Nr. 15 25. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Pofst vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Inhaltsverzeichnis. Stuttgart 16. April 1915 Eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen. wochenhilfe in der Praxis. Von F. Kl. Die sozialdemokrati che Frauenbewegung in Bulgarien. Von Tina Kyrkow. Aus der Bewegung: Von den Organisationen. Politische Rundschau. Gewerkschaftliche Rundschau.- Genossenschaftliche Rundschau. Von H. F. Notizenteil: Burgfrieden.- Frauenstimmrecht. Für den Frieden. Eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen. Zum ersten Male seit dem Kriegsausbruch hat eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen im März, dem Monat der Frühlingsstürme, zu Bern Angehörige fast sämtlicher friegführenden Nationen vereinigt. Sie sollte die Genossinnen zum gemeinsamen internationalen Wirken für den baldigen Frieden zusammenfassen. An der Veranstaltung nahmen tätige Genofsinnen teil aus: England, Deutschland, Frankreich, Rußland, Polen, Holland, Italien und der Schweiz. Einige belgische Sozialistinnen, die ihr Kommen zugesagt hatten, mußten leider fern bleiben, weil sie feinen Paß zur Auslandsreise erhalten fonnten. Die Genossinnen Österreichs teilten in einem Telegramm mit, daß zurzeit ihrer Anwesenheit unübersteig liche Schwierigkeiten entgegenständen, daß aber wenn die jezige Konferenz nur vorbereitend sei ihre Beteiligung für eine spätere Tagung sicher erscheine. Die englische Delegation bestand aus offiziellen Vertreterinnen der Unabhängigen Arbeiterpartei" und des Internationalen Frauenrats sozialistischer und Arbeiterinnenorganisationen", einer Körperschaft, der alle sozialistischen Fraktionen, die Liga für Arbeiterfrauen" und mehrere große Vereinigungen von Frauengewerkschaften usw. angeschlossen sind. Sie konnte stolz versichern, daß auch die sehr große Mehrzahl aller politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen von Proletariern -selbst wenn sie keine weiblichen Mitglieder hätten ihrer Mitwirkung am internationalen Friedenswerk freudig zustimmen würden. Die deutschen Delegierten stellten fest, daß sie keine Vertretung der gesamten sozialdemokratischen Partei seien, sondern unter ihrer persönlichen Verantwortlichkeit sich an der Konferenz beteiligten. Ihrer festen überzeugung nach würden die weitaus meisten Genossinnen und auch sehr viele Genossen mit ihnen einverstanden sein. Die anwesende französische Genossin erklärte, zu ihrem Bedauern nur eine Minderheit der organisierten Sozialistinnen ihres Heimatlandes zu vertreten. Allein dieser Umstand entmutige sie nicht, der Friedensgedanke sei auch unter den Frauen des arbeitenden Volkes in Frankreich erwacht und erfasse täglich größere Kreise. Die russische Delegation war in zwei Gruppen gespalten: sie setzte sich zusammen aus Vertreterinnen der Frauenorganisationen, die dem Sentralkomitee der Sozialdemokratie" angeschlossen sind, und aus Delegier Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart. Die Expedition befindet sich in Stuttgart, Furtbach- Straße 12. ten der Frauenvereinigungen, die dem Organisationskomitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei" angehören. Die Konferenz hatte zunächst schlüssig darüber zu werden, ob sie dem Wunsche der österreichischen Genossinnen entsprechend nur Vorbereitungsarbeit für eine spätere Busammenkunft leisten oder aber die vorgesehene Tagesordnung erledigen wollte. Die Rednerinnen aller vertretenen Natione.i sprachen sich einmütig für das lettere aus, so sehr sie bedauerten, auf die Mitarbeit österreichischer Genoffinnen verzichten zu müssen. Bestimmend waren zwei Gründe. Zunächst stößt in der gegenwärtigen Situation eine internationale Veranstaltung auf ganz außerordentliche Schwierigkeiten, so daß es an der Sicherheit fehlt, ob binnen kurzem eine zweite Zusammenkunft der Genossinnen möglich sein würde. Dann aber machen die furchtbaren Zeitereignisse mit- ihrer Rückwirkung auf die Gegenwart und Zukunft der arbeitenden Massen, der Menschheit, es zur heiligen Pflicht, mit dem internationalen Friedenswerk zu beginnen, ehe die ringenden Völker erschöpft verbluten. Mit welchem tiefen Ernst und Verantwortlichkeitsgefühl die tagenden Genossinnen sich diesem Friedenswerk hingeben werden, das kam in den ein. zelnen Begrüßungsreden erhebend zum Ausdruck. Sie erwiesen auch, daß der Krieg das Bewußtsein internationaler Solidarität und die sozialistische Erkenntnis und überzeugungstreue der sozialistischen Frauen nicht erschüttert, sondern umgekehrt befestigt hat. " Hauptgegenstand der Beratungen war der erste Punkt der Tagesordnung: Die internationale Friedens. aktion der sozialistischen Frauen." über die Notwendigkeit und die Bedeutung einer solchen Friedensaktion war nur eine Meinung. Völlige übereinstimmung bestand auch darüber, daß die Konferenz in einer Erklärung" ihre grundsäßliche Stellung zur Kriegs- und Friedensfrage darlegen und damit feste Richtlinien für die Betätigung der Genossinnen ziehen solle; ferner, daß sie ihrerseits diese Betätigung durch ein Manifest an die Frauen des arbeitenden Volkes einzuleiten habe. Dagegen kam es über die Erklärung" zu Auseinandersetzungen zwischen der einen Gruppe der russischen Delegation sie vertrat die dem„ Zentralfomitee der Sozialdemokratie" angeschlossenen Frauenorganisationen und den übrigen Delegationen, von der Vertreterin eines Teiles der polnischen sozialistischen Fraktionen abgesehen. " Die holländischen und englischen Genossinnen hatten zusammen mit der Internationalen Sekretärin einen Entwurf zu einer Erklärung vorgelegt, der sich damit begnügte, die grundsäßliche Auffassung der sozialistischen Frauen aufzuzeigen, positiv auszusprechen, weshalb eine sofortige Friedensaktion geboten sei. Aus dieser grundsätzlichen 86 Auffassung zog er Schlußfolgerungen für die Praxis der Friedensarbeit. Ein weitergehender Gegenentwurf der obengenannten einen russischen Gruppe wurde nur von dieser und von der polnischen Delegierten befürwortet. Nednerinnen aller Delegationen wendeten sich entschieden dagegen, darunter auch die Vertrete» rinnen der zweite» Gruppe russischer sozialdemokratischer Frauenvereinigungen, die dem„Organisationskomitee" angc» gliedert sind. Sie alle erklärten übercinstiinmcnd, daß auch ihre persönliche Überzeugung die kritisierten Erscheinungen verurteile, daß jedoch diese Konferenz sozialistischer Frauen nicht der Ort sei, sich darüber auseinanderzuseßen. Die Ab- rechnung mit der Taktik der sozialistischen Parteien, bezw. ihrer Mehrheit sei zunächst Sache der nationalen sozialdemokratischen Parteitage in den einzelnen Ländern und eines allgemeinen internationalen Sozialistenkongresses. Dem Ent- Wurf der russischen Gruppe beitreten, würde darauf hinaus- laufen, die inneren und äußeren Widerstände und Schwierig- keiten gegen das internationale Friedenswerk der Frauen zu vermehren und zn vergrößern und daniit dieses selbst zu schwächen. Des weiteren dürfe die Konferenz sich nicht als Tribunal einsetzen, das einseitig Verurteilungen . über politische Handlungen ausspreche, deren Begründung und Rechtfertigung hier nicht versucht werden könne, wo nie- mand sie billige und verteidige. Diese Auffassung bewirkte, daß die Beratungen straff auf die praktische Friedensarbeit der Genossinnen konzentriert blieben und nicht von dem be- wüßt abgesteckten Boden abirrten. Das Ergebnis der Abstiinmungen entsprach dem vorhandenen Gegensatz. Ter Entwurf der einen russischen Tele- gationsgruppe fiel mit allen Stimmen gegen die der Gruppe selbst und die der polnischen Delegierten. Der zuerst erwähnte Entwurf wurde gegen diese Stimmen von allen Delega- tionen gntgeheißen. Die Vertreterinnen des„Zentral- komitees" gaben zu ihrem ablehnenden Votum eine„Er- klärung" ab. Mit der Abfassung des Manifestes wurde eine internationale Koinmission beauftragt. In Verbindung mit dem ersten Punkte der Tagesordnung wurde noch eine Resolution der englischen Delegation behandelt und angenommen. Sie wendet sich gegen die Prak- tiken einzelner Kapitalisten und Kapitalistengruppen, die die durch den Krieg geschaffene Situation ausnutzen, indem sie die Preise der Lebensbedürfnisse und des gesamten Be- darfs für Heer und Marine künstlich in die Höhe treiben, ?er. 15 die Löhne drücken, die gesamten Arbeitsbedingungen ver- schlechtem und namentlich Frauen und Kinder einer ver° schärften Ausbeutung unterwerfen. Gegen diese Praktiken fordert die Resolution trotz des„Burgfriedens" energische Gegenwehr. Nach Erledigung der Tagesordnung trat die Konferenz einstimmig und debattelos zwei Anträgen der h o l l ä n- dischen Delegation bei. Der eine davon richtet die Auf- forderung an alle auf der Tagung nicht vertretenen sozialistischen Frauen- und Arbeiterinnenorganisationen wie an alle Genossinnen überhaupt, den gefaßten Beschlüssen beizutreten und in ihrem Sinne zu wirken. Eine weitere Resolution wurde von der englischen Delegation eingebracht. Sie betont die grundsätzliche Auffassung, auf deren Boden die Friedensarbeit der sozialistischen Frauen steht, und würdigt unbeschadet der prinzipiellen Unterschiede zwischen sozialistischer und bürger- sicher Friedensbewegung den Mut, mit dem jetzt nichtsozia- listische Friedensfreunde dem Krieg und Nationalismus weltbürgerliche Ideale entgegenstellen. Sie begrüßt des wei- teren insbesonders die internationalen Friedensströmungen in der bürgerlichen Frauenwelt und den im April bevor- stehenden Internationalen Friedenskongreß der Frauen zu Amsterdam. Auch diese Resolution fand debattelos und fast einmütig Zustimmung, nur die Vertreterinnen des russi- scheu„Zentralkomitees" stiinmten gegen sie. Die Konferenz schloß mit Worten herzlichsten Dankes für Genossin B a l a- banoff, die unermüdliche, hingebungsvolle Übersetzerin wie für die Gastfreundschast und Unterstützung der schwei- zerischeir Genossinnen und Genossen, namentlich aber für Genossen Grimm, ohne dessen Tatkraft und Umsicht es nicht möglich gewesen wäre, das Um und Auf der Konferenz in kürzester Frist vorzubereiten. Die Tagung war llon seltener Harmonie und Einmütigkeit getragen, von einer Atmo- Die Gleichheit Nr. 15 Die Gleichheit sphäre umweht, in der alles Nebensächliche, Kleine, Persönliche ausgelöscht war. Sie hat die Bande internationaler Solidarität zwischen den Sozialistinnen aller Länder gefestigt. Die gemeinsame internationale Friedensarbeit wird sie unlösbar machen, denn eine sozialistische Internationale kann nur wirkend, kämpfend bestehen. Die Reichswochenhilfe in der Praxis. Wir haben bereits in Nr. 9 vom 22. Januar die Bundesratsverordnung vom 3. Dezember 1914 mitgeteilt, die sich auf die Wochenhilfe während des Krieges bezicht. Leider ist diese Verordnung in vielem unklar und hat daher eine Menge Streitfragen aufgerollt. Bei unseren Arbeitersekretariaten und Rechtsauskunftsstellen gehen fortgesezt Anfragen über die neue soziale Fürsorge ein. Wir wollen deshalb kurz die wichtigsten Punkte behandeln, über die Zweifel bestehen können. Den Anspruch auf Wochenhilfe haben nur zwei Gruppen von Wöchnerinnen. Erstens Wöchnerinnen, deren Ehemänner Deutsche und am Kriege beteiligt sind und vor ihrer Einberufung einer Krankenkasse angehört haben. Zweitens die Wöchnerinnen, die selbst Mitglied einer Krankenkasse sind. Alle anderen Wöchnerinnen sind also nicht berechtigt, Wochenhilfe zu empfangen. Das gilt zum Beispiel für die Wöchnerinnen, deren Ehemänner zu Hause" geblieben sind oder die teiner Krankenkasse angehören wie die selbständigen Gewerbetreibenden, sofern die Wöchnerinnen nicht selbst einer Stoffe angehören. Nach einer Bundesratsverordnung vom 28. Januar 1915 besteht die Reichswochenhilfe auch in entsprechender Weise für landwirtschaftliche Arbeiterinnnen und häusliche Dienstboten, deren Mann oder die selbst zwar versicherungspflichtig, aber von der Versicherung von dem Arbeitgeber befreit" worden sind. Allein die Berechtigung ist mitunter auch bei den Wöchnerinnen fraglich, die nach der Verordnung Anspruch auf die Fürsorge haben sollten. Die Ehemänner müssen nämlich im letzten Jahre vor ihrer Einberu fung im ganzen ein halbes Jahr einer Krankenkasse angehört haben oder aber wenigstens unmittelbar vor der Einberufung mindestens sechs Wochen hintereinander. Ein Einberufener fann vor seinem Eintritt ins Heer schon arbeitslos gewesen sein, und zwar viele Wochen. Seine Frau hat trotzdem Anspruch auf die Wochenhilfe, wenn in dem ganzen Jahre vom Tage der Einberufung an zurückgerechnet der Mann ein halbes Jahr gegen Krankheit versichert war. Ist die Wöchnerin selbst Mitglied, so muß sie ebenfalls, wie die Reichsversicherungsordnung vorschreibt, ein Jahr vor der Entbindung mindestens ein halbes Jahr gegen Krankheit versichert gewesen sein. Natürlich ist nicht etwa die Zugehörigkeit zu ein und derselben Krankenkasse nötig, sondern man kann auch Mitglied verschiedener Kassen gewesen sein. Aus dem Angeführten ergibt sich, daß eine ledige Wöchnerin, deren Bräutigam im Felde steht, leider keinen Anspruch auf Wochenhilfe hat, wenn sie nicht selbst Mitglied einer Kasse ist. Ist eine Ehefrau anspruchberechtigt, weil ihr Mann Kriegsdienste leistet, gleichzeitig aber auch, weil sie selbst Mitglied einer Krankenkasse ist, so erhält sie die Unterstügung nicht doppelt. Sie hat auch dann nur Anspruch auf eine Wochenhilfe, und zwar auf die höchste, die gewährt wird. Wenn die Unterstüßung nach der Bundesratsverordnung höher ist als nach dem Kassenstatut, so erhält die Wöchnerin die erstere Wochenhilfe, ist sie jedoch nach dem Kassenstatut höher als nach der Verordnung, so erfolgt sie nach der Kassensazung. Gehört die Wöchnerin selbst einer Rasse an, so hat sie sich unter allen Umständen an diese Kasse zu wenden, die daraufhin einzu greifen hat. Die Kasse hat dann der Kasse des Ehemannes sofort Mitteilung zu geben. Der Anspruch ist bei der Krankenkasse zu erheben, der der Ehemann zuletzt angehört hat, oder sofern die Wöchnerin selbst versichert ist, bei der Kasse, deren Mitglied sie ist. Jedenfalls haben andere Stellen, wie zum Beispiel die Armen87 behörden usw. nichts mit der ganzen Sache zu schaffen. Manche Rassen stellen sich recht unwissend und wollen ,, mit der ganzen Einrichtung nichts zu tun haben". So namentlich die kleinen Betriebskrankenkassen. Allein ihre abweisenden Behauptungen entbinden sie natürlich nicht im geringsten von ihren Pflichten der Wochenhilfe. über die Anmeldung des Anspruchs bei der Kasse bestehen feine besonderen Vorschriften. Es empfiehlt sich jedoch, sie sofort nach der Entbindung zu bewerkstelligen. Der Anspruch verjähr erst nach Ablauf von zwei Jahren. Der Kasse ist auf alle Fälle eine Bescheinigung des Standesamtes über die Geburtsanmeldung beizufügen, die das Standesamt unentgeltlich auszustellen hat. Unter Umständen kann die Kasse Bescheinigungen über die Mitgliedschaft bei anderen Kassen fordern, um die Anspruchsberechtigung festzustellen. Nicht selbst versicherte Kriegerfrauen können auch angehalten werden, eine Bescheinigung über die Zugehörigkeit ihres Ehemannes zum Heere beizubringen. Gewährt wird bekanntlich ein einmaliger Beitrag zu den Kosten der Entbindung in der Höhe von 25 Mt. und eine Beihilfe bis zum Betrag von 10 Mt. für Hebammendienste und ärztliche Behandlung, falls solche bei Schwangerschaftsbeschwerden erforderlich werden. Die 25 Mt. müssen in jedem Falle gewährt werden. Die Auszahlung der 10 Mt. erfolgt aber nur, wenn und soweit die Wöchnerin die Ausgaben für die erwähnten Zwecke wirklich nachweisen kann. Manche Krankenkassen haben die freie" Geburtshilfe eingeführt, wozu sie nach§ 4 der Verordnung berechtigt sind. Diese Kassen bezahlen unmittelbar selbst die Hebamme, wenn erforderlich den Arzt und die Arznei und Heilmittel, und zwar sowohl für die Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden als auch für die Entbindung. Die Kasse hat in diesem Falle die gesamten Kosten zu tragen, ohne Rücksicht auf ihre Höhe. Das gilt besonders für die Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden; die Kasse muß die gesamten Aufwendungen dafür bezahlen, auch wenn sie den Betrag von 10 Mt. übersteigen. Bemerkt sei, daß zu der ärztlichen Geburtshilfe eine etwa damit im Zusammenhang stehende notwendige Nachbehandlung gehört. Hat die Kaffe diese„ freie Behandlung" übernommen, so steht natürlich der Wöchnerin kein Anspruch auf die einmaligen Abfindungen von 10 und 25 Mt. zu. Diese Beträge fallen dann der Kasse zu als ein Ersatz aus der Reichskasse für ihre Leistungen. Den Schwangeren ist deshalb zu empfehlen, schon vor der Entbindung sich bei der zuständigen Krankenkasse darüber zu erkundigen, in welcher Form die Hilfe gewährt wird. Hat die Kasse die volle Fürsorge übernommen, so muß sich die Wöchnerin an die von dieser bezeichneten Hebammen oder Ärzte wenden. Die Kasse hat alle Wöchnerinnen gleichmäßig zu behandeln; sie kann nicht den einen die Barleistung von 10 oder 25 Mr. und den anderen nach Belieben freie" Behandlung gewähren. Das Wochen geld beträgt eine Mark täglich, einschließ lich der Sonn- und Feiertage also 7 Mt. wöchentlich auf die Dauer von acht Wochen. Ist die Wöchnerin selbst versichert, so richtet sich die Höhe des Wochengeldes nach der Kassensabung; es kann also je nachdem mehr oder weniger als eine Mark betragen. Bei den selbstversicherten Wöchnerinnen, deren Mann im Kriege ist, muß natürlich das Wochengeld auch eine Mark pro Tag betragen, sonst wären sie ja schlechter gestellt als die nichtversicherten Kriegerfrauen. Das Stillgeld beträgt 50 Pf. täglich und wird ebenfalls für alle sieben Tage der Woche gewährt. Es endet mit Ablauf der zwölften Woche, also dem 85. Tage nach der Niederkunft, wird aber nur gewährt, wenn die Wöchnerin ihr Kind wirklich stillt. Der Kasse steht eine Kontrolle darüber zu. Die Auszahlung des Wochen- und Stillgeldes erfolgt nach Ablauf jeder Woche bei der Krankenkasse. Das Wochengeld ist auch dann weiterzuzahlen, wenn die Wöchnerin innerhalb der Bezugszeit eine Beschäftigung aufnimmt, was jedoch nicht zu empfehlen ist. Sobald die Wöchnerin das Neugeborene nicht mehr stillt, fällt der Anspruch auf Stillgeld fort. 88 Die Gleichheit Die Reichswochenhilfe wird entsprechend der Auslegung der Worte„ Niederkunft" oder„ Entbindung" nach der Reichsversicherungsordnung nur bei der Geburt eines lebensfähigen Kindes, bei Tot- und Frühgeburten gewährt. Bei Fehlgeburten dagegen besteht der Anspruch nicht. Bei solchen kann nur die Schwangerschaftsbeihilfe in Frage kommen. Wenn selbstversicherte Frauen von einer Fehlgeburt betroffen werden, so können sie Krankengeld beanspruchen, wenn sie gleichzeitig erwerbsunfähig sind. Bei Zwillingsgeburten besteht nur der einfache Anspruch auf Wochenhilfe, es werden also die Entbindungskosten oder die Stillprämien nicht doppelt bezahlt. Recht wichtig ist es, daß die Bundesratsverordnung erst am 3. Dezember 1914 in Kraft getreten ist und keine rückwirkende Kraft hat. Alle die Wöchnerinnen, die bis einschließlich den 2. Dezember entbunden worden sind, haben keinen Anspruch auf die einmalige Abfindung von 10 Mt. für die Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden und von 25 Mk. für die Geburtshilfe. Anders liegen die Dinge nur dann, wenn die Wöchnerinnen selbst Mitglied einer Kasse sind, deren Statut solche Leistungen vorsieht, was bekanntlich immerhin noch selten genug der Fall ist. Den übrigen Wöchnerinnen steht ein Anrecht auf diese Abfindungen nur zu, wenn sie am 3. Dezember und später entbunden worden sind. Indes können die vor dem 3. Dezember Entbundenen unter Umständen Anspruch an das Reichswochengeld und das stillgeld haben. Dieser Fall ist dann gegeben, wenn die Entbindung nicht länger wie acht Wochen( für den Bezug des Wochengeldes) oder zwölf Wochen( für den Bezug des Stillgeldes) zurückliegt. Waren am 3. Dezember vier Wochen seit der Entbindung verstrichen, so hat die Wöchnerin noch Anspruch auf vier Wochen Wöchnerinnenunterstützung die insgesamt sonst acht Wochen zu dauern hat- und auf acht Wochen Stillgeld, das sonst für zwölf Wochen gewährt wird. Infolge dieser Bestimmungen find leider viele Wöchnerinnen um die staatliche Fürsorge gekommen. Wenn eine Krankenkasse ihre Pflichten nicht oder nicht in genügender Weise erfüllt, so muß sich die Wöchnerin an das Versicherungsamt wenden. Zuständig ist das Versicherungsamt, in dessen Bezirk die Versicherte zurzeit wohnt oder beschäftigt ist. Gegen die Entscheidung kann das Oberversicherungsamt angerufen werden, das endgültig entscheidet. Die Leistungen der Kriegswochenhilfe gelten nicht als Armenunterstügung. Sie sind nicht pfändbar und nicht übertragbar. Wer über die eine oder andere Frage im Unflaren sein sollte, der wende sich an das nächstgelegene Arbeitersekretariat. F. Kl. Die sozialdemokratische Frauenbewegung in Bulgarien. Die erste Konferenz der organisierten sozialistischen Frauen in Bulgarien fand am 29. und 30. Juni 1914 in Sofia statt. Es beteiligten sich 25 Genossinnen daran, die 10 Frauenorganisationsgruppen vertraten. Die Konferenz verhandelte über zwei wichtige Fragen: 1. Die Frauenbewegung und die Sozialdemokratie. 2. Die Organisation der sozialistischen Frauen und die Agitation unter den Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen. Die von der Konferenz zu diesen zwei Punkten angenommenen Resolutionen entsprechen durchaus den Bedürfnissen der auf kommenden proletarischen Frauenbewegung unseres Landes und sind im Geiste der allgemeinen Befreiungsbewegung der Arbeiterklasse gehalten. Die Konferenz legte die Leitsätze fest, an die sich unsere Genoffinnen bei ihrer fünftigen Organisationstätigkeit halten sollen. Die sozialdemokratischen Frauengruppen sind danach ein untrennbares Glied der sozialdemofratischen Arbeiterpartei, unter deren Leitung sie zu wirken haben. Sie stellen ein vermittelndes Organ der Partei dar, das der planmäßigen sozialistischen Aufklärung und Agitation unter den Frauen, den Arbeiterinnen dient, und diese der Sozialdemokratie und den Gewerkschaftsverbänden zuführen soll. Nr. 15 Die Konferenz schloß ihre zweitägigen Verhandlungen unter großer Begeisterung und mit dem Bewußtsein, gute Arbeit geleistet zu haben. Bereichert durch den Austausch von Anregungen und Erfahrungen gingen die Delegierten auseinander, um sich mit frischem Mut hingebungsvoll den Aufgaben der Agitation und Organisation zu widmen. Allein wir hatten kaum unsere öffentliche Tätigkeit aufgenommen, als der Krieg ausbrach, der ganz Europa aufs tiefste erschütterte und Millionen Menschen entsetzlichem Elend und furchtbaren Leiden preisgab. Der lodernde Weltbrand kam rasch unseren Grenzen näher und näher; es droht die Gefahr, daß auch Bulgarien in das blutige Schlachtgetümmel hineingerissen wird. Die bulgarische chauvinistische Bourgeoisie fand sich zusammen und ließ durch ihre gelben Organe und Parteiblätter ein wütendes Geschrei nach der„ nationalen Einheit" erheben, für die Verwirklichung des„ nationalen Jdeals". Die Volksmassen sollten in Kriegsbegeisterung hineingehegt werden. Die sozialdemokratische Arbeiterpartei beantwortete dieses Treiben damit, daß sie im ganzen Lande öffentliche Volksversammlungen und Meetings veranstaltete. Hier trat sie entschieden der rasenden chauvinistischen Kriegsheze entgegen. Der Kampf unserer Partei gegen die Eroberungsgelüfte der bulgarischen Bourgeoisie geht mit steigender Erbitterung weiter. Um ihre erfolgreiche öffentliche Agitation für den Frieden zu unterbinden und zu verhindern, daß die Sozialdemokratie wachsenden Einfluß auf die Volksmassen erlangte, verhängte die Regierung den Belage= rungszustand über das Land. Sie suchte diese Maßregel mit dem Vorwand zu rechtfertigen, das Vaterland sei in„ Gefahr". Was sie damit bezweckte, konnte sie jedoch zum Glück nicht ganz nach ihrem Wunsch erreichen. Die Verhältnisse, die der Krieg schuf, wirkten verhängnisvoll auf das wirtschaftliche Leben des Landes zurück. Die Produktion wurde eingeschränkt, manche Betriebe mußten ganz geschlossen werden. Die Arbeitslosigkeit nahm täglich zu, die Arbeitslöhne sanken, eine unerhörte Verteuerung des Lebensbedarfs verschärfte das Elend der Arbeiterschaft immer mehr. Der Belagerungszustand und die von ihm hervorgerufene Unsicherheit der Zustände bewirkten, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen eine Zeitlang von ihren unmittelbaren gemeinsamen Aufgaben abgelenkt wurden. Doch nicht lange, und wir lernten uns den neuen Verhältnissen anpassen. Unser öffentliches Wirken unter den arbeitenden Massen findet wieder fast in vollem Umfang wie früher statt. Die gegenwärtige Zeit kann auch für Bulgarien verhängnisvoll werden. Die gesamte Bourgeoisie des Landes mit König Ferdinand an der Spize bereitet einen neuen Kriegszug vor, der für die Arbeiterklasse weitere erdrückende wirtschaftliche Lasten, politische Knechtung bedeuten würde und vielleicht den Verlust der nationalen Selbständigkeit nach sich ziehen könnte. In dieser dunklen Stunde war die sozialdemokratische Partei die einzige, die in der Sobranje durch den Genossen G. Kyrkow ihre Stimme zum energischsten Protest gegen den Krieg und die Revanchepolitik erheben und die Losung der Sozialdemofratie der Balkanstaaten vertreten ließ: Föderative Balkanrepublit. Unsere Parlamentsfraktion brachte auch einen Antrag ein, in dem sie die Regierung aufforderte, sich mit den Regierungen der übrigen neutralen Staaten zu verständigen, um bei den kriegführenden Ländern gemeinsame Schritte dafür zu unternehmen, daß ein baldiger Friedensschluß dem entsetzlichen Völkerringen ein Ende mache. In einem zweiten Antrag forderte gleichzeitig unsere Fraktion die Regierung auf, unverzüglich mit den Regierungen der Nachbarstaaten in Verhandlungen einzutreten. Ihr Ziel sollte ein Bündnis der Balkanländer sein auf der Grundlage ihrer gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und zur gemeinsamen Verteidigung gegen die Eroberungssucht der kapitalistischen Großmächte. Dem entschlossenen Protest, den die sozialdemokratische Fraktion im Parlament gegen das verbrecherische Treiben des kriegstollen Nationalismus erhob, schloß sich das bulgarische Proletariat in Massenversammlungen an. Hier wurde die Losung des Friedens und der Föderation der Balkanstaaten eindrucksvoll und kräftig unterstützt. 89 Die Gleichheit Nr. 15 An allen Veranstaltungen der Partei haben sich auch unsere Frauengruppen eifrig beteiligt. Trotz der Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden, gelang es ihnen, ihre Agitationsund Organisierungsarbeit wieder lebhaft zu betreiben. Wir können den Erfolg berichten, daß wir ein Hundert neue Mitglieder für unsere Frauengruppen gewonnen haben. In anderen Ländern mag das lächerlich wenig erscheinen, in Bulgarien dagegen und unter den obwaltenden Umständen ist das ein guter Fortschritt. Unsere Genossinnen werden auch weiterhin mit höchster Begeisterung und Aufopferung für die gemeinsame große Befreiungsfache fämpfen. Mächtiger denn je wirken heute in Bulgarien unsere Jdeen auf die Arbeitermassen und werben neue flassenbewußte Kämpfer für den Sieg des Sozialismus. Zusammen mit den sozialistischen Frauen der ganzen Welt treten. auch die bulgarischen Genossinnen entschieden gegen den Krieg und für den Frieden ein. Zusammen mit ihnen rufen sie: Genug des Kriegs! Es lebe der Völkerfriede! Zina Kyrkow, Sofia. Aus der Bewegung. Von den Organisationen. Seit acht Jahren besteht in Döbeln eine besondere Frauenabteilung des Sozialdemokratischen Vereins. Jeden Monat wurden Vereinsversammlungen abgehalten, obwohl in den ersten Jahren häufig nur 8 bis 10 Genossinnen anwesend waren, die manche höhnische- Bemerkungen hören mußten. Wir ließen uns natürlich nicht beirren und arbeiteten rastlos weiter. Jetzt zählt unsere Organisation bereits 180 Genossinnen, die Monatsversammlungen sind durchschnittlich gut besucht, und durch lehrreiche Vorträge wird an der Aufklärung und Schulung der Genossinnen tüchtig gearbeitet. Der Krieg eröffnete uns mancherlei neue Gebiete der Betätigung. Um die Familien der unter die Waffen bc= rufenen oder arbeitslosen Genossen mit Wäsche und Kleidungsstücken zu unterstüßen, führten wir wöchentliche Nähabende ein. Viele Genossinnen halfen uns dabei, und mancher Mutter machten wir mit den Gaben große Freude. Sicher ist bei der Arbeit und Hilfe auch manch Samenkorn des Sozialismus auf guten Boden gefallen. 310 Kinder unserer Genossen und Genofsinnen fonnten wir dank selbstloser Opferwilligkeit eine Weihnachtsfreude bereiten. Wir werden auch in Zukunft nicht unterlassen, einzugreifen, wo Hilfe nötig ist, um unseren Arbeitsbrüdern im Felde wenigstens die eine Sorge um ihre Angehörigen zu mildern. Das wichtigste freilich ist, daß wir alles daranseßen, damit die heimkehrenden Genossen die Parteiorganisation troß dieser schweren Zeit nicht nur an Zahl, sondern auch an sozialistischem Geiste gewachsen und gefestigt vorfinden. Wie wir hat es auch die organisierte Arbeiterschaft in Roßwein gehalten. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden für die Kinder der ausmarschierten Genossen eine Bescherung veranstaltet, wobei Genoffe Spindler, Döbeln, eine furze Ansprache hielt. Manches Kinderauge leuchtete beim Empfang der bescheidenen Gaben freudig auf, und die Beschenkten spürten wohl einen Hauch jener innigen Solidarität, die die erwachsenen Arbeiter aller Länder verbündet und die allein aller Not und dem blutigen Kriege ein Ende zu setzen vermag. S. S. Politische Rundschau. 90 Die Gleichheit Nr. 15 Gewerkschaftliche Rundschau. Die Arbeitsvermittlung war schon vor dem Kriege eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gewerkschaften. In der Kriegszeit aber stieg ihre Bedeutung nicht nur für den einzelnen Arbeiter, sondern auch für die Industrie und Landwirtschaft im allgemeinen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß nach Friedensschluß die Arbeitsvermittlung von noch größerer Wichtigkeit wird. Galt es schon während des Krieges einen Ausgleich der Arbeitskräfte zwischen Stadt und Land herbeizuführen, so wird diese Aufgabe nach dem Friedensschluß vielleicht noch dringlicher sein. Es ist nicht vorherzusehen, welcher Art die Beschäftigung sein wird, die die heimkehrenden Krieger in der deutschen Industrie finden werden, und in welchem Umfang eine Verschiebung der Arbeitskräfte stattfinden wird. Wird der deutsche Außenhandel schwer gelähmt, wird der große Warenabsatz nach England, Frankreich und Rußland stark unterbunden und muß sich die deutsche Industrie erst andere Absatzgebiete suchen, etwa nach Österreich- Ungarn, dem Balkan und Kleinasien, dann kann in der Industrie und der Art der Warenerzeugung eine starke Umwälzung Plak greifen. Möglich ist auch, daß Handel und Verkehr sich wieder schneller heben, als man allgemein annimmt. Der deutsche Kaufmann wird seine Handelsdevise nicht auf„ Gott strafe England" stimmen, er wird vielmehr sehr schnell versuchen, Handelsbeziehungen mit dem Ausland an zuknüpfen, und der englische und russische Kaufmann werden froh sein, wieder in ihr geregeltes und geordnetes Geschäft mit dem deutschen Berufsgenossen hineinzukommen; Immerhin: aus der altgewohnten Bahn der Warenerzeugung und des Geschäftsverkehrs wird die deutsche Industrie herausgedrängt werden. Damit aber tritt zum zweitenmal seit Kriegsbeginn eine Verschicbung der Arbeitskräfte ein, und an die Arbeitsvermittlung werden erhöhte Anforderungen gestellt. Dazu kommt noch, daß die Hunderttausende von Militärinvaliden, die wegen der erlittenen Verstümmelungen in ihrem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten fönnen, anderweitig in der Industrie untergebracht werden müssen, wobei es nicht nur im Interesse der Invaliden selbst, sondern in dem der organisierten Arbeiter überhaupt liegt, daß die geminderte Arbeitskraft dieser Unglücklichen nicht zu einer skrupellosen Lohndrückerei ausgenutzt wird. Die Gewerkschaften müssen sich daher schon jetzt der Arbeitsvermittlung energisch annehmen, zumal die Auswüchse bei der Arbeits- und Stellenvermittlung recht groß sind. Die Vorstände unserer Gewerkschaften haben sich denn auch mit diesen Fragen eingehend beschäftigt und Richtlinien für eine reichsgesehliche Regelung der Arbeitsvermittlung den anderen Gewerkschaftsgruppen vorgelegt. Schließlich haben Vertreter aller Gewerkschaftsrichtungen wegen dieser Fragen mit dem Reichskanzler fonferiert und dort die Busage bekommen, daß die Reichsregierung die Wünsche prüfen werde. Hoffentlich bleibt's nicht beim Prüfen. Was ein gut funktionierender Arbeitsnachweis zu leisten vermag, dafür bietet ein Bericht vom Zentralnachweis des Bezirks Dresden einen trefflichen Beweis. Dieser Zentralnachweis hat über seinen Bezirk hinaus während der Kriegszeit eine für die Arbeiter sehr segensreiche Tätigkeit entwickelt. Beinahe 65 Prozent seiner Vermittlungen entfielen auf die Kriegsmonate. Durch ihn wurden 17 350 Arbeiter aus allen Teilen Sachsens nach den Städten des Ostens, nach Thorn, Graudenz, Königsberg usw. vermittelt. Durch die schnelle und planmäßige Arbeitsvermittlung haben Arbeitslose aus den entlegensten Landesteilen, aus dem Erzgebirge und dem Vogtland Beschäftigung erhalten. Ein kleines, entfernt gelegenes Dorf auf dem Kamm des Gebirges stellte allein 53 Mann. Wichtig ist, zu wissen, daß der Arbeitslohn, den diese 17 000 Arbeitslosen erzielten, einschließlich Beköstigung und Wohnung rund 2 Millionen Mark beträgt. Auf den Monat gerechnet, bedeutet es, daß den Gemeinden rund 340 000 Mt. an Arbeitslosenunterstützung erspart wurden. Solche Tätigkeit, im großen ausgebaut und gesetzlich geregelt, würde auch nach dem Kriege sehr segensreich sein. Bor allem aber gilt es, die Arbeitsvermittlung aus den Händen ge Nr. 15 Die Gleichheit winnsüchtiger Stellenvermittler und eigensüchtiger Interessengruppen zu nehmen. Die Unternehmernachweise sind von jeher nicht Arbeitsvermittlungsstellen, sondern Maßregelungsbureaus gewesen und werden das auch bleiben. Die Regierung hat bisher nichts getan, um hier Ordnung zu schaffen. Die finanzielle Besserung in den Gewerkschaf= ten hält an trop der großen Mitgliederverluste. Nach und nach führt ein Verband nach dem anderen die zu Beginn des Krieges aufgehobenen Unterstüßungen wieder ein. Der Bauarbeiterverband macht eine kleine Abweichung davon. Er ist, unseres Erachtens mit Recht, vorsichtig, denn wir wissen nicht, welch neue Berpflichtungen den Gewerkschaften nach dem Krieg erwachsen können, wenn die entfräfteten, franken und invaliden Mitglieder aus dem Felde heimkehren und arbeitslos find. Dann werden sie sich hilfesuchend an ihre Organisation wenden, die dann verpflichtet sein wird, manche Not zu lindern. Ungeheure Lücken reißt der Krieg in die Reihen unserer Gewerkschaftsgenoffen. Der Holzarbeiterverband verzeichnet 2000 gefallene Mitglieder, die wirkliche Zahl dürfte aber mindestens 3000 sein, da beim Vorstand nicht alle gemeldet sind, die der Tod auf dem Schlachtfeld ereilt hat. Genossenschaftliche Rundschau. # In der Konsumgenossenschaftlichen Rundschau wurden kürzlich die Hauptposten des Ergebnisses der Statistik des 3entral verbandes deutscher Konsumvereine für das Jahr 1914 veröffentlicht. Danach ist die Zahl der dem Zentralverband angeschlossenen einzelnen Vereine von 1157 auf 1109 zurückgegangen. Doch ist diese Tatsache nicht auf Austritt von Genossenschaften, sondern auf die seit einigen Jahren zu beobachtende Zentralisation der Bewegung zurückzuführen. Dies wurde in den Verbandsorganen und auf den Genossenschaftstagen lebhaft gewünscht und in den in Betracht kommenden Bezirken ernsthaft propagiert. Die Folge war, daß manche kleine Vereine sich zu größeren vereinigten oder sich an große anschlossen. Diese Entwicklung wird durch die Statistik nun bestätigt, denn troß der Abnahme der Vereine stieg die Zahl der Mitglieder von 1621 195 auf 1717 519; das ist eine Vermehrung um knapp 6 Prozent. Die Zunahme des Warenumfaßes( von 472 auf 493 Millionen Mark) ist etwas geringer, sie betrug 4,4 Prozent. Das ist nicht auffällig, denn die Zunahme der Mitglieder wird am Schluß des Geschäftsjahres festgestellt. Viele der neuen Mitglieder hatten also erst furze Zeit und nur wenige den größten Teil des Jahres Gelegenheit, ihre Waren der Genossenschaft zu entnehmen. Im übrigen ist bei Beurteilung der Zahlen zu beachten, daß für die meisten der Vereine das Geschäftsjahr am 30. Juni schließt, die Kriegszeit demnach abgesehen von wenigen kleineren Vercinen noch unberücksichtigt bleibt. Die Wirkungen des Krieges auf die Konsumvereine werden statistisch erst im Bericht für das Jahr 1914/15 Juli bis Juni in die Erscheinung treten, dann aber um so deutlicher, weil es sich wahrscheinlich, mit Ausnahme des Juli 1914, um ein ganzes Jahr Weltkrieg handeln wird. Sicher ist schon heute, daß eine starke Zunahme der Mitglieder, aber froßdem ein Zurüdgehen des Umsatzes zu verzeichnen sein wird! Besonders in den ersten Monaten der Kriegszeit haben sich die Konsumvereine sehr häufig als vorteilhafte Einrichtung der Warenversorgung erwiesen. Viele Frauen, die sonst den Weg in den Laden der Genossenschaft nicht fanden, suchten ihn jetzt und wurden Mitglieder. Hat doch zum Beispiel der Konsumverein Forwärts in Dresden bis Ende Januar eine Zunahme von rund 4000 Mitgliedern zu verzeichnen! Ähnlich wird es auch in anderen dichtbevölkerten Industriebezirken des Reiches liegen. Gin Zurückgehen des Umsatzes steht damit keineswegs in Widerspruch. Zunächst ist zu beachten, daß ein sehr großer Teil der männlichen Verbraucher von Konsumvereinswaren im Felde steht. Die Familien der Krieger müssen mit der meist recht knappen Kriegsunterstüßung auskommen und infolgedessen ihren Bedarf auf das nötigste einschränken. Außer Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs kann fast nichts gekauft werden. Die Anschaffung von Wäsche, Kleidungsstücken, Schuhwerk, Wirtschaftsgegenständen usw. muß stark eingeschränkt werden, meist ganz unterbleiben. Das sind aber gerade Sachen, die sehr ins Geld laufen und deshalb den Gesamtumfaß in den Konsumvereinen stark beeinflussen müssen. Aber auch der Verbrauch der Lebensmittel und täglichen Gebrauchsartikel muß infolge der enormen Verteuerung wesentlich eingeschränkt werden. Vielfach greift man zu billigen Surrogaten, und zahlreiche Waren sind nicht mehr oder nur in beschränktem Umfang zu haben. Besonders fehlt es an den Waren, zu deren Herstellung Rohstoffe aus anderen Län91 dern und Erdteilen nötig sind, und die während des Krieges nur schwer und in viel geringeren Mengen hereingebracht werden können. Alle diese Umstände werden die Umsazziffern der Konsumvereine im nächsten Jahre trok starker Mitgliederzunahme start beeinträchtigen. Das zeigen schon jetzt die Abschlußzahlen der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine, die sich auf das ganze Jahr 1914 beziehen. Der Gesamtumsatz ist zwar um rund 32 Millionen Mark gestiegen, in den fünf Kriegsmonaten August bis Dezember ging er jedoch um über 4 Millionen zurück, während er von Januar bis Juli um fast 73 Millionen Mark gestiegen war. Von den neun Unterverbänden des Zentralverbandes ist der sächsische mit 162 Vereinen und 323 454 Mitgliedern noch immer bei weitem der stärkste. Die Zunahme beträgt hier über 5 Prozent. Der Umsatz der Verlagsanstalt stieg 1914 von rund 4010 000 auf 4 222 000 Mark. Auch wird festgestellt, daß die Kriegszeit das Ergebnis von fünf vollen Monaten schwer beeinflußte". Die Verlagsanstalt stellt hauptsächlich Drucksachen und Papierwaren her. Am deutlichsten ist der ungünstige Einfluß des Krieges bisher in den Einkaufsvereinigungen zu beobachten gewesen, in denen die Warenbestellungen für die Großeinkaufsgesellschaft von den Vereinen bestimmter Bezirke gemeinschaftlich gemacht werden. Diese Umsätze sind gegen das Jahr 1913 von 57 945 000 auf 47 239 000, also um rund 10 700 000 Mark zurückgegangen! Die Konsumgenossenschaftliche Rundschau bemerkt dazu:„ Die Einkaufsvereinigungen dienen in erster Linie dazu, den gemeinsamen Warenbedarf der Konsumvereine für bestimmte Zeiträume im voraus unter möglichster Ausnutzung des günstigen Augenblics vorteilhaft durch Abschlüsse einzudecken. Diese Möglichkeit wurde durch die Umwälzungen im Warenhandel, die der Krieg sofort nach seinem Ausbruch hervorrief, außerordentlich beschränkt. Die Schwierigkeiten hinsichtlich der Beschaffung von Rohmate= rialien, die durch das Stocken der Einfuhr entstanden, sowie die Unsicherheit der ganzen Verhältnisse führten dazu, daß in den meisten Konsumartikeln Abschlüsse nicht gemacht werden konnten und selbst feste Angebote für sofortige Lieferung häufig nicht zu haben waren. Für die Konsumvereine ergab sich daraus vielfach die Notwendigkeit, sich ihren laufenden Bedarf, so gut es ging, von Fall zu Fall zu beschaffen, ohne sich dabei der Einkaufsver= einigung in dem Umfang wie sonst bedienen zu können." Der Umsatz der Einkaufsvereinigungen bei der G. E. G. bleibt sogar noch um 2 Millionen hinter 1912 zurück. H.F. Notizenteil. Burgfrieden. Die Düsseldorfer Volkszeitung brachte in ihrer Nummer vom 24. März einen Leitartikel, überschrieben, England und wir". Wegen dieses Artikels hat das dortige Oberkommando unser Parteiblatt auf drei Tage verboten. Selbstverständlichkeiten. Mit Bezug auf die Rede des Genossen Haase im Reichstag und den leisen Tadel, den die Frankfurter Zeitung" der abweisenden Antwort des Staatssekretärs Delbrück angedeihen läßt, meint die Kreuzzeitung":" Würde die Regierung durch bindende gusagen der späteren gesetzgeberischen Entscheidung vorgreifen, so wäre es nicht mehrangängig, daß diejenigen dazu schweigen sollten, die in dem eingeschlagenen Wege eine für bestimmte Intereffen oder die allgemeine Entwicklung verderbliche Richtung 92 Die Gleichheit schen. Man wird zugeben, daß schon das allgemeine Versprechen der politischen Neuorientierung auf bestimmten Gebieten eine ge= wisse Zumutung an die Selbstbescheidung derjenigen stelle, die den gegenwärtigen Zustand für angemessen und zweckmäßig halten.' Der„ Vorwärts" bemerkt hierzu:„ Das ist so deutlich gesprochen, wie man es nur wünschen kann, um vor Illusionen zu bewahren. Frauenstimmrecht. Der Antrag zur allgemeinen Einführung des Frauenwahlrechts in allen Staaten der nordamerikanischen Union, von dessen Ablehnung im Repräsentantenhaus( Unterhaus) wir neulich berichteten, hat folgenden Wortlaut:„ Das Stimmrecht der Bürger der Vereinigten Staaten darf des Geschlechts wegen weder von den Vereinigten Staaten als Ganzes noch von irgendeinem Einzelstaat verweigert oder verkürzt werden. Dem Kongreß steht die Befugnis zu, durch ein entsprechendes Gesetz die Bestimmungen dieses Artikels zur Durchführung zu bringen." Der Kongreß ist das Bundesparlament der Nordamerikanischen Union. Er übt die gesetzgebende Gewalt in bestimmten Fragen aus, die gemeinschaftlich und einheitlich für alle Einzelstaaten geregelt werden sollen. Der Kongreß hat seinen Siz in Washington und besteht aus einem Unterhaus dem Haus der Repräsentanten oder Abgeordneten, und einem Oberhaus dem Senat. Erfolge des Frauenwahlrechts in den Vereinigten Staaten. Fast zur selben Zeit, wo im Unterhaus des Bundesparlaments der Antrag auf die allgemeine Einführung des Frauenwahlrechts gefallen ist, hat die Sache der politischen Gleichberechtigung in den geseßgebenden Körperschaften von neun Einzelstaaten beachtenswerte Siege errungen. Da es sich um eine Verfassungsänderung handelt, so hat in den betreffenden Staaten nun eine Volksabstimmung das letzte entscheidende Wort zu sprechen. Der Antrag auf Einführung des Frauenwahlrechts wurde angenommen Unterliegt der Boltsabstimmung In Vom Repräsentantenhaus Stimmen Bom Senat Stimmen Arkansas.. mit 51 gegen 18 mit 23 gegen 12 Termin ungewiß Jowa. Massachusetts New Jersey. New York Nord- Dakota Pennsylvania Tennessee Westvirginia 0 M = M 196 M 58 M # 114 • = M M M September 1915 38 # 11 1916 33 = 33 = 3 1915 17 34 = 4 # 1915 F 31 = 14 1916 71= F 1915 74 = 14 26= 28= 3 1 ungewiß 1916 M 130 M 76= 8 M M In Vermont stimmte der Senat mit 29 gegen 10 Stimmen der Einführung eines nahezu unbeschränkten Frauenwahlrechts zu, wie es im Staate Illinois besteht. Besondere Beachtung verdient der Sieg des Frauenwahlrechts im Parlament von Westvirginia, dem ersten Südstaat der Union, in dem die Zuerkennung des Bürgerrechts an das weibliche Geschlecht in greifbare Nähe gerückt ist. Für den Frieden. Nr. 15 ten gut 5000 Frauen mit Parteifahnen und Friedensbannern in geschlossenem Zuge durch die Stadt. Die Genoffinnen hatten diese Demonstration seit Wochen gut vorbereitet, und es ist ihnen gelungen, damit größere Frauenmassen zu erfassen, als mit irgendeiner früheren Veranstaltung. Ein Beschluß des schweizerischen Parteivorstandes zur Wiedersammlung der Internationale. Die Geschäftsleitung der schweizerischen Sozialdemokratie hat in einer Sigung vom 18. März beschlossen, auf die Einberufung einer erweiterten Sigung des Internationalen Sozialistischen Bureaus zu bringen. Von der Einberufung einer Sonferenz der Sozialdemokraten der neutralen Länder, wie sie auf der Konferenz von Lugano verlangt wurde, hat sie abgesehen. Solange die sozialistischen Barteien der kriegführenden Länder auf dem Standpunkt des„ Durchhaltens" stehen, wird ein Versuch der Zusammenberufung des Internationalen Bureaus kaum Erfolg haben. Friedensbewegung in England. Das Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei, der in Manchester erscheinende Labour Leader zeichnet die wachsende Friedensstimmung in der englischen Arbeiterschaft wie folgt:„ Überall verschwindet die gedankenlose Begeisterung, die eine Nation zu Beginn eines Krieges stets kennzeichnet; überall richtet man das Augenmert auf einen Ausgleich, der den Feindseligkeiten ein Ende machen soll. Man fragt sich, wie dieser Ausgleich sein soll, und was getan merden muß, um das Ziel zu erreichen, für das der Strieg geführt wird, nämlich künftige Kriege unmöglich zu machen, den Militarismus zu vernichten, kleine Länder sicherzustellen, die brutale Gewalt zu entthronen und die Vernunft auf den Thron zu setzen. Mancherlei Fragen drängen sich auf. Beispielsweise, ob Deutschland allein für den Krieg zu tadeln ist, ob England vor dem Kriegsausbruch alles tat, was in seiner Macht stand, um den Untergang Belgiens zu verhindern, und ob das deutsche Volt nicht Grund zum Mißtrauen gegen England hatte. Die öffentliche Meinung unter der Arbeiterklasse ändert sich. Das Elend, in dem sie sich befindet, und die unzureichende Unterstüßung, die die englische Regierung ihr gewährt, stören die nationale Einmütigkeit, die den Arbeitern anfänglich häßliche Tatsachen verbarg. Schwere Unglücksfälle, der Anblick von Soldaten mit verstümmelten Gliedern und erschütterten Nerven, ihre fürchterlichen Erzählungen und ihre Erkenntnis, daß die deutschen Soldaten auch Menschen sind wie sie selbst, mit liebenden Frauen und geliebten Kindern, alles das wirkt dauernd auf die Ansichten ein." Wie lähmend der energische Klassenkampf der englischen Gewerkschaften auf die Kriegslust der Unternehmer wirkt, da er die Kriegsprofite schmälert, beweist ein Verleumdungsfeldzug der Times. Sie schreibt über die Ausstandsbewegung der englischen Arbeiter unter anderem folgendes:„ Diese Arbeiterunruhen sind nicht nur das eine Gebiet, auf dem wir versagt haben, sie sind auch das Gebiet, auf dem die Berechnungen der Deutschen nicht fehlgingen.... Unstimmigkeiten zwischen den Alliierten werden zwar immer noch erhofft, aber der Strom der Ereignisse hat die Verbündeten immer nur mehr aneinandergeknüpft. Alles das hat den Erwartungen des Feindes nicht entsprochen, wohl aber der britische Arbeiter und sein Brotherr. Auch sie arbeiteten im Anfang zum allge= meinen Besten, aber gerade, als ihre Hilfe am allernotwendigsten war, rechtfertigten sie die Berechnungen der Deutschen und arbeiteten ihnen in die Hand. Als die Werftarbeiter streiften, machten sie sich zu Handlangern des Feindes." Zu einer imposanten Friedenskundgebung der sozialistischen Frauen in Amsterdam hat sich der Frauentag gestaltet, der am 1. April abgehalten wurde. Die Versammlung fand in dent Riesensaal des Konzerthauses statt, der überfüllt war. Die Reden stellten die Friedensforderung in den Vordergrund und wiesen nach, daß eine kraftvolle Friedensaktion der Frauen der wirksamſte Ausdruck politischer Neife sei. Nach der Versammlung marschierDie italienischen Wähler und der Krieg. Aus Mailand wird telegraphiert: Am Sonntag fanden in Italien zwei Ersazwahlen für die Kammer statt, und zwar in den Wahlkreisen Bologna und Montecchio. In beiden Kreisen hatte die sozialdemokratische Partei Kandidaten aufgestellt, und in beiden Kreisen wurden sie glänzend gewählt. In Bologna betrug die Majorität 2700 Stimmen, in Montecchio 1700 Stimmen. Diese beiden Wahlen sind darum besonders wichtig, weil sie im Zeichen des Kriegs geführt wurden. Die bürgerlichen Gegner stellten die Intervention Italiens im gegenwärtigen Strieg in den Mittelpunkt ihrer Agitation. Die Sozialdemokratie kämpfte für die stritte Aufrechterhaltung der Neutralität. Und die Wähler gaben der Sozialdemokratie recht. In beiden Wahlkreisen will die Volksmehrheit nichts vom Krieg wissen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart. Druck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.§. in Stuttgart.