Nr. 22. Adomument,- KedtngAngen: «bonnemenl»- Preis pränumerando! vterteliährl. 3,30 Sit, monait 1,10 Sit, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntags- Nummer mit tlluftrirter Sonntags- Beilage„Sie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungZ- Preisliste für ILSS unter vr. 7376. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. tS. Jahrg. Die Inftrtlons- GeWIHr beträgt für die fschSgefpaltene ftolonel- zetle oder deren Raum iß Pfg., für Berein»- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bii t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tis Expedition ist an Wochentagen b>S 7 Uhr abend». an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich«uster Montag». Devliner VolKsbl�kk. Mernsprecher! vint I, Nr. 1306, Zelegramm- Adresse: «»oiialdemokrat Prrltn". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Aus unseren Nrobierkolonten. Dem Reichstag ist die übliche Denkschrift über die Ent wicklnng der deutschen Schutzgebiete für das Jahr 1806/97 zugegangen. Neue überraschende Aufschlüsse über eine kräf- tige Entivicklüng der deutschen Kolonien enthält sie nicht. Was thatsächliches drin steht, das bestätigt die von uns seit jeher vertretene Anschauung, daß die ganze Kolonialpolitik des Reiches ein großer Fehler ist. Nach wie vor wird durch die häufigen Todesfälle und die herrschende» Krankheiten die Gesundheitswidrigkeit unserer über- seeischen Besitzungen für Europäer erhärtet. Bon 107 Europäern im Schutzgebiet Togo erkrankte» im Berichtsjahre nicht weniger als 49 Personen, S starben. Die katholische Mission schreibt in ihrem Bericht, daß sie zwei Mitglieder durch den Tod verloren habe, siinf hätten zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit in die deutsche Heimath zurückkehren müssen,„so daß die Zahl der Missionare durch die Anstrengung und die U» g u n st des Klimas nicht nur dczimirt, sondern bcsiiahe halbirt wurde". Einen Einblick in die gesundheitlichen Verhältnisse K ameruns geben uns gleichfalls am besten die ungeschminkten Berichte der Missionen. In einem solchen wird der Maugel an Missionaren damit begründet:„Es landete zwar im Lause des Jahres ein neues Ehepaar hier, doch wurden uns zwei Kräfte durch den Tod entrissen. Beide starben am Schwarzwasserfieber resp dessen Folgen." In einem andern lesen wir:„Im letzten Berichts� jähre hatte die Mission den Tod zweier Brüder zu bektage». Beide starben infolge der Malariasieber. Der Gesundheitszustand ließ auch in diesem Jahre zn wünschen übrig." In D e u l s ch- O st a fr i k a ist das Klima für Europäer erst recht ungesund, wie der diesjährige Bericht ausdrücklich zugicbt. Allerdings sollen das Hoch- platean und die Gebirge fieberfrei sein, aber„auf dem Wege von der Küste ins Gebirge hat der Eimvanderer die die Malaria be herbergende» Niederungen zu durchschreiten, wo er den Krankheitsi stoff oft genug in sich aufnimmt. In den Küstenbezirken muß ei» andauernder Kampf gegen die Malaria geführt werde». Dieser Kampf ist nicht leicht, aber doch nicht aussichtslos". Bon de» 839 Europäern starben im Berichtsjahre 40, wornnler 3' an klimatischen Krankheiten. S ü d iv e st a s r i k a litt ini Berichtsja';e ganz besonders unter der überaus feuchten Witterung. Mit diese» Wahrnehmungen über die Gesundh itswidrigkeit des Klimas ist wieder der Beweis erbracht, daß m ere Schutzgebiete keine Siedelungskolonien für deutsche Auswanderer fein und werden können. Aber auch der Handel mit dem Reiche»nd mit andere» Ländern ist nicht derart, daß sich zu feiner Entwicklung und zn seinem Schutze Reichsausgabe» verlohnten. Soweit in den vor- liegenden Berichte» über den Handel Daten angegeben werde», kann nur ein Rückgang der Aussuhr konstatirt werden. Wo Daten nicht angegeben werden wie für Deutsch-Ostafrika, da werde» die Handels- Verhältnisse erst recht ungünstig liegen. Bon du hauptsächlichen Landesprodnkte» Togos wurde» ausgeführt: 1896/97 183S/36 �o im ' Berichtszahr Palmöl 462 047,84 Ltr. 2 696 582 Llr.— 2 234 535 Ltr. Palmkerne 6 156 696 Kg. 9115 470 Kg.— 3 948 774 Kg Gummi 71620„ 94 622„— 23 002, Kaffee 3 877„ 457„4- 3 420„ Kolosuüsse 9 366 Stück— 4- 9 866 St Palmblältter 32 259 Kg. 13 635 Kg. 4- 22 584 Kg. Ebenso sind in Kamerum die Ausfuhrwerthe ganz bedentend zurückgegangen. Es wurde ausgeführt Werth« in Mark: Palmöl Palmkerne Gummi Elfenbein 1895/96 983 564 1 251 313 1 090 723 542191 1896/97 849 071 991 933 825 559 532 120 134 493 M. weniger 259 380 M. weniger 261 169 M. 10 071 M. weniger weniger AnS diese» wenige» Daten dürfte auch für das Berichtsjahr wieder hervorgehe», daß unsere Kolonien alles andere nur keine von Natur begünstigten Handelskolouien zu weiden versprechen. Sie find nicht reich und haben keine Zukunft. Zu solchen Schlüssen gelangt man au der Hand der nackten Zahle» und Thatsachen. Zu andere» Schlüssen freilich lassen sich unsere delltsche» Kvlonialschwärmer ver- führen. Zu ihnen gehören in erster Linie die Beamten, die draußen sich die Aufgabe gestellt haben, unsere Kolonien zu heben. Da werden uns in der Denkschrift wieder alle möglichen Bersuche und Experimente erzählt, die uulernoinmen werde», um das Land reicher zn gestalten oder es sür deutsche Ansiedelung sähig zu machen. Namentlich in Denisch-Ostafrika ist die Berwaltnng bestrebt, alles zn unlernehmen, was der Kolonie zn einem Aufschwung verhelfen könnte. Leider sind's nur immer Versuche. die als„interessante Versuche" der Beachtung werlh sind, die aber lange nicht zn den Hoffnungen berechtigen, mit denen die Denkschrift von A bis Z auf jeder Seite angefüllt ist. Da hieß es voriges Jahr, große Kohlenlager seien in Deutsch- Ostasrtka aufgefunden worden. Assessor Bornhardt priislc diese Funde näher. Es stellte sich heraus, daß die Kohle nicht gerade ungünstig ist, jedenfalls aber die Koste» des Traneports nicht er- tragen kann. Trotzdem kann man auch jetzt die Hoffnung noch nicht ausgeben, daß diese Kohle dem Lande noch eine geivcrbliche Zugkraft verspreche. Neuerdings soll gar Gold gesunden sei». Große Freude, weittragende Aussichten! Ja, wenn — der Bericht ist hier selbst vorsichtig:„Eine genauere Unier- suchung dieser v i e l l e i ch t ergiebigen Fundstelle ist in die Wege geleitet." Aach Versuche mit europäischen Getreidearten werden auf einem 60 Morgen großen Stück Land angestellt und ans einer aus- frchrliche» Tabelle entnehmen wir, daß die Ernteergebnisse in Weizen, Erbsen, Gerste. Hafer. Kartoffeln je. recht gut ausgefallen sind. „Alles gedeibt wie in Denlschland,»»d fast das ganze Jahr hm- durch." Klingt das nicht verlockend für deutsche Land. wirthe, sich in unseren Kolonien anzusiedeln?! Gewiß, darauf weist der Bericht am Schlüsse noch besonders hin: „Das Berichtsjahr legte Grund zn der Hoffnung, daß es auch ein aufnahmefähiges Bcsiedelungsgebiet aufweist." Leider folgt hier rvieder ein Ileines Bedenken. Man höre:„Aber das in betracht kommende Gebiet ist klein und wenn sich Raum sür hundert Familien findet, wird man znsrieden sei» müssen." In ähnlicher Weise wird der Leser der Denkschrift fortgesetzt mit hochfliegenden Hoffnungen, großangelegten Plänen und Versuche» gefüttert, um plötzlich mit einer nüchternen Bemerkung auss harte Pflaster der Wirklichkeit gesetzt zu werden, wo für jene Hoffnungen kein Raun» ist. So wird an einer Stelle von einein Schlage Kühe berichtet, die keine Milch gebe» Flugs gehen unsere Kolonialbeamlen im Interesse der Hebung der Kolonie an die Arbeit, diese Kühe in Behandlung zu nehmen. Kuh ist Kuh, und»vas Kuh ist, muß Milch geben, andernfalls haben die Kühe gar keinen Werth. Man legt also eine Milchzncht-Anstalt an, in der diesen unnatürlichen Kühen das Milchbringen künstlich beigebracht ivird. Das ist eine ziemlich an- strengende und bei aller Zärtlichkeit gegen die Kühe nicht gerade erfolgreiche Thätigkeit. um so problematischer, als diese in der Aus- bildung befindlichen Kühe»vie das andere Rindvieh die erklärliche Neigung haben, an irgend einer der sehr häufigen Krankheiten zu gründe zn gehen. Hat man so eine mannbare Kuh nun glücklich so iveit, daß sie sich bequemt, Milch zu gebe», pardautz holt sie sich eine» Schnupfen, legt sich hin und krepirt, und die ganzen Kosten der Ausbildung sind zum Teufel. Das ist kein Scherz, das ist blutiger Ernst— so geschehen in Kamerun—»nd ein chpisches Beispiel für die Probier- und Experiinentierivirlhschaft in unseren Kolonien Eine Handvoll deulscher Großkausleute, die bei 100 pCt. Gewinn und mehr mit den Eingeborenen Tauschhandel treiben, machen allein Geschäfte und zivar so lange, bis die Gebieie vollständig ausgepoivert sind. Für das Reich selbst aber ist nichts zu holen, nichts zn hoffen. Dafür dann noch Geld auszugeben, das ist das Tollste, was dem deutschen Michel je zugemuthet worden ist. politische Mebevficht» Berlin, 26. Januar. Aus dem Reichstage. Die Znckerinteressenten besiuden sich seit langem in bösen Schivulitäten. Lange Zeit glaubte man mit Ausfuhrprämien den deutschen Zuckerproduzenten a»' dem Weltmarkte die Priorität sichern zu können und mau ging ja in dieser Beziehung schließlich so iveit, daß die gesammten Einnahmen aus der Zuckerstener für Ausfuhrprämien aus gegeben wurde». Man ging später von den versteckten Prämien zu offenen über. Es half alles nichts. Die mit unS konkurrirenden Staaten wendeten dieselben Mittel an und der einzige praktische Erfolg war nur der, daß in London deutscher Zucker viel billiger ist, als in Teutschland selbst. Ja er ist dort so billig, daß er stellenweise sogar als Schweiuefutter Verwendung fand. Nun kommt als neuer Konkurrent sür den Zucker auch noch das Saccharin, das infolge seiner kolossalen Süßkraft zu gewissen industriellen Zwecken sehr geeignet ist, den Zucker ganz zu verdrängen. Dieser Entwickelung suchen nun die Abgeordneten v. Plötz und Dr. Paasche mit ihren Anträgen entgegen zn wirken, indem letzterer eine Verbranchsabgabe von 80 M. per Kilo beantragt und beide Antragsteller einen ent sprechenden Zollsatz in Vorschlag bringen. In der Debatte, an der sich die Antragsteller sowie die Abgeordneten Dr. Hermes, Schwarze(Z.), Gra' von Stolberg(k.), W u r m(Soz.) und der Staats- sekretär von Thielemaun betheiligleu, wurde von allen Seiten zugegeben, daß die Materie noch sehr wenig geklärt sei. Daß durch Zollanflagen nichts zn erreichen sei, wurde schließlich allerseits zugegeben. Ein Artikel, der auf das Kilo 80 M. Zoll tragen soll, bietet dem Schmuggel einen solchen Anreiz, daß keine Sperrmaßregel dagegen wirksam sein ivürde. Die Anträge wurden einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen, nachdem der Staatssekretär der Reichsstuauzen vor- her noch mitgetheilt hatte, daß die internationale Zuckerkonfercnz in etwa drei Wochen in Brüssel zusammentreten werde und daß Oesterreich und Deutschland sich über ein gemeinsames Vorgehen auf derselben verständigt haben. Hierauf begann die Diskussion über den Antrag unserer Fraktion, betreffend das Vereins- und Versammlungsrecht. Der Antrag wurde von dem Abgeordneten Geyer in sehr eingehender Weise begründet. Der Redner griff auf die Debatte über den Posadowsky'schen Erlaß zurück, indem er noch einmal in entschiedenster Weise alle Versuche auf Beschränkung der Koalitionsfreiheit zurückwies. Geyer erinnerte dann an das uneingelöste Versprechen des Reichskanzlers und die wenig hübsche Rolle, welche man den Reichstag dabei habe spielen lassen. Die Versuche in Preußen und Sachse», das Vercinsrecht noch zu verschlechtern, fanden gebührende Beleuchtung, besonders durch Vorführung von Chikanen, welche auf grund der heutigen Gesetzgebung schon möglich sind. Da dabei die äcksische Polizeipraxis verdientermaßen ihr gerüttelt Maß abbekam, beschwerte sich der sächsische Bundesraths- Bevoll- mächtigte, Gcheimrath Fischer, über diese illoyale Behandlung. Die Antwort darauf wird gelegentlich der Fort- etzung der Debatte ani nächsten Schwerinstag erfolgen. Heute kam es noch zu einem scharfen Scharmützel zivischen Herrn v. S t u in m und L e n z m a n u. Ersterer bat im Herrenhanse bekanntlich von jugendlichen Arbeitern als von Lausejungen gesprochen. Heute kam er auf diesen Ausdruck zurück und versuchte er demselben eine nitldcre Deutung zu geben. Lenzniaun meinte aber, daß ein solcher Ausdruck überhaupt nicht ins Parlament gehöre, was den Herrscher von Saarabicn so in Wnlh versetzte, daß er laut von Rüpeleien sprach. Als charakteristisch dafür, wer den Ton im Reichstage herunterbringt, wurde auch diese Aenßerung festgenagelt. Da morgen die Sitzung ausfällt, findet die nächste Sitzung Freitag um 2 Uhr statt. Fortsetzung der Etatsdebatte.— Das preußische Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung den Gesetzentwurf betreffend Aufhebung der Vor- p f l i ch t u n g zur B e st e l l u n g von A in t s- K a u t i 0 n e n nach umvesenllicher Debatte unverändert a» und berieth hierauf den Antrag Fuchs(Z.) u. Gen. betr. Aenderung des Kommu» nal-Wahlverfahrens. Danach wird das Dreiklassen-Wahl- system beibehalten, doch soll die Eintheilung in der Weise geschehen, daß von der Gesammtsumme der Steuerbeträge aller Ubrwähler �/is auf die erste, t/u auf die zweite und 3/iä auf die dritte Abtheilung entfallen. Jedoch solle» in der ersten Abtheilung mindestens 10, in der zweiten mindestens 20 pCt. der Gesammtzahl der Wähler vertreten sein. An die Einfübrnng eines wirklich gerechten Wahlsysteins denke» die Hren im Zentrum nicht, sie wollen mir einige Auswnchse beseitigen, die sich für ihre eigene Parei unangenehm bemerkbar machen, und man wird wohl nicht fehlgehen in der Annahme, daß dieser so kurz vor den Wahlen gestellle Antrag lediglich aus Agiiationsrücksichten eingebracht ist. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß wir vom Parteistandpnnkt aus den Anlrag zn bekämpfen Halle», den» solange wir keine AuS- ficht auf Abschaffung des Dreiklassen-Wahlsystems haben, werde» >vir uns eben damit begnüge» müssen, wenigstens die schreiendsten Ungerechtigkeiten ans der Welt zu schaffen. Die Mehrheit des Abgeordnetenhanses freilich denkt anders. Allerdings wurde der An- trag einer Kommission von 14 Miigliedern überwiesen, daß aber dabei nichts herauskommt, läßt sich»ach dem Gang der heutigen Debatte bereits mit Sicherheit sagen. Für den Antrag treten die Abgg. Fuchs(Z.). Porsch(Z). Pleß(Z.). Wetekamp (frs. Vp.) und E b l e r S(frf. Vg.) ein, während die Redner der aus- schlaggebenden Parteien, die Abgg. v. E y» e r n(natl.), v. D a l l» witz(£.) und Frhr. v Zedlitz(frk.) ihn bekämpfle». Daß Miß- stände beim Kommnnal- Wahlversahren bestehe», gaben auch die Gegner des Antrages zu, sie erklärieu aber ausdrücklich, daß sie an der'Bemessung des Wahlrechts nach der Steuerlast festhalten und auf keine» Fall über die Zustände hinausgehe» wollen, die vor der Durch- fiihruug der Fiuanzreforiu bestände». Also, obgleich 1891 bereits erheb« liche Mißstände zu tage träte», solle» dieselben doch riihig fortdauern, man will eben an dem Bestehenden nicht rütlel», selbst>ve»n es sich »Iii offenbare Ungerechtigkeiten handelt. ANberdem fürchten die Konservativen, daß durch den Antrag ein Präjudiz sür das Landtags- Wahlrecht geschaffen wird, und das ivollen sie aus alle Fälle ver- hindern. Interessant war, wie Frhr. v. Zedlitz die Freisinnigen zu ärgern snchie, indem er daraus hinivies, daß durch die Einführung der gleichen Wahl die Herrschaft des Freisiims im Rothe» Hanse in Berlin gebrochen und Herr Singer dort»och mehr koinmandiren würde, als es jetzt schon der Fall ist. Die Regierung denkt nalürlich nicht an die Annahme des Antrages, sie ist auch weit cnlfernt, ihr in der vorigen Session gegebenes Versprechen auf Einbringung eines Gesetzentwurfs belr. Aenderung des Wahlsystems jetzt zu erfülle». Elivas anderes haben»vir freilich nicht erwarlel, wohl aber hätte» wir geglaubt, daß der Minister des Inner» die Regierung gegen de» Vorwurf der 9Iichlri»löm»g eines Versprechens etwas geschickler vertheidlgen würde. Was aber bei den Redeleistmigeil des Herrn v. d. Recke hrranskoniml, ist zur genüge bekannt. Am Freitag beginnt die zweite Etatsberathung mit dem Elat der landivilthschnsilichen Venvallung.— Einer Orgie des Monarchismus giebt sich die„gut- gesinnte" Presse zur Feier deS Geburtstages des Kaisers hin. Wir überlassen es jedermann zil feiern, was ihm beliebt, und wenn die Kapitalislenpresse die Institution der Monarchie sür ihre Klasse als werthvoll erachtet, so sei es darum. Aber ionderbar ninimt es sich ans, weiin die Festartikel dieser Presse die vorgebliche Pietät für die Monarchie iind ihrer gegenwärtige» Vertreter zu wahlpiopagaudistischen Zwecken auszunutzen trachten. Typisch für diese ebenso verlogene wie schäbige Byzantlnerei ist der Fest- Artikel der Stumnl'schen „Post", die wie so oft auch hier nnverhohle» zum Ausdruck bringt, was andere nur denken, wofür wir dem Blatte nur dankdar sein können. Der„Post" ist auch dies Fest des Monarchen eine Ge- lcgeuheit, ihr Handwerk der Sozialistenhetze zu betreiben. Ihr Festärtikel gipfelt in Ausbrüchen gegen das allgemeine Wahlrecht nnd gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. Alan höre: „Soll das Deutsche Reich nicht an den unselige» Folgen des allgemeinen Wahlrechts z» gninde gehen, so gilt es, daß alle Parteien, die sich zu den staalserhaltenden rechnen, im einlnülhige» Kampfe nnd i» geschlossene» Reihen zusammenstehe» und ziisamineuhalte», um dem Hereinbreche» einer Slurm- fluih vorzubeugen, die in immer drohenderen Anzeichen sich an- kündigt. Wohl gehört ja auch das zu de» erfreulichen Zeichen, unter denen wir diesmal den Geburlslag Er. Majesiüt des Kaisers feiern dürfen, daß von seilen seiner Siegiernng den sozialdemokratischen Unilriebe» gegenüber eine Sprache geführt ivird, die ihre Führer darüber nicht im Ziveifel läßt, daß die Regierung kein gesetzliches Millel unbenntzt lassei» will, um der Verhetzung der arbeitende» Klassen enlgegenzutrelen, und daß sie nicht gesonnen ist, friedliche Slrbeiler den Umtrieben und Bedrohungen geivisse n loser Agitatoren schütz- nnd wehrlos preiezugcbeii. Die Sprache, die i» dieser Beziehung vom Regiernngslisch geführt worden ist, bercchiigt zu der Hoffnung, daß den Worten auch Thaten folgen »Verden..." Schlechterer Dienst kann der hentigen konstitiitionellen Monarchie wohl kanm geleistet werden, als von dieser Art Monarchisten, deren höchstes Ideal der monarchistische Ab- soliitismiis in der Fabrik, die»ncingeschränkte Diktatur des Kapitalisten über den Arbeiter bildet. Wenn die„Post" auch bei dieser Gelegenheit, scheinheilig schwätzend vom„Schutz friedlicher Arbeiten", die Möglichkeit der Arbeiter- Organisationen zerstören will, so betreibt sie niit derartigen gemeingesährlicheil Absichten eine Untergrabung der Monarchie ii»d der monarchischen Gesinnung, wie sie die eifrigsten Bekämpfer des Monarchisnins sich nicht besser wiinschen kömiten. Der letzte„königstrcne" Arbeiter, wenn er die Mon- rchie als Hort solcher Bestrebimgeii, wie sie die„Post" ver« tritt uiib llne stc ouch im P�sadowZky- Erlaß zum Ausdruck Nrkomiucn sind, ansehen müßte, würde in seiner„Köuigstrcne" arg erschüttert werden. lind ebenso thöricht sind die Darlegungen deS Stumm- Finl'schcn Orgaus über den„erfreulichen'Aufschwung des uationalen Gedankens", der besonders auf die Besitzergreifung von Kiaotschau zurückgeführt wird. Abwarten, ihr Herren! Wenn auch die chinesische Erwerbung weit günstigere Folgen zeitigen sollte, als man jetzt annehmen darf, so wird es mit dem „Aufschwung des nationalen Gedankens" doch nicht anders sei, als mit dem Aufschwung des nationalen Ge- daukeus nach den Ereignissen von 1K70/71, welche Ereignisse doch ganz unvergleichlich bedeutender waren als die jetzigen und das deutsche Volk— ohne Hilfe Hüllescher Flugblätter! � in seinen Tiefen aufrührten. Mit dem Erstarken des deutschen Handels und der deutschen Industrie erstarkt auch in nundcstcns gleichem Tempo die deutsche Sozialdemokratie. Und je günstiger die Kiaotschau« Besetzung und die Erschließung China's sich gestalten würde zur Freude der deutschen Kapttalistcn um Stumm, um so bedeutendere Antriebe wird dadurch auch die deutsche Arbeiter- klass« erhalte», um so kräftiger werden ihre Organisativns- uud Emanzipntionsbestrebuugen sich regen. Der„Aufschwung des nationalen Gedankens", den die Kapitalisteupresse zu des Kaisers Geburtstag in allen Tonarten fcicrt, er wird m einen Aufschwung des sozialdemokratischen Gedankens umschlagen! Zum giiindschrcibc» deS Grafen PosadowSky. Den An- gaben, die wir in unsicer Dieustagnununer bezüglich der aus Anlaß des Berliner Mmimstmks von 1897 erfolgten Bestrafungen inachlc», lassen wir hent einige Daten aus anderen in letzter Zeit in Berlin staltachabten größeren Lohnbewegungen folgen. Neben dem großen Lohntampf der Maurer ging der nicht minder bcdeuiende der Zimmerer einher, welcher sich in den Jahren 1699/07 ab- spielte. Der allgemeine Streik dauerte imJahrel89S 4Wochen, während noch längere Zeit nachher eine größere Zahl von Bau- und Platzsperren erfolgte. Von den etwa 2909 Personen, die sich an der Bewegung beiheiligte». wurden 13 aus Anlaß des Streiks angeklagt. In 2 Fallen, wo die Anklage ans Vergehen gegen ß 1S3 der Gewerb«. Ordnung lanlete, und in einem Fall, wo ein Ausruf in der Presse als grober Unfug quatifizirt wurde, erfolgte Freisprechung. Ver- urlheilt wurden: b Personen wegen Vergehen gegen Z 153 der Gewerbe» Ordnung zu je 14 Tage» Gosängniß; 2 Personen wegen desselben Vergehens zu je 6 Woche», 1 Person wegen des gleiche» Vergehens i» Verbindung mit Körperverletzung zu 4 Monate» Gefängniß. Wegen Beleidigung wurden 4 Person«» bestrast, und zwar mit 59 Bt. Geldstrafe, zweimal mit je 6 Tage» und einmal mit 6 Wochen Gesängniß. Wegen groben Unfugs er- folgte eine Bestrafung von 39 M. und wegen öffentlicher Vertheilunq von Druclschrijte» ohne Erlaubniß wurde» 2 Personen mit je 6 M. bestraft. Im Jahre 1897 streikten die Zimmerer 3 Wochen, dann gab es wieder eine größere Anzahl von Platz- und Bausperre». Sin der Bewegimg betheiligte» sich etwa 2999 Personen, von denen 25 an- geklagt, und hiervon 6 freigesprochen wurden. Die letzteren waren angeklagt i» 2 Fällen wegen Hausfriedensbruch, in 4 Fällen sollte tz 153 der Gewerbe-Ordunng verletzt worden sei». Berurthetlt wurde» sieben Personen wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung zum theil i» Verbindung mit Hansfriede»?» bruch, Beleidigung oder Körperverletzung zu S Tage»(3 mal), S Wockzeu, 2 Monate», 3 Monaten und 4 Monaten Gefängniß. Eine Person wurde wegen Vergehen gegen das VcreinSgesetz mit 59 M. bestrast. In diesem Falle ist die Besprechung der Arbeiter eines Arbeilsplatzes als nicht angemeldete Versammlung betrachtet worden. 12 Personen erhielten Geldstrafen von S-39 M.. und zwar wegen Verursachung eines Auflaufs, unbefngler Druckschristen-Verlheilung, groben Unsugs oder Hausfriedensbruchs. Die Meiallarbeiier haben gleichfalls im Lause der letzten beide» Jahre verschiedene zuin theil bedeutende Ausstände durchgemacht, dahin gehören nnlcr andern, die Branchenstreils der Klempner, der Mechaniker, der Schraubendreher, der Gürtler und Drücker, sonne der ans Anlaß der Maifeier des Jahres 1896 veranlaßle Former- ausstand, der 26 Wochen währte und allein 415 Personen umfaßt«. Im ganze» haben sich an de» Lohnkämpsen der Metallarbeiter in den Jahren 1896 und 1897 wenigstens 3999 Personen be- theiligl. Ans Anlaß des Streiks wurden während dieses Zeit- rauins 23 Anklagen, meist ans 8 153 Geiverbe-Ordnnng, erhoben. Das Resultat derselben waren 14 Freisprechungen und 9 Vernriheilungen. Wege» Vergehen gegen ß 153 der Gewerbe-Ordnung wurde dreimal a»f 3 Tage, einmal auf 5 Tag- und einmal auf 1 Woche Gefängniß erkannt, vier Fälle von Beleidigung mußten mit 29—39 M. Geld» strafe gesühnt iverden, außerdem sind elwa 59 polizeiliche Slras- Verfügungen gegen Streikposten ergangen. Der große Streik der Tischler im Jahre 1896, der bei tiner Betheilignug von 2799 Personen vier Wochen dauerte, hat nicht «ine einzige Anklage zur Folge gehabt. Bon den kleineren Loh». kämpfe» dieses Berufs liegt uns nur das Material aus dem erst kürzlich stallgehableu Streik in der Möbelfabrik vo» Eberhardt vor. Dieser Streik, der sich durch mehrere Wochen hinzog und an dem etwa 69 Personen bctheiligt waren, brachte eine Verurtheilnng zu einer Woche Gefängniß wegen Uebertrelnng des Z 153 Gew.-Ordn. Das Vorgehen der Polizei gegen die Streikenden wird lreffend illustrirt durch die Thalsache, daß acht polizeiliche Strafverfügungen erlassen wurden, in denen das Streikpostciistehe» zum theil alS Strabenpolizeikonlraventio», zum theil als grober Unfug aufgefaßt worden ist. Während andere Gewerkschaften, um die Kosten vor Gericht zu erspare», solche Strafmandate ohne weitere? bezahlten, brachte der Holzarbciter-Vcrbanddiesclbenzurgerichllichen Entscheidung. Er erzielte dadurch 7 Freisprechungen, während nur in einem Falle das Gericht die Strafe bestätigte. Wenn der Herr Staatssekretär Graf Posadowsky daS vorstehende Material, welches sich noch vermehren ließe, einer Belrach- lung unterziehen möchte, dann würde er zu der Einsicht kommen, daß es mit dein TerroriSmus der Slrciker und der angebliche» Un- Möglichkeit, deren Ausschreitungen ans grnnd der bestehende» Gesetze ahnde» zu können, ganz anders aussieht, als ihn die Jnnungs- nieister in ihren Eingaben und Petilioncn glauben machen möchten. Die Parleiprcfse in der Provinz und die Gewerkschaftöprcsse sollt« ähnliche Erhebungen wie die vorstehenden nicht unterlasse». Zum Kampf gegen daß Nnternchmerlhmn und die dasselbe schützende Regierung muß alles Material rasch gesammelt werden.— Kiaotschn». Auch über die nächsten Folgen, die aus der Besetzung der Kiaotschau» Bucht erwachsen dürften, herrscht völlige Unklarheit. Geschweige denn, daß sich die weiteren Entwickelungen ans dieser Angelegenheit absehen ließen. an der Biidgctkommission des Reichstags hatte am Dienstag �aatssekretär des Auswärtigen Amtes auf die Frage, wie es mit den Kosten stehe, die Kiaotschau erfordern iverde, die Beantivortung ans seinen Kollegen vom Schatzamt ab- gcivälzt. Und heute erklärt Frhr. v. Thielmann: Er könne nichts Genaues sagen; indeß„sehr hoch" würden die Berwaltnngskosteu nicht werden. Unter hohen und sehr hohen, nicht hohen und nicht sehr hohen Kosten kann sich natürlich jeder vorstellen, was ihm beliebt. Was die Herren Reichs- Schatzsekretnre, die mit gewaltigen Millionenmassen zu rechnen geivohilt sind, als„nicht sehr hoch" ansehen, das dürste leicht eine atisehnliche Last für den deutschen Steuerzahler vorstellen, dessen geringem Einkommen jeder Pfennig weniger eine schwere Beeinträchtigung bedeutet.— Die llmtverbnng des Pekinger Hofes durch England und Rußland hat zil einem Entschluß der chinesischen Re- gierung noch immer nicht geführt. Die beiden Rivalen bieten offenbar alles auf, um den Gegner auszustechen. Tie „Times" melden aus Peking, der russische Geschäftsträger dringe auf die unverzügliche Ablehnung der britischen Anlcihebedingnngen. Derselbe erklärte dem Tsung-li-Nam«n, Rttßland sei gewillt, China eine Anleihe unter denselben finanziellen Bedingungen zn verschaffen, die Eng- land angeboten habe. Der französische Geschäftsträger unter« stützte seinen russischen Kollegen hierbei. Ter englische Parlamentssekretär des Auswärtigen, C n r z o n Hot in B o l t o n über die Stellung Englands zur Chinafrage ähnliche Aenßcrnngen zum besten gegeben, wie sein Amtskollege in den letzten Wochen. Er betont besonders, daß England, wie es für die Freiheit deS Handels eintrete, so auch seinen eigenen Handel nicht von irgend einer in China er- langten Einflußsphäre ausschließen lassen werde. Nach einer Meldung der„Daily Mail" aus Shangai hat sich das britische Geschwader in den chinesischen Gewässern ge- theilt; das Flaggschiff„Ccnturion" und fünf andere Schiffe liegen bei Tschnsvu und sieben Schiffe bei Tschemnlpo.— Die intcriiätloiiale Znckerkonfcrenz soll am>5. Februar in Brüssel zusammentreten. Auch Holland hat seine Thcilnahme zu- gesagt. Die Stimmung für das deutsche Reich wird auf dieser Kouscrenz kam» ein« besonders günstige seiir Wie wenig Rücksicht hierauf genommen wird, geht aus der folgenden Meldung her- vor: Infolge der schon früher erwähnten, von dem preußischen Effcnbahnministcr an die Handelskammer» gerichteten Anfrage, ob sich die Herabsetzung der Frachten für Zucker aller Art zur AuSsuhr empsehle, haben sich die kaufmännischen Körperschaften zmn weitaus größten Theile für die Herabsetzung der Frachten in obigem Sinne ausgesprochen, so daß alle Aussicht vorhanden ist, daß die vom Ver- eine für die Rübenznckerindnstri« des Deutschen Reiches gegebene Anregung Erfüllung erhält. « Deutsches lllelch. — Hebet den Termin der nächsten Wahlen sind nach de»„Verl. Pol. Nachr." Beschlüsse noch nicht gesaßt. Wir sehe» dieser AblcUgnung begründeten Zweifel entgegen. Witt die Regierung elwa auch bestreiten, daß Anordnungen über die Her- stellung der Wählerlisten erlaffen sind? Auch die„Nat. Korresv. nimmt zu der Frage deS Mahltermins Stellung. Sie schreibt: lieber die Termine der nächsten Wahlen ist. sicherem Ver- nehmen nach, noch keine Bestimmung getroffen. Der Miltheilnng des„Vorwärts" gegenüber, wonach die ReickskagSwahIen für den Juli, die LandtagZwahIeii für den Oktober in Aussicht stehe», möchten wir unsere Freunde im Lande darauf hinweise», sich bei den Vorbereitungen für die Wahlen darauf einzurichlcn, daß zuerst die Wahlen zmn preußische» Abgeordnelenhause, und dann erst und zwar im Hei fest die Reichc lagkwahlen stattfinden— wenn keine Zwischensälle eintreten. Auf jeden Fall Ist es noth- wendig, die Kanvidalenfragen sobald als möglich allerorts zum Abschluß zu bringen, und sich durch gegnerisches Geschrei nicht beirren zu lassen. Diese Meldung weicht ebenso sehr von unserer Information wie von der offiziösen Ableugnung derselben ab.— — Für die Flotte»vorläge macht auch die Straß- burger Kaiser Wilhelms- Universität mobil. Am schwarze» Brett prangte vor etnigen Tagen ein, Einladung zum Besuch eines Vortrages zu gnnste» der Tirpih'sche» Marinevorlage. EL ist gewiß ein löbliches Beginnen des Reltorates, die künftigen Stütze» des Staates auf die Bedeutung der alle Kreis, des Volke? bewegenden Floitenpläne aufmerksam zu mache». Ob sich die maß- gebenden Universitätsdehörden aber auch deS schwarzen BrelteS bedienen werden, wenn dcmnächst einmal ein Vortrag gegen die Marinevorlage staltstnden sollte, daS steht freilich auf einem anderen Blatte. UebrlgenS mögen die Leule, welche den jungen Arbeitern das Recht, politische Vorträge anzuhören, rauben wollen, einmal ihre Meinung über die politische» Versammlnngen den Slndenlen, die von der Universtiälsleitung selbst begünstigt werden, sage».— — Zur Frage der chinesischen Landarbeiter bemerkt das„Leipz. Tagebl.": Die sozialdemokralische Partei wird bei der bevorstehenden Wahlagitation ohne Zweifel im Hinblick ans die Eriverbnng von Kiaotschau da? Gespenst der Chinesen-Einfiihr beharrlich an die Wand malen. Es erscheint uns daher unerläßlich, daß die Regierung diesem Versuch, Wahlstimmen z» ergalter», so bald als möglich mit dem größten Nachdruck entgegentritt und ihre Entschlossenheit erklärt, das Auflauchen einer„Chinesenfrage" für das Deutsche Reich auf dein Wege der Gesetzgebung von vornherein unmöglich zn machen." Wir sind ganz«inverstanden, man nehme uns alle Waffen der Agitation, indem man die Wünsche der Arbeiter erfüllt. Freilich gewöhnlichen Versprechungen wie denen über das Vereinsrecht»nd über die Mililär-Strafprozeß-Ordnung traut heute auch der oft- elbische Landarbeiter nicht mehr. Das bedenke man dabei.— — Militarismus und Hilfe bei den Ueber« s ch w e m m u n g e n. Eine recht unangenehme Ueberraschnng haben. wie der„Breslaner Zeitung" geschrieben wird, in diesen Tage» die städtische» Behörde» von Schiniedeberg erfahre». Sie glaubte» bisher und mit ihnen auch die Bürgerschaft, daß die Kosten der gewährten militärischen Hilfeleistung bei Gelegenheit de? letzten Hochivaffers mit den in jener Zeit an die Soldaten täglich gezahlten Arbeits- löhnen und der Gewährung von Wohnung und Verpflegung auf- siebracht seien und daß diese Angelegenheit, die dem Stadlsäckel immerhin pro Tag gegen 199 M. kostete, damit ihre Erledigung ge- fnnde» hätte. Nein ist aber in den letzleie Tageei«loch eine nachträgliche Liquidation des Generalkoinenandos in Höhe von ca. 6999 M. eingelaufen. Wie es heißt, entspricht dieselbe ganz de» vorhandene» militärische» Bestiiumungen; man war aber der Meinung, daß in anbelracht der Nolhlage der überschiveinmten Geencinden von der Ein- ziehmig dieserGclder abgesehen werden ivürde.zumal demKriegsminister Fonds zur Verfügung stehen. aeeS denen de» Armeekorps solche Ausfälle gedeckt iverden könnten.— Selbstverständlich dürften nun auch die anderen Geineinden, die mililärisehe Hilfe beansprucht hatten, ähnliehs Liquidationen erhallen. Reckt mnkevürdig kann es da der Gemeinde Erdmannödorf ergchen. DaS für den Ort beanspruchte militärische Kommando arbeitete zueeächst im königlichen Gut? bezirk, wurde aber von derGemeinde i» Wohunng med V-rpflegeeng genomnien. Als dann endlich auch in der Geeeeeieede mit den Aeifräuneueegs- arbeiten begonnen wurde, kam der telegrnphische Beschl, welcher alle Truppen zeerückrief. Trotzdem also Erdmaiensdorf selbst nur wenig Hilfe erhalten hat, wird diese»: Orte doch die Nachforderung eben- lalls zugehen. Man hofft indeß durch Vorstellnngen an zuständiger stelle eine» Erlaß dieser Zahlungen allgemein zn erreicheil.— — Aus dem P o l i z e i st a a t e. Ans Aachen wird tele« praphirt: Das Disziplinargcrickl erkannle heute gegee, den wegen chwerer Mißhandlung bekanntlich kürzlich zil Gesiieegieißstrafc» ver- nrlheilten Schntzmann Winter ans Versetzueig in gleicher Anetßeigen- ckast mit Geivahrnng der UnizeigSgelder; gegen den Schutzmann Völgcl, der gleichfalls zn 4 Monaten Gefängniß vernrtheilt und aus dem Dienst ausgeiviesen worden war, wurde das Verfahren eingestellt. — Der Dampfer„D arm st ad t" ist, nach telegraphischcr Meldung au das Oberkommando der Marine, mit dem Zlnslands- Bataillon der Marine« Infanterie an Bord in Kiaotschau ein- getroffen.— — Ueber die Kiaotfchaubucht hat der Staatssekretär des Ausivärtigen in der Bndgctkommission eine Anzahl Spezial- karten vertheilt. Ans der Spezialkarte. welche im Maßstäbe von 1: 499 990 gezeichnet ist, ergiebt sich, daß das an Deutsch- land abgetretene Land sich beschränkt auf die beiden Halb- inieln. welche nördlich und südlich vom Eingang der Bucht gelegen sind, und aeeßerdee» ans die Inseln innerhalb der Beicht med die der Bucht ien Meer vorgelagerten kleinere» Inseln. Von den letzleren ist die größte Tolosan. Die Inseln innerhalb der Bucht heißen Potalo und Chiposa». Jen übrigen verbleiben d i e Ufer der Bucht bei China. Ziem ersten Male ist ans dieser Karte auch die Ausdehnung der Zone angegeben, inner« halb deren die chinesische Rcgierieng Nenerungeei von der Zu- stiimnung Dentschlaieds abhängig niacht. Diese Zone hat einen Radius von 59 Kilometern. Die Länge wird be- rechnet von de» User» der Bucht aeeS. Was die auf dem Festlaeed abgetretene» beiden Halbinsel» aeebctrifft, so bildet die nördliche Halbieisel Loshan ein Dreieck mit der Basis nach dem offenen Meere zu. Diese Basis erstreckt sich in einer Ansdeheeneeg von etwas über 29 Kiloenetern. Auch die Grenze nach dem Fistlande zn mißt ungefähr 29 Kilometer, während die dritte Seite nach der Beecht 15 Kilometer Ausdehnung hat. Weit kleiner ist die abgetretene südliche Halb- ieesel; sie mißt nngefähr nurden 4. Theildereeördlicheie Halbinsel. Irgend ivelche größere Ortschaften sind nach der Karte anscheinend aief dem abgelrelencn Gebiet»echt vorhaeeden. Jeenerhalb der 59-Kilome!erzone liegen die geößmn Orle Kiao, Tsimo, Tsehn-Tschong. Es münden in die Bucht zevei Flüsse, von Nordwesten eiiid Nordosten kommend, der Kia-Ho und der Nanta-Ho. Der Kiao-Ho ist der größere Fleeß. welcher in einer Enlferming von 12 Kilometern von dee Mündung den Tnkn-Ho anfeeimml und 15 Kilomeler weuer nördlich den Loshi-Ho. Innerhalb der Zone liegt auch der See Pieno.— — M i t d e in A b g e o r d ee e t e n Müller- Feelda, dem Verfasser einer Vroschüre über die Flollenvorlage, beschastigte sich eenser Leitartikel in Nr. 18. Es sieed darin einige kleine Ueerichligkcitm unterlansen, wie Herr Abg. Müller uieS miltheilt. Es sei nicht zn- treffend, daß die Marine-Broschüre des Herrn Abg. Atüllcr voee der ZentruinSfraktion vercenlniil ist. Die Vroschüre ist lediglich der Jeeilialivc des Herrn Müller eillspreingen und halte weder die Fraklioei, noch deren Mitglieder davon Kennlniß. Auch reicht zutreffend sei, daß Abg. Müller scharfer Opponent der„Hollmann- scheu bescheidenen Plaue" gewesen ist. Er habe die Hollueami'schen Pläne im Jahre 1895 med 1896 verlheidigt eeeed für BeevlllignNg gestimmt. Jeei Jahre 1897 habe er für dieselben bis zee der Höbe gistimmt, welche die jetzige Vorlage fordere. Eeedliet) ist mich ein kleiner Druckfehler zn berichtigen; es ist an einer Slelie des Artikels statt Abg. Müller Dr. Müller gesagt worden. Rudolstadt, 26. Januar. Auf der Tagesordnung der heutigen Laiedlagssitzeeeeg stand bereit? die neue G e m e i n d e- O r d n u n g, durch welche das Wahlrecht verschlechtert iverden soll. Der Landtag beschloß aber mit 11 gegen 5 Elimmen, die Verathnng zurück- zustellen, da der wichtige Gesetzentwurs erst vor wenigen Tagen von der Regierung zugestellt worden ivnr. Diese Zeerückeveesneeg des Re- giernngversncke?, das Gesetz möglichst schnell durchjubrieegeee, beweist aber noch nicht, daß die Anssichtk» des Gesetzes im Landlage schlecht wären.— Miinche», 25. Januar.(Eig. Ver.) Die bayerische AbgeeZrdiietc»- kammcr lchnle heute nach viertägiger Debatte über dt« Lage der Eiseubahnarbeiter die sozialdemokralischen Anträge betr. Besserstellung der Eisenbahn-Arbeiter gegen die Stimmen unserer Genoffen und des Abgeordnelen Dr. Sigl ab. Dagegen wurden natürlich die durch und durch verwässerten Schein antrüge dcS Zentrums von der jeder wirklichen Verbesserung der Arbeiter- Verhältnisse feindlich gegenüberstehenden Kaenenermehrheil mestaeebs- loS angenoininen, zumal ja auch der Meuisler keinerlei Ein» Wendungen gegen die so harmlosen„Forderungen" zu machen hatte.— N»S Hesse«, 25. Januar.(Gig. Bericht.) L a n d t a g. Die heutige» Verhandlungen der Zweiten Kammer drehte» sich zunächst um den bmedesiälhlichen Entwurf betr. V e r w e u d u u g von Militär» n Wärtern im K o m m u n a l d i e u st. Die vom Buudesrath mifgestellti» AuSsührungkbestimmung«» dcS diesbezügliche» ReichSgesetzeS von 1893 liefern die AnstelluieaSrechle der slädlescheei Verwaltungen für den weitaus größten Theil der Subaltern- und Unterbea»erei!.4>en den Militärbehörden auf Gnade und Ungnade aus. Kein n-»nder, daß sich die städtischen Behörden in Süddeulschla' gegen dies« Vermilitarisiruieg ihrer Ver- waltung m�e l preußischem Muster wehren. Eine Jnter- pellation dc,c ,Abg. Schmidt(Z.) gab Anlaß, die Sache in der hessisck iaeeemer meziifchnciöeie. Die Negierung erklärte, sie wolle im Been zralh zwar darauf beiewirken. daß nicht die Mililär- behördcn, sonder» die landesstaatlicheu Llussichtsbehörden die An- steUeenzen vorzniechmen hätten. Im übrigen aber sei gegen die umfangreiche Berwendnng von Militäramvärtern im Komiminaldienst nach der reichsgesetzliche» Bestimmung nichts mehr zn maeheu. Von inisem Seele griffen die Ategeordnete» Ulrich und Haas in die Debatte«in, sie geißelten in schneien Worte» diese illnslieferiing der städtischen Verwaliuiegen an den Militarisinees. — Sodann kam die Interpellation der Abg. David und Haas. betr. einheitlicher Regelung des Ladenschlusses an Sonntagen in den rheinhesstschen Städten zur Verhandlung. Die Regierung lehnt es in schwächlicher Rücksichtnaheiee auf die angeblich„veischiedenartigen, lokalen Verhältnisse" ab, die einigen Landstädten geivährte verlängerte Ladenzeit(bis 4 Uhr) ans 1 Uhr einheitlich festzeesetzen. Charakteristisch für die zevei Seelen in der Brust des Zentrums war es, daß zwei Vertreter desselben, die Abgg. Pennrich und v. Brentano, es mit ihrem„christliehen Gewissen" sehr wohl vereinigen kennten, die Aereitelnng der SoeenlagSriihe für die Geschäflsaeegcstellleii zu vertheidigen, ja der Regierung sogar eine allgemeine VerlängcrungderLadenzeilaee Sonntagen naheziilegen. Die Genossen Hans und David giiigeee mit den„prinzipienfesten" srommen Politikern nach Gebühr ins Gericht»nd hielten der Re- giernng die schlimmen Konsequenzen vor Augen, die ans ihrem schevächlichen Nachgeben entspringen. Die sozialdemokratische Fraktion hat zevei A n« träge eingebracht, in denen die Siegiernng ersucht wird, der Kammer statistische Uebersichten vorzulegen über die Lohn- und Zl r d e i t s- zeit« n der vom Staate beschäftigten Slrbeiter, sowie über die AnstellmigS- med Gehailsveihällnesse der ohne feste Anstellung im Staatsdienst verevendelen Kandidaten, Aspiranten, Praktikanten, Aisifteeelcn:c. Wir verlangen Licht über die vom Siaale betriebene Arbeiter- und Lehrlieegs-AeeSbeeelieeeg. Bei der geplanten Nenregelmeg der Beaintenbcsoldungen dürfen diese dunklen Seilen der Elaatsivirthschast nicht unbeleuchlel bleiben. Ans Elsast-Lothringeu, 25. Januar.(Eig. Ber.) Anläßlich einer kürzlich in Straßvurg staltgebablen öffeeellielicee Arbeiter- Versammlung, in welcher Genosse Bödle über die„Ursachen des letzten großen Bauunglück?" referiren sollte, traten die j am in er- vollen v e r s a m in l u n g s g e s e tz l i ch e n Zustände unseres Landes wieder einmal recht grell zu Tage. Ans die vorschrifts- mäßig drei Tage zuvor bei der Behörde«mgereichle Versameeeleeeegs- Anzeig« ging, wie unser reichsländisches Parlei-Orga» millheitt, den Einbernfern ein Schreiben des Polizeipräsidenten z», worin der Empfang der Anzeige bescheinigt und im Anschluß daran be« merkt wird: Di« Entscheidung des Herrn BezirkSpräsidenten über daS Gesuch um Genehmigung(elne solche ist nach dem beftieeeeeelen Wortlaut deS Gesetzes für nichtpolieisch« Bersaminlmegen über- Haupt nicht erforderlich!) der Versameeeluieg muß iiisulmige(!) ausgesetzt werden, als sich der Herr BerichlnsialUr nicht bereit finden läßt, nähert Angaben über den Inhalt des von ihn, de- nbsichtigtcn Vortrages zu machen. Die allgemeine Fassung des Themas„Ursachen des letzten BamieeglückS" läßt nicht in aus- reichendem Maße erkennen, was den Gegenstand der Erörterung bilden soll"(!!) Auf dieses seltsame Schreiben hin begab sich der Reserent Böhl« nach dcm Polizeipräsidinm, m» dort die Erkläreiieg abziegcbcn, er habe hauptsächlich die mangelhafte Hmidbabuieg der Baupolizei und die Rolle der Gonreindeverwallung hierbei im Auge, könne nalürlich aber nicht dafür garantiren, daß er nicht auch noch aus rveiteres zu sprechen komme; im übrigen werbe ja ei» überwachender Beamter in der Versammlung zugegen sein. Böhl« verließ hierauf das Polizeipräsidium in der Hofflenieg, der Abhallung der Versamm- lung stehe weiter kein Hindermß mehr im Wege. Abends vor Be- ginn der Versammlung erschien jedoch ei» Schntzmann im Lokal und richtete an Böhl« die sonderbare Frage, ob er die Versammlung denn wirklich heute und nicht lieber später abhalten wolle. Auch war dem Wirth im Laufe des Tages mitgetheilt worden, die Ver- sammlung sei verboten. Einbcrufer und Referent kehrten sich jedoch an dieses widerspruchsvolle Verhalten der Polizeibehörde nicht und eröffneten zur sestgesctzten Zeit die Versammlung, zu der sich auch ein Kommissar eingefunden hatte. Derselbe fand im Laufe des Abens nicht ein einziges Mal Anlaß, gegen irgend eine Aeußerung der Redner Einspruch zu erhebe».— ttitgarn. Vtldapest, 26. Januar. D aS Abgeordnetenhaus nah», mit großer Mehrheit den Staalsvorauschlag für ISSö im allgemeinen als Grundlage ftir die Cpezialdebatte an.— Schweiz. Zürich, 24 Januar.(Eig Ber.) Im Züricher NantonS« katy gelangie eine Massenpetition der Konsumvereine zur Bchand- lnng, die sich gegen den Beschluß des RegierungsralheS richtete, die Konsumverein« und Genossenschaften wie Aktiengesellschaften zu be- handeln und demgemäß ihre Licgenschaste» ohne Abuig der Schulden zur Gemeindesteuer heranzuziehen. Genosse Dr. H u b e r von Winter« thur,»nierstützt von den Genoffen Greulich und Sch warber, kritisirte scharf dieses Vorgehen, das sogar verfaffungSwidrtg sei. da die Verfassung ausdrücklich die Förderung des Genossenschaftswesens ausspricht. Mit großer Mehrheit überwies der Kantonsrath die Petition der Regierung zur Berichterstattung, waS eine Erledigung derselbe» in günstigem Sinne dedeutet.— Bern, 24. Januar.(Eig. Ber.) Gestern waren in Ölten die sozialdemokratischen Vertrauensmänner ver- sammelt, um»eben anderen Geschäften auch die Ergreifung der Initiative für die Volks wähl des Bundes« r a t h s zu bernlhen. Es wurde beschlossen, die Initiative zu er- greifen und sich a» die Zentralkomitee's des Grüllivereins und des Geiverkschaftsbundes um Förderung der Vorarbelten zu wenden, sndaß bereits in der zweiten Hälfte deS Monats Februar mit der llnterschristensammlung begonnen werden könnte. Gleichzeitig soll auch die Initiative für das N a t i o n a l r a t h s- P r o- Portio nal wahlverfahren in betracht gezogen werden.— Dfr««treich. Pari», 2b. Januar.(Eig. Ber.) Die Fortsetzung der D r e u s u S- D e b a t t e in der gestrigen Kannnersitz,>»g war eigent- lich keine Debatte, sondern ein Monolog. Genosse I a» r ö s bat, sich streng an die festgestellten Thatsachen haltend, von der Siegierung Auskunft über die drei folgenden Punkte verlangt: Warum wird Zola nicht wegen seiner Angriffe auf die Spitzen des Geueralslabes verfolgt? Ist eS wahr— wie das aus dem Untersnchungsbericht in Sache» Esterhazy unzweifelhaft hervorgeht.— daß DreyfuS aus grund eines geheimen, weder ihm noch seinem Vcrtheidiaer mitgelheiltc» Dokuments, d.h. dem Gesetze zuwider verurtheill wurde? Wie rechtfertigt sich der volle Ausschluß der Oeffentlichkeil im Prozeß Dreysus und der lheilwcise im Prozeß Esterhazv, nachdem gerade die bezügliche». für die.Staatssicherheit" angeblich gefahrdrohende» Dokuiuenle(das Borderca»— Dreysus und die Rohrpostkarte— Esterhazy) der Oeffentlichkeil von der Regierung selber preisgegeben worden wäre»?... Auf die erste Frage hatte Meline bereits am Sonnabend die frech-reaklionäre Antwort gegeben, die Generäle dürsten nicht dem Schwurgericht unterstellt werden und außerde», wolle die stiegieruug die indirekte Revision des DreyluS-Prozcffes vor dem Schwurgericht vermeide». Ans die zwei anderen Frage» verweigerte Mini st er Meline jede Antwort! Wäre die Kammermehrheit etwas anderes als ein Haufen von Leute», bei denen jeder Funke von Gewissen, jeder rechtliche Begriff erstickt sind durch die Rücksicht auf die nahe» Wahlen,— das Ministerium hätte die gestrige Sitzung nicht überdauern könne». DaS Schweigen Meline'S ist ja ein deutliches Geständniß, daß die Prozeffe DreyfuS und Esterhazy juristische Verbrechen der militärische» Oligarchie sind. Daß Meline schweigen mußte, daß er diesmal nicht zu seiner gewöhnliche» Waffe der Lüge griff, hängt daran, daß die von JauräS zur Begründung seiner Fragen angesührtcu Thatsachen gerichtsnotorisch sind, also selbst von Meline schlechter- dings nicht geleugnet werden konnten. Die servile Kammer aber gab dem Kabinct ei» Verlrauensvolu», mit 366 gegen 126 Stimme». Die gewöhnliche Regierungsmehrheit, BourgeoiS-Republikaner und Klerikal-Mouarchisten, schwoll bei dieser Gelegenheit»in mehrere Dutzende von radikalen Stimmen an, während ein anderer Theil der Radikalen ihr Gewissen durch Stimmenthaltung snlvirte und nur der kleinste Theil derselben gegen die Regierung, d. h. in diesem Falle gegen die verbrecherische militärische Oligarchie zu stimmen wagte. Dennoch wird die letzte Dreyfus-Debatte nicht erfolglos gewesen sein. Die beweiskräftige Anklage deS sozialistische» Redners gegen die militärische Oligarchie und das erzwungene stillschweigende Ge- ständniß Meline'S werden eine wichtige Rolle im Prozeß Zola spielen. Sie bilden mit ein eindrucksvolles Element des von Zola erbringenden Wahrheitsbeweises. JanröS figurirt daher auf der Liste der von Zola angerufenen Zeugen. JanröS' Rede bedeutet ferner eine entschiedene Abweichung— wo nicht der sozialistischen Fraktion, fo des Redners— von der Stellungnahme des neulichen Fraktionsmanisestes zur Dreyfus-Frage. Im Gegensatz zu diesem hat Jaurss die nnwiderleglichsie» Gründe für die Anfechtung der kriegsgerichtlichen Urtbcile dargelegt—»n- bekümmert darum, ob gewissenlose Gegner im Wahlkampfe die gedankenlosen oder chauvinistisch- antisemitischen Elemente der Wählerschaft gegen den Bertheidiger von Recht und Freiheit aus- Hetzen werde».— Paris, 26. Januar. Deputirlenkamnier. Die Berathung des HeereSbudgets erfolgt unter größter Ruhe deS Hauses. I» Erwiderung auf die Erklärungen mehrerer Redner führt Kriegs- minister B i l l o t aus, er sei durchaus ei» Gegner der zweijährigen Dienstzeit; die dreijährig« Dienstzeit sei das nothwendige Minimum zur Heranbildung von Unteroffizieren. Zum Schluß seiner Rede gedachte Billot rühmend der ganze» Armee, welche dem Gesetze ergeben sei und außerbalb der Parteizwistigkeiten stehe. Im Lause der Sitzung beantragte der Depntirte Trevenenc, daß dem Generalissimus die größte Unabhängigkeit zugestanden werde. Der Kricgsminifter Billot erwiderte:.Was soll dann aus unserer gesetzmäßige» Regierung, dem Präsidenten der Republik und de» Kammern werden? Diesen Weg betrete», heißt eine Diktatur vorbereiten wollen." Die Kammer nahm trotz des Einspruches deS KriegsministerS mit 234 gegen 203 Stimmen eine» Antrag Berry an, nach welche», eine Erinnerungsmedaille an den Krieg 1870/71 gestiftet werden soll.— Pari», 26. Januar. Der ehemalige Minister Guyot forderte den Minister des Auswärtigen Hanotaux auf, seinen Einfluß geltend z» machen, damit daS au DreyfuS begangene Unrecht gesühnt werde. Infolge der Erklärungen des deutschen Staatssekretärs v. Bülow werde das gesamiute Ausland fester denn je davon überzeugt sein, daß die französische Regierung mit fanatischer Hartnäckigkeit eine» Utischttldigen als Verrälher hinstelle. Spanien. Madrid, 26. Januar. Die Blätter beschäftigen sich mit der Ab- sendung des„„» in Havaua eingetroffenen amerikanischen Schiffes „Maine"»ach Havana. Diese Sendung wäre logisch gewesen ivährend der Unruhe» und sei ein höchst eigenthünilicher Freund. schaftsbeweiS. Dieselbe nütze nur den Feinden Spaniens. In Enviderung der Entsendung der.Maine" nach Havana werde auch' Spanien Kriegsschiffe abschicken, um einigen amerikani- scheu Häsen einen Besuch abzustatten. Die kubanischen Ausständischen sprengten bei Ruevitas einen Eisenbahn, ng mittelst Dynamit in die Luft. Ein Sergeant wurde getödtet, 16 Soldaten wurde» verwundet. Bei einer anderen eben- falls von den Aufständischen ins Werk gesetzten Explosion wurden 2 Soldaten getödtet und 6 verletzt. Der Dampfer„Tillie", welcher kürzlich von New-Dork in See gegangen war,»in eine Freibeuter-Expedition nach Kuba auszuführen, ist am Sonntag auf der Höhe von Barnegat gescheitert. Von der Bemannung sind vier ertrunken. Der Dampfer hatte 40 Tonnen Dynamit, drei Dynamitgeschütze und einen Vorrath von Munition an Bord. Es wird vermuthet, daß der Uulergaug des Schiffes durch Verrälher verursacht worden ist, welche sich an Bord des Schiffes befanden. Türkei. — Die j u n g t ü r k i s ch e Bewegung, die vor einiger Zeit todt gesagt wurde, macht sich wieder bemerkbar. Das jung- türkische Komitee in Genf hat kürzlich eine Eingabe an die Mächte gerichtet, in welcher geschildert wird, wie der Sultan alle seine Ver- sprechungen, Reformen einzuführen, gebrochen habe. Das Komitee spricht daher die Meinung aus, daß der Sultan nur der Gewalt iveichcn werde; es soll erbitterter Kampf gegen die Regierung deS Sultans geführt werden,„damit möglichst bald in unserem Unglück- lichen Lande Zustände geschaffen werde», die dem Zeitfortschritt ent- sprechen". Als wichtigstes Heilmittel wird eine Konstituton ge- fordert und die Mächte werden ersucht, hilfreich einzugreifen.— Griechenland. — Der Gesetzen tivurf über die Finanzkontrolle, wie sie gemeinsam von dem griechischen Finaiizmiuist-'r und der Kommission festgesetzt wurde, ist jetzt in seinem Hauplpuulle bekannt gegeben ivorde».— fflfrifa. Priitoria, 25. Januar. Die Abgeordneten deS Oranje- Freistaates für die Bcralhuugen, betreffend den engere» Zu- s a m m e» s ch l u ß z iv i s ch e n dem O r a n j e- F r e i st a a t und Transvaal trafen heute Vormiltag hier ein und stattete» alsbald dem Präsidenten Krüger einen Besuch ab.— Lagos, 26. Januar. Eine englische Truppenablheilung besetzte Okuta in der Landschaft Borgn. Der Gouverneur vo» Lagos, Oberst Mac Callum, ist heute früh nach dem Hinterland abgereist.— — England und A b e s s y n i e n. In seiner Rede über die auswärtige Politik, von der wir an anderer Stelle schon be- richlele», streifte der englische Parlameulsuutersekretär Curzon auch die Verhältnisse im Sudan. Er führte hierzu aus, die Sie- gierung hoffe binnen Kurzem am Hofe des Regns Mcnclit einen direkten Vertreter zu beglaubigen, es bestehe daher kein Grund zur Beunruhigung hinsichtlich der Beziehungen zwischen England und Abessynien._ Lvohlbcwcgttttg. Im Wahlkreis G r i m m e n- G r e t fs w a l d haben unsere Parteigenossen den Tischlermeister Knappe aufgestellt. Vom Bund der Landwirlhe und den Konservativen kaudidirt Landrath v. Behr, während die liberalen Parteien sich ans die Kandidatur des Stadt- ralh Dr. Dohru-Sletliu geeinigt haben. I» Stettin beabfichligt die freisinnige Volksvartei den Prof. Dr. Stengel aus Greisswald unserem Parteigenossen Herbert gegenüberzustellen. Unsere Parteigenossen haben in W i t t e n b e r g in einer gut besuchten Versammlung H. Rohrlack aus Berlin zum Kandidaten für den Reichstags- Wahlkreis S ch w e i» i tz- W i t t e n b e r g ernannt. Bürgerliche Blätter berichten, daß eine Vertrauensmänner- Ver- sammlung des Zentrums im Wahlkreis H o m b u r g- K» s n m be- schloffen habe, beiderEtichwahl in diesem Kreis gegenüber den National- liberalen den Bündler zu unterstütze». Im 7. w ü r t t e m b e r g i s ch e n Wahlkreis wird an stelle des verstorbenen Abg. v. Gnltliugen der Landtags- Abgeordnete Commwell(nationalliberal) als Kandidat genannt. Vau unserer Partei ist bereits früher der Handschuhmacher Otto Wasuer auf- gestellt. Die Verdienste der Landräthe um den Bund der Landwirth« im f)ildesheimer Wahlkreis scheint die Ortsvorsteher im 13. Hannöver- che» Wahlkreis zu edlem Wettbewerb augetaornt zu haben. Wie ans Goslar berichtet wird, fand dort am Sonntag eine Versamm- luug der Ortsvorsteher statt, um Stellung zur Reichslagswahl zu »ehinen. Nach dem, was über die Versammlung bekannt ist, soll jedoch eine Einigung über die Kandidatenfrage nicht erzielt sein. Was es für die Landbevölkerung bedeuten will, wenn Landrath und Ortsvvrsteher in die Wahlbewegnug eingreife», das dürfte zur genüae bekannt sein. Wie das„Berliner Tageblatt" mittheilt, beabsichtigen die bürgerlichen Parteien im e r st e n b r a u n s ch w e i g i s ch e u Wahlkreis eine gemeinsame Kandidatnr anfzustellc». Da bei der vorige» Wahl unserem Parteigenossen Bios nur ein konservativer und fieisiuniger Kandidat gegen- überstand, die gleich im ersten Wahlgaug durchfielen, so will das Zusammengehen der bürgerlichen Parteien nichts bedeuten. Bemerkt sei, daß Bios bereits von unseren Parteisreunde» wieder ausstellt ist._ Der uicdcri hciuische Parteitag» der am Sonntag i» B a r in e» verhandelte, war von 69 Telegirteu aus 37 Orten besucht. Sänimt- liche 12 Wahlkreise des Niederrheins waren vertreten; den Partei- vorstand repräseutirte Abgeordneter M o l k e n d u h r. A»S den Verhandlungen ist folgendes hervorzuheben. SIls Rcichstags-Kandidaten wurden proklamirt für L e ii n e p- M e t t m a n n> R e m s ch e i d: C. Meist-Köl», E l b e r- f el d- B a r m e n: Molkenbuhr-Hamburg, Solingen: Scheide- uiann-Gieße». Düsseldorf: H. Grimpe- Elberfeld, Esfen: Ludwig Schröder, D u i s b u r g- M ü l h e i m: Hengsbach- Köln, M o e r s- R e c s: A. Bebel-Berlin, Cleve-Geldern: A Bebel, K e m p e n i. Rheinl.: W. Liebknecht, München- Gladbach: K. Habcrland- Barmen. Neuß-Greveiibroich: A. Bebel. Berlin. Ter Kreis Krefeld ist noch zu besetzen, da der in Aussicht genommene Kandidat Molkenbubr aus Wunsch der Bariner und Elberfeld«! Parteigenossen von der Kreselder Kandidatur zurück- getreten ist. Beschlossen wurde dann, in allen Orten die Vorbereitungen zur Reichstagsivahl duich Einsetzung von Wahlkomitees zu treffen; sobald die Reichstagswahl ausgeschrieben ist, soll das niederrheinische Agitationskouiitee ein Manifest an das arbeitende Volk erlassen. Weiter wurde einstimmig folgende Resolution gefaßt:„Der Parteilag erklärt sich mit aller Entschiedenheit gegen die von dem Regime v. d. N e ck e- P o s a d o w s k y geplanten Verschlechterungen des Vereins- und Versammlungsrechts und fordert die Arbeiterschaft auf, gegen die reaktionären Be- strebuugen entschieden zu protcstiren. Ter Parteitag fordert volle Koalitious- und Versammlungsfreiheit, da nur diese geeignet ist, dem Slrbeiler als wirksamstes Schutzmittel gegenüber den Uebcrgriffen des Uiitcruehiuerthnitts zu dieucu." Beim Punkt„Die Taktik der Partei" führt der Referent Molkenbuhr aus, daß kein Grund vorliege, die bisherig» Taktik zu ändern. Psticht der Genossen sei es, bei der Reichstagswahl den Kamps- und Klassencharakter unserer Partei zu betone», klar und deutlich erkcnneu zu lasse», daß das Endziel der Sozinldeinokralie die Befreiung des Arbeiters vom Drucke des Kapitals ist. Bei den Stichwahlen habe mau zu untersuche», wer von de» Gegnern nnS in den vorliegenden Tagesfrageu am nächsten steht. Beschlossen wurde noch, daß in den Orten, wo die politische Organisation der Arbeiter nicht möglich ist. um so mehr Gewicht ans die Pflege der gewerkschaftliche» Organisation gelegt werden soll. Der nächste uiederrheinische Parteilag wird in Ohligs ab- geHallen. Sitz des Zlgitatiouskoiiiitees bleibt Elberfeld. Zum Schluß widmete Abgeordneter Harm dem Vorkämpfer Hugo i l l m a n n einen kurzen Nachruf, worauf sich die Delegirten z» hren des Verstorbenen von den Plätzen erhoben. Vo» der Agitation. In gut besuchten Versammlungen sprach Genosse P f a n n k u ch aus Berlin am 22., 23. und 24. Januar in Thale, Quedlinburg und Magdeburg über die bevor- stehenden Reichstagswahlen. Ueberall geht, wie er beobachtet hat, ein frischer Zug durch die Arbeitermaffen; die KampseSfreude leuchtet den Arbeitern aus jedem Gesichtszug. Die Sozialdrmokratie Schwedens hat im vergangenen Jahre bedeutend an organisirten Anhänger» gewouniu. Das Jahr 1397 war auch daS erste, wo die Partei mit einem Abgeordneten (Hjalmar Branting) ihren Einzug ins Parlament hielt, was bei dem ungünstigen Wahlrecht einen beachlenswerthen Erfolg bedeutet. Todteuliste der Partei. In Syracuse im Staate Neu- Jork ist ein alter deutscher Parteigenosse, der Schneider Aug» st HeimS, gestorben, der in Ulm in Würtlemberg im Jahre 1330 wegen Verbreitung deS„Sozialdemokrat"— er sollte in Gemein- schaft mit dem Apotheker E. L e i st n e r 600 Nummern nach Berlin gesandt haben— b'/s Monate lang in Untersiichnngshast gehalten und da»» zu 2 Monaten Gefängniß verurtheill wurde. Leistner, nm dessen Gesundheit es sehr schlecht bestellt war, starb batd nach der Entlassung an? dem Gefängniß; sein« Spargroschen— einige hundert Mark— die bei einer Haussuchung bei ihm beschlagnahmt worden waren, hielt die Behörde für Parleigelder und er bekam sie nie wieder. Wie ans einer Erkläriing der Expedition des„Sozial- demokrai" hervorging, hat Leistner das ihm zur Last gelegte Ber- gehen thatsächltch nicht begangen. Heims hatte nach Berbüßung seiner Slras« sortgesetzt mit Versolgiingen zu kämpfen, die ihn schließlich nach Amerika trieben. Ehre seinem Andenke»! Iii St. LouiS ist am 2. Januar der durch seine künstlerischen Zeichnungen auch der europäischen Sozialdemokratie bekannt ge- wordene Parteigenosse Dr. L o» i S C r n s i n s gestorben. Er hat sich um die sozialistisch« Arbeiterpresse Amerika's, insbesondere nm die in St. Louis, durch fleißige, treue und selbstlose Mitarbeit Verdienste erworben, die ihm ein dauerndes Andenken sichern. Dr. Crusius. der am Marion-Sims-College als Professor der Histologie(der Lehre von den Geweben des KörverS) thätia war, ist an den Folgen einer Operation gestorben. An der Leber hatte sich ein ZluswnchZ von S'/s Pfd. Gewicht gebildet. Polizeiliche». Gerichtliche» ,e. — Wegen eines Artikels der„gl heinischen Zeitung" in Köln, worin das Austreten des Direktors des Blechstaiiz- und Emaillirwerkes t» Ehrenfeld gegenüber einem Arbeiter besprochen war, strengte der Direktor gegen den verantwortlichen Nedakleur A. H o f r i ch t« r Privattlag« wegen Beleidigung an. DaS Schöffen- gericht verurlheilte unseren Genossen zu 30 M. Geldstrafe und zu den Koste»; derselbe wird gegen das Erkeiintniß Berusung ein- legen. — In der Buchhandlung deS Parteigenossen 81 e ick) eil in B u r g st ä d t i. S. wurde am Montag eine H a u s s» ch u n g nach dem Corvin'sche»„Psassenspiegel" vorgenommen. Es sind 26 Hefte dieser Schrift beschlagnahmt worden. Gewevkftlszttfkli�zes. Verli» niid llmgcbniia. Die Schuhmacher sind heute, nachdem ein letzter Versuch, die Fabrikanten zu bewegen, die Arbeitsordnung zurückzuziehen, gescheitert ist, in der Zahl vo» 600 in de» Ausstand getreten. Die Ausstands- beweguiig erstreckt sich aus 20 Betriebe. Die Arbeiter glauben des Sieges gewiß zu sein, wenn nur der Zuzug nach der Hauptstadt unterbleibt. Am Freitag oder Sonnabend dürften die Verhandlungen vor dem Einigiingsaml stattfinden; hoffentlich kommt es da noch zu einer Verständigung. Das dürfte namentlich dann der Fall fein, wenn die Unternehmer einige Kouzesstonen machen würden in beziig auf die Verivaltniig des Arbeitsnachweises, der von diesen immer mebr ausgebaut wird zu einem Institut zur Maßregelung unlieb- sanier Arbeiter. Der Groll der Arbeiter gegen dieses dem der Berliner Melallindustriellen nachgebildeten Institut ist nur zu be« rechtigt, und das Verlangen der Arbeiter, ans die Verwaltung des, selbe» einen Einfluß zu bekomnien, ein gewiß bescheidenes.— Das Bureau der Agtiattouskommission der Schuhmacher defindet sich bei Steuer, Weinstr. 22. Falsche Denunziation feiten»„Arbeitswilliger". Der Schuhmacher Nowack wurde am Dienstag auf das Polizeirevier- Bureau bestellt, wo man ihm ein Protokoll verlas, in welchem er durch drei Personen, die gegenwärtig als„ÜIrbeitswillige" in der Fabrik von Teschner n. Lüderitz thälig sind, beschuldigt wird, er habe dieselben vor der Fabrik in der Georgeukirchstraße mit Geivallthätigkeiteii bedroht. Nowack gehört nicht zu den Ausgesperrten der betreffenden Fabrik, er ist vielmehr. in einer anderen Fabrik beschäftigt und hat zu einer Zeit, wo er die„Arbeitswilligen" bedroht haben soll, seine Arbeitsstelle g a r n i ch t verlassen, auch ist er keinem der Angeber persöu- lich bekannt, noch viel weniger köniieu diese seine Wohnung und Arbeitsstelle— welche beide in dem genaniileii Protokoll genau angegeben waren— kennen. Es scheint demnach, als ob diese falsche Denuiizialioii, gegen ein Mitglied der Agitaliouskoimiiission gerichtet, den Zweck haben soll, die gewerkschaftlich thätigen Arbeiter als Terroristen erscheinen zu laffeii. Sollte hier vielleicht irgend einer der„Nichtgenllemen". die sich zur Zeit in der Georgen» kirchstraße bewegen, seine Hand im Spiele haben, um Holz zu dem Scheiterhaiifen herbeitragen zu helfen, aus dem daS Koalitionsrecht der Arbeiter verbrannt werden soll? Die Schöneberger Bau-, Erd- und gewerbliche» Hilf»- arbeiter stellte» in ihrer letzten Versaininlnng Siebert als Kandidaten zur nächste» Gewerbegerichlswahl ans. Dentschc» Reich. Achtung! Klempner und Dreher! Bei der Firma Müller in Köln sind die Klempner ausgesperrt worden. Sodann haben in Köln-Ehrenseld bei der Firma Helios(ElektrizitätS-Akiiei,- geselltchafi) vo» den 22 dort beschästiglen Dreher» 13 geküiidigt wegen Atkordrediillion. Die Firma steht i»„gutem Ruf", in einem Jahr« haben dort Ivo Dreher die Arbeit verlasse». Deshalb ersttchen ivir die Dreher, dieses Elabliffement zu meid«». Die Ortsverwaltnng des deutsche» Metallardeiler-Verbandes. Da» Diiffcldorfer Gewerkschaft»-Kartell beschloß in einer stark besuchten Verfamnilung, gegen die letzte Geiverbegerichtsivahl beim Bezirksausschuß Prolest eiiiznlege». Es ivurde eine ganze Reihe der uuerhörlesten Wahlmachinationen seitens der Ultramontanen festgestellt. Das GrwerkschaftSkarteN in Elmshorn bezeichnet in seinem Bericht für das Jahr I8S7 den Stand der Gewerkschaftsbewegung als eine» günstigen. Die Lohnkäinpf« können insgesa»imt als für die Arbeiter vortheilhast bezeichnet werde». Die Milgliederzaht der Gewerkschaften ist von 804 im Jahre 1896 ans 367 im Jahre 1397 gestiegen: Die Gesainmteinnahiiie des Kartells beläuft sich auf 1306.27 M., die Ausgabe aus 806,30 M., so daß der Kassenbestand 499,47 M. beträgt. Außerdem sind»och für die Hafenarbeiter in diesem Jahr 1460 M. aufgebracht ivorde», 00 M.»ach Weißenfels »iid 30 M.»ach Hanau gesandt. Auch zu dem Hamburger Defizit wurden 690 M. beigesteuert, so daß die Gesammteiiiiiahme rund 3440 M. beträgt. Von de» vom Kartell direkt abgesandte» Geldern erhielten die Schuhmacher Weißenfels' 30 M., die Arbeiter bei Thiel i» Lübeck 30 M. und die englischen Maschinenbauer 300 M. Tu sollst de» Feiertag heilige»! Ans Osnabrück wird dem „Hannöver'schen Voltswillen" derichtet: I» unserem benachbarteil Piesberges verursacht unter de» Bergarbeitern ein Erlaß der Direktion große Aufregimg, wonach in Zukunft a» sieben e i e r t a g e>i, an denen bisher die Arbeit ruhte, gearbeitet werde» oll. Unter den Arbeitern ist augenblicklich eine Petition an die Geiieraldirektion des Georgs-Marien-Bergwerks und Hüttenvereins in Uinlattf, in welcher nm Belassmig der seitherigen Feiertage ge« beten wird; werden die Wünsche der Arbeiter kein Entgegenkommen finden, so ist die fast durchweg katholische Belegschaft fest ent« schlössen, am nächsten Feiertage— 2. Februar(Lichtmeß)— nicht zu arbeiten. Eine Abweisung der Beschwerde wird sicher Berwicke- hingen im Gefolge haben, zumal noch nicht abzusehen ist, ob sich die Bewegung auf die Belegschaft des Piesberges beschränken würde. In Helmstedt haben 16 Böttchergeselle» ihre Kündigung er, en, weil sie sich weigerte»,«inen mit den Meistern gemein» schaftlich festgesetzten Lohntarif auf ein Jahr anzuerkennen- Die Abweisung erfolgte in Rücksicht auf die Böttchergesellen in Braunschweig, die gleichsalls den Tarif nicht anerkennen. Eine Nersainuiluug der Textilarbeiter in Rosenau bei Hof beschloß, an die Arbeitgeber mit dem Ersuchen heranzutreten, das gegenwärtig existirende Prämiensystem abzuschaffen und den Stücklohn dafür in entsprechender Weise zu erhöhen. Weiter wurde ersucht, künftig die einzelnen Stücke genau»ach den Metern zu be« rechnen, da bei dem gegenwärligcn System die Weber und Weberinnen thatsächlich einen Theil der Arbeit umsonst zil leisten haben. Ferner wülischte die Versammlung, de» verheiratheten Frauen durchwegs zu gestatte», das» sie die Fabrik mittags eine halbe Stunde früher verlasse» dürfe», wie dies ja auch die Gewerbe-Ordnung vor- schreibt, sobald die Frauen einen diesbezüglichen Antrag stellen. Sämnitlichc Tabaka» bciter und-Zlrbeitcriniic» der Zigarre» fabrik I. H. Piza, Hamburg, haben in Goslar, wo die Firma eine Filiale besitzt, die Arbeit niedergelegt. Die Firma hat die Forderungen, welche am 14. November v. I. den Arbeitern be- willigt wurden, nicht innegehalten und außerdem die Hausarbeit eingeführt. Vom Ausstand sind ca. 90 organisirte Arbeiter und Arbeiterinnen betroffen, darunter meistens verheirathete. Wir appelliren nun an das Solidaritätsgesühl sämintlicher Arbeiter Deutschlands und bitte» uns in unserem gerechten Kampfe nach Kräften zu unterstützen. Etwaige Briefe und Geldsendungen sind au Her in a n n Fröhlich, Goslar, Kornstr. 34, zu richten. Die S l r e i k k o m in i s s i o n. Ausland. Ter Buchdruckerstreik tu Briisscl ist beendet. Die Unter- uehmer bewilligten die Hauptforderung der Arbeiter, daß die ganze in der Offizin verbrachte Zeit als Arbeitszeit zu gellen hat und dementsprechend zu entschädigen ist. Die andere» Punkte der Arbeitsordnung sollen in jedem Betriebe durch Verhandlungen zwischen beiden Theileu festgesetzt werden. Brikctt-VerkanfSverein zu Tortmuud. Am 2V. d. M. hat eine außerordentliche Hauptversammlung des Brikelt-Verkanssvereins stattgefunden. Der bei dieser Gelegenheit vom Vorstande erstattete vorläufige Bericht über die Ergebnisse des Jahres 1897 lautete un- gemein glinstig. Die Erzeugung ist gegen das Vorjahr um etwa 14 pCt., der Preis um etwa 7 pCt. gestiegen, wohingegen die Selbst- kosten zurückgegangen sind. Rhcinisch-westfälischc Eiscnverbände. Der Halbzeug-Verband beschloß einstimmig, an den jetzt giltigen Preise» festzuhalten, da- gegen die für Draht, Fein- und Grobbleche und Bandeisen gewährte Ansfuhrvergütnng zu erhöhen und gleichzeitig Maßnahmen zu treffen, welche bezwecken sollen, daß diese Vergütungen auch de» Draht ver- arbeitenden Werken zu gute kommt. Soziales. Fiir bell koinninnalen Arbeitsnachweis tritt auch die„Kons. Korrespondenz" ein. Sie verweist auf die Forlschritte, die die Ent. wicklnng des kommunalen Arbeitsnachweises in Süddeulschland macht, und sagt dann: „Leider ist in unserem Norden eine ersprießliche Initiative der Kommunen in dieser ivichtigen Angelegenheit noch vielfach zu ver- misse». Wohl ist von feiten der preußischen Slaatsregierung zur Er- richtung von kommunalen Arbeitsnachweisen mehrfach aufgefordert worden, bedauerlicherweise scheint man aber in den maßgebenden Kreisen der Städteverwaltnngen die Wichtigkeit dieser Sache noch nicht recht einzusehen. Man sollte nun aber angesichts des ziel- bewußte» Vorgehens in Süddeulschland nicht länger mehr zögern, bas dort gegebene Beispiel zu befolgen... In der Errichtung von Arbeitsnachrveisen, die um so segensreicher wirken, je weitere Ausdehnung sie durch Zentralisirnng erlange», ist zur Zeit das einzige Mittel zu erblicken, rvo- durch der Arbeitslosigkeit mit Erfolg entgegenzutreten möglich ist. Die Pflicht, dabei die Initiative zu ergreisen, haben die Großstädte und Jndustrieorte. welche den Zuzug von dem an Arbeitsniaugel leidende» platten Lande begünstige» und in ihrer ganzen Entrvickelung die Schuld an der Zlrbeitsloseukalamität tragen. Es wird also, wofern die Kommunen nicht freiivillig sich ihrer Pflicht erinnern, schließlich nicht anderes übrig bleiben, als sie ihnen gesetz- lich aufzuerlegen." Es sind natürlich agrarische Interessen, die die„Kons. Korresp." zu diesem schneidigen Eintrete» für den lonnnnnalen Arbeitsnachweis veranlassen. Aber gleichviel. Wen» die Kommune» gesetzlich gezwungen würden, Arbeitsnachweise einzurichten, so läge das im allgemeinen Interesse. Tie reichsten Leute in Prciistc». Ans der dem Landtage zu- gegangenen Zusammenstellung der Ergebnisse der preußischen E i il k o in m e n- u n d E r g ä n z u n g s st e u e r- V e r a n l a g u n g für 1897/93 wird über die reichsten Leute folgendes mit- gelheilt: Mit dein größten Vermögen srvie im vorigen Jahr LlS Millionen) ist wieder ein Rothschild in Frankfurt a. M. zur Ergänzungssteuer herangezogen. Dan» folgt Krupp mit 123 Mistionen Mark. Sein Vermöge» ist in Jahresfrist um 7 Millionen gewachsen. In erheblichem Abstände folge» auf die beide» Nabobs zrvei Schlesier: ein Ar es lau er Land- deivohner mit einem Vermögen von 85 Millionen(im Vorjahr 33 Millionen) und«in Oppelner Landbeivohner mit 34 Millionen(im Vorjahr 61 Millionen) Vermöge». Ein anderer Oppelner Landbewohner beiverthet sein Vermögen aus 59 Millionen (2 Millionen mehr als im Vorjahr). Der reichste Magdeburger Landbeivohner ivar im Vorjahr mit 33 Millionen Vermöge» zur Ergänzungsslener herangezogen, für 1397/93 mit nur 26 Millionen. Ihn hat jetzt der reichste Städter im Regiermigsbezirk M ü n st e r überflügelt, der im Vorjahr 29, 1897/98 aber 32 Millionen M. Ver- möge» versteuert. Eines Vermögens von 27 Mill. M. erfreuen sich ein Kasseler»md ein Bewohner des Regierungsbezirks Trier (Stumm?); jener rechnet mit einer, dieser mit zwei Millionen mehr als im Vorzahre. Ein Vermögen von über 20 Millionen Mark versteuern sechs Berliner(im Vorjahre 5), tarunter je einer mit 25, mit 26 und 23, der reichste mit 29 Millionen. Im Vorjahre schätzte der Man» an der Spitze der Berliner Millionäre sein Ver- mögen auf nur 26 Millionen, der zweite ans 25, der dritte ans 24, der vierte auf 22 Millionen. Im ganzen sind mit über einer Million Mark Vermögen in Berlin ISS? Personen zur Ergänznngssteuer veranlagt, gegen 1173 im Vorjahr. Vor zwei Jahren gab es noch einen Berliner, der über 2 Millionen Einkommen hatte; für 1837/03 versteuern 12 Personen(drei mehr als im Vorjahr) in Berlin ein Einkommen von 1 bis 2 Millionen Mark, serner 5(zwei mehr als im Vor- jähr) 300 000 Mark bis 1 Million, 3(ebenso viel wie im Vorjahr) 8 bis 900 000 Mark, 5(gegen 6 im Vorjahr) 7 bis 800 000 Mark, 8(gegen 7 im Vorjahr) 6 bis 700 000 M. und 8(3 weniger als im Vorjahr) 5 bis 600 000 M. Ein Einkoinme» von über 125 000 M. habe» nach der Veranlagung zur Einkommensteuer für 1397/33 in Berlin 443 Personen, 121 mehr als im Vorjahr. Es wird nur einen verschwindenden Bruchlbeil unter all' diesen reichen Leute» geben, die nicht über die„Begehrlich- k e i t" der»in Verbesserung ihrer im ganzen elenden Lage kämpfen- den Arbeiter zetern. Während sie den Arbeitern Zufriedenheit predigen, können die meisten der reichen Leute den Hals selber nicht voll genug kriegen. Gerade sie sind die Slllernnznsriedensten. Der Nadfahrsport»nd die Krankenkassen. Eine eingeschriebene Hilsskasse in Nordhausen hatte beschlossen, ihre den Nadsahrsport betreibenden Mitglieder den übrigen Mitgliedern gegenüber mit er- höhten Beiträgen zn belegen. Die Polizeiverwaltung als Aufsich lsbehörde versagte hierzu ihre Genehmigung, da nach ß3 des Hilfskassengesetzes dergleichen Beitragserhöhungen lediglich nach " Verantwortlicher Redaltcur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnsei Maßgabe der Art der Beschäftigung, d. i. der Thätigkeit im Berufe, statthaft seieu, nicht aber auch nach Maßgabe eines neben dieser betriebenen Sports, wie des Nadfahrens. Diese Kasse focht diese» abweisenden Bescheid durch Beschwerde bei dem Bezirks- ausschusse in Erfurt au. Dieser trat, wie jetzt bekannt geworden ist, in seiner Entscheidung jedoch der Abweisung bei. Tic Zahl dee Schiffsuufälle au der deutsche» Küste betrug während des Jahres 1836 464, und zwar strandeten 114, kenterten 14, sanken 20 Schiffe; 213 Schiffe erlitten einen Zusammenstoß und 37 andere Unsälle. Der Totalvcrlust an Schiffen betrug 51, Personen kamen 43 ums Leben. Von den Schiffen, die einen Unfall erlitten, waren 316 deutsche, 9 russische, 19 schwedische, 13 norwegische, 24 dänische, 64 englische, 11 niederländische und je 1 belgisches und französisches Schiff und 1 Schiff unbekannter Flagge. Arbcitcr-Risiko. Ans Budapest wird telegraphirt, daß im R e s i c z a- B e r g w e r k der österreichisch- ungarischen Staats- eisenbahn-Gesellschaft acht Bergleute infolge einer Explosion schlagender Welter e r st i ck t sind. Mehrere verletzte Bergleute konnten in Sicherheit gebracht werde». In den Bergwerken der genannten Gesell- schaft, die eine Ausbeutergesellschaft im vollen Sinne des Wortes ist, sind wegen der elenden Betriebsverhältnisse Verunglückungen der Arbeiter etwas Alltägliches. Dennoch hat die Gesellschaft bei den zahlreichen Konflikten mit ihren jämmerlich bezahlten und unwürdig behandelten Arbeitern noch stets die ausgiebiaste Unterstützung der Behörden gefunden. Der Klassencharakter des Staates tritt auf dem Gebiete der Arbeiterfrage in dem in den Hände» der„Liberalen" befind- lichen Ungarn besonders dentlich hervor. Es ist sehr fraglich, ob selbst in der schlimmen Zeil der Osmanenherrschaft das ungarische Volk so schändlich ausgebeutet worden ist, als heute unter der Herrschaft der Bourgeoisie, deren Moralkodex lediglich der Kurszettel ist. Aus Karbitz in Böhmen wird telegraphirt: Durch eine Ex- plosion schlagender Welter im Antoni-Schacht wurden zwei Personen getödtet. Tie Weichensteller ans dem Bahnhos in Kopenhagen haben die achtstündige Arbeitszeit bewilligt bekommen. Früher mußten sie bis zu 13 Stunden thätig sein. Im August v. I. ersuchten sie um Eintheilnng des Dienstes in drei Schichte» ä 8 Stunden. Das Eisenbahn-Unglück bei Gentofl« hat die Direktion sehr resorm- geneigt gemacht, den Weichenstellern wurde baldige Einführung der achlslündigen Arbeitszeit zugesagt und das Versprechen ist gehalten worden. Gerichts-Jeitims. Die deutsche Justiz gegen Arbeiter. Als TerrorismuS bezeichnete der Staatsanwalt nach üblichem Brauch die HandlungS- weife, welche gestern den Maurer Oskar Hei» vor die erste Straf- kannner des Landgerichts führte. Am 9. Oktober v. I. hatten die Maurer auf dem Neubau Uferstr. 5 die Arbeit niedergelegt, weil ihnen vom Arbeitgeber angekündigt worden war, daß der Stunden- lohn von 60 Pf. ans 55 Pf. herabgesetzt werden solle. Am folgenden Montag eischicnen sie wieder auf dem Bau, weil ihnen ihre Jnvalidilälskarte noch nicht ausgehändigt worden war. Ans dem Wege dorthin trafen sie mit mehreren Streikbrechern zusammen, welche als Ersatz für sie arbeite» sollte». Die Parteien geriethen in Wort- Wechsel und wurde den Neneinlrelenden vorgeworfen, ob sie sich nicht schämten, für 55 Pf. die Stunde zu arbeite». Auf dem Bau kam es dann zwischen dem Angeklagten und einem anderen Maurer zu Thätlichkeiten. Hein versetzte dein Gegner mehrere Ohrfeigen und bedrohte ihn in der begreiflichen Erregung angeblich mit Todlschlag. Das Schöffengericht hatte ihn auf grnnd dieses Thatbestandes zu 14 Tagen Gesängniß vernrlheilt. Im gestrigen Termine vor der Berufungsinstanz wandte sich der Verlheidiger, lliechtsanivalt H e r z- selb, besonders dagegen, daß man das durch die Gewerbe- Ordnung geivährleistele Recht der Arbeiter, durch Ausstand und durch Vorstellnngen bei ihren Genossen, einen höheren Lohn zn erzielen, als Terrorismus bezeichnen könne. Der Angeklagte habe nach dieser Richtung hin das Maaß des Erlaubten nicht über- schritten und die Körperverletzung sei eine gewöhnliche Ausschreitung, welche mit dein Ausstand nichts zu thnn gehabt habe. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß sowohl Vergehen gegen die Gewerbe-Ordnung wie versuchte Nöthi- gung vorliege, es wurde wiederum aus vierzehn Tage Gesängniß er- kannt. Eine empfindliche Strafe wegen Vergehens gegen die§Z 152, 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung sprach gestern die 130. Abtheilung des Amtsgerichts I gegen den Maurer Burgeineisler ans. Auf einem Neubau in der Französischenstraße war im Herbst vor. Js. ein Streik ausgebrochen, welchem sich sämmtliche Maurer anschlössen. Nach«inigen Tagen nahm jedoch einer der Maurer, eine noch jugendliche Person, die Arbeit wieder auf. Der Angeklagte stellte ihn darüber zur Rede, bedeutete ihm, daß er(Aiigcklagter) als Familienvater ja viel mehr Veranlassung haben würde, die Arbeil wieder ansznnehinen, als ein Unverhei- ratheler; daß aber persönliche Rücksichten znrücklrcten müßten, um im Interesse der Arbeiterschaft den Streik zu einem günstigen Ende zu führen. Als die Borstellungen nichts fruchtete», ließ sich der Angeklagte zu Drohungen hinreißen, um den Streikbrecher zur Theil- nähme a» der Koalition zu bestimmen. Der Staatsanwalt Woer- mann sah dieses Vorgehe» des Angeklagten— unter den bereits bekannten Ausführungen— als ein so schweres an. daß er das höchste zulässige Strafmaß von 3 Monaten Gesängniß be- antragle. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Stutz, konnte keineswegs finden, daß das Vergehen des Angeklagten eine so horrende Strafe verdiene, da er nicht einmal— wie das öfter vorgekommen sei— lhätlich geworden sei; er bat deshalb, da dieses Vergehen leider nur mit Freiheitsstrafe bedroht ist, um eine recht geringe Gesängniß- strafe. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Staatsanwalts an»nd erkannte auf 1 Monat Gesängniß. Pom Kampf gegen die Tiilieu. Zwei selbständige Ab- theilnngen eines größeren Vereins in Nordschlesivig, der„Lese- verein" und der„Landbauverein", hatten auch Frauen als Mit- glieder aufgenommen. Hieran nahm die Polizei Anstoß. Sie erklärte die Vereine für politisch und ließ ihren Vorstehern, de» Herren Michelsen und Thanning, Strafmandate zugehen. Sie sollten die§§ 8a und 16 de? Vereinsgesetzes verletzt haben. M. und Th. beantragten richterliche Entscheidung und machte» geltend, sie hätten Frauen in die Vereine aufnehmen dürfen, denn es seien keine politischen Vereine. Sie verfolgten nur de» Zweck, für Aufklärung und gesellige Uiilerhaltnng zn sorgen. Das Schöffengericht ver- nrtheilte aber die Angeklagten zu Geldstrafen von 20 und 15 M. und das Landgericht rvieS die hiergegen eingelegte Berufung zurück. Es führte ans, die Vereine wollten vor allem das national-dänische Empfinden fördern, sie verfolgte» demnach einen politischen Zweck. Dafür spreche der Inhalt mancher Vorträge und die Thalsnche, daß in den Vereinen Lieder in dänischer Sprache gesungen worden seien. Unter den Rednern hätten sich auch bekannte Dänenfreunde wie Andresen und Hansen befunden und gastivcise habe sich der Landtags-Abgeordnele Johannsen ebenfalls am VcrcinSleben betheiligt. Ferner gehörte» de» Vereine» fast nur dänisch- gesinnte Leute an. Die paar deutschen Mitglieder seien Geschäftsleute, die es wahrscheinlich mit ihren Kunden nicht verderben wollten. Gegen diese Entscheidung legten die Angeklagten die Revision beini Kammergericht ein. Sie betonten noch- rnals entschiede», daß die Vereine keine Politik trieben, sondern einen ganz harmlosen Charakter hätte». Sie wollte» lediglich die Geselligkeit pflege» und eine Hebung der landwirlhschnst- lichen Verhältnisse anbahnen. Die gesungenen dänischen Lieder seien nicht aufreizend, sondern einfache Volkslieder gewesen. Die dentfchen Mitglieder würden sicher ans den Bereinen austreten, wenn dänisch- nationale Bestrebungen darin hervorträten. Der Strafsenat des K a in m e r g e r i ch t s verwarf aber die llievision als unbegründet. Sie scheitere an der thatsächlichen Feststellung des Vorderrichters, daß die beiden Bereine unter der Firma, wirthschaftliche �nnd gesellige Zwecke zu verfolgen, thatsächlicd hinsteuerten auf eine e-tärkung und Sträfligung des national-dänischen Empfindens, im Hinblick auf eine tenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von ivl näher oder ferner liegende Möglichkeit der Wiedervereinigung Nord- Schleswigs mit Dänemark. Aus dieser Feststellung habe der Vorc er- richler unbedenklich den Schluß ziehen können. daß die Vereine politisch seien. Ei» böser Auftritt mit einem Gerichtsbollzieher führte gestern den Maurermeister Karl R o s e n b a u m unter der Anklage der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs, des Wider- stands gegen die Staatsgewalt und der Beamtenbeleidigung vor die fünfte Strafkammer des Landgerichts I. Am 14. September erschien der Gerichtsvollzieher Bring in der Rosenbauin'schen Wohnung, um gepfändete Sachen abzuholen. Er hatte sich zn diesem Zwecke zwei Arbeiter mitgebracht. Der Beamte traf nur die Ehefrau des Au- geklagten an, welche wegen des unliebsame» Besuchs in große Erregung gerielh. Ter Wortwechsel zwischen ihr und dem Gerichtsvollzieher drohte zu Thätlichkeiten auszuarten. In diescin Augenblick belrat der Angeklagte die Wohnung. Er versehte dem Gerichtsvollzieher ohne weiteres mit seiner» Stock einen wuchtigen Hieb über den Kopf. Ter Geschlagene erlitt eine blutende Verletzung. Von rveiteren Miß- Handlunge» wurde der Angeklagte dadurch abgehalten, daß die beide» Arbeiter sich zrvischen ihn und de» Beamten stellte». Der ülngcklagte behauptete, daß er gar nicht gewußt habe, daß er einen Gerichtsvollzieher vor sich habe. Der letztere habe keine Diensln ütze gc- tragen. Als er auf der Treppe heftigen Lärm in seiner Wohnung hörte, fei er beschleunigten Schrittes hineingeeilt. Er habe annehmen müssen, daß seine Ehefrau von drei Männern bedroht werde und ohne llcberlegung habe er dem ihm zunächst Stehenden über de» Kopf geschlagen. Der Zeuge Bung behauptete dagegen, daß er wohl eine Dienstmütze getragen und außerdem dem Angeklagten einige Tage zuvor seinen Besuch zwecks Abholung der Sachen angemeldet habe. Als die Parleien sich etwas beruhigt hallen und der Beamte erklärte, daß er die Pfändung im Auftrage der Firma U. in Halle vorzunehmen habe, erwiderte der Angeklagte;„Die Inhaber dieser Firma find Halsabschneider und wer für sie läuft, ist auch einer." Hierin wurde die Beleidigung ge- fnnden. Der Staatsanwalt gab zn, daß die genannte Firma, welche sich mit dein Eintreiben von alten Schulden befasse, dafür bekannt sei, daß sie gegen die Schuldner rigoros vorgehe. Dies lasse die Erregung des Angeklagten erklären, aber er durste seine Wnth nicht gegen den Gerichlsvollzieher auslassen. Er beantrage gegen den Angeklagten eine Gefängnißsirnse von drei Monaten und drei Tagen. Der Gerichtshof erkannte auf zwei Monate und einen Tag Gesängniß. Vor der 8. Strafkammer dcS Landgerichts I stand gestern Termin in einer umfangreichen Strafsache an, die in den Kreisen der Text il brauche Aufsehen erregt und schon die Eutslehnng dicker Aktenfascikel verursacht hat. Tie Anklage richtete sich gegen den Kaufmann Max. Schwarz ans Bukarest, der lange Zeit hier in Untersiichnngshaft gestssen hat und schließlich gegen eine Bürg- schaft von 10 000 M. auf freien Fuß gesetzt worden ist. Ter An- geklagte, der früher hier in Berlin lhnlig war, verlegte vor längerer Zeit seineu Wohnsitz»ach Bukarest und begründete dort ein Korn- missioiisgeschäsl für Textilwaareu, Tcppiche ic. Er trat als Vermiitler mit zahlreichen großen deulschen Firmen, die nach Rumänien exporliren wollten, in Verbindung nnd hat sehr umfangreiche Waarensendungcn empfangen. Die Antlage beschuldigt ihn. seine Auslraggeber im eminentesten Maße geschädigt zn haben nnd berechnet den Schaden, der deutschen Firmen durch fein nach Ansicht der Anklage betrügeri- scheS Vorgehen bereitet sein soll, auf nicht weniger als 600 000 M. Der Angeklagte ist seinerzeit in ziemlich listiger Weise unter einem unverdächligen Vorwande nach Berlin gclockl und hier festgenommen. Er bestreilet enischieden, betrügerische Handlungen vorgenommen zu haben und behauptet. daß vie jetzt gegen ihn auftreUnden Belastnngszeugeii nur Zivilansprüche, keineswegs in der von der Anklagebehörde behaupteten Höhe, an ihn habe». I» der äußerst verwickelten und unklaren Angelegenheit hat schon eine sehr umfangreiche Vorunlersuchnng statlgefnnden und die Rechtsanwälle Hugo Sachs und Dr. S ch w i n d t haben für den Angeklaglen zahlreiche Euilastungszeugeii aufgeboten, iso daß gestern nicht weniger als 34 Zeugen an Gerichtsstelle anwesend waren. Leider fehlten gerade zwei Hauptzengen, aus die zu verzichleu der Staatsanwalt sich außer stände erklärte. Beide waren nicht genügend cnlschnldigt. Ter eine hatte unter Bernsung anf ein ärzt- liches Allest angezeigi, daß ihn eine Zeugenvernehmung zu sehr aufregen würde, der andere, der seinerzeit Vcrlreier der Gläubiger des Angeklaglen bei dem Konkurse desselben gewesen und schon in der Voruntersuchung vielfach belastende Aussage» gegen ihn machte, halle angezeigt, daß er am Dienstag Abend, also nmniltelbar vor dem Termine, eine Reise nach Manchester angeirelen hnbe. Die Verlheidigung bezweifelte die Richtigkeit dieser Angabe nnd denlete an, daß der Zeuge nach Mit- lheilnng dritter Personen sich lediglich nach einem Vorort von Berlin begeben haben solle. Da der Staatsanwalt auf diese Zeugen nicht verzichicle, so beschloß der Gerichlshof, die Sache zu vorlagen, er legte aber den beiden ausgebliebenen Herren außer den nicht geringen Kosleu des vereitelten Termins, zu welchem Zeugen von weither gekommen waren, auch»och eine Orduuugsstrase von je 3 00 Mark auf. Aiiibtilanter Gerichtsstand. Wogen einer Nnzeige, in der eine Prämie für das Unlerbringen von Loosen der Thüringisch- Anhallische» Lotterie versprochen wurde, ist in den zu Berlin befind- lichen Expedilionsränmcii der„Lotterie-Post", eines Organs für Loltericspiele, eine Haussuchung vorgenoinnien, wobei das Manuskript der Anzeige beschlagnahwt worden ist. Die Maßregel war an- geordnet vom Amisgerichl I zn Berlin nach de» Bestimmungen des preußischen Gesetzes über das Verbot des Spiclens in nnßerprenßischen Lotterien. Die Maßregel erscheint insofern auffallend, als die „Lolterie-Post" zwar in Berlin gedruckt nnd redigirt, aber zn Neu- strelitz in Mecklenburg, wo fremde Lollericn nicht verboten sind, ans- gegeben wird. Feldziegelbrände sind nach einer neuesten Entscheidung des Ober-Berwaltu»gsgenchtes keine Ziegelöfeu im Sinne des Z 16 der Gewerbe-Ordming. ihre Anlage ist also nicht abhängig von einer desouderen Konzession. Der enlscheidende Unterschied zwischen Feldziegelbränden nnd Ziegelöfcn sei, daß die erstere» von den ansein- nnder geschichtetenZiegeln selbst gebildet wnrden.irährend die letzteren nur das Gehäuse darslellien, in die man die Ziegel von Zeit zn Zeil hinein» setze. Diefe Entscheidung ist für kleine Landwirlhe in thou- und lehmreichen Gegenden von größter Bedeuiung, da ihnen die An- läge von Feldziegelbränden vieljach einen wirlhschaftlichen Voriheil verspricht. Anf ein entgegengesetztes Urlheil des obersten bayerische» Gerichtshofes, das häufig im fraglichen Prozeß er- wähnt wurde, glaubte das Ober-Verwaltungsgericht kein Gewicht legen zu brauchen._ Dcpesrlzcir und letzte Nndjvhhten. Köln, 26. Januar.(TO. T. B) De» Abendblättern zufolge haben heute sämmtliche Weberinnen der Kölnischen Bammvoll- spinnerei und Weberei wegen Lohnhcrabsetzmig die Arbeit niedergelegt. Vudapcst, 26. Januar.(B. H.) Gegen den Professor Nagy, welcher bei den letzten Prüsunge» 80 pCt. der Kandidalen hat durch- fallen lassen, verüblen die Hörer des hiesige» Polylechnikuins heute arge Demonstralioimi. Der Rektor hat angeordnet, daß die Durch» gesnlleneli zu einer Nachprüfung zngelaffe» werden sollen. London, 26. Januar.(W T. B.) Nach einem bei Lloyds ein- gegangenen Telegramm ans Mas'ai von heute hat das englische Kanonenboot„Lap.oing" den Dampfer„Balnchista»" weggenommen, der mit Waffen nnd Munition für de» persischen Golf aus der Reise von London nach Basrn begriffen ivar; das Schiff wnrde mit Befchlaz belegt, die Labung hat der engliscbe Konsul in Verwahrung. St. Louis, 26. Januar.(W. T. B.) Ein Getreidespeicher, welcher 3 Millionen Bnshels Gelreibe, 85 mit Mais befrachiele Wagen, eine Fracht- und Güterhalle und eine Zlnzahl Schnppe» um- faßte, ist niedergebrannt; der Schaden wird auf 1 Million Tollars geschätzt. x Bading in Berli». Hierzu 3 Beilagen u. llnterhaltnngsblatt. jt. 22. i5. iflijrpng. i. leildge VensxskÄg. 26. Sitzung. Mittwoch, den 26. Januar ISLS. Am Bundesralhstische: Frhr. v. T h i e l m a n n. Präsident v. Bnol eröffnet die Sitzung um 2>/4 Uhr. Ans der Tagesordnung stehen die Anträge des Abg. v. Plötz lkons.) und des Abg. Dr. Paasch«(natl.) ans Einführung eines Zolles und einer Steuer auf Saccharin und verwandte Süßstoffe. Abg. Plötz fordert einen Zoll und eine Jnland-Fabrikat. steuer tu angemessener Höhe, Abg. Dr. Paasch« wünscht einen Zoll und eine Inland- Verbranchsabgabe in Höhe von 80 M. pro Kilo- granuu Nettogewicht eingeführt zu sehen.— Die Diskussion über beide Anträge wird zusammen geführt. Abg. v. Plötz(k.) führt zur Begründung seines Antrages aus: Die Znckerindnstrie hat einen großen Segen über weite Kreise unseres Volkes verbreitet. In der letzten Zeit ist jedoch die Produktion wesentlich schwieriger geworden durch das fort- dauernde Sinken der Preise. Die Löhne der Arbeiter sind ent- sprechend zurückgegangen. Das Zuckergesetz vor zwei Jahren hat, wie wir voraussagten, keine Besserung gebracht. Es muß daher auf unsere weitergehenden Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Da eine internationale Aufhebung der Ausfuhrprämie nicht wird erreicht werden könne», so müßte am besten au eine wesentliche Herabsetzung oder gänzliche Aufhebung der Konfumsteuer gedacht werden, so daß der Konsum stark zunehmen würde. Gewiß sind die finanziellen Be- denken, die im Interesse der Einkünfte des Reiches geäußert werden, sehr schwerwiegend; aber wie es jetzt ist. wird es als eine große Ungerechtigkeit empfunden, daß die anderen Süßstoffe, Saccharin zc. frei ausgehen. Wenn auch bisher die Pro- dnklion des Saccharins sehr gering war, so ist doch gerade jetzt eine starke Zunahme derselben zn kouslatiren, da sie großen Gewinn ab- wirft. Es wäre gut, wen» die Regierung jetzt schon vorginge, ehe große Kapitalien hierin angelegt sind und die Konkurrenz für den Zucker unerträglich würde. Andere Länder, Frankreich, Spanien und Portugal, sind uns in der Besteuerung bereits vorangegangen. Zu erwägen ist dabei auch, daß der Zucker sehr viel Nährkraft ent- hält, während das Saccharin die Verdauungsfähigkeit stark herabsetzt. Es ist daher erklärlich, daß andere Länder es ganz verboten oder nur zu Medizinalzwecken zugelassen haben. Wir haben der Regierung die Anregung geben wollen, dieser Frage näher zu treten. Ich bitte Sie, diese Frage recht ernsthast zu prüfen und sie noch in dieser Session zur Entscheidung zu bringen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Hermes(frs. Vp.): Das Mittel, der Znckerlndustrie zu helfen, liegt nur in der Hebung des Konsums. Ich muß da dem vorliegenden Antrag widersprechen, der nur beweist, daß diese Herren nurwenigVerständnißfür dieJntrressen unserer Mitbürgerhaben. Er kommt im denkbar ungeeignetsten Moment. Die Erfahrung lehrt, daß der Zuckerindustrie nur durch Mittel geholfen werden kann, die den Konsum heben. Mir kommt es auch so vor, als ob man mit Kanonen nach Spatzen schießen wollte, namentlich da der Vorredner selbst zu- giebt, daß das Saccharin in so geringen Mengen produzirt wird. Ich weiß auch nicht, woher Herr v. Plötz seine Wissenschaft nimmt, daß das Saccharin die Verdauung stören soll. Gewiß ist es nicht nahrhaft; aber es wird auch nur da verwendet, wo es ans den süßen Geschmack, nicht auf den Nährgehalt ankomnit. Als Medi- knment ist es vielfach unersetzlich. Ferner dient es als Zusatz zu Kaffeesnrrogaten für solche Kreise, für die der Zucker unerschwinglich ist. Mit der vom Abg. Paasche vorgeschlagenen Steuer von 80 M pro Kilogramm würde man die Produktion einfach vernichten und alle die schädigen, die es jetzt brauchen, vor allem die ärmeren Volksklassen, ohne doch dem Staate eine neue Einnahmequelle zu- zuführen. Ich hoffe, daß die Reichsregiernng diesem Fanatismus hochschutzzölluerischer Kreise gegenüber unzugänglich bleibt. Abg. Dr. Paasche(natl.): Die Besteuerung von 80 M. pro Kilogramm entspricht noch nicht der Besteuerung des Zuckers, wenn man in Rücksicht zieht, daß Saccharin den övo fachen Süßigkeils- gehakt hat. Ich meine also, daß die Vorwürfe des Vorredners im- gerechtfertigt sind. Der Abg. Hermes hat auch nicht die Unterschiede unseres Antrages von dem der Rechten berücksichtigt. Bei Medizinal- zwecken würde die Besteuerung des Saccharins durchaus nicht den Preis so hoch schrauben, daß die kleinen Mengen unerschwinglich thcner würden und den Preis der Arzenei so sehr verlheuern würden. Die Verwendung der Saccharins als„Geschmackslorrigens" ist sehr ge- fährlich; man verwendet es überall da, wo schlechte oder verdorbene Stoffe für den Geschmack aufgebessert werden sollen, bei schlechtem Viere, Kaffee, Margarine, Pökelsteisch, Schinken, Fischkonscrven ec. Die Margarine soll nach den Reklamen dadurch„angenehm und lieblich im Geschmack" werden.(Heilerkeit links.) Ebenso wird Saccharin sauren Weine» und Liquen«» zugesetzt. Dadurch wird das Publikum getäuscht. Ebenso wird empfohlen,- den Stärkezncker durch einige Milligramm Saccharin zu versüßen und in Bäckereien und Konditoreien zu verwenden. Das Publikum glaubt aber, reine Nahrungsmitlel zu kaufen, wenn es süße Konditorwaaren kauft. Es bleibt die Frage, ob eine Saccharinstener berechtigt»nd gerecht ist. Das aber kann wohl nicht bestritten werden. Der Zucker wird als Genußmittel besteuert, warum soll nicht auch das Ersatzmittel besteuert werden? Infolge der Konkurrenz unter den Saccharinefabrike» ist der Preis gedrückt worden und der Konsum rapide gestiegen. Bei der von uns vorgeschlagenen Vestenernng würde das Saccharin immer noch halb so billig sein, wie heule der Zucker. Die noch zn löfenden Schwicrigkeilen würden am besten in einer Kommission er- ledigt werden können. Sollte aber die Reichsregiernng hier eine Erklärung abgeben, daß sie bereit sei, ein entsprechendes Gesetz einzubringen, so würde ich bereit sein, meinen Antrag zurückzuziehen. Staatssekretär Frhr. v. Thiclmau»: Die in den letzten Worten vom Vorredner verlangte Erklärung kann ich nicht abgeben, denn die verbündeten Regiernngen haben sich über die in Rede stehende Frage noch nicht schlüssig gemacht. Ter Regierung liegt das Wohl der Znckerindnstrie selbstverständlich sehr am Herze». Der Kreis der Süßstoffe ist kein begrenzter. Ob eine Zollkontrolle möglich sein dürfle, ist mir zweifelhaft. Ein Produkt, bei dem der Zoll für das Kilo 80 M. betragen soll, findet zu leicht unbemerkt über die Grenze Eingang. Am ehesten würde sich noch eine Vcrkehrsbeschränknng für Medizinalzwecke durchführen lassen. Die Regierung wird sich au der Lösung der schwierigen Frage gern belheilige». Ter Erfolg bleibt freilich vorbehalten. Abg. Schwarze(Z),(auf der Tribüne sehr schwer verständlich) beantragt zur Prüfung der Frage die Einsetzung einer Kommission von 14 Mitgliedern. Abg. Graf p. Stolbcrg(k.): Die Diskussion wird dadurch er- schwcrt, daß niemand weiß, wie viel Saccharin produzirt wird. Entweder es wird noch so wenig sabrizirt, daß es sich gar nicht lohnen würde, gesetzgeberisch einzuschreiten, oder es wird soviel sabrizirt, daß es die höchste Zeil zum Einschreiten ist. Tie Ans- führnngen des Slaalssclretärs waren sehr dankenswerth. Für eine Berkehrsbeschränknng sind wir zu habe», wenn unser Weg nicht gangbar ist. Für die Kommissionsberathmig bitte ich den Reichs- schatzsekretnr um seine Unterstützung. Abg. Wurm(Soz): Für die Anträge v. Plötz und Paasche sind wir nicht zu habe». Eine Steuer ohne Einfuhrzoll ist ein Un- ding und es hieße dem Schmuggel Thür und Thor öffnen, ivollte man auf ei» Produkt einen Zoll legen, das man bequem in der Tasche verbergen kann und bei dem nian auf jedem Spaziergange über die Grenze hundert Mark verdienen kann. Aber trotzdem ist für uns die Frage sehr beachtenswerlh. Für die vom Staats- sekretär empfohlene Verkehrsbeschräuknng sind auch wir. Wir gehen von dem Standpunkt aus, daß das Saccharin weniger ein Genußmittel als ein Belrngsmillel ist. Im Haushall ist es feiner großen Süßigkeit wegen nicht gut zu verwenden, die Hausfrauen gerathen in die G-sahr, zu viel zu nehmen und sich die Speisen zu verekeln. Verwendet wird es in aroßeu Kücben in Konditoreien. itcs Jurniitls" von den Wein- und Bierpanschern. Besonders in den Brauereien wird Saccharin und Glycerin statt des Malzes verwendet. Der Preis ist sehr gesunken. Während das feinste Saccharin der Rade- benler Fabrik im vorigen Jahre noch 100 Mark kostete, wird es jetzt für 45 Mark angeboten. Der Antrag Paasche ist nicht Fisch. noch Fleisch. 80 M. Zoll und 50 M. Werth sind erst 130 M. für das Kilogramm. Das entspricht ungefähr einer Zuckermenge, die billigst für 330 M. zu kaufen ist. Saccharin wurde also immer noch 200 M. billiger sein. Der Antrag Paasche Hilst also weder der Zuckerindustrie, noch schreckt er die Fälscher vom Betrug« zurück. Die Verwendung im Konditoreibetriebe ist einfacher Betrug, denn ich glaube ein Gebäck mit einem gewissen Nährwerth zu kaufen, außerdem zahle ich den- selben Preis, als wenn Zucker verwendet wäre. Das Saccharin aber ist andererseits ein nothwendiges Arzeneimittel. Der Antrag Paasche würde also nur die Kranken belasten. Daß es gesundheits- schädlich ist, habe ich noch nicht gehört. Das Dymethil- amidoazobenzol, das Margarine- Färbemittel, ist stofflich sehr nahe mit dem Saccharin verwandt. Ist das eine gesundheits- schädlich, dann ist es auch das andere. Wenn Sie aber über Haupt diej Verwendung dieses sSurrogats ans der Well schaffen wollen, dann schaffen Sie nur die Verbrauchsabgabe' für den Zucker ab. Es ist sehr bedauerlich, daß dem armen Mann gerade der Ge- »»ß des nahrhaften Zuckers verkümmert wird. Herr Paasche hat sich heute weniger warm für die Verbrauchsabgabe ausgesprochen als früher. Aber diese Liebe kommt etwas spät, sie datirl erst von dem Augenblick, wo mit der Verbrauchsabgabe kein Geschäft mehr zu machen war. Verringern Sie den Znckerkonsum nicht durch Preisvertheuerung, sondern schaffen Sie die Verbrauchsabgabe ab, dann werden Sie am schnellsten zu dem erwünschten Ziele gelangen. (Bravo bei den Sozialdemokraten.) Die Diskussion wird geschlossen. Nach kurzem Schlußwort des Grase» v. Carmer(k.) wird der Antrag des Abg. Dr. Paasche (natl.) in Verbindung mit dem des Abg. Plötz(k.) an eine Kom- Mission von 14 Mitgliedern verwiesen. Es folgt die erste Berathung des Antrages Auer(Soz.) und Genossen auf Erlaß eines Gesetzes zum Schutz der Koalitions-, Vereins- und Versa m m l u n g s freiheit. DaS Gesetz soll folgenden Wortlaut haben: § 1. Die Reichsangehörigen ohne Unterschied deS Geschlechts haben das Siecht, sich zu versammeln. Zur Veranstaltung und Abhaltung von Versammlungen bedar es weder einjr Anmeldung bei einer Behörde noch einer Er- lanbniß durch eine Behörde. Versammlungen und Umzüge, die auf öffentlichen Straßen und Plätzen stattfinden, sind spätestens sechs Stunden vor ihrem Beginn durch den Veranstalter oder Einberufer bei der mit Ordnung des öffentlichen Verkehrs be- trauten Ortsbebörde anzuzeigen. Z 2. Die Reichsangehörigen ohne Unterschied deS Geschlechts haben das Recht, Vereine zn bilden. fj 3. Alle den vorstehenden Bestimmungen widersprechenden Gesetze und Verordnungen einschließlich derer, welche die Verab- rednng und Vereinigung znm BeHufe der Erlangung günstigerer Lohn- und Beschäftigungsbedingungen hindern, untersagen oder unter Strafe stellen, sind aufgehoben. i§ 4. Wer die Ausübung der in vorstehenden Paragraphen gewährleisteten Rechte hindert oder zu hindern versucht, wird mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestrast, sofern nach dem all- gemeinen Strafgesetz nicht eine härtere Strafe eintritt. § 5. Dieses Gesetz tritt am Tage seiner Verkündigung in kraft. Zur Begründung des Antrages erhält das Wort Abg. Geyer(Soz.): Entgegen dem vom Reichskanzler hier im Reichstage gegebenen Versprechen gehen neuerdings die Einzel- regiernngen damit um, die partikularislischen Vereinsgesctze um- zuändern, wobei verschiedene Verschlechterungen geplaiit werden. Deshalb halten wir es für dringend nolhwendig, den vorliegenden Gesetzentwurf einzubringen. Die Stimmung der Regierung hat ihre» Ausdruck gefunden in der Rede des Grafen Posadowsky bei der ersten Berathung des Etats im Dezember, in der er sagte, daß bei uns, in dem Lande des direkten allgemeinen Wahlrechts, die Arbeiter- Koalitionen nicht so nolhwendig wären, in der er weiter von den Organisationen der Arbeiter als von Streikvereinen sprach. Es ist unglaublich, wie man sie so bezeichnen kann, als ob sie anstatt Unterstützungszwecke zu pflegen, Politik trieben. Die Arbeiterkoalitionen sind nicht, wie sie von dem Staatssekretär hier stigmatisirt worden sind, Streik- vereine, sie sind vielmehr Unterstützungsvereine, die im Falle der Roth gegenseitig Unterstützung gewähren. Der Unterstützungsverein deutscher Tabakarbeiler, dem ich angehöre, hat z. B. in den erste» zehn Jahren seines Bestehens von 769 000 M. Gcsammt- ausgaben für reisende Mitglieder 290 000 Mark Unter- stütznngsgelder ansgezahlt. Die Arbeiter sind, wenn sie sich auf die Landstraße begeben müssen, um Arbeit zu suchen, gezwungen, eine Unterstützung von ihrem Verein zu nehmen, wenn sie nicht betteln, verhungern oder der Slrinenpflege verfallen wollen. Die Unlerslützttngen haben einen außerordentlich wohlthätigen Zweck; sie verhindern, daß viele Arbeiter versumpfen, aus schlechte Bahne» gerathen. Wer nicht selbst die Roth der Arbeitslosigkeit gefühlt hat, der weiß freilich nicht, was diese Wohllhaten bedeuten. Auch nach anderen Richtungen hin übt der genannte Verein große Wohl- ihätigkeit ans. Er hat in den 10 Jahren außerdem 150 000 Mark au arbeitsunfähige Kranke, an Gemaßregelte u. f. w. zur Unlersiütznng ansgezahlt. Allerdings hat dieser Verein auch über 200 000 M. für Streiks ausgegeben, der Hanptlheil aber bleibt doch für Unterstützungszwecke. Wir verwahren uns dagegen, daß die Arbeitervereine in so feindseliger Weise von der Regierung be- handelt und so die große Masse des Volks noch tiefer hcrabgcdrückt wird. Noch mehr bestätigt die feindseligen Absichten der Regierung der hier jüngst so viel besprochene Erlaß des Grase» Posadowsky. Man will Informationen einholen, natürlich nur zu dem Zweck, gelegentlich das Koalitionsrecht revidiren zu können. Hat doch der Polizeiminister v. d. Recke im preußischen illbgeordnetenhause selbst erklärt, daß einflußreiche Kreise von In« dnstriellen ein strengeres Vorgehen gegen Streikende gewünscht hätten, und die Regierung hätte sich veranlaßt gesehen, dem in der Vcreinsgesetz-Novelle nachzukommen. Wer da weiß, wie leicht bei Streiks Vergehen gegen den Z 153 vorkommen, wie hart die Urtheile der Gerichte bei den geringsten Vergehen aussallen, der muß sich wundern, daß die Regierung jetzt den Kampf gegen die Arbeiter noch verschärfen will. Aber selbst wenn die Arbeiterorganisationen Streikvereine wären, wären sie berechtigt; denn sie treten für die Wahrung der Interessen der Arbeiter nicht anders ein, nsie die Arbeitgeber es zur Wahrung ihrer Interessen th»n, und sie sind darum unanfechtbar. Wenn die Arbeiter sich gegen die heute übliche Ausbeutung wehren, so wären die Organisationen berechtigt; kein Mensch hätte das Recht zu sagen. es soll das Koalitionsrechl angetastet werden. Das wäre ein bitteres Unrecht, das wäre die einseitigste Parteinahme für das Unternehmerthnm! WaS sollen die Arbeiter thun, wenn die Gesetzgebung ihnen nicht hilft, als solche Organisationen zn bilden? Niemand kann sagen, daß in diesen Organisationen Verstoße gegen Gesetze in größerem Maße vorgekommen seien, als sich gelegentlich Unternehmer gegen Arbeiter zn Schulden kommen lasse». Der Reichskanzler hat die Aufhebung deS Berbindungsvcrbols hier im Reichstage versprochen. Als ihm dies dann vor- gehalten wurde, bestritt er. ein solches Versprechen abgegeben zu haben. Es wurde ihm indessen gründlich dargelegt, daß seine Zusage, die er hier gethan, als ein Versprechen auf- gefaßt worden ist, nicht nur vom Reichstage, auch von den ver- kündeten Regierungen; das hat Bebel durch die Mittheilung der Erklärung des sächsischen Ministers des Innern hier überzeugend nachgewiesen. Wenn der Reichskanzler versucht, das zu bestreiten. Domttfts, 27. Iamm 1898. so macht er die Angelegenheit für sich nur noch schlimmer, als sie schon ohnehin ist. Doch die Hauptschuld trägt der Reichstag selbst. Wir haben ihn, der sich durch diese Zusage hat einlullen und hineinlegen lassen, damals bereits gewarnt; wir haben damals energisch verlangt, daß diese Materie reichsgesetzlich geregelt wird. Die Mehrheit hat damals dem Reichskanzler ge- glaubt. Erst als der Reichstag sich geprellt sah, da besann er sich darauf, daß etwas zu thun sei; da wurde das bekannte Nothgefetz angenommen. Es ist möglich, daß verschiedene Abgeordnete sich durch den Reichskanzler haben hineinlegen lassen wollen, daß es ihnen lieb war, daß die Sache nicht durch ein Reichsgesetz geregelt wird. Und was hätte dann das Nothgefetz erreichen können? Glaubte man wirklich, daß dieser Mann(aus den leeren Stuhl des Reichskanzlers zeigend), der als preußischer Ministerpräsident sein Versprechen schmählich verrathen, als Reichskanzler das Gesetz unter- stützen würde? Vom Bundesrath wird uns jetzt auch keine An- deutung darüber gemacht, wie weit die Sache gediehen ist, od der Vnndesrath überhaupt gewillt ist, dem unzwei- deutigen Wunsche des Reichstags Fokge z» leisten?(Sämmtliche Sitze des Bnndesraths sind unbesetzt.) Die Einzelregierungen haben alle Ursache, dafür zu sorgen, daß von der Partiknlargesetzgebnng nicht»och mehr abgebröckelt werde. In Bayern sucht man jetzt einige Erleichterungen zu schaffe», dadurch wird der Gegensatz zwischen dem Süden und dem reaktionären Norden lioch mehr verschärft. Vor allem ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, daß auch minder- jährige Arbeiter und Frauen, denen jetzt jede Möglichkeit fehlt, sich wirthschaftlich zu schlitzen, in das Koalilionsrecht einbezogen werden. Ist doch die Gewerkschaft das einzige Unterstützungs- und Kamps-� mittel, das ihnen nützen könnte! In Sachsen ist man jetzt dabei, das Vereinsgesetz noch zu verschlechtern. Die Konservativen wollen die Aufhebung des Ver- bindungsverbots mit den bekannten Correlaten verquicken, wir fürchten, die Regierung wird ihnen nachgeben. Damit würden die gesammten wirlhfchastlichen Arbeilervereinignngen schwer geschädigt werden. Man will die Minderjährigen ans Versammlungen ver- bannen. In einem Orte bei Leipzig ist es aber vorgekommen, daß ein noch nicht 21 Jahre alter Mensch die Versammlung als Beamter überivacht hat.(Hört! hört! links.) Es werden Hintertreppen- Geschichten kolportirt, es heißt König SIlbert sei für Einlösung des Versprechens des Reichskanzlers schlechthin. Nach der Verschlechte- rnng des Wahlrechts solle den Arbeitern in der Vereinsgesetzgebung größere Bewegungsfreiheit gewährt werden. An die Geschichte glaubt kein Mensch. Die Regierung will sich nur hinter solche Geschichtchen verstecken. 5kcin Mensch glaubt von dieser Regierung, die das Wahl- recht derArbeitcr zertrümmert hat, daß sie ihnen jetzt größere Bewegniigs- freiheit gewähren will, dieselbe Regierung, die nicht auf unparteiische Handhabung des Vereinsgesetzes hält, sondern die Arbeiter überall benachtheiligt. Das Verbindungsvcrbot wird in Sachsen bis aufs äußerste ausgenutzt. Jeder Verein, jeder„einzelne Vertrauensmann" ist aufgelöst worden ans grund des Verbindnngsverbots. Das Kartell der Ordnungsparteien in Sachsen verstößt aber anch gegen dieses Verbot, es ist eine Gesetzwidrigkeit.(Sehr richtig, bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung wendet das Gesetz aber nur gegen die Arbeiter an. Der Minister v. Metzsch hat das ja zugegeben. Daran ist nicht zu rütteln, Herr Geheimrath Fischer, Sie kennen ja die betreffende Rede des Ministers, in der er sagte: Es wird mit ziveierlei Maaß gemessen.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Wie steht es mit den Versammlnngsverbotcn. Wegen eines Schuhmacherstreiks in einem Stachbarorte wurde eine Schuh- macherversammlung in Pegau verboten. Durch solche Verbote kann man das ganze Versammlungsrecht illusorisch machen. Dem Landtags-Abgeordneten Fräßdorf wurde in einer antisemitischen Versammlung das Wort entzogen mit der Begründung, er wolle nur seine Kandidalenrede gegen Herrn Zimmermann halten. Es ist»n- glaublich, was in Sachsen alles möglich ist, aber wahr.(Heiterkeit.) Nun ist das Unikum passirt, daß auch zwei bürgerliche, gut gesinnte Vereine aufgelöst worden sind. Herr Fischer wollte diese Fälle gewiß anführen.(Geheimer Rath Fischer: Nein.)(Heiterkeit.) Aber die bürgerlichen Blätter selbst heben hervor, daß dicS die ersten Fälle sind. Wir wollen eine reichsgesetzliche Regelung des Vereins- und Versammlnngsivescns, aber keine Bevorzugung der 'Arbeiter, sondern nur völlige Gleichheit. Ein freies Vereins- und Versammlungsrecht wird die Arbeiterorganisation erleichtern, die Arbeiter diszipliniren. Disziplinirte Arbeiter werden aber weniger geneigt sein, Ungesetzlichkeiten zu begehen, als� «norganisirle Arbeiter. Das Zentrum sollte unseren An- trag unterstützen und seine dilatorische Politik nun einmal aufgeben. Unser Antrag ist Ihnen ja bekannt aus früheren Jahre». Es sind Bestimnmngen darin, die Sie schon bekämpft haben, wir, können aber auch davon nicht Abstand nehmen, zu verlangen, daß,' derjenige, der die Ausübung der im Antrag gewährleisteten Rechte hindert oder zu hindern versucht, mit Gefängniß bis drei Monateir bestraft werden soll. Wir verlangen völlige Gleichberechtigung,! nehmen Sie nun den Antrag an.(Bravo! bei den Sozialdemo-i traten.) Geh. Rath Fischer: Sie werden mir es erlassen, auf alle die einzelnen Vorwürfe des Vorredners zu antworten. Es sind ja immer dieselben Paradepferde, die uns hier vorgeführt werden.(Widerspruch. links) wenigstens in der Mehrzahl. Aber ich bestreite ganz enlschieden, daß die sächsische Regierung die Gesetze bei Handhabung des Vereins- und Versammlungsgesetzes verletzt.(Abg. Singer: Das hat sie noch nicht bewiesen!) Ich brauchte nur die Akten darüber hier ans den Tisch des Hauses niederzulegen, sie enthalten Verordnungen der Regierungen über die gleichmäßige Handhabung erst noch ans dem letzten Jahre. Die Vereins- und Versammlungsgesetzgebnng unterliegt verfassungs- mäßig der Landesgesetzgebung, ich brauche deshalb hier im Reichs- tage nicht darauf einzugehen('Abg. Siegle: Werfen Sie doch die Sozialdemokraten hinaus!)(Heiterkeit.) Schließlich will ich mich aber gegen einen persönlichen Vorwurf wenden, den mir der Abg. Schoenlank in einem Zwischenruf gemacht hat und der dahin ging. ich selbst hätte als Amtshauptmann mit zweierlei Maß gemessen. Herr Schoenlank, weisen Sie mir einen Fall nach, in dem ich als Amtshauptmann von Chemnitz das Recht gebeugt habe. Selbst Ihre eigenen Parteigenossen werden mir zugeben, daß ich stets bemüht war, Licht und Schatten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleich zn vertheilen. Was soll ich ans einen solchen Vorwurf sagen? Ich möchte eigentlich grob werden. Das will ich aber nicht als der Vertreter der Regierung eines Landes, dessen Bewohner man�mit recht große Höflichkeit nach- sagt.(Große Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Stumm(Rp): DaS Koalitionsrecht ist in keiner Weise bedroht, auch nicht durch den Erlaß deS Staatssekretärs. (Zustimmung rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Was ivir hier zu hören bekommen, sind immer dieselben— ich darf ja nicht sagen: Redensarten— Redewendungen, die schon 100 mal widerlegtsind. Der Abg. Geyer sagt heute, wir wollen tabula rasa machen, wir wollen sämmtliche Hindernisse des Koalitionsrechts beseitigen. Die Sozialdemokraten gehen soweit, daß sie Versammlungen zulassen wollen, auch wenn ausgeregte, zur Hälfte vielleicht angetrunkene Menschen sich unter freiem Himmel versammeln. Das würde ja zu unglaublichen Zuständen führen. Wenn Sie ferner jegliche Be- fchränkliiig der Vereinigungen zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen aufheben wollen, so heben Sie ja das ganze Strafrecht ans; denn Mord und Todtschlag kommen ja dabei auch vor. Dann schlagen Sie doch lieber gleich vor: Die Anarchie wird eingeführt!' Die Kernfrage ist für uns die: Hat der Staat heute eine zu geringe oder bereits«ine zu große Macht? Da stehen meine Freunde und ich auf dem Standpunkt: Nein, gegenüber der sozialdemokratischen Bewegung ist die Macht des Staates zu gering! Ich bedauere lebhaft, daß das Sozialistengesetz sowie das Umsturz» "''tz von der Mehrheit des Hauses abgelehnt ist, und hoffe, daß die Zeiten auch darin ändern werden. Wenn man sagt, die sozialdemokratische Bewegung wäre ganz friedfertig geworden, so giebt es doch auch in der jüngsten Zeit Beispiele des Gegen- »Heils genug. Ich erinnere Sie nur an die jüngste Brandrede des Herrn Fischer; sie ist Beweis genug, daß es inU der Sozial- demolratte in diesem Sinne nicht abwärts gehl. Dabei will ich wieder bemerken, daß ich im Herrenhause von jungen, nnerivachsenen Arbeitern als von„Lausbuben" gesprochen habe und darin doch keine Beleidigung des gesanimten Arbeiterstandes liegen kann. Ich erinnere an die bis jetzt noch nicht widerrufenen Worte des Ab- geordnete» Auer:„Wir sind, was wir waren; wir werden sein, was wir gewesen sind." Angesichts solcher Aeußcrungen bitte ich Sie, dm vorliegenden Antrag garnicht zu behandeln, sondern u limiue abzulehnen.(Beifall rechts.) Abg. Lenzniaiitt(frs. Vp.): Wir stehe» dem Antrage sympathisch gegenüber; er scheint uns nicht spezifisch sozialdemokratische Forde- rungen zu enthalte». Wir sehen in de» Bestimmungen vielmehr den ersten Schritt zu einem verfassungsmäßige» Ausbau der bürgerlichen Freiheit, wie sie uns 1871 versprochen worden ist. Deshalb bean- trage» wir, den Antrag nicht er limine abzuweisen, sondern gründlich zu behandeln. Da aber auch uns die einzelnen Paragraphen noch der Erörterung und genaueren Prüfung zu bedürfen scheinen, so beantragen wir Verweisung an eine Kommission. Auf keinem Gebiete der Gesetzgebung wird dem Volkswillen weniger Folge geleistet als auf dem Gebiete der Vereinsfreiheit. Herr v. Bötticher stand uns wenigstens Rede, heute schweigt man aber völlig; das ist weder schön noch verfassungsgemnß. Wir sind für vollste Koalitionsfreiheit, für vollste Vereins- und Versammlungs- freiheit und verlange» reichsgesetzliche Regelung. Wir lösen damit nur eine Verfafsungsbestimmung ein. Das Reich hat die Verpflichtung, die Gesetzesmaterten, die ihni' von der Verfassung zur Erledigung uberwiesen sind, nun nach 26 Jahren zu erledigen. Wenn das, was in Sachsen gegen die Sozialdemokratie verübt wird, gesetzlich ist, so ist es höchste Zeit dazu. Die Ausschließung von Minderjährigen aus politischen Versammlungen allein ist schon eine ganz reaktionäre Maßregel. Ich würde mich schämen, die minderjährigen Arbeiter, wie es der Abg. Stumm im Herrenhause und heute wieder gethan hat, mit solchen Schimpfworlen zu belegen. Sie messen auch hier mit zweierlei Maß, denn die Tertianer in Lndwigslust, die für die Flottenvermehrung begeistert sind, scheinen Sie für politisch reife Männer zu hallen. (Heiterkeit.) Selbst der Minister hat ihnen ja ein Dank- schreiben geschickt.(Heilerkeit.) Am besten sind die Zustände in Koburg-Gotha, wo gar kein Vereins- und Versammlungsgesetz besteht. Ich gehe noch weiter wie der sozialdemokratische Antrag, ich wünsche auch eine Regelung des Aufsichtsrechts in den Versammlungen. Nichts wird so sehr gemißbraucht, wie dieses Aufsichtsrecht. Eine besondere Strasbestimmmig aber wäre entbehrlich, wenn die Staatsanwälte den Amtsmißbrauch in solchen Fällen verfolgen wollten. Kommt dieses Mal in der Kommission kein Reichs- Vcreinsgesetz zu staube, so wird in jedem Jahr der Versuch wiederholt werden, den Art. 4 der Reichs- Verfassung dnrchzilführe». Sie würde» damit nicht nur eine That begehen, mit der wie die Arbeiterbewegung sördern, sondern auch eine Masse schmieden, die wir unter Umständen gegen die Sozialdemo- kratie anwenden können. Der gesammten bürgerlichen Freiheil wurde ein Reichs-Vereinsgesetz nur von Nutzen sein.(Beifall links.) Hierauf wird ein Vertagungsantrag a n g e n o in in e n. Persönlich bemerkt Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Der Abg. Lenzmann hat auf meine Aeußernng noch einmal Bezug genommen. Ich habe nicht alle Minderjährigen mit diesem Ausdruck belegt, sondern nur die- jenigen, die in Versammlungen Radau machen, mit dem Revolver schießen und andere Rohheiten begehe». Abg. Tr. Schornlank(Soz.): Der sächsische Bevollmächtigte Geh. Rath Fischer hat einen Zwischenruf von mir falsch interprelirt. Ich habe ihn einfach gefragt, ob er etwa als Amts- Hauptmann anders gehandelt hat, als die übrigen seiner Kollegen. Ich konstatire mit Genngthuung, daß Herr Geh. Rath Fischer es als eine Beleidigung erachtet, wenn man ihm unterstellt, er habe in bezug auf die Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechts mit zweierlei Maß gemessen, daß er also heule eine Handlungsweise für beleidigend hält, die sein hoher Chef im sächsischen Landtage offen zugegeben hat und die er als Vertreter seines Chefs auch hier im Reichstage früher schon vertheidigt hat. Abg. Lenz,»an»(frs. Vp.): Der Kollege v. Stumm hat jetzt der Bedentimg feines Wortes eine beschränkende Interpretation ge- gebe». Ich muß ihm aber sagen: Ich würde mich schämen, jenen häßlichen Ausdruck im Salon, geschweige denn im Parlament in den Mund zu nehmen.(Bravo links.) Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Herr Lenzmann hat nicht das Recht, mir Belehrungen über Anstand zn geben.(Heiterkeit.) Im Hause entsteht hieraus großer Lärm. Man ruft dem Abg. Lenzmaun zu, Abg. v. Stumm habe gegen ihn den Ausdruck „rüpelhafl" gebraucht. Abg. Fischbrik(zur Geschäftsordnung): Ich frage den Herrn Präsidenten, ob es mit der parlamentarischen Ordnung verernbar ist, wenn Slbg. Frhr. v. Stumm im Hanse herumläust und gegen den Abg. Lenzmaun den Ausdruck„rüpelhaft" gebraucht. Präsident v. Bnol: Der Ausdruck wäre unbedingt unzulässig, ich habe ihn aber nicht gehört. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Ich bin nicht im Hause herum- gelaufen, habe den Ausdruck riipelhasl aber allerdings im Gespräch mit meinen Nachbarn gebraucht. Für ein öffentlich gebrauchtes Wort halte ich den Ausdruck nicht. Wäre er es aber, so wäre er nicht schlimmer, als vorhin die Bemerkung des Abg. Lenz», an». Abg. Leuzmanu(frs. Vp.): Ich habe nur einer Empsindnng von mir Ausdruck gegeben, das ist doch ganz etwas anderes, als wenn ich einen Gegner direkt mit einem Schimpfwort belege. Der Vorfall beweist mir'aber, daß das Schimpfwörter-Lexikon des Frhrn. von Stumm noch größer ist, als ich noch vorhin vermulhet hatte.(Große Heiterkeit.) Präsident von Buol: Ich muß sagen, daß die Bemerkung des Abg. Lenzinani! gegen den Abg. v. Stumm ebenso unzulässig war, wie die Bemerkung des Abg. v. Stumm gegen den Abg. Lenzmaun. (Stürmische Heiterkeit.) Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr.(Fortsetzung der Etatsberathnng.) Schluß 6 Uhr. Ubgeovdnekenhsrns. 8. Sitzung vom 26. Januar 1893, 12 Uhr. Am Ministerlische; Dr. v. Miquel, v. d. R e ck e, Schön- st e d t. Der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung der Amts- kautionen wird nach kurzer Debatte unverändert ange»ommen. Es folgt die erste Lesung des Antrages Fuchs(Z.) ans An- «ahme eines G e s e tz e s betr. die Aenderung des Kom- m u n a l- W a h l v e rf a h r e n s. Es soll danach ,n allen Stadt- und Landgemeinden die Bildung der Abtheilungen in der Weise erfolgen, daß die Urwähler nach Maßgabe ihrer direkten Steuern in drei Abtheilungen getheilt, und von det Gesammtstener auf die erste Abtheilnng 5, auf die zweite 4 und ans die dritte 3 Zwölftel entfallen. Jedoch müssen in der ersten Abtheilnng mindestens 10, in der zweiten mindestens 20 pCt. der Gesammtzahl aller Wähler vertreten sein. Abg. FuchS begründet den Antrag. Es handle sich bei dem- selben lediglich um Erreichbares, nicht etwa um eine bloße De- monstration. Anzuerkennen sei ja, daß die Regierung sich der ihr obliegenden Berpflichlung, das Wahlrecht nach der Steuerrevision zu reformireii, nicht entzogen hat. Sie hat gethan, was sie unter den obwaltenden Verhältnissen lhun konnte. Wie wir neulich vom Kinanzmiuister gehört haben, hat die Regierung das Material bei- samme» und es steht nichts im Wege, nunmehr die Reform ernstlich in Angriff zu nehmen. Die Uebelstände, die heul bei den Ge- meinde- Wahle» zu tage treten, bedürfen dringend der Ab- Hilfe. Gegen die Zeit vor der Steuerreform hat eine un- verkennbare Rückwärts- Entwickelnng des Wahlrechts statt- gesunden, die in der Wirkung der neuen Steuererhebung begründet ist. Redner giebt eine ausführliche ziffernmäßige Darlegung über die Wählerverhältnisse in den einzelnen rheinischen Gemeinden. In der ersten und oft auch in der zweiten Klasse wählen häufig wenige Personen und majoriflren eine große Zahl Wähler dritter Klasse. ohne daß jene an Steuern mehr zu tragen hätten als diese. Die Prozentbestimmung bei Festlegung der Wählerzahl erscheine nölhig. da die Städte immer mehr zur Erhöhung der Einnahmen aus die Erhebung indirekter Steuer» hingedrängt werden und ohne diese Prozentuirung das Verhältniß bald wieder aufgehoben sein würde. Die Vorlage ist den Konservativen so zu sagen auf de»ILeib geschnitten und wir hoffen, daß sie dieselbe annehmen werden. (Bravo!) Minister v. d.! Recke: Die Regierung hat allerdings ein umfangreiches Material gesammelt und zwar so vollständig, daß sie wohl hätte dazu übergehe» können, eine Vorlage zu machen; sie hat es aus den Gründen nicht gethan. die neulich schon von dem Vize- Präsidenten des Staatsmiuisterinms dargelegt sind. Dem vorliegenden Antrage gegenüber hat die Regierung allerdings noch keine Stellung genommen, und es würde deshalb den Wünschen der Regierung am beste» entspreche», wenn Sie gegenwärtig den Antrag nicht annehmen, sondern denselben einer Kommission oder der Regierung als Material überweisen. Die Nothwendigkeit der Reformen wird von der Regie- rung nicht verkannt. Aber wenn für die Zwölstheilung mancherlei Gründe vorhanden sei» mögen, so treten diese vollständig in den Hintergrund gegenüber der nachtheiligen Wirkung der vorgeschlageneu Prozentuirung. Diese Prozentsätze sind bisher nirgends seit 1SS6 bei den Wahlen erreicht worden. Bei einer Reform wird man die neueren Wahlergebnisse mehr ins Auge fassen müssen, die nach einer ruhigeren Handhabung der Steuerveranlagung stattgesunde» habe»; denn wenn man an eine Wahlreform geht, dann sollen dauernde Zustände geschaffen werden. Abg. V. Cyneru(natl): Daß Herr Fuchs niit dem Wahlrecht nicht zufrieden ist, begreife ich, seine Mißerfolge erklären das; aber er sollte doch überlegen, ob er nicht selber die Schuld trägt. Hätte das Zentrum früher den Regierungsvorschlägen zugestimmt, so wäre das Gesetz längst zu stände gekommen. Aber das Zentrum wünschte ein Wahlgesetz, das seine Herrschaft in den rheinischen Gemeinden sichern sollte, daran scheiterte damals das Gesetz und es ist daher unrecht, wenn Herr Fuchs der Regierung wegen des heutigen Zu- standes Vorwürfe macht. Die Mängel des bestehenden Wahlrechts anerkennen wir; aber der Vorlage stehen wir sehr mißtrauisch gegenüber; denn wir wissen, daß das Zentrum seine Vorschläge nicht formulirt nach den Forderungen der Gerechtigkeit, sondern um Vortheile für seine Partei zu erreichen. Zu einer Mitarbeit in der Kommission sind wir bereit. Abg. Wctekainp(frs. Vp.): Der Antrag Fuchs geht uns nicht weit genug. Wir bestehen auf der Forderung des geheimen und direkten Wahlrechts; wir werden aber dem Antrage zustimmen, da er eine Verbesserung des bestehende» Wahlrechts enthält. Abg. V Dallwitz(k): Seine Freunde seien bereit, sich an einer Wahlreform-Arbeit zu betheiligen, sofern dabei die Klassen- einlheilung beibehalten und diese nach derSteuerlcistung eingerichtet werde. Auf Ziffern, die aus großen Städten genommen sind, könne dabei ausschlaggebendes Gewicht nicht gelegt werden, denn die Reform erstrecke sich auch auf ländliche Gemeinden. Auffallend sei, daß der Antrag Fuchs eingebracht wurde, obwohl kurz vorher von der Regierung erklärt war, daß sie die gegenwärtige Zeit für die Reform nicht geeignet halte. Der von dem Antrage Fuchs vor- geschlagene Modus der Klassentheilung ist für uns unannehmbar; er würde den Bauer und Handwerker in seiner Bedeutung völlig be- seitigen gegenüber den besitzlosen Arbeitern.(Sehr richtig! rechts) Redner empfiehlt Kommissionsberathnng. Abg. Plest(Z.) verlangt, daß man den Antrag nicht nach persönlichen oder parteipolilischen, sondern lediglich nach sachlichen Gesichtspunkten benrtheile. Bei dem heutigen Wahlrecht sei eine Willensäußerung des Volkes durch die Wahl nicht möglich. Abg. Frhr. V. Zedlitz(srk.) anerkennt ebenfalls die Nothwendig- keit einer Wahlreform, da die Wahlverhältnisse sich infolge der Steuerreform erheblich geändert haben. Aber der Zlntrag Fuchs geht doch weit über das hinaus, was zur Wiederherstellung des Zustandes vor der Steuerreform nöthig ist. Der Antrag würde das heutige Dreiklasseu- System vollständig über den Haufen werfen und Elemente in die erste Klasse hringe», die bis heute nie da hineingekommen sind. Wenn Herrn Wetekainp's Vorschläge wirksam würde», dann hätte die Herrlichkeit seiner Freunde im rothen Hanse zu Berlin ein Ende, dann würde dort Herr Singer noch mehr zu kommandiren haben, als er leider heute schon hat. Die Kommission wird lediglich ein schätzbares Material für eine» späteren Gesetz- entwurf liefern. Abg. Ehlers(frs. Vg.): Eine Verständigung über die Wahl- reform wird nicht leicht sein. Theoretisch ist das bestehende Wahl- recht unhaltbar, praktisch aber hat sich noch immer damit leben lassen. In Elbing hatte der Großindustrielle Schichan ein Drittel der Stadt- verordneten zu ernennen; er hat das stets mit Einsicht und Mäßigung gethan. Richtig ist, daß das heutige Wahlrecht zu ganz unhaltbaren Zu- ständen führen kann; aber bei der Reform wird jeder einzelne so viele besondere Interessen zu berücksichtigen haben, daß die Arbeit kaum zu stände komme» würde. Im künftigen Jahre wird der Landtag über diese Materie auch kaum besser unterrichtet fein, als heute. Von wem die Anregung zur Reform ausgeht, ist gleichgiltig; halten wir darauf, daß etwas zu stände kommt. Abg. Dr. Porsch(Z.) beantragt, die Vorlage einer 21er Kommission zu überweisen. Der Antrag entspricht durchaus den Forderungen der Gerechtigkeit und hält sich innerhalb der Grenzen des Erreichbaren. Wolle man das Dreiklassen-Wahlsystem ausrecht erhalten, dann sollte man sich ernstlich bemühen, alle Härten und Anstößigkeiten zu beseitige», die heute sich bei diesem Wahlrecht zeigen, sonst werde der Austurm gegen dasselbe unwiderstehlich werden. Damit schließt die Debatte. Nach einem Schlußworte des Abg. FuchS, in welchem er auf die Haltung des Abg. v. E y n e r n hinweist, der hier wie außer dem Hause die Bevölkerungsklassen gegen einander hetze, wird der Antrag FuchS einer besondere» Fünszehner« Kommission zur Vorberathung überwiesen. Freilag II Uhr: Zweite Etalsberathung: Landwirthschaftliche und Gestülsverwaltung. Schluß 3-/2 Uhr._ PÄVssmenkavifrhes. Der Bnudeörath hat in seiner heutigen Plenarsitzung die Ziistiinmung ertheilt: Dem Ausschußantrag zu dem Gesetzentwurf betr. Aenderuugen der Koukursordnung und z» dem Entwurf eines zu- gehörigen Eiuführuugsgesehes, dem Ausschußbericht über die Vorlage betr. die Ergebnisse der Volkszählung von I39ö, dem Ausschußbericht betreffend den Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung der Gesetze über Postdampfschiffs- Verbindungen mit überseeischen Ländern und dem Ausschußbericht über den Entwurf eines Regulativs, betreffend die Organisation des Beiraths für das Auswanderungswesen. Dem Reichstagsbeschluß zum Entwurf eines Gesetzes wegen Neu- regeln n g der Wahlen zum Landesausschusse von Elsaß-Lothringen wurde keine Folge gegeben. In der Budgetkommission des Reichstages wurde heute die Berathung des Etats des Auswärtigen Amtes sortgesetzt. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts, Frdr. v. Thielmann, erklärt auf die in voriger Sitzung aufgeworsene Frage über den finanziellen Effekt der Erwerbung der Kiaotschau- Bucht, daß er darüber zur Zeit noch keine genaue Auskunft geben könne. Die Verwaltungskosten würden indeß nicht sehr hoch sein. Abg. Richter: Die Rechnung würde uns früher prä- sentirt werden, als uns lieb sei. Ehe man bestimmt Stellung nehmen könne, müsse man erst die Kosten im einzelnen kennen.— Bei dem Generalkonsulat Petersburg befürwortet Abgeordneter Jebsen(natl.) die Einrichtung einiger Wahlkousulate in Rußland. Wenn die oftsibirische Bahn in Betrieb komme, würden die deutschen Handelsinteressen eine Zunahme erfahren. Direktor Reichardt: Ans verschiedene Anfragen in dieser Beziehung seien von der russischen Regierung bisher nur ausweichende Antworten gegeben worden. Auf eine Anfrage theilt Direktor Reichardt mit, daß es der Regierung gelungen sei, in Wladiwostock einen Handels- agenlen einzusetzen, eine vorzügliche Kraft, der von der russischen Regierung neuerdings das Recht erhalten habe, die deutsche Flagge zu sühren. Bei dem Konsulat für Buenos Aires spricht Abg. Dr. Hasse(natl.) den Wunsch aus, daß hier wie in Montevideo die deutsche Flagge häufiger gezeigt werden möge, das sei auch der dringende Wunsch der dort ansässigen Deutschen. Staatssekretär v. Bülow theilt diesen Wunsch und will ihn dem Staatssekretär Tirpitz überuiilteln. Die Antwort des Admiral Tirpitz könne er sich indeß schon vorher denken: es sind nicht genug Schiffe vorhanden.- Sämmtliche Ansätze für die Konsulate werden daraus bewilligt.— Bei den Allgemeinen Fonds werden„zu Kommisfionskoften" 172 000 M. gefordert, 43 600 M. mehr als im Vorjahre. Re- gierungsseitig wird dies damit begründet, daß sich in den letzten Jahren die Nothwendigkeit herausgestellt habe, zur Wahrnehmung konsularischer Funktionen nach Orlen. in denen kaufmännische Konsulate bisher nicht bestanden, versuchsweise Berufsbeamte zu enlseuden. Außerdem sei eine höhere Jnauspruchnahine des Fonds infolge des neuen Auswanderuugsgesetzes zu erwarten. Neben der darin vorgesehenen Beigabe besonderer Kommissarien an die Konsulate in den Eiuwanderungsländern komme dabei namentlich in betracht, daß es in der Absicht liege, zur Besichtigung von An- siedeln ngsterrains— zunächst nach Süd-Brasilien— besondere Sachverständige zu entsenden. Abg. v. Massow (£.) ist gegen die Beförderung des Auswaiideruiigswesens und gegen die Juaiispruchnahme der Reichskasse für solche Zwecke. Abg. Dr. Hammacher: Es handle sich nicht um Beförderung der Auswanderung, sondern um den Schutz der Ausgewanderten. Dieser Ausfassuug tritt Abg. Dr. Lieber bei, ebenso Dr. Hasse. Abg. Bebel führt aus, daß die ganzen Maßregeln aus eine Au- reizung zur Auswanderung hinausgingen. Man werde die Ans- Wanderung sogar von Südwestafrika ablenken, soweit sie überhaupt vorhanden ist. und nach Brasilien lenken. Zunächst werde der deutschen Laudwirthschafl eine große Konkurrenz erwachsen, worüber diese jetzt schon beständig klagte, im weiteren werde aber auch die industrielle Konkurrenz hervorgerufen und damit die deutsche In- dustrie geschädigt. Auffallend aber fei der Widerspruch, den sich die Vertreter des„nationalen Gedankens" zu schulden kommen lassen. Aus der einen Seile rege man zur Auswanderung Deutscher an. auf der anderen würden russische, galizische, böhmische und italienische Arbeiter zu hundertiausenden nach Deutschland importirt. Das sei eine merkwürdige„nationale Politik". Abg. v. Massow freut sich, in dieser Hinsicht niit Bebel übereinzustimmen. Abg. Dr. Hain- macher: Niemand beabsichtigt, die Auswanderer zu bevormunden. Das fei auch nicht die Tendenz des Auswanderuugsgesetzes. Die Auswanderer sollen nur von unseren Behörden zuverlässig« Mittheilungen erhalten über die Länder, nach denen sie auszu- wandern beabsichtigen, damit sie nicht von anderer Seite getäuscht werden. Abg. Graf Slolberg(k.): Der Strom der Auswanderer sollte möglichst nach unseren Kolonien gelenkt werden. Jede Auswanderung nach fremden Ländern bedeute einen Verlust am Nationalvermögen. In keinem Falle dürfe die Auswanderung besonders begünstigt werden. Das Auswandernngsgesetz würde nicht nur Verlegenheiten für die Regierung, sondern auch erhebliche Kosten zur Folge haben.— Referent Prinz Arenberg und Abg. Hasse polemisiren gegen Bebel. Der Titel wird darauf bewilligt.— Zur Unterstützung deutscher Schulen im Auslände werden ISO 000 M. gefordert. Nach längerer Debatte wird auch dieser Titel und ohne wesentliche Debatte der Rest des Etats des Auswärtigen Amtes be- willigt.— Es folgt der Etat der Kolonial-Ver- waltung. Die Debatte bezieht sich nur auf Detailfragen. Die neun Titel des Etats werden bewilligt; ebenso der Etat der Schutzgebiete.— Die Berathnngen werden Dienstag, den 1. Februar, fortgesetzt. In der Kommissto« deS Herrenhauses, die sich mit den An- trägen auf Verhütung der Hochwasserschäden beschäf- ligte, erklärte Minister Dr. v. Miquel, daß die Regierung alle diese Anträge nur als Material werde behandeln können, und daß viel- leicht schon dem gegenwärtigen Landtage eine entsprechende Vorlage zugehen werde. Daraushin wurde folgender Antrag des Fürsten Hatzfeldt-Trachenberg angenommen: „Im Vertrauen, daß die königliche EtaalSregierung mit thun- lichster Beschleunigung alle diejenigen Maßregeln ergreifen wird. welche zur Verhütung küustiger Hochwasser-Katastrophen, wie solche im vergangenen Jahre insbesondere in den Provinzen Schlesien und Brandenburg eingetreten sind, geeignet erscheinen, der könig-' lichen Staatsregierung die oben erwähnten Anträge als Material zu überweisen." So ziemt's sich für wackere HerrenhäuSler.— Die sechste Kommission des Reichstages erledigte heute die Novelle zur Z i v i l p r o z e ß- O r d n u n g bis ß 324, unter An- »ahme verschiedener Anträge von technischer Bedeutung. Nächste Sitzung Freitag._ VommunÄles. Furcht vor dem Sozialismus. Wie in früheren Jahre», so ist auch in diesem Jahre der Verband der Steinsetzer bei Gelegenheit der Etatsberathungen der Tiesbau-Verwaltung an die städtische Ver- waltnng wiederum mit dem Antrage herangetreten, sämmtliche städtische Pfla st erarbeiten in eigene Regie z n n e h in e ii. Die Tiesbau-Verwaltung, welche sich in ihrer gestrigen unter Vorsitz des Stadtraths Voigt stattgehabten Sitzung mit dieser Älngelegenheit beschäftigte, ist nach längerer Erwägung und unter Berücksichtigung der in anderen Städten in dieser Beziehung ge- machten Ersahrungen zu dem Beschlüsse gekomnien, den Antrag abzulehnen.— Was mögen das für Erfahrungen sein? Ter Ausschuß der Ttadtvcrordnetcn- Vcrsaiiimlniig hat den vom Stadtbaurath Hoffmann vorgelegten Entwurf zum Neubau eines Märkischen P r o v i n z i a l in u s e u m s am Treffpunkte der Wallstraße mit der Uferstraße und der nenangelglen Straße am Köllnischen Park genehmigt und sich mit der Einstellung einer ersten Baurate von 200 000 M. in den Etat für das Verwaltiingsjabr 1898/99 einverstanden erklärt. Die Verwendung der 200 000 M. soll jedoch davon abhängig sein, daß ein genauerer Entwurf und der Kostenanschlag in kürzester Zeit vorgelegt werden. Nokalles. Die Adressen der VertraurnSpcrsonen der sozialdemokratischen Partei in Berlin sind: 1. Wahlkreis. Chr. B o h n. Friedrichstr. IS, Hos links 3 Tr. bei Reibe. Benno Staber nack, Juselstr. 10. 2. Wahlkreis. S e r m a n n Werner. Bülowstr. SS. arl Glashagen, Belle-Alliaucestr. 85. 3. Wahlkreis. Et. Fritz. Oranienstr. 157, 4 Tr. 4. Wahlkreis. S ü d- O st e n: W i l h. Erbe, Cuvrystr. 25. „ E. Voigt, Naunynstr. 3, v. IV. Osten: Mob. W e n g e l s. Fruchtstr. 30, Quergeb. 2 Tr. „ Frz. T h i e I k e, Pallisadenstr. 52. S. Wahlkreis. Jakob R e u l, Barniinstr. 42. Rod. Richter, Nene Königstr. 30. 6. Wahlkreis. Rose n thaler Vorstadt und Gesundbrunnen E. H e l b i g, Usedomstr. 9. Schönhauser Vorstadt: Rich. Klos«, Aiiklamer� straße 41. W e d d i n g und Oranienburger Vorstadt: Eugen! E r n st. Ackerstr. 33. Moabit: H. Gräschke, Bremerstr. SO. Die Gaalabtrciberei wird nicht nur in der Provinz, sondern mich in Berlin geübt. Besonders versucht man, den Parteigenossen im 1. Wahlkreis ans diese Art die Agitation möglichst zu erschweren und ihnen das Abhalten von Versammlungen im Kreis unmöglich zu machen. Abgesehen davon, daß in diesem Kreis die„oberen Zehnlausend" dominiren und die Säle nur für die Festlichkeiten der- selben reservirt bleiben, oder von der Art sind, in welchem die jungen und allen Lebemänner mit den Damen der Halbwelt ihre Orgien feiern, ist man eifrig bestrebt, den Arbeitern die wenigen geeigneten Lokale durch die bekannten Mittel abzutreiben. Erst kürzlich sah sich ein Wirth in der Krausenstraße veranlaßt, seine Räume, in denen der sozialdemokratische Wahl- verein tagte, in Zukunft für Arbeiterversammlnngen zu verweigern, weil er Rachlheile befürchtete. Im sogenannten Hansaviertel steht unser» Genossen kein einziges Lokal zu Versammlungen zur Ver- fngnng und sie beriefen deshalb eine Versammlung nach dem' zum 6. Kreis, aber hart an den 1. Kreis grenzenden Lokal„Spreehallen", Kirchstr. 27, ein. Auch hier wurde dein Wirth, wie uns versichert wird, von einem höheren Polizeibeamten bedeutet, daß man es nicht gern sehe, daß er feine Räume gleich den anderen Parteien auch der sozialdemokratischen Partei zur Verfügung stelle, sdann wurde er darauf verwiesen, daß, obwohl das Lokal schon sehr lange besteht, bisher noch keine sozialdemokratischen Versammlungen darin ab- gehalten worden seien. Der Wirth hat in diesem Falle allerdings sich nicht beirren lassen und eine recht zutreffende Antwort ertheilt, aber die Parteigenossen werden aus diesen Vorkommnissen, die ja sehr häufig zu verzeichnen wären, die Lehre ziehe», daß sie ans das peinlich st e die Lokalliste zu beachten haben und nur in s o l ch e n L o k a l e n verkehren, wo sie auch ihre gewerkschaftlichen und politischen Angelegenheiten erörtern können. ltntcr der Führung der hiesigen Packetfahrtö-Aktiengesell- schaft hat eine Anzahl deutscher Privatpost-Anstalten an die Reichs- tags-Abgeordneten petitionirt, damit die Parlamentarier gegen die nni die Bestellung geschlossener Orlsbriefe ausgehende Erweiterung d.s Vollregals stimmen, insbesondere aber der Absicht des Staats- s>..rc.".>s des Lieichs-Postamtes, ein solches Gesetz ohne Bewilligung einer angemessenen Entschädigung an die Privalpost- Anstallen einzuführen, wirksam entgegentreten. Auf die Berechtigung oder Nichlberechligung dessen, was die Petenten fordern, wollen wir heute nicht eingehen. Wohl aber scheint uns eine Stelle in der B e g r ü n düng der Petition be- achtenswerth. Die Unterzeichner derselben führen für die Bei» beHaltung des jetzigen Zustandes und für die E n t s ch ä d i g u n g s- fordern ng das„Interesse der bei diesen Instituten An» gestellten und durch sie ernährten, nach taufende» zählenden Frauen und Kinder" ins Feld. Das ist edel. Immerhin sei uns aber eine Frage erlaubt. Gesetzt, das Postregal würde in der angedrohten Weise ausgedehnt, die peritio- nirenden Aktiengesellschaften erhielten aber nach ihrem Wunsche eine angemessene Entschädigung zugesprochen. Würden sie da, wie billig, den zur Entlassung kommenden Angestellten ihr Theil von der eingeheimsten Summe abgeben oder würden sie die Leute einfach unter korrekter Jnnchaltung der gesetzlich vor- geschriebenen Kündigungsfrist saus kayon auf die Straße setzen und die Entschädigungsgelder ausschließlich zur Linderung der Direktoren- und Aktionärsnolh verwenden? Das hartherzige und egoistische Ver- hallen der Packelfahrt-Gesellschaft bei dem letzten Ausstande ihrer Angestellten läßt wahrlich nicht auf eine besondere Proletarier» sreundlichkeit schließen. Zur JNustratiou der bürgerlich-ravitaliftischen Ordnung. In der„Vossischen Zeitung" lesen wir:..Mildthätige Leser unseres Blattes hatten uns für die Wittwe des Gasinspektors Wiesner, der bei der Explosion auf der Schö neberger Gas- a n st a l t umgekomnien ist, Spenden im Betrage von 100 M. eingesandt. Dazu sind inzwischen noch 10 M. gekommen von Herrn E. M. Heute war Frau Wiesner auf unserer Redaktion und bat, diese 110 M. mit den anderen Frauen, die ihre Er- »ährer verloren haben und denen es noch weit schlechter ginge als ihr, diese Summe t h e i l e n zu dürfen. Es sind das die Frauen des Komptoirschreibers Hübuer, des Arbeiters Göritz, de? Arbeiters Moritz und des Schlosserarbeiters Dube. Die Frau Dube befindet sich in besonders trauriger Lage, da sie mit vier Kinder» zurück- bleibt. Wir glauben im Sinne der Spender zu handeln, wenn wir dieser die Frau Wiesner ehrenden Bitte ohne weiteres zustimmten. Der Direktion der Schöueberger Gasanstalt ertheilt Frau Wiesner volles Lob. Sie nehme sich der Hinterbliebenen nach Mög- lichkeit an." Wie der letzte Satz auszulegen ist, verstehen wir nicht. Wenn er— nach landläufigen Begriffen— die Wahrheit enthält, warum müssen dann die Wittwen und Waisen der hingeopferte» Arbeiter zur Linderung ihres Elends milde Gaben annehmen? Ist es der steinreichen Gas- Gesellschaft wirklich nicht möglich, einige Tausend Mark zu opfern,»m wenigstens der schreiendsten Roth der Hinterbliebenen derer zn wehren, die in ihrem Betriebe den qualvollsten Tod von der Welt erleiden mußten? Geht es ferner dem Ehrgefühl der Gesellschaft nicht z» nahe, daß sie sich durch die heroische Opferwilligkeit einer armen Frau be- schämen lassen müssen? Das Bctricbspersoual der Eisenbahndirektion Berlin wird zur Zeit vermehrt. Bor kurzem wurden von der Direktion die Stellen von 200 Militäranwärtern für den Z n g b e g l e i t n n g s- dienst ausgeschrieben, und jetzt wird wiederum eine größere Anzahl von Beamten für den S t a t i o n s d i e n st verlangt, insbesondere für den W e i ch e n st e l l e r- und T e l e g r a p h e n d i e n st auf den Stationen. Als Weichensteller sollen zum 1. April dieses Jahres 150 Militäranwärler eingestellt werde», die zu- nächst die klägliche diätarische Jahresbesoldung von acht- hundert Mark, dann bei fester Anstellung achthundert Mark bis zu 1200 M. Jahresgehalt und Wohnungsgeldzuschuß oder Dienst- wohiiung erhalten und zu Weichenstellern I. Klasse befördert werden kömieii. Zu demselben Termin(1. April) sollen 6 Porliers für den Etalionsdienst eingestellt werden, für welche dieselben Bcdingniigeu maßgebend sind wie für die Weichensteller, auch hinsichtlich der Höhe des Gehalts. Ferner sollen am I. April 15 Telegraphen- aspiranten zur Einstelluiig gelangen, die zunächst eine neun- monatige Probezeit durchzumachen haben und eine diätarische Jahresbesoldung von 1050 bis 1200 M. erhalten, während die etatsmäßig angestellte» Telegraphiste» ein Jahresgehalt von 1200 bis 1800 M. und Wohnnngsgeld-Znschub bekommen. Endlich sollen auch noch 9 Lademeister-Aspiranten eingestellt werden, die ebenfalls eine Probezeit von 9 Monaten absolviren, außerdem aber auch eine Kaulion vo» 460 M. stellen müssen, und denen bei ihrem Eintritt eine diäiarische Jahresbesoldung von 1020 M. znsteht. die bis ans 1200 M. und bei der Anstellung als Lademeister bis auf 1800 M. nebst Wohnungsgeld-Zuschuß ansteigen kann. Wie die Ilnlerbeamten bei der durchschnittlich überaus elenden Besoldung ihren Dienst gehörig versehen sollen, bleibt unerfindlich. Ebenso unerfindlich bleibt es, wie Herr Thielen von den derart enllohnten Unterbeamten verlangen kann, daß sie keine Sozial- d e in o k r a t e n werden sollen. Taö„Berliner Fuhrwesen Thien" beabsichtigt, im Stadt- theil Moabit eine Ring-Omnibuslinie vom Bahnhos Bellevue ausgehend in Betrieb zu setzen und hat dazu die Geiiehmigung der zuständigen Behörde» nachgesucht. Die Wagen der 6240 Meter langen beiden Linie» führen durch folgende Straßenzüge: I. Linie: Bellevue(Stadtbahnhos), Brücken-Allce, Altonaerstraße, Schleswiger Ufer.Levetzowstraße.Gotzkowskystraße, Waldstraße, Be»sselstrabe(Bahn- Hof). Siemensstraße, Unionsplatz, Quitzowstraße, Salzwedelerstraße, Stephanplatz, Stendalerslraße, Wilsnackerstraße, Kirchstraße, Stadt- bahnhof Bellevue. II. Linie in Reihefolge zurück. Die Wagen sollen sich in beiden Nichtnngen mit Intervallen von 5 Minuten folgen. Der Fahrpreis für die ganze Ringstrecke soll 10 Pf. betrage». Dem Berliner Tampfstrassenbahu- Konsortium ist jetzt der von der städtischen Verkehrs- Deputation endgillig festgestellte Eut- wurf eines mit der Gesellschaft abzuschließenden Vertrages, wie er de» Gemeindebehörden zur Annahme empföhle» werde» soll, zur Erklärung übersandt worden. Nach demselben verpflichtet sich die Gesellschaft, die zur Zeit des Vertragsabschlusses von ihr außerhalb des städtischen Weichbildes mit Dampf oder Pserdekraft betriebenen Straßenbahnlinien dahin umzuwandeln, daß ausschließlich elektrischer Betrieb stattfindet und durch folgende Strecken zn erweitern: a) vom Nollendorf- Platz durch die Klotz-, Kurfürsten-, Dennewitz- und Flottwell> Straße, Schöneberger Ufer, Königin Augusta- Brücke, Link- Straße, mit einer Abzweigung von der Königin- Augusta- brücke durch die Königin Augustastraße. Hafenplatz, Dessaner- und Bernburgerslraße bis zum Askanischen Platz, b) vom Kaiser Wilhelm- Platz in S ch ö n e b e r g durch die Bahn-, Neue Kulm-, Kulmstraße bis an die zu a bezeichneten Strecken, v) von der Ecke der Goltz- und Gruuewaldstraße durch die Grunewald- und Kaiser Friedrich- straße bis au die zn a bezeichneten Strecken. Als besonders be- merkenswerth fügen wir noch hinzu, daß die Gesellschaft nach dem Vertrage für jede ununterbrochene Fahrt innerhalb des jeweiligen städtischen Weichbildes sowie über letzteres hinaus bis zum Schnitt- punkte der Rhein- und Kirchflraße in Friedenau und bis zur Ringbahn(Bahnhof Wilmersdors-Schinargendorf und Halensee) nur 10 Pf. erheben darf. MagistratSasscssor Cu»o in Berlin ist, wie der„Voss. Ztg." telegraphirt wird, in Königsberg am Dienstag von den Stadt- verordneten zum besoldeten Stadtralh auf die Daner von 12 Jahren gewählt worden. Räuchern mit GaS. Eine Neuerung für das Fleifchergewerbe ist das Räuchern mit Gas. Ein Fleischermeister hat sich(wie die „Zentral-Fleischer-Zeituug" erfährt) mit einem Fabrikanten ver- einigt, nm dieses Räucherverfahren gesetzlich schützen zn lasse» und industriell zu verwerthell. Bisher ist mit Hartholz und Hartholz- spähnen geräuchert worden, wodurch dem Fleischer nicht unbedeutende Koste» entstände» sind. Nach dem neue» Verfahren werde» angeblich große Ersparnisse geniacht. und es ist eine genaue Regulirnng der »othwendige» Hitze zur Räuchernng der Würste möglich, was beim Holzfcuer nur mangelhast durchzuführen ist. Zur Verhiitnng von Schanfenstcrbränden giebt das königl. Polizei-Präsidium bekannt: Aus Anlaß der zahlreichen Schausenstcr- brände wird darauf aufmerksam geniacht, daß die nachstehenden Maßnahmen geeignet sind, der Entstehung der Brände, durch die auch größere Gefahren für das Geschäftshaus enlstehen können, vor- zubengen. 1. Es sind Einrichtungen zu treffe», durch die das An- zünden der Gasflammen unmittelbar nach dem Oeffne» des Hahns bewirkt oder ermöglicht wird. Sofern nicht die Gaseinrichtung des Schaufensters mit selbstthäligen Zündern oder Gassernzüudern ver- sehen ist, muß thunlichst sür jede» größeren Auslaß ein besonderer Hahn angelegt werden. Es dürfen also nicht zahlreiche Flamme», »amentlich auch nicht die Nampenbeleuchtung zur Erwärmung des Schanfensters, von einem einzigen Hahne aus versorgt werden, weil alsdann vor der zeitraubenden Entzündung sämmllicher Flammen eine größere Gasmenge ausströmt, durch deren explosionsartiges Entflammen die leicht brennbare» Stoffe des Schaufensters in Brand gesetzt werden. 2. Statt der üblichen Spiritusanzünder, von denen häufig breunender Spiritus abtropft, sind elektrische Anzünder zu benutzen. 3. Brennbare Stoffe find zur Verhütung ihrer Entzündung von den Gasflammen mindestens 1 Meter in senkrechter, 0.6 Meter in seitlicher Richtung fernzuhalten. 4. Die Gasflammen müsse» von den Holzdccken der Fenster genügend weit ent- fernt sein, namentlich ist beim Fehlen der Blaker große Vorsicht ge- boten. 5. Elektrische Glühlichtbirnen sind mit Schalen, Glocken, Drahlgittern nnd dergleichen zu versehen oder derartig anzuordnen, daß die unmittelbare Berührung der Birnen mit entzündlichen Stoffen ausgeschlossen erscheint. 6. Werden die Glühlampen mit Stoffen eingehüllt, so darf die Hülle nicht geschlossen werden, es muß viel- mehr die Luft zwischen Birne und Stoff hindurchstreichen. 7. Elek- irische Bogenlampen sind zweckmäßig mit Fangtellern ans Metall an stelle der jetzt gebräuchlichen aus Glas zu ersetzen. 8. Die Leitnngs- drähte müssen innerhalb der Schaufenster gut isolirt und müssen durch Umspinnung geschützt sein. Vo» einer„Ncueruna im Fcrnsprechwcscn" weiß ein hiesiges Blatt zu berichten. Danach sollen durch Bestimmung des Reichs-Postamts bei Neuaulagen von Fernsprechanschlüssen von jetzt ab die Apparate nur mit einem Hörer ausgestattet werden. Jedoch bleibt es dem Theilnehmer unbenommen, sich einen zweiten Fernhörern selbst anzuschaffen, der auf Wunsch zum Preise vo» zehn Mark seitens der Behörde geliefert wird und in den Besitz des Bestellers dabei übergeht. Die Instandhaltung dieses zweiten Hörers nebst der der Leitnngsschnüre übernimmt die Behörde gegen eine angemessene Entschädigung ebenfalls. Wenn diese kaum glanbliche Meldung sich bewahrheiten sollte, so würden die Apparate in Häusern, welche an geräuschvollen Straße liegen, meist werthlos werden, da es bei dem geringsten Lärm nicht gut möglich ist, das Telephon mit nur einem Hörer zu benutzen. Hoffentlich wird der Postverwaltuug rcchlzeilig der Sland- punkt klar geniacht. Verschwundener Bauuntcruehuier. Die„Verl. Ztg." be- richtet:„Verschwunden ist am vergangenen Sonnabend, angeblich um sich das Leben zu nehmen, der jetzige Bannnlernehnier Fritz Höhne, ein früherer sozialdemokratischer Stadlverordneter. In einem Briefe an seine Frau theilte er mit, daß er seinen Verpflichtnngen nicht gerecht werden könne und deshalb den Tod vorziehe. Ob er dies gethan hat, weiß man bis jetzt nicht. Da die Handwerker nicht befriedigt sind, so waren dieselben am Montag früh fleißig mit ihren Gehilsen bei der illrbeit, um ihre Maare» abzuholen. Sämmtliche Treppenstufen, Fußbodenbretter, Fensterflügel, Schaufenster und eine Anzahl Thüre» wurden herausgeholt. Am Dienstag folgten die Röhren. Wie eine Ruine steht der Bau Zorndorserstr. 29 da." Der damalige Restaurateur Höhne legte im Jahre 1892 vor Beendigung der Maudatsperiode sein Stadtverordnelen-Mandat nieder, nachdem er von parteigenössischer Seite zn diesem Schritte aufgefordert worden war. Berliner SicherhciiSznstände. Die in der Waldemarstraße wohnende Frau S. hat der Kriminalpolizei folgendes angezeigt: Als sie, von einem Geschäftsgange zurückkehrend, de» Mariannenplatz entlang ging, feien ihr in der Nähe des Hanpteingangcs zum Kranken- hause Bethanien zwei heruiitergekommcn aussehende Männer begegnet. Bon diesen habe ihr einer das Portemonnaie ans der Hand gerissen. Als sie lautaufschrie, habe der andere mit einem starken Spazierstock, dessen oberes Ende mit einem blanken Knopf versehen war, sie so auf den Kopf geschlagen, daß sie zu Boden stürzte und die Besinnung verlor. Hierauf hätten die Räuber die Flucht ergriffen und einem ihr zu Hilfe geeilten Herrn sei es nicht gelungen, sie festzuhalten. Eine genaue Beschreibung der Räuber könne sie nicht gebe», sie seien 25—28 Jahre alt, bartlos und mit abgeschabten, braunen Paletots bekleidet gewesen. Der eine habe eine graue Mütze, der andere einen schmutzig-branneii Filzhnt getragen. In dem geraubten Portemonnaie befand sich außer 33,10 M. ein von Dr. Pleßner ausgestelltes Rezept. Di« Kopfverletzung der Frau E. ist nicht erheblich.— Die Kriminal- polizei ersucht den Herrn, der zum Beistand der Ueberfallenen herbei- geeilt war, sich zu melden. Die Untersuchung gegen den Postbeamten H., welcher, wie bereits kurz gemeldet, auf dem Postamt 48 ein Packet Briefe in den Abort geworfen, hat zu der Entlassung des ungetreuen Beamten ge- führt. H. ist Hilfsbeamter gewesen und wurde am Neujahrstage zum ersten Male als Aushilfe mit der Briefbeförderung beauftragt. Er giebt an, daß er seiner Verpflichtung als Briefträger nicht nach- zukommen vermochte. Er habe die Bestellzeit nicht innehalten können und um rechtzeitig nach dem Postamt zurückzugelangen, mußte er einen Theil der ihm anvertrauten Briefe unerledigt lassen. Die übrig gebliebenen Briefe hat er dann in der bereits ge- schilderten Weise vernichtet. H. war bisher nur mit dem Leeren der Briefkasten beschäftigt worden. Eine» Fluchtversuch anS dem städtischen Obdach unter- nahmen gestern Nacht mehrere Mädchen, die sich behufs Zwangs- Heilung dort in der Krankenstation befanden. Wie schon oft hatten die Mädchen auch diesmal mit Hilfe von Bettstellenschranben die Fenfterverschlüsse erbrochen und Bettlaken aneinander gebunden, um sich an diesen auf die Straße hinabzulassen. Di« erst 17 Jahre alt« Schneiderin Klara Schönherr war die erste, welche den Weg durchs Fenster antrat. Als sie glücklich bis zum zweiten Stockwerl herab- gekommen war, riß jedoch die künstliche Leine und die Schöuherr. stürzte ab. Beinahe wäre sie einem Schutzmanusposten auf den Kopf gefallen. Die Waghalsige erlitt einen komplizirten Bruch des rechte» Oberarmes und blieb liegen; sie wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain geschafft. Den anderen Mädchen war angesichts dieses Vorsalles der Muth zur Flucht vergangen. Vermißt wird seit einigen Tagen die 13 Jahre alte Martha Kruse aus der Jüdenstr. 35-37. Das Mädchen ist geistig nicht ganz gesund und findet sich wohl in dem Getriebe der Großstadt nicht mehr zurecht. Es ist mittelgroß und untersetzt, hat rothes' Haar und trägt eine rothbrauue Taille, einen graukarrirten Rock und Holzpantoffeln. Herr Kuhlmaun, der Wirth des Lokals Junkerstr. 3, theilt� uns mit, daß die Sistiruug des Buchdruckers K. wegen Majestäls- beleidigung nicht aus sein Betreiben, sondern auf Veranlassung eines Soldaten vom Eiseubahnregimeut erfolgt ist. Er, Kuhlmann, habe sein Mögliches gethan, um den angetrunkenen Buchdrucker vor Thor-' heilen und deren Folgen zn bewahren. Der Schivimmvereiu„Nord" hat am Sonntag unter zahl» reicher Betheiligung im Admiralsgartenbad sein W e t t s ch w i in m e n abgehalten. Die interessanten Konkurrenzen hatten folgendes Resultat: Im Bersuchsschwimmen wurde Erster R. Röhl. im RückeiN schwimmen F. Steinte, im Schwimmen älterer Herreu Erster E. Bratke, weiter F. Burkhardt. Im Gast-Schwinnnen wurde E. Säger vom chwimmklub„Neptun" Erster, Zweiter wurde F. Behlitz vom Schwimmklub„Vorwärts". Im Junior- Wehrkampf(Tauchen, Springen, Schwimmen) wurde P. Gladow Erster, im Gast» Springen E. Kiel vom Schwimmklud„Vorwärts", im Kür- springen O. Bölcke, im Wehrkampf älterer Herren(Tauchen. Springen, Schlvimmen) E. Bratke, im Brustschwimmen P. Gladow.� Im Schwimmen in Kleidern endlich wurde Erster G. Karel, Zweiler F. Burkhardt. Zum Schluß wurde ein von 12 Mit- gliedern exakt ausgeführter Reigen aufgeführt. Die zahlreich er- schieneueu Gäste folgten dem Weltschiviunnen mit lebhaftem Jnler- esse. Nach Beendigung der Nebungen vereinigte ein Tanzkränzchen die Gesellschaft bis zu später Stunde. Feucrbericht. Dienstag Abend kurz nach 10 Uhr wurde die Feuerwehr fast gleichzeitig nach vier verschiedenen Brandstellen ge- rufen. In zwei Fällen handelte es sich um Dachstuhlbrände, uäin- (ich R e i n i ck e n d o r f e r st r. 56 und M a r k u S st r. 39, wo Theile der Dachkoiistrnktion zerstört wurden und mancherlei Haus- geiälh verbrannte. Die beiden anderen Fälle betrafen Zimmer- brände, und zwar Großbeere n st r. 45 und K a tz l e r st r. 9. doch war der an Möbeln, Kleider» und Gardinen angerichtete Schaden nicht erheblich. Mittwoch früh 5 Uhr brannte S w i u e m ü u d e r- straße 35 die Verpackung des Waffermessers. Bald nach 7 Uhr erfolgte Alarm nach Thür in st r. 21, wo eine Kesselverpackung geplatzt war. Um 9 Uhr brannte in der P a s s a g«, Fricdrichslraße. im Laden 19, ein Kasten mit Celluloid.- Kurz vor 12 Uhr vormittags wurde die Wehr nach der 206. Gemeindcschule, Simeon st r. 20, gerufen. Hier war die um ein eisernes Bassin gelegte Verpackung geplatzt. Zur selben Zeit halten B e s s e l st r. 22 Dekorationen Feuer gefangen, das aber leicht gedämpft werden konnte. Brennendes Müll verursachte gegen 4 Uhr noch einen Alarm nach P a s e w a l k e r st r. II. Theater. Der Spielplan des Schiller- Theaters wurde dahin abgeändert, daß statt der für Freitag angesetzten Aufführung von„Heim- g'sunden" das Lustspiel„Der Tugeudwächtcr" und das Singspiel„DaS Versprechen hinten» Herd" in Szene geht. Heute findet die letzte Wieder- holung der Posse„Der Negistrator auf Reisen" statt. A«S de» Nnchbnrorte». Flugblattverbreitnug zur Gcwcrbcgerichtöwahl iu Schöne- bcra. Mit dem 31. März d. Js. ist die 2 jährige Amtsperiode der hiesigen Gewerbegerichts-Beisitzer der Arbeiluehmer zu Ende. Die Neuwahlen finden am 29. Januar von nachmittags 4 bis abends 8 Uhr im kteinen Saale des Restaurants Lindcnpark, Hauplslr. 18. statt. Wahlberechtigt ist jeder Arbeiter, der daS 25. Lebensjahr er- reicht hat und seit mindestens einem Jahre in Schöneberg wohnt, oder seit einem Jahre in Schöneberg in einem Betriebe oder sonst bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist. Jeder Wähler muß sich mit einer von seinem Zlrbeitgebcr oder von der Polizeibehörde aus- gestellten Legitimation versehen, aus der ersichtlich ist, daß er mindestens ein Jahr am Orte wohnt oder beschäftigt ist. Zlrbeiter, Handwerker, wollt Ihr, daß Euere Interessen gerecht vertreten werden sollen, so erscheint Mann sür Mann am Tage dev Wahl. Zu obigem Zwecke findet am heutige» Tonncrstag, abends '/e? Uhr, eine Flugblattverbreitung statt; wir ersuchen die Genossen, sowie sämmtliche Gcwerkschaflskollegen, sich recht zahl- reich und pünktlich in folgenden Lokalen einzufinden: E r n st P i n z e r, Nollendorfstr. 16; Otto Schilling, Khffhäuser- straße 16; Ernst Obst, Grunewaldstr. 110; Karl Klein, Merseburgerslr. 7; S t r e h in a n n, Erdmannstr. 6; Franz H a u s e r, Scdanstr. 31; P ü f ch e l, Gutzkowstr. 9. Charlottcnburg. Die Mitglieder des Sozialdemokratischen Wahlvereins sür Teltow-Beeskow-Storkow-Charloitenburg werden auf die heute Abend 8>/« Uhr in Bismarckshöhe stattfindende Generalversammlung ausmerksam gemacht, in welcher dringende Angelegen- Helte» zu erledigen sind. Die Broschüre: Reichstags-Rede deS Genossen Bebel ic. gelangt zur Gratisverlheiluug. Mitgliedsbücher sind mit zur Stelle zu bringen. Der Vorstand. Z» drin kürzlich gemeldeten Verschwinde» des Zug- fiihrers P. von der Eisenbahn Berlin— Kremmen werden heute Einzelheiten bekannt. P. war seit etwa fünfzehn Jahren im Dienst und hat sich unerhörte Vergehen zu schulden kommen lasse». Als Zugsührer pflegte er sich meist in den Packwagen aufzuhalten und hat bei dieser Gelegenheit in wiederholentlichen Fällen das Reise- gepäck von Fahrgästen erleichtert. Schon seit einiger Zeit wurde» bei der königlichen Eisenbahndirektion Beschwerden darüber laut, daß verschnürte Packete, welche die von Kremmen und Velten koinnieiiden Fahrgäste aufgegeben halten, unterwegs geöffnet und beraubt worden seien. Anfänglich vermochte man über den Thäler keinen Anhalt zu gewinnen, schließlich lenkte sich jedoch der Verdacht auf P. und ihm wurde eine Falle gestellt. Ein Bahnbeamter kleidete sich wie ein Landbewohner an und fuhr von Kremmen nach Berlin. In einem umfangreichen Packete, daS im Packwagen untergebracht wurde, befanden sich u. a. Zigarren und Wurst. Bei der Ankunft ließ sich der Bauer seine Sendung aus« händigen und bemerkte sogleich, daß sie unterwegs geöffnet worden war; es fehlten Zigarren nnd Wurst. Diese wurde bei P. vor- gefunden und die Zigarren entdeckte man bald daraus auf dem Bahnkörper de? NordbahnhofeS, wohin sie P., als er sich verrathen sah, geworfen hatte. Der ungetreue Beamte wurde deS Dienstes enthoben und die Angelegenheit der Staatsanwaltschast überwiesen. Der ihm drohenden Verhaftung hat sich P. dann durch die Flucht entzogen. i Köpenick. Die Eammelliste Nr. 310 zu den ReichstagSwahleu ist verloren gegangen. Die Liste ist unbeschrieben. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieselbe beim Vertrauensmann Fr. Richter. Böltcherstr. 45. II, abzugebe». Das fiskalische Restaurant„Hnndckchle" im Grunewald ist nunmehr dem Hofschan spieler B lenke pachtweise über- tragen worden, obwohl Herr Bleute ein geringeres Pachtangebot eingereicht halte als andere Mitbewerber. ES wurde berichtet, daß s Herr Blenke der Gunst deS Kaisers diesen Vorzug verdanke., Zu de» zahlreichen Bewerber» nm die neue Bürger-. meisterstelle i» Schöncberg gehört mich dem Vernehmen nach bor Oberbürgermeister K ö l tz e in Spandau, der erst vor kurzem auf die> Dauer von 12 Jahren wiedergewählt worden ist und am 1. April i neu eingeführt werden soll. I» Schöneberg ist das Gehglt höher, als in Spandau. Soziale Vechkspflvgv. Wiederholtes Ziispätkoniiue» als EntlassungSar, ind Gegen eine Lohnentschädigimgsklnge des Schlächters N> machte der Schlächtermeister Heller u. a. geltend, der Kläger sei häufig zuspät zur Arbeit gekomnien. Die Äeiveiserhebung fiel in dieser Beziehung auch zu Ungunsten des Klägers aus. Er ivurde nnt seiner Klage vom Geiverbegericht abgewiesen. In der Urtheilsbegründnng führte der Vorsitzende folgendes aus: Es stehe fest, daß N. wiederholt zu spät gekommen sei, obwohl ihn der Beklagte verwarnt habe. Darin liege eine beharrliche Verweigerung der ihm nach dem Arbeits «ertrage obliegenden Verpflichtungen und das sei nach§ 123 der Geiverbe-Ordiinng ein Grund zur sofortigen Entlassung. Wege»»nbmchtigter Entlassnug forderte der Arbeiter D von» Bierverleger Kluth eine Lohnenlschädigung, wogegen der Be- klagte vor dem Gewerbegericht einwandte, D. habe die Arbeit n n befugt verlassen. D. bestritt dies und behauptete, er sei krank gewesen und habe de» Arzt in Anspruch nehmen müssen. Der Ge richtshof gab D. nun auf, zum nächste» Termin«in ärztliches Attest zn beschaffen. Als Kläger zur neuen Verhandlung ohne ein solches kam, wies ihn die Kammer VI unter dem Vorsitz des Assessors Dr. Krause kurzerhand ab, weil er den Beweis seiner Unfähigkeit, zu arbeiten, schuldig geblieben sei. Eine» cigciithiimlichcii Verlanf nahm die Verhandlung eines Nechisstreiles, den der Hausdiener M. gegen den Buchbindermeister sfriedrichovicz beim Gewerbegericht angestrengt hatte. M. war vom Beklagten beauftragt worden, an einen Kunden W. 100 Broschüre» abzuliefern. Der Knnde erhielt aber nur etwa 60, trotzdem quittirte einer seiner Angestellten über den Empfang von Ivo Stück. Er hatte die Bücher nicht nachgezählt. Als sich später herausstellte, daß 20 Broschüren fehlte» und wahrscheinlich irgendwie vom Kläger verloren worden waren, zog ihm sein Arbeitgeber, um sich schadlos zu halten, 7,S0 M. vom Lohn ab. Diese Summe beanspruchte nun M. im Klagewege, indem er bestritt, an dem Verlust schuld zn sein, und aus die Quittung über die Auslieferung von Ivo Strick verwies. Der Gerichtshof— Kammer VIII— vernahm den Empfänger der Bücher, Herrn W., der bezeugte, thalsächlich nur 80 Bücher er- halten zn haben. Der Zeuge gab jedoch zugleich die unerwartete Erllärnng ab, selber den Schade» tragen zn wollen, da nun einmal in seinem Geschäft versehentlich der Empfang von lvv Büchern bescheinigt 'norden sei. Herr M. zahlte sofort die 7,50 M., worauf die Parteien sich verglichen. Nnfall eines herrschaftlichen DiencrS alS Betriebönnfall. Der Rittergutsbesitzer und Rittmeister Jouanne beauftragte seine» Diener Weise damit, dem Vogt nach dem Wirthschaflshofe einen Brief zn bringe», den dieser weiter befördern sollte. Es handelte sich darum, eine Diingerbestellung rückgängig zn machen. I» der Dunkelheit trat Weise fehl und zog sich eine Verstauchung zu, durch die seine Erwerbsfähigkeit beschränkt wurde. Seinen An- sprnch auf eine Unfallrente wies die landwirthschastliche Bernfsgenossenschaft mit der Begründung ab, daß die Bestellungen, welche Kläger im Auftrage feines Dienstherrn nach dem Wirthschaflshofe zu besorge» gehabt habe, lediglich in den Be� reich der persönlichen Bedienung sielen. Schiedsgericht und Reichs- V e r s i ch e r u n g s a m t erkannten jedoch einen land wirthschaftlichen Betriebsunfall an und verurthcilten die Berufs- genossenschaft zur Rentengewährnng. Es war festgestellt worden, das; der Kläger außer der persönlichen Bedienung seines Herrn regeluiäßig dessen Bestellungen nach dem Wirthschaflshofe ansznfiihre», im Frühjahr»nd Herbst Bäume zu pflanzen, daS Raubzeug im Felde und Walde abzuschieße»»nd den Wirlhschaflsbeamte» gewisse Dienste zn leisten Halle. Das Rcichs-Belsichcrungsamt führte zur Begründung seines Urtheils an, der Kläger habe zweifellos hin und wieder auch landwirlh schaflliche Arbeiten ausgeführt. Diesen landwirthschastliche» Leistungen seien die Gänge nach dem Wirthschaftshause dann zuzw rechne», wenn sie Betriebsangelegenheilen betrafen und wenn sie der Dienstherr anordnete, um die Leitung des Betriebes aus zuüben. Das sei hier der Fall gewesen. Bei der Anerkennung eines Betriebsnufalles gebe hier nicht den Ans! schlag, daß Kläger öfter landwirthschastliche Thätigkeiten, wie das Pflanze» der Bäume k. aussührle. Entscheidend sei nicht die Diensteigenschaft oder die Hauptbeschästigung des Verletzten, sondern die Belriebszugehörigkeit der nnfallbringende» Arbeit selbst. Zur Annahme einer Betricbsthätigkeit genüge es, wenn nebe» dein persön« liehe» Interesse des Unternehmers auch dasjenige des Betriebes selbst nennenswerth mii in Frage komme. Rur dann wäre der Botengang aus der Versicherung herausgefallen, wenn er aus- schließlich dem e i g e n w i r t h s ch a f l l i ch e n Interesse des Guts- besitzers zu dienen bestimml gewesen wäre. Gevilszk-s-Äeikttng. Tie Kölucr Polizcithat gegen ein gesittetes Mädchen, die wir am Dienstag kurz in die Erinnerung unserer Leser zurückgerufen haben, ist vorgestern und gestern vor dem Kölner Landgericht mit gebührender Gründlichkeit beleuchtet worden. Der angeklagte Schutz. mann Kiefer leugnete, daß am Abend der Verhaflnng das Publikum und die Verwandten der mißhandelten Chrisline Faßbinder vor der Wohnung ihrer Eltern etivns zur Aufklänuig des Falles gethan hätten, auch null er nicht gehört habe», daß die Mutter der beschimpften Dame ihm zugerufen habe, ihre Tochter loszulassen. Das Empörende des Vorganges kam namentlich durch die Zeuge» aussage der Mutter des sistirten Mädchens zur Anschauung. Die Zeugin beluudele:„?lni Abend des 2. Jnli sah ich von meiner 3 Treppen hoch belegenen Wohnung einen großen Auflauf. Ich traute meine» Augen nicht, als ich sah, daß meine Tochter von einem Manne der einen Stock in der Hand trug, hin und her gezerrt, an die Wand geworfen wurde, so daß meine Tochter niederfiel und sie alsdann wieder in die Höhe gezerrt wurde. Ich eilte die Treppen hinunter und begegnete der Frau Max, die ich bat, doch eiligst in die„Köln. Ztg." zu gehen und meinen Mann zu holen. Ich eilte aus die Straße, drängte mich durch die Menge und rief: Meine Tochter, was hast Du wohl gemacht, daß man Dich verhaften will? Ich habe nichts gethan. liebe Mutter, versetzte mein Kind. Ich beschwöre Sie, lassen Sie mein Kind los, meine Tochter hat nichts gethan, wir wohnen hier, rief ich. Ich wurde jedoch von zwei uuifor- «irrten Schutzleuten an d e r B r u st gepackt und g e- waltsai» zurückgestoßen. Kriminalschutzmann Kieser halte nur ein höhnisches Lächeln als Antwort und zerrte meine Tochter gewaltsam weiter.— Verth.; Wissen Sie genau, daß Si� oem Kiefer gesagt haben: das verhaftete Mädchen sei Ihre Tochter, oder haben Sie das einem anderen Beamten gesagt?— Zeugin: Rein, ich stand dicht vor dem Kriminal- schutzmann Kiefer; ich habe diesem ganz deutlich gesagt: Lassen Sie das Mädchen los, es ist meine Tochter, wir wohnen hier.' Durch eine ganze Reihe von Zeugen wird das Verhalten der Sckiutzleute, und namentlich das Gebahren des Angeklagten als„empörend brutal" bezeichnet. Run ist bemerkenswerth, daß drei höhere Polizei- beamte vor Gericht hintraten und dem angeklagten Schutzmann Kiefer e i n st i m ni i g das Zeugniß eines„sehr pflichttreuen, ruhigen, besonnenen und durchaus nüchternen B e a ni t e n" ausstellen. Vom Polizeislandpunkt ans gewiß mit recht. Wie es in der That um die Pflichttreue des Schutzmanns Kiefer de- stellt war, kam durch die folgende Zlussnge eines dieser Beamten, des Polizei-Jnspektors W e i n a n d ans Licht. Der Zeuge bekundete, daß der angeklagte Mnsterbeamte als Sitteupolizist gar kein Recht ge- hablhabe, überhaupt eine rnhig des Wegesgehende Prostituirte, geschweige denn eine anständige Dam» zn s i st i r e n. Die Siltenpolizisten dürften laut Instruktion nur die Wohnung ic. verdächtiger Personen festzustellen suchen und müßten dann behufs näherer Sriiiiltelung erst der Behörde Anzeige erstatten. Auf ferneres Befragen bekundet der Zeuge Polizei-Jnspeltor Weinand: Im Jahre 1801 troffen. Kiefer habe die Dame für eine Dirne gehalten und zu ihr gesagt:„Sehen wir uns auch einmal wieder." Der Gatte der Dame habe dies angezeigt. Infolge dessen sei Kiefer mit Arrest bestraft worden. So sieht nach der eidlichen Bekundung eines höheren Polizei beamten ein durchaus pflichttreuer, besonnener und ruhiger Be amter aus! Zur Charakteristik einer Anzahl derjenigen Polizeibeamten, die an der Affäre zwar betheiligt waren, aber einer Anklage bisher entgange» sind, sei noch die beachtenswerthe Aussage des Vaters der beschimpften Dame wiedergegeben. Derselbe ist Obermaschinennieister in der„Köln. Ztg." und an dem Unglücksabend aus der Offizin des Blattes geholt worden. Er schilderte, wie er erregt in das Wachb lokal getreten sei und dort seine Tochter erblickt habe. Ich fragte den Kiefer: Mit welchem Recht haben Sie meine Tochter verhaftet? Einige nnisormirte Schutzleute bemerkten mir: Sie sind gar nicht berechtigt, das Wachtlokal hier zu betreten und haben sich sofort zu entfernen. Ich erwiderte ihnen darauf: Ich werde ohne meine Tochter das Wachtlokal nicht verlassen. Daraufhin sagte mir ein uiiisormirter Polizeibeamter: Sie können Ihre Tochter sofort mitnehinen, sie ist bereits entlassen.— Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Scheiff bemerkt der Zeuge weiter: Er sei mehr- fach aus Anlaß dieses Vorkommnisses vom 2. Juli belästigt worde«. Eines Tages habe sich ein Pferdebahn'Kondukteur Namens Klaaßen bei ihm als Zeuge angeboten. Er habe diesem aber bedeutet, daß er bereits eine große Anzahl Zeugen habe, es sei jedoch möglich, daß er auf ihn zurückkommen werde; er bitte ihn deshalb, ihm seinen Namen und Wohnung anzu- geben. Er habe nach einiger Zeit über diesen Pferdebahn- Kondukteur Erkundigungen eingezogen und erfahren, daß ein Pferdebahn-Konduktenr Klaaßen gar nicht existire. Dagegen habe seine(des Zeuge») Tochter diesen angeblichen Pferde- b a h n- K o n d n k t e u r später als u n i f o r m i r t e n Schutz- mann aus Posten stehen sehen. Außerdem sei ihm mit- getheilt morden, ein Schlitzniann habe geäußert: Kiefer werde freikommen, denn es sei erwiesen, daß seine Tochter mit der Prostituirte» Wilms in das Case Becker gegangen sei. Er habe den Schutzmann deshalb beim Schiedsmann verklagt; es sei jedoch dort zum Vergleich gekommen. Er(Zeuge) habe sich über die Belästigungen auch bei dem Polizeipräsidenten beschwert. Letzterer habe ihm sein Bedauern ausgedrückt und ihm die Versicherung gegeben, daß er die Sache untersuchen und die Schuldigen zur Bestrafung ziehen werde. Es ist unseres Wissens noch nichts davon bekannt geworden, daß dies geschehen ist. So sehr auch das Benehmen des angeklagten SchutzniannS und seiner Kollegen die Empörung aller gesitteten Menschen wachrufen muß, so muß doch der Gerechtigkeit halber konstatirt werden, daß die Personen weit weniger schuldig sind. als das System, das in gewisser Beziehung die Be- aniten förmlich antreibt, Handlungen der geschilderten Art zu begehen. Was soll man zu folgender Beamten- n st r u k t i o n sagen, die von dem Zeugen Polizeikommissar a m b o ch zur Entlafiung deS Angeklagten bekannt gegeben wurde? Der Vcrtheidiger stellte die Frage, ob ein Beamter, der sich zu einer Verhaftung berechtigt hält, verpflichtet ist, von der Verhastung Abstand zu nehmen, wenn ihm Leute entgegentreten, die behaupten, die verhaftete Person zu kennen? Der Zeuge antwortete: Nein, er darf alsdann die Verhaftung nicht unterlassen! Der Schntznian hatte an sich gar kein Recht, das Mädchen zu siftiren, nachdem er aber widerrechtlich gehandelt hatte, war es ihm trotz aller deutlichen Aufklärung, die er erhalten hatte, verboten, sein Unrecht auf der Straße wieder gut zn machen! Man nennt das jawohl Wahrung der Beamtenautorität? Versantutluttgen. In ciucr vffcntlichcn Schuhmacherversammlung, die am Dienstag im„Schweizer-Garten" tagte, und ungewöhnlich stark be- sucht war, berichtete H e r r in a n n über den gegenwärtigen Stand der Situation: Dem Beschluß der vorigen Versammlung ent- sprechend, haben die Arbeiterausschüsse am Montag die Zurück- ziehnng der Fabrikordnung verlangt, jedoch ohne Erfolg. Seitens der Fabrikanten sei die Ansicht ausgesprochen worden, de» Arbeitern wäre es nicht nur um eine Aendernng der Fabrikordnung zu th»n, sondern sie wollten auch den Tlrbeilsnachweis des Verbandes der Schuhfabrikanten beseitigen. Dem gegenüber betonte der Zieserent, die Arbeiter hätten ausdrücklich beschlossen, daß ie eine Beseitigung der Mängel des Arbeitsnachweises erst dann fordern würden, wenn es wegen der Fnbrikordnung zn einem Aus- stand käme. Der Redner verlas das gestern von uns im Wortlaut mitgetheilte Schreiben des Fabrikanten-Verbandes und bemerkte dazu, es sei nicht richtig, wenn darin behauptet werde, die Fabri- kanten hätten mit der Kommission der Arbeiter eine Einigung über den endgiltigen Wortlaut der Fabrikordnimg erreicht. Die Kommission sei nicht autorisirt gewesen, bindende Abmachungen zn treffen und die Versaminlung habe sich mit den Aenderttiigen nicht einverstanden erklärt. N o w a ck, der als Mitglied der Kominission die betreffenden Verhandlungen mit den Fabrikanten geführt hat, bestätigt, daß er keine bindenden Erklärungen abgegeben habe. Weber trat dafür ein, daß, da sich die Fabrikanten bereit erklärt haben, den Konfiikt wegen der Fabrikordnung vor dem Einigung?- amt zum Austrag zu bringen, und die Arbeiter ebenfalls damit ein- verstanden sind, der Erfolg der Verhandlungen erst abgewartet und die Arbeit nicht sofort niedergelegt werden solle. Verschiedene Redner sprachen dagegen unter lebhaftem Beifall der Ver- aminlung für sofortige Arbeitsniederlegung, empfahlen aber, die Verhandlungen vor dem Einigungsaint aufzunehmen, von denen sich die meisten jedoch wenig Erfolg versprachen. Die ösorlige Arbeitsniederlegung wurde damit begründet, daß die Fa- brikanten, wenn ihre Fabriken leer stehen, die Einigimgsverhaiid- liiiigen beschleunigen und sich auch eher zu Konzessione» bereit finden lassen wurden. Ferner ivurde darauf hingewieseu, daß in mehreren abrikeu die Arbeiter nach den erfolglose» Vorstklluiigen wegen Zurücknahme der Fabrikordnung bereits die Arbeitsniederlegung ausgesprochen hätten, und diese sich gewissermaßen blaniire» würden, wenn sie am folgenden Tage weiter arbeiten würden. Ein Redner, der gegen die Arbeitsniederlegung sprach, wurde mit Murren sowie Zurufen: Quatsch! und Schluß! unter- brachen. Ebenso erging es Weber der nochmals mit großer Beredsamkeit zur Besonnenheit mahnte und zu liedenken gab, daß ja die Position der Arbeiter eine bedeutend günstigere sei, wenn sie während der Verhandlungen ruhig weiter arbeiten und nach etwaigem Scheitern derselben ausgesperrt würden. Eine starke Minorität begleitete schließlich die Ansführuiigen Weber's mit Beifall. Tann traten wieder mehrere Redner für den Streik ein, was die Mehrheit mit großer Lebhaftigkeit applandirte und darauf beschloß die Versammlung, daß die Arbeit in allen Verbands- abrikeu sofort niederzulegen sei, die Verhandlungen vor dein Gewerbegericht aber aufgenoiiiinen werden sollen. Mit der Ver- tretnilg der Arbeiter wurden Weber, Kar w in und E r d- m a n n, sowie H e r r m a n n als Vertranensmann betraut. Verband der Taprzirer. Die Filiale Süd hielt am 19. d.M. ihre Geiieralversailiniluiig ab. Laut Kassenbericht wurden im letzten Quartal iusgesamiut 437,63 M. vereinnahmt; an den Hauptvorstand wurden 134,65 M. abgeführt, so daß nach Abzug der örtlichen Ans- gaben in der Höhe von 78,29 M. ein Bestand von 224.69 M. ver- bleibt. Dem Kasfirer wurde Decharge ertheilt. Die Neuwahl der Orlsverwaltuug ergab folgendes Resultat: Bechert, erster Vor- tzender; Grün, zweiter Vorsitzender; Strauß, erster Kassirer; Sander, zweiter Kassirer; Ganger, Schriftführer; Schulz und Frl. Weber, Beisitzer; L e s ch k e, Bibliothekar. Die Generalversainnilniig für die Filiale Nord fand am 17. d. M. statt. Laut Geschäftsbericht des Vorsitzenden haben im letzten Vierteljahr 6 Vorstandssitzungen und 5 Mitglieder-Veisainin- lungen staltgefunden. Hierauf giebt der Kassirer folgende Abrech habe Kiefer einmal die Frau eines Militärarztes aus Deutz ge-> nung: Gesaminteinnahme 187,22 M. Davon an den Hauptvorstand in Hamburg abgeschickt 63,20 M., bleibt örtliche Einnahme 122,01 Die Unkosten betragen 59,01 M. Bleibt Bestand am Ort 63,01 M. Da die Revisoren die Richtigkeit dieser Abrechnung bestätigen, wird dem Kassirer Decharge erlheilt. Hierauf findet die Neuwahl der Orlsverwaltuug statt, welche folgendes Resultat ergab: Paul Schmidt, I. Bevollmächtigter: Pape, 2. Bevollmächtigter; M o ß k o p f. I. Kassirer; P a u l M ii l l e r, 2. Kassirer; L a m p- recht, Schriftführer; S t r a s s e r 1., und B a r n e k o w 2. Re- visor. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Kartonbranche hielten am 20. Januar im Englischen Garten ihre Versammlung ab. Kollege M. H o f f in a n n sprach über„Das Koalitionsrecht der Arbeiter". Der Thätigkeitsbericht des Verlrauensniaiines ergab, daß im letzten Jahre sechzehn ordentliche, vier außerordentliche Delegirlen- sitzungen, fünf öffentliche Versammlungen und vier Branchen- Verfammlungen stattgefunden hatten. Werkstttben-Versammlungen wurden 43 für 35 Werkstnben einberufen. Letzlere, welche theils als Agitations-Versaininlungen einberufen wurden, theils lange Arbeitszeit, schlechte Löhne oder sonstige Uebelstäude beseitigen sollten. wurden u. a. auch bei den Firmen Mann, Findeisen.Beck. Oleschläger abgehalten, bei welchen Firmen jetzt auch die neun- stündige Arbeitszeit, der Miuimallohn und 3—10 pCt. Zuschlag für Akkordarbeit eingeführt worden sind. Ein Werkführer bei Ä ö h in e, 28 Jahre dort thätig, erhielt 22 M. Wochenlohn, jetzt wurden ihm 2 M. Zulage zugebilligt, außerdem Ankleideränme, sowie eine Ar- beitsordnung angeschafft. Bei Gutmann und Meier ver- langten die Arbeiter anstatt der 9 stiindigen Arbeitszeit(jetzt 10 Stunden) 10 pCt. Zuschlag, und bei Wunderlich wird in der Saisonzeit 13 bis 14 Stunden pro Tag gearbeitet: in beiden Werkstnben halten die dort Älrbeitenden die Organisation für überflüssig. Die Arbeiterinnen von Nathan haben die neniistiindige'Arbeitszeit durchgedrückt, während die Arbeiter nicht den Mnth finden, ihre zehnstündige Arbeitszeit zu verkürzen.— Hierauf wird B e r tz als Vertrauens- mann, Friedrichs und R e i b e t a n z als Stellvertreter desselben gewählt. Den Gewählten wird es anheimgestellt, eine geeignete weibliche Vertrauensperson mit heranzuziehen. Zum Schluß wird mitgelheilt, daß die Zahlstelle der Kartonarbeiter, Weinslr. 11, Sonntag Vormittag nicht mehr geöffnet sei. Von sciteu deS Zcutralticrbaudes der Zimmerer geht uns aus die gestrige Erklärung der Lokalorganisirten nachstehende Gegen- erklärnng zn: Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, es sei ein Mißverständniß des Berichterstatters, wenn derselbe geschrieben hat: Die anwesenden Vertreter des LokalvereinS erklärte», von ihren Vorschlägen nicht abgehen zu können. Diese Erklärung ist in der That von dem Vorsitzenden deS Lokalvereins Hoppe sowie vom Kassirer Schässer abgegeben worden; es sei das Beschluß der Generalversainmlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Damit ist zu gleicher Zeit auch die unwahre Behauptung widerlegt, die Vertreter des Vereins hätten nicht das Wort in der betreffenden Versaniinlniig be- kommen: im Gegentheil, dieselben sind sogar von vornherein dazu aufgefordert worden. Wenn weiter behauptet wird, Fischer habe lediglich seinen neutralen Standpunkt kundgegeben, so beruht das ebenfalls auf Jrrthum. Derselbe hat vorwiegend die abweichende Stellung deS LokalvereinS von den Beschlüssen der Einiglings- koinmission dargethan. Das Bureau der Versammlung: K n ü p s e r, Fischer, W e l l s o w. Z» unserem Bericht Uber Zimmerer(Verband) in unserer bericht vom 4. Quartal 1397 nachzutragen: Danach betrug die Gesammteinnahme inklusive Bestand 3542,34 M. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 2181,31 M., eine Ausgabe von 1032,67 M.; mithin bleibt ein Lokalkassen-Bestand von 1149,14 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Im Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter sprach am 13. d. M. F a b e r über die Bildungsbestrebuiigen der Arbeiter. Eine Resolution im Sinne des Referats fand Annahme. Der Bibliothek des Verbandes soll der Ueberschuß des erste» Sliftnngs- festes überwiesen werden._ Briefkasten der Redaktion. Wir btlte», bei jeder ilnfrage eine Khlffre lzwei Bnchfiaben oder«Nie gahij anzugeben, unter der dl« Mntworl erlhellt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet bis zum 5. März am Montag. Freitag»nd Sonnabend abends von V'/z bis 8'/, Uhr statt. H. R. 100. Wenden Sie sich an Rackwitz, Wollinerstr. 7. M. W. 4. Sie müßten versuchen, in Güte anSeinanderzukoimnen. Die verspätet angebrachte Kündigung hat keine Wirkung.— F. G. 30. Für die letzten S Jahre kann die Forderung noch erhoben werden.— Miethskontrakt. Nein.— G. 25.— Innerhalb 3 Monate nach Ehe- lchlnß muß der Antrag ans Rückerstattung bei der Jnvaliditntsanstalt gestellt sein.— I. L. Soweit die Sachlage crsichtlich, liegt weder Anfechtbarkeit des Testaments noch Strafbarkeit Ihrer Tante vor.— Jnstor. Die Sachen hasten nicht, werden sie gepfändet, so inüsten Sie Jnterventionsklage erheben.— O. B. 100. Wenn Sie wegen Beleidigung klagen wollen, müssen Sie sich zuvörderst an den Schiedsmann wenden, in dessen Bezirk der zu Verklagende wohnt. Fällt der Sühneversuch dort fruchtlos aus. so können Sie sich an das Amtsgericht wenden. Ueder den Ausgang der Klage läßt sich nichts vorhersagen.— O. B. 40. Ja.— M. 060. Sonntags. — Ttiimper. 1. Stadlverordnetenwahlberechtigt ist jeder niännliche selbst- ständige Einwohner Berlins, der 24 Jahre alt ist, seit nliiidcstcnö einem Jahre in Berlin wohnt, in dem letzte» Jahre keine Arnieiumterstützuiig ans öffciitlichen Mitteln erhalten hat, mindestens zur zweiten Stcuerstusc ein- geschätzt und in die Wählerliste eingetragen ist. 2. Garnicht.— H. H. 1. Notarielle oder gerichtliche Ausstellung ist, ohne Beschränkung ans das Objekt, nicht erforderlich. Zwecluiäßig. aber nicht erforderlich, ist es, die Unterschrift notariell beglnubigeii zu lasten.— M. M. 100. 1. Vor der Wiedcrverheirathung eines Wittlvers oder einer Wittwe ist in Preußen die AuSciiiandcrsctzuilg mit den minderjährigen Kindern erforderlich. Der Vater oder die Mutter wendet sich zu diesem Zweck an das Amtsgericht mit etwa folgender Eingabe:„Meine Ehefrau ist am... verstorben..... Ich beabsichtige, mich wieder zu verheirathcn und beantrage deshalb, die Ansein- andersctznng mit meinen Kindcni vorzimehmeii. Als Thcilnngspflcger bringe ich Herrn..... in Vorschlag. 2. Aus die Hälfte.— 102 G. BS. 1. In 3 Monaten nach Ehctrennuug erlischt das Stecht, auf Strafe anzutragen. 2. Etwa 60 M. monatlich. 3. Nein.— K. in M. Die Finna ist leider im Rechte. — H. M., Onedlinbiirg. Die Polizei ist zu dcrVersiignng nicht bcstigt Gegen die Verfüguiig ist Beschwerde einzulegen.— K. B. 100. Sie müssen die Kirchensteuer zahlen.— E. O. Die nicht erhobene Rente ist allerdiiigs unpfändbar. Das baar bei Ihnen vorgefiindene Geld ist icdoch vorläustg noch pfändbar.— B. 700. Ist der Schwager der Mann Ihrer Schwester, so kann er den Strafantrag gegen Sie wegen Kiirpcrverlctzimg und Sachbeschädigung zurücknehmen, nicht aber wegen HaiiSfriedeilSbriichs. Die Rücknahme muß vor Verkündung des Gerichtsiirlheils eriolgen.— F> Schm. 1. Mr. le President Felix Paure, Paris. 2. Mr. le President.— t die Generalversammlnna der Dienstags-Nnmiiier ist der Kassen- WitlmiiiflSiilikrsirfit dom 26, Jamtni' 1808, 8 Uhr morgcnS. Wetter-Profiiiose für Donnerstag, 27. Januar 1898. Etwas wärmer, zeitweise aufklärend, voriviegend trübe mit leichten Regenfällen und mäßigen südwestlichen Minden. Berliner W o l t e r b n r e a n. Veraiitivortlicher Redakteur: August Jacobe», in«erlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck n»d Verlag von Max Bading in Berlin. Ur. 22. 15. Irtljtgdng. ci>U ks Jotmärts" Murr loMlatt Domrchs, 27. Iimit 1898. VevjÄutnrsu n fltm �cc Wahlvclcin für de» erste» Berliner NcichstagS- Welilkreis bielt aui Dienstag eine Versauimliing in> Lokal„Spree- hallen", Kirchstraße, ab, i» der Genosse Pötzsch über:„Die deulsche Sastalreform" reserirte. Ter Redner, der eingangs ans die »vesentlichen Ursachen verwies, durch welche die sogenannic Sozial- reforni veranlaß! wnrde»nd die Etellnng der bürgerlichen Parieien zn derselben gebührend belenchlele, unterzog die vielfachen Mängel des Kranken-, Unfall- und Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungs- gesches einer treffende» Kritik. Er behandelte im weiteren die Arbeitcrschntzbeftuninnngen, die trotz der nur sehr geringen Vortheile für die Arbeiter von dein Untcrnebinerthnni auf das heftigste de- kämpft werden, und verivies auf die ungenügenden Bestimmungen der Verordnung für die Konfeklionsnrbeiter, die für die zahlreichen, in der Hausindustrie beschäftigten Personen aber überhaupt nicht in betracht kommen, und aus die Bäckereiverordnnng, die, weil sie dein Unlernehlnerlhum doch in der grenzlosen Aus- beutung der Arbeiter elivas hindert, man wieder zu beseitigen bestrebt ist. Der Referent erörterte sodann in eingebender Weise die für die Arbeiterklasse wichtigsten ZZ 152 und 153 der Gewerbe- Ordnung.>»n an der Hand eines reichhaltigen Materials unchzu- weise», daß nicht die geringste Ursache vorbanden ist, de» Z 153 der Gewerbe- Ordnung, der in der gegenwärtige» Fassung bereits ein Ausnahmegesetz gegen die Zlrbeiter darstellt, im Sinne der Posa- doivsky'schen Erlasse umzugestalten und noch eine schärfere Fori» gegen die Ausnutzung der im ß 152 den Arbeiter» gewährleisteten Reckte zn gebe». Die Erfabrnng hat gelehrt, daß die Gerickie in den verschiedenen Fällen die Strafgesetze zu Hilfe genommen haben, und mit derselben weit über das nach Z 153 zulässige Strafmaß hinaus Urlheile gefällt haben. Andererseits ist aber festgestellt, daß die thatsächlicheu Ausschreitungen bei den Kämpfe» der Arbeiter, die gegen den Z 153 verstoßen, insbesonders aber den organisirtcn Berufen und in de» Städten mit einer zielbewußten Arbeiterschaft, sehr geringsügig sind. Freies Koalitionsrecht forderte der Redner und nicht Verschärfnng des Z 153. Nachdem der Referent»och auf die arbeiterseindliche Politik der herrschenden Klasse hingewiesen und das Bestrebe», die arbeitende Klasse noch mehr zu entrechten, treffend gekennzeichnet hatte, appellirte er an die Ver- fnuimelten, mit aller Kraft dafür cinzntreten, daß bei der nächsten Wahl die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter bedeutend vermehrt wird, die allein die Interesse» des Volkes zu wahren gewillt sind, die mit Energie für ein freies Koalilionsrecht und gegen jede Verkünnnernng des allgemeinen, geheimen und direkte» Wahlrechts eintreten. Eine Diskussion über de» beifällig auf- genommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Nachdem der Vorsitzende Genosse Mörschel noch zn», Anschluß an den Wahlverein und zur Agitation, sonne mit dein Hinweis auf die bevorstehenden Wahlen zur Betheiligung der Mitglieder an den uothweudigeu Arbeiten aus- gefordert Halle, erfolgte der Schluß der Versammlung. Ter Wahlverein für den sechstel» Wahlkreis hielt am Dienstag feine erste diesjährige sehr stark besuchle General- Ver- sammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt die Ver- sannnlnng das Andenken der im vorigen Quartal verstorbenen Mitglieder Einert, Rölicke, Hartmaun, Schulz und Stiller durch Erheben von den Sitzen. Nach Verlesung des sehr ausführlichen Protokolls durch Brinkmann über die Erfolge des Wahlvereins im vorigen Quartal erstattet L i e tz k e den Kassen- bericht. Hiernach betrugen im 4. Quartal des vorigen Jahres die Gesammtein nahmen mit Bestand 3003.55 M., die Ge- s a m in t a u S g a b e n einschließlich 600 M. für Agitation 2153.31 M., so daß ein Bestand von 850.24 M. verbleibt. Nachdem Gl« inert namenS der Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung bekundet und dabei darauf hingewiesen, daß Mitglieder auch während Krankheils- fällen, Arbeitslosigkeit w. nicht gestrichen werden. andererseits die vielfach verspätete Abrechnung von Beiträgen, Billets u. s. w. ge- tadelt, wird dem Kassirer einstimmig Entlastung erlheilt. Hierauf erstattete der Vorsitzende Leid den Bericht des Vorstandes über die Thätigkeit des Wahlvereins im 4. Quartal 1897, in welchem infolge der Stadtverordnetenwahlen einige Versammlungen ausfallen mußten. Immerhin sei es erfreulich, daß nach der endgiltigen Entschcidnng über den Köller-Prozeß und der dadurch erfolgten Erneuerung des früheren Vereins die Mitgliederzahl uni 800 zugenommen habe und gegenwärtig 3842 beträgt. Diese erfreuliche Steigerung berechtige zu der Hoffnung, daß der Berein bald wieder seine frühere Mitglieder- zahl vor der Auflösung erreichen werde. Es sei aber auch zu wünsche», daß der Besuch der Versammlungen in den verschiedenen Stadllheilcn ein besserer werde. Die Hauptnrsache glaubt Redner darin zu er- blicken, daß leider nicht mehr, wie in frühere» Jahren, die Wahl- vereinS-Versammlnngen in sämmtlichen Wahlkreisen an einem Dienstag, sondern an verschiedenen Tagen stattfinden; desgleichen gewerkschast- liche Versammlungen mit den Wahlvereins-Versammlungen ans obigem Grunde zusammenfallen, wodurch eine Zersplilternng der Versammliingsbesucher entsteht. Es wäre jedenfalls wünschenswerth, »venu sämmtliche Wahlvereine ihre Versammlungen wie früher an einem bestimmten Tage abhielten, damit die Gewerkschaften darauf Rücksicht nehmen könnten.— Im weiteren seien 2000 Protokolle vom Hamburger Parteitage ä 10 Pf. für die Mitglieder zur Ver- fngung gestellt. Ein Streitfall zweier Genossen fand dadurch seine Erledigung, daß nach Zurücknahme der ausgesprochenen Beschnldignng eine Einigung herbeigeführt wurde, nnter der Bedingung, dies in der Generalversammlung bekannt zu niachen.— Einen bereits vor längerer Zeit vom Genossen Guttmann schriftlich aus- gearbeiteten Plan betr. die Einführung von besonderen Disknssions- nbenden in den verschiedenen Sladtlheilen um eine bessere Auf- klärung und Erziehung der Mitglieder für den politischen und wirlhschaftlichen Kampf der Arbeiterklasse zn erreichen, habe der Vorstand nach eingehender Besprechung leider als unausführbar be- zeichnet und die Ablehnung beschlossen, bezw. einer späteren Er- wägNNg vorbehalte». Das S t i s t u n g s f e st des Wahlvereins findet am 19. März in der„Tonhalle" statt, da leider ein größeres und passenderes Lokal für den 6. Wahlkreis nicht zn haben ist. Ueber den bereits erwähnten Vorschlag Gnttmann's entspinnt sich nnnniehr eine äußerst rege und längere Diskussion, au welcher sich Guttmann, Martens, Scheffler, G l e i u e r t, Bonnet, L o h s e u. A. in theils znstinimeudem, theils ablehnendem Sinne betheiligen, worauf die Versammlung mit großer Mehr- heit Uebergang zur Tagesordnung beschließt, da für jeden bildungs- bedürftigen Genossen genügend Gelegenheit und Mittel durch Ver- saunnlungen. Lese- und Diskulirklnbs. Arbeilerbildnngsschnle und, nicht zum geringsten, durch Parteiorgane und Parleilileratnr:c. geboten ist. Von L o h s e wird der Vorschlag Gnttmann's in anderer Forin angeregt und nach erniuerter längerer und lebhafter Dis- knssion in seinem Hauptinhalt dem Vorstand zur Beachtung überwiesen.— Eine unter„Vereinsangelegenheilen" angeregte Frage, ob ein Mitglied eines sozialdemokratischen Wahlvereins auch zu- gleich Mitglied des Vereins der Tabakinteressenten bezw. als Genosse überhaupt Mitglied einer gegen die Arbeiter gerichteten Unternehmer- oraanisation sein kann, wird nach längerer und sehr eingehender Besprechung auf Antrag Krüh n dahin entschieden, daß Partei- genossen als selbständige Unternehmer und Gewerbetreibende Mit- glieder einer Unternehnicrorganisntion sein können, so lange dieselben weder gegen die Arbciterinteressen, noch gegen die Parleigrundsätze verstoßen. Genosse Leid ersucht die Mitglieder, auch fernerhin eine rege Agitation nicht nur für den Wahlverein, sondern auch in den Werkstätten:c. für die bevorstehende Reichstagswahl zu entfalten, daß die Genossen den hilsebedttrsligen Wahlkreisen beispringen können mit Geldmitteln und geschulten Kiüsten, worauf gegen 12V« Uhr Schluß der Versammlung erfolgte. lieber de» Acht, ihr- Ladcnschlnst und die Sozialreform referirte an, Dienstag Genosse Reichstags-Adgeordneter I i n g e r in einer öffentliche» Versammlung der kaufmännischen 9l ii g e st e 1 1 1 e ii. Der Redner ging vo» der Aiisfnssnng aus, welche auch allseitige Zustimmung fand, daß der Achtuhr-Laden- schluß keineswegs ei» sehr hoch zu schätzender Vorthcil fei; man könne ihn nur als ein kleines Mittel bezeichnen zur Bekämpfung der übermäßigen Nnsbeiilung; nicht einen Normal- Arbeitstag stelle er dar, sondern nur eine leidlich ver- bürgte lOslündige Ruhezeit. Man müsse den Achtuhr-Ladenschlnß als eine immerhin erstrebenswerthe Abschlagszahlung betrachten. Die Ncichstags-Koinmiision fürArbcilerstatistikhabe,obivohl mir ein Sozialdemokrat ihr angehört, doch beschließen»inssen, daß die Begrenzung der maßlos ausgedehnten Arbeitszeit im Kaufmannsbernse nolhwendig sei. Ans gesetzlichein Wege müsse eingeschritlen werden, denn die freie Vereinbarung versagt; selbst die anständigen Prinzipale vermögen nicht gegen den Strom zu schwimmen. Unter lebhastem Beifall charaklerisirt der Redner die Haltung der Freisinnigen und besonders Engen Richter's, der im preußischen Landtage zwar die bc- stehenden Mißslände anerkannte, aber doch wieder aus die„freie Vereinbarung" verwies und als einziges Hilss- mittel die Koalition empfahl. Eben um die Vereinigung und die Fortbildung zu pflegen, deswegen sei die Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig, und selbstverständlich spreche das gesundheitliche und Fainilienintercsse auch dafür. Welcher Slurin der Unternehmerklasse richtete sich gegen die noch dazu durchlöcherte Sonntagsruhe! Wie könne man da ein freiwilliges Entgegeiikoinnien erwarten?(Lebhastes Händeklatschen) Welche unmenschliche Ausbeutung herrscht, zeigt die Eingabe eines Lonisenstädtischen Vereins an die Postverwaltung, dieselbe möge die Briefkästen«ine Stunde später(also gegen 11 Uhr abends) nochmals leeren lassen, weil die jungen Kanfleute nicht früher mit der Korrespondenz fertig würden. Wenn nur der zehnte, der fünfzigste Theil von Energie für die Durchführung der Febrnar-Erlusse des Kaisers'aufgewendet ivürde, wie für Militär- und Marineforderungen, dann müßten andere Zustände bestehen.(Sehr richtig!) In» kaufniännischen Ge- werbe streite man sich noch in» die Errichlnng von Schiedsgerichien. Auch hier war es wieder die Sozialdemokratie, die nicht ruhte, bis der öteickslag einen entsprechenden Beschluß faßte. Den Schluß der Rede bildete die knappe Darlegung der neuen Rechtsverhällniss« der Handelsangestellten. Die V-rdesseriingen seien geringfügig, aber als Abschlagszahlung anzunedlneii. Besonders wies Redner daraus hin, daß die Möglichkeit besteht für ein gerichtliches Einschreite» gegen zu lange Arbeitszeit und gegen das Fehlen von Sitzgelegenheit in den Geschäften. Sache der Organi- sation sei es, Material zu sammeln und eventuell das gerichtliche Eingreisen herbeiziisühren. Möge sich jeder erinnern, daß nur im Kampfe die Interessen der Klasse der Angestellten ge- wahrt werde» konnten; nicht der Glaube an die Harmonie der Interessen von Unternehinern und Angestellten, sonder» die Ver- einignng zu Schutz und Trutz, der feste Zusamnienschluß und endlich der Anschluß an die Sozialdemokratie könne Hilfe bringen. Der einzelne ist nichts— doch die Vereinigung giebl Macht!(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Debatte, zu der sich geschwind 17 Redner gemeldet hatten. ging unter ziemlicher Unruhe vor sich und wurde schließlich ab- gebrochen. Die Abstimmung über eine Resolution zeigte, daß nur sieben Nationalsoziale anwesend waren, die indeß für siebzig lärmten. Ein Nationalsozialer poleinisirte dagegen, daß von Politik gesprochen würde; auf solche Weise könnte die Freie Vereinigung keine Erfolge erzielen. Ein anderer Herr, ehemaliger verkrachter Kleinuiiternehmer, ab seinem Groll Ausdruck, daß Genosse Singer zwar öffentlich die Interessen der Handelsangestellten wahre, daß er ihm aber nicht eine neue Existenz gegründet habe. Genosse Licpmaun belehrte letzleren über die Uuinöglichkeit, die zertrümmerte Selbständigkeit von Singer restanriren zu lassen.-- wie groß ninsse dessen Geldbeutel sein! Dem National- Sozialen gegenüber konnte Liepmann mit Befriedigung auf die erzielten Erfolge hinweisen; wäre weiter nichts erreicht, als die Verbesserungen im neuen Handelsrecht, so würde dies vollauf die bisherige Taktik rechtfertigen. Genosse Singer hatte zuletzt noch«inen Kleinhändler zu belehren über den ivirthfchaftlichen Enlwickelnngsgang. Der Herr war nämlich dafür, den Angestellten in» 8 Uhr Feierabend zn geben, dann aber sollten die Unternehmer und deren Familien noch weiter verkaufen dürfen— im Interesse der Eihaltniig des Mittelstandes. Die auch von viele» weiblichen Angestellten besuchte Versamni- lung hieß schließlich mit allen gegen sieben Sliinmen ein» Resolutio» gut, in der die Regierung zur Festsetzung des Älchtuhr-Ladenschliisses und zur Angliederung des kaufmännischen Gewerbes an die Gewerbe- gerichte aufgefordert wird. Die Sozialdemokialie wird als Ver- treterin der Klasseninteressen auch der kaufmännischen Arbeiter an- erkannt und der Anschluß an die ans dem Prinzip« des Klassen- kampies fußende Freie Vereinigniig versprochen. Eine öffentliche, starkbesnchte klorbtnacher- Bersamuilung, welche am 25. d. M. in Renz' B--llsalon tagte, beschäftigte sich nitt dem Resultat einer am 22. Januar vom Kriegsniinisteriuin veran- stalteten Submission auf Geschoß- Transportkörbe. Die Offerlen, welche hierbei abgegeben sind, sind zumeist derartig niedrige, daß es einfach unmöglich sein wird, den Arbeitern«inen auch nur halbwegs auskömmlichen Lohn zu zahlen. Am meisten in der Preisdrückerei bervorgethan haben sich Gebrüder Schnitz in Berlin, welche die Körbe pro Stück mit 5,43 M. liefern wollen, während dieselben in, Voranschlag mit über 10 M. angesetzt sein sollen. Selbst eine Gefängniß- Verwaltung hat dieselben bisher nicht unter 8,20 M. pro Stück z» liefern übernommen. Die Arbeiter selber beanspruchen pro Korb 4,50 M. Arbeitslohn, so daß es unter Hinzurechnung des Materials unmöglich ist, für den angegebenen Preis eine allen Anforderungen enlspiechende Arbeit zu liesern. Die Firma Schultz soll allerdings auch nnr 2,40 M. pro Stück zahlen wollen. Es herrscht deshalb unter der betreffenden Arbeiterschaft begreiflicherweise eine sehr große Erregung, welche in der Versammlung von den sehr zahl- reichen Rednern zum Ausdruck gebracht wnrde. Einer derselben, Klauer.«heilte mit, daß sogar die bayerischen Bauern, welche solche Körbe als Heiniarbeiter herstellen, für dieselben pro Stück 3 M. erhalten und dieselbe» auch nicht billiger her- stellen würden. Die Versammlung einigte sich dahin, sofort eine Denkschrift an das Kriegsministeriuin auszuarbeiten, in welcher die einschlägigen Verhältnisse klar gelegt werden sollen. Es wurde gleichzeitig von den meisten Rednern betont, daß vom KriegSministerium für die Arbeiter wohl schwerlich Hilfe zu erwarten sei; daS lehre der Bescheid auf eine im Jahre 1892 abgegangene Petition und auch die Ersahrungen der Sattler. Die beste Hilfe für die Arbeiter sei, daß die noch sernstehenden sich der Organisation anschließen. Mit der Ausarbeitung der Denkschrift wurden Adler, A. Henze, Keller und Martin beaustragt. Sodann gelangte nachstehende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die etwa von 300 Korbmachern besuchte Versammlung protestirt auf das Entschiedenste gegen das Submissionswesen. Die- selbe verwirft das Vorgehen eines königlichen Kriegs« Ministerilims, welches sich desselben bei der Vergebung der Lieferung von Geschoß-Transporlkörben bedient. Die Versamni- lung spricht die Hoffnung aus, daß die am 22. d. M. stattgefimdene Snbmisston rückgängig gemacht wird bezw. daß den Mindest- fordernden keine Ansträge ertheilt werden, da eS nicht möglich ist, für den offerirten Preis die Arbeit herzustellen, ohne daß die Ar- bester der erbärmlichsten Lohndrückerei preisgegeben werden. Nach Ansicht jedes Fachmannes kann kein Korb unter 7,50—8 Mark her- gestellt werden." Es wird sodann die Frage aufgeworfen, wie sich die Arbeiter zu verhalten haben, welche ihren Akkord fertig gestellt haben. Dieselbe wird dahin beantwortet, daß Arbeiten für die neue Lieferung unter keinen Umständen unter dem Preise von 4,50 M. resp. zu dem Preise ausgeführt werde», den die am Sonntag in Magdeburg stattfindende Konferenz festsetzt. Dagegen können alte Lieferungen zu deni einmal ausbedungenen Preise ausgeführt werden. Es wnrde als selbstverständlich hingestellt, daß alle nicht in Berlin ansässigen Korbmacher so lange zu Hause bleiben, bis die Sache endgiltig geregelt ist. Sodann wurde zur Wahl von Delegirten zu oben- genannter Konferenz geschritten. Gewählt wurden: Bartel, Bock, Brückner und A. Henze. Außer für den erwähnten Lohnsatz sollen dieselben auch dafür eintreten, daß derselbe ein- heitlich für ganz Deutschland festgesetzt wird, ebenso die acht- einhalbstündige Arbeitezeit und die Festsetzung eine? Maximums an Arbeitsleistung pro Woche. Ter verband der in der Klirschnerbranche beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins nud Umgegend hielt am 17. d. M. feine regelmäßige Mitglieder-Versaimnlung ab, in der die Genossin Fran R o h r 1 n ck einen Vortrag über„Volksaberglanben" hielt. Unterm dritten Punkt der Tagesordnung erfolgt die Abrechnung des 3. Quartals, welche eine Einnahme von 222,72 M. und eine Aus- gab« von 178,07 M. ergiebt; mithin ist ein Ueberschnß von 46.65 M. zu verzeichnen. Der Baarbestan d des Verbandes beträgt zur Zeil555,48M. Peters ersucht die Kollegen die ausgegebenen Fragebogen bis zum 15. Februar soigsältig auszufüllen. Auch lag ein Antrag vor, daß, iveun einige Stellen im Arbeitsnachweis ausgeschrieben sind, auch im „Jntelligenzblatt" zu annonciren, um die Kollege» darauf aufmerksam zu niachen. Ei» zweiter Antrag Walle's, eine Aufforderung im „Vorwärts" zn erlassen, worin die Pelzzurichter aufgefordert werden dem Verband beizutreten. Beide Anträge werden angenommen. Die nächste Verbandsverfamnilung findet am 14. Februar statt. Lrte-». ziloloitirlilnb«. yoniierNirg. Neue Zeit, Boyentlr.«0 bet SieSholl.— S Ii d- O sl. bei TvNSdorf, Sorauer- u Eörliyeestr.-Erkc.— kl u b der g. re u n d e bei Burfltisufe, Puttbuserslr. 33.— Sozialist tscher Lese- und D i S t u ti rtl u b, Meicheiibergertir. Id7.— August Getb, im Restaurant Streit, Naummstr.»7.— O st, Tilstterstr.«o bei Schilltnger(jeden Donnerstag vor dem i. und w).- Morgenrolh. Ltebenivaldcislr.«3 bei R. Witte(jeden Donuersiog nach dem t. und m.)— Brüderlichleit, jeden Donnerslag nach dem I. und IS. im Monat LandSbergerstraße S bei Haseloss.— Friedrich Engel« II, tSorliherstr.«0 bei Thäder. Zirdeite»-Sängerbund Berlin« und der Umgegend. Borst Heilder Ad. Neu» mann, Bruniienstiabe iso. Alle Aenderungen im Bereinslalender sind zu richien an Friedrich Kortuin, Manieustelftr. so, v. 2 Tr. Donnerstag. Abend« »— II Uhr: Uebimdssiuiide und Austiahiiie neuer Mtlglieder.— St. Urban/ Annenstr. o bei Proh—«ummer'fcher Aesangveretn, Fruchlstr.«« bei Wsiidijch.— B o r w ä r t« II.(veutner'scher Männerchor) Lchliemannstraße• bei Sührt.— Süd-Ost I,«öpnickerstr. loi bei Beiler.— Friibltnaeiust. Bülowstr. es bei Werner.— Moraenroth l, Rummelsburg. Mozartstr. 7 bei Benaer.— B o rar.Waldemarstr. l« bei Urban.— Fl ö tersch er E elan gveret n, Frledenftr.«7 betJ. Wtedemann.— Gesangvereln de- Berliner Kürschner, Wein- stiabe II bei Fetndi.— Lyra II, Sharlotteiiburg, Straße w Nr. i bei Bartsch.— S> ii t g l e t t III, wroß-LIchtersetde. Lnhalter Pia«— LledeSlust I, Fürsten» ivalde an der Spree, Schloßkelleret.— Marge nroth IV, köpentck, Schöiierltiiderstr.» bei Schulz.— Zukunft III. Betten«. d. M.. Wilhelm- straße I» tili Hotel W. Erunow.— Fröhlich, Rummelsburg, Kant- straße 30 bei Schröter.— Btneta, Kastanien-Allee II bei Angusttn.— Alpenrö«letii, Bergstr.»o bei HNgenseid.— Alpenrose. Forstcrstr. 23 bel Kunze.— SangeSlustl, Puttbuserslr. 80 betFerd. Metmann.— Matengrub III, FrlkdrtchShaoeN, Friedrichsnaße is«.— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. H. Haiiplslraße, Winkel'« Salon.— Frethetl III, Neu-Wetßensee, König- Shaussee 38.— Lorelei, Giünthalerstr»—« bei Hemmerling.— Jugend- l u st(gem. tkhor), Alexanderstraße 27 o bei Hossmann.— SangeStreue, Brandenburg a. t>., Wollenweb-rsir. 8(Easlhos zur Mühle).— Kornblume. Sioßc Franlsurleistr.>33 bei Wold.— Sängerhort, Martannenstr.«s bei Lirbehenschtl.— Lledei-Echo, Tlattherstr. 102 bei Drathschmidt.— O b e r o n. Qraiiieiislr. Sl bei Helfer.— Sorgenfrei. Admiralllr. iso bei Möhring.— Morgengrauen, Rosenihalerstr. n— 12 bei Rölltg, nachmittag« 3—« Uhr.— S ii d- O st 11, Wraiigelslr. 93 bei Ludwig.— Stein neile, Pasewallerstr.» bei Bergemann.— Möbelpolirer, Blumenstr. 38 bei Scheere.— Frei« Sänger. Jüdeiistr. 3« bei Mörschel.— Frühling, Schönhauser Allee«ö bei Verb-r. Aideit-r-zta»cherl»l»d Kerlin»«nd der zlmgegend. Aenderungen im Beieln«kale»der stnd zu richten an Hermann Braunschweia, Dies- dencrstraße»o, 2. Hof. Zlonnerstag: Mehr L t ch l. Weißensee, Slioßburgerstraße«3 bei Sorrer.— Weiße Asche. Wörltherstraße 0» bei Schulze.— Pseifendelkel, Langestr. 78 bei Schnell.— Eolumbu«, Kamphauseiierstr.« bei Lübile.— Ohne Furcht, Wienerstr. u bei Schmidt. — W l ü h l> ch t II, Ltebcnwalderstrabe 27 bei Purinann.— Dabalblüthe, Bernauerstraße»i bei Schulz.— Ä e m ü l hl ich l e t t II, Wrangeliiraße 2t bei Wrahig.— Havanna I, Rlrdorf, JuliuZIiraße S9 bei H. Pflug.— Degeler-Alpen, Schulstr. 21 bei Frank«.— k o r n b l u m e II, Tharlotten- bürg, Wallstr. 9» bei wembrte«.— Morgengrauen, Elbingerstr. 17 bei Brinkmann.— Wahrer I a lo b, Stmeonstr. 23 bei Flick.— Mehr LI cht, Weißensee, Siraßburgstr. s« bei Sorrer.— Kamerun, Zorndorserür. 2 bei Kupser.— Glüh licht I, Neu-Wetßensee, Streustr. 3 bei Slegemann.— Edelweiß, CharloUenburg, Kaiser Friedrichs»!. 60a bei»uhimey.- Felsen» fest, Wrangelstr. 23 bei Schmidt.— Südwest, Simeonftr. 13 bei Nijje. vrlnlig-. Sur»»»d gelrUige Prrrin«. Aonnerstag. Geselliger Verein Unter Un«, Bensfelstr. SS bei O. Fischer.— Orchrster-Berein Al lcgro, Dreidenerslraße II« bei Richter.— Rauchklub Süd- West, Simeoi straße l« bei Michaeli«.— Rauchllub Kern spitze, Rüdersdorserstraße 3 bei A. Böhl.— Slatilub Unier Uni, Eisenbahnstraße 7 bei Bauer.— Orchesterchor Vorwärl«, Rirdors, Bergstr. l«I— IS2, Hossman»'« Festsäle.— Skalklub Süd, Böckhstraße 2i bei»red».—«esangveretn Sängerkret«,(Mustk- Jnstrumenlen- A> beiler), Naunynftraße 7» bei A. Bökel.— Muderverein B o r wart», Jnseiftr. 10 bei Siabernack.— Arbeiter-Radsahrervorein Berlin. Sitzung jeden Donnerstag nach dem l. und 15. im Monat,«ndreaistr. 2» bei Wirke.— Skolklud W«mülhltcher Ramsch, Blumenstr. 213 bei Jona«.- Skatklub Wrand-Schwarz, Ehrtstburgerstr. 47 bei Stein.- Wuttarren- und Eesangverettt E i n tra ch t, Schönhauser Allee 139 bei Mauß.— Rauchklud O h n«- sorge. Loutsenuser»2 bei MünSberg.— Wesangveret» Rttterhos, Linden- straße I0S bel Fritz Zubeil.— Pflanzerveretn Veilchen, Rixdorf. Jeden Donnerstag nach dem is im Restaurant Feldschlößchen, Elsenstr. 79.— Tanzklud Union, jeden Donnerstag nach dem i. und>5. P-rlebergerstr. 23.— Musikveretn Harmonie. Brttzerstr. 19 bei Kügler— Schachllud N 0 r d st e r n, Epielabend Fennstr. 3.— Radsahrer-Berein Falke(Mitglied de« Arbeiter-Radsahrer-Bunde«), Rixdorf, Zieihenstr.«9 bei Preßler. Jede» Donnerstag nach dem». und l«. im Wooal Sitzung.— Musitverein kosack'scher Blaserchor, LNsenstr. i« bei RöNe. Aibriter- W»r»>t blind. Aonnrrstag: Durnoerein Fichte,«erlin Abend« von 8— io Uhr: 7. Männer- Aviheilung, Retcheiibergerftraße>3» 2. Damen-Ablheil., Ackerstr. S7. 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Sounabend: Prcciosa.— Sonniag Nackimittag, kleine Preise: Berlin. »vie es weint und lacht. Ferdinand: Garl Weiß. Abends: Prcciosa.— In Vorbereitung: Unter der Polar- sonne. Grobes AuSstattungsstiick mit Gesang und Tanz von Sondcrmann. Luisen-Theater 31. Reichenbergerslrastc 31. l AbendS 8 Uhr: Auf goidkiim LoSeii. Volköstiick mit Gesang in i> Bilden» von Wilhelm Frerking. Mustk von G. Steffens. Tora.... Anna Miillcr-Lincke. Bollmanu.. Arthur Winckler. Freitag: Trilbh. Trilby: Anna Müller-Äncke. Sanssouci Kottbnfer Straste Nr. 1». Dir. H. Picrr». Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Großer Beifall! Eine vechlgte iliischllh. Gesangssi llck in zwei Bildern von Walter Gericke. Heue Speziaiitälen. Sonntags Ansang dcS Konzerls ä Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Gvotzov Vall. Kntree 5« Ff. Wochentags Anfang dcS Konzerts 7 Uhr, der Vorstelliing 8 Uhr. jAA' Entrec SO Ff."MU Passo-partouts gelten. Dorstelliingen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. 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Januar 1898: Emil Thoniaa a. W. Zum s. Male: Die Tugendfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz mit Benutzung eines franz. Sujets von Jul. Freund und Sä. Mannstädt. Musik von Jnl. EinödShoser. Ansang>/z8 Uhr. Morgen und die solaendc» Tage: D i e Tugetidfallc. ZVlMpiaSf (Oii'cns Renz.) Earlstrasse. Dai«»s>� Riraik�''» ££(msiattUußNk!. Grösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der! Gegenwart. 700 Äufführ. in I London. 1000 Mitwirkende. 1. Bild: Das Maifost in England.!. Bild: SpanischerStier-| kämpf. 3. Bild: Wiener Jabr- maikt. 4. Bild: Kaub erüberfall in den rumolisohen Bergen. Da» Schlaehtfold. 5. Bild: Der Sklavonmaikt. 6. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf| den Sultan. Enthauptung des Käuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wassorsohauspiel auf dorn Bosporus. Eine wirkliche Plotillo. Die Biesen-Ballets, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. 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Mtiidtlit* Sonntags 6 Uhr. Feen-Falsa st 82 Burgstr. 88. Direktion: Winkler 4 Fröbel. I Großen Jubel erregen jeden Abend! I Richard Winkler n. Wilhelm Pröbel I I in der einzig dastehenden Operette i DasrodkiiideMrii»! j Stürmischen Beifall erzielen I Oabaret»« üllcutaner Hunde. Ninziimi. ÄSÄ. Frid Fiid. Gebrüder Wichmann. Forree Hildebrand. Wiüard. „ Dähu und Walde.. ZLebende Photographien. 7 Ansang 7»/z Uhr, Sonntags 0 Uhr. ° Entree 30 Pf. bis 1,50 M. 1 ilcazar-Theater. DreSdenerstraße 52/53(Eith-Passage) Aniienstraße 42/43. Direkiton: Richard Winkler. VoriicHmster Familien- Aufeuthalt. Neu! Die Ne»! IiiBtixen Heidelberger. Ausstaitungs-Operette in einem Alt von Poly Hcurion. Musik von Franz von Suppä. Vorher: Uniser Johann. Lustspiel in 1 Alt nach dem Französischen von Veve. Zlnftreten sämmtlicher Knust- Spezialitäteu. Uukaita« Wochcniags 8 Uhr. Allji'Üis. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirk. Platz 50 Pf. jAlle Ortheile der Presse! stimmen überein darin, dass Donat und Anton Hcrrnfcld'» neueste Novität, die lustig- pikante „Komödie einer jungen Ehe": Fasilie Koclssalz ein neues Heiterkeits-Produkt 1. Ranges istl Alle Urtheile des Fubliknms bestätigen diese Kritik an Jedem Abend durch ununterbrochene Lachsalven und Beifallsstürme und häufig hört man, wenn die Schaaren a n f m a u u's Varl6t»S verlassen, die Bemerkung: „Sic sind doch wlrk- I lieh einzig: in ihrer Art, I diese Hcrrnfold's!" _______ £3) j Neu! Frl. Gerty Cottsehany, n Soubrette. Avis: Sonnabend, 29 Januar, bleibt dasBandeville-Dheater weg. Privatfcstlichleit geschlossen, dafür Gastspiel im Heiehs- hnllcn-Theater, Das Armband."TB8S Clrcus Buscli (Italinhof Biirse). Donnerstag, 27. Januar 1838, abends 7»/z Uhr: Anläßl. des allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers und KömgS Parabt-Ala-VorMüg. Bor einem Centeiiiiim. In der Tanz- stunde. Grofw Quadrille, geritten in Kostümen frederizianifcher Zeit. Die vorzügl. Freiheitsdress. des Dir. Busch. Außerdem Auftreten aller neu eugag. Neitlüiistlerinnen und Künstler, sowie kom. Entrees u. Intermezzi sämmtl. Clowns und Auguste. Zaragoza. Orig.- Mauöge- Schaustück deS CireuS Vufch, entnommen ans dem spanischen Leben. Besonders Hervorzuheben: Der Brand des grünen Schloffes mit der Flucht deS Don Castodnnis und seiner Geliebten sowie sämmtlichen Pferden. Eine spanische Eisenbahn mit«in- tretender Katastrophe. Morgen 7»/, Uhr: Gr. humoristische Vorstellung. Zaragoza. Vi. Wahlkreis. Am Soimtaa, de» 30. Januar 1808, abends 6 Uhr, im „KöSliner Hof", KöSlinerstraße 8: Große Hellt!. TgWversmmlllilg Tages-Ordnnng! 1. Vortrag der Genossin F.. Ihrer über:„Kinderarbeit und Kinder- erziehung". 2. Diskussion und Verschiedenes.— Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein[218/4] Der Vertrauensmann. Nach der Versammlung: Gemüthllches Beisammensein mit Tanz. Alhtltt'g! Whmlher. Mm! km Tonnabend, den SS. Januar, il» Schweizer Garten am akobstr. 32: Am Sonnabend, den 2». Januar, KönigSthor und in Mnller'S Zentral-s hör und in Mnller'S Zentral-Jestsälen, Alte Jako Große Wiener Ätaskenbälle, arrangirt vom Uerei« deutscher Schuhmacher. 163/7 Btllets 50 Pf.— Anfang 8 Uhr.— Ende? Das ComltA. Maurer! Am Sonntag, den 30. Januar d. I., vormittags lO'/a Uhr, finden 2 Wauder-Bersammlungen des Bereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und der Umgegend in folgenden Lokalen statt: l. Englischer Harten, Alexandcrstrnsse Xo. 87c. 11. Wedding-Fark, Ifüllerstrasse 178. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. SV" In anbetracht der uns limgebenden Organisationsstreitigkeiten und der daraus entspringenden unliebsamen Konsequenzen ersuchen wir die Kollegen, die Versammlung sammt und sonders mit ihrer Gegenwart zu beehren. 129/3 Der Vorstand. I. A.: Fritz Keter. Ms-KlMkellW für das VlOnckgewerbe jn Berlin. Auf grund deS tz 62 des Sasienstaints theilen wir mit, daß der Vorstand in seiner Sitzung vom 11. d. M. sich folgendermaße» konstiliiirt hat: Vorsitzender: Stellvertreter: Schriftführer: Stellvertreter: Kassenkontrolleure: Beisitzer: 7b Herr Buchdruckereibesitzer Otto Walter, Komniandanten- straße 41a, « Gustav Günther, Grelfswalderstr. 8, „ Robert Thiele, Kolbergerstr. 23, , Albert Rletderf, Hnssttenstr. 41, Ernst TUbbecke, Oderbcrgcrstr. 27, und „ Richard Schürlein, Reichenbergerftr. 20, „ Buchdruckcreibesitzer W. Räwer, Elsaflerstr. 5, „„ Arthur Scholem, Robstr. 3, und Fräulein Clara Bien, Manteuffelstr. 100. Der Vorstund. Otto Walter, Vorsitzender. Robert Thiele, Schriftführer. Freie Volksbühne. Heute Abend S1/: Ehr in Cohn's Festsälen, Beuthstr. Creueral-Versaiiuiiluiig. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Kassenbericht und Verschiedenes. 228/6 Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder bittet Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. M'lMllckMe. Morgen. Freitag, den 88. Januar, abends 8»/, Uhr, im Märkische» Hof, Admiralstr. 18e. spricht prakt. Naturhcilkundigcr Hrnndmunn über:„Verschiedene Nervenleiden"(erläutert an großen Glas-Lichtbildcm.— Gäste, Frauen und Männer, willkommen.— Eintritt 20 Pf. Körper- nnd Naturheilverein Alexanderftrahe 8. Sprechz. 11—1, 6—7. Sonntags 11—12. Küiistl Zähne! SO hl KUflliail.CUllllb 99«IU M'Orauienstrabe. Spr. 8-10 nnd 1-3 lN- cke Uhr. Loneertdaus I,eil»»igerstr.Xo. 48 HVT Täglich:-�SS Hoffmann's IJnartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Der Kiagtslhall-Rallil Zum 288. Male: Eene. W. Koack's Theater II r u n n c n- 8 t r a s s e IG. Heute Donnerstag, den 27. Januar: Grofter Beifall! Der Herr Stadtmusilms " und seine Kapelle. Bolksstttck mit Gesang in 5 Akten von Äneisel. Musik von Eonradi. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Freitag: Bocter Wespe. Feuerstein'3 Festsäle Alte Jakobstrasse 75. Zilh. 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Hierdurch die traurige Nachricht, daß meiuinnigg«IiebterMami,unserBrud«r, Onkel und Schwager, der Fraiser Gustav I.övvig nach kurzem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. 20b Die trauernde Wwe. Marie Löwig nebst Sohn. Die Beerdigung findet Freitag nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause Cuvrystr. 25 aus statt. Grosse vfkentllcbe V ersamiiilimg der Allllserslhillitde Berlins am Souiiabeud. den 2S. Januar, abends 8'/, Uhr, in Feind's Salon, Weinstr, 11. Tages-Ordnnng: I. Die Zwangsorganisation des Handwerks. Referent Herr I. Tassen- dach.— 2. Unsere fernere Taktik in öffentlichen Angelegenheiten.— 3. Ber- schiedeneS. S9/2 Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Ter Einderufer. zentral-Krtlnken-». Sterbe- Kusse her Tischler ic. Filiale Berlin F. Hontag, den 31. Jannar, abendS 8 Vi Uhr, im Lokal des Herrn IV» r a a a, Schwedterstr. 23/24; Mltglieher-BerMlnlullg. Tagesordnung: I. Abrechnung vom 4. Quartal 1897. 2. Wahl eineS BeitragSsammlers. 3. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. 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