Kurpsiischerei-Verbots i» Aussicht zu stelle». Den» einmal sind gerade diezenigen Kreise, welche von zeher die führende Rolle im preußische» Slaaie gespielt haben,— die Jnuker und die Pfaffen— zugleich die eifrigste» Beförderer der Kurpfuscherei jeder Art; dem Herrn K>,lt,is»iinister wird es also voraussichtlich nicht cinnial gelingen, die preußische Regierung zn einem Autrage ans Aushebung der 5kii,irfreiheit zn veranlasse». Sollte dies aber wider Erwarten geschehe», so ist ganz unzweifelhaft, daß der Reichstag eine solche Vorlage ablehne» wird; de»» dagegen werde» sicher, außer der gesammle» Linke», das Zentrum, dessen Führer Lieber z. B. selbst Fabrikant eines„heil- kräftigen" Thces ist, die Antiseniile», welche gerade unter den An- Hänger» der„Nalnrheilkundige»" viele Parteigänger haben: und«in großer Theil der Konservativen stiuinien. Die Versprechnnge», mit welchen der Herr Minister den Aerzte» seine» Gesetzentwurs»nnid- gerecht mache» will, sind also überaus billige. Was uns betrifft, so haben wir schon früher(vergl.„Vorwärts". 22. Oktober 1897) anseinandergesetzt, was wir von de», Gesetz- enlwurf betreffend die„ärztlichen Ehrengerichte" für die AnS- breitnug unserer Ideen unter den Aerzten«rivarten. Der neue Entwurf unterscheidet sich von dem früher«,! nur in so itiiwcsenlliche» Punkten, daß er ebenfalls gegen die Berfolgiing aus politischen Gründen keine Garantien giebt. Aber gerade so lange die Kurirfreiheit besteht, bleibt dein wegen seiner polilischen Hallung verfolgten Arzte als letzte Zuflucht die Möglichkeit unter Verzicht auf seine„Approbation" fernerhin als Kurpfuscher zu praktiziren. Andererseils aber wird die neue„Ehrengerichtsbarkeit" sicherlich so viel Unznfriedeuheil und Erbitterung schaffen, daß„das Gift der Sozialdemokratie" iniler den Aerzten immer mehr um sich greifen wird. Ueber die Betriebssicherheit, die Betriebseinrichtimgen und den Betriebsdienst auf den p r e u ß i s ch e n S t a a t s- e i s e n b a h u e n ist dem Landtag eine Denkschrift zn- gegangen. Wir halten die Rechtfertigung, die Herr Thielen durch diese Denkschrift versucht, für keine besonders glückliche. Selbst ivenn z. B. der Nachweis zuträfe, daß seit 1880/81 auf den außer preußischen Bahnen des Vereins deutscher Eisenbahn- verivaltnugen u o ch mehr Unfälle pro Zugkilometer sich er- eignet hätten, so ist das wahrhaftig kein Trost für die ge- fährdeten Reisenden und erst recht kein Beweis, daß die preußische Verivaltung sich ihren Aufgaben gewachsen gezeigt habe. Anch die allgeineiue A b n a h m e der auf die Betriebs- einheit bezogenen Unfallzahleu ließe sich doch mir darthnn, wenn man vorher aus den Gesannntziffern starke Ans- scheidnngen vornähme. Die Berliner Stadtbahn mit ihren ungeheuren, stetig wachsenden Personen- Transportlcistnngen kann durch die ganze Art ihres Betriebes kaum jemals zn Zusammenstößen führen; wenn mau ihre und ähnliche Ziffern mit denen anderer, wirklich gefährdeter Bahnen zn- sammenivirst, so wird das Bild natürlich ein ganz geschmeicheltes. Die Denkschrift führt selber die großen technischen Fortschritte aus bei der Festigkeit des zu Schienen verwendeten Stahles, bei den Schienenstoß- Verbindungen, durch die elektrische Straßcnblockirnng, ver- mittelst deren die Signale einer Zngfolgestation unter elektrischem Verschluß der nächsten Station gehalten werden, ferner durch die großen Umwälzungen ini Signalwcse», in den Signal- und Weichenstellwerke», in den Kuppel- nnd Bremsvorrichtungen. Wenn also die Unfälle relativ— im Verhältnis zu Menge und Strecke der beförderten Passagiere— wirklich etwas ziirnckgcgangen wären, so müßte man sich angesichts der heule möglichen Vervollkommiinng des Verkehrswesens noch immer verwundert fragen, warum iu Preußen so wenig sich zum Besseren gewendet hat! llrtnigeuS muß auch die Tenkschvift zugestehen, daß der vorige Soiu,»er„außerordentlich schivcre und beklageusiverthe" Unfälle aufzuweisen habe,„so daß die Zahl der verunglückten Reiscuden in dieser Zeit eine u n g e w ö h n l i ch e H ö h e er- reichte. Es wurden im Betriebe einschließlich der durch eigenes Verschulden Verunglückten getödtet: 32 Reisende und 133 Bahn- beamtc und Arbeiter, und verletzt: 198 Reisende und 322 Bahubeamte und Arbeiter, es verunglückten also im gaiuei, 230 Reisende und 455 Beamte und Arbeiter, davon wurden durch eigenes Verschulden 15 Reisende getödtet und 31 ver- letzt. Es kamen somit auf 1 000 000 Zug-Kilometer aller Züge an Verunglückten 1,76 Reisende und 3,49 Beamte und Arbeiter, zusammen 5,25 und auf 1 000 000 Zug-Kilometer der zur Personenbeförderung dienenden Züge 2,94 Reisende. Diese Zahlen waren hinsichtlich der Reisenden höher als in einem der voraufgegangenen fünf Jahre." Das wird wohl kann, auf einer Laune des Zufalls beruhen, sondern in großen Mißgriffen der Verwaltung seinen Grund haben, vor allem in der übermäßigen Aus- Nutzung der Arbeitskräfte. Hiergegen verwahrt sich die Denkichrift freilich mit besonderem Nachdruck. Aber sie schafft dadurch die in den letzten Monaten enthüllten That- fachen nicht aus der Welt.— lieber die chinesische Anleihe besteht noch keine völlige Klarbeit. Es verlautet jetzt, daß die englische und die deutsche Regierung gemeinsam für die Unterbringung der Anleihe Sorge tragen wollen. Das wäre eine er- freulicbe Verbesserung der gespannten deutsch-englischen Ver- bältuisse. Von russischer Seite wird angeMich die Betheiligung Englands an der Anleihe mit Eifer bekämpft, da durch dieselbe der englische Einfluß in China bedeutend gestärkt weroe» würde. Ueberhaupt gestaltet sich der Wettbewerb der europäischen Staaten, besonders Englands und Rußlands, um die Ver- mehruug ihres Einflusses in China vermittels finanzpolitischer Hilfeleistungen an die chinesische Regierung um so lebhafter, je mehr die kriegerischen Operationen zurücktreten. Besonders wird die Frage erörtert, wer der Nachfolger Sir Robert Hart's, des chinesischen General-Zolldirektors, welcher seit Jahrzehnten die Zollverwaltung in vorzüglichster Weise geleitet hat, sein soll. Auch Rußland macht auf diese höchst wichtige Stellung Anspruch. Die in Berlin erscheinende„Ost- asiatische Corresp.", der Beziehungen zur hiesigen chinesischen Gesandtschaft nachgesagt werden, weist auf eine Lösung dieser Frage in der Art hin, daß England die koreanische Zollverwaltung an Rußland freigebe und daß dafür der englische Zollinspektor in Korea, Brown, mit russischer Zustimmung zum Nachfolger Sir R. Hart's bestimmt würde.— Deutsches Reich. — Unzufriedenheit mit dem Auswärtigen Amt atbmet ei» Artikel der„Deutschen Tageszeitung" über die noch immer nicht ganz beseitigte Schweineeinfuhr nach O b e r- s ch l e s i e n. Der Landivirthschnftsininister habe mehrmals die voll- släudige Epeire gegen Nuhland als richtig und nahe bevorstehend dezeichnet. Es mühte» also„andere Faktoren der kgl. Staats- regiernng der Durchfichtimg jener vernünsiigen Maßregel im Wege stehen. Welche sind das"?—■ Der— r-Leitarlikler der „Dtsch. TageSztg." unierdrückt allerdings vorsichtig die Antwort. Vielleicht hat er sie früher schon gegeben und glaubt darum bei seinen Lesern die»ölhige Kenntnitz des Zusammenhanges schon vor- aussetzen zu dürfen. Denn wie schrieb doch Herr Klapper in seiner »Deutschen Agrarzeitung" über Kiaotschau: „Es ist nicht schwer, sich die Entwickelung ungefähr so zu denken: Deutschland strebte.. eine Flottenslation in Ostasien an. Ruhland hatte nichts dagegen... Um aber für diese ihm selber nützliche Zustiniiming»och extra einen Bortheil zu erlangen, bittet Rußland um die Nichterfüllung des von de» deutschen Bauern so dringlich an ihre Regierung gestellten Verlangens, durch völlige Sperrung der russischen Grenze gegen die Schweine- und Geflügel- einfuhr die ständige» Viehfeuchen-Einschleppungen zu verhüten— ein Berlangen, dessen sachliche Berechtigung sogar von einem preußischen Minister schon anerkannt war... Darum mußte dann dieser Minister im Herbst die unter seiner Billigung bereits angeordnet gewesene Quarantäne an der russischen Grenze ivieder ausheben. Bielleicht thut er das selber nur mit widerstrebendem Bedauern, weil er... es wohl unmöglich selber glaube» konnte, daß die Gefahr der Ver« seuchung der deutschen Biehbestände weniger Beachtung heische, sofern mir der deutsche Seehaudel dafür Kiaotschau bekommt____" Damals verwahrte sich daS Büudlerblatt noch gegen die Zu- stiniuiuug zu Herrn Klapper's Anklagen gegen die auswärtige Politik Heute srägt es bereits sein« Leser mit vieldeutiger Miene, welche Faktoren in der EtaatSregierung wohl Herr» v. Hnmmerstein über. stimmten. Noch ein paar Schritte so weiter und die„infamen Praktiken", die Herr» v. Marschall zur Bcrzweislung brachten, werden auch gegen Herr» v. Bülow im volle» Gange sein. Ein gutbezahltes Schwein wiegt unseren Agrariern mehr, wie alle eben erst gepriesenen diplomatischen„Erfolge" des Auswärtigen Amte?.— — Bon der Bäckerei-Verordnung. Im Reichsamt des Innern ist bereits ein nicht unwesentlicher TKeil der nenerdiugs eingeforderte» Berichte über die Wirkungen der Bäckerei-Verordnung eingelaufen. Es liegt auf der Hand, daß die Sichtung des Materials nicht so ohne weiteres ansgeführt werden kann, und so wird denn immer noch geraum« Zeit vergehen, bis die Reichsregierung sich darüber wird schlüssig machen können, ob überhaupt und inwieweit eine Aenderung der Verordnuna angezeigt ist. Aus Rücksicht auf die schwebenden Arbeile» im Zieichsamt des Innern hat man der „Staatsbürger Zeitung" zufolge die Absicht, im Reichstage eine neue Interpellation wegen der Bäckerei-Verordnung einzudringen, bis auf weiteres hinalisgcschoben.— — E i» neuer R e p t i l i e n f o n d S. Ein„Dispositionsfonds der Oberpräsidcnten zur Förderung und Befestigung des Dentschthums in de» Provinzen Posen und Weslprenßen sowie im Regierungs- bezirk Oppeln" wird im Betrage von 400 000 M. im Etat neu ver- langt. Nach de» ostelbischen Erfahrungen könnte ein volksthümliches Parlament eine solcb horrende Forderung niemals bewilligen. Die Herren Miqnel und v. d. Recke kö>me» freilich der Bewilligung dieses Fonds, der der schliiuiusteii Korruption Thür und Thor öffnet, sicher sei».— — D i e Einrichtung eines besonderen Kolonial- anrtes wird i» Regurtingfkreise» erörtert. Jetzt untersteht die Kolonial-itlblheiluug dem Ausivärligen Amte. Da die Geschäfte der Kolonial-Abtheilung sich aber stelig niehre», so wird eine Trennung beabsichtigt Diese Trennung soll jedoch so vor sich gehen, daß durch räumliche Ziisamiiienlegung der beiden Aemter die Berbiudting zivischeu ihuen nicht erschivert ivürde.— — Die Nebe n- Eise»bahnen nehmen eine immer be- deiilenbere Stellung in dem preußischen Eisenbahnnetz ein. Im Jahre 1880/81 machten die Neben-Eisenbahnen 11,88 pCt. der ge- sammle» Bahnlänge, im Jahre 1336/07 81,47 pCt. anS. Die Länge der Ntben-Eiscnkahnen hat sich in dem angezogenen Zeitraniue relativ nahezu verdreifacht. Die gelammt« Bahnlänge belief sich 1830/81 ans Ii b80,ö0 Kilometer und im Jahre 1836/37 auf 27 528,83 Kilometer.— — Der frühere Landesdirektor So mb a r t, einer der fyinpalhischcste» und allseits geachteten Gestallen ans der früheren parlamentarische» Geschichte Deutschlands, der auch als nationalökonomischer Schriftsteller sich einen Namen gemacht hat, ist im Alter von 32 Jahre» gestorben. Er gehörte früher dem Reichstage und Abgeordneienhaus« als nationalliberaler Ab- geordueler an.— — Aus dem Königreich Stumm. Im Wahlkreis Saar» brücken zeigt sich deutlich, so schreibt die«Freis. Ztg.", ein Schwinde» des Einflusses des Herrn v. Etiunm und der Zusammenbruch des alten Nationalliberalisutus. Die Nationalliberaleu haben bisher nicht einmal eine» Kandidaten gesunden. Der bisherige Vertreter des Kreises, der nationalliberale Abgeordnete Boltz, hat sich zur Wiederannahme des Mandats nicht beivegen lassen und bei andere» hat man bisher vergebens angeklopft. Neben der Kandidatur Kule- mann, deren Ausstellung das Ergebniß einer Bewegung gegen Herrn v. Stumm und seinen Einfluß ist, tritt jetzt noch eine Handwerker- Partei auf den Plan mit einem eigenen Reichstags-Kandidaten in der Person des Bürgermeisters Dr. Neff von St. Johann. Die Schilderheber hier sind ebeusalls Leute, die sonst zur nationalliberalen Partei zählte».— — Für den Wahlkreis PotSdam-O st Havelland haben sich in einer Vertrauensmänner-Bersammlung am Mittwoch Nachmittag die Konservativen und Antisemiten geeinigt aus die Kandidatur des Tischlerincisters Pauly in Potsdam. Derselbe muhte sich verpflichten, im Falle seiner Wahl iveder der konservativen noch der deutschsozialen Reformpartei beizutreten.— — Die sächsischen Konsumvereine werden jetzt erneut zu einer am 30. Januar in Chemnitz stattfindenden Prolest- Versammlung gegen die Umsatzsteuer eingeladen. Dort wird auch die seinerzeit in Leipzig gemählte Kommission, die über Mittel und Wege, wie der Umsatzsteuer entgegenzuwirken ist, berathen sollte, über ih-' Thätigkeit Bericht erstatten.— München, 12. Jan.(Eig. Ber.) In der Generaldebatte über den Ei sen bah»-Etat sprach heute unser Genosse Scherm. Er ladete vor allem die üblich gewordene Ueberanstrenanng des Personals, aus die er auch den hohen Prozentsatz an Eisenbahn- »nglticken hauptsächlich zurückführte. Die Generaldirektion habe ei»« ganze siteihe von sogenannten Sparerlnsse» verfügt, die naturgemäß zu Mtßbräuche» seitens der unleren Behörde» führen mußte». Hin- sichtlich der Perronsperre wurden besonders in Vturn- berg berechtigte Klagen erhoben, die nicht eher ver- stummen werden, bis der dortige Bahnhof endlich vollständig umgebaut ist. Der Borort-Berkehr erfahre nicht genügende Förderung, da die Fahrpreise viel zu hoch und die Entfernungen zu gering sind. Die Beförderung des Publikums in Viehwagen könne leicht zu Unglückssällen führen und sei außerdem rechtlich zu be- anstanden. Jede Erleichterung des Verkehrs habe eine Reihe ivirlh- schaftlicher Borlhcile im Gefolge und deshalb sei auch der Aus- sprach des Ministers, daß die Ausdehnung des Verkehrs mit der ökonomischen Lage mancher Gesellschastsklassen nicht vereinbar sei, nur zu bedauern und durchaus unberechtigt. Eine Verbilligung der Personeutarife ivürde nur finanziellen Nutzen bringen. Die Ein- sührung der elektrischen Beleuchtung in den Zügen sei sehr wünscheus- iverth.— Stuttgart, 11. Januar.(Eig. Ber.) Die Verfassnngs- kommission setzt ihre Beiaihuiigen fort. Es wird das Alter für den Eintritt in die zweite Kammer vom 80. auf das 25. Jahr herabgesetzt. Die Staudesherreu können nach wie vor mit 21 Jahren in die erste Kammer eintreten. Aber nach dem ß 21 der Verfassungs« urkuude haben alle Slaalsaugehörige gleiche Rechte!! Die Anregung unseres Geiiossen Kloß, das wahlfähige Zllter auf 21 Jahre fest- zusetze»»ud auch den Frauen das Wahlrecht zu er- l h e i l e», fand kein Gehör. Die zu ivähleudeii zwei Vrrtieter der Universität und der Technische» Hochschule müsse» durch die Lehrerkouvente mittels relativer Mehrheit gewählt werde». — Di« acht ritterschaftlichen Abgeordneten für die erste Kammer(für die aus der zweite» Kammer enlferute» 13 Stilter) werde von de» iuimalrikulirten Besitzern oder Theilhaber» der Ritter- guter des Königreichs auf die Dauer einer Wahlperiode vo» sämuit- lichen Mitglieder» ritterschaftlicher Familie» mit relativer Mehrheit gewählt. Zibgelehut wurde ei» Zusatzantrag Gröber's:„Wahl- berechligt und wählbar sind diejenigen Besitzer oder Theilhaber vo» Riltergütern, welche von ihrem exemle»(steuerfreie») Grundbesitz »ach Abzug der Zinsen aus den darauf haslendeu Schulde» eine jährliche Rente von 2000 M. beziehe»." — EiuehöhereBesteueruugdesWauderge>v erbeS in Baden wird i» einem Gesetzentwurfe vorgeschlagen, der vor- gestern iu der Abgeordnetenkammer zu Karlsruhe eingegauge» ist. Bon der neuen Steuer sollen auch die Wanderlager belroffe» iverde», au dem Erlrägnisse aus derselben die Geiueiudcn mil 30 pCl. theil- »ehiue». Bon einer geivüulchten Eonderbesteueruiig der Groß- Haudclsgeschäfte, ivie Bazare uud Versandtgeschäfte, habe die Regie- rung wegen der eutgegeusteheude» Schivierigkeileu absehe» müsse». 'Auch in anderen Staaten sei diese Materie gesetzgeberisch nicht gc> regelt. Der Entwurf sieht eine bewegliche Sieuerskala vor mit Minimal- n»d Mnxinialsätzeil und ermöglicht somit eine größer« Sleuerindividtialistrutig. um de» persönlichen Verhältnissen Rechmuig tragen zu könne».— Oesterreich. Prag, 13. Januar. I» der Heuligen Sitzung des böhmischen Landtages kam cS zu lärmenden Szeiieu, als au stelle Bouquoy's Prinz Lobkowitz«inen Antrag aus Eiusetzung einer Sprache»- koinnnssio» i» czechischer Sprache begründen wollte. Die Szenen iviederholten sich, als während der Rede Schücker's ei» Zwischeurus des Abg. Breztiowsky gehört wurde. Das Haus beruhigle sich erst, als Brezuowsky erklärte, daß er seine» Ztvischeurits nicht aus einen Abgeordueleu bezogen habe.— Ungarn. Flnuie, 12. Januar. Iu dem Gemeiuderath kündigte der Bor- sitzende Goiiverueur-Stellvertreter Gaal an, daß iusoige der nur bebiugttugsiveiseu Attiiahme der Podestastelle seitens Mayländer'S eine Neuwahl vorzunehmeii sei. Bei letzterer ivürde Mayländer mil 43 Stimme» tviederuiii zum Podesta gewählt. Mayländer erklärie, er könne auf das Gesetz keiueu Schwur leiste», doch sei das keine Pro- vokalio» gegenüber der Regierung uud der Nnlio», sondern nur die logische Vertheidiguug der Rechte Finme's. Gaal suspeudirte hierauf im Namen des Königs den Geineinderath, da Mayländer stch gegen die Regiermig reuileut zeige. Der Gouver- neur-Sleilvertreter wird tuorgeu 100 Uiigaru, ivelche iu die Wahl- liste ausgeuotumen zu werden verlaugte», alle als Wähler auf- uehmeii. Der Gouverneur von Fiutu«, Graf Ladislaus Ezapary. ist mit außerordeullichen Vollmachten ausgestattet worden. Der Fiumaner Gemeiuderath dürste infolge der Vorgänge bei der vorgestrigen Podestawahl abermals aufgelöst werden. Man sieht auch hier wieder, daß die„liberale»" Herren Magyaren die Freiheit uud SelbstverwaUuug, dort, wo sie ihnen uu- bequem ist, energisch uud brutal unlerdrücken.— Italien. Nom, 11. Januar. Anläßlich jb« bevorstehenden Gedenkfeier de? fünfzigjährigen Bestandes der Verfassung soll, dem„Pester Lloyd" zmolge, eine allgemeine Amnestie erlassen werden.— Palermo, 12. Januar. Die Erinnerungsfeier der Revolution vo» 1348 erreichte heute, iiachdeui gestern die Ein- weihuug der Ausstellung vo» Eriniierungsgegenstäudeli, die Etil- hülluug eities Deukmals patriotischer Schriftsteller uud Vorführung lebender Bilder aus der Zeit der sizilianischen Revolution statt- gesunden Halle, ihre» Höhepunkt. Ein gewaltiger Zug bewegte sich zum Revolutiousplatze und zum Freiheiteplatze, um ein Denkmal und eine Gedächtiiißsäule einzuweihen; die Menge war vo» Be- geisterung hingerissen. � Spaiiie». — Die spanische SoldateSka auf Kuba. Nach einer in New-Aork eingegaiigeiien Depesche aus Havana habe» gestern früh etwa>00 aktive Oistziere, ivelche durch Zeitiingsaiigriff« auf die spanische Armee auf Kuba aufgereizt waren, begonnen, in den Redaktionen der„La Disciission" und des„El Reconceutrado" die Fenster einzuwerfen, die Druckpressen zu zerstören, uud die Angestellten zu iusultire». Ein etwa 1000 Personen zählender Volkshaufe begleitete die Offiziere unter dem Rufe:„Es lebe Spanien!" Der Pöbel zerstreute sich sodann. Andere Volksmassen aber sammelten sich und schliigen die Thüren des„Diario de la Marina" ein, wurden aber von der Gendarmerie allseinandergetrieben. Die Stadt hat das Aussehen eines Feld- lagers. Das amerikanische Konsulat wird von spanische» Truppen bewacht.— Nach einer Meldung aus Keyivest sind der Kreuzer „Maine" und zwei Torpedoboote nach Havana beordert.— Ntifiland. Petersburg, 13. Januar. Der Kaiser hat die von dem Kriegs- minister v. Wannowsky wegen zerrütteter Gesundheit nachgesuchte Eiitlassung genehmigt. Auch der Chef des Geueralstabs Obrutschew ist iu diesen Tage» entlassen ivorden. Demnächst erivartet man den Rücktritt des Ministers des Junern. Da durch den Tod Deljamiow'S auch das Unterrichtsministerium neu besetzt werden muß, stehe» eine Reihe bedeulungsvoller Berschiebungen i» de» höchsten Beamten- stellunge» bevor. Die bisherigen Ernennungen sind blos provi- sorisch. Eine Aenderung des Systems aus diesem Aulasse erwarlet niemand. Das absolutistische Rußland versteht so vortrefflich die Interesse» der aufstrebenden Bourgeoisie zu vertreten, die Finanzen Rußlands, sein Kredit ist besser denn je, so daß das Verlange» nach parlamentarischen Einrichtungen und Garantien für die Freiheit der Presse und Rede außer in der Arbeiterklasse und bei einem Theile der unterdrückte» Nalioiialitäten fast gar keinen Widerhall findet. So lauge Rußland von ökonomische» Krisen und Abeuteureipolitik verschont bleibt, so lange die nun mächtig au- schtvellende Entwicklung der Industrie»och nicht eine große, ein- heillich vorgehende Arbeiterbeivegung geschaffen hat, ivird das rulsische Volk staatliche El»richtl»igeu ivestcuropälscher Art entbehren müssen.-» AnS Kiew sind»»s zwei an die Arbeiter dieser Stadt gerichtete von dem Kieiver Arbeiterkomitee unterzeichnete Flugblälter zugesandt ivorden, von welchen das eine vom 8., das andere vom 31. Dezember dalirt ist. Das eine dieser Flugblätter enthält einen Uebcrdlick über die Arbeiterbeivegung in Kiew im Lause des letzten halbe» Jahres. Durch Streiks, Androhung von Streiks oder einfache Kundgebung der Unzufriedenheit gelang eS den Arbeitern in der Fabrik vo» Graf, in den Werkstätten vo» Basnetzky, in der Möbelfabrik von Kipaer, iu der Tabakiabrik von Kogan, in der Fabrik von Grescher, in der südrussische» Maschineusabrik von Jkuonsky. bei Ludmer, Kraivetz, Chniclnitzky und in einigen anderen Betrieben ihre Lage zu verbesser». Die einen Unter« nehmer babe» die Arbeitszeil verkürzt, die anderen die Lvdne erhöht, die dritten gaben das Verspreche», die Löhne regelmäßig auszuzahlen u. f.>v. Ol'wohl die Konzessionen in manchen Fällen geriugsügiger Natur waren, haben sie doch bei de» Arbeitern das Verlraue» in ihre Macht gehoben. Es wächst die Nachfrage seitens der Arbeiter»ach verbolcncn Schriften, in welchen über die Kämpfe der ausländischen Arbeiter berichtet wird. In mehr als 25 Fabriken wurden Flugblätler über verschiedene die 'Arbeiter iiiteressiiende Angelegeuheite» verbreitet. Die Polizei hat gegen 30 Arbeiter verhaftet, um zu erfahren, von wem sie die Flugblätler bekommen habe»;»achdem sie aber von jedem nur die Antwort herausbekam, er habe das Flugblatt auf der Straße ge- künden, wurden alle wieder«nllassen. Die mehr als 40 Haus- suchuugen, ivelche bei Arbeiter» abgkhallen wurden, verliefe» gleich- falls erfolglos. Durch ihre EiitNtischuitg in die wirthschastlichen Kämpfe der Arbeiter, heißt es im Flugblatt weiter, hat die Regierung selbst die Arbeiter zu einem Kampfe heiansgesordert, welchen diese ansfechlen werden. Der Um- stand, daß die Regierung sich beeilt habe, nach dem Streik von 35 000 Petersburger Webern den Normal-Arbeits- tag einzusühreu, zeige, daß bei dem Eintreten größerer Arbeiter- iiiasse» in den Kampf noch viel mehr erreicht iverden könne. Gegen Hmiderttauseiide und Millionen kämpfender Arbeiter könnten die Gesängnisse, die Geheimpolizisten und die Gendarm«» der Regierung nichts nnsrichleu.„Wenn in de» Kampf gegen die Ausdeutung und Unterdrückung Hunderttausende uud Millionen von Arbeitern treten werden, dann wird auch daS Schicksal der Regiernng selbst ent- schieden sein." Afrika. Kapstadt, 12. Januar. Der Basntofiäuptling Lerothodi hat die feste Stellung Masupha's nach einem die gauce Nacht hindurch ivähreuden Gefechte erstürmt. Ein wilder Kampf, Mann gegen Mann, ivülhel»och jetzt auf dem Gipfel des Berges.— Asien. Pokohama. 12. Januar. Das neue Kabinet ist durch I t o gebildet Ivorden; Juouye ist Fiuanzmiuifler, während Nlschi uud Saigo a» der Spitze des Miiiisterimns des Aenßeru bezw. der Marine verbleiben. Kalkntta, 13. Januar. Eine britische Vermessnitgsabtheilimg Nttier der Führnng des Hauptmanns Buru, welche aus über 200 Träger» und Signaliste» bestand, wurde im Mekran- Distrikt von austtändischen Bergstämmen augegriffe». Eine Anzahl der«in- geborenen Soldaten, welche die Abtheilung begleitete», wurden ge« lödlet und viele verivnndet. Dem Haupimanu Burn gelang«S, auf einem Kameel zu eutkoniiuen und nach einem Rilt von 130 Meilen Orniara zu erreiche». Der Ansstaud der Stämme richtet sich gegen den Khan von Khelat, Ormara ist bedroht. Die Truppen des Khans halte» das Fort Nastrabad besetzt.— DsvlsmenkttViMes. Bndaet-Kommisfion. I» Fortsetzung der Debatte beantragt der Abg. Liener ein Ainendemeut zum Antrag Hammacher, welches Nezug mmmt auf eine frühere Resolution, wonach die Enlscheidung über die Ausschmückung des Reichstagshanscs dem Reichstag zustehe. Müller> Sagau kommt auf grund der widersprechende» An- schauungen über die Frage: wer im Reichslagshaus Herr sei, dazu, den Antrag zu stelle», die geforderte» 100000M. abzusetzen. Der Antrag Lieber verbessere zwar de» Antrag Hammacher, schaffe aber keine klare Situation. Graf v. Posadoivsky polemisirt gegen den Antrag Müller, dessen Annahme unmöglich sei in anbetracht der bereits gelroffeiie» Bor- arbeite». Gegenüber der in der Budgetkommission erhobenen Kritik iverde der Retchskauzler die Beschlüste der Baukommissio» nicht znr Ausführung bringe». Abg. Prinz Areuberg spricht sich für eine Verstärkung der vorgeschlagenen Kommission aus, Abg. v. Kardorff ist gegen diese» Antrag und nimmt die Parlanieuts-Baukommission gegen verschiedene gegen sie erhobeneAngriffe in Schutz Die Koiiimisston habe gebundene Marschroute gehabt, auch der Baumeister Wallot sei gezwungen worden, seine» srnhere» Pia» sehr erheblich abzuändern, nicht zum Vortheil seines früheren Planes. Graf v. Roon ist der Ansicht, der Reichstag Hab« nicht die Aufgabe, für die Zlnsbildiing dos deutschen Kunstgeiverbes zu sorge», und ist für Absetzuna der 100 000 M. Abg. Dr. Hammacher wendet sich gegen die ttuZ- sührtiug«,, des Prinzen Areuberg. Abg. Graf Arnim ist für me stärkere Kouimiisio», als die beantragte. Abg. Lieber kommt nach längeren Ausführniige» über Aestheiik und ähnliches auf de» fn er seitens der Bankounnission uiitcr Zustimmung des damalige» Su., tü« sekretärs v Bötlicher gefaßte» Beschluß, wonach künftig all? Aus- gaben für daS Reichslagsgedäude aus den Etar des Reichstags gesetzt werden solle». Das habe auch der Reichstag beschlysscn. Daran müsse festgehalten werden, aber nur in Rücksicht auf die zu Ende gehende Legislaturperiode stimme er dem Antrag. Hammacher zu. ohne Verbindlichkeit für später. Graf v. Posadowsty konstatirt, daß nach dem letzte» SitzunNsberichl derBaukommissio» aus dem Mai v.J. a»g«»ou»i>en iverde»»msse, daß die Baukounnission m,ch bestehe. Wolle man sie jetzt auflösen, so werde ernichts dagegen tii»ve»d„�Staatsrcchtllch liege dl« Sache seines Erachtens klar, iu der bea»tr,,gte„ Kommission habe der Reichstag die Mehrheit und das ReichSamt des Innern habe nichts anderes zu lhu», als die Beschlüsse der Kommission ans- zuführe». Schluß der Debatte. Abg. Graf Arnim beantragt, die Zahl der Mitglieder des ReichSiageZ in der Koiniiiission vo» 5 auf 7 zu erhöhe». Referent Singer!-i.'t den Ausführungen des Grase» Posadowsky gegenüber fest, oaß di? Baukounnission im vorigen Jahre sich nur mit der Ablpuüum der Baugeschäste be- fa&te. bnmit aber ihre Aufgabe als erledigt betrachtet habe. Vom Etniidpuiikle derjenigen, die das Gewerbe erhalten wollten, solle gerade daS Bestreben, dein Kunstgewerbe von Staatswegen Auf- lräge zuzuwenden, begrüßt werden. Denn»auch nur durch Belebung des Kunstgciverbcs könne gerade nach der Meinung vieler Hand- rverksreller noch dem Kleingeiverbe geholfen werden. Im iveileren wendet sich der Redner gegen die geübte Kritik an den Elnrichtunge» des Parlamentshauses, es habe viele Vorzüge vor anderen Par« lamentsgebäiiden, die er kenne, voraus. Schließlich befürwortet er die Beivillignng des Titels. Der Antrag Amini, die Konimission von 5 ans 7 Reichstags-Mitglieder zu verstärken, wird angenommen; dem Antrag Haininacher wird darauf einftinnnig zugestinimt und der geforderte Titel bewilligt. Im folgende» Titel werden 3W1 000 M. als zweite Rate für de» Bau des Präsidialgebändes gefordert, obgleich kein Plan und kein Kostenanschlag vorliegt. Der Referent Singer beantragt die Ab« lehnuiig aus dem letzteren Grunde. Graf Posadowsly legt de» geschäftlichen Gang der Verhandlungen über de» Bau mit dein Baumeister Wallot dar, wonach letzterer sich bereit erklärt, bis zum 1. März das Geivüuschle zu beschaffen; mau möge deshalb die Be> rathung des Titels aussetzen. Abg. Singer schließt sich diesem Bor- schlage a». Die Kommission beschließt demgemäß. Die folgenden Titel 6, 7, S, 9, 10 und 11 werden ohne erhebliche Diskussion bewilligt; damit ist der Etat des Reichsainls des Innern erledigt. Auf eine Anfrage, wie es init dem in der letzten Session an- genommenen Antrag Schnltz-Lupitz bezüglich der Gründung einer Abtheilung für die Untersuchung bakteriologischer und pathologischer Vorgänge i» der Thier- und Pflanzenwelt(Bcseiti'-'mg von Pflanzen- iiiib Thierschädlingen i» der Landwirthschaft) stehe, giebt der Staats- fekretär Graf Posadoivsky an, daß zunächst ein Hilfsarbeiter im Reichsgesundheitsnmt für die Bearbcilnng dieser Materie angestellt worden sei. An der hieran sich anknüpfenden Debatte betheiligen sich die Abgg. Müller-Sagan, v. Kardorff, Prinz Arenberg, Bebel und Graf v. Slolbcrg. Nächsten Montag 11 Uhr: Post-Etat. Tie zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Angelegen- heiten der s r e i>v i l l i g e» Gerichtsbarkeit wurde von der damit betraute» Reichstags-Koinniission heute erledigt. Sodann nahm die Koinniission fast eiiistimmig folgende Nesolutionen an: den Reichskanzler zu ersuche», 1. das Kosteiuvesen in den Angelegen- Helte» der freiwilligen Gerichtsbarkeit grundsätzlich einheitlich zn gestalten; 2. einen Gesetzenlivurf vorzulegen, welcher das Notariats- weseii thunlichst einheitlich ordnet. Die Koinniission wird in der nächste» Woche eine» schriftlichen Bericht erstatte».— I» Finsterwaldc i» der Lausitz haben die Parteigenossen«inen Wahlverein gegründet. Tic Antiseiiiiteu a» der Arbeit. Man schreibt uns: Ein gewisser Andres unlerniiniut es, augeblich aus eigenen Mittel». im Stern berger Kreise Versainmlnngen einznbernfen und Flngsäiriftei» zu verbreite». Aus diese Art war auch i» R e p p e n auf vorigen Sonnabend eine„antisemitische Volks-Ver- sa>»i»lu»g" einberufe», zu welcher Herr B ö ck l e r, Redakteur an der Berliner„StaatSbürger-Ztg.", das Referat übernommen hatte. Das war unseren Genossen, denen alle Lokale veriveigert werden,«in„ge- snndenes presse»". Sie bestellten noch in letzter Stitnde alle Man» in die Versannnlnilg, zn der sie schon Iah» aus Berlin telegraphisch geladen hatte». Nun ging der Tanz los. Alle BevölkermigSklassen Neppcns waren in der Versammlung vertreten. Zunächst das übliche Kaiserhoch. Dann entrollte Herr Böckler ein wundersames Bild von den schlechte» Zeiten, an denen natürlich blos die Inden und Sozialdemokraten schuld sind. Daß es aber so weit gekommen ist, habe» die Liberalen und Junker init verschuldet. Doch zum Glück kamen noch zn rechter Zeil die christliche» und vaterlandstrenen Antisemiten und namentlich Herr Abg. Zimmer- m a n n in de» Reichstag. Ans Furcht vor der Drohung dieses gewaltigen Mannes hat denn auch der Reichskanzler wieder die geplante Tabakssteucr rc. zurückgezogen, während Singer gegen die Börsensteuer stimmte. Denn auch die Börse und das Großkapital sind an allem Uebcl schuld. Dagegen sind Krupp. Etninm und Hertzog wahre Musterknaben, weil sie eben—„Christen" sind. Hätten wir hohe Getreidepreise, dann ginge es auch den Bauern und Landarbeitern besser. Gegen die letzteren werde man überhaupt müssen gesetzlich einschreite», um sie aus dein Lande zu behalten. Dann wollen die Sozialdemokraten die Republik, Güter- und oben- drei» Weibergcmeiiischaftül Das muß ein Ende mit Schrecken nehme» im„Zukunftsstaat".... Es war unserem Genosse» Iah» nicht schwer, gegen die Aussührungen des Redners aufzutreten. Es gelang ihm, vielfach von Beifall unterbrochen, etwa eine Stunde zu sprechen und Herrn Böckler zu widerlege», was diesen und Herr» Andres ganz aus dem Häuschen brachte, de«n einen derartige» Empfang hatten sie nicht vermuthet. Sie haben thatsächlich nur für uns agitirt. Unsere Genossen haben nach dieser Versammlung neuen Math geschöpft zu neue» Erfolge». Möge» die Herren Andres und Böckler»nr so iveiter arbeite» im Slernberger Kreise, wir tverden dafür sorge», daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen. Im Stcttincr Wahlverein gab am Dienstag der Vorsitzende Storch den Geschäftsbericht auf das Jahr 1897. Es sind 11 ordentliche und eine außerordentliche Versammlung abgehalten worden, die verhältnißmäßig gut besucht waren. Die Jahreseinnahme betrug 1193, l7 M., die Ausgabe 516,00 M.; als„Pulver" zur be- vorstehenden Reichstagswahl sind souach 677,11 M. vorräthig. 23 000 Flugblätter, deren Inhalt bezug ans die Reichstagswahl hat, sind verbreitet worden. 516 Mitglieder wurden neu gewonnen, so daß die Mitgliederzahl jetzt 1424 beträgt. Auf die einzelne» Ge- werbe verlheilcn sich die Mitglieder wie folgt: Arbeiter 494, Maurer l 15, Tischler III, Schneider 100, Schlosser 92, Zimmerer 51, Schilhmachcr 46, Maler 39. Töpfer 33, lliestaurateurc 29, Dreher 29, Stuckaleure 29, Buchdrucker 28, Böttcher 22, Schmiede 19, Buchbinder 13, Steinsetzer 13, Bild- Hauer 12, Former 10, Klempner 10, Tapezirer 14, Steindrucker 10, Barbiere 9, Kauflente 8, Handschuhmacher 7, Bürstenmacher 7, Tabakarbeiler 7, Müller 4, llicepschläger 4, Glaser 4, Bäcker 3, Mechaniker 3, Gelbgießer 3, Brauer 3, Maschinisten 3; ferner gehören dem Verein an je 2 Stellmacher, Dekateure, Tischlermeister, Hohlschleifer, Korkschneider, Expedienten, Stein- metzen und Panluieninacher, je 1 Bügler, Kürschner, Lithograph. Handlungsgehilfe, Schäftemacher. Fleischergeselle, Aufseher, Marmor- schlcifer, Kellner, Schreiber, Wursthändler, Fuhrherr, Fleischer- meisler, Buchdruckereibesitzer, Färbereibesitzer, Arzt und Agent. Es sind 60 Gewerbe gegen 49 im Jahre 1896 im Wahlverein vertreten. Wenn man die Erfolge, die der Wahlverein jetzt im Verhältniß zu früher aufzuweisen hat, als Maßstab für die kommende Sieichs- tagSwahl betrachten darf, so läßt sich mit Bestimmtheit annehmen. daß unser Kandidat schon im eisten Wahlgange siegen wird, es also nicht noch einmal zur Stichwahl kommt. Der sozialdemokratische Wahlverein in Nürnberg hat in sesi.ier letzten Sitzung die Anstellung eines besoldete» Beamte» be- schlösset!. Begründet wurde dwse Maßregel damit, daß es den Vor- standsmiigliedern fernerhin unmöglich sei, bei dem gestiegenen Mit- gliederstande»»d bei der Fülle der Arbeit, die die in den nächsten IV, Jahren statt�ndenden Wahlen verursachen, die Geschäfte so zu führen, wie es>m Interesse unserer Sache erforderlich ist. Als besoldeter Beamter wurde der Parteigenosse K o n r a d H e r r m a n n gewählt. Polizeiliches, Gerichtliches tt. — Der Landgerichts- Präsident de M a i z i 5 r in Neu- Nuppin, ftüherer Erster Staatsanwalt in Magdeburg, ist ge- st o r b e n. Er wurde weiteren Kreisen insbesondere durch sein Verhalten im ssZens-Prozeß bekannt. Als die ihrer Entbindung entgegensehende F r a n P e u s dringend um Entlassung ihres Mannes ans der Untersuchilngshaft gebeten hatte, wurde ihr von dem Staats- anivalt Maiziär geschrieben, daß er bei aller Anerkennung ihrer traurigen Lage zn seinem Beda„'?rn nicht in der Lage sei, die Hastentlafsnng ihres Verantwortlicher Redak.'eur; August Jacobe,) in Berlin. Für den Ins« Mannes von Amlswegen zu befürworten, da PeuS eine schwere Strafe zu gewärtigen habe. Frau Pens ist im Wochenbett gestorben, ohne ihren Mann wiedergesehen zu haben.... Auch sonst hat sich Maiziör als Staatsanwalt im Kamps« gegen unsere Partei hervor- gethan. Er konnte aber ebensoivenig wie andere es hindern, daß die Sozialdemokratie in Magdeburg immer fester Wurzel faßte. GewerKfisMftliches. Berlin und Nmgcbuiig. Tie Fabrik-Tchuhniacher beschlossen gestern, Donnerstag, in einer außerordentlich stark besuchten Versammlung, die von den Ringfabrikanlen vorgelegte Arbeitsordnung abzulehnen. Im Fall die Unternehmer die Anerkennung der Arbeitsordnung durch die Aussperrung der Zlrbeiter zn erzwingen suche» und dieselbe nicht zurückgezogen wird, soll der Kampf nach jeder Richtung von de» Arbeitern nufgenounue» werden. Direkt an dem Kampf sind zirka 500 Arbeiter, die in den Rtzigfabriken beschäftigt sind, be- lheiligt. Christliche Gcwcrkschaftsorganisatioucn sollen. wie das Organ der katholischen'Arbeitervereine„Der Arbeiter" mittheilt, demnächst i» der Hauptstadt gegründet werde». Im Leo-Hospiz, dein ersten katholischen Arbeiterheim, seien am letzten Sonntag schon eine Anzahl Männer zusammenaetreten, die einen Verein„'Arbeiter- schütz" ins Leben gerufen hab-n, von dem aus nun die Agitation in die einzelnen Berufe getragen werde» soll. Wer diese Männer sind und wie groß ihre Anzahl ist, sagt der Bericht nicht; aber gleichviel, wir bewundern aufrichtig deren Muth, einer so aussichts- losen Sache zu dienen, wie die ist, Berliner Arbeiter»ach dem Muster christlicher„Jünglingsvereine" organisiren zn wollen. TaS Eipaudauer GewcrkschaftSkartell»ahm in seiner Sitzung am Dienstag eine Resolution in der Fassung derjenigen der Berliner Gewerkschaftskoniinission an, welche eine klare Richtschnur für das Wirken des Kartells bei allen Lohnbewegungen:c. enthält. Rieger gab alsdann bekannt, daß die von ihm iin Auftrage des Kariells bei den Krankenkassenwahleu entwickelte Agitation de» Erfolg gehabt hat, daß in de» Verwaltnngskörper» der Gesellcnkasie nunmehr die o r g a n i s i r t e n Arbeiter die Majorität habe». Von den Lohnforderungen der Bauarbeiter für 1893 wurde Kenntniß ge- nomine» und beschlossen, die Listensammlung für einen geinaßregelte» Burecu-?Ingestcllten fortzusetzen. Ohne Entschuldigung sehl::» die Ver!.:tcr der Barbiere und Kutscher. Tie Zahl der in Spandan in geiverkschaftlichen Verbä-den— auf dem Boden der»»oder»«» Arbeiterbewegung— organisirte» Arbeiter beträgt gegen ivärtig 920. Naturgemäß macht der Winter einige» Verbänden einigen Abbruch. Die Hirsch-Dnncker'schen Vereine am Orte, welche von de» kgl. Werkstätten für so h a r in- los gehalten werde», daß den„kgl. Arbeitern" nichts in den Weg gelegt wird, sich diesen„Verbänden" anzuschließen, vereinigen in sich kaum den dritten Theil dieser Zahl. TentschcS Reich. Unter der Belegschaft der Jakobgrubc in Gr. B o e r n e ck e bei Staßsurt ist ei» Streik ausgebrochen. Es soll sich weniger um eine Lohnbewegung, als um«ine Verkürzung der sehr langen Arbeits- zeit handeln. Metallarbeiter! Trotzdem die Direktion der Dampfschiff- und Maschinenbananstalt der österrcichischen Nordwest-Gesellschast in Dresden Abstellung der Mißstände zugesagt hat, sucht sie in verschiedenen auswärtigen Zeitungen Schlosser und Dreher. Es steht deshalb zn erwarten, baß man nur auf Ersatz wartet, um Maßregelungen vornehmen zu können. Zuzug ist deshalb zu ver- meiden. Die anögespcrrte» Former und Kernmacher der Geraer Maschinenfabrik und Eisengießerei vormals A. Kühn setze» ihren Kampf unverändert fort. Verhandlungen über die betreffende Streit- frage haben bis jetzt zwei stattgefunden, welche aber ohne Erfolg waren. Die Firma verharrt»och auf ihrem Standpunkte, die jüngeren Former»lit 23—27 Pf. pro Stunde zu entlohnen. Auch machte sie de» Ausgesperrten den Vorschlag, die Arbeit wieder auf- zunehmen und nachher in die Verhandlung einzutreten, was die- selbe» ablehnten. Geformt wird nur vom Meister und drei Lehr« lingen. Z» unterstützen sind noch 12 Arbeiter. Tcö Profites halber. Die Harpener Bergbauzesellschaft macht auf Zeche Friedrich der Große folgendes Experimknt. Sie zahlt allmonatlich an jeden ihrer Arbeiter eine Prämie von 5 Mark, der.: 1. fämmtliche im Monat fallende Arbeit-schichten regelrecht verfährt, 2. de» Minimal-Monalslohn von 107 M. verdient. Dem Arbeiter ist es dabei gestattet, zur Erlangung dieser Lohnhöhe nebe» den laufenden Schichten Ueberschichle» zu verfahren. Die Minimal- lohn-Höhe, die zur Erreichung der Prämie verdient werden muß, richtet sich je nach dem im Bergreviere statistisch ermittelten Durch- schnittslohne und wird von der Verwaltung ivon Zeit zu Zeit fest- gestellt. Man sieht, die Grubenverwallung will nach zwei Seilen hin„erziehend" aus ihre Arbeiter einwirken: neben dem AnHallen zur regelrechten, tagtäglichen Schichtverfahrung wird auch der „Fleiß" angespornt. Wie die Arbeiter dieser Einrichtung gegenüber- stehen, zeigt am besten die Thatsache, daß im Monat Dezember 1897 etiva 300 Arbeiter die Prämie erhielte». Solche Einrichtungen bringen natürlich den Unternehmern großen Vortheil, da die Arbeiter ihre Leistungen bis anss äußerste steigern. Aber sozialpolitisch und vom hygienischen Standpunkte ist ein solches Antreibersystem sehr bedenklich und birgt für die Arbeiter die schwersten Schäden in sich. In Gotha habe» die Schieferdeckernleister mit einer Ausnahme sämmllich die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Zum Schnhmacherstrcik in Groitzsch. Es wird nun die achte Woche, daß die Arbeiter der Firma B. Götze u. E. Fischer i» Groitzsch bei Leipzig im Streik stehen, der durch die Einführung von Zivickmaschinen(sogenannten Nlebmaschinen) unvermeidlich wurde, da nach den neue» Lohnsätzen die Arbeiter einen bedeutenden Ans- fall an Lohn zu verzeichnen hatten. Dieser Streik treibt sonderbare Blüthen, wir lebe» wie unter dem Belagerungszusland, schreibt die„Leipziger Volkszeitung". Fast die gesauimte Be- völkerung steht auf seilen der Streikenden, so daß vor Woche» Streikbrecher gar kein Logis bekommen konnte» und so ge- zwungen waren, ihr Mittagsinahl i» der Fabrik einzunehmen und wohl auch des Nachts darin zu kampiren. Schaden können diese Leute allerdings den Streikenden wenig, da Stepperinnen überhaupt nicht zu haben sind, denn die stehen fest wie ein« Mauer; schaden können sie nur den Fabrikanten, diese Erfahrung haben wir schon oft gemacht. Die hiesige Gendarmerie ist um drei Mann ver- stärkt worden, um die Arbeitswillige» zu schütze». Die Firma Götze«. Fischer kann sich ungehindert a» die Konkurrenz- firme» wende», daß diese den Streikenden keine Arbeit geben. Die Posten der Streikenden werden arretirt, ein wahrer Regen von Slrafmandalen ergießt sich über sie. Des Abends, wenn die Arbeiter der übrigen Fabriken nach Hanse gehe», darf nie- inand stehen bleiben, langsanies Laufen wird untersagt, vor die eigene Hauslhüre stelle», wird ebenfalls nicht geduldet, und— wer nicht parirt, wird arretirt. An Arreturen ist inan hier bereits gewöhnt. Vorige Woche nun hat sich die Firma Götze u. Fischer hilfesuchend an die übrigen Schnhfabrikanten gewandt, sie sollte» doch ihre Fabriken schließe», wohl aus dein Grunde, den Streikenden den Sieg unmöglich zu mache». Es scheint aber niemand ani diese» Lei»» zu gehen, sinteinale» bei der vorjährigen Bewegung sich die betreffende Firma auch aus der Schlinge zn ziehen wußte. Der Streik dauert also unverändert fort und die daran betheiligte». Arbeiter und Arbeiterinnen. 144 an der Zahl, stehe» fest und bitten den Zuzug fern zu halte». Ten Schuhmachern in München droht ein größerer Ausstand. Wie wir bereits rnitgetheilt habe», befinden sich die Arbeiter der Firma Regensteiner wegen Einführung eines niederen Lohntarifs im Ausstand. Vor einigen Tagen haben nun die Münchener Schuh- abrikanlen, die dein Ring angehören, bei Festlegung einer Koi>ve»l>o»al- strafe von 1000 M. beschlossen, sämmtliche Arbeiter ansznspcrrcn, itentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Tnut und Verlag von N! wenn nicht von den Arbeitern biS zum Ablauf der Kündigungsfrist darauf hingearbeitet wird, daß der Ausstand in der Regensteiner'schen Fabrik zur Beilegung gelaugt. Ter Streit zwischen Leaieu und dem neuen Besitzer deS von Legien geinietheten Saales in P o r e m b a ist, wie uns aus Benthe» berichtet wird, dadurch beigelegt, daß Legien gegen die Erlegung der im Vertrage ausbeduiigeneii Konventionalstrafe von 600 M. n»d gegen einige sonstige Entschädigungen im Gesannutbetrage von ca. 100 Mark dem neuen Besitzer die Erfüllung der Vertrags- pflichten erläßt. Die strafrechtliche Verfolgnug der Personen, die gewaltsamer Weise in den Saal eingedrungen sind, geht jedoch ihren Gang weiter. Nnöland. In Luxemburg ist ein Ketzer streik zum Ausbruch ge- komme», fodaß die Zeitungen nur i» halbem Format erscheinen. Die Ausständigen verlange» die 9stündige Arbeitszeit und 5 Franken Tageloh». Vom euglischen Maschinenbancrkampf ist heute nur soviel zu berichten, daß weitere Kündigungen erfolgt sind in Wolver« h a in p t o n, L e e d s und M a u ch e st e r. Die englische Admiralität hat fünf Torpedojäger an Privaliverfte» tn Austrag gegeben; auf den Werften von Portsmouth wird jetzt je eine Stunde Ueberzeit- arbeit geleistet. Das zeigt jedenfalls, daß die Arbeit drängt und es wäre nur zn wünschen, daß dieser langwierige Kamps endlich zu einem Ende käme. Sojinlos. Arbeiter-Rifiko. Im C a r l e b a ch'schen Tabakmagazin in Mannheim ivnrde eine 17jährige Aibeiterin vom Ausseher beaustragt. die in einem andern Stockwerk beschäftigten Arbeiterinnen herauszurufen. Als sie den Austrag ausführen wollte, siel sie, da nirgends Licht angezündet war, i» der Dunkelheit durch den Auszugsschachl vier Stockwerke herunter in de» Keller, Ivo sie zerschnielterl liegen blieb und nach wenigen Minute» ihren Geist aufgab. Nach einer Mittheilung der„Volks- stimme" sollen an den» Anfzug keine Schutzvorrichtungen angebracht geivese» sei». Die Schuld an de», Unglück würde somit in erster Linie der Firmeninhaber, beziehentlich sein Geschäftsführer trage». Die„Volksstimine" weist hierbei darauf hin, daß die T a b a k in a g a z i n e dein Fabrilinspektorat unterstellt »verden müssen. Vollkommene Sonntagsruhe führen in Prag vom nächsten Sonntag an die Z u ck e r f i r»> e n ei», nachdem die Slatt- halterei verfügt hat, daß Komlonarbeiten Sonntags nur von 9—11 Uhr verrichtet werde» dürfe». Masscnclend in Sizilic» nud ttnteritalien. Ein wohl- habender Einwohner in Palermo hatte in einem nach Buenos-Aires gehende» Dampfer Plätze für sechzig Answandererfamilien geniielhet und sie an arme Familien der Schweselgrubenbezirke ausgeboten, worauf sich bei ihm im Laufe von zwei Wochen über 23 000 Fa- >» i l i e n zur Auswanderung»ach Argentinien meldete».— Ein Unternehmer, der mit der brasilianischen Regierung einen Vertrag abgeschlossen hat, wonach er im Laufe einiger Jahre 40 000 Italiener nach dem Staate Sao Paulo bringen soll, erhielt bereits ans Sizilien und Unteritalien 200 000 A n in e l d u n g e», während in O b e r i t a l i e n die Auswanderungslust unter der darbenden Land- und Arbeiterbevölkerung nicht geringer ist. und lehte Mnchvichken« Berli», 13. Januar.(Berl. Korr.) Gegen da? Urlheil der Disziplinarbehörde wider den Kriminalkommissar v. Tausch, wo- durch über diesen die Strafe der Versetzung in ein anderes Amt von gleichem Range mit Verlust des Anspruches auf Umzugskosten verhängt worden ist, hat die Staatsanwaltschaft die Berufung an das Slaalsniinisteriui» eingelegt. Budapest, 13. Januar.(B. H.) Auf der Strecke Miskolcz- Tulck fand ein Zusanimenstoß zweier Güterzüge statt, bei ivelchem drei Heizer getodtet wurden. Ein Lokomotivführer erlitt schivere, mehrere Personen leichtere Verletzungen. Budapest, 13. Jannar.(W T. B.) Ans der Linie Miskolcz— Fülek fand bei der Stalion Feled ei» Znsammenstoß zweier Lastzüge statt. Dabei sind 3 Personen gclödtel, ei» Lolomotivsührer schwer und ein Zugsilhrer und ein Gepäckschaffner leicht verletzt worden. Drei Lokomotiven und 22 Wagen sind entgleist. Paris, 13. Januar.(W. T. B.) Wie der„Jonr" meldet, er- folgte die Verhasiung des Oberst Picquart wegen Verdachts der Fälschung. Es handle sich angeblich um den nicht zur Post beförderten Rohrpostbrief, welcher die Adresse Esterhazy's trug und aus dem Beziehungen Esterhazy's zn einem fremde» Militärattache hervorgehe» sollten. Picquart habe, um dem Briese das Merkmal der Echtheit zu verleihen, vorgeschlagen, einen falschen Poststempel daraus zu setzen.— Einer Meldung des„Temps" zusolge wurde Esterhazy pensionirt.— Die Esterhazy freundliche Presse verlangt wegen des heutigen Briefes die Verhaslung Zola's oder dessen Unter- bringung in einer Jrienanstalt. Paris, 13: Jan.(W.T.B.) Depntirtenkannner. Der Minifterpräsi- dent Meline erklärte, er begreife die Beivegung der Kainmer angesichts des Angriffes gegen die Spitze» des Heeres. Die Regierung habe, ihrer Pflicht sorgsam eingedenk, beschlossen, Zola vor Gericht zu bringen, obgleich sie sich nicht verhehle, daß man die Straf- Verfolgungen wolle, um die Agitation zu verlängern. Jaurss tadelt den'Ausschluß der Oeffentlichkeit im Prozesse Esterhazy, welche bei der Nation ein Dunkel bestehen lasse. Nach Schluß der Debatte nahm die Kainmer eine Tagesordnung, welche das Vertrauen in die Erklärungen der Regiernng ausdrückt, mit 313 gegen 141 Stimmen an. Jaurss forderte im Verlaufe seiner Rede die Mehrheit auf, de» Grundsatz der Unlerordnung der militärischen Gewalt unter die Zivilgeivalt nicht zu verleugne». Der KriegSminister Billot erividerl« ihm, die Armee gehorche ihrem Chef, dem treue» Hüler der republi- kanische» Einrichtungen und sie verfolge ihre heilige Ausgabe. (Beifall.) Cavaignac wandte sich gegen Janrös, der ungerecht- fertigte Angriffe gegen das Heer erhoben habe, spricht sich jedoch dahin au?, daß der Kriegsminister nicht durch ein Wort die um die Angelegenheit DreyfnS entstandene Kampagne beende» könne. Redner forderte die Mittheilung des geheimen Allenstückes, welches die Verurtheilung des Kapitäns Dreysus entschied.(Unruhe.) Minister- Präsident Meline erklärte hierauf, es seiuninöglich, vorderKainniereine» durch Urtheilsspruch des Kriegsgerichts erledigte» Prozeß aufs uenezu be- ginne». Hierauf wurde die Debatte geschlossen. Eine von Cavaignac ein- gebrachte Tagesordnung, ivelche das zögernde Verhnlte» der Regierung be- dauert, wurde mit 317 gegen I92sli»ime» abgelehnt. Daraus»ahm die Kaninier mit 313 gegen 141 Etimnien eine von Marty beantragt« und voin Ministerpräsidenlen Mcliiie angenouimene Tagesordnung a», welche das Vertrauen i» die Erklärungen der Regierung aus- spricht. Graf de Mun beantragt, der Tagesordnung die Worte hinzuzusetzen:„Die Kannner rechnet daraus, daß die Regiernng die »ölhigen Maßnahme» werde zu ergreifen wissen, um die Kampagne der Agitation gegen das Heer ein Ende zu setze»." Dieser Zusatz ivnrde init 254 gegen 120 Stimme» genehmigt und sodann die ge- saiiimte Tagesordnung mit 312 gegen 122 Stimmen angenommen. Hieraus wurde die Sitzung geschlossen. Cadix, 12. Januar.(W. T. B.) Die beschäftigungslose» Ar- beiter fahren fort, i» San Lucar de Barrameda die Bäckereien zn plündern; weitere Verhaslunge» sind vorgenommen worden. Ferrara, 13. Januar.(B. H.) Um de» Arbeitslose» entgegen- zutreten, haben die Behörde» von Migliarino und inehrerer anderer Ortschaste» vo» der Regierung Truppenabiheilunge» verlangt. Madrid, 12. Januar.(W. T. B.) Der ueue Geueialgouverneur für Porlorilo, Gonzalez Mnuoz, ist niiiniltelbar nach seiner Ankunft daselbst gestorben. Bombay, 13. Januar.(W. T. B.) In der vergangenen Woche sind in Bombay 450 Personen an der Pest gestorben, die Gesammt« sterblichkeit betrug in der letzten Woche 1307. x Babing in Berlim Hierzu 2 Beilagen». iliitcrhaltnngsblatt,' »ui. is.i.itpi). i Ktilllgt i»es ,|anDiirt6" Kerlmer Dslligblatt.*»• I«"«ri8S8. Mvich-skLtg. 16. S i tz u n g. Donnerstag, den 1 3. I a n u a r I3S8. Am Bnndesrathslische: N i e b e r d i n g. Auf der Tagesordnung steht die erste Beralhnng des vonr Zenlrnm(Abgg. Prinz v. A r e n b e r g, Gröber nnd Genosse») enigebrachle» Gesetzentwirrss betr. A e n d e r u n g e» und Gr- g a n z u n g e n des Strafgesetzbuches. Der Antrag ninnnt nn rvesentliche» die Bestinnnungen der im Jahre 1892 eingebrachten, aber nicht zu staube gekoinmenen Negicrungsvorlage, die unter dein Sfnine» der lex H e i n z e bekannt geworden, in der Gestalt wieder ans. die dieselbe damals in der Konunisstonsberalhung erhalten. Ver- schärst sollen werden die slnppelei- Paragraphen, die Bestiininunge» über die Verbreitung unzüchtiger Schriften u. s. w.; neu eingefügt sollen werden Slrafbestiininnngen gegen das Zuhälterthum, gegen unzüchtige Handlungen von Slrbeitgcbern, Dienstherren u. s. w., die r�iler Mißbrauch des Dieüst- oder Arbeitsverhältnisses ausgeübt werden, gegen öffentliche Älufsührnngen, die durch gröbliche Ver- Ictznng des Schani- oder Sitllichkeilsgesühls Aergeruiß zu erregen geeignet sind, sowie gegen die rvissenlliche Uebertraguug von an- ricekenden Geschlechtskrankheiten. Die Verführung unbescholtener Mädchen soll endlich, statt bis zum vostendelen 16. bis zum voll- endeten 13 Lebensjahr unter Strafe gestellt werden. Präsident v. Bnol eröffnet die Sitzung um S>/« Uhr. Abg. Dr. Spahn(Z.) führt zur Begründung des Antrages anS: Schon im Programm der Zentrninspartci von 1373 wurde ein er- döhler Schutz der Sillli6)kcit gefordert. Wir haben infolge dessen wiederholt beim Reichstage Anträge eingebracht, in denen eine Ver- schärsmig der Strasbesliinurungen. die das Strafgesetzbuch zu diesem Schutz vorsieht, gefordert wird. Diese Forderung müssen wir immer dringender stellen, angesichts der in Deutschland immer gröber rmdende» sittlichen Roch. Wir haben eine ganz unvcrhällnißmäßig große Zahl von Ehejcheidnugen, gegenüber den Zahlen anderer Länder in Europa, und diese ist noch dazu in beständigein Steige». Der Grund für die Ehescheidungen ist aber in den iveilaus meiste» Fällen der Ehebruch.(Sehr richtig! im Zentrum.) Im Zn- sainineuhang mit dieser Zunahme der Ehescheidungen steht eine Zu- »ahme der Prozentzahl der unehelichen ftiuder. Auch die Auffassung der Sittlichkeit, wie sie in zahlreichen, viel gelesenen Büchern zum Ausdruck kommt, giebt Zeugniß von einem bedenklichen Verfall der Sittlichkeit. EL ist daher nur natürlich, daß die Zahl der Verbrechen gegen die Sittlichkeit»ach den Angaben der Kri« minalstatistik beständig im Wachsen ist. Denke» Sie ferner daran, in welcher erschreckenden Weise das Dirnen- und Znhälterivesen zu- genommen hat. Dabei ist die sittliche Nolh nicht etwa nur in Berlin, sondern auch in den anderen Städten Deutschlands, auch in den kleineren, so groß. Denken Sie auch an die Folgeerscheinungen dieses sittlichen Niedergangs, die beständig zunehmende Zahl der Selbstmorde. Angesichts dieser Thalsachcn haben wir alle Ver- anlassung, dieser verderblichen Entwickelmig entgegenzuarbeiten. Wir haben es deshalb für eine Pflicht des Reichstags gehalten, diese Legislaturperiode nicht zu Ende gehen zu lasse», ohne dieser Frage gesetzlich näher z« treten. Wir müssen etwas auf dem Wege der Gesetzgebung dagegen thun. Genau so wie wir der sittlichen Schwäche ans anderem Gebiete entgegen- getreten sind, so werden wir auch hier mit einer Bcrschärsung der Strafgesetzgebung Erfolg haben. WaS in Deutschland so besonders schlimme Znslände hervorgerufen hat, daS ist die in vielen Fällen noch bestehende Straflosigkeit. Im wesentliche» haben wir uns de» Beschlüssen der Kommission von 1892 angeschlossen und weiter- gehende Wünsche zurückgestellt. Zunächst fordern wir eine Verschärfung der Kuppelei- Paragraphen. Die Zulassung einer Geldstrafe für diese Straslhat scheint uns entschieden»»an- gebracht, die Geldstrafe soll in Zukunft nur»eben der Gefängniß- strafe zulässig sein, und zwar Geldstrafe in Höhe von 150 bis zu 6000 M. Nebenher soll auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden können. Zur wirksamen Unterstützung dieser Maß- nahmen soll die Erhöhung des Schutzalters für unbescholtene Mädchen voir 16 auf 13 Jahre dienen. Es sind auch Personen vom Reichsgericht wegen Kuppelei bestraft worden, wenn sie an Weibspersonen, die gewerbsmäßig Unzucht treiben, Zimmer vermiethet haben. Da diese Geschöpfe doch irgendwo wohnen müssen, haben wir in dem Gesetzentwurf die Bestimmung aufgenommen, daß ein solches Vermielhen nicht als Borschubleistung anzusehen ist, sosern nicht eine Ausbeutung des nn- sittlichen Erwerbes seitens der Mielherin damit verbunden ist. Wir »vollen die Unsittlichkeit bckän»psen, namentlich die U n s i t t- lichkeit in Kunst, Literatur und G e>v e r b e. (Sehr ivahr! im Zentrum.) Wie die von uns vorgeschlagenen Bestimmungen zu Bedenken Anlaß geben solle», ist uns ganz unverständlich. Das Nackte an sich ist nicht nn- sittlich. Vielfach verschivindet bei solchen Nndiläten alles Künstlerische, und nur die Unsilllichkeit bleibt übrig. Es soll nur die Sinnlichkeit erweckt»verde». Wer an öffentlichen Straßen oder Plätzen Schriften. Abbildungen oder Darstellungen ausstellt oder anschlägt, welche auch ohne unzüchtig zu sein, durch grobe Unauständigieit geeignet sind, das Scham- und Sittlichkeilsgefuhl erheblich zu verletze», soll mit Gefängniß bis zu drei Mouale» und mit Geldstrafe bis z» 300 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft werde». Der Enlivnrf soll auch der Unsittlich- keit in den Theatern vorbeugen. Es»verde» da sogeiiawlte große Dichterwerke aufgeführt, die im höchsten Grade unsittlich sind. Als eine Verhöhnung des Christenlhums muß es gellen,»venu das Tödlen des LiebeslcbeiiS als Todsünde hingestellt wird. Wir»vollen keinesivegs eine>»e»ie Thealerzcnsur einführen, aber die Behörden sind verpflichtet, daß nicht allzu großer Realismus Platz greist auf iinsereii Bühnen. Richt nur die Finanzkrast, sonder» auch die Sittlichkeit ist von Emstliß auf die Gesundheit nnd Stärke eines Volkes.(Lebhafter Beifall im Zentrnn» und rechts.) Abg. Schall(k.): Ich habe die Rede des Vorredners iiiit großer Freude gehört und hoffe, der Bnndesrath wird dem Eni- »vurf seine Zustiimnung nicht versagen. Er»vird sich dadurch den Dank vor»llem der christlichen Kreise unseres Volkes verdienen. Natürlich stmimen»vir mit dem Geist der Vorlage vollständig überein. Die Bekämpfung des anerkannten Uebcls der Unsittlichkeit muß zum iheil eine Aufgabe der Kirche sein, daher darf man von der andern Macht, dem Staate, nicht z»» viel verlangen. Leider stehe» lausende von Volksgenoffen aus dem e-laudp»ukt eines »aturgeschichtliche» Materialismus. Wer der Emanzipation des Fleisches das Wort redet,»vem Keuschheil nnd Züchtigkeit ein Gegenstand des Gelächters sind,»vem Ausschreitungen gegen die sittliche Ehre als keinesfalls strafbar dünke», wein die Prostilulioit nur ein Uebcl. aber keine Sünde ist, mit dem können wir unS allerdings nicht verständigen. Hoffentlich»vird sich der Reichstag den materialistischen Ansichten der jeunosse dovee entgegenstellen; ich meine die naturalistische A>»fchauungs>veise der akadeiiiischen Jugend, besonders in den großen Städten. Ja. die großen Städte, das betone ich immer»vieder, siiid der eigentliche Heerd des Uebels. Es ist mir voin iilbg. Bebel vor- geworfei»»vordcn, daß ich das Uebel nur in den großen Städte» erblicke, ich solle mich»nr aus dem Lande umsehe», da»verde ich bald»»erkeii, daß es da ebenso, ja schliiiuner zugehe. Nu», das habe ich gelhan. Ich habe viele Gemeinde» befragt. Aber das Er- geb> iß»var: auf dem Lande findet sich freilich manches Unsittliche, aber das ist nur aus den großen Städten eingeschleppt. Es ist in den ülnlivorte». die ich erhalte», immer die Rede von der Nähe dir große» Stadt, von den Mädchen, die aus der Stadt kommen ec. Ich koi»iine nun auf die eigenen Anschauungen des Abg. Bebel. Er sagt z.B.: Die Prostitnlio» ist da am enlivickeltsten. wo die Klaffen- gegen fatze am schärfsten sind,>vo für die Mädchen der arbeilenden Klasse»»icht genügend Subsistenzmiltel vorhanden sind. Woher aber kommt dies'Anwachse» in den groben Städten, diese Vermehrung der Mädchen in den Fabriken? Von dem Zug nach den Städlen von dem platten Lande ans, der die Jugend er- griffe» hat in ihrem Verlangen nach einem vergnügten Leben. Und da giebt es nur ein Mittel:»vir müssen für die Gesundung unseres Volkslebens sorgen durch die Stärkung des christlichen Geistes, durch die Bekämpfung des Materialismus mit Hilfe unseres religiös-sittlichen Einpsindens. Der Sozialdemokratie muß ich vor- »verfen. daß sie durch Untergrabung der religiösen Ehrfurcht des Volkes, durch Anfeindung des Christenlhums die Unsittlichkeit des Volkes fördert. Bebel nennt die Proslilulion ei» Produkt der Ver- hältniss«,«in Ergebniß— hören Sie. zu meine Herren, der höheren Kultur eines Volkes! Nun verkennen wir von unserem christlichen Standpunkte aus geiviß nicht die Wirkung der sozialen Zustände auf die Vermehrung der Prostiinlion, aber für grundverkehrt halle»»vir es doch, die äußere» Verhältniffe in den Vordergrund zu schieden. Trotz der größte» Roth darf man nicht i» die Sünde»villigen. Es wird ja beinahe so getha», als»ven» jedes ari»ie Mädchen unrettbar der Prvstitulioir versallen müsse. So ist es Gott sei Dank nicht! Wie viele arme Mädchen bleiben sittlich, während gerade Mädchen mit hohem Lohn, die alles an Tand nnd Flitter verthn», der Sünde verfallen.— Die meisten der Paragraphen. die das Zentrum beantragt, entsprechen unsere» Wunsche». Es ist geiviß »vcitgehend, wenn»vir das Schuhaller auf 13 Jahre erhöhe»;»vir verkennen»icht, daß der Erprcss>»»g»icht nur durch schändliche Mädchen, sondern auch durch schändliche Eltern ein»veites Feld gc- öffnet»vird; aber die Mehrzahl meiner pokilischen Freunde meine» doch, daß solche Gesabreu für den ausgeschlossen sind, der sich streng an die Gebote der Sittlichkeit hält. Manches fehlt noch i>» dem Entivurfe; so Strasbestiinmungeu gegen die Lokale mit»vcib- licher Bedienung nnd gegen diejenigen, die auch mit beschollene» Mädchen bis zu 16 Jahre» i» Verkehr treten. Treten»vir mit sitt- licheui Ernste an die Verath>»ng dieses Entivnrses Hera», dann dürsen »vir hoffen, segensreiches für das Volk zu leiste». Lassen Sie sich durch die Rücksichten auf Stimmen bei den Wahlen— ich erinnere an die Beschlüsse des Gafnvirlhsverbandes— durch Vorwürfe von Slöckerei und Mnckerei nicht abhalten, die Hand an diese Eiterbeule zu legen. Es handelt sich um keine Parleisrnge, sondern nn» den Schutz der deutsche» Jugend,»», de» Schutz des deutschen Herdes. (Verspätetes Bravo rechts. Große Heiterkeit links.) Abg. Picschcl(»all.): Ich»vnrde es außerordentlich bedauern, »venu die Schivarzseder, die da meine», ans der lex Heinz«»vürde doch nichts, recht bekämen. Das»vürde aber»vohl geschehen, iveiin »vir»icht taktisch richtig vorgehen. Einzelne Bestimmungen des Antrags»vürdcn»vohl einsliinmig angenommen»verde» könne»; andere aber»vürde»»vohl keine Majorität»ur Hause finde»» und auch die Bundesregierung»vürde ihnen»vohl nicht zustimme». Es ist bei diesem Antrag elivas ganz anderes, alS wenn»vir ein organisches Ganze zu beralhen hätte»; de»,» der Antrag ist»nr Flickiverk, bei dem »um, nicht nur Ja oder Nein sage» kann. Er enlhält vier ganz ver- schiedene Materie»», in denen die Bestimmungen theils förderlich, thcils schädlich sind. Ich erlaube»nir daher, nn die Herren'Antrag- steller die Bitte zu stellen, daß die definitive Abstimmung über jede einzelne Materie allein vorgenommen»vird, dann»vürde»»vir zu einen» Resultat kommen. Ich glaube, daß sie bei ihrem Ernst bei der Einbringung dieser Vorlage darauf eingehen »verde»»,»»u»icht das Ganze zu gefährden. Schon bei der früheren Regierungsvorlage»vnrde die Befürchtung laut, daß die Bestimmungen Über die Vermtelhung von Wohnungen an Weibspersonen, die gelverbliche Unzucht treiben, nach ihrem Wortlaut zu der Kasernirung der Prostitution führe» könnten. Mit der Einschränkung in dem Entivnrs aber, daß die Vermiethung strafbar ist,»venn sich eine Ausbeutnug des Eriverbes der Mietheri» damit verbindet, können»vir de» Paragraphen annehmen. Der§ 181a, der sich gegen das Zuhällerthuu» richtet, scheint in der jetzigen Fassung zu genügen. Auch mit der Verschärfung der Straf- bestimumugeu gegen die schwere Kuppelei können»vir einverstanden sein. Den anderen Paragraphen kann ich aber nicht so ohne ivciteres zustinnuen. So habe ich Bedenken gegen die Erhöhung der Altersgrenze. Die Bestiinmnug aber über Mißbrauch des Dienst- oder Arbeitsverhältnisses scheint in der vorliegende» Fassung drirchaus unannehmbar. Zn»vas für einer Masse von Denunzialionkn. von Erpiessunge»»vürde dieser§ 182a sichren, ganz abgesehen davon, daß er schiver durchführbar ist. Es komme doch oft vor, daß Mädchen Jahre lang ein Verhällniß»nit dem Arbeitgeber habe»; dann zanken sie sich und nun»vird eine Denunziation eingereicht Wir lege» damit geradezu de» Arbeilgebern eine Schlinge>»» den Hals, die»»»erträglich»värc. Ebenso können»vir uns mit dem Z 184, der sich mit der Literatur besaßt, nicht i» dieser Fori» befreunden. Was sollen»vir z. B. mit der Besliinniung inachen,„>ver durch An- kündignng in Druckschriften»»züchtige Verbindungen einzuleiten sucht"? Der Tendenz stimme ich zu, aber in dieser Fassung kann der Jurist nichts damit anfangen. Der tz I84a, der sich mit de» öffentlichen Schaustellungen beschäftigt, die das Schon,> und Sittlichkeilsgesühl verletzen, hat uns schon damals in der Kommission große Mühe bereitet. Scham- und Sittlichkeilsgesühl decke» sich nicht. Das Silllichkeitsgefühl ist doch elivas Individuelles;»vas den einen verletzt, darüber freut sich der andere und sagt: Mein Schani- gejühl ist nicht verletzt!(Heiterkeit.) I» verschiedenen Gegenden, bei verschiedenen Ständen ist dieses Gefühl ganz verschieden enl- ivickelt; ivcssei» Sittlichkeilsgesühl soll den» nun»»abgebend sei»? Man kann doch nicht jedem das Recht zugestehen, vnlltzt z» sein. Ich beantrage, die Vorlage einer Kommission von 14 Mitglieder» zu überweisen.(Beifall links.) Abg. Bebel(Soz.): Ich kann es begreifen, daß geivisse un- angenehme Erscheinungeu inr öffentlichen Leben den Gedanke» eines gesetzgeberischen Eingreisens gezeitigt habe». Wir können anch manchen Bestiu»,,»»gen des vorliegende» Gefctzentivnrfs zustimmen, aber bei wcilenr»icht allen. Die Vorlage gehl uns einestheils z» »vcit, dann aber»vieder nicht»veit genug. Es muß vor allem die Frage geprüft»verde», ob nicht noch»veitere Paragraphen des Strafgesetzbuchs revisionSbedürflig sind. Ich denke da vor allem a» deuß I7ö(>videi»ali»r- liche Unzucht.) Wir»nüffen die Regierung i» der Kommisston ersuche», »ins das Material Über Verstöße gegen diese» Paragraphen, das die Berliner Sillenpolizei besitzt, vorzulegen. Es»st ein gar großeS Material. Die Polizei verfolgt die Scbnldigen aber nicht strasrecht- lich, sonder» begnügt sich dmnit, die Namen derjenigen, die gegen de»§ 175 verstoßen, i» eine Liste einzutragen. Die Zahl der ein- gelragene» Personen beziffert sich allein in Berlin nach lausende» nnd trifft alle Gcsellschastskreise, auch die höchsten Schichten. Wen» die Polizei ihre Pflicht thäle und alle diese Leute der Stnatsanivalischaft übergeben ivollle, es»lüßlen sofort zivei neue Gefängnifle gebaut»verde». Herr v. Levetzoiv schüttelt den Kopf, er kanu sich darauf verlasse», daß die Zahl nach Tausenden sich bemißt. Würde die Polizei ihre Schuldigkeit Ihn», so»vürde es einen Skandal geben, gegen den der Panaina-Skandal, der Drerffus- Skandal und der Lützoiv-Leckert-Skandal reines Kinderspiel geivesen sind. Wird aber der ß 175»nr ansnahinsiveise nngeivandt, so hebe man ihn doch auf oder ändere ihn ab. Dein Reichstag liegt eine dahingehende Petition, von mir nnd Kollegen anderer Parteien vor, von Schrislsteller». Gelehrten, Mediziner» und Sachverständige» erste» Ranges(Heiterkeil) unterschrieben. 180 handelt von der Slrasbarkeit der Kuppelei, Dabei giebt es notorisch viele Slädl« mit öffentlichen Häusern, in denen die Mädchen duhendivcise geivcrbsinäßig Unzucht treiben. Diese Hnnscr »verde» von der Polizei geduldet. Ich nenne nur Hainburg, Lübeck, Bremen, Kiel, Magdeburg, Mülhansen i. E., Krefeld, Leipzig, Nun»- berg. Die Polizei unterstützt hier die Kuppler, duldet die Kuppelei. Leute, die der verworfensten Menschenklaff« angehören nnd läglick gegen das Gesetz verstoßen. gehe» dort straffrei ans. Die Existenz der öffentlichen Häuser ist in der ganzen Stadt bekannt, die öffentliche Aufmerksamkeit»vird fortwährend auf sie hingelenkt. Die Behörden dulden sie aber, gleichsam als wenn sie iu de» öffentlichen Häusern Stützen von Moral, Sitte und Ordnung erblickten.(Sehr gut, links.) In Aachen ist ein solches Ha»»?,»vie der»nir vorliegende Kontrakt ansiveist, für 10 800 M. perpnchtet»vorden,»vährend der reelle Miethsiverth kaum 1500 M. belrägt. Sie sehen also,»velch ei» umfangreiches Geschäft i» solchen Hänsern betrieben»vird. Das duldet die Aachener Polizei, anvererseils erläßt sie die streugsten Vorschriften gegen die Fraueuziiumer auf den Straßen. In Slraßbnrg»vnrde der Inhaber eines öffentlichen Hauses»in Klageivege gezivunge», sein Gewerbe einzustellen. Er verkaufte das Hans an eine bestrafte Hebeainme, die dann das schändliche Geiverbe jorlsetzte. In Straßbnrg sind eheinalige Waisenhäuser, die in der Nähe von einer Elementarschule, der Zionskirche und der Synagoge liege», von der Sladtverivaltung ai» öffentliche Dirnen veuiiielhet »vorden. Ich lchbe hier eine» Plan von Hamburg, er zeigt die Gegend von» Klostcrthor. Anch i» der Nähe der Klosterkirche liegeü öffeniliche Hänser nnd das Jnngfranenstist.(Heilerkeit.) Wenn die Jnsasie» des Jungsranenstists a>»s den» Fensler sehen, können sie alles beobachten, was in den öffentlicheil Häuser», vorgeht. Und die Polizei duldet solck)- Znslände! Diese Zustände sind nicht neu; in allen Zeitaltern hören wir die Klage, es sei»och nie so schlimm geivesen,»vie gerade jetzt. Wenn es»vahr»väre,»vas Abg. Schall behauptet, daß die Sozialdemokratie durch ihre Feindseligkeit gegen das Chrtste»lhi»n> die Unsiitlichkeit befördert, so möchte ich ihn» bemerken, daß die öffentliche Unsittlich- keil i» demselben,»vcuu»icht in höherem Maße existirt hat, als die Religio» in viel höberer Bläthe stand als heute. Ich erinnere ihn ans Mittelalter. Das Mitielaller müßte,»ven» er Recht hätte, ja eine»vahrc Oase der Tugend»nd Sittlichkeit gewesen sein. Das»var aber durchaus nicht der Fall. Ich erinnere ihn nur an die inerk- »vürdige Auffassung von Sittlichkeit, die der Rilterstand hatte, ich erinnere ihn dann»veiicr an die laxe Auffaffung über die fürstlichen Doppelchen, die Luther hatte. Der Herr'Abg. Schall scheint an der historische» Leklion, die ich ihn» schon einmal hielt, nicht genug zn habe».(Heiterkeit.) Ich könnte ihn» mit weiteren Zitatei» aus Lnther anfivarlen,»vorin er sogar den Ehebruch der Ehefrau in bestiunnie» Fälle» für gestallet erklärt. Wenn ein Sozialdemokrat das ausspräche,»vas in» ziveiten Bande des Lulher'schen Traktales über das eheliche Leben ans S. 146 steht, er»vürde allgemeines Entsetzen errege» und von, Stnatsainvalt»vegen Verletzung der öffentlichen Sitttichkeil gepackt»verde». Der Abg. Späh» hat darauf hingeiviesen, daß die Zunahme der Ehescheidungen rn Zeichen der»vachsenden Unsittlichkeit sei. Ich Halle die große Einseiligkeit,>vo»i»it die Herren Abgeordneten Spahn und Schall alle diese Dinge ans rein moralischen Ursachen ableiten, für durchaus falsch. Wir könueii die Ziinahme der Ehescheidungen in alle» Knllnrstaaten beobachten ohne Unter- schied der Religion. Ich gebe zu, daß die Zahl der Ehescheidungen bei de» germanischen Völker», in England und Nord- amerika besonders hoch ist, aber die Vermehrung der Ehescheidlnige» finden»vir Überall, nnd»venn in Belgien und Italien die Zahle» elivas zurückbleibe», so liegt dies daran, daß dort das Konkubtnat in»vachsendcin Maße an stelle der Ehe tritt. Die Ursachen der verinehrleii Ehescheidung sind ökonomischer Natur. Nie ist die Eheschließung so sehr Gegenstand des Geschäfts und- der Schacherei geivesen,»vie gerade jetzt. Mit Ans» »ahme der sozialdemokratischen Presse und»venige» anderen Blätter» giebt es keine größere Zeitung,>vo nicht Angebote von Eheschließungen anS lediglich maleriellen Ursachen zn treffe» sind. I» den Sonntags»»»»»»«»»» des„Berliner Lokal-Anzeiger" findet mai» häufig hundertundfünfzig solcher Heiralhsangeboie. Es »st ziveisellos, daß viele Ehen lediglich aus materiellen Interessen und Slandesrncksichlen geschlossen»Verden, nnd es ist ebenso z,veiselloS. daß in solchen Ehen Differenzen eintrelen müsse»», die das eheliche Znsaminenlebe» schließlich unmöglich machen. Ich belrachle in solchen Fälle» die Ehescheidung nicht als einen Uebel» stand, sondern als einen Vortheil,»veil sie einem unmoralischen Zustande ein Ende»»acht. Auf der einen Seite treffen»vir ans Vermehrung der Ehe« scheidnnge», aus der anderen Seite sehen»vir, daß die Neigung. sich überhaupt zn verheiratticn, immer mebr abnimmt. Die Männer der höheren Gesellschasisklasse» entschließen sich entiveder sehr spät zur Ehe,»ven» sie das Leben,»vie man so sagt, gründlich genossen habe»»nd Ehekrüppel geivorden sind, oder sie heiralhen über- Haupt nicht. Einmal hat das Lebe»»n der Großstadt für den nn- gebundenen Manu sovielAnnehinlichkeilen, als er sich»nrwünsche» kann, dann aber sind die Aniprüche so gestiegen, daß junge Leute, Rechts- anwälle, Aerzte mit ihrem Einkommen außer stände sind, eine Frau staudesgnuäß zu erhallen. Würde die Statistik der Ehescheidungen nach den betheiligicn Ständen zerlegt»verde», so»vürde sich ergeben, daß nicht die Arbeiterklasse, sonder» die sog. höhere» Klaffen die größte Zahl Ehescheidungen haben. Diese Zustände tragen selbstverständlich zur Ausbreitung der Prostitution bei. Luther und der heilige Augiistin haben sich über die natürlichen Ulsachen hierfür deutlich genug ansgesprochen. Hier jammert man nun über die Zunahme der Prostituirten nnd»nöchte die arme» Geschöpfe an» liebsten in den Sumpf der Hölle banne»». Da möchle ich den Pastor Schall an das Wort Christi zur Sünderin erinnern:„Wer ohne Sünde ist, der»verfe de» ersten Stein aus sie 1" (Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Die Prostilnirte» könittcu »vahrhaftig nicht einen Tag existircn, ivcnn es nicht Männer gäbe, die sie besuchten.(Sehr richtig!) Wenn besondere polizeiliche Maßregel» gegen die Prostiluirte» erforderlich sind, dann müssen sie auch auf die Mämicr ausgedehnt»verde», die die Prostituirten besuchen. Dies»st ein einfaches Gebot der Gerechtigkeit.(Sehr richtig!)' Entiveder muß also dle Ziffer 6 des% 181 St.>G.°Ä. gestrichen oder auch die Männer müssen deuselbe» Maßregeln uuier» worfe»»verde»,»vie die arme» Frauciizimiuer. Die Machlvoll» kommeuheit, die dieser Paragraph der Polizei über das ganze»veib- liche Geschlecht verleiht,»»uß nothwendig zu de» ärgsten Mißbräuchen führe». Die Polizeibeamten stehen weder geistig noch moralisch so hoch, daß sie de» heiklen und verführerischen Aufgaben der Sitten» poiizei immer geivachsen»vären. In den letzte» Tagen haben i» Berlin Frauenversammlnngen staltgefundeii, in denen gerade von sozialdemokratischer Seite gegen diese Exzesse prolcstirl»vnrde. Wir haben Fäll« erlebt,»vo Polizei- orgnue ihre Rlacht mißbrauchten, um sich gegen unbescholtene Frauen >» der geivohnlen Weise zn vergehen. Ülber»venn diese gar keine Macht besitze»»vürde», dann könnte natürlich dergleichen sich nicht ereigne»». Ich erinnere da an eine» Fall, ,vo ein Man» ans der Straße ein anständiges Mädchen ansüllt nnd es dann, als er energisch zurückgcivicsen»vird, der Polizei dcnnnzirt. 9l»f die bloße Angabe dieses Strolches hin»vird das Mädchen arrelirt, die Nacht hindurch eingesperrt, dann im grünen Wagen zur ärztlichen Unlersilchnng trausportirt, der es sich anch »iilerziche» muß. Dann erst»vird es. nachdem sich die Dennuziation als gemeine Lüge criviescn, enllaffen. Dieser skandalöse Fall hat damals die Oeffentlichkeit in hohem Maße erregt. Weiter aber ist nichts geschehen. Ja, meine Herren, solche Fälle sind auch seinerzeit in England vorgekomme»; aber dort»var das Resultat ein ivescnt» lich anderes; damals hat die gesamiute englische Frauenivclt Bcr- sammlimge» und Meetings veraustaltet, ei» Schrei der Eulrüslung durälballie das ganze englische Volk, bis die Behörde sich gezivuugen sah, dieser Art der Polizeibcfugniffe ei» Ende zu machen. Und das ist auch das einzige, was z»» lhuu ist; den» diese Allgewalt der Polizei hat gerade der Sitttichkeil stets mebr geschadet, als genützt. Sie bringt es»>it sich, daß die Mäiiuenvelt zu dem Glauben gelangt, ihr sei alles erlaubt,»vas den Frauen verboten ist. Man glaubt, diese Polizeimacht sei nolhwendig als Schutz gegen die Krankheiten; dann müßte man konseguent zur Kasernirung der Prostitution gelange»; die Erfahrung bat aber gezeigt, daß überall,»vo das Bordellivesci» polizeilich geduldet ist, es mit de» Krankheiten»och viel schlimmer fufti-nt ist: ich ßcbe zu. dieser Gegenstand unterliegt noch der 'n.isciifchaftlichen iiontroverse. Glaudt man. durch diese polizeiliche kkonlroUe etwas erreichen zu könne», dann soll aber anch dasselbe t»r das andere Geschlecht gellen! Der jetzige Znstand schafft die Aogelfrelbcit des weiblichen Geschlechts. Denke» Sie noch an den anderen Fall, der Ihnen allen wohlbekannt ist: da hat ein Schutz- mann ein anständiges Mädchen, das gerade feine HauSthnre auf- schließen wollte, als Prvstitnirte sistirt, es gezivunge», ihm nach einer Polizeiwache zu folgen, es in de» dniiklcn Thiergarlen nerzchleppt»nd ihr dort unsittliche Anträge gemacht. Ja. auch das wäre doch nnmöglich, wenn nicht der ungeheuerliche Z»sta»d bc- stände, daß die Polizei jede Frau aufgreife» und als Prostituirte deHandeln darf. Es ist io weit gekommen, daß jede anständige Frau, die nach 10 Uhr noch über die Straße sieht, von der Polizei oder von den Männern als Beute ihrer Willkür und ihrer Gelüste angesehen wird. Meine Herren, wenn Sic der Prostitution wirklich zu Leibe gehe» wollen, so geben Sie den Frauen dieselben politischen Ilechte, wie sie die Männer besitzen; dadurch schaffen Sie ihnen die Möglich- reit, sich günstigere Lebensbedingungen zu schaffen, dadurch entziehen Sie der Prostitution ihren Boden. Und dann, meine Herren, sorgen Sic für Arbeiterschutzbestimmnngen, erlassen Sik vor allem das Verbot der Ueberarbeit, das der'Ausbeutung ein Ziel setzt, erlassen Sie zum Beispiel die Bcstiinmnng, daß jeder, der eine Ucberstnnde verlangt, cvcnt. LS Prozent Lohnzuschlag zu geben hat. Dadurch wird die Ueberarbeit wohl ziemlich radikal beseitigt. Schaffen Sie diese Zustände, dann werde» hunderttausende von Arbeiterinnen es nicht mehr nöthig haben, sich der Prostitution preiszugeben. Es ist in der Thal die bittere, elende Roth, die die Mehrzahl von ihnen heute dazu treibt. Ja, der.Herr Kollege Schall streitet dies freilich ab, aber wir haben doch die Angabe» der Statistik. Die Polizei kann ja nicht einmal über alle Prostituirte Auskunft geben; denn während die Zahl der eingeschriebeneu Prostiluirten in Berlin sich auf S0V0 belauft, beträgt die Zahl der Frauen, die sich gewerbsmäßig der Unzucht hingeben, nach dem Urtheil der Sachverständigen auf aller- »lindcstens SV Ovo! Fragte aber die Polizei nach den Ursachen, welche diese Frauen zur Prostitution getrieben haben, dann würde man allerdings finden, daß die Mehrzahl vorher lange Zeit die allerärgste Noth gelitte» hat. Bor allem gehören hierher die Kellnerinnen, die nicht einen einzigen Groschen Lohn bekommen und daher auf das Trinkgeld der Männer angewiesen sind. Diese Kellnerinnen innssen in einer großen Zahl von Lokalen animiren und nach Maßgabe des Verzehrte» bekommen sie dann Tantiemen und werden von dem Wirlh behalten oder entlasse». Ein Statistiker hat durch Umfrage» fest- stelle» lassen, was für Gründe diese Frauen zur Prostitution ge- trieben haben, und weiter, ob sie eine gewisse Freude, ein gewisses Bebagen an diesem Berufe hätte». Da stellte es sich heraus, daß meistens die traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse, garnichl selten die der Eltern, des Vaters oder der Mittler, die Ursachen gewesen sind. Sorge man also dafür, daß vernünftige soziale Verhältnisse geschaffen werden, und wir werden in eine Gesundung der Moralverhältnisse kommen, über die Sie sich wundern werde». Von den hnnderttansenden Arbeiterinnen verdient der größte Theil kaum 2S0 bis 300 M. im Jahr. So lange sie Vater und Mutter haben»nd in der Familie lebe» können, da mag die Sache noch hingehen. In unzähligen Fällen sind sie aber ganz auf sich selbst angciviesen; was können sie da mit dem ärmlichen Lohn an- sangen, mit S, 6, 7 oder 8 Mark in der Woche? Und mit 3 Mark sind nur SO pCt. von ihnen abgefunden, was sollen sie damit in Berlin machen, wie Miethe zahle», Essen, Kleidung:c. k. schaffen? Es iväre gerade ein Wunder, wen» diese armen Wesen, die tagtäglich dem Hunger preisgegeben sind, der Versuchung rvider- ständen! Und wer sind denn ihre Verführer! Docb gerade die Männerwelt der angesehensten Klaffe», vielfach die Ossiziere, die rfStildente»! Sagt nicht selbst eine Sittlichkcilskorrespondenz, daß die sittlichen Anschauungen des weitaus größten Theiles der Studenten- sschuft niedrig, ja geradezu verlumpt seien? Wie steht es ferner mit den Balleteusen, Chantensen u. s.>v.? Diese» wird erlaubt, öffentlich aufzutreten in möglichst dekolletirlem Zustande, um ihre Reize zu zeigen; und»veil sie dazu Gelegenheit hatten und die Männerwelt anlocken konnten, Gebrauch davon zu machen, bekommen sie kein Honorar. Freilich kommt es anch hier und da einmal vor, daß aus den höheren Kreisen eine höhere 'Tochter Prostituirte wird. Das sind aber AuSuahnien von der Regel. In vornehmen Kreisen hat man es jedoch leicht, die Nase zu rümpsen und die Tugend der Tochter zu ivadren. Bestimmungen, die sich auf das Kellnerinnenwefe» beziehen, müssen klar und deutlich in deur Gesetzentwurf ausgesprochen werden. Nirgends ist die soziale und wirthschafttiche Abhängigkeit größer als gerade bei den Kellnerinnen. Die Mädchen werden mit Absicht in Schulden gestürzt. Es sind oft noch Kinder, die an Flitter und Glanz Freude haben; mau borgt ihnen solchen Flitter, Edelsteine, aber mit 300 bis 500 pC. Verdienst, die müssen die armen Kinder dann abbezahlen. In der Helenen- straße in Bremen müssen die schlechtestbezahlten Mädchen täglich 4 Mark für Miethe und Unterhalt zahlen. Das sind skandalöse .Zustände, da muß man mit der Strenge des Gesetzes Vorsorge treffe». Die Polizei hat freilich mit der Wahrung von Sitte und Religion gegen ihre Untergrabung von der Sozialdemokratie so viel zir thun, daß ihr für eine andere Bekämpfung gar keine Zeit bleibt. Da werden in Sachsen Versammlungen und Vereine ans hunderterlei Weise chikanirt und unmöglich gemacht, da wird ein Umzug am 1. Mai mit insgesammt 15 000 M. Strafe belegt. Aber als 1334 auch in Dresden eine große Versammlung von Keglern, von denen keiner freilich Sozialdemokrat ivar, vcran- staltet ivnrde, da dürfen diese Herren einen öffentliche» Unizug machen, sich in der skandalösesten Weise ans den Straßen, auf den Bahnhöfen mit öffentliche» Dirnen, die extra zu diesem Fest nach Dresden in Schaaren geströnit sind, herninlreibe», ta hat die Polizei nichts dagegen! Es ist in der That ein ungeheures Maß von Heuchelei bei alledem, was hier als Schutz der Sitte und Moral aus- gegeben wird. Anch gegen eine Reihe von Einzelbestimmungen muß' ich noch meine Bedenken ausdrücken. Ich muß mich doch vergewissern, daß der§ 180 Abs. 2(Vermielhung an Personen, die gewerbsmäßig Unzucht treiben) nach seine,» Wortlaut nicht dazu führen kann, durch Interpretation der Polizeibehörde, daß nun öffentliche Hänser in irgend einer Fori» komzessionirl werden. Auch der tz 181 Abs. 2 (schwere Kuppelei) bedürfte einer Aenderung. Es giebt eine große Zahl von Fällen, wo nach dem Wortlaut Kuppelei vorliegt, während man im Volksbewnßtsein anders denkt. Nnmentlich in Süddeutsch- land giebt es ganz andere Bezirke, wo der geschlechtliche Verkehr junger Seilte vor ihrer Verhcirnthung als ganz selbstverständlich angesehen wird, Ivo sich die Eltern wundern würden, wenn es nicht geschähe. Es wird zwar nicht leicht sei», eine passende Bestimninug zu finden; aber es ist durchaus nothwendig. Was den§ ISIa. anlaugt, der sich gegen die Zuhälter richtet, so halte ich die Bordellinhnbcr für viel verkommenere Subjekte als die Zuhälter. Ich gebe alles zu. was gegen die Zuhälter gesagt wird, aber es ist doch unbestreitbar, daß solch alleinstehende Mädchen ein gewisses moraliches Bedürsniß nach einer männlichen Stütze habe», die ihnen ei» gewisses Maß von Neigung entgegenbringt. Gewiß soll der Ehemann bestrast werden, wen» erwiesen ist, daß er die Hcirath nur geschlossen hat, um Znhälterdienste zu ver- richten. Aber es giebt Fälle, wo die Prostitution der Fra» das letzte Mittel ist, der materiellen Roth in der Familie zu gebieten, sei es, daß der Mann arbeitslos oder krank ist. I» solchen Fällen kann die Strafe des s 181». nicht platz greifen. Ich entsinne mich eines Falles— es war in den Tagen des Ehejubiläums Kaiser Friedrichs— wo eine bis dahin für anständig geltende Familie freiwillig in den Tod ging, weil es herauskam, daß sich die Frau aus Roth prostiluirt hatte, von einem Schutzmann ans der Straße attrapirt ivorde» war und unter polizeiliche Kontrolle gestellt werden sollte. Solche Fälle müssen in Rechnung gezogen werden. Anders steht es mit dem 8 182a. der von der unsittlichen Aus- beutung des Dienstverhältnisses handelt. Ich laffe über die Forin der Fassung mit mir reden. Die Tendenz ist eine gute. get Paragraph trifft ein Nebel, das beseitigt werden muß. Im> Berliner Hilfsvercin für weibliche Angestellte existirt eine schwarze Liste von Arbeitgeber«, die sich Unsittlichkeite» gegen Untergebene haben z» schulden kommen lasse» und denen keine weiblichen Arbeits- fräste vom Verein mehr zugeschickt werden. Das beweist doch, daß ein gesetzgeberisches Eingreifen nothwendig ist. 8 189 will auch die Hersteller von unzüchtigen Schriften:c. bestrafen. Sind damit etwa die Arbeiter gemeint, die in einer Zwangslage den» Unter- nehmer gegenüber sind? Sollen unter die unsittlichen Druck- schriste» auch die berühmten Heiralhsannonce» fallen? Ich glaube, dieser Antrag schießt weit über das Ziel hinaus. Auf eine ganz gefährliche Bahn gerathen Sie aber mit dem 8 184». Jedes Gericht, in jeder Stadt wird man ihn verschieden auslegen. Eine Photographie, die in Berlin für ganz unanstößig gehalten wird, wird in Schöneberg als unsittlich verboten werden können. Unter den 8184a würden anch die Figuren auf der Schloß- brücke fallen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Tie Venns von Milo, i» jedem Museum ein großes Kunstwerk, könnte als Photographie in einem Schaufenster das Schamgefühl verletzen. Der Stuhl. auf dem unser Herr Präsident sitzt(große Heiterkeit) mit der kunstvoll geschnitzte» nackten Thenns, die Figuren an unseren innere» Eingängen könnten der Polizei dann Veranlassung znm Einschreite» geben. Der 8 k84a würde ganz un- geheuerliche Zustände zur Folge haben; ich warne Sie davor, seine Bahnen zu gehe». Die Kommissionsberathung ist unumgänglich nothwendig, bei der Spezialberathung werde» noch andere Dinge erörtert werde» müssen, namentlich wird für die Heranschaffung des Materials des Ber- liner Polizeipräsidiums" über den 8 gesorgt werde» müssen. Wie sicher sich die Leute suhlen, welche in öffentliche» Hänser» straflos Kuppelei treiben, dafür nur noch ein Beispiel. Vor mir habe ich hier ein Schreiben eines Mannes, das er an sämmlliche Bordellbesitzer gerichtet hat und in denen er ihnen die Gründung eines Fachorgans vorschlägt.(Große Heiter- keit.) Es heißt in dem Zirkular: Jeter Stand, jeder Beruf hat sein Fachorgan(Heiterkeil!). Als Zweck wird angegeben: Hebung des Gewerbes(Große Heiterkeit), Förderung der Berufsinleresse» (Heiterkeit), Mittel gegen beeinträchtigende Maßnahmen der Polizei. Die Bordellbesitzer werden gefragt, ob sie nicht eine Beitragsleistnng für das Organ zeichnen wolle», das bei der Jnternntionalilät des Ge- werbes bald zu einem kosmopolitischen Organe ersten Ranges werden dürfte.(Große Heilerkeit!) In der Kommisston werde ich Ihne» noch mit ganz anderem Material dienen können.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Fürst Radziwill(Pole): Wir begrüßen das Wieder- aufleben der lex Heinze mit großer Freude. Dem Abg. Bebel stimme ich in vielfacher Beziehung zn. Die religiöse Seile hat er nur falsch bcnrtheilt. Wen» er darauf hingewiesen hat, daß in romanische» Ländern die Unsiltlichkeit größer sei, so irrt er. Lassen Sie mich Ihnen eine Anekdote erzähle». Im Jahre 1807 war ich in Rom. Ich stand mit zwei französischen Soldaten vor einem Monument und gericth mit ihnen in ein Gespräch. Ich fragte sie, wie es ihnen hier gefiele. Dich, meinte» sie, Rom ist eine langweilige Stadt, hier hat der Klerus die ganzen Mädchen in der Hand, da bleibt für uns nicht viel übrig. (Stürmische Heiterkeit.) Mißverstehen Sie mich doch nicht!(Er- nente Heiterkeit.) Die Exemplifikationen Bebel's sind also sehr cum Arano salis auszunehmen. Tugend und Laster gehen in allen Ständen neben einander der, und es ist nicht Zeit damit zu ver- lieren, sich gegenseitig Vorhaltungen zn machen. Wohl aber müssen wir verlangen, daß die Gesetzgebung von sittlichen Momente» ausgehl, daß sie nicht mit verschränkten Armen dem Nebel gegenübersteht und so mitverantwortlich wird. Wir haben es in der früheren Kommission für die lex Heinze lebhaft bedauert, daß hie verbündeten Regierungen eine zweideutige Stellung im Bordellwesen einnahmen. Di« Angriffe Bebel's gegen die Toleranz, die die Polizei- Verwaltungen vieler Städte gegen die Bordelle üben', unter- schreibe ich vollständig. Diese Toleranz schlägt jeder sittlichen Pflicht ins Gesicht. Auch darin gebe ich Bebel recht, wenn er sagt, daß jedes Freudenmädchen Freudenbuben hat.'Auch bei der'Auswahl der Sitteupoliziste» muß mit großer Vorsicht verfahren werden. Be- dauerlich ist, daß schlimme Fälle von de» höhereu Regiernngsorganc» ge- duldet und verheimlicht werden. Redner sprichtsich noch sür eine moralische Zensur der Kunstwerke aus, die um so unbedenklicher sei. als sie in den Händen gebildeter Männer, von Richter», liegen soll und bittet im übrige» um Annahme des Entwurfes. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Tagesordnung: Forlsetzung der ersten Lesung der Novelle zur Zivilprozeß-Ordnung; Autrag des Abg. v. Salisch über die Eides- formel; Anträge Rintelen(Z.) und Lenzmann»nd Mnukel(srs. Vp.) ans Wiedereinführung der Bernsnug in Strafsache». (Schluß 0 Uhr.) Vornnmimresu Stadtverordnete»- Versamuilnug. O e f f e n t l i ch e Sitzung vom D o n» e r st a g, 13. Januar, nachmittags 5 Uhr. Die fünf Abtheilungen haben sich konstituirt. In den Ausschuß für die Anträge Cassel und PerlS betr. die Reform der Sittenpolizei find auch die Etadlvv. D u p o n t und Singer gewählt; dem Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl der ständige» Ausschüsse w. gehören u. a. die Sladtvv. Bruns»nd Singer au. Die Vorlage wegen einheitlicher Regelung des Sud- m i s s i o n s w e s e n s geht auf Antrag des Stndtv. K a l i s ch an einen Ausschuß. Anläßlich der Protokolle über die erfolgte Bauabnahme von 7 städtische» Brücken ist, wie Stadtv. I a c o b i hervorbebt, wiederum sestzustclleu gewesen, daß die Kosteuauschläge ganz erheb- lich höher normirt waren, als später die wirklichen Baukosten sich stellten; er lenkt die Ausnierksamkeit des neuen Sladlralhs für den Tiefbau auf diesen Mißstand, damit das neue Regime die Fehler des allen vermeide. Stadlv. D i n s e äußert sich in demselben Sinne. Die Versammlung nimmt von der Vorlage Kenntniß. Im Anschluß au die Mittheilung über die Festsetzung der Ferien in den höheren Lehranstalten pro 1893 be- anlragen die Stadtv. Perls u. Ge». erneut die Gleichstellung der Schulferien der Gcmeindeschnler mit denen der höheren Lehr- anftalten. Stadtv. Perls begründet de» Antrag mit den bekannte» Argumente», der Rücksicht anf die Eltern, welche Kinder in beide» Arten von Anstalten haben, und dem Erholnngsbcdürfniß der Schul- jiigend. Stadtv. Singer: Unzweifelhast wird der Mißstand als solcher in weiten Kreisen empfunden. Wenn der Antragsteller nun einfach die Ferien der Gemeindeschüler um eine Woche verlängern will, so ist dagegen darauf hinzuweisen, daß die Eltern der hnndertlausende von Gemeindeschüler» keineswegs in der Lage sind, ihre Kinder über vier Wochen z» beschäftigen, um der Gefahr z» entgehen, daß die Ferien zu einer Schädigung der Kinder werden. Man könnte ja auch die Ferien an den höheren Lehranstalten anf nur vier Wochen normiren, dann» hätte man anch die Gleichstellung und vermiede die zahlreichen Schädigungen, welche sonst zweifellos den Schülern der Gemeinde- schulen erwachse». Auch für das Lehrpersonal werde» vier Wochen Ferien gewiß genügen; die Kranken und besonders Erholuugs- bedürftige» werden dann ev. Nachurlaub bekomme» müssen. Wollen Sie eine Verlängerung der Ferien der Gemeindeschüler haben, dann müssen Sie Vorsorge treffen, daß sie von Stadt wegen angemessene Beschäftigung und Erholung finden können. Als aufmerksamer Beobachter des öffentlichen Lebens kann ich bezeugen, daß in de» Kreisen der Eltern der Gemeindeschüler«ine Klage darüber, daß die Ferien zu kurz find, mir noch nicht aufgestoßen ist.(Hört, hört!) Stadtschulrath Bertram: Die Rücksicht auf die Elter» mit Schulkinder» in beiden Anstalten kann um so weniger ansschlag- gebend sein, als es sich blos um etwa 6000 Kinder handelt, eine im Verhältniß zu den 230 000 Schülern sehr winzige Zahl. Die Ver- knrzung der Ferien der höheren Anstalten liegt nicht in unserer Hand; die Nichtrathfamkeit der Verlängerung der Gemeindeschul- serien aber hat der Kollege Singer schlagend dargelhan. Stadtv. Lad ewig tritt für die Eiuheiisschnle ein und sieht in der Gleichleguug der Ferien einen Schritt auf dem Wege dazu. Besonders im Interesse anch der Lehrer au den Gemcindeschuleii, deren Kinder die höhereu Schulen besuchen, sei der Alttrag gestellt. Die Versammlung lehnt den Antrag ab. Zur Beschlußfassung hat der Magistrat der Versammlung die von ihm aus grnnd der Beschlüsse der Schuldepntalion genehmigten „Allgemeinen Bestinlinungen über den N e b e n» n t e r r i ch l an den Gemeinde s ch n l e n" vorgelegt. Diese Einrichtung, welche auch in den bekannten Anträgen Borgman» und Genossen gefordert worden war, bezweckt die Förderung schwachsinniger bezw. körperlich zurückgebliebener Schulkinder in besonderen Nebenklasse». Die endgiltige Entscheidung über die Aufnahme hat der Schulinspeklor. Die belrcffeuden Kinder sollen zu Gruppen von nicht mehr als 12 vereinigt und in der Regel täglich 2 Stunde» unterrichtet werden und zwar in Religion, Deutsch, Schreiben, Rechne» und eventuell Handfertigkeile» bezw. Handarbeiten. Den Lehrer» der Nebenklasse soll eine Funktionsznlage von 300 M. jährlich zustehen. — Im Winter 1893/94 waren 267 schwachsinnige Schulkinder vorhanden. Es sollen sür 1898/99 etwa 20 Nebcnllassen eingerichtet werde». Stadtv. Singer bittet um die Annahme der Vorlage; er spricht dem Magistrate den Wunsch aus. er möge auch beim Entgegen- kommen anderer Forderungen seitens der Versammlung ein ähnlich schnelles Tempo einschlagen. Er wünscht ferner, daß die Schul- deputalion bei so ivichtigen Fragen doch nicht erst des Anstoßes von außen bedürfen sollte. Die Praxis werde ja ergebe», ob die be- absichtigte Maßregel daZ richtige träfe;„Probiren geht über Stndiren". Die Vorlage wird angenommen. Von den Stadtvv. Dinse, Kreitling u. Gen. ist der Antrag wiederholt worden: Die Versammlung ersucht den Magistrat, eine e r st e ärztliche Untersuchung aller inr städtischen Dienste Anzustellenden schon vor deren Eintritt in den Dienst slallfinden zu lassen. Nach unerheblicher Erörterung wird die Sache einem Ausschuß von 5 Mitgliedern überwiesen. Zur Aufnahme einer städtischen Anleihe von OOMill. Mark wird die Zustimmung der Versammlung nachgesucht. Der Betrag soll für etwa 5 Jahre ausreiche» für die Fortführung der Kanalisation, für die Fortsetzung der Erwciterungsbante» der städtischen Wafferwerke, für Neu-»nd Erweiterungsbauten der Gas- werke, des Viehmarkts und Schlachthofes, für die Erbauung von Brücken, für Umgestaltung des Mühlendammcs und Kanalisirnng der Untersprce, sür de» Urbanhafen und sür Straßenregnlirungen aus Anlaß der Errichtung der Stadlbahn. Die Anleihe soll mit 3V„ pCt. verzinst und mit l'/s pCt. jährlich vom I. April 1902 nb'getilgt werden. Die Anleihescheine sollen aus 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 M. laute». Stadtv. K y l l>» a n n beantragt Ausschußberathung. Kämmerer M a a ß: Unser Antrag schafft noch keine Anleihe; genehmigen Sie ihn, so können wir nichts weiter als Formulare drucke» lassen. Kein Dreier kann von der Anleihe ohne Ihre jedes- mnlige Zustimmung verausgabt werden. Von den geforderte» 60 Millionen haben Sie bereits 33 Millionen zu Bauten bewilligt. Da Sie sich also absolut nicht präjudiziren. ist Ausschußberathung ganz zwecklos. Vor dem Juli haben wir die Anleihe ohnehin nicht. Stadtv. Hugo Sachs kann es nicht unbillig finden, wenn in einem Ausschüsse noch nähere Auskunft über die einzelnen Ver- lvendungszivecke verlangt wird. Er erwartet ferner, daß der Magistrat vor der Begebung die Finanzdeputation wie früher höre» wird. Auch ließe sich wohl über das System der Begebung in einem Ausschusse einmal gründlich spreche». Kämmerer Maaß: Die Anhörung der Finanzvrixutation ist vorgeschrieben. In der Begebungsfrage kann der Ausschuß nichts neues beibringen. Ich gebe die Anleihe dem, der mir das meiste giebt, das ist das ganze System. Vor Submissionen möchte ich in Verlin lvarnen; man hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Stadlv. Singer: Ich möchte doch darauf aufmerksam machen. daß die Versammlung ihren Ausschuß nicht einsetzt, um die Herren vom Magistrat zn belehren, sondern iveil sie findet, daß noch einig« Punkte der Vorberalhung vor der definitiven Beschlußfassung bedürfen. Gerade weil es sich um so hohe Summen handelt, so dürfen unr seht wohl in aller Ruhe überlegen, ob alles in Ordnung ist. ülnßerordentlich werlhvoll ist, daß auch in der Versammlung, nicht blos in der Finanz- deputalion darüber gesprochen wird, wie es mit der Begebung ge- halten werden soll. Bisher hat man immer nur mit einein bestimmte» Bankhanse die Sache gemacht. Im Sinne des sreien Spiels der Kräfte sollte doch gerade die Mehrheit dieser Versammlung für wünschenswerlh finden, die Konkurrenz wallen zn lassen. Auch das vom Kämmerer so schlecht beleumundete Snb- mlssionsivescn würde auf diesen, Gebiet nicht die sonstigen Nach- theile haben. Warum endlich sollte nicht gefragt werden dürfen, ob unser Kredit nicht so gut fundirt ist, daß wir Geld zu 3 pCt. be- kommen können?(Sehr richtig!) Die finanzielle Sicherheit Berlins würde das durchaus zulassen. Der Hinweis auf die armen Rentiers und kleine» Leute, die von ihren Zinsen leben müssen, kann bei uns nicht ziehe». Die Zinsen unserer Anleihen kommen ans den Mittel» der Steuerzahler und wir müffe» also das Geld so billig wie mög- lich zu beschaffen suchen. Könnten nicht auch vielleicht die Anschläge so hoch ausgefallen sein, wie bei de» beanstandeten Brückenbauten, wo sie bis 40 pCt. zn hoch waren? Stadlv. Kaiisch kann sich von einer dreiprozentigen Anleihe keinen Nutzen versprechen, iveder sür die Stadt, noch sür unsere Fiiianzwirlhschaft; in demselben Sinne spricht Stadtv. Heilmann, der nieint, daß man für dreiprozentige Koinmnnalanleihen noch nicht das Publikilin habe, sondern nur de» Markt deroutiren würde. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Schluß 7'/« Uhr. « Gemeiudeschulen in MiethSräauien. Der Zuwachs der Gemeindeschulkinder im laufenden Rechnungsjahre betrug 6099, mit- hin sind neue Gemeindeschulen erforderlich. Der Magistrat hat zn diesem Behuf« die nothivendigen Räume gemiethet und zwar für die 219. Schule Liegniherstr. 22, für die 220. Stralauer Allee 25, für die 221. Raumerstr. 17, für die 222. Bcusselslr. 2; über die Miethuug eines iveiteren Lokals in der Rheinsbergerstraße schweben noch die Verhandlungen. Ta nun die Rektoren der süns in Aussicht genommenen Schulen nach ihrer Wahl noch der Bestätigung bedürfen. ihre Thätigkeil aber noch vor dem Ansang des Sommers beginnen müssen, so inöchte der Magistrat zur Kreirung der Slellen noch vor Feststellung des Etats ermächtigt werden. Er wird daher die Stadt- verordneten-Versammlung ersuchen, daß zum 1. April d. I. fünf neue Gemeiudeschulen eröffnet und ebenso viel neue Rektorstellen ge- schaffen werden._ Uoksles. Die Parteigenossen des zweiten Reichstag?-Wahlkreises werden auf die öffentlickie Versammlung aufmerkiam gemacht, die am Sonntag Abend 6>/2 Uhr bei Zubeil, Lindenstr. 106, stattstudet. Ans der Tagesordnung steht ein Vortrag der Parteigenossin Frau Mefch: über„Die Gleichheit der Geschlechter." Zahlreicher Besuch ist erwünscht. Achtung! Wahlbcrein dcS 4. ,K reifes»iehine».— Siehe Inserat am Sonntag, den 16. Januar. Der « o r it a n o. �bcitev-SiirduiigSschiile. Wir machen die Parteigenossinnen und tSeiionen auf den heule Älbend 9 Nhr in der Jiiselstrahe 10, begiimenden Kursus in Geschichte(Hellas und Rom), vortragender: Dr. St. Berthold, besonders ansinerksam und biltcn um zahlreichen Besuch. Mitgliedsbeitrag 25 Pf. pro Monat. Kursus(10 Zlbende) 1 M. Die Bibliothek ist nnr von S— 9 Uhr broffnel.- Der B o r st a n d. � Berlin im strensiischc» StaatöhanShaltö-Vtat. Im Extra. vroinarinin des Jnstizetats ist eine erste Rate von 900 000 M. an-geivorfen für ein Gefängniß zur Ulilerbringung der wegen lieber- imiing m Untersuchungshaft genommenen Männer in Berlin. Das gesanglich, dessen Gesammtkosten sich aus 1 024 000 M. belaufen und fnr lvelch>es ein durch ein angekanfles Privatgriiildstnck erweitertes ststalisches Grnndftnck bei dem Gerichtsgebäude an der Stadtbahn Ziir Verfügung steht, soll Räume für 830 Gefangene entHallen. Ferner ist eine erste Rale von 130 000 M. zum Uni. und Eriveitcrungsbau des Geschästsgebäudes des Jnstizininisterilluis i» den Elat eingestellt. Die erforderlichen 3!äuiiie sollen durch einen Erweilerungsban auf dem Hinterlande des Grundstücks Wilhelnistr. 64 beschafft werden. Von den neuen Stellen im Justizetat entfalleii auf Berlin zwei Ober-Landesgerichts- Rälhe beim Kaniinergericht. ein Amtsrichter und ein Staatsanivalt beim Landgericht I.— Im Etat des M i n i st e r i u in s des June r ii werden Mittel gefordert für eine Beriliehrnng des Berliner Polizeipiäsibiiims nm 36 Blireaubeamte, 1 Kriminal- inspektor, 6 Polizeilieiiteliaiits, 1 Kriminalkommissar, 3 iniisorinirle Wachtmeister, 51 Kriiliinalwachtineister, 48 Schutzniänner. Für Charlollenbnrg werden 2 Wachtmeister und 22 Schntzniänner, für Schöneberg 1 Wachtmeister und 89 Schntzniänner ge- fordert.— Im Extra- Ocdiiiarium deS Etats der B a n v e r w a l l n n g findet sich eine erste Rate zur Erweiterung der Sprechaltung des Berlin-Spandauer Schifffahrlskanals aus der Strecke vom Rordhafen in Berlin bis zur erste» Schleuse bei Plötzen- s-e, sowie 330 000 M. zum Renban eines Dieiistgebäudes für das geheime Zivilkabinet ans dem Grundstück Wilhelnistr. 64. Im ganzen lind die Koste» hierfür auf 713 000 M. veranschlagt.— Alis dem landwirthschaftlichen Etat sind hervorzuheben eine erste Rate von 33 000 M. zum Neubau eines hygienischen Instituts der thier- arzllichenHochschule. DasJnstitut.welches aus dem Grundstück der thier- ürzllichen Hochschule errichtet wird, soll aus eincni Hauptgebäude uiid zwei Stallgebäuden bestehen. Eine erste Rale von 6000 M. ist eingestellt zur Gewährung von Berwalluiigszuschllsseu für ein in Berlin zu errichtendes Versilchs-Koriilagerhans. Es wird dazu bemerkt, daß ein solches Haus, einer Anregung des Herrenhauses entsprechend. aus dem Gelände des Hamburger Bahnhofes sür 166 000 M. be- gönnen sei. Durch Vornahme von Bersnchen und Untersuchungen auf technischem und iviffenschaftlichem Gebiete solle» mit diesem Hause wichtige Aufgaben gelöst werden. Zur Ausführung der Versuche haben sich der Verein der Versuchs, und Lehranstalt der Branereien in Berlin nnd der Verein der Spiritussabrikanten in Deutschland bereit erklärt. Diese Vereine wollen die Versuche und die Unterhaltung, sowie den ganzen Betrieb des Lagerhauses gegen Ueberweisung der Einnahmen und eines jährlichen Zuschusses von 6000 M. übernehmen.— Im Elat des K u l t u s. M i» i st e- rin ms sind vorgesehen zwei Extraordinariale in der juristischen Fakultät, ein Extraordinariat für orientalische Philologie, zwei Abtheilungsvorsteher beim zahnärztlichen Institut,«in Vorsteher beim zweiten chemischen Institut. Der Fonds zum Einkauf von Kunst- werken für die Natjonalgallcrie wird von 300 000 auf 350 000 M. erhöht, um den aus der Provinz eingehenden Anträgen wegen Ausführung von Werken der nionumentalei, Kunst mehr als bisher genügen zu können. Bei der Kunstschule in Berlin solle» für dauernd voll beschäftigte Lehrer pensionsfähige Stellen begründet werde», bei der technischen Hoch- schule wird eine Dozentenstelle für Elektrochemie in eine Professur verwandelt, außerdem sollen der Vorsteher der Abtheilung sür Bau- material-Prüfungen und der Abtheilung für Oelprüfnngen Gehälter statt Remunerationen«rhalten. Aus dem Extra-Ordinarinm ist zu erwähnen die Erhöhung der Baurate sür den Dom von 1 600 000 auf 2 600 000 M.. eine Rate von J20 000 M. für Reparaturen in der Dienstwohiiung deS Ministers und für Ergänzug des Jnvenlars in den Geschäflsränmen, 70 000 M. zur Ergänzung des Unterrichts beim Kunstgewerbe- Museum durch Ausführung kunstgewerblicher Arbeiten. Es wird dazu bemerkt, daß die vor acht Jahren für den gleichen Zweck ausgelvorfenen 130 000 M. zum größten Theil ver- wendet sind nnd daß sich die Belheilignng der Lehrer und Schüler an der Durchführung bestiinniter praktischer Aufgaben, der Anfertigung von Jilventarienstücken nnd dem inneren Ausbau von Rännien in öffentlichen Gebäuden als sehr nützlich für den Unterricht erwiesen hat; die hergestellten Arbeilen hätten im allgemeinen den Er- Wartungen entsprochen. Der gemachte Versuch werde daher sowohl im Interesse der Anstalt als zur Anregung und Förderung des heimischen Kunstgewerbes fortzusehen sein. Es wird beabsichtigt, die ans diesem Fonds aiizuferligende» Gegenstände auf der Pariser Weltansstsllnng 1900 zur Ausstellung zu bringen. Eine erste Rate von 1 300 000 M. ist ausgeworfen zum Neubau der akademischen Hochschule für die bildenden Künste und Musik ans dem Grundstück der Thiergarten- banmschnle zwischen der Hardenbergstraße und dem Hippodrom. Das ursprünglich in Aussicht genommene Grundstück am Bahnhof Zoologischer Garten wird für nicht so zweckmäßig gehalten wie das zetzt gewählte. Auch ist das Institut für Kircheninnsik nicht in das Nenbauprojekt einbezogen; dies Institut soll mit einem Kosten- aufwand von 40 000 Mark in seiner gegenwärtigen baulichen Verfassung in die Nähe der neuen Hochschulen versetzt werden. Dem Neubau-Projekt für die beiden Hochschnlen liegt die preis- gekrönte Arbeit der Architekten Kayser und v. Großheini zu gründe. Die Nenbankosten ausschließlich der Kosten der innere» Einrichtung und der Straßenregulirung sind auf 4 160 000 M. veranschlagt, so daß die Unterbringung der gesammten akademischen Niistalten 4 200 000 Vi. Bankosten beansprucht. Von ferneren Raten seien genannt: 4200 M. zur Erneuerung des dekorativen Schmucks nm Gebäude der Kunstschule, 218 000 M. zur Erweiterung des Jttgenienrlaboratoriiims und Errichtung einer Zentrale für die elektrische Veleuchlung der technischen Hochschule, 40 000 M. zur Errichtung einer Station für Tollwnthkranke bei dem Institut für Infektionskrankheiten.— Der Eisen bahn« Etat endlich fordert 6'/e Millionen zum Ausbau und zur Erweiterung Berliner Bahn- böse nnd Gleisanlage», darunter 2 Millionen für die Erweiterung des Steltiner Bahnhofes, 1 Million für den Ausbau der an den Schlesischen Bahnhof angrenzenden Strecken der Ostbahn und Schlesischen Bahn. 1 Million sür Herstellung besonderer Vorort- gleise der Schlesischen Bahn vom Schlesischen Bahnhof bis Erkner, 300 000 M. zuin Grunderwerb für die Herstellung des dritten und vierten Gleises der Ringbahn auf der Strecke vom Bahnhof Nixdorf bis Haltepunkt Ebersstraße. Dadurch soll der Personenverkehr vom Güterverkehr auf dieser Strecke völlig getrennt werden. Im Ziisammenhang damit werden besondere, nur für den Güterverkehr bestimmte Gleisverbindnngen von den künftigen Güter- gleisen der Ringbahn nach dem Potsdamer Güterbahnhof und nach dem lltangirbahnhof bei Tempelhof geplant, um die Güterzüge ohne Ueberkrenzung der Ringbahn-Personengleise in Schienenhöhe in die genannten Bahnhöfe einführen zu können. Die Gesammtkosten dieser Banattsführnngeii sind veranschlagt aus 2 330 000 M.. wovon 630000 M. aus den Grniiderwerb enlfallen. Eine 1. State von 300000M. wird verlangt zum Grnnderwerb für den Ansban der Berlin- Görlitzer Bahn auf der Strecke von der Berliner Ringbahn bis Grünau und für den Ausbau der Anschlußbahn von Rirdorf nach Niederschoneweid5 Johannisthal. Ferner ist«ine umfassende Er- Weiterung der Anlagen sür den Rangirverkehr ans dem Bahnhof Niederschöiieiveide-Johannisthal vorgesehen, wofür die Kosten des Grund und Bodens auf 2 Millionen veranschlagt sind. Zur Er- weiterling des Rangirbahnhofs zu Tempelhof wird eine erste Rate von 800 000 M, sür die Uingestaltung des östlichen Theiles des Rordbahnhoss zu Gülerverkehrsanlagen 99 800 M. geiordert. Der Spielteufel soll gegen den fiskalischen VandaliSmnZ mobil gemacht werde». Der Ausschuß zur Erhallnng des Botanischen Gartens hat nämlich die Meinung des Oberbürgermeisters Zelle in der bekannten Angelegenheit zu erforschen gesucht. Herr Zelle soll sich angeblich dahin geäußert haben, daß er dem vom Ausschuß erdachten Plane, einen Theil der ungeheuerlichen Forderung von 13 Millionen durch eine L o t t e r i e zu decken, sympathisch gegen- überstehe. Wir stehen bekanntlich auf dem Standpunkte, daß dem preußischen Fiskus die volle Verantivortnng für die in Aussicht gestellte Zerstörung des Bolanischen Gartens überlassen werden mnß. Vollends ist die Veraustaltung einer Lotterie, deren Ertragssähigkeil nach neueren Erfahrungen überdies sehr in Zweifel zu ziehen ist, ein Ding, das der hochernsten Sache nur einen unpassend komischen Beigeschmack geben kann. Pferdeflcisch-Konsiim und Massenelend. 42 Roßschlächter üben gegenwärtig in Berlin und den Vororlen Rixdorf, Schöneberg, Steglitz, Nen-Weißensee und Charloltenburg ihr ehrsames Handwerk aus. In Berlin allein giebt es deren 33 gegen 30 im Vorjahre, ein, wie die„Zenlral-Fleischcr-Zeituug" meint, markauler Beweis dafür, daß die Zahl der Sioßfchlächter mit dem zunehmenden Kousum des Pferdefleisches gleichen Schritt hält. Im vorigen Jahre sind 6830 Pferde geschlachtet worden. Die Zahlen beweise», daß trotz aller Geschäftsprosperität das Massenelend zunimmt. Neuerdings wird der Konsum von Pferdefleisch noch besonders durch die enorme Preissteigerung des Rind- nnd Schweinefleisches gefördert. Ist dies wichtige Nahrungsmittel doch in wenigen Monaten um fast 30 pCt. theurer geworden. Unter diesen zur Verzweiflung drängenden Um- ständen ist es eine Frivolität ohne gleichen, wenn die Jntereffenteii der„göttlichen Weltordnung" dem arbeitenden Volk das alberne Lied von der Zufriedenheit vorleiern. Bei der JnbaliditätS- und AltcrSverstchcrnngS- Anstalt Berlin sind im Laufe des Vierteljahrs Oktober— Dezember 1897 121 Anträge auf Gewährung von Altersrente eingegangen; ans der Zeit vor dem I. Oktober 1397 lagen noch 10 Anträge vor, hinsichtlich deren die Entscheidung noch ausstand. Von diesen 131 Anträgen sind bewilligt 73, abgelehnt 34, anderweit erledigt 2 nnd unerledigt ans das folgende Vierteljahr Übernommen 22. Bis zum 31. De- zember 1897 waren iiiSgesammt bewilligt an Altersrenten 3667. Von diesen sind ausgeschieden durch Tod 940, aus andere» Gründen 83, zusammen 1023, so daß am 1. Januar 1893 2644 Allers- rentenempsänger vorhanden waren.— Innerhalb des gleichen Viertel- jahres sind 366 Zlnträge auf Gewährung von Invalidenrente ein- gegangen und 160 unerledigt aus dem Vorvierleljahr übernommen. Von diesen 726 Jnvalidenrcnten-Anträgen sind 357 bewilligt, 150 abgelehnt, 34 anderweitig erledigt und 183»nerledigt'aus das solgeude Quartal übernommen worden. An Invalidenrenten sind bis zum 31. Dezember 1897 überhaupt 4336 bewilligt worden. Ausgeschieden sind inzwischen durch Tod 1492, aus anderen Gründen 109, zn- fanimcn 1601. Mithin war am 1. Januar 1898 ein Bestand von 3233 Jiivalidettrenten.Empfängern anfzuweisen. Tic Ferien der hiesige» Gcmciudeschnlen, der städlischen Taubstuuiuienschule und der Blindenschule sind von der städtischen Schnl-Deputation für das Jahr 1398 folgendermaben festgesetzt: 1. O st e r f e r i e n: Schluß des Winter-Halbjahres Donnerstag, den 31. März, Anfang des Sommer-Halbjahres: Freitag, den 13. April. 2. P f i n g st f e r i« n: Schluß des Unterrichls: Freitag, den 27. Mai, Anfang des Unterrichts: Freitag, den 3. Juni. 3. S o mm er s er i e n: Schluß des Unterrichts: Freilag, den 1. Juli, Anfang des Unterrichts: Donnerstag, den 2. August. 4. H e r b st f e r i e u: Schluß des Sommer-Halbjahres: Freitag, den 30. September, Ansang des Wiuter-Halbjahres.: Miltwoch, den 12. Oktober. 3. Weihnachtsferien: Schluß des Unlerrichis: Mittwoch, den 21. Dezember, Anfang des Unterrichts: Donnerstag, den 5. Januar 1899. Tie tägliche Bewegung der Bebölkernng von Berlin wird von der„Korresp. Groß-Berlin" nach dem stalistischen Material der Stadt wie folgt berechnet. Es werden im Durchschnitt alle Tage 43 Paare in Berlin getraut; die meisten im April und Oktober, das heißt zu den Ziehterminen, die wenigsten im August. 3—4 Ehen werden täglich durch das Gericht geschieden. Alle Tage werden 133 Kinder geboren, darunter 19 nncheliche; 4 davon werden täglich legitimirt. Es sterben täglich 92 Berliner, die meisten im Juli, in welchem Monat täglich 120, die wenigsten im Oktober, zu welcher Zeit 84 zn sterben pflegen. Einen bezeichnende» Beitrag zu dem Kapitel von der Aus- beutnng der weiblichen Arbeitskraft liefert ein Berliner Konditor, der behnfs Besriedignng eines„dringenden- Bedürfnisses in einer Anzahl von Stadtbahnhöfen Pfefferkuchenbuden aufgestellt hat. Ist es schon unverständlich, wie sich die Eisenbabn-Verwalluug dazu verstehen kann, die Zugänge zum Bahnhof an Zigarren-, Blumen- nnd Psefferkuchenhändler zc. gegen geringen Vortheil zum Nach- theil der Passagiere zu vermiethen, so ist es zum mindeste» ausfällig, wie wenig in diesen Buden verkauft wird. Der oben erwähnte Konditor weiß sich aber über das schlechte Geschäft hinwegzusetzen. Er sucht in den Zeitungen junge Mädchen zur Ausbildung als „Verkäuferin- bezw. zur„Konditor- Mamsell". Bewerberinnen finden sich sehr zahlreich.„Mamsell" zu sein, ist doch immerhin einigermaßen„standesgemäß". Die gestellten Bedingiinge» werden daher gern übernommen»nd diese bestehen darin, daß das Mädchen 30 M. und mehr als Kantion bestelle» mnß, daß sie eine lange Frist„lernen" muß und während dieser Zeit monatlich 10 M. Ent- schädigung erhält, was nicht ganz 2,80 M. in der Woche ausmacht. Ist der Vertrag abgeschlossen, dann wird das'»»geworbene Mädchen in einen Stadlbahnbogen als„Verkäuferin" geschickt, wo sie die langen Monate ihrer Lehrzeit in der gewöhnlich in der finstersten Ecke aufgestelllen Bude vertrauern kann, ohne etwas zu- lernen. Bon der Polizeithätigkcit gegen Arbeitervereine. Der Mechaniker Rudolf Rausch aus der Urbanstraße 128 verlheidigt sich gegen den Vorwurf der Denunziation, der ihm in Nr. 8 d. Bl. gemacht worden ist, durch folgende Zuschrift:„Der Schutzmann P. W o i t e, mit welchem ich schon anderthalb Jahre z u s a in in e n- wohne, hatte mich gebeten, ihm zn dem Vergnügen der Zinkgicßer ein Billet zn besorgen. Diese Gefälligkeit führte ich ahnungslos aus. Woite gab das Billet dem Polizeibeamten G» ts ma nn. um eine Aiizeige zn erstatten. Davon erfuhr ich erst nachträglich; hätte ich eine Ahnnng davon gehabt, wozu das Billet dienen sollte, so würde ich nie der Polizei auf solche Art Vorschub geleistet haben. Von meiner Wirlhin erhielt ich noch zufällig Kenntniß von der Aeiißernng des Woite, er habe keinen ander» finden können, ivarmn ich auch so dumm sei, mich dazu herzugeben. Der Schntzmann Woite ist im 48. Polizeirevier angestellt." So Herr Rautsch, dessen Angaben»vir nicht nach- prüfen können. Jutcressant für die Art, wie Hüter der öffentlichen Ordnung gegen Arbeitervereine vorgehen, ist die Zuschrift lnimerhin. Beim Garde- Pionierbataillon kam vor längerer Zeit der seltene Fall vor, daß ein Untergebener während des Exerzircns ohne jede Bernnlaffung aus Reih und Glied heraus seinen Vorgesetzten thätlich angriff. Man glaubte, es in den» Thäler, dem Pionier Mattau, mir einen» Geisteskrauken zu thun zn haben, weil niemand sür sein Benehmen eine andere Erklärung halte. Mattau wurde denn auch zur Prüfung seines Geisteszustandes dem Lazareth überwiesen. Eine achtwöchige Beobachtung hat jedoch die Aerzte zu der Ucberzeugung ge- führt, daß Maltau geistig vollständig gesund ist. Er ist daher jetzt in Untersuchungshaft in die Mililär-Arreslanstalt II am Tempel- hofer Feld abgeführt worden und wird sein Auftreten schwer zu büßen haben. Der betreffende Vorgesetzte, ein Fähnrich P., hat unterdessen den aktiven Dienst verlassen und ist zur Reserve über- getreten. Abermals ein Kinder-Selbstmord! Der Selbstmord eines 11jährigen Gemeindeschülers»vird aus der Swinemüiiderstraße ge- meldet. Hier wohnt auf dem Grundstück Nr. 33 der Bau-Anschläger Zick von seiner Frau getrennt mit seiner 16jährigen Tochter Margarethe, die ihm die Wirthschaft führt, nnd dem am I. März 1886 geborenen Sohne Karl, der die Gemeindeschule in der Graun. straße besuchte. Dieser Schüler, ein ordentlicher Knabe, hatte infolge eines innerlichen Leidens hänsig Erbrechen, nnd schien in der letzten Zeit auch gemüthskrank zn sein. Gestern Nachmittag war er allein zn Hanse, da der Valer sich auf seiner Arbeitsstelle befand und die Schwester ausgegangen war, um eine Freundin zn besuchen. Als der Vater um 6>/s Uhr abends von der Arbeit nach Hause kam. fand er seinen Sohn als Leiche wieder. Der Knabe halte in der Küche eine a» Nägeln befestigte Leine von einer Wand zur anderen gespannt nnd sich daran aufgehängt. Durch de» Hnfschlag elncS PscrdcS schwer verletzt worden ist gestern, Donnerstag, der 22 Jahre alt- Selierwasserkutscher Max Löper, der in der Seltersabrik von Reuter n. Comp, in der Swine- münderstraße 51 beschäftigt ist. Löper. der im Stalle zn thun hatte. wurde hier bewußtlos aufgefunden und nach der nächsten Unfall- stalion gebracht. Hier erwies sich die Verletzung als eine sehr schwere. Ter Brand in der Borsig-Mnhle giebt der Feuerwehr noch immer zu thun. Zehn Mann mit zwei Schlauchleitungen sind fort- während als Wache aus der Brandstelle, aus der es bald hier, bald dort ausflanimt. Sobald die Flammen gänzlich gelöscht sind nnd die Gluth innerhalb der Mauerreste keine Gefahr mehr bietet, sollen diese abgetragen werden, eine Arbeit, die noch mit großen Schwierig- keilen verknüpft ist. Ob die Mühle wieder ausgebaut weiden wird, ist noch nicht entschiede». Fcncrbcricht. Mittwoch Abend 7 Uhr brannte» Lichter» felderftraße Kleidungsstücke. Wäsche und Möbel, doch brauchte die herbeigerufene Wehr nicht in Thätigkeit zn treten. Ans gleicher Veraiilassnng erfolgte 2'/, Uhr Alarm nach Königgrätzerstr. b6g. Hier erlitt auch das Gebäude erheblichen Schaden. Zur selben Zeit mußte P a l l i s a d e n st r. 14 ein Gardinenbrand beseitigt werden. Donnerstag Nachmittag ö�/e Uhr hatte A n d r e a s st r. 33 Watte im Schanfeiister Feuer gefangen, das aber noch gelöscht werden konnte, bevor der Ladeniuhalt in Mitleidenschaft gezogen wurde. Theater. Im Srbiller-Theater wird heute das neue Schau- spiel„Der König" von Richard Boß zum ersten Male wiederholt. Für über- morgen, Sonntag, Nachmittag ist eine Aufführnng des Blniiieiithalstchen Lustspiels„Ein Trapsen Gift", für Sonntag Abend„Die wilde Jagd", Lust- spiel von Fulda, angesetzt.— Im Zentral-Theater kommt nächstens eine Posse von Freund und Mamistädt„Die Tngcndsalle" zur Ausführung. — Am 18. Januar wird im Luisen-Theater„Trilby" gegeben. Ist das nöthig?________ Ans de» Nnchsiavorten. Herr Dr. Bahard wird heute Freitag, den 14. d. M., In der Urania in der Jnvalideiistraße zum ersten Male über„Das Reich der Mitte" sprechen. Da die Kenntniß der in vieler Beziehung so cigenarttgen Verhält- nisse China's bei den meisten Menschen erheblich geringer zu fein pflegt, als unser gegenwärtiges Interesse an diesem Lande, so dürste der Vortrag deS bekannte» Forschungsreifeiiden vielen wittkonimen sein. Charlottcubnrg. Zn den am 17. Januar hier slatlfindenden Gewerbegerichts-Wahlen wird an» Sonntag, den 16. d. M., ein Flugblatt verbreitet. Wir ersuchen alle Genossen, die gewillt sind, daran theilziinehineii. früh T/z Uhr in imchstcheiid benaniilen Lokalen zn erscheinen: 1. Bezirk: Paasch«. Potsdamerstr. 44; 2. Bezirk: Leder, Bismarckstr. 74; 3. Bezirk: Beyer, Wallslr. 96; Gimpel, Osnabrücker- straße 20; 4. Bezirk: Kant, Pestalozzistr. 63; 3. Bezirk: Dörre, Kruinmestr. 19; 6. Bezirk: Röhr, Goethcslr. 67a; 7. Bezirk: Bredlow. Angsbnrgerstr. 73. Britz. Ten Parteigenossen hiermit zur Keniitnißnahme, daß am So»» tag, den 16. Januar, nachmillags 2 Uhr, im Lokale deS Herrn G ü I d n e r, Rudowerstraße. eine B o l k s v e r s a>» m l n n g stalifindet. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen, recht pünktlich zn erscheinen. Der Vertrauensmann. Bei cincr Explosion in der Englischen Gasanstalt zu Schöneberg haben am Donneistag Morgen gegen halb neun llyr drei Arbeiter ihren Tod gefunden, während drei andere lebensgefährlich verletzt worden sind. Im Negnlatorhaiis« der Anstalt waren um dies« Zeil außer dem Kassirer Eichberg und dem Jnspekior Wiesener die Arbeiter Hübner inid Schehricht be- schäftigt, welche den Ueberwachniigsdieiist bei den Regulatoren be- wirkten. In dem Kellerrainn waren der 60jährige Klempner Gcritz, der 3ljährige Klempner Janicke und der gleichaltrige Arbeiter Freyer lhätig. Nach Beendignng der Frühstückspause erfolgte eine weithin hörbare Explosion. Als sich die Leute einiger- maßen von ihre»» ersten Schrecken erholten, da bot sich ihnen ein furchtbarer Anblick. Das ganze Regnlatorhaus stand in Flaininen; Fenster und Thüren waren aus demselben herausgerissen und das Dach thcilweise zersplittert. Vor dem Gebäude sah man zwei Personen, deren Kleider in Flammen standen. Es waren dies die Arbeiter Schehricht und Hübner, während die übrige» An- gestellten sich noch in dem brennenden Gebäude befanden; nur dem Kassirer Eichberg war es gelungen, sich durch einen rechtzeitigen Sprung ans dem Fenster, von welchem durch den Luftdruck selbst das Eisengilter herausgerissen war, zn retten. Nachdem Sch. nnd H. aus ihrer fiirchlbaren Lage befreit waren, machte man sich daran, die in dein brennenden Hause bestndlichen Personen herauszuholen. dies gelang jedoch nur bei Wiesner. denn in den Keller ver- mochte iiicinaud hiiieinzudriiigen. Inzwischen war bereits die Schöneberger Feuerwehr nlarniirt»nd die Unfallstation VI! benach- richtigl. Während die Lösch,»annschaflen mil drei Schläuchen de» Brand löschten, legten die mit den Krankenwagen eingetroffenen Aerzte den Verletzte» Nothverl'ände a»; alle drei wurden dann nach dem Elisabeth- Krankriihanse gebracht. Doch war es immer noch nicht gelungen, in den Keller hinein zn dringen. da die in den Gasleitiingen besindlichen Gase zurück« ströntten und in hellen Flaininen aus dem Keller empor- loderlen. Eine große Anzahl Arbeiter wurden infolge dessen beaus« tragt, die Hanplleitniigti» freizulegen und das Zurücklaufen der Gas« durch Einlegen von Pflöcken zn verhindern. Stach einer Stunde elwa erreichte man den Zugang znin Keller, wo man die vnstüiiimelten Leichen der drei verbrannten Arbeiter ansfand. Sie wurden an Ort und Stelle eingesargt und nach der Schöneberger Leichenhalle gebracht. Alle sechs verunglückten Personen sind verhciralhet. Der verstorbene Geritz halte in diesem Frühjahre das 28jährige Jnbilänm seiner Thätigkeit in der englischeii Gasanstalt gefeiert. Der Direktor der Gasanstalt, der mit seinem Assiflenien im Nngenblick der Explosion in der Nähe des RegiilalorhauseS sich befand und dieses gerade betreten wollte, ist wie durch ein Wunder unverletzt ge« blieben. lieber die Ursache der Explosion ist nachträglich kolgendes er- »iltlclt worden: An dem Kondnklor des einen Regnlalors war ein Defekt entstaiideii, welcher heute Morgen reparirt werde» sollte. Der Inspektor Wicsner, welcher wie bereils gemeldet, ebenfalls schwer verletzt wurde, hatte zur Vorsicht sämmtliche offene Flammen, die sich in dem Gebäude befanden, verlösche» lassen und jedes Licht- anzünden strengstens verboten. Die drei z» Tode gekommenen Arbeiter hatten sich nach der Frühstückspause in de» Keller begeben,«in dort die Reparatnrarbeilen wieder ailfzuiiehme», befanden sich jedoch kaum zwei Minuten i» dem Räume, als die Explosion statlfand. Es wird behauptet, daß dieselbe dadurch hervorgerufen sei, daß von einer glühend geschlagenen Meißel ein Stückchen absprang, an welchem sich ausströmendes Gas entzündet haben soll. Gegen diese Aiinahnie sprechen jedoch die Thatsache», daß sich GaS nur an offener Flamme eittzündet und daß das Glühend- schlagen einer Meißel vollkommen ausgeschlossen erscheint. ES ist daher nur anzuiiehmen, daß einer der Arbeiter, um irgend etwas zu besichtigen. ein Streichholz eiitzündtt und so das heransströnieiide Gas zur Explosion gebracht hat. Eine tragische Szene spielte sich gestern Mittag an der UngliickSstelle ab. Die Frau des einen zu Tode gekomiiieiien Arbeiters erschien gegen 12 Uhr in der Gasanstalt, nm ihrem Manne das Essen zu bringen. Zwar hatte Frau M. schon vorher von der Katastrophe erfahre». doch glaubte sie ihren Gatten unverletzt, weil derselbe eigentlich in einer anderen Abtheilung beschäftigt war. Einer der Beamte», der der Aerinsten nicht die volle Wahrheit des harten Schicksals, das sie betroffen, sagen wollte, theille ihr mit, daß ihr Mau» verletzt sei. In demselben Augenblicke wurde eine Leiche bei der Frau vorbei- gelragen; es war diejenige des Mehlitz. Wie vorn Schlage gerührt au brach die Unglückliche zusmmue». und sich wieder emporraffend ivandte sie sich wortloZ«>n und schwanklc ihre». Heim z». wo jetzt 4 Kinder im SIller von 2- 6 Jahic» de» tobten Bater betrauern. Ein zweiter Umgekommener hinterläßt 7 Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahre». Die Charlottenburger Stadtverordnete»- Versammlung beschloß gestern, dem Allgemeinen deutsche» Schulverein zur Er Haltung des Deutschthums im Auslände mit einem jährlichen Bei »rag von 100 M. beizutreten. Die Vorlage über den Anschluß der stäbtischen Uhren a» das Netz der Gesellschasl Normal» Zeit wurde einem Ausschuß überwiesen. Die Vorlage, betr. die Einlassung ans die Klage des früheren Hilfsarbeiters Barlinccht, auf Anerkennung seiner Eigenschaft als Vcamlcr, des dritte» derartige» Prozesses gegen de» Charlolleuburaer Magistrat, wurde zu geheimer Beralhuug zurück gestellt. Der Berlin« Charlottenburger Straßenbahn wurde die Ge� nehmiguug ertheill, aus ihren Nebenlinien bis zum 1. Oktober löS6 auch in der Berliner Straße den Betrieb mit Pferden aufrecht zu erhalten. Da» Vorgehen der Gesellschaft fand lebhaste Mißbilligung Die Stadlverordneten Buk« und Slröhler führte» aus. die Straßen bahn habe im November den Verlrag mit der Stadt angenommen und schon am 6. Dezember habe sie sich überzeugt, daß sie eine der Bestiiumnngen des Magistrats nicht erfüllen könne. Sie habe offenbar nach Lücken t,n Vertrage gesucht. Die Gesellschaft wird deshalb benachrichtigt, daß ihr über den 1. Oktober hinaus keinen Fall Nachsicht gewährt werden wird. Die staubfreie Miillabfuhr soll in Charlottenburg am l. April durch Polizeiverordnung eingeführt werden. Der Magistrat beab- hchtigt, sie vier i» Wettbetverb flehenden Unternehmer» zu über trage». Eine zweckniäßige Neuerung im Bibliothekswesen ist vom Charlottenburger Magistrat bei seiner neuen Bolksbibliolhek eiir geführt worden. Um den Benutzern der Bibliothek die Bestellung der Bücher zu erleichtern, hat der Magistrat mit der Packetsahrl- gescllschaft eine Vereinbarung getroffen, der zufolge die Gesellschaft a» ihren Ausgabestellen auch Bücherbestellzetlcl zum Verkaufe feil- hält. Diese Karleu sind jetzt ausgegeben worden. Der Preis be- trägt einschließlich der Besörderungsgebühr für 40 Stück iL Pfennig Klainottcnba«. Ein würdiges Produkt moderner Baukunst ist in der Ringstraße zu Rixdorf von der dortigen Polizeibehörde, noch bevor dasselbe Unheil anzurichten vermochte, im Weiterban iuhibirl worden. Die Behörde war nämlich der Sache„auf den Grund gegangen und hatte hierbei die nette Erfahrung gemacht, daß die Grundmauern anstatt ans Feldsteinen ans— Klamotte» hergestellt worden waren. Hoffentlich hat es hierbei nicht fein Bewenden; es ist angebracht, daß der findige Unternehmer zur strengen Beraub »vortung gezogen werde. Der Vorort Weisicusee steht vor der Frage der Errichtung eines Krankenhauses. In der letzten Sitzung der dortige» Gemeindevertretung trat der Geineindevorsteher entschieden für die Errichtung ein. Sollten sich die Verhandlungen, die der Gemeinde- vorstand mit dein Ziveigverein Berlin des Vaterländischen Frauen Vereins pflege, zerschlagen, so müßle die Gemeinde daran denke», zum Frühjahr selbst ei» Krankenhaus zu bauen. Der Verein ver lange zur Herstellung eines Krankenhauses von der Gemeinde eine aebl Morgen große Baufläche und verpflichte sich, mindestens 100 000 M. als Bausumme zu verwende». Die Gemeindevertretung setzte zur Prüfung der Angelegenheit eine Kommission nieder. Klcinnicisterliche Vcschränkthcit. Triftige Gründe waren es. ivelche in einer Versammlung von„Lehrherren und Meistern" in Friedeberg i. d. Neumark gegen das Fortbestehe» der obligatori scheu Fortbildungsschule geltend gemacht wurden. Es wurde nämlich hervorgehoben, daß der Zivang der Lehrlinge zun» Besuche der Fort- bildungsschule für die Meister unerträglich sei und daß dadurch die Arbeitszeit der Lehrlinge geschädigt werde. Die Strafen für u» entschuldigte Versäumniß:c. könnte» nicht vorkommen, wenn eine solche Schule überhaupt nicht bestände.(!) Die Lehrlinge wären von der Tagcsarbcit so ermüdet, daß sie geistig beim Unterricht nicht mehr anffassnngsfähig seien. Früher hätte man keine Fortbildurrgs- schulen gekannt und aus den Lehrlinge» wären doch tüchtige Meister geworden. Wer sich fortbilden wolle, könne dies später ans seine Kosten thmi. Die Stachbarstädte Woldenbcrg und Driesen Kälte» keine Forlbildnngsschulen, folglich brauche Friedeberg auch keine! Die bestehende müsse aufgehoben werden. Der erhobene Einwand, daß in heuliger Zeit eine Fortbildungsschule unentbehrlich sei, wurde entschieden zurückgewiesen. Die braven Handwerksmeister beschlossen schließlich, an die städtischen Behörden um Aushebung der Fort- bildungsschule zu pelitiouiren, da diese keinen Vortheil sür das Handwerk biete!! Die WohuungSverhältuisse in Spandan sind von jeher miserabel gewesen. Eine bürgerliche Zeitung fordert gegen- wärtig dazu auf, diejenigen Hauswirthe, welche unmittelbar über dem Abort gelegene und von diesem nur durch eine d ü n n e Fußbodendecke getrennte Rämulichkeile» als Wohnungen vermiethe», der Behörde anzuzeigen. In frühere» Jahren waren die Wohnungen in Spandau noch wenigstens im allgemeinen billig. Zu Neujahr dieses Jahres sind die Miethspreise jedoch ivesentlich gesteigert worden— in einzelnen Fälle» um ein ganzes Drittel—, dabei halten es aber einzelne Hausagrarier noch immer nicht für noth- wendig, ihre Häuser an die städtische Wasserleitung anzuschließen. Deshalb ist der Gedanke, hier einen Juteresscnverein der W o h n u n g s m i e t h e r zu gründen. Recht zeitgemäß, nur schade, daß man mit derartigen Mittel» die Begehrlichkeil der Hauswirthe nicht ganz wird beseitigen können. Moderner Menschenhandel. Auf dem Polizeiburean in Kattowitz erschienen am Freitag im Laufe des Vormittags unter Jammer und Klagen vier Mädchen aus Oesterreich, welche sich die Hilfe der Polizei erbaten. Sie waren im Besitz von Fahrkarlen Dzieditz-Berlin. Ei» Berliner Gesin devermittler hatte sie für Stellungen nach Berlin engagirt und ihnen auch die Fahr- karten gelöst. Die Mädchen kamen bis Kattowitz und mußten dort aus Verlangen ihres Begleiters aussteigen. Bald darauf vermißten sie denselben. Alles Suchen war vergebens. Es muß wohl etwaS vorgefalle» sein, was den Agenten zur schleunigen Flucht veranlaßt«. Zlllcin nach Berlin fahren wollten die Mädchen nicht, zumal sie nicht einmal de» Name» ihres Agenten wußten, und so wandten sie sich denn an die Polizei. Diese veranlaßte, daß den Mädchen von der Verkehrsinspektion der Eisenbahndirektion daS Geld sür die gelösten Fahrkarten zurückerstattet wurde, so daß sie wieder nach ihrer Heimath zurückkehren konnten. Die bedauernswerthen Ge< schöpfe waren, wie die„Pos. Ztg." berichtet, vollständig mittellos und hatten seit Donnerstag keinerlei Nahrung zn sich genommen. Soziale Vechtspflvge. Eine für Arbeiter wichtige Entscheidung traf in einer Sitzung vom 11. Januar 1898 das G e w e r b« g c r i ch t in Kassel. Ein Unternehmer Halle an einen Arbeiter die Tischler- arbeilen eines Nenbanes vergeben und zwar so, daß der Arbeilcr den g e f a m m t e n Bau auf Akkord übernehme» sollte. Daneben war aber»och die scheinbar dem widersprechende Vereinbarung ge- troffen, daß eine Kündigung zwischen beiden Parteien aus- geschlossen sein sollte. Vor Fertigstellung des ganzen Baues kam es zum Streit zwischen beiden Parteien und das Arbeitsvcrhältniß wurde gelöst. Der Arbeiter klagte nunmehr vor dem Gewerbe- gericht auf die Herausgabe einer Restforderimg an Lohn in Höhe von 47,48 Mark. Der Arbeitgeber bestritt die Ber- pflichtung dazu, da er au de» Kläger den ganzen Bau in Akkord gegeben und dieser nichi das Recht hatte, vor Vollendung desselben die Arbeit zu verlassen. Der Kläger berief sich darauf, daß bei einer Einstellung im Geschäft deS Beklagten jede Kündigung ausgeschlossen worden sei. Das Gericht enlschied, daß der Kläger jederzeit be- rechligt war. die Arbeit ,n verlasse», ebenso wie er jederzeit ent- lassen werden konnte. Die Lohnansprüche regelten sich in diesem Kalle so. daß dem Arbeiter jener Theil des Akkordes auszuzahlen fei der ferliggestellt wäre. Der Beklagte wurde deshalb verurtheilt, dem Kläger die ausgeklagte Summe zn zahlen.— Ein Arbeiter, der ohne Kündigung angenommen wurde, kann demnach seine Arbeit ohne Rechtsnachlheil auch verlasse», ehe er er einen übernomnienen Akkord beendet hat, selbstvirftändlich aber auch so enllassen werden. Tie alte löhuc« der fand ivieder Straskammer Gevtdjfcs�Svikttns. Wahrheit, daß durch Zahlung von Hnnger- Arbeiter zur Unehrlichkeit verleitet wird, in einer Gerichtsverhandlung, welche die vierte des Landgerichts I längere Zeit beschäfligte, ihre lraimge Bestätigung. Unter der Anklage der Unterschlagung und des Betruges stand der Konfeklionär Friedrich Hübner, neben ihm nurden der Konseklionsarbeiter Rod. Brauner und Frau, der Arbeiter Schmidt und Frau, sowie die Händler B i b c r f e l d»nd P i ck wegen Unterschlagung beziv. gewerbsmäßiger Hehlerei zur Verantwortung gezogen.— Dcr Angeklagte H ü b n e r hat in einem Schürzen- Konfekliousgeschäst gelernt und ist dann kurze Zeit in zwei anderen Kousektiousgcschäflen thälig gewesen. Erlebte über seine Berhällniffe hinaus, huldigte dem Radlersport und befand sich wiederholt in Geldverlegenheit. Er fand schließlich eine gute Stelle als Konfeklionär in dein Saliuger'scheu Schürzen- Konseklionsgeschäft in der Spandaucrstraße. Zu seinen Obliegen- heiten geHörle es namentlich auch, den Schneider», die in ihren Ar- beilsstuben mit dcr Herstellung der Schürzen beschäftigt wurden, die Stoffe und Znlhalen herauszugeben und ihre Lohnbücher auf dem Laufenden zn halten. Er hat diese» Posten zur Verübmig zahlreicher Acrnnlrcuungcn ausgebeutet. Nach seiner Behauptung seien eines Tages die Brauner'schen Eheleute, die sür das Geschäft arbeileteu, zu ihm gekommen und hüllen ihn anfgesordert, ein Glas Bier mit ihne» zu trinken. Bei dieser Gelegenheit habe Brauner angefangen davon zu sprechen, w ie u n g ü n st i g d i e L a g e d e r 5i o n f e k t i o n s a r b e i t e r sei und daß man verhungern könnte, wen» ina» nicht Nebenverdienste babe. Er soll dann dem Angellagtcu nahe gelegt haben, mit ihm Hand in H.rnd zu arbeiten und il>n> bei der Herausgabe der Stoffe Borthcile zu gewähre», die er mit ihm theile» könnte. Hübner rvill sich durch diese Worte und die Behauptung,„daß es in der Konfektion die meisten so machen" habe» überreden lasse» und hat dann die Veruntreuungen begönne». Nach seiner Behauptung hat er den Brauner'schen Ehe- leute» wöcheullich mehr Stoff und Zuthaleu zugewiesen, als dies buchmäßig zu geschehen halte, er will dann auch bei der Ablieferung der fcrligeu Schürzen denselben mehr augerechnet haben, als sie ab- lieferten. Er versichert, daß die Braimer'schc» Eheleute auf diese Weise wöchentlich einige Dutzend Schürzen wehr erhielle» als in die Slrbeitsbücher eingetragen wurden. In der Zeit vom Mai bis September hätte» sie>20 Dutzend Schürzen erübrigt, für welche der Angeklagte Biberfeld ein siels bereiter Abnehmer geivese» sei. Für seine Dicustleistiuig will der Angeklagte Hübner von Brauner wöchentlich ä— S M. bezöge» haben. I» eine ganz gleiche GeschäflSverbindimg ist er dann mit dem Angeklagle» Schmidt getreien, von dem er gleichfalls 3— K M. bezogen hat. Die Schmidl'sche» Eheleute sollen ihre Schürzen an den Händler Pick in der Lolhringerstraße verkauft haben. Hübner ist serner geständig, bei der Be- rech mm g von Arbeitslöhnen aller Art etwa 200 M. i» seine Tasche gerechnet zn habe». Herr Salinger schätzt den ihm durch den Angeklagten zugefügten Schade» auf über 4000 M.— Gegen diese Beschnidigmigen des Angeklagten Hnbuer wehrten sich die durch die Rechtsanwälte C o ß m a n n, G o l d st e> n und Wronker vcrtheidigte» Mitangeklagten mit aller Macht. Die beiden angeklagten Ehepaare behaupteten, daß Hübner Darlehne von ihnen eiitnonimen habe, ohne irgendwie Verimtremmgen als Gegendienste dafür zu leisten, die beiden Händler versicherlen, daß sie von dem unredlichen Erwerbe der Schürzen leine Kenntniß gehabt haben. Der Staatsanwalt hielt auf grund dcr staltgehablcn Beweis- ausnähme sämmtliche Angeklagte, mit Ausnahm« des An- geschuldigte» Pick, gegen de» er die Freisprechung beantragte, sür übersührt. Gegen H ü b» e r beantragte er anderthalb Jahre Gefängniß, gegen Brauner anderthalb Jahre Zuchthaus, gegen die Ehefrau Brauner ein Jahr Zucht- haus, gegen Schmidt ein Jahr Zuchthaus, gegen dessen Ehefrau anderthalb Jahre Zuchthaus und gegen Biberfeld zwei Jahre Zuchthaus, außerdem gegen säinnilliche Slngeklagten die üblichen Nebenstrafe». Das Urtheil lautete: Hübner 1 Jahr Gefängniß, wovon 3 Nlonate als veibiißt erachtet wurden, der Ehemann Brauner und die S ch m i d l' s ch e n Eheleute zn je einem Jahre Zuchthaus. Die Angeklagten Biberfeld, Pick und Ehefian Brauner wurden freigesprochen. Eine Kaftellanftcllc in Kamerun war daS Ziel der Wünsche eines polnische» Arbeiters, welche zu erfüllen der Agent O st e r» m an» sich bereit erklärt hatte. In Rücksicht ans die damit ver- knüpften Schwierigkeiten ließ er sich für seine Mühewaltung 12 M. im voraus bezahle». Der nur polnisch sprechende Arbeiter siel in der That auf den plumpen Schwindel hinein und schenkte der Ber- sichernng Glanben, daß in Kamerun allch polnisch gesprochen werde. Die Tragikomik dieser Slellenvermitlelnnas-Angelegenheit verfehlte vor dem Schöffengericht zu Posen ihre Wirkung nicht, doch ver- nrlheille dieses den schon mehrfach vorbestraften Agenten zu einem Monat Gefängniß. Wege» Vcdrohuiig. sowie geincinschaftlich verübten HauSfriedeiiSbrilchö auf einem Neubau der Firma Lachma»» u. Zauber Halle sich gestern der Maurer W i l h e l m Z w i ck vor der 135. Abtheilung des Amtsgerichts I zn verantworten. Ursprung- lich waren wegen derselbe» Vergehen vier Personen angeklagt ge- wesen; die drei anderen sind inzwischen bereits zu je 14 Tagen Ge- fäugniß verurtheilt worden, während die Verhandlung damals hin- sichtlich Zwicks wegen Krankheit ausgesetzt werden mußte. Der Angeklagte arbeitete mit jenen dreien zusammen ans einem der ge- nannten Firma gehörigen Nenba» in der Straße 30(jetzt Emannel- kirckstraße). Ilm 5. Mai vorigen Jahres kamen die vier Personen nach einem vorherigen Wortivechsel zwischen dem Angeklagten Zwick und dem Lachmann n. Zanber'sche» Polier Künstler am Nachmittage etwa l'/j Stunden zur Arbeit. Zwick hatte nämlich angenommrn, er würde doch„Feierabend" erhalten, und die drei anderen wollten dann auch nicht weiter arbeite». Sie wurden auch thatsächlich entlassen, gingen dann aber nicht gleich ans die Aufforderung Künftler's, außerdem sollen sie ihn durch die Worte bedroht haben: Dich schlagen wir todt u. s. w. Selbst Künstler konnte nicht behaupten, daß der Angeklagte Zwick diese Worte ge- äußert hätte; dagegen gab letzterer selbst zu, nicht gleich gegangen zn sei», als die Auffordernng erfolgte. Wie noch auf Befragen des Vertheidigers, Rechlsanwall Dr. Löwenstei», festgestellt wurde, be- indet sich nur an der Straßenfront ein Zan»,»ach hinten hinaus allerdings auch«in Zaun, der aber nach einer anderen Straße zu ein anderes Baugrundstück abgrenzt; die rechte Seite des in Frage stehenden Baues wird von einem damals bereits vollendeten Neubau flankirt, während sich an die linke Seite vier bis füns Bau- kellen anschließen, ivelche auf die Greisswalderstraße zu gehen und ebenfalls der Firnia Lachmann u. Zauber gehöre». Ein Ausgang von den verschiedenen Lachinan» u. Zauber'schen Bauparzellen nach der EinaniieUirchstraße befindet sich außer in dem Bauzaun« vor dem in Frage stehenden Grundstücke auch noch an einer andern Stelle dieser Straßenfront; andere Ausgänge sollen die ganzen Parzellen nicht besitze». Der Slaalsaiiwalt beantragte hinsichtlich der Bedrohung Freisprechung und wegen geiiieinschasllichen HailsfriedenSbruchs 1 Woche Gefängiilß. Rechtsanwalt Dr. Löwen- teiii plaidirte auch in dem letzteren Punkte für Freisprechung, da es ich bei dem erwähnten Grundstück nicht um ein befriedetes Besitz- thum handle, weil keine zusainmenhängenden Schutzwehren vor- Händen waren, wie das verschiedene ReichSgerichts-Enlscheiduiige» verlangten. Der Gerichtshof sprach de» Angeklagten zwar von der Anklage der Bedrohung frei, verurlheilte ihn aber wegen gemein- chaftlichen Hausfriedensbruchs zu 1 Woche Gefängniß; allerdings ei die einzelne Parzelle nicht von alle» 4 Seiten eingefriedigt ge- wesen, dagegen aber das ganze Terrain, welches die Firnia Lach- mann n. Zauber dort angekauft habe. Der Angeklagte wird Be- rusung einlegen. Wenn die Polizei sich in die Kunst einmischt. In Frank- furt a. M. beschlagiiahmle die Polizei bei dem Kunst-, Buch-»gd Anliquarialshäudler Karl Schwalbe eine Anzahl Photographien, sogenannte Modell-Aktslndie», die nackte Frauen darstellte». Hierdurch erfuhr die Polizei auch, daß die Photographien von dem Leipziger Pholographcn Arthur Rabaß hergestellt würde». Der bei R. vor- gefundene Rest der Photographie», die Originale und die mit Sch. gepflogene Korrespondenz wurde» infolge dessen auch mit Beschlag delegt und R. der Prozeß gemacht. Das Schöffengericht zu Leipzig hatle liuii zu prüfe», ob die Bilder unzüchtige feie» und ob R. sie verkaust habe. Der Vorsitzende, Aintsrichler Wmller, bemerkte, daß aus der bloßen Nacktheit ein Bild»och nicht zu einem»»züchtige» werde, denn sonst müßten ja alle Bilder- großer Meister ähnlichen Genres und die Skulpturen der Alten, die in unsere» Museen öffentlich ausgestellt seien, unzüchtige Abbildungen sein. Trotz dieser Ausführungen des Vorsitzenden stellte der Amts- anwalt den Antrag auf Bestrafung. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. In der Urlheilsbegründung wurde ausgeführt, daß das Gericht die in belracht koinuienden Fragen, ob die Abbil- düngen unzüchtige seien und ob R. sie verkauft oder verbreitet habe, verneint habe. Im übrigen schloß sich das Urtheil der schon vom Vorsitzenden ausgesprochenen Ansicht an. Es sei nicht ausgeschlossen, daß die Bilder rein künstlerischen und anatomischen Zwecken haben dienen sollen._ VevsANtmlunsen. Tie DartfgcmelnschaftS-Gcgner dcr Berliner Buchdrucker hielien am Mittwoch»nler dem Vorsitze Arendsee'S eine von etwa 70 Personen besuchle Versammlung ab, in dcr Buchdrucker Kitzler über das Thema:„Ist eine Trennung vom Verbände nolhivendig?" referirte. Kitzler begann mit der MUtheilung. daß verivichene Woche 40 Ber- liner Mitglieder aus dem Buchdruckerverband ausgetrcteii sind. Er verlas deren Namen und Miigliedsdaucr; es befinden sich viele darunter mit 10, 15 und 13jähriger, auch einer mit 22jähriaer Mit- gliedsdauer. Nur nach geivissenhaftester Erwägung sei dieser Schritt gelha»; noch vor zwei Monaten sei von fast denselben Mitgliedern der Vorschlag der Leipziger zur Bildung einer Soilderorganisalion zurückgewiesen worden. Es sei das Verschulden des Zenlral- Vorstandes, ivenn es nun soweit gekommen. Redner be- sprach nach der Reihe die Maßnahmen des Zenlralvorsiandes. Die Einleilnng der Tarifgemeiuschaft imd deren Abschluß seien Fehler, der Ausschluß vieler Kollegen verwerfliche Thale» gewesen. Unter allseitiger Zustimmung behauptete er, daß der Berliner Vorstand Spitzel zn gewinnen suchte, die ihm zutrügen, wer für irgend welche Zivecke in der Gewerkschaftsversammlung Gelder sammele. Weil deshalb Ditlnian», dcr 22 Jahre dem Verbände angchörle»nd stets in erster Reihe gestanden habe, vom„Verein Berliner Buchdrucker, Schristgießer und Spitzel" gesprochen babe, sei er ausgeschlossen ivorden. In letzter Zeil habe» sich die Fälle gehäuft, in denen die Gemaßregellen-Unterstützung verweigert wurde, selbst wo Streiks ausbrachen. Als in Luzern gestreikt wurde, habe der Verband sogar geduldet, daß ein Lnzerner Prinzipal sich aufs Leipziger Bureau bemühte und dort Streikbrecher anwarb. Freie Meinnngs- änßerung gebe es im Verband überhaupt nicht mehr; keine Verwaltung, sondern eine Regiernng sei vorhanden. Deswegen sei der Austritt auS dem Verband und der Anschluß an die Organisation der TarifgemeinschaftSgegner„Ge- werkschaft der deuischen Buchdrucker" zu empfehlen, der die Znkimft gehöre. T e u s e r t als erster Diskussionsredner stimmte in der ab- fälligen Beiirlheilung des Verbandes zu: den Auslrilt steht er jedoch als ganz verfehlt an. Es sei weit besser, als Mitglied des Ver- bandes für dessen Besserung zu wirken. Uebrigens fallen die jetzigen Zustände wesentlich dem Vorstande zur Last und dieser ivürde doch einmal seinen Posten räumen müssen. Nur Eberl sprach noch sür das Verbleibe» im Verband, doch auch er wandle sich tadelnd gegen den Berliner Vorstand. Nachdem noch Müller, Dittinann, W e i n l i ch, Roer. W n l f h o r st, Martini, Weber, Labjuhn, Michaelis und R o s e n t h a l weiter für die G r ü n d u n g eines Vereins gesprochen, wurde in diesem Sinne beschlossen. Dieser Berein soll nur als lokale Organisation gelte». Zur Ansarbeitung der Stalulen wurden die Buchdrucker Arendsee, Maser, Kitzler, H o s f m a n>i und D a u z gewählt. Außerdem wurde den Tarif- gemeinschaftsgegiiern empfohlen, sich beim Vertrauensmann der „Gewerkschaft", Richard Schulze, als Einzelmitglieder an- zumeldeii. In cincr öffeutlichen Tcxtilarbeitcr-Vcrfaliiinlung am Dienstag referirte Genosse Jahn über„WohlfahrlSeinrichinngen und das Verhalten der Kantinenkoniniission in der Berliner Velvet- fabrik." Es handelte sieh hierbei, wie schon in früheren Ver- sammlimgen nur barm», die eigenthümlichen Verhällnisse in der Velvetfabrik von Mengcrs n. Söhne einer Erörterung in der Oeffenllichkcit zu nnterziehen. Gemäß de» Jahn gegenüber gemachten Miltheilnngen wäre im Jahre 1893 in jener Fabrik eine Kantine errichtet und zn deren Kontrolle von der Fabrikleitung eine Koni- imssion„ernannt" worden. Die bisherigen Neberschüsse seien alljährlich zu Weihnachten an bedürftige Kranke vertheilt und zugleich Bericht über ÄlnSgaben und Eiiinahmeii erstattet worden. Seit April vorigen Jahres aber hat man weder der Kommission, noch de» Arbeiter» Einblick in die Bücher gewährt oder Bericht«rslallet, noch einen Ueberschuß vertheilt. Ei» Mitglied dieser Konimisfion konnte nicht umhin, diese Mitlheilungen zu bestätige», leider sei die Komniission machllos, elwas dagegen zu thun. Während von einigen anderen Rednern die eigenthümlichen Zustände in jener Fabrik des weitern geschildert wurden, sahen sieb Jahn und K o tz k e veranlaßt, auf die diesbezügliche» Bestimmungen der Ge- werbe- Ordnung hinzuweisen. Diesen Bestimmungen gemäß könnte jedenfalls die Behörde Veranlassung nehmen, der Velvetfabrik von Mengers u. Söhne des öftere» Besuche ab- zustatten. Denn die bisherigen Prozesse, welche die Firma gegen die „Verleumder" angestrengt, seien nur zn niigunsteii ber Firma ver- laufe». Den besten Schutz gegen derartige Zustände aber gewähr« die O r g a n i s a r i o ii des T e x t i l a r b e i t e r- V e r b a n d e s, dessen Zahlstelle für den Osten Berlins jeden Freitag abends 8 V.j Uhr im Lokal A n d r e a s str. 34 geöffnet sei. Briefkasten der Redaktion. P.. Oranieuburgerstrafte. Die Angelegenheit ist bereits von uns besprochen worden. Vielleicht erstatten Sie nne heute Bericht. K., Langestraße. Wir bitten um Ihren Bestich. WiilcruugSiibcrficht vom 13. Januar lm»8, 8 Uhr morgens. W« l l e r 5'S« «->=2, t; LZ II L-S-Ä C O � S'O heiter Nebel bedeckt bedeckt Nebel halb bedeckt wollig Schnee wollig halb bedeckt Dunst 4 5 6 1 0 1 —5 —1 10 6 -2 Wcttcr- Prognose für Freitag, 14. Januar Ib»tt8. Etwas kühler, zeitweise heiler, vielfach nebelig bei srhivachen südlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Veranlwortlicher Äiedalteur: Niigiist Iarobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in BerU». Hr. 11. 15. Iahrgllug. 2. Da«? des, Amiirls" Krrlimr WsdlM Freitag, lt. Jamar l8S8. VevsÄHttUtlttlrüem ?cr sozinldcniokratische Wahlverci» fiir t>elr 3. Wahl- frcitf hielt am Dienstag eine Bersammluug in H.ibel's Brauerei nt>, in der Genosse Dr. Friedeberg über:„Die sogenannte soziale G esetzgebnng" referirte. Der Vortrag, in welchem der Referent das Krankenkassen-, das Unfall- und das Vlieis- und Invalidität»- gesetz behandelte und die vielsacheu Mängel dieser Gesetze»ach jeder Richtung hin beleuchtete, wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen In der hierauf folgenden Diskussion ivnede, wie vom Referenten, zum Studium dieser Geietzgebung, nm sich vor Nachtheilen zu schütze» und zur größtmöglichsten Betheiligung an den Einrichtungen derselben aufgefordert. Unter Vereinsangelegenheiten wurde vom Genossen S eh o» H e i in die Frage aufgeworfen, wie sich der Wahl- verein zu denjenigen feiner Mitglieder stellt, die bei der letzten Stadtverordnetenwahl nicht gewählt habe», obwohl sie hierzu be- rechligt gewesen wären. Nach einer längeren Debatte, in der von mehreren Genossen der Ausschluß derartiger Mitglieder aus dem Wahlverein befürwortet wurde, gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem der Vorstand eine Untersuchung dieser Angelegenheit vorzunehmen hat und dem Statut entsprechend handeln soll. Nach- dem noch zun» regeren Besuch der Versammlunge» aufgefordert worden war, erfolgte der Schluß. Fiir de» sozialdelnokratischc» Wahlvercin fiir den liicrten Berliner Reichstags- Wahlkreis war zu Dienstag Abend eine Milglieder-Versamnilung nach„Königsbank", Fiankfurterstraße, einberufen worden, die jedoch nur schwach besucht war Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Versammlung beschloß man, von dem Referat des Genossen Wagner über „Industrie und Marine" Abstand zu nehmen und für Dienstag nächster Woche eine weitere Versammlung mit derselbe» Tagesordnung einzuberufen. Im Wahlvercin fiir de» sechsten NeichStagS-Wahlkrcis sprach am Dienstag Genosse Ledebour über die politische Lage. Die Rede knüpste an einzelne Erscheinungen des öffentlichen Lebens der jüngsten Vergangenheit an. Der erste Theil bot eine Kritik der Neichsjustiz. Ulis der Redner eben den Schönsted t'schen Satz besprach:„Wenn zwei dasselbe lhnn, so ist es nicht dasselbe", gab der überwachende Polizeibeamte eine hübsche Illustration dazu. Er unter- brach nämlich den Redner und verlangte, der Vorsitzende solle eine im Nebeuranin sitzende junge Frau entfernen. Während diese Forderung erfüllt wurde, sprach Genosse Ledebour weiter; abermals wurde er unterbrochen und ihm das Schweigegebot auserlegt, bis daß die Dame außer Gesichts- und Hörweite sei. Nachdem so deren Seelenheil gerettet war, konnte endlich fortgefahren werden. Ans der Rede ist»och hervorzuheben das Verlangen, welches Genosse Ledebour an die Fraktion stellt, sie solle nicht nur für Aus- Hebung deö Majestätsbeleidigungs-Paragrapheu, sondern auch für Ausscheidung des Begriffes der sormalen Beleidigung(§ 185 des R.-Str.-G.) wirken. Zweifellos würde ein dahingehender Antrag abgelehnt werden, aber es gelte, die Frage in die öffentliche Diskussion zu werfen und die öffentliche Meinung aufzurufen. Bei der Besprechung der Marinepolilik gelangte der Redner zu einem strikte verwersendeit Urtheil. Die Versammlung spendete lebhasten Beifall; Debatte fand nicht statt. Am 25. Jan. wird im Kolberger Salon die Generalversammlung des Vereins abgehalle»; es wird um vollzähligen Besuch ersucht. JIn der Abtheilung Gesundbrunnnen hielt Dr. Alfred Bernstein am Dienstag einen Vortrag über den Welt- markt. Der Redner wies darauf hin, daß China und Japan äugen- blicklich die Zielpunkte des europäischen Kapitalismus sind, er erinnerte daran, daß Deulschlands Exporthandel zu großer Blülhe gelaugt sei ohne Kolonial» und Flollenpolitik und ging dann über zu einer Beleuchtung der gegenwärtigen Verhältnisse des Weltmarktes, die bedingt werden durch vier historische Ereignisse: die Entwickelung der russischen Industrie, mit ihrem durch die transkaspische und tranZ- sibiriche Eisenbahn erschlossene» Absatzgebiet in Asien; den chinesisch- japanischenKrieg.bei dem es sich darum handelte, China dem europäischen Kapilalismns zu erschließen; die amerikanische Krise und die erhöhte Goldprodnktion der letzten Jahre. Am Schluß seines Vortrages be- sprach der Redner die Verhättniffe, welche sich jetzt in der Petroleum- und Znckerinduftri« entwickelt haben, als besonders charakteristisch für die Konzentration des Judnsttiekapitals. Eine Diskussion enl- stand nicht. Ter sozialdemokratische AgitationSverei» fiir den Reichs- tags Wahlkreis Stralsnnd-Franzberg-Rügen nahm in seiner Generalversammlung den Bericht des Borstandes entgegen. Der Vorsitzende gab bekannt, daß im verflossenen Quartal zirka 40 Kilo Agitationsmaterial gefainmell und verscbickt wurde; außerdem konnte der Verein den Genossen Jahn(Berlin) zur Abhaltung von Vorträgen nach Stralsund und Garz a. Rügen senden. Ter Kassen- abschluß ergab einen Baarbestand von 59,42 M. In der Ersatzwahl wurden gewählt: Schaum zum Kassirer, Schultz zum Bei- sitzenden und Putz in a n u zum Revisor. Die Sitzungen des Vereins siuden am ersten Sonntag jeden Monats nach dem l. bei Mörschel, Jüdenslr. 36, voriuillags 10 Uhr, statt. Gäste stets willkommen. Tic Maurer hielten am Mittwoch wieder eine öffentliche Ver- sammlung ab, um die Debatte über die Einigungsfrage fortzusetzen. Der große Saal der Tonhalle nebst Gallerie war bis ans den letzten Platz besetzt. Schon bei der Bureanivahl machten sich die Gegen- sätze zwischen den Anhängern beider Organisationen gellend. Jede Richtung schlug einen ersten Vorsitzenden vor und suchte die Wahl desselben duichznsetzen. Nach mehrmaliger Abstimmung wurde das vo» zentraler Richtung präsenlirte Bureau mit dem Vorsitzenden S i 1 b e r s ch in i d t als gewählt erklärt. Bor Eröffnung der Debatte gab Metzle im Namen der Mitglieder des Fachvereins folgende Erklärung ab: Eine Einigung der Berliner Maurer besteht in Gestalt der von beiden Seiten gleichmäßig besetzten Lohn- konnnission und muß dieselbe im Interesse der Lohnbewegung für dieses Jahr in der bisherigen Weise wieder gewählt werden. Eine Vereinigung beider Organisationen kann, da die Verbandsanhänger Auflösung des altbewährten Fachvereins und Eintritt der Mitglieder desselben in den Verband verlangen, auf diese Weise nicht erfolgen, denn das würde keine Einigung, sondern eine Unterwerfung sein, die die Uneinigkeit unter den Berliner Maurern schürt und fördert Ans diesem Grunde lehnen wir es ab, noch weiter die sogenannte Einigungsfrage zu diskuliren(Ruf: Pfui!) und bitten unsere An- Hänger das gleiche zu thun. Eine Vereinigung beider Organisaliouen kann nur Sache dieser selbst sein. Nach der Rechnungslegung der Lohnkoinuiission ist diese wie bisher neu zu wählen und hat die Sannuelkarten für dieses Jahr sogleich auszugeben. Hierauf legte S i l b e r s ch in i d l namens der Berbandsanhänger in der Einigungskoinmission folgende Resolution vor: Tie Versawm- lung erllärt sich mit den Verhandlungen der Einigniigskommiision nicht einverstanden, sie hält die Einigung beider Organisationen im Interesse der Lohnbewegung für uolhweiidig und beauftragt die Einigungskoniinisston, nochmals zu verhandeln, um eine Einigung, bei der beide Theile vachgebrn müssen, aui folgevder�Gi nndlage herbei- zuführen. Die zukünslige Organisation der Berliner Maurer ist die Zahlstelle des Verbandes. Dem Slatnt desselben ist ein nur für Berlin giltiger Nachtrag anzufügen. Das Streikreglement tritt für Berlin außer kraft. Der Slreiksonds bleibt bestehen und haben nur öffentliche Versaininlungei! über die Verwendung öffentlich gesaimnelter Gelder zu bestimmen. Die Heuligen Mitglieder des Verbandes verpflichten sich, dahin zu wirken, daß dessen Vorstand und Ausschuß sich mit dem Nachtrag zum Statut einverstanden erklären und daß der nächste Verbandstag daran uichs ändern darf. Im weiteren erklärt die Versammlung, daß die Einigung an der Frage der Erörterung von Politik und Zieligion nicht scheitern darf, da eine rationelle Politik in den Ge- werkschaften nicht betrieben und daher darauf verzichtet werden kann. Nunmehr forderte Kater seine Kollegen, welche ans dem Boden der Erklärung des Lokalvereins stehen, auf, den Saal zu verlassen, da weitere Verhandlungen nutzlos seien Etwa 300 bis 400 Personen leisteten dieser Aufforderung Folge und entfernten sich demonstrativ ans dem Saale, während noch weit über 1000 zurückblieben. Tie Versammlung nabm jetzt einen nn- gestörten Fortgang. Verschiedene Redner— außer einem Anhänger der lokalen Richtung— besprachen die Vorzüge der Zenlral-Orgaui- sation, betonten die Nothwevdigkeit der Einigung und tadelten das Verhalten der Lokalisten, deren Haltung man als kleinliche Rechthaberei bezeicknen müsse. Es wurde unter anderem auch auf die Töpfer verwiesen und bemerkt, dieselben hätten vor der Einigung nur 700 Mitglieder beider Organisation i» Berlin gehabt, während die Zahlstelle des Verbandes jetzt allein 340 Mitglieder aufweise. Nach Schluß der Diskussion nahm die Versammlung die Resolution S i l b e r s ch m i d t' s einstimmig an, mit der Mafigabe, daß die« selbe als Grundlage bei etwaigen neuen Einignngsverhandluugen dienen soll. Auch folgende Resolution wurde angenommen: Die Versaiiinilnng erklärt das Weglaufen der Kollegen lokaler Richtung organisirter Kollegen unwürdig; das Verhallen derselben zeigt, daß sie kein Interesse au dem Wohl der Berliner Maurer und der Lohn- bewegung haben. Da es nun nicht mehr möglich ist, eine Einigung beider Richtungen herbeizuführen, so erklären die Amvesende», sich der Zahlstelle des Verbandes anzuschließen und so lange zu agitiren, bis der letzte Berliner Maurer Mitglied des Verbandes geworden ist. S i l b e r s ch in i d t machte darauf aufmerksam, daß laut Beschluß früherer Versammlunge» alle Geldsammlungen, außer denen zum Streik- souds, zu unterbleiben haben, und auch letzlere einstweilen ruhen solle». Trotzdem würden von den Lokalisten Marken mit der Aufschrift: „Geueralsonds der deutschen Maurer" verbreitet. Das sei ein Bruch der getroffenen Vereinbarungen, daher solle jeder Kollege diese Marken zurückweisen.— Seilens der Charlottenburger Maurer wurde erklärt, daß sie jetzt, nachdem die Einigung gescheitert, in der Lohnbewegung nicht mehr mit den Berlinern zusammengehen wollen. S i l b e r s ch m i d t meinte dagegen, es werde sich wohl über diese Angelegenheil eine Verständigung mit den Charlottenburgern herbei- führen lassen. I» der Freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins sprach am 9. d. M. Graß mann über den Nutzen der Gewerk- fchaflen. Der Abrechnung des Kassirers zufolge war inklusive des Bestandes im vierten Quartal eine Einnahme von 141,92 M. zu verzeichne», der eine Ausgabe von 99,11 M. gegenübersteht. Dem Kassirer wird Decharge erthcilt. Die nächste Versammlung findet am 12. Februar bei Wille, Andreasstr. 26, statt. In Steglitz wurde in einer Versammlung nach einem Vortrage des Genossen Wagner beschlossen, sich an den Gemeindevertreler- Wahlen zu betheiligen. Die Kommission, welche die nötbigen Vorarbeiten zu erledige» hat, wird gebildet von den Genossen Sud r o w, Kluge, Näther, Sauer»ud D ö h r i n g. A> drlirr. KUd,>»a«>Mi»te. Jnlelßr. ro. v. 2 Tr. u n le r r t ch t» kur s e: in Nede-Uebun«(Ueder den Aufbau der Rede, Besprechung vollSwirthschafi- ucher und anderer Gruudfrageu) Montags, Dr. Conrad Schmidt: in SI a t i o» a t ö k o» o»> i e(Die mirihschasltiche Entmiclelung: Siobbetrieb und Handwerk! Kartellwesen. Arbeitsmarki und Arbeitsnachweis; die Aufgaben der Gew-lkschafte») Mimvochs, Schriftsteller Richard C a l w e r: in (Beschichte(HcttaS»ud Rom) stieitag«, Dr. A. Berthotd.— Die Biblio tbek ist an diesen Abenden vo» S— 9 Uhr geöffnet.— Mitgliedsbeitrag mouatitch rb Pf.. Kuisus(10 Abende) i M. pro Fach. Thcilnehmer werden aus- gemunmen in der Schute und in fotgende» Stelle»: Wottfr. ochnls, Admiral- straße Jon; Rens. Aarntmstr. c-; Schiller, Roseuthaterstr. 97;(Sieinert, Müller- su aste 7a, u. in den Sonntags Bersammtungen. Porstyender: Paul Mii tke tr., SO. Manie» fsetsir. ius; Kassirer: H. Königs, S. Tieffenbachstr. 80. itnlinn' Kranlie» hinterstübn»««- und Kcgräbnihuerrin für Kranen „nd vladchl».(Ergründet ivs»!.) Heute, abends 7—9 Uhr, bei Mehrwald, Alte Jakobftr. ö«-9S, Zahtabcnd. Daselbst werden auch jederzeit neue Mitglieder ausgenommen. Körper» und Aatrrrhrilverri» Krrti» dt. Braueret Königstadt, Schön- hauser-AIIee, abend« sjj Uhr: Vortrag des Herrn Eruudmaun über Gehirn- und Nervenleiden. Knnstgrwrrbr-Zeichnrr. Heute Abend 9 Uhr, Neue Roßstr. 8: Sitzung. Krrtiirrr Zirbriirrverkrrter- Urrrl» tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei Busle, Erenadierstr. 98, abend« sjj Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheitt: Am Zierde,> Kertln»: Für Unfall-, Invalidität«-»nd Alters-Versicherung, abend« ro» 7—9 Uhr: A. D a e h» e, Demminerstr. 80, v. 8 Tr. K. E u t h e i l. Wiesenstr. S9a, von 8—9 Uhr abends F. Pieschel, Eartenstr. 8«, v. 2 Tr. E. E i III a>t v IV« k i, Eartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. 31!. Stuhl m ann, Oderberger- strastes?. i Tr., von 6- 9 Uhr abcnds. R.Tain in, Hussttenftr 6, von 8—9 Uhr abends. A.Voigt, Wiesenstr.«l-«2. E. Warnst. Kolbergerstr. 7, von 8- 7 Uhr abend».— Nur für Invalidität«- und Altersversicherung: F. Blume. Strelitzerstr.es. P. N e i m a n n, Betlernrannstr. 88. F. Trapp, Schulstr. k>9, von 7-8 Uhr abends. W. Mo HS, Swineuründerftr.«4(vorn linker Aufgang). — Nur für Unfallversicherung: I. Krause, Eartenstr. 18. Zin vsteii! Nur sür JuvatiditätS- und Alteisversicheriing: tk. Bader Er. Franks m tersir. 34, v. i Tr. 9 in Süd«stell: Für Unsall-, Znvalidität«- und Altersversicherung: S ch a l t y o f f, Michaelkirchsir. 18. Zill Kiideii: Für Unsall-, Invalidität«- und Altersversicherung! F. S t ü g« l- maier, Eriinmstraste 39.- Nnr für Invalidität«- und Altersversicherung. P. Keller, Rirdorf, Paniersir. 38, Hof part. tili oiid ZI rsien! Rur sür UnsaUuersicherung: S. H ä» e l, Solmsstr. 44 IN Zlord Westen! Rur iür Unftillversicherung: I Krause, WUSnaiker straste 19. R. Stephan, Lesstngsir. 34. Zin Zentrum: Stur sür Unsailverflcherung: S. L ö s s l e r, Klosiersir. 91. Bei sämmtlichen vorgeuaniiteu Personen, bei denen hier keine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—9 Uhr. Pankow. Nieder-Schönhausen. Sonnabend, den 18. Januar, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn (Pankow), Mühlenstrafic 85; Grcheöffelltl.MsversiliWlililg i Die bemstehendeil Reichstags- Kahln. Resemtt ReM- tags-Abgeordneter 2. Diskussion und Verschiedenes. 222/2 jM- Zu recht zahlreichem Besuch der Versammlung ladet ein vvi- Achtung! Stralau. AMm! Sonntag, den 16. Jannnr 1898, nachmittags 9 Ihr, im liokale der„Brauerei Stralau'*: Oeffentl. Parteiversammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Sozialdemokratie und die Todesstrafe". Refer. Rechtsanwalt Genosse IVoirsaux- Heine. 2. Diskusston. 3. Bericht und Neuwahl der BertraueiiSperson, der Revisoren und der Lokalkommission. Um zahlreiches Erscheinen der Genosien und Genossinnen ersucht 222/1 Hie Vertrauensperson. DW?- Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entrec. Arbeiter-Büdnngsschnle. Am Sonntag, den 16. Jannar 1898, abends 7 Ihr, in Feuerstein"« FestsÄlen, Alte Jakobstr. 75: W?" Versammiung."Wß Vortrag(Referent wird in derSonntags-Nummerbekannt gemacht). — Nachdem. Oemüthllches Beisammensein und Tanz.- Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Nnch dem Vortrag haben nur noch Mitglieder mit ihren Angehörigen Zutritt. 4/4 Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends B/, Uhr, bei Cohn, Bcuthsti. 20/21:[76/9 de r Ort st erw a 1 1 m i Einsetzer. Tonutag. 16. Jan.. barm. 11 Uhr, bei Schöning, Köpnickerstr. 68: Uersamm! n n g. Das Erscheinen söimntlicher Mitglieder, üisbesondere der Kommission ist erwünscht. Achtung! Zimmerer. Achtung! Am Sonntag, den 16. Januar 1898, vormittags 16 llhr, tu Coiin's Festsülcn, Beuthstraßc 20—21: General DorsennttUung. Tages-Ordnung: I Abrechnung vom 4, Quartal 1897(Okiober, November, Dezember). 2. Beschlußfassung über diejenige» Kameraden, welche ihren Verpflichtungen der Organisation gegenüber nicht nachgekommen sind. 3. VereinSaiigelegen- Helten.— MM" Mitgliedsbuch legittmirt. Um zahlreichen Besuch bittet 267/1 __ Der Borftand. I. A.: Otto Hoppe. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters ÜVithoim Sciirooiler sagen wir allen Freunden, Bekannten sowie Kollegen unsern herzlichsten Dank. Rosa Schroeder liebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, den Firme» L. Knopfmacher und Ww. Bünger, sowie allen Kollegen und Kolleginnen sage ich hiermit für die Theilnahme beim Begräbniß meines lieben Mannes meinen besten Dank. 2694b_ Auguste Wellinann. Maurer. Verlmil der Mlier«.Tapezimr. VerivaltuiigsstoII« Derlin 1. Sonnabend, den 15. Januar, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstraftc 27 c: General-Bersammlung. Tages-Ordnung: I. Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung vom 4. Quartal. 3. Nen- ®ahl des gesammteii Vorstandes. 4. Verschiedenes. 166/1 Mitgliedsbuch legittmirt, mit Ausnahme derjenigen Kollegen, die sich bereit erklären, dem Verbände beizutreten. Dl« Drtsvorwaltuug. Voranzeige. Somiavend, den 12. Februar, gr. Wiener Maskenball in Märten's Vestsälen, Friedrichstr. 236. Billeis k Pcrson 60 Pf. Das Komitee. Am Toniitag, den 16. Januar, vormittags 16>/z Uhr, im Lokal des Herrn Kotiuiauu, Alexauderstr. 27c: des Bereius 5iir Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: I. Abrechnimg vom 4. Quartal 1897. 2. Re- Visionsbericht und Neuwahl eines Revisors. 3. Vereinsangelegenheiten. DV Mitgliedsbuch legitimirt."WG Die Mitglieder werden dringend ersucht, in der Versammlung zu er- scheinen._[129/2]_ Ter Vorstand. I. A.: ffr. Kater. Sranken-OnterstUtzungs* und fiegräbnissverein fiir Bau- u. gewerbliche Hilfsarbeiter Berlins. Sonntag, den 16. Januar, vorm. 10 Uhr, im Lokal Langestr. 65: kvnvnsl- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vorstandsbericht. 2 Abrechnung vom 4. Quartal 1897. 3, Vorstandswahl. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Jedes Mitglied ist verpflickitct, pünktlich zu erscheinen, da wichtige Sachen vorliegen._[30/1]_ Ter Vorstand. Central-Festsäle Ä, Ute Jakobstr. 32. Säle mit Bühne, 60—800 Personen fassend. Vereine und Versammlungen erhalten noch von Garderobe, Kasfeetafel Rabatt. Franz Htüler.* Verband der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutscbiands. Zahlstelle Schöneberg. Sonntag, den 16. Januar, nachmittags ll/2 Uhr, im Lokale des Herrn Obst, Grunewaldstr. liv: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen H. Faber. 2. Abrechnung vom vierten Quartal 1897. 3. Verbandsallgelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, sammtlich zu erscheinen. 29/1_ Die Ortsverwaitnug. Mir MmiiWilg drrWmillWger Berlins und Umgegend. Arn Sonntag, den 16. dannar, vormittags 16 /, I hr, bei Bnske, Grenadierstr. 38: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Kassenbericht. 3. Vereinsangelegen- Heitel» 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden auf§ 3 aufmerksam gemacht. 33/1 Der Vorstand. Achtnng! Bnchbinder, Kontobncharbeiter! Die Beerdigung des Kollegen Ohr. Ihenerhank findet nicht, wie irrthümlich angegeben, nach dem Lonisen-Kirchhof, sondern nach dein Gmiiiaus-Kirchhof tu Brist statt. 23/4 Für die englischen Maschinendnner gmgen ferner folgende Beiträge ein: Möbelfabrik Groschkuß, Gollnowstr. 19/20, II. Rate 20,66. Berliner Onix- u. Marmorsabrik Rilterstr. 40 6,-. Möbelfabrik Leimig n. Jatzku, Rüdersdorferstr. 3, 11. Rate 18,20. Tischlerei Voll mann, Rüdeisdorfersir. 26, 4. Rate 6,-. Tischlerei L. Lüdtke, Britzerstr. 8 16,60. Pianofabrik Siefert, Urbanstr. 102 7,36. Tischlerei Fähnrich, Schönhauser Allee 141, 3. Rate 4,-. Möbeltischlerei Stein, Gr. Franlfuriersir. 86, 3. Rate 7,86. Pianofabrik Laurinath, Wasserihorstr. 9, 9. Rate 14,86. Tischlerei Coirtois, Schwedter- straße 268, 9. Rote 3,—. Tischlerei Wehler lt. Schwab, Gr. Frcuikfnrtcr- straße 16, 3. Rate 6,-. Pianofabrik Herbst, Zossenerstr. 10, 7. Rate 6,60. Tischlerei Krause u. Gorilla, Königsbergerstr. 29, 6. Rate 8,60. Modelltischler Müllerstr. 13 3,90. Stillvergnügt 1,-. Tischlerei R. Schulz, Krantstr. 38a, 3. Rate 6,-. Tischlerei Penler, Elisabeth-Ufer 11, 4. Rate 9,76. H. Sch., 3. Rate 1,-. Möbelfr. W. Kümmel, 6. Rate 22,60. Möbclfr. Groschluß, Gollnowstr. 19/20, 12. Rate 20,66. Holz- nud Metallarbeiter d. Vogel, 8. Rate 6,10. Schneidemühl Haberer, Anklamerstr. 33 8,66. 4642 26 200�° M., bereits qitittirt 4342,21 M.. Gesammtslwime Weitere Beiträge nimmt entgegen der Arbeitsnachweis für Holzarbeiter Amienstr. 39. A'ir de» Justiilt der Inserate «ber»,ii»uit die Redaktix» de», Publik», n ftegeujiber keinerlei Aer,nitw»rt»ng. Tlzontov. Freiiag, den 14. Januar. vperichaus. Undine. Aus. 7 Uhr. Scha»spielha«S. Der»�Wissens- wurm.'Anfang?,/, Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Anfang 7 Uhr. Sessiug. Hans Huckcbetn. Anfang -»"Hr. Verl,»er. Romeo und Julia. Ans. „"Hr. Goethe. Minna von Barnhelm. Ansang 71/3 Uhr. RcueS. Die Logenbrüder. Anfang 7>/z Uhr. llutcr den Linden. Der Bettelstudent. Anfang 7,/, Uhr. SchiNcr. Der König. Ans. 8 Uhr. Nesidcuz. Sei» Dritt. Anfang 'Va Uhr. Thalia. Der Postillon von Lon- jilincau. Ansang 7l/z Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7V2 mit. Luisen. Ans goldenein Boden. An- fang 8 Uhr. Belle- Alliauce. Kenn. Anfang 8 Uhr. Cfleub. Der Verschwender. Anfang 8 Uhr. Vriedrich> Wilhelinsl.idiischcS. Die kleinen Bagabunden.(I.ss tlenx gossoa.) Aisfang 71/2 Uhr. Slletiandcrplah. Die Berführcri». Anfang 71/, Uhr. »rauia. Tniibrnsirasie 48— 4S. Natnrluudl. Anöstclluiig v. 10 Uhr vormittags ab. Abenos 8 Uhr Wissenichasll. Theater. Juvalideustrasie 57/02. Tiiglich (anher SonntagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wisscnschastiiche Bortriige. Aiuerieau. Spezialitäteii. Anfang 8 Uhr. NeichShallen. Spezialitäten. Ain sang 7l/z Uhr. «Pallo. Spezialitäten. Auf. 7t/, Uhr. Fee». Palast. Spezialitäten. Passage» Panoptiknni. Wiener Tanz- und Opereiten-Geseilschait. (Wallncr-Thealer). Freitag, abends 8 Uhr: Der König. 'Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Registrator anf Reisen. Sonntag,»achmiilags B Uhr: Ein Dropsen Gift. Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd�_ Centrai-Theater Alte Jakobflr. 80. Direktion Itlcliard Mellnitz. Freitag, den 14. Januar 1808: Letzte Woche! Emil Thonia» 0. in der aktiiillen Operetten-Bnrlcökch Dnö radelilde Berlin. Anfang 71/2 Uhr. Entree 30 Pf. Apollo-Theater. Frledrlcdetr. 218. vir. 1. GlUck. Paul Spadoni.« Lina Goltz. Desroclies-Bianca. Aurora-Troupe.» Splnk-Splnk. Miss llertlioldi Mr. Arraa. Brook and Dunckam. Carmen-Faur Lea 9 Reyvals.« SUter* Morden. Ssegwart Gentes U. 9. W. 11. S. IV. Kansencrüffnuns O'/j, An/. TV, Wir. Urania Tauben str. 48/49. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidcnsfr. Xo. 57—02. Täglich abends 7 Uhr; — Ausstellungs-Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschläge. Passage-Panopticum. Wiener Tanz- und Operetlen- Gesellschaft. Zum Schluss: llliiistrirtes Quodlibet In 12 lebenden Bildern. Casian's Panopticum. Friediichstr. 165. I 1 Indiftch- 011! 5 hiiidiista- Oll 1. �n'-fhe Gnukl c r — und— Sehlange n- lleHchwttrcr. Das BÄREN WEIB. Haehr's Theater Ormilcu-S90 142 472 735 80.3*7087 160 212 450 619 705 93 967*8316 575 784 803 942*1)120 220 463 532 812 014 »1)091 465 603 72»1145(100! 369 525 71 645 87 700 62»*034 251 86 746 814 72»»026 40 78 108 218 905»4059 126 216 397 454 519 694 702 16 25 946 »5030 273 80 450 610 948»0028 475 517 86 81 619 733 812 993»7024 334 590 l.»0«»l)! 604 88 5-957 67 1»018 r" »»143 182 210 419 572 927 (1001 55 820 45 985 89048 172 82 89 404 530 40218 417 63 780 40 836 914 41 41267 429 589 751 77 832 4*075 07 189 423 530 667 742 62 07 4»813 44053 368 676(100) 77 851 981 45067 176(100] 464 631 37 900 4 0196 264 350 440 75 61 529 45 918 47168 336 427 551 743 808 47 931 83 4ÖÜ19 185 471 721 UoOl 828 4»457 540 90 988 50036 102 267 339 69 487 525 72 95 flOO] 656 732 81064 298 443 52 5)7 66 747 64 955 5*088 658 78« {»»677 744 829 5 4007(100) 80 189 278 308(150) 42 449 69 741 965 81 55031 326 35 401 514 627 98 86« 72 7.3 50098 187 246 84 413 514|IOO) 870 37141 75 367 631 749 78 5)4545[1001 603 55 754 888 50073 315 513«--O 984 «1)242 321 553 640 780(1001 908(1001«1167 397 891 946 0*640 797 1100) 882 63 84 948 54 11:1170 869 81 451 646 846 54 964«1021 133 405 674«80 906 (13005 120 418 52 510 77 767«0066 230 379 439 537 662 64 85(200! 800 998«7387 482 93 692 852 908 •S101 788(100) 91556««ISO 80(100)417 620 88 759 88 70122 384 432 517 71284;311 77 401 28 610[150) 785 817 976 7*138 229 347 574 869.7:1169(100) 72 773 897 930»4505 728 63 837»5085 411 18 29 519 643 795 7N13I(1001 219 301 586«92 73? 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Senat 1993. HP Wiederum täglich ausverkauft! Allabendlich LachstUrme Uber Lachstürme und Hervorrufe Uber Hervorrufe der Direktoren Donatnnd Anton Herrnfeld In der neuesten Novität des Budapesterj Poesen- u. Operetten- Theater» der grossen Tragikomödie mit i „Stöhnen und Thränen":| „Familie Kochsalz;' Dazu das grosse hochkomische und künstlerische Brillaut-Spezialitiiten- Programm und die reizende Operette [ GerdlMchte Jungen.{ B Allabendlich Attraktionen von| Kaufmann's Variete. Olymp, -Riesen- TheaterJ (Circus Henz.) Karlstrasse. Itolonsy Sllralfy's Konstantinopel. Grösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 700 Aufführ, in London. 1000 Mitwirkende. T. Bild; Das Maifest in England. 2. Bild; Spanischer Stierkampf. 3. Bild; Wiener Jahrmarkt. 4. Bild: Räuberüberfall in den rumelischen Borgen. Idas Schlachtfeld. 5, Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Räuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballsts, die Pracht der KostUme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,—, 1,50, 2,—, 2,50, 3,—, 3,50, 4,— und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende 10l/j Uhr. BBsa Quorg-'s msm | Taadeville-Theater I | Grand-Hotel Alexanderplah. B t Das Armband.- I Das Modell.' 9 _. Avis!-5pS _ Sonnabend, den 15. Januar,'S S bleibt das Vandeville-Theatcr ~ geschloffen. Dasür: Einmaliges r Gastspiel bcc Itndupcstcz* im Parodie-Theater, Oranienstrakc 62. 1 Kha'.cspt" Sanssouci «ottbnser Straffe Nr. 4a. Dir. H. Pimch. Artistischer Leiter Jos. Nschinger. Großer Beifall! Am Rtiihe iitr Zireiieil. AuSstattniigSstlilk mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Joh. Eistner u. Jean Hänstler. Musik von Joh. Eihner. Neue Spezialitäten. Sonntags Anfana des Konzerts 5 Uhr, der Vorstestung 6 Uhr. GvoTzvv Vttll. Eniroe 50 fi'f. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. JJSf* Kntree SO IT.-"XJSgj Passe-partouts gelten. Vorstelliingen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. FfrvAis Husch (Knhnhof llUmo). Freitag, den 14. Januar 1808, abends T/3 Uhr: MmorMchtr Abend. Zaragoza, Orig.-Manäge- Schaustück des EircnS Busch, cntnominen ans dem spanisch. Leben. Besonders hervorzuheben: Eine spanische Eisenbahn mit eintretender Katastrophe. Die Flucht des Don Eastodnrns mit seiner Geliebten und sämmtl. Pferden aus dem brennenden Schlosse. Angerdcm: Bär und Schild- wache. 100 ClownS, männliche und weibliche, darunter 20 der besten Parterrekprtnger. Clown Boganowsky als Schncllphotograph. Die vorziig- llchsten FreiheitSdrcffuren des Direktor Busch. Auftreten des amertlanischeli Parforee- Reiters Mr. Roh. Whittaker sowie deS vorzttgl. Schulretters Herrn Pocttlt-Burghardt. Morgen 7l/t Uhr: Parade-Cala-Vorstellung. 30, 40, Blatt 50 Pf., Keule 70, 80 Pf. Hafen ä M.. gespirkt 3,50 M. tianinchen; Gänse 50, 55 Pf. Hühner, Einen, Taube«. Wild- und Geflügel-Handlung A.kilsciti.Drtsdtilttstr. kl. Ilcaiar-Ideale!'. DreSdenerstrabe 52/53(Eitp-Passage) Ilnnenstrahe 42/43. Direllion: Richard Winkler. Vornehmster Fauliiien-Anfenthalt. Neu! ZCIcttc 3latr«»ca. Neu! Große Ansstattnngs-Operette in 1 Akt von Ed. Lindner. Neu! Vorher: Meul Die lilebc im Eckhause. Lustspiel In 2 Auszügen v. A. Eosmar. Auftreten säiiiintlicher Kunst- Spezialitäten. Ansliiq: SVUuN' Entree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Ps. Vorzugskarten haben Giltlgkeit. Concerthaus EcipzIgcrutr.Xo. 48 DM" Täglich:-VE Roffmann's Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Toililltbeilh, iieil 13. Zaituar: Geschlossen. Vicioria- Srauerei liUtzow-Strasae 114 IIS. Heute sowie jeden Freitag und Montag; Stettiner Sänger (Akepsel, Pielro, Vrition, Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. ' Eutrcc 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. W. Noack's Theater II n n n c n- 8 t r a m n o 10. Heute Freitag, 14. Januar 1898: Der DerrStadtmuIlims und seine Kapelle. 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