Uv. 2L Abomement«.KedwMNgen: TbonnemenIS-Prei» pränumerando: Vierteljahre 3�0 Mr., monatl 1,10®«.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer s Pfg. Sonntag»- Nummer mit illuftrirter Sonntag»- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ILO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1898 unter Nr. 7576. Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich«nster MonUg». Derliner Volksbl�tk. 13. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaliene Kolonel- zeile oder deren Raum»0 Pfg., für Vereins- und VerfalumlungZ-Auzeigen, soirie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Jnferals für die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Di« Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtage» bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Lml I, Nr. 1508. Telegramm-Adreffe: „SoiiuldcmoKrat Berlin". Zentrcrwrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. N-d,>liti«»: SW. 19. N-uth.Strake S. Mittwoch, den 26. Januar l868. Kirpedition: 8V. 19. Weuty-Strnße 3; DevNnsgsng vesMafchinendAuer Vampfes und feine Uehee. � London, den 22. Januar, Wenn«ine gestern Abend den Zeitungen zugegangene Mit- theiluug nicht täuscht, so steht der endgiltige Friedensschluß im Maschinenbau-Gewerbe vor der Thür. Die ganze» lehte» Tage haben Verhandlungen zwischen leitenden Persönlichkeiten von hüben und drüben stattgesunden, um eine beide» Parteien genehme Fori» des Friedensvertrages zu finden. Es liegt auf der Hand, daß die Nach- richten, die in die Oeffentlichkeit gelangten, anfangs widerspruchsvoll genug lauteten. Ich habe es daher unteilassen, sie im einzelnen zu registriren. Auch den Aeußerungen einzelner Sektionen der Maschinen- bauer über die Zurücknahme der Achlstundensorderung war keine größere Bedeutung beizulegen. Es ist ja nur natürlich, daß dieser Beschluß mit sehr gemischten Gefühle» begrüßt wurde, zumal er der Masse ganz unvermittelt bekannt gegeben ward. An Orten, wo die Arbeiter schwach find, wurde er resignirt, an anderen, wie Sheffield, Leeds ic., wo sie sehr stark sind, mit äußerstem Unwillen aufgenommen und ward in Protestversammlunge» erklärt, man werde nicht eher an die Arbeit zurückkehren, bevor nicht größere Zugeständnisse als bisher gemacht worden find, und wenn man das letzte Möbelstück veräußern müsse. Diese Entschlossenheit in Ehre». aber es ist nicht wahrscheinlich, daß die betreffende» Orte sich gegen einen, i» der richtigen Form vereinbarten Frieden aus- lehnen werden. Was sie vor allem enipörte, ivar-di« Idee, sich als die Geschlagenen bedingungslos ergeben zu sollen. Und dies bringt mich auf das, jetzt in hiefigen und deulschen Blätlern so lebhast erörterte Thema von dem Umfang und der Be- deutung der Niederlage der Maschinenbauer. Daß diese ge- schlagen sind, wäre natürlich Thorheit zu bestreite», aber die Redaktion des„Vorwärts" hat schon mit recht dagegen Stellung genommen, daß man die Größe der Niederlage übertreibt. Wenn kapitalistische Blätter sich darin gefallen, von dein kaudinische» Joch zu spreche», durch ivelches die Ausständige» jetzt zu gehen habe» werden, so kann ina» ihnen dies ja nicht weiter verarge». Die Arbeiterpresse aber sollte mit solche» Wendungen nicht allzu freigebig sein. Es ist ja sehr bequem, die bekannte Schablone anzii- wenden und zu sagen, gewerkschaftlich haben die Arbeiter die Ruthe küssen müssen, aber im politischen Stampf werden sie dafür Rache nehmen, aber es entspricht nickt der Wirklichkeit. So nach dein Buche spielen sich die Dinge in der Praxis nicht ab. Der einzelne Unter- nehmer ist so wenig die konzcntrirte Personifizirung des„Kapitals" mit all' dessen Niederträchtigkeiten, wie der einzelne Arbeiter aus lauter Idealismus der„Arbeit" zusammengesetzt ist. Beide sind Menschen und leine Abstraktionen, Mensche» eines bestimmte» Gesell- schaslszustandes, die mit einander auf grund der Sitten und An- schauungen ihres Landes und ihrer Epoche verkehre». Selbst wenn die englischen Unternehmer im übrigen die Macht und de» Willen hätte», ihr Mülhche» an den Arbeitern zu kühlen oder— wie es in einem Parteidlalt hieß—„ihre Rachsucht an ihnen auszulassen". so würden sie an der öffentlichen Meinung des Landes einen Zügel für ihre Gelüste finden. Aber die Herren wisse», mit wem sie es zu thun haben und daß eine kleinliche Rache ihnen auf die Dauer viel lheurer komme» würde als ein freundschaftliches Entgegenkomme». Ich sprach gestern einen der Ausständige», der als Führer einer Deputation mit einer hiesigen größere» Firma wegen der Einzel- heileii der bevorstehenden Wiederaufnahnie der Arbeit verhandelt hatte. Mit bezug auf die Wiedereinstellung selbst erhielt er die übliche Antwort: wir können nichts thun, ehe der Bund nicht ge- sprochen hat. Auf das Ansuche» aber, Anordnungen zu treffen, daß, wen» das erlösende Wort gesprochen, kein wildes Jagen und Unterl bieten um die offenen Stellen stattfinde, sondern die früheren Ar> bester nach der Reihe berücksichtigt werden, ging man bereit- ,v i l l i g ein. Und ähnlich wird sich die Sache in der große» Mehrheit der übrigen Fabriken machen. Daß von einer„Ver- nichtung" der belheiligten Gciverkschasten keine Rede ist, gehl schon daraus hervor, daß die Sekretäre des Fabrikanten-BuudcS mit den Vertretern derselbe» eben jetzt eifrig über die endgiltige Redaktion der Friedensbedingungen verhandeln. Es solle» die auf der Dczember-Konferenz aufgesetzte» Pnnktationen mit de» erlänlernde» Noten in Einklang gebracht werden, die ihnen die Fabrikanten aus der in meinem letzten Brief erwähnten Bekannt- niachuug an die Arbeiter beigegeben haben, oder, um es konkreter auszudrücken, es soll den ersteren eine Form gegeben werden, welche volle Sicherheit gewährt gegen 1. Ausgleichung der Löhne»ach unten hin u n d 2. Einschränkung des Rechts der Geiverkschaften auf kollektives Verhandeln über die Slrbeitsbedingungen. Kommt ein von den Gewerkschaslsvertrelern für genügend er- achteter Vertrag hierüber zu staiide— und die letzten Nachrichten lante» hierüber durchaus günstig— so ist gar kein Ziveifel, daß sich die Masse der Ausständigen ihm anschließe» wird. Mas heute vielfach die Arbeiter noch für dl« Verlängerung deS Kampfes stimmt, ist die ihnen von verschiedenen Seilen eingeredete Idee, daß wenn erst das Parlament wieder beisammen sei, die Situation sich für sie wesentlich verbessern werde. Bekanntlich hat die Regierung resp. die Admiralität verschiedenen großen Schiffs- baufirme», die Aufträge für die Marine übernommen haben, die Vergünstigung der Streikklausel zu gute komme» lasse», d. h. sie von der Einhaltung der vertragsmäßige» Lieferungsdaten entbunden. illadikale Abgeordnete haben nun angekündigt, daß sie sofort»ach Ziisainitteniritt des Parlaments die Regierung über diesen Punkt zur Rede stellen werden, vor allem hat sich der Abgeordnete E. Robertson, Vertreter für Dlliidee, der im letzten liberalen Ministerium Vorsteher der Zivilabiheilung des Marinedepa>tements war, in diesem Sinne verpflichiet. Das ivird nun sicher eine sehr interessante und lehr- reiche Debatte geben, aber daß das Parlainenl die Regierung nöthigen werde, den betreffenden Firmen gegenüber andere Saite» auszuziehen, ist ganz und gar unwahrscheinlich. Dazu hat dieselbe eine viel zu große Mehrheil hinter sich. Es wird eine Denionstration sei», weiter nichts. Mit Demonstrationen aber, wie nützlich sie auch in anderer Hinsicht sein mögen, gewinnt mau keine Gewerkschafis- kämpfe. Wenn eines, so hat der Maschinenbanerkampf dieses gelehrt. An Demonstrationen hat es bei ihm sicherlich nicht gefehlt. Kein geiverblicher Konflikt des Jahrzehnts hat die öffentliche Meinung so lebhast beschäftigt wie dieser, bei keinem ist so viel Lärm geschlagen — und wenn wir vom Dockerstreik von 1S89 absehen, ivo senti- mentale Motive das entscheidend« Wort sprachen—, bei keinem de» Gewerkschaftlern von so viel Preßorganen sekundirt lvordeu wie bei diesem. Und doch haben die Arbeiter die Schlacht verloren. Die Unterstützungen, die ihnen eine liebedienerische Presse ge- leistet, waren von sehr zweifelhaftem Werth. Man hat sich in maß- losen Beschimpfungen der Unternehmer überboten, ihnen die Worte im Munde gefälscht, die Arbeilermasse über den wirkliche» Charakter des Kampfes und die thatsächlichen Machlverhältuisse getäuscht und durch alles das der Sache der Arbeiter mehr geschadet als genützt Es möchte eigenthümlich erscheinen, dies in einem sozialdemokratischen Blatt zu konstatiren, aber ich denke, gerade die Arbeilerpresse ist der Ort, wo auch in dieser Hinsicht rückhaltloses Ausspreche» der Wahr heit am Platze ist. Mit Thealerphrnsen und Räuberromautil mag mau ein anderes Publikum unterhalten. Hat man erst von der uneinnehmbaren Position der Arbeiter gesprochen, so wird jetzt das Lieb von der Allmacht des Kapitals gesungen. Das eine ist aber so falsch wie es das andere war. Wenn das Unternehinerthnni gestärkt aus diesem Kamp hervorgeht, so darum noch nicht allmächtig. Die Arbeiter sind mit Hilfe des Kapitals besiegt worden, aber der Hauptgrund ihrer Niederlage ist anderswo zu suche», als in der wirihsckasllichen Ueberlegenheit des oder der Kapitalisten über die organtsirte» Av beiter. II. Als der Kampf begann, waren die Fabrikanten der Maschinenbau� Industrie nur erst zum geringsten Theil organisirt, und der Fabrikantenbund konnte sich an Ausdehnung nicht entfernt mit der Hauptorgauisation der Arbeiter, dem großen Maschineubaner-Verei». messen.„Die Unternehmer können nicht alle unsere Leute aus sperren," schrieb Tom Mann im Juni 1897 im Organe des Vereins „Das Gewerbe ist dafür viel z» verschiedenartig verziveigt." Und „Alles begünstigt die Sache der Arbeiter: Der Stand der Geschäfte. die Aussichten für das kommende Jahr, die Finanzen der Gewerkschaft und die Stinnunng der Mitglieder. Darin» bin und agitire ich dafür, sür Standardlöbne für Arbeit an Maschinen und für die Arbeitswoche von 48 Stunden den Kamp auszunehmen." Aus den ersten Blick war das ganz richtig argumentirt. der Fabrikantenbund zählte kaum 180 Miiglieder und beschäftigte noch nicht de» dritten Theil der Mitglieder des Maschinenbauer-Bereins Jetzt zählt er rund 700 Mitglieder und wächst noch täglich— selbst Direktor Hill von de» Thames Jroriworks, der seil Jahre» den Älchtstundeulag eingeführt hat, meldete sein Unternehmen vorige Woche zum Beitritt, ivurde aber abgewiesen. Woher dieser scharen weise Beitritt in den Bund, trotz der großen Verschiedenartigkeit der Interessen? Es ist»»möglich, alles aus die teuflische» Machinaliouen des Oberst Dyer und die angeborene Schlechtigkeit der Fabrikanten zurückzuführen. Nein, das Interesse der Arbeilerbeivegung gebietet, hier nicht aus den Schein zu urlheilen, fondern deu Thatsachen unbefangen ins Gesicht zu schauen und dabei das eigene Lager nicht zu vergesse» Auch die Arbeiterverbäude sind»iil,l unfehlbar. Angenommen, sie hätten Forderungen gestellt, welche die Industrie unter den gegebene» Verhältnisse» irirklich nicht tragen kann, Forderungen, die den englischen Maschinenbau ernstbaft bedrohten, wäre da nicht die wichtigere, ivahrscheinlichere Erklärung sür das so ganz unerlvartete Anwachsen des Fabrikantenbundes gegeben? Für ungewöhnliche Erscheinungen pflegen ungewöhnliche Ursachen vorzuliegen. Vergesse» die Fabrikanten die zu tage liegende Verschiedenarligkeit ihrer Jntev essen, so müsse» tiefet« Inte, esse» bedroht sein, Interessen, die ihnen allen gemeinsam sind, die ihnen allen an die Nieren gehen. Die Erklärungen der Fabrikanten in dieser Hinsicht find bekannt. Was sie zu so außergewöhm licher Nolhwehr zwänge, sei die Politik der Geivcrb schafte» in der Frage der Maschinenarbeit. Dränge diese durch, so wäre England außer stände, sich der Wellmatllkouknrreuz gegenüber zu halte», sie sei ein absolutes Hemmniß einer rationellen Betriebssührnng, sie verhindere die englischen Fabrikanten, ihre Werk stätlen ans der Höhe der Zeit zu halte». Es ist klar, daß wenn diese Behauptungen zutreffen, nicht die Allmacht des Kapitals oder die Booheil der Fabrikanten, sondein die objektiven Gesetze des Marktes die Arbeiter besiegt habe», Gesetze, die stärker sind als der individuelle Wille der ei» zeluen Fabrikanten oder der Kollekliviville der Fabrikanten eines einzelnen Landes. Man kann das aussprechen, ohne damit die Bedeutung der Gewerkschaften zu leugnen. Die Gewerk. schasten können die Gesetze des Marktes nicht willkürlich durchs brechen, sie können aber innerhalb derselben sehr vieles zu gnnsten der Arbeiter durchsetze» und selbst den Druck diefer Gesetze allmälig mäßige», den» wie überall im Wirthschaflsleben herrscht auch in diesem Punkt eine gewisse Elastizität der zusammenwirkenden Faktoren. Aber in jedem gegebenen Moment giebl es eine Grenze, über welche hinaus eine Spannung nicht möglich ist. Es ist nun heute von allen Belheiligten zugegeben, daß auf feiten der englischen Maschinenbauer in der Frage der Maschinen arbeit Fehler gemacht worden sind. Die Geiverkschaslsvertreter be Haupte» nun, dieS seien Ausnahmen gewesen, bestreite» aber, daß eine der Mafchinerie grundsätzlich entgegenivirkende Politik betrieben worden sei. Bewußt ist dies sicherlich nicht geschehe». Aber wenn wir alle flagranteren Fälle, welche die kapitalistischen Blätter zitirt haben, bei Seite lasse», so bleiben doch solche, offiziell von der Geiverkschaft gestellten Forderungen wie die, ans welche Tom Mann in dein oben zitirten Satz verweist, daß„für alle Arbeil an Maschinen, die qualifizirte Arbeit ersetze», die Etandardlöhue solcher qualifizirten Arbeit gezahlt iverden." Wird damit jedoch nicht etwas verlangt, waS, wenn blas in einein einzelnen Laude dnrchgesnhrt, ruinös für die Industrie dieses Landes wäre, zumal wenn zugleich mit dieser Forderung eine Agitation für Verkürzung der Arbeitszeit unter das in irgend einem anderen Lande übliche Maß unternommen ivird? Die Leser des„Borivärls" werden es hiernach verstehen, daß als sich mir auf grund der mir zugänglichen Tokiiinente und von Unterhaltungen mit betheiligten Arbeitern die Frage in dieser Weise präsentirte, die Begeisterung, mit der ich zuerst die Beivegung der Mafchinenbauer für den Achtstundentag begrüßt halte, bösen Ziveifel» an ihrem Erfolge oder, falls sie unter dem Einfluß der nußer- gewöhnlichen Konjunktur wirklich zunächst erfolgreich sein würde, an ihre» Wirkungen Platz machte. Bis jetzt habe» in Weltmarkt- industrien Verkürzungen der Arbeitszeit nur dadurch ohne Schädigung der Konkurrenzfähigkeit der betreffenden Betriebe durchgeführt werden können, wenn der Ausfall an Arbeitsdaner durch Verdichtung der Arbeit vermittelst Vervollkommnung der Maschinerie ausgeglichen wurde. Schob die andere Forderung mit den Auslegungen, deren sie sähig war. dem nicht«inen Riegel vor? Ich glaube, daß hier der vornehmste Grund für den Slrom man könnte fast sagen, die panikartige Flucht der englischen Fabri- kante» in den Fabrikantenbund liegt. Beeinflussungen, Schmeiche- leien, Drohungen ic. möge» mitgewirkt haben, aber sie erklären nicht alles. Auch die„Profitgier" nicht, denn wer außerhalb des Bundes blieb, konnte sich lohnende Austräge auf lange Zeit hinaus sichern, und während des Kampfes ließen die in Arbeit gebliebenen Gewerkschasismitglieder die neuen Forderungen ruhen. Es war die in recht ihörichle» Reden ihnen in Aussicht gestellte Zukunft, welche die Fabrikantemvelt in ein einziges Lager trieb— trotz der „Verschiedenartigkeit der Interessen". Desto besser, wird mancher sagen. So wird de» Arbeiter» die Nothivendigkeit vordemoustrirt, mit dem Fabrikautenthum in einem zu handeln, und was sie durch die Gewerkschaft nicht erziele» lönnen, durch die politische Akliou zu erstreben. Darüber ein andermal. Vorläufig liegen die Dinge so, daß für das, was die Vorhut der Arbeiterschaft nicht auf dem Wege des Gewerkschnstskampfes erreicht, die Gesetzgebung auch nicht zu haben ist, der erstere also eine Nolhwendigkeit bleibt") Und deshalb er- scheint es mir im Interesse der Arbeiterbewegung gelegen, lieber ein- zugestehen, daß die Geiverkschaiten geschlagen wurden, weil sie sich auf falsche Bahnen verirrte», als kurzerhand alles dem bösen Willen des„Kapitals" zuzuschieben und diesem Willen eine Macht beizu- legen, die er für gewöhnlich nicht hat oder nicht zu haben braucht. Fehler können gutgemacht werde», gegen eine Elementarmacht anzu- kämpfen ist vergeblich und die Aufforderung dazu nicht sehr ver- führerisch. Wie nach jeder Niederlage, so erheben sich auch nach dieser Rufe nach dem Schuldigen, dem die Verantwortung sür sie zufällt. Die einen inachen Barnes»ud dessen sozialistische Freunde sür das Unheil verantwortlich, das über den Maschinenbauer-Verei» gekommen ist, die anderen erklären, Sellicks, der Vorsitzende der Maschinenbauer« Exekutive, sei am Zusammenbruch des Kampfes schuld, weil er in der Dezemberkouferenz mit den Unternehmern sich»nbefugterweise bereit erklärte, das Recht der Gewerkschaften sür eine kleine Konzession in der Frage der Arbeitszeit auszugeben; und wieder andere schiebe» die Schuld der gesanimten Exekutive des Vereins bei. Thaisächlich liegt die Hauptschuld in Verhältnissen, die weder Barnes noch Sellicks geschaffen haben, während die rein taktischen Fehler, die gemacht wurden, das»nverm-idliche Resultat der schiefen Position waren, in welcher die L.iter des Kampfes überhaupt sich befanden. In nichts kam diese für den aufmerksamen Beobachter deutlicher zuni Ausdruck, als in deni Vorwiegen des deklamatorische» Elements, de» abivechselnden Drohungen und Klagen, den Kampf ans andere Gebiete hinüber zu spielen, den Husarenbnlletins und dergleichen. Solche Dinge sind fast»nnler Zeichen innerer Schwäche. Die starken Gewerkschasle» verschmähen sie, zumal wenn sie einen starken Fall habe». Sie Helsen auch selten, eine schwache Sache zn einer starken zu machen. Der Ruf„das Koalitionsrecht ist in Gefahr, man will die Gewerkschaften zerschmettern," hatte einen gewissen Achtungs- erfolg, aber eine liefere Wirkung brachte er nur im Auslände, bei sozialpolitischen Dilettanten und bei der Masse der schwächeren englischen Gewerkschaften hervor. Die erfahrene» Führer der großen Gewerkschafleu sähe», daß bloS eine Gewerkschaft, diese allerdings ein wichtiges Glied der ganze» Beivegung, in Gefahr ivar und ließen sich daher zn keiner außergewöhnlichen Aktion hinreißen. Gewiß hätten verschiedene von ihne» finanziell mehr leiste» können als sie getha», ob aber größere Beiträge in der Sache viel genutzt hätten, ist recht zweifelhaft. Man hätte den Kampf verlängert, ohne ihn zu einem anderen Resultat zu führen, den Heroismus der Aus- ständige» zwecklos länger auf die Probe gestellt. Heroismus ist eine schöne Sache, aber der kundige Gewerkschafts- führer wird seine Leute keinen Augenblick länger kämpfe» lasse», als die Nolhwendigkeit erheischt. Die Größe des Feldherrn bewährt sich in Fälle» der Bedrängniß. Siege» ist oft recht leicht, aber den rechte» Moment erfassen, ivo ein Kampf ausgegeben iverden muß, soll er nicht zu nutzloser Vergeudung dce Kräfte führe», das ist die große Kunst der Gewerkschasisstralegie. Wenn die Führer der Ma- schiueichnner diesen Moment vielleicht verpaßt haben, so mag der Grund in der Natur ihrer Vollinachten liegen. Die Verfassung des Maschinenbauer- Vereins weicht in vielen Pmikte» von den Verfassungen gerade der stärksten englischen Gewerkschaften ab""). Bei den letzteren hat, wie man im Webb- schen Buch über die Theorie der Gewerkschaften nachlesen kann, die Exekutive sehr viel weitergehende Vollmachten wie im ersteren. Stuf die Berichte, die von MassenanStritt ans dem Verein sprechen, ist nicht allzuviel zu geben. Ihnen liege» Alisbrüche der ersten Mißstinunung zu gründe, die selten vorhält. Aber sie rathen »in so mehr zum baldigen Friedensschluß. Die Bedingungen, wie sie von den Unternehmern zuletzi dargelegt wurde», sind so, daß die belheiligten Gemerkschafte» sie ohne Schaden annehmen könueu, und die günstige Lage des Arbeilcinarktes sichert ihnen baldige Wieder- Herstellung ihrer Finanzen. Bis sie de» alten Stand wieder erlangt haben, ist Zeit genug, sich über die Zweckmäßigkeit ihrer bisherigen Verfassung und Politik klar zu werde» und die entsprechenden Re- formen vorzunehmen. Der denllche» Kapitalistenpresse, die den Fehlfchlng de? Maschinen- bauer-Kainpfes gegen die Geiverkschaslsbeivegung im Ganzen aus- ") Unleugbar hat der Kampf viele Maschinenbaner dem Sozia- lisinus naher geführt. Wie langsam aber die Rückivirkuug aus die Gesetzgebung ist, zeigt die Thalsache, daß bei keiner der vielen Nach- wählen zum Parlament, die jetzt ausstehen, eine sozialistische Kan- didatur in Frage ist, trotzdem in verschiedenen der betreffende» Wahlkreise(Wolverhampton, Ost-Durham ic.) das Arbeitervotum überwiegt. "") Ich habe an anderer Stelle dargelegt, daß es ein Jrrthnm ist, iveiiii man den Maschinenbauer- Veiein als die stärkste der eng» lifchen Gewerkschaften bezeichnet. Er ist es ivedcr der absoluten Mitgliederzahl nach, noch dem Verhältniß seiner Mitgliederzahl zur Zahl der Arbeiter seiner Industrie nach. In letzterer Hinsicht wird er von vielen Gewerkschaften übertroffen. inschlachten such», fei entgegengehalten, daß die Geschichte der Käinpse zwischen Kapital und Arbeit unzählige Beispiele ausweist, Ivo die Unternehmer nur erst durch wiederholten, energischen Widerstand der Arbeiter dahin gebracht werden konnten, von rückständigen, die eigene Industrie schädigenden Belriebsmethoden abzulassen. Eine Schwalbe inachl keinen Sommer und ein Jrrlhnm oder Fehlschlag spricht der Gewerkschaftsbewegung noch lange nicht das Urtheil. Sie wird leben lind sie muß leben, sie ist eine Nvlhwendigteit nicht nur für die Arbeiter, sondern sür das ganze moderne Gesellschaflswesen. Es kennzeichnet die Reise der Entwickelung Englands, daß die große Mehrheit der Blätter dies eingesehen und ihre Stimme für eine» ehrenhaften Frieden erheben haben— wvhlgeninkt, für eine» Friede» mit den Gewerkschaften. palikischr Mob-i-tkchk. Berlin, 25. Januar. 9TnS dem Reichstage. Der Streit über die Frage, ob das Börsengesetz ein schlechtes oder gutes Gesetz sei, beschäftigte heute die agrarischen Kampshähne und die Vorkämpfer des „herzlosen Atanchesterthums" noch mehrere Stunden. Heraus kam bei diesem Nedekampf, den der Zentrumsredner Schwarze ganz richtig als leeres Strohdreschen bezeichnete, gar nichts. Nur daß sich die Abgeordneten G a m p und Fisch- deck gegenseitig Grobheiten sagte», die man in keinem Komplimentirbuch findet, war das einzige Eraebniß dieser„akademischen" Erörterungen. Die Titel: Statistisches Amt, AichuiigSamt wurden fast ohne Debatte bewilligt. Zum Titel Gesundheitsamt lag ein Zlntrag vor, zur Errichtung einer biologischen Versuchsanstalt für wissenschaftliche Er- forschung wirthschaftlich nutzbarer Lebensbeziehungeu von Pflanzen und Thieren 30 000 M. einzustellen. Müller- Sagan begründete diesen Antrag. Graf Posadowsky sagte Berücksichtigung zu, doch glaubt er, daß es nicht so rasch geht, wie die Antragsteller wähnen. Zunächst sott eine Kommisston von Sachverständige» sür das ganze Reich zur Prüfung der Angelegenheit zusammen treten. Die Abgg. Kardorff, Müller und Wurm geben ihrem Bedauern Ausdruck, daß seitens des ReichSgesundheitsnmteß diese wichtige Angelegenheit nicht schon längst in Angriff ge- noinmen ist. Hierauf wurde die Sitzung vertagt. Morgen ist Schwerins- tag. Die Sitzung beginnt 2 Uhr und stehen die Anträge wegen Besteller»«« der Znckerersatzmittel(Saccharin) und der Antrag Auer: Vereins- und Versammlungsrecht auf der Tagesordnung. Die Unterbeamten werden soeben recht fühlbar über den Werth des Reichstags- und den Unwerth des prenßischcn Landtags-Wahlrechtes belehrt. Im Reiche wie in Preußen ist für sämmtliche Kategorien der Unterbeamten die Besoldungsverbesserung noch im Rückstände, die sonst allgemein durchgeführt wurde. Im Reichstage hatte eine Resolution vom 26. Mai des Vorjahres verlangt: von 1898/V9 ab den jetzt bestehenden Unterschied zwischen den vor und nach dem 1. April 1895 eingetretcneii Post-Unterbeaniten zu gunsten der jetzt schlechter gestellten z» beseitigen und sür sämmtliche Beamten dieser Klaffe die Be- soldung ans 900 bis 1500 M., in achtzehn Jahren steigend, festzusetzen; ferner sollten die Landbricsträger 700—1000 M., ebenfalls in 15 Jahren zu erreichen, beziehen.— Das preußische Abgeordnetenhaus sprach sich im Vorjahre viel unbestimmter und unentschiedener dahin a»S, „bnldmöglichst eine RnSgleichinig der bei einzelnen Kategorien von Unlerbeainte» hervorgetretenen Härten und Unglctchheiten herbei- zuführen und zu diesem Zwecke dem Abgeordnelenhanse eine Bor- läge zugehen zu lassen." Die Regierung behandelt diese Wünsche wie gewöhnlich von oben herab. Der Rcichsetat sieht wohl 6000 M. mehr für die Staatssekretäre und 46 000 Dt. mehr für den Reichskanzler, dazu noch Pferdegelder für die Regiments- Kommandeure vor, im übrigen läßt er alles beim alten. Der preußische Etat widmet den unschätzbaren Landräthen eine zweite Dkustaufwandserhöhung, weiter den Förstern eine Ge- Haltsverbesserimg; auch die Geistlichen werden demnächst etwas tiefer ans der Staatsschüsscl schöpfen; die missra pleba der noch nicht aufgebesserten Untcrbeamtcn läßt man auch jetzt wieder ruhig dralißen vor der Thür stehen, Herr v. Äiqucl und der Graf Limburg-Stirum herrschen sie sogar an, nicht agitatorisch etwas zu verlangen, was sie nur unterthänigst er- flehen dürfen. Man weiß, daß diese Unterbeamtcn Grund zur Unzufriedenheit haben, aber bei öffentlicher Stimmabgabe hat man die Unzufriedenen stets an der Kette. Bei der geheimen Reichstagswahl dagegen nicht; hier wird auch der Abhängigste zeitweilig zum freie» Mann. Das gleiche Wahlrecht hat zudem die oppositionellen Parteien im Reichs- tage wesentlich anders gestellt wie in der Dreiklassen-Kannuer, in der sie gegen die kompakte Regierungsmehrheit ganz ver- schwinden. Damit ist im Reiche sofort ein lebhafteres Tempo in die ganze Angelegenheit gekommen; besonders haben sich die sozialdemokratischen Vertreter darum verdient gemacht. Die Budgetkommission schlägt nunmehr für die P o st- Verwaltung vor: von der geforderten Snmin« der Besoldung de? Staat?- fekretärs„6000 M. zu streichen" und den Titel nur in Höhe von 24 000 M. zu bewilligen; den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, das Anfangsgehalt der Post n n t c r b e a in t e n— Titel 25 des Etats— von 800 M. auf 900 M. zu erhöhen;] den Herrn Neichskanzler zu ersuchen, das Endgehalt der Landbriefträger von 900 M. auf 1000 M. zu erhöhen. Die nöthigen Mittel sotten sofort in einem Ergänziings- etat nachgefordert werden; nur unter Erfülliing dieser Voraus- setzung würde dann auch Herr v. Podbielski die ihm zn- gedachte Gehaltserhöhung bekommen. Der ganze Mehr- aufwand für die Beamten würde noch lange nicht 1�/s Millionen Mark ausmachen! Für Militärzwccke würde man die Summe kaum beachten, sür Kulturzwecke scheut man sich vor solchen Ausgaben. Wir hoffen, daß das Plenum die Beschlüffe der Budget- kommission ebenfalls annehmen wird. Auf jeden Fall können die Unterbcamten an diesem Beispiel sehen, welchen Werth für sie der Reichstag und das Reichstags-Wahlrecht hat. Folgt das Abgeordnetenhaus auf dieser Bahn, so thut es das nur, weil es nach dem Vorgehen des Reichstages schwerlich anders handeln kann.— Die Ermiißigniig der Getreidezölle hat die ausgehungerten Landarbeiter Italiens nicht beruhigen können. Statt einzusehen, daß der auf 4 M.„herabgesetzte Zoll" bei gleichbleibender Griindfieiier eine gänzlich ungenügeiide Maßregel sei, greift die Regierung zu den alten brutalen Maßregeln zurück. Sie will den Säbel hauen und die Flinte schießen lassen. Der letzte Ministerrath beschloß, den Kriegsminister und den Minister deS Innern zu ermächtigen, einen Jahrgang der Reserve einzuberufen. Diese Politik wird das ver- lottert« Regime in Italien nicht stärken.—- England und Nufzlaiid kämpfen aufs lebhafteste lim den Einfluß auf die chinesischen Finanzen. Englische Blätter führen eine drohende Sprache, ja es wird vielfach von der Möglichkeit eines Krieges geschrieben. Aber diese Drohungen haben offenbar nur den Zweck, Rußland zu zeigen, wie ernst man in England die Gefährdung des englischen Einfluffes am Pekinger Hofe nimmt. Es läßt sich nicht absehen, welche Lösung die schwebenden Fragen finden werden. Es dürfte bei Gelegenheit dieser Zwistigkeiten zwischen England und Rußland interessant sein, über die Entwickelung des englischen Einflusses auf die chinesische Zollverwaltung einiges mitzutheilen. In einer Korrespondenz an die„Frank- Snrter Zeitung" aus Shanghai niachte Dr. H. Kcuier im ßezeinber 1895 über diesen Gegenstand folgende Aus- führnugen: „Nur in eine» einzigen Berwallnngsjwiig des chinesischen Staates hat bisher europäische Anffassnng und Art elnzubringeii vermocht. Das ist die Pirivallung der Seezölle.... Di« großartig« Eiiirichliiiig des Imxsml Chinese Maitime Custores, wie der Titel lautet, ist ans zufälligen und nnscheiiibaren Ansängen herauSgelvachscii. Ii» englisch-chiuestscbeii Verl rage von Ranking, 1842, waren die«rsten fünf Hafen dein enropälschen Handel eröffnet worden. Europäische Kausleute siedelten sich in den Häfe» a», exportirtcn, iniportirte», und sollten für ihre Maaren auch den chinesischen Behörde» Zoll zahle». ZIber die chinesischen Behörden erwiese» sich nlS unfähig, diese? Geschäft in richtiger Weise z» besorgen. Die Beamte» ließen sich von de» Kailfiente» bestechen, die Kauflenle schnmggelle» den größte» Thcil ihrer Waare», der Staatsschatz ivar der Betrogene. Das war das alte chinesische Sristeni. das. außerhalb der Seezoll-Verwaltnng. auch henie noch in China herrscht. Nach dem Krieg init England und dem Friedensschlüsse von Peking(1360) sollte China KriegSkontribution zahlen. Aber woher nehiiten? Die Engländer benutzie» die gute Gelegenheit, die endgillige Annahme des in Shanghai erprobten europäischen Zolldienstes und dessen AuSdehnnm; auf alle BertragShäfeii nnsznnölhigeil und diesen auch sofort zur Sicherstelinng ihrer KriegSkonlrihulion zu benutzeu. So entstand der Imperial' Maritime Custorns Service. Die europäische» Seezoll-Beainteii waren nun nicht mehr ouSoeUcheue englische Konsularbeamte, sondern, wie der Vertrag ausdrücklich festsetzte, von England völlig unabhängige chinesische Staalsbeanile. Im Anfang waren nicht mir jene«uropäifchen Kansleute init dem Dienst nnznfriede», welche mit BesUchung und Schmuggel zu arbeilen gewohnt waren, sondern auch die Mandarinen, denen durck die europäischen Beamten ein Theil ihres gewohnte», >ve>>» auch nicht gerade reinliche» EinkoinmenS geraubt wurde, aber der Dienst bewährte sich.'Die Zolleimiahmen hoben sich stetig und sind, wie inan weiß, heule die einzige nnbidingle sichere Siaalseinnahme deS Reiches. Der Dienst wurde iinnur erwetiert, t Heils durch die allmälige Verinehrung der Zahl der Verlrngshäfe», theils durch die Ucberlragung»euer Ausgaben— der SeezoNdircklion wurde im Laufe der Zeit die ganze Hafen- Inspektion, das Leuchthauswcseil und die Abwehr von Schinnggelei anvertraut, sie wurde schließlich auf Korea ansgedehnt und hat nebenbei auch etilen eigenen Posten dienst eingerichtet. Sie hat sich überall gleichmäßig beivährt. Ihre Publikalione»(Monals-, Quartals-, Jahrcs- und Deceiinal-Handels- und Schifffahrts- Berichte, tägliche Schifffahrts Notizen und divecse andere) haben einen Grad von Bollkoiniiienheit erreicht, der selbst noch»lancheiii europäische» Lande zum Vorbilde dienen könnte. Die Organisation der Seezollvehörde ist ei» ganz eigenartiges Ding. Sie hat nur den mit enropäische» oder europäisch ge- banten Schiffen geföiderteii Waarenvcrkehr in den Verlragshäfen zu überwachen. DaS ist blos ei» Theil des ganzen chinesischeli ZollivesciiL; alles andere besorgen»ach wie vor die chinesische» Zollbehörden alle» SlilS. Aber auch im Bereich ihrer Kompetenz hat die Thätigkeit der S««zollbchörde eine Schranke, welche chinesische Borsicht, chinesische? Mißtrauen errichtet und trotz aiieiil aufrecht erhalten hat. Die Seezosibehörde hat die Schisse bezw. Maaren zu inspiziren, zu taxiren, die zu be- zahienden Zollbeträge vorzuschreib«»; aber zur Empfangnahme des Geldes ist nicht sie, sonderi» die chinesische Behörde berechtigt. Ucberhanpt ist, was selbstverständlich, die Seezollbehörde als ganzes den obersten Spitzen der chinesische» Beniiite»- Hierarchie »»tsigeordnct. Der oberste Leiter der Seezollbchörde i» jedem Hafen, der Commissioner, fleht dienstlich nnter dem oberste» Leiter der parallelen chinesischen Zollbehörde, das sogenannte Zoll- Taotai, und der Generalinspeklor Sir Robert Hart in Peking, der de» Dienst seit 1863 leitet, steht unter der Zentralrcgicrnng Chiua'S. Die Beamten werden von der chinesischen lliegiernng angestrllt, aber»nr auf Empsehlniig des Generat-Jnspeklors der Ceezollbehörde. So hat sich bisher eines ins andere sehr gut geschickt. Die höheren Posten sind dnrchiveg durch Europäer besetzt, die medriaereii, Schreiberslelien u.«., schon der Billigkeit wegen durch Chinese», die aber dal», europäische» Beainten uniergeordnel sind. Im ganzen werden 763 Europäer und 3S36 Chines«», zu- sainnieii 4349 Man» beschäftigt, gewiß ei» sehr stattliches Be- amttn» und Dienerkorps. Für die Kosten des Dienstes sind etivn 8 Millionen Mark jährlich auSgcworseii. Tie Einnahinen bclragen gegenwärtig 23 bis 24 Millionen Taels(etwa 75- LS Millione» Mark)." »» « TentscheS Reich. Die Beseitigung der KautionSpflicht der Beamten ist m»nmehr,„ach dem Vorgänge Preußeiis, auch für das Reich i» Aiissichl geiiomme». Die Bcgrüiidiiiig des Gesetzeiitwurfes zeigt recht deutlich, wie lange sich längst überlebte Einrichtniigen innerhalb der Bureaukrati» »och halte». Der Beamte setzt für pflichtwidrige Handlunge» sei» Amt und seine Zukunft aufs Spiel, die Kaution ist schon darui» gegen ih» die geringste Schutzivehr. F ü r de» Fiskus ist sie auch von nebensächlichster Bedentung, denn sie wird immer genug sein im Verhältniß zu den von einem»»treuen Beamten gefährdete» Werlhe». Die Verivaltung der vielen tausende von Kaulioneil bereitet sogar eine recht ansehnliche Ausgabe. Die Ziffern, die aus der Postverwallung mitgetheilt werden, sind in dieser Beziehung geradezu überraschend. Am 1. Juli 1897 waren hier 120 171 Beamte kantioiiSpsilchtig mit über 47,8 Millionen Mark. Defekte»inßteii in den letzten zehn Jahre» durchschnittlich mit 13 626 M. aus de» an- gcsainmelte» Kanlioiieii gedeckt iverde»; sonst hielt inan sich, wie das auch in Zukiinft geschehen wird, an das Vermögen und das Gehalt der Beamte». Diesen 13 626 M. Einnahme standen aber gegenüber 154623 M. Verwaltniigsanfwand! Nickt weniger wie 52 Beamtenkräste wäre»„zur Wahruehmniig der Nautionsgeschäftc jährlich erforderlich". „Hiernach kann a»ge»o»»iien werde», daß der auS de»» Verzicht auf die Nautionspflicht zu erwarlende Ausfall, selbst wen» dessen Herab- mi'lidcruiiü durch Inanspruchnahme des sonstigen Vermögens und des der Pfändung»»lerworfenen Diensleinkoinmeiis des Beamten außer bctracht bleibt, allein durch die Ersparniß a» Ber- waltungs kosten mehr als aufgewogen würde. Diese Verhältnisse weisen das Reich auf Uebernahme der Selb st Versicherung gegen den Schaden ans pflichtwidriger Dienstführung seiner Beamten i» gleicher Weise hi», wie es ans Versicherung feiner Gebäude gegen F«uersgefahr verzichtet." Für vermögenslose Beamte ist die Maßnahme nicht ohne Werth; niancher wird dadurch geradezu aus Wucherhändeil befreit. Selbst folche Beamte, die sich ein Ka>ltio»sdarlehel, von Lebensversicherungs- Gesellschaften beschaffen koiilite». mußten außer ihrer Prämie ge- wöhnlich noch 5 pCt. Zinsen für ihr Darlehen zahlen, weiter noch jährlich einel» gewisse» Betrag zur allmäligen Tilgung. Alle Betheiiiglen könileii also mit der Rückgabe der Kautioue» zufrieden sei». Sie soll nach näherer Bestimmung des Reichskanzlers iimerhalb einer zweijährigen Frist erfolgen. — Die Agrarier und der Wahlterinin. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Wir könncii nicht glauben, daß die Regierung einen so un- günstigen Zeitpunkt sür die Reichslagswahlen wählen könnte(als den von uns niitgelheilU»). Es giebt wohl im ganzen Jahr«. kein«»»»»der günstigen Monat als de» Jnii, dessen erste Hälfie gewöhnlich durch die Heuernte, dessen zweite durch die Getreide- ernte beansprucht ivird. Wir halten»ach wie vor die Pause zwischen der Feldbestellung und dem Beginn der Heuernte für die geeignelste Wahlzeit. Das wäre also anfangs Juni. Für keine Parlei ist es übrige»? gleichgiltiger, wann die Wahlen fiatifinden, als sür die Sozialdemokratie.— — Die E a e ch a r i n- A ii t r ä g e, die heute den Reichstag beschäftigen soll-», habe» längst in anderen Länder» ihre Vorläufe-: gesunde». UeVrall ist das Bestreben hervorgetreten, den Süßstoff z»rlickjudräiig-t>, der wohl für die Zunge den Zucker zu ersetzen ver- mag, der jedoch, wie inan behauptet, ohne jeden wirklichen Rühr« werlh ist. Am weiteste» sind die Staaten gegangen, die Saccharin nur sür medizinische Zwecke zulassen. Dazu gehöre» heule schon Frankreich, Jlalien, Nnßland. Italien erließ z. B. 1839 ei» Gesetz, wonach die Einfuhr und die Herstellung vo» Saccharin und saccharin- Halligen Eizengniffen im allgemeinen verboten, sonst nur den Apotheke»»nd- den Großhändlern der Apaihekenbranche gestaltet ist. Aehulich Spaniei, und Portugal seit demselben Jahre. In Rußland ist die Verwendung von Saccharin als Gemistmitk-l untcrsagt. es ist nur gegen Vorweis eines ärztliche» Rezeptes in der Apotheke zu bekommen. Belgien Halle vor 1391 durch einen hohen Eiugniigszoll das Sacchari» aneschließen wollen; der Droguenhaudel vereitelte die Absicht, indem er da? Sacchari» in nicht gauz fertigem Znstande, also ohne den hohen Zoll, eiusührle und dann durch eine Mainpulation im Jnlande den Süßstoff gebrauchsfertig herstellte. 1390 ivurdil» dann auch die verwendeten Vorprodnkle mit dem Zoll belegt. NeuerdiiigS soll infolge feiner starken Preisverininderniig das Saccharin sehr an Absatz gewonnen habe». Da man ihm eine viel größere spezifische Süßkraft zuschreibt, so will der Antrag Paaschs das Kilogramm mit 80 M. Zoll oder Berbrauchsabgabe belasten. während der Zuckerzoll pro Doppel z e n t»« r 40 M. hi« Verbrauchs- steiler 20 M. beträgt. Der Antrag der Abgeordneten v. Plötz»nd Graf Cariner will ebensalls einen Zoll an de» Grenzen und eine Jiilandstener sür die inländische Produklion, verlangt aber, ohne selber Ziffer» vorzuschlagen,»nr ei»»»«»lsprechciidcn Gesetzentwurf seitens der verbündele» Negierunge». — O e l t a l g und Innungen. Mit Margarine speisen nicht nur die Agrarier vielfach ihre Arbeiter ab. sonder» auch die I» n u» g s b ä ck« r, die mit den Agrariern sonst gerne gemeinsame Sache»lache», sind große Koiismnenleil des vielbekäinpflen Juden- Oeilalgs. So veröffentlicht die Berliner Bäckerinnung des Oder- »leisters Bernard soeben den Bericht über die genieinsainen Bezüge der Mitglieder durch die vor ei» paar Jahren begrüi dete Wirlh- schaslsgcuossenschaft. Danach wurden gebraucht m Margarine Natnrbuiter und sonstige Feite 1896.... 2300 Zentner 4500 Zentner 1897.... 2900„ 6450 Was sagt die„Deutsche Tageszeitnng" zu diesen Bnndesbriidern von der Mittelstalidsbewegimg? Welche Freude wird sie letzteren bereiten, wenn erst jeder Bäcker erkenntlich machen muß, ivas mit Margarine zubereitet ist.— — Die N>i ternehm erpresse ist wüthend über die Erfolge imsmr Partei bei de» Debatte» über de» Posadowsky'sche» Erlaß. Der„Hann. Courir" zetert in einem Leitartikel über de» in unsere» Part«)(reifen ausgezeichnet aufgeiiommene» Beschluß des ParteivorstnndeS, dies« Debalteii in einer Masse». auflag« im ganzen Lande zn verbreiten. Die„Post", die sich noch dümmer stellt, als sie leider schon ist, stellt die Bedanptnnc, auf, der Sireikerlaß stehe im Einklang« mit der kaiserliche» Botschaft vvt» 4 Fcbrnar 1390. Besitzt das Blatt nicht ein« Nummer seiner Zeitung von jenem Tage, in der diese Eilasse abgedruckt wurden? Marmu kam Posadoivskh nicht ans diese» veisinchl gescheidte» Gedanke»? Er weiß es wohl!— — Der„Kölnisch«» Bolkszeitiing" ist nnfer Leit- artikel„Wer weiß?" in Nr. 18, der die Stellung des Z«»t>-ninS z»»r Flottengcsetz behandelt, recht alnbequem. Das gleichzeitige Ecscheinen der beide» Broschüre» über das Flotlengcsctz und über die Paritäts« frage sei«in bloßer Zufall, einfach daraus erklärlich, daß es sich um zwei brenimide Fragen handelt. Die Gewährung der Parität als „Tauschobjekt" sür Zustimmung zum Flotlengesetz anziis-he». gehe schon dcsivegen nicht an, weil die Enischeidmig über die Marine- frage sehr bald falle» muß, wählend die Paritätssrage eine Frage von Generationc» ist u. s. w. Tie„Kölnische Bolkszeitung" lehnt also durchaus ab. daß ihrer Partei der Vorwurf gemacht werden dürfe, sie treibe» eine Politik des Feilsche»; mit dein Flotlengesetz. Aber die Bcinühuiigen des ZenlruniSblalleS sind vergebliche. Wir sagen ja ausdrücklich, daß wir nicht ineine», jene beiden Broschüren seien ans einen, einheitliche» bewußte» Plane heivorgegaiige». Ge- wiß. ihr gleichzeitiges erscheinen ist ein Zufall geivese». Aber gerade dieser Zufall ist so sehr iiiieressaiit. Und wenn die„Köln. Volkszeitnng" selbst zugicbt, daß es sich hier um zwei„brennende Fragen" handelt, so wird sie auch weiter zugebe» müsse», daß in jede», Menschen die„brennendeii Fragen", die ih»ia»l»ie>ste»amHcrze»liegen, auch in Beziehung und Znsa»»i>«»ha»g inil einander trelen müssen; ina» kann nicht die eine behandeln, inde»» inan die andere völlig bei feite setzt. Auch die Zciitr>n»si»c, ischcn sind dieser pshchologischen Thalsache»»terlhan. Und der ander« Grund der„VolkSzcitung", daß daS Floite»- gesetz alsbald erledigt werde» muß, die Erriiignug der Parität aber noch lange Känipse kosten iverde, ist noch weil hinfälliger als der erste. Dns Zciitrni» ist znin großen Th'eile deshalb Oppositions- parlei, wie die„Köln. Volksztg" scibst anerkennt, weil es über ungerechte Behandlung seiner Anhänger zu klagen bat. Eines der wichtigsleli Stucke dieser ungerechten Behandlung bildet aber die nicht gleichmäßige Znlassnng der Katholiken uno Zentniinsangevörigen zu Aeinleri» und Würden im Staate. Es ist klar, je nachdem diese» Zeiilrumswüiischen mehr oder weniger lliech- iiniig gelrageu wird, danach wird die Kauipsesslinimnilg der Partei wachse» oder abnehmen. Je mehr die Besitzende» kaiholischen GlanbenS an der Krippe der Slaalspfründe» milesse» dürfen,»in, so„staatserhaltender" werden sie»alnrgeinäß werden, und um so liebenswürdiger sie sich der Politik der Regierung eriveiien. um so eher wird man ihnen Theilnahme an de» Freuden und Ehre» dieser Welt gewähren. Um diese Thatsache kommt die„Kölnische Volkszeitnng' nicht Herl»». Ans diesen Thalsache» erklärt sich das Doppelspiel der Partei, i»'der die wirthschaftlich enlgegeiigesctztesten Elenientc bisber friedlich vereint sind. Die Parität hat in erster Linie und fast ans« schließlich Bedentung für die„oberen Zehnlausend" deS ZentruinS. Die unteren Hunderttausende aber verlangen stramnie Opposition gegen die Regieriingspolilik der Eleuervermehriing, des Miiitaris- nnis lind MariniSnUls, der Entziebung der Volksrechte Beide!» Theilen es recht zu machen, ist die Ausgabe der Zentrninspartei. Das ist aber eine unlösbare Aufgabe, an der die Partei schließlich scheitern muß. So ist schon das Floitengesetz ei» nnr mit den größten Schwierigkeite» zn überwindender Stein des Ansivßcs für die Zentrilnisleiter. Und deshalb klingt auch der Artikel der „Köln. Volksztg." begreislicherweise wieder»»» i» die bange Sorge ans, daß die Geschlossenheit und Einigkeit der Partei auch in der Flotlenfrage erhalte» bleiben möge. Wei», die„Kölii. Volksztg." so spricht, als ob ihr die Eozialdemokrali« im Rheinlande bei den Wahlen keine Roth mache» werde, so weiß jederma»» mir zn genau, daß solche Reden nur dazu sind, um den Anhängern und sich selbst Mnth zuzusprechen.— --Priußischer Ttrafv ollzug. RcichstkgS-Nbgeordneter Dr. L ü t g e n a u. dem im Gefäiignist zu Herkord bekanntlich Selbst- beschäfliguug nicht gestattet und die Vergünstigung des Studiums der polnische» Sprache wieder entzogen wurde, wird mit Bnreauarbeiten beschäftigt und soll dabei pro Tag 4 Pf.(in Buchstaben vier Pfennige) verdienen. So hat einer unserer Parteigenossen, der ihn besuchte, der Bielefelder„Volksmacht" mitgetheilt. Am 13. Febr. wird Lütgenau wieder in Freiheit gesetzt; wir werden dann wohl näheres über die Art und Weise seiner Behandlung und Be. schästigung hören. Soviel dürfte aber schon jetzt feststehen, daß der Vollzug der Strafe Lütgenau's im Gefängniß zu Herford keine solche ist, auf die stolz zu sein die preußische Justizverwallung irgendwie Anlaß hätte. — Drei Landräthe des Wahlkreises Hildesheim wollen die Nationalliberalen im Abgeordnetenhanse feierlich ab- schlachten, und zwar bei der Berathuug des Etats des fröhlichen Herrn v. d. Recke. So verkünde» eben die Blätter und wir werden bald sehen, wie lange der Mnth und die Kampfesstimmung vor- halten. Lehrreich ist es jedenfalls, wie sofort nach dem Rücktritt des Herrn v. Bennigsen der bedrängte hannoversche Liberalismus nun» niebr auch von amtlicher Seite offen angegriffen wird. Diese An- griffe wenden stch schließlich auch gegen die Regiernng, wenigstens gegen die frühereRegierung.welchedieHaiidelsverlräge abschloß. In dem Auf- ruf, welchen die drei Landnitbe Kirchner, v Rheden.Ukert unterzeichneten, wird von„jenen unglückseligen Handelsverträgen" gesprochen,„die cinkeitig auf Kosten der Landwirihschafl die Industrie bevorzugen und noch heute am Marke des Volkes zehren". Der National- liberalismus sei eine Vertretung des Großkapitals und der Groß- indunrie, sein Sieg glecchbedentend mit dem Untergang des Mittel- standes. Wir verstehen die Aufregung der früher von der Regierung so verwöhnten Partei durchaus, obwohl man in Deutschland wichtigeres zu thun hat, wie den heutigen Nationalliberalen zu Hilfe zu komme». Wozu auch das viele Geschrei? Eine Partei, die au allen möglichen Orten mit dem Bund» der Landwirthe gemeinsame Sache »nacht, die iin Königreich Sachse» sogar in aller Form ein offenes Kartell init den verbissensten Agrariern geschloffen hat. eine solche Partei kann doch unmöglich das Vaterland in Gefahr erklären und die Konsuln anrufen wollen, wenn in Hannover der biedere Bnudesgenosse mehr wie je siegt, freilich auf Kosten des Herrn Sattler. Immerhin sehen»vir der angekündigten Aktion im Landtage mit großen» Behagen entgegen, obwohl»vir keinerlei Jivcifel hegen, daß man stch nach den» Schlagen sofort wieder ver- »ragen wird.— Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt offiziös zur Beruhigung der Nalioualliberaleu: In verschiedene» Blättern»vird eS lebhaft getadelt, daß einige Landräthe in der Provinz Hannover einen Aufruf unterzeichnet haben, dessen Inhalt der von der Negierung angebahnten Politik des Ausgleichs der verschiedenen ivinhschaftlichen Interessen und des Zusammenschlnsses der produktive» Stände nicht entspreche. Wir nehme» an, daß die Etaatsregierung ein solches Verhalten nicht für geeignet hält und die erforderliche Korrektur eintreten lassen wird. An derartige Korrelturen kehren sich bekanntlich die Landräthe nicht viel.— — Politische Dressur evangelischer Geistlicher. err v. Gerlach, der ain 20. d. M. zu Gunsten der Kandidatur des farrers Naumann in Wenigenjena sprach, konnte von einem ge- Heimen Erlaß der wcimarischen Kirchenbehörde an die evangelische Geistlichkeit berichten. Di« Kirchenbohörde hat es für g»lt gesunden, schon jetzt in die Wablbeivegung einzugreifen und zivar gegen die national-soziale Partei und gegen Pfarrer Naumann. I» dem Er- laß iverden die Geistlichen davor geivarnt, sich an der Agitation für die National> Sozialen zu belheiligen oder deren Interessen zu förder». — Gegen die Zivilehe»vende» sich»vieder die preußischen Erzbischöfe, so die von Posen und Breslau. Ans den langen Ausführungen heben»vir blos die folgenden Sähe hervor: „Demnach kann die sogenannte„Zivilehe", die in Gegenivart des Zivilstandsbeamten geschloffen ist, vor Gott und der Kirche nicht als„Ehesakrament" gellen, und der Katholik, der sich init der Zivilehe begnügt.»nacht sich einer schivere» Sünde schuldig und kann zu den hl. Sakrainenten der Buße und des Altars nicht zugelassen iverden. Eine giltig geschlossene Ehe kann nicht gelöst iverden, und deshalb ist es keine»»» Ehegatten, so lange der andere Ehetheil lebt, erlaubt, eine neue Ehe einzugehen. selbst iveun er«i» auf Ehescheidung lautendes Urtheil des»velt- liche»» Gerichts erlangt haben sollte;»ver aber dennoch uuter Miß- achtung des göttlichen und kirchliche» Gesetzes dies thäle,»vürde i» eine vor Gott und der Kirche ungiltige Verbindung trete» und sich den Ausschluß von de» hl. Sakramei»te» zuziehen. — Weiin arischer Landtag. Der Voranschlag der Etats- Periode für die Jahre 1399, 1900 und 1801 gleicht sich niit 19 393 991 Mark in EMnahme»� und Ausgaben aus; als DurchgaiigSposten sind 3 Millionen Matrikularbeiträge, denen die gleiche Summe von Herauszahlungen ans der R e i ch s k a s s e gegenübersteht, eingestellt. Bei der ersten Lesung des Etats betonte unser Genosse Baudert, daß ein großer Theil des Volkes nicht nur unter dein»virthschafllicheu Druck schwer zu leiden habe, sondern dies in Beschränkung der per- sönlichen Freiheit, des VersamnilungsrechteS, ganz besonders im Nenslädter Kreise sehr oft der Fall sei. Die geübte scharfe Kritik veranlaßle den Abg. Stichling, Bezirksdirektor i» Neustadt, sich als den Urheber der betreffende» Verbote zu bezeichnen; derselbe betonte, daß er dem Abgeordnete» Baudert nnch ferner alle Versaminlungen im Nenstäbter Kreise untersagen»verde, da derselbe ei» gewerbsmäßiger sozialdcinokratischer Agitator sei. Die »vcitere Begründung»var so fade, daß es unseren» Genossen Baudert sehr leicht»vurde, die Regierung, an der Hand dieser Altsführung auf die nothivendige gesetzliche Regelung des Versaminlungsivesens hinzulveisei», daniit nicht,»vie man soeben gehört, ein einzelner Be- aniter»ach Willkür und persönlichen» Haß, derartige»veitgehende Befngniffe habe.— AuS Baden, 24. Januar.(Eig. Ber) Bei der PetitionS- kommission der ziveiten Kaininer ist von einige» badischeu Orts- gruppen der„ D e»> t s ch e n F r i e d e» s g e s e l l s ch a f t" eine Petition eingegangen,»velche eine Reform des Volksschul- Unterrichts i n B a d e n anstrebt. In dem Schreiben»vird die Kanuner ersucht, dahin bei der Regierung zu»virken: „1. Daß in dem Unterricht an den Volks- und Mittelschulen alles chauvinistische Beiiverk beseitigt, 2. die Geschichte der Kriege nicr in ihren allgemeinen Umrissen, 3. dagegen die Kulturgeschichte der Völker in verstärkte»» Maße gepflegt, 4. daß»lainentlich auch die Geschichts- ui»d Lesebücher einer sorgsältige» Sichiung und Prüfuilg des Stoffes in diesem Sinne unterzogen»verde». Die Konunissto» stellte sich in ihrer Mehrheit der Petition sympathisch gegenüber. Es schei»»t doch, daß jetzt, nachdem die nationalliberale Kammer- niehrheit gebrochen ist, Aussichten auf Einführung des direkten Eliiunirechts für die Landtagsivahle» vorhanden sind, obivohl z»vej Drittel der Kaininer zu ei>»er diesbezüglichen Versassu»gsä»dertt»»g nothivendig sind. In der Versassungskonimisston wlird« mit 9 gegen k Stimnien ein Antrag auf Einführung des direkten Wahlrechtes ohne Kaulelen angenommen. Eiustiinmig»vurde der in zioeiler Linie kommende Antrag auf Einführung des Proportional-Wahl- systems, soivi« ei» Antrag auf 4jährige Jntegralerneiierung der Kammer anstatt der jetzigen Ljäbrige» hälftigen Erneuerung an- genouimen. Der Antrag auf Fixirung der Wahltage auf Sonntag oder gesetzlich« Feierlage wurde abgelehnt. Di« demokratische Partei brachte in, Landtag eine» Antrag zur Durchsicht der Städle-Orvnniig ein, der u. a. bezweckt, daß die Stadträthe von den nach dein jDreiklassen-Wahlsyste>n gewählte»� Stadtverordneten ebenfalls von den drei Klassen gruppeniveise ge- »väblt»verde»». Eine etivas überschießende Ziffer soll den unteren Klaffen zugetheilt»verde». Der Antrag ist natürlich nur als ein schivaches Ausgleichsmittel gegen die Wirkungen des ZensnssystemS a»z>, sehen, nach»velchem in Baden die Gemeindewahle» statlsinden. — Flottenagitation in Süddeutschland. Auch dein„Badener Tageblatt" in Baden-Baden lag das Hülle'sche Mach- »verk init de» beiden Nixen„Unsere Flotte" bei. Wer zahlt die Kosten für diese kolossale Agitation?— — Chronik der Majestäts b eleid i g un g S- Pro z esse. Wegen Majestätsbeleidigung erlitt gestern der Arbeiter Johann S e n g p i e l vor der ersten Strafkammer am Landgericht II eine strenge Bestrafung. Der Angeklagte ist wegen Vagabondirens und Laudstreichens schon sehr oft, aber auch schon ziveimal»vegen Majeftätsbeleidigungen vorbestraft, die er ausstößt, ivenn es ihm um ein schützendes Obdach zu thun ist. An» 31. Dezember, dem Sylvesterabend, machte er vor dem Anitsgebäude in Nixdorf mächtigen Skandal. Ein Gendarm rielh ihm, fortzugehen, da er sonst leicht arretirt werde» könne, der An- geklagte erividerte jedoch, daß er gerade deshalb skandalire,»in ins Gefängniß zu kommen. Der Gendarm wollte ihn, den Gefallen nicht thun, der Angeklagte erklärte aber, er»verde seine Verhaftung erzivingen und stieß nun eine Majestätsbeleidigung aus. Dainit er- reichte er natürlich feinen Z>veck, er hat bis heute in Untersuchungs- Haft gesessen, doch hat sich seine Hoffnung nicht erfüllt, zuin Sommer »vieder heraiisznkomme», denn er wurde zu neun Monaten Gefä»gniß verurtheilt. Oesterreich. Wien, 24. Januar. Die„Neue Freie Preffe" meldet aus Prag: Eine Schaar Arbeitsloser beabsichtigte heute, nach der Kleinseite zum Landtagsgebäude zu ziehe», wurde aber vor der Karlsbrück« von der Polizei auseinander getrieben. Schweiz. Bern, 25. Januar. Di« schweizerischen Zolleinnahinen betrugen i»n Jahre 1897 47 898 909 Frcs., das ist gegen das Vorjahr 18 237 775 Frcs. mehr.— Berit, 24. Januar.(Eig. Ber.) Die allivcil rührige Berner A r b e i t e r u n i o» bat in ei»ier Versammlung eine Resolution an- genonunen für sofortige Jiiangriffnahme der Initiative, be- »reffend Wahl des B i» i» desratheS dllrch das Volk. Mit allen volksfreiliidliche» Parteien soll eine möglichst rasche Ver- ständigung über genieinsames Vorgehen angebahnt und herbeigeführt »verde»». Der Beschluß der Berner Arbeiternnion»veicht zivar etivas ab von der'Schablone der bedächtigen Taktik, allein eine Ueber- stürziing ist er trotzdem nicht, da diese Frage seit Jahren die sozial- demokratische und demokratische Partei beschäftigt. Zudem»st hier- für die gegenivärtige Situation sehr günstig. Die Haltung des Bundesrathcs Müller im Nationalrath gegen die eidgenössischen Stnatsardeiter, die bureaukralische Dnrchführuug des Besoldungs- g-setzes, die Aussicht aus Annahine der Eisciihahi». Verstaatlichung in der Volksabstimninng,»vodurch den» Bundesrath eine neue große Machtsülle znsällt, laffen hoffen, daß ohne Schivicrigkeilen die erste» 59 099 Unlerschrislen aufgeb»acht und auch in der Volksabstimmung Erfolg erzielt»verde.— Frankreich. — Da? militärische Panama. Zola und der Direktor der„Anrore" überreichten den» Staatsanwalt eine Liste der vo» ihnen zur Erbringung des Wahrheilsbeiveises vorgeschlagene» eugen. Die Zahl derselbe» beträgt 194. Es besindeu sich darunter asimir Perier, die frühere» Minister Dnpny, Gnerin, Develle, Ribol und Darlan. die Generäle Mercier, Boisdeffre, Ganse»nd Pellieux, die Obersten du Paty de Clan», Picquart und Henry, die Majors Esterhazy und Forzinetli, Frau DreysuS und Frau Boulancy, soivie zahlreiche Sachverständige, Gelehrte»nd Schrift- steller, endlich Mitglieder der russischen, deulsche», österreichisch- ungarischen und englischen Bolschaft. Einzelne Blätter heben die außerordentliche Bedeutung hervor, welche der Erklärung des Staatssekretärs von Büloiv in der Dreyfus-Sache gerade in» gegenwärtigen Augenblicke zuzuschreiben ist. Aus Algier»vird vom Montag Nacht depeschirt: Gegen 11 Uhr naclits herrscht völlige R»he. Alle Straßen sind leer, iverden aber vo» Militär beivacht. Die Blätter eröffnen eine Snbskriplion zu gunsten der Familie des Mannes, der bei de» Unruhe» an» So»»- tag gelödlet»vurde. Tie Zahl der Verhaftete» beträgt 399. Himdert Personen»verde»» Morgen abgeurtheilt»verde». Bei Unruhen in Voniuan»vurde ein Jude verivnndet.— Paris, LS. Januar. Im Ministerrathe iin Elysäo sprach der Minister des Sieußern Hanotaux über die Frage der Kandidatur des Prinzen Georg von Griechenland für den Posten des Gonvernelirs von Kreta und»»achte Mittheiluiigen über die Einrichtung der Finanzkontrolle i» Griechenland.— PariS, 23. Januar. Deputtrtenkammer. Castelin brachte einen Antrag ei», nach»velchem die Z u ck e r- A» S f u h r- P r ä m i e» von dein Tage an anch»» Frankreich aufgehoben»verde» sollen, »velchen die iiitcrnntionale Konferenz für die Beseitigung der Prämien sür die übrigen Zucker erzengendei» Länder festsetzen »verde.— Belgien. Brüssel, 25. Januar. Der sozialistische Depntirte Demblon, »velcher in der letzte» Sitzung der Repräseiitaiileiiknlniiier an?- geschloffen»vurde, beirat, von einer Gruppe von Sozialisten»»»- geben, nachmittags 2 Uhr die große Borh.'ll« des Parlaments- ?ebändes. Eine Zlbtheilnng Soldaten beivachte den Eingang. Der o»ii»ai»dire»de Ossizier trat ans die Grnppe z» und verbot Demblon a»f Befehl des Kammelpräsideiilen, de» Sitzuugs- saal zu betrete». Deinblon fügte sich dein Beseht, indem er rief: „Es lebe die Armee! Es lebe die Republik!" Mehrere sozialistische Depntirte erhoben indessen Einspruch dagegen. Die Menscheiiineiige,»velche sich inzivische» vor der Kaiiiincr angesammelt balle, drängle vorwärts und es entstand ein furchtbares Handgemenge. Die Soldaten»»achleu sich zum Eingreifen bereit. Zivischen Sozialisten und Anlisozialiste»»vnrdc» Schläge und Püffe ans- gelauscht und es kam zn unbeschreiblichen Szenen. Eine in der Nähe auf Posten befindliche Ablheiluug!tarabi»iers und eine Brigade Polizei-Agenteu eilten herbei,»»»» mit beivaffiicter Hand einznschreiiei». Schließlich»vurde die Linhe»viederhergesiellt; eine Person»vurde verhaftet. D>'e E i tz« n g der D e p u t i r t e n k a m m e r war sehr er- regt. Der Minister für öffentliche Arbeiten d e B r n y n gab Er« klärungen ab über die vorlänsige Unlersuckinng deS Unglücksfalles, der sich vor kurze»» in einer Kohlengrube in Wasmes ereignet hat»»»d ruft dadurch große Erregung bei de» Sozialisten hervor. Der Minister erklärt, die Unlersilch»i»g»verde vollkommen unparteiisch geführt»verde». Der Sozialist Desuisseaux spricht über die Vorfälle,»velche sich bei Eiöffnnng der Sitzung zugetragen habe»; er sagt, die Depniirten seien von de» Trnppen vergeivaltigl»vorden und fordert, daß eine Untersuchung angestellt»verde, um fesiziistellen, von»vem die Truppe» ihre Befehle erhalten bälce». Es bricht ein unbeschreiblicher Tumult aus. Mehreren sozialistischen Depulirte» »verde», Ordiuiiigsrufe erlheilt. Desuisseaux greift den Präsidenten lebhaft an,»vobei von neuem Tumult losbricht. Der Depntirte Woeste rechtfertigt das Berhalleu des Präsidenten.— Eugland. — StaatSunter st ü tz>, nge u für die englischen Z u ck e r p f l a n z n ii g e i» W e st i» d i e„ s. Wie der„Int. Korr." ans London gemelde» wird, steht die seitens der englischei» Re- giernng angekündigte Nothstandsvorlage für die»vestindischen Zucker- plautagen-Besitzer die Gewährung vo» Aiisflihrprämie», in Höhe vo»(jährlich) 15 Millionen Mark vor. Diese Summe,»velche de», bisher vo» Oesterreich-Ungarn gezahlten Prämieusatze gleichkommt, oll so lange gezahlt iverden, bis die ellropäischen Staaten die ZuckerprSimen abschaffen, jedoch sind nur englische Staatsangehörige berechtigt, Prämien zn beanspruchen.— «fi-tt. Bombay. 24, Januar. An der Pest sind beute hier 129 Per. sotten erkrankt und 131 gestorben. Am gleichen Tage deS Vorjahres betrug die Zahl der Erkrankungen 82 und der Todesfälle 55. den Spitälern liegen gegemvärtig insgesammt 717 Pestkranke.— — Ueber die Mission sthätigkeit unter dem Schutze der Bajonnette urtheilt ei» anonymer Mitarbeiter in der letzten Nummer der„Ethischen Kultur" folgendermaßen: .Christenthum unter dem Schutze von Kanone» verbreiten wolle», bedeutet einen Rückfall in die Willanschauung der Konquistadoren (die blutdürstigen Spanier, die Mexiko und Peru eroberten), welch- längst überivunden schien. Eine» Missionar, der auSzog, um mit Einsetzung feiner Gesundheit und seines Lebens daS zu verkünden, was ihin heilig ist, konnte man gelten lassen, aber ein Missionar, der unter militärischer Bedeckung sein Bekehrungswerk lniterniuimt. wird»u einer höchst bedenklichen Erscheinung,»veil Machtmittel bei Bekehrungen leicht mißbraucht werde». Uebrigens wird der militärische Schutz zum Schade», der Misston selbst ausschlagen müssen, weil kein Chinese mehr so naiv sein»vird anzunehmen. daß der Missionar auf den Schutz deS Himmels vertraut, wenn er es sür nölhig findet, im Schalten von Marine- Jnfanierie und unter den Mündungen vo» Echiffskauonen das Evangelium zu verkünden. Die Frage ist schon anfgeworfen worden, wie sich wohl eine deutsche Regierung zu chinesischen Missionare» stellen»vürde, die in Deutschland das Evangelium des?ü(Buddha) oder des KonfuciuZ»er- künden sollten. Wahrscheinlich»vürde», sie als lästige Ausländer aus- geivtese»»verde», uiid das ist eine weitere bedenkliche Seile des Missions- »vesens, daß kriegerische Ueberlegenheit allein auch dazu berechligen soll, einem schivächeren Volke ohne»veiteres die Weltanschaunng des Stärkeren aufzudrängen. Der Knlturfortschritt der Menschheit er- scheint in Frage gestellt, ivenn durch Flinten und Bajonette über den Sieg von Weltanschauungen bestimmt»vird." Als charakteristisch sei hier noch ans einem Artikel von Dr. Karl v. Scherzer(„Neue FreiePresse" von» 19. November 1897) folgende Stelle erwähnt:„Das Verhäliniß Chinas zu den handellreibende» Nationen Europas»vürde stch längst politisch freundlicher und»virthschafllich vorlhcilhaster gestaltet haben,»venu diese auf die Förderung ihrer komiiierziellei» Beziehnngcn sich beschränkt und den Eingeborenen es überlassen hätten, nach ihrer eigenen Faso» selig zu werden. Bezeichnend für die Slimnunig, die sich u» China, ilanientlich in»euerer Zeit, gegen die verschiedene» dort thätigen Missious- Gesellschaften knndgiebt, ist eine Denkschrift, welche kürzlich ein unziveiselhaft hochgebildeler Chinese über das völlige Mißlingen des europäischen Misstousiverkes in China und dessen nach- lheiligen Einfluß auf die Beziehnngeu zu de» fremde» Nationen in Saughai i» englischer Sprache unter den Titel„Dokonsio populi ad populos"(Eine an die Völker gerichtete Verlheidigung des Volkes) veröffentlicht hat, und»vorin derselbe die Zurückziehung der katholi-. scheu und protestantischen Missionäre ans dem chinesischen Reich im Interesse derEingeborencn ivie derFreniden energisch verlangt.Daßdieser Deiikschrift, die als Motto den Spruch des Consucius:„Menschen können »vohl eine Religion groß machen, aber eine Religion kann keine Menschen groß»lache»»" au der Slirue trägt, anch in England eine gewisse Bedeiitiing beigemessen»vird. geht»vohl am dcntlichsten aiis dein Umstände hervor, daß die Londoner„Times" dieselbe wörtlich ab- druckte» und ein„rswarlcabls document" nauiitei»,»venu schon sie begreiflicheriveise von ihre»» Standpunkte aus nicht unterlaffe» konnte, das höchst beachlensiverlhe Schriftstück zu glossiren." Afrika. — Die«nglifch-französifchen Streitigkeiten in» Nigerbogen gehe»,»vie der„TempS" berichtet, ihrer dem- tttichstine»» gütlichen Schlichiung entgegen. Der Stein des Anstoßes bestand in oeiii Zlufvruch Frankreichs auf Erwerb eines Flußhasen- Platzes am mittleren Slropilanf, de» England nicht als berechtigt aiierkeniien»vollte, sonbern älleve Rechte geltend zu machen versuchle. Da aber Frankreich mit Berstärki-"g seiner örtlichen Streitkräfte daranf autivortete, so scheint jetzt En'gland stch mit der dauernde»» Festsetzung der Franzosen im Mittellauf des Niger abfinden zu »vollen.— Slnierlka. Washington, 24. Januar. Das Kriegsschiff„Maine" bat Be- fehl nach Havana erhalten. Eine lange halbamtliche Erklärung ist veröffenllicht»vorde», in»velcher zu verstehe» gegeben wird, daß dieser Maßnahme keine feindselige» illbsichieii zu gründe liege»; eS »verde damit vielmehr der frühere Seeverkehr»vieder anfgenonimeii, »velcher vor dein Ausstände auf Kuba bestand, zn»velcher Zeit ameri- kaniselie Kriegsschiffe ohne Beschränkung Havana anliefen. Merkivürdig ist jedenfalls, daß an de»» Kuba an» nächsten liegen« den Hasen der Vereinigten Staaten 12 Kriegsschiffe liegen. Z�Ävkei-Msnszvirlzten. 3», der Berichtigung des Herr», Böckler. betreffend de» Bericht über die a»l»seniilische BersaMMliing in Neppen(stehe Nr. 15 des„VorivärlS" von» l9. Januar), erklärt Uni nachträglich der Einseilder jeiies Berichts, daß er seine Angabe» über die Aeußcriliigei» deS Herrn Böckler dein Sinne und Inhalte nach in volle»» Uuifauge aufrecht erhalre. Herr Böckler klammere sich nur an die W o r l st e l l u ,» g des Berichts, die, wie für jeden Leser ersichtlich, humoristisch gefaßt war. I» die Redaktion de»„Offcnbacher Abendblatts" tritt an, l. Februar der Parteigenosse Richard W i l t r i f ch«in. Derselbe ist längere Zeit an der„Sächsische» Arbeiler-Zeitung" thälig gewesen. AuS England. DaS angekündigte neue sozialistische Arbeiter« blatt in k y in r» s ch e r und englischer Sprache,„L l a i s L l a f»> r — Labour Boice"(Arbeiierstimme), ist,»vie das„Hamb. Echo" mitiheilt, in Ustalyfera in Wales am 22. Januar tum ersten Mal erschiene». Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Da? Landgericht in Kiel hatte an» 6. Juli v. I. dem ver- anlivortlichen Redakteur der„Schles»vig-Holslei»schen Bolkszeilung". Alexander Lütgens, in einem Prozeß wegen angeblicher Beleivigmig des stiegiernngspräsidenlen in Schlesivig den Schutz des Z 193 zugebilligt und ihn freigesprochen. Es handelte sich um eine Noliz, worin die Verbote von Vergiiügniigen des Arbeiterlmndes in Elmshorn besprochen»vorbei» ivare». Der Siaalsaiiivalt erzielte beim Reichsgericht die Aufdebling des ireifprechende» Urlheils,»veshalb sich das Landgericht in Kiel am Sonnabend abermals mit dieser Sache zn befassen hatte. Die Verhandlmig»vnrde ausgesetzt,»in die Elmshörner Polizeibehörde zn ersuche», daß sie dem von der Vertheidi�uiig geladenen Zeuge» Polizeikommiffar Steinhanf die Genehmigung zur Aussage erlheile. Ebenso gab das Gericht dem Aulrage der Vertheidiginig statt, die de» Arbeiterbiuid belreffenden Elmshörner Polizei-Alte» zu verlesen. Die Vertheidig>»ng halte noch verlangt, daß der Regierungspräsident und der frühere Elmshörner Bürgermeister Thomsen vernommen werden sollte»; der Ober» Präsident v. Koller in Beziehung ans de» Regier»ingspräsideiiten und dieser in Beziehinig ans den Bürgermeister Thomsen haben aber die Genehmigung veriveigert. — Redakteur Theiß vo» der„Nheinisch-WestfSlischen A r b e i t e r< Z e i t u» g" i» Dortmund hat am Sonnabend die zehntägige Gesängnibstrase angetreten, die ihm wegen Beleidigung des Gendarmen Münler auferlegt ist. — Der Parleigenofse Kolb aus Karlsruhe selllle in Frank, furt a. M. in einer öffentliche» Malervcrsammlung zn»» Klassen» haß ailfgereizt haben. Das Landgericht kam aber auf grund der Beiveisaufnnhine zu der Ueberzengung, daß in» Gegentheil die Rede Kolb's die Absicht der Aufreizung ausgeschlossen hat»nid erkannte auf kostenlose Freisprechung. — In der gestrigen Notiz über die Burgstädter.BolkS« stimme" ist eine Datumsangabe»invollstäiidig.. Die betreffende Stelle hat zu lauten:„In dein Zeitraum von Juli 1395 bis 24. Jaiiuar 1893 dagegen war ununlerbrochen ein Redakteur der „Volksstimme" im Gefängniß"»c. — Der M.igisttnt Nürnbergs bat auf die Veröffentlichung deS UrtheUS verzichtet, das in dein Beleidigungsprozeß ergangen ist. de» er gegen unseren über 70 Jahre alten Parteigenossen Löwen- stein angestrengt hatte und der dessen Verurtheilung zu L'/e Monaten Gefängniß herbeiführte. — Ans Lemberg in Galizien wird telegraphirt: Eine Sozurlistenversannulung in P r z e m y S l wurde polizeilich aufgelöst. Da die Theilnehmer, ca. 300 Mann, die Polizei angriffe», wurden sie fammtlich verhaftet und über Nacht in Polizsigewahrfam ge- hallen.— Falls diese Meldung richtig ist, kann es sich nur um ernen neuen Akl der durch ihren Hanptvertreter Badeni aller Welt bekannt gewordenen polnischen Schlachzizen-Gewaltherrschaft Handel», den stch die sozialistischen Arbeiter jener galizischen Stadt nicht ge- fallen lassen wollten. M>Ähll»vmegnttg. In»»serer gestrigen Notiz, die Ausstellung der sozial- demokratischen Neichstags- 5la»didaturen betreffend, haben sich einige Jrrthümer und Druckfehler eingeschlichen. Kandidat für Löban. nicht Löbtau. ist Genosse P o st e l t. nicht Bostel, wie es in der Notiz heißt. I» Döbel»- Waldheim kandidirt »nfcrerfcitS Genosse Grüneberg in Hartha und nicht Grüne- banm-Harthe. Der Abgeordnete Auer ist in Glanchan.Meerane gewählt und ist er dort für die nächste Wahl auch wieder aufgestellt. Auerbach, wo nach der Notiz An« aufgestellt sein soll, gehört zum Wahlkreis Sieichenbach-Falkenstei», wo Genosse Hofmann gewählt ist und auch für die nächste Wahl wieder kandidirt. Genosse G e r i s ch ist nicht in Planen-Glauchau, sondern in Plauen- Pausa gewählt und wieder aufgestellt. DaS amtliche Resultat der am 20. d. M. stattgehabten Reichstagswahl im S. Pfälzer Wahlkreis(Homburg- Knsel) ergiebt folgendes: Es wurden 14 733 Stimme» abgegeben. Davon erhielten Landwirth Schmitt- Reichenbach(Bauernbund. uationalliberal) 3067. Landwirth Lücke(Banernbund) 3647. Dr. Jäger(Z.) 3572, Ehrhart(Soziald.) 330 Stimmen. 8 Stimmen waren zersplittert. Die Stichwahl soll am 29. Januar staltfinde». Die Zentruinspresse deutet an, daß ihre Parlei-Anhänger den bünMenfchen Kandidaten in der Stichwal)! unterstützen werden, um in die nationalliberale Pfalz Bresche zu schlagen. In Saarbrücken stellte eine Wählerversaininlung Herrn Neff als Knndidale» der nationalen Bürgerpartei auf. Laudgerichls- rath Kiilemanii hat die»ational-sozialc Kandidatur für diesen Wahl- kreis abgelehnt. Die Freisinnige Volkspartei hat im Oldenburger Wahl- kreis Oberamtsrichter Bargmai»» als Kandidaten nominirt. Die Konservativen des Wahlkreises Oels-Groß-Warten- berg stellen Herrn v. Kardorff wieder als ReichstagS-Kan- didaten auf. Die nationalliberalen Vertrauensmänner des KrcifeS Kreuz- Ji a ch haben beschlossen, de» bisherigen Vertreter des Kreises v. Cuuy wieder aufzustellen. Im Wahlkreis M i» d e»- L ü b b e ck e hat eine Vcrsammlung von Vertraue» snstinuer» des Bundes der Landwirthe beschlossen, an stelle des bisherigen Zlbg. Grafen Ii von den Kreisvorsitzenden des Wundes der Landivirthe, Gutsbesitzer Stille- Renkhause», als Kau- didaten für den Reichstag aufzustelle». Für de» Wahlkreis F r a n k f u r t- S t e r n b e r g hat der konservative Hanptverein für West- und Ost-Sternberg an stelle des bisherigen Abg. Bohtz, der die Wiederannahme des Mandats ablehnte, Herrn v. Waldoiv-Reitzenstein zu Königswalde aufgestellt. Für den Wahlkreis Thorn- K u l m- B r i e s e n wird Obergerichtsdirektor Graßmann-Thoru als gemeinsamer Kartell- kandidat genannt. In der O st p r i g n i h stellen die K»>ss«Wattveii den bis- pengen Abgeordneten von Dallwitz wieder. Tie Deutsch-soziale» sollen»nt der Kandidatur einverffänden sein. GvtUövkMttfkltrsxes. ..- Berlin und llmgebung. .»,om Borstand des Bcrbaudcs Berliner Schuhfabriken geht uns die Abschrift eines Schreibens zu, welches genannter Ber- band an die A g i t a t i o n s k o m m i s s i o n der Schuhmacher gerichtet hat. Die Einsender ersuchenluns, das Schriftstück zum Ab- druck zu bringen; wir kommen dem nach. ,»» auch die gegnerische Seite zum Wort kommen zu lasse». Das Schreibe,, lautet: „Nachdem der unterzeichnete Verband auf Ihre Eingabe vom 27. Dezember v. I. mit Ihrer Kommissto» in zweimaliger Ver- Handlung die neue Arbeitsordnung einer Revision unterzöge» und über den endgiltigen Wortlaut eine Einigung erzielt hat. können wir nur bedauern, daß in den öffentlichen Versa,»mlnuge», trotzdem diese � revidirte Arbeitsordnung in 13 Fabriken angeuouime» und unter- schriebe» worden ist, die Einigung zurückgewiesen und i» der gester» übcrreichle» Zuschrift neue Forderungen erhoben worden sind, die zu bewilligen oder auch nur in Ergänzung zu ziehen unserem Ver- bände ganz unmöglich ist, da sie das von uns unbedingt festgehaltene Hausrccht verletzen unb in eine», Punkte sogar gegen Gesetz und Moral verstoße». Die neue revidirte Arbeitsordnung ist im ganzen milder abgefaßt, als die meiste» der bisher bestandenen und sind manche rigorose Bestimmungen der letzteren nicht anfgenoinmen worden. Unser Verband ist überzeugt, dadurch keine Veranlassung zu einer Arbeitseinstellung gegebe», noch viel weniger durch schroffes Aus- treten provozirt zu haben und um dieses nochmals zu beweise», er- klärt sich der Verband bereit,«ine schiedsgerichtliche Entscheidung des Gewerbegerichts anzunehmen, dagegen weitere direkte VerHand- lungen, deren Abmachungen der Genehniigung von öffentliche» Ver- sammluiigen unterliegen, als zwecklos betrachtet. Der Vorstand: S ch l i z w e g. F ü r st e» h e i»,. Z o» d e r v a n. Achtiiua, Zimmerer Berlins. An, Sonntag, den 23 Januar, beschäftigte sich eine stark besuchte Generalversaniiiilnng des Ver- baudes der Zimmerer Deutschlands der Zahlstellen Berlin, Char- lotlenbnrg, Nixdorf, Friedrichsberg, Pankow und Groß- Lichterfelde mit der Frage, ob es rathsa», erscheint, unter de» gegenwärtigen Umständen einen Unterstützungssonds von feiten des Verbandes z» errichte». Die Frage wurde einstinmiig mit Ja beantwortet und folgende Beschlüsse gefaßt: l. Vom 1. Februar ab wird ein selbständiger Unterstühungs- fonds für die Zahlstellen Berlin und der Umgegend, unabhängig vo» der Oeffentlichkeit, eingeführt. 2. Die Höhe der Beiträge zu demselben beträgt 20 Pf. pro Woche. 3. Vom 24. Januar ab wird ein öffentliches Bureau ein- gerichtet, und haben die Verbandsmitglieder alle Angelegenheiten, betreffend die Loh»- und Arbeitsverhältnisse sowie Disferenze» mit dem Arbeitgeber dort zu melde». Indem wir diese Beschlüsse zur allgemeine» Kenntniß der Zimnierer Berlins und Umgegend bringe», erwarte» wir, besonders vo» den VerbandSmilgliedern, daß thatkräftig für die Beschlüsse eingetrelc» und sie allgemein zur Geltung gebracht werde». Das Bureau befindet sich S tralauerstr. 43. Telephon Amt V Nr. 3785. Alle An- fragen und schriftlichen Mittheilnngen sind dorthin zu richten. I» der Metallindustrie, so schreibt man uns, wird die all- jährlich im Monat Januar eintretende Stockung auch in diese», Jahre wieder von den Unternehmer» dazu benutzt, Lohnabzüge und Verlängerung der Arbeitszeit vorzunehmen. So dachte Herr Lehmann, Manteuffelstraße, an, 28. Dezember seine» Former» und Gießerei-Arbeitern dadurch eine nachträgliche Weihnachtsfrende zu bereiten, daß er für jeden Kaste», für de» es 30, 25 und 15 Pf. als Arbeitslohn gab, 5 Pf. abzog. Da ein solcher Abzug im vorigen Jahre schon einmal vorgekoinme», hörte» sämmtliche dort be- fchäfligte» Arbeiter auf. Die Firma H irs ch h o r>, theilte ihre» Ar- tbeiter»»ach Neujahr mit, daß auf eine ganze Anzahl Artikel Reduktionen der Preise von 5 bis 25 pCt. eintrete» würden. Die Firma Schäfer u. Co., Dresdcnerstraße 07, gab ihren Arbeitern a», 15. Januar durch Anschlag bekannt, daß vom 24. Januar ab statt täglich 9 Sluiide» wieder 9>/z Stunden gearbeitet werde. Der Lohn bleibt derselbe.„Wer damit nicht einverstanden sei, heißt eS in dem Anschlag, solle dieS seinem Meister mittheilen, er könne dann seine Entlassung erhalten." Die Firma Krüger, Prinzenstraße 21. hat vom 24. Januar an die zehnstündige Arbeitszeit wieder eingesührt. Die Firma Luckhardt theilte ihre» Schleifern mit, daß sie gezwungen fei, auf einige Artikel 20 pCt. abziehen zu müssen. Solche und ähnliche Fälle waren in diesem Monat noch i» großer Zahl vorhanden. Wir wollen uns heute nur auf diese wenigen beschränken. Da jetzt aber durch die Veröffentlichuiig des Streikerlasses des Grafen Posadowsky im „Vorwärts" viel vom„Terrorismus der Arbeiter" die Rede ist, ivollen wir auch einige Beispiele von Terrorismns anführen. Durch de» Streik der Former wurden bei der Firma Ludwig Löwe eine Anzahl Hilfsarbeiter beschäftigungslos. Vom Betriebsleiter wurde seinerzeit diesen Arbeitern versprochen, nach Beendigung des Streiks wieder eingestellt zu werden; das Versprechen wurde nicht gehalten. Die Arbeiter wollten sich anderweitig Beschäftigung suchen, erhielte» aber— trotz des Versprechens der Unternehmer vor dem Gewerbegericht— auf dein Arbeitsnachweis der Metall- Industriellen keinen Schein ausgestellt. Dadurch war es drei Arbeitern bis auf den heutigen Tag unmöglich Arbeit zu er- halten. Also durch den Terrorismus des Unternehmers sind drei Arbeiter 20 Wochen brotlos, ohne die geringste Aussicht, in ihrem Berus überhaupt noch Arbeit zu erhalten. Einer ganzen Anzahl Former, die vo» Treptow nach Berlin gekommen waren und Arbeit suchen wollte», wurde der Schein verweigert. Anderen, die in Neu- Strelitz oder auch in anderen Städten Arbeit erhalten hatten, wurde die Entlassung zu theil, als die Unternehmer ihre Arbeitsstelle er- fuhren. Es würde vielleicht viel nöthiger sein, der Herr Graf Posadowsky würde hierüber„Erhebungen" veranstalte», mit Material könnte ihm in reichem Maße aufgewartet werden. Holzarbcitcr-Berband. DieBranchenversammlung der Perl- mutter- Arbeiter vom 19. d. M. beschäftigte sich mit der Frage der Einführung des 52stündigen Arbeitstages; zu irgend- welchen Beschlüssen kam es nicht. Gegen das Hallen eigenen Werk- zengs, das dein Arbeiter bis zu 50 Mark pro Jahr zu stehen konnnt, soll vorgegangen werden. Auch wurde angeregt, die Arbeitgeber zu veranlassen, den Arbeitsnachweis der Holzarbeiter zu benutze». So- dann wurden verschiedene Mißstände der Firma Crozinsky u. Eisenack besprochen. Deutsches Reich. I» der Goldleisten-Fabrik vo» Baake in Brandenburg ist es wegen Maßregelung zweier Arbeiter zu einem Ausstand ge- komme». Zuzug ist fernzuhalten. Der christlich-soziale Textilarbeiter-Berband für Aachen, Burtscheid und Umgegend hielt am 23. d. M. in Aachen eine Verbanbsversammlung ab, zu der auch die Bergleute des Kohlen- gebiets der Wurm Vertreter gesandt hatte» behufs Gründung eines christlich- sozialen Bergarbeiter- Verbandes. Der Textilarbeiter- Verband soll»ach einer Mittheilung des Vorsitzenden S i st e n i ch in Nachen 2500 Mitglieder zählen und der Eupener Verband giebt eine Mitgliederzahl von 600 an. In Düren ist die Gründung einer Vereinigung geplant. BeiBcsprechungderArbeilsverhältnisse derTcxtil- arbciter wies der Referent Herr Keppel? daraus hin, daß früher in Aachen ein Durchschnittslohn von 4—5 M. in den Textilfabrike» üblich gewesen sei, heute verdienten die Weber durchschnittlich bei guter Arbeit 2—2.50 M. pro Tag. Der Lohn der Schcerer. Rauher, Spinner und Appreteure betrage nur 9—12 M. die Woche. An diesen unzulänglichen Lohnverbältnissen seien schuld die schrankenlose Gewerbcsreiheit, die Frauenarbeit und auch die Weder selbst, welche immer noch nicht einsehen wollten, daß eine Organisation in Verbände» unerläßlich sei, wenn die Textilarbeiter ihre soziale Lage bessern wollten. Ein anderer Redner bemerkt, die Lohnverhältnisse in den Eupener Fabriken seien»och schlimmer als in Aachen und Burtscheid. I» den Eupener Tuchfabriken verdienten die Weber bei flottem Ge- schästsgang und guter Arbeit 14—15 M. pro Woche, in Lohn- Webereien 3—9 M. Dabei komme eS aber vor, daß die Weber 6—8 Wochen warten mußten, ehe ihnen eine Kette zum Weben zu- gethcilt werde. Aus Bayern werden von einem Vertreter Durchschnitts-Wochenlöhne von 4—5 M. angegeben. Recht be- achtenswerth erscheint es uns, daß die Aeußernng des Herrn Brust, Vorsitzender des christlich-soziale» Bergarbeiler-Verbandes, man solle in den Gewerkschaften keine Parleipolitik betreiben, lebhaften Wider- sprach hervorrief. Herr Redakteur Saget ließ auch den Innungen warme Zlnerkennnng zu theil werde», indem er sie als ein Vorbild der christlich-soziale» Gewerkschaften bezeichnete, die Fachsektionen der katholischen Arbeitervereine seien die Exerzierplätze der christlich- sozialen Gewerkschaften.— Daß sich die christlich-sozialen Gewerk- schasten immer mehr in diese Roll« hineinfinden, ist vollkommen zutreffend. Auf diesen Exerzierplätze» theile» sich Kapläne und Unternehmer das Kommando, die es verstehen, die Untergebenen als willige Diener der Unternehmer zu drille». So klang auch aus der ganzen Verhandlung die Ermahnung zur Ruhe und Duldsamkeit deutlich heraus und vo» ernsten Schritten zur Besserung der Lage der Arbeiter vernahm man nichts. Tie GcwerbegerichtSwahl in Bar m e n endete mit einem großen Erfolg für die Liste der Gewerkschaften. I» der Gruppe Handwerk wurden für unsere Kandidaten 474 Stimmen abgegeben, während die vereinigten Gegner 174 Stimmeu erhielten. In der Gruppe Industrie war von de» Gegnern kein Kandidat aufgestellt und vereinigten unsere Kandidaten 2752 Stimmen auf sich. In an- betracht der' großen Anstrengungen, die die Gegner machten, ist das Resultat für sie recht kläglich ausgefallen. Der Andrang zun» Wahllokal steigerte sich am Sonnabend übermäßig, so daß das eine Wahllokal vollkommen ungenügend>var. Die Wahlhandlung selbst zog sich unter diesen Umständen bis nach 12 Uhr nachts hin. Es zeigt von recht wenig Rücksicht auf die Arbeiter, wen» gegenüber solchen Uebelstände», oie nun wiederholt auch in anderen Städten vorgekommen sind, leine Abhilfe geschaffen wird. In Rücksicht auf die Zahl der eingeschriebenen Wähler niüßte sich die städtische Ver- waltmig sagen, daß hier niehr Wahllokale nöthig wären. Die Gewerbegerichtswahl in Brandenburg ist zu gunsten der von den Gewerkschaften aufgestellten Kandidaten ausgefallen. Ju der Nähuiaschiuen- und Fahrradfabrik vo» Lange n. Nicolans in Magdeburg-Bnckau habe» die Monteure und Justirer wegen angekündigter Lohnreduktion und Maßregelung die Arbeit niedergelegt. In einer Fabrikversammlung habe» nun die Streikenden beschlossen, durch eine Komniission der Firma folgende Forderungen zu unterbreiten: I. Zurücknahme der Maßregelung des Schlossers Bielstein; 2. 10 pCt. Zuschlag auf die Akkordprrise. 3. Bezahlung der Ueberslunden mit 10 Pf. pro Stunde; 4. Streichung der 30 Pf. Straf«(die gezahlt werden muß, wenn jemand de» Arbeitsplatz verläßt) aus der Fabrikordnnng; 5. Beseitigung des Qualms,»velcher beim Härten entsteht und die Luft verpestet. Sämmtliche Vöttchcrgesellen in den B r a u n s ch w e i g e r große» Faßfabriken treten nach Kündigung in 14 Tagen in de» Aus- stand. Achtung,! Korbmacher! Di« Firma Neudecker u. Comp, in M ü n ch e n sucht in auswärtigen Zeitungen Korbmachergehilsen aus Kugelkörb« und sichert guten Verdienst zu. Thatsächlich werden in dem betreffenden Geschäft Kugelkörbe nur in ganz beschränkter An- zahl hergestellt. Das Inserat zielt daher lediglich darauf ab. Arbeits- kräfte von auswärts heranzuziehen, da die Münchener Gehilfen das erwähnte Geschäft thunlichst meiden. Es ergeht deshalb an die Kollegen allerorts die Mahnung, den Versprechungen der Firma Neudecker n. Comp, im eigenen Interesse nicht unbedingt Glanben zu schenken und den Zuzug möglichst fernzuhalten. Die Vorstand- schaff des Holzarbeiter-Verbandes, Zahlstelle München. Achtung, Lichidrnckcr und Chemigraphcn! In Paris drohen in verschiedenen Lichtdruck- Anstalten Lohndifferenzen auszu- brechen. Die französischen Kollegen ersuchen deshalb die deutschen Lichtdruck« und Aetzer, vorläufig keine Stellung nach Frankreich an- zunehmen, besonders Paris zu meiden. Der Vertrauensmann der graphischen Arbeiter: S ch ö p k e. Ausland. Ter Vorstand der Tischler-Geiverkschaft zu Zürich theilt mit, daß der Arbeitsnachweis sowie die Auszahlung der Reise-Unter- stützung sich seit Januar 1898 in der A r b ei tsk a m m er der Stadt Zürich. Zähringerstr. 34. befindet. Korrespondenzen richte man ins Verkehrs- und Versammlungslokal, Deutscher Verein „Eintracht", Neumarkt 5. Für die englische» Maschinenbatier gingen bei der G e n« r a l k o m m i s s i o n in der Woche vom 14.— 20. Januar 7622,27 Mark ein._ Soziales. Die geplante Versainniliing zur Errichtung eüieS Verbandes deutscher Arbeitsnachweis- Anstaltcu ist vom Zentral- verein für Arbeitsnachweis in Berlin auf Freilag den 4. Februar Vormittag 10 Uhr nach Berlin. Klosterstr. 41. einberufen. Ein- ladungen haben sämintliche allgemeine kommunale und Vereins- Arbeitsnachweise im Deutschen Reich erhalte». Zustimuiuvgs- erklärnngen gehen von allen Seiten ei», u. a. hat der Verband der badischen Arbeitsnachweise seinen Beitritt zui» Verband bereits erklärt. Auf der Tagesordnung der Versammlung stehen: Er- richtnng des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise(Berichterstatt. r Dr. Freund); Arbeitsuachiveis- Statistik(Berichterstatter Dr. Jastrow und Dr. H i r s ch b e r g); kleinere Vereinigungen der Arbeitsnachweis-Anstallen(Berichterstatter Stadtrath Dr. Flesch). Hausindustrie und Arbcitcrschutz. In einem Aussatz der Nummer 14 der„Sozialen Praxis" behandelt Nud Grätzer die Ausdehiiuug des Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie. Der Ver- fasser hält das Ziel dieser Bestrebungen an sich der lebhaften Förde- rnng aller objektiv Denkenden würdig. Er urlheill dann weiter: Es entspricht nicht dem Grundsatz der„ausgleichenden Gerechtigkeit", von dem in unser» Tagen so oft die Siede ist, daß ein Zweig der Produktion vom Arbeiterschutz ausgenommen werden soll. Dazu ist es eine notorische Thatsache, daß die hansindustriellen Arbeiter größtentheils weitaus ungünstigere Arbeitsbedingungen haben als die der Großindustrie. Alle die Mittel der sozialen Selbsthilfe, vor allem die Koalition, versagen hier(aus schon bekannten Gründen) oder liefern bestenfalls ungenügende Resultate. Weiler wird auf die drohende Gefahr verwiesen, daß bei weiterer Ausdehnung und energischerer Handhabung des A r b e i t e r s ch u tz e s in der Großindustrie die Unternehuier he» Arbeiterschutz durch U e b e r g a n g zur Hausindustrie illusorisch mache» löiinlen. AU die Momente zusammengefaßt, steht für de» Verfasser die Nolhwendigkeit der Ausdehnung des Arbeiterschntzes auf die Hausindustrie außer Frage. Er meint nun, daß ber Schutz der Jugendlichen und der Arbeite- rinnen, ferner die Regelung der Arbeitszeit in der Hansindustrie einfach undurchführbar sei. Um die Dinge nicht auf dem allen Fleck stehen zu lassen, erklärt er den Zwang zur Regist rirung der Arbeiter für nothwendig. Diesem Zwange soll der zur A r b e i t e r v e r s i ch e r u n g an die Seite treten. Das Haupt- mittel wird aber erblickt in einer strengen WohnungSpotizei mit Einsührung von W o h n u n g s i» s p e k t o r e n. So sind sich alle einsichtsvolleii Sozialpolitik« darüber einig, daß zur Eindämmung der scheußliche» hansindustriellen Uebel jedenfalls durchgreifende Mittel angewendet werden müssen. Aber— die Regierung will nicht. Der neueste sozialpolitische Kurs steht vollständig unter dem Szepter des Königs Stumm ans Saaradien. Statt Arbeiterschutz macht die Regierung gegenwärtig iu Arbeitertrutz. Ein Umschwung wird erst eintreten, wenn die Arbeiterschaft durch ihren Einfluß eine ausschlaggebende Rolle in der Arbeiterschutz- Gesetzgebung darstellt. Um dies zu erreichen, ist es unsere Aufgabe, schon jetzt für die kominendeii Reichstagswahlen mit aller Kraft zu rüsten._ Depofrhen und letzke HttchvUhken. Köln, 25. Januar.(W.T.B.) Amtlich wird gemeldet: Heute früh 9 Uhr 30 Minute» stieß der Güterzug Nr. 957(Niederlahn» stein- Speldorf) infolge Ucberfahrt des auf„Halt" stehenden Einfahrtsignals auf Bahnhof Hönningeii auf eine Rangir-Abtheilung des Güterzuges Nr. 905. Ein Lokomolivheizer vom Zuge Nr. 957 wurde gelödlet, ein Lokomotivheizer und ein Bremser desselben Zuges schwer verletzt. Budapest, 25. Januar.(W. T. B.) Im Nesicza-Bergwerk der österreichisch- ungarischen Slaats-Eiseubahn-Gesellschaft fand ein« Explosion schlagender Wetter statt, infolge deren acht Mann erstickt sind. Mehrere verletzte Bergleute sind geborgen. Rcschitza, 25. Januar. Im Sezem-Schacht hat eine Explosion stattgesuudeii. Bisher sind sechs Tobte und mehrere Verwundete heranfbesördert worden. Der Brand wurde gelöscht. Brüssel, 25. Januar.(W. T. B.) Siepräsentaiiteukamnier. Furuemont(Soz.) will wissen, wer de» Truppe» den Befehl ertheilt habe, das Bajonnet aufzupflanzen. Der Quästor de Joughe er- widert, die Quällur habe die Maßregel getroffen, um zu verhindern, daß die Menschenmeiige iu das Parlament eindringe. Redner fügt hinzu, er werde stets sein- Pflicht gegen die Sozialisten thiin.(Auhaltender Beifall auf der Rechte», Wider- spruch auf der Linken.) Der Sozialist Vaudervelde schildert hieraus die stattgehabten Zwischensälle und sagt, die Sozialisten seien von de» Truppe» heriimgestoße» worden, als Demblo» sich bereits ent- fernt Halle. Redner wirst dem Präsidenle» vor, er sei ein„Mann der Gewalt". Angesichts des nun eutstehcuden Lärms suspendirt der Präsident die Sitzung. Bei Wiederausuahme derselben sucht der Präsident die am Freitag gegen Teiublon getrossene» Maßregeln zu rechtfertigen. Vaudervelde greift in heftiger Weise die Quäflaren an und beschuldigt die Rechte, sie wolle die Sozialisten muudtodt mache» und verlangt genau zu erfahren, wer den Befehl zu de» Gewallthäligkeiten gegen die Sozialisten ertheilt habe. Nach weiteren lärmenden Auftritten erklärt Präsident Beernacrt, er habe von Fnrneniont eine Tagesordnung erhalle», welch« besage, die Kammer mißbillige die vom Bureau getroffenen Maßregel», daß es nicht verstanden habe, den Mitglieder» der Kammer Achtung zu verschaffen. Diese Tages- ordnung wird mit 86 gegen 29 Stimmen bei 9 Stimmeiilhaltungen abgelehnt. Petersburg» 25. Januar.(W. T.B.) Die letzten eingetroffenen „Turkestanskija Wjedeniosti" melden das Eintreffen der nach Turlestan, Kaschgar uud Tibet entsandte» deutsche» wissciischaftliche» Expedition der Doktoren Futterer und Holderer.(Dr. Holderer uud Professor Dr. Futter«, beide aus Karlsruhe, verliene» Deutschland Ende November, um eine Reise über Kaschgar und Jnnerasieu nach Peking auszuführen. Dr. Fullerer ist Geolog. Die Expedition geschieht auf Privatkoften.) Warschau, 25. Januar.(B. H.) Die Regierung hat be- schlösse», den Bau des Kanals, der die Weichsel mit ber Narew verbinden soll, sofort in Angriff zu nehmen. London, 25. Januar. Das„Nenter'sche Bureau" meldet anS Peking unter dem 24.: Man glaubt, daß der driiische Gesandte auf der Eröffnung Talieiiwan's als VertragShasen bestehen werde. Der Abschluß der Anleihe mit Großbritannien oder mit Rußland hänge jetzt davon ab, welches Land den größten Druck ausübe. Die Schwierigkeiten mit Deutschland sind endgiliig gehoben. Der deutsch« Gesandte erhielt, als er auf seinem Verlangen deslaiid. die Znsiche- rnng, daß Kiaotsckau der deutschen Regierung ans 99 Jahre Pacht- weise überlassen werde. Rom, 25. Januar.(B. H.) Zwecks Linderung der Nothlag« hat der Ministerrath die Einberufung der jüngsten Altersklasse be- schlössen. Der Schatzminister und der Baiitenminister legten einen Entwurf vor, betr. die Regelung der Geldzirkulalion und Eauirung der Sumpfgegenden. Des Weiteren hat der Gemeinderalh de- schloffen, den Sladtzoll auf grobes Mehl aufzuheben. Nciv-Hork, 25. Januar.(W. T. B) In Spokane(Washington) brach vergangene Nacht in«ineni Geschästshause eine Fene'sb- iinst aus. bei der zahlreiche in den oberen Slockwerken wohuende Personen ums Leben gekommen sein sollen. Rio de Janeiro, 24. Januar.(W. T. B.) Der Mörder des früheren Kriegsministers Bitencourt, Marccllino Bispo, hat im Ge- sängniß Selbstmord begangen. Hierzu S Beilagen u. Nnterhaliuugsblatt. Verantwortlicher Redatteur: August Jacoben in Berlin. Für den Jnseratemheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla« von Max Babing in Berlin. lt. 21. 15. 1. KilU dts Jurirörts" Detlim WiNVoch, 26. Jamat 1898. Vrichskag. 25.©i bung. Dienstag, den 25. Januar 1893. Am Bttnde-ralhstische: Graf Posadowsly, Nicberding. Präsident v. Bnol eröffnet die Sitzuiig nin 2>/4 Uhr. Die zweite Etatsberalhung wird beim R e i ch s a in t des Innern fortgesetzt. Die Di-knssion über den Titels„Börsen- a u s s ch n b" der Reichskoininissariale dauert fort. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.): Gras Arniin stellte gestern eine Berschärsnng des BorsengesetzeS in Aussicht für den fsfall, daß das Oberverwaltungsgericht der Entscheidung des Bezirksausschusses über die Feenpalast-Versaininlungen beitreten sollte. Der Bescheid mag ausfallen, wie er will; an der thatsächlichen Ent> Wickelung wird dies nichts ändern. Die Kanfleute werden gar nicht in den Fcenralast zurückkehren, auch wenn entschieden werden sollte, daß die früheren Versammlungen zu Unrecht aufgelöst worden sind. Durch die Beseitigung des Ternnnhandels sind gerade die weniger kapitalkräftigen Elemente im Getreidehandel aufs schwerste grschädigt; so sind in bedancrnsiverther Weife gerade die jüngeren nnsslrebenden Elenicule der Kaufinaunschasl verhindert, den große» Kapitalisten Konkurrenz zn bieten. Darin liegt eine merkwürdige Ironie bei dem Bestreben jener Herren, die den Mittelstand kräftigen wollen. Die Agrarier sind umgekehrte Mephistos, sie sind ein Theil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. (Beifall links.) Abg. Dr. Hahn(wildk): Daß der Terminhandel nicht im Interesse der natürlichen Preisbitdnng liegt, ist in der Börsen- Enqnetekommission auch von Börsen-Fachmännern zugegeben worden. Tie Manöver der Böiscnmänncr in bezug ans die Preisbildung des Getreides waren nur möglich bei der früheren Form des Termin- Handels. Ich gebe zn, daß einige weniger kapitalkräslige Händler durch das Gesetz schwer geschädigt sind, aber das kommt nicht in betracht gegenüber den Vortheilen, die die Laudwirthschast daraus gewonnen hat. Die Laudwirthschast. ist vor allen Dingen unabhängig geworden. Tie Preisbildung ist eine ruhigere und ge- sündere. Man thnt immer so. als ob die Agrarier es ipso Anhänger möglichst hoher Getreidezölle seien; das ist aber nicht der Fall; was die Agrarier wünschen, das ist lediglich eine möglichste Anpassung der Zollgesetze an den Stand der LnndwirthschafI; sie will nur eine geregelte Preisbildung, an der alle Klassen der Bevölkerung gleich- mäßig ein Interesse haben. Wir erstrebe» dasselbe auf dem Gebiete der Laudwirthschast, was die Trusts für die Industrie bewirken wollen. Ich will, daß der Handclsminister sich endlich darüber ent- scheidet, ob der Frühmarkt als Markt oder Börse aufzufassen ist, damit endlich die bezüglichen Bestimmungen durchgeführt werden können. Der Spekulation der Zwischenhändler m»ß aber ein Ende gemacht werden. Die jetzigen Prcisnolirungen sind jedenfalls nicht schlechter, als die früheren Auskünfte über die Preise; in vieler Hinsicht weit besser. Abg. Dr. Pansche(natl.): Wenn Sie sagen, wir können de» Mittelstand doch nicht schützen, wir erreichen immer das Gegentheil, so erwidere ich Ihnen: die Epeknlanten, die Zwischenhändler, diesen Mittelstand meinen wir freilich nicht; wenn der verschwinden würde, das würden wir schon für einen großen Erfolg des Gesetzes halten. Abg. Fischbcck(frs. Vp.): Wenn Graf Arnim davon spricht, daß er nicht hohe Getreidezölle, sondern nur hohe Getreide- preise wünscht, so ist das ja ganz selbstverständlich. Aber das bedeutet ja gerade die Schädigung der anderen Klassen. Was nützt es schließlich dem Landwirth, daß die Preisschwankungen aufgehört haben, wenn er den richtigen Preis nicht mehr bekommt? Die Berliner Kaufmannschaft hat mir so gehandelt, wie ihre eigene Ehre es erforderte. Warten Sie erst ab, wenn ein Preissallll kommt, wie da die Wirkungen des Gesetzes sein werden. N g. Graf Arnim(31p): Eine erhebliche Preis st e i g e r u n g konnten wir von dem Gesetz garnicht erwarten, solange das Ans- land nicht mit entsprechenden Gesetzen vorgeht. Aber während wir wenigstens eine annähernde Stetigkeit halten, weisen die Preis- tabellen der anderen Länder ganz außerordentliche Sprünge auf. Ein kleiner, aber mächtiger Kreis, der Geldmittel hat, übt auf die soliden Händler einen Terrorismus ans. Die soliden Händler würden sich heute schon gern mit dem Börsengesctz abfinden. Nach weiterer unwesentlicher Debatte, an der sich auch die Abgg. Schwarze(Z) und Hilpert(Banernb.) betheiligen, wird die Diskussion geschlossen und der Titel„Börsenausschnß" bewilligt. Eine Reihe von Kapiteln werden darauf ohne Debatte bewilligt. Beim Kapitel„Statistisches Amt" spricht Abg. Werner(Reformp.) für die Ausgleichung der Härten, die durch die Einsührnng des Altersstufen-Systems für die Assistenten des Statistischen Zimts entstanden sind und bespricht eine Petition dieser Beamten. Staatssekretär Graf PosadowSkp verspricht eine Untersuchung darüber, bemerkt aber, daß eine allgemeine Regelung der Lage dieser Beamten nur im Znsamnieiihang mit der Siegelung der Verhältnisse aller dieser Beamten vorgenommen werden kann. Die Petition wird der Budgetkommission zur Berücksichtigung überwiesen, das Kapitel bewilligt. Zum Kapitel„Normalaichungs-Kommission" bringt Abg. Müller- Sagau(frs. Vp.) Mißstände in Schlesien zur Sprache. Staatssekretär Graf Posadowöky verspricht eine Untersuchung. Zum Kapitel„Gesundheitsamt" begründet Abg. Müller-Sagau(frs. Vp.): den Antrag, zur Errichtung einer biologischen Versuchsanstalt für wissenschasiliche Erforschung wirthschafllich nutzbarer Lebensbeziehnngen von Pflanzen und Thieren 3000 M. in den nächsten Etat einzustellen. Zur Begründung weist er besonders aus den Nutzen hin, den die Laudwirthschast daraus ziehen könnte. Staatssekretär Graf Posadowöky: Die Reichsregierung steht dem Antrage sympathisch gegenüber. Eine solche Versuchsanstalt ist aber nicht ohne weiteres ans dem Boden zu stampfen. Wir beabsichtigen, eine Kommission von Sachverständigen zu berufen. Die Sache wird sich aber erst im Etat 1899/1900 verwirklichen lassen. Abg. p. Kardorff(Np.): Die Frage ist äußerst wichtig. 20pCt. unserer Weizenernte geht durch Rost verloren. Wir müssen daher von der Regierung ein schnelleres Tempo verlangen. Staatssekretär Graf Posadowöky hält doch erst die Berufiing einer Kommission für nolhwendig. Wir haben bereits eine Liste hervorragender Gelehrter für diese zusammengestellt. Ich werde die Sache fördern, soweit es möglich ist. Abg. Wurm(Soz.) spricht sich gegen die Ginbernfung der Konferenz aus, die n»r dazu beitragen würde, die Sache auf die lange Bank zu schieben. Die Erforschung der Pflanzen- krankheiten ist durchaus nolhwendig. Auch die Frage der Düngnng des Bodens mit Stickstoffen ist bei dieser Gelegenheit mit zu behandeln. Die Versuchsstatione» klagen darüber, daß sie sür diese Sache, die unsere ganze Laudwirthschast unter Umständen umgestalten kann, keine Mittel haben. Diese wichtige Kulturfrage wird ganz nebenbei behandelt.(Sehr richtig!) Meine Freunde und ich werden für den Antrag Müller stimmen. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) bittet nochnials mn Amiahine seines Antrages. Hier wird die Debatte abgebrochen. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr: Anträge Plötz und Paasche ans Besteuerung des Saccharins. Antrag Auer betr. das Vereins- und Versammlungsrecht. Schluß 53/e Uhr. In der Reichstagskomniisfiou für die Militärstrafgerichts- Ordnung wurde heute die Berathung bei Z 47 sortgesetzi, der je nach den verschiedenen Rangstufen der Angeklagten die fünf Offiziere bestimmt, welche außer dem Kriegsgerichlsralh das Kriegsgericht bilden. Abg. Gröber(Z.) beantragt folgenden Znsatz:„Die zur Bildung des Kriegsgerichts erforderlichen Offiziere werden vom Gerichtsherrn alljährlich vor dem Beginn des Geschäftsjahres für die Dauer desselben als ständige Richter bestellt. Für die gleiche Dauer sind ständige Stellvertreter zn bezeichnen." General- Lieutenant v. Viebahn ersucht um Ablehnung des Antrages, welcher dem Prinzip der Ständigkeit zu weitgehend Rechnung trage und damit in das Gefüge des militärischen Dienstes störend eingreife. Abg. Prinz Arenberg(Z.) fragt an, ob es möglich wäre, gewisse Funktionen der militärischen Gerichtsbarkeit an zur. Disposition gestellte Offiziere zu übertragen, wie es z. B. in Frank- reich der Fall sei. Damit würden manche Schwierigkeiten behoben werden können. Generalanditeur Ittenbach: Es sei entschieden der Werth darauf zu legen, daß die zu den Militärgerichten zu de- rufenden Offiziere im aktiven Dienst sich befinden und engste Fühlung mit den militärischen Verhältnissen haben. Zudem habe ja die Konnnissio» beschlossen, daß die zur Disposition gestellten Offiziere nicht der Militärgerichtsbarkeit unterworsen sein sollen. Es würde also eine Inkonsequenz sein, sie zu Richtern zu berufen. Kriegs- minister v. Goßler schließt sich diesen Ausführungen an. Prinzipiell sei er nicht gegen die Sländigkeit, aber es seien doch die dadurch erwachsenden größeren Kosten zu berücksichtigen, sowie die Interesse» des militärische» Dienstes. Diese dürfen nicht, leiden. Abg. Bafferinann(»all.) beantragt folgenden Zusatz:„Die Berufung der Ossiziere zn Richtern erfolgt nach einer vorher festzustellenden Reihen- folge, von der nur in Ausnahmefällen Umgang genommen werden darf." General-Lientenant v. Viebahn erklärt, vorbehaltlich rednktio- neller Fassung fei die Militärverwaltung in der Lage, diesem An- trage znzustimmen. Abg. Gröber vermißt in den Ausführungen der SiegiernngSvertreter de» Beweis, daß sein Antrag nicht ausführbar sei. Uebrigens unterscheide sich der Antrag Bassermann nicht wesentlich von dem seinigen. Abg. Lenzmaiin(frs. Vp.) giebt dem Antrag Baffermann den Vorzug.— Die Abstimmung ergiebt die Ablehnung des Antrages Gröber und die einstimmige Annahme des Antrages B a s s« r M a 11 n. Die§§ 48 bis 77 werden, nach Ablehnung einiger sozialdemokratischer Anträge, unverändert angenommen, ß 78 lautet in der Regierungsvorlage: „Die Senate beschließen und entscheiden in der Besetzung von v i esr militärischen und drei juristischen Mitgliedern, mit Einschluß des Vorsitzenden." Abg. Gröber beantragt die Besetzung durch drei militärische und vier juristische Mitglieder. General- Lieutenant v. Viebahn erklärt sich gegen den Antrag. Es würden alsdann die Fälle von ausschließlich militärischem Charakter einer Mehrheit von juristischen Elementen zur Entscheidung anHeim ge- geben. Darunter würde die Disziplin leiden können. Abg. Lenz- mann weist darauf hin, daß die Thätigkeit der obersten Instanz doch eine wesentlich juristische sei. Abg. Gröber: Es scheine fast, als erachte nian in Regierungskreisen die Juristen als nicht verlranens- würdig, trotzdem dieselben� doch auch den militärischen Geist durch- aus in sich aiisgenominen haben. Minister v. Goßler entgegnet: von einem Mißtrauen könne keine Rede sein, es handle sich vielmehr nur um die Beobachtung praktischer Grundsätze. Aber v. Pntl- kamer(kons.): Für ihn und seine politischen Freunde sei die Frage von prinzipieller Bedeutung. Sie verlangen, daß im Militärgericht das militärische Element überwiege. Bei der Abstiminnng wird der Antrag Gröber gegen die Stimmen der Konservativen a n- genommen, ebenso die Anträge Gröber zu den§§ 31 und 82 (Reihenfolge bei den Abstinimuiigen und Vertheilung der Geschäfte unter die Senate) als Konseqnenzen des vorigen' Beschlusses.— Z 39 lautet:„Sind einem Gerichtsherrn mehrere Kriegsgerichts- Räthe zugeordnet, so kann durch die oberste Militärjnstiz-Berwaltnngs- behörde einzelneu der Amtssitz außerhalb des Garnisonorls des Gerichtsherrn angewiesen werden." Abg. Gröber beantragt als Absatz 1 folgende Bestimmung voraufgehen zu lassen:„Vor dem Beginn des Geschäftsjahres werden von der obersten Mililärjustiz- Verwaltungsbehörde für die Dauer desselben die Ober-Kriegsgerichts- räthe und Kriegsgerichtsräthe, welche als Richter bei dem erkennenden Gericht mitzuwirken haben, sowie für den Fall ihrer Verhinderung die regelmäßigen Vertreter desselben bestimmt." Ter Antrag wird nach längerer Debatte mit Stimmengleichheit abgelehnt. Dafür stimmen Zentrum, Freisinnige, Sozialdemokraten; dagegen die beiden konservativen Parteien sund die Rationalliberalen.—§ 91 lautet: „Die Ober-Kriegsgerichtsräthe und die Kriegsgerichtsräthe habe», soweit sie nicht als Richter bei den erkennenden Gerichten mitwirken, den Anordnungen des Gerichtsherrn Folge zn leisten. Die im Laufe des Verfahrens ergehenden Entscheidungen und Verfügungen des Gerichtsherrn sind, soweit das Gesetz nicht ein anderes bestimmt, außer von diesem auch von einem richterlichen Militär-Jnstizbeamten zu unterzeichnen. Letzterer übernimmt da- durch die Mitverantwortlichkeit sür die Gesetzlichkeit. Hält der- selbe eine Anordnung oder Verfügung mit den Gesetzen oder den sonst maßgebenden Vorschriften nicht vereinbar, so hat er dagegen Vorstellung zn erheben. Bleibt diese erfolglos, so hat er der Weisung des Gerichtsherrn zu entsprecheii, den Hergang jedoch aktenkundig zn machen. Die Akten sind demnächst von dem Gerichtsherrn dem Reichs-Mililärgerichte vorzulegen." Ein Antrag Frohme und Genosse», der die Ober-Kriegsgerichts-Räthe und die Kriegsgerichts- Räthe bei der Ausübung richterlicher Thätigkeit von den Anord- nnngen des Gerichtsherrn für unabhängig erklären und im Falle des Widerspruchs eines Mililär-Jnstizbeainten gegen eine Verfügung des Gerichtsherrn den Fall durch den Gerichisherrn und zwei Kricgs- gerichts-Rälhe entschieden wissen will, wird abgelehnt. Dagegen wird ein Antrag Gröber angenommen, der dem zweiten Absatz des Paragraphen in seinem zweiten Theile folgende Fassung giebt:„Hält der Militär- Justizbeamte eine Anordiinng oder Verfügung des Gerichtsherrn mit den Gesetzen oder den sonst maßgebenden Vorschriften nicht vereinbar, so hat er dagegen Vor- stelluiig zu erheben. Bleibt diese erfolglos, so hat er der Weisung des Gerichtsherrn, welcher alsdann allein die Verant- w 0 r t u 11 g trägt, zn entsprechen, den Hergang jedoch aktenkundig zu machen. Die Akten sind unverzüglich von dem Gerichtsherr» dem Reichs-Militärgericht zur rechtlichen Beurtheilung der Sache vor- zulegen. Ans grund dieser Venrtheilnng ist die Entscheidung zu treffen." — Nach Z 104 beantragt Abg. Gröber einen besonderen Abschnitt einzusüge», betreffend die Errichtung eines 0 b e r st e n Landes- Militärgerichts i n B a y e r 11. Der preußische Kriegsminister v. Goßler erklärt, diese Frage sei eine politische. Durch Diskussion dieser Frage würde man jetzt nur die Verhandlungen stören. Er bitte daher, die Diskussion dieser Frage bis zur Verhandlung über das Einsührnngsgesetz zu verschieben. Der bayerische Bevollmäch- ligte Graf von Lerchenseld- Köfering schließt sich diesem Er- suchen an. Auch die bayerilche Regierung fei der Ansicht, daß die Frage beim Einsührnngsgesetz zu entscheiden sei; sie räume dem Reiche die Kompetenz ein, die F 0 r»1 des obersten Gerichtshofes sür Bayern zu bistiininen, aber sie halte an dem Standpunkte fest, daß Bayern einen obersten Gerichtshof beanspruchen könne. Es werden Einwendungen gegen die Ans- setzung nicht erhoben. Die Konimission beschließt, die Berathung bis zur Verhandlung über das Einsührnngsgesetz auszusetzen.— §§ 105—108 passiren ohne wesentliche Debatte. Damit ist der erste Theil der Vorlage, welche die Gerichtsverfassung behandelt, erledigt. Es folgt der zweite Theil über das V e r s a h r e 11.§ 118 behandelt das Ablehninigsrecht des Angeklagte». Ans Antrag Gröber wird folgende Znsahbestimmnng getroffen:„Den zur Ablehnung Berechtigten sind auf Verlangen die zur Mitwirkung bei der Entscheidung berufenen Gerichlspersonen namhaft zn machen." § 119 lautet:„Die Ablehnung kann nur in der Hanptverhandlung geltend gemacht werden. Das Ablehnungsgesnch ist in erster Instanz nur bis zur Verlesung der V-rsügung über die Anklageerhebung. in der Hauptverhandlung über die Berufung und die Revision nur bis zum Beginn der Berichterstattung zulässig."— Auf Antrag Gröber wird der erste Satz gestrichen und in den zweiten nach dem Worte „Ablehnungsgesuch" die Worte„wegen B-sorgniß der Befangen- heit" eingeschaltet. Ferner beantragt Abg. Gröber in Konsequenz eines Reichstagsbeschlnffes bei der bürgerlichen Strafprozeß- ordnung folgende neue Bestimmungen einzusetzen:„tz 120a. Ist das neue Ablehnungsgesnch verspätet oder nicht unter Angabe und Glaubhaftmachung des Ablehnungsgrundes eingebracht worden, so hat das Gericht mit Einschluß des abgelehnte» Richters das Ab- lehnnngsgesuch als unzulässig zn verwersen. In gleicher Weise kann das Gericht das Gesuch verwerfen, wen» es einstimmig der Ansicht ist, daß dasselbe offenbar nur in der Absicht, das Verfahren zu ver- schlepven, eingebracht ist.§ 121: Wird das Gesuch nicht als unzulässig verworfen, so hat der abgelehnte Richter sich über den Ablehnungsgrund dienstlich zu äußern. Aber das Ablehnungsgesuch entscheidet das Gericht, welchem der Abgelehnte angehört. Der abgelehnte Richter darf bei der Entscheidung über das Ablehnnngsgesnch nicht mitwirken. Einer Entscheidung bedarf es nicht, wenn der SIbgelehnte das Ablehnungsgesuch für begründet hält." Beide Paragraphen werden in dieser Fassung einstimmig a n g e>1 0 m 1» c 11. Die§s 122—143 werden mit geringfügige» Aenderungen genehmigt und die Weiterberathnng sodann auf Freitag vertagt. Tic sechste Kommission drS RcichStaaS beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung mit dem in der Novelle zur Zivil- Prozeßordnung von der Regierung vorgeschlagenen„Vor- t e r m i 11". Nach langer Debatte lehnte sie gegen fünf Stimmen den Vortcrmin ab. Dagegen nahm die Kommission Anträge eines Mitgliedes an, welche die schnellere Erledigung der Versäumniß-� fachen zn fördern bestimmt sind.— Di- Berathungen werden morgen fortgesetzt. De», Reichstag ist ein Nachtrag zu der am 15. Januar 1898 niitgetheilten Znsammcnstellilng ausländischer Gesetze betreffend die die bedingte Vernrlheilung und amtlicher Mittheilnngen über die Anwendung dieser Gesetze zugegangen.— Tas„Weißbuch" über die Entwickelung der deutschen Schutzgebiete ist dem Reichstage zugegangen.— Das Abgeordiictenhaus. Das Verzeichniß des Gesammt- Vorstandes und der Mitglieder des Hanfes der Abgeordneten, das Verzeichniß der Mitglieder der Abtheilungen, die Nachweisung der Mitglieder nach Provinzen und Wahlbezirke», und endlich ein Vcr-� zeichniß der Parteien während der laufenden Tagung, abgeschlossen am 21. Januar 1893, ist zur Vertheilung gelangt. Nach dem Parteien- verzeichniß entfallen von de» 433 Mandaten auf die konservative Partei 142, Zentrnnispartci 95, nationalliberale Partei 84, frei- konservative Partei 63, Pole» 13, freisinnige Volkspartci 14, frei- sinnige Vereinigung 6. Bei keiner Partei sind 3 Abgeordnete. Drei Mandate sind erledigt. Seit Erscheine» des Verzeichnisses sind der konservative Ab-, geordnete v. Schmiedeseck und der klerikale Pfarrer Wolczeck ge-' st or ben.— KandesVerjammwng der SoziaZdemokraten Sachsens. Leipzig, 24. Januar 1398. Die Sitzung wird nach 9 Uhr eröffnet. Begrüsinngstelegrainme sind eingelaufen von Burgstädt, Gablenz und Potschappel. Das Wort ergreift W etz k e r- Dresden zu seinem Referat über Punkt 4 der Tagesordnung: Organisation und Agitation. Beide Frage», so führt Redner ans, gewinnen mehr Bedeutung in anbetracht der kommenden Reichstagsivahlen. Aber auch die beabsichtigte Aenderung des Vereinsgesetzes macht diese Fragen heute brennender. Nicht daß man annehmen müßte, unsere Partei werde durch die Aenderung des Vereinsgesetzes stark berührt. Ader doch werden wir. sehen, was für die Partei nach dieser Aenderung zn thnn ist. Ich beantrage daher, ei» Komitee zu wählen, das sich mit dieser Au- gelegenheit zn befassen hat und über seine Wahrnehmungen, Ansichten und etwaigen Vorschläge der nächsten Landes- Versammlung Bericht zn erstatten hat. Die Wahlkreis- Organisation muß ausgebaut werden. Ein vielköpfiger Vorstand eines großen Vereins kann viel Förderliches leisten. Bllerwärts wird sich freilich das gleiche nicht immer erreichen lassen, aber meine Ersahrniigen lassen mir die zentralisirte Organisation als die xr- eignetste erscheinen. Die Agitation wird sich in diesem Jahre vor- züglich ans die Reichstagsivahlen richten.. Die Wahlkomitees niiissen umsichtiger verfahren. Gute Information über die Lage ans gegne- rischen Zeitungen ist nöthig. Wenn möglich, sollen gegnerische Bor- sammlungen besucht werden. Doch hängt das von den örtlichen Umständen ab. In den Amts- und Lokalblättern erscheinen Wahl- aufrufe der Gegner, die überall, wo es nur möglich ist, besprochen und widerlegt werden müssen. Broschüren zur Agitation sür die Reichstagsivahlen habe» nur einen bedingten Werth. Zur Oric»- lirung der Redner sind sie zu empfehlen. Flugblätter sind dagegen die unentbehrlichsten Agitationshilfsmittel. Das Flugblatt muß packend und kurz sein. Ällgemeine Flugblätter für das ganze Land haben immer zweifelhaften Werth. Es m»b die ländliche und städtische Bevölkerung besonders berücksichtigt werden, ebenso die lokalen Verhältnisse. Die politischen Forderungen unserer Partei müßten bei guter Erklärung derselben im Vordergrund stehen „Die armen Teufel", ein Mittelding von Flugblatt und Zeitung wirkt in der Lausitz sehr gut. Den Genossen empfehle ich, diese Muster sich vor Augen zu halten. Die Kleinarbeit muß durch die Organisationen besser betrieben werden. Unentgeltliche Lieferung von Parteizeilungen an einen Theil der Bevölkerung für eine bc- stimmte Zeit wirkt gut. Die Mittel dafür dürfen nicht gespart werden. Bei der Flugblattverbreiinng müssen die Verlheiler immer dieselbe» Orte besuchen, dadurch werden Verbindungen erreicht. UnS stehen nicht die Gemeindebcamten bis zum Nachtwächter herab zur Verfügung, wir müssen Genossen schicken, besonders am Wahltage. Vor dem Hinauswerfen aus sich nicht scheuen, wir müsse» Wahllokal geduldet werden. geschieht am besten durch die ans den Städten auf das Land Der moralische Einfluß wirkt. den Wahllokalen darf man es erzwingen, daß wir im Die Ansbringimg der Mittel Bcreinsorganisation. Manche Kreise bringen zn wenig auf. Ueberall sollte man auf die Aufbringung der Mittel eifriger bedacht sein. Die Verfolgungen unserer Partei werden in Sachsen immer schärfer, gerichtliche Ver- »rtheilungeii immer härter. Wir werden uns damit, wie mit dem Sozialistengesetz, abfinden. Wo es möglich ist, muß gegen die behördlichen Maßnahmen reinonstrirt werden. Unter allen Um- ständen werden wir im Kampfe aushalten und endlich doch ob, siegen.(Beifall.) Genosse H e n tz s ch e l- Döbeln: Ich stehe der empfohlenen Wahlkreis-Organisation nicht so symvalhisch gegegüber. Sie läßt sich nicht überall durchführen. Das Verlraiiensmännersystem, das wir jetzt haben, ist gut. Das letzte Protestflngblatt gefiel mir nicht. Es hat nicht gewirkt, die Schlagwörter herrschten darin vor. Die Agitation sür die Presse muß energisch betrieben werden. In unserem Kreise wirken wir schon so, wie es der Referent empsahl. Grenz- Leipzig: Die Verhältnisse im Lande verbieten, schematisch vorzugehen. Regel- Pirna: Ich empfehle, den Antrag Wetzker mizimehnien, Lorenz-Chemnitz: Eine fllnfgliedrige Kommission fiir die Erforschung der Verhältnisse bei Aendernng des Vereinsgesetzes ist überflüssig, diese Arbeit kann das Zentral-Agitationskomilee ver- richten. Die Agitation durch imentgeltliche Verabreichung unserer Zeitungen würde sehr gut lvirke», aber es werden uns i» der Regel die Mittel dazu fehlen. Die Genossen thun ihre Schuldigkeit. S i n d e r m a n ii- Dresden: Die Wahlkreis Organisation Halle ich für die beste. Ein Antrag, dem inhaftirten Genossen Lieb- k n e ch t de» Gruß der L a n d e s- V e r s a in m l u n g zu e n t- bieten, wird mit lebhaftem Beifall a n g e u o in m e n. Breslau er- Dresden: Die Organisationsform muß den Genossen in den einzelnen Bezirken überlasien bleiben. Zen- tralisation ist nicht iinmer zu empfehlen. Lokale Vereine wirke» oft besser, so im 4. Reichstagswahlkreise. Allgemeine Flug- blätter sind bei allgemeinen politischen Voikommuissen zuweilen nöihig. H öp p n e r- Cotta stimmt dem Vorschlage bei, eine Instanz zu schaffen, die die Organisalionsfrage bis zur»ächsten Landesversnini»- luiig ventilirt. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenoiinnen. Im Schlußinort stellt der Referent einiges, das mißverstanden worden sei, richtig. Folgender Antrag: Eine Kommission zu wählen, die zu prüfen hat, ob und welche Verbesseriingen unserer Organisation angesichts der bevorsiehenden Aufhebung des Verbindungsverbots»öthig und möglich sind. Die Kommission hat der nächste» Landesversammlniig Bericht zu erstatten und eventuell Vorschläge zu mache». Die Kommission besteht aus S Man». wird abgelehnt. Neber den 5. Punkt der Tagesordnung: Die Parteipresse, erstattet Genosse S e i f e r t. Zwickau Bericht. Die Unterfchiede in der Bildung der Klassen machen der Presse ihre Aufgabe schwer; Fortschritte hat unsere Presse gemacht. In bezug aus die Abo»- »ente» stehen»nsere sächsischen Parteizeitungen folgendermaßen: „Tcxlilarbeiler" 25 000 „Fachgenosse", Glasarbeiter 4 000 „Tabakarbeiter" 19 000 „Correspondent", Hutmacher 3 100 „Anzeiger für Schneider" 2 000 „Correspondcnzblnti", Tapezirer 2 000 „Buchdrucker-Wacht" 1 S00 Graveure 1 400 Xylographen 800 „Glück ans" 4 000 02 800 Außerdem erscheinen: Der„Voigtländer"(Wahlzeitung), 15 000 Abonnenten, und„Der arme Teufel" in Dresden für den Wahlkreis Zittau 2000 Abonnenten. Der geistige Inhalt unserer Zeitungen ist besser geworden. Aber auch die Verfolgungen und Verurtheilungen sind gewachsen. Wir dürfen nicht rasten, sondern müssen überall für unsere Presse agitiren, die Unsere beste Waffe ist.(Beifall. 1 Zu diesem Gegenstand liegen folgende Anträge vor: Antrag Lob au:„Die Landcskonsercnz möge Mittel und Wege sinden, um der Parteipresse größeren Eingang in der Ober- lausitz zu verschaffen, eventuell dem Agitationskomitee größere Mittel zur zeitweiligen unentgeltlichen Verbreitung der Partei- presse zur Verfügung stellen. Dresden- A.(5. Wahlkreis):„Die Landeskonferenz wolle be- schließen: Milden Parteizeilungen Sachsens ist ein Abkommen dahin zu treffen, daß am 1. Januar eines jeden Jahres ein für sächsische Verhältnisse passender Almanach herausgegeben und den Parteizeitungen beigegebe» wird." E i ch h o r n- Dresden wünscht, daß unsere Presse mehr als bisher die Mißverhältnisse in Werkstätten und Fabriken hervorhebt und bespricht. Das„Sächsische Volksblalt" in Zwickau ist in dieser Hinsicht am weiteste» vorgeschritten. Freilich muß vorsichtig ver- fahren werden, denn diese Besprechnnge» bringen die meisten Pro- zesse und die etwa folgende» Urtheile sind hart. Den Antrag Lvban bitte ich abzulehnen, Antrag Dresdcn-A. anzunehmen. B ö h m e r- Löban erklärt die Verhältnisse in der Lausitz, die den Antrag, den die Genossen Löbau's gestellt haben, nahe legten. Versammlungen sind wenig abzuhalten, weil uns Lokale nicht zur Verfügung stehen. Darum müssen wir durch die Presse wirken. So arm unsere Bevölkerung ist, so opferwillig ist sie. G o l d st e i n- Zwickau mahnt, sehr vorsichtig in der Besprechung von Mißverhältnissen zu sein, ohne gründliche Beweise dies nicht zu uuteruehnien, denn es kostet sonst der Partei große Opfer. S i n d e r m a n n- Dresden verbreitet sich über die Flugblatt- vertheilung. Beyer-Leipzig: Ein sozialdemokratisches Blatt muß Rück- ficht auf die Volksstimmung nehmen. Vieles, auch Theaterkritiken, »»iß unsere Presse aufnehmen. Das Prinzip kann dabei immer gc- wahrt werden. B u r k h o l d- Zittau bringt die Preßverhältniffe in der Lausitz zur Sprache.! Nach einer Bemerkung von Schmidt- Zwickau empfiehlt L o r e n z- Chemnitz, die Polemik zwischen Parteiblätlern in an- ständiger Form zu führen.(Lebhafter Beifall.) Eichhorn- Dresden mouirt, es würde an den abgedruckten Urtheile» zu wenig Kritik von den Redaktionen geübt. Kritik an der Polemik der Parteipresse in der China-Angelegenheit hier z» i0>en, hat keinen Zweck. Die Redakteure kümmcru sich nicht darum. (Hört! hört!) Die Angelegenheit gehört vor die lokalen Preß- lomiuissionen.(Widerspruch.) G o l d st e i n- Zwickau wendet sich dagegen, daß so polemisirt werde, wie es Parteiblälter in der letzten Zeit gethan haben. M ü l l e r- Aue bespricht das Verbot eines Plakates, das vom Bürgermeister in Aue als republikanisches Abzeichen bezeichnet wurde. (Heiterkeit). R i e m a n n- Chemnitz weist es zurück, daß die Landes- Versammlung nicht kompetent sei, auf die Haltung der Parteipresse einzuwirken. G r e n z- Leipzig meint, auf den„Vorwärts" sei bei der China- Polemik geschlagen worden, aber das sei die falsche S'clle. Man habe es hier mit Dingen zu thun, wie auf dem Parteitag, wo Schippel die bekannte Aeußernng gethan hat. Die Zeitungen richten oft zu wenig den Blick auf die allgemeine Lage. Hier inüsscn die Dinge zur Sprache kommen. W e u d t» Zittau wendet sich gegen die Ausführungen Eich- horn's. Geyer- Leipzig legt Verwahrung dagegen ein, daß die Landesversammlung nicht kompetent sei, über die Parteipresse in jeder Hinsicht zu entscheiden. Die Laudesversaminlung ist die höchste Jvstauz in allen die Parleiverhältnisse in Sachsen betreffenden An- gelegenheiten. Sie steht über den Redaktionen, über den Preß- konimissionen, über dem Zentralkomitee und über den Beschlüssen der Genossen an einzelnen Orten.(Allseitige Zustimmung.) lieber die Polemik der Parteipresse wollen wir uns nicht ereifern, wirken wir dahin, daß diese Polemik immer besser werde. Es ist nicht so, wie Genosse Grenz sagte, der„Vorwärts" sei nur der Prügelknabe für eine andere Stelle gewesen. Die gestern in den Parteiblättern abgedruckte Erklärung linserer ReichstagZfraktion beweist, daß die Fraktion einig ist und den Dingen fern steht. Nunmehr mag man die falsche Meinung aufgeben. Der Streit der Zeitungen ist beseitigt. R o s e n o w- Chemnitz erhält auf Beschluß der Landes- versamnilnng das Wort zur Vertheidigung gegen einige Angriffe auf den„Chemnitzer Beobachter". W e tz k e r- Dresden meint, es bestehe kein Widerspruch zwischen den Ansichten Geyer's und Eich Horn's hinsichtlich der Koni- petenz der Landesversammlniig. Nur in bezug aus die Anstellung und Absetzung von Redakteuren entscheiden die Genossen in den Orlen, wo Zeilungen herausgegeben werden.(Widerspruch.) Eichhorn- Dresden erklärt, von Geyer mißveistande» worden zu sein. Darauf wird die Debatte geschlossen. S e i f e r t- Zivickau hält es für unmöglich, die Zahl der Leser der Gewerkschaftsblätler in Sachsen festziistellen; es habe auch keinen Zweck. Die Anträge L ö b a u und D r e s d e n- A. werden dem Zentral- komitee zur Berücksichtigung überwicseu. Tie Landesversnmmlung beschließt, de» Sitz des Zentral- A g i t a t i o n s k o m i t e e s in Dresden zn belassen. Punkt 7 erledigt sich, da keine Anträge mehr vorliegen. Die nächste Laiidesversammlung soll in Crimmitschau stattfinden. Der Vorsitzende spricht der Versammlung seinen Dank ans für die würdige Haltung während der Verhandlungen, die zeigten, daß trotz der Meinungsverschiedenheit in manchen Punkten doch in bezug auf die gesanimte Tbäligkeit der Partei Einigkeit herrsche. Bei den kommenden Reichstagswahlen wird uns diese Einigkeit große Dienste leisten. Es besteht kein Zwiespalt in der Partei. In Einigkeit kämpfen wir gegen die bürgerliche Gesellschaft. Trotzdem man uns entrechtet hat, kämpfen wir weiter und werden erringen, was man lins geraubt. Vorwärts zum Kampfe! Hoch das allgemeine Wahlrecht! Die Versammlung stimmt begeistert in das Hoch ein; darauf wird die Versammlung geschlossen. Uokttkes« Ter Wahlverein des dritten NeichStagS-WahlkreiseS hält heute(Mittwoch) Abend 8Vs Uhr in den Zentral-Festsälen(früheres Orpheum). Alte Jakobstraße 32, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder nolhivendig. Das Milgliedsbuch ist vorzuzeigen. Der Vorstand. Nchtnna! Wahlvcrcin des 4. KrciseS, Tildost! Zur Re- gelung der Mitgliederliste ist es erforderlich, daß die Mitglieder ihre Wohnung bis zum I. Februar auf den Zahlstellen angeben. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß dieses für sämmlliche Mit- glieder gilt, also auch sür solche, die nicht umgezogen sind, oder welche zum 1. April umziehen. Der Vorstand. Achtung, Mitglieder der Freien Volksbühuc? Montag den 31. Januar, abends punkt 3 Uhr, findet sür die Mitglieder der Freien Volksbühne ein Vortrags- Abend in Keller's großem F e st f a a l, K o p p e u st r. 29, st a t t. Herr Dr. Wilhelm Meyer, früher au der Urania, hält einen Projeklions- Vortrag mit eliva 160 Bildern:„Die Reise nach Spitz- bergen". Enlree 20 Pf. Einlaßkarten sind zu haben in den Zahlstellen: 8. G o t t f r. S ch u l z; 0. A d o l p h H o f f m a n n, Blumenstr. 14; X. Beyer, Zigarrenhanvlung, Veteranenstr. 13; und W. Fr. Zu b eil, Lindennr. 106; serner in der General.- Versammlung nnd in der nächsten VorsteNnng am 30. im Lesstlig- Thealer bei den Ordnera und beim Kassirer. Die General-Versammlung findet für dieses Quartal am Donnerstag, 27. Januar, abends 3 Uhr, in Cohn's Feftsälen statt und werden die Mitglieder gebeten, pünktlich und zahlreich zu er- scheinen. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet(siehe heutiges Inserat). Die außerordentlich günstige Aufnahme der Vereinsvorstelliingen im Lcssing-Theater, besonders die Vorstellung des Langinanii'scheii Arbeiter-Drama's„Bartel Turaser" hat den Andrang so bedeutend gesteigert, daß sich der Vorstand genölhigt sah, eine fünfte Ab t h e i l u u g z n eröffnen. Da die bedentendcn Kosten der Neileiurichtuug und Vorstellungen bedingen, daß die Abtheilnug ge- füllt ist, so liegt es im dringenden Interesse j e d e s At i t- gliedes, in seinem Kreise für die baldige Füllung dieser fünften Abtheilnug zu wirken und dadurch die Entivickelung des Vereins zu fördern. Diejenigen Freunde der Volksbühne, die Mitglieder der fünften Ab- t h e i l ii n g werden wollen, werden gebeten, sich b a l d i g st in einer Zahlstelle anzumelden und das Eintrittsgeld und einen Mouatsbeitrag gegen vorläufige Quittung zu hinterlegen. Die Mitgliedskarte erhalten neue Mitglieder nach Aufnahme durch den Vorstand vor der Vorstellung in den Zahlstellen. Die erste Vorstellung für die V. Abtheilnug findet im L e s s i n g- Theater statt. Zur A n f f ü h r u n g gelangt„Bartel T u r a s e r". III. Abtheilung Sonntag, den 30. Januar: dieselbe Vorstellung. Nachzügler anderer Abtheiliingeu erhalten nur einen Stehplatz. Im Februar gelangt zur Aufführung im Friedrich- Wilhelm städtischen Theater:„Die lustigen Weiber von W i n d s o r", Lustspiel in fünf Akten von W. Shakespeare. D e r V o r st a n d. I.A.: G. Winkler. Niiser Parteigenosse Stadthage» hat vorgestern ins Ge- fängniß gehen müsseii, ihn eine Freiheitsstrafe von sechs Wochen abzubüßen, auf die gegen ihn wegen Beleidigung erkannt worden ist. Wir hoffen, daß die'Gesnndheit unseres Genossen im Gefängnifi keine allzu schlimme Beeinträchtigung erleiden wird. Ueber den Rechts- zustand, der darin liegt, daß ein Abgeordneter schnurstraks ans der Ersüllliiig seiner parlamentarischen Pflichten herausgerissen wird, um beim Rnmfutsch für ein politisches Vergehen zu kasteien, ist kein Wort weiter zu verlieren. In der städtische» FortbildniigSschnle Fruchtsir. 33 hält heute, Mittwoch, abends von 7 llhr 20 Miiiiilen bis 9 Uhr. Herr Magistratsassessor Cuno den zweiten Vortrag über Gesetzeskunbe. Die Zahl der Theiluehmer am vorigen Mittwoch betrug 26. Der Grund für die nicht allzu starke Betheiligung dürfte darin zu suchen sein, daß das Lokal vom Verkehrszentrniu ziemlich ab- gelegen ist; sür die Mehrzahl der Arbeiter ist ferner der Beginn der Vorträge zn frühzeitig angesetzt; nur wenige können rechtzeitig genug ihre Arbeitsstätte verlassen. Bor 3 Uhr abends sollten die Vorträge nicht beginnen. Wer es aber ermöglichen kann, dem ist dringend zu rathen, den an jedem Mittwoch um dieselbe Zeit statlfindendeii lehrreichen Kursus zu besuchen. Wir bemerken hierbei, daß auch andere Personen als Beisitzer des Gewerbegerichts daran thcilnehmcu können. Die Frauen sind von der Theiliiahme leider ausgeschlossen. Tie Versauiuilung zur Errichtung eincS Verbandes deutscher ArbeitSuachiveiS-Anstaltc» ist nunmehr vom Zentral« verein für Arbeitsnachweis zu Berlin auf Freitag, den 4. Februar, vormittags>0 Uhr. nach Berlin, Klosterstr. 41, einberusen worden. Einladungen haben sämmtliche allgemeine kommunale und Vereins» Arbeitsnachweise im Deulschen Reich erhalten. Der Verband der badische» Arbeits- nachweise hat seinen Beilritt zum Verband erklärt. Auf der Tagesordnung der Versammlung stehen folgende Punkte: 1. Er- richtung des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise(Referent: Dr. Freund). 2. Arbeitsnachweis-Statistik(Referenten; Dr. Jastrow und Dr. Hirschberg). 3. Kleinere Vereiiiigungen der Arbeits- nachiveis-Anstalten(Referent: Stadtrath Dr. Flesch). Polizeipräsident v. Windheii» ist ein verhältnißmäßig junger Mann und daher von der Berknöcherung der preußischen Polizei- bureankcaleii noch ziemlich frei. Vom ersten Auftreten der Ivette Gnilbert berichtet die„Freis. Zlg": „Der Polizeipräsident, der der Französin einige Lieder und Strophen vom Repertoire gestrichen hatte, war anwesend. Nachdem er Ivette gehört, küßte er ihr ritterlich die Hand und erlaubte ihr auch die beanstandeten Chansons in Berlin zu singen." Beneidenswerthes Frankreich, das einen solchen Sieg über daS Preußenthum errnngen hat! Was wird aber die Generalsynode dazu sagen? Tie gester» abgehaltene» G en e r a l v e r s a m m l n n g der „Großen Berliner P f e r d e- E i s e u b a h u- G e s e l l- s ch a f t" genehmigte einstimmig den mit der Stadt Berlin ab- geschlossenen Vertrag wegen Uniwandlnng des Betriebes in den elektrischen. Auch die übrige» auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände wurden eittslimmig genehmigt, insbesondere der Vertrag über Erweibung der„Neuen Berliner Pferdebahn" durch Ausgabe von 1300 000 Mark neuer Aktien der „Großen Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft". und schließlich der Antrag auf Ausgabe von 22 875 000 M. neuer Aktien zum Kurse von 103 unter Vergütung von 4 pCt. Zinsen bis Ende 1893 und Gleichstellung von da ab mit den alten Aktien. Schließlich wurde die Anzahl der Anssichtsraths-Mitglieder ans 13 festgesetzt und neu in den Anfsichtsrath gewählt die Herren: Banrath Lent, Kommerzicnralh Gnttmann, Sigismund Born, Robert Jmel- mann, Direktor Richard Michelet, Generaldirektor Isidor Loewe und Jnstizrath Braun. Gift in WcihilachtSsachc». Seitens der Polizei sind in den Wochen vor Weihnachten, wie alljährlich, vielfache Proben von Spielwaaren, Baumbehang, gefärbtem Marzipan, Chokoladeufigureii und ähnlichem auf die Verwendung giftiger oder gesuudheitsschäd- lichcr Farben im chemischen Laboratorium des Dr. Bischoff unter« sucht worden. Die Untersuchung der Spielwaaren hat bei 24 vorgeiiomuiinen Uulersuchungen in 12 Fällen zu Be- anstandungen geführt. Mit Arfensarbe» bemalte Gegenstände sind erfreulicherweise nicht vorgefunden worden, dagegen wurden in unzulässiger Weise verwendete Bleifarben häufiger festgestellt, allerdings meist bei Gegenstäudeii, welche llteste älterer Lagerbeslände zu sein schienen. Trotz der Feststellung einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Kontraventionen konnte im allgemeinen festgestellt werden, daß in der Technik die Verweuduug nngefährlicher Farbe» immer mehr die früheren schädlichen Farben verdrängt. Einige Proben von Zinugiißwaaren gaben zu besonderen Bedenken Anlaß, Kinderservice cnlhielten statt des sonst zu Trink- und Kochgeschirren zulässigen Bleigehalts, höchstens 10 pCt., mehr als 30 pCt. Eine Probe von angeblichen„Zinn"- Soldaten bestand aus Hartblei, mit mehr als 80 pCt. Blei und Antimon daneben; leider wird dieselbe Legiruug auch zu Trillerpfeife», Schrei- Hähnen u. dergl. benutzt. In beiden Fällen liegt eine besondere Gefahr vor, da die Kinder derartiges Spielzeug in den Mund bringen, obwohl sich bei dem Gebrauch Oxydalionserscheinungen in den Metallen einstellen, welche die Möglichkeit der Aufiiahme von Blei in den Körper vermitteln. Die Untersuchung der Zucker- iv aar e» und anderweitiger zum Gebiete des Konditorgcwerbes ge- hörigen Gegenstände veranlaßte bei 30 Proben in 10 Fällen Bean- staydnngen. Namentlich bei der Wahl der Umhüllnngspapicre achten die Interessenten noch immer nicht genügend ans die Vor- schristen des Gesetzes. Zum theil durften die Verfertiger mancher Waaren irregeleitet werden durch die Verschieden- arligkeit, welche einzelne gefärbte Gegenständs in der Be- urtheilung innerhalb des Rahmens dcs Gesetzes je nach dem Zweck. erfahren, sür welchen die Gegenstände bestimmt sind. Es ist selbst- verständlich, daß, wenn zur Verzierung von Zlickerivaaren> n. dergl. gefärbte Stoffe, Gewebe, Papiere:c. verwendei werden, diese nicht an sich mit giftigen Farben im Sinne des§ 1 des Gesetzes vom 5. Juli 1887 gefärbt sein dürfen, wenn auch Stoffproben zu anderen Zwecken mit den vorliegenden Farben znlässiig erscheinen. So fanden sich, wie in den früheren Jahren, wiederum mehrfach Ver- zieriiuge» aus Scidenpapier, welches Chrom und Blei enthielt, in direkter Berührung mit Marzipan oder Chokolade, desgleichen grüne Bäumchen ans Federn an Weihnachtsmännern aus Marzipan oder Chokolade, die Pikrinsäure enthielleu. Anträge auf Befieiiiug oder Zurückstellung vom Militär- dienst mit Rücksicht auf bürgerliche Verhältnisse sind von allen Militärpflichtigen, auch von Einjährig- Freiwilligen. spätestens in dem Ansang März d. I. stattfindenden Musterungstermine zn stellen. Es empfiehlt sich jedoch, schon jetzt unter Darlegung der in Fragekomnieu» den Verhältnisse diese Anträge einzureichen. Nach dem Mnsterungs- termine angebrachte llteklninationen käniicn nur dann Berücksichligung finden, wenn die Veranlassung zur Reklamation erst nach dem Muslerungsgeschäft entstaiideu ist. Diejenigen Militärpflichtigen. welche in früheren Jahren ans ihren Antrag vom Dienst zurück-' gestellt sind nnd eine weitere Zurückstellung wünschen, müssen, wenn die Gründe noch bestehen und der Antrag anfrecht erhalten werden soll, von neuem die enlsprechenden Anträge stellen. S07S Brände, bei denen Schäden an Gebäuden angerichtet wurden, waren vom 1. Oktober 1396 bis zum 30. September 1897 in Berlin zu verzeichnen. Außerdem sind noch 330 Brände, bei denen sich nur Schäden an Mobilien ergeben, zur Meldung gelangt. Zusammen also 2453 Brände, die von der Feuerwehr gelöscht wurden, während etwa dreimal so viel Feuer slattgefunden haben. von denen die Feuerwehr keine Kenntniß erlangt hat, weil dic� Brände ohne die Wehr gelöscht wurden. Der Schaden, den die städtische Fenersozietät für' die angegebenen Brände zu vergüten hat, ist auf I 511906 M. festgesetzt. Der Schloßplatz soll nnnmehr völlig mit elektrischem Bogen« licht beleuchtet werden. Das Polizeipräsidiuin hat dem von den städtischen Behörden aufgestellten Projekte betreffend die Festsetzung einer neuen Bau- flnchtlinie sür die Straße am Zeughanse zwischen der Eisernen Brücke und der Straße Hinter dem Gtcßhause zugestimmt. Tie Straße erhält in diesem Theile eine Breite von 14—13 Meter. Ter städtische» VcrkchrSdepntation ist eine Petition über- reicht worden, welche die Weitersührnng der Pferdebahnlinie Mollen» markt— Weißensee bezweckt. Was i» Berlin verloren wird. Die Summe der im vorigen Jahre im General- Fundburean, Charlottenstr. 93, abgelieferten Gegenstände beträgt 7150, wovon 20 pCt., also der fünfte Theil, allein auf 1428 zngelaiisene Hunde entfällt. Portemonnaies wurden 850 gefiiuden und abgegeben, genau ebenso groß war die Zahl der Schinne(830), welche wohl meist„in Gedanken" irgendwo stehen ge- blieben find. 770 Beklcidiings- und Zlnsrüstiingsgegeustände, vom schwersten Havelock bis zum kleiusten Taschentuch wurden abgegeben. 708 Tascheuiihreu, durchweg Damennhren, wurden von der Straße ausgelesen; außerdem fand man daselbst 336 diverse werthvolle Schmucksachen, zu welchen noch 120 Armbänder und nicht weniger als 252 Ringe(meist Trauringe!!) treten. 216 Handtasche» und Pompadours, 204 Operngläser, 103 Brillen nnd Pincenez zählen wir. Lediglich aus das ktouto der Herren sind wohl die gefundene» 124 Spazierstöcke und 122 Taschenbücher:c. zu setzen. Außer Hniiden fanden sich auch noch 72 andere Thiere vor(Katzen, Papageien ic). 940 diverse Gegenstände wurden noch aufgesammelt, darunter 15 künstliche Gebisse, ein Stelzbein, eine Flasche Sekt, einige Zwei- räder(!?), ein Kronleuchter, Rindcrvierlel, Kiste mit Käse zc. TaS Wort voiu Zeiche» des Verkehrs wird am Donucrslag durch eine Reihe polizeilicher Verkchrsbcjchräukuugen illuslrirt werden/ I. In der Zeit von 9 Uhr vormittags ab bis gegen I'/z Uhr nach- mittags wird der gesammte Verkehr über die Kaiser Wilhclm-Brücke, den Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Schloßbrücke, die Plätze am Opern- und am Zeughause nach Bedarf abgelenkt worden. II. Vo» 5 Uhr nachmittags ab erleidet der Fahrverkehr weitläufige Ein- schränkungeii. Die elektrische Straßenbahn Behreustraße— Treptow fährt z.B. uur bis zur Mauerstrabe 75(südlich der Leipzigerslraße). Von 7 Uhr abends ab wird der Pferde-Eisenbahn-Verkehr über den Opernplatz aus der Strecke Frauzösischeslraße— Am Festuiigsgrabrn abgelenkt bezw. unterbrochen werden». s. w. Warum? Der deutsche Kaiser feiert an diesem Tage seinen Geburtstag. Die Fran Wachtmeister. Die Michaelkirchstraß«»»t7ang gmg eine Frau, einen Marktkorb vorsichtig in der Hand tragend. Ihr entgegen kam eine andere Frau, die ein Kind an der Hand führte. Wohl»in ihren Korb, in dem zerbrechliche Waare sein mochte, vor einer Berührung zu schützen, gab die Korbträgerin dem Kinde der ihr entgegenkommenden Frau einen' so heftigen Stoß, daß Mutter und Kind zur Seite stolperten. Diese revanchirte sich mit einem nicht gerade schmeichelhafleu Ausdruck, den sie der Korbträgerin zurief. Letztere, schon einige Schritte entfernt, stellte bedächtig ihren Korb auf die Erde, ging gemessenen Schrittes auf ihre Gegnerin zu und herrschte sie an:„Was sagen Sie zu mir? Wie können Sie sich solcher Ausdrücke bedienen? Wissen Sie iver ich bin? M e i n M a n n i st W a ch t m e i st e r!" Die so Angeredete machte der anderen durch einige urwüchsige Berliner Nedewendmigen begreiflich, daß ihr die ivachlmcisterliche Würde des Ehemanns ihrer Gegnerin nicht im geringsten imponire, worauf die Frau Wachtmeister mit einem schnellen Griff in die Haare ihrer Widersachcrin fahren wollte. Aber ehe sie ihren An- griff aussühren konnte, fiel ihr ein Slraßenpassant in den Arm, andere, welche den Vorfall beobachtet hatten, iiahmen gegen die An- greiferin so entschieden Partei, daß es die Frau Wachlmeisterin vorzog, sich schleunigst zu drücken. Fiir die Betheilignng der köuigl. PovzeNanmannfaktnr an der Pariser Weltansstellung im Jahre 1900 sind die Vorbereitungen bereits eingeleitet. Die Kosten dafür find auf 80 000 M. veranschlagt. AnS der Kaserne. Der Rekrut Birkholz vom Alexander- Regiiiient, der sich drei Tage nach seiner Einstellung wahrend der Jnstruktioiisstunde aus dem dritten Stock der Kaserne auf die Hirten- straße hinabstürzte, liegt noch immer schwierkrank im Lazareth. Das rechte Bein hat man ihm abnehmen müssen.— Beim Laufschritt ist der Pionier Matlhes von der 7. Kompagnie des 2. Eisenbahn- Regiments verunglückt. Er glitt aus, fiel hin und brach sich ein Bein. Ei» Opfer der Roth. Vor einigen Tagen ging durch hiesige Blätter die Meldung, Frau Dr. zur. Emilie Stempiii sei geistig schwer erkrankt. Die Nachricht hat sich leider bestätigt und herzlichste Theilnahme in weiten Kreisen hervorgerufen. Die Ursache der Er- krankung ist in schweren Sorgen um das tägliche Brot zu suchen, von denen sich die begabte Frau nicht sreiniachen konnte, da ihre Jiechtsgelehrsamkeit sich zu wenig praktisch verwerthen ließ. So sind der Frau Kenipin Zivangsvollstreckunge», Pfändiiugeil u. dergl. nicht erspart geblieben und unter dem Einfluß dieser Dinge kam das Leiden zum Ausbruch. Wenn anfangs ernstlich an einer Heilung gezweifelt wurde, so verlautet jetzt erfreulicherweise, daß die Anstaltspflege vielleicht doch eine allmälige Besserung herbei- führen wird. Die Tochter von Frau Dr. Kempili hat im Hansa- viertel, in der Familie eines früheren Majors, eine Stellung an- genommen. Todtgefahrc». Vor dem Hause Stralauer Allee 17ö wurde Montag Abend der. einen mit Holz beladencn Handkarren vor sich berschiebende dreizehnjährige Stiefsohn des Oekonomen Hermann Birkholz, namens Karl Laube durch einen Mörtelwage» überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Leichtsinn. Infolge einer Wette sprang am Sonntag Nach- mittag der Seemann Paul Holzkamm von der Jaiinowitzbrücke in die Spree, schwamin an das Land und wurde dann in einer Droschke nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Ba»-Uufall. Am 24. d. M. nachmittags fiel der 84 Jahre alte Zimmererpolier Karl Somelke von dem Neubau Oranienstr. 131 ans dem vierten Stocke auf den Hos hinab und starb aus der Stelle infolge eines Schädelbruchs. Selbstmord. Nach einem Streite mit ihrem Ehemann stürzte sich abends die Arbeiterfrau Johanna Ernestine S. aus dem Fenster ihrer im vierten Stock eines Hauses der Metzerstraße gelegenen Wohnung aus den Hof hinab und fand auf der Stelle den Tod. Fcnerbericht. Ein gefährlicher Kellerbrand, bei dem Menschen- leben in Gefahr schivebten, rief die Feuerwehr Montag Abend gegen 10 Uhr nach Paukstr. 45». Bei Ankunft der Wehr waren nicht nur die Kellerräume, sondern auch die Treppenauigänge bis in die obersten Etagen derart verqualmt, daß ein Vordringen fast un- möglich schien. Während nun ein Theil der niit Rauchhclm und Fenerschntzanzug ausgerüsteten Löschmannschaften mit drei Schlauch- leitungen gegen den Brandherd vorrückten, waren andere Feuer- inäuner bemüht, die gefährdeten und nach Hilfe schreienden Haus- bewohner der oberen Stockwerke zu beruhigen, bezw. zu retten. Leitergänge wurden nach dem 4. Stockwerke hergestellt, wo besonders mehrere Personen in Lebensgefahr schwebten. Es gelang denn auch, auf diese Weise zwei Frauen und einen ik n a b e n, die auf ihrer Flucht fast bewußtlos ans der Treppe ziisaniinengebrocheii waren, durch ein ebenfalls verqualmtes Treppenhaus in Sicherheit zu bringen. Die übrigen Hausbewohner hallen sich theils selbst gerettet, theils waren sie in den sorgfältig verfchlossenen Wohnungen verblieben. Das von den angefüllten Kellerverschlägen reichlich gespeiste Feuer entwickelte eine solche Hitze, daß die Eisenträger des Kellerraums weißglühend wurden. Die Ablöschnngs- und Aufräuinungsarbeiten nahmen mehrere Stunde» in Anspruch. Zur selben Zeit erfolgten noch zwei Alarmirungen. In dem einen Falle waren D r e s d e n e r st r. 10 Möbel und Rleidungs- stücke in Brand geralhen, im anderen Falle handelte es sich um einen breuiienden Kohlenhanfen B o r s i g st r. 3. Kurz darauf hatte W o l l i u c r st r. 64 die Schaaldecke Feuer gefangen. Dienstag * Mittag 12 Uhr mußte S ch l e s i s ch e st r. 23 auf einem Neubau ei» Brand abgelöscht werden, der den Fußboden und einen Posten Bau- holz ergriffen Halle. Kurz nach 1 Uhr wurde die Wehr nach dem Görlitz er Bahnhofe gerufen, wo im Lagerraum Feuer aus- gebrochen war, das mit eiiieui Rohre gelöscht wurde. Ein Schau- fensterbrand war gegen 2 Uhr G e r i ch t s st r. 29 ausgebrochen, der iuveß rasch beseitigt werden koiinle, bevor erheblicher Schaden ent- standen war. Tic Walfische in der Schausammlnng des MuseumS für Naturkunde bildeten den Gegenstand eines hochinteressante» Vortrages, welchen der Direktor jenes Instituts, Prof. Dr. Möbius, den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für v o l k s t h ü m l i ch e Natu r k n ii d c hielt. Die Wale weisen die größten Vertreter des Thierreichs auf; selbst die Urwelt hat solche Riesen nicht gekannt. Der zu den Finivalen gehörige Blauwal erreicht eine Länge von nahezu 100 Fuß. Er kann die Kleinigkeit von 600 Zenlner Fischen vertilgen. Die Tragfähigkeit des Wassers im Verein mit der dicken Speckschicht unter der Haut und den porösen, reichlich mit Fett ausgefüllten Knochen ermöglicht es ihm, die 2309 Zentner betragende Niesenlast seines Körpers, die etwa dem Gewichte von 1500 Menschen ftleichkommt, mit größter Lichtigkeit zu bewegen. Die Wale sind als Säugethiere ans die Luft angewiesen. Koinmen sie zum Athemholen au die Ober- fläche, so bildet die mit Macht aus den Nasenlöchern ausgestoßene verbrauchte Luft in der kalten Außentemperatur zwei gewaltige Dainpfsäulen. Anatomisch unmöglich ist es, daß der Walfisch das verschluckte Wasser aus den Nasenlöchern emporspritzen kann. Von den Exlremiläten sind nur die vorderen ausgebildet; die Hinteren sind völlig verkümmert, im Embryonalzustande aber noch äußerlich deutlich wahrnehmbar. Interessant ist. daß auch der Finwal im gleichen Zustande noch die Zahnentivicklung zeigt. Statt cher Zähne haben alle Bartenwale vom Zahnfleisch ausgehende Hornplalteu. die Barten, jederseits über 300, die als Fang- oder Filtrir- apparate bei der Nahrungsaufnahme dienen und bekanntlich das Fischbein liefern. Am häufigsten von allen Walen sind die Zahnwale, zu denen die Delphine gehören. Einer der größten ist der Potwal; er enthält in den Höhlungen seines Kopses große Massen eines flüssigen Felles, das unter dem Namen Wallrat bekannt ist und vielfach Verwendung findet.— Am Freitag, den 28. d. M.. abends 3 Uhr. wird im Bürgersaale des Ralhhanses Herr Professor Dr. Sorauer über„Die Krankheiten unserer Zimmerpflanzen" sprechen. Kulturschaubnhue. Im Saale Potsdamersttaße 120 wirb Herr Dr. Koppen heute über moderne Malerei sprechen und eine Anzahl neuer Werke in farbigen Glasbildern vorfiihren. Theater. Das Schiller-Theater wiederholt heute zum ersten Male Lope de Vegas Lustspiel„Der Tugeiidwächter* in der Bearbeitung von Zabel und das österreichische Singspiel„Das Versprechen hinterni Herd" von A. Baumann. Die letzte Wiederholung vom„Registrator ans Reisen" findet niorgen statt.— Im Ostend-Theater findet heut das Benefiz für Herrn Jiirgaö statt und gelangt„Preciosa" von Pius Alexander Wolfs zur Aufführung.— Am Sonnabend, den 29. d. M.. findet im Theatersaale des P as s a g e- P an o p tikum s die erste Auffilhrung der Suppöffchcn Operette„Flotte Bursche" durch die Wiener Sängerlimeit statt. Infolge dessen werden am Freitag, den 28. d. M., unbedingt zum letzten Male die lebenden Bilder zum Volksliede vorgeführt. SltiS de» Nftchlxn'orte». Tic Pavtelgenofse» in RummelSbnrg werden darauf hin- geivieseu, daß die Listen zur K o m m u n a l w a h l nur noch bis zum 31. Januar ausliegen. Wer keine Zeit hat, die Listen nachzusehen, möge seinen Steuerzettel bei Theodor Ritter abgeben. Selbiger ist bereit, die Listen zu kontrollireu. Der Vertrauensmann. Die Parteigenosse» vo» Wcisteusce werden darauf hin- gewiesen, daß die W ä h l e r l i st e n zur Gemeiiiderathswahl nur noch bis zum kommenden Sonntag, den 30. Januar, im Amlsgebäude ausliegen. Jeder Parteigenosse hat die Pflicht, die Listen nachzusehen; wer keine Zeit hat, wolle sich bei folgenden Genossen melden: Erster Bezirk: Walle. Pistoriusstraße 3, 1 Tr.; zweiter Bezirk: Haufschild, Friedrichstr. 36, part. links; Dehert, Schöustraße 10, 2 Tr.; driiter Bezirk: Peukert, Langhans straße 115. Es ist nothwendig, den letzte» Steuerzettel mitzubringeu. Wahlberechtigt ist jeder, der seit einem Jahre in Weißensee seiiieu Wohnsitz hat, und zu den Gemeinde- abgaben nach einem Jahreseinkomiiieu von mehr als 660 M. heran- gezogen ist. Das Wahlkomitee. Ans Weistensee wird uns berichtet: Nach löjährigem Aufent- halt in Preußen ist der seit 7 Jahren im Vororte Neu> Weißensee wohnhaste Genosse Reinhold Posselt, geb. 4. Juni 1367 zu Wiesen- thal in Böhmen ausgewiesen worden. Nur 23 Tage waren ihm mit seiner aus der Frau und drei Kindern bestehenden Familie Zeit gegeben, seine unsreiwillige Abreise vorzubereiten. Welchen Wiederhall diese Maßregel weckte, zeigte so recht der feierliche Ab- schied von unserm Freunde. War es uns auch unter dem Schutze der„heiligen Hermandad" nicht vergönnt, den letzten Händedruck zu wechseln, so begleiteten doch etwa 250 Genossen unseren Freund in langem Zuge zum Bahnhof. Die Lieder der Freiheit ertönten auf dem Marsche und ermahnten die Proletarier zum Ausharren im Kampfe für die Befreiung der Menschheit. Gleichfalls de» „Staub von den Füßen schülteln" mußte der Genosse Schmeckal ans Rixdorf, welcher sich als Reisegefährte unserm Posselt anschloß. Am Bahnhof gab ein dounerades Hoch Zeugniß von der Begeisterung. Möge sie gute Früchte zeitigen, möge sie den Ansporn geben, daß bei der bevorstehenden Kommuiialivahl in unserem Orte Bresche gelegt werde in die Sonderiiiteresscn-Vertretuiig, möge sie auch den Weg vorwärts ebnen zur koiniiieiiben Reichstagswnhl, möge sie aber vor- uehmlich jeden Genossen zu unermüdlicher Agitation heranziehen, damit die Zeit vorbereitet werde, wo die Grenzpfähle der Ratio- nalitäten verschwinden, im Morgeulicht des siegenden Sozialismus! Vo» einem Eisenbahnzuge ist am Dienstag Morgen um l1/* Uhr ein uiibelannter, etwa 35 jähriger Manu in der Nähe von Groß-Lichterfelde lodlgefahren worden. Gevichks-Rettung. Ter deutsche Berg-»nd Hiittenarbeitcr-Verbaud besitzt seil vielen Jahren in einem Orte in der Nähe Dortmunds eine Zahl- stelle, die in letzter Zeit etwas zurückgekommen war. Der Arbeiter Meinert bemühte sich nun, neue Mitglieder für den Verband zu werben und die vorhandenen zur Ersiillnng ihrer Pflicht anzuhalten. Er zog u. a. durch Mittelspersonen Beiträge ein und lieferte diese au den Verbandskassirer ab. Die Polizei erklärte ihn daraushi» fiir den Vorsteher der Zahlstelle und bedachte ihn mit einem S t r a f in a u d a t. weil er ihr nicht die Statuten und das Mitgliedcrverzeichniß eingereicht habe. Die Zahlstelle wurde als Verein angesehen, der auf öffentliche Angelegenheiten eiiiwirke» wolle. Schöffengericht und Landgericht sprachen M. jedoch frei. Sie gingen von der Erwägung aus, daß er nicht als Vorsteher der Zahlstelle anzusehen sei, da er nicht die im Verbaiidsstatut vorgesehene Be- stätigung des Zeiitralvorsiandes erhalten habe. Die Staatsanwalt. schaft legte gegen diese Entscheidung Revision ein und machte geltend, der Vorderrichter habe den Begriff des Vorstehers eines Vereins im Sinne des Vereinsgesetzes verkaunt. Es koiume nicht ans die Statuten, sondern auf die thatsächlichen Verhältnisse an. Das K a ni m e r g e r i ch t hob denn auch d i e V o r e n t s ch e i d» u g auf und wies die Sache zu anderweitiger Verhandlnng an die zweile Instanz zurück, indessen mit der Maßgabe, daß jetzt nicht, wie das erste Mal, das Landgericht Dortmund, sondern das Landgericht Bochum entscheiden solle. Es schloß sich der Auffassmig des Staatsanwaltes an, daß vor allem das thatsächliche Verhallen des Angeklagten maßgebend sei und nicht die in belracht gezogene Bc- stiniiiiung der Statuten, daß der Vorsteher einer Zahlstelle vom Zeiitralvorstand bestätigt werden müsse. Das Landgericht soll nun nachprüfen, ob die Zahlstelle eine» selbständigen Verein darstelle und ob sie auf öffentliche Angelegenheiten einzuivirken bezwecke. Wegen Beleidigung des Dieustmiidchcnö O. Alimniin ist der Redakteur der„Friebenauer Zeitung", Julius Litten, gestern von der ersten Slraskainmer am Landgericht II zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt worve». Litte» hatte ans einer Berliner Lokal- korrespondenz die unwahre Mittheilung abgedruckt, daß das Dienst- inädchen wegen Diebstahls verhaftet worden sei. Obeibürgernicistcr und KrciS- Schulinspertor. Der Superiuteiidenl Schimmel ist sehr darnm bemüht, als Kreis-Schul- inspektor seinen Einfluß aus die Schulaiigelegenheiteu der Stadt Naumburg zu wahren und ihn möglichst zu erweitern.'Als ihn die Schuldeputation nicht immer zu ihren Sitzungen einlud, beschwerte er sich bei der Regierung, worauf diese ihm das Recht zugestand, allen Sitzungen beizuwohnen. Danu hatte der kirchliche Würdenträger wieder einen andern Grund zur Beschiverde. Der Oberbürger- meifter Kratz reichte die in Schulsachen gefaßten Entschlüsse der zu- ständigen städtischen Behörden selber der Regierung ein. Herr Schinimel war aber der Meinung, daß mau ihn ungebührlicher- weise übergehe, weil er die zur Neberreichung der Schulsachen befugte Person sei. Die Regierung gab auch hierin dem Seelenhirteii recht und sandte einige Aktenstücke au den Oberbürgermeister mit dem Vermerk zurück: Durch die Hand des Schulinspekiors zu überreichen. Hochwürden wurde trotzdem wieder vergessen. Nun- mehr erhielt der Oberbürgermeister vom Regierungspräsidenten in der Form eines Verweises eine Diszipliiiar-Ordnungsstrafe. Herr Kratz wandte sich jetzt an den Oberpräsidenten mit dem Ersuchen, die Strafe als unberechtigt aufzuheben. Er machte geltend, es sei Zufall, daß doch wieder einige Schulsachen direkt der Regierung übermittelt worden seien. Der Oberpräsident wies aber seinen An- trag zurück, indem er ausführte, der Oberbürgermeister hätte für die Befolgung der Anordnuiigeii der Regierung sorgen müssen. Ob dies absichtlich oder ohne Absicht unterblieben sei, wäre unerheblich. Auf die Klage des Herrn Kratz hob jedoch der erste Senat des Ober- V e r w a l t u u g s g e r i ch t e s die Strafe auf. Präsident Persins unterließ es— wie immer, wenn die Parteien nicht vertreten sind— die Gründe zu publiziren. Eine gewisse prinzipielle Bedcntung Hot eine Entscheidung, ivelche gestern die 140. Abtheilung des Amtsgerichts I fällte. Der Wäschefabrikaut Eli Lazarus war des Bergebens gegen tz 137,1 der Reichs- Gewerbe- Ordnung angeklagt, weil er am Sonn- abend, den 9. Oktober vorigen Jahres, noch nach 5Vs Uhr abeudS Arbeiterinneil beschäftigt haben sollte. Der Angeklagte bestritt seine Schuld und behauptete, daß an dem geuannten Tage des Sabbaths wegen nicht gearbeitet worden sei; dagegen habe er seine Direktrice, die er als zum Handelsgewerbe gehörig betrachte, da sie mit sechswöchentlicher Kündigung und einem Monatsgehalt von 30 M. angestellt ist, beauftragt, nach 6 Uhr abend? für die Arbeiterinneil Arbeit einzurichten, ivelche diese mit sich nach Hause nehmeil sollten, um sie dorlselbst fertig zu stellen, da am solgenden Montag und Dienstag die Fabrik wegen des Lanbhütlenfestes geschlossen blieb. Durch die Beweisaufnahme wurde jedoch festgestellt, daß die Direktrice Wäsche zugeschnitten, also gewerbliche Arbeiten verrichtel hatte. In dieser Beschäftigung erblickte der Staatsanwalt de» Verstoß gegen die Reichs-Geiverbe-Ordnung und beantragte 50 M. Geldstrafe; er führte de? weiteren aus, daß der Angeklagte, wenn er die Direktrice als zum Handelsgewerbe gehörig betrachte, sie des Sonnabends nach 5>/s Uhr nur im Handelsgewerbe beschäftigen dürfe. Der Angeklagte machte zu seiner Vertheidiguug geltend, daß wohl alle Fabrikanten in gleicher Weise wie er verführen, er sich also zum mindeste» in gutem Glanben befunden habe. Der Gerichtshof schloß sich jedoch den Ausführungen des Staatsanwalls an und erkannte auf 20 M. Geldstrafe oder 5 Tage Gefängniß, da festgestellt sei, daß in der Fabrik noch 5'/, Uhr gewerbliche Arbeiten, die nicht ziini Handelsbetriebe gehören, verrichtet wurden. Die warmen Würstchen«nd die Sonntagsrnhe. Die Frau des Schlächters Brasser in Halle verkaufte mit Einwilligung ihres Mannes am Sonntag Nachmittag 4Vz Uhr in einem Garten- lokal von ihrem Wagen aus warme Würstchen. Die Würstchen wurden au Ort und Stelle verzehrt. Der Inhaber des Lokals gestattete der Frau den Aufenthalt und den Berkaus im Garten gegen eine prozentuale Betheiligung an dem Erlös. Es kam daranfhin zu einem Strafverfahren gegen die Eheleute Brasser und Genossen. Polizei und Staatsanwall nahmen an, es liege hier ein Gewerbebetrieb im Umherziehen vor, der nach der Gewerbe-Ordnung und den örtlichen Vorschristeu zur fraglichen Tageszeit an Sonntagen nicht gestattet sei. In der ersten Instanz wurden die Angeklagten freigesprochen, die Bernfnngs« kainmer vernrtheilte sie jedoch zu Geldstrafen. Auf ihre Revision hat jetzt das Kammergericht dieses Urtheil ausgehoben und sie endgiltig freigesprochen. Aus den Gründen ist folgendes bemerkenswerth: Der Vorderrichter irre, wenn er annehme, es liege hier ein Gewerbebetrieb im Umherziehen vor. Die Frau habe vielmehr von einer festen Verkaufsstelle aus, dem Wagen, der an einer bestimmten Stelle des Gartens gestanden habe, ihre Würstchen ver- kauft. Hier handele es sich aber auch nicht um den Betrieb einer Schankwirlhschaft. Wenn auch der Restaurateur bei dem Wurst- veikauf mit einem Prozentsatz des Erlöses betheiligt gewesen sei. so müsse doch der Verkauf der Würstchen als etwas selbständiges, von der Restauration getrenntes, behandelt werden. Es lasse sich somit nur anffassen als eine Speisewirthschaft. Die Speise- ivirlhschafteii gehörten aber nach den Motiven zur Gewerbe- Ordnungs-Novelle vom 1. Juni 1891 nicht zum Handelsgewerbe. Demgemäß fänden die Vorschriften über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe hier keine Anwendung und die Angeklagten seien freizusprechen. Wege» Belcidignng und Bedrohung im Sinne des§ 153 der Reichs-Geiverbe-Ordnung hatten sich gestern die Maurergesellen A u g u st Schulze und O t t o V ö l k e r vor der 133. Abtheilung des Amtsgerichts I zu verantworten. Am 4. September vorigen Jahres hatten die Maurer auf dem Neubau Burgsdorferstraßc 4 die Arbeit niedergelegt. Da trotzdem einige derselben weiterarbeitete» »nd andere neu eintraten, so versuchten die Streikenden die Streik- brecher von der Arbeit abzuhalten; besonders soll sich Schulze dabei hervorgethan haben, indem er den Steinträger Appell mit Schimps- Worten wie:„Strolch, Streikbrecher». s. w. verfolgte und ihn außerdem mit dem Verbrechen des Todtschlags bedrohte; auch Völker soll sich beschimpfende'Aeußerungeil haben zu schulden kommen lassen. Die Aiigeklagteu bestritten die ihnen zur Last gelegten Straflhaten. AuS der Verhandlung ergab sich zunächst, daß die Stiederleguiig der Arbeit die Folge der Maßregelung eines der beim Bau beschästigten Maurer gewesen war; mit diesem, welcher von dem Polier Roloff aus einer unbedeutenden Veranlassung eutlassen worden war, halten sich fast sämmtliche Arbeiter solidarisch erklärt. Da somit der Streik nicht znni Zwecke der Erlaiignug besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen unter- nommen war, so konnte die Anklage ans§153 der Gewerbe-Ordnuiig nicht aufrecht erhallen werden. Wegen Beleidigung war seitens der Beleidigten ein Strafantrag nicht gestellt worden, es blieb also nur noch gegen Schulze die'Anklage wegen der Bedrohung übrig. Der Staatsanwalt beantragte diescrhalb 30 M. Geldstrafe und im übrigen Freisprechung resp. Einstellung des Verfahrens, während der Verlheidiger, lliechtsanwalt Dr. Herzseld, in allen Punklen sür Fressprcchnng plädirle. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts. Ei» Betrug gegen die Orls-Krankenkasse führte gestern de» Tischlergesellen Wilhelm Schommer vor das Schöffengericht. Der Angeklagte erschien eines Tages bei dem Rendanteii der Krauken- lasse mit einer verbundenen Hand. Er erzählte ihm, daß er auf der Straße von zwei Leuten angerempelt worden sei. Die- selben hätten ihn zu Boden geworfen, er sei dabei mit dem rechten'Arm in ei» Kellerfenster gefallen und habe sich dabei das Handgelenk schwer verletzt. Der stteudant überzeugte sich, daß der Angeklagle arbeilsunsähig war und verabfolgte ihm ans der Armen- lasse cincii Vorschuß von 15 M. Später stellte sich heraus, daß der 'Angeklagte dieVerlehnng selbst verschuldet hatte. Er ivar iii angetruiikenem Zustande ans einem Lokale hinausgeworfen worden und hatte dann aus Wnlh die Tbürscheibe mit der Faust zertrünimert. Da die Krankenkasse für selbstverschuldete Verletzungen nicht aufkonimt.fo wurde sie durch die falschen Vorspiegelungen des Angeklagten linlIVM. geschädigt. Das Schöffengericht ahndete den Betrug mit einer Gefängnißstrase von einer Woche, während der Staatsanwalt nur vier Tage beantragt hatte. Ei» wilder Man» gab gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts eine kleine Gastrolle. Aus der ttiitersuchungshaft wurde der Arbeiter Btartin Koos vorgeführt, ein gewerbsmäßiger Zechpreller, welcher diesmal eine strenge Strafe zu erwarten halte. Als der'Anklagebeschluß verlesen wurde, warf der'Angeschuldigte sich plötzlich zu Boden, aber so geschickt, baß er sich nicht an den im Anklageraum besindlichen Stühlen stieß. Dem Gerichtshöfe war es klar, daß der Angeklagte Komödie spielte. Der Gerichlsdieuer mußte dem am Boden Liegenden etwas kaltes Wasser über den Kops gießen, wodurch denn auch erreicht wurde, daß derselbe sich erhob. Er stellte sich jetzt aber taub und war zu irgend einer Aeußerung nicht zu bewegen. Selbst als der Vor- sitzende sein Interesse dadurch zu erwecken suchte, daß er ihm die Mittheilung machte, es seien 100 M. an Gerichtsstelle sür ihn hinterlegt, verhielt der Angeklagte sich thcilnahmslos, er merkte wohl, daß maii ihm eine Falle stellte. ES blieb nichis anderes übrig, als ihn nach dem Untersnchnngsgesälignisss zurücksühreu zu lasse», Ivo er aus seinen Geisteszustmid hin beobachtet werben soll. VevfÄnrinlttngetr.. I» einer öffeutlichc» Bersaunuluiig der Schraubendreher, die am Montag im Louisenslädtischen Konzerthause tagte, reserirte P' L i t s i ii über:„Was lehrt uns der Streik der englischen Maschinenbauer?" In eingehender Weise behandelte der Referent den Verlauf des Riesenkainpfes in England, sowie die Organisations- Verhältnisse der hierbei in betracht koimiieiiden Arbeiter, um sodann darauf hiu'zuweise», daß schließlich auch die deutschen Gewerk- schafteil dazu kommen werden müssen, Eiiirichtuiigeil zu schaffen, welche geeignet sind, die Mitglieder dauernd au die Organisation zu sesseln. Der Redner verwies aus die ungeheure Fluktuation, die sich wie bei anderen Gewerk- schaften auch in der Organisation der Metallarbeiter bemerkbar macht, und glaubt, daß durch den Ausbau des Unterstütznugswesens ins- besondere durch die Einführung der Arbeitslosen-Nnterslützuiig ein Mittel geschaffen ist, die Arbeiter mehr wie bisher für die Organi- saiion zu interessireii und sie derselben zu erhalten. Im weiteren vertrat der Redner den Standpunkt, daß in Zuknust auch in bezug auf Unterftützung bei Lohnkämpfeii und sonstigen Differenzen anders wie bisher verfahren und aus die Zugehörigkeit zur Organisation Rücksicht genommen wird, sowie auch die Beschlußfassmig über Streikangelegenheiten:c. de» oftmals durch irgend welch« 8«f5(I(flIeüe« zilsammengesehten öffentlichen Bersammlungen eutzoxicii wird und den einzig dazu berechtigten organisirten kkollege», die in jeder Beziehung die Verantwortlichkeit zu über- uehinen haben, die Entscheidung überläßt. Dem mit lebhaftem Beifall aufgeuoinmenen Vortrage folgt« eine kurze Diskussion, an der sich u. a. auch der Redakteur Herr W e i n h a u s e n in zu- nimmendein Siiiue über das Urtheil des Referenten über den englische» Maschinenbaiier-Kampf äußerte und im weiteren ebenfalls für freies Koalitionsrecht eintrat. In seinem Schlußwort gab L i t f i n das Resultat einer zeitgemäßen Statistik bekannt, nach der festgestellt wurde, inwieweit die Arbeiter mit den Gesetzen bei ihren Lohnkämpfen in Konflikt kommen. Bei den letzten Ausständen, an denen zirka SSva Arbeiter belheiligt waren, wurden, trotzdem einige Kämpfe Monate dauerten, insgesammt 23 Anklagen gegen Streikende erhoben, wovon aber nur 8 verurtheilt werden konnten und diese auch nicht nach dem§ 153 der Gewerbe-Ordnung, sondern wegen Be- leidigung w. im Höchstfall zu einer Woche Gesängniß, i» den meisten Fällen zn Geldstrafen. Unzweifelhaft wäre auch in diesen Fällen die Freisprechung erfolgt, wenn die Revision eingelegt worden wäre. Im Gegensatz zn gesetzmäßigem Vorgehen der Arbeiter erinnerte der Redner an das zur genüge bekannte Verhallen der Unternehmer, die sich nicht scheuen, Arbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation aus den Fabriken auszusperren und mit schwarzen Listen steckbrieflich verfolgen. Ziinnierer-Ncrsaiiiiiilling. Zu unserem Bericht über die letzte Verbands-Versammlnng in der heutige» Nummer geht uns nach- stehende Berichtigung zu: In dem Bericht der heutigen Nummer des„Vonvärts" heißt es:„Die Vertreter des Lokalvereins erklärten, von ihre» Vorschlägen nicht abgehen zu können." Diese Auffassung des Berichterstatters beruht auf einem Mißverständiiiß; es ist keinem Vertreter des Lokalvereins das Wort in der Diskussion über die zu verhandelnden Vorschläge ertheilt worden, trotzdem ein Antrag Petermann's(Verbandsmitglied) vorlaa, den Vertretern des Lokal- Vereins ihre Meinungen zum Ausdn« bringen zu lassen. Dieser Antrag wurde abgelehnt und damit unmöglich gemacht, daß die Ver- treter der lokalen Richtmig zum Wort kamen und ihre Ansicht zn»i Ausdruck bringen konnte». Bemerkt muß werden, daß»nr Fischer als Vertreter der Lohnkommission in der Diskussion gesprochen und seinen neutrale» Standpunkt kundgegeben hat. Hoppe. S ch ä s f e r. Lehmann. M y l e r. Köpenick. Am Montag Abend fand hier im Kaiserhof die Fortsetzung der von der Polizei am Montag vorher wegen lieber- süllung aufgelösten Versammlung des sozialdemokratischen Arbeiter- Vereins statt, die infolge dessen so gut besucht war, daß der Vor- sitzende erkläre» konnte, daß so lange der Zlrbeiterverein besteht, noch keine so stark besuchte Versammlung stattgefnnde» hätte. Auch diese Versammlung hörte niit reger Theilnahme die Ausführungen des Referenten über die Stadtrath Schühler'sche Broschüre:„Die Er- lösuug aus sozialer Noth" a». In seinen Schlußworten bemerkte der Referent, daß wo bürgerliche Schriftsteller sich in ehrlicher Weise mit der sozialen Noth befassen, sie ebenso unbedingt zu einer Bekämpfung und Ver- urtheilung der kapitalistischen Gesellschaft gelangen wie wir, die Sozialdemokralen selbst. Das beweise auch Herr Stadtrath Schüßler, der in seiner Broschüre uns weitere Waffen für die Be- kämpfung der bürgerlichen Gesellschaft liefert, von denen vor alle» Dingen feststeht, daß nicht„Hetzer und Aufwiegler" sie zum Zivecke parteipolitischer Agitation nud zur Verhetzung des Volkes geschmiedet hätte». Dies ginge auch daraus hervor, daß Herr Schüßler, neben vielem Zutreffenden in der Kritistmiig der kapitalistischen Gesellschaft, an einzelnen Stellen seiner Broschüre auf die sozialdemokratischen Be- strebunge» bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter nicht unterlassen kann, mit erhobeuem Finger zu drohen, daß dadurch das Weib einer zu- künstigereu und vernünftigeren Gesellschaft in eine» HelSrenznstand verfallen werde. Der Kaninchenstnll des Herrn Eugen Richter scheint bierbei Herrn Schüßler vorgeschivebt zn haben. Auch in der Be- tonung, daß die zukünftige Gesellschaft sich„auf nationaler Grundlage einen sozialaristokratischen Zn- k u n f t s st a a t" gründen werde, zu dessen Schutz stehende Heere nöthig sind, kennzeichnet Herrn Schüßler als Gegner. Der Referent bemerkt« jedoch demgegenüber, daß es um die zukünftige Ge- scllschaft dann nach Herrn Schüßler sonderbar bestellt sein müsse, die ivohl fähig wäre, ohne das Kapital auszukommen, aber zur Er- Haltung dieses Staates dennoch Militär und stehende Heere gebrauche. Unter regem Beifall schloß der Referent. Gegner, obwohl anniesend, meldeten sich nicht zur Diskussion, in welcher auf die besondere Nothivendigkeit des Anschlusses a» den Arbeiterverein und auf das Lesen der Arbeiterpresse hingewiesen wurde. Auch eine Anzahl neuer Mitglieder ließen sich in den Verein aufnehmen und ersolgte wie gewöhnlich Schluß der Versamuilung um 10 Uhr. Arbeit«»» Jnselflr. Iv, o. 2 Tr. Unterrlchtseurse: in Rede-Uebung(Neber den Ausbau der Rede, Besprechung vollswuthschasl- ichcr und anderer Grundfrage») Montag«, Dr. Eonrad Schmidt; in N a t I o» a I ö t o n o m i ei«I,ntir>>I>ib». ttlittwoch. I o h a n» I a c o b n, bet Fritz Lietzle, Dckiwedterftrabe 38.— Gesundbrunnen, abend» Uhr, bei Haserlaud, Bellerniannstr. 97.— G l e i ch h e i t, abends 8)f Uhr bei Stramin, Ritterstrahe 12s.—Heine, Rirdorf, abends sfj Uhr, Prinz-Handjsrystr. oo, parterre.— Einigkeit, abends sjz Uhr bei Zeige, Triftstr. l.— Theater- und Leseklud Morgenroth, abends 9 Uhr, im Restaurant Dieke, Lothrtngerftr.«7. — Sozialdeinokratischer Agitationsklub Osten, abends 9� Uhr, bei Jauer, Fruchtstr. 62.— F r e t g e i st A r k o n a, abends 9 Uhr, Arkonaplatz 3 bei Wesener.— Friedrich Engels Norden alle Mittwoch 9 Uhr bei Asißen, Bollastr. g«. Arbcitcr-Kiiiigrrdnnd K«»>i»» nnd de» Zlmgegend. Vorsttzenber Adols Neumann, Briinnenstr. iso. Alle Aendernngen im Bereinskalender find zu richten an Fried. Korlnm, Manteuffelstr. 60, v. 2 Tr. ztlittiuoch. Uebungs- ftnnde abends 9 nbr, Aiisnahme von Mitglieder».— Liedes? reihert i, Langestr. 103 bei Nebelein.— Norddeutsche Schleife, Melchiorstr. is.bei Stehmann.— Frena I,(Gemischter Thor), Rosenthalerstr. 67 bei Babicl.— Lorbeerkranz, Metnslrabe 29 bet Späth.— Liederlust, Adalbert- ftrahe 21 bet Roll.— Spandau, in Spanda», Neunieifterürabe s bei R. Radtks.— DeuttcheEichel, Grobe Frankfurterstraste 133 bei Gold. — Echo I, Pankow, Wollankstraße.— Treue, Mariannen-Uscr 2 im Lnxhos. — Allegro, Wrangelstr. Ul bei Schmidt.— Freiheit I, Biilowsir. os bei Richter.— W a l d e s l u st, Oppelnerstr. 3t.— Freier M ä n n e r ch o r Nord- W e st, Puttlitzstr. io bet Psarr.— Gesangverein der Kup f er sch m i e d e, Wein- straße It bet Feind.— Gleichheit I, Tanzigerstraße 96 bei Plischke.— Fretheitsgrutz, Brunnenstr. 160 bei Schulze.— Schneeglöckchen I, Rirdors. Hermann- und Karlsgartenstraben-Ecke bei Köple.— Hossnung III, Brandenburg a. H., Wilhelmsdorserstr. 26 bei O. Kamps,„Concordia".— Arbeiter- Gesangverein Britz in Britz, Bllrgerstr. 4 bei Dorn.— S e e g e r' scher Männer- chor, LandSberger-Allee>60 bei Göbel.— Einig, Blumsnstrabe 38 bei Scherbe.— Einheit(srühcr Buchdrucker und Schriftgieber), Rirdorf, Berg- strahe 163 bet Thomas.— Frohsinn Ii, FrtedrichSberg. Wartcnbergstr. 07 bci Lange.— Arton III, Rixdorf, Herrinann- u. Herrfurthstratien-Ecke be Kcschuhn.— M a i e n g r u ß II, Tharlottenburg, Straße ßea, Nr. I, bei Bartsch.— H e t III a t h l l ä n g e, Köpenick, Rosenstr.>01 bet Meper.— Wacht aus l, Danzigcrstr. 7l bei Lambeck.— Vorwärts X, Nauen, Markistr. is bei Hobusch.— Schneeglöckchen II, Potsdam, Brandenburg« Koimnuntkation 16 bei Glaser.— Treu und Fest, Koppeustr. l? bei Lohmann.— Wald- l a p e l l e, Seidelstraße 30 bei Krüger.— Bruderbund, Usedomstr. 22 bei Ficklnger.— Freie Sänger, Hccgermühle bci Ebersioalde, Dorsslr. 12, Rist. Jandschlöbchen.— S ä II g e rl u st, Werder a./H., Kilgelweg sm Lokal.— Ost- und W e il p r e u ß e n, Alexanderstr. 27e, Englischer Garte».— R t e» z t, Lausltzer Platz 2 bet M. Schulze.— O st e II, Mciallarbetter, Grüner Weg 13 bet Pippte.— R 0 s a l t e, Königsbergerstr. 34 bei Plaen.— Gerstenähre, Grün- strasie 21 bei Sommer.— Keramik, Charlottcnburg, Kepplerftraße bei Pcestel. — Fortschritt, Köpntckerstr. 39 bci Peukert.— Zazet»tcht, Steglitz, Albrechlsir. 126 bei Liste(Schwarzer Adler).— F r 0 h- H 0 f s n n u g, Pallas- ftraße is bci Faller.— L i e d e s l u st II, Potsdam, Brandenburger Kominuni- kaiio» l» bei Glaser. v«s»»g., cd»,»-»»d g«s«Uig« N»r«iue. zt'.ittwoch. Skatklub Revolution, Grünauerstr. 3 bei Götz.— Geselliger Verein H 0 ssn u n g, jetzt alle 14 Tage, Lebuserstr. 5 bei Diescler.— Artisten- und Ringsporlveretn Vereinte Kraft tagt Mittwochs abends und Tonntags vormttlagS Plan- User 92» bet Zeple.— Atletcnveretn Atlas, Brunnenstr. 162 bet Dase.— Geselliger Verein Türkische Pfetse, Tanzigerstr. 93 bei W. Hanscn.— Tambour-Berein Fr oh-Fr ei, Uebungsstunde Mittwoch und Sonnabends, Wiesenstr. 27 bet Bolz.— Arbeiler-Schachklub Norden, Seestr. 26 bei Manb-k. — Musikveretn Knaatsch, Kolbergersir. 2 bei Steffens.— Pfropseuvere. r Nord-Ost, Elbtnaerstr. 9 bei Vogel.— Rauchllub Schmolc's We rke, Krautstr. 39 bet Hegner.— Eesangve? ein Sangest reue, Spreeterrasse an der Jannowitz- brücke.— Gesangverein Lerche, Schöuhauscr-Allee bei G. Gerber.— Arbeiter» R a d s a h r e r- B e r e i u Vorwärts lagt jeden Mittwoch»ach dem I. und lö. im Monat, Veusselstr. 9(Moabiler Klubhaus).— Bereinigung der Turn» freunde von s'/i—io% Uhr abends, Dcmmiuerslr. 66/67.— Turnverein O st e n, Turnhalle Blumsnstr, 63». 8�—10 Uhr abends. Männer-Ablheiluug.— Aroeitcr- Gesangverein Hoffnung, FriedrjchSberg, Friedrich KarlNr. 34 bet Schnitze,— Tambourvereiu Ruf, Uchungsstunde Mittwochs und Sonnabends Dresdener- straße 6«.— Musik-Dileltanten-Verein Vorwärts, Langektr. 109 bei Nebel.n, — Zlthcrklub Alpenglöckchen-Edelweiß. Gipsstr. u.— Th-aterv-rein Proletariat, Köpenickerftr. 69 bei Schöning.— Skatklub Pique Bube, Adalberlstr. 99 bei Jost.— Artistenklub Freiheit, Mittwoch und Sonnabend, Dunckerstr. 99 bei Schulz.— Skatklub Natur stock, Mittwoch und Sonnabend Marktlsstr. si bei Wiuwer. Arveiter-?urnrrbu»d. Wittiuoch: Turnverein Fichte, Berlin AbendS von 8—10 Uhr; I. Märnier-Ablheilung Frieden straße 37. 3. Männer- Abtheilung Böckhstr. 21. 2. Lehrlings-Abtbeilung Skalitzerstr. 66—66. 4. Lehr- lingS-Abihcilintg Stephanstr. 3.— Freie Turnerfchaft Rixdorf-Vritz» 2. Schüler-Ablh. von eij— 8)j, 2. Männer- und Lehrltngs-Ablh. von 9'/-— io'- N.,r abends bei Belhgs in Britz, Ehansseestraße 39. Schülerinnen-Abth. von Franen-Abtb. von 8V— 10� Uhr abendS bei Wisrflng, Knsfebeckstr. 113.— Freie Turnerschaft Johannisthal, abends 9— 10 Uhr bci Scnstleben. Arbeiter-zianchrrvunv Aeriiu»„»d der ZIi»licizr»d. Aendernngen ini Vereinskalender sind zu richten an Hermann Braunschweig, DreSdenerstr. so, 2. Hof. Miitinoü?! A r k 0 n a, Slalitzersir. 41 bei Pamiewiy.— Sumatra S ü d- O st» Liegnitzerstr. 19 bet Manegold.— Waldesgrün, Forfterflr. 66 bei Kunze.— Virginia, Admiralstr. 21 bei Schnisbsr.— Frei Weg, Schöneberg. Grunewaldstr. 129 bei Mnchel.— F t d e l e Raucher. Voeikhflr. 49 bei Ruppel.— Intelligenz, Kottbuler DammtOi bei Schmidt.— Granate, Forsterstr. 40 bei Tttjuntls.— F i d e l e B rüder, Fried-, ichsfclde, Luisenstr. 20 bei Lobsc.— Morgenroth. Landsberger Allee 44 bei Rolland.— Frohsinns- H e i in a t h. Slromstr. 28 bei Plintz.— Deutscher Michel,-Pankow, Kaiser Friedrichftraße 16 bei Griffel.— Kairo, Pankslraß- tz2ü bei Löhrich.— Ohlauer, Rlxdors, Berlinerstr. 14 bei Elias.— Abguß I, Markilsiiraßi 23 bei Vorn.— Die Tampsenden, Reichenbergerstraßs 160 bei Jcralsch. — Weiße Nelke, Forstcrstraße l? bei Dicrberg.— Z u s r t e d e?? b e i l, Rirdorf. Mühlenstr. 6 bei Rhede».— Ap fel b l ü th-, Pankstr 3K bei Schmidt.— F l t c d erd u f t, Friedcnstr. 74 bei Schmidt.— W e i ch f eld» f t, Pappei-Ailee tt d-t Ztbell.— A l l- r H u s s i t. Jasmunderstr. t bei Zimmer.—Kein To», Rtzkeftr. 13 bei Nickel.- Rothe Fahne, ESrUtzerftr. 60 bet Sievert.-Korn- blume, Gneisenaustr. 7t bei Msnzsi.— V e i l ch e u b l a n, Marienburger- straße 22 bei Dimke.— Ein igte it II, Köpnickerstr. 39 bei P-nk-rt.— G n i- r Zug, Oderbergerstc. 36 bei Prell.— Krästiger Zug. Neichcnbergsrftr. 39b bei Fürstenau. bermaa-American Klnb„Uncle S a m"(establisbed 1892), 9 o'clock p. m, Wallstrasse 57.— Ladies and Gentlemen welcome. xandoniaunj'chakt der Schieewig. Nolstelner. Heilte Abend 9'j Uhr! Zusamnienkunst mit Damen i» G. Feuerslein's Fesisälen, Alte J.rkobür. 76. Ei, rater. und �>«rg»iig>i»g».- U«r«!» Hrtgoiaiid, Sitzung heute Abend 9 Uhr Ackerstr. 144._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Tprechssuude findet bis zum 5. März am Montag, Freitag und Jouuabeiid abends von 7Vz bis 8'/- Nhr statt. N. N. 777. Dankend erhalten. Junge Frau P. Wenden Sie sich brieflich an: Redaktion der „Rheinischen Zeitung", St. Agatha 3 in Köln. Deredder. Zur Aufnahme durchaus ungeeignet:«in Brief mi die Zahlstelle III. ihm doch das gleiche. Diese Ausfordcrnng,.die für ein- einzelne Person bestimmt ist, in SO 000 Exemplaren abzudrucken, wäre denn doch arge Verschwendung. Maler. So viel uns bekannt, existirt hier keine Lokalorganisation dieser Gewerkschaft. Blankenburg(Harz). 1. Ihre Einsendung ist für ein in Berlin er- scheinendes Blatt von zu lokalem Interesse; 2) sie können uns nicht zu- muthen, derartige Dinge aitszunehincii, wenn Sie selbst zu feige sind, Ihren Ramm zu nennen. H. M. Der Schutzmann darf mit Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde das Hans verwalten. Der Miethskontrakt ist auch ohne diese Ge- nehmigung giltig.— O. R. Sie köntien das Kleid von einer Schneiderin passend herstellen lassen und die Kosten gegen die erste Schneiderin einklagen. Wetter-Prognose für Mittwoch, 26. Jannar IH1>8. Etwas wärmer, zeilweise heiter, vorherrschend wolkig, mit ge- ringen Niederschlägen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner W e tt e r b n r e a u. Achtung! Genoffen nnd Genossinnen! Achtilllg! Die Versammlung, welche heute, den S«., abends 8 Uhr, bei Puhl- man», Schönhanser Allee 148, stattsiuden nnd wo Genossin Klara Zetkin referire» sollte, kann wegen dringlicher Verhinderung der Referentin erst Dienstag, den I. Februar, abgehalten werden. Dieselbe findet in der Brauerei Friedrichshain(srüher Lips) statt. i/s__ Die Vertraiiensperson. Dem Proletarier-Budiker Heinrich Baumgarten zu seinem 35. Gebnrts- tage ein dreimal donnerndes Hoch! Heinrich, last' daS Ogenklappern! 2932b Sknt-Ktllb„Glück". Die Beleidigung gegen Hrn. Peschcl nehme ich zurück nnd erkläre denselben als ehrenhaften Man», raggarus, Gesucht: Wahlstatistik d. Reichstags-Wahl 18S0(I. H. W. Dietz' Verlag). Offerten unter 8. Ii. an die Exped. d. Bl._ 233/1 Freie Volksbühne. lflontng, den 31..Innnav. abend«« pnnkt 8 Uhr, findet für die Mitglieder in Keller's Fcstslilcn, Koppenstrasse, ein grosser Urojcktionsvortrag; mit sr.lrka 160 Ulchtbildcrn statt. Vortragender; Herr I»r. Wllliclm Meyer(fr. a. d. Urania) über; IMe Heise lui cli Spitzbergen. Entree 20 Pf.(Siehe heutige Lokalnotiz.) Einlasskarten sind zu haben in den Zahlstellen S.: Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a; O.; Ad. HoFfman», Blumenstr. 14; IV.: Beyer, Cigarrenhandlung, Veteranenstr. 13, und W.: Zubeil, Lindenstr. 100, ferner in der Generalversammlung und in der nächsten Vorstellung am 30. Januar im Lessing-Xheater bei den Ordnern und beim Kassirer. Die Mitglieder werden gebeten, pünktlich zu erscheinen und während des Vortrags die peinlichste Kuhe zu bewahren. Donneratags, den ft7. Jannar, abends 8 Uhr, In Cohn's Festsiilcn, Keuthatr. 30: General-Versammlung. Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Im Februar gelangt zur Auffahrung Im Friedrich- Wilhelms tlld tischen'l'heatcr; Die lustigen Weiber von Windsor. Lustspiel in 5 Akten von W. Shakespeare. 1. Abtheilung Sonntag, den 6. Februar, nachmittags 3 Uhr. U" n"" in"" III...„ 20.., IV. �** 27. I V." an" einem späteren Sonntag. I>le nitchstc'Vorstcllnn�: findet für die m. Abtheilung am 30. Januar, für die IV. Abtheilung am 6. Februar im Lessing- Theater statt, IVene Mitglieder können sich zur V. Abtheilung noch in allen Zahlstellen melden und werden die Mitglieder und Freunde tlcr„Freien Volksbühne" gebeten, in ihren liekuuntcnkreisen für die schleanlge Füllung dieser Abtiiellnug zu wirken, da zur Erhaltung des finanziellen Gleichgewichts im Vereins-Etat die volle Besetzung der Abtheilung Vorbedingung ist. l>ie erste Vorstellung der V. Abtheilung findet im liessing-Theater statt. Aufgeführt wird: 228/4 Härtel Turaser.'VOt Der Vorstand. I. A.: G. W i n k 1 e r. Achtung! Töpfer I Achtung! IHenstag, den 1. Februar, abends SVi Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstrasse 37c(großer Saal): Grotze öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Die Tarifvorlage, eventuell wie wollen wir dieselbe zur Geltung bringen? 2. Sonstige gewerkschaftliche Angelegenheiten. 193/2 Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Der Vertrauensmann. Acht«, zg! Töpfer! Achtung! Freitag, den 38. Januar 1898, abends 6 Uhr, bei Schiller, Koaenthalcrstrasse 57: W Vertranensmänner- Sitzung. Tages-Ordnung: Die Tarisvorlage. »er Vcrtranensmaiin. 193/1 H. David. Warschauerstrastc Nr. 45. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein Bruder, der Kutscher Paul Eöthucr, im Alter von 37 Jahren am 23. Jan. gestorben und mit 26. Januar,, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirchhoss, Landsberger Allee, beerdigt wird. 1/5 Um stilles Beileid bittet der Bruder Fritz Cöthner. (Mails„Zum gritil.Hm" Stolpe a. d. Nordbahu. Sonntag, den 30. Januar cr.: Gr. Wiirstesscii. Zu zahlreicher Bethciligung ladet alle Freunde hiermit ein 2333b A. Itcrgeniann. npemiu Damen und Herren, die gen/iigt sind, einem Gesangvereine beizutreten, finden Aufnahme jeden Donnerstag 9—11 Uhr. Näheres Alexanderstr. 27c, unterer Saal. Holfniann.(29376 tags frei Simeonstr. 23, Flick. Hoher Verdienst— Kein Risiko: Allerorts, speziell für Berlin und Vororte, werden Herren zum Vertrieb eines neuen, spiel, leicht verkäust. Ar- tikcIS aes. Auch pass. für Leute, welche in größeren Fabriken thätig sind. Ge- sälltge Ost. an Herrn. Wolf. Zwickau i. S., Emilienstr. 22._ 20156 nfallsachcn. Klagen, Eingaben Fnt ji gor. Steglitzerstr. 05. Kanarien-Weibchen kaust jeden Posten Brückenstr. 1, Vogelhandlung. Gut erhaltenes Dtschler-Werkzeug mit Bank verk. Manteuffelstr. 38, pari., B r e ch t h o I d._ 29366 Fricdrichsfelderstr. 39 v.72— 84Thlr.z.verm. Möbl. Zimmer f. 2 P-rs., 16 M., Lausitzerstr. 13 v. IV b. Scholz.* Anst. Schläfst, f. 2 Herren, 6M., Man- teuffelftr. 35, Hof I Tr., Oelschläger.(1b Zwei Schlafftelle» zu vergeben Admiralstr. 18, v. 3 Tr. r._ 4b Arbeitsiillirkt. Alhtlillg, Parttipreise! AlöGeschäftSfnhrcr od.Jnscraten- Chef sucht Parteigenoffe, der Fachmann und befähigt ist, dasJnscraten-Gcjchäft zn heben, ohne übertriebene Ansprüche Stellung. Gest. Off. sah tj. 1 an die Expedition._ 29406 Monteur, gelernter Mechaniker, selbständiger Arbeiter, Verl. Lpoclit& Kutzner, Klofterstr. 72. 29396 NthMhe, Neue Friedrichstr. Hoffmeyer Nachf., 37. kiit jiiilger Gießer, d. mit d. Gießen v. BilderraHmon ze. in Messtltgforute» Bescheid weiß, w. perl, beuis dllckaells, Mohrenslr. 40. Mamsells verlangt Ortowsky, Falckensteinstr. 43, v. 1 Genosse kann mit einwohnen Man- teuffelstraße 4 v. IV r. 6b Bulsihllndlilugs-Rtiseiihe für ganz neue, populäre Werke ge- sucht, die massenhaft Absatz finden. Sehr hohe Provision, daher hoher Verdienst:"VW Angebote erbeten unter<5. 1 an die Expeditton d. Ztg. 2S70b Hausmädchen, Mädchen für alles, Köchinnen, Kinder- mädchen ze. verlangen sofort für die Vororte Berlin— Potsdam. Keine Anzahlung. 2917b Max Hanfs«. Co.. Steglitz, Albrechtsir. 132, 2 Tr., am Bahnhof. 30 Schlosser«2S.. verlangt M. Fabian, Bndstr. 50. Sozialdemokr.Wahlverein für den S.Berliner Reichstags-Wahlkreis. Mittwoch. 26. Januar, abends SVa Uhr, In den Zentral-Festsälen(vormals Orpheum), Alte Jakobstr. 32: AlOmdeut!. GemalveOMliM. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Diskusston betreffend die Stimmabgabe bei öffentlichen Wahlen. Der Wichtigleit der Tagesordnung wegen erwartet regen Bestich s2l3/i Mitgliedsbuch legitimirt._ Der Borstand. MjaldemolttMÄtt Wahlvelei» fm Ttttow-Beeskow-StorjtoW-Charlottendilrg Dounerftag, den 37. Jannar 1898, abends 8Vz Uhr: in„DisinarohsiiShe", Wiiiuersdorferstrasse 39. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Kasstrers und der Revisoren. 2. Wahl eines Ab- theiliingsführers. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend ersucht, in der Versammlung zu erscheinen. JOtF" Mitgliedsblich legitimirt."TB*® Zur GratiSvertheilimg gelangt: Reichstagsreoe des Genoffen Bebel ze. 250/1 Oer Vorstand. Arhkung! Lranerei-»mi Bierverlags-Hilfsarbeitcr. Donnerstag, de» 37. Januar, abends 8 Nhr. im Fuglisebeu Garten, Stlexander- Straffe Nr. 37e: Große öffentliche Versammlung alltt in Brlsilertihttrikbeil beslsjiistigttil hilssürbtiter. T a a e S- O r d» u n g: .1. Die Koalitionsfreiheit der Arbeiter oder Nniernehmer- Willkür? Reserent: Jtollcge Schüler. 2. Disknsston. 3. Verschiedenes. Ganz besonders sind die Kollegen der ringsreien Brauereien eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet_ Tie Ncrgleichs-Koiniiiisstvn._ Achwnq: Achtttttg: Lese- u.Oiskutirklub�iid-Dstoii" Sonntag, de» 30. Jannar 1898. Andreas- Fcstsülc, Andreasstrasse 31: VII. Stiftnngs-Fest bestehend ans In�traiiieutal- u.\r«kal-Iioiizert und Theater- V or 8 1 ellnii g, Regle Herr Franke, unter gütiger Mitwirkung von Mitgliedern des Gem. Chors und Theatervereins„Akazie" unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Hnnnig. Musik wird ausgeführt von den Zivil-Berufsmusikern unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Blanchefskl. Festrede, gehalten vom ReichStags-Abgeordneten Fan! Singer. Tauz-Kränzchen. Im kleinen Saal von 5 Uhr an Tanz. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. 100/1 Anfang 1 Uhr. Programm 30 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet.Das Komitee. Beranlivortsicher Redakteur: A«g„st Jacobey in Berlin. Für den Jnferatentheil verantivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Nr. 21. 15. mnm 2. KÜM Dov MlÄddevndiatfltz vov Gevicht. Der Majestäisbeleidigiuigs-Prozeß goge» den verantwortlichen Nedakieur des„Kladderadatsch", Johannes Trojan beschäftigte henfe die 9. Straskaminer des Landgerichts I unter Borsitz des Laubs gerichlsralhs L a n t e r i n s. Unter Anklage steht die Nummer des „Kladderadatsch" vom November v. J. wegen einer satyrischen Zeichnung und eines dazu gehörigen erläuternde» Textes, sowie wegen eines im Beiblatt derselben Nummer enthaltenen Artikels mit der Ueberschrift„Brave Schiiten, brave Soldaten". Das Bild trägt die Ueberschrist„Ans dem Lager der himmlischen Heerschaaren" und zeigt im Vordergründe den Teufel, der sich eine» Knoten in den Schwanz gemacht hat. ei» Zeitungsblatt in der Hand halt und grinsend ans eine Anzahl von Feldherren hinblickt, die ans himmlischer Höhe lächelnd aus das Blatt schauen, ivelches der Teufel in der Hand hat. Den Mittelpunkt dieser Gruppe der himmlischen Heerschaaren, bildet die Figur Friedrich II., um ihn stehen die Figuren von Leonidas, Alexander der Große und Napoleon der Erste, ferner sieht man eine Schaar von Engeln mit Bäffchen ans dem Bilde. Der Teufel sagt in dein hinzugefügten Text etwa folgendes:„Endlich weist ich, ivas der Knoten bedeutet, den ich in de» Schwanz gemacht habe— ich ivollte ja den allen ritz holen, denn„wer kein braver Christ ist, ist auch kein braver oldal". Bielleicht halte ich da oben demnächst noch eine Supers reuision ab." Der Artikel im Beiblatt führt einen Heerführer der Schiiten vor, welcher in einer Rede auseinandersetzt, daß die Ennniten keine braven Soldaten sein können, daß jene sich vielleicht aus ihre Tüchtigkeit verlassen, die Schiiten dagegen auf den Koran.— Zu dein Termin sind von dein Bertheidiger Justizralh Dr. von Gordon, Herr Professor M a» z e l und Maler Fritz G e h r k e als Sachverständige gelade» worden. Letzterer ist iinr erschienen, während Professor Monzel angezeigt hat, daß er die Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde zur Abgabe dieses Gutachtens nicht ers hallen hat. Da die betr. Nummer des„Kladderadatsch" s. Z. mit Beschlag belegt worden ist, so ist Verlagsbuchhändler Hofmann als Interessent zu stelle.— Der Angeklagte Trojan behauptet, daß eine Majestätsbeleidignng mit dem Bilde nicht beabsichtigt worden sei. Es sei ein satyrisches Bild, dessen Spitze nicht gegen die Worte des Kaisers gerichtet sei, sondern gegen die orthodoxen Zeloten, die aus den Worten des Kaisers eine Konsequenz ziehen, die der Kaiser selbst nicht ziehen wolle, gegen jene Heißsporne, die wieder die Worte des Kaisers mißbrauchen wollen zur Verketzerung Andersgläubiger. Die Engel mit Bäffctien sollte diese zelotischen Geistlichen darstellen. Deshalb stehe im Mittelpunkte Friedrich der Große, der den Zeloten unter de» Geist. liehen besonders ein Dorn im Auge sei. Diesem lächele Voltaire zu. Friedrich der Große wende sich zu einer Gruppe unsterblicher Heiden, diese drei berühmte» Heerführer lächeln— aber nicht höhnisch, sondern leicht und fein; sie lächeln keineswegs über die Worte des Kaisers, sondern über das, was in gewissen Zeitungen über die Worte des Kaisers stehe. Ein„höhnisches" Lächeln wäre im Gefilde der Selige» eine Geschmack- und Sinnlosigkeit. Leonidas und Alexander habe» ja doch auch die Religion ihrer Zeit gehabt und das Bild solle auch gerade daran erinnern, wie im Laufe der Jahrhunderle eine Religion der anderen gefolgt ist und jede einzelne sich als die einzig wahre betrachtet hat. Der gleichfalls lächelnde Teufel stehe in direkter Beziehung zu den orthodoxen Zeloten, die von dem Gottseibeiuns oft noch mehr halten, als vom lieben Gott selbst. Durch ihr Geschrei sei der Teufel aufmerksam geworden und erinnere sich nun, daß und warum er «ine» Knoten in seinen Schwanz gemacht habe; er denkt jetzt daran, daß er»ach dem Wunsche gewisser Leute ja bei Gelegenheit den alten Fritz holen solle, aber er sei daran nicht erinnert durch die Worte des Kaisers, sondern durch das Geschrei der Zeloten.— AlS Gutachter wird der Maler Fritz G e h r k e vernommen, der die Be- Häuptling des Angeklagten bestätigt, daß Friedrich der Große im Mittelpunkt des Bildes steh« und daS Lächeln der drei Feldherren kein höhnisches sei.— Der Bertheidiger beantragt noch, auS einer Reihe von Nummern des„Kladderadatsch" festzustellen, daß der „Kladderadatsch" und speziell der Angeklagte ein« loyale Stellung zum Herrscherhause einnimmt und daß der„Kladde- radalsch" nicht ans der Neigung eoubrs. rsgsm(gegen dem König) zu sprechen, das Bild und den kleinen Artikel veröffentlicht hat, sondern von seiner Weltanschauung ans, daß die Sittlichkeit un- abhängig ist von dogmatischen Formen und religiösen Vorstellungen. — Der Gerichtshof lehnt diese Beweiserhebung ab, indem er die darin aufgestellten Behauptungen als wahr unterstellt.— Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen.— Staatsnnwalt Dr. Eger beantragt. den Angeklagten der Majestätsbeleidignng für schuldig zu erachten. Die Auffassung der Anklage sei durch die Erläuterungen des Angeklagten nicht erschüttert worden. Daß gerade in der Presse der Orthodoxie Kundgebungen zu den Kaiserworten laut geworden. die dem„Kladderadatsch" V-ranlassnng zu jenem Bilde hätten geben können, sei ihm nicht bekannt geworden. Bild und Text sagen gar nichts von den Orthodoxen; als Hauptnktenre te Joniiflrts" figuriren der Teufel und Friedrich der Große, letzterer sollte als hervorragender braver Soldat, aber als nicht braver Christ dargestellt werden. Auch der zweite Artikel würde gar nicht ver- ständlich sein, wenn die Spitze nur gegen die Orthodoxie gerichtet werden sollte. Gerade dieser zweite Artikel sollte die Probe auf das Exempel mache», die Probe auf die kaiserlicben Worte, und darthnn, daß das vom Kaiser aufgemachte Exempel nicht st i m m e. Leonidas, Alexander der Große und Napoleon lächeln höhnisch über ein Zeilnngsblatt und es sei nicht zweifel- hast, daß man sich die kaiserlichen Worte als ans diesem Zeitungs- blatte stehend denken muß. Die Worte des Kaisers seien nur da- durch niißverstanden worden, daß man sie aus dem Zusammen- hange herausgerissen habe. Der Kaiser habe diese Worte bei Gelegenheit der Vereidigung der Rekruten gesprochen, bei Ge- legenheit der Abnahme eines nur von anwesende» C h r i st e n ge- leisteten Eides, und die Worte des Kaisers schließen unmitielbar an diesen feierlichen Akt an. Er wollte seinen soeben vereidigten christ- liche» Rekruten nahe legen, daß die höchsten Eigenschaiten des Chrislenthums auch die höchsten Eigenschaften des Sol« daten sein müssen, daß die Pflichten und Tugenden des Soldaten genau aus derselben Grundlage beruhe». Die Auslegung, die diese Kaiserworte in der O e f s e n l- l i ch k e i t gefunden, sei höchst e r st a>r n l i ch. Er habe»och niemals gehört, daß, weil in S ch i l l e r' s„Kampf i»it dem Drachen" der Ordensmeister den Ausspruch thnt„Gehorsam ist des Christen Pflicht", jemand Schiller den Vorwurf machen möchte, daß er de» Gehorsam als eine lediglich dein C h r i st e n zustehende Tugend habe hinstellen wollen. Der„Kladderadatsch" sei über die Grenze des Zulässigen hinausgegangen; eine solche Art, die Ansicht Sr. Majestät gewissermaßen ad absurdum führen z» wollen, ein derartiges Anfbanen von Gegensätzen unter Zitire» eines Kaiserworles unter Anführungszeichen sei unzulässig und enthalte eine Majeftätsbeleidigung. Es handele sich hier um eine Aeußerung, die gesprochen war bei einem feierlichen Anlaß, angesichts des Altars, die der Kaiser gesprochen habe als oberster Kriegsherr und zugleich als summus episcopus (höchster Bischof) der evangelische» Kirche. Die bei solchem Anlast gesprochenen Kaiserworte machen auf die jungen Rekruten, die zum ersten Male ihren Kaiser sehe», naturgemäß einen tiefen Ein- druck auf die jungen Leute und es müsse die Gefühle Sr. Majestät lies verletzen, wenn seine bei so feierlicher Gelegenheit ge- sprochenen Worte in so mißbräuchlicher Weise krilisirl werden. Der„Kladderadatsch" habe gröblich gegen die Pflichten der Zurück- Haltung in diesem Punkte gefehlt. Er gebe zu, daß der „Kladderadatsch" eine patriotische, monarchische Ge- s i n n n n g zeige und ans dem Bode» der gegenwärtigen Staatsordnung stehe, freilich sei die Bethätigung dieser Gesinnung bei dem„Kladderadatsch" nicht immer z w e i f e l s- f r e i g e w e s e n. Es gebe Nummern, in denen der„Kladderadatsch" es an derjenigen Zniiickhaltung habe fehlen lasse», die man von einem monarchische» Blatte erwarten müsse. Solche Scherze über Aenßernngen des Kaiscrs seien Wasser für d i e M ü h l e derjenige», die der Monarchie Abbruch thun wollen. Für den Angeklagten liegen persönlich mancherlei Milderungsgründe vor: seine ganz zweifelssreie Gesinnung, sein Alter und daß schon die Thatsache einer Verurtheilung überhaupt ihn schwer treffen werde Ans allen diesen Gründen und weil der Angeklagte ans ein Leben zurückblicke, welches ihm in weitesten Kreisen Ehre und Achtung eingebracht habe, beantrage er das mindeste Strafmaß; zwei Monate Festungshaft und Unbrauchbarmachung der betr. Nummer. Bertheidiger Justizrath Dr. v. D o r d o n giebt ohne weiteres zu, daß in dem Bilde sowohl, als auch in dem Artikel fclbstver- ständlich auch eine gewisse Kritik deS Kaifcrwortes zum Ausdruck gebracht werden sollte, behauptet aber, daß diese Kritik keinerlei Majestätsbeleidigung enthalte. In längerer juristischer Auseinandersetzung sucht der Bertheidiger den Nachweis zu führen, daß weder der Begriff der Majestätsbeleidigung hier zutreffe, noch die tbatsächliche» Voraussetzungen einer solchen erfüllt seien. Was das Kaiserwort selbst betrifft, so habe der Kaiser denn doch wohl, wie im Gegensatze zu der Anschauung des Staatsanwalts gesagt werden niüffe, den Nachdruck weniger auf das Wort„brav", als auf das Wort„Christ" gelegt. Dieses in solcher Allgemeinheit ans- gesprochene Kaiserwort habe doch in den weitesten Kreisen Aussehe» er- regt. Blätter gemäßigter Richtung, wie der„Hamb. Korr.", hätten der erste» Mitlbeilnng Zweifel entgegengebracht, andere bältcn ein Dementi im„Reichs-Anz." eiwartct, welches aber ausgeblieben sei. Es scijaanch gar nicht unwahrscheinlich, daß der Kaiser wohl die Rekruten zur Pflichtersüllung unter Warnung vor atheistisch-sozial- demokratischen Anschauung«» anspornen wollte. Solche Hinweise ans die Religio» als den ewigen Felsen liegen doch der Anschauungsweise des Kaisers nicht fern; man brauche doch nur an die W a l d e r s e e- V e r s a m m l u n g, an das V o l k s s ch n l- g e s e tz ic. zu erinnern, wo die Rückkehr zur wahren Religiosität stets da? Leitmotiv bildete. Auch in der lex Heinze sei ein ähnlicher � Mitwoih. 26. IM« 1898. Gedanke in bezug auf die Kunst zum Ausdruck gekommen. Die Worte des Kaisers in ihrer Schärfe und Allgemeinheit haben eine. gewisse Verstimmung hervorgerufen und in weitere Kreise des Volkes eine Beunruhigung getragen, namentlich in diejenigen, die den Eintritt einer Reaktion fürchten, welche man sich bei uns nicht anders denken könne, als unter Eindringen der kirchlichen Gewalten in Sphären, in welche sie nicht gehören. Der„Kladderadatsch" habe von feinem Standpunkte aus sich zu seiner Kritik für berechtigt geHallen und gemeint, eine patriotische Pflicht zu erfüllen; er habe nicht contra roAsrn gesprochen, sondern als Vertreter der burnanitas (des Menschenthums). Er bitte, dem Humoristen Trojan nicht Ge- legenheil zu geben, dereinst, wie ein anderer Humorist(Reuter), „Erinnerungen ans seinerFestungszeil" schreiben zu müssen, die die Nachwelt nicht würde begreifen können. Er bitte, der freieren Ausfassung zu folgen und dem Humor zu seinem Rechte zu verhelfen. Wenn man in der Person des Angeklagten den deutschen Schalk freispreche, trete man niemand damit zu nahe, am wenigsten dem Kaiser! Es wäre nicht erfreulich, wenn dem Humor die freie Aussprache versperrt werden würde und wenn die Person des Monarchen der öffentlichen Diskussion entzogen und nur der Privat- nnterhallung überlassen werden sollte. Er beantrage die Frei- sprechnng des Angeklagten.— Nach einer Erwiderung des Staats- nnwalls und einer Replik des Verlheidigers nimmt der Angeklagte Trojan selbst das Wort: Der„Kladderadatsch", an dem er schon S6 Jahre lang thätig sei, rüste sich gerade zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum, und es sei das erste Mal, daß er eines so sdpveren Vergehens angeklagt werde. Er gestehe, daß er soivohl den Artikel als das Bild vor der Veröffentlichung gesehen, und beides unbedenklich gesunden habe. Er sei nidst nur formell, sondern auch sachlich dafür verantwortlich. Gewist sei eine Kritik des Kaiserwortes beabsichtigt gewesen, aber diese Kritik habe die Grenzen des Erlaubten nicht überschritten. Gegen das, was in a n d e r e n Blättern über das Kaiserwort gestanden, sei Bild und Artikel des„Kladd." noch die reine Milch der frommen D e n k u n g s a r t. Die Beschlagnahme habe in den weitesten Kreisen der Gesellschaft Befremden erregt, wie zahl- reiche Zuschriften von Gelehrten, Beamten, auch von Ridstern und Siaatsanwälten beweifen. Gemäßigte Blätter haben ge- sagt, es sei keine glückliche Hand gewesen, die diesen Schlag geführt, befriedigt haben sich nur zwei oder drei Blätter auS- gesprochen, die nicht eben Verehrer der Monarchie seien. Es fei doch eine unglückliche Hand, daß man gerade an der lustigen Person ein Exempel statuiren wolle, denn der Humor habe doch schon an sich eiwas Versöhnendes und Gustav Freylag habe mit recht ans- geführt, daß der Fürst an Volksihümlichkeit gewinne, wen» sich der Humor seiner Person bemächtigt. Ans demselben Grunde habe Fürst B i s m a r ck einmal bedauert, daß der Hofnarr nicht mehr exi stire. Der„Kladderadatsch" sei früher bei Hofe sehr beliebt gewesen, Friedrich Wilhelm IV. habe ihn so gern ge- lesen, daß man ihn lange Zeit für einen Mitarbeiter des Blattes gehalten habe. Jetzt herrsche ein Ujebe reifer im Ber- folgen von Majestätsbeleidignngen. Der Kaiser liebe es, direkt zum Volk zu sprechen, da müsse er auch darauf gefaßt fein, eine A n t w o r t ans dem Volke zu hören. Viel schlimmer als ein offcnes, freies Wort würde eine im Geheimen geübte Kritik sein und es würde nicht gut sein, das alte Narren recht zu kürzen. Die Häufigkeit der Majestätsbeleidigiings-Prozesse nehme den Charakter einer endemischen Krankheit an und laste wie ein Alp auf dem Volke. Friedrich der Große habe sich auch dadurch populär gemacht, daß er der Kritik seiner Person freien Spielraum ließ und Kaiser Honorins und Arcadins haben sogar eine Bestimmung erlassen, daß slir solche Beleidigung ihrer Personen Strafe nicht ausgesetzt werden dürfe. Dieses„Ilolumus"(Wir wolle» nicht!) stamme ans einer byzantinischen Zeit. Wenn in unserer Zeit von bestimmender Stelle ein ebensolches „Nolumns" ertönte, so würde dies mit großer Begeisterung von einem bis zum anderen Ende des Reiches begrüßt werden!— Der Ge- richlshof hielt eine Majestätsbeleidigung für vorliegend und ver- urthcilte den Angeklagten zu 2 Monaten Festungshaft.— Der Person des Souveräns müsse erhöhter Schutz gegen V e r u n> glimpfungeii gewährt werden, die Unverletzlichkeit des Staats- oberhauples müsse ihn gegen alle Angriffe schützen, die die Richtung oder den Erfolg haben, sein Ansehen herabzusetzen. Bild und Artikel seien nicht ans das Gezänk der Geist- lichen und der Presse, sondern auf die bei heiliger Veranlassung geäußerten Worte des Kaisers gemünzt. An und für sich sei eine Kritik kaiserlicher Worte erlaubt, hier sei aber eine unzulässige satirische und p e r s i f l i r e n d e F o r in gewählt. Nur diese Form erscheine strafbar. Das Bild sei ein Spotibild und verfolge die Absicht, die Leser über die Worte des Kaisers zum Lachen zu bringen und zu sagen: wen» die 'Ansicht des Kaisers richlig wäre, dann würden die lächerlichsten Konsequenzen daraus entstehen. Das sei offenbar beleidigend. Der Gerichtshof habe aus den Gründen des Staatsanivalts die niedrigste zulässige Strafe für angemessen erachtet. Proben und Preislisten portofrei. fjittwocl}, Poöoertfag, freitag Versand-Abteilung Berlin W.. Leipzigerstr. 132133.. Damen~HandsGhahe GIac£=Handschuhe mit 4 Knopf 1.15« 1.75 wt. pgj J- mit durchbroch. Manschette, 12 Kn. lang 33 mit färb, durchbroch. Manschette, 16 Kn. lang 35 PI- »» »» »> Imlt. Schweden 12 16 20 Kn. lang erfeme 55_ QQ Pf. J, Mk. Ball-Fächer Gummischuhe I.40 4.70 1.80 3.30 Ball-Fichus \ Gaze mit A iC\ Marabout mit O IG mi, Reinseid. farbiger Pongs Q qa... Rokokofiguren färb. Federbesatz mit Feder-Besatz Ö.OU«• Warenhaus AWertheim X Schahtaaren Damen=Pantoffel 60 „ Hausschuhe, Meito. 24i5 Mk „ Salonschuhe 2,40 iäS" 3.10 Mk lecker für Kinder Damen Herren Mk. Für den Jichnlt der Inserate ubermimiit die Redaktion de», Publik»»» gcgenülier keinerlei �icvmillüoi'liiiiit Tszvtttvv. Mittwoch, den 2S. Januar. Opernhans. Haschisch. Häusel und Gretes. Anfang 71/2 Uhr. Schauspielhaus. Der Burggraf. Anfang 7r/z Uhr. Deutsches. Johannes. Ans. 7»/, Uhr. Hessing. Im weißen Röv'l. Ansang 7'/- Uhr. Berliner. Faust(2. Theil). Anfang 7-/2 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang 7V, Uhr. Neues. Die LogendrNber. Vorher: Der Herr Kandidat Anfang 7 V» Uhr. Ostend. Die Waise von Lowood. Anfang 8 Uhr. Goethe. Ein SmnmernachtStraum. Anfang 7 Vj Uhr. Schiller. Der Tugcndwiichter. Da? Versprechen hinter!» Heerd. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Göttin der Vernunft. Anfang 71/2 Uhr. Thalia. Ninettcn s Hochzeit. Anfang 7V, Uhr. Central. Die Tugendfalle. Anfang 7-/2 Uhr. Luisen. Trildy. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstttdlisches. Die kleinen Vagabunden. Anfang » Uhr. Belle- Alliauce. Im Dienst. An- fang 3 Uhr. Alexandcrplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Nrania. Taubenstraste 48—4». Naturlundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschastl. Theater. Jnvalidenstrasje 57/««. Tiiglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vortrüge. Ailtcrican. Spezialitüten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7V, Uhr. Fcen-Palast. Spezialitäten. Passage> Pauoptikun«. Wiener Tanz- und Operetteu-Gesellschaft. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7Vz Uhr. (Wallncr-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Xugcndloächter. DaS Bcr- sprechen hinterm Herd. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Steglstrator auf Reisen. Freirag, abends 8 Uhr: Der Tugend- Wächter. DaS Versprechen hinter»» Herd._ Ostend-Theater. Ar. Franksnrterstr.lZL. Dir. C.Weih. Die Waise ans Kawood Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Btrch-Pfetffer. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vorstellimg: Frei-Konzert. Anfang des Konzerts 7 Uhr. 'Morgen: Prceiosa. Freitag: Die Waise aus Lowood. Sonnabend und Sonntag: Preciosa. Sonntag Nachmittag, kleine Preise: Die Waise aus Lowood-— In Vorbereitung: Unter der Polarsonne. Gr. AnS- stattnngsstiick mit Ges. v. Sonderinann. Centrai-Theater Alle Jakovstr. 30. Direklion KlchnrA lSclinltz. Mittwoch, den 26. Januar 1838: Emil Tlionias o. 06. Zinn 5. Male: Die Tltgettdfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz init Benutzung ejnes franz. Sujets von Jul. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jnl. EinödShoser. Anfang V-8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die Tugcildfalle. I-uiseu-VksÄör 34. Reichenvergersirast« 34. Abends 8 Uhr: Zum 3. Male: Trilby. Schauspiel in S Aktennach dem gleich- namigcn Roman von G. du Maurier, frei bearbeitet von Richard Mark. Trilby.. Anna Miiller-Lincke. Donnerstag(Kaiser's Geburtstag): Fest-Prolog. Auf goldenem Bode». Dora.... Anna Miiller-Lincke. Bollinann.. Arthur Winckler. Alle Urtheile der Presse stimmen überein darin, dass Donat und Anton Herrn l'old's neueste Npvität. die lustig- pikante „KomOdie einer Jungen Ehe": Faniilie Kochsalz ein neues Helterkelts-Produht X. Ranges ist! Alle Urtheile des I'nbliknms bestätigen diese Kritik an jedem Abend durch ununterbrochene Lachsalven und Beifallsstürme und häufig hört man, wenn die Schaaren Kaufmann's Variete verlassen, die Bemerkung: ,,£)le sind doch wirklich ganz einzig Xn Ihrer Art, dleso Hcrrnfeld's!" Urania Tanbcnstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung, Täglich geöffnet von tO Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidcnstr. Vo. 57—62. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs-Saal und Vorträge.— Näheres die Tagosanschläge. Passap-Panoptieura. Das Volkslied In 12 lebenden Bildern mit Gesang und Tanz der — lustigen— Wloncrinnon. Castan's Fanopticnm. Eriedriehstr. 165. Indisch- hlndusta- nlsche Oankl e r — und— Schlangen- Beschwiirer. Das BÄREN WEIB. N V olks- Thea ter Im Wclt-Rcstanrant »7. D r e s d e« e r- S t r a st e 97. Novität! Novität! Ctvrusbluk. Operetten- Burleske von G. Fischer- OHmann. Musik von R. Baumgart. Neu! Vorher: Neu! Wvvffev. Schwank von Benno Jacobson. Im vorderen Saale: ty'olei' Säuger Alois Ebner. Unfaua« Sonntags fi Uhr. /UMIg. Wochentags 7-/, Uhr. lllMplili -Pl!esen-8 IIiester.1 (Lircus Renz.) Xaristrasse. Ikolossz- Ikiralk�'» kouLtantmopel. Urilsstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 700 Aufführ, in London. 1000 Mitwirkende. t. Bild: Das Maifest in England. 2. Bild; SpanisoherStier- kampf. 3. Bild: Wiener Jahrmarkt. 4. Bild; ü-äub erüherfall in den rumolisohen Borgen. Da» Schlachtfeld. 5. Bild: Der Sklavenmnrkt. 8. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Räuber• Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballsts, die Pracht der Koetiime und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,-, 1,50, L- 2,50, 3-, 3,50, 4,— und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende IOV2 Uhr. Apollo-Theater. Frledrichstr. 218. Dir. J. Glück. Heute 3. Abend Yvette Giiilbert Kassaneröffnung 6V2, Anf. 7V, Uhr. leichshallen- Theater, Leipzigerstrasse 77, Hella Collier unbestritten beste Gesangs- Soubrette. 5 Derrlngtons, Max Waldon und das aus SO Knnstkriiftcn bestehende Programm. fAnfang?>/- Ohr. E n t r e e 6IO P f. Im Heichshallen-Tunnel täglich: Gr. lilitär- Konzert in Uniform. Entree IO Pf. fivicf Der Maskenball In Hl Id. den unteren Bäumen der Reichshallen findet am Donnerstag, 8. Februar, statt. Vaudeviile-Theater| Plast. 5h m Grai Grand-Hotel BlrxanderPlast. i ß Das Armband. DaS Modell. Z . Heul Frl. Clottschanz-, Neu!» � vorzügliche Soubrette.• a Gewöhnliche Preise. Vorzugskarte» gelten. Naedr'sIIlvstvr Dranien-Sitrasse 24. WV Täglich: Theater- u. SpczialUHtcn- Vorstcfinng. Neu! Neu! Lustspiel. \cn! Bei Registrators. Heut Posse mit Gesang. Sensationell! IVId!!�! Sensationell! Die beste Excentrie-Chansonette. Ailssi«g: S« V Preise der Plätze wie gewöhnlich. Avis I Donnerstag, den 3. Februar: Abschieds-Beuefiz für Fränl. Marg. Büttdicr. Feeu-Palast 83 ICnrgstr. 28. Direktion: Winkler& Fröbel. I Großen Jubel erregen jeden Abend> I Richard Winkler». Wilhelm Fröbel j ] in der einzig dastehende» Operette 1 Das radelnde Deriinj Stürmischen Beifall erzielen Cabarefs Liliputaner Hunde, j JHajott«, Ä&Sr. Frld Frid. Gebrüder Wichmann. Forree Hildebrand. Willard. Dahn und Büalde. Lebende Photographien.! Anfang 7V2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. I Entree 30 Pf. bis 1,50 M. (Rahniiof Itärso). Mittwoch, de» 8«. Januar 1888. abends 7-/, Uhr: ort eirtl. Die vorzügl. Freiheitsbressnren des Dir. Busch, u.a.: 4 Fuchshengste als Thurinspringer. Die Dogeartfabrt mit eigen» dazu dresflrtem Pferde, ansgeführt von Mdme. INaria Vors. Nabenoater, osiprenß. Hengst, in kurzer Zeit dresstrt und geritten von Herrn Foottlt- Burghardt. Außerdem Auf- treten aller neu engngirten Künst- lerinnen und Künstler. Zaragoza. Orig.- Mansge- Schaustück des CireuS Busch, entnommen ans dem spanischen Leven. Besonders hervorzuheben: Der Brand des griinen Schlosses mit der Flucht des Don Casiodurns und seiner Geliebten sowie sämmtlichen Pferden. Eine spanische Eisenbahn mit ein- tretender Katastrophe. Morgen l1/-, Uhr: Grosse brillante Vorstellung. Zaragoza. AIcazar-Thealer. Dresdenerstraße 52/53(Ciih-Passage) Annen st ra ße 42/43. Direslion: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Ansenlhalt. Stent Die Nrnk instigen Heidelberger. Ausstattungs-Operette l» einem Akt . von Poly Hämo». Musik von Franz von Supps. Vorher: Unser Johann. Lustspiel tu 1 Akt nach dem Französischen von Beye. Nnftrete» säuimtlicher Kunst- Spezialitäten. Unkana» Wochentags 8 Uhr. AllslIIllj. Sonntags 5 Uhr. Enlree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Vorzngskarten haben Giltigkeit. �elien-Lrauere! PrieHrieliZdaia. Heute Mittwoch, zum i. Mal Br. Extra Soiree der Stettiner Sänger tMeysel. Pieiro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Sihneider und Schräder.) Zum Schluß: Vor 83 Jahren, v. P. Meysel. Anfang 8 Uhr. SIÄ"- Fntrce SO Pf.-WHh Kinder die Hälfte. Vorverl. 40 Pf. Passo-pariouts haben keine Giltigkeit. Nach der Soiree: Tansi- Kränzchen. V. Noaek's Theater Rrnuncn-Htrasse 16. Mittwoch' wegen Privatfestlichkelt keine Vorstellnng. I Mimisches Krazchans Wff. Unser LOOKiKiSP�LiSStOSS.--.nn. »II» Ävi» ÄS. nkaitHRSi.' er. Ebenso empfehlen wir unser s4124L» TafelMer, €TaiiiI»riims- Bräu, nach Miinchener Art, X«]>oiinrk- Bräu,„ Pilsener„ in Fässern und ohne Vfnnv. Telephon» kmß V» S0SS für Bestellungen in Fässern. dos 1670„„ in FUscben. Concerthaus fiCipzlgerstr.IVo.48 Täglich:-TMZ dottan'L Quartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Der Killotslhüll-Milil Zum 881. Male: Ucnc, Kha«st" Sanssouci Kottbuser Straste Nr. 4». Dir. H. Pierry. Artistischer Leiter Jos. Slschlnger. Großer Beifall! ßlN! verfolgte Nnschilld. Gesangsstück in zwei Bildem von Walter Gericke. Heue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Gvoßee Volk. Untree 50 Pf. Wochentags Anfang deö Konzerts 7 Uhr, der Borstellniig 8 Uhr. SM- Entree 30 Pf."■35® Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. CäsHavi' Hof, Cösliserjlrilßc 8(Miiig). Saal mit Bühne für 1000 Personen. Im Februar sind noch Sonntage an Vereine zu vergeben._ 81/17* Mun dt'** Saal. Jnh.: Ernst Gründer. AU- Köpnilkerstraste 100."Mg Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: Grosser Bali.• Entrde v fiemit 50 Pf. Tanz 1 i/ Garderobe j Damen 85 Pf. Mit Porter Dessert-». Malzkraftbier i. stkang. Brauerei Burghalter, Potsdam. gegr. 1738, bes. f. Vlntarme, Brustkranke, Bleichs., Wöch»., / Nckonvic.d.leidst bekäinnil., nahrh. kräftigste Bier.— JstbI»tl'iId..deSH. beff. GeflchtSf. n. Gewichtsznnahm. überr. Ii Flasch. drei, 50 zehn M. «xkl. In Geb.(V«, '/«,'/>,) i- Selbst- abz. wesen tl. bist. Allel». Bersandtst. s.Berlin U.Pro». Pprterkcllcrei Ii i n x I e r, Berlin. Brun- »cnstrahe 158. NichtFlaschenzahl —Onal. entscheid. Br. i�ehjrlcli, Speztalarzt f. Haut- u. Harnld., Beingeschwüre und Lupus. An der Stadtbahn 84, (am Bahnhof Alexauderplah.) Sprechst.: 9—12 und 3-�5. Freitags keine. 408IL* PsMink: NS. Zd»««. 2 int Olga Jacobson, Jiuinlibcnft. 145. Mektrotechnik. Der 2. Kursus für Praktiker beginnt Donnerstag, den 27. Januar, abends 8 Uhr. Honorar 3 M. pro Monat. Dauer 3 Mon. Anmeldung Schöne- berg, Merscburgerstr. 5 L Abends von 7 Uhr ab, Sonntags von 10—12 Uhr. Franz Ecderer, Elektrotechniker. Maskengarderobe � von Otto Runge Cr. Frankturterstr. 75, Amt VII, 4075 zmpstehlt den Vncinen seine große Auswahl in Kostümen in jed. Preislage. Gr. Lager von Karneval-Anfzügen. Jedermann schützt sich vor Verluste, wenn er sich bei der„Allgemeinen Bolks-Kranken- n. Volks-Srerbc- kasse* versichert. Aufnahmen dirett bei der Sub-DireMon, Skalitzerstr. 82 1. Bertreter überall gesucht! sLd S jeMlBM ÄÄSS saubere Herren- Garderobe Tomporowski, Jüdenstr. 37, L• Tiiglich von 7 Uhr morgens biS 8 Uhr abends: Verkauf frisch gek. schiv. verls. uO fiilil. zleisches. Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Pf an, Schlvcinesteisch....«40 Pf. l4041L* Verwaltmig der Koclianstalt Stadt. Sclilaclitliof lin~~.il cnßll Plomben 1 M. Zahnziehen frei. Zahn- Hlil!S!!.�AÜl!k i.Jll U. arztlich- Klinik, Manteuffelstr. 43, L. Ecke ' Oranienstraße. Spr. 8—10 und 1—3 Uhr. Wir mache» die ergebene Mittheilung, daß der Zlnsstoß unseres 11/8* Vamdriulls-voek-vieres « 28. Iliiiiüir cr.»'"-»■ B»'a«tvK'SA Lnaaitkrliia« Aktien-Gesettschaft CsiairlotkettbttvA�Vevlin. Fernsprecher Amt Ch. Nr. 87. '«»««»«»»»»«»»»»» Eine Znckerin-Tablette zu A Bfennig' ist so süss, dass der Süsswerth von i Pfd. Zucker nur 12 Pfennig kostet. 1 Elter KaJfco zu versnsscu kostet nnr 1 Pfennig.[10/13* Es werden auch minderwerthige Tabletten angeboten; man verlange ausdrücklich„Zockcriu"- Tabletten, deren Echtheit an der gesetzlich geschützten gerieften Form zu erkennen ist. — Erhältlich in Colonialwaaren- Handlungen.—— ,-..,.Die Möbcl-Fabrik, Ml!!!öI-ökIkgL!!iikI!sIlAUlIt!leW!lha!lserftr.L *(früher Roscnthalerstr. 13) 1 liefert bürgerliche Wohnungs- Einrichtungen schon von IbO M. an. Evulante Zahliingsbedinguilgm, Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel. Eigene Tapezier- und Dekorations- Werlstatt. I34Ü7L* Transport durch eigene Gespanne, auch nach außerhalb. vi'. liwmpson's 8ki56npulvor (Schutzmarke„Schwan") bat sich besser bewährt, wie ledes andere Waschmittel.— Dasselbe ist von jeder praktischen Hausfrau als das beste, billigste und bequemste Waschmittel längst anerkannt worden. Man erspart bei seiner Anwendung viel Mühe, Zeit . und Geld und schont die Gewebe dabei mehr, als bei jeder anderen Waschmethode. Jeder Versuch überzeugt! Zu haben in den meisten Seifen-, Droguen- und Colonialwaarenhandlunge». Osferire feinste Tafelbutter, & Pfd. 1,10 Mk., alle Sorte» Käse zu den billigsten Preisen. 37282* W. Adrian, Jnvalidenstr. 35, Ecke Chausseestr. Elsasferstr.«0. Eck- Artilleriestr. Schlittschuhe v. 15 Pf. an, Dres- denerstr. 28 bei Zimmermann. s2537b fitesten Stand 10,—, 15,—, 20,—, Belltll 25,- bis A),-. Federn 0,60 I,—, 1,50 bis 8,—. Bettiväscheu.Stepp- decken spottb. Bettenhaus Neanderstr. 3, Beranlivovtlicher Nedakteur: August Jarobey in Berlin. Für den Jnseralentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.