Kr.S3 AdomumrM»• frttngimgtn; Bionnemen»-Prel» pränumerando: vt-rtellährl. Z.M Ml., monatt 1,10 Sit., wScheutNch 28»lg. frei tns Hau». «kqelne Nummer 8»lg. Sonntag»- Nummer mit tllustrlrter Sonntags» Beilage.Sie Neu- Welt» 10»lg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zettung«» Preisliste für l»ss unter«r. 7878. Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 8 Mark pro Monat. IS. Jahrs. Wt Insertion»-Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- >etle oder deren Raum»0»fg., sür Vereins- und Versammlungi-Anzetgen, sowie ArbeitSmartt 20 Psg. Inserate sür dle nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilton ist an Wochentagen dl» 7 Uhr abends, «n Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittag» geössnet. Erscheint Uigltch auger Monlag». Nevliner VolKsblskk. Kernsprecher:»mi I, Nr. 1608, Delegramm- Adresse: ,.»o,>aldrm»kr«t Srrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Vartei Dentschtands. Redaktion: 8V. 19. Meuly-Stmße 2. Freitag, den 38. Januar l8tt8. K)cpeditiott: 8V. 19, ZSettty-Strnße S. Chinas GvMlietzung und ihre Dolgen. Uns wird geschrieben: Die letzten Ereignisie in China haben wieder allerlei Betrachtungen angeregt über die Wirkung einer Erschließung China's auf die europäische Wirthschasts- und Arbeiterfrage. Immer mehr zeigt sich, daß die völlige Oessnung des Landes für den Weltverkehr nicht mehr lange hinausgeschoben werden kann. Ein Vertragshafe» nach dem andern wird dem Handel freigegeben, und nachdem sich die chinesische Bahn von Tientsin nach Peking als so über Erwarten rentabel erwiesen hat, werden bald von allen wichtigeren Hafen- platzen a»S weitere Linien ins Innere folge». Dazu rückt im Norden Rußland immer weiter mit feinen Bahnbanten vor, in wenigen Jahren wird die Bahn nach Port Arthur in Betrieb sein; von Birma aus wird England in Jünnan, von Tongking aus Frankreich in Kwangsi hineinbaue», und auch Deutschland muß, will eS nicht aus die Ausnutzung seines„erpnchteten" Gebietes verzichten, in Shantung Schienenwege anlegen. Vorerst richtet sich diese ganze Bewegung auf Erweiterung des längst schon zu eng gewordenen ostasiatischen Absatzmarktes für die europäische Industrie. Das dichtbevölkerte alte chinesische Kulturreich kann im Vergleich zu Japan noch Unmassen euro- päischer und amerikanischer Industrie- Artikel aufnehmen, und dem an fortwährenden Indigestionen leidenden europäische» Waarenmarkt bietet sich hier ein Abflußkannl, der ihm aus einige Zeit seiner Ueberfüllung entledigt und Platz für neuen Nachschub schafft. Das gilt besonders für die Metall-, Textil» und die chemische Industrie, die schon heute stark am Export belheiligt sind. Der Aussaugungsprozeß der kleinen Betriebe durch die großen ivürde in diesen Branche» noch mehr beschleunigt, das Anwachsen einer Großindustriellen Arbeiterschaft verstärkt werden. Di« baldige Er schließung des ganzen chinesischen Gebietes liegt deshalb, da sie zur Förderung der großinduftrtellen Entivickelung Wcsteuropa's beiträgt, auch im Interesse der Arbeiterklasse; denn die Ueberführung der privatkapitalistischen in die sozialistische Pro Auktion hat nun einmal, mag auch mancher einzelne noch so lhart davon getroffen werden, eine weitere Konzentration der Pra duktionsmittel zur Voraussetzung. Aber in je weiterem Maße die Oeffnung Ehina'S dem europäischen Jndustriemarkt Luft schafft, um so sicherer wird sie später den kapitalistischen Zusanimenbruch nach sich ziehen, sobald sich erst in China selbst eine Großindustrie entivickell, und dieses Resultat wird in China ebenso sicher eintreten. wie es bereits in Indien und Japan eingetreten ist. DaS nöthige geeignete Mensche» Material zur Einführung des maschinellen Großbetriebes besitzt China nicht minder wie Japan, Löhne und Lebenshaltung der untersten Schichten sind theilweise noch niedriger, und auch an den erforderlichen Kapitalien fehlt es in den Kreisen der reiche» chinesischen Kaufmannschaft der Handelsstädte nicht- und sollte das einheimische Kapital weniger Neigung zur Belheiligung an industriellen Anlagen habe», wie das durch die profitable» Ankäufe der japanische» Schuldverschreibungen siimulirte japanische, so werden gerne die europäischen Kapilalisten aushelfen, sobald sich Aussicht auf gute Profite bietet. Damit soll nicht gesagt sein, daß sich China HalS über Kopf in eine» kapitalistischen Strudel stürzen wird. Alte Prodnklionsformen, jahrtausendalte Arbeitsmethoden werden nicht über Nacht verlasse». Wie in Indien und Japan wird auch in China der Uebergang zum maschinellen Großbetrieb sich vorerst nur aus die Fabrikation be- stimmter Massenkonsum- und Massenexport-Arlikei erstrecken, so z. B. auf die Herstellung der heute noch meistens importirten rohen Baumwollen- und Eisenwaaren, wie der billigeren für den Export bestimmten Seidengewebe. Für die kleinere Luxus-Exportindustrie, die Stroh- und Mattenflechterei, die Lack-, Papier- und Fnncy- artikel-Judustrie wird zweifellos vorläufig noch die Manufaktur» mäßige Produktion bestehe» bleibe», nur vielleicht unter Anwendung kleiner europäischer Werkzeugmaschinen und vor allem unter weiterer Berücksichtigung des europäische» Geschmacks. Auch die japanische Export-Manufakturindustrie hat ja in letzter Zeit immer mehr diese Richtung eingeschlagen, indem sie unter Wahrung bestimmter Eigen- thümlichkeite» ihre Erzeugnisse mehr und mehr den europäische» Gebrauchszwecken und Geschmacksrichtungen anpaßt. Die reich- vergoldeten japanischen Tapete», mit denen vor wenigen Jahren der englische— zun, theil auch der deutsch«— Markt überschivemnit wurde, sind z. B. fast ausschließlich extra für den Export nach englische» und französischen Mustcrvorlagen gefertigt. Tritt aber später China mit in die Reihe der kapitalistisch wirthschaslenden Industriestaaten, so werden nicht nur der enro- päische» Industrie wieder die chinesische» Märkte, mit deren Bedarf sie rechnen gelernt hat, sondern a»ch die heutigen Absatzgebiete i» Hiuterindien und dem indischen Archipel entzogen, vielleicht auch theil weise in Polynesien. Schon jetzt macht die indische und japa- uische Industrie vielfach in China und Singapore der europäischen den Platz streitig. In einzelnen Artikeln,>vie z. B. Banmioollen- ganzen und Slreichbölzern hat sie fast den europäischen Import ganz verdrängt. Während sich die direkte englische Einfuhr i» China (d. h. ohne die Importe über Hongkong) in den zehn Jabre» von lSb7— ISSS nur um zirka 74 pCt.(von 26 666 477 Haikw. Taäl ans 44 671 367) gehoben bat, stieg die direkt« japanische Ein- fuhr, d. h. ohne die neuerlichen Importe über Formosa, um 106 pCt. (von 5 565 305 auf 1 1 563 671 Haikw. Taäl), und die indische Einsiikr gar um zirka 316 pCt.(von 6 537 375 aus 23 027 036 Haikiv. Taäl). Und dieser zunehmenden Konkurrenz der iudischcn uiid japanischen Industrie ist noch lauge kein Ende abzusehen. Gerade in den letzten paar Jahren ist sie rapide aufwärts gestiegen und die nächsten zehn Jahre werde» uns noch ganz andere Ueber- raschunge» bringen. Gesellt sich nun zu dieser schon jetzt reclit fühlbaren Konkurrenz in Ziikunfl noch jene des i»it reicheren Hilssmitteln ausgestatteten chinesischen ReicheS, so muß es zu Krisen auf dem europäischen Waarenmarkt kommen, wie sie unser Jahrhiindcrl bisher nicht gesehen hat. Ein Weiterarbeiten'unter den bisherigen Umständen giebt es dann nicht, ei» Zurückkehren z» überlebte» frühere» Produktionsstufen auch nicht, und so bleibt nur die Wahl zwischen völliger wirlhschaftlicher Versumpfung oder Fort- schritt zur sozialistischen Wirthschafls-Neuordnung. Anders steht es um die Hoffnunge» derer. die, verleitet durch einzelne hernbergedrungene verzerrte Mitlheilnngen über chinesische Sozialtheorien, in prophetischem Geiste zugleich mit dem Kapitalismus in China eine sozialistische Arbeiterpartei entstehen sehen, die Hand in Hand mit den„Brüdern" West- Enropa's dem Sozialismus die Bahn frei machen. Die chinesischen Arbeilerverhältnisse könne» nicht nach den unsrigcn beurtheilt«verde». Ter«vestenropäische Sozialismus ist«»cht«ine Wirkung der kapitalistischen Produktions- iveise schlecht, veg, die sich nothwendig in derselben Weise überall, auch ,vo sich der Kapitalismus auf ganz anderer Unterlage entfaltet, einstellen muß; er ist vielmehr das Resultat der Wirkung des kapitalistischen Systems auf ganz bestimmte, in, natürlichen Enl- «vickelungsgaug aus sich selbst heraus geschichtlich entstandenen WirthschaftS- und Gesellschastsverhältnisse. Das«vesteuropäische Pco- letariat fußt auf einer ganz andere» Vergangenheit.>vie das chinesische. Es ist erst mit«nid durch die kapitalistische Entivickelung aus dem Handwerker- und Bauernstand hervorgegangen. Früher in seiner Existenz höher gestellt, ist es erst durch die jetzige Produktionsiveise seiner vormaligen«virthschnftlichen Selbständigkeit verlustig gegangen und z» einer besitzlosen Masse zusammengefügt«vorden. In China dagegen findet dte kapitalistische Produktionsweise bereits ei» Proke- tarial vor, das infolge der Zerstörung der alten Grundeigenthums- forinen und steliger Zunahme der Bevölkerung bei Verharrung auf demselben Standpunkt primitiver tcchnsscher Entivickelung zu einer Stuf« der Lebenshaltung, der Anspruchlosigkeit, der apathischen Genüg sainkeit herabgesnnke» ist, ans«velche der deutsche, sranzösische, englische Arbeiter überhaupt nicht mehr zu existiren vermag Dieser große» Blasse menschlicher Zlibeilsmaschine»,>vie sie i» den größeren Städten zusammengep ercht lebt, bringt der kapitalistische Großbetrieb keine Erniedrigung, keine Verletzung ihres Menschen- und Pev sönlichkeitebeivnßlseins. Sie könne», nachdem sie sich einmal an die neuen Arbeitsverhältnisse gewöhnt, sogar in ihnen eine Erleichterung ihrer frühere» Lage finde». Diese Bedürsnißlosigkeit des chinesischen Arbeiters, die ihn noch dort Schätze zu erspare» gestattet, wo der europäische Arbeiter verkommt, macht ihn zum gesährlichen Konkurrente» nicht nur des europäische», sonder» selbst des malaiischen Arbeiters. Anfangs mir die Philippinen heiiusnchend, wo schon zu Anfang des 17. Jahr- Hunderts die spanischen Behörde» gegen sie mit grausamer Rücküchis- losigkeit vorgehen mußle». haben sich»ach und nach die bezopsle» Söhne deS himmlischen Reiches, theils von den Kapitaliste» iniportirt, theils anS eigenem Trieb, über ganz Hinlerindien, den malaitschen Archipel, Polynesien bis nach Australien, Amerika und das afrikanische Kapland verbreitet. Und wo sie sich»iebergelnssen haben, da haben sie die eingesessene Bevölkerung materiell und sittlich herabgedrückt und Lepra und Syphilis eingeschleppt: ein Fluch sür das Land, das ihnen Gastfreundschasi gewährte. Nichts kennzeichnet deshalb die Schwärmerei unserer Agrarier für die„christlich-germanische Kultur" besser, als der mehrfach in ihren Kreise» aufgetauchte Vorschlag, chinesische KuliS als billige Arbeitskräfte zu imporliren. Vielleicht werden die Herren auch einzelne Versuche machen, sittliche Bedenken werden sie schwerlich davon zurückhalle»; aber sie dürften sich gründ- lich geirrt habe» i» dem Widerstand, den sie im deutsche» Volke finden werden. Um sich eine solche Herabdrückung ihrer Lebenslage zur Erhöhung des Unternehmerprofits oftelbischer Latisnndienbesitzer gefalle» zu lassen, dazu ist den» docb schon die Arbeiterklasse zu mächtig und das Bewußtsein ihrer Interessengemeinschaft zu weit verbreitet. Und in diesem Kampfe würde die Arbeiterschaft nicht allein stehe». Wie i» Kalifornien und Australien der Widerstand gegen die Chinesen- einwanderung nicht nur von den Arbeitern und der auf sie an- gewiesene» Kleinbürgerschaft ausgegangen ist, wie dort gerade vielfach die sogenanntey gelehrten Berufe die erbitterste» Chinesen- feinde gestellt haben, so würde hoffentlich auch in Deutschland alle jene gegen den Chinesen-Jmport Stellung nehmen, die nicht wollen, daß das deutsche Volksthuin dem pekuniären Interesse einer Anzahl Krauljunker aufgeopfert wird. Besonders die Kleinbürger« s ch a f t hat das größte Interesse daran, daß ihre Arbeiterkundschaft nicht durch Kulis ersetzt wird, die nichts konsumiren und von einigen Häi den voll Reis lebe». Haben i» Ainerita und Australien die Regierungen entgegen dem mächtigen Einfluß der Monopolisten und den klaren Grundsätzen der Verfassung sich zum Verbot der Chinesen-Einwanderung verstehen müssen, obgleich das Land schwach bevölkert ist und es in manche» Theilen an Arbeitskräften fehlt, so wird trotz aller ihrer Zärtlichkeit gegen das ostelbiiche Junker- thum auch die deutsch« Regierung sich geeignete» Maßregel» gegen die Konkurrenz der Kulis nicht entziehen können. Auf den Tabaks- und Reis- Plantagen der Sunda- Inseln mag das Experiment der Ersetzung der anspruchsvolleren einheimischen Arbeiter durch chiuesische Kulis angängig sein, in Deutschland lönnle es einen Eutrüstnngssturm hervorrufe», der de» frommen Herren theuer zu stehen käme. Aber wird, wenn die europäische Jndufirie vom chinesischen Markt abhängig wird, es möglich sein, gegen die Chineseu-Ein- Wanderung ivirksam vorzugehen; wird China nicht mit einer er- neuten Abschließung seiner Märkte antworten? Diese Gefahr ist nicht so groß. Mit der Einfuhr steigt auch zugleich, wenn auch einstweilen«ickl im gleichen Verbältniß, die Ausfuhr Chinas. Eine erneut« Abschließung der chinesische» Märkie würde daher durch die in der Ausfuhr hervorgerufene Stockung China selbst schwer schädigen. Außerdem aber wird China kaum die Fähigkeit hoben, einer einheitlichen Willeiiskundgebung der westeniopäischen Mächte, die in dieser Frage durchaus daS gleiche Lebensinleresse haben, enigegeuzuhandeln. Hot erst eium.il Cdina seine allen wirth- schasllichen Bahnen verlassen, so ist eine Rückkehr zu einem früheren Zustand der Dinge nicht möglich. Politische Mebeelrcht. Berlin, 27. Januar. Die nächsten Reichstagswnhlen werden auch ein Kampf nm die staatsbürgerlicheil Rechte, vor allem um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht sein. Würde die Reaktion siegen, dann ade! Koalitionsrccht der Arbeiter, dann ade! das Wahlrecht zum Reichstage, dann sind die Arbeiter nicht nur ökonomisch wie bisher, sondern auch politisch Staatsbürger letzter Klasse. Was Graf Posadowsky gegen das Koalitionsrecht plant, das planen, wie Graf Mirbach im Mai 1895 im Herrenhause ehrlicher als klug enthüllt hat, die Konservativen gegen das zu recht bestehende Reichstags- K Wahlrecht. Die Taktiker in der konservativen Partei haben eS dem Grafen Mirbach sehr verübelt, daß er der Todfeindschaft seiner Partei- und Klasseugenossen gegen das größte politische Recht jedes Staatsbürgers so rückhaltlos Ausdruck gegeben hat. Uns erscheinen die Desavonirungen des Grasen Mirbach durch den Grafen Limburg-Stirum, den Bund der Land- wirlhe und nun durch die»Kreuz-Zeitung' stets komisch, da man ja auch ohne die Rede des Grafen Mirbach seine Gesinnuiigen und die seiner Parteifreunde wohl kannte. Aber heute herrscht noch das allgemeine Wahlrecht, auch der nächste Reichstag, der über so vieles Wichtige, sicherlich über die Handelsvertrags-, Politik, vermuthlich auch über das Reichstags-Wahlrecht zu entscheiden haben wird, muß auf grund dieses Wahlrechts cwählt werden. Und da wollen die Konservativen, deren ahlaussichtcn ja auch sonst nicht gerade die günstigsten sind, ihre Wähler noch einmal über ihre Stellung zu den Volksrechten täuschen. Einen recht unglücklichen Versuch, die Wählerschaft über die Stellung der Deutsch- Konservativen zum allgemeinen Wahlrecht zu täuschen, macht heute die„Kienz- Zeiiung" in einem Leitartikel. Sie betont zwar des öfteren, daß die Konservativen das ihnen unsympa- lhische Reickstags-Wahlrccht nicht beschränken oder abändern wollen, sie kann aber keinen triftigen Grund angeben, warum die Parteileitung ihrer Partei die aus Parteikreisen geforderte bindende Erklärung für die Aufrcchtcrhaltung des geltenden Reichstags-Wahlrechls einstimmig abgelehnt hat; derArtitel endet mit deni Ausblick iu die Utopie einer berufsstäudischen Organi- sation der Gesellschaft und einer darauf basireuden parla- meutarischen Vertretung. Durch diesen Artikel der„Kreuz-Ztg." wird sich niemand über die wahren Absichten der konservativen Partei täuschen lassen, sie will den Massen das Vereinigungs- und das Wablrecht rauben und deshalb muß in Stadt und Land mit aller Entschiedenheit der Kampf gegen die konser- vative Partei, gegen die Partei der heuchlerischen Volksfeinde, geführt werden.-> Ein deutscher Matrose ist in Kiaotschau ermordet worden. Der Wiatrose Schulze stand auf Posten in Tsimo, einem Orte innerhalb der nach dem Vertrag zwischen China und Deutschland als neutral geltenden Zone.„Patriotische" Blätter schlagen darob bereits Lärm, sprechen von„chinesischem Gesindel",„frecher Schandthat" und dergleichen, und gewiß komnit gewissen Leuten auch dieser Anlaß geradezu willkommen, um neue Forderungen, womöglich Landabtretungen»on China zu fordern. So bedauerlich der Vorfall ist, so sollte die chauvinistische Presse doch nicht in der lächerlichsten Weise den Thatbestand verdrehen. Wir sind den Chinesen die Störenfriede, w i r brechen in ihr Land ein, w i r bedrohen ihre alten Sitten und Gebräuche. Können wir da noch besonders liebevolles Ent- gegenkommen beanspruchen? Brauchen wir uns da im geringsten zu wundern, wenn die chinesische Bevölkerung sich vom Unmuth über die fremden Eindringlinge hinreißen läßt? Schon wird gemeldit, daß Kompagnien der soeben ans der„Darmstadt" angelangten Mannschaften nach Tsimo ab- geschickt werden sollen. Eine Untersuchung wegen des Mordes ist eingeleitet. Die Blutthat wird mit Blutthaten gerächt werden. Schön lassen sich wahrlich die Anfänge deutscher Besitz- ergreifnng in China nicht an.— Eine Hciie Marinrtnbelle hat der Kaiser gezeichnet. Die Tabelle stellt die Seestreitkräfte Japans, Rußlands und Deutschlands in O st a s i e n bildlich dar. Darnach haben in den ostasiatischen Gewässern: Deutschland acht �Schiffe von zusammen 38 326 Tons, Japan vierzehn Schiffe von 70 681 Tons, Rußland elf Schiffe von 54 243 Tons. Es ist schwer ersichtlich, was diese Tabelle bedeuten soll und ivas die Admirale und sonstigen höheren Marine-Offiziere, denen Vervielfältigungen derselben überreicht wurden, aus ihr Neues lernen sollen. Wie viele Schiffe die einzelnen Staaten zur Zeit in Ostasien haben, ist hinlänglich bekannt. Es ist auch bekannt, daß außer den Geschwadern der in der Tabelle verzeichneten Mächte auch andere Mächte zur Zeit noch stärkere Flotten in Ostasien haben. Es ist ferner aber auch bekannt, daß, wenn etwa die geringere Zahl der deutschen Schiffe in Ostasien gegenüber den japanischen und russischen Schiffen gezeigt werden sollte, ein solcher Vergleich geradezu Unvergleichbares vergleichen würde. Japan beispielsweise hält naturgemäß in den ostasiatischen Wassern die größte Zahl seiner Schiffe, weil es eben ein ostastatischer Staat ist und die dortigen Vorgänge seine gesammten und elementarsten Interessen berühren. Wollte man an allen Stellen des Erdrundes so viele deutsche Kriegs- sabrzenge kalten, wie irgend eine andere Macht dortselbst hält, so würden sich ja ganz unabsehbare Ausblicke aus eine dann angeblich„nothwendige" Vermehrung der deutschen Panzerschiffe eröffnen. Was soll die Tabelle? Tie englischen Staatsmänner halten Reden über Reden. Viel sagen sie meistens in ihren Reden nicht. Auch ivas der Staatssekretär für Indien, Lord George Hamilton, am Mittwoch in Chiswick geredet hat, enthält nichts Neues, klingt aber sehr friedfertig gegenüber Rußland, dem großen Rivalen Englands. Lord Hamilton besprach die Situation in Zentralasien. Diese sei befriedigend; Rußland habe ehrlich jede Verpflichtung eingehalten, welche es bei den Grenz- abstcckungs-Vcrirägen mit Ei>gl0»d eingegangen sei. Die An- Wesenheit Nußlands in Zcntvalasien sei zwar ein Faktor, welcher nicht zu ignoriren sei, aber doch nicht ein Faktor, dem England nngcthcilte Aufmerksamkeit widmen sollte. In Wirklichkeit sieht es jedoch nicht ganz so fried- fertig ans, wie Lord Hamilton es darstellt. Unfern von dem zcutralasiatischen Schauplätze, wo England und Rußland sich drohend begegnet sind, sind Konflikte entstanden, die, zu den scharfen Auseinandersetzungen der beiden Weltmächte am Pekinger Hofe hinzutretend, eine Verschärfung d e r S i t u a t i o ir bedeuten. Wir berichteten gestern im Depeschcntheil von der Beschlagnahme des r n s s i- scheu Dampfers ,,B a l n ch i st a n" durch das englische Kriegsschiff„Lapwing" im persischen Meerbusen. Die Beschlagnahme ist, wie das„Bureau Renter" weiter meldet, infolge von Vorstellungen des britischen Konsuls in Muskat erfolgt. Der„Balnchistan" wird beschuldigt, versuch! zu haben, Waffen und Schießbedars mit Uebertretung deS Gesetzes in persischen Häfen zu landen. Der„Baluchistan" ist dasselbe Schiff, welches vor einigen Wochen in der Themse an- gehalten wurde, nachdem festgestellt worden war, daß seine Ladung an Waffen und Schießpulver, die vonPetersbnrg kam, für Djibuti bestimmt war. Das Schiff ist auch Djibnti— fran- zösischer Haupthafenplatz an der Somali-Kiistc— angelaufen, hat dort aber nur einen Theil seiner Ladung gelöscht. Die Beschlagnahme wird mit Rücksicht auf die in der Nachbar- schast des Persischen Meerbusens herrschenden Unruhen für wichtig gehalten. Der persische Meerbusen hat eine außerordentliche Wichtig- kcit gleicherweise für England wie für Rußland. Für Rußland bedeutet der Zugaug zur persischen Südküste den Zugang zum freien indischen Meere; das wäre für Rußland nicht nur eine ungeheure Verbesserung seiner Position bei einem An- �ariff auf die indischen Besitzungen Englands, sondern ein Handelsthor, unvergleichlich besser als alle anderen Zugänge zum Meere, die es jetzt besitzt oder Aussicht hat zu gewinnen. Jede Verbesserung der russischen Position bedeutet aber eine eben solche Verschlechterung derjenigen Englands. Und England hat das größeste Interesse daran, die Landverbindung zwischen Egypten und Indien nicht durch russische Posten durch- schneiden zu lassen. Daher dies langjährige Ringen Englands und � Rußlands am Hofe zu Teheran, daher der Wunsch der Russen, eine Eisenbahn unter ihrer Kontrolle vom Kaspischen Meere, anschließend an die Kankasusbahnen, durch Pcrsim bis zum Meere zu führen, daher der Wiuisch der Engländer, am persischen Meerbusen festen Fuß zu fassen. Ob England zu der oben gemeldeten Beschlagnahme des russischen Schiffes berechtigt ist und ob aus diesem Vorkommniß Weiterungen von Bedeutung entstehen werden, läßt sich nicht absehen. Jedenfalls wird die Küste des Persischen Meerbusens eine von den Landstrichen sein, uni welche die großen Neben- buhler, die größeste See- und die größeste Landmacht der Erde, noch manche Auseinandersetzung mit einander auszumachen haben werden.— Ei« Rendezvous von Kriegsschiffen findet im Hafen von Havana statt. Neben die dort stationirten spanischen Schiffe hat sich der amerikanische Kreuzer gelegt; das deutsche Schulschiff Charlotte und ein britischesKriegsschiff haben dieAnker geworfen und einige französische Kriegsschiffe werden ans New- Orleans erwartet, 12 amerikanische Schiffe, znnc theil große Panzer, ! liegen im Hasen von Kay-West, wenige Stunden von Havana. Auch andere europäische Kriegsschiffe befinden sich in den west- indischen Gewässern. Diese Entfaltung von Seestreitkräften an der kubanischen Küste ist kaum eine zufällige Erscheinung. Schon öfters ist von spanischer Seite angedeutet worden, daß eine amerikanische Intervention in die kubanischen Händel von den europäischen Mächten nicht geduldet werden würde. Das bisherige vor- sichtige Vorgehen der amerikanischen Regierung in der kubanischen Frage, das mit der Monroe- Doktrin schwer zu vereinbaren ist und im Gegensatze zu der Volks- stimmuna in den Vereinigten Staaten steht, dürfte auf die Erwägung zurückzuführen sei», daß ein Konflikt mit den europäischen Mächten so lange als möglich zu vcr- meiden ser. Die Entsendung des Kreuzers„Maine" nach dem Hafen von Havana und die auffällige Machtentfaltnng im Hasen von Kay-West wurde in Madrid und zum theil auch in Newyörk als der Anfang einer veränderten Haltung der Regierung der Vereinigten Staaten betrachtet. Daß dies Rendezvous europäischer Kriegsschiffe zeitlich hiermit zusammenfällt, ist jedenfalls eine sehr bcinerkenswerthe Erscheinung.— »« Deutsches Reich. --- Der Geburtstag deS Kaisers hat wieder reichen Segen au Orden und Zluszcichinmge» gebracht. Ganze Beamten- kategorie» wurden in höhere Naugklnssen versetzt,»e»e Titel, so der des Staatsnmvaltschaslsraths wurden geschaffen, viele Orden wurden verlheilt, so der Wilhelmsorden an zivei Gegner der Koalitionsfreiheit und Löser der Arbeiter- srage durch die bekannten Wohlfahrlseinrichlungen— für Unter- nehmer, die Herren Krupp zn Essen und Dr. Lucius von den Höchster Farbwerken. Den rothe» Adlerorden erster 5klaffe mit Eichenlaub erhielten Graf Posadoivsky, der Kriegsminister v. Goßler und der ehemalig« Gesandte in Peking v. Brandt. Die„Freis. Ztg." bemerkt zu dein Ordens- und Titelscgen:„Uli- abhängige Privatleute haben für die Feinheiten in der Unterscheidung der verschiedenen Rangklasse» der Beamten überhaupt heilte noch weniger Verständnig als i» früheren Zeiten. Jndep sind wir ja neuerlich in nähere Veziehnnge» zn China und dem dortige» Mandarinenthiini»>it seinen verschiedenäugigen Pfanenseder» ge- treten."— — Die sogenannte Noth st andsvor läge, deren im- verzllaliche Eliibringung der Antrag der Abgg. Bänsch-Schmidtlein und Genossen urgirt, ist den Migiiel-offiziösen„Berliner politischen Nachrichten" zufolge von de» belheiligtcn Minister» fertiggestellt. Die Beschlußfassmig des Staatsministeriums steht unmittelbar bevor. Bei der.Natur nnd Dringlichkeit des Gesehciitwnrfs darf darauf gerechnet werden, dag er das Staatsministerilini ohne Aufenthalt passire» nnd daß i» kürzester Zeit die Ermächtigung zur Vorlegmig des Gesetzentwurfs an de» Landtag nachgesucht werde» kann. Es ist daher zu erwarte», daß der vorerwähnte Antrag durch die Ein- bringung jener Vorlage seine Erledigung findet, bevor er zur Ver- Handlung gestellt wird.— — Ans der konservativen Partei. Ter engere Vor- stand sdcs Bundes der Landwirthe hat seinen literarische» Klopf- fechter Klapper, der in der„Deutschen Agrar-Zeitnng" den Freiherr» v. Manteuffel in einem Artikel„Bund oder Maiilenffel" sehr scharf angegriffen hat, wegen dieser persönlichen Angriffe desavonirt, aber ans die viel bedeutungsvoller« Frag«„Bund oder Manteuffel" gingen Herr v. Plötz nnd seine Mannen nicht weiter ei», obgleich sie doch durch die Nektistzirnng ihres Klapper's die sonst ab- geleugnete Verantwortung für die in den grünen Heften er„Deutschen Agrar-Zeitung" niedergelegte Weisheit und Thorheit mm auch vor der Oeffentlichkeit übernommen haben. Weit mehr als die Frage, w i e Herr Manlenffel seine Abstimmung für den öfter- reichffchen Handelsvertrag beschönigt hat, interessirt in- nnd außer- halb der konservativen Kreise die hochpolitische Frage, wie weit die seit Jahren unter der Decke arbeitenden Strömungen ge- dichcn find, den Bund der Landwirthe als selbständige wirthschaftlicho Partei in de» Parlamenten und im Lande wirken zn lassen und die konservative Partei auf ein Fraktiöncheu rein gonvernementaler Herren zn rednziren. Herr Klapper svon der „Deutschen Agrar-Zeitung" nnd Herr Oerlei von der„Dentfchen Tageszeitung" sind die Hanplvsrlreter dieses Planes, Herr v. Plä billigt ihn, wartet aber den richtigen Zeitpunkt ab, schwer genug fällt es ihm, die Heißsporne zu zügeln.— — Die Gut Wickelung des KoalitionSrechts ge- reicht der Sozialdemokratie zun« Schaden. Zu diesem Schlnßeffekt kommt die„Soziale Praxis" in einem Artikel über die politische Bedeiitimg der Gewerkvereine, indem sie schreibt: „Wenn es sicher wäre, daß die Entwicklung des Koalitions- wssenS der Sozialdemokratie Vorschub leiste» müßte, so wären die Regiernngen in vollem Recht, wenn sie ihr mit allen Mitteln vorzilbengen suchten. Man mag über die Kritik, die die Sozial- dcmokratie an der heutigen Ordnung übt, nnd über ihre letzten Ziele, den„Zilkmislsstaat", denken wie man will— darüber kann kein Zweifel sein, daß das Dasein dieser Partei, daß die Art, wie durch sie die Vertretung des Interesses des vierte» Standes erfolgt, dem Interesse der Nation zuwiderläuft. Nicht nur der sozialpolitische, der ganze politische Kurs muß dahin orienlirt lverden. sie zn schwächen, womöglich zu sprengen und die Aufgabe der Emanzkpation der Arbeiterklasse in andere Hände zn legen. Aber— das, was unseren Behörden und denen, die an die sozialpolitische Dogmatil des Herrn von Stumm schwöre», als bcwiesew gilt, ist ja keincsivegs bewiesen. Vielmehr ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß diejenigen die wahre» Propheten sind, die— ivie z. B. die Herren Lieber, Hüpede» und so manche Andere— behaupten, daß die Eut- Wickelung des Koalitionsivescns der Sozinldemokralie zum Schade» gereichen würde, indem damit ihr Einfluß auf die deutsche Arbeiterschaft herabginge— daß die deutsche Sozialdemokratie sich täusche oder ander« täusche, wenn sie daS Gegentheil ver- künde." Die Schlußfolgernng ist nicht neu aber n>e»ig beweiskräftig Jedoch wolle» wir über die Miltel unserer Gegner im Kamps gegen die Sozialdemokratie nicht streiten. — Zeichen der Zeit. Folgendes Inserat finden wir im „Laugenbielauer Anzeiger": Wegen zir geringer Betheilignng kann das für den 27. d. M. im Hotel zum„Preußische» Hofe" angesetzte Souper zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers nicht staUftnde». L a» g e n b i e l a u. den 26. Januar tSVS. H ii b n e r, Amis- und Geineiude-Vorsteher. Langenbielau liegt'im Enlengebirge und gehört zmn Wahlkreis Reiche, ibaä,-Neurode, der durch den Genoffen Kühl» im Reichstage vertreten ist.— — Die Stadt Frankfurt a. M. und die Gedenk- fei er der 43 er Revolution. Bei der Stadtverordneten- Versammlung beantragt der Magistrat der Stadt Frankfurt am Mai» die Errichtung eines Einheilsdenlmals ans dem Pauls- platz. Ans den interessanten Verhandlungen über diesen Vor- schlag theilen wir nach der Frankfurter„Volksstiinme" das folgende mit: Stadlv. Sonnemann ist mit den Vorschlägen des Magistrats im allgemeinen einverstanden. Er möchte aber bei dieser Gelegen- hcit daraus hinweisen, daß der Paulsplatz zu klein für ei» der- artiges Denkmal fei. Es sei schon ein würdiges Tenknial auf diesem Platze vorhanden, nämlich die Panlsklrche. die, wie er bestimmt wisse, von der lutherischen Gemeinde gerne an die Stadt abgetreten werde, wenn sich die Stadt bei dem Neubau einer Kirche an einem anderen Platze entgegenkommend zeige. Die P a u l s k i r ch e lasse sich durch entsprechende Ausschmückung zu einem N a t i o n a l t e m p e I der deutschen Einheit lind Freiheit ninwandelu. Auch ein großer Festsaal könne dort ein- gerichtet werden. Er glaubt, daß die Mittel durch private Zu- Wendungen aufgebracht werden könnlc». Oberbürgermeister Adickes Iheilt mit, man habe wegen der bedeutenden Kosten davon absehe» wollen. Was den Platz anbelange, so hätte» namhafte Künstler gerade einen kleine» Platz wirksamer für ein solches Denkmal gehalten als einen großen. Er möchte die Bronzetafcln heute bereits bennlligt hiche», damit sie bis zum 18. Mai noch fertiggestellt und an diesem Tage enthüllt werden könnte». Siadtv. Dr. Fester beantragt Verweisimg a» eine größere Koilimissio», welche durch Zuruf gewählt wurde. — V o»i preußischen Strafvollzug. Nach der „Rheinisch-Wcstfälischen Zeitung", dem bekannte» Organ der Gruben- besiher, soll nnserei» im Gesäugniß zu Herford lveileudeu Partei- genossen Dr. Lütgenau die Erlaubniß zum Studium der polnische» Sprache deshalb entzogen worden sein, weil er sich dnrcd das Studium jener fremden Sprache sür die Agitation unter den Pole» vorbereiten ivolle. Die westsäliichen Grubenbesitzer haben bekauiillich soviel polnische Arbeiter importirt, daß die nalional-poliiischeNichlung schon mit dem Plan schlvauger ging, in den deutschen Kernlande Westfalen eigene Reichstagskandibale» aufzustellen. Denselben Ginbcnbesitzern wäre es natürlich höchst fatal, wenn der polnischen Arbeiter» der Sozialismus in ihrer Muttersprache gelehrt würde. Was aber gehen die Interesse» der Kohlenbarone die Behörde» an, die über die Beschäftigung Lütgenan's im Gesäugniß zn Herford zu entscheiden haben? Jetzt spielt b-i der Mehrheit der Polen der polnische Hetzkaplan die erste Geige; erst durch die Sozialdemokratie kommt der polnische Arbeiter zur bessere» Erkenntniß über den Werth der Kultur; erst auf dem Boden der sozialistische» Weltanschauung versöhnt er sich mit dem Dentschthum, — Gegen die Flottenvorlage sind von sozialbemo- kratischer Seite Volksversammlungen abgehalten worden in Er- fürt, wo Redakteur Schulz, und i» L ü b e ck, wo Theodor Schwartz refcrirle. I» beide» Orlen wurden einstimmig Refo- lulionen gegen die Floltenvorlage angenommen. Die Versammlung in Lübeck ivar außerordentlich stark besucht. AnS der Pfalz, 26. Jamiar.(Eig Bsr.) Die Stichwahl in H o»i b u r g- K>i f e l findet laut ninlltcher Bekanntmachung am 29. Januar statt. Bei derselben kommt der ziveile Akt der lnsligen Komödie zur Aufführung: zwei Bündler, die sich»nr insofern unterscheide», als der eine ein ostelbisches. der andere ein schwäbisches Herz unter den Nippen trägt, werde» ei» Tonrnicr miteinander aus- fechten. Ob dabei Schmitt oder Lücke siegt, läßt sich heute noch nicht sagen. Lücke hat insofern Chancen, fflS daS Zentrum heule eine Freunde auffordert, geschloffen' für ihn etnzn- treten. Von»»serer Seite ist Stimmenthaltung empfohlen worden, da beide in betracht kommendeii Kandidaten Feinde der Volkssache sind.— Aus Hesse», 26. Jamiar.(Eig. Bcr.) Landtag. Die »lSgabe einer offiziellen stenographisch-getreue» Landtags- Korrespondenz, die als Beilage zum Selbstkostenpreise a» die Zeitungen abgegeben werden soll, imirde in der letzte» Sitzung der Zweite» Kammer mit großer Mehrheit im Prinzip beschloffen. Eine längere, inlereffante Debatte brachte die Besprechung der Jnter- pellalion Schmitt(Z), die Bekämpfung der Maaren- Häuser betreffend. Die Regierung stellte eine stärkere Heran- ziehung der kapitalistische» Großgeschäste, dieDetailhandel treiben, bei der bevorstehenden Steuerreform in Aussicht. Dabei machte sie das bemerkenSwerthe Eingeständniß, daß sie kein Mittel kenne, diese Eutwickelung zu hemmen und die kleinen Geschästsleute ihrer Be- drängniß zu entreiße». Ein solches Mittel wußten auch die Redner der bürgerlichen Parteien nicht anzugeben,»nd der nationalliberale Abg. Schönberger, seines Zeichens Brauereibesitzer, gestand seufzend ein, daß man sich mit dem Gedanke», daß der gewerbliche Mittelstand von der kapitalistischen Konkurrenz überwältigt werde, ernstlich vertraut machen müsse. Abg. Ulrich nahm die Gelegenheit wahr, die Frage von der prinzipiellen Seite ans zn beleuchten. Er zeichnete in großen Zügen die moderne wirthschaftliche Entwicklung, die technische und kaiffmännische Ueberlegenheit der Großbetriebe, die Aussichtslosigkeit der ultramontanen und antisemitischen Mittelstandspolitik nnd setzte den pesfiniistischen Seufzern der gegnerischen Redner das ziikunfls» fröhliche Glückauf des Sozialismus entgegen. Als schon gegenwärlig mögliche Miltel, die Schäden der kapitalistischen Reichthlimsanhäusung zu milder», empfahl er eine gründlich verfahrende progressive Ein- komme»?-, Vermögens- nnd Erbschaftssteuer.— Nach Erledigung noch einiger kleinerer Vorlagen wurden die noch auf der Tages- ordming stehenden Gcgeifftände, darunter der sozialdemokratische An- trag auf Errichtung einer staatlichen Lungcnheilanstalt, auf die nächste Sitzung, die vorausstchilich am 8. Februar stattfindet, vertagt. Mitte Februar soll endlich auch die um ein ganzes Jahr verspätete Budgetberathung beginnen. Außerdem verlautet, daß rn den nächsten Tagen der Entwurf der allgemeinen Grundzüge sür die Steuerreform de» Ständen zugehen werde. — Chronik der Majestäts b e l e i d i g u n g s- Pr o z esse. Die Kolmarer Staatsanwaltschaft, die bekanntlich die beiden R-dak- teure der„Elsaß-Lothr. Volkspartei" unter dem Verdachte der Majestätsbeleidignng wegen eines Kaiser-Gebnristagsartik-ls ver- hastet hatte, scheint einen Monstreprozeß z» planen. Sie hat durch ei» Pollzei-Organ Namen nnd Wohnung der beiden Ge- ichäftsführer, sämmllicher Arbeiter, Arbeiterinneu und Lehrlinge fest- stellen lassen. Will sie all diese Personen als der fürchterlichen That niilverdächtig belangen? Bei den elsaß-lothringische» Preß- zustände» halten ivir nichts, auch dies nicht für unmöglich. Das merkivürdlgste an der Sache ist, daß der inkrlminirte illrlikel nach dem Urtheile Sachkundiger überhaupt keine Majestätsbeleidigung enthalte» soll.— Oesterreich. — Die I u n g e z e ch e n verlieren ihren Rückhalt bei den deutschen Klerikalen. Ihr bester Freund nnd wülhender Gegner der Deutsch-Nationalen, der Abg. Ebenhoch, hat sich im oberöllerrcichischen Landtage für die Dreitheilnng Böhinens und sür Schntzmaßregeln zur Erhaltung der deutschen Nationalität erklärt.— Ungar». Budapest, 26. Januar.(„Franks. Zig.") Der radikale Ab- geordnete Hentaller fordert in einein Briefe an seine Wähler die Einführung des allgemeinen Stimmrechtes und der ge- Heimen Abstimmung in den Gemeinden. Dies ist bisher die iveitestgeheudsle Forderung für die Ansdchnung des Wahlrechtes auf alle der ungarischen Sprache Kundigen. Den bedrückten Nalionalitäle» Ungarns das Wahlrecht zu ge- währe», wagt selbst ein radikaler Magyar« nicht. In Ungnin sind die einzigen, welche das allgemeine Wahlrecht ohne jedes wenn und aber fordern, die Sozialdemolraien.— Ffrankreich. PariS, 26. Januar. Das Zuchtpol zeigcricht begann die Vcr- Handlung in dem Verlenindungsprozeffe, welcher gegen Roche fort von Rcinach angestrengt ist wegen eines in dem„Jntranstgeant" veröffentlichten Artikels, in welchem Reinach beschuldigt wird, der Urheber des mit„Otto" nnterzeichnete», die Dreysns-Angelegenhtit be- treffenden Brieses zu sein. Nach der Rede des Vertbeidigers Reinach's, Barbonx, wurde die weitere Verhandlung auf 8Tagkverschobeii. Vordem Gerichtsgebände waren Borsichtsniaßregeln getroffen; die vor dem Gibände versammelte Menge empfing Rochesort beim Heraustreten mit lebhaften Kundgebungen. Paris, 27. Januar. Der Präsident deS AssisenhofeS hat die Verhandlung gegen Zola auf den 7. bis 9. Februar an- gesetzt. Ans diese Angelegenheit folgen nur kleiner« Sachen, welche leicht hinausgeschoben werten können, wenn die Zola-Affaire mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte. PariS, 27. Januar. Der Vorschlag des Slbgeordneten Toussaint, im Dienste gestorbene Soldaten ohne religiöse Zeremonien zu beerdigen, wurde in der heutigen KaUtMirsitznng mit 308 gegen 104 Stimmen verworfen. Schuiedc». — D e in Reichstage ist ein neuer Gesetz t N t w u r s betreffend«ine Altersversorgung der Arbeiter, zu- gegangen. Der Entwurf beruht im wesentlichen anf den Ermittelungen des 1895 eingesetzten sogcnannlen„Reuen Arbeilerversicherungs- Komiiee's". Die AlterSverstcherrnig ist«ine obligatorische. Sie soll alle in Stellung befindlichen Arbeiter umfassen, Männer»nd Frauen, zwischen dem 13. und 65. Lebensjahre, die nichc mehr als 1800 Kronen (2025 M.) Lohn haben. Die Pensionirniig erfolgt bei eintretender Invalidität nach dem 50. Jahre oder mit dem 65. Lebensjahre. (Für früher eintretende Invalidität soll ein besonderes llnfall- veisicherinigs-Gesetz geschaffen werde») Die Versichrrten zerfallen in drei Klaffen: 1. Männer mit über 10 Kionen(11,25 M) Wochenlohn, 2. Männer mit weniger Wochenlohn, 3. Frauen. Die Ar« beitgeber sind von allen Beiträgen befreit. Die Arbeiter zahlen: 20(22>/e Pf.), 15(16�/» Pf.) resp. 10 Oer«(II'/« Pf) die Woche bis zum 50. Lebensjahre, dann sind sie beilragsfrei. Den Rest zahlt der Staat, also wieder die Arbeiter, da sie doch verhältnißmäßig die meisten Steuern anf- bringen müssen! Alle Personen über dreißig Jahre werden nicht ansgenommen. Die auf komplizirie Weise berechnete Jtente betragt: bei 50 jährigen 103 resp. 77 resp. 52 Kronen(» VJt M.) „ 55„ 186„ 102„ 68„ „60„ 170„ 127„ 85„ , 65, 208„ 162„ 102„ Daneben soll noch eine freiwillige Versicherung«ingerichtet werden, der sowohl die Zwangsversicherleii als auch alle anderen angehören können. Auch hierbei leistet der Staat die nothwendigen Zuschüsse. Niemand darf aber einen höheren Jahresbeitrag als 12 Kronen leisten. Die Jahresrente hierfür würde 234 Kronen be- tragen. Die Totalkosten werden geschätzt für die Arbeiter anfangs auf 2 033 000 Kronen, die bis anf 3 668 000 Kronen steigen werden, und für de» Staat von 1 927 000 bis 3 234 000 Kronen. Daß der Antrag in dieser Form sür die gegenwärtige Arbeiter- generaiion fast werthlos ist, wenn alle über 30 Jahre altenausgeschloffen sein sollen, versteht sich von selbst. Daß ferner die erlangbaren Penstonen auch nicht das kleinste Exlstelizminiinum bielen und daher ziemlich zwecklos find, ist ebenfalls klar. Vor allem aber ist der Antrag insofern charakteristisch, als es einfach den Arbeitern selbst überlassen wird, die Beiträge für ihre Pensionirungeu auszu- bringen.— Italien. Rom, 26. Jannar. Das amtliche Blatt veröffentlicht ein Dekret, durch welches der Kriegsmiiiister ermächtigt wird,«inen Theil der Jahresklaffe 1874 einznberufe». Also die Flinte und derjSäbel'sollen mobil gemacht werde» gegen die hungernden Landproletarier. Das Ministerium des Großgrundbesitzers Rndini macht alles andere als italienische Politik mit diesen verwerfliche» Maßregeln— Rom, 27. Januar. Die radikalen nnd sozialistische» Ver- einigilnge» beschloffen, erstens eine Kundgebung vor der Depulirien- kammer an dem Tage zu veranstalte», an dem die Kammer den Gesetzsntivurf über die Herabsetzung der Getreidepreise beralhen wird nnd zweitens eine Kundgebung am Sonnlag zu veranstnlte», um die vollständig« Aufhebung der Gctreidezölle und eine Verminderuiig der Ausgaben für das Militär zu verlangen. Man glaubt, die Aegiermig werde diese Kundgebung verbieten. Von großem Vertrauen ans die Richtigkeit ihrer Politik zeigt daS Vorgehen des Herrn Rudini nicht.— Ruhlaud. — Arbeiterunrnhen. Aus Petersburg wird der „Intern. Korr." gemeldet: Ii, dem Jndnstriebezirk I w a n o w o- W o f ch n e s e ii e k des Gouvernemciits Wladimir ist es während der s tzten Wochen abernials zu größeren Ardeitseinstellunaen und ficftiflcn Zusammenstößen zwischen den Arbeitermassen und dem Militär gekommen. Wie immer, so wird auch diesmal über die Vor- gänge das tiefste Stillschweigen beobachtet, und die Zeitungen dürfen über die Einzelheiten nichts berichten. Nur so viel steht fest, daß gegen 10 000 Arbeiter ausständig sind und thcilweise durch Militär- anfgebot mit Gewalt aus dem Jndustriebezirk ausgetrieben wurde». Seitens der Fabrikbesitzer wird erklärt, die'Arbeiter hätten sich gegen die neue», von der Regierung erlassenen Arbcilsbestiinmungen auf- gelehnt, wonach die Fabrikanten berechtigt sind, wenn es die Fort- führung des Arbeilsbetriebes erfordert, die früher sehr große Zahl der außergewöhnlichen Feiertage zu beschränken. Die Arbeiter da- tegen wollten ihre altgewohnten Feiertage, deren Zahl außer den -onntagen 23 im Jahre beträgt, unverkürzt erhalten wissen, weshalb sie den Streik begonnen hätten. Seitens der Arbeiter werden jedoch ganz andere Glünde angeführt und die Unternehmer beschuldigt, von der Megiernug die Aushebung der neuen Gesetzesbestimmunge» durch absichtlich herbeigeführte Arbeiterunrnhen erzivingen zu wollen. Türkei. Konstantiiiopcl, 27. Januar. In einer Audienz beim Sultan hat der rntst>e Botsaiaiter energisch das Verlange» seiner Regie- rn»g wiederholt, daß den kknrdcn-Einfällen in russisches Gebiet unverzüglich ei» Ende gemacht werde, widrigenfalls Rußland selbst »nil Waffengewalt geordnete Zustände in Kaukasien und den an- grenzenden türlischen Gebieten herstellen werde.— Asien. — Zur Einführung der Goldwährung in �»dien. Ans London wird telegraphirt: Der Staatssekretär für Indien, Lord George Hamilton hielt gestern Abend i» Chisivick eine Rede, in welcher er ausführt«, Indien dürfe nicht i» der gegenwärtigen finanzielle» Lage bleiben; die Schwier igleiten. welche der Scdaffung der Goldwährung sich rntgegeusteltle», seien nicht so groß, als man hin und wieder an- nehme, und es sei nicht unmöglich, daß im nächsten Jahre die Re- gierung in der Sicherung derselben einige Schritte vorwärts thu» werde. Wenn die Goldwährung einmal eingeführt sei, so werde der Bvrlheil für Indien ein großer sei».— Pombay, 27. Januar. In der vergangenen Woche sind 834 $e. fwteu an der Pest gestorben; die Gesainmlsterblichteit belief sich -�Di« Wahlen zum japanischen Parlament werden schon in allernächster Zeit ausgeschrieben werden. Infolge der neuen Handels- und Schifffahnsverlräge ist nämlich die japanisch« Regierung genöthigt worden, eine Aenderung des Handels- und bürgerlichen Rechts eintreten zu laffen. Das Handelsrecht ist bereits in veränderter Gestalt vom alten Reichstag genehmigt worden, nnd der vorige Premierminister Graf Matsnkaia wollte bei Beginn der letzte» Tagung wenigstens auch noch die Umarbeitung des bürgerliche» Rechts vom Reichstag durchberalhcn und annehmen lassen, doch wurde er schon in der ersten Sttznng von allen Parteien des Hauses in so heftiger Weise bekämpst. daß er die Ans- lösilng des Reichstags durchsetzte und dadurch den Sturz seines Kabinels herbeiführte. Der neu« Piemierminister Marquis J'o wird nun, wie der hiesigen„Nippon-Korresp." ans Japan geschrieben wird, möglichst rasch die neuen Wahlen vor- nehmen lassen, damit der Reichstag noch im Frühjahr zusammen- treten und sogleich die Aenderung des bürgerlich«» Rechts berathen nnd beschließen kann. Denn vom 1. Juli 1899 ab soll ganz Japan de» Fremden geöffnet sein nnd es ist derWnnsch der japnuiichen Regierung, wenn irgend möglich schon ei» Jahr zuvor die veränderte Rechtsordnung in krast treten zu laffen, damit das Volk sich aus die neuen Verhältnisse vorbereiten kann. Aterlamenksvifches. Dem Reichstage ist der am 28. April v. I. in Berlin unter- zeichnete Freundschafls- und Handelsvertrag mit dem Ornnje-Frei- fiaat zugegangen.— Im Abgeordnetcnhaufe haben die Abgg. Vänsch-Schmidlleln, v. Böckelberg und 2l andere Konservative und Fteikonservative, sowie 2 Nationalliberale den Antrag gestellt: Das Haus der Ab- geordneten wolle beschließen, die königl. Slaatsregierung zu ersuchen: 1. die Zurückziehung der den Gemeinden im Ueberschwcnnnnngs- gebiet zugegangene» Liquidationen derjenigen Truppentheile, welche Kommandos zu Aufräuinungsarbeileu dorlhin entsendet haben, z» veranlassen; 2.»unmehr schleunigst die in der Thronrede in Ans- ficht gestellte Vorlage, betreffend die Beseitigung der durch das Hoch- wasser entstandenen Verheerungen und ihrer Folgen dem Landtage vorzulegen.—_ Mrbev Molonralpottkik und WK'isen- tlzeovio ist in der„Neuen Zeit' eine sehr bemerkenswerthe Diskussion enl- standen. Bei der Wichtigkeit dieser Zlnseinaudcrsctzuuge» hallen wir uns verpflichtet, unsere» Lesern darüber zn berichten. Genosse Belfort-Bax knüpft an frühere Auseinandersetzungen zwischen ihm und B e r n st e i n i» Nr. 14 der„Neuen Zeit" an nnd polemisirl aegen die Auffassung, als ob die Ausdehnung der sogen. modernen Kultur ein Vorlhcil für wilde Völker sei, nnd als ob die Erweiterung der kapitalistischen Produklion über die Erde hin eine unumgängliche Bedingung des weiteren Fortschrittes sei. Am Beispiel Marokko's sucht Bax darzulegen, daß für rückständige Völker die Einbeziehung i» de» Bereich der kapitalistischen Handelsvöller nur Leiden»nd Unbehagen bedeute. Dann wendet er sich gegen die von ihm Bernstein zugeschriebene Meinung, daß, weil der moderne Kapitalismus die nöthiae Vorstufe des Sozialismus sei, erst alle Hotlentolten, Kaffern, Palagonier:c. kapitnlisirt werden mi'ißten, ehe die Aera des Sozialismus für die Menschheit ausdämmern könnte. Bax sieht dagegen in der Eroberung ncner Absatzgebiete die Gewährung einer weitereu Lebensfrist für den Kapitalismus»nd die Hinausschiebnng des Anbruchs der sozialdemokratische» Gesellschaft. Jeder Fortschritt der Kolonisation sei ein Rückschritt der sozialistischen Sache; der Sozialdcmolralie müsse, insofern sie konsequent sei. jede Niederlage einer zivilisirten Macht durch barbarische Stämme will- kommen sein. Wenn aber die Sozialdemokratie die Ansdehnungs- Politik des Kapitalismus nicht gänzlich zu beseitigen im stand« sei, so müsse sie dieselbe doch jedenfalls in ihrer Laufbahn hemme». Genosse Bernstein antwortet hieraus in zwei Artikeln i» Nr. IL und 18 der„N. Z.' Er beginnt mit der Auslassung, daß nach seiner Meinung in allen sozialistische» Parteien sich innere Wandlungen vollziehe».„Frühere Ueberschwänglichkeiten in Phrase und Argumentirung werden abgestreift, die Schwärmerei für Gene« ralisirunge» läßt nach, man spekulirt nicht mehr über die Vertheilung des Bärenfells nach vollendetem allgemeinen Kladderadatsch, man beschäftigt sich überhaupt nicht allzuviel mit diesem interessanten Ereigniß, sonder» studirt die Einzelnheitcn der Probleuie des Tages »nd sucht»ach Hebel» und Ansatzpunkten, auf dem Boden dieser die Eiilivicklung der Gefellichafl im Sinne des Sozialismus vorwärts zu treiben." Diese Wandlnngsteudenz sei die Folge von Aende- runge» i» den Voraussetzungen der sozialistischen Beivegung. Bernstein erinnert dann an seine frühere Ausführung gegen Bax:„Was Bax empfiehlt, ist reine Vergeudung von Zeit»nd Kraft. Sein Vorschlag, den Wilden gegen die vorrückende Zivilisation beizustehen, würde, wenn ausführbar, was es allerdings nicht ist, nur den Kampf verlängern, ihn aber nicht verhindern." Bernstein schildert die Zustände Marokko'sals garnicht verführerisch; Abwesenheit von Kapitalismus sei nicht Abwesenheit von Roth und Ausbeutung. Der Handelsverkehr verelendige nicht nolhwendigerweise die Völler; der Kapitalismus habe selbst seine Emvickelungsgeschichle, er könne den barbarische» Völker» wohl Fortschritte und Besse, ung bringe» und habe das in vielen Fällen thatsächlich gethan. Die Kritik habe sich also nur gegen die Art und die Melhodeu, mit denen die Wilden unterworfen werden, zu wenden. Gegenüber dem Bax'schen Vorwurf, Bernstein's Auffassungen entsprächen nicht mehr denen eines revolutionären Sozialisten, ent- geguet Bernstein: Dann hieße Vernunft und Mäßigkeit walten lassen— den Standpunkt der Partei verleugnen. Bernstein weist zurück, daß er seine Kritik vollständig von der Rücksicht auf den zu beschleunigenden großen Krach, aus dem der Sozialismus noth- wendigerweise als Sieger hervorgehen werde, abhängig»rächen solle. An diesem Punkt erweitert sich die Diskussion Bernstein's zu einer Untersuchung über die Anschauung, daß„früher oder später eine Geschäftskrisis von gewaltiger Stärke und Ausdehnung, durch das Elend, das sie erzeugt, die Gemüther so leidenschaftlich gegen das kapitalistische Wirthschaftssyftem entflammen, die Volksmasse» so eindringlich von der Unniöglichkeit überzeugen wird, unter der Herrschaft dieses Systems die gegebenen Produktivkräfte zum Wohle der Gesamnriheit zu leiten, daß die gegen dieses System gerichtete Bewegung unwiderstehliche Krast annimmt und iinter ihrem Andränge» dieses selbst rettungslos zusammenbricht. Mit anderen Worten, die unvermeidliche große wirthschaftlicheKrisis wird sich zu einer allumfassenden gesellschaftlichen Krisis ausweiten, deren Ergebniß die politische Herrschaft des Proletariats als der dann einzig zielbewußt revolutionären Klasse»nd eine unter der Herlschaft dieser Klasse sich vollziehende völlige Umgestaltung der Gesellschaft im sozialistischen Sinne sein wird". Wie st e h t es nun, fragt Bernstein, in Wirklichkeit mit der Aussicht auf diese großeKrisis? Er zieht die Ergebnisse der preußischen Gewerbezählung herbei und kommt zu dem Schluß, daß zwar„die ganz kleinen, die Zwergbetriebe (zwei Gehilfen nnd darunter) thcils ahsolut, theils relativ zurück- gegangen sind", daß aber„die größeren Kleinbetriebe und die Mittelbetriebe noch wenig Neigung zeigen, von der Bildfläche zu verschwinden". Allerdings herrsche auch bei de» Mittelbetrieben der Jndustie keine Festigkeit; es herrscht beständige Bewegung, Absterben alter und Aufkommen neuer Geschäftszweige k. Noch stabiler seien die Mittelbetriebe im Handel und Landwirthschaft. Soweit die ein- zeluen Geschäftszweige betrachtet werden, ist Zunahme von mitlleren und Großbetrieben nebeneinander eine Ausnahme. Wenn das Ge- sammlbild von Industrie, Handel nnd Verkehr eine solche zeigt, so erklärt sich dies vielmehr erstens aus der stetig fortschreiten- den Vermehrung der G e w e r b s a r t e n in der modernen Gesellschaft nnd zweitens aus der wachsenden A n p a s s»» g s- f ä h i g k e i t u n d Beweglichkeit der heutige» gewerblichen Welt. Weiterhin erinnert Bernstein daran, daß Engels selbst im dritten Band des„Kapital" die früher von ihm nnd Marx vertrelene Idee eines zehnjährigen Produktionszykius als veraliel behandelt habe. Bernstein will nun noch eine» Schritt weiter gehen:„Im übrigen wird es abzuwarten sein, ob wir bei der steigende» Ansdehnung der Märkte, den schnellen Informationen über die Marktverhällniffe nnd der fortschreiienden Vermehrung der Produklionszweige überhaupt in näherer Zeit allgemeine Krisen nach Art der früheren erleben, oder ob nicht an deren Stelle zunächst nur auf b e st i m m t e I n d» st r i e- gr Uppen beschränkte internationale Krisen treten werden." Das sei nur eine Vermulhnng;„aber die Elastizität des modernen Kreditwesens bei enorm anschwellendem a p i t a l r e i ch t h n m, der ver- vollkommnele Blechanismus dcs Verkehrs in allen seinen Zweigen— Post- nnd Telegraphcndienst, Personen-»nd Güterverkehr, die?Ius- bildnng der Haudelsstatistik und des Nachrichtendienstes, die Aus- breiiuug der Organisationen der Industriellen, das sind Thnt- s a ch e ii, und es ist ganz nndenkbar, daß sie nicht auf die Be- zicbung von Produklionslhätigkeit und Marktlage von bedeulendein Einfluß sein sollten. Es spricht somit große Wahischelnlickkeit dafür, daß wir mit dem Fortschritt der wirtdschaflliche» Eutwickelung für gewöhnlich überhaupt nicht mehr mit Geschnstskrisen der bisherigen Art zu thun, nnd alle Spekulationen ans solche als die Eiuleiter. der großen gesellschaftlichen Umwälzung über Bord zn werfen haben werden." Bernstein fügt hinzu:„DaS wöge» diejenigen bedaner», die an alten Schlagworlen hängen, welche sich früher einmal„bewährt" haben, die sozialistische Gedankenwelt verliert damit durchaus nichts an überzeugender Kraft. Denn genauer zugesehen, was sind den» alle die von uns aufgezählten Faktoren der Beseitigung ober Modifizirung der alten Krisen? Alles Dinge, die gleichzeitig Voraussetzungen und zum Iheil sogar Ansätze der Vergesellschaftung von Pioduktion nnd Anslnuich darstellen. Daß ihre Ausbildung das Krisenwesen nicht unbeeinflußt läßt, ist durchaus im Einklang mit der sozialistischen Lehre." Bernstein hält es aber auch bei dem jetzigen Stande der BetriebSenlwickelnng noch nicht einmal für wünschenswerth, wenn durch eine furchtbare Geichästskr>sis die Sozialdemokratie schnell und plötzlich an das Ruder käme. Sie würde sich, nieint er, vor eine iinlöcbare Aufgabe gestellt sehen; die Gesellschaft sei noch nicht genügend entwickelt, um den Knpiialismus«»lbehren zu können. Genosse Bernstein faßt alsdann seine Anschauung folgeudermahen zusammen: „Man wird nun die Frage auswerfen, ob mit dieser Darlegung die Verwirklichung des Sozialisinns nicht aus den St. Nimmerleins- >ag—„bis zu den griechischen Kalenden", um mit Herrn Bax zu reden— verlegt oder ans viele, viele Generationen hinaus vertagt wird. Wenn man unter Veriviiklichung des Sozialismus die Errichl»»g einer in allen Punkten streng konimunisiisch geregelten Gesellschaft versteht, so trage ich allerdings kein Bedenken zn erklären, daß mir dieselbe noch in ziemlich weiter Ferne zu liegen scheint. Dagegen ist es meine feste Neberzeugung, daß schon die gegenwärtige Generalion noch die Verwirk- lichnng von sehr viel Sozialismus erleben wird, wenn nicht in der patentirlen Form, so doch in der Sache. Die stelige Erweiterung des Umkreises der gesellschaftlichen Pflichten, d. h. der Pfl>chleii und der korrespondirenden Rechte der Einzelnen gegen die Gesellschaft, und der Verpflichtungen der Gesellschaft gegen die Einzelnen, die Ausdehnung des Anssichtsrechls der in der Nation oder im Staat organisirlen Gesellschaft über das Wirlhichaftsleben, die Ausbildung der demokratischen Seldstverwallnng in Gemeinde, Kreis und Provinz und die Erweiterung der Aufgaben dieser Verbände — alles das heißt für mich Eutwickelung zum Sozialismus, oder, wenn man will, stückiveise vollzogene Veriviiklichung dcs Sozialismus. Die Uebernahme von Wirlhschaflsbetricbe» aus der privaten in die öffentliche Leitung wird diese Entwickelung natürlich begleiten, aber sie wird nur allmälig vor sich gehen können. Ich gestehe es offen, ich habe für das, waS man gemeinhin nuter„Endziel des Sozialismus" versteht, außerordentlich wenig Sinn nnd Interesse. Dieses Ziel, waS immer es sei, ist mir gar nichlS, die Bewegung alles. Und unter Bewegung verstehe ick so- wohl die allgemeine Bewegung der Gesellschaft, d. h. den sozialen Fortschritt, wie die politische und wirthschaftliche Agitation und Organisation zur Bewirkung dieses Fortschritts. Die Sozialdemokratie bat also danach den baldigen Zusammen- bruch des bestchenden Winhschastssystems, wenn es als Produkt einer großen verheerenden Gefchäflskrisis gedacht wird, weder zu ge- wärligen, noch zu wünschen. Was sie zu thun, und noch auf lange hinaus zu thun hat. ist, die Arbeiterklasse politisch zu organisiren und zur Demokratie auszubilden, und für alle Rciormen im Staate zu kämpfen, welche geeignet sind, die Arbeiterklasse zu heben und das Staatswesen im Sinne der Demokratie nmzugestalten. Und was die Fragen der Kolonialpolitik und Eroberung neuer Märkte anbetrifft, so wird die Sozialdemokratie aus Gründen der Hochhaltnng ihrer eigenen Prinzipien jedem Kolonialchauvinismus wie überhaupt jedem Chauvinismus entgegentreten, ohne sich zu dem entgegengesetzten Extrem hindrängen zu lasse», das jede Geltend- machung und Hochhallung nationaler lliechte, jedeS National- bewußtsein unterschiedslos als chauvinistisch verfehmt. Sie wird die Vergewaltigung und betrügerische Ausraubung wilder und barbari- scher Völker bekämpfen, aber sie wird aus jeden Widerstand gegen ihre Einbeziehung in die Geltungssphäre zivilisatorischer Ein- richtungen als zweckwidrig verzichten und ebenso von jeder grund- atzlichen Bekämpfung der Eiweiterung der Märkte als utopistisch Abstand nehmen. Die Ausdehnung der Märkte»nd der internationalen tandelsbezichungen ist einer der mächtigsten Hebel de? gesellschaftlichen ortschritts gewesen. Sie hat die Entwicklung der Produktions- Verhältnisse in mißerordentlichem Grade gefördert und sich als ein Faktor der Steigerung des Reichthnms der Nationen bewährt. Zl» dieser Steigerung hatten aber auch die Arbeiter von dem Augenblick an ein Interesse, wo Koalitionsrecht, wirksame Schutzgesetze und politisches Wahlrecht sie in den Stand setzen, sich steigenden Antheil an derselben zu sichern. Je reicher die Gesellschaft, um so leichter und sicherer die sozialistischen Verwirklichungen. Bei alledem wird die Stellung der Sozialisten in den ver- schiedenen Ländern zur Kolonialpolitik eine sehr verschiedene sein müsse». Denn es kommt da sehr viel auf die Einrichlungen nnd die Zustände des Landes an. das solche Politik treiben will, auf die Nalur der geplante» Kolonien und die Art, wie das betreffende Land kolonifirt und Kolonien verwaltet. Da in den meisten Ländern die Venvallung der Kolonien ausschließlich Sache der privilegirte» Klassen ist, so ist schon damit allein eine kritische Haltung für die Sozialdemokratie angezeigt. Aber die Vorstellung, daß man durch Bekämpfung aller und jeder Kolonialpolitik den Umsturz daheim beschleunigen könne, ist ganz und gar hinfällig, ab- gesehen davon, daß die Sache selbst utopistisch ist.. Wir haben die Polemik zwischen Bax und Bernstein nnd be- sonders des letzteren Dacltgungen über die„Zusammenhrnchstheorie" ansfühilicher wiedergegeben, weil dieselben grundlegende Fragen der wirthschaftlichen und politischen Entwicklung betreffen und weil je nach der Beantwortung dieser Fragen auch die Agitation und Taktik unserer Partei verschiedenartiges Gepräge erhalten würde. Niemand kann sich darüber veriviindern, daß Beftandtheile der sozialistischen Theorie. durch die Entwickelimg der wirthschaftlichen Verhältnisse dem Veralten anheimfallen und durch neue ersetzt werden niüssen, womit wir keinesevegs sagen wollen, daß die Richtigkeit der Beriistein'sche» Auffassungen durch das von ihm beigebrachte Material erwiesen wäre; bezeichnet doch Bernstein selbst seine Ansicht über die Entwickelung der Krisen als Vermuthnng. Derartige Diskussionen, wie sie Ge- noss« Bernstein angeregt hat, erscheinen dann ebenso un- vermeidlich als auch werthvoll und es ist anzunehmen, daß die Auseinandersetzung über diese Frage i» der„Neuen Zeit" Fortgang »chmen wird, welches Organ am geeignetsten für die DisknsÜon solcher Probleme erscheint; wir unsererseits, alS ein im Kampfe deS Tages stehendes Blatt, habe» keine Veranlassung, in diese Diskussion ciiizngreifen, so lange dieselbe sich auf theoretischem Boden hält. Juim-rhin können wir nicht umhin, die Meinung auszusprechen, daß Genosse B-rnstein besser vermieden halte, durch die Form einiger seiner Ausführungen Anlaß zu starke» Mißverständnissen zu gebe».—_ Lvahlbewegung. Aus Flensburg schreibt unser Kieler Parteiorgan: Wenn man der„Norc-Ostsee-Zeitnilg" glaubt, scheint den National- liberaleii im 2. schleswig-holsteinischen Wohlkreise jetzt der Himmel voller Geigen zn hängen. Der Postor Jakobsen in Echerrebek will nicht gegen den Schiffsrheder Jebsen kandidiren. Auch die Kondidatur dcs Bürgermeisters Bunzen in Glückstadt soll fallen gelassen worden sein. Einige Schmerze» bereitet den National- liberalen nur noch die Kandidatur des Antifemlte» Raab aus Hamburg, den nia» als frechen Eindringling betrachtet und ihm oen Rath giebt, doch in Hamburg zu kandidiren. Ja, man giebt sich sogar der Hoffiliing hin, daß die Freisinnigen von der Auf- stellung einer Kandidatur absehen würden und gleich im ersten Wahl- gang« für den iiationaUideralen Jebsen stimmen werden. Dem gegenüber bemerkt jedoch da?„Hamb. Fremdeubl.': Diese Annahme fft iiliudcstens verfiüht, denn innerhalb der hiesigen Freisinnigen ist vis jetzt die Kondidatenfrage noch nicht erörtert worden. Auf alle Fälle aber werden so wenig für Jebsen wie für den Antisemiten Raab freisinnige Stiwinen abgegeben werden." In dem Wahlkreis tt- m p e n hat da« Zentrum den bisherigen Vertreter, Landrath a. D. Fritzen auS Düsseldorf, wieder aufgestellt. Todtcnlistc der Partei. In Grünendeich bei Steinkirche» in der Maisch des Alten Landes in der Provinz Hannover ist de« Schlvssei rneister Georg S t e i d e l im 60. Lebensjahre gestorben. Er war bis I89l noch Freisinniger, agitirte bei der damaligen Wahl, ivo unser Kandidat Schninlield mit dem Fürsten Bismarck in Stich- wähl kam, kräftig für«rsleren, wnndte dann der freisinnigen Partei den Rücken und ivar beständig für die Sozialdemokratie lhätig. Als lnchtiger Schlosser weit und breit berühmt, erhielt er auch Aufträge von Behörden, dennoch machte er ans seiner sozialdemokratischen Gesinnung nie ein Hehl. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches er. — Das Schöffengericht in Bochum hat die fogenannte Ber« f r o»i i» n n g s v« r o r d n n n a für W e st s a l e n insoweit für n ii g i l l i g erklärt, als sie das Versammlungsrecht an Sonntagen für die Zeil des Goliesdieiistes einschiänkt. Man schreibt uns darüber: Der Parteigenosse U n l h a n hatte Sonntag, den 24. Oktober vorigen Jahres, vormittags'/eil Uhr eine öffentliche Versainmlung v-r- instaltet. Er erhielt«inen amtsgerichtlichen Strafbefehl wegen lieber» lretung der Polizeiverordnnna betreffend Heilighattnng der Eonn- inid Feierlage. Auf seinen Einspruch erkannte das Schöffengericht am 24. Januar auf kostenlose Freisprrchiing. Im Nrtheil sührt» der Vorsitzende hauptsächlich ans. daß die Polizeiverorduiuig rechts« »ugillig sei, weil sie mit Artikel 29 Absatz 1 der preußischen Ver- ordnimg vom II. März 1SS0 in Widerspruch stehe. — Wegen Beleidigung s ä ni i» t l> ch e r Oberförster Preußen? ist der Redakteur der„K ö ni g S b er g o r V o l k S t r i b ü n e", Albert E r d ni a n», im Oktober v. I. vom Landgericht in Königsberg zu 14 Tagen Gesängniß veriirthetlt worden, weil in dem als beleidigend erachteten Arltkel, der das Auftreten von Polizei- veamlc» bei einer softalistischcn Maifeier rugle, ein bestiminter Ober- sörster nicht genannl war. Erdmann, dem, wie üblich, der Schutz des§ 193 vom Gericht versagt worden war, legte gegen das Urthcil eisolglos Revision beim Reichsgericht ein; die Nevision wurde verworsen._ GewevslsrlZÄftliches. Pcrli» und»mgrbiing. Die Firmciischildrr-Prauche hält am Freitag, den 28. Januar, abends 8>/, Ubr, in den Ariniiihallen, Koiitmandantenstr. 20, eine öffentliche Versainmlung ab, zum Zwecke der Neilgründung des früheren FachvcreinS. Die vorbereitende Kommission wird den Entwurf der Eialuten vorlegen. Da der Versuch eines Anschlusses an den Verband der Maler sich momentan als verfehlter erwiese» hat, so ist eS Pflicht aller in der Branche Beschäftigten.., durch ausnahmslose Betheiligung an dieser Versammlung aus«in« Festigung der örtlichen Organisation hinzuwirken. Die Kommission. Die Tpniidaiier Korbmairier haben ebenfalls Stellung ge» nommeu zu der letzten Submissto» ans Kugelkörbe. Wie ihre Berliner Berufsgenosseu, so wollen auch sie festhalten an dem Minimallohn von 4,S0 M. pro Korb; außerdem fordern sie eine 8>/öftündige Arbeitszeit. Zur Magdeburger Korbmacher- Konserenz werden S p i e l m a n n»nd Kirsche delegirt. Deutsches Reich. Siiiumtliche Former der Firma Jepfen u. Sohn in FlenS» bürg haben wegen Maßregelung eines Arbeiters die Arbeit nieder- gelegt. Die Arbeiter befanden sich seit längerer Zeit in Differenzen mit der Firma, weil sie die Einführung eines neuen Lohntarifs verlangten. Vor kurzem wurde der Wortführer ihrer Sache ent- laffen, worauf eine Versammlung der Arbeiter beschloß, die Arbeit einzustellen. Achtung, Metallarbeiters Wie wir bereits mittheilten, ist in Thal« in dem dortigen Eisenwerk ein größerer Ausstand im Entstehen begriffen. Den Arbeitern ist«in« nicht unerheblich« Lohn» reduftlon angekündigt, die eine starke Erregung hervorgerufen hat, so daß selbst der Hirsch-Dimcker'scbe Gewerkverein beschloß, für eine Arbeitsniederlegung einzutreten. Erwähnt fei, daß die Aktiengesell- schaft im letzten Jahre«ine Dividende von 12 pCt. vertheilte und der Direktor die Kleinigkeit von SS(WO Mark jährlich erhält, abgesehen von den Revenuen, die ihm ans der Gewinnbetheilignng zufließen. Trotz dieser fabelhaften Profite, die Direktion und Aktionäre einstreichen, will man an den dürftigen Löhnen der Arbeiter Reduktionen vornehmen und schließlich entrüsten sich dieselben Leute über den Terrorismns der Arbeiter, wen» diese sich gegen solche von Profitsucht diktirten Maßnahme» auflehnen. Die Arbeiter haben beschlossen, sollte am I. Februar die angekündigte Lohnreduzirnng stattfinden, die Massenkündignng einzureichen. Der gewählten Lohukommisfion gegenüber steckte sich die Direktion des Hüttenwerkes hinter die Erklärung, daß keine Lohnreduzirnng, sondern eine„Lohnregiilirmig" vorgenommen werden solle. Zuzug ist unter allen Umständen fernzuhalten. Ausland. In Schweden droht eine große Buchdrnckerei- Arbeiter- Aussperrung. Eine große Versammlung der Blichdruckereibesitzer hat nämlich beschlossen, die Forderung der Typographen, daß ein Zuschlag von 15 pCt. gewährt werden soll, abzulehnen. Wenn die Arbeiter diesen Beschluß mit Streikerklärung bei einer Firma beantworten sollten, wollen die Unternehmer hieraus eine allgemeine Aussperrung verfügen. Da ein Streik der Typs- graphen bei einigen Firmen sicher zu erwarten ist, steht wohl auch die allgemeine Aussperrung bevor. Soziales. Vorschriften über die Ordnung i» den Bäckereien hat auch der Stadtrath Dresdens erlassen. Tie vom 22. Nikv. v. I. datirte Verfügung lautet: 1. In den Geschäftsräumen der Bäcker und Konditoren, beim Backen und allen damit zusammenhängenden Verrichtungen, hat die größte Reinlichreil zu herrschen. Insbesondere solle» Waschbecke» und Spucknäpse in ausreichender Anzahl vorhanden und die Hand- tücher stets sauber gehalten sein. 2. Die Backstuben und Räume zur Aufbewahrung von Back- waareu, Mehl und dergleichen dürfen unter keine» Umständen zum Schlafen benutzt werden. Das tägliche Körperwaschen hat ausschließ. lich in den Schlafstuben zu geschehen. 3. Die Backtröge und Tische in den Backstuben dürfen nicht zum Ausruhen oder zum Ausstellen der Auflagen von Eßgeschnre» benutzt ivcrden. 4. Die Schlafstnben der Gesellen, Lehrlinge und Dienstboten sollen gesund sein und namentlich genügend Lust und Licht haben. Personen verschiedenen Geschlechtes dürfen nicht dieselbe Schiasstube benutzen. 5. Die Bäcker»md Konditoren haben ans den Gesnndheits- zustand ihrer'Arbeiter genau acht zu geben. Kranke, insbesondere an Hautkrankheiten(Ausschlägen u. s. iv.) Leidende, sind ohne »veiteres von der Arbeit auszuschließen. 6. Backwaaren, Mehl und dergleichen sind jederzeit in luftige» und trockenen Räumen aufzubewahren, nicht aber an Orte», wo sie dem Einflüsse schlechter Dünste, dumpfer Luft n. f. w. ausgesetzt sind. 7. Wer Bäcker- oder Ronditorwnnre» aus verunreinigten oder verdorbenen Stoffen herstellt oder verkauft, macht sich eines Ver> gehens nach§ 10 des Nahrungsmittel-Gesetzes schuldig und hat schwere Freiheils, und Geldstrafen zu gewärtigen. In Hamburg und Dresden ist nun dem Anspruch des Publikums auf reinliche Herstellung der Backwaaren und dem An- spruch der Bäckerei-Älrbeiter auf menschenwürdige Unterkunft einiger- maßen Rechnung getragen. In der R e i ch s h a u p t st a d t Berlin aber und ihren zahlreichen, dicht bevölkerten Vororten verlautet»och nichts davon, daß die Behörden beab- sichtigten, das Interesse des Publikums und der Arbeiter durch eine besondere Verordnung zur Geltung zu bringen. Gerade hier wäre eine solche Verordnung am nöthigste». Berlin ist Iber Hauptherd der gegen die bekannte Bundesrnthsverordnung gerichteten Be- strebungen der Bäckermeister. Mau kann daher annehme», daß die hiesigen Bäckermeister die behördliche Regelung ihres Betriebes am meisten zu fürchte» haben. Die Einführung des Proportional-Wahlsystems für daö Gewerbegericht ist in F r a u l s u r r a. M. von Magistrat und Stadtverordneten beschlossen worden. Ferner wurde die Amisperiode der Beisitzer auf zwei Jahre verlängert. Die Arbeiter in Arnstadt i. Th. kämpfen bereits seit dem Jahre 1891 um ein G e w e r b e g e r i ch I. Nachdem früher sowohl der Magistrat wie der Gemeindernlh die Errichtung abgelehnt hatte», erklärte sich im vergangenen Jahre der Gemeinderath im Prinzip für die Schaffung des G�werbegerichls. Bei diesem Beschlüsse wäre es aber wahrscheinlich auch geblieben,»venu nicht die Arbeiterschaft die Sache wiederholt in Erinnerung gebracht hätte. Infolge einer von 900 Arbeiter» nnlerzeichueteu Petition, worin die endliche Erledigung der Angelegenheil gefordert wurde, befaßte sich an» 25. Januar der Gemeinderath nochmals mit dieser Sache und beschloß einstimmig, auf Autrag unseres Parteigenosse» Henning, endgiltig die Errichtung eines Gewerbegerichts für Arnstadt. Ucber die gewerbliche Beschäftigung der Schulkinder wird in H a in b n r g eiiie amtliche Statistik aufgenominen. Die Oberschulbehörde hat an die Hnuptlehrer der öffentlichen Volksschulen Fragebogen versandt, die genaue Ermittelungen über Art, Dauer, Ort und Häufigkeit der Beschäftigung, durchschnittlichen Verdienst, das Alter der Kinder u. s. w. verlangen. Zugleich mit der Ein- sendung dieser Statistik soll an die Orts-Schulbehörde über die Wirkungen der im vorigen Jahre für Hamburg erlassene» Polizei- lichen Verordnungen beziehentlich über vorgekommene Nebertretnngcu berichtet»verde». Tie Mitarbeit der Franc» bei der öffentliche» Armen- pflege»vird, aus Beschluß des Rrmenkolleginms, bis l. April d. I. in sämintlichen Armenbezirke» Hamburgs eingesührl. Die Frauen treten erst auf Anordnung des Bezirksvorstehers in Thäligleit und zivar immer nur in Gemeinschaft mit dem für den betreffende» Fall bestimnite« männlichen Armenpfleger. Gegenstand der weiblichen Thäligkeit soll in erster Linie die intensivere Kinder-, Kraulen- und Wöchnerinnen-Pflege sowie die Fürsorge für diejenigen Pfleglinge sein, die»vegen ihres Alters oder ivegen Gebrechlichkeit der Armen- pflege dauernd anheimgefallen sind. Daneben wird von den» Ein- greifen der Frauen auch i» solchen Fälle» ein guter Erfolg erwartet, Ivo die Möglichkeit besteht, durch Verschaffung von Arbeit, durch Aufrichtung der Hauswirlhschaft oder in anderer Weise die Ursachen der Hilfsbedürstigkeit zu beseitigen. Unter der Gesi»ide-Ord»>l»g. Das D o m i n i u in R a a k e im schlesische» Kreise Oels veröffentlichte ein Inserat,»vori» es jedermann warnt, einen näher bezeichneten Knecht, der seine» Dienst ohne jeglichen Grund verlassen habe, in Dienst oder Arbeit zu nehmen. Dazu meint die„Breslauer Morgen-Zeitung": Ein Do- minium sollte viel zu vornehm sein, um eine» arme» Schlucker, und wenn er zehnmal gegen den Dienstvertrag sündigte, unler öffentliche Arbeitssperre zu stellen. Wie»Verden unsere Agrarier über die Forderung lachen, daß ein Dominium gegen Landarbeiter nobel sein solle! Dem echte» Agrarier ist ja die Gesindc-Ordnung und ihre scharfe Anivendnng durch Polizei und Gerichte noch viel zn milde. Hessisches Volköschnlwcse». Nach den neueste» Miltheilnngen der hessischen Zentralstelle für die Landesstalistik giebt es im Groß- herzogthnm Hessen 991 e i n s a ch e B o I k s s ch u l e n mit 2529 Lehr- krästen(darunter 183 Lehrerinnen) und einer Gesamnitschülerzahl von 156 391. Das macht im Durchschnitt rund 62 Schüler auf eine Lehrkraft. In 648 Schulen»var der Unterricht unentgeltlich, in 343 Schulen mußte leider noch Schulgeld be- zahlt werden. 890 Schulen sind S i m U l t a n s ch u l e n. Die noch bestehenden 101 konfessionellen Schulen(48 evangelische, 51 katholische und 2 israelitische) sollten längst in Simultanschnleu verwandelt sein. Leider ist der z»lr Zeit in der hessischen Regierung wehende Geist nicht dazu angethan, diese Umwandlung energisch zn betreiben. Außerdem giebt es in Hessen noch 32 erweiterte Volks- schulen mit 173 Lehrkräften und 4243 Schülern. Ferner bestehen 903 Fortbildungsschulen mit 24 109 Schülern. Aus 1000 Schüler der Volksschule kamen 31,1 Forlbildungsschüler. Der Totalverlnst an deutschen Seeschiffen betrug im vorige» Jahre 79 Schiffe mit einem Netlo-Raningehalt von 28 550 Tonnen. ArbciterglaShiitte in Albi. Ans Paris»vird uns ge- schrieben: „Die Klage der vier„anarchistischen" Söldlinge Resseguier's gegen die Glashütte hat auch vor dem Appellhofe mit der Vcrnrlhei- lung der Genossenschaft geendet. Die Entlassenen erhalten zusammen 6000 Frks.„Schadensersatz". Zur richtigen Würdigung dieses Urlheils sei bemerkt, daß selbst der Staatsauwalt die Veranstaltung einer ergänzenden Untersuchung über die Ursachen der Entlassung bean- tragt hatte. So überzeugend»var das vom Vertheidiger der Glas- Hütte beigebrachte Material zum Beweis dessen, daß die vier bösivillig und absichtlich ihre Entlassung herbei- geführt haben. Die betreffenden Thatsachen mögen nochmals kurz vorgeführt werden. Das Zcrwürfniß wurde von den vier provozirt durch eine monatelang betriebene Verleumdnngskampagne gegen die Verwaltung der Glashütte. Das proletarische Unternehmen, von Anfang an bnchnäblich im Kriegszustande mit den vereinigten Glasfabrikanten Frankreichs, sah sich nun auch von innen heraus mit den giftigsten Waffen bekriegt. Die Verleumder hatten den Erfolg nur bei der französischen Unternehmerpresse und bei de» deutfche» Tintenkulis vom Schlage der Herren Schiveinburg und Pastor Hülle. Selbst ihr Gönner, der zur Zeit im Pariser Aktionsausschuß der Glashütte sitzende Anarchist Pelloutier, mußte schließlich, angesichts des erwiesene» verlenm- derischen Charakters der Anschuldigungen, seine Schützlings preis- geben. Diese setzten indeß ihre Stänkereien fort. Eines Tages weigerten sie sich gar zu arbeilen, und vom Verivaltungsmitglied Renard zur Rede gestellt, antworteten sie mit Schimpsereien und selbst mir Androhung von Thällichkeilen. Sie wurde» daher. kraft des von den Arbeitern selber beschlossenen Reglements, für acht Tage ausgesperrt. Als sie dann trotzdem am nächsten Tage wieder in den Werkstätten erschienen, da erst riß den ehrlichen Arbeitern der Geduldsfaden und die General- Versammlung der Arbeiter beschloß(Dezember 1896) die Entlassung in namentlicher Abstimmung mit 113 gegen 21 Stimmen bei 16 Enthaltungen. Aber auch damit noch nicht genug. Im Januar 1897 wurde den Entlassenen die Wi ed e r a n st e l l u n g a n g e b o t e u unter der Be- dingung, daß ste sich verpflichten: 1. in Zukunft die Autorität des Verwaltungsrathes anzuerkennen, 2. dem Reglement sich zn fügen und 3. ihre Pflichten wie alle anderen Arbeiter zu erfüllen. Die vier zogen es aber vor, die Glashütte auf„Schadens- ersah" zn verklagen. Waren sie doch bei den Richter» von Albi. den bewährte» Hausknechten des französischen Stumm, Refföguier, ihrer Sache sicher, ebenso ivie der Unterstützung seitens des Glas- pascha's von Earmanx. Man sieht, daß sie sich nicht verrechnet haben. Und sie gehen noch weiter: sie verklagen jetzt die Glas- Hütte aus Herausgabe des auf sie entfallende» Theiles der Subskriptionsgelder(im Betrags von 44 000 Franks), welche das französische Proletariat für die ehrlichen Glasarbeiter bei- gesteuert hat. Der Umstand aber, daß das Appellgericht den Staatsanwalt übertrumpft hat, offenbart jedem Unbefangenen den rechtsbrecherischen Charakter des Erkenntnisses der richterlichen Hausknechte Ressöguier's jedem Unbefangenen, also nicht den Herren Schweinburg.»>d Pastor Hülle, die trotz aller Thatsachen, die wir ihnen unter die Nase ge- rieben habe», nach wi« vor über die Glashütte schimpfen, als wäre ihre Tintenkuli-Arbeit von den sranzösischen Stumm's besoldet." Gevichks-Seikttng. Tie Kölner GcrichtSverhandlnug wegen der gegen ein an- ständiges Mädchen verüülen Polizeithaten ist auch am Mitt- ivoch noch nicht zu Ende gekommen. Da der Vertheidiger sich außerstande erklärte, noch zn plädiren, so ivnrde die weitere Verhandlung auf Freitag Vormittag 9 Uhr vertagt. Beachlenswerth ist aber, daß der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer die Freisprechung des angeklagten Schutzmanns Kiefer beantragte. Kiefer habe sich in einem„unglückseligen Jrrthnm" befunden, derBcamte sei der Meinung gewesen, er nehme mit recht die Verhaftung vor. So viel stehe jeden- falls fest, wäre Milhelmine Faßbinder ruhig mitgegangen, dann wäre nicht die Körperverletzung und ebenso wenig die Gesundheils- schädignug erfolgt. Auch eine öffentliche Beleidigung tonnte der Staatsanwalt nicht für vorliegend erachten, so lange der Nachweis nicht erbracht ist, daß der Angeklagte den Vorsatz halte, die Wilhelmine Faßbinder in ihrer Ehre zu kränken und zn be- leidigen. Betreffs der Freiheilsentziehnng könnte höchstens das Moment der Leichtfertigkeit in belracht kommen. Nach der all- gemeinen Judikatur unterliege die Beurtheilung, inivieiveit ein Beamter leichtfertig gehandelt habe, aber der vorgesetzten Behörde.— Ein solches Plaidoyer ist unbezahlbar i» dem Staate, in welchem ausständige Arbeiter, welche Streikbrecher durch ein paar Drohivorle an freiwilliger Arbeit hindern, auf Betreiben der Anklagebehörden ständig mit der üblichen„schwersten Strafe" belegt werden! Aus der Verhandlung vom Mittwoch seien noch einige Episoden angeführt. Nachdem verschiedene private Zeugen noch die Rohheit des bekannten Vorganges geschildert hallen, sagte der Zeuge Schutzmann Peters ans: Er sei früher Beamter der Sitten- polizei gewesen. Es sei üblich, daß, wenn eine Frauensperson in verdächtiger Gesellschaft betroffen werde, sie behufs Feststellung ihrer Personalien festgenommen werde, auch ivenn sie in Kleidung und Haltung nicht ausfällig erscheine. Er sei seit 1894 Polizeibcamter und kenne den Erlaß von 1891 nicht.— P o l i z e i k o m m i s s a r Schneider, der als Zeuge erscheint, bekundet: Kiefer sei ein sehr tüchtiger, umsichtiger, ruhiger und gewissenhafter Beamter, der der Sittenpolizei große Dienste geleistet habe. Kiefer habe ihm versichert. er habe die Wilhelmine Faßbinder für eine Dirne gehalten, er bedauere aber diesen von ihm begangene» Jrrthili».— Präs.: Sie werden mir doch aber zugeben Herr Kommissar, daß, wenn Kiefer seinen Jrrlhum bedauerte, es nahe gelegen hätte, zu Faß- b i n d e r zu gehen und der Familie sein Bedauern über de» von ihm begangene» Jrrthnm auszusprechen?— Polizcikoinmiss.ir Schneider: Allerdings.— Ans Befragen des Verlheidigers be- kündet noch der Zeuge: Ein Sitte»- Polizeibeamter habe nicht das Recht, eine Frauensperson, wenn diese nicht unler Kontrolle stehe, auf bloße Verdächtigungsgründe hin, zu verhasten. Er dürfe sie lediglich beobachte», und wenn sei» Verdacht sich bestätige, d. h. wenn die verdächtige Frauensperson Herren auf der Straße an- spreche n. s. w.. müsse er sie behufs Feststellung ihrer Personalicn und insbesondere ihres Gesundheltszuftandes verhaften. Da der Angeklagie die Wilhelmine Faßbinder für eine Dirne hielt, so sei er wohl berechtigt(!) gewesen, die Verhaftung vorzunehmen. Sehr bezeichnend sür die Gefahren, denen im preußischen Polizei- staate anständige Frauen ausgesetzt sind, ist noch eine an den hier passirten Fall Köppen erinnernde Angelegenheit, die in der Ver- Handlung zur Erörterung kam. Auf Antrag des Vertreters der Nebenklägeri». Rechtsamvalt Dr. Scheiff, erscheint als Zeugin Frä»- lein H a r t m a n n aus Jülich. Tie junge Dame gehl sehr elegant gekleidet, sie macht aber nicht den Eindruck einer Prostitnirten. Die Zeugin, der es angenscheinlich sehr unangenehm ist, hier erscheinen zn müssen, bekundet folgendes: Im Monat März vorigen Jahres wohnte ich bei meinen Eltern in Bergifch-Gladbach. Ich war eines Tages mit einer Freundin in Köln und hatte mit dieser den Nach- mitiagszug nach Bergisch-Gladbach versäumt. Wir konnten daher erst mit dem Abendzuge nach Bergisch-Gladbach zurückfahren. AbendZ gegen 7 Uhr gingen wir durch die Minoriteustraße. Da wurden wir plötzlich von den Siltenschutzlenten Kiefer und Sichtig an- gehalten und nach unseren Namen gefragt. Wir nannten unsere richtigen Namen, wurden aber trotzdem aufgefordert, zur Wache zu folgen. Wir sagten, daß wir den Zag nach Bergisch-Gladbach versäumt hätten und jetzt mit dem Abeudzuge zurückfahren wollten. Wir zeigten den Schutzleuten unsere R e t o u r b i l I e t s und einen Brief aus Aachen, in dein mir dort eins Stellung als Ver- känserin angeboten wurde. Dies alles wurde jedoch von den Beamten mit Lachen zurückgewiesen und wir wurden aufgesordert, zur Wache zu folgen. In diesem Augenblick kam der Sohn des Fabrikbesitzers Zimmermann aus Bergisch-Gladbach, der uns legiliinirte. Herr Zimuiermaun, der auch zur'Wache folgte, wurde sowohl zuerst aus der Straße als auch auf der Wache zurückgewiesen. Mein Vater arbeitet in der Fabrik von Zimmermann in Bergisch-Gladbach. Ans der Wiche gab ich an, daß ich früher in einem Geschäft in der Schildergasse in Köln als Arbeiterin beschäftigt war. Wir wurden trotz alledem die ganze Nacht ins Polizeigefängniß gesperrt und erst am folgenden Morgen entlassen.— Präs.: Haben Sie sich deshalb beschwert?— Zeugin: Nein, ich wollte nicht in die Oeffcntlichkeil gezerrt werden. Erst als da? Fräulein Faßbinder von Kiefer verhaftet wurde, habe ich eine anonyme Beschwerde eingereicht. Das Abladen von Schutt und Miifl darf nach einer Berliner Polizeiverorduung vom 26 Juni 1893 nur auf den zur Zeit be- stehenden, von der Stadt eingerichteten oder auf den gemäß besonderen Vorschriften angelegten Abladeplätzen erfolgen. Wegen Vergehens hiergegen sollten zwei Kutscher Namens Meier eine Geldstrafe zahlen. Sie hatten auf dem Hinterlande eines Grund- stücks in der Müllerstraße im Eiuvcrständniß mit dem Grundbesitzer Schutt abgeladen. Die Kulscher beantragten richterliche Entscheidung und beriefen sich darauf, daß der Eigeiithünier des Landes mit ihrem Thun durchaus einverstanden gewesen sei und daß er auf seinem Grundstück dulden könne, was er wolle. Schöffengericht und Landgericht sprachen die Angeklagiea frei, indem ste annahmen, die Polizeiverordnnng sei unler dni ob- waltenden Umständen nicht anzuwenden. Die Slaatsauwaltichaft legte Revision«in und machte geltend, selbst wenn der Eigenlhümer des Grundstückes ein Interesse an der Ausschüttung seines Landes gehabt und feine Einwilligung dazu gegeben hätte. seien die Angeschuldigten strafbar. Straflos wären sie nur, wenn außer dem Eigenthümer auch die Polizei sich init dem Abladen des Schuttes ans jenem Grundstück ei»- verstanden erklärt hätte. Das K a m in e r g e r i ch t schloß sich dieser Auffassung an, hob die Vorentscheidungen auf und verurtheilte die Angeklagten zu der zulässig niedrigsten Strafe von je 1 Mark. Der Wortlaut der Verordnung sei maßgebend. Der Eigenlhümer als solcher habe nicht das Recht, zu dem betreffenden Zwecke über sein Eigenthum frei zu verfüge», da die Verordnung aus sanitäts- polizeilichen Erwägungen erlassen sei. „Die Bci traucnSscligkeit des Gewerbestandes grenzt manchmal ans Unglaubliche. Während ehrliche, fleißige Menschen sich oftmals stets vergeblich um Erringung einer Stelle bemühen, haben viel- bestrafte Subjekte sehr häufig das Glück, VertrauenssteNnngen zu erhalten, die sie dann zu Veruntreuungen aller Art aus« beuten. Der Gewerbestand müßte denn doch etwas vor- sichtiger werden!" Solche Betrachtungen stellte der Vorsitzende der dritten Straskanimer, Landgerichts-Dircktor R ö s l e r, bei der Verhandlung einer Anklage wegen Diebstahls bezw. Unterschlagung gegen den Handlungskoinmis Paul Löschte an. Dieser wiederholt vorbestrafte Mann hatte in der That das Glück gehabt, nach kurzer Mübe Stellungen als Verkäufer bei hiesigen Materialwaarenhändlern zu finden, ihm wurde ohne weiteres die Ladenkasse und das Waareu- lager anvertraut und er hat es nicht über sich vermocht, seine Hände von dem fremden Eigenlhum zu lasse». Der Vorsitzende wies die Belastungszeugen wiederholt darauf hin, daß sie ihr Geld nicht dadurch wiederbekommen, daß der Angeklagt« ins Zuchthaus geschickt wird; es sei viel empfehlenswerther. bei der Annahme dcS Personals vorsichtiger zu sein. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. Rechtsanwall Leonh. Friedmann erwirkte seinem Klienten mildernde Umstände, so daß der Gerichtshof ans e i n I a h r G e f ä n g n i ß und 2 Jahre Ehr- verlust erkannte. Offenbares Pech hat ver Kutscher Karl Fähndrich bei dem Vorfalle gehabt, der z»r Erbebung einer Anklage ivegen Urkunden- fälschuug Anlaß gegeben hat. In der vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I geführten Verhandlung wurde folgendes fest- gestellt: Der Angeklagte hatte als Kutscher eines Speditionsgeschäftes mehrere Ballen Tuch bei verschiedenen Kaufleuten abzuliefern. Dabei passirte ihm das Unglück, daß er irrthümlicher Weise an einer Stelle einen Ballen z» viel ablieferte, so daß dieser ihm schließlich fehlte. Da er sich das Fehlen nicht erklären konnte und befürchtete, seine Stelle zu verlieren, so suchte er sich dadurch zu helfen, daß er eine Empfangsquittung über diesen Baven fälschte, so daß es so aussah, als sei das Kolli an seine richtige Adresse ge- langt. Tie Fälschung wurde aber bald entdeckt und F., der schon einige Vorstrafen erlitten hat und deshalb der Unterschlagung verdächtig war, in Nntersuchungshast genommen. Nach einigen Tagen meldete sich aber die Firma, bei welcher der Ballen auS Jrrthnm abgeladen worden war und der Angeklagte, von welchem dadurch der böse Verdacht genommen worden war. wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Er mußte sich nun aber ivegen der Urkundenfälschung veraunvorte». Der Staatsanwalt erkannte an, daß der Fall außerordeutlich milde liege, und beantragte daher nur 14 Tage Gefängniß. DaS Urtheil lautete gegen den Bedauernswerlhen jedoch auf sechs Wochen Gefängniß. Depesäjen und letzte LlncheUtzken. Köln, 27. Januar.(W. T. B.) Die„Köln. Zeitung" meldet: Der Ausstand der Weberinnen der Kölnischen Spinnereien und Webereien ist wieder beigelegt worden. Paris, 27. Januar.(W T. B.) Die Deputirtenkammer be- schloß auf'llntrag des Ministers des Innern Barthou mit 323 gegen 2ll Stimmen, die Besprechung der Interpellation Samary über die Unruhen in Algier auf den 10. Februar zu vertragen. Rom, 27. Januar.(W. T. B.) Die Behörden haben be- schlössen, die für nächsten Sonntag angesetzte öffentliche Bersaünnlin'g der Radikalen und Sozialisten, sowie überhaupt jede Versammlung oder Kundgebung an einem öffentlichen Orte zu verbieten. Rom, 27. Januar.(W. T. B) Ter Abendzug Rom— Albano stieß etwa 300 Meter vom hiesigen Bahnhofe ans eine rangirende Maschine. Die Maschine des Zuges und der Gepäckwagen wurden zertrümmert. 26 Personen, sowohl Beamte wie Reisende, wurden verletzt. Dem Anscheine nach trifft die Schuld an dem Unfall einen Weichensteller, welcher alsbald verhastet wurde. Nachdem das Gleis wieder frei gemacht war, fuhr der Zug weiter. Baku, 26 Januar. Seit Mittag brennt im Vororte Tschernyi- Gorod ein Navhlha-Wcrk mit der dazugehörigen Pumpstation. Bis- her sind zwei Reservoire mit 500 000 Pud NapHlHa veibramit. Auch Menschen solle» dabei verunglückt sein. Konstantiuopel, 26. Januar.(W T. B) Infolge der Pest- epidemie in Bombay werden die Proi'-nieiizen ans dem Pirnsttien Golf, aus Mascat und Mahaininern mit einer doppelte» zehntägigen Quarantäne in den Lazarelhen von Bassocah und Kamaran belegt. Der Eintntt nach Tscheddah ist gänzii.c.»erboleit. Konstautinopcl, 27. Januar.(W. T. B.) Ter Verkehr in der türkischen Hauptstadt ist durch den seit drei Tagen Kerrschende» Schneesturm vollständig ins Stocken gcralhen. Der Wageuverkehr ist ganz eingestellt. Es mangelt an Lebensmittel».— Ans dem Schwarzen Meer sind zahlreiche Schiffsiinsälle vorgekommen. - Buenos Aires, 27. Januar.(Meld, des„Reuter'schen Bnr.") In einer Pulverfabrik in Flores fand eine Explosion statt, bei welcher II Personen uin's Leben kamen s Hierzu 1 Beilage n. Nilterhnttuugsblatt. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Sur den Jnseratenthcil verantworttich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. »It. 28. 15. KtilU Ks Joraiütls" fittlintt fioHislilatt. m«.«■?■■■•■ m. NoutmunAles. Der AttSschnft der Stadtverordneteii-Vetsammlung zur Vor- bernt�uug der Mogislratsvorlnge ivege» Älukonfs eines 47V7 Quadrat- Nieter probe», dein Kommerzienralh Lüdecke gehörigen, an der B e r g m a n n st r a ß e gelegenen Grundstücks bebuis Eirichtung einer Gemeinde-Doppelschule hat am Mittwoch Abend unter Vorntz des Stadtverordneten Banmgarten beschlossen, der Versannnlnng zu enipfehlen, sich mit der Vorlage des Magistrats einverstanden zu erklären, jedoch den Preis, der vom Magistrat auf 1l7 M. für das Quadratmeter festgesetzt ist, auf IIS M. herabzin mindern. Der Ivegcn einlicitlichcr Regelung dcö städtischen S»b »lissiviiswcseuS von der Siadtveroidnelen-Versammlung nieder- gesetzte An-scbnß hat beichlosse», der Versammlung zu empfehlen, von den erlassenen allgemeinen Grundsätzen Über die Vergebung von den städtischen Arbeiten und Lieferungen im Subinissioiisverfahren iteniiliiiß zu nehmen, gleichzeitig aber den Magistrat zu ersuchen, die in Geltniig besiadllchen allgemeinen Subinissionsbedingungeii und so weit sie zum theil gegenwärtig einer Durchsicht unterliegen, »ach Beendigung dieser Durchsicht dem Ausschusse zur Prüfung vor- zulegen. Die Werder'schen Mühlen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat jetzt dahin Anordnung getroffen, daß das G>undstück der ehemaligen Werder'schen Mühlen an der südöstlichen Ecke der SchloßsreiKeil an die Stadtgemeinde Berlin aufgelassen werde. Die Stadtgemeinde hat dagegen die Verpflichtung zu übernihmen: 1. das gesaminte Gelände der Schloßsreiheil einschließlich des fiskalischen Grundstücks als den zum theil mit dem Kaiser Wilhelm-Denkmal besetzten Platz städtischerseits in einer diesem Zwecke angemessene» Weise dancrnd als Schmnckplatz zn unterhalten und 2. für die Staatsbehörde mit Rücksicht aus die daselbst erforderlichen Vor- flnth-Anlagen die ungehinderte Absührnng des Hochwassers und den jederzeitigen Zutritt zu dem Stauwerke sicher zu stellen. Uokales. 5l« dle Vorstände der Gewerkschaften. Wahlvereine ,c. richten wir die Bitte, auf Touuerstag, de» 10. Febrnar, keine Versammlungen einberufen zu wollen, weil an diesem Tage seitens der Vertrauenspersonen in den sechs Berliner Wahlkreisen Versammlungen zur Aufstellung der sozialdenio- kratischen Reichstags-Kandidaten anberaumt werden De» Parteigenossen»nd Genossinnen deö S. Reichstags� Wahlkreises zur Nachricht, daß in der am Sonntag Abend b'/e Uhr bei Znbeil, Lindenstraße 10S, stattfindenden B o l k s v e r- sammlnng Herr Dr. med. Ralkowski das Thema«Stoffwechsel und Ernährung" behandeln wird. Nach der Versammlung folgt ein gemüthliches Beisammensein. Die Parteigenossen nnd Genossinnen deS sechsten Reichs- tags-Wahlkreises werden auf die Volksversammlung auf- merksam gemacht, welche am Sonntag, abends 6 Uhr, im Kösliuer Hof, Köslinerstr. 8, stattfindet. Unsere Parteigenossin Frau E. Ihrer spricht über Kinderarbeit und Kindererziehung. Nach der Versammlung gemüthliches Beisammensein mit Tanz. Der Vertrauensmann. Arbeiter-Bildnngöschule. Die Parteigenossinnen und Genossen weisen wir nochmals auf das morgen, den 29. d. M., abends 8 Uhr, stattfindende 7. Stiftungsfest der Arbeiter- Bildungsschule im „Böhmischen Brauhaus". Landsberger Allee 11—13, hin. Herr G. W i n k l e r wird durch Vortrag des Prologs von Ernst Preczang die Feier einleiten, welchem GesangSvorträge von Frau E. F e i n i n g e r(Sopran) folgen werden(Kompositionen von Franz Schubert, Rich. Wustandt. Henning v. Roß. Joh. Brahms nnd Franz Abt). Deklamalibn des Herrn Richard Preczang (n. a.„Pidder Lüngg" von Detlef v. Lilieneron,„Der Handwerks- bursche" von Ernst Preczang, sowie Dichtungen von Ernst Klaar, Ludwig Pfau nnd Alexander Pelöfi). Den Mittelpunkt des Pro- gramms bildet das Trio B-dur sp. 99, in 4 Sätzen(Klavier, Violine und Cello) von Franz Schubert. Die Festrede hat Herr Schrift- steller Robert Sch weiche! freundlichst übernommen; Herr Theodor Scheer(Tenor) wird«Im Walde", von Wallbach. und„Spielmannslied" von Gumbert singen. Die Klavierbegleitung liegt in den Händen von Fräulein Henny Rüben.— Die sorgfältige Zusammenstellung des Programms sowie die Namen der Mitwirkenden sprechen dafür, daß dieses Fest wieder eine jener Veranstaltungen sein wird, wie die Arbeiter-Bildungs- schule solche schon seit mehreren Jahren arrangirt hat und allseitigen Beifall fanden.— Um jede Störung zu vermeiden, werden die Saal- thttren während der Vorträge geschlossen und ist daS Rauchen nicht gestattet. Di« Billets k 40 Pf. löse man frühzeitig in den Zahl- stellen der Schule oder der Freien Volksbühne oder in den mit Plakaten belegten Handlungen. Pünktliches Erscheinen ist im Jnbir- effe des guten Gelingens dringend nothwendig.— Man dars von der Berliner Arbeiterschaft sicher erwarte», daß sie sich diesen Kunst gennß nicht entgehen lassen wird. Der Zentralberein für Arbeitsnachweis in Berlin hat durch Statutenänderung beschlossen, ein Kuratorium zur Milwirknng bei der Verwaltung und Beaufsichtigung deS Arbeitsnachweises, Abthei- lung für»ngelernte Arbeiter, einzusetzen. Das Kuratorium soll aus je 4 Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie aus je 4 Ersatz- männern«nd zwei Mitgliedern des Vorstandes bestehen. Diese Körperschaft soll die Aufsicht über den gesammten Betrieb des Arbeits- Nachweises führe», ferner über Beschwerden der den Arbeitsnachweis benutzenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer entscheiden, sowie über zweckdienliche Reformen des Betriebes berathen und die erforder- lichen Anträge beim Vorstände des Zentralvereins stellen. Der Vorstand hatte dem Berliner Gewerbegericht, Ausschuß für Gutachten und Anträge, die Angelegenheit unterbreitet und be- antragt, im Falle des Einverständnisses die Wahl der dem Kura- torium augehörigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Aus- schuß stattfinden zu lassen. Kommt auf diesem Wege eine Wahl nicht zu stände, so solle» die Vertreter und Ersatzmänner des Kuratoriums durch den Vorstand deS Zentralvereins ernannt werden. Der Ausschuß des Berliner Gewerbegerichts hat nun am Mittwoch über die Zlngelcgenheit beralhen. Vor Eintritt in die Ver- Handlungen gaben Magistrats»ssessor Dr. Freund und Enno, Mitglieder desVorstandes, über verschiedenedenArbeitsnachweis betreffende Fragen Auskunft. In der Verhandlung erklärten sich die Arbeitgeber des Ausschusses bereit, sich an der Wahl des Nnratoriums zn betheiligen, verlangten aber, daß sowohl den Vertretern der Arbeitgeber als auch denen der Arbeitnehmer des Kuratoriums Sitz und Slimiue im Vorstand eingeräumt werden müsse. Hiergegen hatten die Arbeit- nehmer des Ausschusses verschiedene Bedenken, im übrigen erklärten sie sich bereit, an der Wahl zum Kuratorium mitzuwirken. Sie hielten aber für nothwendig. über die Frag« mit ihren Kreisen noch nähere Fühlung zu nehmen. Die Sitzung wurde deshalb vertagt. Wenn auf grnnd der Anträge der Arbeitgeber eine Einigung erreicht wird, soll innerhalb 14 Tagen zur Vornahme der Wahl zum Kuratorium eine neue Sitzung stattfinden. Tic göttliche Weltordnung, welche die Proletarierfrau zwingt, außer dem Hause zu srohnden und ihre Kinder unbeauisichtigt dem Zufall preiszugeben, hat am Mittwoch abermals zwei junge Menschenleben als Opfer gefordert. Bei einem Brande find zwei Kinder der Kutscher Richter'lchen Gh,tleute ans der Stephanstr. 3 erstickt. Fran Richter ist als eine äußerst fleißige Frau bekannt, die ihren Mann im Erwerb des Lebensiinterhalts unterstützt. Sie besorgt Wäsche, hat eine Aufivartcstelle und trägt außerdem noch Ardeitern Mittagessen nach der Borsig'schen Fabrik. Dadurch ist sie gezwungen, ihre Kinder oft allein zu lassen, da auch der Mann nur selten zu Hause ist. So war es auch am Mittwoch. Fran Richter ging um 9 Uhr vorniittngs nach ihrer Anfwarlestelle in der Lehrter-Straße. Ihre beiden Kinder, den 4 jährigen Emil und den 2Vs Jahre alten Eduard, ließ sie in der ans Stube und Küche de- stehenden im vierten Stock gelegenen Wohnung zurück. In der Küche fanden nun die Kinder einen Korb mit trockener schmutziger Wäsche, mit dem sie spielten. Unglücklicherweise bekamen sie eine Schachtel mit Streichhölzern in die Hand und das Ende war, daß ein brennendes t blzchen in den Korb siel und diesen in Brand setzte. Obgleich sich keine lamme entwickelte, so griff das Feuer doch auch aus den Fußboden und von diesem auf den Kückientisch, den Stuhl und das Bett über. Alles verkohlte langsam. Bald entwickelte sich ein starker Qualm, der die ganze Wohnung erfüllte. Die Kinder haben in ihrer Angst nicht um Hilfe gerufen und schließlich das Bewußtsein ver- loren. Leute ans dem Nackibarhanse wurden zuerst auf den Qualm aufmerksam, der ans der Richter'schen Wohnung hervordrang, und theilten ihre Wahruehniungcn den Ha»is- bewohner» niil. Der Tischler Pfannenschmidt eilte sofort hinauf und öffnete die Wohnung, die mit einem nndurch- dringlidien Qualm angefüllt ivar. Er löschte zunächst den brennenden Fußboden und fand in der Küche besimiungslos den älteste» Knabe» Emil liegen; auf den Flur hinausgetragen, gab er bald Lebenszeichen von sich und wurde dann weiter behandelt. Der kleine Eduard lag auf dem Bette, auf das er wohl in der Angst hinanfgekrochen war. Er war bereits erstickt; alle Versuche, ihn ins Leben zurückzu- rufen, blieben erfolglos. Emil erholte sich soweit wieder, daß er über die Entstehung des Feuers Auskunft geben konnte, nur wußte er nicht, ob ihm selbst oder seinem Bruder das brennende Streichholz entfallen ivar. Aber nach kurzer Zeit ver- schlimmerle sid) sein Zustand wieder und nach einigen Stunden starb auch er, sodaß die Familie beide Kinder ver- loren hat. Wenn der Arbeiter mit Hilfe seiner Organisation höhere Löhne erringen will, um seine Familie alleine ernähren zn können, so stehen ihm sämmtliche Jnleressenlen der„göttlichen Weltordming" in geschlossener Linie gegenüber. Er wird dann Stieikdruder, Faul- lenzer, Rädelsführer geschimpft, übt eine„unheilvolle Thälinkeit" ans und verwirkt zuweilen, che er sich dessen versieht, die„höchste Strafe". Alles zu Ehren und zum vermeintlichen Schutze der„gött- lichen Wcltordnung". Tie schon oft gehörte Klage, daß mit den öffentlichen R e t t u n g s b ä l l e n nnd Retlnngskähnen von nnverstäudigen Personen ein flegelhafter Unfug getrieben wird, kehrt auch in dem letzten Bericht der städtischen Siraßenreinignng wieder. Die Sachen werden zum theil mulhwillig beschädigt oder gar zerstört, ins Wasser geworfen oder verschleppt, so daß sie oft tagelang gesucht werden müssen. Es vergehe kaum ein Tag, au dem nicht über derartige Ungehörigkeitcn zn klagen iväre. Vielleicht nutzt es, wenn in den Schulen vor solchem Unfug gewarnt wird. Seltsam ist es aller- dings, daß die Polizei, die doch sonst öffentlich verübte Ungehörig- keilen mit Eifer ahndet, derartige Fälle anscheinend selten entdeckt. Zur Förderung des Schnlcrrudcrus will der deutsche Kaiser 35 000 M. stiften, lür welche Summe die sämintlichen Berliner Schüler-Rudervereinigungen sich einen eigenen„Uebungsplatz mii besou- derein Bootshause und Rndermaterial anschaffen sollen. Es versteht sich, daß Genieindeschulen hier nicht in betrachl kommen. Der Kaiser nennt in der gestern erschienenen Verfügung das Rudern„eine für die Schüler höherer Lehranstalten so heilsame Leibesübung." Bon pädagogischer Seite ist, wenn wir uns recht erinnern, mehrfach darüber geklagt worden, daß die Herren Jmigens ob des Sports das Lernen vernachlässigten. Ein hiesiges, sehr„national" gesinntes Blatt, die„Verl. N. Nachr.", bemerkte gestern in einer Besprechung des Erlasses: „In Lehrerkreisen sah man namentlich nicht ohne Besorgniß, daß der Fleiß nnd das Interesse der Schüler an den einzelnen Unterrichlsgegenständen zumal während der Sommermonate durch eine ausgedehnte Beschäftigung mit dem Rudersport stark beeinträchtigt wurden, zugleich machte sich ein Nachlassen in der Disziplin bemerkbar, auch unerwünschte ge- sundheitliche Folgen sind nicht ausgeblieben. Diesen Miß- ständen wird durch den Erlaß vom heutigen Tage fortan wesentlich vorgebeugt." Der Erlaß setzt nämlich fest, daß die Oeffentlichkeit beim Schülerrudern auszuschließen ist, ein Arzt zugegen sein muß n. s. w. Die arbeitende Bevölkerung wird durch diesen „Erlaß", sowie durch eine Reihe anderer zur Feier des Tages be- kannt gegebener Auordnunge» und Ordensverleihungen, von denen der„Reichs-Anzeiger" in einer Extra-Ausgabe berichtet hat, nicht weiter berührt. Auch gestern haben die Hoflieferanten und solche Geschäfts- inhaber, die es werden möchten, ihr Spesenkonto entsprechend belastet. Die innige Freude darüber, daß der Kaiser in sein vierzigstes Lebensjahr eingetreten, hatte die Chefs der größere» Kauf- bazare angetrieben, sich womöglich noch auifallender in greller Dekorationspracht hervorzuthun, als dies in früheren Jahren geschehen. Es war wiederum wahrzunchmen, daß die jüdischen Unternehmer ihren Patriotismus zum mindesten ebenso bunt leuchten ließen, wie die Bourgeois von angeblich germanischer Abstammung; wollten die Antisemiten gerecht sein, so müßten sie an- erkennen, daß sie im Punkte loyaler Strebsamkeit von den Manheimer, Gerson n.'s. w. noch manches lernen können. Daß die theuren Auswendungen von Geschmack oder gar von originalem Kunstverständnib Knude gaben, ließ sich nur sehr, sehr vereinzelt behaupte». Der Berliner Patriot ist nun einmal für das Schreiendbnnte nach Schema? eingeiiommeii; er fühlt sich innerlich schon befriedigt, wenn die Zeichen setner Königstreue nur recht scharf in die Augen stehen. Sehr sinnig hatte ein bekannter Theehändler in der Leipzigerftraße sein Geschäft mit chinesische» Reichsflaggeu geschmückt. In ihrem Schalten wollte sich am Nachmittage ein blinder Streichholzhändler mit seinem als Führer dieneiiden Knaben auf einig? Augenblicke niedergelassen. Diese freche Störung des Dekorationseffckls wurde in> Laden be- merkt, und flugs erschien ein Handlungsdiener auf der Straße, um den Proleten mit gehörigem Nachdruck vom Schaufenster zu vertreiben. Ungemein putzig that sich der Servilismus gewisser Leute hervor. Am Potsdamer Platz fuhr eine geschlossene Hoskutsche vorbei. Dies war von einem Patrioten in Gigerltracht bemerkt worden. Als der Wagen noch ein gutes Stück von ihm entfernt war, hatte der komische Mann sich bereits in Positur gebracht, ehrfurchtsvoll den Schädel entblößt, und nun folgte ein Bückling voll Zwerchfell- erichülternder Grandezza. In Proletarierkreisen erregle es allge- ineine Befriedigung, daß der gestrige Tag nicht wie der vorjährige 22. März z. B. zum Feiertag erklärt worden war, und die Profit- Patrioten somit keine Gelegenheit hatte», die Arbeiter um den schuldigen Lohn zu bringen. Wilhel», II. Hiesige Blätter berichten: Kaiser Wilhelm II. besuchte vorgestern die Georgenkirche. Er ließ die Glocken läuten nnd besichtigte die Einrichtung, die mit Hilfe der Elektrizität das Geläute in Bewegung bringt. Als man nach dem Verlassen des Thurms wieder draußen vor dem Portal des Gotteshauses sich befand, blickte»ach einem hiesigen Blatt der Kaiser, dem Schall des noch forttönenden Geläuts folgend, zum Thurm hinaus und sagte: „Merkwürdig ist es doch! Solches Glockengeläut haben die Chinesen schon vor vielen Tausend Jahren gehabt!"„Majestät", erwiderte hierauf Superinteiident Wegener, „da können wir vielleicht noch etwas in Kiaotschau lernen."„Nun", erwiderte der Kaiser,„dazu wäre jetzt allerdings die beste Gelegen- heit geboten, denn drei Kirchen müssen sie uns dort bauen." Tie Kaiser!» hat der Frau Kommerzienrath Hermann Gilka die silberne Verdienstbrosche am weißen Baude verliehen. Der Personenbahnhof der Nordbahn, der mit dem I. Febr. durch die Verlegung des Verkehrs frei wird, soll noch in drefem Sommer abgebrochen werden. Ter Platz vor dem Opernhanse, dessen Zustand zu vielen Klagen Veranlassung gegeben hat, wird in diesem Jahre neu- gepflastert. Der«en« Fahrplan der Nordbahn, welcher mit Verlegung des gesammten Verkehrs vom Nordbahnhof nach dem Stelliner Bahnhof in kraft treten wird, ist nunmehr erschienen. Derselbe bringt verschiedene wesentliche Veränderungen. Von resp. nach Berlin verkehren täglich je 19 Züge in ungefähren Abständen von je 40 bis 70 Minuten. Der Fahrplan ist derartig eingcrichlet, daß innerhalb der letzten 25 Mimiten einer jeden Stunde ein Zug den Vororlsbahnhof in der Jnvalidenstraße verläßt. Der letzte Zug wird um 12 Uhr 7 Min. von hier nach Oranienburg abgelassen Die Fahrtdauer vom Stelliner Bahnhof bis zum neue» Bahnhof Gesundbrunnen ist ans 6 Minuten festgesetzt. Für die ganze Strecke ist die Fahrzeit um eine Minute verkürzt. Auch für die Züge nach Kremmen ist ein geänderter Fahrplan vorgesehen. Die Dauer der Fahrzeit für diese Züge ist um 3 Minuten erhöht, eine Differenz, welche durch die Verlängerung der Linie nach dem Stettiner Bahnhof herbeigeführt ist. Der letzte Zug, der auf dem alten Nordbahnhof zur Abfertigung gelangen wird, ist der am 31. Januar dortselbst 11 Uhr 55 Min. von Oranienburg eintreffende Vorortszng. Die Fahrpreise auf der Nordbahn sind durch die Aendcrnng einer Erhöhung unterworfen, die durch die Verlängerung der Strecke um zirka einen Kilometer bedingt ist. Elektrische Straffeubahncn. Außer den Straßenbahnen Schöne» berg-Alexandeiplay und Deinminerstraße-Krenzberg sollen dem Ver- nehmen nach in diesem Jahre noch elektrischen Betrieb erhallen die Strecken Alexanderplatz-Stollendorsplatz, Ringbahn, Küstriner Platz- Zoologisckzer Garten, Schlesisches Thor- Großgörschenstraße und Alexanderplatz-Hansaplatz. Die Große Berliner Pferdeeiseubahn-Gesellschaft hat«S abgelehnt, dem Verlangen der städtischen Verkehrs-Deputation, die Pferdebahnlinie Dönhoffsplatz— Friedrichsfelde von der jetzigen Endhaltestelle vor Friedrichsfelve bis zn der bei dem Dorfe Biesdorf belegenen städtischen Anstalt zu entsprechen, da eine Rentabilität dieser Linie dauernd ausgeschlossen sei. Andere Gesichts- punkte als die der Rentabilität können bei der Großen Berliner auch nicht gut maßgebeud sein. Vor allem darf man von ihr keine Wahr- nehmung des öffentlichen Interesses verlangen. Zeugeuanfruf. Am 17. Dezember v. I., 8 Uhr abends, hat ein Radfahrer ein älteres Ehepaar bei der Adlerbrauerei in der Bad- straße durch»»vorsichtiges und sckinelles Fahre» umgeworfen. Zeugen des Borsnlles werden dringend gebeten, sich zu melden bei Karl Hanke. Feldstr. I, I. Angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde dem„Berk. Tagebl." zufolge am Mittwoch Abend im Thiergarten in der Nähe des Brandenburger Thores der Arbeiter Muschka aus der Arndt- straße. Muschka kam mit einem Bekannten, den er nach seiner Wohnung i» Moabit begleiten wollte, vom Brandenbnrger Thore. Im Thiergarten, unweit des Königsplatzes, wurden beide von mehreren Personen absichtlich angerempelt. Als Muschka sich dies verbat, zog einer der Rowdies ohne weiteres das Messer und stach Muschka in den Rücken, so daß dieser sofort zusammenbrach. Infolge des HilsegeschreieS und weil sich Personen näherten, entflohen die Burschen, die im Dunkel nicht erkannt worden sind. Muschka, der in der Fabrik von C. Hellriegel arbeitet, wurde mittels Droschke »ach der Unfallstation I gebracht, wo er. da sein Zustand einen Transport in ein Krankenhaus nicht zuläßt, behandelt wird. Schwer verletzt wurde gestern Abend durch eine Gasexplosion im Hause Jokannislisch l an der Krenzkirche der Ingenieur Plätschke; er mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Flammen wurden vom 11. Zage schnell gelöscht. Die Explosion soll aus die Unvorsichtigkeit des P. zurückzuführen sein, der mit einer brennenden Petroleumlampe eine schadhaste Gasleitung in seiner Wohnung ab- leuchtete. Ei» sauberer Fabrikbefitzer. Mit dem Fabrikbesitzer Dr. Leo Knopf, der jetzt stcckdrieslich verfolgt wird, werden sich die Straf- behörden wohl ivcge» mehr als eines Falles zu beschäftigen haben. Knopf, der von Hanse aus Mediziner ist, halte von seinem Vater in der Potsdamerstrabe ein Geschäft inelcklrischenArtikeln eingerichtet erhalten. Wie wir vor kurzem schon anteuteten, führte er ein ziemlich lockeres Leben. Von seiner Frau getrennt bewohnte er in der Flottwellstraße ein möblirtes Zimmer. Gegen ausdrückliche Abmachnngen»lildenWirths- leuten empfing er hier sehr häufig Besuch von jungen Mädchen, die sich ihren Eltern gegenüber wegen des Ausbleibens mit allerhand Ab- Haltungen auszureden suchten. Die Mutler eines Mädchens, das von Knopf verführt worden war, folgte eines Tages dem Herrn un- bemerkt. Sie sah, wie Dr. Knopf ihre Tochter in seine Wohnung mit- nahm und meldete sich bei ihm. Er stellte»»nächst die Anwesenheit des Mädchens in Abrede und thal sehr entrüstet. Die Frau ließ sich aber nicht verblüffen«nd fand denn auch ihre Tochter in seuiein Zimmer. Nun versicherte Dr. Knopf der Frau aus sein Ehrenwort, daß er mit ihrer Tochter nichts vorgehabt habe. Seinen Wirlhsleuten ver- sprach er aus Ehrenivort, daß er in Zukunft keinen Besuch mehr empsange» werde. Dieses Ehrenwort hielt jedoch nur wenige Tag« vor. Dann nahmen die Wirlhsleute wahr, daß Dr. Knopf sich an sein Versprechen nicht mehr kehrte. Die Wirlhsleute theilten den Vorfall der Mutter des Mädchens mit, das zu Dr. Knopf in einem Abhängigkeitsverhältniß stand. Als dann auch der Baier des Mädchens, ein Echlossermeister aus Charlottendnrg, von der Angelegen- heit Keiinlniß erhielt, stellte auch er Dr. Knopf zur Rede. Dieser verlangte nun von seine» Wirthsleuten, daß sie alles, was sie über seinen Ver- kehr mit dem Mädchen gesagt hatten, dessen Eltern gegenüber schriftlich widerrnsen und als Verleumdung bezeichnen sollten. widrigenfalls er sie wegen Kuppelei dem Staatsanwalt anzeigen werde, da sie die Vorgänge in ihrer Wohnung gekannt und durch Verabreichung von Abend- brot:c. begünstigt hätten. Die Wirthsleute ließen sich aber nicht einschüchtern, sondern unterbreiteten ihrerseits die Angelegenheit dem Staatsanwalt, nachdem sie sich dieses Schrittes wegen mit den« Echlossermeister ins Einvernehmen gesetzt hatten. So hat wohl die Staatsanwaltschaft von dem ganzen Treiben des Dr. Knopf Kenntniß erhalten. Der Vater des nun flüchtig Gewordenen stellte im Laufe der Zeit seinen Sohn wiederholt energisch zur Rede, aber ohne Erfolg. Bezeichnend für den" Charakter des jungen Herrn ist auch noch seine Vorliebe für eine Uniform, die zu tragen er nicht berechtigt war. Er liebte es. als Dragoneroffizier aufzutreten, wahr- scheiiilich, um die jungen Mädchen mehr an sich zu fesseln. Die Uniform lieh er sich jedesmal von einem Trödler. Fcuerbericht. Mittwoch Abend gegen 7 Uhr gerieth Götz- kowsky straße 8 ein Posten Fenerwerkskörper in Brand, der jedoch zu keiner Ausdehnung gelangte. Donnerstag früh 2 Uhr er- folgte Alarm nach K u r st r. 49, wo der Fußboden in einzr Werk- statt Feuer gefangen hatte. Die Gefahr wurde zwar durch die Wehr rasch beseitigt, doch halte das Haus bereits erhebliche» Schaden er- litten. Mittags 1 Uhr entstand B e I l e- A l l ia n c e st r a ß e 74 in einem Baibiergeschäft ein Zimmerbrand, der den größten Theil des Mobiliars und den Fußboden zerstörte. Kurz vor 7 Uhr abends wurde die Wehr nach Z i m m e r st r. 35 gerufen. Hier war ein kleiner Ladenbrand abzulöschen. Neuer Radfahrerplan. Im Verlage von Alexius Kießling in Berlin 81V., Klembeerenstr. 26, erschien soeben: Kießling's Neuer Radfahrer- Plan vo» Berlin mit Vororten 1:20 000. mit farbiger Darstellung der Art und Veschasfcnhcit dcö PslasterS und der für gweiradfahrer verbotenen Straßen»ebst Straßenverzcichniß und Polizeiverordnung� in kfarbig. Drilek� tartonn. 1 Mark. Der vorliegende Plan gewiikjrt ein sehr übersichtliches Bild von dem Stande des Pflasters am 1. Januar 1898. I» der Ilrnnia in der Jnvalidcnstraße wird am Freitag, den 28. d. M., abends 8 Uhr. der hiesige Univcrsttatsprofessor Dr. Otto Jaelel einen Vortrag über Descendenzlehre und Darwinismus halten. Theater. Die ersten zehn Aufführungen von Gudermann'S„Johannes" tm„Deutschen Theater" fanden ausnahmslos vor ans- verkauften Hansern statt und erzielten das ungewöhnlich glänzende Kassenresultat einer Gesammteinnahine von Z9 800 Mark.— Direktor Richard Schultz. der sich gegenwärtig auf einer Engagements- reife für das Metropol-Theater(Unter den Linden) befindet, hat für dasselbe soeben die erste Operettcnsängerin vom Theater an der Wien, Frl. Haust Rcichsberg, für sein neues Unternehmen engagirt. — Das Schiller-Theater wird in der Woche vom 3. bis 9. Februar, um vielfachen Wünschen aus den Kreiselt des Ptiblikuius zu entsprechen, zum ersten Male Vorstellungen außer Abonnement veranstalten, sodaß sämmt- Uche Plätze deö Hauses im Kassenverkauf zur Verfügung sind. Der Spiel- plan dieser abonueinentslosen Zeit bringt:„Wallcnstcins Lager" und„Die Piccolomtni",„Wallensteins Tod",„Götz von Berlichingen",„Ein Tropfen Gift"„Die wilde Jagd", und„Kyritz-Pyritz". Die Wallenstein-Trilogie ist für Sonntag, den 0. Febniar, in Aussicht genommen, nachnuttags 3 Uhr „Wallensteins Lager" und„Die Piocolornini", abends 8 Uhr„Wallensteins Tod". Ftir diese beiden Borstellungen tritt iin Borverkauf(3. bis 6. Februar) bei Abnahme von Billets für nachmittags und abends eine Erniäßigung ein.— Das Luisen-Theater wird Georg Bally's„Monsieur Herkules" und David Kaiisch' und G. von Moser'ö„Sonntagsjäger" oder„Verplefft" neben einer Novität von O. F. Paul„Im vierten Stock" zur Ausführung bruigen. Dieser erste Einakter- Abend findet am Montag, den 31. d. M., statt.— Aus Wien wird berichtet: Die kaiserliche Entschließung betreffend die Ernennung des Dr. Paul S ch l e n t h e r zuni provisorischen Direktor des H o f b u r g- T h e a t e r s ist, den Abendblättern zufolge, heute dem Ober-Hofmeisteramt zugegangen. Ans de» Nnchbnvorte»». Nixdorf. Den Parteigenossen, Gewerkschaften und Pereine» zur kkenutniß, daß am 8. Februar, abends 81/« Uhr, eine Volksversammlung statlsindet, in ivelcher die Gemeindevertreter ihren Recheuschaflsbericht geben und in der ferner eventuell Kandidaten zur ErgKnzungswahl aufgestellt werden. Desgleichen nimint diese Bersammlung Stellung zu der ö0 jährigen Märzrevolntionsseier. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Gewerkschaften und Vereine ersucht, an diesem Tage keine anderen Versammlungen zu veranstalten. Näheres wird durch Eäulenanschlag und Slnnonce un„Vorwärts" am Sonntag, den 6. Februar, bekannt gemacht. Der Vertrauensmann. Mariendorf. Das„Teltower Kreisblatt" bringt folgende Bc- kanntmachnng: tsemäß Z 56 der Landgemeinde-Ordnung vom 3. Juli 1301 wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Wählerliste für die Wahlen zur Geiueinde-Vcrlrelung in Mariendorf in der Zeit vom 15. bis 30. Januar d. I. während der Dienst- stunden im Gemeindebureau Hierselbst, Dorsstr. 38, ausliegt Während dieser Zeit kann jeder Stiinmberechtigle gegen die Nichtigkeit der Liste bei dem unterzeichneten Gemeindcvorstnnd Einspruch erheben. Die Geschäftsstunden des Gemeindebnreaus sind wochentäglich die Stunden von 3—3 Uhr. Ob unsere Arbeiter während derselbe» auch wohl Zeit zur Einsicht der Liste haben werde»? Zum Stadtschnlrath hat die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung den Direktor des dortige» Nealghmnasinms. Dr. Hnbatsch, gewählt. Einen tödtliche» Anögang hat ein Bannnfast gehabt, von dem der 32 Jahre alte Arbeiter Paul Grützner aus Steglitz in Friedenau betroffen tvurde. G. stürzte hier auf dein Grundstück Fregestr. 10 vom Balkon eines Neubaues herab und wurde schwer verletzt nach Berlin in das Krankenhans An, Urban gebracht. Hier ist er an einem Bruch der Wirbclsänle gestorben. Ter Verunglückte hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Wozu der Staat die Gendarmen gebraucht. Zum Kapitel Nadfahrerfang ivird der„Nadwelt" folgendes geschrieben: „Am Sonntag fuhr ich mit einem Sportskollegen in der Richtung nach O r a» i e» b» r g. Als wir das Reinickendorfer Pflaster hinter uns hatten, sahen wir, daß das Befahren der Chanssee mit Lebens- gefahr verbunden war, da dieselbe durch den Rege» der letzte» Tage vollständig aufgeweicht war. Wir fuhren daher ganz rechts an der Promenade entlang, ohne diese jedoch zu berühren, innner außer- halb der Marksleine. Als wir den ersten Bahnübergang bei Haltestelle Reinickendorf erreicht hatte», sahen wir einen Gendarm auf der Chanssee stehen, welcher mehrere Radfahrer notirte. In dem Bewußtsein unserer Unschuld fuhren wir weiter,»vurden aber angehalten und aufge. schrieben, weil wir die Promenade benutzt hatten. In einiger Ent- sernung stand ein zweiter Gendarm. Die Herren versteckten sich hinter den Bäume» und trieben sich die ahnungslose» Radfahrer wie die Schafe zu. Nachdem ich diese interessante Jagd auf Bürger, die schon durch den Besitz eines Stades doknmentiren, daß sie zu de» Stenerzahlenden gehören, kurze Zeit beobachtet hatte, machte ich Kehrt, da ich auf das Vergnügen verzichtete, bis Oranien- bürg den Schmutz zu messen und meine Knochen zu riskircn." Es ist nicht klug von der Behörde, die Radfahrer ebenso zu behandeln, als ob es Sozialdemokraten waren. Freilich wird durch die landes- übliche Behandlung der Sozialdemokraten ebenfalls alles andere eher als Staatsweisheil doknmentirt. Ei» bedauerlicher Tttastcubahu-Uufall hat sich gestern Mittag in der Grnneivaldstraße zu S ch ö n e b e r g ereignet. Als das achtjährige Mädchen Erna M a h l i tz ans der Goltzstraße mit einer Schaar anderer Kinder aus dein Hinteren Ausgang der Ge- uieiudeschnle in der Apostel Panlusstraße rn kindlicher Hast heraus- eilte, lief sie beim Ueberschreiten des Fahrdammes dicht vor einen gerade vorbeifahrenden Straßenbahnzng, wurde von diesem erfaßt und überfahren. Das bedauernsiverlhe Kind war sofort t o d t. Nach dem Urtheil der Zeugen des schreckliche» Vorfalles, unter anderem auch eines Lehrers derselbe» Schule trifft den Führer des Zuges keine Schuld, da das Mädchen so plötzlich vor den Zug sprang, daß ein rechtzeitiges Halten ganz unmöglich war. Soziale MechrtsUllege. Tie Erfiillnnsi der Wartezeit fiir den Bezug einer In- balideurcntc belrtfst ein interessantes Erkenntniß des Reichs- VersicherungsamteS. Die Warlezeit beträgt bekanntlich fünf Veitragsjahre zu je 47 Beitragswoche». Nach 8 17 Absatz 2 des Jnvaliditäts- und AltersversichernngS-Gesctzes vom 22. Juni 1689 ist versicherten Personen, die wegen mit Erwerbsunfähigkeit ver- bundencr Krankheit auf sieben oder mehr Tage an der Fortsetzung ihres Arbeits- oder Dienstverhältnisses gehindert sind, diese Zeit als BeitragSzeit in Anrechnung z» bringen. Der Absatz 4 desselben Paragraphen bestimmt dann: Bei Krankheiten, die ununterbrochen länger als ein Jahr währen, kommt die über diese Zeit hinanSreichende Daner der Krankheit als Beitragszeit nicht in Anrechnung. Das zustäudige Schiedsgericht hatte nn» dem Arbeiter R. im Gegensatz zur Versicherungsanstalt die Invaliden- reute zugesprochen, indem es ihm die Krankheitszeit vom 17. Oktober 1392 bis zum 30. April 1894, also mehr als ein Jahr, als Warte- zeit anrechnete. Bei Anrechnung von nur einem Jahr hätte die Wartezeit für unerfüllt erklärt werde» müssen. Auf die Revision der Versicherungsanstalt hob da? ReichS-VerstcherungS- aml die Vorentscheidung wieder ans wies R. mit folgender wichtige» Begründung ab. Es hätte nur ein Jahr der Krankheits- zeit»ach§ 17 Absatz 4 angerechnet werden dürfen. Auf die §8 10 und 33 Absatz 3 könne sich der Kläger nicht berufen. Gemäß 8 89 Absatz 8 sei allerdings bei einer Neu» b e>v i l l i g u n g einer Rente die Zeit eines s r ü h e r e n R e n t e n- bezuges dem Versicherten ebenso wl« eine bescheinigte Krankheits- zeit in» Sinne des§ 17 Absatz 2 ans die Warlezeit anzurechnen. Auch möge Kläger'berechtigt gewesen sein, für die Zeit vom 17. Oktober 1893 bis znm 30. April 1394«ine Rente zu verlangen. und zivar auf grund des 8 l0,»vorin es heißt: Invaliden- rente erhält auch derjenige nicht dauernd erwerbsunfähige Aersichertc, ivelcher>v ä l> r e n d eines Jahres nnunlcrbrochen erwerbsunfähig gcivesen ist, für die weitere Dauer seiner E r w e r b s nn f ä h i g k e i t. Diese vorgestellte Berechtigung genüge aber nicht für die Zlnwendung des 8 88 Absatz 3. Sie sei einem früheren Renten b e z II g e versicherniigsrechtlich nicht gleichzustellen; ein solcher Renteiibezug sei jedoch die Voraussetzung der Anwendung des 8 88 Absatz 3. Es lönne auch nicht aiigeiiommen werden. daß der Kläger mit seinem Nentepantrage zugleich den etwa früher erworbenen Anspruch ans 8 mit im Auge gehabt habe und daß es sein Wunsch gewesen sei, es möge über diesen früheren Nenteiiansprnch alsbald mit« befunden und dadurch die rechtliche Grundlage für die Danerrente noch ini gegenwärtigen Verfahren geschaffen werden. Denn der Kläger habe sich bei der ihm sonst günstigen schiedsgerichtlichen Ent- scheidung, die den Nenteiiansprnch aus 8 10 nicht berücksichtigte, beruhigt. Wegen derzeitiger Nichterfüllung einer wesentlichen Voraussetzung des Jttvalideiircnlen-Anspruches habe deshalb Kläger abgewiesen werden niüssen. Indessen habe Kläger das Recht, in einem neuen Verfahren vorerst seinen Anspruch ans 8 10 durch- zufechten und dann ans grund des§ 33 Abs. 3 die Rente für dauernde Eriverbsunfähigkeit zu fordern. Gerichts �ÄeikmtK« Die Gestndcsklavcrci und die bürgerliche Rechtsprechnng. Ein für uns in agitatorischer Beziehnng außerordentlich werthvolles Gerichts urtheil ist gestern von der Straf- kammer am Landgericht II gegen einen D i e n st k n e ch t gefällt worden, der sich erdreistet hatte, seinen„Herrn" mit Niederlegnng der Arbeit zu„bedrohen". Die Novelle zur preußischen Gesinde- Ordnung vvm 24. April 1854 enthält in ihrem 8 8 die Bestimmung, daß zum Gesinde gehörige Personen—„welche die Arbeitgeber oder die Obrigkeit zn gewissen Handlungen oder Zngeständnissen, dadurch zn bcstiininen suchen, daß sie die Einstellniig der Arbeit oder die Berhindermig derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeit- geber» verabreden oder zn einer solchen Berabredmig andere ans- jordern, haben G es ä n g ni ß str a s e bis z n einem Jahre verwirkt." Einen Verstoß gegen diese heute kaiim noch glaubliche Bestimmltng hat der Dicnstknecht Richard Eisenbkätter schwer büßen müssen. Angeklagter diente im vorigen Jahre bei dem Auitmau» Schröder ans dem Toininium Kicnbcrg bei Berlin. Am Sonnabend, den 3. Juli, inachte der Dienstherr dem Knecht Vorwürfe, daß dieser am Tage ein Fuder Heu zn wenig eingefahren habe, der Knecht uniinte ihn dafür ein Sch.... Zum'Abendbrot gab es„Kartoffeln und Stippe"(„Stippe" ist ein Geniisch von Mehl und Fett, in welches die trockenen Kartoffeln eingelancht(„ge- stippt") werden, um dieselben anzufeuchten. Von der Fürsorge des Hausvaters hängt es ab. ob die„Slippe" mehr ans Mehl oder mehr aus Fell besteht. Wegen des geringen Nährwerthes ist dieses Gericht ans den Kasernen ausgeschlossen. Ans dem Lande essen aber die ärmsten Leute oft„Kartoffeln mit Stippe"). Eisenblälter ärgerte sich über das Essen, er erklärte, daß in der „Stippe" kein Schmalz sei, es wäre das kein Essen; für Arbeiter, von denen lüchiige Arbeit verlangt werde, sei solch Essen znin Ver- hungern, keiner der andere» Knechte solle weiter arbeite», wenn sich der Herr nicht dazn verstehe, bessere Kost zn liefern. Er ging auch sofort zum Dienstherr» und erklärte diesem, daß, wenn er nicht bessere Kost gebe, er am Montag nicht einen Knecht mehr habe» würde. Der Dienstherr wies den Knecht energiich ab nnd er- stattete Strafanzeige. Die als Zeugen zur Haupt- Verhandlung vor die zweite Strafkammer am Landgericht II geladenen Knechte und Dienstleute des Gutes kleideten ihre Zlntwort auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie das betreffende Essen für g u t gehalten hätten, in die vor- stckitige Form:„ St u, w i r h a b c n e s h a l t gegessen!" Der Gerichtshof hielt für erwiesen, daß der Angeklagte den Versuch ge- macht habe, sich mit dem anderen Gesinde zu verbinden, um eine bessere Kost zn erzielen. Das sei ein Vergehen, welches 8 8 des Ge- sctzes vom 24. April 1354 mit schwerer Strafe bedrohe»nd da hier noch eine Beleidignug hinzukomme, so sei auf 3 Monate Gcfiingltiß zu erkenne» gewesen.— Wir sind überzeugt, daß dieses Urtheil uns ans dem Lande tansende von Anhängern zuführen wird. TaS lange Register prcuffischcr Schutimaunö- Rohheiteu ist wieverni»«in einen cinpöreiideil Fall vermehrt worden. Vor der Strafkammer in Danzig ivnrde gegen den Polizeisergeant Sä- m a ii n und den in polizeilichen Diensten stehenden Nachtwächter Haß verhandelt, weil sie ohne Veranlassung gegen verschiedene Personen in brntalster Weise von d e m S ä b e l G e b r a u ch ge- macht und sie außerdem anfs schwerste gemißhandelt hatten. Interessant war die Zengenanssage eines pensionirten Gendarmen, daß Säniami„ein etwas scharfer Beamter" sei.»nd„außerdem, wenn ein Beamter nachts, wenn er Dienst hat, keine ArretirnNg macht, so wird er auf dem Amte nicht für tüchtig befunden."— Der Staatsanwalt Dr. Tscbirch brand- markte in längerer Rede die Handlungen der Angeklagten als eine Attacke, die an Brutalität ihres Gleichen suche. Nach diesen Thaten, welche diese sogenannten Beamten, die leider Fniiktionen als Beninle ausgeübt hatten, vollführt hätten, besaßen sie noch den Mnth, oder sage man besser die Frechheit, die von ihnen mißhandelten Leute noch schwerer S t r a s t h a t e n zn be- züchtigen.(Die Angeklagten hatten die von ihnen Gemißhandelten der wissentlich falsche» Anfchnldigung. des Widerstandes gegen die Staatsgewalt zc. bezichtigt.) Er beantrage gegen Sämann 1 Jahr, gegen Haß IV« Jahr Gefängniß und sofortige Verhaftung. Der Gerichts- hos vernrlheill« nach längerer Beraihung den Sämann wegen schwerer Körperverletzung in zwei Fällen, wegen einfacher Körperverletzung in einem Falle und wegen wissentlicher falscher Anschuldigung zu ei nein Jahr Gefängniß, und den Angeklagten Haß, der bereits wegen Körperverletzung vorbestraft ist, wegen zweier schwerer Körper- verletzmigen gleichfalls zu 1 Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof stellte fest, daß in den vorliegenden Fällen überhaupt kein Anlaß zum polizeilichen Einschreiten, noch»veniger aber ein Grund vorhanden gewesen sei, gleich mit dem Säbel drans loszuschlagen. Da die Angeklagten dem Gerichte nicht flucht- verdächtig erschienen, so habe es sie vorläufig ans sreiem Fuß ge- lasse». Angeklagter Sämann bemerkte:„Ich möchte gleich hier Berufnng einlegen."— Borsitzender, Landgerichtsdirektor Schultz, erwiderte:„Hier ist kein Ort dazu, th»n Sie, was Sie nicht lasse» können." Tie LcidcnSgcschichte einer hintergangeiien Braut erregte da? Mitgefühl der Zuhörer in einer Verhandlung, welche am Mitl- woch vor der ersten Straskammer des Landgerichts I stattfand. Ans der UntersnchnngShast wurde der beim Amtsgericht I angestellt gewesene Kanzleigehilse Paul Wolff vorgeführt, welcher der schweren Urknndenfälschnng, deS wiederholten Betruges nnd des Diebstahls beschuldigt war. Die Hanptbelastnngs- zeugin. Fräulein B., gab unter augenscheinlich großen Scelenqnalen folgende Aussage ab: Der Angeklagte habe sich ihrer Familie im verflossenen Frühjahr genähert nnd sich nach dem gegen- festigen Bekanntwerden in einer Weise benommen, daß man ihn für einen anständigen Menschen halten niußte. Nach längerem Verkehr sei er mit HeirathSvorschlägen an sie herangetreten. Er habe er- zählt, daß er bis jetzt als Kanzleigehilse 170—130 M. monatlich verdiene, bei seiner demnächst zn erwartenden Anstellung aber noch MiethSentschädigung bekomme. Sie selbst und ihre Eltern hätten auch die Znstimmiing zu der Verlobung gegeben. Der plötzliche Tod ihres Baters habe aber veranlaßt, daß die oisizielle Verlobung hinausgeschoben wurde. Der Angeklagte habe vorgeschlagen, daß daS von den Eltern seiner Braut geführte Manufakturivaaren- Geschäft in den Händen der Mutter verbleiben, für seine Braut und deren Schwester dagegen eine Filiale in Alt-Moabit ein- gerichtet werden solle. Der Plan war so vernünftig, daß er aus- geführt wurde. Von min ab ging der Angeklagte in dem Geschäfte seiner Braut ein und auS. Eines Tages offenbarte der Angeklagt« derselben, daß«r von einer bösen Sorge gequält werde. Er schulde seinem früheren Hauswirth 400 Mark und dieser habe mit der Klage gedroht, wenn er nicht sofort«ine Abzahlung von 100 Mark erhalte. Schweren Herzens habe sie ihm ihr Sparkassenbuch übergeben mit der An- Weisung. 100 M. abzuheben. Am folgenden Tage habe der Singe« klagte ihr eine Quittung seines WirtheS vorgelegt. Nach einiger Zeit wiederholte sich die Geschichte, der Gläubiger verlangte in einem Briefe, den Wolff der Zeugin vorlegte, 200 Mark. Di« Braut gab aus ihre» geringen Ersparnissen auch dies her. Wiederum zeigte der Angeklagte ihr die Quittung. Inzwischen hatten sich im Geschäft der beiden Schwestern sonderbare Umstände ereignet. Mit peinlichster Genauigkeit pflegten sie jeden geschehenen Verkauf und den Erlös dafür einzutragen, aber selten stimmte die Kasse. Die Schivestern fingen au. sich gegenseitig zu inibtraimi. Ans den Angeklagten fiel kein Verdacht. Im September v. I. verschwand Wolff plötzlich. Es zeigte sich, daß er in arger Weise geschwindelt hatte. Er verdiente als Hilfsschreiber höchstens 100 M. monatlich, im letzten Monat hatie er überhaupt nicht gearbeitet, und an seine Anstellung war garnicht zn denken. Daß er bei seinein früheren Wirth Schulden hatte, war richtig, aber dieser dachte garnicht daran, ihn zu drücken, da Wolff ihm gesagt hatte, daß er sich mit einem reiche» Mädchen verlob» Hab« und nach der Hochzeit seinen Verpflichtungen nachkoininen»verde. Die Quittungen waren gefälscht, Wolfs halte von dem Gelde seiner Braut seine dringendsten Kneipschuldcn bezahlt. Bei dem letzten Besuche, den er seiner Braut abstattete, bevor er die Flucht ergriff, nahm er heim- lich die Brosche wieder an sich, die er ihr zur Verlobung geschenkt. Nach seiner Entfernung kamen die Schivestern zn der Ueberzengung, daß nur der Angeklagte ihre Kasse bestohlen haben könne. Dieser, welcher am 8. Dezember in Köln ergriffen worden ist, bestritt die Diebstähle im Termine entschieden, dagegen gab er die übrigen Straf- thaten zu. Er sei von den redlichsten Absichten beseelt gewesen, als er sich»m die Zeugin bewarb, die erste Lüge habe aber die anderen nach sich gezogen nnd so sei er nach und»ach ans die schiefe Ebene gerathe», die ihn»naushaltsam dem Abgrund' zuführe» mußte. Der Staatsanwalt hob hervor, daß der Angeklagte durch sein ganzes Verhalten eine große Gefühlsroheit an den Tag gelegt habe. Die Diebstähle seien nicht erwiesen»nd er beantrage dieserhalb die Freisprechung, wegen der beide» Urkunden- fätschungen und des Betruges dagegen eine G e f ä n g n i ß st r a f e von n e u n M o ii a t e n. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr Gefängniß und bei der Niedrigkeit der Gesinnung, die dem Angeklagten zur Last falle, auch auf zweijährigen Ehrverlust. Wege» der Kirche mit der»veggcmcificlten Kamcels- inschrift wurde der evangelische Kirchenbanverei» zn Berlin, ver- treten durch den Freiherrn von Mirbach, vom Charlottenburger Magistrat zu den Kanalisationsgebühren herangezogen. Diese werden nach dem Gesetz uutcr Berücksichtigung der Front- länge und des Nntznngswerthes der Gebäude berechnet. Der Magistrat von Charlotlenburg schätzte nun den Rntzuugs- werth der vielgenannten Kirche aus 50 000 Mark nnd verlangte insgesymnit 953,72 M. Abgaben. Der KirchenbainAeuiii bestritt jedoch, daß Kirchen überhaupt einen N» tz u n g s w e r l h hätten, nnd wollte nur 303,72 M. zahlen, die der Frontlänge ent- sprechen. Der Bezirksausschuß»nd das Oberverwaltnngszericht haben niliimehr ebenfalls ansgesprochc», daß die Kirchen einen Nntznngs- werth im Sinne des Kommnnal-Abgabeiigesetzes nicht haben; der evangelische Kuchenban-Verein hat daher nur 803.72 M. zn zahlen. Tic Berurtheilung wegen Nnstiftniig zu eluem Fahr- läsfigkcitSdelikte ist niiznlässig. Vor dem Schwurgericht Stade hallen sich am 13. November v. I. eine geivissc Ehrhardt wegen iReineides in zwei Fällen nnd die Töpsermiisterfran Kath.irine- Wolfs, geb. Breuer, wegen Anstiftung z» den von der E. geleistete» Meineiden zn verantworten. Auf Antrag der Verlheidignng waren noch zwei Hilfssragen gestellt worden des Inhalts, ob die E. in beiden Fällen sich des fahrlässigen Falschcides schuldig gemacht habe. Demgemäß wurden auch bezüglich der Wolff zwei Hilfsfragen»ach Austiflung zn diesen etwaigen fahrlässigen Falscheiden gestellt. Die Geschworene» sprachen die E. in beiden Fällen des fahrlässigen Falscheides schuldig »nd in Konsequenz davon erklärten sie die Wolff der Aiististung zn diesen fahrlässigen Falscheiden für schuldig. Die E. hat sich bei der ihr vom Gerichishose auferlegten Straf« beruhigt, die Wolfs dagegen legte Revision ein. Der ReichsamvaU erklärte das Rechtsmittel für begründet. Die Wissenschast habe zwar eine Anstistiing z» einen» Fahrlässigkeitsdelikte für möglich erklärt, aber die Rechlsprechnng sei entgegengesetzter Ansicht. Die Hilfsfragen bezüglich der Wolff hätten ans Rechlsgründen überhanpr nicht gestellt werden dürfen.— Das Reichsgericht erkannte heute auf Aushebung des die Wolff betreffenden Theiles des Urlheils und verwies die Sache unter Ans- rechterhaltnng des die'Angeklagte in zwei Fällen der Anstiitnng zun» fahrlässigen Falscheid schuldig sprechenden ÄeschivorenensprncheS an die Strafkammer des Landgerichts znnick.— Da nun die Strafkammer wegen eines solche» Deliktes nicht verurtheilen darf. so wird die Angeklagte vornnssichtlich freigesprochen werden, falls-S nicht möglich ist. sie nach§ 159(»iiternommcne Verleitung zum Meineide) oder nach§ 160(Verleitung zur Ableistung eines falschen Eides) zn bestrafen. Znr Angelegenheit Bruno Wiste wird berichtet: Dr. Brnno Wille theilt dem„Grazer Tageblatt" mit, daß die Nichligkeils- beschwerde gegen das Urlheil des Grazer Landgerichts, durch welches er»vegen Herabwürdigung einer gesetzlich anerkannt«»» Kirche zu 3 Tagen Arrest verurlheikt worden war, sowohl von der Staats» anivaltschaft, als auch vo» seiner Seite znrilckgezoge»»vurde. Dr. Bruno Wille ivird seine Strafe Anfang Februar antreten. AnS Düsseldorf wird der„Franks. Ztg." berichtet: Gegen den Referendar Dr. Ewers, der aus dem hiesigen Spiritisten» Prozeß bekannt geworden ist, schwebt jetzt ein Meineids- verfahren. Bekanntlich halt« Nittmeister a. D. Freiherr v. ErHardt seinerzeit Herrn Gu-erZ vorgeworfen, er habe sein Ehren- wort gebrochen, ihn tür saliefaklionsunfähig erklärt nnd deshalb auch eine Dnellfordernng von Elveri abgelehnt. Der Ehrenralh er- kannte»vegen dieser Ablehninig dem Freiherrn v. Erhard» das Recht ab, den militärischen Titel»veiterzusühren. Daraus erfolgten ver- schiedene Veröffenilichuiigen des Fieiherrn v. ErHardt znr Beleuchtung des Vorgeheiis des Ehrenralhs, die Beleidiguiigsklagen zur Folge hatten>i»d deren Ansgaug der erwähnte Spirilistenprozeß war. Nach diesen, erklärt« Freiherr v. ErHardt, Dr. Ewers habe in» Prozeß«inen Meineid geschworen. Sein Antrag auf Einleitung eines Meineidsverfahrens wird jedoch von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Nunmehr hat das Oberlandesgericht zu Köln den» Gesuche Folge gegeben und die Einleitung der Untersuchung an- geordnet._ Verfanttttlunsett- In einer Putzer-Bcrfammlung, die am Mittwoch stattfand. erstatlete der Vertrauensmaini Kohl den Kassenbericht für die Zeil vom 16. Oktober bis 31, Dezember v. I. Derselbe schliebt mit einer Einnahme von 7367,58 M., einer Ausgabe von 1857,25 M., und weist einen Bestand von 5510,33 M. a»f. ES»vurde dann debaltirt sowohl über diesen Bericht, wie über den gedruckt vor» gelegte» Jahresbericht der Lohnkonimission für das Jahr 1397. (Ans lehierem haben wir die wichtigsten Daten bereits in einem Bericht über eine am 29. Dezember abgehaltene Bersaminlnng»nit- gelheilt.) Die Debatte wurde nach längerer Dauer verlagt und die Koimnission beausiragt. über zwei Positionen: Lohnentschädigung der Kommission nnd sonstige Ausgaben spezialisirte Angaben zu machen. — Hieraus»vurde die Frage der Errichtung eines Arbeitsnachweises für die Putzer erörtert. Dietrich wies darauf hin, daß die jetzige Art deS Arbeitsuchens unhaltbare Zustände im Gefolge habe, er be- tont« die Nothwendigkeit der Schaffung eineS geregelten Arbeits- nachiveiseS, die auch in den Kreisen der Kollegen dringend gewünscht »verde, und legte«in Regulativ der Arbeilsvermittelung vor. Nach längerer Debatte»vurde die Kommission beauftragt, Einführungs« dtstlmmnngen zu dem Regulativ auszuarbeiten, dasselbe einer noch. maligen Durchsichtzuniitcriverfen und der nächsten Versamnilniig znrAb- stiinniung vorzulegen, auch wurden der Kounuission zur Durchführung des Arbeilsnachweifcd Svvo M. zur Verfügung gestellt.— Hierauf de- traute die Versainuiluug den Verlraueusmmin Kohl mit der Vertretung der Putzer in der Gewerlschasts-Kominission und bestätigte B u d a ch als dessen Stellvertreter.— Für die Schöueberger Gewerbegerichts-Wahlen wurden LS M. bewilligt. Die Grad cur e«nd Ziseleure hielte» am Dienstag eine öffent- liche Versammlung im Lokal von Herzberg, SIlle Jakobstrnße ab, die nur schwach besucht war. Genosse Ledebonr rcferirte über „A r b e i t e r s ch utz und Graf Posado wstq". In seinem Vortrag geißelte er in treffender Weise die Pläne des Reakiionärs Posadoivsky in bezug auf die Elrafbestimmungen des§ IS3 der Gewerbe'Ordnung. Sei es bisher schon gelungen, die Widersacher der„Arbeitswilligen" auf geraume Zeit iiis Gc- fängniß zu senden, so gehe man zetzt in Kreisen der Stumm und Genosse» mit dein Gedanken um, überhaupt gegen alleS, ivas sich in der SIrbeiterschast organistrt nennt, eine „schneidige Kavallerie- Attacke" aufzusnhren. Redner weist am Ende seiner Ausführungen darauf hin, daß alle gleichartige» Bestrebungen der mit dem Unternehmerthum Hand in Hand wandelnden lliegiermtg zu schänden werden müssen, haben die Arbeiter die Nothwendigkcit der politischen»nd gewertschastliche» Organisation begriffe».(Beifall.) An der Disknsflon betheiligte sich ein Redner im Sinne des Referenten. Es erstaltet alsdann der Ver- tranenSmann G n t s ch m i d t seine» Bericht, bedauernd, daß trotz seiner Bemühungen ein Theil Sammelliste» als auch Bons nicht einzn- treiben waren. Der Kassenbericht ist folgender: Bestand 294,37 M, Einnahme 3S,L2 M., Ausgabe 109,60 M. Mit Eiubegriff des Be- standes an Marke» sind vorhanden 297,62 M. Die Richtigkeit der Abrechnung wird durch die Revisoren bestätigt und der Vertrauens- mann entlastet. Die Neuwahl der Vertranensperson wird, da etliche Vorgeschlagene sich ablehnend verhalte», zur nächsten Versammlung vertagt; ebenso der Bericht des Delegirlen der Geioerkschafls Koni- Mission. Als Revisoren wählte die Versamnilniig die Kollegen Richter, B a u nr tind R o h r b e ck. Tie Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter hielten am Montag eine öffentliche Versainmlung im Kolberger Salon ab. llieichstags-Abgeordneter Rod. Schmidt hielt einen beifällig auf- genoininenen Vortrag, in dein er unter Hinweis ans den geheimen Erlaß des Staatssekretärs Grasen Posadoivsky den Zuhörern zeigte, daß das Koalitionsrecht i» Gefahr sei und sie am Schluß aufforderte, die Organisation ihres Berufes zu ftärlen. Hierauf referirte S ch u m a n» über die Zustände in der chemischen Fabrik vormals Schering. Er führte ans, daß in der genannten Fabrik, deren Aktionäre sich besonders hoher Dividenden(in den letzte» beiden Fahren je II pCt.) erfreue», recht niedrige Arbeits- löhne gezahlt werde». Jugendliche Arbeiter erhielte» pro Tag I.SO bis 2,50 M., weibliche noch elivas weniger, ivährend die erwachsene» Arbeiter 2.S0 bis 8 M. Togeloh» bekämen. Für die Benutzung der Fabrik-Bade-Anstalt müsse jedesmal«in Entgelt von 10 Ps. entrichtet werden. Arbeiter, die eine besonders schinntzige Beschäftigung haben, erhielten allerdings, nachdem sie bei de» Vorgesetzte» tarnin eingekomme» sind, ei» Freibad. Die Ventilation, die in einer chemischen Fabrik eine besonders gute sein sollte,, verde hier allgemein als mangelhaft bezeichnet. Bei einer Revision durch den Fnbrikinspektor solle» die Arbeiter angehalle» worden sein, demselben keine die Fabrikleitung kompro- mitlirenden Angaben zu machen. Es soll anch, im Wider- sprnck mit den bestehenden Arbeiterschntz- Bestiinmungen, oft des Nachts gearbeitet werde». I» der Diskussion nahm ein Meister der Fabrik das Wort, der eine» Theil der Angabe» des Referenten als unzutreffend bezeichnete, wogegen der letztere seine Behanptnnge» aufrecht erhielt. ES wurden hieraus Mißstände, die in der Dobler- scheu Fabrik bestehen sollen, besprochen, und nach einer Aufforderung des Vorsitzenden zum Beitritt in den Verband die Versaunnlttng geschlossen. Textilarbeiter- Verband, Filiale I. In der General- versaminlnng vom 20. Januar wurde der Kassenbericht vom vierte» Quartal I8S7 gegebe». Danach war inkl. Bestand vom dritten Quartal Einnahme I0S4.S0 M., Ausgabe 914,12 M., bleibt Bestand 140,78 M. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit des Vor- getragenen, worauf dem Kasstrer Entlastung ertheilt wird. Hierauf erstattete der Vorsitzende de» Jahresbericht. Als- danu wird zur Neuwahl des Votstaudes geschritten. Aus derselbe» gehe» hervor: l. Vorsitzender Voigt, 2. Vor- sitzender Döring, 1. Kafsirer Korn, 2. Kassirer L i e b e r s, I. Schriftführer Striniger, 2. Schristführer Schulz. In die Fachkommission werden gewählt: Köhler, Masch, Stein» berg, Neubert, Fräulein Hofmeister. Zu Revisoren: Töpfer, Hoffmann, Fischer. Folgende Anträge werde» angenommen:„Die Maßregeinngs-Unterstütziing hört(von Beendi- amig des Streiks an gerechnet) mit der 26. Wocbe auf, jedoch bleiben Ansiiahmen vorbehalten," Sodann:„Der Wochenbeitrag wird von 10 auf IS Pf. erhöht." Tie Freie Vereinig»»)) der Hiiiidler«>id Hä«dleri«»e» hielt am Freitag, de» 21. Januar, ihre Geiieralversanunlung ab. I» den Vorstand wurden folgende Personen gewählt: Schröder, erster Vorsitzender; N a d g e, zweiter Vorsitzender; Frau Weg n x r, erste Schriflführerl»; Fran Bähr, ziveite Schriftführeriu; Seiler, erster Kassirer; Hübner, zweiter Kassirer. Es ivurde beschlossen, der Ag>tatio»skommissio» 10 M. zu überweisen. Ferner wurde angeregt, Flugblätter herauszugeben, um die Händler zur Ocgani- salio» heranzuziehen. Ter Verein der Maschiniftc»«nd Heizer hielt am 23. d. M. bei Cohn, Bculhstr. 19/20, seine ordentliche Generalversammlung ab. Stattgefunden haben im verflossenen Jahre Iv BorstandSfltzungen. 2 Generalversammlunge», 21 Versammlungen. Durch den Arbeils- nachweis wurde» lS9 Mitglieder in Arbeil gebracht, ferner wurden noch bei 46 Kesselreinigtiiige» 93 Mitglieder be- schäfligt. Der von den Revisoren bestätigte ikassenbericht ergab bei einer Einnahme von 784S.71 M. und einer Ausgabe von 6428.08 M. einen Ueberschuß von 917,63 M., so daß der Kassen- bestand am 31. Dezember 1897 8686,19 M. beträgt. Unter den Ausgabe» fignriren». a.: Der Verband mit 2726.30 M., Arbeils- loseii-Untersiützuiig mit 1071,60 M., Sterbegelder 420 M., sowie für Weihnachtsbescheerung der Wittiven- und Waise» verstorbener Mit- glieder mit 327,30 M. Für die Bibliothek wurden 136 M. auf- gewendet. Die ans der Tagesordnung stehenden Anträge: Aende- rungen der Statute», wurden einer fünfgliedrigen Kommission über- wiesen. Vorweg wurde genehmigt, daß alle Vierteljahr«lue General- versaminlnng stallfiiidet und der Vorstand um 2 Beisitzer verringert wird. Die weileien Anträge zu dem diesjährigen Verbandstage sowie die Wahl der Delegirlen dazu, wurden bis zum 6. Febiuar vertagt. Rixdorf. In der Generalvnsa»»»lu»g der hiesigen Filiale des Holzarbeiter-Verbaudes vom 13. Januar gab der Bevollmnchiigte seine» Bericht über das verflossene Jahr. I» dieser Zeil habe» stattgefunden: 12 Verbaiidsversammlungen, 13 Vorstands- sitzungen, 22 Welkstaltbesprechungen, 16 Kommissioiissitzungeu»»d 6 Vertrailensmännersitzuiigeu. Die Zahl der Mitglieder hat sich um ei» ganz bedeutendes erhöht. Zu Punkt 2 gab der Kasstrer den Kassenbericht für das vierte Quartal 1897. Ans ülnlrag der llievisorcn wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. In de» Vorstand wurden hierauf geiväblt: als Bcvollmächligter F. Henning, Berg- straße 163, zum Kassirer Rothe, zum Schriftsührer Volkmaun. I» die Koniiiiissioii wurden gewählt K u r k o w s k i, Großer, Schumann, Hagen und B a r t e l. zu Hilfskassircrn L u s ch, Saß, Sch wiege r ilnd Schindler. ftft-»nd Dt»I»,tIrkluI>s. Fr-itag. Dteygen. Wtesenstr. 3t bei Fritz Schröder.— Karl Marx. Blüche-str.« be! Raumann. Arbeiter p.i,>aet t>»»a Herti»»«nd der Itmoegeird. Vorlttzender Adelt Reuman», Brunuenstraße 150.— Alle Aendernngen im Beretnstalender sind zu richte» a» Fried. Kort»m, Dianteiiftelitr. 60, v. i Tr. Freitag. UebungZilunde abend» 9 biS Ii Uhr. Aufnahme von Mithlieder».-»»aifer'fcher Männerchor, Schwsdlcrilr. bei Wernau.— Nord, Brunnen- strafie rso bei Ad. Neumann.— Unverzagt I, Melchtorür.>i bei Stehmann.— Treu uud titntgkett, Rirdorf, Beraftr. 9t bei Wntzler.— Buchbtnder-Männerchor, Koontckertlr. sz bei Schöning.— Vereinte Sangcsbrüder Moabits, PultlitzUr. 10 bei I. Pfarr.— W e l t e n r u f. Nosculhalerftrabs e? bei Schiller.— Maiglöckchen, Sindowerftrabi es bei Sachs.— B em ii t h I> chlelt(Putzer), Teydslslr. 30 bei Krüger.— Morgen roth II, Eharlottsnburg. Bismarck straße 7t bei Krause.— Tnoögraphia, Bsnthstraße 20 bei Cohn.— Georgtna, Börlitzer- slraße«2 bei Vogel.— Vorwärts III, Friedrichsfelde, FriedrichSfeider Prinzen-Allee 30 bei Bube.— Rhetngold, Wsinsir. Ii bei Fiindt.— R o s e u t h a l c r Vor(labt, Usedomsir. 33 bei Olböter.— M« l o d i a, Siixdorl, Bergslr. IS2 bei Thomas.— JriS, Nauunufiraße s» bei Streit.— Brandenburger M ä n u er- iL e s a u g v e r e i», Brandenburg a. H.. Berg- sirasic 6, Meugeri's VoltSgarten.— s i b e r I«, Wraugclstr St bei Redaiiz.— Bruderschast(Hausdiener), Alts Jalobilraßs 6t/s« bei Mehrwaid.— Freie Liedertafel, Btraußdergerstr 3 bei Wwe. Roll.— R o r d w a ch t, Chausseestr. 72 bei Meißner.— SängerlreiS(Reu- Weißeusee). Laug- hanSIiraße SS bei Neudeuberger.— Desetligleit, Hennigsdorf, VöhmerUS GanbauS.— Eintracht Iii, SberSwalde, Eifenbahnstraßo SS bei Hagewald.— Vötlerfrühltiig(Slnckat-ure), Orantenttr los bei Greiser.— Reue geil, Nammlersir. 2S(Elke Swiuemiinderstr.) bei Schmidt.— Liedirl ranz, «raiidenbnrg a. H, BergUr.«(Mengen'« BolkSgarlen).— FretheilSglocken, Wörtherlir. es bei Buchholz.— K l in g m ii I t er's ch er Männer chor, Weißeusee, König-Ehanssee SS„ziim Pseifen-Mnller".— Treher'scher Gelangverein, Weidenwcz 22 bei Fiailowiln.— Echo itt, gehlendors, Machnowcrslraße S bei Dohr mann.— K a r l h a u S' sch er G e s a II g v e r e i n, Landsberger Allee iss bei Gövet. Ztrbriter. z!a»ch«rb>i»d Kerltn««nd der Zlingegend. Aendernngen im VercinSkaiender sind zu richien an Hermann Braunschweig. DreSdenerstr.»o, 2. Hos. Gesang-, 0>I»I>-«Iid gecrllige z>er«i»e. Freitag. Athletiiiverein Felsensest, Kraulflr. 0 bei Böncher.— Tanzlchre, verein S v l i d arii ä t, ignselsir. 10 bei Stabernacl— Mnsiloeretn Tusch, UcbnagSstunde jeden Freilag, BeretnSsitzung jeden Ttcnftag nach dem l. Langesir. I0S bei Nebelin.— Ranchliub Ohne Zwang, Weinflr. 28 bei Spät.— Turnvsrstn G s s n n d b r u n n e n. Abends von»)— iox Uhr: l. Männerablhetinng Pankiir. 9— 10.— Turnverein Osten, Vlumenfträßc ssa, 8)j— io Uhr iLehrlingSabcheUung)— Zithertlub Frohsinn. Grüuerwcg 29 bei Zimmermann.— vladfahreitlnb Gloria, Manteusfelsir. 9 bei Rowack.— Musikverein A I l e g r e t l o, Blücherstr»s Ztrbeiter Snrnerduiid. Freiiag: Turnverein F 1 ch t e, Berlin. AbeiibS von S— 10 Uhr: 2. Männer- Adlheilung Slatitzerstraße öS—60 t. Männer- ablheilung Stcphanstrabe s. s. Piänuerabttzeilung Ackerstraße 07. s. Plänne,- adlheilung Tlalllchrsiberstraße öt. l. LehrlwgSabthciiung Friedeniiiaße 37, 3. LetziliNgSabthcilimg Bocckhstraße 21. I. Tamenadlhetlung Mariannen: Ufer la.— Arbeite-Turn verein(A d l e r« h 0s) von SD-io) Uhr abends in Köpenick, Rudowerstr. bei Scheer.— NreieTurnerschasl, Rirbors- Britz. 3. Schüler-Adlb. von Osj-Slj, 3. Männer» und LshrlingS-Avth. von sjj— lojj Uhr abends bei Hofsmann, Bergstr. iöi/iS2. Arbeitev-Stettograp steil verein..Stol!«", Lindenftr. los tm Rellaurant Fritz Zubeil. Uebungssiunde 8— 11 Uhr abends. Unterrichtsstunde jederzeit. Gäfie erwünscht. Deutsch, Gesellschaft für ethische Kultur. Heute abend iVt Uhr, Ziegel- straße Iv/n. Gruppe für elhcsche Bildung Bortrag: Dr. R. Penzig, Philosophie als LedenSkunst. DiSlusston. Gäste willkommen Krrliner KrnnNctt flilterstttst«»»«-«n» Degräbiiisjveret» für Fronen und pindchrii.(Gegründet 1892.) Heule, abend« 7-9 Uhr, bei Mehrwald, Alte Jalobstr. öt— bö, Zahlabend. Daselbst werden auch jederzett neue Mngtteder ausgenommen. Kiirprr-»nd Uatrirsteltveretn. Heute, Freitag, abend! 8� Uhr, Admiral» straße 18 0: Lichlbilder Bortraa über: Enistehnng, Heilung»nd Verhütung der Nervenkrankbeiicii vom p.ak!. Ralurheitkunoigeii Grnndmann. Zentral- Kranken- n»d Kterbc-Kalf» der drntsche» Wagendaner. Berti«. Bezirl 3. Sonnabend, den 29 Januar, abenos 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Lokale de« Herr» Bergemann, Paseivallersir. 3. Beilräge werden nur dort entgegengeno mmen. «ertiiier Arbeitervertreter- Derein tagt sedcn Dienstag nach dem erste» im Mo, at bei BnSke, Grenadlerstr. 33, abends sz Uhr. Uneulgelnicher Rath wird«rthetll: Im ziorden Kerlin»! Für ltnfall-, JnvalldilälS- und AlterS-vsrstchernng, abends von 7— s Uhr; A. D a e h n e, Temm.nerstr. 3«, v. 3 Tr. K. G u t h e t i, Wiesenstr. 2va, von 8-9 Uhr abends. F. Pteschel. Gartenstr. öö, v. 2 Tr. E. S t m a n o w S lt, Gartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S tnh Im a n n, Oderberger- straße 37, t Tr., von s- 0 Uhr abends. Li. Tamm, Husstlenstr ö, von 8—9 tihr abends. A. B 0 i g t, Wiesenstr. ti-tt. E. War u st, Koibergerstr. 7, von 6- 7 Uhr abend«.— Rur für Jnvalidiläis- nnd AllerSverstchsrnng: F. Blume, Slrelitzerstr. ös. P. R e i m a n n. Bellermannstr. 83. ff. Trapp, Schnlstr.»9, von?—s Uhr abend«. W. M 0 h». Swinemnnderstr. st(vorn luiler Ausgang). — Rur stir Unsallversicherung: I Krause, Garlenftr. 13. Gr »sten: Nur für JnvaUdttät». und«ttertrerstcherung:».Bader ranksurterstr. 3t. v.« Tr. m Süd.«sten: Für Unfall-, Jnvaltdttät«- und AlterSverstcherung: S ch a l 1 h 0 s f. Michaelkirchstr. 18. Sin Süden: Für Unfall-, JnvaltditätS- und AlterSverstcherung: F.« I ü g e t- m a i- r, Griininstraße ss.— Nur für JnvaltditätS- und AlterSvcrlichernn«, P. Keller, Nixdorl, Panierstr. ss, Hof pari. fni Süd-Weste»: Nur für Unsallverstcherung: G. Hä n e l, EoliiiSstr.«t, m ztord-Westr»: Rur lür Unsallverstcherung: J.Krause, WitSnacker- straße 10. R. E t e p h a n, Lesstngstr. St. Im Zentrnni: Nur für Unsallverstcherung: S. Lössler, Klofterslr. St. Bei sammtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier tetne Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7—9 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei seder Antrag««Ine Shtssre(zwei Buchstabeii oder eine Zahl) anzugeben, unter der dt« Antwori ertheilt werben soll. Die juristische Sprechsiuiide findet bis zu»» 5. März am Montag, Freitag«nd Sonnabend abends von 7l/2 bis 8V2 Kßr statt. W. B., Esten. Der Bericht ist seines lokalen Charakters halber fftr die weitere Ocffentlichkeit ohne Interesse. G. K., Frankcnberg. Ihre Anregungen eignen sich mehr zur DiS- kussion in der Gewerkschastspresse. Wenden Sie sich an das Fachorgan Ihrer Organisation, das Ihren Ausichten gewiß gern Raum gewähren wird. Petersdorf. Ob eine Bestimmung, die aktive Wahlbethetligung von Oesterretchern bei der Schulrepräsentanteuwahl in Ihrem Orte gestattet, czistirt, wissen wir nicht. Unsere Partei hat mit dem Wirken und den Schriften Johannes Gutzeit's nichts gemein. H. S. Waldstraste. Wcuden Sie sich an die Polizeibehörde Ihres Bezirks.— A. Z. 489«. Werde» Sie vom Gericht exmittirt, so müssen Sie die Miethe bis April zahlen. Hat der Wtrth die Januar-Miethe uud Kenutniß von dem Vorhaudenscin des HmideS angenomulen, so ist Exmissionsklage nur begründet, wenn Sie den Hund auf Aufforderung nicht abschaffen.— M. S. Nein.— P. Z. Wenn das Geschäft zur Ernährunz der Familie ausreicht, so kann die Unterstützung entzogen werden.— 53. Der Autrag muß binnen drei Monaten gestellt werden.— R. F. 22. Strafbar nicht. Pfänden Sie gerichtlich den Anspruch der Frau gegen ihren Vater ailsHerausgabe derMöbel.— Zl.S.7. Die Eltern hafte» nicht. — H. B. 100. Ein Grund, ans der Wohming auszuziehen, liegt nicht vor, wenn die Wohnung zum Aufenthalt von Menschen tauglich ist. Sie können aber mit Aussicht auf Eriolg Klage auf Abschaffung der Tauben er- heben.— Nrischbora». Dienstboten stehen unter der Gesinde-Ordnung. Sie können nur, ivenn sie in einer die G e t u n d h e i t gefährdenden Weise miß- handelt sind, die Dienstherrschaft zur Verantwortung ziehen.— A. W. 8. Es kommt darauf an, wo die Eheleute nach der Heirath den ersten Wohnsitz gehabt habe». Kommen Sie zur Sprechstunde.— 70 K. Erforderlich ist die Geuehmiguitg der Mutter mid eine Bescheinigimg der Polizeibehörde, daß der Aufenthalt des Vaters unbekannt ist.— B. K. 17. Wohnen Sie bereits in Berlin und können Sie die Kinder nicht ernähren, so werden Sie von der Armenverivattuilg Unterstützung enpfangen.— O. T. 38. Die Armendirektion ist zur Erhebung des Sterbegeldes nur berechtigt, wenn sie das Begräbniß besorgt hat oder ihr der Anspruch auf das Sterbegeld von den Almoscneiupsängem abgetreten ist.— W. H. 30. Nein.— M. Ja. — W. K. 39. Haben Sic den Kauf nicht genehmigt, so können Sie ans Zahlung des Kaufpreises nicht belangt werden. Können Sie beweise», daß der Kaufpreis das doppelte des Werthes übersteigt, so löunen Sic binnen 6 Monaten nach Empfang deö Gegcustandss Aufhebung des Kaufgeschäfts im Wege der Klage oder durch Einwand gegen die Klage des Verkäufers erheben.— P. K. 8. Sie leben in Gütergemeinschaft.— Znckerznhn. 1. Sind die Kinder nach rechiskräfiigcr Trennung der ersten Ehe geboren, so können Sie beim Notar oder Gericht die Vaicrschast der Kinder an- erkennen und auf grund dieser Urkunde das Personenstandsregister berichtigen lassen. 2. Verjährnng ist nicht eingetreten.— Ludtv. Schröder. Sch. anfangs April 1893, M. anfangs April 1899. Ihre anderen Fragen richtenSie nach Essen. — R. v. 100. Meister muß zatzlen.— Jvh. Gespcr. Oeffentttche Ver- sammlilng nicht erforderlich.— R» P. Der neue Hanswirth hat nicht das Recht, Ihnen zu kündigen oder die Miethe zu steigern, wenn der alte Wirth dicS nicht ausdrücklich in. dem mit Ihnen geschlossenen MicthSvcrtragc vorbehalten hat.— G. Baiimsch. Da die Zeugen nicht gesehen haben, wie sich der ganze Vorfall abgespielt hat, so ist et» Verthcidigcr zu einpfehlen. Beleidigungsklage braucht nicht erhoben zu werden. Gcfängnißstrafe ist nicht zu erwarten.— A. vi. 00. Es bleibt nichts übrig, als die Antwort ans die gestellten Fragen bei der Polizeibehörde zn verweigern.— Eugen 8. 1. Nicht nothwendig, aber zur Vermcidnng von Plackereien wünschenswerth. 2. Ja. 3. Die Fragen nach den intimsten Angelegenheiten stnd zurück- zuweise». 4. Ja.— A» W. 253. Die Kosten werden Nicht nach der Dauer der Verhandlung, sondem nach der Höhe der Strafe bemessen. Briefkasten der Expeditimr. K. in Bt. In den Lesehallen Neue Schöilhailserstr. 13 oder Neue Promenade 2. TVItkcrnngsiibei siifi« t'om S7. Jnnunr>898, 8 Uhr morgen». gisaj «3«5, p II l-ea w gs. 3 4 3 4 0 -10 —0 10 7 3 Wetter-Prognose für Freitag, 28. Januar 1898. Ziemlich warin. vorwiegend trübe mit Rcgeusälleil«nd frische» westlichen Winde». N e r Ii n e r W e t t« r b u r e a». Todes- Anzeige. Allen Freunden u. Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater und Schwieger- vater, der Schanktvirth August Kunze am 26. d. M., abends 11 Uhr, sanft entschlase» ist. 2 cd Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- Hause, Skalitzerstr. 28 aus, statt. VI« trauernden Hinterbliebenen. Alle» Freunden und Genossen, die bei dem Begräbniß unseres unver- geßlicben Sohnes und Bruders durch ihre innige Theilnahme unseren un- tröstlichen Schmerz zu lindern suchten, sprechen wir hiermit unscm tiesge- sühltesten Dank aus. 33b Familie Hager, Heidenau b. Dresden. Thum i. Erzgeb. Berlin. aialla» Steppd.,Aard., Regulatoren, Bslll», Remout- Uhren, Reiselosser, Winter> Paletots, Anzüge, spottbillig Pfandlethe Neauderstr. 0. Mehl- u. Vorkostgeschäft mit Möbel- Fuhrwerk i. z. vert. Brandenburgstr.b? zentral- Krailkttt- u. Cterbc- Kasse der Tischler u. Verwaltung Berlin C. Sonntag. 30. Januar, vorm. 10 Uhr, in Habel s Vrauerei, Bergmann- Straße b— 7: Mitglieder-Nersainiiillilig. TogeSordnung: I. Abrechnung vom 4. Quartal 1897, 2. Andere Kasicnaiigclcgeiihcitcii. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in der Versammlung pünktlich zu er- scheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. 182/2 Dir Lrtsverwaltung. Zum 1. Qfterfeiertag(10. April) wird ein Saal, zirka 300 Personen fassend, gesucht; vormittags Frühstück (ca. 120 Couverts), abends Kränzchen (ca. 300 Theilnehnier). Offerten unter „Nne-.Ixli'iicltvr» Sablliliiiri� oftnint Bcutbstr. s30b €. Strsiuss' Äi. Berlin O., Stralauer- Allee 171». Zahlstelle vom Wahlverein u. Metall- arbeiter-Berband, 7, 4182. s22b lliigett 7ziin-l 50 U i\yiiail.C.a»Hb ltUU m. Oränienstraße. Spr. 8- 10 II Nd 1-3 Uhr. Central-Festsäle oSm,, ÄlteTakobstp. 32. Säle mit Bühne, 50-800 Personen fassend. Vereine und Versammlungen erhalten noch von Garderobe, Kaffeetafel Rabatt. IOaiia iltuiler.* Deutscher Holzarbeiter-l/erband. Heute, Freitag, abends R/« Uhr, bei Ovlen, Bcuthstr. 20/21: s77/l Slt�nnK«ler Orts Verwaltung. Einsetzer."WS Sonntag, den 30. Januar, vorm. 11 Uhr, im Lokale des Herr« Sek»«!«*:. Köpnicker-Straste 08s Ver fo tu m I it tt g. tlicher Kollegen ist Pflicht. Die Bück DaS Erscheinen sämmtlicher (icher sind mitzubringen. Morgen Tonnabend, den SS. Jannar: Großer MaskenvoU in Kellers Festsälen, Koppenstr. ÄS, und bei Wernau, Schwedter Strasge Ä3. Billets � 50 Pf.(für beide Lolale giltig) sind aus allen Zahlstellen de? Verbandes zu haben. ävktung! Achtung! MM der Va«-, Erh- und gewerblicheit Silssttbeitn Deutschlgiliis lZahlsttke III- BediiO. Au, Sonntag, den 30. Januar, mittags 12 llhr, im Restaurant „VlIetorla.Oai.ten». Badstraße Nr. I«: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: Z. Vortrag. 2. Diskussion. 32/1 I. A. Kroll. Achtung! Achtung! Große öffentliche Versammlung der Bau-, Crd- liiih gtivtrdlichcn Hilsöarbcittr ZchöittbW «nd Ilmgegeud »in Sonntag, den 30. Janiiur, nachinlttag;«! S'/a Ulir, In Obttfo Salon, OrnneivaidHtr. HO. äJlefercut und Tagesordnung werden in der Bersattimlnug bekannt gc, macht. Es ist Pflicht jedes Bauarbeiters, in dieser Bersamtttlmtg zu er- scheinen._[29/2]__ Der BertrauenSmann. Cciltral-Krallken-«1 Sterbekasse der Dachtlker Dcatschlauds „Einigkeit"(E. H. 09), Sit? Berlin. .1 ni Sonntags, den 30. Januar, nnclimlttassie 2 Uhr, Inv l.okale den Herrn Uclnd, HVelnwtr. 11: V e r s a m m i n n g. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1897. 2. Wahl der Delegirlen zur Geiieralversammlung. 3. Anträge und Beschiverden in Angelegenheiten der- Kasse an die Gencralversamniliing. 54/1 _ Her Vorotand. I. A.: Barenthin. öftMlft u.NMMer. VerwaltuneHMtello Herl in 1. Sonnabend, den 29. Januar, abends 9 Uhr, im Englische« Garte», Alexanderstraße 27 et PV Tersaiiiinlnng.*9)1 Tagesordnung: 1. Vortiag des Stadtv. linpent über:»Sind ltnterstühungSzweige und Kampsorganisattou vereinbar?" 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes._ Die Ortsverivaltung. Sonnabend. 12. Februar, in Marten's Festsälen, Friedrichftr. 230» Grokev Mstionr« MnshonbnN. Anfang 9 Uhr. Entree 50 Pf. Billets sind zu haben bei H. Lange. NW. Louisenstraße 61, Hof pari.: C. Schulze, 8. Annenstraße 26, 2 Tr.� P. Geher, 80. Cuvrustraß« 9, Hos pari.: I. Rosenthal, 8. Wasserthor� straße 52, vom t Tr. 156/L Das Comitä. ffiit den Inhalt der Inserate tiberniimiit die Redaktion de», Pnblikmn gegenüber keinerlei _ Vcrantkvortung. Thrntrv. Freitag, den 28. Januar. Opernhaus. Aida. Anfang 7»/- Uhr. Schanspiclhaus. Der Burggraf. Ansang 7r/z Uhr. Deutsches. Mädchentraum. Anfang 7V- Uhr. Lessiug. Hans Huckebein. Anfang 7-/- Uhr. Berliner. Kaiser Heinrich. Anfang TV- Uhr. Stefidenz. Sein Trick. Anfang Uhr. Neues. Die Schildkröte. Anfang 7 Vi Uhr. Ostend. Die Waise von Lowovd. Anfang 8 Uhr. Goethe. Berliner Spezialitäten. Anfang 7Vz Uhr. Schiller. Der Tngcndtvächter. DaS Versprechen hinterm Heerd. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Güttin der Vernunft. Anfang 71/2 Uhr. Thalia. Ninctten's Hochzeit. Anfang 7>/i Uhr. Central. Die Tugendfalle. Anfang 7-/- Uhr. Snisen. Trilby. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WNhelnistadtisches. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Belle-AIltance. Im Dienst. Anfang 8 Uhr. Alexandcrplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Urania. Xanbenstraste 48—49. Naturkundl. Ausstellung v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisscnschaftl. Theater. Jnvalidenstrastc S7/KS. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wiffenschastlichc Borträge. Nmerican. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7V2 Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Ncichshallen. Spezialitäten. An- fang 71/2 Uhr. Tlzrntvv (Wallncr-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Der Tugend- Wächter. Das Verspreche» hinterm Herd. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Tugendwächter. Das Ver- sprechen hinterm Herd. Sonntag, nachm. 8 Ubr: 2. Vorstellung im 2. Schiller-Zyklus: Kabale »nd Liebe.— Abends 8 Uhr: Kyriü-Pyrih Ostend-Theater. 'Gr. Franksnrtcrstr.1Z2. Dir. C. Weis?. Die Maise aus Kowood Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vorstellung: Fret-Konzert. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Sonnabend: Preciosa. Sonntag Nachmittag, kleine Preise: Berlin. wie es weint und lacht. Ferdinand-. Carl Weiß. Abends: Preciosa.— In Vorbereitung: Unter der Polar- sonne. Großes Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz von Sondermann. Central-Theatep Alte Jakobstr. 30. Direktion Richard Schnitz. Freitag, den 28. Januar 1898: Emil Thomas a. G. Zum 7. Male: Die Tugendfalle. Burleske Posse niit Gesang und Tanz mit Benutzung eines franz. Sujets von Jul. Freund und W. Mamistädt. Musik von Jul. Einödshoser. Ansaug V-« Uhr. Morgen«ud die folgenden Tage: Die Tttgcndfalle. Lniseu- Theater 34. Reichenbergerstraste 34. Abends 8 Uhr: t£fiUr*|. Schauspiel in 5 Akten nach dem gleich- namigen Roman von G. du Maurier, frei bearbeitet von Richard Mark. Trilby.. Anna Müller-Lincke. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: Volks-Vorstellung. Regie l.Illrle: Hie Riinhcr von Fr. Schiller. Billets a 00 Pf. in den bekannten Verkaufsstellen. UoCZrt' Sanssouci Kottbuser Strafte Nr. 4a. Dir. H. Pierrh. Artistischer Leiter Jos. Aschiuger. Großer Beifall! Cw verfolgte Unschuld. Gesangsstück in zwei Bildern von Walter Gericke. Neue Spezialitäten. Sonntags Mfang des Konzerts b Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Vttll. Entrcc 50 Pf. Wochentags Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. MM- Eatrcc 30 Pf."MM Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. Ilr&sila Tanhenstr. 48/40. Naturkundliche JUisstellung. Täglich gonffnot von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalidensir. Hl«. 57—62. Täglich nbonds 7 Uhr: — Ausstellungs Saal und Vorträge.— Passage-Panopdcum. Das Volkslied in 12 lebenden Bildern mit Gesang und Tanz der — instigen— Wienerinnen. 881 Castan's 888 Panopticum. Friedriohstr. 165. Indisch» hlndasta» nische Gaukler — und— Schlange n- Beschivörer. Das BÄREN WEIB. N Apollo-Theater. Frledrlchstr. 218. Dir. J. Glück. Rente 5. Abend: Ivette uilbert Kassen evöffnungOVn, Anf. TVjUhr. jOlympiaSj (Cirous Renz.) Karlstrasse. Rolossy Kiralfj's Konstantinopel. Grösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 700 Aufführ, in London. 1000 Mitwirkende. I. Bild: Das Maifest in England. 2. Bild: Spanisoher Stierkampf. 3. Bild: Wiener Jahrmarkt. 4. Bild: Räuberüberfall in den rumelischen Bergen. Das Schlachtfeld. 5. Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild: Prunkpalast in Konstantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Räuber- Hauptmanns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiel auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballets, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,-, 1,50, 2,-, 2,50, 3-, 3,50, 4,— und 5,00• M. Anfang 8 Uhr. Ende IOVj Uhr. R n eichshaiien- Thcater, Leipzigerstrasse 77, Hella Collier unbestritten beste Gesangs- Soubrette. , 5 Derrlngtons, j Max Waldon und das aus SO Kunstkrliften bestehende Programm. fAnfang T'/z Uhr. E n t e e e 50 P f. Im Reichshallen-Tunnel t liglich: Gr. Militär-Konzert In Enifofin. Entree lO Pf. Ivicf Der R»«Iienball in Alla. den unteren Räumen der Reichshallen findet am Donnerstag. S.Februar, statt. Feen-Palast 2« Durgstr. 22. Direktion: Winkler 4 Fröbel. Großen Jubel erregen jeden Abend Richard Winkler». Wilhelm Fröbel in der einzig dastehenden Operette Dag radelnde Verlin Stürmischen Beifall erzielen Cabaret's Liliputaner Hunde. NlWM, Thmtüs-Mäufer. Frld Frid. Gebrüder Wichmann. Forrse Hildebrand. Willard. Dich» und Walde. Lebende Photographien. Ansang 7Vz Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. T olks- Theater im Wclt-Rcstanrant »7. D r e s d e» ev-S t r a ft e»7. Novitüt! Novität! Eiveuisblttk. Operetten- Bmleske von G. Fischer- Ohmann. Mustk von R. Baumgart. Neu! Vocher: Nen! TreWev. Schwank von Benno Jacobson. Im vorderen Saale: Txroler Langer Alois Omer. Sonntags 6 Uhr. Wochentags 7l/j Uhr. nan Quarg's n | Vandeville-Theater H Grand-Hotel Alexanderplaft. ? � a 1 � 1 S-»o w � | FSb C= « Renk Frl. Certy Gottschany, Soubrette. [ ZlviS! Sonnabend, 29. Januar, bleibt das Bandeville-Theater weg. Privatfestlichkeit geschlossen, � dafür Gastspiel im Reichshallen-Theater. M- Das Armband. Kimar-Tkester. Dresdenerflraße 52/63(Cith-Passage) Annenstraße 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Reu! Die Renk lustigen Heidelberger. Ausstattmigs- Operette in einem Akt von Poly Henrion. Musik von Franz von Suppe. Vorher: Unser.Johann. Lust- spiel in 1 Akt nach dem Französischen von Bcye. Auftrete» sämmtlicher Kunst- Spezialitäten. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Vorzu�tohmtw�mGMi��� lAllo Urtheile der Presse! stimmen überein darin, dass Donat und Anton Hcrrnfeld's neueste Novität, die lustigpikante „Komödie einer jungen Ehe';: Familie Kaclisalzj ein neues Heiterkeits-Produkt I. Ranges ist! Alle Urtheile des Publikums bestätigen diese Kritik an Jedem Abend durch ununterbrochene Lachsalven und Beifallsstürme und häufig hört man, wenn die Schaaren IL au flu an n s V a r i c t verlassen, die Bemerkung: „Sie sind doch wirk- 1 lieh einxig in ihrer Art, diese Herrnfeld's!" Clrcus ISuscli (klahnhof Itttrsc). Freitag, den 28. Januar 1898, abends 7V2 Uhr: Hmmstische Sotjicffiiiig. Die amerikanischen Freunde, höchst komische Szene. Leiter- Akrobaten Freres Bergere. Dogcartfahrt mit eigens dazu dressirtem Pferde, aus- geführt Vau Mdme. Maria Dore. Gr. hippologisch. Potpourri von 15 Fuchs- Hengsten, dressirt und vorgeführt vom Dir. Busch. Aigir, ostpr. Hengst, in kurzer Zeit dressirt und geritten von Herrn Foottit- Burghardt. Außerdem Auftreten aller neu engagirten Reit- künstlerinnen».Künstler, sowie sämmtl. Clowns und Auguste. Zaragoza, Orig.-Mansge- Schaustück des Circus Busch, entnommen aus dem spanischen Leben. Besonders hervorzuheben: Der Brand des grünen Schlosses mit der Flucht des Don Castodurus und seiner Geliebten sowie sämmtlichen Pferden. Eine spanische Eisenbahn mit ein- tretender Katastrophe. Morgen T/2 Uhr: Gr. Parade-Cala- Vorstellung. Zaragoza._ Yictoria- Brauerei L-iltr.ow- Strasse 111/112. Heute"VQS sowie jeden Freitag und Montag: Stettiner Sänger tMeysel, Pietr«, Vriitou, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Untre«' SO rf. Vorverkauf 40 Pf. 1 Beginn 8V2 Uhr. VII. Stiftnngs-Fest S» ** Arbeiler-Bildungssehule am Sonnabend, den 29. Januar 1898-—— c:— im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11-13. Kammer-Kusik. Trio B-dur von Schubert(Klavier, Violine, Cello). Gesangs-Vortrüge. Frau E. Feininger(Sopran), Herr Job. Scheer (Tenor). Deklamationen Herren R. Preczang und G. Winkler. Könstler-Concert Prolog verfasst von Er ns t Pr eezang. F e s t r e de — gehalten von Schriftsteller— Robert Sohweichel. Billets ä 40 Pf. heute Abend in der Inselstrasse 10, in den Zahlstellen der Schule und den mit Plakaten belegten Handlungen (Zahlstellen der„Freien Volksbühne"). Nachher in beiden Sälen; TANZ. Siihmische« Krnuhmw Unser Bockbier-- Ausstoss beginnt am Sonnabend, den 29. Januar er. Gbens» empfehle« wir unser(41242» Helles und dunkles Tafelbier, €rambrinns- Bräu, nach München er Art, Xepomub- Bräu,„ Pilsener„ in Fsssern und Islssche»,» ohne Mond. Telephon» Amt VII 5088 für Bestellnngen hl Fässern. doz ,, 1670„„ in Flaschen. Am 1. Februar erscheint bei J. täönther, Verlag, Dresden: Den Märzgefallenen Von Andreas Scheu. Für Männerchor mit Orchesterbegleitung komponirt von Josef Scheu. In der Voraussetzung, dass die 50jährige Gedenkfeier der 48er Revolution sich zu einer allgemeinen gestalten dürfte, werden die o-eehrten Sängerbünde und Vereine zur Anschaffung dieser, speziell für diese Feier geschaffenen Dichtung und Komposition, die in den Sino-stimmen möglichst leicht und einfach gesetzt ist, höflichst eingeladen.,.."80L* J. Günther, Musik-Verlag, Dresden, Ziegelstr.24. Des S5 jährigen G-schSftsj«bUa«m» wegen bleibt mein Geschäft am Mtnstilg. den 1. Mmr. geschlossen. F. Hahrsledt, PtoMfint. 40/41. Patzenhofer Book! Der Ansstoss nnseres diesjährigen ockbieres beginnt am Sonnabend, den 29. d. Mts. Patzenhofer Brauerei Spandau Berlin Fürstenwalde. Goncerthans IjCipr.lgerstr.Xo. 48 Täglich:"TpQ Hoffmann's Quartett und Humoristen. Anf. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Der Kiaotslhan-Miiil Zum 283. Male: I-eae W. Noack's Theater Kruiincn-Mtrasse IG. Heute Freitag, den 28. Januar: Buvtoi* Wespe. Lustspiel in 5 Aufzügen von Benedix. 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