Ur. 38. Abonnement«-Kedingnngen: Obonncmcnt«-Preis pränumerando: Vierteljahrs Z,Z0 Md. monath 1,10 Ml.. wochenllich 28 Pfg. frei in; Hau«. Einielne Nummer 5 Psg. Sonntag«- Nummer mit illustrirter Tonntag«- Beilage„Di- Neu- Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«» Preisliste für ISSS unter Nr. 767«. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Insertion«-Gebülfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersantmlungs-Anzeigen, sowie Arbeiismarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« « Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag« geöffnet. Erscheint täglich»ufjrr Montag». Derlinor VolksblÄkk. Fernsprecher: Sint I, Nr. IVOS, Telegramm-Adresse: „»otialdemokrat Serliu". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Weduklio»: SW. 19, Uettly-Straße 2. Donnerstag» hen 3. Febrnar 1898. Spedition: SW. 19, Mettty-Straße 3; Der Ltnternelz merk nntpf für Jsreiheik und Wlorcrl. Die planniäßig augelegte und laug verfolgte Aktion der Unterilehiner gegen die Arbciterkoalitionen, ans der die Blüthe des Posadoivsky'schen Rundschreidens entsprossen ist, und die als Frucht weitere Ausnahmegesetze gegen Arbeiter tragen soll, dient nach der Meinung des Herrn Staatssekrelärs der„Freiheit der Arbeit"'. Daß die Unternehmer das behaupten, ist natürlich, es handelt sich eben um die Freiheit, die sie meinen, und daß die Bnreankratie ihnen das glaubt, wundert uns auch nicht alhiiipbr. Der Be griff der Freiheit gleicht einer spröden Schönen, er läßt sich nicht so ohne weiteres von jedem trocknen Jnristeugehirne fassen und begreifen; er entschleiert sich nur dem, der die Freiheit mit Gemüth und Leidenschaft zu verstehen sucht, aber nicht dein, der einen inneren Widerivillen gegen sie im Herzen trägt. Deshalb mag es unseren Beamtenkreisen verziehen werden, ivenn sie nicht merken, wie unendlich komisch es wirkt, daß die Bockshcerde des Herrn v. S t u m m den Garten der Freiheit zu hüten vorgiebt. Wenn Gewaltakte bei Streiks vorkommen, so verwerfen auch wir sie entschieden; nicht etwa blos ans dem neulich schon erwähnten Grunde, weil sie der Sache der Arbeiter mehr schaden als nützen, sonderil hauptsächlich, weil sie Gewalt- thätigkeiten gegen Menschen sind! Wir müssen aber energisch dagegen Verivahrung einlegen, daß gerade die Gesellschaftsschichten, in denen die Duelle zu Hause sind und wo mail für prügelnde Beamte äußerst milde Strafen und talisend Entschiildiguugsgründe übrig hat, berechtigt wären, sich besonders über die geringfügigen Rohheiten aufzuregen. die bei Streiks vorfallen. Man muß doch die näheren Umstände solcher Fälle beriich sichtigen: häufig sind die Thäter junge Burschen, die sich noch nicht die nölhige Charakterbildung angeeignet haben, um sich in der Anfregling stets zügeln zu können; den meisten Arbeitern aber, auch den älteren, fehlt dank nn- serem ganz vormärzlichen Volksschulwesen die formelle Bildung, kraft deren sie im stände sein würden, die Ausbrüche ihres Unwillens so zu dampfen, daß die verwöhnten Ohren der besitzenden Schichten keinen Anstoß daran nehmen könnten. Dieses Entsetzen über die rauheren Lebensformen, in denen sich bei Arbeitern der Meinnngsaustansch vollzieht, ist eine ganz besondere Schwäche, der die herrschende Bnreankratie auch da zu verfallen pflegt, wo sie wirklich unparteiisch den Arbeitern gegenüberzustehen glaubt. Mit zunehmender Bil- dung wird sich von selbst größere Formgewandtheit unter den Arbeitern verbreiten, und wir wünschen dies schon deshalb, ,veil es den Verkehr unter den Menscheil erleichtert. Im übrigen ist es für einen, der von Kindheit an darauf erzogen worden ist, weder eine Kuiist noch ein Ver- dienst, sich so auszudrücken, daß er nicht dem Strafgesetz verfällt. Einen sittlichen Werth dagegen hat die geschniegelte Höflichkeit absolut nicht; es kann sich in ihr zehnmal mehr gehässige Gesinnung, es kann sich die bösartigste Drohung und die entschiedenste Absicht, die Freiheit des anderen zu beein- trächtigen, ebenso offenkundig darin aussprechen, als in den derben Worten eines Arbeiters oder em paar gelegentlichen Püffen. Wie wir schon neulich aliseinandersctzten, giebt es eine große Menge von Handlungen, die weder Gcivaltthätigkeiten noch grobe Worte sind, und gegen die das Gesetz doch strenge Strafen verhängt, weil sie einen, wenn auch in der Form ganz korrekten Zwang zur Koalition enthalten. Ueber diesen Zwang entrüsten sich nun die kapitalisti- scheu Freiheitsfreunde so grenzenlos, daß ihnem die bisherige» Strafgesetze nicht genügen, freilich blos wenn er von koalirten Arbeitern gegen nicht koalirte geübt wird. Daß sie selber gegen ihre Arbeiter, koalirte und nicht koalirte, fortwährend den ärgsten Zwang ausüben, finden sie ganz in der Ordnung. Sie halten es für ihr natürliches Recht, ihrem Arbeiter vorzuschreiben, wie er wählen, wie er seilte freie Zeit zuzubringen, welche Zeitung er lesen solle, und scheuen sich nicht, zu drohen, daß sie jeden brotlos machen würden, der ihnen darin zuwiderhandelt. Sie gründen sogenannte Arbeitsnachweise, hauptsächlich zu dem Zwecke, den Zivang gegen ihre Arbeiter recht wirkungsvoll auszuüben. Der Arbeitsnachweis der Metallindustriellen in Berlin verweigert jedem Arbeiter den Scbein, der von einem Orte kommt, Ivo gestreikt wird oder gegen dessen Anstellung seine früheren Brotherren Widerspruch erhoben haben; aber er lehnt jede Prüfung darüber ab, ob dieser Einspruch selbst von ihrem nnduldsamen Standpunkte aus berechtigt war oder nicht. So ist jeder auf Gnade und Un- gnade abhängig von seinem früheren Prinzipal, und selbst wer dnrch irrige oder gar verlellmderische Angaben auf die schwarze Liste gekomnieil ist, hat keinerlei Rechtsmittel gegen die Aussperrung. Als kürzlich einer der Streikbrecher des Formerstreiks einige Ohrseigen bekommeil halte, drohte der- selbe Arbeitsnachweis, keinem der in derselben Werkstatt be- schäftigten Leute wieder einen Schein zu geben, iveitn nicht einer unter ihnen den Thäter verricthe; dabei hatte der Ver- letzte selbst nicht einmal Strafantrag gestellt. Die Nnternehmerkoalltioilen gehen aber mit solchen Zwangs- Nlitteln nicht nur gegen die Arbeiter, sondern auch gegen ihre eigenen Unternehmerkollegen vor. Die Mitglieder der Unter- nehmerverbände müssen sich bei hoher Konventionalstrafe ver- pflichten, keinen Arbeiter, der aus der schwarzen Liste steht, anzunehmen, und ihn auf Verlangen sofort zu entlassen, wenn es doch geschehen sein sollte. Die Gesetzesbestimmung, daß solche Verabredllngen nicht klagbar seien, wird durch Hinterlegung von Wechseln umgangen; wird ein solcher Wechsel weiter gegeben, so ist der Einwand, der Wechsel habe eilie nicht klagbare Verpflichtung decken sollen, ausgeschlossen Dadurch üben die Unternehmer ans jeden der Ihrigen einen stärkeren Zwang ans, als wenn ein Arbeiter einen andern mit Prügeln bedroht, falls er vom Streik abfällt. Das ist auch der Grund, weshalb der ß 153 der Gewerbe-Ordnnng in der Praxis so gut wie ausschließlich gegendie Arbeiter wirkt. Die Unternehmer haben es nicht nöthig, mit ausdrücklichen Worten zu drohen. Die zarte Aufforderung, den und den binnen 14 Tagen zu eutlassen, enthält ohne weiteres einen deutlichen Hinweis ans den dcponirten Wechsel und aus alles, was daraus folgen kann. Der Zwang wird erreicht, und der Verstoß gegen das Strafgesetz ist vermieden. Dabei kommt es den Arbeitgebern noch zu gute, daß ihre kleine Zahl viel leichter zu vereinigen ist, als die in vielen Werkstätten und Wohnungen verstreute Masse von Arbeitern. Ans allen diesen Gründen sind die Koalitionen der Arbeitgeber gerade so fest wie die der Arbeiter, lind sie be- schränken die Freiheit anderer, Arbeiter sowohl als Kapitaliste», in viel stärkerem Maße, als diese. Daß trotzdem die Unter- nehmerklasse sich vor Entrüstung nicht lassen kann, wenn die Arbeiter dieselbe Solidarität beweiseil, die bei ihr so stark entwickelt ist, kann uns nicht weiter wundern,»ach den Proben, die diese Kreise täglich von ihrem Gerechtigkeitsgefühl und ihrer Einsicht in die Lehren der Geschichte und Oekonomic geben. Befremdlicher aber ist es, daß auch andere Leute in das- selbe Horn stoßen, von denen man annehmen mühte, daß sie den Kapitalistenintcrcssen als solchen fern stehen. Am wenigsten ziemt es uuierer Meinung nach de» Beamten, bei denen von Jugend ans der Korpsgeist im höchsten Grade ausgebildet wird, und deren ganzes Leben unter eiueni zwingenden Ein- flusse steht, sich zu entrüsten, wen» Arbeiter in den Formen, die ihren Lebcnsverkältnissen entsprechen, den gleichen Korpsgeist belhätigeu. Der Verruf, den einem Offizier droht, falls er die Standcsintereffen verletzt, ist für ihn nngleich ruinöser, als wenn ein Arbeiter von seinen Kollegen„Streikbrecher" genannt wird, und kein Mensch findet in dem ungehenreil moralischen Zivange, den dabei die Gesamintheit ans den einzelnen aus- übt, etwas Anstößiges. Diese Kreise der Beamten und Offiziere haben denn auch volles Verständniß für die Unternehmerkoaliti oncn gegen Arbeiter. Beim Bierboykott begeisterten sie sich förmlich für das Schnltheiß-Bier, und man konnte von ihnen genug verächtliche Worte gegen die Verräther hören, deren Bier damals nicht geboykotlet war. Ja beim Hafenarbeiter- Streik in Hamburg wurden die Unternehmer von allerhöchster Stelle aus aus- gerufen zuni Zusammenschlüsse gegen die Arbeiter. Weiln aber Arbeiter denselben Appell an die Standesehre ihrer Kollegen ertönen lassen, dann ist das nach Z 153 der Gewerbe-Ordnnng strafbar, und der Staatssekretär Posadowsky fühlt sich berufen, zum Schutze der gefährdeten Freiheil und Sitte in die Schranken zu treten. Moralisch liegt die Sache ganz einfach: Wer sich von den Genossen seines Berufs bei der Vertretung der gemeinsamen wirlhschaftlichen oder sittlichen Interessen trennt, ist ihnen von vornherein immer im Unrecht. Nnr durch den ächweis, daß ihn eine tiefere sittliche, völlig uneigennützige Uebcrzeugling, daß ihn eine höher stehende Pflicht gezwungen habe, bei seite zu treten, kann er fich von dem auhängendcil Makel reinigen. Bei den Streikbrechern ist das im allgemeinen nicht der Fall; die Rücksicht auf die„hungernde Familie" giebt ihnen so wenig ein Recht, ihre Klassenpflicht zu ver- nachlässigen, wie sie jemanden berechtigt, Wechsel zu fälschen, höchstens ist sie ein Milderungsnioinent. Wer aber den Genossen in den Rücken fällt, um für sich auf Kosten der energischen»nd opferwilligen Elemente be sondere Vortheile einzuheimsen, der ist ein Ehrloser und ver- fällt mit recht der allgemeinen Verachtung. Das wird in jedem Berufe anerkannt, warum soll eS bei den Arbeireru nicht gelten?— In wirthschaftlicher Hinsicht kommt aber noch dazu, daß die Koalition für den Arbeiter überhaupt die einzige Form ist, in der er seine Einzelinteressen kräftig vertreten und sich und seine Klasse hebe» kann. Deshalb müßte bei den meisten der kleinen Ausschreitungen, die bei solchen Gelegenheiten vorkomme», ein Straf- milderungsgrund darin gesehen werden, daß der Thäter die allgemeinen Interessen vertrat, der verletzte Streik- brecber aber die Standesinteressen und die Standesehre gröb- lich verletzte. Aus diesem Grunde muß ein getundcs Rechts- und Ehrgefühl nicht nur die von den Unternehmern geplanten neuen Knebelgesetze ablehnen, sondern auch unserer Forderiing beistimmen, daß§ 153 der Gewerbe-Ordnung ganz aufzuheben ist. Zur Bekämpfung wirklicher Rohheiten sind die all- gemeinen Strafgesetze mehr iwie ausreichend, und der Para- graph wirkt nur als Ausnahmegesetz gegen anständige G e s i l, n u n g. Polttifchv Mvbeefichk. Berlin, 2. Februar. Die konservative Partei hat nun in Dresden getagt, sie hat von sich viel Schönes erzählt, so z. B. daß sie Thron und Altar stütze, daß sie das einzige Bollwerk gegen die Sozial. demokratie sei. Wieder wurde erklärt, daß die Sozialdemokratie kein Recht an der Gesetzgebung habe. Die Abkehr von der Sozialpolitik wurde der Wahlen wegen ein wenig, wenn auch recht ungeschickt verhüllt. Ganz vorsichtig wurde gewarnt vor kleinen Parteibildungen, wobei man wohl an die um Lieber- mann und Plötz denken darf. Aber die Hanptsache war vom ersten Worte der Eröffnungsrede der komischen Figur des Hofrathes Mehnert bis zur Abstinimung der letzten Resolution: der Kampf gegen die Sozialdemokratie und zwar der Kampf mit allen Mitteln, selbst mit denen der Lüge, Ver- leumdung und Verdächtigung. Die Wahlparole der Konservativen ist nun gegeben:„Der Kampf gegen die Sozialdemokratie". In dieser Parole steckt mehr als der Kampf gegen eine tödtlich gehaßte Partei, in dieser Parole steckt der Kampf gegen die Volksfreiheit, gegeil die Rechtsgleichheit, gegen die politischen und wirth- schaftlichen Interessen der großen Massen, gegen die Städte; diese Parole enthält den Ruf nach Reaktion auf allen Ge- bieten des öffentlichen Lebens, nach Bereicherung der Groß- grnndbesitzer zum Schaden der Konsumenten, nach Arbeiter- lrutz, nach Schutz der Unternehmer gegen Arbeiterschntz und Arbeiterkoalitionen. Auch die Forderung der Verkirchlichnng der Schule, der Umkehr der Wissenschaft ist für die Konservativen in dem Rufe:„Nieder mit den Sozialdemo- kratcil!" mitenthalten. Und so muß dieser Schlachtruf für die großen Wahl. kämpfe dieses Jahres nicht blos den sozialdemokratischen Arbeiter, sondern jeden Proletarier und jeden Gegner der ilteaktion ans politischem, wirthschastlichem und geistigem Ge- biete aufrütteln. Es gilt uiehr als die Abwehr eines Angriffes ans unsere Partei, es gilt den Kampf gegen die egoistischesten und rücksichtslosesten Volksfeinde, gegen die Brotverthenerer, Junker und Mucker. Wenn das deutsche Volk sich klar wird über die Gefahren, die von dieser gemeingefährlichen Sippe drohen, dann wird der konservativen Partei bei den nächsten Wahlen das Schicksal bereitet, das sie verdient, dann holt sie sich trotz aller halb-, dreiviertel- und ganzamtlichcn Fördernng, trotz der volleil Kassen eine vernichtende Niederlage.— Die Unverschämtheit der Agrarier ist i» Deutschland sprich- wörtlich geivorven, aber sie verdient es auch. Es giebt kauni eine anmaßendere Menscheuklasse als diese biederen, kartoffelschnaps- brennenden„Bauern", die den Staat lediglich als milchende K»h belrnchte», um nichts iveiler besorgt sind, als sich Liebesgaben zu» schanzen und die übrigen Bevölkerimgsklassen sich dienstbar machen zu lassen.— Man höre. Die B r a n d e n b n r g i s ch e Land- >v i r t h s ch a f t s k a»>»l e r hielt jüngst in Berlin unter dem Vorsitz des Herrn von Arnim auf Güterberg ihre Jahresversanimlnng ab. Auch die Negierung und das Regiernngspräsidinm waren vertrete». A»S de» Berhandlunge» entnehmen wir eineni Bericht die folgenden MillKeilunge»: Bezüglich der Arbeiterfrage betonte der Vorsitzende die immer slürker hervortretende Noihwendigkeit, die russischen Arbeiter, die gar nicht zn entbehren seien, dauernd hier zu behalten. Andererseits wurde noch erinnert, daß die Herren der Regiernng über die ländliche Arbeiterfrage nngenügend nnterrichtel seien; empfohlen wurde die Gründung eines allgemeinen Arbeitgeber- Verbandes, dessen Mitglieder sich ver- pflichten, nur ordnungsmäßig entlassene Arbeiter einzustellen. Auch die Beseitigung der Freizügigkeit wurde als ein Mittel zur Hebung der Arbeiternoth bezeichnet. Scharf sprach man sich auch gegen den„ H u m a n i t ä t s d n s e l" in den Städte» aus. Dnrch die Wärmehallen und dergleichen würden die Leute geradezu nach den Slädten gelockt. Be- sondere Beschlüsse wurden nach dieser Richtung nicht ge- faßt. Ferner beschloß die Kanuner, bei der Staatsregicrnng zu beantragen, die aus Staatsmitteln bewilligte Unterstützung für Pferdezucht-Zwecke»in IV 000, die für Rindviehzucht um 12 000 M. und die für Schweinezucht-Zwecke lim bOOOM. zu erhöhen. Außerdem soll der Landwirthschasls- minister ersucht werde», für Förderung der Fischzucht 2500 M. zn bewilligen. Einfuhr russischer Arbeiter, Abschaffung der Freizügigkeit, Be» seitignng des„Hnmanitäledusels" und Erhöhung der bnare» Geld» unterstütznngen für die Agrarier— das ist die Politik dieser ur» deutschen Stützen von Thron und Altar.— Deutschland in Schautnug. Aus Shanghai meldet da? „Bureau Dalziel", China habe einer deutsch- chinesischen Aktien- Gesellschaft de» Bahnbau von K i a o t s ch a u nach T s i n a n f u. der Hauptstadt der Provinz Schantung, übertragen. Die Bergbau- rechte bis zil drei Meilen ans jeder Seite der Bahn würden den Dentschen gehören. Dies iilrrangement soll durch Austausch diplo- malischer Note» fixirt werden. Der chinesische Gonvernenr hat Rieh, den Kämmerer feiner Provinz, znm Begleiter des Prinzen Heinrich bestimmt. Di« bezeichnete» Eisenbahnkonzessione» sollen nach einer Meldung des„Bureau Reuter" aus Peking als Sühne für die Ermordung des Matrosen Schulze gelten. Un« China. England, so scheint es nach den heutigen Nachrichten, weicht vor Rnßlaild zurück. Die„Times" be- richten, die Forderung Englands auf die Eröffnung Talien- ivan's als Freihasen sei zurückgezogen«nd England habe nichts gegen die Anfnahme einer riissisch-dcntschen Anleihe von Ivo Millionen Rubel für China einzuwenden, da die Er- Bftltmtn des Fliedens dns willigste für England und seine Handelsiutevessen sei. Bcstärigcu sich diese Mittheil'.nigcn, so bedenien sie eine vollständige Niederlage der englischen Politik in Peking. Der Verzicht ans Talicuwa» als Freihafen erschien, wie die Ver- dältnisse sich nun einmal gestaltet habe», nicht allzu schlimm, da diese Forderung von England von Anfang an wohl Haupt- sachlich ans das Abhandclnlasscn berechnet war und England sich, mit der Thatsache abfinde» muß, daß Nord-China der rnsstschcn Macht völlig anheimfallen wird. Aber der Verzicht ans die Besorgung der neuen Anleihe würde weit mehr be- deuten, würde ein Zurückdrängen Englands und einen außer- ordentlichen Zuwachs des russischen Einflusses in ganz Ehina in sich schließen. Jedoch erscheint uns diese Aiilthcilnng der„Times', die ans einer Meldung ans Petersburg beruht, noch sehr unwahrscheinlich. Wir foimcu auch nicht recht glauben, daß Deutschland einen so panz außerordentlichen Machtznwachs Rußlands ohne jede Veranlassung und Dringlichkeit befördert haben sollte. Unterdessen richtet sich Rußland im nördlichen China baue-lich ein. Ans Petersburg wird berichtet, daß die chinesische Ost bahn mit dem russischen Eisenbahnnet; durch zwei Linien verbunden werden soll. Die erste Linie soll von der Station Onoil der Transbaikalbahn 440 Werst weit, die zivcitc von der Station Nicolskoje der llssnribahn 93 Werst weit bis an die Ostgrenze der Mandschurei führen. Andererseits bleibt es nicht ans, daß die Rnssenherrschaft nnangcnchm empfunden wird und Konflikte entstehen; so soll sich jetzt, wie dem„Standard" tclegraphirt wird, der Kaiser v 0 11 Korea geweigert haben, in der russischen Gesandtschaft Wohnung zn nehmen. Auch sei eine Ministerkrisis eingetreten; der Minister des Aeußern, der russische Neigungen hege, habe seine Entlassung genommen. Tie Tragweite dieser Angelegen- heit laßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Während Rußland so vordringt und seine Position am Stillen Ozean mächtig befestigt, hat England Mühe, seine bis- herige Stellung zn erhalten. Und in England selbst kommt eine sehr resignirte Stimmnug zum Ausdrucke. Pritchard Morgan, Mitglied deS Unterhauses, hat vor seinen Wählern in Aberdare Gedanken ausgesprochen, die wenn sie sich in England verbreiten, zn einer völligen Acndcrnng der englischen Politik gegenüber Rußland führen müßte», die aber jedenfalls zeigen, wie selbst in England die Meinung von der Unaushaltsamkcit des russischen Vormarsches um sich greift. Morgan sagte, indem er die Chinafrage und die türkische Frage in Verbindung brachte: „China sei groß genug für all«. Von einem hentzutagc glücklicherweise fast verschwundene» Borurtheil abgesihe», sei kein Grund vorhanden, der England hindere, die gegenwürlige Gelegen- heit, zu einem Einvernehmen mit Rußland z» gelange», z» be- nntzen. ES fei der Tag gekommen, die alte Opposition gegen die n a t n r l i ch i E» t w i ck e l» n g Rußlands nach der Seite von 5k o n st a n t i- »opel aufzngebe». Wenn England mit Rußland zn eincin Einvernehme» betreffend die Einflußsphären in China gelangen könne, würde die Frage betreffend ganz Asien leicht ge- löst sein nnd England Hölle siir de» Weltsrieden mehr gethan, nlö es irgend in anderer Richlnug ihn» kvunle. Dies sei eine Politik großer Staatsmänner. Die üssenlliche Meinung Englands sei icis für dleseS Einvernehme» nnd es erübrige»nr, daß die Regierung die Gelegenheit ergreise-» •• * Tonisches Reich. — Die U e b e r f e» d» n g von Liquidationen an die Gemeinden im ll e b e r s ch iv e m in n» g S g e b i e t seitens derjenige» Trnppenlheiie, die Kommandos zn AnfränmnngSarbeüen entsandt haben, ist in jüngster Zeit mehrfach in der Presse angesichls der Roihlage der Gemeinde» getadelt worden und auch i»> Ab- geordnetenhanse zum Gegenstand eines SlnlragcS gemacht worden. Demgegenüber ist einer offiziöse« BeschwichlignngSnoliz zufolge zn berücksichligen, daß die Slnsstellung der Liqnidalioncn znuächsi alz ein rein formeller Sitt anzusehen ist, der den seit einer silcihe von Jahren für die Gestellung mililärischcr KoinninndoS zur Hilfeleislnng bei Wasserknolh in SInwendnng befindlichen Grund- sähe» enispricht. Danach liegt, da dem Miliiärfielns besondere Mitlel dafür nicht zur Verfügung stehen, den Zivilbehörden, ans deren An- suchen militärische Hilfskommandos bei einlrclender WasserSnoth außerhalb der Garnison gestellt werden, die Zahlung der im Ver- gleich zur Garnisonverpftegnng enistehenden, im einzelnen genau norinirten Mehrkoste», soivie etivaigcr besonderer Liebenkosten ob. Die enlsprechendc» Liquidalioiie» sind demnach in den hier in be- tracht konnnende» Fällen den rcqnirircnde» Gemeinde» von den einzelnen Trnppeniheilen ordniiiigSgemäß zugestellt worbe». ES darf indessen als sicher angesehen werden, daß in de» Fällen, wo die Leistungsfähigkeit der Gemeiiide» zur tteberuahme der dmch die Requisitionen mililärischcr Hilfe verursachte» Koste» nicht ausreicht, die zur Beseitigung der Hochwasserschäden zn be- willigende» Mittel auch zur Deckung dieser Koste» werden herän- gezogen werden.— — Gegen die lex A r o n S wenden sich i» einer würdig gehaltenen Petition an daS Abgeordneleuhaiiß 41 ordenltiche Pro« lefloren aller Faknlläten der Berliner Universität. Die Profefloren wünsche» den bisherigen Zustand aufrecht erhallen zn sehen, wonach der Ansschlnß von der Lehrthäilgkeit weder von der betreffenden Fakultät noch von dem Minister allein verhängt werden kann, sondern nur bei NebereinstininiUiig beider möglich ist.„Neber- tragung der AuSschließmigsbefngiiiß auf den Disziplinnrhof und das StaaiSmiiiifleriiim schließt die Berlreinng der Wissenschaft bei solchen Vorgängen a»S und öffnet, wenn nicht der Gesinnungsverfolgiing selbst, so doch»lindeslens dem Anschein einer solchen die Thore." Unter den Unierzeichnern fehlt Virchow, während andererseiis der erzkonservalibe Professor Gierke unterzeichnet hat, obgleich er in einer kürzlich veröffenilichlen Erklärung bereit schien. ivenigstens de» kleinen Finger z» geben, wen» nur zur zweite» Instanz daS Ober- Verivallnngsgericht bestiinint würde. Bermnthlich hat ihn der Beifall der„Post", wovon wir berichlelen, von der Gefährlichkeit seines Vorschlags überzeugt.— — Ueber die öffentliche Ankündigung von Ge- h e i in>» i t t e ln erläßt da? preußische Miniflerliim deS Innern ein Rundschreiben zur Kenntniß der Polizeibehörden und Medizinal- beamlen, in dem darauf Hingewiese» wird, daß die Geheinniiiliel nicht in allen Provinze» gleichmäßig beanstandet werden. Ei» Heil- miitel soll von seiner Eigenschaft als Geheiimnittel»nr dann entkleidet iverde», ivemr bei der Ankündigung seine Bestandtheile und Gewichismengen gemeinverständlich zur Kenntniß gebracht werden, so daß sich der Laie selbst ein Urtheii über Werth oder Unwerih des Millels bilde» kaiin. Bezeichnnngen in lateinischer Sprach« sind als ausreichend nicht z» erachten.— — Nun kann Pastor Hülle froh sein. ES ist unerhört. schreib! Nanmann'S„Hilfe", wie sehr die Siaatsmaschine für die „Verhüllung" der wirkliche» politischen Lage arbeitet. Ans Hessen- Kastel erfayreii wir. daß dort im Kreis Wolshage» auf Kosten der Krelskasse Hülle'sche Bläiier an jedes Torf in gewiffer Anzahl gratis geliefert werden. Auf Kosten der KreiSkaffeZ— — Die evangelischen Arbeiterverein» haben in Sachsen vor längerer Zeit die KorporationSrechle erhallen, weil sie angeblich von der Behörde als unpolitische Vereinigungen angesehen werden. Nun habe» die unpolitischen evangelischen Arbeitervereine im Königreich Sachsen in aller Form ei» Reichs tagS-Wahlprogram», veröffentlicht, das den politischen Charakter außer Zweifel läßt. Stellt man dagegen die Haltung der Behörden gegen die Gewerk- schafie» in Vergleich, so iil der Unterschied in der Behandlung sofort ersichtlich. Der sächsische Bergarbeiter-Verband wurde seinerzeit ans- gelöst, weil er von der Behörde als politischer Verein angesehen wurde. ES ist aber diesem Verein ni« ein- gefalle», eine ausgesprochene politische Parteistellung einzu- nehmen, wie es in gleicher Weise von diesen evangelischen Arbeilervereiiien geschieht. Nu» ist ja i» Sachsen eine solche Ans- »ahinestelllnig der Behörden gegen die Vereine, die im Geruch sozialdemokralischer Gesiminng stehen,»ichis Neues, sie wiederholt sich fortgesetzt, aber es ist bezeichnend für unsere Nechtsznstände. daß solche Dinge, die in der krassesten Fori» die Rechlsungleichheit hervortreten lassen, i»n»er irngenirter ihr Wesen treibe» können.— — Ueber einen Soldaten-Exzeß wird der„Berliner Zig." aus Allensteiii i. Ostpr. berichtet: Ein Bahnarbeiter und dessen Fran wurde» ans der Gntistädter Straße von zwei Grena- Vieren überfalle» und ohne jede Veranlassnng mit dein Seitengewehr schwer verletzt. Die Soldaten griffen dann den ruhig seines Weges gehenden Schlächtergesellen Mallnk an und versetzten ihm mehrere Stiche. Auch ein Knusuian», der Mallnk zu Hilfe eilte, wurde von den beide» Soldaten mißhandelt, desgleichen die Schwester des Mallnk, die infolge eines heflige» Stoßes einen Bluistnrz erlitt. Die beiden Soldaten sind verhaftet worden. Homburg(Pfalz), 2. Februar. Bei der am 23. Januar indem 5. Pfälzer Wahlkreise(Homburg-Kusel) staltgehabten Reichstags- Stichwahl wurden nach anillicheo Feststellung insgesammt 16 711 Sliinme» abgegeben. Hiervon erhielie» Landwirth Johann Schmidl von Neichenbach(Vanernbund liberal) 836ö Stimmen, Karl Lücke. Landwirth in Palershansen(Bauernbund) 7346 Siimmen. Elfterer ist somit geivählt. AnS«ad n, l. Februar.(Eig. Ber.) Badischer Land- t a g. Durch summarisches Verfahre» gelang es. endlich am drillen Tag. immlich i» der gestrigen Abendsitzmig, die Debatte über die Petition der Friedciisgesellschasten zu beendigen. Von de» bei Beginn der Sitzung noch vorgemerkten 16 Rednern verzichtete» 12 auss Wort. Den Höhepunkt der Debatte bildete die ausgezeichnete Rede nnsercs Genosse» Drees dach, der mit außerordentlicher Präzision die schwächliche» Punkte der Petition von ihrem guten inneren Kern trennte und vor allem den prinzipielle» Standpunkt der Sozialdemokratie zur Friedensfrage Ilarlegle. DrceSbnch führte ans. seine Frenude seien der Ansicht, daß die Kriege theils dynnsiischen Ursprungs feie», namentlich aber i» diesem Jahrhundert auch wirih- schastliche» Interesse» entsprängen. Das werde so lange der Fall sein, alS die wirthschafilichen Gegensätze andauern. Deshalb stünden sie den ihnen syinpalhifchen Bestrebungen der Friedensvereiue etwas skeptisch gegenüber. Ent- gegen der'Ansicht Wlllum's sei er der'Ansicht, daß das fortwährende Rüste» schließlich einmal zum Krieg führen müsse. Man müsse ab- rüste», ivaS allerdings nicht von einem einzelne» Staat, sondern international geschehe» müsse. Zu de» ewige» Nüstnnge» geselle sich nun daS chauvinistische Treiben hüben wie drüben der Bogesen. Selbsiversiändlich sei der Geschlagene aufgeregier wie der Sieger. In unseren Kriegervereinev und der Press« werde forlgesctzt Chauvinismns geiriebe». Was die einzelnen im Bericht beanstandeten Stellen des Lese- ('«ch# angehe, so könne er dieselben zimächst nicht beanstande». Warum aber fehle der 66er Krieg im Lesebuch, der den ersten Anstoß z«r Einigung Denlschlauds gegeben habe. Sei cs geschehen, ivcil man damals keinen„Erbfeind" Halle! Wer sei denn damals der Erbfeind gewesen! Noiddeutschtaud oder Eüddeulschland? Auch fehle zum gtschichllichs» Ueberblick da# Jahr 1343. In den genannten beiden Jahren seien cben nicht die Fürilen die Helden, die wie her- gelaufene Abenlenrer dcpossedirt ivorde» seien. Man müsse die Ur fache der Kriege aiigcbeu, ihre Kosten an Eni und Blut, und daS Elend, daS sie gefordert habe». Der Abg. Rcichardt habe vom Klassenhaß der Sozialdemokratie gesprochen. Die Sozialdernokraiie kenne keinen Haß der Personen, sonder» nur des Sizsiems. Die Besitzenden dagegen haßten die ar- beilenden kklassen nnd niachlen immer wieder die, welche die Werths schaffen, z» ihren Arbeiissklavtli. Seine Partei sei eine Partei des Friedens, und wen» das Wort wahr geworden:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" dann würden auch keine Krieg« mehr gesübrt werde». Wen» Abg. Binz gesagt habe, jede# Volk habe die Regierung. die es verdiene, so sei ma» ja gerade jetzt i» Baden daran, es zu einer ander» Regierung zn bringen.» Wenn unsere seßhaflen Minister ans den ersten Hieb nicht gehen, so müsse»ia» das eben bestimmter wiederhole». Bis jetzt scheine ma» dem klare» Wort der Wahlen nicht viel Werth beizumessen»nd de» Wunsch deZ direkten Wahlrechts nicht gewähren zu wolle». Die dreitägig« Dedalie habe schon so viel gekostet, daß mau ein neues Volksschiil-Lesebuch einführen könnte.(Heiterkeit nnd Beifall.) Nachdem noch die Abgg. Wittum(»all.) gegen und Geißler(Z) und Pflüger(Freis.) für den bereits geiueldele» Ko»»nissio»sant>ag gesprochen halte», welcher die Pelilion der FriedenSsreund« der Regierung zur Kenninißnahme überweist, wurde der Antrag mit 23 gegen 28 Sliinme» angenommen.— Straßbnrg i. E., l. Februar. L a» d e S a n S s ch u ß. Ter UiileislaalKsctrrlär Echraut legt den»iil SSMillione» balanzirenden Eint vor. Auf Angriffe von Spieß und Winterer erklärt der Staalösekretär v Pnltkamer, der Ausdruck„ A u s n a h NI e g e s e tz e" iverde als Agilalionsmitlel geniißbrnucht. Die Unterdrncknug ziveier katholischer Bläiier sei der.chligt gervesen wegen der Schmähnugen gegen Kaiser Wilhelm I. Direkle Wahlen für den LaudcsaiiSschnß seien immöglich, aber ei» Preßgesetz werde dieser Tagung des LandesanSschusses bestimmt vorgelegt werde». Ei» Verbot der Verösfenllichung der CaiiisiuS Eucpciica sei niemals erfolgt.— Siraßbnrg, St. Januar. Vor der hiesigen Siraskanrnier fand eine Verhandlimg statt, die auf die gonvernemeniale WahllhKiigkeii einiges Licht warf. Die„Franks. Zig."(die elsaß-loihririgische» Blätter dürfe» über die Verhaiidlinig nicht berichten, weil es sich»i» eineu Preßprozeß Handell) berichtet über die Berhandlnng: Der klerikale „Elsässcr" verösscnllichte vor einiger Zeit einen Sprechsaal-Arlikel, wonach der Kreisdireklor Pencer von Ersici» in, Jahr« 1393 die Bürgernieifier des Kreises durch Zirkular angewiesen habe, ihre säinintliche» Forinularc von dein Verleger des Erneiner Kreis- blattes Görtzen zn beziehen. Mitte 1336 habe der Kreisdirekior durch ei» Rnndschreibeii den Bürgernieisiern nahegelegt, die Formulare nicht mehr von Görtzen zu entuehmen, da er von jetzt ab selbst Formnlare drucken lasse» würde. Der „Elsässer" bezeichnete daS Borgehen Pencer's als ungesetzlich nnd bemerkie, man erzähle sich Verschiede»«? über die Vorgeschichte der Liefernngsentziehnng. Pencer fühlte sich durch de» Artikel beleidigt nnd erhob Eirafanlrag. In der Verhandlung be- kündete Göryen als Zeuge unter Eid, daß er sich die Gunst des Krcisdireklors durch nachfolgende» Vorfall verscherzt habe. Gelegent- lich der ReichslagSwahl von 1333, bei der in Erstein der gouverne- mentale Baron Zorn v. Bulach, de�ß Prolestler Dr. Siefferinann und der Sozialist Böhl« kandidirten, habe der Kreisdirekior ihm mit- geiheilt, er brauche gegen 1260 erkennbare Wahlzettel. Pencer habe ihm den Vorschlag gemacht, die Biichsiaben auf den Wahl- setiel» mit schärferen Kanlen zn versehen, damit die Zettel auf der Stück- est« durch Anfühlen erkennbar feie». Er habe diesen Vor- schlag ans technischen Gründen für undurchführbar erklärt. Daraus haben sie sich geeinigt, erkennbare Zettel von gelber Farbe herzustellen. Diese Zetlel seien im Fabrikort Hüttenhcii» verwendet worden. Ihr Zweck war, festzustellen, iv e r oz i a l i st i s ch wähle. DaS sozialistische Wahlkomilee focht die Wahl Zorn von Bulach'? mit Rücksicht auf die Verivendnng der gelbe» Wahlzettel an. Einig« Zeit nachher sei Pencer, der offenbar die Uiitersnchnng über de» Borfall zn führen hatte, bei ihm erschienen»nd Hab» ihm erklärt, nächster Tage werde der Polizeikommissar von Erstein in der Angelegenheit zn ihm lominen. Görtz»» solle aussagen, er habe gelbes Papier verwandt, weil er kein weißes mehr gehabt hatte. Die Sache mit de» gelben Wahlzetteln sei völlig harmlos. Kreisdireklor Pencer konnie diese Aussage mit Bestimmtheit nicht bestreiten. Er nieinie nur, sich zn erinnern, cr habe zu Görtz«» gesagt, er solle dem Polizeikoinniifsar die Wahrheit sage». Görtzen gab auch dem Polizeikommissar die Erklärung ab, er habe ans Mangel an iveißein Papier gelbe Mahlzeltel gedruckt. Ans Vorhalt bemerkte er heute, es thue ihm leid, die Wahrheit verletzt zu haben. Er habe sich durch de» Kreisdirektor, von dem er abhängig war, zu der»iiivahren Aussage bestimmen lassen. Das Urtheil wird nach Ablauf einer Woche gefällt werden.— — Chronik der MajestätSb»leid igungS-Prozesse. Wegen Majestälsbeleidigung verurtheilte die Strafkammer in Waldenburg den Schlepper Paul Prietzel anS Neu-Salzbrunn zu drei Monate» Gefängniß; der Staatsanwalt halte das doppelle Strafmaß beantragt, obwohl durch die Verhandlung erwiese» wurde, daß der Augellagte bei Begehung der aiigeblichen Straflhat sinnlos betrunken war. Oesterreich. — Ueber die Situation in Oesterreich»riheilt die Wiener„Arbeiler-Zeilung" folgendermaßen:„Das Charakte- ristische des nun fast ein Jahr in sesselloser Wnlh dahin« tobenden nationalen Knmpses ist die»»geheuerliche Uebertreibmigs- sucht, womit hier alle Vorfälle, die sich national balbivegs ans- beuten lassen, dargcsiellt werden. Wenn ein paar SIndenlen am Prager Graben mit ihren Kappen bninmel», ist das eine Kalasirophe für das ezechische Volk? Verbietet man ihne» die Kappe», so ist das ein Beiveis, wie schmählich das deutsche Volk bedrückt wird. Ereignet sich irgendwo ei» Zank oder kommt es gar zn einer Rauferc!, so ist der nationale Slreilfall fertig, und m spalienlange» Telegrammen wird die Oessenilichkeit unterrichtet, was für Enisetzliches sich wieder zugetragen. So sind wir »NN glücklich an dein Punkte angelangt, daß die Kindersireiche der Sindenten ein polilischer Fallor geworden sind. Diese Eni- artuiig aller Dinge in Oesterreich zum Kleine», Lächerlichen, ja Abgeschwackien ist der hauptsächlichste Grund, warum ivir in nichts vorivärts kommen, sonder» i» dem Sumpfe der»atioualeii Verblendung verenden. Tie Politik ist in Oesterreich eine Sanunlnng von leeren nnd»ichligen Schlagworlen, in denen jeder Zinsatz einer ernsten Diskussion ersirckl wird, und die Stelle einer sachlichen Prüfung der Dinge, ivie sie anderswo geübt ivird, verlrill hier das blinde und bornirle nalionale Schlagwort. Kurz, es ist zum Erbarme», ivie du»»» nnd läppisäi die Dinge sind, mit denen man sich in Oesterreich feit Jahr und Tag beschäsligl; Dinge, die»»s zn dem China Europas machen." flrnnkreich. Paris, I. Februar. D« p» t i r l e n k a m in« r. Marine- bndget. Lockroy seht seine gestrige Siede fort, lrüisirt die Organisation der höheren Marineschule»nd behauptet, d ü viele Schiffe gar keinen mtliiärischen Werth haben, wovon cr sich zur Zeil seiner llieise nach Toulon überzeugt habe. Unter 46 Torpedo- boote», welche zur Veriheidiguug der Küste von Korsika»ich Algier beslimint sind, seien»nr 6 dienstbereit gewesen. Lockroy bespricht hierauf die zahlreiche» Kesselunsälle. Er schließt feine Rede mit einer Knlik des Flotten-Programms der Regierung und heb! hervor, daß die Schiffe im Mitlctmecrc nicht sähig seien, irgend einen Punkt der ilnlienischeii Küste auzugreise», im ganze» müsse die Marin« eine neue Richtung einschlagen.(Beifall auf der Linien.)— Paris, 2. Februar. Ter KriegSminister B ill o t nahm gestern Abend die Enlscheidimg des Untersuchuugs- Aueschuffes in der Angelegenheit Piequart entgegen, wird jedoch seine Em- schtießung hierüber erst»ach Beendigung deS Prozesses Zola bekannt geben, damit es nicht scheine, als od er den Spruch der Geschworenen beeinflussen wolle. In mililärischen Kreisen glaubt man, daß der Spruch des Unter- luchnngsausschnsses für Picqnart»»günstig anSgesallen ist n»d daß Biliol die Pensionirnng Picqnart's»achsuche» wird.— Der von Reinach gegen Rocheforl angestrengt- Berl«»»idU»gsprozest wurde heute unter denselben BorsichlSniaßregeln, wie sie am Uchte« Mittwoch im Jnstizpalaste getroffen waren, fortgesetzt.— lVclgie». Brüssel, l. Februar.(„Magdeburger Zeitung".) Minister- Präsident de Sinei de Naeyer wird den Vorsitz in der Zucker» konsercnz führen. Belgien, Holland. Denischland»nd Oesterreich- Ungarn werde» die völlige Abschaffung der Znckerprämien de- aulragen. Frankreich scheint der Abschaffung abgeneigt. Englands Haltung ist imsicher.— Tiincniark. Kopenhagen, I. Februar.„Berlingkke Tidende" denieniirt die Nachricht, daß die Knnbidainr des Prinzen Georg für den Gouver- nenrposte» in Kreta aus der Initiative der Königin von Dänemark, die der SVaiserin-Wittive von Rußland nnd der Prinzessin von Wales hiervon geschrieben haben sollie. herrühre. Italic». 9101«, I. Februar. Vo» de» BureanS der Kammer, die sich heule konstitnirt haben, wühlten sechs Bureaus opposilionell« Ab- geordneten und»nr drei ministerielle Abgeordneie zn Präsidenten. Auch bei der Wahl eines neuen Mitgliedes des Budgetansschnsses erhielt der Kandidat der Ltegierung nur 126 vo» 252 Eiiuu»«»; der Kandidat der Opposition erhielt 1VS Slimme», so daß also eine Stichwahl erforderlich ist. Demnach scheint es um das Kabinet, wie ja schon der Verlans der parlamenlarischen Kämpfe»ach Siekonstitmrmig desselben ver« »Nilhen ließ, sehr schlecht zn stehen.— Rom, I. Februar. In der Deputirtenkammer wurde heute die Beralhnng der Getreidezollsrage ohne beinerkenSwerihe Zwischenfälle sortgesetzt.— — Um 43 Pfennige per Kisogrannn ist der VroipreiS in der Provinz Venedig geftiege», ivorauf der Präsekt sofort die Bürgermeister der ganze» Provinz zusammenrief, um sie zn ersuchen, den Oclroi(Thorstener) aus Meht entiveder für immer oder doch vorübergehend ansznhebe», was dieselben jedoch„ans Finanz» gründen" als unmöglich erklärte», d. h. also darum, weil die öffent« tichen Lasten in Italien laut Gesetz ans de» Schütter» der armen Teufel laste» müsse» und darum nicht ans diejenigen der besser situirten Klasse» abgeladen werden lönneii.„Heilige Ordnung 1"— Spanien. Madrid, 1. Februar. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß das Kriegsschiff der Vereiuiglen Staaten„Maine" morgen Havana verlassen iverde.— Nnftlnnd. — Von der Arbeiterbewegung tn Petersburg. Seit dem Sommer des verflossenen Jahres haben in Petersburg keine größeren Streiks stattgefunden, es findet aber zwischen den Arbeilern und Unternehmer» ein unaufhörlicher Kleinkrieg statt. Bald weisen die Arbeiter der einen Fabrik»ach längeren Unter» redniigen, welche von einer Streikandrohung bcgleiiel werden, den Versuch dcs Fabrikanten zurück, den Arbeitstag um eine Stunde zu verlänger», bald gelingt es den Arbeitern einer andere» Fabrik mittels eines Streiks, ivelcher nur ein paar Stunde» dauert, eine Lohnerhöhung durchzusetzen u. s. w. Di« im Laufe des verflossenen Jahres unler de» Arbeitern vorgenommenen zahlreichen Ver- haslnngen habe» einerseits die Ardeiter gegen polilisehe Verfolgungen abgestumpft»nd andemseils, wie zu erwarten war, das Jnleresse derselben für die Politik gehoben, was darin zum Ausdruck kommt, daß die?l, beiler, »Itter denen früher ein Jniereffe fast nur für gewerkschasllielie Schriften vorhanden war. jetzt hanplsächlich politische Schrislen ver- langen. Das geheim» Zirkular des Ministers des Inner», durch welches eine schärfere Bekämpfung der Arbeiterbewegung angeordnet wurde, ist in der geheimen Druckerei„einer Gruppe revoliitionärer Arbeiter" i» zwei Auflagen hergestellt ivorde» und findet große Ver- breilniig unter den Petersburger Arbeiter», was zur weiteren Klärung ihres Berständnisses für die politischen Verhältnisse Ruß- lands führt. Im Dezember ist in Petersburg die zweite Nummer des BlalteS„Der Nibeitergedanke"(üsdotseli!»�» Mysl) erschienen. Diese Zeilnng nmd von Arbeitern verfaßt. Die AnsdrnckSiveise ist an nianchen Stellen des Blattes eine un- beholfene und ungehobelte, auch wird über Verhältnisse, welche sich der»»mittelbaren Beobachtung der Arbeiter entziehen, stellenweise eine naive Auffassung zum Ausdruck gebracht. Offenbar gehöre» die Herausgeber dieser Zeitung nicht zu de» am meisten vorgeschrittene» Arbeiter» von Petersburg. Immerhin ist das Blatt von einein scharf ausgeprägte» Klaffenbewußtsein getragen; die in demselben enthaltenen Mitlheilungen über die Zustände und die Stimmung der Arbeiter in verschiedenen Fabriken sind von großem Interesse. Jedenfalls legt das Erscheinen dieses BlatteS ein erfreu- liches Zengniß davon ab, daß die russischen Arbeiter sich'angewöhne», auch aus literarischem Wege ganz selbständig sür ihre Jntereffen«in- zntrete».— — In dem WilnaerMilitärgefängniß, in welchem auch die aus politischen Gründen Jnhaftirten untergebracht werden, übergab einer von diesen einem dienstthuenden Soldaten einen Zettel für einen seiner in Haft befindlichen Kameraden. Der Soldat brachte den Zettel zum dienstthuenden Offizier und dieser lieferte ihn den Gendarmen ei». Darauf wurde durch einen vor dem gesammten Regiment verlesenen Befehl bekannt gemacht, daß der betreffende Soldat„für Tapferkeit und seinen treuen Dienst dem Vaterland« gegen de» Feind mit 2 Rubeln belohntwordenistundcineErhöhungimDieuste bekommen wird". Den Soldaten, ivelche ins Gesängniß abgeordnet werden, wird nunmehr jedesmal bei der Belehrung über ihre Pflichten wahrend Ausübung ihres Wochendienstes eingeschärft, daß sie, wenn ihnen von einem Gefangenen ein Zettel gegeben wird, denselben i» Empfang nehmen und der Obrigkeit einliefern sollen. Außerdem ist eine Verfügung getroffen worden, daß jüdische Soldaten, soweit irgend möglich, nicht zum Wochendienft abgeordnet werden sollen, was darauf zurückzuführen ist, daß die meiste» der in Wllna inhaslirtcn Arbeiter Jude» sind. Bulgarien. Sofia, 2. Februar. Der bulgarische Agent Markow in Konstantinopel überreichte dem Großvezir eine Denkschrift über die Vorfälle, die sich seit November im Vilajet Ueskueb zugetragen haben. Tie Denkschrift betont, daß dS2 Verhaftungen von Bulgaren vorgenomme» wurde», darunter von S0 Lehrern und mehrere» Priestern, und macht, zum Detail übergehend, 33 Personen namhaft, welche gefoltert wurden und von denen siebe» infolge der Folter starben. Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt. Ein zehnjähriges Mädchen sei infolge einer Vergewaltigung verstorben. Ii» Arrest zu Kummanovo höre die Prügelei nicht auf. Die Denk- schrift erkennt daS Recht der Pforte an, Kompromittirte, bei denen Waffendepots vorgefunden wurden, zu verfolgen, erklärt jedoch, daß die Gewallthäligkeiten das bulgarische Volk in höchstem Grade auf- geregt und panikartige Flucht der Grenzbevölkerung nach Bulgarien veranlaßt hätten und die bulgarische lliegierung zwingen, zu inter» venire». Die Denkschrift veriveist auf das loyale friedliche Verhalte» der Bulgaren in der letzten Zeit und verlangt dringend das sofortige Aufhören der Bedrückung, die Einstellung der mili- tärischen Umzingelung der vergewaltigten Ortschaften, die Ueber- sührung aller Gefangenen nach Uesküb, eine gerecht« Prozeßführung und Absehung des Kaimakams und Balis von Palanka. Tie Denk- schrift fordert in sehr ernstem Tone die im beiderseitigen Interesse liegende» Beruhigungsmaßregeln. Tiirkek. Kouftautinopcl, l. Februar. Die Haltung Rußlands der Pforte gegenüber in der Frage der Kandidatur des Prinzen Georg ist unverändert. Oesterreich und Italien haben noch keinerlei Er- klärunge» abgegeben. Der englische Botschafter Cnrrie gab die Er- Ilärung ab, England stimme dem russischen Vorschlage zu.— Afrika. AnS dem Sudan. Den„Daily New»" wird aus Kairo ge- meldet: Nach de» letzten Berichten vom engltsch-egypiische» Heere räumen die Derwische Metemmeh und ziehen sich nach Omdurma» zurück, wo der Kbalif fortdauernd mit der Verstärkung der Be- festigungen beschäftigt ist.--_ A>ÄvlAmenkÄlvifches. Im Reichstage hat Abg. Singer denselben Antrag bezüglich der U n t e r b e a m l e n der Pvstverivaltnng, welcher in der Budget- komniisflon des Reichstages gestellt, aber abgelehnt worden war, zur zweiten Beralhung des Postetats wieder eingebracht.— Der Darteitag der konservative« Partei Dentschlands wurde heute Vormittag im Dresdener evangelischen Vereinshanse unter zahlreicher Betheilignng von Parteigenossen aus allen Theilen Deutschlands eröffnet. Ans der Eröffnungsrede des bekannten Dr. Mehnert heben wir die folgenden Stellen hervor: „Die konservative Partei wird von einem furchtbaren Sturm umtobt. Feinde riiigßui». Wir können mit Stolz sagen:„Viel Feind, viel Ehr, viel Pflichten!"(Bravo.) Unsere Gegner haben uns schon so nianchmal todtgesagt. Sie haben uns längst zum alten Eisen geworfen. Aber trotzdem wird die konservative Partei von allen Seiten aufs heftigste bekäinpst. Die Sozial- demokralen bekämpfen am heftigsten die konservative Partei, weil sie ganz gut wissen, daß diese Partei daS festeste Bollwerk gegen den Umsturz ist.(Ruf: Sehr richtig!) Die konservative Partei ist im losenden Meer« der Parteien der Fels, an dem sich die Wellen der dcmagogischen und demokratische» Brandung zerschellen werden.(Lebhaftes Bravo.) Wir sind nach wie vor die festeste» Stützen der Monarchie." Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete„Die allgemeine Stellung der Partei". Der Referent, Freiherr von M a n t« u f f e l, äußerte sich ungesähr folgendermaßen: Mit der freikonservativeii Partei werden wir nach wie vor in den meisten Fragen zu- sammengehen können. Die nationalliberale Partei hat zweifellos «ine Wandlnng nach rechts gemacht. Wir können das nur mit Freuden begrüben. Ich habe die Ueberzeugung, in den nächsten Reichstag werden nur diejenigen Natioiinlliberalen einziehen, die ans dem rechten Flügel ihrer Partei stehen. Ich gebe mich daher der Hoffnung hin, daß wir auf die Unterstützung der nationalliberalcn Partei in de» meisten wirthschaftlichen und nationalen Fragen rechnen können. Da? Zentrum ist bekanntlich im Reichstage die ausschlaggebende Partei. Ich habe leider wenig Hoffnung, daß es uns gelingen wird, mit der Zentrumspartei Hand in Hand zu gehen. Nicht in dein verschiedenen Glaube», sondern in dem Umstände, daß die demokratische Richtung in der Zentrnmsparlei immer mehr die Oberhand gewinnt, liege» die Trennniigspnnkte zwischen uns und der Zentrums- partei. Ich gebe allerdings die Hoffunng nicht auf, daß die katholische Wählerschaft es nicht weiter dulden wird, daß die Zenlriimspartei mit der Sozialdemokratie Hand in Hand geht. Unser Kampf gilt in erster Reihe der Sozialdemokratie. Die konservative Partei ist das festeste Bollwerk gegen die Sozialdeniokratie. Deshalb ist es unsere Pflicht, die konservative Partei möglichst zu stärken und so viel als möglich Bundesgenossen heranzuziehen, um die S o z i a l- d e ni o k r a t i e a n f T o d u n d L e b e n z u b e k ä ni p f e n und z n b e s i e g e n. Die Sozialdemokratie ist Gegnertii der christliche» Wellanschaniing, sie verhöhnt und verspottet all« Einrichtungen des Christenthums; die konservative Partei ist von jeher das festeste Bollwerk von Thron und Altar gewesen, daher ist sie auch in erster Reihe berufen, den Kampf gegen die Sozial- d e m o k r a t i e zu führen. Ich gestehe der Eozialdemo- kratie nicht daS Recht zu, an der Gesetzgebung t h e i l zu nehme».(Beifall.) Die Gesetzgebung hat den Zweck, den Staat zu erhalten, die Sozialdemokralie hat aber die anS- gesprochen- Absicht, den Staat zu stürzen und ein EhaoS zu schaffen. in dem man vielleicht gut im Trüben fische» kann, das aber dem deutschen Vaterlande, ja der ganzen Welt zum größten Verderben gereichen würde. Dein Parteitag wurden folgende Erklärungen unterbreitet: Punkt 1 der Tagesordnung: Allgemeine Stellung der Partei.„Der Parteitag erachtet es für geboten, daß gegenüber den sich jetzt viel- fach vordrängenden rein nialerialistischeii Bestrebungen die idealen Ziele unserer Partei kräftig betont werden. Eine Interessengruppe ist die konservative Partei niemals gewesen und kann sie meiiials werden. Die konservative Partei will erhallen, aber nicht alles, was ist, sondern nur, was gut ist. Sie will insonderheit, feststehend aus dein Boden des Christenthums und der Monarchie, die Wahrung der Autorität und die Herrschast von Gesetz und Ordnung. Sie will nicht Einschränkung, sondern Auf- rechterhaltnng der persönlichen Freiheit; sie will aber auch nicht Einschränkung, sondern Anfrechterhaltuiig der Kronrechte.— Dies Alles in Treue zu Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich und unter steter Wahrung der Selbständigkeit der Partei nach jeder Richtung." Zu demselben Gegenstande lag ferner folgende Resolution vor: „Der Parteitag schließt sich der nachstehenden, von dem Delegirten- tage am 19. November 1896 einstimmig gefaßten Resolution an: Der Delegirtentag der deutschen konservativen Partei stellt auch heute, wie es in dem Prograinm vom 3. Dezember 1392 geschehen ist, die Er- weckuiig, Erhaltung und Kräflignng der christlichen Lebensanschauung an die Spitze seiner Aufgaben. Er erachtet den Kampf gegen die Sozialdemokratie als eine Hauptaufgabe der Parteien und der Regierung. Dem verhetzenden Treiben gewerbsmäßiger Agitatoren, die jede göttliche und weltliche Autorität untergraben und die durch den Mißbrauch politischer Freiheilen auf Zerstörung der christlichen Gesinnung im Volke hinarbeiten, muß durch energische Handhabung staatlicher Machtmittel ein Ziel gesetzt werde». Der Delegirtentag hält es besonders für geboten, dem stetigen Vordringen der Sozial- dewokrati« gegenüber vor Parteizersplilternngen zu warnen. Die Vielheit kleiner Parteibildungen führt zur Ohnmacht gegenüber straff orgaiiisirten Parteien. Es ist darum zu erwarten, daß kein konservativer Mann eine neue Parteibildnng fördern werde, auch wenn diese angeblich ans konservativem Boden sich befindet oder Berührungspunkte mit dem konservativen Programm darbietet. Es muß vielmehr gefordert werden, daß Versuchen, iiene Parteien auf Koslen der konservativen Partei zu gründen, entschieden und kräftig entgegengearbeitet werde. Es ist unzulässig, daß ein Mitglied der konservativen Partei gleichzeitig einer anderen politischen Partei an- gehört." Punkt 2 der TageSerdniing:„Sozial- und WirthschaftSpolitil": „Tie konservative Partei wird stcls die Interessen der pro- dnktiven Stände einschließlich der Arbeiterschaft psiegen. Wir er- kennen an, daß Laiidwulhschast, Handwerk und Kleinhandel in der Gesetzgebung lange Jahre Inndnrch benachlheiligt worden sind. Wir fordern demgemäß, daß seitens der Partei nach wie vor alles aufgeboten werde, um die Lage dieser Klassen unseres Volkes zu verbessern. Es muß aber dabei betont werden, daß von einer innerhalb der Partei bestehenden Feindschaft gegen Industrie und Handel nicht die Rede sein, daß vielmeyr nur durch Gleich- berechtignng»nd Zusaniineiiwirten aller wirthschaftlichen Faktoren, zu denen auch der legitime Handel gehört, das Wohl des Vater- landcs gefördert werden kann. Den arbeitenden Klassen wird die deutsche konservative Partei»ach wie vor ihre besondere Für- sorge widmen. Einer einseitigen S o z i a I r e f o r in aber, die nur den Arbeilerinleressen dient, ohne ans die Lage der durch Gesetz- gebnng schon stark belasteten produktiven Stände Rücksicht zu nehmen, wird die konservative Partei st eis wider- st r e b e n. Enlschiedene Verwahrung muß dagegen eingelegt werden, daß die konservalive Partei»ine» Stillstand oder gar Rückschritt in der Sozialresorm herbeiführen wolle, sie wird im Gegeutheil ans einen planmäßigen Ausbau der Slrbeiterschutz-Gesetzgebnug und ans eine Verbesserung der Jnvalidiläls- und Altersversicherung»itt allen Kräften bewirken." Punkt 3 der Tagesordnung:„Rcichstagk-Wahlen". Der Partei- tag beschließt:„Bei den nächsten ReiehstagswaKleii ist überall alS vor ii ehm st es Ziel die Bekämpfung der Sozial- demokratie und ihrer Helfershelfer(??!) ins Aug« zu fassen. Ju den Wahlkreisen ist ein Zusammengehen der Ordnnngspnrteieii gegen die Sozialdemokratie unter voller gcgensnligcr Respektirung der Seldstäiidigkeil und des Besitzstandes der Parteien zu fördern. Wo dles nicht gelingt, ist auch i» bisher nicht konservativ vertretenen Wahlkreisen, soweit es angeht, die lstnsstelinng von eigenen Kandidaten zu empfehlen, damit bei den Slichivahlen der Einfluß unserer Partei in die Waagschale geworfen werden kann. Für die Stichwahlen gilt ebenfalls die Parole; gegen die Sozraldeniok raten! Wo mit diesen aber Parteien, die in politischer und wirlhschajllicher Beziehung mit der Sozialdemokratie gleich zu erachle» sind, in Konkurrenz siehe», ist die Entscheidung von Fall zu Fall vorbehalte». Bei der Ansslelliing von Kandidaten ist ans die lokalen Verhältnisse Rücksicht und deshalb schon jetzt Fühlung inil der Wählerschalt zu nehmen. Es ist zu wünsche», daß als"Kau- didalen auch Vertreter ans dem Handwerker- und Geiverbeftande, sowie ans dem Kreise des ländlichen Kleinbesihrs in Aussicht ge- nomiiicii werden. Vor allem aber ist auf die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Kandidaten zu sehen. Die konservative Presse »ainciillich durch Zuivendung von Inseraten und Abonnements zu fördern und zu unlerslützen. ist die Pflicht jedes Parteigcnoffcn, insonderheit der Partei-Orgnnisationen.— Es empfiehlt sich, bc- sondere Preßausschüffe bchnsS Förderung der Provinzialpresse zu bilden»nd diese Presse dnich geeignet« Artilel aus den Kreisen der Parteimitglieder zu unterstützen." Eine Privatdepesche ans Dresden nieldet nnS, daß s ä m m t- l i ch e Resolutionen angenommen wurden. In der gestern abgebaltenen Vorslandssitziing wurde Landtags- Abgeordneter Prof Dr. Jrmer aus Berlin in den Elfer-Ausschuß gen'nhlt.— Der Vorstand hat die oben mitgelheilten Resolutionen einstimmig genehmigt. »» Charakteristisch für die Achtung der Gesetze bei der Partei der Landräthe und Streber ist es, daß auch dieser Parteitag sich als eine flagrante Mißachtung des Z 3 des preußischen und des§ 24 des sächsischen Vereinsgcsetzes darstellt. Der uns vorliegende Bericht sagt darüber: Die konservalive» Provinzial-undLandesvereine von Oft- und Westpreußeii, der Provinz Sachsen, der Mark Braiideuburg, der Provinz Hannover, Bade», Württemberg, Meckleii- burg-Schwerin und Mecklenburg-Strelttz sind offiziell v er« treten.—_ Lvahlbrntegttng. Im lv. hannover'schen Wahlkreise stellt die Freisinnige Volkspartet den Hofbesitzer Ekel aus Bremen ans. Im 2. hannover'schen Reichstags- Wahlkreise wird nach dem„Haiinov. Cour." von den Nationalliberalen der bisherige Abg. Kruse wieder kandidiren. Die Konservativen deS Wahlkreise? Weimar haben als Kan- didaten für die kommende Reichstagswahl den Landes- Branddirektor Freiherrn von und zn Egloffftein in Aussicht genommen. DaS Agitatiouökomitce für de» Obmhei«(Regierungsbezirke Aachen, Koblenz, Köln und Trier sowie Fürstenthum Birken- selb) besteht nach seiner Neuwahl auS den Parteigenossen Ober» schmtdt. Buckendahl und Hofrichter tu Köln. Alle Briese sind zu adresfiren an Adolf Hofrichter. Et. Agatha 3; alle Gelder an Heinrich Buckendahl, DuffeSbach 2B, III. Die Arbeiter Rudolstadts in Thüringen beschlossen Be- theiligung an den S e m« i n v« w a h l e n. Ferner wurde in der betreffenden Versammlung, wo die Parteigenossen Redakteur Hof- mann und LandtagSabgeordneter A p e l t daZ Referat hatten. Protest erhoben gegen den von der schwarzburgischen Regierung dem Landtag vorgelegten Entwurf einer neuen Gemeindeordnung, der eine Verschlechterung des Wahlrechts der Arbeiter bedeutet. In dem Protest wird betont, daß eine Umsrage, die vor der Einbringung des Gesetzentwurfs bei sämmtlichen größeren Gemeinden vorgenommen wurde, das Ergebuiß gehabt hat, daß die Frage der Nothwendigkcit der Abänderung des Wahlrechts fast einstimmig verneint worden ist. Der Sozialdemokratische Verein i» Offenbach a. M. hat im Jahre 1897 einschließlich eines früheren Kassenbestandes 1998,47 M. eingenoinmen und 1437,83 M. ausgegeben; der Ueber- schliß betrug also ö60,S9 M. Die Zahl der Beiträge leistenden Mitglieder betrug am Jahresschluß 334, darunter befanden sich 53 Hilisarbeiter, Sö Schuhmacher, B1 Metallarbeiter, 39 Holzarbeiter, 32 Portefeniller, 2B Sattler, 15 Schriftsetzer, 14 Glaser, 10 Schmiede, 9 Former:c.:c. AnS der Schweiz wird uns geschrieben, daß zur Förderung der Arbeiterin nenbewegung daselbst Fran Klara Zetkin auS Stuttgart Anfang März in St. Gallen, Winterthur, Zürich und anderen Orten Vorträge hallen wird. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Den Weg zum Kerker angetreten hat am 31. Januar Re- daktenr Gewehr von der„Freien Presse" in Elberfeld, der wegen Beleidigung eines Unlerosfiziers in Lennep zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt ist, und am gleichen Tage der Parteigenosse Karl W i n d h o f f in Düsseldorf, der ebenfalls eine drei- monatige Freiheilsstrafe verbüken ninß, weil er durch einen Artikel in der„Niederrheinischen Volkslribüne" einen Düsseldorfer Fabri- kanten beleidigt hat. Mögen beide Parteigenossen die Hast gut überstehen! — Der Parteigenosse Bethge in Magdeburg ist am Dienstag vom Untersuchungsrichter wegen des Druckes der An- sichts- Postkarten vernommen worden. Er soll gegen die 8Z 6 und 19 des Preßgesetzes verstoßen haben.— GewvvKfttzÄfiltifxrs. Vcrlili»nd Uuigebnilg. Zu dem Pevlmuttarbcitrr-Stvcik bei Hinze, Schinkestr. 8/9, wird uns noch milgetheilt, daß auch hier die Polizei die von den Arbeitern ausgestellten Posten aus der Nähe der Fabrik vertreibt, wohl aber gestaltet sie, daß der Sohn des Fabrikanten sowie die Reisenden der Firma in der Schiukestraße ans und ab patrouilliren. Bei den vom Holzarbeiter- Verband angebahnten Verhandlungen miisite sogar ein Schutzmann am Komptoir die Wache halten. Die Schiihfabrikniite» beeilen sich, wie uns mitgetheilt wird. durchaus nicht, den vor dem E i n i g» n g s a IN t eingegangenen Ber- pflichtnngen nachzukommen. So sucht die Ballschuhfabrik von Max Hey, Rndersdorferstr. 55, durch Juserale Arbeiter-, wahrend sie die ausständigen Arbeiter nicht einstellt. Ebenso ist bei T e s ch n e r u. Lüderitz, Georgenkirchstr. 64, bis jetzt noch keiner der Ausstän- digen eingestellt worden. Im ganzen sind bis jetzt ca. 90'Arbeiter noch nicht wieder eingestelll, ausschließlich der 59 Arbeiter bei Ge- brüder Kall mann, Grüner Weg II, welche nach einer Erklärung des betreffenden Fabrikanten lvioiitaz, den 7. d. M., sämmtlich ein- gestellt werden sollen. Achtung, Vannrbcitcr? ES ist in der letzten Zeit öfter vor« gekommen, daß die Kollegen die Arbeit eingestellt haben, ohne vor« her de» Vertrauensmann in Kenntniß zn setzen. Dieses Verhalten hat theiliveise zn recht unliebsame» Weiterungen geführt. Ich weise deshalb nochmals darauf hin, daß bei Lohndifferenzen unverzüglich dem Ver-lr-aue»si»ann Millheilung zu machen ist. W. Noack, Lausitzer» straße 35, Vertrauensman». Tie Maurer lokaler Richlung nahmen am Sonntag eine Re« solnlion an, in der sie sich für Beibehailung bezw. Wiederwahl der Lohnkommission �»Ssprachen. Um die bisher unter der Letliiug der Lohnkommtssion gemachten Err-lmgeuschaflen nicht«lieber zu ver« lieren, sondern»ock mehr zu befestigen, haben in den zukünftigen öffentlichen Versammlungen all« Diskussionen über die Orgauisations« form zn unterbleibe». Polizeilich aufgelöst wurde die öffentliche Versammlung der Maurer, die gefleni bei Keller, Koppensirane 29, tagte. Nachdem die Abstimmung über die Art der Zusammensetzung der zukünftigen Lohnkoininission stattgefniideii Hai!« und die Neuwahl der» selben vvrgenonmnn werden sollte, erhob sich ein lebhafter Widerspruch ans der Versawinluiig, was den überwachenden Be» amteii veranlaßle, dieselbe nnfzulöse». Die Versammlung war von ca. 2000 Personen besucht und bereits beim Eintritt in die Tages- ordnnng polizeilich abgesperrt. Dvpfcrmeistcr Havcnstel» theilt uns in einem längeren Schreiben mit, daß unsere Notiz bezüglich der Tar-Ifstreiligkeiten in seinem Geschäft den Tbalsache» durchaus nicht entspreche. Vielmehr hätten die 12 Töpfer durch Unterschrift die Akknrdpreise, die er zu zahlen beabsichtigt«, anerkannt. Eist am Soniiabend, als entlohnt wurde, sei er wegen Zulage von seine» Arbeitern bedrängt worden. Unter anderem hebt H. noch hervor, daß er ein Recht zur sofortigen Entlassung der Töpfer gehabt habe, indem diese sich nicht allein verpflichiet hatten, für den von ibiii aufgestellten Tarif zn arbeiten, sondern auch nicht zu bummeln und— nicht zn pumpe». Er habe seruer«»genommen, daß die bei ihm be« schästiglen Töpfer statt aus dem Bau zu verHandel», lieber ins Lok«! zu Gleinert gehen würden, und habe deshalb eine» Zettel bei dem letzteren hinter-lassen. Hierzu wird»mS von belheiligter Seite geschrieben: Es ist geradezu«rstannlich, mit welcher Eleganz H a v e n st e i n die ganze Sache ans den Kopf stellt. Als ich nebst mehreren Kollegen wegen der Preise mit H. Rücksprache nahm, erklärte er:„Ich zahle den jetzt üblichen Mcistertarif." Daraufhin nahmen alle Töpfer an, daß der Tarif gemeint sei, der leider größtentheils zum Schaden der Gesellen gezahlt wird und S— 10 pCt. unter dem 36cr Lohutarif der Töpfer deträgt. Es ist rniivahr, daß die Töpfer sich durch Unter- schrist verpflichtet hallen, sür den von Haveustein ausgestellten Tarif zu arbeiten, der eine weitere unerhörte Preisreduzirniig enthielt. Was H. sonst noch in feinem Schreiben faselt, von dem„in der Kneipe sitzen",„pumpen", bummelii, und sonstige schöne Dinge, so ist darüberMkein Wort zu verlieren. Nur sei bemerkt, daß er es gerade ist, der seine Leute, wie er selbst erklärt hat, nur in dem Lokal von Gleinert einstellt, weil, wie er angicbt. er in einem herrschastlichen Hanse wohne.(!) UebrtgenS sei bemerkt, daß durch das Vorgehen der Kollegen Herr Haveustein gezwungen wurde, von seinen rigorosen Lohnkürzungen Abstand zu nehmen und jetzt nach einem Tarif, ber nur 10 pCt. Abzug bedeutet, zahlt. Das Vorgehen der Gesellen hat somit doch etwas Gutes für sich, Karl M a n t h e. Deutsches Reich. Gegen die Angriffe der RcichSregierung auf daS Koalitionsrecht nahmen die Arbeiter von Hamburg und Altona in fünf öffentlichen Versaminlungeii Stellung. Die Kiind- gebung war eine äußerst imposante und wurde in allen Ver- sammlungen eine Protestresolution angenommen, in der die Arbeiter in eiitschiedeiier Weise das Recht der Koalition fordern und die Stellung des Staatssekretärs v. Posadowsky zu der Angelegenheit als eine Parteinahme für die Uiiternehmerklasse bezeichnet wird. Ter Textilarbeiter-Vcrband weist in seiner Abrechnung vom dritten Quartal 1897 eine Einnahme von 14 872,77 M. ans, der eine Ausgabe von 15 498,37 M. gegenüberstand. Unter den Ans- gaben befinden fich u. n. 4321, 10 M. sür Streikunterstützung, 2512,98 M. sür Gemaßregelten- und Reise- Unterstützung und 7359,90 M. sür die Fachzeitung. Die Mitgliederzahl beträgt 19 543. Bei der GetocrdcgerichtS-Wahl in Krefeld erhielt die sozialdemokratisch« Liste 1947 Elimmen, die Gegner 1541. ES hat also auch hier der Hochdruck, mit dem gegen die Sozialdemokralen gearbeitet wurde, nichts genützt. In Lambrecht(Pfalz) wurden die von unseren Gewerkschaste» aukaestelllen Kandidaten mit großer Majorität gewählt. Weg«, angeblicher Beleidigung eines Arbeitswilligen wurde» vom Lübecker Schöffengericht ei» Arbeiter zu 2 Monaten, ein anderer zu 2 Wochen Gefängniß verurtheilt. Eine Konferenz der Korbmacher tagte am 30. Januar in Magdeburg. Vertreten waren die Orte Berlin, Bernburg, Düben, Großenhain. Geesthacht, Hamburg, Miihlberg, Wittenberg, Zeitz. �Zrveck der Konferenz war: Stellungnahme zu der letzten Submission der Geschvßkvrbe. Da in vielen Orte» in den letzte» Jahren ein Eiuken der Arbeitspreise zu beobachte» war, drehte sich die Be- rathung vorwiegend um die Lohnsrage. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, bei einer neunstündigen Arbeitszeit den Minimal- preis pro Geschoßkorb ans 4 Marl festzuhalten, und soll die Maximalleistung auf 10 Körbe pro Woche bemessen werden. Ferner verlangte die Konferenz Abschaffung der Theilarbeit. Zum Schluß wurde von der Konserenz der vergebliche Versuch gemacht, die Berliner Lokalorganisation zu bewegen, sich zu gunsten der Zentral- vrgauffation aufzulösen. SS« Steinarbeiter in S u l z f e l d(Baden) haben am Montag die Arbeit eingestellt. Die Sandsteinbrüche in der Umgegend von Snlzfeld gehöre» dem Freiherrn v. Zöller, der durch Pachtverträge mit Zwischenunternehmern die Ausbeute betreibt. Unter diesem Systein ist die Arbeitszeit bis ans 13 und 14 Stunden täglich ge- stiege» und der Loh» erreichte nur in Ausnahmefälle» die Höh« von drei Mark. Im vorigen Jahre schloffen sich die Arbeiter dem Steinarbeiter-Berband an, um einige Ausbesserungen im Beruf zu erzielen. Das war natürlich den Unternehmern nicht .gerade sehr willkommen, und flugs kamen sie herbei, in ihrer Organisation zu beschließen, die Vertrauensleute der Organi- Ration der Arbeiter zu entlassen, sowie überhaupt den Austritt aus dem Verband von allen Arbeitern zu forder». Dagegen lehnte» sich die Arbeiter auf und verlangten nunmehr lOstüudige Arbeitszeit, 42 Pf. Stundenlohn, 14Iägige» Zahltag, Erstellung von Arbeits- buden zum Schutze gegen Regen. Schnee und Wind, Erstellung von Eßbaracken, Anerkennung der Organisation, Wiedereinstellung der Gemaßregelten und Errichtung eines Einigungsamts zwischen den Arbeilern und Unternehmern. Der Geschäftsleiter des Verbandes versuchte eine Einigung herbeizuführen, die aber scheiterte, woraus die Arbeit« in den Ausstand eingetreten sind. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Ausland. Heber den Weberstreik in Jwanowo- WoSncffenSk(in Zentralrußland) schreibt man uns: Seit Beginn d. I. stehen sainrntliche Webereien von Iwan owo-Wos» essen sk still. Die Streikenden, deren Zahl sich aus viele Taufende beläuft, legten deshalb die Arbeit nieder, tveil die Fabrikanten die Feiertage zweier Heiligen, die in jener Gegend stets durch Arbeitsruhe begange» worden sind, abschaffen wollen. Das viele Militär, was in den Streikorten zusammengezogen ist, hat bisher keine Gelegenheit gehabt, einzuschreiten. Ans London berichtet die„A. K." über den nunmehr be- endeten A u s st a n d der M a s ch in e» b a»« A r b e i t e r: Die Wiederaufnahme der Arbeit ist am Montag im ganze» Lande ohne jegliche Reibungen erfolgt. Die Zluordnung des Verbandes der Fabrikanten, einstweilen nur 26 pEt. der Ausständigen anzustellen, ist vielfach von seinen eigenen Mitgliedern mißachtet worden. Ter Verband will auch nicht darauf bestehen. Schon Ende der laufenden Woche dürfte» drei Viertel der feiernde» Gewerkvereinlcr wieder in Lohn und Brot sein.— Der Ctyde-Distrikl hatte zwar mit über- wältigender Mehrheit gegen die Annahme der Bedingungen der Fabrikanten gestimmt. Dennoch fanden sich auf den große» Schiffs- dauhäfen die Arbeiter ein, um die Arbeit wieder zu beginnen. Soztolos. Ergebnisse des Jnvaliditätö- und AlterSversicherniigs- Gesetzes. Nach der im Reichs-VersicherungSanit angeferligien Zusammenstellung, die ans den Mittheilungen der Borslände der JnvaliditätS- und Altersversicherungs-Anstalten und der zugelassene» ZIasseneinrichtnngen beruht, betrug die Zahl der seit dem Inkrafttreten beS Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Gesetzes von den 31 Ver- stchernngsanstalten und von de» 9 vorhandenen Kasseneinrichtunge» bewilligten Invalidenrente» bis zum 31. Dezember 1896 221115, bis zun, 31. März 1897 238 531, bis zum 30. Juni 1697 268 742, bis zum 30. September 1897 277 859 und bis zum 31. Dezember 1897 296 452; davon sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechtigten, Wiedererlangung der Eriverbs- sähigkeik, Bezuges von Unfallrente» oder ans anderen Gründen weggefallen: bis zum 31. Dezember 1896 59 445, bis zum 31. März 1897 65 899, bis zum 30. Juni 1897 72 307, bis zun» 30. September 1897?9 005 und bis zum 31. Dezeniber 1897 85 593, so daß am 1. Januar 1897 161670, am 1. April 1897 172 632, am 1. Juli 1897 185 985, am 1. Oktober 1897 198 854 und am 1. Januar 1898 210 859 Invalidenrente« liefe». Die Zahl der bewilligten Altersrenten betrug bis zum 31. Dezember 1896 296 705, bis zum 31. März 1897 301 945. bis zum 80. Juni 1897 307 437, bis zum 30. September 1397 312 708 und bis zun, 31. Dezember 1897 318 409; davon sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechtigten oder aus andere» Gründen weggefallen bis zum 31. Dezember 1896 91 750, bis zum 31. März 1897 97 747, bis zum 30. Juni 1397 103 828, bis zum 30. September 1897 108 798 und bis zum 31. Dezember 1897 114 765, so daß am 1. Januar 1897 203 955, am 1. April 1897 204198, am I.Juli 1397 203 659, am 1. Oktober 1897 203 910 und am 1. Januar 1893 203 644 Altersrenten liefe». Beitragser statt» nge» sind bewilligt bis zum 31. De- zember 1896 an weibliche Versicherte, die in die Ehe getreten sind, 71 663 und an die Hinterbliebenen von Versicherten 13 952, zn- kämmen 90 615, bis zum 31. März 1897 92 706 und 24 540, zusammen 117 246, bis zum 30. Juni 1897 117 621 und 80 560. zusammen 148 181, bis zum 30. September 1897 140 972 und 36 253, zusammen 177 225 und bis zum 31. Dezember 1897 171 392 und 41 591, zusammen 212 983 BeitragSerstaltungen. Hiernach ist in der Zahl der laufende» Invalidenrente», die seit dem 1. Januar 1398 zum ersten Mal die Zahl der laufende» Altersgrenze überschritten habe», während des Jahres 1897 eine ziemlich gleichmäßige erhebliche Steigerung eingetreten, während bei den laufenden Altersrenten der Beharrungszustand erreicht zu sein scheint. Bei den bewilligten Beitragserstaltungen läßt sich nur eine langsame Steigerung erkennen. Fiskalische Sparsamkeit am unrechten Orte. Wie in Spandau, so soll auch i» E b e r S w a l d e den im Tagelohn stehenden Arbeitern der Gisenbahnwerkstätte», die am Geburtstag deS Kaisers die Arbeit ruhen lassen mußten, der L o h n um den entsprechenden Betrag gekürzt worden sein. Auch in diesem Punkte sind die Staatsbetriebe noch weit davon entfernt, Musterbetrieb« zu sein, was sie »ad, einer früheren kaiserlichen Sied« ja werden sollen. Selbst das Unternehmerthnm hat zun, theil seine Pflichten gegen die Arbeiter besser erkannt, als die Verwaltung so manchen Staats- Betriebes. Beispielsweise enthält der zwischen Unternehmern und Arbeitern des Buchdruckgewerbcs vereinbarte Tarif schon seit vielen Jahren die Bestimmung:„Ein Abzug für landesgesetzliche sowie behördlicherseits oder vom Geschäft angeordnete Feiertage darf nicht staltfinden; ein Umgehen dieser Bestimmung durch Stunden- berechnen ist u n z u l ä s s i g. Das Einholen derartiger Feiertage kann nur gegen die für Extrastnnden ic. sestgeKtzte Eni. fchädigung verlangt werden." Was hier Privatleute können, das vermag doch»och viel leichter der Staat. Den Beamten wird ja auch nichts abgezogen, weshalb aber den Arbeitern, die auf Tage- lohn angenommen sind? Nieint man, daß diese und ihre Familien am Geburtstage des Kaisers vom Patriotismus satt werden? Oder glaubt man, daß die Bezahlung der Arbeiter so ausgezeichnet sei, daß sie den Lohn für einen Tag etwa so leicht entbehren könnte», wie der Chef eines staatlichen Ressorts, wenn er eine» Hundertmark- schein verliert?_ �Verantwortlicher Redakteur: August Jacobe» in Berlin. Für den Ins DaS Obcrbcrgamt i« Breslau warnt durch Anschlag in den Zechenhäusern die schlesifchen Bergarbeiter, sich nach dem rheinisch-westsälisch»» Bergbaugebi et zur Eriaiigung von Arbeit zu begeben. I« Oberschlesien breitet sich der TyphuS immer weiter ans; jetzt sind, wie uns geschrieben»vrrd, bereits drei Kreise infizirt: Benthe», K a t t o w i tz und R y b n i k. Am bös- artigsten tritt der Typhus in Schwientochlowitz auf, von wo 33 Erkrankungen gemeldet worden sind. Leider ist die Berichlerstattnng über den Stand der Krankheit sehr mangelhast; angeblich werden die wahren Stachrichten unterdrückt, um die Geschäftsleute der in- fizirten Ortschaften zu schütze». In Benthe» soll man es in, ver- gangenen Jahre ebenso gemacht habe»; hier soll die Vertuschung zu einer innner größeren Ausdehnung der Epidemie geführt haben. Die Handschuh- Industrie liegt immer noch arg darnieder. Wie aus Hayna» in Schlesien gemeldet wird, ist dort am vorigen Sonnabend in zwei Handschuhfabrikei» einer großen Zahl von Arbeitern gekündigt worden. Falls es wirklich zur Entlassung kommen sollte, werden die Arbeiter»», so härter getroffen, als der Verdienst seit längerer Zeit schon geringer als sonst war. Unglaublich brutaler Mißhandlung seines KindeS wird der Staatsanwalt Pannier in Bern bürg von dem dort erscheinende»„Generalanzeiger" bezichtigt. Das Kind, das die höhere Töchterschule besucht und das den Eindruck des geängstigten niachen soll, sei jüngst deruiaßen zerschlagen zur Schule gekommen, daß die Lehrerin das bedauernswerlhe Wesen genau uuler- sucht habe. Unter anderem habe sich dabei herausgestellt, daß der Fuß des Kindes so zerschlagen gewefen sei, daß es nicht mehr habe gehe» können, sondern heinigefahren habe werde» müssen. Ferner wird behauptet, daß das Kind fast fortgesetzt Hunger leide» müsse»nd von den Mitschülerinnen mit Imbiß versorgt werde. I» einem Falle habe das Frühstück, das dem Kinde zur Schule mit- gegeben worden war, mir in einen» Stück trockenen Kommißbrotes bestanden. Das Kind selbst habe erklärt, daß ihn, die Verletzungen von dem eigenen Vater zugefügt worden seien,„nd die Fra» Staats- anwallPannier sei weinend zur Lehrerin gekommen und habe erklärt.daß sie die Kinder vor dem Jähzorn des Vaiers nicht zn schützen wiffe. Der„Generalanzeiger" verlangt nun von der Bernburger Staats- anwallschaft: 1. den Pannier'schen Eheleuten sofort die Kinder weg- zunehme» und diese anderswo erziehen zu lassen; 2. gegen de» Staatsanwalt Pannier sofort das Strafverfahren einzuleiten, andern- falls gegen den verantwortltchen Redakteur des genannten Blattes wegen öffentlicher Beleidigung Pannier'? vorzugehen. In einem späteren Artikel theilt der„Generalanzeiger" mit, es stehe ihm Be- weismaterial dafür zur Beifügung,„daß die Mißhandlunge» des bedanernswerthen Kindes schon jahrelang znrückdatiren", und ein anderes Blatt, die„MiIteld.M.-Ztg.", schreibt in dem gleichen Sinne: „Schon feit Jahren, schon ans der Zeit des Pannier'schen Anfent- Haltes in Harzgerode sind Klagen über schlechte Behandlung des Pannier'schen Mädchens laut geivorden. Die Nachbarn haben oft sich darüber aufgehalten, und die Lehrer haben schon lange die Einpfindnng gehabt, daß das Kind es zn Hanfe»ich! gut hätte. Die Lehrerin hat oftmals de», Kinde ihr Frühstück gegeben." Diese Mitlheiliingen erscheinen wie gesagt nnglanblich, aber die beiden bürgerlichen Blätter muffen ihrer Sache doch sicher sein, sonst würden sie nicht wagen, gegen einen Staatsanwalt eine so schwere Anklage zu erheben._ VevsÄtttNklungVN. I» der Dcntscheu Gesellschaft für öffentliche GesundheitS- pflege wurde a», Montag über einen Vortrag des Herrn Straßniai.n über:„Die Einwirkniig der Nähinaschinenarbeit ans die weiblichen Genitalorgaue" diskntirt. Herr Strnßmnnn bat als Assistent an der Chariiee Untersuchungen über die Krankheiten der weiblichen Gcnitalorgane Veranstalter»nd dabei gesunden, daß die Näbniaschineii- arbeiterinne» prozentual a», stärkste» unter den Erkrankten vertreten sind. Die Ursachen dieser Erscheinung führt Herr Etraßmanii zurück aus die anstrengende berufliche Thäligkeil. Er hält skr nöihig, daß jungen Mädchen unter 16 Jahren das Treten an der Nähmaschine»nlersagt wird, daß während der Menstruation und während des Wochenbeties die Arbeiterinnen. sich der Arbeit enthalten und daß die Maximalgrenze der ArbeUszeit auf täglich 10 bis 11 Slunoen festgelegt wird. Dr. Schafs er ist der Ansicht, daß die Nähmaschinenarbeit an sich nickt mehr oder»linder eine Gefahr für die Erkraiiknng der weiblichen Geniialorgane biete als andere Berufsarbeilen. Wenn die Nähmaschinen-Arveilerinnen schledster daran sind, so liege die U, sacke in de» ungünstigen Lohn- und ArbeitSbediiignngen. Eine Folge hiervon sei ein stärkerer Z»- slro», dieser Arbeilerinnen zur Prostitution. Dadurch, daß die Nähmaschinen-Arbeiterinne» nicht unter Aussicht der Herrschaft, wie die Dienstmädchen, stehen, sonder» für sich arbeiten, sei der außer- eheliche Geschlechisverkehr mehr verbreitet; außerdem rekruliren sich diese Arberierinnen meistens aus kranke» Frauen. Ans diese» Ursachen heraus ergebe sich der innere Zilsammenhaug für die stärkere Erkrankung. Dr. Falk ist anf grnnd feiner Unter- fnchnnge» zn dem Ergebiiiß gekommen, daß die Nähinaschinenarbeit auf die Geintalorgane einwirke, weniger die Nähinaschinenarbeit mit Bandbetrieb, eine besondere Gefahr für die Erkraiituiig bestehe aber nicht. Dr. Zadel halte gewünscht, daß Straßmann seine Unter- inchuiigen weniger und) persönlichen, als vielmehr nad, sozialen Monienten analyjut hätte. Es hätte unterschieden iverden müsse», ivie viel von den lintcrsuchte» Näherinnen im Fnbrikbetrieb und wie viel in der Haiisindunric beschäftigt ivaren;»ach den nUgeiiieinei, Erfahrungen sdieine hervorzngehe». daß der Fabrikbelrieb gesündere Formen hat als die Heimarbeit. Dann häite» auch die Altersabsilifinigeii mehr berücksichtigt werden müssen. Straßman» bält eine Maximalarbeilszeit von täglich elf Stunden für niisreichcnd, während der Franzose Layet, ein anerkannter Hygieulker, das Maximum für Näbu, aschinen- Arbeiterinne» ans täglich 3—4 Stunden festgesetzt wissen will. Daß die Arbeiterinnen, wie von Straßmant, vorgesd, lagen wurde, nicht wäbrend der Men- st, nalion und während des WochenbeUs arbeite» sollen, sei ja ganz schön, aber welcher Unternehmer läßt sich dies freiwillig gefallen? Und zum Schluß singe der Referent noch ei» Loblied anf die Näh- Maschine, die immer noch ihren Mann ernähre. Hat sich die Schädlichkeit der Nähmaschinenarbeit aber berausgestelll, da»» ergiebl sich für de» Mediziner und Hygieniker nur die eine Schlnßsolgerung: er hat darauf hiiiziiwiikeii. daß die soziale Gesetzgebung z» gunsten der betreffenden Arbeilerschaft eingreife. Dazu gehöre die Unterstillnng der Heiniarbeiler unier die Arbeiter- schuh- und Versichernngs-Gesetzgebnng; das Veibot der Milgabe der Arbeit nach Hans« und der Nähmaschinen- Arbeit für Schwangere; Festsetzung einer gesetzlichen Maximal' Arbeitszeit und Unterstell, mg der Heimarbei, nnter gewerblich« Aussicht. Dr. Sommerfeld ist der Ansicht, daß die Genital. krankheilen der Nähmaschinen-Arbeiteriniien nichts charakleiislisches an sich habe»; die Gonorrböe»md der außereheliche Geschlechts- verkehr spiel« dabei eine iveseniliche Rolle. Eine bloße Kranken ba»S- Statistik, die vo. vielen Zufälligkeit«» abbänge, könne lein wirkliches Bild zeige». Wesentlich« Ursache» der Erkrankung seien die häusliche Thätigkeit. die überlange Arbeitszeit, niedrige Löhne, die Mangel- hafte Erholung und Ernährung und die damit verbundene unregei- mäßige Lebensweise. In seinein Schlußworte betont auch Herr Etraßmann, daß selbstverständlich wirlhschafttiche»nd soziale Momente in der Erkranknng eine Rolle spielen. Er müsse das Lob- lied der Nähi»aschine>iarbeit weiter singen, natürlich müsse sie sich in vernünftige» Grenzen halten. Di« Gesetzgebung könne sich aber nicht darum küinmer», wa? die Arbeiterinnen zu Hause thn». Die Zimmerer debatlirten am Dienstag in öffentlicher Ver- saininlung die Frage: Wie denke» wir den Kampf zn führen gegen diejenige» Unternehmer, die den Stui.denlohn von 60 Pf.»och Nicht zahle» und weldie Wirkung hat der Beschluß der Zahlstelle des Ver- bandes(eigene Eammlungei» und eigenes Burea») auf unsere Lohnbewegung? Die Versammlung war äußerst zahlreich besucht, der Cohii'sche Saal war sainint den Nebenräumen bis auf den letzten ratentheil veraniwoltlich: Th. Glocke in Berlin. T,»d und Verlag von T Platz gefüllt. Die leidigen Organisationsstreitigkeiten, die auS Anlaß der gescheiterten Einig,»igsverhandliingen jetzt wieder ausgebrochen sind, machte» sich schon vor Beginn der Versammlung bemerkbar. Auf der linke» Seite des Saales hatten die Anhänger des Vereins der Zimmerer Berlins, ans der rechten Seite die Anhänger des Zentral- Verbandes Platz genommen. Sowohl von links wie von rechts wurde ein Bureau von Mitgliedern der betreffenden Richtung vor- geschlagen. Die Abstimmung, welche nnter lebhafter Unruhe vor sich ging, ergab die Annahme des von rechts vorgesdsiageiiei, Bureaus mit Kube als Vorsitzenden. Nunmehr nahm der Vertrauens- mann Fischer das Wort. Er warf einen Rückblick auf die vor- jährige Lohnbewegung und stellte es als Ziel der diesjährigen Beivegung hin, den Stundenlohn von 60 Pf. auf allen denjenigen Plätzen zu erringen, wo er noch nicht bewilligt, oder wieder zurückgezogen worden ist. Das müffe das Hauptziel der Berliner Zimmerer sein. Die Organisalionsform käme erst in zweiter Linie. Die Streitigkeiten um dieselbe dürften nicht eine solche Ausdehnung annehmen, daß die Lohnbewegung darunter leide. Die Berbaiidsmttglieder haben nun beschlossen, in Zukunft ihre eigenen Wege hinsichtlich der Lohnbewegung zu gehe». Sie sagen, es könne nicht in der bisherigen Weise>,'eiler gehen, denn es sei ein unhallbarer Znstand, daß in öffentlichen Versammliiiigen, die zum großen Theil aus Indifferenten bestehen, über die Taktik der Lohnbeivegung Beschlüsse gefaßt werde». Das muffe allein Aufgabe der Oiganisationei, sein. Wie den, auch sein möge, jetzt komme es daraus an, die beflo..nene Lohnbeivegung zu Ende zu führen»nd nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Es werde ferner gesagt, das öffentliche Sanimelwesei, sei ein Stück lokaler Organisation. Das sei nicht zutreffend. Wie nothwendig die öffentliche» Sammlungen für Berti» sind, werde ja auch von zentralistischer Seite dadurch aiierkn»iit, daß dieselbe jetzt eigene Sammlungen eingeführt habe. Die Lohnkonimission sei steis unparteiisch gewesen»nd habe nie eine bestimmte O>ga»>satioii ein- seitig z» sörden, versucht. Durch die bisherige Form der Bewegung unter Leitung der Lohnkomniissioi» habe» beide Organisationen gewonnen. Jetzt aber treibe der Verband mit seinein Beschluß einen Keil in die Beivegung. Die Berliner Zimmerer seien mit den» bisherigen System der Bewegung ziiftieden gewesen, deshalb solle nm» dasselbe»icht beseitigen, ehe man nicht etwas besseres an dessen Stelle setzen könne. Der Redner brachie eine Resolution ein, welche besagt, daß schon jetzt begonnen werden soll, den Stundenlohn von 60 Pf. auf den Plätzen, Ivo er noch nidit gezahlt wird, mittels Platzsperre zu erringen, falls zwei Dduel der dort Beschäftigten dasür sind; daß ferner an stelle der infolge des Verbandsbesdsiusses nicht mehr zu recht bestehenden Lohn» kommisfion eine neue zn wählen sei. im übrigen aber die früher hinsichilich der Lohnbewegung gefaßten Beschlüsse Geltung beHallen sollen.(Lebhafter Beifall links.) Rickert beantragt, diejenigen Kamerade», welche nicht mehr im Beruf lhälig sind»nd daher kein Recht hätten, in Fragen des Berufs mitzureden, hinaliszuweifen.(Großer Tumult, Rnse: Sdnneißt Rickert raus.) Der Antrag wird abgelehnt. Webers (Verband) bedauert den Antrag Rickert und führt weiter aus, Fischer habe sich zwar als niiparteiisch bezeichnet, aber er habe soeben große Parteilichkeit gezeigt, denn er habe den» Verband das Schwert auf die Brust gesetzt und denselben zu durchbohren versucht. (Gelächter.)Die Lohnbewegung sei nickst zn gunsten aller Kamerade» ans- gefallen, jetzt werde den Vcrbandsmitglieder» der Borwurf gemacht, als ob sie daran schuld wäre». Gegen die Forderung des 60 Pfennig- S>»»dei>!ohnes feien Mitglieder beider Organisatione» gewesen, weil sie denselben nicht für durchführbar hielten. Der Redner kommt anf die Einignngsve, Handlungen z» sprechen und sucht darzulegen, daß die Verbandsmitglieder nicht schuld seien an dem Scheitern derselben. Er wird mehrfach von Zivischeiinisen und Unruhe auf der linke» Seite iinterbrochen. Der Beschluß der Zahlstelle des Verbandes sei eine Folge der Drangsaliruiig, welche die Vereinsmitglieder gegen Verbandsmitglieder ans den Arbeitsplätzen ausüben.(Tumult yarische Uiilerbreckziiiig von der linken Seile her.) Vors. Kube: Es sind nur wenig Ruheslöier bier und zwar ausschließlich Vereinsmitglieder.(Erneute Unruhe.) Webers fährt fort: Die Verbandsmitglieder haben bisher an de» Beschlüssen festgehalten, da aber in den öffentlichen Versnmmluiige» die indifferente Masse einen entscheidenden Einfluß hat. muß die Entscheidung über Lohnbeivegnnge» in die Organisation verlegt werden. Redner ersucht um Ablehnung der Resolution Fischer. K» ü p f e r(Verband) führt aus, die Verbandsmitglieder seien für Erhaltung deffen, was in der Lohnbewegung errungen sei, sie hätten auch bei den Eiuignngsversuchen die möglichsten Koiizcssionen gemacht, und nur der Hartnäckigkeit anf der anderen Seite sei es znznsdireibe», wenn die Einigung gesckzeitert sei. Die Sammlungen, welche die Zahlstelle jetzt vornimmt, beruhen auf eine»» Beschluß der Generalversammlung, der die Leitung eines Loknlfouds fordert. Die Verbandskameraden haben mit de», bis- herigen Systein, wo Zufallsmajoritäten in öffentlichen Versammliiiigen über die Lohnbewegung entscheiden, gebrochen. Die Bcrbands- niilglieder haben in der Lohnbewegung das meiste geleistet. Es falle ihnen gar nicht ein, einen Keil in dieselbe zn treiben, vielmehr werde» sie nicht ruhen, bis auch der letzte Mann von Ihrer Seite zur Theil- nähme an der Bewegung herangezogen ist. Der Redner stellt eine Resolution, welck)« das Verhalte» der VereinSmitglieder in der Eiiuguiigskonunissio» tadelt, und, da das System der öffentlichen Beschlußfassung in der vorjährigen Lohiibewegnng nicht die ge- wünschten Erfolge gezeitigt hat, die Attstösnng der Lohnkommisston und Regelnng der Lohnbewegung durck; die Vorstände beider Orga- visatione» verlangt, und zum Schluß für den Verband, als die beste Organisalionsforin piädirt.(Großer Tninnlt.) Schäffer(Verein) spricht über die EinignngSverhandtnngen und tritt für Bei- bebaltung des bisherige» Systems ei», da die i» öffentliche» Ver- sammlungen gestellten Aniräge immer von Oiganisirten ausgeben und vertreten werden, der Einfluß der Jndisierenlcn also»icht so groß sei. Der Verbam ebeschluß werde die Folge haben, daß an einem Tage zivei öffentliche Versammlungen, von jeder Seile ein«, stattfinden, daß ein Arbeitsplatz von einer Organisation gesperrt, von der anderen dagegen freigegeben wird. Um diesen, ulile>dl»d,en Znstand zu entgehen, möge man an de», bisheiige» Syne», festhalten.(Auch dieser Redner wurde mehrfach von Unruhe anf der rechte» Seite nnierdroche».) Ferner sprachen noch P ä s e l e r(Verein) und Kube(Verband). Ueber einen Schlnßantrag eihob sich eine sehr lebhafte Geschäftsordiinngs-Debaile, deiselbe wurde unter großer Unruhe angenonime», als dann die Abstimmung Über die Rejotulion Knüpfer vorgenomnien werden sollte, erhob sich, nament- lieh aus der linken Seite großer Lärm, der sich dmiu auch anf die ander« Seite des Saales fortpflanzte, dazwischen sprachen einige Redner zur Geschäst«ordnung, die(ich jedoch kaum verständlich machen tonnten in dem allgemeinen Tnmntt. Der Vo>sitze»de wollt« nu» die Resolution Fischer zur Abstimmung bringen, es war ihn, jedoch nicht mehr möglich, den allseitigen Lärm zn beschivichiige», und die Versammlung endete mit potizeilicher Auflösung. Vepefchen untf letzte Nncheichten. Geestemünde, 2. Februar.(W T. B.) Der letzie Sturm hat zahlreiche Sckäde» auf See angerichtet. Der heute zurückgekeyrte Fischdampfer„Sagilta" hatte den Sieucrmnn in, Elim» verloren. Vom Breiuerdaveiier Fischdainpfer„Orion" wurden drei Mm», über Bord geschleudert. Zwei Man» wurde» gnetiet. Der Sieuerniani, ertrank. Heute herricht wieder Nordivestnurm. Wie», 2. Februar.(B. H.) Heute fand ein Ministerraih statt, in Ivel» ein Maßregeln bc.mgUch des Generalstreiks der Sliideiile» beschlösse» wuroen. Der U»,e,richts»iinister lull die Ermächlig»»g erhallen habe», die deutsche» Hochschulen zu schließe», falls sich die S tiideuteud-nioiistralione» der leylen Tage n ie- erholen. Bergamo, 2. Fedrnnr.(W. T. B.) Bei deni Einsturz einer Spiuileui in Ranznmco sind, wie iiuiiinehr festgestellt ist, sechs Ar- deiler getödlet und viele venvuudet worden, darunter acht schwer. Koustaiitiuopel, 2. Februar.(W. T. B.) In Balikesri und in der Uingedung von Brussa haben heftige Eidbewegungen statt- gesunde»; zahlreiche Personen sind verunglückt»nd große Schäden sind verursacht worden. lax Bading i» Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhalt, mgsblatt. Nr. 28. 15. Inljrgrtiijj. Keilllge des„ Dornittßxs, 8. FMlir l8S8. Herrn z�ülle�s Mn�enfnbriknkion. Vor ii»s liegt eine kleine Schrift„Der Vnterlandsverein. Nach- richlrn ans der Arbeit. Berlin 1397. Schriften-Berlriebsanstalt." Sie ist etwa das, was für einen Blechfabriknnten oder ein Ramsch- nersnnddaus Preisverzeichnis und Gefchäftskatalog ist, und man muß es dem in letzter Zeit vielgenannten christlichen Pastor lassen, er betreibt den Patriotismus ünd die Umstnrzbekiinipsung sehr industriös und sehr sveknlativ. Das Geschäft besteht seit etwa vier Jahren in Berlin, als selbständiger Zweig des Christlichm Zeitschristen-Bereins. Es sabrizirt und Ireserl„zur Gegenagitation gegen die Sozialdemokratie: I. Zeitschriften. 2. Flugblätter. 3. Kalender. 4. Broschüre». 5. Patriotische Schriften." Die Zeitschriften sind vorwiegend für ehemalige Soldaten znbereilet.„Gerade ans diese Bolkskreise sucht der Aaler- landsverein seine Agitation zu erstrecken. Es sind dies die An- gehörigen der Reserve sowie diejenigen Familienväter ans dein Lande, welche mit Trene die Erinnerung an ihre Militärzeit fest- hallen und den Geist pflegen wollen, in welchem sie im Dienst des Kaisers erzogen rvorden; es sind dies ferner die Angehörigen der K r i e g e r v e r e in e, die kleinen Beamten der Eisenbahn, der P o st, des staatlichen und des komninnalen Dienstes, die kleinen Handwerker, die Schiffer, die Geiverbetreibenden ans den Dörfern, die Büdner und Kälhner, die Tagearbeiler. die ländlichen und industriellen Arbeiter in denjenigen Bezirken, die noch nicht oder unzureichend organisirt sind." Vertrieben werden: Das Eiserne Kreuz,„in der Sprache des Landvolkes Politik machend", Die Kaiserzeitnng,„lediglich patriotisch und von soldatischem Geiste Jllnstrirter Familienfreund, der„Nene Korrespondent", letzterer wöchentlich dreimal ausgegeben, wie es scheint, eine Art laufender Versorgung der kleinen Kreisblätter und Wühler mit dem nölhigen Pulver von Schimpfwörtern und Entstellungen. In Lieferungen erscheint dann ferner„Aus aller Welt", ein Gegen unternehmen gegen die„Freien Stunden" unserer Parteibuchhandlnilg Diese„Freieu Stunden" sind Revolntionslileratur. Der beispieltos billige Preis sollte die Freunde des Volks veranlassen, mit der Einführung von„Ans aller Welt" an ihrem Orte vorzugehen, ehe der Feind mit den„Freien Stunden' da ist." Dann kommt die Empfehlung des reichhaltigen Lagers an Flugblättern aller Art: 13 patriotische Flugblätter, so z. B Handelsflotte»nd Kriegsmarine, Unsere Flotte, oder Wer ist ein Demokrat?— 21 ethische Flugblätter wie: Spare was, so hast D» was. Das Trinken, oder Etivas für Eheleute— 7 Flugblätter für ländliche Arbeiter: Bleibt ans dem Lande, Religio» ist Privat fache n. f. iv.— 12 Flugblätter für Bauer»: Wolle im Schasspelz Bauernfänger, Wie sie wühlen, Freisinn und L a n d w i r l h. s ch a f t, Wer verdummt das Volk— 23 Flugblätter endlich gegen den leibhaftigen Gottseibeiuns selber,„gegen die sozial demokratische Agitation unter der Arbeiterbevölkerung und unter den Handwerkern", darunter: Wie bekämpfen wir den Umsturz, Der Streik, Vereinsgesetz. Stück für Stück 1 Pfennig, 200 Exemplare 1,50 Mark, 500 Exemplare 3, 1000 Exemplare 5, 10 000 40, jedes weitere Tausend 4' Mark! Der Deutsche Haus k a l e n d e r ist für sechszehn verschiedene Provinzen verschieden zugestutzt, wer ihn nicht zur Verbreitung erwirbt, macht sich einer„Saumseligkeit und einer Vcrsündigmig am Heiligsten schuldig", da sonst die sozialdemokratischen Kalender an Einfluß gewinnen.„Das Vaterland" benennt sich ei» weilerer „patriotischer" Kalender, der jedoch noch in einer eigenen illnsgabe L für Soldaten unter das beglückte Volk gebracht wird. Drillens wird der Seemauns-Kalender empfohlen, und viertens„Der Eisenbahner. Kalender für die Angestellten der Eisenbahn", alles „christliche Volksbücher, im Umsaug von 4 Bogen und in 4° Format, die sich aufs leichteste vertreiben lassen." Der Preis beträgt 25 Pf., bei 100 Stück 13 Pf. Für 10 Pf. versorgt' dieser große Ablaßhandel noch Arbeiter mit dem„Feierabend", und Frauen und Mädchen mit de»„Fleißigen Händen". Von den» Kalender für Knabe» und Mädchen endlich(Jngendkalcnder) wird der Preis nicht mitgetheilt. Tann geleitet uns unser Führer durch die Broschüren- abtheilung. „Ein Hauptagitationsiniltel für die sozialdemokratische Be� wegung bilden die von der Partei herausgegebenen Broschüren.. Der Vaterlandsoerein hat es unternommen, in dem von ihm heraus- gegebenen Broschüren- Zyklus eine Gegenwirkung zu schaffen. Von den Broschüren des Vaterlandsvereins, die unter dein Titel Zeitfragen erscheinen, ist der erste Zyklus herausgekommen. Als ein rother Faden zieht sich durch alle sechs Broschüren die Kennzeichnung der Umsturzzwecke der Sozialdemokratie, ihrer Tages presse und ihrer Parleischrislc». ihrer Prinzipien und ihrer Kampfesweise. Der Zweck ist, in bürgerlichen 5treffe» nicht falsche und mattherzige Anschauungen über die Sozialdemokratie aus- kommen z» lassen und insbesondere G e i st l i ch e n»nd Lehrer», sowie den Rednern in Volksversammlnuge» und in Vereinen ein zuverlässiges und fleißig gesammeltes und gesichtetes Material für die Bekämpfung der Sozialdemokratie zu bieten. Wir glauben nicht, daß es möglich ist, sich leichter und zuverlässiger über die Sozialdemokratie zu informiren, als es durch diese Bro- schüren geschieht, die bei ihren außerordentlich billigen Preisen in alle» patriotischen Kreisen die weiteste Verbreitung verdienen. Der erste Band„Zeilsragen" enthält folgende Broschüren: Heft 1. Die sozialdemokratische Presse. „ 2. Jakobiner und Sozialdemokraten. „ 3. Die„Wissenschast" der Sozialdemokratie. „ 4. Die sozialdemokratische Parlci-Literatur. „ 6. Die kommunistische Gesellschaft. , 6. Geschichtsmalerialismus und Religio». Zur Belehrung, insbesondere über die Aufgaben der Presse im Kampfe gegen den Unisturz diene» die sogenannten„Arbeits- Broschüren", von denen bis jetzt 13 erschienen sind." Dann ist Herr Hülle bestrebt,„patriolische Schriften ins Volk zu bringen, sowohl in der Form von Nene» Volksbücher», als auch in der Form von Gelegenheitsschriften für patriotische Feste, sowie patriotische Schriften allgemeinen Inhalts. Er ist bestrebt, eine Art von patriotischer Kleinlileralur zu schaffen, die allenthalben im Volke verbreitet werden und die patriotischen Bestrebungen wecken soll." Hier wird nicht blos „Wilhelm der Große als Christ" gefeiert, sondern auch neben G u st a v A d o l f der Großherzog von Baden und Prinz Heinrich in die Gallerte berühmter Männer und großer Vorbilder ans- genommen. Für Krieger«»nd Jünglingsvereine sind in Festspielen. lebenden Bildern, Motetten und Buntdruckdildern eine billige Quelle hoher künstlerischer Genüsse eröffnet. „Auf diesem Gebiet kann Jahr für Jahr nicht genug Neues geschaffen werden, nach dem Grundsatze, daß für das Volk das Allerbeste eben gut genug ist. Hier gilt es, nicht blos inr besten Sinne volksthümlich, sondern auch nioder» zu sein. Neues zu bringen und nicht durch Wiederholung alter Stoffe zu ermüden. Christliche Bildung und Gesitlung muß— frei von jeder Zu dring- I i ch k e i t(!) und Unnatur— sowohl nach Inhalt wie nach Form einen Ausdruck finden, der den Ansprüchen der Gegenwart genügt. Diesem Ziele nachzustreben ist eine Aufgabe, die des Schweißes der Edlen werlh ist." Besonders sollen auch die„populär gehaltenen Erörterungen über Naturwissenschaft, welche die Kolportage den Leute» alljährlich zu vielen Tansenden in die Hände spielt". bekämpft iverden durch die Geisteserzengnisse einer lauteren christ- lichcn Weltanschauung.„Wir bitten daher— in diesem Appell a» de» Patliotismns und den Geldbeutel gipfelt die Broschüre— „Wir bitten daher alle köuigstreuen Männer in Stadt und Land, daß sie in den Vaterlandsverein eintreten und ihre Hilfe diesem umfassenden Werke nicht entziehen. Mögen sie sich willig sindc» lassen, Vertrauensmänner für ihren Ort zu werben, mögen sie es für eine Ehre halten, in unseren vom Lärm des Parteikampfes wiederhallenden Tagen für den König und für das Vaterland etwas thun zu können! Mögen sie, wenn Gott sie mit Gütern gesegnet hat. Geldopser spenden für diesen hohen und heiligen Zweck. Aus zum Kampfe gegen den Umsturz!" Nun will ja schließlich ein Geschäft als Geschäft betrieben sein, auch wen» es im Namen des Vaterlandes und des Christenthnnls eröffnet wurde. Wir nehmen es daher Herrn Hülle nicht übel, caß er ans Preise hält und auch der privaten Wohlthäligkeit keine Schranke» setzt. Man sieht jedoch, mit ivie niedriger Mache und andererseits init ivie viel Elser der Kampf gegen den„Umsturz" von zener Seite geführt wird. Aber auch in der vorliegenden Schrift nimmt Herr Hülle die Behörden und die V e r t r e t n n g e n der ländlichen Gemeinden und Kreise in einer Welse in Anspruch, die deutlich zeigt, was in Wahrheit hinter ihm steckt und die uns veranlaßt, in einem besonderen Artikel darauf zurückzukommen. Es ist wahrhastig nicht blos das Reichs- Versicherungsamt in Berlin, das für de» Absatz der Hülle'schen Masseiisabrikate arbeitel. Mommunstles. In der Nilgclcgeiiheit des TcnkmalS für die März- Gcfallcncu hat die sozialdeniokralische Stadlverordneten- Fraktlon beschlösse», der heute tagende» Stadtverordneten- Versaiumlling die folgende Resolution zur Beschlußfassung vorzulegen: Tie Versammlung nimmt mit Bedaner» davon Kennlniß, daß der Magistrat ihrem Beschluß vom 29. Dezember v. I.— betreffend die Errichtung eines Denksteins ans dem städtischen Friedhof der März-Gefallcne» von 1848— nicht beigetreten ist. Die Versammlung proleslirt gegen die Ausfassung, daß die Nichtausführung ihres Be- schlusses durch die Rückücht ans Wahrung und Förderung deS Friedens in alle» betheiligte» Kreisen geboten sei, und weiß sich hierbei in voller Uebereinstimnuing mit der übergroßen Majorität der Berliner Bevölkerung, die gleich ihr in der Errichtung des Gedeiilsteius die Erfüllung einer Pflicht dankbarer Erinnerung er- blickt. Berlin, de» 3. Februar 1893. Die Einrichtung chemischer Fabriken durch die Stadt Verliu zur Verwerlhung der bei der Gaserzengnug sich ergebenden Nebenprodilkte beschäftigte die st ä d t i s ch e G a s d e p u t a l i o n in ihrer letzte» Sitzung. Zunächst handelt es sich um die Verivcrthung des bei der Gasprvdnktion gewonnenen A ni in o n i a k w a s s e r s, das zur Herstellung von fchiveselsaurem Aininoniak(Sulfat) oder von konzenlrirtcm Annnoniakwasser Verwendung findet. Bisher haben die städtische» Gasanstalten dies Nebenprodukt, von dem, wie der Vorsitzende Stadtrath Namslau hervorhob, im letzten Etalsjahre allein weit über 870 000 Zentner gewonnen wurden, ohne weiteres an chemische Fabriken abgegeben. Bei Gelegenheit der Studien- reise von Mitgliedern der Gasdeputalion sind nun auch Anlage» besichtigt rvorden, wo das Anunoniakrvasser auf eigene Rechnung der Gaswerke weiter verarbeitet und dann erst, mit entsprechend höherem Gervinn, an die Abnehmer verkauft wird. Der Bericht der Reisekommission läßt die Frage offen, ob sich derartige chemische Fabriken für die Berliner Gasverrvaltnng empfehlen würden, da die im Auslände jbesickckigtcn Anlagen mit jenen Betrieben zu verschiedene Ergebnisse erzielt hätten; im allgeureincn empfiehlt der Bericht das Arnmoniakwasser bei einigermaße» günstigen Markipreise», ivie bicher, unmittelbar zum Verkauf zu bringen. Da iudeß die Preise in den letzten Jahren be- sonders infolge der Masseneinsirhr von Chile-Salpeter, aus dem ebenfalls schwefelsaurer Ammoniak(Sulsnl) sabrizirt wird, sehr hernbgegange» sind, so war die Frage angeregt worden, ob man für Berlin nicht wenigstens eine Versuchsanstalt einrichten solle, um festzustellen, ob sich aus der Verarbeitung jener im« geheuren Menge nicht ei» erheblich höherer Gervinn er- zielen lassen werde. Mit Rücksicht ans die günstigen Er- gcbnisse, die einzelne Verwaltirrrgen erzielt haben, beschloß die Deputation, dem Magistrat die Errichtung zweie r Fabriken auf dem Gelände hiesiger Gasanstalte» der Stadl. deren stianinverhältnisse dies gestalten, zu empsehlen. Gleichzeitig soll aber auch vor Beendigung der jetzt»och laufende» und bis zum Jahre 1900 abgeschlossenen Verträge eine öffentliche Ausschreibung des gewonnenen Annnoniakwnssers erfolgen, von deren Ausfall es dann abhängig gemacht wird, ob die jetzt beschlossenen und irrziviseben fertig z» stellende» Bauprojekte für zivei chemische Fabriken der Stadt zur Ansführung gelangen oder nicht. Die Mitglieder deS„Nciliier-NuSschiisscS" zur Nnterstntznng der durch Unwetter Geschädigten werden am nächsten Montag ihre letzte Sitzung abhalten. In derselben wird Bürgermeister Kirschner die Vorschläge zur Vertheilung des volhandeue» RestbelrageS von 230 000 M. zur Debatte stellen. Das Gesanuniergedniß der Samni- lnngen für die Ueberschwemmte» hat, soiveit die Haupt-Stiftnngs« lasse des Berliner Magistrats als Zentralstelle in Frage kommt (einschließlich der Millionenspende der Stadtgemeinde selbst), die Summe von rund 3 180 090 M. ergeben. Das Zentralkomitee ivird in seiner demnächst staltfindenden Schlußsitzung den Bericht des Ne>mer-Ausschusses entgegennehmen und sodann seine Auslösung beschließen._ Voknles. Wahlverein für den 4, KrciS, Südost. De» Mitgliedern zur Kenntniß, daß die geplante Besichtigung des Asyls für Obdach- lose in der Wieseustr. 54/69 am Sonntag, den 6. Februar, statt- findet. Als Treffpunkt ist der Bahnhos Gesundbrunnen festgesetzt, und zwar mittags 12 Uhr. Um recht zahlreiche Betheiligung der Mitglieder und deren Familien ersucht Der Vorstand. Achtung, Mitglieder der„Freien Volksbühne"! Der starke Besuch des Vortragsabends„Die llteise»ach Spitzdergen", sowie die Thalsache, daß ein großer Theil unserer Mitglieder keinen Zutritt mehr zum Saal erhielt und eine baldige Wiederholung dieses Vor- trags sorderlen, veranlaßte den Vorstand, einen zweiten Vortragsabend am Mittivoch, den 9. Februar in Keller's Festsälen zu arrangire». Herr Dr. Wilhelm Meyer, früher an der„Urania", ivird wiederum als Vortragsthema wählen„Die Reise»ach Spitzberge n" und an 160 Projektionsbildern die großartigsten, abwechselungsrcichsten Szenerien dieser Reise vorführen. Das Enlree beträgt pro Person 20 Pf. Billets sind vom Freitag, de» 4. Februar ab in den Zahl- stellen von Fr. Z u b e i l, Lindenstr. 106; Gottfried Schulz. Koltbnser Thor; A. Hoffmann, Blumenstraße 14; und E. Beyer, Veteranenstr. 13, zu haben. Der Vorstand. I. 91.; G. Winklet. Zur Lokalliste. Der Pfeisenklub Thürmchen feiert am Sonnabend, den 5. d. M, bei Schwartz, Bändel st raße. sei» Stiftungsfest. Der Riugsportverei» Florenz veranstaltet am 19. d. M. in G r a t w e i l' s Bierhallen, der K! n b Tann- Häuser am 5. d. M. im Handwerkervereinshaus einen Maskenball. Wir ersuchen die Genossen, Billets zu diesen Ver- gnügungen unter allen Umständen zurückzuiveisen, die genannten Lokale werden zu 9lrbeiter-Versanimlnngen nicht hergegeben. Ebenso verhält es sich mit dem Schäfer'sche» Gesangverein der Elfer, welcher am 19. Februar in den Concordia-Sälen, Andreasstraße, ein Ver- gnügen veranstaltet. Die Lotalkom Mission. Ueber die„NSphaltbnrschen" bringt auch der neueste Bericht der städtischen Straßenreinigungs- Deputation die seit mehreren Jahren regelmäßig wiederholte Klage, daß sie nur selten »ach Absolvirung des Burschen die»st es in die Reihen der ordentlichen Straßenreinigungs- Arbeiter eintreten. Vielfach geben sie die Arbeit schon nach kurzer Zeit wieder auf. Bei einer Kopfzahl von 200 sind im Jahre 1396/97 243 Burschen durch die Verwaltung gegangen. Viele Stellen haben im Laufe dieses einen Jahres 7—3 Mal neu besetzt werden müssen. Häusig, besonders im Sommer, hat geradezu zeitweiliger Mangel an Ersatz geherrscht, so daß frei gewordene Stellen nicht gleich wieder besetzt werden konnten. Die Straßenreinigungs- Direktion ist der Ansicht, daß unter diesen Verhältnissen, die die ordnungsmäßige Ausbildung des einzelnen erschweren, die Burschen im allgemeinen weniger Nutze» als Aerger und Verlegenheiten bringen. Tie Zahl der Burschen ist daher, trotz der weiteren Ausdehnung des asphaltirlen Straßen- gebieles, schon seit zwei Jahre» nicht weiter vermehrt worden und soll es einstweilen auch in den nächsten Jahren nicht iverden. Merkwürdig ist bei dieser ganzen Angelegenheit, daß die Berichte der Straßenreinigungs-Deputalion, die sich über die angeblich durchaus günstigen Lohn- und 9Irbeils- Verhältnisse der Straßen- reinignngs-Zlrbeiter und über deren vermeintliche Zufriedenheit mit ihrer Lage immer sehr redselig äußern, mit keinem Worte auf die zn vermulhenden Ursachen der Unbeständigkeit des B u r s ch e n p e r s o n a l s eingehen. Augenscheinlich halten die Burschen ihre Lohn- und 9Irbeits-VcrhäItnisse— sie bekommen pro Tag 1,60 M.— keineswegs für besonders günstig und sind ni i t ihrer Lage durchaus unzufrieden. Vielleicht würde ihre Beständigkeit und Ausdauer größer werden, wenn die Verwaltung ihr angeblich so außerordentlich großes„Wohl- n ollen" für die Straßenreinigungs- Arbeiter auch aus die jüngeren Leute ausdehnen und für diese eine Lohn- aufbesser un g beantragen wollte. Schon das muß auffallen und zn dcnlen geben, daß nur wenig Söhne von Straßenreinigungs- arbeilern in die Bnrschenabtheilnng eintreten, während man anfangs gerade von diesen das Gegenlheil erwartet hatte. Die Väter wissen eben aus eigener Anschauung, was den Söhnen winkt, wenn sie „9lsphaIIbnrsche" werden. Um die Burschen zu größerer Genügsam« keil und Beständigkeit zn erziehen, griff die Direktion vor mehreren Jahren begierig nach einer Hilfe, die ihr vom„Christlichen Verein junger Männer" augeboten wurde. Dieser Verein trat 1893 in der Llbsicht, eine„M i s s i o n s a r b e i t" unter den Burschen zu beginnen, mit der Direktion in Verbindung und crhielt von ihr, wie kirchlich gesinnte Blätter damals berichteten, sofort„Zustimmung zu der 9lrbcit und auch srenndlichcn Rath". Die Burschen besuchten gleich die erste, zn diesem Zweck vom Verein veranstaltete Ver- sammlnug in großer Zahl und viele von ihnen traten auch sofort als Mitglieder ein. Der erwartete Erfolg blieb freilich ans, und die„Asphaltbnrschen-Mission" wurde dann bald wieder ansgegebcn. In den Berichten der Straßen- reinigungs- Deputation haben wir übrigens über jene erbauliche Episode niemals ein einziges Wort gefunden. Wir wurden jedoch von neuem daran erinnert, als wir in dem letzten Bericht lasen, wie sehr die Verwaltung davon befriedigt ist, daß ihre Arbeiter sich im allgemeinen noch wenig um das Vereinswesen k ü m m e r n. Wenn es sich um Vereine handelt, die die I n t e r- essen der ZIrbeiter erwecken, wenn die 9lrbciter sich nach eigenem Ermessen organisiren wollen, um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen,— dann sieht es die Verwallnng allerdings nicht gern, daß sich„ihre Leute" daran be- theiligen. Ncligioiiswcchsel. Eine hiesige Korrespondenz berichtet:„Im vorigen Jahre sind in Berlin 75, vor zwei Jahren 68 Personen aus dem Judenthum ausgetreten. Die Mehrzahl sind Philologen und Juristen, bei denen die Laufbahn maßgebend für den Glaubens- Wechsel gewesen sein mag. AuS gesellschnitlichen Rücksichten dürsten zwei Mitglieder der dauts fmancs zum Christen Ihum übergetreten sein, die für die Berliner jüdische Gemeinde einen Verlust von etwa 5000 M. Gemeindeslencrn darstelle». Damen aus jüdischen Finanzkreisen haben im vorigen Jahre genau 12 die Aufnahnie ins Cdiistenlhum gesucht nnd gefunden. Hier ist i» der Hauptsache wohl die Rücksicht ans den künftigen Galten maßgebend gewesen. Um- gekehlt darf nicht verschwiegen werden, daß drei Christen wegen der Heirath mit Jüdinnen zum Jndenthnm übertraten. Als Knriosnm mag erwähnt sein, daß die Tochter eines jüdische» Justizraths in der Provinz, die bereits getauft war, wegen der Heirath mit einem jüdischen Baumeister zum Jndenthnm zurückkehrte. Die Zahl der Kinder jüdischer Eltern, die bald nach der Geburl getauft werden nnd am stieligions- Unterricht in der Schule lheilnehmen, nimmt stelig zn.« „Das Vaterland und die Religion, das sind nur Kleidungs- stücke". Zlnf diese sarkastischen Dichlerworte scheinen die hier in Betracht kommenden Leute ebenso zu schwören, ivie gewisse Fürsten- löchler, welche die Religion, die dem Volke bekanntlich„erhalten" melden muß, geschwind ivechsellen, sobald sie sich mit einem aus- ländischen und andersgläubigen Potentaten verheirathen konnten. Tic gemischte Deputation zur Erörternug der Elek trizität s frage hielt gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner ihre Schlußsitzung ab, in welcher noch einige Zlbänderungen des bereits im allgemeinen sestgcstellten Verrragsentwurss berathen wurden. Der Entivurf eines hiernach mit de» Elektrizitätswerken ab- zuschließenden neuen Vertrages wird nunniebr den städtischen Be- Hörden zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Ter Zentrakvcrein für Arbeitsnachweis hat am gestrigen Tage einen Arbeitsimchweis für weibliche Dienstboten und häusliches Hilfspersonal(Aufwartefrauen ic.) eröffnet. Der Arbeitsnachweis ist unenigeltlich— für die Dienstherrschaften, die Arbeit- oder Dicnstsuchenden haben eine Einschreibegebühr von 20 Pf. zn ent- richten. Es ist nicht recht ersichtlich, warum nicht auch die Herr- schasten ihren Obolus zahlen sollen. Zu gnnstc» drö Acht Ilhr-Ladcuschlnsscö hat der kauf- männische und geiveibliche Hilfsvereiu für iveibliche Angestellte zu Berlin eine Petition an den Reichstag abgesandt. Jugendliche Diebe. Das Polizeipräsidium theilt mit: Es sind zur Hast gebracht fünf schulpflichtige Knaben, die sich zur Be- gehung von Taschendiebstählen eingestandenermaßen verbunden haben. In letzter Zeit haben sie nach dem Geständniß einzelner be- sonders am Zirkus Busch und am Stndlbahnhof Börse Taschen- diebstähle a»sg«führt, wobei einem bisher noch nicht ermittelten Herrn ein Portemonnaie mit 200 M. gestohlen ist. lieber einen seltsame» Ucbcrfall meldete der gestrige Polizei- bericht: Mit den Beinen an einem Flaschenzuge hängend, wurde am Sonntag der 66jährige Schuhmacher Thon in der Kielerstraße aufgefunden. Nach dem er aus seiner Lage befreit>var, gab er an» er sei von zivei Männern überfallen und in dieser Weise ausgehängt worden. Wir erfahren über den eigenartigen Vorgang folgendes: Der Schuhinachermeister Thon wohnt im 5keller des Hauses Kieler-' straße 24, Ecke der Scharnhorststraße. Am Sonntag Nachmittag befand er sich allein in seiner nach der Scharnhorststraße be- legenen Werkstätte, während seine Frau»ach Oranienburg gefahren war. Gegen 5 Uhr wurde plötzlich die Kellerthür geöffnet und zivei Männer traten herein, die sich erkundigte», ob sie ntte Stiefel haben könnten. Herr T. kam nun von seineui Werktisch herunter, kaum stand er jedoch den beiden gegenüber, als ihm einer der Männer einen Faustschlag auf den Kopf versetzte; sodann wurde er von beiden zn Boden gerissen. Dieser Angriff erfolgte so über- raschend schnell, daß ddr 66jährige Mann weder Widerstand leisten noch um Hilfe rufen konnte. Alsdann nahmen die Männer eine» Sattelriemen, welchen T. ans seinem Werktisch zu liegen hatte, und lvelchen er an demselben Abend zu seinein Schwiegersohn tragen wollte, banden hiermit die Füße des Greises znsammen und hängten T. dann mit den Füßen an einem eisernen Hake», der sich in der Füllung der Verbindnngsthnr von der Küche zur Weeksiube befand auf. T. halte inzivischc» die Besiiimiiig verloren; als er endlich wieder zu sich kam, waren die beiden Verbrecher verschwunden. Durch sei» Hilfegcschrei wurde der in denisclben Hanse wohnende Gastwirth Ztoth herbeigerufen, rvelcher, nachdem er eine Scheibe der Ladenlhnr zertrninmert und dann die von innen verriegelte Thür geösfnet, den Greis ans seiner Lage befreien konnte. Es war allerdings schon die höchste Zeit, da das Blut dein alte» Mann derartig zu Kopf gestiegen war, daß es bereits ans Mund und Nase herausdrang. Tie bermehrtcu Anzeigen tvege» nicht piinktlichcv Jniic- halinng der Polizcistniido in G'stwirthschastcn und die daraus ersolgten gcrichllichen Vernrtheilungen vom Kainmergericht hatten de»„Verband der Gast- und Schankwirthe für Berlin und Um» gegcnd" veranlaßt, an den Polizeipräsidenten Herr» v. Windheim eine Petition zu richte», in welcher derselbe gebeten wurde, ebenso wie sein Amtsvorgängcr den Gastwirth«» nach Eintritt der Polizeistunde»och eine Frist von einer Viertelstunde zu ge> währe», um das Kassemachen zn ermöglichen und den Gästen Zeit zum Austrinken de? bestellten Bieres zu lasse». In der Petition war gleichzeitig auf die Bevorzugung der Gebr. Aschinger hin- gewiesen und ans die Konkurrenz, welche den Gastwirthcn durch den unerlaubte» Winkelansschank der sogenannten Flaschenbierhändlcr bereitet würde. Ans diese Petition ist dem Vorstände des Verbandes »»»mehr folgende interessante Antwort des Polizeipräsidenten zu- gegangen: „Ans die Eingabe vom I. Dezember v. I. erwidere ich dem Borstande, daß hinsichtlich der Handhabung der Bestimmungen über die Polizeistunde in Schanklökalen keine Aendcrnngcn getroffen worden sind. Ans die Nechtsprechnng des Kammergerichts steht mir ei» Einfluß nicht zu. Die Behauptung, daß die Gebrüder Aschinger bei der Ertheilnng von Schanlkonzessionen nnd bei der verlängerten Polizeistunde bevorzugt werden, ist»»begründet. Von de» 25 Lokalen der Genannten haben mir 4 die volle Schankkonzession, 13 Lokale sind— nnd zivar meist anf grnnd von Er- kenntnissen de? Stadlansschusses—- neben dem Bierausschank zum Ausschank feiner Liqneure berechtigt, 8 Lokale besitzen die so- genannte halbe Konzession, d. h. die Berechtigung zum Ausschank von Wein, Bier, Kaffee. Daß an andere Wirihe weitergehende An- fordernng bei der Konzessionirnngen gestellt werden, ist nnrichligZ-Ter Kleinhandel mit Bier kann nach§ 35 Absatz 4 der Neichs-Geiverbc- Ordnung nur dann untersagt iverden. wenn der betreffende Gewerbetreibende nach dein 1. Januar 1397 wiederholt wegen Znividcrhandelns gegen die Vorschriften de? Z 33 der Reichs- Gewerbe-Ordnung bestraft worden ist. Bisher sind derartige Fälle hier nicht zur Kenntniß gekommen»nd hat daher eine Klage beim Bezirksaiisschub anf Uutersagnng des bezüglichen Kleinhandels nicht erhoben werden können, v. Wind he im." Nach dieser Antwort des Polizeipräsidenten besteht also die Respektsrist von einer Viertelstunde nach Eintritt der Polizeistunde für die Schankwirthschastcn» a 6) w i e vor nnd die stattgehabten Anzeigen sind nur anf ungenügende Instruktion der Schutzmänner zurückzuführen. Die Tastwirlhe erwarten daher, daß der Polizei- Präsident nunmehr eine diesbezügliche genereste Instruktion an die kontrollirendcn Beamten erlassen ivcrde. Ein schwerer Banunfall bat sich am Millwoch Morgen gegen S'/e llhr ans dem Grundstück Krone» str. 3 ereignet, auf dem ein Neu bau errichtet wird. Gester» Morgen waren mehrere Arbeiter dabei, noch einen Rest von alten Grundmauern auszubrechen. Sie standen in einem etwa 3 Meter tiefen Schacht dicht an de», Mauer- tverk. Um ein etwa l'/j Meter im Geviert mcssindeZ nnd I'/e Meter dickes Manerstück abzusprengen, schlag der 27 Jahre alte Maurer Adolf Haase aus der Thoninsstr. 4 zu Ripdorf eine» .Keil ein. Schneller, als man es erwartet Halle, lösta sicb da? Manerstück, weil es keinen Verband halte, und stürzte ckns Haase zu. Dieser kouute nicht schnell genug wegkomme», weil hinter ihm Ecde lag, das cliva 10 Zentner schwere Mauerstück traf ihn und zerschnieltcrle ihm beide Oberschenkel. Tie Mitarbeiter be- freite» de» Verunglückte» aus seiner Lage»nd ließe» ihn durch die nächste Unfallstation in ein Krankenhans bringen. Verhaftung des zweite» Cheikdicbcs Der stüchiige Friseur Perpließ, welcher mit dem festgenommenen Postliilfsbotcn Stntzti zn- sammc» die beide» für die Firma Wolfs bcstiinmle» Checks nnd durch Fälschung derselben 35 000 M. an sich gebracht hat, ist in Köln ver- hastet worden. Ei» weiblicher Sonderling. Seit 30 Jahren wohnte im Kcller des Hauses Knrstrafte 12/13 die jetzt 83 Jahre alte Willwc Marie Götter, die jedermann in ihrer Gegend unier dem Namen „M» t t e r Götter" kennt. Ihr Mann, der vor 30 Jahren starb, mar Vorkosthändler nnd hinterließ seiner Fran ein kleines Ver- »läge», das sie jedoch in der Gründerzeil verlor. Seit dem Tode ihres Mannes wohnte Frau Götter i» dem Keller des genannte» HanseS i» einer Stube und Kammer. Die Kammer aber überließ sie seho» vor Jahren ihre» zahlreiche» Wohmnigsgeiioffen: 2 Papageie», 17 Kanarienvögeln, 6 Tauben nnd einem Hunde. Seil Sonntag Morgen war die Alte nicht mehr zum Vorschein gekommen. Am Montag Nachmittag wurden die Nachbarn ans ihre Wohnung durch das Gebell deS Hundes aufmerksam. Auch die Tauben zeigten ei» verändertes Wesen, indem sie»nrnhig am Fenster hin- und her- flatterten. Da die Thür verschlossen war, so holte man die Polizei, die die Wohnung öffne» ließ.„Mutter Götter" lag bcivußllos aber noch lebend anf dem Bette, ihre Thicre waren halb verhungert und verdurstet. Unter den Hände» des Arztes kam die Zilie bald wieder zu sich, sie hatte wohl mir infolge ihres hohen Alters einen Schwächcanfall gehabt. Mährend man Mutter Götter pflegte, nähme» sich andere Hans- bewohner auch der Thtere an. Da»»an die alte Frau nicht gut länger allein lassen konnte, so wurde beschlossen, sie in das städlische Siechenhans z» bringen. Gestern Nachmiltag kamen Beamte des Thicrschutzvereins mit einem Wagen und holte» nnler großem Zulauf ans der ganzen Nachbarschaft die Menagerie ab. Vor de» Augen ihrcS BriintigauiS hat sich am Dienstag Abend argen 10 Uhr die 24jährige Btnrlha Falkenberg de» HalS zu durchschneiden versucht. Sie hatte sich mit ihrem Liebhaber erzürnt. Vorgestern Abend begab sie sich nach einer an der Ecke der Wein- und Mehnerstraße belegenen Gastwirthfchaft, In welcher auch der Bränli- gam zu verkehren pflegt« nnd plauderte dort mit anderen Gästen, bis etwa gegen 10 Uhr abends der Ersehnte ebenfalls die Wirth- schaft betrat. In diesem Augenblick erhob sich das Mädchen von feinem Platze, trat an den Ladentisch und nahm ein aus dem Tisch liegendes Brotmesser. Noch ehe die bestürzte» Gäste e? zu bindern vermochten, hatte sich die F. mit einem kräftigen SchniU eine tiefe, etwa 20 Zentimeter lange Wunde am Halse beigebracht. Einem sofort hinzugerufeneu Arzt ge- lang eS, durch rechtzeitiges Unterbinden die Gefahr«iiier Verbliitnng zu verhindern. Die Schiververletzte wnrde durch einen Schutzmann dem ftädlische» KrankcnhanS FriedrichShain zugeführt. Tie Kewohnhelte«. mit denen i» ch r i st l i ch e n H e r b e r g e» zuweile» die Arbeitslosen seitens gewisser Angestellter behandelt werden, haben»vir schon häufig tadeln müssen. Es scheint, daß die Rügen von keinerlei bessernden Wirkung begleitet sind, denn von Zeit zu Zeit gehen nns immer neue Klage» z». Ei» Leser, der am Sonntag Zeuge einer skandalösen Szene ivar, schreibt»»S:„Am Sonntag führte mich mein Weg zur Herberg« in der Angiiststraße. Dort halte» sich am Tage säinmlliche Anwesenden im großen VcrsanimlungSsaale anf. Etwa um 2 Uhr nachmittags begann der Hansdiener, ein robuster Mensch von etwa 22 Jahre», in Gegenwart von un- gefähr zweihundert Personen den Saal mit Besen nnd Schaufel regelrecht auszukehren. Wie«S nun in der Herberge Sitte ist. wurden alle Anwesende» mit rauhe» Worten aufgefordert, sich von ihre» Plätzen zu erheben, um dann, umgeben von dicke» Staub-»nd Schmutzwolken, sich»och die Stiefel und Kleider mit Kebrtcht k>e- schlender» zu lassen. Im hinteren Theile de? Saale« fand nun der Diener einen alten müden Mann, auf den Tisch gelehnt, schlafend sitzen. Nachdem-r ihn am Kragen ge- packt und emporgezogen hatte, ließ der Mann die Bemerkung falle»:»Na, na, treib es man»ich zu doll, mach' eS man halbwege", worauf der Hansknecht mit den Worten:„Was, Du willst hier noch aufmucke»?" den alten Mann vor die Thür« beförderte. Dort stürzte er z» Boden. Dann bearbeitete dieser Hausknecht den Greis noch mit den Fäusten; nicht zufrieden damit, stieß er sein Opfer die gleich hinter der Thüre beginnende Treppe von etwa 15 Stufen hinunter. Die Zeugen des Borganges glaubte». der Mann würde überhaupt nicht mehr auf- stehen, denn er war direkt auf Kopf und Rücken gefallen. Nach- dein der Unmensch dem Alten noch den Hut nachgeworfen halte, kehrte er zurück nnd drängte die Zuschauer in den Saal hinein. Alles dieses war das Werk eines Augenblicks. Als der Hansvater an de» Diener die Frage richtete, ivas den» der Mann ver- schuldet hätte, gab jener lächelnd zur Antwort:„Der Kerl fing an frech zu werden." Damit ivar die Sache erledigt. Bei meinem Weg- gehen fragte ich den stellvertretenden Hausvater, wie es denn komme, daß ein alter armer Mann derartig behandelt werden könne; die Antwort darauf mar:„Die 5kerls müssen energisch be- handelt werden, es geht nicht anders, übrigens geht Sie die Sache gar nichts an." Uns will scheinen, daß die Zeugen deS Vorganges nicht ganz »»schuldig an der rohen Handlungsweise sind. Es wäre ihre Pflicht gewesen, dem HanSknecht ganz energisch zu bedeulen, daß ma» selbst in einer christlichen Herberge unter alle» Umständen Menschlichkeit zu üben hat. Fcuerbcricht. Ei» Kellerbrand rief die Wehr Dienstag Abend Lft» Uhr nach K o l b c r g e r st r. 26. Ei» Kinderivage» und ver- schiede»? Willhschastsgernthe gingen hier in Flamine» auf. Mitt- woch früh 7t/o Uhr brannte E x e r z i e r st r. 9 ei» Posten Tabak. Abends 7 Ubr erfolgte Alarm nach H ochst r. 29s, wo in einer Holzbcarbeilungssabrik ei» Werkzeugspind»nd ein Hansen Hobel- späne in Brand gcrnthen waren. Glücklicherweise war Hilfe schnell zur stelle und konnle der Gefahr eines ausgedehnten Brandes noch rechtzeitig vorgebeugt iverden. Lnisen-Xhcater. Die Soubrette Anna Müller-Lincke ist von der Direttion des Luisen-Theaters auf ein weiteres Jahr verpflichtet worden. Für die nächste Saison sind ferner für diese Bühne noch einige bedeutende Kräfte in den ersten Fächern gewonnen worden, die eS der Direktion ennüglichen, auch die größeren Klassiker, wie die„Wallenstein Trilogie",„Sioinco und Julia",„Hamlet",„Die Jungfrau von Orleans", „Don Carlos" nnd den„Faust" in künstlerisch gediegener Besetzung zur Auf- sührung zu bringen, auch sind fünf verschiedene moderne Novitäten aus dem Gebiete dcö Schaiispiels und Volksstückes erworben worden. Zsiis de« Nachbarolie«. lliiabhäiigige Lchrcrfrcnndlichkcit in Schöucberg. Die Angelegenheit der Lehrerbesoldniig Hai am Dienstag in der Schöne- berger G e m e i n d e- V e r t r e t u n g zu stürmischen Auftritte» geführt, und namentlich ans den Tribüne», die von der Schöneberger Lehrerschaft vollständig überfüllt waren, ging es äußerst lebhaft der. Am 8. November w I. war angesichts der bevorstehende» Stadtverordneten-Wahlen von der Gemeinde der Be- schlnß gesaßt worden, die Lehrcrgehälter um ei» Bedeutendes zu erhöhe». Die„Liberalen" wiistle» die Lehrer für sich zu gewinnen und diese mögen bei de» Wahlen auch tapfere Dienste geleistet habe». Als aber die Wahlen zn Ende waren, kriegte man heraus, daß in de» Stachbarorlen von Schöneberg niedrigere Lehrergehälter gezahlt werde», als in der neuen Stadt selber. Das Ergebniß der erregte» Verhandlungen vom Dienstag war dann schließlich die Aufhebung des Beschlusses vom 8. November und die Annahme de? Antrages Schiniel, wonach für Schöneberg nunmehr folgende Lehrergehälter definitiv festgesetzt find: Für die Rektore»: 2200 M. Grundgehalt, 800 M. Wohnungs- geld-Znschnß nnd 200 M. Allerszulage; für die Lehrer: 1300 M Grdg., 550 M. W.-Z. nnd 200 M. A-Z.; für die ivisscnschaftlichen Lehrerinnen: I IV0 M. Grdg., 300 M. W-Z. nnd 100 M. A.-Z.; für die technische» Lehrerinnen: 900 M. Grdg., 300 M. W.-Z. nnd 100 M. A.-Z. Als dtescr Beschluß gefaßt wurde, verließen die Lehrer unter allgemeinem Tumult»nd lauten Zeichen der Entrüstung die Tribünen. Hofsenilich lassen sie sich nicht zum zweiten Male ködern. Zur Frage der Gestaltung der Handwcrkökainmcr» in der Provinz Brandenbnrg hat in Rixdorf eine Versammlnng von Vor- sitzenden bezw. Vorständen sämmllichcr dortigen Innungen Stellung genommen. Es wurde eine Eingabe an die Regierung in Potsdam bczw. an das Minifterim sür Handel nnd Gewerbe beschloflen, in welcher beantragt wird, sür Berlin eine besondere Handwerker- kanuner, nnd, wenn möglich, für jede» der beiden Regierungsbezirke, anf jede» Fall aber sür die Provinz Brandenburg— mit Ans» nähme der Reichshanplsladt— eine eigene Kannner zu errichten. Ein räuberischer Ilebcrfall wnrde gester» Nacht anf den i» Nixdorf, Eteiunietzstr. 18, wohnende» Droschkcnbefltzer Fiebich verübt. Als Fiebich nach Mitternacht heimkehrte und die Hoflhür aufschloß, wnrde er von drei Strolchen, die sich aus dem Hose verlorge» gehalten hatten, überfallen nnd zn Boden geschlagen. Die Räuber risse» ihm die Ledertnsche auf, um ihm das Geld, ivelchcs der Droschkenbcsitzcr jedoch unter dem Mantel in der Brusttasche seines RockcS trug, abzunehmen. Anf die Hilferufe des Kutschers eilten dessen Frau und verschiedene Hausbeivohner herbei, denen es gelang, zwei der Strolche festznnehtnen. während der dritte entkam. Fiebich hat bei dem Kampfe mit de» Räubern eine erhebliche Verletzung des rechten Auges davongetragen. Tie Pachtung der Gastwirthfchaft Huudekchle im Grnnc. wald ist nuinnchr, wie dem„Gasthaus", Organ des Dtntsche» Gast- wirthsverbandes, von der königl. Regierung zn Potsdam soeben bekannt gegeben worden ist. dem Mitbesitzer des hiesigen Termin»?- Hotels, Herr» Hermann Ollo, der ein Pachtgebot von 37 000 M. abgegeben halle, Überlragen worden, und zwar für den Zeitraum von 18 Jahre».- Gevichks Hortung» Wie Kriminalschuizmauu Bartholz seines Amtes waltet, zeigte sich in einer Verhandlung, die gestern vor der vierten Slrastammer des Landgerichts II stattfand. Der Restauratenr Nikolaus Fühler hatte im vorigen Jahre in der Bayrenlherslraße nns Eharlottenbnrger Gebiet eine Kneipe mit Damenbedienung. Ain Vormittag des 2. Juli hatte Fühler einen Geschäfts- imig gemacht»nd das Lokal während seiner Abwesenheit der flussicht seiner Ehefrau überlasse». Als er nach Hause kam, wurde ihm von seiner Frn», seiner Kellnerin und seinem Dienstmädchen mitgetheilt, daß ei» Kriminalbeamter dagewesen sei, der die Kellnerin veranlaßt habe, mit ihm ein Glas Bier z» trinke» und der dieselbe mit Gewalt»eben sich anf das Sopha gezogen habe, worauf er sich alS Kriminalbeamter vorstellte und mit einer Anzeige drohte. Fühler ließ sich auf grnnd dieser Mittheiimig sofort durch einen Winkel- konfulente» eine Beschwerde an die Charloltenburger Polizeidirekiio» über das Verhalte» deS KriminalschutzmannS B a r t h o l z a»S- arbeiten und sandte dieselbe ab, ivaS die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Bartholz zur Folge hatte. Andererseits erhielt Fühler ein Slrafmandnt über 3 M. wegen Uebertretnng des ij 9 der für Charloltenburg erlassenen Verordnung vom 14. Scp- tember 1392, welcher den Kellnerinnen verbietet, stch»eben die Gäste zi» setzen oder dieselben z» animire». Fühler be- antragtc gegen daS Mandat richterliche Enlscheidmig. bis zn welcher seitens der Behörde daS Diszipliuarversahre» gegen Bartholz ausgesetzt wurde. Vor demEharlottenburgerSchöffengericht wurde dem Schutzmann Bartholz, der jede Provokation seinerseits bestritt, durch das damalige Dienstmädchen des Fühler, die unverehelichte M i« t s ch, eidlich ins Gesicht gesagt, daß er die Kellneri» provozirt habe. Das Schöffengerictzt in Cbarlottenbnrg bat die Glaubwürdigkeit der einander widersprechende» Zeugen nicht d«S weiteren geprüft, es ge- langte ans rechtlichen Gründe» zur Freisprechimg, weil der Wirth nicht verantwortiich gemacht werden könne für eine Ueber- tretnng, welch« in vorübergehender Abwesenheit seitens einer Kellnerin begangen werde. Gegen dieses Urtheil legt» die ■Staatsanwaltschaft Berufung ei». In der vorigen Verhandlung vor der zweiten Instanz standen stch die einzigen beide» Zeugen, der Schutz- man»«nd das Dienstmädchen, ebenso widerspruchsvoll gegenüber, wie vor dem Schöffengericht. weShalb der Gerichtshof noch weitere Beweiserhebung beschloß. In der gestrigen Verhandlung führte sich Kriminalschutzmann Bartholz damit ein, daß er den Vertheidiger des Fühler, Rechtsanwalt Ulrich(konservativer Landtags- Abgeordneter) sür einen Zeilnngsbericht über die vorangegangene Verhandlung in Anspruch nahm, in welchem referirt wnrde, daß der Vertheidiger in seinem Plaidoyer ihn einen.�Aont xrovoosteur" genannt»nd sein ganzes Verhalten-so dargestellt habe, daß es zum„Sozial- demokratisch-werden" sei. Er, der Schutzmann, fühle sich dadurch be- leidigt nnd er werde den Vertheidiger verklagen. Der Vorsitzende erwiderte ihm darauf:„W e n n man im öffentlichen Leben steht, muß man sich manches gefallen lassen, da wird manches über einen geschrieben. Ich komme immer dadurch am besten darüber fort, daß ich solche Sache» gar nicht lese!" Der Schntzman» blieb auch gestern dabei, daß er nicht„provozirt" habe, „als Polizeibeamter dürfe er so etivas gar nicht thun," er gab jedoch i» demselben Satze zwei recht bemerkcns- werthe Umstände z». Zunächst deponirte er unter seinem Eide, daß er sein ganzes Quartalsgehalt in Höhe von 320 Mark i» Gold bei sich führte, daß er dieses Geld der Kellnerin gezeigt und daß diese i h in darauf g e- sagt, daß er damit ihr die Zlngen verblenden könne. Ferner deponirte er, daß die Kellnerin nicht neben ih m anf d e m S o p h a, sondern nur ans derLehne desSophas gesessen habe, anf welchem er saß. Das Dienstmädchen Mielsch hielt ihre frühere Aussage Aug' in Aug' dem Schntzman» gegenüber ans- recht, die damalige Kellnerin ist aber nicht mehr zn ermitteln gewesen und die Ehefrau, die dasselbe bekundete, wie das Dienst» mädchen. konnte als Ehefrau des Angeklagten nicht vereidigt werde». wodurch ihr Zengniß juridisch werthlos wurde. Staalsanwalt C n» y erklärte, es sei heutzutage sehr gebräuchlich, mit Hilfe v o n W i n k e l k o» s n l e» t e n und der Presse gegen die Beamten zu hetzen. Der Gerichtshof schenkte dem Schutzmann mehr Glaube» als dem Dienstmädchen, weil dieses nicht ans solch' unmittelbarer Nähe beobachtet habe wie der Schutz- mann selbst. Die Rechtsfrage sei dahin zu lösen» daß da,»vo ein juridischer Stellvertreter nicht bestellt sei, der Wirth persönlich die Verantwortung trage. Das Urtheil laute daher aus 6 Mark Geldstrafe. Eine Birrplantscherei ärgster Art kam i» einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern vor der 137. Abiheilung des Schöffen- gerichts stattfand. Auf der Anklagebank befanden sich der Büffeticr Herm. Qua st, die RestanrateurSwiltwe Sophie Schön walder nnd deren beide Töchter Gertrud Goldschmidt nnd Marie Schön- walder. Der Angeklagle Quast ist Geschäftsleiter derSchönwalder'schen Restauration in der Orauiensiraße. Anfangs dieses Jahies� er- statlele» mehrere Kellner eine Anzeige, worin sie über die Geschäfts- führung in der genannten Liestauratio» haarsträubende Dinge offen- borten. Wenn sie Gläser mit stehengebliebenen Neigen nach dem Büffet brachten, so würden die Vierreste nicht fortgegossen, sondern vo» de» Angeklagten würden die Gläser einfach wieder auf- gefüllt nnd dies Gemisch wurde anderen Gästen ohne An- sehen der Person wieder vorgesetzt. Ebenso iverde das Tropfbier nnd das Bier, welches sich in den Untersätzen sammele, zum Ans- füllen verbraucht. Einmal habe der Angeklagte Quast einen Chnmpagnerknhler voll Bier ans dem Keller hervorgeholl. Es habe keine Spur vo» Schaum gezeigt und müsse der Rest aus einem undichten Fasse gewesen sein. Auch die-? Bier sei mit gutem Bier vermischt nnd den Gästen vorgesetzt worden. Der Staatsanwalt hielt den Angellagten völlig übersührt, er beantragte gegen Quast 2 W o ch e n G e f ä u g n i ß, gegen die Wittwe Schön walder und deren älteste Tochter je 30 Mark, gegen die j ü» g e r e 10 M a r k G e l d st r a s e. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts. Tie freie Amerikaneri» nnd das europäische Sklaven- leben. J» der Hnscinann'schen Restanration spielte sich an einen» Dezcmber-Abend des vorige» Jahres ein aufregender AuftriU ab. Hasemann, der ein Lokal mit Damenbediennng besitzt, hatte vor einigen Tagen neue Kellnerinnen erhallen, darunter eine Kreolin namens Alice Steer. Sie mar eigentlich Artisti», halle sich von einem Agenten in London als Kellneri» aniverben lassen, weil sie keine andere Stellung erhallen konnle. Der neue Beruf gefiel ihr ans verschiedenen Gründen nicht, indessen verneinte sie ans- drücklich vor Gericht, daß ihr irgend welche Zninulhnngen gestellt worden seien, welche gegen Sitte und Anstand verstießen. Eines Abends erklärte sie dem Wirth geradeheraus, daß sie de» Dienst ver- lassen wolle,»»» in den„Rcicbshallen" aufzutreten. Der Wirth, der der englischen Sprache nicht inäckilig ivar, versuchte ihr begreiflich zu machen, daß sie stch aus sechs Monate verpflichtet habe. Es mißlang ihm dies vollständig. Da betrat ein neuer Gast, der Zigarren- Händler Gartenberg, daS Lokal, der mehrere Jahre lang in Amerika gewesen ivar. Dieser erbot sich, den Dolmetscher zn spiele» nnd übertrug die Ansführnngen des Wirlhes. Das heiße Blut der Kreolin gerieth in Wallung, als sie börle, daß sie anf ihrem Posten auszuharren habe, und als ihr gedroht wurde, daß man sie bei ihrem ersten Austreten durch eine» Schutzmann von der Bübne würde herunterhole» lassen. Sie blieb dabei, daß sie eine freie Awerikanerin sei nnd niemand ihr etivns zu sagen habe. Schließ- lich gerieth sie in eine derartige Erregung, daß sie sich auf die Knie warf und mit erhobene» Hände» einen fürchterlichen Schwur lhnt, daß sie de» Dolmetscher, gegen de» sich ihre ganze Wulh gekehrt hatte,„diesen nichtswürdigcii Sohn einer Hündin" erschießen würde. Sie sprang dann aus, eilte aus ihr Zimmer und kam mit einem sechSlänfigen tstevolver zurück, de» sie ihre» 5floIIeginnen zeigte und sich dann nach dem unglückliche» Opfer umsah. Gartenbertz halte es vor- gezogen, seine Person i» Sicherheil z» bringen; er kehrte mit einem Schutz- mann zurück. Es zeigte sich, daß der Revolver garnicht geladen war. Fräulein Steer stand gestern unter der Anklage der Bedrohung vor der 139. Abth. des Schöffengerichts. Rechtsanwalt Dr. Schneider diente alS Dolmetscher. Ter Gerichtshof vernrtheilte die Angeklagte »ach dem Antrage dcs Staatsanwalts zu einer Geldstrafe von 5 Mark. Polizeiliche Beschränkmig deS BaurcchtS. Ter Kanfmann Engel in Berlin wollte ein Grundstück im Bezirk der Stadt Schneide» mühl bebauen. Die Erlaub» iß dazu wurde ihm jedoch mit der Be- gründung versagt, daß das Grundstück nur 30 Meter vo» einem Pulverschnppen entfernt sei, während Mohnhänscr nach einem Ministerialerlaß von 1334 mindestens 700 Schritt von Pulver- schuppen»c. entfernt bleiben innßlen. Die wesentlichsten Be» stimnmngen des Ministerialerlasses sind einer Kabinetkordre von 1822 entnommen. Engel klagte gegen die Polizeiverwaltnng im Verwaltungsstreit-Versahre» anf Anihebung der Verfügung, durch die ihn der Nonsens versagt worden»vnr. Er machte geltend, er sei in seinem Eigenihumsrecht nnznlässigeriveise beschränkt worden. DaS von ihm erworbene Grundstück liege innerhalb eines TerrainS, für das schon die Baufluchtlinien festgesetzl wären. Die Polizei dürfe ihn» deshalb nicht sein Baurecht nehmen, sie müsse vielmehr dafür sorgen, daß der Pnlverschuppen ans der Nähe der Sladt enifernt werde. Der Bezirks-Ansschuß»vies die Klag« zurück nnd das O b e r- V e r- waltungsgericht verwarf die hiergegen«ingelegte Berufung mit folgender Begründung: Niemand dürfe in einer Weise bane». die nicht polizeilich zulässig sei. Hier habe die Polizei anf grnnd des§ 10 II 17 Allgememen LandrechtS die Erlaubniß versagen können, da die Bewohner des projcklirte» Hauses durch die Nähe deS Pulverschuppens gefährdet werden würden. Vielleicht gelinge es dem Kläger, im Anfsichlswege Abhilfe zu schaffen. Ein weitmS Strafverfahrci» gcgcil den Krimiiialschiitz- manu Kiefer in Köln ist von der dortigen Staatsanwaltschaft eingeleitet worden,»nd zwar infolge eines Briefes, den das als Zeugin in dem letzten Prozeß gegen Kiefer vernommene Fräulein Hartnia»» aus Jülich kürzlich an die SlaatSanwaltschast richtete. Jenes Fräulein wurde, wie man stch aus dem Bericht über die Ver- Handlung»rinnern wird, dnrch Kiefer sowie dessen Kollegen Siecher »rrthüinlich als Dir»« verhastet und»vährend der Nacht ans der Wache festgehalten. In jenem Briefe macht die junge Dame überaus gravirende Angaben über die Behandlung, welche ihr in der Nacht auf der Wache zu theil wurde. Versantmlnttgrtt. In der Mitgliederversammlnng des 2. WahlveveinS, die om Dienstag bei B i ck e l, Hasenhaide, tagte, referivte Genosse Schjppel über de» Posadoivsky'schen Erlast. Der Redner delonle eingangs, daß die Regiernng gar keinen Anlaß habe, sich über die Veröffentlichung des geheime» Erlasses aitfznregen, da man ja nur an die Vorgänge während des Sozialistengesetzes za denke» brauche, tun den offenen Kriegszustand zwischen Regierung und Sozialdemokratie genügend zu kennzeichnen. Auch jene, in den Vordergrund gezogene Petition der Baugewerksinnnng an den Grafen Posadowsky sei nur das Deckmüntelchen, hinter welchem sich die Wünsche ganz anderer Herren ver- borgen hielten.— Man wolle auf nichts Anderes hinaus, alS den bekannten Z IbZ des Gewerberechts verschärfen, nach welchem bisher wenigstens rechtlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber ans gleicher Stufe gestanden hätten. An der Hand der Arbeitergeschichte tveisl Referent hieraus nach, wie jedes Mal nach größeren Lohn- bewegniigen, so im Jahre 1872/78 und 1891 das Unternehinerthuin eine Verschärfung dieses Paragraphen gefordert habe, wie man nach Aushebung des Sozialistengesetzes immer neue Paragraphen deS Strafgesetzbuches bei Streikfällen herangezogen habe; so den„groben Unfiig".„die Verrufserklärung",„den Versuch der Nöthignng und der Erpressung".— Man habe im Reichstage wieder- holt auf Ausschreitungen während einzelner Lohndewegmtgen hingewiesen. Dies sei aber in den meisten Fällen tinrichtig, denn gerade die von dem Unleruehmerlhum mit Waffen versehenen „Arbeitswilligen" seien es geivesen, die Thätlichkeiten provozirt habe». Das Wesen der Organisation und der Gewedschnfteu an und für sich wirke in jeder Weise dahin, den Arbeiter so zu erziehen, daß er seine Forderungen friedlich auskämpfe. Eine Verschärfung des Z 153, oder eine event. Einführung einer„Aufreizung zum Rontraktbruch" bedeute nichts Anderes, als den Ruin der Gewerkschaften. Die Regierung, die so oft eine starke genannt werde, zeige ihre gerühmte Stärke nur darin, daß sie stark ttnd rücksichtslos nach tt u t e tt, jedoch schwach und znvorkomuteud nach oben sei. Eine Disknsston über den Vortrag fand nicht statt.— Im dritten Punkt der Tagesordnung:„V e r e i n s a n g e l e g e n h e i t e n und Verschiedenes" wurde ein Antrag angenommen, für eine eingegangene Zahlstelle eine neue bei Grosse, Zoffenerstr. 1, zu gründen.— Mit einem Hinweis auf die Lehren des Schippel'schen Vortrages und einer Aufforderttng zur Agitation für die Presse schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Wahlvercl» für den sechste» Berliucr NeichStagS- Wahlkreis hielt am 1. Februar im Lokale Beusselstr. 9 seine Mit- gticder-Versammlung ab. Genoffe Scheffler hielt einen Vortrag über die Stellungnahme der Parteipresse, speziell des„Vorwärts", zur China-Politik.'Abgesehen von der Besprechung des Pacht- Vertrages, die eine schärfere und präzisere hätte sein können, ist der llieserenl mit der Stellungnahme des„Vorwärts" einverstanden. In der Diskussion, au welcher sich B r ü ck in a n n, S ch l i e p e r und Kiesel betheiligten, wurden mehr die sozial- und wirlhschafts- politischen Folgen der China-Politik hervorgehoben. Unter Vereins- angelegenheiten tadelt Rens er, daß so wenig Agitationsmaterial voin Vorstande herausgegeben werde. Es wird Abhilf« versprochen. Weiter theilt Kiesel mit, daß in den nächsten Zahl-Abendeu die Billets zu dein am 19. März stattfindenden Stiftungsfest heraus- gegeben werden. Hieraus schloß der Vorsitzende die ziemlich gut besuchte Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Eine große Protestbersanimlnug der Franc»»nd Mädchen Vcrlins fand am Dienstag Abend in der Brauerei Friedrichsbai» statt. Der große Saal ivar dicht gefüllt van einem größteutheils weiblichen Publikum. Frau Klara Zetkin referirle über das Thema:„Flotteuvorlage, Kolonialabenteuer inid die Interesse» der Frauen des Volkes". Tie Vortragende ivies ans die Entrüstung hin, die sich namentlich in konservativen Kreise» erhoben hat, iveil sich die Frauen mit der Flottenvorlage beschäftige» wollen. Als jedoch die patriotische» Gymnasiasten in Ludwigsluft für die Welt- Politik gesammelt haben, hat ihnen der Herr Tirpitz ein Dankschreiben zugesandt. Man stellt denmach die Schuljungen über die arbeitenden Frauen, die für sich selbst und ihre Familie sorgen müsse». Die Interessen der Frauen werden in empfindlichster Weise von den Flotlenvlänen berührt. Durch die Vorlage werden dein Volke die drückendsten Laste» ausgelegt, gleichzeitig aber sollen die Rechte des Reichstages beschnitten iverden. I» einer Zeit, wo fortwährend zum Umsturz von oben gehetzt wird, wäre es eine Gewissen- losigkeit vom Reichstag, wenn er die Forderung bewilligen und seine eigenen Rechte preisgeben wollte. Außer einer kleinen Gruppe von fortschrittliche» und demokratischen Abgeordnete» ist es lediglich die Sozialdemokratie, die in schärfster Weise gegen de» Wasser- Patriotismus Einspruch erhebt. Man hat sich bemüht, der Ardeiter- klaffe de» Schiffsbau durch den Hinweis ans die vermehrte Arbeitsgelegenheit akzeptabel zu machen. Allerdings iverden einige Arbeiterschichten Arbeit bekommen, aber doch ans Kosten der großen Mehrzahl des arbeitenden Volkes selbst. Was aus diesen Kreisen für dte Marine gegeben wird, nmß an anderen Ausgaben abgezwackt werden. Unter dieser aufgezwungeueu Sparsamkeit leiden wiederum viele deutsche Industriezweige. An Kriegsschiffen ist schon heute kein Mangel. Ja, wir haben deren soviel, daß zur Zeit der türkischen KriegSivirren ein Kriegsschiff lediglich zu einer höfischen Reise benutzt wurde. Um die deutsche Industrie zu heben, ist es nöthig, die Arbeiterschaft durch ein System sozialer Reforme» leistungsfähiger zu machen; und um de» Handel zu heben, müßte vor allen Dingen mit der Politik der ostelbischen Brotvertheurer ge- brechen werde». Statt dessen betreibt man, wahrscheinlich um den inneren Schwierigkeiten zu entgehen, eine Politik der Macht, des Waffenruhmes und der lorbeergeschmücklen Slirnen. Diese Politik aber wird zerschmettert an der Wucht der Thalsachen, die keinen Ab- solntismus dulden und die Entwicklung der Gesellschaft in soziale Bahnen lenken werden.(Lebhaftes Bravo!) Die Vortragende ging dann näher auf die speziellen Interessen der Frauen an den Flottenplänen nnd Weltpolitikgelüsten ein. Nenn Zehntel des deutschen Reichsbndgets werden aufgebracht durch indirekte Steuern, da liegt das Interesse der Frauen klar am Tage. Vei einem Hinweis ans die Zivilliste des Kaisers von 16 Mill. Mark fordert der überwachende Polizci-Offizier die Vorsitzende auf, dafür zu sorgen. daß sich die Vortragende in den gebotenen Schranken halte.(Dazu halte er kein Siecht! D. Red.) Wenn«S den hochpntriotischen Kapitalisten ernst ist mit ihrer Flottenbegeisterung, dann sollen sie auch selber für die Ansbringiing der Kosten sorgen. Herbei, Ihr weißgekleideten Ehrenjnngsrauen, die Ihr die patriotischen Feste verschönt, legt Eure echten oder falschen Zöpfe auf dem Altar des Vaterlandes nieder! Die Herren Eisenwerk- Besitzer und Kanonen» sabrikanten sollten auf den ihnen auf den Schiffsbestellungen zu- fließenden Unternehmergeivinn zu gunsten der Arbeiter verzichten. Herr Stumm würde deswegen noch nicht der städtische» Zlriimr- Verwaltung anheimfallen»nd Herr Krupp nicht auf eine Arbeiter- iülters- und Invalidenrente angewiesen sein.(Stürmische Heiter« keil.) Mit solchen Forderungen wurde man aber bei den Herren Prozentpatrioten kein Glück haben. Rednerin weist darauf hin, wie stark die Kulturaufgaben unter den Aufwendungen für Militär und Marine leiden. Die proletarische Frau hat aber ein großes Jirteresse an genügenden und guten Schulen für ihre Kinder, ferner daran, daß die vielen tausende von Kindern, die heute hungrig zur Schule wandern, aus öffentlichen Mitteln gesättigt werden. Die proletarischen Frauen verlangen für sich und ihre alten oder erwerbs- unfähige» Angehörigen eine wirkliche und würdige Versicherung. Auch aus die Gefahr, die beut deutschen Proletariat ans der Ein- wandernngder bedürsnißloseu chinesischen KuliS erwachsen kann, geht die Rednerin näher ein. Die Bestrebungen, den Arbeitern das Koalitions« recht zu nehmen und die Wahrung ihrer Klasseninteresseu zu er- schweren, welche Bestrebungen man unter einem System der Welt- ymchtSpvlitik zu verbergen sucht, berühren die proletarischen Frauen aufs tiefste. Mit der überseeischen Wellmachtspolitik ist eine Scliivächttng und Hemmung der demokratischen Enlwickelung des deutschen Volkes verbunden. Mögen Plofessore», Pastoren, Doktoren »nd andere Thoren sich gefallen in der Uniform freiwilliger See- Husaren: Die deutsche Ardeiterklasse und insbesondere die prolc- tarischen Frauen werden diese Narreitjacke niemals anziehen! Sticht endeuivollender Beifall durchtönte nach der machtvollen, geist- sprühenden Siede den Saal. Als Diskussionsredner trat einzig Pfarrer Naumann auf. Er sagte, er wolle versuchen, der Rednerin entgegenzutreten, auch ans die Gefahr hin, zu den erwähnten Pastoren oder anderen Thoren gerechnet zu werden. In vielem sei er mit der Rednerin einver- standen, so damit, das es keine größere politische Frage gebe, die nicht ebenso die Interessen der Frauen wie die der Männer berühre. Es sei auch wahr, daß diejenige», die für die in Rede stehenden Zwecke am meisten zahlen könnten, viel zu billig wegkomme». Die sozialdemokratische Partei iverde hiergegen tvie gegen vieles ander« prolestiren, aber die Proteste werden wirkungslos ver- hallen. Dies werde erst anders werden, wenn die Partei sich entschließe, mit beizutragen an der Arbeit und an der Ver- antivorimig für die Politik des Vaterlandes. Jetzt benütze sie ihre Macht mir negativ. Die Konservativen nnd das Zentntm seien klüger- diese würden sich für ihre positive Mitarbeit politischen Einfluß und Vortheile erringen. Würde die Sozialdemokratie nicht, wie fetzt, prinzipiell verneinen, dann würde es vortheilhafter für die Arbeiter sein. Eine starke Marin« sei nöthig, um die deutsche Ein- fuhr und Ausfuhr zu schützen. Auch die Sozialdemokratie sei nicht der irrlhiimliche» Meinung, daß eine Marine und sonstige Kriegs- macht ganz unnöthig sei. Wer aber dieser Meinung nicht sei, der müsse auch logischerweise dafür sorgen, daß die Maschinerie in Ordnung bleibe. Die Arbeiterbewegung dürfe sich jetzt nicht niehr mit der Politik des Protcstirens begnügen. Sie müsse thätig mitwirken und dadurch für die Arbeiterschaft Vorthetle erringen. Genossin Zetkin erwidert, Naumann habe eine Politik des gemeinen Schachers empfohlen. Die Regierung, die nichts weiter als die Jnteressenvertretcrin der herrschende» Klassen sei und unter den gegenwärtigen Verhältnissen sein müsse, habe gar nicht das Bedürfniß mit, sondern sie sei gezwungen, gegen die Arbeiterklasse zu regieren. Dies habe sich sogar in den vielgerühmlen Flilterwochen des sozialen ftöniglbninS gezeigt. Der Rrbeiterschutz-Gcfctzentwnrf von IS9t sei sogar hinter de» Forderungen des Zcnlrmns zurückgeblieben, dagegen habe er i» schärfster Form die Verschlechlerung de? Koalitionsrcchts der Arbciler enthalten. Die Sozialdemokratie Hab« sich redlich bemüht, positiv zu arbeiten nach Seiten der Verstärkung deS Arbeiterschntzes bin und nach Seiten der Erweiterung der politischen Rechte des Volkes. Wir dürfen uns nicht auf Versprechungen verlassen, sonder» nur aus unS selbst, auf die eigene, �egeit die Regierung gerichtete Macht. Das bietet eine bessere Burgschaft als Versprechungen und Zusicherungen. Macht aber kann nicht durch Schacher gewomten werden. Mögen die Wolkenknckucksheimer. die ja die besten Absichten haben mögen, der Regierung ihre Gesetze apportiren, in der Hoffnung, daß sich die Regierung durch Gegengeschenke erkenntlich er- weisen wird: Wir wissen, daß im politischen Leben nur eins zu den erstrebten Zielen führt: die Macht! Und die Arbeiterklasse kann Macht gewinnen nur im Kampf gegen die heutige Gesellschafts- ordintng. Brausender Beifall lohnte der Rednerin. Mit der Annahme der folgenden Resolution schloß die imposante Versammlung: „Die heutige am 1. Februar in der Brauerei Friedrichshain stallfindeude Versammlung der Frauen und Mädchen Berlins ist mit den Ausführungen der Vortragenden einverstauden, erklärt sich entschieden gegen die Flotteuvorlage sowie alle Kolonial- abenteuer. und verspricht, speziell auch im Interesse der Frauen und Mädchen, dafür zu sorge», daß bei den nächsten Reichstags- wählen der Wille des Volkes zum energischen Ausdruck kommt." Ter hiesige Zweigvcrei» des Zentralverbaudes deutscher Brauer und verwandter Bcrnfsge»ossen beschäftigte sich in der Monats-Versamnilnng vom Januar mit den Aufgaben des nächsten Delegirtenlages. Krieg verbreitete sich über den weiteren Ausbau der Arbeitslosen- Unterstützung und hofft, daß der diesjährige Deleguteitlag. dem bezügliche Anträge vorliegen werden, zu einem günstigen Resultat gelangt. JenU'fttverband der Konditoren. Heute Abend SK Uhr bei Schiller, Moseinhatersir. 67: Mtlglteder-V-rsammtung. Dte MNgtteder werden ersucht, pünültch und iadlreich»u erscheinen. Düste herzlich«Ulltommen. Zrntrntveretn der Anreon- AngesteUten Oentschlaiido(Mitgtledschaft Berlin) Heule, abends Uhr, bei Schiller, Rosenihaterstraße 67: Bortrag. Gäste willkommen. Perei» siir Korper- und Nat»rIt«iII>u>,de. Fretiaa, abend»»lj Uhr, bei Sysindi, Weinstr. 11: Projektions-Vortrag mit farbigen Lichibitdern über: Leber-, Nieren- und Blasenleiden. Nefcrenl: Herr Bruudmann. Derei» der Kändter und Köiidteriuxen Kerti»» und der Ilnigraend. Dt« nächste SUigtieder. Versammlung findet am Freitag, den i. Februar, Acker- straße uö bei Hoppe statt._ Briefkasten der Redaktion. Wir biiie», bei jeder Anfrage elue ilhiffre szwel Buchstaben oder ein« gaht) anzugeben, unler der d>« Antwort eriheilt werden soll. Tie juristische Sprechstunde findet biS zum 5. März am Montag, Freitag u»d Sonnabend abends von 7V- bis S'/j Uhr statt. Pfeiffer. Die Sache ist zu unklar und zur Veröffeutlichkeit nicht geeignet. G. A., Spandau. Für Ohrenkranke 9—10 vorm., für Augenkranke 11—12 vorm., für Chirnrgte 12 Uhr. Sw. Die Ergebnisse der Statistik Ihres Berufes sind im Leiter der Nummer vom 2. Februar mit behandelt; Ihre Zusendung erledigt sich dadurch. Flugblatt. Die Sache JasknSki— Fliigvlattverbreituug in Barvier- geschästen— wurde am Donnerstag, den 6. Januar, vor dem Kammergericht verhandelt. LS. M. Sie finden im Adreßbuch eine Anzahl derartiger Geschäfte verzeichnet. K. 4. Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, ob der Bericht hier ein- gegangen. Was die Berichtigung anlangt, so steht eben Aussage gegen Aussage. Jnukermann. Die Majorität betrug 194 Stimmen. Gegner: katho- tische nnd evangelische Arbeitervereine. F. tsi., Rathonowcrstr. 7i». Geben Sie schriftliche Mittheilung. Wollen Sie aber persönlich erscheinen, dann zwischen 5 bis 7 Uhr nach- niittags. Rr. 85. AndreaSstr. 26. WlttceniigSiibetsichl vom 2. Februar 1808, 8 Uhr morgeuS. schlagen und starken wesilichen Winde». nur ftir heute Donnerstag den 3. 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Februar, bleibt das Baubeville-Theater wegen Privatfestlichkeit ge- schlössen. Dafür Gastspiel im Reichshallen-Dheater. Pas Armband. Apollo-Theater. Frledrichstr. 218. Dir. J. Glück. Neue Debüts 5� La LoieFuiler Kasseneröffnung 6:/2, Anf.71� Uhr. Clrcus 15 Ii seil (Bahiihor Börse). Donnerstag, den 3. Februar 1808, abendö 7-/2 Uhr: Auftreten folgender 4 neuer Novi- täten: gWf- Debnt der grobartigen stünstler Gescbv. lereb mit ihren ikarischeit Spielen zu Pferde."96 Jimm und Jamm mit ihren noch nie da- gewesenen Evolutionen. Die vorzügl. musikal. Klowns„Treupe Perez", bestehend ans 5 Personen. Elefant und Pferd, dress. u. geritten v. Herrn Tercy. Außerdem Auftreten aller neu engagirten gieitkünstiennnen und Künstler Die vorzüglichsten Fretheits- bressuren des Dir. Busch. 100 Klowns, männliche und weibliche, darunter AI der besten Parterrespringer. Zaragoza, Orig.- Manöge- Schaustück des Cirens Busch. Besonders hervorzuheben: Die weiblichen Fanfarenbläser. Der Sturz von der 60 Fuß hohen Brücke ins Wasser. Der pompöse grüne Akt. Morgen 7»/, Uhr: Grosser humoristischer Abend. Freie Volksbühne. Hittwoch, den 9. Februar, abends 8 I hr, In Keller's Festsnlen, Koppenstrasse 29: Zweiter Tortrags-Abend des Herrn Pr. Wilhelm Meyer (früher an der„Urania") über: Die Reise naelt Spitzbergen mit 160 Projektionsbildem. Entree 80 Pf.(Siehe heutige Lokalnotiz.) Sonntag, den 6. Februar, nachmittags O3/« Uhr: 1. Abtheilnng Im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater: Ple lastigen Weiber von Windsor, Lustspiel in 5 Akten von Shakespeare; und gleichzeitig IV. Abtheilnng im Lesslng-Theater: Partei Tnraser. Mitglieder zur V. Abtheilung werden bei baldiger Meldung noch in allen Zahlstellen aufgenommen. 228/8_ Der Vorstand. I.A.: G. Winkler. Berliner Kranken-Unterstützungs- u. Begräbniss-Verein für Frauen und Mädchen. Sonntag, den 6. Februar, 6 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreas-Strasse 81: VII. Stiftungsfest bestehend in Vokal- und Instrumental- Konzert unter gütiger Mitwirkung des Berliner Panicnchors(Dirigent Herr O. Suohsdorf) und anderer geschätzter Kräfte. Nach dem Konzert: Tanz-Kränzchen. Billets sind in folgenden Zahlstellen des Vereins zu haben: N. Fr.Waschau, Elchendorffstr. 2. Frl. Schllchting, Prinz Eugenstr. 2. Fr. Eimer, Danzlgerstr. 67. NO. Fr. Berger, Wassmannstr. 36. O. Fr. Sachse, Koppenstr. 57. SO. Fr. Fehlauer, Dresdenerstr. 13. In diesen Zahlstellen werden gegengenommen._ S. Fr. Mehrwald, Alte Jakobstr. 54-55. SW. Fr. Michaelis, Alexandrlnenstr.ina Schöneberg: Frau Gegus, Bahnstrasse 43. Charlottenburg: Frau Radtke, Osnabrückerstrasse 2, auch Beitritts-Erklärungen ent- _ 60/1 Feen-Palast 88 Bargatr. 88. -Das neue tiefcttgtobeT__ "Febrnar-Programm: .lackson, Akrobatentruppe, Barna, der Rättenkönig, Thomas, d. Meister-Jongleur.| Remy Boriska, Dahn u. Walde. Ting u.Tang, Frid Frid, Cabarst. iLebende Photographie».� Um N/z Uhr: Novität: I Richard Winkler II. Wilhelm Fröbel I in der unvergleichlichen Operette Ms radelnde Deritn Anfang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. W. Noack's Theater B r na n c n■ 8 t r a s■ e 10. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater-Vorstellung. ihre kamiiie. VolkSstück mit Gesang in 3 Akten von Stinde und Engels. Musik von Michaelis. Nach der Vorstellung: Tsnzkpaitzchon. Maehr's Theater Ornnicn-StraBse 84, 3®- Täglich:'TUE Theater- n. 8pezlalitiUen- TorBtelliing, Neu! Vierte Piuienslon. NßU! Schwank. Men! Der liebe Onkel. STen Posse. Sensationell! Molly! Sensationell! Die beste Excentric-CHansonnette WllfillM* Wochentags 8 Uhr.. All>llllg. Sonntags 6 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Avis! Donnerstag, den 3. Februar Abfchieds-Benefiz Böttäier. für Fräul. Marz. Olympia Neues ■Riesen- Theater. (Cirous Renz.) Karlstrasse. Bolossy Kiralfy's Konstantinopel. Grösste Sensation Berlins. Anf. 8Uhr: Sonntags 2 Vorst. SB Nachm. 1 Kind frei. 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Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. SV Entree 30 Pf."Tpß Passe-partouts gelten. Mein grober Saal ist am Sonnabend, den 28. Februar zu vergehen."WS Feuerstein'8 Festsäle Alte Jakobslrasse 75. Juh. Martin Herzberg. Brosse und kleine 8iUc zu Versammlungenj unentgeltlich, sowie zu Sommer- u/Winterfesthch- keiten b. koulanten Bedingungen. Cognae selber zu machen. Man nehme 1 Onginalflasche Heichei's Lounac Bssenz für 75 Pfg., 1 Liter feinsten Weingeist (Spiritus vini) für Mk. 1,40 und l1/« Liter Wasser. Die Mischung ergicbt ei» reines, gesundes, woHlbekSmmliches Getränk von vollem, herrlichem Bouquet und hochfeinem Geschmack, welches echtem Cognae gleicht. Es giebi Nachahmungen, welche Cognae in nichts gleichen als in der tarbe und nur Mißfallen erregen. icher und tausendfach erprobt ist nur die nie übertreffbare, anerkannt hochfeine Reicltkl's Copac-Essenz, welche echt einzig und allein nur dirett erhältlich ist bei Ptto Reichel, Elsendahnstr.4. Fernfpr.-A. 4. 3190. 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Oeffonllirhe Versammlung der Korbmacher Donnerstag, den 3. Februar, abends 8 Uhr, Pranlen- Strasse 180. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten zur Magdeburger Konferenz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 88/5 Um zahlreiches Erscheinen bittet_ Per Elnbernfer. Achtung! Reimckcndorf. Achtung! Sonntag, den 6. Februar, nachm. 3'/- Uhr: Grotze Bolls- Bersamml ung im Köttcher'schen Lokale. Tagesordnung: I.Bericht der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur nächsten Ge- meindewahl. 4. Verschiedenes. 222/3 Um zahlreichen Besuch bittet_ Pas Wahlkomitec. Vrbev-» Hicpesi-«nv VleifenleidondP* Morgen Freitag, 4. Februar, abends Uhr, spricht prakt. Naturheilkundiger Ccrnndii.aan bei Feind, Wein-Strafte Nr. II. Der Vorttag wird an Lichtbildern erklärt und ist für genannte Leidende sehr wichttg. Gäste, Frauen u. Männer, willkommen. Eintritt 20 Pf Berein für Körper- und Ratnrhrilknnde, Alexanderstraste 3. Sprechzeit 11—1, 6—7, Sonntags 11—12. Todes-Auzeige. Den Mitgliedern des Vlschler- Verelns zur Nachricht, daß unser Mitglied VupI Quanter am Montag, den 31. Januar im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung stndet am Donnerstag, den 3. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des MarkuS-Friedhofs in Wilhelmsberg aus statt. 198/5 Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand. Meine Aeuberung, die ich Herrn Kiewit gegenüber von Herrn Kern ge- macht habe, nehme ich hiermit zurück. 174b Zlaw Brieschow. Ehrenerklärung. Die dem Fräul. Bertha Fischer zu- 'ügie Beleidigung nehme ich zurück. arie Beckmann, Chnstinenstr. 38. iüottoii«teppd.,Gard., Regulatoren, Bl-Ultt, Nemont.- Uhren, Reisekoffer, Winter- Paletots, Anzüge, spottbillig Pfandleihe Neanderstr.«.» Sskanntmavkung Vierte Abändern»« zum Statut der Orts-Krankenkaffe des Korbmacher-Gewerbes zu Berlin. § 2, Absatz 1, Ziffer 3 lautet hinfort: „derjenigen Betriebsbeamtcn, Werk- meister und Techniker, deren Arbeits- verdienst an Lohn oder Gehalt 6-/2 M. für den Arbeitstag über- steigt." Vorstehende Abänderung tritt nitt dem Tage der Schließung der Orts- Krankenkasse für Handlungsgehilfen und-Lehrlinge in traft. 98/4 Berlin, den 13. Dezember 1897, Der stellvertretende Vorssvende. Franz Podszuks. Vorstehende Abänderung wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 5. Januar 1898. Der Bezirks- Ansschnft. Freusberg. J.-Nr. 8000.(L. S.) Brauerei Oswald Berliner. Der Ausstoss meines diesjährigen Bock-Bieres beginnt am Sonnabend� den 5. Februar, und nimmt der Versand in Gebinden und Flaschen an diesem Tage seinen Anfang. Gefällige Bestellungen bitte direkt an die Brauerei zu richten. Hochachtend Oswald Berliner 'S. Berlin, Brnnnenstr. 141—148. Amt III No. 661 und 8867. Kistenmacher I Sonnabend, den 5. Februar, im Lokale von Miekt, Weberstrasse 17: Wiener Maskenball. Arrangirt vom 94/3 Ziltereffellvernn der Kistenmacher Um 12 Uhr: Demaskirung u. Kaffeepaufe. Anfang 8 Uhr. Billet 50 Pf. Billets sind bei allen Borstands-Mitgliederu zu haben._ Per Vorstaad. ..■•» Die Miibel-Fabrik Grosser Mobelverkauf. Rni-ZWh-ckrsir.Zl (früher Roscnthalerstr. 13) liefert bürgerliche Wohnnngs- Einrichtungen schon von 150 M. an. Auch gebe ich Einrichtungen auf Theilzahlung. Lager gebrauchter und verliehen gewesener Möbel. Eigene Tapezier- u. Dekorations-Werkstatt. * Transport durch eigene Gespanne, auch nach ausserhalb. K0nstl.Ziiline1.50M. Plombe» 1 Nt. Zahnziehen frei. Zahn' ärztliche Klinik, Manteusselstr. 43, I., Ecke Oranienstrasse. 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