Kr. 30. Kdmnttmna»-Sedtngungen: «bonnemini»-Pret» pränumerando: «ierteljährl. 330 Sit, monatl. 1,103J1 f., wöchenllich 23 Pkg. frei Ins Haus. Einjelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit Illuflrlrier SonnlagS- Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal, Singelragen In der Post- Zeitung«- Preisliste für 1S0S unter Qr. 7576. Unter»reuzband für Teutschland und Oesterretch- Ungarn 2 Mari, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Moual. IS. Jahrg. Die Instrlions-Gebilhr beträgt für die fechSgefpaltene«olonel- »eil« oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und VsrsammlnngS-A», eigen, fowie ArbettSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Srpedition abgegeben werden. Tie Expedition tst an Wochenlagen bit 7 Uhr abend», «o Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geäffnel. «rschelnl käglich«utzrr»onkag». Vevlinev Volksblakt. Feriisprech-r: Amt I,»r. tV0S. Telegramm-«dreffe: »Soiialdemvlirak»irlin", Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deduktion: 8V. 19, Weiily-Struße 2. Sonnabend, den 3. Febrnar 1808. Kjrpeditiott: SV. 19, Meuly-Struße 3; �nndtvevkevdcimntevung. Zentrum und konservative Partei haben sich neben den nur wenig einflußreichen Antisemiten bisher in die Ehre ge> theilt, ini Parlaniente die Interessen der Handwerker zu ver- treten. Es wäre eine unbegründete Unterstellung, behaupten zu wollen, beiden Parteien sei ihr Bestreben, den Forderungen der Handwerker in der Gesetzgebung Geltung zu verschaffen, nicht ernst gewesen. Ganz im Gegentheil: Da beide Parteien bei den Wahlen ganz wesentlich auf die Stimmen der Handwerker angewiesen sind, so war es nichts weiter als politische Klugheit, die Jntereffenvertretung des Hand werks im Parlamente zu übernehmen. Und beide Parteien haben in edlem Wettstreite sich bestrebt, für das Handwerk eine Reihe Forderungen aufzustellen und zu begründen, die zum theil abgelehnt werden mußten, die theilweise aber auch erfüllt wurden. Böswillige Menschen könnten sagen, es sei leicht, Forderungen aufzustellen, von denen man weiß, daß sie schließlich doch abgelehnt werden. Deswegen wolle es nichts besagen, wenn Zentrum und Konservative sich um den Be fähignngsnachweis bemüht haben. Indessen? wir nehmen mit Grund an, daß die beiden Handwerkerparteien auch ohne weiteres den Befähigungsnachweis akzeptircn werden, wenn die Regierung in dieser Frage nachgeben wollte Freilich, ob niit dieser reaktionären Forderung dem Handwerk geHolsen werden könnte, ist eine andere Frage. Trotzdem wir nun zugeben, daß Zentrum und Konservative alles thun, um die Handwerker bei guter Laune zu halten, kann es nicht aus! bleiben, daß die Handwerker zu erkennen anfangen, wie un- glücklich ihre Wahl war, zwei Parteien mit der Vertretung ihrer Interessen im Parlamente zu betrauen, die ihrer ganzen Natur nach die Handwerker nur so lauge unterstützen können, als sie selbst in ihren eigenen Interessen nicht nachtheilig be troffen werde». Sobald Fragen zur Entscheidung stehen, bei denen zwischen Gr undbesitzer- Interessen und Handwarer- Interessen zu wählen ist, müssen die Konservativen sich gegen das Handwerk erkläre», und ebenso wird das Zentrum die Handwerker im Stiche lassen, sobald sie z. B. Rücksicht ans die Arbeiter, die sie doch auch zu ihren Wählern haben wollen, zu nehmen haben. An zwei Fällen der allerjüngsten Ver gangenheit haben die Handwerker diese für sie so traurige Wahrnehmung gemacht, daß ans ihre beiden Parteien kein Verlaß für sie ist. Wegen der großen Tragweite, die sich aus der Erkenntniß der unvereinbaren Gegensätze durch die Hand weiter bei den nächsten Wahlen ergeben kann, sind diese beiden Fälle hier zu registriren. Bekanntlich haben die Junker alleS aufgeboten, um fremdes Vieh von Deutschland fernzuhalten. Da die deutsche Landwirthschaft zur Zeit nicht im stände ist, dem Bedarf an Schlachtvieh zu genügen, so mußte sehr rasch eine Preis sleigerung für Fleisch eintreten. In Konsnmenlenkreisen erhob sich lebhafter Unwillen, der in manchen Gegenden einem dauernden Rückgang des Konsums Platz machte. Die Schlächter schoben die Schuld der hohen Preise aus die Agrarier und diese wieder auf die Schlächter. Plötzlich war in einer sehr wichtigen Frage ein Interessengegensatz zwischen Agrariern und Schlächtern gegeben. Und alsbald kam es zu Reibungen, zu gegenseitigen Beschnldignugen und zu publizistischem Kampfe, Die Berliner Fleischer-Jnuung wandte sich petilionirend an die Regierung und sprach sich lebhaft für Oeffnung der Grenzen zur Einführnng des nöthigcn Schlachtviehes ans Darob großer Sturm im Lager der Konservativen. Die Korre- spondenz des Bundes der Landwirlhe nannte die Eingabe eine „Unverfrorenheit" und sprach die Hoffnung aus, der Reichs- tag und Reichskanzler möchten die Petition in den Papierkorb werfen. Diese Art, die Handwerker zu bekämpfen, war zum niiudesten unklug, wie heute wohl schon die Konservativen zu- geben werden. Denn die Handwerker, voran die Schlächter, sind hochgradig über diese rücksichtslose Behandlung ver- schnupft. Die„Deutsche Handwerker- Zeitung" hat die An- gelegenheit sofort zu einer allgemeinen Sache des gesammten Handwerks gemacht und kennzeichnet die Agrarier und damit die konservative Partei in folgenden Worten:„Schlucken wollen sie, alles übrige ist Verbrämung. Man merke sich die Geschichte von dem„Papierkorb", falls einer der Herren sich je wieder in einer Handwerker- Versanunlung blicken lassen sollte. Ten Fleischern, Müllern und Bäckern aber rufen wir ein kräftiges: Dräns! Vorwärts! zu. Also los von der konservativen Partei ist die Parole der Handwerker für die nächste Wahl. Und los vom Zentrum— ruft das Handwerk in Bayern, im Hinblick auf die jüngsten Slrcikdebatten im Reichstag. Wenn man, wie die Zentrumspartei und auch die Konser- vativen, mit allen gut Freund sein will, mit der Regierung, den Junkern, dem Unternehmerthum, den Bauern, den Hand- werkern und den Arbeitern, so gelangt mau schließlich dazu, daß man es mit allen verdirbt. Bei den kürzlichen Be- ralhnnge» über die Koalitionsfreiheit nahm das Zentrum wieder einen Standpunkt ein, der den Arbeitern zu wenig, den Handwerkern zu wenig und den Unternehmern erst recht zu wenig bot. Auch die Handwerker sind nach der ganzen Art ihrer beruflichen Verhältniffe, die noch auf ein patriarchalisches Zusammenleben mit den Gehilfen zugeschnitten sind, Gegner der Koalitionsfreiheit, sofern sie sich nicht zu höherer sozialpolitischer Erkenntniß aufgeschwungen haben. Der Meister will Herr in seinem Hause sein, und weil die Gesellen noch zum Haushalt ge- hören, will er auch diesen gegenüber sein Herrenrecht zur Geltung bringen können. In diesem Rechte wird er durch die Koalitionsfreiheit seiner Gesellen beeinträchtigt. Auf diesen Standpunkt muß man sich stellen, wenn man die Stellung der Handwerker in der Frage der Koalitionsfreiheit begreifen will. Sie sind zu einem sehr großen Theile natür- lichc Gegner eines jeden Gesetzes, das ihre Gehilfen zu selbst- ständigen freien Menschen macht, also auch gegen das Koalitionsrecht. Infolge dessen erwarteten sie, daß ihre Parteien im Reichstage den Ausführungen des Grafen Posa dowsky zustimmten. Das geschah aber seitens des Zentrums nicht, wenigstens nicht unbedingt. Und darüber sind die Hand- werter erbost und machen ihrem Unwillen recht herzhaft Luft Die bayerischen Handwerker sind es, die hier in erster Linie maßgebend sind. In der„Allgemeinen Handwcrker-Zeitnng", dem Organ des Allgemeinen Deutschen, des Bayerischen und des Badischen Handwerkerbundes, wird dem Zentrum ei» derber Absagebrief gegeben:„Wir müssen gestehen, daß uns die Haltung und die Sprache des Grafen Posadowsky zu lcbhaster Genugthunug gereichte, ganz anders als die unsagbar widerliche, unaufrichtige, verschleierte, eiertauzmäßige Stellung, welche der Zentrumsabgeordnete Lieber— natürlich wieder„nur für seine Person"— beobachtet hat. Denn das wollen wir gleich hier festnageln: das Zentrum, das laut Flugblatt 7 des Volksvereins für das katholische Deutschland so unsterbliche Verdienste um. das Handwerk und die Selbst ständigkeit sich erworben hat, hat in der Frage der Koalitions- freiheit ein Gebahren gezeigt, das wir als politische Hallst wurstiade verlachen würden, wenn es nicht in seiner Absicht lichkeit so unsäglich verachtenswerth erscheinen müßte. Es paßt zu Herrn Hitze, es paßt zu allem andern, es paßt zum ganzen dermaligen Zentrum, wenn Herr Lieber eine Suppe kocht, die weder heiß, noch kalt ist. Das soll schlau sein, ist aber in Wahrheit dumm, weil das Publikum die Köche kennt, und ihnen ans die Finger sieht, prüfend, ob kein Schmutz daran ist, der den Appetit verdirbt." Diese in echt bajnvarischem Tone gehaltene Ab fcrtigung hat sich das Zentrum von einer Seile gebolt, die sü die Partei des Herrn Lieber nickt gleichgiltig ist Fällt inBayern neben den Bauern auch noch das Handwerk ab, dann wird es mit seiner dortigen Vormachlstellung anderen Parteien gegenüber rasch bergab gehen. Wir sind zwar nicht der Ansicht, daß dasHandwerk in seinen breiten Schichten nnnmehr auf das Signal der offiziellen Handwerkcrpresse hin plötzlich von ihren bis- herigen parlamentarischen Vertretern sich trennen wird, aber immerhin ist der jetzige Umschlag der Stimmung als Symptom bemerkenswerth. Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine energische Agitation gegen die Wiederwahl von konservativen und Zentrnmskandidaten bei der nächsten Wahl in Handwerker- kreisen sich bemerkbar machen dürfte. Politische Mebevtkchk.. Berlin, 4. Febrnar. Ans dem Reichstage. In Fortsetzung der Debatte über den Post-Etat brachten heute die Abgeorducten Singer und L e n z m a u n noch eine Reihe von Beamtenbeschiverden zur Sprache. Der neue Postmeister sagte lheils ihre Be seiligung zu, so will er dahin streben, daß die Schaltev stunden an Sonn- und Feiertagen ganz ans die Vor- Mittagszeit verlegt werden— lheils bestritt er die Berechtigung der vorgebrachten Klagen. Letzteres gilt besonders in bezug auf die Ertheilnng von Urlaub. Hier sei das Dieustinleresse ausschlaggebend und ein Recht ans Urlaub könne über hanpt nicht anerkannt werden. Ueberraschend verständig waren die Darlegungen über das zukünftige Verhallen der Leitung gegenüber den Beamteuvereinen(Assistenten-Verband). Herr von Podbielski erklärte, daß er keine Luft habe, Märtyrer zu züchte», und daß er de» Vereinen nichts in den Weg legen werde, so lange dieselben sich damit begnügen, nur die Standes- und Bcrufsinleressen ihrer Mitglieder zu wahren. Das ist ein so vernünftiger Standpunkt, daß es ordentlich schwer hält, daran zu glaube», daß er in einem Rcichsamt dauernd vertreten werden wird. Der Abg. Schmidt(Frankfurt) brachte eine Reihe von Beschwerden ans den dortigen Postkreisen zum Vortrag, worauf bei der Abstimmung über das Gehalt des General-Postmeisters auch diesem die geplante Erhöhung um 6000 M. abgelehnt wurde. Morgen 2 Uhr findet die nächste Sitzung mit der Tages- ordnung: Brenncrei-Vorlage und Konkursordnung, sowie ein paar kleinere Vorlage», statt.— DaS preußische AbgeordneteuhauS setzte heute die zweite Staisveiathung bei dein Elat der I» st i z v e r w a l t u» g fort. Wider Erivarten verlief die Geiieraldebaile, die sich an den Tuet „Ministergehatl" knüpfte, recht langweilig. Das Zenlrnin, das noch vor weiiige» Tagen im Reichslage gelegentlich der Verhaudlnnge» über den Etat des tHeichsjustizarnts durch seinen Führer Dr. Lieber erkläre» ließ, es würde im Abgeordnet-iihanse verschiedene Klage» über dl« Art des Strafvollzuges vorbringen, scheint von seinein Bor- haben abgekoinnre» zu sein. Der einzige Fall, der gelegentlich gestreift wurde, ivar der bekannte Fall Wrede, der ebenso wie Dr. Förster über die Gesundheitsznslände der Festung Weichsel- münde Klage geführt hatte. Auf eine Anfrage des Abgeordnete» Dr. Friedberg(nalt.) begnügte sich der Jnstizininisler mit der Erwiderung, daß ihm Beschwerden über Weichselmünde nicht zu Ohren gekommen seien. daß im übrigen die Festungen dein Reffort des Kriegsministers unterstellt sind und daß er daher mit der ganze» Angelegenheil nichts z» thun hat. Im übrigen war vom Strafvollzug nicht weiter die Rede. Warum sollte auch eine Klafsenverlretung, wie sie das preußische Abgeordnetenhaus nun einmal ist. mit der Erörterung so wichtiger Fragen seine kostbare Zeit verlieren! Seine reaktionäre Gesinnung offenbarte der Minister Schön- st e d t wieder einmal in der Anlivort. die er dem Abg. M u n ck e l (freis. Bp.) aus einen von diesem zur Sprache gebrachten Fall erlheilte. Es handelt sich um einen jungen Menschen, der deshalb z»r Justiz- karriere nicht zugelassen wurde, weil sein Vater und einer seiner Brüdervor Jahren einmal bestraft waren, während er selbst sich durchaus mnsterhaft geführt hat und allen Ansprüchen in materieller, ivissenschastlicher und sittlicher Hinsicht genügte. Herr Schönstedt scheint, wie Munckel ireffend ausführte, aus dem alllestamentarischen Standpunkt zu stehen, daß die Sünden der Bäter an den Kindern heimgesucht werden, und er wurde in dieser Auffassung bestärkt durch das leb- hafte Bravo, das die Rechte ihm zollte. Der Minister beweist, daß er auch nach Ablehnung der Assessoren> Paragraphen den Richter- stand für die„Söhne aus den besten Familien" zu reserviren versteht. In der Debatte kehrten, wie alljährlich, die Klagen über zu große Belastung des iHichlerstaudrs. über den Rückgang schieds- richterlicher Geschäfle. sowie die Wünsche über Gleichstellnng der richterli.ben mit den Verwaltungsbeamien, über Vermehrung der elatsmaßigen Gerichteschreiberstellen n. dgl wieder, ans die die Re-. gierung mit ihrer stereoiypen Antwort, daß Erwägungen schweben bezw. Erhebungen angestelll werde», stets bei der Hand ist. Neu hinzu kamen diesmal die Wünsche um baldige Einbringung der Ein- sühningsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuch und um Gewährung von Gelegenheit für die Stichler, sich mit den neuen Gesetzesbestimmungen rechizeilig ve>lraut zu machen. Als Kuriosum mag die Beschwerde des Abg. Kirsch(Z.) über zu große Höflichkeit der Richter erwähnt werden, die nicht nur Zeuge», sondern sogar Angeklagte mit„Herr" anreden. Herr Kirsch, der selbst dem Nichterstaude angehört, wird ja wohl kaum in die Verlegenheit kommen, als Angeklagter vor Ge- richt erscheinen zu müssen, sonst würde sein Urtheil vielleicht doch etwas anders ausfallen. Die Aerathnng wird, da der morgige Tag für die Koinmissionen frei bleiben soll, erst am Montag fortgesetzt. Vorher steht die lex 31 r o u s ans der Tagesordnung.— Die Rrvisio» des Vereinsvechtes in Bayern. Die bayerische Regierung geht jetzt an die Verwirklichung ihres Versprechens, das Vereins- nnd Versamuilungsivesen des Volkes freiheitlicher anszngestalten. Aus M ü n ch e u wird telegraphisch geuicldet: „Das Stnatsministerium des Innern hat dem Landtage eine ans acht Paragraphen bestehende Vereinsgesetz- Novelle vorgelegt. Die wichtigsten Bestiminungen sind folgende: Volljährige Frauenspersonen dürse» an öffent» lichen Versammltingen politische» Charakters theilnehine», mindeijährige bleiben ausgeschlossen. Volljährigen Frauens- Personen wird ferner die Theil nähme an politi- scheu Vereinen ans dein Gebiete der besondere» Berufs- und Siandesinteiessen, der Erziehung, des Unterrichts, der Armen-»nid Kii'iikeiipflege lind dergleichen zngeslaudcn. Politische Verein« dülfeu unt anderen deutschen Vereinen in Verbindung trete». Das Ministeriiiin kann auch ansnahmsiveise eine Veibiiidmig mit nnßerdeulschen Vereinen gestalten. Weitere Be- stinimniigen der Vorlage enthalten Erleichterungen be- züglich der Anmeldung und Erlaub» ißertheilung für Bersaminlmigen, Strafmilderungen bei Ueberlretuiigen dcs Verrinsgesctzcs und eine Ausdehnung der Attsnahine« bestimnitingen für Wahlversannnlungen." Eine genaue Kenntuiß, wie sich nach den Absichten der bayerischen Regierung das bayerische Vereins- und Versamm- lungswesen gestalten soll, läßt sich aus dieser kurzen Draht- »achricht noch nicht schöpfen. Sehr bedauerlich ist, daß Minderjährige von Vereinen und Versammlungen aus- geschlossen bleibe» sollen. Immerhin ist ein Fortschritt unverkennbar. Endlich wird der Frau, der weiblichen Arbeiterin, das Recht, sich politisch nnd fachbcrnflich zu bethätigen, dessen sie so dringend zum Schlitz und zur Förderung ihrer Interessen bedarf, zugestanden. Endlich wird das Verbot der Koalition mehrerer Vereine untereinander aufgehoben. Mit dieser letzteren Bestimmung kommt die bayerische Regierung loyal der bekannten Zusage nach, welche der Reichskanzler im Namen der Regierungen abgegeben hat. Dieses Verhalten der bayerischen Regierung ist in den jetzigen Zeitläuften brutalster Reaktioilsbestrebiingen als er- frculich zu begrüßen. Thnl die bayerische Regierung auch nur das Mindestmaß ihrer Schuldigkeit, folgt sie auch nur zögernd und überaus zurückhaltend den Ansprüchen eineO modernen, Fortschritt heischenden Rechtsbewußtseins, so ist ihr Thun doch lichthcll, verglichen mit dein hartnäckigen, die Bevölkerung wieder und wieder schwer kränkende» Gebahren anderer Biindcsregiernngcn. In Preußen schiebt der Minister- Präsident Fürst Hohenlohe die Erfüllung des Versprechens, das er als Kanzler des Reiches gegeben, immer und immer hinaus. Die preußische Regierung will das Versprechen nicht erfüllen, ohne zugleich das Vereins- und Versammlungsrecht durch neue Reaktionsparagraphen zu verunzieren. Und in S a ch s e il bedrängen die Konservativen der beide« Landtags- Kammern, welche in jenen Parlamenten von Geldsacks- Gnaden unumschränkt herrschen, die Regierung, daß sie die Rechte dem Volke nehme, ivelche jetzt in Bayern neu gewährt werden, daß sie insbesondere die Frauen ans den Versammlungen und Vereinen hinausjage, die in Bayern erade aufgenommen werden sollen. Uebrigens— ein reizendes van der„Einheit des Reiches"!— Ostasien und Orient. In E n g l a n d macht sich starke Mißstiminnng geltend über die ostasiatische Politik der Re- giernng. Die englischen Blätter erkennen, daß Lord Salisbury vollständig den Kürzeren ziehe und Rußland siegreich vor- biiiinc. Auch die„Tiincö" führen eine bitterböse Sprache gegen das Kabiuct; sie schreiben zn der Mittheilung, daß England ans die Erklärung Talicnivaits zum Freihafen vcr- ziehtet habe: „Die Zurücknahme der Forderung ist nichts weiter, als eine liedcnSwttrbige Stonzessio». Wir glaube», daß das englische Aolk diese liebenswürdigen Konzessionen jetzt ziemlich satt hat. Wo iollen sie ende»? Entweder hätte Lord Salisbnry niemals die Forderung bezüglich Taliettwans stellen, oder dabei beharren tollen, selbst wenn er einen Krieg riskirt hätte. Es ist ewig das selbe, torkeln, torkeln und torkeln, keine Konsequenz und kein bestimmter Plan. Wir sind von Zlnfang an der Ansicht gewesen, das! die Sache mit Talienwan ein Fehler war. Jetzt hat Lord SaliSbnry ivahrscheinlich die Aussicht, daß England die chinesische Anleihe abschließt, zu Schande» gemacht. Wir waren auf höchst geringe Leistungen eines Ministeriums gefaßt, welches Lord George Hamilton zum Mitglied besitzt. Wenn ein City-Koinmis seine Arbeil so schlecht besorgle, wie das Ministerium die scinige, so tvärde er snmmarisch entlassen werden." Gegenüber derartigen Angriffen sucht die britische Regie- ruug sich durch die Mittheiluug zu verwahren, daß die Forde> rnug der Ocffuuug von Talienwan's als Vertragshafen gar nicht ausdrücklich erhoben morden sei und daher auch nicht salleu gelassen werden konnte; jene Forde- rung sei nur im Verlaufe der Verhandinngen zum Gegenstand der Erörterungen gemacht worden. Doch auch diese Darstellung ändert nichts an der Thatsache, daß Eng- laud sortdallernd vor Rußland zurückiveicht. Wir haben mehr fach darauf hingewiesen, daß eine Erklärung für eine solche mattherzige Politik Englands nur darin gc sucht werden könne, daß England an den ver- schiedeusten Stellen Asiens und Afrika's mit erheb lichen Schwierigkeiten belastet ist. Andererseits aber kann Rußland ebenfalls nicht daran denken, leichthin einen Krieg mit England zu beginnen. Jedenfalls sind bei der jetzigen Lage der Dinge einige Meldungm der Schanghaier„China Gazette" wohl zn beachten. Dieses Blatt erfährt, daß die Schiffe des indischen, australischen und pacifischen Geschwaders Befehl erhielten, sich bereit zu halten, um das englische Geschwader in den chinesischen Gewässer» zu verstärken. Ein starkes Geschwader sei gegenwärtig bei Chnsau stationirt, wohin weitere Schiffe abgehen. Falls Rußland auf den Forts von Port Arthur die Flagge hißt, habe der englische Admiral Befehl, die englische Flagge in C h u s a n z u h i s s e n. Die„China Gazette" erfährt weiter ans Niutchwaug, daß S700 Russen, Artillerie und Kavallerie, mit große» Mengen an Proviant und Munition in K i r i n, der Hauptstadt der mittleren Provinz der Mandschurei, ankamen. Ein Trost scheint den Engländern in dieser unangenehmen Situation zn erwachsen. Das„europäische Konzert" scheint völlig in die Brüche zu gehen. Die Forderung des Zaren, den Priiizen Georg von Griechenland zum Gouverneur von Kreta zu machen, treibt das„Konzert", wie cs den Anschein hat, völlig auseinander und so kann es geschehen, daß neue Gruppirnngen der Mächte sich anbahlien und England ans seiner bisherigen Jsolirtheit erlöst wird. Die Gründe für die merkwürdige Schwenkung der rnssi- scheu Politik in der Kretafrage sind noch immer nicht völlig durchsichtig. Wohl sind die Muthmaßnngen der„Köln. Ztg." hierüber recht interessant. Diesem Blatte wird aus Kon- stantinopel vom 29. Januar geschrieben: „Rußland trachtet jetzt den Hellenismus, den Eng« l a n d gegen das Vordringen des Paiislawisnms im Orient aue- gespielt bat, für sich zu gewinne». Ich niclbcle Ihnen, wie durch allerlei Spenden die Gemnlher der kretischen Christen neuerobert iverdeu sosien; und daß man Prinz Georg unter die Fittiche des doppelköpstgen Adlers nimmt, geschieht aus Familieninteresse wie in dem Bewußtsein, ihn zur Puppe am russischen Draht machen zu können. Das bulgarische Muster wird man dabei nicht nachahmen woften, und die russischen Konsuln und Offiziere ans Kreta nicht so wie in Sofia wirken lassen, aber es bieten sich auch andere Mittel, um bei anscheinender Selbständigkeit doch die Insel zn dem lang er- sehnten Stutzpunkt gegen England zur Beherrschung des östlichen Mitlelmcers zu machen. Das ginge auch ohne eine» Fürsten ans dem dänisch-griechischen Hans, seine Einsetzung oder Bciverbung macht das Spiel nur durchsichtiger." Aber dies sind doch nur Muthmaßnngen und cs bleibt dabei vor allem unverständlich, wie England so thöricht sein sollte, eine derartige, offensichtlich aus seinen Nachthcil ab- zielende Politik zu unterstützen. Die russische Forderung bezüglich Krcta's hat in Deutschland und O e st e r r e i ch- U n g a r n sehr über- rascht. Der„Pester Lloyd", der zum österreichisch-ungarischen Ministerium des Auswärtigen nahe Bezichnngeir hat, weist daralif hin, daß die Aktion Enropa's dem Zurückdrängen der griechischen Aspirationen gegolten habe, die jedoch gekrönt würden, wenn trotz der erlittenen Niederlage das eintreten würde, was im besten Falle die Frucht eitles Sieges sein könnte. Andere österreichische Blätter empfehlen volle Neutralität im Friedensinteresse, aber eine Neutralität bedeutet schon ein Abgehen vom„Konzert", das auf Einheitlichkeit der Aktion beruhen soll. Offenbar befürchtet man in Oesterreich-Ungarn, daß Rußland im Begriffe stehe, seinen Einfluß ans der Balkan-Halbinsel unverhältnißmäßig zu vermehre», was Oesterreich-Ungarn unmöglich gleichgiltig hinnehmen könnte. Im April 1897 versicherten sich Zar Nikolaus und Kaiser Franz Josef die„vollkommene Solidarität" und „enge Freundschaft" unter einander. Nach kaum Jahres- srist scheint diese Solidarität und Freundschaft bereits wieder in die Brüche gehen zu sollen. Schon sprechen die Peterburger„Noivosti" von der„Auflösung des europäischen Konzerts" und einem Zusammengehen von Rußland, England und Frankreich in der türkisch«kretischen Frage. Vorläufig sind das alles nur Kombinationen, die noch keine hinreichende Begründung durch Thatsachen finden. Aber es steht zu befürchten, daß mit Frühlingsbeginn im oricn- talischen Wetterivinkel sich neue schwere Stürme erheben könnten. *** Deutsches Reich. — Z u in Kampfe gegen die San I o s S- S ch i ld- laus bringt der„RelchS-Anzeiger" heute lange Ausführungen über die Schädlichkeit dieses Thiercs und über die von anderen Staaten gegen die Verbreitung dieses Schädlinges getroffenen Maßnahmen. Das amiliche Blatt schließt seine Aussnhrunge» mit folgenden Sätzen: „Angesichts der durch das Vorgehen der einzelnen amerikanischen Staaten unter einander charaklerisirte» Gefahr ist cs als eine nn- abweisliche Pflicht der Negierung anzusehen, dein heimischen Obst- bau einen wirksamen Schutz vor der drohenden Verfeuchmigsgefahr zn gewähren. Es ist daher die Einfuhr lebender Pflanzen und frischer Pflanze» abfalle gänzlich, die Ein- fuhr von Obst und Ob st abfalle» unter der Voraussetzung verboten worden, daß bei einer an der Eingangs- stelle vorgenommenen Untersuchung der Sendung das Vor- ha n den seil, der San Josö-Schildlaus fest- gestellt wird. Tie Verwüstungen, die die gleichfalls aus Amerika ein- geschleppte, in ihrer Gefährlichkeit aber erst spät erkannte Neblaus angerichtet hat, und die sich in dem europäischen Weinbau schon jetzt aus Milliarde» von Mark beziffern, sind ein warnendes Beispiel der verhäugnißvolle» Folge» nicht rechtzeitig ergriffener Schutzmaß- regeln, während andererseits die Feruhaltung des Koloradokäfers durch das in der kaiserliche» Verordnung vom 26. Februar 1675 ausgesprochene Verbot der Einfuhr von Kartoffeln ans Amerika beivcist, daß rechtzeitig getroffene Abwehrniitlel von durchgreifender Wirksamkeit sein könne». Neben der Verhinderung und Einschleppnug des Insekts von außen werden in» Jnlande uiiverzüglich Auordnungeu zu treffen sein, um die Bevötkerimg mit der Erscheinung, der Lebensweise und den Schädigungen des Insekts bekannt zu machen, in Obst- imd Banmgärleii Nachforschungen nach ihm zn veranlassen und im Falle seiner Auffindung die nöthigcn Vertilgnngsmnßrcgeln zu ergreife». Möchte es auf diese Weise gelingen, de» deutschen Obstbau, aiis dem die Existenzbedingungen iveiter Volkskreise beruhen, vor neuen und bisher unbekannt gebliebenen Gefahren zn beschützen." Das preußische Ministerium scheint die Absicht gehabt zn habe», die San Josö-Schildlans zum uiiierschiedsloscii Verbot von Obsleinfuhr ans ülmerika verwerthen zu wolle». Dem entsprach auch das Vorgehen verschiedener Zollbehörde». Im Bnndesrathe und im Sicichsschatzamte scheint es doch noch gelungen zu sein, den agrarischen Uebereifer der preußischen Minister etwas zu zügeln und den äußeren Anschein einer snnitälspolizeilichen Maß regcl zu wahren. Man hatte wohl das richtige Gefühl, daß weitere Absperrungsmaßregeln die im Gange befindlichen Zoll Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten schivcr schädigen dürften und der Ausfuhr unserer Jndnstrieprodnkte»ach der Union unwiderbringliche» Schaden zufüge» könnten. Wie die Stiinnmng i» den Vereinigten Staaten ist. geht ans der folgenden Meldung der„Frankfurter Zeitung" ans New Jork hervor:„Bezüglich des Obstcinfnhr-Verbots wird in Washington erklärt, daß der deutschen Regierimg beivicsen werden soll, daß ihre sanitären Bedenken unbegründet seien. Die Kongreß- Mitglieder drängen ans sofortige flirpressalie», indessen will Präsident Mac Kinley erst den gütlichen Weg versuchen."— — Eine Zusammenstellung der Verkehrs- zunähme bei b e r N e i ch s p o st seit de», Jahre 1690 bis zun, Jahre 1896 ist dem öieichstage zugegangen. Die Zahl der eigentliche» P o st a» st a l t e n betrug danach 1896 II 255, 1896 12 961, also 15 pCt. mehr. Dazu komme» 11394, beziv. 17 669 Posthitfestellen, 49,3 pEt. mehr. Jusgesammt macht das 22 649 bezw, 29 973 Geschäftsstelle». ivns einer Ver- Mehrung u», 32,3 pCt. gleichkommt. I» der Ziffer sind ein geschlossen 1390 6361, 1896 8133 Postagenluren, die also nur ver- hältnißmäßig schwach, ,»» 19,6 pCt., zugenommen haben. Weiler gab es Beamte und nicht im Beaniteuverhältniß stehende Personen beschäftigte man 1896 114 116. 1896 161 666, 41,1 pCl mehr. Eine Verglcichnng im Einzelnen crgiebt: 1896 mehr 1890 1896 oder weniger) Beamte(ausschl. der Hilfstellen» Jnhaber)........ Unterbeanite(ausschl. dcrPostillone bei reichseigcne» Posthallereien) Posthalter......... Poslillone(einschl. derjenige» bei reichseigenen Posthallereien).. Post- und Telegraphenhilfstelle»- Inhaber......... Außerhalb d. Bcamtenverhältniffes) stehende, i», Postdienft beschaff} i tigte Personen.... 39 440 53 544 35,8 pCt. 58 114 973 4 300 70 536 21,4. 956(-1,7), 4 442 3,3, 16 922 50,0, 14 600 11 263 lhcNs nicht cr- inttteN, lheiis JI'ciBeaimen u. Uiitcvtieciiutfl, mltßCjfitjU Täglich wurden 1896 8693 Eiselibahnzüge zur Postbeförderung benutzt, iveiter innerhalb des Reiches 15 812 Posten ans den Land slraßen, 77 auf den Wasserstraßen. Die Zahl der vermiltellen Sendungen betrug: Briese Drucksachen..... Waarenprobe».... Postanweisnngen.,.. Postanflragsbriefe... Zeitungsnninmer»».außer- gewöhnliche Beilagen. Packete ohne Werthangabe ,, mit„ Briefe mit Werihangabe. Znsaminen rund.. Die durch die Post vermiltellen G e l d s e» d n» g e n(Briese und Packete init Werlhangabe, Postanweisnngen, Pvstau>tragsbricfe, Postnachnahnle-Seiidnngen) ergaben 1696 eine» Werthbelrag von 21 426,5 Millionen Mark, die B a a r» in sät,« beim Postanweisiings-, Auftrags-»nd Nachnahmeverkehr 12 459 Millionen Mark(die Polt- aulveisung«, allein 10919 Millionen), allerdings ii»ler Doppel- zählung der Jnlandssendnngen beim cmpsangende» und abliesernde» Postamt. Die Tilegraphenliniei, waren 1396 116 296,9 Kilometer lang, die Leitungen 455 634,5 Kilometer. Orte mit Stadt-Fernsprech-Ein- richtnugen zählte man 1896 233, 1896 488, telephonische Verbindnngs- anlagen zwischen verschiedenen Orten 256, bezw. 686, Sprechstcllen (außer den öffentlichen) 51 322, bezw. 180 054.— — Der bei u» 2 übliche Strafvollzug stößt selbst in der höheren Beamtenschaft ans Widerspruch. In der Ver- saminlnng der internationalen Vereinigung für vergleichende Rechts- ivissenschaft und Volkswirlhschaftslehre hat der Geh. Ober- Regierungsrath und vorlragende 3iath im Staatsministeriui» v. R h e i n b a b e„ über Reformbcstrebungen ans strafrechtliche», Gebiet gesprochen und dabei nach zwei 3!icht»nge» hin eine Milde- rnug der Strafe und des Strafvollzuges, besonders für Personen, welche wegen Preßvergchen angeklagt und verurthcilt werde», empfohlen. Einmal soll de», Gerichtshof die Befugniß zugesprochen werden, unter die Mindeftstraf« herunter zu gehen. Sodann soll der Gerichtshof bei solche» Straflhate», die»ickit aus ehrloser Gesinnung hervorgegangen sind, aus eine gemilderte Form der Gefängnißstrase erkennen dürfe». I» beiden Richtungen beruft sich Herr v. Rhein- babe» auf das Beispiel der englische» Gesetzgebung.— — Lob der Regierung in einem führenden Zentrums- blatte. Die den wirthschaftlicheu Forderungen der Agrarier zumeist sympathisch gegenüberslehende„Köln. Volkszig." schließt einen„Der Sieg des„Agrarierthums"" überschriebe,, eil Artikel folgendermaße»: „Die Regierung befindet sich offenbar auf den, beste» Wege, die erfüllbaren Wünsche der Landwirthe nach und»ach, schritt- weise zu erfüllen. Ma» störe sie darin nicht, weder durch Aufstellen immer neuer, maßloser Forden», gen. noch durch überflüssige und garnicht angebrachte Jubelausbrüche, die der Re- giernng nur Verlegenheiten bereiten lind Hinderniffe in den Weg legen können. Die Freunde der Landwirthschafl sollten vor allein dafür sorgen, daß die Laudivirthschaft ans dem seit einiger Zeit mit. gute», Erfolge beschriltenen Dffge der Selbsthilfe unver- drossen und unbeirrt u»> das, was um sie vorgeht, weiter fort- schreitet; denn je weniger sie nach dieser Richtung die Hände in den Schoost legt, desto mehr erleichtert sie es der Negiennig, etwas für sie zu thun, die es gar nicht verantworlei, konnte, wollte sie einen Sland, der etwa nur auf ihre Hilfe wartete, ohne sich selbst zu rühren, auf Kosten der anderen künstlich über Wasser hallen." — Das Mißtraue,, unter den Industriellen- selbst unter den schntzzöllnerische», gegen die neueste agrarische Wen- düng der Handelsvenrags-Politik ist, der„Voss. Ztg." zufolge, un- verkennbar in, Wachsen begriffen angesichls der Thalsache, daß diese Politik völlig in das Schleppla» der Agrarier gerathe» ist. Die Bündler haben bereits offen verkündet, daß die Regierung zu dem System des autonomen Zolltarifs ohne Tarif- vertrüge zurückkehre» müsse, daß also von Ermäßigungen oder Bindung des antonoiiien Tarifs als Gegenleistung für Zolle, inäßi- gl», gen des anderen Theiles nicht mehr die Rede sein könne. Diese Forderung scheint de» schutzzöllnerischen Industriellen die Freude an der Sammlungspolilik veidorbei, zu haben, und der „Hamb. Korr." erklärt bereits, wenn die Regierung einer solche» Forderung znslimme, wäre es allerdings fürs erste mit dem großen Erfolge der Sammlungspolitik vorbei. Das für diese Politik bisher so begeiüerte Blatt führt dann weiter ans: Gerade diejenigen industriellen Kreise, welche sich zuerst bereit erklärt haben, eine Erhölmug der Getreidezölle zuzugestehen, haben von vornherein keinen Zweifel darüber bestehe» lassen, daß sie an dem Abschluß von Verträgen mit Konventionaltarife» unbedingt festhalten, weil ohne die Garantie, daß die Bedingungen für die denlsche Ausfuhr vertragsmäßig festgelegt werden, die Verträge werlhlos sein wurde». In diesem Sinne hat der Abg. Bneck vor Jahresfrist sich in einer Aersaininlimg des großen Zentralverbaudes deutscher Industrieller ausgesprochen, wobei ma» sich daran erinnern muß. laß diese indnslriclie» Kreise im Jahre 1891 den Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn bekämpft haben, und zwar deshalb, weil sie die Jnlercssen der Industrie nicht auf Kosten der Landwirthschafl bcgiinsligt wissen wollen. Es gicbt aber noch immer Industrielle, die naiv genug sind, z» glauben," daß die Agrarier ihr» Interessen nicht ans Kosten der Industrie begünstigt wissen wollen.— — U e b e r den konservativen Parteitag sich zu begeistern, ist eine der schwierigsten Aufgabe». Sie ist dein Leii- arlikelfchrciber der„Kreuz-Zlg.� gelungen. Wie groß diese jo»r- naltstische Leistung ist, zeigt der folgende Satz: „Mit solchen bedenlnugsvolten Versanunlnngc», i» denen »vichtige Fragen zur Entscheidung stehen, die eine typische Be- dculting siir die Stellung der Partei ans Jahre hinaus für sich in Anspruch nehmen müssen, in denen ein großes weit- schichtiges Material von bernsenen Vertretern der Partei vor einem kritischen Zuhörcrkreise erledigt werden muß, ergeht es einem wie mit einem guten Bilde: je kärger man es betrachtet, desto mehr treten die Feinheile» der Zeichnung, der Neichlhmi, der leitenden Gedanke», das große Thema des ganzes Bildes hervor. Das Beschane» verivandelc sich i» Philosophiren." Ans dem weite, e» Inhalte des Artikels, der freilich alles andere, nur keine philosophische Leistung ist, braucht btoS heuwr- gehoben zu werden, daß den Konservative»»ichlS unbequemer ist, als sich über ihr Verhältnis! zum Bunde der Landwirthe zn äußern. Man weiß, wie nervös Herr v. Manteliffel wird, iveim von den Plötze» gesprochen wird, und ivie„olhivendig es das Hanplorga» der konservativen Partei hat, seine Parteigänger über die katzen- jäinincrtiche Stimmung der Führer zn täuschen. Das erklärt allein die letzte Leistung der„Kreuz-ZcUll»g".— — E ch n tz in a n n Kiefer freigesprochen. In den, Prozeß gegen den Kriminalschntznian» Kiefer hat das Landgericht Köln gestern das Unheil verkündet. Es ist so ausgefallen, wie nach den, Gange der Verlmndinrgcn zn erwarten war; der tapfere Versechter der preußischen Sittlichkeit wurde der vo, sätzliche» und ividemchilichen Freiheilsenlziehnng und Kviper- verletznng, soivie der öffentliche» Bcleidignng nicht schuldig erkannt, und die königlich preußische Polizei kann m», auslrele» und fragen: Halten wir nicht recht,»nenn wir sagten, der Kieser sei vo» unserem Standpunkt ans ein sehr tüchtiger, umsichtiger, ruhiger, nüchterner, pflichttreuer und geivissenhasler Beamter? Kiefer hat zwar nach den iiubeanstandetcn. eidlich.» Zeugen- aussagen ei» gesittetes Mädchen, das sich vor ihrer eigenen Wohnung sträubte, einer ungercchtsertigien Sistirnng Folge zn leisten, hin und her gezerrt, an die Wand g e iv o r s e n, so daß sie niedersiel, und sie dann wieder in die Höhe gc zerrt und beschimpft. Er hat, als die Mutier der also gepeiuigteu Tochter ihn anflehte, doch ihr Kind loszulassen, dieses Flehen mit eine», höhnischen Lachen beanlworlet, und dabei gestanden, wie diese Mutter von anderen Beamte» an die Brust gepackt und gewaltsam zurückgestoßen wurde. Der Schutzmann hat aber nur seine Pflicht gelha», ais er sich aus offener Straße einen solchen Eingriff in„das heiligste, ivas der Deutsche kennt", ge- slallele. Er hat in diesem Falls nichts gelha», als pflichtgemäß seines Amtes geivallet, trotzdem die Verhaflimg der Wilhclmiue Faßbinder aucdrücklich einer Polizei- Instruktion zuwider vorgenommen worden war. In jedem Mensche» muß die Kölner Polizeithat Empörung hervorrufen, aber der Haupt- Held dieser Affäre steht gerechtfertigt da und sagt:„Mir kann keiner". Und in der Tbat, Kieser m n ß t e freigesprochen werde», iveil er wirklich„pflichlireu" gehandelt hat und ihm nach de», Buchstaben des Gesetzes eutschiedcu nicht beizukommcn war. Es ist ditich diesen Fall absuuals gezeigt, was die Po Hz ei sich in Preußen alles erlauben darf und wie schutzlos der Bürger und die Bürgerin ihrer Allmacht gegenüber dasteht. I» diesen, Sinne begrüßen wir die Freisprechung mit einer gewissen Gennglhuung, in diese», Sinne erklären wir uns selbst mit dem Per- lheidigcr des Schutzmannes einuerslanden, der den Heinze- Erlaß für seine» Klienten i» Anspruch nahm. und den sehr, vahrcn Ausspruch that, daß der Fall Kiefer kaum solches Aussebm erregt haben würde,>ven» der Vater der »üßhandelteu Dame nicht zufällig in einer Stellung von gewissem Einflnffe gewesen wäre. Wenn der P r o l e t a r i e r vo» der Polizei so behandelt wird, kümmert cs den Philister nicht weiter. Ihm muß zu Gcmülhe gesührt werden, daß er die Eeginmgcn des Polizei- staates am eigenen Leibe zn spüren bekomme» kann, ja daß selbst seine Frauen und Töchter uuter Umständen ihrer persön- lichen Freiheit nicht mehr sicher sind. Ist der ruhige, staatsstützende Bürger zu dieser Erkcniilniß gekommen, dann ist die Kölner Polizei-Affäre mit der Freisprechung des pflichlgetrenen Knininal- schutzniannes nicht zu thcner erkaust.— Hannover, 4. Februar. Die Stadt hat fünf Neuntel der seitens des Staates vo» der Provinz geforderten Gaianiiesnuime für den M i t l e I l a ii d- K a» a l übernommen. Ter Betrag für die Stadt belänst sich aus rund 2 400 060 Mark.— Hamburg, 4. Februar.(Eig. B-r.) Die Hamburger Bürger- schafl belchäsiigte sich in ihrer letzte» Sitzung mit einem Antrage des Antisemiten lllaab, der für die großen Waarenbazare und Konsumvereine, soweit sie über 200 000 M. pro Jahr Umsatz haben, eine progressive Umsatzsteuer fordert. Bei der bekaunlen Bnntschcckigkeit der Hamburger Bürgerschaft sprachen Mitglieder aller Parteien für und gegen den Antrag, der den Detailistenstand heben soll. Schließlich ivurde der Autrag an eine Il gliedrigeKoinmission veiiviesen.ausdcrerallerVoranssicht nach kann, auferstehen dürfte.— In diesen Tage» hat in Hambnrg der Wahlknmvf für dicBürgcrschaftswahlc» begonnen. Seitens dersozialdemokralischeu Partei sind in allen Bezirken, wo es anging, Versammluiige» ein- berufen. Leider stehen nicht in allen Wahlbezirken Lokale zur Ver- fügilng, und die bürgerlichen Parteien arbeilen sännntlich nach dem nlten Nezept, daß sie wohl enizelue knappe Anfragen an ihre Kan- didatcn gkstallen. jedes aber nicht in Fragefvrm gekleidete Wort energisch unterdrücke» und selbst misjliebige F r a g e r schnell muud- todt mache». Hoffentlich gelingt es trotz aller dieser Manipulationen. das; unsere Partei auch in das Hamburger Ralhhaus einzieht. Nöthig märe es mahrhaftig. daß der alte Krämergeist endlich einmal emporgerntlelt würde.— — Die Aenderung deS kaufmännischen Unter« r i ch t s in e s e u s wurde am Sl.Jan. und 1. Febr. in Konferenz«» unter dem Vorsitze des Hairdilsministers besprochen. Außer; Kommissare» aus den, Handels-, Finanz- und UnlerrichtSminisierinm sind Vcr- treter des Handels und der Industrie aus größeren Orlen, dann Oberbürgernieister und Direktoren kaufmännischer Lehranstalten, aber wie es scheint, gar keine Vertreter der Handelsangeslellle» anwesend. Die Besprechungen gelten vor allem der Frage, ob sich die Grün- dring besonderer Handelkhochschule» empfiehlt. Die Regierung steht dieser Angelegenheit einstn>eile» völlig abrvarterrd gegenüber. Alle Theilnehrner slimrnte», den„Verl. Pol, Nachr." zufolge, darin überein, daß es eine der vornehrnsten Anfgabe» des Staates, wie der kaufmännischen und kommunaleu Korporationen sei, für eine genügende Arrstildung der Handlungs- Lehrlinge und Gehilfen zu sorge». Insbesondere hielt nraii eine erhebliche Vermehrung der kaufmännischen Fortbildungsschnle», deren es zur Zeit in Preuße» nur IS4 mit 14 935 Schülern und 591 Schülerinnen gäbe, für durchaus erforderlich. Ferner seien die Lehr- und Stunden- plärre, so weit erforderlich, zu vereinfachen und in einer de» praktischen Bedürfnissen enlsprecherrden Weise abzuändern, die Lehrzicle aus das erreichbare Maß zu beschränken uno die Unterrichlsstttirde», da, wo dies noch nicht der Fall sei, ans u'ücherrtlich mindestens sechs für jeden Schüler festzrrsetzen. Die Verlegung des Unterrichts von den Abend- in die Tagesstunden und die Eiusührnng des obligatorischen Unterrichts im Wege deS Orls- klatuis wurden zur Erzielung befriedigender Lchrersolge als be- sonders nothrvendig bezeichnet. Wie derr kaufrnännischen Fortbildungsschule», so solle auch de» Handelsschulen und höhere» Handelsschulen besondere Aufmerksamkeit geschenkt und deren Errtivickelung unter Berücksichtigung der ver- rchiedenarligen örtlichen Verhällnisss thunlichst gefördert werde», Die Errichtung vor, Handels- Hochschulen wurde von keiner Seite besürwortet; wohl aber hielt man es für zweckmäßig, an den Universitäten und technische» Hochschulen da, wo dies»och nicht der Fall sei, zum Studium der Handelswisseuschafte» ausreichende Gelegenheit zu geben. — Bei der geplanten Reform der Sonntags- ruhe soll es sich den„Berliner politischen Nachrichleu" znsolge mir blos noch um eine Revision polizeilicher Bersügungen handeln.— — Der Landtag von Sachsen- Meiningen ist aus den 13. d. Mls. einberufe».— Strasburg f. E., 3. Februar,(©ig. Ber.) In der fortgesetzten ©lalsdebntte des LandeSauLfchus s e s giebt Abg. W i u t e r e r (klerikal) seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Regierung das Vorgehen der 1109 reichsländischen Beamten, die sich um Auf- besserung ihrer Gehälter direkt an den Reichstag gewandt, mißbilligt bade. Was die Ausführungen des Staatssekretärs v. Pnltkanrer über den Diktalurparagraphen betreffe, so sei doch zu bedenken, daß letzterer dem Statthalter die Vollmachten des französischen Belagerungs- zustandes einräuine. Ohne gerichtliches Verfahren können Zeitungen unterdrückt, Hanssnche» vorgenomiiren und Elsaß-Loihringer des Landes verwiese» werden. Diese diktatorische» Befuguiffe zu be- fertigen sei es höchste Zeit, denn die Bevölkerung des Landes habe bisher bewiesen, daß sie friedlich und gesetzmäßig gesinnt sei. I« a n t y bemerkt gegenüber den gestrigen Darlegunge» v. Pult- kamer's, daß die Forderung des allgemeine» und direkte» Stimm- rechtes für de» Landesnusschuß die logische Konsequenz dieses heule bereits für die Genreinderäthe und Bezirkstage bestehende» Wahl- systemS sei. Es sei traurig, daß der Landesausschuß sein 25 jähriges Jubiläum unter dem System der Diktatur seiern müffe. Nach einer kurzen Entgegnung v. Piiltkamcr's beschließt das Haus, die einzelne» Elatspositione»' einer Spezialkommission von 18 Mitgliedern zu überweisen.— — Chronik der Majestätsbeleidigungs- Pro z esse. Zu denr Aufsehen erregenden Vorgehen der Kolnrarer Staatsanrvalt- schuft, über die wir gestern auf grnnd einer Privatdepesche schon berichteten, bemerkt die betroffene Elsaß-Lothringische„Volks- Partei": „Noch ein Schritt weiter, und wir werde» es das nächste Mal erlebe», daß außer den Redaktenren und Geschästsführern alle Drucker. Setzer, Lehrlinge, Zeiluugslrägerinnen:c. zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden. Wir bedauern, daß unsere Preß- gesetze uns nicht erlauben, die Anklageschrist einer Kritik zu unter- ziehen. Eine grellere Beleuchtung der UnHaltbarkeit unserer preß- gesetzlichen Zustände als durch unseren gegenwärtige» Prozeß kann nran sich nicht denken. Und die„schärfere Tonart" wird i» dem Augenblicke angeschlagen, wo der Staatssekretär unsere Landesväter über die Vorzüglichkeit unserer freiheitlichen Verhältnisse belehrt und das längst versprochene neue Preßgesetz wieder in nahe Aussicht stellt." Aus L a u s i g k in Sachse» wird berichtet: Wegen Majestäts- beleidigung wurde hier der Maler Rother verhaftet und nach dem Amlsgerichtsgesängniß in Borna eingeliefert.— Oesterreich. Znaim, 4. Februar. Zwischen de»©ceche» und den Den tscheu kam es gestern Abend zu einem großen S t r a ß e n t u nr u l t Nur dem besonnenen, persönlichen Eingreifen des Bürgerureisters ist es zu danken, daß keine ernsten Ausschreitungen vorgekommen sind.— Ungarn. Budapest, 14. Februar.(„Franks. Ztg.") Die Zustände im Ec�abolczer Komitat»ehrnen einen ernsten Charakter a». Die Ge- ineinde Paß verlangte dringend Militär. Sämmtliche Bewohner hielten gestern eine Versammlung unter freiem Himmel, in welcher die Auslheilung des Bodens beschlossen wurde. — Ungarische Wahlsitten. Aus Rosenberg, wo die Wahl eines Reichslags-Abgeordneten stattfand, tvird dem„Pest. Lloyd" berichtet: Die benachbarte Gemeinde Lißkafal» war der Schauplatz einer blutigen Tknt. Mehrere Wähler exzedirteu nach der Wahl in dem dortige» Gasthaufe und griffen die patrouillirende Gendarmerie an. die von ihrer Waffe Gebrauch machte und unter die Menge schoß, wobei sieben Perione» verwundet wurden. Tie Personen erhielten lcbeusgesährliche Verletzungen; zrvei derselbe» sind heule bereits ihren Wunden erlegen. Auch die beim Gastrvirlh an- gestellte Erzieherin, die nach Kremnitz zuständige Anna Weil, wurde von einer Kugel getroffen und ist noch gestern Nacht gestorben. Ober- gespan Kürtby und Oberstnhlrichter Kubinyi begaben sich noch im Laufe der Nacht in die genannte Gemeinde. Zu bemerke» ist, daß in Ungar» nur„Bildung und Besitz" wahlberechtigt ist!— — Alle ausländischen sozialistischen Agi- t a t o r e» sollen aus Ungarn ansgerviesen werden. Wir bezrveifel» sehr, daß dieses Mittel, die allgeineine Unzufriedenheit zu banne», irgend etwas fruchten wird.— Frankreich. PariS, 3. Februar. In parlainenlarische» Kreisen ist man der Meinung, daß man, um den Fehlbetrag des Budgets für 18S8 im Betrage von 60 Millionen auszugleichen, der ans der Entlastnug der kleinen Grundsteuerträger und der Erhöhung gewisser Ausgaben hervorgehen wird, die für die Schuldentilgung auszuwerfende Snuirue herabsetzen und den Voranschlag der Zolteinnahme» Höher ansetze» werde; hingegen werde an der Besteuerung der auswärtigen Werthe nichts geändert werden.— PariS, 4, Februar. Bei dem Degenduell, welche? infolge des gestrigen Wortwechsels in der Deputirlenkammer heule früh zwischen M i l l e r a» d(Sozialist) und Lavertujon stattfand, wurde Millerand am rechten Arm verwundet. Paris, 4. Februar.(„Voss. Ztg.") Das Marineministerium entdeckte, daß das Haus Boucley, sein Kabellieserant, ihm seit Jahren völlig iverthlose Schisfstaue lieferte! Eine gestern in der Fabrik vorgenonrmene Untersuchung ergab, daß die Belastungsproben mit Weichholzblöcken vorgenommen wurden, die einen Slahlblechmantel trugen, um schwere Metallgewichte vorzu- täuschen,»nd daß die Seele der Taue, die vorschrislsmästig ans Stahl fei» sollten. ZairS gefärbter Pflanzensaser bestanden. Boucley wurde verhaftet.— Belaie». Prlissol, 4. Februar.(„Beil Tagebl.") Der Pfarrer DasnS. der Führer der katholische» Demokraten, veröffentlicht ei» Schreiben, worin er das Verbot des Genter Bischofs, kein Kainmermandat mehr anzunehmen, als eine offene Verletzung des Artikels 50 der belgischen Verfassung bezeichnet. Daens erklärt, der Bischof werde die Folge» dieser Verfassurrgsverletzriug zu tragen habe». Die klerikale Presse ist über die renitente Sprache des Pfarrers gegenüber dem Bischof außer sich und fordert die Ausstoßung DaenS, anS dein Priesterstande. Der Genter Bischof berichtete in der Angelegenheit nach Rom.— England. London, 3. Febr. Bei der Wahl zum Unterhause in South- Wolverhainplon wurde an stelle des verstorbenen Unioniste» Villiers der Unionist Gibbons mit 4115 Stimmen gewählt. Der marxistische Sozialdemokrat und Leiter der Gusarbeiter- Gewerkschaft, Thorne, erhielt 4004 Stimmen. Dieses Wahlergebniß ist ein Zeichen dafür, daß der Sozialismus in England im Vormärsche ist.— Bei der Parlainentsri ahl sür Südost-Durham wurde der Liberale Richardson mit 6286 Elinunen gegen de» Unioniste» Lambton ge- wählt, der 6011 Stimmen erhielt. Richardson tritt an stelle des verstorbenen Unionisten Havelock Allan. Italien. Rom, 4. Februar. Deputirlenkammer. Fortsetzung der Berathung des Gesetzentwurfs betr. Herabsetzung der Ge- t r e i d e z ö l l e. In Erwiderung auf die Ausführungen zahlreicher Redner der letzten Tage erklärte der Finauzminister, die Regierung sei geneigt, darauf einzugehe», daß die Geltungsdauer der Heran. setzung der Getrerdezölle von 7,50 Frcs. auf 5 Frcs. vom 30. April bis zum 31. Mai verlängert werde. Der Minister fügte hinzu, die Thalsachen bewiesen die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Spanien. Madrid, 4. Februar. Durch cin heute veröffentlichtes Dekret rizird der Verkehrsminister ermächtigt, mit dem Vertreter Frank- reichs ein Abkomme» abzuschließen, nach welchem die Gebühren sür Zeilungsdepeschcn von Sparrie»»ach Frankreich und umgekehrt um 50 pCt. herabgesetzt werden. Da ist u»s also selbst Spanien in der Achtung der Press« voraus.— Afrika. Tanger, 4. Februar. Die Engländer, welche von der marokkanischen Regieniug gefangen genommen find, werden in «irrigen Tage» wieder freigelassen.— Sansibar, 3. Februar. Hier verlautet, daß die Nnbicr, welche sich i» Uganda empört haben, aus dem Fort Lribruas i» Usoga, irr dem sie von dem Major Mac Donald belagert wurde», geflüchtet sind und den Nil nberschriile» haben.— AnS St. Pank de Loander kommt vom 3. Februar die Drahtmeldung, daß Aufständische im Bezirk von Mossamedes(i»i Süden an portugiesisch Nieder-Guinea) viermal hirrler einander das Fort Humbc angegriffen, aber jedesmal mrler beträchllicheir Verlusten zurückgeworfen wurde». Die Portugiesen hatten einen Tobten und fünf Verwundete.— Slsie». Bombay, 3. Februar. I» der»ergangene» Woche sind 827 Per- sonc» an der Pest gestorben; die Gesarumtsterblichkeit belief sich aus 1871 Fälle. Der Eingeborene Chapekar, welcher im vergarigeucn Sommer in Poona zrvei englische Beamte ermordet hat, ist in Poona zrn» Tode verurtheilt worden.— — Englische Kämpfe. Im Mekra» gebiet, dem Küstenstrich des westlichen Beludschisla», haben die Engländer einen Erfolg erzielt; ans fialkritta wird gemeldet: Olrersl Mayrre, der sich auf dein Vormarsch gegen die Ausrührer in» Mekrairdistrikt be- findet, traf am Montag Morgen aus de» Feind, der den Eingang zu dem nach Westen sührende» Paß über de» Tnrdat besetzt hielt. Der Oberst griff de» Feind a» und zersprengte ihn völlig. Ter Feind verlor gegen 100 Tobte,»»ler denen sich die bedeutendne» Häupllirrge befinde». Der Verlust der Engläuder beirägt 4 Tobte und 9 Vcrivuudele. Der Feind war 1500 Man» stark. Lvahlbemegung. Herr Leuschuer ist amtsmilde, wurde vor einigen Tage» ge- Meldek. Das ist, wie die dem Herrn Lenschner sehr»ahesteheude „Ersleber Zeitung" schreibt, nicht richtig und beruhe auf Erfindung. )lber Reichsiags-Abgeordneter will er nicht weiter sei». A» seiner Stelle soll der bckariule Bimetallist Dr. Areudl-Berli» trete». Die Freisinnigen habe» im Wahlkreis Lörveuberg de» bis- herige» Vertreter Rcklor Kopsch wieder aufgestellt. Für den Wahlkreis Pfaffe n Hose»-Jugol st adt-Frei- sing wurde in zwei Delegirtenversaiirmluugerr des Bauernbuudes der'Guisbesitzer Hr. Wörmann als Kandidat des Banernbundes »ominirt. In dem bayerische» Wahlkreis Straubing hat sich das Zentrum für die Kandidatur des Landgerichtsralhs Söldner entschieden. Söldner soll de» büudlerischen Bestrednnge» näher stehen als der lrühere langjährige Vertreter des Kreises Gras v. Preysing, der »un»ach einem nuSsichtsvolleren Wahlkreis Deggendorf versetz! ist. Da« Zentrum gedenkt dadurch de» Wahlkreis wiederzuerlangen, der 1893 an den Bauernbund verloren ging. Im Wahlkreis« Ansbach- Schwabach wollen die Kon- servaliven und Barierirbündler wieder ihren Kandidaten bei der Ersatzwahl vom Jahr« 1896, den Bürgermeister Hufuagel-Möckeuau, aufstellen.__ Der Abounrntenstand des„Brannschweiger VolkSfrenudS" ist, wie im Bericht der Preßkommission miigetherlt wurde, seil der Uebernahrue des Blattes in P a r t e i- E i g e n l h u>» um zirka 20 pCt. gestiegen. Als VertrauenSmami für En bin gen am Kaiserstuhl in Baden ist der Parteigenoffe Franz Jos. Ziegler für die Dauer der ReichstagSwahl-Periode gewählt worden. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Bei einer Flrigblattverbreituug, die am 7. November v. I. im Kreise N i e d e r b a r n i m vor sich ging, hat«in Parteigenosse aus Pankow i» Schön»» aide das Gehöft eines Kolonisten, dessen Wohnhaus mit Stroh bedeckt ist, mit brennender Zigarre betreten. Der Gendarm, der ihn wegen des Flrigblalts anhielt, ließ zrvar kein Wort über daZ Rauchen fallen, vom Amtsvorsteher bekam der Parteigenosse aber später ein auf 5 M. oder 3 Tage Haft laulerrdes Slrafiuandat, weil er in nirmiltelbarer Nähe des mit Siroh gedeckten Wohnhauses geraucht habe. Höchst charakteristisch für die moderne Werlhschätzung einer Arbeitskraft auf dem Laude ist es ja, daß 5 M-wk drei Tage» Haft gleich sei» sollen. Gegen das Strafmandat an sich läßt sich aber»ichtS thun. Nach§ 868 deS Strafgesetzbuchs kann mit Geldstrafe bis 60 M. oder entsprechender Hast bestraft werden, wer mit nnverwahrtem Feuer oder Lrchl sich ferrergefähr- liche» Gebäude» nähert. Wird auch diese Vorschrift vo» der Land- bevölkernng selbst nicht allzu genau geiiornnreir, jedenfalls können Sozialdemokraten, die agitatorisch thätig sind, nicht daraus rechne», daß man ihnen eine Unachtsamkeit»achsehe» werde. -- Redakteur Gewehr in Elberfeld, der dort am 31. Januar eine dreimonatige Gefängmßstrafe antrat, hatte, durch frühere Erfahrungen gewitzigt, direkt bei der Ziegieruug in Düsseldorf das Gesuch eingereicht, sich im Gesängniß mit literarischer Arbeil selbst beschäftigen zu dürfe». Darauf ist ihm vom Gefärignißdirektor P a e h r. an den die Regierung das Gesuch geschickt hat«, nrUgetheilt worden, daß von seiner Selbst- beschäftigung Al'stand geiiommeii werden müsse, ihm jedoch eine seine» Fähigkeiten enlsprechende schriftliche Arbeit zugetheilt werden würde. Das Gesuch unseres Parteigenossen ist also abgeschlagen worden. Charakteristisch ist es aber für de» preußische» Strafvollzug, daß Gewehr es immerhin jetzt etwas besser im Gefängniß habe» wird, als während eines früheren Aufenthaltes daselbst. Bemerkt sei noch, daß ihm als Lektüre die„Elberselder Zeitung" zugebilligt worden ist. Die Mvsache des Grubenunglücks auf der ÄeÜze Nuiferstuhl. Mit dieser Tagesordnung beschäftigte sich am 2. Februar in Dortnumd eine Versaminlung der Bergarbeiter, in der vo» den Bergleuten recht interessante Einzelheiten über die Ursache des Un- glucks ans genannter Grube zur Kenntniß gegeben wurden. Wir berichte» nach der„Rhein.-Wests. Arbeiter-Zeitung". Die Versammlung war gut besucht und eröffnete Wächter die Verhandlungen mit der Aufzählring verschiedener Nebel- stände ans der Zeche Kaiserstuhl II. Vor allem sei die Wetlerversorgung der Grube nicht so gut, wie sie sein müßle. Vor der Kommisston zur Nnlersuchung der Ursache des Unglücks hätten die vernommenen Arbeiter und der Wetterkontrollenr ausgesagt, daß vor dem Unglück keine Wetter in wesentlicher Menge bemerkt worden seien, ihm aber hätte» mehrere ältere, erfahrene Bergleute erklärt, daß vorher schon genug Wetter vorhanden gewesen seien. Im Flötz 12, wo das Unglück passirte, seien die»reisten Pfeiler bereits abgebaut und nicht»rehr belegt, sie seien nicht zugenrauert, noch mit Brettern verschlage»; eins hält« doch geschehe» müssen, damit nicht einmal ein unerfahrener Arbeiter, ei» Junge hineinlaufe und dabei die vielleicht dort an- gesammelten Wetter entzünde und so namenloses Unglück anrichte. Ftötz 8 habe auf einer Strecke von 60—70 Metern nur drei Ueberhaue»(Einrichtungen, die der Luft bequem Zutritt gestallen), während die bergpolizeilrche» Vorschrlfte» doch alle 10 Meter eine solche, für die Lnirzufnhr»othmendige Eiiirichtnug verlangten. I» Flötz 7 sei es mit de» Ueberhauen ebenso schlecht bestellt, auf einer aridere» Stelle seien sogar aus einer Strecke von derselben Länge nur zwei Ueberhauen. Am obersten Pfeiler im Flötz 9 hatte» die Arbeiter zwar eine Welterinühle, aber»nr selten einen Jrurgen zum Drehe», so daß ein Haner meist selbst drehe» mußte. Und waren dann die Wetter aus dem Pfeiler vertriebe», so standen sie draußen ans der Bah» und mußte» die Leute sie mit den Jacken, so gut es ging, forischlagen. Auch das große Unglück im Jahre 1893 auf Kaiserstnhl I halte durch eine bessere Wetterführring vermieden werden können, und wenn Herr Grubeiidireklor Hitdck anderer Meinung sei, so sei er bereit, seine Behauptungen vor Gericht zu er- därien. Pokorny, der iiiin als Reserent das Wort erhielt, bemerkt ans einen Artikel bes Grirbendiretlors Hilbck in der„Dorlm. Ztg.": Wenn sich Herr Hilbck darauf berufe, daß der aus Kaiser- stuhl arbeitende Knappschastsälleste Wienke in der ersten Ver- snmnilung nichts von Mißständen auf Kaiserstnhl gesagt habe, so sei das kein Kunststück. Wieirle müsse schon schweigen, werrn er die Arbeit nicht verliere» wolle. Und ebenso wenig bewiese es etwas sür die Zechenver wallung, daß ans Karseiftrihl in jeder Minute 3 Krrbik- iiieiet Lust sür jeden Mann der Belegschaft eingeführt würden. DnS klinge sehr gut, aber trotzdem könnte die Weliersührnng sehr schlecht sein, indem nämlich die Luft nicht alle Orte erreiche. Ja, wenn Röhrenlertungen bis vor alle Beiriebspunkte geführt wäre», aber sei das dort der Fall?(Niuse: � Nein! Nein!) Der Redner ging dann auf die Unfälle im all« gemeinen ein. Wie sicher die Grubenlampen seien, das zeige der Umstand, daß»ach der» Artikel des Assessors Slvckflulh 58 pC>. der vo» 1861— 1882 vorgekommenen Schlagwetter-Unglücke auf E»t- jüudung der Wetier durch die Lampen zurückzirsühren seien. Nach dein großen Unglück ans der Zeche Bluriieulhal wurde der Lampen- Meister Knall und Fall entlassen und zahlreiche Berg- leule konnten viele Tage lang ihre Lampen nicht bekommen, sie mußte» wohl e r st r e« parirt werde». Assessor Stockfluth verlangt, daß jede Zeche zwei Schächte anlege, wovon der eine nur Weller einführt, der andere nur solche ansiühre. Ist das etwa ans Zeche Kaiselstuhl II der Fall?(Rufe: Nein!) Menschen- lebe» sind eben billig und ein Schacht kostet viel Gelb. Die Grund- Ursache des Unglücksfalles auf Zeche Karserstudl II ist nur die nrarrgelhafte Welterversorgnng.(Lebhaste Znstiiirniung!) Zum Schluß bezeichr-ete der Liedner als Mittel zur Besserung die Durch- führung der Bergarbeiler-Forderntig»och Anstellung von Arbeitern als Hrlfskontrollenre und die Konirolle durch eine starke Arbeiter« organisation. Damit die Organisalion stark sei, müsse aber Einigkeit unter den Bergleute» herrsche» und deshalb ist das Verhallen der Führer des christlichen Gerverkvereins zum alle» Verband aufs schärsste z» verurtherlen.(Zustimmung und Beifall!) Bunte: Die Wetterführung aus der Zeche Kaiserstnhl ist nicht so wie sie sein sollte. Eine ganze Reihe vo» Bergleuten habe» mir geiagt: Wenn»ra» im Flötz 9 einnial darnnterlenchle» würde, so würde kein Ziegel auf dem Dache bleiben.(Rufe: Im Flötz 11 auch!) Früher war es mit der Wetterführung auch nicht so korrekt. Die bergpolizeilichen Vorschriften reichen nicht ans. Man sollte einfach festsetze», daß für jeden Todes- fall durch Schlagwetter der technische Direktor nitd der Betriebsführer 14 Tage Gefängniß erhielten, dann würde die Wetterführung bald besser werden. Daß das Unglück durch einen un- geheure» Bläser entstanden ist, glaubt wohl keiner.(Rufe: Mumpitz, Unsinn!) Dabei verbrennt man sich»och nicht einmal die Haare auf dem Kopfe. Bläser, die soviel Wetier bringen, daß dadurch ein Massenitnglück entstehen könnte, giebt es nicht, die Flöhe sind gar nicht dick genng, daß darin Hohlräiirne entstehen könnte», die so viel Welter bergen.(Lebhafte Znstiinnrnng.) Wenn die Wetlerführniig nur gut ist. so kann ein Bläser niemals ein großes Unglück an» richten.(Zuslinrinung) So weit die Urtheile von Leuten, die über die Sicherheit de? Betriebes wohl ein Wort mitreden könne». Sie stehen in recht scharfer» Kontrast z» dem sicheren Urlheil, das Herr Brefeld über die Grlibenkonlrolle fällte, als Bebel bei der Etatberalhung diese Uebelstände i» den Kreis seiner Beirachlnugen zog und dabei bezweifelte, daß die Grnbcnkonlrolle in genügender Weise VorbengnngS- Maßregeln trifft, die eine Wiederholung so schrverer UnglückSsälle vermindert, rverrn nicht gar ansschließt. In wenigen Jahren ist ans diese Weise das zweite große Unglück zu verzeichnen; dem letzte» fielen 21 Bergleute zum Opfer. Ursache genug, um ernstlich au die Aenvernng der Grnbeninspeklion herdn» zugeben. Aber ob die Herren Brefeld und v. Posadowsky die geeigneten Leute sind, solche Aufgaben zu förder», ist sehr zu bezweifeln, denn den Dank der Grnbeubesttzer könne» sie sich dabei nicht erwerben. Gemerkfrfzafklickes. Die Korbmacher erklärten sich in einer am Donnerstag ab« gehaltenen Versaumiluiig mit den Befchlüffe» der Magdeburger Konferenz vo» Arbeiter» der Geschoßkorbbrmrche einverstanden und verpflichteten sich, dieselben i» Berlin strikte diirchznführcn. Die Beschlüsse— 4M. pro Korb, Maxrmalleistnng 10 Körbe pro Woche, täglich neilnstündige Arbeitszeit— solle» den in Frage kommenden Unternehmern uritgelheilt werden, damit dieselbe» ihre Preise demgemäß festsetzen können. Unter„Verschiedenes" theilien mehrere Redner mit, daß ihn«» bei Schlesinger, wo die Arbeiter bisher 4 M. für den Korb erhalten hatten, gesagt worden sei. die Arbeit sei zu Ende. Aus Anfrage etn?«« Arbeiter habe der Wertführer dann noch eine Anzahl Körbe tn Arbeit gegeben, wobei die Arbeiter als selbstverständlich an- gcnoinnien haben, daß der bisherige Loh» von 4 auch für diese Körbe bezahlt werde. Als es zum Bezahlen kam, sei den Arbeitern nur 3 M. resp. 3,25 M. pro Stück gegebe» worden. Einige Arbeiter wollen sich wegen der Differenz an das Gewerbegericht wenden. Ein Redner gab der Befürchtung Ausdruck, daß der Submittent Schulz, der. wie schon mitgetheilt, die Geschoßkörbe für 5,40 M. liefern Will, Arbeiter genug bekommen werde, welche die Körbe zu jedem Preise machen würde». Schon jetzt, meinte er, biete» sich die Arbeiter in großer Zahl bei Schulz an. Mehrere Redner erklärten diese Befürchtung für stark überlrieben. Wenn sich viel- leicht auch einzelne Kollege» finden möchte», die zu niedrigen Löhne» arbeiten, die Mehrzahl werde sich doch an die Beschlüsse halten, da es thatsächlich nicht möglich sei, einen Korb billiger als zu 4 M. reell anzufertigen. Wenn Schulz den Zuschlag in der Snbmisston bekommen sollte, dann werde er eben seinen Verpflichtungen nicht nachkannne» können, denn es sei nicht daran zu denken, daß er Lenug Arbeiter finde, die unter dem Tarif arbeiten. Achtung» Töpfer! Im Versammlnngsbericht der Töpfer vom gestrigen Tage ist unter anderem gesagt„daß auf dem Bau Straß. wanuftr. 8 bei den Unternehmern Schulze u. Wolf die Arbeit nieder» gelegt worden sei, weil kein Lohn zu erlangen war." Nichts- destoweniger fanden sich zehn andere Ofensetzer, um in die sreigewordenen Arbeitsstellen einzurücken. Sie entschlossen sich aber, nachdem ihnen der Sachverhalt klar gelegt worden war, nicht zu arbeiten. Zur Erlangung des rückständigen Lohnes(zirka 1000 M.) ist von den Ofensetzern, die dieseihalb die Arbeit niederlegte», Klage beinr Gewerbegericht angestrengt worden. Es rvird ersucht, auf diesem Bau nicht mit der Arbeit zu beginnen, bis die Differenzen ausgeglichen sind. Der B e r t r a u e» s m a n n. Charlottenbnrg. Achtung! Ha»Sdie»er, Packer, Kutscher und BerufSgcuossen. Kollegen! Wen» wir bei der letzte» Stadtverordnelenwahl von Charloltenburg die Genugthuung hatten, daß nahezu 1000 Stimmen von unseren Bcrufsgenossen für die Ver- treter der Arbeiter abgegeben wurden, so ist es doppelt zu bedauern, daß Ihr Euch um die gewerkschaftliche Orgnnisaliou bis jetzt nur wenig oder gar nicht gekümmert habt. Um Euch nun Gelegenheit zu geben, Euch über die Vortheile derselbe» zu»nlerrichle». tial der Verband aller im Handels- und Transportgewerbe beschäiligten Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend zum Sonnlag, den 6. Febrnar, im Lokal„BisinarckKöhe", Wilmersdorserstr. 39, eine öffentliche Versammlung einberufen, in welchem der Genosse G Wagner sprechen wird. Weiler steht die Wahl eines Vertrauensmannes und Delegirten zum Charlottenburger Geiverkschafts-Karlell auf der Tagesordnung. Kollegen! Kommt zahlreich der an Euch ergangenen schristliche» Einladnng nach und bringt Freunde und Kollegen mit. I. A.: A l b e r I U t h e ß. TcutscheS Reich. Die Mafircgcluiigrn organisirler Textilarbeiter in der Zivickaucr Ätkiieusplnnerei danern fort. Diese Woctie ist wieder mehreren Spinner» und Andrekern gekündigt worden. Der Be- vollmächtigte des Textilarbeiter-Verbandes D r e ch s e l, hat von der Polizeibehörde ei» Strafmandat von 5 M. erhalle», tveil er ans offener Straße einen Meister behelligte und dadurch ruhestöreude» Lärm resp. groben Unfug verübt habe» soll. Ein allgemeiner Ausstand der Gipser ist in Kaiserslautern ausgevrochen. Die Arbeilec verlanget» erhöhten Akkordlohn und zehnstündige Arbeitszeit. Tic Pianofortc-Arbcitcr der Firmen Schirdmatier». Söhne und Lipp u. Sohn i» Stuttgart hielten am Sonntag eine gemeinsame Versammlung ab, um sich ans die Durchsühriing des achttägigen Zahltags zu einigen. Es wurde deschlosie», die Geschäflsansschnsse beider Fabriken zu beanflragc», beim Prinzipal wegen des Begehrs der Kollegen vmstellig zu werden. Beide Fitinen lehnte» die Einführung des achttägige» Zahltags rnndweg ab und einen» Mitglied« des Geschästsausschnsses der Firma Schiedmarier wurde für die Dreistigkeit, den Prinzipal mit Arbeilerwnnschen belästigt zu habe», gekündigt. Wie können sich a»ch die'Arbeiter unterstehen, solche Wünsche zu äußern! Herr Haminacher hat recht, wir habe» das humanste llnlcrnehmerthnnt in Deutschland. 35 Metallarbeiter der Portland- Zementsabrik in Heimen haben wegen Maßregelung einiger Verbaudsmitglieder die Arbeit eingestellt. I» der Strickmaschitteii-Fabrik von O e m l e r in Leipzig- P l a g w i tz siiid wiederum Dtfferenzeu entstanden, da von der Firma drei Arbeiter, die sreiivillig die Arbeit ausgaben, ans die schtvarze Liste gesetzt wurde». Die Firma beabsichtigt, die Maschinen in Berlin und Criinmitschau herstellen zu lassen und werben deshalb die Metallarbeiter gebeten, dies z» beachten. Eine Textilarbeiter- Vcrsaininlnng in Frank enberg (Sachse») wurde vom Stadtralh verboten mit der Begründung. Frau Greifenberg werde auch in dem für den l. Februar d. I. angekündigten Aortrage„die Entwickelung»nd Lage der Textilindustrie und die Frauenarbeit" in derselben Weise wie bei frühere» Gelegenheiten die Arbeitgeber angreifen, hierdurch aber verschiedene Klassen der Bevölkerung in einer de» öffentlichen Frieden gesährdenden Weise gegen einander öffentlich anreize». Frankenbcrg ist also vor einer aufreizenden Rede bewahrt, aber die Weber tvcrde» ohne diese Rede kaum zufriedener geworden sei». Daß der Stadtrath von Frankenberg die liniernchnier vor Angriffen zu schützen weiß, bezeugt, daß er seine Stelltuig richtig er- kannt hat. AiiSlaud. A. TaS russische Gesetz über de» NormalarbeitStag hat den» russischen Arbeiter ohne Zweifel Stutzen gebracht. De» rnssiscb- polnische» Arbeitern jedoch, die zum größten Theil bereits den elf- oder zehnstündigen Arbeitstag sich erkämpft halten, suchen die Fa- brikanlei» jetzt die Arbeitszeit wieder biS auf das gesetzlich zulässige Maß von ll'/a Stunden zu verlängern. In Warschau ist es infolge dieser Versuche zu einer ziemlich ausgedehnte» Streik- bcwcgung gekominen. Viele Arbeiter gehen mit ihren Forderungei» nun bedeutend weiter; so verlange» die der Eisenfabriken de» Acht- stundentaa, andere verbinden damit das Verlangen aus höhere Löhne. Gegen 60 Arbeiter sind verhaftet. AuS Petersburg wird berichtet: Der Stadthauptmann halte eine Anzahl Bäckermeister und Brotfabrikanlen. deren Brot bei den amtliche» Revisionen wiederholt als verfälscht»ach- gewiesen wurde, mit empfindlichen Geld-»nd Gefängniß- strafen belegt. Darauf richtete» sämmtliche Inhaber von Brot- bäckereien an den Justizminister eine Eingabe, worin sie»achzuweise» suchte», daß unter den Bäckergesellen der Hauptstadt die Ver- abredung getroffen sei, durch absichtliche Verfälschungen deS Brotes diejenigen Arbeilgeber zu schädige», welche nicht sämmtliche von de» Gesellen aufgestellte Forderungen erfülle». Der GesellenanSschuß erklärte jedoch diese Behauptung als eine offenkundige Verleumdung, da die Meister die Brotverfälschung lediglich aus G e w i» n s u ch t betrieben hätten. Hieraus wurden die Mitglieder des Ausschusses von den Meistern geniaßregelt, was sie mit der allgemeinen Arbeits- «instellung beantworteten. Da traten die Militärbehörden«in; sie stellten Soldaten, welche die Arbeit der Bäckergesellen verrichten müssen, und andererseits hofft der Stadthauptmann, den Streit zwischen den Meistern und Geselle» durch eine» M a ch t s p r u ch beilegen z» können._ Soziales. Ueber die Verbreitnug der Setzmaschine berichtet eine Ber- liner Lvknlkorrespondenz: Die Mergenthaler Linotype- Gesellschaft hat im Geschäftsjahr 1897 nicht weniger als 502 Maschine» gebaut und 1325 vermielhct gegen eine Jahresmiethe von 683 175 Dollars. Auch Werkdrnckercien stelle» bereits Linotypes auf. Die New-Aorker .World" beschäftigt schon 55 Setzmaschinen. Die daran arbeilenden Setzer erlernen die Telegraphie, um die telegraphische» Nachrichten unmittelbar auf der Maschine absetzen zu können. Ein einziger Berantivortticher Redakteur: Augnst Jacobetz in Berlin, gü Maschinensetzer des in Chikago erscheinenden„Jnter Ocean" hat in einer Nacht 120 000 Buchstaben geliefert. Bei einer Leipziger Zeitung wird der Reichstags-Bericht telephonisch ausgenommen, steno- graphirt und sofort dem Setzer an der Maschine diktirt. Dadurch »vird das Abschreiben gespart. Außerdem liefert der Setzer noch etwa 1000 Buchstaben in der Stunde mehr als sonst. Arbciter-Risiko. Aus Wattenscheid wird gemeldet, daß in dem neuangeleglen dritte» Schacht der Gewerkschaft Unser Fritz ein Wassereinbrnch erfolgte, wodurch der Obersteiger R i n k e r» e i l ums Lebe» kam. Die übrige Belegschaft konnte ge- rettet werden. Ein entsetzliches Grubenunglück hat sich in Rußland ereignet. Wie aus Charkow berichtet wird, kamen in den Kohlen-Bergwerken in M o k i e j e>v 92 Bergleute durch Explosion schlagender Wetter ums Leben und 43 wurden bis zum Abgang der Nachricht noch vermißt. Tie Zahl der Rechtsanwälte Württembergs beträgt gegen- wärtig 214. Davon sind zugelassc» beim Obe>la»desgerichl 18, beim Landgericht Stuttgart 56, beim Landgericht Heilbron» 17, Tübingen 13. Rottweil 17, Ellwangen 15, Hall 13, Ulm 33, Ravensburg 13. Nur bei Amlsgerichlen sind zugelassen 9. Gevißszks-Rettung. In seinem Kampfe gegen daS deutsche Jrreinvesen und gegen die Jrrenärzle hat sich der Redakteur der„Charlottenburger Nach- richten", Osivald Knorr, eine neue Anklage zugezogen, welche gestern vor der 2. Strafkammer am Landgericht II zur Verhandlung gelangle. Diesmal handelte es sich»in Beleidigung des Stadt- Physikns Sanilätsrath Dr. Klein in Charloitenbnrg. Da der beleidigende Artikel in der Nuininer 42 der„Charlotte, ib. Nachr." von» 16. Oktober 1897 erschien, während welcher Zeit der An- geklagte eine zweinionatige Gefängnißstrafe wegen Beleidigung in „Plvtzensce" verbüßte und mangels einer anderen Verlrelilng die Galt in des Knorr, Agnes geb. Witte, als„verantwortlich" zeichnete, so war auch diese wegen des gleichen Vergehens angeklagt. Ter inkriuiinirte Artikel erschien mit der Anfschtifl „Schieckliche Zahlen" und knüpfte daran an, daß sich in den preußischen Irrenanstalten nach einer im„Reichs-Anzeiger" veröffentlichte» Statistik 82 530 Unglückliche befinde»; er selbst folgerte in dem Artikel, daß sich unter jener große» Zahl zahllose OpferDbefäiiden, die ganz gesund feien, namentlich i» den Privat- Jirenanstalten, die aber dort gegen ihre» Willen festgehalle» würde», weil ihnen jede Verbindnng mit der Außenwelt abgeschniitcu sei. Unzählige gesunde Menschen müßten« in diese»„Mördergrube» des Geistes" schiiiachie». znmal die Presse. namentlich die haupistäblische, dem„Entmundiglliigs-Unfiige" kalt gegenüber stehe. Euie hiesige Zeitung habe ihm sogar ans seine Ansrage erwidert, das Lescpublikui» intereisire sich nicht für solche Sachen. Das wirkliche Motiv dieser Zurückkaltnug sei aber nur Feig- heil iiiid Habsucht. Zni» Beweise für diese Behaiiplungen führte der Verfasier verschiedene Fälle an, die schon in de» ftübeien Prozessen gegen Knorr erörtert worden sind; u. a. auch den Fall des Haupt- nianns und Steuerinspektors a. D. Cluth, der 11 Monate in der Dr. Edet'schen Jrreuaiistalt in Cbarloilenburg festgehalle» worden sei. Der Artikel enthielt außerdem heftige Aiigriffe gegen de» die behördliche Aussicht führende» Pbysikns Saniläisralh Dr. Klein »tiid schloß mit einem Appell au das große Publikum, ihn, de» Verfasser, in seinem heiligen Kampse zu unterstütze». Wegen des auf Dr. Klein beiüglichen Abschnittes des Artikels hat das Berliner Polizeipräsidiuin als vorgesetzte Behörde des Beleidigten Strnfanlrag geiiclll. Der Angeklagte bekannte sich als Verfasser des Artikels und suchte auch feine Frau durch die Angabe z» exknlpiren, daß er derselben gesagt, sie solle mit„A. Knorr" zeichnen, was zutreffend fei, da er auch Armand heiße. Es sei dies geschehen, nachdem Echriststellel Joachim G e h l s e n die ihm angetragene vorübergehende Vertretung in der Veranlivortung abgelehnt hatte. In bezug auf die inkriuiinirte Stelle des Artikels bemerkte Angeklagter, daß er nur nackte Thatsachen behauptet habe. Der Angeklagte wurde zu eine m Monat Gefängniß ver- »rlheilt, die Gattin jedoch freigesprochen, weil sie nicht der Strafbar- keil ihrer Handlung beivnßt gewesen sei. Der Angeklagte erwiderte die Publikation mit dein letzte» Anstnfe Galileis:„Und sie bewegt sich doch!", was ihm einen Verweis von seilen des Vorsitzenden eiiilrug. Tie Explosion Po» FenerwerrSkörpmi, welche am 27. Juni vorige» Jahres aus dem Potsdamer Bahnhose stattfand. gelangte heule vor der»ennlen Slraiknminer des Landgerichts I zur gericht- lichen Erörterung: Am genannten Tage, vormittags gegen 10 Uhr ivar der Postbeamte Sparmann auf d>n» Poftamle im Potsdamer' Bahnhof damit beschäsligt, die eingegangenen Packet« in den Karre» zu laden, um sie dann a» den Zng zu befördern. Als Spart»«»» eine der Klsien auf de» Karren stellte, platzte dieselbe mit einem gewaltige» Knall auseinander, wodurch die Umgegend im weiteren Kreiie in Furcht und Aufregung verseht wulde. Eparnian» winde zu Boden geschleudert, er erlitt schwere Verletzungen und die ans der Kiste hervortretende» Stichflamme» verursachten ihm erhebliche Brandwunden. Er leidet noch beute au den Folgen. Der Postkarren wurde zertrümmert und zwölf Packele mit dem Inhalt wurden beschädigt. Es stellte sich heraus, daß die ver- hängnißvolle Kiste mit sogenannten„Radfahrer- Bomben" angefüllt gewesen war,«ine vo» dem Pyrotechniker Brandt gemachte und patenlirte Erfindnng. Die Bombe» solle» zur Berscheuchung von Hunde» dienen. Der Kausinann David R o s e n t h a l, der sich mit dem Verlrieb von Artikeln für Radfahrer beschäftigt, erhielt vo» einer auswärtigen Firma«ine Vestellung aus mehrere hundert Bomben. Er wandte sich a» den Generalvertreter des Fabrikanten Brandt. den Ka»f»na»n Anton N i i» c z i ck, der ihm eine bis aus die Adresse zum Versande fertig gestellte Kiste, wie Brandl sie ihn» vertragsmäßig liefern niußte, aushändigte. Diese Kiste gab Rosenthal bei dem Postamte in der Adnlberlstraße ans. Rosenthal und Nimczick waren nun der sahrlätsigen Körperverletzung, des Vergebens gegen das Gesetz betreffend de» Verkehr»nl Sprengstoffe» und des Vergehens gegen daS Postgesetz angeklagt. Der Staatsanwalt erkannte in der Verhandlung a», daß »ach de», vo» den Sachverständigen abgegebenen Gutachte» das Sprengstoffgcsctz keine Anwendung finde, hält aber dafür, daß beide Angeklagten grob fahrlässig gehandelt habe» und es nur einein glücklichen Zufalle z» danken fei, daß die Sache noch glimpflich abgelansen sei. Mit Rücksicht hierauf beantragte er je zwei Monate G e- f ä n g» i ß.— Di- Vertheidiger beantragten eine milder« Straf«.- Der Gerichtshof»ahn, eine Fahrlässigkeit der beiden Angeklagten als vorliegend an»nd verurtheilte jeden derselben zu 300 Mark Geldstrafe event. 60 Tagen Gefängniß. Ei» betrübender Unglücksfall, welcher si» am 5. September vorigen Jahres in rer Landsberger Alle« ereignete, ivtirde auf das Vcrschnldc» des Postillons Wilhelm Buder zurückgeführt, welcher gekiei» unter der Anklage der fahrlässigen T ö d I n n g vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I stand. Durch die Beweis- aufnahm« wurde folgender Sachverhalt festgestellt: An dem genannten Tage in der Mittagsstunde hielt der Angeklagte mit dem von ihm geführte» Post-Packetwagen vor dem Hause in der Lands- berger-Allee, in welches der de» Wage» begleitende Schaffner mit eineni Packet hineingegangen war. Dein Angeklagten kam ein Be- dürfniß an, er stieg vom Bock und stellt« sich hinter den Wage». Als er im Begriffe war, um den Wagen heiuinzugehe».»in den Bock wieder zit besteige», ging das Pserd durch. Der 54jäbrige Ar- beiler Schiroga, welcher mit seiner Ehefrau dem Fuhrwerke entgegen- kam, wollte dem Pferde trotz des Zurückhallens seiner Edefrau in die Zügel fallen. Er stolperte dabei über eine» Steinhaufen«nd stürzte unmittelbar vor de», Pferde zu Boden. Die Räder gingen über seinen Körper, er erlitt so schwere Verlehungen, daß er nach vier Tagen verstarb. Es wurde angenoulmen, daß er sich in angetrunkenem Zustande befand, als der Unglücksfall sich ereignete. Der Angeklagte meinte nicht, daß ihm ein Verschulden beizumessen sei. Er sei seit vielen Jahren Postillo». seine Behörde habe ihm die den Jnscratenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck ui silberne Ehrenpeilsche zuerkannt. Allerdings stehe in seiner Instruktion, daß er eine» Strang zu lösen und die Hemmkette anzulegen habe, wen» die unabweisbare Nothwendigkeit vorliege, vom Bock herunter- zusteigen. Aber da er im vorliegenden Falle unmillelbar»eben dem Wagen stand und das Pferd ein ruhiges Thier war. so habe er es nicht für nothwendig gehalten, die Vorsichtsmaßregeln anzutvenden. Der Staatsanwalt fand hierin die Fahrlässig- keil, er beantragte gegen den Angeklagte» drei Monate Gefängniß. — Der Gerichtshof kam zu einem freisprechenden Urtheil, da nicht erwiesen sei, daß das Durchgehen des Pferdes hätte verhindert werden könne», wenn der Angeklagte die vorgeschriebenen Vorsicht-- maßregeln angewendet hätte, wie es a»ch in eineni von der Post- Verwaltung eingeholten Gutachten zum Ausdruck gebracht sei. Ein Rcnkoutre zwischen Zivil und Militär brachte dem Schneider Louis Dehne eine polizeiliche Slrafversügung wegen groben Unfugs ein, gegen welche er Widerspruch erhob. In der vorgestrigen Verhandlung vor der 141 Abiheilung des Amts- gerichls 1 wurde der Thalbestand wie folgt festgestellt: In der Nacht zun» 13. Dezember v. I. ging der Zlngeklagte die Camphansenstraße entlang, als plötzlich ei» Grenadier des Kaiser Franz-Regimenls von hinten auf ihn zustürzte und ihn, mit dem blankgezogene» Seitengewehr einen Schlag über den Kopf ver- setzte. Der so Ueberfallene drehte sich darauf um und setzte sich zur Webr. In dem nun folgenden Ringkampfe gelang es ihm, dem Soldaten das Seilengewehr zu entreiße», welches er zwecks Bestrafung des Soldaten auf die Kasernenivache trage» wollte. cUm diesem Hebel zu entgehen, forderte der Entwaffnete i» recht schroffer Weise sein Seiteiigewehr zurück; als sich der Angeklagte weigerte, dieser Alifsorderung nach- ziikomme», nahm das inzwischen herbeigeströmte Publikum für den Soldaten Partei; der Angeklagte wurde vo» allen Seile» mit Schlägen hart bedrängt uiid mußte sich schließlich zur Herausgabe der Waffe bequemen. Kaum hatte der Soldat letztere wieder in Händen, als er sich sofort aus dem Staube machte. Da der An- geklagte inzivischen fortwährend sei» gutes Siecht betonte und den Soldale» verfolgen wollte, übten die Slraßeupassaiiten a» ihm eine förmliche Lynchjustiz. Inzwischen war von einer Frauensperson ein Echutzmann herbei gerufen worden, welcher gerade in dem Augenblicke auf dem Kampiplatze anlangte, als der Angeklagte einen seiner Angreuer, de» Kutscher Schmidt, zur Erde warf und sich mit ihm laut schreiend aus der Erde herum- wälzte. Der Schutzmann»ahm ihn zur Wache mit; die Folge war das erwädnte Elrafmandat. Ter Amtsanwalt Heise ptädirle für die Bestnlignng deS Sirafbefehts, indem er hervorbob, daß der Zln- geklagte der Aufforderung des Soldaten hätte nachkomnieii müsse»; seine Weigerung sei»in so schlimmer aufzufassen, als er selbst Soldat gewesen ist. Der Gerichtshof unter Vorsitz des AnitsgeriMtsraths Wichmann hatte jedoch eine ganz andere Ansicht von dem Vorfalle; der Angeklagte sei durchaus berechtigt gewesen, das Seiten- gewehr zur Kasernenwache zu bringen, um dem Soldaten die wohlverdiente Strafe zu theil werden zn lassen; es sei schlimm, daß ein ruhig seines Weges dahingehender Straße n passant von einem Soldaten hinterrücks über- sollen wurde. Der Angeklagte brauchte sich diesen Angriff nicht ge- fallen zu lasse», vielmehr mußte er sich als gedienter Soldat kräftig zur W>hr setzen. Das Publikum war durchaus nicht berechtigt, für den Soldaten Partei zu nehme». Unier diese» Umständen könne von der Aerüdung eines grobe» Unfugs gar keine Rede sei», es rechtfertige sich daher die k o st e n l o s e Freisprechung.— Es würde sehr zur Beruhigung des Publikums beitrage», wenn bekannt gegeben würde, welche Strafe der Soldat wegen seiner Rohheit er- litten hat. Ter Prozeß, welche» die Eigeuthlliner deS Nrania- Grbändcö in der Tanbenslraße gegen die Gesellschaft angestrengt dalten, ist gestern durch das königl. Landgericht I zu gnnsten der Urania entschieden ivorde». Es handelte sich bekanntlich um die Frage, ob der hypothekarisch eingetragene zehnjährige Miethsvertrag mit der Gesellschaft durch de» Konkurs des früheren Eigenthümers ungiliig geworden sei oder nicht. Die gerichtliche Entscheidung in letzterem Sinne dürste von de» Freunden des geineiunützigen Unter- nehmens freudig begrüßt werden. A»S dem Staate der Sozialreform. Mit einer gänzlich verlrüppelte» rechte» Hand präsenliile sich ein„Ritter der Land« straße", der iiabezn 60 Jahre alte Arbeiter" Werl he, gester» der drille» Slraskammer am Landgericht II. Der alle Man» ist feiner Arbeitsunfähigkeit halber auf das Betteln und Landstrcichen an» gewiesen, zumal er seit lange» Jahren hcimathtos ist und keinen Unletslützlitigswohnsitz nachweisen kann. Er ist daher schon so häufig wegen Betlelns»nd Landstreichens mit Gefängniß- und Korreklionshast vorbestraft. Dasselbe Schicksal ist ihm im Monat Januar wider- fahren, weil er am 10. v. Mls. in Wilmeisdorf gebettelt hat. Das Schöffengericht am Amtsgeucht II verurtheilte ihu zn drei Wochen Haft»nd zur U-beriveisnug an die Landespolizeibehörde. Gegen dieses Urlheil legte er Berufliiig ein und bat i» der zweiten Instanz lediglich um Befreiung von der Ueberivcisung, denn wenn er wieder frei werde, müsse er doch wieder bettelt,. Staatsanwalt und Gericbtshos verkannie» nicht die Schwierigkeit der Lag« deS An» geklagten, aber gerade vom Slandpliiikt der Menschenfreundlichkeit(>) hielten es beide Faktoren für angebracht, die Bitte des Angeklagte» nicht zn erfüllen und es bei der Ueberweisung zu belassen, dani't die Landespollzei darüber befinden könne, in welcher Weise Atigrilagler in einer seine» Fähigkeiten angeinessenen Weise beschäftigt weiden dürfe, um deuselreii aus seine alten Tage in ge- ordnete Verhältnisse z» bringen. Im Protokoll der Verhandluiig wurde die Krüppelhasligkeit des Angeklagte»»och besonders betont. AuS Metz wird berichtet: Die Verhandlung gegen den früheren Hauptinan» O' D a n» e ivegen Erpressling>vu>de dieser Tage bei verschlossenen Thüren geführt und endete mit Freisprechung. Depefcfzen unv letzte Ltacheiiftteit. Wien, 4. Februar.(B H.) Tie krelensische Nationalvei sa»»»- kling soll, wie hiesige» gricchischen Häuser» ans Athen berichtet wird, den Prinzen Georg von Griechenland z»»i Geuecalgonverneur ans- geruse» habe». Eine Teputalion sei bereits abgesandt, um dem Prinzeu davon Kenntniß zu gebe». Prag» 4. Februar.(W T B.) Ei» im Landtage überreichter Antrag der Abgg. Herold»nd Pacack enihält einen Geietzeniiviltf, wonach das Königieich Böhme» ein einziges unlheilvareS Ganze bildet, die ezechische und die denlsche Sprache i» ganz Böhmen gletchberechiigie Landessprachen sind. Pndaprst, 4. Februar.(B. H.) I» der Nähe deS AkylS kür Oblachiose überfiel ei» obdachloser Mann die ebenfalls ans dir Hiite deS Asyls angewiesene Tagelöhnerin Mandlok und raubte ihr die letzte» fechS Kunzer. Bei dei» U> der fall wurde die Mandlok löduich verletzt. Pasel, 4. Februar.(W. T B.) Die hiesige Polizei verhaftete den ivegen Geinälbebi.bktabl von F> iburg>» B>eikgau ans sicck- brieflich verfolgte» Kanfiiiann PUkievicz. Der Verb<>l>ele wollte die Gemälde a» eine» diesigen Antiquar verkauf«». Er trug eine geoge Siimine Geldes bei sich. London, 4. Febliiar.(W. T. B.) Nach einem Tekegrannn auS Ayr(Schoiilaud) stießen heule Borniiitag auf der Gi»sgv>v» »nd Eoulh-Weiler»-E>seiib»b» bei Troö» ein Personen- iino«ji, Giiterzng ans einanber. Dabei wurden 9 Nel>e»de gelödiet und mehrere verletzt. London, 4. Februar.(B. H.) Einen, Drahibericht ans Ayr zufolge ist ein Periooenzng mit ei»>in Güierzag ans der Siueke Glasgoiv-Southampioil ziisniniiieiigeiloßeii. 9 Reisende wurden dabei getödiet, ein« große Anzahl vo» Personen verletzt. Petersburg, 4. Februar.(W. T B.) Ans Chaborowsk wird telegraphirt. daß die Golbansbenle in de» Amur. Ried«,«»ge,» all- jäbrlich zunimmt. Im Jahre 1397 würben dasetbjl 132 Pub Gold ausgewasche» gegen 81 Pud im Jahre 1896. Salonichi, 4. Februar.(B. H.) Nahe bei Kalaschin, Bcrana und Andrejevitza fiele» Montenegriner i» türkisches Gebiet ei», wobei es zn blutigen Zlisauuneiistöße» zivischen den Türlen und Montenegriner». d Verlag von Max Pading in Berlin. Hierzu S Beilage». Nr. 30. 15. ZchMg. 1.|()|((||e L�rtlsz�focg« 82. S i h u» g. Freitag, de» 4. Februar ISÜö. 2 Uh r. 81m Blindesrattistische: v. Podbielski. Die ziveile B-ralKnng des Rncl shazi�halls- Etats wird fort- geselz. mit dein Etat der Iieichc-Post- und Telegraphenoerwa'.Uing (Fortsetziliig). Adg. Singer(Soz.): Als seinerzeit eine allgemeine GeHalls- aufb. sseruiig gesoidert ivinde. haben die veibni deien Regierungen dieselbe für die Unterbeamten verweigert, die Gehälter der höhere» Beamten dagegen erhöht. Wenn irgend etwas geeignet ist, im Lande NiiBguust nnd Unzufriedenheil zu errege», so ist es das. Ich behalte mir vor, auf die Sache noch näher einzugehen gelegentlich der Beralhnng des von mir gestellten Älirtrages.') Ich knüpfe zu» nächst an die Resolution, die die Bndgelkommissioii vorschlägt, dahingehend, daß an den Eonnlagnachiniltage» die Schalter geschlosse» werde». Das Enlgegenkoinn'.e» des Herrn Staatssekretärs in dicserFrage ist sehr erfrenlich. Bei diese» Gelegenheit ist dieFrage erörtert morden, ob nicht hier in Berlin die Zlvlhwendtgkeit vorliegt, die Packet-Aniinhineslelle in der Spandanerstraße zu erweitern, da die Packelnnnahnre, zumal i» den Stunden des großen Andrangs, nur unter größler Anspannung der Unterbeamtc» beivältrgl iverdeir kann. Es ist der Versuch ge- macht morden, die Annahnrebeamlen zn cirtlasten, dadurch, daß man bei verschiedenen große» GeschästShäuseru die Packele ein- fordern ließ. Dieser Versuch hat das gcmiinschle Resultat nicht erzielt. Es rvird also rmnnuhr ein Erweilerungsban geplant. Da will ich denn an den Herrn Staatssekretär eine Frage richten: Es sind vor längerer Zeil 1 293 000 M. bewilligt morden zum Zrveck eines Errveiternngsbaues irr der Spandaner-.'Heiligegeislslraße rc. Was hat man nun nril diesem Gelde einstrveilen angefangen? Man hat einige Hänser niedergelegt und einen Banzau» herumgeuincht; und in der ganze» Zeil ist nicht ein Spalerrstich geschehen. Wozu bat man also die 1293 000 M. bemrlligt? Und rveehalb soll man denn jetzt noch neues beivilligen, mcnn man das frühere nicht nur »ickrl beendet, sondern nicht einmal angefangen hat? Wir»verde» also in Zukunst bei allen Neubeivillignngen darauf sehen müssen, wie»veit bereits früher bewilligte Rate» verwendet sind. Nach meiner Meinung liegt ein schiveicr Uebelstand bei der Auf- lieferung der Packete darin, daß innerhalb gewisser Branchen die Packele im letzten Moment an den Schalter gebracht»Verden. Ich glaube, daß hier die Postverivaltung gut eine Vorschrift erlasse» kann, die diesen Mißnand beseitigt. Den Ausweg, daß niemand mehr als zive» Packete aufgebe» darf, halte ich allerdings nicht für ausreichend. Dagegen bin ich dafür, daß die Pnckel-8lnnahniesiellen früher geschlossen »verde». Da»» innssen sich die Geschäfte einfach besser einrichten. Das nolkivendige Korrelat hierzu ist dann freilich, daß auch die Bahnpostämter keine Packete später aufnehnien dürfen. Es liegt soivohl im Interesse der in den Geschäfte» zahlreich beschäftigten Hilfsarbeiter,»vie i» dein der Post-Unterbeamten, daß die Schalter früher geschlosse»»verde». Ich komme nun auf das Unterftutzungsivese» in der Postverival- tnng. Es ist hier der Wunsch ausgesprochen»vorde», daß uns eine Uebersichl über dieses vorgelegt»vird. Das ist geschehen; nnd»vir haben ihr ganz eigenthümliche Resultate entnomnien. Es hat sich namentlich herausgestellt, daß gerade die höhere» nnd höchsten Beamte» a»tch vie größten Reniunerationen erhallen, daß dagegen die Uulerbeamten, Briefträger u. f.»v. mit lächerlich kleine» Sninine» bedacht»verde». Während man mit recht annehmen kann, daß die Nolhivendigkeit der Unterstützung nach unten hin immer stärker wird, diese also entsprechend größer wird, sehen»vir gerade das Gegentheil von der Verwaltung in der Praxis ausgeübt. Das legt doch die Vermulhung nahe, daß hier die Schäden in dem System selbst liegen. Selbst konservative Männer, anck der Regie- rnngsrath v. Massoiv, sind zu einer entschiedene» Berurtheilung dieses Systems gelangt. Es trägt in sich die Keilne der Korrnplio», es gestattet, daß die hohen Beamten obendrein»och so viel an Remnnerationen erhalten,»vährend die elend bezahlte», niederen Angestellten mit Unterstützungen abgefunden»Verden, die in ihrem Wesen Almosen gleichkoinme». Das ist nicht überall so; in Frankreich z. B. herrscht das Prinzip, daß am n, eisten die Beamte» bedacht»verde», die die größten Familien zn ernähre» haben. Wir hallen es für unerläßlich, daß auch bei uns hierfür feste Grund- sähe aufgestellt»verde». Ein anderer Punkt, der gerade an dieser Stelle erörtert werde» muß, betrifft die U r l a u b s- A n g e l e g e n h e i t e». Auch hier finden»vir»vieder eine durch nichts gerechtfertigte Bevorzugung der oberen Beamten gegenüber de» unteren. Vor allem: Wesivege» macht das Reichs-Postamt hier de» Unterschied, daß die oberen Be- amte» ganz allgemeine» Urlaub erhalte»,»vährend er den Unterbeamten nur dann gewährt»vird, ivenn sie ihn besonders begründen können? Das Scklimme liegt hier vor allem darin, daß innerhalb des Deutsche» Reiches jedes Post« amt in dieser Hinsicht nach Belieben schalte» kann. Es fehlt an jeder einheitliche» Vorschrift. So wird z. B. i» Königsberg i. Pr. den angestellten Unterbeamten und Briefträgern, die sich gut be- »vährt, ein Urlaub von sechs Tage» beivilligt, aber unter der aus- drücklichen Bedii»gu,ig, daß der Staatskasse hieraus keine Koste» envachsen; natürlich hat die Verwaltung nicht das»nindesle Recht. letzteren zn verlangen. Diejenige», die keinen Urlaub bekoirniien. müsse» aber— und das ist das schönste an der Sache— noch die Arbeit für die anderen übernehmen; sie»verde» also doppelt bestrast; einmal erhalten sie keinen Urlaub, nnd dann müssen sie noch meh» arbeilen. Und solcher Fälle mehr. Nnn will ich Ihnen aber auch eine andere Geschichte erzählen, die darthnt, wie man auch ganz anßerordentllch leicht Urlaub bekommen kann. I» der«Berliner Zeitung" fand sich unlängst folgende Notiz: Ein General in Wilmersdorf stellte an ei» Postamt das Ersuchen, ihm seine» ehe- maligen Burschen, der da als Postgehilfe beschäftigt war. zur Aufivarlnng bei einem Diner zu überlasse». Mit der größten Zuvorkommenheit»vurde ihm dies gervährt. Also solchen Respekt hat die Postbehörd« vor dem Militarismns, daß sie auf die Aufforderung eines Generals einem Angestellte» so- fort Urlaub geivährt, für die Leute selbst aber eine» Urlaub nicht für völhig hält. In bezug anf die Sonntagsruhe wird ebenfalls beständig geklagt und es»vird den» Herr» Kollege» Lingens interessant sein zu erfahren, daß seine langlährigen Beinühuirgen um die Sonntags- ruhe keinen genügenden Erfolg gehabt haben. In der Budget- koinmission»vurde mitgetheilt, daß 30pCt. aller Beamte» jeden Sounlag feiern, in der Praxis scheint das doch aber durchaus nicht der Fall zn sei». Es»väre sehr»vünschensiverth, ,ve»n eine Maximal-Arbeitszeit für die Unterbeamten in der Woche sestgelegt würde, dadurch würde eine ganze Menge Uebelstände beseitigt werde». Ich»vill die einzelne» Fälle nicht vortragen, sondern nnr in» allgemeinen mitthelten, daß die Unier- Beamten in Hannover bitter darüber klagen, daß sie ihre freie»» Vor- Mittage, die ihnen doch geivährleistet sind, sich immer erst erarbeiten müssen durch Ueberstunde» in der betreff» nden Woche beziv. an den Sonntage», a» denen sie Dienst habe». Das ist ein Umstand, der die Wuknug der Sonntagsruhe doch einfach illnsorisch macht. Zuletzt»vill ich noch auf elivas eingehen, worüber»vir bereits oft gesprochen haben, auf die Behandlung des P e r s o n a l s. Da sind»och im Große» und Ganze» dieselben Mißstände zn be- klage», die»vir so oft schon hervorgehoben; z. B. hat unsere Be- fchwerde über jene» Postdirektor in Oderhausen, der seine An- gestellten beständig mit Schnnpfivorten belegte, gar nichts genntzt; »vir haben jetzt»vieder gehört, daß er ruhig dieselben Kosename» anivendet. 's Antrag Singer, betreffend die Gehaltsaufbesserung der Post- Unterbeamten. Ks Joraiiitls" Was die Maßregelungen anlangt, so muß betont»verde». daß dieselben nach»vie vor staltstuden,»vie aus den Atiltheilungen der„Deutschen Poslzeilnng", des Organs des Verbandes der Post- assislenteu hervorgeht. Der Postralh Mannich in Daruisladl er- öffnete seinerzeit denjenigen Mitgliedern des Verbandes,»velche als Postassisicnten beschäftigt»varc», daß sie säinintlich aus den» Ber- bände auszutreten hätten.„Denn," so sagte er,„Leute,»velche den» Verbände angehören, sind nicht»vürdig, in der Vertrauensstellung bei der Postdirektion belassen zn werden.(Hört! hört! links) Den in der Registratur beschäftigten Kollegen hat der Postralh Mannich ebenfalls eröffnet, daß sie den» Verbände den Rücken zn kehren haben.— Ich inuß also»viederholei», daß»ach unserer Ansicht die Reichs-Postvertvaltung nicht das Recht hat, Beanile nur desivegen zu enllasse»,»veil sie einem Verbands angehören, auch dann nicht, iven» es dort zn Beschlüssen kommt, der sich zu Klagen über die Venvaltnug selbst verdickte».— Ich kann mich dahin resniniren, daß bis jetzt in allen diese» Punkten von den» Wirken des Herrn Staalssekretärs nichts zu merke» ist,»venigstens nach den Mittheilnngen, die uns zur Verfügung stehe». Sollte der Herr Siaaissekreiär aber unter der von ihm i» Aitssichl gestellte» Perlonalreforiu»»einen, daß er sich um diese Verhältnisse küniinern»vird, so wird er da ein sehr dankbares Feld für seine Tkätigkeit finden und er»vürde viel zur Znfriedenheit der Beamten beitragen,»venn er die Unzuträglichkeiten, die sich unter den» siühere» System herausgestellt haben, beseitigt. Es soll eine Verfügung ergangen sei. daß das Reichspostanit keine Veranlassung babe, sich nnr de» Verband zu kümmern. Es ist dies ja eigentlich ganz selbstverständlich, aber es muß i» anbetracht der bisherigen Praxis doch anerkannt werden, und ich hoffe nur, daß nach dieser Versügnng gehandelt»verde»»»vird.(Bravo! bei den Sozialdemokraie».) Staatssekretär v. Podbielski: Ich»vill ans die Rede des Herrn Singer Punkt für Piinkl eingehen. Der Schalterdienst an den Sonntage» soll,»vie ich schon in der Bndgetkommission ausgefühit habe, voi» den Nachmiltagsstunden anf die Miliagsstunden verlegt »verde,», damit die Beamte» einen freien Nachmittag erhallen können. Anck die Sonntagsbestellung soll möglichst eingeschränkt»verde»»,»in» den Beamte» de» Besuch der Gotteshäuser zu ermögltcheu. Was die Packet- annähme anlangt, so hat HerrSinger dieEntivickelung ganz richtig dargestellt. Bei der Packetannahuie sind thalsächlich g>oße Uebelstände für die Geschättsnngestelltei» zu tage getreten. Die Angestellten habe» die Ablieferung der Packete im Anschluß an ihren übrigen Dienst zn besorge»; wie lange das dauert, das künnnert die Geschäfts- leute nicht. Ebenso diängt sich für die Postbeamten der ganze Dienst znsannne». Statt nun mit rauber Hand einzugreifen, habe ich ein Ziundschreiben a» die Handelskammern erlassen nnd sie aus- gefordert. ihren Einfluß bei der Geschäslsivelt dahin aufzubieten, daß die Ablieferung der Packet« zeiliger erfolgt. Hilst das nichts, so»verde»»vir de» Annadmedienst drei Stunden eher schließen müssen. Herr Singer fragte dann,»varnn»»vir das beivilligle Geld nicht zum Bau des Packet- Postamtes verivendet habe». Das Geld ist,»vie der Eiat ansiveist, ausdrücklich zur Er- »veiterung des Grundstücks- Komplexes an der Spandaner- und Heiligen Geiststraße beivilligt»vorden nnd, ist auch dazu ver- »vaudr ivo» den. Erst müssen»vir die alten Gebäude auskaufen, ehe »vir bauen könne». Was die Reinnnerntione» anlangt, so sind es eigentlich Bilder ans der Vergangenheit geivesc», die Herr Singer anfgerollt hat. In der Bndgetkvnnnission hat schon in» vorige» Jahr der damalige Reichsschatzsckretär Gras Posadoivsky die Grundzüge auseinandergesetzt,»vie künftig verfahre» werden soll. Es sind auch diesmal im Etat 146 090 M. abgesetzt»vorden, die Snuline, die früher für höhere Beamten als Remuueralio» verlheilt»vorden ist. Das ganze Reinnnerationöivese» hat elivas Mißliches nnd führt für de», Vorgesetzten oft zu den größten U»an»eh»i»lichkeite»,»veil er sich nickt verhehlt, daß die Remuneration des E»»e» bei de» Leeransgehenden stets eine Quelle des Mißbehagens ist. Dann möchte ich den» Abg. Singer erivider», ein Recht aus Urlaub giebt es nicht,»veder für den Postdireklor noch den Landbrieflrägcr. Der Betrieb ninß über allen Rücksichten stehen, er darf nicht stille stehen. Eine»vohlivollcnde Verwaltung»vird natürlich ihre» Beamte» alles zuivendeu,»vas möglick ist. Von mir soll später kein Beamter sage»: Mein vergangener Chef»var nicht »voblivollend. Bedenke» Sie auch die Kehrseile. Im letzlen Jahre haben die Stellvertietnngskoslcn für Urlauber bereits 87 000 M. betragen. Herr Singer hat eine Beschiverde der Posthilfsbole» in Hannover vorgetragen, die sich auf die angeblich zu niedrige» Löhne bezog. Die Löhne sind natürlich in den einzelnen Slädlen elwas verschieden, sie müssen sich nach de» Ortsverhältniffe» richten. Andererseits ist es ausgeschlossen, daß die Postverivaltung als Lohndrückerin auftritt. Der Vorivnrf ist ihr »vohl auch niemals gemacht»vorde». HerrSinger hat«inen Fall angeführt von schlechter Behandlung deS Personals. In jeder großen Verivaltnng iverdei» Veistöße gegen die allgemeinen Vorschriften vorkommen. Wo sie zn meiner Rennlniß gelange», werden sie auch bestraft. I» dem beregten Falle, es handelt sich um den Postdireklor Scküßling, habe ich bereits Remedur eintreten lassen. Ich hoffe, sie»vird helfe». Der Fall der Urlanbsertheilnng an den Unterbeamten, der bei dem General servirl hat, liegt ganz anders nnd völlig harmlos. Der Unierbeamte hat den Dienst eine halbe Stunde früher verlassen nnd für einen Stellvertreter gesorgt. Als der Urlaub ertheilt»vurde, ivußle der Postvorfleher gar nicht, daß ihn der Beamte für diese Privatbeschäfliguug haben»vollle. Später ist de», Stellvertreter ei» Urlaub zu einem Begräbnisse verweigert»vorden, da hat es Koni- plikalionen gegeben—»md so ist die Geschickte in die Zeitungen gekommen. Ais ick die Sache in der Zeitung las, habe ich sofort«in„Unmöglich" an den Zeitnngs- ra»d geschrieben und dieses„Unmöglich" hat die Unter- snchung auch ergeben. Die Verfügung des Postraths Mannich in Darmstadl gegen de» Assisteuten-Verband billige ich nicht. Ich schaffe keine Märtyrer. So lange der Assiftenten-Verband lediglich die Jntercsse» seiner Mitglieder vertritt nnd,»vas bis jetzt nicht der Fall ist. den Poslbetrieb nicht stört, mische ich mich nickt ein. Mag der Verein ein Waarenhaus gründen, das geht mich nichts an. Wir leben eben einmal i» Deutschland in, Zeiche» der Vereinsmeierei. (Große Heiterkeit.) Ich hoffe, Herr Singer»vird sich nun zufrieden- gestellt erklären.(Beifall.) Abg. Lenzmanu(frs. Vp.): Wir haben dem neuen Staats- sekretär der Post bisher volles Vertrauen entgegengebracht. Seine gestrige Rede hat freilich bei uns Bedenken erregt. Wir sind der Meinung, daß der Dienst in der Kavallerie nicht gerade die beste Voibereilung für die Sach- und Fachkenntniß i» einer großen Ver- »valtnng ist. Aber»vir trösten»ins damit, daß dem, dem Gott ei» Amt giebt, auch der nöthige Verstand gegeben wird.(Heiterkeit.) Wir halten den neue» Staatssekretär für einen viel zu verständige» Mann, als daß er militärische Grundsätze in den Verkehrsdienft hineinbringe», wird. Seine erste That, die in Aussicht gestellte Beseitigung der Privalposten(Ah! rechts), aber scheint uns nicht aus der richtigen Kennlniß der Dinge hervorgegangen zu sein. Die Argumente, mit denen die Rechte diese Maßregel vertheidigt hat, sind nichtig. Im»veitere» sind die Reforinen, die der Reichstag seit Jahre» fordert, doch erst in kleinem Umfange durchgeführt. Wir »vünschen möglichst»veitgehende Sonntagsruhe im Postverkehr für die Beamten, doch darf dabei nicht zu systematisch verfahren»ver- den. Einige Arbeiterkategorie». Ziegelei-Arbeiter, Erdarbeiter, Rübenarbeiter pflegen gerade Sonntags ihre Packete aufzugeben. Darauf muß Rücksicht genommen»verde». Die Annahmeräume für de» Packeldienst müssen eriveitert»verden. Viele Postbeamte habe» nnr dann einen freien Sonntag,»venn sie von Sonnabend zu Sonn- tag Nachtdienst gehabt habe». Gilt dieser Sonntag dann als voller Erholnngstag? Wenn ja, dann muß für Abhilfe gesorgt»verde»». Der Staatssekretär schüttelt mit demKops.das freut mich; ich werde ihm aber Soltllllbtnd, 5. Februar 1898. dann unter der Hand einige Postämter nennen,»vo gegen diese Vor- sckrist gehandelt»vird. Ich liebe es nicht, von der Tribüne herab Namen z» nennen. Für die Poslsekretäre»vünschen wir Gleich- stellniig mit den Gerichtssekretären. die viel weniger zu thun haben und keinen Nachldienst zu leisten brauchen. Ihr Gehalt... Präsident v. Buol macht de» lliedner daraus aufmerksam, daß über die Gehaltssrage der Postbeamten später un Zusainmenhange gesprochen»verde» soll. Abg. Lcnzuiaun(forlfahrend): Die Verwaltung thate gut, den Assistenlenverband möglichst frei schalten und»valten zu lassen. Sie »vird dadurch immer mehr ruhige Elemente m den Verband ziehc». Gerade bei Verfolgungen eines Vereins traten die Krakehler darin in de» Vordergrund. Auch ans dem Gebiete des Beamtenlhnms muß das Koalitionsivesen sich frei ent- falten können und auch die Unterbeamten thäten gut, sich in Vereine» ziisamnienziischließcn. Bei der Personalreform, die der Staatssekretär plant,»vird den Assistenten hoffentlich auch der Zugang zn den höheren Stelle» nach Ablegung eines Examens er- öffnet»verden. Wir haben die Erklärung des Staatssekretärs in der Koinmission mit Freude» begrüßt, daß die Kündigungsfrist für die etatsmäßig angestellte» Unlerbeamten von vier Wochen auf dre» Monate verlängert ist und daß die Frist, innerhalb welcher die feste Anstellung erfolge» muß, von zwölf anf acht Jahre herabgesetzt»verde» ist. Eine Gehaltserhöhnng der Unter- beamten kann»richt,»vie die Sozialdemokraten beantragen, gegen de» Willen der Regierung i» den Etat eingestellt werden. DaS geht staaisrcchllich nicht an. Wir können blos die Gehallserhöhnngeu des Staatssekretärs sperren, so lange die Unterbeaniten nicht der Resolulio» Lieber entsprechend besser gestellt»verde»». Herr v. Kar- dorfs hat einmal gemeint, die Gehälter der Unterbeamten mußten sich nach dem Angebot regeln. Das ist ein ganz Manchester» licher Grundsatz. Wie billig müßte»»vir,»venn danach verfahren »vürde, Minister haben!(Heiterkeit nnd Be>sall links.) Staatssekretär v. PodbiclSki: Die Verfügung,»von ach die Frist, innerhalb welcher die unkündbare Anstellung erfolgen muß, vo» zwölf aus acht Jahre herabgesetzt wird, und die Ausdehnung der Kündigungsfrist ist bereits in» Amtsblatt der Postverivaltung erschienen. Auch sonst»verde»»vir stets bemüht sei», berechtigten Wünsche» unserer Beamten nachzukommen. Abg. Dr. v. Levrtzoiv(k): D»»s Gehalt unserer Staatssekretäre ist zu niedrig. Die Herren komme» damit einfach nicht aus; am allerwenigsten der Staatssekretär der Post bei seinen Repräsen- tationsflichien dem Auslände gegenüber. Für ganz unglücklich halte ich den Gedanke», die Erhöhung des Gehalts des Staatssekretärs von der Erhöhung des Gehalts der Unlerbcainten abhängig zu mache». Ein achtbarer Mann kann diesem Drucke nicht »achgeben. Es»vird dann immer so aussehe», als wenn er in» Bundesralhe die Erhöhung des GeHalls der Unterbeamten nnr deshalb fordert, um die eigene Gehaltserhöhung zu erziele». Die Folge der Annahme des Anliages Lieber wü>de nur sein, daß der Slnatssekrelär die Erhöhung des Gehalts zivar nicht erhält, daß aber auch die Unlerbcainten sie nicht erhalle». Der Druck, den Sie ausübe»»volle», ist kein Grund.(Beifall rechts.) Abg Lingens(Z), auf der Tribüne schiver verständlich, tritt für die Ansdehiiilng der Sonntagsruhe im Postbetriebe ein. Slaatcsekrelär v. Pvdbirlöki: Die Postverwallung kann dem Abg. Singer für seine beständigen Anregungen nur dankbar sein; auf einen Schlag ist sr>ilich nicht alles zu erreichen. Abg. Lieber»»»»»» von Sounenberg(Sintis.): Wir sind mit vielen Tausenden im Lande erfreut darüber, daß nicht der Unter» siaatssekretär Fischer, sonder» der jetzige Herr Staatssekretär den Posten bekleidet. Den lameradschastkichen Sinn hat der neue Staatssekretär vom ersten Stugenblick an belhäligt.Das»st ein großerFortschrilt gegen früher in bezug auf die»vodln ollende Behandlung der Unterbeamte»». Zu den Brmerkunge» über de» Assistenlenverband kann ich den Staats- sekretär nnr beglückivünschen. Au» beste» kann mit der Geivähr- leistnng der Vereinssreiheit der Sozialdemokratie entgegengearbeitet werde». Es giebt,»vie ich höre. Inden, die an» Sonnabend keine Telegramme nnd Geldsendungen annehme». Dafür»verden dann unsere christliche» Briefträger mit dem Slbtragen dieser Sendungen am Sonntag belastet. Ich schlage deshalb vor, die SIdlieserung solcher Sendungen entiveder auf den Montag zu verschieben oder dafür jüdische Briefträger für jüdisches Geld an den Sonnlagen anzustelle».(Heilerkeit.) Den Assessorisnins halte ich nicht für gut in der Postverivaltung. Es könnte nichts schaden,»venu der Poslavantageur auch eine zeitlang Briefträger sein mußte. Redner regt schließlich die Gehaltsaufbesserung ver- schiedencr Bcamtenkategorien an.(Präsident v. B u o l ersucht, die Gehaltssrage bei einem späteren Titel zn erledigen.) Die Zusage der neuen Sommerkleidnng hat in Briesirägerkreisen große Freude hervor- gerufen. Dagegen»vird die Slnkündignng vo» der Vermehrung des»veib- lichen Personais mit gemischte» Gefühlen aufgenommen. Von der Post- Verwaltung sollte alles vermieden»verden,»vas so aussieht, als be- günstige es die großen Waarenhänser. Sehr»vünschensiverth»väre eine gründliche Reform des Poslzeitungstarifs. lliedner beschivert sich über die Nichtbestellmig einer mit antisemitischen Bildern be- druckte» Postkarte in Frankfurt a. M. Die Bestellung ist abgelehiit »vorden»vegen Beleid»gui»g. Eine Beleidigung enthält aber der anti- semitische Scherz nicht. Die angezogene Bestimmung stimmt also nicht. Wir»verden gegen die Gehaltserhöhung stimme», sehen darin aber leine Chikane für die Person des Staatssekretärs. Staatssekretär v. Podbielöki erwidert in bezug ans die An- gelegenheit der autisemiiischen Postkarte, daß sich die Postverivaltung im allgemeinen nicht nm den Inhalt von Postkarten kümmere. Gerade über den Inhalt der Postkarte, die Slbg. Liebermann erwähnte. haben sich Bewohner i» Deutschland beschivert, weil sie sich beleidigt fühlte». Deshalb ist diese Postkarte von der Beförderung ausgeschlossen»vorden. Sluf den einzelnen Fall einzugehen, halte ich nicht sür angezeigt. Slbg Milller-Fulda: Ich hoffe, daß der Staatssekretär die(je- plante» Reformen möglichst beschleunigen»vird,»vas besonders in» Interesse der Kleingeiverbelreibende»»vünscheiisiverth ist.(Die übrigen Slnsführungen des Redners bleiben auf der Tribüne un» verständlich.) Staatssekretär v. PodbielSki»viederholt, daß in dem dem Bnndesralh vorliegende» Gesetzentwurf auch die Erhöhung der Gewichtsgrenze sür Briefe und die Ermäßigung des Portos im Nah- verkebr enthalten ist. Die Reforme» lassen sich nicht so schnell in die Wege leiten, da nach dem Postgesetz der Reichskanzler nach An» hörung des Bundcsraths darüber zn verfüge» hat. Slbg. Schmidt- Frankfurt a. M.(Soz.) ersucht den Staats- sekretär, im Falle der Verstaatlichung der Privatposten die Sln- gestellten dieser Anstalten mit zu übernehmen. Die Leute seien durchaus zuverlässig, auch wenn sie keine Militäranwärter sind. In Frankfurt a. M. seien bei de» Privatposten nur vereinzelt Junge»? angestellt,»vährend bei der Reichspost im Telegraphenbetriebe junge Leute von 14 bis 16 Jahren beschäftigt worden seien. Herr Fischer habe das zwar im vorigen Jahre be- stritten, es sei deshalb aber doch richtig. Redner bittet ferner de» Slaalssekretär auch in bezug aus die Dienstordnung Reforinen eintreten zu lassen. Manche Vorgesetzte behandelten die Unterbeamten sehr schlecht, gingen sehr rigoros bei Krankheitsfällen gegen noch nicht fest angestellt« Beamte vor. In einem Falle habe ein Beamter dem Untergebenen, der sich verheiralhet hatte, mit E»t- laffung gedroht. Schließlich ersucht Redner den Staatssekretär, möglichst liberal in der Urlaubserlheilung verfahren zu lassen. Die Diskussion wird hierauf geschlossen. Das Gehalt des Staatssekretärs wird entgegen der Elalsfordernng entsprechend dem Antrage der Bndgelkommissioi» nur in der bisherigen Höhe von 24 000 M. bewilligt.(Für die Erhöhung anf 30 000 M. stimmen nur die beiden konservativen Parteien.) Die Resolnlion betreffs des Packetverkehrs an Sonntage» wird a n g e n o m m e». H Nachdem»och einige weitere Titel ohne Dislussion genehmigl sind, wird ei» VcrinfmiigSnnirog a» g e n o m in e». Stcichste Eitznng Soniiabend 2 Uhr. Tcigesordnung: 1. Hemdels- vertrng niit dein Orcingefreisinal/ 2. Gesetz betr. die SInfhebnng der Benmlenkautionc». 3. Gesetz betr. die a»derweile Feslsetzlliig des Arannuveinlontingents. 4. Novelle zur Nonlursordnunci. Schluß L Uhr._ N bgeordnvkenhKns. 14. Sitzung vom 4. Februar 1893, 11 Uhr. Am Miiiistcitische: Schönstedt und Koiiniiissarieli. Eiilgegaiigeii ist der Gesctzentivurf, betr. die Beivilligiiiig von StaalZmitiel» ziir E»lschädigil»g der durch das Hochwasser an- gerichteten Beschadigiingen. Es wird in die Spezialberathuiig des Justiz-Etats ein- getreten. Abg. Kirsch(Z) dankt dem Minisier für die Nangerhöhimg der Richter. Jin iiiündlichen Verfahren vor den Gerichtshöfen zeigen sich einige bedenkliche Erscheinungen. Einige Vorsitzende fühlen sich gc> drungen, von„Herren" Zeuge» zu sprechen und kürzlich sei es sogar vorgekomme», daß ein Angeklagter als„Herr Angeklagter" angeredet wurde. Es sollte einein geschäfisgcivandten Richter doch nicht schwer werden, derartige U n z n t r ä g l i ch k e i t en zu umgehen. Um die Ein- fAhrnng des Bürgerlichen Gesetzbuches genügend vorzubereiten, sollte man baldigst mit der Einbringung des preußische» Einsnhrungsgesctzes vor- gehen. DasAnerbcnrechtfttrWeflfale» und die Rheinprovinz ist von dem Oberlandcsgericht zu Kiel ungünstig benrlheilt ivorde». Es sei zu bedauern, daß die Regierung auf die begründeten Bedenken dieses Gerichtshofes nicht genügend Rücksicht genommen. Gedeihen könne die preußische Justiz nur, wenn an den Kosten, die sie verursacht, nicht gespart wird. Minister Schönstedt: Das preußische Einsührnngsgesetz zm» Bürgerlichen Gesetzbuch ist in der Ausarbeitung begriffen»nd wird dem nächsten Landlage zugehen. Schivierigkeiten haben sich ergeben in der Behandlung des ehelichen Güterrechts; man erivägt, ob nicht für die bereits bestehenden Ehen das bestehende Recht beibehalte» werden soll. Reformen des GerichiSkosienwcscns werden vorbereitet, das entscheidende Wort rvird der Herr Finanzminister zu sprechen habe». Wcnn ein Slngcklngtcr vor Geridit als„Herr" angeredet wurde, so beruhte das ans einer nllerh. Verordnung von 1808, wonach den Stan desHerren dies Prädikat von den Behörden nicht vorenthalte» werden soll. Abg. Mmickcl(frs. Vp.) erörtert die Zulassung der Kandidaten zur Jnstizkarricrc. Man ist berechtigt, von einem Kandidaten z» fordern, daß er 1. wissenschaftlich genügt, 2. materiell versichert und vor Sorgen geschützt, 3. in silllicher Beziehung intakt ist. Weitere Förderungen haben wir im vorigen Jahre znrückgewicscn. Nun aber liegt ein Fall vor, wo ein junger Mann deshalb zurückgewiesen wurde, weil sein Vater sich vor 20 Jahren eines Sittlichkeit»- Vergehens schuldig gemacht hatte, von dem der junge Mann noch keine Kenntntß halte, als cr studirle. Eine solche Zurückweisung, wo man den Sohn büßen läßt für die Sünden des Vater?, wider- spricht unserem Rechtsgesühl. Ministcr Schönstedt: Die Thalsache ist im wcscntlichcn richtig. Die Gründe der Abweisung sind in dci» Familienleben dcö Kandidaten gefunden. Der Vater ist vor 2t) Jahren wegen SittiichkcilI- Verbrechens zu einer dreijährige» Freiheilsstrnfe und dreijährigem Ehrvcrlnst, später noch wiedctholt wegen Körperverletzung und Bc- leidigung bestraft; ein Bruder ist wegen Diebslahis verurtheilt. Der junge Mann, dessen Geschick meine wärmste Theilnahme fludet, wurde von dem Gcrichte seiner Heimath nbgeivicsen mit seinem Gesuche um Einstellung, und ebenso von einer Reihe anderer Gerichte, an die cr sich wandte. Ilm das Ansehen des Richter- standcs zu wahren, habe auch ich geglaubt, ihm derartige Elemente fernhalten zu müssen und die Zmückweisung gebilligt.(Lebhastes Bravo.) Abg. Schmidt- Warburg(Z.) wünscht eine Entlastung der Richter von einer Reihe unwesentlicher Arbeiten, so»amcnllich von der Kostenfeslschung, um ihnen Zeit für das Studium des Biivger- lichen Gesetzbuchs z» schasfcn. Auch sollte de» Richtern in der Provinz Gelegenheit gegeben werden, sich durch belehrende Vorträge über das Bürgerliche Gesetzbuch zu unterrichten. Minister Schönstedt hält diese Wünsche für berechtigt und er- klart sich bereit, denselben möglichst Rechnung zu tragen. Abg. Dr. Fricdbcra(natl.) bringt de» Fall Wrede zur Svrnchc und bittet den Ministcr, zieh wegen der gcsunbhcitNchcn Verhältnisse der Festung Weichselniünde mit dem Herrn Krieasmlnisler in Vcr- bindnng zu sehen. Die Rangerhöhung der Richter zieht auch finanzielle Konsecsticnzen nach sich,»amcnllich bei de» Nmzngs- kosten, über die eine Verständigung mit dem Landtage nicht erfolgt ist. Parliknlaristisch erscheint dem Redner ein Fall, wo einem jungen Mau», der i» Straßbura seinen Rcserendar gemacht, der Eintritt in den Justizdienst in Preußen und in den ReichSIauden versagt wurde; für Preußen verlangte man noch, daß er ein ferneres Jahr studire und fein Nsserendar-Examcu iviederhole. Ministcr Schönstedt ist über die Verhältnisse der Festung Weichselmünde nicht orientirt; das ist Sache dcS KriegsmintsterS Die Befugnisse Sr. Mas. zu Rangerhöhungen kann d n r ch das Gcldbewilligniiasrecht des Hauses nicht bc- s ch r ä ii k t iv e r d e n. Es handle sich etwa um 20 000 M. jährlich. Bei der Einstellung fremdländischer vteserendare gehen wir nicht so weit als andere dcnlsche Einzclstanteii; wir verlange» nur, daß sie das Examen wiederholen; preußische Ncferendarc sind in andere» Bmidesstaaten pure zurückgewiesen, auch ihr Anerbieten, in dem beir. Staate das Examen zu wiederhole», als unzulässig abgewiesen worden.(Hört! Hört!) Abg. Kncbcl(»atl) bedauert den Rückgang der schiedsrichterliche» Geschäfte und verunilhet, daß die Ursache in der nicht genügende» Borbildung der Schiedsmänner liege. Minister Schönstedt muß die Thatsache des GeschäslSrückganges anerkenn cn»nd will anregen, daß die Gerichte sich künslig vorher nach der Befähigung der Schiedsrichter erkundigen. Abg. Rickcrt(srs. Pg.) wünscht Eleichstellniig der Wnldcck'schen Beamten mit den preußischen. Hinsichtlich beb hier erörterten Falles wünscht Redner ein- Erkläning des Jnstizministers, daß er in de» persönlichen Verhältnissen des betr. jungen Mannes keinen Grund zur Zurückweisung gesunde» habe. Minister Schönstedt glaubt diese Erklärung abgegeben z» haben. Gegen die Gleichstellmig der Waldeck'schen Beamte» sind vom Filianzmiiiistcr formelle Bedenke» erhoben worden. Abg. Dr. Porsch wünscht eine weitergehende Umgestaltung des Kostenwcsens zur Entlastung der Richter»nd eine Acnderung der Vorschriften über die Anlegung kleiner Mündel-Vermögen. Abg. Echclö(nail.) wünscht eine Aenderung des Titels „StaalsanwaltschaftsralhS" und Erwägungen darüber, wie das Titelwesen bei den Staatsanwälten geändert werden könne. Abg. Melneche(natl.) wünscht ei» Amtsgericht in Linden und führt Klage über das lange Warten bei den gerichtliche» Termine». Minister Schönstedt hält ei» Amtsgericht in Linden wohl für wünscheiiSwerlh, aber nicht nüthig, da das Gericht in Hannover nur «ine halbe Elunde von der Grenze der Stadt Linden und nur ein« Stunde von dessen weitestem Grenzpiinkt entfernt liegt. Das Warten der Geladenen möglichst zu vermeiden, sind die Gerichte überall be- müht; ganz lassen'sich diese Zögernngen nicht vermeide». Abg. Jansen(Z.) wünscht eine Aenderung der Vorschriften der Vormimdschaftsordming»in kleine Mnndelvermögen besser allsniitzen zu können. Abg. v. Heydebrand ist nicht ganz einverstanden mit der Stel- lung des Ministers in der Anstellmigssrage. Minister Schönstedt: Diese Auffassung lag für mich sehr nahe, allein nach dem Volum des Hanfes über den Assessor- Paragraphen habe ich es vermieden, aus die Angelegenheit näher einzugehen, um nicht Debatten hervorzurufen, die unabsehbar sein würden..... Auf Anfrage des Abg. Dr. Sattler(natl.) erklärt der Minister. daß die S t r a f v o l l z u g s- V o r l a g e t» der Bearbeilnng be- griffen ist lind es sei unzutreffend, zu sagen, sie sei auf den todtcn Punkt angekommen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(sk.) fordert den Minister aus. gerade gegenwärtig streng in der'Auswahl der Jnflizkandidale» zu sein, um den Richterstand auf der Höhe zn erhallen, aus der wir ihn alle wünschen.(Beisall.) Hieraus wird die Debatte über den Titel„Ministergehali" ge- schlosscn und dasselbe bewilligt. Bei dem Kapitel„Landgerichts und Amisgerichte" wünscht Abg. Dr. Porsch eine Vermehrung der clnlsmnßigen Gerichts- schreiberslcllen; die jetzt beliebte Anstellung von Tiätarier an stelle fest angestellter Gerichtsschieiber werde namentlich beim Ober- landesgerichtS- Bezirk Breslau liiltivirt ans E r s p a r n i ß- r ü ck s i ch t e n. Siegiernngskommiffar Geh. Jnstizralh VierhanS e>klärt diese auf Zeilnngsnnchrichte» beruhende Mitlhcilnng als nnzutrrffend. Im Bezirk Breslau seien nur Anordnungen getroffen, um dort die Ver- hältnisse i» Einklang zu bringen mit denen anderer Bezirke. Im übrigen sei für die Anfbesserung der Aktuare alles geschehen, was möglich war. ' Abg. Dr. Stephan(Z.) beantragt, die Peiilionen von Kanzlei- gehilfen um Besserstellung der Regierung zur Erwägung zn über- weisen. Die Kommission beantragt: Ucbergang zur Tagesordnung. Regiernngs- Kommissar Geh. Rath Vicrhans bekämpfte den Antrag Stephan, ebenso später Ministcr Schönstedt, während Abg. Stephan seinen Antrag zurückzieht zu gnnsten eines Antrages R i ck e r t, der ans N e b e r w e i s u n g a l s M a t e r i a l gerichtet ist und nach kurzer Debatte angenommen wird. Eine Petition von Gerichtsvollzieher» soll nach dein Antrage der Budgetkomniissioii der Regieriing als Material überwiesen werden. Die Abga. Sctzdel- Hirschberg und Dr. Lotichins wünschen materielle Besserstellung der Gerichtsvollzieher. Regiernngskommissar VierhanS weist darauf hin, daß die Rege- lung des Zustellungswesens einen erheblichen Eiuflnst ans die Ein- koinmensverhällnisse der Genchlsvollzicher üben wild. Bis diese Angelegenheit geregelt ist, möge man die Gehallssragc vertage», die angenblicklich sehr wenig geklärt sei. Nach längerer Debaile wird nnter Ablehnung cineS von dem Abg. Dr. Stephan gestellten Antrages ans Erwägung, der Koinmissionsantrag angenommen. Nächste Sitzung Montag II Uhr: Disziplinarvcrhälinisse der Privatdozenlc»»nd Fortsetzung des JnstizetatS. Schluß 4Vd Uhr._ OarlttmentÄLlsches. In der Vndgeikominissiou des Reichstags standen heule zum Postelat eingegangene Petitionen zur Beralhnng. Eine Petition fordert die Gleichstellung der P o st s ek r e t ä r e mit den Gerichts- selretären. Elanlssckrelär v. Podbielski sagt für dc» nächste» Etat cine genaue Statistik zn über das Aufrücken der Sekteläre. Die Personalsragcu würde» gründlich resormirl werden. Zur Zeil könne die Forderung der Peiilionen nicht allein zur Regelung gebracht werde». Wenn man de» zurückgebliebenen Sekretäre» ein nach- lrngliches Aufrücken gewähre, so mürde» sich wieder arrdere Beamten- kalegorie» bcnachlheiligt fühlen. Tie Interessen sämnitlicher Beamten würde» mit dem größten Wohlwollen gewahrt werden, man möge vorläufig die Sache zurückstelle» bis zur nächsten Personalreforin. Die Kommission beschloß, dem Plenum zu empfehlen, init Rücksicht ans die von der NcichLposl-Vermalltnig in baldige Aussicht gestellte allgemeine Personalresorm über die Petition der Poslsckrcläre zur Tagesordnung überzugehen.— Eine andere Petition fordert die Anrechnung der Tmisizcit als Landbriefträger oder alS Postillvn bei der Anstellung als Schaffner. Auch über diese Pelilio» wurde Ucbergang zur Tagesordnung beschlossen, ebenso über eine Petition von Telcgraphen-Atechanikcrn, welche gleiche Besoldung nie die Telegraphen-Vissistente» verlange».— Eine llteihe von Petitionen von Einzelnen wird der Pelilionskommisston zur Priisnng über- rvicseil. Darauf wurde die Berathnng des K o l o» i a l e t n t s fort- gesetzt. Ter Etat für Kamerun wurde nach dem Ansah der Vor- tage in Höhe von I 394 100 M. bewilligt. Ans eine Zlnsrage des Abg Dr. Hasse erklärt Unlcrslaalssekretnr v. Richlhofen, die Lage in Kaineruii gebe zu keinerlei Bedenke» Veranlassung; Kanicrun berechtige in seiner W-itcrcnlwickclling als Planlagengebiel zn den beste» Hoffnungen. Allerdings seien aber Erfolge in dieser Hlnsicht in erster Linie von der Gewährleistung eines durch Bediohnngen feltens unruhiger Eingeborener ungestört bleibenden Vctrieds abhängig. Im Hinblick ans die zur Zeil»och beschränkt« ftnanzielle LeislNNgösähigkcit de? Schntzgcbiels sei cine Verstärkung der Schiitzlrnppe um nur 100 Mann ins Singe gesaßt.— Auch der Etat für Togo(Sö0000 M) wird genehmigt. Schließlich wird anch der Etat sür Südiveslafr ika(5000 800 M.) genehmigt. Abg. Dr. Hasse wünscht zn wisse», wie weit iin Kriegssallc auf die farbige Bevölkerung zurückgegriffen werden könne. Kommandeur Leutweln erwidert, man könne damit nur langsam und allmälig vorgehen, allerdings bestände bei den Eingeborenen noch eine gewisse Abneigung gegen den Militätdicnst, aber das Menschenmatcrinl sei vorzüglich und habe sich auch bereits ini Kriegsialle bewährt. Die ivitlhschasllichcn Rachlheile, welche die Rinderpest den Eingeborenen zugefügt, veranlassen sie, sich zahlreich sür die Arbeiten der Benvallmig zur Verfügung zn stellen. Im Exlraordinnrinnl werde» tin Titel 1 gefordert Lö8 000 M. sür Nenbanien und Beschnffmig der inneren Emrichlung sür dieselben, sonne zu sonstigen öffcniltchen Sirbcite», insbesondere anch zn Wege- und Wasscranlagen. Der Tilel wird zusammen mit Tit«! 6 bc- ralhen, in dem 1 Million gefordert wird„zur Fortsührnng der Eisenbahn und des Telegraphen von Givakopmund»ach Windhoek. — Resnent Prinz Arenberg(Z.) bedanerl, daß sür die kullurelleit Zwecke zu wenig beansprucht werde. Zur weitere» Ausschließimg de? Landes sei anch die Anlegung von Wegen dringend z» empfehlen. Eisenbahnen seien dauernde und mcrbende Anlagen, und die Ausgaben dafür würde» besser auf dem Wege der Anleihe beschafft. Die Belastung von einer Million in Titcl 8 steh« in keinem BerhälliiiK znm übrigen Etat.— Unter« slaalSsekreiär v. Richlhofen: Die Regierung habe sich zum Bahnba» erst nach Verabschiedung dcs vorjährigen Elnls entschlossen»nd darum keinen NachtragSetat gebracht.— Abg. Dr. Hasse ist dafür, daß Eifenbahnbante» in den Kolonien budgetmäßig ebenso bebmidell werden, wie die anderen Reichs-Eisenbahnbanie».— Abg. illichler wünscht diese Elalsposte» in Gegenwart dcs Echahsekrctärs zu be- handeln. Ter bloßen Theorie zn Liebe ist doch keine Anleihe auf- znnehmen. Die Begründung der Nothwendigkeit des Eisenbnhnbans i» de» Erlänlernnge» sei höchst maiigclhnst>i»d unzuverlässig. Die Nachricht über den Ausbruch der Rinderpest sei bereits am 18. Mai vor. Jahres hier«ingelroffe» und der Reichstag noch im Jniii versammelt gewesen. Wl« sei die Regierung auf einmal dazu gekomnie», ein« Eisenbahn ans Sieichs- mittel» zu erbauen, die nur die Belriebskosten decken werde? Sobald etwas„Afrikanlsches" in Frage stehe, gehe man über alle etatsrechlliche» Bedenken leicht hinweg.— Auch Abg. Dr. Ha,»- macher macht etatsrechlliche Bedenken geltend und meint gleichlallS, daß die Frage nur in Gegenwart des Schahsekrelärs erledigt werden könne. Nothwendig sei der Bnhnbau aber gewesen.— Anch die Abgg. Dr. Lieber»nd Nadbyl(Z.) mache» etatsrechlliche Bedenke» geltend. Die Abstimmung über beide Titel wird ausgesetzt. Kollimission lex Hcliize. Die Beralhitiig wird fortgesetzt über § 181a(Znhälterparagraph). Abg. Beckh hatte beantragt, im Ab- sah II, der vom Ehemann als Zuhälter spricht, Zuchlhaussirase bis zu 5 Jahren anzudrohen, aber mildernde Umstände zuzulaffe», in welchem Fall ans Gefängniß zn erkennen sei. Die Ab- geordneten von Gustedt und Schall beantragen, in allen Fällen, die der Paragraph vorsieht, a»f Zuchlhans bis zu ö Jahren zu erkennen »nv mildernde Umstände wie im Antrage Beckh zuzulaffe». Abg. Bebel beantragt die Worte„gewohnheitsmäßig oder" und die Worte „oder sonst sörderllch ist" zu streichen, weiter dem Paragraph Hinz»- füge», daß im Falle mildernder Umstände die Silase bis auf ei» Tag Gefängniß herabgesetzt werden könne. Geh. Rath v. Tischendoiff hat auch Bedenke» gegen die Worte: oder sonst förderlich ist und räth einen Zusatz zn geben, der aus- drückt, daß die angedrohte Strafe nur Zuhälter treffen solle. Abg. Bebel bekämpft die Verfchärfungsanträge und weißt darauf hin, daß eine Verschärsung der Strafe im Widerspruch stehe mit dem angenommenen§ 130, welcher nur Gcsniigmßslrase ausspreche und zivar sür Veraehe», die zum theil schmerer seien als jene im § 131». Anch müsse man mildernde Umstände zulassen, weil man sonst in Widerspruch geralhe mit dem§ 131, wie cr beschlossen wurde. 9 Abg. Beckh für seine' Aiiträge, er ist ebenfalls für Sircichnng der Worte„oder sonst förderlich ist". Geh. Rath v. Tifchendorff macht auf die eventuelle Jnkougrneiiz der Bestimmungen im§ 131 und 131» anslnerksam. Abg. Stephan erkennt keine Jnlongrnenz an. man könne mildernde Umstände bei§ 181 zulassen und bei§ 181» ausschließen, ohne in Widerspruch zn komme». Er ist gegen die Zu- lassung mildernder Umstände, aber auch gegen die Verschärsung wie sie die Anträge Gnstedt-Bcckh bezwecken. Abg. v. Gustedt bernst sich zn gunstcn seine Antrags ans das Volksgcsühl, das gegen die Zuhälter sei und sie aufs strengste bestraft wissen wolle. Abg. Beckh vertheidigt seine Anträge gegen de» Abg. Stephan. Abg. Pieschel wäre geneigt, Ziichthmisstrafe zuzulassen, aber er findet die Strafe im Vergleich zn tz 180 zu hart. Er schlägt mehrere redaktionelle Aenderlingeen vor. Abg. Bebel spricht sich scharf gegen die Gustedt- scheu Anträge aus. Das Publikum sei hauptsächlich gegen die Zu- hälter durch die Gerichtsverhandlungen aufgebracht worbe», iveil es Gerichlsverhandlunge» gegen die Bordellinhnber, die ihr Schand- geiverbe eugros betrieben, fast nicht zn lesen bekomme, denn die Polizei der meisten großen Städte schütze die Bordelliuhaber im Widerspruch mit dem Gesetz. Es sprachen noch der Geheime Rath von Tischendorff und die Abg. Stören. Stephan und Schall. LetzUrcr beantragt mit dem Abg. Pauli einige kleine Acndernnge»»nd be- banlragt Abg. Pieschel einer Anregung des Geh. Raths Tischendoiff folgend eine Bezugnahme ans ß 180 Absatz 2, der anf den§ I3l» Abs. ä Anwendung finden solle. Bei der Abstimmung werden die Anträge Bebel anf Streichung abgelehnt. Ter Antrag Schall-Panli, das Wort „Zuhälter" ai!> Schluß dcs Absatzes I einzuschalten, wird einstimmig angenommen. Der Antrag Pieschel, nach dem Absatz 1 die Bezug- »ahme auf den§ 180 Absatz 2 einznschaUe», wird gegen 4 Stimmen nligcnvmmcn. Annahme findet scrner der Slntrag, an stille tcs Wortes„Thätcr" im Absatz 2 das Wort„Zuhälter" zu setzen.'Alle übrige» Anträge werden abgelehnt und darauf der ganze Paragraph in der Gestalt, weiche er durch die Abstimmung erhielt, mit 11 gegen 1 Stimme(Bebel) angenommen. Bei§ 182 wird beaulragt, das Alter eines unbescholtenen Mädchens, dessen Verführung znm Veischlafe mit Gefängniß bis zn einem Jahre bestraft wird. vom 16. anf das 18. Lebensjahr zu erhöhe». Die Abgeordneten Beckh und von Gustedt be- kämpfen die Aenderung als gefährlich mit Hinweis auf die Gefahr von Eiprcssimgsversnche». Abg. Stephan läßt die angcsührlen Gründe nicht gelle», deshalb könne auch gegen tzZ 178 und 179 dcs Strafgesetzbuches geltend gemacht werden. Geh. Rath u. Tischendorff weist daraus hin, daß die vorgeschlagene Nenderung sich seinerzeit i» der Vorlage der Regierungen nicht befunden habe. Es� handele sich hier um Schutz der geschlechtliche» Unersahrcnheit, die mau über das 16. Lebensjahr hinan« kaum annehmen dürfe. auch sei das Ehemnndigkeils-Stlter mit 16 Jahren im Bürgerlichen Gesetzbuch angenommen rvotden. Abg. Schall ist nur dann für die Alterserhöhnng, wenn eingeschaltet»verde,«wer durch Anwendung hinlerlistiger Kunstgriffe" ein nnbescholleues Mädchen zum Beischlaf vcrsühre. Abg. Pieschel ist gegen die Erhöhung der Altersgrenze. Abg. Bebel findet, daß der Antrag Schall nuter Umständen eine vom Antragsteller nicht gewollte Rbschwächung des jetzigen Gesetzes bcdeule. Wolle man Mädchen gegen rnsfinirte Verführer schützen. so genüge anch die Festsetzung des 18. Lebensjahres lucht. Die Möglichkeit einer solchen Versührung sei in jedem Alter vorhanden. Hauptsache sei, daß die Ellern. namenllich die Mütter, die unglückselige Scheu, ihre Töchter»ach Eintritt der G;- schlechtsreife gebührend nnszuklciren, endlich bei Seite setzte» und ihre Schuldigleit I hüten, das Heise mehr als Slrasparagraphen. In Stücksicht auf die Festsetzung des Ehemündigkeitsalters ans das sich- zehnte Lebensjahr sei er sür Beibchallnng dieser Altersgrenze. 'Abg. Roerc» ist eventuell auch dafür, rasfinirle Vcr- sichrer überhaupt z» bestrafen, aber hier handle es sich »>» die Schutz- Altersgrenze, und diese müsse«rhöhr werden. Ei» Mädchen werde durch Versührung znm Beischlaf für ihr ganzes Lebe» schwer geschädigt. Abg. Pauli spricht sich gegen die Erhöhung der Schuhaltersgrcnze a»S. Geh. Rath v. Tischen- dorff macht darauf aufmerksam, daß bei der vorgeschlagenen Gesetzes» ändernng eventuell der Bräutigam der Strasbestimmmig vcunll«. Abg. Schwarz sür die Vorlage. Abg. Beckh dagegen. Der ß 132 komme in der Regel»nr zur Anwendung falls Schwangerschnst in- folge der Versührung zum Beischlaf eingetreten sei. Abg. Stephan findet, daß die Unsitllichkeit überhand nehme, die Mehrheit der Kommissio» aber geneigt sei, die Verführer inil Glace- Handschuhen anzufassen. Abg. Schall ändert seinen Antrag dahin ab. daß die Versührung eines Mädchens durch hinterlistige Kunst- griffe im Aller zwischen 16 und 18 Jahren mit der im H 182 angedrohten Slrase zu belege» sei. Der Abg. Stephan beantrage, im' Antrag Schall zu sehen statt 18 Jahr« 21 Jahre. Es bcthciligen sich»och an der Debatte der Geheime Rath v. Tischendorff »nd die Abgg. Bebel. Stephan, Rocre», Beckh und Schall. Bei der Abstimmung wird der beanttaat« ß 182 mit 4 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Dieselbe Slimmenzahl eihält der Antrag Stephan. Der Antrag Schall wird mit 8 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Es be- wendet also bei dem bisherigen Gesetz. Auf Antrag der konservativen Abgeordnete» wird Vertagung besch'offcn. Nächste Sitzung Donnerstag vormittag 10 Uhr. Dir WahlVriiflinaö-KoinmIsstou verhandelte in ihrer letzten Sitzung am Donnerstag Abend über die Wahlen der'Abgg. Dr. Merz(Tonaueschingen)»all., Reichmnlh(Weimar) und Schulz (Weslprignih). Die Wahl des Abg. Dr. Merz war von der Kommission schon einmal für nngillig erklärt worden. Doch kam der darüber eistatteie Bericht i» der vorigen Eessivn nicht mehr zur Verhandlung. Die Kommission trat ihrem früheren Beschlüsse anch deute wieder bei und beschloß, dem Reichslage die Ungiltigkeil der Wahl zn empfehlen.— Zu demselben Resultate kam die Kommission bezüglich der Wahl de? Abg. Sieichunilh. Auch dies« Wahl Halle die Wahiprüsnngs-Konimisston früher bereits sür»ngiltig erklärt, im Plenum wurde» aber neue Erhebungen beschlossen, deren Resultat jetzt vorliegt. Dieselbe» ergeben, daß die Proteslbehanplirng, wonach in den Orlen Aziuannsdorf und Schloßvippach die Gemeindevorstände Slimmzcttel und Flugblätter durch die Gemeindediener haben vertheilen lasse», nach jeder Richtung sich bestätigt. Auch daß in Schloßvippach der Bürgermeister durch den Polizisten den Wahltermin habe ansklingeln und im Name» von„Ordnung, Recht und Sille" für die Wahl Reichmuth'o habe auffordern lasse», wurde durch die Erhebungen festgestellt. Die diese Vorgänge ablcugnendcir Aussagen der Herren Gemeindevorstände und Geineindediencr haben sich nach wiederholter gerichtlicher Vernehmung als unrichtig ergeben. Die Kommission beschloß deshalb ein- stimmig, wie bereits erwähnt, dem Reichstag zu einpsehlen, di, Wahl bei Abgeorbnelen Rcichinnlh sür nngillig zu erklären.— Die Prüfung der Wahl des Abg. Schulz— gegen die ein von Sinti- semiten ausgrhender Protest vorliegt— wurde big zur nächstem Sitzung vertagt.— I» der sechsten Kommisston dcS Reichstags wurden gestern die§§ 568 bis 596c der Z i v i l p r o z e ß- O r d n n n g(Ehesachen und Entmündigungssache») erledigt. Ii» wesentlichen biieben die RegicrungSvorschläge n»verändert.— Ter» preußischen Rbgeordnctcnhanse ist der Gesetzentwurf betreffend die Beivillignng von Staatsmitteln zur Beseitigung der durch die Hochwasser dcS vorigen Sommers herbeigesübrlen Be- schädignngen zugegangen. Es soll eine Anleihe von 5 Millionen oiifflciioiumeu werden, wovon ohne NnckzohlungSgewähr Veihilfen ?» bewilligen sind an einzelne Bcschänigie zur Erhaltnng im Wob»> n»d IiabrnngZzustnnde, an Genieinden zur Wieder- kcrstellnng ihrer beschädiglen geineinnntzigen Anlagen, zur Wieder- licrstelliing und nolbwendigen Verbesserung beschädigler Deiche, Uferichntzwerke und damit in Verbindung stehender Anlage», zur Ausführung besonders dringender Näuniungs- und Freilegnngs- arbeite»»nd zu Vorarbeiten für den Ausbau von bochivasjer- gefährlichen Flüssen.— Eine zweite Vorlage, in der Prävcn'.iv- nurbregeln gegen die Wiederkehr voll Hochivasserkatastrophen vor- geschlagen werden, wird dein Hanse zugehe», sobald die beiheiliglcn Provinziallandlage von Schlesien und Brandenburg dieselbe ge nehinigl haben._ Monttnunttles. I» Fortschnng der Bcrathnngc» zur Feslsiestnng de? Stadt Haushalts-Etats für das Sleuerjahr 1898,99 stellte das Ma- gistrals-slollegini» den E t a t d e s A r in e n>v e s e n s in Einnabnie mit 693 500 M. und in Ausgabe mit 8 413 000 M. fest. Die Ein- »ahme» enthalte» 63 000 M. für anjzerordentliche Unterstützungen I» den Ausgaben fignrnt die Haliptansgabe sür Unterstützungen durch die Zlrnicnkon»nissione», ivie Zllttiascngcldcr, Psiegegelder und Extraunterslützuuge», mit 6 045 000 M, die uinniltelbaren Uuterslützuiigrn sind mit I45 00V M, die Erstattungen an ans- wältige Aiincn Verbände mit 230 000 M., die besonderen Arten von Unlerstützungc» mit 44 000 M. eingestellt; für die 8l r m e u- K r a n k e n p f l e g e sind vorgesehen 1274000 M. mit Einschluß der Ausgaben für die Pflege in den Heiinstälten, jedoch mit Ausschluß der Kosten der in den städtischen Kraiikenanslallen gewährten Armenpflege. Der Zuschuß, ivelcher von der Stadt banplkasse geleistet werde» muß, beträgt 7 7HS500 M.— Ter Etat der W a i f e n p s l e g e im engere» Sinne, sowie Fürsorge für eingesegnete Kinder, W a i s e n a n st a l t in R n m m e l s b u r g nebst dem Depot in Berlin und dem Franke'schen Waisenhause ist in Einuahliic mit 161 761 M., in Ausgabe luit 995 732 M. eingesetzt und erfordert somit einen Zuschuß vo» 833 971 M. I» den Ausgaben sind enthalten für die Anstalt i» Runnnelsbnrg 286 252 M., für die in Privatanstalten und Privat- pflege befindlichen Knider 662 655 M. und zur Fürsorg« für ein- gesegnete Waise» 273 000 M. Zu gründe gelegt ist dem Etat die tägliche Durchschnittszahl in Nuimuelsbnig mit 410, i» dem Depot in Berlin und Frnnle'schen Waisenhaus mit 90 und in den Privalanstaltc» und Privalpflege mit 4200 Kindern.— Zu Anfang der heutigen Sitzung sind vom Oberbürgermeister Zelle 35 Bezirksvorsteher beziv. Bczirksvorstcher- Slellverlreler vereidigt und somit in ihr illmt eingeführt worden. Tc», Pcrcin Wöchnerimienhcim, welcher Frauen und Mädchen, deren häusliche Verhältnisse nicht gestalten, ihre Niederknusl in ihrer Behausung abzuhalten, ausnimmt und unentgeltlich verpflegt, soll sür e»» Fuhr ein Betrag von 2000 M. anS städtischen Mittel» gewährt werden._ Dokttles« Ten Paitetgenosseu des dritten ReichStagS-Wahlkrciseö machen wir die traurige Mittheilung, daß»lnser braver Genosse Adolf W e s e n b u r g am Donnerstag verstorben ist. Die Be- erdiguug wird am Sonntag im Jnscrntenlheil bekannt gegeben. Zur Lokalliste. Heute Abend hält der Rauchklnb Einigkeit II Mitglied des Berliner Naucherbundes, im Lokal vo» Keller, Köpnicker- straße. einen Maskenball ab. Wir machen die Genossen, welche die Absicht haben, dorthin zu gehen, darauf aufmerksam, daß dieses Lokal zu Arbeiterversammlungen nicht hergegeben wird. Die Lokal kommissivn._ Tie StrafienreinigungS- HilfSarvcitcr» die nur im Winter bei starke» Schneefälle» vorübergehend eingestellt werden, wenn das ständige Arbeitspersonal zur Bewältigung der Arbeit»icht mehr ausreicht, erhalten seit 1896/97 statt 2 M. pro Tag 2,25 M. Zu dieser endlich bewilligten L o h u e r hö h»n g bemerkt der ueneste Bericht der Straßenreinigungs-Deputation, der Lohnsatz entspreche, obwohl er nicht hoch zu nenne» sei, doch durchaus den Leistungen der Hilfsarbeiter. Die Leistungen seien im allgemeinen ziemlich geringfügig, da die Wintertage nur kurz seien und die Leute bei plötzlich eintretendem Bedarf ohne besondere Auswahl angestellt werden müßten. Eine nachträgliche, aber recht unglückliche Entschuldigung der früheren Knauserei! Die Hilfsarbeiter leisteten in dein schnee- reichen Winter 1396/97 60 562°/» Tagewerke(im Vorjahr nur 25 716l/2) und bekamen dafür 136 269 M.(im Vorjahr 51 433 M.) Die höchste gleichzeitig beschäftigte Zahl vo» Hilfs- arbeitern mar etwa 2400. Ma» sieht, von ivelcher Bedeutung ei» schneereicher Winter für die Arbeitslose» Berlins ist, wobei »och zu beachte» ist, daß bei starken Schneefälle» auch die Pferde- bahngesellschaflen und die Mehrzahl der Hansbesitzer Hilsskräfte«in- stelle» müsse». Der Bericht der Slraßeureittigungs-Depntatio» macht übrigens die Bemerkung:„Gegenüber den Erschenuinge» ans anderen Wintern können wir hervorheben, daß wir im verflossene» W i» t e r jederzeit die gewünschte Anzahl von Hilfsarbeitern bekomme» konnten, während sonst mehrfach das Angebot geringer war als die Stachfrage." Wir haben daraufhin die Berichte ans den letzte» 6 Rechnungsjahre» durch- gesehen und haben dabei in keinem derselben eine Andeutung darüber gefunden, daß es jemals auch nur vorübergehend an Hilss- arbeitern gefehlt habe. Dagegen wird in«lnigen Berichten ans- drücklich darauf hingewiesen, daß im Winter zu jeder Zeit zahlreiche Hilfskräfte zur Verfügung gestanden haben. Außerdem ist in dem seinerzeit veröffentlichten Sonderbericht Über die Schnee-Abfnhr des ganz besonders kostspieligen WinterS 1894/95(in ivelchem die Hilssl arbeiter über 112 000 Tngeiverke leisteten) sogar angegeben worden, daß„während der ganzen Dauer der Arbeit Hilfsarbeiter immer in ausreichender A»z«hl, oftmals über Bedarf vorhanden ivaren. Die oben zitirte Behauptung deS Berichtes pro 1896/97, daß„sonst mehrfach das Angebot geringer war als die Nachfrage bedarf also sehr der Korrektur. Zur Zeit rüstet sich daS Zentralkomitee, welches im vorigen Sommer zur Unterstützung dcr durch Waffer und Hagel Ge schädigten zusammentrat, um endlich den Nest der in Höhe von über drei Millionen gesammelteil Unlerstütz» igsgelder ausznschütlen. Diese Gelegenheit läßt es angebracht erscheinen, an einen recht eigenthümlichcn Fall von deutscher Gründlichkeit zu erinnern. Eine sehr beträchtliche Summe der gesammelten Gelder ist bekanntlich auch nach Württemberg abgegangen. Dort besteht ein Lokalkomitee, welchem die weitere Veriheilnng dcr Unterstützungen obliegt. Von diesem Komitee nun ist, wie uns von glaubwürdiger Seile mitgeiheilt wird, bisher auch noch nicht ein Pfennig a» die Bedürftigen vertheilt ivorden. Um die Milte deS vorigen MonatS trat das Komitee im Bahnhofshotcl zu Heilbronn zu einer Sitzung zusammen, doth auch in dieser Zu- sammenkunst konnte man sich über die Vertheilung noch nicht schlüssig werde». Das ist eine wunderliche Jllnstralion zu der im vorigen Sommer ausgegebenen Parole„Schnelle Hilfe ist doppelle Hilse". Doppelt peinlich wirkt diese Langsamkeit angesichts des UiustandeS, daß ei» verhältnißmäßig großer Theil der durch den Hagelschaden rninirlen Weingärlner zur Zeit bei Slraßenbauten einen kümmer- ltchen Unterhalt suchen muß. Jedem das Sciue. Die„Freis. Ztg." berichtet: Während sich die Sprachgelehrten darüber streite», ivas bei Toasten am Platze ist,«Hoch" oder„Hnrrah", ivnrdr in München zum Kaiser- gevnrlslagsfeste diese Tonstsrage vermittelnd gelöst. Prinz Ludwig toastete auf seinen Vater, den Prtnz-Regeute», mit„Hoch", der Kaisertoast erfolgte da gegen mit„Hnrrah". EloidSstatistik. Im Männerasyl des Berliner AsylvereinS für Obdachlos« nächtigten im vorigen Monat 20 913 Personen, im Franenasyi 3403 Personen. Arbeilsnachiveis erbittet der Berel» für Männer Wiesenstr. 55—59, sür Frauen Füstlierstr. S. Dcr diesjährige bis jetzt frostfreie Wiutcr hat vielfach zu dcr Befürchtung Veranlassung gcgegen. daß im komnicnden Sommer ein großer Mangel a» Eis eintreten werde. Diese Annahme ist jedoch völlig unbegründet, da die bedenlenderen Eiswerke stets eine» auf zwei bis drei Jahre reichenden Vorrath von Eis in ihren Sctuippcn haben. Andererseiis aber werden, da die großen Eis- werke die Konkurrenz der kleinere», welche nicht über einen solche» Vorrath verfüge», im nächsten Sommer»icht zu fürchten haben, an' alle Falle die Eisprcise ganz bedeutend in die Höhe gehe», so daß schon jetzl die Schlächter und Nestanratcure sich aus eine ganz er- h-bliche Mehrausgabe sür Eis gesaßt machen. DaS Polizeipräsidium theilt mit: In jüngster Zeit werden in steigendem Maße leichlstiichlige Körper wie L i g r o i», Benzin Petrolenmälher, GaSäther. Gas st off u. s. w. zum Fülle» von Beleuchinugsapparaleu, Lötblampen und Kochern ge braucht. Tie Berweudung dieser sehr leicht eutzündlicheu Flüssig leiten birgt große Gcsahren in sich, wie einige in der letzlen Zeil vorgekommene schwere Unfälle beweisen. wird deshalb vor nnvorflchligem Gebrauche von Lampen und Kocher» dieser Art gewarnt. Die genannte» Flüssigkeiten ver dunsten sehr schnell und ihre Dämpfe gebe» mit Luft gemischt ex- plosible Gasgemisck)e, welche sich an jeder offenen Flamin»!« oder durch Funken sofort entzünden. Aus diesen» Grunde dürfen die Lampen und Kocher nur in gut geinsteten Räunicir gefüllt werden in denen keine offene Flanime vorhanden ist. Jedes Vev schütten der Flüssigkeiten ist sorgfältig zu vermeiden. Mit Dämpfe» ersüllle geschlossene Räume sind sofort ausgiebig zu lüsien; sie dürfen, bevor dies geschehe», unter keinen Umstände» mit offenem Licht betrete»»verde». Ueber Haupt solllen Belenchtnngsapparate der bezeichnete» Art niemals in geschloffeuen Rüuuien, in denen sich Menschen befinden, oder gar in Kellerräuine» benutzt»verde». Bassins, Kannen und andere Behälter zum Ailfbewahren obiger Leuchtstoffe sind mit Sicherheitsverschlüssen und an den Allsgußöffunngen mit engmaschige» Drahtnetzen zu versehen, welche ein Zurückschlage» der Flamme in die Gefäße vev hindern. Ter Fabrikbesitzer Carl Hoppe, Begründer der nach ihm be »annlen C Hoppe'schen Maschi»euba»»-Austalt, ist an» Dienstag Abend im Alier vo» 86 Jahren gestorben. Auf Entlassung anS der Arbeit ist der Selbstmord zurück zuführen, den ein Mann von der Fennbrücke ans beging. Es handelt sich um den 21 Jahre allen Arbeiter Adolf Witzorkieivicz, dcr in der Tegelerstr. 4 bei seiner Großnnillcr»vohnte und seit dem 26. November v. I. vermißt wurde. Er ivar vorher in der Ludivig Löive'schen Fabrik beschäfligt und dort»nit einen» ArbeilSgenossen in Streit und Schlägerei geralhen. Beide wurde» sofort entlasten. Das nabn» sich Witzorkieivicz derart z» Herzen, daß er beschloß, stch daS Leben zu nehmen. Er legte z» Hause den besten Anzug an und eulferule stch. Nachdem die bis- herigen Nachforschungen»ach der Leiche ohne Erfolg geivesen ivare», landete man sie am Donnerstag Morgen gegen 9 Uhr ans dem Spandauer Schifffahrtskanal. Gegen de» Pvst-Hilföbote» Gtntzky,»velcher deS vielfach er- wähnten Chcckdicbstahls Ivcge» in Hast genomine» ist, ist auf Veranlassiing der Ober- Postdirektiou uock eine Untersuchung wegen Unterschlagung von Briefe» eingeleitet»vorde». Stntzky halte»ach seinem Geständniß die beiden an die Firma Wolff adressirteu Briefe, ohne daß er von dein Inhalt derselbe» eine Ahnung halle, init nach Hause genommen,»im sie zu durchleuchte», das heißt im» st« auf ihren Jnhail zu prüfen»nd, nachdem er diesen ermitlell, sie zu nntcrschlngen. Es ist»uiunehr der Verdacht eni- standen, daß Stntzky in der Zeit, als er anshitssiveise Briesbestelldicust versah, auch andere Briefe»utt nach seiner Wohnung genommen und auf de» Inhalt geprüft habe.— Die Bcrhastnng des Friseurs Perplseß ist der Polizei a»f ganz eigenarlige Weise gelungen. In einem Briese, den er an seinen Schivager Stntzky gerichtet, theilte er mit, daß er es genau so machen»verde»vie Sander und in dieser Weise sicherlich enlkonune» dürfte. Der in dem Brief« envähnie Sander war ein Bankbeamter, der vor etwa 17 Jahren nach Unterschlagung von 100 000 Mark flnchlig wurde. Während man Sander entkoiinnen glaubte, hielt sich dieser in Deutschland und zwar in Köln auf,»vo seine Berhaftimg infolge eines Zufalls erfolgte. Dieser Umstand gab nun Veranlassung, auch nach Perpließ in Köln zu recherchirc» nnd zwar mit dem Erfolge, daß fein« Festnahme dort stallfindc» komile. Es wurden nur elivn 800 M. bei ihn» vorgesunde». Ueber den Ver bleib des übrigen Geldes»var bisher immer noch nichis zu er- Mitteln. Beide Verbrecher behaupten, die gestohlene Ennim« einem öffenllichen Mädchen in«inen» Casö in der Le'ihringerslraße zur Auf- bewahrling übergeben zu haben. Sie»vollen das Mädchen, von ivelchem sie nur den Vornamen Agnes»vissen, schon seit einiger Zeil kennen, sind jedoch nicht in der Lage, die Adresse anzugeben. Seilens der Behörde»vird vermnthet, daß die Banknolei» vergrabe» sind, und daß die beiden Verbrecher nach Beendigung der zu erwarlendcn Strafe sich des Geldes bemächtigen»vollen. Ter bekannte Schauspieler Ernst Fori»«? ist bedenklicher- krankt. Gleichfalls»vird bcrichlet, daß der B Ü r g e r m e i sl e r vo» C h a r l o t t e ii b n r g, Herr F r i tz s ch e, an einer besorgniß- erregenden Krankheit schiver darniederliege. Ter»vcibliche Soudcrliug ans der Knrstr. 12/13, die 85 Jahre alte Wiilwe Karoliue Geliert— irrlhümlich Mntlcr„Götter" genannt—»st am Freilag Morgen um 7 Uhr i» einem Kranken- Hause gestorben. I» rinrni unter den» Vilrgerstcia vor dein Grundstück Ska- liherstraße 63/64 liegenden S p e i s e k a sl e n. der z»»»» Betrieb der Motor»vage n der Große» Berliner Pferdebabn- Aktien- gesellschaft dient, fand gestern Abend eine beirächtliclie Dampsent- wickelnng stall. Infolge der Niederschläge dcr letzten Tage war an- - scheinend in dem Speisekasten Kurzschluß der Speisckabel ent- »landen, wodurch das Liegenivasscr im Kaste» ins Kochen gcrielh. Ein Brand»var nicht entstanden. Die Feuerivebr bcseiligie jede Gefahr durch Enlfcrnung des über dem Kastei» liegende» Deckels >i»d der Kastenglocke. Et»» trauriges Wiederschc» zivischen einem betngle» Eltern- paare und ihrem einzige» Sohne fand gester» Vormittag im Moa'"'er Untersnchnngsgesängnisse stall. An» Mittwoch»var der Anfang dcr 20 er Jahre stehende Friseur S. eingeliefert worden,»velcher des Verbrechens der Nothzncht beschuldigt»var. Gestern»vurde er zum ersten Verhör dem ersuchte» Richter vorgeführt. Als er am Schlnsse des Verhörs aus den» Munde bei RichlerS erfuhr, daß er in Unier snchungthast verbleibe» müffe nnd nun wieder in seine Zelle zurück gelangte, hat er sich sofort n» dem Wirbel des Fensters seiner Zelle anfgehange». Noch gestern Abend erhielten die Eller» Kenntniß vo» der Verhaftung»nd dem Selbstmorde ihres Sohne» nnd gester» früh holten sie die Leiche ab,»»» die Bestattung auf ihre Kosten zu bewerkstelligen. 40 000 Mark unterschlagen. Die hiesige Biehkoinmifsio»»- Firma Klocke n. Wothg« und ei», GSiise-Siigrosstrmn hatten dem Viehhändler Dabrun, in Barleiistei», je 20 000 M. Vorschuß zum Vieh- und Geflügeleiukauf ge»vährt. Die 40 000 M., die er auf der Reis« nach Gallzie» i» Kassenschetne» bei stch führte, behauptete Dabrun,, verloren zu haben. Die geschädigle Vtchkoinmlssionz-Firma hegte jedoch Zweifel daran, daß die Summe»virllich verloren gegangen ist und veranlaßie Ende Dezember seine Verhaftung. Gestern hat nun.»vie die„Allg. Fl. Z." erfährt, Dadrunz sich dem Unter- snchnngSrichter vors, Ihren lasse» und das Geständniß abgelegt, daß er 35 000 M. vergraben hat. Tnrch unverantwortliches Fahren, an de»n mehrere Droschken- kntscher belheiligt sind,»vurb« gestern(Freitag) Mittag gleich nach 12 Uhr der Schnlkuade Fritz Hauer, ein Sohn des Drechslern, eisters t. aus der Gnbenflr. 9, auf dem Heimwege von der Schule in der önigsbergerstraße durch Ueberfahren lebensgelährlich verletzt In einer Droschke ziveiter Klasse halte» mehrere Kutscher Platz genommen, um in Gemeinschaft mit dem Führer de» Wagen» die LeistungSsähigkeit des Pferdes anSznproben. Dabei achteten sie nicht auf die in der Fahrrichiung stch bewegenden Personen»md f»h«n dem Knaben über Kopf und Brust. Er erlitt einen Bruch der Schadelbasis»nd wurde von den» sofort hinzugeeilten Vater zunächst nach der Rettungswache und von dort nach Anlegung eines Verbandes nach dem Krankenhaus in» Friedrichshain gebracht. Zu dcr Angelegenheit des Dicilstmaiines Wilhelm Jnnitz, der sich, wie»vir gestern»neldele», erlränkl hat,»vird»ms»och inil- gethcilt, daß der Selbstmörder keineswegs durch die Schuld seiiier Frau in den Tod getrieben ivorden ist. Er habe sich wahrscheinlich im Delirinn» uingebrncht. Unrichtig sei es, daß seine Frau, die er ständig mißhandelte, ihm untreu gc>vvrden und ihn um seine Er- sparnisse gebracht habe. Junitz besaß gar kein Vermögen. E», Hochstapler, der mit seiner Frau auch in Berlin zahlreiche Geschäfislente, namentlich Hoteliers, betrogen hat, wurde vo» der Hamburger Kriminalpolizei zur Haft gebracht. Er nennt sich Nicolai, B. Costovich. während seine Frau eine geborene von Rochonic» sei» will. Das Paar trat stets sehr nobel rnis nnd»varf das Geld mit vollen Händen»vcg. Es wollte angeblich ein großes Exportgeschäft gründen,»vozn es die auf 28 000 M. pro Jahr be« zisserlen Zinsen seines Vermögens z» verwende», vorgab. Das Paar blieb jedoch überall nicht nur mit den hohen Logir- und Zech- kosten im Rückstände, sondern entlieh von den Wirthcn noch in zahl- reichen Fällen größere Baarbelräge. Wie bis jetzt ermittelt»vurde, habe» beide in Berlin. Köln, Brüssel. London, Paris. Wien. Kopen- Hage» nnd anderen Großsiädlen Beiriigereicn ui einer Höhe von weil über 100 000 M. verübt. Weitere Eriniltelnngcn ergaben, daß der Ehemann in Ungarn Student»var, während sein« Frau die Tochter eines Kleinhänderls Namens Schulz von dort ist. Das Paar soll ihnlsächlich verheirathet sein. Der Aufenthalt der Frau konnte jedoch bisher»icht ermittelt werde». Fcncrvcricht. Am Donnerstag erfolgte nur eine eiilzige Nlarmirnng, nämlich nach R e i» i ck e n d o r f e r st r. 20,»vo in dem Keller ei» Posten BerpackmigSmalerial in Flammen aufging. Freitag früh 1 Uhr brannte» K o l b e r g e r st r. 26 mehrere Bodenverschläge. wobei verschiedene»ickt verstch-rte Mielher erheblichen Schaden an Hansgerälh erliiie». Um 9 Uhr»vurde Badstr. 32 der Fußboden in eiuer Küche total eingeäschert,»vobei auch das HanS beträchtlich beschädigt wurde. Aus gleichen» Anlaß»vurde die Wehr kurz darauf »ach T h u ru» st r a ß e 14 gerufen. Um 12 Uhr brach bei Siemens»md Halske, Markgrafen straße 94 dadurch«in Feuer ans, daß Oele über Gas gekocht wurden,»vober die Masse überlief nnd ein großes Spind in Flamme» setzte. Mittels der Fabrikhydrantei, war die Gefahr jedoch bei Ankunft der Wehr bereits beseitigt. Eine Et»»de später mnßle Schmidstr 46 ein Zimmerbrand abgelöscht»verde», der eine»rollitändige Wohnungseinrichtung zerstörte. Gegen 3lls Uhr brannte Ep e»» er- st r a ß e 1 ein Bett i» der Küche. Endlich war um 5 Uhr Reichen« bergerstr 33 ein Brand abzuiöjchcn, der ei» Spind und einen Posten Kleidungssiücke vernichtete. „Kultur Schaubiihue"(Direktion Dr. Köppen unb Dr.«tödttier) im Saale der kgl. Hochschule für Musik, PotSdamerstt. 120. Am Sonntag Abend wird der Prospekttonsvcrtrag:„Ein AnSflug nach Spanien" von Konrad Alberti zum dritten Male wiederholt. 80 künstlerisch ausgeführte Lichtbilder werden die NnMrschönheiten deS Landes, seine aus alter Zeit stammenden Bauten, Slulptmcn und Malereien in sessclndsler Form ver- anschaulichen. Theater. Das Schill er-Theater bringt heute eine Wieder- Holimg von„Kpritz-Puritz" außer Abonnement, so daß alle Platze»m Kasten- verkauf zur Verfügung sind. Die morgen, Sonntag, nachmittags statt- findende Aufführung von„Des Meeres und der Liebe Wellen" wird in der ersten Besetzung gegeben, und zwar wird die Hero Hedwig Pauly, den Leander Ewald Bach nnd den Obcrpricsler Mar Patcgg darstellen.- Der Mozart. Abend, den das Schiller-Theater am Sonntag, den 6. Februar, tm Bürgersaal des Nathhnnscs veranstaltet, ist bereits der sechste diesem Komponisten ewidmeie. Das Programm ist völlig verändert und anderen Mitwirkenden lbertragen. Es singen am Mozart-Abend Jeanne Golz und Hjalinar Art- bcrg. Frau Dr. Alice Friedländ« hat den Klavierpart, Dr. Karl Krebs de» einleitenden Vortrag übernommen.— Das Luisen-Theater bringt in der Sonntag- Nachmittags- Vorstellung, die um 3 Uhr begiunt, fluni ersten Male„Das Käthchcn von Hciibronn" zur Austührung. Als Käthchcn gastirt Frl Marie Schwarz vom Slndt-Theater in Kiel, der Wetter von Strahl ist mit Herrn Kiedaisch, die Kunigunde mit Frl. Sedier nnd dcr Rheingraf von Stein mit Herrn Landcck besetzt. Abends geht das Schauspiel„Trilby" mit Anna Müller-Limke in dcr Titelrolle in Szene. Am Montag folgt die zweite Austührung vom„Käthchcn von Hcilbronn." A,iS de» Nachbarorten. Schöncbera. Am Montag, den 7. Februar, abends 8 Uhr, iiidet im Lokale von Obst. Gruneivaldstr. 110. eine Mitglieder- Bersaminluna des A r b e i t e r- B i l d u n g s v« r e i n S statt, in welcher dcr Genosse C. L a n k o w-Berlin einen Vortrag über: „Plalonischcr nnd urchristlicher Kommunisinus' halten wird. Gäste habe» Znlritt; auch werden daselbst Neuamneldnngen entgegen- genonnne». Einem zahlreichen Besuch steht entgegen der Vorstand. In Köpenick ist der Gewerbe-Jnspektor fortan jeden ersten Sonnabend»n Monat abends von 6 bis 7 Uhr im Raths keller z» sprechen. Uns will scheinen, daß die Sprechstunde in einem Wulbshanse wenig glücklich gewählt ist; den, Arbeiter muß doch in erster Linie daran tiegen, bei Anbriugnng seiner Beschwerden der öffenliichen Kontrolle und der sich daraus ergebenden Maßrcgelmig culzogen zu»verde». Wie der AmtSvorsteher von Mariendorf für Orditting, Religion und Sitte kämpft. Ans L i ch l e r s- l d e»vird»ns be- richiet: Kau»», daß die Genoffen nach langer Zeit»vieder einmal ei»«» Saal zur Verfügung hallen, ist die Freude auch schon»vieder beendet. Der Wrnh L ö w e» d o r f, früher in Berlin im ziveiten Wahlkreis ansässig, halte, nachdem er seinen Saalbau beendet, den Genossen sein Lokal zur Verfügung gestellt. Doch der A n» t s- Vorsteher Denk in Mariendors konnie das nicht init ansehen. Herr Löwendorf mußte zur Vernehmnng dortselbst erscheiuen, wo er„scharfgemacht" wurde. Leider sind ja den Herren Amtsvorflehern so viel Machtmittel zur Verfügung gestellt, daß es ihnen nicht schiver»vird, die Wirthe in die richtige Bahn zu bringen. Die bereits bekannt gegebene Versanmilung de« Agilaiionsverelns am nächsten Sonntag kann deshalb nicht stattfinde». Auch die Berliner Parleigepoff«»»»Verden natürlich ihren Verkehr danach einzurichten»vissen. Im RiidcrSdorfcr Kalkbevstiverk vernnglückte an» Freitag Morgen 7 Uhr dcr Bergmann Wilheii» Richter aus Rüdersdorf dadurch, daß ihn» ein Stein den Fuß zerschmetterte. Richter wurde »in II Uhr»ach den» diesige» Anhatter Bahnhof gebracht nnd dort mnßle er in seinen Schmerzen bis 5 Uhr 10 Minuten»achiiitttags verbleibe». Jedermann»vird frage», wie solches möglich»var. Diese niiiiölhige Verlüngeruug der Omal hat darin ihre Ursache, daß die Norddeutsche Knappschnfts« Pensionskasse, der Stichler an- gehört, laut Bertrag alle ihre Verunglückte» in, Krank-»,. Hause zu Halle bchandel» läßt. Ja. aber, so wird man»veiler fragen, es fährt doch früher ein Zug nach Halle, als um 5 Uhr 10 Minuten. Ganz richtig, aber dieser Zug ist«i» Schnellzug, und in dem Attest des Verunglückten stand ausdrücklich vermerkt, daß er nur in Personenzüge» oder aber in Güterzügen be» fördert werde» dürfe. Um 3 Uhr gestern Abend ist der Arme erst i» Halle aiigekommen. Sollte dieser unerträgliche Znstand im Berein mit der Fatalität, daß es den Verwandte» eines kranken Bergmanns»mler solchen Verhällnissen gar,»icht»iiöglich ist, ihre» Angehörigen z» besuchen, denn»icht in» stand« sein, die rigorose Bestinnnnng im Slatnl der Knappschasiskasse zu Fall zu bringen? Es»vird hohe Zeit, daß auch die Riidersdorfer Bergleute sich endlich mit Energie»in» ihre Julereffen kümmern. Ter Stur»» an» Tounerstag hat namentlich i» den Vororten Berlins erhebliche» Schade» verursacht. Die Wälder der Umgebung sind d>»rch bedeutenden Windbruch beschädigt. An einzelnen Stellen hat der Sturm förmliche Gänge in die Waldungen gerissen. Von einem große» Schuppen der Rixdorfer Eiswerke an der Canner Chaussee hob der Wind die gesammle Bedachung ab nnd schlenderte sie z» Boden. Dem von Berlin nach Heinersdvrs zurückkehrenden Milchhändler Nauina»»»»vurde mittags ans der Prenzlauer Allee der Plamvage»»»»»geivorsen. Er u>id fei Frau erlitten hierbei schmerzhafte, wen» auch nichl gefährliche Verletzungen Eine» grob- arligen Zlnblick bot der Müggelsee bei Friedrichshngem loroi» vor allen Dingen an der sogenannlen Teufelsecke bei Rahnsdorf Die fturingepeiischlen Wellen errerchie» eine ganz nngeivöhnlich« Höhe� Infolgedessen mußle die Schifffahrl aus de», Müggelse« gänzlich ein- gestellt werden. 193 Bewcrbuugen um die Aemter des Bürgermeisters und des besoldeten Stadlralhes der neuen Stadt Schöneberg sind an zu- ständiger Stelle eingegaiigen. I» einer Heilsarmee- Versammlung ist Donnerstag Abend in Schöneberg ein Mann namens Schneider, der>» eine von der dortigen Kadettenschule der Heilsarmee veranstaltete Versa,,»»- lung eingedrungen war, der Tobsucht verfallen. Da der Besuch so stark war. daß der Betsaal die Menge der Versammelten nicht zu fassen vermochte, so wurde Sch nebst vielen anderen ausgesordert, de» Saal zu verlasse». Hierdurch gerieih er in so hoch- gradige Erregung, daß die Tobsucht bei ihm aiisbrach und er von Aiiilsdieiiern nach der Rathhauswache geschleppt werden mufete Auch hier konnte er nur mit äußerster Anstrengnug gebändigt werden. Da er jedoch unaufhörlich Drohungen ausstieß und An- stalte» machte, sich das Leben zu nehme", mußte er durch eine» Arzt, Dr. F., auf seinen Geisteszustand hin untersucht werde». Demselben gab er an, daß er schon früher an, Dslirrnrn tremens von einein Professor behandelt nnd für unheilbar nerven- krank erklärt worden sei. Dem Arzie war es nicht zweifelhast, daß er hier in der Thal einen Geisleslranken vor sich habe, und er ordnete daher die sofortige Uebcrsührung desselben«II die Liaison de sante an, die gegen'/zIL Uhr nachts ersolgie. Zum Tode deS Schulknabe» Max Giise. Der in, Dezember ersolgie Tod des Geineindeschülers Gnse»> C h a r l o t l e n b u r g wurde wie bekannt auf die Mißhandlung seitens eines Lehrers zurückgeführt. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht II Hai jetzt den, Magistrat von Charloltcnburg mitgetheilt, daß die Obdiiktion der Leiche des Knaben für den Lehrer Busch nichts Belastendes er- gebe» habe und daß sestgestellt sei. daß der Lehrer das Züchlignngs. recht nicht überschritte» habe. Von einer weiiere» Verfolgnug de, Sache ist daher seitens der Staatsanwallschaft Abstand genonime» worden. Da wir f. Z. von der Angelegenheit Kenntniß geiioiniiien habe», fühle» wir uns verpflichtet, auch über diesen, den Lehrer entlastende» Ausgang der Sache zu berichten. Unser Wunsch, daß die Prügelpädagogik in den Gemeindeschulen einer gesitleicn Lehr- »nethode«veicheu möge, verliert durch diese» Fall natürlich nicht das geringste von seiner Berechtigung. I» der gestrigen Ersatztvahl für den verstorbenen Stadt- veroidnclen Richter in C h a r l o t i e n b u r g im drillen Bezirk der zweite» Abtheilung, der Gegend»U, de» Willenbergplatz, standen sich nur zwei Kandidaten gegenüber: der Kandidat der„ Unpolitischen", Eenalspräsident an. Ober- Verwallungsgerichi, Wirkt. Geh. Rath Jebens nnd der Kandidat der Liberalen, Schriftsteller Dr. Alexander Meyer. Die Konservativen hatten keinen Kandidaten aufgestellt, unlerslützleu jedoch die„Unpolitischen". Jebens erhielt 136 Stimmen, Dr. Alexander Meyer 67. Jebens ist svuiit gewählt. Versatumluttgen. Die Freie Bereinigung selbständiger Barbiere, Friseure er. hielt am 17 Januar er ihre Generalversammlung im„Englischen Garte»". Alexanderstr. 27 e. ab Den, U/z stündigen Vortrage des Herrn Dr Weyl über„Hautkrankheiten, besonders Bartflechte und deren Bedeutung für die Barbierstube" folgte d>e Versammlung mit der größte» Ausinerksaniken Kuschle gab hieraus solgcnden Kaflen- bericht. Einnahmen 129,86 M.. Ausgaben 125,84 M Bestand 4,62 M..«voraus ihm Deckarge ertheilt wurde. P ü y k e wurde als Stellvertreter für den Arbeitsnachweis- Vorsteher ernannt. Aus- genommen wurde» zwei neue Mirglieder. Zu unsere«» Bericht über die letzte Versammlung deS Wahlvereins für den S. RcichötagS-Wahlkreis ist nachzutragen, daß dem Mitgliede S o l« s ch. der sich am Tage der Hnberiusjagd >» Gesellschaft mit Kriminalbeamten i» gesperrien Lokalen aufgehalten halle, für sei» Verhalten von der Versanimlung eu, Mißtrauens- votum ausgestellt wurde. U«ret» der KvchdrtuUer und Kchrlftgiefter für Kirdort■ Krtd. Sonntag. Den o Februar. Slachmmag i Uhr Beriommlung IN der SereinZ- diaucrci. Lermannnr eu. Kreil cligiös« Gelneind« Sonnlag. Ben 6 Fcbeuar. vorm s Uhr. IM großen Festsoni> cr Berliner Ressource ßonunonbamcnftr 57. Scisammlung. Fretrettgiös» Aorlisung.- Um Ii Uhr vormittags ebendasetbf««vriraa veS Herr» Waldecl Manasse.„Göll nnd gur-«Lane willlo, innen Koiinidelnotil ntischer Agitationsoerei» tlir den Ulalilirret» Strnlknild. Kranjdnrg- Düge». Sonnlag. den 0 Februar, vor», Ii» Uhr. bei Mörschel, Jüdensiraße b». Sigung. Eösle willkommen. Tikchier- Nei-ei». Heule Abend sij Uhr. Mclchiorsiraß««5: Aiißerordenl- liche Generalverlammlung MiigliedSbuch legiltmir, xa»d»»>n»»sch»kt der Schiesmig Koiaeiner. Heule Abend SZj Uht; MaSIentes« tn(8. Feuersiein'S Feslsolen. Alte Jakobiir. 75. Vevntiliszkes vour Tttge. — Eine E r k ä r u n g für den diessährigen „milden" Winter Miltelenropa's findet Proscsior Aßmaiin darin, daß Nußland infolge außerordentlich geringer Schneedecke viel wärmer war als gewöhnlich, und daß deshalb die häufig herrschende» südöstlichen und östliche» Winde, auch wen» sie, in bekannter Weise abgelenkt, als Süd- und Südsüdwest-Winde auftraten, verhättniß- mäßig warm und außerordentlich trocken i» Deutschland und Oesterreich angekommen sind.— — Die Berliner B ö ck l i n« A u s st e l l u n g hat eine» Ueberschuß von 26 600 M. ergeben— — Neue Sch n ellzugS-Loko motiven verkehre» probe- weise innerhalb der Eisenbahn-Direktionsbezirke Berlin und Braun- schweig. Sie sind konisch geformt und laufen vorn wie die Schiffe kitlariig spitz z». In der gleiche» Weise sind auch die einzelnen Tbeile der Maschine wie Schornsteine«c. gebaut. Die Maschinen svllcn bei verhältnißmäßig geringem Kohlenverbrauch eine große Schnelligkeit entwickeln.— — Der»»längst erschienene Jahrgang des Statistischen Jahr- bnchs für das höhere Schulwesen weist ivicdernin eine» starken Rückgang der Vorschule n aus. In einer Reihe von Siädte» sind die Vorschulen gegen, väitig so schwach besucht, daß ih« Eingehen baldigst zu erwarten ist. Es haben;. B von schlesischen Städten die Vorschulen in Strehlen 8. in Slriegau 15, in Reichenback i. Schlei. 28 Schüler Die genannte» Vorschulen werden lämmtlich vom Staate»nterhallen.— — Das E i s ist m Deutschland m diesem Jahre so lnapp. daß größere Eisbestellnngen«n Schweden gemacht worden sind— — Das S t u r m w e l t e r dauert, besonders an der Küste- noch immer fort Ans vielen Orlen treffen Nachrichten von Vcr- Wüstungen und Unglücksfällen ein'IInS Hamburg, Danzig. Borkum nnd Antwerpen werden weitere Schiffsunsälle mit großen Verlusten an Menschenleben gemeldet— Ii» I n l a n d e besieht an vielen Orten immer noch H o ch w a j s e r g e s a h r. In Thor» wurde der Hochwasser- Signnlball bereits gezogen Auch aus Dresden und von der Eins wird anhallendes Steigen des Wassers ge- meldet.— y Eine Uhr G o e t h e' s, die eiiien Goldwerth von mehr als 566 Mark besitzen soll,«vnrde diese, Tage in Altona aus einer Auktion, ohn« daß man ihren Werth vorher lnunle, sü« 25 Mark verkauft.— - In Königshütte ist eine Apotheke mit 126 666 Mark Profit weiter verkauft worden Der Beikäuser halte sie erst vor einigen Jahren erworben.— — Nach der„Köln Volksztg"«st in Wanne eine neue Schachlanlage aus der Zeche„Unser Fritz" am Mittwoch e r- s o s s e n.- — Von den 350 Primarschul-Gemeinden des Kantons Zürich halten am l Januar 263 die Unentgelllichkeit der Lehrmittel und Schulmalenalien und 56 die Uueuigelllichkeil der Schillmaterialien«ingesührl. Von den 91 S e l u n d a r s ch u I- Gemeinde» haben 41 die volle Unentgeltlichkeit, 2 die Nnent- gelllichkeil der Lehrnnltel und 16 die Uueuigeltlichkeit der Schreib- »lalerialien.— — Ein holländischer Fabrikant ist auf die Idee verfallen, Papier aus Kartojselkraul herzustelle»— — Die große Stadt Astradad im Trauskaspi- Gebiet ist bis auf de» Grund Niedergebra»nt. Die Beivohuer sind ohne Obdach und Nahrung— — In der nördlichen Hälfte Sibiriens herrscht eine so strenge Kälte, wie sie seit Jahrzehnte» nicht erlebt wurde. In den Gegenden unter dem 50 Breitengrade(Höhe von Frankfurt a. M.) stieg die Kälte in der Mitte Januar auf— 66 Grad Celsius. Da kein Schnee gefallen, iü der Eidboden meterlief, die Flusse bis auf de» Grund gefroren; mau befürchtet, daß der Getreide- anbau in diesem Jahre unmöglich sei» wird.— Auch in Kairo herrscht eine in Egypten bisher nicht bekannte Kälte und starker Schneefall.—_ Wette»-Proguosc für Sonnabend, S.�Fcbrnar 11498. Ein wenig wärmer, veränt-erlich, vorwiegend trübe mit Nieder- schlagen und mäßige» westlichen Winde». Berliner W e t t e r b il r e a u. A usserge wohnliches Angebot nur für heute Sonnabend den 5. Februar 1898. tascMclKr, Stickemen. Reinleinen, feinfädige Qualität gesäumt, Grösse ca. 49 cm Dtz, Stücklänge ca. 4 bis 47- Meter, stiicu 50 Pf. bis 4,80 5 mk. Mk; Warenhaus AWrllicim V. Heute wurde uns ein Tochterchc» geboren. 62/12 Berlin, de» 3. Februar 1SS8. vr. A. Blasciiko und Frau Johanna, geb. Litthauer. Zeittral-Krankeil- lt. Sterbe- kasse der Tislbler 11. s. n>. Ocriliche Verwaltung Berlin II. Montag, den 7. Februar, abends 8>/, Uhr, im Lokale des Herrn Tolls- darf. Görlitzerstr. 58: Mitglieder-Verftmlililg. Tagesordnung: I. Abrechnung vom IV. Quartal 18S7. 2. Wichtige Kassen-Angelegenheiten. 3. Wahl eines Beiiragsnmmlers. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Uin zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Die Ortsverwaltung. 184/4 Zeiltral-Krankell- u. Sterbe- Kaße der Tischler rc. iOertl. Berwaltnug Berlin«.» Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle von der Neuen Jakob- straße nach der Köpnickerstr. 99 bei verlegt ist. 181/3 Die Ortsverwaltung. Leihhaus Rene Roststraste S. Aufbewahrung der Psandstücke 12 Monate Mo? mächen wir unsere Herreu-Parthie hin? Zum alten sossi.» kVeuuil auf Pichelswerder. Allen Freunde« und Bekannten zeige ich hiermit an, daß ich OnncIn«i-s4i'a«»« 2, au» Tchlesischen Thor, em Weitz- nnd Bairisch- Bier- Lokal verbunden mit großem Frühstücks-, Mittags- und Abcndtisch eröffnet habe und bitte um geneigten Zuspruch. 4236«. dobann Jablonsky, früher NiuuMstr. 37. KirnlviMvaK-vi», Kranken, Pappen-, Sport-, Kasten-, Leiter- und Klegcnbockn'a{;en. Kinder-KlappetUhle, Klnder-Holzmöbel. Sämintliche Korbwaaren. * Theilzahlung nach Uebereinkunft. Rpiliinoncfp Vls-ä-vls»»mboläthaln, DI UIUÜCllMI• a. Nordbahnh. Cesundbr. Jede Uhr repariren und reinigen kostet bei mir ilnter Garantie d. 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IlansrelnlKnnx 187b an saubere Familie, aber nur an solche, zum 1. März cr. zu vergeben Zu erfragen Caprivtstr. 26 beim Wirth. Beranlwortticher Redakteur: August Jacobch in Berlin. Für de», Juserateutheil veranlwortkich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlan von Mar Vadiug tu Berlin. Nr. 30. 15. IchrglMg. 2. KÜW kü Jutiuifts" Knlim KIksdlM SoixiadkO, S. Febriiar l8S8. K t f e r a v I Xii\ e Munds ch n u. Sidnct,»iid Bcatrice Wcbb: Tlitovic i»>d Praxis tcv ciiglische» ©uiH-vtiicvehic(Industrial Demociacy). Dcuisch uun G. 1898, Stultivut, Verlag uo» I. H. W, Tictz Nachfolger. Band I. 407 E, TaZ Ehepaar Webb, welches durch die„Geschichte des drilischcn Trade-Il»ionis»»ls" europäischen Nuf geivoime»— eine deutsche Ilebcrsctzuug dieses WerlcS ist ebenfalls im Dictz'schcii Verlage er- schienen— bietet in den» neuen Werke ein nbcrans irerlhvolles Seitenstnck � jener historischen Arbeit.„Tie Beschreibung der äußeren charaklerislischen Kennzeichen des GeivcrkvcrcinsrvcsenS der Vergangenheit und Gegenwart", die in der„Geschichte" gegeben wnrde, soll hier durch eine genaue Darlegung des Baues und der Funktionen der Gerverkvercine sowie durch eine theoretische Aerarbeilnug des durch urkundliche Forschung geivonnencn Gesanunt- inaterials ergänzt werden. Diese zusaininensassende Belenchlniig und Beurtheilung bildet nach der voraugeschicktcn Inhaltsangabe den Haupltheil des ziveiteu, in allernächster Zeit erscheinenden Bandes, der vorliegende ersle Band ist der Beschreibung der vorhandene» Orgauisatiouslypcn und ihrer Bestrebungen gewidmet. Sechs Jahre haben die beiden Forscher an das Werl gesetzt, alte Urkunden, Stntulen, Nnudschreiben, Kassenberichte u.s.»r»,, die irgendwelche Ausbeule versprachen, sind von ihnen herangezogen, kein Gewerbe in dein gesanrniten englischen Königreich blieb un- beachtet. Diese Eaininlung todle» Materials wurde ergänzt und konlrollirt durch invglichst weitgebende nnuiittelbar lebendige An- schauung. Nicht nur, daß die Verfasser das Hilfsmittel persönlicher Befragung in großem Umfange kritisch benutzten; Frau Webb roirrde auch in verschiedenen Stadien der Untersuchung nacheinander Mieth- einnehmerin und Schneiderin und logirte sich in Arbeilerfaniilien ein, während ihr Man» aus seiner thätigen Zugehörigkeit zu Organisationen und ans seiner Verwaltungspraxis glcichsalls sehr bedeutsame Anregungen zog. Aber die gewaltige Fälle des Details, die ein solches über Jahre ausgedehntes Saninrcln und persönliches Beobachten znsämmeii- tragen mußte, ist, und darin liegt vor allem die Vedeulniig dieses be- schreibenden ThcileS, unter große einheitliche Gesichtspunkic gebracht. Ucberall geht das Streben dahin, das Typische, Charakteristische ans der verwirrenden Mannigfaltigkeit der Einzelthatsache» herauszuheben. Das Material ivird nicht als Nohstoff, sondern als sorgsam verarbeitetes, sozrisagcn geistig genußreiches Produkt dem Leser geboten. Die Spur der mühsamen, unendlichen Notizen- sauunlnngen, welche die breite Basis des Werkes gcschasscn, ist in ihm selbst ausgelöscht. Eben wegen dieser ans die allgemeinen Züge planmäßig gelichteten Form ist dieser destrultiue Theil auch für die deutsche» Arbeiter und Gewerkvereinlcr von größtem aktuellen Interesse, wie sehr sich die deutsche von der englische» Arbeiterbewegung im einzelnen»nterscheivet. Eine Fülle neuer Ge- , sichlspnnkte für die Beurtheilung der allgemeinen Probleme des Gewerkschaftslebens ist hier erschlossen. Der„Vorwärts" wird auf den Inhalt des Buches, so bald der zweite abschließende Band er- schiene», ausführlich und im ZusammenhanM eingehe». Ein besonderes Interesse kommt den Kapiteln über die demo- kratische Verfassung der Gewerkverein« z», in denen die Ent- Wickelung ans der primitiv demokratischen Form zu einer modernen. mit Beamten und repräsentativen Einrichtungen arbeitende» Organisation geschildert»ud in ihren inneren Gründen klargelegt ist. dann den eingehenden Darstellungen der Methode kollektiver Vertragsschließnng zwischen Gewerkschastc» und Unternehmergruppeu, de» Anssührnngeu über die verschiedene Stellungnahme der Gewerkschasten zur Frage des Zeit- und Stücklohnes, zum Normalarbeilstage und zur polilisch-parlamentari- schen Bethäliguug. Der ministeriellen Weisheit des Herr» Posa- dowsky, welcher für die Verdächtigung der Geiverkvereine auch die abgenutztesten Waffe»— so der Vorwurf, die Vereine seien Feinde des technischen Forlschrittes— immer noch hochwillkommen sind, ist das Kapitel„Nene lltrbeitsprozesse und neue Maschinen" besonders dringend zur Lektüre zu empfehlen. Die Verfasser iveisen hier ausführlich nach, daß die Gegnerschaft der Gewerkschasten gegen die Einführung neuer Maschinen, die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts»nbeslreit- bar ist, längst einer durchaus veränderten Taktik Platz gemacht hat. Die Streitigkeiten, zu denen technische Veränderungen henlzntage Anlaß gebe», haben ihren Grund nicht in irgend welcher prinzipiellen Opposition gegen arbeitsparende Maschinen, sonder» darin, daß die Ar- bester bei Einführnng veränderter Technik die sehr berechtigte Forderung einer solchen Neviston der Lohntarife ausstellen, durch welche sie vor einer Verfchlechlening ihrer früheren Arbeitsbedingungen verschont bleiben. So verlange» sie z. B. bei einer durch neue Technik be- schlennigten Arbeitsanspannnug einen entsprechend gesteigerten Lohn- satz. Die Produktivkraft menschlicher Arbeit soll nicht direkt ans Kosten der Arbeiter gesteigert werden. Weitergehende Bestrebungen, den Gesammtgewinn aus der gesteigerte» Produktionskrast zur Er- höhung der Arbeitslöhne zu verwenden, die da und dort wenigstens als theoretische Forderungen auftanchte», konnte» sich naturgemäß uister den heutigen Verhältnissen nicht durchsetzen. Sobald die Unter- nchmer auf alle Versuche, technische Veränderungen zur Herab- drückttnz der Arbeiterlage auszunutzen, unter dem Druck der gewerkschaftlichen Taktik verzichteten, wie in den Lau- cashirer Spinnfabrike», waren es die Gewerlschafte» selbst. die auf das nachdrücklichste für konsequente Durchführung technischer Verbesserungen eintraten. Den» bei der einheitlichen Slücklohureute, die in einem Gewerbe herrscht, bedeutet die zurück- gebliebene Maschinerie der schwächere» Fabriken einen Lohnansfall der in diesen angestellte» Arbeiter. So werde» von der vereinigten Banmwollspinner-Gewerkschaft direkt Strafgelder von den Unternehmern verlangt, welche die Einführung neuer Maschinen verabsäumen! Die eine Thatsache spricht ganze Bände. Ein näheres Eingehen auch ans diese Partien des Buches muß der zu- sammenfassenden Besprechnng vorbehalten bleiben. L. Sander, Dr. Paul. Die Lage des Barbier- und Friseurgewerbes aufgrund einer in München v e r a n st a l l e t e n Umfrage. München. I. F. Lehmaiui. Preis 2 Mark. An der Hand statistischer Erhebungen beleuchtet der Verfasser die wirlhschafiliche Lage des gesammten Barbier- und Friseur- gewerbes, sowohl der Unternehmer als der Arbeiter, er weist den rapiden Niedergang des durchaus handwerksmäßigen Gewerbes nach. Sander zeigt, daß bei 38 pCt. der uo» ihm unlersuchten Betriebe die Mit- arbeil der Frau nolhwcndig war, um den Betriebsiuhaber über- Haupt cxistcnzsähig zu erhallen, und daß bei lö pGt. der Betriebe ein„Siebengewerbe" hierzu unerläßlich war. Er beweist ferner, daß die gesetzliche Sonntagsruhe dein Barbier- getverbc keinen Schaden gebracht hat. Tie Lage der Gehilsen ist auch nach den Tarlegnngen des Verfassers überaus traurig. Die Arbeitszeit beträgt ivochcntäglich ILVs bis 14 Stunden, Sonntags 8 Stunden(das So»»lags„rnhe"-Gesetz läßt diese Arbeitszeit zu). Wie die Lohnverhältnisse sind und waren, zeigt der Verfasser unter anderem daran, daß Prinzipale und Gehilfen sich im vergangenen Jahre aus folgende» Tarif einigten. Es erhalle»: Gehilfen unter 19 Jahren 8 M. und halbe Kost, Gehilfen über 19 Jahren 8 M. und halbe Kost, Gehilsen, die für reinen Geldlohn arbeiten, 16 M. Dieser Tarif schließt nach Sander's Berechnung eine Lohnansbesserung sür drei Viertel aller Gehilsen in sich. Die Ursache des Nieder- ganges dieses Gewerbes mißt der Verfasser in erster Linie der Lehrlingszüchlerei und, als deren Folge, der übermäßigen Konkurrenz bei. Er zeigt, daß sich in den Jahren 1882 bis 1895 in ganz Teutschland die Zahl der selbständige» Barbiere»>» 39 pGt. vermehrt hat, während die Vevölkcrungszifscr nur um 14.5 pCt geivachsen ist. Durch das sechste Kapitel betitelt„Nefornibestrebniigeir", verwischt sich der Gesan.inteindrnck seines Buches um elliche?. Der Standpunkt Sander'» läßt sich allein dadurch beurlheilen, daß er schon im Bor- n ort sagt, daß„das»ene Handwerlergesetz die Vorbedingungen zu einer sruchlbriiigende» Nejorinarbest gcschasfeu hat." Ganz im Sinne dieser Aussassung sind auch die llieformvorschläge des Dr. Sauder. Er meint, daß die Gesammtzahl der in ganz Denischland olljährlich eiiigeslelltcu Lehrlinge niäßle ans ein„gesundes Maß" zurückgeführt werde», er beruft sich dabei auf§ 123 Absatz 2 des neuen Handwerkergcsctzes. Daß die Angehörige» eines jeden anderen Geiverbcs genau mir demselben Siecht wie die Barbiere n»d ans den gleichen Ursachen, d. h. wegen Niedergang ihres Bernses, die Beschränkung der Gesammtzahl der Lehrlinge ihres Geiverbcs verlangen können, scheint der Verfasser zu übersehe». Und wen» die Gesetzgebung diesen„resormalorischen" Beslrcbuugc» wirklich Rechnung trüge, was sollte woht ans den über- schüssigen, nicht angenommene» Lehrlinge« iverden? Ob in Ebina noch Bedarf dafür wäre? Wie weit Dr. Sander es nöthig hätte, seine reformatorischen Abstehlen selbst zu resormiren, geht ans nachstehender Forderung bclsrlbcn hervor, die wir sür unsere Leser gewiß nicht zu kommentire» brauchen. Er verlangt: „Zum mindesten müßte die ErlaubnW(!) zur Begründung eines eigenen Barbiergeschäsls an den Nachweis einer clira 18jährige» Thäligkeit als Gehilfe geknüpft werden." Ausnahmefälle für Meistersöhue sieht er schon jetzt vor. Beitreten niüsscn wir dagegen der Meinung des Verfassers, daß das Barbiergewerbe durch die„Preiserhöhung" in seinem Niedergänge nur nnterbroche» wird. Unserer Ansicht»ach ist dem Barbiergewerbe in unserer heutigen Wirlhschnstsordnnng ein goldener Boden nicht zu schaffen. Trotz deS dem kritischen Thcit angehätlglen Kapitels„Reform- bcstrebnngcn" ist dies Buch empfehlenswerth, besonders für diejenigen, die glaube», den Mittelstand retten ztr können. Leider ivird das Buch wegen seines verhälluißmäßig hohe» Preises bei den Arbeitern dieses GeioerbeS nicht den Eingang finde», den wir ihm wünschen.«. Gottstciu, Adolf, Allgemeine Epidemiologie.(H. Kn- rella's Bibliothek sür Sozialwissenschast, 12. Band.) Leipzig, 1897. Georg H. Wigand's Verlag. 8». X und 438 S. Preis 6.58 M. Der Verfasser der vorliegenden Arbeit ist unter seinen Fach- genossen schon bekannt durch mehrere kleinere Arbeiten ans dem Gebiete der Seucheniehre, in welchen er seinen Standpunkt gegen- über den Vertretern der herrschenden Anschannugen mit großem Geschick verficht. In der vorliegenden Arbeil versucht Verfasser einen Abriß der allgemeinen Epidemiologie zu geben, welche die Arugabe hat, „die gesetzmäßigen Verhältnisse festzustellen, welche den einzelne» Seuchen ihren verschiedene» Charakter geben, serncrdicllrsachcn ihrer Enlstebilng und ihres Vcrschwindens und die Erscheinungen bei ihrer Rückwirkung ans eine oder mehrere Generationen der befallenen Geschlechter zu ermitteln." Für die Vcgrisfsbestiminung legt Verfasser dabei das Hauptgewicht auf das Zahlenverhältniß, und bezeichnet demnach als Seuchen solche Krankheile», durch welche„die normale Erkrankungs- und Sterbezahl in der Zeiteinheit gesteigert" wird. Li» die Erörterung des Verfahrens, tvelches in der Seuche»- stalistik üblich ist, soivie einige Bemerkunge» über Abschätzung von Seuchenverluslen schließt sich eine Betrachinng über den Einfluß der Seuchen auf die Rassenhygien« an. Gemäß de» Slnschanungen von A. Plötz nimmt auch Verfasser an, daß Jndividunlhygiene(— Gesundheitspflege des Einzekuen) und Rassenhygien«(— Sorge für die Forlentwicketung der Rasse) in einem gewisse» Gegensätze zu einander stehen, insofern dieJndividnalhygiene auch schwächeren Einzelwesen den Fortbestand des Lebens und die Möglichkeit zur Fortpflanzung gtwährt, und damit zur Entartung der Rasse fähren kann. Theoretische Erwägungen führe» dann den Verfasser zu dem Schlüsse, daß der Einfluß der Seuchen ans die Fortentivickelnng des inenschlichcn Ge- schlechls abhängig ist von der Ausdehnung der Em'psänglichkeit sür die betrefsenden Seuchen und von der Gefährlichkeil der Seuchen selbst. Seuche», welche» eine allgemeine Einpjänglichkeit gegenüber- steht, oder welche eine große Sterblichkeit herbeiführen, dienen nicht der Rassenauslese; Seuche» aber, welche nur schwache Einzel- ivese» befalle», oder infolge ihrer geringen Gesährlichkeil nur solche tödte», wirken im Sinne der Auslese. Die folgenden Ausführnnge» des Verfassers beschüslige» sich mit den Beziehungen zwischen den Seuchen und den dieselben regelmäßig be- gleitenden kleinsten Lebewesen, den sogenannten Mikroorganismen. Die Wissenschaft, die sich mit diesen Mikroorganismen beschäftigt— Baklerienkunde oder Bakteriologie genannt, iveil die ersten bekannten Wesen dieser Art wegen ihrer Form den Namen Bakterie»(griechisch — Stäbchen) erhalle» hatten— hat den Nachweis geführt, daß de» einzelnen Seuchen bestimmte Mikroorganismen eigenthümlich sind, und daß zwischen beiden ein ursächliches Berhältniß besteht. Ueber die 9lrt dieses Verhältnisses herrsche» bis zu einem gewissen Grade Meinnngsverschiedenheilen. Die eine Richtuiig, die kontagionistische genannt(conbagio---- Berührung), steht ans dem Standpunkte, daß zumeist schon die bloße Berührung oder Einwirknug eines be- stimmten Krankheitserregers ans eine» Mensche» genüge, um den betreffenden Mensche» erkranke» zu lassen. Die andere Richtung stellt nicht in Abrede, daß bestimmte Krankheiten nur durch die Wir- knng besonderer, ihnen eigcnthnmlicher Mikroorganismen hervor- gernfe» werde» könne»; die Vertreter dieser Richtung behanpten aber, daß die Einwirkung der Mikroorganismen in der Regel nicht genüge, nur einen bis dahin gesunden Menschen erkranke» zu lassen, daftvielmehrderKörper des betreffenden erst durch vorher oder gleichzeitig einwirkende andere Schädlichkeiten zu einem empfänglichen— dispo- nirten— Boden sür den beireffenden Krankheitserreger gemacht sein müsse. Verfasser erörtert eingehend die hierbei in betracht kommenden Punkte— Disposition(Empfänglichkeit), Jnninlnität(Senchenfestig- keil) u. s. w. Er bekennt sich zu den nicht- konlagionislischen Sln- schanunge», und er setzt die Gründe hierfür des längeren aus- einander. Hierbei kann ihm allerdings der Vorwurf einer gewissen Einseiligkeit nicht erspart iverden, da er wohl anssührlich die That- fachen bringt, welche gegen die rein- konlagionisttsche Ans- fassung sprechen, aber dasjenige, was von kontagionistischer Seile zur Erllärmig angeführt werden kau» und angesührt ivird, nicht wiedergiebl. Ein weiterer Vorwurf, der allerdings nicht nur.diesen Abschnitt des Buches trifft, ist der, daß Verfasser vielfach Anschaunngen, welche vorläufig höchstens Vermulhungen sind, mit einer Sicherheit und Bestimmtheit ausspricht, als ob es sich um fest- stehende Thalsachen handelte. Auch an etwas zu großer Breite, die theiliveise durch Wtederholnngeu bedingt ist, leiden die Ans- siihrunge». Aus den entwickelien Anschauunge» zieht Verfasser dann den Schluß, daß Seuchen dann eulslehe»,„we»» eine oder mehrere Schädlichkeiten die Konstitutionskrast(Konstitution--- Körper- Verfassung) einer größere» Zahl von Jndividne» derart herabsetzen, daß nunmehr ein letzter auf die Gesarnmtheit der Bevölkerung im Sinne der Konstilillionsherabsctznng wirkender Reiz die Höhe einer krankheilserzengenden Ursache erlangt." Die letzten Abschnitte behandeln die Bekämpf»»« der Seuchen. Verfasser muß sich dabei zu dein Zngestäirdiiiß bequeme», daß, „ iv i e die Verhältnisse» n n einmal liegen, in fast allen Fällen, sobald die Seuche herrscht, die Bekämpfung des Kontagimns als die uächnliegeude Maßregel erscheine» muß." Was von„vorbeugenden Maßregeln", im Sinne einer Herabsetzung der Sencheneiupsäuglichkeit, vorgeschlagen wird, ist überaus dürftig, wenn man dabei von den Dingen absieht, die mit zum Rüstzeug der kontagionistischen Schule gehören. Es bat dies vielleicht seinen Grund darin, daß. wie der Verfasser ausdrücklich im Vorwort aussührt, seine Darstellung ausschließlich aus dem Forfchnngskreise des Arztes hervorgegnuge» sei. und der Eigänzung durch die Feststellungen der Gesellschaslslchre bedürfe.' Eine solche„Ergänzung", sür die ausreichendes statistisches Material wohl auch heute schon vorhanden ist, würde sicherlich zu dem Ergebniß sülire», daß in allererster Linie wirth« schaslliche Sloth die Mensche» seucheneinpsänglich mache. Und daraus würde die Schlnsifolgemng zu ziehe» sei», daß sür den über- großen Theil der Menschheit eine Herabsetzung der Seuche»- cnipsänglichkeit nur durch gründliche Besserung der wirthschastlicheu Verhältnisse möglich ist, die ihrerseits wiederum eine Aeiidernug der Gesellschaftsordnung vormissetzl. C. F. Eingclnnfcne Druckschriften. Tic..Kpiialiftikche» Zzioiintotieft«" tRedoNten Bcrtiii d'rv.. Maricustr. IS, Expcd N., Oruimcnftv. 103) liabeu svebcn das i.Heft ihre« IV. Jahr, ranuS erschetnen lassen. Tafselbe enlhäll eine Iriiliche Vcleuchlmig de« ncueste» MI, Mal« auf di« »reihe« dcr Wlsfciischafr tu Preuheu. der hctairnteu I« Slvon«. Ein dgordcres Intet,(sc tütsle ftvncr aeiave jcht eine Studie über Maurice Mälcrirncl-rreacn. Der reichhailiae Inhalt dc« elcaaut anSßesiaitele» Hefte« tft inSaesammt der folgende: Paul«ampfsinchcr: Tie Arbeiterklasse und der prenfiisiiie Landtag.- Dr. H. Lux: Technik und soziale« Lebe».— Dr. Leon Wtntarskr: Tie inathcinaiische Methode in der Soziologie und poltttschcn O, konoinie.— Wiovainit Lerda: Pcsstnrismu« und Dtoici«»!»«.— Michael Boilin: Alexander Herzen.— Dr. Eduard«rdnrann: Die Bedeutung der Priuatdozentcn.— Ria Elaaße»: Reiigiöse iiunlt— Heriiiam, Thurow: Koileklioglische Pfadfinder.— Eiie Mcclu«: Der Hungernde.— Rundschau.— »vtssenschafl.—»rmsi.— Da« Heft enlhSlt auherdei»«in charallerisUscheS Porlräl von Alexander Herzen.— Die„Sozialistischen Monatihestc" kosten pro Ouariai i.eo M i Einzelhefl So Pf. „Der wiiatiftilche Skndrnt" lRedaktio»: Berlin lerv., Martenstrabe l«! Expcdilt on: Berlin dl., Brunnenftr. 188) hat soeben da«>. Heft seine« ziueitcn Jahrgang« ersäjcincn lassen. Tasselbe enthält eine krilischc Darfteilung de« bekannten Borgehen« dc« Zlullnsurtniste,« und der U»iverstlät«behorden gegen da« AuLIegen soztaiistUcher Zciilchrislcn in der studentischen Lesehalle. Ferner bringt e« einen ausführlichen Bericht Uber dte ösfentlich« Studenten-- BersauiMlung, in der August Bcbet über„Alademifer und SaztaltSmu«" ge- lprochen hone. Ter rcichhaliigc Inhalt der Nummer ist lnigefammt der solgendc: A. lLcocgit Dte akademische Lesehalle uutcr Potizeionsstcht.— Fr. Theodor Bilcher: SlaubenSbckennlnih.— Noster.! Unsere öffenrilchen Eludcnten-Beisammlnngen tu Berlin.— EarI Ntitert Heidelberger Brief.— Pcvf E. Bandervelde: Dte gelstige» Arbeiter.— Rundschau! Bon den Hoch- schule».— Frauenftudium.— Unser« Beivcgung.— Pret« dc« Hefics In Pf., pro Quartal«o Pf.— Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postanstalten(Post-Zei»i»g«kalalog Nr. 6800). .Archiv für so»»!« hZekehordnna»»d Statistik". Da« neueste Heft dicfer nunmehr im elften Jahrgang erschctnenden von Dr. Heinrich Braun heran«- gegebenen Zeilschrist cBeriin, Carl Hehmann'« Bering) hat solgendcn Inhalt: Abhandlungen: Nene Forischrine der Achistundenbeivegung tu Snglanv. Bon John Nae ,» London.— Die Bauhandiverrersrage und der Entwurf eine« Reichogesehc« betreffend die Sicherung der Bauforderungen. Bon vr. sur. et xdü. Paul Oerlmann. P, es, stör an der Berliner Untversttäi.— Der todie Punkt der d.ulschcn Arbeiterveistchenrng. Von H. von Frankcnberg, Sladtrath in Braunichiveig.— Scsehgebung: Demsche« Reich. Wortlaut de« Entwurf« ciiic« EeicheS. belrcffcnd die Stchernng der Bauforderungen.— Wortlaut de« EnIwurfS eine« AutsiibrungSgesche« zum Scsehe, detrestcnd die Sicherung der Baulorderungen.— Amerikanische Eesehe zum Schutze der Bauhandwerker und Bauarbeiter.— Ungar»: Eeletzeniwurf über die Regelung der RechtSverbält- Nisse zwischen den Arbettgeber» und den landwtrlblchasllichcn Arbcilcrn. Ein. gcleilct von Dr. E R. I. Krejcst in Budapest.— Wortiaut deS Sesetzcntwurs« übe, die Regelung der RechlSverhättnisse zwischen de» Arbeilgeber» und land. wirthschastlichen Arbettern.— Mi«zelten: Dte Erhebung über Frauen und Krnderarvett In den Vereinigten Staaten. Bvn Pros Dr. Heinrich Rauch- bera tn Prag.— Literatur: Plötz, Dr. Alfred, Die Tüchttgkeil unserer Rasse und der Schutz der Schwachen. Besprochen von Dr. Ernst Schulhe in Berlin.— KnezinSktz, Dr. R., Der Zug nach der Stadt Besprochen von Dr I.(Sotdstetn tn München.— Büchenberg«»', Dr. A, Erundzüge der deutsche» Agrarpolltik unter besonderer Würdigung der kleinen und groben Mitieh. Besprochen von Dr. Michael Hatntsch in Wien. lZesedMllbentökme und Empfehlung. Meiner geehrten Nachbarschaft die ergebene Mittheilung, dass ich das Siiezlal-Crescliäft für Mehl, Butter und Hülsenfrüchte Stelnmetzstrasse 04 übernommen habe und werde bestrebt sein, bei billigsten Preisen reelle Waare zu liefern. Um gütigen Zuspruch bittend, zeichnet hochachtend Anna Sclirepffer. flj.ii.,, 10,— ,12,50,16,50,30,— ,lödt: I züglicken, umsonst beigelegten Schute dte herrlichsten Musikstücke spiele». orto u. Kiste 1 Wt.) 9 Stck. Akker»- Rir 8.- M.. f-»h« ltz-M. M-n bestelle d. 4h«inr. Kühr, Kem-nrate>. W. Siic bot Inhalt der Inserate berniinnit die Ncdattien dein Viblikiini negeniiber keinerlei Bcranttvortung. Tlzrtttrv. Sonnabend, den 4. Februar Opernhans. Zar und Zimmcnuami. Anfang 71/2 Nhrv Schauspielhaus Die Journalisten. Ansmlg 7>/- Uhr. Deutsches. Johannes. Ans. 7-/2 Uhr. Messing. Im lveißen Rvb l. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. In Behandlung. An- fang 71/2 Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang ?V2 Uhr. Renes. Die Schildkröte. Ansang 7'/, Uhr. Ostend. An» Altar. Ansang 8 Uhr. Goethe. Berliner Spezialitäten. Alisa»« 7Vj Uhr. Schiller. Kbrig-Pyritz. Anfang 8 Uhr. Unter de» Linden. MnStenbaN. Thalia. Das neue Ghetto. Anfang 7'/- Uhr. Central. Die Tngcndfalle. Anfang 7-/2 Uhr. Luisen. Trilbg. Anfang 8 Uhr. Friedrich- BsilhelnisladtischeS. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. BrNe.Alliaiiec.LnnipacivagabnndnS. Anfang 3 Uhr. Alexanderplah. Verlorene Mädchen Anfang 8 Uhr. Urania. Taubenftrasie 48— t!>. Nalnrkundl. Änsstellnng v. U> Uhr pormittags ab. Abends 8 Uhr Wijscuschastl. Theater. Jiivalidenstrape I77,/2 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7'/z Uhr. Passage- Panoptiknni. Wiener Tanz- und Operettcn-Gesellschaft. Rcichshallc». Spezialitäten. An- sang 71/2 Uhr._ Schill ev-Gtzottkvv (Wallucr-Thealer). Sonnabend, abends 8 Uhr l/tuseor ttdonnemsnt): Khrits-Pyritz. Sonntag, nachiuittagS 8 Uhr: DeS Meeres nnd der Liebe Welle». — Abends 8 Uhr: Die Kinder der Grzellenz. Mantag, abends 8 Uhr:(su»»or sdonnvmonti: Khrih-Phrih. Lmsen-TSieater 31. Neicheubergerstrasje 34. AbendS 8 Uhr: Tviltnx. Schauspiel in ö Alten n. G. du Manrier, von Richard Mark. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Bolts-Bvrstellnng. Regie Z. 7tirl<. Zinn 1. Male: DasKiinu'Ius« von lleilbronn. AbendS 8 Uhr: Trilby. Trilby.. Anna Miiller-Linckc. Billels ä eo Pf. zu der Sonntag Nachniittag-Voritellniig in den be- kannten Verlanfsstellen Oftettd-Theater. Gr. Franlfiirlerslr. IZL. Dir. C.Wrih Zum legten Male: At nt l t a r. Schauspiel in 4 Akten nach Werners Erzählung. Anfang 8 U h t. Im Tnnnel vor nnd nach der Bor- sicllnng: Frei-Konzert. Anfang 7 Uhr. Sonntag Rachmiitag(halbe Preise): Die Watse ans Lutvood. AbendS 7-/, Uhr: Der Pfarrer von Kirch- selb.— In Vorbereitung: Unter der Pplarsonne. Ausstattungssliick mit Gesang und Tanz von Sondcrmann und Eh. Bischof. Gesangsiexte vo» Jos. Dill. Musik nou IS. Schiller. Die neuen Dekorationen von Falk. M 0 fiiime von Etzel Beel. Kaufmann's Varize am Stadtbahnhof Alexanderplatr. Ein neuer Kombcn- F.rfolfT des«raten Orlglnal- Budsipester Possen- und Oiierotten-Thcater Diroctiou und ßojrilnder Anton und ■wwwi llerrnfeld LMWi Nur noch kurze Zelt! Die von der gosammten Presse als einzig in iln-or Art bozeiclinete Tragikomödie Familie Kochsalz. Vorher das neue Sensation. lliesen- Ppogransiu unter anderem W. Hairer, der grösste Komponisten- Darsteller der Zeit; Adele Cauerts Wunder-Dressur etc. In Vorbereitung: Von Dreien der Gllicklfctiste. Beichshailen- Theater. Urania Tanbenstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissenschaftliches Theater.— Invalidenstv. Xo. 57— 6Ä. Täglich abends 7 Uhr: — Ausetellungs-Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschläge. Passaye-Panopticum. Im Theatersaal: Die 8 lustigen Wienerinnen. Zum Schluss: Flotte Bursche. Kern. Operette von Suppd. " Castan' Panopticnm. n •■ Friednchstr. 105. Indisch- IiindiiHta- nlsehc Clankl er — und— 8c Iii nngen- Beschwörer. Das BÄREN WEIB. N Central-Theater Alle Jakobsir. 30. Direklion llichnrd 8clinl/,« Uhr. Morgen nnd die folgenden Tage: Die Tnqeudfalle. St? itnrgwir. SÄ. | WP"Das neue vicfeiigvoftcTpß Febraar-l'rngranini: .TucUmoi), Akrobatenirnppe, Ii-», nn, der Rattenkönig, Tiioniari. d.Meister-Jvuglcur. Nemv Soriika, Dähn u. Waide. Ting u.Tang, Frld Frld, Cabaret. iLcöenbe PliatograPHien Um 8V2 Uhr: Novität: Medard Wlukler 11. Wilhelm Fröbel 1 in der unvergleichlichen Operette Mg radtttldeDttlit: Anfang 7'A Uhr.Sonntagö 0 Uhr. Eniree öO Pf. bis 1,50 M. mm Qtisirg»'» mm | Vaudeville-Theater D Grand Hotel Alexanderplat,. Heute wegen PrivatfestUchkeit Smr geschlossen.'WÜ Dafür Gastspiel der 4. Oriz.- Bndapester im Neichshalltil-Theater mit dem Lustspiel D __ an Armband, Dazu das neue gro bärtige Spezialitäten- Programm des Reiche Halle,:-Thealers. Anfang T'A Uhr. Entree 80 Pf. Avis! Morgen, Sonntag und solgende Tage finden diese Vor- stdlimgeii wieder im Banveville« Theater statt. UIvuv»__ -Riesen- Theater. (Cii'cns Penr.) Karlstrasso. Bolonsy Kiralfj-'s Konstantinopel. Grösste Rensation Berlins. Im icn" | Neue humorist. Spezialitäten- Eevue.— Auftreten der The jolly british girls. f. 8 Uhr: Sonntags 2, Vorst. Nachm. 1 Kind frei.■! Mariendorf DieBllg, 8. Ftdruar, abends S'/t Uhr. bei Serth in temelhos (Dorsstrasie): Versammlung lies F�ndeitsnwkilrßunysvslfeins. Tages-Ordnung: Bortrag des Genosien Koster-SchSneberg; DiSkusfion. Sm~ Gaste stets willkommen. Tempelhof. [12/1 V olks- Theater im Wclt-Restnnrant 97. Dresdcner-Straste 97. Neu! Grober Beifall! Neu!. Die heilige Behme. Operetten- Burleske in 2 Akten von Oskar Victor R 0 e d e r.— Ferner: 3 Ge seh visier Montez, Miiiiawr-Sangerinnenu.Tänzeriimen. Im vorderen Saale: Izsroier Langer /Üoie Ebner. Ol« fit tut- Somttags 6 Uhr. mnlHUj). Wochentags 7'/, Uhr. LonosrtdauL T.cir»?.Zgcr.>st>>. Xo. 48 Täglich; Hoffmann's Quartett und Humoristen. Auf.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr. Der Killötslhav-Manil Zum 287. Male: I.ene. s Specialitäten. Apollo-Theater. Frledrlchstr. 218. Dir. J. Glück. Neue Debüts La LofeFuller Kassenoröffnung C1,';, Anf.7Vaülir. Alcazar-Thealer. Drcödencislrabe 52/53 lCilh-Passage). blimcnstrabe 42/43. Rur noch 4 Anssnhrungcn! L'nser Johann. Lustspiel tu lAkt. Die lustigen Heidelberger. Operette in 1 Akt von Suppe. Anstretcn sämiittlichcr Künstler. Dienstag, den 8 Februar cr.: Heneiis. für Margarethe Schlch-Ilol«. Einmaliges Auttreten des Direktor Winkler. Vollständig neues Programm. Entree 30 Ps. Rescrvirt. Platz 50 Pf. Maelir's'riieÄer Dranien-8trna»«e 24. Ipar* Täglich:-MU Theator- u. Snciiinlltllten- Torstellnng. ______ Neu! Schwank. ItfeuJ Der liebe Onkel, ffleu! Posse. Sensationell) MollV! Sensationell! Upnt Die neu. vierte Dlmenalon. Die beste Exccntrlc-Chansonnett« UntitUif Wochentags 8 Uhr.. AUsNNg. Sonniagö 0 Uhr. Preise der Plätze wi" gcwilhnlich. Ol»'««« linsvh (Bahnhof Börse). Sonnabend, den 5. Februar 1898, abends 7'/- Uhr: Barade-Dnla-Brogramm. Austreten der grohartigen Künstler Geschw. Lorch. Austreten der auber- gcwöhnlichen Künstler Rmm l Jamm. Die vorzügliche musikalische Klowns- „Tronpc Percz". bestehend aus 5 Per som». Austreten v. hdine. Maria Dort alö Schnlreiterin. Dir. Dusch m. s. neiicii FreiHcitsdreff. Gr. Retterinnen- Potpourri. Anberdem Austreten astcr KlownS und Angl, sie. Zaragoza, Orig.-Mansge- Schansiürk de? lZircnS Busch. Besonders hervorzuheben: Die weiblichen Fanfarenbläser. Der Sturz von der»0 F»b hohen Briiikc WS Wasser. Der pompöse grstue A!t. Morgen Sonntag: 2 grobe brillante Norstelinngcn. Nachm. 4 Uhr und abendö 7>/. Uhr: Zaragoza. JHemu-Me! Weiche von 1,50 an, Kinderhiit« nnd Mützen in großer Auswahl. 2175b Brita tztz'eith. Rixdors, HvVrcchtstr. 78, pt., am Hermannplatz, 1#000# Harmonikas Leipzigers trasse 77. Hetrta, Sonnaband, prilc. 71/, Uhr; Das grosse erstklassige aus 30 Kunstkräften bestehende Programm, unter Mitwirkung der Orlg. Bndapester 0rpli.-6cs. Jtas Armband! Blscnbach! Georgette! Entree 50 Ff. Im Reichahallen-Tunel: Bockbier-Fest, Doppel• Konzert, humoristisches Roulette, Stangen- klettemjGratis-Präscntvertheilung mit meiner(rlbstetf unhenen. nnrantirt an,«r»rechl>0tza» «erfand in Seuenrad«.» Möns! Töpfer. Achtung! Mittwech, 9/ Februar, abends 51/, tthr, im Guglischen Garten (unterer Saal), A l e x a u d e r st r. 27c: Oeffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgege»d. T.-O.: Fortsetzung der Berathung der Tarifvorlage. Wie wollen wir dieselbe zur Durchführung bringen? Andere gewerkschaftliche Angelegenheiten. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollegen, in der Berfanimlmig zu erscheinen. 193/3 Der Vertrauensmann. Pcreill kt MliDiisteil, Heizer rniii VmiMiivM Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den 8. Vebrnar, naehenittags 5 Uhr. in Oohn's Bestsülen, Benthstrasse 10/20: Vevfatnttrlung."WZ Tages-Ordnung: Fottsetznng der Gencralversaniininng vom 23. Januar. 138/2___ Der Vorstand. Ächtunz! Lithographeil, SteiHötiirfer, LichthruckerMjleiser, Präger nnd Prägcrinncn, Anlegcrinnen, Formstcchcr, Xapetendruckcr und verw. BcrufSgeiiossen Berlins! Zloutag, den 7, Februar, abends 8V2 Uhr: Oeffenkl. Vevka»ntttlttns in den Arminhallen. Kommandantenstr. 39. T a g e S- O r d n n n a: 1. Bortrag des Genossen Faber über:„Jntemationale Bestrebungen der Unternehmer und Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Der zweite internationale Kongreß der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen in Berit und Auffiellung eines Delcgirten. 4. Bericht und Neuwahl der GewcrlschastS- Dclegirten. 5. Verschiedenes. 96/5 ~ Da die Versannnliing eine sehr wichtige ist, ersucht um piinkt- liches und zahlreiches Erscheinen Der lSinbernfer. DrutschrrWklallarbM-Ukrliand. Vcrsvaltiingsstclle Berlin. Montag, den 7. Februar 1898. abends 8 tthr, in der„Tonhalle", Friedrichstrasie II3t Ordentliche General-Nersammlung. Tages-Ordnung: I. Bericht der OrtSvcrwaltiing. 2. Kasten bericht und Bericht der Revi- foren. 3. Neuwahl der geiammten OrtSverwaltiing. 4. Bestätigung der vor- geschlagenen Beisitzer. 5. Bericht der Konimisston zur Regelung der Agitation für die Provinzen Brandenburg utid Pommern. 6. An die Verwaltung gelangte Anträge. 110/11 SM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-WG Achtung! Kollegen! Um allen Mitgliedern Gelegenheit zur Betheiligimg''an der Generalversanimlniig zu geben, bedarf e§ cines großen Lolals; cln anderes als die„Tonhalle" stand uns nicht zur Verfügung. Die Fahrgelegenheit ist nach allen Richtungen günstig; es ist jedem daS Erscheinen möglich. Um es zu verhindern, daß die letzten Punkte der Tagesordimiig unserer Geiicralvcrsaiiimlmig vor leerem Hause verhandelt werden, sowie die Ge- lcgenhcit zu geben, unsere Berhandlniigen rechtzeitig zu beendigen, haben wir den Beginn der Berhandlniigen ans 8 Uhr festgesetzt; wenn alle Kollegen pünktlich erscheinen, kann zur festgesetzten Zeit begonnen werde«. Wir bitten, dies ganz besonders zu beachten. ES ist an der Zeit, mit dem alten Schlendrian zu brechen, um jedem die Mög- lichkeit zu bieten, rechtzeitig den Heimweg antreten zu können. Bei der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Die Bibliothek de? Verbandes befindet sich int-Resianrnnt Mörschel, Jlidenstr. 35. Dieselbe ist geöffnet jede» Abend von 7i/z bis 9 Uhr. Sonn- togS geschlossen.— DM- Wegen der slattfindenden Geueralversammlung bleibt die Bibliothek am Moutng Abend geschlossen. Die Qrtsverwaltnng. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 7. d. Mts., abends 8V2 Uhr in Rixdors, Hermannstratzc 197: DM" Versammlung, ib® Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Stramin über„Rusfische Denkwürdigkeiten". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden gebeten, pünktlich z» erscheinen, besonders die aus der Werkstatt von Betkmann, JSgerflr. 17, sind hiermit eingeladen.— Der Maskenball findet am 19. März in Keller's Fcsisälen, Koppcnfir. 39. statt. 14b/S____ Der Vorstand. Verband der in Buchbindereien, der Piipier- und Leder-Galaliteriewaarell-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlnnds. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 7. Februar 1898, abends 8>/, Nhr, In Fcnrrstcin's 23/0 Fefisälen, Alte Jakobsir. 75 Mitglieder- Versamnilling Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Otto Grund niann(prakt. Natuihellkimdiger) über:„Die Grnährnng, Magen- n. Darnikrankheiten"(Projektians- Vortrag mit Lichtbildern). 2. VcrbnndSangelegeiiheiten nnd Verschiedeues. NM- Um Störungen während de» Bortrages zu vermeiden, werden die Mitglieder gebeten, pünktlich und vollzählig zu crichciiicn. Der Bcvoll, nächtigte. Die Inhaber von Saiiinicl- Listen für die englischen Maschinenbauer werden hieruiii nochmals aufgefordert, dieselben schlenntgst abzurechnen. Ächtung! gMT Ächfun«: Mlltdtt her Allgemtim Lrts-Krilllktilkgsse gewtrblichtr Arbeiter unb Arbeiteriilne» zn Berlin. Iwei qrosZe Mitglieder-Bersammlunqen am Sonntag, den 6. Februar 1898, vormittags 10 Uhr. in Renz' Bnll-Saloii, Nannynstrafie 27, und am Mittwoch, den O. Februar 1808, abends 8 Uhr, im Fngllschen Oarten, Alexandcrstrasse 07c. Tages-Ordnung: I. Abrechnung der Dreizehner-Komniisston. 2. Unsere in der I. und 2. Ab- theiliing bevorstehenden Delcgirten-Nachwahlen. 3. Ergänziiug der Drei- zchner-Komniission. 4. Verschiedenes. 265/6 Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, tu der Bersammlnilg zu erscheinen. Speziell die der 1. und 2. Abtheilnng angehörenden Mitglieder sind dringend dazu eingeladen. Dl« Drelzehner-Kommisslon. I. Ä.: E. Skerl, Nferstr. 14d. W. Moack's Theater B r n n n e n• 8 t r na s c 10. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Thedter-Borstellnug. Ihre Familie. Bolktstiick mit Gesang in 3 Akten von Stinde und Engels. Musik von Michaelis. Nach der Vorstellung: T anzter Unzchen. Schulz' Festsäle Reue hönigstr. 7, am tflöuigsthor In den neu rcnoviiteii Sälen:' Jeden Soniiabeiid und Sonntag: _ Großer Boll.=r Berciiisziuiiner. Saal für Vcrsamm- u, liingeii szimii frei. Künstliche Zähne. F. Stessen«. Roseiithctterstr.«I. 2 Tr. *] Theilzahlinig pr. Woche 1 M. Zo�iÄläeMOkrlllispIier Wulllverein f. d. 2. Berliner Reichstags-Walilkreis. Todes-Au, zeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dab unser Mitglied, der bewährte Partei- genofle, Steinschleifer August Wenning, am 1. Februar nach langem Kranken- lager verstorben ist. Die Bcerdiguiig findet am Sonntag, den 6. Februar, nachm. 3 Uhr, vom Krankeuhansc Am Urban aus nach dem Neuen Jerusalem. Kirchhof, Herrmann- straße, statt. Um rege Belhcilig. ersucht 238/4j Der Vorstand. Todes-Auzeigc. Den Genossen des 3. Reichstags- Wahlkreises zur Nachricht, daß der Gcnoffe, Tilchler Adolf Wesenbnrg am 3. Februar im Alier von 25 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Februar, nachm. 3 Uhr, vom Krankenhaus Am Urban ans statt. Um zahlreiche Betheiligimg ersucht Die Vertrauenspci-son. Näheres Sonntags-Jnserat. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 3. Februar, vcr- schied nach kurzem Leiden unser Kollege, der Tischler L02b Adolf Wefenbiirg im Alter von 25 Jahren. Die Be- erdignng findet Sonntag, nachmittags 3 Nhr, vom Krankenhaus Am Urban aus statt. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Hoiiegen der Kraft'achen Werkstatt. ToVes�Klnzoigo. Allen lieben Freunden 11. Bckaniitcii die traurige Nachricht, daß ineine liebe Frau und gute Mutter Bertha Tortschack geb. Nenmann. nach kurzem, aber schwerem Leiden am 2. ds. Mts. sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonittag, den 6. Febr., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle d. freireligiösen Gemeiiide, Pappel-Allee, aus statt. 198b Tie trauernden Hinterbliebene». Aiicii Freunden und Kollegen die Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Tischler 193b Fmii Neumann, nach langem Leiden am 2. Februar saust entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den ff. Febr., nachm. S1/« Uhr, vom Krankenhaus Moabit ans nach dein freireligiösen Friedhof, Pappel-Allee, statt. Um stilles Beileid bittet Frau Neninanu nebst Kindern. Textilarbeiter- Yerband. Fittale I, Berlin. Am 3. Februar cr. verstarb an dtt Proletarierkrankheit das Mitglied jiliWZt Schuster. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 0. Febr., mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des St. Markns-KirchhofS in Wilhelmsberg an? statt.— Treff- Punkt UVi Uhr b. Weinberg, Andreaö- strabe 34. Um zahlr. Bcthetlig. ersucht 197/3 Ter Borstand. Unserem wertheu BerbandSkollegen imd Pelzbruder »ermann 8lreiov. Charlottcnbnrg. zum heutigen Wiegenfeste«in dreimal donnerndes Hoch! Bon Auch-Pclzer. Hermann, schone Deinen Klingelziig! P. P. F. T. E. P. P. 8. A. Seh. M. B. E. Sch. 1906 Fast nnfllaub-l _ � lieh! Das schönste Hansiiistrn- mcut. eine hochfeine Accord- Zither mit 9 Mannaleu, Sä Saiten. Stiniiiivorrichtnng, !ZSJ cm grob, ff. polirt, Pracht- voll herrlicher Don. in einer Stunde erlernbar, die sonst überall IS n»d 15 Markkostct, liefere ich für SV. Schulz, Gastwirth. M nur«.7,80� nebst Schule mit ueueiten Stücken, Rotcnpnlt.Schliissel, Ring, Gtnt nnd Berpattung. Porto 80 Pf. Lieder»nd Tanz-Rlbumö in euoriner Auswahl zu M. 1,—, 1,50 und 2,—. Jeder Käufer wird staunen und laste sich niemand diese Gelegenheit ciitgchen. Berkand pr. Nachnahme ohne Rifiko? nicht eonv. Betrag sofort zurück. E r 0 st e s Mnfikw.- Musterbuch wird umsonst beigefügt. Rhein. Mnstihans V. Schmitz. Höhscheid-Soiinge» 53. ..... es ist eigentlich wirk- lich nngtaiiblich, so ettvas für Viesen Preis liefeni zu! können. C. Schulz, Guts- 1 besitzer, Lotochin. Habe mich sehr gewundert, wie es möglich ist, diese Zither für M. 7,50 zu liefern: hier koste» sie überall 15 M. A. Morgenstern,'Dresden- A. Die Akkordziffer Ist gut ange- kommen und findet meine», vollen Beifall. Urler, Obor- landesgerichts- Rath, Ma- J rienwerder. 42651!* i Die Echtheit der Oriainale It-.i schemigt die Spped. d. Bl Das allgemeine Urtheil ist Großartig und stanurud biNig. Bemulivortlicher Nedalttur: August Jacoben in Berliu. Für de» Jnseratentheil veraiidvorllich: Th. Glocke in BerUu. Druck und Aevlag von Max Bading in Berlin. t