Nr. 24. SUrotnttmtittf• KedingMgtn s «bonnementt»Pr«>» pränumerando: «ierteliährd SL0 Mk., monatl. 1,10 Ml>, »vöchenllich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlag», Nummer mit illustrirler Sonntag», Beilage«Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1893 unter Nr. 7576. Unter itreiizband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrig««u»land S Marl pro Monat. 13. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Raum so Pfg., für verein«- und BersammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächst« Nummer müssen bt» » Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werde». Tie Expedition ist an Wochentagen bi« 1 Uhr abend», m Sonn, und Festtage» bi» S Uhr vormittag« geöffnet. Erscheint täglich«ufter Montag». Devlinev VolKsblakk. Fernsprechern»mt l, Kr. 1560. Telegramm-Adresse: «»oiialdeuiokrat Verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. N-duktiott: 8V. 19, Neuly-Stmße 2. Konnavend. den 29. Januar 1898. ALpediNo«: 8V. 19. ZSettty-Straße S. Die Vorboten dev Krise. Im nämlichen Augenblicke, als der Staatssekretär Graf v. Posadoivsky im Reichstage sich zum Sachivalter der Stumm und Konsorten gegen die Arbeiter auswirft, flattern um die Berliner Börse in der Burgstraße noch scheu iliid unsicher die Sturinvögel, die die nahende Krise anknnden. Sollte es nicht mehr als ein Zufall sein, daß das Unternehmer thum gerade jetzt wieder gegell die Arbeiterklasse mobil zu machen beginnt, wo mit jäher Wilcht die verheerelldeil Folgen einer noch anarchistischen Prodliktions weise, für die das Unternehmerthnm die volle Verantwortun zn tragen hat, auf die Arbeiterklasse hereinzustürzen beginnen Um die eigene Schuld labzuwälzeu, um die Oeffentlichkeit zn hintergehen, wird ein unschuldiger Sünder auf den Pranger geschleppt. Der Arbeiter, eine Art pernianenter Stroh- und Sitzredakteur in der kapitalistischen Aera, soll auch jetzt wieder den Prügelknaben für die bürgerliche und mißvergnügte Bonr- geoisie abgeben. Er hat gestreikt, er hat den flotten Lauf der Produktion gestört, der Arbeiter, nicht die Unter- nehmer tragen die Berantivortung für die Folgeit des nun mehrigen Rückganges der Konjunktur. Diesen Eindruck möchte das Unternehmerthum gerade noch im jetzigen Angenblicke in der Oeffentlichkeit erwecken und Graf von Posadoivsky hat alles gethan, ihn mit der ganzen staatlicksen Autorität den edlen Wunsch der Unternehmer in Erfüllung gehen zu lassen. Aber beredter als von Stumm und Posadoivsky redet die nackte Wirklichkeit, reden die stinnmen Ziffern des Kurszettels, redet das Thun und Treiben des deutschen Untcrnehmerthnms auf dem werktäglichen Boden der Produktion; sie all« klagen für die Folgen der indnstriclleu Krise, der wir entgegengehen und die die Arbeiter ansznbaden haben werden, ganz ausschließlich das Unternehmerthnm an. Angesichts der Schuld, die sich das deutsche Unternehmer- thnm in den letzten zwei Jahren aufgeladen hat, erscheint der streikende Arbeiter wie ein unschuldiger Waisenknabe. Als Ende des JahreS 18S4 die heimische Prdnktion sich frisch belebte, da beeilten sich die deutschen Fabrikanten, ihre auss Pflaster gesetzten Arbeiter wieder zu beschäftigen, die be- stehenden Betriebscinschränknngen aufznhlben, die tägliche Arbeitszeit nicht nur voll auszunützen, sondern auch mit Ueber- stunden, Toppclschichten die Spannung zwischen Nachfrage und Liefernngsmöglichkcit auszugleichen. Kaum Halle das deutsche Kapital, das bislang in den faulste» ans- ländischcn Papieren eine hoch verzinsliche Anlage ge- sucht hatte, gemerkt, daß in deutschen Jndnslrie-Nnter- iichmnngen nun wieder ein Geschäft zn machen war, als auch schon die Börsenkurse der industriellen Papiere in die Höhe gingen und das überflnssige Geld sich zu deutschen industriellen Gründungen förmlich drängte. Fabrikanten und Finanzgrößen gingen Hand in Hand, nm die Produktion durch Neil- gründnngcn und Erweiterungen von Fabriken zn vergrößern. Bestechende Privatnuternehmungen werden massenhaft in Aktiengesellschaften verwandelt und neue Etablissements in größtem Rtaßstabe und mit entwickeltster Maschinentechnik entstanden in allen Branche». Ohne Rücksicht auf die Fassungskraft des Marktes wurde die Produklion sinn- und planlos vermehrt. Selbst in den Industriezweigen, wo durch Syndikate und Kartelle eine Regelung der Pro- duktion vorhergesehen war, vermochten die leitenden Kreise den Taumel des Uebermnlhcs nicht zu beschwichtige», sondern ließen sich thcilweise selbst von ihm mitfortreißen. Jede Warnung vor diesem unsinnigen Wettrennen wurde als eine Böswilligkeit gcbrandmarkt. Die industrie- und börsenfromme Presse ließ kein Bedenken aufkommen, alle ungünstigen Symptome wurden kurzer Hand weggeleugnet oder todt- geschwiegen. Im September vorigen Jahres, als der so- genannte Aufschwung schon an allen Ecken und Enden faden- schcinig zu werden drohte, da verstand es die bürger- liche Presse, an ihrer Spitze die„Kölnische Zeitung", durch die dreistesten Unwahrheiten und Verdrehungen selbst die engeren Börsenkreise nochmals ail der Nase herumzuführen: abermals vollzog sich ein neues Steigen der Montan- und Jndnstriepapiere an den deutschen Börsen und alle Welt wollte sein Geld nur in diesen Papieren noch anlegen. Um die Jahreswende konnte man in der That noch glaube», in unserer Industrie befände sich alles wohl. Und nun mit einem Schlage ist das ganze Lug- und Trnggebilde eingestürzt. Zivei Thatsachen sind es, die unwider- lcglich beweisen, daß wir schon im Stadium der Ueberprodnktion angelangt sind. Einmal ist es notorisch, daß rheinisch- west- fälische Werke mit ihren Konkurrenten in Schlesien durch Preisunterbietungen in einen rücksichtslosen Wettbewerb getreten sind, sodann ist die deutsche Roheisen- Pro- duktion schon seit einiger Zeit nicht mehr im stände, ihre Erzeugung zu verschleißen, sie muß den Betrieb einschränken, Feierschichten einlegen, Arbeiter entlassen n. s. f. Das rheinische Koakssyndikat hat in den letzten Tagen eine Betriebseinschränknng von 5 pCt. durchführen müssen, weil von den Eisenwerken der Koaks nicht mehr abgenommen wird, d. h. weil die Produktion in Roheisen erheblich nachgelassen hat. Und diese Betriebseinschränkung ist erfolgt, obwohl»och zn Anfang des Jahres das Syndikat großspurig erklärte, die gcsainmte Jahresproduktion sei voll und ganz unter- gebracht— eine Erklärung, die eine erhebliche Hausse- bewegnng der Kohlenwerke zur nächsten Folge hatte. Einige Tage später und diese prahlerische Erklärung ist durch die Thatsachen als unwahr gebrandmarkt. Und ivie hier im Eisengewerbe und beim Koakssyndikat liegen die Verhältnisse auf anderen Gebieten unserer heimischen Produktion. Die Unternehmer selbst wissen schon mehr als ein halbes Jahr, wieviel Uhr es geschlagen hat. Aber mit dem Ausgebot aller Heuchelei und Lüge suchen sie im kurzsichtigsten Geschäfts- interesse den schönen Schein zu wahren, um sich selbst gegen die kommenden Verluste nach Möglichkeit noch zu decken. Und dieses nämliche Unternehmerthnm, das auf diese Weise ins Blinde hinein bei steigender Konjunktur die Pro- duktionskräfte vermehrt, die Arbeiter aus allen Gegenden heranholt und schmutzig genug ist, selbst in den glänzendsten Zeiten den Lohn der Arbeiter möglichst tief zu halten— dieses Unternehmerthnm hat den Much, die Veranlivortung für seinen eigenen Leichtsinn den Arbeitern in die Schuhe schieben zu wollen Die Krise kommt, ja sie ist in manchen Gegenden schon da, und sie bringt am ersten den Arbeitern die ganze Misere, die ans einer Verringerung der bisher überspannten Produktion hervorgeht. Jede Betriebseinschränkung, jedes Fallissement vermehrt die Existenzunsicherheit der Arbeiter, die industrielle Reservearmee schwillt an, die Löbne sinken, die Ziffer der Arbeitslosen steigt. Solchen Aussichten gebt die deutsehe Arbeiterklasse dank der kurzsichtigen Pro- duktionsanarchie unseres Unternehmerthnms entgegen. Und statt dem schuldlosen und schwachen Theil zu Beginn dieser Krise beizuspringe», ihm durch Koalitionsfreiheit und wirthschafiliche Bewegungsfreiheit die Möglickkeit zu verschaffen, die Folgen der Krise durch vorbeugende Maßnahmen abzuschwächen, hält es die deutsche Regierung vielmehr für an- gemessen, sich auf die Seite der Prod»ktio»s-?lnarchisten zu stellen, sich zum Beschützer der Unordnung, der Desorganisation ansznwerfen und den Entrüstete» zu spielen, daß die Arbeiter es wagen, dem gar zu nberniülhigeu Vorgehen der Unter- nehmer dann und wann ein Riemenlo, in Form eines Lohn- kampfes, zuzurnfeii. Kein einziges Wort hat der Staatssekretär vom Reichs- amt des Innern gegenüber der Lügen- und Henchelpolirik des deutschen Unternehmerthnms gesunden, deren Folgen sich auch dem Staat als solchem wenig angenehm spürbar machen werden. Dagegen hat Graf von Posadoivsky unter dem lautesten Beifall der Krupp und Stumm die kleinlichsten Vor- kommnisse, bei denen einzelne Arbeiter vielleicht eine Unge- Hörigkeit begangen haben und dafür energisch bestraft sind, zn Haupt- und Staatsaktionen anfgebanscht, denen gegenüber er die Gesetzgebungsmaschinerie in Bewegung setzen will. Wenn wir nicht überzeugt wären, daß Graf von Posadoivsky im besten Glanben gesprochen und gehandelt hat, ivir müßten ihm in der Knust, mit bewußter Absicht die einfachsten Thatsachen ans den Kopf zu stellen und ihr gerades Gegentheil als wahr zu vertheidigen, die Palme zuerkennen. politische Ve beult cht» Berlin, 23. Januar. Zlns dem Neichstage. Seit zehn Jahren kommen die Klagen über die Uebertragnng der Milzbrandkrankheit bei der Verarbeitung von Borsten und Pfervehaarcn in der Bürsten- und Pinielfabrikalion vor den Reichstag und heute noch ist das Reichs-Gesnndheitsamt so wenig in der Lage, bestimmte Vorschriften zur Verhütung dieser erschreck- lichen Berufskrankheit in Aussicht zn stellen, wie früher. Genosse O e r t e l, der ncngewählte Vertreter für Nürnberg, wo die Pinsel- und Bürstenfabrikation einen Hanplsitz hat, trug in beredten Worten die alte Klage der dortigen Arbeiter vor und richtete das dringende Ersuchen an die Rcichsdehörde, die so lange und oft schon in Aussicht gestellten Ver- ordnungen endlich zu erlassen. Ter Zcnrrumsredner Dr. Hitze unterstützte dieses Verlangen, indem er niit Recht darauf hinwies, daß man sich im Reichs- Gesundheilsamt wirklich nicht zu wundern brauche, wenn den Nürnberger Arbeitern schließlich die Geduld ausgehe. Der Vertreter des Reichs- Gesundheitsamtes hatte auch heute wieder nur besänftigende Worte. Er weiß eben, daß jede vor- beugende Vorschrift den Profit der Fabrikanten einschränkt, und da andererseits nur Arbeiter von der Krankheit befallen iverden, so ist es klar, warum der Schutz so schwer durchzusetzen ist. Nach dem Milzbrand die Maul- und Klauenseuche. Ein ganzes Heer von agrarischen Rednern trat auf, um von der Regierung die Sperre der Landesgrenzen zu verlangen, um so den heimischen Viehstand vor der Versenchnng zu schützen und — was die Hauptsache— die Vieh- und Fleischpreise zu heben. Zwar steht fest, daß die Seuche nicht nur durch erkranktes Vieh, sondern auch durch Menschen und auf alle mögliche andere Weise verschleppt wird, die Vichsperre also garnichts nützt; aber darauf hören die Interessenten an hohen Fleischpreisen nicht. Von unseren Genossen H a a s e und W u r m wurden die Interessen der Konsumenten energisch gewahrt. Der Abg. B l o s brachte Klagen über die Verunreinigung der Ocker durch die Abwässer der Braunschwciger Ziickerfabrikeu znr Sprache, während Genosse R e i ß h a u s sich nach der Zilsainmensetzung der Kommission znr Prüfung der Jmpffrage erkundigt. Redner wollte besonders wissen, ob in der Kom- Mission auch die Jmpfgeguer vertreten sein iverden, was be- jaht wurde. Morgen 2 Uhr Fortsetzung der Etatdebatte und eventuell erste Berathung der Vorlage über das Brennereigesetz. DaS preußische Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Etatsberathung mit dein Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung. Während in früheren Jahren der Titel„Gehalt des Ministers" den Agiariern die erwünschte Gelegenheit gab, ihrem gepreßten Herzen durch Schreien Luft zn machen, während es noch iui vorigen Jahre zu einem heftigen Znsannnenstoß init dem ihnen nicht genügend willfährigen Landivirihlchaftsniinister kam, verlief die Debatte diesmal weit rnhiger und sachlicher. Der Grund dafür ist einmal in der Thatsache zu suchen, daß die National- liberalen bereits bei der ersten Letnng deS Etat? erklärt halten, sie würden der vom Minister von Miguel ausgegebenen Parole der Politik der Sammlung folgen und für die„berechtigten" Forderungen der Landwirthschaft eintreten; sodann aber trug zn dem verhällnißmäßig ruhigen Verlauf der heutigen Debatte der Umstand bei, daß die Agrarier selbst ihre Wünsche auf die einzelnen Etatstitel vertheilen wolle» und daß ste außerdem für die nächste» Tage eine große Aktion vorbereiten. Sie beabsichtigen näinlich. die Regierung über die von ihr geiroffenen Maßregeln znr Verhütung der Sencheneinschleppnng zu interpelliren. Das Wort haben also zunächst die Fleischvertheuerer, die Brot- verlheilerer werden wohl auch nicht lange aus sich warten lassen. In der ersten Hälfte der Sitzung begnügten sich die konser- vativen, nationalliberale» und Zentrums-Agrarier damit, un- bedeniendere Wünsche vorzubringen, von denen wir nur das Ver- la> gen des Abg. Frh. v. E y n a t t e n(Z) a» f H e r a b s e tz u n g des s ch n l p s l> ch t i g e n A l t e r s von 14 a n f 13 Jahre im Interesse der ländlichen Arbeit erwähnen wollen, eine Forderung. die wohl beweist, daß es dem Zentrum mit seinen sozialpolitischen Maßnahmen»iait so ernst ist, wie es sich gern den Anschein geben n öchle. Elinas lebhafter wurde die Debatte erst, als der Ooeragrarier v. M e n d e l- S l e i n f e l s zu Worte kam, der im wesentlichen dasselbe, nur in etwas zahmerer Form, vorbrachte, was er alle Jahre zu sagen pflegt. In ihrem wahren Lichte zeigten sich die Herren, die den Aniland gepachtet zu habe» glauben, während der Rede des Abg. Gothein(srs. Vg.), dessen Kritik der agiariiche» Forderungen mit einein nicht ende» wollenden Gelächter »»f der Stechte» begrüßt wurde.'Aber trotzdem seine Aus- führiingen angeblich tu rch und durch nndjskniirbar waren, sah sich doch der Abgeordnete G a m p(srk.) veranlaßt, fast eine Stunde lang dagegen zu schwatzen, und auch der kmiservative Führer Graf z u Limburg- Stirum hält es nicht unter seiner Würde, darauf näher einzugehen. Beide Redner sprachen im übrigen dem Landwirlhschafisminister und dem Finanzminisier sür ihr Eintreten für die Landwirthschaft den Dank ihrer Freunde ans. bei welcher Gelegenheit Gamp es sich nicht nehme» ließ, dem Freiherrn v. Marschall einen Seitenhieb zn versetzen, während Graf Limburg die Ansicht ausdrückie, daß auch jetzt noch das Ressort des Auswärtigen Amts die Interessen der Landwirihschast nicht genügend berücksichtigt. Diese Besürchtnna zeriircute jedoch der Landwirthschafisiniiiister sofort durch die Erklärung, daß sorgsam und ernst erwogen werde, wie die Interessen der Landwirthschaft bei künftigen Handelsverträgen besser gewahrt werden köunle», als bisher. Nach dieser, von der Rechten mit großem Beifall aufgenommenen Erklärung wurde die iveitere Verhandlung aus morgen verlagt.-- „Prediger in der Miiste" sind nach den„Hamburger Nachrichten" die Herren v. Stumm und v. Kardorfs geworden. Das Blatt sür Ausnahmegesetze ist nämlich mit dem jetzige» Reichstage außer den genannlcn Herren sehr unzufrieden, weil es scheine, „als wäre die Vertretung des ganzen deutsche» Volkes nur noch dazu da, nm der Sozialdrmokiatic die Wege zu bahnen. Die Apostel der iiilernationalen Revolution beherrschen die parla- inenlarische Rednerbühne. Sie fetze» die gesannnte Staats- und Gescllschaitsordnnng auf die Anklagebank, und die sogenannten bürgerlichen Parteien finden weder die Kraft, diesem Treiben durch de» Schluß der Debatte Einhalt zu Ihn», noch de» Mnth, sich rnnbiveg zn dem Bestehenden zu bekennen und den revolutionären Unfiig beii» rechte» Namen zn nennen." Und so fort jammert und zetert das Bismarckblatt mehrere Leitartikelspalten hindurch in Ankilüpfung an die Debatten über den Posado wsky-Erlaß. Das muß anders werden, erklärt es weiter. Leider sei es jetzt nicht möglich, noch be- sondere gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie zn unternehmen, da das Ende des Reichstages herannaht. Aber wenigstens solle die Regierung „dem Reichstage vor allein Volt den Spiegel vorhalten, der Sozialdemokratie auf den Kopf zu sage», daß sie der Todfeind sei, mir dem es keinen Frieden, keinen Waffenstillstand gebe, und allen bürgerliche» Parteien kein Hehl daraus mache», daß sie ihre oberste Pflicht verletzen, wenn sie sich der entschlossenen Be- kämpf, mg dieses Todfeindes, gleichviel unter welcher AnSrede oder Beschönigung, entziehen." Solch Appell würde, so schließen die„Hamb. Nachrichten" ihre Philippika, auf die Wähler wirken und so würden große Erfolge zu erzielen sein. Man ficht ans allen diesen Ergüssen des Ober-Scharsmacher- blattes, wie groß der Aerger derer um Bismarck, Stumm und Kardorff über den Verlauf und den Ausgang der Posadowsky- Erlaß-Debattcn ist. Die Aufdeckung des schlimmsten reaktionären Anschlages gegen die Arbeiterklasse hat der Sozialdemokratie einen neuen großen moralischen Erfolg gebracht und Schaaren schwankender Staatsbürger erkennen, daß es in Zeiten einer solchen Rcaktiouspolilik Pflicht ist., sich zu dem Streiterheer der Sozialdemokratie bei der Reichstagswahl zu schlagen. Aus dieser Thatsache würden vernünftigere Verfechter der kapitalistischen Ordnung den Schluß ziehen, die Regierung sollte derartige auf Kuebelung der Arbeiterklasse abzielende Unlernchmuugcn besser ganz unterlassen. Aber die Gilde der Ccharswacher sucht zu weiterem brutaleii Fort- schreiten auf der Bahn der Reaktion anzureizen; sie sieht nicht ein, daß eine Regierung, welche etwa das Koalitionsrccht gemäß den Wünschen der Großindustriellen und Junker völlig aufzuheben trachten würde, gar nicht nöthig hätte, die Sozialdemokratie pathetisch als Todfeindin hin- jiiftclIcH, da eine solcl.e Sicciicumg durch ihr reaktiouarcs Trcide» sclbst dcr ganzen Viasse drr prodnzircnden Klasse sofort als Todseindin ihrer»ertyvollsten Rechte und ihrer clcmcntarstcn Ledeusintcressen gelten ninßte. Eine Regierung, die den Rathschlägen dcr„Hainburger Nachrichten* nachläine,»rare also geradezu vcrralhen und verkauft. Die„Hamburger Nachrichten* und daS herrschsüchtige Untcrnehiuerthuul, daS hinter dein Blatt steht, mögen sich ärgern, mögen schäumen vor Groll nnd Wnth: die sozial- demokratische Arbeiterbewegung ist daS Produkt einer nnab- rveudbaren wirthschaftlichen Eutivickelung; die sozialdemo« kratische Arbeiterbewegung wird weiter wachsen und immer machtvoller werden nnd sich allenthalben Ein- floß und Anerkennung erwerben. Noch allerdings ist die Viacht jener eigenartigen„Prediger in dcr Wüste", wie sie die„Hamburger Nachrichten" nennt, ungeheuer groß, weit größer als die„Hamb. Nachr." um ihrer Aufpistschungs- zwecke willen zugeben wollen. Aber diese unberechtigte und volksverderbliche Macht wird rmd muß gebrochen werden. Zuversichtlich hoffen wir, daß die kommende Wahl diese wichtigste Kulturarbeit des deutschen Volke? um ein großes Stück fördern wird, daß die Stumm und Kardorff nnd tntti gvanti dcr gcwallthatSlustigen Arbeiterfeiude mit Recht den Namen führen werden:„Prediger in der Wüste!" Sie mögen die„Todfeindschaft gegen die Sozialdemokratie" predige», aber es wird sie niemand hören!— Dcr neue Vorfall in Kiaotscha» stellt sich nach weitere» Meldungen als bedeuieuder heraus, als gestern nntgetheill wurde� Der„Shangnter Mercury" berichlet:„Die Ermordung des deutschen Mairosen wurde erst entdeckt, alS drei Man» mit einem Korporal die Runde mnchtc»,»m den Wnchlposteu abzulösen. Der Matrose lag enlhanplet am Bodem Tie Alilösungkuiannschast wurde bald darauf von etwa hundert Eingeborenen angegriffen; obwohl sie sich tapfer vertheidigten, sollen alle drei getödtet worden sein. Ans chinesischer Seile wurden 12 Personen getödtet. Jnsolge dieser Ansschretinng herrscht große Nufreanna ln Stiaotscham" Von deutscher amtlicher Seite liegt eine Bestätigung dieser Dar- slellnng noch nicht vor. Die Erschliesttiiig China'S und die Lepra Gefahr. Die mit der Erschliesumg China's stärker werdende Berührung europäischer Völker mit Chinesen verleiht einen, Vorlrag, de» Dr. C a n l l i e von der epidemiologischen Gesellschaft in London über„Die Chinese» als Träger der Lepra" gehalic» hat, jetzt be- sonders weitgehendes Interesse. Dr. Canllie hat während eines lange» AnfenlhaliS i» Hongkong. alle zugänglichen Quelle» benutzt, um ei» klares Bild vou dcr A»S- breitmig des AuSsayeS i» China und de» östlichen Gebiete» bis über de» gauzen Stille» Ozean hin zu gewinne». Bezüglich des Wesens der Kranlheit sliininen alle sachkundigen Beobachler darin übrrein, daß dcr Aussah eine ansteckende, durch Berührung libertragbare Krankheit ist, die sich unabhängig von Klima, Boden und Nahruuasiveise entwickelt. Die Lepra ist»ach Dr. C. wesenllich eine chinesische Krankheit und Hai sich vou ihre», Brennpunkt« t» de» südöstlichen Provinzen China'« nach allen Gegenden auSgcbreilct, nach denen Chinese» der»Nieren Klaffen anslvandeite». Daß die Ureinwohner Australiens und de, Insel» im Slillen Ozean ursprünglich nicht an dieser Krankheil ge- litten haben, geht daraus hervor, daß sich in ihren Sprache» keine Bezeichnung für diese Krankheit findet. Die Einwanderung der Mandschn's gab den Hanplanstoß zu einer starke» Ansivandernng der Chinese» aus ihren südlichen Ge- bielc», um in andere» Länder» Beschäflignng zu suche». Die Kulis, die z» den ärmste» und»»terste» Klasse» gehöre», habe» viele Aussätzige in ihrer Mille, welche die Krankheii nu» nach Ländern verschleppte», wo sie vorher unbekannt war. Ter Jliissatz ist in China gcgcnivärlig nicht überall heimisch, er fehlt i» ciner Anzahl von Provinzen des»liltleren Reiches. Bon klimalischen Bedingnnge» scheint sein Vorkonimen nicht abhängig zu sein, denn er zeigt sich im Norden wie im Süden, auf Gebirgen und i» Thäler», in senchlein und heißem, wie i» kallein»nd trockenem Gebiete. Ein VcibrellnngSgebiet ersten Ranges sür den Aussatz ist' die Halb- i n s c l nnd Provinz S ch a n t»» g, ein ziveite- Ulli den großen ftlnsthnfen Haiikan ani Ianglse, serner nimmt die Lepra eine» kleine» Strich in der Provinz Szechnc» a» dcr Grenze deS Hochlandes von Tibet ei», wahrscheinlich vo» indischen Bergstämme» hierher ver- schleppt: endlich ist die Krankheit in dem großen südlichen Gebiet der Provinze» Folie», Kwangtimg»nd Kwangst verbrellel, vo» wo sJi der answandcriiden KnliS stammen. Frei von Aussatz sind die Orte Peking, Shanghai. Anioy dagegen liege» Tschisn, Hangkau und Canton(wahrscheinlich auch Kiaolschail) innerhalb des großen Anssatzgebieies, und eine strenge sanitäre Aufsicht über die AuSwandernna a»S diese» Häfen ist eine gebieterische Pflicht aller enropäischen Behörden. Raa, Norde» hl» ist Japan durch die chinesische Einwanderilng i» Miileidenschaft gezogen worden, obgleich hanplsächlich»nr diellrbevölkernng dcr»ördlichenJnselDeso, dieAinos, angesteckt ivnrdeu. In Coren si»ddieAussätzige»»ie>stCh»>ese»,i»,d die Krankheil ist ans den südl ichenTheil dcr Halbinsel beschränkt. Südwärts hat sie sich über ganz Tonki», über Slnam, Siaui, Birma»nd die malayisckie» Staate» ansgcbreitel, die Malayen scheine» freilich für den Aussatz weniger empfänglich zn sein alS die Chinese», was iiia» anch aus Formosa, Hainan nnd Sumaira beobachten kann; i» Java»nd CclebeS ist dcr AnSsatz auf ein kleines Gebiet beschränkt. Nach Borneo wnrde die Lepra ISSS vo» dcn Chinesen eingeschleppt, ver- fchirand aber wieder mit deren Älnsiveisiing nach dem Ansslnnde in Sara- ,vak. Ans de» Übrigen Sunda-Jnsel»»nd i» der nielanestsche» Inselgruppe, wo die Eingeborenen dcn Negritos oder braunen Urrassen angehören, war die Lepra unbekaniil»nd trat»nr da ans, wo eurvpäiiche Niederlassung«» chinesische Arbeiter heranzogen. Als sich die Chinese» bei der Entdeckung der kalifornische» Goldfelder nach dem westliche» Amerika wandten, überschweminlen sie zugleich auch einige dcr Insel» im Slillc» Ozean, denen sie anch natürlich den AnSsatz mittheilten. Das f» r ch t b a r st e Beispiel für diese von de» Chinesen drohende Gefahr bietet der jetzige Zustand der Hawai-Jnseln, die geradezu entsetzlich'unter dem Aussatz leiden. Hier halle in den vierziger Jahre» die Einwanderung chinesischer KnliS begonnen. 1858 wnrde der erste Leprakranke in Honolulu— ein chinesischer Kuli— entdeckt, acht Jahre später halte sich die Krankheit dort schon sehr verbreitet nnd 1880 waren unter de» 41 000 Einwohnern der- S a n d w i ch- I n s e l n bereits gegen 2000 Leprosel Ebenso vcrbretlele sich die Krankheit in Neu- Caledonien, auf ciner der Fidji- Inseln, den FreniidschaftS- Insel», Samoa nnd Australien. J» Neu- Süd-WaleS wurden jetzt 57 Aussätzige«nter den Chinese» und zum niiler den Weißen, die mit jenen verkehrt hatte», gefunden. Diese Skizze genügt,»»» die große gesundheitliche Gefahr, die von einer chinesischen Einwanderung jedem Lande droht, klar zu zeigen.— Kreta nnd das europäische Konzert. Ter griechisch- türkische Krieg brach aus, weil die europäischen Mächte die Lostreunung der Insel Kreta von dcr Türkei und ihre An- gliederimg an Griechenland nicht zulassen wollten. Die Mächte schlugen sich ans die Seite der Türkei, verschafften ihr billige Gelegenheit, das kleine Griccheuvolt zu besiegen und ihr Machtbewußtsein zn kräftigen. Ter Krieg wurde beendet, das schwierige Werk der Friedens- Verhandlungen mühselig durchgeführt, aber auf Kreta herrscht noch immer die vollste Unordiinng; Raub und Plünderung der Muhamedancr und der Christen gegen einander sind an der Tagesordnung, alles unter Aufsicht einer Flotte, die aus Schiffen der europäischen Mächte zusammengesetzt ist. Die Frage, was mit Kreta werden soll, bleibt ungelöst. Man sucht und sucht nach einem geeigneten Goitverncur, der die Insel, nnabhängig nnd nur durch Tributzahlung der Türkei nuter- geordnet, leiten soll. Bei dieser famosen Stiche ist man jetzt glücklich angelangt, wo der erste Ausgang der ganzen Streit- frage war. Prinz Georg von Griechenland wird, wie wir schon miitheilten, dem Sultan als Gouverneur vorschlagen. Das, was Griechenland von Anfang an wünschte und was die Mächte nicht zugaben, das wird jetzt ans der Reibe der Mächte selbst vorgeschlagen und zwar gerade von der Macht, welche früher einem solchen Plan am schärfsten entgegengetreten war, von Rußland. Unter- r o ck s p o l i t i k soll diese famose Wendung der Dinge herbeigeführt haben. Die Königin von Dänemark, seit jeher als Feindin Deutschlands bekannt, soll durch die Kaiserin- Wittive den Zaren zn einer neuen Politik gegenüber der Türkei bestimmt haben. Wie dein sei, jedenfalls hat der Zar die Kandidatur des Prinzen Georg dem Sultan vorgeschlagen. Der Sultan will begreiflicherweise nichts davon wissen. Zn allen Gründen, die er früher gegen eine solche Nenordunng der kretischen Verhältnisse hatte— besonders ist an den Hinweis zu erinnern, daß die Befreiung Kreta's leicht die Serben und Bulgaren in der Türkei in ihren Bestrebungen nach Nnab- hängigkeit unterstützt nnd vielleicht eine große Bewegung aus dem ganzen Balkan hervorgerufen haben würde—, kommt jetzt für dcnSnllan derTrinmphdes Siegers, dessen ganzer Werth hinfällig werden würde, wenn ihm eines der wichtigsten Kampfobjekte nun durch diplomatische Knnststückchen abspenstig gemacht iverden sollte. Es finden lebhafte Verhandlungen zwischen Petersburg und Konstautinopel üver diese Angelegenheit statt. Wie sich die übrigen Mächte zn der Sache stelle», ist von amt- iicher Seite bisher nicht bekannt gegeben worden. Das sogenannte„europäische Konzert" hat sich schon in mancherlei Disharmonien vernehmen lassen. Aber es scheint noch immer lieblicherer Leistungen sähig zu sein. Die UN« glückliche Insel Kreta wird darüber freilich mehr und niehr zu Grunde gerichtet— dank dem„europäischen Konzert".— Der 29. Januar ist ein»richtiger Gedenktag für die 1843er Revolutionsgeschichle. Ferdinand der Ziveile, König beider Sizilien, veröffenilichte heute vor 50 Jahren als erst« Frucht der Revolulion in Italien den Enlivurf einer Bersassmig, die dem Volke Anlheil an der Regierung des Landes verschaffe» sollte.— Ganz Sizilien ivar im Ausstände, und nur in Messt»» hielt sich die starke Garnison noch in den Forts nnd der Zitadelle, von wo ans die Sladt stark bombardirt wurde. Hier holte sich Ferdinand seinen berühmten Spitznamen„König Bomba". Im übrigen war die Insel in dcn Händen der Aufständischen, und in der Nacht vorn 27. zum 23. Januar halte die neapolitanische Armee den definitiven Rückzug vor de» siegreichen Bewohnern Palernio'S angetreten. Als dann in Neapel selbst»och Unruhen ausbrachen, begann der König den Bolkswiinschcn geneigter zu»Verden. Di« GesandU» Rußlands, Oesterreichs und Preußens,»velche Slaaien daS alte Melterulch'sche Bevorniinidnngssystem vcrlrateu, mahnten dringend vom Erlaß einer Verfassung ab. Der König jedoch er- widerte:„Laut Berichten der Militärbehörden»verde, für den Fall Ver Benveigerung einer Verfassung, die Armee nicht hinreichen, die Treue des Bolkes ausrecht zu er- halte»." So erschien denn an» 29. inorgens ei» königliches Dekret, das folgendermaße» begann: „Wir Ferdinand II., König beider Sizilien und von Jerusalem, Herzog von Parma und Placeiitla, erblicher Großprinz vo» Toskana»c. Nachdem»vir den nllgeiiicine» Wunsch Unserer viel- geliebten Unterlhanen, der jetzigen Bildung angeiiiessene Bürg- schaslcn und Justiliilionen zu haben, veruvmmen, erklären Wir, daß es Unser Wille ist, de» Uns offenbarten Wünsche» entspreche» und eine Koustitulio» zn geben." Die Versassiing war im wesentlichen der des französiischei» Bürger- tönigs Louis Philipp nachgebildet. Die aiisständischen Sizilianer waren jedoch damit nicht zufrieden. Sie verlangte» Selbständigkeit il»d eigene V-rwallnng für Sizilien,«nlsprccheiid der allen Ver« faffinig von 1812. während nach der Verfassung deS volksverhaßicn Ferdinand Sizilien unter der Bevormundung Neapels bleiben sollte. Der Enlivurs wurde daher am 3. Februar durch das stziliauische Generalkomitee verworfen, welche Differenz späler zn erneutem Ausbruch der Feindseligkeiten nnd zur uochmaligeii Uiilerwersung der Insel führte. Vorläufig»var die dein König abgezwiiiigeiie Verfassung deS 29. Januar jedoch insofern von größter Bedeutung, als ihr Erlaß auch die übrigen italienischen Regierungen zwang, daS bisherige absolutistische NegicriingSsystein preiszugeben und dem überall in ganz Italien drängende,> Volle Ziigestäiidiiiffe zn machen. In Neapel hatte die Revolulion die erste Frucht gebrochen, in anderen Staaten folgte sie auf dem Fuß« nach. Zu Turin versammelte sich am 5. Februar der Etadlralh,»n» Berfaffung»nd Bürgerwehr zu fordern, die anderen Städte schloffen ich dem an. Karl Albert. König von Piemont und Sardinien,(der Vater des späteren Königs Billor Emanuel). hatte noch vor wenige», Tagen zu einen» Diplomaten geäußert:.Ts ne veux point entendre parier de Constitution.(Ich will unter keine» Umständen von einer Konstitution rede» hören.) Aber schon am 7. empfing er die geiväblte» Depntalioneu. und an» 3. Februar veiöffenllidite er die Grundzüge einer Berfaffung, da? sogenannte„Fii»dam«»lalstal»t", »nd zwar„alS feierlichstes Unterpfand meines vollen Ziltrauens zn ineinen» Volke und als Ergänzung der bisherigen Reformen". Aehnlich in Toskana. Der Grobherzog Leopold ließ an» 5. Fe- bruar die Oberolfiziere der Bürgerwehr von Florenz zn sich rufen »nd erklärte ihnen,»nai» solle ihn nicht um Gewährung einer Ver- äffung drängen, da er es abschlage» müsse,»»» nicht Oesterreich nnd den Papst zu kompromiltireu. Die steigend« Aufregung im Lande bewirkte jedoch, daß die amtliche Zeltnng sd)o» am II. Februar die Absicht des Großherzogs bekannt gab, dem Volke eine Ver- 'affnng zn geben,„für die es vollkomnici» reif sei,»voran schon ein Großvater gedacht und»vorauf er bei allen seinen Resorme» gezielt habe". Im Kirchenstaat machte die Sache am meiste» Schivierigkeiten Am 11. Februar versammelte sich in Rom das Volk zu nngczählten Tausende». Nicht»nr die überall herrschende politische Aufregung. andern auch der snrchtbarste Nothstand unter den» Proletariat trieben dazu. Der Papst sitchle das Volk vom Balkon seines Palastes an? zu be- ruhige», und segnet« eS. Vo» durchgreifenden Reformen aber»vollte er nichts»visse». Am 24. Februar kau» die Nachricht von der Pariser Revolution nach Rom. Die Aufregung stieg fieberhaft»nid der Papst konnte dein BolkSivillen nicht trotzen. Am 14. März erschien das Fnndamentalstatnt sür die»veltliche Regierung des Kirchen- staats. Pills IX. erklärle in der Ankündigung:„Da die benach- barten Regierungen ihre Völker für reif erachtet habe», die Wohl- that einer Verfassung zu empfangen, so»vollten wir unser» Völkern keine geringere Adsinug erzeigen und nicht»veniger vertrauen auf die Dankbarkeit gegen die Kirche und diesen apostolischen Eitz." Rur die Fürsten von Parma und Modena»vidersetzle» sich, auf ihr Bündniß mit Oesterreich fußend, der Bolksströinung, sie mußten aber schon nach kurzer Zeil als Flüchtlinge ihre Länder verlasse»,— ebenso wie der Papst, dessen Reformen zu spät gekommen»varen, um das Volk noch beruhige» zu können. So weite Wellen schlug die Verfassung de?„König Bomba" von» 29. Januar! Natärlich waren die Nachrichten auS Italien auch in den übrigen enropäischen Ländern bei der Beschleunigung der später ausbrechenden Revolutionen nicht ohne Einivirkung. Ganz besonders »vichtig sind die oben geschilderten Vorgänge jedoch für Italien selbst geworden. In den seit jener Zeit verflossene» 50 Jahren haben die Volksbewegungen in Italien nicht mehr gernht. Sie haben zur politischen Einheit des Landes, aber nicht zur erstrebten Freiheit des Volke? geführt. Sie haben die heute so machtvolle sozialdemokratische Bewegung Italiens nicht überflüssig gemacht. Deutsches Reich. — Ein in, in er größer»verdendeS„kleines Mittel" für die»othleid'iide Laiidivirthschaft»vird die Zeiitral-Geuoffen- schaslZkasse. Die„Berk. Pol. Nachr." schreiben heute: Dem Vernehmen nach ist die Vorlage wegen Belstärknng des FondS der Zentral- Genossenschastskasse soweit gediehen, daß die Genehmigung des Königs zur Einbringung an de» Landtag nachgesucht sein dürfte. Der Enl- ivnrf»vird, wie bekannt, die Verdoppelung des Fonds, also eine Er- höhniignNl20MilI.M., enthalten. Slnch ist eS nicht ausgeschlossen, daß in ihn» ein« Beslimmnng vorgeschlagen»vird,»vobnrch der Finanz- Minister ermächtigt ivürde, in besondere» Bedarssfälie» die der ZeiitralgenossenschaslSlass« zur Verfügung gestellten Mittel selbst- ständig zu e r>v« i t e r»." Herrn Miqucl's Besorgnisse um das Budgetrecht des Landtags sind, seitdem er Minister geworden ist, völlig geschivniideii. Die Agrarier, aber auch nur die'Agrarier, könne» sich sreuc» über diefe Sriveiterul g seiner diskretionären Aollmachten.— —„Wir leben ja in» Kriegszustände!" rief dcr Abgeordnete Bebel dein Stnalssekretär deS Jniiei» an» 17. Januar 1393 z», als dieser sich bitter über den Berralh geheimer Schdslstücke an sozialdemokratische Zeitungen beklagte, lieber diese Reichsmgs- Verhandlung und die dabei zu tage getretenen Mcimiiigsgegensiihe im Parlament Halle der Chefrebaiteiir des— in seiner Haltung wohl als„sozial-Iiberal" zu bezeichnenden—„Geaernl-AnzeigcrS" für Hambiirg-SIltona, Dr. Biuno Wageuer, eine» Leitartikel ver- öffentlicht, in dem ausgeführt wird, daß gerade die ,v i ch t i g st e n Nachrichten über innerpolitische Vorgänge, die iv e r l h v o l l st e n W a r» u» g e n vor geplante» reaktionären Streidien ans dem vom Grafen Posadoivsly als „ehrlos" bezeichnelen Wege in die Oeffeullichkeit gelange». Es sei auch nicht wahr, daß der Beamte, der gemein- schädliche Pläne der Presse verräth, so ohne weiteres„ehrlos" handelt. Er befindet sich im Widerstreit zweier Pfllchte», der Pflicht des Amtes und der viel schwerer»viegendeii Pflicht gegen sein Volk, dessen Diener er in seinen» Amt« sein soll,»idst der Diener der Herren Minister oder noch höherer Personen. Ein Beamter, der Geheimnisse lediglich des Jnbasgroschens »villc» verräth,»st selbstveisiäudlich ehrlos. Aber ein Mann, der ni» seiner Uebeizeugitng»villen und in» seine», Volke nach bestem Gewissen zn diene», iveithvolle Warnungen vor Absichten der andere» Knegspartei aus Licht bringt, der»st kein Ehrloser! Die Picsse wüßte von Unmündigen nnd Kinder» geleitet »verde», wenn sie mit den Zunnlthungen des Herrn StaaiS- sekrdäis etwas anderes thäte-> als sie»n den Papmkorb zu versenken!" Wegen den» Artikel hat»n»»»chr die Staatsanwalt- s ch a f t zn Hambmig die Slrasverfolgnug gegen Dr. Bruno Wagener eingeleitet, und zivar»vegen Vergehens gegen§ 110 des Slrafgcschbnches(A» s s o r d e r»» g von Beamte n z n m U n- gehorsam gegen die Vorschriften derObrigkeil). Bei seiner Veinehmung betonte der Beschuldigte, daß es sich selbst- ve»ständlich»nr»n» die theoretische Besprechung des betreffen- de» und äbulicher Fälle, um eine sittliche Aeurtheilung handle. kcinesivegs aber»m, eine Aufforderung Ob ihn» das viel iiütze» wird? Bckmintlich schwebt gegen Dr. Wageuer auch ein Straf- versahren ebenfalls»vegeu?lufforderu>ig zuin Ungehorsam,»vcil er bei Gelegenheit der Besprechung der bekannten Dnuziger Edsieß- assäre es fÜ> stitlich richtiger erklärt hatte,»venu ei» Posten— zu- »vider seiner Instruktion— auf einen Arrestanten»»cht sdiösse, wenn dicier wegen einer Kleinigkeit festgenommen iverden sollte und sich der Festnahme durch die Flucht entzöge.— —„Unser Gesinnungsgenosse", so betitelt die „Deutsche Tngcszeilnng" eine Notiz, in der st« ihrer„erhebendei» Freude"'Ausdruck gicbt, daß sich der Herzog von Laueuburg in ciner Aulivort aus»in Beguißn»gsl«legrau»i» als GesinuuugSgenoff« des Bundes dcr Laudwirlhe bezeichnet hat. Mir kenne» viele, die diese Thnlsache in ihrer Gegnerschaft gegen das begehrlich«„nd vollefeiudiiche Agrarierthum nur»och mehr bestärken»vird.— — U e b« r d i e B e d e»> t»» g v o>» K i a o t f ch a>» für den deutschen Handel gehen die Urlheile sivell auseinander. Wir haben sniher die günstige Meinung v. RichlhofeuS verzeichnet, bau» mehrfache Darlegungen,»velche die Erschließung SchanlungS sehr pessimistlsch ansfasscn. Jetzt schreibt ber langjährige Gesandte in Peking, Herr v. Brandl, in der„Deutschen Rundschau" über dasselbe Thema. Er fleht die Zukunft Niaotschaus wieder überaus giinüig an. Nach seiner Meiuuiia ist Kiaolschau der von dcr Natur bevorzugteste Hafen Nord-Chiua's und kann das im Norden»verde»,»vas Hongkong im Sude» ist. Es»verde»»r geringer Kofle» bedürfen,»in es zum Hauplstnpelplatz des Handels mit den größeren Theilen Shautnng's, Kiaugsu's nnd Houan's zn machen. Herr von Brandt hält es sür sehr möglich, daß dcr Wcrlh des Verkehrs nach Kiaolschau schon tuneihald der nächsten Jahre mindestens 50 Millionen Mark betragen werde.— — Versetzt nach Köslin in der Provinz Pominern wird ain 1. April er. der Landralh des Kreises Neuro de in Schlesten, Freiherr». Rechenberg. In seinem bisherigen WilkiingskreiS ist der geuaunle besonders bekannt gen'ordcn durch seine ebenso eifrige als erfolglose Bekämpfung der Sozial- delnokratie.— — Der Strafvollzug in dem„Freistaat" Lübeck ist Redakleurei» gegenüber noch»in, verschiedene Grade härler als in de» monarchische» Bundesstaate» Deutschlands. Wir theilten schon früher mit, daß den» seit November 1396 in» Gesängniß»veileuden Redakteur Fein von»„Lübecker Bolkeboten" die Lektüre von Zeitungen nicht gestaltet ist und daß er mit dem Lesen von Kaffeebohne» beschäftigt»vurde. Jetzt berichtet das genannte Blatt, daß er augenblicklich Werg zupfen mnß. Das alles sind Arbeiten, die sich für Zuchlhäusler schicken mögen, jeden- falls passen sie nicht sür Leute, die wegen litterarischer Vergeben Strafen zu verbüße» haben. Die lüdische Strafvollzugs-Bchörde ivürde sich»vohl auch schön hüten, auf de» Kongressen für Gesängniß- ivesen die Behandlung, die sie Redakleureu angedeihe» läßt, als musteigillig zu empfehlen. München, 23. Januar. Die Kmnmer der Abgeordneten hat nach langer Berathung die Bodenzinsvorlage in der abgeänderten Fassung der Kanuner der ReichSrälhe mit 122 gegen 11 Stimmen angenommen. — Chronik der MajestntSb el eid i gnn g z- Prozesse/ Wege» mipeMich beleidigender Aeußerunaen übet den deutsche» Statfev vernrlheilte die Hirschberger Straskaininer den Tischler- Meister Adols I. nns Ait-Weigdoch zu drei Monnle» Gefängniß. Bei eine»» Gespecich über die Verleihung der Zentenarfeier» Medaille soll der Siellenbesitzer und Gerichtsmann Albert Schwarzer ans Korpis den Kaiser beleidigt haben. Die Slraskaininer in Lteipe erkannte gegen de» Patrioten aus 2 Monate Gesangnih.— Frankreich. Paris» 23. Jannar. Oberst Picqnart dilrfte nächsten Miliivoch vor den» Disziplinargerichte erscheinen. General de Saint Gerniain ivtrd der Berhandlnng piästdiren. Die gegen P>cqnart er- hobenen Anschnldigungen lauten auf Indiskretion im Dienste und M i l t h e i l n n g geheimer S ch r i s t st ü ck e a» den Advokaten Leblois. Pariö, 28. Januar. Wie auch hier verlautet, hat die öfter- reich» nne Negieruug dem Sekretär der österreichischen Botschaft und dem Milidir-Attachee untersagt, vor dem Asüsenhos zu erscheinen und ans den Antrag Zola's dort Zengniß abzulegen. AuS Algier ivird von» 28. Januar berichtet: Gestern wurden ö» Peisone»,»velche sich an den letzten Unruhen betheiligt hatten, wegen Diebstahls und Unfugs zu Gesönguißstrasen von drei Monate» bis zu drei Jahre» verurtheilt. Bcsgic». --»DaS„Palais der Nation" gleicht seit dein NuZ- fchluß D e in b l o n' s einer belagerte» Festung. Die Vorhalle ist von Militär» Polizeideaniten und Spitzeln besetzt, um dem auf grund der fainosen Geschästsordnung ausgeschlossenen Volksvertreter den Eingang zu wehren. Die Mitglieder des BureanS, so schreibt der„Penple", haben vollständig de» Kops verloren. So ist jetzt sogar den Journalisten der Kammer der Weg nach den Fo>ie>s versperrt, sodass es ihnen nicht möglich ist. mit der, Abgeordnelen zu verkehren. Die Journalisten empfinden drese Masjiiabrrre als eine arge Beichneidnng ihrer Rertrte, durch die selbstverständlich arrch ihre Berusspflichten leiden müsse»; sie haben eine energische Proiesterklärung an das Präsidinnr abgehen lassen.— Spaiiic». Madrid, 27. Januar. Der Marineminister hat befohlen, ein Gesanvader in Cadix zirsaminenznziehen; ein Iransallantischer Dampfer wird die Lebensinittel»nd Kohlen für das Geschmader arrf- nehinen.— ZeilnngsintldUnge» zufolge find Vorfichismaßregeln ge- troffen zur UeberwachUng des Hauses, in welcher» der ameriknirische Gesandle Woodford seine Wohnung hat. I» dem Prozesse gegen den General Weyler hat der Staats- anrvall 2 Morrate Gefängniß beantragt. Nach osfizrellen Berichten a»S Havana wnrden bei den letzte» Znsammeiislijjse» 21 Aufständische gelödlet; IIS Aufständische haben sich nnterworse». Die Spanier verloren 1 Tobten und 22 Ver- wundete. Nfrika. -- Abessynien und England im Sudan. Die Londoner„Morning Post" meldet aus?>ss»il, egyptische Kanonen- boote seien kürzlich den Nil hinauf bis zum 6. Kalarakr vorgedrungen, dort aber durch Geschntzfeuer der Derrvische und rveil das Fluscheli durch eine Anzahl quer über den Nil gezogener Kelle» gesperrt war, zur Umkehr gezwungen worden. Sehr binierkenswerth ist eine Mitlheiluna de?„Manchester Guardian", der jetzt nähere Auskunft über den Erfolg der Sonder- misfion Sir Rennell NoddS zun» NeguS von Abessynie» geben zu könne» erklärt; dieser Erfolg besiehe in der Berpflichiung des.Negrrs zur Neutralität im Sudan, wogegen England ihrn»inen Theil des Somalilandes abtrere» und über einen andere» mit Eiuschlnst des Häsens Z e i l a die Schutzherrschafr einräumen»volle. Diese Mittheilnng bedarf noch sehr der Bestätigung. Würde sie sich bewahrheiten, so wäre allerdings die ruhige Hallung Menelike gegenüber dem englische» Bormarsch im Sudan genügend aufgeklärt; dciin durch jene englische» Gaben»vürde der brennendste Wunsch AbessyriieiiS erfüllt»verde», nämlich Zugang zun» Meere zu geivinnen. Dainit»vürde sich zugleich ergeben, dab-s England gelnirgen ist, Frankreichs Einfluß ans Menelik zurückzudrängen. Asien. — England u n d R n b I a» d i» P e r si e n. Das Schiff „Baluchistan",»velchcs durch ein eirglisches Kriegsschiff beschlng- »ahmt»vurde, ist nicht, wie erst genieldel war, ein russilches, sondern ein englrsches Schiff. Die Beschlagrrahnre erfolgte nirr,»veil das Schiff russische Waffen führte, von deire» nra» von englischer Seite annimnit, daß sie für die ausständischen Stämme in Beludschislan und an der nordivestliche» Grerrze JrrdienS bestimmt seien. Sonst ver- lautet über diesen Vorfall nichts neues. Wie die„Neue Fr. Presse" mitlheilt, erfährt ein russisches Blatt auS angeblich zuverläistger Quelle, daß in Teheran eine Aer- schivörilng gegen d a S Leben des Schah entdeckt worden wäre, welche de» Zweck hatte, Musaffer-Eddin zu beseitigen und durch seinen srtugsten Brrrder zu ersetzen. Tie Ent- deckung der Verschwörung hätte aber auch ergebe», daß in Perfien zahlreiche revolutionäre Komitees bestehe», welche mit dem Regime Mrisaffer-Eddiir's nuzufrteden sind und das Volk gegen ihn aufreizen. Diese Zrrstände seie»» von den Errg- ländern dazu benutzt worden, nur die an, Süduser des persilche», MeerbnserrS gelegene Ortschaft Kereu-Kader zn besetzen. DaS russische Blatt erblickt in dieser Besetzung eine Gefahr für den südlichen Theil der Besitzungen des Schah, der von Kereu-Kader ans sehr leicht dein Einflüsse Englands anheimfallen körrnte, und fordert Ruß- laud auf, gegen das Borgehe» Englands geeignete Schritte zu unter- tiehiue». Amerika. — MacKinley für die Beschränkung der Ein- Wanderung. Es siebt dein gegeuwärlige» Präsidealen der Vcr- eiiiigle» Staaten, Herr Mac Kinley, dessen Gesichtskreis nicht der weiteste ist, ganz ähnlich, daß er erneu» Herkoinnien, dem Nord- amerika sehie Prosperität verdankt, der freien Ei»>va»deri»ig, enl- gegenznarbeite» sucht. Das„NcrwIork Journal" veröffenllicht eine llulerrednirg, die irgend jemand irril dein Piäsideale» halle. Bei dieser Gelegenheit»vurde der Ausstarrd in den Nen-Englaiid-Staalen berührt und Mac Kinley sagte: „Ich bin immer für Beschränkung der Einivandernng gewesen. Eine so große industrielle Slöaing, wie diese, sordert zu prourpwr Altion ans. Die jetzt dein Kongreß vorliegende Bill zur Be- schränk»»»»» der Einivandcrung ist schon von» Senat genehmigt »vorde». Ich hoffe, daß das RepräseutaiiliNhanS sie auch genehmigen»vird. Meine» geringe» persönlichen Einfluß»verde ich jedenfalls dazu benutze», daß es bald geschieht. Ich bin schon seil einiger Zeit zu der Ucberzengnng gekomme», daß sich in de» Ver- einigten Staate» ernste industrielle Srvrilngei» nicht vermeiden lasseu, so lauge»vir die Thorr unseres Landes jedem Ankömmling weit offen stehe» lassen,»venu»vir Eimnauderer ausnehmen, ivähreud luiserr eigene» Mitbürger keine Arberl haben. Die Be- schräirkrrng der Erilwauberuiig ist der erste Schritt zu dauernder Wohlfahrt." Die amerikanischen Arbeiter stehe» in ihrer Mehrzahl der europäische» Eirrrvauberrliig gegenüber irichl auf der» Staudpriirkt des Herrn Mac Kinley. Hätten sich die Einrvnndeinden nicht einfach der Lohiibrückerei schuldig gemacht, so wären die von der Regierung geplante» Eiuivanderungs-Erschrverungen überhaupt unmöglich ge- rvcsc».— — FürdieGold Währung trat a»f einein ihm zu Ehren gegebenen Festrnable der»alionalen Fabrikauten-Vereiiiigurrg Prä- sivent Mac Kinley ein.—_ Im Reichstage ist heute nach Schluß der Plenarsitzung die Kommission zur Berathuug des Antrages Pansche, bete, die Bestenerng von Saccharin, gewählt»vorden. Sie besteht ans den Abgeordneten Grasen Stolberg, Grafen Carmer(k.), Haake(Rp.); Dr. Paasch«, Schrrlze- Henne(»atl.); Pinge». Schwarze, Szurnla, Breuer(Z.); Dr. Hermes, Schulz-Bcrli»(fr. Vp.); S ch i p p e l, W u r nr(S o z.); Lotze(Reformp.). Vorsitzender ist Abg. Graf S t o l b e r g, Stellvertreter Schrvarze, Schristsührer die Abgg. Pingen und Schulz-Berlin. Die Kommission für die lex Heiuze hielt heute ihre erste Sitzmrg. Seitens der verbündeten Regierungen waren auiveseird: Geh. Ober-Regierr»igsralb v. Lenthe, Ober-Regiernngsralh«.Tischen- dors und Regicrungs-Asscfforv.Iiink aus dem preußischen Ministerirrn» des Inner». Anträge auf Abänderung beziehungsweise Ergänznng der Vorlage waren eingebracht»vorden von de» Abgeordneten Beckh, Pieschel und Bebel. Da die Anträge des letztere» ausschließ- lich Ergäuzunge» der Vorlage bezwecke»(ßZ l7ö, 176 und§ 861), »vird beschlossen, dieselbe» an» Schlüsse der Beraihung vorzunedme». Abg. Siephan beantragt besondere Abstimmung über den 2. Absatz des ß 166, rvelcher ausspricht, daß die Vermiethnng von Wohnungen an Fraiiensversonc»», welche geiverbsnräßig Unzucht treiben, nicht als Borschubleiflung zur Kuppelei anzusehen sei, sofern damit nicht eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbs der Mielher verbnnde» ist. Der Redner ist gegen die Ausnahm« des Absatzes in das Straf- gesetz, weil er uberflüssig fei; in gleichem Sinne spricht sich der Abg. R oere» ans. Geh. Ra>h v Tifchendors theiit mit, daß der Ev. Ober-Kirchen- rath das Reichö-Justizamt ersuchte, sich gegen den Absatz 2 des ß 186 auszusprechen, weil er ein« Förderung der Prostitution darin sehe. Die Abg. Pieschel, Barth und Bebel spreche» sich für de» Antrag ans. Es liiriffe den Gerichte» eine deutliche Rtchlschnirr für die Rechtsprechung gegeben rverde». Wolle man die Prostitutioir möglichst vou de» Straßen wegbringen und das sei die Hauptsache, so sei die Bkstiuimuirg nothrvendig. Der Abs. 1 des tz 136 wird einstinniiig. der Abs. 2 mit 7 gegen 4 Slimriie» angenommen. Zum ß 161, handelnd von der schivereir Kuppelei, die mit Znchihans bis z» 5 Jahre» bestraft werden soll, beanlrage» die Abgg. Pieschel und Beckh, daß die Be- »timmung auf de» Beischlaf mrtcr Verlobten der Ziffer 2 keine An- Wendung fände, serner daß im Fall« rnildernder Umstände aus Ge- fängnib oder Geldstrafe erkannt werden könne. Die beiden Antrag- steller b-grünbe» ihre Anträge. Geh. Reg.-Rath v. Tischendorf giebt zn, daß durch die Rechtsprechung des Reichsgerichts in bezug auf jij 186 die Znlassniig mildernder Umstände wnrrschbar erscheine. Es seien von 1881— 34 15— 20 Fülle vorgekommen, in welchen die Anwendung des ß 131 i» seiner jetzigen Fassung als zn hart erschiene» sei. Abg. Stephan beantragt eventuell zu sagen:„Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann statt ans Zuchthausstrafe auf Ge- fäugnißstrafe nicht unter drei Monate» erkannt werde»." In erster Linie sei er gegen Znlnffung mildernder Umstände, wurde» diese aber zngelnffeir, so müßte eine Mininralstrme und zwar nicht unter drei Monate» Grfäugniß ausgesprochen werden; im weitere» »vendet sich der Redner gegen de» Antrag, betreffend die Berlobten. Abg. Bebel hält die Zulassung mildernder Umstände sür absolut »oihnieridig. Der jetzige§ 181 enthalt« große Härten. Es gebe große Bezirke Deutschlands, in welchen die Ausübung des Beischlafs unler Verlobte» als eine selbstverständliche»nd durchaus unaustößige Handlungsiveise angesehen n»d von den Eitern geduldet werde, ja >vo keine Ehe abgeschlossen werde, ohne daß Gclchlkchisverkehr zwischen de» Ve> lobten stattgefunden habe. Das Strafgesetz habe nicht die'Ans gäbe, Moralvorschrisle» zur Gellnng zu bringen. Er beantragt im Falle der Abstünmung über den Antrag Stephan speziell über die Wort«„nicht unter drei Monaten" abzustinmien, er halte diese Miniinalstrafe für zn doch. Abg. Beckh liest ans einem ihn» ans Bayern zugegangenen Brief Stellen vor, i» denen es»nter ander»» heißt, dab i» den meisten Fällen, in mehr als 66 pCt., Knecht und Magd auf dein Lande i» derselben Kammer schliefe» und die Herrschaft»visje,»vas dort vorging. Abg v. Gustedt bestätigt, daß auch in Liltbaiicn keine Ehe geschlossen werde, bevor nicht die Verlobte» sie GeivibKeil hatte», daß sie in der Ehe auch Kinder bekämen. Geh Over-Regiernugsralh v. Lenthe»vrndet sich gegen de» Zlntrag Pieschel, die Verlobte» beiieffend, der Gesetzgeber könne nicht für Ünfitlen eintreten, hielt aber mildernde Umstände für annehmbar. An der Debatte betheilige» sich zni» theil ,viede,holt die Abgg. Siephan, Roere», Schwarz, Beckh, Schall, Pieschel, Bebel und v. Dziemboivsky Der Antrag P»esche>-Beckh, betreffend die Verlobte»,»vird gegen 4 Stimmen, der Antrag Pieschel-Beckh»vege» Znlassu»>g mildernder Umstände wird gegen 5 Stiminen abgelehnt. Bei der Abstiininniig über die Worte i»i Antrag Stephan„nicht niiter 3 Monaten" »verde»» diese iiiit 8 gegen 4 Stimmen abgelehnt, ein Antrag Schall statt 3 Mona»« ein Monat zu setzen,»vird n»it 6 gegen 6 Stiniinen beseitigt und»vird darauf der so ver- änderte Antrag Etcphn» mit 16 gegen 2 Etimmt», nnd der L 181 in» ganze» einstimmig angciio»»»nen. Zum § 131a(Bestrafimg des Ziihälterlhnms) beantragt der Abgeordnete Beckh die Worte„oder sonst förderlich ist" und„Ist der Tkätcr der Eheinann der Frauensperson ober" zu streichen. Abg. Pieschel be- aulragte anfangs hinznzusctze»:„Sind inildernde Umstäude vorhanden, so kau» die Sirafe bi? auf eine» Tag ermäßigt»verde»»." Im Laufe der Debatte zieht er diese» Antrag zurück, stellt th» aber wieder, als die Abgg. Schall»nd v. Gustedt die Zuerkenuuiig vou Zuchthaus- an stelle der Gesäugnißstrafe beantrage». Der Abg. Brbel nimmt darauf de» Antrag Pieschel in vollem Umfang ans. Für die Ver- schärsuna des§ 18l a sprechen v. Gustedt, für lycilivc'isc Verschärfung Beckh, für Belassmig der Fnffnng der Vortage Gek. Reg.-Rath v. Tischendorf und'Abg. Schioarz. für Mildernugen Bebel. Die vorgerückie Zeit gebietet Abbruch der Verhaublungen. Nächste Sitzung Freilag, den 4. Februar, vormittags 16 Uhr. Tie sechste Kominission des Reichstages erledigte heute die Novelle z>ir Zivilprozeß-Ordnung bis tz 5ü6 und trat dann i» die Beratbnng der Frage ein,»vie der Ueberbürdimg des ReichsgcrichiS durch Aendernng der Bestiminniigen über die Revision abzuhelfe» sei. Zn einer Abstiminiing kam es noch nicht.— Die Berathiliigen»Verden Dienstag fortgefetzt. Tie ReichStagS-Kommissio» für die Mtlitär-StrafgerichtS- Ordunng letzie heule die Becathnng beim zweit«» Titel des zweiten Thetls— Verfahren in erster Instanz— fort. Der erste Abschnitt handelt von dem Enniltelnugsverfahren. Die Aenderungen, die vor- geuoimne» werden, sind ii» allgemeinen von nicht grober Tragmeite. Den»§ 167»vird auf Antrag Gröber hinzngesetzl:„Gegen die Ver- siigUNg der Untersuchungshaft findet die Rechtsbeschiverde a» den höhere» Gcrichlsderr» statt." Als Z 168 a»verde»» auf An- trag Grober folgende neue Bestimmungen«iugesügt:„Der Hast- beseht ist schrislüch abzufassen. In de»» Hastbesehl ist der Be. schuldigte genau zu bezeichne» nnd die ihn» zur Last gelegte strafbare Handlniig, ioivi« der Grund der Verhastnug anzugeben. Dem Be> schuldigten ist der Haftbefehl bei der Verhasiung»ud, wenn dies nicht lbimlich ist, spätestens an» Tage iiach seiner Einltefermig i» das Ge- sängniß zuzustellc» und zu eröffnen, daß ihm das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde zustehe. I» g 171 erhält auf Antrag Gröber der erste Satz folgende Fassung:„Die Untersuchungshaft ist aufzuheben, wen» ein Grund zur Verhaftung mcht niehr bcstcht, oder»venu der Beschuldigte frei- gesprochen oder außer Verfolgung gesetzt wird. Abs. 2 besagt: �.Die Eiiileguug der Revision gegen ein freisprechendes Urtbeil rcchlfeiligt nicht die Foitdaner der Untersuchnngs- Haft". Ans Antrag des Abg. H a a s e(Soz.) wurde statt „der Revision" gesagt„eines Rechtsmittels".— Eine »veitere Debatte entsteht bei der Frage des Zeugeneides. Abg. Haase(Soz.) schlägt für§ 188 folgende Fassung vor:„Die Zcugci» sind»ach Beendigung der Beiveisaufnahme zu beeidigen. Vor der Beeidigung sind dem Zeugen die seiner Aussage jentgegen- stehenden Bekmidnngen und dein Gericht bekannien Beiveis- »»ittel vorzu halte». Frage», welche mit der Sache nicht im Zusammenhang stehe»», soivie darüber, welcher politischen Partei die Zeugen angehören, oder welche Ansichten einer politischen Partei oder einer vieligionsgemeinschaft über den Eid sie haben, sind»nznlässijj." Abg. F r o h»» e begründet den Antrag mit dem Hiniveis ans die im Militär herrschende Vorei»ge»oinii»eliheit gegen die Sozialdemokratie. Kriegsminister v. G o ß l e r bestreitet, daß eine solche Voreingeiiomnienheit vorhanden sei. Der Antrag Haase»vird abgelehnt.— Ferner wurde ein Antrag Gröber an- genommen zur Sicherung der Theilnahme von TachverstSndigen am Augenschein und anderen Untersuchungen.— Sonnabend Ivird die Berqthung fortgesetzt._ ZVshlbewegung. Brannschtvcig, 27. Januar.(Eig. Ber.) Hier find jetzt die Voraussetzungen für ein Znsammengehen sämmtlicher bürgerliche» Parteien gegen die Sozialdemolratie»in einiges günstiger gewordcn als sie es früher»varen. Es ist den ans dieses Ziel zusteuernden K> ästen gelungen, das freisinnige„Tageblatt",»velcheS seit 82 Jahren bestand, zu Beginn dieses Jahres zmn Eingehen zu veranlassen. Wenn es auch notorisch schon lange am Abonnentenschwund litt, ist eS doch um so»nerkivürdiger, daß die Partei eS so Inrz vor den Wahlen fallen ließ, z» welcher Zeit doch für geivöhnlich alle Parteien auf eine» politischen Ausschivung rechnen. Es»vird dieses Äerschivmden deS„Tageblatts" auch deshalb hier als eine hinter den Partei- kontisse» betriebene Mache angesehen,»veil man eS»»cht einfach eingehe» ließ, sondern es mit der nationalliberal- freikonservativen „Landeszeitung"„verschmolzen" hat. Die sreisinnigen Leser erhielten einfach die„Landeszeiluug" weitergeliefert,»velche nn» Gelegenheit hat, dieselben für jenen politische» Brei, der die MaSke„Politik der Sammlung" trägt, bis zu de» Wahlen in hinreichendem Maße zu präparire». Es kann also alS vollendete Thatsache gelten, daß die Sozial- deniokratie bei der nächste» Reichslagsivahl mit einer geschlossenen Koalition der Gegner zu rechne» hat. Die braunschiveigifche Spiel- art der Welse», die„Landes» echlkparlci", plänkelt zwar noch ein »venig, die Zentralleilnna möchte gern ihre Sonderkandidatnren auf- recht erhallen, doch gehen die einzelne» Lokalvereine meist mit fliegenden Fuhne» zur„Breipolitik" über. Im 2. und 8. braun- schiveigischen Wahlkreis ist man aus seilen der Koalition so vor- sichtig verfahren, die bisherige» Vertreter abdanken zn lasse», die vielleicht noch infolge der Erinnerungen an die letzie Wahl Opposition»in bürgerlichen Lager hätten envecren könne», und hat neue Leute ausfindig gemacht. Diese Herren, v. Kaufinann-Linde» nnd Röiner-Beddiugen, haben«S verstände», bei ihren» erste» Auftreten in alle» denkbaren Farben bürgerlicher Politik, vo»n Bund der Landivtrthe bis zun» Liberalismus hinüber, zu schillern, und sind daher als qualifizirt befunden»vorden. Schivieriger ist die Persoueufrage im ersten Wahlkreis«, zn dein die Siadt Brannschiveig gehört. Während man auf dem Lande de» reaktionären Pferdefuß nicht allzu ängstlich zu ver- stecken braucht.»»ussen hier schon etivns mehr liberale Phrase» gedroschen»Verden. Bis jetzt ist der Man» noch»ich» ge- suuden, der uiiseren im ersten Wahtgange geivählle»» Genosse» Btos mit dem nöthigen Elan aus den» Snllel beben»vird, und es dürste auch niit emige» Schwierigkeiten vcrknüpsl sein. Am 36. d.M.»vird die Konferenz der bürgerliche» Koalilion hier statlfinden, die über die Kandidatensrage entscheiden soll. Man sieh», daß der Sozialdemokratie im Lande Brannschweig eine schiver« Schlacht geliefert»verde»» soll. Es ist niniölhig zu ver- sichern, daß die Parteigenossen aus de»» Posten sein werde», um die Politik des Bürgerlhnins zu schände», zn mache». I» H e i l i g e u st a d t noininirte eine Parteivirsammlung Otto Broetche zum sozialdeniokralischei» Kmididaten sur den Reichstag. Die Nationalsozialen haben ihre Absicht, für Erfurt eine eigene Kandidaliir zu enleunen, ausgegebe». Das Wahlkmnit« der mnfurischeu Volkspartei hielt am Montag eine Versninininiig ab, die erste, die polizeilich nicht aufgelöst oder verboten oder sonst»vie verhindert»vurde. In der Versamm- lung, vurde ein parteipolitisches Programm ausgestellt und eine lebhaite Wahlagitation in» Sinne der»nasurischen Volkspartei be« schlösse». Für de» Wahlkseis S ch r i m»,»vird der Landiags-Abgeordnete Wan'izyuiak(Pole) als R-ichslags-Kaudidut genannt. I» H e r s o r V> H a l 1 e habe» die Chrustlich- Sozialen Hof- Prediger a. D. Stöcker zu»» Kandidate» auserivählt. Nationalliberal«»lud ttvuiervaiive haben sich in A n n a b e r g ans die Kandidatur des Amlsnchlers Dr. Esche auS Dresden geeinigt._ 3� vf u i- ft mfi vi djf c«# Eine ZigitationStonr durch das Großherzogih»»» Baden unlernimint um 12. Februar der Parteigenossc C. H o s f in a n»» aus Bicieseld. Es sollen dabei die kleinere» Orte mehr als bisher berück- sichtigt»verde». In Hannover feierte am 28. Janiiar der Parteigenosse Weih- kops seinen kt». Geburls tag. Er»st»vohl der älteste Anhänger unserer Purlei i» Hannover, hat schon 1848 sür die Volksiiileiesse»»lilgekämpft und war einer der erste», die sich i» den Tage» Lussullc's den» All- gemeinen deutschen Arbeitervcrei» anschlösse». Seitdem hat er uu- unteibroche» ii» uiiseren Reihen gestandet». Leider>»i»ß der alte Parteigenosse, der schon recht, trübe Zeile» durchnincht«, auch am Abend seines Lebens noch mit bnleren Sorge» kämpfen. Unser huniiöversches B Uderorgan, der„Volksiville", eröffnete deshalb eine Saiiimluug sür ihn. Tobtenlistr der Partei. Vor einigen Tagen brachte der Tele- graph ans Knrnthen die Knude, daß dort aus dem Wörther See ein Siudent der Medizin ans Straß bürg i. E. beim Schlittschuhlaufen«i»peb»ochei, nnd ertrunke» sei. Wie»vir jetzt erfahren, handelt es sich um eine» Parleigenoffeu. Der Verunglückte ist der oanck. moä. Sl r t b u r E 1 t k a». der einzige Sohn einer in Straß- bürg»vobnende» Wniive. Er»veille bei einer befreundete» Familie i» der Nähe des Wönher Sees zu Besuch. Der 24jährige junge Main», der au» Ende seines Siudu ms stand,»var ei» überzeugter und opserioilliger Anhänger der Sozialdemokratie, sür deren Ideen er auch als Mitarbeiier einer Anzahl sozialistischer Zeitungen und Zeitschnsle» mit Wärme eingetreie» ist. Möge es seiner Mutter bei lh»«»», sciavereu Verluste zum Tröste gereichen, daß die ArdeiUrschast ihrem Sohlte ein ehrendes Andenken beivahreu»vird. Polizeiliches, Gerichtliches jc. — In der gestrige» Notiz über die UngilligkeitSerklärnng einer die E o»,»»- und F e i e r t a g s h e» l i g n n g belreffendr» ,v e st- fä tische» P o l i z e i v er o r d» u»> g durch duS Schöffengericht »» Bochum ist der Schlußsatz in folge WegbleibeuL einer Stolle verstümmell»viedergegeben. Der Satz hat richtig zu lauten: In» Urlheil fübrte der Vorfitze,»de hanpisächlich ans, daß die Polizeiverordnung rechtsmigiltig sei,»veil sie mit den» A>tikel29 Absatz 1 der preußischen Versnssuiig«nd mit der preußischen Verordnung vom 11. März 1356 in Widerspruch stehe. — Voriges Jahr kam eS in Auina i» Ungarn zu einer Revolte der aufs intensivste ausgebeuteten und dabei noch schlecht bchandelten Bergleute,»vobei 27 Personen verhaftet»vurde», denen man dann,»ach monatetanger Uulersuchungshaft, den Prozeß»nachte, Am 24. Jannar begann die Schlnßverhandlung vor dem Gericht in Oravicza. Wie uns eine Privntdepesche meldet, wurden vemrtheiU: zwei Angeklagte zu je 6 Monaten, je einer zu 8, 7 und 2 Monaten, zwei zu 3 Tage» und eine Frau zu 2 Monate», 12 Angeklagte, »vorunter 2 graue»,»vurde» freigesprochen. GewevkfchttfllicheS« Perli» nnd ttmqcbnng. Daö EiuignngSamt tritt heute, Sonnabend, vorm. 16 Uhr, unter dem Vorsitze des Herrn MagistralSassessois v. Schulz zusammen, um über de»» S ch u h n» a ch e r a u s st a» d zu verhandeln. Als Beisitzer der Arbeitgeber sungiren die Herren Fabrikanten Weigert»nd Maas, als Arbeiiiiehmer-Beisitzer Schneider Tiinn» und Former Körsten, Vertreter der Arbeilgeber sind die Herren Echliziveg, Fürstenheim und Silberberg, die Vertreter der Arbeitiiehmer find der Zwicker Erdtiiiann. Näher Kerivie» und der Nngler Weber. Als Vertrauens» mann für die Arbeitgeber ist de» Rentier Erpel, sür die Arbeitnehmer der Schuhmacher Heriniann bestellt. Tie bekannte Berliner MöbeltranSport-Firma G. Knancr hat den bei ihr beschäftigten Arbeiter» eine unverhoffte Freude be- reitet; flt erhöht« i'ttmltch den bisherige» Wochenlohn der Pocker von 19 M onf SSM., den Lohn der Kutscher von 19 M. ans 21 M.. der von Jahr zu Jahr um 1 M bis auf 25 M. steigen soll,»nd den gelegentlich beschäftigten Arbeitern, die bisher einen Tagelohn von 3,50 resp. 4.00 M. erhielten, gewährt die Firma eine tägliche Zulage von 50 Pf. Es war aber keineswegs das gute Herz, welches Herrn Knauer zu dieser Lohnerhöhung veranlaßte. sondern der Umstand, daß der Zentralverbaud der Handels-, Transport-»nd Verkehrsarbciter Deutschlands in seinen, �'gan„Der Courier" die Arbeits- und Lohnverhältnisse im Knauer'schcn Geschäft einer Besprechung unterzogen hotte. Die unmittelbare Folge des betreffenden Artikels war die, daß Herr Knauer die?Irbeiter seines Geschäfts— etwa 80 dauernd und eine größere Zahl gelegentlich beschäftigte— zusainmcnbericf, ihnen die genannten Zulagen bewilligte, sie aber gleichzeitig vor der Sozialdemokratie und dem Verband ihrer Berufs- genoffen warnte. Den Arbeitern des Transportgewerbes wird es nicht schwer fallen, zu entscheiden, wie sie sich gegenüber dieser Warnung zu verhalten haben. Ist doch die Besser- stellung der Knauer'schen Arbeiter lediglich der Veröffentlichung im Verbandsorgan, also der Thätigkcit der gewerkschaftlichen Organi- sation zu danke». Daß daher Herr Knauer die gewerkschaftliche Organisation ebenso wie fast alle Unternehmer, verabscheut, beweist die Thatsache, daß er einen der Agitation verdächtigen Arbeiter sofort entließ, ihm für die vierzehntägige Kündigungsfrist den Loh» und auf Verlangen des Arbeiters auch noch 10 M. für entgangene Trinkgelder zahlte, was er bei einer Klage vor dem Gcwerbegericht jedenfalls ohnehin halte thun müssen. TeutschrS Reich. Die GnmmidrcchSlcr und Schleifer von Flügel und Polter in L e i p z i g- P l a g w i tz, die am 21. Januar die Arbeit nieder- legten, haben zufolge eines Ausgleichs vor dem Gcwerbcgerichl die Arbeit vorläufig ans zehn Tage wieder aufgenommen. Da»ach Ablauf dieser Zeit wiederholt Arbeitsniederlegung erfolgen kann und die Fabrikleitung die Zeit benutzen wird, auswärts Gummidrechsler „ach Leipzig ,» ziehen, so wird um Fernhaltung des Zuzuges gebeten. In der Pianoforte-Fabrik von E. Mätzke». Sohn in Görlitz legte» die Arbeiter wegen der Fabrikordming die Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. Die Steiuarbeiter Tcntschlandö werden von der Kontroll- kommission und den» Zentralausschuß zu einem Kongreß eingeladen, der während der Pfingstseiertage stattfinden soll. Im Anschluß an den Kongreß ivird beabsichtigt, eine international« Konferenz statt- finde» zu lassen, zn der die Steiuarbeiter der in betracht kommenden Nachbarländer eingeladen werden sollen. Ausland. Die schwedische» Gewerkschaften hatten im Jahre 1897 nur mit drei größere» Streiks bezw. Aussperrungen zu thun. Der Streik im Malin-Bergwerke endigte durch Vergleich, den die sozialistische Parteileitung herbeiführte. Die Seeleute errangen durch den Streik wohl einige wesentliche Vorlheile, konnten aber den Unternehmern nicht die Anerkennung ihrer Organisation abtrotzen. Die Agitation wurde sehr lebhaft betrieben und sind im Laufe des Jahres mehrere neue Verbände entstanden, die bestehenden vergrößert worden. Die englischen Maschinenbauer haben die Vorschläge der Unternehmer mit großer Majorität— der Telegraph spricht von 125 000 gegen 14 000 Stimmen, was jedenfalls ein Jrrthum ist— angenommen. AnkeenrszZttvv�VevbÄttde. Dem Zentralausschuß hiesiger kaufniänuischer, gewerb- licher nud industrieller Vereine" sind die„Freie Vereinigung der Holziudustricllen Berlins" und die„Bereinigung chroinolithogra- phischer Anstalten" als Mitglieder beigetrete». Im Zeutralausschnß find nunmehr 25 freie Vereinigungen und Verbände vertreten. Der Zentralausschuß beabsichtigt, aus der Mitte derjenige» seiner Vereine. von denen Mitglieder Ladengeschäste unterhalten, eine» Aus- schuß zu bilden, dem die Wahrung der besonderen Interessen der Inhaber von Laden- und Detailgeschäften obliegt. Soziales. Zur Herstellung der Kanzlei-Arbeilcu bei der ReichSpost sollen Schreibmaschinen eingeführt werde». Die Bedienung derselben will man„thuulichsl" weiblichen Personen übertragen. Die Ober- Postdirektioncu sind ermächtigt worden, über die Ver- wendung von Schreibmaschinen selbständig zu bestimme», und zwar, wie die„Verkehrszeitung" mitlheilt, soweit sich daraus Ersparnisse an Benmtenkräftcn oder wesentliche Vortheile für den Dieustbetrieb ergeben. Wie geschäftsmännisch doch der Staat seine Betriebe leitet! Er führt Schreibmaschinen ei», um Beamte zu spare», die Militär- a n w ä r t e r aber, die sich für die postalische Kanzleiarbeit doch wohl ganz leidlich eignen, halst er den Kommunalverwallnngen auf, und damit er»och mehr profitirt, stellt er an die Schreibmaschinen Frauen, die natürlich mit weniger Gehalt vorlieb nehmen.können als die Männer. Die Fortbildungsschule in Reicheubach in Schlesien ist den I n n u» g s m e i st e r» ein Greuel. Sie peiitiouirle» beim Bezirksausschuß in Breslau um Aushebung der Schule, mußten sich aber von diesem sagen lassen, daß ihre Beschwerden eine Aushebung der Schule keinesfalls rechtfertigen könnten. Aufhebung des BolkSschulgcldes in Bade». 558 Gemeinde» im badischen Lande haben bis jetzt von dem Rechte Gebrauch ge- macht, das Schulgeld auszuheben und den dadurch entstandent» Ausfall aus der Gemeindekasse zn decken, wie in einer Erhebung des badischen Lehrervereins festgestellt wird. In der Umgebung Mann- heims aber beharre» noch viele Gemeinden auf dem reaktionäre» Standpunkt, daß wer Kinder hat, auch für die Koste» ihrer Aus- bildung sorgen solle. Soiveit in diesen Gemeinden Sozialdemokraten im Bürgeransschnb sitzen, sind dieselbe» jetzt von der„Bolksstimme" aufgefordert worden, ungesäumt die Aufhebung des Schulgeldes auf grund des§ 71 des neuen Schulgesetzes zu beantragen»nd damit auch in ihrem Orte einer Forderung der gesunde» Vernunft zum Durchbrach zu verhelfen. TaS Oktroi in Hessen. Man schreibt uns: In welchem Maße das im Großherzogthum Hessen noch bestehende Oktroi, die i n- d�i r e k t e S o» d e r- B e st e n e r u n g der wichtigsten Lebensmittel(wie Brot, Fleisch, Kohle» ec.), auf der Masse der städtischen Bevölkerung lastet, zeigt eine in den„Mittheilungen der großherzogl. hessischen Zentralstell« für die Laudesstatistil" enthaltene Uebersicht über die Einnahmen an Oktroi. In de» 8 Städte» des Großherzogthunis, die sich des Oktrois„erfreuen", beliefen sich die Einnahmen ans demselben(nach ülbzug der Rückvergütungen) im Jahre 1896/97 insgesammt auf 1730 906 M. Zählt man die für das Jahr 1896 berechnete Einwohnerzahl dieser Städte zusammen, so ergiebt sich eine Bevölkerung von 246 899 Einwohnern; die Extra- steuer beläuft fich demnach aus 7,04 M. pro Kopf, was ans die fünsköpsige Arbeiterfamilie allein eine jährliche Mehrbelastung von 35,20 M. ausmacht. Mainz, Offeubach und Darmstadt ragen über diesen Durchschnitt noch beträchtlich hinaus. In diese» drei Städten betrugen die Einnahme» ans Oktroi 557 300 M., 314 054 M.»nd 500 709 M., was bei den entsprechende» Einwohnerzahlen von 77 272, 39 690 und 04 235 für Mainz eine Extrakonsumsteuer von 7,21 M.� für O f f e n b a ch 7,91 M. und für Darmstadt 8,72 M. pro Kopf der Bevölkerung ausmacht. Dazu komnien»och die indirekten Reichs- und Landessteuern. Dieses Besteuerungssystcm schreit zum Himmel! Arbeiterrisiko. Der Bergwerksschacht in R e s ch i tz a in Ungarn, wo dieser Tage durch eine Explosion eine Anzahl Bergleute ums Leben gekommen sind, ist aus behördliche Anordnung vorläufig geschlossen worden. Eine geradezu unglaublich lange Arbeitszeit haben die Mädchen in den B ä ck e r l ä d e n G ch w e d e n s. Sie mtiffen, ' Verantwortlicher Redakteur: August Jarobey in Berlin. Fü wie uns geschrieben wird, um 3 Uhr morgen? auf, um Brot zu zählen. Um 0 Uhr wird der Lade» geöffnet, und dann haben sie bis 10 Uhr abends Dienst, mit nur 1—2 Stunden Ruhezeit am Tage. Die Bezahlung dieser armen Wesen ist selbstverständlich ebenfalls skandalös.__ Gernszks-Seikung. Welcher Bauhandlverker hat an der Treppe eines Reu- banes Schutzgeläudcr aiiznbriligeu'# Diese Frage war bei Ge- legenheit eines Bauunglücks in Breslau nicht gerichtlich festzustellen. wie Genosse Legien in seiner Reichstagsrede am 22. Januar d. I. mittheilte. Da diese Frage auch für Berlin von erheblicher Wichtigkeit ist, so geben wir hierzu einem»»serer Sache nahestehenden erfahrenen Architekten das Wort. Der Fachmann schreibt uns: Die Frage, wer das zeitweilige(provisorische) Geländer an einer Neubautreppe anzubringen und während des Baues zu unterhalten habe, ist in der That nicht ohne gründliche Erwägung aller Um- stände zn beantworte». Di« Treppe wird schon hergestellt während des Rohbaues, das Geländer aber erst viel später. Die eiserne Treppe erhält oft ein Holzgeländer, die Sleinlreppe und die Holz- treppe erhalten eiserne Geländer u. s. w., außerdem gestatte» unsere heutigen Konstrnklionsmittel, die Steintreppe auf einem Eisengerüst z» versetzen, die Holztreppe aus Wellblech, kurz an einer Treppe können drei verschiedene Handwerker beschäftigt sei». Der Streit darüber, wer ein Schutzgeländer anzubringen hat, bezieht sich auf die Zeit während des Baues, weil das wirkliche dauernd anzubringende Geländer möglichst spät, erst gegen Ende des inneren Ausbaues geliefert werden kann. Nun sollte aber bis zn diesem Termin ei» vorläufiger G e r ü st s ch u tz an der Treppe gewährt werden, und zu diesem fühlt sich heule kein Handiverker ver- pflichtet, sweil es darüber keine hinreichenden Vorschriften giebt. Fragt man nun: wer hat nach Fertigstellung der Treppe ganz unabhängig vom Material ein zeitweiliges Schutzgeländer für die Bauarbeiicr aufzustellen und so lange zn-unterhalten, bis das wirkliche neue Geländer angebracht werden kann, so ist die Aulwort: da? Schutzgeländer muß der Handwerker besorgen, der dauernd auf dem Bau zn ihun hat, und das ist der Unternehmer der M a u r e r a r b e i t e». Laßt man z. B. eine eiserne Treppe ausführen, dann kommen die Schloffer oder Maschinenbauer, monliren ihre Treppe in ei», zwei oder drei Wochen und verschwinde» wieder, sie habe» auf dem Bau nichts mehr zn thun. Läßt man«ine Holzlreppe ausführen, dann kommt der Zinnnermann auf einige Woche» und verläßt den Bau sofort nach Fertigstellung. Ganz ähnlich der Steinmetz, der überhaupt nur beim Versetzen hilft»nd der nur ausnahmsweise länger zu thun hat, wenn eine Sandsteinfagade zur Ausführung kommt. Vom Zimmermann könnte man allenfalls die Ausführung eines Geländers verlangen, auf grund vorheriger Vereinbarung. Aber wie oft wird solch Geländer an einzelnen Stellen zerbrochen, ohne daß seine Ausbcssernng sofort vom Hersteller bewirkt werben kann. Der Maurer ist aber dauernd am Platze, er hat während der ganzen Bauzeit Rüstzeug zur Hand, er allein kann am leichtesten das vorläufige Geländer gleichsam z u r R ü st u n g gehörig aufstelle» und vor alle» Dingen dauernd in Stand halten. Ebenso gut wie heute von der Baupolizei die sofortige Ansstakung der Balken-Zwischeiiränme verlangt wird, um das Durchfallen der Arbeiter durch mehrere Stockwerke zu verhindern, ganz ebenso kann die sofortige Anbringung von Treppengeländer» ans Rüslungs- Material im Bau- Aufsichtswege gefordert werden. Aber zn allen diesen Dingen müßte erst bei de» Regierunge» nebe» dem Schutz der Unternehmer auch der Wille zum Schutz der Arbeiter vorhanden sein, und damit hapert es eben. Eiue auffallend milde Strafe verhängte gestern die 129. Ab- theilnng des Amtsgerichts I über den Küfer Gustav Berndt, welcher wegen gröblicher wörtlicher und thätlicher Beleidigung zweier anständiger junger Mädchen auf der Anklagebank erschien. Am II. Dezember v. I. stand ein Fräulein D. nrit einer Freundin vor einem Schaufenster in der Orauienstraße, als der Angeklagte hinzu- trat und die D. ohne ein Wort zn sagen, an den Oberschenkel faßte. Entrüstet wandle sich das junge Mädchen zur Seite, worauf der Angeklagte seine That mit höhnischen Bemerkungen „beschönigen" versuchte. Als sich die beide» Mädchen ans andere Seite der Straße begaben, um weiteren Insulten zu entgehen, folgte ihnen der Angeklagte, trat beiden wiederholt mit Absicht auf die Hacke» und murmelte immerfort beleidigende Worte, wie„dumme Dinger" n. s. w. vor sich hin. Vergebens versuchten die jungen Mädchen ihrem Peiniger zu entgehen, immer schneller folgte er ihnen und als er ihre Absicht merkte, drängte er sich schlieblich mit Gewalt zivischen ihnen hindurch und gab dabei dem Fräulein D. einen derartigen Stoß, daß sie beinahe in ein Schaufenster geflogen wäre; zum Glück jedoch wurde sie von Straßenpassante» aufgefangen. Als die Freundin jetzt etwas von Feststellen durch einen Schutzmann sprach, bemerkte der Angeklagte lachend:„Jetzt will das dumme Ding auch noch zum Schutzmann schicken." Im gestrigen Termin bestritt der'Augeklagte die ihm zur Last ge- legten Vergehen, behauptete, daß ihm, einem Vater von 7 Kindern. derartige Thaten nicht zuzutrane» sind, und bestrill ganz entschieden, betrunken gewesen zu sei». Der Gerichtshof nahm trotzdem zn seinen Guufte» an, daß er stark betrunken gewesen sei, und erkannte des- halb nach den» Antrag des Staaatsauivalls trotz der bewiesene» lltohheit auf nur 30 M. Geldstrafe. Z» der GerichtSvcrhandlnug gegen de» Schutz»»»»» Kiefer wird ans Köln berichter, daß das Uriheil am 4. Februar 12 Uhr mittags verkündigt werde» soll. V evlaimnlu n Arn. Ter Wahlvereiu fiir Teltow- BecSkow- Storkow- Char- lotteubnrg hielt am Donnerstag seine erste diesjährige General- Versammlung im Lokal„Bismarckhöhe". Wilniersdorferstraße(Char- loltenburg), ab. Der Bericht des Kassirers für das letzte Quartal 1897 ergab an Einnahme» 680,70 M., an illusgaben 004.30 M.. sodaß ei» Bestand von 70,40 M. verblieb. Nachdem die Revisoren die Abrechnung für richtig bekundet hatten, wurde dem Kassirer Decharge erlheilt.— Di« hierauf erfolgende Wahl eines Bezirisleiters fiel auf Genosse Junge aus dem V. Bezirk. Die Versammlung be- faßte sich sodann mit der inkorrekte» Führung der Liste» zur Stadt- verorduetenwahl. Durch sechswöchentliches Auslegen der Listen vom 1. Februar ab soll eine nochmalige Revision erfolgen.— Hinsichtlich der Nachwahl im VI. Bezirk stellt der Vorsitzende im Name» des Vorstandes den Autrag, sich nicht an der Wahl z» b e l h e i l i g e n. Dieser Antrag wird nach längerer, lebhafter Diskussion a n- genommen.— Dem Wortlaut der Statuten gemäß soll sorta» streng darauf gesehen werden, daß die Bücher derjenigen Mitglieder, die während fünf Monaten keinen Beitrag gezahlt hätten, eingezogen werde». Ferner wird angeregt, in der nächsten Versamnilung die Broschüre über die F i s ch e r' sche Reichstagsrede zn verlheilen. Zun» Schluß wird beschlossen, monatlich je eine Versammlung und zwar am Donnerstag nach dem 15. eines jeden Monats ab- zuhalten. Mit einem Hinweis auf die diesjährigen Reichstags- mahlen schließt der Vorsitzende die stark besuchte Versammlung gegen 12 Uhr. Tie Freie Vereinigung der Zitzil-BerufSmusiker Berlins und Umgegend hielt am>8. Januar ihre regelmäßige Nlouats- Versammlung ab. Der Kassenbericht vom 4. Quartal 1897 ergab Bestand vom 3. Quartal 439,14 M., Einnahme 399 M., Ausgabe 507,95 M., bleibt ein Bestand von 330,19 M.; dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Nach dem Bericht des Arbeitsnachiveiles wurden zn 91 Musikgeschästen 392 Kollegen beschäftigt. Zum Beisitzer wurde Pjacholl gewählt; den von Pacdoll bisher bekleideten Revisor- posten Übernahm B i e l e r. Die Versammlung erklärte sich zum Schluß mit der Theiluahme an dem zn erbauenden Gewerkschafts- Hause einverstanden. den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck m Der Verband der Rabitzputzer hatte in den letzten drei Quartalen des vergangenen Jahres, wie der Kassirer in der letzten Versammlung mittheilte, eine Einnahme von 733,40 M., der eine Ausgabe von 098,05 M. gegenübersteht. Dem Kassirer wurde auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Ter Verein der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend hielt am 21. d. M. bei Wernicke, Charlotlenburg, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Dem Bericht des lkassirers zufolge betrug der Kassenbestand am Ende v. I. 4 600 M.; die Unterstützungskasse enthielt 272,32 M. Dem Kassirer wurde Decharge erlheilt. Hierauf kam die Berufung des frühere» Mitgliedes Brüder, Waldemarstr. 75, zur Verhandlung. Der Vorsitzende verlas zunächst ein Schreiben, was der Betreffende an den Vorstand gerichtet halte. In demselben weist Brüder darauf hin, daß»ach den Erkundigungen, die er bei Behörden und seinem Rechtsanwalt eingezogen habe, sein Ausschluß gegen die Statuten des Vereins verstoße. Er verlangt, daß eine nochmalige Abstimmung per Stimmzettel vorgenommen werde, widrigenfalls er den Klageweg beschreiten wolle. Die Versammlung beschloß nach langer Diskussion gegen eine Stimme, daß der Ausschluß Brüder's aufrecht zu erhalten sei.— AlS Ersatzmann in die Rechtsschutz- Kommission wurde Hermerschmidt gewählt; aufgenommen wurden 4 Mitglieder. Die Statutenänderung soll in der nächsten Versammlung vorge- nommen werden. Den englischen Maschinenbauer» wurden 300 M. bewilligt. Ter Jntcresseuperein der Kistenmacher hielt am 24. Januar in den Arminhallen eiue gut>esuchte Geiieralversamnilung ab, in welcher der Kassirer die Abrechnung vom 3 Quaital gab: Einnahme 184,00 M., Ausgabe 141,55 M.. Ueberschnß 42,55 M. Generalbestand im 4. Quartal 204,83 M. Dem Kassirer wurde ein Exlra-Manko von 15 M. bewilligt. In der uädisten Versammlung soll über den Anschluß an eine» größeren Verband verhandelt werden. Tie Zentral-Kraukeiikasse der Maurer»e.„Grundstein zur Einigkeit", Verwaltungsstelle Berlin, hielt am Sonntag, den 23. Januar 1898, eine ordentliche Mitgliederversammlung ab, in der folgender Jahresbencht verlesen wurde: Einnahme 136005,49 M. inkl. 12 000 M. Zuschuß von der Hauptkasse, demgegenüber stand eine Ausgabe von 133 643,07 M. inkl. 31500 M., welche an die Hauptkaffe gesandt wurden, bleibt mithin am Scblnß des Jahres 1897 ein Bestand von 2362,42 M. In die örtliche Verwaltung wurden folgende Mitglieder gewählt: Ba ganz als 1. Kassirer, Gareis als 2. Bevollmächtigter, Krause als 2. Schriftführer, K n r z r o ck und Zöllner als Revisoren. Als Hilfskassirer für Südost wnrde Faust gewählt. Ferner wurde die Zahlstelle in Südwest nach Zossenerstr. 1 bei Große verlegt. Geschäftsbericht des Rrbeiter-Rauchcr-BnndcS für Berlin und Umgegend vom verflossenen Halbjahr(Juli bis Dezember 1897). Es fanden eine General-Versammlung, eine außerordentliche General-Versauunlung, 5 Delegirten-Versammlnngen und 6 Vorstandssitzimgen statt. Die Zahl der Klubs betrug im Juni 73 mit 933 Mitgliedern, im Dezember 78 Klubs mit 961 Mit- gliedern. 4 Klubs gingen dem Bunde— durch Sluflösen und Nicht- nachkommen ihrer Pflichte»— verloren. Die 3 statuirten Bundes- Vergnügen— Stiftungsfest, Sonnnerfest und Maskenball— erbrachten einen Gesainmtüberschuß für die Bundeskasse von 814,35 M. Dem Solidaritälsgefübl wurde reichlich Rechnung getragen. Unter anderen sind drei Slerbefälle mit je 100 M. Unterstützung zn ver- zeichnen:c. Das Bundesvermögen beträgt 1436,80 M. Dem Kassirer wurde auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Es wurden 5 neue Klubs ausgenommen. Die Brancrci- nud BiervcrlagS-HtlfSarbciter nahmen am Donnerstag in einer öffentlichen Versammlung einen Bortrag ihres Kollege» Schüler entgegen, der in kräftigen Worten die dem Koalilionsrecht der Arbeiter drohende Gefahr kennzeichnete und zum Ausbau der gewerkschaftlichen Organisation ausforderte. Die Ver- sammelte» stimmten sowohl in der Diskussion wie durch Annahme einer entsprechenden Resolution dem Referenten zu. Im weiteren Verlauf der Debatte wurde auch der Zustände im Münchener Brau- hause in abfälliger Weife gedacht und hervorgehoben, daß in letzter Zeit daselbst einige organisirte Hilfsarbeiter, die wohl noch weiter hätten beschäftigt werde» können, entlassen worden sind. Es wurde eine Resolution angenoinme», welche sowohl diese Entlassungen wie das Verhalten des Direktors Arend organisirte» Arbeitern gegenüber mißbilligt. Ferner beauftragte man die Kommissio», wegen der Be- schästigung eines nichlorganisirte» Bierfahrers und dessen Mitfahrer bei der Pichelsdorfer Brauerei vorstellig zu werde». Die Steiuarbeiter tagten am Dienstag im„Englischen Garten" unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung. Es galt, den Bericht der Tariskommission über die stattgefundene Verhandlung mit den Arbeitgeber» entgegenzunehmen. Seilens der Kommission erstatteten die Steinmetze I. Schell und P. Ol brich Bericht. Statt einer Auf- besserung der Löhne sowie Verkürzung der Arbeitszeit stellten die Meister eine Lohnrednzirung von 30 pCl. für Arbeiten aus sächsischem Elbsandstein in Aussicht, ebenso wolle» sie de» bisherige» Tarif über die anderen Positionen beibehalten. Die Verhandlungen waren omit resnltatlos geblieben. In der nun beginnenden Diskussion, an der 28 Redner theilnahme», wurde an dem Verhalten der Meister scharfe Kritik geübt. Zur Einführung des allgemeinen TagelohncS wollen dieselbe» sich absolut nicht herbeilassen. Ein Redner sprach auch für de» Akkordlarif, da das jetzige Tagelohn- arbeiten viel anstrengender fei als das Arbeiten im Akkord. Schließlich rvurde beschlossen, folgende Forderungen zu stellen: 1. Einführung der allgemeinen Lohnarbeit, niit 203 gegen 11 Stimmen; 2. Achtstündige Arbeitszeit für Sommer»nd Winter, init 217 gegen 7 Stimmen;' 3. Lohn pro Stunde 70 Pf. und lleberstundcn 20 Pf. mehr,«instinnnig. Hierauf wnrde die Kommissio» beauftragt, in den nächsten Tagen wieder l»il den Meistern in Unterhandlung zu treten, und die Erwartung ausgesprochen, die Forderungen der Gesellen möglichst unverkürzt durchzudrücken. Bei der Ersatzwahl zu einem Mitglied des Zenlralausschnfses wurde Franz Wenden bürg gewählt. Ter Verband der Taprzircr hielt am 25. d. Mls. ein« kombinirte Mitgliederversammlung ab. Zum ersten Punkt vrr Tagesordnung giebt Wels den Geschäflcbericht der Agitation?- konnnission. Dieselbe hat 8 Sitzungen, darunter 4 mit Werkstellen, abgehallen; ferner 1 öffentliche Versammlung. Es folgt sodann der Kassenbericht des Kollegen Pönicke. Die Einnahme beträgt 363.03 M., Ausgabe 116 85 M., mithin Bestand 246.18 M. Der Markenbestand beträgt 9461. Ten, Kassirer wird hierauf Decharge ertheilt. Ein Antrag Kielmayer, die Kommission auf neun Personen zn erhöhen, wird angenommen und werde» odau» die Kollegen Franke, MohnS und Renz in dieselbe gewählt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Reorganisation des Arbeiisnachivciles, unrd beschlossen, die Bureau» stunde des morgens abzuhalten, einen ständigen Burrauhalter gegen eine Vcrgütigung von 75 Ps. anzustellen und die Sielte eventuell im„Vorwäris" zn aunonciren. Ferner zahlt jeder arbeitsuchend« Kollege 10 Pf. Einschreibegclb. Eine Neuerung erhäll der Arbcils« nachweis besonders dadurch, daß in Zukunft denselben auch di« Näherinnen in Anspruch nehmen könne» und wird von denselben kxein Einschreibegeld erohben. Es werde» hierauf noch die Kolleg«,» P ter s. Sander. Pape, Stranß.Franzke. Bechert und S t r a ß e r als Vergnüg ungskomitee geivählt. Depesllszezr und letzte Ltachvhtzten. Tiiukirchcn, 28. Januar.(W T. B.) Ei» französischer Wacht- poste» schoß infolge emes Mißnerständniffes auf den norwea'sch'Ä Matrosen Nils Jngevall vom Schiffe„Skandia" und verletzte denselben lödtlich. Vndapcst, 23. Januar.(B. H.) Dr. v. Gallvich. Richter an, Budapesler Slrasgerichtshof, ist uiiler Mitnahme der dedentendcu Mitgift seiner ihm erst kürzlich aiigelranle» Galtin verschwunden. Paris, 28. Januar.(W. T. B) Der cheiiialige Polizei. Juspekror Rodeau ist unter dem Verdachte verhaftet, zwei Frauenspersonen ermordet und beraubt zu haben. d Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu 2 Beilage». Nr. 21. 15. IahrM,. j Veichskng. 27. Sitz»» o. Freitag, den 23. Januar I8SS. Präsident v. Bnol eröffnet die Sitzung ni» 2>/4 Uhr. Die zweite E�aisderalhung wird beini Spezialctat des Reichs- amlsdesJn r n fortgesetzt. Beil» Kapitel„Gesundheilsaiul" liegt ein Zlmrng der Abg. Mnller-Sagan und Genossen vor, zur Errichlung einer biologischen Versuchsanstalt für wissenschaslliche Erforschung wirthschafllich nutzbarer Lebeusbeziehnngen von Pflanzen und Thieren 30000 M. in den Etat einzustellen. Die Debatte wird fortgesetzt. Abg. Oertel(Soz.): Auf die Gefahren für die Gesundheit, denen die Arbeiter in der B ü r st e n- und Pinselindustrie ausgesetzt sind, ist schon wiederholt von dieser Sülle aus, zuletzt von Grillenberger, hingeiviesen worden. Die Nolhivendigkeit, ans diese wichtige Angelegenheit die Aufnierlsainkeil des Reichstages zu lenke», ist m» so wehr vorhanden, als nun endlich die Regierung aus dein Sladniin der Borberalhuna in das der positiven Gestaltung getreten ist. Das Reichsamt des Innern hat aus grnnd der Z§ 122s und 133 der Gewerbe-Ordnung Vorschriften zur Verhütung der Ansteckungsgefahr ausarbeiten lassen. Mit der Ausarbeitung dieser Vorschriften hat nian sich nicht so sehr übereilt. Seit Jahren fordern die Arbeiter, daß solche Vorüchtsinabregcln vorgeschrieben werden. Wir gestehen zu, daß die V.'rhällnisse erst sorgsältig geprüft werden müßten, da die Sache nicht so eiufach liegt. Andererseits ist aber doch eine der- artige Verzögnung in einer Sache, wo Lebe» und Gesundheit von tausenden von Arbeilcrn aus dem Spiele steht, aufs nllerentschiedenste zu verurtheilen. Bis jetzt sind die Vorschriften über Milzbrand vom Direktor des Azichs-Gesnndheitsaintes erst ausgearbeitet; Gesetzes- kraft habe» sie noch nicht. Von seitei der Unternehiner der betheiligten Industrie wird eine heftige Opposiivn gegen diese Vorschrislen gemach«. Die Arbeiter sehen dagegen in ihnen nur das Mindestniaß dessen, was zur Ver- hütnng der Krnikheiten erlasse» werden muß. Von einer definitiven Beseitigung der Milzbrandgefahr kann heule noch keine Rede sei»; dazu müßte» erst geeignete Desinfektions- Versahren erfunden werten. Rur die vichtigsten Bestiinmiingen könne» hier erörtert werden. Die Nnternehner'vehren sich vor allen Dingen dagegen, daß auch das Ziegenhaer dein Tesinfeluonszivang unterworsen werde» soll. Sie meinen, tie Qualität desselben wurde dadurch bedeutend beein- trächligt und Erkrankungen durch Ziegenhaar kämen nicht vor. Einen Beweis ür diese Behauptungen erbringen sie nicht; dagegen ist amtlich koi'tirt, daß das Material keine Beeinträchtigung er- fährt. Die Ar iter verlange» ferner, daß nicht»nr das aus dein Ans- laude kommen sondern alles Material der Desinfektion unterwerfen werden soll; kounnen aber den Unternehmern so weit entgegen, daß sie diese! nur inson'eil allgemein durchgesührt wissen ivollen, als eine Schä��ung des Materials nicht eintritt. Die Desinfektion durch mehrstü» �;es Kochen/ die das Reichs�Gesundheitsainl auch vor- schlägt, tödlet.°,ie Milzbrandsporen und Bazillen nicht, wie wissen- fchastlich festg«, sllt ist. Außerdem würden sich die Unternehmer ans diese Art.schränken»nd so die ganze Absicht der Vorschriften verhindern. D betreffende Passus müßte vielmehr so lauten: Es dürfen nur f ol t« � öesiiisektionsver fahren zur Auswahl zugelassen iverde», die auch von»>i«>chs-Gesu»dheilsamt als ausreichend erachtet worden find. Die Umerr.ehmer ivehren sich auch gegen die Vorschrift, daß nur volljährige Arbeiter zur Bearbeitung der Materialien verwendet werden dürfe«, weil der Betrieb dann irrationell sein würde. Die Löhne in der Pinselindustrie sind ohnehin so niedrig, daß diese Ein- schränkung"'cht in betracht kommen kann. Wenn aber diese VesliutinuugtN erst im Jahre 1908 in kraft treten sollen, so hat ja das UnterneKnerthnm noch lange Zeit, bis es solche Behinderungen erfahren wirb. Lebhaft«,» Univillen der Unternehmer erregt ferner die Be- stimmung, daß in den Arbeitsräume» jährlich«in nener Kalk- anstrich vorgenommen iverden soll. Als Grnnd geben sie diesmal sogar an, daß oann die Arbeiter durch die nothwendigen Feiertage einen Lohnausfall haben würde». Dabei zivingen sie sie aber bei patriotischen Festen ohne weiteres, wider ihren Willen zu feiern! Die Arbeiter haben daS Unternehmertbum hierbei vollständig be- fchämt. Eie erklärte» in einer Versammlung, daß sie gern bereit eien, im Interesse deS von den Unternehiner» so sehr gehaßten Kalkanstrichs den Lohnansfall selbst zu trage».(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Nach den Borschriften soll ferner wöchentlich einmal das Material gereinigt werde». Die Nachgiebigkeit der Arbeiter, die sich darauf beschränken zu fordern, daß dieS niöglichst oft, niindestens aber inonatlich ziveimal geschehen soll, kann mir durchaus nicht gefalle»; ich zöge den Bor- schlag des Reichs-Gesn»dheitsaints vor. Auch bei alle» andere» Vor- schriflen kommen die Arbeiter den Unternehmern soiveit als möglich entgegen. Die votgeschlagenen Bestiimnnngen halte» sich jedenfalls in den bescheidensten Grenzen. Wenn das Wort Arbeiterschntz nicht mir eine leere Phrase bleiben soll, so ist eS Auf- gäbe der Behörde. ste sobald als möglich durch- zuführen. Ich richte an die Regierung die Anfrage, ob der Einfluß des U»ternehn,erlhums so weit geht, daß es auch diese Minimalforderungen, dieses Linsengericht von Arbeiterschutz ver- hindern kann. J» Nürnberg sind einige tausend Arbeiter in dieser Industrie beschäst gt, jährlich wird für fünf Millionen Waare pro- duzirt und die Hauptgeguerin der Vorschriften ist eine dortige Altiengesellschaft, die im letzten Jahre trotz erheblicher Abschreibungen 10 pCt. Dividende hat verlheilen können! So weit geht die un- rrsättliche Profilgier, daß man lieber das Leben und die Gesundheit von Hunderten von Arbeitern aufs Spiel setzt, als sich solche minimale Brschränkunge» gefallen zu lassen. Das Reichk-Gesundheitsamt sollte auch direkt darauf himvirken, daß ein genügendes Desinfeklionsverfahren erfunden wird. Auch in dieser Hinsicht haben die Arbeiter die oberste Gesundheitsbehörde beschämt. Sie haben selber Versuche angestellt und vorgeschlagen. ein Preisausschreiben für das beste Verfahren, die Milzbrandspore» vollständig zü tödte». zu veranstalten und sich bereit erklärt, einen guten Theil der Kosten zu tragen.(Hört, hört! bei den Sozial- demokraten.) Das Reichs- Gesundheitsamt und die Unternehmer haben diese» Vorschlag aber achtlos beiseite geschoben. Wir haben das Reichs- Gesundheilsamt sogar direkt auf ein neues Ver- fahre» aufmwksam gemacht, ohne das leiseste Wohlgefallen damit zu erringen. Auch jetzt ivieder werden neue Ergebnisse bekannt gemacht. Ich frage das Reichs- Gesundheilsamt, ob darüber schon Erkundi- gm, gen eingezogen sind. Ferner mache ich die Vertreter desselben darauf aufmrrksain. daß in Nürnberg die Heimarbeit in de» letzte» Jahren bedei>>e»d zugenommen hat. Infolge der schlechten Löhne sind die Arbeiter zezwungen, Arbeit mit in die Wohnung z» nehmen; da sie sich nicht dt» LuxuS einer Wohnung mit 3-4 Räumen gestatten können, so arbeiten, wohnen und schlafen alle Familienmilglieder in einem und demselben Räume. Durch das mitgebrachte Material wird aber die Gefahr hervorgerufen, daß nicht bloS die Arbeiter selbst, sonder» auch die Familienangehörigen, sowie alle Betheiligten infizirt werde». Die Frage ist gewiß nicht leicht z» lösen, aber das Reichs-GesuiidheitSami müßte sie unbedingt mit in Erwägung ziehen. Es sind Fäll« von Milzb, and- Erkrankungen bekannt geworden, in denen die tehandelnden Aerzie garnicht wußten, daß es sich um Milzbrand handle, und die Patienten auf Lungenschu'indsuchl hin behandelt habep,"i denen erst die Sektion den Milzbrand kon- slalirte. ES ist auch durchaus nothwendig, daß die Maßregeln sich auch auf andere Industrien erstrecken, auf die Wollfabrikeu, Woll- spinnereien:• Ich möchte das Reichs- Gesundheitsamt fragen, ob auch nach dieser Richtung etwas geschehen ist. da doch nach- gewiesenermoßen auch in diesen Betrieben Milzbrand-Erkranknngen vorgekommen find. Wir haben alles Juteresse daran, daß solche ungeheuer schädlichen Krankheilen von der Arbeiterschaft fern- gehalten werden. Es ist Ausgabe des Reichs- Gesundheitsamtes, gerade hier mit größerer Umsicht und größerer Energie gegen die Unternehmer zu versahreu, damit endlich einmal die Vorschriften Gesetzeskraft erlangen und nicht durch die willkürliche Handhabung der Unternehmer ihres eigentlichen Nutze» beraubt werden.(Leb- hafler Beifall bei den Sozialdemokraten.� Direktor im Reichsgesundheitsamt Dr. Köhler: Der Vorredner hat wiederholt hervorgehoben, daß die Regelung der Sache, für die er sprach, erheblichen Schwierigkeiten begegnet. Ich kann versichern, daß wir stets dieser Sache in einer angemessene» und beschleunigten Weise näher zu trete» suchen. Seit mehr als zehn Jahren studiren wir bereits die Frage und haben etivas Definitives doch noch nicht erreiche» können. Derartige Fragen können nicht im Laboratorium allein gelöst werden, da muß die Praxis aushelfen. Die»eueren Verfahre», von denen der Herr Vorredner sprach. biete» etivas lhatsächlich Neues nicht. Wir haben bereits Er- knndignngen— i» Italien— eingezogen, wie es mit der ver- änderten Anwendung dieser bekannten Maßregel» steht, habe» aber Abschließendes noch nicht erfahren können. Der Termin 1306, de» der Herr Borredner als von uns in Aussicht genoinme» angab, ist dies thatsäcblich nicht. Wir habe» ein früheres Jahr im Auge ge- habt. Jedensalls dar! man überzeugt sein, daß, wen» Verhandlungen in dieser Frage gepflogen werden werden, die Regierung auch die Arbeitnehmer fragen wird. Abg. Beckh(frs. Vp): Der Vorivurf, den Herr Abg. Oertel den Nürnberger Arbeitgebern gemacht hat, ist durchaus nicht zu- treffend. Man hat sich dort wirklich redlich Mühe gegeben, dem Uevelftande abzuhelfen. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß das Reichsgesunddeitsamt mit den Unlernehineri» im Bunde stehe und deshald energische Vorschriften nicht erlasse. Abg. Rettich(k.) weist ans die stetige Zunahme derManl- und Klanenseuche in den deutschen Viehbestände» hin. Die einzige Maß- regel, die wirkungsvoll ist, ist die Absperrung gegen das Ausland. In den letzten Jahren hat sich die Regierung zu größeren Ab- sperrungsmaßregel» verstanden, aber das ist noch nicht genug. Warum bat man nicht die Einfuhr rnssischer Gänse verboten? Nicht nur die Geflügelcholera, sonder» auch die Maul- und Klauenseuche wird von ihnen eingeschleppt. Ich bin kein Freund von Quarantäne, aber ich ziehe sie dem jetzigen Zustand noch vor. Eine Quarantäne von 10 Tage» ist aber zu kurz. Abg. Bios(Soz.) fragt an, ob es nicht möglich sei, Maßregeln zu treffen, um eine Verunreinigung der Anläufe der Ocker zu ver- hüten. Die dort exislirenden Zuckerfabriken verunreinigten das Wasser so, daß in ganz Braunschiveig kein brauchbares Trinkwasser zu haben sei. Die braunschweigischen Behörden haben getha», was in ihrer Macht stand, aber einzeln« Fabriken liegen in Preußen und in Preußen seien die Braunschweiger machtlos. Vlclteicht könne das ReichS-GesundheitSaml einen Druck auf die preußischen Behörden ausübe». Direktor im Reichs-Gesnndheitsamt Dr. Köhler: Die Verhält- nisse im Nordbarz sind schivieiig z» lösen. Braunschiveig beschwert sich bei den Zuckerfabriken über Preuße», Preuße» wieder hat Be- schiverde» gegen Brannschweig wegen Verarbeitiiug von Kalisalzen. Am besten würde es sein, die Frage nach der Verhütung von Fluß- Verunreinigungen nach de» lokale» Bedürfnissen zn regeln. Das Gcsundheilsaiut winde gern bereit sei», sich an der Lösung der Schivierigkeite» zu bctheiligen. Ich bitte aber den Herr» Vorredner, sich an die Brannschweigische Regierung zu wende» mit der Bitte, daß sie den Herrn Reichskanzler ersucht, sich init dem Reichsgesuud- Heilsamt in Verbindung zu setzen. Abg. Grai zu Inn»nd Knyphanse»(k.) verlangt auch Grenz- sperren zur Verhütmig der Maul- und Klauenseuche. Direktor im Reichs-Gesundheilsamt Dr. Köhler erwidert, die Maul-»nd Klauenseuche habe jetzt hofferitlich den Höhepunkt über- schritten. Trotzdem dürfe man in der Bekämpfnng der Klauenlcuche nicht nachlassen. Die Bekämpfung der Seuche liege der lllegierung sehr am Herze». Die russische Grenze sei für Schiveine bereits geschlossen. Auch die schwedische Grenze ist sofort, nachdem die Seuche i» Schweden aufgetreten war, gesperrt worden. DieVerschlevpnng inner- halb deutscher Bundesstaaten, aus Bayer» nach dem Norden, sei ja möglich, aber das hängt eben mit der völligen Freiheit im Ver- kehr im Inland« zusammen. Ebenso kann einmal die Scnche vom Berliner Viehhof nach Bayern verschleppt iverden. Die Üiesnltate der Seuchenbekämpfung sind keine schleckte», i» einem Jahre werden wir hoffentlich noch weiter sein als beule. Abg. Dr. Langcrhanö(frs. Vp�s: Die Absperrung nützt nicht viel. Es ist ivie bei der Cholera. Die Hauptsache ist, daß wissen- schafllich die Ursache der Krankheit sestgestelll wird, dann wird sie sich auch bekämpfe» lassen. Leider sind wir in bezug ans die Erlorschnng der Maul- und Klauenseuche noch nicht soweit wie bei der Cholera. Schließlich sei es doch auch nicht möglich, alle Mensche» und Thiere gegen alle Krankheiten zu iinmnnisire». (Heiterkeil.) Vorläufig wollen wir froh sein, wen» sich die anderen Länder nicht gegen uns absperren, denn bei uns ist die Seuche größer als in anderen Ländern.(Beifall links.) Abg. Dr. Hihe(Z.) hält Absperrungen an einzelnen Stellen im Inland für ziemlich furchtlos. Seine Freunde würden aber allen Maßnahmen znstimnien, durch die der Seuche Einhalt gelhan werden könne. Abg. Graf Armin(Rp.): Ich kann den Standpunkt des Herrn Langerhans nur für sehr bedenklich ansehen. Wer da weiß, ivie z. B. die Maul- und Klauenseuche so enorme» Schaden uns ge- bracht hat, der kann nicht warten, bis die wissensch>filichen Ver- suche das gewünschte»iesnltat ergebe». In England haben die Grenzabsperrungen der Sache radikal ein Ende gemacht. Abg. Graf p. Stolberg(k): Es ist festgestellt, daß zur Er- nährung der oberschlesischen Jndustriebezirke das heut«»och zugelassene Kontingent von russischen Schweine» nicht mehr uoihwendig ist; das hat der preußische Landwirthschafisminisler im Herrenhause selbst zugegeben. Redner weist dann aus völlige Nutzlosigkeit der Quarantäne hin und tritt für völlige Absperrung nach englische,» Muster ein. Direktor des Gesundheitsamtes Dr. Köhler: England ist in der That frei von Maul- und Klauenseuche(Hört! hört! rechts), man bat dort alle eingeführten Thiere abgeschlachtet, und dadurch der Seuche definitiv ein Ende gemacht.(Hört! hört! rechts.) Aber man bat dort den Besitzern volle Entschädigung gewährt(Hört! hört! links), und daS ist ein Korrelat, das wir nicht mit übernehmen könnten.(Hört! hört! links.) Abg. Dr. Kruse(nat.-lib.) tritt für völlige Sperrung der holländische» Grenze ein. Abg Nanck(Rp.) hält ebenfalls völlige Grenzsperrung für das einzige zur Zeil wirksame Mittel gegen die Manl- und Klanen- senche. Bayerischer Geheimrath Dr. v. Hcmnan» hebt hervor, daß an der bayerisch-üsterreichischen Grenze die Vieheiufuhr so streng be- aufsichligt werde, daß«S fast unmöglich sei, daß dort die Seuche eingeschleppt werde. Abg. Graf Stolberg(k.) bedauert, daS der ultramontane Abgeordnete Gerstenberger, der im Vorjahr« sprach, heute nicht an- wesend sei. Der bayerische Abgeordnete würde sicker eine andere Stellung einnehmen, als der bayerische Regierungsvertreter. Eine Bekämpfung fei nnr möglich, wenn sämmlliche Länder sich gegen einander gegenseitig absperren und erst mal im eigenen Lande gegen die Seuche vorgehe». Abg. Dr. Haase(Soz.): Wir sind auch dafür, daß das Reichs- Gesundheilsamt alles zur Erforschung der Seuche thut, eine Ab- sperrung der Grenze halten wir für nutzlos. In den Grenzbezirken ist die Seuche auch lange nicht so stark, wie in weit ab von der Grenze liegenden Bezirken. Wo die Grundbesitzer das Vieh sanber halten, kommt die Seuche weniger oft vor, als da Scinliibltld, 29. Iluntlir 1898. wo die Besitzer das Vieh in der Jauche stehe» lassen.(Widerspruch rechts.) Wir werde» Veranlassung nehmen, im Laufe der Etats- beralhung den Reichskanzler zu fragen, ob demnächst nicht die russische Grenze für die Schweine-Emsuhr geöffnet werden kann. Es ist inkonsequent, Sperren nach dem Auslande zu verlangen, gleichzeitig aber für Aufhebung der Sperren im Inland einzutreten. Abg. Laugcrhaus(srs. Vp.) meint, der Herd der Seuche«ei nicht das Ausland, sonder» das Inland. Er verlange deshalb im Jnlande größere Strenge. Abg. p. Kardorff(Rp.) meint, daß strenge Grenzsperre und strenge Kontrolle im Jnlande nöthig ist. Abg. Dr. Paaschs(natl.) empfiehlt, eine recht hohe Prämie für die erste Anzeige einer Senche im Dorfe. Abg. Graf v. BiSmarck-Schönhausen(Rp.) bittet die Regie- r»»g. die englische Seuchengesetzgebung nachzuahtuen und sämmtliche Grenze» zn sperren. Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.) weist darauf hin, daß eine gänzliche Absperrung schon wegen des Schmuggels nicht möglich ist. Abg. Wurm(Soz.): Wenn die Absperrung etwas helfen würde, so würde ich unbedingt für sie eintreten. Aber die Wlssenschast hat gerade bewiese», daß die Absperrungs- maßregeln in wiiklich strenger Weise nicht durchführbar sind. Die Bakterien machen selbst vor anders angestrichenen Grenzpfählen nicht Halt. Es giebt nur ein wiiklich wirksames Mittel: obligatorische Viehversichernng durch das Reich mit voller Entschädigung für er- krankles Vieh. Di« kleine» Besitzer halten sonst wegen des drohenden Verlustes eine Erkrankung geheim. Eine Kontrolle durch den Gen- darin, der alles können soll, hcute eine politische Versammlung überwachen und»lorge» eine wissenschastliche Diagnose stellenH ist nickt ausreichend; da,» braucht man Sachverständige. Es muß in jedem Falle festgestellt iverden, wie die Ställe sind, wie das Futter ge- wese». Eine objektive Statistik, nicht eine von interessirter Seite könnte hier viel nützen.(Beifall.) Abg. Preist(Elf) wünscht strengere Maßregel» gegen Wein- versälschungen. Man solle diese einfach unter das neue Nahrungs- mittel-Gesetz stelle». Ferner ist das Verbot des Znckerznsatzes zu den Nalurweineil und des Verkaufs von Kunstiveinen zu empfehlen. Staatssekretär Graf PosadowSky: Die Schwierigkeit deS Kampfes gegen die Weiupantscherei liegt in der nicht genügenden chemischen Analyse. Zur Durchführung der Maßregel», wie der Vor- redner sie wünscht, würde eine Kontrolle nöthig sein, die allgemeine Entrüstung hervorrufen würde; sie würde von der Wiege bis zum Grabe des Weines sich erstrecken müssen.(Heilerkeil.) Die aller- gesährlicbste» Weinpantscher sind aber ost die Winzer selbst. Schließ- lick ist die Grenze zwischen Kunst- und Naturweinen sehr schwer zu finden. Abg RcisthauS(Soz): 1896 ist eine Kommission in Sachen deS Jinpszivanges einnerichlet worden, in der Anhänger und Gegner zu Worte kommen sollten. Die dort gesaßle Resolution hat in ihrem ziveite» Theil die Zustimmung des Bundesraths nicht gefunden. Es ist vielmehr vorgeschlagen, eine neue Kommisfion zu bilden, der die Sache zur nochmalige» Prüfung überwiesen werden soll. Ich frage»u» den Vertreter dcs Gesundheitsamtes, ob auch die Jmpizivaug-Gegaer, die den Köhlerglauben nicht lheilcu, dort zu Worte kommen werden. Da die Zahl der Jmpszwang-Gegner zu- nimmt, ist es möglich, daß die Frage»och bei den kommende» Wahlen eine Rolle spielt. Staatssekretär Graf Posadowsky: In die Kommission iverden auch Jmpfgegner kommen. Aber die deutsche Regierung hält wie die anderen Staaten am Jmpszivange fest. Abg. Dr. Kruse(»all.) ist Freund des Jmpszwanges und fragt nach de» Ergebnissen der Konferenz über das Apothekenwesen. Staatssekretär Graf PosadowSky: Die Ergebnisse haben zur Ausarl-eilung eines Gesetzenlwurses geführt, der jetzt aber noch nicht fertig ist. Abg. Oertel(Soz.): Ich frage den Direktor des Reichs- Gesundheitsamtes noch einmal an, wann die vom Reichs-Gesund- heitsamt ausgearbeiteten Vorschriften für die Bürsten- uiid Industrie endlich in krast treten werden. Auf meine erste Frage habe ich»och keine Antwort erhallen. Dem Abg. Beckh erwidere ich, daß die Harmonie z>rtische: Freiherr von Hammer stein und zahl- reiche Konimissarien. Als Mitglied der Staatsschulden-Kommissio» wird der Abg. L ü ck h o f s(f,k.) wiedergewählt. Das Hau? beginnt die ziveite Elalsberathung mit dem Spezial- etat der landwirthschaftlichen Verwallniig. Bei dem Titel„Ministergehall" giebt der Abg. Frhr v. Eyuatten(Z.) feiner Freude über die Mehr- einstellung zur Förderung der Geflügelzucht, zu Flußreguliritugen ec. Ausdruck; er bedauert, daß für die Ausarbeitung eines Wasserrechts noch kein Schritt getha» sei»nd schildert dann die Verunreinigung des Wurmbaches durch Fabrikwässer und beklagt, daß noch iinmer keine Abhilfemaßregelu getroffen sind. Im Interesse der Ge- >v i n n u n g l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e r Arbeitskräfte sei e i» e V e r k ü r z u n g der Schulpflicht erwünscht; dankbar anerkannt werde, daß die zweijährige Dienstzeit in dieser Beziehung vortheilhast sür die Landwirlhe gewesen ist. Die Steuer- Veranlagung werde den Landwirthen gegenüber zu streng gehandhabt; in vielen Gemeinde» stehen aus den 70er Jahren Schulhäuscr, deren Kosten in gar keinem Verhältuiß stehen zu dem Budget der Gemeinde. Die Gegnerschaft, welche das An- erbeurecht in gewissen Kreisen der rheinischen Landwirthschaft gefunden, möge den Minister nicht entmuthigen, für diese Vorlage einzutreten, die den Eilten und Gewohnheiten der dortigen Be- völkerinig entspricht. Abg. Reinccke- Sagan(frk.): Der Rückgang der Domänen- pachten beweist von neuem den Nothstand der Landwirthschaft, dem gegenüber die Regierung sich inimer noch nicht zu großen Mitteln ent- schließen kann. Nicht blos die niedrigen Getreidepreise verschulden den Nothstand, sondern auch verschiedene Spezialgesetze, so namentlich die Branntweinsteuer; es sei ganz nnzutreffcnd, bei dieser Steuer von einer Liebesgabe für die Landwirlhe zn sprechen. Abg. Herold(Z.) wünscht Heranziehung landwirthschaftlicher Praktiker bei den Gencralkommissionen. Die Sperre gegen Däne» mark ist dringend nöthig, ebenso deren Aufrechterhaltung gegen Holland. Die Fleischeinfuhr sollte man genau koutrolliren, da die Möglichkeit einer Anstecknngszefahr oder sonstiger Schäden keiiiesivegs ausgeschlossen ist. Beim Eisenbahnbau sollte mehr Be� dacht ans den Bau laudwirlhschasllicher MeliorationSbahiien ge� iiommc» iverden, auch ive»» sie nicht ganz rentabel find. An der Eulwickluug von Handel und Verkehr haben Landmirthschaft und Industrie gleiches Interesse. Minister Frhr. V. Hammcrstei»: Alle Wiinsche zu erfüllen, ist der St-gierung nicht möglich. Der Begriff der„großen Mittel" ist unbestinimt. Eine Maßregel, die man als großes Mittel be zeichne» könnte, giebt es nicht. Für mancherlei Vcrbesscrnngen ist der Dispositionsfonds erheblich erhöht. Den Enlimuf des Wasser rechts hat man nicht eingebracht. meil>na» die Session nicht uin nölhig belasten und den Parteien volle Freiheit für die Wahlagitation lassen wollte. Auch die Frage der Fliißvernnreinignng wird gegenwärtig bearbeitet. Gegen zu iveilgehende Anforderungen einzelner Behörden in bezng ans Neubauten übersehen viele Gemeinden die Mittel, welche ihnen durch die Selbstverwallung gegeben sind. Besondere Anerkennung verdient das energievolle, von jeder Agitation freie Vorgehen und Arbeiten der Landivirthschaflslainmern, die sich in dieser bewegten Zeit besonders bewährt habe»; auch in Hannover und Westfalen wird man diese Kammern einrichte». Abg. Knebel(»all.): Das geplante Aaerbengesetz hat in der südlichen Rheinprovinz fast einstimmigen Widerspruch hervorgerufen. Das ausgearbeitete Wnssergesetz würde nicht vortheilhait für die Landivirlhschnft gewesen sei»; es wäre gut, wenn der Entwurf in dieser Richtung umgearbeitet würde. Der Nnf zur Sammlung der wirthschasltichen Parteien ist nicht vom Zentrum ausgegangen, sondern von Abgeordneten meiner Partei und von einem Manne, der dem Zentrum nicht angehört. Den Nothstand der Landwirlschaft an- erkennen auch meine Freunde. In den höher gelegenen Gegenden ließe» sich durch Verbesserung derWasservcrbälluissenocbgroßrVorlheile erzielen. Die Slufivendnngen für Vieh-nnd besonders für Pferdezucht seien nicht ausreichend; das kleine Baden wende für Pferdezucht mehr ans; ebenso unzureichend sind dieAnsgaben für ländliche Fortbildungsschulen und für Wanderlehrer, deren Wichtigkeit für die ländliche Bcvölkc- rung gar nicht hoch genug anzuschlagen ist. Mit der Herab- s e tz n n g der Schulpflicht i st R e d n e r nicht e i n v e r- standen, ivohl aber könnte dahin gestrebt werden, daß die Kinder de» Eltern mehr als bisher bei der Wirthschaft behilflich sei» können. Schädlich ist hierbei die Schabloni- siruug der Anordnungen, das Ausdehnen gleichartiger Vorschriften auf ungleichartige Verhältnisse. Tüchtige Lehrer sollte» auch mit der H a l b l a g s s ch u l e auskommen.(Sehr richtig!) Abg. Hnmann(Z.): Die heutige Debatte zeigt, wie unbegründet die Hoffnung auf Berslummen der Klagen der Landwirthfchast war. Die Löhne für landwirthschaftliche Arbeiter sind gestiegen; die Dieustbolen gehe nach de» Städten. Ohne einen wirksame» Zoll- schuh kann der Landivirlhschast nicht geholfen iverden. Die Geduld der Regierung gegenüber den Zollkampagne» des Auslandes ist bewundernSwerth. Gegen die Einfuhr des trichinösen amerikanische» Schweinefleisches müssen energische Maßregeln getroffen werde», ebenso sollte der Minister die Wirksamkeit des Margarinegesetzes im Auge beHalle». Abg. ftlosc(Z.) erörtert einzelne Nebelstände in der Landwirth- schast und in der landwirthschaftlichen Verwallnng. Abg. Ii. Mendel-Steinfels(!): Die Fleischschan ist für die Landwirlhschaft nur dann annehmbar, wenn inländisches und aus- ländisches Fleisch mit gleichem Maße gemessen werden. Fleisch, das in einer Weise konservirt wird, daß eine Nntersnchung nicht möglich ist, soll von der Einfuhr ausgeschlossen werden.(Sehr richtig!) Die größte Gefahr, die unsere Laudwirlhschaft bedroht, ist die B er- se n ch n n g unserer V i e h st ä n d e, die nicht blos die Land- wirthschaft, sondern die allgemeine Volkswohlfahrt bedroht. Wir können diese Frage nickit ruhen lassen, bis durch strengste Maßregeln gegen das Ausland diese Senchengefahr ernstlich»nd'erfolgreich bc- tälnpft wird. Minister Frhr. v. Hammerstein will seine Stellungnahme zu dieser Frage darlegen bei der vom Vorredner in'Aussicht gestellten Interpellation. Abg. Gothein(frs. Vg.): Weder daS Margarinegesetz noch das Börscngesctz haben der Landwirlhschaft genützt, und was die Spiriiussicucr so lästig macht, das ist die Liebesgabe.(Lachen.) Trotz aller Absperrungen herrsche» bei uns die Seuchen, und hervorragende Autoritäten meinen, daß wir mit der Sperre die Seuche nicht los werden, da wir bei uns Seuchen- Herde genug haben. Bei der Forderung der Fleischnnlersuchung übersehen die Herren redsis, daß die amerikanische Trichine nicht gesundheitsschädlich ist.(Große Heiterkeit!) lieber die Nützlichkeit der Grenzsperre gegen Holland gehen die Meinungen auseinander; Herr Ring ist ja in seinem eigenen landwirthschaftlichen Verein in dieser Frage überstimmt und konservative Männer erkennen an, daß die Gründe für diese Forderung sehr offenherzig dargelegt sind; es handelt sich darum, für die Verkäufer gute Preise zu erhalte». Daß die Ueberschweinninngen ans die Ernle erheblich eingewirkt habe», trifft nicht überall zu(Zwischenrufe: Vollständige Unkennlniß der Ver- Hältnisse!). Ter Rückgang der Bevölkerung ist in den Gegenden des Großgriindbesttzes stärker als unter kleinem ländlichen Grundbesitz. Gegen den Rückgang der Domäuen-Pachlen würde eine allmäligc Parzellirung derselben das beste Hilfsmittel sein. Die Rente ans anderen Werlhanlagen ist noch viel erheblicher zurückgegangen. Mit der Verth en er nng der Lebensbedürfnisse wird man die Arbeiter, die doch auch zu den Produzenten gehören, nicht gewinnen, sondern sie der Sozialdemokratie zutreiben und damit die Gegensätze verschärfcn. Der Widerstand der Konsinnenten wird gegen solche Vertheuernngspolitik eines Tages vollen Ausdruck finden. Der Vaucrnstnnd Ist gegangen in der Zeit der hohen Gelreidepreise;..................- wcrth, wenn der Minister hierüber statistische Erhebungen veraulaßte. Sollte es Ihnen wirklich gelingen, die Polilik der Sammlung aller Lebensmittel- Berlheurer bei den nächsten Wahlen zum Siege zu bringen, so wird das dem Balerlande nicht zum Segen gereichen. (Lachen rechts.) Abg. Ganip(frk.): Ter Wunsch des Abg. Gothein, über die Wirkung des BLrseiigesetzcs eine regierungsseitige Enquete zu ver- anstallen, ist ganz berechtigt, n»r wird die Regierung den Herrn Gothein nicht als Sachverständigen anerkeiinen dürfen.(Heiterkeit.) Ist es den» ein Unrecht, wenn die Brenner für den Rückgang des Branutweinkoiisunis«nlschädigt werde»? Dieser Rückgang ist doch die beste Wirkung des Branntweinsteuer- Gesetzes. Die Absperrungen scheint Herr Gothein nur für das Inland gerechtfertigt zu halten. Wenn er die amerikanischeil Trichinen für ungesährlich hält, nun. dann essen Sie doch mal Mohr'sche Wurst s(Große Heiterkeit.) Mit dem lniidwlrthschaftlichen Großgrundbesitz hat es auch noch eine andere Bewandtnlß, als Herr Golhein meint. Meist handelt es sich «in Forsten, will Herr Golhein die entbehre»? Güter von KäOY Morgen, die von einer Sxlle ans bewirtdschastet werden, giebt eS nicht; ich setze eine Belohnung von SOV M. ans für den Nachweis eines solchen Gutes(Abg. v. Emialien ruft: 6000 M.) Herr v. Eynaltcn legt noch 4600 M. zu!(Heilerkeit.) Bcl Ihren Agitationen tu,„Nordost" gestchen Sie ja auch die Nothiage der Landwirlhschaft ein, nur hier soll das nicht gelten. Mit Schutzzöllen treibt man keine TheilerungSpoltlik, denn diese kommen auch den Arbeitern zu gute. Die Lebensmittelpreise sind nicht gestiegen, außer für KartoffenZ infolge der Mißcrnle und für Schweinefleisch..... Abg. Gras Limbnpg Stlrum(k.): Wir sind mit vielen Wir- klingen des Börsengeschrs einverstanden, wir anerkennen namentlich die Besciliguilg deS Börsenspiels und de» Forlsall deS schädlichen Einflusses desselben aiis die Prelsnotirungen. Wir anerkennen auch die Thäligkett der Regierung in Preußen: aber wir glauben, daß es im Reich noch an der Vertretung der landwirthschaftlichen Juleresse» fehlt. Die landwirthschaftlichen Jnlereffen dürfen gegen die Interessen der auswärtigen Politik nicht zurückstehe». Landwirthschaftsininister Freiderr v. Hammerstei«: Ich glanve Mich ermächtigt, im Namen der Regierung folgende Erklärung ab- geben z» können- Die EiaatSregiening ist gewillt, bei der Entschei- scinen verhängniß- am mcistcn zurück- es wäre dankens düng der Frage, ob und wie dem Ausland gegenüber unsere Handels- und wirthschastlichen Beziehungen zu ordnen fein niögen, die Frage in sorgsame und ernste Erwägung z» nehmen, wie die Interessen der Landwirthschaft(Hört! hört! rechts.) bei den künstigen Handels- vertragen besser gewahrt werden können und müsse», als es bisher der Fall war.(Lebhafter Beifall rechts.)! ' Nach einige» Beiiierknnge» deS Abg.' C a h n n S l y(Z.) vertagt daS Haus die Meiterberaibmig ans morgen 11 Uhr. Schluß 4>/« Uhr. DUr dir FvAnen«nd Miidchen Vevlins. Genossinnen! Die reaktionäre Regierung schickt sich an. Euere schon ohnehin schlechte Lage noch weiter zu verschlechlern. Tie deutsche Marine soll bedeutend vergrößert iverden, die Kolonial- Politik soll in die Bahne» abentenerlicher Welimachtsgelüne ein- lenke». Zu wessen Nutzen, Genossinnen? In erster Linie zu Nutz und Fron»»«» des kapitalistischen Profits und selbstherrlicher Neigungen. Auf Euere Kosten Genossi»»«» und ans die Euerer arme» Angehörige». In derselben Zeit will man Euere Lasten ver- größer», in der man im Begriff steht. Euere dürftigsten Rechte zu schmälern, und in der man sich weigert, Euch und den Enrigen erlisten Schlitz gegen die kapitalistische AiiSbentrnig zu Iheil werde» zu lassen. Die Mehrsordernnge» sür Marinerwccke und Kolonial- abentener falle» zusammen mit de» Posadowekl)- Plänen gegen die Koalitionsfreiheit der deutschen Arbeiterklasse»nd mit dem eiiigestandenei, Slillsiniid aus dem Gebiete der Sozialrefor»,. Genossinne», gedenkt angesichts der Absichten der Regierung Eurer iliechtlosigkeit. Erinnert Euch daran, daß man Euch die Stenerpflicht auferlegt, daß man Euch aber die volle» Bürgerrechte vorenthält. Gedenkt, wie groß Eure Armulh ist, wie schwer Euch bittere Sorgen belasten, wie hart die Enlbehrunge» sind, nnier denen die Eure» leiden, und die Ihr nicht einmal Eure Kinder verschonen könnt. Erhebt deshalb Eure Slinnne zum schärssien Prolest gegen die volksfeindliche Polilik der kostspielige» Marineschwärmerei nnd Kolonialabentener. Setzt dem Streben der Reaktion»ach mehr Schiffen, inebr Steuer», mehr Knebclgesetze» Eure Fordernnge» entgegen: Ntehr Rechte, größeren Schutz gegen die Ausbeulung und weniger Lasten. Eure Pflicht nnd Euer Interesse ist es, zahlreich in der Bolksversamnilnng zu erscheinen, die Dienstag, den 1. Februar, abends 8 Nhr, im Lokale der Bi nnerei Friedrichshain siallf» det. Tagesordnung: Flotienvorlage, Kolonialpolilik nnd die J»Ier- essen der Frauen des Volkes. Referenti»: Genossin KlaraZelkin- Etnitgart. Ans, Genossinnen, zum Prolest! Beweise jede von Euch, daß sie zielbewußt gegen die Reoklion und für die Befreiung der?!r- beiterkiasse im Kampfe steht. Die Vertrau ensperson. MomnntttAlVs. Tie städtische Verkehrsdcpiitatio» hat jetzt dem Kon- sortiiimder südlichen Vorortbahn einen E n t w u r s des Straße»bah» ver träges in derjenigen Fassung. i» welcher derselde nach Eillärung des Einverständnisses deS Kon- sortumis den Gemeindebehörden zur Amiahm« vorgeschlagen werden soll, überuiiiielt. Nach diesem Verlrage verpflichlel sich das Ko»so>tiui» zur Herstellung und zui» Betriebe folgender elektiiicher Slraßenbah»- linien: 1. Berlin(Eichhornstraße)— Schöucberg(Gebäude des Bezirks- koiiniiandos), 2. Berlin(HalleschesTH- Schöneberg(wie 1), 3. Berlin- Schöneberg— Teinpelhos— Britz— R>xdors— Berlin; 4. Berlin(Eich- dornstrnße)— Schöneberg— Tempelhof— Südende— Lankwitz- Lichter- selbe; 6. Berlin(Halleschcs Thor)— Rixdors— Treptoiv. Ais von aligeineinei» Jnieresse erwähne» wir noch, daß das Konsortmm für jede u»»»>erbroch«»e Fahrt innerhalb des jeweiligen städtischen Weich- Hildes nnd darüber hinaus bis zum Eudpuutte der zu 1, 2 und 5 gedachter Linie», sowie bei den Liuieu zu 3 und 4 bis zu jedem Punkle des zweiten Vororts(von Tempelhos und Britz)»nr ein Fahr- g e l d v o n 10 P f e n» i g e n erhebe» darf. Ferner ist das Konsorliui» verpflichtet, eine P e n s i o n s k n s s« nnler Zugrundeieginig der in de» Slaals-»ud Reichsbelriebe» gellende» Bestimmungen sür seine Angestellte»(Kutscher, Schaffner, Handwerker, Stall- und Hof- lente sowie der Bniean-Angeslellleii n. s. w.) biiine» sechs Monaten von der Vollziehung des Vertrages ab nach Maßgabe des mit dem Magistrat noch zu vereinbarenden Slainls einznrichle». Dem Kon- sorliui» soll es jedoch freistehe», einer anderen vom Magistrat zu genehmigende» Pensionslasse gleicher Art beizutreten. Ter von der Stadtverordneten-Versammluiig eingesetzte 'ZlnSschiist zur ciutzeitlichen Regelung deS S»k»»issioilswese»S hielt, wie schon kurz berichlet, am Atillivoch Abend feine erste Sitzung ab; eine zweiic soll folgen, i» welcher von den Magistrats- Vertretern, Siaotralh N a m s l a u und Stadtbaurath Krause, die zur Zeit bestehende» Noru>aiivbest>u»uu»gen, das Eabiuissiouswesen betreffend, sür alle städtischen Verwallungen vorgelegt werde» solle». Im Prinzip erklärt« sich der Ausschuß»>il dem Eirlivnrs des Magisirals eiuverstande», ivodnrch sür alle ans dem Wege der Snbmissio» sowohl wie freihändig zn vergebenden slädlischen Ar- bcilen generelle Borschrifien geschaffen werden. Der Entwurf lanlct: I. Leistungen und Lieferuiigen sind in der Regel öffenilich ans- zuschreibeu. II. Mit Ausschluß der Ocffenllichkeit zu engerer Bewerbung können ausgeschrieben werde»: er) Leistungen nnd Lieferung«», welche nur ein beschränkter Kreis von Unternehmern in geeigncler Weise ausführt; d) Leisillugcn und Liefernuge», bezüglich deren in einer ab- gedalieneu öffenilrche» Ausschreibung ein geeignetes Er- gebniß nicht erzielt worden ist. III. Unter Zlnsschlup jeder Slusschreibung kann die Vergebung er- soigen: a) bei Gegenständen, welche sich ihrer Natur nach für ein Ellbmisflonsverfahre» überhaupt nicht eignen, in-besondere bei solchen, deren Beschaffenheit und Güte sich nach be- stimmte» Merkmalen nicht bezeichnen und konlroliire» läßt, wie Butler. Wein zc.; � m. b) bei Einzelanschaffungen von geringerein Werth«; c) bei Dringlichkeit des Bedarfs; ck) bei Leistungen und Lieferungen, deren Ausführung besondere Kniistferligleit erfordert; e) bei Nachbestellung von Materialien zur Ergänzimg des für eine» bestimmte» Zweck ausgeschriebenen Gesamt» lbedarfS, sofern kein höherer Preis vereinbart wird, alS sür die Haupt- liesernng. Einigkeit herrschte im allgemeinen auch darüber, daß den ein- zclnen Verwalinngskörper» möglichst freie Hand gelassen iverden solle bei der Vergebiing von Arbeiten; es dürfe nicht zu sehr schablonisirt werden. Diese?li>schnun»g vertrat besonders warm Stadlv. H a in»i er st e t ii. Auch habe stch die Praxis sehr gnl bewährt, nicht immer den Submittente», die die niedrigste Offerte eingereicht, den Zuschlag z» erldeile». Sladtv. Goldschmidt wünscht überhaupt, daß anf die Arbeiter hierbei Rücksicht genomme» werde, da ja die niedrige» Offerte» nur möglich seien bei niedrigen Arbeitslöhne» und sonstigen schlechten Arbeitsbediiigungen. Es müsse darum in die Normativbestiminungen ein PassuS hinein, der besagt, daß b e t a l l e u z u v e r g e b e n d e n städtischen?l r b e i t e» nur solche Arbeitgeber zu berücksichtigen sind, die ihre A r o e i t e r zu den in der betr. Branche o r t s- üblichen Arbeitsbedingungen beschäftigen; ferner sollten solche Unternehmer von allen Submissionen jc. ausgeschlossen werde», die i» Gefängnissen arbetten lassen. Dem wurde widersprochen, da die Sladtverordnele» Versammlung derartige bereits von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte Anlräge wiederholt abgelehnt habe. Sladtverordneler Duponl gab seiner Verwmidenmg Ausdruck über eine derartige Anschauung. Seine Frnklio» werde sich nicht abhalten laffen, Anträge, die sie sür nolh- wendig erachte, jederzeit wieder einzubringen. Aber dies« mal sei es ja garnicht ein Sozialdemokrat, der Verbesserungen, die de» Arbeitern zu gute koliimen solle», vorgeschlagen habe, und sei darum die„Angst vor dem Sozialismus" doppelt verwunderlich. Es sei sehr angebracht, bei der Gelegenheit auch die Frage zu veuliliren: wie sich die städlische Vertrelnug zu den Ausbeulungs- gelüsten des eiuzelueii Unternehmers stelle? Es habe das mit Sozialismus oder Sozialdemolratie garuichts zu thun, es solle nur den Bereinbarungen(offiziellen oder stilisch, veigende»), die zwischen Unternehmern und koalirten Arbeitern getroffen worden sind, Anerkennliiig und Achtung flädtischerseits verschafft werden. Er werde deshalb mit seinen' Fraktionsgciiosscn Wernau für die Resolution Goldschmidt fiiiiinien. Die Abstiminmig (event. noch weitere Diskiffsio») über diese Resolution wurde bis zur nächsten Sitzung ansgefetzt, da auch in bezng auf das Alters- und Jnvaiidenveisichernngs'Gesetz Aendernngen au den bestehenden Normativbestimmuiigen vorzunehmen sind. Ter Magistrat hat den jährlichen Zuschuß der Siadtgemeinde für die H U Iii b o l d t- A k a d e m i e von 1000 M. auf 1500 M. erhöht. ingleichen sind die Beiträge für den Krippenverein auf 1000 M. und für den Berel» für häusliche Gesundheitspflege ans 4000 M. erhöht worden. Dem Arbeitsnachweis ist vom Magistrat außer dem bereits bewilligten Beitrag von 6000 M. noiti ei» einnialiger von 3000 M. gewährt worden. Zur Errichtung eines Völkerschlachten- Denkmals in Leipzig soll dein deutsche» Pntrioleiiblmd 3000 M. gezahlt werden.— Ter Kaiser hat folgende Brücken- nnd Straßenbeneuiinngen tzeiiehinigt: Der in, Zuge der Biktoriastraße neu ervaule» Brücke üver den Landwehrkaual den Namen„Viktoria- Brücke", der Straße 14a. der Avlheilnng II des Bcbanuiigsplanes der Uni- gebnngen Berlins de» Namen„Geibelstraße", der Straße IS der- selben Abtheilung„Züllichauerstraße", der Straße 23 derselbe» Ab- iheilnng den Namen„Goißeneistraße", der Straße 52 derselbe» Ab« Ii, eilung de» Namen„Schiviebnserstraße", der Straße 37 derselben Ablheilnng„Prinz August von Württemberg Straße", der Straß« 31 der Ablheiliuig VI des Bebauuugsplanes den Name«„Berlichingen- straße", der Straße 6Sa der Abiheilung des Bebaiungsplaiies den Namen„Goihenbnrgerstraße", der Straße 4Id der'Ibtheilung XIII� des Bebanniigsplans, der Straße 41 o dersellen Ablheilnng der SIraße 42a derselben Abtheilniig den Namen„Heidefeld- straße", der Slrnße 43a derselbe» Ablheilnng den Namen „Eibingerstraße", der Straße 44b derselben Adtheilnig den Namen „Mallcrnslrnße", der Straße 40a derselben Abiheilmg de» Namen .Richthofenstraße", der Straße 47b derselben AbtheiUng de» Namen „Löwestraße", der Straße 35 der Abtheilung XV tcs Bebauungsplanes den Nninen„An der Barlboloniäuskirche", der Veriängernng der Schivarhkopffstraß« vo» der Pflugstraße bis zun Gebäude der Slelliner Eisenbahn de» Namen„Schwnrtzkopffstraße' und der Ber- iäugerung der Schwartzkopffslrnße unter de» Geld', der Stettiuer Eisenbahn auf die Garlenstraße führende» Fiißgüi' r- Tunnel dm Namen„Slelliner Tunnel". TaS Gehalt deS Lrhrpersonals an der 3 ilfenanstalt in Rtiiiimelsbnig hat das MngistraleroNegiuni dahin tgestel», daß die Lehrer und Erzieher daS Grundgehalt nnd die �nsznlage» der Geineindelehrer vo» gleichem Dienstalter erhalten mlc», außerdem aber noch 3o0 M. Fnnktionsznlage, Emolnmente, p,"zh»ung n. s.>v. wie früher; es iverden aber nicht wie früher da' r vom baaren Einkommen die 300 M abgezogen. Die Hilfsl hrer behalten dasselbe Gehalt, S00 M. und die EmoimnenU' Die bei dem Wnisendepol beschäfligten beiden Lehrerin'..>, erhalten das Grundgehalt und die Alterszulagen wie die Gc'»iindelehreri»»eii von gleichem Dienstaller und die Emolnmente wü früher. Das Gebalt des Direktors der T au d st n m m e n fch ,, l e ist bis ans weiteres anf 4000 M., das des Direktors d«p Blinden- schule um 200 M. höher, anf 5000 M. festgesetzt. Ll» stelle deS TirektorS Dr. Michaelis, welcher nach der 1. Realschule versetzt worden, ist der bisher n», Andreas- gizmiiasiinn amlirende Profeffor Dr. Müllenhos zum Direktor der 7. Realschule vom Magistrat gewählt worden. Ter BezirkSanöschust in der HilfSarbeitcrfragc. Eine wohl recht anfechtbare Enlscheidling hat der Bezirksalisschhß von Berlin in Sache» der Biirean-Hilssarbeiler des hiesigen Magisirals gefällt. Der Vorsitzende der Vereinigung vo» Hilssarbeiter»,, welche sich Ortsvercin der Geineindebeainien zu Berlin nennt, der Bilroau- HilsSarbeiler Korbach halte die Eladlgeineinde Berij» beim Be- z»ks- Ansschliß anf Gewährung der Sleuerprivilc�ien verklagt/ indem er als Gcinei»d«bea»>ler angesehen und als solcher nur mit der Halste seines Einkoinniens zur Steuer heran- gezogen sei» wollte. Er ist mit seinem Sl» trage ab- gewiesen worden. Herr Koibach ist im Herbst 1801 als Burcau-Hilssarbeiter zur vorübergebendeii, nnShilsswe.sen und jeder Zeil lösbaren Beschäsligllng ohne Recht ans d«reinsl>ge Anstellung angenomnien und bis jetzt beschäsligt worden. Bezugnehmend ans de» Fall Malitz glaubte er durch seine niunterbrocheiii Beschästi- gmig die Eigenschasl eines Geineindebeanie» erworben z» habe». Dagegen bat der Bezirlsansschuß ausgt führt, daß sich eine An- steNilug als Gemeindebcainler niemals« h» e oder gar wider de» Willen der Behörde vollziehen könne. Sei ein Dienstver- hältniß bei seinem Beginne, wie das hier unstreitig der Fall, ausdrücklich nur als ein vorübergehendes, jeden'Augenblick von beide» Theilem lösbares, eingegangen, s o sei ver bloße Zeitablans für sich allein nicht danach allgethan, die Natur d i e s e s B e r h ä l l» i s s e s zu ändern. Bei einer Verwaltung vo» dem Umfange der Genieindeverivallnng Berlin lönne auch dauernd ein Bedürfniß obwalten und sich in verschiedenen Zweige» geltend mache», vorübergehende Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und dafür Kräfte in Bereitschaft zn halte». Hoffentlich de- ruhigt der Kläger sich nicht bei dieser Entscheidung. UoftttloSs Gesellige Vereine haben wiederholt die„Lokalsiste" der?lr� beiier einfach ignorirt. Zlberinals sind wir gezwungen� darauf hin- zviveisen, daß in nächster Zeit die!1ta»ck>klni's„Cohimbui" nnd „ZLeddiug", der eistere im Etablissement„Eiskeller", Chanffeestr. 88, der letztere im Lokale von S a ch o», Müllerstr. 136, ihre Maskenbälle abhalten werden. Beide Lokale werden zu Arbeiter- Versammlung« i, nicht hergegeben. Im Anschluß Hiera» fei aiiSdnicktich daraus hingewiesen, daß alle Beschwerden, Anfragen:e., die Lokallisie belreffend, a» O s c a r M a h l e, Berlin 8., P r i» j l n» st r a ß e 8, zu richten sind. Slchinng, Parteigenossinnen nnd Genossen des 4. Wahl- kreises, Osten. Am Eounlag, de» 80. Januar, abendS S'/s Uhr, findet eine öffentliche Verlammlniig im Lokale des Herr» Keller, Koppenstraße 2g, statt. Rcserenti» ist Genossin Anna Mesch. Nach dem Vortrage: Gemüihliches Beisoinmensetn. Sieh« Nniionce in der Sounlags»», inner. Die VertranenSperson. Ist über die Georgenkirchstraffe der Velageri„,aSz„sta„d verhängt? Ein Leser theill uns folgendes mir: Am Domierstag Abend gegen 6 Nbr sührte mich niei» Weg zufällig durch die Georgen- kirchstraße. SS fiel mir ans. daß am Eingänge eines Echanllokals zwei Schutzleuie standen, welche den ein- und ausgehenden Gästen ihre geipaniileste Slnfmerksamkeit zuwandlen. Ein driiter Sctink» »ia»» stand vor der Thür des Nebenhanses. In der'.N-innng. daß die Hüler des Gesetzes vielleicht eben im Begriff stiinde», trgeno einen zur Zeit»och nicht alifgefmideiie» Verbiecher abzufassen, stellte ich mich in die Tdürnische eines gege»nberlteg?»den Hausez auf, um das seltene Glück zu genießen, Slugenzeuge einer wirklich nützlichen Polizeltbat z» sein.?iber der ruhige Bürger denkt nnd die schneidige Polizei lenkt. Kaum halte ich»>dne» Standort eingenommen, da kam einer der Beamten aus mich z und forderte mich kategorisch auf, weilerzugehen.„Warum?' fra�ie ich.„Das Stehen ist hier verboten!" lautete die Slntwort.„Her, innerhalb der Thüruische? Aber weshalb denn?"„Wegen des S t r e i l S antwortete der Echntzmnnn. Streik? Ja richtig, jetzt fiel mir ein, gelesen z» habe», daß die Arbeiter der Schuhfabrik von T e s ch n er u. L ü d e r i tz seil einiger Zeit a n s g e s p e r r t sind, n»d ich wurde geivabr, daß ich mich dem Fabrikgrnndstiick gegen- Über befand. Also nicht nm einen Verbrecher abzufangen, sondern wegen des Streiks waren die Schutzleute hier postirt. Da der Beamte mit Sistirnng drohte, falls ich mich nicht soforl enlserne, und meinen Einwand, daß ich mit dem Streik nichts zu thnn bnbe, nicht beachtete, so verließ ich, nm Weiiernngen zu vermeiden, nieinen Platz. Ich hätte nun, da in letzter Zeit von gewisser Seite so viel vom Terrorismus der Streikenden die lltcde war, gern eiinnal mit eigene» Augen ge- sehen, welch schwarze Anschläge die streikenden Schuhmacher im Schilde führe», die zu verhüten die Schutzleule hierher beordert waren, und ging deshalb ans der dem Fadrikgrundstnck gegenüber liegenden Straßenseite auf und ab. Jedoch konnte ich trotz ans- merksamer Beobachtung nach dieser Richtung hin nicht das geringste wahrnehmen. Dagegen bcmerlte ich, daß laut lärmende Kinder- grnppen, da gerade Kaifersgebnrtstag war, mit An- zünden von F e u e r w e r k s k ö r p e r n, die sie in die Höhe.wa»en, ein nicht ungeiährliches Spiel trieben. Die iibermüthtgen Knaben aus das geiährliche ihres Treibens anfmerksam zu machen, schien jedoch nicht Sache der Polizeibeamten zu sein; dag-gen müsse» sie wohl meine Anwesenheit in der Georgen- kirchstraße als«ine ernste Gefahr jnr die öffentliche Sicherheit an- gesehen haben, denn nachdem ich einige Mal zwischen den beiden nächsten Eiraßenkrenzungen bin und her gegangen war, kamen zwei Beamte aus mich los, bedeuteten mir, daß das Patrouilliren hier verboten sei und daß sie mich unweigerlich mitnehmen würden, wen» ich mich jetzt nochmal sehe» ließe. Nun, � ich hatte an jene». Abend noch etwas besseres zn thnn, als mir das Innere einer Polizeiwache oder einer Sistirungszelle oder vielleicht gar des grüne» Wagens anzusehen, und so zog ich es vor, das Feld, aus de,» gegenwärtig der Schutzmann nnnmschränkl herrscht, zu räumen, auf dem Heimwege über die Bewegungs„f>eiHeil", die dem unbescholtenen Berliner Bürger innerhalb der Mauern seines Wohn- ortes zusteht, nachdenkend.— Angenschdnlich folge» die Beamlen bei ihrem Vorgehen gegen Passanten der Georgenkiichstraße höherer Weisung. Eine solche ist aber in keiner Weise gerechlsertigt. Will die Polizei vor der von» Streik betroffenen Fabrik Polle» ausstellen, die etwaige Aus- fchreiluugt» verhindern sollen, so mag sie es thnn. Wer giebt ihr aber das Recht, ruhig des Weges gehende Leute, die niemaiide» hindern, zu vertreibe»? Auch streikende Ar- b ei t er haben, falls sie den Bakchr nicht hindern und andere nicht belästigen, so gut wie jeder andere das Recht, spaziere» zu gehen, wo sie wollen. Wie uns»litgeiheill wird, giebt es unter den ausständige» Arbeiter» der Lnderitz'schen Fabrik kaum einen, der iiichl schon aus ähnlichem Anlaß, wie der Einsender obiger Znfchrist, s i st i r t worden wäre. Wenn elwas zu b e- wunder» ist, dann ist es die Ruhe u n d Besonnenheit der Arbeiter, die trotz alledem sich nicht zu Aus- schreilungen hinreißen lassen. WaS ein,'« anstäudigcn Mädchc» i» ivrilin passimi kann. Dieses neuerdings vll erörterte Thema ist i» den letzten Tagen um eine» traurigen Beitrag bereichert worden. Ein in einem Weingcschäst im Zenlrnm der Stadt als Geschäftssührerin angestelltes Fiänlein S. ist in ihrem Berus ständig bis zur späten Abeudfiniide beschäftigt. AIS sie am Freitag voriger Woche nachts l2 Uhr ihrem Prinzipal die Kasse übergebe» »nd dann den HetlNipeg nach ihrer in der Fischerslraße belegenen Wohnung nngelrelen halte, verspürte sie heftigen Hunger. Die Dame ist magenleidend und daher zu besonderer Diät ve> pflichtet. Sie ging in die am Köllnischen Fischmarkt belegene Zentrale der Gebriider A s ch i n g e r und verzehrte dort ein paar Brödeben, sowie zwei Gläschen Bier. Neben dem Tische, a» welchem sie Platz genounue» halte, saßen fiins offenbar etwas nngelrnnkene Herren, die zuerst mit der Dame ersolglos ein Gespräch anznknüpsen snclle» und daraushin allerhand Redensarten zweideutiger Natur sührten. Zu diesen Leute» gesellle sich zeitweilig der Gescl äslssührer des Lokals; der Umstand, daß die Dan, e in nnmitlelbarer Nähe der Angetrunkenen ihren Platz hatte, inochle in dein Angestellte» den Glanbei, erweckt haben, daß sie zu der Gesellschajt gehöre. Als der Geschäfis- führer aber bald gewahr wurde, daß die Dame in keinerlei Beziehung zu den Gästen stand, schlich er sich von Hinte» an sie heran und zog ihr plötzlich den Stuhl, aus welchem sie saß, fort, sodaß sie zur Erde niederfallen mußte. Bevor Fräulein S. sich von ihrer Bestürzung erholt halte, war sie dann vom Geschäfts- snhrer beim Arm gepackt und zur Thür hinansgeivorfen worden. Der empörende Vorgang erregte unter dem anwesenden Publikum inlürlich lebhaftes Aufsehe»; einige Gäste standen auf und stellten sich der auf der Straße vor Schmerz lind Scham• laut weinenden Dame als Zeugen zur Verfngnng. Einer dieser Herren unternahm es, einen Schutzmann anfzusnche», den er vor dem Gebäude der städlischen Sparkasse auf- fand. Nach einigen Einwendungen erklärte der Beamte sich auch bereit, das Lokal zu betrelen, und die Zeugen des Borganges kehrten mit der Dame in die Restanralion zurück. Dieser Feststellnngsversuch verlief nun rechl mirkivürdig. Der Anfforberung, seinen Namen zu nennen, begegnete der Geschäfic fnhrer mit den Worten: Mein Name ist Meier nnd das übrige geht Sie garnichtS an." Dann erkühnte er sich, an den Cchutzinaun das Ersuchen zu richte», nunmehr ebenfalls den Namen der von ihm»nßhnndelie» Dame festzustellen. Diese mnßie auch wirklich dem Beamlen aus die Wache folgen, Ivo sie nach Ans- »ahme ihrer Personalien allerdings sofort ivieder entlassen wurde. Es sei bemerkt, daß der Geschäflsfnhrer seine brutale Handlungsweise mit einer Geschäslsinstrnklion zn begründen suchte, wonach weiblichen Personen, ivelche ohne Herrendegleiinng da- Lokal delrelen, nichts mehr verabfolgt werde» darf. Die miß- handelte Dame halte mehrere Tage an den Folge» der rohe» Thal zn leiden: noch heute zeigt der rechte Arm. an welchem sie von dem Geschäflssuhrer gepackt worden ist, blangrane Flecke. Die Angelegen- heit dürfte noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Der Vorstand der lverliner Palkctfahrt-Akticn-Gcsellschaft hat an ihr« Kunden ein Rundschreiben ergehen lasse», daß sie die Gcpflogenheil, ivonach sie aus Berlangen die an sie eingehenden ge- schlösse»»» Briese nach Vororten offen bcstellt oder an eine Berliner Adresse abliefert, nicht mehr üben wird. Die Gesellschnfl wird vom I. Februar ab alle ihr nbeumtulle» geschlossenen Briefe nach den Voiorlen an die Absender zurückgehen lasse», also nicht mehr de- fördern. Diese Maßregel ivud nameullich durch den stark an- gewachsenen Biiefverkehr bei der Packetsahri-Gefellschast erklärt. Aber es war auch durch diese durch das Pvstregal bedingt« Be- bandluug geschlossener Briefe nach den Vororte» bei der verzwicklen Einlheilung der Postreviere vorgekommen, daß von zwei durch den- selben Absender an verschieden« Adressaten aufgegebenen Briefen der eine, weil geschlosse». al« unbestellbar zurückging, während der ander« prompt belördert wurde. Thnlsächlich sind der Gesellschaft hierüber viele Beschwerden zugegangen. Der Fcrusprcchverkrhr mit Gablonz, Reiche«, berft und Karlsbad wirb am 1. Februar ei öffnet. Die Gebühr jiir ein gen Snnliches Gespräch b,s z»r Daner von drei Minnte» beträgt im Sprechverkehr mit Gablvnz und Relchenberg je 2 M. und mit Karlsbad g M. SittcupolizrillcheS. Aiif eine Eingabe de? Verein?.Jugend- schntz" hat der Pvlizeip.äsident geantworiet, daß er keine„Polizei- matroiieu" und«erzti»»«,, anstellen werde. Der Polizeipiästvenl hat aber, wie er in der Antwort weiter mitlheilt, ans de», Falle Koppen heraus Beranlassiing genommen,„säinmiliche Reviere stiengstens anziiineisen, daß sie alle iveibliche»,»icdt unter sitlen- polizeilicher Konliolle siehenden Personen, welche ans die Deiinnzialion einer Privalperso» wegen angeblicher Geiverdsunzucht zur Wache filiirt werden müsse», unter alle» Umstände»»ach Aufnabme einer Verhandliing soforl ivieder entlassea und dieselbe» niemals zni» Polizei-Diensigebäude eniliesern." Wenn aber ein Polizist «in Mädchen zu unrecht verbaflet? Ist der Polizeipräsident so sicher, daß Vorkommnisse, wie sie in der Kölner Gerichlsvervandlnn� gegen den Schutzmann Kieser zur Spracht kommen, in Berlin un- möglich sind? Ei» iiencS ZibkuS> kliiternehinen wird, wie eine Lokal- korrespondenz erfährt, für Berlin geplant. Der Zirkusdireklor Casper, der Leiter des Arena-Zirkns in Kopenhagen nnd des Zirkus Casper in Stockholm, beabsichtigt, im Verein mit Berliner Sportsleuten und Geldmännern einen Zirkus großen Stils in der ReichShanplstadl zn errichten. Das Gedränge bei der gefchäftSpatriotisilie» Festbeleuchtung hat am Donnerstag Abend mehrere Unfälle im Gefolge gehabt. In der Museumstraße wurde die 17 Jahre alte Maurers- lochter Gertrud Busse besinuungelos ansgefunden. Sie war vo» einer Droschke überfahre» worden und halte mehrere Rippenbrüche und einen Unterschenkelbruch erlitten. Die Schwerverletzte wurde von einem Schutzmann in ein Krankenhaus gebracht. In der Behrenstraße gerielh eine 26 Jahre alle Frau Lüdtke unler eine Droschke; sie wurde mit einer Beiuverletznng»ach der Unfall- statio» I in der Wilhelmstraße gebracht. Hier erhielt auch der 29 Jahre alle Kaufmann Arnold Haas« ans der Kronenstr. 72, der von der elektrischen Straßenbahn angefahren worden war, die erste Hilfe; er mußte aber dann, da er bedeutende Quelschungen am Uiuerleibe erlitten halte, einem Krankeuhause übergeben worden. Der Fabrikant Dr. Leo Knopf hatte noch mehr Ursache, als man bisher schon wußte, Berlin de» Rücken zu«venden. Wegen eines Aerbrechens war er bereits am II. d. M. abgeurtheilt worden. Bei einem jungen Mädchen, das ihm zni» Opfer gefallen war. hatte er die Folgen zu beseitige» gewußt, und sich dafür nach§ 218 des Strasgesetzbnches zu veranlworlen. Die bei verschlossenen Thüren geführte Verhandlung endete mit der Venirlheilung des Angeklagten zu einem Jahre Zuchthaus. Der Stanls- auwalt beantragte auch die sofortige Verhaflnng des Ben nrtheillen, das Gericht beließ ihn aber gegen eine hohe Kanlion auf freiem Fuße. Schon am solgenden Tage verschivand Dr. Knops aus Berlin und bereits in de» nächsten Tage» sandte er von außerhalb seinein Vater eine schrisiliche Vollmacht, über das Geschäft, das dem Sohne eigenthiinllich gehörte, nach Gntdünke» zu verfügen. Der Flüchtige ist in Amerika geboren und auch amerikanischer Slantsbürger. E>st seit einigen Jahren war er in Deutschland ansässig. Ob der„Doktor" amerikanischen oder deutschen Ursprungs ist. entzieht sich unserer Kenntniß. Arbriterrisiko. Bei dem Abbruch eines KellergewölbcS i» der Köpnickerstr. 162 verunglückte der Arbeiter Franz G ü s e aus der Fliederstr. 11 badnich, daß ihm ein Stück Mauerwerk das linke Schienbein durchschlug. Ter Berunglückie wurde nach der Unfall« stalio» 3 gebracht. Dnrch einen Schuß wurde» vorgestern Nachmiitag gegen2Ubr die Bewohner des HauseS Prinz Engensir. 13 erschieckl; als sie. der Detonation nachgehend, an, de» Treppenflnr des vierlen Stocks an- langten, fanden sie daselbst eine» Man» in seinem Blute ans dem Fußboden liegen. Die sofort benachrichtigte Polizei entsandte zivei Beamle, welche den dnrch eine» Schuß in die rechte Schläfe schwer verletzlen Lebensmüden, bei dem man einen Revolver großen Kalibers nnd mehrere Palronen fand, mit einer Droschke i» ein Krankenhaus brachle». woselbst er ihn ö'/e Ukr starb. Der Selbstmörder war der 37 Jahre alle Tischler Max König, der früher in der Wiesenstraße wohnte. Er war seit 12 Jahren mit seiner jetzt 33 Jahre alle» Fra» verhehathet nnd hatte zwei Söhne im Silier von II nnd 9 Jahren. Früher ei» sehr geschickter Arbeiter, war er seit einigen Jalnen geistesgestört nnd schon wiederholt in Anstalten. Am 2. d. M., während seine Frau bei Bekannten i» der Liebenwalderstraße und die beiden 5k>iaben bei einer Tanle in der Prinz Engenstr. 18 waren, schaffte iiönig die ganze Wohnnngs- einrichinug, die 700 M. gekostet halte, weg»nd vcrknnste sie für ISO M. an einen Händler. Eine» große» Theil des Geldes brachle er durch, thetls in Berlin, theils in Hamburg. Bo» dort kehrte er vor einige» Tagen hierher zurück und fand Arbeit in der Kraul- straße. Die Frau war»nterdeffen mit den beiden Kinder» nach der Liebenwalberstrabe 26 gezogen. Bekannic» gegenüber bedauerte König wiederholt de» Berkani seiner Sache» und das Zerwürsniß mit seiner Familie. Eine Wohnung halle er noch nicht wieder ge- inielhet. Gestern Nachniiliag begab er sich vor die Wohnung seiner Schwägerin i» der Prinz Ellgenstraße 18, bei der er wohl seine Frau vermnibete. Er klingclie gar uichl erst, sondern jagte sich sofort eine Kugel in die Schläfe. Frau König ist gegen den Händler aus Herausgabe der WohnnngDeiniichtung klagbar geworden nnd hat sich zu dem Zweck die Geisteskrankheit ihres Mannes ärztlich bescheinige» lassen. Eine blutige Schlägerei gab es gester» Morgen um 3 Uhr in einer Schankivirthlchasl i» der Markgiasenstr. 19 und ans der Straße vor diesem Hause. Aus einer Gesellschaft vo» Znhällern trieb einer einem ander» Gaste den Ctzlinder ein. Darüber gerielheii die Zuhäller, etwa IS an der Zahl, an einander. Der Schläger erhicll für sein Benehmen, das die eine Partei nicht billigle, einen Fausthieb ins Gesicht nnd erwiderte diesen durch eine» Schlag mit einem Bierseidel. Niiii begann eine söimliche Schlacht mit allem, was nicht uiet- luid nagelfest ivar. Eine Parlei wurde auf die Slraße hinaus- gedrängt und snchle sich mit Stöcken den Eingang iviederzilcroder». Tie Gegenpartei aber wehrte de» Angriff mit Bierseideln, Weißbier- kruke», abgebrochenen Tischbeine» nnd was sonst»och zur Hand war, kräftig ab. Nicht dlos für die Belagerer, sondern auch für die Passanten war die Lag« gefährlich, da die Gläser:c. ans der Laden- tkür nur so heiausgeflogen kainen. Eine Frau ivmde von einem Slnbl getroffen und am Unterschenkel verletzt. Mehrere Paffanlen griffen in den Kamps mit ein, indem sie die beiausgcpflvgene» Sachen in den Laden jnrückschlenderleii. Nach einer Bierielslunde kamen von der Revierwache zwei Wachtineister und acht Schutz- manner. Die ganze Rolle kam nun ans der Schankwirlhschasl heraus lind ein halbes Dutzend Mämier fiele» nun noch einmal über den her, der den Zylinder aiigelrieben Halle. Ehe die Polizei» beamlen es verhindern tonnten, schlug man ans seine», Schädel»och drei Stöcke nnd vier Regeiischiune enlzwei. Dann machte die Polizei dem Kampf«in Ende und sühile siins Manu auf die Wache ab. Hand an sich gelegt hat die sechzig Jahre alte Wittwe Johanna König aus der Elloinslraße. Die Frau war dem Alkohol sehr zii» gelhan und auch vorgestern wieder schwer beirunle». Darüber machte ihr ein 24 Jo.dre aller Sohn, als er abends ausging, biilere Bor- würfe. Bei seiner Heimkehr fand der junge Mann sein« Müller todl ans dem Fußboden der Küche liegen. Die Ziickerschnur, mit der sie sich erhängl hatte, war gerissen. Fcnrrbcricht. Donnerstag Abend 8 Uhr brannten Zossener- straße SS Bellen, Möbel und Gardinen. Kurz darauf wurde die Wehr nach T e in p e l h e r r n st r a ß e 16 gerufen, ivo eine Partie Seegras und Säcke in Flammen ausging. Um 10 Uhr e»lstai>d W i e s e n st r a ß e 34 ei» Dachstuhlbrand, der infolge gewaltiger Ranchentwickelung die Löset, arbeile» sehr erschwerte Die Mann- schaslen mußte» mit Ranchhelmen und dein Feiierschntzanznge ans- gerüstet vordringe». Da da« Fener bereits große Ansdehnnng er- reicht halte, mußten drei Rohre über eine Stnnde Wasser gebe», bevor es gedämpft war. Der größte Tbetl der Dachkonstiliklio» iviirde zeistört. Freitag, nachmillags S'/e Uhr. erfolgte Alarm»ach N o st i z st r a ß e 31. Hier war ans noch nicht anfgeklärle Weise eine Slubentbür ans der Innenseite vollständig angekohli, während die Wohnungsinhaberin abwesend war. Blennbare Gegenstände wurden i» der Nähe der verbrannte» Thür nicht vorgesnnde», so daß die Enlstehiingsnrsach« räihselhaft erscheint. Aus dr»« Nachdavortpl». Achtung- Parteigrnosseu CharlottenbnrgS! Nach Beschluß des Wnblvueins jür Teliow-Beeskow-Slorkoin-Cliarlolienbnrg findet «ine Belheilignng an der Nachwahl im VI. Bezirk nicht stalt. FriedrichSbcrg. Die Pacteigenoffen werde» ersucht, sich an der nm Sonnlag, den 30. d. Mls., ftallfindenden Flugblatt- Verbreitung zadlreich zn belheiligen; vor allem ergeht diese Aufforderung an die Mitglieder des Arbeiter-Bildnngsvereins. Treffpunkt morgen? V/t Uhr im Lokal de? Herrn Emil Heinike« Friedrich Karlstr. 1 1. D e r V e r t r a u e n s m a n n. Achtung! Spandau! Wie bereits bekannt gegeben, findet heute, Sonnabend, abends 8 Uhr, in der Pichelsdorser Brauerei eine Volksversammlung statt, i» der Genosse Bebel das Referat hält. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Ei» Zweigverein der Berliner RrttungSgescllschast soll nunmehr auch in Rixdorf gegründet werde». Zn diesem Zweck findet am Sonntag Mitlag 12 Uhr im Deutschen Wirlhshanse. Bergstr. 137, eine öffentliche Versammlniig statt. Dhestkev« SchansPtelhanS. Laufs' S historische? Drama„Der B u r g g r a s" wird nun auch dem Berliner PiiblikilM bekannt. Das Schauspielhaus hat die Bekanntschaft, die wohl nur flüchtig sein wird, vermittelt. Für seine Dichlnng hat Herr Lauff bereits so viel Spott erfahren, daß es wohlfeil iväre, noch mehr davon ans ihn zu hänsen. Zni» Dichten kann maii eben nicht abkomniandirt werden; man verfällt dabei leicht ans die papierne Sprache, von der auch an dieser Stelle einige köstliche Proben gegeben wurden, als das Stück seinerzeit ge» legenUich der Hosfeste zn Wiesbaden aufgeführt ivurde. Das Schlimmste wurde für Berlin ausgemerzt. Genug blieb stehen. Uebe« das Gelegenheitsoinma, das den Zollerngiafen ans der Nürnberger Burg als den führenden Geist in der„schrecklichen kaiscrlosen Zeit" vor der Wahl Rudolfs vo» Hadsburg darstellen möchte, seien darum nicht viel Wocle verloren. Mit Wildenbruch's Art läßt sich derlei nur zn unrecht vergleichen. Wildenbrnch hat das echte Tbeaterblut. Er sieht Bühnenbilder. Er ailakirt, er ist ein theatralischer Draufgänger. In Herrn Lanff's Drama verspürt man keinerlei sinnliche Kraft. Die Verse rasseln und klappern; nirgends wird man gespannt; nur manchnial kann man über die oder jene geschichtliche Naivetäk lächeln; so, wen» die burZasrs von Nürnberg, die Bürger Nürnbergs, gleichsam als Hörige des Burg- grase» gezeichnet weiden, od.. wenn gegen die frechen Czechen und gegen den czechische» Barbaren mit der niederen Stirn, den Oilokar von Böhmen, deklamirl wird. Ach, ein Czechen- thnm im gegenwärtigen Sinn gab es damals nicht, der Name war noch nichi einmal erfunden. Als Czcchensürst hat sich Oltokar gewiß nicht gefühlt, so wenig der Burggraf selber ein deutscher Nalioiialheld sein konnte. Oilokar, der durchaus nicht schlitz- ängig, von enger Barbarenstirn war, sondern vielmehr die Anlagen zu einer bedenlende» Herren- Natur halte, war höfisch-rilterlich erzogen, wie andere seinesgleichen auch.— Das fort- reißende Palhos, das dem Stücke sehlt, suchte» die Schauspieler Matkvwsly und Molenar, Frl. Lindner nnd Frl. Poppe durch lauteste äußere Deklainalion z» erzminge». So viel Laim und doch keine Beivcgnng; es war unerqiiicklich.— —'.Theatcr-Vorstcllnngkn für VolkSschiilcr. Eine erfreuliche Knude kommt ans Hamb n r g. In dieser Stadl besteht seit einiger Zeit eine„ L e h r e r- V e r e i n i g n» g zur Pflege k ü n st- lerischer Bildung". Diese Vereinigung hat sich mit der Direklio» des H»mb»rger Stadtthcalers in Verbindung gesetzt»nd erreicht, daß thr a» de» Mittwoch- nnd Sonnabend- Nachmiltagen das Thealer für die Schüler der VolkSschnl-Ober- klaffen zur Vcrsügung gestellt wird. An diese» Tagen sollen gute Theaterstücke zur Anssührnng gelangen. Im ganze» handelt es sich um 8000 Kmder. Am letzten Miltmoch winde der erste Versuch gemacht. Man gab„Wilhelm Tcll", und 2000 Kinder waren im Thealer anwesend. Die besten Plätze waren den Waisenkindern zu» gelheilt worden. Ans„Wilhelm Tell" sollen„Minna von Barn- Helm" nnd die„Jnngsrau vo» Orleans" folgen. Jedes Stück wird viermal hinlereinander gegeben. Der EinlritlspreiS für jedes Kind beträgt vorläusig»och 2S Pfennige, doch hofft man, daß durch Eingreife» der Siadlverwnltung der Besuch der Bor- stelliingen de» Kindern völlig freigegeben werde.— — Philipp Langina»», der Verfasser des„Bariel Tnraser". hat vo» der Baneiuseto-Siistnng(Wien) eine Ehrengabe von 1000 Gulden erhalte».— Veosa i« m l ii ngett. Herr Franz Westphal sendet»ns ein Schreiben, in dem er angiebt, daß die im Versnminlnngsbericht der Hvlzbearbeitnngs- arbeiter in Nr. 304 des„Vorwärts" vom 30. Dezember v. I. e»t- hallenen Angaben der Wahrheit nicht entsprächen. Kri-rite»$i>»oeeb»»d Krrii»«»»>. tut Zi»,v»«e»d. Vorsitzender Nd. Neinnann, v,unne»Iiroße 160 Nile Aenderunge» Im Aereintzkalender sind zu richicn an striedrilb siorlnm, Monieusielsiintze 60, v. 2 Tr. S»»»»b«»d, abend.«—Ii Ubr: Nedung.bunde nnd Ziulnahine neuer Miiglieder.— Lnranta. Landsberger SUlee 166 bei ffioebei.— Sanges- Echo, Nannynstraße«, Resiaurani Scholz.— I IN>»- r g r ü», Tegel, Gpandauer- sirabe IS bei ll. Lienluer.— Heinecle.— F r i Ich aus 1, Fricdrichiiberg, Warienbergsir. 67 bei Lange.— Weih«»lose II, We bensee. Sirabburgerstr. 66 bei Torrer.— Eintracht 9, Teliow. Zehlendorser- sirabe 6 betDertz— Sängerin Ii, Luclenwaide,«eelttzerslraße 9« bei Schulze.— Eintgreil 2, Wevernrabe«2 bei Lange.— Nr belle r-iLesangoeretN Lucienivalde igemtichier Ehor), Luclenwaide, Busselirafte 70 bei Bücker. K» deite>'-Ni>»ch»ed»»d»»» der ziiagegend. Aenberungen im Bereinskalenber sind zu richlen an Herm ann Braun Ich w«ig, Dresdenerstr. 80, ? Hos. Koiinadend: Angler I, Zimmersnabe 6« de,»inpperl.— H a v a n a U., NowaweS-Neuendors, LindensNabe Zl dei TyoinaS.— Glücl Auf, Rüdersdors- NaNderge, H-Nitustr.>« bei Greve.- tiuba, Brandenburgsir. 6« bei Pönitz.— Bolldam ps, Werder a. H., Kugclweg 6» bei Marli».— Unverzagt, sionpcnstr.>7 bei Lehmann.— Pappel, Buchholzersir. 6 bei Tahrnle,— Frisch gewagl, Memeiernr. 6i bei Häusler. Arbeiier- s»r»erb»»d. Sonnabend! Turnverein Fichte, Berlin. abcnds von« bis>o Uhr: I. Mamrer.Nblheisuirg Frtedeniir.»7.— 8. Manner- Abihl. Boiclhs». 2>.— 2 LehriingS-Ablh. Slalitzernr. 66 66.—«. Lehrlings- Ablhl. Elephar siraße 8.- Freie Turnerschast Johanntsihal abeudz vo» 8—10 Uhr bei Herrn Sensllebe». siesang-, tzirre»-»nd u-rriiig- pereine. Sannabend. Theaierverein Bohemra, Beleranensirabe>8 bei Schulz.— Bnhnenverband SI o r m a n ia, jede» Irtzle» Sonnabend im Monal Gr. Franlsurler sirabe Ii« bei Höhne.— VergnügungSv-rei» Helgoland II., jeden Sonnabend nach dem l. im Monat Lübbenersir.« bei Lehmann.— Slalliub Fortuna, Hnuenstr. l bei Kratzai.— Rnuchilud Dornröschen, Fennstraße 8 bei Nr liger.— Tbealer verein Äi o r d ii e r n, Duirckertir.«o bei Sa ulz.— Prrval-Th alergeseNIchasl Alp«»- rose, Badstr. 36—66, Resiaurani Marienbad.— Bereinigung der Turn- sreu'nde, vo» 62 bis IV2 Uhr abends, Demminersir. 66- 67— Turnverein O kien, Turnhalle Blnmenslr ein, vo»«jc— I« Uhr adenl« Müuner-Ablheilung.— ZNHerklud Erika, Hesstlchc- und Hannoverschesirabc- Ecke im Restaucant Müller.— Theaierverein O l hello>, Manleusselstr.» bei Nowacl.— Starllud 1 Hurrah, Lübbenerstr. 26 bei Schneider.— Tyeaierverei» Thalia, Künriner- Platz» bei Paus«.—«e�elllnb«alte Neune, Holzmarlisir. 72 tKonlgstadt- tiastno). Sildungaverel»„Mehr Licht", Bibliolbelsinnde von 9 bis 19 Uhr abends, Mollensir.>2 bei Sartner. DaaskForemngFrdja, har Mideasien hver Lördag Kl.», Komman- danien-irassc 72(Neues Klubhaiia). Böhmisch-slawischer BNdungsveretn H o w l>> ch e k, Benihsir. ii, Restaurant „Zur neuen Post--, heut« Abend 9 Uhr MNaNedervirsammlung. peniicher so>>»Idr,»oiienti scher Lcl»»i»b>» pari». Nue vi. Honor» 814, Sase du Lion de Beisorl. Lebe» Sonnabend össenlliche Bersainmlung: reiche Bibltvlhel, Zeilungen, sranzösiicher Unlerricht. t»»d»,>. Der einzige hiesige lozialdemokraltsche Berein London», der alle, von«arl Marr und Friedrich Engel» is«6 mNbegrundeie « o m»> u u t sl i s ch» A r b e t l e r- B i l d u n g s v e r e i n bcsindel sich nach wie vor 48 Tollenham Slreel, Tollendam Eonrl Md. W. London. ?i«r»I» iporw»,!«. Zohannisburg(Transvaal). BeretnSlolal Progreß- alle, Eorner os Marsh.-li and Smali Slreel. tr-ireltgiös««-»I-Ind». Tonnlag, den 89. Januar, vorm. 9 Uhr, Im groben Fesisaal l er Berimer Ressource. Kommandautenstr. 67: Bersammlung. Freireligiöse Borlisung.— Um il Uhr vormiltag» cvendaseibsl: Borlrag des Herrn Dr. Böilel-HnU,:„Julian Apoftata, der zum H«>d»»lhum zurüilgclreleiie römische»atser". Sdue wcuiommen. Perband der Sa», isird- und gewerbl. N>Is»arb»it«r Zientschiaud» sZahlsielle Berlin lll). Sonuiag, den 89. Januar, vorm. il Uhr, im„Bidivria- itarlcn", Badstr. 12! Magliederversaunuiung. K-iiu-rein A»b». Am Montag, den«l Januar, abend««2 Uhr: Oessenl- licher Bo.irag über Rheuinansmu» und«ich! in Ahcens Brauerei, Moabit. Thurmsicab«. Elle der«icvmsirab,. Refer.: Frl.«übe. Vevniiftzsztos vom — Bei einein in der vorige» Woche abgehnllene» Gefechts, schieße» des bayerischen 21. Jnfanlerie-Regnnenls, das in Fürch in Garniso» liegt, sind zwei Soldaten verunglückt. Da der Palronenauswerfer ihrer Gewehre versagte, so schöbe» sie eine Patrone nach. Die Schüsse entluden sich nun nach rückwärts und brachten de» beiden Leute» schwere Verletzinigen bei. — Geistesgegenwart. I» Sachsenhausen ver- Ii n g l ü et t e vor einigen Tagen ein R a n g i r>n e i st e r. Trotzdem ,ib»> beide Beine abgefahren waren. � haste er»och soviel Kraft und Geistesgegenivart, sich aus dem Schienenbereiche zu schleppen und sich an die Böschung setze» zu können. Dort hat der Verunglückte, ehe mir Hilfe kam, mittels Taschentuch und Hosenträger das Blut abgebunden und sich so gerettet.— — Zu der B l u t t h a t in München— Ermordung eines Geheimpolizisten— wird in Münchener Blättern gemeldet, daß bei einem Wortwechsel ein H i l f s k o n d u k t e u r mit einem Messer erstochen worden ist.— — Bei einer Güter- Zwangsversteigerung in K a r l s b a ch (Bayern) wurde ein ein und einen halben Morgen großer Wald- bestand um— 1 M. zugeschlagen.— — Am Westrande der Insel Norderney sind neuerdings starke E r d s e n k n n g e n eingetreten. Die Kosten der Schutzbanten, die zur Erhaltung der Insel»othwendig find, wurden auf 1 350000 Mark veranschlagt.— — Auf dem Bahnhofe in Nizza packte ein Wahn- sinniger einen Reisenden und suchte ihn unter einen vorbei- fahrenden Eisenbahnzug zu werfen, gerieth aber selbst unter die Räder und wurde zermalmt.— — Madrid, 27. Januar. Eine Abordnung der Studiren de» der Medizin verlangte heute von dem Direktor des Journals„Progreso" eine Berichtigung vom im Journal erschienenen sie betreffenden Artikeln. Ans die Weigerung des Direktors zertrümmerten die Studenten die F e n st e r- scheiden in dem Gebäude der Zeitung. Es entstand ein heftiger Tumult; die Polizei schritt ein und nahm mehrere Berhaftungeu vor.— — I» Kalifornien lagern bei de» Produzenten I3S'Miltio»en Liter unverkaufter Wein. Die dortigen Winzer wolle» jetzt den Versuch mache», diesen Wein nach Europa abzustoßen.— Briefkasten der Redaktion. G. F.. Pankow. Es genügt ein gewöhnliches Uebereinloiumen. mit Beglaubigung der Unterschrift durch di« zuständige Polizei oder Ortsbehörde oder einen Notar.- Wetter Prognose für Sonnabend, SS. Januar tk»!>8. Vielfach heiter, zeitweise ivolkig, zunächst kälter mit leichten Schneefälle» und mäßigen nördlichen Winde». A ussergewöhnliches A ngebot nur für heute Sonnabend den 29. Januar Wlscfstüclicr Reinleinen, gesäumt und gebändert Grösse ca. 65x65 cm, Dtz. Mk, Handtuclsstoflfc Gerstenkorn-Gewebe, weiss mit bunt. Rand Breite ca. 50 cm, Meter u. pk. Servietten Stern- und Blumenmuster gesäumt. Grösse ca. 65 x 65 cm, Dtz. 4 Mk. Todes- Anzeige. Den Genossen des it. Itvleli«. tags-Wnlilkreises zur Nachricht, daß der Genosse Carl üllsehlce, Schleifer, nach kurzem K rankenlagernn 31. Lebens- jähre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 30. Januar, nacbni. 2�/2 Uhr, Bot» Krankenhaus am Urban nach dem Friedhos der Simeons-Gemeinde statt. Ehre seinem Andenken. Um rege Betheiligung bittet 240/4 Die Vertrauensperson. 3. Wahlverein. �odes�Anzeige. Am Dienstag, den 2S. Januar, verschied nach kurzem Leiden das Mit- glied, der Schleifer Karl KUsehke im Alter von 34 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Januars itachmittägs 2t/z Uhr, vom Krankenhaus Am Urban nach dem Friedhof der Simeonsgemeinde statt. Ehre seinem Andenken! Um zahlreiche Betheiligung ersucht 213/2_ Der Vorstand. Deutscher Metllllllrbeiter-Berblutd (VerwaltungistsIIe Berlin). Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 2ö. Januar starb unser Mitglied der Schleifer carl MHsehke fm Alter von 34. Jahren. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonn- .tag, den 30. d. M., nachm. 2� Uhr, Don der Leichenhalle des Kranken- Hauses am Urban mach dem Kirchhof »er Simeon-Geuteinde in Rixdon, Mariendorser Weg statt.'Um zähl- .reiche Betheiligung ersucht >410/8 Die Ortsvcrwaltung. Reell und di kauft man in der Norddeutschen«rchuh- sabrik von V. Hiteiehlre, gegründet 1872, Tkalit-erstr. 1B, Ecke Admiralstraße, am Kottbuser Thor.* Zentraloerein her Bildhauer MtsililaildS. Am Donnerstag, den 27. d. M., nachmittagö 3 Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden eines unserer ältesten Mitglieder, der Bildhauer Larl Grupe im 42. Lebensjahre. Ein ehrendes dauerndes Andenken bewahrt ihm die BerwaltiingSstelleBerlin. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kaiser Wilhelni- Gedächtniß-Kirchhofes, Westend, Fiirstenbnmner Weg, aus statt. Um rege Betheiltgnng bittet Der Vorstand. Arankeil- und Bkgriibnißklljse d.Berl.Urtlerll.BrlUlM'e ««-. H. kiv). Die Beerdigung deö am 24. d. M. verstorbenen Mitgliedes sbvb Carl Mtschkc findet am Sonntag, 30. d. M., nachm. 21/2 Uhr, vom Krankcnhanse Am Urban aus statt. Um rege Betheiligung bittet Ter Vorstand. jjDeit Mitgliedern der 265/3 Freien BereiuigW seWiid. Barbiere, Friseure lind Perriilkenaiaiher zur Nachricht, daß das Mitglied Emil Saalmann am 27. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Golgatha-Kirchhofes aus in der Barfusstraße statt. Dodes-Anzeige. Allen lieben Freunden und Be- kannten die traurig« Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Tante[516 Johanna Kninierich, geb. Kädlng nach kurzem, aber schtverem Leiden am 27. d. M. sauft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 30, nackm. 3 Uhr, vom Trauerhause, Lichtenberg, Weißenseeerweg 22/23, ans statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Dodes-Nnzoige. Am 24. d. M. verschied nach lang- jährigen, schweren Leiden meine innig- geliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwicger- u. Großinntter. Schwägerin u. Tante Charlotte JHschoff, geb. Tötcke. Die Beerdigung findet von der Leichenhalle d. St. Gethsemane- Kirchhofes Sonntag nachm. 4 Uhr statt. Um stilles Beileid bitten[44b Die trauernden Hinterbliebenen. Arbeiter-Rabsahrer-Berei« „Berlin", Heut Abend 9 Uhr: 11/2 kroßer Wmier Masken-Boll im„Engl. Gatten", Alexanderstr. 27c. Morgen, Sonntag: Katerbummel zu „Freund", PichelSwerder. Bei günstigem Wetter Abf. per Rad 2 Uhr Branden- burger Thor, bei feuchtem Wetter Ab- fahrt mit dein großen Bruder 2,20 vom Lehrter Bahnhof bis Spandau. Meine Tischlerei(10 Hobelbänke, vollständ. Werkzeug) will ich an einen Nachfolger sofort verkaufen[52b Vf. Jahncke,(kharlottenburg, Kantstr. 132, am Savignv-Bahnhos. Fraaen-BcKTtthnisskaHHc der Schrlftgicsser-Ciehiircn zu Berlin. Mittwoch, den 16. Febr., ab. 6>/i Uhr, bei Zimmermann, Wilhelmsir. 2; General-Pcrsammlnng. Tagesordnung: l. Halbjnhresbericht und Jahresabrechnung. 2. Vorstands- wähl. 3. Verschiedenes, 38b Der Vorstand. I. A.: II. lost. Künstliche Zähne. F. Siessens. Rosenthalerstr. 61, 2 Tr. »j Theilzahlnng pr. Woche 1 M. Stepvd,Gard., Regulatoren, BllltIl,Reinont.- Uhren, Reisekoffcr, Winter- Paletots, Anzüge, spottbillig Pfandleihe Neanderftr. 6._* JVlöbel in jedem Stil und jeder Holzart äußerst billig, auch ans Theilzahlnng. Gr. Lager gebrauchter und verliehe» gewesener Möbel 4053L» Oraniensir, 73. Maskengarderobe von Otto Runge Gr. Frankfurtcrstr. 78, Amt VII, 4075 zmpftehlt den Vereinen seine große AuStvahl in Kostümen iil jed. Preislage. Gr. Lager von Karneval-Ansziigen. In Flasche» k Mk.«.60, 1,10«. 1,80. Wie im Ausschank überall zu haben.| Wo nicht vorhanden, bitte zu verlangen. R. F. Mittelstadt Weinhandlung und Likör-Fabrik X., Brunnenstr. ISS. O. Strauss' Bler- I.okal, Berlin O., Stralaner- Allee 17b, Zahlstelle vom Wahlverein u. Metall- arbeiter-Berband, 7, 4182.[22b Hiermit nehme ich die gegen Frau Ww. Willun, Swinemünderstr. 5, g«- thane Aeußcrung zurück u. erkläre dies. als Ehrcnfrau. Specht, S chwedterstr.240. Gr. BereinSzimmer wuÄ u. Donnerstag frei, mit u. ohne Piano. 34b Retchenbergcrstr. 24, Kiebnrg. Ein seit 5 Jahren beslehend.Zigatten- Geschäft ist los. besond. Umst. halb bill. z. verkauf. Sttcng reell. Existenz. Zu erfr. b. Gleinett, Müllerstt. 7a pt.[49b 1 8, -chlcsischcm Sa' md 1. April 18! nahe Oberbanm, Warschauerstr. und / sind von sofort freundliche Vorder- Sck und und Hoswobnnnaen nebst Korridor, Küche, Kloset u. Keller oder Boden billig zu vermiethcn. Näheres beim Verwalter.[40661!* Schläfst., möbl., sep., f. H. Elisabeth-User 43. H. 2 Tr. Claus, 37b Saubere bill. Schlafstelle f. Herren Oraniensir. 187, v. IV., Ww. Ehlcrt. Schlafstelle für zwei Herren � Dresdenerstr. 76, Hof IV t., bei Knorr. Eine Schlafstelle ist zu vcniiiethen bei Walter, Langestr. 3, IV.[5öb Freundliche Schlafstelle, C. Schmidt, Schleiermacherstt. 14._[50b Möblirte Schlafstelle, sep., s. Herrciy Alexandttnenstr. 74, v. 4 Tr. b. Fuchs I Berliner Stadtbrauerei, Berlin X., Belforterstrasse 4. Telephon-. Amt 111.8884 Sonnabend, den 29. Januar, Wir bringen am bestem iflalz and In. Saazer Hopfen kräftig eingebrautes, vorzügliches »»«»»»»»»chO i I I unser aus Bockbier-WZ 1 zum Ausstoss. Gleichzeitig empfehlen wir den Herren Restaurateuren und Gaslvrirthen unser hervorragendes und wegen seiner Qualität allseitig beliebtes goldfarbiges Lagerbier, sowie unser Pilsener Bier, dem echten Pilsener durchaus gleichwerthig. Kein Flaschen- und Siphon-Verkauf. Hoch achtun gsvoll Paul d'Heureuse& Co. 1 Veranlwortlicher Redakkeur: Atigieft Jocobev i» Berlin. Für de» Jnseratentbeil verantwortlich: Db. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Mox Bsding in Berlin. >,.81. i». 2. Itilap drs„ilorniiils" Knlim UcksblÄ V o l k s»v i v t l» f rli n ft l i ih e NundfchKU. Die Arbeiter iu den prenstischen Staatsbetrieben. ?liig«sichts der preubische» Landtagsiv�hle» ist es von besonderem Interesse, über die Zahl, dos Einkommen, die Arbeitszeiten der in den Slnntsbelrieiben Beschäsligle» das zerstreute Thatsachenmaterial zu sammeln und Z» sichte». Außer den Ziffern und Erläuterungen im Etat legen sowohl die Bergwerks- wie die Eisenbahn- Verwaltung reg�lniähig noch besondere Denkschriften über ihr Ziessort vor, die auch iiber die Arbeitsverhältnisse mancherlei Aufschlüsse gebe», wen» sie auch) vieles zu wünschen übrig lasse». Augenblicklich sind dem Abgeordrnetenhanse zugegangen: der Staatshanshalt für das Jahr vom I. April 1633/90 nebst Anlagen— der Bericht über die Ergcb- nisse des Bcti ricbes der preußischen Staatseinnahmen im Betriebs- jähre 1396 97. Drucks. Nr. S)— die Nachrichten von der Benvaltung der preußische i Staals Bergwerke.-Hutten und-Saline» während des Etalsjahre■' 1896/97(Drucks. Nr. 7). Wir ziehe, zunächst in belrachl: Tic Zahl>«d die Katcgoricn der beschäftigte» Arbeiter. Die kürzl ch erwähnte Denkschrift iiber die Betriebssicherheit nimmt an, d ß 1897/88 im Staalsbahnbereiche voraussichtlich 324 800 Bca, te und Arbeiter beschäftigt sein werden. Davon würde der innere Bern altungsdienst(Bureau-, Wohnungs- Kassenwesen)> 6>d 14S00 Arbeitskräfte beanspruchen, so daß neben 42 900 Werkstl llen- und 63 400 Streckenarbeitern etwa 204 000 Be- ainte und Arh.'iter als Betriebspersonal bliebe». Diese Zis.l er» sind offenbar nicht ohne weiteres vergleichbar mit den„Ergebnis en" von 1896/97. Nach diesen hatte der Staat durchschnittlich 27 571 Kilometer, am Ende des Jahres 27 733 Kilo- meter Schieiu'"wege im Betrieb und es betrug im Durchschnitt: die Gesammtzahl �>er bei der Staatseiscnbahu-Vcrwallnng iu sämmt- lichc» Dienstzi�eigcn, auch beim Neubau beschäsligte» Beamte» (und Gehilfe,' im mittlere,, Dienste) 109 204— die Gesammtzahl der beschästigtcn-ilrbeiler, mit Einschluß der Bahnuuteihalliing und des 4 gerkstälten- Betriebes 188 262. Außerdem waren nach einer Ai"»erkuiig noch 3821 Arbeiter bei», Bau»euer Bahn- strecken und �>ei extraordinär vorgesehenen Ergänzungs- und Er- weiterungsba"' en für den Staat lhälig.„Etatsmäßig" angestellt waren von d�'' Beamten 96 787. also 88,63 pCt. Der jetzige Etat sieht etwa 1''>00 neue etatsmäßige Stellen vor, selbstverständlich zumeist unter e ntsprecheader Verminderung der außeretatsmäßig an- gestellten Becch' te». Dieser Schritt ist ganz außergeivöhnlich und hängt wohl pU, t Wahlderechnungen zusammen. Ans den'Bergwerke», Hütten und Salinen des Staates wurden im D" cchschnilt des Berichtsjahres 62106 Man» einschließlich der Aussicht sbeamten beschäftigt, welche sich auf die verschiedenen Betriebszweigs i» folgender Weise verlheilen: 1396/97 Bergbau.'........ 56 330 Gewinuunal 0 o„ Steinen und Erden 929 Süttenbetriv'........ 3 500 alinenbel!� b........ 797__ zusammen 62 106 58 942 57 009 Auch wi� l,n letzte» Jahre eine Verminderung der Arbeiterzahl eintrat, stie 9. zu», thcil die Menge der von ihnen geschaffenen Werth«, so b" de» Salinen um 4.3 pCt., bei de» Hütte» sogar um 11,83 pCt."''r bei der Steingewinnung ist der Werth der Pro- duktion um 1,22 pEt. zurückgegangen, also immerhin i» viel kleine- rem Maße wie die Arbeiterzahl. Bei de» Bergwerken stieg zwischen 1395/96 und 1896/97 der Ertrag um 11 Millionen Mark oder 10,77 pCt. Die Arbeiterziffer läßt sich hier nach de», Bericht noch näher in folgen der Weise zergliedern: Eteiukoblleiibergwerk«...... 50 352 Arbeiter Braivckr hlenbergwerke..... 655„ Eisenerz Bergwerke....... 642„ Sonstige Erzbergwerke...... 4 261„ Steinsalz werke........ 97„ Kalisalz»)erke......... 873„ Der Kern Oer staatlichen Steinkohlenarbeiter findet sich im Saar- brück« Bezirk, durchschnittlich 33 397 Manu, am Schlüsse des Jahres 84 425 Man». Gehälter nnd Löhne. Für die„etatsmäßige»' Eisenbahn b e a», t e n gelle» folgende Normalgehaltssiitze— voraus setze» wir immer»ach dem Etats- entivurf die Zälhl der>898/99 i» Betracht kommenden Personen; im Wohiimigsgelty- ischnß befinde» sich die von uns erwähnten Klassen fast alle in der unterste» Ablhcitnng V, nur die Lokomotivführer und Maschiinislnn, die Zugführer und Etcncrlenle in der»ächsthöhercu Abthcilung IV: Mindest- Höchst- 1895�96 53 662 962 3517 801 1894 96 51 755 994 3 458 802 Beamtenklaffen M. 1200 1200 l e h a l t M. 2200 1300 3 315 2 705 "} 1200 1100 1600 1500 1000 800 700 1500 1200 900 9 465 Lokmuolivsnhrer, Maschinisten 4 582 Telegraphisten. Ladcmcffler 4 522 Na: gir- nnd Wagcnmeisler, Werk fü»rer...... Zug führe r, Steuerleute. Fahrkarlcnausgeber, Fahrkarte» anSgeberiiine»»»d Packnieistcr 14 939 Hatleslellenansseher, Mcichenstelter 1. K/lasse, Lolomotivhcizer, Trajekl- heiicr.Malchiiieu wärter, Magazin« anssrher. Billeldrncker, Kassen-». Bnrcandiener, Brückengeld- Ein- nehmcr......... 30 956 Poriicis, Bahnsteig- Schaffner, Weichensteller, Kralwineister, Brnctenwärlcr.Schaffner.Vremscr, Wagcilwärlcr. Mal rose»,.. 16 994 Bahn- und Krah» Wärter, Nacht- Wächter......... Man si ehr, der Schwerpunkt dieser Ziffer» liegt tief nach»nten, bei de»»ns)ezil 31000 Personen, die es höchstens auf 100 M. inouallich b ringe», nnd bei den 17 000 Arbeiter», die mit»och nicht 60 llllaik ansangeii und mit 75 Mark bereits ans- hören. Zlterkwürdiaerweis« sind ans den Eisenbahnen des Reiches die Normalsätze vielfach höher. Selbst den Zealrnms- Abgeordnete» Strom deck regte» bei der Etats- bcrathittig diese Vergleiche zu Zweifeln n» der staatlichen Muster- Verwaltung mit den Niese, inbcrschnssci, an. Er führte a», 17. Januar ans: Wir begegnen im Eisenbahnelat Besoldungssähe», die nach den. Erachten,»einer politischen Freunde und nach meiner persön- l,che» Ue berzcn gn»g absolut»»zureichend sind. (Sehr richtig!) Wenn z. B. Naiigir- und Wagennieister mit 1600 M., Zugführer, Packmeister. Weichensteller erster Klasse mit 1500 M., Schaffner, Portiers sogar Mos mit 1200 M., Bahnwärter. Siacht- wächter mit 9l»0 SDi. abschließe»— alle diese Zahlen bedeuten das Maxim»,,,—, so sind das Summe», die absolut»»zu- reichend simi, sobald anch. nur eine mäßig starke Familie vor- Händen ist. (Sehr richtig!) Nun komknt noch die Imparität hinzu, welche jetzt i» bezng ' aus die fiiianziülle Slellung dieser Beamte» im V-raleicb»u dene» im Reich statlfmdet. Dort sind alle diese Beamtenklasse», die ich eben erivähule, nicht» n>v e s e» t l i ch besser gestellt. Während Zugführer i» Preuße» besoldet werde» mit 1100 bis 1500 M.. werden diese Beamlen iin Reich nach den, jetzigen Etat mit 1400 bis 1800 M. besoldet (hört! hört!) und bekomnien außerdem»och eine» Zuschuß von 240 M. Das ist eine Differenz von 540 M. (hört! hört!) zwischen den Beamten i» gleicher Stellung im Reiche nnd �i» Preußen. (Hört! hört!) Aehnlich geht es bei den Hattestellenaussehern und bei den Weichen- steller» erster Klasse. Die Gehaltssätze beginnen bei diese,, Beamte» in Preußen mit 1000 M. und enden mit 1500 M.; im Reiche beginnen sie mit 1120 M. nnd enden mit 1720 M. wozu aber »och 120 M. Zuschuß treten. Ganz ähnlich liegt es bei Porliers, Weichenstellern, und wie die zahlreiche» sonstigen Klassen der untere» Beamten»och lauten. Meine Herren, wir müssen ans Gründen der Humanität und der Sozialpolitik auf das dringendste wünschen, daß hier eine Besserung eintritt. (Sehr wahr!) Zu den kulturellen Anfgabe», die gelöst werden müssen, gehört vor allen Dingen auch, daß die Anfordernngen. die in, Interesse der Hiiniantlät zu stellen sind, erfüllt werden. Soviel über die Beamten. Weiter erhalten wir dann, wie zu», eisten Male im Vorjahre, eine„Ilebersicht über die an die Gehilfe» in, mittleren Dienste, die Hilfskräste im unteren Dienste, die Handwerker nnd Arbeiter gezahlte» durchschnittlichen Tagesvergntungen und Löhne." Freilich kann»lau sich etwas Sinnloseres ka»»> vorstelle». Anstatt„ach Lohnklasse» zu„nter- scheiden und uns zu sage», wie viele und welche Arbeit« täglich und wie oft i», Jahre 1,50, 1,60, 2,—, 2,50:c. M. verdienen, wird— meist nach Titulaturen nichtssagendster Art— eine Liste von 37 Gruppen anfgeinacht: nichtlechnische Bnreangchilsen, technische Bureangchilfe», Zeichuergehilsen, Kanzleigehilfe», Stationsgehilse» für den Bahnhofsdienst, Stalionsgehilfcn für den Absertigungsdienft, Schreibhilse» für Bahniiicisler, Schreibhilfen für Belriebsiverksincisler und so fort. Dafür werden dann in anderen Gruppe» die hete- rogcnste» Elemenle zusanunengeworsei, und alsdann anch hier die im ganzen Jahre überhaupt gezahlten Lohnbcträge dividirt durch die Gesammtzahl der geleisteten Tagewerke. Das crgiebl eben die allein milgeiheille»„Löhne und Besoldungen sür ein Tagewerk". Das führt zu so absurde» Ergebnisse», daß der amtliche Be- richtcrslatler in seine» erläuternden Bemerkungen abermals, wie im Vorjahre schon, davor warnen ni»ß, die berech- »eleu Durchschnitte irgendwie«»st zu»ehmen. So erfahren wir uiiler Gruppe 13, daß Hilssbahnwärter, Hilfskrahnwärt« und Wegeschrankenwärterinncn durchschnittlich 1,6t M. für ein Tagewerk erhalle». Eine Note klärt uns jedoch sofort darüber auf, daß dieser Durchschnitt— nnd weiteres erfahren wir nicht— nichts beweise, weil die Wegeschrankenivärterinnc»,„deren Vergütungen im Vergleich zu denen der Hitssbahnwärler nur gering sind, mit eingerechnet worden sind." Nichts kann die bureankratische Schablone köstlicher illnstriren: anstatt von der besseren Einsicht ans die Lohnziffern zu scheiden nnd so branchbare Ergebnisse herzustellen, zieht man mit der Zuverlässigkeil einer Rechenmaschine seinen Durchschnitt, fügt ihm aber geivissenhalt bei, daß und warum er jedes Wcrlhes entbehre. I» Ziffer 25 ist ein Dnrchschnittslohnsatz herausdestillirt ans Rangir- arbeit«» und Scheuerfrauen, wahrscheinlich weit R und S einander in, Alphabet sehr nahe stehen. 1l»d so geht es durch die ganze Liste hindurch. Eine Angabe darüber, iv iev ie l Arbeiter einer solchen höher- gelohnten, wieviel einer niedrig gelohnten Gruppe angehören, scheint der Lohnstalislik« im Eisenbnhn-Minislcrium sür durchaus gleichgillig zu halte»; wir erfahren darüber nicht ein« Silbe. Bei einer andere» Gelegenheit wird uns initgelheilt. daß es etwa 43 000 Werkstätleii- arbei't« giebt. Daß hier die mannigfachste» Einkommens- abstnfniigei, bestehe», ist zweifellos. Tie offizielle Loh»- stalistik begnügl sich, ganz vage Durchschnitte auszurechnen für alle Vorarbeiter, alle Handwerker, alle handwerksmäßig ansgebildeien Handarbeiter, alle sonstige» Arbeiter nnd Lehrlinge, lieber die Stärke dieser wunderbar einfache» Ab- theilungen. über etwaige Verschicbungen von Jahr zu Jahr zwischen gelernte» und ungelernten Arbeitern verlautet wiederum nichts. Wir hebe» ans der Mnsierleistnng nur diejenige» Schichte» hervor, die für ei» geleistetes Tagewerk unter 2'/. Mark, also bei Krankheit und sonstwelcher vorübergehenden Beschäftigtingslosiz keit weit unter 750 Mark Jahreseinkommen bezogen: Maschinenpntzer............. 2,44 Mark, Hilssporiiers und Hilfs-Bahnsteigschaffner... 2.34„ Schreibgehilsen für Bahnmeister....... 2,33„ Bahnhossarbeit«............ 2,25„ Gülerbodenärbeiter und Gepäckträger..... 2,25„ Hilssweichensteller, Hilsstrahnmeister Ujid Hilss» Brnckenwärter............ 2,19„ tilssnachtwächter............ 2,11„ ahnunterhalt, i»gs- nnd Kiesgewinnungs-Arbeiter 1,99„ Hilssbremser und Hilfswageuwärter..... 1,97 a Hilfsbahnwärter, Hilsskrahnwärter, Wegeschranken« Wärterinnen............ 1,65„ Für 1898/99 sieht übrigens der Etat geringe Lohnsteigeruiigeu vor„mit Rücksicht auf die gesteigerte» Aufivendnngen der Arbeiter sür Lebensmittel und Wohnung". Bei de» Grubenarbeitern ist besonders eines ausfällig. Sie haben heule, in den Jahre» der glänzendsten Ueberschiisse,» o ch nicht wieder die Lohnhöhe desJahr 4s 1891 erreicht. Während das private und staatliche Kapital durch de» allgemeinen Geschästsansschwung und durch die Kohlen- und Kalisyndikate »ie gekannte Gewinne einstreicht, hat der Bergarbeiter noch nicht einmal soviel verdienen können wie vor fünf und sechs Jahren. Der unterirdisch beschäsligte, eigentliche Bergarbeit«(bei Aus- und Vorrichtung, Abbau und Förderung) brachte es»ämlich i», Steinkohlen-Bergball nach der Denkschrift des Herrn Brefeld zu folgenden Einnahmen: auf eine Schicht in Oberschlesien., in Nicderschlesien.. im Bezirk Doltmund. im Bezirk Saarbrücken 1391 1896 1891 1896 1891 1896 1891 1896 2,33 M. 2.82„ 2.74„ 2.68„ 4.03„ 3.90„ 4.21„ 3.73„ im ganzen Jahr« 774 M. 763„ 824.. 814„ 1217.. 1203„ 1212.. 1079„ Aehnlich bei den Arbeitern über Tage, bei den jugendliche» nnd weibliche» Arbeiterin Dabei stieg die Jahresleistung pro Kopf im gleiche» Zeilram». Diese belief sich nämlich 189 l 1836 in Oberschlesien ans 331 Tonnen 359 Tonnen in Niederschlesien„ 203„ 221„ im Bezirk Dortmund„ 278„ 286„ in Saarbrücken„ 225„ 238„ Das»cnliche Geifer» der Fchrn v. Stumm gegen die Begehr- lichkeil der Bergarbeiter erfährt durch diese Ziffern eine schlagende Beleuchtung. Tie ArbeitSzeiie» werde» nur in dem Bericht des Eisenbahn», inisiers darznsielle» ver« sucht. Aber anch hier welche Hilf- nnd Einsichtslosigkeit! Man bewundere z. B. den folgende» Einsall. Ans einem Bahn- hos seien 14 Stalionsbeainte mit regelmäßig 9 Stunden Dienst, der jedoch für alle Beamte an den beiden Wechseltagen der Woche auf II Stunden steigt. Der beschränkte Unlerthanenverstand würde das (bei 7 Arbeilsiage» in der Woche) wahrscheinlich als einen durch- schniltlich fast zchnstündige» Arbeilslag buche»»nd durch eine Note vielleicht den genauere» Thatbestand»och ausführe». Unser iveiser Oberkalknlator theilt nus jedoch mit feierlichster Amlsniiene mit, er habe dann die Einlragnug i» folgender Weise vollzogen:„10 Beamte (b/? der 14) mit einer Diensttonr von 8—10 Stunde»(Spalte 5) nnd 4(— 2/7 der 14) mit ein« solche» von 10 bis 12 Stunden (Spalte 6)." Man kann offenbar de» einfachste». klarsten Sach> verhalt garnicht künstlich« verwirre»: ans 14 gleichgestellten Beamten werden 10 abgesondert und zu günstig dargestellt, dafür die»veilere» 4 viel zu»»günstig!! Wenn das wirklich, wie die Btinerkungen anzudcnte» scheinen, systematisch durchgeführt ist, so innß für die vielen Eisenbahn- angestellte», die nicht täglich denselben, sonder» wechselnde» Dienst haben. schließlich ein Monstr»», von„Nachweisimg" enlstehen. Aehnlich macht die sonderbare Art der Berücksichtigung der Ruhe« pause» das ganze Bild zu einem verzerrte». Doch mangelt uns der Na»»,, dies weiter auezusühren. Wir geben nn» die Liste, wie wir sie sinde», drucken aber die Ziffern unter der Rubrik„10 bis 12 Stunden" fett, wo mehr als die Hälfte der Beschäsligte» durch- schniltlich dieser oder einer»och längeren Arbeilszeil nnlerliegt: Wäre die Tabelle wirklich das, was jedermann unter einer „Nachweismig über die tägliche Dauer des planmäßige»(!) Dienstes des Personals" versteht und sucht, so iväre sie ein wahrhaft zer- malmendes Urlheil übet die Sozialpolitik des Eisen Hahnministers. Wendel man uns aber ei», daß die Ziffern ans verschiedenen Gründen nichts beweise»— welch eine Geschmacklosigkeit sonder gleichen ist es alsdann, eine parlamentarische Körperschaft, ans ans' drücklichc» ausgesprochene,, Wunsch»ach ein« zuverlässige» Arbeiter' stalistik, Jahr für Jahr mit solchem Zeug abzuspeisen. Herr Engen Stichler hatte seinerzeit eine überlegte, detaillirle Skizze der von ihn, gewünschten Statistik vorgelegt. Hoffenllich läßt er diesen Faden nicht wider fallen.—ms. MtevÄvifrfjes. Ter„Siiddentsche Postillon" bietet in seiner soeben er- schienenei, Nmiuu« 3 des laufende» Jahrgangs wieder einige ältere Meisterwerke der Karrikatnr. Zwei beziehe» sich auf Louis Philipp und Napoleon III., eines auf die französische Justiz. Anch sollst ist h;- Nummer sebr cmpfehlenswerlh. Eitigelanfeue Tnickschriftc». von der ,11 nun 3»U"(Sliiltpart, I. H. W. Dtetz'«erlag) ist saeben da» IS. Heft d-S I». ZahrgaugS«rsibienen. All» dem Anhalt hebe» wlr h-ruor': Ei» Eentcstreich.— Der Kampf der Soilaldemofratie und dt- Revolullon der «Sefellfchast. Bon Eduard Bernstiln.— Der Kamps der Nationalllälen und da« Siaatsrech, t» Oesterretch.«on Karl KautSfi).— Die Dekadenz und ein Sitchldeladent. Bon Dr. Felicie Rofstg-Prochnik.— Notizen; Polarland und Tropen stora. von Herni. Holm. DSttistY-ArbeUer-'NahrungSiniNelprodnriion«- Vereine.- Feuilleton: Sodomi Ende in. Lichte geologtfcher Forschung. Von R Bommeli. Kür de» Inhalt der Juscratc übernimnit die Nednttioii dein Pnblir»»» gegenüber keinerlei _ Berniiiworinttg._ Thentev. Sonnabend, den 29� Januar. Obernhans. Mignon. Anfang 7V,Nhr. Schauspielhaus. Der Burggraf. Anfang 7Vz Uhr. Deutsches. Johannes. Auf. 7Vz Uhr. Lrsfing. Im weihen OWH'l. Anfang 7V, Uhr. Berliner. In Behandlung. Anfang 7Vz Uhr, Residenz. Sein Trick. Anfang 7-/- Uhr. Neues. Die Schildkröte. Anfang 7>/2 Uhr. Ostend. Prcciosa. Anfang 8 Uhr. Goethe. Berliner Spezialitiiten. Anfang 7-/, Uhr. Schiller. Der Tugendwöchter. DaS Versprechen hinterin Heerd. An- fang 8 Uhr. klntcr de» ttinden. Die Göttin der Vernunft. Anfang 7V, Uhr. Thalia. Ninetten's Hochzeit. Anfang 7-/2 Uhr. Central. Die Tugendfalle. Ansang 71/2 Uhr. Luisen. Trilby. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstndtischeS. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Belle< ANiance. Kenn. Anfang 8 Uhr. Blexauderplah. Die Verführerin. Anfang 8 Uhr. Ilrania. Tanveustrake 48— s.S. Nntnrkundl. Ausstellung v. lv Uhr vorintttags ab. Abends 8 Uhr Wisfenschaftl. Theater. Jnvalideustraste S7/KS. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wifsenschnstliche Borträge. American. Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7V, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptikni». Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschaft. Reichshallen. Spezialitäten. An- fang 7V, Uhr (Wallne,-Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Tngendwächter. Das Per- sprechen hinterm Herd. Sonntag, nachm. Z Uhr: 2. Vorstellung im 2. Schiller-Zyklus: Kabale nnd Liebe.— Abends 8 Uhr: Kyriü-Pyrih. Montag, abends 8 Uhr: Der Tugend- Wächter. Das Persprechen hinterm Herd. Ostelld-Theater. «r. Franksurierstr. IZ2. Dir. C. Meist Schauspiel in 4 Akten von P. A. Wolff. Musik von Karl Maria von Weber. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vorstellung: Frei-Konzert. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Sonntag Nachmittag, kleine Preise: Berlin, wie es weint und lacht. Ferdinand: Carl Weiß. Abends: Preciosa.— In Vorbereitung: Unter der Polarsonne. Großes A11S- ftattiingsstück mit Gesang und Tanz von Sondermann. Central-Tlieatei' Alte Jnkobsir. 30. Direktion Itlcliard ScIinliK. Sonnabend, den 29. Januar 1898; ISmll Tliomaa 0,(41. Zum 8. Male: Die Tttgendfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz mit Benutzung eines franz. Sujets von Jnl. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jnl. EinödShofer. Anfang V-di Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die Tngendfasse. I-msell-Vdeater 34. Sieichenbergerstraste»4. Abends 8 Uhr: Tviltnx. Schauspiel in 5 Akten nach dem gleich- namigen Roman von G. du Maurier, frei bearbeitet von Richard Mark. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: Volks-Porstellung. Regie 1. Tllrii: I>Ic Rttnbcr von Fr. Schiller. Abends 8 Uhr: Trilby. Trilby.. Anna Müller-Lincke. BilletS ä 60 Pf. zu der Sonntag Nachmtttag-Vorstellung in den de- kannten Verkaufsstellen. lAlie Urtheile der Presse stimmen überein darin, dass Donat nnd Anton Hei-rnfeld's noueste Novität, die lustigpikante „Komödie einer Jungen Ehe": Familie Kochsalz ein neues Heiterkeits-Produkt I. Rangen Ist! Alle Urtheile des Pnlilikums bestätigen diese Kritik an jedem Abend durch ununterbrochene Lachsalven und Beifallsstürme und häutig hört man, wenn die Schaaren Ran f m a n n's Varl6t6 verlassen, die Bemerkung: „Sie sind doch wirklich einzig in Ikrer Art, diese Herrnfeld s. Urania Tanbenstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vonnittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: — Wissenschaftliches Theater.— Invalldenstr. N«. 57-00. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs- Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschläge. ■B Castan's■■ Panopticum. s s Fried riobetr. 165. Indisch lilndnsta- nlschc Gaukler — nnd— c h 1 a n g e n- lleschwttrer. Das BÄREN WEIB. N Passage-Panopticum. Im Theatersaal: Die 8 lastigen Wienerinnen. Zum Sohlnss; Flotte Bursche. Kom. Operette von SuppA ileazar-Thealer. DreSdenerstraße 52/53(City-Passage) Aunenstraß« 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familie»- Aufenthalt. Neu! Die Neu! lustigen Rcidelherger. Ansstattiings- Operette in einem Akt von Poly Henrion. Musik von Franz von Suppe. Borher: illnscr Johann. Lustspiel in 1 Akt nach dem Französischen von Beye. Auftrete» sümmtlicher Kunst- Spezialitäten. Uilitilltl' Wochenlags 8 Uhr. �Ilislltijs. Sonntags 6 Uhr. Eutree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Borzugskarten haben Giltigkeit. Ki.auesPt" Sanssouci Kottbuser Straste Nr. 4a. Dir. H. Pierrh. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Grober Beifall! Der Zigenuer. Gesangsstück in zwei Bildern von Walter Gericke. Neue Spezialitäten. Sonntags Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Grotzov Nnll. F.ntree 50 IT. Wochentags Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. «ntree 30 Pf. Passe-partouts gelten. Vorstellungen Sonntag, Dienstag und Donnerstag. »a Quarg's Vaudeville-Theater Grand-Hotel Alexanderpla«.| Heute Sonnabend wegen Privatfestlichkeit Geschloffen.! Dafür Gastspiel der 1. im Relchshallen-Iheater Das AmliM. Außerdem dasgrosteSPezia- litäten-Programm(30 Kunst- kräfte I. Ranges.) Anfang 7l/z Uhr. Eniree 50 Pf. Morgen Sonntag und folgende Tage finden diese Vorstellungen wieder im Vandeville-Theater statt. T olks- Theater im Wclt-Hcstani-ant 07. D r e S d e» e r- S t r a si e 07. Noviiät! Novität! Civeusblut. Operetten- Burleske von ffi. Fischer- Obmann. Mnsik von R. Baumgart. Neu! Borher: Neu! Geeffee. Schwank von Benno Jacobson. Im vorderen Saale: Tyroler Sänger Alois Ebner. —-, SounlagS 6 Uhr. . Wochentags 7'/, Uhr. Concerthans fiCipsigei-str.lVo. 48 KM Täglich:"TpS Hoffmann's(juartett und Humoristen. Ans. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Dn SigoWn-Mll« Zum!i83. Male: l-ene. Haehr'sTheater Oranlen-Strasae 84. HT Täglich:-ME Theater- n. Spesslalltttten- Torsteflung. Lustspiel. Wen I Bei Regiftrators. Nen! Posse mit Gesang. Sensationell! IVioII�! sensationell! Die beste Ercentric-Chausonnette. Uukana« Wochentags 8 Uhr. A Ii> Ullis. Sonntags 6 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. ReicksksHvn- Theater, Leipaigoratrasse 77, Heute Sonnabend präz. 7VjUhr: Das grosse erstklassige aus SO Kunstkräften bestehende Prcgamm unter Mitwirkung der Orlg.-Bnda|ic8ter Orph.'-Ce». Das irmband. Eisenbach! Georgette! E n t r c e 50 P r. Im ReiGhshalien-Tunnel: Fideler Abend, Mllitttr-Kon«ert, humoristisches Roulette, Stangen- klettern, Gratispräsentverthei- lung u. s. w.__ Apollo-Theater. Frledrlchstr. 218. Dir. J. Glück, Heute 6. Abend: Yvette Guilbert. KassenoröffunngO'/ai Anf. 7'/, Uhr. Toranzeige! La Loie Füller. CO cu Olympia, -Riesen- Theater.! (Circus Renz.) Kailstrasse. Bolostsy Klralfy's Ronstantinopel. Grösstes, machtvollstes und prächtigstes Schaustück der Gegenwart. 700 Auffuhr, in London. 1000 Mitwirkende. I. Bild: Das Maifest in England. 2. Bild; Spanischer Stierkampf. 3. Bild: Wiener Jahrmarkt. 4. Bild: Räuberüberfall in den rnmelischen Bergen. Das Schlachtfeld. 5. Bild: Der Sklavenmarkt. 6. Bild: Prunkpalast in Kon- stantinopel. Attentat auf den Sultan. Enthauptung des Räuber- Hauptnianns. Kolossaler Prachtaufzug. Wasserschauspiol auf dem Bosporus. Eine wirkliche Flotille. Die Riesen-Ballets, die Pracht der Kostüme und Dekorationen Uberragen alles bisher Dagewesene. Preise der Plätze von 50 Pf., 1,-, 1,50, 2,, 2,50, 3—, 3,50, 4,— und 5,00 M. Anfang 8 Uhr. Ende lOVj Uhr. Morgen, Sonntag: L Vop- stellungeii. Nachmittag 4 Uhr. Abends 8 Uhr. W. Noack's Theater II r n n n c 11- 8 t r n n h e 10. Heute Freitag, den 28. Januar: Lustspiel in 5 Auszügen von Benedix. Sonnabend wegen Privatfestlichkeit keine Vorstellung. Circus BiincIi (Ilahnhof Börse). Tonnabend, den LS.Jnnnar 1808, abends 7>/� Uhr: Pmhe-Ala-AMlillg. In der Tanzstunde, gr. Quadrille, geritten in Kostüincn der frederician. Zeit. Alligator, ostpr. Hengst, ger. von Mdme. Maria Dore. Gebrüder Borghettti mit ihren vorzüglich ge- stellten Marmorbildern. Die Vorzug- lichsien Freihcitsdressuren des Dir. Busch. Ein großes Reitttinstlerinnen- Potpourri, ausgef. v. Geschw. Powe», Mdme, Antionette, sowie Frl. Blennow nnd Fanny. Außerdem: Auftreten sämmtlicher Klowns und Auguste. Zaragoza, Orig- Manöge- Schaustück des Circus Busch, entnommen ans dem spanischen Leben. Besonders Hervorzuheben: Der Brand des grünen Schlosses mit der Flucht des Don Casiodurus und seiner Geliebten sowie sämmtlichen Pferde». Eine spaiiii'che Eisenbahn mit ein- tretender Katastrophe. Morgen Sonntag: 2 große brillant« Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr und abends 7l/z Uhr: Zaragoza._ Zitherspieler, perfekte, werden zur Ergänzung eines gute Musik pfiegenden Ensembles gr- sucht. Off. an C. Templiner, Berlin SO.. Mariannenstr. 8, H. 1 Tr. erb, s 291 2b Deutsch. Metallarbeiter-Verbaiid Verwaltungsstelle Berlin. Dienstag, de» 1. Februar 1898, abends S'/s Uhr, 1» Rautenbcrg's 8nlon, Oranienstrasse Xo. 180: Kranchen-Uersammllmg der Klempner, Gürtler, Drücker«. verw. Berufsg. sowie sämmtlicher in dieser Brauche beschäft. Rrbeiterinnc». TageS-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Bein über:„Das Arbeiter-Elend nnd der wirthschastliche Kampf der Gegenwart". 2. Diskussion. 3. Neuwahl eines Beisitzers Die piwMtch zu., Die Bibliothek deS Verbandes befindet fich im Restaurant Mörschel, Jüdenstr. 35. Dieselbe Ist geöffnet jeden Abend von 71/2 bis 9 Uhr. Sonntags geschlossen._ Die OrtsverwaHiing. ftltaje Stniupt oernri. �ivrunivn. 0. riaiumiji cuiro ( zur Ortsverwaltung. 4. Vcrbandsangelegciiheiteu u. Verschiedenes. Kollegen und Kollegwnen werden dnngend ersucht, zahlreich lind zil erscheinen. 110/9 Oeffentliche Uersammlnng sämmtlicher Mövelpolirer Zlontrix Berlins nnd llmgegend ig. den 31..Innunr 1898, ahends 8 Uhr, bei Keller, Koppenstrassc Bio. S9. TageS-Ordnung: 1. Bericht nnd Wahl des VertranensmanneS. Dccharge- Ertheilung. 2. Wie stellen sich die Polirer zur Beschickung des Kongresses der lokalorgauisirten Gewerkschaften? 3. Verschiedenes. 145, Der Vertrauensmann. CfiitMl-gtniilifii-«Ii» Zttrbelnille dn (Berlin D). Zoirnubenä, 6en 5. k'ebruer 1898, in der„Kronen- Brauerei", Alt-Moabit 47-48: Großer Wiener Masken-Ball zum Besten des Jnvaliden-Fonds. Anfang 8 Uhr. ll82/3s Eutree 50 Pf. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Das Conilt6. Metallarbeiter! Montag, 31. Januar, abends 8 lihr, im grossen Saale der Tonhalle, �-ricdrichstr. IIS: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: I. Tie gegenwärtige Lage der Metallindustrie, die Streik- Persichrrungs- Gesellschaft.Jndnslria" und der Strcikerlast deS Grafen Pofadowsty. 2 Ter«nsstand der englischen Maschinen- bauer und unsere weiteren Mastnahnien. 3. Wahl von Revisoren. 4. Ersatzwahl von zwei Delcgirten zur Gcwerkschastskvmmission. Zahlreiches Erscheinen ist unbedingt nöthig. llb/4 Ter Bcrtraiiensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto Naether, N., Anklamerfir. 44.__ Kauarveiter . von Gr.-Lichtersklhe und Umgebung. Sonntag, den SV..Fanuar, mittags 1 Thr, Im I.okalc des Herrn I.ewendorf In I-nnkwitr,, Vlktonastrasse: OkWIl.Daul>rIiriter-ßttsllM>lnng. TageS-Ordnung: 1. Die Lage der Bauarbeiter. Resereut Kollege Sllherschmldt. 2. Uniere Lohnbewegung und Stellniignahme zum neuen Lohntartf. 3. Dis- knssioil.- Bei der Wichtigkeit der Tagesordunng ist das pünktliche Er- scheine» aller Kollegen nothwendig.___ Der Flnbernfer. 1% machen wir unsere Herren-Parthie M» T? m hin? Zum alten»os� aBBBBHGnan Freund auf Pichelswerder.� Da giebt's am Somltag frische Wurst. WstZtI.MiisI.ZM. PI oiiidenlM.Zahnzieheu frei. Zahn- ärztliche Klinik, tvtautcusseistr. 43. I.. Ecke Oranienstraße. Spr. 8—10 und Uhr. Kinderwagen, s Kranken, Fnppen-, Sport-, Kasten-,—_ Leiter- und TKlegenbockwagcn,= Kinder-Klappstühle, Klnder-Holzmöbel. Shmintliche Korbwaaren. 3. » Thelliahlung nach Ueberelnkunft. 5 Brunnenslr.»5, ÄÄSftJ: 1DOOOO Harmonikas* mit meiner kelbstersunbencn, entontirt nnzerbrecklicken Spiral- Otnvintuv-Fctcruna bade ick btrcitd feit kurzer fjeit bevkauft. Züchi eine civzige Rcklamalio» wegen Brecke» oder Lahm- werden meiner neue» Tasteniedcrung ist in dieser Zeit ein- oegaage». Diese Federung ist in verschiedenen Landern patentlrt, in Deutschland„mer D.-R.-G.-M.No. 47402 geschützt. Ich versende tiir nur!v Hlark! aestenNtlchli ahme, als besondere Specialitat.elne »leaant» Voneert>Z«S'Äarmoni!:a, mir einer bcrrlichenL-chörtqenOrgelmttslk.Claviar'irm. spnal- federunst und abnehmbnrcin 3!ückcnthcil, lv Tasten, 40 brntc Stimmen. 2 illastv.2 Ncgjster. brillante Sttckel- bcscklage. offene Nickct-Claviatur mit?incm breiten Siickclftab umlegt, quteln, starkem BalK nur 2 Doppel- bälgen. 2 Zubalrcr, fortine Nalgfalten mit Metall- Eckenschoner, cm Höhe. Verpackung und Selbst- erler-nschule uii'.'onst. oiesea Knstrnment nut harmolnschen» Slolstenspirl txuv mehr» flur j« beziehen durch den Erfinder � Hewr. Snhr, Ueuenrade i. W. Kachweiolich ältrster und größter Zarmonika» rersand in Deuenrade. k». 4». A-duirta* nnd S-relhis-«oneert-NnNrnm-ntr m staunend bilttge» '"»oorilbev jlrtiolia« ot Diensten. Feen-Palast Z9 Burgstr. 28. DIrettion: Winkler 4 Fröbel. Großen Jubel erregen jeden Abend Richard Winkler II. Wilhelm Fröbel in der einzig dastehenden Operette Das radelnde Berlin Stürmischen Beifall erzielen Uaharet's Liliputaner Hunde. NillgllM, �fnXum'fer. Frid Frld. Gebrüder Wichmann. Forrte Hildebrand. Wlllard. Dahn nnd Walde. Lebende Photographien Ansang 71/, Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Strittwolle-Ansverkauf. Reste in Zephvr und Rockwolle zu Fabrilpr. Holzmarktstr. 60, H. l. 1 Tr. �in' nnr 3 Mfito versende ich per Wiachnchme eine !cleviinlc jldlived- ! lilijtt mit 20 Saitcn.Stüanu- ___ 1 olc», Ring, --.chlüssel, Schule und Karton. In elncr Stunde kann Jedermann ohne Lehrer u. ohne Notenkenntnib nach der vor- zstolichen, umsonst deiqelecsteu Schul- die herrlichsten Mus-kstücke spielen. Porto u. Kiste 1 Pik.? 2 Stck. Akkord- Zithern sür nur 7 Mk. sranko. ßme »rohe«.manvalize Soaeerl glihort Zilh-t waadrevoU im>»n mit ztimmr-rrichsting nur 8,— Mb., frilll» 14,— Mi. Man be- stelle d.4»cinr. Suhr,?euenrade i.W. !Herreu-Hüte! Weiche von 1,50 an, Kinderhüte und Mützen in großer Auswahl. 217bb »'rlta Welth, Rixdorf, Hobrechtsir. 78, pt., out Hermannplatz LekulE' Festsäle Neue Künigstr. 7, am Königsthor. In den neu renovirten Sälen:' Jeden Sonnabend und Sonntag: — �roHer Ball.= Vereinszjininer. Saal für Versamm- lungen frei. Ed. Schulz. Gastwirth. Slcaclitnng. Orts-- Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und berwr-udten Gewerbe, Lei'Iin C., Klostcrstr. 05—67. Vom 1. Februe.r 1808 ab ist das Kassenlokal wernfiglich nur von 9—1 Uhr vormittags geöffnet. Sonn- und Feiertags geschlossen. 205/2 Der Vorstand. Hase» 2,80 M» gespickt 3,35 M. i»il*rrflfll>iflil �.1». Blatt 50 Pf., iflllUjliniüJ Keule 70, 80 Pf. Kaninchen 80 Pf. Gänse 55 Pf. Hühner, Gilb„, Tauben. Wild- und Gass ig«!- Handlung A. Hitachi, D revdencrstr. 61. Hacb dCF Inventur Großer Aisverkanf C-antiueu in und He stell älterer Muster in weiß und crsine. zu 1—4 Fenstern passen �, spottbillig in dem Gardinciifabr ik---„ger von Berlin O., Grüt'br Weg Nr. 80 part., Eing. vom k) ur(kein Laden). Neuheiten trefj cu taglich ein. Proben nach anß�halv portofrei. Jeiitslh. Porter Dessert- n. Malzk re.ftbier 1. Rang. Brauerei V«rgh*ltcr, PotSdain. gegr. 1736, bes. f. Bin rmc, Brustkranke, Bleichs., Wöchn., flekonv.ze.d. leicht ekömnil., nahrh. hrättigste Bier.— Astblutbild.,desh. bess. GestchtSs. u. lsteivlchtszunahui. übe». 14 Flusch. drei, 50 zehn M. Z-xll. In Geb.(>/.. �.'/,.)z. Selbst- stbz. wesentt. bi«. Allein. Berkandtst. k. Berlin u. Prov. Porterkellerei 1 n g 1« i-, � erli», Brun- ''''nstrafte lo'Z. y'1 ckitFlafchenzabl T5 Qual, entscheid. 62/2« T). '=-5 1» s- N Jode Uhr repa riren nnd reinigen kostet bei mir unter Garantie d. GittgehenS nur 1 Mark 50 Pf. außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Tiafchenuhreii, Regu- katoreu und'Wecker, alle Arten Ketten, sowie kIrillen u. Pinecnez. * Carl I.n x, Uhrmacher, 115 Chanss:e- Strasse S5. Möbel verliehen gewesene und neue, staunend billig, Theilzalilnng gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 4055L« Nene König str. 5U II. Gneisenanstr. 15» Sck>littschnhe v. 15 Pf. an, Dres- denerstr. 28 bei Ziunner inann.[2537b Arbeitsmllrkt. 1 Besteckarbeiter nach Görlitz. Mehrere tücht. Press-«.Hammer- arbriter für Berlin, sofort. 1 Silbrrschleisrr s. Beschäftigung. 1 Goldarbeitcr, dci: etwas Gra- Viren kann, per sofort für Berlin, dauernde Stelle. Arbeitsuachiveis Deutscher Gold- nud Silber-Arbeiter, _ Holzmarktstr. 8._ 71/3 Für meine Anstalt in Hamburg suche et. zum sofortigen Antritt einen durchaus zuverlässigen iAetsser für Strich und Autotypie- bei gutem Lohn und dauernder S tellung. 91. Feuerstein. Persönlich zu sprechen am Sonn« abend von 12-3 und 6—8 Uhr im Hotel zum grünen Bannt, krausen- flraße 66—58. 416 80 Borde»Näherinnen sucht Grenzstr. 5 I. Plätterinnen aus geietnveifte Um- legekragen und Manichsttten, in und außer dem Hause Verl.. M. Treppe, Lothnngerstt. 16, 1. Onergeb. 4 Tr. Berfillberer 43b Verl. Krctschmann, Köpit.ickerstr. 109».. Rührige Zlegnifiteurt stets willkommen: Fenerversich. giebt höchste Propision u. extra Bortheile. 11 5" Offerten sub.stlorwä rts�postlgd. Postamt 8, Tambenstrasse. �Beiaulivoitlicher Nedakkenr: Nuguft Jarobey w B-rli».&«v den Jnseratentheil verantwortlich: Td.«lode in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiiig in Be clin.