Ar. S7. Adoimtmritts- Kedwgungen: «bonnemenlS-Preis pränumerando: vierteljährl. 3,30 monatt. 1,10 Sil., ivöchenINch 28 Psg. frei In« Hau«. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntag«» Nummer mit tllustrirter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: ZPO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für ILSS unter Sr. 7578. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, srir da» übrige Ausland s Mark pro Moual. 15« Jahrg. We Instrttons-GebShr beträgt siir die sechZgespaltene Kolon ek- zeile oder deren Raum«0 Psg., sür Verein«- und PersammlungS-Anzeigeu, sowie ArbeitZmarkt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» « Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen bi« 3 Uhr vormittag« geossnei. «rschrink täglich ausser Montag». Nerlinev Volksblskt. Zrrnsprecher:»mt I,»r. 100». Telegramm- Adresse: „»oiialdemokrat vrrlw-. Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deduktion: 8V. 19, ZZeuly-Straße Z. Mittwoch, de» 2. Februar t898. ßLpedition: 8V. 19. Mettty-Straße 3: DeutpchlÄiNds tvivthfichÄNliche Enttvickelung. Für das Königreich Preußen und für die Stadt Berlin konnten wir bereits in früheren Nummern mittheilen, zu welchen Ergebnissen daselbst die am 14. Juni 18S5 vorgenommene Geiverbezählung geführt hat. Wir fanden in beiden Fällen, und bezüglich der Stadt Berlin mit ganz besonderer Deutlichkeit, die Bestätigung der von der Sozialdemokratie seit Jahrzehnten aufgestellten Behauptung, daß die Zahl der Produktionsstätten zurückgeht oder doch nicht im gleichen Maße wie die Bevölkerung wächst, daß ganz besonders die kleinen Betriebe immer mehr von der Bildfläche verschwinden, während die Riesenbetriebe sich immer mehr ausdehnen; mit anderen Worten, daß die Kapitalien sich konzentriren, daß frühere selbständige Gewerbetreibende ins Proletariat hinabsinken, und daß fast der ganze Bevölkerungszuwachs den Großbetrieben zu gute kommt. Die jetzt auch vorliegenden Hauptzahlen über die 1895« Gewerbezählung sür das ganze Deutsche Reich bestätigen mit überraschender Deutlichkeit diese Entwicklnngsteudenzen. Auch die Bolkswirthschaft des Deutschen Reiches führt den ganzen Bevölkerungszuwachs der Industrie, dem Handel und den Ge- werben zu, während die landwirtdschaftliche Bevölkerung bekannt- lich ständig zurückgeht. Auch hier sehen wir, daß die Zahl der großen Unternehmungen auf Kosten der kleineren Be- triebe wächst und daß die in den Großbetrieben beschäftigte Arbeiterzahl in ungeahnten Prozentsätzen steigt. Bei der Wichtigkeit dieser Zahlen für die Benrtheilung unserer ganzen Volkswirthschaft theilen wir die Ergebnisse der gewerblichen Betriebszählung vom 14. Juni 1895 hier nachstehend in einiger Ausführlichkeit niit und fügen auch die entsprechenden Zahlen der Zählung des Jahres 1382 bei, um die Ent- wickelnngstendeuz klar erkennbar zu macheu. Es wurden 1395 gezählt: Diese Dahlen, wenn man sich nur recht in sie versenkt, zeigen deutlicher, als es das beschreibende Wort vermag, auf welches Ziel die deutsche Bolkswirthschaft lossteuert. Im großen und ganzen finden wir bestätigt, was das sozialdemo- kratische Programm mit den Worten ausdrückt: „Die ökonomische Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft führt niit Natnrnothwendigkeit zum Untergang des Klein. betriebes... Sic trennt den Arbeiter von seinen Produktions- niilteln und verwandelt ihn in eineiig besitzlosen Proletarier, indcß die Produktionsmittel das Monopol einer verhältnißmäßig kleinen Zahl von Kapitalisten und Großgrundbesitzern werden." Tie obigen Zahlen liefern uns den vollgiltigen Beweis für diese Sätze. So zeigt uns der erste Theil der obigen Tabelle, daß die Zahl der in Teutschland vorhandenen Haupt- betriebe bei weitem nicht in dem Maße zugenommen hat, als die Bevölkerung des Deutschen Reiches von 1882— 1895 gewachsen ist. Tie Hauptbetriebe haben sich vermehrt seit 1882 um 4,6 pCt., die'Bevölkerung des Deutschen Reiches dagegen um 13,74 pCt.! Wären in der deutschen Volkswirthschaft nicht die erwähnten Entwickelungstendenzen wirksam, sondern wäre die soziale und wirthschaflliche Struktur der Gesellschaft dieselbe geblieben, dann hätte die Zahl der Betriebe in jenen 13 Jahren nur denselben Prozentsatz wachsen müssen, wie die Bevölkerung. Es hätten dann an stelle der nur gezählten 3 144 975 Haupt- betriebe 3 418 407 solcher gezählt werden müssen. Ans diesen Zahlen crgiebt sich eine soziale Verlustliste von 273 432 selbständigen E x i st e n z e n! Oder anders aus- gedrückt: Im Jahre 1882 kamen auf je 1000 Einwohner des Deutschen Reiches— Männer, Frauen und Kinder alles zusainmengerichnet— 66 gewerbliche! Hauptbetriebe. 1895 kamen auf 1000 Einwohner nur 60 solcher Betriebe! Diese Zahlen deute» auf eine zwar langsam fortschreitende, aber die Gesellschaft von Grund auf umwühlende Unigestaltnng der Produktionsverhältnisse in der deutschen Volkswirthschaft. Dabei ist noch besonders zu beachten, daß in der eigenllichen Industrie— die ja die größte Bedeutung hat, weil in ihr*!& der überhaupt gewerblich lhätigen Bevölkerung beschäftigt ist— die Zahl der Betriebe sogar direkt zurückgegangen ist, nämlich um 1�3 367, oder gegen 1882 um 5,4 pCt. In den Handels- und Verkehrsgeiverben tritt dagegen eine bedeulende Steigerung der Betriebszahl hervor, wodurch wir zu der Annahme berechtigt werden, daß die ans den eigentlichen Prodnktionsgewerben Verdrängten zunächst noch in kleinen Handels- oder Gast- wirthschasts-Unternchmungen den Strohhalm erblicken, der sie in der reißenden Flnth der kapitalistischen Wirlhschastsweise vor dein Untersinken bewahren soll. Wir sehen in den obigen Zahlen weiter, daß es in erster Linie die Kleinsten der Kleinen sind, die den Stärkeren im wirlh- schafl liehen Kampf das Feld räumen müssen. Während die Ge- fammtzahl der in Deutschland vorhandenen gewerblichen Betriebe wenigstens noch um eine Kleinigkeit geivachsen ist, sind die Allein betriebe direkt zurückgegangen, nämlich nm ä.3 pCt., und in der eigentlichen Industrie sogar um 12,6 pCt. Die Zahl der mit mehreren Personen arbeitenden Betriebe ist dagegen überall im Wachsen begriffen, dies sogar in der noch den Kleinbetrieben zuzuzählenden Gruppe von Betrieben, die mit 2 bis 5 Personen arbeiten; doch kommt der Zuwachs hier fast ausschließlich den Handels- und Berkehrsgewerben zu gute, während die Industrie in dieser Gruppe stabil geblieben ist.— Ein starkes Wachsthum zeigt die Zahl der großen Unternehninngen. Hat sich doch die Zahl der 50—200 Arbeiter beschäftigenden Unter- »ehmungen in den 13 Jahren von 1882 bis 1895 beinahe verdoppelt! Freilich, nie gering ist die Zahl der großen Unternehmungen gegenüber den überhaupt vorhandene». Nur 19 000 gewerbliche Unternehninngen wurden in Deutsch- land gezählt, die je über 50 Arbeiter beschäftigten, während an Unternehmnngeir überhaupt weit über 3 Riillionen gezählt wurden und während über 10�« Millionen im Gewerbe thätige Menschen vorhanden waren. Wie stark die Tendenz ans Konzcntrirung der Produktion in den Großbetrieben in Wahrheit ist, sehen wir besonders deutlich im zweiten Theil der obigen Tabelle. In nock weit stärkerem Prozentsatz als die Zahl der vorhandenen Groß- betriebe, ist die Zahl der in den Großbetrieben thätigen Ar- beiter gewachsen. In der 11—50 Arbeiter beschäftigenden Klasse der Unternehmungen wucks die Arbeiterzahl nm beinahe 82 pCt., in der Klasse von 51—200 um beinahe 94 pCt. und in der Größenklasse von über 200 beschäftigten Arbeitern um über 84 pCt. Von den überhaupt als in Gewerben thälig gezählten 10 269 264 Personen waren in den mittleren und größeren Unternehmungen(in den Größenklaffen von 6 und mehr beschäftigten Personen) 5 493 600 Personen thätig, das macht Über 50 pCt., mährend noch 1882 in diesen Größen- klaffen nur etwas über 40 pCt. thätig waren.— Alle diese Zahlen zeigen uns, in wie starkem Maße die deutsche Produktion bereits auf die großen Unternehmungen über- gegangen ist,— und wie stark die Tendenz ist, die diesen Umschwung der volkswirthschaftlichen Verdältnifle herbeigeführt hat und in imnier gesteigerten Progressionen auch weiter be- günstigen wird. Dabei ist noch zu berücksichtigen, um wieviel produktiver jeder einzelne der in den Großbetrieben bcschäf- tigten Personen gegenüber den im Allein- oder Kleinbetriebe beschäftigten ist. Die Nutzanwendung, die wir Sozialdemokraten ans solchen Thatsachen ziehen, ist, daß gegen eherne ökonomische Gesetze nicht anzukämpfen ist, daß nian mit allen Rezepten der„Mittel- standspolitik" keine neue Blüthe handwerksmäßiger Produktion erschließen kann, ebensowenig, wie ein Orkan mit der flachen Hand aufzufangen und zum Stehen zu bringen ist. Die welt- geschichtliche Entwickelung zur Zentralisirnng der Produktion ist einmal da und mit ihr gilt es, sich abzufinden. Nicht sie aufzuhalten ist die Losung der Zeit, sondern sie zu lenken und zu leiten. Heute zcrschmeltert und zerstört sie noch. Aufgabe der modernen Menschen und insbesondere des Proletariats aber ist es, sie zu benutzen und mit ihrer Hilfe der Mensch- heit eine neue und höhere Knlturepoche zu verschaffen, Volikifche Ulvfcevfltfjk. Berlin, 1. Februar. Ans dem Reichstage. Volle vier Stunden wogten die Redetvellen hin und her, bis endlich kurz vor 6 Uhr der Born der Beredtsamkeit erschöpft war und das Gehalt des Herrn Staatssekretärs des Reichsjustiz-Amtes bewilligt wurde. Die geplante Erhöhung von 24 000 M. auf 30 000 M. fand freilich die Zustimmung der Reichstagsmajorität nicht. Diese wurde verweigert, weil die zugesagte Erhöhung des Gehalts der Post- und Telegraphen- Unterbeamten und der Landbriefträger nicht vor» gesehen ist, und, angesichts der bevorstehenden Wahlen, es auch den Nationalliberalen bedenklich erscheint, nach oben mit Tausenden aufzubessern, während man nach unten mit wenigen Mark knausert. Herr Dr. Hammacher sprach eS übrigens offen aus, daß die Schuld sür die Nichterhöduna beim preußischen Finanz- minister liege, der Millionen für Kirchenbauten und nothleidende Agrarier, aber keine Gelder zur Aufbesserung der schlechtest be- zahlten Unterbeamten hat. Sonst drehte sich die Debatte auch heute nm den Straf- Vollzug, und einen besonders breiten Raum nahmen die Er- örternngen über die Art der Aufnahme von Irren in die Irrenanstalten ein. Der Abgeordnete Lenzmann brachte schwere Bedenken gegen die heutige Art der Jrrcnunterbringnng vor, wobei ihm der Prinz von Schönaich-Carolath seknndirtc, während die Berufs- ärzte und Abgeordnete» Dr. L a n g c r h a n s, Kruse und H o e f f e l die schivercn Bedenken Lenzmanu's nicht gelten lassen wollten. Genosse Herbert kam auf die immer weiter ans- und unterlegende"Rechtsprechung gegen die Presse u sprechen, srng an, ob etwa eine Novelle zuin reßgesetze und die Einfuhrung des Gesetzes selbst in den Reichslanden zu crivarlen sei. Staatssekretär die Mängel auf dem Gebiete der sei jetzt keine Zeit, um eine bezügliche $ v. Nieberding gab Prcßjnditatur zu, doch Vorlage vorzubereiten. Dr. Barth meint, letzteres sei sehr gut, denn bei der jetzt oben herrschenden Strömung käme bei einer Aenderung der Preßgesetzgebung schwerlich etwas Vernünftiges heraus. Im übrigen regte der Redner an, daß gleichzeitig mit ver Novelle zum Strafgesetz auch die Vorlage über den Straf- vollzng eingebracht werde. Der Abgeordnete Auer erwiderte den Bnndesraths- Bevollmächtigten, die ihm gestern entgegengetreten waren. Da morgen katholischer Feiertag, Maria Lichtmeß ist, so findet die nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr statt. Post- Etat.— Tie zwiefache orientalische Frage, die älter e, in deren Mittelpunkt Konstantiuopel steht, und die neuere, die in den ostasiatijchen Gewässern die europäischen Mächte gegeneinander- führt, hat durch die jüngsten Vorgänge wiederum einige. Schärsnng erhalte». An der koreanisch-chinesischen Grenze hat Rußland fast unbemerkt erhebliche Streitkräfte zusamuiengezogen und, wie schon mitgetheilt, hat das russische Sch iff„Saratow" den Bosporus passirt, um sich nach Wladiwost ok zu begeben; dies Schiff führt 1600 Soldaten niit sich. Die russischen Blätter führen zur Zeit eine recht scharfe Sprache gegen England; die russische Re- gicrnng solle nicht zurückweichen, England müsse nachgeben, da es sonst den Anmarsch einer russischen Armee von 100000 Mann durch Afghanistan gegen Indien gewärtigen müsse. Der Streit der beiden Großmächte um den Einfluß am Pekinger Hofe ist also noch keinesivegs zu einem, natürlich auch nur vorläufigen Abschluß gelangt. Und zur selben Zeit beginnt die Situation auf dem Balkan wieder schwieriger zu werden. Der Sultan weigert sich ganz enlschieden, den griechischen Prinzen Georg als Gou- verneur für Kreta anzuerkennen. Völlig unklar bleibt bisher, wie Rußland dazu gekommen ist, diese Forderung zu stellen, die völlig mit seinem bisherigen Verhalten in der griechisch- türkischen Frage bricht. Deutschland nimmt in dieser Frage eine gänzlich neutrale Haltung ein. Für den Sultan ist, wie wir schon wiederholt ausführten, dieErwägnng ausschlaggebend, daß ein Nachgeben gegenüber der jetzigen russischen Forderung leicht die ganze Balkan Halbinsel in Bewegung setzen dürfte. Wie bedenklich in manchen Kreisen die Situation auf dem Balkan angeschen wird, zeigt ein Artikel der„Köln. Ztg.", welche unter dem fragende» Titel:„Die Aufrollnng der orientalischen Frage" schreibt: „Es könnte leicht dahin kommen, daß die Großmächte in der nächsten Zeil ihre Aitfmcrksamkeit weniger den kretischen Dingen znznwenden hatten, als der wachsenden Unsicherheit der Lage ans dem Balkan. In Serbien Herrschi die größte Gereiztheit gegen Bulgarien, das mau von der Pjorte ivie auch von Rußland einseitig begünstigt glaubt. Rninänien ist verstimmt wegen des Wideistandes, den seine kirchenpolitischen Wünsche in Konstautinopel finden. Makedonien bildet mehr als je den Brennpunkt wider- streitender Interessen. die sich von Sofia, Belgrad und Bukarest ans mit erneuter Lebhaftigkeit gellend machen. Montenegro ist an diesen Streitigkeiten weniger betheiligt, nimmt aber gegen Serbien eine ztveideittige Haltung ein und liebäugelt mit den bulgarischen Machihabern nach einer Richtuiig hin, die in Belgrad nervös macht, mnsomehr als man dort zur Zeit gute Gründe hat, sich als bei Rußland in Ungnade gefallen zu betrachten. In den Beziehungen zwischen Wien und Petersburg hat die neue Stellung König Milan'» an der Spitze der serbischen Truppen mehr als einen allen Argwohn wieder ausleben laffcn.... In diesem ortcm sind die Schatten kommender Erelflmffe. Der billige Söonuuvf der Schivarzseherei kann vor dein Ernst der Thatsachen nicht bestehen."— Die gelbe Gefahr. Ans dem russischen Ostasien be- richtel die �Zköln. AolkSztg.": I» dem russischen Osten sängt die „gelbe Frage" die Gemüther nicht zum Scherz zu beunruhigen an. Ao» der eine» Seite sind es die schlitzäugigen Chinese», von der andere» Seite die mit einem besonderen Handelsgenie aus- gestatteten Japaner, nielche das russische Element stetig zurückdrängen. In dein örtlichen Leben hat der Chinese es verstanden, sich unentbehrlich zu machen; es giebt kein Handmerk, keinen Produklions- zweig, in dem wir nicht aus de» Chinesen stoßen. Alle für das Leben unentbehrliche» Gegenstände erhält der Bewohner von Wladiwostok durch Vermittelung des Chinesen. Der Chinese baut ihm die Wohnung, näht ihn, seine Kleider, spielt den Koch, das Kindermädchen, oder was man sonst von ihm haben will. Mit erstaunlicher Leichtigkeit vertauscht er einen Beruf mit dem anderen, ohne sich in irgend einem über eine klägliche Mittelmäßigkeit zu erheben, aber überall den Arbeitslohn heruttler- drückend. Wenn schon die kleinen Privatunternehmungen nicht ohne de» Chinesen auskommen können, so ist dies bei den große» staat- liehen oder kommunalen Unternehmungen noch viel mehr der Fall Bei den, Bau der Ussnri-Eisenbahn haben tansende von Chinesen gearbeitet, siir de» Bau deS Trockendocks in Wladiwostok sind auch viele hunderte chinesischer Slrbeiter eingestellt Man hat sich in dem russische» Osten schon so an den Chinesen als an einen unentbehrlichen Hausgenossen gewöhnt, daß man ihm in Wladiwostok z. B. in schweren Zeiten der Arbeitslosigkeit öffentliche Slrbeiten schafft durch Anlage neuer Straßen u. s. w. Der ausgediente Soldat oder Matrose stößt sich in Straßen von Wladiwostok herum, ohne Beschäftigung finden zu können, während es für die Rnssifizirung und Sicherung des fernen Grenz- gebieteS doch von befondererWichtigkeit wäre, diese wehrhaften Elemente zu behalten und wirlhschastlich zu kräftige». Wie anspruchslos der russische Arbeiter, der russisch» Soldat und Matrose im allgemeinen auch ist, sich wie der Chinese mit einer Handvoll gekochter Hirse begnügen, i» einem solchen Schmutz leben wie dieser, das kann er doch nicht. Mit dem chinesischen Arbeiter giebt es eben keine Möglichkeit einer Konkurrenz. In den Händen der Chinese» und Koreaner befindet sich auch die Kabotage, während der große überseeische Handel den Japanern anhcinigesalle» ist. Es giebt in dem fernen Osten nur noch et» einziges russisches Dampfschifsfahrls- lluteriichmen von«Iniger Bedeutung— die Gescllschast SchciveleS. Bei de» guten Beziehnngen, in denen Rußland und China der Weltpolitik wegen zu einander stehen müssen, ist cS zwar, wie selbst die russische Press« offen zugesteht, unmöglich, daß Rußland sich vor der Chinesenübcrflnthiing durch die von de» Ber- einigle» Staaten Nordamerika's angewandte» Mittel schützt, aber doch stoßen die leileudttt Blälllr bitlere Klagen ans»ud verlangen, daß dle Regierung„irgend etwaS" lhnt. Wie aber dieses„irgend etwas" aussehe» soll, das zu sage» übernimmt niemand.— «• TcutscheS Neich. — P r o t e st v e r s a»>»> l il n g e n gegen die Flotten- Vorlage wurden von sozialdemvkraiischer Seite in Wiesbaden und Biebrich veranstaltet. Genosse Dr. Quarck referirlr, die EllmiliUUg war eine sehr kampfessreudlge.— — P o l e n n» d F l o t t e N v o r l a g e. Die polnische Reichs- tags-FratlioN hat einer WählerversamitilNUg in Pole», die ste zur Ablehnung der FlolleNvorlaa« anssorderle, ein« schroff nbiveiseud« Antwort ttthiiu, Die. Polen gehen also dein Zentrum nittthig voran. Die AVmirnlski'S bewähren sich.— — Dl« D a M p s e r s« d b«» t i o tt»- V 0 r l a g« der Regierung Rieb im Porjahre in der Blivgeltoiiimisslon des Reichstags stecken. Si« wild so«bc» Mit ttwellerler Begründung und«Itter einigen geringen Slbänderiingen von neuem dem Parlament»nlerbreilet. Wir glaube», daß Unter dem EinMisl» ber Kiaotschnn-Stimmung das Enlgegenkommcn der IieichSIftgS-Mehrheit diesmal ein wesentlich größeres sein wird. Anscheinend sieht der Rorddeulsche Lloyd die Bewilligung ebeufalls bereits als eine vollzogene Thntsache a»; er ist nach den Motiven„im stände und bereit, mit vorhaudeiien Dampser», welche die vorschriflSMäsitgen Ausorverungc»— ins- besondere hinsichtlich der Fahrgeschwindigkeit unv Sinrich- taug— erfüllen, bis zur Fertigstellung der sofort i» Angriff zu nehmenden Neubauten, den vierzchnlägigen Betrieb n»f der oslasiatifche» Linie alsbald nach Abschluß des Ver- träges ällfzmiehMen." Wahrend nach dem Gesetz vom 6. April IS8S der erste subveiitionitle Dawpstt nicht vor de», Oktober 1KS? au?- tanfen konnte, rechnet die Borlaae damit, das, der neu zu bewilli- ge»de Mehrbetrag der RelchSbeihilse schon für das Rechnungsjahr tK98, also vom nächsten April ab, erforderlich sein werde. Die V e r p f l i ch t n n g e» des Reiches gegenüber dem Noiddeiilscheti Lloyd sollen bestehen In einer Erhöhung der bisherigen jährlichen Sitbventlon»IN I�/ü Millionen Mark; glelchzellig soll vi« ganze Berettibarnna'mit ihre» in Aussicht gc- nommeiic» Abänderuuge» nnf IS Jahre in kraft gesetzt iverde», während der alte Beitrag im September 1902 erloschen wäre. Die Gegellleistun ge» des Lloyd sind: eine Erweiterung deS ostnsiatischeit Postdampferdienstes diirch Einrichlung einer vier- zehntägigen Verbindung mit China— serner die Verpflichlung zu g r ö ß e r e r F a h r g- s ch w i n d« g k- t t, und zwar mindestens zwischen deNijeniarn enropäischen ANtaiishasc», in welchiin die Aufnahme ober Abtiesernng v«r Post erfolg«, einerseits u»d dem jeweilige» ostasinttschen Sndhnfr» der Hauptitni« andererseits silr älter« Schiffe ist Kiiottii, für neu zu»tbauende Schiffs is(tm Vorjahre iil.ß) istiioten j auf der Zweiglinie 12,9 Knoten. Innerhalb der jZjährig«» Vcrtkagspenode hat dt« Reichs- «gieruna das glecht, weitere Steigerungen der gesvrdorteil Fahr« geschlvinvigktit stie die neu zu erbaitetidcii Schiffe zn virlange», je nach den Leistungen der konkurrirenben Änsianbsttiitrn. Dieses Recht ist freilich nicht bedingungslos und kann nnter Umständen leicht mit ettikr welleren Erhöhung des ReichSzuschnfscs vttbnnveu sei»; diese Erhöhung ist veltkagsiiiäfttg»nr atiSgeschloffen. wenn das Ausland seine BesörderNngsgeschivlndigkeit auch ohne neue Staatsznschüsse vermehrt hat. Im andere» Falle, der uns bei dem heutigen Welt- rennen der grobe» Handeis- und Koloniaistaateu der»vnhrschein- licherö dünkt, wird der Reichstag recht bald vor weitere» Zulagen stehen. Die Leiiting der Linien ist nach den disherlgen Verhaiidknngen so gedacht, daß die Dampser der Hanpilinie von Hongtona ans ihr« Fahrt abwechselnd einmal n a ch s h a n g ha i, das andere Mal nach Japan sorlsehen n»d in gleicher Weil« znrückgeleitet ivrrden, Im Anschluß n» de» Nach Japan gehend«» beziehnngS- wsise von dort kommenden Dampfer' der HauptlinU wird dt« Ver- blndnng zwischen Hongkong lind Shanghai alle vier Woche» durch riliei« Z!veigvnmpfcr hergeslellt, während die bisherige japanische Anschlilstlillle in Wegfall komnik. Alts diese Weise würde mit Hongkong ei» direkter vierzehn lägiger Verkehr, Mit E h a N g- h a i eine vierzehn tägige Vetvindnng, abwechselnd je einmal direkt, einmal indirekt mit Umladimg in Hongkong, mit Japan aber an Glelle einer vterivSchentlichen indirekten Verbindung eine direkte Verbindung in gleichen Zeitabschnitten hergestellt werden. „Demgemäst— Mlhetll dle Regierung— käme dle Srwellirtttig des FnhtdlenslrS dem Verkehr soivohl Mit China wie mit Japan i» gute. Die Vermehrung der Fahrlen ans der oftasialischen Linie dielet I einer Gelrgenhell, ohne BrelnlrNchtignng ver bisherigen befestigten ZerkrhrLeiiitichlnnas» neben Bremen auch Hamburg tn u n« mittelbare P o st d a m p s« r« A e r b t n d u» g mit Ost. n sie u zu bringen. Zn dem Zweck« ist geplant, dle Fahrlen all- monalllch elnmal in Bremen und einmal Hamburg beginne» und endigen zu lasse», zualelch aber. Unbeschadet der einhritllchen Leitung de» Gesainmiunternehmenö durch den Rorddeullchsn Lloyd, die Hainbnrg-Amerlla-Llnls unter EtnsleUung einer Anzahl von ihr zu erbauender Schiffe an de» ostastatlsche« Fahrten zu belheilig«».' Der Großhandel und die exporttrende Großittvnstrie Deutsch- landS sind natürlich mit Leib und Seele für diese neue Bcthätignng„aktiver" Wellhandels-Politik. Der Widerspruch von ei» paar mit Ostasien und Australien verkehrenden, um ihre Kon- kurrenzsähigkeit besorgten deutschen Rhedereien wiegt dagegen nicht allznschwer, er scheint sogar seit den, Vorjahre schwächer geworden zu sei». Die Agrarier, die mehrfach ihre Besorgniß vor einer wachsenden überseeischen Zufuhr von Landwirthschasts-Erzeugnisse» aussprachen, werde» in der Begründung zu beruhigen versucht. Aber selbst wen» sie innerlich mancke Bedenken weiter hege» sollten, so sind ihnen in Frage» der Manne»»»d Wellpolitik die Hände viel zu sehr gebunden, als daß sie ernstlich Opposition mache» könnte». Die Arbeiter werde» also als Reichs-Steuerzahler die Zeche des Großkapitals wohl zahlen müssen.— — Neber die Vorlage betr. die Militär-Straf- gerichts-Ordnung fällt selbst die„Oesterreichisch-ungarische Heeres-Zeilnng"«in scharf ablehnendes Urlheil. In Anknüpfung au den Dreysns-Skandal führt der Leitartikel der neueste» Nummer dieses Blattes aus: „Nichtig bemerkt daher die„Nene Armee- Zeitung", daß die Affäre„DreyfnS-Esterbazy" ei»„Sedan" für die französische Militär- justiz sei. Dieses Sedan ist aber um so erniedrigender für Frank- reich, als das von Napoleon übernommene Gesetz eines der besten der bestehenden Militärgesetze ist»nd daß es Militär-Gerichts- böse und Kriegsminister selbst wäre», welche dieses Bollwerk des Rechte? mit frevlerischer Hand niederrisse». Wir haben diese Frage deswegen ausführlich erörtert, weil die einer gerechten Nefor», nnserer veraltete» Strafprozeß-Ordniiug feindlich Gegenüberstehen- den die Militärjnstiz-Znstäude in Frankreich benutzen könnten, ,»» glnubbar zu machen, es sei der„Freisinn" oder die„Oeffentlichkeit" deS französischen Milttärverfahrens daran schuld, daß solche Verhält- nisse bestehen. Da muß eben rechtzeitig dagegen aufgetreten und dar- auf hiugewicsei, werden, daß diese französische Mililär-Prozeß- Ordnnna das Werk deS größte» Kriegsmeistcrs Napoleon ist, daß eS fast 40 Jahre ausS beste sunktionirle und daß erst in dem Moment, als»in» gegen die Grundprinzipien dieses Werkes sündigte, i» dem man die Oeffentlichkeit und freie V e r t h e i d i g»» g beschränkte, der Verfall der Rechts- zustände eintrat. ES ergiebt sich daher im Gegentheil aus de» französischen Zuständen die einzige Folgerung, daß man im n e n e n deutschen und österreichisch«» Militärverfahre»»och stärkere Garantie» dafür biete»»»>», daß die Oeffentlichkeit über das nothwendigste Maß nicht beschränkt werde, daß den Nngeklaalen(subjektiv und objektiv) freie Verthcidigung zugesichert werde und daß Rechts- mittel geschaffen werde» müssen,»in auch nur einen Justiz- irrthum, geschweige den» eine» Justizmord wieder gutzumachen. Gerade das„Sedan" der französischen Militärjnsttz, u'clcheZ die Unterdrückung der Oeffentlichkeit und der freien Verlheidigung verschuldete, soll eine heilsame Lehre sein den Gegnern einer zeit- gemäße» Reform der deuischen und österreichische» Mililärjnsliz und sie seien eingedenk der Worte des großen Heeresorganisaiors Gustav Adolf: Nichts untergräbt die Disziplin schwerer als Nu- geiechtigkeit, nichts fördert Ungerechtigkeit mehr als Heimlichkeit" In der„Bücherschau" derselben sinmmcr des obc» genannte» Organs findet sich noch ein Zengniß gegen den jetzt dem denlschen Reichstag vorliegende» Regisrungsentwurs. Es wird dort milgelheilt, daß Dr. E. D a u g e l Ni a i e r, Oberstlieuliuant»nd sehr bekannltr Milttärschnslsteller, mit bezug ans die denlsche Vorlage erklärt habe: „Die Oeffentlichkeit besteht a»i— P a p i e r!"j Und trotzdem ist daS Z e n t r u Ii, auf dem Wege, über«ine solche Vorlage sich„mit der Regicriing zu ve»siä»dige>,". Wegen der K ü n d i g» n g s v e r h ä l t» I s s e der P o st- U» t e r b« a m t e n hat der Staatssekretär des SIctchs-Pofl- atntes unter dem LS. Jaliuar folgende Bösttmmnngen getroffen: Bei der im Jahre 1895 erfolgten Herabsetzung der Frist für die Uinwandlnng der kündbaren Anstellung der Uuterbcamten in eine»»kündbare war t» Aussicht genommen, mit einer weiter«» Abkürzung dieser Frist vorzugehen, sobald die Verhältnisse dleS an- gänglich erschein«» lasse» würden. Nach den inzwischen gemachte» Erfahrungen bestimml: ich, daß die kündbare Anstellung der Unter- beamtet, der Reichs-Post- und Telegraphen- Verivaltnug bei tadel- freier Führung allgemci» acht Jahre nach der ersten etalSinäßige» Austellling in eine Anstellung auf Lcbenszetl nmzuwaudeli, ist. Gleichzeitig wird, tn Abänderung der Vorschrift im Z 50, Rbschn. X, 2 der A. D. Sl., die für«latsmäßig angestellte Unlerbeamte»ach de- stnndiuer Probezeit vorbebaltene Kündiguiigssrist von vier Woche» nnf drei Monat« ausgedehnt. Die Unlcrbeantten sind hiervon tn Kenntniß zn setzen, Die kaiserliche» Ober- Postdirekliouen habe» danach das Erforderliche zu veranlasset,. — Zur geplanten„?l e» d e r u n g der Sonntags- ruhe" will das„Berl. Tagevl." erfahren haben, daß weder das Reichsamt des Innert,»och Graf PosadVwSky insbesondere mit dieser Angeleg-Mwit etwas zn schaffen haben. Es bürste sich vielmehr UM ote für Preußen erlassenen AnSfnbrNngs- bestimmnngtn zi»n EvNNtagSrnlje> Gesetz handeln. Speziell Nimmt«INN an, daß die Sonntags h e l I i g»» g s- Verordnungen i» Frage kommen, die zu vielfacke» Klage» wegen der Anordnung,» über das Verhängen der Schaufenster it. Anlaß gegeben haben. Jedenfalls»st zär Zeit keinerlei Abänderung der Gewerbe-Ordunug i» bezug aus die Sonntagsruhe im Reichsamt des Innern in Vor- bettititlig. Auch ans dieser Darlegung geht hervor, daß, was ja heule selbstverständlich ist, ganz andere Motive als sozialpolitische bei dieser Revtsion ver Sönntagsnihe-Befllminungen in Frage kommen. — Der industriell« Fortschrltt Deutschlands und dt« Arbeiter, Di« Januar- Nummer der„American Review" eutvält«ine» Artikel von Michael G. Mnlfrnll über de» industriellen Fortschritt VeS Denlschen Reiches, dessen Ziffer»»in Bild geben von der«Norm rasche» Entwicklung, die die Industrie in Deuischland i» de» letzten zwei Jahrzehnten eingeschlagen hat. Nachdem erbet» lolössälen industrielliii niid kvniinerziellcu Fortschritt Dentschlauds wie de» im ÜbersSöischen Verkehr eingehend an der Hand der Statistik dargelegt hat, bemerkt er: „So ist also DkNtfchland et» großer Inblistricstnat geworden. Mag eS bei ssonstatirnng dieses Faktntns Ivleber einmal er- wähnt werden, daß der g r ö fi t e T h e i l der Industrie- Arbeiter D e n l s ch l n» d s S o z i n l t st e N sind. A» dieser Gestaltung Deutschlands Hab«» sie jedenfalls eine» große» Äntheil; das wird man nicht bestreite» können. Es widerlegt das gewisse boshafle Beschuldigungen gegen die Tüchiigkeit der sozialistische» Arbeiter. Zn wie weit aber die Arbeiter Vortheite voll dem ungehelireil Anwachse» des ReichthulnS haben, das ist eine andere Frage. Daß sich im allgemeinen ihre Lage etwas gehoben hat, das«nuriiegt keinem Zweifel, DI« große Arbeilerbewegniig war Nicht vergeblich z die günstig« industrielle Lag« ist ausgenutzt ivorden, Um beffsre ArbeilSbediugnngel, zu erzwingen und die Ber- sicherungsgofetze bringe» den» doch auch ein« erkleckliche Anzahl Millionen aus de» Tasche» der llnternehmer in diejenigen der Arbeiter. Der best« Beweis dafür, daß die Lage der Arbeiter in Deutschland sich gebeffert hat, ist das fast gänzliche Versiegen der Aiiswnndernng. Trotzdem sind die Löhne der deutschen Arbeiter noch »ettächttich niedriger alS die der englischen. welch« letztere außerdem durch die größer« Billigkeit der LebenS- mittel begünstigt werden. Dem deutsche» Arbeiter sitzt eben nicht bloS der Fabrikant auf dem Nacken, sonder» auch der Agrarier, der ihm die Lebensmittel verlheuerl. Auf die Vertheilung des Besitzes lassen die obigen Ziffern keinen Schluß zu. Dasür geben Rnbaltspunkie nur die Stenerltsten. IIa- fraglich führen die belreffenven Ziffer» z» diesem Schluß. Stur 8.46 pEt. der Bevölkerung Preußen» könnt« zur Eiiikommenstelier hcrangezogi» werde», weil dt« Übrigen 91.54 pCt. Elnkommc» von unter 000 M. haben. Sind sonach die deutschen Arbeiter bei dem„Ansschwnng" wahrscheinlich nicht besser weggekommen, all dt, amerikanischen bei der„Prosperität", so bleibt dagegen die eine Thatsache übrig, daß die gewaltig« w t r t h s ch a f t l i ch e E» t w i ck e l u» g Deutsch- lands auch ein riefiges Proletariat geschassen hat, ein Proletariat, das durchschnittlich i n te lli g e n t er, le rn« begieriger, erusthaft-denkeuder ist, als jedes andere der Welt, also auch ein großartiger revolutionärer Faktor sein muß. Dieses Faktum offenbart sich jetzt Mos bei de»- Wahlcn, bei welchen etwas annäherndes wie allgemeines Stimm« recht besteht. Bon der direkten Einwirkung aus die Gemeinde» und die cinzelne» Staaten, bei denen das nicht existirt, ist dieses gewaltige Arbeilerheer fast ganz ausgeschlossen. Die Konseqnenzen diese? ab- normale» Zustandes werden eines Tages sich mit Wucht geltend machen — Die Kiaotschau- Bucht ist vorläufig dem Reichs- Mariue-Amt unterstellt ivorden. Später dürste ste den, Ressort der Kolonialablheiluiig unterstellt werden.— Holtenau, I. Februar. Der dänische Dampser„Baron Stjernblad" hat heute Morgen, in Holtenau einfahrend, ein Schlensenthor der Nordschleuse so erheblich beschädigt, daß daffelbe gegen ein Reservcthor ausgewechselt werden muß. Die Schuld trifft, wie amtlich festgestellt worden ist, ausschließlich de» Schiffsführer, der ein falsches Maschiueukommnudo abgegeben hat. Der Verkehr ist nicht gehindert, da das Durchfahren der Nordschleuse bei offenen Thoren»»gehindert ist und für nothwendige Schleufungen den, zeitigen Verkehrsbedürfniß die Südschtcuse vollauf genügt. AnS Ostprenslcn, 31. Januar.(Eig. Ber.) Im Wahlkreise Königsberg-Land— Fischhausen werden sich, das steht jetzt fest, bei der kommenden Retchstagsivahl zwei konservative Kaudidale» gegen- überstehen. Ter jetzige Vertreter des Kreises, Graf Dönhoff- Friedrichstein, verösfenllicht heute in Königsberger Blätter» eine Erklärung, daß er ans alle Fälle seine Kandidatur aufrecht erstatte. Von der extrem-agrarischen Richtung ist aber mit der größte» Eni- schiedenheit schon mehrmals betont, daß der Graf Tönhoff ans keinen Fall von ihnen als Kandidat anerkannt werden wird, ihr Kandidat Graf Dobna-Wundlake» sei. Wie sich das Stimmcn» verhältniß bei der Wahl gestnlten wird, ist»och nicht abzusehen. Graf DLuhoff-Friedrichstei» hebt in seiner Erklärung hervor, daß er im März 1894 in einer Versammlung seiner Wähler seine Stellung zum russischen Handeisvcrtrng klargelegt und sein Mandat zur Disposition gestellt habe, für den Fall, daß ihm nicht Freiheit der Abstimmung geivährt werde. Diese Freiheit sei ihm mir ganz großer Majorität gewährt worden. Aber nicht nur die Mehrzahl der Wähler sei mit seinem Eintreten für de» rnsiücheu andelsvcrlrag einverstanden gewesen; auch die Borsttzendeu der relsorganisalion des Bundes der Landwirthe hätten im März 1891 den Widerstand gegen den Handelsvertrag nnsgegeben. Das lauie nachträgliche Tosen und Tode», den Enlrüslungsstnri» bezeichnet Gras Dönhoff als„Loknlmache" und bestellte Arbeit,„bestell! von einem i» de» betreffende» Sphären dainats leider allmächtige» Manu, jetzigen Zuchthäusler". Graf Töuhoff hat es also den, Herrn v. Hammerstein hauvtsächlich zu danken, daß er ans ver konservativen Partei und Fraktion Heraiis« gegrault wurde.'Iiis selststverstäiidlich betrachtet es Graf Döichoff, daß die feindlichen konservativen Brüder bei gewissen Ltlchwahlkombiliationen einer für den anderen stimmcn mnffe» und werde». Wen» die Freisinnige» eine nennenswerthe Zunahme von Stimmen haben werden, ist es möglich, daß keiner der beiden ko»- servativen Kandidaten in die Stichwahl kommt. Wahrscheinlich ist, wenn nicht gewiß, daß unser Kandidat, Genosse Schnell, nur einem Kvnservatlven in der Stichwahl um das Mandat ringr. Wenn sich dann die Freisinnigen nicht wieder von der reaktionären Seite zeige». können wir möglicherweise de» ersten ostpreußische» Landkreis erobern. Es wurde» bei der Wahl 1SSS für den Konservative» 9119, für den Frei» sinnigen 1304, für unsere» Kandidaten 4400 Stimmen abgegm». Gegen 1890 hatte» wir eine Zunahm« vo» 2130 Stimmen. Von unsere» Genossen wird schon seil Monate» der KreiS planmäßig bc- arbeitet; haben wir auch niir annähernd«ine ebenso grob« Sleigernng ver Stimmen wie vom Jahre isv0--9g, sind unsere Antsicht«» die besten. Da wir bei der Agitation den konservaliven Zivist nach Krästen ausnützen, die uns noch sernstcheiide» Landarbeiter sicher dadurch etwaS zum Denken angeregt werden, habe» wir alle Ursache, mit dem Strest der Kou- servalive» zufrieve» zu setn.— — Der TyphnS wüthet in Oberschlesien, die« bestätigt nun auch die„Nreuz-Zeitiing". Ob es stch um HuNgertypt,»« handelt, weiß daS für Grenzsperren gegen ausländische Vieh- und Fleischcinsiihr schwärmende Btntt nicht.— Hamburg» 31. Januar. Entschädigung eines schuld- IvS A e r n rt b etil e N durch den Hamburger Staat. Am 19. Mai v I. wurde der Arbeiter Thiele auf die'Aussage eines kleinen«ttva 8 jährigen Kindes hin wegen Versuches eiNrS Verbrechens trotz wiederholter B e t h e u e r n n g seiner völligen Schuldlosigkeit vo» der Straskammer II zu einer Gefängnih strafe von vier Monate„ ver» » t t h e i l t. Nachdem der Mann seine Straf« verbüßt hatte, gestand «in»»ter Anking« stehender Mensch sreiwillig, daß er sich anch jenes Versuches schiildtg gemacht habe, wegen dessen Thiele die Strafe criilten hatte. Darauf wurde denn auch das Verfahren gegen Thiele>v i e d e r a u s g e n o m m« n und auf kostenlos« Frei- sprechuiig erkannt. Der Senat hat nunmehr unter Mitgenehmi- gling deS BürgeransschusseS beschlösse», daß de», Arbeiter Thiele eine Entschädigung von 500 M. aus der Staatskasse gezahlt werde» soll.— Weimarischrr Lnntztag» 31. Januar.(Eig. Ber.) Heute stand i»»rstcr Lesung der Gesetzentwurf über daS Diensl«>nkomm«i> der Volksschtillehrer Und damtt zusammenhäuaeud die Abänderung des Volksschulgesetzes vom 24. Juni 1874 zur Berathnng.— Der Chef des tttitrns-Deparlements, v. Pawel, belont«, daß man mit der Ans- besseruiig der Gehälter auf die Finanzlage des Staates Rücksicht nehmen müsse und daher den„weitgehenden" Anfprütii««, der Lehrer auch»tcht ganz Rechnung tragen könne» er wolle aber de» Lehrer» anralhen, sttr die Folge anspruchsloser ihren Wünschen vorzüglich in der Press! Ausdruck z» geben» um so mehr würden sie in seiner Achtung steigen. Die große Mehrzahl der Ab- gcordtielen erklärten sich für Gchallsansbcffening» unser Genosse Bandert sowie die srcistnliige» Abgeordneten betonten, daß ihnen die Regiermiasvorlage nicht loeit geniig gebe. Der Abg. v. Wnrmv zapfte daranshin unseren Genossen sowie die sretsinnige» Abgeordneten an Und erklärte, auch er habe ein sehr warmes Hc'rz für die Schule, aber die Freisimiigei, »nd Sozialdemokraten verhielte» stch, wenn sie unter stch wären, ivie dies tn der Berliner Stadtverordneten- Vcr- sammlnng erst kürzlich vorgekommen sei. ganz anders. Daß der Herr Abg. v. Wnrmb von den so Angegriffenen die richtig« A»t» ivort erhielt» war vpransztckehe», unser Genosse Bandert wie« weiter varNtif hin» daß inkl. Wachtmeister, Chefs». s. w. inögesanIMt 83 Genvarincn im Grvbherzoalyttm angestellt und für diese» Thctl inSgefammt! 147 205 Mark(ein Fiißgendarm 3. Klaff« erhält: 1390 M. Gehalt) eingesetzt seien, sltr 833 Lehrer an der Volksschule wolle der Staat inZgesammt 790 996 M ausgeben, würde man ptojintilell dir Schule das gleiche Interesse wie den Sichcrheilsanstattrn entgegenbringen, so mnffe man 1 472 050 M. für die Schul« auswenden; er wünsche, die leitenden Kreise im Groß« erzogthuin möchten im Reiche ibren Einfluß dahin geltend machen. aß anstatt 3 Millionen Mark Matrikularbeiträge für größten theili nnknll»relle Bestrebitnge» z» verwenden, diese Summe im Interesse der Schule, für die Kinder deZ Volkes Verwendung finden inöchle.— Greiz, 30. Jatlirnr.(„Magdeb. Ztg.") Lciiidtagßschlnß. Der elfte ordentliche Landtag des FürstenihnmS, der fett dem 13. v. Rt. versammelt war, ist gestern geschloffen worden. Ihre Eiledigung haben u. a. gesunden»nv find auch bereits als Gesetze veröffeMIlbt worden dt« Vorlage», betreffend de» Etat für 1398 biS iw». d.« Aendernngen der B e a m t e n b e s o 1 d u» g, n, die Vervcsjerung de» Di«nsteinkon»»«»S der A o l r s s ch n l l« h r e r ans dtt» platten Lande und der Geistlichen in MiiiimalsteÜen.— — Betreff« der M i t t h« i l u n g in Nr. LS deS„Vor- wärts" über de» Inhalt der g e h« i m e n E i tz u n g c» in der sächsischen Ständekaminer wird uns von unseren Genofftn tn der Knnmicr geschrieben, daß es sich dabei weder nm Summen für das Königsjubiläm» noch um Summen für de» Neubau des Königs- fchlosses handelt. Es handelt sich lediglich um eine finanzielle Maß- rcgel zum besten der sächsischen Staatskasse.— — Die in Sachsen geplante Vermögensstener soll, nach einer Miltheilung der„Leipz. Volkszlg.«, von der Finanz- depntation der ersten Kammer abgelehnt werden. Zlnch die Finanz- depnlalion der zweiten Kammer hat keine Neigung, dein Entwurfs zuzustimmen. Die Herren Besitzenden lieben es nicht, daß ihr Geld- sack unter Kontrolle gestellt werde.— München, 31. Januar.(Eig. Ber.) Bayerischer Land- tag. Die Kammer verhandelte heute folgende von der Zentrums- sraktion gestellte Interpellation: 1. Welche Maßnahme» gedenkt die EtaatZregierung zu treffen, um dem nolhleidenden Stande der Kleingewerbetreibenden und des Handiverks zu Hilfe zu komme»? 2. Ist dieselbe insbesondere geneigt, n) zur Förderung der Innungen nnd Handiverkerkammern im Sinne des Neichsgesetzes von 26. Juli 1SS7 Landes- miitel zur Verfügung zu stelle», nnd b) außerdem ausreichende Mittel zur Gründung einer geiverb- lichen Zentral-Hilfskasie zu gewähre»? Nach der vom Nbg. Dr. O r t e r e r(Z.) erfolgte» weitschweifigen Veguniduiig der Jnterpellalion erklärte Minister v. F e i l i h s ch, daß die Regierung wie bisher so auch seriierhm der Unterstützung des Handwerks»nd Kleingewerbes mit allen ihr zu Gebote stehenden Miticln ihr sorgfältiges Nugeumerk zuwenden wird, daß sie es auch als eine wichtige Aufgabe erachtet, die mit der Ausführung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 betrauten Innungen, Junuiigsausschüsse, HandwerkSkainiuer» und Jnmingsverbändc hierbei thunlichst zu uuter- flütze» und daß sie endlich der Frage der Errichtung einer gewerb- lichen Zentral-Hilfskasse, wenn sie einmal eine festere Gestaltung gewinnt, ihr sorgsninsles Augenmerk zu wenden und seinerzeit »ach Einvernahme der betheiliglcn Orgaue die hiernach weiter veraulaßtcn Einleitungen treffen wird. Ii» Verlaufe der Debatte nahm auch Volkmar das Wort nnd führt? u. a. aus: Das Junnngsgesetz werde nur zu Streitig- keilen und zu Mißvergnügen führe». Die ganze Jnnungssache sei n'i.dcr einmal nur eine große Mache gewesen und die Mehrzahl der H.mdwtrttiileisler wolle hiervon nichts wissen. Alle die geniachten Versprechungen seien»ichiS alS Utopie. Wenn sich Meister fände», d>c ausschließlich Lehrlingszüchterei treiben, sei es erklärlich, daß es Meister gäbe, die nichts verständen. Zn so falschen Mitteln, wie die ZwangSinnungen es sind, werden die Sozialdemokraten nicht zu habe» sei», nnd sie werden auch keine Mittel aus Staatsfonds de- willige». Angesichts der Aufwendungen für die Landwirthschaft und»UN auch noch der Heranziehung des Kleingewerbes müsse man doch fragen: Ja, sind denn keine Areeiter mehr da? Die Rechnung der Arbeiter werden wir seiner Zeit noch bringe» und Mittel zur Förderung der gewerkschaftlichen Organisalione» verlange».— Karlsruhe, l. Februar. Der Prozeß in Angelegenheit der durch den b a d i s ch e n Fiskus voin Fürsten Max v. F ü r st e u b e r g geforderten Erbschaftssteuer ist nach dem heule verkündeten Urlhcii des badischen Verwnltuiiasgerichtshoss zu Ungunsten deS Fürsten entschieden, dem auch die Kosten deS Verfahrens auferlegt wurden. Die zur Einziehung gelangende Erbschaftsakzife dürfte, wie es heißt, mehrere Millioilc» Mark betragen.— ZlnS Elsaß- Lothringen, 31. Januar.(Eig. Ber.) Zur Illustration des reichelnndischen„Versammlungsrechtes" nuter der Fuchtel der Ausnahmegesetze und Diktatur berichtete ich Ihnen vor einiger Zeit, daß der frühere Redakteur der amtlichen „ijandw. Z«ilschrist< Herr Götz, wegen Abhaltung von land- w i r t h s ch a k t l> ch e n Versammlungen ohne Erlaubuiß deS Bezirkspräsidenten zu einer Geldstrafe von 00 M. und de» nicht »tnerheblichen Koste» verurlheilt wurde. Sin weilerer ähnlicher Fall liegt, wie wir einem obmlsäsflschen Blatte entnehmen, jetzt vor. Der Redakteur deS„Laudiv. Zeilgeist", Engen Bader, war von dem Bürgermeister im Oberseebach eingeladen worden, einen Vor- t r a g ü b e r D ü n g u n g zn halten nnd war dieser Aufforderung, nichts BöseS ahnend, auch nachgekommen. Die Bürger Oberseebach's bezeiglen dem Referenten ihren Dank für die gemeinverständliche Belehrung. Aber das dicke Ende kam nach in Form einer hoch» uolhpeiulichen Untersuchung gegen Herrn B. wegen Vergehens gegen die versaiiimlnugSgesctzlichen Befllniimmgen der Reichslaude. Trotz aller dieser Vorkommuisse wird bei»us natürlich in der alten Weise weiter„regiert". Straßbnrg, 31. Januar.(„Franks. Zeitinig".) Der„elsaß- lothringisch«,, Volkspartei" zufolge ivurde gegen de» verantwortliche» Redakteur des in Slraßbnrg erscheinende»„Landwirthschasllichen Zeitgeist". Bader, dnS Zengnißzwangs-Verfahre» ein- geleitet. Die Veranlassung bildet ei» im„Zeitgeist" erschienener Artikel, durch den sich die Firma Hache»b»eaer i» Darinstadt beleidigt kühlte. Hachenburger vermuth-ti als Einsender des'Artikels feinen Konkurrenten Adolf Thelß in Darmstadl»nv verklagte ih» darum wegen Beleidtgimg. Bader wurde alS Zeuge geladen u»d »m Bekanntgabe des Verfassers ersucht. Da Bader sich weigerte, den Verfasser zu nenne», ervielt er seitens des Amtsgerichts I Tag Haft. Bader wurde»enerdingS wiederholt vorgeladen und zur Be- kannlgabe des Verfassers aufgefordert, doch ohne Erfolg. Der Fall erregt pelttliches Aufsehen. — Chronik der Majestät s b« l e i d i g u» g S- Pro z esse Der Arbeiter Paul Grzonowitz aus Köiiigshüll« wurde vv» der Elrafkatnmer l» Beulhe» O.-T. wegen Majeslätibeleidigung zn sechs Mottäten Gesäugniß verurlheilt.— Wegen Maieslälsbeleidigung hatte sich gester» der ans Ostpreußen ßebürttge Schreiber Eduard Krüger vorder 4. Straskaiiimer des LaudgerlchiS I zu verantworten. Während der Verhandlung war die Oeffeiitlichkelt Nicht anSgeschlossen: es haben in der Sache beretl? zwei Termine angestanden, in de», letzte» Ivurde beschlösse», de» Angeklagle» in der Anstalt zu Herzbcrge auf seine» Geistes- zustanS Uiiierstlchen zu lasse». Das ist inzwischen ge- schehe». Am 18. August v. I. kam er nach Berlin; hier verbummelte er zimächst sei» Geld, indem er von einer Kneipe i» dt« andere pilgerte; am 23. August ganz früh des Morgens lrat er —»ach der letzte» duichbummelle» Nacht— an der Ecke der Wilhelm- und Leipzigerstrnße an de» Schuhman» Veihe heran, ließ eine gegen de» Kaiser gerichtete grobe Beleidigung falle»»»d rief im Anschluß an dieselbe:„Hoch leb» die Anarchie! Ich bi» Anarchist durch»»d durch!"— Wie im Laufe des Verfahrens festgestellt wurde, bat der Augellagte sich mit Politik überhaupt nie beschäftigt.— Der Echutzmai», Veihe bekundete, det Angeklagt« habe auf ihn den Eindruck gemacht, als wenn er„nicht ganz richtig" wäre. Nach dem Gutachten des OberarzlcS Dr. Korlum aus Herzberge ist der Angeklagle erblich belastet und Alkoholiker, er leibet a» Größen- mahn und Echivachsiniiigkeit. Auf grnnd des Gutachtens erkannte der Gerichtshof nach dein Antrage de? Staatsanwalts ans Ein- slelluiig des Versnhreiis.— JahannesTrojan. der Ehefredaktenr deS„Kladderadatsch", hat gegen das Erkeiintniß der Stiafkainmer, das ihn wegen MajesiätS- beleiblgniig zu zwei Monate» Festung verurthcill, d>e Revision an- gemeldet. Oesterreich. Prag, I. Februar. Landtag. Abg. Urban und Genossen beauliagen die sosorlig« Aushebung deS polizeilichen Verbots des Farbenlragen», u>iter Hinweis darauf, daß eine derartige Verfügung der Polizei nur bei Verhäng, mg des Ausnahmezustandes zulässig sei. Die d«i»sch»mlio»alen Student«» bereit«» einen Streik, d. h. dt» orgauistrten, statt des bisherigen nicht orgamsirle» Nichtbesuch von Vailesiliigen n» de» deutsche» Uuiversitäte» Oesterreichs vor. Zum thcil sind sie schon in Viesen Streik getreten.— Plage 31. Januar.(Etg. Ber.) In allen Orten Böhmens versainmellt sich gestern da« rechtlose, arbeitende Volk, tausriidr von Arbeitern,»»» laut ihr« gesetzlich gewährleisiele» Rechte zu forder». ViS heule noch ist in Oesterreich dnS Proletariat von den Landlagen und Geinciiideverlrelungen anSgefchloffe» und hat kein Anrecht, auf die koiunninale und Lmidcsgesetzgebuiig Einfiuß zu üben. Di« ge- waltige Kmidgebting deS czechifchen und deutschen Proletariats in Böhnien für das allgemeine gleich« und direkt« Wahlrecht in alle Vertretnngskörper war zugleich ein deutlicher Protest gegen die Regieruugspolitik, ei» Protest gegen den Ratio- nalitätenstreit. In Prag selbst und den umliegenden Ortschaften wurden fünf Versammlungen abgehalten, die alle un- gewöhnlich stark besucht waren. Schon um 9 Uhr früh strömten Arbeiterschaaren nach den Versammlungslokalen. Der Verlauf aller Versammlungen war ein würdiger; mit Stimmeneinheit wurde nach- stehende Resolution beschlossen: „Länger als ein Vierteljahrhundcrt kämpft in Oesterreich das rechtlose Volt um die politischen Rechte. Die Gleichheit aller Staatsbürger vor dein Gesetz, die durch die Versassimg gewähr- leistet erscheint, besitzen wir nur auf dem Papier, sie ist eine leere Phrase. „In anbelracht der vollständigen Unfähigkeit der gegenwärtige» Vertretungskörper, die»„haltbaren Zustände zu regeln, verlangt daS rechtlose Volk die endliche Anerkennung und Verwirklichung seiner gewährleistete» Rechte, weil nur dann die Bertretungskörper das werde», was sie zn sein vorgeben, und weil nur dann die zerklüftete» politischen, nationalen nnd wirthschafllichen Verhältnisse geebnet werden können.... Das rechtlose Volk ist überzeugt, daß »ur da»», wenn ihm alle seine Rechte unverzüglich ein- geräumt werden, der gegenwärtige nationale Streit, der das ganze öffentliche Leben vergiftet und demoralisirt, beseitigt und durch eine ehrliche Arbeit ersetzt werden kau»... Nach 2 Uhr nachmittags war die letzte Versammlung beendet und die Tlieiluehmer zogen durch die Stadt. Obzwar die Polizei in großer Zahl ausgerückt war, alle Kreuzungspunkte befetzt hielt, konnte sie es doch nicht verhindern, daß dem Jungczechenführer Dr. Herold vor seinem Hause donnernde Pereatmfe ausgebracht wurden.— Erst heute kommen die Nachrichten von den Versammlungen in der Provinz, die überall von dem zielbewußten Vorgehen deS Proletariats Zeugniß geben. Bon de» bürgerlichen Partelen hat biS jetzt keine, weder Ezechen noch Deutsche, im Landtag die Frage der Eriveiteruug des Wahl- rechts auch nur berührt, dafür aber ist ganz Oesterreich in Auf- reguug über die historisch bedeutsame Zusammenkunft der deutschen Sludeute» i» Leitineritz. Nach dem dort gefaßten Beschluß wird der Kollegieubesnch eingestellt, falls die Regierung die Zurücknahme des FarbeuvcrbolS nicht bis heule Mittag bekannt giebt. Die Regierung hat nichts geändert a» dem Verbot; die Studeule» werden also streik«,» Offenbar werde» sich an diese Vorkommnisse Debatten im Landtag knüpfe», der am Dienstag wieder ziisannnentrilt. So kann man mit Sicherheit annehme», daß der Landtag zn gar keiner Arbeit mehr koiunie» wird, obzwar die einzelne» Kouuuisstoiie» ihre Sitzungen bereits aufgeuomnie» haben; die österreichische Poltlik wird sich vor der Hand noch mit de» Mühen der Studenle» zu beschäftige» haben.— Troppan, 1. Februar. Landtag. Bei der Beraihung der ? frage der systematische» Eindeichung der Weichsel von der galizi- che» Grenze flußauswärls wurde die Angelegenheit eiustlunuig dem Ausschuß zur nochmaligen Berathung überwiese», unchde», der Landes- Präsident ersucht halte, der preußischerseitS ergangene» Anregung zur Reguliruug der Streck« Rechnung zu tragen.-- Frankreich. — Die Dreyfus-Frage ist jetzt auch in der italienische» Kammer zur Sprache gebracht worden. Auf eine Anfrage erwidert der Unter-Slaalssekretär des Aeußere» B o n i»: Die italienische Tiplomalie hallt sich nicht irgendwie in die Sache eiuzumische» und habe größte Reserve beobachtet. Sollte» Beamte der ilalieuischen Botschaft lm Zola-Prozeß vorgeladen wer- den, so werde z» prüfen sei», welche Jiistruklionen denselben zu aeb«» sind. Nebrtge»« kau» ich, so suhr Bonin fort, tu der be- sllmmteslen Weise versichern, daß weder unser Milttäraltacht»och irgenv et» anderer Agent oder RrprSseulniit der tlalleiitsche» Regte- ruug jemals irgend welche, sei eS direkte, fei e» indirekte Beziehung zu Drcyfus halte».(Sehr gut; sehr lebhaster Beifall.)—■ Belaieit. lvrlissel, I. Februar. R e p r n s e» I a n t e» k a n, in e r. Minister- vrästdeut de Smet de Nayer erklärt, die Regierung habe beschlossen, die Verbranchösteuer aus rassiuirle» Zucker vom 1. Oktober 1399 ab auf 15 Franks zu ermäßig«».— Tüiieinark. — Im F o l k e t h i» g wurde der sozialdemokratische Antrag auf 11 in b a« ungesunder S t n d t t h e i l« in Kopenhagen:c. in zweiter Lesung berathe». Der Fjuanzansichuß hat aneikaimt. dnk, i» Kopenhagen wie in einzelnen Provinzstadten sich gesuttdheilSaesährliche und zu euggebaute Stadttheile finden, und daß der Slaat die Pflicht habe, hier rliirugrelfe». Der'Aus- schuß hat nichts dagegen, tvciin der Slaat de» KomMuueu Geld dafür leihweise zur Bersügitug stellt. Auch dem Bau vv» Arbeiter« wohuuiigett mit fluaiizicller Staalshilse durch philätitbrvpische Vereine stimmt der Ausschuß zu. ja, er will es noch auf solche Vereine ausdehnen, die HäuSchc» zum Verkauf an Arbeiter und andere kleine Leute bauen wollen. Dagegen will der Ausschuß die Maxiiiialgrenze der betreffende» Anleihe auf 4 Million«» Krone» festsetze». Die Minorität de? Ausschusses(die Konservative») will finanziell nicht so weit gehen, stellt jedoch keine Anträge, da die- selben doch keine Aussicht ans Annahme Im Fvlkethtna haben. A l b e r t i als Morlsührer des Ausschusses eiupfnhl die Annahme deS Antrages mit den vorgenommenen Aenderuugcn. Hage namens der Konservativen findet all' dles« Gesetze intl Stnalshtlfe für alle möglicheii Utttirnehmuiig»» bedenklich. Er findet, daß man mit vollen Segeln in de» svzialisttschen Staat hineinfahre. Der Finanz I» t N t st« r ist nicht sehr für die Anträge«in- genommen, will sich aber einen, Mehrheitsbeschluß nicht widersetze». Hotin. NäMtii» der Sozialdetiivkralie, ist erfreut über den Erfolg des Antrags im Ausschuß und über die Erklärung des Ministers. Auch das Laiidarbeiter-Ansiedelungs-Äesetz kam in der verdorbelteu Gestalt, die ih», der Land es I hing gegeben bat, wieder vor de» Folkething. I. I»» s e» weist»ach, daß der Landeslhing die ganze Last nnd das ganze Risiko auf die Schultern des armen Landardeiters wälze» wolle. R e v e n t l o w hofft aus et»« Entigmig in eine», gemeinsame» Ausschuß. C h r i st e n s e» nhrt aus, daß dieses Gesetz so wichtig sei, daß es immer wieder- -»»inen müsse, bis der Widerstand dcö Landeslhings gebrochen sei. Der L a» d w i r t h s ch a s t s m i» i st» r meinte, die Aiiösichteu auf Einigung seien sehr gering, da»>a» de» Lmidesthiiig so heftig au- gegrifsen habe. Cr sei bereit, eine» vermittelnden Stnudpunkl zwischen den beiden Things einzunehmen. Der Antrag wurde einem Ausschuß überwiesen. Jtali««. Rom, 31. Januar. D e p u t t r t« n t a nun er. ES gelangen Anfragen und Interpellationen in betreff der H e r a b u, i n d«« r u ii g der Getreidezölle zur Verhandlung. Der Finanz- minister erklärt, er halte«S für zeitgemäß, die Zölle herabzufetzeu. nicht aber für ralhsam, dieselben vollständig abzuschaffeii. Das HauS beschließt, die Weiterberathuug morgen fortzusetzen, gleichzeitig da- mit die Eiörtermig über die Verordnung b»ir. die Herabsetzung der Gelreidezöll« zu beginnen und inzivischen die Berathung der Bank- vorläge auszusetzen.— Spanien. Havana» 1. Februar. In dem Hause de? Bürgermeisters explodirle eine Dyiiamitbombe. Mehrere Personen wurden ver- mundet. Der Schaden ist sehr bedeutend. Der Urheber der Explosion wurde verhastel.— Rnszland. Warschau, 27. Jan.(Köln. A.-Zta.) In den Gouvernements Minsk, Mohilew, Kiew u. f. w. herrscht augenblicklich ein förm- liches AttSwanderuiigsfieder. obschon dort gewöhnltch daS Volk ver- hältnißmäßig sehr seßhaft ist. Tausende von Familien chicken sich nämlich an, nach Südstbtrien auszuwandern. Dt« Behörden legte» schon im vorige» Herbst, als das AnSwanderuiigsfieber begann, den Auswanderungslustigen leine Echwierigkeiten in den Weg. verlanglen aber, daß die«in- z«l»«n Dörfer Bertrauensmänner nach Südsibiri«n entsenden sollten. um das Land nnd dessen Verhältnisse kennen zulernen. Verschiedene dieser Kundschafter sind bereits zurückgekehrt, und nun bereiten sich Tausende zur Auswanderung vor. Ein jeder von ihnen muß min- destens 73 Rubel sein eigen nennen. Die Leute verkaufen Hals über Kopf ihre Habe nnd werden zum Frühjahr auswandern. Infolge dessen wird in den von den Kleinbauern nnd ländlichen Arbeitern verlassenen Gegenden«in recht empfindlicher Arbeitermaugel sich fühlbar macheu. Die im geheimen erscheinende polnische sozialistische Zeitung „Robot nik" veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein Äerzeichniß der Polizeispitzel in Warschau, Wilna, Erenstochan, Lodz ec. Voller Name, Wohnung, Beschäftigung, Beschreibung der Person zc. werden ganz genau augegebe». Außerdem veröffentlicht der„Robotnik" die Namen verschiedener russischer Beamte», die im Auslande auf Urlaub waren und bei ihrer Rückkehr eine Reihe zollpflichtiger Gegenstände nach Ruhland eingeschmuggelt haben sollen. Ferner ein Verzeichniß einer Reihe höherer Beamten in Warschau und an der russtsch-preußische» Grenze, die eine Anzahl Betrügereien, Unter- schlagnngen, Erpressungen k. verübt hätten, trotzdem aber noch in Amt und Würden seien.— Bulgarien. — Auffällige Rüstungen. Alts Konstantinopel wird der„Intern. Korresp." geschrieben: Die außerordentlichen militärischen Vorsichtsmaßregeln, welche die Pforte während der letzten Wochen in Rumelien und längs der bulgarischen Grenze an« geordnet hat, sind ans folgende Thatsachen zurückzuführen.— Vor etwa einem halben Jahre hatte die bulgarische Regierung an der türkischen Grenze sechs neugebildete Kompagnien aufgestellt, welche nach der amtlichen Erklärung nur eine Grenzgendarmerie darstelle» sollten. Kürzlich aber wurden diese angeblichen Gendarmerie- Ablheilungen von ihrer frühere» Stärke von 209 Mann aus je 1999 Mann gebracht, so daß sie gegenwärtig eine ganz ansehnliche Streitmacht darstellen, welche ununterbrochen an der türkischen Grenze manövrirt. Gleichzeitig wurden die bisherigen vier bulga- rischen Kavallerieregimenter um eines vermehrt und in vollständiger Kriegsstärke ebenfalls bis nahe an die türkische Grenze vorgeschoben. Außerdem wurden in aller Eile die KadreS für 24 Reserveregimenter gebildet, über deren Gefammtausrästung augenblicklich die Sobranje zn beschließen hat. Die Neubestellungen an Artillerie werden eben- falls in beschlennigter Weise durchgesührt, so daß bis April die bul- garische Arlilleri« um 15 Feldbatterien und 9 Gebirgsbatterien verstärkt sei» wird. Angesichts dieser Vorgänge befürchtet man in den türkischen Regierinigskreisen, trotz aller FrenndschaftSversicherungen des Fürsten Ferdinand, von bulgarischer Seite irgend einen Hand«� streich aus makedonische oder rumelische Greuzbezirke. Afrika. — 31» der marokkanischen Küste ereignete sich ein Konflikt zwischen dem britischen Schiff„Tourmaline", wtlchei de» Versuch gemacht haben soll. Waffe» und Vorräthe an der Käste zu landen, aber durch de» Regieruiigsdampfer„Hassani" daran verhindert wurde. Beide Schiffe gaben Feuer gegen einander. Ein Boot, in dem sich drei Engländer befanden, wurde vo» Regierungs- lruppen geiiomme». Alle Dörfer, deren Bewohner sich den Fremden srenndlich erwiese» hallen, wurde» von de» Truppen zerstört nnd viele Eiuivohner getödiel und verwundet. 3lns London wird hierzu berichtet: Der Vorsitzende deS„Globe Vculure Syndkalc", dessen Expedition a» der marokkanischen Käste südlich von Mogador niigegriffe» wurde, ist der frühere britische Botschafter in Pelertburg und Nonstantinopel Eir Edward T h o r n t o n. Einem Berichterstatter der„Daily Mall" gegenüber ertlärle Thoruton, die Expedition Hab« nur HandelSzweck« versolgt und ulcht die SIbsicht gehabt, einen Kampf herveizuftthren.— rictorla, 1. Februar. Die zur Berathung über»in« Union che» der Südafrikanischen Republik und dem Oranje« Freistaat»usainmeugelretene Konferenz hat ihre Thällgkett abgeschlossen. Wie verlautet, sind die vorbereitenden 3lrbeiieu für die Ausstellung der Grundlage der Union zwischen den beiden Republiken beendet worden.— Amerika. Washington, 31. Januar. Das Repräsentantenhaus hat die Resolulion des Senators Teller, in welcher gefordert wird, daß die Vereinigte» Slanteii-Bonds sowohl in Gold als in Silber zahlbar sei» solle», mit 162 gegen 132 Stimme» verworfen. Das»st«in neuer schwerer Schlag für die vielgeschlagenen Bimetalliste».— Rio de Janeiro, 31. Januar. Der Belagerungszustaud ist bis zum 23. Februar verlängert worden.-- AVahlbewcgnng. Auf der Kreislonferenz für daS Färstenlhum Lippe haben unsere Parteigenosse» de» Kausinann Bunte aus Bielefeld als Rcichstngs-Knndidalen aufgestellt. In Schanmburg-Lippe kandidtrt Paul Reichenbach aus Bieleselv. I» Pyrmont hielt«» am 39. Januar unsere Partelg,»offen ein« Versa,»Mliing ab, die sehr gut verlief. Der sozialdemokratische Relchslags> Kandidat Detlmering sprach Über die politische Lagt in Dcnlschland und fand unter den Thetluehmern der Versammlung lebhalte Zustimmung. Das Zenlrrim im Wnhllreis Höxter-Warburg hat den bisherigen Abgeordneten Schmidt wieder ausgestellt. Im ersten bra»lisch weigisch»» Wahlkreis haben Freisinnige, Nationalliberale, tzlnlisemite» und der Bund der Lniidwirthe eine Be- sprechnng gehabt, um für die gemeinsame Kandidatur de? Ober« ineisms der Schlächteriniuriig, dem Renlnet: Reineck«, eine Ber- ständignng z» erziele». Wie berichtet wird, scheint, mit SiuS« schlnß der Freisinnigen, die Kandidnlur zu stand« z» kommen. Im zweiten bramischweigischen Wahlkreis ist v. Kaufmann nIS Kompromiß'Kandtdat der Freisinnigen, Nationalliberalen und des Bundes der Lnndirmlhe in Aussicht genouimen. Im dritte» braunschwetgische» Wahlkreis hat der Bund der Lniidwirthe in der Perso» des Herr» Römer einen eigene» Kandidat«» aufgestellt. Im Wahlkreise Delitzsch-Bitterseld haben die Kon« servalive» den biSberige»'Abgeordnete» Bmiermeister wieder ausgestellt. Di« Mitglieder des Bundes der Landwirthe und der deulsch-svzinlen Resounparlei wollen die Kandidatur unterstütze». I» Kassel haben die Konservativ«» und Ratioualliberalm als gemeinsame» Kandidaten den nationalliberalen Kommerzirnrath Wegeman»»omiuirt. Im Nassauische» Wahlkreis Ob«rtaunnS-Höchst-U singen hat der Vorstand deS Wahlvereius der Frelstmrige» BolkSpartei einstimmig beschlossen, de» früheren ReichStagS-Abgeordnete» Gustav Münch i» Dietz als Kandidat in Vorschlag zu bringe». Für de» ReichStagS. Wahlkreis Ansbach-Sch wabach hat eine Bertraneiismänner-Versammluiig der demokratischen Partei an stelle des bisherige» Vertreters Dr. Eonrad den Baumeister Eckart- Ansbach als Kandidaten aufgestellt. parket--NAchvtchkett» Im Hinblick ans die anherordentliche Bedeutung, die die an de» Posado w St y'schen Erlaß geknüpften Debatten d,S Reichstages für die ganze Arbetlerwelt haben, hat der Parteivorfland bestimmt, daß die ini Verlag der B n ch h a n d l u n g Vorwärts erschienene, 7 Bogen starke Broschüre:„Gras Posado wSky und die Koalitionsfreiheit vor dem Reichstage", die daS Stenogramm der Reden unserer Abgeordneten und unserer Gegner, sowie de» PosadowSky'schen Er- laß selbst enthält, t»«wer Masse„»Auflage hergestellt und de» Vertrauensleuten und AgitatlonS-Komitee'S je. der Partei, sowie de» Gewerkschaften zum Selb st kost«»preise überlassen werde» soll. Damit t» der Zustellung der thalsächlich für jeden Arbeiter und jede Arbeiterin wichtigen Schrift keine Unterbrechung eintritt, wird ersucht, die Bestellmige» sofort auszugebe». von der Zlgitatio». Die Parteigenossen in Hamburg ver- theilte» cu» Evuntag Morgen Lvvövg Exemplare eines die Bürgerschafts wählen betreffenden Flugblattes. Die erste sozialdemokratische Bancriikonscrenz im nord- böhmischen Bezirk A u s ch a wurde am 23, Januar in der Stadt gleichen Namens abgehalten. Bon den SS Ortschaften des Bezirks waren 42 durch insgesammt US Delegirte vertreten; darunter befanden sich 13 Gemeindevorsteher(Landbürgermeister), zwei davon führten den Vorsitz. Der in diesem Bezirke gewählte sozialdemokratische Neichsraths-Abgeordnte E ch r a m in e l sehlte selbstverständlich auch nicht. Zweck der Konferenz war die Gründung ciner Bauern- o r g a n i s a t i o n. Gemeindevorsteher K l i m t aus Roche, der die Berhältnisse der Laudwirthe und speziell der Hopfenbaueru geschildert halte, betonte, daß nur von einer aus dem sozialdemokratischen Pro- gramm beruhenden Organisation eine wirkliche Verbesserung der Lage der Bauern zu erwarte» sei. Abgeordneter Schramme! setzte den Bauern das sozialdemokratische Programm auseinander. Seine Ai>s> sührungen fanden uugelheillen Beifall. Ein Redner fragte, wie sich die sozialdemokratische Partei zum Markenschutz verhalle, welche Frage für die Hopfeubauern von besonderer Wichtigkeit ist. Es »vurde ihm erwidert, die Sozialdemokratie werde selbstverständlich dafür eintreten, daß jeder Hopsen, wie überhaupt jedes Produkt. als das bezeichnet wird, was es wirklich ist. Galizischer Hopfen müsse als solcher bezeichnet werden, und dasselbe habe beim Auschaer und Saazer Hopse» zu geschehen. Wer es anders übe und galizischen Hopfen als Auschaer, und Anschaer als Saazer markire, begehe einen Betrug. Betrüger müßten aber bekämpft »verde». Die Delegirten stimmten hierauf sämintlich dafür, daß eine Organisation für die Landwirthe geschaffen werde» soll, und ver- sprachen kräftig für sie einzutrete». Polizeiliches, Gerichtliches ,c. — In Sachse», dem Probirstübchen der deutschen Reaktion, ist man jetzt eifrig daran, de» Arbeiter» die Verbreitung von Flugblättern durch Anwendung des Groben Unfugs-Paragraphe» abzugewöhnen. So erhielte» im Bereiche der A m t s h a n p l M a n n« schaft Pirna mehrere Arbeiter Strasbefehle, die folgende Fassung haben:„Laut Polizeianzeige vom 13. Januar I89S ist der Steiumetz E. H. P. Sch. in Pirna am 9. Januar 1898 nach dem Vormitlagsgottesdienste in Gottleuba zum Zwecke der Berthcilung von sozialdemokratischen Flugblättern unberufen in die Hänser bezw. Wohnungen der Bewohner Gottleuba's ohne Rücksicht ans die politische Gesinnnngsarl des einzelnen eingedrungen und hat die Flugblätter, unbekümmert, ob der einzelne danach Ver- langen trug oder nicht, in die Wohnungen eingelegt, dadurch hat er den häuslichen und öffentlichen Friedeii gestört und die Beivohner des Ortes Gottleuba durch aufdringliche Dar- legung des Parteistandpunkles der Sozialdemokratie und ihrer politischen Ziele belästigt, sowie zugleich die Freiheit der poli« tischen Ueberzeugung anders Denkender gefährdet, hierdurch aber groben Unfug verübt. Auf grund von§ 360 Ziffer 11 des Reichs-Strafgesetzbnchs wird daher gegen den Beschuldigten hierdurch eine Geldstrafe von 10 M. und die Erstattung der erwachsenen Ver- läge mit der Maßgabe festgesetzt, daß im Falle der Uneinbringlichkeil der Geldstrafe an deren Stelle Haft in der Dauer von zwei Tagen zu trete» hat." Z 43 der Gewerbe-Ordnung schreibt vor: In geschloffenen Räumen ist zur nicht geiverbsnmßige» Vertheilung von Druckschriften oder anderen Schristen oder Bildiverken eine Erlaubniß nicht er- forderlich. Daraus geht hervor, daß auch die nicht öffentliche Ver- breitung von Flugblätter», gleichviel welcher Partei, ein Recht des Staatsbürgers ist, das keine Behörde und kein Gericht hinwegdoziren kann. Der Strafbefehl ist feinein Wort- laute nach eine Verletzung dieses reichsgesetzlich statuirte» Rechts, den» er behauptet nicht, daß der Text der ver- breiteten Flugblätter das Vergehen des groben Unfugs ent- halte, sondern er erblickt dieses Vergehen in der Verlheilung sozial- demokratischer Flugblätter schlechtiveg. Es existirt keine gesetzliche Bestimmung,»vonach die Vertheilung sozialdemokratischer Flugblätter verboten wäre. Das mag den Behörden und Gerichten i» Sachse» nicht passen, es ändert aber nichts daran, daß unsere Partei von ihrem Siechte, Schriften in geschlossenen Räumen zu vertheilen, um keines Haares Breite iveiche» wird. — Die„Neue Freie Volkszeitnng" in München theilt mit: Ein Kolporteur habe einen auf 6M. lautenden Strafbefehl erhalten, »veil er die Nummer des„Süddeutschen P o st i I l o n s" ver- breitet hat,»vorin das gegen den Bismarck-jkultus gerichtete Gedicht stand, das dem Redakteur Ed. Fuchs eine Berurtheilung »vegen groben Unfugs einbrachte. Der Emspruch gegen den Straf- besehl sei vom Gericht kostenfällig verworfen worden, wobei das Gericht von der Ansicht ausgegangen sei. daß ein itolportenr, der den„Süddeutschen Postillon" vertreibt, sehr wohl wissen niüsse, daß dieses Blatt eine sehr freie Anschauung vertritt. Der Kolporteur hätte sich deshalb vor der Verbreitung jeder Nummer davon zu überzeugen, ob sie nicht etwa strafbare» In- hall habe. Slbgesche» davon, daß die Kolporteure als Laie» garuicht wissen können, ob der Inhalt einer Schrift gegen das Strafgesehbuch verstößt, ist es auch ganz ausgeschlossen, das, sie die Schristen, die sie verkaufe», vorher erst durchlesen könnten. Uebrigens ist, ivie die„Müncheuer Post" hervorhebt, das Urlheil gegen den „Münchener Postillon" noch garuicht rechtskräftig, den» das Land- gericht als Berufungsinstanz hat noch zu entscheiden, ob überhaupt grober Unfug vorliegt. — Im Februar 1897 wurde unser österreichischer Parteigenosse, Reichsraths-Abgeordueler Peter Cingr vom Bezirksgericht-zu M ä h r i s ch- O st r a>i zu fünf Tagen Arrest verurtheilt,»veil er aus Anlaß der systematischen Versammlnngsverbote im Ostrau- Karwiuer Kohlenrevier in einer Versammlung gesagt hatte:„Das Vorgehen der politischen Behörde erweckt in uns die tiefste Ver- achtung. Die Begründung der Verbote, es seien die Lokale zu Ver- sainmlungen nicht geeignet, ist ein politischer Schwindel. Wie die Herren Grubeubarone in den Gemeindestnben pfeifen, so tanzt die politische Behörde." Das Bezirksgericht er- blickte hierin ein Vergehen gegen ß 483 des Strafgesetzbuches, der von der gewöhnlichen Beleidigung handelt. Cingr legte gegen dieses Urtheil Appellation ein, die er damit begründete, daß nicht§ 488, fondern§ 300 verletzt sei. der die öffentliche Be- leidig ung von Behörden betrifft. Der Text der inkriminirten Stelle aus Cingr's Rede zeigt, daß dieser mir der Berufung auf tz 300 recht hatte; die Anklagebehörde sowohl ivie das Gericht, das über seine Appellation zu entscheiden hatte, ivußten das natürlich ebenfalls; da aber Vergehen gegen fj 300 vor die Geschworenen komme», die in politischen Prozessen gewöhnlich auf Freisprechung erkennen, so kam es de» Herren vom Jus gerade daraus an, Cingr nur des geringeren Vergehens zu bezichtigen, damit er in ihren Klauen bleibe. Die Appellinstanz— das Kreisgericht in Neutitschein— fand also ebenfalls, daß der§300 nicht verletzt sei, und bestätigte das Urtheil der Vorderinstanz. In dieser Weis« versuchen es die Unternehmer und nicht selten mit Erfolg, das den Arbeitern vom Gesetz gewährleistete Koalitionsrecht illusorisch zu machen. In solchen Fällen ist der„körperliche Zwang" der an Streikenden oft schon mit harten Strafen geahndet»vurde. ohne Zweifel größer, als wenn er von letzteren ausgeübt wird, den» der beschäftigungslose Arbeiter hat in ersterem Falle nnr die Wahl. entweder dem Fabrikanten willfährig zu sein und sich zu demüthigen oder weiter zu hungern, in letzterem wird ihm von seinen Genoffen in der Regel wenigstens eine wenn auch mäßige Streikunterstützung zu theil. Will man dem Arbeiter das Koalitionsrecht von Gesetzes wegen»virklich schützen, so müßten Arbeitsverträge, die derartige Bedingungen dem Arbeiter aufoktroyiren, für null und nichtig erklärt werden. Anstatt dessen suchen die um Stumm die Koalilionssreiheit der Arbeiter durch Strafparngrapheu immer mehr einzuschnüren Polizeilich anfgelöst wurde gestern eine öffenlliche Zimmerer- Versammlung, die über die künftige Taktik der Lohnbeivegung de- battirte. Es wurden dabei auch die letzthin stattgehabten vergeblichen Einigungsversuche erörtert, was zu lebhaften Auseinandersetzungen führte. Als es zur Abstimmung über die vorliegenden Anträge kommen sollte, erhob sich ein solcher Tumult, daß die Auflösung erfolgte. Für die ausgesperrten euglischen Maschinenbauer gingen bei der Berliner Gewertichaftskommission folgende Beträge ein: Pianosorte-Fabrik Schulz, Blumenstraße 70 7, SO. Klub Bombardon S.70 Bildhauer durch Martin(Listen) 10.40 Geburtstagsfeier beim Genossen Roscntreter 4,10. Möbelfabrik P. Hyan, Rüdersdorseritraße 26 9,65. HolzbearbeiMngs-Maschinenarbeiter durch P(aus Listen) 67,85. Verein zur Wahnmg der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins 300.—. Tischlerei von Franz Berndt, Petersburgerstrahe 7,60, Wöllmer s Messing- Abtheilung, 13. Rate 7,— Agitationslommission der Tapezirer 4,50 Möbelfabrik von H. Witte, Königsbergerstrahe 8,70. Klaviaturfabrik von Buchholz, 12. Rate 14,25. Tischlerei von Elsholz, Büschingstr. 26, nebst Budiker 4,—. Berein der Former durch A. Mewes 100,— Gemüthlicher Abend bei „All right", Charlottenburg, Bismarckstrahe 5,—. Charlottenburger Bühnen- klub bei Beyer, Wnllstrahe 3,—. Sattler d. Lehmann(auf verlorene Liste Nr. 263) 8,55. Wäsche- und Kravattenbranche d K.(aus Listen) 21,40. Matinee vom Gesangverein„Nordwacht", Restratc 25,—. Zinkgicher und Stürzer d. Kr.(auf Listen) 7,65. Arbeitcr-Bildungsverein in Bukarest (3. Sendung) 70,—. Filiale der Vergolder in Steglitz 10,—. Gesangverein „Liederkranz", Steglitz 5,—. In der Quittung vom 16. Januar 1898 muh eS heißen; Brauerei Hohenschönhausen 31,90 als zweite Rate; dieselbe ist unter der Gesamrnt- summe von 56,80 vergessen worden, Weitere Beittäge nimmt das G e w e r k s ch a f t s b U r e a u(R. Millarg, Annenstt. 16, 1 Tr) entgegen. Dentsches Reich. Von der Generalkoinmi'sfion der deutschen Gewerkschaften wird in den nächsten Tagen eine 16 Seiten starke Flugschrift, in welcher die Koalitionsrechtsfrage behandelt wird, herausgegeben. Das Flugblatt wird auch eine Ueberstcht über die im Jahre 1897 auf grund des Z 153 der Gewerbe-Ordimiig erfolgte» Bestrafungen enthalte». Im Anschluß an die Flngblattverbreitung solle» Ver sammlungen stattfinden, in»velchen die Meinung der Arbeiterschaft zuni Ausdruck gebracht wird. Berlin und Umgebung. Die Perlmuttarbciter stellten am Montag in sämmtliche» Werkstätte» folgende Forderungen: I.Verkürzung der Arbeitszeit auf 52 Stunden pro Woche. 2. Lieferung der Werkzeuge. In fünf Fabriken»vurde die Forderung sofort bewilligt, die übrigen meldete» heute am I. Februar die Bewilligung. Nur die Firma Hinz glaubte diesen Fordernugm nicht nachkommen zu können. Sämml- liche 21 Arbeiter dieser Firma haben denn die Arbeit niedergelegt. Unternehlner-TerroriSinilS. Ein hiesiger Schuhmacher er- hielt auf eine Aufrage um Engagement bei der Firma Paul Schlesinger in Frankfurt a. O. von dieser ein Schreibe» zugestellt, in welchem die Eogagemenlsbedingungen mitgetheilt »vurde». Am Schlüsse des Briefes heißt es wörtlich:„Unter diesen Bedingungen würde ich Sie zum sofortigen Antritt(event. auch per 1. Februar) engagiren, memi Sie mir die Versicherung gebe», daß Sie weder Mitglied des Schuhniachcr-Fachvereins sind,»och sich. so lange Sie bei mir sind, diesem Bereine anschließen rverderrT Ter Streik der Schuhmacher bei Steinrück u, Kröger r» Bielefeld dauert fort. Die Verhandlungen,»velche in letzter Zeit stattfanden, haben sich zerschlagen. Herr Kröger forderte An- erkeimmig des Lohntarifs nnd des jetzt bestehenden Fabrikausfchuffes. Dagegen wollte er zuerst 10, später 16 von de» 3S Streikenden ei» stellen, deren Answahl er zu treffen habe. Darauf find die Streikende» nicht eingegangen. Die Streikenden, deren Hallung während des nunmehr schon über 10 Wochen dauernden Streiks eine unübertreffliche gewesen ist,»vollen unter diesen Bedingungen nicht nachgeben. Zl» dem Streik der Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen in Finsterwalde sind 20 Personen betheiligt, die alle organisirt sind. Es wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten nnd sind alle Air fragen an H. Beruft, Finsterivalde, Badergasse 2, zu richten. Achtung, Kaniniinacher nnd Bernfögenossen! In Wien find sämurlliche in der Kamm-Jndnstrie beschäftigte» Arbeiter in den Streik getreten. Die deutsche» Kollegen werde» deshalb ersucht, de» Zuzug»ach Wien streng zu meiden. I» Frage kommen 150 Kollegen, meist verheirathete,»velche zu unterstützen sind. Da die Organ»- saiiou erst kurze Zeit besteht, so appelliren die Streikenden an die Solidarität der Kollegen Deutschlauds, sie i» ihrem Kampfe zu J unterstütze». Alle Briefe sowie Geldsendungen sind an de» Obmann des Streik-Komitees. Karl Maschek, Wien, Dohnal's Gasthaus, lö. Bez. Märzstr. 19, zu senden. AtiSland. Der Streik der Porzellanarbcitcr in Aich(Böhmen) dauert fort, trotzdem er bereits länger als vierzehn Woche» währt. Die ungenügende Anzahl von Streikbrechern, die sich ge- funde». hat ihre Nachtquartiere in der Fabrik aufgeschlagen. Die Herren Auger und Wehiuger korrespoudireu fleißig, damit weitere Streikbrecher aufgeboten»Verden. Vorschüsse i» ziemlicher Höhe werden gegeben, womit etwaige Bedenken beseitigt werde» sollen. Auch nach Deutschland solle» sich die Unteruehmer gewandt haben, um Arbeitskräfte zu erlange». Die Maschincnbauev, so wird aus London berichtet, habe» am Moulag i» ihrer großen Mehrheit die Arbeit wieder ans- genommen. Dasselbe rvird berichtet ans den übrigen Zentren der Maschinenban-Jndpstrie. Durch Zeilungsnachrichten ivar das Ge- rächt verbreitet, daß die Unlernehmer bcabsichligte», nnr 25 pCt. der Ausgesperrten wieder aufziinehine». Auf eine Anfrage Barnes' anlwortele der Sekretär des Fabrikanten-Verbandes, Mr. Biggart, daß dieses Gerücht auf Unwahrheit beruhe, es würde» im Gegen- lheil in kurzer Zeit wohl fast alle Arbeiter untergebracht sein. Die Arbeiter der BanmivoN-Fabrikcu i» den Neu-England- Staaten sind wieder einmal gezwungen, sich— trotz„Prosperität!"— gegen eine weitere Herabdrückung ihrer so wie so erbärmlichen Lebens- hallung zu wehren. Die Unlernehmer hatten zu Mitte dieses Mo- nats eine Lohnreduktio» von 10 pCt. angekündigt,»veil eine solche angeblich wegen der Konkurrenz der Südstaalen„dringend noth- wendig" sei. Seitens der Arbeiter rvird diese„Nothwendigkeil" aber bestritten, und zwar hauptsächlich ans dem Grunde,»veil genügend Aufträge für bessere Maare vorliegen, wie sie in den Sndstaate» nicht hergestellt werden kann. Die dortigen Fabriken gehören zum großen Theil den Gesellschaften in de» Nen-England- Staate»,»velche ihre veraltete» Maschinen nach dort geschafft haben, rvo sie innnerhi», bei den dortige»„Negerlöhnen", mit Vvrtheil ausgenutzt»Verden könne»,»vährend sie de» neuen, in außerordentlicher Weise verbesserten Maschinen gegenüber in den Neu-England-Ctaaten keine Verwendiing mehr finden konnte». Es befinden sich gegenwärtig rund 98 000 Arbeiter im Streik; doch ist dieses nicht die gesannnte Arbeiterschaft der Industrie, da einer- seiis einzelne Firmen an den verschiedenen Plätzen die bisherigen Löhne weiter zahlen, andererseits ein Theil der Arbeiter— so die Spinner in Fall River— die Reduktion vorläufig akzeplirt hat. Es heißt, die Fabrikanten-Vereinigung sei überhaupt bereit gewesen, ihre Forderung fallen zu lassen; die Arbeiter habe» aber als Be- dingung für Wiederausnahnre der Arbeit ihrerseits die Abschaffung des„Strafabzug-Systems" gestellt, welches in den letzte» Jahr«» derartige Dimensionen angenommen hat, daß nicht einmal die seit Eintritt der Krise auf das„Hungerniveau" herabgedrücklen Löhne verdient»vurde»._ Mnkernvhmrv-Dvvbiinde. Tie liiesigcn photographische» Bereinigungen haben Ver- anlassung genonnnen, einen„Wohlfahrtsausschuß" zu bilde», dessen Konstitnirimg unlängst stnttgefnndcn nnd welcher sich folgende Auf- gaben gestellt hat: 1. Bekämpfung der Aniateurthätigkeit, sobald dieselbe die erlaubte Grenze des achtbare» Amateurwesens überschreitet. 2. Ueberwachurig der marktschreierische» Reklame, des Bon- und Abzahluugswesens. der Schleuderkonkurrenz in den Kasernen und der schwindelhaften Reisegefchäfle. Der Ausschuß gedenkt nnler anderem an das Geiieralkoinmando zu petitioniren u», Abhilfe gegen das Hausirwesen der Bonrcisendei in den Kasernenstuben und gegen die Ausbeulung der Unerfahren heit der Rekruten durch Abforderung von Anzahlungen für noä nicht gemachte Leistungen. 3. Stellungnahme gegen die Händler welche in unwürdiger Weise dem Pholographenstande dadurck Konkurrenz machen, daß sie zu»uierhört billige» Preise» Negativ- und Positive für das Publikum aufertigeu. 4. Regelung de! Lehrlingsrvesens. Der Ausschuß sieht i» der Lehrlingszüchterei uni in der Ausbeutung der Lehrlinge die Hauptursache des sich heul, immer mehr bemerkbar»rächende» Proletariats im Pholographeu stände. Als Abhilfe dagegen erstrebt er die Eiusühruiig eiirei geineiuschasllicheu Lehrvertrages, ferner eine Ueberivachuug dei Ausbildung der Lehrlinge durch besonders hiersür zu erne»»eud> befähigte Berussgenossen. Seine ganz besondere Aufmerksainkeii will der Ausschuß den sogenannten Relonchirschnlen, welche sick hauptsächlich mit der Züchtung von weiblichem Hilfsmaterial befassen, zuwenden. Die Errichtung eines gemeinschasllicheu Arbeits- Nachweises soll fernerhin ins Auge gefaßt werden. Sozittles. Einen bemerkenstvertheu Fall von tuberkuloser Infektion beim Wäschewascheu beschreibt Dr. Moyniha» im„Amt. Ried. Jonrn." Eine zivanzigjährige Palientin hatte sich i» de» Handrücken geschnitten und»»mittelbar darauf Wäsche gewasche». Unter den Wäschestücken befanden sich auch Handtücher ihres au Tnber- kulose leidende» Schwagers. Zwei bis drei Wochen später bemerkte sie. daß die anfangs geringe Entjündriiig»nn die Wunde sich stark ausbreitete; die Wunde war sehr schmerzhast geworden. Die ärztliche Untersuchung legte die Vernmlhung nahe, daß die kleine Handwunde beim Wäschewaschen durch Tuberkelbazillen infizirt»vorden war. Die erkrankte Partie des Handrückens wurde nun in ziemlich weitem Umkreise entfernt. Nach einige» Wochen war die Wunde vollständig geheilt. Dieser Fall mahnt besonders alle die Personen zur Vorsicht, die Handivuuden haben und durch ihren Beruf in die Lage komme» können, sich zu infiziren. Tie Vorsiheiide» der Grwerbegerichte sind berechtigt, gegen Parteien, Zeugen».s.w. Haftstrafen wegen Ungebühr fest- zusetzen. Zur Beseitigung von Zweifeln, die über die Art der Voll- sireckung entstände» sind, und zur Herbeiführung eines gleich- mäßigen Verfahrens hat der Justizminister durch eine all- gemeine Verfügung vom 18. Januar im Eiuverstäuduiß mit den Minister» des Innern und für Handel und Gewerbe angeordnet, daß die Hnftstrafen möglichst in de» Geiäng- nissen vollstreckt»verde», die zur Aufnahme der Polizeigefangenen aus dem örtlichen Zuständigkeilsbereiche des Gewerbe- gerichts. das die Strafe festgesetzt hat, diene». In de» Orte» mit königlicher Polizeiverwaltung hat der Minister des Innern den Gewerbegerichten die zur Ausnahme der Polizeigefangenen dienenden königlichen Gefängnisse zur Verfügung gestellt. Die Vollstreckung der Strafe soll von dem Vorsitzenden des Gewerbegerichis ohne Vermittelung der Staalsamvaltschaft durch die Polizeibehörde herbei- geführt»Verden. Tie Vertreter der öffentlichen ArbeitSvermittlungSstelle» der Rhein- nnd Maingegeud hielten am Mittwoch in Frank- f u r t a. M. ihre zweite K o n s e r e» z ab. U. a. wurde folgendes beschlossen: Um den Arbeilsvermiilelungsstelle» in den größeren Slädie» Kenntniß von der Arbeitsgelegenheil i» den kleineren Slädte» nnd auf den, flachen Lande zu verschaffen, solle» in jedem Kreise mindestens in einer Stadt Arbeilsvermittelungsstellen eingerichtet werden. Die Arbeilsvermiltelungsstellen solle» Telephon- Anschluß habe»; der telephonische Verkehr soll Iveder dem Arbeiter noch dem Unternehmer etrvas koste». In Beziehung aus die Stellen« Vermittlung für Dienstboten solle» die Regierungen ersucht werden, die Konzesflonirung sännnllicher privaler Stellenver- mittelungsbureaus an strengere Bestimmungen zu knüpfen. Die aus der Konferenz vertretenen Arbeitsvermittelungsftellen beschlossen, sich zu einein Verband zusamurenzuthu», dessen Zweck ist, jährlich eine Konferenz abzuhalten und eine einheitliche Geschäfisstatistil ein- zurichten, ivelch letzteres versuchsweise vom 1. April d. I. an derart geschehe» soll, daß aus grund bestinnnler Schemas monatlich« Nachweise a» das statistische Amt in Frankfurt a. M. zu liefern sind, das dieselben unenlgelllich bearbeiten wird. Ter evangelische Arbeiterverein für Bochum bezeichnet in einer Erklärung gegen den Freiherr» v. S t u m in die Rede, die dieser am 20. Januar im Reichstage gehalten hat, als eine solche, die böses Blut mache. Auch diese Kritik, geübt von einein Verein, der so zahm ist. daß er sogar die Nauniann'schen Bestrebungen desavouiren zu müssen glaubt, könnte der Regierung zeigen, auf ivelcher abschüssige» Bahn sie sich damit befindet, daß sie der Etumin'schen Richtung Einfluß auf ihre Entschließungen gestattet. Answandernng a»S der Schweiz. Im Jahre 1897 sind aus der Schweiz 2508 Personen gegen 3330 im Jahre 1896»ach überseeischen Ländern ausgewandert. Das 1863 erreichte Auswanderer» Maximum betrug 13 502 Personen. DepeMzen und letzte Vniherchken. Dresden, l. Februar.(B. H.) Gestern Abend gegen 10 Uhr gab in der Zirkusstraße der Tischlergeselle Schumann auf die Ehe- frau des Theatermeisters Kahlert zwei Revolverschüffe ab, von denen der eine den Arm der Frau durchbohrte. Schumann richtete darr» die Waffe gegen sich selbst. Er ivar sofort todt. Es soll ein Racheakt vorliegen. Wien, 1. Februar.(B. H.) Eine Versammlung slavischer Sludeuteu beschloß, gegen den geplanle» Slreit der deutschen Studenten zu protestiren, die Vorlesungen weiter zu besuchen und die Behörden aufzufordern, ihnen ausreichende» Schutz zu gewähren und gegen jeden Mißbrauch, die Uuiverstlät zu einseitigen deutsch- ualionale» Parteizwecken zu benutze», energisch einzuschretlen. Wien, 1. Februar.(B. H.) Der allgemeine Studeutenstreik. der ans dem Leitineritzer Akademikertag beschlossen worden ist, hat a» der hiesigen technischen Hochschule bereits seinen Anfang ge- nomnien. Die Slndenten zrvangen die Prosefforen zun» Ver- lasse» der Hörsäle und die Vorlesungen z» sistiren. Die Hörer des fünften Jahrganges,»velche ihre» Anschluß an de» Streik verweigerten, wurden von den übrigen Stridenten gewaltsam von der technischen Hochschule entfernt. Heute'Abend»verven die Hörer der Universität, der Hochschule für Bodenkultur und der Thierarznei- schule ebenfalls den Streik beschließen. Prag, 1. Februar.(B. H.) Wegen des Nichterscheinens von Studenten koiinle» bei der Universität und bei der technischen Hoch- schule keine Vorlesungen abgehalten werden. Innsbruck, 1. Februar.(B. H.) In der hiesige» Universität sind die Verletzungen wegen der Studenleiideinonstraliouen sistirl worden. Bern, 1. Februar.(W. T. B.) Bad Weißenburg im Berner Oberland, der bekannte Kurort für Lungenkranke, ist abgebrannt. Das Feuer entstand in der Nacht durch einen Kaminbrand und breitete sich bei heftiger» Föhn mit reißender Schnelligkeit ans. Pari», 1. Februar.(W. T. B.) Das mit der Untersuchung der'Angelegenheit Picquart beauftragte Gericht trat heule aus dem Morrt Valerien unter dem Vorsitz des Generals St. Germain zu- ainine». Nach dein Verhör Picquart's wurden mehrere Zeugen ver- noiuure», darunter naineullich die Generale de Galifet und Gouse. London, 1. Februar.(W. T. B.) Nach eine,» hier eingegangenen Telegramm hat der Postdampfer„Channel Queen" bei Guernsey Schiffbruch gelitten. Der Kapitän ist gerettet; man befürchtet, daß 30 Personen unigekominen sind. Como, l. Februar,(flö. T. B.) Infolge Sturnnvetters sind heute in der Umgegend zwei Spinnereien eingestürzt; die eine ist die in Oggiouo,»vo 8 Arbeiter ums Leben kamen und»och weitere unter den Trümmern vergraben sind; die Nettnngsarbeiten sind im Gange. Die andere Spinnerei ist die von Cesana di Brianza, >vo zwei Arbeiter umkamen. Nach beiden Orten ist Hilfe ab- gegangen. Verantwortlicher Redalleur: August Jaeobey in Berlin. Für den Juseraleutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mox Vadiug in Berlin. Hierzu 2 Beilagen». llnterhaltuiigsblatt. st. 27. i5. idjtpi. i. jfcüujje des Jsnütts" Kerliner KIdsblM. 2 mm i8S8. AerchskÄg. so. Sitz u» g. Dienstng, den 1. Februar 1893. Am BundcSrathslische: N i e b e r d i n g. v. Podbielski. Die ziveile Elalsberathung wird beim R e i ch s« I u st i z a»> t forlftcsctzt. Die Diskussion über de» Titel„Staatssekretär" — das Gchalt soll von 2�000 auf 30 000 M. erhöht werden— dauert noch fort. Abg. Tr. Picschcl(iintl.): Im Jahre 1900 tritt das neue Bürgerliche Gesetzbuch in krnst. Den giichtcrn muß Zeit uud Ge» Icgncheil geschaffen werden, sich mit seine» Bestimmungen eingehend vertraut zu machen. Aus diescin Grunde«Lusche ich, daß zu ihrer Eutlaftung besoldete Assefforen in ausreichender Zahl als Hilss- richtet eiugeslettt werden. Staatssekretär Nieberdiug: Die Zeit zur Vorberathlliig aus das Bürgerliche Gesetzbuch ist in der Thal sehr kurz. Was von meiner Seite geschehen kann, um den Nichtern den Uebergang zu erleichter», wird geschehen. Die Wünsche des Vorredners müssen den Landes-Jnstizverwaltungen und den einzelnen Landtagen vor- gelegt werde». Abg. Herbert(Soz.): Ich möchte den Herrn Slaatssekreiär frage», od er geneigt ist. bei den verbündete» Negiernngen eine Ergänzung des Neichs-Prefigesetzes zu befürworten, die nach»euere» gcuchtlidic» Entscheidungen nothwendig geworden ist. Nach Z 3 des jetzigen Preßgesetzes ist es de» einzelnen Regierunge» gestattet, bc-. sondere Borschristcu über Plakate, Aufrufe zc. zu erlasse». Nun haben früher die Gerichte stets anerkannt, daß sich diese Vorschriften auf periodische Erscheinungen, Druckschriften u. s. w. nicht beziehen dürfen, weit nach§ 1 die Presse nur denjenigen Beschränkungen unterliegen soll, welche durch Neichsgesetz selbst eingeführt sind. Ich habe die Verhandlunge» durchstudirt und habe nirgends gefunden, daß man, als mau diese Ausnahniebeftimmung zuließ, daran gedacht hat, daß die Presse auch die Bestimmungen über das Plakalwesen und die Vertheilung von Ausrufen mit empfinde» könne. Selbst Slettiner Liichlet, die schon das Wort„im Kampf für Freiheit uud Recht" als grobe» Unfltg mit einer Woche Haft bestrasen, haben erklärt, daß die Bestimmung des§ 3 nicht auf periodisch erscheinende Druck- schrislen Anwendung finden könnte. Aber wozu ist denn schließlich das Kammergericht da? Da ist eine Entscheidung unter dem Vor- sitz des jetzigen Präfidente» und früheren Staatsanwalts Groschuff vor wenige» Woche» ergangen, die alle bisher bestehenden RechlS- Verhältnisse über de» Haufen wirft. Danach kann die öffentliche und unentgeltliche Vertheilung einer Druckschrift bestraft werden, wenn ei» Aufruf in ihr culhalleu ist. So ist die Abonnements- einladnng des in meiner Druckerei hergestellten„Volksboten" in Stettin als Ausruf verboten worden. I» einen» anderen noch schivcbenden Prozeß ist der Leitartikel, Iveil darin namentlich zu den Reichslagsivahlen aufgefordert wird, als Aufruf erklärt»vorden und infolgedessen ist die öffentliche Verbreitung strafbar. Schließlich»vird noch iit jeden» Inserat ein Aufruf gefunden und die Verbreitung ver- boten»verde». Zunächst richten fich dies« Maßnahme» gegen die Sozialdemokraten, aber andere Parteien können einmal gefaßt »verde». Die doppelle Buchführung in» Recht erzeiigt Verbitterung, deshalb muß das Preßgesetz einen Znsatz erhalten:„Auf periodisch erscheinende Druckschrtflcn finde» die AuSnahinebestiinmungen keine Anwendung." Wie steht es ferner mit der Ausdehnung des Reichs- Preßgesetzes auf Elsaß-Lothringen,»v« noch immer die unwtlrdige» Preßbestiunuungen ans der Zeit der sranzösischen Herrschast gelten? Roch ein Wort über das G e f ä n g n i ß»v e se». In Sleltln besteht noch die Fenfterbleude, eine Einrichtung, die seit 50 Jahren als Barbarei erklärt und in de» anständig geleiteten Gefängnissen »vie in Berlin längst abgeschafft ist, sie schädigt das Augenlicht, die Sonne dringt nie in die Zellen. Die Maßregel quält nur die Gefangene», und der Bundesralh muß für ihre Beseitigung sorgen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Nieberdiug: Um auf den letzten Punkt des Vorredners einzugehen, Hab« ich zu erkläre»», daß die Bestimmungen, die der Bundesrath über den Strafvollzug vereinbart hat, auch Grundsätze darüber enthalten,»vie die Gefänguißzellen beschaffen sein müssen, insoferi» als Vorschriften darin fich befinden, die den nölhigen Raum und das nöthige Licht, das den Jnnenräumen zu- geführt werden muß. näher abgrenze». Wenn diese Bestimmungen zur Durchführung kommen, dann»vird manchen Unzulräglichkeiten, auf»velche der Herr Abgeordnete Herbert vorher hin- geiviesen hat, abgeholfen»verde». Auf die besonderen Fälle kann ich nicht eingehe», da sie mir nicht bekannt sind. An das Reichspreßrccht knüpfen fich ja Wünsch« aller Art und es ist»nir zweifelhaft, ob»vir sehr bald zur Verständigung über ein »enes Gesetz gelangen»verde». Zur Zelt habe»»vir uns mit einer Revision des Preßgesetzes noch nicht befaßt, wir können auch einer solchen vorläufig nicht näher trete»», weil u»S Aufgaben beschäftigen, die durchaus»vichtiger sind. Abg. Dr. Barth(frs. Vgg.) hält eine Revision des Preßgesetzes jetzt noch nicht für dringlich. Würde sie jetzt vorgenonliue», so geschehe das sicher nicht in» Sinne der Sozialdemokratie. Daß die reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzuges»oth- »vendig sei, hat auch der Herr Staatssekretär gester» an- erkannt, ich glaube aber nicht, daß es nöthig sei»»vird, zu- erst das Strafgesetzbuch abzlländern, sondern ich meine, daß es .Niöglich seil»»vird, diese beiden Materien gleichzeitig zu regeln. In- zivischen könnten aber doch sehr»vohl solche Falle,»vie sie Herr Abgeordneter Auer gester» erivähnt hat. vermieden werden. Es »vürde sich doch empfehlen, daß bei Vergehen, die nicht gerade ans gemeine Gesinnung schließen lasse», eine entsprechend bessere Be- Handlung der Gefangene» stattfände. Wen» selbst einem llieichstags- Abgeordneten geistige Beschäftigung durch Erlernung der polnischen Sprache, die man ihm zunächst gestattet, wieder entzogen und er mit einer mechanischen Beschäftigung betraut»verde, so sei das doch etwas stark. Auch die Fesselung von Gesänge»«» mit höherer Bildung auf dem Transport sei ein Mißgriff. Wir müffeu diese Fälle hier in» Lteichstag besprechen, damit die Sitten anders»verde», den»»vas nützen gute Gesetze,»venn die Sitten schlecht sind.(Beifall links.) Abg. Ficht. Ii. Stiimni(Rp.): Humanität beim Strafvollzug ist geiviß geboten, aber vielfach geht nian damit doch zu weit. Wenn man oft hört, daß gemeine Verbrecher erklären, sie hätten gar keine Furcht vor dem Gesängniß, ist das eben ein Beiveis, daß die Prügelstrafe>v i e d e r eingeführt»Verden muß. (Lachen links.) Die Preßvergehen seien keinesweges allgemein politischer Natur; er halle zum Beispiel die Majestäts- b e l e i d i g u n g e n für ein g e in e i n e s Verbrechen, das auch als solches bestraft»verde» müffe. Was die Klagen über die Schädigung der Gesundheit in den Gefängnissen anlangt, so sind diese ja berechtigt, aber das ist doch ganz natürlich, nian müßte die Gefängnisse sonst überhaupt abschaffen. Ob Redakteure geistig oder mechanisch beschäftigt»verde», ist ganz egal, gerade die sozial- demokratische» Stedakteure sind doch meist Arbeiter gewesen. Sie können doch nicht verlangen, daß die Rücksichtnahme ans den Beruf so»veit geht, daß zun, Beispiel einem Redakteur. der wegen eines aufreizenden Artikels veruriheilt ist, nun im Ge- sänguiß Gelegenheit gegeben wird, diese Thätigkeit fortznsetze». ES »st doch bekannt, daß von Sozialdemokraten berühmte Bücher in der minße des Gefängnisses geschrieben sind. Ich empfehle daher der Regierung nicht eine Milderung, sonder» eher eine Verschärfung der Elrasvorschriflcn eintreten zu lassen.(Lachen links.) Abq Lkiizinann(frs. Vp): Ich muß durchaus der in weiten Kreisen verbreiteten Auffassung entgegentreten, als ob die Straf- vollst» cckung heute im allgemeineii zu milde sei. Noch energischer aber prolestire ich gegen die Aenßerung des Abg. v. Stumm, daß Preßdelikle und Majestätsbeleidigungen die schtimmsten und ge- »neiuslen Verbrechen wären. Gerade die Preßvergehen ent- stammen,»venn cs sich um politische Meinungsäußerung handelt, ans einer idealen Anschauung;(und die MazestätS- beleidigung ist ausdrücklich von der Gesetzgebung als ein nicht ehrloses Vergehen anerkannt, da sie auch mit Festung bestraft »verde» kann! Was die vielfachen Klagen über den Strafvollzug und im speziellen das Gefängnißwesen anlangt, so erkenne i»h sie natürlich vollständig an. Ich»veiß aber ein sehr einfaches Mittel, das mit einem Schlage all diese» Mißständen ein Ende machen»vürde. Man nehme die Beaufsichtigung des Slrasvollzugs aus den Hände» des Staatsauivalts und übergebe sie den Richtern. Der Slaatsanivalt kann diesen Dingen das genügende Bei ständuiß garnicht eulgegenbringen. Ich will aber heute noch ein Thema erörtern, das i»ir sehr am Herzen liegt. Wir haben im vorigen Jahre einen Autrag ans Re- vision des Irret» rechts gesaßt. Der Antrag ist dem Reichs- kauzler überiviesen. Etwas Anderes habe ich nicht erivartet, so schnell ist die Sache nicht zu erledigen. Und ich könnte mir die Erörterung der Frage heute erspare»,»venn man nicht auf mich Augriffe auf Angriffe gehäuft hätte. Ich habe gesagt, daß die Irrenärzte infolge ihres Berufes selbst in nervöse Aufregung gerathen, die ihnen den klaren Blick trübt. Diese Behauptung muß ich nach den» Inhalt der gegen mich gerichteten Schmähschriften ausrecht erhalten. Der erste »var Professor Bellmai»» in der„Zukunft", der sich seine» Aerger von der Seele schreiben»vollte und dabei den Boden der Objektivität erheblich verlassen hat. Er beschuldigt mich in den» Schmähartikel der Univahrheit und findet den Grund dafür in meinem Berufe als Rechtsanivalt. Er sagt zivar, ich sagle die Univahrheit unbeivnßt, er fürchtete sich gewiß vor einen» Slrafanlrage. Aber der Herr kennt mein gutes Herz nicht. Ich habe noch nie einen Straf- antrag wegen Beleidigung gestellt. Ein anderer Arzt sieht mich schon von beginnender Paranoia befalle». er hält»»ich offenbar auch schon für halb verrückt. Redner stellt ans grilnd von Aktenstücken fest, daß die Angaben des Professor Bellman» über einen Fall Feldman» unrichtig»varen. Feldniann möge geistig nicht normal geivesen sei. habe aber nie in eine Irrenanstalt gehört. Ich veriveise noch ans einige andere Fälle, den Fall Lorenz uud den Fall Weber, die beiveisen, daß man mit der Aufnahme in Irrenhäusern sehr vorsichtig sein müsse, und daß hier eine Lücke in der Gesetzgebung vorliegt. Von»velchcr Ueberhebuug die Irrenärzte sind, wird uns»vieder einmal in einer Broschüre„Künstlicher Wahnsinn" durch eine Reihe von Beispielen beiviese». Sehr bezeichnend ist der Unfug, der mit beut Begriff„politischer Wahnsinn" getrieben»vird; da»ulß ma» doch sagen, es handelt sich hier vielmehr tun eine paranoia docta, um eine Verrücklheit der Gelehrle»; so hat z. B. et» Student mit einer Arbeit über neu enldeckle Geisteskrankheit, den morbus democraticus, promovirt; cs»vird». a. bcivicsen, daß alle Kam- luunardeu, ja alle radikalen Führer überhaupt geisteskrank sind; selbst der„ßieichsbote" ist über die Uugcheilerlichkeit solcher Schluß- folgeruugen betroffen. Da ist sreilich niemand mehr sicher davor, daß er auf gruud irgend eines Gutachleus für irrsinnig erklärt»vird. Oft»verde» übrigens auch erdichtete Thalsachen erzählt, die die Aerzte nicht prüfen könne», die sie aber doch bei der Diagnose ohne»vciteres be- »ntzcn, und die Behaiidlniig in den Anstalten selbst! Es»st schon sehr bezeichnend, daß die Irrenärzte sich so sehr gegen jedivede Einmischnng der Polizei sträuben. So sind denn Mißhaiidlnngen in den An- stalte» durchaus nicht selten. Und diesen Gefangenen steht ja nicht einmal das Recht der Beschwerde zu, nicht einmal vor dem Publik»»»; sie»verde»» ja überall als verrückt angesehen. Es giebl gegen all' dies nur ein Mittel: die gesetzliche Regelung. der Ausnahme in eine Irrenanstalt, die einem auS Aerzte», Richtern und Laien zusammengesetzten Kollegi»»»» übertragen werden muß. Ick, bitte die Regierung, uns einen solchen Gesetzentlvurf vorzillegen. (Beifall links.) Präs. v. Buol macht die Mitlheilnng, daß ein Antrag Lieber eingelaufen ist: von der geforderte» Suunne der Besoldung dcS Staatssekretärs 3000 M. zu streichen und de» Titel nur in Höhe von 24 000 M., im übrigen unverändert zu beivilligen. Abg. Dr. Kvnse(natl.), auf der Tribüne sdpver verständlich, wendet'sich gegen die Ausführung»« des Abg. Lenzinann bezüglich der Jrrenfrage;- der Reichstag habe nicht die Kenntnisse, um über derartige Fragen hier eulscheiden zu können, und gerade Advokaten haben für die ärztlichen Etttsdieidungeu nicht das genügende Ver- ständniß. Abg. Dr. Licvcr(Ztr.): Von dem,»vas der Abg. Lenzniann Sachliches vorgebracht hat, ist»vichtig genug, um bei einer Neu- Ordnung der lllngelegenheit erivoge» zu»verde». Doch»vill ich hier nicht darauf eingehen. Auch mit den» Frhrn. v. Stumm»vill ich nicht riditen über das,»vas er von dem Strasvollzug gesagt hat, ob- gleich ich gerade durch ihn in die Zeiten des sog. Knllurkanipfes zurückversetzt»vnrde, in jene Zeit, da man den Erzbischos von Köln mit Strohflechten beschäsligt hat. Dieses Str»hfleehte>i hat sich allen katholischen Herzen so tief eingeprägt, daß alles,»vas man über die Humanität des Strafvollzugs sagen kann, an ihnen ab- prallt. Doch auch hierüber»vill ich heule nicht rede». Ich»vill nur die von»nir beantragte Herabsetzung des Gehaltes des Staatssekretärs begründen. Es ist der erste von den vier Staatssekretären, für die der Reichstag eine Erhöhung um 3000 M. gefordert hat. Meine politischen Freunde»varen die ersten, die sie befürivortelen. Es ist daS nöthig, zu erklären, »varun»»vir heute»vieder die Herabsetzung j beantrage». Es ist damals die Anfbesserung des Gehalts der L a»» d b r i e f- träger gefordert»vorde»,»nid»vir waren der Ansicht, daß diese beiden Gehaltsanfbessertlngen nur gleichzeitig stallhabe» konnten, und nur in dieser Annahme haben»vir snr die Erhöhung bei de» Staatssekretärgehällern gestimmt. Run ist uns in der Budget- koinmisston die Eröffnung gemacht worden, daß an die Gehalts- ansbeffening der Landbriefträger einstiveilen nicht gedacht»verde. Es, vnrde dies dadurch begründet, daß der pre»ßisd)e Staat im nächsten Jahre eine allgemeine Gehallsaufbesserung der Unterbeamtcn cintrelen lasse»»volle und niai» so lange ivarlen »nüffe. Der ReichSgedanke muß aber so stark sein, daß die Einzel- staalen dem Reiche den Vortritt lasse». Meine politischen Freunde sind entschlossen, die Gehaltsausbessernng der vier Staatssekretäre nicht eher zu bewilligen, als bis die verbündeten Negiernngen in einem Ergänznngselal die Anibessernng der Gehälter der von uns bezeichneten Kategorien von Unterbeamtcn vornehmen. Hoffentlich können»vir bei der dritten Lesung die Gehälter der Staatssekretäre erhöhen. Staatssekretär deS Reichs-Schatzamtes v. Thiclina»»: Nid,t eine allgemeine Erhöhung der Unterbeamlen-Gehäller ist zugesagt »vorden, sondern nur eine ausgleichsiveise Verbesserung der Bezüge der am schlechteste» gestellten Unlerbeamte». Abg. Dr. Langcrhans(frs. Vp.): Ich will auch nur ans die Ansfühningen des Abg. Lenzmann eingehe». Er hat ei» Kollegin»» aus Aerzten, Nichten, und Laie» verlangt, die über die Ausnahme in die Irrenanstalt cnlscheiden solle». Das geht einfach nicht. (Aha! Sehr richtig!) Mir sind während»»einer langen Praxis noch nie Fälle vorgekomine», in denen von Berivandte» Einspruch er- bobe»»vorden ist gegen die Einbchaltiiiig eines Irren in einer Anstalt. Man verlangt die Eischivermig der Aufnahme; man vergißt dabei, iveld) ein Unglück über eine Familie gebracht»vird,»ven» ein Irrer auch n»r»venige Tage in ihr einbehalten»verde» muß. Geiviß »viirden einfachere Vorrichtungen eventuell der öffentlichen Meinung genügen; z. B. könnte nian verlangen, daß jeder Irre in eine öffeni- liche Anstalt nur aufgenommen werden darf, nachdem er in einer Privatanstalt untersucht ist. Aber auch das»vürde auf Schivierig- kciten stoßen, da»idst überall Privatanstallen exi stiren. Man muß stets dessen eingedenk sei», daß der eventnelle Schaden, den die Irren- ärzte anstisten.einfachnichl inbetrachtkouiint gegen denEchaden.deneine Einschränkung ihrer Wirksamkeit zur Folge haben würde.(Bravo!) Vicepräsident Dr. Spahn: So interessant diese Auseinander- setzungen auch sind, so glaube ich doch, daß sie mit den» Justizetat nur im entfernten Zusammenhange stehen. Jd» bitte also die Herren Redner, sich hier auf das nothdürstigste zu beschränken. Abg. Dr. Hiiffol(Rp.) geht trotzdem auf diesen Punkt ein; er berichtet über einige Kleinigkeiten»nid wendet sich gegen die Aenßc- rungen, die Abg. Lenzinann am Schluß seiner Rede getha». Abg. Nitcr(Soz.): Entschuldige» Sie,»venn id> Sie voin Irrenhaus»vieder ins Gesängniß zurückbringe.(Große Heiterkeit.) Ich»vill »nr ans einige Aeußernngen erividern, die hier gefallen sind. Der Abg. Frhr. vi Stnmm hat die Behandlung in den Gefängnisse» und den Straf- Vollzug überhaupt viel zu milde gesunde». Er ist der Meinung, daß man einer zügellosen Presse gegenüber streng verfahren nu'isse. Er »vird mir aber das eine doch zugeben»n'isscn: die„Post" rechnet er doch»idit zu der zügellosen Presse; und sollte es Herrn v. Stumm nicht bekaniitsein, daß auch Redakteure der„Post" schon mit deniStrafgesetz in Konflikt gekommen sind? Atlch Frhr. v. Stumm selber ist nicht alle- zeit vom Slrafrid>Ier verschont geblieben und er gehört doch sicher nicht zu den zügellosen Leute«; freilich, er hat es gut; bei seinem Einfluß an maßgebender Stelle ist er der Begnadigung sicher,»veim1 er einmal mit den» Strafgesetz nicht ganz harmonirt.(Heiterkeit.) Bon seilen der Bnnvesrathsmilglieder ist mir geslen» erividert »vorden, daß die vo» mir angesührten Thatsadze» wahrscheinlich ans! falsche Berichterstattnna zurückzuführen sind. Selbst zugegeben, daß alle diese Fälle so salsd» wären, als ich sie für richtig halte, bis»»ir der Gegendeiveis erbracht wird, so»vnrde das a» der Thatsache absolut nichts ändern: daß die Preßsünder heute dnrchans wie die gemeinen Verbredjer behandelt»verde». Das konnte der Herr Stnatsselrelär doch»idst in Abrede stellen; er mußte zugeben. daß alle diese Dinge heute passiren könne». ohne daß damit irgendivie gegen die Gesetze verstoßen»vird. Und das ist eben das Einzige,»vorauf es hiev ankonnnl. Da ich gestern gefragt»vorden bin,»varun» ich mit den einzelnen Dingen»»»ich»idst lieber direkt an die zuständigen Slellen geivandt habe, so»vill ich mit einige» Worten darauf erividern; und zivar »miß id» da einen rein persönlichen Grund anführe». Wen»»»eine Fraklionskollegen cs vermeiden, mit de» Herren Ministern i» direkte» Verkehr zu treten, so geschieht das durdzaus ans Rücksicht ans das persönliche Fortkoninien dieser Herren.(Große Heiterkeit.) Wir»visse». daß es Organe giebt, die die Personen der Herren Staatssekretäre scharf überivachen und alles dcnnnziren,»vas ihnen irgendivie auffällig oder verdädstig scheint. Wenn»vir»vissen, daß da z. B. einmal der lllbg. Ridster auf eine» dieser Herren zutritt, ihn» ein frenndliches Wort sagt, oder gar einen Händedruck tauscht,(Abg. Richter: Habe ich nie gethan! Zuruf: Sie meine»»»vohl Rickert! Heiterkeil)— natürlich Rickert— und»venu»vir»veiter wissen, daß von all' diesen Herren kein einziger mehr anivesend ist,(Große Heiterkeit.)»vie können Sie dann vo» uns erivarleu. daß»vir so boshaft und niederträchtig sein»verde»,»nit de» Exzellenzen in Verbindung zn trete»?(Heiterkeit.) Und gerade den» Staats- sekrelär des Jnstizamts gegenüber, dessen Amtsführung»vir »viederholt lobend anerkannt, habt»»»vir an» allerwenigsten Neigung, seine Amlsthäiigkcit voreilig zum Abschluß zu bringen.(Heilerkeit.) Gerade daß»vir»visse»: cs konimt selten etivas Besseres, das hat»ns veranlaßt, nidsts zn lhnn, was»hin irgendivie gefährlich»verde»» könnte.(Heiterkeit.) Denken Sie doch daran, welches die sehlimmste Thnt»st, die dein Grafen Caprivi noch immer und immer von der konservativ-agrarische» Press« vorgehalle» »vird: daß wir Sozialdemokrale» mit für den russische» Handels- verlrag» für den man ja»iod>»veit höheren Ortes sid) iisteressirt hat, gestimmt habe». Unter diesen Umständen werden Sie begreifen, »venu»vir von einem»»»"»ndlichen uud sd)iistlidien Verkehr»nit de» Minister»»nöglidist absehe».'Außerdem liegt zivischen der zweiten und dritten Lesung eine lange Zeit, da können die Herren Minister sich orientiren. Run zu dem säd)sischeii Generalstaatsanwalt Rüger. Er hat zivar behanplet, daß im Falle Schulze der Sachverhalt etivas anders liege, als ich ihn dargestellt habe, ist de» Beiveis aber schuldig geblieben. Er hat ziigegeben, daß Sdznlze von Hoheneck nach Dresden mit zivci Kelten gefesselt transport»vorden»st»md hat iinr eingeivandt, daß der Herr kurze Zeit vorher Bäckerlehrling geivesen sei. Das inag sei», ich»veiß eZ nicht. Will»»an aber daraus deduzire», daß sich alle, die früher Bäckerlehrling geivesen sind, eine»»iredstmäßige Behandlung gefallen zu lassen haben? (Große Heiterkeit.) Soll der Umstand, daß jemand ein ehrliches Handivert gelernt hat, schon genügen, nin ihn,»venn er nadzher Redakteur»vird.»vir einen Verbrecher in Ketten zn schlagen? In alle» Parteien hier sitze» ja frühere Handiverker. Der Abg. Metzner von» Zentrum ist Kaininfeger, ick»»var Saltler,»nein Freund Bebel Drechsler. Oder»vollte Herr Rüger sagen, daß die Bäcker- nicisler»hie Lehrlinge so drangsalire»», daß diese»adzher nicht so enipfindlich gegen schlechte Behandlung sind?(Stürmische, allseitige Heiterkeit.) Herr Rüger hat da»» weiter gesagt, der Trans- port habe am dunkle» Morgen begonnen und in 1>er Abend- dnnkelheit geendet. Da muß es ja beim Transport sächsischer Ge- fangenen ganz»vunderbar zugehe». Hoheneck liegt von der Bahnstation Slollberg eine kleine halbe oder auch eine gute halbe Stunde entfernt. Freund Schippet, der in Hoheneck längere Zeit stndirt hat(Große Heiterkeit), erinnert sich darauf nicht mehr genau. Die kürzeste Fahrzeit vo» Stollberg nach Dresden dauert 3 Stunde» 55 Minuten, die längste 4 Stunden 22.(Hört, hört!) Der erste Zug geht nin 5,32 vormittags von Stollberg weg und»st»un 9,27 vonniltagS i» Dresden. Der Transport ging im Hodffommer,»in August vor sid>. Alle vier Verbindungen von Slollberg nach Dresden fallen in eine Zeit, zn der es»veder beim Abgang noch bei der Ankunft des Trantpors dunkel ist.(Große Heiterkeit links.) Es ist ja»nöglid», daß die Herren»nterwegs liege» geblieben sind, sonst ist es»nmöglieh, daß sie i» der Dunkelheit abgegangen oder an- gekonnne» sind. Herr Rüger hat seine Anssührunae» also gemadst otine Rücksicht auf den Slaalsbahii-Fahrplan. Herr Rüger hat »veiter ans de» Fluchtverdacht hingeiviesen, unter dem Schulze sich befand. Einen dnrchfehlagendei» Grund für den Flndstverdadst aber hat er»idst angeführt. Der Ilmstand, daß ein deutsches, vor allem ei» säd>sisches Gericht sagt:„Du sozial- deniokralischer Redakteur bist flnchtvcrdächtig.»vir sperren Dich ans alle Fälle ein, auch wenn Di» nachher sreigesproche:» wirst, damit du»venigstens etivas»vegbekomnien hast, gilt nicht für mich. Rm» zum letzte» Einivurf. Die Thatsache, daß Sdinlze mit zivei Kellen gefesselt wurde, konnte Herr Rüger nicht i» Abrede stellen. Was führt er an? Es»var ja nur eine leidste Kette, sie wog blos ein halbes Psund! Mit Bleikugeln»var Sdinlze allerdings nicht belastet, das habe id) auch gar nicht behauptet, aber ich sehe hieran, wie sehr unsere Auffassungen auseinander- gehe». Herr Rüger hätte»nöglichenveise eine Kette von 15 oder 20 Pfund für nidst angemessen erklärt. für mich aber liegt das zu vernrtheilende Moment in der Thalsache der Fksselmig(sehr richtig! links). Das ist es,»vaS jeden Menschen empöre» innß,»venu er nicht zufällig sächsischer Bnndesbevollmächligter ist.(Stürmische Heiterkeil). Nun nod) zn dem»vnrttembergischen Bevollmächtigten. Meine Quelle ist das leitende Organ der schiväbischcn Volkspartei. Die schiväbisdie Bolkspartci ist ja jetzt so angesehen, daß sie selber den Präsidenten für die schiväbisdie Kammer stellt. Wenn Ihr Organ so nnznverlnssig sein sollte,»vie der schiväbische Bundes- bevollmächtigte behauptet, so maße ich niir demgegenüber kein Urtheil an. Ich nieine aber, der„Beobachter" ist Mannes genug,»in sich selber»nit Herrn v. Echicker anseinanderznietzen, und ich hoffe, daß es dabei keine Schivabcnstreiche giebl.(Große Heiterkeit und Bravo! bei den Sosialdemokraten.) Staatssekretär Nieberdiug: Die Gründe, die der Herr Abg. Auer für das Unterlassen einer vorherigen Mitlheilnng der Fälle, die er besprechen»vollte, anführte, haben bei niir ein Kopssdzüttcli» erregt. Sollen denn die»vegeu PreßvergehenS Verurlheillen besser behandelt»Verden als andere Gefangene? Das»vürde ja Ihren GnmdsStzen der Gleichheit widersprechen. Und wnZ dnS mir bisher»»bekannte persönliche Wohlwollen des Herrn Abgeordnete» Auer anbetriffl, so habe ich mich bisher nicht gescheut, in geschäftliche Verbindung mit einigen seiner Parteigenossen wenn es nöthig war, zn treten. Ich mache keinen Unterschied gwischen den Parteien, soweit ich mir ihnen in Sache», die mein Amt betreffen, zu verkehren habe. Daran werde ich auch fernerhin festhalten und die Sozialdemokratie nicht davon ausnehmen. Die Sorge um mein Wohl kann der Abg. Auer mir überlassen. Was er sagte, war wohl nicht ernst gemeint, war nur ein Scherz, der der ersten Sache nicht angemessen ist. Von der zweiten bis zur dritten Lesung können wir mit der Klarlegung der von den Sozial- demokrate» hier öffentlich vorgetragenen Fälle nicht warten.(Sehr richtig! rechts.) Sächsischer Bundesbevollmachtigter General- Staatsanwalt Dr. Rügcr: Ich habe dem Herrn Schulze keinen Vorwurf daraus gemacht, daß er früher Bäckerlehrling war. ich habe das nur zur Charakleristrung seiner Persönlichkeit angeführt.(Stürmische Heiterkeit links.) Ich meine, er hätte besser geihan, wenn er bei seinem ehrlichen Handwerk geblieben wäre. Ich»uiß es ablehnen, mit dem Abg. Auer darüber zu diskuliren, ob die Behörde» Pflicht- gemäß gehandelt haben. Es steht fest, daß der Transport in der Dnnkelheit begonnen hat, da die Straskammer-Verhandlnngen in Dresden sehr zeitig, um acht oder neun, beginnen. Die Dunkelheit war auch nicht der einzige Grund, der zweite ivar der Fluchtverdacht. Sch. hatte noch 17 Monate z» verbüßen. Wenn Sie mir einen Vorschlag machen wollen, wie ein Gefangener im Dunkeln anders als gefesselt trnnspvrtirt werden kann, so machen Sie ihn, ich bin der Belehrung zugänglich. Nach meiner Meinung ist in dem Falle durchaus korrekt verfahren worden. Wnrltembergischer Bevollmächtigter v. Schicker: Der Abg. Auer hat mir ein Duell mit dem„Beobachter" empfohlen.(Große Heiterkeit.) Ich glaube auch heute noch nicht, daß alle Angaben des „Beobachters" über de» Fall Uexküll richtig sind, denn sonst würden die zahlreichen Parteigenossen des„Beobachter" de» Fall gewiß schon im wiirttcmbergischen Landtage zur Sprache gebracht haben. Abg. Graf von Stolbcrg(kons.) erklärt sich gegen den Antrag Lieber. Wir lehne» es ab. eine Forderung, die wir an und für sich für berechtigt halten, zn dem Zwecke abzulehnen, um damit einen Druck auf die Negierung auszuüben. Was die Frage der E»t- mündigling anbetrifft, so sind da Mißstände vorhanden. Die zahl- reichen Petitionen mögen nicht alle berechtigt sein, aber man muß doch zugeben, daß es keinen Ranch giebt, wo kein Feuer ist. Die Irrenärzte sind häufig Jrrlhümern unterworfen. Aus keinem anderen Gebiete wird den Spezialisten alles überlassen. Abg. Lcnzmann(srs. Bp.) weist de» Vorwurf des Abg. Kruse zurück, daß er unberechtigte Angriffe gegen die Irrenärzte erhoben habe. Ein Theil der Irrenärzte hält sich für unfehlbar und ver- »veigert deshalb eine Einmischung dritter. Der Träger dieser An- ficht ist Jolly. Die vorgeschlagene Neberwnchnngskommissio» funktionirt in anderen Ländern. ,vie Schweden, Frankreich w. sehr out. Sowie die persönliche Freiheit in Frage kommt, soll der Irrenarzt nicht allein cutscheiden. Nach dem Alexiauerprozeß wurden aus mehreren Anstalten eine ganze Anzahl Kranken ihren Familien zurückgegeben. Abg. Prinz zn Schönaich- Carolath: Der jetzige Zustand ist zweifellos verbefferungsfähig. Die Frage, ob ein Kranker in eine Irrenanstalt gebracht, verde» soll, ist nur von einem Älrzte, nicht von einer Kommission zu entscheiden. Später kann aber eine Koni- Mission sich mit den Kranken beschäftigen, nicht oberflächlich, sondern gründlich. Eine solche Nachprüfung unter Hinzuziehung von Laien halte ich für sehr wünschcnswcrth. Ich verlange schließlich vom Staat eine sehr verschärfte Aussicht der Privat-Jrrenanstalten.(Abg. Bebel: Sehr richtig.) Mir sind Klagen aus allen Kreisen der Ge- sellschaft zugegangen über schlechte Behandlung der Kranken in solchen Anstalten. Abg. b. Kardorff(Rp.): Als Herr Auer sprach, wurde mein Kollege von Stumm aus dem Hause abberufe». Er wird sich also persönlich mit Herrn Auer ein ander Mal auseinandersetzen müssen. Wenn Herr Auer gesagt hat, sein Kollege Herbert habe ganz lllecht gehabt als er gesagt habe, die Konservativen drohen uns Sozialdemokraten mit Todtschlag, so antworte ich ihm, er solle vor seiner eigenen Thür kehren»nd sehen, was alles in der sozialdemokratischen Presse gegen die Konservativen steht.(Unruhe links.) Ich erkläre mich gegen den Antrag Lieber. Zwischen der Streichnng der KOCK) M. beim Staatssekretär des Reichs- Postamts und der Streichnng hier bestebt kein innerer Zn sannneu- hang. Wir sind gegen solche Handelsgeschäfte. Abg. Dr. Hainmachcr(natl): Der innere Zusammenhang bc- steht doch. Der Reichstag hat die Aufbesserung der Gehälter der Unterbeamten verlangt und es ist dem Gedanken energisch Ausdruck gegeben worden, daß wenn die Gehälter der Unterbeamten nicht er- höht iverden, auch die Gehälter der höchsten Veamten nicht erhöht werden sollen. Wir haben in der Budgetkommission unsere Zu- stimmung zur Erhöhung von einer Erklärnug der Regierung ab- hnngig gemacht, daß sie die Resolution vom vorige» Jahr ernsthaft zu erfüllen gewillt ist. Nachdem durch andauerndes Schweigen von» Negiernugstisch diese Hoffnung zn Schanden geworden ist, müssen wir uns heute gegen die Mehrbewilliguug aussprechen. (Beifall.) Abg. Lieber(Ztr.): Ich bin dem Abg. Dr. Hammacher dankbar dafür, daß er Herrn von Kardorff den inneren Znsammenhang, den er vermißt halte, nachgewiesen hat. Was Herrn v. Kardorff Ver- anlassung giebt, von Handelsgeschäften zn sprechen, weiß ich nicht. Hört man die Herren reden, sollte man glauben: Dies Kind, kein Engel ist so rein! Waren wir es, oder war es nicht Herr von Werdeck von der konservativen Partei, der das Wort gesagt hat: Kein Kanitz, keine Kähne!(Sehr gut!) Abg. ff. Kardorff(Rp.): Die Aeußcrung hat Herr v. Werdeck für sich'und nicht für die Partei gethan. Tie Diskussion wird geschloffen, das Gehalt des Staatssekretärs wird dem Antrag Lieber gemäß nur in der bisherigen Höhe (24 000 M.) bewilligt. Für die Erhöhung auf 30 000 M. stimmen nur Konservative und Reichspartei. Der Rest des Jnslizetats wird ohne Debatte bewilligt. Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr.(Tagesordnung: Post- Etat.) Schluß 0 Uhr. geovdnekenhcrus. 12. Sitzung vom I. F e b r n a r 1808, II Uhr. Arn Ministertische: Freiherr von H a in in e r st e i n»nd Kom- Nlissarieu. Die Berathuug des l a n d iv i r t h s ch a f t l i ch e» Etats wird fortgesetzt. Bei der Position„Pomologisches Institut zu Proskau" wünscht Abg. LotichiuS(natl.) eine gleichmäßige Tarisirnng des Obstes. Heute werde das ausländische Obst billiger versendet als das in- ländische. Schon vor Jahren sei hier angeregt, gegen die über- »nächtige Konkurrenz des ausländischen Obstes billigere Tarife für die Eisenbahnbefördernng inländischen Obstes zu bewilligen. Vom Regierungstische»vird erwidert, daß auf Anregung des land>virthschaftliche» Ministeriums von der Eisenbahu-Verwaltung Frachtenvergünstigungen für größere Sendungen, ganze Wagen- ladungen, gewährt iverden. Abg. Knebel(nl.): Die Apfelernle in Ostpreußen ivar in diesem Jahre gut, während sie in den meisten anderen Gegenden Preußens schlecht ausfiel. In Ostpreußen hat man das Obst vielfach auf de» Düngerhaufen geivorfcn, siveil es an Gelegenheit zu seiner Ver- »verlhung fehlte; billigere Eisenbahnfrachlen hätten den Leute» gute Einnahmen aus der Obsternte bringen könne». Reg.-Konnnissar Geh.-Rath Müller empfiehlt den Obstbauern gute Obstsorten von gleichmäßiger Qualität in größeren Mengen ans den Markt zu bringen; nur auf diese Weise könnten sie sich »veitere Absatzgebiete auch im Auslande erwerbe». Ein anderer R c g i e r u» g s k o n, in i s s a r erklärt, daß die .Regierung sich die Verfolgung der Obstschädlinge angelegen sein lasse. Abg. Barthold(fk.) tritt für die Besserstellung der Lehrer an den landwirthschaftlichen Mittelschulen ei». Regierungskoniniissar Müller: Die Regierung sorgt allerdings für den ländlichen Unterricht; leider finde dieselbe im Osten»och nicht die nöthige Anerkennung. Abg. v. Meiidcl-Stcinfels(k.) wünscht dem Unterricht der weiblichen Jugend auf de»» Lande größere Aiifmerksainkeit zu widmen. Minister Frhr. v. Hanlmcrstei» anerkennt die große Bedentung, welche heute die weibliche Beihilfe in der Landwirlhschaft hat, nainenllich in der Geflügelzucht und in der Viehzucht und auch im Gartenbau. Er habe vergeblich versucht, für diese Zwecke Mittel bei der Regierung zu erhalten, wolle aber seine Beliiühungen i» dieser Richtung nicht aufgebe»,»nid wünsche er, daß auch die Pro- vinzial-Verivaltungen in dieser Richtung thätig seien. Älbg. Dr. Tüiikelberg(nl.) erörtert ebenfalls die Verhältnisse des landivilhschaftlichen Schnlivesens. Abg. Elattfeltcr(Z.) verbreitet sich über die Aufgabe der ländlichen Forldilduiigsschule», bei de»?»» die geistige Fortbildung der Schüler nicht vernachlässigt werden dürfe. Das gleiche gelte vo» den Fachschulen. Regierungskommiffar Müller versichert, daß diese» Wünsche» Rechnung getragen»verde. Abg. Lcpprlmann(Z) enipfieht Förderung der Haushaltungs- schulen. Abg. v. Brockhansen(k.) bedauert, daß das Abituri»»» bei de» landivirlhschaftlichen Mittelschulen von verschiedenen Behörden noch immer nicht als ausreichend zun» Eintritt in den Subaltern- dienst erachtet»vird. Regierungskommiffar Müller legt dar, daß diese Regelung der Reliktenversorgnng an dem Widerspruch einer einzelnen pommerschen Stadt gescheitert ist. Der Titel„Landwirthschaftliche Lehranstalten"»vird genehmigt, ebenso die Position„Thierärztliche Hochschulen". Bei der Position„Vetcrinärivesen" spricht der Abg. Frhr. v. Schcrr-Thoß(k.) seine Geniigthunng aus über die Mchreinstellnng vo» 35 300 M. zur Vermehrung der Kreis- Thicrärzte; er empfiehlt hierbei besondere Rücksicht ans die Provinz Posen, wo die Senchengesahr besonders groß sei. Von» Regier»»gslisch»vird erividert, daß man regiernngs- festig an dem Grundsatz festhalte, für jede» Kreis einen selbständigen Thierarzt zu haben. Abg. Herold(Z) kündigt einen Jniliatio- Antrag an. die Dugieriing niöge einen Theil der ans den Maßnahme» gegen Vieh- seuche» den betroffenen Bichbcsitzeri» erivachsenei» Kosten ans die Staatskasse übernehmen. Bei den» Kapitel„Förderung der Fischerei" befürwortet Abg. Szniula(Z.) die Vcriveudung von Staatsmitteln zur Förderung der Teichsischerei. Regicruugskominiffar Geh. Rath Fricdbcrg erwidert, daß an der Berliner landivirlhschasltichci» Hochschule ein Kursus über Teich- fischerci stattfinde, auch praktische Bersuche im Müggelsee vorgenommen »vorden sind. Auf Anregung des Abg. Ostrop(Z.) wird vom Regierungstische bemerkt, daß bei Flußregulirnngen Vorsorge getroffen sei, daß einzelne Strecken nicht in Angriff genommen»verde»» solle», bevor»ichl ein vollständiges Negnlirungsprojekt für de» ganzen Flußlauf vorliegt. Bei den einmaligen außerordentlichen Ans- gaben hält der Abg. Kraiviukcl(natl.) den zur Förderung der Land- und Forst- »virlhschail in den ivestlichc» Provinzen ausgesetzte» Fonds von 200 000 M. für z» niedrig,»Venn man die Anfforstnug von Oed- ländereicn in geivünschlcin Maße fördern»vill. Landivirlhschaftsininisler Frhr. v. Haminersteiu erividert, die geringe Dotirnng sei nicht seine Schuld, er müsse immer mit den Bedenken des F i n a n z»i i»> i st e r s rechnen. Abg. Dr. Sattler(»all.) fragt a»,»veshalb in» laufende» Jahr nicht wie im Borjahr ein Fonds von 300 000 M. zur Slbgabe von Darlehen an McliorationS- und Produklionsgenoffenschaften in den Etat anfgenoinmen sei. LandivirthschaftSniinister Frhr. v. Hainmcrstcin erividert, daß der Finanz in i u i st e r Bedenken erhoben habe. Abg. Bänsch-Tchniidtlei»(sk.) fragt nach dein Stande der Ueber- schlvennmings-Vorlage. Landivirihschnftsminister Frhr. v. Hainmcrstcin: Ich kann Ihnen mitlheile», daß zivei Vorlagen an den Landtag gelangen iverden. Die erste betrifft die Beseitigung des RothstandeS, die Erhaltung der Belheiligteu im Nahrungszusiande und Beseitigung der Hindernisse, insbesondere solcher,»velche sich in» Hochwasserprofii befinden. Die ziveite Vorlage ist ebenfalls fertig gestellt und behandelt die Frage,»vie prnvcniiv solchen Borkomninissei» entgegengetreten »verde» kann. Beide Borlagen sind endgillig festgestellt. Da sie einen provinziellen Charakter haben, müssen sie an die beide» Provinzial-Landtage von Schlesien und Brandenburg abgegeben »verde». Diese treten in» Laufe dieses, beziebnngswcise am Anfang des nächste» Monats zusammen. Wen» die Beschlüsse der Landtage vorliege», ist die Stnalsregiernng erst in der Lage, sie dem Landtage der Monarchie zu nnlerbreitc». Abg. Bänsch-Ichmidtlcii»(sk.): Wir habe» angenommen, daß nur die ziveite Vorlage dem Provinziallandtng vorgelegt»verde» braucht. Minister v. Haminersteiu: Ich muß mich berichtigen. Ich habe mich geirrt, nur die Vorlage,»velche die Präventivmaßregel» vorsieht,»vird a» die Provinziallandtnge abgegeben.(Lebhafter Beifall.) Nach unerheblicher Debatte,»velche lokale Gegenstände betrifft, wird auch das Extra ordinarilim genehmigt. Es folgt die Beralhnng des Etats der Gcstütsverivaltung. Da- mit»vird die Beralhnng einer Denkschrift über die Umgestaltung des pallptgestüts Trakehnen verbunden. Abg. Frhr. v. Doboneck(k.): In Trakehnen sind Accker nnd Wiesen nicht in» stände, das zn liefern, was das Gestüt bedarf. Die Wohnnngsverhällniffe sind erbärmlich, sowohl die Arbeiter-,»vie die Beaintenivohiinngen. Es ist»nr eine einzige Sänniede vorhanden. Soll Trakehnen seinen alten Ruf nicht verlieren, so müssen de- deutende Mittel anfgeivendet»verde». Schon jetzt steht das Gestüt Privatgestnte» der Povinz nach. Auch die Verhältnisse in anderen Instituten lassen zu»vüiischen übrig, so z. B. in Neustadt a. d. Dosse. Oberlandstallnieister Graf Lchiidorff bestreitet, daß in Trakehnen eine einseilige Vollblutzucht getrieben»verde. Nach längerer»veilercr Debatte über die Gestütsfrage vertagt sich das Hans a»f Donnerstag II Uhr. Tagesordnung: Etats der Gestüt-, Forst- und Douiänen-Verivaltimg. Schluß 4'/- Uhr._ Bndaetkomiuissiou. Abg. Prinz v. Areilberg fragt a», wie es mit der Sirafrechtspflege i» de» Kolonien stehe. Der Unter-Staats- sekrelär antivortet, daß der Kolonialrath eine bezügliche Vorlage be- ratheil und diese den Kolonialverivallungei» zur Begutachtung zn- gegangen sei. Abg. Hasse fragt a»,»vie es mit der Deportation von Verbrechern»ach den Kolonien stehe. Der Abgeordnete hatte die gestrige Verhandlung verschlafen und so»vurde ihn» bedeutet, daß die Frage schon gestern in» Reichstag verhandelt»vurde, der Untcrstaalssekrelär schließt sich den Ansführungen des Staatssekretärs für das Reichs-Justizamt an. Abg. Hammacher befürwortet, die Verhandliingc»» des Kolonialraths dein Reichstag mitzntheile», er erklärt sich gegen die Deportation. Abg. Radbifl ist ei» begeisterter Anhänger der Deportation und spricht sich für die Vesiedelung Südivest-Afrikas durch Verbrecher aus. Abg. v. Maffoiv ist ebenfalls für die Deportation, Abg. Lieber dagegen. Der an- »vesende Major Leutwein, Landeshauptmann vo» Südwest-Afrika, setzt auseinander, welche Bedenken gegen die Deportation sprechen, er betrachtet die Frage für Südwest-Afrika als verspätet. Abg. Hasse nieint, es entstehe die Frage, wie man die Kolonien für Deutschland nutzbar machen könnte. Abg. Graf Arnim ist gegen die De- portation. Abg. Dr. Hammacher erklärt sich gegen die Er- örternng in der Biidgetkoiiunission. In bezng auf Nen-Guinea seien nach dem Vertrag mit England Deportationen unzulässig. Süd>vest-Afrika eigne sich auch nicht zur Strafkolonien, der Unterhalt sei viel zn theuer. Abg. Gröber erklärt sich ebenfalls gegen die De- portativ», das sei keine Form der Knllnrverbreitnng, schließlich komme auch die Frage, ob man die Sl n h ä n g e r mißliebiger politischer Parteien deportire» solle. Abg. Prinz Arenberg erhebt ebenfalls lebhaste Bedenken gegen die Deportalion. Unterstaatssekretär v. NichtHofen»veist darauf hin, daß niit England ein Vertrag bestehe,»vonach Deutschland und England sich verpflichieteu, ans kemer Insel des großen Ozeans Gefangene zn deportire». Beiden» Versuch, in Südivest-Afrika dürsten Transvaal und 5inpland sich sehr dagegen»vehren. Abg. Bebel: Er sei selbstverständlich gegen die Deportation, auch ging, abgesehen davon, daß es geivisse Leule gebe, die gerne auch die� Sozialdemokraten deportire»» möchten. Thäte man letzteres, so»vurde man sicher sehr schlechte Erfahrungen inachen, denn er habe die Gewißheit, daß dann die Rebellion»» das Land getragen werde. Daß man jetzt die Deportation so ernstlich erwäge, spreche dafür, daß»»an den Glauben an die Kolonisation der Kolonie» verloren habe. Wolle man diese vollends dislreditiren »nd ruinire», so solle man zur Deportation greifen, nach Süd- Westafrika werde alsdann kein einziger Kolonist»nehr gehen. Auch»verde man nicht sparen, sonder», viel mehr Geld für den Unter- halt der Gefangenen anfivendc» müssen als jetzt. Auch müsse»»an sich ans Verschwörungen der Deportirte» mit den Eingeborenen gefaßt mache». England habe längst die Deportation aufgegeben, ivcil es gesunden habe, daß die Nachcheile die Vorlheile weit über- wiegen. Es entsteht eine Debatte über die B e st e u e r u n g der Ein- geborenen in den Kolonien, an»velcher sich außer dem Staats- sekrelär die Abgg. Prinz Arenberg, Dr. Hainmacher und Richter betheiligen. Der Referent Abg. Prinz'v. Arenberg regt an, die Einfuhr gewisser zollpflichtiger Artikel ans eine kleine Zahl Häfen zn bc» schränken, um die Erhebungskosten zu verringern. Uiiterstaalssekrelär v. Nichthofeu setzt auseinander, daß dieses in Rücksicht aus die Verpflichtung, den Sklavenhandel zn überwachen und den aus- gedehnten Thanverkehr sich nicht empfehle. An eine Verringerung der Posten sei nicht zu denken. Die Titel 1—3 der Ausgaben werden beivilligt. Abg. Dr. Hammacher fragt an. ob die Differenzen mit der Ost- afrikanischen Gesellschaft»vegei, Usainbara beglichen seien, ferner, »vas es mit de» Kohlen-'und Goldfnnden für eineBewandtniß habe. Der Uuterstaatssckretär bea»t»vortet die eiste Frage dahin, daß die Verhaiidlniigen»och schiveble», i» bezng ans die ziveite Frage ant- »vortet er, daß die Kohle noch nicht»n abbauwürdiger Menge ge« funde» sei. Den Goldfunde» miiffe»nan sich skeptisch gegenüber ver- halten. Titel 4»vird beivilligt. Bei Titel 5 regt Abg. Graf Arnim an, in ei»e»,?iii, Inneren Ostafrika neu enldeckten Gebiete(Hochplateau), das sich zur Kolonisation sehr eignen solle, eine Station zu errichten, und zwar sofort. Ter Unterstaatssekretär bestätigt, daß da? fragliche Gebiet be- sondere Ausmerksauikeil verdicne, es seien bereits Schritte in der voin Abg. Grafen Arnim geivünschten Richtung geschehe», man»varte noch ans definitive Anskünsle. Ätbg. Hammacher koinint auf die Gesnndheitsverhältnisse Ost- afrika's zu spreche», die»och viel zu»vüuschen übrig lassen, und srägt an, ob Maßregeln gegen die Malaria ergriffe» seien. Der Unterstaatssekretär thcilt mit. daß Tr. Koch von Indien nach Ost- afrika gereist sei, n», die Malaria zu studirc», und daß Dr. Koch in einem Briefe vom Novrnlbcr sich dahin ausgesprochen habe, daß er bereits liefer in das Mcsen der Krankheit eingedrunge» sei, als das bisher geschah. Titel 5—11»verde» beivilligt. Abg. Graf Ar»!»» fragt an, ob eventuell die Regierung einen Beitrag zun» Transport eines Dampfers znn» Tanganitasee gewähren»verde, falls die Koste» aus Privalniittcl» nicht aufgebracht»vnrdeu. Abg. Prinz Arenberg be- fnrivortet diesen Vorschlag. Der Untcrstaatssckretär glaubt Reichs- Hilfe in Aussicht ftclle» zn können. Abg. Hasse erklärt sich gegen Sammlungen für Kolonialzivecke, hier müsse das Reich eingreifen. Abg. Nadbyl spricht sich siir mehrere Dampfer aus, am Tanganika sei geeignetes Land nnd Klima für großartige Kolonisalioi». Abg. Prinz von Arenberg spricht sich für die Ucbcrnah'.ne der Transport- kosten durch das Reich aus, der Reichstag stehe jetzt de» Kolonial- bcstrebnngei»»veit günstiger gegenüber als früher, die Regierung dürfe also schon mit größeren Ansprüchen konnne». Abg. Bebel legt Verwahrung dagegen ein, daß man die Regierung immer wieder zu Ausgaben dränge, man thne, als sei die Reaicniiig ein Kind, das nicht»visse, ivas cS zn thun habe. Er finde nicht, daß die finanzielle», Verhältnisse der Kolonie», günstige seien. Der 9>bg. Nadbpt scheine ein»vahrer Kolonial- sanatiker zn sein, der selbst den Abg. Prinzen?lrei»berg übertrumpfe. Die Abgg. Prinz Arenberg und Nadbizl venvahre» sich gegen die Angriffe des Vorredners, nachdem»im» die Kolonien habe,»nässe man auch suchen, sie»»tzbar zn machen. Die Titel 12—14 werden bewilligt. In den» Etat der einmaligen Ausgaben für Oftafrika iverden 250 000 M. für Bauten und öffentliche Arbeiten rc geforbccl. Die Abgg. Hanimacher»nd Paasche sprechen sich für größere i-lraßen- bauten ans, die sie für»vichliger als kostspielige Eisenbal»iba»ie>» hielten. Letzterer verivcist anf seine Erfahrungen in Südamerika und befürivortct die Beschaffung von Manlthieren und Ponnys für de» Transport. Untcrstaalssekrelär v. Richthofen giebl Ansknnft Über die Sachlage in Ostafrika. Der Titel»vird bewilligt.— Titel 2 fordert einen jährlichen Zuschuß für die Usainbara- Eisen- bahn von 72 000 M. Der Referent Prinz Grimberg befürwortet die Bewilligung, ebenso der Refercnl Abg. Hasse; beide befürworte»» die Verlängerung der Bah», damit sie rentabel»verde. Abg. Graf Arnim bewilligt die geforderte Summe nur nngern, die Bah» habe keine günstigen Aussichten. Der Unterstaatssekretär»nacht Angaben. »vonach die Bahngescllschaft bankrott ist; eS nnisse also das stieich eingreife», um die Bahn für den spälcre» Weilerban intakt zn hallen. Abg. Stichler spricht sich gegen die Veivillignng ans, eine» Einblick in die Verhältnisse der Bahn habe er bis jetzt vergeblich gesucht; seines Wissens sei der einzige Zug, der verkehre, ein Zug zur Jagd, der Sonnabends in Betrieb gesetzt»verde. Man steuere in de» Nebel hinci», ohne zn»viffen,»vas»verde. Die Bahn habe gar keine Aussicht aus Lebenssähigkeit. Nach»veileren Be- inerkungen des Unlerstaatssckretärs und der?ibgg. Paasche, Hannnacher, Richter und Prinz Arenberg»vird die Forderung gegen 4 Stimmen beivilligt. Der Etat für Ostasrika ist hiermit erledigt. Nächste Sitzung Freitag Vormittag 10 Uhr. Pctitiou zur lex Hcinzc Eine von» Vorstand des Börsen- Vereins der deutschen Buchhändler zu Leipzig dem Reichstage unler« breitete Petition bittet»in» Ablehnung des Antrages Prinz Arenberg (lex Heine),„so lauge nicht eine Fassnng gesunde»»vorden sein »vird, die geeignet»st, zu verhüte», daß durch das»e»e Gesetz die Fortentivickelnng des Buch« nnd Kmislhandels nnd damit zugleich die orteulivickelung der Knust nnd Wissenschast, der der Buch- und unsthandel dieilt, verhindert Ivird."— Dem Steickslage ist eine von zahlreichen hervorragenden Männern der Wissenschast, Kunst:c.n»terzeichnete Petition zugegangen, die Aushebung der Paragraphen des Slrasgesetzbuches»vnnscbt, die die»videruatür- liche Unzucht bei Männern mit strengen Strafen belegt,»vährend die Frauen»i» dieser Beziehung frei ausgehe». Gegen diese Petition. die bereits vo» Bebel bei der ersten Lesung des Zenlrnmsantrnges zur lex Heinze herangezogen»vurde»md jetzt der bezüglichen Kom- missio» niiterbreilet ist, haben die deutschen Vereine zur Hebung der Sittlichkeit eine GegenpetUio» erlasse», die jetzt dem Reichs'ag zugegangen ist._ Von dev Arbcik dev Gegner. Viele Kräfte beumhen stck, jahraus, jahrein, der sozialdemo« kraiischm Arbeiterpartei das Wasser abzugraben.— in den aller- meisten Fällen ohne jede» Erfolg. Meist sind ja auch schon dje Mittel zu unserer BelZinpsung so»uzuISuglich oder thSricht, daß nur in der augeuchme» Lage sind, mit einem Scherz über die Sache bimveggehen zu können, um dann die guten Leute aber schlechten Musikanten nicht weiter zu beachten. Ernster zu betrachten sind von unserem Standpunkt ans die Veranstaltungen der Zentrumspartei zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Die Zentrnmspartei ist mich ans den 1893er Wahlen noch mit 97 Reichstagsmandate» bervorgegangen, während unsere Partei nur in 43 Wahlkreisen sieg- reich blieb. Welche Aufwendungen vom Zentrum zur Erringnug und Aiks- rechterhaltung dieser Position gemacht werden, geht ans dem dies- jährige» Bericht des„B o l k s v e r e i n s für das katholische Deutschland" hervor. Dieser Verein ist das Werk des ver- ftorbenen Windlhorst, der ihn im Jahre 1890, kurz nach unserm Barleitag in Halle, gründete, und zwar mit dem Zweck,„zur Be- käiupsung der Jrrthümer und Umsturzbestrebungen anf sozialem (SKbiete, zur Vertheidigung und Wiederh-rsteUung der christ- lichen Gesellschaflsordnung". Ter Verein will landauf landab die Agitation der Sozialdemokratie bekäinpfeii. Mit welcher Planmäßigkeit und welchen großen Mitteln er dabei zu Werke geht, mögen die folgenden Mitlheilimgen lehren. Er zählte nach dem Bericht zu Anfang 1397 mehr als 185 009 Mitglieder. An ihrer Spitze stehe» an einzelnen Orlen die Verlrauensmänner, in den Kreisen oder Bezirken die Geschäftsführer, in den Provinzen oder Bisthümern die Landes-»der Diözesanverlretcr, welche olle der Leitung des Aereinsvorstanves, sowie der Zentralstelle in Miinchen-Gladbach im Rheinlande sich unterstelle». Durch Abhaltung öfterer Geschäfts- sübrer- und Vertrauensmänner- Versammlungen für größere und kleinere Bezirke wie sür einzelne Orte wird die Organisation des Vereins stets weiter ausgebaut und die Agitation belebt. Mehrere Tansende katholischer Männer aus allen Volkskreisen stehen als Geschästsführer und Vertrauensmänner den einzelne» Kreis, Bezirks- oder Decanats-Sektionen vor oder innerhalb derselbe», kleineren Orten oder Stadtbezirken, vermitteln den Verkehr zwischen der Zentralstelle des Vereins und de» über ganz Deutschland zerstreuten Mitglieder», vertheilen die Hefte, Flugblätter und Flugschriften, ballen öffentliche Volksversammlungen ab und treten unter sich zu Berathnngen über soziale Angelegenheiten zusammen. Volks- v e r s a m m l n n g e n wurden in den ersten 7 Vereinsjahren an 4090 abgehalten. Der Volksverein unterstützt die Zenlrumspresse durch die S o z r a l- K v r r e s p o n d e n z, welche wöchentlich zwei sozialpolitische Artikel 249 katholischen Leitungen umsonst sür den Abdruck zur Verfügung stellt. Jedes Mitglied des Vereins erhält für den Beitrag von 1 M. jährlich 3 Hefte der Vereinszeitschrift: „Der Volksverein" zugestellt,„diese belehrt in leichtsaßlichen Aufsätzen über die wichtigsten sozialen Fragen der Zeit und bringt jedesmal dazu eine soziale Volkserzählung, die auch von Frau und Kindecu gern gelesen wird". Außerdem werden unter de» Richtmitgliederu Flugschriften von ungefähr 29 Seite» verbreitet, entweder unentgeltlich oder gegen den niedrige» Preis von 2 Pf. für das Stück. Eines dieser Schristchen ist schon in 289 999 Exemplaren in das Land gegangen. Ihr Inhalt berücksichtigt„die von der Sozialdemokratie in das Volk geworfenen Jrrthümer und Augrisse". Ebenso sind auch an 159999 'dillige Volkserzählnugen vertheill worden.„Von Zeit zu Zeit muß aber die Wahrheit aus Wegen und Stegen verkündet wer- den. Tann werden kurz gefaßte Flugblätter in ganzen Bezirken in /jedes Haus getrageu, in den Fabriken, aus den Bolksversammlnugen jedeimaun in�die Hand gedruckt." Im Jahre 1393 wurden zum Beispiel binnen 14 Tagen l'/z Millionen, im Jahre 1894 1 Million, anfangs 1897 l1/« Million solcher fliegender Blätter in ganz Teutschland in Frist von einigen Wochen ausgestreut. Bis heute sind schon 15 solcher Flugblätter, darunter einige in Auslage von mehr als einer halben Million ausgegeben worden. Bis Ende 1897 wurden vom Verein ca. 19 M i l l i o u e n Druckschriften verbreitet. Ferner sind bis 1897 27 Volks- b u r e a u s in Jndnstriegegenden errichtet, welche jedermann Aus- kunft in den Angelegenheiten der Arbeiterversicheruug, dann auch in Arbeiterschntz-, Schul-, Militär-, MiethS-, Steuer- und ähn- lichen Sachen«rtheilen und die uolhweudigen schriftlichen Arbeiten anfertigen. Daß auch diese Einrichtung nur dem Arbeilersang dient, ist klar.— Im Jahre 1892 wurden zu Müncheu-Gladbach im Rheinlaude» im Jahre 1893 zu Bamberg in Bayer» und zu Reisse in Schlesien, im Jahre 1394 zu Frciburg in Baden, 1895 zu Dortmund, 1396 zu Schwäbisch'Gmünd„P r a k t i sch- f o z i al e Kurse" abgehalten. Ungefähr 699 bis 399 Geistliche wie L»cicn aus allen Ständen, Beamte, Aerzle, Juristen, Fabrikanten, Handwerker, Kauf- leute, Laudwirthe, Arbeiter nahmen an den Vorträgen und Besprechungen eine Woche oder länger theil. Tie hnuptsäch- lichsten Gegenstände der Sozialpolitik, sowie„was gegen- über der Sozialdemokratie von de» einzelnen Ständen zu Ihnn ist," wurden dort vor- und nachmittags verhandelt. SämmiUche Kosten deckt der Volksverein und giebt dazu noch Reise- Unterstützung. Um weitere soziale Studien und Veranstaltungen zu unterstützen, hat er eine sozial- wissenschaftliche Bibliothek gc- gründet, die schon zweinndeinhalbtansend Bücher zählt und den Mitgliedern des Vereins kostenlos Bücher ausleiht.— End- lich wurde 1395 eine Soziale'A n s k u n f t s st e l l e in München- Gladbach sür ganz Deutschland errichtet, die nach jenen Gegenden, in welchen kein Volksbureau besteht, die oben bc- zeichneten Ausknnste giebt, anderenlhcils unentgeltlich Anleitung und Rath erlhcilt zur Gründung und Leitung von katholischen Sl rbeitervereinen und dergleichen. So bedeutende Mittel werden aufgewendet zu dem auS- schließlich«» Zwecke, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. An- gcsichts dessen ist wohl der Rath an unsere Genossen nicht unberechtigt, namentlich in den katholischen Gegenden,>vo das Zenirni» doininirt, auch ihrerseits in der Organisation und Agitation nicht nachzulassen, besonders jetzt, wo die Reichstags-Wahleu vor der Thür« stehen.— Am schließlicheu Siege wirb ja unsere Partei von der katholischen Klerisei und was damit zusammenhängt, nicht gehindert werden. Aber verlangsamt und erschwert wird unser Vor- gehen sicherlich, wenn uns so bedeutende Kräfte entgegenstehen und wir in jenen Gegenden vielleicht schlechter gerüstet sind, als die Gegner._ Mommttnales. Ter von der Eitadtverordiieteu Bcrfaminluug niedergesetzte Ausschuß zur Vorberalhnng des Atagislralsautrages wegen Ausnahme einer neue» Sladtanleihe im Betrage von 69 Millionen Mark bat nntcr Vorsitz des Sladtverordnclen Heitmann und in Amvesenheit des Kämmerer Maaß, des EladtbauralhS Krause, und des Stadt- rathS NainSlau am Dienstag Abend eine Sitzung abgehalten und beschlossen, der Versammlung zn empfehlen, den Magistrats- anlrag zu genchmigeu. Der Zinssnß der Anleihe ist auf 3'/- pCt. festgesetzt. Die Zinsscheine werden April- Oktober eingelöst. Demiiächst soll die Stadtverordneten-Verfnminlnng de» Magistrat ersuchen, thiinlichst die erste Emission der 69 Millionen- Anleihe an städtischen und sonstige» bestimmle» Stellen öffentlich zur Zeichnung auszulegen. Tie Siibkommjssiou der städtische»«erkehrödeputatio» berieth gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Nirschner über die von der Aktien-Gesellschast Siemens U. Halste vorgelegten Ber- tragSenlwürfe bezüglich der Linie» Behrenstraßc— Treptow und Pankow— Gcliiiidbruuueii—Oraiiieiiburgerstraße—Miltelftraße. Die Beschlußfassung wurde über einige Punkte noch ausgesetzt, im übrige» soll mit der Gesellschaft über die von der Sitbkommissio» gestellleu Bedingungen weiter verhandelt werden. Uolmlss. Tie Ausgaben für Reinigung uud Bespreng»,, g der Strasten Berlins betrugen im Jahre 1396/97 3 933 299 31t., da- oege» in den 5 Vorjahren(zurück bis 1391/92): 2 373 745, 3 224 487, 1 377 592, 2 563 336. 1 936 492 M. Nach Adzng der verhältnißmäßig geringen Einnahmen, unter denen der Reiniguugskosten-Beitrag der Pferdebahn-Gesellschaste» den Hauptposten bildet, blieb 1396/97 eine Mehr-Ausgabe von 2 842 965 M., in den B Vorjahren: 2191227, 3 043 231. 1 748 045, 2 404 771, 1 898 937 M. Die be- deutenden Schwankungen erklären sich daraus, daß die Schneebefeitigungs-Kosten in den einzeluen Jahren sehr verschieden ausfallen. Diese sind in manchen Jahre» so hoch, daß sie geradezu den Hanptbestandtheil der gesammten Ausgabe darstellen und daher den Slraßenreinigungs- Etat sehr fühlbar bei»- flusse». Allein die Kosten der Schnee- Absuhr stellte» sich in dem außerordentlich schneereichen Winter 1896,37 aus 729 139 Mark. in den fünf Vorjahren: 167 723. 385 567. 19 695. 557 336, 143 952 Mark. Das letzte Jahr war in dieser Beziehung das zweittheucrste seit fast zwei Jahrzehute». Außerdem wurden für Hilfsarbeiter, deren Zahl natürlich ebenfalls von der Ausdehnung der Schneefälle abhängt, 1396/97 136 263 M.. in den fünf Vorjahren: 51 433, 224 134, 3599. 292 555, 68 134 M. ausgegeben. Läßt man die durch den Winter er- forderten besonderen Ausgabe» als u» gewisse Neben aus- gaben bei feite, so ergiebt sich, daß die übrigen Kosten der eigentlichen Straßenreinigung heute kann, höher sind, als vor zwei Jahrzehnten, trotzdem die zn reinigende Straßenfläche sich inzwischen verdoppelt hat. Die Berichte der städtischen Slraßenreinigniigs- Deputation führen das auf die Eiiiführniig der K o» a l i s a t i o n(Beseiliquiig der Ninnstelne) und ans die Verbesserung des Pflasters zurück. Der neueste Bericht fügt seinen Aussühruugeu über die Reinigungs- kosten wieder einen Vergleich mit anderen Groß- st ä d t e n a». Danach kostet die Straßenreinigniig pro Jahr: in Paris, wo die zu reinigende Fläche ziemlich doppelt so groß ivie in Berlin ist, 53/5 Millionen Mark; in Wien, dessen Straßenfläche ungefähr so groß wie die Berlins ist, elwa 3'/3 Millionen Mark(nach dem Etat vo» 1893); in New-Iork, dessen Straßenfläche derjenige» Berlins gleichkommt, 12 Millionen Mark.(In Wien und Neiv-Iork sind jedoch die Kosten der Hans- müll-Bcsciligniig mitgerechnet.)� Der Bericht hebt hervor, daß Berlin in beziig ans die Koste» günstiger als die genannten Slädte dasteht, giebt aber zu, daß Vergleiche mit andere» Städten bei der Ver- schiedeuheit der in belracht kommenden Verhälliiisse niemals ein ganz richtiges Bild geben können. Zugleich wird bei dieser Gelegenheit daraus hiugewlese», daß in Paris die Slraßenriimgmigs.Arbeiter (elwa 3000) erheblich weniger verdienen als in Berlin, woraus nugcuscheiulich der Schluß gezogen werden soll, daß die Berliner Straßeureiiiiguugs-Nrbeiler zu gut bezahlt werden. Am gestrigen Tage ist die Umlegung des B o r ort Verkehrs der Nordbahn von der Beruauerstraße»ach dem Sleltiner Bah»- Hof erfolgt. Der»ene Bororts-Bahnhof der SUlliuer Bah», der auf der Stelle des alten Giileraukuufts-Balmhofs angelegt ist, besitzt zivei Bahusteige, ivclche»ach Art der Stadtbahnhöfe überdacht sind. Der rechlsseilige Bahnsteig dient ausschließlich dem Bororlsverkehr der Nord- und Kremiiiciier Bahn, der linksscilige dem Vorortsverkehr der Stetliuer Bahn. Ter erste Voroitszug von Oranieiibiirg traf 5 Uhr 19 Minute» Hierselbst ein und brachte elwa 50 Passagiere, die beim Emlaiise» des Zuges in den»euen Bahnhof in laute Hurrah- rufe ausbrachen. Die Züge der Nordbahn fahren von der Jnvalidc»- straße ans neben der Sleltiner Bahn bis zum Huiiiboldthaiu, wo die Geleise auseluauder laufen, um sich in der Nähe der Bnmneii- straße wieder zu treffen. Lieben einander führe» die Geleise in den Bahnhof Gcs»»dbru»»e» ein. Von hier ans läuft der Schieueuweg der Nordbah» rechtwinklig»ach der allen Bahnstrecke hinüber und vereinigt sich mit ihr etwa 199 Meter hinter der nunmehr auf- gehobene» alle» Hallestelle Gesiliidbriinueu. Zu der Erniittelniig und Bcrhaftnng der Chcckdiobe wird »och solgendes gemeldet: Der Verdacht, de» sreche» Betrug be- gange» zu habe», richlele sich schon»or etwa 19 Tagen ans den Poslhilfsbole» Stuhki. Wie die Kriminalpolizei ermittelte, halte der vo» Königsberg i. Pr. den Betrug in Szene setzende Verbrecher von dort wiederholt Briese»ach Berlin gesandt. Ein Hansdiener des „Hotels zur Ostbahn". welcher einen dieser Briefe besörderle, ver> mochte anzugeben, daß das Schreiben a» eine» Posthilfsboten in der Granseerstraße gerichtet war und als der Adressat wurde nun bald durch die Krimiiialpolizei Stntzki ermilielt. Ans einein der beiden Chccks war als Wohiinngsangabe das Hans König- straße 46, anf dem andern Check das Hans Knrsürstendamm 14/15 de- zeichnet. Die beide» Adressen verantaßten»n» die Kriininalpolizei zn weitere» Liechercheu. Sie«rinitlelte sehr schnell, daß in dem Hanse Knrsürstendanun 14/15 der Schivager des St., Eduard Perplicß, bei dem Barbier Kraft in Slellnng war. P. hatte am 22. Dezember das Geschäft ans Knall und Fall verlasse» und bei dieser Gelegen- heit siä> dahin geäußert, daß er nach Königsberg verreisen wolle. Die Personalangaben über P. sliiiiinlen mit denjenige» des Schivindlers, der im Hotel zur Ostbahn in Königsberg gewohnt hatte, nberei». Nachdem hiermit die Beihilfe des Stntzki als erwiese» angesehen war, wurde dieser vorgestern in Haft ge- »oniinen. Den Baiikbeamlen gegenübergestellt, und von diese» rc- kognoszirt, legle der aiifäiiglich leng»e»de Stntzki«in volles Ge- stmidiliß ab. Sl. ist seit fünf Jahre» anf dem Bnefpostanit in der Spandanerstraße thätig und wurde i» de» letzten Jahren wiederHoll zur Aushilfe bei Bricsbcstellnngeii herangezogen. Im Dezember mußte er für eine»«rkrankle» Kollegen den Bnrgstraßen-Bezirk be- stellen und bei dieser Gelegenheit setzte er mit seinem Schwager zu- saininen den Schwindel in bereits wiederholt geschilderter Weise in Szene. Einen Präparier- und SczicrkursnS für Damen an der Universität Berlin, der nur den Damen zugänglich ist»nd i» einem besonderen Railine abgehalten werden soll, will, wie die„Berliner Abendpost"»leidet, Professor Benda von Ostern an übernehmen. ES soll auch gestattet sei», den Kursus wie«in anderes Kolleg zu belegen; er wird auf der Qnästnr aiigemeldet uiid de» Damen für ihr Studii»» aiigerechnet. Damit ist also ein kleiner Schritt vor- wärts zn verzeichnen für das Slndunn der Medizin von seilen der Frauen an der Universität Berlin, das ihnen bis jetzt so gut ivie verschlossen ist. Tie Allgcinciiic Bcrliucr OninibiiS-Akticngcscllschaft hat den Fahrpreis ans ihrer Linie Dönhoffplotz— Zoologischer Garte» für die ganze Strecke anf 19 Pf. herabgesetzt. Ans einen von kaufmännischer Seite bei dein Reichs- Pestainl gestellten Zlutrag ans regelmäßige Veröffenllichung der »»bestellbar gebliebene» gewöhnlichen Bricssendniigen durch die Zeilnnge» Hai das Reichs-Postaint ablehnend geantivorlet. Nach einer neuerlichen Versiignug der königl. Eisenbahn- Berwaltnng sind Anträge aus Rückerstattung des Fahrpreises für nicht benntzlc Eisenbahn- Fahrkarle» spätestens in drei Tage» a» die Kasse derjenigen Station zu stellen, wo die Fahrkarten ge- kaust wurden. ttufall anf der Stadtbahn. Ein schwerer Unglücksfall, der iviederum ans ein fahrlässiges Hi»a»sspriiigen ans eine»! in der Fahrt besindlichen Stadlbahiizng ziirückznführen ist, ereignet« sich aus der Station Zoologischer Garleu. Bei der Einfahrt eines von der Station Savignyplatz fälligen Sladlbahiiznges versuchte ein gut gekleideter Herr, der später als ein in der Äannyiistraße wohnender Kaufma»» Gebeler rekognoSzirt wurde, die Ablheilthiir zu öffne» n»d den Zug, ehe er hielt, zn verlasse». Gebeler verlor hierbei das Gleichgewichl und wurde anf de» Bahnsteig geschlendert. Er erlitt eine klaffende Kopfwunde und blieb betäubt liegen. Im Gepäck- railin der Station wurde ihm von einem Arzte ein Verband an- gelegt. Ter Sturm hat am Montag außer de» schon gemeldeten noch uiaucherlei Unfälle vernrsacht. Am Schönhauser Thor wollte die 31 Jahre alle Arbeiterfrau Emma Ficbig aus der Schivedlerstr. 32 den Fnhrdamin überschreiten, da hielt sie der Sturmwind plötzlich o fest, daß sie nicht weiter komme» konnte, und in demselben Augen- blick saßle sie eine Droschke, deren Führer halte annehmen müssen, daß die Frair rechtzeitig vorüber komme» werde. So würbe Frau Fiebig überfahren und durch Quitschunge» an der Brust und a» de» Beinen so schwer verletzt, doß die Polizei sie nach einer Unfallstation und von dort i» ein Krankenhaus bringen mußte. Der 18 Jahre alte Schüler Willy Schalk anS der Sokdinerftraße 99 wurde auf dein Heimwege vom Slur», gepackt, zu Boden geworfen und so heftig gegen eine Bordschwelle geschleudert, daß er einen Oberschenkel brach; auch er nulßie einem Krankenhaus« zugeführt werde». Beschädiguiigen von Transparenlen, Fahnenstangen u. s. w. werden aus allen Stadtviertel» gemeldet. An zahlreichen Stellen flnd Dachziegel, Mörtelstücke, selbst Theile von Dachsparren anf die Straße herabgeschleudert worden. Auch aus zahlreichen Vororten werden derartige Schäden, aber keine ernsteren Unfälle gemeldet. Ueber eine» Ziisammenstost eines Akkuuinlatoruiageus mit einem Omnibus wird dem„Verl. Tagebl." Folgendes gemeldet: Gestern vormittag lim 9 Uhr 19 Minuten kollidirte an der Kreuzung der Dorotheen- und Nenstädtischen Kirchstraße der Akkumulator- wagen Nr. 216 der Berlin-Charlotlenbnrger Straßenbahn mit dem Wagen Nr. 235 der Neuen Berliner Omnibus- Aktieiigefellschast Linie Sckiöneberg— Sleltiner Bahn— Brunnenstraße. Letzterer kam von den Linden her, ersterer vom Kupfergraben. Beide Wagen fuhren vorschrislsinäßig langsam a» der Kreuzung, doch gestattete die Fenchtig- keit des Weges dem Omnibnsknlscher nicht ein genügend schnelles seitliches Ausbiegen und hinderte auch das plötzliche Bremsen des Akknmnlatorivageiis. So kam es, daß der nur noch leicht gleitende Akkumiilalorwage» de» Hinterperron des Omnibus erfaßte, während im gleichen Augenblick beide Gefährte zum Stillstand kamen. Am Oinnibns wurden mehrere Scheibe» eingedrückt und dem Akknmu- lalorwagen die Dachträgerstange» am Vorderperron verbogen und das Echutzfenster total ze>trü»n»ert. Obschon der Oinnibns ziemlich stark besetzt mar, ist der Unfall glücklicheriveise ohne Schade» für Personen verlaufen. Nicht einer der Insasse» wurde von de» fallende» Glassplilter» getroffen, alle kamen mit dem bloßen Schreck davon. Ei» trauriges Eude. Die Wittwe Schräder ans der Nathe« nowerstr. 46, eine achtbare Frau, die sich»ach dein Tode ihres Mannes, eines Schuhniachers, durch Wascharbeilen ernährt, hatte eine einzige Tochter iiaineiis Margarethe, die, 16 Jahre alt, in einem Posamentirgeschäfl in der Wilsnackerstraße in der Lehre war. Das junge Mädchen war sehr vergiinguiigssüchtig. Als Fran Schräder ihr eindringlich zusprach, daß sich das für ein junges Mädchen nicht schicke, warf sie ihr Strickzeug iveg und lief ohne Hut»nd Mantel zum Hanse hinaus, um nicht wieder zn kommen. Alles Suche» nach ihr blieb vergeblich. Wahrscheinlich ist das junge Mädchen in schlechte Gesellschaft geralhe» und hat sich dann geschämt, nach Hause zurückzukehren. Gestern Nachmittag landete man es als Leiche bei Plötzensee a»S dem Spandaner Schifffahrlskanal. Nach der Beschaffenheit der Leiche muß das Mädchen erst vor wenigen Tagen ins Wasser gegangen sein. Zigeuner sind als Pferdediebe niehr oder mindcr berüchtigt. daß sie sich aber trotz der ihnen eigenen Schlauheit selber Pferde stehlen lasse», das dürfte zn den Seltenheiten gehöre», ist aber am Sonnabend den Zigeuner» Karl P e t e r m a n n und T r o l l m a n n passirt. Karl Peterniann, ei» Bruder des früher i» Nen-Weiße»sce ansässigen ZigennerhanpIinannS Joseph Peterniann, ist erst jüngst niit ziveien seiner Genossen wegen eines angeblich a» Trollmann verüble» Straßenraubes in Weißensee verhaftet, gleich daraus aber wieder entlassen worden. Er hat sich mit Trollinann wieder ver- tragen und beide hielten ai» Sonnabend mit einer Koppel Pferde ans dem Markte in Trebbin. Dort sind ihnen zwei Pferde(Füchse) gestohlen ivorde». Die Beslohlenen haben die Spuren der Pferde bis zum Bahnhof Marienseide(an der Dresdener Bahn) verfolgt, dort ist ihnen aber die Spur über den Bahngleisen verloren ge- gangen Sie haben alSdau» an die Berliner Polizei, wie auch an die Orlsbehörde» säinnitlicher Vororte telegraphirt, doch ist es bisher nicht gelnnge», die Pferde oder die Diebe z» ermUtel». TaS Opfer einer Acctylen- Explosion ward gester» der bei der Allgemeine» Caibid-»»d Slcelylen-Gesellschaft i» der Char- lottenstraße angestellte Hausdiener Robert Koschitzki. Er wurde am Dienstag früh vom Ingenieur Gräbert beauftragt, den Apparat, ivelcher die Geschäftsräume beleuchtet, zn reinige». Die Arbeit war bereits beendet, als der Behäller auS einem bisher noch nicht er» initlelten Grunde explvdirte. Koschitzki erhielt derartige Verletzung«» im Gesicht, daß er anf polizeiliche Anordnung zunächst»ach der Unfallstation in der Wilhelmstrabe»nd dann nach seiner i» der Dresdeners».-. 54 belegenen Privatwohnnng gebracht wurde. Hoffentlich gelingt es, dem Verunglückten das Augenlicht zn erhalten. Ei» schwerer Baii-Unfall ereignete sich gestern anf dem Nenban Kaifcrstraße 41. Dein Maurer Herinann Varilolvski ans Nixdorf sielen beim Anlegen einer Leiter a» die Nüpung mehrere Mauersteine ans de» Kopf, sodaß der Unglückliche sofort besinnnngs- los z» Voden stürzte. Anf der nahen Unfallstalion X wurde ein Splitterbruch des Schädels festgestellt. Der Patient»vurd« nach dem Krankenhanse am Friedrichshai» gebracht. Eine Reise nach Tpitzbcrgc», der große Projeklionsvoriraz des früheren Direktors der Urania, Herrn Dr. Meyer, über ivelche» ivir bereils vor einige» Tage» kurz berichlel haben, wurde am 31. Jamiar in Keller's Feslsälcn i» der Koppenstraße vor de» Mit- gliedern des Vereins„Freie Volksbühne" gehalten. Der Vorstand hat mit der Ausnahine solcher Veranstaltungen in sein Programm eine» glücklichen Griff gelhan und großes Enlgegen- koiiiinen bei den Mitgliedern gefnndeii. Der große Saal soivie die Gallerie» waren vollständig gefüllt, sodaß elwa 1399 Personen Platz gefiinden hatte», die de» Rnsfnhrnngen des Vortragende» mit »»islcrhafter Slille lanschle»; trotz der außerordentlichen Fülle waren die Erlänlcruiige», die zn de» eiiizelnen Bilder» ge« gebe» wnrdeu, auch an den Enden des Saales noch gnt zn verstehen. tunderte hatten vor der Thür« wieder umkehren»inssen, weil der aal wegen der Uebersüllnng gesperrt iverden innßie; um auch diesen Milglicder» Gelegenheit zn gebe», de» Vortrag anzuhören, hat sich der Vorsiaiid entschlvsse», eine Wiederholniig slnttsinde» zn lasse», die Herr Dr. Meyer auch sreniidlichst zugesagt hat. Dieselbe wird ebenfalls in Keller'» Festsäle» am Mittwoch, den 9. Februar, statlsinde». Fcnerbcricht. Nur vier»»wesentliche Brände sind in de» letzte» 24 Stunde» zn verzeichne». Dienstag früh 12>/s Uhr brannte Zehdenickerstr. 7» ei» Ladentisch nnv verschiedenes Geräih. Kl»« nach 6 Uhr halte Görlitzerstr. 59 der Fußboden und das Zivischengebälk Feuer gefangen, das aber rcchlzeitig bcnicrkt lind beseitigt ivnrde. Ein Gardiiienbraiid rief zur selbe» Zeit die Wehr»ach Klein-Beerenstr. 7. Abends 6 Uhr ivnrde ei» Kellerbrand vom S ch l e s i s ch e„ P e r s o» e»- B a h n h o s« gemeldet, doch handelte es sich»in einen geringsügige» Fall, der ein Eingreifen der Wehr erübrigte. AiiS den Nnchbaiorte». Ter Frauen- und Mädchcu-Pildlttigövcrcii« für Rixdors und Umgegend hält heute, Mittwoch, de» 2. Febr., abends 3>/2Uhr. bei Kummer, Berlinerstraße, eine Mitgliederversamnilniig ab mit folgender Tagesordnung: 1. Der Werth des Franeiltiirnens. Refer. Herr W u tz k y. 2. Dlsknlsion. 3. Verschiedenes.— Dame» und Herren als Gäste sehr willkommen. I. A.; M. Jeetz e. Tic Sozialdemoktatie in der Rixdorfer Menieindevertretnug. Zu der am Donnerstag nachiniltags 5 Uhr stattsindenden Sitzung der Genicindevertrelmig zu Rixdors habe»»»sere Parteigenosse» Anträge ans A»st«ll»»g von Echnlärzlen und Errichtung eines Gcwerbegerichls gestellt. Ferner brachten unsere Vertreter solgeudeii Antrag ei»: Die Gemeindevertrelung»volle beschließe», daß Geineindevertreter sich an Gcmeiiidclicsermige», Geineindearbeit. oder an de» von der Gemeinde ansgeschriebcne» Snbmissioiie» weder direkt noch indirekt belheikigen dnrsen. Ans den kvniglichc» Fabriken in Spandau. Die plötzliche Entlaffniig des Klempners M., welcher bereils seit dem Jahre 1883 vo» dem k ö n i g l. F e n e r w e r k s- L a b o r a t o r i n m beschäiligt wnrde, erregt unter der Spandaner Arbeiterschast begreifliches Aufsehen. da diese Entlassung allgemein als Maßregelung betrachtet wird. Den, Eiillassenen, der über seine Führung und Leistnngen die allerbeste» Abgangszeugnisse erhielt. wurde anf seine Anfrage be: dem Belriebsdireklor in Lblicher Welse die Wigobe deS EnttassungSgruiideS v e r w e i g« rt. M. fiihrt jedoch mit Recht die Entlassung auf feine Thatigkeit in feiner Fnchorganifation zurück. Konsequenz habe» die Herren an» grünen Tisch noch immer nicht gelernt, denn sonst nliißten sie,»nie ihnen das ja von unS bereits oft enipsohlen, auch die S t e u e r g r o s ch e n, die von klassenbewußten Arbeitern stammen, znrückiveise»; bei solche»» Konsequenzen würden die Herren in Spandau aber st a» n e n s»v e r t h e Resultate erzielen. Ganz nnhaltbare Zustände herrschen in der Post« v e r»v a l t n n g des Vorortes Marie»dar f. Trotz seiner SOOiZ Einivohner»nnß Mariendorf sich mit einer Postagentnr be- helfen, der ein ehemaliger Bäcker oder richtiger die Gemahlin des- selben vorsteht. Diese Dame fertigt im Nebenainte die Briefträger ab, quitlirt über die Eingänge, beaufsichtigt die Beamten, kurz, sie ist die„Macherin vonS Ganze". Leider scheint die Post- verivalterin ihrer Aufgabe nicht vösiig geivnchsen zu sei». denn die Beschiverden»"iber nnregelmäßige Bestellung der Postsachen häufen sich neuerdings recht bedenklich, und »venn die Befchiverdeführer nach irgend einer für die Vorkommnisse vernntivortlichen Person suche», so lautet die Anl- »vort: Ja, ich bins nicht gewesen. Unser Gewährsmann schreibt uns weiter über das postalische Idyll: Aber nicht allein die Brief- beförderung und Bestellung ist eine mangelhafte, fondern die postalischen Einrichtungen überhaupt. Wir können täglich»vahr- nehmen, daß die Postpackele,»vährend die Postboten die Briefe und Zeitungen in den Hmlseri» bestellen, ohne Aufsicht ans der Straße liegen. Denn die Postanstalt Hierselbst besitzt nur einen kleinen Stoß>vagen; aber drei Boten innssen Packete schleppe», die sie unmöglich»nit in jedes Hans nehnren können. Ferner haben»vir hier noch einen Landbestellbezirk, zu»velchein von der Postanstalt in 10 Minuten zu erreichende Ortstheile gehören; die hier»vohnendeu Empfänger müssen 50 Pf. Bestellgeld zahlen,»venn sie Telegramme empfange». Nicht viel»veiter ab ist das Postamt dritter Klasse in Südende, einen» Theil unseres Ortes mit zirla 600 Einivohncrn kder oberen Zehntausend»lud allerdings einen» Dutzend Geiverbe treibenden. In, Hauptorte»verde»» die Telegramme per Telephon nach Teinpelhof»veiter gegeben,»vas ja auch angeuehn» sein»nag für de» Absender und Empsäuger derselbe». Der sogenannte Landbestelll bezirk, Feldstraße, Schoneberger Weg, Blnmeinvcg zc. hat einen Briefe kästen, dessen Leerungsschild R/z-N zeigt. In diesen Kasten am Sonnabend Nachmittag gegen 3Vs Uhr geivorfene Briefe kommen erst am Montag früh in Mariendors zur Ausgabe. Hänsig ist es vorgekoininei», daß Post- fachen Vcrzugsslempel aus Orten trugen, die mit Mariendorf nichts z»l thun hatten. Daß der neue Herr Generalpostmeistcr Abhilfe schaffen»vill, ist ja sehr hübsch und schön, aber er muß erst»visse». Ivo der Schuh drückt, und da sich noch in dieser Session der Reichs- tag mit Postreformen beschäftigen soll, so dürfte auch eine energische Berücksichtigung der Mariendorfer Verhältnisse an» Platze sei». Aus Nixdorf. Der Kaufmann Moritz Büto»v,»velchcr kürzlich unter den» Verdacht der Brandstiftung verhaftet wurde, ist jetzt in das Moabitcr Unlersiichniigsgesängiliß eingeliefert ivorden. Von der Einbrecherbande,»velche in letzter Zeit unseren Ort»n geradezu beängstigender Weise heimgesucht, sind jetzt endlich zivei der berüchtigtste» Mitglieder der Polizei in die Hände gefallen. Seitdem haben die Diebstähle endlich etivas nachgelassen.— Unschädlich ge- »»acht»vurde gestern der Zuhälter Albert Pudor, der an» Koltbuser Dam»» ein stark frcqncntirtes Absteigequartier unterhielt, »vährend er in Berlin als„Versicherungsbeamter" angemeldet»var. Die Rixdorfer Polizei erhielt schließlich von den» Treiben Pndor's Kenutuiß und setzte diesen gestern hinter Schloß und Riegel. Gevirtzks �Äeikmrg» Der Eittbruchödiebstahl im Hoheuzolleru-Musriiur, der am 17. Februar v. I. vreübt»vurde. hat sich nach der gesteri» vor der vierlen Strafkammer geführte» Verhandlung als die That eincs g e i st e s k r a n k e n Verbrechers herausgestellt. Gegen de» Thäter, den LSjährige» Kaufmann Adolf K a tz ans Pforzheim lag«»» außer jenen» Diebstahle noch zahlreiche andere Strasthaten vor, die in Karlsruhe, Rastatt und Mannheim verübt sind und sich aiif dem Gebiete der Zechprellerei beiveglen. Der seit den» 13. März v. I. in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte ist eine Zeit lang zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Dalldorfcr Irrenanstalt über- »viese» gcivesen. er hat dann eine Reihe der unsinnigsten Eingaben an das Gericht geschickt und als er uierkte, daß er vielleicht den» Irren- Hause überiviescn»verde», könnte, hat er sich ovrführe» lassen und erklärt, daß er bisher nur den„ivilden Mann" gespielt habe, völlig geistesgesund sei und abgcurtheilt zu»verde»»vünsche. Er hat sich »Iber seinen Gesundheitsziistand aber arg getäuscht. Seine bisherigen Lebensschickfnle könnten Stoff zu einem Hintertreppenroman her- geben. Nach der vom Vorsitzenden Landgerichtsdirektor D e n s o aus den Akten gegebene» Darstellung ist der Angeklagte der Sohn eines Arztes, er hat das Gymnasium bis Nnter-Scknnda besucht und ist später bei cinein Hoskonditor i» die Lehre gekommen. Seine Mutter halte das Museums- siicstaurant in Karlsruhe übernommen und der Angeklagte»var dazu bestiinmt, dereinst ihr Nachfolger i» diesen» Geschäft zu»verde» und ging deshalb vorübergehend nach London, um dort die feine Küche zu erlerne». Dann trat er als dreijähriger Freiivilliger in das Leibgrenadier-Neginient in Karls- ruhe ein und nun begann für ihn ei» fortgesetzter Kampf gegen die Gebote der militärischen Disziplin, dessen Folge eine unabsehbare Reihe von Arreststraf«,»»var. Er ist in die zweite Klasse des Eoldatenstandcs versetzt und»vege» aller niöglichen Vergehen bestraft »vorde». Einmal ist er während des Transports zum Arrest enl- wichen, der Transporteur sandte ihn»«inen Schuß nach und der Angeklagte»vurde dabei ziemlich schwer verivnndet. Er fand dann Gelegenheit, iviederum zu entfliehe» und hat sich einezeitlang in Deutsch- land, i» der Schiveiz, in England und Frankreich nmhergetriebe». Sei» in Paris»vohnender Bruder gab ihm Geld zur Fahrt nach Amerika; er hat es aber vorgezogen, das Geld in Gesellschaft von Weibs- Personen zu vergeuden und nach Deutschland zurückzukehren. Er , vurde in Stuttgart verhaftet und in das Arrestlokal abgeführt. Bald nachher brach er ans,»vurde aber bald»vieder ergriffen und bat dann eine ganze Reihe der verivcgensten Fluchtversuche angestellt. Sie gelangen nur zum theil, durch die mißlungenen ließ sich der Angeklagte aber nicht abschrecken und schrieb eines Tages stolz mit Stiefelwichse an die Zellenthür:„Motto: Eine Sache, die man nicht verloren gicbt, ist noch nicht verloren!" Er, vurde schließ- kick» von» Militärgericht zur Entfernung aus den» Heere, 6 Jahren Zuchthaus und 3650 M Geldstrafe event. noch 8 Monate Zuchlhans verurtheilt und hat seine Strafe in Bruchsal verbüßt. Bei der Abführung dorthin hat er fröhlichen Gesichts seinem i Transporteur noch eine kleine Lektion darüber ertheilt,»vie man ! seine Hände von de» angelegte» Fesseln befreien könne. Nach Wer- büßung seiner Strafe kam er»ach Berlin. Ueber seine Hierselbst ; verfolgten Pläne gab er auf Befrage» des Vorsitzenden ganz ernst- hast folgende Auskunst: Ich hatte mir vorgenommen, das Hohen- zollern-Museuin zu bestehlen,»»>» dadurch die Mittel zur Ausführung seines großen Planes zu gewinnen.--- Präs.: Sie hatten ja wohl , den Plan ausgearbeitet, den Kriegsfchatz aus d ein I u l i u s t h u r m in Spandau z u r a»» b e n?— Sl n g e k l.: � Ja wohl! Da ist gar nichts zu lache». Die Sache geht ganz einfach!— Präsident: Na,»a, Katz, das dürfte doch schiverer sein, als Sie denke»!— A n g e t l.: Nein, mein Plan war sehr genial augelegt. Ich brauchte mir nur die Papiere eines abgegangenen Unterosfiziers zu verschaffen, ans diese hin hätte ich»»»ich dann in Spandau als Unterosfizier aniverben lassen. Zu dem Plane brauchte ich aber 20-30 000 M., um in der Nähe des J»liuslhi»rnies ei» Haus zu»lielhen und dort unverdächtig ein Fuhrgeschäst zu betreiben. Als Unterosfizier wäre ich dann auch auf die Wache von, Jnlinsthurm gekommen und hätte als Wachhabender doch die Gewalt über die Leute erhalten. Mit Hilfe von 12 bis lS Helfern hätte ich da»»» die Beraubung ganz leicht ausgeführt. Ich hätte einfach»ach und nach die einzelnen Soldaten hierhin und dorthin kouunandirt, jeder einzelne»väre von meinen Helfern sofort überivältigt»vordeu und diese hätte» in der Uniform der Soldaten die Wache bezogen Wenn dann geübte Erdarbeiter während der Rächt gearbeitet hätten, dann wäre keine Mauer dick genug gewesen, um u»S vor dem Eindringen zurück zu halten; wir hätte» uns der Millionen bemächtigt, sie vorläufig mit einen, bereit stehenden Wagen in das gemiethete Haus geschafft und dort getheilt.— Präs.: Na, hören Sie, das ist doch geradezu lächerlich.— A n g e k l.: Herr Präsident,»venu man»»ich nicht festgenommen hätte,»vürde der Plan bestimmt aus- geführt worden sein.— Präs.: Sie haben noch niehrere so abenteucr- liche Pläne ausgeheckt. Wollten Sie nicht auch die Reichsdruckerei berauben und sich die schönen blauen Hunderlmarkscheine aneignen?— A» g e k l.: Das»väre später gekommen Z— Präs.: Dann wollten Sie sich des trojanischen Schatzes in» ethnographischen Museuu« bemächtigen.— A n gekl.: Das zeugt doch keincsivegs von Verrücktheit. Ich bin ganz gesund und hätte auch diesen Plan ans- geführt.— Präs.: Sie hatte» auch die Absicht, die Taufkirche des Fürsten Bismarck im Varzin zu berauben, ein anderer Ihrer Pläne ging dahin, den kaiserlichen Hofzug in die Luft zu sprenge».— Augekl.: Ich bleibe dabei, daß ich durchaus nicht geisteskrank bin. — Den Diebstahl im Hohenzollern-Museum hat der Angeklagte nach seiner Angabe»vie folgt ansgesührt: Er betrat die Räume als Besucher auf grund einer Besuchskarte gegen 11 Nhr vormittags. Kurz vor Schluß des Museums um 3 Uhr legte er sich unter das Bett der Königin Luise und hielt sich dort verborgen, bis es dunkel war. Dann ging er an die„Arbeit". Er hatte einen Topf mit Syrup mitgenommen, unter Anwendung des Eyrups drückte er die Scheiben eines Glasschrankes ein und stahl eine Anzahl von Ringen, Bechern, Tuchnadel», Uhrschlüsseln»».s.w., mit denen er seine Taschen füllte. Er nahm dann seinen Ausgang durch eins der zu ebener Erde gelegenen Fenster nach dem Hose und ging unbehindert an dem Militärposten vorbei, den er noch nach der Zeil fragte. Einige der Ringe hat er kurz darauf in einem Restaurant den Kellnerinnen geschenkt, die andere Beute hat er bei Trödler» versetzt.— Der Angeklagte ist,»vie schon oben erwähnt, in der Irren- nvstalt zu Dalldorf längere Zeit beobachtet ivorden. Geheimer Medizinalralh Sander hat ans grund dieser Beobachlungen ein umfangreiches, eingehend begründetes Gutachten abgegeben,»velches er gestern mündlich dahin wiederholte, daß der Angeklagte an einer krankhaften Störung der Geisteskräfte leide, die feine freie Willens- bestinunung ausschließe. Er sei ein gemeingesährlicher Geistes- kranker.— Infolge dieses, vom Angeklagten selbst bekämpfte» be- stimmten Gutachtens beantragte der Slaalsanivalt die Frei- sprechung. Rechtsanivalt Dr. S ch ö p s schloß sich diesen» An- trage a» und sprach seine Ueberzeuguug aus. daß der Angeklagte schon bei seinem Eintritt ins Militär geistes- krank gelvesen sei und die vielen Strafen zu Unrecht erlitten habe.— Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung und überließ die Uebersührung des Angeklagten in die Irrenanstalt der Polizeibehörde. Polizeispitzelci iu Obcrschlesicn. Aus K a t t o»v i tz»vird uns vom 31. Januar geschrieben: In einer sehr interessanten Schöffengerichts-Verhandluttg»vurde heute die Strafsache gegen die Genossen Winter, Dlilong, Pienlka, Rose, Kafczyk und gegen den Gastwirlh Hamburger»vege» Uebertretung des Vereinsgesetzcs(unangemeldete Versammlung, in der öfsenlliche?lngelegenheiten erörtert werden sollten) z» Ende geführt,»lachdem bereits am 10. d. M. in dieser Angelegenheit verhandelt»votden»var. In jener erste» Verhandlung ivnßleii von allen Zeugen nur einige Polizeibeamte Belasteudes gegen die Angeklagten vorzubringen; sie mußten aber zugeben, daß ihre Aus- s a g e n a u s M i t t h e i l n>, g e n eines Gewährsmannes beruhten, den sie nicht nennen könnten. Der An- geklagte Winter vermuthcle, daß dieser„Gewährsmanil". besser: Polizeispitzel, ein gewisser Valentlii Soika aus Zalenzerhalde sei. und beantragte, da Soika bei der angeblichen Versnminlung zugegen gewesen»var, dessen Vorladung als Zeuge. Außerdem wurden, edensalls ans Wiuler'S Antrag, noch»vettere vier Zeugen geladen. ll»d richtig: Soika.eiitpnppte sich heute als Polizei« s p i o n; er selbst»vie auch der Obmvachtinetstcr Jagdhiihn gaben ihren gegenseitigen Verkehr zu. Leider erfolgte keine genanere Dar- legnng des Verhältnisses zwischen Soika uud de» Polizeibeainten, da die dazu von Winter beantragte» Fragen an Soika nicht gestellt wurden; doch war für jede» Kenner des polizeilichen Spionage- systeins der Sachverhalt in bezng auf die vorliegende Anklage ge- nügend geklärt. Trotz der angegebenen Eigenschafte» des Soika, der übrigens viel weniger Belastendes gegen die Slngeklaglen aussagen konnte, als die Polizeibeainten, hielt der Aintsavwalt die Anklage aufrecht nnd beantragte gegen Dr. Winter SVM. Geldstrafe event. 10 Tage Haft, gegen Dylong, die„rechte Hand Winters", 30 M. Geldstrase event. 10 Tage Haft, für alle übrigen Augeklagten die Freisprechung. Die Aiigeklägtcn verlhcidigle» sich selbst, indem Winter auch für die Mitangellaglen sprach»nd dabei besonders das mehr als eigenihüm- liche Vorgehen der Polizeibeainten in klares Licht stellte. Das Gericht sprach säninilliche Angeklagten frei.— So hat wieder einmal die Polizei vielen Personen eine Menge Nnannehm- lichkeiten und der Staaiskasse«ine Meng« Kosten verursacht. Es ist zu hoffen, daß dieser Ausgang des Prozesses eine gute Wirkung ans den Fortgang der Bewegung im finsteren Oberschlesie» haben wird. Iu diesem Sinne löunei»»vir der Polizei für ihre „Staatsretlerei" sogar dankbar sein. De»! Gipfel der Ehrlosigkeit. Die„Fränk. Tagespost' bringt ans Nürnberg folgende» Gerichtsbericht: Wege» g e»v e r b s- mäßiger Unzucht ist eine Wittwe»nd ein noch junges Mädchen, beide noch unbestraft, angeklagt. Sie slichien in einer Zeitung ei» Darlehen von 20 M. gegen ratenweise Rückzahlung. Als„evler Menschenfreund" erschien»in» auf der Bildfläche der verh. Gürtler Friedrich Ho fr» cht er Er verlangte i» erster Linie Erfüllung eincs Wunsches, der obiges Neat in sich schließt;»varen dann die bedauernsiverlhe» Opfer infolge ihrer Noihlage uiiter- legen, bestellte er sie unter falschem Name» in eine salscde Wohnung und»var dann selbstverständlich nicht zu sinde». Damit nicht genug, stellte er seine Opfer noch an den Pranger, indem er die Sache öffentlich breit trat. Der allgemeinen Empörung über das Vorgehen des Zeuge» Hofrichter gab der Amisanivall lebhaften AnSdruck, indem er Freisprechung beider Franen bcantragle und die Handlnngsiveise des Hosrichter als schamlos und nieder- trächtig bezeichnete. Der Vorsttzende konstatirt, daß Zeuge Hosrichter schon'»» einer ähnlichen Sache eine gleich traurige Rolle gespielt habe nnd daß er den Ehebruch gewerbsmäßig betreibe. Das Urtheil laulele a»f Freisprechung, da sich auf solch empörend gemeine und niederträchtige Handlung eines Zeugen kein Schuld- ausfpruch gründen könne. Beim Verlassen des Justizpalastes»vurde H. von oben bis unten bespuckt; er hatte es nur der Polizei zu danken, daß die empörten Zuhörer nicht thätlich gegen ihn vor- gingen. Der Mensch verlangre auch noch Zengengebühren,»vozu der Vorsitzende bemerkte, es sei traurig, solche noch zahlen zu müssen. Wegen iMilchPlantscherei ist der Milchhändler Karl W e g e n e r nlis ReHage» bei Zossen gestern von der dritten Straf- kammer am Landgericht II zu vier Woche», Gesäugniß verurtheilt »vorde». Wegen Vergehens gegen die 8g 152 und 153 der Gewerbe- Ordnung»var der Zimmergeselle Emil Ferdinand Petrikoivsk» von, Schöffengericht in Arnswalde zu einer Woche Gesängniß verurtheilt worden. Derselbe sollte im Frühjahre des verflossenen Jabres versucht haben, eine» Arbeitsgcnosscn durch Drohungen zu veranlassen, an„Streikverabrednngen" theilzunehmei». Dasselbe Gericht hatte den Ziminerniain, Friedr. Wilh. Maske»vege» öffentlicher Beleidigung des Geschäftsführers Günther in Arnswalde zn 50 M. Geldstrafe beziv. 10 Tage», Gesängniß verurtheilt. Beide hatten gegen ihre Verurtheilung Berufung eingelegt. Die Straf- kammer in Lnndsberg a. W. sah denn auch thatsäcklich die Sache mit anderen Augen an, als das Arnswalder Schöffengericht. Die Strafkammer erachtete das vorliegende Beweismaierial nicht für ausreichend,»iin darauf eine Verurtheilung begründen zu könne». hob infolge dessen das erstinstanzlich ergangene Urtheil auf und er- kannte aus Freisprechung. �ikeravisches. Götze-Schindlcr, Taschenkalender zum Gebrauch bel Handhabung der A r b e i t e r- V e r s i ch e r u» g s« g e s e tz e. 10. Jahrgang. 1893. Berlin, Verlag der Liebel» scheu Buchhandlung. Dieser Kalender, der in drei einzeln käuflichen Theilen erscheint, ist ein»virklich gnles Hilfsmittel für diejenige», die sich eingehender mit den Versicherungsgesetzen zu beschäftigen habe». Er enthält nicht iiur die vollständige» Gesetzesiexte, sondern auch vielerlei andere Mate- rialien»ndZusannneustellungen, die für diePraxis sehr nützlich sind. So sind im ersten Theil, der die Kranken- nnd Unfallversichernng behandelt, unter anderem enthalten die Organisation der einschlägigen Behörden, »vie Reichs-Versicherungsamt, Landes-Versichernngsämtcr, für die Arbeiterversicherung in betracht kommende obere nnd untere Ver- wallungsbehörde»; ferner die Nachiveiftmg der Bernfsgenosscnschaften, Sektionen und Schiedsgerichle bis ans die neueste Zeil fortgeführt; nebe» dem Kranken-, dem Unfall- nnd dem Haflpsiichtgeictz sind die Aussührungsbestiinmungen mit abgedruckt und die Gesetze aus grund der gefällte» Enlscheidiingen mit Anmerkungen verschen. Der zweile Theil enthält neben der Organisation der Behörden das ebenfalls durch Anmerkungen erläuterte Jttvaliditäts- nnd Alters- Versicherungsgesetz, die Aussührungsverordnungcn und Bekannt« »»nchungei» jc.— Der dritte Theil endlich gicbt die Nachweisung der ortsüblichen Tagelöhne für alle Orte des Deutsche» siieiches, die Nachweisung des durchschnittlichen Jahres- Arbeitsverdienstes für land- und sorstwirlhschaflliche Arbeiter und die Durchschnittsbeträge des MonatslohneS der Seelente. Diese Nachiveisungen, die bekanntlich für alle drei Versicherungsgesetze in betracht kommen, sind fortgeführt bis zum Oktober 1897. Wir können den Kalender auch Arbeitern, die als Kassenbeamte, als Arbeitnehmerbeisitzer in den Schiedsgerichten»c. mit der Ausführung der Versicherungsgesetze zu thun haben, als praktisch und reichhaltig einpfchlen. Der Preis für die drei Theile beträgt 7,50 M.(für die einzelnen Theile 4,80, 2,30 und 2 M. Zu wünschen wäre allenfalls, daß die Krauken- und die Uiifallversiche- rung bei späteren Auslagen nicht mehr in einem Bande vereinigt, sondern getrennt herausgegeben»vürden, so daß den einzelnen Jiiteresseuteiikreiseu ermöglicht wäre, nur das für sie nothiveudige zu erwerbe». Eiiisiekaufetle Drnckschpiftc». ?»it» von der Zeit"(StiUtgart, I. tz. W. Dletz' v-rlaq) Ist soede» iai 1». Hesl t>eS 19. JahraanzS erschienen. An» dem Inda» hoben wir hervor: Zur lex SlronS.— Ueber griechische Philosophie vom Siandpnntl der inateria- listischen iSeschichlsaussafsung. von Dr. phil. Slillich.— Bellamy'S„Aleichheil". von Julie Romm.— Der politische Zionismus, von Johann Pollal.— Die wohlerioorbeuen Nccht« i» der würuembergischen Kammer, von Wilhelm Keil. — Notizen: Tie Prüfung der Butler auf Maraarine.— FeuiNelon: Mein erster Erfolg. Au» dem Kleinnisslschen von Ajona Pischolla. Ueberseh» von Wladimir Ciumilow. »euitlelon! WaS die Revolution für die Frauen (Forlsetznng.)— Nolizeniheil von Lily Braun und Aus der Bewegung »hat? Bon E. B-llamy...... Klara Zeilin: Soziale Gelehgebung.— Weibliche Fabrilinspetloren.— Frauenarbeit auf dem Sebiite der Industrie, des Handeis und de« v-rlehrs» ivesens.— Arbcitsbidingungen der Arbeiterinnen.— Sozialistische Frauen- bewcgung im Auslände.— Frauenbewegung.— SlaltsiischeS zur Fraueufrage. — Lililichleilsfiage. Die„«leichheil» erscheint all« 11 Dag« einmal. Preis der Nummer»o Pf.. durch die Post bezogen leingelragen in d«r Reichipost-ZeitungSliste für iss» uuzer Nr. 2970) bellligl der AbounemeiNSpret» vierteljähriich ohne Bestellgeld 66 Pf; muer Kreuzband ss Pf. WilterniigSttbersicht von, 1. Februnr 1808, 8 Nhr morgens. Wetter-Progiiofe für Mittwoch» 2. Februär 18V8. Veränderlich, vorwiegend trübe, zunächst etwas wärmer RegeusSiten und frischen»vestlichen Winde». Berliner W e l t e r b n r e a n. mit «eranlwortlicher Redakteur: Auanst Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil vermitivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vnding in Berlt», it. 27. 15. IchMg. 2. Ktllllge des Lsmillts" Kerliner WldsblM. Nittwch. s. MM 18S8. Vevsammlnngen. Eine öffentliche Metallarbeitcr-Verfammlung, die sehr gut besucht war. lagle am Mcmlag in der Tonhalle. N ä t h e r referirte über die gegenwärtige Lage der Metallindustrie. Es seien Anzeichen vorhanden— so führte er aus— die darauf hindeute», daß die Prosperität in der Metallindustrie ihren Höhepunkt überschritten habe, und eine Krise hereinzubrechen drohe. Das zeige die gegen- wältige Lage des rheinisch-iDeftfälische» Kohlen- und Eisenmarktes. Zwar habe die Mascbinen- und Metallindustrie zur Zeit noch hin- reichend zu Ihn». Wenn aber hier die Krise kommt— und sie werde nicht ausbleiben— so wollen die Unternehmer trotzdem ebenso große Profite erziele», wie ihnen die letzte» Jahre des glänzenden Geschäftsganges gebracht haben. Das könne natürlich nur auf Kosten der Arbeiter geschehen, die ja bei einer 5irise massenhaft auf der Straße liegen. Wie die Unternehmer auf dem Posten sind, um den Arbeitern gegenüber ihre Interessen wahr- zunehmen, das zeige u. a. auch die Gründung der Streikversichernngs- Gesellschaft„Jndnstria*. Der bekannte Geheim-Erlaß des Grafen Posadowsky beweise, daß die Gelüste der Unternehmer, die Arbeiter- bewegung nach Möglichkeit zu knebeln, bei der Negierung geneigtes Entgegenkommen finden. Alle diese Vorgänge müßten die Arbeiter veranlassen, die Organisation zu stärke» und der geplanten Ein- schränkung des Koalilionsrechts mit aller Entschiedenheit entgegen zu treten. In der Diskussion illnstrirte Plath de» Terrorismns der Unter- nchiner, welcher durch den Arbeitsnachweis der Metallindnstrielle» geübt wird, an einigen Beispielen. Bekanntlich haben die Gießerei- besitzer bei der Beilegung des letzten Formerstreiks sich verpflichtet, Ausschuß, an dem die Arbeiter keine Schuld tragen, zu bezahlen. Nun habe die Firma Siösseman» u. Kühnemann kürzlich einen Ständer sür 2L0 M. Arbeitslohn anfertigen lassen; derselbe sei von dem Auftraggeber als fehlerhast beanstandet worden. Darauf habe Dr. Kühncmaun von den Formern verlangt, sie sollten diese Arbeit ohne Entgelt noch einmal anfertige». Die Arbeiter weigerten sich dessen und hörten auf. Aus diesem Grunde sei ihnen auf dem Arbeitsnachweis der Schein veriveigert worden. Zwei d eser Arbeiter, die sich anderweitig Arbeit gesucht hatte», wurden wegen Erlangung des Arbeilsscheines bei Dr. Kühneinann vorstellig, der ihnen denselben zusagte, falls sie einen vorgelegten Revers unter- schrieben. Die Arbeiter leisteten die Unterschrift, ohne sich den Inhalt des Reverses anzusehen, und wurden erst später gewahr. daß sie sich verpflichtet hatten, von dem Lohn, den sie ans ihrer neuen Arbeitsstelle verdienen. Ratenzahlungen auf die nochmalige Herstellung des fehlerhaften Ständers zu leiste». Ein anderer Arbeiter, der aus Neu-Strelitz nach Berlin kam, habe deshalb keinen Arbeitsschein bekommen, weil er in Torgelow geboren war und deshalb in dem Verdacht stand, an dem dortigen Streik be- theiligt gewesen zu sein. Nack, dem noch Ingenieur Grempe darauf hingewiesen hatte, daß mangelnde Schutzvorrichtungen oft die Ur- fache von Unfällen abgeben und die Gewerkschaft ersucht halte, ihr Augenmerk auf diesen Gegenstand zu richten, nah», die Versammlung eine Protestresolution gegen die geplante Beschränkung des Koalitionsrechls an.— Da der Ausstand der englischen Maschinen- bauer, obwohl er beendet, doch für die nächsten Wochen noch Geld- mittel erheischt, so empfahl Näther, die Sammlunge» z,, diesem Zweck fortzusetzen, jedoch die Verpflichtung, daß jeder wöchentlich SO Pfennige zu zahlen hat, aufzuheben. Die Versammlung beschloß, den bisherigen Beitrag von S0 Pf. pro Woche bis zur nächsten Versammlung beizubehalten. Hierauf wurde» Thate. Muthe und Hennig zu Revisoren, Litfin und L i p p i g in die Gewerkschastskommisston gewählt. Die Uhrmacher und Mechaniker hielten am 2L. Januar eine öffentliche Versammlung ab, in der Litfin über den Kampf der englischen Maschinenbauer referirte. AuS dem hierauf erstalteten Bericht de? Vertrauensmannes geht hervor, daß im Jahre 1397 4 öffentliche, 28 Werkstatl-Versammlunge» und 12 Vertrauensmänner- Konferenzen stattgefunden haben. Die Gesammt- Einnahme betrug 8627,30 M. Hierauf wird Karl Schmidt als Vertrauensmann gewählt. Versammlung der Gold- und Silbcrarbeiter vom 2o.fJanuar. Vor Eintritt in die Tagesordnung inachte der Vorsitzende daS Ab- leben des Mitgliedes Krone bekannt, dieVersammlung ehrt dasAndenken desselben durch Erheben von den Plätzen. Hierauf hält Herr Dr. Josl einen überaus lehrreichen Vortrag über das Thema:„Aus der Steinzeit" In die Agilationskommission werden H e i n e m a n n, Schwarz- köpf und S ch ä f f e r gewählt. T s ch e n t s ch e r giebt hierauf de» Kassenbericht vom 4. Quartal 1897. Danach betrug die Einnahme 384,48 M., die Ausgabe 561,82 M.. mithin Bestand von 22.66 M. Aus Antrag der Revisoren erfolgte einstimmig Entlastung des Kassirers. Der Ucberschnß von der Matinee vom 24. Oktober 1897 betrug 104,90 M. Der Vorsitzende ersucht um schleunige Ablieferung der Listen für die englischen Maschinenbauer. In der nächsten Ver- sammlung am 21. Februar sollen»ur Verbandsangelegenheiten er- ledigt werden._ Die Möbelpolirer hielte» am Montag eine öffentliche Ver- sammlung bei Keller. Koppenstraße, ab, in der der Vertrauensmann seinen Bericht erstattete. Danach betrugen die Einnahmen vom I. Oktober 1896 bis 31. Januar 1393 insgesammt 209,32 M-, die Ausgaben in derselben Zeit 192,51 M. Nachdem dem Vertrauensmann auf Antrag der Revisoren die Decharge erlheilt worden war. wurde darauf hingewiesen, daß in Zukunft Beschlüsse über Streiks nur von den organisirte» Kollegen im Verbände gefaßt iverde» sollen und gleichzeitig zum Anschluß an de» Verbanv der Möbelpolirer, der am Schlüsse des letzten Quartals 512 Mitglieder zählte, aufgefordert. Als Vertrauensmann und als Delegirler zur Gewerk- schasts-Kommissio» wurde Lederhause einstimmig wiedergewählt. Nach einer kurzen Diskussion über die Fimge: Wie stellen sich die Möbelpolirer zur Beschickung des Kongresses der lokalorgauisirtc» Gewerkschaften, in der sich L e d e r h a u s e gegen die obligatorische Einführung des Organs der Vertrauensmänner- Zentralisationen Deutschlands„Die Einigkeit" aussprach und Reuter den Wunsch äußerte, daß alle Gehässigkeiten zwischen Zentralisation und der Lokal- organisation möglichst vermieden werde», wurde die Beschickung des Kongresses beschlossen und als Delegirter Reuter gewählt. Auf Zlntrag Schulz, der in längeren Ausführungen anfdieZwistigkeitcn zwischen dem Holzarbeiter-Verbande und dem Fachverei» der Musikinstrumente»- Arbeiter hinwies, wurde beschlossen, nur solche Berjamnillmgen zu besuchen, die vom Vertrauensmann Lederhause einberufen werde». Zum Schlüsse wurde die Nemvahl der Revisoren vollzogen und auf eine Anregung hin bekannt gegebe», daß in nächster Zeit eine ösfent- liche Versammlung stattfindet, die sich mit der Gründung eines Streikfonds für die Möbelpolirer beschäftigen wird. Der Arbeitcr-BildniigSvercin für FriedrichSfelde hielt am 23. ds. Mts. seine regelmäßige Versammlung ab. Genosse Kotzke hielt einen lehrreichen Vortrag über:„Das deutsche Slädtewesen." Die nächste Mitgliederversammlung wird ivegen der am 20. Februar stattfindenden öffentlichen Volksversammlung ausfallen. Wcißensee. Hier tagte am 25. Januar eine öffentliche Ver- sammlung der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter, in welcher Krüger- Berlin über die Jnduftrie-Entwickelung und Gewerkschafts- bewegung einen Vortrag hielt. In der Diskussion erwähnte Kokos den Posadowsktz'sche» Erlaß und richtet an die Anwesenden Re dringendste Bitte, auf die Arbeiterpresse zu abonniren. Zu Revisoren wurden Wagner, Noack und Mergelt gewählt. Gpirndau. Ein besseres Zeichen für die politische Regsamkeit der hiesigen Arbeiterschaft konnte unsere» Gegner» wohl»icbt ge- geben werde», als dies durch den starke» Besuch der Volks- Versammlung geschah, welche am Sonnabend in der Pichclsdorser Brauerei tagte. Lange vor Beginn der Versammlung war der geräumige Saal bis aus den letzten Platz gefüllt, aber immer neue Schaaren drängten hinein; etwa 1500 Persoue» mochte» anwesend gewesen sein. Genosse Bebel referirte über die kommenden Reichstags- Wahlen und führte aus. daß zwar gegeuivärtig kern Wölkchen den politischen Himmel trübe, doch aber sei überall Zünd- sloff angehäuft, sodaß es möglich sei, daß ähnlich wie im Jahre l870 der neue Reichstag bald nach Schluß der jetzigen Legislaiurperiode einberufen werden könnte; die Arbeiterschaft müßte deshalb damit rechnen, daß die Neuwahlen schon im Mai oder Juni stattfiriden, zumal eine Zeitungsnachricht, wonach bereits Anweisung zur schleunigen Aufstellung der Wählerlisten gegeben sei, bisher unwidersprochen geblieben ist, und deshalb müßten wir schon jetzt kampfbereit dastehen. Die nächsten Wahlen würden diesmal eine ganz besondere Bedeutung habe», und da die Neuwahl den Wählern wieder Gelegenheit giebt, durch Abgabe ihrer Stimme der Regierung ihren Willen deutlich zu erkennen zu geben, so müsse man mit allen Kräften dafür sorgen, daß dies durch die Wahl wahrer Volks Vertreter geschieht. Redner verbreitete sich alsdann in der bekannten fesselnden Weise über das allgemeine Wahlrecht und über die Gegensätze zwischen demokratisch regierten, d. h. freien Staaten und der bei uns beliebten Negierungsmelhode; er schilderte die Entrechtung der große» Masse der Staatsbürger durch das famose Vereins- und Aersammlungsrecht, die Hand- habung desselben und der Gewerbe-Ordnung durch die Polizei und Staatsanwälte, und insbesondere auch die bei uns herrschende politische Rechtlosigkeit der Frauen. Redner gab alsdann ei» klares Bild über die ungeheure Belastung der arbeilende» Klasse durch die indirekten Steuern und der absoluten Nothwendigkeit eines freien Vereins- und Versammlungsrechts. Die Sozialdemokratie sei die politische Repräsentantin der Arbeiter und einzig dazu im Stande, deren Interesse» wirksam zu vertrete» und die wirthschafl- liche Eutwickelung zu grinsten der Allgemeinheit auszunutzen. Redner schloß mit den Worten:„Auf zum Kamps, damit wir siegen!" Häufig wurde der Vortrag von minutenlangem Beifall unterbrochen; trotz der Zlufforderung des Genossen S..,töcr meldete sich von den anwesenden konservativen Größen kein einziger zum Wort. Mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die glänzende Versammlung geschlossen. Arb»Ite»!» K«Iduna«siri»I». Jnselstr. ro, v. 2 Tr. UnterrlchtSlurse: tn Siede-Uebung lUeder den Ausbau der Rede, Besprechung«olkswirthschasl- scher und anderer Wrundsragen) Montags, Dr. Conrad Schmidl: in N a l t o n a l ö I o n o in i e(Dte nUrlhscliasMche Enlwtcketnng; Erotzbetrteb und Handlvert I Kartellwese». Arbeitsniarkl und ArbeilSuachweiS; die Aufgaben der Gewerkschaften) Mittwochs, Echristfteller Richard Calw er: in Geschichte(Hellas und Rom) ArettagS, Dr. A. Berthold.— Die Bibliothek ist an diesen Absuden von 8—9 Uhr geöffnet.— Mitgliedsbeitrag monatlich uö Pf», Kursus(10 Abende) 1 M. pro flach. Theilnehmer werden auf- genomiue» tn der Echule und tn tolgenden Sielte»: Eottfr. Cchulz, Admira!» snojje eoa: Reul, Barniniftr. ea; Schiller, Rofenthalerftr. 67; Glcineri, Müller- t ratze 7a, u. tn de» Sonutags'BclsaunuIuugen. Bolsihendcr: P a» l M ii ck e jr., 0. Manteuffelfir. 128; Kassirer; H. Königs, L. Tieffenbachstr. so. La ndoutont, schuft drr Kchleowig. Kotst«I»er. Heute Abend«x Uhr: BeriinSversanimlung i» G. Feucrslein'S Fesifälen, Alte JalobNr. 75. Briefkasten der Redaktion. Wir btile», bei feder Anfrage eine Chiffre izwei Buchstabe» oder'eine gahO anzngebe»,»liier der die Antiuorl ertheilt werde» soll. Die juristische Tprechsinude findet bis zum 5. März am Montag. Freilag und Sonnabend abends von 7>/z bis S'/z Uhr statt. F. H. Ä. Das Spiel mit dem ästhetischen Namen ist uns nicht bekannt. N. G. 1. Der Doktortitel der Mediziner muß in Deutschland durch ein vefolidercs Examen erworben werden. Da dieses große hosten verursacht, verzichten besonders ärmere Studenten öfter darauf. 2. Nein. Zimmerer Hoppe. Wegen Ihres Eingesandt bitten wir Sie bei uns vorzusprechen. Gimmel. Selbstverständlich liegt da eine Absicht vor. SI. Wahlisch II. Wiederholen Sie Ihre Frage noch einmal! Shallcr. lingeeignet. Ztdcbor. Bericht kam uns etwas zu spät, besonders da wir bereits vorher das Resultat gewürdigt hatten. Arbeiter- Bilduiigövcrciii Fricdrichshagen. Es hieße dem De- nunziatiönchen des Blattes zuviel Ehre anthun, wenn man ihm eine Entgegnung zu theil werden lassen wollte. Derartiges findet sich fast jeden Tag in der reaktionären Presse. R. F. P. Vorsitzender der Freien Volksbühne ist Dr. Conrad Schiilidi; Kasstrer<55 ii statt W in k ler, Rixdorf, Kirchhofstraße 46. Die zweite Frage kann nicht mit Sicherheit bejaht werden. Rosse. Nicht verwendbar. N. Kl., Zwinglistrnsse. Sie sollten diese Angelegenheit zunächst iin Metallarbeiter-Verband zur Sprache bringen. O. B. Aerzie können wir im Briefkasten nicht empfehlen; auch können wir keinen ärztlichen Rath geben. A. P. 1. Die gewünschte Adresse ist R. Krüger, Töpfer, Königsberg i. Pr., Hinter Tragheim 52 l. 2. Das gesammte Rcmontewesen ist dm Kriegsministerium unterstellt. Adressiren Sie also an das KriegSministeriiim, Berlin, Leipzigerstr. 5. 30. M. R. Fünf Jahre nach rechtskräftiger Trennung der Ehe. An- trag ans Bestrasmig muß binnen drei Monaten nach Kenntniß von der Rechtskraft gesteilt werden.— 31. M. H. Verdacht der verletzten ehelichen Treue kanu als Grund geltend gemacht werden.—!>9. G. 1. Ehc- scheidungsgrund nicht. 2. Sie haften für die vorehelichen Schulden nur, wenn Sic in Gütergemeinschaft vcrheirathet sind, und zwar mit der güter- geuieinschastlichen Masse. 3. Ehemamt ist zur Oeffnung der Briefe nicht befugt.— I. B. 001. Das Mädchen muß mindestens 16 Jahre, der Mann 20 Jahre alt sein. Der Manu bedarf bis zum vollendeten 25. Lebens- jähre, das Mädchen bis zum vollendete» 24. Lebensjahre der Erlanbiiiß des Baters, nach dessen Tode der Erlaubniß der Mutter. Stehen Sie unter Bormundschaft, so ist Erlaubniß des Vormundes er- forderlich. Großjährigkeit tritt mit vollendetem 21. Lebensjahre ein. — Eine Wette. Sic brauchen de» Lohn in Gegenwart deS Äcrichls- vollziehcrs nicht anzunehmen. Sind sie im Besitze des Geldes, so kann der Gerichtsvollzieher pfänden.— Auswandevcv. Die Erthcilmig des Passes ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Ihre übrigen Fragen richten Sie an eine Dampfschissfahtts- Gesellschaft.— R. H. Gütergemeinschaft. — I. S. 101. Das Gericht hat mit dem Wiedereintritt in die Kirche nichts zu thun. Es ist das ein kirchlicher Akt.- F. 88. Der Vertrieb von Apfelsinen, Eiern, Geflügel, Butter ist zulässig.— R. R. 40. Ihr Schuldner könnte nur dann wegen Betruges belangt werden, wenn er den Verkauf des Geschäfts schon bei Hingabe des Wechsels an Sie beabsichtigt hat. Sie können vielleicht den Verkauf des Geschäfts anfechten. Ziehen Sie' einen Anwalt zu Rathe.-«0. D. E. Nur mit Zustimmung deS Kranken oder seiucs Vormundes.— C. W. 10. Der Besitzer kann dem 40 Jahre im Dienste stehenden Arbeiter kündigen wie jedem jungen Arbeiter. Der' Ortsarnien-Vcrbaud muß den Arbeiter unterstützen, wenn dieser sich nach der Auflösung des Dicnsiverhälttiisies nicht allein ernähre» kann. Bildet das Gut einen selbständigen Gnlobezirk, so ist der Gutsbesttzer im Falle der Hilssbcdürftigkcit des Arbeiters zur Unterstützimg verpflichtet.— H. W. Ist der ursprüngliche Name deutlich durchstrichen, so ist der Zettel giltig. — H. F. 10. Ihre Frau kann gegen Ihren Willen den Versichernngs- vertrag nicht abschtteßen. Klage lohnt.- Z. Z. Sie bedürfen der Ge- nehnitgung der Mutter, die polizeilich beglaubigt sein muß. Sind Sie bereits 25 Jahre alt, so fällt das Erfordernis der Genehmigung weg. Dem Standesbeamten miissen Sie Ihre und Ihrer Braut Geburtsurkunde vor- legen. 2 Wochen nach Aushang des Aufgebots darf Eheschließung statt-' finden.— A. M. Der Wirth hat ein Pfandrecht an Ihren Sachen mit Ausnahme der Kleidungsstücke, der Betten, des Haus- und Küchcu- geräths, so weit diese Gegenstände für Sie und Ihre Familie unentbehrlich sind; ferner sind ausgenommen die für Sic ans Ihre Familie auf 2 Wochen erforderlichen NahrungS- und Fcuerungsmittel.— F. I. W. 1. Anspruch auf entgangenen Lohn oder auf Eiitschädiguiig nicht erfolgvar. 2. Ha»§- offiztanten, die den meiste» Bestimmungen der Gesindc-Ordming»»terltegen. 3. Kosten nicht verjährt, wenn 1889 Kostcnrcchnimg mitgechellt war. 4. Rede Fischer's wird mitgcd ruckt.— Pnrkstraste. Kommen Sie zu uns Proben und Preislisten portofrei. /littwocl), Ponnerjfag, F retog Versand-Abteilung Berlin W., Leipzigerstr. 132/33.. Kurzv�areq l/elour-Schufzbopfe, schwarz u- wtr. g Scbuteissbläffep Pa" 8. Natur-Gummi 20 Kleideruerschluss,.chwa«. �u 12 Pf. Taillensfangen v.-. 12 lein. Rouleau�schnur,- st.= ca. 20 m*. 35 Pf. Pique-Beftlitze, 1 st-=" m*. 35 SfPUmpfbalfeP«« Gurt iüt vamen. 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Berliner Anfang 7 V« Uhr. Nach,», a Uhr- Die Journalisten. TchilUT. Der Tngendwiichtrr. DnS Versprechen hinterm Herd. An- fang ii Uhr. ttnter den Linden. Die Gviiin der Venninst. Anlang 7'/, ilhr. Thalia. SiiuciiNl't Hochzeit. Anfang 7 Vi Uhr. Vriiträl. Die Tngendsallc. Anfang 7 Vi Uhr. Luisen. Im vierten Stock. Monsieur Herkules. Sonntagsjäger oder Berplefft. Anfang 8 Uhr. Friedrich- jrsilhrlinstitbttfcheS. Die klcinc» Bagavnndc». Anfang 8 Uhr. Belle< Zllliaiice. KcaU. Anfanz 8 Uhr. Sinchi». 3 Uhr: Oiomco lind Julia. StlexandeiPIah. Madame Potiphar. Anfang S Uhr. Urania. Daiibensirasfe ck8--4V. Natitiknndl. AnSstrllnng v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisstiifchasll. Theater. Invalid, nstras.c 57/02. Tiigllch (außer Sonntags»nd Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschastliche Aorlritge. Slnierlcan. Spezlaltltttcu. Aufaug 7 Vi Uhr. »tpolto. Svezlali litte». Auf. 7»/, Uhr. Fern-Palast. Bpczlalllttleii. Passage, Pattopliknm. Wiener Tanz- und Operriten-GefeNschaft. Neichohallrn.©pezlaliläien. An- fang 7V, Uhr. �itz i II cu- lj entev (Walliter-? heater). Militvoch, abends 8 Uhr'.Der Tngciid- witchter. Tas Versprechen hinierui Herb. Donnerstag, abends 8 Uhr(/tndser �doinivmontf: Kyrih-Pyrih. Freitag, abends 8 Uhr(Anmr Abonnem«nt)!(Efn Tropfen CJIff, Central-Theater 9l(lc Jakobftr.»0. Direktion ItU-.hnrd Mclitillx. Mittwoch, den 2. Februar 1808: I in 1 1 T Ii o in n• a. Q). Zum 11 Mate: Die Tttgendfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz niit Bennpnng citicS franz.©nsets Vv» J»l. Freund und SU. Mannst ttdt. Miiflt von Jnl EinbdShvfer. Ansang V»A Uhr. Morgen und die sorgende» Tage: Die Tttqeudfalle. Ofteud-Dhenter. Gr. Fraiillnrlerstr.>.'12. Dir. V.VZeisi. Zitm letzten Male: K�K'SvtVSN. Schanfpicl tn 4 Sitten von P. A Wölfs. Mnsit von Karl Maria von Weber. Slnsaitg 8 Uhr. Im Tinniel vor und nach der Vor- ficllnng! Frci-Konzert. Anfang ? Uhr. Donneistag: Die Waise anS Lolvood.— In Vorbcrcitnng: Unter der Polarfonne. SlnSstattiiiigSstitck niit Gesang von Soiidermann nnd Ch. BiSdorf. GesaiigSirpte von Jos. Till. Mnsit von C. Schüler. Lnisen- Theater 31. Nei'chcnbrigersirasje 31. Abends« Uhr: Zill» Z.Male: Ii» vlvi-t�n Stoole. (Novität). Berliner Siltenbitd tn einem Aufzuge von O. F. Pank. Hierauf:?i«»i«iclii- Kcrculcs. Schwant in 1 Alt von Georg Betty. Zum Schluß: Soimiagsjüger oder TcrpletTt! Posse mit Gesang von D. Ka lisch »»d G. v. Mose r. Donnerstag: Trilby. Trilby: Slnna M stlicr-Linckc._ Olfens ISnsela (Kiiltnliof' Itlirsc). Btlttwoch. den 2. Februar 18V8. abends 7'/, Uhr: UovitötsN'�bellll. Erstes Austrete» der großarttgen Künstler Osscbvv. I.orcli mit ihren itartschc» Spielen zu Pferde. Außer- dem Slnftretcn aller neu engagirten Künstler: Ilm nnd Zoo. mit ihren noch nie dogcwescnrn lZvolutioneti. Die »'.nsttal. Klowns„kwupe l-orer", bc- stehend anö 5 Personen. Elefant nnd Pscrd, drcss.». vorgcf. v. Herrn Te.rcy. Die vorzüglichste» Freiheitsdressliren dcS Dir. KuocN. Slufitcicu von Mdnie. Uaria Dore als Schul- rcilcrin K In Cavalier. Zaa�agoza. Orig-Manöge- Schaustück deö SltcuJ Busch. Besonders hervorzuheben: Die weiblichen Fanfarenbläser. Der Sturz von der 00 Fuß hohen Brücke i»S Waffer. Ter pompöse grüne Att. Morgen 7'/, Uhr: liro,,» ExtraVorstellung, Urania Tauben str. 48/40. Naturhundlish* Ausstellung, Täglich geOfFnot von 10 Uhr voitnlltags ab. Kintritt 60 ff. Abende 8 Uhr. — Wlisiniohettllohti Theater.— tnvnllilonnti*. STo. 57-0%. Thglich hbenda 7 Uhn — Ausstellunge-Baal und Vorträg«.— NtUieros die Tageaanechiäge. Passage-Panoplicum. Im Theatenaal: Vi« 8 lustigen Wienerinnen. Zum Schluss: Floite Bursche. Kom. Operette von Suppö. Castan's Fanopticnm. Friodi'ioliklr. 165. IiiiliHcIi- liiiiduetn- nixche O a n U 1 o r — nnd— Schlangen- llcacluvUrcf. Das BÄREN WEIB. Volks- Tkeatcr Im Wclt-ltcütnni'aut «7. Dresdener. Strasteo?. Jeden Abend unter großem Beifall: Cirrusblttk. Operclieil- Burleske von G. Fischer- Bannigart. Neil! Vorher: Ncul Du ahnst es nicht. Schwant von Siclchard. Jin vvrderrn Saale: Ixroler Langer h\o\s Ebner. Freiing, den 4. Februar: Bcncflse OttoWcndl. Vaudeville-Theater | Grand-Hotel Mrxaudrrplnii Nur nach kurze Zeit! Das AmbM.i Das Modell.! In Norbereltimg t«. ' llen Lekems.» 1 Soll IWaivlne KUIIer.€ ADildv' Posse von Leonhartly Haskel. Avis! Sonnabend, 6. Februar, bleibt da? Vandcvtile-Theatrr ivegcii Privalfestlichtett ge- fchtokfr». Dafür Gastsplcl im Skelchdhallen-Dyeatrr. vu» Avsiibilnd. UhnslSer-Ättrgkliynen! gaoi hervorragender Bedeutung debiitlreu von heute ab Im —— Kröten Original-—— |3adapester| Possen- u. Operotten-Tlieator In Kaufmann's ¥ariel$ nnd zv/or: Etelka OUrgcn.vl, der„Bndaposter Kobold'', die boliobtesto Sängerin der Pusstn. j S. liaber, der giösste Kom- ponisten-Uftrstollor der Zeit. I Adele Omiert, i eine Meisterin in der Urassur. j Hcdi Murgot, die„Malerin in Melodien". Ttax und Hcdi Kranke, die Meister der modernsten Parodie. ' Hann die allabend--Ml • lieh mit Selka» Uber- ' schüttete neueste Lach-Komödie; die"-DSgiz „Geschichte vom ersten Sturm in einer jungen Ehe." Famiiie Koehsalz. Stfr- Vorboroitting;'9hl „Von Dreien der Glücklichste." Maehr'sTIieater Ornnicii-Strasse 24. BT Täglich:<9X3 Thcntcj-- n. SpexlalllUtosi- Vorstellnng. [lßll! vierte lllinension.�ßh! Schwank. Xeu! Ter liebe Onkel, h'eak Posse. Sensationell! MOÜjf! Sensationelll Die beste Exccntric-Ehaiisoimette �li'kailg» Wochentags 8 Uhr.. AltiUlill. Sonntags ö Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Avis I Donnerstag, den 3. Fcbmar: Zlbschicdö-Bcnefiz für Fräul. Marz. Böttcher. Reichshallen- Parlerre-Saal. Donnerstag, 8. Fobrnar i Gr. iliisheitittiil. Blllets an der Kasse und bei Loeser& Wolff. gelchsliallen- Theater. Das pompase Februar- ProBramm- 60 Kunstkräfte. Anfang Vi® Vhr. Entrie 80 Pf. 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Ver SSadsirom peter. Posse mit Gesang v. Mannstädt. Mnstl v. Stessens. Neul Ntax Grabotv. Humorist. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der VarsteNniig 8 Uhr." JtzZIk Kntrev 88 l'f. WG Pasee-partout» gelten. ��fT" Mein großer Goal ist am Sonnabend, den 28. Februar zu vergeben.-VT Apollo-Theater. FrlcdHchslr. 318, Dir. J. GUlck. Letzter Abend u. Abschieds- Vorstellung: uilbert. Kassen orüHhung O'/j, Anf.TVjUhr. Morgen, Donnerstag, 3. Februar: Dcbut La Loie Füller. fCirtrtfmt»ureigenes Fabri- Vi/lßni-t.vllr kat. empfiehlt allen Frennden und Genossen 18öb (J. Itlchtcr, _ Landsberger Stltee 115. Schlittschuhe v. lö Pf. an, Drcs- dencrstr. 28 bei ZImmerinaim. lZk>37b Vouvvrtdaus r>etpBlgorstr.Bfo. 48 MT»«glich--VE Hoffinaniis Quartett nnd Uainoa'iaten. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Der AmtsliW-Mim Zum 2««. Male! U.ene Bimmers Specialitäten. W. Noack's Thealer 11 r ii ii n c Ii- S t rn s■« 10. Irden Sonntag. Dienstag und Donnerstag! Thcntcr-Borftcllttttg. ihre Famiiie. 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Holz- und Metallarbeiter durch Vogel 9. Rate 6,10. Amerikanische Auktion beim ModeNtischler-Bcr- gnügeii 2,86, Tischlerei Korsutzty u. Hartmaim 10,—. Tischlerei Kimpel Ii. Friebrichlen, Yorlstr. 43, 1 und 2 Tr.»,80, 3 u, 4 Tr. 10,65. Tischlerei Stein, Gr. Franlsnrterstr. 36, 5. Rate 8,85, H, Schulz, Nüdersdorfersir, 26, 20,10, Von vier VerbandSmitglledern Pianosabrik Siesert 2,—. C, Schöne- mann, Müllerstr, 13, 5,90, Tischleret CoirtoiS, Schwedterstr, 258, 11, öiate 3,70, Pianosabrik Pfeifer 8,05, H, M. 3.-, F, M. 3,-, Tischlerei Bergstraße 37, 4, Rate 7,-, Wöhler und Schwab, Große Franc- fnrtcrstraße 16, 5, Rate 7,50, Möbelfabrit Leimig nnd Jatzky, Rüdersdorserstr, 3, 13, Rate 15,85, Tischlerei Penkert, Elisabeth-Ufcr 11, 5. Rate 6,80. Modelltischler- und Mafchiuenttschlcr-Strett 1,25, Schnctde- mühl Habcrcr. Anttam-rstr. 33, 7.-. Möbclsabrtl Lennig u, Jatzky. NttderS- dorfcrstr, 3, 14, Rate 13,05. In Summa 155,96 M,, bereit« qnittirt 4817,26 M,, Gcsamintsumm« 4973,22 Vi, Berichtigung: In voriger Nummer muß e« heißen: Möbelfabrik G, Klug Fruchtstr, 31/32, 26,70 M,, statt 36,70 Vi, Weitere Beiträge nimmt entgegen der Arbcitknachwei« für Holzarbeiter, Annenstr, 39,_ Zillen Freunden und Bekannten zeige ich hiermit an, daß ich Oppelner Strasse 2, am Schlesischen Thor. ei» Weitz- und Bairisch- Bier-Lokal verbunden mit«rostcm Frühstücks-. Mittags- und Abendtisch eröflnet habe und bitte um genelgten Zuspruch, 4SA>L» Msim Jablonsky, früher Nlillilyllßr. L7. Tilglich von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends: Berkailf ftisii gek. schlv. perls. u) sml. FltisiheS. Nnidstcisch,... pro Psd. von 30 Ps an, Schweinefleisch.... 40 Pf. 140111.' , Veiwallung der Kochanstalt Stadt. Sclilachthof Lokale des Herrn SltvailKi'aVl»«». Donnerstag, 3, Februar, abends H'A Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 106: Mitglieder-Bersammlttttg."MU Tage«-Ordnung: 1. Vortrag des Herm Dr. Woilhoim: Die Grundlagen der moderneil Chemie. 2, Diskussion, ö. BerciNsaiigelegenhciten. 96/4 Um zahlreiche» unö piinktllchen Bestich«lttet Die Berwaltung. Avis I Am Sonnabend, den 19, Februar, findet in Müller'« Zentral- Festsälen, Alt« Jatobpr, 32, grosser Wiener Maskenball statt. BilletS siitd vei den Dertrauensleuten und sämmtlichen Vorstands- Mitgliedern zu haben.__ Frauen-»inb Mädchen- Bildmigsverein für Nixdorf und llntgcgend. Mittwoch, de» S> Februar, abends 8V, Uhr. ,m Lokc tlnininer, Berlinerstrasse: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Werth»es FrauentnrnenS. Referent: Herr Wutrkzr. 2. Diskussion. 8. Verschiedene«.— Damen und Herren al» Gäste sehr willkommen. z/g I. A.! ZI. dcetsie. Bauhandwerker--Aranke«kasse für Berlin und Umgegend.(Bing. Hllfskaise ho, 118.) Ssnntag. den 0. Februar, vormittags 10 Hflr, im Lolale deS Hrrrn UolTniann, Sllexanderstraft« 27 e» Ordentliche General- Versammlung. T-gev-Ordnung: I. Bericht de« BorstandeS und Abrechnung des«assirer« vom vierten Quartal 1697 sowie RrvisionSbericht. 2. Bericht des Ausschusses. 3. Wahl des ersten Vorsitzende», deö zweiten KasflrcrS, eines Beisitzers, und vier Ersatzmännern. 4. Wahl dcS SluSschusseS und vier Ersatzmänner. 5, Antrag der letzten außerordentlichen General- Versammlung: Vom 1. Aprll bis 1. Mai 1898 tölinen auch solche im 5 3 Zeile 1 benannten Gewerbe Angehörige der Banhaubwerker-Arantenkasse bcittcten, auch wenn sie«lier als 45 Jahr« sind, ohn« ein SrzillcheS Attest beizubringen; sie haben aber auf BetlaNnen de« Vorstandes bcr BauhaNdwcrker- Krantenkass« auch den Bc- dingungen der ganzen tzß 3 und 8 des Statuts zu genügen. 6. Innere Kassenangelegenheiten, PublitattonSorgan u. s. w. KS. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber werden die Mitglieder ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Bcrsammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet. äW" Mitgliedsbuch lcgittmtrt. 38/1 »er Vorstand. I. A.: H. Metrke, EberSwalderstr. 19. Achtung! PllrteigeuosßllNtk»üh keilosstll Achtung! von krleSrichsherg, Uchleuderg. rrlearlehslelüe. 0onner>tng, den S. Februar, abend* 8 Uhr, im SufnU»e» Herrn Mttllep, Fratttfurter Chaussee 8«: Große Volksversammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag dr» Reichstags- Abgeordneten Genossen H. Fen* übet; Die Deseneration der Arbeiterklasse durch die Ritsderarbett. 2. DlLkusston. VS Um zahlreiche» und pünktliche« Erscheinen, besonder» dee Frauen. «sucht__ Ple Vertranen«per*«B. Clmrtottenlmrg. Sonntag, den 0. Februar 1808, im Lokale»ViSmarckshähe-» WilinerSdorferstrasse»0: Konzert u. Theater zum BeSen her englißen Raslhinenbaner. Zur«uffühning gelangt: DaS vierte Gebot. I Der Weg durchs Fenster. Ausgeführt vom Ausgeführt von der Theaterverein.Gemüthlichkelt«. Freien Gauklerband« Wilmersdorf.> � CharlottenburgS. IBOb SM" Entree 30 Pf."MM Herten, die am Tanz theilnehmen, zahlen 50 P f. nach.. Uerein der Former. Zu dem am 10. Februar im Feen- Palaet stattfindende» 35. 30fiffunfl5fesl des ffierefit», welches als Wiener Maskenball gefeiert wich, ersucht der VoÄtand die Btllets sobald alö möglich abzuheben! dieselben sind in de» Zahlstellen und bei folgenden Mtigliedeni zu haben: Albert MeweS. Wranaelstr. 63! Friedrich, llrbanstraße 111; Gablenz. Naunhnfttaße 14; W. Höhne. Ackerstraße 142; Grüssmacher. Schleaelsttaße 21; Schubert. Ramlerstraße 14; Olsen, Äiischinersiraße 56; Ehringhause«. Frankfurter Allee 13b!»ldam, Pllcklerstraße 16: Skenter. Müllerstraße 22h. sil/N Ider Vorstand. I. A.: Albert Kleves. Sie wundern sich wohl übet die schöne weiße Wäsche Ihrer Nachbarin? Machen Sie auch einen Versuch mit dem echten Br. Thompson's Seifenpulver und Sie werden dasselbe von Ihrer Wäsche sagen können! Sie erspare» dabei viel Mühe, Zeit und Geld und werden die Stoffe mehr schonen alS bei jeder anderen Waschmethode. Nur echt mit der Schutzmarke„Schwan". 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