Ur. 14. Adomumtnts-Kedingvngen: vbonnementi»Pret» pränumerando: vierteljährl. SL0 Mt., monatl. 1,10 Ml., wöcheuiltch LS Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mlt tlluslrlrter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SLo Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preisliste für liigg unter Dr. 7670. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn«Marl, für da» übrige«uiland g Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Inftrtioiis-Geblllfr beträgt für dt« fechSgefpallene«olonel» »eile oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzsigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS � Uhr nachmittags in der Erpedttton abgegeben werden. Die Expediiton ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, v ü 1 6 e i m K a i s e r h o f, die er als einen offenen Verstost gegen das Vereinsgesctz bezeichnete, de» Unwillen der Rationallibernlen nnd Konservativen. Treffend rief er diesen, als sie seine Aus- fnhrungen init Gelächter hinzunehmen suchten, entgegen:„Gegen Sic sind die Sozialdemokraten die reinen Watsenknabe».'' Auch die Kritik, die er an der verschiedenartigen Ausübung de? Vereinsgesetzes üble, je nachdem es sich um Sozialdemokraten oder sogenannte staatserhaltende Parteien handelte, war recht treffend. Eine Antwort wurde weder ihm noch einem der Vorredner vom Ministertisch zu theil, nnd doch hatten die Herren Thiele», v. Miqnel und Frhr. v. d. Recke allen Grund, sich gegen die gegen sie erhobenen schweren Vorwürfe zn vertheidige». viel« leicht bereiten sie sich bis morgen, wo die Berathnng forlgesetzt wird, auf Erwiderungen vor.— Das Niindschreibc» deS Gräfe« PosadoivSky erregt, wie die bis jetzt vorliegenden Stimmen i» unserer Parleipresse zeigen, in den Rrbeitei kreisen das größte Aufsehen, weil es über die längst besnrchtcten Absichten der Regierung sonnenhelles Licht ver- breitet. So schreibt das„Hamburger Echo": „Der Sozialreform, dem Arbeiterfchntz hat man ein Halt zu- gernsen s dic Sinmm und Genossen wollen es so. ihr Geist dominirt und die Minister und Staatssekretäre, selbst von diesem Geiste beseelt, folgen ihnen willig. Aber nicht negativ, auch positiv sind die Herren im selbe» Geiste thälig. Kein Arbeiterschutz— dafür um so mehr Arbeitertrutz! Das ist ihre Losung... ... Nach den bisherige» Erfahrungen nnd den jüngsten Reden des Grafen PosadoivSky überrascht uns diese? Schrisstück durchaus nicht. Wir wußten ja längst, daß unsere Regierenden sich Tag und Nacht mit dem Gedanken plagen, wie nian nicht nur der Sozialdemokratie beikommen, sondern auch den ans die Ver- bessernng ihrer wirtschaftlichen Lage gerichteten Bestrebungen der Arbeiter beikommmen kann. Was Herr von der Ltecfe im letzten Sommer mit der Vereinsgcsetz-Novelle begann, Graf Posa- dowsky möchte es beim Konlilionsrecht fortsetzen. Schaffung von Kncbelgesetzen für die Arbeiter! Tarin begreift sich die ganze flaatsmännische Weisheit derer, die heute am Ruder sind. Aber es ist gut, daß jetzt authentisch die gehegten P l ä n e b e k a n n t geworden sind. Die Arbeiter wissen nun ohne Ausnahme, woran sie sind. Sie werden die Antwort nicht schuldig bleiben— bei den nächsten Reichstagswahlen." Die B r e s l a u e r„Volks wacht" führt ans: „Also gegen den letzten traurigen Rest des Koalitionsrechtes der Arbeiter soll nun der Angriff der Reichsregiernng gerichtet werden? Da gilt es, ans dem Posten sein— eine bessere Parole für die Reichstagswahlen kann sich die g e s a m m t e Arbeiterschaft Deutschlands nicht denken, als diejenige, welche nunmehr lauten wird: Auf zur Verlheidigung unseres höchsten und wichtigsten Rechte?, der B e r e i n i g n n g s s r e i h e i t!" Die„Bremer B ü r g e r z e i t u n g" sagt: „Der KoalitionSparagraph der Gewerbe-Ordnung erfreut sich des höchstgemessenen Hasses der Unternehmerschaft nnd auf der ganzen Linie ist sie thätig, diesem Paragraphen das Genick zn brechen. Seit dem großen Hasenarbeiter- Ausstand läuft eine dichtgegliederle Kette von Aeusternngeii nnd Vor- gängen, die daraus abzielen, das kleine bischen Ellbogen- freiheit, das die Slrbeiter zn wirthschaftlichen Kämpfen noch haben. niöglichst bald ans der Welt zu schaffen. Dem Aufruf zur Koalition der Uiiteriiehmerschaft ist Folge geleistet worden nnd der Proklamation des Schutzes der Arbeits- willigen Folge zn leisten, bietet jetzt die Regierung selber die Hand. Die Arbeiter wissen nun, was gegen sie geplant ist. Eine neue Attacke gegen das Koalitionsrecht! Mit großem Hurrahgetöse sollen sie jetzt für die Flottenpläne der Re- gierung eingefangen werden, und wenn die Majorität der Regierung zusammen ist, dann kommt ein großer Schlag gegen eins der wichtigsten unentbchrlichsten Rechte des arbeitenden Volkes. Aber das Rundschreiben kommt früh genug in die Oeffentlichkeit. Zweifellos wird es in der Wahlbewegung eine große Rolle spielen. Der Regierung wird es nicht mehr möglich sein, zn bestreiten, was sie sonst be- streiten würde, daß ihr Spieß sich gegen das Herz der Arbeiter- klaffe richtet nnd daß sie Spießträgcr des Unlernehmerthums ist. Hoffentlich sorgen die Arbeiter„rechtzeitig" d. h. bei den Wahlen dafür, daß dem Herrn Grase» PosadoivSky die geforderte„ge> fällige Aeiißernng" auch von ihrer Seile recht nachdrücklich ein- gehändigt wird." Die„V o l k s st i m m e" in F r a n k f n'r t a. M. bemerkts: „Die Verböserung(des jetzige» Koalitionsrechts) ivird gerade zu einem Zeitpunkt betrieben, wo die wirthschaftlichen Verhältnisse sich nach einer mehrjährigen Bessernng langsam zn verfckilechtern anfangen. O, die Reaktion weiß, wie sie eS zu machen hat! Stehen die Arbeiter unter dem Druck der langsam heran- schleichenden Krists, dann kann man sie niit den von Stnmm nnd Konsorten schon zum Ueberdruß erörterten Verschärfungen der§§ 152 und 153 der Gewerbe-Ordnung vollends niederschlagen. Das dürfte der saubere Plan sein. Jetzt heißt es auf die Schanzen! Im Reichstag wird zu interpelliren sein, in den Land- tagen werde» unsere Abgeordneten die Regierungen der ver- schiedenen, vom Reichsamt angefragten Vnndesstaaten um AnSknuft über ihre Stellung zn ersuchen haben, unsere politische Organisation und vor allem auch die Gewerkschaften müssen sich rühren. Dabei würde es vom höchsten Nutzen sein, wenn entweder die Parteileitung oder die Generalkommissioii in Hamburg so schnell wie möglich einen kundigen nnd fähigen Genossen beauftragte, für die Agitation einmal alle bekannt ge- wordenen Polizeiverfügiingen und Gerichtsentscheidungen ans dem Jahre seit Aufhebnng des Sozialistengesetzes zu sammeln, z» sichten und z» verarbeiten. Das gäbe ein Agitalionsmaterial! Und so schlägt hoffentlich auch dieser Versuch der Reaktion, ein Stück kärglicher Freiheit zu strangulireii, umgekehrt zum beste» der klassenbtivnstteii Arbeiterorganisalion aus." Die chinesische Anleihe»iiterznbringen hat sich, wie es scheint, nunmehr die englische iliegiernng endgiltig entschlossen. Den„Times" wird ans Peking vom Sonntag gemeidel, der britische Gesandte habe dem Tsung li Namen mitgetheill, England sei bereit. China zur Bezahlung der Kriegsenlschadignug an Japan zu verhelfen und zwar durch eine Slnleiho von 12 Millionen Pfund Sterling al pari auf 50 Jahre zu vier Prozent netto einschließlich der Amortisation. Die Bediiigniigen seien folgende: Er ö f f n n» g dreier Vertra gs- Häfen, Tnlienwaii, Siangiii(?) in der Provinz Hniian und Nniiniiig; Eiklärnng China's, daß kein Theil des Naiigtsekinng- Thal es einer andere» Macht überlassen werden soll; schließlich das Recht sür England, die b i rm a n i fch e Eisenbahn durch H ü n n a n weiter zn führe». Falls China diesen seinen Verpflichtniigeii nicht nachkäme, solle es bestimmte Einkünfte unter die Kontrolle der briti- scheu Zollverwaltung stellen. Die Verhandlungen werden auf dieser Grundlage gcsührt werden. Der russische und französische Gesandle haben, nach einer. Reuter- Meldung", diese» englischc» Borschlägen widersprochen. Der Wider- spruch dürste sich jedenfalls auf die Forderung der Eiklärnng von Talienwan und Naunins zu Vertrags Häfen beziehen. Taliiiwan— die weite, günstige Bucht unfern Port Arthur— liegt in der russischen Juteresseiisphgre; zur Zeit ankern dort bekanntlich mehrere russische Kriegsschiffe. Nanning andererseits liegt in der südlichen Provinz Kivangsi an einem Nebenfluß des Sikiang, also dort, wo die Franzosen von Tongking ans Süd-China durch Eisen- bahnen zu erschließen und sich Handelsprofite einzuheimsen ge- denke».— TentsöheS Reich. -- Ordensfest war gestern. Bon bekannten Persönlichkeiten wurden dekorirt mit dem'Rothen Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub: Köster, Admiral und Chef der Mariiiestalion der Ost- see. Den Stern zum Rothen Adlerorden zweiter Klasse mit Eichen- lanb und Schwertern am Ring« erhielt v. Podbielski. Staatssekretär des Reichs-Postanils. Den Stern zum Rothen Adlerorden zweiler Klasse mit Eichenlaub: Graf v. Bisniarck- Schönhaiisen, Ober- Präsident der Provinz Ostpreiißen, Freiherr v. Thielmann, Slaatssekretär des ReickiS-Schatzainis, Dr. v. Weyrauch, Unter- staalssckretär im Miiiisteriuin, Wittko, Direktor im Reichs- Postamt, Dr. v. Woedlke, Direkwr im Reichsaint des Innern. Den Rothen Adlerorden zweiter Klasse mit Ticheiilanb Ober- Reichsanwalt Dr. Hamm zu Leipzig und der Senatspräsideut beim Reicbsgericht Dr. Löivenstrin. Den rothen Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife erhielten der Gesandte in Peking, Heyklng, derArbeiler-Wohl- fahrlsmaiiii Geheimrath Dr. Post nnd der künftige Kotonialdirektor Dr. Schmidt-Leda. Mit dem Stern zum Kroiienorden zweiter Klasse wurde Koitlre-Adiiiirnl Staatssekretär Tirpitz dekorirt. Den Kronen- orden zweiter Klasse erhielt der Uiitcr-Stant?sekretär für Elsaß- Lothringen Baron Zorn von Bulach. Es sind im ganzen LOOS Personen dekorirt gegen 1910 im Jahre 1897, 1953 im Jahre 1896, 1905 im Jahre 1895 und 1732 im Jahre 1894. Man sieht, daß die Zahl der verdienten Personen von Jahr zn Jahr zunimmt.— — Schon wieder«ine Novelle zum Margarine- g e s e tz stellt die agrarische Presse in Aussicht. Bekanntlich war das der Margarine beizufügende Erkeniinngsmitlet in die Wahl des Bundes- rathes gestellt; stall deS vielen widerlichen Pheiiolphlhalelns wählte er als obligatorische Beifügung das Sesamöl. Mit Hilfe der Brehmer'schen Reaklio»(Llothfärbuiig bei Schütteln mit Salzsäure nnd Fufurol) weist m a n daS Sesamöl und damit auch die Margarine nach. Raumer soll nun nach der„Zeilschrifi für angewandte Chemie" gefnndeii haben, daß Butter ans der Milch von iegen, die mit Sesam gefüttert wurden, ebenfalls eine Reaktion ans csamöl, also ans Margarine, giebt. Die gleiche Rothfärbung wie Sesam giebt anch Curcnma, die viel zum Färben von Butter verwandt wird, mit der Brehmerschen Reaktion, desgleichen«ine Anzahl vielfach zum Bnltersärbe» gebrauchter Theerfarben(schon ohne Znsatz von Fu- fnrol). Damit wäre allerdings die Verwirrung grenzenlos. Man fordert nunmehr die Regierung aus, strti über den Sachverhalt zn äußern. Ten Agrariern wäre die Bestätigung deS Gesagten vielleicht gar nicht so univillkomiiien, da sie dann sür daS vollständige Färievcrbot, das heißt für die Verikeluiig der Margarine leichter Stimmung machen könnten.— — Welch« Faktoren waren eS, die den prcußschen Landwirldschnftsmiiiister an der vollständigen Grenzsperre gegen Rußland hinderten, obwohl„er es wohl unmöglich selber glauben konnte, daß die Gefahr der Verseuchung der deutschen Vieh- bestände so wenig Beachtung heische?" Die„Deutsche Tageszeitung" fängt nun doch schon an, wenn auch schüchtern, den Zusammenhang anzudeuten: Wir können nuS der Befürchlnng nicht ganz enlschlagen. daß Rußland für seine Gefälligkeit oder für seine Freund. schuft überhaupt noch eine Extraleist u n g, und zwar auf wirlhschasllichem Gebiet von uns erhalten habe. Jene so viel besprochene, durch nichts erklärte Wiederanihebniig der soeben erst regierungsseitig angeordneten Geflügelqiiaranläue an der russischen Grenze fällt zeitlich mit den deutsch- russischen Besprechungen wegen Kiaolschan's zilsammen. Hängt sie auch ursächlich damit oder mit der Rücksicht ans unsere politischen Beziehungen zu Rußland zusammen? Da inner- politische Gründe dafür nicht aufzufinden find, so kann nian sich. wie gesagt, der Befürchlnng nicht«rivehren, daß ei» solcher Zn- samiiienhang thaisächlich bestehe. Sollt« daS der Fall sein, so erwarten wir eineUmkehr von diesem gefährlichen Wege, der in die Eaprivi'fch-Mar« s ch a l l' sch« Politik, gute auswärtige Beziehungen durch wirth. schaftliche Schwächung Deutschlands zu erkaufen, zurückfuhren würde. Auch das Verhalten des Auswärtigen Amtes gegenüber Amerika läßt nach dem Bündlerorgaii die Entschlossenheit vermisse». Mau scheint allmälig wieder kräftigere Töne gegen das renovirte Kabinet Hohenlohe anschlage» zu wollen.— — Das Zn st an bekommen der internationalen Z» ck e r k o ii f e r e n z soll gesichert sein, doch scheint Zeit und Ort der Zusammenkniift noch nicht bestimmt zn sein.— — Deutsche Arbeit für Amerika. Durch die Zeitungen ging kürzlich die Nachricht, daß die Firma Fränkel(große Weberei) in Neustadt(Oberschlesien) eine große Bestellung für die anierikanische Marine erhalten habe. Damit sei, hieß es, die englische nnd ameri- kanische Konkurrenz anS dem Felde geschlagen. Interessant ist es nun sicher zu erfahren, was die Firma ihren Arbeitern für die Arbeit zahlt. Für das Weben der 50 Meter langen und 2 Meter breiten Stücke erhalten die Weber 5,50 Mark, also 11 Pf. pro Meter. Bei höchster Anstrengung ist es ihnen möglich, zwei solcher Stücke in der Woche fertig zn stellen. In Eagland und Amerika wird es freilich gegen«ine so niedrige Entlöhnuiig keine Arbeiter geben.— — Herr Hitze erklärte heut im Reichstag, eine Bemerkung des„Vorwärts"— sie war in der Nummer vom 22. Dezember 1897 enthalten—, in welcher vermuthet wurde, daß der Zeiitrums-Anlrag betr. Erhebungen über die Arbeit schulpflichtiger Kinder nicht ohne Keimlniß der geplanten RegierniigS-Enqnete in dieser selben Frage eingebracht sei. entbehr« der Richtigkeit. Wir nchiiien von dieser Berichtigung Notiz. Aber wir halten auch lediglich eine Bermuthnng ausgesprochen. Und zu einer solchen gab uns das Verhalten des Zentrums in ähnlichen Fällen Anlaß genug.— — Prinzipie n fcstigkeiit der Slbgeordneten der polnischen Fraktion. Das liiikspolnische Blatt„Orendownik" erzählt eine nette Geschichte, wie es l393 kam, daß die polnischen Abgeordneten des Reichstages für die Militärvorlage ftimmlen: Der damalige Reichskanzler Graf C a p r i v i habe an den Erzbischof von Stablewski einen privaten Brief geschrieben, in welchem er erklärt habe, daß er(Caprivi) persönlich anerkenne, daß den Polen Unrecht geschehe. Das Wort„persönlich" sei unter- strichen gewesen. Ter Erzbischof habe dieses Schreiben einen» der Mitglieder der polnischen Reichlags-Fraktion durch einen Spezial- boten übersandt, und es sei diesem in der Sitzung, in welcher über die Haltung der Fraktion zur Militärvorlag« Beschluß gesaßt weiden sollte und auch tzlfaßl wurde,«iiigehändigt worden. Wer den Grafen Caprivi bestimmt habe, diesen Brief zu schreiben, welche Ziele man dabei verfolgt habe »nd wie es gekommen, daß dieser Brief gerade in dieser entscheidenden Sitzung angelangt, sei nicht bekannt, doch sei eS möglich, daß die Sache im voraus abgekartet gewesen sei.— Die betreffende» polnischeiiAbgeordneten werden kann» stillschwelgend Über diesen Angriff hinweggehen können. Selbst wenn eine Ab- kartnng nicht vorgelegen bätte, wirft es ein sonderbares Licht auf die Ueberzeuguiigstreue der Herren, daß sie sich durch ein persönliches Entgegenkoilimen von Regiernngsseite in solcher Weise bestimmen laffe».— — P a st o r Hülle betreibt jetzt auch F l o t t e n a g i t a t i o n. Vielen kleinen Amtsblättchen beigegeben ist«in illnstrirtes Machwerk voller schlechter Verse und lärmender Artikel für die Flotten- Vermehrung; wir finden es selbst als Beilage zn bayerischen Kreis- blättern, so der„Kitzinger Ztg."; der„Germania" gefällt das Hülie'sche Blatt nicht, weil„auf der Titelseite sich neben eiiiem Gedicht ein Bild befindet, welches zwei Nixen fast völlig nackt aus der Meerfluth emporsteigen läßt, Nuditäten, die schwerlich jemand in feinem Hanse Kinder» zu Gesicht kommen lasse» kann." Es ist ja recht drollig, daß dem sittlichen Pastorenverlag Nuditäten vorgeworfen werden, die, wenn die lox Heinze nach den Zentrnmsivünschen schon fertig wäre. polizeilich und gerichtlich abgestraft werden solle». Aber diese Zenlrumsprüderie ist nicht nöthig, um das Hülle'sche Produkt zu verurtheilen. Es genügt, daß es mit„amtlicher Empfehlung" den Kreisblättern beigegeben wird; darum, wie die„Germania" sagt, ist die„höhere Anregung", für Herrn Hülle's Blätter einzutrete», mcht nur beim Reichsamt'des Innern, sondern auch bei andere» Arm lern erfolgt. Und Herr Hülle ist allen gefällig, warum nicht auch dem Herrn Tirpitz?— — Chronik der Eisenbahn-Unfälle. AnS Breslau wird amilich telegraphirt: Am 15. d. Mis., 5>/s Uhr nachmittags, wurde beim Znsaininenziehen eineS anSeinandergesioßencii Güter- zuges auf dem durch den Bahnhof Brieg führenden Schüsselndorser Ueberweg das Fuhiwerk des Grafen Pfeil anS Kreisewitz übersabren. Ter Kutscher ist schwer, die Insassen des Wagens. Gräfin Pseil leicht und deren Tochter erheblich verletzt. Der Wagen wurde voll« siändig zertrümmert; die Pierde haben keinen Schaden geiiommeii. Die Uiilersuchung ist eingeleitet.— Weimar, 16. Januar. Heute fand die Eröffnung der ordent- kichcii LandtagSsession statt. Die Eröffnungsrede gedachte der günstigen Gesiallung der Landesfinanzeii. diese hält«-lue Besserung der wirth- schaftlicheii Verhältnisse bewirkt und die Verwendung gesteigerter Mittel für die Ansbesserimg der Besoldung der evangelischeii Geist« lichen und Schullehrer gestattet.— Oldenburg, 14. Januar.(Eig. ver.) Der o l d- n b u r g i sch e Landtag tritt am 18. Jannar zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Die Dauer der Tagung ist ans 14 Tage angenommen. I» erster Linie wird sich der Landtag mit Eisenbahn-Angelegenheiieii beschäftigen. Die vtegiernng hat in der letzten ordentlichen Tagung dem Landtag bezüglich seiner Forderung, die Eiseiibahn-VerwaUnn., vom Ministerium des Innern zu trennen und einen dem Landtag verantivorllichen sachkundigen Leiter des Eiienbah»- Wesens an- zustellen, nachgegeben, wodurch ein Gegenstand des itvnflklcs zwischen Landtag und Regierung beseitigt wurde. Die Rcgicrniig wird dem Landlag nun bezüglich der Aiisteliiing eines solchen Be- amlen eine Vorlage machen. In Abgeordnetenki eisen sieht ma» den Vorschlägen der Regierung mit Mißtrauen ciilgegc». Weiter erwartet man eine Vorlage über die EnveiUrnng des Lehrerseminars, d h. die Einrichtung einer 5. und 6. Klasse, ivie auch die Erweiterung des LehrplanS. Das Seminar steht»ach allgcincincr Ansicht, auch der Lehrer, nicht mehr ans der Höhe der Zeit. Dies will aber nur die Regierung nicht einsehen. Wahrscheinlich wird sich der Landlag auch mit zahlreichen Pelilioneu zn befassen haben, von denen nur diejenige ans den drei Oldenburgischeii Gemeinden bei Wilhelmshaven, Bant, Heppens und Nenende, welche die Er- richlung eines Anils. und Amtsgerichlsbezirks(Rnsl ringen) verlangt, wichtiger erscheint, weil die Frage der Selbstverivalluiig hier hineiiispielt.— — Die Befitzenden lehnen sich gegen die Ver- m ö g e n s st e u e r in Sachsen auf. ES wird uns ans Dresden geschrieben: Mit der von der Regierung vorgeschlagenen Vermögens- und Erbschaftssteuer, welche schon bei der Vorbernthiing im Landlag bei verschiedenen Konservativen und NalionaUiberalen ans„genüchlige Bedenken" stieß, sind die vermögenden Klassen durchaus nicht ein- verstandeii. Es wird jetzt in Versaiiimlungen und Petitionen Lärm geschlagen gegen diese absolut harmlose Steuer(5 auss Tausend, dabei Sliiwenduiig einer die großen Vermögen noch mehr entlastenden Staffel!), von welcher die Regierung selbst sagte, daß sich durchaus nicht sagen liebe, sie sei„kommunistisch". Es steht jetzt schon so gut wie fest, daß die Majorität des Landtages die Sleuer ablehnen wird. Damit könnte aber die ganze Steuer- r e f o r m in sich zusainmensalleii; der Minister erklärte bei der Be- rathnng auch ausdrücklich, daß die Rcgierinig ans die Vermögens- steuer nicht verzichten könne, um die Reform durchzuführen. Da nun aber eine Abschwächung der Bermögenisteuer-Vorlage unmöglich ist, ohne dem Dinge jede Berechtigung auch nur deS Namens einer Ver-> inögenssteuer zu nedintn, so bleibt nur die Ablehnimg übrig. Das würde aber schließlich selbst die Verwirklichung der Reform der Ledrergehälter und AlterSzulagen, wie sie von der Regierung ge» plant ist, selbst wenn der Landtag, wie eS scheint, bedingungslos dieser Reform zustimmte, in Frag« stellen.— E'uttgart, 15. Jannar.(Eig. Ber.) Di« Verfassung»,' kommission beendete gestern die erste Lesung der Berathung über den Revistonsentwurf. Ein Antrag deS Zentrums, beiden Kammern des Landtags das Initiativrecht in Finanzfragen und das Recht von sich aus Enqueten zu ver« anlassen einzuräumen, stieß auf kategorische Slblehnnng bei dem Ministerpräsident v. Mittnacht. ivoraiif der Antrag ziirückgenoiiiinen wurde. Aligenoiiimen wurde die Ausdehnung der p a r l a m e n- t a r i s ch e n Immunität der Abgeordnelen auf die Zeit der skomniissioiissitznngeli. In der heuligen Sitzung beginnt die Be- ralhuiig des neuen Wahlgesetzes.— — Zum Unter st aatSfekretär der Justiz- und KultuS- verivallung für Elsaß-Lothringen ist Dr. P e t r i ernannt worden, der früher auch nationalliberaler Abgeordneter für Etraßbiirg und bekaiiiitlich durch die Wahl Bebel'S feines Mandates verlustig ging. — Chronik der MajestätS b e l« i d i g u n g s- Proz esse. Wegen Majeftätsbeleidiguiig hatte stch der Architekt und ehe- malige Premierlieutenant(!) Karl Blei! vor der Strafkammer in D a n z i g zu verantworten. Der Angeklagte hatte stch in der Nacht zum S. September v. I. in Langfuhr einer groben Beleidigung des Kaisers schuldig gemacht. Im Verhandlungstermin erklärte er, bei dem fraglichen Vorgange sinnlos betrunken gewesen zu sein. Der Gerichtshof gewann die Ueberzeugung, daß die Trimkeiiheit des Angeklagten nur strafmildernd in betracht gezogen werden könne und vernrtheilte B. zu drei Monaten Gefänaniß, wovon ein Monat auf die erlittene Untersuchungs« Haft in Anrechnung zu bringen sei.— Oesterreich. Wien, 16. Januar. Die Arbeiter veranstalteten heute vor dem RathhaaS große Demonstrationen, weil ihnen die Benutzung der Bolkshall« behufs Abhaltung der Versammlung, um gegen den An- trag des Gemeiiideralhs Weihwasser, böhmisch« Arbeiter wegen der Vorgänge in Prag nicht mehr zu beschäftigen, zu prolestiren. ver- weigert wurde. Es fand«in Zusamnieiistob mit der Polizei statt; zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Wien, 16. Januar. Di« czechischen Vereine Wiens wallten heute eine Protestversammlung gegen den Antrag des Landtags-Ab- geordneten Kolisko. ivonach in Nieder- Oesterreich die deutsche Sprache die einzige Unterrichtssprache sein soll, in einen» Lokale veranstalten, dessen Besitzer das Lokal verweigerte. Elwa 3000 Personen sammelten sich vor demselben an, welche von der Eicherheits- wache zerstreut, sodann nach einem anderen Lokal zogen und die Versamniinng abhielten. Es wurde eine Resolution gegen den ge- nannten Antrag belchlossen. Von czechischen Abgeordneten Böbmens und Mährens waren Zustimmungsadreffen eingetroffen. Später zogen die Theiliiehmer an der Versainmliing vor daS Rathbans. woselbst sie von der Wache zerstreut wurden. Ein Zivischensall ist nicht vorgekommen.— Prag, 16. Januar. Hier werden für morgen wieder große Ezczesse befürchtet für den Fall, daß die Landlagssitziing einen stürmischen Verlans nimmt, was wahrscheinlich ist. Die Stimmung der czechischen Bevölkerung ist sehr erregt. Die Waffeiihaiidlnngen haben ihre Vorräthe an Revolvern fast ansverkanfl. Verdüchi'ige Individuen, welche die Kokorde der iiiieriiationalen Farben tragen, machen die Straßen unsicher und Hetzen den Pöbel a»s.— Prag, 16. Jannar. Millags deinoiistrirten elwa 400 Sozialisten vor dem Lokale der„Narodui Listy", dem Zeiilralorgane der jung- czechischen Partei. Die Wache zerstreute sie alsbald. Prag, 17. Januar. Zu der heutigen Landtagssttzung war der Andrang ein noch weit größerer als zu den vorhergebenden. Die Korridore nnd die Tallerieu des Hauses waren überfüllt. Vor dem Hause hatten schon seit früh morgens große Meiiichenaiisanini- lungen stattgefunden, die im Laufe des Vormittags von der Polizei auseinandergesprengt wurden. Als erster Redner ergriff Abg. Wolf das Wort, welcher sich zunächst bitter beklagte, daß er nur mii Lebens- gefahr zur Sitzung habe gelangen köniicn. Von seiner Wohnung »nd auf dem Wege zum Parlamentsgebäude sei er von einer großen Menschenmenge, u»ter welcher sich viele Personen der besseren Klaffe angehörig befunden halten, bedroht werde». Die Jungczeckien, welche die Rede des Abg. Wolf wiederholt unterbrachen/ veranlaßte» Wolf, de» Landuiarschail energisch aufzufordern, Ruhe zu verschaffen. Redner gab sodann die Erklärung ab. dab die Deutschen einer Verständigung nicht abgeneigt seien, vorher aber müßten die Czechen ihre staatsrechtlichen Träumereien aufgeben, ihre aiitouomistische Idee fallen lassen und das geschlossene deutsche Sprachengebiel anerkennen. Gegen eine föderalistische Idee würden die Deutschen bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, da der Föderalismus zur Zertrümmerung des Reiches und seiner Machtstellung führen müsse. Zum Schlüsse be- klagte Abg. Wolf, daß infolge der Haltung der Juugczechen eine Verständigung ausgeschlossen sei und die Deutschen wahrscheinlich den Landtag verlassen müßten.— Der Statthalter erkärte, daß die Regierung die Dreitheilung Böhmens in ein deutsches, ei» czechisches, ein gemischtsprachiges Gebiet plane. Prag, IS. Januar,(ffiig. Ber.) Nach den ruhigeren Tagen de? EtaudrechtS scheine» wieder bewegtere kommen zu wollen. Sonst ist es nur der Abg. Wolf, der durch die bereitwillige Reklame der czechische» Bourgeoisie die Straßen belebter macht. Heute Vor- mittags jedoch erinnerte das Strnßenbild an die Dezembertag«. Bezeichnend für die Stimmung unter der Bürgerschaft ist der Um- stand, daß der geringste Zivischenfall schon genügt, um eine drohende Situation herauszubeschwörc». Durch einen Streit zwischen Burschenschafter» und einigen jungen Leuten entstand ein derartiges Gedränge, daß alle Geschäftsinhaber ihre Läden schloffen und das zahlreiche Sounlagspublikum von der Promenade am Grabe» floh. Ein starkes Polizeiaufgebot suchte die Menge zu zer- streuen und nahm einige Verhaftungen vor. Inzwischen kam eine huuderlköpfige Menge von Arbeitern aus einer ManifestattouS-Ver- sammluug. AIS die nächste Forderung der Arbeiterschaft wird jetzt das allgemeine Wahlrecht für Landtag und Gemeinderath verlangt; die Arbeiter demonstrirten deshalb vor dem Ralhhaus. Der Redaktion deS juiigczechischen HauptorganS„Naroduy Listy" wurde ein Pereat gebracht. Nach der Demonstration zerstreute sich die Menge.— Ungarn. Vudapest, 17. Januar. Die Regierung wird den für de» Monat Mai cjeplantc« Nationalitäten-kkongreh unbedingt verbieten. So erledigt man wohl am einfachsten die wohlberechtigten Klagen der unterdrückten Nationalitäten. I» Deutschland giebt es „Liberale", die auch dieses Vorgehen der ungarischen Liberalen liberal finden dürften.— Budapest, 17. Januar. Di« erste Session deS Reichstags wurde heute mittels königlichen Reskriptes geschloffen. Budapest, 17. Januar. Blättermeldungen znfolge ist eS unvermeidlich, daß in der U n a b h ä n g i g k e i t s p a r t e i eine offene K r i s i s ausbricht, indem Justh und Genossen, welche Anhänger der Obstruktion waren, infolge der Erfahrungen der letzten Zeit gegenüber dem Programnie der Kossuthfraktio» ihre Mißtranen aus- sprechen wollen. In der Kossnthfraktion befinde» sich 12 Mitglieder, welche gegen die letzte Waffenniederlegung Slellnug nehmen und entweder ein« besondere Partei bilden, oder in die Ugronfraktion eintreten wollen. Frankreich. PariS» IV. Januar. Deputirtenkammer. Auf«ine Interpellation über den am 2S. Dezember v. I. bei Le Peage de Ronsstllon erfolgten Zusammenstoß zweier Personenzüge erklärte der Arbeitsminister Turrel, die Lokomotivführer und die Zugführer der beiden Züge hätten ihre Schuldigkeit gethan. Die Schuld an dem Unglück treffe einen Weichensteller; derselbe werde vor Gericht gestellt werden. Der Minister fügte hinzu, er habe die Eisenbahn- Gesellschafte» angewiesen, Zugverspätungen zu vermeiden und die Zahl der Unterbeamten nicht zu verringern. Er werde darüber wachen, daß Maßregeln zur Vermeidung von Un- glückSfällen getroffen werden.(Beifall im Zentrum.) Die Kammer nahm eine von dem Minister Turrel genehmigte Tagesordnung an, in welcher da? Vertrauen zu der Wachsamkeit der Regierung behufs vollständiger Wahrung der Sicherheit der Reisenden aus- gesprochen wird.— — DaS militärisch« Panama. Gegen die Erklärung Eavaignac'S, eS liege beim Kriegsministerium ein Bericht des Kapitän? Lebrun-Rönanlt, in dem derselbe ausgesagt, habe, Dreyfus habe ihm ein Gestäudniß seiner Schuld abgelegt, gegen' diese Erklärung wendet sich Frau Dreyfus und versichert, daß ihr Manu niemals dem Hauptmann Lebrnn- Rönault, welcher der Degra- diruug des Hauptmanns Dreyfus beigewohnt habe. Geständnisse gemacht habe. Sie fügt hinzu, Hauptmann Lebrun-Rsnault sowie andere Personen hätten vor Gericht unter Eid die Aussage Cavaiguac's in Abrede gestellt. Auch Major Forzinetti. der frühere Direktor deS Eherche-midi-Gefängniffes, welcher von einem Berichterstatter der„Aurore" über den Brief Cavaiguac's an Frau DreyfuS befragt wurde, behauptete, Hauptmann Lebrun-Rönault habe ihm erklärt, der frühere Hauptmann DreyfuS habe ihm nie- malS ein Geständniß gemacht. Am Sonntag fanden mehrere Kundgebungen statt, von denen die größte sich in der Gegend des Concordien-Platzes abspielte. Einige Studenten, zahlreiche Handlungsgehilfen und Arbeiter sowie einig« Arbeitslose zerbrachen in der Rue de Bruxelles die Fcnster eines HauseS. welches sie für dasjenige Zola's hielten. und begaben sich darauf nach der Baftille und dem Boulevard St. Michel. Unter schmähenden Rufen auf Zola und die Jude» zerbrachen sie die Scheiben etniger Cafös. Etwa 15 Personen wurden verhaftet. Eine Note der„Ngence HavaS' vom Montag besagt: Mehrere Blätter fordern den Kriegsmiulster General Billot auf, die Erklärungen zu veröffentlichen, welche Dreysus a». Tage seiner Degradirung dem auptman» Lebrun-Rönault gemacht hat. Durch eine derartige eröffenllichung würde die Regierung eine abgeurtheilte Sache zur Diskussion stellen und es würde scheinen, als ob sie Zweifel in die Autorität einer abgeurtheilte» Sache setze. Wir glaube» übrigens zu wissen, daß die Regierung nicht glaubt, das Recht zu haben, eine derartige Miltheiluug zu machen und zwar aus den gleichen Gründen, aus welchen sie beschlossen hatte, das Kriegsgericht im Jahre 1894 bei verschlosseuen Thüreu verhandeln zu lassen. Der Abgeordnete Lanessan erklärt im„Rappel" unter Hinweis auf die immer größeren Umfang annehmende Petitions- b e iv e g n n g zu gunften des Hauptmanns Dreyfus, daß eine Revision des Prozesses absolut sicher scheine. Doch handle es sich nicht mehr um die Freiheit eineS einzelnen, sondern um die all- gemeine Freiheit, die durch eine an den Boulaugismus erinnernde Agitation bedroht sei. England. London, l(5 Januar. Der Doyen(ältestes Mitglied) des Unter- Hauses. Villi ers, ist heute gestorben. Derselbe war feit 1835 ununterbrochen Vertreter des Wahlvistrikts Wolverhnmpton. Der Fall, daß jemand 62 Jahre derselben parlamentarischen Körperschaft augehört, dürste sich kaum noch einmal wiederholen.— Liverpool, 17. Januar. Das Festessen, welchem Chamberlain präsidiren wird, wird eine große Bedeutung annehmen. Alle gegen- wärlig in England sich authaltenden Kolouialgouverneure, die Ab- geordneten der Kolonien und sonstige Persönlichkeiten, die auf kolonialem Gebiete einen Ruf haben, werden an dem Festessen theil- nehmen— Spanien. Havana, 16. Januar. Hier herrscht weiter Ruhe.— Der Jnsurgemeniührer Cepero hat sich ergeben; aucb Delgado wollte dies thu»; ein Theil feiner Schaar erhob jedoch Einspruch, und bei dem sich daraus entspinnende» Zusammenstoß wurde Delgado ge- tödtet. Ein gewisser Pico» gab gestern, ohne zu treffen, zwei Revolver- schüsse aus den Präsekten von Santa- Clara ab, als dieser mit dem Marschall Blanco einem Ballspiele beiwohnte. Der kommandirende Geueral in Santa-Clara ließ Pico» festnehmen, welchen die An- wesenden lynchen wollten. Picou wurde ins Gefäiigniß gebracht. Es herrscht vollständige Ruhe. Dem„Reuter'schen Bureau" wird über Keywest auS Havana s gemeldet: Nach den letzten, drei Tage dauernden Unruhen ist die Ordnung einigermaßen wieder hergestellt. 5000 Mann regulärer Truppen sind von außerhalb angekommen. um die Stadipolizei zu verstärken. Den Aufrührern war freier Lauf gelassen worden; ohne, daß die Behörden dazwischen- traten, riefen sie:„Nieder mit Blanco und der Autonomiel" und „Hoch Wcyler!" Die Offiziere, welche am Mittwoch die Räume der autonomiesreundlichen Blätter überfielen, erfreuen fich der Sym- pathie der Freiwilligen. Die Regierung wagt nicht, sie dem Kriegs- gericht zu überliefern. Einige hundert Personen stießen Mitt- woch Nacht vor dem Palais die Rufe aus:„Tod Blanco und der Autonomie!" Da das fünfte Freiwilligen- Bataillon, welches die Garnison deS Palais bildet, offenbar mit den Schreiern fympathistrte, so hatten die Offiziere Schwierigkeiten, ein« feindselige Haltung desselben zu unterdrücken. Der amerika- nische Konsul Lee schickte«ine Botschaft an Blanco und erklärte. er werde ein Kriegsschiff zu Hilfe rufen bei dem ersten Falle, in welchem Leben und Eigenthum eines Amerikaner? angegriffen worden sei. Blanco antwortete, Spanien könne die Ordnung ohne Hilse von außen aufrecht erhalten. Die Offiziere der Freiwilligen machen kein Geheimniß aus ihrer Absicht, die Abberufung Blanco's durchsetzen zu wollen. Am Freitag und die letzte Nacht rief überall die Menge„Es lebe Spanien und W-ylerl"— — Chtnapolitik. Unsere Zurückweisung der Vorwürfe der „Leipziger Volkszeitung" in Nummer 12 deS„Vorwärts" hat jenes Blatt ganz aus dem Häuschen gebracht. Hat es schon zuerst auch nicht irgendwie fachlich gegen unS zu polemisiren gewußt, sondern nur mit schein-radikalen Phrasen um fich geworfen, so ist es jetzt noch tiefer gestiegen und leistet sich einen wahrhaft duftigen Schimpf- erguß.„Schwatzschweifige und haltlose Redensarten,"„haltlose Schwäche seiner Position",„DeSavouiren der Partei",„sauersüßes Lächeln",„väterlichen Segen zur Besetzung von Kiaotschau", „blamable und unfeine KampseSweise",„von uns dem„Vorwärts" mgesügte Absuhr"»„aus dem Armen-Sünderbänkchen",„aus der Retirade":c. Erfreulicherweise beurtheilt die„Leipziger VolkSzeitung" die Chinapolitik nicht allenthalben in der gleichen Schlagiuorimanier. In derselben Nummer des Blattes, daS täglich unter der Aufschrift „Chefredakiion: Dr. Bruno Schöulank" prangt, finden sich neben jenen allgemeinen Redensarten und Anreißereien auch ganz andere Darlegungen über die Bedeutung der chinesischen Erschließung. Um die Lächerlichkeit der gegen den„Vorwärts" gerichteten Manöver einmal recht deutlich aufzuzeigen, wollen wir zwei Stellen aus derselben Nummer der „Leipziger Volkszeitung" zitiren: „Leipziger VolkSzeitung" vom IS. Januar» R. Beilage: „Eine ärgere Verkennung der Situation, eine unglücklichere Schätzung des Wesens und der Ziele der ganzen Unternehmung läßt sich nicht denken. Gerade, als die Sache praktisch wurde, bei der Besetzung und dem Pachtvertrage von Kiaotschau, da ver- sagte der„Vorwärts" und begleitete die Kundgebung des„Reichs- Anzeigers" mit jenem ersten von der ganzen Flotten und Welt- politikpresse ausgenützten wohlwollenden Kommentar: Allem Anschein nach scheint also dies« Operation friedlich auszulaufen. Wollten andere Mächte die Festsetzung Deutsch- landS nicht dulden, so hätten sie längst entsprechende Schritte gethan. Sie müssen also, wenn auch jedenfalls nicht mit be- fonderer Freudigkeit, ihr Einverständniß erklärt haben. Eine andere Frage ist eS, waS die fernere Zukunft bringen wird. Dort in dem fernen Ostasien erschließen sich neue werthvolle Gebiete, um welche die Land« und Handelsgier der europäischen Kapitalistenvölker noch manchen heißen Streit ausfechten werden." „Leipziger VolkSzeitung" vom lS. Januar S. Beilage: „Darum wird.der Sozialist mitZgroßer Genugthuung auf die Vor« gänge in Oftasien blicken, er wird die Erschließung China's ebenso freudig begrüßen wie die Erschließung anderer Länder, an- gefangen von der Entdeckung Amerika'S bis zur Babudurch- qnerung Sibiriens. Jede Unterjochung eineS noch rückständigen Landes unter die Herrschaft des Kapitals bildet einen Fortschritt der wirthschaftlichen Entwickelung auf dem Wege zur Sozialisirung der menschlichen Gesellschaft.— National betrachtet wird also die Erwerbung Shantungs für die deutsche Arbeiterklasse alles andere, nur kein Segen sein, international dagegen revolutionirt sie das chinestsche Volk, sie entwickelt in China de» modernen Klassenkampf, sie schafft eine Arbeiterklaffe, eine Arbeiterbewegung, sie rekrntirt mit der Zeit eine neue Armee, die zusammen mit ihren Brüdern der gauzen kultivirten Welt dem Sozialismus die Bahn frei machen wird. Angesichts dieses Konflikte? zwischen nationalen und inier- nationalen Rücksichten wird die deutsche Arbeiterklasse ihre alt« Taktik einzuschlagen haben. Ei« erkennt die Noihwendigkeit der kapitalistischen Expansionspolitik als keinen Nachlheil des Sozia- liSmuS an, verhehlt sich aber keinen Augenblick, daß nicht die Arbeiter, sondern die Unternehmer ebensowohl die Initiative dazu ergriffen alS auch die volle Verantwortung für alle Zwischenfälle der immer noch anarchischen Produktionsweise zu tragen haben. Wir werden auS der letzten glanzvollen Periode deS westeuropäischen Kapita- lismus, die jetzt ihren Anfang genommen hat, nicht nur eine Be- schleunigung der weltwirthschaftlichen Entwickelung zu erwarten haben, wir werden auS ihr auch überreichen Stoff gewinnen, der uns hinreichenden Anlaß bietet, da? untersinkende kapitalistische Gebäude nach allen Seilen hin als ungenügend in seinen Fnnda- meuten aufzuzeigen und dafür mit einem neuen Unterbau zu beginnen, zu dessen Beginn heute schon die Arbeiterklasse die ersten Bausteine zusammenträgt." Einige Stellen dieser letzteren Darlegung der„Leipz. Volksztg." g. Beilage gehen so weit und schildern die Entwickelung der oft- asiatischen Dinge als so erfreulich für die Arbeiterklasse, daß die „Leipz. Volksztg." l. Beilage derartiges in den Spalte» des „Vorwärts" vergeblich suchen würde. Kann man unier solchen Umständen noch an rein sachliche Gründe für die Art der Polemik der„L-ipz. Volksztg." gegen den „Vorwärts" glaube»? Und dasselbe Blatt, welches lange Tiraden losläßt, weil der„Vorwärts" nicht genug von„Länderranb" und „Abenteuerpolitik" geschrieen habe, dasselbe Blatt hat es nicht für nölhig befunden, den wichtigen Erlaß des Grafen Posadowsky, der den schlimmsten Arbeitertrutz vorbereitet, auch nur seinen Leser» in i t z n t h e i l e n— obivohl selbst die Telegraphenbureaus die Mittheilung des Erlasses brachten und obwohl der Erlaß in derselben Nummer des„Vorwärts" enthalten war, gegen die sich die Polemik der„Leipziger Volkszeitung" in der Chinafrage richtete—, geschweige denn de» Kampfgcgen die darin zum Ausdruck kommenden Regierungstendenzen gehörig auf- zunehmen. Freilich dieser Geheiinerlaß beging die Uebellhat. sich beim„Vorivärts" und nicht bei der„Leipziger Bolkszeiliing." einzustellen. Und noch einS. Wenn der„Leipziger Volksztg." der Abschluß des Kiaotschau-Vertrages eine so ganz außerordentliche Sache ist, deretwegen die schärfste Sprache und alle Kraft der Partei aufgeboten werden soll, warum hat dann die Redaktion des Blattes ihren„Chef- redakieur", der auch Reichstags-Abgeordneter ist. nicht schon längst gedrängt, in der Fraktion beziehungsweise im Reichstage«ine große Aktion ins Werk zu setzen? Die Thalen des Herrn Reichstags- Abgeordneten stimnun wenig zu dem Wortgeklirr des Herrn„Chef- NsvrKmetrkÄVifrhes» Budgetkommissio».(Berathung deS Post- EtatS.)'�98. erstatter Paasch« hebt hervor, daß die Einnahmen höher a seien als sonst üblich, das sei gekommen, weil die Einnahme�� laufenden Etatsjahres bereits erheblich über den Voranschlag f)irs= gegangen seien. Staatssekretär v. Podbielski hebt hervor, daß die t j,,- nahmen der Post mit Ende September die angesetzte Jahreseinnahme bereits um 7 Mill. Mark überschritten haben, die Ausgaben um 91000 M. gegen den Voranschlag zurückgeblieben seien. Abg. Paasch? fragt an, wie eS mit den Einnahmen aus den Telegraphen- und Telephongebühren stehe und mit den angekündigten Reformen. Staatssekretär v. Podbielski giebt an, daß die Einnahmen aus dem Telegraphenverkehr die Kosten der Verwaltung nicht deckten, was auch die englische Verwaltung zeige. Auch sei der Telephon- verkehr infolge der neue» Börsengesetzgebung erheblich zurückgegangen, ebenso die Telephongebühren durch den geringeren Verkehr der Berliner mit der Wiener Börse. Ueber die Reformen könne er heut« noch keine Auskunft geben, die Verhandlungen mit den verbündeten Regierungen seien noch nicht zum Ab- schluß gekommen. Abg. Dr. Hammacher bedauert das, er ersucht den Staatssekretär, energisch vorzugehen und erklärt eventuell im Reichstag einen Antrag zu stillen, das Gewicht der einfachen Briefe von 15 aus 20 Gr. zu erhöhen. Er äußert ferner Bedenke» über die Entwickelung des Privatpostwesens, das er nicht gewaltsam beseitigen wolle, das aber einen für die Reichstpost bedenklichen Umfang an- nehme; auch wolle er wissen, wie der Staatssekretär über die Ermäßigung der Telephongebühren denke. Staatssekretär von Podbielski antwortet, daß ein neuer Portotarif im Sinne der Ausführungen deS Vorredners dem Bundesrath vor- liege und dieser in Kürze sich entscheiden werde. Die Fernsprech- gebühren ergäben zur Zeit eine Verzinsung der Anlagen zu 4 pCt., eine Ermäßigung der Gebühren für Telephone sei kaum angängig, da diese doch nur den Besitzenden zu gute komme, auch würde die nothwendige Verbesserung des Telephonwesens sehr er- hebliche Mehrausgaben erfordern, die nicht durch häufigere Benutzung ausgeglichen würden, namentlich erfordere der Fernsprechverkehr große Aufwendungen. Die Privatposten an- langend, so könnten sie weit billiger arbeiten, weil sie keine Ver« pflichtungen gegen ihre Beamten eingingen. Selbst sozialdemo- kratische Zeitungen erklärten, die Einrichtungen der Reichspost-Ver- waltung denen zener Privatposten in bezug auf Behandlung und Be- zahlung der Beamten und Arbeiter vorzuziehen. So gäbe z. B. die Reichspost-Verwaltung an Invaliden- und Wittwen- und Waisenpensionen 18 Millionen per Jahr aus, die Privatposten keinen Pfennig. Auch ließe die Reichspost z. B. in Berlin die Briefe und Sendungen täglich 12« bis 13 mal austragen, die Privaiposten nur höchstens viermal. Er werde aber durchzusetzen suchen, daß der geschloffene Brief, dem das Gesetz das Briefgedeimniß sichere, nur der Reichspost übergeben werden könne. Abg. Müller«. Sagau ist befriedigt, daß der Staatssekretär seine Stellung nicht um jeden Preis zur Unterdrückung der Privatposten anwenden werde. Die Privatpost habe sicher Mängel, aber sie habe veranlaßt, daß man zu größeren Reformen geneigt sei. Wolle man aber den Privat- posten das Recht nehmen, geschlossene Briefe zu befördern, wie der Staatssekretär wolle, so vernichte man die Privatposten. Abg. Müller Fulda erwartet, daß wenn man die Privatposten i» ihrer Thätigkeit und damit in ihrer Existcuzsähigkeit beschränke und diesen eine ge- wisse Entschädigung biete, alsdann auch an das Personal dieser Anstalten gedacht werde, das doch am meisten geschädigt würde. Er hoffe, daß die angekündigte Gesetzesnovelle bald komme; er plädirt für die Herabsetzung des Porto? sür die kleinsten Post- anweisungen. Bei der Herabsetzung der Telephongebühren kämen hanpt- fächlich die lokalen Gebühren in betracht, die dem gesammten Gewerbe- verkehr zu statten konimen würden. Staatssekretär v. Podbielski: Es sei die Absicht der Reichspostverwaltung, die Portogebühren für kleine Postanweisungen herabzusetzen, was auf dem Verordnnngs- wege durchgeführt werden solle. Auf die anderen Punkte werde er nicht eingehen, er werde seinerzeit im Plenum darauf eingehen, sobald die von ihm erwähnte Gefetzesvorlage zur Berathung stehe. Abg. Singer wünscht, daß das Strafporto sür unfrankirte oder nicht genügend frankirte Briefe aufgehoben werde. Der Staatssekretär erklärt, daß dies kein Strafporto, sondern ein Zuschlagsporto sei, das die Post für die ihr verursachte größere Arbeil fordern müsse. Die Aushebung dieses Zuschlags würde unhaltbare Zustände schaffen. Abg. v. Massow äußert Bedenken gegen eine Ermäßigung des Brief- portos. Abg. Singer wendet sich dagegen, daß inan die Telephongebühren nicht ermäßigen wolle, hier kämen größere Jutereffen in betracht� als man annähme. Er hätte gewünscht, daß der Staatssekretär die von ihm angekündigte Gesetzesvorlage vorher veröffentlichte, damit das Publikum eine Kritik üben könne. Die Privatposten seien nur möglich geworden durch die Vernachlässigung der Verkehrsinteressen der Post. Hätte letztere nicht vom rein fiskalischen Standpunkt ans ihre Maßnahmen getroffen, so hätten die Privatposten nicht entstehen können. Er poleinifirt gegen v. Massoiv, der gerade im Interesse der ländlichen Bevölkerung, die meist auf schwerem Papier ihre Briefe schreibe,«ine Erhöhung des Maximalgewichts der Briefe fordern sollte. Nach weitere» Bemerkungen des Staatssekretär? v. Podbielski und der Abga. Dr. Hammacher und Müller-Sagan und des Referenten Pansche wird die Debatte geschlossen und Titel 1 Einnahmen aus Post- und Telegraphengebühren 308 Millionen bewilligt. Die Einnahmetitel 2— 5 werden ohne Debatte genehmigt, ferner Titel 6— 3. Bei Titel 9 frägt der Referent an: wie eS mit dem in Aussicht ge« stellten Zeitnngslarif stehe. Slanlssckreiär v. Podbielski liest eine Erklärung vor, wonach durch den Wandel im Staalsfekretariat ein Aufschub eingetreten sei. Er selbst habe durch die Berathung der sonstigen Reformen keine Zeit gehabt, sich in befriedigender Weise mit der Sache ins Reine zusetzen, es sei außerordentlich schwierig, eine alle Interessenten befriedigende Reform zu finden. Abg. Singer fragt an: bis wann die Vorlage an den Reichstag kommen iverde. Der Staatssekretär antwortet, er hoffe, sie dem nächsten Reichstag vorlegen zu können. Die Abgg. Müller-Fulda, v. Kardorff, Müller-Saga», sprechen sich dafür aus, daß die Besörderung nach dem Gewicht der Zeitungen getroffen werden solle, wodurch hauptsächlich die 'Annoncenblätter zu treffen seien. Abg. Dr. Hammacher erklärt sich eventuell für eine Annoncensteuer. Abg. Müller-Sagan erklärt sich lebhaft dagegen. Er giebt zu erwägen, ob nicht eventuell der Raum für die Berechnung herangezogen werden solle. Abg. Singer meint, man soll nicht weitere Erhebungen aus Interessentenkreisen machen, darin sei genug geschehen. Er fei befriedigt, daß eine Vorlage für den Herbst in Aussicht gestellt sei. Abg. Dr. Hammacher verivahrt sich dagegen, daß er eine Aiinoncensteuer befürwortet habe, er habe nur ausgesprochen, daß eine Annoncensteuer schließlich nicht ausbleiben werde, falls der jetzige »stand weiter fortbestehen solle. Er sei g e g e n eine solche Steuer. s bctheiligen sich»och an der Debatte Abg. Prinz Arenbcrg, Müller-Saga» und Graf Roon, welch' letzterer sehr für eine Annoncen- stener ist, auch wen» die Hälfte der Zeitungen dabei zu gründe gehe. Die Position wird bewilligt. Man geht zum Etat der Ausgaben über. Abg. Lingeus fragt, wie es mit der Einstellung des Gcpäckverkehrs au» Sonntag stehe. Staatssekretär v. Podbielski: Man thne, was inan könne, aber ganz aufheben lasse sich der Sonntagsverkehr nicht. Abg. Lieber fragt an, warum die Postuiiterbeamten-Gehälter. nicht berücksichtigt worden sein. Er beantragt, die geforderte Er-� höhung des Gehalts des Staatssekretärs so lauge auszusetzen, bis die Frage noch den Unterbeamtengehälteru genügend beantwortet sei. Der Staatssekretär v. Posadowsky erklärt, es sei die Absicht der preußischen Regierung, gewisse Kategorien der Unterbeamte» im Ein- kommen zu verbessern und bitte, dieses Vorgehen abzuwarten. Er! nieint, nian löse vielleicht die Frage am besten, wenn man die Wohnungsgelder entsprechend den Preisverhältnissen der Orte er« höhe. Abg. Lieber konstatirt. er wolle mit seinem Antrag nur bezivecken, die Frage der Unterbeamtengehälter an der e»t- sprechenden Stelle zu erörtern. Abg. Bebel begrüßt den Antrag Lieber, der hoffen ließe, daß diesmal die Uuterbeamten zu ihrem Recht läinen; er wolle den Gegenstand vorläufig nicht weiter de« OmiFe»u'.1Q�et bemer!«, daß sein Fveuud Singer bereits den Antrag n»d so'. durch Aenderung der bezüglichen Etatsposition über ,,°v,,,!erj,,�ihalt der Unterbeainten diesen gerecht zu Iverden. Im Iveiteren .1?�>roS ffl /><■$« a«i»# a aa dein 5ir sür Eiirschränkung des Packetverkehrs ain Sonntage Sünde''"klinentlich für Schluß der Postgeschäsle am liclic 0 n 11!■,? 9 Nachmittag aus. Abg. Prinz Arenberg meint rnu müsse mehr Nncksicht auf die Arbeiter und kleineren Leute nehmen, als dies durch die gehörten Vorschläge geschehe. In den meiteren Erörterungen erklärt der Staatssekretär, daß die Postverwaltung den Dienst am Sonntag Nachmittag e i n st c l l e n wolle. Der Antrag Lieber wird angenommen. Nächste Sitzung Mittivoch vormittags 10 llhr. Der vom Abg. Singer eingebrachte Antrag lautet:„Die Sununen, welche zur Ausführung der vorjährigen Resolutionen i» betreff der Postunterbeamten und Landbriefträger nölhig sind. in den Etat pro 1S9S einzusetzen." Die Resolutionen verlangte» I. dasselbe Anfangsgehalt für die nach dein 1. April 189S angestellte» Unterbeainten, also 990 M. statt 890 M.; II. die Er- höhung des Höchstgehalts für Landbriefiräger von 999 M. auf 1999 M. Nach der dem Reichstag zugegangeue» Mittheilung sind die Erwägungen der Regierung hierüber noch nicht abgeschlossen. Der Antrag Singer bezweckt, den Willen des Reichs- tags dadurch zur Durchführung zu bringen, daß die für diese Ver- besserungen der Lage der Postunterbeainten erforderlichen Summen ebenso in den Etat eingestellt werden, wie die für erforderlich er- achtete Gehallserhöhung von K999 M. sür de» Staatssekretär des Reichs-Postamts. Die Koiiimission zur Vorbcrathung des Gesetzes, betreffend die Entschädigung der i in W i e d e r a u f n a h u, e- V e r- fahren freigesprochenen Personen nah»» in ihrer heutige» Sitzung den Z 1 des Gesetzes mit den in voriger Sitzung beschlossenen Aenderungen an, deren wichtigste in der Gewährung eines Eutschädiguiigsanspruchs auch für diejenige» Fälle besteht, i» denen das Verfahren nicht„die Unschuld", ivohl aber die Beseitigung der die Berurtheilung begründenden Verdachlsmomcnte ergiebt. Für die zweite Berathung wurde ein Antrag dahin vorbehalten, hier zu sage»: wesentliche Verdachtsmomente. Die§§ 2 und 3 gelangten unverändert zur Annahme. Mslhlbewegnng. Im Reichstags-Wahlkreise S a a r b r ü ck e n ist als Kandidat für die nächsten Rcichstagswahlen seitens der nationalliberale» Partei der bisherige Vertreter des Wahlkreises Justizrath Boltz in Saarbrücken ivieder aufgestellt worden. I» B u» z l a u stellte eine Vertrauensinänner-Verfammlilng der Konservativen, Nalionalliberalen und des Bundes der Landwirthe Herrn v. Koelichen als Reichstagskandidaten auf. Der Mmnpf der englisrhen MlAfchittendÄttee scheint nun endlich seinem Ende entgegen zu gehen. Die Nachricht, daß das Komitee beschlossen habe, die Achtstundenforderung zurückzuziehen, bestätigt sich. Ueber die damit geschaffene Situation schreibt uns unser Londoner Mitarbeiter unterm 19. d. M.: Die Zurücknahme dieser Forderung bedeutet, daß auch die Sperre der drei ausgesuchten Londoner Firme», die den Achtstundentag verweigert hatleu, aufgehoben ist. Damit»vürde die vom llnter- »ehmerbund verfügte Gegensperre sozusagen automatisch zu Boden falle». Die Nachricht war verfrüht, aber es sind Verhandlungen im Gange, durch Zurücknahme der Slreiknotiz die Prinzipale zu bewege», den Geivcrkschaften ein größeres Recht beim Arbeitsvertrag zuzu- gestehen, als dies auf der letzten Konferenz geschehen, und die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit entweder einem Schiedsspruch zu linter- , verfe» oder sie mindestens prinzipiell offen zu halten, bis hie neuen Satzungen erprobt seien. In ersterer Hinsicht sei folgendes bemerkt: Der Vorstand des Unlernehmerbundes bat am Montag, den 19. Januar, ein Plakat zum Anschlag vor den Verbandswerkstälte» herausgegeben, das die ans der letzten Konferenz aufgestellten Bedingungen enthielt, mit Noten dazu, in denen dieselben eine Auslegung erfahren, die den Wünschen der Gewerkschaften näher kommt, als irgend ein bisheriges Dokument von jeuer Seite. So verwahrt der Fabrikantenbund seine Mitglieder dagegen, eine besonders be- günstigte Klasse von Arbeitern schaffen zu ivollen, und erklärt er die Klausel, in der die Vorkehrungen gegen zukünftige Konflikte allst gezählt sind, dahin, daß Beschwerden von jedem etwa sich beuach- »heiligt fühlenden Arbeiter individuell von der Gemeinschaft der Ar- beiter der betreffenden Werkstatt„oder von den Vertretern der Gewerkschaft" zur Verhandlung gebracht werden könnten. Diese beiden Punkte sind aber in den Stipulationen selbst durchaus nicht so klar festgelegt, wie es die Gewerkschaften für nolhivendig halten. Sie wolleil hier ganz sicher gehen und»amentlich das Recht d e s Geiverkschaftsdelegirten zur Verhandluiig mit den Unternehmer» anerkannt ivissen. Der Verein der Maschinenbauer hat daher heute eine Antwort auf das obige Plakat veröffentlicht, worin er auf die Widersprüche in demselben veriveist lind»och einmal erklärt ,>was er verlange, sei„das Recht der Ver- tretung bei Zwistigkeiten zwischen Uuternehnitrn und Geiverkschafts- »uitgliedern in bezug auf Stück- oder Zeitlöhne, Arbeitszeit und Ueberzeitarbeit, sowie die Bezahlung sür Extra- Anfordernngen". Darüber hinaus beansprucht er keine Einmischung in die Betriebs- leitung. Er sei bereit, seine» Mitglieder» ans Herz zu lege», die besten Resultate aus den Maschine» zu erziele», den Unleruehmern das Recht der Vertheilung der Arbeiten zuzuerkenne», die Frage der Arbeitszeit einem Schiedsspruch zu unterbreiten, und bestreite mit Ent- rüstung.Bersuchen.dieProduklioi, zu mindern.Vorschubgeleislet oder den Werkführern bei Zlusübung ihrer Pflichten gegen die Unternehmer Schwierigkeiten in den Weg gelegt zu haben. Es ist klar und ersichtlich, und wird zudem von den„Daily News" deutlich zu verstehen gegeben, daß diese Erklärung das Resultat von Besprechlingen mit Vertretern der versöhnuiigslnstigen Sektion der Fabiikauten ist. Sie enthält im Grunde alles, was von feiten der Gewerkschaften zur Erzielung eines Friedensschlusses verlangt werde» kann, und man darf annehmen, daß damit ein entscheidender Schritt zur Beilegung des so lange hingezogenen Kampfes gelhan ist. Natürlich wird er mit gemischte» Gefühlen aufgenommen, vielleicht auch noch etwas hin und her geplänkelt werde», aber alles spricht dafür, daß A. Sellicks, der Vorsitzende deS Maschineubauer-Vereins, der gestern zur Ver- Handlung»nit der große» Schiffsbauflrina F a i r f i e l d in Glasgow war, mit gutem Fug den Reportern erklären konnte:„Es wird nicht mehr lange dauern." In den letzten Tagen haben in Lancashire Fabrikanten bekannt gemacht, daß sie bereit seien, ihre ausgesperrte» Arbeiter zu den im erwähnten Plakat auseinandergesetzten Bedingungen wieder ein- zustellen, doch müßten die Mitglieder der kämpfenden Gewerkschaften vorher aus denselben austreten. Auch wird von ernsthaften Ver- suchen gemeldet, Werkführer bezw. Vorarbeiter zum Austritt aus der Gewerkschaft und Eintritt in eine Privatversicherung zu nöthige». Das»värei» flagrante Verstöße gegen den Geist und Wortlaut des obenerwähnten Plakats. Als Entschuldigung könnte höchstens dienen, daß die Unternehmer sich während des Kampfes nicht durch dasselbe gebunden halten.__ Dem berstorbenci» Parteigeiiossci» Hugo Hillinani» widmet unser Elberfclder Brnderorgan, die„Freie Presse", einen tief- empfundenen Nachruf. Wir entnehmen demselben zur Ergänzung unserer frühereu Mittheilung das folgende: Schon seit längerer Zeit fand Hillmann, daß die Last der Kampfjahre besonders schwer aus ihn, laste. Er»vurde im St. Josefs-Hospital aufgenommen, mußte aber dort noch den Aerger erleben, daß man ihm, den, alten Revolutioitär, zutraue, er sei nicht mit sich selbst im Reinen; man»vollte ihn zur„allein- seligmachenden Kirche" zurückführen. Hillniann blieb nur»venige Tage in dem sür ihn ungastlichen St. JosefS-Hospital, war dann wieder eine kurze Zeit daheim, bis er vor einigen Tagen Aufnahme im städtischen Krankenhanse fand. Dort ist er Freitag Mittag um 1 Uhr im 7S. Lebensjahre gestorben. Das Leben Hillmann's ist zugleich ein Stück Geschichte der Partei, besonders der rheinischen Sozialdemokratie. Die erste öffentliche Thätigkeit, welche Hillmann entwickelte, geschah während der bürgerlichen Revolution 1348/49. Im Bergische» war besonders das Jahr 1319 das Anfstandsjahr. Am 9. Mai rückte Militär in Elber feld ein und es kam zum Barrikadenbau und Kampfe. Das Militär wurde zurückgeschlagen und die Aufständischen nahmen von dein Rathhaus Besitz. Es bildete sich ein Sicherheitsausschuß, der die Geschäfte der Stadt vorläufig übernahm. Zu diesem Sicherheits ausschusse gehörte auch Hillniann. Es ist bekannt, wie auch hier in Elberfeld infolge der Feigheil und Verrätherei des Bürgerthums der Aufstand sehr bald»iedergeschlagen wurde. Genug, nin sich den Krallen des Staatsanwalts zu entziehen. ging Hillinann nach London, wo er dein kommunistischen Arbeiter Bildungsverein beitrat. Damit dok»»ientirte er schon, daß er kein bürgerlicher Demokrat mar, wie seine Kollegen im Elberfelder Sicherheilsausschuß. Nach der Amnestie von 1361 kehrte Hillmann nach 11 jährigem Exil von London zurück. Gerade um diese Zeit nahm Lassalle seine intensive Agitation uuter den Arbeitern auf. und als»ach Veröffentlichung des offenen Antwortschreibens im Jahre 1363 der Allgemeine deutsche Arbeiterverein gegründet wurde, gehörte Hillmann zu den eifrigsten Mitgliedern. Es würde hier zu weit führe», auf die weitere, von inneren Kämpfen nicht frei gebliebene Enlwickelung der Partei näher einzu gehen. Hillmann, der in Elbelfeld eine Wirthschaft betrieb, wirkte hier bis zum Jahre 1831. In diesem Jahre fand der erste Vor läufer des großen Elberfelder Sozialistenprozesses statt. Die Polizei suchte nach den Theilnehmern des Wiedener Kongresses und auch Hillinann war in die Untersuchung gezogen. Judessen mußte die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen. Kurz darauf ging Hillmau», der, wie es den meisten Kämpfern für das Proletariat ergeht, eine» schweren Kampf ums Dasein zu führen hatte, mit seiner Familie nach Amerika. Im Jahre 1337 weilte er längere Zeit zum Besuch hier und kehrte dann nach Ab lauf des Sozialistengesetzes ganz von Amerika zurück. Obwohl damals schon nahe der 79, war Hillmann noch immer der„geborene Agitator"; seine fließende Beredtsamkeit riß die Massen mit sich fort, und er ließ keine Gelegenheit vergehen, zum Volke zu sprechen. Die letzte dieser Gelegenheiten bot sich ihm bei der Lassalle-Feier des letzten Jahres, wo er in Ronsdorf, auf historischem Boden stehend, seine Freude über die Erfolge der Partei aussprach. Sicher ist es ein erhebendes Bewußtsein für einen so alten Kämpfer, der fast alle Stadien der Bewegung von ihren kleinsten Anfängen an mitgemacht hat, a» seinem Lebensabend vor einer so tansendköpfigen Schaar begeisterter Anhänger sprechen und sich sagen zu können: Auch Du hast Dein reichliches Theil dazu bei getragen. Die bergischen Parteigenossen werden den Namen Hillinann in Ehren halten. Tor Sozialdemokratische Verein in Bielefeld hatte im Jahre 1897 eine Einnahme von 737,69 M., davon 689,99 M. aus Beiträgen. Aus dem Jahre 1396 war noch ein Kassenbestand von 118,13 M. vorhanden, so daß trotz der die Einnahme übersteigenden Ausgabe im Betrage von 8ö6,2S M. immer noch ein Ueberschuß geblieben ist. Der Mitgliedcrstand betrug am Anfang des letzten JahrcS 322 und zu Ende des Jahres 367; er ist also nicht un- beträchtlich gestiegen. Ju Tiisscldorf ist als erster Vertrauensmann gewählt der Parten genösse Karl Porges(Konkordiastr. 95, pari.), als zweiter der Parteigenosse I o h. S ch r i e r e r s(Btlker-Allee 167, pari.). Todtcnliste drr Partei. I» Posen starb der Parteigenosse Johann v. S i n n i ck i, von Beruf Korkschneider. Er war ein treuer Anhänger und Verfechter unserer Sache. Viele Genossen in Kottbus und Breslau, an welchen Orten er früher wohnte, werden sich seiner erinnern. Ehre feinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Der Parteigenosse Redakteur Rüdiger in Gera hatte am 13. Januar ein Verhör vor dem Untersuchungsrichter wegen des eihnachts-Artikels der beschlagnahmten Nummer 293 der„ R e u ß Tribüne". Der Artikel soll angeblich eine„Aufreizung der ver- schiedenen Bcvölkerungsklasse» zu Gewallthäligkeiten gegen einander" enthalten. Die„Geraer Zeitung" hat sich in der Rolle des Denunzianten gesallen._ Goweuksrhaf klirhes. Berlin und llnigebnug. I» der Bndapestcr Metallgießerei von Hilbert Fnlöp sind säninltliche Arbeiter wegen Lohnforderungen ausgesperrt ivorden. Der Direktor Herr Zimmer in an», der aus Berlin stammt, sucht, wie uns von B u d a p e st mitgetheilt wird. Ersatzkräfte von hier zu erhalten. Unser Hinweis auf den obigen Thatbestand wird ohne Zweifel genügen, die Berliner Metallarbeiter davon abzuhalten, ihren Budapester Kollegen in den Rücken zu fallen. Die Stellmacher haben beschlossen. den Fachverein am 1. April aufzulösen und sich irr corxoro dem Holzarbciter-Berbande anzuschließen. Achtung, Maurer? In Nr. 6 des„Vorwärts" vom 8. Januar ist uuter.„Geiverkschaftlichem" eine Notiz enthalten, unterzeichnet von den drei Mitgliedern der Lohnkommission von der zentrale» Richtung, die den Anschein erwecken könnte, als ob die jetzt zu einem „geivissen Streikfonds" gesammelte» Gelder unterschlagen würden. weil sie an die Lohnkommission nicht eingeliefert seien. Thalsächlich hat auch ein bürgerliches Blatt, die„Volkszeitung". die Sache in diesem Sinne ausgebeutet. Hierzu hat der Unterzeichnete zu erklären: Als am 11. Dezember 1397 die offiziellen Sammlungen auf Liste» zum Streikfonds der Maurer Berlins und Umgegend beendet waren, hielt ich es für angebracht, Marken herauszugeben, und zwar pro Stück zu 19 Pf. sür den Generalfonds der Vertrauensmänner-Zenlralisation der Maurer Deutschlands. Die Marken sind bei inir zu haben und bitte ich die Kollegen, bis zur Wiedereröffnung des Streikfonds der Maurer Berlins und Umgegend dieselbe» recht rege zu vertreiben XL. Di« Gelder für die bis jetzt ausgegebenen Marken sind bei mir eingegangen und wird selbstverständlich darüber seinerzeit Rechnung gelegt werden. Wilhelm U e ck e r t, Vertraueusmaim der Maurer Berlins lokaler Richtung, Calvinstr. 19. Holzarbeiter-Berbaud. Aus de» BezirkS-versamm- l u n g e n vom 19. Januar. Im Bezirk Wedding-Gesundbrunnen ist für die Zahlstelle Eteltinerstraße H. Popitz als Beitragssammler gewählt.— Im Bezirk Schönhauser- und Rosenthaler Vorstadt wurde» Werkstattangelegenheiten verhandelt.— Im Bezirk West und Süd-West wurde die Ersatzwahl der Werkstatl-Kontrollkominission vorgenommen. Gewählt sind: Zaßke als Beisitzer; Wieniers und Heier als Beitragsammler; Bartels, Hahn, Bublitz, Krüger, Eßmann, Pittrow und Schulz für Süd-West, Kunze, Wagner, Hirle, Mar- quardt und Lehmann sür West zu Mitgliedern der Kontroukommission. — I» allen Versammlungen waren vorher Vorträge gehalten worden. Verband der Graveure, Ciselenre rc. Heute Abend 7»/, Uhr Oranienstr. 5l: Generalversammlung. In Lichterfelde ist«ine Filiale des Töpfer-VerbandeS gegründet worden. Deutsches Reich. An die Arbeiter Deutschlands? Die Berliner Schuh- in a ch e r hatten durch ihre Organisation im Jahre 1896 nicht un- beträchtliche Vortheile errungen; innnerhi» waren es Zugeständnisse, welche die Fabrikanten ohne Schädigung ihrer Profite leicht trage» konnten. Aber den Herren war das Wenige zuviel. Angeblich, um das Angebot und die Nachfrage nach Arbeit zu regeln, gründeten sie Anfang des Jahres 1897 ein„Arbeitsnachweis- Bureau der Schuh» und Schäflefabrikanten". Doch bald stellte es sich heraus, daß durch diesen Arbeitsnachweis nur bezweckt werden sollte, mißliebige Arbeiter von der Arbeit auszusperren, denn nur diejenigen erhielten Arbeit, welche sich im Besitze eines ordnungs» mäßigen Entlassungsscheines befanden. Aus ver« schiedenen Gründen nahmen die organisirten Arbeiter damals keine entschiedenen Schritte gegen dieses Bureau und eine Aussperrung der Arbeiter, welche im Frühjahr desselben Jahres von de» Verbands- fabrikanten vorgenommen wurde, endete mit einem Vergleich vor dem Berliner Gewerbegericht. Die Fabrikanten gaben das feierliche Ver« sprechen ab, das Koalitionsrecht der Arbeiter nicht anzutasten, erklärten jedoch das ZIrbeitsnachweis-Bureau als ihr Privatunternehmen, in das sich die Arbeiter nicht einzunnschen hätten. Auf beiden Seiten fühlte man wohl, daß dieser Vergleich keine endgiltige Entscheidung war, und die Herren Fabrikanten fuhren fort, organisirte Kollegen zu maßregeln. Gegen Ende des Jahres 1897 mehrten sich die Fälle und wir halten das Bewußtsei», daß uns die Fabrikanten in der schlechtesten Konjunktur zu einem Kampfe reizen wollten, durch welchen sie uns auf Jahre hinaus lahmgelegt hätte». Die Agitationstommission hatte einen schweren Stand, die Kollegen von Unbesonnenheiten abzuhalten, um den Herren Fabrikanten keine Gelegenheit zu einer Machtprobe zu geben. Kurz vor Weihnachten de? vergangenen Jahres erließen die Fabrikanten eine sogenannte„einheitliche Arbeitsordnung", welche in höchst einseitiger Weise ohne Hinzuziehung der Arbeiter aus- gearbeitet war und in welcher Bestimmungen enthalten waren, die für die Arbeiter unannehmbar sind. Um die Arbeiter znr Annahme dieser Arbeitsordnung willfähriger zu machen, ließe» einzelne Fa- brikauten ihre Arbeiter um Weihnachten 19—14 Tage aussetze», so daß zirka 299 Personen ohne Beschäftigung waren. Mit der, Agitationskommission wollten die Unternehmer nicht verhandeln. Die Kommission, die dann aus der Mitte der in den Ringfabriken Beschäftigten gebildet wurde, konnte »ach längerem Hin und Her nur einige geringfügige Zugeständnisse für die Arbeiter erlangen und diese wurden von de» Betheiligie» durch geheime Abstimmung als ungenügend verworfen. Weitere Verhandlungen habe» die Fabrikanten abgelehnt. Wie es scheint, ist es von jener Seite daraus abgesehen, einen Kampf herbeizuführen, um die Organisation zu zerstören. Zwar haben heute, Montag, die meisten Fabriken die Arbeits- ordnungen bis zum 1. Februar zurückgezogen, so daß ein großer Theil der Kollegen noch nicht vor die Wahl geftelll ist, zu unterzeichnen oder ausgesperrt zu werde». Aber allem An- schein nach geschieht dies nur, weil gegenwärtig der Unternehmer- Verband Generalversammlung hal und dort wahrscheinlich der Kriegs- plan erst fertiggestellt werden soll. Wir müsse» deshalb mit der Wahrscheinlichkeit des Kampfes rechnen, weshalb wir unsere Kollegen im Reich bitten, vor allen Dingen den Zuzug fernzuhalten. Dann wird u»S auch der Sieg nicht fehlen. Die Agitation S-Kommiffion der Fabrik-Schuhn, acher von Berlin. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Ter Streik der Hanbfchnhmacher in Halberstadt bat ein schnelleres Ende gesunden, als erst anjimehmeü war. T.>s energische Austreten und der feste Zusanrmenhalt der Arbeiter hat die Fabrikanten bewogen, die Anwesenheit des Vorsitzenden vom Verband" der Handschuhmacher zu benutzen, um neue Verhandlungen anzubahnen, die dann auch zu einer Einigung führte», wobei die Arbeiter mit dem errungene» Erfolg sehr zufrieden sein können. Dieser ist um so höher anzuschlagen, da die Organisation der Hand« schuhmacher an diesem Platze erst in den letzten Jahren festen Fuß gefaßt hal und es die erste allgemeine Lohnbewegung war, die dort von der Organisation geführt wurde. Die Dachdecker in Erfurt haben an ihr« Arbeitgeber die Forderung auf zehnstündige Arbeitszeit, 49 Pf. Stundenlohn»nd be« stimmten Aufschlag bei gefahrvoller Arbeil gestellt. Diesbezügliche Verhandlungen beider Parteien sind im Gange. Gewerbegcrichtswahlen. In S ch w e i n f u r t haben unsere Gewerkschafleu einen glänzenden Sieg bei der Wahl in der Klasse der Arbeitnehnier zu verzeichnen; die von den Gegnern zirkulirende Liste erhielt sticht eine Stimme. Der gleich günstige Erfolg ist in Hückeswagen(Rhein- provinz) zu verzeichne», wo unsere Kandidaten mit großer Majorität gewählt wurden. AitSland. RnS LenS(Frankreich) wird gemeldet: Infolge eines Ueberein- kounnens zwischen den Arbeitgebern und den Ausständigen wird der Ausstand in den Kohlenbergwerken von Drocourt als beigelegt betrachtet._ Depeflsien und letzte Ltachieichkem Budapest, 16. Januar.(B. H.) In Niyrbakta ist gestern ein« agrar-sozialistische Revolte ausgebrochen. Die Aufständischen er- stürmten das Rathhaus. Der ihnen entgegentretende Sluhlrichter wurde schwer verletzt. Erst durch das Einschreiten von Gendarnierie und Militär konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Die Rädels- sührer wurden verhastet. Paris, 17. Januar.(W. T. B) Deputirtenkammer. Cavaignac erklärt, daß er die Regierung über die heutige Note der„Agence Havas" inlerpelliren wolle, i» der die Veröffentlichung der Aeuße- rungen des Hauptmanns Dreysus gegenüber dem Haupt« man» Lebrun- Renault abgelehnt wird. Ministerpräsident Meli»« beantragt, die Berathung der Interpellation zu vertagen. Redner bittet die Kammer, das Land zu beruhigen, indem sie ihre Arbeite» wieder aufnehme; es sei nölhig, daß das Budget bewilligt und die Angelegenheit Dreyfns, deren sich der Parteigelst bemächtigt habe, bei seile gelassen werde. Das Haus beschließt hierauf mit 319 gegen 252 Stimmen entsprechend dem Antrage des Minister- Präsidenten. Lyo», 17. Januar.(W. T. B.) Studenten veranstalteten vor dem„Journal du Peuple", welches für Zola Partei genommen hatte, Kundgebungen und zerlrüminerlen die Fensterscheiben deS Hauses. Das Personal des Blattes setzte sich zur Wehr; einige Studenten wurden durch Stockschläge und Steinwürfe verwundet. Marseille, 17. Januar.(W. T. B.) Gruppen von Tausenden von Manifestanten riefen vor Geschäflshäuser, die im Besitz von Israeliten sind:„Nieder mit de» Jude», Tod den Inden!" llnter de» Fenster» eines von Osfizieien bewohnten Hauses wurde gerufen: Es lebe die Armee!" Der Straßenverkehr ist unterbrochen. Ancona, 17. Januar. Durch ei» sozialistisches Manifest war die Bevölkerung aufgefordert worden, gegen eine hier erfolgte Erhöhung der Brolpreife zu protestiren. Heule Vormittag begäbe» ich etiva hundert Frauen mit ihre» Kindern nach dem Raihtmus«, Ulli eine Herabinindernng der Brolpreise zu verlangen. Der Bürger« meister versprach. alsbald entsprechende Maßnahmen zu treffen. Inzwischen hatte sich ein großer Hanfe Männer dazu gesellt. Einige Kinder warfen Steine gegen die Fenster des RalhhauseS. Nachdem Polizei den Play vor dem Ralhhanse gesäubert Halle, ergoß die Menge sich, von der Polizei verfolgt, in die Straßen und zerlrümmerte durch Steinwürfe mehrere Schau» enster; infolgedessen wurden die Geschäfte geschlossen. Es kam zu Tuniulten; einige Beamte der öffentlichen Gewalt und eine Frau wurden verwundet. Mehrere VerhasUmgen wurden vorgenoininen. Die Kimdgebuuge» wurden fortgesetzt, um die Entlasjung der Ber» hastete» zu erwirken. Barcelona, 17. Januar.(W. T. B.) Die Flüsse Llobregat und Besos sind ans den Ufern getreten und haben die umliegenden Ortschaften überschwemmt. Mehrere Hänser sind eingestürzt. Der Verkehr der Eisenbahnzüge zwischen Mnrcia und Alicante ist unter- brechen. Das Steigen der übrigen Flüsse hält an. Der Schaden ist beträchtlich; einige Menschen sollen das Leben eingebüßt baden. Berautivortlichcr Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u. Iluterhaltnugsblait. lt. Ii 15. folrpnj. 1. Scilfijt iits„ Dikifts, 18. Inniinc 1898. Vcichskag» 18. S i tz n n g. Montag, den 1 7. I a n u a r ISlZS. Tlin Bundesrathstische: Gras v. P o s a d o w s k y. Präsident v. B u o l eröffnet die Sitzung nach 2'/« Uhr. Abg. Himburg(konff): Ter Abg. Stadlhage» hat in der letzten Sitzung zwei SHechtssälle, die unter meinem Vorsitz»erhandelt wurden, zur Sprache gebradzt und mein Verhalten dabei sehr scharf krilisirl. Ich will i» dieser Beziehung u»r sagen: Beide Fälle sind von ihm theils unriditig, theils unvollständig wiedergegeben. Ich bin der Meinung, daß ich in beiden Fällen ganz korrekt gehandelt habe. Wenn der Abg. Stadihagen anderer Meinung ist, mag er sid, bei meiner vorgesetzten Behörde beschwere». Im übrigen kaim ich ihm nur anheimgeben. dieselben Acußernngen, die er hier gethan hat, an einer anderen Stelle außer- halb des Reichstages zu wiederholen.(Zuruf von Bebel: Das hat er gar nicht nöthig!) Ich bin zivar persönlich beleidigt, muß aber das Interesse meines Amtes wahre».(Zurufe bei de» Sozial- demokrateu.) Abg. Siadthagen(Soz.) zur persönlichen Bemerkung: Ich kann gegenüber den Aeußernngen des Abg. Himburg nur wiederholen. daß ich die beiden Fälle erstens richtig vorgetragen habe und zweitens, daß sie bereits in der Oeffcnllichkeit verhandelt worden sind. Er selbst hat in einem Zeitungsartikel versucht, dagegen zu polemisircn. Jd> muß gegen de» Versuch, rein sachliche Momente nadsträglich in dieser Art aus dem Nahmen des Reichstages hinauszerren zu wollen, cntsd)ieden protcstire»(Lachen rechts). Diese Art mag ja für ihn etwas Angenehmeres sein, aber ich braudie aus diese Provokation nidzt einzugehen. Die heutigen Ausführungen bestätige» auch lediglich, wie recht ich hatte, so vorzugchen. Abg. Himburg(k.) zur persönlichen Bemerkung: Nur der eine Fall ist besprochen, aber in ganz anderer Form. Im übrige» muß id) bei meiner Erklärung bleiben. Ich will heute nicht weiter daraus eingehen, da id) den stenographischen Bericht noch nicht gelesen habe, »verde es aber nicht unterlafsen, bei paffender Gelegenheit daraus zurückzukommen. Abg. Stadthageu(Soz.)(Echlußrufe auf der Rechten!) zur pcrsönltdzen Bemerkung: Jetzt rufen Sie(zu der Rechten) Schluß. nachdem Sie die Sad>e selbst provozirt haben. Im ziveite» Fall habe ich doch lediglich die Worte des Urtheils, das der Abg. Hirn- bürg gefällt,»vorlgetreu angeführt. Es steht ihm ja frei, hier im ilieichstag darauf zu reagire». Das Haus tritt nunmehr in die Tagesordnung ein: Zweite Lesiliig des R e i ck; s h a u s h a l t s- E t a t s. Dieselbe beginnt mit dem Spezialetat des Reichstags. Abg. Lieber(Z.) lenkt die Ausmerlsainkeit des Hauses ans den Zustand der Bibliothek, der, zumal seit dem Umzug in das neue Hans, sehr besriedigend sei; im speziellen gilt dies von der Hand- brbliothek. Nunmehr macht sich aber dringend das Bedürsniß nach einem neuen Kataloge geltend; ich beantrage, daß von den für die Neuanschaffung von Bücher» bervilligten 30 000 Mark auch die Herstellungskosten des Kataloges bestritten»verde» sollen, die inklusive Inhalts- Verzcichniß und Kosten für die Handbibliothek zirka 15 000 M. betragen»Verden. Da würde freilich für die Bibliothek selbst»venig bleibe»; ich beantrage daher Vermehrung des Etats zum Zinkauf von Büchern. Abg. Pansche(»all.) findet die Bibliothek recht lückenhaft, be- hält sich einen Antrag für die dritte Lesting vor. Abg ho» Kardorff(Reichsp.) konstatirt, daß der Zustand des Zeilnngs-Leseziinmers geradezu miserabel ist und»vünscht dringend Kompletirung der in- und ausländischen Zeitungen. Der Etat des Reidrstags»vird bewilligt. Es folgt die Berathung des R e i ch s a m t s des Innern Abg. Hitze(Z.): Ich stimme mit den, Herr» Staatssekretär Gras Posadoivskl) darin übercin, daß es sich jetzt darum handelt, die sozialpolitische Gesetzgebung, veiter auszu- bauen. Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe solle» auf weitere Eriverdszweige Anivcndung finden, vor allem bei»» Verkehrsgewerbe. Es handelt sich um Schutzbestinrnrungen für»veitere Industrien, so bei der Hausindustrie; da sollen zunächst Erhebungen veranstaltet»verde»,. Es ist ferner anerkannt rvordcn, daß das Jnvalidilälsgesetz eines»veitern Ausbaues dringend bedarf; es handelt sich in erster Linie um eine Erhöhung der Invalide» reute und um einen Anschluß der Juvalidiläts- an die Kranken Versicherung. Die ganze Arbeiterversicherung muß nach jeder Richtung hin enveitert»verde». Die Prinzipienfrage ist entschieden, jetzt heißt es: die Prinzipien thalkräftig in die Praxis zu übersetzen. Gegenüber einer Bemerkung des„Vönvärts" über unsere Stellung zu dem Runderlaß des Staatssekretärs erkläre ich ausdrücklich im Namen meiner Freunde, daß wir von dem Runderlaß»id)ts gewußt habe». Die Koalitionsfreiheit der Arbeiter verstehe ich allerdings auch so, daß mau den Arbeiter» auch das Recht geben mnß, sich eine Koalition zu schaffe» in den Formen, die sie für richtig halte». Ich komme jetzt zu meinen» Antrag. Wir»vollen eine Zusammen stellung der auf grund des§ 105 e der Gewerbe-Ordnung für Bc- triebe mit Wind und unregelmäßiger Wasserkraft getroffene» Vev sügnngen und Entscheidungen. Auf unser» Wunsch hat der damalige Staatssekretär in, vorigen Jahre eine Zusammenstellung der bisher auf grund des tz 105 s erlassenen Arbcilerschutz- Bestimmunge» uns zugehen lasse»; diese hat sich außerordentlich bervährt. Nun sind in diesem§ lvS o die Ausnahmen für die Ein- Haltung der Sonntagsruhe vorgesehen, und als solche speziell das Müllergcwerbe, das Bäckergeiverbe, die Betriebe mit unregelmäßiger Wasserkraft u. f.>v. bezeichnet. Diese Vorschriften»verde» in sehr verschiedenem Maße gehandhabt. Es ist nun ausdrücklich bestimmt »vorden, daß höchstens eine Ivstündige Arbeitszeit zulässig ist. und zivar zir dem Zwecke, damit den Angestellten dem Morgen-Gottes� dienste beizruvohnen Gelegenheit gegebe»»verde. Die Maximalziffer schwankt aber in verschiedenen Gegenden ganz erheblich, z.B.»vird in Würzburg einfach den ganzen Sonntag durchgearbeitet; die Saale»vird in Naumburg als unregelmüßige Wasserkraft betrachtet, in Sachsen als regelmäßige; das ergiebt naturgemäß eine ver- schieden« Handhabung der Sonntagsruhe in den i» betracht komniende» Betriebszivcige». Die Papiersabrikanien haben in einer Eingabe an die Regierung seinerzeit auf diese Verschiedenheit hin gewiesen, die sie sehr schädigt, ohne auch nur eine moralische Unterstützuug gefunden zu habe». Wir»vollen der Hoff- nung Ausdruck geben, daß der Herr Staatssekretär nunmehr auf die in unserem Antrag enthaltenen Wünsche eingehen»vird.(Beifall im Zentrum). Staatssekretär Graf PosadowSky: Ick»»verde mich auch ferner »nit der Regierung in Verbindung setzen darüber, ob eine Sanimlnng der einzelnen Verordnungen z»§ 105 der Gewerbe-Ordnung veranstaltet werden soll. Wenn Beftimiiiungen erlassen»verde», solle» sie nicht nur ans dem Papier stehen bleiben, sondern müsse» auch aiis- geführt werden.— Auf die Anfrage über die Novelle zur Konfek- tidnsverordnung habe ich folgendes zu beinerken: Bei einer noch- »inligen Prüfung ergab sieh, daß eine solche Novelle außerordentliche Schivierigkeite» machen»vürde. Es ist auch daraus hingewiesen, daß die in der Hausindustrie Besdiäftigten der 5kra»ke»versiche- rung»»te, liegen sollten, wie ja auch Anträge vorliegen, daß die ganze sozialpolitische Gesetzgebung ans die HauSindustrie ausgedehnt werden sollen. Es scheint besser, dies im Zusammenhang mit einer allgemeinen Regelung dieser Frage zu erledigen. Jedenfalls»vird Ihnen im Laufe des nächsten Jahres eine Novelle zur Geiverbe- Ordnung vorgelegt»verde», und wir»verde» dann auf diese Frage» »vieder zurückkomme«. Abg. Wurm(Soz.): Zunächst haben wir Beranlassung, uns mit der Per on des neue» Herrn Staatssekretärs und seinen» neuen Programm zu beschäftigen. Auf das, was kommen mußte, »varen»vir ja zur genüge vorbereitet. Wir wußten, was öffentliches Geheimniß ist, daß die Gnade der v. Stumm und Plötz mit dem sein würde, der jene bekannte Rede in die That umsetzen würde, die in eine Drohung ausklang, daß man diejenigen, welche die Arbeitswilligen verhindern würden, Arbeit zu verrichten, aufs schiverste bestrafen»nüßte. Wir wußten auch bereits daß das Programm des neuen Herrn Staatssekretärs heißt: Vernichtung der Gewerkschaften. Unter dem Vorivandc. Ausschreitungen, die bisher in Deutschland fast gar nicht vorgekommen sind(Zuruf rechts: Oho!). zu verhindern sollen die Arbeiter geknebelt»Verden zu gunsten des Unternehiner thums, das au den reichen Profiten der letzten Geschäftsjahre nicht genug hat und gern möchte, daß die Arbeiter zu Hörigen herabgedrnckt würden! Der Herr Staatssekretär hat aber bereits Proben seiner Anschauungen gegeben, als er im Dezember vorigen Jahres in seiner Elatsrede die Worte fallen ließ, daß in einen, Lande, in dem das direkte allgemeine Wahl recht besteht, es»veniger nöthig sei, solche Geiverlschafteu zuzulassen Das direkte allgemeine Wahlrecht, Herr Staatssekretär? Ich hoffe daß das geheime nur aus Zusall weggeblieben ist. Was hat dieses Wahlrede uns denn bisher gegeben? Haben Sic nicht alte die Forderungen, die von den Vertretern der Arbeiter gestellt»vurden, de» Normalarbeitstag, den Achtstundentag, nicht gebilligt? Haben Sie den Arbeiterschutz ausgedehnt ans jene Zufluchts stätte des Elends, ans die H a il s i» d u st r i e? Habe» Sie zur Aus führung der Ueberivackung der Arbeitsstätten die genügenden Beamten solche von grnügcnde. Qualität, von genügendem Vertraue» seitens der Arbeiter, eingesetzt? Statt dessen haben wir gesehen daß Sie die Macht, die Sie leider noch besitzen, benutzen Stenern und Steuer» aufzulegen. Sie haben außerdem jede Gelegenheit wahrgenommen, den Arbeiterkoalitionen das Leben so sdiwer wie möglich zu machen. Sie habe» nie ei» Wort der Mißbilligung gefunden, wenn Arbeiter gcmaßregelt wurden weil sie Mitglieder einer Gewerkschaft ivare», also von ihrem Koalitionsredst Gebrauck, machten! Sie haben den Unfug geduldet, der mit dem„Groben Unfug- Paragraphen" getrieben wurde. Wir wissen von einer lange» Reihe von Strafen aus grund dieses»eueste» Erzeugnisses juristische» Schauspiels! Der neueste Kurs mußte etwas ganz Nagelneues bieten. Die sd>lolterude Angst(Lachen rechts) spricht aus de» neuen Maßnahmen Sie haben sid, nicht gescheut, gegen den Vertreter der Hirsch Dnncker'schen Gewcrkvereine vorzugehe»! Selbst diese haben Sie »idst geduldet, und da»vollen Sie uns»veißmachen, daß das aus übergroßen» Muthe geschehe. Das ist dem Gefühl entsprunge», daß die Arbeiter,»venu sie nur irgend eine Organisation haben,»idst »nehr sich allem fügen, sondern bessere Löhne, bessere Behandlung verlangen. Dann fürchten Sie, könnte» Prozente des Prosits flöten gehen. Der Herr Staatssekretär hat diese Angst gelheilt. Was er über die Gewerkschaften im allgemeinen gesagt hat, ist so sonderbar »lurichtig, daß es nur von dem Gefühl großer Angst eingegeben sein kann.(Sehr»vahr! links.) In allen Kreisen der Sozial refornrer, nicht nur bei uns, hat es selber Lachen erregt. Daß die englischen Streiter sich gegen die Arbeit sparende» Maschinen ge ivendet haben sollen, das sind uns Märchen, mit denen Sie kleine Kinder ängstlich machen könne». Selbst der Professor Lujo Brentano hat Ihne» die riditige Antwort gegeben, daß nia» vielleicht vor 50 Jahre» daran gedacht hat, aber jetzt nicht mehr. Sie, Herr Staatssekretär, habe» i» Ihrer Rede erklärt, es sei absichtlid;e Uebertrei bring der Presse, ivenn man ihnen zumuthe, daß Sie in der Sozialrefornr Stillstand eintrete» lassen wolllen, Sie wäre» der Meinung, der Arbeitsvertrag müßte sich au das Pielätsverhällniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern stützen und es dürfe nicht dahin koinmeir, daß der Bürger des Abends mit dem Polizisten ins Bett gehe und morgens»nit ihm ausstehe. In Ihrer Abscheu vor dem Polizeistaat und Ihrer Vorliebe für das palriard>alische Verhältniß haben Sie and; Ihr Rundsdireiben erlasse»,— am 11. Dezember, also ein paar Tage vor Ihrer Rede,— das einer der unerhörtesten Streiche gegen die A r b e i t e r b e>v e g n n g ist, die je ge lhan»vorden sind(Sehr»vahr! links), ein Streich, wie er der Ar- beitcrschaft noch nie zugefügt worden ist; den» zu Zeile» Puttkamcr's hat man nicht in dieser Weise, so sdiroff und grade heraus jegliche Arbeiterorganisation vernichten»vollen,»vie Sie es»ad) Ihre» Fragen in dem Erlasse vorhabe»!(Beifall bei de» Sozialdemotrate».) Schon daß Sie sich gescheut haben, de» Erlaß öffentlich ergehen zu lassen, be>veist, daß Sie sich bewußt»vare»,»velchen Schlag Sie gegen die Arbeiter führte». Daß»vir den Erlaß zugeschickt be� kommen haben, beweist, daß es auch in Ihre» Kreisen Unzufriedene giebt, die Ihre Maßnahmen nicht für richtig hallen, obgleich sie Ihnen diene». Der Erlaß macht die Koalitionsfreiheit zu einen» Messer ohne Hest und Klinge, er niadit ihr ein Ende. Was rechnet der Erlaß nidit alles zu den unerlaubten Mitteln?(Sehr ridstig links.) Das Postenausstellen ist bisher sdioi» als grober Unfug be straft»vorden. Jetzt soll das anscheinend nicht mehr genüge». Jetzt will man»vohl noch mit Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte vorgehen? Die Beivachung der Bahnhöfe:c. soll ein unerlaubtes Mittel sei». Aber»venu die Unternehmer schwarze Listen aufstellen, dann sagen der Staalsanivalt und der Staatssekretär, das ist richtig gehandelt' (Sehr richtig, links.) Wenn der Arbeiter zu seinem Arbeilsgenosseii sagt: Sei kein Sd)urke, sei kein schlechter Mensch, sei kein Streik brechet, so soll das unerlaubt sein. Dem Unternehiner wird aber kein Vorivurf gemacht,»venu er sich mit seinen Kollegen vereinigt, im Gegentheil, er»vird dazu aufgefordert,' ick) erinnere a» die Ermahnung, die der deutsche Kaiser de» Hamburger Rheder» zu theil»verde», ließ. Während es in der Bielefelder Kniserrede»od) hieß: Schiverste Strafe dem, der einen Arbeiter an freiwilliger Arbeit hindert, heißt es jetzt Einschränkung der Streiks. Das heißt die Arbeiter»vehrloS mache». Wenn die im Erlasse an- gedrohtcn Dinge i» die Praxis übergeführt»verde», dann sind die Geiverkschafte» vernichtet.(Sehr richtig, links.) Dann bekomme» sie einen Mühlsteiu um den Hals, und ma» sagt ihnen: Nun, gehl damit sdziviniine». Dann hören die Arbeiter auf, gleich berechtigte Bürger zu sein, dann»verde» sie zu Staats� bürgern zweiter Klasse gestempelt.(Sehr richtig, links.) Das zweierlei Maß wird ja überall von» Regierungstische aus ge predigt, aber der Erlaß übersteigt doch vieles Mögliche, trotzdem uns ja die Stellung der Staatsbehörden znm Koalitionsrecht bekannt ist, haben»vir ihn nicht für möglich gehalten. Wie hat sich zum Beispiel die Behörde der Organisation der Eisenbahner feindlich gegenüber gestellt. Wie geht es z. B. anf de» Musterwerkstätten der Werften zu? I» der Arbeitsordnung der Werften heißt es, daß Leute, die nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenreäite sind und sozialdemokratische Agitatoren nidit angestellt»verde». Also Ehrlose und sozialdemokratische Agitatoren»verde» hier auf eine Stufe gestellt. Aber es»verde» auch Leute ent- lasse», die gar nicht politisch thälig»vare», sondern nur in Ge iverkschafls-Versanimlnugen als Redner aufgetreten sind. Das ge nügle schon. Wir»vollen den Unternehinern nicht das Recht der Koalition beschränke»,»vir fordern nur Gleichberechtigung für die Arbeiter. Ii» Juli 1689 sagte der deutsche Kaiser zu de»»vest- fälisd;«» Großindustrielle», das Bestreben der Arbeiter nach besserer Existenz sei begreiflich und im Februar desselben Jahres äußerte er sich zu Herrn Rösicke und den, inz>visd>en von der Sturnifluth hiiuveggeschlveliiinten Dr. Bödiker, der Arbeiter niüsse vor allem das Gefühl der Gleichberechtigung haben, und jetzt 1897»vill»»an ihm das Koalitionsrecht nchmen, alles das»ehmen,»vas dem Unternehmer ohne weiteres gestaltet ist. Und»venu ma» nach Gründen sucht, »vird man höchstens den finde»», daß der Arbeiter von dem Profit der Unternehmer auch etwas haben»vill,»vie der Kaiser gesagt hat, an den Forlschritte» der Produktion theilnehme» will und bestrebt ist, sich eine bessere Existenz zu erringen. Vielleicht geht es Ihnen noch einmal so, Herr v. Pofadowsky, wie es Herrn v. Berlepsch ge« gangen»st. Der Minister a. D. hat eingesehen,»vie unrecht er hatte, sich gegen die Koalitionsfreiheil zu wenden. Er spricht in der „Sozialen Praris" von dem zweierlei Maaß gegen Arbeiter und Unternehiiier, von Willkür, die Erbitterung hervorruft. Das sind recht bcherzigenswerlhe Worte, beherzigensiverth besonders fnr> Staatssekretäre(Heiterkeit) und ebenso hat sich der frühere Unter- Staatssekretär v. Rottenburg gegen die Beschränkung der Koalitions-- sreiheit gewendet. Er bezeichnet die Gewähr der Koalitions- freiheit nur als einen Akt der Gercdztigkeit gegen die schon schlecht genug gestellten Arbeiter(hört, hört, bei den Sozialdemokraten)� Statt erhöhte» Schutzes kommt i»aii jetzt mit erhöhter Bestrafung� mit erhöhtem Trutze gegen die Zlrbelterkoalitionen.(Sehr richtig!i bei den Sozialdemokraten.) Nodz sind wir zum Glück nicht so»veit� noch liegt zwischen Wille und That hoffeullich so viel Zeit, daß das deutsche Volk dabei ein Wort milsprecchen kann, ob die Arbeiter- klaffe geknebelt sei» soll, oder gleiches Redit zu beanspruchen hat.(Bravo! bei den Sozialdeinokratell.) Wir danken dem Herrn Staatssekretär dafür, daß � er uns eine so vorzügliche Wahlparole gegeben hat.(Sehr gut bei den Sozialdeinokralen.) Mit diesem Manifest in der Hand iverde» ivir vor die Wähler treten und ihr Verdikt wird lauten: Weg mit diesem Ministerium, weg mit dieser Regierung! Die Arbeiter solle» nicht Hörige»Verden, sondern gleichbered)!igt sein. Sie aber»vollen sie zu Sklaven mache»!(Bravo bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Gras Posadoivbkt): Ich begreife nicht,»veshalb sich der Abg. W»r»i in solche Erregung hineinredet. Will er dod> mit diesem Manifest in der Hand vor die Wähler trete». Da sollte er mir dock) eher dankbar für de» Erlaß sein. Ich»vundre mich nur, daß ich nicht zum Ehrcumitgliede der sozialdemokratischen Partei ernannt werde.(Sehr gut! redsts. Ruf links; Lächerlich.) Vizepräsident Schmidt: Ich habe eben den Ruf„lächerlid)" gehört, der sich gegen eine Aeußerung de? Ministers ivendet. Ich rufe den betreffende» Herrn zur Ordnung. Staatssekretär Gras PosadoivSkch(fortfahrend): Der Erlaß, über dessen Erwerb durch de»„Vorwärts" ich mich am Schlüsse meiner stiedc äußern werde, rickitet sich durchaus nicht gegen das Koalilionsrechl der Arbeiter. Die Stelle, die von dem Terrorismus gegen die Arbeitswilligen spricht. ist»id)ts als die>v ö r t l i ch e Uebernahnre einer Stelle aus der Petition, die der deutsche I n n u» g s v e r b a n d an den Bundesrath»md den Reid>skanzlcr gerichtet hat.(Hört! hört! bei den Sozialdcmo- kraten.) Solche Petitionen gelangen in saldier Zahl an»ns, daß die Regierung in der That die Frage prüfen»»»ß, ob der Staat»virklich alles thut, um die Arbeilswilligei, gegen Terrorismus zu sd>ützell. Ihre Angriffe(zu de» Sozialdeino- kraten) werde» uns dabei nicht störe». Wissen»vir doch:»vir ver- lheidigen danrit nur die bürgerliche Freiheit!(Bravo rechts. Lache» bei de» Soziatdemokraten.) Ich kenne kein größeres Unrecht, als einen Arbeilswilligen an der Arbeit zu hindern.(Bravo! rechts.) Wir haben die Pflid)t,»vir haben die Macht und»Verden sie,»venu dieser Terrorismus uidst aushört, rücksichtslos anwenden. (Bravo! rcd)ls. Unruhe links.) Der Abg. Wurm hat von»»einer schloltcriide» Angst gesprochen»lud im„Vorwärts" lese ich, daß der Graf Posadoivskr, den Ausfall der Wahlen nicht überleben wird. Solche Redeiisarle» lasse» mich absolut kalt. Wir haben keine Angst,»vir»Visse»,»vas»vir wollen und»Verden die »olhiveiidigen Maßregel» nöthigenfalls mit Entschiedenheit durch- führen. Daß wir Zustände,»vie sie i» England sind, uid,l wolle», brauche id) Ihne» nicht erst zir sage». Dort wolle» die organisirtc» Arbeiter bestiuiincn, wen der Unternehmer zu besd)äftigeri hat. Das kann kein Vorbild für uns sei». Dann ist ja der Besitzer nicht mehr Eigenthünikr der Fabrik, sondern die Fabrik ist Kollektiv- eigenlhuin.(Sehr ridstig! rechts.) Es ist eine unglaubliche Neber- treibung, wenn der Abg. Wurm sagt, die Koalitionsfreiheit solle beseitigt werden. Das.Reskript..... spricht von der„grundsätzlichen Aufrcditerhnllung der Koalilionstreiheit". (Lache» bei de» Sozialdemokrale».) Es ist gewiß begreiflich, wen» der Arbeiter seine Lebensbediligungen zu verbessern trad)tct, aber es ist durdiaus liid)t richtig, wen» ein Streikender durch Drohungen, Ehrverletzunge»»»d Verrufserklärungen die Arbeitswilligen zu arbeiten hindert. Das wolle»»vir eben unterdrücke». Daß sold>e Maßnahme» nothwendig sind, dafür ist der beste Beweis, daß schon jetzt einzelne Gcrid)te das Ausstelle» von Streik- posten n»ter Strafe stelle».(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Einen unglücklidierc» Kronzeugen, als den frühere» Minister von Berlepsch, konnte der Abgeordnete Wurm unuiöglich zilire». Wen» Freiherr v. Berlepsch noch im Amt»väre. müßte er denselben Standpunkt ciiiiiehnlen, dem er 1391 amtlich Ausdruck gegeben hat. Da sagte er ausdrücklich, daß solche Bestimmunge» sachlich nolhiveudig seien und daß der Reichstag, wenn er jetzt Straf- bestiniliiunacn gegen den Zivaug zur Arbeitseinstellung, gegen die öffentliche Aufreizung zun» Konlraktbruche ablehne, sich auf die Dauer der Pflicht, für die Anfrcd)terl)altung der öffentlichen Ordnung zu sorgen, nicht entziehen könne, sonder» in späterer Zeit»vieder vor dieselbe Frage gestellt»verde»»»verde.(Hört, hört! rechts.) Frei- Herr von Berlepsch hat sid) also damals wörtlich auf deu Stand- punkt des Reskriptes gestellt. Das Reskript ordnet nur Erhebungen a»; es bringt noch keine E»tsd>ließil»geil, keine Gesetzesvorlage. Der Abg. Wurm meinte,»vir hatte» das Schreiben als vertraulich be- zeichnet,»veil»vir uns gescheut hätten, es in die Oeffentlichkeit zil bringen. Ja, glauben Sie denn, daß jedes Aktenstück, das von Re- gierung zu Regierung geht, im„Staats-Anzeiger" publizirt»verde» soll? Wo existirt eine Regierung, die solches thäte? Erst muß die Regierung sich im eigne» Echooße klar»verde»», dann erst könuc» Gesetzentivürfe ausgearbeitet iverde». Die fort- gesetzten Publikationen amtlicher, ja vertraulicher Schrift- stücke zwinge» mich, einmal über die Art solcher Eriverbimge» zu spreche». Es ist ei» sehr euphemistischer Ausdruck, wen» gesagt wird, solche Schriftstücke flögen auf den Redaklionstisch. In Wirk- lichkeit sind solche Veröffentlichungen nur dadurch möglich, daß ein Beamter seinen Diensteid bricht, de» Weg der Treue verläßt und zum Verräther an seiner vorgesetzten Behörde»vird(Sehr richtig! rechts) und daß sich Zeitungsredaktlonen finde», die sold,e Schriftstück« veröffentlichen, obwohl sie wissen, daß sie unrechtmäßig erivorben sind. Es ist ein trauriges Zeiche» der Zeit, daß es solche Preßorgane giebt.(Bebel ruft: Das ist der Krieg.) Das kann man nicht anders kennzeichne», als»nit dem Sprichivort: Der Hehler ist nicht besser, als der Stehler.(Sehr richtig! rechts.) Wir sind durch die Veröffentlidiuiig im„BorwärlS" durchaus nicht unangenehn» berührt. Es sd)adet nichts,»venu die Oeffentlichkeit weiß, daß die Regierung fest entschlossen ist, gegen den Terrorismus energische Maßnahmen zu ergreifen. Das kann uns nur vortheilhaft sein auck) im Wahlkampfe. Daß Sie— zu den Sozialdemokraten— keine Kandidaleu ausstellen»verde», die uns angenehm sind, das wissen»vir von vornherein. Kein Staatswesen kann existiren, iveun es sich nicht auf die Treue n»d Ehrenhaftigkeit seiner Beamten verlassen kann.(Beifall rechts.) Die Veröffentlichung dieses Schriftstückes hat uns nicht geschadet. Wenn aber Beamte durch unehrliche Handlung«» solche Schriftstücke ent- »venden und sie in einer Zeitung publiziren, so liegt darin eine ernste Gefahr für den Staat(Zustimmung rechts), denn die Ver» össentlichung rann sich auck) eimnal auf Schriftstücke erstrecken, deren unbedingte Geheimhaltung die Slaatsraison fordert, llmviderbringlicher Schade kann gestiftet werden, wenn die Presse entivendete Schrift- tücke veröffentlicht, deren Tragweite sie oft garnicht beurtheilen kann. Ich möchte bei dieser Gelegenheit an die ganze anständige Press« den Appell riditcn, wenn ihr wieder solche Schriftstücke zu, !iehe,», mit ihnen so umzugehen,»vie es anständige, ivohlerzogcne iZeute thun: sie einfach in de» Papierkorb zu»verfe»!(Lebhafter Beifall rechts. Gelächter bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Hiipeden(wildkons.): Der Herr Staatssekretär hat erst vor kurzem seinem Widerwillen gegen polizeiliche Bevormnndung Ausdruck gegeben. Ich glaube,»vir sind von der Gefahr einer «lljicmeiiien polizeilichen Reglementirung aller Betriebe noch recht »veit entfernt. Wer aber so gegen die Bevormundnng ist. dem sollte doch die Selbsthilfe der Arbeiter sympalhisch sein, dein ninßten also doch die Arbeiterkoalitionen rvünschensiverth werde», die nicht nur die Erringung, sondern auch die Kontrolle der Arbeitsschutz- bestinnnnngen zum Zweck haben. Dem Arbeiter muß die Möglichkeit gegeben werden, in der Vereinigung die Möglichkeit zu suchen, das zu erreichen, was er einzeln nicht erreichen kann. Das hat einmal ein Vertreter der verbündeten Jtegiernugen selbst erklärt, und das sollte auch der Standpunkt des Herrn Staatssekretärs sein. Ja. aber er furchtet die Streiks. Nun, bezüglich der Streiks haben sich die Anschauungen im Laufe der Zeil vollkommen geklärt. Heut- zutage erkennt man allgemein an, daß Friede um jede» Preis nicht das erstrebenswerthe Ideal sei; es bezweifelt niemand mehr, daß der Streik unter Umständen ein wohlbcrechtigter sein kann. Freilich darf er keine öffentliche Kalamität werden. Aber man kann es der Arbeiterklasse nicht verwehre», wenn sie all- mälig mehr an den Güter» der Kultur thcilnehmen will. Das öffent- liche Interesse erfordert es, daß Garantien geschaffen werden gegen die verderbliche Wirkung der zweischneidigen Waffe des Streiks. Zu diesem Zwecke sollen die Kamps- organisatione» sich auch als Friedensorganisationen fühlen lerne», dadurch, daß man ihnen das Korporationsrecht znertheilt; vor allem solle» sie der chikanösen Anwendung des§ 8 des Vereins- gesetzes entzogen werden; dieser Paragraph gilt doch nur den polili- scheu Vereine». Unser Volk, niag es von mannigfache» Agitationen noch so unterwühlt sein, hal doch ein seines Rechtsgefühl, das vor allen Dingen dann in Aktion tritt, wenn es sich um die scheinbare Bevorzugung einer Klasse handelt. Die bereits bestehenden Einigungsämter müssen iveiler ausgebaut werde». Bis jetzt ist nur in vereinzelten Fällen das Gewerbegericht als Einignngsamt in Anspruch genommen. Beide Parteien sollen verpflichtet werden, der Aufforderung des Einigungsamles Folge zu leisten und dort ihre Wünsche vorzutrage»; die Einignngsnmter sollen obligatorisch eingeführt werde». Auf diesem Wege wird sich wohl ein Ausweg zum sozialen Frieden kaum finden. Abg. Frhr. v. Stnnim(Rp.): Was Httpeden über die Einignngs- ämter gesagt, widerlegt sich von selbst, denn gerade in wichtigen Fällen haben sie stets versagt. Der Streik mag ein nothwendiges Uebcl sein, aber er darf nicht dazu führen, den freien Zlrbeiter an der Arbeit zu hindern. Die Freiheit des Arbeiters muß nicht nur gegen Mißbrauch des Unternehmers geschützt werden, viel wichtiger ist noch der Schutz gegen den Terrorismus der Arbeitsgenossen. Dieser Schutz muß seinen Ausdruck in der Gesetzgebung finde», das hat der Staatssekretär mit vollen» Recht hervorgehoben. Abg. Wurm leugnet den Terrorismus und bittet um Beispiele. Herr Wurm sollte doch Herrn Staatssekretär dankbar sein, daß er ihm das Material liefern»vill. Für mich bedarf es der Enquete nicht, ich habe Material genug. Ich habe es nicht bei mir, es sind aber zahlreiche solche Fälle von Terrorismus vorgekommen nicht nur in England und Amerika, sondern auch bei uns in Deutsch- land. Im Saarrevier sind beim Streik die Bergleute, mit Re- volveri» bewaffnet, gegen die Arbeitsivilligen losgegangen. Achnliche Dinge sind doch auch beim Hafenarbeiterstreik in Hamburg vor- gekommen.(Lachen links.) Wollen Sic mit Ihrem Lachen etwa sagen, daß die Arbeitsivilligen aus die Streikenden geschossen haben, das glaubt doch niemand. Die Fabrikanten haben durchaus nicht die Neigung, sich mit ihren Kollegen zum Nachtheil ihrer Arbeiter zu vereinigen. Gegen- theilige Behauptungen bestreite ich ganz entschieden.(Lachen links.) Wenn aber der Arbeiterbewegung so weiter freier Lanf gelassen wird, dann wird es dahin kommen. Dann»vird aber der Arbeitgeber- Verband immer der stärkere sein. In Amerika hat der Tcrro- risinus der Gewerkvereine die Arbeiter schon in Nolhlage'i- gebracht. Es ist durch die Kämpfe zu Lohnrednktionen gekominen, in der Eisenindustrie verdienen die Arbeiter jetzt so viel Schilling »vie früher Dollars. Lasse» Sie lieber das heulige mehr gver minder persönliche Verhältnis) zwischen Arbeiter» und Arbeitgebern bestehen. die Arbeiter»verde» besser dabei fahren. Herr Wur»n sprach von' dem Erlast, als von.einem AuZfluß..der schsütternden Angst. Ich bin nicht geivohnt, mit meinem Muthe zu prahlen. Aber wenn schon einmal davon die Rede ist, so»vill ich doch mit der Mit- theilmig nicht zurückhalten, daß ich unzählige Drohbriefe er- halte, so daß ich mich»virklich manchmal»vundere, daß ich noch nicht todtgeschlage»»vorde» bin.(Lachen links.) Was über mich vo» Ihrer Seite alles ausgesprengt»vird, ist auch derart, daß, »venu es wahr»väre, ich schon längst mit Recht hätte todtgeschlage» »verdeu müssen.(Große. Heiterkeit.) Ich bin mit den» Grasen vo» Posadowsky«inverstanden,»vir»vollen»ms freie Arbeiter er- halten und die sozialdemokratische» Agitatoren daran zu hindern suchen, sich von den sauer erworbenen Groschen der Arbeiter zu mäste».(Beifall rechts. Lachen links.) Abg. Singer(Soz.): Die letzten Aeußernngen des Herrn v. Stumm beweisen nnr, daß er jeden dumme» Witz für ernst nimmt. Wie kann ei» ernsthafter Politiker solche Drohbriefe in Kalkulation ziehen. Namens uns Sozialdemokraten gebe ich ihm aber die Versicherung, daß»ins Herr v. S t u in m als Agitator für unsere Sache viel zu nützlich erscheint, als daß»vir »vünschen könnten, ihn bald zu verlieren.(Heiterkeit.) Ja, wir könnte» uns vielleicht sogar dazu verstehen, ihm ei» Mandat von uns abzulassen,»venu ihn die bürgerlichen Parteien nicht mehr»vieder »vählen sollte».(Große Heiterkeit.) Wenn Herr v. Stumm innner über den Terrorismus der Arbeiter schilt, so thut er es darum,»veil er auf dem Gebiete des Terrorismus keine Konkurrenz aufkommen lassen mag.(Sehr gut, links.) Der Terrorisnius der Arbeiter ist aber garnicht vorhanden. Auch die Hiniveise auf England und Amerika sind ganz deplazirt. So schlimm sind die Dinge da drüben nicht. Das beweist schon die eine Thatsache, daß die Regierungen dieser Länder nicht solche Maßregeln ergriffen haben,»vie sie der Erlaß des Grase» Posadowsk») empfiehl».(Sehr richtig links.) Die englische» n»d amerikanischen Arbeiter»Verden vo» nnseren deutschen Arbeiter» um ihr Koalitionsrecht beraubt. Schaffen Sie uns englische Koalitionsfreiheit und Sie sollen sehen, wie sich die Verhältnisse unserer Arbeiter günstiger entwickeln werden. Die Herren Posa- dowsky und Stumm»vollen aber die Koalitionsfreiheit den, Galgen »iberliefern(Bravo links). Der Herr Posadoivsky hat a»S dein Umstand,»vie sei» Erlaß bekannt geivorden ist, gefolgert, daß die Regierung weiter keine Veranlassung hätte, sich»veiter dahin zu äußer». Es»vird erlaubt sein, diese Polemik als das zu bezeichne», was sie ist: als Spiegelfechterei. Wir sind freilich dankbar dafür, daß er uns zur Kenntniß gekonnnen ist. Er giebt uns Gelegenheit, die ziveierlei Bedeutung der„Arbeiterfrenndlich- keit" der Regierung in Theorie und Praxis den Arbeitern nachzuiveisen. Die Quittung»vird sich der Herr Posadoivsky aller- dings bei den nächsten Wahlen holen—»vir köiniten nur»vünschen, daß er mit diesen» Erlaß in die Wahlen geht. Mit beziig aus die Art,»vie»vir zu dem Erlaß gekommen sind. möchte ich»och einige Bemerkinigen machen. Ich habe immer das Gefühl der stillei, Heiterkeit, wenn die Herren am Bundesraths- »ische sittliche Entrüstung zeigen. Das bedeutet für mich nichts anderes, als daß sie sachliche Gründe nicht enl- gegenhalten können. Es macht eine» wirklich komischen Ein- druck, wenn man darüber sittliche Entrüstnng zeigt, daß die Redaktion des„Vorivärts" einen ihr anonym zugesandteii Erlaß, der den Stempel der Echtheit trägt, veröffentlicht. Sollte der Herr Posadoivsky als früherer Schatzfekretär»iemals von den geheime» Fonds gehört habe», die zu S p i o» a g e z w e ck e» gegen andere Länder verwendet»verde»? Wie ist es bei solcher sittlichen Qualität nnr möglich, daß die Regierung solche Gelder fordert»nd die Herren'auf der Rechten sie bewilligen? Wissen wir nicht ans 'dem Tauschprozeß, daß die Polizei Geld dafür bezahlt,»l in A k t e» st ü ck e stehlen z u l a s s e>»? Erinner» Sie sich nicht aus der Zeit,»vo Kaiser Wilhelm I. noch Köiüg ivar, daß das Pult des Prinzen von Preußen erbrochen »vorden ist, um ihm Schrifistücke zum Zwecke der politischen Aktion zu enlnehiiicn? Unter solchen Uinständen können doch die Aenße- rungen der Vertreter der Regierung nicht ernsthaft gehalten werden. Erinnern Sie sich doch auch des Falles Antoin« in Metz, des Falles Geffken? Wenn Sie so sittlich an die Preffe appelliren, ist Ihnen den» gar nicht bekannt, daß die gut a k k r e d i l i r t e Presse, die der nationalliberalen und Reichs- partei, f h fortwährend in den Besitz vo» Akten- stücken des Bundesraths setzen, bevor sie an den Reichstag gelangen, daß ein förmlicher Schacher damit ge- trieben»vird! Wenn jemals das Wort„Wer im Glashanse sitzt, soll nicht mit Steinen werfe»" Berechtigung hat, so ist es hier der Fall. So will ich den» auch Herr» Posadowsky mit aller Ruhe und Deutlichkeit sagen, daß die Redaktion des„Vorwärts" jedes- mal mit großem Vergnügen die Veröffentlichung solcher wich- tigen Aktenstücke, die ihr zugehen, übernehmen»vird. Sie hat nicht danach zu fragen, wo das Aklenstück herstannnt, sonder» sie hat sich mit dem Inhalt zn bcsassen und wenn sie einen Angriff auf die zahlreichste I Klasse der Bevölkerung darin findet, so erfüllt sie nur ihre Pflicht, wenn sie dieses Attentat rechtzeitig zur Kenntniß der Oeffentlichkeit bringt.(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Sie macht sich damit in» das Wohl des Volkes verdient. Zum Schluß dieser Ausführungen möchte ich auch mit einein Appell schließen. Ich appellire an alle anständigen Minister, nnr solche Erlasse in die Welt zn schicken, die das Licht der Oeffentlichkeit nicht zn scheuen habe».(Lebhafter Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Was den Inhalt des Erlasses betrifft, so stehe ich nicht an, diesen Erlaß als einen tückischen, hinterlistigen Schlag gegen die SIrbeiterklaffe zu bezeichne». Es ist nothivendig, mit aller Energie darauf hinzuiveisc», daß Herr Posadoivsky sich durch diesen Erlaß»ach seiner eigenen Begründung— daß es nämlich vom Jinnliigsverband beantragt»vorden sei, schärfere Paragraphen einzusühre»— zum Kommis des Unternehmerthunis erklärt. Das bedeutet nichts aiideres als die Herrschaft des Unternehnierthnins über die Reichsregierung. Daß Herr v. Stuinni dafür eingetreten ist, ist der beste Beweis dasür. Die Unfallversichernngs-Novelle, die im Reichstag fleißig durchgearbeitet»vorden ist, die eine bessere Stellung der Arbeiter herbeiführen sollte, ist bisher de», Reichstage nicht»vieder vorgelegt, vorden,»veil, ivie Herr v. Posadoivsky selbst erklärt, der Verein mit dem langen Namen(der Jiidustriellen) so erhebliche Einsprüche dagegen erhoben hat, daß die Regierung nicht in der Lage»var, sie wieder einznbringe». Ein besseres Zeugiliß, daß die Regierung im Dienste der Unlernehiner steht, könnte uns nicht gegebe»»verde». Der jetzige Erlaß ist die in Erscheinung tretende Abkouiniandirung des Herr» Posadowsky von der Sozialreform, von dem Arbeiter- schütz zu dem Arbeitertrutz. Er ist nichts anderes als die A u s s ü h r u» g des Bielefelder P r o g r a in in s. Er müßte im Reichstag behandelt werden, damit de» Parteien Gelegenheit gegeben werde, zu zeigen,»velchen Empfang die i» Aussicht gestellte Novelle im Reichstage haben»vürde. Herr v. Stunn» hat bereits gesprochen. Aber es ist nothivendig und hat für die Arbeiter außer- ordentliches Interesse, die Stellung der Herren vom Zentrum kennen zu lernen. Sie sollten ihre Auffassung darüber niiltheilen.(Znruf des Abg. Hitze: Das»vird geschehe»!) Jetzt wird davon gesprochen,»vie nothivendig es sei, de» Terrorismus der Arbeiter zu brechen, Geivaltlhaten zn verhindern. Haben Sie schon je von seilen der Regierung oder der konservative» Parteien gehört, daß es nolhwendig sei, den Terrorisnius der Unternehmer zu brechen?(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten) zu verhindern, daß diese sich zu S y n d i k a t e», Kartellen, Trusts zusanimenthn», um die Arbeiter zu verhindern, ihr Recht wahrzn nehme»? Haben Sie auch nur de» hundertste» Theil der Entrüstiliig gehört, ivenn die Unternehmer in der schamloseste», niederträchtigstei» Weise Arbeiter ausschließe», sodaß sie nie wieder Arbeit in ihrem Berus erlange»? Wo es sich darum handelt, daß Arbeiter m loyalster Weise für ihre Rechte Schritte thnn, bietet die Regiernng alles Mögliche auf. Der Abscheu vor der Polizei beim Herr» Posadowsky steht in direktem Widerspruch zu dem Erlaß; denn»venu Sie das alles ausführen wolle», dann reichen ja die vorhandene» Polizisten nicht aus. Das Gegentheil»vird verlangt,»vein» es sich um Arbeiter handelt, als wenn es sich»»»» Unternehmer handelt. Ich betone, daß der Erlab »ach den thatsächliche» Verhältnissen dlirchnus»»»berechtigt ist. Gras Posadoivsky hat sich darauf berufen, daß der Minister v. Berlepsch 1891 genau dieselben Grundsätze vertreten hat. Wir sehen daraus nur. daß sich i» dem Verhalte» des Herr» v. Berlepsch zeigt, daß jemand,»venu er Minister ist, in bezug auf die Koalitionsfreiheit ganz andere Anschauungen hat als sonst. Wir bedauern, daß er seine jetzigen Anschauungen nicht schon als Minister in die Praxis umgesetzt hat. Das kann uns aber doch nicht hindern, anzuerkenne», daß er sich gebessert hat; das kann doch der Sozialdemokratie nicht schaden. Schlüsse daraus sind um so überflüssiger, als es sich nicht um«ine Vorlage handelt, die Herr v. Berlepsch vertreten hat. Schwere Strafen gegenüber den, sogenannten Terrorislnus der Arbeiter»verde» in den» Erlaß gefordert. Die Herren thnn immer so, daß mit bezug a»lf solche Vergehen gar kein Straf- gesetzbuch exislirte. Nein, meine Herren, Sie haben doch die Para- graphe», die von der Nöthignng handeln, vo» Erpreffung, von Be- leidigung. Lesen Sie nur ein Jahr lang die Urtheile in Arbeiter- zeitnnge», die aus Anlaß dieser Paragraphen gefällt»verde»! Und wenn der Herr Posodaivsky ausführt, daß insolge des allgemeinen direklen Wahlrechts in Deutschland das Koalitionsrecht nicht so noth- wendig sei, so erinnert er sich»vohl gar nicht der Thatsache, daß Hunderttausende von Franen in der Industrie beschäftigt sind, die das Wahlrecht nicht haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokrate».) Graf Posadowsky meint, es handle sich nur»in Erhebungen. Der Staatssekretär kann es uns„ach der Entwickelung, die die Sozial- reform genommen hat, nicht verdenken, wenn wir ihm das nicht glauben. Alles was die Regierung in Sachen Sozialrefor», thut, trägt zur Verschlechterung der bestehende» Verhältnisse bei. Wir glauben nicht mehr an einen Fortgang der Sozialresorm, seitdem die Besetzung von Ministerstellen von den» Willen der Unternehiner abhängt. Wir habe» kein Vertrauen mehr zur Regiernng, seitden, der Arbeiterschutz der Regierung von den Bueck und Genossen und de» Unlernehmcrverbänden abhängt und namentlich vorbereitet»vird ans Spaziergängen, ans denen Herr v. Elunun vortragender Rath ist. (Sehr gut! links.) Wir sind den» Zufall dankbar, der uns die Möglichkeit gegebe» hat, Lärm zu schlagen und den Schleier vo» dem Geheimiüß des Regiernngserlaffes fortzuziehe» und den Regiernngssozialismus in seinem»vahrcn Lichte zu zeigen. Wenn die Regierung glaubt, solche Gesetze dem Reichstag vorlegen zu dürfen, so ist das nicht»rnr eine Beleidigung der deutschen Arbeiter- schaft, sondern auch eine Beleidigung der Parteien, denen es n», die Förderung deS Arbeiterschntzes Ernst ist. Wir hoffen, diese Parteien»verden sich nicht dazu mißbrauchen lassen, de», Unternehinerthnn» Lakaiendienste zu verrichten.(Lebh. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident v. Bnol: Der Abg. Singer hat eine Amtshandlung des Staatssekretärs Graf Posadowsky eine tückische nnd hinterlistige genannt. Ich kann diese Worte nicht für parlamentarisch zulässig halten und muß sie deshalb rügen. Staatssekretär Graf v. Posadoivsky: Niemand»vird bestreiten, daß der Ches einer großen Verwaltung nnd der Stellvertreter des Reichskanzlers seine Pflicht in» Staatsintereffe thut, wenn er die Entwendnng eines solchen Erlasses»nd dieZngänglichmachung desselben einer Zeitung hier aufs energischste verurtheili. Wenn aber Herr Singer offen erklärt, der„Vorivärts" werde mit Vergnüge» auch künftig alte Erlasse, die er zugeschickt erhält, gern veröffentlichen(Singer ruft: Jawohl, jawohl!)— ich freue mich über diese Bestätigung— so ist das ei» Aufruf an alle Beamte», den von ihnen geleistete» Diensteid zn breche».(Sehr richtig! rechts.) Daß von der Reichs- regierung Erlasse ergehen, verden, die das WohlgesaNen der Sozialdemokratie z» erregen geeignet sind, kann ich nicht i» Aussicht stellen. Wenn Herr Singer»»ich»veiter als de» Kommis de? Unternehmerthnms bezeichnet hat, so stelle ich mich»vegen dieser Aenßerung unter de» Schutz des Präsidenten. Die Bemerkung des Herrn Singer über die Entsendung vo» Regierungskommissaren zu Versammlungen der Unternehmer in Sachen der Unfallversichernngs-Novelle beruht ebenso auf einen Jrrthum, wie die neuliche Aeußerung des Herrn Bebel darüber. Als das Gesetz noch in der Kommission war, sind NegiernngSkommissare in der Unteriiehmerversammliing gewesen, später nicht»»ehr. Ich wiederhole, der widerrechtlich veröffentlichte Erlaß enthält»nr eine Anfrage und ist noch lange kein Geseheutivurf. Herr Singer, warteu Sie doch erst ab. Wir werde» alles thnn, ivas geschehen niuß.snm Sittlichkeit, Lebe» und Gesundheit der Arbeiter zu förder». Die bestehendeu Gesetze sollen»ach dieser Richtung hin immer weiter ausgebaut»verdeu. Warteu Sie also erst ab, Herr Singer, ehe Sie solch harte Urlhcil, fällen.(Bravo! rechts.) Die Verhandlung»vird hierauf vertagt. Persönlich bemerkt Abg. Bebel(Soz.): Ich nehme von der Erklärung des Staats- sekretärs Notiz, daß ich mich in einem Jrrthum bezüglich der Ent« seudung von Regierungskonimissarieil befunden habe. Er hat aber die Anweseuheit der Herren»vähreud der Koiniiiissionsberathungen zugegeben. Demgegenüber verweise ich darauf, daß diese Gunst den Tabakarbeitern, als die Tabakvorlage in Borberathnng ivar, nicht zu theil geworden ist, ebenso wie die Bäckerdeputatio» vom Reichs- kanzler nicht empfauge»»vorden ist. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Be- rathuug; Jitstizetat.) Schluß 6 Uhr. UbgeorvnekettlMus. 3. Sitzung vom 17. Januar 1898, II Uhr. Am Ministertische: Dr. v. Miquel iiud zahlreiche Kom- inissarieu, später Thielen nnd Frhr. v. H a m in e r st e i». Verstorben ist der Abg. Z i e r o l d(k.). Das Haus ehrt sein Andenke» in üblicher Weise. Das Haus beginnt die erste Lesung des EtatS. Abg. Dr. Sattler(nall.): Die Vertretung der nationalen Interessen hat im Volke freudige Zustimmung gefunden und eine»virthschaftliche Aufbesserung ist unverkennbar. Unter diese» Umstände» ist die Aiissichl der Flottenvorlage nicht ungünstig und erfreulich ist es auch, daß»ins keine Vorlagen augekaudigt sind, die ein Auseinander- gehen der Parteimeinungei» fürchten laffen. Ernstlich er- ivägeu inüssen wir die Frage, ob der Herr Fiuanzminister, dessen Verdienste um die Steuerreform ivir gern anerkenue», nicht seinen Einfluß in den anderen Ressorts allzubedenklich geltend macht. Bedenklich ist die Erscheinung, daß die Summe der Rück- zahlungeu auf erhobene Stener-Reklamatione» wieder erheb- lich geivachsen ist. Die Uuigestaltung des Remunerations- fonds ist zu billigen. Die Erhöhung der Ausgaben für das Gewerbe- und Fachschulivesen und für die Förderung land- wirlhschafllicher Zwecke»verde»»vir gern bewilligen. Ob Mehr- fordern n gen für die Polizei uolhivendig sind, werde noch eingehend zu prüfen sein. Vorkommnisse»vie in Berlin, Köln und Frankfurt a. M. legen doch die Frage»iahe, ob denn die Polizei von dem Beivußtseiii des Werthes der persönlichen Freiheit durch- driingen. Vorkommnisse, wie der Fall Köppen, haben im ganzen Lande gerechte Entrüstung hervorgernse».(Sehr richtig!) Unter de» Ausgaben vermissen wir die schon im vorige» Jahre von uns als nöthig bezeichnete Ausbessening der Unterbeamten; nur die Förster haben sich»ach den» Etat einer Ausbesseruug vo» 100 M. zu erfreuen. Außer den nothwendigen Aufbesserungen für die Unterbeamten halten wir in, Interesse der Fördernug ihrer soaialen Stellung«ine Einkoniiuensverbesserung der Geistlichen für nöthig. Noch immer steht die Reform der Medizinalverivaltung auS und waS »»an darüber hört, ist nicht sehr ermuthigend, obwohl diese Reform von großer kultureller Bedeutung ist und ein Etat ivie der vorliegende zu solcher Reforn» besonders anregen»>üßte. Gegen die U e b e r s ch ,v e m m» u g s g e f a h r»vünschen wir ent- schieden« nnd erfolgreiche Maßnahme». Die Eisenbahnver,valtung hat ihre Aufgabe nicht im volle» Umfange erfüllt, weder hat sie die Personen immer gesund an das Ziel ihrer Reise gebracht, noch hat sie die Schüler stets zur rechte» Zeit befördert. Ans der plötzlichen großen Zahl der definitiv anzustellenden Beamte», darunter allein über 1100(?) Lokomotivführer, geht hervor, daß die Beamtenverhält« »iffe nicht in Ordnung»varen und die Maschinen von Heizern gefahren wurden, währeitd man die Heizer durch Arbeiter ersetzte.(Sehr richtig.) Redner geht dann auf die Polenfrage ei»,»vobei der Präsident vo» Kröcher ihn unter- bricht und darauf hinweist, daß er hoffe, am Donnerstag die neue Ansiedelnngsvorlage auf die Tagesordnung setzen zu können, wo sich dann Gelegenheit zu diesen Ausführungen finden»verde.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Die Finanzlag« ist als eine günstige zu bezeichnen. Daß eine Prüfung darüber nöthig ist, ob in der Eiseubahuverwaltuug alles zur Sicherung des Betriebe? Nöthige geschieht,»nnß anerkannt»verden. Die Fürsorge für Handwerk nnd Kleingewerbe»vird durch ein liebevolles Eingehe» auf die Bedürfnisse des Handwerks besser ftatlfiuden, als durch einseitige Geldunterstützung der Fachschule»; man wird diese Fürsorge um so mehr sich angelegen sein lassen müssen, als das Handwerk seine Wünsche in der dem Reichstage vorgelegten neuen Organisationsvorlage nicht erfüllt sieht. Um die beständigen Hochwassergefahren»virksam zn bekänipse». wird es nöthig sein, erst Vorermittelnugen anzustellen. Für die Erhöhung der Geistlicheneinkonnuen muß gesorgt werden; ge- liiigt es uns nicht, die Vorlage der Regiernng darüber zustande zu bringen, so wird die Aufbesserung durch Ein- stellnug der erforderlichen Sitnimen in den Etat erfolgen müsse,,.(Lebhafte Zustimmung.) Das Fehlen der Medizinalresorin ist sehr zn bedauern, ebenso daß die Landräthe noch immer nicht i», Genüsse ber ihnen bereits im Vorjahre zugebilligten Dieustauswaud- Entschädigung sind. Die Vorwürfe gegen die Polizei sind insoser» bedenklich, als ma» aus vereinzelten Vorkommnissen leine allgenieinen Schlüsse ziehen kann. Jedensalls ist nicht zu verkennen, daß der Nachivuchs der Polizeibeamlen heule ein besserer ist, als früher. Sorgen wir für eine angemessene Besolduiig, so werden wir auch eine Polizei haben, die aus der Höhe der Zeit steht. Im allgemeinen kann ich doch aber mit der Ueberzenguug nicht zurückhalte», daß sich bei der Staalsregierung eine größere Geschlossenheit i»id Entschlossenheit vortheilhast gellend macht. Der„V o r w ä r t S" hat in den letzten Tagen ei» Akten- stück veröffentlicht, zu dem ich nur meine volle Zustimmung erklären kau», denn es ist durchaus»vünschenswerth,»usere arbeitswilligen Arbeiter vor Zwang»md Terrorismus der sozialdeniokratischen Agitatoren zn schützen.(Beifall.) Zweifellos wird sich der Verkehr in der Zukunft ans den Eisen- bahnen konzentriren; die K a u S l e»verde» nur weniger in be- tracht koniine». Einem wirthschaftliche» Rückgänge, der sich durch das Sinken der Montan-Werlhe an der Börse ankündigt,»nüsse recht- zeilig durch eine geeignete Tarifpolilik entgegengewirkt werde». Jedenfalls ist gegcinvärtig einfaches Z»sann»enslchen zu einer ein- heillichen nationale» Wirthschnstspolitik erforderlich.(Beifall.) Abg. t>. Strombeck(Z): Sehr erfreulich sind die Mehr- ausgaben für Arbeiter-Lohuerhöhnngen in der Domäne»- und Forst- verivaltung mit im ganzen 200 000 M., welcher Mehrbewilligung von niemand in» Hause widersprochen»vird. Die Neuanstellinige» der Richter sind unzulänglich, sie betrage» noch nicht I pCt. der vorhandenen Richter, hier ist Sparsamkeit durchaus von» Nebel. Die GehälterderEife» bah ii- Unterbeamten. Schaffner Zugführer, Weichensteller sind durchaus zu niedrig. Im Kullus- ctat stehen die geringen Mehrausgabe» für katholische Geistliche in» Mißverhälluiß zu den Mehraitfivendungen für evangelische Geist- liche. Abg. Graf Liuiburg-Siirum(k.): Unsere Finanzlage ist zwar augenblicklich glänzend, aber sie ist»»sicher. Bei Bauten»>uß ge« spart»verde«. Museen und ähnliche Gebäude mag man luxuriös bauen, aber die Verrvallungsgebände können»nöglichst einfach und billig hergestellt werden. Erfreulich sei die Aufbesserung der Förster, deren Wünsche auch ferner Aussicht haben, von uns unterstützt zu»verde», je weniger sie in agitatorischer Weise geltend gemacht werde». Gegen jede Verringerung der Perfouei, tarife»nüsse schon jetzt proteslirt werden; denn sie bedeute einen erheblichen Einnahnie-Ansfall nnd habe nur die Wirkung, daß Leute billig reisen köirne», die wohl die Mittel « besitze», th eures F»l,rgeld zu bezahlen. Für die Idee eines Ueber- Langes unserer Bahne» in Sieichsbesitz könne er sich nicht er- luävme». Der Doriinnnd-Enis-Kanal beiveise, wie vorsichtig inan beim Kanalban vorgehe» müsse. Bevor die Entschädigung der Ueber- fchweinmte» stallfindet, wird man genauer deren Vednrfligkeit prüfen u»»sie n. Nicht ohne Bedenken betrachten wir die Erhöhung des Schulbanfonds; wir möchten nicht, daß die Geiiieindcn zu groben Schnlbauteii angeregt werden, an welche sich dann dauernde Lasten für sie knüpfen werden.(Sehr richtig!) Die Lage der Land- wirthschasl wirdillnstrirt durch dcnDoinanen-Elat, welcher verschiedene Falle von wirlhfchafllichein Ruin nachweist. Leider wird der Ernst der Lage nicht überall da anerkannt, wo dies nölhig ist.(Sehr vichlig!) Wir verlangen namenllich, daß bei der Vorbereitung der Handelsverträge die Landivirthschaft nicht so unberücksichtigt bleibt, wie dies früher geschehe» ist, sondern daß sie als wichtiger und kanskrästiger Faktor mit in belracht gezogen wird.(Beifall.) Bbg. Richter(fr. Vp.): Die Seehandlung hat 175 Millionen für Lombarb-jlredilzivecke hergegeben. Eine solche Praxis wirkt aber entgegen dem, was man als eine gesunde Entwickelung der Finanz- Politik bezeichnen muß. Der Finanzininisler schwiiiimt ja thalsächlich im Golde. Er hat zwar gesagt, es sei leichter in die Höhe zu kommen, als sich dort zu erhalten. Das sind goldene Worte; schade nur, daß sie der Reichsschatz-Sekretär so wenig berücksichtigt bei der Einbringnng der Flottenvorlage, die für Marinezwecke eine dauernde Jahresalisgabe von 37» Millionen erforderlich macht. Ganz bedenk- lich erscheinen die zentralisirenden Wirkungen der Staalssinanzcn. Der Herr Finanzniinister hat selbst schon darauf hinweisen»iiissen, daß die Zentral-Geiiossenschastskasse nicht dazu da sei, damit Privat- Personen Gelegenheit finden, billiges Geld zu bekommen. Achiilich wird die Wirkung der Staatslinlerstütznng für Geistliche sein. Dazu sind doch die Staatsüberschüsse nicht da, um die Kircheiistener zu ermäßigen. Dem Prinzip der evangelischen Kircbe entspricht es jedenfalls nicht, denn sie legt den Schwerpunkt in die Gemeinde. Die Eisenbahnunfälle stehen in einem»nverkennbaren Ziisainmeiihange mit der zu langen Arbeitszeit der Beamten; auch niacht es nach dem Etat den Eindruck, als ob die Neneinstellnng von Beamten nicht im richtigen Berhällniß steht zu der Ausdehnung des Betriebes. Herrn Grafen Limburg möchte ich fragen; Wo sängt dann der be- rechtigle Reisende an und wie weit darf er reisen? Jedenfalls nicht nach dem Westen, wo er höhere Löhne bekommt. Wünschens- rverth ist jedenfalls die Aushebung des Gepäcklariss, damit die Koupees entlastet werden. In den Beschlüssen des Landes- Eisenbahnralhes macht sich leider eine ganz rücksichls- lose Interessen- Wirlhschaft bemerkbar. Bedauerlich ist, daß die Regierung der dringend nöthigen Regelung des Wasserrechts nicht näher tritt, das viel nöthiger ist, als die Ancrben-Vorlage. Der Herr Kiiltilsminister soll neulich eine sehr schöne Rede gehalten haben: ob sein Disziplinargesetz für Aerzte unicr dem Eindruck dieser Rede entstanden ist, weiß ich nicht. Lieber sollte man das Disziplinarverfahren gegen Beamte reformiren, dessen Resormbedürftigkeit man im Prozesse gegen Tausch wieder kennen gelernt hat. Den Zickzack- Kurs in der Polen- Politik machen wir nicht mit und lehnen deshalb auch die Novelle zum Nnsiedelungsgesetz ab, die uns als ein durchaus nntaug- liches Mittel erscheint. Es sind nämlich infolge des Ansiedelungs- gefetzes ebensoviel neue polnische wie deutsche Ansiedelungen ent- standen. Redner geht dann auf die D r a n g s a l i r u n g e n sozialdemokratischer Personen in Bolkenhain und in Lehnin ei», sowie auf die Vereinsplackereien gegen polnische Ver- sammlungen. Was ist das für eine Wirlhschaft? Ueber den Bauern- verein Nordost wird Ihnen Herr Nickert ja wohl noch näheres millheilen.(Heilerkeit! rechts.) Die Mißgriffe der Polizei stehen hiermit in einem gewissen Zusammenhang. Das Publikum würde der Polizei öfter und gern Beistand leisten, wenn diese ihr nicht politisch so oft entgegentreten würde. Das Vereins- g e s e tz hat immer noch nicht die nölhige Erledigung gefunden. Fürst Hohenlohe verweist auf den Anfang des nächste» Jahrhunderts. Bei einer zeitgemäßen Reform des Wahlrechts würbe für Neuwahlen die konservative Partei nicht in Frage kommen. Kehrt sie in ihrer gegenwärtigen Stärke wieder. so wird Zentrum und Nationalliberalisinns als quantite negligeable behandelt und wir gehen Zuständen entgegen, von denen uns d i e jetzige Polizei wirlhschaft«inen kleinen Vor- g e s ch m a ck giebl. t ortsetzung morgen 2 Uhr. chlnß 4-/4 Uhr._ Die Entschließungen der preußischen Regierung auf Anträge und Resolulionen deS Abgeordneteilhausez in der vorigen Session werden dem Hause jetzt in einer Uebersicht vor- gelegt. Tie wichtigsten Entschließungen sind diejenigen, welche sich ans die bekaniilen Fleischvertheueruugs- Anträge beziehe», wobei die Regierung allerdings nur zum theil den agrarischen Wünschen entgegengekommen ist. Sie hat, denWünschen des Hauses entsprechend, die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen sowie von frischein Schweinefleisch aus Schweden und Norwegen verboten. bält aber im Gegensatz zu den Agrariern eine Verlängerung der Qnoranlänezeit für das aus Dänemark kommende Vieh nicht für- angängig. Auch hat sie dem Antrag, die Einfuhr von rnssischem Geflügel und von russischen Schweinen nach Oberschlesien zu verbieten, nach eingehender Erwägung„bis- her" nicht stattgegeben. Die Einsuhr von Fleisch aus den Niederlanden soll im Zusammenhang mit der geplanten nllgcineinen Fleischbeschau an den Grenzen geregelt werden. Zu cincm völligen Verbot dieser Einfuhr lag nicht genügender Anlaß vor. Ebenso wurde von der Verhängung der völligen Grenzsperre gegen Oeslerreich- Ungarn abgesehen, weil neue Seuchen- einschleppungeii, die ein solches Vorgehen gerechtfertigt haben ivnidcn, nicht vorgekoinmen sind. Die vom Hanse gefordert« Berns, mg einer Koniniisston zur wissenschaftlichen Feststellung der Jnrnl'atio»e.(Entivickeliings-)Dauer der Maul- und Klauenseuche ist in Preußen unlerbliebcn, weil die Berufung einer derartigen KrimnissiOn von der Neichsreglerung in Aussicht genoininen ist.— Die Einführung der allgemeinen Fleischbeschau für das Inland und gleichzeitig für ans dem Auslände eingesührtes Fleisch ist in Aussicht genommen, doch erheischen die großen Schmie. igkeiten der Anssührung noch eingehende Erwägunge».— Dem Antrage von S ch e n ck e n d o r f f betreffend Förderung des gewerblichen und ländlichen Fortbild ungs- Schulwesens behauptet die Regierung, durch Bereilstellnng der erforderlichen Mittel in den Etat entsprochen zu haben. Im laufenden Etat sind für Zivecke der ländlichen Fort- bildungsschnlen 14 00» M. mehr(zusammen 50 00» M.) zur Ver- sügung gestellt. Wegen der Verwendung derselben sind mit der jsiiiiaiizverivallimg grundsähliche Besliinmungen vereinbart, welche der vom Hanse migeiioniineiieii Resolution eiilsprechen. Außerdem ist neben dem bereits bestehenden Forlbildiiiigskursns für Lehrer an ländlichen Fortbildniigsschiilen bei der Landivirthschnfisschnle in Weilburg ein weiterer Kursus an der Landwirthschastsschule in Licgnitz eingerichtet worden; ei» fernerer Kursus ist in Hildesheim bcabsichligt.— Neber den Antrag Euler betr. Förderung des Fachschulwesens der Innung«» sind die zwischen den bctheiligteu Ressorts eingeleiteten Verhandlungen noch nicht ab- geschlossen. Ebenso schweben noch die Erwägungen über einige Petitionen betr. Erhöhung der gesetzlichen Wittwen- und Waisen- Pensionen der Volksschullehrer.— Entsprochen hat die Regierung dem Beschluß des Hauses, die infolge der Besoldnngsaufbesseruiigen iiolhivendig werdende anderweitige Regelung eines Theils der Tienstallcrsstnfen nach den seither zur Anweiidnng gebrachten Grnudsätzen herbeizuführen, sowie eiiicm weiteren Beschlüsse, dafür Sorge zu tragen, daß bei Ansfnhrnng bei: Beftinimungen über die Besoldnngsaufbesserung diejenigen Beamten, bei deren Klasse das Miuiuialaehalt herabgesetzt wird, gegenüber ihren gegenwärtigen Gehaltsverhältiiissen auch nicht vorübergehend ungünstiger gestellt werden.— Erwägungen schweben noch über den Be- fchlnß, von aussichtkwegen bei den Universitäten für die Vöries n ngs-Honvrare Marlmalsätze«inzuführen, und ferner darauf Bedacht zu nehmen, daß die Stundniig der Honorare allmälig durch Einführung eines Erlaßsystems be- seitigt wird. Ueber den Antrag Graf Hoensbroech, die Regierung zu ersuchen, ihren Einfluß im Bundesrath dahin gellend zu machen, baß derselbe dem vom Reichstag angenommenen Autrage betreffend Slnfhebung von Zollkredite n bei der Einfuhr von Getreide seine Zustimmung ertheile und die zur Durchführung dieses Antrages erforderlichen Anordnungen so bald als möglich treffe, ist eine endgiltige Entschließung noch nicht getroffen. Infolge des vom Hause ausgesprochenen Er- suchens, bei dem Bau von neuen Eisenbahnen möglichst inländisches Material zu verwenden, hat die Regierung die Eisenbnhndirektionen wiederholt auf einen Erlab vom Jahre 1895 hingewiesen, wonach bei Beschaffung von Materialien den einheimischen Erzengnissen der Vorzug gegeben werden soll, sofern dieselben bei entsprechender Preis- läge den gestellten Anforderuiigen genüge». UokAles«, Achtung, Mitglieder der Freien Volköbiihue! Die General- Versaminlung findet für dieses Quartal am Donnerstag, 27. Januar, abends 8 Uhr, in Cohn's Festsälen statt und werden die Mitglieder gebeten, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte ge- stattet(siehe heutiges Inserat). Die außerordentlich günstige Anfnahuie der VereinsvorsteNungcn im Lessing-Theater, besonders die Vorstellung des Langniann'schen Ülrbciter-Drama's„Bartel Turaser" hat den Andrang so bedeutend gesteigert, daß sich der Vorstand genölhigt sah, eine fünfte Ab- t h e i l u n g zu eröffnen. Da die bedeutendeii Kosten der Neueinrichtung und Vorstellungei, bedingen, daß die Abtheilung ge- füllt ist, so liegt eS im dringenden Interesse jedes Mit- gliedes, in feinem Kreise für die baldige Füllung dieser fünften Abtheilung zu wirken und dadurch die Entwickelung des Vereins zu fördern. Diejenigen Freunde der Volksbühne, die Mitglieder der fünften Ab- t h e i l u u g werden wollen, werden gebeten, sich baldigst in einer Zahlstelle anznmeldeii und daS Eintrittsgeld und einen Monatsbeitrag gegen vorläufige Quittung zu hinterlegen. Die Mitgliedskarte erhalten neue Mitglieder nach Aufnahme durch den Vorstand vor der Vorstellung in den Zahlstellen. Die erste Vorstellung für die V. Abtheilung findet im L e s s i n g- Theater statt. Zur Aufführung gelangt„Bartel T u r a s e r". III. Abtheilung Sonntag, den 30. Januar: dieselbe Vorstellung. Nachzügler anderer Ablbeilungeu erhalten nur einen Stehplatz. Der Vorstand. I.A.: G. Winkler. EiSlanf für arme Kinder. Durch Vermittelung von Ge- in e i n d e s ch n l l e h r e r u ist auch in diesem Winter auf mehreren Berliner Eisbahnen eine P r e i s e r m ä ß i g u n g für G e m e i n d e- Schulkinder erwirkt worden. Die ermäßigten Preise— meist 10 Pf., vereinzelt auch 5 Pf.— gelten in der Regel nur für die Wochentage. Sie werden meist allen Genieiiideschilknndern ohne Unterschied, auf 2 Bahnen jedoch nur besonders armen Kindern gewährt. Als Ausweis dient eine von der Schule ausgestellte Bescheinignng. Eine Anzahl Eisbahnpächler hat sich in diesem Jahre weniger eiitgcgenkoinnieiid als sonst gezeigt. Sie be- haupten, mit den Kindern schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Wahrscheinlich hat aber mancher von ihnen nur bemerkt, daß seine Bahn durch die Zulassung ärmerer Kinder in den Augen des zahlungsfähigeren Publikums„degradirt" wurde. Die Beinübungen des hiesigen„Vereins für g e s u n d h e i t s- gemäße Erziehung der Jugend", den ärmeren Kindern das gesundheilsördernde Vergnügen des Eislaufes zu ermöglichen, sind gleichfalls in diesem Jahre fortgesetzt worden. Ter Verein hat wieder eine kleine Summe, 200 Mark, bewilligt, um dafür Eisbahnbillels zu kaufen, die an arme Kinder ver- schenkt werden sollen. Die paar lausend Billels, die dafür zu haben sind, bedeuten freilich nicht viel; davon kann man allenfalls ein paar hundert Kinder im Winter je 10 mal Schlittschuh laufen lassen. Die S t a d t g e m e i n d e hat bisher sehr wenig für den Eislauf ärmerer Kinder gethan. Sie stellt ihnen drei kleine Eisbahnen(Urbanstraße, Wiesenstraße, Bremcrstraße) zur Verfügung, das ist alles. Von der Benutzung der S ch u l h ö f e als Eisbahnen, die früher geplant wurde— und die, nebenbei bemeikt, z. B. in München bereits feit Winter 1886/87 als dauernde Einrichtung für eine Anzahl Schulen besteht— will man absehen. Die Berliner Gemeindeschulhöfe sind allerdings räumlich so beschränkt, daß sie vielleicht wirklich nicht als Eisbahnen ver- wendbar sind. Aber in den Außenbezirken ließen sich auf unbebauten Grundstücken sehr wohl städtische Eisbahnen schaffe», die der Schuljugend zur freien Beniltzung überlasten werden könnten. Von de» AruieukonimissionS- Vorstehern, welche Nestau- rationen besitzen, behauptet eine der„Berliner Zeitung" zugegangene Zuschrift, daß die»leisten von ihnen, weil ihnen ein besonderes Amts- zinimer nicht zur Verfügung steht, die in Armeiisachen zu ihnen koinmenden Personen einfach in ihren Nestauralionsräuinen abfertigen, also auch die Anfnahine von Unterstützuilgsalllrägen und die Aus- zahlniig der Unlerstützuiigen vor den Augen und Ohren ihrer Gäste vornebnien. Wir können das, offen gestanden, nicht recht glauben. Die Arnielikommissions- Vorsteher bekonimeii eine Vergütung von monatlich 15 M., und zwar eben deshalb, weil sie einen ihrer Wohn- rännie als sogenanntes„Amtszimmer" hergeben müssen. Mit diesen 15 M. soll nicht ihre Arbeit bezahlt werden— ihr Amt ist ja ein unbesoldetes Ehrenamt—, sondern es sollen damit nur die be- sonderen Ausgaben ersetzt werden, die den Vorstehern, wie man an- nimmt, aus dem Verkehr des in Rrmensache» zu ihnen koinmenden PnblikuniS erwachsen, also namentlich die Ausgaben für Be- und Abniitzniig des„Amtszimmerz", für Reinigung, für Ausstellung eines AktenfpilideS u. f. w. Hoffentlich tritt die Arinendirektion der An- gelegenheit näher und weist, falls die in jener Zuschrift aus- gesprochen« Beschuldigung auf Wahrheit beruht, die betreffende» Vorsteher energisch daraus hin, daß man für 15 M. pro Monat, also 180 M. pro Jahr sehr wohl einen besonderen Raum zur Ver- fügung stellen kann, in welchem die Armen vor der Demüthigung einer öffcnllichcn Verhandlung geschützt sind. „Die Landstreicher wolle» nicht arbeite»".! So lautet das ständige Gerede des satten Philisters. Wie grundlos solche Beschimpfungen der Slrbeitsloseii sind, zeigt neben manchen anderen Erscheinungen der Umstand, daß die Belegungszifferu im städtischen A r b e i t s h a u s e zu Nummelsburg während der letzten Jahre er- freulicherweise im fortwährenden Rückgänge begriffen sind. Während lim Rechnungsjahre 1394/95 die tägliche Durch- schnittsziffer noch 2346 Köpfe betrug, fiel dieselbe 1895/96 auf 191 l und 1396/97 sogar auf 1654. Den Etalsansätzen für 1398/99 ist unter diesen Umständen eine Durchschnittsstärke von 1700 Köpfen gegen 1800 des Vorjahres zu gründe gelegt worden. In den letzten Jahren war die Arbeilsgelegenheit eiiiigermaßen günstig, sodaß manche Arbeitslosen Beschäftigung fanden. Di« Be- wohnerzahl der Anstalt in Rummelsburg wird wieder wachsen, fo- bald die Geschäftsprosperität vorüber ist und unzählige Arbeiter wieder gezivungen sind, entweder zu verhungern oder zu betteln. Herr Arnold Pcrls will kein DurchfallS-Kandidat werde». Der Vorstand des Wahlvereins der deutsche» Fortschrittsparlei im zweiten Berliner Wahlkreise hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, der Wähler- Verfammlung Herrn Stadtverordneten Arnold P e r l s als Reichstags-Kandivalen der sreisinnigeii Volks- partei für diesen Wahlkreis zu präfentiren. Herr Perls hat indessen diese Kandidatur abgelehnt. Ei» ncnes Theater soll, wie die Blätter melden, an der Ecke der Karlstraße und des SchiffbauerdammeS erbaut werde». Ein„Finanzkoiisortilim" soll sich mit dieser Absicht tragen und Herr Laiitenburg soll Direktor dieses Theaters werden. Ei» leichtsinniger Bursche hat am Sonnabend Abend in einem in der Brunnenstraße belegenen Restaurant mit Damen- bedienung einen Selbstmordversuch ausgeführt. De« ISjährige Ewald K., der einzige Sohn eines hiesigen Postbeamten, war am Donnerstag Vormittag von seinem Vater nach der städtische» Sparkafse gesandt worden, um daselbst 200 Mark zu erheben. St. befand sich bereits mit dem Geld« auf dem Heimwege nach der elterlichen Wohnung in der Oranienstraße, als«r einen früheren Schulfreund traf. Die beiden Burschen wollten ein fröhliches Wiedersehen seiern und begaben sich in ein Restaurant, um daselbst ein Glas Bier zu trinken. Im angeheiterte» Zustande beschlossen die jungen Leute, eine Spritzfahrt nach Hamburg anzutreten, und K., im Besitz der elterlichen Ersparnisse, lud dazu auch noch ein unter siltenpolizeilicher Kontrolle stehendes Mädchen ein. Als die 200 M. in der Hafenstadt in einem Tage verjubelt waren, kehrte das Trio am Sonnabend Vormittag nach Berlin zurück. Der lüderliche Bursche ging aber auch jetzt noch nicht zu den geängstigten Seinen; vielmehr begab er sich nach dem oben er- wähnten Lokal, woselbst er für seine letzten 20 M. eine Flasche Sekt trank. Dann begab er sich nach dem Treppenflur und zog einen Revolver aus der Tasche, womit er sich eine Kugel durch die Brust jagte. Das Geschoß war jedoch, wie ein sofort herbeigeeilter Arzt konstatirte, an den Rippen des Lebensmüden abgeglitten, ohne edle Thcile zu verletzen. K. wurde nach Anlegung eines Nolhverbandes in ein nahe belegenes Krankenhans geschafft. Nach Spandau ist jetzt der Nnterossizier Falkenberg von der 7. Batterie des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments abgeführt worden, der wegen zahlreicher Schwindeleien zu vier Monaten Festung und Degradation verurlheilt worden ist. Falkenberg war vom 29. Sep- tember bis jetzt krank, und so lange mußte seinetwegen ein Sicherheits- Posten von seinem Regiment am Garnison-Lazareth 1 in der Scharn« Horststraße stehen. In der Anaelegenheit des Vorfalles im Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder-Krankenhanse erhalte» wir von dem Vater de? zurückgewieseiien Kindes eine Mittheilnng, in der dieser seine Be- Häuptling, daß das unziemliche Wort:„Hier ist doch keine Ablade- stelle", von dem Anstaltsbeamten gebraucht worden sei, mit Ent- schiedenheit aufrecht erhält. Auch hält der Vater den Einwand, daß ihm geralhen sei, am nächsten Tage wiederzukommen, für wenig stichhaltig, da— seiner Ansicht nach wenigstens— die Operation des Kindes eine dringende Nothwendigkeit war. Auf der Polizeiwache ist in der vergangenen Nacht eine 56 Jahre alle Frau P e n z l i e n aus der Ackerstraße gestorben. Die Frau wurde hin 7>/z Uhr abends vollständig betrunken von einem Schntzmailii in der Wolgasterstraße gesunden und zu ihrer eigenen Sicherheit auf die Wache gebracht. Nachdem sie den schwerste» Rausch ausgeschlafen hatte, entließ man sie um 9'/s Uhr. Aber schon nach zwei Stunden brachte ein anderer Beamter sie in einer noch schlimmeren Verfassung wieder. Mau legte sie wieder in die Zelle. Als man um 2>/« Uhr nachsah, ob sie den zweiten Rausch schon bewältigt habe, bat sie, ihr elwas Schnaps zu geben und sie dann noch ein Weilchen schlafen zu laffen. Dem letzten Theil der Bitte wurde entsprochen. Um 3'/* Uhr sah man noch einmal nach und nun war die Frau lodt. Wahrscheinlich hat der Alkohol sie ge- tödtet. Zu ersteche» versuchte sich am Sonntag früh der 24 Jahre alte Banlcchniker Albert D. ans der Fehrbellinerstr. 38. Der junge Mann war im Bureau seines Vaters beschäftigt, leistete aber hier nur sehr wenig und wurde veranlaßt, sich anderweitig Arbeit zu suche». Er verdiente nur wenig und scheint nach und nach lebens- überdrüssig geworden zn sein. Seit kurzer Zeit wohnte der junge Manu in der Fehrbellinerstr. 38. Am Freitag durchschivärmte er die ganze Nacht und kam morgens in der fünften Stunde in das Nachtkaffechaus„Komet" in der Mttnzstraße. Hier zog er plötzlich sein Messer und stieß es sich in die Brust. Blutüberströmt wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Dem Gcldbricfträger Oberst vom Postamt 9(Potsdamer Bahnhos), dem kürzlich, wie wir niillheillen, das Unglück geschah, daß ihm ein Geldbrief mit 1400 M. abhanden kam, für welchen Betrag er haften iniißle, ist geholfen worden. Eine Anzahl von Bankdirektore», Bankiers und anderen wohlhabenden Leuten in der Voßstraße, wo Oberst seit Jahren die Geldbestellung zu besorgen hatte, hat der„Vossischen Zeitung" zufolge durch ein« Sammlung die verlorene Summe ersetzt und dem hocherfreuten Beamten gestern überreichen lassen. Oberst hat das Geld sofort abgeliefert und ist nun dank der Freundlichkeit der Geber einer großen Sorge ledig. Selbstmord eines GreiseS. Am Hofbrunnen hat sich der 72 Jahre alte frühere Arbeiter Franke aus der ZionSkirchftraße erhängt. Franle lebte seit dem Tode seiner Frau bei seinem Schwiegersohn, dem Handelsmann Dietrich und half diesem in seinem Grünkram- Geschäfte. Dafür bekam er seineu Lebensunterhalt. Dietrich will nun sein Geschäft verkaufen und nach der Provinz verziehen. Die anderen Kinder aber wollten den alte» Vater nicht zn sich nehmen, sondern ihm ein Zimmer miethen, in dem er für sich allein wohnen sollte. Mit diesem Gedanken konnte sich der Greis nicht befreunde». Gestern Abend verließ er die Geschäfts- räume und ging nach dem Hofe zu. Eine halbe Stunde später zeigte der Hund Dietriches auf dem dnnklen Hofe eine groß« Unruhe und als inan nun näher zusah, fand man den Greis als Leiche mit einem Strick an dem Brunnen hängen. Zur Jllustratio» des Verhältnisses zwischen dem Berliner Publikum und der Berliner S ch» tz in a n n s ch a s t möge folgender im amtlichen Polizeibcricht mitgetheilter Vorfall dienen: „In der Kastanien- Allee trieben gestern fünf Strolche Unfug lind griffen eine» S ch u tz in a n», der ihnen das Lärmen verbot, sofort gewaltthälig an. Obwohl etwa 200 Personen dem Vorfall zusahen, wagte doch niemand, dem Schutzmann zu helfen, sodaß dieser den Säbel ziehen mußte, mit dem er dem ihn am härtesten bedrängenden 20 Jahre alten„Arbeiter" Richter einige nicht erhebliche Verletziingeii am Kopfe beibrachte und sich die anderen Angreifer so lange fernhielt, bis von der Revierwache Hilfe kam. Nu» gelang es, drei der Leute festzunehmen: die beiden anderen entkamen." Ob derartige Vorfälle, die in der Berliner Lokalchronik durchaus nicht selten sind, dem Polizeiprnsidinm nicht zu denken geben? Sturz ans dem Fenster. Gestern Vormittag stürzte sich die Arbeiterfrau Franziska S. aus dem Fenster ihrer im zweiten Stock eines Hauses der Wienerstraße belegenen Wohnung auf den Hof hinab»nd zog sich so schwere Verletzungen zn. daß sie kurze Zeit daraus im Krankenhanse am Urban den Geist ausgab. Ehelicher Un- friede ist die Veranlaffung zu der That gewesen. Fcncrbcricht. Sonntag früh l>/, Uhr erfolgte Elsasser- straße 9 7 ein kleiner Zimmerbrand, der bei Ankunft der Wehr schon gelöscht war. Knrz»ach 4 Uhr ging S t e n d a l e r st r. 15 ein Weihnachtsbaum in Flammen auf. wobei auch verschieden« Möbel Schaden litten. Ein größeres Schadenfeuer rief die Wehr eine Slunde später nach S ch ö n l e i n st r. 23. Hier war in einer Tischlerei auf»och nicht ermittelte Weise Feuer ausgebrochen, das beim Eintreffen derWehrschon erhebliche Ausdehnung geivonnen halte und ein längeres Wassergeben erforderte. DerenlstaiideneSchaden ist beträchtlich. Abends 9 Uhr mußte Wall st r. 23 ein Ziminerbraud beiseitigt werden, der auch infolge eines brennenden Weihnachtsbaumes ver- nrsacht war. Montag, nachmittags 4'/» Uhr, erfolgte Wiesen- straße 37 in einem Schlächterkeller eine Gasäther-Erplosion, wobei ein Kind leicht im Gesicht verletzt wurde. Bald darauf brannte R o s e n t h a l e r st r. 23 die Strohverpackung um de» Gasmesser. Eine Stunde später wurde die Wehr gleichzeitig nach O r a n i e». b n r g e r st r. 44 und nach F r i e d r i ch s g r a ch t 37 gerufen. In beide» Fällen Handelle es sich um Zimmerbrände, die leicht ab- gelöscht werden konnten. Orgelkonzert. Herr Otto Dienel wird Mittwoch, den 19. Januar, mittags 12 Uhr, in der Marienkirche eigene Konipositionen zum Vortrag briiigen. Frau Tila Gaesbeck-Felwell, Herr Alex. KnszmiSki und Herr A. Raeeoli wirken beim Orgelvortrage mit. Der Eintritt ist frei. Urania. Au die bunte Vortragsreihe der letzten Zeit schloß sich Ende voriger Woche die Erörterung eines ganz besonders aktuellen Themas. Ein Arzt, der den fernen Osten unseres Erdlheils bereist hat, Herr Dr. B a y a r d, sprach in der Jnvalidenslraße über E h i» a. DaS uiientbehiliche Hilfsmittel eines modernen Reisenden. der pliotogrnphische Apparat, hatte auch in diesem Falle ivesentliche Dienste geleistet; nlS ein Zeichen sinniger Liebe zu seinen Er- üineningeu fassen mir es auf. daß Herr Dr. Bayard die stattliche Zahl der von ihm angefertigten Bilder niit vielem Fleiß kolorirt hat, nm so seinem Publikum auch die grellbunte Farbenpracht, die das Reich der Milte auszeichnet, mit annähernder Naturtrene vor Augen zu führen. Wenn der Reisende auch nichts Anderes wieder- geben wollte, nichts Anderes als die in den chinesischen Hafen- städten gewonnenen Eindrücke, so war der Vortrag doch ebenfalls in knlturgeschichllicher Beziehung recht interessant. Aus vielen der mitgclheilten Beobachtungen erhielt der Zuhörer eine mehr oder minder deutliche Anschauung von der Lebensweise des Chinesen. Die zum beträchtlichen Theil sehr fragwürdige» Delikatessen ans Hnude«, Nahen- und Ratleufleisch, die dort dem Gauine des gewöhnlichen Mannes behagen sollen, sah Herr Dr. Bayard mit eigenen Augen zubereiten; auch den geistigen(Sc- »üsscn des bezopften Volkes sah er zu. Desgleichen gab er von ihm selber wahrgenommene Proben des Wirkens chinesischer Gerechlig- keit zum beste», die in ihrer photographischen Unparteilichkeit einem das Blut erstarren machen konnten. Andere Bilder wieder zeigten, wie unendlich bescheiden die chinesischen Vorstellungen vom eigenen Heim sind; gäben nicht die bunten Farben der Plakate und Firmen- schildcr dem Auge einigen Trost, so könnte man beim Anblick der engen Gäßchen einer chinesischen Großstadt wähnen, daß sie ein Seiten- stück zn den Hamburger Choleralöcher» vorstellen sollten. Diese und ahn- liche Momentbilder lassen es begreiflich erscheinen, daß der chinesische Kuli das Ideal unserer deutschen Geldfackspatrioten ist. Wenn China von Kiaotschan aus nicht allein dem deutschen Handcl, sondern auch der deutschen Industrie dergestalt erschlossen wird, daß der auf das wahre Nalionalgefühl geaichte Muslerbourgeois es jederzeit in der Hand hat, die nach menschlicher Behandlung verlangenden deutschen Proletarier durch chinesische Streikbrecher zu ersetzen, dann ade, deulfche Kultur. Dann mag der arbeitende Theil des Volkes der Denker sehen, daß er am Nordpol ein frostiges Obdach findet, vorausgesetzt, daß er es angesichts solcher Kalamität nicht vorziehen sollte, seinen biedere» Unterdrückern einmal mit aller Deutlichkeit den Standpunkt klar zn machen. Urania. Heute, Dienstag, hält in der Urania, Jiwalidenstraße, Herr Dr. G. Naß zum ersten Male einen Experiinentalvortrag über das Thema «Der Kamps um das Licht."_ 8T118 de» Nachbarorte». DaS Getvcrbcgericht tu Spandau wurde dem Jahresberichte zufolge im verflossene» Jahre 1L9Mal in Anspruch genommen und zwar von einem Arbeitgeber und I2S Arbeitnehmern. Ohne Verhandlung (wegen Nichtzuständigkeit) wurden erledigt 9. durch den Vorsitzenden 57, durch das Gericht mit Beisitzern KS Klagen. Unerledigt blieb eine Klage. Als Einigungsamt ist das Gewerbegericht gar nicht an- gerufen worden, auch wurde von ihm kein Gutachten über gewerb- liche Fragen eingefordert. Charlottcnbitt'g. Die Parteigenossinnen und Genossen werden nochmals ans die am Mittwoch Abend S Uhr im Lokale Bismarcks- höhe, Wilmersdorferstr. 39, tagende Volksversammlung hiugewiese», in welcher Genosse Rechtsanwalt Wolfgang Heine über die recht- und schutzlose Stellung des Proletariats im heutigen Polizeistant sprechen wird. Wir erwarten ganz besonders von den Frauen zahl- reichen Besuch. Gleichzeitig findet die Wahl einer weiblichen Ver- tranensperson statt. Die E i n b e r u f e r i n: Anna Vogel, Christ str. 1. Wilmersdorf. Auch in unserem Ort finden in diesem Früh- jähr Wahlen zur Gemeindevertretung statt. Vom 15. bis 30. d. M, liegen die Wählerlisten im Rathhaus, Zimmer 20, zur Einsicht aus. Zum Wählen ist derjenige berechtigt, der ein Jahr im Orte wohnt. das 24. Lebensjahr überschritten, keine Armenunterstützung erhalten hat und mit wenigstens 660 M. zur Steuer veranlagt ist. Wir sind gewillt, in der dritten Wählerklnsse unsere Kandidaten anfzu- stellen, und so ist es Pflicht der Parteigenossen, die Wählerliste ein- zusehen. Da aber die Liste weder alphabetisch noch nach Straßen geregelt ist, so nimmt es eine geraume Zeit in Anspruch, bis der Name gesunden wird. Deshalb bin ich gern bereit, für diejenigen Wähler, welche keine Zeit haben, die Liste einzusehen, wenn sie mir ihre Adresse mittheilen. Der BertranenSnianii: Heinr. Klingenberg, Berlinerftr. 40. Rixdorf. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam ge- macht, daß vom 15. Januar bis I. Februar die Wählerlisten zur Gemeindewahl täglich von vorm. 9—1 Uhr Berlinersir. 62(Haupt- eingaug), Zimmer 23/24 ausliegen. Da im März dieses Jahres die Ersatzwahl in der dritten Wählerklasse staltfindet, ist es Pflicht jedes Parteigenossen, die Lsstcn nachzusehen; auch sind die Genossen R e tz e r a u, Hermaniistr. 50, Thomas, Bergstr. 162, G. O st e r- m a n n, Erkstr. 6, bereit, für diejenigen, ivelche keine Zeit haben, diese Mühewaltung zn übernehmen. Es ist zweckmäßig, die letzte Etenerquiltung mitzubringen, damit die etwa erforderliche Nach- tragung sogleich geschehen kann. Der B e r t r a n e n S in a n n. Stralau. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß vom 15. bis zum 30. Januar die Wählerlisten zur Ge- meindevertreterwahl täglich im Gemeindebureau ansliegen. Da in diesem Jahre unser Vertreter ausscheidet, so werden wir uns ander Wahl betheiligen. Es ist deshalb erforderlich, daß sich jeder Genosse, welcher wahlberechtigt ist. davon überzeugt, ob er eingetragen ist. Genossen, ivelche nicht die nöthige Zeit haben, selber Emstcht zu nehmen, können sich bei W. B u ck, Dorfstr. 6, sowie bei C. S eitz, Dorsstr. 46, melden; diese Parteigenossen werden dann die Liste nachsehen. Die Vertrauensperson. Der Schönebcrgcr Gc»iciudcl>orstchcr Schmock wünscht nicht aestört zn werden! Er hat nämlich, wie bereits mitgetheill ist, auf 6 Wochen Urlaub erhalten, jedoch nicht, wie es ferner hieß, Schöneberg verlassen, sondern sich nur in seine Dienstwohnung im Schönebcrger Rathhause zurückgezogen und von dort aus an die Gemeinde-Bnreaus ein Rundschreiben erlassen, in welchem er er- klärt, daß er„möglichst wenig gestört zn werden wünsche", da er »dringende Geschäfte" zu erledigen habe. Die Amtsführung ist daher während seiner„Beurlaubung" von seinem Stellvertreter, dem Schöffen und Standesbeamten F. H« y l. übernommen worden. Vier Opfer der Gasexplosion in Schönebcrg sind am Sonntag Nachmittag auf dem neuen Friedhofe der Schöneberger Gemeinde in der Maxstraße zur letzten Ruhe bestattet worden. Es waren dies die Leichen des Inspektors Wiesner und der Arbeiter Göritz, Dubow und Mehlitz. Zahlreiche Theilnehmer hatten sich der Beerdigung angeschlossen. Ein Radfahrerpaar ist, wie daS„Kl. Jouni." berichtet, am Sonntag Nachmittag auf dem Kurfürstendamm in der Nähe von Halensee verunglückt. Der 25 Jahre alte Kanfinann Emil Rädan auS Schwerin in Mecklenburg, der feit zwei Jahren in der Skalitzer- firaße in einem Geschäft als Verkäufer beschäftigt ist. halte mit einer jungen Dame, Fräulein AnNa Huling aus der Prinzenstraße. gemeinschaftlich niit mehreren Sporlgenossen einen Ausflug auf dem Tandem unternommen. Bei der Rückkehr sprang auf dem Kurfürstendamm eine große dänische Dogge in die Schaar der Radfahrer hinein, die eben einer Equipage ausweichen wollten. Rädan und seine Gefährtin stürzten und wurden von der Equipage so unglücklich überfahren, daß sie von den Hustritten der Pferde und von den Rädern schwere Verletzungen davontrugen. Beide wurden in der Equipage in ihre Wohnungen gebracht. Rädan aber starb schon unterwegs._ Gevichks"Beifmtö. Der§ 153 der Gewerbe- Ordunug sollte gestern wieder einmal gegen den Maurer Karl Friedrich JuliuS T e s ch in An- wendung gebracht werden, der beschuldigt wurde, mit Drohungen und Beleidigungen versucht zu haben, den Maurer Christian Urban zur Theilnahme an Verabredungen zur Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen zu zwingen. Urban war am 24. Juni riach längerer Arbeitslosigkeit ans einem Bau in der Königstraße t. alZ Maurer eingestellt worden. Als er anfangen wollte. wurde er, wie er behauptet, von dem Angeklagten ersucht, ihm Streikkarten und Quittungsbuch vorzulegen und als er erklärte, dergleichen nicht zn besitzen, wurde ihm bedeutet, alsdann lieber gleich wieder seine Sachen zu packen und sich zu trollen. Als er auf dem Hausflur sein Mittagbrot verzehrte, will er abermals von dem Angeklagten angesprochen und mit Schimpfworte» überschüttet worden sein. Er behauptet, daß Worte, wie„gemeiner Lump, Streikbrecher, Schlumps" zc. gefallen seien. Bald darauf erklärten die sämintlichen auf dem Bau beschäftigten Maurer dem Polier, daß sie sofort aufhören würden, wenn Urban noch weiterarbeiten dürfe. Das halte dann auch den gewünschten Erfolg: Urban wurde noch am Nachmittag abgelohnl, Ter Angeklagte bestritt, sich in der geschilderten Weise an Urban vergangen zu haben und eine Anzahl der ans demselben Bau be- schästigt gewesenen Maurer wollten von einem solchen „Krach" nichts gehört haben. Der Zeuge Urban blieb unter seinem Eide bei seiner den Angeklagten belastenden Behauptung und wurde darin von seinen jugendlichen Töchtern unterstützt, die Ohrenziuginnen gewesen waren. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängniß. Der Gerichtshof schloß sich der An- ficht des Rechtsanwalts Meyerslein dahin an, daß§ 153 der Gewerbe-Ordnung nicht Anwendung finden könne, sondern nur Bc- leidignngen vorliegen. Letztere wurden aber vom Gerichtshofe für so schwer erachtet, daß das Urtheil auf 14 T a g e G e s än g n i ß lautete. Tie grobe Niiöschreitiing, welche sich der Rennstallbesitzer Graf Frederic von Hohe n thal und der frühere Schlächter- meister, jetzige Rentner August Marwitz zn Schulden kommen ließen, wurde gestern noch einmal in einer Verhandlung erörtert, welche vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II stattfand. In der Nacht zum 31. Januar vorigen Jahres hallen die An- geklagten eine Schlittenfahrt von Zehleudors nach Halensee gemacht. Es war eine lustige Gesellschaft beiderlei Geschlechts, die sich in zwei Schlitten befand. Auf der Rückfahrt lenkte Graf Hohenthal den ersten Schlitten, neben ihm saß eine Dame, hinter ihnen der Kutscher. In dem zweiten, von Marwitz gelenkten Schlitten saßen vier Personen. Graf Hohenthal war derartig a n- getrunken, daß er einmal zum Schlitten herausfiel. An jener Stelle, wo der Bahnkörper der Strecke Grunewald-Wannsce die Chaussee kreuzt, befindet sich die Bude 2. Der Zug, welcher um 11 Uhr 20 Min. diese Stelle passirt, war soeben vorübergefahren, der diensthabende Hilfsbahnwärter Grüneberg hatte sich wieder in seine Bude be- geben. um die Vorbeifahrt des Zuges zu signalisiren. In diesem Augenblicke hörte Grünberg Schellengelnute und gleich darauf den Ruf:„Hall! Die Barnäre ist noch geschlossen!" Grüneberg eilte mit eiuer Laterne hinaus. Er sah, daß das Pferd des ersten Schlittens die Barriere über- sprungen hatte, die Insassen des Gefährts waren hinansgeschlcudert worden oder hinausgesprunge» und die männlichen Theilnehmer waren eifrig beschäftigt, das Pferd durch Lösen der Stränge aus feiner gefährlichen Lage zn befreien. Grüneberg behauptet, daß er bei seinem Hinzutreten sofort vom Grafen von Hohenthal einen wuchtigen Faust schlag ins Gesicht erhielt mit den Worten: „Sie Lump, können Sie mir ein Pferd von 6000 M. ersetzen?" Grünebcrg will erwidert haben, daß er eine Verpflichtung zum Er- sähe des Pferdes nicht anerkennen könne. Nun fei Marwitz hinzu- gekommen, welcher ihm ebenfalls einen F a u st s ch l a g ins Gesicht versetzte, daß ihm die Oberlippe platzte und ein Vorderzahn ausfiel. Grüneberg flüchtete sich seiner Angabe nach hinter einen lebendigen Zan», der einen kleinen Garten vor dem WärterhänSchen einfriedigte. Hier sank er zu Boden. Graf v. Hohenthal soll darauf noch auf den Wehrlosen mit einem Besen, der zufällig außerhalb der Hecke lag, eingeschlagen haben. Eine Mitbewohnerin des Wärterhäuschens, die Ehefrau des in dieser Nacht dienstfreien Bahnwärters Reißener war von dem Lärm erwacht und hatte die letzte Mißhandlung von ihrem Fenster ans gesehen. Sie weckte ihren Mann, der hinunter eilte und seinem bedrängten Kollegen zur Hilfe kam. indem er dem Grafen v. Hohenthal mehrere Stöße mit einer Kartoffelhacke versetzle. Während der ganzen Prügelei wurden die beiden Bahnwärter in arger Weise beschimpft. Graf v. Hohenthal ist wegen dieses Vorsalles vom Schöffengericht zn einer Gefängnißstrase von zwei Monaten, Marwitz zu einem Monat Gefängniß vernrtheilt worden. Sie legten Berufung ein und im gestrigen Termine vor der zweiten Instanz versuchten die Verlheidiger, Rechtsanwälte Dr. Schachtel und Drucker, den Nachweis zu erbringen, daß die Feststellungen des Vorder- richters sich mit dem wahren Sachverhalte nicht deckten. Die Zeugen Grüneberg und Neißener blieben bei ihren früheren Ans- sagen, während die Angeklagten behaupteten, daß sie die An- gegriffenen und Mißhandelten gewesen seien. Marwitz behauptete, daß man den Grafen v. Hohenthal todtgeschlagen haben würde, wenn er ihm nicht zur Hilfe gekommen wäre. Der Zeuge Grüneberg gab auf Befragen zu. daß er aus dem Dienst ent- lassen worden sei, nachdem bei dem erwähnten Bahnübergange mehrere Unglücksfälle und Störungen vorgekommen seien. Der medizinische Sachverständige, welcher den Zeugen Grüneberg untersucht hatte, hielt die Verletzungen, die dieser erlitten halte, nicht für so gefährlich, wie Grüneberg sie schilderte. Diese Umstände benutzten die Vertheidiger, um den Angeklagten mildernde Umstände zu erivirken, während der Staatsanwalt und Rechtsanwalt Lisser als Vertreter deS Neben- klägers für Aufrechterhaltung des ersten Urlheils plaidirlen. Der Gerichtshof erkannte nach kurzer Berathlllig aus Verwerfung der Berufung. Prügelnde BrcSlaner Schutzleute. Vor dem Bres« lauer Landgericht wurde am Sonnabeud gegen den Schutz- mann Krause verhandelt, der der thätlichen Mißhandlung des Droschkenkutschers Sander beschuldigt war. Nach dessen unter dem Eide abgegebenen Darstellung, die in vielen Einzelheiten ihre Be- stäligung durch einwandssrcie Zeugen fand, spielte sich der Sach- verhalt in folgender Weise ab: Am Abend des 2. August war ein großes Schutzmannsansgebot mit der Absperrung der Brandstelle gegen das Publikum und besonders gegen Fuhrwerke beordert worden. Der Drofchkcnführer Paul Sander, dessen Vater unmittelbar neben der Brandstelle sein Besitzthum hatte, erfuhr, daß die Flammen bereits das Grundstück seines Vaters ergriffen hätten. Er fuhr infolge dessen schleunigst zur Brandstelle und überschritt hierbei die für Fuhrwerk« festgesetzte Absperrungsgrenze. Bevor er sich mit seinem Fuhrwerk entfernte, sprangen drei bis vier Polizisten gleichzeitig auf den Wagen zu. Der Schutzmann Riemer siel dem Pferde in die Zügel, ein anderer Schutzmann riß den Kutscher vom Bock herunter, und darauf versetzte ihm ein Beamter, ans dessen Schulter Sander die Nummer 391 erkannte, ohne weiteres einen Fan st schlag in das Gesicht. Ebenso hieben die drei bis vier Schutzleute, die mit dabei betheiligt gewesen waren, ihn vom Bocke ans das Pflaster zu zerren, hageldicht mit ihren Händen aus ihn ein. Hiernach stülpte man ihm den heruntergefallenen Kutscherhut aus den Kopf und zwei der Beamten— darunter Krause— transporlirten ihn auf Geheiß des Polizei- Wachtmeisters Niegisch zu dem auf der Brandstelle befindlichen Polizei-Jnfpektor Nenmann. Auf dem Trans- porte dahin wurde Sander von den beiden Beamte» unausgesetzt mit den Fäusten derartig über den Kops gehauen, daß Sander, damit ihm nicht die Augen ausgeschlagen würden, das Gc- ficht niit den Händen bedeckte. Er schrie fortwährend um Hilfe, und das Publikum nahm unter lauten Protestrufen gegen die Schutzleute eine drohende Haltung an, wag aber diese i» keiner Weife abhielt, ihn mit Püffen und Stößen zu regaliren. Bereits blutig g e- schlagen, langte Sander bei dem P 0 l i z ei- I n s p ekto rR e u- mann auf der Brandstelle an. Seinem Vorgesetzten erstaltete Schutz- mann Krause den geradezu klassischen Bericht:„ D e r K e r l i st total betrunken, deshalb habe ich ihn verhaftet." Darauf der Polizei-Jnspcktor:„Nun, wen» der Kerl betrunken ist, dann führen Sie ihn ab!" Jetzt sprach Sander in flehendem Tone:„Herr Neu- mann, ich bin nicht betrunken!" Die Erwiderung des Polizei-Jn- spektorS lautete:„Schaffen Sie mir den Mann weg!" Auf dem Wege zur Wache gesellte sich der Schutzmann Emil Guder 0 dazu und gewährte seinem Kollegen, obgleich Sander nicht den geringsten Widerstand leistete, Hilfe. Auch hierbei soll es nicht ohne Püffe, Schläge und Rippenstöße abgegangen fein. Schließlich gelangte der„Delinquent", rechts und links von den Schutzleuten gehalten, bis vor die Polizeiwache auf der Thiergarten st raße. Kaum Lfsnete sich die Thür zur Wachlstube, als Schutzmann Krause dem Sauder von hinten einen so gewaltigen Stoß in den stlücken versehte, daß er mit dem Kopf in die Ecke der Wachtstube an den Ofen fiel. Ter Hut war dabei bis über den Tisch gepflogen. U»ler furchtbaren Schmerzen erhob sich der Gemarterte mühsam auf Kommando seines Peinigers. Dem Unglücklichen war bei dem Fall das Nasenbein zerbrochen worden. Seine Bitten um Gnade verhallten aber auch jetzt»och un« gehört. Schutzmann Krause sehte sich auf einen Stuhl und nahm dem am ganzen Leibe Zitternden die Personalien ab:„Wie heißen Sie?"— „Paul Sander."—„Wann geboren?"—„Am 10. Mai."— „Welches Jahr?— Als auf diese in schreiendem Tone erfolgte Frage Sander in seiner Verwirrung und Aufregung nicht gleich zu anworten wußte, versetzte ihm Krause einen F a u st s ch l a g in das Gesicht, so daß der Nnglückliche vor Schmerzen laut auf- schrie und daß das Blut herausströmte. Hiernach erfolgte die Visitation der Taschen u. s. w., deren Inhalt ab- genommen wurde. Alsdann führte man ihn in eine Zelle, wo Sander eine halbe Stunde verblieb, nach welcher Zeil der Polizei- kommissarius Klahr zu ihm kam, und nachdem er ihn betrachtet, einem herbeigerufenen Beamten befahl, den Häftling abzuwaschen. Als dies geschehen war, ordnete der Kommissarius seine sofortige Freilassung an. Vor Gericht konnte nur ein Theil der Ver- gehnngen des Krause mit Sicherheit festgestellt werden. Der Staats- anivall beantragte ein Jahr zwei Monate Gefängniß. Das Gericht erkannte auf sechs Monate. Es vergeht bekanntlich fast keine Woche, in der nicht über Schutzmanns-Rohheiten feigster und schlimmster Art zu berichten ist. Ob der Graf Posadawsky angesichts dieses beunruhigendes Umstandes vielleicht auch auf„vertrauliche" Weise Material sammelt, um anständige Personen gegen den p 0 l i z i st i s ch e n Terra- rismus ebenso zu schützen, wie die Unternehnier und Streik- brechcr nnnöthigerweise gegen den angeblichen Tcrrorismns der „Ausständigen und Agitatoren" geschützt werden sollen? Antwort wäre erwünscht. Ans Halle wird nnS berichtet: I in W i e d e r a u f n a h m e« Verfahren wurde in der letzten Schwurgerichtssitzung der 34 jährig« Bergmann Louis K l i in in auS Brücken freigesprochen, der am 22. Juni v. I. vom Schwurgericht wegen versuchter Nothzucht unschuldig zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden war. Der Angeklagte ist bisher unbeftrast, verheirathet und Vater von fünf Kindern. Er hat ein kleines Besitzthum und setzte nach seiner Verurtheilung alles mögliche in Bewegung, um seine Unschuld nach- weisen zu können. Es stellt« sich auch nachträglich heraus, daß zwei Frauen, die gegen den Angeklagten als Zeugen aufgetreten waren, Meineide geleistet halten. Ter Hanptlnan« mit dem blanken Säbel. Wir meldeten seinerzeit, daß Hauptmann Pfeil von dem 81. Jnfanterie-Liegimenl im Kasernenhof gegen einen jungen Zivilisten den Degen zog. weil er sich von dem Manne beleidigt glaubte. Die unbesonnene That hat mittlerweile ihre Sühne gefunden: Der Hauptmann ist der „Franks. Ztg." zufolge vom Militärgericht zu zwei Monaten Festungshast verurtheilt worden und hat schon zu Beginn de? vorigen Monats diese Strafe in Wesel angetreten. Ein neues Gvubenunglück wird aus Oberschlesien gemeldet. In dem zum Westfelde de« Grube„Königin Luise" in Zabrze gehörigen G e 0 r g s ch a ch t war am Sonntag während der Nachtschicht ein Brand ausgebrochen, der größeren Umfang annahm und nicht gelöscht werden konnte. Des- halb wurden die Berbindnngsgälige abgedämmt. Am Montag früh 8 Uhr erfolgte ein Durchbruch giftiger Kohlengase nach der Königin Luiseugrnbe hin, wodurch eine große An- zahl Bergleute betäubt wurde. Von fünfzehn schwer ver« letzten Arbeitern, die in das Knappschasts-Lazareth in Zarbz« geschafft wurden, sind sieben Mann den Verletzungen erlegen. Die leicht Verletzten werden an Ort und Stelle be- handelt. Man befürchtet, daß sich noch 25 Mann betäubt 0 d e r t 0 d t in der Grube befinden. Nach einer späteren Meldung sind von den 50 Mann der Nacht« schicht 30 zu tage gefördert, davon leben aber nur noch 10 und auch diese befinden sich größtentheils in hoffnungslosem Znstande. Daß die noch in der Grube befindlichen 20 Mann umgekommen sind, scheint gewiß. Ursache des Brandes ist wahrscheinlich eine Explosion von Grubengasen gewesen. Nach dem„Berliner Tageblatt" war die Grube Königin Luise schon niehrmals der Schauplatz schwerer Katastrophen Noch kein Monat ist verstrichen seit dem großen Unglück auf der westfälischen Zeche Kaiserstuhl, wobei gegen 20 blühende Menschenleben vernichtet wurden, und schon wieder hat eine noch viel größere Anzahl braver Bergleute infolge der Mangelhastigkeit des moderne» Bergbetriebes ihr Lebe» lassen müssen. Und zwar in einem st a a t l i ch e n Betriebe, denn die Grube Königin Luise ist fiskalisch. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß daS Wort vom Stillstand der deutschen Sozialreform richtig ist, die fortgesetzten G rub e n ka t a st r op h en würden ihn liefern. Einmüthig fordern die Bergleute u. a. B e t h e i- ligung an der G ru b e n i n s p e k t i 0 n, die Regie- rung aber bleibt stumm. Der preußische Handelsminister Brefeld hat zwar eine Konferenz von Sachverständigen des Berg« baues veranlaßt, die speziell den Zweck hat. Maßnahmen ausfindig zu machen, wie sich die blamabel hohe Unsallsziffer des preußischen Bergbctricbes herabmindern läßt, lieber den Stand der Arbeiten dieser Kommission erfährt man aber nichts. Nachdem das gegen die Arbeiterkoalitionen gerichtete Rundschreiben des Grafen Posadowsky bekannt geworden ist, bedarf man keiner be- sonderen Prophetengabe, um als ziemlich sicher anzunehmen, daß unter den Maßnahmen, die Haiidclsminister Brefeld gegen die Uu- fnllsgefahreu des Bergbaucs z» treffen beabsichtigt, sich die schwerlich befinden wird, von den Bergleuten selbst gewählte Arbeiter zur Griibeukonlrolle heranzuziehen, denn das liefe ja auf die Anerkemrnng und Förderung der Zlrbeiterorgauisationeu hinaus, iväre also das gerade Gegenlheil der von dem Grasen Posadoivsly auch jüngst im Reichstage geäußerten Anschauung. Briefkasten der Redaktion. «vir bllle», del leder Stiilrage eine Shissre tzwel AnchNabi» oder»Ine gaht) anznaebe», unter der dl» Slniworl ertheili werde» soll. � Die juristische Sprechstuildc findet bis zum 5. März am Montag. Freitag und Sonnabend abendS von 7 V- bis 8 V-»hr statt. Käthe R. 100. Wird in zwei Silben gesprochen. I. R. Seit dem 23. März 1892 ist Bosse Unterrichtsmiuister, früher war er StaatSscsrctär des RcichSillstizamtes. Johannisthal. In diesen Tagen. H. 10. Moabit. Menden Sie sich an den Verband Berliner Portiers und Berufsgenossen. Vorsitzcndcr W. Große, Marburgerstr. 18. Bureau Lindenstr. 15, 9—4. Ueber die Gebühre» sind wir nicht unterrichtet. Höchst a. M. Zur Aufnahme migecigiiet. R. St. 106. Nein.-«. Sch. G. Es läßt sich nur der frühere Besitzer beim Amtsgcricht mit Aussicht auf Erfolg verklagen. Die Klage kann etwa 20 M. kosten»nd 4 Monate dauern.— A. 100 Stettin. Ja. Wer an ösfentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen, überhaupt an Orten, an welchen Mciischcn verkehren, Ocffnmigen dergestalt miverdcckt läßt, daß daraus Gefahr sstr andere cntstchcn kann, ist nach§ 3K7 Nr. 12 Str.-G. B. strafbar und für den angerichtclcn Schaden zivilrechtlich haftbar.— Putzer 98. Heine.— H. 35. 207. Schulden für nicht zum Gewerbebetrieb entnomniciie Waaren verjähren in 2 Jahren nach Ablauf des Jahres, in dem sie entstände» sind. Wettet;-Prognose für Dienstag, 18. Januar IM98. Zeitweise ausklärend, vorherrschend wollig bei mäßigen südwest» lichen Winden; etivas kälterer Nacht und steigender Tageslemperatur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b» r e a u. Berautwortltcher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Blocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. 5t. 14. 15. 2, KtilU il(0„ " Ictlinre pMliitt. s* i«?-«- Verlanttnluttgen» Zimmerer. In einer nm 12. Januar tagenden, starl besuchten Pla��epiuirlen-V�saniniliing ivnrde seitens des Verlrauensmaunes Fischer das in der letzten öffenilichen Versammlung angenommene Saminelsystem nochmals beleuchtet. Redner meint, da seitens eines Thciles der Verbaudsmitglieder beschlossen sei, sich nicht eher an den Sammlungen zum Agitations- und Unterstntznngsfonds zn de- theiligen, bis die Einigungsfrage endgiliig geregelt sei, könne auch die Lohukommisfion nicht mehr einheitlich in der bisherige» Slgitationsweise fortfahren, was aber auch gleichzeitig das Zu- grundegehen der bisherigen guten und erfolgreichen Bewegung be- deute.?lm allerivenigsten sei ei» derartiger Beschluß aber dazu an- gelhan, die Vereinigung beider Organisationen zu fördern, wenn seitens der Verbandskameraden behauptet werde, lnan wolle sich auf eigene Füße stellen und selbständig vorgehen, so sei das»nter den gegebenen Verhältnissen und bei der Zusammen- setzung der beiden Organisationen nicht möglich, man könne daher höchstens die Mitglieder aus den Organisationen verlieren, die Ber- liner Ziiumerlcute seien heute eine der bestorganisirten Gewerk- schaflen, gut zwei Drittel der Bernfsangehörigen sind zahlende Mit- glieder, und deshalb solle man derartige Schritte vor ihrer Aus- führung auf ihren Werth prüfen. Redner ersuchte trotz der äugen- blicklichen Meinungsverschiedenheit den Beschluß der letzten öffent- licheii Versammlung zn respekliren und für die Sammlungen wie bisher eintreten, alsdann werde auch die VereinignngSsrage zur Zu. friedenheit beider Organisationen erledigt werden. Der Vorsitzende des Verbandes, Knüpser, sucht den Beschluß des Nichtsammelns zn rechtfertigen, er erklärt, daß, wenn die Vereinigung beider Organi- sationen vollzogen, die Verbandsmitglieder ihrer Pflicht »achkommen würden, sollte dies jedoch nicht geschehen, würden die Verbaudsmitglieder ihre eigenen Wege siehe» und selbständig in die Lohnbewegung eintreten; man müsse bei derartigen Fragen auch der starken Minorität Rechnung tragen, sonst sei eine gedeihliche Entivickelung nicht möglich. In demselben Sinne äußern sich Webers, Weiß, Petereit, Stehr und K n b e; letzlerer macht besonders Fischer den Vorwurf, daß derselbe den Ansichten der Organisationen zu wenig Rechnung trage und zu großen Werth aus die Beschlüsse öffentlicher Versammlungen lege, wohingegen nur vrganisirte Zimmerer die Lohnbewegung zum günstigen Abschluß gebracht. Von Obst wird besonders auf die Wirkung des Ve- schlusses der Verbandsmitglieder in der Einigungsfrage aufmerksam gemacht, derselbe könne wohl zur Zersplitterung der Zimmerer bei- tragen, niemals aber zur Bekämpfung des Kapitals dienen. Desgleichen erklären sich Schäffer, Päsler, Hoppe, B r o k s ch und Kranich energisch für das Weitersammeln zum Streikfonds, sie sind der Meinung, daß die Einigungsfrage getrennt von der Lohnbewegung behandelt werden müsse. Knopp als Mitglied des Verbandes behauptet, daß der Beschluß des Nichtsammclns nur durch einzelne Personen zn stände gekommen sei, einer allgemeinen Verbands» Versammlung bade derselbe nicht vorgelegen. Es wird hierauf eine Resolution, durch welche sich die Platzdcpntirten verpflichten, für die Sammlungen einzutreten, angenommen. K n ü p p e r erstattet sodann Bericht über die Arbeitsniederlegung der Zimmerer des Zimmermeisters Janicke an der Rüstung in der Gertraudlenstraße. Dieselbe sei erfolgt durch die inhumane Behandlung seitens des Poliers Krüger, der aus ähnlichen Anläffe» schon mehrfach Grund zur Klage abgegeben hat. Auch sollte in schwindelnder Höhe ohne die nöthigen Schutz- Vorrichtungen gearbeitet werden, als sich Redner hierauf im Austrage der Lohnkommission an den Vertreter des Bangeschäfls wandte, wurden dieselben barsch abgewiesen. Erst nachdem sämmtliche Zimmerer die Arbeit niedergelegt, wurde der Polier Krüger nach einem anderen Bau versetzt und auch die nöthigen Schutzvorrichtungen angebracht. Den Gemaßregcltcn wurde Unterstützung zugebilligt. Ein Antrag, die Gewerbcgerichts-Wahlen in Schöneberg zu unterstützen, wurde der Lohnkommission überwiesen und hierauf die Versammlung geschlossen. Die Bauarbeiter diSkutirten am Sonntag in einer sehr stark besuchten öffentlichen Versammlung die Frag« einer eventuellen Lohn- bewegnng im kommenden Fiühjahr. Im Hinblick darauf, daß die Maurer und Zimmerer in den letzten zwei Jahren eine Aufbesserung des Lohnes und eine Verkürzung der Arbeitszeit errungen habei und in anbetracht des Umstandes, daß der Lohn der Bauarbeiter ein unzureichender sei, waren die Redner darin einig, daß eine Lohn- bewegnng das geeignete Mittel sei znr Verbesserung der Lebenslage der Bauarbeiter. Es wurde weiter betont, daß die Lohnbewegung der Maurer den Bauarbeitern keinen Vortheil gebracht habe, daß die Maurer, wen» es sich aus einzelnen Bauten nm Lohnstreiligkeiten der Bauarbeiter handelte, diesen nicht dasjenige Maß von Solidarität gezeigt hätten, was die Bauarbeiter den Maurern gegenüber geübt hätten, und daß sich die Bauarbeiter deshalb hinsichilich ihrer Lohnbewegung auf eigene Füßen stellen müßten. Die Versammlung setzte eine Kommission ein, welche sich über alle Verhältnisse im Beruf informireu, und Vorbereitungen für eine etwaige Lohn- bewcgung treffen soll. In die Kommission wurden Renn- thaler, Renner, Fritz Krüger, Sprenger und Z e i s e gewählt. Ferner wurde beschlösse», eine Zahlstelle für de» Norden zu gründen. Ii» Pankow fand am Sonnabend eine äußerst zahlreich be- suchte Volksversammlung statt. Genosse Bebel, der über die bevorstehenden ReichSlagsinahlen sprach, beleuchtete in treffender Weise die reaktionären Strömungen auf verschiedenen Gebieten der Reichspolitik, er wieS darauf hin, daß das allgemeine Wahlrecht m Gefahr sei, und forderte die Anwesenden auf. mit aller Kraft dahin zu wirken, daß der bisherige Abgeordnete des Kreises mit möglichst großer Slimmenzahl wiedergewählt werde. Lebhafte Entrüstung bekundete die Versammlung gegenüber dem von Bebel gleichfalls gekennzeichneten Erlaß des Grafen PosadowSky, die Verschärfung der Slrafbestimmnngen bezüglich des Koalitions- rechts beireffend.— Der Vertrauensmann F r e i w a l d gab«ine bezeichnende Illustration zur Handhabung des Vereins-«nd Ver- sammlungsrechts in Pankow. Während die Versammlungen anderer Parteien ohne jede Einschränkung hinsichtlich der Zeitdauer tagen können, müssen sozialdemokratische Versammlungen mit Eintritt der Polizeistunde um II Uhr geschlossen werde». Ein Gesuch, diese Versammlung biS 12 Uhr tagen zu lassen» habe der Amlsvorsteher abgelehnt mit der Begründung, eine höheren Orts erlassene Versügung gestatte das nicht. Die dem Vertrauens- mann zugestellte Anmeldebefcheinignng über diese öffentliche Versammlung enthielt den Passus, auf grund des Z 8 des Vereinsgesetzes wird die Theilnahme von Frauen ver- boten, widrigenfalls die Versammlung der Auslösung anheimfällt. Auf F r e i w a l d' s persönliche Vorstellung hat der Amtsvorfieher dann die? ungesetzliche Verbot zurückgenommen und dasselb««K auf einem Jrrlhum beruhend bezeichnet.— Di« Versammlung nahm eine Resolution im Sinne der Ausführungen Bebel's an und schloß mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie. Briefkasten der KedaKkion. «. B. W. 2. Ja; gehört ber Meister der Innung an, ist bei dieser, sonst beim Gcwcrbcgcricht zu klagen.—®. B. 19. Mahnen Sie den he- treffenden. Antwortet er, so haben Sie Schuldbeweis in Händen. Ant- wartet er nicht, so bleibt Ihnen nur EideSzuschiebung.— 8. D. 1. Nein. 2. Uns nicht möglich.- G. Müller. Wiederholen Sie die Anfrage.- H. H. Ja.- A. B. 1099. Daran können die betreffenden leider nicht gehindert werden.- O. M. Die Berufung ist innerhalb einer Woche nach der Vcrurtheilung beim Amtsgericht zu Rixdorf einzulegen. Di« Wieder- klage können Sie nicht mehr erheben, sondern nur im Wege der Privatklage verfolgen.- A. B. 112. Die Kündigung ist hinreichend. - C. R. 04. 1—3; Die Anfechtungsklage ist nicht mehr zulSsflg. Es kann jetzt nur die Wiederaufhebung der Entmündigung bei den: Amtsgericht, bei dem Sie Ihren Wohnsitz haben, beantragt werden. Hierstir ist Anwaltszwang nicht vorgeschrieben. Wird der Antrag abgelehnt, so kann beim Landgericht(durch einen Anwalt) Klage erhoben werden. Nach Lage der Sache kann zu dem Antrag auf Wiederaufhebung der Entmündigung nicht gerathcn werden.-<£. K. 11. 1. Nein. 2. Ja. 3. Auch eine Frau, die sich zum zweitenmal verheirathct und nach der ersten Heirath noch keine» Antrag auf Rückerstattung der KIcbemarkcn gestellt hatte, hat das Recht, innerhalb 3 Monaten nach Eheschluß, Rückerstattung der Halste der Klebe- marlcn(falls mindestens 23S gellebt sind) zu verlangen, denn§ 30 des Jn- validitäts-Gesetzcs spricht nur von„weiblichen Personen", nicht von Mädchen. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publik«»« gegenüber keinerlei Berantwortnng._ Thestev. Dienstag, den 18. Januar� Opernhaus. Cavalleria rusticana (Bauern- Ehre). Bajazzi. An- fang?-/, Uhr. Tchaiispielhaus. Mutter Thiele. Anfang 7V, Uhr. Deutsches. Johannes. Ans. i/,8Uhr. Lessing. Im weißen Röß'l. Anfang 7V, Uhr. iverlincr. Mein Leopold. Anfang ?'/, Uhr. Goethe. Die Journalisten. Anfang v/, Uhr. iKenes. Familie. Vorher: Der Herr Kandidat. Ansang 7»/, Uhr. Unter de» Linden. DerBettelstudent. Anfang 7i/, Uhr. Schiller. Die wilde Jagd. Anfang 8 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. DaS Opferlamm. Anfang � 71/2 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7i/, Uhr. Luisen. Ans goldenem Boden. An- fang 8 Uhr. Belle- Alliance. Dio rclegirtcn Studenten. Anfang 8 Uhr. Ostend. Leben und Lieben. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädiisches. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Alexauderplah. Die Bcrführerin. Anfang 71/, Uhr. Urania. Tanbcnstraße 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abcndö 3 Uhr Wissenschaftl. Theater. Juvalidenftraste S7/S2. Täglich (außer SonntagS und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschasliiche Vorträge. Slinerican. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7i/, Uhr. Fcen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Retchshalle». Spezialitäten. An- fang 71/2 Uhr. Ostend-Thea ter. Gr. Fra,«ls»rterpr.l32. Dir. C.Weis» Zum 49. Male: Keben und Lieben. Bolksstück mit Gesang in fünf Akten von O. Klein. Musik von G. Wand«. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vor- stellimg: Frei-Kouzert. Ansang des Konzerts 7 Uhr. Mittwoch: Zum 50. Male: Lebe» und Lieben. Vorher: Humoristischer Erolog, verfaßt und gesprochen von skar Klein.— Donnerstag: Die Waise von Lotoood. Apollo-Theater. Frledrlclistr. 218. Dir. J. Glück. Carmen-Faur Siegwart Gentes Miss Bertholdi Desroches-Bianca und 30 Kunstkräfte I.Ranges. Kassen oröffnungß1/,, Anf. 7l/2 Uhr. Montag, den 24. Januar: Debüt der Mme. Yvette Guilbert. JSSifj i(Iuo- GT l| c af ci? (Wallner-Theater). Dimstag, abends 8 Uhr: Die Wilde Jagd. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der König. Doniicrslaz, abends 8 Uhr: Der Rcglstrator auf Reisen. l-uisöll-VIiester 24. Reichenbergerftraste 24. Abends 8 Uhr: Aus goldeum Meu. Volksstück mit Gesang in» Bilden« von Wilhelin Frerkiug. Musik von Gustav Steffens. Dora.... Anna Müller-LIncke. Bollmann.. Arthur Winckler. Morgen: Dieselbe Vorstellung. W. Noack's Theater II r n■■ ii e n- M t r a h s o 10. Heute Dienstag, 18. Januar 1898: Der Herr Stadtmulikus und seine Kapeüe. Volksstück mit Gesang in S Akten von Kneifel. Musik von Conradi. Nach der Vorstellung: TaniürSniclien. Mittwoch: Doctor Wespe. Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Ilicliaril ScIniUz. Dienstag, den 18. Januar 1898; £nill X Ii«inas a. G. Zum 135. Male: BsnIibisn Fahrten. Burleske Ausstaliungspossemit Gesaug und Tanz in v Bildern von Julius Freund«lud Wilhelm Manustädt. Musik von Jul. Eliiüdshoser. Anfang i/z8 Uhr. Morgen: Berliner Fahrten. In Vorbereitung: Die Tugendfalle. Urania Tnubenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet-von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater,— Invalidenstr. Mo. 57—62. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs- Saal und Vorträge.— Passage-Panoplicum. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. Zum Sohluss: Illustrlrtes Quodlibet In 12 lebenden Bildern. | OlympiaSr (Cirous Eenz.) Karlstrasse. Bolossy Kiralfy's Konstantinopel. Grösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 70O Aufführ, in London. 1000 Mitwirkende. t. Bild: Das Maifest in England. 2. Bild; SpanisoherStier- kampf. 3. Bild: Wiener Jahrmarkt, 4. Bild: Räuberüberfall in den rumelischen Bergen. Uns SchlaLchtfcld. 5. Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild; Prunkpalast in Kon- stantinopeh Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Käuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballets, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1-, 1,50, 2,-, 2,50.8-, 3,60, 4,— und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende lO'/j Uhr. Casian's Fanopticum. Fried rieh str. 165. Indltsch. hlndneita. nimciie Gaukler — und— Schlangen- BcschwOrer. BÄRENWU Vollts- Theater im Welt-Kcstanrant 07. D r e s d e n e r- S t r a st e 97. Auf allgemeines Verlangen neu einstudirt: Liefecke in Italien. Koni. Singspiel in 2 Akten von L. Ely. Musik von Richard Thiele. Neue Spezlal- Kümmern. Im vorderen Saale: tyoloi' Sänger Alois Ebner. Altkitttil» Sonntags 6 Uhr. 2lU(HJiy. Wochentags 7V, Uhr. ni t�aarg- 8»»» 1 Vandeville-Theater| 9 Grand-Hotel Alexanderplatz. B « Anhaltende Lachsalve«!> | Das Armband. I Das Modell. AIcazar-Thealer. Dresdenerstraße 52/53(Cich-Passage) Aniienstraße 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Attsenthalt. Nur noch vier Aufführungen von Die I-Iehe Im Bckhanse. Lustspiel üt 2 Akten. Neu! Flotte Matrosen. Neu! Gr. Ausstattungs-Operette in 1 Akt. Nnftreten sämmtlicher Kunst- Spezialitäten. Freitag, den 21. Januar 1898; Benefiz für den Regisseur Ad. Deseau. Vollständig neues Programm. ssslikaiia' Wocheiuags 8 Uhr. AlilUIlg. Sonntags SV, Uhr. Elitree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf Oiel.Original-Budapesteri (Lautzky& Spitzer) , erzielen bedeutende Erfolge in 'ihiarikk'S Vandeville-Theater,! .yilu/lg Gr.- Hotel Alcxauderpl.c Bötimisehes Brauhaus Landsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Stettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Ansang 8 Uhr. Entree 5© Pf.' Vorverkauf 40 Pf. "hän"'4' Sanssouci Kottbuser Straffe Rr. 4 a. Dir. H. Pierrh. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Grober Beifall! Im Reilhe her Sirenen. Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Joh. Eißner u. Jean Häußler. Musik von Joh. Eißner. Heue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts b Uhr, der Vorstellung S Uhr. GvoHev V«U. Entree 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 3 Uhr. IM- Entree 20 Pf.-�Ü Paese-partoute gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. Fainilie Kochsalz der neueste Schlager des I. Original- Bndapester Possen- u. Operetten- Theaters Direktion und Begründer: Anton u. Donat Herrnfdd in Kattrniaim'3Yari6(6 gieht Ursache zum Tagesgespräch aller Lachlustigen. Femer das brillante Spezialitäten-Ensemble u. d. reizende Operette: Gefülsohte Jansen. Anfang 8 Uhr, Kassen- eröffhung Vj7 Uhr, Vorverk. für num. Plätze von 11—2 Uhr. In Vorbereitung: Tan Dreien der Olttckllchete. Todes-Anzeige. Allen Sangesbrüdern und Freunden zur Nachricht, daß unser Mitglied ködert Schwarzer am Sonntag Mittag plötzlich ver- storben ist. Um stilles Betleid bittet Gevongvomn Liedes-Echo. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, aus dem Emmaus- Kirchhof statt._ Maehr'sTheater Oranlen-Straaae 124. Thea: w- Täglich:-WW wer- n.»pezlaliUlt TorsteUnny. Moni Die beiden Kompagnon«||b,|I NCU! und Die Verschwörer.»DU! Reinheld Lange. 1 Käthe Leonard), der beste Humorist I bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Reu! Hr. Alfons, Reu! der bedeutendste Hand- und Fuß- Schnellmaler. Wufllttd* Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. _ Preise wie gewöhnlich._ R eichshallen- Theater, Leipzigerstrasse 77, bietet gegenwllrtlg unstreitig das beste Spezialitäten-Programm in Berlin. Brausender Jubel! IlRU/ßlS Stürmisch. Dacapos uunwio. 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Morgen 7V, Uhr: Crosse brillante Vorstellung. Concerthaus I.elpKlgerstr.No.48 Sm~ Täglich:-W« Hoffmann's Duartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Die Theaterprohe. Posse von Gustav v. Moser.' Zum 273. Male: Uene. Feen-Palast 22 Burgstr. 22. Direktion: Winkler& Fröbel. Wiederau ftreien des Direktors Richard winkler und Wilhelm Pröhel in der aktuellen Operetten- Burleske Das radelnde Berlin> Dazu das erfolgreiche Spezialitäten-Personal. Neu!«eo WUlard. Neu! Urkomisches Fanioche-Theater. Großer Beifall: Caharet. Dressirte Liliputaner- Hündchen! u. f. w. Anfang 7»/, Uhr, SonntagS S Uhr. Entree 3V Pf. Der Arbeiter schlitzt sich vor Perlusten, wenn er sich bei der All- gemeinen Bolks-Kranken- und Volks- Sterbekaffe versichert. Ausnahmen dirett bei der Subdirettton, Skalitzer- straße 82 I, am Schlestschen Thor, zu billige»«nd festen Beiträge». Bertteter überall gesucht! 2791b» Lindowerstr. 23 an CmI Becker ' Clgarren, Clgarrettea n. Tabake _____ derMüllerstr. 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Dic»>t.,g. d-n 1«. J.niuar 1898. abends 8'/- tthr: Große Mitglieder-Versammlung im Lokale des Herrn vr»«>nn,,n, Nauuynstrafte 87. ,-tanc T a g e S- O r d n u» g: die Bedentimg der Wahlvereine.-- Referent: Reich�tagS-Abg»i-. Xnbell. 2. Disknfston. 3. Bereinsanaelegenheiten. ... Dt° � Mitglieder weiden aufgefordert, zahlreich in dieser Lerfaminlung «u erscheinen. DG- Gäste haben Zutritt. 1 Der Vorstand. ZozIiiüieiiiolirMschtt Kliliimem ffit de« 4. Deel. Rrichstsgs-Wahllireis Wen). Dienstag, 18. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Haase, Gr. Frankfnrterstr. 117: SW Versammlung. ,_. TageS-Ordnung: f. Vortrag bcS Genossen«. Wagner über:„Industrie und Marine". 2. Diskilsstoii. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 242/3 »er Vorstand. AMiiitU! ßtllSssillStll Achtung! nü �ciiofeH Uftrlstte«i!Ugs. Mittwoch, den 19. d. M., abends 8 Uhr, Im liokal ,,Bisniavckshöhcu9 Wllmersdorferatr. 39: Große Volksversammlung. .„ Tagcs-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen Rechtsanwalt Tvolfteanc Hein© über xDie schuh. Illid rechtlose Stellung des Proletariats im heutigen Polizei- staate". 2. Dislnssion. 3. Berichterstattung der�Vertraucnsper on. 4. Zlcu- lvahl derselben. 21 cm Um recht zahlreichen Besuch, besonders der Frauen, ersucht ____ jPie Vertrancnsperson. Achtung, Rixdorf! Achtung, Rixdorf! Alttrvoel», TV. dlannar, albend» 8V- Allir, In txrlipler's Salon, Bergstrassc 147: Gr. osskliiliche UMs-MMmlnllg für Frauen nnd Männer. TageS-Ordnung: 1. Die neuen Mittel zur Bekämpfung der Nu- stttlichkeit und der Protest»er Frauen RixdorfS. Referent Reichs- tags- Abgeordneter Genosse Rechtsanwalt Baase-Königöberg. 2. Diskussion. 3 Verschiedenes. 202/5 SW~ Zur Dcaung der Unkosten 10 Pfennig Entree.-MS Um regen Besuch dieser Bersammlung ersucht ____ Ple Vcrtranenspcrson. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Perlmutt- Arbeiter. Donnerstag, 8«. d. 9»., abds. 7y2 Uhr, bei Schöning, Köpnliterftr.«8: Hepsamifiiungn TageS-Ordmmg: 1. Wie stellen sich die Kollegen zu der bllstündigeii Arbeitszeit? 2. Ltefernng der Werkzeuge und was gedenken wir dagegen zu thun? 3. Verschiedenes. 76/13 Agg?- Die Werkstätten von Croslnsky& Elsenack, Silberblatt, iU-ra- rnowsky imb Ludw. Schulz werden hiermit besonders eingeladen. Holzarbeiters Mittwoch, den 19. Januar, abends 8 Uhr, im„Fiirstenhof", Köpuilkcrstrafic 1Z7/1S8: Oeffentliche Versammlung. Dlig es-Ordnullg: Die Nebcrfeierabend-Arbeit bei Bin,, Kvpnickerftraste, und wie stellt ftch die Innung hierzu? Referent Kollege Knnse. Der Ovenneistex Mareohall und Herr Olm sind zu dieser Versammlung eingeladen. 76/14 Zahlreichen Besuch erwartet vor Vertrauensmann. Bucliclruoicerl (TarlfgemelnschaPtsgeffner.) Mittwoch, de» 19. d. Mts., abends 8�- Uhr, in den ArminhaNen: BW- Versal»»iluug.-DD Tages-Ordnung: 1. Bericht der Statuicnberatvungö-Kommission. 2. DiS- kussion. 3. Konstituirnng des Ortsvereins und Wahl veö provisorischen Bor- standeS. 4. Ausnahme von Mitgliedern. 2?7?d Der Elntoernfer. MMWUMMMaurer etc. „Orundeteln zur Einigkeit"(VErwaltungestelle Berlin). Sonntag, den 88. Jaunar, vormittags 10 Uhr, tm LontsenstSdtischen Konzerthans. Alte Jatobstr. 37: Ordentliche Mitglieder-Versaenmlnng. Tages- Ordnung: 1. Kassen- und Nevisionsbericht vom 4. Quartal 1SS7. 2. Wahl des 1. Kassirers, 2. Bevollmächtigten, 2. Schriftführers und zweier Revisoren. 8. Verschiedenes. 140/1 KM- Miiglledsduch legltimirl.-WS Bureau: Straläucrstr. 12. Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis b Uhr nachmittags. Die Berwaltung. I. A.: VI. Garbo_ KOnstl Zihnel 50M»s»iK««KVM miHJII.fclllHlU I,«sv»"'Oranienstraße. Spr. 8-10 und 1—3 Uhr. Spezialität: Porträts sozialistischer Führer, rochen, Knöpfen, Büsten, t Xnr Iteaehtnng. Orts- Krankenkaffe der Mechaniker, Optiker «nd verwandten Gewerbe, öei'Iinc!.,KIo8tor8tr. 65—67. Bom 1. Februar 1898 ad ist das Kaffenlokal werltäglich nur von 9—1 Uhr vormittags geöffnet. Sonn- und Feiertags geschloffen. 26b/2 Der Vorstand. | Freie Volksbühne. ßamsci-stag, den£7. Jannar, abends 8 Uhr, in Colm's FcstsHlcn, Benthstr. 80: General-Versammlung. Dia Mitglieder werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Die nSchste Vorstcllnng findet für die m. Ahtheilung am 30. Januar, für die IV. Ahtheilung am 6. Februar im Lessing- Theater statt. Nene Mitglieder können sich zur V. Ahtheilung noch in allen Zahlstellen melden und worden die Mitglieder und Vreunde der„Freien VolSisböhne" gebeten, in ihren Bekanntenhrclsen für die schleunige Füllnng dieser Abtheilung sn wirken, da zur Erhaltung des finanziellen Gleichgewichts im Vereins-Etat die volle Besetzung der Abtheilung Vorbedingung ist. Die erste Vorstellung der V. Abtbeilnng findet im Ii essing-Theater statt. Aufgeführt wird: 228/4 LM- Barte! Turaser."Wg Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Ein donnerndes Doch unserem Mit- gliede IVilh. Küpke(Krast- budikcr) zu seinem heutigen Wiegen- feste sendet 2778b Lotierieklnb„Treffer". Achtung! Achtung! Saugesluftige Damen u. Herreu, die gewillt sind, einem älteren Gesang- verein, Gemischter Chor. Mitglied des Arbeitcr-SängerbnudeS, der unter Leitung eines anerkannt tüchtigen Dirigenten steht, beizutreten, werden freundlichst ersucht, sich Mittwochs, abrudö von 0—11 Uhr, im Uebungs- lokal, Restaurant Schiller, Rosen- thnierstr. 57, zu melden. 65/1 Die im Lokale des Herrn Rutsch, Bnckowerstr. 1, gegen dessen Ehefrau geänsterte Beleidigung nehme ich hier- mit zurück uud erkläre Frau Rutsch für durchaus ehrenhaft. 2776b Johann TctalnlT. "einfache0 lAhMMNeN. Compl. Einrichtungen inol. Ver- tahren zur Fabrikation von Feuer- u. Kohlenanzündern, Wasch- u. Toilottoseifen, Seifonpulver und Stiefelwichse etc. Fachkenntnisse nicht erforderlich. 17jähr. Praxis. Zahlr. Anerkenn. Katalog, gratis. FsllDicht's Lahorat., Altona a.Elbe. Feuerstein'3 Festsäle Alte Jakoltstrasse 75. M. 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Diskussion. 76/12 jjHr* Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. RI Inger, Vertrauensmann der Holzardeiter Berlins. teilt her Mh. Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlunds (Filiale Berlin I.). Donnerstag, den 80. Januar, abendS 8Vz Uhr, im»Englischen Garten", Alexanderftratze 87«: General- Derfnmtnlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches und Kassenbericht. 2. Bericht und Reuwahl der Unter- stützungSlommission. 3. Bericht der Arbcitslosen-Unterstützunaskommisston. 4. Was wollen die Stuttgarter Lithographen? 5. Diskussion. 6. Verschiedenes. Die Kollegen, welche noch Senefeldcr-Broschüren haben, werden ersucht, dieselben spätestens in dieser Versammlung abziirechnen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 96/2 Die Verwaltung. vis Heilkraft meines reinen Bromlbeerweiiies ist erprobt Bei Asthma, Berschleimnug, Husten, Er- kältnng, Jnstuenza, Schlaflosigkeit. Gebrauchs-An- Weisung ans dem Etiquett jeder Flasche. Geschmack Wie Portwein. 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Für die herzliche Theiinahme bei der Beerdigung memeS lieben Mannes sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten, sowie den®. A.-V., den H.-A-V. und dm Arbeiterinnen, Arbeitern der Piano-Mechanik-Fabrik von Oskar Köhler meinen herzlichsten Dank Ww. Marie Schulz 2783b geb. Reichmuth. Danksaaluig. Allen Freunden und Kollegen meines Mannes innigsten Dank für die zahl- reiche Betheiligung bei der Beerdigung und für die groffe Blumenspende. vor allem dem Gesangverein Buchbinder Männerchor. 2784h Ww. THenerkauf und Kind «. sonstige Verwandte». Danksaauna. Für die herzliche Belheiligung bei der Beerdigung meines verstorbenen Mannes, des Zimmerers Wilhelm Wusterak, sage hiermtt allen Bethel- ligten, besonders den Herren Same- raden meinen innigsten Dank. Wwe. Wusterak und Hinterbliebene. Abrechnung von der Matwee für die englische» Maschwendauer vom 141b Arbeittt-GesllllSv.„te" Einnahme: 683 BilletS ü 30 Pf... 188,90 Vt Ausgabe: 61,85„ Ueverschuff: 137,05 M. 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