Nr. 18. Abomttment«• Krdingungen: «bonnemeni»-Preti ptänumetanbo: «ierteljährl. 3�0 Mr., monatl. 1,10 Sit., «öcheolltch ss Psg. frei tn« Hau«. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntag«, Nummer mit illustririer Sonntag«, veilage„Die Neue Welt» 10 Psg. Post- Abonnement t 3.30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1898 unter Dr. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn s Mark, sür da» übrige«uSland 3 Mark pro Monat. Erscheba loglich außer Mo»log». Derltnev VolksblÄkk. 18. Jahrg. Dir Inserttlms-Gedkihr beträgt sür die fechSgespaltene ltolonel- teile oder deren Raum 10 Psg., für verein»- und VersaininlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» « Uhr nachmittag» in der Erpediiion abgegeben werden. Die Erpedition Ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», «» Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Dr. Ivos. Telegramm- Adresse: «SoiioIdemoKrot»erlin". Zentralorgan der sozialdemokrattsthen Partei Deutschlands. Ztedallli«»:»V. I». N-nih-Slraße S. Somtabend, den 22. Januar 1898. Spedition: SW. 19. Menth-Straße 3. Lvev tveitz? In diesen Tagen sind seitens des Zentrums zwei Denk- schrifieu der Oeffentlichkeit übergeben worden, die unwillkürlich den Gedanken erwecken müssen, daß zwischen beiden ein innerer Znsanimenhang bestehe. Die eine beschäftigt sich mit der Erörterung über die Paritätsfrage, die andere mit der Stellungnahme des Zentrums zur Flottenvorlage. Letztere ist von der Zentrumsfraktion veranlaßt und von Mnller-Fulda, dem früher so scharfen Opponenten gegen die Hollmann'schen bescheidenen Flottenpläue verfaßt. Die' Schrift des Herrn Müller, welche wir schon kurz erwähnten, verläuft zu guterletzt in die Frage:„Wird die Marinevorlage angenommen werden oder wird sie das Schicksal der Finanzreform theilen?" Und als Antwort weiß uns Herr Müller nichts mehr und nichts weniger zu sagen, als was alle Welt weiß:„t�uieu Labe-.(Wer weiß?) In der anderen Denkschrift, die an die Adresse des Landtags gerichtet ist, giebt es kein prophetisches„Wer weiß?" Viel mehr stellt hier das Zentrum seine ganz bestimmten Forderungen an den Staat Preußen, den Lieber zu erobern gedenkt und die in dem Sinne gipfeln: Wir wollen an der Verwaltung inner» halb der preußischen Bureaukratie mehr Einfluß, wir verlangen: größeren Antheil an der Regierung. Ist es nicht natürlich, daß schlichte Gcinnthcr sich sagen Holla! Hier haben wir ja die Antwort auf das Miiller'sche Quien Labe. Hier haben wir das Tauschobjekt, das vorn Zentrum der Regierung gegen die Flottenvorlage an- geboten wird. Und in der That, dieser Gedanke ist alsbald ausgesprochen worden und hat ebenso prompt ans Zentruinskrcisen eine schrofle Abweisung erfahren. Die„Kölnische Volkszeitung", die klerikale Führerin am Rhein, nennt solche vorwitzigen Vermuthungen„seichtes Geschwafel". Man hüte sich also zu sagen: Auch in der Flottenangelegenheit treibt das Zentrum Schachergeschäste. Nur ein Zufall und nichts weiter ist es, daß just in dem Moment, da die Denkschrift über die Paritäts frage erscheint, daS Zentrum die vielsagende Frage über die Aussichten der Flottenvorlage mit einem„Wer weiß?" be antwortet. Das Zentrum handelt nicht, eS treibt keine Schaukel- Politik, es verkuppelt innerpolitische Fragen keinesivegs mit einer ganz allgemeinen nationalen Angelegenheit wie der Flottenvorlage. Wer weiß? möchte wohl mancher Bedächtige sagen, aber lassen wir alles seichte Geschwafel: denn das Zentrum hat genug mit sich zu thun; man hat ja nicht nölhig, seine unbequeme Position noch von außen her zu er- schüttern. Roch selten ist die Zentrumspartei in einer so heiklen und schwierigen Situation gewesen, wie gerade gegenwärtig. Als nach der Rede Licbcr's bei der ersten Berathung der Flottenvorlage die gesammte Presse dem Zentrum ans den Kopf zusagte, daß Lieber mit seiner Rede eine Verständignug mit der Regierung anbahne, da brach seitens der Zentrumspresse ein gewaltiger Entrüftnngssturi» über eine derartige Insinuation los. Die„Köln. Volksztg. meinte, mit der Lieber'schcu Rede sei das Zentrum in keiner Weise ans dem Wege der Verständigung angelangt. Herr Dr. Lieber habe allerdings einige Vorschläge ans Abänderung zur Sprache gebracht. Das seien aber vorläufig nur hin geworfene Gedanken und nicht etwa namens des Zentrums gemachte Angebote, zu denen die Re giernng nur Ja und Amen zu sagen brauchte, um ihre Vor- läge gesichert zu haben. Andere Prcßorgane des Zentrums gingen sogar zu direkten Angriffen auf Dr. Lieber über, die sich dieser so zu Herzen nahm, daß er ernstlich erkrankte. Doch die hingeworfenen Gedanken thate» im Zentrum ihre Schuldigkeit, wie die Hefe im Mehlteige. Zunächst sieß man den Sturm der kleinen Zentrumspresse austoben und dann ging's an eine vorsichtige Agitation zu gunsten der Lieber- schen Angebote. Zentrumshäuptlinge und die ersten Preß- organe verbündeten sich zu gemeinsamen Werken. Und die Kampagne hat Erfolg gehabt. Die Zentrumsführer im Süden und im Westen wie auch im Osten sind einig, selbst die knur- rendeu Preßorgane kleinsten Kalibers habe» ihr Gekläffe ein- gestellt. In Bayern war es erst der Freiherr Dr. v. Hertling, der „ganz persönlich" seine Ucbcrzeugung dahin aussprach, er wünsche eine Verständigung in der Flottcnfragc. Hertling ist nicht der Mann deL Volkes, als solcher gilt eher der in Bayern sehr bekannte Dr. Pichlcr. Was Hertling aussprach, das konnte für das bayerische Zentrum nicht als maßgebend erachtet werden. Anders ivar es schon, als Dr. Pichler einschivcnkte, der unmittelbar nach Erscheinen der Marinevorlage erklärt hatte, daß die Vorlage von den bayerischen Zentrnms-Abgeordneten, so wie sie sei, rundweg abgelehnt worde. Auch er hat inzivischen vor Lieber's hin- geworfenen Gedanken kapitnlirt. In einem Vortrage in Straubing meinte er nämlich plötzlich: eine große Armee sei etwas Schönes. Das gelle auch von den Schiffen.„Wir brauche» eine Anzahl Schiffe, aber in der Form, wie die Rc- giernng fordert, können wir die Sache nicht annehmen und auch nicht in der Höhe. Man wird sich wohl überlegen mnffen, was nothwendig und wie weit die Kräfte reichen." Herr Pichlcr Hüft also bedeutend zurück. Aber die Bc- fchwichtigungsarbcit hat noch größere Erfolge ans- zuweisen. Für Bayern waren seitens des Zentrums Protestversammlungen gegens die Flottenvorlage geplant. Sie haben schließlich nicht stattgefunden. Warum nicht? Der in München erscheinende„Bayerische Kurier", der anfänglich gegen die Flottenvorlage wetterte, machte darüber bekannt: Die für München schon angekündigte Protestversamm- lnng unterbleibe,„weil auf anderen Wegen eine Verständigung des preußischen und bayerischen Theils des Zentrums möglich werde. Die Flottenvorlage in dem von uns(d. i. dem„Bayer. Kur.") zitirten Umfange dürfte als gesichert zu be- trachten sein." Nachdem so der widerspenstige Süden, der demokratische Flügel, zahm gemacht war, konnte die„Kölnische Volks-Zeitung" ganz offiziell den hingeworfenen Gedanken Dr. Lieber's sich selbst zu eigen machen, es konnte ruhig und unaiigefochten die Sache der Verständigung in Angriff genommen werden. Daran konnte auch die angeblich oppositionelle Rede des Abg. Dr. Schmitt in Mainz nicht hindern, um so weniger, als Schmitt gleichfalls für Bewilligung eintrat. Nunmehr war sür die gesammte Fraktion eine Uebereinstimmnng ge- schaffen, wonach es sür das Zentrum feststand, daß um eine angemessene Flottenvermehrung, so wie die Dinge einmal liegen, nicht herumzukommen sei. Mit diesem von der„Köln. Volks-Zeitung" formnlirten Resultat kann Dr. Lieber jetzt getrost in die Budgetkommission gehe», um sich von Herrn Tirpitz über das, was als„angemeffen" zü erachte» ist, in- formiren zu lassen. Die Abgeordneten des Zentrums sind in der Hauptsache jetzt einig: sie suchen mit der Regierung eine Ver- ständignng. Was freilich sagen die Wähler des Zentrums zu dieser Wandlung ihrer parlamentarische» Ver- lreler? Werden in Bayern die Banernbündler, am Rheine die Sozialdemokraten den Thurm des Zentrums erschüttern können? Wird die schwankende Politik der Lieber und Bachem endlich einmal auf energischen Widerstand seitens der katho- tischen Wähler stoßen? Ja, auch das Zentrum wird durch diese Frage am meisten geängstigt und darum eben auch das tZuieu Labs des Abg. Müller in seiner Denkschrift. Die Herren vom Zentrum wissen zu genau, wie das Mißtraue» gegen die Fraktion und die ultramontane Presse stetig und drohend wächst, sie fühlen, daß ihre Politik nicht länger haltbar ist, daß es nur noch ein Entweder— Oder giebt; entweder mit der Regierung gegen das Volk zu gehen oder aber mit dem Volke gegen diese Re- g i e r u n g. Wo ist mehr zu gewinnen? In der Denkschrift über die Paritälssrage wird dargelegt, welche Karrieren den Söhnen begüterter ultramontancr Familien eröffnet werden könnten, vom Landrath an bis hinauf zum Oberpräsideuten und Minister. Schon lange haben sie auf den Ehrgeiz verzichtet, nur in der Theologie zu cxcellircn. Sie wollen preußische Beamte werden, Theile von dem Staatsorganismns, den das Volt zu bekämpfen hat— wer weiß, ob ein solches Aeqnivalent das Zentrum am Ende nicht veranlassen könnte, in der Flottenvorlage seinen Willen einer„kurz- sichtigen" Opposition der Wähler gegenüber zur Durchführung zu bringen? Wir sagen, iver weiß, denn wir möchten nicht irgendwie ungerechter Weise dem Zentrum ans der Thatsache des gleichzeitigen Erscheinens seiner beiden oben genannten Denkschriften einen Vorwurf konstruiren. Aber zu rechnen haben wir mit dem wenn auch nur zufälligen Abschluß eines Tauschgeschäftes zwischen Regierung und Zentrum. Noch ist nicht aller Tage Abend. Und wie Dr. Ätüller darum die Flottenvorlage mit einem CJuien Labs begleitet, io müssen ivir auf die Frage, ob denn ein Handelsgeschäft zwischen Zentrum und Regierung anläßlich der Flottenvorlage wirklich ans- geschlossen ist, die leider ebenso ungenügende als für das Zentrum unbequeme Antivort geben: Wer weiß? Z>olikisihv MebevZrrtzk. Berlin, 21. Januar. Skills dem Reichstage. Es ist heute der vierte Tag, an dem sich der Reichstag mit dem Etat des Reichsamts des Innern beschäftigt und es ist noch nicht abzusehen, wann man zu Ende kommen wird. Bisher hat der famose Erlaß des Herrn Grafen von Posadowsky die Debatten beherrscht und auch heute war die Rede des Zentrumsführers Dr. Lieber nichts anderes als ein erneuter Versuch, seine Partei ans der einen Seite der Regierung zum Kampfe gegen den Umsturz zur Verfügung zu stellen, andererseits aber sich dagegen zu verwahren, daß er und seine Freunde dazu bereit seien, das Koalitionsrecht zu erdrosseln. Daß letzteres nicht geschieht, dafür liegt für das Zentrum freilich der Knüppel beim Hunde, denn die katholischen Arbeiterwähler würden den Herren Führern rasch den Spaß verderben, wollten diese die Geschäfte des Herrn von Stumm offen be- treiben. Weiter erklärte Herr Dr. Lieber, daß seine Freunde der Resolution P a ch n i ck e nicht znstininien werden, da durch dieselbe die Gewerkschaften zum Tummelplatz sür politische Treibereien gemacht würden. Daß die katholischen Gewerkschaften nichts weiter sind als Konvenlikel der politischen Zcntrnmspartei, darüber schwieg natürlich Herr Lieber. Der Fraktionsgenosse des Herrn Dr. Lieber, Herr Hitze, trug darauf seine Wünsche in bezug aus die Gewerbe- Inspektion vor, während Dr. Pachnicke seinen Antrag gegen Dr. Lieber vertheidigte. Prinz von Schöneich-Carolath verlangt die Zu- laffung der Frauen zur ärztlichen Praxis, worauf Graf v. Posadowsky die staatsmännische Erklärung abgab, daß auch die Regierung dieser Frage nicht mehr„absolut ab- lehnend" gegenüber stehe. Es sollen auch in dieser Angelegenheit Erhebungen stattfinden. Dr. Friedbcrg (natl.) und Graf v. S t o l b e r g(k.) erklären sich mit den Ausführungen des Ministers einverstanden. Die Mängel der Gewerbe-Aufsicht und die Mißstände, die auf diesem Gebiete noch bestehen, behandelte hierauf der Genosse Wurm in eingehender Weise. Es waren die alten Klagen, die unseren Lesern nur zu gut aus den bezüglichen Artikeln, die wir über dieses Thema schon gebracht haben, bekannt sind. Der Redner geißelte besonders die milde Praxis der Gerichte gegenüber den Vergehen der Unternehmer auf dem Gebiete des Arbeiterschntzes, besonders wenn die Anzeigen „blos von dem Gciverbe-Jnspektor" erstattet sind. Der Redner verlangtenergischeForlbildnngder Gewerbe-Aufsicht und besonders auch die Zuziehung von Vertranenspersonen der Arbeiter und zivar nicht nur von Männern, sondern auch Frauen. Daß durch die Heranziehung von Diakonissinnen zu diesen Aufgaben nichts genützt werde, betonte der Redner besonders, indem er auf die mangelnde Vorbilvung dieser Frauen für solche Zwecke hinwies. Daß die preußische Regierung Franen-Jnspcktoren um deswillen nicht ivill, weil diese den Fabrikanten nicht genehm seien, sei für diese Regierung ja ungemein bezeichnend, für uns und die gesammte Arbeiterschaft aber erst recht ein Grund, auf dieser Forderung zu bestehen. Herr Hitze niachte noch einmal den Versuch, jeden Zweifel an der Arbeitersrenndlichkeit des Zentrums zu zer» streuen, Ziveifel, deren Genosse W n r m eine ganze Zahl an« geregt hatte. Ermähnt sei noch, daß Herr Hitze dem Reichstag mitzntheilen für nothwendig hielt, daß er nicht der Verfasser des oft zitirten und seiner billigen Koch- rezepte willen in Arbeiterkreisen berüchtigten Buches„Das häusliche Glück" sei. Er habe zwar an einer Neuauflage sich betbeitigt, aber gerade in dieser die ominösen Rezepte ge- strichen. Morgen 2 Uhr Forsctznng.— Die Reform des Militar-Gerichtsverfahrens. Die Haltung der Regierung in der Kommission des Reichstags, welche den Entwurf zum Militär- Strafprozeßverfahre» zu beralhen hat, bestätigt durchaus unsere früher ans- gesprochene Ansicht, daß die Regierung an dem Zu- standekommen der von ihr vorgeschlagenen Reform gar- nichts gelegen ist. Die Kommission hat in ihren bisherigen Berathnngen alle irgendwie weitgehenden Anträge ans ihrer Mitte abge- wiesen. Unter Führung des Zentrumsabgeordneten Herrn Gröber sucht die Kommissionsmehrheit nur einige wenige, äußerst dürstige Verbesserungen der Vorlage herbeizuführen. Aber die Regierungsvertreter erklären fast allenthalben: Kbu possumus, wir können nicht, das heißt wir wollen nicht! Der Kriegsminister v. G o ß l e r gab schon in der Sitzung vom Donnerstag eine Erklärung ab, die deutlich besagte, daß die Regierung die Vorlage nicht annehmen werde, wenn die Aendcrnngen, welche die Kommission hineingebracht hat, nicht zurückgezogen werden. Es ist unverkennbar, daß die Vorlage nicht au? rechter Ueberzengnng von ihrer Nothweudigkeit eingebracht ist, sondern lediglich um den Reichskanzler nicht als Brecher seines Versprechens erscheinen zu lassen. Wahrscheinlich haben einfluß- reiche Militärs gleich von vornherein ans eine solche Gestaltung der Vorlage hingedrängt, von der sie wußten, daß der Reichs» tag sie nicht genehmigen könne. Ferner hat zweifelsohne bei der Einbringung dieser Vor» läge die Rücksicht ans das Flotte»gesetz eine große Rolle gespielt. Man wollte wenigstens den Anschein erwecken, als ob man dem deutschen Volke nicht nur neue Lasten und Opfer znmnthe, sondern auch bereit sei, auf seine Wünsche einzugehen. Daß diese Auffassung der Dinge dem Sachverhalt ent» spricht, bestätigt das Verhalten der Regiernngsvertreter in der Kommission. ES scheint also dahin kommen zn solle», daß trotz der größten Mäßigung der Kommission und der hinter den Kommissionsmitglicdern stehenden Parteien nichts aus der Reform werden sollte. So überaus bedauerlich daS wäre, so darf eS doch die Reichstagsmehrheit nicht hindern, ihre Pflicht gegenüber den Wählern zn thu». Insbesondere das Z e n t r n in könnte sich hier rechte Verdienste erwerben. Diese Partei hat es in der Hand, die Regierung zn größerem Entgegenkommen zu nöthigen. Die Regierung will das Flottengesetz, das Volk die Reform des unhaltbaren, jeder modernen Rcchtsausfassnug Hohn sprechenden MUitär-Strafverfahreus. Das Zentrum ist flotlenbewilligungslustig. Wird eS wenigstens als Kaufpreis die Reform der Militärstrafjustiz fordern? Das Zentrum versteht sich doch gut aufs Handeln. Mag es doch einmal etwas einhandeln, was der Masse des deutschen Volkes werthvoll ist! Freilich, uns scheint, als werde das Zentrum sich an dem Schein eines ernsthaften Eintretens für die Reform des Ntililär-Strasvcrfahrens genügen und ganz andere Dinge von der Regierung zu erschachern suchen. 5?ni- dc» Grafcn PosadowSN»»nd den Frhr». v. Siumm recht lelinejch ist die socbc» vom englischen Hniidetsamt verössentlichle Slntistik der r b e i t e r k o a l i t i o n e»»» England. Schon doß das Londoner Handelsaint»nt so großer Sorgfall »nd Unparteilichkeit die Entivirfliing der Trabes Nnions Monat sür Monat nnd Jahr snr Jahr verfolgt und durch seine Publikationen das Versländnisz für die eminenle Knltnrbcdenlung der Organisation der Arbeiter in den weitesten Kreisen weckt nnd fördert, ist für die Herren im Berliner Reichsamt des Innern beschämend. Daß gar einer der hervorragendsten Gewerkschafissührer der„Arbeits- ablheilung" im cuglischenjsMinisterinni vorsteht, ist für das deutsche Saarabien diesseils und jenseits der Elbe geradezu eine Ungeheuer- lichkeit. Diesmal ist der Bericht des Labour Correspondcnt noch ans« führlichcr wie sonst. Eine Reihe von Gewerkschaften hat ISSS und 1896 zu in ersten Male ihre Uebersichten eingesandt. Dadurch sind die früheren Gesammlziffern mit den heutigen nicht mehr ver- gleichbar; die Arbeitsabiheilnng hat aber von allen nunmehr zu- gänglichen Aerufsvereinen die Ziffern für die letzten fünf Jahre nachlräglich zusaiumeugestellt, sodaß für diesen Zeitraum der Ueber- blick vollständiger wie je geivordc» ist. Die Berichte betreffs» Gewerkschaftc!» 1892 189» 1894 1895 1896 1184 1239 1285 1316 1330 Di« 100 hervorragendsten Trades Nnions halten Mitglieder 913 759 917 496 931 440 921 686 966 953 Zahl der Mitglieder 1 461 800 1 453 692 1 424 941 1 397 887 1 487 562 Die Zahl der Koalitionen steigt also fleiig wie»ach einem nn- abänderlichcn Raturgesetz. Die Mitgliedcrziffer schwankt, je nach dem allgemeinen Geschäftsgang, aber innerhalb viel engerer Grenzen wie bei«nS. wo die Arbeiterklasse noch jünger und wirthschastlich »nentwickelier ist, wie in England. Die großen allen Gewerk- schaften, zwei Drittel aller organisirlen Arbeiter umfassend, wahren jedoch auch unter wechselnden Konjunkturen ihren Mitgliederstand, ja sie vermehren ihn sogar fast unausgesetzt. Auch die weiblichen Arbeiter sind durch ihre Loh»- nnd Arbeitsverhältnisse immer mehr in die Berussvcreine hineingetrieben worden. Man zählte 1896 103 578 organisirte Arbeiterinnen, davon nur 6974 in eigenen Frauenorgnnisaiioucn, die übrigen in den ge- mischten Unionen von Frauen und Männer». Die Leistungen der Trades Nnions für alle möglichen Knlinr- zwecke sind ganz außerordentliche. Die Ausgaben für Lohnkämpfe, »m die Lebenshaltung der Massen zu erhöhen oder gegen eine Herabdrnckuiig zu wahren, sind gewiß in erster Linie ebenfalls Ans« gaben für Knllurzwecke; sie erschöpfen jedoch in keiner Meise die Thätigkeit der Gewerkschaft««, besonders nicht iw den anssichlslosen Jahren der wirthschastlichen Depression. Der Bericht verzeichnet folgende Leistungen in Pfund Sterling 20 Mark.): Das alles konstatirt das englische Handelsaint mit großer Genuglhnnng. Bei uns aber folgt das.Reichsamt des Innern de» Wünschen eines Slilmni, der in seinem bekannten Fabrikanschlag von �berüchtigten Geiverkvereinen" spricht,„deren englische Vorbilder weit über das Maß der sozialdemokratischen Ausschreitungen hinaus nicht vor den geivallthäligsten Verbrechen zur Erreichung ihrer Zivecke zurückgeschreckt sind". Tie Spaiiuniig zwischen England>i»d Rostland wegen der chinesischen Angelegenheit niimnt ste>S schärfere Forme» an. Gegen die englische Forderung, Taliemvan als Vortragshasen z» öffnen, hat nach de»„Times" Rußland scharf proteflirt. Der russische Geschäslsträger i» Peking droht im Falle der Er füllnng jener Forderung„mit dem Verlust der Fremidschaft und des Schutzes" Rnßlands. Aach einer Pariser Mitlhcilnng der Münchener„Allgemeinen Zeilnng" haben Rußland und Frankreich geineinschaflllch beim Tsnng- li-Naiuen energisch Venvabrnng gegen die von England geforderte Unterstellnng der chinesischen Post, Telegraphen- nnd Bergiverks- Verwaltung, der Likin-'Abgabe und anderer Slenern nnlcr die Uebcrwachnng britischer Kommissare ein- gelegt. Evenluell dringen die beiden bcfrcnndelen Mächte darauf, daß neben jedem englische» Kommissar ein russischer angestellt weide. Andererseits thut man in London recht kriegslustig. Eine Berinehrnng der Marinemaiinschasten um »000 Mann soll beii» Parlament beantragt werden und Lord Wolseley, der Oberbefehlshaber der Armee, erklärt,„er könne sei» Ehrenwoit gebe», daß, falls die lltegieriingu morgen den Krieg erkläre, zivei volle Arincelorps zur Einschiffung bereit stehe» würden, ehe die Marine die nöthigen Schiffe dazu beschaffen könnte. Diese Armeekorps würden ans den schönsten Maniischaste» bestehen und besser ausgerüstet nnd besser eingeübt sein, als irgendwelche, die jemals die britischen Gestade verlassen haben." Ann, so sehr gefährlich wird die Sache wohl vor der Hand noch nicht werden. Die„schöne» Mainischaftei»" Lord Wolseley's , verde» vielleicht eher an die ostindische Grenze ziehe» inüffen, als in die chinesischen Gcwäffer. England wird sich schließlich begnügen müssen, wen» es die chinesischen Südprovinzcn und das Dangthekianglhal, die reichsten Landstriche des himmlischen Reiches, ansbenle» darf und wird dein russischen Bären den Norden über- lassen. »» TentscheS N,ich. — Di» p r o d» I t i o>> s st a l i st i s ch e n Arbeiten im Reichsamte des Innern sind in vollem Gange. Dein Bernehnie» der„B. P. St." nach Ivcrde» demnächst die Fragebogen für die Lederindustrie, die Holzwaare»-, Spielwaaren- u. s. w. Industriezweige sestgcsielll werden.— — Ein MaterialprllfungSamt des Reiches ver- langt ein Antrag der Abgg. Schmidt- Elberfeld und Paasche. Unseres Erachtciis verdient er auch vom Standpunkte der Arbeiter ons Förderung n»d Unter stütznng. Heute haben »vir in Preußen verschiedene Prüsniigsabtheilunge» in der Charlottenburger nrechnnisch- technischen Versuchsanstalt. Die AdlheilNng für Oelnnlersnchnng stellt z. B. Gefrier- und Flamm- pnnkt der verschiedenen Schmieröle fest; derartige Feststellungen find von größtem Werths für die Eisenbahne», bei dene» das Erstarren des Oeles bei strenger Kälte, ebenso das Entflamme» an de» Zlchsen leicht zu schweren Betriebsstörunge» und Unfällen führen kann. Die Banmalerial-Ablheilnng hat für die Hasenbauten wichtige Aufschlüsse gegeben durch Untersuchungen über das Ver- halten der Bindemittel im M-erwasser. Der Metallabtheilung fallen die Prüfungen über die Festigkeit von Eifeiibahn schiene», Drahtseile» und Seilverbindungen z», von der das Leben Hunderltausender von Menschen ans den Eisenbahne», in den Gruben nnd an den Fahrstühle» abhängt. Ungemein wichtig für die Verhütung von Kessel- und Nohrcxplosioncu sind ferner die Experimente über das Verhalte» von Kupfer und Eisen bei starkem Frost»nd hohen Temperatur- grade». Die bisher beivilliglen Staatszuschüfle sollen entfernt nicht ausreichen,»», die Lösung mannigfacher,„och»„aufgeklärter, rein ivisseiischafllicher Probleme zu ermöglichen. Schon in» dringende Mißstände zu heben, soll das Reich die Anstalt übernehmen, die dann der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt etwa gleich zu stellt» wäre. Auch eine Reihe sozialdemokratischer Abgeordneter habe» den Antrag Schinidt-Paasche vorläufig unterstützt.— — Ueber den Zuckerzoll in Amerika schweben be sondere Verhandinngen zwischen Deutschland und den Vereinigte» Slaate». Nach der„Magdeburg. Zeilung" wünschen die denlschen Zuckerindustriellen, daß von de» Vereinigten Staaten eine Vertrags mäßige Herabsetzung des dortige» Zuckerzollcs um 20 pCt. erlangt werden möge, nnd zugleich die Zustchernng, daß kein Land durch Ev Mäßigung der Zuckerzölle vor Deutschland bevorzugt lverde» darf.— — Zentrum und Marinevorlage. Die„Germania theilt mit. daß die Zcntrnms-Fraklion des Reichstages sich abermals mit dem Flottengesetz beschäfligt habe und dabei eimnüthig zu dein Ergebnisse gekommen sei, daß zur Zeit keine Veranlassung für sie vorliegt, von dem durch de» Fraklionsredner der ersten Lesiing Herrn Abg. Dr. Lieber dargelegten Standpunkte abzugehen. Nach dieser parlcioffiziellcn Mittheilung herrscht die Lieber'sch« BewillignngSlnst im ganzen Zentrum vor. Und wir glauben gern daß daS die vorwaltende Stinunuug der ganzen Partei ist. Nur einige wenige Abgeordnete scheinen mit der Haltung der Partei- Mehrheit nicht«inverstanden zu sei». Den» Abgeordneten sür Mainz. Dr. Schmitt, der kürzlich eine etwas kräftigere Rede gegen das Flottcngesctz gehalten hat, wurde nachgesagt, er woll« sei» Mandat inederlege». Dr. Schmitt erklärt jetzt aber, sei zwar richtig, daß seine Rede gegen das Floltengeseh in de» Kreisen des Zentrums um Lieber hernin eine starke Bersiimiimng gegen ihn erzeugt habe, er denk« aber gerade deshalb gar nicht daran, auf sein Mandat zu verzichte»; im Gegentheil, er würde es als ein Verbrechen gegen seine Wähler ansehen, wenn er das lhäte Bestärkt werde er in feinem Verhallen durch eine Reihe von Zu schristen, die er ans Zentruinskreiscn erhalten habe, worin der An erkennung nnd der Freude darüber Slusdrnck verlieben sei, daß endlich einer der Zentruins-Slbgeordnelen de» Mulh gehabt habe, in dieser Angelegenheit den Mund aufzuthun und die Ansicht der Mehr heit der Zenlrninswähler offen auszusprechen." Den Aeinterlustige» mn Lieber wird dies« Auslassung wenig Freude bereiten.— — Ueber die Ergänz ungSstener-Veranlagnng in Preußen für 1897/98 entnehmen«vir der dein Abgeordiieten- Haufe zugegangenen Uebersicht folgende Einzelheilcn: Veranlagt waren 1 179 855 Zensiten gegen 1 166 745 im Vorjahre oder 3,70 pCt. der Bevölkerung, und zivar in den Slädlcn 533 510 oder 4,11 pCt., ans dein Lande 641345 oder 3,42 pCt. Mit einem Einkomme» von nicht mehr als LOOO M. sind 895 111, mit einem Einkommen von mehr als 3000 M 284 744 Zensile» veranlagt. Von dcm gesamwte» steiler Pflichtigen Vermögen in Höhe von 65 676915 411 M. eulfallen au die Städle 39 790 237 390, auf das Land 25 836 678 021 M. Das Durchschnittsverwögen jedes Zensiten stellt sich auf 73 889 M. in den Städten, 40 363 M. ans dein Lande. I» de» Stadlkrcise» be trägt das Dnrchschiiillsverinöge» 103 557 M. Ueber diesem Durch schnitt bleiben». a. Frankfurt a. M., Charlottenburg, Essen, Berlin, Wiesbaden und Bonn. Das Durchschuittsverinöge» jedes Zensile» überragt das des Vorjahres»in 197,02 M. Ein Vermögen von mehr als 500 000 M. besitze» 1,19 pCt. aller Zensiten.— — Ueber die Beanstandung der Stener-Er- k lä r u n g e» ist eine Statistik aufgenomincn, aus»velchcr hervor geht, daß von 424 668 abgegebenen Slenererklärungen 140 763 oder 33.1 pCt. beanstandet sind. Der Erfolg dieser Beanstandungen ist geivesc», daß dadurch ein Mehr nn Steuern von 5 405 439 M.«rziell wurde. Diejenige» Stenerpflichlige», deren Deklarationen beanstandet siiid, würden»ach Maßgabe ihrer Teklaralioiien nnr iiisgesammt 22 990 07 l M. Ei»kou»»e»ste»er zu zable» gehabt haben, während sie in folge der Beanstandung zu 23 395 510 M. berangczogen sind; sie würden also, ivenn ihre Erklärnngen obne weiteres der Beranlagnng zil gründe gelegt wären, mn 23,5 pCt. oder fast nm V» der von ihnen dellarirle» Snnnnen zu niedrig bestcncrl ivorde» fei». Der Minder ertrag von 5.4 Millionen in dem Slaatsstenersoll würde außerdem als inmbweislich weitere Folge noch einen Minderertrag von 6—7 Millionen an Koniinnnalstener- Zuschlägen»ach sich gezogen habe». Der Uinsang der Beaiistandniige» ist in den einzeln«» Regiernngsbczitken sehr veischiede». Ueber dem Durchschnitt von 33,1 pCt ist er in Oppeln(53.5), Aurich(43,5), Marien iverdcr(44,6), Gnnibinne»(47), Broinberg(43,1), Eösli»(44,3) n. a., nnlcr dem Durchschnitt i» Potsdam(24.6), Hannover(21,7), Osnabrück(19,9), Wiesbaden(22.3) u. a. In Berlin, Magdeburg, Erfurt nnd Aachen koinint er dem Durchschnitt ziemlich nahe. — W e g e n Z n iv i d e r h a» d l u n g e n gegen d a s E i n k o»i l» e n- nnd E r g ä n z» Ii g s st e» e r- G e s e tz(»»richtige oder unvollständige Angaben) ist in 1446 Fällen«in Siraf- verfahre» eingeleitet. I» 869 Fällen sind wifsenttich falsch« Angabe» gemacht. Von de» sogleich zur gerichttiche» Entscheidung gelangte» 42 Fällen«ifolgten in 15 Fällen Freisprechung, unter den 47 später zur gerichllichen Eiitschcidnng gelangende» Fälle» erfolgte 19 mal Freisprechnng. Tie meiste» Strasverfahrc» entsalle» ans Wiesbaden, Minden, Berlin nnd Oppeln, die wenigsten aus Bronn berg, Hannover, Erfurt. Stade, Osnabrück und Koblenz.— — Preußischer Elrafvollzng. Wie bekaniit, so schreibt die„Franks. Ztg.", ist unlänast der Herausgeber der„Kritik" Dr. Richard W r e d e, ans der Festung W e i ch s e l ,» ü n d e ent> wiche». Ebenso ist es bekannt, daß dieser wegen Majestätibeleidigung verurlheilt« Schriftsteller nur deshalb entwich, weil ihm die saniiären Zustände auf der Festung Weichselmünde lebensgefährlich erschienen. Da man zunächst geneigt sei» wird. Zustände, wie die von Wrede geschilderte», i» einem Kullurstaale am End« des 19. Jahr- hnnderls sür unmöglich zu halten, möchte» wir das Urlheil elneS anderen Schriflstellers hier zur Charakterifirimg der Ver hällnisse auf der Festung Weichsel»»», de heranziehe». Dr. Fr. W. Förster, Mitredaktenr der Zeilschrift„Ethische Kultur", hatte im Sonuner 1896 eine dreimonalliche Festungshaft ans dieser Festung zu verbüßen. In eine», uns zur Verfügung gestellten Schreiben äußert er sich ivi« folgt: „Ich habe über die gesundheillichen Verhältnisse der Festung Weichselmnnde lebhaft Klage zu führen. Ich möchte Ueber drei Monate im Gefängniß zubringen. ali in dem konzenlrirteii S u in p f g e st a» k dieser Festung mit ihren fenchlen und dunipfigen Gefangenenstuben. Noch monatelang nach Verlasse» der Festniig halte ich mit Malaria-Anfällen zu kämpfen, und auch nieine fnnf Mitgefangene» waren ai» Ende ihrer Strafzeit nervös stark hennitergcbracht, vor allem durch die schlechte Luft in den Zimmern, deren„Vciililalionseinrichtnngen" in„»»liltelbarer Nähe des schlecht verschließbare» Kloseis mündeten."— — Unter den Arbeitern der StaatZwerfte» soll angeblich aus Anlaß deS Flottengesetzes eine starke Strömung vorhanden sein für Lostrennung von der Eozialdemo« k r a t i e. Anhalt sür dies« Behauptung bietet da den büraerllchen Blättern nur eine kleine Versa,„»ilung ,» Gaarden bei Kiel, wo man beschlossen hat. einen„nationalen Arbeiterverein" ,n gründen. Die bürgerlichen Blätter selbst aber müssen erzähle», daß die Leiter der .Bewegung" nur Vorarbeiter seien. Es genügt darauf hinzuweisen. daß in den Hafenstädten große Volksversaininlunge» staltfanden. i» denen sich die SIrbeiterschast einheitlich gegen die Floltenvermehrung ausgesprochen hat. Wir habe» ja nichts dawider, wenn sich unsere Gegner süßer Hoffnungen erfreuen, aber i» Erfüllung werden die- selbe» nicht gehen.— — Bismarck's Haß gegen daS Regime Caprivi' Marschall kommt immer wieder zum Ausdruck. In einem Gespräch mit dem»ordbayerischen Journalisten A. Memminger, be- kanntlich einem früheren Sozialdemokraten, äußerte er sich folgender- maßen: Die großen Nachtheile, welch« der Unterschied der Währniige» zwischen Dentschland und den Hanptgelreideländer» Rußland, Argentinien, NiHbm„n:ika, auch Indien, China, Japan nicht blos unserer Landwirthschaft, sondern auch der Industrie gebracht hat, habe ich durch erhöhte Schutzzölle auszugleichen versucht. Leider ist dies« Politik unter meinem Nachfolger im Bunde u» i t der Börse, den Sozialdemokraten und dem kleri- k a l e n Zentrum aufgegeben»nd dadurch das Unheil über u»lere deutsche Landwirthschaft gebracht worden. Das Zentrum hat durch seine sinnlose Zuflimmnng zu den Handelsverlrägen die deutsche Landwirlhschast»»endlich mehr geschädigt, als ihr alle Inden geschadet haben und schaden können. Das war eine wirklich reichsfeindliche Politik, woran die Sozialdemo- kralen die ausgelassenste Freude haben konnten. Herr Meiiuninger mag auch diesen Kohl seinen an seltsames Futter gewohnten Leser» vorsetzen, seinein Rufe kann das nicht inehr schaden. Für einen Bismarck sind derartige Lächerlichkeiten nnd Ge- hässigkeiten doch beschämend. Als Fürst Bismarck»och nicht Herzog vo» Lauenburg war, verschmähte er selbst zur Zeit der skandalöseste» Handhabung des Sozialistengesetzes die Unter- stütznng der sozialdemokralische» Reichslagsfraklion nicht. Man iveiß noch, wie er sich durch Stephan eifrigst um unsere Eli», inen für die Dampferfubventions-Vorlage bemühte— freilich vollkommen vergebens. Für die Veruiinderung der Gelreidezölle habe»>vir nicht der schönen Auge» unseres Feindes Caprivi wegen, sondern im Interesse der deutschen Arbeiterklasse gestimmt.— — H a u p t m a n n' s„Weber" eine„öffentliche Lustbarkeit". Das Ober-VerwaltnngSgericht hat daS verbot der Stettiner Polizeibehörde, das Hauplmann'sche Drama an, Baß- tage durch einen Schauspieler im Wahlverci» zur Vorlesung zu bringen, bestätigt. Als Grund des Verbvls hatte die Stettiner Behörde sich auf eine Verordnung des Oberpräsidenten v. P» t t k a»> e r berufen, wonach an Bußtagen „öffentliche Lustbarkeiten" verboten sind. Hanptinann'S„Weber" als öffentliche Lustbarkeit, in einer Linie init Tanz- imd Ballvergiingnngen, das sind Leistungen, um die selbst Herr v. Köller die Herren Persins n. Komp. beneiden wird!— — Nordische Wasserkante. Das hiesige Anliseniilen- blatt, mit dem nian schon mn desiville» nicht poleinisiren kann, weil ihm der jonrnaliflische Anstand fehlt, Erwiderungen seinen Lesern initznlheilcn oder auch nur zur Kennlniß zu nehinen, hat sich in diese» Tagen einen langen Leitartikel gegen die Sozial- demokrntie, den Abg. Singer, den„Vorwärts" je. geleistet. Eine der Lüge» des Blattes geht aber auch in andere Zeitnuge» über, näin- lich, daß wir von der Börse unter der Spitzinarke Nordische Wasser- kante jährlich viele Zehnlansende Mark ziijjewandt erhallen. Ein Wort auch darüber zu verlieren, sollte ja eigentlich überflüssig sei». Was sich nnler dei» in der Zeit des Sozialistengesetzes a»ae»ou>me>wu Name» verbirgt, könnte nach kurzem Nachdenken jeden, klar sein, der die deiitsche Sozialdemokratie kennt. Für diejenigen, die daS nicht wissen, sei es gesagt, daß auch diese Zehntansende Mark von der Nordischen Wasserkante Proletariergeld sind.— — DaS St e i ch s- M a r i n«- A m t theilt mit:„Der Dampfer „Darmstadt", mit dein Auslaiidsbataillo» der Marine-Infanterie an Bord ist am 2t. Januar in Hongkong angekominc» und be- absichligt am 22. Januar»ach Kiaolschan i» See zu gehe». Der Posidnmpfer„Preußen" i»>t dem abgelösten Besatzungstheil der Möwe" bcabsichligt am 28. Januar vo» Shanghai die Heiinreise anznlrelen.— — Zur Kull-Frage schreibt uns Herr Heinrich Sohnrey. daß wir ihn inißverstanden haben; er sei ein eulschiedeuer Gegner der Einfuhr chinesischer Arbeiter. Wir entnehmen seinem Schreiben die folaenden Stellen: „Es kann nach nieiner bisherige» Stellung in der Landarbeiter- Frage doch wahrlich kcinei» Zweifel unterliege», daß die Bneskaftcn- »otiz, die eine Antwort auf einen Aufsatz war, der i»,„Land" die Einfuhr vo» Kulis besürivorte» wollte, aber keine Aufnahme fand, von Anfang bis zil», Ende ironisch aufznfassen ist."...„Ich sehe aber aus dein Artikel i» Jhrcni Blatt, daß die Briefkastennoliz miß- verstanden werben konnte; ich werde also dafür Sorge tragen, daß die Leser de?„Land" vo» allen elwaigen Zweifeln befreit werben." Wir ineine», daß die Chinesen-Frage jemanden, der die Wohl- fahrlSpflege auf dem Lande sich zur LebeuSaufgabe geseht hat, viel zu wichtig erscheine» müsse, um i» einer so scherzhaften Weis« abgelhan werde» zu könne». Wir haben auch ei» starke» und berechtigtes Mißtrauen gegen die Frennde der Landarbeiter, daß Herr Sohnrey »»L da» Mißvelstäiidiiiß entschuldigen muß. Die„Deutschs Tages- Zeitung", die gestern»och über unsere falsche Beilrtheilnng der Bricskasteunotiz im„Lande" frohlockte, schweigt nun, nachdein wir die„Zeilfchrift für die landwirlhschast- lichen Vereine des Großherzogthnms Hessen" gegen sie ins Feld ge- führt haben.— Königsberg i. Pr., 20. Januar.(Eig. Ber.) Im Wahlkreise Königsberg- Land- Fischhansen werde» sich, wie es scheint, zivei Jnnkerkandidate» gegenübersteheii. Die Bündler, volle» von dem bisherigen Abgeordneten Grafen Dönhoff- Friedrichstein wegen seiner Zustimmung zun, russischen Handelsvertrag- nichts mehr wissen nnd beabsichtigen den Bnndesvorsitzenden für Ostpreußen, Grasen Dohna- Wnndlacken, anfznstelleii. Ei» Theil aber hält am Grasen Dönhoff sest. Um die Wähler sür diesen günstiger zu stimmen, verlheidigt ei» Oekononiieralh A>, d e r s ch die Ziistiminniig zum Handelsverträge u. a. durch folgende Darlegung in einer Könige« berger Zeitung: „In der ersten Hälfte deS Monat» Februar 1894 war bekannt geworden, daß der Kaiser am 5. Februar auf einem Diner beim Reichslauzler v. Caprivi in einem Kreise von Parlamentariern sich sehr ernst ans das Eingehendste und Klarste über die „s ch l i»,»i e n Folge n" geäußert, die eine etwaige Ablehnung des rnsstsche» Handelsvertrages für unsere politischen B- z i e h u» g e n zu Rußland haben würde. Se. Majestät hat sich bei dieser Gelegenheit ganz deutlich darüber aus- gesprochen, daß er in diesem Fall« keinen anderen Aus- weg für möglich halte, als die Entwickelung eines „wirkliche» Krieges a»s dein ivirthschastlichen Kriege"; eine Modilinachuiig drei Monate nach der Ablehnnng des Handels- Vertrages sei»ach seiner Ansicht die»uausbleibliche Folge. In dem Falle aber ivürde das ganze Land aufstehen und den 160 Agrariern Schuld geben, daß sie nur ihre eigene» Interessen und nicht die des gesannnten Batcrlandes zu Ralhe gezogen hälten. Se. Majestät meinte, er ivolle niemanden beeinflnfie», aber er verwahre sich auch ausdrücklich dagegen, daß, falls diese „schliniine» Folgen" einlretei» würde», nicht etwa vo» irgend einer Seile gesagt Iverden könnte: solche Möglichkeiten, wie die eines Krieges, habe ja»ieniand voraussehen können." Das ist eine sehr interessant« Lesart über die danialigen Vor- konlinnisse. Man kann gespannt sei», was die osfiziösei» Blätter dazu sagen werden. � Mas den Wahlkreis betrifft, so wird vielleicht die Sozial- demokratie, deren Kandidat Genosse Schnell ist. beide Grasen vor der schwere» Last der BoltsvertrelungS-Pflichtcn bewahren.— Braunschtveig, 20. Januar.(Eig. Ber.) Heute ist der Ende vorigen Jahres gewählte Landtag in feierlicher Sitzung durch eine vom Etaatsminister Otto g-halten« Thronrede eröffnet wo, den. Das plutokralische Wahlrecht zum brannschweigischen L.rndlog dürfte wohl in seiner Wirkung, das„Voll" vo» der Antheilnahnie an dm Angelegenheiten seines Landes auszuschließen, von keinen» anderen Wahlsystem im deutsche» Vaterlande übertroffen werde». H.wen doch ca. 2100 Höchstbestenerte Personen bcreils die Wahl der Mehrzahl der Abgeordneten in direkter Wahl zn vollziehen. Wenn man be- denkt, daß die übrigen Abgeordnete» erst durch einen Rahlniänner- Körper gewählt werden, der sich aus den Wahlmännern dreier»ach dem Einkomme» gegliederter Klasse» in Gemeinschaft mit den Mir- gliedern der Stadlverordneten-Versanttnlunge» und Magistrale aminensetzl, so wird man sich vorstellen können, daß eine Bceinflnssnng der braunschweigische» Landesverlrelung durch die arbeitenden Klaffen einfach ausgeschlossen ist. Der Konflikt zwischen städtischem und ländlichein Besitz drückt der gesaniinUn Thätigkeit»nseres Landtages den Slempel auf und ist auch bei de» Wahlen allein ausschlaggebend gewesen. ES ist daher kein Wunder, daß schon vo» jeher die Masse der Bevölkerung dein Landlag, seinen Ver- handliliigen, den Wahlen zu demselben». f. ,v. höchst gleichgillig zegenübersteht. Nickt einmal so, wie es unsere preußischen Genossen l»«ab sichtige», veimag man ans dem brannlchweigischc» Landlag>>»- znwuken. In Preußen giebt es doch wenigstens eine pmlawc». tarische Opposition, welche gezwungen ist, bei de» Wahlen ein poli- tifches Programm zu veröffentlichen, da? man kritiflren, ans dessen Erfüllung man dränge» kann. Das ist im braunsckweigischen Laude völlig ausgeschlossen. Politische Parteigliederung kennt unsere Bourgeoisie nicht, sie giebt sich nicht damit ab,„Ideen" und „Meinungen" zu haben, sie hat nur Geldsackinteressen. Infolge dessen ist es ebenso unmöglich, diese» politischen Sumpf des Land- tages von außen her zu beeinflnßen, wie es infolge des Wahl- „Unrechts" von innen heraus unmöglich ist. Man muß die Dinge nehmen, wie sie kommen, bis es einmal möglich sein wird, eine Wolksbewegung zu«nlfesseln, deren Ansturm dieser alte Landtags- kästen nickt wird standhalten können. Die heutige Thronrede beschäftigt sich hauptsächlich mit der erst vor kurzem begonnenen E i n k o m m e n st e u e r- R e f o r m. Die zunächst nur für zwei Jahre eingeführte Einkommensteuer soll nebe» der Forterhebung von 26 pCt. der Grund» und Gewerbesteuer die Haupl-Einnahinequell« des Staates werden. Neben ihr soll»ine das Vermögen betreffende Ergänzungsteuer eingeführt werden. Was der Staat an Grund- und Gewerbesteuer aufgiebt, soll den Gemeinde» zufließen, wodurch verhindert werden soll, daß diese das Einkommen, welches der Staat für sich allein als Slener- quelle behalten niöckte, auch noch besonders stark heranziehen. Im übrigen stellt die Thronrede in Aussicht, daß durch eine schärfere Eintheiluug der Steuerftufen die berechtigten Wünsche der Städte berücksichtigt werden sollen, d. h. zu deutsch, daß das Wahlrecht der städtischen Höchstbesteuerten den ländlichen gegenüber erweitert werden soll. Diese„Wahlreform" läßt erkennen, daß alle Hoffnungen, es würde bei dieser„Reform" etwas für das arbeitende Volk ab- fallen, hinfällig gewesen sind und auch bleiben werden. Alsdann kündigt die Thronrede noch eine Vorlage über da? System der Alterszulagen für die Staatsbeamten an. welche mit einer mäßigen Erhöhung der Höchstgehälter verbunden sein wird. Des weiteren erwähnt sie die Ausarbeilung einer neuen Bau- o r d n an g und eines neuen Polizei-Etrafg esetzbuches. Die Thronrede erwähnt eine Reihe von Materien nicht, die aber laut einer früheren Bekanntgabe zur Verhandlung kommen werden. Es wird eine auf Abänderung deS Vereins- g e s e tz e S gerichtete Vorlage erwartet, welche das be- kannte Hohen lohe'sche Versprechen angeblich e i n l ö s e n s o l l; eS ist aber noch nicht bekannt gegeben, auf welche Weise dies erfolgen soll. Ferner wird es eine neue Notariats- ordnung, eine neue Etempelordnung, soivie eine N o- velle zum VolkSschul-Gesetz gebe», deren Inhalt man auch noch nicht kennt. Ferner will die Regierung beantrage», das staatliche 5t a Iis alzl a g er bei Remlingen an der Asse durch Privatunternehmer betreiben zu lassen, wobei sie bei der Zusammensetzung des Landtages wohl kau», ans Widerspruch zu rechnen braucht. Dann wird es sich noch hauptsächlich um ein Einsührnngsgesetz für das Bürgerliche Gesetz» buch und die Berathung zahlreicher Petitionen zur Thronfolge-, Steuer« und Wahlrechts-Frage handeln. Man sieht: ein reckt reichhaltige? Programm, bei dem die Volks» intereffe» in der mannigfaltigsten Weise in Frage kommen. Das arbeitende Volk aber kann nicht mitthun. Es steht abseits und ist bei allem nur der leidende Theil.— Hamburg, 21. Januar. Im Journalisten» und Schriftsteller- Verein von Hamburg-Altona wurde der F a l l B r u n S- R a» tz a u eingehend erörtert und folgende Resolution angenommen:„Die Hauptversammlung deS Journalisten- und Schriftsteller- Vereins sür Hamburg-Altona erklärt da? Benehme» des Grafen Rantzau gegen den Inspektor Bruns sür eine Beleidigung des gesammten Preß- berufes. Sie prolestirt energisch gegen diese Ueberhebung, schließt sich der ausnahmslosen Vcrurlheilung des Verhaltens des Grase» Rantzau in der deutschen Presse ihrerseits an.— — Die„freie" Stadt Lübeck und dieArbeiter. In Lübeck soll am 26. Juni ein Kreisturnfest deS Arbeiter- Turnerbundes abgehalten werden. Der Festausschuß ersuchte den Senat um Ueberlassung eines näher be- zeichneten Platzes, erhielt aber einen ablehnenden Bescheid, der damit mottvirt ist,„daß erst im letztverflossenen tahre hierorts ein Kreisturnfest gefeiert ist und im kommende» ommer ein allgemeines deutsches Turnfest in Hamburg veranstaltet , verde» soll, überdies auch der in Frage kommende öffentliche Platz für das gleich nachher im Monat Juli abzuhaltende allgemeine Scheibenschießen bereits als Festort bewilligt worden ist." Der„Lübecker Volksbote" bemerkt zu diesem in der Ver- sammlung deS Senats, also nicht etwa von einem unter- geordneten Beamten gefaßte» Beschlüsse:„Das haben wir nicht für möglich gehalten. Wir haben uns bisher einer wohl- wollenden Berücksichtigung unserer Wünsche bei Abhaltung von Festen u. f. w. zu erfreuen gehabt und könne» ohne Ueberhebung behaupten, daß wir das in uns gesetzte Vertrauen, was ruhige Haltung und würdige Gestaltung anlangte, im höchsten Maße rcchlfertigten. Um so mehr muß es befremden, daß de» ans allen Gauen Norddeutschlauds nach Lübeck trachtenden Arbeiter- Turnern nicht gestaltet wird, für«in paar Stunden da» unbenutzt daliegende Burgfeld zu beleben. WaS' geht unS das vorjährige Turnfest an. das von bürgerlichen, den„besseren" Schichten entsprossenen Turnern ver- anslallet war, und das allerdings den Wunsch nach einer zweiten Auflage nicht wohl aufkommen läßt? Der Senat kann unbesorgt sein: derartige wüste Szenen, derartige Unfläthigkeite», der- artiger grober Unfug würden von den turnfrohe» Arbeitern nimmer verübt werden. Die sind viel zu gesittet und gut disziplinirt! Und was geht uns das Turnfest in Hamburg an, das vermuthlich auch von jener Seite arrangirl und einen ähnlich»n- erfreulichen Verlauf nehmen wird? Deswegen riskirt kein Arbeiter einen Schritt!! Die Besorgniß deS Lübecker Senat? um eine Abschwächung der in Aussicht stehenden bürgerlichen Turn- und Echießseste ist geradezu rührend!" — DaS sächsische Wahlkartell findet selbst in den Kreisen der Nartellparteien nicht allenthalben Beifall. Die national- liberale„Dresdner Zeitung" schreibt:„In bezug auf die gestrige Erklärung der Vorstände der konservativen und»ationnlliberalen Parteien im Königreich Sachsen, das Wahlkartell betreffend, werden wir von einflußreicher nationalliberaler Seite ersucht, mitzutheilen, daß ein Vorstandsbeschlnß der»ationalliberalen Partei im König- reich Sachsen über ei» Reichstags- Wnhlkartell bis heule»och nicht vorliegt. Die gestrige Veröffentlichung bringt wahrscheinlich nur de» Wunsch des Vorsitzenden der nationalliberalen Partei und des Eeniorenkonvents der ziveiten Kammer zum Busdruck, nicht aber einen Parteibeschluß. Die endgiltige Eutscheidung über daS Reichs- tags-Wahlkartell kann daher eist später erfolgen." Man weiß, daß ansehnliche Theile der nationalliberalen Partei in Sachsen niit dem Verhallen ihrer Landtags-Abgeordnete» bei der F'age deS Wahlgesetzes gar nicht einverstanden gewesen sind und daß das Bestreben vorhanden ist, von der konservative» Bevor- mundung loszukommen.— Kaiscrölautcr», 21. Januar. Bei der gestrigen Reichstags- Ersatzwahl in dem Wahlkreise H o m b u r g- K u s e l erhiellen nach der„Pfälzischen Presse" Schmidt(nalionalliberal) 6514 Slinnnen, Lücke(Bauernbund) 3342 Stimmen, Dr. Jäger(Zentrum) 3239 Stimmen und Ehrhart(Soz) 607 Stimmen. Aus II Orte» fehle» die Ergebniffe»och, doch scheint eine Stichwahl zwischen Schmitt und Lücke erforderlich. Bei der Hanptwnhl erhielt der Sozialdemokrat bloS 99 und der Kandidat der Zentrnmspartei 1348 Stimmen, auf Marqunrdse»(natl.) waren 9995 und auf einen Handwerker-Kandidalen 2944 Stimme» gefallen. Der Rückgang der»ationalliberalen wie der kolossale Zuwachs der sozialdemokratische» Stimmen und die Fortschritte der Zentruins- Partei in einem der wenigen Wahlkreise, die biSder als unbestrittener Besitz der Nationalliberalen galten, ist ein erfreuliches Zeichen für die Stimmung gegen die Marinevorlage und für die Aussichten der nächsten allgemeinen Wahlen. Der Slichwahl-Kampf dürfte, wen» er sich wirklich zwischen Vündlern und den agrarischen Nationalliberalen abspielen sollte, -ineS der heiterste» Schauspiele im traurigen Parteilebeu unserer Tage sein.— AuS Baden, 29. Januar.(Eig Ber.) Die„großen Tage" in der Ziveite» badischen Kammer sind wieder vorbei, und der Brustton patriotischer Begeisterung hat bescheidenere» Registern der parlamentarischen Stimmgebung Platz gemacht. Es ist kein Zweifel, daß die Marineschwärmer im„Karlsruher Rondell" herzlich schlecht abgeschnitten haben, und die Berichte der national- liberale» Presse lassen eine nicht zu verbergende Katzenjammer- stiinnmng erkennen. Die reaktionäre Kainmerminoritäl hatte es offenbar nicht erwartet, daß die Veränderung deS Machlverhältnifses bei den Parteien des badischen Landtages das Gesammtbild der Debatten derart beeinflussen ivürde, wie es thatsächlich infolge der Reden von de» Sprechern der sozialdemokratischen und demokratischen Fraktion der Fall war. Die den Ständen zugegangene Borlage über die Be- steuern»« d e s Wandergewerbebetriebs enthält eine durchgreifende Zusammenfassung der bisher vereinzelten Bestim- mnngen und kommt damit cinem früher geäußerten Wunsch beider Kannnern entgegen. Badische und nichlbadische Wandergewerbe- treibende sind jetzt in dem gleiche» Entwurf zusammengefaßt; die Slener mit einem sehr eingehenden Tarif ist als Jahressteuer gedacht und wird bei Wanderlagern auf je sieben Tage berechnet. Bei der Vermehrung der Einkommensteuer für 1898 sind in erster Reihe die Einkommen aus Arbeit betheiligt; an die zweile Stelle, die bisher vom Kapitalbesitz ein- genommen wurde, ist das Einkommen ans Hände! und Gewerbe gerückt und erst an driiter Stelle kommt der Kapitalbesitz. Die Tendenz des neuen Einkommenstcner-Gesetzes liegt also klar aus der Hand. Die Summe der Einkommensteucr-Kapitalien beziffert sich ans 611 Millionen und hat sich gegen das Vorjahr im ganzen um 29,7 Millionen erhöht, diejenige der Steneranschläge um 17,5 Mill. Auf die Einkommen unter 5999 M. entfallen rund 61 pCt.; in ganz hervorragendem Maß« sind an der Einkommensteuer der Städte be- lhciligt. Von obigem Gesammteinkonnnen entfallen auf die zehn Städte mit mehr als 19 999 Einwohnern 49,15 pCt., ans die siebzehn Städte mit mehr als 4999 bis zu 19 999 Einwohnern 7,27 pCt., also aus diese 27 Orte 47,42 pCt.— — Chronik der Majestät S b el e i d i gun g S- Pro z esse. AuS Arnsberg wird berichtet: Die hiesige Straskamiucr ha> eine» Mann namens Kröber, der am 26. November v. I. in einer Wirlhschaft zu Neheim hiesige» Kreises abfällige Aeuße- r u n g e n über ein a» der Wand hängendes K a i s e r b i l d machte und schließlich fein Bierglas gegen das Bild schlenderte, wegen Majestälsbeteidigung zu anderthalb Jahren Gesängnisi vernrtheilt.— Die Strafkammer zn Torga» vernrtheilte am 19. d. M. den Maurer Robert Oenigk ans Berlin zu 3 Monaten Gesängnist wegen Mnjestätsbclcidigmiq. Derselbe war am 4. September 1897 in seine Heimath nach Naundorf gefahren und dort in ein Lokal gegangen, wo der Kriegerverein das Sedanfest feierte. Bein, Kaiser- hoch soll er die Majeslätsbcleidignng ausgesprochen haben. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr Gefängniß beantragt. Oesterreich. Prag» LI. Januar. Die Polizeibehörde erläßt soeben folgende, ein Zugeftmidniß an die Czechen bedeutende Kundmachung: Das öffentliche Tragen aller demonstrative» Abzeichen. Bereinszeichen und Vereinstrachten ist zeitweilig ohne Ausnahme untersagt, mit dem Borbehalt jedoch, daß in Fällen, welche besondere Berücksichtigung verdienen, die Bewilligung dazu ertheilt werde» kann. Auf Ueber- lretung dieses Verbots steht Geldstrafe bis 199 Gulden oder Arrest- strafe bis zu 14 Tage».— Gestern Abend drangen acht Burschen sn das Haus ein, in dem Universitäisprofessor Ullerich, Ritter v. Echöller und Direktor MarkuS von der hiesigen Filiale deS Wiener Bankvereins wohnen. Sie suchten die Wohnung des Direktors Markus zu erbrechen, wurden aber von der Polizei, welche der Hausmeister herbeigeholt hatte, vertrieben. Direktor Markus forderte polizeilichen Schutz. Der Echntz wurde ihm zngesagt. Im übrige» verlief der gestrige Tag ruhig. Am Abend fanden ans dem Wenzelsplatz kleine Ansammlungen statt, welche von der berittenen Polizeiwache alsbald zersprengt wurden. Die Dragoner-Patrouille» fanden keinen Anlaß zum Einschreiten.— Nngarn. Budapest, 21. Januar. Das Abgeordnetenhaus nahm die Borlage, betreffend das Rekrutenkontingent für das Jahr 1398 an.— Frankreich. — Das militärische Panama. Auch am Donnerstag wiederholte» sich die Straßenkundgebnnge» in Paris und in ver- schiedenen Provinzstädte». In Paris wurden 116 Verhaftungen vor- genommen. Das Protestkomitee gegen das Dreysus- Syndikat hat trotz des Verbots der Regierung beschlossen, am Sonntag eine große Bolkskundgebung zu veranstalten. Nach einer Meldung des„Siöcle" ist Oberst P icq u a rt emstlich erkrankt. Die Erkrankung wird daraus zurückgeführt, daß Oberst Picqnart in dein Fort Moni BalSrien«ine feuchte Kasematte bewohnt. In der Vorladung, welche Zola und der verantwortliche Redakteur der„Aurore" erhallen haben, heißt eS. gegen beide sei die Strafverfolgung wegen Beleidigung deS ersten Kriegsgerichts eingeleitet worden. Die„Aurore" bemerkt, da die Vorladung über die» jenigen Besch, ildigunge» hinweggehe, welche Zola gegen Paly de Clam, Boisdeffre und Mercier erhoben hat, scheine die Regierung abermals eine Vertuschung zn versuche». In eng li sch e» Blätter» ist die Meinnng aufgetaucht, daß Dreysus geheime Aktenstücke an Rußland verkauft habe. Dies« Auffassung entstand infolge der Erklärungen der deutscheu Regierung, daß Dreysus mit ihr und ihre» Organen in keiner Weise je etwas zu thnn gehabt habe. Der Pariser Korrespondent der„TimeS" macht eine Andeutung, daß die Enthüllung der volle» Wahrdeit ein Scklag nicht sür Deutschland, wohl aber für die französischen Be- ziehnnge» zu Rußland wäre.— Paris, 29. Januar.(Eig. Ber.) DaS Manifest der 32 sozialistische» Abgeordneten an das Prole- l a r i a t ist ei» wichtiges Ereiguiß— sowohl hinsichtlich des von ihn, zu erwartenden Einflusses auf die Stellung der Zlrbeiterschast zur gegenwärtige» chauvinistische» und antiseinilischen Agitalio». wie auch hinsichtlich dessen Wirkung auf die sozialistische Wahlkampagne. In elfterer Beziehung ist es zu begrüße», daß die sozia- listische Fraktion— entschiedener und vollständiger als dies in der Janräs'schen Kammerrede vom 13. Januar geschah— die Stellung der Partei klar„nd grundsätzlich präzisirt hat. Der reaktionär- demagogische Charakter des AntiseniiiismnS, dessen Vorspanndieiiste sür die klerikale und militärische Reaktion werden gebrandmarkt, ebenso wie der Chauvinismus, der zweite Bestandtheil der gegen- wältigen Hätz, der unter dem Banner der„Landesvertheidigung" und der„Ehre Frankreichs" für die Diktatur der niilitärischeu Oligarchie arbeitet. Im Hinblick auf die Wahlen, genauer die Pariser Wahlen, be- deutet das Manisest einen Bruch mit der seltsamen Galtung „Sozialisten", welche durch und durch chauvinistisch und antisemitisch gesinnt sind. Es handelt sich insbesondere um die Anbeter Henri Rochefort's, des Leibjournal, sten des Generalstabes seit dem Beginn der Dreyfns-Hatz. Obwohl das Manifest die eigentliche Dreyfus-Affäre ausweichend behandelt, hat dasselbe Ziochefort's Aerger erregt. In einem Leitartikel des„In- tranfigeanl", überschrieben:„Mit ihnen(den Anhängern der Revision deS DreyfuS- Prozesses) oder gegen sie", heißt eS: „.... Aus Furcht, uns zu läusche» und— waS noch ernster wäre— da? allgemeine Wahlrecht zu täuschen, haben wir de» uns vernünftig scheinenden Entschluß gefaßt, bei den nächste» Wahlen keinen Kandidaten, wer es auch sein möge, zu empfehlen, der sich direkt oder indirekt der Sache deS Berräthers an- geschlossen habe» w i r d." Die übermüthige Selbst» sicherheit, die auS diesen Zeilen spricht, zeigt daß Rochefort sich alS de» Großwähler von Paris, als den Leithammel der Pariser Wählerheerde betrachtet. Ob mit recht? Man müßte an dem gesunden Verstand der Pariser Volksmasien verzweiselu, wenn sie, angesichts des geradezu tollhäuslerischen Gebahrcns Rochefort's in der DreysuS-Affäre. ihn noch überhaupt ernst nehme» könnte. Auffällig ist eS aber, daß die sozialistischen Abgeordneten über die Dreyfus-Affäre, in welcher doch die ganze reaktionäre Mache wurzelt, sich ausschweigen. Jm Prinzip wird zwar in der bestehenden Gesellschaft der„abgeurtheilten Sache" keine Autorität zuerkannt; im Falle Dreysus gebe es aber„keinen besondere» Grund, die gefällte» Urtheile materiell zu verwerfen oder zn verdächtigen.. Diese Erklärung paßt wenig zu dem übrigen Inhalt des Manifestes und� steht im Widerspruch zur Haltung der„Petite Repnbliqne" seit dem Bekanntwerden des haltlosen Anklageaktes gegen DreyfuS und dein Prozeß Esterhazy. Ebenso auffällig ist es, wenn da? Manifest die Be- wegung zn gunsten der Revision des Dreyfus-Prozesses ausschließlich auf politische Hintergedanken, auf parteitaktische Rücksichten der judensreundlichen Opportunisten zurückführt. I» WirNichkeit halten andere, wichtigere Rücksichten die Bourgeoisrepublikaner als Partei, abgesehen von einzelnen untergeordneten Personen, bisher davon ab. für die Revision zn wirke». Es sind das die Rücksichten auf ihre politische» Bundesgenosse», die Klerikal- Monarchisten, und auf den Generalstab. Der schlagendste Beweis dafür ist die Niederlage Echenrer- Kestner's bei den Präsidiumswahlen im Senat. Andererseits sucht man unter den Hunderten von Unterschriften aus der Revisionspetition vergebens nach dem Namen eines opportunistischen Politikers. Die Petilionäre rekrntire» sich vielmehr aus den ideologischen Elemente» des Bürgerlhums, und zwar hauptsächlich der demokratischen Schichten desselben. Schließlich sei erwähnt, daß daS einflußreichste rcviflonsfreundtiche Blatt die h a l b s o z i a l i st i s che„Aurore" Clemenceau'S ist, welcher sich in letzter Zeit der radikal« „Rappel" angeschlossen hat.— England. London, 21. Januar.„Central NewS" erfahren au? bester Quelle, daß di« Regierung die Marinelrnppsn um 7399 Mann ver- mehren werde. Die Ausführung dieser Maßregel soll bereits in drei Monate» erfolgen. Gestern hielt Lord Wolseley eine Lobrede auf die Armee: England sei im stand«, zwei volle Armeekorps in das Feld zu führen. Italien. Aucona, 21. Januar. Hier und in Senigallia hält die Ruh« an. Von den Truppen wurden auf de» Feldern versprengte Unruhe- stister verhaftet. In Chiaravalle kam es gestern zn einem Anslanf; es wurden aufrührerische Rufe laut und Revolverschüsse abgegeben. Die Truppe» trieben die Versammelten auseinander, wobei ein Karnbinier durch eine» Dolchstoß am Handgelenk verletzt wurde. Mehrere Personen wurden verhaftet, darunter derjenige, welcher den Dolchstoß gegen de» Karabinier geführt hatte. In Osimo wurde gester» Abend eine Kundgebung bereits in ihrem Entstehen schnell unterdrückte Die Truppen hallen die Hanplstellen, an welchen Ruhe- störungen ftaltgesunden haben, besetzt.— Spanien. Madrid, 29. Januar. Der Ministerrath bewilligte 699 999 Pesetas für die durch die Ueberschwemmungen Beschädigten.— Havana, 21. Januar. Der Führer der Aufständischen General Masso Parra hat sich mit 2 Obersten, 3 Haupttenten, 6 anderen Osfizieren und 116 Mann den Spaniern unterworfen. Die Unter- wersung fand in Fomente in Gegenwart des Gouverneurs von Santa Clara statt. Die Aufständischen brachte» Hochrufe aus da? spanische Kuba und den König von Spanien aus. Der Ergebung Parra's wird große Bedeutung(?) beigelegt.— In den Kämpfen der letzten 14 Tage verloren die Aufständischen 116 Tobte und 64 Gefangene; 379 Man» unterwarfen sich. Di« Verluste der Spanier betrüge» 12 Tobte und 93 Berwnndet«. Rußland. Petersburg, 21. Januar. Einer Miliheilung der„Russischen Telegiaphenagentnr" zufolge handelt es sich bei der Reise des russi« scheu Verkehrsminlsters nach Sibirien unter anderem darum, auf der Strecke Tscheljabinsk- Obi, wo unerwartet ein enormer Güter- verkehr sich gebildet hat, die Zahl der tägliche» Doppelzüge von drei ans sieben zu erhöhe». Ferner werde schon jetzt nothwendtg, die Frage einer Trajekteinrichlung über den Baikalsee zu entscheiden. Dort solle» im Sommer Dampsprähme de» Verkehr vermitteln, im Winter soll«in« elektrische Bah» über das Eis führe».— Bulgarien. — Die Rückkehr der ho ch verrätherischen Offi» ziere. Der„K. Z." wird ans Petersburg gemeldet: Die Frage der bulgarischen Emigranten ist nunmehr in der Weise erledigt worden, daß von 42 heute in der russische» Armee dienenden bul- garischen Emigranten 36 zurückkehre», darunter Grujew als Oberst. Letzterer versicherte namens seiner Kameraden, daß sie weiter nichts wünschle», alS die in russischen Diensten gesammelte» Erfahrungen zum Wohle deS bnt garischen Vaterlandes unter dem Fürsten Ferdinand zu verwerthen. Oberst Peschkow, der russische M>lilär- Attachö in Konstantinopel, begiebl sich auf Einladung der bulgarischen Regierung nach Sofia, um das Protokoll betreffs Uebernahine der 36 Emigranten zu unterzeich»«».— Tlirkel. — Auf Kreta brechen immer wieder neue Unruhen auS. Sechzig Muselmanen, so wird a»S Korea vom 29. d. MtS. tele- graphirt, durchbrachen den Milirärkordon bei Kaudia»nd griffen die Ausständischen bei Vnvaros an. Es wurde» Verstärkungen dorthm entsandt; 24 Personen wurde» verhaftet. E»va 699 Ans- ständische griffen die Muselmanen bei Phinikia an und warfen die zur Hilfe gerilten Manuschnslcn zurück; sie wurden jedoch von den regulären Truppen in die Flucht geschlagen. Bier Türken wurden verwundet Infolge dieser Vorgänge ersuchten die Admirale ihren Doy-n, von dem Gouverneur Ismail Bey die Ersetzung Schejky Bcy'Z als Nntergouverneur in Kandia zu verlangen.— Asien. Bombay, 29. Januar. I» der vergangeiien Woche sind hier 661 Personen der Pest erlegen. Die gesammte Slerblichkeit in dieser Z Beruf. Uiiterbreilct wurde folgende Vereinbarung: 1. Es soll vom 14. März d. I. bis 30. Juni nächsten JahreS die Arbeitszeit 9>/s Stunden, der Mindeststnndenlohn 52 Pf betrage». � 2. Vom 1. Juli 1899 bis 1. April 1902 soll die Arbeitszeit 2 Stunden belragei» und soll«in Mindeststundenlohn von 55 Pf. gezahlt»verde». Im weitere» ist versprochen worden, bessere Bau bilden und Aborte herstelle» zu lassen. Der Referent, Maurer L u f s k i, befürwortete den Vorschlag und wieS darauf hin, daß sich die Unternehmer bereit erklärt hätten, für Anerkenining dieser Bedingungen zu wirke». Ferner sollte von beiden Seiten eine Kommission eingesetzt werden, die bei vorkommen- den Streitigkeiten als Schiedsgericht in Thätigkeit tritt. Von andere» Rednern wurde gegen einige Bestimmungen Einspruch erhoben»nd schließlich eine Resolution angenommen, in der verlangt wurde, daß die neunstündige Arbeitszeit„nd 55 Pfg. Stnndenloh» bereits am 14. März 1899 in kraft treten soll. Die Kommission erhielt de» Auftrag, in dieser Angelegenheit nochmals Verhandlungen einzu- leite». GeKgcutlich dcS TifchlerstreikS in Magdeburg wurden Sainnielliste» an mehrere Personen vertheilt, um von de» arbeitende» Bernssgenosse» Beiträge für die Streikende» einzuziehen. Polizei licherseiis wurde darin Veraiistaltnng einer öffentlichen Kollekte ohne polizeiliche Erlaubniß gesehen und Redakteur Friedrich Vahle als Veranstalter mit einem Strasbefehle in Höhe von 30 M. beglückt. Vahle erhob Widerspruch und wurde vom Magdeburger Schöffen- gericht freigespioche», weil der Gerichtshof bei dem Einsammeln von Geldbeträgen in einem bestimmle» Personenkreise, hier also nur die arbeitenden Genossen, das Moment der Oeffenllichkeit der Kollekte vermißte. Die Slaatsanwallschasl legte Bcrnfung gegen dies Urlheil ein. Am 19, Jnnnar d. I. erkannte die Straskammer III des Land- gerichts, das erste Urtheil wird anjgehobe»»nd Vahle zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt. Der deutsche Berg- und Hiittenarbeiter-Verband Ihat seine 9. Generalversamnilung am 9. April d, I. nach Dortmund ein- bernseu. Die Verhandlungen iverden also vor dem allgemeine» Kongreß, der am 10. April d. I. an dcmselbc» Ort tagen soll, stallfinden. Tie Diffcrcuzeu der Vranerei-Arbcitcr mit der Direktion der Billbranerei in Hamburg sind zur beiderseitigen Zufriedenheit geregelt. Tie Spinner und Andreher der Kammgarn, und Baum- wollen-Spinncre» Zivicka» sind mit ihrer Direktion in Konflikt gerathen. da der Vertrauensmann deS Teztilarbeiler-Verbandes soivie ei» zweites Mitglied desselben mit der Drohung entlassen worden sind, daß alle Organisirte»„hinausgeworse»" würden. Zuzug ist fernzuhalten. Ausland. Ter Kongreß dcS schweizerische» GcwcrkschaftSbuudeS findet vom 9. bis II. Slpril(Ostern) in Solothnrn statt. In Briiffcl habe» die Personale von acht Buchdrucke» reien die Arbeit eingestellt. Die Ursache bildet die Unzilfriedeuheit der Arbeiter mit de» rigorosen Bestimmungen der Arbeitsordnung. welche die Unternehmer eingeführt hatten. Wie der„Penple" mittheilt, ist die Streikbewegung im Wachsen begriffen. Die HanpUiersammlnng dcS Verbandes der deutschen Schuh-«nd Schäftefabrikantcn, welche, wie berichtet, statutarische Bestimmungen über die Pflichten der Verbandsmitglieder bei Arbeiter- bewegungen beschloß, hat sich auch der Mühe unterzogen, ein für die Zweigverbände bestimmtes Normalstalnt dnrchznberalhen und anzunehmen, in weichein die mitgetheilte» Bestimmungen alle ent- halten sind, Zur Jnnehntlnng dieser Bestimmungen hat jedes Ver- bandsmilglied einen n»s Eicht ausgestellten Solawechsel von 3000 M, für die erste iklaffe, 6000 M. siir die ziveite Klasse und 9000 M, für die sdritte Klasse zu hinterlegen, Giebt ein Verbandsmitglied den Beschlüssen ider Generalversaminlnng(als vbcrsle Instanz) nnd den entsprechenden Mnordnnngen des Verbandsvorstandes nicht Folge, so hat der iBerbandsvorsitzende das 3iecht und die Pflicht, nach eingeholter Zu- Kimmung einer Generalveisaminlnng, den Solaivechsel des betreffe»- "den VerbandSmitgliedes auszufüllen, denselben sofort zur Zahlung zu präsentiren und ersorderlichensalls im Wege des Wechselprozesses einzutreiben. Erivähnenswerth ist noch der Antrag auf Einsetzung von Arbeiter- Msschüsse» in jeder Fabrik. Der Aerbandsvorsitzeude wurde beans tragt, einen Entwurf zu einer Fabrikordnung mit Arbeiterausschnß auszuarbeiten und den Mitgliedern zur Nachachtung zugehen zu laffen._ Sozwlc-s. Die Gefahr Po» Osten. Die Hamburg- Amerika- Linie beginnt am 25. Januar ihre o st a s i a t i s ch e n Dampfer- fahrten. Die erste Fnhrt soll die„Andalnsta" mache». Zur Besatzung des Dampfers hat die Hamburg- Amerika- Linie 30 Chinesen angeivorben, die bereils eingetroffen sind. Das „Volksblalt für Harburg" bemerkt zu dieser SRittheilung: Ob die Gelbgesichter neue„Landsleute" aus Kinotschau sind, wissen wir nicht, Jedenfalls ist die Anwerbung chinesischer Knlis für die„nationale" Dampferlinie ein passendes Seitcnstück zu der angekündigte» Bewerbung der Hainburg'Amerika-Linie um eine Reichssnbvention für ihre ostasiati- scheu Fahrten, Das nennt man„nationale" Wiethschaslspolitik, Di« Hamburg-Amerika Linie, die sich so eifrig für die„Weltpolitik" de geistert, scheint das Knacksußbild ganz vergessen zu haben, ans dem die den Europäern drohende mongolische Gefahr anschaulich ver- sinnbildlicht wird und welches den Warnungsruf trägt:„Völker Europa's, wahret Eure heiligsten Güter!" Chinesen sind schon früher ans deutschen Schiffe» namentlich als Kohlenziehe,, und Heizer beschästi't worden, für welche außerordent lieh beschwerliche Arbeit sie sich angeblich besser eigne» sollen als weiße Arbeiter. Etwas neues wäre die Beschäftigung von Chinesen also nicht. Nachdem aber Deutschland zu China in ein näheres Verhältniß getreten ist. liegt die Gefahr der größeren Verwendung der billigen Chinesen, insbesondere auch ans den Gütern der ,..mer- satten lilgrarier, näher als sonst. Urber die Hnudelöflotte» der Welt im Jahre t8S7 hat das Bureau Veritas wieden»» die gewohnte Statistik herausgegeben. Danach hat die Zahl der Dampfschiffe bei de» verschiedenen see- fahrenden Nalionen Europa's ungefähr in gleichem Grade zu- genommen, während der Tonnenaehalt ganz außerordentlich ge- wachse» ist. Zahl und Tonnengthail der Segelschisse dagegen habe» sich wiederum vermindert, eine' Thalsache, von der auch nicht eine einzige Ausnahme zu machen ist. Die Reihenfolge der Staaten nach der Größe der Handels- d a m p f e r- F l o t t e» ist dieselbe geblieben wie im Jahre 1896: hinter Großbritannien folgt das Deutsche Reich, dann die Ver- einigten Staate», dann Frankreich und a» fünfter Stelle Norwegen, welches der Zahl nach zwar mehr Dampfer besitzt als Frankreich, an Größe derselbe» aber bedeutend zurück steht. Vergleicht man die Zahlen von 1897 mit denjenigen von 1693, so hat die denlsche Handelsdampfer-Flotle einen Zuwachs von mehr als 250 000 Tons gehabt, der mit Ausnahme Großbritanniens von der Flotte keines anderen Staates erreicht wnrde. In Groß- brilannien ist die Zahl der Dampfer um denselben Betrag gestiegen wie in Denischland, dagegen beträgt dort die Zunahme an Raum- gehalt der Dampfer über 1 Million Tons, Gegenüber dem Wachs- lhnnr der Handelsflotten dieser beiden Länder ist das der übrigen Staaten verhältnißmäßig geringfügig: i» den Vereinigten Staaie» wuchs die Handelsflotte um 110 000, in Frankreich nur um 22 000, in Spanien um eliva 30 000 Tons. Ei» besonderer Anfschwnng ist mir noch zu verzeichne» für die norwegische Flotte, deren Größe sich seit 1893 von 241600 Tons ans 360 000,»nd für die japanische ' lolte, deren Größe sich von 76 800 auf 246 900 gehoben hat. !apan ist in diesen letzten vier Jahren in Beziehung aus die Größe seiner Dampferflotle von der 16. Stelle bis ans die 3. Stelle auf- gerückt und hat unter andere» Staaten Holland, Rußland un»> Däne- mark überflügelt. Die Rdheiisolge der seefahrenden Staalen nach der Größe der Segel flotte» ist heute folgende: Geoßbrilannie», Ver''.»igte Staaten, Norwegen, Denischland, Italien, Llubland, Schweden, Türkei und an neunter Stelle erst Frankreich. Ostelbische Jngendfrennde. Der„Niederrheinischen BolkS- tribüne" in Düsseldorf wnrde folgende, als durchaus wahr bezeichnete Mitiheilung gemacht:„Heute erzählte mir mein Sohn. ein Schüler der Elementarklaffe in der Prinz-Georg-Schule, ver Lehrer hätte einer langen Brief uns Pok-'n in der Klasse vorgelesen. Es hieß darin, wen' Jungen da wären, die nach Posen wollte», so sollte» sie ihre Eltern um Erlaubniß fragen. Die Jungen sollte» nie gelrost kounnen, sie hätten es sehr gut und die Eltern»löchien nur einwilligen. I in schönen Sommer sollten dieJungendosViehanf den Weiden hüten. Sie brauchle» da»» auch nicht in die Schule zu gehe», dazu sei ihnen genug eit übrig im rauhen Winler, wenn es friere nnd schneie. ie Reise selbst kost« den Junge» nichts. Frei würden sie ins Posenland und frei ivieder znrückgefahren..." Der Kultusminister Herr Bosse wird zugebe», daß dieser Brief, natürlich immer vorausgesetzt, daß der Inhalt den Thatsache» entspricht, ans die preußischen Ecknilverhällnisse ein äußerst trübes flicht wirft. Den Agrariern jugendliche Arbeitskräfte zu verschaffen, dazu ist die Bolksschule nicht da. Tie Arbeiter der Viirsteu- und Pinselinbustrie Nlirnbergö haben sich in einer stark besnchicn Versammlung mit dem vom R e i ch s- G e s u n d h e i t s a in t e ansgearbeiteten Entwürfe von Vorschriften zur Verhütung der Milzbrand- g e f a h r bis ans einzelne Paragraphen einverstanden erklärt. Die Versainmlnng sprach zugleich die Erwartung aus, daß von feiten der Siegimlng alles getdan werde,»in i» küizester Zeit ein ge- eignetes Tesinfeklionsinitiel zu finden, womit das gesaminte in- nnd ausländische Siohmalerial wirksam desinfizirt werden kann. Ter Verband der Arbeiter-Stenographen-Vereine Trntsch- landö(System Schrey Stoltze), der seil seinem Bestehen mehr als 3500 Arbeiier und Arbeiterinnen in der Stenographie unlmichlet hat, wird auch in diesem Frühjahr in den verschiedensten Orte» Deutschlands Unterrichtsknrse einrichte». Er ersucht besonders die Vorstände der Gewerkschaften und politischen Vereine, der Sache ihre Nnterstütznng zu leihen. Einzelne Genoffen, die die Stenographie beherrschen, werden gebeten, dem Verbände beizutrete». Vierteljähr- licher Beitrag 75 Pf., wofür freie Lieferung der Zertnng„Der Arbeiier-Stenograph"(7 Seiten in Sieno-Autographie nnd eine Seite Typendruck). Anskimst über die Einrichtung vo» Unterrichts- knrse», brieslichen Unterricht u. s. w. erlheilt der Vorsitzende des Verbandes Paul Bendsch neide r in Hamburg, Brenner- Iraße 23. Schulwesen. Der belgische Unlerrichtsmiuistcr hat an- >eord»et, daß in jeder Schule eine kleine Hausapolhele vor- >anden sein soll. Außer Verbandstoffen muß dieselbe namentlich einige de» Geist belebende Arzneien«nthalie». Die Lehrer sind ver- pflichtet, sich über die Anweudnng der Medikamente zu unterrichieu. Gevlchks-ÄvikuntS. Eiue Pribatklage, die a»schci»eiid viel Staub aufwirbeln dürfte, da sie sich»in die Schicksale des entmündigte» Prinze» Renß XXVI. dreht, beschältigt« gestern das hiesige Echöffengerichl, Piivaitläger ist der Schrislsteller Ernst v. M a a ck, Privatbekiagte der Chefredakteur des„L o k a l- A n z e i g e r s" H. v. K n p f f e r »nd der verantworlliche Redakteur I. Keller. iDer Kläger ühlt sich durch zwei Artikel beleidigt, in welche» seine auf Antrag des Prinzen Renß XXVI, erfolgte Ber- Haftung wegen Diebstahls n»d versuchter Erpressung und die ganzen unglückseligen Berkältnisse, die schließlich zur Ent- miindignng des Prinzen geführt haben, besprochen wnrde». Es wurde mitgetheilt, ivie der in finanzielle Schwierigkeiten gerathene Prinz in die bedenklichsten Machenschaften, wie Titel- nnd Orden- schacher, den bekannten ungarischen Giilskaiif ee., durch Leute, die ich an feine Person berangedrängt, gerathen sei. bis ihm die Welle» über den Kopf schlugen. Ein ganz besonderes Vertrauen habe der„Schriftsteller" v. Maack bei dem Prinzen genossen, der nicht gewußt habe, daß v, M. gar kein Schrift- steller, sondern in Wahrheit ein Agent de? bekannten Ordens-»nd Titelverinittlers Dr. Reiler sei. v. Maack sei schließlich derarlig der Vertraule des Prinzen geworden, daß er verschiedene Privatbriese des Prinzen mit komproniiltirenden Aeußernngen über hochgestellte Personen hinter sich habe Auf Veranlaffung des Prinzen sei durch Vermiitelinig des Privatdetektiv-Bnreaus„Greis" die Berhafiung des v, M. erfolgt, die Freilassung desselben aber nöthig gewesen, weil eigentlich strafbare Handlungen ihm nichl bewiesen werden konnten Die Briefe habe man nicht bei ihm gefunden, weil er sie im Auslande untergebracht habe. Die Persönlichkeit, welche dem Prinzen reinen Wein über die Machenschaften des Herrn v, Maack cinge- schenkt, sei ein Herr Schwengers gewesen, der auf grund eines Maack-Reiier'schen Angebots aus den Titel eines prinzlichen Güter- direkiors rcflektirte und dann aus grund der ihm ausgestellten Generalvollmacht des Prinzen das Gut Petris bei Arad vo» dem österreichische» Kämmerer Bernhard von Uermenyi erworben habe,— R,'N, Galan d als Vertreter des Klägers beantragte, wegen der in diesen Artikeln enihallenen Beleidigungen die Beklagten zu Ge- fängnißstrafen zu verurlheilen. Der Kläger sei wie ein gemeiner Verbrecher geschildert worden, während die ausgestellte» beleidigende» Behauptungen unwahr seien. Der Kläger habe sich nichl„in das Vertrauen hoher Persönlichkeiten hineingeschmuggelt", er sei nicht „eigentlich Antiquitätenhändler", sondern in Wirklichkeit Schriftsteller und bekleide nicht die Rolle eines Agenten des Dr. Reiter. Er sei bei den Ordens- und Titelvermittelungen direkter Mandatar des Prinze» gewesen, und dieser habe ans den Ver- leihungen Vortheile in Höhe von etwa 2000'M. gezogen. Der Zweck der Verhasiung des Privatklägers, die im Auftrage des Prinze» durch den Kriminalkommissarius a. D. Grützmacher in- szenirt worden sei, sei nur der gewesen, die kompromitiirenden Briese heranszubekoinmen. Die Freilassung des Privaikiägers sei ans Antrag des Staatsanwalts selbst erfolgt.— Rechtsanwalt Pin»er betonte, daß die Presse das Recht zur objektiven Darstellung habe» müsse, ivenn es daraus ankomme, einen Orden- nnd Titelschivindel bloßzulegen, bei welchem jemand zum fürstlich-reußische» Kannuerralh ernannt iverden konnte, ohne daß ma» i» Renß etivas davon wußte. Alles was in de» Artikeln stehe, sei Punkt für Punkt wahr, und zum Beweise hierfür, soivie für die Thatsache, daß sich der Kläger an de» unreelle» Machenschaften betheiligt habe, beantrage er die Beriied- mung der folgenden Personen: 1. des Prinzen Heinrich XXVI. Reuß, 2. des Grafen Carl Fürstenstein, der der Pfleger des Prinzen ist; 3. des sogenannten Generaldirektors Sch wen g ert; 4. des Prinzen Heinrich XXX. Renß, der ein Bruder des Entmündigte» und Bräutigam der Prinzesfl» Feodora, Nichte des Kaisets, ist; 5. des Kriminalkommissars a. D. G r ü tz m a ch e r; 6. des Kriminal- kommiffars v, T r e s k o w; 7. des Portraitmalers B e l i n g in Friedenau.— Der klägerische Anwalt hob hervor, daß letziercr ein Agent des„lSreif" gewesen, der unter der Maske eines reichen Holländers den Privatkläger angeblich zu einer größeren Reise als Reisebegleiter gewonnen, ihn ans- gehorcht und dann unterwegs plötzlich im Stich gelassen habe, Rechtsanwalt Galand beantragte seinerseits»och die Vorladung des Dr, Reiter«nd des Dr. A. Nenbiirger, die bekunden können, daß v. Maack ihatsächlich Schriftsteller sei.— Der Gerichtshof beschloß, die sämmtlichen angebotenen Beweise zu erheben und die genannte» Personen als Zeugen theils kommissarisch, lheils hier an Gcrickttsstelle zu vernehme». Die ehemalige» Inhaber eiiieS umfangreichen Bau- und BaukaeschäftS, Kaufmann Alexander Schlegel zu Schöneberg und Manrermeifter Gottfried Schalk aus Ahrendorf, standen gestern wiederum vor der siebenten Strafkammer hiesige» Land- gerichts I. Sie sind im September v, I. von derselben Straf- kaminer wegen verschiedener Hypothekenschiebimgen und anderer geschäsllicher Betrügereien zu je 1 Jahr 3 Monaten G e f ä n g n i ß verurtheilt worden. Damals waren noch drei weitere Fälle wegen Nichterscheinens deS schwer beschädigten Zeuge» Übrig geblieben, die nun gestern ihre Erledigung fanden. Die Angeklagten wurden wiederum von den Rechtsanwälten Dr. M e y e r st e i n imd Leo K e in p n e r vertheidigt. Nach umfangreicher BeweiSanfnahme verurtheilte der Gerichtshof den Angsklagte» Schlegel zu noch einem Monat Gesängniß, sprach dagegen den Angeklagten Schalk frei. Depesilkzen und letzte Llacheichken. Wien» 21. Januar.(W.T.B.) Die provisorische BeobachtnngS- station ans der Halbinsel Ras Turfa gegenüber Massauab. welche das auf einer wtssenschaftlichen Expedition im Rothen Meere begriffene österreichisch-ungarische Kriegsschiff„Pola" errichtet hatte, ist am 11. Januar abends plötzlich von Beduinen überfallen worden. Der Ueberfall wurde von dem Stationspersonal im Verein mit der türkischen Lagerwache ohne eigenen Verlust abgewiesen und die Station alSdann abgebrochen. Prag, 21. Januar.(B. H.) In der Stadt ist alles rnhig. Die deutschen Abgeordneten habe» angesichts der polizeilichen An- ordnnng, daß das öffentliche Trage» von Abzeichen und Vereins- trachten zeitweilig verboten wird, beschloffen, im Landtage an den Statthalter eine Interpellation zu richte», da die Maßregel sich lediglich gegen die deutschen Studenten richtet und sich als direkte Parteinahme der Polizei für die Czechen charakterisirt. BudWciS, 21. Januar.(W. T. B.) Bei den heute ab- geschlossenen Gemeiudewahlen im dritten Wahlkörper siegten die Deutschen mit einer Majorität von 120 Stimmen. Paris, 21. Januar.(W. T. B) Depntirtenkammer. Bei der Beralhnng des Kultusbudgets weist Berard auf die Gefahr hin, die durch den Klerikalismns drohe. MinisterprSsident Meli»« erwidert, das Land wisse wohl, daß die Regierung nicht klerikal sei. Wenn nian von einer klerikalen Gefahr spreche, so geschehe es nur, um den Blick von der sozialistische»»nd revolutionären Gefahr abzulenken. PariS, 21. Januar.(W, T. B.) Zweihundert Ausgehobene im 5. Arrondissement veranstalteten unter den üblichen Schmähungen eine Kundgebung. Di- Polizei zerftreute sie und verhastete etwa 40. Vriissel, 21. Januar.(W. T. B.) giepräsentantenkammer. Bei der Beralhung des Entwurfs betr. die Abänderung des Gesetzes über die Gesellschaften ans Gegenseitigkeit wendete sich der Sozialist Deniblo» in»»paffender Weise a» den Präsidenten Beernaert, worauf Ligyvon der Rechten verlangte, daß Demblon zur Ordnung gerufen werde. Beernaert erklärte, er wolle mit Demblon sich nicht einlassen, worauf letzterer den Präsidenten in noch viel heftigerer Weise angriff und ihm vorwarf, er habe zur Zeit der Affaire Pourbaix, als er Kabinetsches gewesen, bei Nacht Polizeispione bei sich empfange».(Lebhafter Widerspruch rechts.) Minister Nyssen, Woeste und andere wiese» rühiuend ans das halbe Jahrhunderl fleckenlosen politischen Lebens hin, das Beernaert hinler sich habe. Hierauf wurde mit 67 gegen 27 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen die zeitweise Ausschließung DeniblonS be» schlvsse». Demblon wurde dann vom Präsidenten aufgefordert, sich zuriickjnziehe», was er verweigerte, weshalb die Sitzung vom Präsiden ten aufgehoben wurde. Brüssel, 21. Januar.(W. T. B) AlS die Arbeiter der zu den Charlonuages Beiges gehörige», in Wasnels gelegenen Kohlen- grübe„Bas»e Esperanee" aus der Grube befördert wurden, riß das Seil des FörderkorbeS. 15 Arbeiter wurde» in den Grund des Schachtes geschleudert»nd zerschmettert. London. 2l,Jnn.(W.T.B,) Nach eliier Depesche a»S Tenby ist der Dampfer„Marica", von Cork»ach New-Port bestimmt, in der Nähe von St. Govans- Head an der Küste von Pembrokeshire bei dichtem Nebel gestrandet. Von der 23 Köpfe zäbleiidcn Mannschaft haben 13 das Ufer erreicht; vier büßten an Bord das Leben ei», sechs werden vermißt. Konstantinopcl, 21. Januar.(B. H) Rußland besteht kategorisch auf der Kandidatur des Prinzen Georg von Griechen- land zum Gouverneur von Kreta,«nd zwar wird eS darin von England unterstützt. Aus diesem Grunde hatte der russische Bot- schafter neuerdings eine Audienz beim Sultan. Die Kandidatur wird demnächst offiziell proklamirt, woraus der Sultan seine Zu- stiiiimung ertheilen wird. Veranlivortlicher Redakteur: August Jacobe») in Berlin. Für den Jnseratentheil verantworllich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu S Beilagen. it. i8. i5. mm*t. i Ktilllgt des Lsmillts" Kerlimr VölksblM. S'«"»». 22. IW«°r 1888. VeichskAg. 22. Sitzung. Freitag, den 21. Januar 1838. Präsident v. Buol eröffnet 1>/4 Uhr die Sitzung. Am Bundesralhstische: Reichskanzler Fürst Hohenlohe. Staatssekretäre Graf Posado wsky. v. Podbielski. Auf der Tagesordnung steht die Beralhnng des Spezialetats: Reichsanit des Innern.(Fortsetzung). Bei diesem Titel liegen vor die bereits erwähnten Anträge Pachnicke und Lieber. Abg. Dr. Lingens(Z.)(auf der Tribüne schiver versländlich) erkennt an. daß in»lanchen Bezirken die Handhabnng der Be- stiiiiinnnge» über die Sonntagsruhe eine äußerst befriedigende ist. Wo dies der Fall, hätten sich auch Mißstände nicht ergeben. Das Berhältniß z»vischen Arbeitern und Arbeitgebern hat sich durch die Einführung der Sonntagsruhe keinesfalls verschlechtert, wie die Gegner der Soinilagsrnhe fälschlich vorausgesagt. Abg Dr. Lieber(Z): Der Herr Staatssekretär schloß seine gestrigen Aussllhrllnge» mit einem Appell zum Kamps gegen die Sozialdemokratie. Die Parteien, die diesen Ausführungen ihren Beifall zollten, stimmen wohl mit uus überein, wenn ich sage: Die Mahnung, die in den ersten Sätzen enthalten ist, ist geivih eine durchaus zu beherzigende, daß die bürgerlichen Parteien sich die Achtung der Arbeiterklasse zu erwerben habe». Das erinnert an das Wort des verstorbenen Kardinals Manning: Laßt uns erst wahre Christen sein und die soziale Frage wird gelöst sein! Die Differenzen unter den staatserhallenden Parteien müssen Zurückstehen vor der Wahrung der christlich-germanischen Kultur. Wir sind bereit, diese Differenzen zu vergessen, wen» man mit uns bereit ist, zu gleichen Theilen Selbstentsagung zu üben. Der Herr Staatssekretär ist sich wohl der volle» Tragweite seiner Forderunge» beimißt gewesen, er hat ivohl gewußt, daß diese Forderungen nicht nur die bürgerlichen Parteien, sondern auch die verbündeten Regierungen angehen. Da muß ich zunächst ver- langen, daß die preußische Kullurverwaltuug das Gleichgewicht unter den Konsessionen nicht störe durch unberechtigtes zurückdrängen ver katholische» Religion. In de» nächsten Tagen werden meine politischen Freunde eine Reihe von Beschwerden im preußischen Abgeordneten» Hanse einbringen; ich erwarte, daß dann von der preußischen Regierung ein anderer Wind wehen wird, als wir ihn seit einer Reihe von Jahren leider Gottes gewöhnt sind. Ich gehe aus die Ausführungen des Herr» v. Stumm ein; da muß ich bemerke», daß ich in bezug ans die Arbeiterorganisationen wohl nie mit ihm übereinstimmen werde. Ich sage nicht, daß die organisirte» Arbeiter völlig unschuldig seien an den Dingen, die ihnen zur Last gelegt werden. Aber die Ausschreitungen der so- genannten Wilden sind zahlreicher und brutaler als die der Organi- sirten. Wenn von seilen der Organisirten Ausschreitungen vor- gekommen sind, so geschah dies»nr ans Erbitterung darüber, daß die Organisation Schwierigkeilen begegnet, die wir eben beseitigen wollen. Der Abg. v. Stumm hat sich über die Minimallohn-Forderung von 1500 M. besonders aufgeregt. Ich gehe natürlich nicht die Wege des Abg. Fischer. Aber: Wenn die Kohlensyndikale sich bilden könne», um eine» Minimalpreis festzusetzen, warum sollen dann die Arbeiter sich nicht auch organisiren dürfen, um eine» Minimal- lohn festzusetzen? Was dem Unternehmer recht ist, in u ß den, Arbeiter billig sein. Herr v. Slunu» sprach davon, daß die Industrie nicht konkurrenz- fähig bleiben könne, wenn den weilergehenden Fordernnge» der Arbeiter nachgegeben werden würde. Er wies ans die amerikanische Industrie hin. Aber die Sache hat ihre bedenkliche Kehrseile: Wir gerade tragen dazu bei, die Industrie in ihrer Entwickclung zurückzuhalten, wir züchten einen Stamm von beschäftigungslosen Arbeitern, die auf de» Konsum drücke». Also gerade durch eine Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter könnten wir eine Hebung der Industrie im allgemeine», also auch der deutschen, bewirken. Herr v. Stumm sprach auch von den christlichen Gewerk- vereinen. Ich glaube, daß gerade durch die Unterstützung der maß- volle» christlichen Gewerkverein« ein Schutz gegen die über alles Maß hinausgehenden Forderungen der anderen Organisationen geschaffen wird. Wie der Herr Staatssekretär sagte: Math und Sclbstentsagung sind nölhig, um diesen Kampf siegreich zu bestehen! Die Gesundung der Verhältnisse kann aber nur ans der Arbeiter- klaffe selber kommen. Wie die Sozialdemokratie den Kampf gegen den christlichen Bergarbeiter-Berband führt, geht aus einem jüngst bekannt gewordenen Briefe des Reichstags-Abgeordneten Möller hervor. Ich will nur zwei Sachen vorlesen, die Herren werden dann u> theilen, ob das ein Beweis für Freundschaft oder für Todfeind- srhaft ist:„Also murkse ihn— damit ist der Vorsitzende Brust gemeint— so nebenbei mit ganz unschuldiger Miene und unter leb- haftestem Bedauern ganz gründlich ab. Keine Schonung." Meine Herren, ich denke, das nennt man bei uns Meuchelmord! — Dann heißt es weiter:„Ich meine, Du sollst die Führer des christlichen Gcwerkvereins vor den Bauch treten, bis sie schreien." Ich denke, die Herren werden an diesem Beweis genug haben. Ich weiß gar nicht, warum man an dieser feststehende» Thatsache noch ziveifelt, nachdem ein Führer der Sozialdemokratie von der Tribüne des Hauses herab eS offen ausgesprochen hat: Zwischen uns herrscht, was die Ideen betrifft, Todfeindschaft! Der Abg. Legien hat mir vorgeworfen, daß ich über die Haltung des Zentrums im Jahre 1899 zu einer Verschlechterung der Koalitions- sreiheit nichts gesagt hatte. Ja, wenn die Herren durch die ein- müthige Haltung meiner Partei im Jahre 1391 nicht überzeugt worden sind, was für einen Werth habe» dann meine Erklärungen über die Zukunft für sie. Dennoch will ich sagen, wir werden uns 1893 genau so verhalten, wie wir uns 1391 verhalten haben. Ich bin mit den Herren durchaus einer Meinung, die der Behauptung energisch widersprochen habe», daß die kaiserlichen Februar-Erlasse bereits erfüllt sind. Gerade in der Frage der gesetzlichen Anerkennung der Berufsvereine sind sie durchaus nicht erfüllt. Trotzdem können meine Freunde dem Antrag Pachnicke in seiner gegenwärtigen Form nicht zustimmen. Erst bei der Behandlung des Antrages Schueider auf Verleihung des Korporations- rechte? a» die Berufsvereine ist der Ort, die Wünsche, die der An- trag Pachnicke enthält, ausführlich zu bespreche». So nebenbei beim Etat kann diese Frage nicht geregelt werden. Der Satz im Antrag Pachnicke, daß die Gewerkschaften auch dann der Wohlthaten des x 132 der Gewerbe- Ordnung theilhaftig werden sollen. wenn sie darauf gerichtet sind, Aenderungen in der Gesetzgebung und Staatsverwaltung herbeizuführen, ist viel , n allgemein gefaßt. Dadurch würden die Gemerk- schafte» zu rein politischen Vereinen gemacht werde», wie es die offensichtliche?lbsicht der Sozialdemokratie ist. Ich bitte Sie. den Antrag Pachnicke wegen dieser Unbestimmtheit abzulehne», ersuche aber die Herren Antragsteller, im Falle der Ablehnung ihres An- träges für folgenden Antrag zu stimmen, den meine politischen Freunde soeben eingereicht haben. Die Regierung soll ersucht werden: einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen der ß 132 der Gewerbe-Ordnmig dahin ergänzt wird, daß Verabredungen und Vereinigungen gestattet werden, welche die Verbeffernng der Lage der Arbeiter im allgemeinen oder die Erlangung günstigerer Lohn» oder Arbeitsbedingungen durch Veränderungen der Gesetz- gebung bezwecken. (Bravo! im Zentrum.)..... m Abg. Prinz zu Schönaich- Carvlath(Hospitant der Natl): Bei der Beralhnng des Bürgerlichen Gesetzbuches kam von ver- fchiedenen Seilen zum Ausdruck, der wirthschaftlichen Hebung der Frauen könnte man erst dann näher treten, wenn die Frauen in geistiger Beziehung gehoben wäre». Dies veranlaßt« mich, auf das Studium der Frauen einzu- gehe». Es bestehe» in verschiedeneu Städten Franeiigyuinasien. Wir verlangen durchaus keine Bevorzugung der Damen beim Examen, ivobl aber das Recht sür sie, als Aerzte, Apothekerinnen und höhere Lehrerinnen zugelassen zu iverden. Leider werden die studirenden Frauen nicht iminatrilulirt, sie müffen von einem Dozenten zum anderen laufen und sich den Zutritt zu den Vor- lesungen erbitten. Ob sie zugelassen werden, hängt ganz von dem Ermessen des Dozenten ab. DaS geht nicht so rveiter, die Frauen müssen ebenfalls innnatrikulirt werden und nicht länger vorn Belieben des einzelnen Universitätslehrers abhängen. Sie können sich bei der allgemeinen Sympathie, die sich im Deutschen Reich für diese Sache regt, dieser Frage gegenüber nicht mehr theilitahmlos verhallen. Ich weiß wohl, in unserer Zeit sind alle Berufe überfüllt, und da können Sie sagen: in einer solchen Zeit, da kommen Sie uus nicht mit der Frauensrage! Ich habe aber nicht die Besorgniß, daß es den Frauen, die ans die Universität kommen, um Verdienst und Ver- sorgnng zu thun ist. Aber ich glaube, daß Sie ein segensreiches Kulturwerk thun, wenn Sie den von heiligem Wissensdurst beseelten Frauen die Psorten unserer Hochschulen nicht versperren. Wir wollen nicht die Frauen-Emanzipation. Und doch trägt diese Frage einen eminent sozialen Charakter: die Be- wegttng bleibt nicht beschränkt auf die Frauen der höheren Stände; auch die Frauen der unteren Volksklassen, die Arbeiterinnen haben ein Interesse daran, von iveiblichen Aerzlen sich behandeln zu lassen. Und gerade nach dieser Richtung ist die Frage von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wir stehen ohnehin gegen das Aus- land hierin zurück: in anderen Staaten habe» ivir angestellte Staats- ärzlinneu mit Pensionsberechtigung; und was die Befähigung der Frau, nin Studium anlangt, so belrachtenISie solgend« Zahlen: von allen Männern, die sich in der letzten Zeit zum Examen genteldet, haben 31 pCt. bestanden, von den Frauen 69 pCl.: ich denke, diese Zahlen vernichten das alte Märchen von der Unfähigkeit der Frau zum Studium. Es liegt im Jnlereffe der Universität, wie im Interesse der Damen, daß das Recht zum Studium zu voller Gleich- berechtignng eriveitert werde.(Beifall.) Staatssekretär Gras PosadowSky: Ich glaube mit dem Herrn Borredner, daß man sich dieser Frag« gegenüber nicht ganz ab- lehnend verhalten kann. Ich habe mich ivegen dieser Frage mit dem preußischen Herrn Kultusminister in Verbindung gesetzt und dieser hat mir folgende Erklärung abgegeben: Frauen werden zum Abiturientenexainen an Gymnasien zugelassen als Extranen. Der Herr Kultttsminister ist auch bereit, sie zum medizinischen Studimn zuzulassen unter drei Bedingungen: Erstens muß der Rektor der Universität mit dem gastweisen Besuch seitens der Frauen an der Hochschule einverstanden sein, zweitens auch der Kurator der Universität, und endlich kamt das Recht, Vorlesungen zu hören, »nr mit Genehmigung der einzelnen Dozenten erlangt werde». Der Unterschied zwischen den gastweisen und den immalrikulirten Studenten ist der, daß die gastweisen die Zustimmung des Dozenten haben müssen, die immalrikulirten nicht. Es iverden sich sicher Dozenten finden, die auch Damen gern zu ihren Vorlesungen zu- lassen werden. Es wird nun noch darauf ankommen, daß der Reichskanzler darüber zwischen de» Einzelregierungen ein Einvernehmen erzielt, daß Damett, die das medizinische Studium ab- solvirt haben, zum Staatsexamen zugelassen und auch approbirt würden, lieber die Fähigkeit der Frau zum ärztlichen Berus habe ich mit einer hervorragenden medizinischen Autorität gesprochen. Dieser weltberühmte Mann sagte, er glaube, die Damen würde» dasselbe leisten, wie die Mehrzahl der männlichen Aerzte. Stur ob sie bei Operationen schnelle Entschlüsse ,» fassen besonders geeignet sind, ließ er dahingestellt. Bei diesem Wohlwollen empfiehlt es sich, dem Verlangen der Frauen nicht ganz ablehnend sich gegenüberzustellen. Wir iverden mit einer schmalen Spitze vorgehen. Halten die Damen das, ivas sie versprochen haben, dann werde» auch die weiteren Wünsche der Damen erfüllt werden. (Beifall.) Abg. Dr. Fricdberg(natl.) hält de» jetzigen Znstand für»n- haltbar, daß die im Auslände approbirten Aerztinnen unter den Be- griff des Kiirpfitscherthums fallen. Wir begrüßen es, daß die Reichs- regierung nuninehr einen Schritt weiter vorwärts zu gehen beabsichtigt. Abg. Graf Stollberg(k): Wir haben gegen eine Eriveiterung der wirthschaftlichen und sozialen Stellung der Frau nichts einzu- wenden, wir sind aber mit den, Staatssekretär einverstanden, daß das Tempo kein zu schnelles werden darf und nur soweit vorgegangen werden soll, als das Bedürfniß dazu vorliegt. Mit den Aenßerungen des Abg. Lieber über die Organisation der Arbeiter bin ich nicht einverstanden. Die Organisationen der Arbeiter haben es in England schon dahin gebracht, daß England nicht mehr kou- kurrenzfähig ist. Uns kann das ja nttr recht sei», aber man wird es in England bald einsehen, es wird auch in England zu Arbeiter- entlaffungcn und Lohnherabsetzungen kommen. Herr Lieber fragte, ob die sozial« Gesetzgebung ihren Abschluß erreicht hat. Ich meine, eine soziale Gesetzgebung kann niemals einen Abschluß erreichen. Auch hier wird es sich nttr um das Tempo handeln, und da halte ich Vorsicht für sehr am Platze. Abg. Dr. Hitze(Z.) kommt auf seinen Antrag zurück, der von der Regierung eine Statistik über die Beschäftigung verheiratheter Frauen in Fabriken fordert. Die Frage sei schon im Jahre 1894 von ihm angeregt worden. Die Fnbrikiuspektoren würden ohne große Schwierigkeit diese Statistik aufnehmen können. Die Beschäftigung der Frauen habe an Umfang bedeutend zugenommen."Das sei eine betrübende Erscheinung. Die lange Arbeitszeit entziehe die Frau gänzlich der Familie, die Kinder müßten die Erziehung durch die Mutter entbehren. Abends komme die Frau müde und matt nach Hattse und könne sich um sie garnicht mehr kümmern. Die Muttersorgen machten die Frau auch ungeeignet für die Arbeit, das Kind im Multerschooße weide durch die Fabrikarbeit schon schiver benachtheiligt. Für die Sittlichkeit des Volkes liege in der Beschäf- tigung verheiratheter Frauen die schwerste Gefahr. Ein Kind. das mntterloS atlfgewachse» sei, werde meist nicht den nöthigen sittlichen Halt haben. Schon allein vorn hygienischen Standpunkt verbiete sich die Fabriknrbeit verheiratheter Frauen. Aber noch eins. Die Fabrik- arbeit der Frau fördere auch das frühzeitige Heirathcn. Die jungen Leute schließen die Ehe schon in der sichere» Voraussetzung, daß beide Theile arbeiten und zum Lebensunterhalt beitragen. Es müsse wieder dahin kommen, daß der Mann die Frau ernähre. Der Schutz für die Wöchnerinnen genügt nicht. Er müßte ans mindestens sechs Wochen, wenn angängig, auf acht Wochen ausgedehnt werden. Staatssekretär Gras v. Posadowsktz: Ich bin gern bereit, mich mit den verbündeten Regierungen darüber in Verbindung zu setzen, um den Wünschen des Vorredners Rechnung zu tragen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Das Zugeständniß des Grafen Posadowsky in der Frage des Frattenstitdittms erscheint uns dankens- werth. Die Frattettbe>v«gung wird aber mit recht noch weitere Forderungen stellen müssen. Dem Abg. Lieber will ich erwidern, daß seine Bemerkung, durch meinen Antrag werden den allgemein politischen Bestrebungen in den Koalitionen die Thür geöffnet, nicht zutrifft. Freilich darf man allgemein soziale nicht mit allgemein politischen Bestrebuiigen ver- wechseln. Wenn aber auch nttr der Antrag Lieber angenommen wird, so ist das ein Beweis dafür, daß der Reichstag den durch den Erlaß des Grasen Posadowsky bezeichneten Weg nicht gehen will. Abg. Wurm(Soz.): Die große Debatte über den Erlaß des Grafen Posadowsky hat bewiesen, daß das Haus sich der Umkehr in der sozialpolitischen Gesetzgebung sehr wohl bewußt ist. Wichtig ist hier vor allem die Erklärung des Zentrums, daß es für weitere Beschränkungen des KoalilionsrechlS nicht zu haben ist. Wenn aber Dr. Lieber davon sprach, daß ihm das Mißtranen utt- begreiflich sei, das der Haltung des Zentrums entgegengebracht würde, so will ich ihm sagen: die Haltung seiner Partei giebt uns ein Recht zu diesem Mißtrauen. Das Zentrnm hätte längst seine Worte in die That umsetzen können, weil es die Macht dazu hatte. Diese platonische Liebe nützt den Arbeitern nicht. Von der gegnerischen Seite kommt That aus That, so tnüsseit auch ivir mit Thaten antworten. Wir werden jetzt sür den Antrag Pachnicke stimmen und im Falle seiner Ablehnung für den Antrag Lieber. Aber ivir werden selbstvetständlich die nächste Gelegenheit benutzen, um mit weiter» gehenden Anträgen an den Reichstag heranzutreten. In einem! Punkte muß ich Herrn Lieber gründlicki entgegentreten, weil er einen allgemein getheillen Jrrthum enthält. Man thnt so, als ob die gewerk« schaftlichen Bestrebungen der Arbeiter Mittel der politischen Partei sind. Wenn Dr. Lieber auch davon sprach, so verkennt er eben gesetzlich unser Berhältniß zu den Gewerkschnsten. Wir marschiretr vollständig getrennt, daß wir gemeinsam schlagen wollen, das ist selbstverständlich, denn unser Ziel ist ja durchaus dasselbe. Die kaiserlichen Februarerlasse sind bis jetzt nach keiner Richtung hin erfüllt. Das erklären die Staatsbeamten selbst, nämlich durch die Thatsachen, die sie rnittheilen. Bon dem, was damals ver- sprochen tvttrde, ja was inzwischen Gesetz geworden, ist noch nichts zur Ausführung gelangt. So zum Beispiel ist die Ausdehnung der Schutzbestintmutigett aus die auf Banten beschäftigten Arbeiter, die durch eine kaiserliche Verordnung befolgen sollte, bis heute noch nicht verwirklicht. Und die geschützten Betriebe selbst! Sind dort denn die Bestimmungen erfüllt? Die Gewerde-Ordnung sprach da- von, daß die Arbeitsordnung nicht mehr der Willettsausdruck des Unternehmers sein dürfe, daß auch die Arbeiter bei der Festsetzung derselben zugezogen werden sollten. Wie sieht es denn mit dein Hören der Arbeiter in dieser Hinsicht ans? Wir sehen ans den Be- richten, daß in den meisten Fällen da alleslangeordnet und geändert wird, ohne daß die Arbeiter auch nur gefragt werden, und wir höre» nichts davon, daß Unternehmer, die das thun, bestrast werden. Be- zeichnend sür diese Verhältnisse ist die Thätigkeit. die der Verband mit dem langen Namen vom Mai 1830 ab entfallet hat. Damals bereits hat er so eine Art Pronmiziatnento gegen die Ausführung der kaiserlichen Erlasse in Szene gesetzt. Ein bekannter Finanz- rath hat damals gesagt: Die Arbeitsordnung muß der Ausdruck des souveränen Willens des Arbeitgebers sein; und es ist nachher oft genug erklärt worden: den Arbeitsvertrag festzusetzen, ist das un- nmslößliche Recht des Arbeitgebers. Das Gesetz aber sagt ausdrück- lich: Die Arbeiter müssen da gehört werden. Zu diesem Zwecke ist ja in jedem Betriebe«in Arbeiterausschuß vorhanden. Wie sieht es denn mit diesem Ausschuß aus, der als ein so großes sozialpolitisches Heilmittel betrachtet wurde? Da sagen uns die Berichte, daß diese Ausschüsse nur ein Scheindasein ohne Bedeutung fuhren Man fürchtet sich damit eine Organisation zu schaffen, die gelegentlich unbequem iverden könnte. Und welchen Terroris- mus, Herr Staatssekretär, die Arbeilgeber gegenüber diesen gesetzlich gewährten Instituten ausüben, zeigen auch die Berichte. Da steht, die Arbeilerausschüsse haben keine Be- deutung, da die Arbeiter ans Furcht vor Entlassung alle Vorschläge des Vorsitzenden, der meist ans dem Direktor, einem Prokuristen oder Werkmeister besteht, ohne Widerrede gut heißen. Diese Maß- regelungen, dieser Terrorist»»? der Arbeilgeber wird ja in den Be- richten vielfach konslalirt, seit es Anfsichtsbeamte giebt; aber weder der Herr Staatssekretär noch fein Vorgänger haben es für ttölhig gefunden, gegen diesen Terrori-tmts der Unternehmer, der Ihnen hier akteninäßig vorliegt und nicht erst durch Enqueten festgestellt zu werben braucht, vorzugehen. Ein sehr ruhiger alter Arbeiter, der über zwanzig Jahre in einer Fabrik war, wurde z. B. entlassen, weil er ttnbeqttettt geworden war durch seine tapfer« Thätigkeit als Beisitzer im Arbeitsausschuß. Ebenso sagt ein Bericht ans Baden, daß die Arbeitgeber sich durch die Anssagen ihrer Arbeiter als Ausschußmitglieder vor Gericht unangenehm berührt gefühlt haben und die Arbeiter sich so mißliebig gemacht haben. Wenn ein solcher Terrorismus stattfindet unter den Unternehmern, wie wäre es da mit einem Rundschreiben, damit den Arbeitern nächstens der Schutz zu theil tvird, der ihnen durch das Gesetz gewährleistet wird. Die arbeitswilligen Arbeiter werden terrorisirt, weil sie einer Organi- sation angehören, so sagt der Gewerbe-Jnspektor für Baden. Wenn ivegen solcher Maßregelungen Erhebungen angestellt werden, dann behaupten die Unternehmer, die Arbeiter seien nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Organisation entlassen worden, sondern wegen Widersetzlichkeit, wegen eines Wortstreites. Auch wenn das richtig ist, so hat die Zugehörigkeit zu einer Organisation den Anlaß zum Morlstreit gegeben, war also die eigentliche Ursache zur Entlassung. Wie iinklug handeln die Arbeitgeber, ineint Fabrikinspektor Wörris- hofer, ivenn sie bei den Arbeitern die Meinung hervorrusen, daß die Arbeit in einer Fabrik mit Unterdrückung jeder freien Bewegmig Hand in Hand gebt! Und lvie unklug, sagen wir, handelt erst der Staat, der dem Arbeiter dieselbe Meinung beibringt. Man verweist die Arbeiter auf die Geiverbegerichte. Aber es ist leider i» das Belieben der Behörden gestellt, sie zu errichten. Mit der Institution selber sind wir einverstanden. Die Gewerbe- gerichte haben verstanden. sich das Vertrauen der Arbeiter und auch einsichtiger Unternehmer zu erwerbe», obtvohl oder viel- niehr weil die große Mehrzahl der Arbeitnehiner-Beisitzer Sozial- deinokrate» sind. Sie ivalten eben nnparteiisch ihres Amtes. Den Unlernehtnerverbänden und den mit ihnen befreundeten Stadtgemeinden sind die Geiverbegerichte aber unbequem. I» ganz Mecklenburg giebt es kein einziges Geiverbegericht trotz aller Petitionen. In Zeulenroda ist jahrelang um ein Geiverbegericht pelilionirt worden, schließlich er-' klärte sich die Stadlverwalluiig bereit, jetzt aber liegt die Sache seit einem halben Jahre bei der Regierung in Zeitz und nichts rührt sich. Weshalb dieser passive Widerstand gegen die bestehenden Gesetze? Die Statistik der Klagen zeigt, daß die Ar- beiter außerordentlich häufig Anlaß haben, sich an das Gewerbe- gericht zu wenden. Den Uttleriiehniern mit bösem Gewissen sind eben deshalb die Geiverbegerichte mit ihrer objektiven Rechtsprechung ein Dorn in, Auge. Sie schließen deshalb Verträge mit den Arbeitern ab, worin diese, wenn sie Arbeit bekommen wollen, sich verpflichten müssen, sich im Streitfälle nicht an das Gewerbegericht zu wenden, sondern an ein vom Unternehiuer bestimmtes Schiedsgericht. Das Geiverbegericht in Leipzig hat solche Kontrakte sür rechtsverbindlich erklärt. So«mgeheit die Unternehmer die Gesetze, Herr Staatssekretär! Trotzdem wird kein Rundschreiben erlassen. Der Reichstag wird diese Lücke auszufüllen haben Es geht nicht an, daß Unternehmer durch Privatverträge Rcichsgesetze illusorisch machen. Wie das zu verhindern ist. müssen wir den Juristen überlassen. Jedenfalls haben wir die Absicht, aus diesem Gebiete alsbald vorzugehen. Weshalb schließt man die Arbeiterinnen von den Gewerbe- gerichtett aus, indem man ihnen das aktive tmd passive Wahlrecht vorenthält? Herr Hitze hat die Vermehrung der Frauenarbeit vorhin selber anerkannt. 1882 waren in Industrie und Bergbau l'/to Millionen Frauen, also 177/8 pCt. aller Beschäftigten. 1893 aber V/s Millionen oder I8V3 pCt. aller Beschäftigten thätig. Von 1382—93 ist die Zahl der im Handel und Verkehr beschästigten Frauen von 300 000 auf 600 000, von 19 pCt. ans 26 pCt. aller Beschäftigten gestiegen. 1836 waren 19 000 weibliche Kinder. 80 000 Mädchen unter 16 Jahren und 67 000 Frauen und Mädchen über 16 Jahre in Betrieben beschäftigt, die den Gewerbe- gerichte» bei Lohnstreitigkeilen nuterstellt sind. Es sind also 780000 weibliche Wesen, die vor Gewerbegerichten zu klage» hätten. Warum läßt man da Arbeiterinnen nicht zu den Getverbegerichten wählen und Beisitzer werde»? Das Urtheil des bayerischen Fabrikinspektors über den Werth von Arbetterorganisationen klingt ganz anders, als das des Grafen Posadowsky. So lobt er die sozialdemokratischen Beschwerde- kommissioiten im Gegensatz zu den Beschiverdekommissiotien der sogenannten orditungsliebenden Arbeiter. Die Arbeiter- organisationen sind nothwendig, auch zum Schutz der Gesetze. Der ungeheure Mangel an Aufsichtsbeantten ist«in« große Kala. Die Neuerung des Herr» Staatssekretärs, daß er uns diesen Mangel ziffernmäßig bewiesen hat, wie groß die Zahl der zu revi- iure»den Betriebe ist und wie viel Betriebe wirklich revidirt worden lsind, ist lobend anzuerkennen. Nevidirt wurden durchschnittlich nur a-t uCt. der Betriebe, in Preußen 31 pCt., in Bayern nur 18 pCt., m Hessen 45 pCt. der Betriebe. In Bayer» sind nur 18 pCt. revidirt worden, weil dort die Revisionen sehr gründlich vorgenoinmen sind. Man steht daraus deutlich den Mangel der Beamte». Im preußischen Etat sind elf nene Beamte eingestellt worden, eine Zahl, die natürlich lange nicht ausreicht. Sollte jeder Beamte jeden Betrieb nur einmal nachsehen, die Zahl der Beamten müßte verdreifacht werden. Dazn hat der preußische Staat kein Geld. Kulturanfgaben leiden nicht! Diese preußischen Beamten haben noch die Kesselrevisionen vorzunehmen. Es scheint, daß man ihnen diese Funktion nur aufgetragen hat, um den KreiS, ans dem sie genommen werden können, recht eng zu ziehen. DaS sind verzopfte Zustände. In keinem anderen Staate sind die Inspektoren »och Kesselrevisore». Einige Beamte haben noch Nebenämter, die mit ihrer Eigenschaft als Nufsichtsbeamte in Widerspruch stehen. Ich habe im vorigen Jahre schon den Lübecker Beamten genannt, der sehr schneidig im Dienste des Nnternehmerthums vorgeht, daß er im Nebenamt für eine Bernfsgenosscnschaft und den„Norddeutschen Lloyd" thätig ist. Aehnlich ist es mit einem Fabrikinspektor in Hesse» und einem in Westpreußen bestellt, ich glanbe es ist derjenige von Tanzig. der im Dienste eines Unternehmers steht. Ich habe diese Daten aus sozialdemokratische» Zeitungen. Es ist gegen sie wegen dieser Mitthcilungen keine Klage eingereicht worden, deshalb nehme ich an, daß diese Miltheilungen wahr sind. Sie sehen, die Beamte» haben nicht einmal sämmtlich die genügende Qualifikation. Große Bevölkernngskreise schließt man von der Fabrikinspcktion auf der anderen Seite ans. die Arbeiter, die es am meisten angeht, läßt man vor der Thür. Wenn nun die Arbeiter mit de» In- spektore» in Verbindung treten wollen, werden sie daran von den Unternehmern gehindert. Diese stellen Spitzel»nd Beobachtungs- Posten aus. Der Aufstchtsbeamte wird oft durch Signale angekündigt und findet dann alles in der Ordnung. Der Unternehmer dreht der Polizei eine Nase, wie ein Fall in Hannover beweist, wo sich die Arbeiteritnien vor der Polizei auf dem Boden verstecken mußten. Wird ein Unternehmer einmal erwischt, dann erhält er eine ganz verschwindend geringe Strafe.(Sehr richtig! links.) Die Strafen sind lächerlich gering, sie wirken wie eine Prämie auf die Ueber- lretung der Gesetze. Die deutschen Gerichte, die den Arbeiter mit drakonischen Strafen belegen, versagen gegenüber den Unternehmern. Der Fabrikinspektor von Potsdam klagt über die geringen Strafen. Man verhöhnt die Gesetzgebung und den Reichstag mit diesen geringen Strafen. In Hildcsheim ver- nrlheiltc das Schöffengericht einen Unternehmer zu 5 M. Geldstrafe. Als mildernd wurde angegeben, daß die Anzeige n u r vom Gewerbe- Juspekior ausgegangen sei. An einem anderen Ort wurde ein Unternehmer freigesprochen, weil er zur Zeit der Arbeit seiner An- gestellten in der Kirche war. Also wenn der Arbeitgeber recht sromi» thut, dan kann er z» Hause seine Leute schinden lassen, die Gesetze übertreten. Die Polizei ist ungeeignet zur Aufsicht, sie ist gewohnt, gegen den Arbeiter aufzutreten, sie kann sich nicht daran gewöhnen, nun auch einmal als Schutzengel der Arbeiter aufzutreten. DaS einzige Mittel zur Besserung liegt darin, daß sich die Fabrikinspektoren mit den Arbeiterorganisationen in Verbindung zu setzen gehalten iverde». Der Gedanke, der auch von Zentrums- blättern ausgesprochen worden ist, wurde aber sofort von dem mit 12000 M. für die Verdächtigung der Arbeiter bezahlten Schweinburg bekämpft. Außerdem müssen Arbeiter als Assistenten für die Anffichlsbeamten hinzugezogen werden. Aus Bayern melden die Berichte eine» solche» Fall. Der dort hinzugezogene ülrbciter ist aber in Wahrheit ein Werkführer. Warum gerade ein Werkführer, warum nicht ein organisirter Arbeiter. Außerdem fordern wir die Hinzuziehung von Aerztcn. Schließlich auch die Hinzuziehung von Frauen.'Wenn von unserer Seite behauptet ivurde, daß die Frauen dieselbe geistige Fähigkeil besitzen, wie die Männer, dann hörte man ans der andere» Seile spöttische Bemerlunge». Heute hat sogar Herr v. Posadowsky zugestände», daß die geistige Befähigung der Frau dieselbe sei wie die des Mannes. Es ist ia fehr erfreulich, daß»tan zu dieser Anschauung kommt, nun lassen Sie aber auch diese Meinung zur That werden. Oder sollte sich Ihre freundliche Gesinnung nur ans die Dame» erstrecke», die in der angenehmen Lage sind, sich der Wissenschaft hingeben zu können, sollte» Sie blos für die bürgerlichen Frauen Sympathie empfinde» und für die übrigen nicht? Wenn bisher die Frauen zur Geiverbc- Aufsicht nicht zugezogen wurde», so geschah dies einfach aus dem Grunde, weil man meinte, daß die Frane» den Unternehmern nicht so nützlich sein könnten als Anssichtsbcamten ivie die Männer. Die Fa- brikinspektion würde nur der Sammelpunkt für die Beschwerden der Arbeiterinnen bilden. Aus diesem Grunde wurden im Zeitalter der kaiserlichen Sozialreform die Anstellung von weiblichen Anfsichts- bcaniten abgelehnt! Daß die Frauen die Befähignng zur Gewerbe- anssicht haben, steht nach dem Vorgange Englands. Frankreichs, Amcrika's»nd Australiens fest. In Deutschland hat man ihnen diese Befähigung bisher bestritten. Sie solle» dieselbe» geistige» Fähigkeiten haben wie der Mann aber vom politischen Wahlrecht, von den Wahlen zum Gewerbegerichts-Ausschnß sind sie aus- geschlossen. Die Herren, die ihnen diese Besähigung absprechen. müssen doch in ihrer nächste» Umgebung recht schlechte Erfahrungen gemacht haben(Heilerkeil!), denn wen» sie auf das AuSlaud blicken, müßten sie doch zu einem ganz andere» Urlheil kommen. In anderer Hinsicht dagegen müssen wir wieder eine Beschränkung fordern, wenn Frauen angehalten werden, hoch auf Leitern aus de» Bau zu steige». Slnch Herr Hitze bedauerte ja, daß so viel Frauen in die Fabriken hineinkomme». Ja, Herr Hitze, in Ihrer nächsten Näh«, in Müuchen-Gladbach, sind Fabriken, in denen sehr viel Frauen beschäftigt werden, da die Löhne so miserabel sind. Von Ihren eigenen Parteigenossen werden dort den Arbeile- rinnen die bekannten Kochrezepte für den Haushalt in die Hand ge- drückt. Gerade Ihre Partei wäre ja geeignet, auf die Unternehmer in dieser Hinsicht einzuwirken, aber im wirlhschaftlichen Leben prallen eben die besten ethischen Vorschriften ab, wo der Prosit in Frage kommt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie werden also mit uns einverstanden sein, wen» wir sagen, nur durch gesetzliche Regelung und durch strikte Einhaltung der gesetz- liche» Bestimmungen ist es möglich, die Arbeilerinnen zu schützen. Es giebt Dinge, über die die Arbeiterin, wenn sie sittlich ist, nicht mit dem männlichen Anfstchtsbeamten spreche» kann. Die weibliche» Beamten würden sich mehr daS Vertrauen der Arbeiterin erwerben. Zum mindesten müßten weibliche Assistentin angestellt werden. Freilich höhere Töchter, die vom politischen Lebe» keine Ahnung haben, sind dazn nicht geeignet. Man exemplisizire nicht auf die Krankenpflege. Krankenpflege und Arbeiterschutz sind zu verschiedene Gebiete, iver für das eine paßt, braucht nicht für das andere geeignet sein. Diakonissinnen sind also nicht geeignet. Sie machen es weder dem Unternehmer noch dem Arbeiter recht. In Hamburg hat man Damen von, Rothe» Kreuz herangezogen. Das volle Vertrauen wird die Arbeiterin nur zur Arbeiterin haben. Ist eS denn eine exorbitante Forderung, wenn man verlangt, daß die Assistentinnen gewählt werden rvie die Beisitzer in de» Gcwerbcgerichten? In einzelnen Staaten sucht man diesen Wünschen jetzt entgegen zu kommen, z. B. in Hessen. I» anderen Staaten, besonders i» Sachsen, hat man für diese Frage nicht daS geringste Ver- ständniß. Der Abgeordnete Fritzsche hat im sächsischen Landtag anf die Petition der Franenvereine frisch und fröhlich erklärt: Nansen sei nach dem Nordpol gekommen und habe dort die Erd- achse ohne Hilfe von Fabrikinspektoren neu geölt. Da werde es wohl in Sachsen noch längere Zeit ohne weibliche Aufsichts- beamten gehe». Und mit solchen banalen Redensarten glaubt man sich über dies« so hochwichtige Frage hinwegsetzen zu können. Nimmt der jetzige Staatssekretär auch dieselbe ablehnende Haltung ein, wie sei» Vorgänger? Die Unfälle wachsen beständig, ein Theil von ihnen ist nicht naturnothwendig mit der Arbeit verbunden. Das greifen wir an. Die Fabrikinspektoren hebe» hervor, daß hastige Arbeit, veranlaßt durch Akkordarbeit, und die Verwendung ungelernter Arbeiter eine große Anzahl Unfälle veranlassen. Und auch mit den Schutzvorrichtungen steht es übel. Auch die Krankheiten der Arbeiter nehmen zu infolge zu intensiver und langer Arbeit. Der Arbeiter verunglückt am häufigsten am Ende der Arbeitswoche, wenn er ad- gespannt ist. Hier kann die Gesetzgebung helfend eingreifen, aber zum Schutze der Arbeiter hat man nicht viel übrig. Wohin soll das führe»? Durch das ganze Treiben wird das vernichtet, was sie zu schützen bestrebt sind. Mittclstädt sagt, es geht bergab mit dem Glanben deS Volke? an die Monarchie. Was man durch alle diese Trakasserien erreicht, so sagt er. ist die Vernichtung des Glaubens an die Justiz und an die Monarchie. Dem Anschwellen der sozialdemokratischen Flnth ist kein Ende zu bereiten. Machen Sie Ihre Ausnahme- gesetze— der Arbeiter lebt in einem?lusnahniezustand und wird sich um so fester zu uns schaaren, als er sieht,, daß er dort von Ihnen keine Rettung zu erwarten hat.(Bravo' bei den Sozialdemokralen.) Abg. Dr. Hitze(Z): DaS Zentrum hat in jedem Jahr be- wiesen, wie ernst es ihm mit dem Arbeilerschutz und der Koalitions- freiheit ist. Wir werde» auch die Durchführung unserer sozialpolitischen Wünsche niemals zu ein emHandelsgeschäft machen.(Bravo! im Zentrum.) Ich vermisse.daßderVorrednernkhtSlellungzurFragederBeschäfligung verheiratheter Frauen genommen hat. Vielleicht spricht sich die sozialdemokratische Partei noch darüber auS. Wir haben das Ziel, die Arbeit verheiratheter Franen in Fabriken gesetzlich zu ver- bieten und auch in der Landwirthschaft. soweit das Familien- leben darunter leidet. Der Herr Vorredner hat auch wieder das berühmte Büchlein„Das häusliche Glück" berührt. Das Werkchen hat einen Absatz von über eine Million gesunde», es ist in fremde Sprachen übersetzt. Der Verfasser ist ein jetzt verstorbener Kaplan in Müuchen-Gladbach. Er hat seine ganze freie Zeitdem Wohle der Arbeile- rinnen gewidmet. Systematisch greift die Sozialdemokratie dieses Büchlein wegen seiner Kochrezepte an. Es heißt immer, ich sei der Verfasser. Ich habe es aber garnicht verfaßt. Die Kochrezepte für ganz bescheidene Verhältnisse sind ohne mein Wissen hineingekommen und in der zweiten Auslage beseitigt. Ich richte an Sie de» Appell, doch endlich der perfiden Art, wie draußen die Kochrezepte angegriffen werden, einmal Einhalt zu gebieten. Hieraus wird ein Vertagungsantrag angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Dem Abg. Wurm muß ich noch- mals erwidern, daß ich die Forderung der Gewerkvereine nach einem Minimallohn von 1500 M. nur als Minimallohu maßlos halte, nicht als Lohn im allgemeinen. Es giebt aber Betriebe, die mit ganz geringem Nutzen arbeite», die einen solchen Lohn nicht zahlen können, und minderwcrthige Arbeiter, die ihn nicht verdienen. Gegen die konfessionellen Arbeitervereine an sich habe ich nichts«inzuwenden. Ich warne sie nur vor der Gefahr, in sozialdemokratisches Fahrwasser zu gelange», wie es mit den Vereinen des Pfarrers Naumann und ähnlicher Herren schon geschehen ist. Nächste Sitzung Sonnabend 2 Uhr. Fortsetzung der heutigen Berathung. Schluß 6'/, Uhr. VaelaknenkcukifrfVes. Die sozialdemokratische RcichStagsfraktion erörterte in der Sitzung am 19. und 20. Januar die ch i u e s i s ch e Angelegen- h e i t. Einstimmig wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Fraktion betrachtet es als natürlich, daß in der Partei und damit auch in der Parteipresse über wichtige Fragen der Taktik zeitweilig Meinungsverschiedenheiten entstehen und daß diese zum Anstrag gebracht werde» müssen, selbstverständlich unter Wahrung des RechiS der sreiesten Meinungsäußerung. Aber in der Polemik, die zwischen einer Anzahl Parlei-Organe über die Taktik der Partei gegenüber der chinesischen Angelegen- heit enistand, ist mehrfach die zulässige Grenze erheblich über- schrillen worden, was die Fraktion lebhaft bedauert. Dieselbe ersucht die Parteigenossen, darauf zu sehe», daß ihr« Organe sich künftig bei Polemiken strenge in den zulässigen Grenzen halten. Zu dem Eroberungszug nach China steht die Fraktion in der entschiedensten Gegnerschaft. Die Redner der Fraktion werden bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit dieser Anschauung Ausdruck geben." Bndgctkommlssion. Abg. Werner erklärt sich für den Antrag Singer, Einsetzung der Erhöhung der Unterbeamtengehäller in den Etat. Müller-Fulda erklärt»ach längerer Rede, daß er die Meinung habe, es sei mit Gehaltserhöhungen vorläufig genug geschehen, er werde aber für die Resolution Lieber und im übrige» für alle Forderungen in der Petition der Unterbcainte» stimmen, die keine »ene» Ausgabe» erforderle». Der Staatssekretär theilt mit, daß er der Petition der Unterbeamten insofern entgegenkomme» werde, daß es die Kündigmiasfrist von 4 Wochen ans 3 Monate erhöhe und die etatsmäßige AusteUnng, die bisher erst»ach 12 Jahren erfolgte, künftig schon nach 8 Jahren eintreten solle. Mehr könne er nicht lhun. Abg. v. Kardorff erklärt sich gegen den ülntrag Singer, im Lande seien die GehaUserhöhnngen sehr unpopulär, dagegen spricht ersich für die Gehaltserhöhung des Staatssekretärs aus. Abg.v.Massow spricht sich in ähnlicher Richtung aus. Slaalssekrelär v.Thicleuian» warnt, einseitig Gehaltserhöhungen im Interesse der Postunlerbeamten vorzunehmen. Man habe den Beschluß deS Reichstages sorgfältig erwöge», habe aber demselben nicht zustimme» können. Abg. Singer polemistrt gegen die Ausführungen des Abg. Müller-Fnlda, die durchaus»»zutreffend seien, von der Erklärung des Staatssekretärs nehme er mit Genugthuung Kenntniß, aber man solle weilergehe», insbesondere de» Unlerbeamten jährlich regelmäßig einen Urlaub be- willigen und der Einführung einer Sommerkleidung zustimmen. Das Verlange», die Gehaltserhöhung der Unlerbcamten z» vertagen, bis auch Preuße» damit vorgehe, bekämpfte er mit Hinweis aus die Langsamkeit solcher Reformen dort; es stehe nicht das geringste entgegen, hier auf eigene Faust vorzugehen»nd die Macht- inittel, die man habe, auch eiunial gegen die Regierung anzuwendc». Sei eine Landbriefträgerstelle im Osten so gesucht,>vie dargestellt, so beweise das höchstens für die schlechte» Verhältnisse im Osten. aber nicht für die genügende Höhe des Gehalts. Staatssekretär von Podbielski führt gegen Singer ans: Auf de», Lande sei ei» Urlaubsbedürfniß nicht vorhanden. anders für die Beamie» der großen Städte, in Berlin halien von den- augestellten Beamten 01 pCt., von den nicht fest- angestellten Beamten über 60 pCt. Urlaub erhalten. Die Kilo- Meterzahl der Landbrieflräger sei von 1881 von 35 auf 16, durch- schniltlich auf 21 zurückgegangen. Die Einführung einer leichteren Sommerbekleiduiig bei den Uuterbeamten, speziell auch den Land- briefträgern, sei im Wege. Versuche seien gemacht. Abg. Müller- Sagau begrüßt die letzten Erklärungen deZ Staatssckrelärs mit G«- »uglhunng, im weiteren polemisirt er gegen die Abgg. v. Kardorff und v. Maffow. Abg. Werner plädirt für höfliche Behandlung der Unterbeamte». Abg. Graf Roon spricht sich sehr lebhaft gegen Erhöhung der Ge« hälter der Unterbeainten und für die Gehaliserhöhnng des Staat?- fekretärS aus. Abg. Dr. Hammacher spricht sich für die Resolution Lieber ans; heute werde er für die Gehaltserhöhung des Staats- fekretärS stimmen, behält sich aber seine Endentscheidung für das Plenum vor, die Regierung habe bis dahin Zeit, sich die Sache zu überlege». Abg. Lieber verlhcidigt seine Resolution gegen die gemachten Angriffe. Anspruch auf sortgesetzte Erhöhung ihrer Gehälter besäßen die Unterbeamten nicht, schließlichkönnten die Ueberschüssedurch die Gehalt?« erhöhungen aufgezehrt werben, was man in jenen Kreisen vielfach in der Ordnung Halle; im vorliegenden Falle solle man erfüllen, was früher schon in Aussicht gestellt sei. Abg. Friese spricht sich in erster Linie für den Antrag Singer, falls dieser, wie zu erwarte». abgelehnt werde, für die Resolution Lieber aus. Abg. Müller-Fulda wendet sich berichtigend gegen mehrere Borredner. Abg. Graf Arnim ist für ein« planmäßig« aber nicht für eine generelle Aufbesserung der Unterbeamtengehäller, er wird für die Resolution Lieber stimmen. Es folgen«ine Reihe persönlicher Bemerkungen. Abgeordneter Paasche als Referent liest einen aus Breslau ihm zugegangenen Brief eines Postsekretärs mit Namensnennung vor. der sich über sein Verhalle» als Referent aus das Gesuch um Gehalts- erhöhung der Postsekretäre beschwert. Das Benehmen des Abg. Paasche findet in der Kommission starke Mißbilligung. Der Antrag Singer wird gegen 7 Stimme» abgelehnt, die Resolution Lieber mit allen gegen eine Stimme angenommen. Dieselbe Slimmenzahl er- giebt sich für die gleichen Anträge zu Titel 26. Die GeHalls« erhöhung des Staatssekretärs wird mit II gegen 10 Stimme» ab- gelehnt, um einen Druck auf die Regierungen in der Hand zn haben. Der Titel 27(Wobnungsgeldzuschüsse) wird nach kurzer Debatte bewilligt. Bei Titel 31 regt der Referent an, die Postagentnren besser mit Marken der Jnvaliditäts- und Allersversichernng zn ver- sehen, jetzt seien dieselben mangelhaft versehen und die Folge wäre, niemand klebe.(Heiterkeit). Der Staatssekretär antwortet, daß sei Sache deS Reichsanils des Inner», dort möge man das an« regen. Abg. Bebel meint, die von dem Abg. Paasche angeführte Thalsache sei recht interessant und müsse bei dem Reichsamt des Inner» zur Sprache gebracht werden. Nach kurzer Debatte wird der Titel genehmigt. Die Titel 32— 44o werden ohne erhebliche Debatte bewilligt. Bei Titel 45 fragt der Abg. Lieber an. was Wahres an der Angabe sei. daß die preußische Eisenbahnverwaltnng der Rcichspost durch unentgeltliche Beförderung der Postbahnwagen ein großes Opfer bringt. Der Slaalssekretär antwortet, daß darüber Erhebungen im Gange seien; es sei möglich, daß wir später z» besondere» P o st z ü g e n kommen, schon jetzt müßte die Post, sobald mehr als ein Wagen im Zuge fahre, und das komme oft vor, Vergütungen an die Bahn gewähren. Abg. Dr. Hammacher erklärt seine Befriedigung über die gehörte Antwort. Der nächste Reichstag werde also wohl mehr über die Frage hören. Ferner fragt er an, ob es möglich sei, einen Werk- stätteu-Etnt der Post aufzustellen. Der Staatssekretär erwidert, daß die Post keine Werkstätte» größere» Umsangs habe, entweder beziehe sie aus anderen Staatsbetrieben oder aus der Privatiuduslrie ihren Bedarf. Sie habe nur Reparalurwerkstälten von mäßigem Umfang. Die Titel 45—49 werde» bewilligt. Bei Titel 50 fragt Abg. Müller- Saga», ob bereits ein Telephon- Gesprächszähler erfunden sei. Der Staatssekretär antwortel, daß noch kein solcher existire, der besriedigeud die Aufgabe löse. Zn Titel 52 erklärt der Slaalssekretär auf eine Ausrage, daß i» de» nächsten Jahren die Vostverwallung mit größeren Ansprüchen an den Reichstag herantreten werde, um auf dem Wege der Anleihe die Mittel für umfassende Telegraphen- und Telephon- anlagen zu beschaffen. Abg. Dr. Hammacher warnt, mit einem solchen. Generalpla» für das ganze Deutsche Reich vorzugehen, es sei viel richtiger allmälig das Bedürfniß zn befriedige». Titel 52-55 werden bewilligt. Nächste Sitzung Sonnabend Vormittag 10 Uhr. I» der NcichötagS Kommission fiir die Militär Straf- gcrichtöorduuua wurde in der heutigen dritten Sitzung die Be- rathung des zwerte» Titels— Ausübung der Gerichtsbarkeit— bei s 10 fortgesetzt, der besagt, daß Gerichlsherren die Befehlshaber sind, denen die Gerichtsbarkeit zusteht. Den Gerichlsherren der niederen Gerichtsbarkeil stehe» Gerichtsoffiziere zur Seite. Den Gerichtsherren der höhere» Gerichtsbarkeit wird die erforderliche Zahl von Militär-Justizbeamte»(Kriegsgerichlsräihe, Ober. Kriegs- gerichtsräthe) zugeordnet. Abg. Gröber(Z.) beantragt nur zn sagen: „Den Gerichtsherren stehen Gerichtsoffiziere zur Seite." Abg. Froyme (Soz.) beantragt dagegen generell die Z n z i« h u n � v o n M i l i t ä r- I u st i z b c a»r t e». Oertel motivirl eingehend diesen Antrag, dessen Annahme die Sicherheit der Rechtsprechung garantire. Beide An« träge werden nach längerer Diskussion abgelehnt und die Fassung der Regierungsvorlage unverändert angenommen, ss II passirt debalteloS.§ 12 bestimmt:„Die niedere Gerichlsbarkeit unifaßt die nur mit Arrest bedrohten militärische» Vergehen und die Neberlretnngen. Der höheren Gerichtsbarkeit bleiben jedoch diejenigen Fälle vorbehalten, in denen gegen einen Unteroffizier die Verhängung einer Ehrenstrafe zu erwarten steht. Auf Autrag Gröber(Z.) werden, mit Zustimninng der Regiernngsvertreter, die gesperrt gedruckten Worte gestrichen, sodaß auch für de» gen, einen Soldaten die höhere Gerichtsbarkeit entscheidet. we»n es sich um Verhängung von Ehrenstrase» handelt. Z 13 zählt die Bergehen auf, welche der niederen Gerichtsbarkeit zugewiesen sein sollen. Hier werden aus Antrag Gröber einige Fälle ausgenommen, wo es sich um schwierigere» und komplizirteren Thalbestand handelt, um dem höheren Gericht überwiesen zn werden. Die 14 und 15 werde» ohne wesentliche Aeuderung angenommen. Die §§16-34 Handel» von den G e r> ch t Z h e rr« n. Sie werden unverändert angenommen mit Ausnahme der§§ 29 und 33, in welche auf Antrag Gröber(Z.) an stelle des Wortes„Reichs-Militär- gericht" die Worte„das gemeinsame obere Gericht" gesetzt werden. — Die Berathung wendet sich nun den» drillen Abschnitte z». der von de» Standgerichte» handelt. Ein Antrag Frohme(Soz.), der im§ 35 die Hinzuziehung eines M i l i t ä r- I u st i z b e a m t e n als zweite» Beisitzer zu den Standgerichten bestimmt habe» ivill, den Oertel ausführlich begründet,— er wies besonders auf Bayern hin, in dem seit 30 Jahre» sich dieses Versahren bewährt habe— wird abgelehnt und dieser Paragraph ebenso wie die §§ 36 und 37 unverändert angenommen.§ 33 besagt, daß der Vorsitzende und der zweite Beisitzer von dein Gerichlsherren alljährlich vor dem Beginne des Geschäftsjahres für die Dauer desselben als ständige Richter bestellt werden. Die Abgg. Gröber(Z.) und Lenzniann(frs. Vp.) beantragen, diese Be- siimmnng anf beide Beisitzer auszudehnen und weise» aus den große» Werth hin, den ständige, wohl eingearbeitete Richter haben. Der Antrag wird angenommen.§ 39 nennt die Eidesformel für die Vereidigung der Richter durch den Gerichtsherrn. Der Eid hat denselben Wortlant wie der im bürgerliche» Verfahren. Abg. Gröber(Z.) bcan- tragt folgende Einschaltung:„Dem Schwörenden ist gestattet, den Schluß- warte» der Eidesformel«in« seinem GlaubenSbekemitniß entsprechende Bekräflignngssormel hinzuzufügen." Hiergegen wendet sich Geh. Ober-Regierungsrath v. Seckendorff. Abg. Frohme(Eoz.) beantragt Streichung des§ 39. Der Zwang, de» belreffenden Eid zu leisten. widerspreche der Gewissensfreiheit. Der Ülntrag Gröber wird hierauf angenommen, nachdem der Antrag Frohme abgelehnt worden war. ß 44 wird auf Antrag Gröber(Z.) in folgerder Fassung angenoinmen: JDaS Standgericht darf neben einer etwa auszusprechenden Einziehung auf keine ander« und höhere Strafe als anf Freiheitsstrafe nicht über sechs Wochen und aus Geldstrafe nicht über 150 M.. im Feld und an Bord auf Freiheitsstrafe nicht über drei Monate und Geldstrafe nicht über 300 M.. allein oder in Verbindung mit einander, erkennen. Dies gilt auch in, Falle des Zusammentreffens niehrerer strasbarer Handlunge»; wenn neben Gefanguiß oder Festungshast, sowie neben Arrest auf Hast zu erkennen ist, so dürfen die verschiedenen Freiheitsstrafen zn- sammen die im Absatz 1 bestimmte Zeildauer nicht überschreilcn."— Der folgende Abschnitt betrifft die Kriegsgerichte.§46 be- stimmt, daß sie bestehen sollen aus fünf Richtern, und zwar aus eine»n Kriegsgerichlsräihe und vier Osfiziereu.— Ein Antrag Grüber(Z-) will sie bestehen lassen aus zwei Kriegsgerichlsräthen und drei Oifizieren. Der Antragsteller macht geltend, daß der einzige Jurist, der im Entwürfe für die Kriegsgerichte vorgesehen sei, nicht als ausreichend erachtet iverden könne, um so weniger, als es sich vor den Kriegsgerichte» um die Aburtheilung schwerer Verbrechen handelt.— Generallientenant v. Biebahn beruft sich demgegenüber anf die Ausführungen der Tenkschriit über die prinzipielle Frage der Mitwirkung von Juristen in der Militär- Gerichlsbarkeit. In der Zahl der Richter müsse das militärische Element überwiegen, da es sich vorwiegend um militärische Straf- thaten handele, die Militärpersonen am besten beurtheilen könne». Im Jahre 1895/96 haben die rein militärische» Rente, die vor den Kriegsgerichten zur Aburtheilung gelangten, mehr als das doppelte der bürgerlichen Reale betragen. Auch seien die erhebliche» Kosten zu berücksichtige», die aus der Anstellung von zwei Juristen ent- stehen. Abg. v. Pnttkamer(kons.) erklärt sich gegen den Antrag Gröber. Rvg. Graf Oriola stellt daS Amendement zum Antrag« ©ißbcr, dav Im Felde nur ein Jurist bei den Krieflsgerichten mit- nuten soll. Ein Antrag Lenzmaun(frs. Vp�) aus Aussetzung der Abstimmung wird abgelehiu. Unter Ablehnung des Amendements O> rola wird der Antrag©ruber a n g e» o ,» m e n.— Nächste Sitzung Dienstag. ?» der sechste» Kommissio» dcS Reichstags wurde heute die Novelle zur Zivilprozeßordnung bis§191 erledigt. Eine umfassende Reform des ZustelluugSwesens wurde regierungs- seitig in Aussicht gestellt, kann aber in diesem Jahre noch nicht statt- siude». Die Verhandlungen werden Montag sortgesetzt. Eine Abänderung dcS Zolltarifs beantrage» eine Reihe von Zenh miis' Atigeordnete» unter Fiihrung des Vertreters von Krefeld Dr. Bachem. Eine Sorte asiatischer St o h s e i d e u- G e w e b e, die Pougees, zahlt bisher ktXl M. Zoll für den Doppelzentner. Frankreich läßt diese Gewebe zollfrei herein und exvorlirt sie dann wieder gefärbt, bedruckt und appretirt. Aehnlich England. Beide Länder können uns, wie die Antragsteller bebaupten, auch auf dem deutschen Markt nnterbielc», weil sie als Vertragsstaate» nur villi M. Zoll für ihr Ganzsabrikat zahlen, während unsere einheimischen Färber und Drucker schon das gebrauchte talbfabrikat mit 800 M. belastet sehe». Durch Herabsetzung des olles auf 3 an n und Vogtherr. Dem Ausschuß zur Vorprüfung der Giltigkeil der Stadt- verordnetenwahleu: Singer. Armendirektion(Plenum): Stadt- Hagen. Armendirektion für die Verwaltung der Armenhäuser: Stadt- bagen. Armendirektion für die Verwaltung des Waisenhauses: Tolksdorf. Baudeputation: Werna». Deputation zur Beschaffung der Breunmalerinlien: G l e i n e r t. Finanz-Deputatio»: Singer. Gcwerbe-Deputaliou: B o r g m a n n. Gruudeigenthums-Deputation: Singer. Deputation zur Entscheidung über die Verwendung der für Kunstzwecke bewilligten Gelder: Singer. Deputalio» für die Markthalle»: Wernau. Steuer- Deputation: I a c o b e y. Gle inert, Dupont und Wernau. Verkehrs-Depnlation: Singer. Kuratorium für den Zentral-Viehhof und der Flcischschau-Aemler: Wilke. Kommissio» zur Verwaltung der Volksbibliothekcn: Bruns. Endlich ist für den verstorbenen Stadtv. W o h l g e in» t h der Sladtv. Herzfeld für die Kanalisntionswerke gewählt worden. Die Versammlung beschloß, die Neuwahl der Mitglieder für die Schuldeputation auszusetzen und den Magistrat zunächst zu ersuchen, sich mit Siücksicht auf die starke Zunahme der Geschäfte, insbesondere der Zahl der Inspektionen von 16 ans 13 damit einverstanden zu erklären, daß die Zahl der Mitglieder derselben um zwei— einen Stadtverordnete» und eine» Vürgerdeputirten— und die Gasdeputation um zwei Mitglieder vermehrt werde. Daö Tcnknial für die Märzgefallene» ist gestern vom Magistrat abgelehnt worden. Es war zu erwarten, daß dies« Körperschaft vor dem zu erwartenden Zorn von oben zusammen- knicken ivürde. Ob der Magistrat in dem Konflikt mit der Stadt- verordneteu-Versammlnug so leichten Kaufes fertig wird? Aus dem Rathhause wird in der Angelegenheit noch berichtet: Wie uns aus Stadlverordnetenkreise» mitgetheill wird, wird mau sich bei dem heule gesaßten Beschluß« des Magistrats in bezug aus die Angelegenheit der Märzgefallenen nicht beruhigen, sondern in der Stadtverordneten-Versammlung eine» Autrag dahingehend ein- bringen, den Magistrat zu ersuche», über diese Slngelegenheit in einer gemischten Kommission zu berathen, indem der § 86 der Städte-Ordnung von 1833 zu gründe gelegt werde» wird, welcher dahin lautet:„Die Beschlüsse der Stadtverordnete» bedürfen, wenn sie solche Angelegenheit betreffen, welche durch das Gesetz dem Magistrate zur Ausführung übmviesen sind, der Zustimmung des letzteren. Versagt dieser die Zustimmung, so hat er die Gründe dieser Versaguug der Stadtverordneteu-Versammluiig mitzutheile». Erfolgt hierauf keine Verständigung, zu deren Herbeiführung sowohl von dem Magistrale als den Stadtverordnete» die Einsetzung einer gemischten Kommission verlangt werden kau», so beschließt der Bezirksausschuh(in Berlin der Oberprästdent) über die bestandene Meinungsverschiedenheit, wenn von einem Theile auf Entscheidung angetragen wird, und zugleich die Angelegen- beit nicht auf sich beruhe» kau». Die Stadtverordneleu-Versamuilung darf ihre Beschlüsse in keinem Falle selbst zur Ausführung bringe». (G.-G.§ 17 Nr. 1)".(Dieser§ 36 wurde bereits nugewendel bei Berathuug I. des Tarifs der Wasserwerke im Jahre 1331, 2. der Festsetzung der Fluchlltuie für die Lioseustraße 1391.) Vielleicht sieht man setzt auch auf freisinniger Seite ein, daß es der Würde der Stadlverordneteu-Aersammlnug besser entsprochen hätte, wenn für de» präzisen sozialdemokratische» Aulrag gestimmt worden wäre. In Fortsetzung seiner Berathungen zur Feststellung des Stadthau shalts-Etats für das Berwaltnngsjahr 1398/99 hat das Magistratskollegiuin den Einzel-Etat der Volks- b i b l i o t h e k e n in Einnahme und Ausgabe im O r d i n a r i u m mit 43 233 M. festgestellt. Zur NeiiauSstaltuug der bestehenden 27 BolkSbibliotheke» sind in den Ausgaben des Extra-Ordi- n a r i u in S eingestellt 12 OVO M., zur Neuausstattung der mit den zwei Lesehallen verbundenen Bibliotheken 3006 M. Somit schließt der ganze Etat in Einnahme und Ausgabe mit 63 233 M.— Bei dem Etat des Märkischen Museums, der eine Ausgabe von 12 636 M. erfordert— Einnahmen sind nicht vorhanden— sind für den Ankauf von Alterlhümern 2666 M. vorgesehen.— Der Etat des Statt st ischen Amts der Stadt Berlin hat gleich- falls nur Ausgaben zu verzeichnen, weil etatsmäßige Ei»- nahmen nicht vorhanden sind, er ist daher auch nur in Ausgabe, und zwar mtt 73 806 M. festgestellt. Der Einzel- Etat des Gewerbegerichts ist in Einnahm« mit 6266 M. und in Ausgabe mit 23 666 M. genehmigt, sodaß ein Zuschuß von 16 860 M. erforderlich ist. Zu den Ausgabe» treten aber noch hinzu die Gehälter der beim Gewerbegericht beschäftigten Magistrats- Assessoren, welche auch»och bei anderen städtische» Verwaltungen beschäftigt werden und deren Gehälter bei dem Personal- Etat mit verrechnet werden.— Der Etat des städtischen Vieh Marktes ist in Einnahme mit 2 261 766 M., in AuSgabe mit l 723 466 Mark eingestellt und ergiebt somit einen Ueberschuß von 476 866 Mark.— Der Etat des städtischen Schlacht- dofes ist in Einnahme mit 2 339 666 M., in Ausgabe mit 1 933 666 M. und verzeichnet somit einen Ueberschuß von 334 660 M., der gleich dem Ucberschusse des ViehmarkteS in die Stndt-Hauplkaffe fließt.— Der Etat der Flcifchschan aus dem Schlacht- hose schließt in Einnahme und Ausgabe mit 713 666 M. ab. Ein etwaiger Neberschuß aus diesem Etat wird der Etadt-Hauptkasse nicht überwiesen.— Der Etat für die Untersuch nngs- stationen für das von außerhalb«ingeführte frisch geschlachtete Fleisch ist in Einnahm« mit 273642 M.. in Ausgabe mit 241 281 SR, es ergiebt sich daher ein Ueberschuß von 31 761 M.— Zur Hilföarbeiterfrage. Der westpreußische Städtetag will eine Petition an beide Häuser des Landtages richten wegen Ab- änderung des ß 36,6 der Städteordnung vom 36. Mai 1833 und hat den Eutivnrf derselben dem hiesigen Magistrat mit dem Ersuchen unterbreitet, der Petition beizutreten. Diese Petition ist veranlaßt durch die vielen Klagen der in de» städtischen Verwaltungen beschäf- tigteu Hilfsarbeiter und durch die erfolgte Rechtsprechung des Reichsgerichts, welche gegen den Magistrat erkannt hat. Der jetzt geltende bezügliche§ 36,6 kantet:„Der Magistrat hat als Obrigleil und Genieiude-Verivaltungsbekörde die Gemeindebeamten. nachdem die Stadtverordneten darüber vernommen worden, anzn- stellen und zu beaufsichtigen. Die Anstellung erfolgt, soweit eS sich nicht nm vorübergehende Dienstleistungen handelt, auf Lebenszeit; diejenigen Unterbeamten, welche nur zu mechanischen Dienstleistungen bestimmt sind, können jedoch auf Kündigung angenommeu werden er." Die Petition will nun folgende Abänderung herbeigeführt wissen: Der Magistrat hat die Gemeindebeamlen nach Anhörung der Sladt- verordneten anzustellen und sie zu beaussichtige». Die Anstellung der nicht bezüglich zu vorübergehenden oder zu mechanische» Dienstleistungen berufenen Gemeindebeamten erfolgt auf Lebens- zeit. Abweichungen von diesem Grundsahe können durch Orts- stalut oder in einzelnen Fällen mit Genehmigung der Aussichts- dehöide festgesetzt werden. In Ansehung der bei städtischen Betriebsverwaltungen angestellten Beamten findet der Grundsatz der Anstellung auf Lebenszeit nur insoweit Anwendung, als die Stadt- gemeinde dies beschließt." Das Magistratskollegiuin hat beschlossen, der Petition beizutreten.— Tic GehaltSskala der hiesigen königl. höheren Mädchen- schulen soll auch für seminaristisch gebildete oidentliche Lehrer der städtischen höheren Mädchenschulen Geltung haben, jedoch nur für diejenigen, die in Zukunft zur An- stellung gelangen, während für die bereits angestellten seminaristisch gebildeten ordentlichen Lehrer die bisherige Gehalts- skala bestehen bleibt. Jedoch wird dieser Skala noch eine nach 18 Jahren zu erreichende Gehaltsstufe in Höhe von 4766 M. hinzu- gefügt. Die akademisch gebildeten ordentlichen Lehrer sollen dasselbe Gehalt erhalten, wie die gleichaltrigen Oberlehrer an den Gymnasien. Jhie Zahl an den sechs städtischen höheren Mädchen- schulen wird auf zehn beschränkt werden. De» bisherigen Direktor des Viehhofe? Hausburg, dessen Wahlzeil am 1. Juli er. abläuft, hat das Magistratskollegiuin ans fernere 6 Jahre wieder gewählt.— Tie vom Stadtbaurath Hossmann vorgelegten Entwürfe zur Errichtung zweier Gemeiude-Doppelschulen und einer zweite» Hand- iverkerschule sind vom Magistiatskollegium genehmigt worden. Die Kosten einer dieser Schulen in der Christiainastraße sind veranschlagt auf 663 066, die der andern in der Roslockerstraße auf 834 660 SR, die Kosten der zweiten Handwerkerschule sind ans 734 666 M. veranschlagt. Uokases. Den Parteigenosscn drS zweite» Wahlkreises zur Nachricht daß am Sonntag Abend 6'/a Uhr bei Zu b eil, Lindenstraße 166, der Augenarzt Herr Dr Max Mnschke über die egyplische Augenentzüuduiig sprechen wird. Nach dein Vortrage folgt gemüth- liches Beisammensein. Achtung? Wahlvcrcln deö 4. KreiseS, Südost! Zur Re- geluug der SNitgliederlisie ist eS erforderlich, daß die Mitglieder ihre Wohnung bis zum 1. Februar auf de» Zahlstelle» angeben. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß dieses für sämmtliche Mit- glieder gilt, also auch für solche, die nicht umgezogen sind, oder welche zum 1. Slpril umziehen. Der Vorstand. Rchtniig, vierter Wahlkreis, Osten. Am Sonntag, de» 23. d. M., abends 6 Uhr, findet in Golde's Reflaurant. Gr. Frank- furtersuaße 133, eine öffentliche V e r I a m m l u n g statt, in welcher Genossin Klara Haas« referirt. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Vertrauensperso». Achtung, sechster Wahlkreis. Am Sonntag, den 23. d. SR, abends 6 Uyr, findet in Bergemaun's Lokal, Pasewnlkerstr. 3, eine vff-ultichc B« r s a m in l» n g statt, i» welcher Genosse W a l d c k Bt a ii a s s e über Glauben und Denken referirt. Um zahlreiche» Besuch bittet_ Die Vertrauensperso». Die Schuld an dem GeschäftSriiekgange in den incisteu städtischen Markthallen, von denen im wesentliche» nur drei, und zwar die Halle» in der Lmdenstraße, in der Eiscnbahttslraße und am Marheinicke- Platz eine Erhöhung der Einnahmen aus den Staud- geldern«»»zuweisen haben, wird in dem Magistrntsberichle der großen A n s d e d n u n g des Straßen Handels beigemessen. Angesichts dieser Thatsaäie ist wohl die Frage: warum geben die Slraßenhäudler nicht in die Markthallen, am Platze. Ans diele iZrage wird man von diesen in erster Linie die Antwort erkalten: Wcil die Staudgelder zu hoch sind. Viele der Slraßenhäudler würden gern in die Markihalleu gehen, wenn die Staudgelder niedriger bemessen wären. Da der Gesammtüberschuß der städtischen Markthallen im letzten Berichtsjahre unter den bestehende» V-ihäll- nissen über 136 666 M. betragen hat, so wäre eine Herabsetzung der Standgeldmielhe wohl durchführbar, um so mehr, als durch die größer« Inanspruchnahme der Markihalleu seitens der Händler der Fehlbetrag reichlich wieder ausgeglichen werden würde. Eine zahlreiche Bevölkerung der Marklhalien wäre im allgemeinen Interesse nur zu wünschen. Die Markthalle auf dem Gesundbruniien, deren Schließung sich erforderlich machte, sollte als ivarneudeS Beispiel dienen. Ist der Verkehr erst einmal von den Markihalleu entwöhnt, dann Hütt es schwer, ihn wieder hineinzubriiigeu. Auch hier wurde zu spät mit der Herabsetzung der Staudmielhen vorgegangen. Radfahrkartcn wurden 1897 iu Schöneberg 1723, in Rixdors 1147, in Deulsch-Wiliuersdors 935, in Groß-Lichterselde 613, in St.glitz 446 ausgestellt. Ein Graf alö Kellner. Die„Germania" erzählt:„In einein fafhionadle» Hotel i» Berlin ist ein Mann als Kellner angestellt, dessen Lebe» ein Roman ist. Vor einigeii Jahren spielte der junge Graf X. in Stockholm eine hervorragende Rolle. Er gehörte einer der ältesten schwedischen Adelssamilien an; sein Vater, großer Gutsbesitzer in Schweden, war sehr reich, und der junge Graf schien eine glänzende Znknnst zu habe». Er war Osfizicr in einem der feinsten schwedischen Regimenter und erregte bald in Stockholm durch seine exlravagante Lebensweise Aufsehen. So ungeheure Summen gab er aus, daß sei» Bater ihm eines Tages erklärte, er inüss« sein Leben ändern und seine Ans- gaben beschränken. Hierzu war der junge Graf noch nicht geneigt, er machte arge Schulden und wurde genöthigt, feinen Abschied von» Regiment zu nehmen. Er begab sich dann nach Kopenhagen, wo er ebenfalls ein sehr flottes Leben führte, bis sein Vermögen gänzlich vergeudet war. Eines Tages war er verschwundeii mit Hiiiierlassung bedeutender Schulden. Seitdem hat das Leben ihn hart angefaßt, der Hunger that das übrige, und nun ist er ein fleißiger, zuverlässiger Angestellter in einem Berliner Hotel geworden, der mit seiner Laße ganz zufrieden ist."— Es freut unS zu vernehmen, daß auch ein Graf unter Umständen durch seiner Hände Arbeit der Gesellschaft nützlich werden kann. Selbstmord einer Greifi«. Die 73 Jahre alte Wittwe Helene Henuicke geb. Stracht hatte vor vier Jahren ihren Mann, einen über 36 Jahre alten Gärtner, durck den Tod verloren. Das Ehepaar war lange Jahre hindurch bei Marsch in der Alten Jakobstraße be- schäftigt gewesen, der Mann als Gärtner und die Frau als Arbeiterin. Vor etwa zehn Jahren setzten sich die Leute zur Ruhe. Von ihrem früheren Arbeitgeber erhielten sie monatlich 46 M. Rente und von der Stadt bis zum Tode des Mannes jeden Monat 24 M. Unter- stützung. Als der Mann starb, sollt« Frau Hennick« die ans zwei Stuben und einer Küche bestehende Wohnung Prinzenflr. 93 räumen. Obwohl ein Neffe, der in Sachsen Lehrer ist, sie z» sich nehmen wollte, so war die alte Frau doch nicht zu bewege», die Wohnung, die sie damals schon 13 Jahre inne gehabt hatte, zu verlassen. Sie blieb wohnen, verlor aber infolge dessen die städtische Unterstützung von 24 M. Mit den 46 SR Rente schlug sie sich durch, so gut es ging. Schließlich blieb sie aber doch Miethe schuldig. Der Hauswirlh stundete zwar von Monat zu Monat, erinnerte die Greisin aber in der vergangenen Woche daran, daß nun schon eine Jahresrate rückständig sei. Obwohl der Wirth ihr die Wohnung nicht gekündigt hatte, scheint die alte Frau sich nun nicht mehr sicher gefühlt zu haben. Der Gedanke, die Wohnung wegen der Miethsschulden vielleicht doch noch räumen ,u müssen, dal sie wohl reranlaßt, Hand an sich zu legen. Seit Dienstag ließ sie sich nicht mehr sehen. Am Donnerstag Nach- mittag ließ auf Veranlassung des HauSwirtheS die Polizei die Wohnung öffnen und nun fand man die Insassin als Leiche an einem Kleiderhaken hängend. Frau Direktor«nsch ist gestern Nachmittag unter großer Betheiligung nach dem Friedhof in der Liesenstraße zu Grabe ge« leitet worden. Arbeiterriflko. Auf dem Dombauplatze fiel gestern Nachmittag der Arbeiter Paul Sellentin von einer Leiter und zog sich erhebliche Verletzungen des Schienbeines zu. Verhäiigniffvoll ist dein 56 Jahre alten Gasarbeiter Julius Fiebia aus der Wasserthorstr. 62 der Liebesdienst geworden, den er am Sonntag Nachmittag den verunglückten Kameraden von der Schöneberger Gasanstalt erwies. Auf dem Heimwege von der Beerdigung wollte Fiebig, der seit dem Jahre 1364 iu der Gas- anstalt au der Gitschiuerstraße arbeitete»nd schlecht gehen konnte, weil er vor Jahren zweimal verunglückt war. die sieben Stufe» vom Hof nach dem Hansflur hinaufsteigen. Dabei kam er zu Fall und stürzte mit dem Hinterkopf nach unten auf den asphaltirten Hof hinab. I», Krankenhaus am Urban ist er seinen Verletzungen erlegen. In größerem Umfange anSgefiihrte» Kohlendiebstählen ist die Polizei auf die Spur gekommen. Schon vor längerer Zeit wurde ein Schiffer dabei abgefaßt, als er von den ihm anvertrauten Kohleiivorräthen größere Posten unterwegs landete und verkaufte. Wiewohl die Unleisuchung seiner Zeit insofern resnltatlos verlief. als Komplicen des Schiffers nicht eimiltell werden konnten, hatte die Behörde dennoch angenommen, daß solche vorhanden seien. Diese Vcrniulhuiig hat benn auch ihr- Bestälignng gefunden. Durch die Festnahme eines Hehlers sind eine größere Anzahl Kohlenschiffer resp. Zillenarbeiter, welche Steinkohlen u. s. w. zu transportiren haben, ermittelt, die in der Umgebung von Berlin einen schwung- haften Handel mit Kohlen betrieben. Es sollen im ganzen 14 Per- sonen festgenommen sei». Ein Man» in Franenkleider» ist i» der Nacht zum Donners. tag in der Nähe des Lehrter Bahnhofes abgefaßt worden. DaS Fräulein entpuppte sich ans der Wache in der Fleinmiiigstraße alS Artist. Der Mann will Friedrich Jken heißen und in der Lange» straße wohnen. Borlänfig hat man ihn in Gewahrsam behalten. Welchen Zweck er mit der Verkleidung verfolgte, ist nicht bekannt. Frau vr. jnr. Emilie Kcmpin, früher Privatdozentin an der Univeisität Zürich, ist in geistige Umnachtung verfallen. An der SRögiichkeit einer Heilnng der bedauernswerthen Dame wird ge- zweiselt. In Berlin hatte sie ein englisch- amerikanisches RechtS- bureau ins Leben gerufen. Auch literarisch hat sie fich vielfach de« lhätigt. Der Schwliinnverei» Nord veranstaltet am Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 3 Uhr, im Admiralsgartenbad, Friedrich- straße 162, ein Wettschwimmeii, ans das wir unsere Leser hinweisen.' Der Einlriltsprcis beträgt einschließlich Programm 56 Pf. Der Echwimmverei» Nord hat namentlich in Arbeiterlreisen einen ge« achteten Ruf. Fcnerberlcht. Donnerstag Abend 6 Uhr war Johanniter« straße II ein Brand abzulöschen, der die Balkenlage und Decke stark beschädigte. Eine Stund« später erfolgte B r u n n e n st r. 44 ein Dachstnhlbrand, der die Wehr längere Zeit beschäfligte. Ein großer Theil der Dachkonslrnklion wurde zerstört. Zur selben Zeit war S l r a l s n n d e r st r. 37 ein Zimmerbrand zu beseitigen. Frei» tag früh kurz nach 12 Uhr verbrannte Willibald Alexis- straße 3«in größerer Posten Fleischwaaren in der Räiicherkammer. Uni 7 Uhr Halle Anton straße Nr. l der Fußboden»nter der Kochmaschine Feuer gesangen, daZ aber noch rechtzeitig gedämpft werden konnte. Kurz nach 3 Uhr ging Reiche n berger straße 37 ein Hanfe Hobelspähne in einem Kessrlhouse in Flammen auf. doch brauchte die herbeigerufene Wehr nicht in Thäiigkeit zu treten. Nachmittags l'/z Uhr stand Kreuzberg st raße 48 ein mit Stroh beladener Wellblechwagen in Flammen, die mit einein Rohre gelöicht wurden. Um 3 Uhr mude die Wchr von drei verschiedenen Meldern nach Schöneberg gernsen; Hauptstraße 131 war ei» größerer Ladenbrand ans- gebrochen, der aber durch die Schöneberger Löschmannschaften allein bewältigt wurde. Ter gestern vom Bmi» Berliner Presse veranstaltete Vortragsabend war durch eine ärztliche Plauderei des Pro- fessors Schweninger ansgesnllt. Unter den deutschen Aerzten ist Schweninger jedenfalls einer der bekanntesten; wer wüßte nicht von der mit seinem Namen gedeckten Kur, wer hätte ferner nichts von den» energischen Austreten ver» nommen. mit der er einen» Bismarck zu iinponiren wußte, und von der nicht minder gewaltsamen Manier, mit der Bismarck seinem Arzte die Berliner Professur verschaffte? Der Professor spricht an- heimelnd und frisch von der Leber weg in jenem breiten bayerischen Dialekt, der gemüthlich und energiich zugleich klingt. Er liebt seine Kunst und bedauert darum mit herzlicher Theilnahme die arme Menschheit, aus die man von der Universität ans die neugebackenen Herren Doktoren losläßt. Es dauert nicht sehr lange, bis der hoffmmgsfrohe Mediziner im praktischen Leben am Ende seines Lateins angelangt ist und dann an seiner Wissenschaft zn zweifeln beginnt. Beim wirklichen Arzt fängt die Kunst erst an, wenn der Krankheitsfall derart liegt, daß er sich nach dem gewöhn- liche» Schema nicht behandeln läßt. Herr Schweninger beklagte serner« daß manche Aerzle es gar so eilig damit hätte», dem Kranke» daS Ergebniß ihrer meist zweiselswürdigen Diagnose mitzuthetlen, nnd meiiil«, daß dem Hilfesuchenden weit weniger daran liegen müsse, zu erfahre», mas ihm fehle, als daran, wie er geheilt werden könne. Nachdem der Redner noch herzhaft gegen das Knrpsuscherthnm und gegen diejenigen zu Felde gezogen war, die ihr Publikum mit Bazillen granlich machte», forderte er seine Zuhörer auf. irgend« welche Fragen an ihn zu richten. Da kam denn nun Sinn und Unsinn in buntem Wechsel zn Tage. Eine Dame wollte wissen, wie die Elektrizität ans den Menschen wirke.„Sehr verschieden". Die Frag« nach der Zuträglichkeit des Radfahrens beantworlele Herr. Schweninger dahin, baß es gesund und ungesund' wirken könne, je nachdem der Radier mit Verstand oder Nnver- stand feinen Sport übe.„Es giebt nichts Absolutes, halten Sie sich in allen Fälle» ans Relative!" Dann wurde das Thema vom Alkohol angeschnitten, dem der Professor ebenfalls nach der Regel, daß die Tugend in der Mitte liegt. Gerechligkeil widerfahren ließ/ Ein anderer wollte wissen, ob es eine Schweningerkiir gebe, nnd ob sie auch von anderen Aerzten außer dein Professor ausgeübt werde.„Leider," antivorlete der Jnquirirte;— ich selber weiß aber nichts von einer„Echweiiiiigerkur" in diesem vulgären Sinne. Sehr sympathisch sprach der Redner sich über den Pfarrer Kneipp auS, den jeder Knlturfrennd schon deshalb hochschätzen müsse, weil er seine Bauern gelehrt habe, sich regelmäßig die Füße zn waschen. Des- gleichen trat Herr Schweninger warm dafür ein, daß die Frauen zum ärztlichen Berufe zugelassen werden. So wurden noch ans»lanche Fragen meist kluge und schlagende Antworten gegeben; Erörterungen über Queckstlberkuren, Vererbuiigslheorie. Vivisektion, schwedische Heilgymnastik und der Himmel weiß, was sonst noch für Schinerzen gaben Zeugniß von der fast unheimlichen Wißbegierde des Piiblikums und von der wahrhaft bewundernswürdigen! Geduld des ManneS, der diese originelle ärztliche Sprechstunde im- provisirt hatte. Im Knnstgclverbe-Mnsenm sind Zeichnungen und Studien ausgestellt, welche der 1897 verstorbene Maler Albrecht Bräner hinter« lasse» hat. Bräuer, geboren 1332, war als Maler für religiöse und historische Bilder geschätzt, widmete sich aber seit viele» Jahren dem Unterricht und hat als Lehrer der Kniistschnle ein überaus reiches Material von Studien geschaffen. Theile desselben erregten schon bei einer Ausstellung im Museum vor sechs Jahren die Bewunderung der Fachleute, jetzt zeigt der Nachlaß nach Hunderten zählende Reihen von Studien, hauptsächlich des menschlichen Körpers und Thierfignren. welche von vollendeter Meisterschaft der Darstellung sind. Die Pflanzeiistudien find zum theil schon veröffentlicht. Zu gleicher Zeit sind im Museum Mosaiken ausgestellt, welche daZ Knnsttiistitut von AHl u- Wngner nnch Zeichnungen von Max Seliger hergestellt hat. Dieselben siiid für ein Kaufhaus in Halle bestimiut, enthalten die -imoec des ThlerlreiseS und ornamentale Felder. Marann's grofter Verkehrspla». der durch das Berliner Adreßbuch Trt w o i lst, allgemein bekannt wurde, ist jetzt im Ber- der Liebel schen Buchhandlung Anhaltstr. 14 I, apart erschienen. Der - � Ä besonderer Borzna besieht darin, daß er jede •pserdebnhnlime rc. in der ihr zukommenden Signalfarbe verzeichnet enthält. m S®,!"c Acctylen-FachauSstcslniig wird auf dem Gebäude der Ausilelluna am Kurfiirstendamn, vom 6. bis 20. März abgehalten werden. Die Ausstellung ist verbunden mit einem vom Deutschen Kongreß � Earbid veranstaltete» wissenschafllichcn Theater. An fd-m„Robert Franz-Absud", den das Schiller- a.m Sonntag den 23. d. M, im Bürgersaale des Rathhauses � m w-rken dle Damen Jeanne Golz, Hedwig Joel und Herr Ztammr Arlberg mrt. Den emleitenden Vortrag hält August Wellmer.- hZ-,�,X'Theater wird Herr Franz X. Stury, welcher in der heutigen Aufführmig von„Die wilde Jagd" den Dr. Weiprecht a. G. spielt, m der Sonntag Nachmittag stattfindenden Aufführung von„Die Räuber" "tsZweite Gastrolle den Carl Moor spielen.— Im Zentral-Theater geht heute die neue burleske AnsstattungSpoffe:„Die T u g e n d f a l l e" oL-, �tN�tiiruiig des Herrn Direktor Rich. Schultz zum ersten Male in Szene. Die koimiche Hauptrolle spielt wieder Emil Thomas. Ferner find Honptrollen die Damen Minnie Caß de Crano, Thea Göhrs, Ella Gabri und Paula Worin, ferner die Herren Bollmaim. Broda, Grünfeld. Gutherv «elnierding, Hummel, Kaiser, Köbcl, Meyer und Plischkowsky beschäftigt. In den ;£°oze,l®erden wieder Martha Hildebrandt und Engel, Chlebus an erster Stelle stehen.— Apollo-Theater. Uvette Guilberbs Repertvir er- fchemt soeben im Theaterverlag Eduard Bloch in einer deutschen lieber- setzimg von Bolten Bäckers. Es liegen bereits vor:„Es giebt vcrwunder- Iiche Sachen"(IckvIIs irorwairäs).„Das Herz der Mutter"(I-a Gin), "St so ioas macht Spaß"(La fille st ma tante),„Ihre Familie"(Sa erscheint in künstlerischer Ausstattung mit einem Titelbild von Panl Brockmüller.- Im L u i s c u- T h e a t e r findet morgen die letzte Sonntags- Aufsührung des Bolksstückes„Auf goldenem Boden" und nachmittags 3 Uhr zu kleinen Preisen„Othello" mit Herrn Kiedaisch '» Titelrolle ,tatt. Montag wird dort zuiil eisten Male„Trilby" mit Amia Muller-Lmcke gegeben. Den Sveugali spielt Julius Türk, der das Schauspiel auch in Szene gesetzt hat. Ssns den Nachbnrorte». Der Rrbeiter-Bildiiugövcrci» fiir Mariendorf und Ilm- gegcud unternimmt am Sonntag, den 23. Januar, einen Ausflug nach Marienfelde, Restaurant Teutschbein. Die Genossen werden gebeten, sich vorher, um 2»/, Uhr»achmiltags bei Schramm in Mariendorf einzufinden.— Die Generalversammlnng findet am Dienstag, den 25. d. M., abends präzise 8V2 Uhr. bei Gcrth i» Tenipelhof, Dorfstr. 13, statt. Der Vorstand. Nieder-Gchöueivcide. Die Listen zur diesjährigen Gemeinde- wähl liegen bis zum 30. Januar zur Einsichtnahme im hiesigen Gemeindebnreau aus. Da wir uns diesmal an der Wahl betheiligcn wollen, ist es nölhig, daß jeder Wahlberechtigte sich überzeugt, ob sein Name in der Liste angeführt ist. Es hat jeder Wähler das Recht, die Liste einzusehen. Wem es an Zeit mangelt, wende sich an Genossen Karl Weber, Barbiergeschäst, Berlinerstr. 22. Derselbe ist gern bereit, die Listen einzusehen. N»s Rixdorf. Um Konzessionirnng einer Apotheke in der Gegend des Richardplatzes und der Schöniveiderstraße hat die hiesige Gemeindebehörde nachgesucht.— Der im Besitz der Gemeinde be- findliche Hcrrsurlhplatz soll mit einer Kirche bebaut werden. Leider hat der Kreisansschnß dies genehmigt, obwohl Nixdorf recht arm an öffentlichen Plätzen ist.— Zu der gestern milgetheilten Ver- Haftung des Arbeiters K. ivegen Blutschande erfahren wir, daß K. augenscheinlich das Opfer einer falsche» Dennnziation seines eigenen hoffnungsvollen Töchtcrchcns geworden ist. K. ist daher wieder frei» gelassen worden.— Eine Diebesbande treibt gegenwärtig in geradezu unheimlicher Weise ihr Wesen in unserem Orte. Außer de» gestern nntgetheillen Einbruchsdiebstählen wurden solche beim Genossen Retzerau in der Hermannstraße, bei dem Schlächtermeister M a tz k e r, Hermannstr. 232 und bei deni Grünkram. Händler Baß n er, Selchowerstr. 34 verübt. Bei Retzerau wurden Zigarren, Tabak. Schmucksachen und Geld, bei Matzker Fleisch- und Wurstwaaren im Werthe von über 500 M. und bei Baßner am hellen lichten Tage anS der Woh- nung 120 M. baares Geld entwendet. Außerdem werden täglich zahllose kleinere Diebstähle gemeldet, die augenscheinlich von ei» und derselben Diebesbande ausgeführt werde». Der Polizei ist es bisher nicht gelungen anch nur einen der Spitzbuben zu fassen.— Eine ans- regende Szene spielte sich am Donnerstag Abend ans dem Rixdorfer Bahnhof ab. Eine Frau hatte sich so dicht neben die Schienen hin- gestellt, daß sie von der Lokomotive des eiiilanfenden Personenzuges gefaßt und ans den Perron geschlendert wurde. Wunderbarerweise war die Leichisinnige mit dem bloßen Schreck davongekoinmen. Gcmrindevorstcher Herr Schulz in Johannisthal«heilt zu unserer Notiz vom 19. Jaiinar, den„Fall Baumann" betreffend, berichtigend mit, daß seine Handlungsweise in der fraglichen ÄI»- gelegenheit unrichtig geschildert sei. Danacl) habe Frau Baumann, wie sie selbst geäußert hat, nach dem Ableben ihres Mannes gleich nach Berlin ziehen wollen. Infolge dessen sei ihr das Angebot am 12. Januar gemacht worden dahingehend, wenn sie bald zöge, ihr die Micthe für Monat März zu schenken. Ferner sei Fra» Bauinann darauf anfmerksam gemacht worden, daß sie für ihre Sachen in Berlin eine Wohnung nölhig hätte, die ihr thenrer kommen würde als in Johannisthal. Mit Nncksicht darauf wurde ihr anch eine Ermäßigung angeboten, woraus aber ihre Schwieger. mntter erklärte, daß sie die 60 M. anch noch bezahlen könnten und biZ 1. April bleiben würden. Herr Schulz erklärt weiter, daß er einige Sachen mit Beschlag belegt habe, da er größere» Schaden zu er- leiden vielleicht nicht ohne Grund annahm. Im übrigen habe er in det ganzen Sache entgegenkomuiend gehandelt. Tlunfl und MiMuMufk. Gerhard Hauptmann hat, wie ein hiesiges Blatt mittheilt, ein n e u e s D r a m a fast vollendet. Es handelt sich um eine Tra- gödie in schlesischer Mundart. Im Mittelpunkte der psychologischen Enlivicklnng steht ein Mädchen, durch das der Titelheld, ein Fuhr- man», zu gründe gerichtet wird. Eine Aiifführung des Stückes in dieser Spielzeil wird wahrscheinlich nicht mehr staltfinden.— —er—. Theater Unter den Linden.„Die Göttin der Vernunft" nennt sich das jüngste Werk Johann Strauß', dem diesmal die Herren W i l l n e r und Buchbinder ein von Zoten und beleidigenden Albernheiten freies Textbuch zur Verfügung gestellt haben. Hier der Inhalt in wenigen Worten. Die wohl- gebaute Volkssängeriii Ernestine Candeille ist zur Zeit Robespierre's zur „Göttin der Vernunft" erhoben worden. DerVorschlag, ihr einen Galle» zu geben, wird von dem denk- und repnblikseindlichen Gutsbesitzer Bonhomme niit solch' unvorsichtig lautem Bravo aufgenoimnen, daß er selbst zum Gemahl der neue» Olynipierin erwählt wird. Ans der Flucht vor diesem Glück« gelangt er in das französische Armeelager bei Chalons, wo sich auch die vom Konvent verfolgte junge Gräfin von Revers befindet, die nun behnfs ihrer Zleltung von Bonhomme als die Pariser„Göttin der Vernunft" ausgegeben wird. Beim Eintreffen der zu diesem Rang« wirklich Erwählten macht sich die Gräfin zum Berdruffe des lebemännischen Oberste» Fnrienx zur Marketenderin, um so gleichzeitig an der Seite des Kapitäns Robert, eines verkappten adeligen Königstrenen. bleiben zu könne». Durch eine Ungeschicklichkeit des Karrikatnrenzeichners Jaquelin, des Geliebten der Ernestine, wird das Inkognito Roberts midZ der Gräsin gelüftet, und sie entgehen der Stäche des Obersten nur mit Hilfe Ernestinens, welche Bonhomme mit allen Vollmachten eines Kouventsdelegirten ausstattet, und der nun das Paar arretirt lind ans sein Schloß bringen läßt. Daß sich allen Paare schließlich glücklich finde», dafür bürgte im vorliegenden Falle weniger der Ersiiidnngsivitz der Librettisten als die Roth- wendigkeit eines„guten Ausgangs". Aber die Handlung ist ver- nünftig und interessant aufgebaut und eilt ihrem Höhepunkte, dem Eischeinen der Vernunftgöttin im Original»Nichtkostüm. ohne störendes Episvdengefnllsel zu. Der Humor der Herren Willner und Buchbinder besitzt allerdings wenig Beredtsamkeit; es giebt wenig Dialog- und Situationskomik. Das Erfrenendste des Abends waren die reichen, lebendig rhythmisirten und poetisch gehaltvollen Weisen der Stranß'schen Musik. Es ist nicht immer Erfindung erster Hand, was Strauß heule noch dar- bietet, aber alles tönt im Gewand« einer klaugsarbigen Jnstrumeii- talion, einer charakteristischen und zündende» Rhythmik weit essellvoller als gesuchte Halboriginalität. ES ist nicht mehr die niiwiderstehliche populäre Wirkung der„Fledermaus", welche die Partitur aus- zeichnet, als vielmehr eine geläuterte Kiliistempfindung, welche die heitere Melodik vor Trivialität, die lyrischen Stellen vor gezierter Empfindsamkeit bewahrt. Der Erfolg war ehrlich und warm. Viele, vielleicht znlviele Nnmmern wurden zur Wiederholung verlangt und gerne geboten. Frl. Zimmer man n(Gräsin) erzielte wieder mit ihrem wohl- tbueiiden Vortrage und dezent charakterisirenden Spiele sehr hübsche Wirkungen, während Frl. Colin(Ernestine) wohl ihre dominirenden Sliilimmiltel, aber für die Bedeutung der Figur viel zu wenig Schelmerei und witzigen Reiz zu entwickeln vermochte. Herr Steiner(Robert) sang sein Anstrilts-Marschkonplet mit fenrigem Ausdruck und bewährte sich in dem„Nachtigallenduett" mit Frl. Zimmermann als tüchtiger Künstler.— Frl. Hochfeld, die Herren S i e g in u n d(Oberst) und Becker(Bonhomme) gaben sehr anerkennenswerthe Leistungen und nahmen an de» Beifalls- bezeuguiigen lheil, welche in gleich reichem Maße der lebendigen Jnszenirung, dem fleißigen Chore und Orchester gezollt wurden.— st. lieber den Einfluß der tvodeiibeschaffenheit auf die Beschaffenheit der Zähne hat Dr. C. Röse seit einer Reihe von Jahren umsangreiche Beobachtungen angestellt, die ihn zu folgendem Resultate führten: Je härter das Trinkwasser, je kalk- und magnesium- reicher der Boden ist. um so bester ist der Zahnbau; je weicher das Trinkwasser, je kalk- und magnesinmärmer der Boden ist, um so schlechter ist der Zahnba». Die llnterfuchunaen des Dr. Röse, über die er in der soeben erschienenen N»»imer der„Münch. Med. Woch." berichtet, erstrecken sich ans etwa 20 000 Rekrulen. Eine Bestätigung seiner Unter- fnchungsresnltate erhält Dr. Röse durch die Untersnchnngen des schwedische» Zahnarztes Dr. Förberg. In Schweden sind die zahn- ärztlichen Untersuchungen im ganzen Lande angestellt worden, gleichzeitig mit den allgemeinen ärztlichen Untersuchungen. Anch dort hat sich ergeben, daß der Härtegrad des Wassers be- stimmend ist für den Prozentsatz an kariösen Zähnen. So hatte» beispielsweise in der schwedischen Stadt Boras, dessen Trinkwasser einen Härtegrad von 0,5 besitzt, 97,7 pCt. der ge- sammten Kinder kariöse Zähne und 25 pCt. der gesamnite» Be- völkernng. In Malmö, dessen Trinkwasser überaus reich an Kalk und Magnesia ist, so daß dasselbe einen Härtegrad von 12,0 ans- weist, betrug der Prozentsatz an Kindern mit kariösen Zähnen nur 90,3, während der Prozentsah der Personen an erkrankten Zähnen sich nur ans 15,4 belief.— VerNrinmIuttgen. Der Verein deutscher Schuhmacher, Filiale Berlin H, hielt am 10. d. M. eine Mitglieder-Versammlung ab, in welcher der Kassirer die Abrechnung vom IV. Quartal gab. Danach betrugen die Einnahmen 314,53 M, die Ausgaben 308,05 M., bleibt Bestand 3.48 M. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Jahres 407. In den Vorstand wurden als Vorsitzender Lutz, als Kassirer Schwach, als Schristsührer Olrich, als Revisoren Lange und Köppen gewählt. Die Hauptversammlung deS Verbandes der Bäcker, Mitgliedschaft Berlin, fand am 12. d. M. statt. Nach Erledigung der Jahres- und Quartalsabrechnung, schritt man zur Vorstands- wähl. Hieraus gingen hervor: H e t s ch 0 l d, erster, Brieskorn, zweiter Vorsitzender; Höpfner, erster, Böhme, zweiter Kassirer; Jenckel, erster, W ei gelt, zweiter Schriftführer; Girschewsky. Merkls, Leichnering, Revisoren; N i t s ch k e. N 0 t h e n st e i n, B ö l d t e, Beisitzer; Lehmann, Bibliothekar. Lrelrrllglöf» v-melnd». Tonntag, den es. Januar, vorm. 9 Uhr, im groben Festfaal l er Berliner Ressource, Kommandantenstr. er: Versammlung. Freireligiöse Borlisung.— Um II Uhr vormittags ebendaselbsi: Vortrag des Herrn E. voglherr:„Fichle's Rede über Volk und Vaterland." Säste will- kommen. «i schier- zienein. Heute Abend Sjj Uhr, Melchlorstraße IS: Versammlung. Vortrag. Damen haben Zulril». AUarmein« Krn»I>»»-»nd SterbelraNe der Nletaliarbelter(S. H. SS. Hamburg.) Ftlia le B er lin 5. Heute Abend s Uhr bei kioplin, Lothringer- stratje 68: Mitglieder-Versammlung.— Filiale Berlin?. Sonnlag, den sg. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Borgeman». Pasemallerstr. Z: Versammlung. Wichtige Tagesordnung.— Filiale Charlotlenburg. Heute Abend S!j Uhr im Restaurant Leder, BiSmarckstr. 71: Mltglieder-Versammliing.— Filiale R i r d 0 r s. Heule Abend S'i Uhr, Zielhenslr.«g bei Vrehter: Ver- sammlung. I. Kassenbericht. Berichterstattung der Fünsor-Kommiiston W-abitev Ilvturh-Uv-rci». Sonntag, den 33. Januar, abends 7 Uhr, im VeietnSIolal Alt-illoadll, Ecke Lüneburgerstraße, Stadtbahnbogen Nr. 329-332: Versammlung.—_ Vevmifchkes um« Mnge. — Eigenartige Krankheitserscheinungen treten seit vorigem Donnerstag in der dritte» Klasse einer Mädchenschule in B r a u n s ch w e i g ans; bis jetzt sind 14 Schülerinnen erkrankt. Die Erscheinungen sind folgende: Das Kind hat zunächst Kopf- schmerzen, dann Zittern am ganzen Körper, der Kopf sinkt auf die Bank, die Glieder werden steif, und das erkrankte Kind ist nicht mehr im stände, allein zu gehen— bei einigen Schülerinnen kamen sogar scheinbar epileptische Krämpfe zum Ausbruch, so daß die Er- krankten nach Hause gefahren werden mußten. Die Ursache der nervösen Störunge», um solche dürfte es sich handeln, ist noch nicht sestgestellt.— — Im Harze ist ein Theil deS Artillerie- Depots durch Feuer zerstört worden.— — I» einem Gasthaus in D ü r r»1 e n z- M ü h l a ck e r bei Pforzheim hat ein 20jähriger Bürsteinnachcr eine 17jährige Näherin und dann sich selbst erschossen. Der Mann galt alS geistes- gestört.— — In München erschoß ein Lehramtsaccessist die Frau eines Gießener Buchhändlers und dann sich selbst. Vorher halte er der Frau und sich selbst die Pulsadern mit einem Rasirmesser aus- geschnitten.— — Der Tenorist N i c 0 l i n i, der zweite Mann der Adeline Patli, ist g e st 0 r b e n.— — Mark Twain, der weltbekannte Humorist, der den Winter in Wien zubringt, hat unlängst aus eine telegraphische Anfrage auS Amerika, ob das Gerücht von seinem Tode wahr sei, zurücktelegraphirt: „Nachrichten über meinen Tod stark übertriebeil".— — In L n c c a(Italien) ging unlängst ein Prozeß z» Ende. Die meisten der Angeklagten wurden freigesprochen. Bei der Ver- kttndigung des Urtheils erhob sich das Publikum, rief:„Es leben die Richter von Lncca!" und eine Musikbande spielte im Ä e r i ch t S s a a l einen T r i n ni p h in a r s ch.— — In Odessa(Nilßlaiid) treten Typhus und Gripp« epidemisch ans. Todesfälle werden hundertfach gemeldet.— c.«. In London sind vor einigen Tagen die ersten Zeitungskioske eingerichtet worden.— — Als Einbrecher wurde der Postmeister deS Ortes N- w b 0 r n im Staate Virginia(Nordamerika) aus frischer That erschossen.—_ Briefkasten der Redaktion. Wtr OUKii, bei jeder Anjrage eine Ehlsfre(zivil Bttchflabin oder«in« Zahl) diizitfleb«»,»Itter der die«ittwort«rlheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet vis zum 5. März am Montag. Freitag und Sonnabend abends v«n 7Vi bis S1/] Uhr statt. A. W. 71, Wenden Sie sich an das Vorstandsmitglied S. Hensel, Berlin, Grünauerstr. 23. O. B. Aerzte empfehlen wir im Brieflasten nicht. Briefkasten der Expedttion. Warnst. Inserat kostet 3,20 M. Wetter-Prognose für Sonnabend, TT. Januar 1898. Ziemlich warm, vorwiegend trübe mit leichten RegensälleN und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterb nrea». Ug.Krallkeil-mldCtttbeklljse der Metallarbeiter E. H. 29, Hamburg, Filiale Berlin VII. Somitag. den 23. d. M., vornnttags 10 Uhr, bei Bergemami, Pasewalker- straße 3: Mitgliedeiwsainnilimg Tages-Ordiiiing: I Kassenbericht. 2. Geschäftsbericht. S. Bericht der Kommisston. 4. Ver- fchiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 119/2 Tie QrtSverwaltung. Orts-Rraabrnkasse des TöpstWivttties zu Berlin. Sechste Abänderung zum Statut der Orts-Krankentafie des Töpfer- gewerbeS zn Berlin. Nach den Beschlüssen der ordentlichen Generalversammlung vom 4. Nov. 1897. Artikel L Im§ 2 Llbsatz Sir. 3 fallen die Schlußworte„sowie der Handlungs- gehilfen und Lehrlinge" fort. Artikel U. Vorstxhende Abnndcrimg tritt mit dein Tage der Schließung derOrts-Kranken- lasse für Handluiigsgehilfen und Lehr- linge in Kraft. Berlin, den 15. November 1897. Der Borstand d. Ortskrankenkasse pes Töpsergewerbes zu Berlin. Kemnitz, W. Hoffniaiin, Vorsitzender. Schriftführer. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 5. Januar 1898. Der Bezirks-Ansschuft. Freusburg. 201/1 MaiuilZtlial- Niederschöneweide. Theile hiedurch den Genossen mit, daß unser Genosse ~ Clemens Mager. am Dienstag, den 18. d. M. seinen Leiden erlegen ist. Die Beerdtgmig findet am Sonntag, den 23. d. M., vorm. 10'/s Uhr. von der Halle des Freireligiösen Friedhofes aus statt. Ehre seinem Andenken! Um rege Betheiligung bittet 202/3 Der Bertrauensmann. .Arbeiter- Ilildnngsvereln Johanntathal- Xicder- schUncwcldc. Den Genoffen die traurige Nachricht, daß unser treues Mitglied Clement« Mager am Dienstag, den 18. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, dcn 23. d. M.. vorm. 10l/2 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Fried- Hofes ans statt. Ehre seiiiciii Andenken! Um rege Betheiligung ersucht 6/1 Der Borstand. Verband d. Glasarbeiter Deutschlands. D«de»'An»e1ge. Dcn Mitgliedern zur Nachricht, daß der Glasschleifer Clemous Mager am 18. d. M. abends 10 Uhr nach 7 monatlicher Krankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag den 23. Januar, vormittags 10V2 Uhr, von der Halle des Friedhofs der „Freien Gemeinde", Pappel-Allee 13, aus statt. Uni zahlreiche Betheiligung bittet 2839b Die Ortsverwaltnng. Ztiltral-Krailken- 11. Sterbe- kaft der Tischler w. s. w. Berwaltung Berlin H. T od es Nnseigv. Am Mittwoch, den 19. Januar, ver- schied nach kurzem Leiden das Mitglied unserer Kasse, der Möbelpacker Gustav Leier im Alter von 50 Jahren. 184/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Januar, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Emmaus- Kichhofcs aus statt. Die Ortsverwaltung. Nach langem schwerem Leiden ent- schlief sanft am 18. d. M. im 37. Lebensjahre mein innigst geliebter Mann, unser guter Vater, Sohn und Bruder Hermann<*re««belm Dies zeigt tiesbetrübt an Therese Grostheim und Kinder. Die Beerdigung findet am Sonntag. den 23. Januar, nachmittags 3 Uhr, vom Leichenhause des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde aus statt. Die Beleidigung, die ich im Lokal Meinelerstr. 35 gegen Herrn Magsnau ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurück. Emst Seifert, Meinelerstr. 34. Mandarinen- Daimen[4096a* ft Pfand»,40 Mark E. Becker, 4S Iiandsbergeratraaae 45. FrackS u. Gesellschastsanz., für jede Figur passend, werden verliehen. J. Barnch, Kommandantenstr. 72 1, 2441* Ecke Beuthstraße. Zu». rS5tvSeKt8-LAlI, 22. Februar, ist der graste Saal frei. Englischer Garten. Alexander- Strasse S7c. Maskengarderobe � von Otto Runge Gr. Frankfurterstr. 75, Amt VII, 4075 zinpfiehlt den Vereinen seine große Auswahl in Kostümen in jed. Preislage. Gr. Lager von Karneval-Aufzügen. !Herren-H«te! Weiche von 1,50 an. Kniderhütc und Mützen in grober Auswahl. 2175b Fritz Wclth, Rixdorf, Hobrechtstr. 78, pt., am Hcrinannplatz Für nur 3 versende ich Per Nachnahme-in« eleaante Adk-rd' Zilhcr mit 20 ''aücn.LManu- rli i.................. olcn, Ring, Schlüssel, Schule und Karton. 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Aufkoinmen des Privatbesitzes. Stabilität der Wirthsihasts- formen. Handelsverkehr mit Europa. Auswanderung. Volköcharakter. Gegeirsätze der Provinzen. Korruption in der Beamtenschaft. Ansblilk. Tie letzten Vorgänge in Oslasie» haben wieder den Blick auf die innere politische Schwäche des chinesischen Reiches gelenkt, die, wenn nicht die gegenseitige Rivalität der haudelsinleressirteil europäische» Grosistanten energischem Eingreisen hinderte, das Land zu einer leichten Beute europäischer Slnnektioussucht werden liesi«. Schon als 1860 das kleine englisch- französische Heer, ohne ernstlichen Widelstand zu finden, siegreich in Peking ein- zuziehen vermochte, und dann später Rusiland grope chinesische Gcbielslheile fast mühelos seinem asiatischen Besitz an- gliederte, tauchte die Frage nach den Ursachen dieser jetzigen Schwäche des chinesischen Reiches auf, das doch den WcchselfäUcn von Jahrtausende» getrotzt hatte und dessen Bevölkerung noch heute, wo sie in Hinterindieir und im nialaiischen Zlrchipel mit Europäer» zusannnenstöbt, sich als eine Rasse von ansierordentlicher Zähigkeit eriveist. Wie konnte sich dieser Kolosi nur gegenüber den Slnsprüchen Englands, Rußlands»»d Frankreichs so schwächlich nachgiebig verhalte»; wie konnte er sich vor allein so lief von dem über zehn- mal kleinere» Japan demiithigen lassen? Gewöhnlich wird darauf geantwortet, die Ursachen lägen im Volkscharakter der Chinesen, ihrer Unteriviirfigkeil, Feigheit, ihrem Mangel an Nalionnlgefnhl, Hängen am Altgeivohnten u. s. w. Darin liegt manches Wahr«; nur giebt diese billige Erklärung nicht die eigentliche Grundursache. Denn der Charakter der heutigen Chinesen ist ebenso wenig, wie der Charakter der europäischen Kultur- Völker etwaSvon vornherein Gegebenes; er ist dasProdnkl ihrer geschidsi- liehen Entwickeluug. Jede genauere Untersuchung des heutigen chinesi- scheu Bolkschnrakters führt deshalb nothwendig zu einer Betrachtung deS früheren Gesellschastslebens, der sozialen Entwicklung China's. China war in ältester Zeit, gleich so manchen anderen alten Kullurreiche», in Stämme, Geschlechts- und Familienvcrbände ge- kheilt. Jeder der größeren Stämme, die sich ursprünglich zu- meist i» den Flnßuiederungei» niedergelassen hatte», zer- fiel in eine Anzahl Geschlechtsgenossenschafte»,„Sin"(Sing) genannt, die sich ihrerseits in mehrere Hundertschaften(Pao. Li), und diese wieder in Hausgemeinschaften(Schi, Schia) spalteten. Nach dieser älteste» Eintheilung in Geschlechter, die meist, wie die nordamerikanischen Toteuwerbände. Thier- oder Pflauzennamen führten, wurde die Gesammtheit des Volkes allgemein„Pi-Sm", d. h. „Ändert Geschlechter", genannt. Der ideographische Charakter des Wortes„Sin" setzt sich aus dem Zeichen für„Frau" und für„ge- boren werdet»" zusammen. Der Ursprung des Wortes führt demnach in eine Zeit des Mutterrechts zurück, doch finden wir bereits in den ältesten Berichten das Geschlecht wie auch den engeren Familienverband, die„Schi", patriarchalisch organistrt. Die alte genlile Gliederung China's war also durchaus der Eintheilung der tatarischen, peruanische» und germa- nischen Bolksstäntme in Zehn-, Hundert- und Tausendschaften ver- wandt. Wahrscheinlich waren auch, wie bei diesen, die Geschlechts- verbände(Ein) anfangs mit den Hundertschaften identisch. Als dann aber infolge natürlicher Vermehrung die Mitgliedschaften der Sin- Geschlechter immer größer wurde», spaltete fich jedes Geschlecht in mehrere Hundertschaften. In der geschichtlichen Entwicklung des Reiche? tritt die Ein- theiluug in Geschlechtsverbände schon früh zurück. Verslreuung der Mitglieder durch Neu-Anfiedelungen und Kolonisationen, zunehmende Reich thumSnnterfchiede, Usurpation der geschlechtsgenossenschastlichen BerwaltungSfunktionen durch die Slammessürste» raubten den GeschlechtSverbäuden Zusammenhang und Inhalt und degradirten sie zu bloßen Namensgemeinschaflen. Nur gewisse Erb- und Heiraths« bestimmungen haben sich bis auf den heulige» Tag erhalle». So ist z.B. Personen, welche denselben Klan(Si»)-Namen führen. die Heirath miteinander verboten, und keiner kann eine» Mann zu seinem Erben einsetzen, der nicht mit ihm denselben Geschlechts- »amen trägt. Dagegen hat fich die Schi als Hausgemeinschast bis aus die Jetztzeit erhalten: eine Analogie zur Entwickeluug mancher slavischen Völkerschaften, bei denen auch die größeren Geschlechts- verbände früh verfallen sind, während sich die Hauskommunionen in einigen Gegenden noch heutigen TageS vorfinden. I» ihrer ältesten Form ähnelt die chinesische Schi ganz de» Hausgenossenschnften der Mikronesier und Malaien, doch hatte das chinesische Familien- oberhanpt eine viel weiterreichende patriarchale Gewalt über die jüngeren Mitglieder seines Hauses. Seine Stellung gleicht in dieser Beziehung genau der des altrömifchen Paterfamilias. Wie dieser versügte er frei über das Hausvermögen, verheiralhele die Mit- glieder nach seinem Gutdünken und Halle selbst gegen erwachsene Familienmitglieder ein weitgehendes Straf- und Znchtigungsrecht. Gewöhnlich umfaßte die chinesische HauSgenossenschast die ganze männliche Nachkommenschast eines Urgroßvaters oder eines noch älteren Vorfahren nebst den Frauen dieser Nachkommen. Die Leitung hatte dasältesteinännlicheMitglted. Er verwaltete dasFamilienvermögen, erhielt die Einnahmen und theilte davon jedem das nöthige zu. Er haftete auch für das ordnungsgemäße Verhalten der Mitglieder und vertrat sie öffentlich nach außen: bei allen Geschäftsabschlüssen, in der Gemeindcverivaltnng, vor Gericht. Die Schi war also nicht nur eine Familien-, sondern zugleich eine fest in sich abgeschlossene Prodnktions- und Rechtsgenossenschast. Fast alle Eriverbslhäligkeit bestand in der Bodenbearbeitung. Das Schriftzeichen für den Man» im Gegensatz zur Frau besteht aus den Zeichen für„Kraft" und„Feld". Ein Mann ist der, welcher seine Kraft auf den Feldbau verwendet. Zwar sind«» wir schon hühzeilig des Handwerks und Handels erwähnt, aber sie waren keine selbständigen Berufe. Jede Familie trieb als eigentlichen Er- werbSziveig die Landwirthfchaft; Handivert und Handel waren Nebeubeschäflignuge». Mir fortschreitender wirlhschasllicher Eni- Wickelung trat allerdings insofern eine Arbeilstheilnng innerhalb der Familie ein. als je nach der Begabung und dem Bedürsniß der eine Sohn des Hauses sich mehr mit der Landwirlhschaft resp. der Ge- winnuna der Rohstoffe, der andere sich mehr mit deren Verarbeitung, d. h. mit haiisindustrieller Produktion befaßte. Selbst im heutige» China gilt noch imiuer der Landbau für eine viel vornehmere Be- schäflignllg, als das Handwerk oder der Handel. Ein Privateigenthum an Grund und Boden gab es, wie die alten Urkunde» beiveiseu, im alten China nicht. Alles Land war SlaalZland. Jede Familie hatte Anspruch auf einen gewissen Au- theil. Wie groß diese Anlheile waren, darüber gehen die Mit- lheilungen auseinander. Die ersten genaueren Mittheilnngen finden sich darüber im„Schu— king" und„Li— ki" des Konsulse, sowie in den Schriften seines hervorragendsten Schülers Menlse; sie e»l- stamme» also einer Zeit, als die alte Agrarversassung schon in vollem Verfall begriffen war und überall vor dem vordringenden privaten Grundcigenthum zurückwich. Beide Slaalsphilosophen schrieben ihre Zliigabc» zum großen Theil»ach alten Rechts- »iid Volksüberlleseruugeii nieder, die, wie alle derartige» GeschichtSquellen,»lanche Widersprüche enthielten. So viel sich ersehen läßt, waren die Autheile nicht in allen Landesgegende» gleich groß, sondern differirte» nach der Bodenqualität und dem Turnus der Brachlcgungen. Ueberdies stieg, wie Meutse bekundet. mit der Zunahme des Landbaues und den wachsenden Lebens- ansprächen auch die Größe der bell Faniiliengeineiuschaften zu- getheilieu Landstücke. Als Abgabe hatte jede Familie sür die Land- nntznng an die Regierung den„Zehnten" zu entrichte»: eine Steuer, die aber nicht aus den eigenen Eiilkünften bcstriltcli ivurde, sonder» in Arbeiten auf dem Staaisland bestand. Ebenso wie im alten Peru, wurden nänilich jeder kleinen Gemeinde bestimmte Regieruugsläudereien zngen'iese», die von den Großsamilien bearbeitet und deren Erträge der Regierung als Naturalabgabe» eingeliefert werdet» mußten. Außerdem hatten die Gemeinden Frohnarbeiter zu stellen. Den einzelnen Stämme», aus denen sich das Reich zusammen� setzte, das übrigens selbst unter der dritten Ttinaslie nur erst süd ivärts bis zum Jangtsckiang reichte, standen Elammesfürflen vor, die größtentheils von den Geschlechlern und Hitnderlschaften erwählt wurden, später aber die Erblichkeit ihrer Würde durchsetzten und sich vom Oberherru des Reiches, der i» alter Zeit auch nur ein Wahlfürst war, unabhängig machten. Sie regierten ihre Länder ganz nach ihren» Gutdüuket», erließen, uubekü»»inert um die Reichs- Verordnungen, eigenmächtig Gesetze, schrieben Steuern aus, sührten untereinander Krieg«, verliehen und verknifften Lehen,— kurz, alle jene Erscheinuugeu, die uns die Ge schichte Europa's aus der Glanzzeit eines übermächtigen Lehnsadels überliefert hat, finden»vir, vermehrt und verstärkt, in» damaligen China»vieder. Fast die ganze Zeil vom Auftreten des Konsutse (ti. Jahrh. v. Chr.) bis zur Unterjorynng China's durch die Mongolen (13. Jahrh.»». Chr.) bietet die Geschichte China's das Bild»unner »vieder hervorbrechender Kriege der großen Slammesfürsten ll»t«r> einander und mit den Kaisern, die zum»heil nur»villenlose Puppen in der Hand ihrer große» Lehnsfürsten und Heer führer»varen. Bald unterrvarf der eine Fürst seine Nachbarn und»nachte sich zuin Kaiser, dann»vieder gelangte ein anderer obenauf, oder auch es usurpirte», von aus lässigen Lehnsfürste»»nd Truppeusühreri» unterstützt, nicht zur Thronfolge berechtigte Söhne, Seitenverivandle oder vom Heer be- günstigle Kriegshauptleute die oberherrliche Geivalt. Erst unter der Ming-Dynastie und der heute noch herrschende» Thai-Tsing-Dtznastic kam das Reich im Innern zur Ruhe und Ordnung. Aus die Familteuorganisalio» blieben diese politische» Kämpfe ohne ivcscullichen Einfluß, da sich in dem langen Zeitraum die wirthschaftliche Grundlage, auf der sie ruhte, nur»venig änderte Zivar zerfiel die alte Grundeigenlhums- Ordnung mehr und mehr, der Privatbesitz wurde imurer ausgedehnter und die Bauer» tbeiliveise, indcnr sich die Lehnssürsleu des bäuerlichen Grundbesitzes bemächtigte», zu Pächtern herabgedrückl; auch»vnrden durch den Verkehr mit den Ländern Westasiens eine Reihe der Iverth- vollsten Nutzpflanzen eingeführt(z.B. die gemeine Bohne, Knoblauch, Petersilie, Gurke, Wein, Graualbaum); aber die Bestellungsmelhode. die Technik des Feldbaues machte nur geringe Fortschritte. Im »veseutliche» baut der Chinese noch heute so sei» Feld,>v»e es schon vor ziveilausend Jahren feine Urahnen lhatc», nur die Jnleusilät der Arbeit ist gestiegen. Größer sind die Fortschritte in der Industrie, aber z» neuen BetriebSiveisen haben auch sie nicht geführt: die Wirthschastsforin ist im ganze» dieselbe geblieben. Eine maschinelle Großindustrie fehlt gänzlich und selbst zu einer Manufaklurindustrie,»vie wir sie in de» südlichen Ländern Europas schon im 13. und 14. Jahrhundert vorfinden, fehlen in den meiste», Gegenden»och die Ausätze. Die Industrie ist Haildlverksindustrie. und zwar zunieift Familien-Hausiudustrie. So führte denn auch der Verfall der alte» Grillideigenthui»? Verhältnisse nicht zu einer-Zersplitternng der Großfamilie, zu ihrer Auflösung i» rechtlich selbständige Einzelsamilie». Das Beisammen bleibe» und Zusammeuivirke» blieb die Regel, da eben die Arbeits nielhoden und die Bedingungen des gegenseitigen Zusaminenivirkens ziemlich dieselben geblieben»varen. Der Unterschied gegen früher bestand nur darin, daß die früher auf Staatsgruud»virthschaftende Großsainilie nun auf eigenem oder auf gepachtetem Grund»virth schaltete. Und selbst>vo mit Einivilliguug der Eltern beziv. Großeltern einzelne Söhn« sich aus irgend»velchen Gründe» vom Familien Haufen abziveigte» und mit ihren Frauen eigene Familie» begründeten, blieben sie doch unler Vormundschast des Familien Hauptes, mit ihrer Person und ihrem Vermögen. Der Grundsatz. daß kein Mann, so lauge sein Vater oder Großvater lebt, ein freies Eigenthumsrechl an dem von ihm selbst erworbenen Vermöge» besitzt, behielt in China bis heute Geltung.„Die Familie", sagt Tschenkitong von dem heutigen Familienleben der Chinesen, „gleicht geivissermaßen einer religiösen, bestimnite» Gesetze» uuterworsenen Ordensgemeinschaft. Alle Einkünfte fließen in eine und dieselbe Kasse und jeder legt seine Einnahme darin nieder, ohne daß zivischen dem Mehr oder Weniger«in Unter- schied gemacht wird. I» der Familie herrscht das Gesetz der Gleich- heit und Brüderlichkeit: bedentungsvollc Worte, die in die Herze» und nicht a» die Mauern geschrieben sind." In geiviffer Beziehung»varen sogar die politischen Kämpfe von Vortheil für die Erhaltung der Familiengeuieinschafte». Mit dem Mächtigiverden der Stammesfursten ivurde», nämlich de» Bauer», um die Kriegskosten aufzubringen, außer dem Zehnten noch allerlei andere Naturalabgaben auferlegt; serner mußten sie Mannschaften für den Krieg?- und Frohndienst stellen. Das Zu- sammenslehen der Familienangehörigen envies sich hier nicht wu nützlich bei der Eiilrichtung der Abgabe» und dem Wiederanba» verwüstete» Landes, er sicherte auch dem zuin Kriegs- und Frohndienst Ausziehenden»vährend seiner Abiveseuheit die Unterhaltung seines Weibes und seiner Kinder. Vielleicht»och mehr hat jedoch der Ahnenkult die Großsainilie in ihrer Existenz erhalten. Obgleich ursprünglich selbst»ur ein Erzeugniß der aus der samiliengenossenschastlichen Organisation enlspritiigene» Verehrung der Familie»- und Ge- schlechtsstifter, hat er doch rückivirkeud»vesenllich zum Zusammenhalt der Fainilienmitglieder beigetragen, iuden, er sie immer»vieder zu de» gemeinschaftlichen Ahnenopfcrn zusammenrief. Allerdings so ganz ohne Einfluß ist doch die wirthschaftlich» Enlivickelung nicht auf die chinesische» Familieninstitlltionen ge« blieben, speziell seit China»nit den europäischen Barbaren in Handels» verkehr treten mußte; doch betrifft die Veränderung mehr die ärmere» als die iniltleren Schickite». Wie schon gesagt ivurde, hat die Großsainilie ihren Ziveck in der Znsaniinenhaltung des Familienveriuögeus und in der gegenseitigen Unterstützung, bei den ganz Armen ist aber nichts zusammeuzuhallen. Die Großfamilie hat ihren eigeullichen Ziveck verloren. und der Existenzkampf treibt jeden, zuerst an sich selbst zu denken. Dazu kommt die ungeheure Ausivanderung, die sich seit einigen Jahr- zehnte» fast ausschließlich aus den ärmeren Volksschichten nach Nord- ainerika, Hinlerindien, Australien, de- ozeanischen Inselwelt je. ergießt. Kehren die Söhne des himmlische» Reiches auch in späteren» Alter zum größten Theil nach China zurück, so lassen sie sich doch nicht immer»vieder im allen Heimaths- »rte nieder, und selbst»vern» daS der Fall, hat doch stets die lange Abivesenheit das Familienbnnd gelockert. Aus diesem Enlivickelnngsgang der chinesischen Gesellschaft er- klären sich die meisten heulige» Charaklerzüge des Chinesen, in» Gute»,»vie im Schlimmen. Seine Unterordnung unter die Regierung ist»ur ein Ausfluß feiner von Jugend auf gewohnten blinden Unterordnung unter das Familienhaupt; seine schmutzige Enverbssucht, sei» filziger Geiz. das sind»ur die Folge» des in den Familie» gepflegte» Eparsystems und der ihnen schon früh eingetrichterten Fainilientugcud, das Hausvermögen zu »Nehren und sich durch dessen Mehrung ein gutes ülndcuke» bei den Nachkommen zusichern. Und zugleich bedingt dieses Ausgehen in seine Familie und ihre kleinen Lebeusinteressen den vielgerühmtcn Familien- sinn, aber auch die Enge des Gesichtskreises desDurchschuillschiuesen, seine Abgeschlossenheit, seine Unbeküinmerlheit um die geistige» und inate- riellei, LebenSinlercssin seiner Nation, soiveit nicht seine eigenen Familieuinteresse» tangirl»verde». Es fehlt ihm das Beivußlsein des geistigen Verbundenseins mit de» näheren und»veiteren Glieder» seines Volkes, nicht insolge irgend einer besondere» Geistesanlage, »vie man gewöhnlich liest, sonder»»veil ein solches Bewußt- sein die Folge einer bestimmten Höhe der gesellschaslliche» Entivickeluug»st, und der Chinese diese Höhe noch nicht erreicht hat. I» dieser Apathie liegt den europäische» Mächten gegenüber ein guter Theil der Schiväche des chinesischen Reiches. So lange sie nicht selbst darunter leidet, läßt die eine Provinz kalt, >vas in der andere» passirt. Deshalb auch schlägt, abgesehen von der lächerlichen Beivaffnung und Führung, der chinesische Soldat sich so schlecht; er kämpsl nicht sür sein Volk, nicht sür irgend»velche, seien es auch noch so sonderbare Ideale, er kämpft,»veil er dazu beordert ist und sich vorläufig noch nicht drücken kann. Trotzdem ivürden die chinesischen Streilkräfle durch Masse vielleicht theilrveise ersetzen können,»vas ihnen an Qualität abgeht; dazu aber fehlt es vor allem an drei Dinge»: an guten Wegen und Beförderung?- iniltcln zur Konzentration der Slreiikräsle(sür den primitiven Handel genüge» ja nebe» den Etromläufe» die»venigen Lnndivcge), an technischen Einrichtungen zur Versorgung eines größeren HeereS mit de» nölbigen Nnterhallsmitteln, mit einer energischen obersten Leitung des Reiches und an der Fähigkeit des Beamlenapparats, den Direkliven dieser Leitung zu folgen. Eine andere Schiväche China's liegt in seiner Verivaltungs- Praxis und seiner korrupten Bcanitenschast. Die chinesische Zentral- regierung»vird von den Grundsätzen geleitet, den Ver- »vallungSbeamte» möglichst freie Hand sür ihre Maßnahmen zu lassen, sie dafür aber unter geheime Ueberivachung zu stellen und jedes engere Eiuvernebinen zivischen ihnen nud der Be»vohncr» schast ihrer Gebiete zu verhindern. Dem erster«» Ziveck dient ein eigenartiges Spiouiersysten», dem letzteren die hänsige Versetzung der Bcamleu, ihre Nichlaustellung in ihren» Heimalhsbozirk, soivie das sür sie gellende Verbot, sich ohne speziell eingeholle Erlaub- »iß nicht iniierhalb ihres Wirkungskreises zu verheirathene Auch diese Maximen entspringen natürlich nicht,»vil man so oft zu lese» bekommt, einer„besonderen Eigenar. des chinesischen Geistes"; sie sind hervorgegangen aus der EroberungStaklik der früheren Dhuastien. ES sollte einerseits de» Beamte» für den Fall der Nolhivendigkeit schnelle» Handelns freie Hand gelassen, andererseits aber durch unbemerkte Beaussichtignng und Jsolirung eine Auflehnung von ihrer Seite gegen die Regiemig in Peking verhütet»verde». Neben dieser beabsichtigte» Wirkung hat iudeß das Shslem noch eine andere gehabt: die Korruption des Beamlenthums. Die völlige Abhängigkeit jedes Beamten von seine»» nächste» Vorgesetzte», der nicht nur jährlich über die Führung der ihm Unterstellte», zur Berichterstattung nnfgefordert»vird, sonder» auch außer der Zeit zur Meldung jeder Uugehörigkeit verpflichtet ist, dazu ferner die gänzliche Unverautivortlichkeit der Zensoren und ihrer Agenten sür die von ihnen in» Geheimen erhobenen Anschuldigungen haben zur Kriecherei gegen Höhere und zur Bestechlichkeil geführt. Zudem bezahlt die chinesische Regierung so niedrige Gehälter, daß das Einkommen der Beamte» i» gar keinem Verhällniß zu der von ihnen geforderten landesüblichen Repräsentation steht. Sie sind zum theil geradezu gezivungen, sich auf irgend eine Art Neben- einkünste zu verschaffen. Man sollte denken, die BcamlenZ müßten solcher Verhält- »isse bis zun» Uebermaß satt sein. Eine kleine Minderzahl abgerechnet, scheint das aber keineswegs der Fall, zu sein. Wird auchhinundtviederder eine oder andere abgefaßtund ganz exemplarisch bestraft, die meiste» Unterschleise bleibe»»»»entdeckt und werfen schöne Einnmen ab. Warum sich deshalb fiir Neuerungen ins Zeug legen. deren Befürivortung zu allerlei Anschuldigungen Veranlassung geben' könnte? Warn»» auch sich selbst neue Arbeiten aufladen? Vielleicht »vird man ja doch bald anderSivohi» vers-tzt. Hat China eine Zukunft? Die Frag, ist nicht leicht zu beant- »vorte». Daß die chinesische Rasse eine au'iergewöhnliche Zähigkeit und Lebenskraft besitzt, zeigt sich überall, Ivo sie mit anderen Rassen in Weitbeiverb getreten ist. und eben so sicher ist, daß sie die Fähig- keit hat, sich der europäischen Kultur anzupassen. Die letzten Jahr- zehnte haben China eine schnellere Enlivickelung gebracht. »vie früher Jahrhunderte, und nachdem einmal der Stein ins Wanken gernthe» ist,»vird er trotz aller mächtigen entgegen- stehende» Hemmnisse weiter rollen, hat doch nun endlich auch Chiua eine Eisenbahnen. Die Frage ist nur, ob China die Zeit zu einer allmäligen Uinivandlung finden»vird, ob nicht vorher schon seine »vichtigsten Gebiete von den europäischen Großstaate», von Japan und dem auch in dieser Frage nicht gleichgiliigen Onkel Sau» aufgetheilt fein»verde». An der Neigltiig dazu sehlt es ja nicht. C. Zar Beachtung;. Orts- Krankenkasse der Mechamker, Optiker und verwandte» Gewerbe, Lerlin L., lüoZterZli'. 65—67. Vom 1. Februar 1898 ab ist das Kassenlokal werktäglich nur von 9—1 Uhr vormittags geöffnet. Sonn- und Feiertags geschlossen. 205/2 jDer Vorstand. Milchen wir unsere Herrm-Parthie KfW O■ hin? Zum ulten kreund! auf Pichelswerder. 4063L' Künstl.Zälinei.SOl Plouibrn l M.Zahuziebe» frei. Zahnärztliche Klinik, Mantcusselstr. 43, I., Eike Orauienstrasze. Spr. 8—10 und 1—3 Uhr. Reell in») billig kaust uian in der Norddeutschen Schuh- b'*rit von W. KltNchke, gegründet 1872, Skalihcrstr. 13, Ecke Admiralstraße, an» Kottbuser Thor.* Strickwolle-Ausverkauf. 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Ansang 8 Uhr. iillexanderplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbensirahe 48—4». Natnrknndl. Anöstellniig v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenfchaftl. Theater. Juvalideustrasic S7/VS. Tiiglich (auher Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Ninericau. Spezialitäten. Anfang 8 llhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7'/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikuin. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Reichshallcn. Spezialitäten. Ansang 7V, Uhr. StiziNev-Dlzvstev (Wallner-Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Die wilde Jagd. Sonntag, nachm. 3 Uhr: X. Vorstellung im zweiten Schiller-Zhklns: Die Räuber. Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Montag, abends 8 Uhr: Der König. Ostettd-Theater. Ar. Franrfnrlerflr.lSZ. Dir. lk.ivZrisi. Die Waise aus Lawood Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Ansang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vorstellung: Frei- Konzert. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Sonntag Nachmittag: Der Ber- schwender. Abends 7»/, Uhr: Dir Waise ans Lowood.— In Bor- bereitnng: Unter der Polarsonue. Grobes Ausstattungsstück. Central-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktion Itlchard SchiiÜK. Sonnabend, den 22. Januar 1898; JGnill Thoma« a. G. Zn», 1. Mal«: Die Tttgettdfalte. Burleske Poste mit Gesang und Tanz mit Benutzung eines franz. Sujets von Jul. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Ansang ,/z8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die Tugendfalle. I.iiiseil-'niester 34. Reicheubergerstrasse 34. Abend« 8 Uhr: Alis goldriiem Dode». Volksstück init Gesang in 5 Bildern von Wilhelm Frerking. Musik vou Gustav Steffens. Morgen: Dieselbe Vorstellnng. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Volks. Bvrstrlluug. Regie: Julius Dur». Otlicllo, der Mohr von Venedig. Billets k 60 Pf. in den bekannten Verkaufsstellen. V olks- Tlieater Im Welt-lleutaurant S7. D r e s d e» e r>S t r a st e»7. Novität! Novität! Civcttsbluk. Operetten- Burleske von G. Fischer- Ohmaun. Musik von R. Baumgart. Neu! Borher: Nm! ÄlD'vffev. Schwank von Benno Jacobson. Im vorderen Saale: 7>n)Iel' Sänger Alois Ebner. WllfattA* Sonntags 6 Uhr. NilsUlig. Wochentags?>/, Uhr. Nsedr'Llkvster Orantea-Btra»»« Ä-4. Täglich:-MG Tbeacer- n. KpexialltUten- Vorstellans. I|0II| Die beiden Kompagnon« llnul neu: rnib Die Verechwörer. neu: Reinhold Lange, 1 Käthe Leonardl, der beste Humorist I bildschöne der Jetztzeit. I Kostüm-Soubrette Neu! Hr. Alfons, Neu! der bedeutendste Hand- und Fuß- Schnellmaler. Uukou«» Wochentags 8 Uhr. AHsHIllj. Sonntags 8 Uhr. Preise wie gewöhnltch. Urania Tanbenntr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidenstr. Xo. 57—68. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs-Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschläge. Passage-Panopticum. Das Volkslied In ,3 lebenden Bildern mit Gesang und Tanz der — lästigen— Wienerinnen. Castan's Panopticnm. «» Friednclistr. 165. IiuliNch- himiiiMtH- nlsclie On ukl e r — und— Schlangen- Deschwiirer. Das BÄRENWEIB. N Reichshallen- Tlieatcr, Leipzigerstrasse 77, bietet gegenwilrtlg unstreitig das beste Spezialitäten-Programm in Berlin. » Brausender Jubel! nRUIlRlh Stürmisch. Dacapos UUVVUiUa volle Häuser! Alle fünf Derringtona auf einem Eade. Max W al d o n, das geniale Tanz- Genie. Hella Collier, der reizend. Soubretten-Stern. Excelitlor-Miinogeaph zeigt lebende Photographien In höchster Vollendung. Anfang 1l/2 Uhr. Entree 50 Pf. Im Reichshallen-Tunnel täglich: Militar-Concert in Uniform. Anfang 8 Uhr. rva ■■ Ul"lfuut' Sanssouci «ottbusrr Strafte Nr. 4a. Dir. H. Pierr». Artistischer Leiter Jos. Nschinger. Grober Beifall! Zm Reiche der Sirene». Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz in 3 Bildem von Joh. Eibner u. Jean Häußler. Musik von Joh. Eibncr. Heue 8peiiaiiläten. Sonntags Ansang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Gvotzev Vnll. Entree 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. DGf- Entree SO Pf.-MG Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. Olympia -Riesen Theatep. (Circus Renz.) Karlstrasse. Bolotssy Kiralfy's Konstantinopel. Orösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 700 Aufführ, in London. 1000 Mitwirkende. 1. Bild: Das Maifest in England. 3. Bild; Spanischer Stierkampf. 3. Bild: Wiener Jahrmarkt. 4. Bild: Räuberüberfall in den rumelischen Bergen. Da« Schlachtfeld. 5. Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Räuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballet«, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Überragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,-, 1,50, 2,-, 2,5a 3-, 3,50, 4,— und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende lO'/z Uhr. Morgen Sonntag: 3 Vorstellungen 3 Nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr. Alcazar-Theater. Dresdenerstrabe 52/53(Citp-Pasfage) Annenstrafte 42/43. Direklion: Richard Winkler. Vornehinster Familien- Aufenihalt. Neu! Die Neu! Inatlgen Heidelberger. AusstattungS- Operette in einem Akt von Poly Henrion. Mnstk von Franz von SuppS. Borher: Unucz- Johann. Lustspiel in 1 Akt nach dem Franzöflschen von Boye. Auftreten sämmtlicher Knust- Spezialitäteu. Allkglttl' Wochenlags 8 Uhr. AiljUIlii. Sonntags 6 Uhr. Sntree 30 Pf. Neservirt. Platz 50 Pf. Borzngskarten haben Giltigkeit. lloneertkauL fiCipKigergtr.Vo. 48 MG- Täglich:-MG Noffmnim's ylinptett unll»uinorislen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Die Theaterprobe. Poste von Gustav v. Moser. Zum 377. Male: Ecne i|u»rg:'s mmmm Vaudeville-Theater 1 ' Grand-Hotel Alexauderplaft. � � Beute Sonnabend, 33..lanuar:' 5, Wegen Privatfestlichkcit = gM- tteschlosuen.-MG 2. Z. Dafür| ~ Gastspiel der Bndapester 4 .5 im% z Reichsliallen-Theater.| ® Morgen Sonntag und folgende? * Tage finden die Vorstellungen? Apollo-Theater. Fried rlchstr. 318, Dir. J. Glück. Carmen-Faur, Mr.Arras Desrociies-Bianca Bertoldi u. s. w. Kasseneröffnung 6Vj, Anf. 71/jUhr. Montag, den 24. Januar 1898: 1. O a s t s p 1 elabend mit der berühmten Pariser Dlvel.e. Feen-Pa la st 33 Uiirgstr. 33. Direktion: Winkler t Fröbol. Heute Sounabeud Ziliegtil Privotsestlichkcite» geschlossen. ! Morgen Sountag:«roene i8pe?igliMen-Vor8telIung l Wiukler und Fröbel \ in der einzig dastehenden Operette Wg radrtiidk Berlin> J Neues Programm. W. Noack's Theater Itrunnen-IMtraMse 16, Sonnabend wegen Prlvatfc&tllchkelt keine Vorutellung. Circus Busela (Itnlinhof llbrtic). Sonnabend, 33. Januar 18«8, abends 71/2 Uhr: Pmde-Gala-MßtllW. Grobe russische Schul-Qnadrill«. Dir. Busch mit seinen vorzügl. FreiheitS- dresturen. Conversano II, echt Lippi- zaner Hengst, dresstrt und geritten von Herrn Foottlt-Burghardt. Auberdem: Auftreten aller neu engagirten Künst- lerinnen u. Künstler: Mdme. Antolnette, Mlle. Theresltta, Amerikan. Whlttaker, Alfred Krernbser, Stepp A Trepp u. s.w. Zum Schlub: Zaragoxa. Orig.- Manege- Schaustück des Cireus Busch, entnommen ans dem spanischen Leben. Besonders hervorzuheben: Der Brand des grüne» Schlostes mit der Flucht des Do» Caflodurns und seiner Geliebten sowie sämmtlichen Pferden. Eine spanische Eisenbahn mit ein- tretender Katastrophe. Morgen: 3 grosse brillante Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr und abends 7V. Uhr.__ Künstliche Zähne.ß ~. Steffens, Roseuthalerslr. 61, 2 Tr. eil"—--— Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. y Znr Beachtung! Die noch ausstehenden Statistik-Fragebogen müff-n bis heute Abend auf dem Arbeitsnachweis Annen- strafte 3S abgeliefert werden._ Sonntag, den 33. Januar, abends SV, Uhr, i«»KöSliner Hof*, Söslinerstrafte Nr. 8; Branchen- Versammlung der Modell- mib Fabriktischler mit Damen. Tages-Ordnung: 1. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Organisationm. Referent: Kollege Th. Glocke. 2. Diskussion. 3. BerbandSangelegenheiten. Nach der Versammlung:«fieinüthliche Unterhaltung und Tanz. Kollegen! Da diese Versammlung aus Euren Wunsch stattfindet, so hoffen wir, datz Ihr für zahlreichen und pünktlichen Besuch agitiren werdet. Gäste willkommen.— Tellersammlung findet statt. 76/10 Die Ortsverwaltung. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Am iLlontag, den 34. Januar, abends 8V- Uhr, in Feuerstein's Feftsälen, Alte Jakobstrafte Nr. 75: Ordentliche General-Versammlung. TageS-Ordnuug: 1.(«eschSfts. und Kassenbericht. 3. Neuwahl der Ortsverwal- tnng. 3. Berbaudsaugelegenheiten und Verschiedenes. Der überaus wichtigen Taaesorduung wegen ist das vollzählige und phnhtllchc Erscheinen aller Mitglieder dringend erforderlich. Mitgliedsbuch legitim irt. Die Bevollmttchtlgten, mm- Die noch ausstehenden Listen für die englischen Maschinenbauer find TföTeuuigst abzurechnen._ 23/6 Verband der Möbelpolirer. Montag, den 34. d. Bits., abends 8»/- Uhr, Admiralstr. 18c: M er sam m l n n g. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Stramm über: „Astronomische Studien". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes, Der Maskenball findet am fg. März in Kelle r's Festsälen, Koppen- strasje 29, statt.— Daselbst findet am 31. Januar eine öffentliche Bersamm- lung der Möbelpolirer statt. 145/4_ Der vorstand. Schraubendreherl Hontag, den 34. Januar er., abends 8 Ehr: Große öffentliche Versammlung aller in der btsUftillten Arbeiter und Arbeiterinnell im»Loutsenstädtischen Konzerthans", Alte Jakobstr. 37. Tages-Ordnung: 1. WaS lehrt uns der Streik der Maschinenbauer in England? Referent: Kollege Eltün. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ganz besonders die Kollegen der Finnen Reich»», Angsrmami, Bosse, Boden&. Marzahn, Schulz, Brav, Geiseler, Tolsmann, Rosenbaum, Schaal u. Kühls, Deleske und Sohmohl sind Hierzu eingeladen. 115/2 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der BertrauenSmau»: Hugo Fellenberg, Sorauerstr. 8 Sei Albrecht. Berti« her Maschiiliste», Heizer unb Berufögenoße« Berlins und Umgegend. Sonntag, de» 33. Januar 1888, nachmittag? 5 Uhr,'MG in vohn'» Festsälen, Beuthstr. IS/30: General-Versammlung."WD Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes. L. Kassen bericht. 3. Anträge. 4. Neuwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder. 5. Wahl der Delegirten zum Verbandstag. 138/1 Mitgliedsbuch legitimirt._ Der Borstand. Kistenmacher! Montag, den 34. Januar er., abends 8'/, Uhr, in den Rrminhallen, Kommaudauteustrafte Nr. 35: General- Vevksmznlung. TageS-Ordnung: 1 Kaffenbericht. 2, Bericht des Vorstandes. 3. Verschiedenes. G�WMG Mitgliedsbuch legitimirt. GGGSvGI 34/2 I. A.: Eranai Schulz, Tchwedterstr. 47. NB. Der Kafsirer ist von 8 Nhr an anwesend, um die Bücher etwaiger Restanten in Ordnung zu bringen. Kollegen! Erscheint Mann für Mann, da unter Verschiedenem wichtige Sache» zur Sprache gelangen. bei Ugtlneiilk Kesuke«- iml SteMjse kt Drechsler und BerufSgenoffen(E. H. 86 Hamburg). Mitglieder-Versammlnngen finden statt: Für Bezirk A. am Sonntag, den 23. Januar, nachmittags 3 Uhr, Nowak, Mantenffelftr. 3, .. B. am Sonntag, den 23. Januar, vormittags lOVj Uhr, bei Peitsch, Skalitzerstr. 30. „„ C. am Sonntag, den 23. Januar, vormittags 10 Uhr, Wesse. Gncisenaustr. 10. .. D. am Sonntag, den 23. Januar, vormittags 10'/, Uhr, bei Schiller, Rosenthalcrstr. 57. Tages-Ordnung: 1 Geschäftliches. 2. Vierteljähriger Kassenbericht pro 4. Quartal 1897. 3. Verschiedenes. Im Bezirk A findet ei» Bortrag des Herr» Dr. Wey! über das Thema:„Ist die Lungenschwindsucht heilbar?- statt. Die Zahlstellen, in welchen an jeden: Sonnabend Abend von 8—10 Uhr neue Mitglieder(bis 45 Jahren) aufgenommen werden, befinden sich: Kleine Andreassir. 15 bei N e u m a n n; MUnynstr. 78 bei H e i u r i ch; Neichen- bergerstr. 24 bei Kieburg; Skalitzerstr. 65 bei Krause; Gneiscnaustr. 10 bei W e s s e; Alte Jakobstr. 63 bei Lenz; Elsafferstr. 11 bei Raddatz; Georgenlirchstr. 25 bei Haar. 2836b Die Ortsverwaltungen Theilzahlnng pr. Woche 1 M. . I.OOOOO Harmonikas* mit meiner selbsterfandenen, flarontirt unzerbrechlidien Spiral- «lavimur Feternna hebe ich bereit« iei: fi>r,cr Z-u verknitst. Sticht eine einzige Stcklamiinon wegen Brechen oder Labm- werden meiner neuen Ttrstriisedernng ist in dieser Zeit em» gegangen. Diese Federung ist in»erichledencn Landern pat«n»irt. in Deutschland unter D.-R.-G.-M. S!o. 47463 geschätzt. 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