Kr. SV. Abonnement»• Kedingnngen: Abonnements- Preis pränumerando! «ierleljährl. 3,30 Mr., monatl 1,10 wöchentlich 28 Plg. frei in« Hau«. Einzeln« Nummer S Pfg. Sonnlag«- Nummer mit illuftrirter Sonntag»- Beilage„Di- Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnenient: 8,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1898 unter Br. 757«. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erscheint liglich auster Moni«««. - Vevlinev Volksbl�kt. 15. Jahrg. Dir Insertion»-Gebilhr beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und Verfammlungs-Anzeizen, sowie ArbettSmarN 20 Pfg. Inserate für die nächste Nunimer»tüfsen bi« t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, «n Sonn- und Festtage» bi« 8 Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:»ml I, Br. 1508. Telegramm-Adresse: ..Sozialdkmofirak Serlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. Ztediilition:«V. l». zlenty-Strahe i. Dev de« Ners Skutnm�Vosadotvslttx. Einen Scheinwerfer hatte der Staatssekretär Graf v. Posadowsky in seiner Erwiderung die Rede unseres Genossen Fischer genannt, welche— nach seiner Auffassung— die letzten Ziele der Sozialdemokratie undiplomatisch enthüllt habe. Für den ostelbischeil Grafen mögen die Ausführungen unseres Genossen etwas„enthüllt"' haben; für alle anderen Leilte brachten fie nur den nicht mißzuverstehenden Widerhall der Empörung zum Ausdruck, die innerhalb der gesammten deutschen Arbeiterschaft durch den famosen Geheimerlaß erweckt worden war. Mit mehr Recht wird man daher diesen Erlaß den Scheinwerfer deS n e u e st e n Kurses nennen müssen, der von der Regierung auf dem Gebiete der Arbeiter .schütz"-Gesetzgebung künftighin bethätigt werden soll! Drei volle Tage saß der Reichstag über den Erlaß des edlen Grafen zu Gericht— und der Herr Staatssekretär wird weder mit den Verhandlungen noch mit dem Endergebniß be- sonders zufrieden sein. Außer den für die öffentliche Meinung nicht besonders werthvollen Bundesgenossen S t u m m und Kardorsf sind ihm nur in den Personen des A n t i s e m i t e n Werner und des Grafen Stolberg namens der Agrarier Eideshelfer er- standen. Selbst die Nationalliberalen wagten nicht, zu dieser unverhüllten Arbeiterfeindschaft ihr offenes Jawort zu geben— denn das platte Geschwätz des Abg. Jörns ist be- deutungslos, doppelt bedeutungslos, weil er sogar erklären mußte, seine zünftlerisch bornirten Redensarten erfolgten nicht im Namen seiner Partei! Freilich— daß die National- liberalen im Grunde ihres Herzens für jede Bedrückung der Arbeiterklasse sind, braucht nicht erst betont zu werden, aber die von Posadowsky durch seinen Geheimerlaß ein- eleite Hetze gegen die Gewerkschafts-Organi- a t i o n e n erscheint so sehr unter dem Stempel blinder Parteinahme für die Unternehmerklasse, hat so wenig äußeren Anlaß und so wenig Dekoration zur Verhüllung seiner Feindschaft gegen die Arbeiterklasse, daß die Natioualliberalen mit gewohnten! Drehscheiben-Mannesmnth vorerst um die Verantwortung sich drücken wollen! Und wie siegesgewiß trat der Herr Staatssekretär in die Arena, nachdem Genosse Wurm den Erlaß so rücksichtslos kritisirt und seine wahren Absichten klargelegt hatte! Mit ein paar wohlfeilen Echerzchen darüber, daß wir Sozialdemokraten ihm eigentlich für dieses Agitationsmittel dankbar sein, ihn zum Ehrenmitglied der Partei ernennen sollten, glaubte er die Sache abgethan zu haben; mit ein paar Drohungen seiner starken Faust wähnte er die Arbeiter eingeschüchtert, und mit den tönenden Redensarten sittlicher Entrüstung und mit der Phrase von der Vertheidigung der bürgerlichen Freiheit hoffte er die bürgerlichen Parteien kaptivirt zu haben. Aber sein stereotypes Lächeln verschwand, sein Gesicht wurde immer länger und seine puttkanier'sche Pose immer un- sicherer, je länger die Debatte währte und je weniger er die Wirkung eintreten sah, die er spielend erreichen zu können ge- hofft hatte! Herr Posadowsky schaute ganz verwundert darein, als Herr Lieber vom Zentrum— gewiß mit aller diplomatischen Reserve, aber angesichts der bevorstehenden Wahlen immerhin niit leichtverständlicher Deutlichkeit— auf seine stellenweise sogar die Stnnim'schen Uebertreibnngen übertreibende Unter- nehmer-Vcrgöttcrnng einen kalten Wasserstrahl goß. Herr Lieber stellte sich und seine Mannen dem Herrn Staatssekretär für den Kampf gegen den Umsturz zur Verfügung; wenn der neue Staatssekretär es aber niit der Einigung aller bürger- lichen Elemente ernst meine und der Einwirkung der Religion dieselbe Zauberkraft gegen den Sozialismus zuschreibe, wie das Zentrum, so möge er ihnen den Rücken freihalten von dem preußischen Kultusminister und dem Minister des Innern. Mit gebundenen Händen könne man nicht kämpfen. Und nach dieser Verbeugung und Zahlungsaufforderung belehrte ihn der Zcutrumssührer mit der ganzen ihm so wohlthnenden Herab- lassung: das Zentrum stehe auf dem Boden der Gleich- berechtig nn g zwischen Arbeiter und Unternehmer; es würde niemals Gesetze einseitig zu g u n st e n der Unter- nehmer machen; die größten Schreier nach Ausnahmegesetzen (wie Herr Kardorff) seien stets die eingefleischtesten Gegner des Arbeiterschntzes gewesen; die Arbeiter hätten das Recht der Organisation und die beste Eindämmung gegen den Kontraktbruch sei der Schutz und Ausbau der Arbeiter- organisationeu! Wenn der neue Herr Staatssekretär so groß- Lust zu Untersuchungen und Anfragen habe, so möge er doch auch nachforschen lassen, auf welcher Seite der größere Mißbrauch der Koalilionsfreiheit stattfände: ob auf Seile der organisirtcu Arbeiter oder der.Wilden"; ihm seien die organi- sirtcu Arbeiter lieber als die.Wilden". Im übrigen aber könne er schon begreifen, daß die Sozialdemokraten in seinem Erlaß ein Altentat auf das Koalilionsrecht erblickten nach den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs über Wahlrecht, Koalitionsfreiheit, Streikvereine u. dgl.! Das Zentrum aber sei weder für Aufhebung der Koalitionsfreiheit zu haben, noch- vorläufig— für Strafverschärsnngeu, wie sie Herr Posadowsky zu planen scheine. Diese Touche ans seinem Hnsarenritt zur Knebelung der Arbeiterklasse kam Herrn v. Posadowsky anscheinend ziemlich nnerivartet. Für ihn ist ja Arbeitersordcrung und sozial- demokratische Forderung identisch; ein„konstitutionelles", ans Gleichberechtigung fußendes Verhältniß auf dem Wirt!" gebiete ebenso widersinnig und umstürzlerisch wie auf politischem Gebiete. Wie soll er auch in seinem Posener Verwaltungs- dienst andere Auffassung herbekommen haben! Und der Um- gang mit den Stumm, Bueck und Konsorten in den Unter- nehmer-Sachverständigenkommissionen zur Vorbereitung der Handelsverträge«. war nicht geeignet, ihm objektive, sachliche üffassung über Arbeiterbewegung und Arbeiterkoalitionen beizubringen! Man würde sicherlich dem neuen Staatssekretär Unrecht thun, wenn man seine bedingungslose Unternehmer-Freundschaft, seine kurzsichtige Arbeiter-Feindschaft auf unlautere Motive oder knechtische Abhängigkeit zurückführen wollte. Im Gegen theil: wir nehmen sogar an, Herr Posadowsky fühlt sich völlig als freier, nur von seinem Gewissen, von seiner eigenen Ueber- zeugung geleiteter Beamter, der die Unternehmer für die besten, humansten, wohlthätigsten Männertz.hält, und der an all' die Schlechtigkeit der Arbeiter, an alle Gefährlichkeit und Ver- derbniß glaubt, von der nach seiner Darlegung die Gewerk- schaften erfüllt sein sollen. Um so schlimmer für ihn— denn gerade das macht ihn ja für den Posten, auf den er berufen und den er angenommen hat— vielleicht der wichtigste und verantivortungsvollste innerhalb der ganzen Reichsregierung— ganz und gar ungeeignet. Wir sind es ja in Preußen seit Alters her gewohnt: es giebt kein Amt und keinen Posten, dem ein preußischer Lieutenant oder ein ostelbischer Junker sich nicht gewachsen fühlt. Gestern noch Husarenlieutenant, morgen Dichter und Komponist, Theater-Jntendant oder Leiter der Reichspost; gestern iiocy Landrath oder sonst ein Verivaltungs- beamter vielleicht hinten an der russischen Grenze, morgen Kultusminister oder Polizeipräsident einer Ziveimillionen- stadt oder Reichs-Finanzminister oder Vorsteher des Reichs- amts des Innern mit seinen vielverzweigten Abtheilungen, deren jede für sich allein zur genauen Kenntniß und erfolg reichen Leitung die Kraft eines ganzen Mannes und die praktische Erfahrung langer Jahre beansprucht! Da darf man sich denn freilich auch nicht wundern, wenn der eine sich zu Rollen ivie Harun al Raschid gedrängt sieht, um so vielleicht die Dctailtenntnisse zu erwerben, deren Mangel ihn seinen Untergebenen gegenüber diskreditirt, der andere mit dem ganzen Feuereifer des Bureaukraten sich auf das Studium seiner neuen Aufgaben wirst und während er zu schieben glaubt, der willenlos Geschobene seiner Geheim- rälhe ist. Dieser Dilettantismus und Größenwahn des Junkcrthnms hat bei uns leider allzuviel Bedeutung und Einfluß, wird geradezu als selbstverständlich betrachtet— natürlich mit Aus- nähme der Militärverwaltmig! Welch' ein Spektakel würde bei uns nicht entstehen, wenn der Reichstag sich erdreistete, auch nur einen Techniker oder Ingenieur für die Leitung der Militärverwaltung in Vorschlag zu bringen! Aber daß im Reichsamt des Innern das Szepter in den Händen eines Manns liegt, der über das Verhältniß zwischen Arbeiter und Unternehmer, man möchte fast sagen, vorsintflurhliche An- schanuugen hegt, wird als selbstverständlich hingenommen! Und was haben wir im Lause der wenigen Ausführungen des neuen Staatssekretärs in den paar Tagen nicht alles zu hören bekommen! Im Lande des allgemeinen Wahlrechts sei das- Koalitfionsrecht für die Arbeiter von untere geordneter Bedeutung! Selbst Herr Dr. Lieber mußte den„neuen Herrn" daraus ausmerkiam machen, daß das Wahlrecht ans politischem, die Koalitionsfreiheit auf wirthschaftlichem Gebiete liege. Und derselbe Mann, der mit dem Hinweis auf das Wahlrecht die Arbeiter logischerweise zur Eroberung der politischen Macht verweist, bestreitet die Aufgaben des Staates zur Lösung wirthschastlicher Gegensätze! Tie Gewerkschaften sind nach Posadowsky's Mei- nung eigentlich nur Streikve reine, Aufgabe des Staats und der Staatsgewalt aber sei es, die S t r e i k l u st ni ö g l i ch st einzudämmen! Wenn Unternehmer ihre Arbeiter auf die Straße werfen, weil sie von dem Recht der Koalirung durch Beitritt zu Gewerkschaften Gebranch machen, so ist das nach Meinung des neuen Staatssekretärs ein selbstverständliches Recht der Unternehmer, dessen Ausübung der Staat niit aller Kraft zu schützen habe; wenn aber Arbeiter ihrem Unternehmer sagen, die Gewerkschaflszngehörigkeit gehe sie garnichls an, oder wenn sie von ihren Unternehmern gar verlangen wollten, sie sollten nur Geiverkschaftsniitglieder beschäftigen, so wäre das die Einführung des Kollektiveigenthums, die Enteignung des Unteruehniers, und die ganze Macht des Staates würde er mit aller Kraft gegen solchen Terrorismus der Arbeiter in Anwendung bringen. Der Arbeitsvertrag— weit entfernt ein bloßes Kontrakt- verhältniß auf dem Fuße der Gleichberechtigung zu sein, das allmälig zu einer gemeinrechtlichen, öffentlichen Funktion um- gestaltet werden sollte— ist ihm ein Pietätsverhältniß mit dem Charakter der Wohlthat seitens des Unter- nchmers, der D a n k b a r k e i t s p f l i ch t seitens des Ar- beiters! Diese ungeheuerlich rückständige Auffassung kam dann iveiter zu sehr charakteristischem Ausdruck, insofern als Herr Posadoiosky mit Posaunenstöße» die Opserwilligkeit der KirpedlUon: SW. 19, Aieuty-Straße 3. Unternehmer bei der Kostentragung der Versicherungsgesetz- gebung preisen zu sollen glaubte— S'/s Pf. pro Tag und Kopf auf den einzelnen beschäftigten Arbeiter!— und kein Wort darüber verlor, daß auch die Arbeiter jährlich über 150 Millionen aus ihrem elenden Lohn beisteuern mußten, und daß ca. 80 pCt. aller Unfälle ohnedem von den Arbeiter- Krankenkassen getragen werden müssen, zu denen die Unter- nehmer entweder garnichts oder höchstens ein Drittel beitragen! Woher eS denn auch kommt, daß der neue Staatssekretär für alle die Tausende, die Jahr für Jahr auf dem Schlachtfeld der Industrie in der Nimmersatten Jagd nach dem Unternehmerprofit getödtet werden, zwar als Mensch Mitleid und Bedauern hegt, als Staatssekretär des Innern aber für no t h wendig, für unvermeidbar, für selbstverständliches Risiko der Arbeiter hält, das mit den Bettelgroschen der Versicherung für die Wittwen und Waisen als gesühnt zu erachten sei! Nach diesen Blüthenlesen ans den Reden Posadowsky's müssen die deutschen Arbeiter fürchten, daß der neueste Kurs in seinen nächsten Gesetzesvorlagen sich darstellen wird als der Gendarm des U n t e r n e h m e r t h u m s, der den un- zufriedenen, begehrlichen Arbeiter einfach zu knebeln hat, um dem Arbeitgeber die ruhige und sorgenlose Ausbeutung des Arbeiters zu garantiren! In diesem Sinne faßt der neue Staatssekretär wohl seine Aufgabe auf, in diesem Sinne wird er sie denn ivohl auch zu erfüllen suchen, wenn ihn die deutschen Arbeiter bei den nächsten Wahlen nicht daran hindern! Der Posaboivsky'sche Erlaß war ein Scheinwerfer, der die Unternehmerfrenndlichkeil im Reichsamt des Innern grell beleuchtete; die Reden des Staatssekretärs haben vollends alles Dunkle hinweggenommen und der deutschen Arbeiterkasse gezeigt, daß der Geist Stnmm's und Konsorten dort unbestritten und uneingeschränkt herrscht. Und da der neue Staatssekretär im Glanben an seine Mission und seine Bedeutung auch T h a t e u d r a n g in sich spürt, so ist er doppelt gefährlich, und die Arbeiter haben bei den nächsten Wahlen alles daran- zusetzen, dem Kurs Stumm- Posadowsky den Garaus zu machen! Schon jubeln alle Ausbeuter im Reiche, und sie haben allen Grund dazu! Elwas voreilig proklamirte der„neue Herr", er werde mit seinem Erlaß als Manifest in den Wahlkampf ziehen. Wir hoffen das, denn das Manifest schafft klare Situation: die Regierung steht auf feiten der Unternehmer- klaffe: für die Unternehmer Staatsschntz und Staats- Hilfe; gegen die Arbeiter die gepanzerte Faust der Polizei und Ausnahmegesetze! Aber wir freuen uns dieser Klarheit, die den Arbeitern die Augen öffnen rnnß. 1890 blieb das Zuckerbrot der Februar- Erlasse wirkungslos; wie wirkungslos wird erst die Stumm- Posa- dowsky'sche Peitsche sein! Wenn die Arbeiter bei den nächsten Wahlen ihre Pflicht thun— und der Erlab peitscht sie ja förmlich zur Pflicht- erfüllnng heran— dann wird Herr Posadoivsky die Wahlen nicht überleben— es sei denn, er werde Klebe- Minister, ivie sein Amtsvorgänger, der s o konnte und— auch anders! polikischv MebovMzt. Berlin, 24. Januar. Llns dem Reichstage. Für das Publikum bewährt sich der Reichstag nach wie vor als Rendezvousplatz. Die Tribünen sind jeden Tag überfüllt, so auch heute wieder, im Saale da- gegen ist es öde und leer wie geivöhnlich. Eine längere Debatte entspann sich bei Titel 16 des Etats des Reichsamts des Innern: Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Namens des Zentrums gab Frhr. v. Hertling dem Bedanern Ausdruck, daß die Novelle zum Alters- und Jnvalideugesetz nicht wieder eingebracht worden sei, woran er den Wunsch knüpft, daß dies in der nächsten Session geschehe. Grund- sätzlich verlangt das Zentrum Ausschluß der Landwirthschaft, der Dienstboten und des Handwerks vom Versicheruugszwang. Diesem Verlangen gegenüber betonte unser Genosse Singer, daß von einer Einschränkung der Versicheruugspflicht keine Rede sein dürfe. Im Gegentheil müsse die Versicherung ans die selbständigen Handwerksmeister ausgedehnt werden. Eine Revision sei nothivendig besonders in bczug auf die Herab- setzung der Altersgrenze und die Erhöhung der Renten. Das Gejammer der Unternehmer über die Lasten der Ver- sichernng fei vollständig unberechtigt. Angebracht wäre eine strengere Kontrolle der Versichcrungskarten besonders nach der Richtung, ob auf dem Lande der Klebepflicht auch so nach- gekommen werde, wie sie das Gesetz verlange. Aufgabe der zu erwartenden Novelle müsse es sein, nicht blas die Wünsche der Unternehmer zu erfüllen, sondern den Arbeitern zu helfen. Gegen den Ausschluß der Landwirthschaft von der Ver- sichcrungspflicht äußerten sich Graf v. S t o l l b e r g und Dr. Hahn. Herr v. Stumm kam ans sein altes Verlangen: Einführung einer Einhcitsrcnte für alle Versicherten und Ver- sichernng der Wittwen und Waisen zurück, worauf Graf v. Posadowsky auf das riesige Anwachsen der Ausgaben im Falle der Herabsetzung der Altersgrenze aus 65 oder 60 Jahre und der Einführung der Wittwen- und Waisen. Versicherung hinwies. Die Kontrolle der Jnvalidenversiche- rungs.Karten hat sich, nach dem Herrn Minister, anch aus dem Lande»vcscntlich gebessert. In ein arges Wespennest scheint Dr. Hahn gestochen zn haben, als er bei dein Titel„Nnsivanderungsamt* aus ge- unsse Zustände im Norddeutschen Lloyd hinwies. Frese (Bremen), Dr. H a m in a ch e r und Dr. Lieber breiteten ihre schützenden Fittiche über das Bremer Riesciennternehmeu aus und Herr Dr. Hahn mußte sehr zu seinem Schaden erfahren, wie bedenklich es für einen bürgerlichen Abgeordneten ist, die Interessen der Millionäre zu verletze». Zn einer Debatte über die Wirkungen des letzten Börsen- gcsctzes(Tcrmiuhandcl, Börscukouimissar rc.) gab der neue Etattitcl: Börscnansschuß:c., wofür 25 000 M. eingesetzt stnb, Anlaß. D r. Bart h eröffnete den Reigen, indem er auf die vollständige Wirknngslosigkcit der letzten Attacke auf die Börse hinwies. Herr G a m p nahm als Vollblut- agrauer den Handschuh auf und vcrtheidigte mit eben so viel Worten als wenigen Gedanken das Börscngcsctz, nebst Verbot des Terniiuhandcls und Börseu-Ncgistcr. Dr. Barth antwortete, worauf Graf A r n i m noch eine Lanze für de» soliden Getreide» yandcl einlegte und gegen die Berliner Winkelbörsen los- wetterte. Obwohl der Zeiger mittlerweile bereits aus 6 llhr vorgerückt war, so konnte sich der unvermeidliche Dr. Paasch? doch auch diese Gelegenheit nicht vcrkneifeii noch eine seiner laugathmigen Reden loszulassen. Da noch nicht alle Agrarier gesprochen hatten, beantragte Herr von Kardorss Vertagung, die auch beschlossen wurde. Morgen 2 Uhr Fortsetzung. Daö pmißtschc AbgeordiicteuhaiiS trat heute zimSchst in die «eralhuiig des Gcsetzcnlivurss betr. Aushebung der Ver- p f l i ch t u u g zur Bestellung von A m t S k a u t i o n« n Die Redner aller Parteien standen der Vorlage sympathisch gegen über, doch wurde von veilchiedenen Seiten, iiaineiillich vom Abg Richert(frs. Bg.) der Wunsch laut, auch die Gerichtsvollzieher von der Stellung einer Kaulion zn entbinde»,«in Verlangen, dem die Regierung vorläufig im Interesse des Publikums noch nicht ent spreche» zu können glaubt. Da ein Antrag ans Koinmiisiyns berathnng nicht gestellt war, wurde sofort auch die tiveite Lesung l»i Pleniiin vorgenommen, in welcher die einzelnen Bestimmungen des Entwurfs in der Fassimg der Regieriliigs- Vorlage ziir Annahnie gelangten. Slbgelehnt wurde ein Antrag Op fer g e I t(Z.), die jetzt zehnjährige Sperrfrist für die Kantionen der rheinischen Hypolhekenboivahrer aus siins Jahre abzukürzen. Be merkeusiverlh ist die Erklärnng des Finanzininisters, dag zuerst die Kautionen der untere» Beamten zurüchgezahU werden solle». Den zweite» Theil der Sitzung füllte die erste Lesung des G e s e h- entwurfs über bchi Staatshaushalt(Komplnbililälsgesetzl aus. Die Forderung nach Erlaß eines solchen Gesetzes ist seit 187» iviederholt im Reichstage erhoben, eine Vorlage ist auch zn verschiedenen Malen eingebracht worden, aber nie zur Verabschiedung gelangt. Der Reichstag Hilst sich seit 18(18 damit, daß jährlich durch besonderes Gesetzdie preußische Oberrechnungskanimer mit der Kontrolle der Rechiinngen für das Reich beansiragt wird. Als Rechnungshof des Reichs fnngirt eine besondere Abtheilung der preußischen Obemchnnngskawmer unter dem Vorsitz des Präsidenten dieser Kammer. In, Abgeordnetenhaus wurde ein Gesetz über die Grundsätze bei den Einnahmen und Ausgaben de? Staats vor einigen Jahren im Anschluß an eine JnterpeNntioii der freisinnigen VollSparlei über de» Erlaß des Fideikoinmißsieinpels an de» damaligni Laiidwirthschaslsminister Frhrn. v. Lucius gefordert. Nach der Vorlage hat der König daS Recht, die von den Be> Hörden rcchtSgiltig abgeschlossenen Verträge zum Nachtheil deS Staates auszuheben oder abzuändern. Ferner darf die Krone nach wie vor Defekte niederschlagen, wovon dem Landtage nur bei den betr. Etaistiieln fiimniarisch Keiiiitniß gegeben werden soll; der Entiviirf kodisizirt also im großen und ganzen die bisherige Praxis obwohl dieselbe in vielen Fällen als rechtswidrig angesochten ist Außerdem bedeutet der Entwurf insofern eine Schmälernng des Elaisrechls� als Einnahme» und Ausgaben ans gr»»d von Anleihe gesehen nur dann in den Elat eingestellt zu werden brauchen, wen» dies in den Auleihegesctzen selbst ausdrücklich bestiiiiiiil ist. Eine zweite Uuterbiiidniig des Etatsrechts besteht in der Bestiinmung, daß die Nemuneralionsfoiids für Beamte, die sich der Kontrolle des Land tages völlig entziehen, nicht nur nicht beseitigt werden, sondern aus drücklich die Beftiilimuiig getroffen ist, daß Ersparnisse aus dem Beamtenbesoldiiiigs-Fonds zu Remuiieratioiieii au die Beamten ver- wendet iverden können. Aus der Debatte, die sich in Einzelheiten verlor, ist die Er kläruug der Konservativen hervorzuheb-n, daß sie sich jeder Echinäleriiiig der Rechte der Krone cutschiedeu ividersetzen würden. Was die Herren unter Krourechteu verstehen, ist allerdings nicht mit Bestiiiniilheit anzugeben. Die Vorlage wurde einer Kommissiou von LI Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung: Mittwoch(Antrag des Zentrums betreffend Aeiidening des Kommniial-WahlgesetzeS).— Never den Zeitpunkt der nächsten Wahlen herrschen Mos Vermuthnngen. Wir erfahren von einer Seite, die es wissen kann, daß die Wählerlisten für die Reichstagswahl bis Ende Mai zur Anslegnng bereit gestellt sein sollen, sodaß die Wahlen im Juli stattfinden könnten. Die preußischen Land- tags-Wahlen dürsten nach der gleichen Quelle im Oktober statt- finden.— DaS geheime Niiudschreiben deS Grafen PosadowSkt, ist — wie der Herr Slaatssekrelär im Reichstage selber zugegeben hat— veranlaßt worden durch eine Eingab« des Vnndes deutscher Bau- geiverks- Jnnnngeii, worin dieselben verschärfte Strasbestimniungeii gegen den Mißbrauch der KoalilionSfreiheil fordern, unter dem Vor geben, die zur Zeil geltenden Strafparagraphen seien nicht ans reichend, um die Arbeitswilligen gegen den Terrorismiis der Streikenden zn schützen, was sich namentlich bei dem Berliner Manrerstreik des vergangenen JahreS gezeigt haben soll. Beweise hat die Bangewerks- Innung für ihre Behauptung freilich nicht erbracht. Ob das Verlangen der Jiinnngsmeister welches bei dem Grafen PosadowSly ei» so geneigtes Ohr gefunden hat, begründet ist oder nicht, mögen folgende Angaben beweisen. Der allgemeine Streik der Maurer währt« vom 14. bis LS. Juni, jedoch sandeii sowohl vor wie namentlich nach dieser Zeil eine große Zahl Sperren und Arbeitsniederlegungen auf einzelnen Bauten statt, so daß sich die Lohnkämpfe der Berliner Maurer aus die Zeit vom März bis Dezember erstreckieu. An der Arbeits niederlcgung waren insgesammt 78Sd Personen betheiligt. Bei der bekannte» Stellung, welche Unternehmer und Behörden den Slreilendeii gegenüber eiiiuehnien, kann wohl als sicher angenommen werdeti, daß kein Fall von Ansschreitiiiig seitens Streikender unenldcckt geblieben ist. Gleichwohl ge- langten während des ganzen Lohnkampfes nur 48 Personen zur Anzeige, die sich gegen«Arbeitswillige- vergangen haben sollten. Aon diesen Anzeige» waren jedoch Sll so wenig begründet, daß richlerliche Freisprechung erfolgie. Von den Freigesprochenen waren angeklagt: tv wegen Vergehen gegen die§Z 152/153 der Gewerbe. Ordnung, 4 wegen desselben Vergehens rn Verbindung mit Be- leidignng resp. Bedrohnng, 1 wegen Beleidig»»«. Mißhandlung und Bedrohung. 1 wegen Mißhandliiiig. 1 wegen Hanssriedensbruch. L wegen Körperverletzung, in einem Fall« 6 Personen wegen ge- meinschaftlicher Körperverletzung und 1 wegen Aufforderung zum Widerstande gegen die Staatsgewalt.— Vernrlheitt wurden LL Personen, t«»d zwar: fünf wegen Bcrgehen gegen ß 152/153 der Gewerb«- Ordnung,(8 Dag« bis 8 Wochen Gefäiigniß). drei wegen desselben Vergehen» in Verbindung mit Beleidigung(ö Wochen), mit Mißhandlung(15 Tage). mit Beleidigung und Bedrohung(2 Monate), v wegen Beleidigung (10 M. Geldstrafe, 1 Woche, 2 Wochen Gefängniß). 2 wegen Miß- Handlung(20 resp. 30 M. Geldstrafe), 1 wegen Hanssriedensbruch und Beleidigung(1 Tag), 1 wegen Haiisfriedeiisbruch(20 M), 1 wegen Haussriedeiisbruch und Mißhandlung(60 M.). 1 ivege» Hanssriedensbruch und Bedrohung(1 Woche), 1 wcge» Beleidigung »»d Körperverletzung(14 Tage), 1 wegen gefährlicher Körper- Verletzung(3 Woche»), 3 wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung (zwei je S Monate, der dritte 1 Jahr). Also während einer Lohnbeivegung. die sich über acht Monate hinzog, fanden sich unter 7635 Streikende» ganze 22, die sich aus Anlaß des Streiks strafbarer Haiidlniigen nach den Urtheilen der Gerichte schuldig machte», und von diesen nur 8, die sich gegen § 153 der Geiverbe-Ordnuiig vergingen, wobei noch zu berücksichtige» ist, daß Aeußertliige», die niiter gewöhnliche» Uinstinden sicher jür ganz belanglos gehalten würden, nach der bekaunteii Bielefelder Rede als Verrnsserkläruiige», Ehrverletzungen»nd dergleichen an- gesehe» wurden. Die Übrigen 14 Strasthaten könne» wohl nur als in niillelbarem Zusammenhang mit dem Streik stehend erachtet iverden, de»» sie sind meist begangen, als ehemals Slrcikende und Streikbrecher wieder zusamnien arbeitete». Wenn also während der großen Lohnbewegiing der Berliner Maurer mir acht Vcrurlheiluiiaen auf grund des§ 153 der Gewerbe- Ordnung erfolgten, so ist damit wohl daS Geschrei der Bangeiverks- J»»»»g über dcnjTerrorismns der Streikenden hinreichend widerlegt. Was die Herren Baugewerksmeister wünscheii, das ist eine Bestrasnng der sogenannten Streikposte», d. h. derjenigen Personen, die sich i» der Nähe einer gesperrte» Arbeitsstelle aushalten, um nrbeitfuchendeii Kollege» niitzulheile»: dort wird gestreikt. Mit wie großem Ver- ständnist die Polizei diesem HerzenSivunsche der Unternehmer bereils eillgegengelommen ist. beweist der Umstand, daß an Maurer, die i» der Nähe gesperrter Bauten angelroffcn ivnrde», in l4 Fälle» polizeiliche Strafversügunge» ergingen, iveil die Belreffeiide» ans den, Bürgersleig gestanden, dadurch den Verkehr gehemmt und sich, der Auffordernng des Schutzmanns»»geachtet, nicht sofort entfernt halten. Was sagen die geheinulißvolle» Statistiker des Herr» Staatssekretärs zu diese» Angabe»? WidcrspriichSbolle Nrthcile. In unserem Leitartikel in der Soiintagsnummer berichtete» wir, daß ei» Arbeiter, der beim Ver- lassen der Arbeit zu einem Kollege» mit einem Blick auf die Weiter- arbeitenden sagte: «Seht Euch die Kollegen an* ivegen Bedrohung einen Monat Gefängniß erhielt. Aber in einer Gerichtsverhaiidlnng gegen den Bnffelier Albrecht, der zivei Damen auf der Köthenerstraß« ohne jede Veranlassung in be- leidigender Weise anredet« und als diese dagegen protestirte», sie mit Faustschläge» traktirle, bekam der Angeklagte nur 14 Tage Gefängniß. Die erste Instanz hatte nur auf 50 M. Geldstrafe erkannt. Diese Urlheile sprechen Bände.— Vorbereitungen zur internationalen Znckcr- Konferenz. Ans Brüssel wird letegraphirt: England hat seine Theilnahme an der Brüsseler Zucker- Konferenz jetzt anillich angezeigt. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit Frankreich schweben noch.— Die italienischen Brotwucherer und die hochschnh- zöllncrische Regierung haben endlich gegenüber den Hunger- revolten ans einen freilich nur kleinen Tbcil ihres Raubes an den Aermste» verzichten müffen. AuS Rom wird hierüber telegraphirt: Auf Vorschlag deS MinisterrathZ hat der König heute ei» Dekret unterzeichnet, durch ivelcheS die Eingangszölle sür Getreide bis zum 30. April d. I. von 7,50 Fr. auf 5 Fr. ermäßigt werde». Das Dekret tritt am 25. d. M.»lorgens in kraft; an demselben Tage soll es der Kammer zur versnssnngsmäßige» Genehmigung als Gesetzentwurs vorgelegt werde».— Zur ostafiatischeu Situation meldet die«Köln. Ztg.* ans Petersburg: Von bestlmterrichteter Seite verlautet, daß Rußland entschlösse» sei, unter keine» Umständen in die Erklärnng Talieinvaiis als Vertragshafeu zn willige», selbst wen» es zum äußerste» kommen sollte. Die englische» Drohungen werden hier sehr skeptisch be« »riheilt. Man erwartet, daß England, wie bereits so oft in oft- asiatischen Frage», auch jetzt nachgebe» werde. Es ist grund z» der Annahme vorhanden, daß nia» über Frankreichs HnUnng im Falle einer Konferenz bereils hinlänglich unterrichtet sei.—. •• Deutsches Reich — Selbst gegen das deutsch-österreichische V i e h s e» ch e»> N e b e r e i n k o m m e n laufen die Agrarier immer leidenschasllicher Sturm. Ein« Znschrist aus Bayern erklärtes soeben in der„Deutschen Tageszeitung- sür iiolbwendig, „daß bei den nächsten Mahlen«ine ausreichende Zahl solcher Männer in den Reichstag gelangen, die es wirksam zn verhindern wissen, daß jene im Jahre 1892 beschlossene und 1903 ablansende Konvention nochmals erneuert werde.- Bon den lhatsächlichen Jrrlhümern der Znschrlft sehen wir hier ab— so von der Behaiiplnng, daß. weil die Vicheinsnhr aus den Balkanlttiidern nach Oesterreich gestattet sei. nun auch weiter die Eliifuhr desselben Viehes nach Deutschland freistehe. DaS ist durchaus nnrichlig: die Konvenlio» gilt nur für die eigenen Pro- venienzen der verlragschließendei» Länder; im Schlußprotokoll. durch Ursprungszeugnisse wird das ausdrücklich festgestellt. Materiell sind unsere Zugeständnisse an die österreichische Vieh- einfuhr Überhaupt sehr geringe gewesen, besonders durcki die Beschränkung der Einfuhr ans beslimnit« Grenzstationeii. Bedeutsam waren sie nur als ei» erster Schritt zur internationalen Regelung einer Frage, die von Jahr zn Jahr brennender iverden liiuß, weilii nicht ähnliche Uebereinloinuie» sich weiter entwickeln. Der Vertrag stützt sich auf die Thaisache, daß das öfter- reichische VcUriiiärwcseu große Fortschritte gemacht habe. daß insbesondere auch die Ueberwachuiig der Viehproduklion und des Viehvcrkehrs zuverlässiger geworden sei. Um dies«(auch von niis sür nothwevdig gehaltene) Grundlage eines freiere» Viehhandels nicht durch österreichisch- Schlamperei wieder zerstören zn lassen, lönnen deutsche Koniinissäre jederzeit ohne Anmeldung die ösler- reichische» Viehhöfe, Schlachthäuser»nd Quarantäne- Anstalten prüfen ein Rech», das wir nmgekehrt natürlich auch Oesterreich eingeräinnt haben. Völkerrechtlich wie wirthschaftspolilisch zeigen sich hier die eulwickl»»gssähigsteu Keim« zu späteren größer«,» Fortschritte». Trotzdem ist die Ha»plabschwächil»g der alte» rück- stchtSloseu Einfuhrverbote doch»ur die, daß erst nach wirklich erfolgter Ansteckiing«Nd immer gegen bestimmte engere Gebiete, nicht gegen die ganze Doppelmonarchie Eperrnnge» in Znknnft verhängt und daß diese iveiler eingeschränkt iverden sollen, wenn Oesterreich gewisse ivetleri Voranssctzungen i» seiner Veterinär- gesetzgebiing erfülle. Wären die Agrarier nicht so kurzsichtig in ihrer Jnieressen- Politik, so würden sie derartige Konvenlione» weiter mit ausbauen Kelsen, den» wo ihr« Beschwerden über Viehversenchnug begründet sind, erlaubt ihnen eine solche internationale Regel»»g viel leichter de» Nachweis und die Nechlserligiing vor der öffeiillichen Meinung. Durch ihr blinde? Wüthe» gegen jede Vieheinfuhr geben sie nur de» absoliiteii Freibändlern Oberwasser, die jeden Seuchenschntz gegen das Ausland für«nnütz und verderblich erklären. — Die nationalliberal« Partei tritt mit der Auf- fordernng zu Geldsamuilunge» und Naihschläge» sür die Wahl- >e>veg»ng in den Wahlkampf. Auch dir Ehriftlich-Sozialen fordern ständig z» Geldsaminluiige» ans.— — NeberdeSFürsten Bismarck Stellimg zur Klaots-bau- Politik wurden widersprechende Urlheile verbreitet. Di««Mecklen- Hurger Nachrichten* find nun ermächtigt, die Nachricht der«Post* zn demeniiren, nach der Fürst Bismarck dem Grobherzog von Sachsen-Weimar telegraphirt habe, er halte die diploinatische Aktion in Kiaolschau sür«iiie ganz vortreffliche Handlung, die gar nicht besser hätte eingeleitet und durchgeführt werden köimen. Ebenso sei es dem vollen Zuhält nach ersnnden. daß Fürst Bismarck dem Herzog Regsuteii Johan» Albrecht von Mecklenburg- Schwerin gegenüber sich ähnlich geäußert habe.— — Politischer Schacher. Im«Nendammer Laiidivirlh- schastlichen Anzeiger- vom 20. Januar findet sich solgende Anzeige: „Welcher Edeldenlende irgend einer Parteirichtung Hilst un- verschuldet in schiefe Lage koinmenden Landwirth bald, wenn I. Hypothek von 100000 M. zu geben»nd vollste Sicherheit vorh. ist? D a u e r» d e S t i n>»i a b g a b e für b e t r. P a r t e i zu- gesagt. Offerlen Reelldenkender unter X."W. 011 befördert die Expedition d. Bl.* — Chronik der Eisen 6a 6»«Unfälle. Der miitag? 12 Uhr 17 Mi», i» Köln a. Rh. fällige Berliner Schnellzug ist heule Vormiitag bei Herne entgleist. Hierbei ivnrde» fünf Personen gelödtet, zwei Todle», darunter einer Frau, wurde» die Köpfe gänzliä, vom Rumpfe gelrennt, 26 verwundet. Eine Frau wurde heul« Mittag»och vermißt. Brauuschwcig, 21. Januar.(Eig. Ber.) Der Landtag hat sich bereits heute, nachdem die Wahl der Koiumissto»«» lind Ausschüsse vollzogen war, wieder bis zum 10. März verlagt. Bis dahin denken die Kommissioneii ihr« geschäftlichen Arbeite» geleistet zu haben. Hervorzuheben wäre»och der Eingang einer Vorlage betreffend Einführnng der obligatorischen Fleisctischan für jegliches znm mensch- liche» Ecnnß bestimlnlcs Schlachtvieh. und zivar soll Großvieh ziveimal, sowohl vor lwie nach dein Schlachten, Kleinvieh eiuinal,»ach dem Schlachten, thierärzllich nnlersucht werden. Das neue Polizei-Strafgesetzbnch ist aiißerordentlich um- fangreich und regelt sänimtliche Materiell, bezüglich deren Polizei- strafeii ivegen Nebertretmigen verhängt iverden können. Einzelne sind vo» besonderer Bedenliuig auch für die Arbeiterllasse, so die- jenigen, die sich ans Vergehungc» gegen die Gewcrbe-Ordnnng und auf den Gesindedienst beziehen. Vo» besonderem Interesse ist jetzt anläßlich der Wiederlehr der lex Heinz« im Reichslage der Abschniit über die Sittenpolizei, da Brannlchiveig anch noch zn de» Bezirken im Deutschen Reiche gehört, in deuen es öffentliche Hänser giebt.— AnS Schwarzbnrg-Riidolstadt, 21. Jaiinar.(Eig. Bericht.) Die Erruiigenschaflen der Mciniuger sttegicrung. der der Landlag im vorigen Jahre das erzreakiionär« Gemeindegesetz apporlirte. haben die Schivarzburger Rückwärts« nicht schlafen lassen und so liegt den» dem zu einer„außerordentlichen Versaininlnng" zu- sanunengelrelenen Landtage unter dem harmlose» Titel„Abänderung der Geincinde- Oidnnng" ein Gesetzentwurf vor, der sich i» der Hauptsache mit der Nückivärlsrevidirnng des Gemeinde- Wahlrechts befaßt. Bisher war als wahlfähiges Aller das LI. Jahr festgesetzt, der Entwurf sieht dagegen das 25. Jahr vor. Ferner war bisher das Wahlrecht ein allgemeines, gleiches (natürlich nicht sür alle Reichsdeutsche, sondern blos jüc die Rudolf- städler), jetzt jedoch soll das D r e i k l a s s e»>v a h l- S y ü e>» mit geheimer, direkter Sliiumabgabe eingeführt werde». T-e» nächsten Anstoß zu diesem Gesetzentivnrfe dürsten die Wahlerjolge miserer Frankenhäuser Genossen gegeben babe», welche im dortigen Gemeiiideralhe die absolute Majorität besitze». Sollte der Entwurf zur Aiinahine gelange», so wird eS nur unter de» denkbar größien Anstrengungen möglich sei. in den Slädten den drill«» Theil der Stadlverordneten-Mnudaie sür unsere Partei zu geivi»»«». Die Klasse» sind in gleicher Weise wie in Preuße» eiugetheilt. I» de» Dörfer» babe» n n r Haus- oder Grundstücksbesitzer das aktive und passive Wahlrecht. Frauen lönue» künflig das Wahlrecht nicht mehr erwerbe», da angeblich das bisher bestandene Frauen- Bürgerrecht ,z» recht bedeiillichen Erscheiiiinigen und Beschiverden Veranlnssnng gegeben hol'. Ter Enlwurf sieht ferner künftig sür Hausbesitzer eine ein- jährige, für Nichtangesessene ein« dreijährige Orlsanwesenheit für las Bürgerwerden vor. Orte über 2000 Eimvohner erhallen des weiteren die Beschränkung, daß dort in Znkunst die Bürgermeister nicht mehr durch die Gesaminlheit der Bürger geanthlt werde», sonder» daß dort die Wahl durch die Stadl- verlretiing vorgenomineii wird. Nach wie vor soll der Bürger« ineisier der selbstverständliche Vorsitzende des Gemeinderath? sein. Besitz ist Macht ist die Parole des Gesetzentwurfs. Leider liege» die Dinge im Schivarzburger Landtage so, daß ans eine wesentliche Verbesserung der Vorlag« gar nicht zu rechne» ist und dieselbe wohl in der Hauptsache angenommen werden dürste. Die Parleigenosse» habe» sür die nächsten Tag« Prolestversammlnngen einberufe», in ivelche» eine gteichlaulende, gegen die Gcsetzwerdnng des Gesetzenlivnris sich richlende Resolulio» zur Abstimmung ge- bracht werden wird.— Miinche», 24. Jminar. In der Kammer der Abaeordneten kam heute gelegentlich der Beralhung des Eisenbahn-Elals auch die M a r i n e v o r l a g e zur Sprache. Minister Freiherr v. Crailsheim da»e i» der letzte» Citznng davor geivarnt, auf eine so rapide Steigerung der Einiiahme», wie sie in den letzten Jahren erfolgt ist, auch sür fernere Zeit zu rechiieu und das Budget mit Aus- gaben zu belasten, welche nicht»othweudig sind. Abgeordueler Dr. Heim(Z.) bezeichnet« heute diese Aeußerllng als beste Rede gegen die Marinevorlage.(Lebhafter Widerspruch.) Minister Fehr. v. Crailsheim wies die Zusaminenstelluiig seiner Aeußerung mit der Marinevorlage zurück niid erklärte, die Forderung sür die Marine sei nicht so hoch und die Sleigerling der Ausgabe» sei im Verhältniß sehr mäßig.„Ferner gehört die Marinevorlage", so fuhr der Minister fort,„zu den nothwendigen'Ausgaben. Das Reich muß diejenigen Slnsgaben inachen, die»oth- wendig sind zur Sicherung seiner Größe, Machlstellnng und Wohl- fahrt.-(Lebhafter Beifall.)�Abg. Dr. Pichler(Z.) erklärt: Auch wir sind bereit, alle Summe» zu beivilligeu, ivelche für die Sicheeheit, Größe und Wohlfahrt uothwendig flud. Aber wir wünsche», daß bei den Ausgaben das Wohl und die Rechte des Volkes berücksichtigt werde». Abg. v. V o l l in a r(Soz.)«rkläri, nach der Meinniig der Sozialdemokraten gehöre» die Forderungen der Marinevorlage nicht zu de» nothweiidigen Ausgaben.— — LörrachLand ist den badischen Nationalliberalen schließ- lich doch verloren gegangen. Im heutigen drilten Wahlgange der zweiinal für ungiltig erklärten Landiags-Ersatzivahl erhielt laut Privattelegramm der freisinnige Kandidat Hagist 62, der national- liberale Kandidat Dreher 61 Sliminen.— — Chronik der MajestälSbelridigungS-Prozesse Der verantivortlich« Redalteur des„Kladde radalsch", J- Trojan wird sich morgen 9'/i Uhr vor der 9. Slraftanuner des Landgerichts I auf die gegen ihn«rhobene Anklage wegen Majestätsbelei- diguiigzu verantivorten haben. Die Majestälsbeleldiguiig wird bekanntlich in einem Bilde gesunde», welches der„Kladderadatsch- am 28 Nov. v. I. veröffentlichte. Das Blatt ist damals ivege» dieses Bildes mit Beschlag belegt worden. In seiner Ansprache an die Rekruten Halle der Kaiser, wie berichtet wurde, auch die Redewendung gebraucht: Wer kein braver Christ sei, sei kein braver Man» und könne anch kein braver Soldat sein. Die Bedeulnng und Tragweite dieses KajserworteS ist in der Presse ledhast besprochen ivorde»; der „Kladderadatsch- glossirte«S durch die der Anklage zu giunde liegende Zeichnung. Letztere führt vier im Himmel thronende be- rühmte Soldaten: Leonidas. Alexander von Makedonien, Napoleon I. und Friedrich de» Großen vor, die sehr brave Soldaten aber wenig brave Christen gewesen sind und nun ans biminlische» Höhen aus ein ZeilungSblnlt lächelnd herabblicke», welches ihnen vo» einer TenfelSgestalt entgegen gehalten wird. Auf de» Ausgang dieses für iuisere Zustände bezeichnenden Prozesses darf man gespannt sein. De» Vorsitz im Gerichishose führt LandgerichtSralh Lauter ins, die Anklage vertritt Staatsnnivalt Dr. Sger, die Vertheidiguiig führt Jnslizralh Dr. v. Gvrdon. Als Zeug« ist nur der Verlags- bnchhändler Hosman», der Verleger des„Kladderadatsch-, geladen. Wegen lvlajeslätsbeleidignng verurtheille die IV. Straffammer deS Landgerichts I den Cchneidergcsellen Hermann Heise zu zwei Monate» Gefängniß. Wie sich aus der Urleilsverkündigiing ergab, war der Angellagt« mit mehrere» Milgeselieu in ein Gespräch tiber die venneintlichen JahreSeiukünft« deS dänischen JlniferS ge ralhcn»nd hatte dabei einige mm unter Strafe gestellte Aenlerkimgeii über das Staatsoberhaupt gemacht. Aus Neustadt in Schleste» mird geschrieben: Wegen Majesttits beleidignng wnrde gestern der schon vielfach wegen verschiedener Vergehen vorbestrafte Armenhäusler Steinte verhaftet und nach Slogan überführt. Oesterreich. Prag, 23. Januar.(Eig. Ber.) Jede optimistische Hoffnung auf eine kommende Verständigung der feindlichen Brüder im böhmischen Landlag muß nun endgiltig begraben werde». Beide Vermiltelungsanträge sind als gescheitert anzusehen und der nationale Streit»inßte sich selbst aufzehren, wenn nicht von der Straße aus Hilfe käme. Am Anfang der Session sorgte der Landtag für die WacherhaUung der Straßenpolitik, jetzt muß die Straße für den Landtag sorgen. Es ist charakteristisch und vielleicht in einem Sinn ein kleines Anzeichen der Besserung, daß diese Aktion lediglich nur mehr von der akademischen Jugend besorgt wird. Es ist ein arger Eingriff in die Rechte des Bürgerthums, daS Verbot der Statt- halterei, wonach das Tragen von Abzeichen:c. verboten ist, doch ist es seit dem Tage merklich ruhiger geworden in Prag. Die deutsch Studentenschaft hat still protestirt und wird am Mittwoch in Leitmeritz einen Akademikerlag abhalten: der akademische Senat der deutschen Universität hat Amt und Würde niedergelegt und für längere Zeit>verden die Vorlesungen sistirt sein. Ein schweres Un recht erleide» jene Stndirenden, die sich den Lux»? des Nalionalis »ins nicht erlauben können, dem Streit fernstehen und hauptsächlich ihren Studie» obliegen. Die Straßen Prags sind wohl noch be lebter als sonst, namentlich abends; zu Demonstrationen kam nicht. Die scheinbare Ruhe kann freilich über die traurige Lage der Dinge nicht hinwegtäuschen. Sollte der Landtag, was von vielen Seiten befürchtet wird, in die Brüche gehen, so ist die Negierung mit ihrer Weisheit fertig.— Ungar». Anö Kroatien kaufen abermals beunruhigende Meldungen ein In der feit den LandtagSivahle» herrschenden Gährnng traten die Folgen der Mißernte hinzu. In einigen Besirken herrscht H n n g e r S n o t h. Dabei schürt die Regierung selbst die Erregung da sie alle Klagen und Beschwerden mit roher Eeivalt nieder zutreten sucht.— Schweiz. Ziirich, 22. Januar.(Frankf. Ztg.) In Lugano wnrde ein i t a l i e n r s ch e r G e h e i m a g e n t verhaftet, der angab, im Solde des italienischen Konsuls in Bellinzona zu stehen. Der T-ssiner Siaalsrath stellle den Verhaslelen dem Bundesrathe zur Verfügung.— Frankreich. — Unsere französischen Parteigenossen sind in die Wohlbewegimg getreten. Sie veröffentlichen in der„Petile Repnbliqn« ei» Manifest an die Wähler, dein wir das folgende ent nehmen. Bios diejenigen Kandidaten sollen unterstützt werden, welche für die Vergesrllschaftlichung des kapitalistischen Eigenlhmns, für die Eroberung der polilischen Macht durch daS Prolelarial und für die iulernationale Verbindung der Ardeiter eintreten. In allen bisher von Sozialisten verlrelenen Wahlkreisen wird der ausscheidende Abgeordnete, falls er nicht gegen die Prinzipien verstoßen hat,«ininnthig unterstützt. In allen andere» Wahlkreisen werden diejenige» Kandidaten unterstützt, die sich aus de» Boden der oben angeführten, allen Richlimgen der französischen Arbeiterpartei gcmemsmne» Grundprinzipien stellen. Hoffentlich führt diese Erklärung zn einer einmüthigen Haltung im Wahlkampse und zur Verhinderung von mehreren sozialistischen Kandidaten i» einzelnen Wahlkreisen. Paris, 24. Jmmar. D e p u t i r t e n k a m m e r. Der Saal ist überfüllt, die Unterhaltung lebhaft. Abg. Banregord beklagt sich über das Eingreisen des Militärs am Sonnabend. Präsident Brisson erklärt, man habe einige Soldaten eintrete» lasse», um die dem Publikum geöffneten Tribünen räumen zu lasse». Abg. I a n r ö s beantragt, mit der Erörterung seiner Jnlerpellalion fortzufahren Dem Antrage wird zugestimmt. Jaurös macht der Regierung den Vorwurf, daß sie Zola nicht auch wegen seiner Anklagen gegen die Geneiäle vor Gericht bringe. Die Regierung müsse einwillige», daß vollkommenes Licht in der Dreyfns-Angelegenheit geschaffen werde. (Beifall ans der äußersten Linken.)— PariS, 24. Januar. Zola beabsichtigt, sowohl die von ihm angegriffenen wie auch andere Offiziere als Zeugen zu ziiiren. Dem „Gaul vis" zufolge wird der Kriegsminister Billot sämmllichen Offiziere» verbieten, bei der Verhandlung des Prozesses auszusagen. Billot wolle ganz allein in großer Uniform vor dem Schwurgericht erscheinen, um im Namen der Armee zu sprechen.— N a q u e t ist in PariS eingetroffen,«in im Panmnaprozcsse, dessen vorhergegangenen Verhandlungen er sich durch die Flucht enb zogen hatte, vor den Geschworene» zn erscheinen.— Ein« große antisemitische Demonstration gegen die Wiederaus, lahme des Verfahrens fand i» Paris statt. Miliiär war konsignirt.— — AuchinAlgier fand eine antisemitische Demonstratio» statt, an der sich 6000 Personen betheiligten. Während der anti- semitischen Versammlung zogen etwa 300 mit Stöcken bewaffnete Juden auf da? Gebäude zu, in welchem dieselbe staltfand, wurde» aber zurückgedrängt und auseinandergetrieben, ehe sie mit den Theil- »ehmern an der Versammlung handgemein wurde»; zwei Gäste. weiche sich auf der Terrasse eines Cafös befanden, wurden verletzt; einer ist seinen Wunden erlegen. Nach der Versammlung steckten etwa 800 Antisemiten zwei KioskS anf dem lliegiernngsplatze in Brand und plünderten mehrere Magazine. Die Truppen schritte» ei» und»ahmen etwa 280 Verhaslungen vor. Zahlreiche Polizisten wurden verwundet. Im Laufe des Abends kam es vor den Läden einiger jüdischen Kauflente zn Kundgebniigen. Truppen- ablheiltinge» hielten die Straßen besetzt. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Ein Mann wurde durch Dolchstiche und einen Sievolver» schuß gelödtet. Die Erregung in der Stadt ist außerordentlich groß. Die Truppen sperren die Hauptstraßen. Um'/eil Uhr zogen die Manifestanten zu dem Sitze des 19. Armeekorps und brachten Hochrufe anf die Armee aus, dann verwüstete» sie die jüdischen Mehlinngazine; sie schüllete» die Sacke aus, beraubten verschiedene Magazine und warfen die Waaren auf die Straße. Die Zuave» ginge» mit anfgepflanzlem Bajonuet vor und zerstreuten die Manifestanten.vo» denen einige leicht verwundet wnrde». Di« Menge sammelte sich jedoch wieder anf den Quais und zündele dort die jüdischen Schnapsläden an. Die Truppen eilten sofort nach dem Schauplätze. Die Feuersbrunst scheint nach l'/e Uhr erloschen zu sein. Patrouillen durchziehen die Stadt, in welcher die Ruhe nunmehr wiederhergestellt ist. Auch heule haben die antisemitischen Unruhe» ihre Fortsetzung gefunden.-- Belgien. — Minister u n d Lockspitzel. Der Kammerpräsident Beernaert kündigt an, daß er wegen der in der Frcilagssitzmig vorgekominenen stürmischen Szene, welche den Ausschluß des sozialistischen Depittirten D e m b l o n für 8 Sitzungen zur Folge hatte, zurücktreleii werde. D e in b l o», der von dem Präsidenten i» ungerechlsertigler Weise angegriffen worden war, schleuderte dem frühere» Chef der Regierung die Anschiildigniig ins Gesicht, daß er im Jahre 1396, als er(Beernaert) Minifterprästdent war, de? Nachts den Lockspitzel P o u r b a i x bei sich ein» psangen habe, nachdem ihn dieser zuvor von seiner Ankunft i» Kennlniß gesetzt hatte. Dieser Schurke Ponrbaix unterbreitete ihm ein Manifest, daS die belgischen Arbeiter zum Bürgerkrieg anfforderle und das zu unterzeichnen am nächsten Morgen C o n r e n r von dem Spitzel veranlaßt werden sollte. C o n r- u r that die? und Beernaert ließ ihn nun verfolge».— Diese Thalsachen sind s. Z. durch die Verhandlungen über den Epitzelprozejj vor den Geschworenen zu Hainaut festgestellt worden. Ein Minister ließ also hier einen Mann verfolgen, den er unschuldig wußte, und gab weiter sein Einverständniß dazu, daß ein Manifest in die Welt ging, geeignet, die Arbeiter zur öievolte auf znreizen, um sie dann niederhauen lassen zu köime». Italien. Rom, 24. Januar. Bei der Ersatzwahl in Forli wnrde der blanquistische Sozialift Eipriani. dessen Wahl für»ugiltig erklärt worden war. weil er nicht im Besitz der bürgerlichen Rechte ist, mit 1132 von 1241 Stimmen wiedergewählt.— Gallipoli(am Eols von Tarent im südlichen Italien) 24. Januar. Ungefähr 600 Personen veranstalteten gestern Abend unter feindlichen Rufen gegen die Stadtverwaltung wegen der Brot- frage eine Kundgebung. Straßenlaternen wurden zerbrochen und das Haus eines Klubs in Brand gesteckt. Ein obrigkeitliches Auf- gebot stellte unter Mitwirkung von einflußreichen Bürger» die Ordnung wieder her. 36 Verhaftungen wurden vorgenommen. Auch ans andere» Orten sind ähnliche Nachrichten eingetroffen.— Dänemark. — DaS Landarbeiter-An siedeln ngSgesetz ist nun vom dänische» Landesthing in der von ihm verschlechterten Form in dritter Lesung angenommen. Daß der Enlwnrf jetzt völlig werlhlos ist, haben wir schon berichtet. Dennoch stimmte bei der letzten Ab- stiinimnig auch der sozialdemokratische Abgeordnete dafür, um es zu ermögliche», daß der Antrag noch einmal an den Folkelhing kommt, und dort vielleicht aus eine andere Basis gestellt werden kann.— Spanien. Madrid, 22. Januar. Aus Anlaß des Namenstages des Königs wurden viele Verurtbeilte begnadigt. Aus der Provinz Santa Clara auf Havana wird gemeldet, daß der Führer der Aufständischen T e g o sich unterworfen hat. Meldungen aus Jacksonville zufolge sollen Kreuzer der Bereinigte» Staaten nachts in aller Eile nach Havana abgesegelt sein. Wie es heißt, hätte» Passagiere deS in Keywest angekommen«! Dampfers„Oli vctte' berichtet, daß in Havana der Ausbruch vo» Un ruhen, die sich gegen die Amerikaner richten würden, bevor- stehe. Marschall Blanco habe Truppen in Havana znsamme» gezogen, nm etwaige Unruhen zn unterdrücken. Eine Depesche ans tnvana berichtet, daß die Aufständischen eine» Theil des spanischen agerS in Jnkaro am äußersten Ende der Trocha mit Dynamit ge- sprengt hätte». Die Kaserne sei zerstört, viele Soldaten seien ge tödtet und verwundet worden. Eine in Madrid eingelroffene Depesche aus New-Iork, welche von den Bewegungen amerikanischer Kriegsschiffe berichtet, wird hier lebhaft besprochen. Der„Jmparcial" sagt in einem heftigen Artikel, man sehe jetzt das sehnliche Verlangen der Amerikaner, sich Kuba's zu bemächtigen. Nach Meldungen ans Havana beschloß der Ministerrath, eine Abordnung nach Washington zu entsende», welche wegen eines Handelsvertrages anf Grundlage der Gegenseiligkeit unterhandeln soll Die amtliche„Gaceta" veröffentlicht eine Kunogebnng der Ro giernng der Insel Kuba, in welcher diese ihre Pflichten und ihre Rechte erläutert»nd auseinandersetzt, daß die Anlononm Kuba's lediglich durch die in Madrid bestehende Eouveräneläl beschränkt sei.— Nnffland. Petersburg, 23. Januar. Die ReichZbank hat den Wechsel diskout und den Zinssuß für Darlehen aus Werthpapiere und aus spezielle laufende Rechnung um>/i pCt. ermäßigt.— Petersburg, 23. Januar. Angesichls der erhebliche» Ausdehnung der P e st- E p i d e m i e i u I n d i e n hat das russische Komitee zur Bekäinpfnng der Pest das Verbot der mohamedanischen Pilgerfahrte» für da? laufende Jahr aufrecht� erhallen. Füns russische Aerzte sind zur Beobachtung der Beivegung der Epidemie nach Indien gesandt.— AnS Rufsisch-Polen, 22. Januar.(Eig. Ber.) Im Dom- browaer Revier,(das an den oberschlesischen Jndustriebezirk am grenzt), ist durch Regierungsverordnung auf allen Berg- und Hütten. werken die achtstündige Arbeitszeit eingeführt worden. Diese Neuerung ist ein Erfolg des langdauernden Streiks i» Niwka und Hnta Bankowa. Bei der Beendigung des Streiks wurde den Arbeitern die Achlslundenschicht versprochen. Auch die Bildmig der Penstonskaffeii. die seinerzeit gefordert wnrde, soll jetzt erfolgen. Das geschieht in Riißland; in Oberschlesien sind wir von der Einführung der achlstündigen Schichten noch weit entfernt.-» Türkei. Kütten, 23. Januar. Eine Depesche des Gouverneurs von Kandia meldet, daß ein englisches Kriegsschiff die bei den letzie» Gewaltthäligkellen verhafteten Personen an Bord genommen habe. 'Alle Läden seien geschloffen. Zahlreiche Gruppen fordern dringend die Freilassung der Gefangenen und ergehen sich in heftigen Drohungen, wenn man ihrem Verlangen nicht willfahre. Wie ans Kanea über Alhen gemeldet wird, haben die Admirale die Nationalversaimnlmig davon verständigt, daß Prinz Georg von Griechenland zum Gencralgouverneur von Kreta eriiannl werden wird. Die Nalionalversamnilluig wird bedufs Stellnngnahme in dieser Angelegenheit demnächst zusammentreten.-» Griechenland. — Die Räumung Thessaliens. AuZ Athen wird gemeldet- Die griechische Regierung hatte durch ihren Gesandten in Kon stantinopcl gegen die Anslrcibung und die gewallsame Einlreidniig non Steuer» in Thessalien durch die tnikischen Militärbehörden Einspruch erheben lassen, worauf die Pforte folgenden Vorschlag machte: Sobald Griechenland die erste vertragsmäßige Rate der Kriegsentschädigung bezahlt hat, ist die Pforte bereit, die BcsatzimgS. lrnppen in Thessalien ans 16 000 Mann zu beschränken. Zur Aus bringung der Uiiterhallimgskosten für diese Truppen werden die türkischen Behörde» in Thessalien eine zn vereinbarende Kopssteuer erheben, oder aber die griechische Regunmg zahlt der Türkei bis zur Räumung des Landes für jeden Tag und jeden Mann je einen Franks, welcher Betrag ivöchentlich zu eiiiricdten ist.— Die Athener Regierung erklärt diese Forderung derPsoil» als ungerecht- fertigt und wird den Slreilsall den Regimmge» der Großmächte vorlege».— Asien. Kalkutta. 29. Januar. Zur Züchtigung deS Akakbelsiammek, welcher Raubzüge m irruoiiin-n Halle, sind mehim flirgcnbe Kolonne» mit'Artillerie unter dem Beseht dcö Generals Palnier entsendet worden.— Afrika. — Der F e l d> n g im Sudan. Dem„Daily Telegraph" wird ans Kairo vom gestrigen Tage gemeldet, Kilchener Pnlcha habe de» hier stauomrlen Osfizieren telegraphirl, eS sei jetzt nutzlos für i«, Nilaiifwärls zu gehen. Ein solches Borgehen sei vor dem nächsten Steigen des Nils unzweckmäßig; auch sagt er, die Derwische verhielten sich jetzt ruhig und die durch ihre Bewegung hervor- gerufene Beunruhigung sei vorüber. Die Offiziere, welche hier mit dem Befehl ankamen, sich zur Sndan-Armee zu begeben, iverden nun- mehr in Kairo bleiben.— Amerika. — DerAnfang einer selbständigen kanadischen Marine. Wie der Standard" a»S New-Uork meldet, wird i» der nächsten Session des kanadischen Parlaments«in Betrag vo» 80 000 Dollars für ein Schutlchiff, daS den Kern einer kanadischen Marine bilden solle, gefordert werden.— Malilbowogung. — Dle sächsische Sozialdemokratie hat auf ihrem Parteitag folgende Kandidaten für dle 23 sächsischen Wahlkreise anf- gestellt: Für Zitlan: Fischer-DreSden, für Löbtau: Bostel-Eeif- dennersdorf, sür Bautzen: Höppner- Dresden, für Dresden- Neustadt: Kaden» Dresden, sür Dresden-Rltstadt: Dr. Grad- nauer- Berlin, sür DreSden-Land: Horn-Löbta», für Meißen« Großenhain: Abg. Goldstein-Zwickan, für Pirna: Abgeordneter Fräßdorf-Dresden, für Freiberg-Oederan: Schulze-Coffebaude, sür Döbeln-Waldheim: Abg. Grünebaum-Harlbe, sür Würzen: Red. Lipinski-Leipzig, sür Leipzig-Stadl: Dr. Conrad Schinidt-Berlin. sür Leipzig-Land: Reichstags-Abg. Geycr-Leipzig, sür Borna: Stolle-Meerane, für Mitlweida: Pinkau-Leipzig. für Chemnitz: Reichstags-Abg. Schippel-Berlin. für Auerbach Reichstags-Abg. Auer-Bcrli», für Zivickau: Sieichsiags-Abg. Stolle-Gesau, für Stollberg-Schneeberg: Abg. Seisert-Dresden, für Zschopau: Red. Rosenow-Cheninitz, für Annaberg: Grenz-Leipzig, für Reichenbach: Hofmann-Chemnitz und sür Plauen- Glauchan: Lieichslags-Abg. Gerisch-Berli»._ Der„Wahre Jakob", das verbreitetste Blatt unserer Partei, hat das drille Hundert seiner Nummern vollendet. Jede Nummer war ein ebenso geschickler ivie erfolgreicher Agitator sür den Sozialismus. Bon der Agitation. In Span d an wurden am Sonntag von unseren Parteigenosse» 6000 Broschüren vertheilt. Die Agitation für die bevorstehenden Steichslagsivnhlen ist bereits ini ganzen Wahl« kreise Potsdam- Oft Havelland im besten Fluß. In de» Dörfern enlsaltet unser Kandidat Schröer eine rührige Thätigkeit. Nächsten Sonnabend, den 29. Januar, spricht abends 8 Uhr in der P i ch e l s d o r s e r Brauerei Neichstagsabgeordneter Bebel über die Wahlen. Als Verleger»nd Expedient deS Stettiner„VolkSboten", dessen Uebersührnng in Pariei-Elgeiithum vo» den ponimerfche» Ge- nossen beschloffen ist, würbe in einer Etetiiner Parteiversainmlung der Parteigenosse Kunze von dort gewählt. In Magdeburg �hat das Wahlkomitee unserer Partei an die Saalbesitzer ein Schreiben gerichtet, worin um Auskunst darüber ersucht wird, ob man gemistt ist, die Säle während der Reichstags- Wahlbewegnng auch zu sozialdemokratischen Wählerversanunlungen herzugeben. Ii, Gera hat der Parteigenosse Vetterlein ans Beschluß einer Parteiversamuilnng eine Buchhandlung errichtet. Sie führt die Firma Geraer Volksbuchhandlung und befindet sich im Geschäflslokal der„Sienßischen Tribüne", Zschocher» 84. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Redaklenr H u t h von der„B r a n d e n b u r g e r Zeitung" wnrde wegen Beleidigung des Bürgermeisters S u ch s l a n d in Luckenwalde zn 30 M. Geldstrafe vernrlhcilt. Es Handelle sich um die Schilderung der sanitären Znslände ans einige» Höfen in Lücken- walde. — Der Parteigenosse Fröhlich, früherer verantwortlicher Re- dakteur der„V o I k s st i i» m e" in Burgstädt i. S., hat am Mon« lag das Landesgefängniß i» Zwickau nach Verbiifjimg der letzten Strafe verlasse», die ihm wegen Preßvergehens auferlegt war. Innerhalb eines Zeitraums von 6 Jahre» mußte»nscr Genosse insgesammt 28'/s Monate im Kerker zubringe». Gleichzeitig mit der Znrückknnft Fröhlich'» feierte die„Volksstimme" insofern ein seltenes Ereigniß, als gegenwärtig weder ein Redakteur von ihr sitzt, noch, soweit bekannt, eine istuklage gegen sie anhängig gemacht ist. In den« Zeitraum von Juli 1898 bis 24. Januar dagegen war«»unterbrochen ei» Re» dakteur der„Volksstiimne" im Gefängniß und zehn Monate lang waren es sogar zwei. Während des siebenjährigen Besiehens der „Volksstimine" ist gegen ihre Redaklio» ans insgesammt 7G/e Monate Gefängniß erkannl worden. — llledakteur Valentin L i e b m a n n von der„Mainzer Volkszeit u n g" wurde wegen Beleidigung des Steneraiifsehers Wenz i» Bretzenhelm zu 20 M. Geldstrafe verurlheilt. — Die Magdeburger„B o l kS stimme" schreibt, daß die polizeiliche Beobachtung ihrer Buchhandlung am Freitag wieder begonnen habe. — Der czechische Parteigenosse Krejczi in Pilsen war vor mehrere» Monalen wegen Religionsstöinng, angeblich begangen durch eine Rede, zu 6 Monalen schweren Kerkers verurlheilt worden, da der Denunziant, ein Chnstlich- Sozialer, unter Eid erklärte, daß Krejczi die inkriininirle Aeußerung gethan habe. Krejczi reichte gegen den Christlich-Sozialen'Anzeige wegen falscher Zeagenailssage ein und beantragte die Wiedernnsnahme des Verfahrens. Das Pilsener Krcisgericht hat dem Gesuch entsprochen. Es ordnete die Wiedernnsnahme des Verfahrens an und bewilligte Krejczi einen EUasausschnb._ Ge wevlr fchlaftti tfzes. Vcilin und Umgebung. Zur Schithniacherbeutegiilig. Auf Anregung deS Gewerbe« gerichis wollen die Arbeiter der Finna Lüderitz». Teschn er und auch die Firma selbst die Differenzen, die im besonderen zwischen beiden obwalien, einem Einigmigsanit unterbreiten. Der Konflikt der übrigen Arbeiter mit de» anderen Firmen wegen der neuen Fabrikordimng würde davon nicht berührt.—» Bürgerliche Blätter schrieben dieser Tage, die Streikenden der Firma Lüderitz hätten vor ihrem Austritt die Maschinen beschädigt. Diese Nachricht wird von den Betheiligten als eine infame Lüge gckennzeic�nel. Die Maschinen seien in vollständig gutem Zustande hinterlassen worden; es sei aber ganz erklärlich, daß die Maschinen rninirt iverden müssen, wenn ungelernte'Arbeiter an itnien beschäsligl iverden.— Die von uns nach de» Mittheilungen bürgerlicher Blätter gebrachte Schilderung polizeilicher Scherereien gegenüber den Streikenden bestätigt sich. Wie uns mitgetheilt wird, sind außer einem Lieutenant und 4 Schutzleuten auch eine große Anzahl Geheimer in der Georgenkirchstraße, Ivo die Lüderitz'sche Fabrik sich befindet, thätig.die.Arbeilswillige»" zu schützen. Die letzteren scbeine» darauf zu warien, daß die Slreikcnden sie ansprechen und sich dabei vergessen und gegen den§ 183 veistoßen. De» Streikenden ist nur anzuralhen, nach dieser Richiung hin sehr vorsichtig zu sein. Achtung, Töpfer Berlins! Am Montag, den 24. Januar er., legten sänimlliche Kollegen, 12 an der Zahl, beim Töpserineister C. H a v e ii fl e i n(Nachfolger des Töpserineifters Wnrmsee), In» validenstr. 108, wegen unerhörter Lohnbrückerei die Arbeit nieder. Nur der Anstoleurer fühlte sich nicht bemüßigt, mit feinen Kollegen gemeinsame Sache zu mache». Havenstein, der früher mal inner» halb der Organisation tluggeschnackt hat, nrnthet seinen'Arbeitern zu, daß sie noch 10 bis 28 pCt. unter den in letzter Zeit zur traurigen Berühmtheit geivordenen„Meistertaris" arbeiten, Dieser Abzug bedeutet gegen»nserc» 86er Tarif eine Reduktion der Altordpreise um 20 bis 88 pCt. Da Meister Havenstein am letzicn Sonnabend für seine ehemalige» Kollegen nicht zu sprechen war(!), wurde er zu gestern Vormittag nach dem Lokal des Genossen Gleinert, Müllerstraße, bestellt. Havenstein war aber auch hier nicht zn spreche», sondern hinterließ vielmehr im genannten Lokals einen Wisch, worin er mit Eullassung denjenigen droht, der bis Mittag nicht die Arbeit aufgenonimen hat. Einige Beispiels von dem geplanten Abzug: Für eine Kochinaschine d'/s x 3'/., 8 Schicht Wand,(mit 8 Ecke») blauer Frieß, bietet H. 1« M.. die Maschine würde kosten nach nnserem früheren Tarif 22,80 M. ferner will H. zahlen: sür eine» Ose» 8'/2x2l/3x9= 15 rüherer Taris 19,68 M. u. f. w. Havenstein sucht sich den Schein der Arbeiterfrcnndlichkeit zu geben, indem er angiebt, nur im Lokale von Gleinert Leute zu cngagire»; es sei aber hier aus- drücklich bemerkt, daß der letzlere mit dem Treiben Havenstein's weder einverstanden ist. noch seine verwerflichen Manipulationen kennt! Der Bau, welcher bis anf weiteres gesperrt ist, befindet sich in der K o ch h a n n» trabe, Bauunternehmer A n t r u ck. ES wird ersucht, bei Töpfermeister Havenstein nicht eher Arbeit zu nehme», big die Sache geregelt ist. Kollegen! Mehrt Euch gegen solche schamlose Lohndrückerei! Der Verlrauensmnnn Hugo David. Achtung, Handlungsgehilfe» und-Gehilfinnen! Heute, abends 9 Uhr, spricht der Reichstags-Abgeordnelc Singer in Cvhu's Festsäle». S8eiitr)flvft|ie,1»begründet zurückgewiesen. Faßbinder wandte stch daraufhin beschwerdeführend an das Ober-Landesgericht. Dieses verfügte, daß der Kriminalschuhinann Kiefer inAnklagezustandzu versctzensei. Es ivnrde deshalb gegen KieferdieAnklage wegen vorsätzlicher und widerrechtlicher Freiheitsentziehung, vorsätzlicher Körperverletzung und öffenllicher Beleidigung und zwar in seiner Eigenschaft als Beamter in Ausübung seines Amtes, ans grnnd der§§ 340, 341, 165 und 200 des Strafgesetzbuches erhoben. Kriminalschutzmann Kiefer hat sich daher am heutige» Dienstag vor eingangs bezeichnetem Gerichtshöfe zn verantworten. TaS alte Gesetz über daS Mobiliar- Fenerversichernngs- Wesen von» 8. Mai 1837 sollte gestern gegen den Arbeiter Ferdinand Gün ther und die Agenlin Marie Bigall vor der l. Siraf- kannner des Landgerichts I in Anwendung gebracht werden. 8 20 dieses alten Gesetzes, gegen den sich die Angeklagten vergangen haben sollen, laiilet:„Wer Mobiliar-Bermögensgegenstände gegen Feuers- gefahr wissentlich zu einein höheren, als dem gemeinen Werth versichert. hat außer der Znrückfnhrung der Versicherung auf diese» Werth ein« den» Betrage der Ueberschreitung gleich- kommende Geldbuße verwirkt, ivelche. wen» die Ent> drckung der Ueberversichcrnug erst nach eingetretcnein Brande geschehen, verdoppelt wird." Günther datle«inen Ver- sichernngsantrag bezüglich seines nur etwa 1100 M. werthen Mobiliars in Höbe von 5000 M. gestellt und die zweite Angeklagte hatte diesen Antrag durch ihre Vermitlelung bei der Bcr- sichernngsgesellschast, von ivelcher sie Provision erhielt, angebracht. Sie soll stch dadurch der Beihilfe schuldig gemacht haben.— Die Strasbestiniiminge» des§ 20 jenes alten Gesetzes sind, wie in der Verhandlung zur Sprache kam»»eben dein Reichs-Strafgesetzbnch in Geltung verblieben. Das Gesetz bestraft die Ueber- Versicherung nicht als Vorberellnngshnndlnng zum Betrüge— dann wäre der§ 20 ausgehoben— sonder» wegen Gefährlichkeit in dieser Beziehnng schlechthin ohne Unterschied, ob sie mit dem Vorsatz späterer betrügerischer Benutzung gemacht wird oder nicht. Das Gesetz er- blickt in der Uebcrversichernng den Thalbestand eines besonderen Ge- fährdnugsvergehens. Nach vorliegenden Entscheidungen oberster In- stanze» ist derß20 nicht schon inil dem Antrag aufVersicherung, sonder» erst mit dem A b s ch l n s s e des Verstchernngsvertrages anwendbar. I» dieser Beziehnng herrschte im vorliegenden Falle noch einige Unklarheit. Während in den Mitlheilungen der Polizei iminer von der Ausfertigung der„Police" gesprochen wurde, behauptete der Angeklagte. daß der— übrigens von seiner Frau gestellte— Versicherungsantrag zum Abschlüsse überhaupt noch nicht gekommen sei. Der Gerichtshof hielt es für geböte», über diesen grnndsätzlichen Punkt zunächst Klarheit zu erlange» und vertagt deshalb die Ver- Handlung zwecks weiterer Erkundigung bei dem Polizeipräsidimn. Eine» iutcreffanten Einblick in prcnffisches Gefüngnifflcbc» ermöglichte die vor der Strafkammer in Ebersivalde ftaligehabie Ver- itentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drua und Verlag von M> Handlung gegen den Hikss- Sefangenenanfseher P« t e r f 0 h n au»- Wriezen, welcher beschuldigt war, die Enliveichung eines Gefangenen, dessen Aussicht ihn, anvertraut war. durch Fahrlässigkeit erleichtert und befördert zu haben. Unter seiner Aussicht hatten eines Tage? vier Gefangene iii einer Scheune Korn zu dreschen. Die Scheu»« hatte nur einen Ausgang nach der Straße. Wollte min einer der Gefangenen austreten, so schickte er ihn nach dem Abort eines benach- barte» Ziminerplatzes, welcher von der Scheune aus nicht beobachtet werden konnte. Einer der austretenden Gefangenen benutzte nun diese Gelegenheit, in seine Gefängnißzelle zurnckzugehe», in aller Eile seine bürgerliche Kleidung, die man ihm dort belasse» hatte, anzu- lege» und den Anstaltsanzug darüber zu ziehen. So ansstasfirt kehrte er zur Arbeit zurück. Dies war am Vormitlage. Nachmittags trat er ivieder ans, begab sich a» den unbeobachteten stillen Ort, legte seine Gefängnißkleidung ab und suchte in bürgerlicher Kleidung ungehindert das Weite. Er soll heule noch wiederkommen. Bor Ge- richt bestritt der Aufseher, daß ihn eine Schuld an dem Entweichen des Gesangeiieii treffe. Er machte gellend, daß er die Leute doch austreten lassen müsse, und auf die Straße sei nicht angängig ge- wese»; ebensowenig aber auch, daß. wenn ein Gefangener austrete, die ganze Kolonne mitgehe, denn dann würde aus der Arbeit nicht viel werden. Der Slaalsanwalt berief sich jedoch auf die im Gerichtsgefängnisse zu Prenzlau bestehende Instruktion, nach welcher ivährend der Arbeitszeit nieinand austreten dürfe. Nur wenn ein Gefangener mit allem Nachdruck darauf bestehe und gar nicht von seinem Verlangen abzubringen sei, dürfe ihm das Austreten ge- stattet werden. Ter Gefangene werde aber Hinterher disziplinarisch bestraft. Ausnahme» würden»nr gemacht, wenn ein Gefangener an Kolik oder dergleichen leide. Auf alle Fälle aber müsse der Ge- fangen« unter Aufsicht bleibe». Der Angeklagte hätte nicht auf die Ehrlichkeit des Gefangene», daß derselbe wiederkommen werde, bauen dürfen. Der Gerichlshof zog in Erwägung, daß es für der- artige Fälle, wie der vorliegende, dem Angeklagten an einer ge- nngenden Jnsirnktio» gefehlt habe und sprach ihn demzufolge frei. Eine» Selbstmordversuch im SitznngSsaale der erste» Slraf- kamuier am Landgericht II uuieriiahm gestern Mittag der Schutz- mann K a r l T h e l e n aus Charlottenburg, der wegen Sittlich- keits-Verbrechens an Kindern unier 14 Jahre» angeklagt war. Theken, ist derselbe Mann, der unlängst von einer Dame im Thier- garten beobachtet wurde, als er ein Mädchen in bedenklicher Weise liebkoste. Noch ganz vor kurzem wurden durch Aufruf in den Zeitungen Zeuge» gesucht, da Thielen das beleidigte Mädchen nn- glaubwürdig zu machen suchte. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffenllichleit statt und endete mit der Verurtheiluug zu anderthalb Jahren Zuchthaus und sofortiger Verhaftung. Ans die Frage des Vorsitzende!', Landgerichlsdirektors Gartz. ob er sich bei dem Urtheil beruhigen ivolle, erwiderte der Angeklagte lächelnd„Ja!"; doch kaum Halle er die Schranken verlassen, so zog er ein Messer ans der Tasche und brachte stch an beiden Handgelenken quer über die Pulsadern Messerschnitte bei. Das Blut spritzte sofort hoch. Der Bezirks- physikns Sanilätsrath Dr. Klei» und ein zweiler Arzt sprangen aber schnell zu»ud faßten den Selbstmörder mit festem Griff an den Wnndstellen, um das Blut anzuhalte». So wurde er nach dem Warteziminer geführt, wo unter Mitwirkung des herbeigerufenen Lazarelhwärters der Verband angelegt wurde. Die Wunde» eriviesen sich als ganz leicht und ungefährlich. Landgerichtödircktor Schenk, Vorsitzender der fünfte Straf- kaiiiiner des Landgerichts I, ist Sonntag Nachmittag im Ni.er von 62 Jahren an den Folgen einer langwierigen Krankheit ge- starben._ Depepchen und letzke Llstihvichkett. Grüna«» 24. Jaiinar.(W. T. B) Amtlich wird g e meldet. Heute Nachmittag 2 Uhr 36 Minuten entgleiste» von dem 146 Achsen starken Güterzug 903 bei Einfahrt in Grünau die ersten 10 Güterwage» hinter dem Packetwage». Hauptgleis Berlin Kottbus wird etwa 10 Stunden gesperrt sein, ivährend deffen der Betrieb eingleisig zwischen Grünau und Adlershof betriebe» wird. Die eintretende» Zngverspätungen sind unerhebliche. Vom Personal ist ein Breniser leicht verletzt, die Ursache der Entgleisung ist noch nicht a»fgeklärt. Untersuchung ist eingeleitet. Gelseukirchen, 24. Januar./4 Uhr. Eingegangen sind eine Denkschrift für die Entivickelung der S ch>l tz g e b> e t e. der Handels- und S ch i s f s a h r t s. vertrag mit dem O r a» j e f r e i st a a t, und das Gesetz, be- treffend die A m t s k a u t i o n s p f l i ch t e n der Lt e i ch s» b e a m t e n. Eni Gesuch des Rechtsanwalts Lötz zu Zlltenburg. die gericht- liche Verfolgung des Zlbz. Bock iSoz.) wegen Beleidigung zu ge- nehinigeu. wird auf Antrag der Kommission abgelehnt. Die zweite Berathung des Spezialetats des Reichsamts des Innern wird fortgesetzt. Beim Titel„J n v a l i d i t ä t s- und A l t er s v e r s i ch«- r im g ninmit das Wort Slbfl- ti. Czailinski(Pole): Es sind mannigfache Anträge auf Abänderung der Alters» und Jnvaliditätsgesetzgebung ein- gelaufen. Die vorübergehend in Deuischland lebenden Ausländer folllen vor allen Tingen gesetzlich von der Versichernngspflicht ans- geschlossen sein. Auch bei der Ausführung im einzelnen werden mancherlei Beschwerden laut. Es hat sich herausgestellt, daß das Handwerk und die Landwirthschast den Hnnptantheil der anfzu- bringenden Geldmittel zu tragen haben. Die Altersgrenze müßte ferner von 70 ans 60 Jahre herabgesetzt werden. Wir erwarten, daß ein künftiger Gesetzentwurf diese Mißstände der gegenwärtigen Gesetzgebung beseitigen wird. Abg. Gras Stolbcrg(k.): Auch wir erkennen die Uebelfiände an, die sich bei der Alters- und Jnvaliditätsgesetzgebung herausgestellt haben und wünschen deren Abänderung. Abg. Thonisen(srs. Vp.) tritt gleichfalls für eine Vereinfachung des Apparats der Gesetzgebung und für eine möglichste Entlastung der Landwirthschast ein. � Dr. Frhr. v. Hertling(Z)i Meine politischen Freunde sind der Meulnng, daß es sich bei der gegenwärtigen Geschästslage nicht empfiehlt, diese Frage in ihrem ganzen Zusammenhange aufzurollen. Er halt eine Reform nur in dem Sinne für durchführbar, daß die Landwirthschast, das Handwerk und die Dienst boten wieder ganz aus dem Gesetze herausgebracht werde n. Abg. Singer(Soz.): Ich stimme mit dem Vorredner darin uberein, daß wir eine Novelle zum Jnvaliditätsgesetz abwarten müssen und jetzt keine einschneidenden Vieformen vor- nehmen können. Doch lege ich auf diese formelle Frage kein Gewicht. Es muß mit allem Nachdruck betont werden, daß das Gesetz in seiner gegenwärtigen Form und Durchführung nicht ausreicht. Doch muß eine Aenderung nicht nach bei- Richtung gemacht werden, daß die Leistungen der Unternehmer herabgesetzt werden, sondern daß die Vortheile für die Arbeiter erweitert werden. Bor allem ist nothivendig eine Herabsetzung der Altersgrenze und eine Erhöhung der Rente. In der Industrie liegen die Verhältnisse derartig, daß wir wirklich kein Mitleid mit den Herren Unternehmern haben brauchen. Die ländl lieben Unternehmer haben dagegen wirklich in der Handhabung des äußeren Apparates mannigfache Schwierigkeiten. Ich muß daher die Bitte an das Reichs-Postamt richten, daß an allen Poststellen an denen der Verkauf von Postwerthzcichen stattsindet, auch die Marken für die Versicherung verausgabt werden. Es ist behauptet worden, daß die Bestimmungen des Gesetzes in der Landwirthschast nicht vollständig erfüllt werden könnten, weil die ländlichen Unternehmer nicht in der Lage sind, über die nölhigcn Gelder stets zu verfügen. Es werden ja heute En qneten über mancherlei Dinge veranstaltet; ich würde den Herrn Staatssekretär ersuchen, auch hier einmal durch eine Enquete festzustellen, wie viele ländliche Unternehmer ihren Ver- pslichtungen nicht nachkommen, um so dem Umstände ans den Grund zu kommen, weshalb die ländlichen Versicherungsanstallen so sehr icher die Nichteinbaltung des Gesetzes klage». Man kann selbst von der schwierigen Situation der Landwirthschast überzeugt sein und niuß trotzdem zugeben, daß die Pflichten, die das Gesetz den kleinen Besitzern auferlegt, so bedeutend nicht sind, daß sie an ihr zu gründe glhcn könnten. Aber es sind ja auch viel weniger die finanziellen Lasten, über die sie sich beschweren, als vielmehr die Arbeits- hänsung, die sie durch die Handhabung bekommen. Da muß ich aber sagen: Wenn es sich darum handelt, die Millionen von Arbeitern, die den Wohlstand des ganzen Volkes schaffen, vor der Roth durch Alter und Unfälle zu schützen, dann haben die übrigen Klassen der Bevölkerung auch die Verpflichtung, das Mehr au Arbeit zu übernehme», daS hierzu uothwendig ist. Von einer Entschuldigung mit zu geringer Zeit und zu großer Arbeit kann da gar keine Rede sein. Die Unternehmer müsse» von dieser sittlichen Pflicht so durchdrungen sein, daß sie die nolhweudige Arbeit willig und ohne Murre» unternehmen. Der Reichstag kann Einwendungen jener Art keine Rechnung tragen.(Sehr richtig! bei den Sozialisten.) Ich verzichte darauf, das ganze Gebiet der Alters- und Jnva lidenversicherung hier init zur Debatte zu stellen. Unsere prinzipielle Stellung zu dem Gesetz ist nach wie vor dieselbe. Wir haben damals gegen dasselbe gestimmt, nicht, weil wir mit dem Grundgedanken nicht übereinstimmen, sondern weil die Forderungen gerade in ihm nicht erfüllt waren, die unserer Meinung nach unumgänglich»otfy wendig sind. Man hat aber kein Recht, aus unserer Stellungnahme abzuleiten, daß wir zu irgend einer Einschränkung dieser Gesetzes- bestimmungeu die Hand bieten werden.(Beisall bei den Sozialdcmo- kratcn.) Abg. Graf Stolbcrg(kons.): Der Abg. v. Hertling hat au»- geführt, daß der Kreis der Alters- und Jnvaliditälsversicherung ein geschränkt werde. Wir könnten einer Reform in dieser Richtung nicht zustimmen. Die Entziehung der Versicherung würde die Land- arbeiler einer großen Wohlthat berauben. Slbg. Hitze(Z.): Wenn den Landarbeitern die Versicherung als eine Wohlthat erscheinen sollte, so hätten sie ja die Möglichkeit, sich selbst zu versicher». Ich meine aber, daß die Versicherung sich zu nächst nur ans den Kreis beziehen sollte, für den sie geschaffen ist, d. h. ans die Industriearbeiter. Abg. Dr. Hahn(wildkons.) betont besonder?, daß die Opfer der seemännischen Bevölkerung für die Altersversicherung in keinem Verbältniß stehen zu den Wohltbaten, die sie daraus empfangen. Die Landwirthschast hat in der That sehr große Lasten für das Gesetz aufzubringen, Die Laudwirthe sind gewiß nicht weniger rpferwillig, als andere Kreise, aber wenn sie sehen, daß die großen Kapitalien fast frei ausgehen und sie so schwere Opfer zu bringe» haben, so ist ihre Empörung begreiflich. Ich erwarte von der Re- gicrnng, daß sie dies berücksichtigt. StaatssekretärGraf PosadowSkt,: Die preußischen Versicherungs- behörde» sind ermächtigt, die Versicherungsgelder auf Hypotheken auszuleihen, natürlich nur zu dem landesüblichen Zinsfuß. Ich werde Sorge dafür tragen, daß thalsächlich in allen Postanstalle» die Versichernngsmarken zu kaufen sind und werde auch bei den nichlpreußischen Anstalten dahin zu wirken suchen. Ich kann serner ans das bestimmteste erklären, daß jnr die Regierung der Gedanke, daß irgend eine Schicht der Bevölkerung, die sich jetzt der Wohllhaten� der sozial- politischen Gesetzgebung erfreuen, wieder ausscheiden könnte, voll- koinmin indiskutabel ist. Wir iverden es ans keinen Fall zugeben, daß den Arbeitern und Dienstboten in der Landwirthschast die Vortheile der Alters- und Jnvalidiläts-Versichernng wieder genommen würden. Die Frage der Verlheilung der Laste» und der Vereinfachung des Apparats ist nicht so leicht zu lösen, als es hier vorausgesetzt wird. Ich glaube, man giebt sich Illusionen hin, wenn man glaubt, daß die nächste Novelle alle Beschiverden beseiligen können wird. Das aber werden sich die Arbeitgeber vergegenwärtigen müssen, daß diese sozialpolitische Gesetzgebung ihnen stets zu gnnsten der Ar- beiter große Lasten auflegen wird, die nicht zu vermeiden sind. Abg. Dr. Paasch«(natl.): Ich habe nicht gesagt, wie der Abg. Singer meint, daß die Landwirthschast die Lasten der Ver- sicherung nicht willig trage. Die von mir angeführten Fälle, in denen bäuerliche Besitzer sich über die Lasten beschwerten, sind entschuldbar, aber ich meine nicht, daß sie sich der sittlichen Pflicht, die ihr aufgelegten Lasten zu tragen, entziehen wollten. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Auch ich halte es für unmöglich, einmal versicherte Schichten der Bevölkerung wieder ans der Ver- sicherung auszuscheiden. Bor allen Dinge» aber scheint es noth- wendig, eine Versicherung der Wittwen und Waisen als der Be- dürftigsten herbeizuführen. Wenn es aber um dieser willen nöthig sein wird, die Arbeitgeber aufs neue zu belasten, so sollten wir doch nicht daran denken, auch aus grund der bestehenden Alters- und Jnvaliditäts- Versicherung den Arbeitgebern neue Lasten aufzulegen. Es war nach meiner Meinung ein Fehler, daß wir nicht Einheilsrenten festsetzten. Wir sollte» wenigstens nicht wieder eine neue Klasse über den anderen ein- richten, sondern eher daran denken, die Rentensätze der niedrigste» Klasse möglichst hoch zu legen. Wenn den Arbeilgebern Lasten ans- gelegt werden, so sollte das eben auch im Interesse der bedürftigsten Schichten der Bevölkerung geschehen. Abg. Singer(Soz.): Wir sind mit dem Frhrn. v. Stumm voll- kommen darin einverstanden, daß die Wiltiven und Weisen in den Bereich dieses Gesetzes einzubeziehen sind. Aber wir müssen trotzdem darauf halten, daß die nothwendige Verbesserung des Gesetzes auch zu gnnsten der schon versicherten Arbeitern vorgenommen wird. Mit der Einheitsrente könnten wir ebenfalls einverstanden sein, wenn wir nicht die Befürchtung hegen müßten, daß diese dann so niedrig bemessen würde, daß sie nicht mehr als ausreichend gelten kann. Wir wissen nur zu gut, daß es den Herren, die um den Frhrn. v. Stumm herumsitzen, nicht um die Ab- rundnng zu thun ist, sondern geivöhnlich eine Hcrabdrückung der llienten gemeint ist.— Der Abg. Paasch« irrt, wenn er meint, daß ich meine Bemerkung nur gegenüber der Landwirthschast ge- macht habe; sie richtete sich vielmehr ganz im allgemeinen gegen die Arbeitgeber in der Industrie sowie in der Landwirthschast, und daran halte ich fest. Ich glaube, daß wir kein allzu großes Mitleid zu haben brauchen, daß die Arbeitgeber ein gewisses Maß persön- licher Leistungen zu übernehmen habe». Wenn Herrn Paaschs es unangenehm ist, daß ich seine Aenßerung über die Laudwirthe hervorgehoben habe, so begreife ich das bei ihm als dem Sachwalter des Bundes der Laudwirthe vollkommen. Seine persönliche Gereiztheit ist mir aber etwas er- staunlich. Vielleicht wird ihm das als ein Verbrechen angerechnet, daß er einen solchen Vorfall selbst erzählt hat. Jedenfalls möchte ich mich nur von dem Verdachte reinigen, als ob er die von mir zitirte Aeußcrung, es klebt ans dem Laude überhaupt niemand, nicht wirklich gethan hätte. Die verbündeten Regierungen haben es in der Hand, auch auf dem Lande die Kontrolle etwas strenger auszuüben. In den Städten werden ja im allgemeinen Klage» über mangelnde Kontrolle nicht geführt.(Beisall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Gras PosadowSky: Die Kontrolle auf dem Lande ist schwieriger, zeitraubender und kostspieliger; trotzdem ist sie gerade in den letzte» Jahren erheblich verbessert worden; speziell in Ostpreußen ist dies durch amtliche Berichte durchaus festgestellt. Eine Herabsetzung der Altersgrenze und Erhöhung der Rente würde ein« ganz erhebliche Mehrbelastung der Unternehmer wie des Reiches zur Folge haben. Also ist hier die allerhöchste Vorsicht� geboten; auch die Reliktenversicherung würde eine ganz bedeutende Steigerung des Dccknngskapitals wie der Beiträge erfordern. Abg. Dr. Paaschc(natl.): Ich bin keineswegs, wie der Abg. Singer meint, persönlich gereizt, sondern habe nnr meine Ans- führnngen ans der Budgelkommission wiederholt. Ich weise solche persönlichen Insinuationen zurück. Der Titel wird darauf bewilligt. Es folgt der Titel: Kommissariat für daS AuSwa/derungS- wesen. Abg. Dr. Hahn(k.): Ich bitte die Regierung um Auskunft darüber, wie es mit der Erfüllung der Anregungen steht, die in bezng ans die Ueberwachnng der Answandererschiffe vor 3 Jahren hier gegeben sind. Redner verbreitet sich vor allem über die dienst- liche Ueberlastung der Osstziere aus den Schiffen des Norddeutsche» Lloyds. Ferner sollen viele Dampfergesellschaften als Schiffsärzte junge Acrzle nehmen, die.»in eine Seereise zu machen, die Stellung umsonst annehmen. Das liegt wohl im kapitalistischen Jutereffe, aber nicht im Interesse der Gesundheit der Passagiere. Auch sonst suchen die Gesellschaften an den Selbstkosten viel zu sparen, indem sie z. B. farbige Mann- schaften anstellen. Ich habe nicht das Zutrauen zu unseren schwarzen»nd sonstige» Brüdern, daß ich ihnen die Sicherheit unserer Answandererschiffe anvertrauen möchte. Wir haben hier darauf zu dringen, daß die deutschen Schiffe auch mit e i n e r d e u t s ch e n Besatzung bemannt iverden. Ich bitte auch um Auskunft darüber, wie es mit der Ausarbeitung einer neuen SeemannSordnung steht. Staatssekretär Gras Posadowsky: Was die Frage der Be- mannnng anlangt, so kann die Regierung eine allgemeine Reglemem tirung hier nicht vornehmen; selbst in England existire» keine Vor schriflen darüber, eine wie starke Bemannung zu einer bestimmte» Größe eines Schiffes gehört. Für die Rettungsvorrichtnngcn giebt es aber bestimmte Reglements; es werden auch häufige Manöver abgehalten, die für den Norddeutschen Lloyd ein sehr befriedigendes Resultat ergaben. I» der Schollen bcdienung hat der Lloyd einen großen Forlschritt durchgeführt durch die Herstellung eines optischen Telegraphen, der den Schottenschluß automatisch anzeigt. Erhebungen über die farbigen Mannschaften haben ergeben, daß diese ea. S pCt. der gesammten Bemannung unserer Kauffahrteischiffe betragen; bei den Dampfschiffen im speziellen 8.4 pCt.j Das Hinzuziehen von Farbigen ist durchaus gerechtfertigt, da diese gerade in den tropischen Gegenden den körperlichen Anstrengungen weit mehr ge- wachsen sind als die Europäer. Die Befürchtung, daß durch ihre Verwendung die Heuer zurückgehe, ist durchaus nnbegründet.j Abg. Frese(frs. Vg.): Die meisten Anfragen des Abg. Hahn sind eigentlich durch die Bestimmungen des Answanderungsgesetzes erledigt. Redner nimmt de» Norddeutschen Lloyd gegen die Angrisse des Abg. Dr. Hahn in Schutz. Was die Anstellung der Aerzte anlangt, so erhalten diese vom Lloyd 120 Mark pro Monat, nehmen oft bis 170 Mark ein; daß Schiffsärzte unentgeltlich angestellt werden, dafür wird wohl der Beweis nicht erbracht werden können. Die Einwendungen wegen der farbigen Leute find ja bereits vom Herrn Staatssekretär zurückgewiesen worden. Abg. Dr. Hammachcr(nat.-lib.): Ich erhebe gegen HS Vorgehe» des Abg. Hahn entschiedenen Widerspruch.(Bravo! links.) Abg. Dr. Hahn(wildkons.) verliest einige Stellen aus der Ein- gäbe der Seesteuerleute, die von einer Ueberlastung durch den Dienst sprechen. Die Erklärung des Staatssekretärs bezügl. der Farbigen wird beruhigend wirken; es muß aber trotzdem verlangt werden, daß die Farbigen so viel als möglich entfernt werden. Abg. Dr. Lieber(Z.): Ich glaube vor allen Dingen nicht, daß die Mebrzahl der gegenwärtigen aktiven Offiziere des„Nordd. Lloyd", Herrn Dr. Hahn zum Wortführer ihrer Beschwerde gemacht hat, wohl aber, daß dies von ehemaligen Offizieren deffelbeu ge- schehe» ist. Wir habe" aber hier im Reichstag nicht die geringste Veranlassung, auf die Anschuldigungen solcher Kerls, die wegen irgend welcher Verfehlungen entlassen sind, einzugehen?(Beifall.) Abg. Frese(frs. Vg.): Ich glaube auch, der richtige Weg für Dr. Hahn wäre gewesen, die Anschuldigungen erst genau zu prüfen und sich dann an die Gesellschaft selbst zu wenden und nicht an den Reichstag. Abg. Dr. Hahn(wildk.): Ich steh- seit Jahr und Tag mit dem Verein der Seesteuerlente in Verbindung, dessen Mitglieder zum theil aktive Offiziere sind, und habe von diesem meine Informationen. Die Diskussion wird geschlossen.— Persönlich bemerkt - Abg. Tr. Lieber(Z.): Wenn ich heute nicht ausreichend informirt war. so lag die Schuld an dem Dr. Hahn.(Heiterkeit.) Titel 1—3 des Reichskommiffariates wird bewilligt. Zum Titel 9:„Börsenausschnß und Berufskammer in Ehren« geeichtssachen gegen Börsenbesucher" bemerkt Abg. Dr. Barth(freis. Vg): Das neue Börsengesetz hat sich als durchaus verfehlt erwiesen. Das Börsevterminregifter, von dem man sich so viel versprochen hat, steht lediglich auf dem Papier. Nur äußerst wenige Eintragungen sind bisher erfolgt. Da? Ehren- gericht ist nur in wenigen Fällen angerufen worden, und außerdem hat man die Erfahrung gemacht, daß es zu einem ganz ge« sährlichen Denunziantenthum geführt hat. Das schlimmste aber, was das Börsengesetz Herbeigeführt hat, liegt auf dem Gebiete der Produktenbörse. Der Bund der Land- wirthe und seine Presse haben darin eine Unbotmäßigkeit gegen die Gesetze gesehen, daß die Kanflente die Produktenbörse nicht besuchten. Eine sonderbare Auslegung! Die Zerstörung der Produkten- börse, die die unmittelbare Folge des Börsengesetzes war, hat vor allem die Landwirthschast am schwersten geschädigt.(Heiterkeit rechts.) Das beweisen die vielfachen Zeugnisse; ich erinnere nur daran, daß die Bromberger Handelskammer um die Aufhebung des Börsengesetzes petitionirt Hai. Eine Umfrage, die auch an Laudwirthe gerichtet wurde, hat bestätigt, daß die Folgen des Börsengesetzes von alle» Seiten heklagt wurden. Der ganze Handelsstand schuldet den Berliner Getrcidehändlern für ihre Slandhaftigkeit lebhasten Dank. Abg. Gamp(Rp.): Das Börsengesetz ist nicht nur von den Agrariern, sondern vom ganzen Reichstag mit Ausnahme der Freunde des Herrn Barth angenommen worden. Selbst die Sozialdemokraten haben für die meisten Bestimmungen gestimmt, die heute Herr Barth beanstandet. Das Bestreben der Brombergerl Handelskainmer auf Beseitigung des Börsenqcsehes hat namentlich in den kauf- männischen Kreisen Sachsens keine Nachfolge gefunden. Die Prophe- zeiungen der Freunde des Herrn Barth über die Zugrunderichtnng der Äörse sind nicht eingetroffen. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.): Dem Abg. Gamp antworte ich aus seine Frage: Um die abfoluwn Preise handelt es sich nicht, sondern nur darum: Wie würden sieb die Preise gestaltet haben, wenn der Terminhandel noch existirte. Und wir behaupten, die Preise würden dann höher fein, weil die Preisbildung eine natürliche gewesen wäre. Abg. Graf v. Arnim(k.): Um das Börsengesetz zu beurtheilen, besteht es noch nicht lange genug. Ich bedauere, daß es nicht ganz nach unseren Wünschen angenommen morden ist. Ich mansche, daß das Oberverwaltnngsgericht sei» Urlheil so zeitig spricht, daß, wenn es sich der höchst befremdlichen Entscheidung des Bezirksausschnsses anschließen sollle, wir hier im Reichslage noch diese Lücke des Ge« setzes, die Feststellung des Begriffes„Börse" ausfüllen können. Ich hoffe, daß das Obeiverwallungsgericht Zeugen vernehmen wird. Zugeben will ich, daß es nolhwendig sei» wird, im Laufe der Zeit daS Börsengefetz zu ergänzen. Die Malerie ist ebenso schwierig wie flüssig. Vorläufig aber sind wir mit dem Gesetz zufrieden, es hat uns Sletigkcit der Preise gebracht. Abg. Paaschc(natl): Wenn daS Gesetz Mängel hat, so ist Herr Barth indirekt mit daran schuld. Wenn man jetzt so thut, als ob alle heutigen Schäden ans das Börsengesetz zurückzuführen sind, so ist das doch ganz verkehrt, obwohl ich nicht behanplcn will, daß es in jeder Beziehung vollendet ist. Hierauf wird ein Vertagnngsantrag angenomnicn. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr(Fortsetzung der heutigen Beralhnng). Schluß 6'/, Uhr. K bgeordnekenhaus. 7. Sitzung vom 24. Januar 1893, 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. v. M iqnel und Kommissarien, später Schönstedt. Es folgt die erst« Lesung des Gesetzentwurfs betreffend die Aufhebung der Verpflichlung zur Bestellung von Aints� k a u t i o n e n. Abg. Nirkcrt(srs. Vg.) findet in der Vorlage einen erfreulichen Schrill vorwärts, der längst hätte gemacht werden sollen. Mit dieser Vorlage wird ein erster Zopf abgeschnitten, aber weitere Schritte müssen folgen. Besciligung des Schreibwerks und Be- seilignng der Kluft zwischen Siibaltern- und Oberbeainten muß folgen. Minister Dr. v. Miqnel: Die Zlirückzahluiig der Kautionen soll, vorausgesetzt, daß nicht unruhige Zeiien uns hindern, alsbald begonnen werden, und zwar soll zunächst den unteren Beamten, später den höheren die Kantion zurückgegeben werden, sodaß die geringeren Kautionen znnächst, dann allmäiig die höheren zur Rück- gäbe gelangen. Bei der desondere» Stellung der Gerichtsvollzieher dem Publikum gegenüber war es noch nicht angängig, deren Kautionen ebenfalls aufzuheben; das könnte erst in Frage kommen bei einer Umgestaltung dieser Beamtenstellung. Abg. Haarte(Hospitant der Frk.) erklärt sich für die Vorlage. Minister Dr. v. Miqucl bemerkt noch, daß für eine Reihe von Per- fönen noch die Kautionepfficht bestehen bleibt, die mit dem Staate in einem bestimmlen Bertragsverhällniffe stehen, so für die An- gestellten gewisser Bankassen und der Forst-Unterrezepturen. Abg. Möller(natl) erklärt sich namens seiner politischen Freunde für den Gesetzentwurf. Abg. Dr. Opfcrgelt(Z.) hat ebenfalls gegen die Vorlage keine grundsätzlichen Bedenken. Abg. Im Walle(Z) wünscht namentlich auch die Gerichts» Vollzieher mit in daS Gesetz einzubeziehen. Jnstizminister Schönstedt: Es kommen bei den Gerichtsvollzieher- geschäften stels eine Menge kleiner Echädigniigcn des Publikums vor, welches dafür einen Rückhalt an die Kantion deS Beamte» hat. Wenn das Hans der Meinung ist, daß die Zurückzahlung nicht be- dcnklich ist, so würde sich die Regierung einem derartigen Antrage nicht widersetzen, zumal die Frage, wem und wieweit die Kantion hastet, rechtlich sehr unsicher ist. Abg. Schettler(k.) erklärt sich für die unveränderte Annahme der Vorlage. Minister Dr. v. Miqnel bestätigt, was Schönstedt gesagt hat. Abg. Rirtert(fr. Vg) bittet von einer Kommissionsberathuiig abzusehen. Abg. Im Walle weigert sich auf die KomissionSberathnng zu ver- zichten. Der Antrag auf KommissionSberathung wird abgelehnt, ebenso der Antrag auf Vertagung der z w e i t e u Lesung, weshalb das Haus sofort in diese eintritt. Zu§ 2 wird ein Antrag O p f e r g e l t(Z.) auf Abkürzung der jetzt zehnjährigen Spaarfrist für die Kantiviien der rheinischen vypo- lheken-Beivahrer ans fünf Jahre abgelehnt, nachdem Justiziniiüster ch ö n st e d t und Abg. N ö l l e den Antrag bekämpft halten. Die Vorlage wird unverändert in zweiter Lesung an« genommen. Es folgt die erste Lesung des K o m p t a b l l i t ä t S- G e s e tz c s. Minister Dr. l>. Miqucl schildert die historische Enlivickelung der preußischen Finnnzwirlhschast. In Preußen ist über die Zu- ständigkeil der Regierung und des LandlngeS auf dem Gebiet der Fiiirnizgebahrnng feit dem Bestehen der Verfassnug nie Streit gewesen. Für denjenigen, der nicht mitten in der Verwaltung steht, wird e? nicht leicht sein, zu übersehen, wohin die Bestimmungen der Vorlage in jedem Einzelfalle führen. Es wird sich deshalb eine 5ionimissio»sberaihung empfehlen, um nach dieser Richtung die Wirkung der Vorlage klarzustellen, deren Annahme im Hause er er» wartet. Abg. Rölle(natl.) findet eine Reihe wichtiger Fragen durch die Vorlage gliicklich gelöst. Im allgemeinen ist in die Vorlage nichts aufgenommen, was nicht schon jetzt Praxis gewesen ist. Mit dem Niederschlagsrccht des Königs ist Redner einverstanden. nicht aber daniit, daß dem Hause nur summarische Uebersichlen dieser Ausgaben zugehen sollen; es wird nöthig sein, nach wie vor hierüber genauere Auskunft zu fordern. Bedenklich ist die Be- ftimmung der Vorlage, daß das Gesetz nur insoweit Auwendung findet, als die Einzelbestimmungen des Etats ihnen nicht entgegen- stehen. Abg. Dr. v. Woyna(frk.): Erfreulich ist die endliche Regelung des Remunerationswesens. Im allgemeinen sei die Vorlage eine Stärkung des monarchische» Prinzips und»verde von feinen Freunden mit Frellden begrüßt. Abg. Janse»(Z.) ist mit dem Grundgedanken der Vorlage ein- verstanden, hält dieselbe aber für verbesserungsbedürftig und-sähig. Abg. Stengel(srk.) empfiehlt Vorberathung in einer besonderen Ller-Kommission. Abg. Virchow(frs. Vp.): Es sei»vohl vorgekommen, daß das Hails Grund hatte, sich gegen die Ausführung einzelner seiner Bc- schlüsse zu verwahre». Das Terrain an der Museumsinsel»vurde zu ganz bestimmten Zwecken erworben; schließlich aber»vurde darailf der Zirkus Busch erbaut, an den niemand von uns gedacht hatte. Diese Angelegenheit betrifft nur das Ministerim», mit dem»vir bisher ja immer ausgekommen sind. Wir»verde» darauf halten»lüsse», daß die künftige Rechnungskommifsion nicht »veniger an Rechten befitzt, als die heutige. Gegen große Konflikte »vürde uns die Vorlage auch»venig nützen(Sehr richtig!) und es »vird das beste sein,»venu namentlich keine Geheimnißkrämerei gegenüber dem Parlainente getrieben»vird.(Beifall.) Abg. Dr. Jrmer(k.): Nur gegen Kronrechte»verde»» seine Freu>»de jede Mitarbeit versagen. Daß solche Kronrechte vorliegen, hat der Fall Lucius bezüglich des Erlasses der Steinpel bei der Bildung von Fideilommissen ergeben. Minister Dr. v. Miguel geht auf die Frage der Verivendung des zu Mnseunisbaiite» erivorbenen Terrains ein, auf dem der Zirkus Busch errichtet ist. Diese Benutzung sei eine lediglich interimistische, um das Terrain nicht ganz unbenutzt liegen zu lassen. Kronrechte kommen bei der Vorlage nicht in Frage. Die Ober- rechnungskaminer muß jeden formellen Verstoß»nvniren. Darin stimme ich mit dem Abg. Birchoiv überei», daß in den» Verkehr mit dein Parlament volle Offenheit herrschen soll. Abg. Rickcrt(sr. Vg.) hofft aus«in Zustandekominen der Vorlage. Die Debatte»vird geschloffen. Die Vorlage geht an eine be- sondere 21er Konimisfion. Nächste Sitzung Mitt,voch 12 Uhr: Aufhebung der Amts- kalltionen(3. Lesung) und Antrag Fuchs auf Aenderung des Gemeinde-Wahlrechts.) Schluß 3-7« Uhr._ Vndgetsitzung. Tagesordnung: Etat des A>» s»v ä r t i g e n A in t s. Abg. v. Kardorff regt eine Ermäßigung der Konsular- gebühren an. Geh. Rath Reichert stellt eine solche für später in Aussicht. Zlbg. Jebsen plädirt ebenfalls für eine Ermäßigung. Die Einnahmetitel»verden unbeanstandet genehmigt. Bei dem Kapitel Gesandtschafte» und Konsulate giebl der Staats- sekretär des Ausivärtigen Amts auf eine Anfrage des Referenten Prinz Arenberg Auskunst über die Kontrolle der«uro- päischen Mächte bezüglich der griechischen Finanzen. Die Verträge»vürde er gerne der Kommission vorlegen, könne dieS aber nicht»nit Rücksicht ans die internationale» Rücksichten. Was die Presse darüber veröffentlicht. sei in der Hauptsache richtig. Das Deutsche Reich»verde thun, was es vermöge, um die Interessen der deutschen Gläubiger Griechenlands zu sichern. Er hoffe, daß die griechische Kammer den ihr vorliegenden Gesetzentivurf bezüglich der Finanzkontrolle annehme; das liege»veniger in, Interesse der enropäischen Mächte, als im Interesse Griechenlands selbst, das erst dann auf eine Gesundung seiner Zustände rechnen und vorivärts koinmen kann,»venu seine Finanzen in Ordnung seien. Die Titel 1-9»verde», bcivilligt. Bei Titel 10, Konstantinopel, frägt Abg. Richter an, wie lange noch das deutsche Schiff„Oldenburg" in Kreta bleiben solle. Staatssekretär v. Büloiv: Die Politik in bezug auf Kreta bliebe die alte, man habe das einzige Interesse, den Frieden ausrecht zu erhalten; zu diesem Zweck»verde die„Oldenburg" so lange noch bei Kreta bleiben, als dies für diesen Ziveck nöthig sei. Abg. Graf Arniin »veist hin.»vie nothivendig die europäische Ueber>vachu»g Kreta's sei,»veil sonst England die Hand auf dasselbe legen»verde. Abg. Richter glaubt, daß diese Meinung nur aus der Voreingenommenheit gegen England resultire. Abg. Bebel ist der gleichen Ansicht; daß England solche Absichten habe, darüber sei»vohl keinem etivas bekannt; würde die Absicht bestehen, so»visse wohl England anch, daß weder Frankreich noch Rußland sich das gefallen ließen»md der Vorgang einen Krieg erzeuge. Er sei »» i ch t»nit der deutschen Politik i m O r i e n l einverstanden; in a n sei den K r e t e n s e r n i n d e n A r»i» gefallen, u n» ihre Unabhängigkeit zu hintertreiben. Daß Kreta griechisch»verde, halte er für natürlich, die Abstammung der großen Mehrheit der Bevölkerung und die Interessen Kreta's »viesen auf seine Vereinigung mit Griechenland hin. Der Abg. Dr. Haminacher»n»d Prinz Arenberg sprechen sich im Sinne der gehandhabten Politik aus, die den deutschen Interesse» entspreche. Bei dem Titel Lissabon wird gefragt, wie es mit dem Schutze deutscher Schuldsorder»in gen an Portugal stehe. Der Staatssekretär erklärt, er»verde thun,»vas in seinen Kräften stehe. Abg. v.Kardorff ist der Meinung. daßFrankreich finanziell»veit»nehrals Deutschland in Portugal engagirt sei. Abg. Dr. Hainmacher fragt an:»vie Deutschland zur Delagoabayfrage sstehe; bekanntlich gehe die englische Politik darauf hinaus, die Delagoabay für Eng- land zu erhalten, das schädige aber die deutschen Interessen. Der Staatssekretär antivortet, daß die deutsche Politik in Südafrika die alte bestimmte bleibe. Er wolle bei Beantivortung der gestellten Frage dem englischen Sprichivort folgen: man soll einen schlafende» Hund nicht geivallsam ivecke». Bei dem Titel 20, Gesandtschaft in Paris, fragt der Abg. Richter an:»vas»vahres an den Angaben fei, Dreyfus habe niit deutschen Behörden in Verbindung gestanden und es seien ihin besondere Begünstigungen für seine Reisen nach Elsaß zu theil geivorden. Der Staatssekretär erklärt, »venu er die Frage sehr vorsichtig behandele, begreife man das wohl. Man müsse ängstlich vermeiden, auch nur den Schein zu erwecken, als wolle man sich in innere französische Angelegenheiten inische». Er könne nur erNären, daß kein deutsches Organ weder direkt noch indirekt je», als mit Dreyfus in Verbindung gestanden habe und fei ins- besondere auch die Angabe von dem in» Papierkorb gefundenen Brief eines deutschen Beaniten ein Märchen. Abg. Dr. Hau, macher fragt an, ob es»vahr sei, daß Dreyfus besondere Berücksichtigung und Begünsti- giliig erhalten habe für seine Reisen nach Elsaß. Der Staatssekretär er- klärt, daß ih»n davon nichts bekannt sei und er das nicht glauben könne. Bei dem Titel Peking fragt der Referent,»vie es mit der Genug. thunng China's wegen Erinordling der Missionare stehe. Der Staatssekretär antivortet, daß ein Vertrag mit China zi» stände ge- fominen sei und liest die Bestimmungen desselben vor. Unter anderem verpflichtet sich danach China, drei Kirchen auf seine Koste» zu bauen, eine Geldentschädigung für die Ermordung der Missionare in Höhe von 3000 Taäls zu zahlen und 24 000 Taäls für den Bau von Missionshäusern. Weiter verpflichte es sich zu auskömmlichen» Schutz der Missionare. Durch die Vesetzirng von Kiaotschau sei eine»veitere Sicherheit für die in China sich aufhaltenden Deutschen und Missionare gegeben. Abg. Lieber spricht seine Genugthuung über das Gehörte auS. Abg. v. Kardorff: Zu dem Mord der Missionare sollen die Mandarinen angereizt haben. Abg. Bebel meint, das sei nicht enviesen, der vorgelesene Vertrag zeige, daß die von Deutschland verlangte Genugthuung leicht und»villig zu er- halte» geivesen sei. Die Forderung des Baues von Kirchen halte er für bedenklich,»veil sie geeignet sei, eine beständige Anreizung für die andersgläubige Bevölkerung zu bilden. Jedenfalls recht- fertige das Entgegenkommen China's nicht den Einbruch in Kiaotschau. Offenbar sei die Ermordung der Missionare eine willkommene Gelegenheit gewesen, um de» Ein- bruch zu rechtfertige»;»vie das Attentat Hödel's auf den Kaiser Wilhelm I Bismarck die erivüllschte Gelegenheit bot, ein Ansnahniegesetz gegen die Sozialdemokratie zu inszeniren, so hatte der Mord der Missionäre den Vorivand für den Einbruch Deutschlands geliefert. Er frage an: ob der vom„Reichs-Anzeiger" veröffentlichte Vertrag den Thatsachen entspreche und bis»vann der Reichstag auf die Vorlage des Vertrags rechnen könne. Abg. Richter stellt ebenfalls eine Reihe von Fragen. Unter anderein: ob schon 1395 durch Abmachungen mit anderen Mächten das Vorgehen Deutschlands in Kiaotschau vereinbart»vordcn sei,»vie die Ab- machungen bezügl. der Settlements lauteten,»vie es in bezug aus Abmachungen über die Kohlenlager stehe, ob der Reichs- kanzler die Verantwortung für die Kieler Rede des Kaisers übernehme. Abgeordneter Hammacher»vünscht ebenfalls, daß Auskunst gegeben werde. Die Besetzung von Kiaolschan sichere künftig in höherem Maße Leben und Eigen- thun» der Deutschen und ihrer Missionare. Daß eine Eriverbung in China geplant sei, habe schon vor 2 Jahren der Staatssekretär v. Marschall angedeutet, ähnliches sei bei der Anivesenheit von Li-Hnng-Chang in Deutschland erörtert»vorden. Man müsse die passenden Gelegenheiten benutzen, �das habe Deutschland, getha». Abg. Lieber: Das Schiveigen des Staatssekretärs nehme er nicht tragisch, dieser»volle»vohl zuvor erst»vissen,»vie die Kommission denke. Der Mord der Missionare sei eben eine Gelegenheit gewesen für Deutschland vorzugchen und daß inan diese Gelegenheit benutzt habe, sei ein ge- schickter Zug. Er ivünsche ebenfalls Antivort auf die von den Abgg. Bebel, Richter und Hammacher gestellten Fragen. Der Staats- sekretär antwortet: er gebe gern Antivort, er könne sie aber»»»r i» beschränkten, Maße geben. Ueber den Vortrag liege zunächst nur das Telegramm vor, das der„Reichs-Anzeiger" veröffentlichte. Was darin stehe sei authentisch. Was an Hoheitsrechten China abgetreten, »visse er noch nicht genau. Ueber die Stellung Deutschlands in China schivebten noch diplomatische Verhandlungen mit den anderen Mächten. Ueber die ha>»delspolitischen Grundsätze, nach»velchen man in China Handel»»verde, könne er im Augenblick noch keine genau« Ausktlnst geben. Mai»»verde aber liberal sein und nach dem Grundsatz handeln: Leben und leben lassen. Mit Japan seien auch»ach dem chinesischen Kriege keine Abmachungen getroffen»vorden. Weiteres behalte er sich für das Plenum vor. Kolonialdirektor v. Richthofen erklärt, der Vertrag über die Settlements sei in» Oktober 1393 abgeschlossen worden. Er ermögliche das Zusammensiedeln Deutscher unter eigener Kommunal- Verwaltung. Graf v. Stolberg hält die Erörterungen über die aus- »värlige Politik für nöthig, im Grunde aber sei die Stellungnahme zn derselben eine Sache des Vertrauens zu der Regierung. Abge- ordneter Nadbyl wünscht, daß dem Reichstag eine Karte des Gebietes von Kiaotschau zugehe mit der Auskunft über die Kohlenlager in der Provinz Shantung. Der Staatssekretär verspricht, diesen Wunsch zu erfülle»». Abg. Jebsen bringt verschiedene Beschwerden über die Schifffahrtsverhältniffe in Ostasien vor und»vünscht Auskunft,»vie es»nit den Wasserverhält- nisse» in der Bucht von Kiaotschai» steht. Der Staatssekretär liest darauf ein langes Gutachte» vor, das der Kapitän Kanzius auf grnnd von Forschungen»nd Messungen in der Bucht von Kiaotschau im August des vorigen Jahres verfaßte. Das Gutachten stellt die Zustände im ganzen ziemlich rosig dar. Die Bucht soll danach den an sie gestellten Bedingungen als Handelshafen entsprechen. Das Gutachten giebt auch Auskunft über die topographischen und geologischen Äer- Hältnisse der Umgebung. Die Bodenverhältnisse seien günstig für die Anlage industrieller Unternehmungen aller Art. Die Bevölkerung sei sehr dicht, fieißig und harmlos, aber schmutzig. Die Trinkwasserverhältnisse seien»ich« ungünstig. Die Bucht sei eisfrei, habe gute» Ankergrnnd, keine heftigen Strömungen und bestehe keine ernste Gefahr für Versandung. Die Kohlenlager in» Shantnng-Gebirge enthielten eine ausgezeichnete Kohle, seien aber nur d>u.h eine Eisenbahn erreichbar und ausnntzbar. Abg. Richter»vill keine große Debatte hervorrufen, findet aber, daß verschiedene seiner Fragen nicht beantwortet»vurden. An der weiteren Debatte belheiligten sich wiederholt der Staatssekretär, ferner die Abgg. Lieber, Frese, Hasse, Bebel, Graf Stolberg und Prinz Arenberg. Der Staatssekretär verspricht, die von ihm ver> lesene Denkschrift dem Reichstag zuzustellen. Im»veitere» Verlauf der Verhandlungen macht der Staats- sekretär die Mitthcilung, daß er beabsichtige, in Prag ein General- konsulat ins Leben zu rufe». Die Debatte»vird bei Titel 33s. ab- gebrochen; nächste Sitzung Mittivoch Vormittag 10 Uhr. I» der siebenten Kommission deS Reichstages wurde gestern das Gesetz, betr. die E» t s ch ä d» g n n g der in» Wieder- anfnahnie-Verfahren freigesprochenen Personen in ziveiter Lesung erledigt. Die Eriveiterung der Entschädignngs- pflicht, welche in erster Lesung gegen den Widerspruch der Re- gierung eingefügt»var,»vurde»vieder beseitigt und die neuen ZZ la (Entschädigung»vege» Untersuchungshaft), solvie 4s gestrichen. Im übrigen»vurden die Beschlüsse erster Lesung im wesenilichen bestätigt. An» Schluß der vierstündige» Sitzung wurde eine Resolution,»ach welcher die verbündeten Regierungen ersucht werden, einen Gesetz- entivurf betreffend Enlschädigung»vegen unschuldig erlittener Unter- suchungshaft baldmöglichst vorzulege», ohne Debatte einstimmig an- genominen.— Die eingegangenen Petitionen»vurden durch die ge- faßten Beschlüsse für erledigt erklärt. Kandesversammlung der Sozialdemokrate« Sachsens. Leipzig, 23. Januar 1893. Im prächtig geschmückte» Saale der Goldenen Krone in Leipzig-Conneivitz trat heute die Landesversammlnug der fächsi- scheu Sozialdemokraten zusammen. Genosse Lipinski-Leipzig eröffnet die Versannnlung, heißt die Delegirten soivie die zahlreiche Zuhörerschaft herzlich»villkonimen und hebt die Bedeutung Leigzigs in der Arbeiterbeivegung gebührend hervor. Die Landesversammlung trete zu ernster Arbeit zusammen. Redner wünscht, daß diese Arbeit zum Wohl der Partei ausschlage. Sachsen möge bei den kommenden Reichstagsivahlen die unabänderliche Signatur Roth erhalten. Darauf»vird zur Konstituirung des Präsidiums!»ind der MandatSprüfungs-Kom Mission geschritten. Das Bureau besteht ans den Genossen Kad en- Dresden als ersten, den Genossen Grenz- Leipzig als zweiten Vorsitzenden; zu Schriftführern werden geivählt die Gen offen Lautenbach- Leipzig. S ch»n i d t- Zwickau, R i e m a n n- Chemnitz, S i n d e r m a n n- Dresden. In die Mandats- prüfungs-Kommission werden gewählt Langen- Chemnitz, O r b e l- Leipzig. S t e l z n e r'- Dresden. Der erste Punkt der Tagesordnung lautet: Bericht des §entral-Agitationskomitees. Berichterstatter: Genosse i ch h o r n- Dresden. Derselbe führt aus: I» den, verflossenen Jahre habe das Zentralkomitee eine rege Thätigkeit entfaltet. 200 Briefe, 40 Karten, 22 Telegramme vermittelten den Verkehr»nit de» Genossen im Lande. Die Einnahmen betrugen S406,13M., die Ans« »aben 5324,31 M., Kassenbestand demnach 81,82. Es sollte eine Zu- ämmenstellung der Urtheile, Strafen»c. gegen unsere Genossen durch das Komitee hergestellt und zum Selbstkostenpreis abgegeben»verden. Die Zeit war einestheils zu kurz, anderntheils hätte das Material in den Zeitungen zusammengesucht werden müssen, denn die Genossen ändten keines ein. Etrafinandate. die bezahlt werde» sollen, sendet man schneller ein. Die Arbeiten für die Landtagsivahlen gingen erst über Hals und Kopf. Eine Broschüre zur Aufklärung wurde vom Komitee herausgegeben, dieselbe scheint angesprochen zu haben. Ein Flugblatt(280 000) wurde ebenfalls ausgegeben. Agitationstoure» von Pinkau, Geyer, Liebknecht zc.»vurde» veranstaltet. Schivieriger- Aufgaben stellte das koinplizirte Klassenwahl- Gesetz. Die Aufstellung der Wahlmänner machte ebenfalls Schivierigleiten. Zu entmuthigen brauchen uns diese Schwierigkeiten nicht. Mißgriffe sind in verschivindender Zahl vorgekommen und erklärlich, bei der Neuheit des Wahlsystems. Flugblätter sind in 30 verschiedenen Orten ausgegeben»vorden. Im 10. und 13. ländlichen Wahlkreis sind nenn Flugblätter in 75 000 Exemplaren ausgetragen»vorden. In drei anderen ländlichen Dresdener Kreisen»vurden zehn Ver- sainnilungen abgehalten und ca. 70 000 Flugblätter verbreitet. Die in einzelnen Kreisen entstandenen hohen Kosten erklären sich ans der Mehrarbeit. Das Resultat»var: Kein Abgeordneter, aber in manchen Kreisen sehr befriedigende Stimmenzahlen. In anderen Kreisen dagegen nicht. Es hätte oftmals besser gearbeitet»verde» müsse»». Wo tüchtig gearbeitet»vurde,»var befriedigender Slimmenzuivachs zu verzeichnen. Redner zeigt das an den Stimmenzahlcn einzelner Kreise. In sieben Kreisen haben»vir über 50 pCt. der abgegebenen Stimmen erhalten, von 2314 Wahlmänner»» hatten»vir 453. Der agitatorische Werth der Wahlbetheiligung läßt sich nicht in Zahlen ausdrücken, er ist aber nicht zu unterschätzen. Ein Kalender»vurde in 100 000 Exemplaren verbreitet in ganz Sachsen. Die Urtheile über den Kalender lauteten gut, doch »vurde nicht überall diese Agitationsweise gutgeheißen. Anderivärts ist man damit durchaus einverstanden und sehr befriedigt. Die Wasserkatastrophe trieb uns an, eine eigene Sammlung zu ver- anstalten. Es sind 14 176 M. eingegangen, die unter 215 Personen »vurden.— In» Landtag verlangten die Reaktionäre eine»vettere Rechtlos- inachnng der Arbeiter. Nach der Wahlentrechtung soll eine Ver- schlechterung des Vereinsgesetzes vorgenommen»verde». Dagegen »vurde in 50 Protestversanunlungen enischieden Stellung genomine». Ueber das gegen die Verschlechterung des Vereinsgesetzcs ansgegebene Flugblatt ginge» Klagen über dessen Inhalt ein. Ferner muß die Referentenfrage hier»vieder berührt»verden. Referenten fanden sich nicht zu einer Tour in der Protcstagitatio». Sachsen»vurde vom Parteivorstande etivas vernachlässigt in dieser Hinsicht. Die Gemeinderaths-Wahlen ergaben Erfolge für uns, besonders i» Chemnitz,»vo 15 Stadtverordnete geivählt»vurde». Meist ist unser Bestand erhalten»vorden. Die Wahlen»varen nicht sehr leb- Haft in diesem Jahre. Die Bekämpfung der Arbeiterbewegung durch Behörden, Gerichte zc. war so intensiv, daß eine Steigerung nicht mehr gut möglich ist. Der Grobe-Uufug-Paragraph wurde reichlich benützt von den Gerichten. Die Urtheile lauteten in einzelnen inkriminirten Sachen verschiede». Die Austragung von Flugblättern»vurde nach diesem Paragraphen des Strafgesetzbuchs bestraft; andenvärts»vurde das Preßgesetz angewandt. Die Absendung von Geldern an den Partcivorstand seitens eines Genossen»vurde als verbotene Sau»»»- lnng bezeichnet.(Heiterkeit.) Auch die Verivaltungsbehörden gingen verschiede» vor. Manche verlangen die Anmeldung von Referenten und Schließung der Ver- sannnlnngen nachts 12 Uhr. Das Ministerinin entschied zu unseren gunsten, die Gendarme jc. handelten aber anders. Die Lohnkämpfe ergaben schärferes Einschreiten der Behörden. Redner führt Beispiele an. Der Widerstand gegen diesen Kamps muß besser organisirt werden. Deshalb beantragen wir: Die Landeskonferenz»volle beschließen. Die Kreisvertrauensleute sind verpflichtet, von jedem Verbot, Bestrafung. Urtheil»c., die in ihrem Kreis ergehen und die mit der Arbeiterbeivegiiiig in» Znsammenhange stehe», sofort den» Zentral- Agitationskomitee Mitiheilung zu inachen und event. die Ülkten des Falles an dasselbe cinzuseude». Älnslagen hat das Zentral-Agitations- komitee zu ersetzen. Die Kreisvertrauensleute habe» dem Zentral- komitee ihre Adressen einzusenden. Eichhorn, Schulz«, Breslauer. Darauf»vird die Debatte eröffnet. Grenz- Leipzig: Wir haben in Leipzig berathen, ob ein- andere Methode in der Verbreitung von Flugblätter» eintrete» soll. Beschluß ist nicht gesaßt»vorden. Es muß eine Aenderung ein- treten. Im Laufe der Jahre hat sich die Parteipresse riesig ent- »vickelt. Durch diese Presse»vird ein Theil der Flugblätter über- flüssig. I» Leipzig z. B. ist dieses oder jenes Flugblatt nicht nöthig. Auf den» platten Lande ist dies anders. Dort hapert es mit der Verbreitung. Aenderung ist zivar schivierig, verursacht große Kosten, aber es muß eine bessere Zlisaminenfaflung und Verwendung der in den Städten vorhandenen Kräfte stallfinde». Der Kalender hat gut geivirkt, die Gegner»vare» darüber erbost.— Wer Reserenlen zn besorgen hat,»veiß, daß das Schivierigkeite» macht. Man»vill Redner erster Güte haben. Das ist nicht immer zu erreiche». Es sollten die Genossen sich immer nur au die Stgitationskomiices um Redner wenden, nicht aber an diese direkt. So sollte die Sache geregelt»verde«. G r» in b t- Annaberg: Wir haben blos 500 Kalender, nicht 1500 von Chemnitz erhalten. Flugblattvertheiler»vurde» bei uns auf grnnd des Grobe». Unfug-Paragraphen bestraft. Frau I ä g e r- Leipzig: Es hätten andere Referentinnen, als die genannten, zu Frauen-Versammluugen bestellt»verde» können. Möge man solche Versammlnngen noch veranstalten. Das Agitalions- komitee hat für lliefkrentinnen zu sorgen. Langer- Chenniih: Es sind über 1000 Kalender i» den 21. Wahlkreis gesandt»vorden. A»er- Berlin: Der Referent hat den Parteivorstand der Vernachlässigung Sachsens in der Besorgung von Referenten ge- ziehen. Die Dinge liegen nicht so,»vie der Referent sagte. Die Genossen müssen sich daran gewöhnen, daß Reichstags-Abgeordnete nicht als 5 Kilo- Packete zu verschicken sind. Eilbriefe, Depeschen fruchten nicht immer, denn die Abgeordneten sind oft übermäßig engagirt. Höhne- Johann- G-orgenstadt: Wir haben zu»venig Kalender zur Agitation erhalten. G e r i sch- Berlin: Auer wies bereits ans die Schivierigkeite» i» der Reserentenfrage hin. Das Komitee»vies einzelne Abgeordnete zurück. Man verlangt erste Qualität. Es»vird immer Schivierig- keilen in dieser Hinsicht geben. Schmidt- Zivickau führt mehrere Fälle von Vernrtheilungen an und zergliedert de» Tenor der betreffenden Urtheile. Ostmals traf nicht zu,»vas die Anklage behauptete. Fühlten sich Zeugen nicht belästigt durch die Verlheilimg von Flugblättern, so nahm man einfach an, andere könnten sich belästigt gefühlt haben. In der Referentensrage»verde»» oft zu hohe Ansprüche von den Genosse» gemacht. Müller- Aue: Anch»vir haben zn wenig Kalender be- kommen. Die ländliche Bevölkerung hätte bei niis sehr'gut bedacht »verde» können. G o t t s ch a l g'- Lößnitz stellt einiges in der Kalenderfrage richtig. Lorenz- Chemnitz: Manche Bezirke»vollten keine Kalender, dar»»»» haben sie keine bekomme». In»nanche» Kreisen lagern die gesandten Kalender noch und harren der Verbreitung. Hoffentlich»verde» sie noch verbreitet. E i ch h o r»»- D r e s d e»: Ich bitte, den» Vorschlaq Grenz' nicht zuzustimmen. Die Vertheilnng von Flugblättern läßt sich nicht schcmatisch bestimmen. Künftig läßt sich hoffentlich die Kalenderver- theilung besser gestalten. Die letzten Tage vor der Landtagswahl hätte »na» uns doch besser mit Referenten bedenke» können. Wir verstehen nicht, daß Reichstags- Abgeordneten in Slusnahmesüllen nicht einmal »ach Sachsen kommen könnten als Refereuien. Dem Wunsche der Genossin Jäger können»vir nicht i» allen Fälle» entsprechen. Die Debatte»vird geschlossen. Der Antrag Eichhorn-Schulze-Breslauer »vird angenoniinen. Ein anderer Antrag: Im Jahre 1698 soll wieder ein Kalender herausgegeben und verlheilt»verden— niit der Ausführung»vird das Zentralkomitee betraut—»vird ebenfalls angenommen. Darauf Mittagspause. Nach der Mittagspause wurden die Verhandlungen>/� Uhr »vieder aufgenommen. Die Mandatsprüfungs- Kvimnission erstattet zunächst Bericht. Es find 55 Delegirte vertreten, D-r Parteivorstand ist durch die Genossen Auer und G e r i s ch, die Laudlagsfraktion vollständig vertreten, ebenso dos Zentral-Agi- rntionskoniiiee. Smniiltliche Mandate werden für gillig erklärt. Nunmehr wird zu Punkt 2 der Tagesordnung geschritten. Abgeordneter Goldslein. der Bericht erstattet über die Thätigkeit der Fraktion im Landtage, fuhrt aus: Die Konservativen haben die Majorität im Landtage. Wir besitzen nur noch acht Mandate. Der Ton der Konservative» bei den Verhandlungen ist uns gegenüber ein nn- gehobelter. Der Präsident Ackermann provozirte uns bereits bei der Einleilungssitzung, konnte uns jedoch nicht irritiren, wir wiese» ihn zurück. Man kann mit uns nicht Schindluder spielen. Bei der Verhandlung über die Wasser- Kalamität in Sachsen griffe» wir ein und tadelten das Verhalte» der Negierung. Beim Etat präzisirten wir unsere Stellung In Sachsen gehe» wir Zuständen entgegen, bei denen von einem geordneten Finanzwesen die Rede nicht wird sein können. Auch in der Eisenbahnpolitil verlangten wir eine Aendernng. Das Anleihewesen muh eingeschränkt werde». Für die Petitionen der Eisenbahnarbeiter verlangten wir Berücksichtigung. In den Erz bergwerken Freibergs gestalten sich die Verhältnisse immer mißlicher, die Ergebnisse des Bergbaues gehen zurück und der Staat muß Zuschüsse von einigen Millionen jähr- lich leisten. Ferner verlangten wir eine Vermehrung der Fabrik- inspektoren. Eine vollständige Aendernng der Flußregulirungsbanten ist nöthig, auch das forderten wir. Dann stimmten wir gegen die Ordensausgaben und die Gesandtschaften, sowie gegen die alten und netten Apanagen; sogar einige bürgerliche Abgeordnete stimmten gegen die neu geforderten Apanagen. Aus dem Laude, selbst ans Konunerzienrathskreisen gingen uns Zu stimmnngsschreibe» über unsere Haltung in dieser Angelegen- heit zu. Wir traten für die Petitionen der Sattlergehi'lfen und anderer Arbeiter ein. Scharfe Kritik übten wir an der Hand. habnng des Vercinsgesetzes. Zur Gesinde- Ordnung legten wir unsere Stellung klar und forderten die Besciligung des Prügel- rechtes gegenüber dem Gesinde. Schließlich forderten wir die völlige Beseitigung der Gesiude-Ordnnng, die noch zur Weiterberalhung in der Deputation liegt. Zu der Abänderung deS Vereinsgesetzes nahmen wir zu- stimmende Stellung zur Regierungsvorlage, die den§ 24 wegfallen lassen will, das Verbot des Jnverbiudnngtretens. Die Konservativen verlangten jedoch die bekannte Verschlechterung des Gesetzes. Da- gegen kehrten wir n»s mit aller Kraft. Die Regierung nahm zn der Fordernng der Konservativen keine klare Stellung. sondern hielt sich Hinterthüren offen. Die Angelegenheit wird»och in der Deputation berathen. Es ist keine Aussicht, daß die Regierung stand hält gegenüber den Konservativen. National- liberale und Kammerfortschrittler sind auch gegen die Verschlechterung, bilde» aber mit uns»och nicht die Majorität. Es ist zu befürchten, daß die Verscklechternng kommt. Der Ständehausbau findet nicht unsere Zustimmung. Dagegen waren mit dem Gesetzentwurf über Viehversicherung einverstanden, vorbehaltlich einiger Aenderungen. Es gab lebhafte politische Auseinandersetzungen zwischen uns und den Gegnern. Die Gegner berufen sich auf alte erworbene Rechte, die oftmals erworbene Unrechte sind. Zu den Steuervorlagen nahmen wir die Stellung ein, daß eine Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer neben der Einkommensteuer eingeführt wird, wie die Regierung beabsichtigt. Modifizirungen sind nolhwendig. Dagegen soll die Grundsteuer wegfallen, womit man den Großgrundbesitz entlasten will. Wir sind für Beibehaltung der Grundsteuer, sie soll nach den Köpfen der Kinder an die Schulgemcinden vertheilt werden. Die Vermögenssteuer und Erbschastsstcuer sollen progressiv sein. Ferner soll der Staat bei derart gesteigerten Einnahmen das Schulgeld übernehmen, das ver- langen wir. Jetzt liegt dem Landtag noch ein Entwurf über die Alterszulagen für die Lehrer vor. Auch hierbei stellten wir weiter- gehende Forderungen. Die Hauptarbeiten im Landtage kommen noch, die Einzeletats harren»och der Berathung. Ein abschließendes Bild unserer Thätigkeit kann also hier nicht gegeben werde». Wir haben uns bemüht, unsere Schuldigkeit zu thnn. Die Stellung unserer Fraktion zu den Gegnern ist die alte, prinzipiell entgegengesetzte. Benrtheilen Sie unsere Thätigkeit mit Rücksicht auf die schwierigen Verhältnisse streng aber gerecht, wir wollen die Arbeiterinteressen nach Kräften vertreten.— Es sind folgende zwei Resolutionen eingegangen: I.„Die Landcsversammlung spricht hierdurch ihr volles verständniß mit der Thätigkeit und Haltung der Landesfraktion aus, versichert dieselbe ihres vollen Vertrauens." II. Die Landeskonferenz der Sozialdemokratie protestirt auf das entschiedenste gegen jede Schmälerung des Koalitionsrechts. Der Plan der konservativen Landtagsfraktion ist ein Versuch, die besitzlose Klasse in brutaler Weise eines Rechts zu berauben, das ihr gegenwärtig ein schwaches Gegengewicht gegen die wirth schaftliche Uebermacht des Kapitals ist. Die Arbeiter des Koalitionsrcchts berauben, heißt, sie gefesselt der schrankenlosen Ausbeutung des Unternehmerthums ausliefern. Und die Anschläge der Konservativen bedeuten noch niehr: sie bringen ein neues Ausnahmegesetz für die Arbeiter Sachsens. Die Landeskonferenz erklärt daher, daß die gesammte Sozialdemokratie und mit ihr die ganze Arbeiterschaft Sachsens hinter jeder Handl lung steht, die die sozialdemokratische Fraktion des Landtags zum Schutze des Koalilionsrechls der Arbeiter nnterninimt. Die Landeskonferenz verpflichtet die Parteigenossen im Lande, mit allen Mitteln dahin zu wirken,� die konservativen Anschläge zu vereiteln. Und ebenso energisch haben die Parteigenossen Front zn machen gegen solche Versuche, das Koalitionsrecht von Reichs wegen zn beschränken, wie sie sich in dem Wirken des Staats- fekrctärs Pofadowsky zeigen." In der Debatte ergreist das Wort Geyer- Leipzig und weist auf die schwierige Stellung hin, die unsere Abgeordneten im Landtag nach der Wahlrechts-Verschlechterung haben. Redner ersucht, die Resolution anzunehmen. Lange- Leipzig macht die Landtags- Abgeordneten auf die nölhige Ausbreitung des SnmarilerwesenS im ganzen Lande auf merksam. Darauf Schluß der Debatte und einstimmige Annahme der Nesolulione». Berichterstatter für den 3. Punkt der Tagesordnung: Die bevor st ehe n den ReichstagS-Wahlen u n d die Aufstellung der Kandidaten— ist Genosse Geyer- Leipzig. Derselbe führt aus: Die letzte Session des Reichstages steht bereits im Zeichen der Neuwahlen. Alle Parteien treiben, innerhalb und außerhalb des Reichstages, Wahlpolitik. Der Wahl termin steht zwar noch nicht fest, aber man rechnet nur auf eine kurze Session. Es steht auch noch nicht fest, untcr welcher Wahlparole die Wahlen sich vollziehen werden. Bei der Ausgabe dieser Parole ist nicht allein der Wille der Herr- sehenden Kreise maßgeblich. Die allgemeine politische und wirth- fchafiliche Lage macht dabei ihren Einfluß gellend, und diese ge- stallet den Gegner» nicht, nach ihren Wünschen zu verfahren. Sicher kann man sein, daß der alte Trick wieder geübt wird: durch schwulstige Lobpreisung der auswärtigen Politik der regierenden Kreise oder durch Politische Verwickelungen die Aufmerksamkeit des Volkes von den inneren Verhältnissen abzulenken. Schon jetzt wird mit dieser Mc- lhode begonnen, der Flottenrnmmel und die China- Expedition werden von der bürgerlichen Presse zu dem Zwecke ausgenutzt. In allen Tonarten wird die neue Eroberung der deutschen Regie- rnng von den Offiziösen gepriesen. Im sozialdemokratischen Lager ist ein Streit über die Stellung der Partei gegenüber dieser Er- oberung entbrannt. Die Reichstagsfraktion habe darum die heute in unserer Presse veröffentlichte Erklärung abgegeben, die allseitig befriedigen werde. Wir sind gegen diese Politik, weil das arbeitende Volk die Kosten zahlen muß. Dazu kommt, daß man schon die Ein- führung chinesischer Arbeiter plant. Der Großmachlskitzel zeitige Träume von einem Weltreich, das Glanz und Macht der Regie- rnng erhöhen soll. Wie sieht's dagegen im Innern aus? Verwirrung in alle» bürgerlichen Gesellschaftsschichten, die größte in Regierungs-' kreisen. Die bürgerlichen Parteien kämpfen gegeneinander. Konser- vative und Antisemiten raufen wieder einmal miteinander. Die Nationalliberalen vegetiren nur noch und leben von konservativer Gnade. Auch die freisinnigen Parteien befehden sich. DaS Zentrum hat in Bayern sich gegen die Banernbündler zu wehren, nur die Sozial- demokratie steh! vollständig intakt da. Redner schildert die Haltung der bürgerlichen Parteien im Reichstag. Die Sozialpolitik der Regierung besteht in dem Programm: Arbeitertrutz ohne Phrase. Den neuesten Kurs hat Graf Pofadowsky verkündet. Das giebt für uns eine gute Wahlparole. Wie stehen die Dinge in Sachsen? Hier hat die Re- gierung mit ihren Helfershelfern im Landtag dafür gesorgt, daß noch reaktionärere Zustände eintraten. Bis in die tiefsten Tiefen ist das Volk aufgewühlt. Auf die Wahlentrechtung soll die Verschlechterung des Vereinsgesetzes folgen, dessen Handhabung schon oft Stürme im Volke hervorrief. Im Bewußtsein ihrer Schandthalen und der Nebermacht der Sozialdemokratie gegenüber kartellirten sich die Konservativen, Nationalliberalen und Kammerfortschrittler. Wir werden auch dies mal wieder gegen dieses Kartell zu kämpfen haben. Die Zwischen spiele im 9. und 10. Wahlkreise haben nichts zu bedeuten. Die Kartell brüder bemogeln sich nur um einige Mandate, wie früher. Unsere Taktik bei den Wahlen wird also die alle bleiben: Gegen alle bürgerlichen Parteien. Die Antisemiten werden schwere Nieder- lagen erleiden, sie sind eine schnell vorübergehende Erscheinung im Parteileben.t Freisinnige kommen wenig in belracht und konnten bisher schon nur mit unserer Hilfe ein oder zwei Mandate er- ringen. Heute bleibt uns mir noch die Bestätigung der ans gestellten Kandidaten. Ist sie vollzogen, wird der Wahlkamp lebhafter. Komitees werden gebildet, die mit dem Kandidaten nn- unterbrochen agitiren werden. Der Kampf wird in Sachsen am heftigsten toben. Für die bürgerlichen Parteien handelt es sich um Sein oder Nichtsein. 1393 erhielten wir bereits 270 999 Stimme» die gesammte» Gegner nur noch 321999 Slimmeu. Wir müssen die Mehrheit der W a h l st i in m e n erhalten. Die Regie rnng muß mitsammt den ihr gehorchenden Parteien von der Mehrheit des Volkes zurückgewiesen worden. Zwar hoffen wir auf große Siege, aber ohne tüchtige Arbeit werden sie nickt errungen Wir wissen, um was es sich handelt, des Volkes Interessen müssen gegen die Herrschenden und Besitzenden vertheidigt werden. Nun vorwärts an die Arbeil, vorwärts in den Kamps!(Lebhafter Beifall.) Zur Dcbatle werden folgende Anträge mit gestellt: I. Antrag Glauchau:„Die Landeskonferenz zn Leipzig wolle beschließen: Die sächsischen Genossen allerorts haben bei ihren Saalbesitzern Anfrage zn halten, ob dieselben bei der bevor stehenden Reichstagswahl ihre Lokale uns zu Versaiiimlnngen zur Verfügung stellen. Diese Anfragen sind schriftlich zu stellen, um eine schriftliche Antwort zu fordern. Säinmtliches Material ist nach der Wahl in einer Broschüre zusammenzustellen und den Gel Nossen zngnngig zu machen." 2. Einzelantrag Michaelis-Dresden:(5. Wahl kreis.)„Die Landeskonferenz wolle beschließen: In anbelracht der außerordentlichen Bedeutung der diesjährigen Reichstags wählen sind die Wahlkomilees zu beauftragen, jedem ans die Wahl bezug habenden Flugblatt die wichtigsten Bestimninngen des Wahlgesetzes sowie die wichtigsten Bestimmungen des llieglements desselben sowie die§ 197 und 199 des Reichs-Slrafgesctzbnches aufzudrucken." Gegen diese Anträge sprechen Beyer- Leipzig, ebenso im Schlußwort der Berichterstatter. Bei der Abstimmung weiden beide abgelehnt. Dann wird die Aufstellung der Kandidaten vorgenommen. Alle Kandidaten werden e i n st i m in i g bestätigt. Daraus wird die Versammlnng bis morgen vertagt. Nchtiing, erster Wahlkreis! Am Dienstag, den 25. Januar, findet in den Spreehallen, Kirchstr. 27, eine Versammlnng des Wahl- Vereins für den ersten Kreis statt. Da uns im Hansaviertel selbst kein Lokal zur Verfügung steht, ersuchen wir die Genossen, recht zahlreich in dem genannten Lokal zu erscheine». Mitglieder werde» in der Versammlung und in folgende» Zahlstellen anfgenommen: Moll, Kloslerstr. 191; P r e n ß, Neue Fricdrichstr. 29; Sommer, Grünstr. 21; Mörschel, Jüdenstr. 35/36. __ D e r Vorstand. Ein.I Eheschlicst, nisten in Berlin 1896, Nach den neuesten, end giltigen Veröffenllickungen des Berliner„Statistischen Amtes" wurden 1896(bezw. r895) in Berlin 13 612(17 233) Ehen geschlossen. Von den Eheschließenden waren Männer Pro Mille 1896 1395 1896 1395 ledig.. 16 285 15 975 673.6 874,5 verwittw. 1 657 1 594 33.9 92,5 geschieden 799 569 37,5 33,9 und standen im Alter: nnt. 29 Jahren 3 6 9,4 9 3 29—25. 4 312 3 612 231.3 299 6 25—39. 8 216 7 763 449.7 459 3 39—35. 3 197 3 939 166,7 176.3 35-49. 1230 1 173 68,7 63,3 49-45. 674 684 36,2 39.7 45-59. 414 389 22,2 22,6 59—55. 283 262 15,2 15,2 55—69. 195 165 19,4 9,6 69 u. mehr 153 149 8,2 3.1 Frauen 1396 1895 17 123 15 766 1 937 1 925 482 447 Pro Mille 1896 1895 1841 7 689 5 393 2 287 1936 516 265 124 64 17 1296 6 293 5 973 2 966 948 499 253 123 41 16 918,5 55,6 25,9 71 9 412.4 281,5 122.7 55,6 27,7 14,2 6.7 3,4 9,9 914,6 59,5 25,9 76,2 491,6 294,3 119,8 55,9 28,9 14,7 7,1 2,4 1,0 1896 war von den heirathenden Männern der jüngste 18 Jahre, der älteste 87 Jahre alt(1895: 13 bezw, 77 Jahre), von den heirathenden Frauen die jüngste 16, die älteste 67 Jahre(1895 16 bezw. 79 Jahre). Bemerkenswerth ist für 1396 das stärkere Hervortreten der 29— 25 jährigen unter den Heirathenden. Das ist zum theil darauf zurückzuführen, daß infolge des wirthschaftlichen Aufschwunges der letzten Jahre jetzt wieder etwas früher geheirathet werden kann, zum theil aber auch darauf, daß die 29— 25jährigen gegenwärtig überhaupt ungewöhnlich stark unter der Bevölkerung vertreten sind, weil für diese Gruppe jetzt bereits die ungewöhnlich hohen Geburtenziffern der 70 er Jahre ins Gewicht fallen. Ter„Verein zur Besscrunst der Strafgefangenen� ist im Jahre 1897 etwas weniger als 1396 von Befchäfiigung suchenden Strasenllassenen in Anspruch genommen worden. Es haben sich 1897(bezw. 1396) an ihn gewandt und um Arbeit gebeten: 8571(3639) Erwachsene, 854(919) Jugendliche, zusammen 4425(4549) Slrafentlaffene. In Arbeit gebracht wurden: 2719(2782) Erwachsene, 746(852) Jugendliche, zusammen 3466(3634) Straß entlassene,— fast alle, wie seit einer Reihe von Jahren, außerhalb Berlins, d. h. ans dem Lande als Tagelöhner, Hofgänger u. f. w Auf je 1999 Befchästigung suchende Personen kamen 783(799) Untergebrachte, speziell bei den Erwachsenen nur 761(765), bei den Jugendlichen aber 874(936). Da der Prozentsatz der Nntergebrachten 1897 gleichfalls geringer war als im Vorjahre— trotz des oben erwähnten geringeren Zudranges von Strafentlassenen—, so scheint es, als ob auch die Nachfrage nach solchen zurückgegangen ist; vielleicht, weil sich die Ansprüche der hier als Abnehmer hauptsächlich in betracht kommenden Land- wirthe an die Leistungsfähigkeit der Strafgefangenen gesteigert haben. Bemerkenswerth ist, daß in günstigen wie in ungünstigen Jahren— auch 1897 wieder— von den Jugendlichen ver- hältnißmäßig viel mehr als von den Erwachsenen untergebracht worden sind, weil die Nachfrage nach dieser billigere» Waare be- kanntlich verhällnißmäßig viel größer ist. Ter Pächter der fiskalischen Abdeckerei in der Müllerstraße hat es all die langen Jahre hindurch nicht vermocht, auch bis zum heutigen Tage noch nicht, Sicherheitsmaßregeln dagegen zu treffen, daß das der Abdeckerei überwiesene Fleisch von verendeten oder erkrankten Thieren nicht wieder zur menschlichen Nahrung verwandt, bezw.. in den Verkehr gebracht wird. Die öffentliche Auf- merksamkeit richtete sich bereits ans diesen Uebelstand. als der Schneidergeselle Klausin in der Frankfurter Allee im Herbst 1884 die Fran Vaneß und deren Mutter ermordete und dabei bekannt wurde, daß Frau Vaneß einen schwunghaften Handel mit krepirtem Fleische betrieben hatte, welches ihr„Bräutigam", der Schlächter Werner, der in der Abdeckerei beschäftigt wurde, daselbst gestohlen hatte. Da Werner diese Diebstähle später in größerem Maßstabe fortsetzte. so ist er zn einer langjährige» Freiheitsstrafe verurtheill worden. Seitdem sind die Dieb- stähle nicht mehr in en gros betrieben worden, aber aus- gehört haben sie noch nie, wie zahlreiche Feststellungen und Berurtheilungen beweisen. So hat erst am Sonntag Vormittag der berittenene Gendarm Klötzsch in Reinickendorf wieder einen Dieb abgefaßt. Der Beamte beobachtete, daß ans der Wohnung des Abdeckereiarbeiters Träger ein junges Mädchen mit einem schweren Korbe trat. Die Sache kam ihn» verdächtig vor, er erfuhr von dem Mädchen, daß sie die Schwester des Träger sei und den Korb voll Fleisch zu einem von seinen Knuden trage. Der Gendarm ließ das Fleisch untersuchen, wobei sich herausstellte, daß dasselbe hochgradig tuberkulös und daher gesundheitsgesährlich war. Gegen Träger wird nun ebenfalls ein Strasverfahren eingeleitet werden, da dieser das konfiszirte Fleisch ans der Abdeckerei gestohlen haben soll. Ein Rasender. Eine blutige Szene spielte sich Sonntag Nach- mittag im Hanse Gerichlstr.9 ab. Dort wohnt im zweiten Stock des Seitenflügels der Steinmetz K. Köhring. Ein Bruder desselben, der arbeitsscheue Anton Köhring, der erst vor kurzem zivei Jahre ver- büßt hat, knüpfte ein Verhältniß mit der Mäntelnäheri» Emma Golze an. Köhring und die Golze bezogen in der Grünthalerstraße eine gemeinsame Wohnung. Die Eintracht währte aber nicht lange, Köhring mißhandelte seine Geliebte so roh, daß sie es vorzog, sich in der Neuen Hochstr. 23 eine eigene Wohnung zn nehmen. Damit aber ließ sie keineswegs ganz von dem Manne, obwohl sie auch in Zukunft Niehls als Mißhandlungen zu erwarten hatte. In der ver- gangenen Woche prügelte er sie wieder so heftig, daß sie die Polizei in Anspruch nehmen mußte. Der rohe Patron griff auf der Wache die Polizeibeamlen an und konnte nur mit Mühe gefesselt werden. Später wußte er durch ein Hiutersensier des Wachtlokals zu ent- kommen. Seitdem suchte ihn die Polizei. Die Golze aber verkehrte »ach wie vor mit ihm. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr kam das Paar zu dem Steinmetz Köhring. Dieser öffnete schließlich, um dem Lärm ein Ende zu machen, den sein Bruder verursachte, indem er Uiinnlerbrochen mit den Füßen gegen die Thür stieß. Gleich nach- dem er geöffnet halte, zog sich Köhring zurück, da er nicht völlig angelleidet war, und ließ einstweilen seine Gäste aNein. Es dauerte nicht lange, da hörte er seinen Bruder schon ivieder schimpsen und poltern. Unmittelbar darauf fiel eine Fensterscheibe klirrend ans den Hof hinab, und gellende Hilferufe des Mädchens erschreckten die Hausbewohner. Köhring eilte in die Stube und sah wie sein Bruder mit dem Küchenbeil seiner Geliebten einige Hiebe über den Kops versetzte, nachdem er versucht hatte, sie zum Fenster hinausznwerfen. Er entriß dem Wütherich das Beil, dieser aber ergriff rasch ein Brodmesser und stach damit auf seine Geliebte ein. Nachdem er ihr blitzschnell siebe» Stiche in den Kopf, den Hals, die Hüften und den linken Unterarm versetzt hatte, wandte er sich gegen seinen Bruder. Dieser lief, das Beil in der Hand, Hilfe rufend die Treppe hinab. Nun packte Köhring seine Geliebte wieder, zerrte st« an den Haaren zur Thür und stieß sie mit dem Fuß einen Treppenabsatz hinunter. Anton Köhring eilte »nn an seinem Bruder, der eben zurückkehrte, vorbei zum Hause hinaus, wusch sich an einem Brunnen, der vor dem Hanse steht hastig das Blut ab und lief davon. Der Hansverwalter und andere Bewohner holten die Polizei. Diese brachte die schwerverivundete Golze nach der Unfallstation in der Lindowerstraße und von dort nach Anlegung von Nothverbänden in die Charitee. Der Thäter, der vorläufig entkommen war, konnte nach Verbrecherart der Ver- suchnng nicht widerstehen, noch einmal an den Thatort zurück- zukehren.'Als er kurz nach 6 Uhr austauchte, war der Hans- vermalter mit mehreren Mielhern auf dem Posten, um sofort die Verfolgung aiifzniiehmen, als Köhring floh, sobald er sich bemerkt sah. Vor dem Hause Gerichtstr. 2 stellten die Verfolger den Flüchtigen. Dieser aber gab sich keineswegs gutwillig gesangen. Mit tollster Wnth wandte er sich namentlich gegen einen seiner Ver- folger, einen Mann Namens Werner. Bis er überwältigt war, hatte er Werner so zugerichtet, daß man diesen blutüberströmt weg- tragen mußte. Aus der Polizeiwache suchte Köhring den„wilden Mann" zu spielen. Er wurde in sicheren Gewahrsäm gebracht. Sein Opfer Emma Golze ist heule bei voller Besinnung und scheint mit dem Leben davonzukoinmen. Ein Tcnnnziant. Eine Majestät�beleidigung soll sich der Buchdrucker Otto K. in einer Kneipe mit Damcnbedienung schuldig gemacht haben. K. zechte in der Nacht zum Freitag in dem Lokale von Wilhelm K u h l m a» n, I n n k e r st r a ß e 3. Als er sich um Aiilternacht entfernen wollte, trat der Wirth mit einem Schutzmann auf den stark angeheiterten Gast zu, und ließ ihn unter der Be- schuldignng, daß er den Kaiser beleidigt habe, verhaften. Nachdem K. auf der Revierwoche seine Personalien angegeben hatte, wurde er entlassen. I» der Borsig-Miihle zu Moabit glimmt und brennt eS immer noch, so dap die Feuerwehr noch nicht ganz zurückgezogen weiden konnte; sie muß bald hier, bald dort Wasser geben. Die Flammen schlagen jedesmal empor, wenn die Gluth Luft be- kommt. Ob die Mühle wieder ausgebaut werden wird, ist noch nicht enlschieden. Der Grnndbesitzervercin„Nordwest" bemüht sich für die Verlegung der Mühle und Herstellnng einer neuen User- straße von der Levctzowstrabe bis zur Userstraße ans dem Gelände der Borsig'schen Erben, das dadurch an Werth gewinnen würde. Der Polizeipräsident hat dem deutschen Nadfahrer-Bnnd (Gau Berlin) auf eine Petition betreffs Kenntlichmachung der für Radfahrer verbotenen Straßen folgende Antwort zugehen lassen: Dem Antrag auf Kenntlichinachung der für den Verkehr mit Zwei- rädern verbotenen Straßen und Plätze Berlins, durch Anbringung von Schildern, kann nicht entsprochen werde». Es ist die Pflicht eines jeden Radfahrers, sich über die bezüglichen polizeilichen Vor- schristen in gleicher Weise zu unterrichten, wie das z. B. auch von den Wagenlenkern gefordert wird. In dieser Beziehnng gewähren übrigens die ini Buchhandel erscheinenden Nadfahrerpläne eine erhebliche Erleichterung. Wenn an einzelnen Straßenecken Schilder angebracht sind, welche das Schrittfahren anordnen oder das Be- fahren der Straße mit Lastfuhrwerken verbieten». s. w., so sind hierfür besondere Gründe maßgebend und liegt nicht lediglich die Absicht vor, die Wagenführer vor Uebertretungen zu warnen." Zu der Brcölancr Mordaffäre. Das Polizeipräsidium läßt in der Angelegenheit mitheilen: Die Berliner Kriminalpolizei war durch die Breslauer Polizeibehörde ersucht worden, Nachforschungen nach einem Lackirer Engen K. anzustellen, da es nicht ausgeschlossen sei, daß derselbe bei dem am 12. Januar in Breslau erfolgten Morde der 79jährigen Trödlerin Karppe betheiligt sei; K. Hab« sich dadurch verdächtig gemacht, daß er, obwohl in den ärmlichsten Ver- Hältnissen lebend, nach dem 12. Januar viel Geld ausgegeben habe und einige Tage später aus Breslau verschwunden sei. Am Sonnabend gelang es, den K., welcher sich in Berlin unangenieldet aushielt, festzunehmen. Er behauptete zuerst, daß er am 17. Januar, am Tage seiner Abreise ans Breslau, in der Friedrich-Wilhelmftraße daselbst in ein Taschentuch eingewickelt 129 M. in Silber und Gold gesunden, diesen Fund aber seiner Frau verheimlicht und das Geld theils zum Ankauf von Kleidern in Breslau, theils für die Reise nach Berlin und dann in hiesigen Lokalen verausgabt habe; als ihm vorgehalten wurde, daß er schon am 13. Januar in Breslau Wäsche, einen Anzug und eine Uhr gekauft, änderte er seine Angabe dahin, daß der Fund bereits am 8. oder am 12. Januar geschehen sei. K. ist wegen Verdachts des MordeS dem Amtsgericht I Berlin zugeführt worden. Ei» braver Ehrist und kein braver Soldat. Die neuliche Meldung, daß der mennonitische Grenadier Thröner vom Kaiser Alexander Garde-Grenadierregiment Nr. 1 sich bei der Disziplinar- abtheilnng des Gardekorps im Fort Hahneberg bei Spandau befinde, ist unrichtig; er ist vielmehr, wie die„Spand. Korr." mitthcilt, vor kurzem, nach Verbnßung seiner letzten Strafe, der Arbeiterabtheilung Cn Magdeburg überwiesen worden, wo er nicht i» die Lage kommt, «in Gewehr handhaben zu müssen. Zu einer Arbeiterabtheilung kommen in der Regel diejenigen bestraslen Maunschasten, an denen alle DiKziplinarmitlel ohne Erfolg zur Anwendung gebracht worden sind. Daß einen auch die politische Gesinnung in diese Ablheilung bringen kann, zeigt der Fall Wendtland. Der angebliche Diebstahl im Hause Wasserthorsiraße Kg, über den wir vor einigen Tagen berichteten, ist jetzt als ein harmloser Borfall aufgeklärt worden. Es hat sich herausgestellt, daß der Hansdiener Julius Heinsdorf sich in der Trunkenheit im genannten Hanse verirrt halte; ein Arbeiter hat de» Man-, dann leider für einen Eindringling gehalten und ihn derart geprügelt, daß er in das Krankenhaus am Urban gebracht werden mußte. Verinißt wird der Monteur Wilhelm Blankoiv ans der Naunvn- straße 83. Dieser, ei» Mann von 27 Jahren, mieib-'te am 10. d.M. bei dein Tapezirer Flitz und hat sich seit dem 17. d. M. weder sehen lassen,»och um seine Sachen gekümmert. Das Passage-Panoptikn», wird im Frühjahr von einer größeren Emgeborencn-Truppe aus deutschem Schntzgchiet bevölkert werden. Theater. Im Schiller-Theater findet heute die erste Aufführung von„Der Tugendwächter", Lustspiel in vier Aufzügen nach Lope de Bega, für die Bühne bearbeitet von Eugen Zabel, und von„Das Wer- sprechen hinterm Herb", Singspiel aus den österreichischen Alpen in 1 Auf- zuge von Alexander Baumann statt. Im ersten Stück sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Antonia, Königin von Neapel, Grete Meyer; Lisardo Ewald Bach; Roberto, Albano und Fensio, Edellcute, Eduard von Winter- stein, Georg Päschke und Otto Pahlau; Diana, Roberto'S Schwester, Hedwig Pauly; Prinz von Aragon. Willy Froböse; Kronfeldherr von' Aragoir Carl Schreiner; Ramon, Lrsardo's vertrauter Diener, Alfred Schmasow; Eelia Paula Levcrmann; Fulgcncio, Kastellan, Julius Eyben.— In dem den Abend beschließenden Singspiel wird die Nandl von Fräulein Lobe, Freiherr von Strtzow von Albert Patry, Michel Ouantner von Mar Patcg» und LoiSl von Ludwig Neuert dargestellt. Fcnerbcricht. Sonnabend Abend 8'/s Uhr mnßie P r e n z> lau er straße 38 ein kleiner Zininierbrand abgelöscht werden. Sonntag früh 7-/2 Uhr hatte die Wehr K o l o n i e st r a ß e 27 ein Pferd aus einer Grübe herniisznholen. Um 10 Uhr erfolgt- Dresden er st raße 63 ein Kellerbrand, der aber nur geringen Schaden verursachte. Abends 7 Uhr brannten Potsdamer- straße 1t Möbel und Gardinen. Die Löschzüge konnten nach kurzer Zeit ivieder abrücke». Kurz nach 10 Uhr wurde die Berliner Wehr nach F r i e d r i ch s b e r g gerufen. Hier war Friedrich Karl- straße 13 Petroleum im Keller in Brand geralhen, der eine Menge Gerünipel und verschiedene Verschlage zerstörte, von der Orts-Fener. wehr aber allein gedämpft werden konnte, so daß die Berliner Wehr nicht in Thätigkeil trat. Montag früh gegen 1 Uhr war Swine- münderstraße 63 ein Zimmerbrand und nachmittags 2 Uhr Friedrichsbergerstraße 12 ein Schornsteinbrand zu be- settigr». NiiS bcii Nnchviiiorteii. Neiuickrudorf. Da in diesem Frühjahr die Gemeindevertrcter- Wahlen statlfiudcn, werden die Arbeiter und Parteigenossen ersucht, in die bis 30. d. M. im Amlshanse ansliegenden Liste» Einsicht zu nehmen. Genossen, welche daran verhindert sind, können ihre Adresse in Reinickendorf(Osten) beim Restanrateur Herr» Emil Kirsch, Rcsidenzstr. 17, in Reinickendorf(Westen) beim Gemeinde- Vertreter Genossen Paul Schilling. Berlinerstr. 3. abgeben. Das Wahlkomitee. Ans Ripdorf. In der Nacht zum letzten Sonnabend brach in dem großen Waarenlager des Kaufmanns Moritz Bütviv, Ecke der Berg- und Prinz Handjerystraße, ei» Schadenfeuer nns, dem ein großer Theil der Waarcnvorräthe zum Opfer fiel. Da es an drei Stellen zugleich gebrannt hatte, bestand sofort der Verdacht der Brmidstiftung. Der Kaufmann Bütow, der sich seit einigen Tagen m Kvnknrs befindet, ivnrde schließlich am Sonnabend i» später Abendstunde verhaftet und in das hiesige Amtsgerichls-Gesüngniß eingeliefert.— Wegen angeblicher Sittlichkeitsvergehen gegen Schul- linder wurde der Schlossermeister K. von hier in Haft genommen.— Der sensationelle Beleidignngsprozeß des Gemeindeschöffen und Rcgiernngs- Baumeisters W e i g a n d gegen die Vorstands- Mitglieder des Kommunal-Reforuivereins, Webermeisters Rahmig und Molkereibesitzer Beiß, findet nunmehr bestimmt am 4. Februar dieses Jahres vor der Slrafkammer des Land- gerichts II Berlin statt.— Die Rixdorfer Lehrer- Besoldungs- Ordnung, die wir s. Zt. an dieser Stelle veröffentlichten, hat jetzt die Genehmigung der Regierung zu Potsdam gefunden und ist damit in kraft getreten.— Ei» berüchtigter Messingdieb wurde hier fest- genommen; er sollte den, Berliner Polizeipräsidium zugeführt werden. In der Bahnhofshalle gelang es dem Gefangenen jedoch, seinem Transporteur zu cnlkomme»; es fehlt bisher jede Spur von dem Entsprungenen.— Neberfahren und schwer verletzt wurde am Sonnabend die 70jährige Witlive Neumann ans der Berlinerstraße. Die unglückliche Greisin gerieth unter die Räder eines Lastwagens, als sie den Fahrdamm überschreiten wollte. Die Verletzte, die u. a. 3 Rippenbrüche erlitten, wurde nach dem Rixdorfer Krankenhaus gebracht. Nu Veibrilhniig ist die 2-/2 Jahre alte Tochter Frieda des Arbeiters Schnitze ans der Hcrmannstr. 64 zu Nixdorf gestorben. In demselben Augenblick, als Frau Schnitze eine» Topf mit heißer Fleischbrühe von der Maschine nahm, rannte das ältere Kind sie an, und die verschütlcte Brühe ergoß sich auf das jüngere. Die Ver- lctznnge» ivaren so schwer, daß auch die ärztliche Kunst das junge Leben nicht mehr rette» konnte. Das Kind ist im Elisabeth-Kinder- Hospital in der Hasenhaide gestorben. Räch aniklichcr Bckauntmachnng sind für die Bäckereibetriebe im ilmfange des Kreises T e l t o iv— mit Ausnahme des Stadt- bezirks Köpenick— zur Befriedigung der erhöhten Bedürfnisse lieber- arbeiten am 22. Februar, 2., 6, 7., 9. April, 18., 26., 27., 23. Mai, 6. August, 3. September, l. Oktober, 22., 23,, 24. und 31. Dezember des laufenden Jahres gestattet. Die Gciucindo Tcntsch-Wilmcrsdorf beabsichtigt ihre Lffent- lichen Uhren an das Netz der Gesellschaft Normal-Zeit anzuschließen. In Aussicht genommen hierzu sind die Uhren im Gemeindehaus, in der höheren Knaben- und in der höheren Mädchen-, sowie in der Gemeindeschnle._ Ge vnszks Stellt daS Angeben von„Schweine»"— nicht fertig ge- stelllcr Arbeit— Betrug dar? Diese für alle Akkordarbeiter äußerst interessante Frage wurde am Mittlvoch, den 19. d. M., von dem S t e t t i n e r Landgericht als Berufungsinstanz zu gnnsteu der Arbeiter entschieden. Es handelt sich um fünf Schlosser, welche in der Slöwer'schen Nähmaschinen-Fabrik gearbeitet und bei der 14lägigen Lohnzahlung noch nicht vollendete Arbeit mitangegeben hatten. Hierin erblickte die Anklagebehörde die Merkmale des Be- trugs. Es hatten sich deshalb diese fünf Arbeiter am 19. November vor dem Schöffengericht zu verantworten. Hier erzielten dieselben ihre Freisprechung. Da daS Urtheil für weite Kreise sehr wichtig ist, lassen wir den wesentlichen Theil desselben im Wortlaut folgen: Nach den Angaben der Angeklagten ist es bei den Meistern wohl- bekannt gewesen, daß die sogenannten„Schiveine" vorhanden waren und haben sie nur dafür Sorge getragen, daß znr Jnventuranfnahme alles in Ordnung gebracht wurde. Der Gerichtshof hat ihnen hierin Glauben geschenkt und darum das Vorliegen eines Betruges verneint. Ei» Anschlag in der Fabrik verbietet zu hohe Angaben in der Absicht späteren Abarbeitens, Zuwiderhandlungen werden mit Entlassung geahndet. Es fehlt aber bei den Angeklagten ein ausreichender Grund, ihre Zuwiderhandlung als von betrügerischer ittb- ficht geleitet anzusehen. Sie befinden sich sämmtlich schon mehrere Jahre, B. sogar schon 12 Jahre im Geschäft. Sämmlliche haben sich sonst gut geführt. Der von ihnen angewandte Mißbrauch ist unter den Ar- beitern der Nähmaschinen-Abtheilung üblich. Bei der Annahme eines Betruges müßte die Erklärung der Angeklagten über ihre fertiggestellten Arbeiten auf eine Täuschung des Werkmeisters Wrege, dem gegenüber sie abgegeben wurde, und, außerdem auf eine Veranlwortticher Redakteur: Rugust Jacobry in 8 Vermögensschadigung der Fabrik selbst berechnet sei». Daß W. nicht gewußt haben soll, daß die Angeklagten unfertige Arbeit hinter sich hatten, ist nach der Sachlage nicht anzunehmen. Er wurde also nicht ge- täuscht. Ferner ist den Angeklagten nicht zum Bewußtsei» gekommen, daß ihre Erklärung eine Verniögensschädigung der Fabrik, nämlich Zahlung ohne sofortigen Enipsang der Gegenleistung zur Folge haben mußte. Sie lebten in der Vorstellung, daß durch das Ab- arbeiten jeder Schaden ausgeschlossen würde. Endlich ist die Er- klärung der Angeklagten allein für den Schaden nicht rechtsverbind- lich— sonder» es wirkt auch die pflichtwidrige Unterlassung der Kontrolle ans vorhergehenden Zeiten, und im vor- liegenden Falle selbst mit. Bei Zweifeln wäre es die Pflicht des Meisters Wrege gewesen, die angegebene Zahl der fertige» Maschinen durch Augenschein festzustellen. Aus diese» Gründen waren die An- geklagten vom Vergehen gegen Z 263 Reichs-Srafgesetzbuchs freizusprechen.— Gegmi dieses Urlheil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Das Landgericht schloß"sich aber der Ansicht des Vorderrichters an und erkannte anf Verwerfung der Berufung unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse. Nngiltigkeitserkläruiig einer Berliner Polizeivcrordiiniig. Die Berliner Polizeiverordnung vom 19. September 1891, welche die polizeilichen Anforderungen an die für Zivecke der Gast- und Schankwirlhschaft bestimmte» Räumlichkeiten enthält, ist jetzt vom O b e r- V e r iv a l t u n g s g e r i ch t für n n g i l t i g erklärt worden, Außer näher spezialiflrten Anforderungen stellt§ 3 Absatz I der Verordnung die Bestimmung auf, daß die in betracht kommende» Räume überhaupt ihrer ganzen Anlage nach so beschaffen sein müssen, daß sie die m-nschliche Gesundheit in keiner Weise gefährden. Kellergeschosse dürfen nach der Verordnung nur unter gewissen Bedingungen als Schanklokal« denutzt werden. So soll der Fußboden nicht tiefer als O.öO Meter unter dem um- gebenden Fußboden liegen. Das Maß kann auf einen Meter erhöht irerden, wenn in bestimmter Weise ein Lichtgraben angelegt wird. Der§ S der Verordnung bestimmt, daß der Polizeipräsident Aus- nahmen gestatten kann, sobald bei den zu Gast- und Schankwirlh- schaften bestimmten Räumen durch anderweitige Einrichtungen oder Beschaffenheiten die aus§ 3 Absatz 1 ersichtlichen! Zwecke völlig gesichert sind. Hieraus berief sich der Eigenthümer Jrinisch, indem er beim Polizeipräsidenten den Dispens für das Kcllerlokal seines Grundstücks In den Zelten Nr. 20 nachsuchte. Der Fußboden des Lokals liegt statt einen Meter— ein Lichtgraben ist vorhanden— 1,70 Meter unter dem umgebenden Erdboden. Auch beträgt die lichte Höhe des Lokals nur 2,50 Meter, während sie nach der Verordnung für Schankräume 2,30 Meter betragen soll. I. behauptete, dies sei durch die sonstigen Ein- richtnngen(vorzügliche Ventilation u. s. w.) völlig ausgeglichen. Der Polizeipräsident wies seinen Antrag ab und der Ober- Präsident verwarf die hiergegen eingelegte Beschwerde. Nun- mehr klagte I. beim Ober- Verwaltungsgerichl. Der dritte Senat vertagte im ersten Termin die Sache und benachrichtigte vom neuen Termin den Minister. Zur neuen Verhandlung erschien dann als vom Minister bestellter Kommissar und zugleich als Bevollmächtigter des Oberpräsidenten der Geh. Regierungsrath Schmidt vom hiesigen Polizeipräsidium. Er führte aus, daß es sich in letzter Linie um die Anwendung des Z 33 der Gewerbe-Ordnung handele, wonach die Konzession für Gast- und Schankwirlhschaftc» nicht zu erlheilen ist, wenn die Räumlichkeiten den polizeilichen An- fordcrnngen nicht entsprechen. Um den überall auftauchenden Zweifeln über die Frage, was die polizeilichen Anforderungen seien, entgegenzutrelin, habe der Minister in einem Erlaß an die Be- Hörden vom Jahre 1837 allgemeine Bestimmungen erlassen. Da diese sehr streng gewesen seien, habe sich das Berliner Polizeipräsidium darum bemüht, für die Berliner Bürger Er- leichterungen zu erzielen. Der Minister sei daraus eingegangen und schließlich habe das Polizeipräsidium im Einverständniß mit dem Minister die von diesem genehmigten Anordnungen für Berlin in der Polizeiverordnung zusammengefaßt. Der Dispens könne dem Kläger nicht ertheilt werden, weil die Maße des Lokals zu sehr mit den polizeilichen Anforderungen diffe- rirten.--- Das Ober-Verwaltungsgericht hob die Verfügung des Polizeipräsidenten, durch welche dem Kläger der Dispens im Sinne des§ 5 der Polizeiverordnung verweigert worden ist, auf, und der Senalspräsident Rommel führte zur Begründung folgendes aus: Fraglich sei, ob Z 33 der Gewerbe-Ordnung habe sagen'vollen, daß in jedem einzelnen Falle geprüft werden müsse, ob die Räum?, die zur Schankwirthschasl bestimmt seien, nach Lage und Beschaffenheit den polizeilichen Anforderungen entsprächenf, oder ob allgemeine Normen hätten festgesetzt werden sollen. Unbedenklich könne letzteres im Wege der Landesgesetzgebnng erfolgen. Jedenfalls habe der preußische Gesetzgeber dies für möglich gehalten, denn im Z 115 des Znstäudigkeilsgcsetzes habe er bezüglich der Krankenhäuser solche Normen geschaffen. Das Gericht halte es jedoch für u n- zulässig, im Wege der Polizeiverordnung derartig bindende Normen zu treffen. Normen, die nicht ein Thun oder Lassen gebieten, sondern ihrem ganzen Wesen nach nichts seien a l s I n st r u k t i o n e n für Behörden, welche über gewisse Dinge zu cnlschciden hätten. Wenn der Minister im Jahre 1887 die an Schankwirthschasten zu stellenden polizeilichen Anforderungen in einem Erlaß festgelegt habe, dann sei das nur geschehen, um den Behörden einen Anhalt für eine feste Praxis zu bieten. Diese Borschristen seien nicht bindend für die Behörden, sondern nur ein Vorbild für sie. das beachtensiv.erth sei, aber nicht den Anspruch erheben könne, auf jeden Fall be- folgt zu werden. Darum sei die Polizeiverordnung, die dem Stadtausschuß, der für die Konzessionscrtheilung maßgebenden Be- Hörde, bindende Vorschriften mache, für u n g i l l i g zu er klären. VevlÄttmrruNjgrn. Im Fachberclu der Musikinstrumcntcn- Arbeiter referirte am Eonuabend, den 22. Januar Sassenbach über das neue Jnnungsgesetz. Beim dritten Gegenstand der Tagesordnung: Was, lehrt uns die letzte öffentliche Versammlung? nimmt zuerst der Vor- sitzende Moritz den Fachverein gegen den Vorwurf des Kollegen Robert Schmidt. wonach die Organisation der Tummelplatz anarchistischer Element« sei, energisch in Schutz. Ferner stellt er fest, daß nach Wunsch des genannte» Kollegen Männer aus dem Fachverein entfernt werden sollen, die stets den größten Opsermnth bewiesen, denen in moralischer Beziehung nicht das geringste nachgesagt werden kann, deren einziges Vergehen darin besteht, den Treibereien der Zentralorganisirlen zn widerstehen. In unerhörter Weise werde gegen eine Arbeiter- organisation gehetzt mit der Absicht, sie zu vernichten. Dreyer behandelt eingehend die Ursache des letzten Streiks; er hätte gewünscht, daß sich der Referent zum mindestens über die Lage der Gewerkschaft, über die er sprechen sollte, informirt hätte. Bc- züglich der Bemerkung desselben, wir hätten den Sprung von 3>/2 auf 8 Stunden nicht wagen dürfen, betont er. daß die Arbeitszeit vor dem Streik in alle» Fabriken 9 Stunden betrug. Die For- dernng ging nur dahin. die Arbeitszeit auf 3V, Stunden herabzu- setzen. Die folgenden Redner Drabnick, Arendt und Mahnke wenden sich ebenfalls gegen die Ausführungen des Kollegen Robert Schmidt. Nachdem eine Protestresolution einstimmig Annahme fand, wurde ein Antrag, dieselbe im Annoncentheil des„Vorwärts" abdrucken zu lassen, angenommen.— Aufgenommen wurden 15 neue Mit- glieder. » n « Zn diesem Protest sei bemerkt, daß jahrelang ausgesprochene Anarchisten ihre politischen Phantastereien ohne Widerspruch inner- halb der Vereinigung verlreien konnten. Insofern ist der Verein ein Tummelplatz anarchistischer Element? geworden. Unter den Rednern, die in dem Bericht genannt find, ist mir nicht einer als Mitglied eines sozialdemokratischen Vereins bekannt. Was ich von einer Arbeitervereinigung verlange, ist, daß sie ihre während des Streiks eingegangenen Verpflichtungen erfüllt, wenn sie aber aus- drücklich beschließt, dies nicht zu thun, dann hat sie sich des letzten erlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Ber ResteS der Achtung begeben, die ich sonst ihr gegenüber noch empfunden habe._ U. 8. Briefkasten der Redaktion. Wlr biilen, �s> jeder Nnsr-m« eine Ghiffee izwel vnchslaben od-r«>»e giihtl aiijugebe», ui'Ier der die Sl'Uwdrl eriheill Iverden soll. Die juristische Sprechstunde findet bis zum 5. März am Montag, Freitag und Sonnnbend abends von 7'/- bis«V- Ußr statt. M. W. 30. 1. Philadelphia Tageblatt in Philadelphia, 613 Callow- Hill Str. 2. Das Land liegt nördlich von Kanada. G. N. 38. Johann Jakvby starb als Mitglied der sozialdemokratischen Partei. L. Zl. 17.„Tie neue Zeit" erscheint in Stuttgart im Verlag bei I. H. SB. Dietz, Furthbachstr. 12. No. 198. Der Geber kann nur binnen 6 Monaten nach der Hingabe des Geschenks dasselbe zurückfordern.— No. 17. 1. In 4 Jahren. 2. Bis zum 28. Dezember 1897 einschließlich.— M. N. 37. 1. Seit 5. Dezember 1848. 2. Seit der Reichsverfasiung vom 16. April 1871.— W. M. 50. Sie sind zn keiner Entjchiidignng verpflichtet, wenn Ihr Kind zur Zeit der That bereits mindestens 7 Jahre alt war.— F. 58. Wiederholen Sie Ihre Anfrage, ob Sie das Gewerbe in einem geschlosienen sttanm(Laden) oder anf der Straße oder im Umherziehen betteibcn.— H. G. Eharlotten- bnrg. 1. Anfangs April d. I., Mever 1 Jahr später. 2. Einer 6 Monate Gefängniß, drei' 2'/2 Jahre Zuchthans, zwei 3'/3 Jahre Zuchthaus.— Pf Klrlzkungl Musikinstrumenten- Arveiter. Der Fachvcrein der Muflttnstrumeliten-Arbeiter nahm in seiner Wer- sammlnng am 22. Januar folgende Rcsolntio» eiustimmig an. Resolution. Die heutige Versammlung protestitt ganz energisch gegen die Vehanptung des Reichstags-Abgeordneten Robert Schmidt, der Fachverein der Musik- instrumcnten-Arbeiter sei ein Tummelplatz der Anarchisten, und erklärt die- selbe als unwahr. Femer sind es nicht die Mitglieder des Fachvereins, welche die Schulden nicht bezahlen wollen, sondern die jeder Solidarität hohnsprechende Agitation dcS Holzarbeiter-Verbandes ist es, welche eine planmäßige Tilgung der Streikschulden unmöglich machte. Ferner ist es unwahr, wie der Bericht im„Vorwärts" lautet, baß nur 6—6 Personen die Versammlung zur Unruhe und zum Schluß gebracht haben, sondern die Person des Tischlers Ahrens, welcher unter allen Umständen sprecht wollte, welches auch beweist, daß deflen Name im Versammlungs- bencht nicht genannt wurde. Borstand des Fachvercins der Mnsikinstrnmenten-Arbeitcr. Anf die in obiger Resolution enthaltene Behauptung, daß die „aller Solidarität hohnsprechende Agitatton des Holzarbeiter-Verbandes" daran Schuld sei, daß seitens der Klavicrarbeiter die Schulden nicht bezahlt werden könnten, habe» wir zn erklären: Die Agitatton der Branche der Klavier- arbeiter im Holzarbeiter-Vcrband beschränkt sich daraus, die indifferenten Kollegen zum Verband heranzuziehen, sowie sämmtliche in ihrer Branche arbeitenden Kollege» darüber aufzuklären, daß ein Zusammenschluß aller in der Holz- industrie beschäftigten Arbeiter nach dem Beschluß allgemeiner Gewerkschasts- Kongrcffe sowie des Holzarveiter-Kougrcffes in Kassel für nothwcndig gehalten wird. Wenn sich Kollegen geweigert haben, zu den freiwilligen Sammlungen des Fachvereins beizutragen, so doch nur deshalb, weil eine spezielle Ab- rechnung über diese Gelder nicht gegeben wurde und somit die Meinung aufkommen konnte, daß die freiwillig gesammelten Gelder auch zu anderen Zwecken als zur Tilgung der Schulden verwendet würden. Jedoch soll die obige Behanviung nur dazu dienen, den schlechten Eindruck zu verwischen, den die Beschlüsse der Klavicrarbeiter, die Schulden nicht zu zahlen, die sie unter Führung des Herm Blossis auf Ehrenwort eingegangen sind, hervorrufen mußte. Es ist das eine Handlungsweise, die einzig dasteht in der Arbeiterbewegung und die die Verachtung jedes ehrlich denkenden Arbeiters gegen die Urheber jener Beschlüsse herausfordert. Wenn weiter in der Resolution gesagt wird, nicht die 6—6 brüllenden Personen unter Führung des Herm Blosfls seien Schuld am Schluß der Versammlung, sondern der Tischler Ahrens, weil er— sprechen wollte, so ist dieses Reinwaschen der anarchistischen Kralchler mehr humorvoll anfznfassen. Seit wann ist es Sitte, einem Redner in Arbcitervcrsammlungen durch Brüllen und Tumulte das Wort abzu- schneiden? Der Holzarbeiter-Verband ist selbst um 6000 M. von den Wortführern jener Organisation geprellt, schließlich wird unser Mitglied wohl das Recht beanspruchen können, den Herren einmal den Text zu lesen. Thatsache ist, daß die Versaminlung unter allen Umständen gestört werden sollte, um eine Resolution, die alle Aussicht auf Annahme hatte und die lokalorganisirten Klavierarbciter aufforderte, ihre bei Arbeiterorganisationen gemachten Schulden zu bezahlen, nicht zur Abstimmung gelangen zu lassen. Tie Ortsverwaltung des Holzarbeiter-Berbandcs. Ein PassuS der Resolution bezichtigt mich der Unwahrheit. Ich ent« gegnc darain: Mir sind mehrere Anarchisten bekannt, die in der Lohn- kommissiv" und im Verein sottgesetzt ihr verderbliches und gewissenloses Spiel treiben und getrieben haben. Wenn die Mitglieder solches Treiben dulden, müssen sie sich die von mir gezogenen Schlüsse gefallen lassen. Jhte ganze Tattil, ihre Beschlüsse zur Schuldfrage, die sottgesetzlcn Berdächtigungen und Angriffe gegen die sozialdemokratische Partei, deuten ans ein plan- iiiäßigcS Treiben dieser Elemente, denen alle Mittel recht sind, die Arbeiter- bewegung zu schädigen und in Mißkredit zu bringen. R. Schmidt. in. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. ii..«). ii. i.iw 2. Jtilnjc iits Lmirls" Strüntt Dcksblck. Wch,. VevsAINNLlttNgVN» «, Deutschcr Holzarbeitcr-Verbaud. Eine von m. 600 SB e r!• Ii l t- V e r t r a u e n s>11 ä n» e r n besuchte Versanimluua tilgte ?,i� Cohu's Feiisäle». Glocke refeiirle über:„Unsere Z'werkschast.>vie sie ist und wie sie sei» soll". Nach einem kurzen Oiückbllck über die Entstehung und Weiterenlivickelung der Geiverk- schafteu von den 60 er Jahren an ging der Referent auf die Ans- g-rbe» ei», die die Gewerkschaften unter den sich täglich schärfer zu- spitzende» Äämpfe» der Gegenwart zu erfüllen haben. Die Gewerk- schafteu haben m erster Linie de» Zweck, ihre Berufskollegen in ihrem Bingen um eine menschenwürdige Existenz zu unterstützen, ihnen mit flilcn zu Gebote stedenden Mitteln zur Seile zu stehen in solchen an sie herantretenden Frage», die ans dem allgemeinen Arbeitsverhältniß oder den für die Arbeiter getroffenen Schntzbestimmungen sich ergeben. Aber nur mit Hilfe der Gesammlheil der Bernfskollegen sei es der Organisation möglich, ihren'Ausgaben gerecht zu werde». Ein großer Theil der'Arbeiter sei bis jetzt noch nicht zu der Ueber- »cngnng gekommen, daß die Gewerkschaften eine bedeutende Nolle in der stets ivachsenden'Arbeiterbeivegnng einzunehmen bestimmt sind. Das sei kein gutes Zeugniß dafür, daß das iklassenbewußtsei» in de» Massen tief Wurzel geschlagen habe. Wenn die Arbeiter die Gcwcrkschnfte» bei Streiks zu finden wisse», so sollten sie schlechter- diugZ auch festhalten a» diesen Organisationen und dieselben in ih m eigenen Interesse so stärken, daß dieselben den ibiien gebührenden Einfluß im öffentlichen Leben ausüben könnten. Sollten dem Gros der Berufskollege» die jetzigen Leistiingen des Verbandes nicht genüge», so stände einer Erweiterung der Unterstützung auch in Zeiten der Slrbeitslosigkeit und Krankheit nichts im Wege. Nur müsse jeder mit Hand ans Werk legen. Redner geht sodann»och auf die Einrichtungen des Verbandes näher ein und ersucht die anwesenden Delegirte», eine Aussprache über die gegebenen Anregungen in ihren Werkstattsitzungeu herbei- zuführen. Nach einer lebhaften Diskussion wurde in die Be> sprechung der zur Zeit bestehenden Werkstattstreiks und Differenzen eingetrelen. Die Verhandlungen der Zimmerer betreffs Einigung ihrer Organisationen können für diesmal als gescheitert betrachtet werde». Nachdem die in der Lohnbewegung der Jahre 1896/97 ge- machten Erfahrungen den Berliner Zimmerern gezeigt halten, daß das Nebeneinanderbestehe» zweier Organisationen ei» unhaltbarer Zustand sei, und daß im Interesse einer gedeihliche» und erfolg- reichen Gewerkschaftsbewegung eine einheitliche Organisation für Berlin geschaffen werden müsse, wurde eine aus Mitgliedern des Lokalvereins und des Zentralverbandes bestehende Kommission ein- gesetzt, die auch nach mehrfachen Beralhunge» eine Grundlage für die Einigung schuf, lieber die Form der Organisation scheint— nach dem Protokoll der Einigungslommissio»— eine ivesenliiche Meinnngs» Verschiedenheit nicht bestanden zu haben, den» es wurde ein Vorschlag des Lokalvereins zum Beschluß erhoben, welcher besagt:„Der Verein der Zimmerer Berlins löst sich auf und schließt sich der Zahlstelle Berlin des Verbandes der Zimmerer Deutschlands an." Ferner wurden einige vom Verbandsstätnt abweichende Bestiinmunge» festgesetzt, die nur für die Zahlstelle Berlin gellen sollen. Dieselben regeln die Höhe des Beitrages, de» an die Hauplkasse abzusiihrenden An- theil, Bildung und Verwaltung eines Lokal fonds sowie die obligatorische Lieferung des VcrbandsorgnnS„Der Zimmerer". Die solchergestalt von der Kommission festgesetzte» Eiuignngsbedingungen genügten jedoch dem Lokalverein nicht, er entwarf vielmehr aus der Grundlage derselben ein vollständiges Statut, welches im Übrige» dem Verbandsstalut nicht widerspricht, und verlangte, daß dieser Entwurf auf örtliche Bestimmungen für die Zahlstelle Berlin maßgebend sein und die Gcneralverfamniliing des Verbandes nicht das Recht haben solle, die von der Zahlstelle Berlin gefaßten Beschlüsse zn ändern. Diese Vor- schläge erschienen nun de» Mitglieder» des Zentralverbandes unannehmbar; sie erklärten in einer am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin, daß sie wohl mit den von der Einignngs- kommisston angenommene» Bedingungen einverstanden wären, der Schaffung eines besonderen Statuts für Berlin, welches der General- Versammlung des Verbandes jeden Einfluß ans dasselbe versagt. ihre Zustimmung nicht geben könnte», da dies eine Durchbrechung des Prinzips der Zentralisation bedeute, und lhatsächlich die Schaffung eines neue» selbständige» Lokalvereins darstelle, der nur in sehr losem Zusammenhang niit dem Verband stehe. Da die an- weseuden Vertreter des Lokalvereins erklärten, von ihren Vor- schläge» nicht abgehen zn können, so beschloß die Versammlung, daß unter diesen Umständen die Zahlstelle des Verbandes ihren eigenen Weg gehen und die Einigungsverhandlungen als gescheitert an- sehen müsse. Es scheint hiernach— und der Ton, den einzelne Redner i» dieser Versammlung anschlugen, läßt darauf schließen— daß die unliebsamen Streitigkeiten um die Organisationsform unter den Zimmerer» mit erneuter Heftigkeit anslodern werden. Wir wolle» hoffen, daß die Betheiligte» de» Versuch der Einigung noch nicht aufgeben und einen Weg finden, ans dem dieselbe zur Befriedigung beider Theile herbeigeführt werde» kann. Die Unternehmer streiten sich nicht»in die Form ihrer Organisation; sie sind stets einig, wo es gilt, ihre Jnterssen zn vertreten und die Rechte der Arbeiter zn unterdrücken. Hiera» sollten sich die Arbeiter ei» Beispiel nehmen und alles aus dem Wege räumen, was geeignet ist, Zwietracht in den eigenen Reihen herbeizuführen. Erweisen sich aber alle Versuche, die Einigung herbeizusühren, zur Zeit noch als vergebliche, dann muß es Aufgabe der Betheiligten sein, zum mindesten das bisherige Zusammenarbeiten aller Zimmerer Berlins unter Führung der gc- meinsamen Lohnkommission zu ermöglichen. In einer Versammlung des deutschen Schneider- und Schueiderinncn-VerbandeS hielt Herr Rechtsanwalt Dr. B i e b e r einen interessanlen und mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vor- trag über das Thema:„Ans dem Fmnilienrecht". Darauf kritisirte Zander mehrere in der Kammer I des Berliner Gewerbegerichls, nnter Vorsitz des Assessors Hellwig gefällte Urtbeile. Eines der letzten Urtheile über die Nichtbezablnug von Extra-Arbeilen, ein Uribeil, das mit de» allgemein übliche» Gebräuchen der Branche im krassen Widerspruch stehe, erfuhr eine entschiedene Verurtheilung. Redner hält die Art der Verhandlung, wie sie Arbeitern gegenüber theils vom Assessor Hellwig beliebt werde, für geeignet, von dem Rechte Gebranch zn machen, Richter wegen Besorgniß der Besangen- heit abzulehnen. Ter Verband der Maler(Filiale I) hielt am 11. d. M. seine Generalversammlung ab. Genosse Rechtsanwalt Heine hielt einen Vortrag. In zirka 2 ständiger vortrefflicher Rede führte der Vor- tragende den'Anwesenden die Bedeutung des Koalitionsrechts vor Augen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Zum zweiten Punkt gab der Kassirer den Kassenbericht für das Quartal Oktober— De- zember 1897. Die Revisoren bestätigten, die Bücher und Beläge in Ordnung gefunden und die Kasse geiehen zn haben. Hieraus wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Sodann wurde Wendel als Schriftführer gewählt. Schließlich gab der Bevollmächtigte bekannt, daß am Mittwoch, de» 26. Januar, in den Arminhallen«ine kombinirte Mitgliederversammlung der drei Filialen stattfindet. Charlottenbnra. Eine imposante öffentliche Ver- s a m m l u n g der Maurer tagte am Donnerstag, den 20. Januar im Lokals„Bismarckshöhe". Schulze referirte über: Wie stellen sich die Charlottenburger Maurer zur Einignngsfrage der Berliner Maurer? Redner kritisirte das Verhallen der Führer der lokalen Richtung und der Mitglieder der Einigungstommission derselben Organisation. G r ö p l e r-Berlin erklärte als erster Diskussionsredner die nothwendigen Gründe einer einheitlichen Organisation, ferner die Leistungen, Zweck und Ziele des Verbandes, an denen die Loknlorganisirie» zweifeln. Nach einer weiteren sehr erregle» Debatte, in der Redner beider Richtungen zm» Worte kamen, fand eine Resolution einstimmige Annahme, in der sich die Versamm- lnng gegen das Verhallen der Mitglieder der Lobnkommission von »er lokale» Richtung ausspricht. Sie erklärt die Einigung sämmilicher Maurer für unbedingt nothwendig und es soll nun versucht werden, die Charlottenburger Maurer im deutschen Verband zu vereinigen, t Im Punkt 3 erstattete der Vertranensmann der Maurer Charlottenbnrgs Schulze einen ausführlichen Bericht, welcher von den Revisoren bestätigt wurde. Alsdann wurde Schulze gegen 1 Stimme von neuem als Vertrauensmann, W. Liedlke und H. Zumpe als Revisoren gewählt. In, Arbeitcr-Bildnilgöbereiu für Wilmersdorf sprach am 19. d. M. der Genosse Ledebour über„die kommende» Wahlen". Dein niit Beifall ausgenoniinenen Vortrag folgte eine lebhaste Dis- lnssion. Sodann sprach Klingen berg über die im März statt- findende» Gemeindewahlen. Die Wählerliste» liege» bis zum 30. d. ans»nd solle» die Wähler durch ein Flugblatt darauf hingewiesen iverden, die Listen einzusehen.— Zum 2. Vorsitzenden wird Genosse Elias gewählt. Die Versammlungen sollen in Zukunft im„Vor- wärts" bekannt gegeben iverden. Ter Arbeiterverein von Strnlan-RnmmclSburg«nd Um- gcgcnd hielt am l9. Januar seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende theille mit, daß das Mitglied Max Schnorr freiwillig ans dem Leben geschiede» sei und ehrte die Bersainmlung den letzteren durch Erheben von de» Plätzen. Darauf hielt Genosse F a b e r einen Vortrag, an den sich eine rege Diskussion anknüpfte. Der Kassenbericht vom letzte» Vierteljahr ergiebt eine Einnahme von 14S M., eine Ausgabe von 36,60 M., bleibt Bestand 108,40 M. Dein Kassirer wird Decharge erlheilt. Zum Hilsskassirer wird Genosse B etsch gewählt. Reinickendorf. Am Sonntag, den 16. Jannar, hielt der hiesige Arbeiter Bildnngsverei»„Zukunft" seine Generalversammlung ab. in der Genosse Dr. W e y l einen lehrreichen Vortrag Über „Hypnotismus" hielt. Hierauf erfolgten die Vorstandswahle», welche folgendes Resultat ergaben: Zeidler, erster, A. Kling- m an», zweiter Vorsitzender, Achter, Kassirer, B e r n e r, Schrift- führcr. Zn Revisoren wurden M e i» e ck e und Kreut gewählt. Arb«it-r-SL»i>rrb>l,>d Beilws und der Umgegend. Vorsitzender: Adolf Ncuniann, Brunnensirabe ibo. Alle Aenderunge» im VereinSkalcnder sind zu richten an Friedr.»orlum, Manteusfcllir. so, v. 2Tr. Zlienftag. adend« s— II Uhr: Uedungsfiunde»nd Aufnahme neuer Mitglieder. Steineiche, Manieuffelfirabe SI bei Klapschub.— Senefelder, Rofenthalerfir. S7 bei Babiel.— Derechtigleit(W efienf, Bülowstr. ss bei Werner.— Olympia. Naunynstraße Nr. 86 bei Streit.— Hand in Hand I, Mariannen- straßs«I bei Richter.— Kreuzberg, Hasenhaide SS bei Buschbeil.— Edelweib I, Melchiorslratze 15 bei Stchmann.— Echo I, Liniensir. IS bei Neumann.- Wiederhall, Admiralfir. 2l bei Schnieder.— Fr e i- h e i t II, Köpenick, Schönerlinderftr. s bei Schulz.— Myrthenblätter, Prenzlauer Allee I« bei Blume.— Unverzagt II, Beusfelstr. o.— Freies Lied, Friedrichsberg, Friedrich-Karlftr. II bei Heinecke.—Rothe Neils I, Schone« berg,(Srumwaldftr. HO bei Obft.— Rothe Nelke II, Ruppinerstr.«2 bei R. Rosin.— Vorwärts IV. Rathenow, Jägerstrabe 25 bei Engel.— Alpen- gl ecke, Grobe Frankfurterftrabe isa bei Gold.— E i ch e n k r a n z, Preuzlau, Echnellestr. 67, bei Jean Pollion.— Freier Sängerchor, Glienicke, Köpenickerftraße bei Witte.— Weddinger Harmonbe, Miillerftr. 7a, Milbrodt'S Fefifäle.-Vorwärts VIII, Marwitz i. d. Mark, bei K. Schurbaum.— Eoncordia, Hollmannfir. 63 bei Henfeb— Freie Sänger III, Heegermühle bei EberSwalde.— Frohsinn I, MummelSburg, Göthe- u. Kantfiraben» Ecke bei Mertens.— Acac ie lgemischter Ehor), Oranienstr. ist bei Theodor Metzner. — WilmerSdorfer Liedertafel, Wilmersdorf, Berlinerfirabe si, Klingenberg'S VollSgarten.— O r a n l e, Neu-Wcibenfee, LanghanSftrabs 10« bei Hähling.— Gesangverein der Enterbten, Swinemünderftr. 120 bei O. Bach- ganger.— SangeSlustll, Pafewalkerstr. 3 bei F. Bergmann.— Weiße Rase, Reinickendorf, Restdenzstr. loia b. Malchin.— Arbeiter- Maibund, NowaweS, Wallflraße bei Hiemke.— V o rw ä r t s VII, Rummelsburg, Kant- u. Göthestraben- Ecke bei Breves.— Zündholz, Badstr. 32 bei Hilpert.— Alliance, Oranienstr. St bei Helfer.— Glasarbeiter, Köpenick, Müggelheimftr. 2» bei W. Zeidler.— Esmeralda, Gr. Franlfurterstr. 133 bei Gold.— Kreuz- berger Harmonie. Admiralftr. isa bei Möhring.— Oranienburger Vorstadt, Ackcrstr. 123 bei Diete.— Sangesblüthen, Krautstr. 6 bei Böttcher.— Melodtall, Pappel-Allee tu im Restaurant.— N o r d- O st, Landsberger Allee isa b. Södel.- Alpenglühen, Fallenstetnstr. 38 b. Klopfch. — Freie Feldb lume, Skalttzerftr. bl/ö» bei Batterroth.— Grüne Sich«, Rixdorf, Hermannftr. 197 bei Babenfchnetder. Ard-itrr.U»«ch»rd»»d K-rli»» und htt Zli»s«o»»d. Aenderungen lm VereinStalender stnd zu richten an Hermann Braunfchwetg, DreSdsnerstr. 80, 2. Hof. fienfwg: Rauchtlub Eldorado, Grüner Weg 25 bG.Stuttrtch.— RauchN. Grüne i ch e, Urbanstr. 8? bei Schneider.— Rauch«. DeutscheFIagge, Wrangelstr. 32 bei LulaS.— Rauchtlub Ambalema, Forsterstr. 19 bei Uckel.— Neuer Berliner Rauchllub, Reichenbergeritr. ue bei Drogge.— Phönix. Echöneberg.Hauptstr. 97 bei®. Donath.— Domingo, Waldeinarstr. IS b. Tauchsrt. Rothe Rose, Boeckhstr. 21 bei KrebS.— V e t l ch- n d u f t, HenntgSdorfer- sti aße 4 bei Gnniher.— Kollsgia. Meichenbergerstr. 167 bei Bergner.— Gin igkeit I, Mixdorf, Hermannstr. 232 bei Wulf.— Berontla, Sörlitzer» straßs 87 bei Weber.— R a u ch a n, Abalbsrlstr. i» bei Teichen.—«ameruw, Wsidenweg 22 bei FiallowSlu.— Palmerio, Bernausrstr. 13 bet Lautfch. — Korea, Weidenweg»o bei Junge.— Waldmet st er, Marlenburgerstr.«7 bei Kläke.— Neuer Hain, Langenbeckftr. 4 bei Techtmeier.— Bruder- bund, Grünauerstr. s bei SallawSly.- Blüthendufl, LoihsniuSfir. i bet Fedile.— Ruhiga, Britzerstr. 46 bei Herzog.— Lange Pfeif«, Friedrichs- berg, MummelSburgerstr. 2« bei N-tzel.— Blaue Wolle, Bellermannftr. 87 bei Schmidt— Psetfenkopf, Eaprivistr. 4 bet Wolf.— S t a m b y l, Neu- Weißenfee,«treustr.s bet Steyrmann.—«emüthltchlett I, Wlenerftr. 7 bei Gläfer. veln,!«-,»urn- ,»id gefillig» Poroin». Mlenftag. Männer-Gefang- verein Fester Will«, Alexandrinenstr. 32 bei Dietrich.— ArbeNer-ZNHerverein Einigleit, Meichenbergerstr. 19 bei Lehmann.— Mustlverein OfiriS, Wrangelstr. u bei Blum.— F lugta ub e nv«retn Vorwärts- Na rd, Ackerstr. 17 bei Reuter.— Vergnügungsveretn Fortuna, Blumsnstr. 36 bei Weiß.— Mustlverein Norddeutsche Klänge, Swinemünderftr. St bet Renter. — Quartellveretn W e d b t n g, Chauffeestr. 72 bei Meißner.— Privat-Dhealsr- aefellschaft Eoncordia. Eliiabeihftr. 30 bei Scholz.— Wünsch' scher gem. Chor, Rosenlhaierstr. 67 bei Schiller.— Geselliger Klub Don Juan, Linden- strabe IVS bei Fritz Zubeil.— Thealerverein Freier Wille, Admiralftr. 18- (Märlifcher Hof).— VergnügungSverein Feldblume, Manieuffelstr. 6 bei Nowack.— Gesangverein Schild harn, Ufebomstr. SS bei Olböier.— Turn- verein Osten, Lehrlings-Abtheiinng abends 8Jj— 10 Uhr Blumenstr. 63a.— Theater- und VergnügungSverein Aschenbrödel II, Ackerstr. 144, Vorst. Kasino. Arbeste».«urnerbund. ZNeustag- Turnverein Fichte, Berlin. Abends von 8—10 Uhr: 2. Männerablheilung Skalttzerftr. 66/66.— 4. Männerabthetlung Stephans»», a.— 6. Männerablheilung Ackerstr. 67.— 6. Männerabiheilnng Slallschreiberstr. 54.— l. LehrlingSablheNung Frisdenstraße 37.— 3. Lehrlings- abtheilung Boeckhstraße 21.— l. Tamenabtheilung Marlannenufer i».— Männer- Turnverein Eiche, Köpenick. UebungSstunden: AbendS s—w Uhr, tn Klein'S Hotel(WilhelmSplatz).— Ar heiter-Turnverein(AdlerShof) von sx—iox Uhr abends ln Köpenick, Rudowerstraße bei Scheer.— Freie Turnerschaft Rixdork-Britz, 1. Schüler-Abiheilung von Sjz Uhr. l. Männer- und LehrlingS-Ablheilung von s)j— loff Uhr bei Wirstng, Knesebeckstraße 113. 8«r»- und Diostutirblub». Süden, Schönlelnstr. 6 bei Ewald. Krrrln frlbftäudig-r Fensterputzer. Heute Abend» Uhr bet Mehrwald, Alte Jakobstraße 54/55: Außerordentliche Sitzung. WitiernngSIIberffcht vom S4. Jaimar I8V8, 8 Uhr morgens. Station«». Sunnemiinde Hamdurg. B erlitt., Wiesbnde». Müttche», Wie»... Haparauda. Petersburg. Cork.., Aberdeen., Paris... Wetter-Prognose fth Dienstag,®5. Januar 1898. Zeitweise heiter, vielfach wolkig, zunächst etwas kälter mit ge- ringen Niederschlägen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a«. LomlllmiiIu'.MIvemn für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis, Mittwocli, 80. Jannar, abends S1/, Vhr, In den Zentral-Festsälen(vormals Orpheum), Alte Jakobstr. 32: AMordentl. GemMOmullmig. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen envartct regen Besuch(213/1 Mitgliedsbuch lcgitimirt. Der Borstand. Rsiiidlllilgsgtlsilst'il«.-Gkhilknile»! Dienstag, den 25. Junuar 1898, abends Hl/2 Uhr, in Cohn's Fcst-SIUen, Benthstr. HO: Gr. öffentliche Versammlung. Sozialdemokratischer Mahiverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, S3. Januar, abends 8Vz Uhr, im„Kolberger Talon", Kolbergerstraße Nr. SS: General- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des KassirerS und der Revisoren. 3. Anträge. 4 Bereinsangelegenheiten. 246/4' AM- Nur Mitgliedsbuch legitimirt."ME Zahlreichen Benich envartet Der Vorstand. Deutscli. Metallarbeiter-Verband VerwaUnngsstelle Berlin. Mittwoch, den 26. Januar 1898, abends S1/: Uhr: Veztoks- Versetz m rn lung für den Süden u. Zentrum no/? in de» Armlnhallcn, Komiiiaildantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bernstein über:„Geschlechtskrankheiten, Syphilis und deren Folgen". 2. DiSkusston. 3. Neuwahl der Bezirlsieitimg. 4. Verbandsangeiegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen werden dringend ersucht, zahlreich u. pünktlich zu erscheinen. Die Bibliothek des Verbandes beftiidet sich im Restaurant Mörschel, Jüdenftr. 35. Dieselbe ist geöffnet jeden Abend von?>/, bis 9 Uhr. Sonn- tags geschloffen. Die Drtsverrvaltnns. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Danl »Der Acht-Uhr-Tchlusj und unsere Stettung zur 2. Diskussion. 90/1 Der Vertranensmann. Singer zial über: Soziälreform." Orffentliche Versammlung der Korbmacher Berlins am Dienstag, de» SS. Januar, abends 8 Uhr, Raunynstr. 27. Tag es-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Korbmacher zu der am 22. Januar stattgefundenen Submission? 2. Die Konferenz der Korbmacher der Geschoßkorb-Branche und Wahl der Delegirten. 3. Verschiedenes. 98/3 In anbetracht der wichtigen Tagesordnung werden alle Kollegen am Platze sein. Der Blnbernker. AM«,! Schuhmacher. AM«! Dienstag, den 25. d. Mts., abends 8 Uhr, im Lokal„Schweizer Garten" am FriedrichShain: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Siwattonsbertcht über den gegenwärtigen Stand der Aussperrung. 2. Verschiedenes. 171/5 _ Die Agltatlons-Kommlsslon. Zimmerer. Laut Beschluß der Generalversammlung vom 23. d. M. des Zentral- Verbandes der Zimmerer Deutschlands, Zahlstellen Berlin. Charlottenburg, Rixdorf, Friedrichsbcrg, Pankow und Groß-Lichterfelde, befindet sich unser Vnresm Es sind mir von so vielen Seiten Beweise der innigen Theilnahme bei dem Hinscheiden meiner geliebten Gattin zugegangen, dass es mir nicht möglich ist, jedem Einzelnen meine Erkenntlichkeit auszusprechen, weshalb ich mir i erlaube hierdurch herzlich zu danken. Paul Busch, Dlrector. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 26. Januar, abends 8>/, Uhr, in Keller's Fcstsälen, Koppenstr. 29. Ge»»er«l-Vorsam»nlt»ng Tages-Ordnung: Kassenbericht vom 4. Quartal. Bericht des Vorstandes, der BeztMleiter, der Werkstatt-Kontrollkommission und des ArbeitsvermlttlerS. Ersatzwahle» zur Ortsverwaltuna. Verbandsangelegenheiten. Nur Eintritt mit Mitgliedsbuch."MW Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 76/20*_ Die Örtsderwaltnug. B. Gtinzel, l-otbrl-ierstr. 52. Lassalle, Marx ,c. in Cigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildeni u. dgl., sowie jede Drechsterwaare u. Rcpar.(Man verl. Preisknrant.j Zkalauerkwßt 48, Telepholi Amt f, 3785. Alle Mittheilungen, welche die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in unserem Berus betreffen, sind zu richten an 254/3 H. Knttpfer, Berlin C., Dtralaucrftr. 48. Den verehrlichen Vereinen, Gewerkschaften, Kranlenkaffen, Kam- misstonen k. zur gefl. Mittheilung, baß ich das Lokal j4lS5L* " Lraniechch 51, am Moritzplast übernomnien habe. Ich stelle meine Säle und Bereinszimnier, ebenso wie mein Herr Vorgänger, zu Versaunnlnngen und Festlichkeiten jeder Art zur gefl. Verfügung und werde bestrebt sein, den Wünschen meiner i geehrten Gäste in jeder Weise Rechnung zu tragen. Achtungsvoll Hermann Scltolze, NW' „Lranien-HM kk'ir bell Jnftnlt der Inserate liberiiiiiimt die Nebattion dem Piiblikum lU'iieniiber keinerlei Ueranlliiartiin Dienstag, den 2S� Jannar> OpernhanS. Der Evangelimami. Phantasien im Brevier RathS- fclicr. Anfang 71/2 Uhr. TchaiifPielhanS. Der G'wissenS- wurvl. Ansang Uhr. Deutsches. Die versunlenc Glocke, Anfang 7V- Uhr. Lessing. Ini weißen Röh l. Anfang ?>/, Uhr. verliner. In Behandlung. Anfang 7-/. Uhr. Nesidcnz. Sein Trick. Anfang 7>/, Uhr. ReutS. Die Logenbrüder. Vorher: Der Herr Kandidat Anfang 7'/, Uhr. Ostend. Prcclofa. Anfang s Uhr. Goethe. Krieg im Frieden. Anfang 7'/- Uhr. Schiller. Der Tugendwächter. Das Versprechen hinterm Hcerd. An- fang S Uhr. Nnter den Linden. Die Göttin der Vernunft. Anfang 7Vs Uhr. Thalia. Ntnetten'S Hochzeit. Anfang w.' Uhr. Eeutral. Die TugendfaNe. Anfang 7l/z Uhr. Luisen. Trillm. Anfang 8 Uhr. Ariedrjch- Wilhelinsladiisttiea. Die kleinen Nagabunden. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliance. Die relegirten Studenten. Anfang 8 Uhr. Sllexaiiderplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Tauvenstrafse 48-4». Natiirkimdl. AnSstellullg v. 10 Uhr uormtttags ab. AbcnoS 8 Uhr Wisseufchaftl. Theater. Jnvnlidcnstrahe»7/SL. Täglich (aicher Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wtfsenschastliche Borträge. Nmeriea». Spezialitäten. Anfang 7-/. Uhr. Älpolto. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Neen-Palast. Spezialitäten. Passage< Paiioptiknni. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. ReichShallen. Spezialitäten. An- fang TVj Uhr. (Wallner-Thcater). Dienstag, abends 8 Uhr, zum 1. Male: Ter Tngenbwiichter. DaS versprechen hintern. Herb. Mittwoch, abeudS 8 Uhr: Der Tugendwächter. Das Ber- spreche» hinterm Herb. Donucrstaa, abends 8 Uhr: Der Regiftrator auf Reisen. Ostend-Theater. Gr. Fra»lsiirltrpr.I32. Dir. S.Weif,. Zum Lenokli! kür lilodarck gürga»: Schauspiel in i Alten von P. A. Wolff. Musik von Karl Maria von Weber. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vorstellung: Frci-Konzert. Ansang des Konzerts 7 Uhr. Mittwoch: Die Waise a»S Lotvood' Lkiiti'gi-iKkgtei' Alte Jakobstr. 30. Direktion Iticlianl Sclmlix. Dienstag, den 25. Januar 1898; l�nilJ Tliomns a. G. Zum 4. Male: Die Tngendfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz mit Vcnnljung etiles franz. Sujets von Jul. Freund und W. Maimstädt. Musik von Int. Einödshofcr. Anfang V28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die Tugendfalle. I-uisell-'I'keÄer 34. Sieichenbergcrstrasie 34. Abends 8 Uhr: Zum S. ivtale: Trilby. Schauspiel in 5 Akten nach dem gleich- namiaen Roman von G. dn Manricr, frei bearbeitet von Richard Mark. Trilby.. Anna Müller-Lincke. Mittwoch: Dieselbe Borstellung. Trilby: Anna MüNcr-Linckc. oa -Riesen-! 'Theater (CircUs Konz.) Karlstrasse. Boloamy KlraUy« Ronstautinopel. Grösstes, maohtvollstos und nräohtigstcs Schaustück der Gegenwart. 70O Auffuhr. in London. 1000 Mitwirkende. ,. Bild; Das Maifest in England. 2. Bild: Spanischer Stierkampf. 3. Biid: Wiener Jahrmarkt. 4. Bild: Ekuborühorfall in den rumolischen Bergen. Idn« Schlachtfeld. 5. Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Bäuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Floulle. Die Riesen-Ballets, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,-, 1,50, 2,-, 2,50, 3-, 3,50, 4,- und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende IOVj Uhr, Urania Tauben str. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geüffnet von 10 Uhr Vormittage ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidcnstf. Wo. 57—69. Täglich abends 7 Uhr; — Ausstellungs Saal und Vorträge.— Näheros die Tagesansohläge. Passaoe-Panopiicum. Das Volkslied In 12 lebenden Bildern mit Gesang und Tanz der — lästigen— Wienerinnen. Castan's Panopticnm. Friedrichstr. 165. N|| Imlinch- 611 hnnÄa- Gaukler — und— Schlangen- ReschwUrer. Das BÄREN WEIB. ü ei chs halle Ii- Theater, Leipzigerstrasse 77, Holla Collier unbestritten beste Gesangs- Soubrette, 5 Dcrringtons, Jlax Waldon und das aus SO Kunstkrtlften bestehende Programm. 'Anlang?:/» Uhr, E n t p e e 50 P f. Im Reiclishailen-Tunnei tllgllch: Gr. Militär- Konzert in Enlforni. Entree 10 Pf. 3 nie! Oer Maskenball In Alls, den unteren Räumen der Relchshallen findet am Donnerstag, 3. Februar, statt. ,ri Plast. I EQnarg's uöeville-Theater nb-Hotel Alexa, iberPlast ä Das Armband. Das Modell, i � Neu! Frl.«ottsekanF, Neu! S t r a st e S7. Novität! Novität! Giveusbluk. Operetten- BurleSke von G. Fischer- Ohmami. Musik von R. Baumgart. Neu! Vorher: Neu! Tröffe v. Schwank von Benno Jaeobson. Im vorderen Saale: tyolor Säuger Alois Ebner. Miifrtilif Sonntags 6 Uhr. MfiiU�Z�cnta���Ubr. Heute erste grosso Jn bei- Vorstellung vonDonatu. Anton Horrnfeld's neuester pikant. Lachkomödio, der bisher wieder an jedem Abend ausverkaufton lustigen „Geschichte d. ersten Sturmes einer jungen Ehe", Zum«5. Male: Familie Kochsalz. Donat Hermfeld als Wein- händlor Leopold Kochsalz. Anton Hermfeld als Leoncello Tonello, Kunstmaler ans Prag. Dazu; Neue Qeieteeblitze des 111 der Art seines Humors gleichfalls unübertrefflichen William 8 ch Uff in Konkurrenz mit dem weit berühmten„Improvisator" Dr. Guido Otcinitz. Oskar Vero mit seinen staunon- erregondon Original-Trics und die originellen„Zukunfts- Ehegeheimnisee" der feschen Geschw. Rcbcntinch. Ein Brillant-Programm aUcrersttcn Range«. WM- Ab 1. Februar: Wiederum neue Ueberraschungen. Qt.u prachtvolles, umst. h. sof. für DtU, 20 an. zu verk. Ritterstr. 118 v. 2 Tr. r. 2910d Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Heute 2. Abend Yvette Guilbert KassmmNSfltou��jj�jDU�Jhr. Feen-Palast OS RnrgntP. SS. Direltion: Winkler& Frttbel. 1 Großen Jubel erregen jeden Abend I Richard Winkler u. Wilhelm FrSbel 1 in der einzig dastehende» Operette lllits radelnde Derim Stürmischen Beifall erzielen | Oabarvt'« Ullputancr Hunde. ÄiÄ. Frid Feld. Gebrüder Wichmann. Forree Hildebrand. Wfllard. Dahn 11»b Walde. lebende Photographien. i Anfang 7�/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Actlen-Branerel Frledriclislialn. Morgen, Mittwoch, zum t. Male; Stettin. Siiilger (Meysel). Anfang 3 Uhr. Eiilree 60 Pfennig, im Borverkauf 40 Pf Böhmisches Brauhaus Landsberger NNee. Heute, sowie jeden Dienstag: Biclimcr Sänger tMeysel,PIetro. Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entrcc 50 Pf.-iSh* Vorverkauf 40 Ps. Morgen Mithvoch: Einmalige Extra-Soiree in der Brauerei Friedrichshain. Freitag: Vietorla-Brauerel, Concerthaus C.cIpzIgcrNtr. Wo.48 SMT Täglich-/z Uhr: Grosse brillante Vorstellung. Zaragoza. lilüölir'LVIiester Oranicn-8tra»»c S4. SV* Täglich:-MW Theater- n. Spcziulitilten- Voratoilnng. Up..! 9fnr keine llpiil nCll• Schwiegermutter"uU. Lustspiel. Xen! Bei RegistratorS. Ken! Posse mit Gesang. Beneatlonc»! Sensationell! Die beste Excentric-Chanfonette. Ultküttif Wochentags 8 Uhr. illl|UII|). Sonntags 0 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Avis I Donnerstag, den 3. Februar; Abfchicds-Benestz für Fräul. Marg. Böttcher._ Aicazar-Thcater. DreSdenerstraße 52/53(City-Passage) Aunenflraße 42/43. Direlllon: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Ansenthalt. Ne»! Die Neu! l»«tigen Heidelberger. Ausstattungs- Operette in einem Akt von Poly Hcnrion. Musik von Franz von Supps. Vorher:?ln«er Johann. Lust spiel in 1 Akt nach dem Französtschen von Beye. Sluftreten sämmtlicher Kunst- Spezialitäten. Uiitdild« Wochcniags 8 Uhr. AlllUUg, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Vorzngskarten haben Gtlttgkett. V. Noack's Theater Rriinncn-Otrasae 10. Heute Dienstag, den 25. Januar: Der Herr Stadtmuftims und seine Knpelle» VolkSstllck mit Gesang in»Akten von Kneisel. Musik von Conradi. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Mittwoch wegen Privatfeatlichkelt keine Vorstellang. Feuerstein'3 Festsäle Alle Jakolistrasse 75. Zuli. Martin Herzberg. Grosse nnd kleine Oiilo zu Vers ammlungenl unentgeltlich, sowie zu Sommor-'u.Wintorfesthch- koiton b. koulanten Bedin Mau trinke: Original- Löwenbitter Das Hefe siir dtilMagtll. In Flaschen ä Mk. 0,60, 1,10 u. 1,80. | Wie im Ausschank überall zuhaben. Wo nicht vorhanden, bitte zu verlangen. B. F. Mittelstadt Weinhandlung nnd Likör-Fabrik Nl., Brnnnenstr. 152. Msktll-Ardttvbt. Gröstte Auswahl. »liligstc Preise.» Verein. Preisermäßigung. Fr. Fanltnln. OranienstrasjeNr.178. II. Adalbertstraste 91, Ecke Oranienftraste. Maskengarderobe zu den billigsten Preisen empfiehlt 41llSb E. Stenzol, Kottbuser Damm 8, II. Nach der Inventur Großer Ausverkans Ksrämell tu und Bestell älterer Muster in weiß»nd eröme, zn 1—4 Fcnsterii passend, spottbillig in dem Gardinrnfabrik-Lager von Ni'nir« G1itb«i% Berlin O., Grüner Weg Nr. 80 pari.. Eina. vom Flur(kein Laden). Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach außerhalb portofrei. Bettledern,?..'vcLü? füllend, Pfund 50 70, 90 Pf. Halbbannen Pfb. 1,10. 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Vorstehende Abänderung wird hier- durch mit der Maßgabe genehmigt, daß dieselbe bezüglich des H 2 mit dem Tage der Schließung der Ortskranken- kasie für Handlungsgehilfen und Lehr- ltnge, im Uebrigen mit dem Montag nach der statutenmäßigen Bekannt machung in Kraft tritt. Berlin, den 5. Januar 1898. Der Bezirks-AuSschust. _ Frcusberg. 23/8 Manntnmchung. Durch Genehmigung des 4. Nach- träges zum Stahlt sind die 8§ 2, 16, 19 und 60 in folgender Weise abgeändert: § 2. Abs. L Ziffer 8. Die Worte„sowie der HandlungS- gehilfcn und Lehrlinge" fallen fort. 8 16. Hinter die Worte„52 Wochen" sind die Worte:„oder gemäß§ 20, Abf. 1, für 13 Wochen" gesetzt § 10, Abs. 1, Ziffer S. Für daS Wort„dreißigfachcn" ist das Wort„vterzigsachen" gesetzt. § 60. Abs. 1. Statt der Worte„folgender Weise" sind die Worte„mllndelstcheren Werth- papieren" gesetzt. Die Worte„Berliner Sparkaffe, Berliner Stadtanleihe, Preußische kon- solidirte Staatsanleihe" sind gestrichen. Vorstehende Abänderungen sind zu § 2 am 1. Januar d. I., im Uebrigen mit dem heutigen Tage in Kraft ge- treten. 2920b Berlin, den 25. Januar 1898. Der Borstanb ber Ortskrankenkaffe ber Gürtler. _ G. Kneifs, Borsitzender. �nr Beachtung. Orts- Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und verwandte» Gewerbe. Berlin C., Klostcrstr. 65— 67. Vom t. Februar 1898 ab ist daS Kasscnlokal werktäglich nur von 9—1 Uhr vormittags geöffnet. Sonn- und Feiertags geschlossen. 265/2_ Der Vorstand. Elektrotechnik. Der 2. Kursus für Praktiker beginnt Donnerstag, den 27. Januar, abends 8 Uhr. Honorar 3 M. pro Monat. Dauer 3 Mon. Anmeldung Schöne- berg, Merfeburgerstr. 5 L Abends von 7 Uhr ab, Sonntags von 10—12 Uhr. Franz I.edcrer, Elektrotechniker. Indostrie-Erweri). Einfache lohnende Fabrikation leicht verkäuflicher tägl. Vor- brauchsartikel, auch mit geringen Mitteln ohne Fachkenntnisse möglich. Zahlreiche Aner- kennungen. Kataloge gratis durch den Verlag„Der Erwarb", Altona a/Elbc. 131/9* Papiergeschäft. 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