Kr. 13 Atunmaneut»-Krdwguilgell: »bonnimentS»Preti pränumerando: «terteljShrl. SL0 Mk., monatl. l.io Md. «öchenlltch W Pfg. fret int Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit tlluftrtrter Sonntag»- Beilage»Dt« Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- PreiZlifte für ISVS unter 7S7S. Unter«reuzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungar« S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 15e Jahrg. Dt« Insertion--Vebülfr beträgt für die fechSgespallene Nolonel- teile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und Versammlungs-Anzelgen, sowie ArbeiiSmarN 20 Pfg. Inserate für dt« nächst« Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag« in der Erpedttton abgegeben werde». Die Erpedttton ist an Wochenlagen bi» 7 Uhr abend», m Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Erfchriul lZglich«uArr Montap». Devliner Volksblskt. ZKrnspr-ch-r: Smt I,»r. 1300. Zelegramm-Adreffe: „»ozinldluwkritt»»Hin", Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Zledaktlou: SV. 19. Zieuly-Straße 2. Sonntag, den 16. Januar l8i)8. KLpedltio»: SV. 19. Mellty-Straße 3. Arbeikevkrutz und Voalikions� freiheit in England. All' die Fragen, welche das Zirkular deS Grafen Posa dowsky auswirft, haben, freilich schon vor Jahrzehnten, die öffentliche Meinung, Presse, Regierung und Parlament Eng� lands beschäftigt. Der Gang der Eutwickelung war der vom Koalitionszwang zur Koalitionsfreiheit. In England be datiert kein Staatsmann, keine Zeitung, ja kaum noch ein Unternehmer, daß die Gewerkschaftsbewegung frei ist von jeder polizeilichen Aufsicht, Bevormundung und VerfolgungSsucht, daß Streiks sich ohne jede Störung abwickeln können. Die tiefen Wunden, die dem Rechts- bewußtsein des Volkes, der Autorität der Behörden und auch der Industrie die Einmischung der Behörden in die aus dem Arbeitsverhältniß entspringenden Zwistigkeiten geschlagen hat, machten es für immer unmöglich, daß jemand beim englischen Volke, seiner Regierung und seinem Parlamente ernst genommen wird, der Vorschläge wie die des Grafen Posadowsky zur Diskussion stellen wollte. Für unsere Gegner lehrreich, für unsere Leser nicht un- interessant wird eine kurze Darstellung der englischen Er sahrungen mit dem Arbeitertrutz sein. Streiks und sonstige Arten organisirten Widerstandes gegen Forderungen der Unternehmer wurden mit fester Hand niedergehalten. Die ersten zwanzig Jahre des 19. Jahr- buuderts waren Zeugen einer im Namen des Gesetzes geführten Verfolgung von Trades-Unionisten als Aufwiegler und Um stürzler. Diese Verfolgung, die das gedeihliche Wachsthum der Unionen hiliderte und ihre Mitglieder zu Gewaltthätig leiten und Aufständen trieb, führte schließlich zur Ab schaffung der gegen die Verbindung gerichteten Gesetz> und zur Geburt der modernen, nun so mächtigen und einflußreichen Gewerkschaftsbewegung in England. , Einem einzelnen Unternehmer, sagte Lord Jeffrey, stand es zu jeder Zeit frei, alle seine Arbeiter— ob 190 oder 1000— augenblicklich zu entlasse«, wenn fie die Löhne nicht akzcptiren, die es ihm gefiel, ihnen zn bieten. Aber es wurde der Gesammtheit der Arbeiter als ein Verbrechen angerechnet, diesen selben Meister, wenn er sich weigerte, die Löhne zn gebe», die sie verlangten, auf der Stelle zu verlassen. Kein Mensch erhob Anklage gegen die Messerschmiede nieister, die im Jahre 1814 ganz offen die„Sheffield Mcrcantile and Manusactnring Union" gründeten, deren hauptsächlichste Satzung die war, daß kein Kaufmann oder Fabrikant bei Strafe von 190 Pfd. Sterl.(2999 M.) für jede Ueberichrcitung dieses ungesetzlichen Vertrags, für irgend einen in Sheffield verfertigten Artikel höhere Löhne zahlen dürfe, als im vorhergegangenen Jahre allgemeiner Satz ge wesen. Aus der ganzen Epoche der Repression, wo tausende von Arbeitern für das Verbrechen leiden mußten, Verbindungen cingeganpen zu sein, wird von keinem einzigen Falle berichtet, wo ein Unternehmer für dasselbe Vergehen bestraft wurde. In die allgenieine Angst der herrschenden Klasse, daß die Un- botmäßigkeit sich zur Rebellion entwickeln könne, mischte sich die Abneigung der Kapitalisten gegen hohe Löhne und der Abscheu des Politikers vor demokratischen Einrichtungen. Tie Koalitionsgejetze wurden, wie Francis Place uns erzählt, als absolut uothwendig betrachtet, um ruinöse Erpressungen seitens der Arbeiter zu verhindern, die, wenn nicht auf solche Weise in Schranken gehalten, alle Gewerbe, die Fabriken, den Handel und die Landwirthschaft der Nation zu gründe richten würden. Dies führte zu dem Schluß, daß die Arbeiter die geivissenlosesten aller Menschen seien Gerechtigkeit zu erlangen stand für sie ganz außer Frage; nur selten wurden sie von den Richtern angehört und niemals ohne Zeichen der Ungeduld und ohne Beleidigungen; niemals durften sie auch nur annähernd ans eine rationelle Schluß- folgerung rechnen. Die Verhandlungen, Verhöre und Prozesse vor den Polizeibehörden und Gerichten aller Instanzen waren charakterisirt dnrch grobe Ungerechtigkeiten, faule Beschimpsniige» und süchterlich harte Strafen. So urtheilt ein Bourgeois jener Zeil. Im Dezember 1817 trafen die Polizcibeamten von Bolton, die zufällig erfuhren, daß zehn Delegirte der Kattundrucker aus den verschiedenen Distrikten des Königreichs am Neujahrs- tage zusammenkommen würden, Vorkehrungen, dieselben als- bald zn verhaften und alle ihre Papiere mit Beschlag zu be- legen. Diese zehn Delegirte hatten drei Monate Gefängniß zu erleiden, trotzdem sie in keinem Streik mit ihren Unter- nehmern lagen. Aber der Hauptzweck des Gesetzes war, Streikende schachmatt setzen und Forderungen von besseren Arbeitsbedingungen abweisen zu können. Schon im Jahre 1786 war das bestehende Verschwörungsgesetz künstlich gedehnt worden, um fünf Londoner Buchbinder, die einen Streik behufs Reduzirnug der Arbeitsstunden von zivölf auf elf geleitet, mit zivei Jahren Gefängniß zu bestrafen. Am meisten bekamen die Arbeiter der neuen Textil- industriell die Schwere des Koalitionsgesetzes zn fühlen. Wbite und Henson verglichen die Wirkungen des Gesetzes von 1890 auf diese Berufe mit einem„fürchterlichen Mühlsteine" an dem Hals des Arbeiters, der denselben bedrückt und zn Boden ge- zogen hat. Bei jedem Schritt, den er versucht hat, bei jeder Maßregel, die er ersonnen, um seinen Lohn ausrecht zn er. hallen oder zu heben, wurde ihm erklärt, das sei ungesetzlich. Die Richter, die da glaubten, im Einklang mit den Ansichten der Gesetzgebung zu handeln, wenn sie die Löhne niederhielten und die Verbindungen hinderten, behandelten in fast jedem Falle jeden Versuch seitens des Arbeiters, seine Lage zu ver- bessern oder seine Stellung in der Gesellschaft zu heben, als eine Art Auflehnung und Widersetzlichkeit gegen die Regierung. Am 21. Februar 1834 veranlaßtcn die Pächter des Dorfes Töpuddle die Lokalbehörden, Plakate anschlagen zu lassen, welche die Landarbeiter mit der Androhung verwarnten, daß jeder, der der Union beitrete, zu sieben Jahren Deportation vernrtheilt werden würde. Im Verlauf von drei Tagen wurden die Brüder Loveleß und vier weitere Mitglieder fest- genommen und ins Gefängniß gebracht. Die Loveleß und ihre Freunde scheinen schlichte Methodisten und zwei von ihnen Wanderprcdiger derselbe», also gute, fromme Christen gewesen zu sein. Es wurde in der Anklage und in den Zeugenaussagen nichts gegen sie vorgebracht, was schlimmer war, als daß sie Spielereien mit Eiden getrieben.>vas zu den Einführungs- zerenionien ihrer Gewerkschaft gehörte. Kein Versuch der Ein- schüchterung, der Geivallthätigkeit, ja nur des Streiks und der Lohnforderung konnte ihnen vorgeworfeii werden, und doch wurden sie nach denkbar kürzester Verhandlung zu siebeuJahren Deportation vernrtheilt. Der Ministerpräsident billigte diesen Urtheils- spruch öffentlich, am 30. des Monats, der dem Prozeß folgte, erklärte die Regierung im Parlamente, daß die Vernrtheilten im Gefangcnenschisfe nach Botany Bay(Australien) auf dein Wege seien. Noch im Jahre 1851 urtheilte der berühnite englische Jurist Roberts über die den Arbeitern entgegenstehenden Schivierig- leiten folgendermaßen:„Es giebt in der That in de» Gerichts- Höfen Männer, dte ehrlich sind und den Wunsch haben, ihre Pflicht zu erfüllen. Aber alle ihre Tendenzen und Lebens- umstände stehen im Gegensätze zu den gewerkschaftlich organisirten Arbeitern. Sie hören den Gegnern der Gewerkschaften nicht nur oft, sondern auch gerne zu und lernen aus solche Weise den Fall mehr kennen, wie er gegen die Arbeiter steht, als was in ihm zn deren Gunsten spricht. Man kennt die überwältigende Macht, wenn die Arbeiter vereint handeln, und das erweckt natürlich den entsprechenden Wunsch, den Arbeitern um jeden Preis Widerstand zu leisten. Und so giebt es hundert andere Faktoren, die alle ans dasselbe hinauslaufen: politische Verbindungen, Verbindungen dtirch Heirathen, Hoffnungen auf Erbschaften w.:c. Ich will damit nicht sagen, daß alle Inhaber von Richterposten in dieser Weise oder etiva alle in gleichem Umfange beeinflußt sind, aber es ist sicherlich zum mindesten ein nicht sehr aussichtsvolles Spiel, in einer Frage für einen Arbeiter als Anwalt aufzutreten, die den geringsten Zweifel gegen ihn zuläßt. Es ist mir noch nie vorgekommen, daß ich einem Friedensrichter begegnet iväre, der eine Vereinbarung von Meistern, irgend einen bestinimlen „lästigen Burschen" nicht zu beschäftigen, als ungesetzliche Handlung betrachtet hätte; kehrt mau aber den Fall um, so hat man sofort eine fürchterliche Verschivörung, die durch den kräftigen Arm des Gesetzes iiiedergehalten werden muß." Bis in die letzten 60er Jahre unseres Jahrhunderts, an einzelne» Orten bis in die 70er Jahre gingen die Ver folgungen der Arbeiter wegen ihrer gewerkschaftlichen Thätig- keit. Aber die von den Fanatikern der brutalen Unter- drücknngs- Politik erhoffte Wirkung blieb aus. Den Gewerkschaften konnte das Lebenslicht nicht ausgeblasen iverden. Trotz aller schweren Opfer, die das Zu- sammenhalten der Arbeiter forderte, standen die Ar- beiter nicht nur immer zahlreicher, nein auch immer fester und treuer zusammen. Statt Gewaltthätigkeiten zu ver- hindern, beschwor die erzwungene Geheimnißihuerei eher solche herauf und ermöglichte, den Arbeitern Thaten unterzuschieben, an denen aZents provocateurs, jedenfalls keine Gewerkschaftler die Schuld trugen, so die folgenschwere Schieß- pulvcr- Explosion im Hause eines Arbeiles in Sheffield im Oktober 1866. Die Folge dieser That war die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission, die feststellte, daß allerdings in Sheffield und Manchester bei Schleifern und Ziegelarbeilern verbrecherische Handlungen begangen wurden, daß sich indeß keinerlei Mitschuld ans Seiten anderer Geiverk- schaften ermitteln lasse und daß vor allem die großen, mächtig erstarkten Gewerkschaften, die sich einer ungestörten Entivickelnng erfreut hatten, solche Gewaltthaten nicht nur theoretisch miß- billigten, sondern auch praktisch nicht zur Ausführung kommen ließen. Das erste Blatt des englische» Kapitalismus, die Times" mußten auf grnnd der Ergebnisse der jahrelangen Arbeiten der parlamentarischen Untersuchnngskommissio» er- klären(Leitartikel vom 8. Juli 1869):„Wahre Staatskunst wird versuchen, den Einfluß der Gewerkschaften weder zu er- höhen noch zu verringern, sondern ihn als Thatsache aner- kennen und ihm freien Raum zur legitimen Eutwickelung zu geben." Nach einigen Jahren wurde den Gewerkschaften da? volle Recht von Vereinen mit juristischer Persönlichkeit eingeräumt und heute giebt es in England keinen verilünftigen Mann, der eine Gemaltpolitik gegen die Gewerkschaften empfehlen wollte. Man hat Vertretern der Gewerkschaften höchste Staats- äinter angeboten und übertragen, ihre Aenßerungen haben nun stets Anspruch, als gewichtige Urtheile angesehen zu werden. Ruhig, friedlich verlaufen die Lohnkämpfe, so der heroische Kampf der englischen Maschinenbauer, der nun sieben Monate währt. Selbst der deutsche Kaiser, der erst ini vorigen Jahre den Schutz der Arbeitswilligen in seiner viel- vermerkten Bielefelder Rede proklaniirt hatte, äußerte sich rückhaltlos anerkennend über den Verlauf dieses Riesen- kampfes. In völlig unbeschränkter Freiheit, aber auch in den sried- lichsten Formen verläuft das Leben der englischen Gcwerk- schaften, nachdem drei Vierteljahrhnnderte niehr oder minder brutaler Vergewaltigung der Aera der Koalitionsfreiheit in England vorangegangen sind. Der Graf v. Posadowsky kennt die Geschichte der eng- lischen Gewerkschaften nicht; denn sonst würde er nicht eine Entivickelnng, die der englischen gerade entgegengesetzt ist und die deshalb nicht blos für die Arbeiter die schwersten Gefahren zeitigen wird, über die aber die Unternehmer vielleicht noch mehr zu klagen haben werden und die den Staat nicht festigen wird, anstreben. „Wer den Frieden will, bereite den Krieg," dieses Wort mag dem Grafen Posadowsky, den Stumm und Konsorten vorschweben, und sie denken dabei an den Frieden für die Unternehmer, an die Ruhe des Kirch- Hofes für die Arbeiter. Die Schlauen irren aber, sie werden diesen Frieden im Deutschen Reiche nimmermehr schaffen. Verwirklicht man den Plan des Grasen Posadowsky, so bedeutet dies nichts anderes als die äußerste Verschärfung der Klassenkämpfe. Wir sind die letzten, die diese Entwicklung der Dinge un- bedingt zn beklagen hätten.— politische MebeeNcht. Berlin, 15. Januar. Der Erlast des Grafen Posadowsky wird durch seine Wiedergabe in der hochoffiziösen„Nordd. Allg. Zeitung" als authentisch festgestellt. Der größte Theil der Berliner Presse druckt das bedeutsame Aktenstück ab. Das Organ der Zentrnmspartei, die„Germania", bemerkt zu demselben: Die Einschränkung des KoalitiouSrechts bleibt immer ein ge- fährliches Experiment. Wenn man de» Unternehmer» anstandslos die Bildung von Ringe», Syndikate», Streikversichernngen gestattet, wiid es eine tiefgehende Erregung hervorrufen, wenn andererseits dem arbeitenden Volke die Bedingungen erschwert wer- de», aus denen es seine Lage mit gesetzlichen Mitteln verbessern kann. Der„Vorwärts" begrüßt dann auch die geplante„Knebelung" des Koalilionsrechtes als die beste Wahlparole. Hoffentlich ist der Alarmschuß des„Borwäris" noch rechtzeitig genug gefalle», um eine Ueberrumpelung»ach Art des Etuinm'schen„kleinen Sozialistengesetzes" z» verhindern. Für de»„Rückivärtskurs" in der Sozialreform ist das Akleustück jedenfalls bezeichnend.— Das christlich-soziale„Volk" sagt: Es zeigt sich hier wieder deutlich, in welcher Richtung man offiziell arbeitet. Derselbe Minister, der vor wenigen Tage» er- klärte, man müsse die' Sozinlresorm stillstellen, iveil ihre Durch- sübrung zu viele Schutzleute ersordere, plant hier ein neues Gesetz, dessen Durchführung jedensnlls eine kolossale Verstärkung der Schuhmannschast»othlvendig machen würde. Die Organe der Schlotbarone und der Großagrarier, „Die Post",„Berl. N. Nachr.",„Berl. Pol. Nachr.", National- liberale Corr.",„Nat.-Zlg." und„Deutsche Tagesztg." drücken in mehr oder minder lauten Fanfaren ihre Freude über den Eifer Posadowsky's ans. Die„Volks-Zeitung" greift recht energisch, die„Berliner Zeitung" schon stiller, die„Vossische Zeitung" blos mit einer historischen Reminiscenz, und die am ungenirtesten kapitalistische„Freisinnige Ztg." fast gar nicht de» Erlaß an. Wenn man den Kampf gegell die Knebelung der Arbeiter- klaffe uns allem überlassen will, so iverden wir auch bei den Wahlen am müheloseste» die Arbeiterstimmen auf unsere Partei verpflichten können. Von seilen der Sozialdemokratie aber, wird gelegentlich der Reichstags-Wahlen der Kampf gegen die Verstlimninng mit aller Energie im ganzen Reiche auf- genommen werden. Graf Posadowsky wird diesen Kampf nicht überleben!— Daö militärische Panama. Unser Pariser Korrespondent schreibt uns unterm 14, b, M.: Die militärische Oligarchie, die in Emile Z o I a' s Anklagebrief an den Pranger gestellt wurde, hat im Geuosse» I a u r ö s auch einen parlamentarischen Ankläger gefunden. Das ist wohl das bedeutsamste Ergebniß der gestrigen D r e y s n s-D e b a t t e in der Kammer. Dem chauvinistischen Geheul der inititärfronune» Mehrheit und dem feindseligen Schweigen der feigen Radikalen trotzend, ging Jaurös scharf ins Gericht mit dem diktatorischen Gebahren des Generalstabes. Es war die höchste Zeit, nachdem der klerikale Kürassierer, der Abg. d« M u n, im Namen der„Armee" als Antwort auf Zola's Brief vom Kriegs- minister und von der Kammer gebieterisch eine nochmalige Heilige sprechung der militärische» Oligarchie verlangt Halle. Die Personen» frage in der Affäre Dreyfus-Esterhazy ganz aus dem Spiele lassend, zog Jaurös die polilische Bilanz derselben:„Die Wahrheit, welche kein Murre» und kein Piotest ersticke» werden, ist, daß es zur Slunde dem Kriegsminister leichter zu sein scheint, die Presse, ivelche die inililärischen Mißbräuche denunzirt, zu unterdrücken, als diese Mißbräuche selbst.... Wir haben das giecht, von Euch zu verlangen, das eigentliche Prinzip der Republik, die Unterordnung der militärischen Macht »nler die zivile Macht, nicht zu verleugnen. Ihr wollt, um ans der Sackgasse, in welche Ihr Euch verrannt habt, heransznkonnne», eine Diversion gegen die Presse und die Journalisten versuchen. Ich? sage Eiich ganz einfach: Ihr fleht im Begrisf, die Republik den Generälen a n s z u l i e f e r»." Der lallte Wiederhall, den Jauräs' Protest und Warnung auch in dem besseren Tbeil der radikalen Presse gesunden haben, zeigt, daß die freche» Uebergriffe der inililärischen Oligarchie endlich den Bann des sorgsällig anfgepäppelleu mililärisch- chauvinistisch- anlisemitischcit Terrorismus gebrochen habe». Die feige Hallung der Radikalen in der Kammer ivird von den angesehenen radikalen Blättern deutlich desavouirt. Das Gros der radikalen Fraktion hatte nicht einmal bf« M»IH, flfflen be M»»'S Resolution j« stimme», welche, fnllä sie überhaupt eine» Sinn hat, dem Berlaugen»ach riuer Knebelung der Presse gleichkonrmt. Die Ltesolulio» rvnide aiigenouunen nrit 239 gegen blos 197 Sliinnren. Noch »nchr, der ehenratige radikale Kriegsniinister, Cavaignac protestirle mit dem Kriegsmiuisler, General Billot, um die Wette gegen JanrüS'„Aiigeiffe aus die Armee". Er vergast vollständig welch' hartnäckigen Widerstand die Jesnitenziglinge des Veuerab slabes ihm, den, zivilen Kriegsminister, beim geringsten Reform� versuch entgegengesetzt hatte». Wie all« offenen und versteckten Feinde der Republik, ideustzirte er de« llerikalen viilitärische» Klüngel mit der Zlruree.... Für die iveitere Entwickelnng der Dreyfns-Assär« ist die Kaminer bebaue insofern von Bedeutung, als die Regierung sich nun ge zn'unge» sieht, Zola's Fehdehandschuh aufznuehme» und ihm die Möglichkeit zu geben, vor dem Schivurgericht den Wahrheits beweis für seine Anklagen anzutreten. Sonst»mstle» der Kriegs minister und Meline nur die abgedroschenen patriotischen Schlaga worte von der„Ehre der Armee", der dreimal heilige»„Disziplin" zc. abzuleiern. Beinerkeuswerth war dabei die jämmerliche Berlegenheit des Kriegsiniuisters, wie sie nur von einem schlechten Gewissen ver Ursacht werden kann. Zola's inulhige That hat namentlich auch die Kreise der Schrift steller, der Gelehrte», der Professoren, der Künstler ausgerüttelt. Eine Petition um die Revision d e s D r e y f u S- P r o zesses geht gegenwärtig in diese» Kreisen um. Sie ist bereits mit Diitzcnbe» von gut klingenden Name», ohne Unterschied der Parteien, bedeckt. Neben Zola feien hervorgehoben die Name»: Anatol« France, Romaudichter und Mitglied der fram zösischen Akademie(der„Unsterblichen"), Dnclaux, Nachfolger Pastenr's, Alkred Bonnet, Redakteur der sozialtstischen Revue „Devenir Social", eine große Anzahl Universitätslehrer und Rechtsanwälte. Die Prcstkosaken des GeneralstabeS können nun nicht »»ehr die große Masse gegen das„ausländisch-jüdisch-protestantische Konsortium" anshetzcn. Wenn sie—«in ekelhaftes Zeichen des sittlichen Verfalles— Zola e i» e». I t a l i e» e r" s ch i in p s e n (wegen des italienischen Ursprungs seiner Familie) und Schenrcr Kestner einen„Prolcstanlen" und eine»„Preußen", so ist diese Waffe der überivältigenven Mehrheit der Petilionäre gegenüber selbst unter der Feder eines Rochefort und Drnmont unmöglich. Es find das nämlich„Franzosen ans Frankreich" und geboren« .Katholik,»"... Die chineflschc Sknkclhe ist noch nicht zu stände gekommen Interessant sind einige Bemerkungen der-Nowoje Wremja" über die Bedeutung dieser Anleihe; das Blatt schreibt: „Am meisten rechnen die Engländer wohl ans«inen Erfolg k» Sachen der chinesischen Anleihe, welche ihnen unzweifel hast Nutzen bringe» würde. Sie würden dabei nene Kom zessione» und Privilegien in China erlangen»nd Japan die Möglichkeit gewähren, die Kriegskontribntio» von China sofort zu ei halten und sofort die japanischen Schisse, welche auf englischen Wersten bestell! sind, zu bezahlen. Dadurch wurde die japanische Kriegsflotte gestärkt werde», Iva? für England vortheilhafr wäre. China ivird sich jedoch, wie es scheint, nicht Schulden aufbürde». damit Japan i» England Panzerschiffe kaufen kann." Aus diesen Bcnierlunge» kann man erkennen, wie mißgestimmt man in Petersburg darüber ist, daß England eS verstanden hat sei» Gegengewicht gegenüber dem russische» Vordrängen geltend zu machen. Will„Älowoje Wremja" den Chinesen denn rathen, ihre Schulde» an Japan überhaupt nicht zu bezahlen?— Uebrigens tauchen immer wieder Gerüchte ans, daß Frankreich die Insel Haina» besetzt habe oder besetzen wolle, was angeblich in Japan große Bennruhigimg hervorrufe. Da? phantasiereiche „Dalziel-Vnreau" i» Shanghai berichtet sogar, Japan sei im Begriff, KricgSschiffe»ach dem Süden z» sende». Lllir glauben vorläufig noch nicht hieran.— von Z i rp t tz. Ans Die Wilhclmshavener TeutscheS tN-Ick). --»AuS dem Reiche d«S Herrn W i l h e l m S h a v e» wird uns gelchriebeu: Werstverwalluiig sucht zur Zeil'Arbeiter fast aller Branchen und läßt eS sich für Inserate ein hiibkchcS Stück Geld kosten. Als in Wilhelmshaven bekannt wurde, daß die Werst auch Maschinenbaner suche, meldeten sich drei solche, die in Bant bei Wilhelmshaven ihren Wohnsitz haben, ron denen zwet Im vongen Sommer wegen Mangel an Arbctt— so steht auf ihrci» Entlassungsschein— und einer im November ohne Angabe von Gründen entlassen worden waren. Diese drel waren 12—16 Jahre ans der Werst b* fchäftigt gewesen und halten, um im Werftburcankratensttl zu reden, „ein« vorimirfsfrele Dlenstzetl' blutet sich. Ans ihre schriftliche An- frage«m Einstellung erhielte» ste die schrjftliche lakonische Antwort, daß sie nicht eingestellt werden könnte». Gründe wurde» nicht angegeben. Die Nichtwiederelnsltllung aller tüchtiger Arbeiter, die nur wegen Mangel an Arbeit entlassen worden sind, steht im schreienden Widerspruch mit den Lobpreisungen über die Humanität der Werstverwallungen. Ts wäre sehr wünschenswerth, wenn die Werftverwaltung die Gründe derartiger Masinahine» miUHeilen würde. Vielleicht ist Herr Ttrpitz bereit, hier Ansklärung zu schaffen.— — Wenn zwei b a s s e l b e t h u n... Der BetrledSamtS- sekretär Jancke ist, wie aus dem heutigen Gerichtsbericht ersichtlich, von der kaiserltchen Disziplinarkammer zur Straf« der Dienst- «nllaffttng verni lheilt worden. Anf diese Etras« erkannte der«ertchls. Hof, well Jancke de», berüchtigten Kolonial« Schröder in Pangani. gegen de» damals die Aiillag««iiigeUilet war, den Inhalt privater Beamtenunlerhallniigen, welche auf den Anklagesall Bezug halte», mitgelheilt halte; serner war für de» Gerichtshot von Gewicht daß Jancke bei dem Schröder UM ein Darlehn eiugekommen war. Wir haben keine» Anlaß, nnS für den Bernrlheilten ins Zeug zu legen und unterlaffc» jede Erörterung darüber, mit wieviel Recht der Mann zu der schiverste» Strafe vernrtheill worden ist» auf die tn diesem Fall« überhaupt erkannt werden konnte. Wohl aber kommt uns dieser strengen und uiiserlweae» gerechten Bestrafung gegen über die Milde in den Tin». mit der vor zehn Tagen die preußische Disziplinar- Gerechligkett sich einem anderen Mann« gegenüber als liebende Mutler belhätlgte. Wir Ineine» natürlich Herr» v. T a u s ch, der am ki. Januar von seinen Standcsgeiiossen wegen Ver bekaiiNle», Im Leckert-Lützow-Prozeß ans Licht gekommene» Diszlplinarberaehen abgcnrthellt wurde. Auch Herr v. Tausch hat als Beamier Pnnipvetsnche bedenklicher Art»nleruoinmcn, und zwar bei Lenlen, die t!r t» amtlicher Elgenschafl Überwachen und konlröllireii lassen»ittßle. Desgleichen hat Herr v. Tausch Mit Personen, die er als»olorlsche Lumpen kannte, sich Über staatliche und Bernssangelegenheiteii in einer Welse ansgelaffe», gegen dle die paar Unzchörlgicikcn des Jancke wenigstens dem Laien als verschwindende Bagaiellsachen erscheinen müssen. Hert».Tausch aber ist nur für unwürdig oder unfähig gehalten worden, in seiner bis- herige», die Behörde so arg bloßstellenden ThäUgkelt zu verbleiben. und es wurde daher für Recht erkannt, daß er noch serner, ivenn auch in einem andere» Amte mit gleichem Range, eine Zierde de? preußischen Beamtin lhums bleiben dnrse. — D et allgemeine konservative Parteitag, der, falle nicht»ochN'älS aus taktischen Rücksichten ans den Bund der Landwitlh« und andere unbequeme Strömungen in der kon» servatlven und attltsemltische» Partei«ine Verschiebting elNtreten soll, am 1. und 2. Februar slatlfinden wird, hat der parteiamtliche» „Koflsetü. Korresp." zufolge ans seine Tagesordnung folgende Punkte Allgemelne Stellung der Partei.(Red»«' Herr Freiherr v. M a n t e n s f e l- C r o s s- n.) Sozial- u»d Wirlhschaflspolilik.(Rebntr: Dls Herren Dr. K l a s i ii g- Bielefeld über Eozialpolilik lind Graf v. K a II i tz� Pobangen über Wirthschaftspolilik.) ReichSlagsivahlen.(Rebner: Herr Graf zu Limbutg- S l i r U M) L ß. ß. — Im kaiserlichen Gesundheitsamt trat gestern eine Konferenz, bestehend ans Landivirlheii, Thierärzten und Balte riologen zusammen. um über die Erforschung und Abwehr der unsere Landwirlhschaft so schwer schädigenden Maul- und Klauenseuche zu berathen. Diesen Beralhungen flnd zu gründe gelegt die Ergebnisse der experimentellen Forschungen der beiden Kommissionen, die über diese Seuche im GesundheitSamte und im preußischen Institut für Infektionskrankheiten seit April vorigen Jahres arbeiten.— — lieber die Ausschreitung»» in Torgelow erhalten wir weiter die Miilheilung, daß bis jetzt ca. SO Mann nach Stettin in Uiitersnchnngshast abgeführt sind. Am Domieiftag hatte man sieben von den Jnhaftirten nach dem Kirchhof an die Leiche de? au. so traurige Weise umS Leben gekonimeiie» Arbeiters geführt. Die Leute waren je zwei zusammengeschlosien. Wie verlautet, soll der Verstorbene nicht infolge der Mißbaudluiig gestorben sein, sondern ein Schlaganfall soll seinem Leben ein Ende gemacht haben. Die Unter. suchiing wird eifrig betrieben und ist bisher über das Resultat derselben sehr wenig bekannt geworden. Die„Kons. Korrespondenz" fühlt sich gemüßigt, diese Vergänge zu politischen Zwecke» gegen die Sozialdemokratie auszunützen, in dem ste schreibt: „Eine sozialdemokratische Heldenthat. In Torgelow befleht seit einiger Zeit ein Metallardetteransstand, dein die Unternehmer, ge reizt durch das diktatorische Ailstreten des sozialdemokratischen Gewerkvereins, auf das enlschiedenste entgegeiigetreten sind. Dem .Vorwärts" wird nun aus diesem Streikgebiele folgendes berichtet „Als am Montag Abend einige in Arbeit stehende(„Streikbrecher also) von Torgelow den Heimweg antraten, kam es im Walde zwischen diese»'Arbeitern und den Streikenden zu einer sehr ernsten Schlägerei. bei der mehrere verwundet und ein Arbeiter gelödtet sei» sollen. ES sind infolge dessen zahlreiche Beriiehmniigen nnd Verhaftungen vorgekommen, über deren Resultat bis jetzt nichlS bekannt ist." Auf diese Weise üben also die Gewerksck, asten ihre.friedliche' Thäligkeit aus; das spricht doch wahrlich nicht für eine Erweiterung der jetzt geltenden KoalilionSsreiheit." Das ist die KampfeSweise, die bisher immer gegen die Arbeiter bestreblingeil von konservativer Seite geübt wurde. Dabei ist natürlich der Thatbeftand selbst vollkommen ans den Kopf gestellt, denn jeder, der die Lohnkämpse in Torgelow verfolgt, weiß, daß die Arbeiter zn dem größten Entgegenkommen bereit waren, und das dtklntorische Anflrete» der Gewertschafl besieht darin, daß sich die Arbeiter weigerten, dem Verlangen der Uiiiernebmer nachzukommen, die den Anstrtlt ans der Organisation verlangten. Es mag ferner darauf hingewiesen werden, daß das Gewerbegericht als Einigungsamt Vorschläge zur Beilegung des Streiks unterbreitet«, die von den Arbeitern aiigenonimen wurde», dagegen wahrscheinlich auf A» Weisung aus Berlin von den Fabrikauleii zurückgewiesen wurden. Wir verlangen keine KcnnIniZ der Arbeiler verhäliniss« von der.Konservativen Korrespondenz", aber niau muß sich wundern, daß diese Leute in so unverschämter Weise ihr Machwerk zusammenlügen, um es dreist für ihre arbeiterseindlichen Zweck« zu benützen. Diese Vorgänge können gegen die Koalitions sreiheit der Arbeiter absolut nichts beweisen. Die Gewertschaft hat dieselben durchaus vcrurlheilt und es ist mährend deS Kampfes iortgesetzt zur Mäßigung und Ordnung ermahnt worden Ein abschließendes Urlheil läßt sich überhaupt»och nicht sällen, da die ganze Sache noch unaufgeklärt ist. Die Uebellhäter selbst haben die schwersten Strafen zn geivärtigei». Was würden aber unsere Gegner sagen, wenn wir jede Ans schreilmig ihrer politischen Freunde, jede strafbar« Handlniig, die »nter ihren Standesgenossen vorkommt, als willkommenen Anlaß benützten, besondere Gesetze wegen solcher vereinzelleii Vorkonimnisse, die mit der verlrelenen politischen Ansicht gar nichts gemein haben z» fordern?— — Eine große Protestversammlung gegen die Mari»«vorlag« fand in Altona statt. Genoff« Froh ine referirte Die Versaminlung nahm folgende Resolution an:.Die heute, am 13. Januar, in Koppelmann's Salon tagende, von reich lich 3900 Personen besuchte Volksversamiiiliing protestirt mit aller Entschiedenheit gegen die von der Regierung projektirte Berniehrnna unserer Kriegsmarine, weil sie die für die Vermehrung ins Feld geiührlen Gründe nicht aiiznerkennen vermag. Sie sieht in der Ailsinhrilng des Regiernngsprojekles eine schwere Schädigung des iverkthätigen Volkes, indem dieses es wieder sein wird, welches die eiitslehendeii kolossalen Laste» durch nene Blut- nnd Giitsleuern zu tragen hat."— — Wegen Gnadengesuchs in Arrest. Der„Hamb. General Anzeiger" theilt mit, daß«in Manu, der dem Landsturm angehört, sich an den Kaiser wegen Gewährung von Jiivaliden pensio» wandle und deshalb wegen Umgehung des Dienstweges mit drei Tagen Arrest bestrast worden ist. Da der betreffende nicht glauben mochte, daß er als Zivilist so behandelt werden dürfe, trat er die Strafe nicht an, wurde aber dann doch dazu genölhtgt und nochmals wegen.Ungehorsams" mit weiteren fünf Tagen Arrest bestraft. Es erscheint uns kehr zweifelhaft, ob dnS Bezirkskommando. welches diese Strafe verhängt, hierzu wirklick berechtigt war, da das Nachsuchen»m Jnvalideiipension keine den Militärdienst berührende Handlung war. Selbst wenn es aber formell im Recht war, so ist diese Art des BorgehenS wahrlich nicht geeignet, die bei uns herrschenden militärischen Zustände beim Volk« beliebt zu machen.— SlnS Ostprcuste», 15. Januar.(Eig. Ber.) Wie die R e t i e r u» gs ii r d> e.n o t d l e i d e n d e" L a n d w i r t h s ch a f t orgt. Weil in Rußland Fälle von Rinderpest nnd Maiil« und lklaueiisenche vorgekommen sind, hat der RegiernngSprästdent in Gnmbinnen dt» Etiifnhr von Milch nnd Butler ans Rußland tn eine»! Bezirk verdoien. Wie ans Znschrislen an das Hnuptorgaii der Agrarier in Ostpreußen, die.Ostprenßische Zeitung" in Königsberg hervorgeht, hat diese Maßregel in den Kreisen der Landwirlhe lebhafie Freude Hervorgenisen. Haupt- ächllch die Preise kür Butter daben infolge der gesteigerten Nachfrage eine wesentliche Erhöhung erfahren. Bon einer Anzahl von Meiereien, welche in kleinen Orlen in der Nähe der ißiniz« sich befinden, wird Butter»ach Berlin geliefert. Mäh r«»d bisher ziiin erdeblichen Thetl russische Butter verwendet wurde, muß nnn ansschliesilich von unseren Landwirthen Butler und Milch bezogen werden. Um die höbereu Preis« für ihre Produkte weiter besördern zu können, haben jetzt zahlreiche Gutsbesitzer«in» Petition au den RegierNugspräfidenteii gerichtet, in der um dauernde Anf- rechterhaltung der Grenzsperre gebeten wirb. SS wirb dabei der Vorwand, daß die Senchtnütfahr die Ab- prrriing der Zufuhr nvthwendtg mache. garuicht erhoben. DnS lewetst aber, daß die Verordnung deS Regier«, igsprälldenten im Effekt auf Nichts weiter hinauskommt, als anf«ine Maßregel im Jnlereff« der Gutsbesitzer. Wenn dieselbe auch nicht dauernd ans- recht erdalten werden kann, wird doch damit gerechnet werden können, daß den Wünsche» der„Nothleidenden" etwas Rechnung getragen und die Aushebung der Sperr« so lange wie möglich hinaus- geschoben wird.— Hamburg, 14 Januar. Ans der Tagesordniing der Haupt- versa m m l ii ng des Journalisten- und Schriftsteller- Vereins für Hamburg, Altona und Unigegend, die am 29. d. M in Moser's Hotel flattfinbet. sieht folgender von sieben Mitgliedern »nterjeichnerer Antrag:.Die HnnptversanimlUng des Joiirnaltsttii- nnd SchiiflsteNer-Vereins für Hamburg, Altona nnd Umgegend er- klärt das Benehmen deS Graf« n Rantzau gegen den Inspektor Bruns für«Ine Beleidigung d«S gesammten Journnliftenstandts und ersucht den Vorstand des Journalisten- Und Schriftsteller- Vereins in Frankfurt a M. als den ge- schäslssiibrenden Vorstand des Verbandes Deutscher Jonriialiiten« und Schriflsteller-Vereiii», die n ö t h i g e r s ch e ifn e n d e»f S ch r i t t e gegen den B e l» i b t gfe r zu thini.*— — Zur Einführung einer StaatÜlotUrU in Lübeck schreibt der Lübecker.Volksboie": „Die Lübecker Arbeiterschaft wird über dieses Projekt auch noch einige Worte mitreden. Was hier in kraft treten soll, ist gegen den Wille» der Mehrheit des Volkes beschlossen, ist beschloffen gegen die ursprüngliche Anschauung des Senats, der sehr richtig die moralische Seite der Frage betonte. Man hat der vox xopull keine Beachtung geschenkt, niöge man sehen, wie man sich in Zukunft mit ihr ab- findet. Wir erwarten, daß kein Genosse dieser Spekulation irgend- welche ltiilerstütznng angedeihen lassen wird. Die in Aussicht gestellte Staalslotlerie ist ein Fanstschlag für alle Arbeiter, die sich gegen diese Institution erklärt haben, welche daS Ansehen Lübecks bei der Mitwelt diskreditirt."— München, 14. Januar.(Eig. Ber.) Die Kammer der Reichs- räthe Hot heute den von der Kammer der Abgeordiieten auf grund der Anträge GriUenberger-Ratzinger-Seqboth am 29. Oktober 1897 mit überwältigender Mehrheit gefaßten Beschluß betreffend Ein- führung des allgemeinen und direkten LandtagS- Wahlrecht? sowie des P> oporlionalwahl-Systeins e i n st i in»i i g abgelehnt. Der Referent Reichsrath v. B e ch in a n n begründete die ablehnende Haltung im allgemeinen damit, daß das g-g«n>värtlge Wahlgesetz zwar sehr verbesserungsbedürftig sei und daß die obere Kammer deshalb den Beschlüssen der nuteten Koinmer im Prinzip wohl sympathisch gegenübersteh», daß aber die Sache noch nicht spruchreif und nach der gegenn-ärllgen Lage der Verhältnisse «ine Ziviidrittel-iRehrheit für einen nllenfollstgen Zusatzentwurf nicht zu erwarten fei. Bezüglich der Verfaffniigsfrage äußerte der Referent seine Ansicht dahin, daß keinerlei gesetzliche und ver- saffungsmäßige Hindernisse einer Slenderung des Wahlgesetzes auch unter der Regentschaft entgegenstehen würden. Die gleiche An- schanung brachte auch die Kammer damit zum Ausdrucke, daß sie einen dieser Slnffassiing widersprechenden Antrag des Reichsralhs v. Auer mit großer Mehrheit ablehnte. Reichsrath v. Würtzbnrg sprach sich für ein Proportional-Wahlsystem ans, das anf genossen- schasllicher Gliederung der Bevölkerung beruht, Reichsrath v. Wall- biirg-Bassenhein» warnte vor dem Proportional-Wahlsystem, das nach seiner„hohen" Meinung nur den ordnungsfeindlichen Parteien Vortheil« bringen würd«.— Damit war die Debatte zur großen Freude deS Ministers v. F e i l i tz s ch beendet und die ganze ihm so zuwidere Angelegenheit glücklich„erledigt". Unsere Genoffen im bayerischen Landtage haben zum Eisen« b a h n- E t a t folgende» Antrag gestellt: „Die Kammer wolle beschließen:' I. Die Löhne der Hilfs- bedlensteten, ständig nolhweiidigen Arbeiter und Bahnunterhalliings- Arbeiter werden um 19 pCt. erhöht. 2. Ter Uebergang aus diese» Kategorie» in den Status darf«ine Verkürzung des Arbeits- einkommenS nicht zur Folge haben. 3. Die Arbeits- und Dienstzeit dieser Kategorien ist auf höchstens zehn Stunden festzusetzen. Ueder- stunden sind mit 29 pCt. Zuschlag zn bezahlen. 4. Den Hilssbediensteten und ständig iiolhiveudigeii Arbeilern ist ebenso wie dem statuSmäßigen Personale jährlich ein ülägiger Urlaub ohne Lohnabzug nnd ver- blinden mit freier Eisenbahnsahrt tn die Heimath oder nach einem Erholungsorte zu gewähren. 6. An Orten, tn denen Mangel an ge- sniiden und im Preise den wirlhschaftlichen Verhältnissen der Bahn». bediensteten und-Arbeiter entsprechenden Wohnungen besteht, sollen von der Eisenbahnverwaltuiig entsprechende Wvhuhänser errichtet bezw. die hierzu erforderlichen Mittel beim Landtage beantragt werde». Bis zur erfolgten Herstellung solcher Wohnunaen sind jenen Bahnbediensteten und-Arbeitern, deren nothwendtge Ausgabe» für WohnnngSmiethe einen festzusetzeiiden Prozentsatz threS Arbeits- und Diensteinkommtns übersteigen, entsprechend« Wohnungsgeldziischüfl« zu gewähren. S. Di« Siseiidahnarbeiier dürfen n> AuSübiiiig der Rechte, die Z 152 der ReichS-Gewerbe-Ordnung gewährleistet, in keiner Weise gehindert werden." Stuttgart, 14. Januar.(Eig. ver.) Die verfassungs» k o m m i s s i o ii des Landtags seht« am Mittwoch die Berathung des Verfaffnngsgesetzes fort und beschloß, daß die Stadt Stutt« gart im Wege kgl. Verordnung in drei räumlich abgegrenzte, ein« annähernd gleich große Zahl wahlberechtigter Einwohner enihaltend« Wahlbezirke«inaetheilt werden soll, von denen jeder einen Ab- geordneten zu wählen hat.— Der RegierunaSeiitwurf will bei den Bezirkswahleii relattve Mehrheit gelten lassen, d. h. die Stichwahlen abschaffen. Die Volkspartei ist dagegen, ste will sogar davon ihre Znstiiiimung zu dem ganzen Gesetz abhängig machen. Zentrum, Deutsche Partei und unser Vertreter sind für Beseitigung der Ctichivahlen, der Regierungseiitwurf wurde mit acht gegen fünf Stimmen angeiioinmen.— Dem r i t t e r» s ch a f t l i ch e n Adel, der nach dem Entwurf 3 Vertreter in die Erste Kammer wählen kann, soll auch das Wahlrecht in die Zweite Kammer«ingeränmt werden. Der Antrag wird durch Zentrum nnd Deutsche Partei angeiioiiimm. jedenfalls NM den Grundsatz, daß alle Bürgerliche Recht« haben, zur Geltung zu bringen.— Weiter wird beschlossen. daß auch gewählt« Mitglieder der Ersten Kammer Sitz nnd Stimme verlieren im Falle der Annahme eines Slaatsamts oder des VorrückenS in höheren Rang oder Gehalt.— Der PassuS, daß Vater und Sohn nicht im Landtag sein dürfen, wird aufgehoben. — Die Stellvertretung der EiaiideShmen in der Ersten Kammer wird anf den Sohn oder den vräsuiiitiveii Nachfolger beschränkt. Am Donnerstag beschloß die VerfassungSkommission des Land- . die Wohlperiode des Landtags vet sechs Jahren zu belassen. Die S i tz o r d n u n g, die jetzt nach dem Alter geht, soll zukünfth der Regelung durch die Geschäftsordnung überlassen bleiben, so das sich die Fraktionen znsamm-nsetze» können. Beschlossen wird ferner, daß Minister und kgl. Koimiiiffäre an den Eitziuigen der Komniisstonen thcitzmichmen befugt sind, soweit nicht die Abhaltung von ver- traulichen Sitzniigeii von der Kommission beschlossen wird.— Hierauf kam die Berathung Über den strittigsten Punkt der ganze» Reform. dl« E t n r ä II m II n g des B n d g e l r e ch t s, das bisher der Zweiten Kammer allein znstand. an die Erste Kammer. Der Eni- ivnrs lautet: Für dt« Berathung«nd Beschlußfaffnng üb«, den Hauptetat gellen folgend» Befiimimingeii: 1. Der Hauptetat wird in der Zweilei, Kammer in Berathung gezogen und es wird von ihr»u- nächst über die«inzelnen Titel desselben Beschluß gefaßt.— 2. Die Beschlüsse der Zweite» Kammer werden sodann der Ersten Kainmer zur Beralhnng und Beschlußfaffnng mitgetheill. Haben sich dabei wenigstens zwet Drittel der tn der Ersten Kainmer anweseiide» Mit- glirder für Abänderung etneS von der Zweiten Kammer gesaßlen Beschlusses und für Sttileiknng des weiteren Verfahrens erklärt, so hat die Zweite Kammer den Gegenstand einer nochnialigen Be- ralhiing und Beschlußfaffiiiig zn nnterziehen. Wenn hierbei die Zweit« Kammer mit einer Mehrheil von wenigstens zwei Drittel der aniveseudeii Miiglieder»inen von demjenigen der Ersten Kaminer abweichenden Beschluß saßt, so gilt ihr Beschluß— vorbebältllch der NbsiitNiiiniia über den Etat im ganzen— als Beschluß der Sländeversatnmiiiiig. Kommt«in solcher Beschluß der Zweiten Kainmer aber nicht zu stände und besteht noch eine Verschiedenheit der Beschlüsse der beiden Kammern, so werden die bejahenden und die verneinenden Slintmeii beider Kammern zusamiiieiigezähll nnd nach der Mehrheit sämintltcher Stimmen wird alSdanii der Slände- beschluß abgefaßt. Würde in diese»! Falte Stimmeiigleichheit «iiitreleu, so hat der Präffdent der Zweiten Kammer die Enlscheidiing.— 3. Nach erfolgler Beschlußfaffiiiig über die eiiizeliien Titel d«S Hauptetals wird über den letzlere» im gaiizeii zuerst in der Zweiten, dann in der Ersten Kammer abgestiiniiit. Kommt hierbei ein übereinstinimenber Beschluß beider Kammern nicht zu lande, so wird der Ständedeschlnß»n Wege des ZusaniinenzählenS der Stimmen detder Kainniern nnch Maßgabe der Ziffer 2 sestgeslctlr. Nach langer eingehender Debatte wirv der Entivurs mit 7(Deutsche Partei Und BollSpartei) gegen 5 Stimmen(Zentrum und Priv.) abgelehnt.— — Die Flotte Nbegtisterung in Württemberg mit der allcntdalben Reklame gemacht wird, beschränkt sich lediglich auf die Kreise der Pulver-, Gewehr» und Patronen> Aktionäre, die in der Handelslainmer noch einige gleichgesiiintr Kommerzieiiräihe oder solche, die es werden wollen, finden. In Volkskreiseu kann eher das Gegentheil von Götidel�Enthnsiasmus koustalirt weiden.— Karlsruhe, 15. Januar. I» der heiitigeii Kammersitzung sprach sich der Fiiiaiizminister Buchen berger anläßlich der Budget- bcrathling Icbf0fi{ ffit die Flottenvorlaye nuS. Zentrums. Sibfl.ovbnctcv 9?ei», Präsident der Ludgelkommtsflo». will sich seine Slelluiignahme vorbehalten.— Etraßbnr/ 1. E., 14. Januar.(Eig. Ver.) Nnläßllch der schrcctiichen B el' a t a st r o p h» am Allen Weinniarkt ist von den Bertreler» der.ozialdemokratie im hiesige» Gemeinderath, den Genossen Bö--, Brzusteivicz und Trax, die folgende I n t e r p e l l lCj|.o n eingebracht worden: ..Welche Maßnahmen sind, nachdem der Herr Bürgermeister bei der vorsie>r�en Berathnng des städtischen Budgets eine wirk- saniere polizi �he Ueberivachnng bei Bauausführnngen in Aussicht gestellt hat, S'es im Sinne der Einstellung weiterer techniicher Beamte» bei nBanpolizei-Amt oder auch einer vermehrten Unter- stützung des lrVilischen Beamtenpersonals seitens der polizeilichen Exekulivbean st, inzwischen getroffen worden? Ferner bitten die Unlerzeichnedef de» Herrn Bürgeimeifter»m Auskunft, wie die zur Untersnc'g ver Ursachen des Unglücks ernannte Kommission zusanimengesst�ist, insbesondere welche Fachleute außer Beamten des städtische�, lanamtcs zu derselben beigegeben wurden." Nachdem(iMse Böble darauf hingewiesen, daß es die Antrag steller für ihre-.ficht gehalten hätten, die unselige Angelegenheit. welche die Bev�iung ininier»och in Aufregung ei halte, im Echooße der Geindiidev.. seimig zur Sprache zu bringen, erklärt sich Bürgerl meiner Back''r Beantwortung der Anfrage in der nächsten Sitzung des G"'inderalhes bereit. Bezeichnend für den Geist der Slraßburger P.'>e ist die Thatsnche, daß sämmtliche hiesigen Biälter. mit alleiniger i�nahme der„lideral-demokratischen Bürger-Ztg." Namen und Pc�istellmig der Interpellanten einmülhig verschiveigen indem sie ei�>>ch schreiben:„Drei Gemeinderalhsmiiglieder haben ec....->as bürgerliche Preßgelichtcr weiß recht wohl, daß die Absicht»ns-�r Genossen, die Bankalnstrophe und das Verhallen der Behörde» l� derselben an maßgebender Stelle rückhaltslos zur Sprache zu brif�n, in den, weitaus größten Theil»userer Bs völkerung den P msteste» Beifall findet und unsern Vertretern im Gemeinderath 0> ihrer Partei neue Sympathien erwerben muh Deshalb die ki>,. che Bertuschungstaktik. Oesterreich. JmiSbrnckckU. Jannar. Der Landtag nahm den von den Konseroaliven»difizirlen Antrag der deutschen Abgeordneten an nach welchem Nr Landtag unter kulschiedener Veruribetlung der unerhörten Von.nge im Parlament, inodurch die Tdäligkeit des. selben unmöglicnlemachl worden sei, die Einleitung der Versöhnungs aktion im LantZige Böhmens und Mährens freudigst begrüßt und die Erioartnng rsspricht, daß es der Regierung gelingen werde. »»ter Bewilligten der gerechten Forderungen eine Regelung der Sprachenverhält ise herbeizusühren, sowie endlich die Nolhwendigkeii betont, daß deneerechlen Beschwerden gegen die Sprachenerlasse ab- geholfen werde.h- 's Schlveiz. Bern, 14.l«san»ar.(Eig. Ber.) Heute läuft die ReferendumSl frist betreffe»? die Volksabstimmung über die Eisenbahn- v e r st a a t l i c?! n g ab. S6010 Nnterschriflen statt der ersorder- lichen 30 ovo sid bei der Bundeskanzlei eingelaufen sei». Somit hat die Volksaklinimung über das Gesetz stattzufinden. Nun wirb der eigentliche i mpf um die Eisenbahn-Verstnatlichung erst beginnen Den Anfang h! bereits der Oberhandlanger der Großfinanz, der frühere Buttdesrästdent Droz, wohlbestallter, mit IS VOO Franks Jahresgehalt Unorirter Direktor des internationalen Bureaus für Eisenbahii-Frachwesen gemacht mit einer Broschüre, in der er die gcwissenlosestenglebertreibungen in der Darstellung der Folgen der Eisenbahn-Versiatlichung begeht und den gegenwärtigen Zustand des Privatbetrii es als höchstens mit einige» Schönheitsfehlern de- hastet schildet. Der Mann greift gewerbsmäßig alles an, was dem Privatkaptal nahe geht; er bekämpft« das Rechnnngs gesetz bet>effl/d die Eisenbahnen, sodann das Bankgesetz und nun die özenbahn-Berstaallichnng. Da wir von Droz reden. möchten wir dgrauf aufmerksam machen, daß er für seine 1SSS der BiSmarck'schen steaktion geleisteten Handlangerdienste durch Unter- drückung des, Zozialdemokrat", Ausweisung der vier bekannten Ge Nossen und ScNffung der Bundesanwaltfchaft von Deutschland keine Anerkennung, fnnden hat. Ist ja gerade von dieser Seite zuerst Opposition g lacht worden gegen seine Kandidatur für den Gotiverneurposen von Kreta. Wir bedauern ihn darum nicht, aber auch nicht die>!kreter.— Die„B-rner Tagwacht" hat den herrsch- süchtigen und Jcbeiterfeindlicheit Radikale» durch einen Vorschlag Singst einßejagc wonach die Sozialdemokraten gegen die Eisenbahn Berstaatlichun. stimmen sollten, wen» ihnen die Radikalen nicht die Proportionalnehl des Nationalrathes und die Volkswahl des Bundes- ralheS zusageit Der originelle Vorschlag kommt aber zu spät, da die Haltun« der Sozialdemokraten durch Beschlüsse bereits be stimiitt ist.— Bern, 14. Januar.(Eig. Ber.) Der neue amerikanische Zoll tarif hat den schweizerischen Export nach den Ver- « i» i g t« N Saaten nicht zu beeinträchtigen vermocht; er ist sogar mit SS.ö- gegen 67,76 Millionen um fast ein« Million größer gewesen alS 18ft, , Dänemark. — Zur �eutralifirung Dänemarks wird der „Int. Korr." AS Petersburg geschrieben: Die von dem dänischen Minier des Acußeren im Folkeihing abgegebenen Er klärungcn über'sie mit den Regierungen der Großmächte gepflogenen Verhandlungen, ,>«tresseud die Neutralisirung Dänemarks dülften sich besonders ans de' zwischen Petersburg und Kopenhagen staltgehabte» MeiiniugSanstaush beziehen. Hierzu wird nun von nnlerrichteter Seite nutgelheill daß Rußland den Standpunkt vertrat,»ine Neutralität Dänenarks werde nur dann für die internationale Lage von Werth sein, wenn auch Schweden und Norwegen dem Neulralilätsvrhältntß beilrelen würden. Könne dies geschehen, und werde die Du» hrt durch die skaudinavlschen Meerengen jeder Beschränkung feilen c»d«r drei anliegenden Staaten entzogen, so würde Rußland ein. Garantieleistung für die Nelltralität Siaudi navtenS bereitwilligst �lerstutzen. Spanien. Madrid, 14. Jainar. Einer amllichen Depesche auS Havana zufolge wurde gestern Mittag«ine neuerliche Kundgebung vor der Redaktion deS„Diario de la Marina" veranstnllet: die Ruhe sei jedoch wieder hergestellt.— Wie eine Privatdepesche aus Havana nielbet, empfing der»m Militär-Gouverneiir Arolas die Oifiziere. empfahl ihnen Ruhe an n-d ertbeilte einer Abordiiuug von O'fizieren die Ermächligung. von eiiian Blaite, welches dir Arme« angegrisien halte, Genngihnnng zu verlangen. Der Mlnisterralh entfched, daß angesichts der Ruhestgrung in Havana eine Arndernng in den Maßnahmen der Regierung ans Kuba nicht erforderlich sei;«s seien dort aber auf die G-setzgebiing und die Armee bezüglich« Re'ormen nothwendig. Hinsickitlich der Angriffe der Piesse ans die Armee beschloß der Mimsterralh. den Just'znnnister und den Kriegsr'inister zu beauftrage», gemeinsam Geietzenlwürse in diesem Sinne zur Borlegimg an die Eorles aus- zuai Veiten. Daß infolge der Ereignisse P» Havana eine Erregung in de» militärischen Kreisen in Madrid �ervocgernjen sei, wird in Abrede gestellt.— N,ist<"nd. — Die Nr. 2 der in Nußlind heimkich gedruckten „ R r b e i l e r z e i I u» g" ist uns znjestellt worden. Die 32 Seilen starke Nullimer enthält unter anderem interessante Mtttheitnnge» über die Kämpfe der Weber im Gouvcrnement Wiadimir. wie auch im Dorfe Na»>oloki des Gouveinemenck Kostrnwa. über verschiedene Streiks in Moskau»nd Jekalerinosl dv»»d Über die Arbeiter- be.negnng i» Wilna Unter anderem er?ihken wir. baß in«in« der südlichen Städte Rußlands die erste NAnmer der Arbeiter,-ilung „Unlere Sache" erschienen ist. Im LeilaCikel der„Arbeilerzeltimg" wird der Gedanke auSgeiührt, daß die Zel gekommen ist, daß die in veilcüiedenen Orlen Rußlands zerstrenlti Arbeilergruppen sich t» sine Arbeilerpartei veretntgen.— Slfrika. ~ Goldprodnktion in Südafrika. Die tn den kehlen Monaten anhaltend im Steigen begriffene Produktionsziffer der Witwatersrand. Goldminen hat sich im Dezember auf 310 712 Unzen erhöht, womit der abgelaufene Monat die höchste bis jetzt erzielte Ausbeute gebracht hat. Sie geht über den vorhergehenden Monat um 13 S8S Unzen hinaus, während sie den vorjährigen Parallelmonat sogar um 164 196 Unzen übersteigt. Für das ganze Jahr 1897 be- trägt nunmehr die Gesammtproduktion 3 034 674 Unzen gegen 2 275 428 Unzen im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Bon der„zu kurzen Golddecke" werden nun die internationalen Doppslivährnngsuiäniier schweigen müssen, wenn sie sich nicht gar zu arg blamiren wollen.— — Zu den Vorgängen im Sudan. Der Londoner „Globe" sagt, er habe die Gewißheit, daß die französische Expeditlo» Bonchamps in Fachosa angekommen sei. DaS Blatt glaubt, König Menelit beabsichtige, mit BonchampZ gegen Khartnm vorzn- dringen, um den englischen Truppe» zuvorzukommen. Ueber englische Truppenbewegungen liegen zwei Mitlheilnngen vor. Ans Kairo wird depeschirt, daß die Cameron- Hochländer nilaufwärts abgegangen sind. Eine Meldung ans Suakin besagt: Ein« Ablheilung Miliz der Hadendoa-Araber ist heute von hier ab- gegangen, um verschiedene Punkt« zwischen hier und Adarama z» besetzen.— — C h i n a p o l i t i k. Zu den Auseinandersetzungen über die Stellung der Eozialdemokralie zur deutschen Ehinapolilik haben nun mehrere Parlei-Organe das Wort ergriffe», während die größere Mehrzahl sich zurückhält und offenbar die Angelegenheit ruhig aussaßt. Einige Partei-Organe, wie die„Magdeb. VolkSstimm«" und die „Fränkische Tagespost" sind mit der Slellilngnahm« des„Voriv." nicht einverstanden, sie schildern k»rz den Sachverhalt, ohne näher ans die Frage einzugehen. Gegenüber ein« Aufrage der„Münch. Post" sei bemerkt, daß alles, was der„Vorw." üb« die chinesische Angelegenheit geschrieben hat, selbstverständlich ebenso Meinung der Redaktion des„Vorwärts" ist wie die Anslaffunge» der Partei- blätter auch nur Meinungen einzelner Redakteure darstellen. Die„Sächs. Arb.-Ztg." beginnt eine Serie von Artikel». ES wird genüge», die Ucberichrifl derselben zu ziliren:„DaS vorsichtige, aber zieldeivnbte Einlenken deS„Vorwärts" in die Kolonialpolilii S. M. Kaiser Wilhelm II." Die Sucht nach Parteisensation«» scheint die„Säcbsische Arbeiter- Zeitung" zn ihren sonstigen lieblichen Gepflogenheiten a»S dem benachbarten Leipzig imporlirt zn haben. Wir, die wir wohl sagen können, daß wir die gegen nnS gerichteten Angriffe tn der sachlichsten Weise zu behandeln uns bemüht haben, beabsichligen nicht, gegen solche Rbfnrdiläte» z» dtskntiren. Tie„Franks. Vollsstinnns", welche die Sache angeregt hat, be- Kalt sich weitere Anist tthrungen vor und macht vorerst nur einige Bemerkungen. Wir müssen aber gesteben, daß vieles von dem, waS jetzt die „Volkostimme" vorbringt, sich fast gänzlich mit den von uns stets geäußerten Anschauungen deckt. Haben wir„den neuesten Evangelinmcnrs mit der gepanzerte» Faust" nicht dekämpft? Haben wir nicht den Vorstoß unternommen,„ehe das ganze Engagement eingegangen wurde", wie die„Votksstimme" fordert? Und wenn die„Volksstimme" weiter sagt: „Wir sind der Ansicht, daß«S doch ein sehr groß« Unter- schied für uns ist, ob sich der Kapitalismus i» den brntatsten Formen„entwickelt", oder ob er bei Zeiten durch unsere Ein- Wirkung von der eiilgegengefehten Seit» gezn'nngen wird, sich ans ein zum Eelbstbewußliein gekommenes Proletariat einigermaßen einzurichten." — so könnten wir, wenn wir der„Volksstimme" gegenüber so auS- legen wollten, wie sie uns gegenüber nnSlegt, sehr leicht ihre Worte so anffaffe», als wolle sie einer Enifaltiing des Kapitalisnins, sofern sie in nicht- brnlalen Formen vor sich gehe, nichts besonderes in den Weg legen, d. h. auf den vorliegende» Fall angewendet, sie wende nichls ein gegen die Schaffung einer ostasiniischen Kohlen-»nd Handelsstation, sofern bielelbe ohne gefährliche Konflikte— also so wie die Station thatfächlich geschaffen n orden ist— vor sich ginge. Erheblich weichen wir allerdings von der„Bolksstimme" ab hin- stchlich der Beantwortung ibrer Finge: Wie stehen wir nun in der kommenden Wahlagitation da? Hierüber haben wir schon in unseren gestrigen Bemerkungen zn der gleichen Andentung der„Leipziger Volkszeitung" unsere Aiisicht geäußert. Zilfällig wird die Richtig- keil itnserer Absicht durch die Bekanntgabe des Posadowsly'schen Arbeitertrutz-Erlasses»och mehr bekräsligt.— NsvlamenkÄvifichvs. Eine Petition an den Reichstag ist von Fräulein Marie Raschle. Fräulein vr. jur. Anita Augeplirg und Frau Minna Cauer eingereicht worden. Die Petenlinnen fordern, daß bei Revision des Gerichtsverfassungs- Gesetzes 1. die Voimundschastegerichte i» der Weise zu orgnnisiren seien, daß zur Entscheidung derjenigen Streitig- keiten, welche durch das Bürgerliche Gesetzbuch und sonstige Gesetze ihnen zngeiviesen sind. Laien zugezogen, und daß zu diesem Laienrichter» in le auch Frauen berufen werden können. 2. Zu Schössen und Geschworenen können auch Frauen, die das 30. Lebensjahr vollendet daden, berufe» werden. Der Petition ist eine Begründung beigegeben. Dem prcusjtschrn Rbgeordnctcnhansc ist der in der Thron- rede angekündigte Gesetzennviirs betr. Aushebung der Ver- pflichtung zur Bestellt! na von AmlSkauttoiien ziigegangen. Danach wird die Verpflichtimg der Staatsbeamten z»r KailtionksteNtlng aufgeboben. Unberührt bleibt die Berpsitchtung der Gedchtevollzieher unv der Hypoldekenbeivabrer im GdlungSbereich des rheinischen Rechts zur Bestellung von Amtskautionen. Durch Beschluß des ElaatsmintsteriumS kann für diese Beamten anstelle der jetzt vorgeschrlebenen Art der Kantio»svestell»»g du« andere Form der Sicherheitsleistung. tnSbesondere die Nebernahnie einer Gesammthaflnng durch eine Bereintgniig von Beamie» zu gelassen werden. Die AmtSkaulionen der in Zukunft von der KnillionSleistnng befreiten Beamten werden zilrückgegebe», und zwar »ach näherer Bcstimmnng des Finanzministers innerhalb zwei Jahre» nach Jiikraflkreten des Gesetzes. Für etwaige vor der Ruckgab« bekannt gewordene Ersatzansprüche blelben die Kaiilionen verhaftet; ihre Rückgabe bleibt tn Höhe der erhobenen Ansprüche aus gesetzt, die über die Begründung der Ansprüche eine endgtlttge Fest stell ung gelrossen ist.— In den Motiven wird gesagt, daß dle jetzige Regeliiiig des KaukionSwesenS Nch nach de» gemachte» Er fahiungcn nicht bewährt hat. da für die zahlreichen Beamte», welche nlchl in der Lage sind, dle Kaullonen an? eigenen Mitteln oder durcd Hilfe von Frennden oder Verwandten zu erlegen, auS der Beipflichtniig zur Ka»ll0»SleIst»ug schwere wirlhschnfiliche Nach thelle erwachsen. Die Aufbringung der 44 Millionen Mark betragenden Summe koste den 35 600 kaiitionspflichtigeii Beamten jährlich eiiva 1 Million, ohne daß diesen Opfern«i» entsprechender Bortbeil für die Staatskasse gegenüberstehe. Der finanzielle Nutze» des Kaulioiisweseiis könne für den Staat nur gering veranschlagt werden; derselbe werde aber völlig illusorisch durch Me erbeblichen Koste», welche die Verivaltuiig der Kaulionen verursachen. Deshalb erscheine es berechllgt. dies System aufzugeben. Bei dem Verzicht auf die Kautionen würde der Staat dem«iiizelnen Beamten gegen- über zivar ein« geringere Sicherheit haben, aber der hierdurch ver- »dachte Schaden würde durch die Ersparniß an Verwaltungskosten anfgeniogen. Daß«ine nennenswerlhe Vermehrung der Defekte durch dle' Atlshebutig des KautionszwangeS eintreten werde, fei nicht zu«ivarlen. Eine Schwierigkeit ergebe sich nur aus dem I»ista»de, daß bei zahlreiche» Beamten die Kautionen nicht blos dem Staat, sondern auch dritten Personen hasten, und daß daher in diesen Fällen die letzteren durch den Fortfall der Kautionen eine Beeinträchtigung ihrer bisherig«» Rechte erleiden, aber eS sei nicht 1 anjunehmen, daß in der Mehrzahl diese» Fälle ein praktisches Be- 1 dürsniß kür die Ausrechterhaltung der KautionSpflicht vorlieg«.— Dem Abseordnetenhanfe sind die Nachrichten von der Ber- waltung der preußischen Slaats-Berg werke, Hütten und Salinen zugegangen. Für Rechnung de? Staates standen im Etatsjahr 1896/97 im Betriebe 46 Bergwerke(17 Sleinkohlen-. 8 Braunkohlen-, 13 Eisenerz-, 5 Blei-, Zink-, Kupfer- nnd Silbererz- nnd 3 Salzbergwerke), 12 Hütlen(5 Eisen- und 7 Blei-, Silber- und sonstige Hütlen), 6 Salinen und 5 Slcingewinnnngen, im ganzen also 69 Betriebe gegen 70 im Jahre 1895/96. Um eins vermindert hat sich dieZahlderEisenerz-Bergwerke. Unter den aufgezählten Werken werden ei» Eisenbcrgwerk und zwei Metallhülten(am Unlerharz) gemeinsam mit Brannschweig, ein Steinkohlenbergwerk mit Schaumbnrg- Lippe betrieben, die Angaben der Nachweisung beziehen sich jedoch nur auf den preußischen Antheil an den Werken. An dem Ertrag der Kalk- stei»g«wi»»ung bei Rüdersdorf ist die Stadt Berlin mit einem Sechstel beiheiligt. Der Gesammtiverth der Förderung der Steinkohlen-, Braunkohlen-, Erz- und Salzbergwerke betrug 1896/97 1 14 065 940 Mark bei 66 880 Arbeitern gegen 102 977 409 M. bei 63 662 Ar- beitern im Jahre 1896/96; der Erzeugniigswerlh ist demnach um 11 088 531 M. oder 10,77 pCt. gestiegen. Die in de» Steinbrüchen geivonnenen Eleine und Erden hatten einen Gesammtwerth von 1 504 192 M. bei 929 Arbeitern gegen 1522 833 bei 962 Arbeitern im Vorjahr; der Erzengungswerlh ist also um l,22 pCt. gesunken. Ans den Salinen wurden 122 665 Tonnen Siedesalz iin Werths von 3 178 400 M. gegen 117 508 Tonnen zum Werth« von 3055 193 M. im Vorjahr hergestellt; die Erzeugung hat also der Menge nach um 4,39 pCt., dem Werth« nach um 4,03 pCt. zugenommen. Die Zahl der Arbeiter belrng 797 gegen 1001 im Bor- jähr. Der Erzengungswerlh der Hütten betrug 17 567 524 M. bel 3500 Art eitern gegen 15 702 388 M. bei 35l7 Arbeitern iin Vorjahre; der Mehrwerlh betrug also l l,83pCt. Die Gesaunnt- erzeiigltiig der säinnitlichen aufgeführten Werk« betrug 186 816 056 M. lind übeistieg den Werth der vorjährige» Erzeugung»in 13051233 M. oder 10,59 pCt. Jnsgesammt wurden 62 106 Arbeiter einschließlich der Beamte» gegen 58 942 im Vorjahr beschäftigt. Die Betriebe erzielten einen Ueberschuß von 23 084 868 M, der den vorjährigen um 8 644 762 M.»nd de» Voranschlag des StaalshanshaUs-Elats uiu 8 677 406 M. übertraf._ Oev Aufpkand von Wir haben schon berichtet, daß in der Stadt Palermo auf Sizilien dieser Tage in großartiger Weise der Aufstand vom Jannar 1843 gefeiert worden ist. Durch diesen Ausstand wurde 1843 der Zug der Revolnlion durch Europa eingeleilet. Durch das ganze italienische Volk, das damals in die verschiedensten Fürsten- Ihümer zerrissen und in niederträchtiger Weise unterjocht und ausgepreßt wurde, girg damals ein mächtiger Zug nach Freiheit und Einheit. Auch von dem Beherrscher des Kircheiistniits, dem eben mit der päpstlichen Krone geschmückten Pins dem Nennten— der später das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes erfand—, schien diesen liberale» Ideen Sympathie entgegengcbrachl zn werden, was in dem gut katholischen Volke die Unzufriedenheit mit den herrschenden Mißständen noch versimkle. Speziell das sizilianische und neapolitanische Volk seufzte unter der nichtswürdigen tyrannische» Fremdherrschaft des Königs Ferdinand II. ans dem Hanse Bourbon. Mehrere Aufstände in Calabrieu. Messina ec. waren niedergeschlagen worden, und das blutdürstige königliche Regiment feierte Orgien der Rache. Wie damals gehaust wurde, das schildert Francesco C r i s p i— der damalige Revolutionär und Verschn'öier, spätere Minister nnd Sozialistenveniichter— in einem 1852 erschie»ci>en Buche unter anderem folgendermaßen: „In der Zitadelle von Messt»» und in anderen Festimgen hatte man geheime Kerker(segrstw) gebaut, in denen der Gefangene mit de» Füßen iin Wasser und mit. der niederen Decke wegen. vornüber geneigtem Körper geradezu langsam verfaulen und fürchterliche Onale»«rdalden mußte. In Pantelleria, Favignana und anderen Inseln steckte man die Gefangenen in«igenS in die Erde gegrabene Löcher, in die niemals ein Sonnenstiahl drang. und wo die Unglückliche» in Kälte und Fellchtigkeit und umgeben von ekelhastem Gelbicr, elend zu grnnde gehen mußten. Und in diesen von den Tyrannen bevölkerten G> ästen hausten politische Vernrlheiite mit Kelten an Händen und Füßen, zmveilen (ivenii sie Glück hatten!), mit etivaS faulem Stroh als Lager, mit drei oder vier Unzen Brut und einem Glas Wasser als täglicher Nahrung. Selbst für leichte Vergehen ward die Todesstrafe an- gewandt und auch sie genügte de» Tyrauiien nicht immer. Die Ve> buch« wurden oft am Schweif eines Pferdes zu Tode ge- schleift, ofl mit glühende» Zangen gezwickt und dann vom Dach eines hohen Gebäudes hinabgestürzt. Selbst die Leichen wurden nickt geschont und die vom Rrnnpf getrennten, blutigen Glieder warden an den Stadtlhoren und an Bäumen auf dem F«lde aus- gehäugt." Diese Schreckensherrschaft i» Verbindung mit der unter dem Volke grassireade» Roth triebe» das Volk zum Aufstand. Dieser drach am 12 Jannar. dem Gebnitslag des Königs, aus. Doch kam es zuerst, da er in keiner Weis« planmäßig vorbereitet war, anfangs z» keinen größeren Gefechten,— nur daß die damals 180 000 Einwohner zählende Stadt a»S den umliegenden Forts von den Regimuigstruppen stark beschossen wurde. Heute, am 16. Januar vor 50 Jahren, es war ebensalls ein Sonntag, schiffte eine nach Palermo gesandte königliche Kriegöflotle 5000 gut be- waffnet« Mannschaften ans, und nun brach bald ein Kampf auf Leben und Tod ans, bei dem das Volk siegreich blieb und die Ber- biiidiing des gelandete» Heeres mit der in der stark befestigten Burg stehende» Garnison verhindert wurde. Der Kampf tobte»och bis gegen Ende Jannar, bis das Militär zum gänzlichen Rückzug ge- zwnngcn wurde und der Aufstand auch in anderen stzilia>ilscheii Städten stegreich blieb. Später wurde das Volk von der königlichen Macht durch gedungene Schweizer ja wieder überwältigt. Wie rein der Volk-aufstand in seine» Motiven war, beweist die Haltung deS Volkes nach dem Siege. Als die königliche Burg er- obert ivar. wurde die Pracht seiner Spiegel und Kronleuchter zer- schlagen; die Gemälde wurde» geschont, edle Metalle und Papiergeld brachten halbnackte Leute dem Nevolutionskomitee. Nur Sbirre»(Spitzel) wurden gelödtek. Ein damals in Palermo lebender Deulscher schreibt: Da« Volk ist seinen Führern gehorsam und fügsam über alle Erwartung und erlaubt sich keine Exzesse und Bmlalitäten. Auch die Kapttäue der im Hafen liegende» englischen Schiffe gebe» den Slufständische» das Zeugniß,„daß das Eigenlhnm skrupulös respeklirl"»nd nur an Sbirren Mordlhaten verübt wnrde», obgleich durch Entdeckung von Folteriverkzeugen und Skelelle» in unterirdischen Gemächern die Wulh des Volkes auf- gestachelt wurde. Nur gebettelt wurde vtel, denn das Volk hungerte; trotzdem wurden jedoch dle Eingänge des eroberten Finanzpalastes von den«voluttonären Bürgern vermauert, um ihn zu schützen. Mshlbentrgung. A«S Ostprrnsien. Der Kampf bei den nächsten Reichstags- Wahlen wird hier bei unS im äußersten Osten mit großer Er- bitleruiia geführt werden. Wie eigentlich selbstverständlich, sind unsere Genoffe» schon seit längerer Zeit beimiht, soviel wie möglich agitatorisch zu wirken. Da von der Abhaltung von Versammlungen gar keine Rede sei» kann, weil kein Wiclh sein Lokal dazu hergeben darf, muffen sich unsere Genossen gewissermaßen ans Kleinarbeit beschränke». Dieselbe wird in der Art vorgenommen, daß entweder«in paar Genoffen gelegentlich Zeitungen und Flugschriften in einigen Orten verbreilen oder Agitalionsmalerial an vorher be- schaffte Adressen unter Kreuzband gesandt wird. Diese stille Art der Agitation hat die größte Wnth bei de» Konservaiive», die in unseren Landkreisen allein in Frage komme», hervorgerufen. Als der Land- rath des Kreises Gerdauen-Friedland-Rnstenbnrg davon Wind erhielt, daß in seinem Kreis«ine derartige Agitation ent- fallet wird, erließ er im KreiSblatt eine große Bekannt- lnachiing, daß ih m s o f or t von jeder s o z i a l d e m o- ?�'�ion. Mittheilung zu machen sei. Kreisblätler nnd das Hauptorgan der Agrarier in Ostpreußen, die »Ostpreußisch« Zeitung" in Königsberg, brachten geharnischte Artikel, (n bfncn dt«.stille sozialdemo? tische Wühlern* a»fS schllrjste ojigejiüffen nmtöe. Zahlreich« Exeuiplare der.Königs- bergir Aolkktvibiine". in denen nuf die gegnerischen An- griffe kräftig genntwortet wurde, gclnugten darauf wieder n»r Versendung. Besonders empört sind unsere Gegner darüber, daß einzelne Rittergutsbesitzer Sozialdemokraten geworden sind. Dieselben bezahlen und behandeln ihre Arbeiter selbstverständlich in an- ständiger Weise. Die Folge davon ist, daß in ziemlichem Umkreis von deren Guter» die übrigen Arbeiter sich aus unsere Genossen be- rufen, wenn sie bessere Bezahlung und Behandlung fordern. Mehrere dieser Großgrundbesitzer werde» bei der kommenden Wahl i» dein Kreis kandidiren, wo sie ihren Wohnsitz haben. Im Kreise Gcrdaucn-Fricdland-Rastenburg ließ sich infolge eifrigen Zuredens der Genossen Riltergulsbesitzer Braun auf Mehleden dazu bewegen. Von seilen der Gegner ivird nun alles versucht, ihm die Kandidatur, die sie fürchten, zu verleiden. In dem Landrathsorgane wird er in der gemeinsten Weise beschimpft und verhöhnt. Ferner sucht man die Landarbeiter in der demagogischsten Art gegen ihn aufzuhetzen. Denselben wird erklärt, daß bis zur Wahl ihr Kandidat mit ihnen sein Gut und sein Vermögen gctheilt habe» müsse, wenn er wirklich Sozialdemokrat sei»»volle; er müsse niindeslens dafür sorgen, daß jeder seiner Arbeiter ein solches Einkomme» und eben solche beqlieme Wohnung besitzt wie er selbst. Dem Gnlsbcsitzer wird klar gemacht, daß ein abtrünniger Standes- genösse„die tiefste Verachtung jedes anständigen Menschen" verdient. Den Königsberger„grünen Jungen" und„Tagedieben" kündigt das Landrathsblatt an, daß sie ivie bei der letzlen Wahl Prügel be- kommen werden, wenn sie sich bei der kommenden Wahl auf dem Lande sehen lasse». Der bevorstehende Wahlkampf wird also an »nsere Genossen große Anforderungen stellen. Dieselben sind aber guten Mnths, denn schon jetzt sind verschiedene Anzeichen bemerkbar, daß die Arbeit nicht unnütz gethan wird. I» Lichtenstei» hat eine Parleiversammliing deS 17. fächfische» Reichstags. Wahlkreises den bisherigen Vertreter Jgnaz Auer wieder aufgestellt. Im Wahlkreise H a m m- S o e st mußte eine Aenderung ein- treten, weil der frühere Kandidat unserer Partei, Gewehr, diesmal im Kreise Altena- Iserlohn aufgestellt ist. In Hamm-Soest kandidirt nun Block, Redakteur der„Rheinisch-Wcstf. Arbeiterzeitung" in Dortmund. Auf einer Vertranensinänner- Konferenz deS I. Mein in g er Wahlkreises wurde Ed. Wehder- Sonneberg als Kandidat der sozialdemokratischen Partei ernannt. I» Jena fand am II. d. M. eine Versammlung statt, in der sich zwischen Herrn Pfarrer Naumann und unseren Parteigenossen «ine längere Debatte«ntivickelte, die sich bis 2 Uhr nachts ausdehnte. Am Schluß wurde eine Resolution angenommen, die sich für die Unterstützung des sozialdemokratischen Kandidaten P. Leutert aus- spricht. Die bürgerlichen Parteien in Elberfeld haben sich dahin ge- einigt, der Sozialdemokratie bei der Reichstagswahl einen gemein- samen Kandidaten entgegenzustellen. Der Auserkorene dieses Misch- masches ist der Stadtverordnete Evertz. Nicht angeschlossen haben sich die Antisemiten, die bisher noch keinen eigenen Kandidaten auf- stellten, sie»vollen es diesmal selbständig versuchen und haben de» Bäckermeister Heysterinann ausgestellt. In» Wahlkreise U e ck e r m ü n d e- U s e d o in- W o l l i n haben die Antisemiten den aus verschiedenen Kolonialaffären bekannten Dr. Schröder-Poggeloiv, eine» Bruder des in Ostasrika verurtheilten Plantagenleiters Schröder, als Kandidat aufgestellt. In» Wahlkreise D r a in b u r g- S ch i v e l b e i n ist die Zahl der aufgestellten Kandidaten eine ungeivöhnlich große. Die Konser- vativeu sind getheilt, indem neben dem Landralh v. Brockhause», der für den Bund der Landivirthe und die reinen Konservativen kandidirt, noch als Wildkonservativer Herr Karl Rens austritt. Ferner be- werben sich neben unserem Parteigenossen der Antisemit Sedlatzel und«in Kandidat der freisinnigen Vereinigung um das Mandat. Von nälionalliberaler Seite ist zum Kandidaten für den Id. hannoverschen Wahlkreis U« l z e n- L ü ch o»v- D a n n e n b e r g der Hofbesitzer und Landtags-Abgeordnetel Puttfarken in Elipelse aufgestellt. Sein Gegenkandidat ist der bisherige Abgeordnete Graf Bernstorff-Wehningen. Die freisinnige Bolkspartei stellt für M e in e I de» bisherigen Abgeordneten Ancker- Ruß wieder als Kalididat für den Reichs- tag auf. Nach Meldung hakatistischer Provinzblätter»vurde für St»ihm- M a r i e n>v e r d e r als Kandidat der vereinigte» denlsche» Parteien zum Reichstag Gutsbesitzer Witt-Kl. Nebrau aufgestellt. Im 13. h a n n o v e r s ch e u Wahlkreise soll, wie aus Goslar berichtet wird, der Bund der Landivirthe ebenfalls einen eigenen Kandidaten zur Reichstagsivahl ausstellen. Und zwar ist der Gutsbesitzer Wrcde- Söderhof bei Niugelheiin als Durchfalls- Kandidat anserschen. Dies wäre der sechste Kandidat in unsere»» Kreise. Die Natioualliberale» gebe» bekannt, daß sie, entgegen bis- herigen Meldungen, bis jetzt das Bündnis mit den Freikoiiservative» noch nicht wieder erneuert hätten, jedoch seien Verhandluiigeu mit ihnen im Gange. Da vor längerer Zeit bereits die Unter- ordnnng gemeldet»vnrd, so scheint es, als ob nicht alles»»ehr im richtigen Lothe ist zivischen den Natioualliberale» und Frei- konservativen. Im 22. sächsische» Reichstags-Wahlkreise(Neichen- bach, Kirchberg zc.) ist von de» Nationalliberalen und Konservative» für die bevorstehende Reichstagsivahl der sächsische Landtags- Ab- geordnete Kramer aus Kirchberg ausgestellt worden. Hngo Hillinann f. Ans Elberfeld theilen uns die Parteigenosse»» mit, daß in» städtische» Krankenhaus« daselbst am Freitag Nachmittag Hugo H i l l m a n u aus dem Leben geschieden ist. Er zählte zu den ältesten rheinischen Parteigenossen. Besonders in den ersten Jahrzehnte» der sozialdemokratischen Arbeilerbeivegung hat Hillmann an allen ihren Kämpfen und Bestrebungen in hervor- ragender Weise thcil genommen. Er stammte aus einer alten und»vohlhabenden bürgerlichen Familie des Wupperthales»nd hat schon in seiner frühesten Jugend lebhasten Antheil an der politischen Beivegung, und zivar der der Jahre 1843/49 genommen. I» de» Parteikrcise» zirkulirte in früheren Jahre» die Aneldole, daß Hill- mann, der ein Hüne von Gestalt war, 1848 von Elberfeld nach Düsseldorf geeilt sei und dort, angethan mit de» republikanische» Abzeichen und der Schärpe um die Schultern, die Republik aus offenem Markte proklamirt habe. Als Lassalle den Allgemeine» deutschen Arbeiter- verein gründete, trat Hillmann sofort demselben bei. Er»var wiederholt Bevollmächtigter und nach dem Ausscheiden Bernhard Becker'» vorübergehend auch Präsident des Vereins. Unter dein Präsidium v. Schiveitzer's trat Hillinann zur Opposition über und war einer der Mileinberuser des Eisenacher Kongresses von 1369,>vo die sozialdemokratische Arbeiter- Partei(Eisenacher Richtung) gegnindet wurde. In den daraus folgengen Fraktionskäinpsen hat Hillmann manchen harten Strauß mit seinen früheren Vereinsgenosfen, den Lassalleanern, ausgefochlen. In den achtziger Jahren weilte er in Siinerika, von wo er an- fang der neunziger Jahre»vieder zurückgekehrt ist. Da er, feiner bei jeder Gelegenheit bethätigten Gesinnung wegen, von seiner Faniilie gemieden wurde, so hat der Veteran der Ar- beiterbeivegnng bis in die letzten Jahre seines Lebens mit Roth und Sorgen zu kämpfe» gehabt. Das hat ihn in seiner Ueberzengung aber nur bestärkt, der er getreu geblieben ist bis zum letzten Athem- zuge. Jetzt hat der brave Kämpfer, der oft geirrt, aber stets daS beste gewollt hat, ausgelitten. So oft die ersten Gründer und Vorkämpfer der deutschen SUbeilerbeivegung genannt werden, wird der Name Hugo Hill m a n n darunter sein. In Bant bei Wilhelmshaven ist der Parteigenosse Paul H u g vom G e m e i n d e r a t h wieder zum Beigeordnete» (Stellvertreter des Gemeindevorstehers) gcivählt»vorde». Er be- ~ Verantwortlicher Acdaltcur: August" Jncvbcy in Berlin. Für den Jiisci kleidet diesen Posten schon zum dritten Mal in 13 Jahren, seit welcher Zeit er dein Gemeinderath zu Bant angehört. Tie Reorganisation der schweizerischen sozialdemokratischen Partei. Ans Zürich wird uns geschrieben: Seit dein letzte», im November 1837 in Zürich abgehaltenen sozialdemokratischen Partei- tag, der nur aus 12 Orten beschickt war. wird die Reorgani- sation der Partei dislutirt. Die Organisation der sozialdemo- kratischen Partei der Schweiz erfolgte im Oltober 1338 in Bern. Bis dahin bestand die Organisation des„Schweizerischen Arbeiterlages", der sich zu gunsten der sozialdemokratischen Partei ans dem Grunde auslöste,„um die sozialdemo- kralische Beivegung in unserem Vaterlande aus den Kreisen der Arbeitervereine hinaus auf den Bode» des allgemeine» politische» Volkslebens zu sühren und ihr da ein« feste, greifbare Organisation zu geben." Gleichzeitig wurde»«in grundsätzliches und ein Arbeits- Programm soivi« die Parteistaluten ausgestellt. Dieselbe» boten einen weiten Rahmen für die Partei, wie dies bei den Organisalions- statuten der deutschen Sozialdemokratie auch der Fall ist. Es wurde jeder Schiveizer Bürger als Milglied der Partei anerkannt, welcher das Parteiprogrammm annahm und eine Mitgliedskarte uiit Quillung des verfallenen letzten Jahresbeitrages besaß; derselbe betrug b0 Cts.(40 Pf.). Der Verkehr des Parteikoinitees mit den kantonalen und lokalen Parteiorganisatione» erfolgte durch Vertrauensmänner. Dieses Statut wllrde 1831 in Olte» vom Partei- tage revidirt. Nach dem revidirten Statut, das heute noch gilt, können 20 Parteimitglieder eines Orles einen Delegirten zum Partei- tag eiitseiide». während vorher SO gefordert wurden; das Partei- koinitee erfuhr eine Verstärkung von 7 auf IS Mitglieder», wovon S der Vorort nud 10 der Parteitag aus der Milte seiner Delegirten »vählt, wobei die verschiedenen Landestheile zu berücksichtigen sind. Die Partei wird nicht mehr allein auf Eiuzelmitgliedern auf- gebaut, sondern neben diesen auch anf Vereine», welche sich ihr mit einer beliebigen Anzahl ihrer schiveizerischen Mitglieder an- schließen können, und auch aus Zentralverbänden. Der�Jahresbcitrag beträgt nur noch 20 Cts.(16 Pf.) gegen 50 Cts. vorher. Jin Jahre 189S beschloß der Parteitag in Bern die Revision des Parteiprogramms, die jedoch noch nicht durchgeführt ist, und 1836 beschloß der Parteitag i» Wiuterthur die Revision des Partei- statuls, wofür aus dem letzlen Parteitage von drei Seile» Ent- würfe und Vorschlägt vorlagen. Nun haben die Genossen Wu lisch leg er und Mettier gemeinschaftlich«ine» neuen Entivurf ausgearbeitet, der umfangreicher ist, alS die früheren und jetzigen Statuten und sich mich materiell ivesentlich von ihnen unterscheidet. Die»vesentliche Aenderung dielet gleich der erste Paragraph des Entivurfs, wonach die sozialdemo- lratische Partei der Schiveiz aus den sozialdemolratischen Verbänden und Vereinen des deutsche» und welschen Sprachgebietes gebildet »vird,»velche sich derselben anschließen. Dies kann jedoch nur mit den schweizerischen Mitgliedern beider Geschlechter geschehen. Aus dieser neuen organisatorische» Grundlage soll die Parle» erst konstiluirt werden, sobald sich soviel Organisationen an« geschlossen haben, daß 20 000 Mitglieder Vorhände» sind. Die Organisationen dürfen sodann nur auf je 250 Mitglieder einen Delegirten zum Parteitage entsende», dagegen kann zeder Genosse mit beratkender Slinime dem Parteilage beiwohne». Stall wie bisher alljährlich, soll nach dem Entivurs der Parleilag künftig nur aller zwei Jahre statlsiude». Das Parleikoniitee soll aus 15 bis 25 Mitgliedern bestehen. Der obligatorische Jahresbeitrag beträgt pro Milglied 5 Cts.(4 Pf.), was für 20 000 Milglieder 100 Fr. ergeben würde. Der Entwurs sieht auch die Abhaltung größerer kantonaler Zusainnienküufle der Geuossei» zu V o l k s t a g e n vor. I» der dem Enliviirf beigegebenen Erläuterung sprechen die beide» Genosstn die Hoffuung aus, daß schon im lausende» Jahre alle größere» Verbände und Vereine ihren Beitritt erklären und die so neiigebildete Partei bei den Nalio»alraihs>vahleu im Jahre 1839 Gelegenheit habe» werde, durch Ablegnng ihrer ersten Proben sich zu festigen und auszureifen,„so daß mit Beginn des neue» Säkn- tu i»S die sozialdemokratischen Slreitlräste unseres Landes als ein- heillich betrachtet werden dürfen." Polizeiliche», Gerichtliche» ,e. — Redakteur F e l d m a n n vom„Proletarier an» dem Eulen- gebirge" in Langendielan hat am 11. Januar das Gesängniß nach Verbüßung der vierwöchigen Freiheitsstrafe verlassen, die ihm wegen Beleidigung des Königs der Belgier auferlegt war. — Während der Vorbereitungen zur vorjährigen Reichstags- Ersatzwahl in Königsberg i. P r. waren zwischen dem kon- servative» Redakteur Bley und dem Universttätsprofessor Zorn Streitigkeiten c»lsta»den, die zu scharfen Auseinandirsetzinige» führte». Der Zwist wurde gütlich beigelegt und daii» in der „Oslpr. Ztg." iniigetheilt, daß dies„staadesgeniäß" geschehen sei. Die belrefseiide Erklärung war unterzeichnet: Dr. Otto Gerlach, Professor der Staalswissettschaften und Premier-Licntenant der Landivehr-Artillerie. Ueber diesen Znsatz machte sich die „« ö» i g s b e r g e r V o l k s t r i b ü n e" lustig und Herr G«lach wurde in Parallele mit �inei»„Theil der Offiziere" gestellt, der in sehr ivenlg schmeichelhafter Weise gezeichnet wnrde. Der Kriegsminister stellte Slrafantrag wegen Beleidigung des Offizierskorps und das Landgericht verurtheilte am 12. Oktober den Redakteur Albert E r d m a n n zu 300 M. Geldstrafe. Das Landgericht war der Meinung, daß ein Theil der deutsche» Offiziere beleidigt worden sei, und zwar der Theil, der in Königsberg i. Pr. garnisouirt. Da aber die Beschränkung auf Königsberg sich nicht mit voller Bestimmtheit aus dem Artikel ergab, so wurde das g e s a in ni t e deutsche Osfizierslorps als beleidigt augesehen und der preußische Kriegsminister als zur Stellung des Slrasaiitrags legitimirt erachtet. Redakteur Erdiliaiin legte gegen das Urtheil erfolglos Revision beim Reichsgericht ein. Das llieichsgericht verwarf au» 14. Januar die Berufung mit folgender Begründung: Die Voriiistanz hat au- geuommeu. daß, wenn auch nur ein Theil der deulschen Offiziere erwähnt ist. doch beim Maugel jeder Bezeichnung der etwa au» zunehuiende» Offiziere jeder deutsche Offizier durch de» Artikel be- leidigt worden sei und habe beleidigt werden solle». War der ge- sammle Ofstziersslaud beleidigt, so war ohne Zweifel der preußische Kriegsminister zur Stellung des Strafaulrages berechtigt, da die Offiziere in Beziehung auf ihre» Beruf beleidigt sind. — In M a g d e b u r g ist auch bei dem PorteivertralieuSma»» Vater nach Ausichtspo st karte», gchaussuchl worden. Gefunden wlirdeu keine.— Ueber den Grund der abermaligen Beschlagnahme der Ansichlspostkarlen, die jetzt sowohl de» Vermerk des Druckers wie de» des Verlegers tragen, schreibt die„Bolls- stimme":„Die Polizei vermulhet. daß Genosse Belhge, der Drucker der„Volksstimme", die Ansichtspostkarten nicht gedruckt, vielmehr nur seinen Rainen aufgedruckt habe" Von den früheren Karte» sind bis zur Beschlagnahme 4000 Exemplare verkauft Ivorden. — Nr. 2 des„Süddeutschen P o st i l l o n s" ist anf tele- graphische Requisition der Münchencr Staalsanwalischaft auch in Nürnberg beschlagnahmt worden. In der Henning'schen Bolls- buchhandlung fielen der Behörde 180 Exemplare in die Hände. Gemerftsäsaffliriies. Tenischcö Reich. Genosse Legten schreibt uns: Die Notiz in Nr. 11 deS„Vorwärts" über den>» Zabrze getroffene» Vergleich lömite den Anschein erwecken, als wäre ich ohne weiteres auf das Angebot von 600 M. eingegangen und hätte um dieser Summe ivillen das einzig« Versa»»l>iluiigslokal, das wir in der Gegend haben, anfgegebeii. Das ist keineswegs der Fall. Es ivar durch Gerichtsbeschluß dem Eigenlhümer des Grundstückes die Räumung des von mir gemielheien Lokales aufgegeben, widrigensalls eine an de» Fiskus fallende Strafe von 50 M. pro Tag eiiizulrete» habe. Gegen diesen Beschluß hatte der Beklagte Einspruch erHobe». Der sich infolge dessen entivickeliide Prozeß, dessen Ausgang zweifelhaft ivar. halte länger gedauert, als die Miethe- zeit für das Lokal lief. Zweifelhaft ivar der Ausgang des Prozesses, iveil § 5 des MielhsverlrageS besagte, daß der vor Ablans der Verlragssrist vom Vertrag zurücklreteiide Kontrahent 600 M. Konveiiljoiialstrafe Ucuthcil verantwortlich: Th. Glocke iu Berti». Druck und Verlag von Vi» zu zahle» habe. Mit Erlegung oder dem Anjbot dieser Summe dürste die VertragSpflicht erfüllt sein. ES würlö deshalb eventuell noch eine besondere Klage zur Erstattung dieserlSuiniiie nach einem für mich unglücklichen Ausgang deS Prozesses(.forderlich gewesen sein. Aus diesen Gründen war es geralhener� auf den Vergleich einzugehen, so ungern ich darauf verzichtet har, für die nächsten Monate Aussicht auf ein Versammlungslokal zuejaben. Wegen Maßregelung derMitglieder desHc-arbeiter-Verbandes haben in Trebbin(Prov. Brandenburg) 29 Tisfler, Drechsler und Bildhauer die Arbeit eingestellt. Es wird gebet>, den Zuzug fern» zuhalten. Ter Streik der Zigarrenarbeiter in icharmbeck und Umgegend ist, wie uns telegraphisch gemeldet oird, beendet. I» zwei großen Fabriken wird am Montag die Abeit zu de» allen Bediiiglingen wieder aufgenommen werden und:ft für die Ziikuiift eine Lohnaufbcfferung zugesagt. Eine Anzahl svnder Arbeiter sind bereits abgereist.> Geniaßregelt wurden bei dem Zimmermeiir Künzel in Selb 11 Zirnmerlente, weil sie der neugeschaffenen Orgnisation beigetreten waren.' Sächsische Versammlungsfreiheit. In Groitzsch streiken die Schuhmacher, da dürfen sich in Pegau die�öerusskollege» der Streikenden nicht versammeln, weil durch eine olche Versammlimg die Ruhe und Ordnung der Schuhmacherstai Pegau gefährdet iverden könnte. Das wird man natürlich ncht für möglich halten, aber vor der Polizei in Sachsen ist k�i Ding uninöglich. Eine aus den II. Januar in Pegau ei�erufene össeiiltiche Schuhmacherversammlung wurde vom Stadtrat�mit folgender Be- griiiidung verboten: In Rücksicht auf die in der Nachbarstadt troitzsch infolge des Arbeitsausstandes in der Schuhfabrik B. Götze �»d E. Fischer vorgekommenen Ausschreitunge» und die dadurch �sährdete öffentliche Sicherheit erscheint die von K. F.... heute an'emeldete öffentliche Schuhmacherverscnnmlung am 11. Januar 1833.bendS'/z3 Uhr in Heinmann» Restaurant mit der Tagesordnung: 1. Der Ausstand bei der Firma Götze u. Fscher in Groitzsch; 2. Dislnssion zu Punkt 1 geeignet, die bestehende öffentliche Ordnung au; in Pegau zu ge- sährden. Die angekündigte öffentliche Schuhmacher-Zersarnuilung wird daher hiermit auf grund des§ 12 des sächsischei Vereins- und Ber- saminlungsgesetzes vom 22. Rovbr. 1350 verböte. D-r Sladtrath. I. B.: Nlius Schumann. So trübe sieht es also mit der Koalilionsseiheit der Arbeiter in Deuifchland aus. daß eine Versammli-ig, die sich mit der Frage des Streiks befassen will, �verboten werden kann. Die rechtliche Grundlage einer solch» Maßnahme ist selbst nach dem sächsischen Vereinsgesetz sex zu bezweiseln; aber der Beschiverdeweg, der eventuell eine Aendrung in der H.ind- habuiig des Vereinsgesetzes herbeiführen kann, gibt de» Arbeitern nicht sofort daS Recht, ihre Berufskollegen überden Ausstand auf- zukläre». Diese schwere Benachtheiligiiiig der Irbeiter in ihrem Kampf ist um so ungerechlserligter, als bisher keae Ausschreitungen zu verzeichne» sind, man müßte denn den Etrlt als eine solche bezeichnen. RuSland. Ueber de» Konflikt im Maschinenbaugetvrbe liegen heute nur einige sich widersprechende Depeschen vor. As London wird berichtet, daß die Maschiiienbauer gestern Abeifi ein Manifest er- lassen haben, in welche»» sie ihre Bereitwillikeit erkläre», die Slundeusrag« einem Schiedsgerichte zu uuterbrcken, dagegen aber das Recht in Anspruch nehmen, bei der Regelui, von Differeuze», welche Loh» und Ueberstlinden betreffe», direk vertreten zu sein. Einer Meldung aus M a n ch e st e r zusolge solle» Oer die Maschinen- banarbeilcr in London ihre Forderung einer ivöcentlichen Arbeits- zeit von 43 Stunden überhaupt zurückgezogen habn. Es werde er- wartet, daß die Arbeitgeber in London darauf ire Aussperrung?- Bekanntmachungen widerrufen würde» und die Arbeit demnächst wieder aufgenommen werde» könne. Ferner wirdauZ Glasgow gemeldet: Di« große Fairsteld Shipbnildiiig Compa.y hat gestern ein erstes Viertel ihrer Leute ausgesperrt. � Für die ausgesperrten englischen Maschinen»»««» gingen bei der Berliner Gewerkschaftskonl Mission folgen« Beträge ein: Athleten- und Artistellverem„Gut Kraft" für einer Herrentanz 7,41. Maurer aus dem Bau Johalinisstraße 8,70. Kornell. Sylvesternacht bei O. Zabel, Fraiiksurtcr Allee 10,—. Sylvesternacht ffriedenstr. 67 2,61. Sylvesternacht bei Klein, Dresdenerstr. 80 3,50. Sylvster bei Herrmann, Putbuscrslr. 45 2,50. Alter Weihnachtsbailm bei Rebbr 1,10. Holz- und Bretterträger d. tk.(aus Listeu) 4,35. Bau Eltsabet-llfer(aus Listen) d. ff. Prinike 8,25. HolzbearbeitiingSinaschiiien-Arbeiter d. Piehl(aus Liste) 48,30. Werlstatt W. König, Dicsseubachstt. 33 15,-.' Psanndrchenauktian auf dein Fleckchen Erde im Süden d. Pauline Baer 9,10. Weihnachts- feicr der Gastwirthsgehilfen 8,25. Ein paar lustige Sanger, Köpnicker- straste 72 1,10, Sylvester bei SchiNinger, Tilsiterstr. 406,65. Pcmtmenfest, Gesaiigvereiu Oranienburger Vorstadt, ainerikamsche Aukton 10,05. Sylvester bei Gölte, Braudenburgstr. 13 3,30. Einige organtsirt, Kallegen der Gas- glüylicht-Fabrik Horwitz u. Saalfeldt 5,50. Brauer BeunS d. Preuß 56,80 (darunter Schlastbrauerei Schöneberg 5,30, Brauerei Hchenschönhausen 6,20, Brauerei Oranienburg 8,50, Bürgert. Brauh. 4,90). tmerik. Auktion bei Köhler, Calvinstrahe 2,50. Wilhelm Friedländer II 2.(aus Liste) 12,75. Organ. Lederarb. Berlins(Weib-, Lohgerber u. Lederfärbr) 100,—. Personal von Janiszewski u. Quitt 4,10. Honorar für Botträe eines Reserenten in der Arbeiterbildungsschule d. K. 30,-. Sylvester in Kolberger Salon d. Sch. 2,35. Maschinenbürstenfabrik Reichenbergerstraß 3.25. Stanislaus Zepka 0,50. Amerikanische Aukiion bei Saß, Marhrasenstt. 102, 15,—. Roche Hütte im Saarrevier 27,25. Versumpfte Maurervom Zentralverband, Bau Köpnickerstr. 72, 7,50. Ueberichub einer Zeche O.B.—,55. Gemstth- licher Stiesel, Blücherstraße 4,-. Vom Unterstilhuiigsfiiids der Lithographen Berlins 100,—. Lese- und Dislutirklub Nordkante 12,02. Organisirte Droschkenkutscher Berlins durch K. 50,-. Arbeiter der Aktiengesellschaft für BauauSsührungen, Charlottenburg, Salz-Ufer 7,85. Handels-Hilfs- arbeiter Berlins(lokal) durch Kanip(auf Listen ges.) 28,25. Tischlerei Gustav Pritzkow, Schönhauser Allee 143�4,—. Xylographeu und Tectmlkcr durch H.(auf Listen) 25,65. Buchdr leiti- Hilfsarbeiterinnen 3, Rate 40,-. Bildhauer durch Marti»(auf L,len) 12,—. Wäsche- und Kravattenbraiiche d. K.(auf Listen) 8,55. Drei.«pwarze Peter durch Wey- lopf 1,50. Arbeiter- Radfahrerverem„Berlin"«Imerifantsche Auktion 5,75. Lustige„7" bei Freund 5,35. Weitere Beiträge nimmt daS GewerkschcstSbureau(R. Millarz, Annenstt. 16, 1 Tr.) entgegen. Wirersuchen alle diejenigen Gewerkschaften die direkt Gelder nach London gesandt, uns bis Mittwoch Mittheilung zugchen zu lasten über die Höhe der Summe. Die Berliner Gewer. schastS-Kommisston. Depefchen und lvkzts Llachvirhten. Miinche», 16. Januar.(W. T. 3.) In der heutigen Sitzung erledigte die Reichsralhskainmer den Etat der Straßen-, Brücke»- »»d Wasserbauten und nach länzerer Debatte die Bodeuzins- Vorlage, ivobei der AinorlisatioiiffondS von 5 aus 3 Milliouen erhöhl wurde. Ferner wurde der Gesetzentwurf über die Ber- mehrnug der Betriebsmittel der bcyerischeu Landwirthschafts-Bank angenommen. Eschculohe(Bayern), 15. Jcunar.(W. T. B.) Im Kirchwald bei Parlenkiiche» ivüthet seit gestern Abend et» gewaltiger Brand, dein bereits 200 Tagewerk zum Opfer gefallen sein solle». Infolge des thatkräsligen Eingreifeiis des Forstpersonats sowie der Feuerwehren und Hilfsmannschafle» aus den umliegenden Dörfern steht eine weitere Stusbreitung des �eners nicht mehr zu besürchlen. Etwa öOO Personell sind an den Lö/charbeite» belheiligt. Budapest, 15. Januar.(W.T.B.) Das Magnatenhans nahm »ach kurzer Debatte die Proviforiumsvorlage sowie de» Gesctzeulwiirf über die Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen den landiviclh- schaftlichen Arbeitern und Arbeitgebern. Kalkutta, 14. Janucr.(„Reuler's Bureau".) Bei der Be- grüiidiiiig der Vorlage letreffead die Notenausgabe wurde seitens der Regierung ferner azsgcführt. bezüglich Einführung der Gold- währnng in Indien könne sie keine endgiltige Antwort geben; das Eine jedoch sei klar, daß ein großer Fortschritt nach der Richtung gemacht sei, in welcher nach den Ideen der Urheber der Politik von 1893 eine solche Einführung ermöglicht werden könnte. x Badiug in Verlin Hierzu 3 Beilagen u. ilntrrhaltuiigsblatt. »ms. i5. mtm. i Seilllge des„Kmiilts" Kerlilltt MlligdlM. Smw.l6-wmlW. Rückwirkungen unserer oltnüntifcken Volikik. Einer unserer Mitarbeiter, ei» genauer Kenner der ostasiatische» Ttthälnisse. schreibt uns:"' i J Der Kiaolschan-Vertrag hat. wenige Ausnahmen abgerechnet, in n°"�S?�ichen Presse freudige Ziistiininniig gefunden. Sogar auerlei liebenswürdige Kompliinente an die Adresse des Herr» V. Bülow. der zur rechten Zeit die polilische Unlhätigkeil des „einstlgen badischen Slaalsauwalts" durch die nöthige Energie zu ersetzen wußte, haben nicht gefehlt, und selbst die be- scheide»?» Seelen, die schon Deutschland im Besitz der ganze» Provinz Schanlung und noch einiger niedlichen Dcpeudeuzen sahen und denen deshalb die ersten Berlragsnachrichten eine arge Ernüchterung brachten, haben sich nachträglich in die richtige Etnnmung hineingefunden. Ihnen gilt schon Kiaotschan als die zw kunstige Handelszentrale Nord- China's, als der große Absatzmarkt der deutscheu Industrie, und aus allen möglichen Geographicbüchcrn und Reisebeschreibungen werden Angabe» über den intensiven Acker» bau, die Seidenknltnr, den Metall- und Kohle»- Iieichthuin von Schantung zusainmengeholt und als vollgiltig« Beweise für die zu erwartende Bedeutung Kiaotschau's präscnlirt. Die Herren über- sehen dabei nur in ihrer Begeisterung, daß alle diese Herrlich- ketten, soweit sie überhaupt vorhanden sind, nicht in UN- mittelbarer Nähe der deutschen Besitzung zu finden sind und daß es bisher au allen Straßen und Verbindungsmitteln nach dem gepriesenen Hinterlande fehlt. Die Kiavtschau-Bucht selbst ist i» rbrem südlichen Theil versandet, der in die Bucht mündende Kiao- Ho mit dem Lai-Ho und Ta-K»-Ho, auf welchen nach ältere» chinenfchen Llnelleu einst ein ziemlich reger Verkehr geherrscht haben soll, sind beule kaum noch für kleine Böte schiffbar, und die nächsten Kohlenlager bei Wei-sien, von denen übrigens noch nicht fest- steht, daß st« eine branchbare Schiffskohle zu liefern vormögen, liegen Ungefähr 14 deutsche Meilen von der Küste entfernt. Soll wirklich daS Hinterland erschlossen und der Handel von Tschisn, dem heutigen Verlragshafen der Provinz, der durch erne allerdings über doppelt so lange Verkehrsstraße mit Wei- sie» und Tsinan-fu verbunden ist, weggelenkt werden, so ist demnach erstes Erforderniß, daß der Versandung der Flüsse Einhalt gethan und sie wieder für den kleineren Schiffsverkehr fahrbar gemacht werden ferner müssen neue Straßen angelegt und wenigstens vorerst bis Wei- sien und bis zu einer geeigneten Station am großen Kanal Elsenbahnen gebaut werden. Ohne solche Anfivendungen kann Kiaotschan niemals eine größere Bedeutung für den Import und Exporthandel erlangen. Der Verbrauch der ärmlichen Be. völkeruug an der Bucht kommt wenig in betrachl und das Hinterland wud sicherlich keine Waare» über Kiaotschau beziehen wenn es sie billiger und bequemer über Tschisu und auf dem Wasser� wege über Tschiu-kiang haben kann. Und dasselbe gilt von Kiao- tschau als Kohlenstalio» für die von den südlichen Häfen, speziell Kanton und Schanghai, nach Tientsin gehenden Schiffe. Auch sie werden nur dann in die Bucht einlaufen, wenn sich ihnen die Kohle in Kiaolschau— die Brauchbarkeit der Wei-sien- und Poschan-sien- Kohle vorausgesetzt— wesentlich billiger stellt, als die importirte Kohle in Tschisn. Rechnet man zu diesen Ausgaben die notbwendigen Kosten für die Herstellung von Docks. Waarenspeichern, Befestigungen für die dauernde Unterhaltung der Kolonialtrnppen«., so crgiebt sich für den deutschen Steuerzahler eine nette Perspektive. Erstmals müssen Millionen und aber Millionen hineingesteckt iverden, um Kiaolschau die Konkurrenz mit Tschisu zu ermöglichen, und selbst dann werden all- jährliche bedeutende Nachsorderungen nicht ausbleiben. Mancher ehr- same Anch-Kolonialenthusiast, den die jetzige Kolonialbegeisterung angesteckt hat, wird noch recht sehr spucken, wenn in den nächsten Jahren die Regierung immer wieder mit erneuten Forderungen her- variritt und der Kolonialetat einen immer größeren Umfang aunimmt. Und dabei ist der große Bortheil, den unsere Erwerbung für die deutsche Industrie haben soll, recht fraglich. Bisher wurden in Schantung vornehmlich billige Banmwouenivaaren, Eise», Zucker, Opirnn, Kohl« und Del eingeführt. Obenan steht der Import vo» Bauinwollenivaaren. dessen Werth in den letzten drei Jahren durch- schnitllich 60 pCl. des Werlhes der Gesammleinfuhr betrug. Früher waren diese Baumwollenwaaren größtentheils englischen Ursprungs: in letzterer Zeit hat sich auch Indien lebhast belheiligt, dem aber neuerdings ein noch billigerer Konkurrent in Japan entstanden ist, wie die nachfolgende» näheren Angaben beweise» mögen. Nach den Mittheilungen des„Commissioner of EnstomS' betrug der Werth der Netto-Einfnhr fremder(nicht-chinesischer) Waaren in Tschisu: 1894-- 5 796 467 Ht. T.*), 1895= 7 316 586 Hl. T.. 1896 >--- 9780661 Ht. T. Davon enlfielen auf: 1894 1895 1896 Hk. T. Hk. T. Hk. T. Baumwollenwaaren.... 3034000 4370514 6294927 (Shirtings. SheetingS, DrellS, Garne, Zwirne«.) Wollenwaaren...... 51 880 85 268 118 755 Nägel. Draht und Eisen in Blöcken, Barren, Platten ec. 93 806 108 040 202 625 Alt-Eisen....... 136 010 133 607 269 025 Kohlen(für die Schiffe).. 231 378 513 600 268 130 Zu den wichtigsten eingeführten Baumwollenwaaren geHörle Garn. An diesem Artikel waren betheiligt: 1394 1895 1896 Hk. T. Hk. T. Hk. T. England....... mit 15623 24628 24765 Indien........ 1289 794 1 684895 2599298 Japan........ 42 504 145 293 896 528 An der Einsuhr von grauen Shirtings waren betheiligt: 13U4 1895 1896 Hk. T. Hk. T. Hk. T. England....... mit 433 993 524 924 591 739 Indien.......„——— Japan........——— An der Einfuhr von ShcelingS(Betttücher- Leineivand) waren bctheiligt: 1394 1895 1336 Hk. T. Hk. T. Hk. T. England....... mit 134 994 98 762 199 601 Indien........— 27 326 56 470 Japan........— 3 100 17 582 Wir sehen, wie England in verschiedenen der wichtigsten Import- artikel mehr und mehr von Indien und Japan überholt wird; und diese Tendenz wird unzweifelhaft in den nächsten Jahre» noch schärfer hervortreten, denn die größere Leistungsfähigkeit der englischen Arbeiter wird mehr als doppell ausgeglichen durch die Niedrigkeit der Arbeitslöhne in Indien und vor allem Japan. Dazu kommen noch die hohen Frachtsätze von England. Daß unter solchen Umständen die billigeren deutschen Banmwollenfnbrikate sich ein größeres Absatzgebiet in Schantung erobern werde», ist nahezu ausgeschlossen; es kann sich immer nur um einen beschränkten Absatz besserer Produkte dieser Branche handeln. Die Einführung neuer Jndustrieprodnkte aber ist, wie das Beispiel der Jantsekiang-Häfen zeigt, vorläufig noch sehr begrenzt; die Vermehrung derEinfuhr vollzieht sich nicht dadurch, daß neue, bisher ungelaunle Jndustrie-Artikel zur Aufnahm« gelangen, sondern durch steigenden Bedarf in den bisherigen Massenkonsumartikeln, und zwar *) Hk. T.— Haikwan Tael. Nach dem Kurse von 1896 X Haikwan Tael= ungesähr 3,40 Mark. speziell in Baumwollenfabrikaten. Einen gewissen Nutzen wird natürlich immerhin auch die deutsche Industrie ans einein Aufblühen Kiaotschau's ziehen, aber dieser Nutzen steht gar nicht im Verhällniß zu den Kosten, den der Ausbau und die Instandhaltung des Platzes erfordern. Den eigentlichen Vortheil von den aufgewendeten Millionen werden, das läßt sich heute schon mit Bestimmtheit vor- aussagen, der deutsche Jmporthandel und vor allem die dentsch- chinesischen Rhedereien haben. Die Begünstigung, die den unter deutscher Flagge eingehenden Waaren in Kiaolschau eingeräumt werden dürste, wird nur dazu führen, daß deutsche Schiffe für die nach der deutschen Interessensphäre bestimmten Ladungen i» Hongkong, Siugapore und den südchinesischen Häfen weit leichler Vefrachtnng finden, wie englische Schiffe. Schon jetzt führen die in die chinesischen Häfen einlaufende» deutschen Schiffe vielfach englische resp. euglisch-indische Exportartikel. So liefen z. B., obgleich die in Tschisu eingeführten deutschen Waaren gegenüber der Masse der englischen Importe kaum in betrachl kommen, doch dort in den Jahren 1894/96 nicht weniger als 258 deutsche Schiffe mit Ladungen ein. Daß aber die deutsche Arbeiterschaft durch- aus keine Veranlassung dazu hat. die Konkurrenzsähigkeit und die Einkünfte der deutschen Groß- Rheder« auf Kosten der deutschen Steuerzahler zu erhöhe», bedarf keiner weiteren Ve- gründuug. Aber nicht nur eine finanzielle Mehrbelastung wird uns unsere neueste oslasiatische Politik eintragen, auch ans die Abstimmungen über die Flotlenvorlage im Reichstag wird sie nicht ohne Rück- Wirkung bleibe», wie sich bald genug zeigen wird. Ein großer unter dem Einfluß des höheren Klerus stehender Theil des Zentrums ist längst im Stillen zur Nachgiebigkeit gegen die RegierungSforderungen bereit, um dafür auf kirchenpolitischem Gebiet gewisse Gegen- zngcständuisst einzutauschen. Allen diesen treuen Söhnen ihrer Kirche bieten die letzten Vorgänge in Oslasien einen vortrcsf- lichc» Vorwand, um unter Berufung ans die Fürsorge der deutschen Regierung für die katholischen Missionen und ans den Schutz der deutschen Interessen im Auslande allmälig ins Regierungs- fahrwaffer einzulenken. Dazu kommt die Mehrung deS russischen EinflnsseS. Seit Jahren hat Rußland durch geheime Vertragsabschlüsse und sein asiatisches Eisenbahnsystcm, das weit mehr strategische» als Handelszwecken dient, sich darauf vorbereitet. Korea und den Norden China's z» annektiren: ein Bestreben, in welchem es besonders mit dem Widerstand Englands und Japans zu rechnen hat. Nichts kann demnach Rußland erwünschter sein, als wenn sich nahe an seiner Interessensphäre eine andere Macht einschiebt, die, von England aus einseitigen Handelskonkurrenz-Rttcksichtcn aufs heftige angefeindet, natürlicherweise an Rußland Anschluß sucht. Nicht nur darf eS darauf rechnen, wenn es seinerseits später zur Verwirklichung seiner Pläne schreitet, auch bei dieser Macht Entgegenkommen zu finden, sondern es gewinnt dadurch auch ein Mittel, je nachdem es sich in Ostasien zu den Handelsinteressen dieser Macht günstiger oder feind- licher stellt, ans deren Verhallen gegen seine orientalische Politil eine gewisse Einwirkung auszuüben. Der Vortheil einer solche» Lage ist, wenn nicht gar vorher schon zwischen Petersburg und Berlin ein« Verständigung erzielt war, von Rußland sofort anerkannt worden. Es würde, auch wenn das von Deutschland annektirte resp.„gepachtete" Gebiet noch iveit größer gewesen wäre, nichts gegen eine solche„Pachtung" gehabt haben. In dieser Vergrößerung des russischen Einfluffes in Europa liegt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die freiheitliche Eick- wicklnng Westeuropas. Den größten Theil der Schuld an dem nicht gewollten Erfolg trägt allerdings England selbst, seine jetzige, nur durch Handelsrncksichlen geleitete, aller weiteren Gesichtspunkte eut- kehrend« Politik, die in der Verfechtung der Interessen der Londoner Börse ihre höchste Aufgabe zu erblicken scheint. Eine derartige Handels- Politik mochte vor einige» Jahrzehnte», als England industriell fast noch allein den Weltmarkt beherrschte, durchführbar sein. Heute, wo auch andere Nationen'dnrch ihre industriellen Foitichritte gezwungen sind, auf dem Weltmarkt Absah für ihre Produkte zu suchen, muß sie bei der weite» Verzweigung des englischen Kolonialbesitzes und der Vielheit seiner Jntereffen nolhivendig zu fortgesetzten Konflikten mit aller Welt führen, die dann von Rußland geschickt in seinem Interesse ausgebeutet werde», wie denn auch jetzt wieder russische Blätter aus höhere Weisung gegen die englischen Angriffe für Deutschlands Vorgehen in Ostasien Partei ergreifen. Die russische Diplomatie weiß sehr genau, was sie will, und eS ist keineswegs ausgeschlossen, daß sie, wie im letzten japanisch-chinesischcn Kriege, so auch jetzt wieder im Geheimen darauf hinarbeitet, eine stillschweigende Koalition der drei Mächte Denlschland, Rußland und Frankreich zu stände zu bringen, die ihre Spitz« zugleich gegen Englands ostasialiiche, wie gegen feine türkisch- egyptiichc Politik richtet. Vielleicht sind es gerade darauf hinweisende Nachrichten, die seit einige» Tagen England wieder zu einer Annäherung an Denlschland veranlaßt haben. Voitturunttles. In feiner gestrigen anstcrordentliche» Sik.nna setzte das M a g i st r a t s k o l l e g i u m die Bernthnngen zur Festsetzung des Stadthanshalts Etats pro 1898/99 fort. Der Einzeletat des städtischen Fortbildungs-Unterrichts wesens ist in Einnahme mit 46 445 M. und in Ausgabe mit 395 945 M. fest- gestellt, so daß ein Zuschuß von 349 500 M. erforderlich ist.— Der Etat des Krankenhauses am FriedrichShain schließt in Ein- nähme mit 274 500 M. und Ausgabe mit 741 300 M. ab und ist daher ein Zuschuß von 466 800 M. erforderlich, die Belegungs ziffer der Kranken ist durchschnittlich täglich auf 720 angenommen; der Etat des Krankenhauses M o a b i t ist in Einnahme mit 245 100 M und in Ausgabe mit 769 350 M. sestgeslellt, so daß 524 750 M. ans der Stadt-Hanptkasse gedeckt werde» müssen; hier ist die durch schniltliche BelegniigSziffer täglich mit 800 zu gründe gelegt. Der Etat des Krankenhnnset am Urban, bei welchem eine tägliche Belegungs-Durchschnitlsiahl vo» 600 angenommen ist, schließt ab in Einnahme mit 253 000 M. und in Ausgabe mit 642 204 M., so daß ein Zuschuß von 384 204 M. erforderlich wird; der Etat der neu eröffnete» Hilsskrankenstation in der G i t s ch i n« r st r. 104/5, welcher die täglich durchschnittliche Belegungsziffcr von 150 Kranken zu gründe gelegt ist, schließt in Einnahme mit 26 385 M. und in Ausgabe mit 136 442 M. ab und wird daher ein Zuschuß von 109 457 M. nöthig. Ter Obcrpräsidcnt von Berlin hat sich damit einverstanden erklärt, daß I. die Aermehrnng der Zahl der S t a d Iv e r o r d n e t e n um 18 statt zum 1. Januar 1898 erst am 1. Jannnr 1900 eintritt; 2. die Neueinlheilung der Gemeindewahlbezirke erst bei Aufstellung der Gemeindewäblerliste für 1899—1300 in Wirksamkeit tritt; und dementsprechend 3. die Bekanntmachung der betreffenden Bestimmungen erst im Jahre 1393 erfolgt. Tie Erweiterung deS Berlin- Spanbaner SchifffahrtS- Kanals zwischen der Sandkrug- Brücke(beim Hamburger Bahnhos) und dem Hmnboldtbofen ist zur dringenden Nolbwendigkeit geworden, weil andererseils ein Verkehr vo» großen Eldkähnen auf dieser Strecke ausgeschloffen werden müßte. Zur Ausführung der vom Minister der öffentlichen Arbeiten bereits genehmigten Kanal- erweiterimg wird ein Theil von dem städtischen Straßenterrain „Alexander-Ufer" in Anspruch genommen. Die zuständige königliche Behörde hat sich wegen Abtretung des erforderlichen Straßenterrains mit dem Magistrat in Verbindung gesetzt. Durch Anssührung des Baues würde der Fahrdamm des Alexander- Ufers iinr eine nn- wesentliche Verschmälerugg erfahren, da an stelle der jetzigen schrägen Böschung«ine senkrechte Ufermauer ausgeführt werden soll. Mit dem Beginn deS Frühjahrs soll der SrweiteruiigSbau in Angriff ge- nommen werden. Tie noch ansstchende Neuwahl eines unbesoldeten Stadt« rathS wird»ach der neuesten Bestimmung in der nächsten Sitzung der Stadtverordlieteu-Versammlniig am Donnerstag stattfinden. Ter städtischen StiftnngS- Deputation ist durch den Ober« bürgermeister Zelle von einem Ungenannten 10 000 M. für wohl- thälige Zwecke überwiesen worden. UoJrnlvs« Die Lokalliste siir Bzrlin und Umgegend ist neu heran?« gegeben und der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalsrage erwächst den Parteigenossen die dringende Pflicht, die Lokalliste auch in der gegenwärtigen Jahreszeit strenge zu beachte». Hier in Berlin wie in nächster Nähe der Neichshauptstadt besteht noch der traurige Zustand, daß behördliche und ordnungsparteiliche Einflüsse die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft an der Wahrnehmung des bischen Vereins- und Versammlungsrechts hindern, das in Preußen unter den un- zcitgemäßcsten Vcrklausnlirungen gesetzlich festgelegt ist. Den Saal- abtreibereien und Verweigerungen gegenüber, die in Berlin selber versteckt, in den Vororten dagegen offen betrieben werden, bleibt uns kein Mittel übrig, als die Lokalsperre; und diese dort, wo nöthig, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenosse» sein. Arbeiter, Parteigenossen, besucht daher nur solche Lokalitäten, >v eiche auf der Liste verzeichnet stehen. Auch in diesem Kampfe führt uns Beharrlichkeit und Energie zum Ziele! Arbeiter-BildnugSschnle. H-nte Abend 7 Uhr, in Feuerstein'? Festsälen, Alt- Jakoästr. 75. Vortrag des Genossen Dr. Konrad S ch ni i d t über:„Anfänge der Religion". Wir bitten um zahl- reichen Besuch. Die in vergangener Woche begonnenen Kurse hatten einen außerordenllichen starke» Znsprnch und übertrafen das verflossene Vierteljahr um ein Bedeutendes. Nedeübung(Montag) hatte über 200, Nationalökonomie(Mittwoch) 120 und Geschichte(Freitag) 100 Hörer. Die Mitglieder der Gewerkschaften wollen wir noch be- sonders ans den Kursus in Nationalökonomie aufmerksam machen, da die Fragen, welche die Gewerkschaften zumeist intcressiren, im Vordergrund an diese» Vortragsabenden stehen(die wirthschaft- liche Eniwickelung; Großbetrieb und Handwerk; Kartcll- wesen; ArbeitSmarkt und Arbeitsnachweis; die Aufgaben der G-werkschasten).— Bibliothek geöffnet von 8—9 Uhr. Vorträge von 9— r/slk Uhr.— Miigliedsbeilrng monatlich 25 Pf., Kursus (10 Abende) 1 M. Die starke Anlheilnahme an de» Kursen in der Jnselstr. 10 ist ein Beiveis, daß die Arbeiier-Bildmigsschnle in ihrer jetzigen Gestalt den richtigen Weg gefunden und den geäußerten Wünschen nach Möglichkeil gerecht zu werden versucht. Da an den genannten Abenden die Einleitungsvoriräge gehalten worden sind, bietet sich in dieser Woche nochmals Gelegen» hcit zur Theilnahme. Dieser günstige Erfolg gab ebenfalls Veranlassung, auch in anderer Weise bildend aus die Arbeiterschaft z» wirken. So wird das om 29. Januar im Böhmischen Brauhaus stattfindende siebente Slistnngsfest. zn welchem keine Mühe und Kosten gescheut, von hohem künstlerischen Werth sein, welches sich würdig den früheren Veranstoltungen anschließt. Nur erste Kräfte sind zur Mitwirkung gewonnen worden und wir können daher den Arbeitern Berlins einen genußreichen Abend versprechen. Man wolle sich frühzeitig mit Biliets versehen(siehe Inserat). _ Der Vorstand. Tie Volkshcilstätte am Grabowsee(bei Oranienburg). die vom Volksheilstätten-Verein des„Rothen Kreuzes" begründet worden und zur Aufnahme von noch heilnngs« oder doch sehr bessernngssähigen Lungenkranken bestimmt ist. hat in den ersten l'/z Jahren ihres Bestehens(»ach einem kürzlich erschienenen Bericht des Chesarzles Dr. Echultzen über die Krankenbewegung der Anstalt in dem Zeitraum vom 25. April 1896 bis 30. September 1897) im ganzen 523 Kranke aufgenommen. 393 davon wurden im Laufe dieser l'/e Jahre wieder entlassen, und zwar als g e- h e i l t 31(---- 7,3 pCt. der Emlaffene»), gebessert 231 (= 71,5 pCt.), n» gebessert To(—10,3 pCt.). gestorbe» ö (=- 1,3 pCt.). In der Anstalt befanden sich a* Schlüsse der Berichtsperiode noch 130 Kranke. Die als geheilt oder wenigstens gebessert Entlassenen verließen die Anstalt fast ausnahmslos mit mehr oder weniger erheblichen Gewichtszunahmen, von den' 31 Geheilten 7 mit 1—5 Kilogramm. 16 mit 5—10 Kilogramm, 8 mit 10—15 Kilogramm, von den 231 Gebesserten 11 mit unter ein Kilogramm, 102 mit 1—5, 125 mit 5—10, 35 mit über 10 Kilo«� graunn(in einem Fall bis über 25 Kilogramm). Eine Gewichts- abnähme war nur bei 8 der Gebesserten eingetreten, bis 1 Kilo- gramm in 5 Fällen, 1—2 Kilogramm in 2 Fällen, 4 Kilogramm in einem Falle. Die Behandlungsdauer betrug bei den Ge« deillen nur 1 mal unter 50 Tage, 12 mal 50—90, 8 mal 90—120, 7 mal 120—150, 3 mal über 150 Tage(in einem Falle bis über 210 Tage), bei den Gebesserten 80 mal unter 50 Tage, 86 mal 50—90, 49 mal 90—120, 24 mal 120—150, 42 mal über 150 Tage (in 1 Falle bis zu 465 Tagen). Ueber die Gründe der Eni- lafsnng vor Beendigung der Kur sagt der Bericht, die Entlassung sei erfolgt bei den Gebesserten„vorwiegend wegen Sorge um ihre Familie oder um ihre Siellung, bezw. wegen Mangel an Mitteln, häufig auch, weil flch die Kranken für gesund und arbeitsfähig dielten", bei den Ungebesserten vorwiegend deshalb, weil der Erfolg, den die Verflcheriingsanstall verlangte, nicht geiväbrleistct werden konnte, oder weil fle überhaupt zur AnstaltSbehandlnng nicht geeignet waren. Man sieht, daß auch in der Bolksheilslätte— ganz ähnlich, wie in den städtischen Heimstätte» für Genesend«, über die wir kürzlich berichtet haben— die Behandlungsdauer iinb infolge dessen auch der Heilerfolg durch äußere Uni stände beein- t r ä ch t i g t werden, die in der unsicheren wirthschaft» l i ch e n Lage der dort Heilung Suchenden begründet find— durch die Sorge um die A r b e i t s st e l l n n g, die bei zu langem Pausiren an ciiien anderen vergeben wird, und um die Familie, die deS Ernährers beraubt ist. Trotzdem sind aber die Heilerfolg« der Volks« Heilstätte erheblich günstiger als die der städtischen Heimstätten, eben weil in der Volksheiistälte die Aiisenlhailsdaner doch immer noch länger ist als in den städtischen Heiinstälten. wo sich 1896/97 selbst unter Ausschluß der schon in den ersten 14 Tagen wieder ans« geschiedenen Pfleglinge für die länger Behandelten doch nur«in Durchschnitt von 45 Tagen ergab. Die Bolksheilslätte macht Über» hanpt ein längeres Verweilen der Pfleglinge zur Aufnahmebedingung. Uebrigens wurde die Wiederherstellung der Erw«rbS« s ä b i g k e i t nicht blos bei de» Geheilten, sondern auch bei einem Theil der nur Gebesserten und selbst der noch Ungebesserten erreicht. Von 281 gebessert Entlassenen waren 24 nicht eriverbsfähig, 59 waren es wenigstens theilweise, 198 ganz, von 76 un- gebessert Enllasseiieii waren 43 nicht erwerbsfähig. 23 theil- weise, 5 ganz. Ueber die And au er der erzielten e s s« r u ii g sind durch Rückfragen bei den alS enverbSfähig Entlassenen Ermittelungen angestellt worden. Von den im ver- gangenen Frühjahr befragten Personen haben 75 geantwortet. Von diesen hatten 48 danernd gearbeitet, 2k mit kurzen Unterbrechungen, 6 wenig oder gar nicht(darunter 4 ans Gründen, die mit ihrem Leiden nicht ziisaininenhingen). 62 hotten keine benicrkcnswerlhe Verniehrimg ihrer Beschwerden gehabt und schienen nieist sogar sehr befriedigt zn sein, 13 dagegen hatten wieder erhebliche Beschwerden bekommen, zum theil infolge starker Erkältungen, Influenza n. s. w.— Ans diesen Ergebnissen ist ersichtlich, daß mit den Heil» stätte» für Cuiiflcnh-nnre in der That recht beachtens- iv e r t h e Erfolge zn erzielen sind. Zlllerdings be- darf cs dazu, wie man sieht, nicht nur eines rechtzeitige» Eingreifens, sondern der Möglichkeit einer längeren Behandlnng. Leider ist\a namentlich das letztere für die meisten Lungenkranken ausgeschlossen, so lange man ihnen nicht bis zu ihrer Heilung oder Besserung die Sorge um ihre und ihrer Familien Existenz abnehmen kann. Im übrige» darf natürlich nicht vergessen werden, daß eine rv irklich durchgreifende Bekänipfung der Tilber- kulose durch bloße Heilstätten überhaupt niemals erreicht werden kann. Hier kann nur eine Hebung der gesammten Volks- l> y g i e n e helfe», eine Verringerung der gesundheitsschädigenden Einflüsse, die besonders auf das ausgebeutete Proletariat in tausendfacher Gestalt einstürmen. Berliner Bibliotheken. Weit über zwei Millionen Bücher befinden sich in den 23 Bibliotheken Berlins, welche theils der Ocffenllichkeit zugängig sind, lheils bestimmten Behörde» und An- stalten dienen. Obenan steht mit über I(XX) 000 Bänden die königliche Bibliothek, die sich jährlich um 18- bis 20 000 Bände vermehrt. Ihr am nächsten kommen die königl. Universitätsbibliothek, die im Jahre 1896 153 000 Bände zählte, und die Bibliothek des königl. Elatistischen Bureaus mit 136 630 Bände». Die nächstgrößten Bibliotheken sind die der Kriegsakademie(33 000 Bände), des Kammer- gerichls(72 600 Bände), des Großen Generalstabes(69 700 Bände) und der Technischen Hochschule(60 000 Bände). Die 27 städtischen Volksbibliotheken besaßen im Jahre 1896 rund 76 000 Bände, die Magistratsbibliothek zählte über 3600 Bände. Von den Bibliotheken, die einzelne Vereine ihren Mitgliedern zur Verfügung stellen, dürste die der Gesellschaft für Erdkunde mit 19 390 Bänden an Reichthum an erster Stelle stehen. Tie Bcrthcilung Berlins nach den HininiclSrlchtnngcn der Post. Beinahe der dritte Theil aller Berliner wohnt nach einer amtlichen Ausstellung in Berlin dl., d. h. gegen � Million(über 481 000). Nicht einmal die Hälfte hiervon bewohnt den Post- bezirk 80.(200 000), während alle anderen Bezirke unter 200 000 Einwohner haben, ja das Zentrum sogar nur 93000 Bewohner zählt. Der nächstkleiuste Poslbezirl ist Berlin KO. mit 123 000 Einwohnern. dann der Süden mit 126000. Im bevorzugten Verlin W. wohnen nur gegen 130 000 Berliner, im O. 168 000, im SW. 175 000, im NO. 179 000 Menschen. Wie sehr sich Bejiedelungsverhältnisse des Gc- bietes von Berlin verschoben habe», beweist die Thatsachc, daß nur noch 7/12 der Bevölkerung in der richtigen postalischen Himmels- richtnng wohnen, während s/n in einer anderen Richtung wohnen, als in der, zu welcher sie von der Post gerechnet werde». I» der wirklichen West- Region wohnen z. B. nach der städtischen Statistik 155 000 Berliner, tvovon 83 pCt. von der Post zu N'VV. gerechnet werden. Von den in der wirklichen Nordwest- Regio» wohnenden 250 000 Einwohner» wohnen nur 19 pCt. in Berlin NIV., dagegen 81 pCt. in Berlin N. Die Verschiebung wächst naturgemäß von Jahr zu Jahr. So hat Berlin"VV. von 1890 bis 1895 um 23 pCt. zugenonnnen, Berlin 80. ist dagegen um 2 pCt. kleiner geworden. Eine Aendcrung der bestehenden postalischen Eintheilnng ist aus- geschlossen, da eine solche die verwickeltsten und mannigsaltigsten Folgen für alle Verhältnisse der Reichshauplstadt bedinge» würde. Zur Lokalliste erhalten wir folgende Zuschrift: Die Agitation in den Vororten wird durch den Mangel an Sälen den Genossen sehr erschwert. Die Saalbcsitzer erklären einfach:„Wir geben uuferen Saal nicht zu Versammlungen, die Arbeiter benutzen die- selben ja doch zu ihre» Sommervergnüguugen." Es sind auch schon größere Dampferpartien von verschiedenen Vereinen mit den Wirthen der Orte Erkner, Hessenwinkcl, Kalkberge- Rüders- dorf und so weiter festgemacht, trotzdem dieselbe» ihre Säle nicht zn Versammlungen zur Verfügung stellen. Darum sollte es Pflicht der Genossen sei», ihre Vergnügungen nur dort abzuhalten, rvo die Arbeiter auch bei ernsten Anlässe» sich versammeln können; deshalb sollte man die Wirthe unterstütze», die trotz der polizeilichen Chikane den Mulh haben, ihre Säle zu Versammlungen herzugeben. Es wird darum dringend gebeten, die Lokalliste streng z» beachten und etwa gegen diefelbe verstoßende Ztbuiachungcn rüchgängig zu mache». Auch Herr t». Tausch hat, wie die„N. B. C." berichtet, gleich dem Staatsanwalt die Berufung angemeldet. Es wird dem„Reichs- boten" hierzu»och mitgetheilt. daß die Urtheilsgründe von der Presse i» wesentlichen Punkten nicht zutreffend wiedergegeben sind. Das erste Gericht hat den Angeklagten nicht der Unwürdigkeit im allgemeine» für schuldig befunden, sondern ihm nur das Vertrauen für das bisherige Amt aus Rücksicht auf die besondere» mit diesen» Amt verbundene» Befugnisse abgesprochen. Aus diesem Grunde und unter Berücksichtigung der langen und vielfach erfolgreichen Dienstzeit ist auf Versetzung in ein anderes Amt erkannt worden. So steht dem Edlen vielleicht doch noch der Weg zum Minister' scssel offen. Eine Zciiuiitzöfran anf dem Dreirad ist die neueste Er- scheinnng des Berliner Slraßenbildes von„Berlin bei Nacht". Wenn noch früh am Morgen die Stadt im Schlummer liegt, dann radelt schon die alte Zeitungsausträgeriil von einer Druckerei zur andere», um sich die für ihre Kunden bestimmten Zeitungsexemplare zusammen- zuholen und sie dann an die Kunden„abzufahren". Anö Liebeskummer hat sich die 15 Jahre alte Arbeiterin Rosa Krock durch einen Sturz aus dem Fenster gelödlet. Das junge Mädchen, das seit einem Jahre in einer Fabrik der Skalitzerslraße arbeitete, war bis vor nicht langer Zeit sehr ordentlich und den Eltern sehr zugetha». Kurz vor Weihnachten ließ die Slnhäuglichkeit nach. Es stellte sich heraus, daß das Mädchen eine Bekanntschaf! gemacht halte. Der Geliebte, ein 17jähriger iXrbeilsblirsche Gustav Junker, brachte es auf Abivege, und das Mädchen»var nun zu Hause nicht mehr zu halten. Vergeblich beschivoreu es die Eltern und die Geschivister von dem Burschen zu lassen. Alle Vorstellungen und auch die Drohung mit einer Besserungsanstalt waren vergeblich. Ein erivachsener Bruder stellte Junker, der seine Schivester in ent- lcgeue Kneipen und Tanzlokale führte,»viederholt zur Rede und gab ihm auch derbe körperliche Züchtigungen. Gestern Abend traf der junge Krock die beide»»vieder in der Skalitzerstraße und gab Junker abermals eine Tracht Prügel. Dann bat er die Schivester, ihm»ach Hanse zn folgen. Nachdem er versprochen halle, daß ihr nichts geschehen solle, wenn sie nur von dem Burschen lasse, ging sie auch mit. Kurz vor 7 Uhr nach Hause gekommen, legte sie anscheinend ruhig das Jacket ab, band sich eine Schürze vor und ging mit dem Vorgeben weg, eine verheiralhete Schwester, die einen Stock höher wohnt, besuche» zu wollen. Sie ging jedoch in den vierten Stock hinauf, öffnete das Flurfenstcr und stürzte sich anf den asphaltirten Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Glied- maße» liegen blieb. Nach kurzer Zeit gab sie ihren Geist auf, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Bo» dem Direktor des Kaiser n»d Kaiserin Friedrich Kindcr-KraiikcnhanscS. Herrn Professor Dr. Baginsky erhallen wir jn der gestern mitgetheilten Angelegenheit folgende Zuschrift." Zu dem in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" erwähnte» „Vorfall" aus dem Kaiser und Kaiserin Friedrich Kiuder-ktcanken- Hans beehre ich mich Ihnen ganz ergebenst folgende Aufklärung zu geben: Das Kind wurde dem aus der chirurgischen Ablheilung sialionirten Afsistenzarzt Dr. Netter zur Aufnahme präsentirt. Es Haudelle sich um eine angeborene Darmverschließung und Herr Dr. Netter hielt eine sofortige Operation nicht für so dringend, um uicht den Vater des Kindes darauf aufmerksam zu macheu, daß bei den von auswärts kommende» Krauken entweder die Bescheinigung der Ortsbehörde zu beschaffen oder eine Vorschußzahlung zu leisten sei. Er übergab deshalb dem Vater einen von der Ortsbehörde in Gummelsburg zu unterzeichnenden Schein und bestellte das Kind für den nächsten Morgen. In keinem Falle giebt er zu, den von dem Gewährsmann des„Vorwärts" angegebenen Ausdruck„Ablade- stelle" gebraucht zu haben, wie er überhaupt die Aufnahme keines- wegs etwa ablehnte.— Dies der Sachverhalt! Ich darf hierzu bemerken, daß Herr Dr. Netter vielleicht insofern einen Fehler be- gangcil hat, daß er einen immerhin dringenden Fall nicht ohne weiteres»lud unter allen U m st ä n d e» ausnahm, w i e dieS seinen Instruktionen gemäß ist.— Di« von ihm angewendete Methode, die Erlanbniß zur Ausnahme erst von der betreffenden Ortsbehörde zu erlangen, bezieht sich selbstverständlich nicht anf dringende Fälle; indeß sind die die Aufnahme der Kranken vollziehenden Assistenten der Anstalt vielfach schon dadurch in die peinlichste Verlegenheit gesetzt worden, daß mit den Behörden der Vororte die unliebsamsten Erörterungen über die Kostenzahlung für Kinder nöthig wurden, deren Aufnahme ärztlich unabweisbar erschien. So ist es denn möglich geworden, daß von dem Herrn Assistenzarzt rigoroser verfahren wurde, als er für den vorliegenden Fall durfte. Es würde vielleicht allen öffentlichen Krankenhäusern ein Dienst damit erwiesen sei», wenn der immerhin unliebsame Vorfall dahin ivirken würde, daß den Ortsbehörden der Vororte begreiflich gemacht würde, wie das Widerstreben gegen die Uebernahme der Kosten für zu verpflegende Ortsangehörige zu Unzuträglichkeite» führt. Schon mehrfach find Beispiele angeführt worden, welche es rathsam erscheinen lassen, daß das bürgerliche Publikum jede An- Näherung au das Militär, wenn dies sich in geschlossenen Zügen zeigt, vermeide. Wie»othwendig diese Warnung ist, lehrt ein Vor» gang, der sich am Freitag Mittag in der Blücherstraße zutrug. Der Arbeiter S. wollte vor der aufmarschirenden Schloßivache, welche die Bellenlliancebrncke passirte, schnell vorübergehe». Hierbei erhielt er von dem Bataillonstambour einen wuchtigen Schlag ans den Hinterkopf mit dem Stocke. Ein Ossizier mochte den Vorgang zedoch bemerkt haben; er winkte den verwundete» Arbeiter zn sich, ließ sich dessen Namen nennen und rielh dem heftig blutenden Mann, sich auf der Unfallstalion verbinden zu lassen. Als der Zug bald darauf im Innern der Stadt angelangt war, versuchte ein Schutzmann die Persönlichkeit des Tambours festzustellen; dieser erklärte jedoch, daß er sich weigere, seinen Namen zu nenne», er sei beim Kaiser Franz Garde- Grenadier- Regiinent. Der Verletzte wurde später in der Unfallstation III an» Mariannen-User verbunden. Hoffentlich findet der Fall, der eine große Menschenmenge herbei- gelockt hatte, seine entsprechende Sühne. Ein gauzcS Packet Briefe fanden am 4. d. Mts. Rohrleger im Klofct des Postamts 43 iu der Neuen Königstraße. Die Unter- suchnng hat ergeben, daß alle an Bewohner der Gcorgenkirchstraße gerichtet waren und daß der Briefträger Wilschke. ein 36 Jahre alter, seit vier Jahren angestellter verheiratheter Beamter, sie zn be- stellen halte. Wilschke ist vom Dienste suspendirt worden. Das durch de» Brand der Borsigmiihle, von welcher die Schutt- und Getreidemassel« bekanntlich zum theil in die Spree gestürzt sind, verseichte Fahrwasser des Flußlaufes ist am Tage durch Pfähle und abends durch Signallichle gekennzeichnet, um die vorbeifahrenden Schiffe z» warneu. Das Fahrwasser ist in einer Breite von zirka 8 Metern und in einer Länge von 60 Meter» für die Schifffahrt gestört. Der Brand selbst scheint nunmehr endgiltig gelöscht zu sein, sodaß die bisher auf dem Platze noch zurück- gehaltene Brandwache nicht mehr erforderlich ist. Das Maueriverk des Gebäudes dürste«vahrscheiulich gesprengt werde», da das Aufstellen von Gerüsten außerordentlich kostspielig, in anderer Weise aber der Abriß mit Rücksicht auf die Einsturzgesahr uicht bewirkt iverden kann. Die Firma Borsig beabsichtigt, wie ivir vernehmen, das Mühleugebäude ivieder neu ausbauen zu lassen. Wen» den« Esel zu wohl wird. Auf einer Bierreise ist vorgesteri« Abend der 23 Jahre alte Stud. med. Karl S. aus der Zietheustraße verunglückt. Der junge Man» kneipte schließlich noch in mehreren Wirlhschaflen mit dem Droschkenkutscher, der ihn fuhr, bis beide schief geladen hatten. Ilm 10 Uhr stieg der Mediziner zum Kutscher auf den Bock, und es dauerte nun nicht lange mehr, da ging der Gaul durch. An der Ecke der Nurfürsten- und Dcrflinger- straße stieß die Droschke mit einer andere» so heftig zusammen, daß der Stndcnl in iveilem Boge» auf den Bürgersteig herabflog und nun das Bewußtsein gänzlich verlor. Ein Schutzmann vom 32. Re- vier brachte ihn nach der nächsten Unfallstation und von dort in ei» Krankenhaus. Allein Anscheine nach ist der jiinge Mann bei dem gefährlichen Sturze»och gut weggekommen; dem Droschken- kulscher ist gar nichts passirt. Iu der Augclcgcnhcit des Mechanikers Rausch, Urban- straße 123, erhallen wir von den« Vorstand des Vereins der Zink- gießer nochmals die Mittheilung, daß die Umstände, unter denen Rausch das Villet zu dem polizeilich odservirten Vergnügen zu kaufen suchte, gar keinen Zweifel darüber bestehen lassen, daß»«an es in diesem Falle mit einer dcnunziatorische» Thäligkeit des Mannes zu thun halte. Rausch ist z. B. selber auf die Polizeiwache gegaugen. Die Warnung in der'Angelegenheit behält also nach«sie vor ihre» volle» Werth. Feucrbcricht. Heule Nachinittag brannte Barnim st r. 19 ein größerer Posten Papier auf dein Hose. Ein Fußboden- und Balkenbrand rief die Wehr gegen Abend»ach M ü n ch e b e r g e r- straße 23. Das Hans erlitt hier beträchtlichen Schaden. Sonn- abend früh O'/z Uhr erfolgte Alarm»ach W e i ß e n b u r g c r st r. 65, Ivo alles Gerümpel in Flammen aufging. Mittags 12 Uhr erfolgte B r u n n e n st r. 120 ein Zimmerbrand, bei dem Möbel und das Haus stark beschädigt«vurden. Um 3Vs Uhr mußte die Wehr nach Barnimstr. 3 ausrücken, da hier die Klosclverpackung Feuer ge- fange» halte. Eine ZlnSstellung von Kanarien, Iltcnsilicn». f. 1». veranstaltet in der Zeit vom LO. bis 24. Januar der Berliner Kanarien- z st ch t e r- V e r e i n in den Räumen de? HauscS DrcSdcnerstr. 107/108, nahe der Priiizeustraße. Großc Empörung verursachte bei dcnPassantc» der Schön- hanser Allee am gestrigen Morgen das Betragen eines lltadsahrers. Die 19jährige Verkäuferin Hedivig N.«vollte in der Nähe der Mctzcr- slraße einen nach dem Spittelmaikt fahrende» Pferdebahnivagen besteigen und Überschritt zu diesem Zweck de» Fahrdaunn, als aus einem Ziveirade der Handlungsgehilfe Köhler herangesaust kam. K. gab zu spät das Warnnngssignal, so daß das Mädchen nicht mehr aus- zmveicheu vermochte, von dem Rade ersaßt und zu Boden geworfen «vnrde. Auch der Fahrer stürzte»nit seiner Maschine, erhob sich jedoch alsbald wieder und versetzte dem Fräulein N, die glücklicher- iveise keine» Schaden erlitten, hinterrücks einen Faustjchlag ins Genick. Auf sein Rad springend, suchte der rohe Palron sodann zu entfliehen. Der Vorgang«var jedoch von den« Kutscher eines Geschäflswagens bemerkt«vorden, dem es gelang, den Fliehenden aufzuhalten. K. erhielt von den entrüstetcn Zuschauer» der Szene eine Tracht Prügel und«vurde sodann einem Echutzuiann übergebe». Jn den Lehrstätten 8. und HO. der Volkshochschule Humboldt- Akademie werden morgen, Montag, und folgende Wochcnabcnde die Vortragsreihen des Winterquartals aus den verschiedene» Gcvieten der Natur- und Gcisteswissenschasten eröffnet. Die Vorträge für die Lutsenstadt finden in der Oberrcalschule, Dresdenerstraßc 113, die für die K ö n i g st a d t in den« Realgymnasium, Elisabcthstraße 57/58, in den Abend stunden statt und sind in der ersten Woche frei zngängig. Alles nähere enthalten die P r o g r a m n« c mit ausführlichen Inhaltsangaben der Vortragsreihen, welche in den Bureaus: Selmar Hahne's Buchhand- lung, Prinzcnstraße 54, und Th. Fröhlich's Buchhandlung, Landsberger- straße 32, kostenfrei ausgegeben werde». Ebenda sowie in den beiden anderen Bureauö der Akademie find auch Hvrerkartcn(für Lehrer, Subalternbcaiute, Handwerker und Arbeiter:c., Herren und Damen, wesentlich ermäßigt) erhältlich. Auskunst für die Luisenstadt erthcilt auch der Vorsitzende des dortigen Kiiratormms, Stadtverordneter L. R o s e n o w, Schmidstraße 6.— Jn der Lehrstätte NW., Gcorgenstraße 30/31, beginnt morgen, Montag, 8-/, Uhr abends, noch der Vortragszyklus:„Bürgerliches Gesetzbuch"(zur Einsühruug in dessen praktische Anwendung), gehalten von« Amtsrichter a. D. Dr. zur. 23. Brandis; auch hier ist der erste Vortrag frei. Das Berliner Aquarium beherbergt seit kurzem in einem der geräumigsten Scewaflerbasfins nahe dem unteren Ausgang einen nordischen Meeresvogel, den man in verwandten wisienschaftlicheu Schauanstalten nicht zu sehen belomnit. Es ist ein Alt, der auf den nordischen Vogelbcrgcn brütet. Der metergroße, schnial- und hochschnäbclige Vogel trägt ein schivarz und weißes Federkleid und führt«n seinem ausgedehnten Becken die vollciidctstei« Schwimni- und Taucherkllnste aus, indem er zulveilen eine Viertelstunde lang unter Wasser dahinschießt und, mit den kurzen Flügeln und den weit hinten am Leib cingelenktcn Schwimmfüßen rudernd und stoßend, in allen möglichen Richtungen dahingleitet oder förmlich dahinfliegt, um auf Beute zu fahnden und sich zu tummeln. Da der Zuschauer nicht von oben, sondern seitlich in das Wasser schaut, indem er v o r demselben steht, so vermag er alle Bewegungen des Tauchers genau zu verfolgen und somit einem sonst nirgends gebotenen Schauspiel beizuwohnen. SlttS de» Nachbavorten. Charlottenbnrg. Die Parteigenossen werden darauf ausmerk- san« gemacht, daß heute von 4 Uhr nachmittags a» ein Vergnüge», bestehend i» Konzert, Thealer und Tanz, stattfindet. Der Neberschuß ist den streikenden englischen Maschinenbauern geividmet. Um rege Betheiligung wird ersucht. Au die Parteigenossen und Arbeiter SchöncbergS. Die letzte Stadtverordueteu-Verfamnilung hat auf Antrag der Wahl- prüfnngskomniissioi« das Mandat des Genossen Masuch für nngillig erNärt. Es wird demnach eine Neuwahl erforderlich. Noch ist der Termin der Wahl nicht bekannt gegebe». Es kann dies unler Um- stäuden sehr schiiell geschehen. Um uns auch für diesmal das Mandat zu sichern, ist cs erforderlich, alle Kräfte unserer Partei- genossel« anzuspannen. Vor allen Dingen«vird es sich um die Eni- faltuug einer persönlichen Agitation handeln. Deshalb Partei- genossen, Arbeiter Schönebergs, stellt Euch dein Wahlkomitee zur Verfügung. Schon in nächster Zeit«vird das Slatlfindeu einer Ver- ämmlnng sich nothivendig machen. Erscheint alle zu dieser Ver- ämniluiig und dokumeutirt dadurch Euer Juteresse an dieser Ver- ammlung. Nur durch lhatkräftiges, gemeinsames Eintreten für unseren Kandidalen ist die Möglichkeit eines Sieges gegeben. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Schöncberg. Der hiesige Arbeiter- BildnugSverein hält an« Montag, den 17. Januar, abends 3 Uhr, eine Versammlung in der Schloßbrauerei ab. Tagesordiinng: Vortrag des Reichstags- Zlbgeordueten I. Sl u e r über:„Die bevorstehenden Reichstags- ivahlen". Zn dieser Versammlung sind alle Parteigenossen dringend eingeladen. Parteigenossen von Tempclhof! Für die in diesen« Früh» jähr stallfindenden Gemeindevertreter- Wahlen liegen die Wähler- listen von« 15. bis 30. Jannar in« hiesigen Amtsbureau aus. Die Parteigenossen beabsichtigen, sich a» dieser Wahl für die dritte Ab- theilnng zu betheiligcn und«st es deshalb erforderlich, daß sich jeder überzeugt, ob er in die Wählerliste aufgenommen ist. Für Parteigenosse»,«vclche verhindert sind, Einsicht in die Liste zu ueh,»ei«, habe» sich die Genossen Ernst Wende. Dorsstr. 43, Martin Müller, Beilinerstr. 41, und Ernst Gruse, Friedrich Wilhelmsir. 20, hierzu erboten. Wahlberechtigt ist jeder 24 Jahre alte Deutsche, der ein Jahr im Gemeindebezirk«vohnt und zur StaatSeinkommeu- Steuer veranlagt oder zu den Gemeinde- Abgaben von mehr als 660 M. Eiilkominen herangezogen ist, also ivenigsteiiS 4 M. Steuern zahlt. Der V e r t r a u e» s«» a n n. Ripdorf. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam ge« macht, baß vom 15. Januar bis 1. Februar die Wählerlisten zur Gemeiudeivahl täglich von vorm. 9—1 Uhr Berliiierstr. 62(Haupt- eingaug), Zimmer 23/24 ausliegen. Da im März dieses Jahres die Ersatzwahl in der driitcu Wählerklasse statlfindet, ist es Pflicht jedes Parteigenoffe», die Listen uachzusehe»; auch sind die Geuoffen R e tz e r a u, Hermannsir. 50, Thomas, Bergstr. 162, G. O st e r» m an», Erkstr. 6. bereit, für diejenigen,«velche keine Zeit haben, diese Mühewaltung zu übernehme». Es ist ziveckmäßig, die letzte Steuerquiltuiig mitzubringen, damit die etwa erforderliche Nach- traginig sogleich geschehen kann. Der V e r t r a u e n s n« a u n. Achtung, Nixdorf! Am Mittivoch, den 19. Januar, findet in Gröpler's Salon eine Volksversanimlung stall, in«velcher Reichstags- Abgeordneter Genosse Rechtsauivalt H a a s e- Königs- berg über:„Die neuesten Mittel zur Bekämpfung der Unsittlichkeit und der Protest der Frauen Nixdorfs" referire»«vird. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, recht rege«niter den Frauen für den Besuch dieser Bersainmliing zu agitire». Siehe Annonce in der Dienstag- Nummer und Säulenanschlag. Die Vertrauens» persoi«. Wcisiciisce. Die Neinvahlen zur Gemeindevertretung finden laut Bekaiintmachiing im März statt. Die Wählerliste» liegen vom 15. bis 30. Januar cr. in« hiesigen Gemeindebureau, Zimiiier 2, »vährcnd der Dienststunde» zur Einsicht aus. Jeder«vahlbcrechtigte Parieigeuosse«nid Arbeiter hat die Pflicht, sich zn vergeivisser», ob er in die Listen eingetragen ist. Für diejenigen, welche verhindert sind, dies selbst zn thnn. haben sich folgende Genossen bereit erklärt, die Liste» einzusehen: G u st. P e u k e r t, Langhnnsstr. 150; Her«>«. D ä h ii e r t, Schönstr. 10; T n> i l W a l l e, Pistoriusstr. 3; Carl Hausschild, Friedrichstr. 36. Saiinnelliste» sind bei»« Genosse» A. Taub m au u, Straßburgcrstr. 23, I. iu Empfang zu nehmen. Das Wahlkomitee. Stcglitz-Fricdcna». Die nächste Versaminlung des Arbeiter- bildniigs-Vcreiiis findet am Dienstag, den 13. d. M., abends 8 Uhr, bei Weinert, Ecke Nöiineberg- und Handjmfftraße statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Scherrbcrg: Wie die Gegner der poliiische» Beivegung die Arbeiter«virlhschastlich befreien«vollen.' Diskussion und Vereinsangelegenheile». Ferner«verde«« die Genossen von Steglitz darauf hingewiesen, daß vom 15.— 31. d. M. die Gemeinde- Wählerlisten im»euen Rathhause zur Einsicht nusliege». Genossen,»velche nichl Zeit haben, persönlich die Wähler- listen einzusehen, iverden anfgesordert, sich bis 23. d. Mls. in die Liste» des Wahlkomitces einzuschreiben, dasselbe«vird dann die Einsicht besorge». Die Listen liegen ans bei: Schell Hase. Ahornst». löa, Gärtner, Schloßstr. 3, HanilUsch, Düppel- straße 25, W« e» i k e, Herderstr. 7. Neu in an». Nlbrechlstr. 16 »»d T i e ck e, Albrechtstr. 120.— Etwaige Anfragen sind zu richten an: S n d r o>v, Schildhornstr. 73, II. Eine TiebstahlSaffaire besonderer Natur erregt in Friedenau Aussehen. Der Schlächlermeister Grolhe,«velcher ans dem dortigen Wochenmarkt eine» Vcrkaufsstand«nnehat,«var schon längere Zeit fortgesetzt in» große Stücke Fleisch und ganze Schinken destohlcn worden, tlud da es ihm trotz aller Anfmerksmnkeit«licht gelingen wollte, den Dieb zu entdecke», so«vnrde ein Kriniiiialschiitzmani« mit der Erinitlelmig desselben beanslragt. Dieser beobachtete in»« am letzten Markttage,«vie eine vornehm gekleidete Dame in die«nicr ihnen Cape verborge» gehaltenen Tasche ei» größeres Stück Fleisch verschivinden ließ. Er ließ die Diebin einige Schritte von dem Stand sich enlserne», ging dann auf sie zn und forderte sie anf, das gestohlene Fleisch heraus- zugebe», was sie anfänglich mit Eutrüstnng zurückwies. Jnfolae dieser Szene kam auch der Besitzer des Fleisches hinzn,«velcher die abgefaßte Diebin«in» auch des Diebstahls eines am vorigen Markt- tage gestohlene» Schinkens beschuldigte. Die Dame gestand jedoch nur den Diebstahl des Fleisches ein und«vurde dann von den« Beamten zur Polizei gebracht, wo sie als eine Fran Nilimeister fest- gestellt«vnrde, die in der dortigen Ringstraße eine Villa besitzt und behauptet, an Kleptomanie zn leiden. Z» der Gasexplosion in Schöncbcrg«vird»nS»och ge- meldet: Das durch die Explosion und den Brand beschädigte Regulatorhans ist nicht mehr aiisbesseniiigsföhig»nd muß vollständig neu errichtet«verde». Mit den« Abriß des Gebäudes wird begonnen, sobald von der Slaalsanwallschaft„«velche gestern die Unfallstelle in Augenschein genoiinne», die Erlanbniß hierzu ertheilt«vird. Eine Störung des Betriebes i» der Slnslalt findet hierbei nicht stall. Die Ncgnlatore» iverden provisorisch«nit Bretter- bekleidung versehe», bis der Neubau beendet«st. Der iu« Elisabeth- kraiikenhaus verstorbene Inspektor Wiesuer, welcher ans dem Terrain der Gasanstalt seine Dienstwohnung hatte, ist ebenfalls verheirnlbct gewesen; ihn betrauern die Wittive und zwei Kinder. Die Schöne- berger englische Gasanstalt ist eine Filiale der englischen Gasanstalt in der Gitschinerstraße. Sie ist i» einem ganz bedeutenden Umfange angelegt und versorgt das gesamnite Schöueberg sowie den Schöne» berger Theil von Berlin, ferner die Vororte Wilmersdorf, Friedenau, Halensee, sowie Theile von Charlotlenbnrg mit Gas. Müllabfuhr. Kürzlich theillcn«vir eine Ncporterineldniig mit, der zufolge die Sladt Charlollenbnrg der Gesellschaft„Prompt" die gesamnite Müllabfuhr übertragen haben soll. Von iutcressirter Seile wird uns Kenntniß von einer Erklärung des Magistrats zu Char- lottenburg gegeben, nach welcher diese Mitlheilung unrichtig ist und deuigegennber nur die Thatsache festgestellt wird, daß die Geselllchait mit den Hausbesitzer» wegen Ausstellung der Zviülilästen direkt in Verbindnng tritt. Bei einer Felddienstübnilg in der Nähe von Spnndau ist ycsteril Vorm ttng der Major Plehn vom S. Garde-Grenadier-Regi- mcitt verunglückt. Er stürzte mit dein Pferde und wurde derart an eine Telegraphenstauge geschleudert, daß er sofort todt war. Thestkev- Wochcn-Tpielplan der hiesigen Theater. Opernhaus. Sonntag, IlZ.: Rieiizi. Irene: Frau Marie Boffenburger vom Hoftheater in Dresden o. G. Anfang 7 Uhr. Montag, 17.:„Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag, 13.:„Vajazzi. Cavalleria rusticana." Mittwoch, 19.: Martha. Lyouel: Herr Emil Götze, lönigl. Kammersänger, a. G. Phantasien im Wremer Nathskeller. Donnerstag, 20.:„Tannhäuser". Anfang 7 Uhr. Freitag, 21.: Symphonicabcnd der königl. Kapelle. Sonnabend, 22.:„Der Prophet. Anfang 7 Uhr. Sonntag, 23.:„Undine". Montag, 24.:„Lohen- grin". Anfang 7 Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag, 16.:„Die Her- mannsschlacht". Montag, zum ersten Male:„Die Aufgeregten". Dienstag, 18:„Mutter Thiele". Mittlvoch, 19.:„Egmont". Ans. 7 Uhr. Donnerstag, 29:„Das neue Weib". Freitag, 12.:„Die Aufgeregten". Sonn- bcnd, 22.: Lessing's Geburtstag: Minna von Barnhelm. Sonntag, 23.: „Mntter Thiele". Montag, 24.: Zur Erinuerung an Karl v. Holtei's 109. Geburtstag. Neu einstudirt:„Wiener in PariS".„Die Komödie der Irrungen."— Neues königliches Opern- Theater(Kroll). Sonntag, 16.:„Mutter Thiele". Sonntag, 23.:„Die Geier-Wally".— Im Deutschen Theater wird der Spielplan dieser ganzen Woche von: heutigen Sonntag bis einschließlich künftigen Sonntag � von Silber- manrös„Johannes" ausgefüllt. Ausgenommen ist nur der Mittwoch, an welchem„Die versunkene Glocke" zur'Aufführung kommt. Als Nachmittags: Vorstellungen sind für diesen Sonntag„Das Käthchen von Heilbronn" und für den nächsten Sonntag„Mutter Erde" angesetzt.— Im L e f s i n g Theater beherrscht das Lustspiel„Im weißen Rüßl" von OSkar Blumenthal uiid Gustav Kadclburg auch in der laufenden Woche den Spielplan. Die Novität wird am heutigen Sonntag, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend uiid am nächsten Sonntag gegeben, während Philipp Langmann'S Drama„Bartcl Tnrafer" am Montag und„Hans Huckcbein" am Freitag, sowie am nächsten Sonntag Nachmittag zur Aufführung gelangt. Als Nachmittags-Borstellung für diesen Sonntag wird Max Halbe s Schauspiel„Jugend" gegeben.— Im Berliner Theater wird Max Dreyer's„In Behandlung" diesen Sonntag, Donnerstag und nächsten Sonntag in Szene gehen.„Noiiieo und Julia" wird Mittwoch und Sonnabend,„Der Pfarrer von Kirchseld" mit Otto Souimerstorff und Tercsina Gcßner Montag, und„Mein Leopold Dienstag gegeben. Am Freitag gelangt„Der Beilcheufresser" von Moser und Schönthan zur Aufführung. Diesen Sonntag Nachmittag„Faust" ■L Theil.- An diesem Sonntag erreicht der Erfolg des N e s i d e n z- Theaters, der Schwank„Sein Trick!" sein erstes Jubiläum. die funfundzwanzigste Vorstellung. Am Sonntag Nachniittag wird Sardous Schauspiel„Odette" gleichfalls zum 25. Male gegeben.- Der Spielplan des Neuen Theaters für die kommende Woche ist folgendermaßen zusammengestellt: Sonntag(Letzte Somitagsaufftihnuia) „Die Logenbrüder". Sonntag Nachmittag 3 Uhr:„Trilby". Montag: „Die Logenbrüder". Dienstag, zum ersten Male:„Familie", Lustspiel in 3 Akteir von Auguste Gcnnain, deutsch von Max Schönau, vorher:„Der Herr Kandidat", Schwank in 1 Akt von Ernst Bcrger. Mittwoch und folgende Tage:„Familie", vorher:„Der Herr Kandidat".— Im Goethe- 4. h e» t e r gelangt„Krieg im Frieden" dreimal, diesen Sonntag, Montag und Freitag zur Aufftihrnng.„Ein Sommernachtstraum"(Puck: Augnste Prasch-Grevenberg) ist für Sonnabend angesetzt.„Die Journalisten" werden Dienstag,„Minna von Barnhelui" Mittwoch Nachmittag und Donnerstag,„DeS Meeres und der Liebe Wellen" Mittwoch,„König Krause" nächsten Sonntag wiederbolt. Diesen Sonntag Nachmittag„Die Journalisten.— Im Schiller-Theater wird Sonntag Nachmittag Blumenthal S Schauspiel„Ein Tropfen Gift", Abends Fulda's Lustspiel „Die wilde Jagd" gegeben. Montag und Mittwoch geht das neue Schau- S?Hl von Boß in Szene, Dienstag und Sonnabend kommt Fuldas Lustspiel„Die tvilde Jagd" zur Aufführung, Donnerstag und Freitag sind die zwei letzten Wiederholungen von„Der Registrator auf Reisen".- Das Repertoire des Th ca tcrs U nt er den Linden für die kommende Woche lautet: Vom Sonntag bis Mittwoch„Der Bettel- studmt". Dounerslag erste Aufführung der Operette„Die Göttin der Ver- nunft" von Johann Strauß. Diesen Sonntag Nachniittag„Orpheus in der Unterwelt".— Im Thalia-Theatcr findet am 16. ds. die letzte Sonntags-Auffühning des Schwankes„Das Opferlamm" statt.„Ninettcns Hochzeit" geht am nächsten Sonnabend erstmalig in Szene.— Im Zentral-Thcater findet die letzte Sonntags- Aufführung der Aus- stattungspoffe!„Berliner Fahrten" statt. Die Novität:„Die Tugendfalle" kommt im Laufe der nächsten Woche zur Auffühning.- Der Wochcnspicl- plan des B e l l e a I l i a n c e- T h e a.t e rs kündigt für Mittwoch, den 13. Januar, die Erstaufführung des von Eugen Zabel nach dem Riissischen bearbeiteten Schauspiels„Im Dienst" an. Das Stück wird Freitag und Sonntag, 23. Januar, wiederholt.„Scan" geht am Montag und Sonn- abend in Szene und zwar in der Besetzung wie am ersten Abend(Otto Rcimann, Eliza Nilasson, Käthe Erlholz),„Romeo und Julia" wird diesen Sonntag gegeben: es findet je eine Wiederholung statt von„Rclcgirte Stiideiitcn"(Dienstag) und„Der Bräutigam auf Probe(Donnerstag). Als Nachmittags-Borstellung ist für Sonntag„Die Grille" angesetzt. Zur Feier dcS hundertjährigen Geburtstages voii Karl v. Holtei wird„Lconore" ain 24. Januar zum ersten Male gegeben.-„Auf goldenem Boden" bleibt im t U 1 w1'Theater bis Montag Abend auf dem Spielplan, um dann mit dem Marbschen Schauspiel„Trilby", welches am Dienstag dort seine Premiere erlebt, abzuwechseln. Sonntag Nachniittag geht„Wilhelm Tcll" mit Herrn Fritz Kiedaisch in der Titelrolle in Szene.- Im Friedrich- lr.f � vi st ä d t i s ch e n Theater gelangt Sonntag und folgende Tage das ScnsationSschausptel„Die kleinen Bagabunden" zur Darstellung; Sonntag»in 4 Uhr findet eine Aufführung des Schauspiels„Der Trompeter von Säkkingcn" statt.- Im Alexanderplatz-Theatcr finden Sonntag und Montag Aufführungen des Sittenbildes„Die Verführerin" statt. Sonntag Nachmittag um 4 Uhr wird als Kinder- vorslellung die fünfaktige Märchenpoffe„1001 Nacht" gegeben.— Das Rcpertoir des Q st c n d- T h c a t e r s stellt sich für die kommende Woche folgendermaßen: Sonntag Nachmittag:„Leben und Lieben", abends: „Der Verschwender". Montag:„Die Waise auö Lowood". Dienstag und Mlttivoch:„Leben uiid Lieben". Donnerstag:„Die Waise ans Lowood". Freitag:„Der Verschwender". Soiillabend und Sonntag:„Die Waise aus Lowood".— Kultur- Schaubühne(Potsdamcrstr. 120. Dir. Dr. Köppen und Dr. Stoedtner). Sonntag, abends 8 Uhr, wird Herr Prof. Dr. Max Schmid aus Aachen über„Meisterwerke deutscher Kunst" spreche». Der Bortrag wird durch künstlerisch ansgcfühtte Lichtbilder, die aus die Schaubühne projizirt werden, anschaulich erläutert. Soziale Nechlspflege. Rbletiitltn.l cineS Gewerbcgcrichtö- Vorsitzcudel». Vor der K.uiinier VI des Geiverbegerichts stand am 14. Januar Termin a» iii�einein siiechtsstreit des Elektrotechnikers B. gegen den Brauerei- besitzer Happold. Vor dein Eintritt in die Verhandlniig erklärte der Kläger, er niüsse den Vorsitzenden, Gerichtsassessor Krause, ivegen Befangenheit adlchnen.'Assessor Krause habe ihn im Vergleichs- lern, in nicht z n W o r t e k o in in e n lassen, auch habe er ihn durchaus mit einem ehemaligen Maschinisten vom Goethe-Thcaler, de> bereits vordeinGewerbegerichtanfgetreleii sei.identisch niachen ivolle». Assessor Krause verwahrte sich hiergegen, ließ aber den Assessor Techow koillMiu, damit unter dessen Borsitz der Ablehnungsanlrag enlschiedc» , verde. Die Kanuner verwarf den Antrag als unbegründet, iudeu» sie ausführte: I» Erwägung, daß Assessor Krause, zur Neußerung ausgefordert, zu gegeben habe, daß er den Kläger gesragt habe, ob er nicht schon mal vor dem Gelverbegericht aufgetreten sei; in fernerer Erwägung, daß hieraus eine Besürchtung der Parteilichkeit des Vorsitzeudcu nicht hergeleitet werden könne, sei die Ablehnung für nicht berechtigt zu erklären.— I» der Sache selbst wurde ein neuer Termin angesetzt, da sich der Kläger, wahrscheinlich infolge eines Mißverständnisses, entfernt halte. Tic Znstäudigkcit dcS GrlvcrbcgcrichtS in Berlin wurde im Verlause eines Rechtsstreites von der beklagte» Firma Hauer be- zweiselt. Ter Putzer Dietrich, der auf Veranlassung der Beklagte» in Dresden gearbeitet hatte, glanbte ans einer Akkordarbeit noch Ansprüche zu haben und machte diese beim hiesigen Gewerbegericht geltend. Außer der örtlichen Unzuständigkeil ivandle der Ver- treter der Firma noch ein, der Kläger habe in Dresden bei einer anderen Firma, Hauer u. Comp., gearbeitet, »nit der der Inhaber der beklagten Berliner Firma nur insoweit z» lhun habe, als sie Kapitalien von ihm ver- wertste. Tie Kanuner III des Gewerbegerichts ivies de» Kläger mit folgender Begründung ab: Nach dem GewerbcgerichtS- Gesetz sei zuständig für gewerbliche Slreiligkeilc» zivischeu Arbeitnehmern und Arbeitgeber» das Gewerbegericht des Ortes, wo die streitige Ver- pslichtnng zu erfüllen gewesen sei. Die Arbeitsstelle habe sich nun in Dresden besunden und dort sei der Kläger auch abgelohnt worden; somit sei als Erfüllungsort Dresden anzusehen und eS müsse das Berliner Gewerbegericht für unzuständig erklärt werden, Verweigerung der Arbeit? Die Hansdiener D. und S. waren ohne vorherige Kündigung von der Firma E. Bette, Bnd u. Lachmann entlassen worden und verlangten darum eine Lohn- entschädignng. Der Vertreter der Firma wandte vor der Kanuner I des Geiverbegerichts gegen den Anspruch ein, die Kläger hätten die Arbeit verweigert. Sie hätten abends keine Packete aus- tragen wollen. Die Beweiserhebung ergab betreffs des einen Klägers gar nichts und betreffs des andern nur, daß er am fraglichen Tage einmal vor sich hin»nd ein andermal zu einem Kollegen gesagt habe: Heute nehme ich keine Packete mit. Beim zweiten Mal hörte es der in der Nähe weilende Packmeister und sagte: Sie wissen ja noch garnicht, ob Sie heule überhaupt Packele bekommen. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Asseffors Hellwig verurtheilte die Beklagten, jedem Kläger 18 M. zu zahlen. Der Vorsitzende be- merkte, die Aeußerungen des Klägers stellen eine Verweigerung der Arbeit nicht dar. Es feien ganz allgemeine Redensarten zu sich selber und zu den Kollegen gewesen, eine Weigerung könne sich aber nur auf einen bestimmten Anstrag beziehen und das habe hier noch garnicht vorgelegen. Uebrigens berechtige nur die beharrliche Verweigerung der Pflichten aus dem ArbeitsverhäUniß zur sofortigen Entlassung. Eine Nestlohltsordcruns begründete der Bauwächter L. damit, daß er nur 30 Pf. für sie Arbeitsstunde erhalten habe, obwohl ei» Stundenlohn von 35 Pf. vereinbart worden sei. Das Gewerbe- gericht stellte fest, daß der Kläger stets über den nach einem Stunden- sah von 30 Pf. berechneten Lohn quittirt hat, und wies ihn mit seiner Klage ab. Der Vorsitzende Hellwig führte begründend aus, der Kläger könne die Nachzahlmig selbst dann nicht verlange», wenn wirklich ein Stundenlohn von 33 Pf. vereinbart worden fei. Dieser Vertrag wäre dann durch die ständige Zahlung und widerspruchslose Annahme der 30 Pf. pro Swnde in einen Lohnvertrag über den letztgenannten Satz umgewandelt worden. Ein Zcnguiff über Leistung und Führung Halle der Packer N. von der Firma Vandiemen u. Fischbein verlangt. Außerdem beanspruchte er eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter sofortiger Entlassniig. In» erste» Termin vor dem Geiverbegericht erllärte sich die Firma bereit, ihm das gewünschte Zeugniß auszilstellen. Betreffs dieses Punktes kam daraus ein Vergleich zu stände. Zur Erledigung der anderen Forderung wurde ein neuer Termin anberaumt. Die Verhandlung fand sodann i» der letzte» Sitzung der Kammer I statt. Hier machte nun der Kläger geltend, daß er das von der Firma ans grund des Vergleichs aiisgestellle Zeugniß nicht gebrauchen könne; er bekomme keine Siellung, wenn er es vorzeige. In dem Zeugniß»vird dem Kläger bescheinigt, daß seine Leistungen zufriedenstellend»vare». Dahinter heißt eS aber: Seine Führung ließ zuletzt zu wünschen übrig, er lehnte sich gegen seine Borgeschlen auf und meinte, sie seien nicht mehr ivie er. Kläger bestritt, sich gegen die Vorgesetzten aufgelehnt zu haben. Er habe sich nur nicht schlecht behandeln laffen wollen. Der Gerichtshof vernahm einige Zeugen und»vies dann den Kläger mit folgender, vom Assessor Helltvig vorgetragenen Begründung ab: Was die Allsstellung eines ordnnngsinäßige» Zeugnisses betreffe, so sei das Gericht der Meiiuiiig, daß die Firma ihrer Pflicht nachgekommen sei. Das Attest habe sich auch über Führung»nd Leistung aussprechen sollen. Denigeuiäß sei es auch erlheilt worden. Daß die Beuierkilug über seine Führung dem Kläger nicht gefalle, komme für das Gerichi nicht in betracht. In» übrige» habe die Beweiserhebung ergeben, daß er sich zum Schluß nicht ganz gebührlich be»om»ie>i habe. Von einer Eiillassuug könne nicht die Rede sein, da der Kläger selber zuerst die Absicht, das Arbeilsvcrhältuib zu löse», kundgegeben habe. Einrn Ncchtöstrcit gegen die landwirthschaftlichc Berufs- grnosscnschaft für Pose» hat das Reichs-Aersicheruilgsnult erledigt Der iiiinderjährige Autoil Krzcmkoivsky wurde am 21. Novcmbcr 1896 von dem Laudwirth. bei dem er in Stellung»var, nach der nächsten Stadt geschickt, damit er dort ein Telegramm an einen Viehhändler ausgebe. Der Gutsbesitzer wollie mit dem Viehhändler wegen des Verkauis von Fellvieh, das er gemästet hatte, verhandeln. Aus den» Wcge»ach der Stadt bestieg der junge Man» ei» Gais- suhrivelk, das demselben Ziele wie er zustrebte. Beim Abspringe» hatte er dann das Unglück, zu stürzen und sich ganz er- Heblich zu verletzen. Sowohl die BernsSgenossenschast wie das Schiedsgericht lehnte» seine» Anspruch ans eine Uiifallrcilte init der Begründung ab, daß ei» landwirthschnftlicber Betriebsiuifall nicht vorliege, da der Gang zur Post im Interesse des kaufmännischen Theilcs des Betriebes unternommen»vordcn sei. Ans de» Stekurs des Klägers hob das R c i ch s- V e r s i ch e r u» g s n in t diese Entscheidniig auf und verurtheilte die Berufsgeilosscnschaft zur Renten- gewährung. Das Rekursgericht ging von dem Standpunkt ans, daß die Halidiniigen, die ans den Verkauf selbstgcwonnencr landwirthschafllicher Erzengnisse gerichtet seien, zu de» landivirlhschafllichen Betriebsthälig- keile» gerechnet iverde» müßten. Dazu gehörten auch die mit der Ver- äußernng des selbst gezüchteten oder selbst aufgezogenen Viehs zu- saniinenhängenden Verrichtungen. Thatsächlich bildeten sie ja auch de» Älbschluß der Bodenbeivirthschaflung und der Viehzucht und ständen damit in untrennbarer uilmittelbarer Verbindung. Die Ver- äuderuug des Vichstaudcs werde durch de» Betrieb bedingt»nd wirke auf ibn wieder zurück. Deshalb habe auch im Falle des Klägers die laudwirlhschaflliche Unfallversicherung einzugrcise». Kau» der Begleiter eincS Drchorgclspielerö eine Alters- reute bcansprnchcit? Ei» Mann nameus Müller, der als Ve< glcitcr von Leiermännern längere Zeit sein Lebe» gefristet halte, verlangte von der Versichcrungsaiistalt in Halle eine Altersrente. Die Versichernngsaustalt erklärte aber seine Tbätigkeit für nicht ver- sichernngSpflichtig und wies ihn ab. Das Reichs-Versiche- r n n g s a»i t als Revisionsinstanz erkannte jedoch zu seinen Gunsten. Es führte etwa folgendes aus: Die Begleitung eines Drehorgel- spielers, verbilndeil mit dem Tragen de? Spielkastcus und dem Ein- sammeln der Geschenke, sei, wenn es für Geld besorgt werde, sehr wohl als Lohnarbeit im Sinne des 8 1 des Jnvalidiläts- uiid Allersverstcheriings- Gesetzes aiiznsehe». ES küiiiie hierbei durchaus von einer Arbeit geredet werde». Unerheblich sei, daß die fragliche Thäligkcit wegen der Milterung nicht täglich ausgeübt werde» konnte.'Auch sei belanglos, ob nicht etwa den Arbeilgebern des Klägers das Drchorgelspielen»mr in der Annahme gestallet worden sei, daß man ihnen eine Art Arinemuiterstütznug geivahre, denn es stehe fest, daß dem Kläger die Begleitung der Orgelbesitzcr nicht aus demselben Grunde erlaubt»vordeu fei. Ferner habe er auch nicht gemeinschaftlich mit dem Orgel- besitzer, d. h. nicht als sein Assozie das Drehorgelspiele» belriebcn. Der ihm gezahlte Loh» habe demnach nicht die Eigenschaft einer Armenunterstützung. Daher sei sein Anspruch ans eine Altersrente bei der sonstigen Erfüllung aller gesetzlichen Vorbedingungen als be- gründet anjuerlennen._ GevilszkS-Äeikunü. BctricbSamtssckretär Richard Jancke vor der kaiserliche» DiSziplitiarkamincr. Den Gerichtshof bilden Kainmergerichlssenats- Präsident Groschuff(Präsident), Landgerichtsrath Thinius, Landgerichts- rath Fron»», Geh. RegierungSratb im Reichsamt des Innern, Gruner, u»d Wirkl.Legalionsratb im Auswärtigen Amt Dr. Krieger(Beisitzende). Als Beamter der Stnalsaiiwaltschast sungirt Wirkl. Legationsralh im Answärtigen Amt v. Buri. Der Angeklagte ist erschienen. Er giebl auf Befragen des Präsidenten an: Er habe alS Einjährig- Freiwilliger gedient, das Osfiziersexamen gemacht, sei aber nur Gefreiter geworden.— Präs.: Weshalb gingen Sie nach Afrika?— An gel l.: Ich fand hier keine Stellung, deshalb meldete ich mich zur Ausnahme in die Wißmalintruppe.— Präs.: Laut Akte» sind Sie vom Juni 1830 bis Juli 1301-bei der Truppe des Reichskommissars Wißmann gewesen Im Jahre 1392 wurde» Sie von dem Reichskonimissar Dr. Peters als Privatbeamter engagirt. Sie gingen mit diesem nach Kilimandscharo. Im Jahre 1393 kamen Sie wieder»ach Europa zurück»nd triebe» alsdann hier auf eigene Faust Handels- gcschnste, insbesondere Viehhandel. Da aber dies Geschäft nicht ging, so ließen Sie sich von dem Plantagenleiter Friedrich Schröder für Dentsch-Ostasrika engagiren. Sie erhielten zunächst als Schreiber ein Monatsgehalt von dreihundert Mark. Sie wurden in Lewa, Pangani und Dar-es-Salaam beschäftigt. Im Jahre 1893 wurden Sie als Bezirksamtssekreiär in Pangani mit einem Jahresgehalt von 3000 M. nebst freier Wohnung engagirt. Sie wurde» am 19. März 1893 als Bezirksamtssekreiär vereidigt und später zum Sekondelieutenant ernannt?— A n g e l l.: Das ist alles richtig.— Präs.: Weshalb gaben Sie Ihre Siellung bei Friedrich Schröder ans?— A n g e k l.: Weil Schröder zu brutal war.— Präs.: Und trotzdem haben Sie dem Schröder über die gegen diesen schwebende Untersuchung aus den Akte» MiUheiluuge» gemacht! Vertreter der StaalZanwaltschaft v. Buri: Der Bezirksamts- Sekretär Richard Jancke wird angeschuldigt, de» Plantagenleiter Friedrich Schröder von der Anknnft des Untersuchungsrichters be- nachrichtigt, von dem Ergebniß der Untersuchung dem Schröder Miltheilung gemacht, mithin Thatsachen, die ihm in seiner amtlichen Eigenschaft bekannt geworden waren, unbesugterweise mitgetheilt und für diese Handlung sich von Schröder 300 Rupien geliehen zu haben. Ich beantrage daher, den Angeklagten wegen Berletzung des Amtsgeheimnisses ans dem Dienste zu entlassen. Der Gerichtshof verkündete um>/z2 Uhr folgende Entscheidung: Zwar sei nicht erwiese», daß Jancke die dem Schröder nütgetheilte» Thatsachen in seiner amtlichen Thätigkeit erfahren, vielmehr sei anzunehmen, daß er sie durch andere Beamte erhalten, die nicht glaube» konnten, daß er Mißbrauch damit treiben werde. Es liege also ein Treu- bruch vor, der nach Z 10 des Reichsbeamtengesetzes zu ahnden sei. In anbetracht ferner der großen Taktlosigkeit, die I. durch die An- »ahme eines DnrlehnS von Schröder begangen, sei anzunehmen, daß er sich seines Berufes unwürdig gezeigt habe, und sei deshalb ans Dienstentlassung zu erkennen. Die Streitfrage, ob die Standinhaber der städtischen Markthalle» berechligt sind, sich ihren Kaffee und anderes. was zur Leibes Nolhdnrst»nd Nahrung gehört, von Schankwirthen in die Marklhallen bringen zu lassen, scheint von einzelne» Markt- hallen-Aussehcr»»och immer als eine„offene" Frage behandelt zu werden, obgleich sie endgiltig abgcthan ist. Es ist daher dankens- wcrth, daß in einem gestern vor der sechsten Straskammer des Landgerichls I verhandelten Prozesse wegen Haussricdcnsbruches der Vorsitzende Gelegenheit nahm, die Rechtslage noch einmal ganz klar zu lege». Die Markthallen- Ausschcr hielten sich zur Ausweisung der Kaffee bringenden Personen für berechtigt, weil nach der Markthalle»- Ordnung nur de» Marktzwecken dienende Personen zuzulasse» seien und daS Hineinbringe» von Kaffee solchen Marktzivecken nicht diene. Das Kanunergericht hat früher diesen Slandpunkl getheill, ihn neuerdings aber verlassen»nd anerkannt, daß die Inhaber der Stände in dem Markthalle» berechtigt sei» milsse», ihre leidlichen Bedürfnisse zu besriedigen und taß deshalb nach vorheriger Bestellung durch die Standinhaber das Hineinbringen von Kaffee k. in die Markthallen und die Ablieferung a» die Besteller nicht verboten we.rdc» kann. Es ist anzunehmen, daß die aus solchem Anlaß erstatteten Straf« anzeigen wegen Hansfriedensbrnchs nun endlich aushören. Zwei thätliche und wörtliche Belridignugc» von schütz- lose» Franc» unterlagen gestern der Vernrlheliuilg. Vor der 6. Berilsnilgs-Slraskninmer stand der jugendliche HandlnngSkomniiS Wilhelm Weiß und tat flehentlich, der Gerichlshos möge doch die vom Schöffengericht gegen ihn erkannte 14lägige Gesängnißstrafe in eine Geldstrafe Unländern. Ter Angeklagte halte in einein Abtheil der Stadtbahn eine anständige Frau durch unsittliche Redensarten belästigt. Der Gerichtshof verkannte nicht. daß der Angcklagl« durch die ihm auserlegte Strafe schwer betroffen werde, seine Handlungsweise verdiene dies aber auch, denn für ein derartiges Vergehen sei nur eine Freiheils- strafe am Platze. Der Gerichtshof habe sich nur mit Rücksicht anf die bisbcrige lliibescholtenheit nnd die liefe Rene des Angeklagten dazu verstehe» können, die erkannte Strafe von 14 Tage» aus zehn Tage Gesängniß herabzusehen. Noch schwerer lag der Fall, welcher vor der 130. Abtheilnng des Schöffengerichls unter dem Vorsitze des Ainlsgerichlsralhs Brestcl zur Verhandlung gelangte. Ter Maurer Alberl D e h n e r t war der thälliche» Beleidigung und der Erregung eines öffent- lichen Aergeuiisscs angctlagt. Als die Hebeamme Frau Th. an einem Siovclnbcrabende des vorigen Jahres gegen 10 Uhr ihrem Berufe nachging, wurde sie in der Chorinerstraße das Opfer eines schamlosen Angriffs. Die beherzte Frau veranlaßte die Festnahme des Thälers, welcher zu einer Gesängnißstrafe von einem Monat vernriheilt wurde, wobei der Vorsitzende hervorhob, daß derartige schamlose Zügellosigkeile», welche in letzterer Zeit in belinruhigender Weise überhand nehmen, nicht streng genug geahndet lverdcn könnlen. Möchte» derartige Rohhcite» an r ü p e l h a f l e u Studenten ebenso energisch gerügt werde», wie hier an den Arbeitern. Daß mit dem Hohcnzollcrn-PatriotiSmnS in Berlin kein besonderes Geschäft zu machen ist, trat in einer gestern vor der vierten Straskanimer des Landgerichts I verhandelten Anklage wegen U n t e r s ch l a g n» g z» Tage, die gegen den Schauspiel« Dircktor H e ß l e r gerichtet war. Der Herr Direlior halle große Pläne im Kopf. Er wollte im alten ReichslagS-Gebände ei»„Friedrich der Große" benamseleS Festspiel darstellen lassen und zu>ar durch„Bürger". Es scheint jedoch, daß sich nicht genügend Weißbierphilister zu hoher Begeisterung einporgerafst habe», denn Herr Hehler mußte Schall« spicler engagiren, die beklagersiverlheriveile ihre patriotische» Phrasen vor meist leeren Plätze» benrntel dresche»»nißtc». Tie Gesellschaft gerieih i» erbarinuilgswürdige Noll). Der Leiter dcS geschästlichen Theils, eil» Buchhändler Müller, gab zwar schließlich lausend Mark her, doch tpurde diese Hilsc dein'Angeklagte» eist recht znin Ver- derben. Er soll von dem Gelbe nämlich eine» Theil für persönliche Zwecke verbraucht habe», und mußte erlebe», daß der Slaatsanwakt ihn zum Schluß ivegen Unterschlagniig vor Gericht zilirle. Gestern wurde jedocfi die Haltlosigkeit der Zluklage»nvicsen, so daß Herr Heßler den Gerichtssaal als Freigesprochener verlassen konnte. Lebhafte AnScinandcrsetznngcn stehe» für die diesmalige Generalversammlung deS Vereins Berliner Musiker, ivelche an» 21. d. Mls. im Saale des Handwerker-Vereins, Sophienstr. 15. statt- siiidct bevor. Die GeschäflSführung des zeitigen Vorstandes wird vielfach angefochten nnd hat zu einer Epaltnug zivischen den Mit- gliedern geuihrt. Besonders der nachstehend geschilderte Fall hat bierzn Veranlaffnng gegeben: Eines der Mitglieder hat gegen den jetzigen Vorstand eine» Prozeß angestrengt, der bisher in allen Instanzen zu Ungunsten der Leitniig des Vereins entschiede» ist. Das belrcffendc Mitglied hatte sich über ungleiche Ver- theilniig der Geschäfte anf der Musikerbürfe beim Vorstände beschtvert. Stall einer Würdigung seiner Beschiverdc erhielt er vom Zentralkomitee die Nachricht, daß er wegea Beleidigung dcS Vörsenvorstaiides in eine Geldstrafe von 3M. genommen worden sei. Da er diese nicht zahlte, so erklärte daS Zentraltoniitee das Mitglied für ausgeschlossen. Letzteres erhob hiergegen durch de» Rechtsanwalt Steinschneider beim hiesigen Landgericht Klage. Das Zentralkomite erhob zunächst de» Einivand. daß der RechtS- weg nicht zulässig sei, weil das Statut»nr die Vcrusuiig an die Generalversammlniig zulasse. Dieser Einivand wurde durch ei» Zivischenurtheil venvorsc», ferner Irnich ein End- urlheil vom 26. November 1897 auch der Ausschluß deS Klägers für unberechtigt erklärt. Hierauf hat daS betreffende Mitglied eine einstweilige Verfügung erwirkt, durch welche er zum Weiterbesuch der Mustkcrbörse, von dem ihn das Komitee a»Sge« schloffen halle, zivangsweise ermächtigt wurde. Der hiergegen vom Zentralkomitee erhobene Widerspruch ist i» der Sitzung vom'?. d.M. von der 14. Zivilkammer des Landgerichts I zurückgewiese». Das Zentralkomitee hat gegen alle diese Urtheile Berns»»« eingelegt.— Dieser Fall wird in der Generalversammlniig zur Erörterung ge, langen. I» eine bedrohliche Wnth gcrieth gestern ein Angeklagler, der sich vor dem Schöffengericht wegen Sachbeschädigung zu vermrt« rcovtcn hatte. 5IIS der BetafliingIzeuge feine ülnlfnge gegen den Angeklagten machte, ergriff dieser plötzlich einen im Anklage- vanm flehenden Slnhl und schleuderte ihn mit aller Gemalt gegen ! Sangen, der nicht rasch genug bei seile springen konnte und deshalb von dem seltsamen Wurfgeschoß leicht getroffen murde. Die Szene verursachte große Ansregnng im Saale und der Au» geklagte mußte durch den rasch hinzuspringeuden Gerichtsdiener ge- mallsam gehindert werden, weiterhin seiner Wuth in ähnlicher Weise Lust zn machen. Er wurde sofort abgeführt, und da sein ganzes Anstreten ein höchst befremdliches war, so wurde beschlossen, rhn aus seinen Geisteszustand untersuchen zn lassen. Vin wahres hippologifcheS Kunststück vollbrachte am 7. Sep- tember v. I. der Killscher S ch r e i d a, der gestern wegen fahrlässiger Körperverletzniig vor der 7. Strafkammer des Langerichts I stand. Der Slugeklagte ist Führer eines Schlächterwagens. Am 7. September v.J. fuhr er in dem bekannten scharfen Trabe die Thiergartenstraße e»t- längs und am Kempcrplatz direkt in eine von der Leniiöstraßc kommende Droschke erster Klasse hinein, so daß das Pferd ans das Trittbrett der Droschke gcrielh und der Fahrgast der letztere» in Gefahr war, von dein Scheerbaum aufgespießt zn iverde». Dieser hatte aber die Katastrophe schon nahen gesehen und vermochte noch rechtzeitig durch eine» Sprung aus dem Wage» sich zu retten, doch ging es dabei ohne starke, vom Kopse des Pferdes und der Deichselstange des Schlächterwagens herrührende heftige Püffe nicht ab. Der Angeklagte Halle sich nach der Be» kundung von Augenzeugen so sehr in ein Gespräch mit seinem Nachbar auf dem Kutschbocke vertieft, daß er offenbar die ganze Welt um sich herum vergessen hatte. Nur mit Rücksicht auf seine bisherige völlige Unbescholtenheit verurtheilte der Gerichlshof de» uliaufmcrksamcu Nosseleuker nur zu S0 M. Geldstrafe event. 10 Tage» Gefängniß. � Eine Störung erfuhr der Nachniittags-Goltesdienst in der Allferstchuiigskirche am Todteu-Eoillitage des verflossenen Jahres. Während der Prediger das Evangelium verlas, betrat ein Mann die Kirche und rief:„Das ist ja ein katholischer Pfaffe!" Der augenscheinlich angetrunkene Mann wiederholte de» Ruf noch einmal, bevor er geivallsam zur Thür hinausgeschoben werden konnte. Es war der Tischler August Kreitling, welcher gestern dieserhalb vor der dritten Slraskammcr des Landgerichts I stand. Der Staats- anmalt führte aus, daß derartige Störungen des Goltesdieiistes in de» meisten Fällen von Trunkenen begange» würde», bei der Neber- handliahme dieser Fälle sei es aber geboten, Nachahmungen durch «llipfiiidtiche Bestrasuligen vorzubeugen. Er beantrage deshalb eine Gefänguißstrafe von sechs Monaten. Der Gerichlshof erkannte auf drei Monate Gefängniß. Abermals ei» Prügelnder Schntiina»». Das Landgericht Dresden verurtheilte den Schutzmann Ublitzsch aus Mügeln wegen Mißhandlung eines Arrestanten zu sieben Moualeu G-sangiüß. Soziales. Gegen die freie Vereinbarung in» dcntfchc» Binnenschiff- fahrtögcsetz wendet sich eine Petition, die der Slaatsregierung im Austrage norddeutscher Binnenschiffer von dem Sekretär der Dampfer- Genossenschaft in Charlottenburg, Herrn Heinrich K l a e g e r. unterbreitet morde» ist. Zweck der Petition ist die Er- reichung einer gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit beim Laden n» d L ö s ch e n. Herr Klaeger führt ans, daß die Binnenschiffer mehr und mehr vorn Segeln abkommen und ihre Schiffe von Dampfern schleppen lassen, weil sie dadurch bequemer, sicherer >md schneller an den Ort ihrer Bestimmung gelangen. Infolge dessen könnten sie sich während der Fahrt ausruhe», was bei der Segel- fahrt nicht in dem Maße der Fall ist. Die Regelung der Arbeits- zeit für die Zeil der Fahrt sei daher nicht so»öthig. Desto mehr aber für die Zeit des Ladens und Löscheiis der Fracht. „Es ist himmelschreiend"— heißt es in der Petition—„den Schiffseigner schon früh morgens um 3 Uhr mit seinen Bootsleuten Steine ec. auskarren zu sehen, bei welchem schweren Geschäft häusig auch Frauen und Kinder Helsen müssen. Vor 9 oder >/il0 Uhr abends wird nicht Feierabend gemacht, das Millagessen wird nur so heruntergeschlunge», Kaffee wird während des Karrens resp. Packens getrunken, wen» man sich überhaupt hierzu noch Zeit nimmt. Ist jdas ein menschenwürdiges Dasein? Keineswegs! Der Schiffer ist Frachtführer und hat' die Ladung »ach dem Bestimmungsorte zu bringen, eventuell dieselbe vom Ver- sender i» seinen Kahn geliefert zu bekomme»— so lautet das Gesetz — dennoch wird seitens der Versender und Empfänger die An- forderung an den Schiffer gestellt, Zlrbcite», welche den Arbeitern der crstere» zustehe», zu verrichte», und da der Schiffer die Arbeit von jeher gewöhnt ist, macht er sie auch ruhig weiter. ahnungslos, welche Gesetzeswohllhat er sich hierdurch verloren gehen läßt." Das neue Gesetz hat„dem unlautiren UeberlegenheilSgesühle des Handelsstandes durch die freie Vereinbarung eine offene Lücke . gelassen, wodurch die Wohllhaten des Gesetzes für den Schiffer fast zur Illusion werde», da seitens der Prokureure Sonderabiuachunge» getroffens werden, die dem Schiffer geradezu verbiete», die Segnungen der Biunenschiffsahrts-Ordnung für sich in Anspruch zu nehme»". Es wird dann mitgelhcilt, daß die Kabn Makler dem Schiffer förmlich verbieten, sich auf das Binnenschifffahrls- Gesetz zu stützen, und zum Beweis hierfür der Text eines Schluß- scheins wiedergegeben, worin sich der Schisser dem Kahnmackler gegenüber wie folgt binden muß:„Wenn ich vorstehende Ver- pflichtunge» nicht getreulich erfülle, bezahle ich außer alle» erweis- liche» Nachtheilen an die Herren Ablader unweigerlich eine Kon- ventionalstrase von Zwei Hundert Reichsmark und erkenne durch eigenhändige Unterschrist diesen Schlußschei» als für mich rechts- verbindlich au, u n t e r V e r z i ch t aus die Bestimmungen des Binuenschisffahrts-Gesetzes vom 15. Juni 1895 und erkläre mich ausdrücklich mit den vorherigen Usancen be- trcffs der Beladung und Entlöschung einverstanden." Wer diesen Schlußschein nicht unterschreibt und somit auf die Rechte des Gesetzes nicht verzichtet, erhält überhaupt keine Lad»» g. Da nun, wie in der Petition augegebe» ist, sämmtliche Makler Schlußscheine solcher Art führen, so sind die Schiffer ge- zwuuge». auf die Vortheile des Gesetzes zu verzichten, um Be- schästigung zu bekommen. Ferner werden die Schisser durch den Ladeschein verpflichtet, und zwar bei Androhung vo» Schadeusersatz, ununterbrochen (also Tag und Nacht) nach dem Ort ihrer Bestimmung zu fahren und unter Umständen die Fracht auch nachts ohne Unkosten des Empfängers zn lösche». Auch dazu muß sich der Schiffer verpflichten, wenn er überhaupt Ladung bekommen soll. „Wenn der Schiffer durchaus, ob freiwillig, ob durch Sonder- abmachungen gezwungen, nebe» seinem Stande als Frachtführer auch noch das Lastlhier des Kaufmanns sein will, so soll ihm wenigstens das Gesetz zu einigen Stunden Rast verhelfen." Aus diesem Grunde wird in der Petition für die Segel- und Dampf f r a ch t- Schifffahrt während des Ein- und Ausladens folgende Arbeitszeit empfohlen: im Frühjahr und S o i» in e r von morgens 6 Uhr bis mittags 12 Uhr und von mittags 2 Uhr bis abends 3 Uhr; im Winter und Herbst von morgens 3 Uhr bis mittags 12 Uhr und von mittags 1 Uhr bis abends 5 Uhr, da das Ein- und Auslade» im Finstern schon im Interesse der Unfallverhütung verboten werden müsse. Arbeiter- Risiko. In einer T h o n rö h r e n fa br i k in B i t t e r f e l d wurden einem Arbeiter von dem im Gange beflnd- liche» Schwungrad beide Kiefer zerschmettert. Auf dem Niewaudt-Schachte bei Hettstedt erlitt ein Fördermann, der zwischen zwei im Gange befindliche Wagen ge- kommen war, derartige Quetschungen, daß er bald daraus starb. Zur selben Zeit wurde auf dem G l ü ck h i l f s ch a ch t e. ebenfalls bei Heltstedt gelegen, einem Häuer das rechte Bein durch fallendes Gestein vollständig zerquetscht. Das Glied mußte amputirt werden. Mnkcrtteszmcv-Vrvbiindo. Ikcbcr den rheinisch- westfälischen Eisenniarkt giebt die „Köln. Ztg." folgende Schilderung: Die Lage hat sich im ganzen kaum verändert, doch ist eine gewisse Zunahme des Vertrauens be- merkbar, die sich am deutlichsten in der wiederkehrenden Kauflust für Roheisen zeigt. Auch beweisen die endgiltigen statistische» Zahle» für 1399, so spät sie auch kommen mögen, doch, welche ungeheure Zunahme der Erzeugung und des namentlich in- ländischen Verbrauchs an fertiger Waare in Deutschland eingetreten ist. So hat die Hervorbringung an Gießereiwaaren allein 1396 1364909 Tonnen betragen gegen 1 693 000 Tonne» an sämmtlichcmWalzeisen und Stahl im Jahre 1878. Aehnlich sind fast sämmtliche anderen Zweige ge- wachsen.mit alleiniger Ausnahme des Eisenbahnbedarss. Ans de» oben- genannte» 1 603 000 Tonnen des Jahres 1373, worunter rund 600 OOO Tonnen Eisenbahnbedarf, waren 1892 3 256 000 Tonnen mit 771 000 Tonne» an letzlerem, 1896 aber 4 572 000 Tonnen bezw. 366 000 Tonnen geworden. Trotzdem also für Eiseubahnbedarf, infolge unzulänglicher Bestellungen der Vollbahnen, die wachsende Slusnahme der Kleinbahnen und elektrischen Bahnen 1696 noch nicht zur vollen Geltung gekommen ist, sind solche riesigen Mengen von fertiger Maare erzeugt und verbraucht worden. Die Eut- Wickelung der elektrotechnischen Jndnstrieen und Betriebe sowie die vermehrte Verwendung des Eisens zu Bauzwecken, die diese Verbranchszunahine veranlaßt haben, bestehen in nnvermlnderlem Maßstäbe fort, die außerordentlich starke Beschästiguug der Maschinenfabriken und Gießereien giebt vollstes Zeugniß dafür; es kann also im inneren dentfchen Markte mit einer Ver- langsainung des Verbrauches nicht gerechnet werden. Daß dein so ist, wird sich auf dem Stabeisenmarkte z. B. sehr bald zeigen, wen» die im Zuge befindliche Eyndikatsbildung eingetreten und der gegenwärtige thalsächlich zügellose Wettbewerb beseitigt ist. Einer weiteren Regelung bedarf die Roheisenerzeugung, die über die angemessene Grenze zu wachsen droht, wobei der geplante Ausfuhrverband durch Erleichterung der letztere» in der Richtung eines vergrößerten Gesammtvcrbrauchs wesentlich mithelfen kann. Vevfammltttttgett. Eine Protcstvcrsamnilnna der Händler und Händlerinnen, die schon lange vor Eröffnung überfüllt war, tagte am Freitag im Alexanderplatz-Holel. stieichstags-Abgeordneler Robert Schmidt rcserirte über die neueste Polizeiverordnung gegen den Straße»Handel. Der Redner hat schon früher im gleichen Berufe Vorträge gehalten, damit die Organisation gefördert werde, die Berussangchörigen sind aber saumselig geblieben. Die Folge ist, daß den Bestrebungen auf Unterdrückung des Hausirhandels nur »»genügend Widerstand geleistet werden kann. Mit der neuesten Regleineutirung werde der Zweck verfolgt, dem seßhaften Handel, also einer andere» Berufsgruppe, Bortheile zuzu- wenden; es werde in die freie Konkurrenz eingegriffen zu ringnnsten gerade des wirthschaftlich schlechter gestellten Berufes. Selbstver- ständlich werde dadurch die Ursache des Zudranges zum Straßen- Händler-Beruf, die namentlich in den hohen Ladenmiethen zu suchen sei, nicht beseitigt. Es sei auf unreelle Vorkommnisse hingewiesen worden und allerdings müsse zugegeben werden, daß beispielsweise der Fleischhandel vor den Markthallen durchaus unzuträglich sei. (Lebhaste Zustimmung)— aber diese einzelne Erscheinung berechtige nicht zum Einschreiten gegen das ganze Gewerbe. Die für den 1. März angekündigte Polizeiverordnnng wolle den gefammten Straßeuhaudel in der Nähe der Markthallen mit Ausnahme nur einiger Halle» mit geringem Geschäftsverkehr völlig verbieten; der Schutz der Sländc-Jnhaber in der Halle könne dadurch aber doch nicht erzielt werden. Wenn mit solchen Plackereien immer fort- gefahren werde, so sei es schon besser, den Straßenhandel ganz zu verbieten.(Lebhafte Zustimmung.) Schwerlich werde die ge- plante Regleineutirung noch abgewandt werden können, aber um küiiflige Plackereien fernzuhalten, sei es nolhwendig, daß die ehrlichen Elemente im Händlergewerbe zusammenhallen, daß sie sich um die öffentlichen Angelegenheiten bekümmern und eine gute Orgam- sation bilde».(Lebhafter Beifall.) In der Debatte gab sich die große Erregung, welche die neueste Verordnung hervorruft, deutlich kund. Es wurde besonders auf die jetzt schon übertrieben harte Polizeipraxis hingewiesen. Der Erlaß des Polizei- Präsidenten, nicht so rasch Straf- maudate zu erlassen, existire für die Händler nicht; aus 13 000 bis 20 000 sei pro Jahr die Zahl der erlassenen Strafmandate zu schätzen. Es waren Händler anwesend, die im letzten Jahre 114, 116. 135 M. und mehr au Polizeistrasen bezahlen mußten. Eine alte Frau, die nachts in der Friedrichstraße handelt, mußte 40 M. zahle». Ein alter Mann, der nur noch eine schwache Stimme hat, sei in Strafe genommen worden, weil er auf den Höfen zu laut ausgerufen habe. Bolle und die Kurrendeschüler würden zarter behandelt. Statt wie jetzt die Schutzleute die Händler vo» Platz zu Platz treiben, sogar wenn Käufer am Wagen stehen, möge man Beamte anstellen, welche die Güte der Waaren bei den Händlern auch in der Hatte untersuchen; das sei zugleich der beste Schuh des Publikums. Auch wurde hervorgehoben, daß die Grossisten der Zentral- Markt- halle sehr bald wieder»ach Freigabe des Straßenhandels rufen würden, denn sonst würden für mehrere hunderttausend Mark Waaren nicht um- gesetzt werden. Beispielsweise fiele es gegenwärtig den eiligen Straßen- paffanlen garnicht ein, wegen einer Apfelsine nach der Halle zu gehe». Uebrigens müsse auch damit gerechnet werde», daß die Grossisten nach dein Beispiele Schollbach's Hallenstände für Kleinhandel er- richte»,— dann würden die Hallenhändler geschlagen sein und dazu die Hausbesitzer, die jetzt den Feldzng gegen de» Straßenhandel fuhren. Zuletzt sprach der Stadtverordnete Sacobey. Er betonte unter anderem, daß ein geregelter allenverkchr sehr erwünscht sei, durch die Polizeiverordnung werde er aber nicht geschaffen. Nur Handel und Wandel werde dadurch unterbunden und deswegen seien die sozialdemokratische» Stadtverordnete» Gegner solcher Polizcimaßuahmen. Einstimmig wurde hierauf eine Protest-Nesolntiou angenommen, die auszugsweise lautet: Tie Versammlung protestirt gegen die in de» letzten Jahren fortgesetzt gegen de» Hausirhandel unlernommenen Eingriffe, weil sie vielen Leute», die i» redlicher Weise ein Fortkomme» zu gewinne» suchen, ihre Existenz gänzlich zu unter- binden geeignet sind. Wie die Erfahrung lehrt, richtet sich das Vorgehen der Behörde» nicht blas gegen die„unlauteren Elemente" im Gewerbe, sonder» trifft alle Bernssangehörige. Die Versamm- lung ersucht daher das Polizeipräsidium, i» Würdigung der sehr bedrängte» Lage, in der die Händler sich befinden, von weiteren Eingriffen in den Etraßenhandel Abstand zu nehme». Im Verband der dxutschen Barbier-»e. Gehilfen fanden in der Generalversammlung vom 13. d. M. die Vorstandswahle» statt. Es wurden gewählt: S i m s o n als erster. Freier als zweiter Vor- sitzender; S ch r o l l e als erster und M o s i als zweiter Schriftführer. Die Wahl eines Revisors und eines Arbeitsnachweis- Kornrnissions- mitgliedes bleibt der nächsten Versammlung vorbehalten. Die Er- nennuug eines Stellvertreters des Nachweisvorstehers wurde der „Freien Vereinigung selbständiger Barbiere" überlasse», jedoch muß derselbe die Zustimmung des Verbandes erhalten. Hierauf gab der Kasflrer den Quartalsbericht. Aus Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge ertheilt. Mitgetheill wurde noch, daß die nächste Verbandszeitung der Wichtigkeit ihres Inhalts wegen jedem Mit- gliede zugesandt werde» wird. Charlotteubnrg. Am 10. Januar hielt die hiesige Zahlstelle de? deutschen Holzarbeiter- Verbandes ihre General- Versammlung ab. Nach dem Bericht des Vorstandes ist die Mit- gliederzahl gestiegen. Aus der hierauf folgenden Vorstandswahl gingen B l e e ck und D o m» i k als Vorsitzende, B e n s h e ck als Schriftführer und Pfefferkorn als Kassirer hervor. Zn Revisoren wurde» Pohl, Krüger und Linde gewählt. Die Bibliothek wurde bei Sellin, Wilinersdorferstr. 115/116, gelassen. Zum dritten Punkt gab Vogel den Bericht der Kontrollkommission. In der hierauf folgenden Diskussion schildert« B l e e ck in längeren Ausführungen die Haltung der Kommission zu den örtlichen Ter- hältniffen. Die Versammlung war mit der Thätigkeit zufrieden und wurden i» die neue Kommission Streh, Ehrhard, Schiew eg, Schmidt und Linde gewählt. Nixdorf. In der am 9. d. M. abgehaltene» öffentlichen Buchdrucker-Versammlung hielt Faber eine» Vortrag über„Die gewerkschaftlichen illrbeiterorganisalionen und die deutsche Industrie auf dem Weltmarkte". Darauf berichtete Kollege Trupke als Delegjrter zur Gewerkschaflskommissiou über die Bewegung der Gewerkschaften im vergangenen Jahre. In das Kartell neu aus- genommen sind die Bäcker, wieder eingetreten die Schuhmacher. Die Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichis für Rixdorf ist abgelehnt, weil kein Bedürsniß vorhanden sei, auch keine Mittel. Die Maurer und Zimmerlente errangen bei ihrem Vorgehen im Frühjahr Erfolge. während die Töpfer in der Fensterfrage nichts zu erreichen ver- mochten, weil die verwandten Branchen, wie Einsetzer u. s. w., nicht bewogen werden konnten, sich dem anzuschließen. Besonders rege waren die Metallarbeiter, welche zur Zentralorganisalion über- gegangen sind, dagegen ist die Organisation der Textilarbeiter zurück- gegangen, ebenso die der Sattler.— Da Kollege Trupke und sei» Stellvertreter Aberger eine Wiederwahl entschieden ablehnten, wurden für das laufende Jahr als Delegirte gewählt: W e i ß r o t h und Flöter._ Eingelaufen« Druckschriften. vo» der..Nene» Zelt" tSinttgart, I. H. W. Dletz' vertag) tsl soeden da» I« Heft des 16. Jahrgangs erschienen. A»z dem Inhalt heben wir hervor: Nndolf v. venntgsen.— Ter Kamps der Tozsaldcmotralie und die Nevolulton der Ecsellschast. von Ed. Bcrnslctn.— Sllphonse landet, von Dr. Paul Ernst— Zur Praxis des StreilbeschlusfeS. vo» K. Borhötzcr-München.— Nolizen: Indianische Shirurgie.— tzcmllelon: Ameiscn-Seschichlen. Bon Dr. Friedrich Knauer. Tie„SoiialiNlschen WonatsheNe"(Medakiton und Verlag: Berlin NW. Marien str. 13) haben soeben ihr IS. Heft erscheinen lassen. Tasselbe hat folgenden Inhalt: Leo» de Ecilhoc: Ter EoitalttmuS in F antreich.— Ernst Sararnt: Alexander Petöst.— E. velsort Vax: Malerialtlitsche und synthetische WcschichiS- aussassung— Sergej Njewsorow: Ter ZionlSinnS.— Helene Bvrchard:: Dt- dcmschc» Bodenrefoimer.— Otto Lang: Die Ehescheidung und das Bürgerliche weseybuch.— WUhelm Maule: Komponist und Fohrtlarbetter.— Wilhelm Böliche: Die sozialen Srundlaoen der moderne» Dichtung.— illundlchau: Wissenschaft— Kunst.— Bücher. Ein Porträt Pelög's tit beigegeben. Der Preis des elegant anSgestatteten HesteS beträgt öo Ps., pro Quartal i.an M. „Der losialiftUch» St»d«»t" sRedaltton und Verlag: Berlin NW., Ma>ien< strahe is), der den„Sozialiflilchen MonatShesien- auch als Beilage belgeaeben wird, enthält in seinem 8. Hesle: An die deutsch« Sludenteuschaft.— Heinrich Heine: Tie Wanderraiten.— T. W Teile»: Tie Grundlagen der Srzlchung im lapitalistischen Staat.— Alfred Kayfer: Berliner Brief.— Ernst Hardet: Unser Vaterland.— Noster: Sozialistische Studenten und Wtliiärbehorde.— Paul Scheerbart: Unter wilden Thtcrcn.— Rundschau: In eigener Sache— Vo» den Hochschule».— Unsere Bewegung.— Sprechsaal.— Pres» der Einzel- Nummer lv Ps., pro Quartal so Pf. Zu beziehen durch alle Bnchhandlunaen. l.o Doveair Social, Revue internationale deconomlc, d'histoire ei de Philosophie. Parait taut les mois en un läse, de 96 pages gr. in-ä". Abonnement annuel; France, 13 fr.; Elranger, 20 fr. 16, rue Soufflot, Paris.— Sommaire No. u— la(Novembrc-Decembre).— La crlse du nationalisme, Pierre et Charles Eonnier. Le coiupromis polono-russe, Elehard Esse. La demoeratie et le droit fiscal dans i'antiquite et partieuiierement ä Athenes(suite), C. Piaton, Briefkasten der Redaktion. Wir bille», bei jeder Anfrage«ine EHIffre izwel Buchstaben oder eine Zahl) anzugebe», unter der dl« Aniwort ertheilt werde» soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag. Freitag und Souiiabend von k bis 8 Ilhr abends statt. Schlostbau zu Kleiu-Bacha. Die Eltern kömien leider nur bann Nnfallrente erhalten, wenn sie nachweisen, daß der Verunglfiiite ihr einziger Ernährer war.— Rothes Ungethüm. 1. Darüber, ob die Preise erhöht sind, lverden wir Ersundigungen einziehen. 2. Ja. 3. Nein. 4. Gemeinde- Friedhof zu Lichtenberg.— E. K. I. Die Bestimmungen über die Heliammen-Ausbildung u. s. w. können Sie in der Sprechstunde auf der Redaktion einsehen.— R. S. I. Warten Sie die Sache ruhig ab: es wird kaum die Ihnen in Ansstcht gestellte Einstclllmg eintreten.— Zwei Wettende 1013. 1. Sie leben außer Gütcrgcmcinschast. 2. Nein. 3. Ja, Sie müssen dann Jnterventionsklage auf Freigabe der Sachen erhebe». H. S. Die Beantworwng hängt von dem genauen Alter JhrcS Vaters ab. Die Voraussetzungen für Erlangung einer Alters- r e n t e sind: 1. Vollendung des 70. Lebensjahres. 2. Zurücklegung von 1410 Wochen Wartezeit. Diese Wartezett vermindert sich stir die vor dem 1. Jaunar 1851 Geborenen, falls sie nachweisen, daß sie m der Zeit vom 1. Januar 1883 bis 1. Januar 18S1 mtiidcflens 141 Wochen hindurch in einem ArbcitsverhälMiß gestanden haben, welches die Versicherungspflicht begründet hätte, wenn damals schon das Klebcgesetz bestanden hätte. Die Verminderung der Wartezeit beträgt soviel BeittagSjahre und Beitrags- Wochen, als der beteffende am 1. Januar 1891 an Jahren und Wochen das 40. Lebensjahr überschritten hatte. Jedes Jahr rechnet aber nur 47 Wochen. Beispiel: August ist am LS. Dezember 1833 geboren. Also war er am 1. Januar 1891: b? Jahre und 8 Tag« alt. Sein Lebensalter überstieg mithin am 1. Januar 1891 40 Jahre um 17 Jahre und eine volle Woche. Die Wartezeit von 1410 Wochen verinindert sich also für ihn um 17 X 47-i- 1— 799 4- 1— 800, beträgt also 610 Wochen. — Mein Recht. 1. Ist nichts besonderes vereinbart, so kann unter Beobachtung der gesetzlichen Kündigungsfrist von 14 Tagen an jedem Tag« gekündigt werden, keineswegs bloS am 1. oder am Montag, Sonnabend oder dergleichen. Ist Ihnen am 2. gclündigt, so läuft Ihr Bertrag am 16. abends ab. 2. Unpünktliche GehaltSzahlmig berechtigt zum sofortigen AuS- tritt und(nach im Bürgerlichen Gesetzbuch klar ausgesprochenen Worten, aber auch nach dem bestehenden Recht) zum Schadensersatz. Zuständtg ist das Gcwcrbegcricht.— K. H., W. T. 100. Nein.— I. K. Ihre Klage hätte Aussicht auf Erfolg.— K. 50. Sie müssen zahlen.— Z. Z. 1900 WitleriiiigSübersicht vom»S. Januar lSVS, 8 Uhr morgens. Wetter-Prognose für Sonntag, IS. Januar>808. Ein wenig käiler, theils heiler, lheils nebelig bei schwachen ivestiichcn Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e l t e r b u r e a n. 20 Leute. 2749b die Stabsußbode» in Asphalt legen können, Einpasscr und Zuschneider auf längere Zeit verlangt Peter, Pankstr. 24a, Hof pari. Mitsmkt. Für Montag möchte die Leitung eines besseren Gesangvereins über- nehmen. 2787b Rud. Kammer, Gcsang- und Mustklehrer, Köntgsbergcrsir. 38. Zehn tüchtige Hartgummi-Drechslcr sucht 10/18» H. M. Anton, Elisabeth-Ufer 19. Ein Kreissägenschneider wird ver- langt Schmidstr. 8a.. Paplcr-ZaBchneidcr, perfekter, für Kartonfabril gcs. hoher Lohn, dauernde Stellung. Meld, unter L. I an die Erp, d. Bt._[27.396 Knrtoitnagcn-Nrliciterinnc» in und außer dem Hause verlangt Roltze, Zionskirckplatz 9 v. pari. Ausschneider aus Perlmutter ver- langt Blumenstr. 24.[27366 Intelligente Leute flnbeu jederzeit lohnende Be- schästigung und Anstellung durch den Abschluß von Bollsversichermigcn. Meldungen täglich 9—11 bei Idiui», Krausenstr. 42/43. (-luNschlclfer 27086 aus Buchstaben verlangt per sofort _ Ed. Wllh. Relss, Bliinienstr. 74. Karton Nieter, geübter, sof. Verl. Neue Friedrichstr. 48. Znschtteider auf Kragen und Manchetten verlangt sosort I. Fontheini, Schönh. Allee 163. Blousen-Näherinnen. selbständig, bei hohem Verdienst sucht Woltnski. Wörthcrstr. 22. 27S0b» Beraiitworilicher Redakteur: August Jacobey m Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. m. i5. z.w» 2, Killigc Ks.Amilck" Krim DcksdlÄ.-»»»>«">"->» Englnuv inr Iahvo 1897. Ei» s ch l i m rii e s Jubiläumsjahr. DaS Jahr 1897 war für Enalaud ei» schlimmes Jahr„irotz Hurraq. Hoch und alledem". Es kündigte sich a» oder ward an gekündigt als ein Jubeljahr. Das.Diamanl-Jubilänin" der Nie gietuug der Königin Viktoria, die am 22. Juni sechzig Jahre den Dhron von England innehalte, sollte der Welt im allgemeinen und dem britischen Volke im besondere» die Größe und Herrlichkeit des britischen Reiches vor Augen führen. Aber wen» man von den paar Tagen Festlichkeit absieht, in denen an Eillfaltnng von Glanz und Pracht das menschenmögliche geleistet wurde, so hat das Jahr 189� deutlicher als seine letzte» Vorgänger die Schivächen und Wunden des britischen Weltreiches bloßgelegt. Indien H n n g e r s u o t h, P e st und Kriege. Im Vordergründe steht in dieser Hinsicht die große Hnngersnoth, von der Englands größtes außereuropäisches PesitzihnlN, Indien, heimgesucht wurde. Ein Gebiet, das von rnebr als vierzig Millionen, meist ausschließlich auf den Ertrag des Bodens angewiesener Menschen bewohnt ist, ward durch Slnsbleiben der für die Saatzeit erforderten Regengüsse und andauernde Trocken- beit aller Lebensmittel entblößt und ein zioeites, von zwanzig Millionen Menschen bewohntes Gebiet größtem Mangel ausgesetzt. Es muß anerkannt werden, daß gegen diesen Nothstand. der an Ausdehnung alles übertrifft, was Indien seit Jahr� Hunderten in dieser Hinsicht gesehen, weilumfassende Hilssl Vorkehrungen getroffen wurden, so daß die Zahl der ihm zum Opfer gefallenen Menschen bedeutend hinter der Zahl der Opfer zurückbleibt, die sehr viel weniger ausgedehnte Mißernten in früheren Jahre» gefordert hatten, und in weiten Distrikten die Sterblichkeits- rate keine Steigerung gegen de» gewöhnlichen Satz erfuhr. Aber um so mehr legte die Hungersnoth die große Armuth der Masse der Bevölkerung Indiens blos und die Schwierigkeit der Anfgnben. welche der englischen Regierung daselbst angesichts der von Jahr zu Jahr um Millionen anwachsenden Volksmenge in steigendem Maße erwachsen. Zur Hungersnoth kam die von China her ins Land geschleppte B u b o n e n p e st und verbreitete in Bombay »U&_ Distrikt Schrecken und Elend. Die von den englische» Behörden angeordneten Sanitäts-Maßregeln stießen bei einem großen Theil der einheimischen Bevölkerung ans erbitterten Widerstand, der i» der Maharattenhauptstadt Pirna gerade während der Jubeltage zur Ermordung von zwei englische» Beamten führt. Ebenfalls in den Jubeltagen richten gewallige Erdbebe» in der Provinz A s s a m unermeßlichen Schaden an Menschenleben und Menschenwerk au, und acht Tag« später brechen in Vorstädte» K a l k u t t a' s aus Anlaß religiöser Streitigkeiten zwischen Hindn's und Mohamedanern Tumulte aus, die erst mit MililärgewaU bei gelegt werden konnten. Endlich fällt in de» Jubiläumsmonat der Uebersall aus eine britische Konnnifsion im Tochi-Thal au der Nord- westgrenze Indiens, der zun, Signal wird für einen Aufstand fast aller pathanischen Stämme, die das Gebiet der Hochplateaus»nd der Abhänge des Hindnkusch bewohnen, und eine» überaus kost- fpieligen Feldzug gegen diese Stämnie nach sich zieht. Trotz des Aufgebots einer außerordentlich starken Truppenmacht sind die kriegerischsten dieser Stämme, die Afridis und Orakzais, noch immer nicht unterworfen; die Engländer haben der eingetretenen Kälte wegen sich bis zum Frühjahr zurückziehen müssen, wobei ihnen die abgehärteten und wohlbewaffneten Pathane» in allerhand lieber- fällen empfindliche Verluste beigebracht haben. Der Fcldzug hat den Engländern eine unverhältnißmäßig große Anzahl von Offiziere» gekostet und feine Geldkosten werden auch weit über 100 Millionen Mark geschätzt. Diese und die 290 Millionen Mark Extrakosten zur Bekämpfung der Hungersnoth können unmöglich dem indischen Staats Haushalt allein aufgehalst werden, und so werden die britischen Steuerzahler eine hübsche Kostenrechnnng für die indische Ver waltung zu decken haben. Dazu breitet die Pest sich von neuem auS, und aus einigen Distrikten wird infolge Ausbleibens der Herbst regen neuer Mißwachs geineldet. Indien hat seit langem kein so trauriges Jahr gehabt, wie dieses.Jubeljahr". Afrika allerwärts Konflikte. Etwas besser, aber auch nicht viel, steht es in Afrika. In West-Afrika wurden Benin und Bida im Hinterland der Niger- Kolonie unterworfen, dafür hat sich aber zwischen Frankreich und England»in Grenzkonflikt um einen Thcil des westlich vom Niger gelegenen Hinterlandes erhoben, der bis jetzt noch nicht beigelegt ist, während am oberen Nil sich ein»euer Jntereffenkonflikt mit Frankreich ankündigt. Dort suchen französische Expeditionen vom französischen Kongogebiet und vom Rothen Meer her ein Territorium zu besetzen, das Englands Bestreben, eine rein englisch« Verbindung von Egypten her nach Britisch-Ostasrika zu sichern, den Weg verstellen und für Frankreich einen Weg quer durch Afrika vom Gambie bis ans Rothe Meer freihalten soll. Der von England eingeleitet« Feldzug im Sudan hat sich bisher soweit er- folgreich erwiesen,- als die Derwische bis hinter Berber zurück. geworfen wurden und jetzt Vorbereitungen getroffen werden,»ach Khartum und darüber hinaus vorzurücken. Mit seinem Prolest gegen die Bezahlung des FeldzugeS aus dem egyptischen Schulden- tilgungSfonds hat Frankreich sogar den Engländern indirekt ge- Holsen, denn indem diese die Kosten deS Feldzuges selbst trage», sichern sie sich damit Rechte auf das eroberte Gebiet, die fie sonst nicht hätten geltend machen können. Inzwischen sucht sich Frankreich hinter Abessynien zu stecken und im Verein mit Rnß- land dieseS gegen die Engländer aufzustacheln; auch finde» die Eng- länder jetzt die Derwische weit besser bewaffnet als zu Anfang des Feldzuges, was auf heimliche Alliirte derselben schließen läßt. Jedenfalls ist der Weg zur Ausführung des großen Traums von der„englischen Linie von Kairo bis nach Kapstadt" mit sehr vielen Dornen besäet und ist reichlich Stoff zu Konflikten und unangenehme» Ueberrafchungen vorhanden. I» Süd-Afrika sind die Rück- schläge, ivelche Englands Ansehen durch den Jameson'schen Einbruch in de» Transvaal erlitten hat, noch nicht überwunden, wenn auch Präsident Krüger durch bäuerischen Eigensinn viel dazu beigetragen hat, de» üblen Eindruck jenes Gewallakts zu minder». Unruhen in einem Theil von Betschnanaland haben der Kapregierung zn einem „Feldzug"(richtiger Treibjagen) gegen die betreffenden Betschuana- Neger Anlaß geboten, das mit der Wegnahme ihres Landes und der Ucberführiing der gefangenen„Nebellen" in eine fünfjährige Hörigkeit endete. I» verständigerer Weise ward Zululand der Kolonie Natal angegliedert. In R h o d e s i a ward die Eisenbahn nach Bulnwayo mit groben Feierlichkeiten in Gegenwart des Regierungskommissars, Sir Alfred Wilner, eröffnet, den Mr. Chamberlain Anfang des Jahres»nt einer bombastischen Rede»ach dem Kap geschickt hat, in der viel von Panzerschiffen die Rede war. Dagegen blieb der Mann, von dem Rhodesia den Namen trägt und der jetzt mit fieberhaftem Eifer an der Ent- wickelnng dieses„Reiches" arbeitet, dem Feste fern. Bei dieser Ge- legenheit sei nachgeholt, daß die famose parlamentarische Untersuchung Über das Rhodes-Jameson'sche Komplott im Mai v. I. zu Ende ge- führt wurde und die Kommission ihren Bericht im Juli herausgab. Selbstverständlich brachte sie nichts ans Licht, was nicht jedermann im Voraus wußte, und begnügte sie sich damit, über Rhades, Jameson und einige untergeordnete Schächer den Stab z» breche», ohne indeß den Erstgenannten allzu wehe zu lhmi. Unangenehmer ist ihnen jedenfalls, daß es mit den Goldminen Rhodesia's seine guten Wege hat und das Land durch die Rinderpest von Zugvieh fast ent- blößt ist. Die selbstverwaltenden Kolonien— ein Lichtpunkt. Günstiger als in Afrika und Indien liegen die Verhältnisse in den sich völlig selbst regierenden Kolonien Australiens und in Kanada. Ihr Verhnllniß zum Mutterland ist heute besser als je, doch entstehe» ans ihm England trotzdem manche Unbequemlichkeiten. weil es, wie im Falle der Robbeufischerei Kanada's, nach Außen hin die Verantwortung für Beschlüsse dieser Kolonien tragen muß, die ihm gleichgillig oder selbst zuwider sind. Die Anwesenheit der Premierminister der Kolonien bei den Jubiläninssesilichkeiten gab zn Konferenzen mit dem britischen Kolouialminister Gelegenheit, auf denen die Grundlagen für einen regelmäßiger stallsindenden intimeren Meinungsaustausch, als erster Schritt zu einem britischen Reichs- verbandsrath, diskutirt und prinzipiell nkzeptirt wurden. Während die Idee eines Reichszollverbandes als auf lange hinaus ans- gegeben werden muß, legten sämmtliche Kolonien starke Geneigtheit an den Tag, dem Multerlande alle nur inögliche» Zollerleichterungen zu gewäbren, und Kanada that den erste» Schritt durch den Be° schliiß, allen Ländern, die seine Produkte frei einlassen,— und das ist in Europa vor allem England— eine Zollermäßigung zuzu- gestehen. Dies führte zur Kündigung des denisch-englische» Handels- Vertrages, der Kanada einschließt, um letzterem Zollnntonoinie zu verschaffen. Wie in der Zollsrage, so zeigt sich auch in der Wehr frage eine stärkere Geneigtheit der Kolonien, ihre Znsammengehörigkeit mit dem Multerlande durch die That zu bekräftigen. Es ist dies ei» Erfolg der englischen Freihandelspolitik in Verbindung init der Durchführung d e in o k r a t i sch e r S e l b st v e r w a l t u» g. Die Kolonien haben vom Mutterland keinen Eingriff in ihre innere Entwickelnng zn befürchten, aber sie finden bei ihm einen offenen Markt. Man darf daher ihre Loyalilätsbetheuerungen nach Abzug des bei solchen Anlässen heutzutage unvermeidliche» Brim- borinms, als aufrichtigen Ausdruck tbatsächlichsr Empfindungen betrachten. Hier lag entschieden die stärkste Seite der Jubiläums- demonstrationen. Der gewachsene Nationalreichthum und die Arbeiter. Wenden wir nnS den heimischen Verhältnissen zu so gab das Jnbiiäumsfest Anlaß zn Aufstellungen über den enormen Zuwachs des R e i ch t h u m s der englischen Nation i» den sechzig Jahren der Regierung der Königin. Dieser Zuwachs fällt hauptsächlich ans die besitzenden Klassen, die heute nicht nur sehr viel reicher, sondern auch bedeutend stärker an Zahl sind, wie vor sechzig Jahre». Es soll aber nicht verschwiege» werden, daß die Zahl der mittleren Einkommen sich sehr stark ver- mehrt hat, sodaß gegenwältig in England über 999 999 Personen zwischen 8999 und 29 999 Mark Einkommen beziehe». Ebenso ist unbestreitbar, daß sich das Einkommen der tobnnrbeitcndcn Klassen im ganzen ebenfalls in dieser Periode gehoben hat. Weite Kreise der britischen Arbeiterschaft sind, was die Einkommenshöhe anbetrifft, heute jedenfalls besser daran, als vor sechzig Jahren, wo bei indeß bemerkt iverden muß, daß die dreißiger Jahre fast de» tiefsten Stand der Lage der englische» Arbeiter bezeichnen. In- deß trotz der Zunahme des allgemeinen Wohlstandes— das in Sparkassen, Hilsskassen, Bauvereinen zc. angelegte Vermögen der britischen Arbeiter beträgt über fünf Milliarde»— leben noch heute in England Millionen im größten Elend, wie dies ein Brand in einem Londoner Votksviertel in den letzten Tagen des Jubiläums jahres aufs grellste beleuchtet hat. 1397 kein„Rekord"-Jahr der Gesetzgebung. In der Gesetzgebung sab das„R>kord"-Jahr wenig be- deutende Mußregeln. Für die Arbeiterklasse war das neue Unfalls-Enlschädigungsgesetz ein nur mäßiges Geschenk aoch kann es wenigstens als ein Forlschritt gegen den bisherigen Zustand auf dem Gebiete der Hastpflicht-Gesetzgcbung bezeichnet werden. Als absolut unwirksam, wenn nicht als Schwindel, hat sich, wie seine Schöpfer selbst eingestehen, dagegen das mit großem Lärm eingeführte Gesetz gegen die Einfuhr von im G e s ü» g n i ß verfertigten W a a r e n erwiesen, und als reaktionär muß das ebenfalls im Jubiläumsjahr erlassene S ch u l g e s e tz bezeichnet werden, das den meist konfessionellen „freien" Schulen große Zuschüsse auf Kosten der Gemeinde� schulen gewährt. Das Hnfipflichtgesetz und eine Ver- fügung des Sekretärs- des Innern über Sanirung einiger gesundhcitsgesährlicher Betriebe sind alles, ivas das Jubiläums- jähr den Arbeitern von seile» der Gesetzgebung und Verwaltung ge- bracht hat. Noch dürftiger gingen die I r l ä n d e r aus, die sich denn auch von den Jubiläumsfeierlichkeiten gänzlich fern hielten. Ihnen ist ein Gesetz über lokale Selbstverwallung versprochen worden, dessen Einzelheiten erst in der nächsten Session bekannt ge- geben werden sollen. Die Arbeiterkämpfe in 1897. Auf dem Gebiete der Arbeiterbewegung brachte das Jahr 1897 in seinem erste» Theil den Konflikt in den B et h esda- S ch i e f e r b r ü ch e n des Lord P e n r h y», der sich vornehnilich um das Recht der Arbeiter drehte, ihre Beschwerden durch ihren ständigen Gewerkschaftsausschuß dem Unternehmer gegenüber geltend zn machen, während dieser nur mit de» betreffenden Arbeiter» oder Arbeitergruppen selbst verhandeln wollte. Nach nahezu acht monatlichem, von de» Arbeitern mit der größten Ausdauer ge� führten Kampfe ward Ende Anglist ein Kompromiß ge� schloffen, der wenigstens für wichtigere, das Juleresse aller 'Arbeiter des Bruchs betreffende Frage» die Instanz der Gewerkschaft sicherstellte. Noch war dieser Kampj nicht beendigt, als im Juli der jetzt noch nicht beendete große Kampf i m M a s ch i n e» b a n- g e w e r b e aknt wurde. Aus einer Bewegung für Erlangung der Arbeitswoche von 43 Stunden für London hat sich dieser zn einer großen nationalen Beivegung un> die Rechte der Gewerkschaften beim kollektive» Verhandeln niit den Unternehmern erweitert. Der anfangs fast nur im Norden vertretene Fabrikantenbund hat im Laufe dieser Bewegung seine Mit- gliederzahl fast vervierfacht— von euva 189 auf über 6S9— so daß de» Arbeiter» eine Koalition von vorher unbekannter Stärke gegenübersteht. Ende November traten nach vielem Drängen der öffentlichen Meinung und nachdem der Gewerbeminister eine Ver- ständigung über die Präliminarien erzielt, Vertreter beider Parteien z» einer Konferenz zusammen. Die Arbeiter waren zu einigen Kon- zessionen in bezug ans die Rechte der Prinzipale bei der Eintheilung der Arbeiten in grobe und qualifizirte bereit, falls ihnen die Fabrikanten dafür wenigstens ein mäßiges Zugeständniß hinsichtlich der Arbeitszeit mache» wollten. An der Weigerung, dies zu lhun, sind die Ver- Handlungen neuerdings gescheitert, und das neue Jahr sieht über 39 999 Arbeiter des englischen Maschinenbaues von der Arbeit ans- gesperrt. Lange haben die kämpfenden Gewerkschaften die Aus- gesperrten ans eigenen Mitteln unterstützt, schließlich aber sahen sie sich zum Appell an ihre englischen und auswärtigen Kameraden genölhigt, der, wie noch kein ähnlicher Appell, gerade von den aus« wärtigen. und in erster Reihe von de» deutschen Ar- b e i t e r u freigebig beantwortet wurde. Im ganzen hat der Kampf bis jetzt kaum weniger als zwölf Millionen Mark Unter- stütz ung gekostet, von denen über 2 Millionen von nnbetheiligten Gewerkschaften herrühren. Er hat der Gewerkschaftswelt unter anderem die Nothwendigkeit vor Augen geführt, ihren Einfluß auf die Gesetzgebung stärker als bisher geltend zn machen. Außer diesen beiden Kämpfen hat daß Jahr 1897 keinenGewerkschaftK- kämpf von größerer Bedeutung gebracht. Da der Geschäftsgang in der ersten Hälfte des Jahres ein guter war, erlangten viele Arbeiter, darunter auch die Maschinenbauer, gute Lohnausbesserungen. In der B a u m w o l l- I n d u st r i e, die im Gegentheil sehr darniederlag, verhinderte die außerordentlich stark« Organi- sation der Arbeiter das Gelingen eines von den Fabrikanten unternommenen Ansturms auf die Arbeitslöhne. Der Zug nach linkSi In bezug auf die p a r t e i p o l i t i s ch e n Verhältnisse brachten die im Laufe des Jahre? nothwendig gewordenen Neu- ivahlen zum Parlament«ine mäßige V e r s ch i e b u n g d e r Stimmen zu g u n st« n der Liberalen. Bei zwei dlesev Wahlen wurden Gewerkschaftsvertreter, die in der Politik»nt den Liberalen bezw. Radikalen gehen, nämlich der Bergarbeiterverlretee Sam Woods»nd der bisherige Redakteur des Organs der Eisenbahner, Fred. Maddifon, geivählt, dagegen bliebe» die Ver« snche, unabhängige sozialistische Kandidaten � ins Parlanienr zu bringen, erfolglos. Indeß brachlen die Anfang No- vember siaiigehabten Erneuerungs- Wahlen zu den G e» in e i n d e« N e r l r e t u n g e n den Sozialisten sehr ansehnliche» Ziiwachs. Desgleiche» die Ende November erfolgten Wahlen in dis S ch n l ä m t e r. In London brachte» diese Wahlen seit vielen Jahren zum ersten Male wieder eine progressistische Mehr« h e i t in das Schulamt, darunter fünf Mitglieder der fabischeii Gesellschaft und ein von Gewerkschafllern anfgestelltes Mitglied der unabhängigen Arbeilerpartei. Die Genieinderalhswahlen brachten auch den Liberalen einen erheblichen Zuwachs auf Kosten der Konservativen. Im ganzen zeigt so das Pendel der poiilische» Strömung in England wieder etwas nach links. Bei alledem ist die liberale Partei noch innner sührer- und programmlos. Sie lebt von den Fehlern ihrer Gegner. Unrühmliche auswärtige Politik. In dieser Hinsicht ist den Liberale» eine zögernde Politik Lord Salisbrny's im Jahre 1897 sehr zu gute gekommen. Die Separalstellung Englands gegenüber den beiden Koalitionen der Festlandsmächte, diese„glänzende Jsolirung", wie sie Herr Goschen nannte, wäre für die Liberale» aus der Schule der Cobden und Bright sehr angemessen, sie paßt aber ganz und gar nicht für die lhntenlnstigen Tones und Imperialisten vom Schlage Chamberlain s. Mährend diese England überall Venvickelungen schaffen— die kostspielige und zwecklose Grenzberichtignng im nordwestlichen Indien, die südafrikanischen Wirre»:c. sind vornehmlich ihr Werk— bringen sie dasselbe dahin, bei europäischcn Konflikten statt den Schieds- richier den Kaltgestellten spielen z» müssen, wenigstens so lange, als Rußland Deutschland und Frankreich abwechselnd und manch- mal sogar gleichzeitig auszuspielen vermag. Dann kommt aus einen kühnen Anlauf Lord Salisbrny's ein um so schinäh- licherer lltückzug, wie 1396 in der armenischen, uiiv >397 in der g r i e ch i s ch- k r e t i s che n Frage. Indeß noch hat England die Ueberlegenheit zur See und eine» aktiven Staatshaushalt. Und so konnte es an der Jahres- wende in der ch i n e s i s ch e» F r a g e sich zn einem kräftige» Ent- schlnß ausraffen, untcrstützt durch den Umstand, daß Machte, die sonst ihm gar nicht gewogen sind, kein Interesse daran haben, statt des smirniidlerische» England die schntzzöllnerischen Militärstaaten Enropa's im stillen Meer den Ton angeben zu sehen. Bilanz des I u b i l ä n in s j a h r e s: Enttäuschungen. Im ganze» war aber das Jubiläumsjahr eine große E»t-- länschung. Trotz des erwähnten„Zuges nach links" muß der un- parteiische Beobachter eine Zunahme des Einflusses von Militarismus und Jingo-Geist feststellen, die zum theil das Echo ähnlicher Er- scheinnnge» a»f dem Festlmide sind. Kostspielige„Militärreformen" iverde» die erste Fnicht dieser Erstarkung des imperialistischen Geistes iei». Die Gelchäslsivelt wieder»»!, die sich angesichts der großen Marinebestellungen und des erwarteten Fremdenzuflusses aufglänzende Einnahme» gespitzt hatte, ist ganz und gar nicht erbaut. Gerade in London erfolgen Bankrotle über Bankrotte aus Anlaß ver- fehlter Unternekmnngen. Auch die Arbeiter schließen 1397 nicht so gut ab, wie sie geglaubt hatten. Die Maschinenbauer oachten den Unternehmer» einen leichlen Sieg abzugeivinnen und sind jetzt zn eii ein harten, opferreichen Kampf um das Ansehen und die innere Kraft ihrer Organijationen genölhigt. Ganz sicher werden sie und die Arbeilerwelt im allgemeine» die gemachten Erfahrungen im politischen Kampf beherzige». Daß sich aber diese gleich in größeren Erfolgen der Sozialdemokratie äußern werden, ist noch zweifelhaft. In diesem Lande haben alle Institutionen und damit auch die Parteien ein zähes Leben. Sie ändern sich, aber sie werden nicht so leicht verdrängt. Das sehen wir an dem Schicksal der Monarchie in England. Die Demokratie hat in den sechzig Re- gieruugSjahren der Königin Viktoria gewaltige Fortschritte gemacht »nd das ganze öffentliche Leben durchdrungen, aber der Thron in England zeigte sich 1897 sehr viel fester als 1837. Zum theil ist dies der kluge» Zurückhaltung seiner Inhaberin geschuldet, zum theil aber auch der Abneigung des Volkes, eine Einrichlnng zu verwerfen, ehe sie sich als völlig unbrauchbar erwiesen hat, und einen„Sprung ins Dunkle" zu machen. So kann auch die Sozialdemokratie als politische Partei nur von ganz außergeivöhalichen Konstellationen aaßergeivöhnliche Wahlersolge erivarlen. Ihre Hauptarbeit ist die Propaganda._ Briefkasten der Redaktion. Wlr bitte», bei jed-r 9Iii|vane eine iihtslc- tzw-t Buchfiaden ober elN« g-ihl) aiisiigcbc», unter der die NnNvorl erlbetli werden soll. Die jnrisiische!?prcchstn»be findet am Montag. Freitag und /, Uhr. Montag! Die Aufatregte». Deutsches. Johannes. Anf.>thr. Nachin. S'/z Uhr: DaS Kathchrn von Heilbronn. Atvntag: Johannes. Lefjing. Im weihen RSh'l. Ansang ?'/, Uhr. Nachin.» Uhrt Jilgend. Montag! Barte! Turaser. «erliner. In Behandlung. Ans. fVe Uhr. Nachm. 2>/z Uhr! Faust. Montag! DcrPfarrer von Kirchfeld. üloetyr. Krieg im Frieden. Anfang 7-/, Uhr. Nach»,. 3 Uhr: Die Journalisten. Montag: Krieg im Friede». Kirne«. Die Logenl» tider. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Drilbh. Montag: Die Logenbrüder. »ntrrden Linden. Der Bettelstudent. Anfang?>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Montag: Der Bettelstudcnt. Schiller. Die wilde Jagd. Ansang 8 Nhr. Nachm. 3 Uhr! Ein Tropfen Gift. Montag: Der König. Sicsidcuz. Sein Trick. Anfang 7'/, Ubr. Nachm. S Uhr: Odette. Montag: Sein Trick. Thalia. Das Opferlamm. Anfang 7'/- Uhr. Montag: Daö Opferlamm. Central. Berliner Fahrte». Anfang 7'/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bnifen. Auf goldenem Boden. An- fang 8 Uhr. Nachmittag: Wilhelm Teil. Montag: Auf goldenem Boden. Belle- Alliancc. Romeo und Julia. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Brille. Montag: Kernt. Ostend. Der Verschwender. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Leben und Lieben. Montag: Die Waise von Lowood. Friedrich> Kvithelinftitdtisches. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Der Trompeter von Sätfingen. Montag; Die kleinen Vagabonden. Kllexanderplich. Die Berfiihrerin. Anfang?>/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. tlrnnia. Tanbeustraste 48-49. Naturkiindl. Ausstellung v. Ist Uhr vormittags ad. Abends 8 Uhr Wiffenschaftl. Theater. Luvatideustrastc»7/«S. Täglich (außer SonutagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Ruleriean. Spezialitäten. Liifang 8 Uhr. Klpolto. Spezialitäten. Auf.?'/, Uhr. teen-Palnft. Spezialttäten. mssag«- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-GeseNfchaft. Reichshulte». Spezialitäten. An- ___ sang 71/, Uhr._ Sckzillev Dhosker (Wallner-Theater). Sonntag, nachinittags 3 Nhr: Ein Tropfen Gift. Abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Montag, abends 8 Uhr: Der König. Dienstag, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd._ Centrai-Theater KUt Jakobstr. 30. DIrcktiou Hicliard Schultz. Sonntag, de» 16. Januar 1898: Leiste Sonntags< stlusfiihrungl Knill Thoinaa a. B. Zum 133. Male: BsHinen Fahrten. UiiileSleAnSslalttuigSpossemit Gesang und Tanz in 6 Bilden: von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. EiuödShoser. Ausaug ll1H Uhr. Morgen: Hci-Ilnei' Fahrten. In Vorbereitung: Die Tuge»«dfasle. Iiiliseil-Vdekter 34. Reichenbergerstrasje 34. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: lvalks-Borftcllnng. Regte 3. Pütt«: Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Aufziigen von Schiller. AbendL 8 Uhr: Aus Didtnem Bode». Vollsststck mit Gesang in 6 Bilden, von Wilhelm Frerking. Musik von Gustav Stessens. Montag: Slnf goldenem Bode«. BiNelS h. 00 Pf. zn der Nachmittags- Volks- Borslellnng in den bekannten Verlaufsstellen._ Concerthaus V.c i(»nlffcrMti'. W o. 4 8 SW- Täglich._ Hoffniann's Quartett und Humoristen. «nf. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. IMc Thcatcrppobe. Posse von Gustav v. Moser. Zill» 874. Male: Ken« Urania Tnnbcnstr. 48/4». Naturkundliche Auestellung. Tätlich geöfi'net von 10 Uhr Vormittage ab. Einbritt 60 Et. Abends 8 Uhr; — V/issenechaftllches Theater.— lavalldcnslr. Xo. 57-68. Täglich abends 7 Uhr: — Aussteilungs Saal und Vortrage.— KtUiores die Tagesanschltige. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a, Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pf. Koichholtigste Sammlung der Welt an lebenden Seethieren, Reptilien etc. Passage-Panopticum. Wiener Tanz- und Operelten- Geseilschaft. Zum Sohluss: lllnntrirtea Quodlibet in 13 lebenden Bildern. Casiaii's■■ Fanopticum. a a Friedriolistr. 165. Indieich- hlndunta- nische Gaukler — und— Schlangen- Mcschwttrcr. Das BÄRENWEIB. N Ostettd-Theatcr. Gr. F:a»lsurlerstr.l32. Dir. E. Weist. Sonntag Nachm. 3 Uhr(halbe Preise): Heden nnd Hieben. Bolköstiick uttt Gesang in sstnf Alten von O. Klei». Mufit von G. Wanda. Abends 7V. Uhr: Der Verschwender. Zauberuiärchcn mit Gesang in 3 Alten von Raimund. Musil von Kreutzer. Im Tunnel vor und nach der Vor- stellung: Frei-Kouzert. Anfang des Konzerts 6 Uhr. Montag: Die Waise von Lowood. 88 KlirgNtr. 88. Direktion: Winkler& Fröbel. Crosser Jubel. Stürmisch. Beifall. kttltappi'Üuuitbertreffl. dresstrte Utlütllll 0 Liliputanerhündchen Niagarra, Willard, Gebr.Wichmailll,«�»- auf lebendem Piedestal. Lebende Phatographie». Stur noch bis Montag anf vielseitigen Wnnlch: Wilhelm Fröbel in der hochkam. Operetten- Burleske Ansang 7'/, Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218, Dir. J. Glück. Carmen-Fanr Miss Bertholdi�pink-Splnk Desroches-Bianca Mr. Arras» Siegwart Gentes Lina Goltz 30 Kunstkräfte 1. Ranges. Kasseneroffnung 6, Anf. 7Vi Uhr. Wiederum täglich ausverkauft! � Allabendlich LachstUrma über Lach- etUrme und Harvomife über Hervorrufe der Direktoren Donatnud Anton Hermfeld In der neueaten Novität de» Budapester Ponnen- n. Oporotton- Theaters der groseen Tragikomödie mit „Stöhnen und Thrünon": '.Familie Kochsalzr Dazu das grosse hochkomische und künstlerische Brillant Spezialitäten- Programm und die reizende Operette iGefUlschte Jungen. J Allabendlich Attraktionen von Kaufmanns Variete. Reiobshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Sa» splendide Januar Programm mit allerersten Kunstkrilften. Ophelia Orbasany The tWO Namruy's Family Oerrlngtnn Utax Waldon Hilgert-Truppe Die SMaakwoods, Paulette Andrta Excelsior-Siimograph etc. eto. Anfang 8Vl Ohr. Entree 75 Pf, im Reichshallen-Tunnel thgllch: MilitSp-OonceH In Uniform. Volks-Theater im Wclt-Itestaurant V7. Dresden er, Strasse 97. Ans allgemeines Verlangen neu einstudirt: Lieselke iw Italien. Kom. Singspiel in 2 Alten von L. Gly. Musik von Richard Thiele. Nene Speilol- Nummern. Im vordere» Saal«: ty'oiei' Sänger Alois Ebner. • Sonntags 6 Uhr. » Wochentags 7'/» Uhr. hm» S|uarg; � mmm | Vandeville-Theater I B Grand-Hotel Alexanderplast. B B Auhalteude Lachsalve»! B I Das Armband.! 1 Das Modell. I lOiel.Original-Budapesterl j,(Lautzky& Spitzer) " erzielen bedeutende Erfolge in VaudovIIIe-Tdaalor Gr.- Hotel Alcxanderpl I erzielen> yii� ] Maehr'sTheater Oranien-StrasHe 84. Täglich: Theater- u. Hpeslalitiiten- Vorstelluag. U0|| I Die beiden Kompagnon» Npii l WCU. und Die Verschwörer.- Reinhold Lange, 1 Käthe Leonard), der beste Humorist bildschöne der Jetztzeit. I Kostüin-Sonbrette Nc»! Hr. Alfons, Reu! der bedeutendste Hand- und Fuß- Schncllmaler. Ultkana« Wochentags 8 Uhr. ZtltjNNg. Sonntags 6 Uhr. _ Preise wie gewöhnlich._ Kh««esrt Sanssouci «»ttbnser Strasse Nr. 4a. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Rschinger. Grober Beifall! Im Reiche her Sirenen. Ausstatttiugöstück mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Joh. Eibner u. Jean Häubler. Musik von Joh. Etbner. Heue Spezialitäten. Sonntags Ansang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Gvotzov Vall. Untree 56 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Kntrce 36 Pf."WM Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag u»d Donnerstag. V.«oack's liieater It r u n» e a» 8 t r as s e 16. Heute Sonntag, 16. Ja»uar 1838: Der HerrStadtmufilm» " und seine KapeUe. VolkSstück mit Gesang in S Allen von Kneisel. Musik von Eonradi. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Hoatag avegen Prlvatfcstllchhelt belno Yorwtellwng. Aleazar-Theater. Dresdenerstrabe 52/53(Eilp-Passage) Amienstraft« 42/43. Dircklion: Richard Winklar. Bonichmstcr Kamilien-Aufcuthalt. Neu! Plotte Hatrosen. Neu! Grobe Ausstattungs-Opcrett« in 1 Akt von Ed. Lindner. Neu! Vorher: bleu! Die Diebe Im Eckhanse. Lustspiel in 2 Aufzüge» v A. EoSniar. Auftrete» fäuuntlicher Knast- Spezialitäten. Unkaua» WocheiuagS 8 Uhr. ?ill|Ullst. Sonntags 6 Uhr. Entrce 30 Pf. Zlescrvirt. Platz 50 Pf. Vorzugskarten haben Giltigkett. Treptow 's" Parkstrasse, Ecke KBpnlcker Landatr. Haltestelle der elektrischen Bahn von Siemens u. HalSke. 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Nach langem, Ich mm m Leide» entschlief sonst am Freitag, den 14. Januar, abends 7 Uhr, ruein inniggelirbter Mann, der Restanrnttur 4osepd �eude, Britzersirahe 7, im Alter von 44 Jahren. Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen die tief- betrübte Witiwe Mathilde Jcadc. Di« Beerdigung findet Mon- tag, 17. Jannar, 3»/, Uhr nachm., von der Leichenhalle deS Neuen Jakobi- Kirchhofes, Hamann- strabe Nixdorf aus statt. Tischler-Verein. Todeö-Niizeige. Am Dienstag, den 11. d. M., start unser Mitglied sl98/Z Hermann Thiess im Alter von 68 Jahren. Die Be, erdigung findet am Sonntag, den 16. Januar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Hl. Kreuz-Kiichhofes, Martendorf, aus statt. Um rege Be- theiligung bittet Der Borstand. Danksagung. 27476 Für die herzliche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Karl Rügen sagen wir allen Freunden und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Fra» Rüge» nebst Söhnen. Hiermit erkläre ich meine Verlobung mit Frl. Ida Schlötzer für aus- gehoben. Faol MnnyUers. Volkshochschule Dumboidt- Ainidkmle. Morgen, Montag, und folgende Tage, Abends, beginne» in den Lehrstätten 8.(Luisenstadt), Ober-Sicalschule Dreödenerstr. 443, und MG. iKönigftadt), Realgymnasium Elisabethstraste 57—58, 4« Vortragsreisen auS Natur- und Geisteswissenschaften. Di« Bor, träge dieser Woche sind für Herren und Damen frei. Alles Näher« siehe die Programme, welch« kostenfrei in den Bureaus: 8. Hahne'e Buchhandlung, Prinzensirabe 54, und Th. Fröhlich'« Buchhandlung, Laub#, bergerstrabe 32, ausgegeben werden. Orts-Kraiikenkasse der Mechaniker, Optik«» und verwandten Gewerbe. Kerichtiguny. In unserer Anzeige vom Ic. Januau Ttatuteiiänderuiig betreffend, mub es hcibcn unter: d. für Mitglieder der 2. KI. v. 4,— M. nicht von 2,— M., wie irrtyümuch gesetzt worden ist. Der Vorstand. E. Rasenack, Erh. Schlenler, Schriftf. Vors. Mi!(}lieder?ersammlun|i h. Verb. ä.iJ.fiftridttftei desch. Arbeiter nnd Arbeiterinnen Berlins und Umgegend Montag, den 17. d. M., abends 8»/, Uhr im Rest. Feind» Weinstr. IL Tagesordnung: 4. Vortrag der Genossin Frau Nohrlad über„Vollsaberglaube". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal 2. Jahrg. 4. Verschiedenes. Um pünkliches Erscheinen ersucht 93/4 Ter Borstand. Verbllilb ser Korbiilchtr Berlins n. Montag. 47. Jan. 1808. abends 8V, Uhr, Oranienftr. 54: Tages-Ordnunz: 4. Abrechnung vom 4. Quartal 1897. 2. Wahl des Schriftführers und des Beisitzers. 3. Berlchtedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 98/1],_ Der Vorstand. Fertige Betten, KS. Unterbett, zwei Koplltssen mit gereinigten neuen Federn, von 48 M. au, fertige Inletts, Bctttväfche, Matratzen jeder Art, Stepp-, Schlaf-, Bettdecken und Polster- Bettstellen empf. billigst das als streng reell bekannte, 18»0 gegr. Spezial-Gesch. S. Pollack, Ornnienstr. 61, am Moritzplatz. Acht«»-!! I. Wahlkreis. AMmsl «viiiitag. 1«. Fami«. adends«Vi Uhr, bei SudeN, Lindenftt.t««! Versammlung."Tp® TageS-Orbnung! Eortrag der Genossin über!„Die Gleichstekliln» der Geschlechter.' Nach dem Vortrage: Gemiithliches Beisammensein und Dan». 210/3___ Die BertranenSPers»». Arbeiter-Bildongsschule. Am Sonntfls, Ucn 16. Janunr 1SS>S. abends 7 Uhr, In Fcucrstcm's Fcstsülen, Alte dnhobstr. 76 1 KM" Versammlung. Vortrag des Genossen I)r. Conr. Schmidt Uber:„Anfhnge der ReU�iuni' — Nachdem: Ocniiithllclies Delsamniensctn nnd Tanc.— Eihtritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Nach dem Vortrag haben nur noch Mitglieder mit ihren An- gehörigen Zutritt. 4/6 SozmldmokrMcher Mahlvereln für de» 4. Verl. Reichstags-Mllh!!lre!s WH. Dienstag, de» I«. Janunr IdiSd», abends 8'/- Uhr: Große Witgtieder-Versammlung im Lokale des Herrn«jiranmann, Nannynstraste 27. Tages-Ordnung: 1..1898 und die Bedeutung der Wahlvereine.« Referent: ReichctagS-Aba. Fr». Znbeil. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgenhciten. Die Dlitglieder werden aufgefordert, zahlreich in dieser Versaminlung zu erscheinen. SW' Gäste haben Zutritt.-U>S 242/2 Vei» Verstand. SlulaidmokraNscher Wahlverein für den L Verl. Reillistags-Wahlkreis(Sfitn). Dienstag, 18. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Haase, Gr. Frankfurterstr. 117: SV" Versammlung.-« TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Genossen«. HVaxner über:„Industrie und Marine". 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 242/3 Her Vorstand. MLflMl tofiititen mh Genosse« Wrlottenbnrgs. Hittnoeh, den IS. d. Rl., abends 8 Uhr, In» Lokal„Bismarck«höhe", Wllmersdorferstr. 89: Grotze Volksversammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag deS Genosten Rechtsanwalt Wolfgang Heine über: „Die schütz- und rechtlose Stcllimg deS Proletariat? im heutigen Polizei- staate". 2. DtSkusflvn. 3. Bertchterstattung der VertrauenSperson. 4. Neu- wähl derselben. 2766b Um recht zahlreiche» Besuch, besonders der Frauen, ersucht Die Vertranensperson._ Arbelter-BildmigSYerein für Sehönebers* Monta«, den 17. Januar, abends 8 Uhr, tn der Gchloftbraucrei (großer Saal), Hauptftr. 112—114: Lnossv Venssunmlung. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordncte» Ignat« Amer über: Die»evorstchciidrn ReichStagswahlen. Gäste haben Zutritt. Reuanmeldungcn werden entgegengenommen. Zahlreichen Besuch erwartet_ Per Vorstand. SMaldtlnokrMchtt Verein für Sttnlan- Rnmmelsburg und Umgegend. General- Versammlung"Ww om Mittwach, den 19. Januar, abends 8'/- Uhr, im Taale des Herrn Flatkosvskx, Hanptstr. 83. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Faber über: Ostasten and die Theilung der Welt. 2. Dislussion. 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1837. 4. Vereinsangelegeuheiten. 8/1 Mitgliedsbuch legitinlirt. Neue Mitglieder werden ausgenommen. KM- Frauen haben zu dieser Versammlung keinen Zutritt. Oeffeutliche Versammlung der M«slki«str«M«te«- Arbeiter Dienstag, 18. Januar, abends 8 Uhr, in Kellers Feftsälen, Koppenstraße 29. Tages-Ordnung: Warum weigern sich die Musikiustrumenten-Arbeiter, ihre beim letzte» Streik eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen? Referent Hobert Schmidt. Diskussion. 76/12 MM" Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in dieser Ber- sammlung zu erscheinen. Klinger, Vertrauensmann der Holzarbeiter Berlins. VerbaiiildkrGllivtlltt. Mleme etc. (Zahlstelle Berliu.) 7*/2 Dienstag, be« 18. Januar, abends 8V1 Uhr, Oramieustrafte 51: GeneraUVersammlung. TageS-Ordnung: 1. Bierteljahresberichte. 2. Neuwahl der Ortsverwaltung(K 13 d. St.). 3. Verschiedenes.— Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen erwartet zahlreiches und pünktliches Erscheinen_ Die Ortsverwaltung. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 17. Januar, abends 8V, Uhr» im»Englischen Garten", Zllexanderstraste 27 e: Combinirte Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Siellungnahme zur Wiederaufnahme von Streikbrechern. 2. Stellung- nähme zur Delegirtenwahl zur Geueralversammlung. 3. Verschiedenes. Sonnabend, den 29. d. M.. abend? 8 Uhr: 163/4 Grosse Wiener Maskenbälle im Schweisergarten am Königsthor und in Zlliller's Ventral-Feststtlen. Alte Jakovstr. 32. BilletS ä SO Pf. sind in allen niit Plakaten belegten Geschäften sowie Sei den Vorstandsmitgliedem zn haben. Der Borstand. Achtung!"Mg MT Achtung f Jidiilnü, sti IS. Jmwgt, Ittels S Ilhr, in Zilie da Bmmi v«?iijt: Grosse Protest-Versammlung der Frauen und Mädchen Berlins. TageS-Ordnung:' Referenten Ut kjeiiigllkit der Zamllie in Theorie und Volljtl-PeoÄs. : Reichstags Abgeordneter Arthur Stadthagen und Genossin Hartha Kohrlack. 2. Dis- Um zahlreichen Besuch seienS der Genossinnen und Genoffen ersucht S76Sh kujfion.— Um zahlreichen Besuch seienS der Genofstnuen und Genoffen ersu�chi e Vcrtraaenspcrsen. VII. Stiftungs-Fest der ARBEITER-BILDUNGS-SCHULE am Sonnabend, den 29. Januar 1898 w den Gesammtraumen de* Böhmischen Branhanses, Landsberger Allee tM3. Anfang 8 Uhr."Mg Anfang 8 Uhr. JMT' Anfang 8 Uhr, Prolog Festred© Terfasst von Ernst Preczang. gehalten von Schriftsteller Robert Schwelohel KammernmNik Trio B-dur von Schubert für Klavier, Violine, Celle. OesangsTortrüge Deklamationen Sopran und Bariton. Frau E. Feininger u. Kr. Job. Seheer. Herren R. Preczang u. G. Winkler, Nachher in beiden Sälen: TANZ* Billets h 40 Pf. an den Schulabenden in der Inselstrasse 10, in den Zahlstellen der Schule und den mit Plakaten belegten Handlungen(Zahlstellen der»Freien Volksbühne"). 4/5 «lle» yreuuben und Bekannt�» zeigen wir ergeben st an, baß unsere Nebe gute Matt«»» von ihren schweren Leiden sonst entschlafen ist. Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 16. d. M, nachm. 3 Uhr, vom Traner- Hause, Skalttzerftr. 28, aus statt. 2763b A. Kunze nebst Kinder», Skr. JLeltrieh, Spezialarzt f. Haut-«. Harnl»., Beingeschwüre unb Snpns. A n der Stadtbahn 24, (am Bahnhof Alexanderplatz.) Sprechst.: 3—12 und 3—6. Freitags kein«. 4081 L» Pilillink: de. 5ci>»pee,s 1 homdop. Amt.' Ufer 25,| | an der Potsdamer Brücke. Hpenlalarzt für Haut- u. Harnleiden, Frauen- j j krankhelten. Sprechstd.! 9—1, 4—7. Sonntags 9—1. Op.Slmrael,K!'Ä. Spezialarzt f.Hant«.Harnleiden. 10-2, B— 7. Sonuiags 10-12, 2-4. M«e>.M.Zi>ÄS Inn Olga Jacobson 61/19* Jnvalidenstr. 145. 311 ufallsache», Klagen, Eingaben Hb l'ntnger, Siegliperstr.«3. Lrnchhllllällgen aller Art, Leibbiiibe», Spritze«. Suspensorien aller Größe», Unter- lagestosf«, Verbandstoffe. sowie alle Artikel zur Krankenpflege empfiehlt 40368* J.Ch. Pollmann, iea"Ä 30. LimeGaße W. {MT* Eigene Werkstatt.-MW 2B>ähr. prakt. Ersahrungen. Lieferant sämmtl. Orts- u. Hilfs-Krankenkaffen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 17. Januar, abends 7'/, Uhr, bei Sehttnlng, Köpniekerstrafte 68: Bra»»chen- Versammlung der Parkctbodenleger. TageS-Ordnung: I. Vortrag über Ziveck und Nutzen der Ge- werkschaftsorgantsation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Laut Beschluß der letzten Versammlung findet dieselbe eine Stunde stüher statt, die Kollegen werden deshalb ersucht, rechtzeitig zu erscheinen. Die Fragebogen werden abgenommen in der Versammlung._ 76/1 Rixdorf! Holzarbeiter-Verband! Genepal-Versammlung Dienstag, den 18. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Blemke(Deutsches WirthshauS), Bergftr. 137(oberer Saal): Tagesordnung: 1. Bericht der OrtSverwaltnng. 2. Abrechnuii vom 4. Quartal. 3. Neuwahl der Ortsverwaltung. 4. Verschiedenes un! Berbandsangeleaenheiten. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Kollegen ersucht, recht zahlreich z« erscheine». Mitgliedsbuch legittmirt. 76/10 Die Werlstatt-Vertrauensmänner-Versammlung findet am 25. d. M., abends 8 Uhr bei Hoffmann statt._ Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! irbeiter und Arbeiterinnen Charloitenburgs! Montag, den 17. Januar 1898, abends 8'/, Uhr. im Lokal Bismaeekshtthe, WilmerSdorferftrasse Nr. 39. dxr. ölt'eiitlielie Versaiiimlung oller labrikgewerbl. Hilssorbeiter«nü Arbeiterinnell. Tages-Ordnung: 1. Vorstag über„Kapital und Arbeit". Ref. Neichstags-Adg. C. l.eg>sn. 2. Diskusston. 3. Bericht nnd Neuwahl der Delegirteu zur Gewerkschafts- kommission. 4. Verschiedenes.— Arbeiter und Arbeiterinnen Charlotten- burgS, alle müßt Jbr tn dieser Versammlung erscheinen, keiner darf fehlen. _ Der Einberufer. E. Schumann, Berlin, Kolbergerstr. 23. Achtung! Stnckatenre! Achtung! loutag, den 17. Januar, abends 8 Uhr. bei Baske, Grenadier» strafte Nr. 33, General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht und Abrechnung vom zweiten Quartal 1897. 2. Gewerlschaftliches. 173/1 Die Ortsverwaltung. Vervnnv der und verwandte« Berufsgenoffen. Creiteral-Versammlfi ngen riliala Hnerian" Montag, de» 11. Januar, im Lokale des rillßlc HUIUcn. Herrn Rttllig. Rosenthalerftrafte 12 Filiale Süden: ien lS- Januar. im Lokale des Herrn Znhell, Lindeiistrafte 106. Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Bericht der Ortsverwaltung und der Bibliothekare. 2. Neuwahl der Ortsverwaltung und der Bibliothekare. 3. Bereinsnngelegenheiten. Mitgliedsbuch legittmirt. 177/1 Zrrtrkligtöse Gemeinilk. Dnlin. Sonnabend, den 22. Januar 1898, abends 8>/, Uhr: Kr. Wiener Masken-Ball im grchll Mesl her Brauerei zriebrichöhaill (am Königsthor). Einlaftkarten sind zu haben bei den KomtteemitgNedern> O. Jänicke, Rixdorf, Reuterftr. 21, Stfl. 4 Tr. G. Bohne, Brunnenftr. 141, Hos 2 Tr. Frau Kohlhardt, Alexandrinenstr. 41, Hof 1 Tr. E. Kornetiky, Fürsten- walderstraße 11, vorn 3 Tr. H. Kollow, Rykestr. 17, Quergeb. 4 Tr, P. Kuhirte, Kastanien-Allee 85, Hof 1 Tr. K. Modrach, Rammler- straße 36 im Laden. Außerdem in allen bekannten Verkaufsstellen: W. Rubenow, Brunnenstrafte 134. A. Hoffmann» Blumenstrafte 14. W. Börner, Ritterstr. 15. Mehner!, Wörtherstr. 47. E. Hergt, Landwehrstrafte 1, Stoepel, Dresdenerstr. 62. F. Dutzauer, Blücherstr. 23. Kiebnrg, Reichenbergerstrafte 24. 9t. Gerung, Novalisstrafte 9, Laden. W. Brinkmann, Prinzen-Alle« 21. E. Renter, Swinemünderstr. 51. H. Peege, Rüdersdorferstr. 48, Hof 2 Tr. Vi. Wendt, Landsberger- strafte 83, r. Stfl. 2 Tr. Günther, Große Frankfurterstr. 72,»orn 3 Tr. Ehriftens. Mühlenstr. 49, vorn 3 Tr. I. Heuer, Waldemarstr. 27, Stfl. 4 Tr.«isert. Grüner Weg 58.(268/6) Das Komitee. Zentralferein der Bildhauer Deutsehiands Verwaltungsstelle Berlin. Dienstag, be« 18. Januar, abends 8Vz Uhr. im Restaurant«»I», Köpntcker- Strafte Nr.»2: General-Versammlung. Tages-Ordnung: M/1 Geschäftliches.- Kassenberichte.- Rechenschaftsbericht deS BorstandeS, sowie der Kommissionen.- Neuwahl des Vorstandes.- Ergänzungswahlen nnd Verschiedenes. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen�_ Der Borstan». Achtung! Achtung! Verdond der in siolibeordeitungs-Zobritlen «. oiif DoliOlätzrii üefdi.Ätbeitct DeuMimds (Filiale II, Voi d). Dienstag, den 18. Januar, abends 8V2 Uhr, Bergstrafte 12 t Pf" Versam mlnng."HW T.-O.: 1. Vortrag des Genosse» Nr. Seutlor. 2. Diskusston. 3. Ab- rechnung. 4. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 83/1 Des Vortrags halber ist dos Erscheinen vieler Frauen erwünscht.— Zu dieser Versammlung werden die Kollegen von Hecker t, Demmmerstr. S, und Körner, Chauffeeslr. 23, eingeladen._ Per Vorstand. Verband deutscher Schneider und Schneiderinnen (Filiale Berlin). DA?"' V�ei�amMiUmg DD am Dienstag, de» 18. Januar 1898, abends 8Vz Utzr, in de« „Arniinhallen" tgrofter Saal). Komniaudantenstrafte 26. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Nr. Nieder:„Aus dem Familien» recht." 2. DiSlussion. 3. Ans der Praxis des Berliner Gewerbegerichts. Wir ersuche» unsere Mitglieder, für zahlreiche» Besuch dieser Versamm» luug zu agitiren. Gäste sind wlMmliien. 162/1 Die Bevollmöchtigte». Allg. Arbktttt- Al dttttrinnenvertin Berlins nnd Umgegend. Die General-Versammlung wird erst acht Tage später, also am 24. Januar bei Stahernaek, Jnselstr. 10, abgeholten. Die Togesordnung lautet: 1. Kossen- und Borstaudsbericht von 1897. 2. Wohl des gesammten Vorstandes und der Rechtsschutz- Kommission. 3. Vereinssochen. Es hat jedes Mitglied zu erscheinen. NB. Um genaue Wohnungs- Adreffe der Mitglieder ersucht der Bor» sitzende Weifte, Görlitzerstr. 70. 18/1_ Der Vorstand. Aelitaiig, KabltzimtKer! Dienstag, de» 18. Januar, abends 8 Uhr, bei Gtahernacfc, Insel- Strafte Nr. 16: Ml itgli r d u v" N e v ssumn hmg der ZablsleUe Berlin III des Zentral-Verbandes der Maarer Deutschlands. 252/1 Tagesordnung! 1. Vortrag über: MinimaUvhn und Moximalarbeitstag. 2. Dtsftffston. 3. Abrechnung vom IV. Quartal 1897. 4. Verschiedenes. _ Die örtliche Verwaltnug. VilhilllBverei«„Mehr LiA!" Sonntag, den 16. Januar, abends 6'/, Uhr, Alexanderftrafte 27et Wf" VersaiaiaKaiAg."MA Tagesordnung: Bortrag über:„Die allgemeinen Grundlagen de» modernen Chemie." Referent: Herr Ur. Wollhelm. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz.— Säfte will- kommen.— Entree 10 Pf.— Garderobe 10 Pf.__ 120/2 Freie Vereinigung der Zi¥il- Berufsmusiker Berlins nnd Umgegend. Dienstag, den 18. Januar, vormittags 11 Uhr, bei Herrn Piek«, Aekerstr. 123: Ordentliche Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Kassenbericht über das 4. Quartal 1897. 3. Kaffenrevisions-Bericht über das Jahr 1897. 4. Bericht des Arbeitsnachweis-Vorstehers für das 4. Quartal 1897. 5. Neu» Wahl des Beisitzers. 6. Verschiedenes. 50/1 Mitgliedsbuch und Karte legitiiniren. PünftlicheS und zahlreiches Er- scheinen unbedingt nothwendig. P«»' Verstand. Uflnctl Jöhnp vorzüglich, unter Garantie, setzt schmerzlos ein;. AUUall, AallliC, schmerzloses Zahnziehen, Zahnschmerz beseitigt un» sehlbar sofort. Reparaturen. Theilzahlung.«»Idstein, Oranienstr. 123. Central-Festsäle ÄS, Alte JakobsM. 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(Damentage: Dienstag und Freilag.) t* Wannen-, sowie säiumtllche mediclnischen Bilder. Lieferant sämmtllcher Krankenkassen Berlins u. Umgeg., vom VVIrtbsobafts- Verband das Berliner Lehrer-Vereins und Post-Spar- und Vorschuss-Vereins. Eritis geheilt. Hiermit entledige ich mich der für mich sehr angenehmen Ver- pflichtnng, Ihnen Folgendes zu erklären: Infolge einer starken Erkältung und Ueberanstrengung erkrankte ich an einer gichtischen Kniegelenk-Entzündung, verbunden mit Eritis im linken Auge. Die Folgen dieses höchst schmerzhaften Leidens wurden bald sichtbar, es stellte sich Schlaf- und Apvctitlosig- keit ein, so daß ich zum Skelett abgemagert war und mich nur niit Hilfe von Krücken mühsam fortbewegen konnte. Nach Gebrauch der Münsel'schen Lohtannin-Bäder, Wallstr. 70/71, konnte ich aus der Anstalt entlasten werden. Seit meiner Krankheit sind jetzt 2 Jahre verflosten, und merke ich nichts mehr von Rheumatismus. Nicht vergcsten darf ich die lieb- und theilnahmsvolle Pflege, die mir von Ihnen und Ihrer Familie, sowie von Ihren Angestellten während meines Aufenthalts in Ihrer Anstalt zu Theil wurde, für welche ich Ihnen meinen ganz besonderen Dank ausspreche. 274öb Mit vorzüglicher Hochachtung verbleibe ich Ihr Ferd. Wegener, Berlin, den 13. 1. 98. Marienstraße 8. Miitwl und Uolsterwaaren fmi Tutzauer, Tischlermeister,«erlin SW., Blücherstr. 14. IMSIiel-GelesenheitskaursifursiiiiiMMc./ (früher Noscnthalerstr. 13) liefert bürgerliche Wohnimgs- Einrichtnngen schon von 150 M. an. Coulante Zahlungsbedingungen, Lager gebrauchter nnd verlicheu gewesener Möbel. Eigene Tapezier- und Dekorations- Werkstatt. I34S7L* Transport durch eigene Gespanne, auch nach außerhalb. Ciei. 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Die Christlich- Soziale» Stöcker'scher Nichtimg hielten am Freilug eine Versnmmlung j» der.Tonhalle" ab. Der Saal war fast vollständig gefüllt. Das Publikum bestand etwa zur Hälfte aus ülleren Männer», denen man den vielgcplagten, mit seinen An- schauuiigcn in der Vergangenheit wurzelnden kleinen Handwerker ansah; die andere Hälfie waren junge Leute, die— was schon das bekannte akademische Beisallstrampeln bekundete— den studentischen Stveifen angehörten. S t ö ck e r wollte, der Anzeige nach, über„Berlin und die Reichstagswahlen" sprechen. Er streifte jedoch dieses Thema nur so nebenbei. Im erste» Theile seiner Rede schoß er scharfe Pfeile gegen Frau Kauer und die Eiuauzipationsbestrebnugen der Frauen, und zwar ans Anlaß einer Beußerung, die Frau Kauer am vergangenen Sonntag in der bürgerlichen Frauenversammlung gemacht hatte: Slocker habe, anstatt die ihm wohlbekannte» sittlichen Mißstände zu belämpfen, Volksverhetzung getrieben. Im zweiten Theile seines Vortrages wandte sich Slöcker gegen die Gegner der christlich-sozialen Bewegung in de» Mittelpartcien, sowie gegen seine einstigen Freunde, die jetzt der national-sozialcn Richtung angehören. Den letzteren� warf er insbesondere vor, daß sie sich mit Juden verbrüdert hätten und daß sie eine unklare Gesell- schaft wäre», die keine Zukunft habe. Die christlich- soziale Partei dagegen sei noch lange nicht todt, wenn es auch die Gegner behaupten. Die� merkwürdige und unbegreifliche Stellung von oben habe der christlich-sozialen Bewegung am meisten geschadet, aber sie werde auf derselben Luiie bleiben, mag dagegen sein, wer will. Jetzt solle wieder Lebe» in die Bewegung gebracht werden. Was die Reichstagswahleu betrifft, so bemerkte Slöcker, er und seine Freunde seien gern bereit, für die Wahlen in Berlin zu arbeiten, sie würden auch zusammen- gehen mit Freunden, die nicht gerade den Christlich- Sozialen an- gehören. Der Stadtv. P r e tz e I glaubt mit Bestimmtheit erwarte» zu können, daß die Konservativen in Berlin mit den Christlich- Sozialen ein Wahlbündniß eingehe» werden. Dieser Redner erzählte auch ein allerliebstes Beispiel von behördlicher Wahlbeeinflufsung. Zlls es sich bei den letzlen Sladtverordnetenivahlen um seine(Pretzel's) Wiederwahl handelte, hätten ihm alle Beamte mit Bedauern erklärt, daß sie diesmal nicht für ihn stinimen dürften, denn sie hätten Ordre von oben, den Freisinnigen zu wählen. Herr Pretzel habe sich nun an die Vorgesetzten der betreffenden Beamten gcivandt— nicht etiva um die Wahlbeeinflussung an sich zu rügen, sondern um sich darüber zu beklagen, daß die Beamte» veranlaßt werden, für den Freisinn, der die sozialdemokratisch« Verherrlichung der Revolution ruhig mit anhöre, zu stimmen— Herr Pretzel sei bis an die höchste Spitze gegangen, wo ihm die Antwort ertheilt worden sei, «ine Ordre bezüglich der Abstimmung sei an die Beamten nicht ergangen, wohl aber der Wunsch, den Freisinnigen, weil er ein persönlich anständiger Mann sei, zu wähle». Der Urheber dieses Wunsches sei der Freiherr von Mirbach.— Im wei leren Verlauf der Diskussion nahm der national-soziale Kandidat für den ersten Rcichstagswahlkreis Tischendörfer das Wort. Er habe, sagte er, seit 1378 der Slöcker'schen Richtung angehört, weil diese aber zurückgegangen sei, habe er sich den vorwärtsstrebendeu National- Sozialen angeschlossen. Der Redner vertheidigte dann unter fort- gesetzter Unruhe und Schlußrufen seine Partei gegen die Angriffe Etöcker's. Er betonte, die National-Sozialen hätten die christliche Grundlage nicht verlassen, sie seien auch keine wesentlichen Gegner der Konservativen. Als der Redner dazu kam, der Sozialdemokratie eine gerechte sachliche Würdigung zu theil werden zu lassen, wurde er stürniisch unterbrochen.„Verkappter Sozialdemokrat" rief man ihm z». Stöcker unterbrach den Redner mit der Bemerkung:„Wir sind nicht hier, um Lobpreisungen der Sozialdemokratie zu hören." Die Sozialdemokratie zu loben falle ihm gar nicht ein, bemerkte Tischendörfer und polemisirte weiter gegen Etöcker. Seine Rede winde von einer starke» Minorität mit Beifall, von der Mehrheit mit Zischen beantwortet. Ein Anhänger der deutsch-sozialen Reform- Partei bezeichnet« Herrn Tischendörfer als sehr wandlungssähig, denn derselbe sei nacheinander christlich-sozial, konservativ und Antisemit gewesen. Der national-soziale Ver- trauensmann Franendienst verlangte das Wort, der Vorsitzende ge- währte es ihm aber nicht, sonder» ertheille dem Hofprediger Slöcker das Schlußwort, der unter anderem bemerkte, er werde i» der Wahl- zeit noch Gelegenheit haben, sich mit den National-Sozialen aus- einander zu setzen. Die Freie Bereinigung der Kanflcnte hielt am 5. d. Mts. in de» Arminhallen eine außerordentliche Generalversammlnng ab. Einige nolhwendig gewordene Umänderungen der Statuten wurden nach einer Diskussion, an der sich die Kollegen L i s s a n e r, Stahl, S w i e» t y und Wolf betheiligen, mit allen gegen eine Stimme angenommen. Auf Antrag Swienty beauftragt die Versammlung den Vorstand, in Kürze eine öffentliche Versa»»»- lung mit dem Thema„Die Waarenhäuser und die Angestelllen" einzuberufen. Der Berein der Wüsche- und Kravattenbranche hielt am Dienstag, den II. d. M.. seine Generalversammlung ab, in welcher nach verangepangenem Geschäslsbericht des Vorsttzenden, dcS KassirerS, des Bibliolhekars, soivie des Arbeitsvermittlers. die Neuwahl des Gesammtvorstandes wie folgt vollzogen wurde: Zum I. Vors. wurde Trinks, zur 2. Vors. Frau Schild; zum Kassirer Stanofsky, als Stellvertreter Frl.Lemme; zum 1. Schriftführer Koopman», zum 2. Frl. Langebach; zu Beisitzern Fran R o s e n st e n g e l und die Kollegen Eue und Polandt; zu Revisoren Frl. Behr und die Kollege» Breite»st ein und Kobelt; Schüßler zum Bibliothekar und Hergt zum Arbeitsvermitller gewählt. Die Arbeitsvermittlung befindet sich Landwehrftr. I. Aus dem Jahres- bericht war zu ersehen, daß der Verein im verflossenem Jahre II Ver- fannnlungen abgehalten hat. 43 Kollegen und Kolleginnen wtlrden neu aufgenommen. Der Kassirer hatte eine Gesammteinnahme von 1047,33 M. An Ausgabe ö50,48 M. Für Streikunterstützung wurde» 30 M. bewilligt. Der Bericht deS Arbeitsvermittlers zeigte ein reges Interesse der Kollegen wie Fabrikanten und sind zur Zeit noch 3 Stellen zu besehe». In einer öffentliche« Versammlung der Schmiede, die am Mittwoch im„Englischen Garten" tagte, referirle Genosse A. Hof f- mann über:„Recht und Gesetz". Den weiteren Punkt der Tages- ordnung bildete die Frage: Welche Maßnahmen treffen die Schmiede Berlins zur Förderung des Neunstundeiilagcs? Bon allen Rednern wurde die Verkürzung der Arbeitszeit für nothweiidig erachtet und ans die maschinicllen Fortschritte in diesem Gewerbe, durch die eine immer größer werdende Arbeitslosigkeit verursacht wird, hingewiesen. Im weiteren wurde zum Anschluß an die Organisation, zur regen Betheiliguug an den Sammlungen zw» Streikfonds und zur nachhaltigen Agitation aufgefordert, um bei Eintritt einer günstige» Konjunktur auf alle Fälle gerüstet zu fein. Unter Verschiedenem wurde angeführt, daß beim Schmiedemeister Nußbaum, Ackerstr. 51, die SonntagSarbeit üblich ist und ge- wünscht, daß dieser Mißstand beseitigt werde. Nachdem noch be- kannt gegeben worden war, daß sich der von der Organisation der Schmiede eingerichtete Arbeitsnachweis von jetzt an in der Stralauer« straße 43 befindet, erfolgte Schluß der Versammlung. Die Tapczirer hörten in einer am 12. Januar in den Armin- hallen staltgehabten Versammlung einen Vortrag dcS Genosse» Sasse nbach über die Jnuungs-Gesetzgebung. Den Schwerpunkt seiner Ausführungen verlegte der Redner auf die Vertretung der Arbeiter in der Zwangsinnung»ud plädirle dafür, sich an den Ein- richlungen zu betheiligen, soweit das Gesetz eine Vertretung der Arbeiter in denselben vorsieht. In der Diskussion sprachen Haupt- sächlich F r a» z k e für und B i st e r gegen die Betheiliguug. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Bezüglich der Reorganisation des Arbeitsnachweises empfiehlt Wels, denselben von jetzt ab der Ver- wallung des Verbandes zu unterstellen. Bisher, so lange zwei ver-. schieden« Organisationen der Tapezirer in Berlin bestanden, sind die Bureaumitglieder desselben stets in der Oeffentlich- keit gewählt worden. Es haben sich auch in der Ver- waltung mancherlei MißHelligkeiten herausgestellt. Nach einer längeren eingehende» Debatte beschließt die Versammlung dem An- trage gemäß. Frl. Weber regt auch die Errichtung eines Arbeits- Nachweises für die Näherinnen der Branche an. Kiel meyer fordert zur Wahl von Werkstatt-Vertrauensmänner» auf, während Wels ersucht, die Agilationskonimissio» in ihrer Thätigkeit durch Mitlheilung von Verstößen der Unternehmer zu unterstützen. In einer öffentlichen Manrrr-Versammlnng, die am II. Ja- nuar in Paulo w tagte, sprach Schulze-Charlottenburg über:„Was lehren uns die Streiks in bezug auf das Koalitions- recht?" Der Redner empfahl am Schlüsse die zentrale Organisation. Der Vertrauensmann machte bekannt, daß die Streikkarten bis zum 6. Februar abgestempelt werden. Auf der neuen Karte wird ver- merkt, ob die von 1897 in Ordnung war. Jnselstr. I». v.- Tr. u nterrich islurs»! in Redc-Uebung tNeber den Aufbau der Rede, Besprechung vollswirihfchaft- sicher und anderer Grundfrage») Montags, Dr. Conrad Schmidt; in N a tt on alö t on om tepnotls>nus", Nachdem Wahl de! gesammlen Vorstandes. Das Erscheinen sämmlltcher Milgiicder ist dringend nolhwendig. Gäste willkommen. Nn-et« der Kol,- und KrettertrSger Berlin« und der Umgegend. Heut» vormittag 10% Uhr, Schönleinftraße» bei Ferdinand Ewald: Versammlung. Abrechnung vom»tertin Quartal i«»7. Zahlreichen Besuch erwartet de» Vorstand. H fHUiusuic ueuunycu. «nd aitthtkafr» der Schuhmacher und verwandter .nd«.ld uu Pf. Eilenbeinkarbige vamaste jN°.m t,»» M. Elfenbeinfarbige Bengaline i,«« M. 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