Kr. 31 Abomrmknts- Dedwgungen: «bonnemenlZ-Preis pränumerando: «I-rt-Ijährl. S,Z0 Ml., monatl. 1,10 SM,. wöchentlich 28 Pfg. frei tnS Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3L0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für lös» unter Hr. 7576. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. 13. Jahrg. Die Instriions-Gebülfr beträgt für die fechsgefpaltene»olonel- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für Vereins- und verfammlungS-Auzetgen, sowie ArbettSmartt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» l Uhr nachmittag« in der Erpeditio» abgegeben werden. Tie Erpedttion ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag» geöffnet. Ersrheint laglich auftec Sionkag«. Devlinev Volksbl�kt. Fernsprecher: Nmk I, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „»»»taldemokrak Verlin". Dentrawrgan der fozialdemokratisthen Partei Deutschlands. •JtediilUicm: SW. 19, ZZeuly-Straße S. ßFpedltion: 8V. 19. ZZeuty-Str.che 3: Wtifpoxmh und DÄNtpfevfubnenkion Vielleicht hat sich der bürgerliche Staat auf wirthschafts politischem Gebiet niemals mit der bloß passiven Nachtwächter rolle begnügt, die Lassalle ihm so gern höhnend vorwarf. Jedenfalls war sein Machtgcbrauch, die Anwendung der »kouzentrirten uiid orgaliisirtcn Gewalt der Gesellschaft" un mittelbar zu ökonomischen Zwecken, zeitweilig einer der wuchtigsten Hebel der kapitalistischen Höherentwickelung. Im Sturm und Drang der ersten überseeischeil Eroberungen und Koloilialunternehmungen erscheint gerade der Staat oft als der tollsteAbentcurer. Sein Schwert wüthet gegen die hilflosen Eingeborenen wie gegen die rivalisirenden Handelsmächte. Seine Einsuhrzölle und Ausfuhrprämien, seine Stlbveutionen an Industrie und Schifffahrt, seine Handelsmonopole fördern treibhausmäßig die Plnsmachcrei imd Kapitalsanhänfnng. Man hält diese Periode des Kapitalismus geivöhnlich für abgeschlossen. Tie große wissenschaftliche Wiedcrspiegclung dieses cndgiltigen Abschlusses sieht man alsdann in dem klassischen Werke von Adam Smith. Aber seit langem schon sind die Wellen dieses Systems der staatlichen Passivität in Welthandclsfrageit im raschen Zilrückflllthen. Die„aktive Weltpolitik hat erst im Stillen und Verborgenen den Handels- politischen Maßnahmen aller Knlturstaaten mehr und mehr ihr Gepräge aufgedrückt. Allmälig ist sie m der öffentlichen Meinung überall zu bewußter, offener Anerkennung gelangt. Heute predigen ihre Jünger bereits auf allen Gassen das geharnischte Evangelium von dem neuen Kampf um den Weltmarkt, von der neuen großen Mission der Staatsgewall in dem kräfteverzehrenden Ringen um das ivirthschafiliche Uebergewicht der cinzelnen Völker. Unsere Alldeutschen seiern hier soeben ivieder Orgien, die hinter dem Ausbruch der Kolonialbegcisterung in den Jahren 1884/8S nicht zurückstehen, ihn vielleicht übertreffen. Darüber könnte man noch niit eineni Achselzucken Hinwege zugehen geneigt sein. Was jedoch solchen Bestrebungen auch bei uns zu Hilfe kommt, ivas ihnen von Tag zu Tag eine ernstere Bedeutung giebt, das ist die Thatsache, daß alle Handelsstaaten heute im Banne ähnlicher Anschauungen stehen und daß vor allem E n g l a il d in seiner politischen Praxis längst alle Nachtwächteridccn der alten englischen Theorie entschlossen über Bord geivorfen hat. Eine nnnnterbrochcue Kette von Kolonialkriegen zieht sich durch seine letztjährige Geschichte. Es sollte wie ein ver blüffender, unglaublicher Theatercoup wirken, wenn die Tage des Regicrnngs-Jnbiläums der Königin auch wieder einmal Tage eines allgemeinen britischen Gottcsfriedens gewesen wären; selbst dieser Eonp gelang, trotz heißer Bemühungen und um- fassender Vorbereitungen, herzlich schlecht. Englische Expedi- tionen sind fast ununterbrochen inBewegnng,dieGrenzenJndiens und Birmaszuerweitern. Britische Heereshaufen übcrfluthcn den Sudan. Die Truppen der Kapkolonie und der königlichen Gesell schaft des Herrn Rhodes— desNapoleons von Südafrika, wie ihn die Engländer zn nennen belieben— haben selten ihr Vor- rücken nach Norden unterbrochen und, nach europäischem Maß- stabe gemessen, ungeheuere Ländereien unterworfen. Versagen im Westen und Osten Asrika's die weißen und farbigen Lands- knechte der Royal Companies, so war die Regierung in London stets sofort bereit, mit dem System der privilegirten Kolonial gesellschasten zn brechen und selber die Kriegführung zu über- nehme». Kein Reich baut und garautirt so viele Eisenbahne», an deren Anlage das private Kapital sich noch nicht heran wagt, weil die durchquerten Gebiete noch keinen Verkehr- Haben, sondern erst eineni engeren Handel erschlossen werden solle». Konservative und liberale, liberale und konservative Regiernngen sind einander gefolgt, aber hierin haben sie sich vollständig geglichen, obwohl das englische Privatkapital, seit Jahrzehnten in allen Welttheilen zu Hause und mit allen Besonderheiten der ver- schiedenen Völker« und Wirthschaftsstufen vertraut, in ganz anderer Weise für koloniale Zwecke zu gewinneil ist. Seit dem Regierungsjubilänm steht die raschere staatliche Förderung der Kabelleitungen zwischen dem Mnlterlande und den Kolonien niehr wie je im Vordergrunde, nicht nur in England, sondern ebenso in Kanada und Australien. Silbventionirte Dampfer laufen längst schon und in immer znnehniender Zahl zwischen allen wichtigen Pnnklen des britischen Weltreiches ans und Mit der Ausbreitung dieses ungeheueren Reiches ist die Subvention der in kurzen Zwischenräumen regelmäßig verkehrenden Schiffslinien gewachsen, der rasche und sichere, vom Ausland möglichst unabhängige Postverkehr, eine schnellere Personen- und Fracht- beförderung mit zu de» Grundlagen gehören, an dellen, wie von festen Stützpunkten ans, das regere Handelslebeu sich emporrankt, bis es schließlich die Kraft hat, sich aus sich selbst zn erhallen. 1837 zahlte England die erste Subvention an die Lenillsulsr Ltesm Navigation Company aus für eine regel- mäßige vierioöchentliche Fahrt zwischen England und Gibraltar. 1640 wurde die Subvention erhöht, dafür beförderte die Ge- sellschaft die Post bis nach Aegypie». 1843 errichtete sie gegen weitere 2,3 Millionen Mark Zuschuß eine Postdampser- Linie zwischen Suez und Indien. Daran reihte sich bald eine neue Silbvention von ziemlich einer Million und eine Ailsdehnung der Fahrten nach » m u n g der öffentlichen Meinung in Oesterreich und in Ungarn, noch die Ermächtigung der beiden Parlamente jemals erlangen könnte. Man hat bierzulande kein Verständniß für eine Politik, tvelche sich de» Gesetzen der Logik entzieht, und trotz aller lebhasten Sympathie und Anerkennung, tvelche man bei uns in allen Parteilagern für den Minister des Auswärtigen hegt, würde es diesem nicht ge- lingen, eine Praxis plausibel zn uinche», welche, selbst abgesehen von den sehr bedenklichen Folgen, de» Fehler hat, daß sie alle Mühen und Erfolge der letzten zwei Jahre»ä absunluin führt." Der Uiitnuth der ettgsischcn Presse gegen das Kabinet Salisbury wegen der Mißerfolge in Ostasien dürste durch die folgende Nachricht aus Shanghai kaitm erheblich vermindert »Verden: „Das Tsnng-li-yamen hat gemäß dem Ersuchen Sir Robert Hart's Robert B r e d o n zun, Vize-Generalinfpektor der Zölle ernannt mit dem Vorbehalt, daß demselben die höchste Amtsgewalt nicht zu übertragen ist. Bredou war 1373 zum Komnüffar ernannt worden." Auch der Beruhigungsversuch, den der ChefsckrctSr des Irischen Amtes, Gerald B a l f o u r, in einer Rede vor seinen Wählern in Leeds unternommen hat, tvird kaum viel helfen. Bnlfour wandte sich gegen die Behauptung, daß die Regierung bei den Unterhandlungen mit China Schwäche gezeigt hätte. Es sei nicht wahr, daß die Regierung selbst in den geringsten Details ihre bereits dar gelegte Politik im äußersten Osten aufgegeben oder in bczug auf ihre gerechtfertigten Ansprüche infolge eines auswärtigen Druckes nachgegeben hätte. Die Regierung halte au den bereits von mehreren Kabinetsmitglicdern abgegebenen Erklärungen fest. Balfour wiederholte sodann die Versichcrnng, daß die Interessen Englands in China sich ans den Handel und nicht auf Land- gebiet erstrecken; England wünsche kein Gebiet in China mit Ausnahme der nöthigen strategischen Punkte; es wünsche nicht die Last eines neuen Indiens zn trage». So lange die Re- gicrnng die Gleichheit in den Handelsaiigelegcnheitcn zu wahren wisse, werde sie das Vertrauen des Landes verdienen. Schließ- lich beklagte Balfour das Bestreben, die Politik der Regierung nach unrichtigen Angaben zu beurtheilen. Die Verhandlungen seien s o h e i k l e r N a t u r, daß nian nicht einnial den un- begründeten Gerüchten widersprechen könne, aus Furcht, einen falschen Eindruck hervorzurufen.— Frankreich n»d England in Nfrika. Kürzlich wurde berichtet, daß England den Negus Menelik durch das Ver- sprechen, ihm Thcile der Somaliküfte abzutreten, znr Neu- tralität und Freundschaft gegenüber seinen Absichten ans das obere NUgebict bestimmt habe. Im Widerspruch hiermit stehen die Acnßerungen, die Prinz Henri von Orleans, der bekannte Forschungs- Reisende, aus Anlaß seiner bevorstehenden Reise nach Abcssynien auf einem Bankett von Vertretern Pariser Kolonial Kreise jetzt gemacht hat. Derselbe erinnerte daran, daß Menelik ihn und seine Freunde mit der Organisation einer sehr großen Aequatorial-Provinz betraut habe, welche gleichsam seine Militärgrcnze und seinen(Menelik's) eigenen Pufferstaat bilden werde. Der Prinz sagte dann weiter: „Wir werden beständig unsere Angen auf das Thal des oberen Nil gerichtet halten, ivelches bedroht ist, in den britischen Schraub st ock eingepreßt zn werden, jedoch bald dank den kühnen Expeditionen unserer Forscher und dem guten Willen Menelik's französische Fahnen an seinen Ufern wehen sehen wird." Der Prinz sprach ferner im allgemeinen von dem Kolonialwerk Frank- rcichs und deutete aus das Bündniß mit Rußland hin, welches bereits auch deutliche Erfolge auf dem Boden Afrika's verheiße. Wenn diese Aeußernngen des Prinzen Henri keine Ueber- treibungen enthalten, so zeigen sie den Ernst der französischen Absichten, den Engländern die wichtige Verbindungslinie von Egypten nach Uganda abzuschneiden und damit zugleich eine Verbindung zwischen den sranzösischen Besitzungen in Ostafrika mit ihrem großen westafrikanischen Gebiete herzustellen.— 9** Deutsches Reich. — Das R e i ch s- M a r i n e- A in t hat der Denkschrift über die.See-Jnteresse» des Deutschen Reichs" nunmehr«ine Fortsetzung folgen lassen in Gestalt einer Denkschrift über„Die Ausgaben für Flotte» n d Land Heer, ihre Stellung im Haushalt der w i ch t i g st e n Großstaate n". Die 240 Seiten uinfassende Denkschrift erörtert in drei Hanptabschnitleu I. die Ent- Wickelung der Ausgaben sür Landesvertheidigung und Schuld in den Großstaaten, zerfallend 1. in die Ausgaben sür die Marine, 2. die Marine-Ausgabe» im Vergleich zu den drei Hanptobjekten d«S Marine- schutzes,u»d3.denGescnn»ltaiifwa»dfürLandesverth«idigu»gnndSchttld. Abschniit II behandelt die öffentlichen'Ausgaben nach ihrer konkreten Zweckbestiinnmng, und Abschnitt III die Deckung der ökkent. lichen Ausgaben in den Großstaaten. Ein Schlußwort faßt die Resnliate der Erörterungen zusammen, eine große Anzahl von Tabellen und graphischen Darstellungen giebt eine Erläuterung des Textes. Die Denkschrift hat den Zweck, die Bedenken gegen die Erhöhung der Ausgabe» sür die Marine zn zerstrene». Au diese Denkschrift dürste sich eine lebhaste Diskussion in den Zeitungen und im Reichs tag« knüpfe».— — Der Rücktritt d«S Eisenbahn. Minister» soll trotz aller osfiziösen Llbleugnungen»ach Erledigung d«S Eisenbahn. Etats im Landtage bestimmt«rsolge». AIS Nachfolger wird wieder ei»„General", und zwar der frühere Ehes der Eisenbahn- Brigade und jetzt zur Disposition gestellte General der Infanterie v. Golz bezeichnet. Wird Herr v. Miquel auch bei seinem Abgänge durch eine» Zahlmeister ersetzt werden?— — Die kaiserliche Verordnung, betreffend die Ein fuhr lebender Pflanzen und frischen Obstes aus sAmerika vom 5. Februar 1898 laulet: § 1, Zur Verhütung der Einschleppnug der Sa» Jos6-Schildla»S (�spiäiotus xsrnioiosus) ist die Einfuhr lebender Pflanzen und frischer Pflnnzenabfälle ans Amerika, serner der Fässer, Kisten und soiiftigen Gegenstände, welche zur Verpackimg oder Verwahrung der artiger Waaren oder Abfälle gedient haben, bis ans weiteres ver boten. Das Gleiche gilt von Sendungen frischen Obstes»nd srischer Obstabfälle ans Amerika soivte von dem zugehörige» Verpackungs- ukaterlal, sofern bei einer an der Eingangssielle vorgenonimenen Untersuchung das Vorhandensein der Sa» Jos«»Echildlaus a» den Waaren oder dem Veipackiiiigsmaterinl festgestellt wird Auf Waaren und Gegenstände �>er vorbezeichneten Art. welche zu Schiff eingehen imd von dem Schiff« nicht enlsernt werde», findet das Verbot keine Anwendung. ß 2 Der Reichskanzler ist ermächtigt. Ausnahmen von diesem Verbote zu gestaUen und die erforderlich«» Sicherheitsmaßregeln an zuordnen. § 3. Gegenwärtige Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver kündignng in Kraft. In amerikanischen Regiernngskrcisen scheint eine ruhigere Etimmnng Platz zu greisen. Aus Washinglon wird unter dem 4. d. M. telegraphirl: „Im henligcn KabinetSrath« erklärte der KabinetSfekrelSr für Ackerbau, es sei nnzweifelhast und bekannt, daß Obstkrank heilen durch Obst Übertragen und auf gesunde Bäume auf große Entfernungen verpflanzt werden könnten. Das Vor- gehe» Deutschlands dürft« daher angemessen sein »ud Deutschland sei offenbar in seinem iiiechte gewesen. Weder Mac Kinlcy noch irgend einer der Minister seien geneigt, ei» Urlheil in der Sache abzugeben, bevor endgillige Jnsoimalivncn ein- getroffen seien.— — Ueber die Aiistellnngs- und Pensions Verhältnisse und die Relikte»Versorgung der G e i» e i» d e b e a m t e n ist vom preußischen Ministem»» des Innern ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, Über den zunächst die Provinzialbehörden gehört werde» sollen. Der Entwurf, der von der„Franks. Ztg." veröffentlicht wird, enthält als griindlegenden § l folgende Bestininmng: Die Unter beamtet: der Sladtgemeinden lA 8) werden außer im Fall« einer nur vorübergehcndcn Dienst leislung und unbeschadet der Znläisigkeit einer Anstellung ans Probe— ans Lebenszeit angestellt. AusleUnngen a»f Probe dürfen die Dauer von drei Jahren nicht übersteigen. Bestimmungen, ivelche von dem Grundsätze der Anstellung ans Lebenszeit abweichen, können durch Orlsstatiit oder in einzelnen Fällen mit Genehmigung der AusfichtSbehorde festgesetzt werden. Ans die technischen Beamten der städtischen Betriebsverwallnngen findet der Grimdsay der Anstellung ans Lebenszeit nur insoweit Anivcndung, als die Eladlgemeinden dies beschließen. D>« übrigen Paragraphen behandeln die Pension, die Wittwen und WaiscnpciisloiiS-Bereebtigung nach den gellende» Grundsätzen für unmittelbare SlaalSdeaml«». Tie Ucbergangsbestimniuiigeii ordnen an, daß die Beamten, die bisher schon pcnsivnsbercchligl waren, in diesem Verhältnis! bis zum Jahre ISüv nicht benachlheiligt werden.— — Graf Posado wsky kann nun schmunzelnd das Lob des Zentralverbandes deulscher JiidnsUiellee über sei» Nniidschreiben gegen das Koalitionsrcchl der Arbeiter einstreichen. Ter satzuugl gemäß de»§ 8 des Vercinsgesetzes übertrelende Verband der Schlot- daronc erklärt: „.... Zunächst haben sie gezeigt, daß der Einfluß, den die gemeinhin als Vertreter der dentschen Arbeiterschaft im Reichslage angesehenen Agitatoren und deren Freunde und Helfer früher ans maß- gebende Kreise ausübten, stark in Abnahme geiälh. Ter Erlaß legi Zeugniß'von dem Streben der gegeiiwärtigen Regierung ab, bei 'Regelung der A r b e i t e r s r a g e n die Interessen der verschiedenen in unserem W i r t h s ch a f t s l e d e n wirkenden Faktoren gleichmäßig»nd gerecht abzuwägen und das Gesammtinteresse als maßgebend au zuerkennen. Ob ihr dies gelingen wird, ist fraglich. Die Hallnng der Mehrheit des Reichstages zum ß 183 und in anderen ähnlichen Fragen ist ein« unabwendbare Folge des allgemeinen Wahlrechtes, von dem das Schwergewicht bei den Wahlen in die Hände der Massen, der Arbeiter, gelegt wird. Die nalürliche Folge des nllgemeine» Wahlrechlsz kann im allgemeinen Interesse nur ausgeglichen werden durch eine enl sprechende Stärke und Unbeugsamkeit der Regierung. ... Es ist zn hoffen, daß sie(die Stärke der Regierung) gegenwärtig und in Zukunft nicht fehlen wird, und diese Hoffnung danken wir de in Erlaß des Slaatssikrelärsj des Innern und dem mannhaften Auftreten desselben den unglaublichen Provokationen der Sozialdeuio- kraten gegenüber. Zweitens ist es werlhvoll, daß die sozialdemokratischen Führer sich von ihrer blinden Erregung Über den Erlaß habe» ver- leiten lassen, wieder, wie man sagt, ganz ans dem Busch heraus zukommen. In ihren wüsten Reden haben sie gezeigt, daß die Ziele, die nur mit Umsturz unserer Staats- und Gescllschafis- ordming, mit Revolution»nd Blutvergießen zu erreichen fein könne», ihnen noch heute unentwegt vorschwebe» und von ihnen ver- folgt werden. Sie haben gezeigt, daß die Sozialdemokratie weit da- von enlsernt ist, sich in eine zwar weil vorgeschrittene, aber doch in unsere Orduiing passende Oppositionspartei umzugestalten, wie es beschönigend von immer weiteren Kreise» behauptet und gut- gläubig aiigenomineii wird; daß sie vielmehr noch heute die den Staat und die Gesellschaft aufs äußerste gefährdende Umsturzparlei ist und es immerdar bleiben wird...—" — Der, R e i ch s b o t«" hat daS gut« Recht, die Sozial. demokratie aufs schärfste zu bekämpfen. Aber— besonders als Pastore nblatt— sollte er doch die Wahrheitsliebe dabei nicht als völlig überflüssig betrachten. Unter„Politischen Nachrichten" schrieb das Blatt gestern: „Die Sozialdemokratie, welche die christliche Ehe und daS christliche Familienleben verwirst»nd dafür die freie Liebe und staatliche Erziehungshäuser für den Zukunsls- staat erstrebt, könnte sich wieder einmal eine Lehre nehmen an folgenden Mitlheilmigen, welche die„Franks. Zeitung" aus Bern bringt... Es folgen alsdann Schilderungen über scheußliche Mißhandlungen von Pflegekindern in der staatlichen Mädchen- Erziehungsanstalt Kehrsntz bei Bern. Man weiß da wirklich nicht, ob eS ein Ausfluß der Blindheit oder der Ge- InniingSgem«inheit ist, derartige Vorkommnifse mit der Sozial« zeiuokratie in Verbindung zu bringen. obwohl der„Reichsbole" 'elbst in keiner Weife sage» kann, daß irgend«in Sozialdeniokrat mit der Einrichtung jener Anstalt oder mit den vorgekommenen Mißhandlungen etwas zu thun hatte. Wie würde es dem „Reichsboten" gefallen, wenn wir jede Ausschreitung eines Lehrers oder Nattaxs— auch dies kommt ja vor— in einer preußischen Erziehungsanstalt zu einem Angriff ans die politische und religiöse Richtung des„Reichsboien" benutzen wollten? Gerade einem von Fröiinuigkeit so triefenden Organ wie dem„'Reichsboten" steht fürwahr eine derartige Kampfesiveise recht lieblich zu Gesichte!— Zur L e i• 91 1 o n§. Der akademische Senat der Universität Breslau, welcher sich mit dem dem preußische» Landtage vorliegenden Gesetzentwurf, betreffend die DiSziplinarverhältnisse der Privat- dozenten, zu beschäftige» hatte, stimmte einhellig diesem Entwürfe grundsätzlich zu, wünscht aber dringend 1. daß als Disziplinargericht zweiter Instanz der Dtsziplinarsenat des Oberverwaltunasgerichtes bestimmt wird, und 2. daß vor Bcr- hängniig von Ordnungsstrasen durch de» Unterrichlsminister die de- treffende Fakultät gehört werden muß.— Flirchien sich die Breslaner Universitätslehrer vor weiteren Strafprofefforen, wie den Julius Wolf so sehr, daß sie selbst ver Freiheit der Universiläten ein Bein stellen?— — Der Zentralvorst and der nationalliberalen Partei tritt morgen in Berlin zu einer Beralhniig zusammen. ferner ist auf den 20. Februar ei» nationalliberaler Parteitag nach Magdeburg einberufen, zu welchem die nationalliberalen Ver- trauensmänner der Provinz Sachsen, von Braunschweig und Anhalt geladen sind.---» — Ktav tschau. Die„Rllg. Marine- und tzandels-Korrsp." schreibt:„Wie wir höre», stnd seitens der große», in China an» fässigen deutsche» Firmen bereits Verhandlungen mit der Marine- behörde aiigeknüpst, um die 9l n s i e d e l u n g von Filialen jener Firmen in K i a o t s ch a u in die Wege zn leiten. Es wird damit bestätigt, was wir von vornherein betont haben, nämlich daß die Wichtigkeit von Kiaotschau als handelspolitischer Slützpnnkr für europäische Interessen voll»nd ganz von orlsangcsesseneu Kauf- leilten anerkannt wird. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die große» eng- lischen und amerikanischc» Firmen dem Vorgehen der dentschen Kauf- lenle unmittelbar folgen werden, wenn nicht bereits jetzt Schritte hierzu in Kiaolschau felbst gethan stnd, was sich vorläufig»»serer Kennlniß entzieht. Im wesentlichen handelt eS sich für die bctheiligten Firmen darum, am Hasen selbst Bauplätze für Geschäfts- und Lagerhäuser zu erwerben. Die Auffassung in den Kreisen der in China an« lässigen deutschen Kanflente geht dahin, daß die früheren, von Kiaotschau ans vorhanden gewesene» Handelswege nach dem Innern durch die Eröffnung unseres Hafens neu belebt werden und eine rege Ansnahme des Handelsverkehrs mit de», Innern zu erwarten ist. Dieselbe wird zn ungünsteii des Verirags- Hafens Tschisn sich erweise» und auch Tienlsin in Mitleid«!» schuft ziehen, so daß die in beide» Häfen ansässigen GeschäslShänttr unbedingt ihre Filialen in Kiaolschau eröffnen mnssen Da die Häfen von Tschisn»nd Tienlsin vom Dezember bis März der Schisssahrt nnzngänglich sind, so bevenlet die Eröffnung von Kiaolschau für die Belebung des Handelsverkehr» mit den Nordprovinzen einen wefenl- lichen Gewinn." Hau wird abwarten müssen, ob diese kapitalistischen Hoff» innige» sich verwirkliche» werde». Unsere Marine-»nd Kolonial- schwärmer pflegen ja alle diese Dinge gar rosig anzuschauen. — D r. W r e d e. der anS der Festung Weichselmünde bei Ge« legenbeit eines Urlaubs wegen der dortigen gesundheiiswideigen Verhältnisse entivichen u ar, hat sich jetzt wieder gestellt, um den btest seiner Strafzeit zn verbüße».— Kiel, v. Februar.(Eig. Ber.) Wieder einmal ist Kiek der Schauplatz einer jener Rlariiit-Katastrophen geivorde», die sich in den letzlen Jahren mit granenhasler Regelmäßigkeit wiederholen; zivöls blühende Meuschenlebe» sind den Elenienten zum Opfer gefallen. Wie alle Tage mm de auch henle Morgen um 7 Uhr die ans vierzehn Mann bestehende Wachtmannschnft der kaiserl. Werft durch die Werslpinasse über den Hafen gesetzt. Auper der Wachlmannschaft wareii noch drei Werftarbeiter i» dem kleinen Schiffe. Der in de» letzten 3 Tagen herrschende orkanartige Sturm hatte das Wasser in Massen ans dem Hafen getrieben, ivelches nn», nachdem der Sturm in einen stcisen Stoevostinind umgesprungen war, mit Macht wieder in den Hasen zurückströmte und ftelleniveise die Quaimanern überspülte. Der Wellengang hingegen war nur ein vcrhältnißinäßig geringer. Um so unerklärlicher ist es, daß die Pinasse so plötzlich, von der Brücke kaum dreißig Schritts entfernt, kenterte. Fachleute behaupte», daß das Boot bei unruhiger See überfüllt gewesen. Tann müsse auch das Boot beim Passire» des Minenlegers„Rhein" zn kurz gewendet habe», so daß das Boot plötzlich stark auf die Seite zu liege» kam,»nd dann von einem plötzlichen Windstoß zum Kentern gebracht wurde. Da der Unglücksplatz i» unmittelbarer Nähe der Landnngs- brücke und von drei vor Anker liegenden Kriegsschiffen leicht erreicht weiden konnte, so wurden sofort umfangreiche Rettungsversuche angestellt, leider nur mit wenig Erfolg. Vo» den Reltnngsboolen des„Rhein" und„Aegir" konnten nur 5 Mann dem nassen Element entrissen werden. Die anderen 12 Per- sonen fanden ihren Tod t» den Wellen. Ausgeschickte Taucher waren eifrigst bemüht, die Ertrunkenen wieder aufzufinden, doch konnten bis mittags IV« Uhr nur 9 Mann anfgesnnbe» werde». Für die auf die Trauerkunde hin in Massen herbeigeeilte Bevölkerung war es ein trauriger Anblick, wenn von Zeit zu Zeit eine Leiche anfgestscht und von den Kameraden in die bereilstedenden Körbe ge- bettet ivurdc, um nach der Klinik geschafft zu werden. In der Stadt herrscht die größte Aufregung. Ertrunken sind, wie uns eine Privatdepefche meldet, die Matrosen Brodhag, Becker, Gottwald, Lepkoyes, Mattutis, Muths, Schlonske, Wolke»ig. Prös«, Otto, Schurke«nd Werstarbeiter W o I s g r a»i m. Iserlohn, 3. Februar.(Eig. Ber.) Schon seit Jahren haben unsere Genosseii mit dem Bürgermeister unserer Stadt, namens Fritsche, hitzige Kämpfe zn bestehe». Genosse Raue erhob mehrfach Anschnldigiingen gegen denselben. Fritzfche mußte sie aber ruhig einstecken. Jetzt greift der Un- iville auch in die bürgerlichen Kreise hinüber. Der ans dem Alexianer- Prozeß belniinte Heinrich M e I l a g e hat durch eine Flngschrist er- zielt, daß der Antrag des Magistrats, eine neue Gasanstalt zn errichten und diese der Berlin> 9l»halter Akiiengesellschaft zu über- iragen, von den Sladtverordneten abgelehnt wurde, weil dadurch die Stadl sinanziell schirergeschädigtwerdenwiirde. Daniberwohl ärgerlich, überschüttet der Blirgermeister Fritsche i» einem Briese an die ge- »annle Akiiengesellschast Mellage mit Beleidigungen. Metinge geht daraufhin in einem Flugblalt gegen Fritsche vor. in dem er eine Fülle von schivere» Vorwürfen gegen ihn erhebt, wegen deren der Blirgermeister ohne Zweifel mit Klage vorgehe» müßte. Statt dessen wandte er sich blttend an Mellage, ihn doch zu schonen. Neugierig kann man sein, wie sich die Regierniig nun zu diesem Bürgermeister verhalten wird, gegen den so schwere Vonvürse erhoben wurden.— — Chronik der Majestät s b e l e i d i g u n g s- Pr o z esse. Ans Dresden wird unter dein 4. Februar gemeldet: Gegen eine Anzahl hiesiger Buchhändler ist, wie verlautet, eine Anklage wegen Maiestälsbeleidigung erhoben ivorde», wegen Alisstellung de* humoristischen Bildes„Das heulige Europa". In Berlin, wo ei» ähnliches Versahren schwebte, ist eS eingestellt werden.— Oesterreich. Prag, 4. Februar. Die Abgg. Pippich»nd Genossen interpelliren wegen der Anwesenheit deS österreichisch- nngarisckien Bolschasters v. Szögyeny in der Hofloge bei Aufführnng des Schauspiels„Der Burggraf" im Berliner königlichen Echauspielhanse. Die Jnler» pellanien heben verschiedene, das czechische Volk erbeblich beleidigende Stellen des Stückes hervor und fragen, ob diese Beleidigungen werden abgestellt werden.— Briinu, 5. Februar. Gestern Abend inszenirten die Sozial« demokraten vor dem Landhnuse große Denionsiialionen, indem si« „Heraus mit dem allgenieineu Landlags-Wahlrechl!" riesen. Mehrer, Personen wurden verhastet.— Ungarn. Vndnpcst, 4. F«br»nr. Abgeordnetenhaus. Handels- WiNister Taniel bcnnlivortet« die Jnterpellalio» Mctzcl's in der Angelegenheit der Magyarisirungen. Der Minister erklärte, von feite» der Regierung seien keinerlei Erlasse an die Oberbeamten der Stnatsbnhne» i» der Angelegenheit der Magyarifirmigen ergange». Wen» es»ine solche Strömung gebe, bewege sie sich mis sozialer Grnndlage; da in dieser Beziehung kein Mißbrauch obwalte, habe die Regierung keine Beranlassniig, irgend eine Verfügung zu treffen. Das Hans nahm von der Antwort Kenntniß. Tab von feiten der Vorgesehle» der Beamte», wenn mich nicht anstrücklich vom Minister, derartige zart« Wink« ertheilt wurden. wird nicht bestritten.— ffvrtntreich. Paris, 6. Februar. Im Zola> Prozeß werden, wl«„Echo de Paris" berichtet, die Erörterungen darauf beschränkt werden, ob Zola die Mitglieder des Kriegsgerichts dadurch verleumdet hat, daß er sie beschuldigte, wissentlich einen Unschuldigen verurtheilt zu habe». I» bezng hierauf wird Zola volle Freiheit gelassen werben, seine Be- banptunge» zu beweisen, dagegen soll jeder Rehabilitationsversuch Dreyfus' zurückgewiesen werden. „Jnlranstgeant" schreibt: Wir haben schon früher gemeldet, wichlige Tolmnenle von de» Frennden Treysus', welche im Prozeß Eslerhazy nichl vorgelegt worden sind, in dem jetzigen Prozeß zm» Vorschein kommen werden. Wir hören, daß jenes Aktcnmaterial von Anfang bis zu Ende gefälscht ist. Die Freunde Dreysus' hoffen, damit ans die Jury einen gewaltigen Eindruck zu machen. Das„Echo de Paris" versichert, als Ergedniß eines Minister- rathcs werde der Kriegsminister dem Präsidenten Faure ein Dekret »»lerbrcite», durch welches die strafweise Pensionirung des Obersten Picqnnrt vollzogen werde» soll. Der„Anrore" zufolge ist zwischen dem Ministerpräsidenten Meline und dem Kriegsminister General Billot ein Konflikt ausgebrochen, weil der Kriegsiniiiister sich für ei» weiteres gerichtliches Per- fahren gegen den Obersten Picquart, Meline dagegen für Versetzung in den Ruhesland ausgesprochen habe.— Dasselbe Blatt erfährt, Casimir Perier und der ehemalige Minister D u p u y hätten kürzlich den General Mercier ersucht, nach Paris zu kommen, und ihn kategorisch aufgefordert, zu erklären, ob er that- sachlich dem Kriegsgerichte i» dem Prozesse DreyfuS ein geheim ge- haltenes Schriftstück habe vorlegen lassen. Mercier habe dies eingestanden; Casimir Perier und Dupny hätten nun heftige Borwürfe erhoben, worauf General Mercier sein Vorgehen mit der Staalsraison gerechtfertigt habe. Der Ministerpräsident Meline wurde von der Erklärung Mercier's verständigt. Belgien. Brüssel, 4. Februar.(„Magdeb. Zeitung.") Di« Verschiebung der Zuckerkonsereuz ist«ine Folge der zweifelhaften Haltung Frank- reichs, das Begünstigung fordert. Hierüber dauern die Verhand- lungen noch fort, deren günstiger Abschluß als gesichert gilt.— England. — T hörne, der bei der letzten Nachwahl zm» Parlament mit blos ca. IlW Stimmen in der Minderheit blieb, ist, wie wir berichtige» müssen, nichl der Marxist und Sekretär des Londoner Gasarbeiter-Verbandes, sondern ein Gladstoneaner.— Italien. Rom, ö. Februar. Der Schatzminister erklärte gestern, die Regierung habe die bestimmte Absicht, eine» Gesetzentwurs zur Eni- lastnng der kleinen ländlichen Grundstücke einzubringen, welche Eni- lastung durch andere Einnahme» und Ersparnisse koinpensirl würde; sie werde aber damit ivarlen, bis die finanziell« Lage der laufenden Budgetgebahrung sich besser geklärt habe, da es ihre erste Pflicht sei, das Bndgelgleichgewtchl unverletzt zu erhalten. Der Minister erklärt, daß die durch die Herabsetzung der Getreidezölle verursachte Minderung der Einnahmen durch den Mehrertrag von mindestens acht Millionen bei andere» Abgaben aufgewogen wird. Man müsse indessen mit einer Mehrausgabe von S Millionen rechnen, welche durch die Einberufung eines Theiles der Jahresklassc von 1874 verursacht werde. Der Ueberschuß»verde sonnt ans etwa 9*/» Millionen sich ermäßigen. Das Budget-Gleichgewicht sei also reichlich gesichert. Der Minister wendete sich schließlich gegen Giolitti und be- kämpfte dessen Idee einer progressiven Einkommensteuer. Hierauf wurde die Generaldiskussion geschlossen, und das Hans»ahm mit großer Mehrheit eine von der Regierung ge- billigte Tagesordnung Romanin Jacur an, welche besagt, die Kammer sei von der Opp o r t un i tat der zeitweiligen Zulassung einer Herabsetzung der Getreide- und Mehlzölle überzeugt und gehe deshalb zur Beralhung der einzelnen Artikel des Entwurfes über. Gegen diese Tagesordnung hatte nur die äußerste Linke gestimmt. Die D-putirtenkammer setzte heute die Berathnng der Vorlage, betreffend die Herabsetzung der Getreidezölle fort. In naincntlicher Abstimmung wurde ei» von Taroni und anderen Mitgliedern der äußersten Linken eingebrachter Antrag aus Abschafsung der Zölle von Getreide und Mehl mit 2Si gegen 39 Stimmen verworfen.— Bpanie«. — In der Untersuchung betreffs der Folterung d e r A» a r ch i st e n in Moutjnich sind jetzt noch mehrere in Freiheit befindliche Personen durch eine besondere Aerztekommifsion untersucht worden. Hierbei ist das Vorhandensein vernarbter Wunden, welche durch Daunischrauben und andere Folterwerkzeuge hervorgerufen wurden, endgiltig festaestellt. Die Zeitungen verlangen eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen und eine durchgreifende Reform des Gefängnißwesens.— — Die K o st e n des Krieges auf Kuba. Madrid, 4. Februar. Nach den amtlichen Rechnnngsberichten hat der Krieg aus Kuba vom 1. April ISNS bis zum 1. Januar 1893 an baaren Ausgaben 1300 Millionen Franks gekostet, während sich die noch nicht bezahlten Beträge für Lieferungen und Gehälter auf 300 Millionen Franks belaufen. Die Kosten für das Jahr 1898 sind, vorausgesetzt, daß die Operationen in der bisherigen Weise ihren Fortgang nehmen, ans 420 Millionen Franks berechnet, doch reichen die gegenwärtig vorhandenen Banrmitlel der Regierung nur bis zum I. April. Alsdann hofft der Finanzminister von den Körles neue Mittel bewilligt zu erhalten.— Rußland. Petersburg. Zur russischen Eisenbahu-Tarif- Politik meldet die„Int. Corr.": Die Handelskammer von Moskau richtete an den russischen Finanzminister eine Eingabe, welch« auch für daS Ausland von großer Bedeutung ist. Das Verkehrsministerinm hatte für all« Waaren, welche für die Mit- glieder der Konsumvereine der Eisenbahn-Angestellten bestimmt waren, so niedrige Frachtsätze bewilligt, die fast einer unentgeltlichen Be- sördernng gleichkommen. Diese Vergünstignng ist nun, wie sich herausgestellt hat, von vielen Ein- und Ausfuhrgeschäften derart mißbranchl worden, daß ein großer Theil des russischen Außen- Handels auf den russischen Staalsdahnen tsast eine völlig kostenlose Beförderung genießen konnte. Das ist echt russisch.— Bulgarien. Sofia, 3. Februar. Die liebcrgabe einer scharfen Beschwerde- schrifl der bulgarischen Regierung a» die Pforte über die jüngsten Vorgänge in Makedonien wird amtlich bestätigt. In hiesigen Re- gierniigskreiscn glaubt man bei diesem Borgehen auf auswärtige Uiiterstützuug rechne» zu können.— AVslilbetvegnng. Für die Provinz Brandenburg sind von unseren Partei« genossen folgende Kandidaturen in den einzelnen Wahlkreisen fest- gei'etzt: West-Prignitz Hintze< Tangermiinde, Ost-Prignitz Berndt- Berlin. Ruppin- Templin Apelt- Berlin, Preiizlau-Angermünde Thierbach, Berlin, Ober-Barnim Bruns- Berlin, Nieder- Barnim Stadthagen-Berlin, Teltow-BeeSkow Zubeil-Berlin, Ost-Havelland Schroer-Spandau, West-Havelland PeuS-Deffau, Zauch-Belzig Ewald- Berlin, Arnswnlde-Friedeberg Mi llarg- Berlin, Landsberg-Soldin Pätzel-Berli», Frankfurt-Lebus Metzner-Bcrlin, Sternberg Jahn- Berlin, Ziillichau-Krossen Mctzner-Berlin, Sorau-Forst Dr. Lux-Berlin, Kvttbns-Spremberg Antrick-Berlin, Guben-Lübven Wagner-Berltn, Kalan-Lnckau Eichhorn-Dresoen. Für de» Kreis Königsberg(Neumarl) wird in dm nächsten Tagen die Aufstelluna eines Kandidaten erfolgen. Den Nationalliberalc» gehen die Bauernbündler scharf an den Kragen. »> Wahlkreis La» bau- Neustadt, Pfalz, wollen die Bündler die audidatur des nationalliberalen Dr. Bürklin nicht niehr unter- stütze», weil Bürklin für den russische» Handelsvertrag gestimmt bat. Halten die Nationalliberalen au der Kandidatur fest, so soll ihm ei» Baueriibunds-Kaiididat gegenübergestellt werde». Ohne Banernbund stehen die Chance» Bürkliu's schlecht. Auch im Wahlkreis Berg- z a b e r n- G e r»i e r s h e i m hat eS der RetchStagSabgeorduete Ober- landeSaerichisralhs Th. BrüuigS in Landau mit den Bauernbüudlern gründlich verschüttet. Wird BrÜnigS von den Nationalliberalen wieder aufgestellt, soll ihm ebenfalls ein eigener Kandidat entgegen- gestellt werde». In Wismar, Mecklenburg-Schwerin, ist von dem national« liberalen Wahl-Veretn Dr. Büstng-Schwerin aufgestellt. Ein Borschlag zur Güte." Unler dieser Ueberschrift bringt der Stettiuer„Volksbole" einen Artikel, worin ausgeführt wird; „Auf die Reichstags wählen ist die Sozialdemokratie ge- rüstet; sie überraschen uns nicht, selbst wenn sie morgen aus- geschrieben werden würden. Anders steht es aber mit den Wahlen zi»» preußischen Landtag«. Finden diese wie i» früheren Jahren Ende Oktober statt, so hat der nächste sozialdemokratische Parteitag ii» Herbst noch vollans Zeit, dieFrage derArtderBetheiligung nochmals in aller Ruhe zu prüfe». Wie aber, wenn die Regierung uns überrascht und cnich die Landtagswahlcn schön in der erfte» Hälfte dieses JahrcS stallfiiiden läßt? Es ist doch einfach unmöglich, daß die Partei mit so schwere» Meinunpsdifferenzen über die Bedeutung der Beschlüsse des Hamburger Parteitags in die Wahlagitation ein- treten kann.... Wir haben seinerzeit den Vorschlag Bebel'?, die Reichstagsfraklion möge sich mit der Angelegenheit befassen, unter- stützt. Der Vorschlag hat so viel Widerspruch gefunden, daß er bis jetzt unausgesührl geblieben ist. Der Parteitag, so wurde eingewandt. müsse unter allen Umstände» die oberste Instanz bilden. Unter diesen Umständen machen wir den Vorschlag, de» diesjährigen Parteitag zu Ostern stattfinde» zu lassen. Der Parteitag im Herbst könnte daim wegfallen." Dieser Vorschlag ist ebenso gut gemeint, wie sachlich»»durch. fühlbar. Schon �der Umstand, daß mindestens eine der Wahlen— ob Landtag oder Reichstag, bleibe dahingestellt— im Frühjahr stattfinden wird, schließt es ans, daß zu diefer Zeit der Parleltag statt- findet. Schließlich werden die Genossen i» den einzelnen Kieise» »nd Provinzen selbst am beste» zu enlscheideii wisse», was unserer Sache am lueisten frommt. Es wird sich auch in dieser Frage die praktische Erfahrung als die beste Lehimeistcrin erweisen. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Redakteur K a tz e» st e i n von der„M ainzer Volks- z e i t>: n g" wurde vom Schöffengericht daselbst wegen Beleidigung des Buchdruckereibesitzers P e k a r e k in Bingen, dessen Betriebs- Verhältnisse krilisirt worden waren, zu 50 M. Geldstrafe und den üblichen Rebenstrasen vtuirlheüt, weil der Wnhrheilsbeweis nur theilweise geführt ivorden wäre und außerdem formelle Beleidigung vorläge. — I» einem Beleidigungsprozeß, den der Bürgermeister Dr. Hiller in Ronneburg gegen den verantwortlichen Redakteur K a h n t vom A l t e n b u r g e r„W ä h l e r" angestrengt halte, kam es ziim Vergleich. Der Bürgermeister zog den Strafantrag zurück und Redakteur Knhnt verpflichtete sich, 30 Mark i» die Rönne- bnrger Armenkasse zu zahlen und die Kosten deS Versahrens zu tragen. — Der verantwortliche Redakteur Gärtner von der„Frank. Tagespost" ivar seinerzeit von» Schöffengericht in Nürnberg zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt worden wegen einer Beleidigung, die darin gesunden wurde, daß er in der Pcesse Aeiißernnge» wiedergab, die der Parieigenvsse Roßkops in einer Fach- versaminlnng gegen de» Hirsch- Dnnckeriaiier R i ch. B a y l k e in Berlin, lltcdnklenr des Geiverkvereiiisblaltes„Die Eiche", getha» balle. Roßkops selbst ist wegen dieser Aeiißerungcii zu 100 M. Geldstrafe veriirlbeilt worden. Da sich Bahlle in seinem Blaite scharf über ihn ausgelassen hatte, erhob Roßkops Widerklage und Bahlke wurde auch zu 30 M. Geldstrafe verurlheitl. Das gefiel ihm nicht, weshalb er Berufung gegen das Urlheil einlegte. Die Slraskanuner Nürnberg hat dieselbe jetzt lostensällig venvorseu. Ein Vevbnnv deutfchiev Kivbeiks� nnichtv-eife. ist am Freitag in Berlin im Lokale Kloslerstraße 41 von den Ver- tretern einer Anzahl kommunaler Arbeitsnachweise und Verbände begründet ivorden. Unter dem Vorsitz des Magistrats-Affessors Dr. Freund, der den Enlwurf zu de» Satzungen redigirt hatte, wurde über die Faffulig der Satzungen be- ralhen. Sie erhielle» nach eingehender Erörternng, an der sich be- sondere die Herren Professor H i tz e- München-Gladbach, Professor B ö h>» e r t- Diesden(Redaklenr des„Arbeilcrfrennds"), Regie- rnugsralb Dr. Zacher, Dr. Hirschberg, Assessor Cnno, Stadlrath Fleschl-sFranksurt a. M.. Assessor Naumann-Hamburg. Dvinvikar Groll- Münster i. W., Stadlrälhe Mark- Breslau und Li o a ck- Frankfurt a. O., Bnchdruckereibestyer Schwarz-Halle a. S. und andere belhetligen, folgend« Fassung: „Die Arbeilsnachweise DeulschlandS, deren Vertreter i» Berlin versammelt sind, begründen einen Verband deutscher Aibeits- nachweise. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Ziveck des Ver- bandes ist die Förderung der gemeinsamen Interessen der Arbeits- nachweise, insbesondere a) Die Aufstellung einer laufenden Statistik über die Betrieb?- «rgebuiffe der Arbeilsnachweise nach einheitlichen Grundsätzen und die Erörterung verwaltinigslechiiischer Fragen. b) Die Einwirkung auf Errichtung von Arbeitsuachweisen im Deutsche» Reich, sowie die Bildung kleiner Vereiiiiguuge» innerhalb des Verbandes behufs Ausgleich von ArdeilSa» gebot und»Nachfrage. o) Die Vermittelung des Verkehrs mit anderen Verbände»; 6) Die Vertretung der gemeinsamen Interessen»ach Außen; c) Die Veranstaltuug von Konferenzen zur Beralhung und zum Austausch vo» Erfahrungen. Mitglied des Verbandes kann jeder Arbeitsnachweis werde», der nicht gewerbsmäßig betrieben wird, des- sieicheu jede Vereinigung von Arbeitsnachweisen. Die dem ijerband angehörigen Arbeitsnachweise beHallen ihre volle Selbständigkeit und sind insbesondere berechtigt, lokalen. provinziellen oder sonstige» Vereinigungen von Arbeitsnachweisen beliebig beizutrete». Die Aufnahme erfolgt durch den Verbands- vorstand. Gegen die ablehnende Entscheidung deS Vorstandes findet die Berufung an den Ausschuß statt. Der Miiidestbeitrag beträgt Pr das Geschäftsjahr„fünf Mark". Ter Austritt aus dem Ver- bände kann nur schriftlich zum Jahresschluß nach sechsmonatlicher Kündigung erfolge». Der Ausschluß ans dem Verbände kann»ur christlich durch den Verbandsvorstand erfolgen, sobald die VorauS- ■etzimgeu für die Aufnahme später weggefallen sind. Dt« Be- rusung findet an die Verbandsversammlungen statt. Organe des Verbandes sind die BerbandSver- a m m l u n g. der Ausschuß und der B o r st a n d. Die Verbandsversammlung besteht aus den Vertretern der dem Verbände angehörigen Arbeitsnachweis« und-Vereinigungen. Jede Anstalt führt nur eine Stimm«, ist aber zur Entsendung mehrerer Vertreter berechtigt. Verbandsmitglieder, die zu der Versammlung einen Vertreter nicht entsenden, können mit ihrtr Veriretunq et» anderes Mitglied des Verbandes beauftragen. An der Verbands- Versammlung nimmt der Herausgeber des Verbandsorgans (Dr. I a st r o w, Redaklenr des„Arbeitsmarktes") mit berathender Stimme theil. Alljährlich findet eine ordentliche Verbaudsversarnm- lung statt. Außerordentliche Versammlungen können nach Bedarf vom Vorstande einberufen werden. Die Einladung zur Versamm- lung erfolgt schriftlich spätestens drei Wochen vor dem Ver- sammluuaSUrmine. Zeit, Ort und Tagesordnung der Verbands- Versammlung werden vom Ausschuß festgesetzt. Gegenstände, die nicht ans der Tagesordnung stehen. können zur Be- rathung und Beschlußfassnng gestellt werden, falls kein Widerspruch auS der Mitte der Versammlung erfolgt. Bei Be- schlüssen der Versammlung entscheidet die einfache Mebrheit, bei Beschlüssen über Aenderung dieser Satzungen oder Auslösung des V-rbandeS ist eine Mehrheit von drei Vierteln der abgegebenen Stinimen erforderlich. Der Ausschuß besteht au» mindesten» elf Mitgliedern, die von der Verbaiidsversammluiig auf drei Jahre mit einfacher Stimmen- Mehrheit gewählt werden. Dir Vorstand führt die lausende» Gc- schäfte und vertritt den Verband nach außen." In den Vorstand wurden gewählt: Assessor Dr. Freund- Berlin, Professor B ö h m e r t> Dresden, Assessor Naumann- Hain- bürg, die auch dem Ausschuß angehören, der»och aus de» Herren RechtSrath M enzt n g e r-München, Gemeinderath Stock meyer« Stuttgart, Geheimrath FuchS- Karlsruhe, Arnold, Vorsitzender des rheinisch-westfälische» Verbandes, Düsseldorf, Sladtrath F l e s ch- Frankfurt a. M., Doinvikar Groll- Münster i. W.. Stadtrnth Mark- Breslau und v. d. G o l tz- Slraßbnrg i. E. gebildet wurde und dem daS Recht der Kooptation zusteht. Aus den iuteressanten Erörternnaen ist besonders hervorzuheben, daß auch polnischen, französischen und anderen nicht deutschen Arbeitsnachweisen Deutschlands der An- schluß an den Verband offensteht und daß nicht allein nur gemein- nützige Arbeitsnachweise, sondern auch die der Arbeiter und Unternehmer, der Innungen und sonstiger Korpo- r a t i o n e n mit ausgesprochener Jiiteressenveriretnng in den Verband ausgenommen weiden. Man verspricht stch von dem Verkehr und dem Alistausch der Ersahrungen sowie de» gemeinsamen Berathungen mit den verschiedenen Arbeits- nachweisen eine Förderung der allgemeinen Wohlfahrt und ei»« Verminderung der herrschenden Gegensätze. Di« Besürchtungen, daß die Arbeitsnachweise mit sozialdemokratischen Tendeiizeil bei ihrer Aus»ab>»e in den Verband diese»»lajorisireu lönulen, wurden von der Mehrheit der Anwesenden nichl getheilt. Ali alle Arbeitsnachweise soll eine Einladung zum Beitritt ergehen. Sladtrath F l e s ch- Frankfurt a. M. hielt»ach der Konstitnirlnig des Verbandes einen Vortrag über die Bedeutung der Arbeits- Nachweis« i» kleinen Orte» und aus dem Lande. Der llteduer führte ». a. aus, daß solche Arbcitsnachiveise Wohlfahrlseinrichtungen und sozialpolitische Bevbachlungsposten wäre», der«» Werth leider noch nicht gewürdigt würde. Wen» sie auch jetzt für die allgemeineit Verhältnisse noch von keinem großen Nutzen seien, so wären sie es doch für lokale. Zur Vermeidung des Zuzugs Arbeitsloser nach de» Großstädten köuiiten sie viel beitragen t»>d durch zweckeulsprecheiide sOrganisation dem Arbeitermangel ans dem Lande theilweise abhelfen. Die Errichtung und Äusbildung solcher kleiner Arbeiisuachweise sei auch für die größeren Städte von größter Wichtigkeit u»d deshalb die Bildung kleinerer Verbände zu empfehle». Die sozialpolitische Bewegung. vo» der man sage, daß sie zum Stillstand aekonnnen sei, sei sowohl im Reiche als auch in den Kommunen noch der Vertiefung und Ans- deduiiiig sähig, besonders empfehlenswerlh sei der Ausbau der sozial- politische» Ausgaben tu den Kominnneii. Au den Vortrag schloß sich eine Erörterung, tu der Dr. F r e u n d zunächst anssührte, daß die Arbeilsnachiveise in den kleineren Orlen immer niir geringen Erfolg haben iviirden, wenn die Unter- nehmer nichl energisch für die Besserung der Exislenzbedingunge» sorgten. Alle Mühe, dem Arbeitcrmaiigel in den östlichen Pro- viiize» durch die Arbeitsnachweise abzuhelfen, sei bis jetzt an der n n g ü» st i g« n L a g s d e r St r b e> t e r in den einzelne» Gegenden gescheitert. Professor B ö hm ert. Dresden empfahl eine iiniige Verbindung der Landgemeinde» mit den Arbeils- »achiveisen in der Stadt zum Ansgleich der Gegeiisätz« zwischen Stadt und Land, der Industrie nnv Landivirthschaft. Eine«nt- sprechende Organisation der Arbeitsnachiveise ivürde sehr segens- reich wirken. Professor Hitze wies ans die von de» gewerbs- mäßigen Vermittlern entfaltete Thätigkeit in der Heranziehung jüngerer Arbeitskräfte nach den Großstädten hin. Assessor Nau- i» a n n- Hamburg ist der Ailsicht, daß nach seiner Erfahrung es unmöglich sei, dem Arbeitermangel auf dein Lande dadurch abzu- Helsen, daß man dem Uebeifluß an Aibeilskräsien in den Großstädten Arbeit ans dem Laude nachweist. Hierzu seien die Arbeitskräfte nicht geeignet. Die Erfahrung habe gelebrt, daß sich die Städter nicht für die Landarbeit eignen. In Huinburg erhielten die Arbeit- siichcnden durch den Rrbeilsvachweis»»r»och Arbeit, wenn sie zwei Jahre i» Hamburg aiisässig gewesen find. Diese strenge Maß- nähme und die Veröffeiillichniig über das Arbeitsangebot feien wirksame Mittel, um den Zuzug»ach den Großstädten zu be- schränke». Od der Erfolg tvdeß den gehegte» Erwartungen ent- sprechen werde, köinie heule noch nichl beurlheill iverden. Sladtrath F l e s ch bezweifelt dagegen, dag diese Piaßnahine den gewünschten Erfolg habe. Die Arbeitsnachweise seien kein Heilmittel gegen de» Zuzug»ach den Großstädten, sie könnten aber durch eine ziveck- eiusprechende Organisation den Arbeilerniangel auf dem Lande«in- schränken und dadurch dem Zuzug vorbeuge». Gesvvvftfitzttftlittzes. ftciliu n»d Umgebniig. Achtniia, Stolkar beiter l Infolge Maßregelung eineS Mit- gliedes der Werkfta lt-Kommii si»II war am 2. d. AI. in der Schirm- stock-Fabrit von W e n d I, Köpeuickerstr. ög, ei» Streik ausgebrochen, welcher jedoch nach kurzer Zeit deendet war. Da sammlliche Kollegen die Arbeil»iederlegle», wurde die Maßregelung zurückgezogen. D i e AgitationS-Kom Mission der Stockarbeite«. Für die Schneider»nd Näherinne» aller Branchen tagen am Dienstag, de» 8. Februar, abends 8V!« Uhr, zivei öffentliche Versammlungen»nd zwar: im Norden bei Gründet, Brunnen- siraße 138; im Südosten in Renz' Salon(Inhaber Grainnann), Naunynstraße 27. Die Reichstagsabgeordneten Molkenbuhr und Pens referire» über das Thema: Wie hat die Regierung den Kon- fektionsarbeitern gegenüber ihr Versprechen gehalten? Zahlreiche Betheiligung der Kollegen und Kolleginnen ist Pflicht. Di« Fünferkommission. I.A.: I. Timm, Vertrauensmann. Tie Arbeituehmer-Bcifitzrr dcö Berliner GcwcrbcgerichtS beschäftigte» sich in einer am 2. Februar vom Slnsschiiß«inberufenen Konferenz mit einem Vorschlag des von Herrn Dr. Freund ge- leiteten Zentralvereins für ArbeilsnachiveiS, das Kuratorium dieses Vereins, Abtheillnig für ungelernte �Arbeiter, gemeinsam mit den Arbeitgebern zu übernehme». Das Kuratorium soll gleichzeitig auch Sitz und Stimme im Borstand habe». Die Ausschußmitglieder, welche gegen die Uebernahme des Kuratoriums keine Bedenke» trugen, hielten die ziveite Bedingung für so wichtig, daß sie hierüber erst die Meinung der übrigen Arbeiter- Vertreter einhole» zu müssen glaubten. An sich ist der Ausschuß für die Betheiligung. Es stehe dem zwar ei» Beschluß deS letzten Gewerkschaftskongresses entgegen, aber erstens fei derselbe offeusichltich in aller Eile gefaßt ivorden, zweitens handele es sich um ungelcrnia Arbeiter, während jener Beschluß wohl mehr die Nachweise der qnalifizirten SIrbeiter im Auge gehabt habe. Auch käme die Be» deulung dieses ArbeitSnachiveises in betracht; nach der letztjährigen Statistik find in der Ablheiliing für ungelernte Arbeiter 19 000 Stellen besetzt worden..� Auch ivürde derselbe mit städtischen Geldern nnterstützt, was ebenfalls einen Einfluß der Arbeiter nothwendig erscheinen lasse. Im übrige» treibe die S»t> wickklimg selbst zur Zentrulisation des Nachweises, so doß hiefribe durch entgegenstehende Beschlüsse doch nicht aufgehalten werden iöuiie. Vielfach sei ja auch in den Arbcilerkämpsen der letzten Zeil die Forderung nnfgestcllt worden, den Arbeitern eine Mit- ,v i r k n n g bei den von Unternehmen, verwaltete» Arbeitsnachweisen einzurännien. Auf alle Fälle sei es besser, sich an der Sache zu betheiligen, denn nur dadurch sei es möglich, etwaige Mängel zu beseitigen und die Interessen der Arbeiterschaft an diesem Arbeits- Nachweis wahrzunehmen. Die Diskussion war eine sehr eingehende. Von den Gegnern der Betheilignng wurde außer dem Beschluß des Gewerkschaftskongresses geltend gemacht, daß für einige Gewerkschaften der heul gut fnnktio- nirende Arbeitsnachweis die Lebensader derselben bedeute. Die angestrebte und zum theil schon eingeleitete Zentralisation der städtischen Arbeits- nachweise sei nur daraus ziigeschnitlen, den Geiverkschaslen de» Boden zu entziehen. Ohne die Ausnahme der Streikklausel sei ebenfalls eine Botheiligung der Arbeiter nicht denkbar. Auch wurde die Zwitterstellung hervorgehoben, daß die betreffende» Vertreter Vor- stand und zugleich Anssichtsbehörde sein sollen. Dieselben kämen dadurch in die Lage, über Beschwerde,, gegen Beschlüsse entscheiden zu müssen, die nnter ihrer eigenen Mitwirkung gesaßt worden. Die längere Debatte brachte in manchen strittigen Punkten eine Ver- ständigung»nd Einigung zu wege, so daß schließlich der Vorschlag »>it 25 gegen 5 Simmen angenoinme» wurde. Die Wahl der ständige,, Beisitzer und Stellvertreter hat laut Statuten-Entwurf durch den Ausschuß des Gewerberichts, Arbeitgeber und Arbeit- nehmer für sich, zu geschehen. Als Kandidaten wurden in Aussicht genoniine»: K ö r st e n, K o b l e n �e r, L u u d und W e g n e r als ständige Beisitzer, und als Ersatzmänner, die aber auch an den Be- rathungen theilzunehmen haben: Dietrich. Hagen, Millarg und Arndt. Deutsches Reich. Die'Buchdvuckerei-Hilfsarbciter»ud Arbeiterinnen Deutsch- lands habe» zum 30. Mai d. I. nach Berlin einen Kongreß ein- 'berufen. Ans der Tagesordnung steht u. a.: Di« Gründung eines Verbandes der Buchdruckerei-Hilssarbeiter und Arbeiterinnen Deutsch« lands. Referent: Hugo Franke-Berli». Arbeitsnachweis. Reserent: Heinrich Jahns-Berlin. Wie organisiren wir die Buchdrnckerei- Hilssarbeiterinnen? Referenlin: Klara Bien-Berli». AlS Agitatoren bezeichnete die Staßfurter Polizeibehörde zivei Arbeiter den Fabrikanten gegenüber, weil die betreffende» i» ihrer Gewerkschaft eine Berlranensstellung einnahmen. Der eine von diese» Arbeitern mußte seine Stellung>» der Gewerkschaft niederlegen, während der andere die Kündigung von seine», Prinzipal erhielt. Man wird sich dabei der Vorgänge erinnern,! daß, wie seinerzeit i» einem Prozeß festgestellt wurde. der Bürgermeister i» Stabfurt einigen Unternehmer» die Einsicht in die Mitgliederlisten der Vereine gestaltete. Nach de» neueren Vor- koininnisse» scheint diese Praxis bei der Polizei»och i», Schwünge zn sei». Trotz solcher Unterdrückungen der Arbeiter, die garnicht ver- einzelt dastehen, faselt man von einen, Terrorismus der Arbeiter, gegen de» noch weitere Polizeiniaßregcln ersonnen werden sollen. Das ist die Arbeiterfreundlichkeit des henligen Regierungssristeins. Nach eintägige», Streik haben die Former der Metallgnß- waaren-Fabrik von L ö b l e i n u. Kraft in St. Johannis bei Nürnberg die Arbeit wieder aufgononimcn. Sä, nnilllche Forderungen sind von der Firma bewilligt worden. Der Erfolg ist aus die enl- schiedene Haltung der Arbeiter zurückzuführen. Das Verfahren gegen den Bergarbeiter Meyer, der zur Zeit die ihn, i», Essener Menieidsprozeß zuerkannte Strafe i», fZuchthaufe zu Hamm verbüßt, wegen Unterschlagung von 1200 M. ist eingestellt. Unsere Leser werde» sich erinner», daß aus grund eines alten vorgefundenen Schuldscheins, obgleich die Kasse des Bergarbeiter-Verbandes bei Jnhaftirung Meyer's gestimmt hat, die Beschuldigung der Unlerschlagung gegen uilseren unglückliche» Ge- .»ost'e» erhoben wurde. Die gegnerische Presse in Rheinland und Westfalen hat, wie immer in solche» Fälle», es sich angelegen fei» lassen. die schlimmsten Verdächli�nngeu über die Kasseiisührnng i», alten Verband zn erhebe». Und letzt der Hereinfallt Die Verbreitung des neuen polnischen Bcrgarbciterblattcö „ G o r„ i k" wird von einzelne» Behörde» in Schlesien, ins- besondere von, Lipiner Aintsvorfteher, mit alle» möglichen Mittel» verhindert. De», Kolporteur Pluta ans Lipine sind zn wiederholten Male» die Zeitniigen weggenoinine» worden; einmal ivurdeu sie ihm sogar vom Amtsdiener ganz einfach aus der Wohnung fort- genommen. Die Legitimation, die ihm vom Bergarbeiler-Ve, bände ausgestellt worden, ist ihn» abgenommen worden; es wurde ihn, ge- droht, daß er»och schlimmeres zu erwarten habe, wenn er sich noch einmal n,it Zeitniige» sehe» lasse. Jnskcr aus Beuche», der Ver- treter des Verbandes, verlangte die Heransgabe der ohne Grund konfiszirten Zeitungen. Der Amtssekretär Müller in L>pine ver- weigerte sie ihm und fügte hinzu, die beschlagnahmte» Exemplare habe er verbrennen lassen, damit durch sie nicht noch mehr Unheil angerichtet werde.(!) Selbstverständlich wird der Verband den Klageweg beschreiten, -da es sich hier»», eine„»gerechtfertigte Wegnahme seines Eigen- thnins handelt. AnSland. Die österreichische GewerkschaftSkonimission leitet soeben eine große Aktion ei» zn gunsten der Errichtung von Gewerbe- gerichte». Mit den» l. Juli 189« tritt das Gesetz betreffend die Errichtung von Schiedsgerichten zwar in kraft, aber es bleibt dem Jnstizminister überlassen, ob und in welche» Orten er solche ins Leben zu rufen gedenkt; die Arbeiter verlangen das Obligatorini». Die durch das Genossenschaftsgesetz ins Leben gernsenen Ausschüsse zur Schlichtung gewerblicher Streitigkeiten haben sich schlecht bewährt. Die übergroße Mehrzahl der ansgesperrten Maschinen- baner, so schreibt man uns ans London, ist wieder in'Arbeit, die Mehrheit davon in den Fabriken, wo sie vorher beschäftigt waren. Nur in ganz vereinzelten Fällen sind ihnen Schwierigkeiten gemacht worden, und zwei oder drei Fabriken in ent- legenen Distrikte»(eine in Lincolnshire) weigerten sich. Mit- glieder des Maschinenbauer. Vereins einzustellen. Schlimmer als diese Kleinigkeiten ist, daß für eine Anzahl Arbeiter bis auf weiteres überhaupt keine Unterkunft zu finde» ist, denn nur wenige Fabrikanten haben die während des Kampfes eingestellte» Nicht-Gewerkschaftler wieder entlasse», die Mehrheit erklärt sich für verpflichtet, die Arbeiter, die ihnen während des Kampfes bei- geslanden, auch ferner z» beschäftigen. So hat die Leitung der Gewerkschaft»och eine relativ grobe Anzahl Mitglieder des Vereins als„außer Arbeit" zu„nterstützen. wenn sich nicht außerdem an verschiedenen Orlen Konflikte über die Frage erhebe», wer von den Ausständigen größeren Anspruch hat. wieder ans- genommen zu werden. Wenn gewisse Fabrikanten, wie es in einzelnen Blättern hieß,(bestimmte Beispiele wurden nicht genannt) selbstsüchtig genug sind, bei der Einstellung die jüngeren Kräfte vor- zuziehen, so müsse» und können die Arbeiter durch entsprechende Maßnahmen(Organisation der Meldungen-c.) diesem Treiben einen Riegel vorschieben. A» verschiedenen Orlen ist von vornherein dafür gesorgt worden. Und das Publikum würde in diesen, Falle ei»- fliininig aus feiten der Arbeiter stehen. Mnkevnehmev�Vevbiindv. Vom Köhlensyndikat. Die„Rheinisch-Westfälische Ztg." schreibt: In der heutigen Beiralhssitzung des rheinifch-westfälischen Kohlen- Syndikats wurde der Richtpreis und damit auch der Verrechnnngs- preis für Koakskohlen vom 1. Januar ab auf 8 M. pro Tonne festgesetzt. An die Beirathssitzung schloß sich eine Ver- sanimlung der Zechenbesitzer, in welcher zunächst vom Vorstand der geschäftliche Bericht erstattet wurde. Nach dem- selben betrug in, Dezember vor. Jahres die Betheilignng 3 889 478 Tonne», die Förderung 3 810 030 Tonnen, so daß sich eine Ein- schrättknng von 79 418 Tonne»---- 2,04 pCt. ergab. gegen 3,48 in, November 1897 und 3,33 pCt. im Dezember 1896. Abgesetzt wurden insgesamint 3 812 267 Tonnen, versendet nach Abzug des Selbstverbrauchs 2 845 649 Tonnen, wovon 95,27 pCt. für Rechnung des Syndikats gehen. Der durchschnittliche Versand für den Arbeitstag stellt sich auf 13 516 Doppelzentner i», Dezember 1897 gegen 13 486 im November 1897 und 12 880 Doppelzentner in, Dezember 1696. Der durchschnittliche Versand betrug im Jahre 1897 pro Arbeitstag 12 318 Doppelzentner gegen 11862 Doppelzentner im Jahre 1396. Die Steigerung des Absatzes entsällt zu», überwiegenden Theil ans die inländischen Absatzgebiete. Der Vorstand beschloß, in Erfüllung der Syndikats-Aufgaben die Produktion dem Bedarf eng anzuschließen und für Februar und März eine Förderungseinschränkung von 10 pCt. in Vorschlag zu bringen, um einem etwaige» ungünstigen Einfluß der ganzen Lage aus die dauernde Gestaltung des Marktes vorzubeugen. Soztoloss Zn ihrem Bericht iiber die Bergarbeiterdersammlung in Dortmund» den wir in gestriger Nummer des„Vorwärts" auch unseren Leser» zur Kenntniß brachten, theilt die„Rheinisch-West- sälische Arbeiter-Zeitung" mit, daß eine Stelle der Rede P o- k o r n y' s unrichiig wiedergegeben ist. Pokorny hat gesagt, daß nach Assessor Stockfleth 53 pCt. der von 1861-1832 vorgekommene» Schlagwelterungtücke aus den Nichtgebrauch der Wetter- lampe— also durch offene Lampen— und 27,2 pCt. aus die Wetterlampe selber, also auf deren Beschaffenheit und Behandlung zurückzuführen wären. Auf Zeche Blumenthal sei die Behandlung der Lampen derartig gewesen, daß vor der damaligen Katastrophe Arbeiter tagelang ihre Lampen nicht zu sehen bekommen hätten. � Gegen den Staatsanwalt Paunier in Bcrnburg» der be- schuldigt wird, sein eigenes, erst neunjähriges Kind schwer miß- handelt zu haben, ist vom Ersten Staatsanwalt in Dessau die Unter- suchung eingeleitet worden. Er wurde einstweilen vom Amte suspendirt und für sei» Kind hat man einen Kurator bestellt. Die Untersuchung sowohl wie die Bestellung des Kurators soll Staatsanwalt Paunier selbst beantragt haben. Das soll aber, wie de»,„Anhalt. Konrier" von„juristischer" Seite»litgelbeilt wurde, nicht hinreichen; erst wenn der Kurator sich den. Antrage aus Untersuchung anschlösse, könnten Vernehmungen vorgenommen werde». Bekanntlich Halle der Bernburger„Generalanzeiger" die Unter- suchung gefordert. In eine», Falle wie hier, wo jemand schwerer Mißhandlung seines Kindes beschuldigt wird, müßte eine solche öffentliche Aufforderung aber doch allein hinreichen, um die Polizei oder die Slaalsanwallschaft zur Untersuchung zu ver- anlasse». Wenn bürgerliche Blätter Arbeiter beschuldige», beim Streik gegen Z 153 der Gewerbe Ordnung verstoßen z» haben, so pflegen die Behörde» ja auch nicht erst auf einen formellen Straf- antrng zn warten, sonder» sie stellen schleunigst Recherchen an. Gevichts-SettmtK. Nochmals der Schutz, nan» Kiefer in Köli». Fast„och werlhvoller als die Freisprechung des Schuhmanns an sich ist die Begründung des RichtersprucheS, die heute bekannt gegebe» ivird. Man berichtet aus Köln darüber am Freitag: Heute, wo das ll, theil gesprochen werde» soll, ist der Andrang des Publikums noct' bedeutend stärker als an den eigentlichen Ver- handlniigstngcn. Gegen l2 Uhr niiltags erscheint der Gerichlsbos. linier gespanntester Anfmerksainkeit der zahlreich erschieiienen Zuhörer verkündet der Präsident, Landgerichisdireltor Reicheneperger folgendes Uitdeil:„Die de», Angekiagien znr Last gelegten Beschuldigungen sind in allen Theilen von de», A» g e k l a g t e>, bestritte» worden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Angeklagte sich in e n t s ch n l d b a r e in I r r l h u in bcsunden hat. wenn man bedenkt. daß Kieser im festen Glaube» war, die Wilhclinine Faßbinder mit der Dirne Willins in der Koinödienstraße beobachtet zu haben; hierzu koinmt die Aehnlichkcit in der Bekteidnng, dann vor allen, die grobe Zlehnlicbkeil des Namens mit der ihm zur Festnahme auf- gegebeneu Christine Faßbinder und zu»! Schluß das gleichzeitige E>scheine» der Dirne Willins und Fräulein Faßbinder. Es ivürdo sich fragen, ob der Aagellagte die Dauer der Freiheits- beraubung vorsätzlich verlängert hat. Dieses ist aber nur straibar, wenn der Angeklagte das Bewußt- iein hat, daß er eine unrechtmäßige Festnahme vornimmt. tränlein Faßbinder bat auf das Gericht eine» gnten, glaubwürdigen indruck gemacht und vor allem hat sich nicht im geringsten elwae ergeben, ivas in sittlicher Beziehnng belastend sür Fräulein Faßbinder sein könnte, so daß das Aenßere derselben wohl keinen Verdacht erwecken könuie, man habe es mit einer Dirne zu lhuii. Aber»nler den obivaltende» Umständen, die ich vorher anführte, der ähnliche Name, die fast gleiche Kleidung, und das vorherige vermeintliche Zusammengehe» mit einer Dirne, konnte der An- geklagte übeizengl sein, es handle sich»>» die Dirne Christine Faßbinder. Es ist wohl erwiesen, daß der Angeklagte gehört hat, daß Frl. Faßbinder ihre Wohnung nannte'und daß ein anderes Mädchen auf die Festgenommene zutrat und sie mit ihren, Namen anredeie, nicht ist jedoch als eriviese» zu belrachle», daß der Angeklagte die Mutter der Vcrhaslete» gesehen und gehölt hat. Trotzdem der Angellagte gehört, daß Frl. Faßbinder ihre Wohnung nannte, hat er sich für berechtigt geglaubt, nicht ans eine Legi- liniation auf der Straße einzugehen. Doß er diese Verzichtleistung ans die Legitimation auf der Straße für berechtigt hielt, ist wohl an- zunehmen, weil alle Schutzleute als Zeuge» aussagte», sie iv ü r d e» in ähnlichen Fällen gleich gehandelt und die Ab- führnng nach dem Präsibinn» vorgenommen haben. Dafür, daß er unberechtigt gehandelt, ist überhaupt kein Beweis erbracht. Das Bewußtsein der Rechiswidiigkeit fehlte den, Angeklagte» ebenso bei der Köiperverletznug. Es ist eriviescn, daß der Angeklagte nur so viel Geivolt angewandt hat, als bei der sich heftig sträubenden Wilhelmine Faßbinder »othwendig war. Daß nach der Verboflung sich Krankhrits- Erscheinungen bei Frl Faßbinder zeigten, konnte der An- geklagte nicht voraussehen. AnS de» vorher angesührie» Gründen kann auch von einer vorsätzlichen Ehrverletzung nicht die Rede sein, und so ist der Angeklagte Kiefer von sämmtlichen ihm zur Last gelegten Bcschuldiguuge» freizusprechen. Die Kosten des Bersahrens trägt die Slnatskasse. Die durch die Neben- klage entstandenen Kosten hat der Nebenkläger zu tragen. Ob die Jnteresscuten der hemigen Ordnnng wisse», was für eine» Werth diese Begründung sür uns Sozialdemokraten hat, die wir nur allzu häufig verurtheilt werden ohne Rücksicht darauf, ob wir das Bewnßisei» von der Strafbarkeit unserer Handlungen habe» oder nicht? Welche Dinge sind nicht schon»on deutschen Staatsanwälte» in» Kamps sür Ordnung. Religion und Sitte ausgedacht worden, wen» es galt, bei Mitgliedern eines Arbeitervereins ei» Verfangen in den iinzähligen Schlingen des Vereinsgesetzes heraus- znbekommen; wie haben Polizei und Staatsanwalt sich nicht an- gestrengt, um darzuthu», daß Sozialdemokraten gegen de» groben Unfugsparngraphe» gefehlt hätten, und welche Gedankenarbeit hat eS nicht getostet, u», de» Anhängern der Arbeiterpartei zu ihrer Ueberraschung nachzuweise», daß sie sich bei Lohnkämpfen de», Unternehmerthum gegenüber der Erpressung, also einer ehrlosen Handlungsweise schuldig gemacht bade», daß in der Entnahme eines werthlofe» Stückes Papier ein mit 6 Monaten Gefängniß zu sühnender Diebstahl liege und anderer juristischer Großthaten mehr? Und wie selten hat man davon Gebrauch gemacht bei der Veriirtheiluug dieser Arbeiter aus den nur zu berechtigten Einwand, daß ihnen jegliches Bewußtsein von der SIrafbarkeit ihrer angeblichen Gesetzividrigkeit gefehlt habe, als mildernd hinzuweisen? Stellt man diesen zahlreichen Fällen das Urtheil im Prozeß Kiefer gegen- über, so ergiebt sich ohne weiteres der agitatorische Werth des Kölner Nichlerspruchs. Noch ei» unschuldiger Schntzmauu. Aus Rostock wird vom 4. Februar berichtet: In der gestrige» Strafkammer- Sitzung des Landgerichts wurde gegen den Schutzmann T i ,» m von hier wegen Körperverletzung und Mißhandlung im Amte verhandelt. Bei einer an, 17. Mai v. I. durch die Schutzleute Timm und Mußfeldt vorgenommene» Verhaftung eines Arbeiters hatte sich eine größere Anzahl von Paffanten ver- sammelt. Das hierdurch auf dem Wege zur Wache entstehende Ge- dränge verhinderte die volle Freiheit der Beivegungen der Schutz- leute und um sich freie Passage mit dem Arrestanten zu verschaffen, und weil er auch von hinten einen Schlag erhalten haben und an- gerempelt sein will, ließ der Schutzmann Tim», den Arrestanten frei und machte von seine», Säbel zunächst in der Weise Gebrauch, daß er mit demselben blindlings in der Luft herumschlug, alsdann aber hinterrücks den vor ihm ruhig seines Weges gehenden, durch das Gedränge aber im Gehen aufgehaltenen Einwohner Seemann mit dem Säbel über den Kopf schlug, so daß derselbe sofort blutüberströmt niedersank. Außerdem er- hielten»och zwei andere Personen von Timm Schläge mit dem blanke» Säbel über Rücken und Brust. Als der verletzte Seemann sich auf der Nathhausivache zur Verbindung seiner Wunde durch den Polizeiarzt meldete, will er auf der Ralhhausdiele durch den inzwischen dort auch erschienenen Echutzma»» Tim», aber- mals ohne weiteres in empörender Weise gemißhandelt worden sein, so daß er besinnungslos nmgesunken ist. Nach umfang- reicher Beweisaufnahme wurde vom Staalsaiiwalt die Schuld des Augeklagten in der Hauptsache als begründet angesehen und gegen densetben eine Gefänguißstrafe von sechs Monaten bean- tragt, der Gerichtshof jedoch erkannte auf Freisprechung, indem er es nicht für eriviese» hielt, daß der Angeklagte siw vor- sätzlich der Ueberschreitung seiner amtlichen Befugnisse schuldig gemacht habe und hinsichilich des Vorfalles auf der Rathhans« diele den Schuldbeweis für nicht genügend erbracht ansehen konnte. Aus der Darlegung des Staateauivatts sei noch angeiührt, daß derselbe das beschworene Zeugniß des ver« letzten Seemann als ein völlig glailbwürdigs hinstellte. Seemann sei ein ruhiger, bestrenommirter M>»», der zufällig des Weges ge- koinnie» und sich an dem Auflaiif nicht im geringsten betheiligt habe. Die Mißhandlung auf der Rathhausdi-le sei die denkbar brutalste. Seemann habe sich in den Sch tz der Polizei begebe», niid anstatt diese» zu erhalle», sei er aus das gröblichste geimß- handelt worden. Ist der Betrieb der preustischei, Staatölottrric ein gewcrb- lichcs Nnternehmen? Diele Frage hatte gestern das Ober- Verwaltungsgericht verneint. Es Handelle sich um die Heranziel g des königliche» Lotteriefiskils znr Gemeinde Einkommensteuer durch de» Berliner Magistrat. Der Magistrat halte den Fiskus nach eine», auf 100 000 M. berechneten Jahreseiiikommen au? den Beilincr Loosverkäufen zu dem Nonnalstenersatz von 40 000 M. veranlag,. Der zweite Senat des Ober- Verivaltnngsgerichles führte aus, der Betrieb der preußischen Staatslolterie könne nicht als gewerbliches Unternehme» angesehen iverde» nnd das Ein- kommen des Fiskus daraus unterliege deshalb nicht der Besteuerttiig. Von der„höchsten Strafe". Wegen Verrufserklärung nnd Beleidigung sind von, Landgeiichte Liegnitz a»> 22. Oktober v. I. der Handschuhinacher Reinhold Peters»l»d vier Milangeklagle zu Strafe verurtheilt ivorden. Peters, der wegen beider Slraslhaten zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt ist, hatte gelegentlich eines Streiks gesagt, die Streikbrecher seien Leute, die ihre Menschen- würde vergessen haben; sie müßten von der Gemeinschaft mit ihren, Beriifsgenoffen ausgeschlossen werden. Ans seine Revision hob das Reichsgericht den ihn bel>effendei> Theil des Urtheils a u f und verimes die Sache an das Landgericht zurück, da die Verrusserklärung nicht ausreichend festgestellt sei. Die Aeußerungen des'Angeklagten würden in seinen Kreisen nicht als Verrnfserklärnng aufgesaßt. Auch bezüglich des Mitangeklagten K r- tz s ch n, a r wurde das Urlheil ausgehoben, da ihm zn„»recht der Schutz des§ 193 nicht ziigebilligt worden ist. Dagegen wurde die Re-. vision der Angeklagten Rothe, Kluge und Pix als„„- begründet verworfen. Der schmähliche Uns, ig, der, wie kürzlich gemeldet, so häufig mit R e t t„ n g S g e r ä t h e» der Stadt getrieben wird, ist in einem Falle kürzlich voni hiesigen Schöffengericht geahndet worden. Ein den„besseren" Gesellschaftskreisen angehörender junger Mann halte sich, als er abends i» gehobener Stimmung heimkehrte, den„Ulk" gemacht, de» a» der Saubkrugbrücke(Jnvalidenstraße, an, Ham- burger Güterbahnhof) befestigten Rellungsball abzuschneiden»nd in den Spandauer Schiffsahrtskanal zu werfen. Das Schöffen- gericht verurtbeilte den Uebellhäter zn 150 M. Geldstrafe eventuell 30 Tagen Gefängniß. Auch eine Piittkamer- Beleidigung. Wegen Beleidigung des Amtsvorslehers v. Pntlkamer war der Redakteitr Platen von ber„Stettiner Abend, tg." am 2. Dezember v. I. von der Stettiner Strafkammer zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Das Gericht hatte in den Ausdrücken„der Amtsgeivaltige v. K.".„der Mann heißt selbstveiständlich von Pnllkamer"»nd„Piittkanrerun" Be- leidignngen erblickt. Das Reichsgericht hat die hiergegen eingelegte Revision verworfen. Trotzdem dürfte der Zlnsdruck„Puttkamerm," für die Provinz Po»»»«,,»»vergänglich sei». Depesrhetr nnfc letzte Ltn Feichten. Hirschbcrg i. Schl.» 5. Februar. Ans der Schneegruben- Bande hat der Stur», einen eisernen Schornstein»mgestürzl. den Blitzableiter zerrissen und die»leisten Fenster der Südseite zer- trüinmert. ilöniginhof, 5. Februar.(B. H.) Die Elbe ist aus ihren Ufern getreten, und sind große Ländelstrecken infolge der neuen Bett- bildling überschwemmt. In die bedrohten Orlschasie» sind bereits Pioniere abgegangen. Laibach, 5. Februar.(W. T. B.) Heute Nachmittag 2 Uhr 53 Atin. wurde hier ein starker doppelter Erdstoß in der Richtling von Süden»ach Norden verspürt. Schaden hat derselbe nicht angerichtet. Prag, 5. Februar.(B. H.) Der Oberstlandmarschall Fürst Lobkowitz ist nach Wie» abgereist und wird bei der morgigen Audienz dem Kaiser Bericht über die Sitnalio» i» Prag erstatten. gleichzeitig auch mit der Regierung die Frage über die Dauer des Landtages regeln. Bern, 5. Februar.(W. T. B.) Ans der ganzen Ostschweiz. namentlich ans Grnubünde», wird heule früh starker Schneesall ge- meldet. Die Eisenbahnen erlitten Verkehrsstörungen. Paris, 5. Februar.(W. T B.) Dep»lirtenkai»nier. Berathnng des Budgets des Ministeriuins des Auswärtige». Cochin, von der Rechten, wirft der Regierung vor, in der türkisch-griechischen An- gelegenbeit, stets die deuische» Maßregel» Griechenland gegenüber unterstützt zu habe», welch' letzleres die Freiheit und Zivilisation vertrete. Decrais verlheidigt die Politik der Regierung. Rom, 5. Februar.(W. T. B.) Deputirlenkammer. Im weitere» Verlaus« der Sitzung gelangte ein Zusatzantrag Nicolini nnd Genossen, die Getreidezölle ans 2,50 Franks heradzusetze», zur Abstimmung. Der Antrag, Ivel» er vo» der Regierung nicht akzeplirt war, wurde mit 204 gegen 96 Sliinmei» abgelehnt. TaS Haus»ahm hieraus die Herabsetzung der Getreide- zölle aus 5 Franks bis zun» 31. Mai d. I. und die Erinäßigung der Zölle«m I Franks für den Zentner Gerste,„in l'/e Franks für de» Zentner Roggen und uni 21/t Franks für den Zentner weißen Mais an. Die Kammer genehmigte die Eruiävignng der Mehlzölle ans acht Franks und enlsprechende Preisherabsetzungen für andere Mühlenprodukte und sür Mehl ans nnnderwerihigen Getreidesorlen. Die ganz« Vorlage wurde schließlich in gehe!"cr Abstimmung mit 193 gegen 37 Stimmen aiigenomiiie». London, 5. Februar.(B. H.)„Daily T-legraph" zufolge hat eine Londoner sehr einflußreiche Ciiystima eine Miilheilmig ans Peking erhalten, wonach der Verlans der britischen Auleiheverhand- liinge» augenblicklich als ungünstig betrachtet werden müsse. London, 5. Februar.(B. H.)„Standard" ersäkrl, daß der Sultan an de» König von Griechenland avpellirt habe, er möge seinen Konsens für die Kandidatur des Prinzen Georg verweiger». Boston, 5. Februar(28. T B.) Bei dein Brande eines Geschäflsgebäudes in der Merrimac-Slreet stürzte eine Mauer ein; 6 Feuerwehrleute, einschließlich des Distriklscheis, wurde» getödlet; mehrere andere erlitte» Verletzmigen. " Verantwortlicher Redalteur: Anglist Jacobev in Berlin. Für den Lnieratentheil vercuilwottlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badina in Berlin. Hierzu 3 Beilagen n. iliiterhaltnngsblatt- »si. it. i»!-,. i. Jciiiije iifü ,|oriüiirle" Jnlinft WlksdlM.«■«» Neichskttg. vs. Sitzung. Sonnabend, den».Februar lö9S, 2 u h r. SI», B»»de?rathslische: Graf Posado wsky. Freiherr v. T h i e l»u a»». Auf der Tagesordnung fleht zunächst die erste und ziveUe Be- Mlijinifl des Freundschafts- und HandelLvertrageZ zroischen dein Relch und dem Oranjesreislaat. Tie Vorlage wird oh»« Debatte genehmigt. Es folgt die erste Berathung des Gesetzes betreffend die Auf- y e b n n g der Kautionspflichl der Beamte». Zur Begründung des GefetzeutevursS erhält das Wort Echatzsckrclär Frhr. v. Tn-einiaun: Ich glanbe. daß dein Gesetz- entwnrf ans dein Hanse keine Bedenke» entgegengebracht werden durf ten. Die Bestimmung im§ 2, da» die Kautionen erst innerhalb zwei Jahren zirrnckgegebe» werden sollen, hat zircr Gründe. Erstens würde bei sofortiger Zurückzahlung vom Fiskus plötzlich eine allzu große Summe gefordert werden und zrveiteus wurde in einzelnen Fällen sich eine kolossale Mehrarbeit dadurch ergeben. Jedenfalls soll inil der Zurückgabe der Kanlionen an die Beamte», rvelche die- selben ans Darlehen gestellt haben, besonders schnell vorgegangen rvcrdcn. Die Reichsbankbearnte» find vorläufig vou diefcnr Gesetz- entwnrf auIgeschlosfen, da sie Privatbearnle sind. Abg. Nickcrt tfrs. Vg.): Es wäre aber wnnschenswerth ge- rves«». altch die Bankbeamten irr das Gesetz eirijubeztehe». Abg. ii. Cuny(»all.) drückt seine Zusriedeuheil darüber a»S. daß die Beamte» bei der Zurnckjahlung vorgezogen werde» sollen. für rvelche die Kautionspflicht arn drückendsten ist. Damit schließt die erste Berathung. Das Gesetz wird sofort in zweiter Lesung»»verändert angeuonnnen. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurf? betr. die ander- weite Festsetzung des GesaminlkontingenlS der Brennercien. Das Gesmnmtkontingent des nach den» niedrige» Steuersatz d() M. zu v.rslenernden Branntweins soll danach herabgesetzt und von b ,n » Jahren in der Art»orrnirt werden, daß es dem wachsenden Ver- brauch folgt, ohne denselbe» zu übersteige». � Schatzsekretär Frhr. v. Thielniaun: Die Vorlage ist»oth- wendig gervorden durch den tlilickgang des Branutweinverkauss. Daß der Durst des deutschen Volles für Branntwein abgenvunncn hat. dürfte schwerlich zu beklage» sein. Es tritt hier der Antagonis- ruus zrvische» Branntwein»ud Bierkousun» ein; rvo mehr Bier ge- trunken rvird, ninnut der Brannlrveiuverbrauch ab. Immerhin bildet auch jetzt noch die mit der Konlingcnliruug verbundene Abstufung der Verbranchsabgabensähe die wesentliche Grundlage aller Maß- nahmen zur Erhaltung des landwirlhschastliche» Brennereibetriebcs. Das leitende Prinzip muß also sein: das Kontingent wnß stet? «ine Kleinigkeit hinter der» wirkliche» Konsum zurückbleiben. Es ergeben steh hieraus die Bcstiminuugtn des vorliegende» Gesetz- entwürfe?. Mit der nothweudjge» Herabsetzung des Kontingents muß natürlich auch«ine Nenveraulagung verbünde», verde». Ueber diese mich zu äußer», behalte ich mir für die Koinmissio» vor. Abg. Graf Stolbcrg(k.): Die Vorlage stellt sich zunächst als eine Beuachlheiligung der Landivirthschaft dar. Trotzdem werden wir nicht umhin können, ihr zuzustimine». Denn die Voraus- sctziluge», aus welche» die Wirksamkeit der Koutingeutirurig überhaupt beruht, würden rvegfalle», wenn die Gesannirt- »»enge des Konlingenlbrannlwcius ebenso groß oder größer rvcrden sollte. als der steuerpflichtige Verbrauch an Brannt- Ivel». Ob der Zeilpunkt zur Einbringung des Gesetzes befouders günstig ist. wolle» wir allerdiitgs dahingestellt seir» lasse». Vesonders fchlinnn ist der Ilmstand, daß die Bestiinmungeri auch auf die neu entstehende», mit alle» für die Produktion vorlhtilhasle» Apparate» ausgerüsteten Breuuereie» Auivcnduug finden rverdeu. Das Gesetz würde geradezu ein«» Airreiz zur Gründung neuer Breuuereie» dar- stelle», insofern also zunächst ungünstig wirke». Dieser Schade» kau» aber dadurch ausgeglichen werde», daß die Regierung für die Verwendung des Spiritus zu Beleuchtungszwecke» i» großen» Umfang« sorgt. Da die einzelneii Bcstiiiimuugc» dcs Eulmurics»och marnrigsacher Kontroverse»»ulcrliegeri dürste», so beantrage ich Ueberweisrnrg an ein« Kommission von 14 Mit- gliedern. ReichS-Schatzsekretär v. Thielniaun: Nur einige Wort« über die Verwendung des Spiritus zu Belcuchlruigszwccke». Da handelt es sich eben zunächst»nr die Frag«, ob Lampe» erfunden rvcrde», die die Beleuchtung durch Spiritus auch in kleineu Hanshalte» ge- stallen. Und ich glaube, die Industrie ist aus der» besten Wege dazu. I» der» letzten Tagen stirb mir zrvei Lampenmodelle zrigegaiige», die ohne Glühstrutnps angenehm und hell bren»«,» und deren Kons»»» sich nicht theurer stellt als der jetzige Petroleiirnverbrauch. Emstweile» liege» die leide» Erfinder im Patentstreit; jedenfalls karr» unsere Landivirthschaft bei dieser Konkurrenz der beide» nur gewinne». Ich hoffe, daß durch diesen einsache» Ausweg auch die neulich hier ein- gebrachte Julerpcllatio» wegen des Petroleunr-Syndikats sich er- ledige» rvird, da der Spiritus ja die beste Waffe gegen das drohende Pelroleum-Mouopol ist. Abg. Szmnla(Z.)(auf der Bühne unverständlich) spricht sich im wesentliche» für die Vorlage aus. Abg. Dr. Barth(srs. Vg): Ter Nückgang dcs Brauutwei»- koirsunrs hat jedenfalls das gute, daß die Liebesgabe a>» die Brenrrer verringert rvird.(Widerspruch rechts.) Sie wollen das Wort ..Liebisgabe" nicht höre»; aber was bedeute» die Bortheile der Kontingentirung anders? Der Braiinlweinkonsument zahlt 70 M. an Steuer» für de» Hektoliter Brarnitwei», S0 M. erhält davon der Fiskus, 20 M. dagegen fließen i» die Taschen der Branntweinbrenner; wie kann»ran das anders bezeichnen, als eine Gabe? Ob gerade eine „Liebes"-'Gabe, darüber kau» man ja noch streite», von Liebe dürfte sreilich bei den Konsirmeiiten, die die 5t'ostcn tragen, nicht die Rede sei». Der Braiintweinkonsrini ist eben irr Dcnlschland z»r>ickge(ja»geii,»nd dafür mußteii eben die Branuliveinbreiriicr entschädigt rverbe». Solch' eine Praxis führt zu sehr eigerrlhinnlicheu Konsequenz«». Sie müßte» bau» für jeden irgendwie geschädigten Errvcrbszweig sorgen. Aber i» anderen Fällen, z.B. gerade jetzt, wo es sich um die Vernichtung der Privntposleu Handel!, da denkt man gar nicht daran, die Produzenten, deren Produktion vernichtet rvird, z» errt- schädige». Es giebt eben»ur eine einzige Klasse, die sür den Rück- gang ihrer Produktion entschädigt werden sott: das sind die Branritiveinbrenner. Hoffentlich werden dann rveuigsteus nach Ans- gleich der Produktion die Braiinlweiribrenntr von selbst auf diese Liebesgabe verzichle». Ich bin wirklich gespannt, ob das noch je- Niand von»Iis erlebe» rvird. Wenn die Vorlage so angeiionimeu wird, hat der Reichstag flch jeder Veräiideruug, Erhöhung oder Er- uiedrignng des Kontingents begebe». Ich schlage daher statt der fünfjährige» eine einjährige Regelung vor. Abg. Ganip(Reichep): Es wird»ur»och wenige Leute geben, die der Liebesgabeulheorie überhaupt»och Glauben schenken, von de» Lesern der„Naüo»" höchstens abgesehen.(Heiterkeit.) Der Konsurnent würde auch bei einer anders konstrnirte» Steuer nicht billiger fortkomme». Tie Eiirsührung des Kontingents ist nicht zu grinsten der Großgrundbesitzer erfolgt, sondern zur» Schuhe der kleinen Breuner. Diese zu schützen ist aber Pflicht jeder Regierring. Würde das Ideal der Linke», die reine Fabrikat-Stener. verwirklicht, so würden»ric ciiiei» Schlage Lv bis 30 090 kleine Brennereien vernichiel werde». Tie ganze Produktiv» würde in den Händen weniger Produzente» liegen, die es dann irr der Macht hätten, den Kousiimcnlen den Preis zu dittiren. Durch frühere Experimente auf dem Gebiete der Branntiveinsteuer sind leider die kleinen Brenner schon erheblich geschädigt worden. Das irene Gesetz hat dagegen bewirkt, daß mehr als SOv neue Brennereien haben entstehe» können. Den Segen davon haben doch in erster Linie die Besitzer der Ackerparzellen mit Sandboden, ans denen nichts anderes wächst, als Kartoffel». Das vorliegende Gesetz ist«ine Rothwcndrg- keil, nachdem sich der Rückgang des Konsums herausgestellt Hai. Hoffentlich nimmt die Koinmissio» nicht«inschncidcnde Aendernngen an der Vorlage vor. Möge die Regierimg recht bald die Breun- sicuer in dem Sinne resomue», daß sie ganz dem Brenner zu gute kommt. Abg. Wurm(Soz.): Die Ausregnrrg, die sich der Herren von der Rechte» bemächligle(Widerspruch recht?), obwohl wir gar nicht daran dachten, zur Liebesgabe zu sprechen, ist mir ja recht verständ- lich, den» durch diese»e»e Vorlage gesteht die Regierung offiziös ei», daß feit Bestehe» des Gesetzes durch eine Liebesgabe de» Vrenuereien über 400 Millionen ans den Taschen der Branirtwetrr- lrinker zugeflossen sind. Ans Seite 4 der Begründung heißt eS nämlich ausdrücklich, daß man lür den aus die bezeichnete Werse abgefertigten Brarnitwei»»eben der» Preis« deS 70 er Branntweins noch weitere 20 M. erhält und ebenso ans Seite d:„«», den Brennereien die bisberige Verrverthnng!; res Ko»ti»ge»lt»anntweins mit 20 M. über den PrelS des 7Ver Brnnnliveins zu ermöglichen". Die Regierung gesteh! also jetzt zu, daß sie sich aeint. den» bei Schaffung des Gesetzes hat sie durch ihre Vertreter vestritt«», daß diese Preisvertheuerirng eintrete» würde. So erklärte ISö7 Finanznriirister von Scholz,„daß es ganz falsch wäre, iven» wir glaubte», daß die Tiff-renz von 2» M. de» Brennern zu gut« komme» würde". Ebenso erklärt« der bayerische Finanzniinister vo» Riedel:„Tie Anschmmng. daß der Brannlivein nnlcr altcn Umständeil»in den höheren Satz theurer»verde» rvird, theile ich i» keiner Weis«."— Heut« nun haben wir das Zirgeständ- »ifj, baß das Gesetz geändert werde»»»iß, weil die Gefahr enlstandeir sc», daß der Zweck des Gesetzes, nämlich den Spiritus»>» 20 M. zu veitheuern, nicht erreicht werde. Das ist das offizielle Eingeständniß und das Fachorgan der Eprrilnsiiiteressentcn hat irr der letzten Nummer sogar eine Ausrechnung gemacht,»in uackizuwersen, daß die Brenner durch das Gesetz vo» 1687 eigentlich 60 Millionen jährlich hätten, während sie jetzt mit 40— 44 Millionen zufrieden wären. Ich hatte gedacht, daß Sie diese Berechnung zu der Jhrigerr mache» würden, oder sollte» sie doch gemerkt habe», mit welch unrichtigen Ziffern dort operirt wird? Wie kann man sagen, der Preis sei während der 10 Jahre burchschnitilich öv M. gewesen, während der Spiriirrs doch vor Erlaß des Gesetzes in der Thal im Preise»»- ablässig gesunken ist und das weitere Sinke» desselben gerade durch die Konlmgeutirnng verhindert wurde. Die Konlingentirnng hat Ihne» keinen Sckraben gebracht, sonder» noch den Nrtze», daß sie die Produktion beschränkte»nd dies war geboten, da das Ausland sich infolge Ihrer Schutzzollpolitik gegen rnrsere» Spiritus verschloß, so daß der Export kolossal zurückging. Während der russische Sprriiusexport sich de» Weltmarkt erobert hat, ist der unsrige um 50 pTt. gesunken. Natürlich ist das vo»«irrer ungeheueren Ein- ivirknirg ans die Preisgestaltung. Wenn das Braiintweinstener-Gesetz Sie so schädigte, rvarum entslnndcrr da»» immer nene Braiinlwein- Brennereie», wodurch doch die Preise imnier mehr herabgedrttckt wurden. Die Preise vor und nach dem Gesetz sind ganz uuver- gleichbar. well in ihnen die verschiedene Art der Besteuerung zum Ausdruck kommt. I» Hamburg, wo der Spiritus stenersrci vor und»ach dcm Gesetz war, sehe» wir, wie die Preise bis zur Konlingentirnng fortwährend allmälig gesunken sind vo» Sl'/e M. auf 47. 41. 43. 38. 32. 25-/-»nd 25 M. Das war 1887 vor der Kontingentirung; nach der Kontingeiilirurrg sinken sie weiter anf 22, bewegen sich da»» aus 26, 37, 27, 23 lind erst i» de» letzte» Jahre» ist der Preis rapid zurückgegangen vo» 19 anf 18,8 und 17,4;»nd dieses Sinke» ist gleichbedeutend inil der» Rückgang unseres Exports. Bei Erlast des Gesetzes hallen ivir 55 Millionen Liter Export und 43 Millionen Liter Verbrauch für gewerbliche Zwecke; heute haben wir 26 Millioue» Liter Export und 81 Millionen Liter Verbrauch für gewerbliche Zrvecke; und einzig diese letzlere Steigerung hat das wertere Sinke» der Preise ver- hindert. Nmr kommt der neue große Kammer: der Trinkbranntwein- Verbrauch ist znrückgcgange». Es ist ja sonderbar genug, daß gerade Sic(nach rcchis), die u»S einmal mit einem Trunksnchlsgesetz beglücken wvllie», nun so schmerzlich bebairer», daß weniger Schnaps getrunken wird, n»d daß Sie dafür entschädigt werden wolle». Nun liegt aber der Fall so. daß die Statistik des Herrn Schahsckrctärs durchaus nicht übereinstimmt mit der Siatistik des Tentschen Reiches. Irr dem Vierteljahrsheft für 1895/96 sind 2 251 802 Hektoliter inländischen Branntweins an- gegeben, der Herr Echahsekreuu sprach von 2 224 000; dazu komme» »och 36 000 Hektoliter aiisläridischen Branntweins. Freilich spielt diese Differenz kein« bedeutende fliolle. Aber inwiefern ist denn der Verbranch überhaupt zurückgegangen? Doch irisgesamint nur»in 3 oder 10 pCt, Auf dem Lande wird nach wie vor Schnaps ge- trunken, weil die Lebcnshnllnng der ländliche» Arbeiter, dank der Fürsorge, die Sie ihnen zuwende», sich nicht gehoben hat(Wrder- jpruch rechts). Aber i» de» Großstädten, da ist der Konsum zurück- gegange»; das zeigt sich ganz evident in Berlin. Und das ist nur durch jene Enlivickelung geschehen, die Sie bekämpfen, durch die Großproduktion, durch die Großdiftrrbntion, die de» billigeren Verkauf des Bieres bewirkt hat. Wenn die Zahl der Schnapsverkanssstätte» irr Berlin und den großen Slädlerr zurückgegangen ist, so ist dies geschehe» dank der Entwick- Iniig, die Sie(„ach rechts) bekänipferr. ES hat mich gefreut, daß auch der Reichs-Schntzsckrelär den Nückgang des Branirtweiilkonsrims auf die Steigerung dcs Bierkorisiinis zurückgeführt hat. Hoffentlich zieht er auch daraus die richtige Lehre»nd führt die Slnküudigrnig seines Amtsvorgängers nicht ans, daL Bier durch eine Siener zu ver- theneni, sonder» sorgt weiter sür billiges Bier. Es ist ei» trauriges Zeichen der Armnlh, daß»och so viel Brainilivei» getrunken wird. Der Branirliveiirkoiisuur hängt i»it der elende» Lebenshaltung zu- stimme» und wenn diesen Aermsten der Armen eine so hohe Extra- siener, diese Liebesgabe an die Brenner auserlegt rvird, so ist das ein schreiendes Unrecht.(Sehr richtig, links.) Wir habe» daS Gesetz immer bekämpft und durch nnscre Agitation ist der Bevölkerung das Braunlrvein- stener-Geseh, so komplizirt es an n»d sür sich ist. auch klar gervorden, Herr Garnp meinte, wen»»vir das Gesetz»ichl hälie», würden die Branntweinpreise auch so hoch, wie sie heute sind, sei». Nun gut, dann hebcn Sie doch das Gesetz anf.(Sehr richtig! links.) Dann fällt das Odium fort, daß ans den Taschen der Aermsten die Liebes- gäbe an Sie bezahlt wird. Nur 7-/- pCt. der Karloffel-Jndnstrie rvird sür die Beenirereien verwandt. Um soviel aber diffcrirt osl die Ernte. Der Verbrauch an Gerste rmd Roggen sür die Brennerei beträgt gar nur 8 pCt. DaS sind doch gar keine Ouantriäte», die für die Landwirthschast überhaupt in belracht kommen. Des- halb darf doch den armen Leute» nicht eine so ungeheuere Steuer anferlegt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokrale».) Soll!« aber durch de» Kons»»» von 7-/- pEt. der Karloffelpreis in die Höhe gehen, so kann er doch nicht um so viel steigen, als der Bauer für den Brannlwei», de» er trinkt, mehr zahlen mich.(Ruf rechts: Er trinkt ja keine»!i Er trinkt ihn, leider, je schlechter er genährt ist, deno mehr. Ire 44 Millionen LiebeSgabe vertheilen sich»ur auf 8500 Brennereien, also eine ganz verschwiridciid geringe Anzahl. Von einem Nutze» für die Bauern kann also bei dem Branntweinslencr-Gesetz keine Rede sei». Sorgen Sie lieber dafür, daß er zu besserer Lebenshaltung kommt(Ruf rechts: Höhere Getreibezolle!). da»» werden Sie ihm»inen größere» Dienst er- weisen. Nu» setzen Ihr« Parteigen offen die Hoffnung darauf, daß der Spiritus zu Beleuchtungszwecke» verwendet werde» wird. Wir wurde» nns darüber nur freue», wenn ein»euer Industriezweig da- durch erblühe» sollte. Kommt es aber dazu, dann wird in ihn sofort die Großproduktio» ihren Einzug halte». Die Technik wird zu höchster Blülhe entwickelt werden, das Rohmaterial auss rückfichislosest« ans- genutzt werden. Kurz, die Brennerei rvird lein landivirlhschastliches Nebengerverb« bleiben, sonder» ei» selbständiges Hauptgewerbe werde». Der ReichS-Schatzsekretär hat heute zugegeben, daß der Zuschuß ge- geben wird, m» den Preis zu erhöhen. Das ist ein ehrliches, offenes Eingeständniß, jetzt wisse» weile BcvLIkerungskreise. woran sie sind. Sie(nach rechts) sagen, Sie müssen das Interesse der Landivirthschaft wahren,»vir ivollen das Interesse der Konsumenten vertrete». Deswegen werden wir selbstverständlich gegen das Gesetz sitinmen. Wir wünschen aber eine Kommissionsberathung,»>n dort zu versuchen, ob wir nicht das Gesetz von Grund aus äiideru können. Wen» Sie den Branirlwei» uertheuer», wirken sie nicht volkserzieherisch, denn die Leute sind ihrer schlechten Lebens- hallung wegen gezwungen, den Brannlivein zu trinken. Sie zwingen dr« Leute nur, vo» ihre» kärgliche» Einnahme» eine ungeheure Siener zu bezahle». Daß hohe Preise de» Braun tivein-Koirsum nicht einschränken, dafür ist Rußland ein Beispiel, wo die Steuer noch höher ist. aber noch viel mehr Brannlwei» gctrnnkeu wird. well das Land noch»inkrillivirter und die Lebenshaltung der armen Bevölkerung noch schlechter ist.(Bravo! bei den Sozialdemokrale»). Schaysekrctär v. Thielinait»: Ich habe kein Wort Vavo» ge- sagt, daß der Staat den Brennern eine Liebesgabe zahlt. Das wird Vre stenographische Anfzeichnung meiner Rede beweise». Abg. Dr. Paasch«::(nallib): Die Rechte und auch meine pol». tischen Freunde, die jür das Gesetz stimme», sind durchaus nicht aufgeregt, wi« der Abg. Wnrm meinte. Wenn wir es wären. so höchstens deshalb, daß wir daS oft wiederholte Gerede von der Liebesgabe wieder mit anhöre»»rußte». Der Abgeordnete Barth glaubte durch seine Rede Wähler ,» fange», aber darin ist ihm der Abgeordnete Wurm Über. Wen» Barth von 40 Millionen Mark Liebesgabe spricht, so der Abg. Wurm von 400 Millionen. Das Gesetz ist viel weniger ei» Gesetz zur Ber- lhenernirg des Spiritus als ein Gesetz zur Regelung der Produktion, zur Ansrechterhallnng der Brennerci-Kleinbetriebe gegen die Kon« knrrcnz des Großbetriebes; es hat also einen eminent sozialpolitische,, Zug. Unser Osten wäre vielleicht beule»och zu extensiver Wirth- schast gezrvnngen, wenn er nicht die Brennerei hätte. Sie ermöglicht, die Thier« besser zu füttern, de» Bode» besser zu düngen. Und es hängt in der That das Schicksal Hrnidertlausender von dem Schicksal der Spirilusbremrerei ab. Der Vortheil, der» die Landwirthschast hat. kommt schließlich doch der gesammle» konsnmireirdeir Bevölkerung zu gute. Die Verlheuerririg beS GiflS, das der Braurrtweiu. in Mengekonsuniirt.darstelii.isleriiesojialpolilischeMaßregelerstcnRanoes. Ich»unndere mich, wie sich die SozicUdemokuNie dagegen erklären kann. Früher ivrirde von freistnnigcr Seile immer eine recht hohe Brannt» weinstencr gefordert, da hieß es: Ja, der Spiritus ist sür den Fürsten Bismarck ein tträullei» Rührmichnichln», well er die ostelbsichen Junker nicht schädigen will. Run das Reich anö der Steuer lrundert Millionen zieht, schreit mau über die Vertheuerun» des Schuüpschens des armen Mannes. Für Verbillignng des Spmtus zu industrielle» Zwecken trete» auch wir ei». ES sott nicht nur seine Verwcirdring zu Lenchtzwecken. sondern auch zu Heiz» n»d Kochzwecken gefördert werde». Meine Freunde sehen r» der Vor- tage nur die Konsequenz des Branntweinsteuer- Gesetzes mit seiner Absicht, die laudwirthschaftlicheu Kleinbreunereieu zu schützen und werden sür sie slimiuen.,, Abg. Schulz-Berti»(srs. Vp): Die Vorlage verfolgt drirchans nicht die moralijche» Absichten, die ihr der Abg. Paasch« nachsagt, sie dient nur de»» Zivccke, die Liebesgabe» zu erhalten, die von de» Aermsten ber Armer» ausgebracht werden. Dre Vorlage soll die Konkurrenz der Brenner unter ein- ander möglichst verhindern. Aber welch anderer Stand wird den» vor Konkurrenz geschützt? Solche� Wirlhschaslc- Politik muß stets Fiasko mache». Wie groß der Werth der Liebesgabe ist, geht ja schon daraus hervor, daß in Ostpreußen »ach der Liebesgabe der Werth der Grundstücke berechnet wird. Jdcntifizrre» Sie doch»ichl die großen Brenner mit der Laudwirth- schast. In der Kommission werden wir auch de» Unterschied i» der Ko»ti>ige»tiru»g der gewerbliche» und der landwirlhschastliche» Brennerei c» beleuchicn. Mit welcher» Rechte werde» die erster«» un» günstiger behandelt? Kommen den» ihre Nebenprodukte nicht auch der Landwirthschast z» gute? Man fürchtet die Konkurrenz der ver» cdeltei», der Obslbranrilweine. Jeder, der von Brarintwein etwas versteht(Lachen rechts), weiß, daß der Qualilätsbrairntwein laiige nicht so schädlich ist. wie der Knrtoffelsnsel. Die Vorlage ist ein Beweis, daß es mit dieser ganze» Wirlhschaslspolitik zu Ende geht. Abg. v. Kardorff(Rp): Herr Wnrm ist ja i» diesen uchnischeu Fragen ganz sachverständig, aber er irrt sich, rvc»» er sagt, der meiste Schnaps wird i» der Landivirthschaft gelrnule». Der Schnaps- kons»,» ist durch Verbillignng des Bieres gerade in der Landwirth» schast sehr zurückgegangen. Wir halte» daö Braiiulweiiisteuer-Gesetz für segensreich und hoffe», daß auch diese Borlage H»»s der Ko»»- inissio» in einer Gestalt herauskommen wird, der wir»ul Freuden zustimmen könne».(Beifall rechts.) 'Abg. Dr. v. Komicrowöki(Pole) erklärt sich im Jntereffe der ostelbischeu Landivirthschaft snr die Vorlage. Abg. v. Standli(k.) polemisirt gegen den Abg. Schulz. Dem Abg. Wnrm erwidere er, es sei richlig, daß fortwährend»erre Brennereien cnistehe». Ihre Gründer seien aber Genoffeiischaflei» und Bauern. Damit falle» die Folgerniige» des Abg. Wurm fort.. Herr Wurm habe durchaus»nrcchi, wen» er glanbe, auf der Rechten»verde die Abnahm« des Brainitiveinkousums bedauert. Abg. Dr. Barth(sreis. Vg.): A» der Thatsache ist nicht zu rütteln, daß jährlich 44 Millionen Mark ans der, Taschen der Steuerzahler für eine ganz geringe Anzahl Brenner verwendet iverden. 'Abg. Sziiinla(Z): Es giebt jetzt schon große Oedstrccke», auf denen»ichl- anderes gebaut werde» kann, als Kartoffel». Deshalb ist die Brennerei ei» großer Borlheil für die Landwirthschast. Der Kartoffelbau kommt auch de» Arbeiter» zu gute, die im Monat der Karlosfelerirle dreimal soviel wie sonst verdiene». Diese Vorlhelle für die Landwirthschast sollte doch mich der Abg. Wurm nicht gering einschätzen. Abg. Dr. Paasche(natl.) bestreitet nochmals, daß eine Liebes- gab« vorliegt. Abg. Schulz(srs. Vp.): Wir haben die Grundsätze des Brannt- weinsteuer-Gesetzes von Ansang a» bckämpst nnd die Eritivicklnng hat uns recht gegeben. Ans de» Rede» der Herren von der Rechlei» klingt der alte Spruch heraus: Es ist gnnz reinlich und zweifelsohne, den Bianulweiii zu brennen, schon viel bedenklicher ist es, ihn zu verkaufe», aber ganz»»»moralisch ist es. ihn z» trinke».(Heiterkeit.) Abg. Wurm(Soz.): Ich will nur kurz sage», die Vergleichung der Preise von vor 1867 und»ach 1387, wie sie Herr Paasch« ver- theidigt hat, ist uiimöglich, weil in ibne» die Verschiedenartrgkeit der Steuer nicht zum Ausdruck komme. Die einzig vergleichbare» Preise sind die Hamvnrger, weil dort der Spiritus stenersrei war. Die Preise sind zweifellos gestiegen, sie wären ohne die Liebesgabe billiger, der Spiritus ist dadurch nicht»och billiger geworden, als er es sonst geworden wäre. Abg. Graf vor, Stolbcrg(dk.): Herr Wurm widerspricht sich. iverru er einmal den Rückgang des Konjums freudig begrüßt, dann aber wieder die Vertheuerurig des Branntweins bedauert. tieraus wird die Diskussion geschlossen. ir persönlicher Bemerkung behauptet Abg. Dr. Paaschc(natl.), baß seine Zahlen richlig seien. Der Entwurf wird einer Kommission vo» 14 Mitgliedern über- wiesen. Hierauf verlagt sich da? Ha»Z. Nächste Sitzung Montag 2 Uhr(dritte Berathung des Gesetz- entwurfs betr. die Anshebling der KmitionSpflicht. 2. Postetat). Schluß 6'/« Uhr. Wo vln nrenkÄvifrhes. > In der Kommission dcS Reichstags für die Militär- Strafgcrichtö-Ordniiiig wurde heute die Verhandlung über§ 270 wieder aufgenonnue». welcher lautet:„Die Oeffenllichkeit kann für die ganze Verhandlung oder für einen Theil derselben durch Be- schliih des Gerichts ausgeschlossen werden, wenn sie eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesoudere der Staatssicherheit, oder eine Gefährdung militärdienstlichcr Interessen oder eine Gefährdung der Sittlichkeit besorgen lähd AbsiL: Unter ivelchen Voraussehuugen und in welchen' Formen der Ausschluß der O e s f e n t l i ch k e i t ans Gründen der Disziplin zu erfolgen hat, bestimnit der Kaiser." Abg. Dr. Lieber beantragt für den Absatz 2 folgende Fassung:„Un- berührt bleibt die nach§ 8 des Reichs-MilitärgesctzeS vom 2, Mai 1874 dem Kaiser zustehende Bcfugniß, allgemeine Vorschriste» darüber zu erlasse», nnler rvelchc» Boranssetzunge» das Gericht die Ocffenl- lichkeit der Verhandlung wegen Gefährdung der Disziplin aus- zuschließen hat." Der Kriegsministcr v. Goßler erklärt, daß er vom Staudpunkte seines Ressorts gegen die Annahme des An- lrages Lieber nichts einzuwenden habe. Auf eine Aufrage Lenzmann's erwidert der Minister ferner, daß die Militär» Gerichtsverhandlungen in der Kaserne ftaltzn- finde» habe». Man sei ans die Oeffentlichkcit schlecht eingerichlel, rs würde wohl nöthig sein, Eintrittskarten nnszugeben. Abg. Gröber ist durch diese Erklärung nicht befriedigt. Für öffentliche Vcrhand- Iniige» müsse auch eine entsprechende Lokalilät beschafft werden, welche den freien Zutritt gestaltet. Minister v. Goßler: Die An- ordnungen müssen sich nach den lokalen Verhältnissen richten. Be- stimmte Zusagen in dieser Hinsicht könne er nicht machen. Jedenfalls werde das Prinzip der Oeffentlichkeit r e s p e l t i r t werden. Ter Antrag Lieber wird daraus a n g e n o m in e n. Die Verhandlung wendet sich alsdann zu dem vorher ausgesetzten Abschnitt über die Verl heidi gu n g. 8 322 lautet:.Der An- geklagte kann sich, nachdem die Anklage erhoben ist, des Beistandes eines Verlheidigers dedienen. Diese Bestimmung findet in den zur Zuständigkeit der Staudgcrichle gehörigen Sachen keine Anwendung." Abgeordneter Gröber beantragt im ersten Sah die Worte„nachdem die Anklage erhoben ist" zu streichen und im zweiten Sah zn sagen:„in dem Verfahren vor den Standgerichten." Abg. Haase(Soz.) beantragt:"a) der Beschuldigte kann sich in jeder Lage des Versahrens des Beistandes eines Vertheidigers bedienen." d) folgenden Satz einzuschallen: „Hat der Beschuldigte einen gesetzlichen Vertreter, so kann auch dieser selbständig einen Verlhcidiger wählen." Abg. Bassermann(natl.) beantragt, den zweiten Satz zu streichen. Die Änlragsleller betonen in längeren Ausführungen die Nothwendigkcit, die Bertheidigung mich im Vorverfahren zuzulassen. Es werde dadurch dem An- geschnldigten eine größere Rechlssicherheit gewährt und unter Umständen eine zur Vermeidung der Hauptverhandlung führende Klärung herbeigeführt. Generallieutenant von Biebahn: Ein sachliches Bedürfniß für diese Erweiterung der Bertheidigung liege nicht vor. Die Einfachheit des Verfahrens sei im Enlwnrf besser gewahrt, als in den Anträge». Eine Parallele zwischen dem inili- tärischen und bürgerlichen Strafverfahren sei bei den Standgevchten am weuigfien angebracht. Abg. Lenzmann ist der SInsicht, daß die beantragte Ansdehnuiig der Vertheidigung sehr wohl mit dem mililärischen Interesse vereinbar fei. Man solle übrigens nicht glauben, daß die Anwälte sich zn den Militär- Slrasprozesscn drängen würden. Geueralauditenr Ittenbach: Es sei durch den Entwurf nicht ausgeschlossen, daß der Angeschuldigte sich im Unter- suchnngsverfahren des Beistandes eines Vertheidigers versichere. Verhindert solle lediglich werden, daß der Verlhcidiger bereits in diesem Stadium i» das Bersahrcn eingreife, was nur zu einer Acr-� zögerung führen würde. Mau könne lediglich zugeben, daß der Bertheidigung Einsicht in die Untersuchungsaklc» nach Abschluß des Ermitlelungsversahrens zu gewähren sei. Bor den Slandgerichlcn dürfte eine Bertheidigung ganz überflüssig sein. Alan würde den Ossizier, der bei diesen Gerichlen als Ankläger zn snnktioniren habe, in eine unangenehme Lage bringen, wenn man ihm einen bürgerlichen Verlheidiger mit seinen juristischen Argnincntalioncn gegenüberstelle. Abg. Bassermann betragt nunmchr, daß die Bertheidigung im Er- miltelungsverfahren bei den Standgerichten ausgeschlossen, bei deren Hauptverhandlung aber zuzulassen sei. Abg. Gröber weist daraus hin, daß nach 8 �2 der bayerischen Mililär-Strasprozeß-Ordiinng die Mitwirkung der Vertheidigung in jedem Stadium der Sache zulässig sei. Abg. Bassermann(natl.) beantragt unter Zurückziehung seines früheren Antrages nunmehr, daß der Angeklagte im Haupt- versahreu sich einen Kameraden als Verlheidiger nehme» könne. Gcnerallicutenant v. Biebahn ersucht nochmals, es bei der Fassung des Entwurfs zu belassen und nicht einen kompli- zirlen Bertheidigungsapparat zu schaffen, der nur hinderlich sein könne. Generalaudileur Ittenbach: Um Mißverständnissen vorzu- beugen, wolle er nochmals erklären, daß seitens der Regierung daraus bestauden werde, daß die Vertheidigung vor Abschluß des Ermittelungsverfahrens nicht zuzulassen sei. Bei der Abstimmung wird der A n t r a g Gröber auf Streichung der Worte„nachdem die Anklage erhoben ist" a n g e n o in m e n, sodaß sich der'Angeklagte also auch vorher des Beistandes eines Vertheidigers versichern kann. Ferner wird ein Antrag Gröber angenommen, dem Z 153 hinzuzufügen, daß der Verlheidiger im Vorverfahren bei Jnaugcnscheinnnahme zuzulassen sei. Die Abstimmung über den Antrag Bassermann soll bei tz 326 erfolgen. 8 32« bestimmt, daß als Vertheidiger zugelassen werden 1. Personc» des aktiven Heeres im Osfizierrang; 2. Kriegsgerichts- gtäthe bezw. Affessoren und Reserendare, die bei Militärgerichten beschäftigt sind; 3. nicht richter- liehe obere Militärbeamte; 4. Rechtsanwälte, welche ihre Zu- lassiing zum Auftreten vor den Militärgerichten erwirkt haben, insoweit bürgerliche Verbrechen oder Vergehen den Gegen- stand der Anlage bilden.—„Die Zulassung der Rechtsanwälte(so lautet Abs. 3) zum Austreten vor den Militärgerichten er- folgt hinsichllich der Kriegsgerichte und der Ober-Kriegsgcrichtc durch die Mililär-Justizverwaltung, bezüglich des Reichs-Miliiär- gerichts durch den Präsidenten desselben." Außer dem oben inilgctheiltcn Antrag Bassermann's liegt von diesem noch der Antrag vor, als Absatz 2 einzufügen:„Bei den zur Zuständigkeit der Standgerichte gehörigen Strafsachen werden nur die unter I und 3 bezeichneten Personen zugelassen". Abg. Munckel(frs. 83p.) beantragt, die Nr. 4 wie folgt zu fassen:„Rechtsanwälte, welche bei einem deulschen Gerichte zugelassen sind, insoweit bürgerliche Verbrechen soder Ver- gehen den Gegenstand der Anklage bilden", außerdem den 'Absatz 3 zn striichen. Ebenso beantragt Abg. Haase(Soz.) Absatz 3 zu streichen und in Nr. 4 einfach zu sagen: „Rechtsanwälte". Abg. Gröber(Z) beantragt, die No. 4 dahin abzuändern:„Rechtsanwälte, jedoch wenn dieselben die aktive Dienstpflicht nicht erfüllt haben, nur insoweit Verfehlungen gegen die allgemeinen Strafgesetze den Gegenstand der Untersuchung bilden"; ferner Absatz 3 durch folgende Absätze zu ersetzen:„Aus Militär- dienstlichen Gründen lönneii Rechtsanwälte, von dem Gerichtsherrn und, wenn es sich um das Verfahren vor dem Reichsmilitärgericht bandelt, von dem Präsidenten desselben zurückgewiesen werden. In der Zurückweisungs- Verfügung sind die Gründe anzugeben. Gegen die Verfügung des Gerichisherrn, steht dem Zurückgewiesene» binnen drei Tagen nach der Zustellung der Verfügung die Rechts- beschwerde an den höheren Gerichtsherrn und gegen dessen Ver- sügung in der gleichen Frist die Rechtsbeschwerde an die Militär- justiz-Verwaltungsbehörde zu". Generallieutenant v. Biebahn: Bei Aufstellung des Entwurfs habe man sich keineswegs von Antipathien gegen den Stand der Rechtsanwälte leiten lassen. Man könne die größte Hochachtung vor diesem Stande haben, aber doch überzeugt sei», daß es in diesem Stande Persönlichkeiten giebt. welche Auffassungen vertreten, die dem»iilitärischen Interesse gesährlich sind. Die Militärbehörde müsse das Recht haben, in lliücksicht auf diese F.itercsscn und auf etwaige mißbräuchliche Behandlung des Prozesses durch die Presse, gewiss- Personen auszuschließen. Abgeordneter Bassermann(natl.) tritt, absehend von politischen Gesichtspunkten. diese»'Ausführungen bei. Minister v. Goßler ist durchaus dagegen, daß das Gericht die Gründe für Ablehnung eines Vertheidigers anzugeben habe. Das sei nicht einmal im bayerischen Strafprozeß vorgeschrieben. Ebenso hält Abg. v. Standy(kons.) die Zlngabe des 'Ablehnungsgrundes im mililärischen Interesse für ganz unmöglich. 'Abg. Munckel vertritt entschieden den Standpunkt, daß das Auf- treten eines bürgerlichen Anwalts vor dem Militärgericht den mili- tärischen Interessen durchaus nicht schaden könne. Die Vor- schlage der Regierung liefen auf eine Degradation der Rechts- anwälte hinaus. Slbg. Gröber verzichtet nachträglich auf den Schluß- sah seines Antrags:„In der Zurückweisungsverfügung sind deren Gründe anzugeben", und fügt seinem Antrage ein, daß auch ans Gründen der Staatssicherheit Rechtsanwälte zurückgewiesen werden können. Abg. v. Putlkamer(f.); Das äußerste, was seine Partei zugestehen könne, sei bereits in den Vorschlägen der Regie- rung enlhallen. llntcr keinen Umständen dürfe die Beschwerde gegen die Zurückwcisungsverfügung zugelassen werden, denn diese könnte leicht zn Skandalen in der Presse führen. Ihm seien nicht einmal alle Reserve- und Landwehrosfiziere ohne weiteres des Vertrauens als Vertheidiger würdig. Minister v. Goßler erklärt, er würde daraus sehen, daß überall Rechtsanwälte vorhanden seien, die geneigt wären, die Vertretung vor den Militärgerichten zu übernehmen niid in ihrer Persönlichkeit die Gewähr bieten, baß man kein Mißtrauen zu hegen braucht.— Bei der schließlicheu Abstimmniig wird der Antrag Gröber a n g e n o m in e n, als Vertheidiger auch zuzulassen: Personen des Beurlauktenstandes im Osfizierrangc. Sodann wird der Antrag M i n ck e l an- genommen in bezug auf die Zulassung der Rechtsanwälte, ebenso wird auf Antrag Munckel der Abs. 3 einfach gestrichen, womit die anderen Anträge Gi öber erledigt sind. Der St»trag Basser- m a n n wird schließlich ebenfalls angenoniliieii.— Die Bernlhuiigen werden Dienstag fortgesetzt. Eine Petition für die Koalitionsfreiheit haben die Hirsch- Duncker'schen Gewerlvcrcine an den Reichstag gerichtet. Sie fordert: 1. Ausdehnung der Befugnisse des§ 152 der Geiverbe-Ordnung auch auf solche Verabreduugen und Vereinigungen, welche die Ver- besserling der Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen im allgemeinen, insbesondere auch auf dem Wege der Gesetzgebung und der Staats- und Kominunalverwaltung bczivecke»; 2. Streichung cvent. wesentliche Abänderung der Strafandrohnugen des 8 der Geiverbe-Ordnung, hauptsächlich durch Verbot von Maßnahmen der Arbeitgeber zu dem Zwecke, die Arbeiter an der Belheiligung bei Koalitionen zu verhindern; 3. Gewährung des vollen Rechtes der Koalitionen und Berufs- vereine, miteinander in Verbindung zu treten; 4. Verleihung der Rechtsfähigkeit an die zur Wahrnehmung von Berufsiiileressen begründelen Vereine ohne Einmischung der Ver- walluugsbehördcn, am besten durch das von den Deutschen Gewerk- vereinen seit lööö geforderte Normalivgesetz für eingetragene Berufs- vereine.- Momntunsrles. Ter Ruöschtist der Stadtverordnctc« Bersammliing, der zur weiteren Beralhnng über die Errichtung eines Denksteins für die Märzgefallenen eingesetzt ist, hat in einer gestern abgehaltenen Sitzung über weiter zu unternehmende Schritte gegenüber der ablehne»- denHnllung deS Magistrats beralhen. Dem Ausschuß gehörten auch Bruns n»d Singer an. Allgemein wurde der Ansicht zugestimmt, daß der Weg der Beschwerde oder der Klage gegen den Magistrat als aus- sichtslos nicht beschritten werden könne. Für den Zliisschnß konnte es sich also nur darum handeln, die Ansicht und den Willen der Ver- sammlnng in Form einer'Resolution zum Ausdruck zu bringen. Bon einer Seile wurde daraus hingeivicse», daß es bei weitem nicht die übergroße Mehrzahl der Bürgerschaft sei, die einen derartigen Denkstein verlange, namentlich, seitdem die Sozialdemokratie hier, wie so oft, die Führerrolle übernommen hätte. An- gesehene Bürger, die dem linken Flügel des Freisiuns angehörten, hätten sich iusolgedessen gegen die Errichtung des Denk- sleiiis anSgespiochcu. Namentlich feien liberale Bürger der König- stadt dagegen, weil mit recht eine Demonstration befürchtet würde, die schließlick, zum Unfug ausarten könueu. Singer findet es komisch, daß Beschlüsse der Gemeindebehörden von dem Willen einiger Philister beeinflußt werden sollten. In der Jiesoliition müsse aus- gesprochen werden, daß sich der Magistrat bei seinem Beschlüsse von Ein- flüssen von oben her habe leite» lassen. Der Ausschuß kommt schließlich zu einer Einigung, indem die Dicsoliitiviieii H. Sachs und Singer zu einer vnschuiolzen werden, und diese wird gegen zivei Slimuicu angenommc». Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die Versammlung erblickt in dem Gedenken an die März- gefallenen die Anerkeimung einer historische» Thalsache, die mit der Entwickelung des konstiliitionellen Lebens unlöslich veikuüpst ist. Sie bedauert, daß der lvlagistrat ihrem Beschlüsse vom 29. Dezember v.J.. für die Märzgefallenen einen Denkstein nanieus der Stadt z» errichten, nicht beigelrelc» ist. Die Versammlung protestirt gegen die Aiiffassnng, daß die Nichtausführung ihres Beschlusses durch die Riicksichl aus die Wahrung und Förderung des Friedens in allen bclheiligten Kreisen geboten sei, nnd weiß sich hierbei in voller Uebereiiifliniuinng mit der übergroßen Mehrheit der Berliner Bc> völkerung, die gleich ihr» in der Errichtung eines Gedenksteins die Erfüllung einer Pflicht dankbarer Erinnerung erblickt." Ju der Zlugclcgcuhcit der Umgestaltung des Potsdamer Platzeö hat der Magistrat der Stadlverord»cle»-Vcrsan>i»li»ig das bezügliche Projekt zur Genehmigung unterbreitet und dieselbe ersucht, die hierzu erforderlichen Mittel, welche auf 63 000 Vi. verauschlagl sind, zn xeuehmigcn. Das Projekt soll nun in der Weise zur Ans- sührung gelangen, daß die Bürgersteige an der Westseite des Platzes zwischen dem Grundslück Königgräherstraße 12 und der Einfahrt zum Bahnhof, sowie an der Ostseite vor den beiden dort befindlichen Garteuanlage». soweit es ohne Echägigung des Fuhrwerksverlchrs stalthast erscheint, vorgeschoben werde».— Um eine llcberschreilnng der trotzdem noch immer erheblich breiten Dammflächeu für die von Osten nach Weste»» und umgekehrt sich be- wegeuden Fußgänger möglichst gefahrlos zu gestalte», wnd beab- sichligt, nach Beseitigung der vorhandenen kreissörmigen Schutzinsel den Fahrdamm durch drei neue, 4,5 Meter breilc, längliche, im Zuge der Königgräherstraße anzulegende Schutzinseln derartig zu theile», daß beiderseitig annähernd gleiche Dammbreiten von durchschnittlich 12,0 Meter entstehen. Eine nene Straße zwischen der Köpnickcr» und der Mühlenstraße in der Verlängerung der Eisenbahnstraße will der Magistrat schaffen. Durch Beschluß vom 24. Juni 1386 hat sich die Stadl- verordnetcli-Versaminlnng damit einverstanden erklärt, daß eine neue Straße zwischen der Köpnickerstraße nnd der Spree in einer Brcile von 19 Metern und in Verlängerung der Eisenbahn- straße in den Bebauungsplan aufgenommen werde. Bei der Auslegung der Pläne erhob indessen die Militär- Verwaltung Einspruch mit der Begründung, daß die In- anspruchnahme eines provisorisch mit Baulichkeiten sbesetzle» Landstreifens eine Verletzung wichtiger dienstlicher Interessen der Militärverwaltuug in sich schließe, da jene Landfläche dem benach- karten Proviantamt bestiiumuiigsmäßig hinzugefügt werden müsse. weil dadurch des letzteren Bebauung erst in den von der Militär- Verwaltung verfolgten Zwecken entsprechender Weise ausgeführt werden könne. Der Magistrat hat nun ein neues Projekt aus- arbeiten lassen. Dasselbe sieht wie das erst« Projekt eine massive Brücke vor und enthält gegen dasselbe eine sachgemäße Erweiterung. nämlich die Durchführung der neuen Straße bis zur Mühlenstraße. Vorgesehen ist eine Breit« von 19 Meter, wovon 11 Meter auf den Fahrdamm und je 4 Meter auf die Bürgersteige entfallen. Dieses Projekt ist nun der Sladtverordiieten-Versammluiig zur Genehmigung unterbreilet worden.- Lokales. Wahltzcrein fiir de» 4. KrciS, Südost. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß die geplante Besichtigung des Asyls für Obdach- lose in der Wiesenstr. 54/59 heute, Sonntag, den 6. Februar, statlsindet. Als Treffpunkt ist der Bahnhos Gesundbrunnen festgesetzt, und zwar mittags 12 Uhr. Um recht zahlreiche Betheiligung der Mitglieder und deren Familien ersucht Der Vorstand. Achtung, Mitglieder der Freien Volksbühne! Mittwoch. den 9. Februar, abends 3 Uhr, findet in Keller's Festsälen der zweite Vortrags- Zlbend statt, an welchem Herr Dr. Wilhelm Meyer, früher an der Urania, den kürzlich im Verein gehaltenen Vortrag:„Die Reise»ach Spitzbergen" mit Vorführung von 160 Projeklions- Bildern wiederholen wird. Das Eutree beträgt pro Person 20 Pf. Billets sind in den Zahlstellen von Fr. Z u b e i l, Lindenstr. 106; Gott fr. Schulz, Kottbuser Thor;'Adolph Hoffmann, Blumeustr. 14, und E. B�e y e r. Vetcranenstr. 13, sowie in den beiden Vorstellungen am Sonntag bei den Ordnern und beim Kassirer zu haben. Heute Nachmittag 23/t Uhr IV. Abtheilung im Lessing-Theater„Bartel Turaser".— Desgleichen die I. Ablheilung im Friedrich- W i l h e l m st ä d t i s ch e n Theater:„Die luftige» Weiber von Windsor", Lustspiel in fünf Akten von W. Shakespeare. Mitglieder können nur noch bei rechtzeitiger Meldung zur V. Ablheilung in allen Zahl- stelle» anfgenommen werden. Die e r st e V o r st e l l u n g für die V. Sl b t h e i l n n g findet im Lessing-Theater am 27. Februar statt. Ausgeführt wird„Bartel Turaser". Die X. S e r i e der Vorstellungen im März findet im Lessing-Theater statt und zwar wird zur Ausführung kommen: I.„Abu Said", Lustspiel in 1 Akt von Dr. O. Blumenthal; 2.„Cypriennes"(vivorcons), ein französisches Lustspiel in drei Aufzügen von Victor Sardou und E. de Najac. Der Vorstand. I. A.: G. Wiukler, Berliu-Rixdorf. Kirchhosstr. 46, II. Tie Palme»in den Gipfel der Rohhcit«nd Geschmal?- losigkcit macht die„Deutsche Tageszeilung" einem alberneu, dummen Jungen streitig. Das Agrarierblatt bringt folgende Millheilung: ..Eine Schnur zui» Aufhängen mit einem entsprechende» freundlichen Anschreibe» ist dem Oberbürgermeister Zelle mittels Brief zugegangen. Soll!« sich einer der Freunde der 43er Revolutionäre in seiner Entrüstung über das Verhallen des Stadloberhauptes diesen schlechte» Scherz geleistet haben?" Es wird schwer zn entscheiden sein, wer flegelhaster gehandelt hat, der dumme Junge von anonymem Briesschreiber oder die glossirende„Deutsche Tageszeitung". Die Bnrcauverwaltuug des Vcrliucr Thierschutz-VereiuS ist in einer Weise organisirt, die de»„thierfreundlichen" Prinzipien des Vereins geradezu ins Gesicht schlägt, wen» anders der Vorstand überhaupt Kenntniß davon hat. Dafür liefert folgender Vorfall cincil sprechende» Beweis: Am Freitag Abend bemerkten die Passanten der Frankfurterstraße vor einem hellerleuchlcten Schnn- fensler ein kleines Hündchen sitzend, das mit seinen kluge» Augen wie hilscflehend die Passanten auschaule. Es fror augenscheinlich, denn abwechselnd hob es bald die rechte, bald die linke Pfote in die Höhe, um sie mit der kalten Schneelake der Straße nicht in Verbindung zu bringen. In seinem ganzen Aeußern verrielh das Thierchen, daß es noch sehr jung und in guten Händen gewesen war. 8llsbald sammelte sich eine zahlreiche Gruppe von Passanten an. Tlllgcmei» wurde das Thierchen bedauert, auf der eine» Seite fürchteten die Umstehenden, daß das„arme Thier" vom„rohen Schinder", auf der andere» Seite, daß es einem„Hundediebe" in die Hände fallen könne. Ein in der Nähe wohnendes Ehepaar nahm schließlich das Thierchen an sich', um am nächsten Morgen Schritte zur Ermittelung des rechtmäßigeii Besitzers zu lhnn. Gestern Vormittag begab sich nun die bessere Hülste des erwähnten Ehepaares nach deitt� Bureau des Thierschntz-Vereins in d e n S t a d t b a h n b ö g e n g e g e n ü b e r d e r S ch ü ck l e r- straße, wo zwei Schreiber anwesend waren. Hier entspaun sich»uii folgender recht bezeichnender Dialog: Frau:„Ich und mein Gatte haben gestern Zlbend spät einen kleinen hilflosen Hund auf der Straße an uns genommen, um ihm Pflege und Ob- dach zu geben, bis wir seinen rechtmäßigen Eigenlhümcr ermittelt haben werden."— Bnrcanvorfleher:„Was geht das uns an? Wir haben damit nichts zu thu»!"— Frau:„Wir haben angenoiniuen. daß der Eigcnthümer. der das hübsche Thierchen sicher nicht gern vermissen wird, zuerst bei Ihnen nachsragen wird, ob dasselbe ein- gefangen worden ist. da es keinen Maulkorb trug, und deshalb wollten wir Sie ersuchen, unsere Adresse zu uotireu und den Verlierer zu uns zu senden!"— Vorstchcr:„Da hätten iv i r viel zu l h u n! Da könnten ja den Tag ü b e r.w o h l zwanzig Leute k o m», e n, und>v i r hätten nichts weiter zu t h u n, n l s A d r e s s e n zu schreiben und A n S k u n f t z n geben!"— Frau:„Ja, dann srage ich blos in aller Welt, wozu sind Sie denn eigentlich da?"— Vorsteher: „Nur zur Beaufsichtigung des Hundefanges. Wir nehmen die auf der Straße gefangene» und an uns abgcliefertei, Hunde auf. gebe» dieselben au die legitimirte» Besitzer heraus, oder sorgen für die Tödtuug nicht abgeholter Thiers. Bringe» Sie den Hund her oder lassen Sie ihn laufen. Wenn wir ihn dann kriegen. nehmen wir ihn!"— Frau:„Das wollten wir eben vermeiden!"— Vorsteher:„Adressen uotireu wir nicht!" Damit halle der„Thierschiltz-Berciu" seine Pflicht gelha». Fahrstühle für kranke Reisende. Die kürzlich erwähule Nach- frage der Eiselibahnverivaltnug, ob die Anschaffung von Fahistühle» zur Besörderung von kranken Reisenden innerhalb der Bahnhofs- anlagen auf einzelnen Slationeu dem allgemeiucii Bedürfniß ent- spreche, hat zu der irrigen Annahme Veranlassung gegeben, als wären derartige Eiurichlungen auf den Berliner Bahnhöfen noch nicht vorhanden. Demgegenüber wird milgetheilt, daß!)I o t t- st»hie zu dem gedachte» Zivccke aus dem Auhallischeu, Echlesischeu, Lehrter und Görlitzsr Bahnhof, Trag st ü h l e hingegen nns dem Potsdamer, Sletliucr und Friedrichstraßeii-Bahnhos vorhanden sind und kranken Stciscudeu auf Verlangen n» e n t g e l t l i ch zur Ver- sügung gestellt weiden. Leider wird von dieser Eiurichlung nicht immer Gebrauch gemacht, da das Publikum in Uiikenntniß der Sacy- läge es verabsäumt, nach der Fahrgelegenheit zu verlangen. Taö Koisct. Die Agitation gegen das Tragen von Korsets, welche in den Kreisen der Aerzle»nd Anhänger der weiblichen Reformkleiduug entstaudeii ist, und aus die'Abschaffung dieses Kleidungsstücks hinzielt, hat jetzt die Berliner Korselspezialislen und Korsclfabrikauteii veranlaßt, eine B e r u s s v e r e i n i g n n g ins Leben zu rufen. Im Hinblick auf die erfolgreiche Wirksamkeit der bereits bestehenden Berussverciickguiigen hoffen auch die Korser- fabrikanteii, durch ein geschlossenes Zusammengehen die ihre Branche bedrohende Zlgitalion abzuwehren. Wie die Schädlichkeit des Korseis durch die Fabrikaiitenvereinigniig hinivcgdcmonstrirt werden soll, ist noch nicht ganz klar, es sei den», daß sie auf den Verstand der Frauen rechnen, die freilich lieber ihre Gesuiidheit opfern ehe sie ein geschmackloses und schädliches Kleidungsstück ablegen. Das sieht man ja, mit welcher Zähigkeit die Frauen noch immer an de» Schleppen feslhaiteu und damit den Slraßenkoth aufwühlen. Der letzte Zng nach Potsdam fährt jetzt vom Polsdamor Ferubahnhos erst 1 Uhr 36 Minuten Nachts, während er früher nur l Uhr abgelassen» wurde. Diese Aendernng ruft wieder den Wunsch wach, daß auch der Stadt- und Ringbahnverkehr auf eine spätere Stunde ausgedehnt werde. Gegenwärtig fährt vom Bahnhof Friedrichstraße der letzte Südriugzug bereits II Uhr 48 Minute» in westlicher lliichtung ab. Ten Verhältnissen einer Großstadt würde der Stadt- und Ringbahuverkehr eist einigermaßen entsprechen, iveun in der Nacht mindestens allftiiiidlich in jeder R'ch» ung ein Zug abgelassen würde. Die Aufschrift„Ter Inhalt dieser Flaschen ist nur siii: Schankastcndicbe" trug ein Zettel, den der Weinhändler Willu- meit in der Alexanderstr. 62 seinem Schaukaslen einverleibt halte. der eine Ausstattung von Essenzen zn Grogk u. s. w. enthiekl und wiederholt von Dieben ausgeräumt worden war. Ter Geschäfts- inhaber halte nun die in dem Schaltkasten besindlichen Flaschen mit der schlechtesten Maare gefüllt nnd die obige Bezeichnung hinzu-. gefügt. Sei es nun, daß die Spitzbuben dem Inhalt des ZcttciL idjt glaubten, fei es, daß sie auch die schlechteste Waare für eine nüllkoiumene Beute erachtelen: sie haben in der vorletzten Nacht den Schaukasten wieder durch Einbruch geräumt und sind auch diesmal nicht dabei gefaßt worden. Zu crschicsic» versuchte sich am Freitag Abend um 1l Uhr in der Wohnung der Witlme Craatz, Sleiumetzstr. 26b, der 25 Jahre alte Kaufmann Max Levy aus der Büschiugstraße 26. Der junge Mau» war leichtsinnig und dadurch in Widerwärtigkeiten geralheu. Diesen suchte er sich dadurch zu entziehen, daß er sich eine Revolver- kugel in die rechte Schläfe jagte. Frau ließ einen Schutzmann des 73. Polizeireviers herbeirufen, der den Verivuudeten nach einem Krankenhäuse brachte. Dort verfiel er in Tobsucht. Eine ucne Apotheke ist in der Thaerstraße Isa eröffnet worden. Zeugen gesucht. Am Bußtag, den 17. November, abends 6 Uhr, wurde in der Badstraße, Gesundbrunnen, an der Brauerei ein alter Man», von einem Radfahrer mitj voller Gewalt umgefahren. Die Zeugen des Vorfalles werden dringend gebeten, ihre Adresse bei C. Hannke, Feldslr. 1 I, abzugeben. Der uiigiinstige Auöfall cincs Termins hat das Dienst mädchc» Ida stiothkehl in den Tod getrieben. Als es Freitag Nach- mittag in die Dieuststclle Schönhauser Allee 161 zurückkehrte, theilte es unier deutlichen Zeichen eingetretener Schwermulh mit, daß der Termin gegen die frühere Herrschast unglücklich verlaufen sei. Trotz fortgesetzter Beobachtung durch die Herrschaft gelaug es dem Mädchen, sich in einem unbewachten Augenblick im Hinterziinmer zu erhänge». Die für die Ermittelung der Moabiter Vraudstifter ans- geworfene Bclohunug hat einem hiesige» Schutzmann eine arge Euliäufchuug verursacht. Wie s. Z. mitgetheilt wurde, nahm vor zwei Monaten ein Schutzmann in der Schützenstraße einen jugend lichen Strolch fest, der sich zu den Braudstiftuiigen in Moabit be� kannte und dem nachträglich noch weitere derartige Fälle aufgebürdet sind. Auf die Bewerbung jenes Schutzmanns um Auszahlung der wohlverdienten� Prämie für Festnahme des Thäters ist ihm seitens des Polizeipräsidiums kürzlich ein ablehnender Bescheid geivorde» unter der Begründung, daß die Geheimpolizei dem Burschen ebenfalls bereits aus der Spur gewesen sei. Zu Krüppel» überfahren ivurdeu am Freitag Abend an der Ecke der Gertraudten- und Roßstraße das Dienstmädchen Martha Günther, welches, das vierjährige Töchterchen ihrer Herrfchaft aus dem Arm tragend, den Fahrdamm überschritt. Ei» Steiuivagen faßte durch die Schuld seines Führers beide, so daß dein Dienst Mädchen der rechte Arm, dem Kind das rechte Bein zerschmettert wurde. Nach Ansicht der Aerzle ist bei beiden die Abnahme der zersplitterten Gliedmaßen erforderlich. In ErstllknngSgcfahr schivebten Sonnabend Abend die Bc- wohuer des Hauses Müllerstr. 156c. In der parterre belegene» Kürschneriverkstatt von M a t h isz i g war aus nicht ermittelte Weise Feuer ausgebrochen, das erst bemerkt wurde, als das Treppenhaus samiNl de» oberen Etagen derart verqualmt war, daß de» Hausbewohnern der Rückzug vollständig abgeschnitten war. Infolge der in letzter Zeit gerade in jener Gegend sich häufende» Brände halte sich der bedrängten Hausbewohner eine große Panik bemächtigt, so daß die zuerst am Brandorte eingetroffene» Löschmannschafteu des 16. Zuges Mühe halte», die um Hilfe schreienden Leute zu beruhige». Mehrcrc F.uerwehrmänner krochen, platt auf dem Bauche liegend, die Treppen empor, zertrümmerten die Fenster und verschafften dem Stauch einen Ausweg. Das Feuer wurde in kurzer Zeit abgelöscht, nachdem der gesaunute Inhalt der Werkstatt abgebrannt war. Feucrbericht. Freitag Abend 7 Uhr ersolgie gleichzeitig Alarm nach M a u t e u s f e I st r. 87 und G i t s ch i n e r st r. 15. Im ersten Falle handelte es sich um eine» durch eine Lampeucxplosion verur- sachten Ziuuucrbrand, im anderen Falle ivar ein Posten Waare in Brand geralheu, der die Wehr längere Zeil in Anspruch nahm. Ilm 16 Uhr war Pallasstr. 1 ein Gardiuenbrand abzulöschen. Sonn- abend früh 10 Uhr mußte P al l is ad e n st r. 77 i» einer Tischlerei em Brand beseitigt werden, der durch brennendes Oel verursachi war. Um 1 Uhr mittags halten Sllvenslebenstr. 26 vcr schiedeue Utensilien in einer Badestllbe Feuer gefangen, doch trat die herbeigerufene Wehr nicht in Thätigkeii. Endlich wurde gegen 4 Uhr die Wehr noch nach S e h d e l sl r. 7 gerufen, wo in einer Damenmäntel- Fabrik eine Partie Jaquets und ein Werktisch in Brand geralheu waren. Apollo- Theater. Nachdem U�etle Guilbert Berlin Valet ge- sagt hat, kann das Pnblikum sich wieder an den Vertreter» und Ver- treterinnen der Heiinischeu Gesangskuust von der leichten Richtung ergötze». Es ist merkivürdig, wie da im Laufe der Jahrzehnte alles auf demselben Flecke geblieben ist. Das Spezialitäten- Thealer als solches hat sich in verhällnißmäßig kurzer Zeil unter den der Unterhaltung dienende» Instituten eine Bedeutung erworben, die man ivohl oder übel gelten lassen muß; die Entwicklung vom Tingeltangel der Gründerzeit bis zur moderne» Variötöbühne ist geradezu enorm zu nennen. Umsoinehr fällt es auf, daß die alte Garde dieser Vcrgnüguugslokaliläten, die Kouplclsänger und Sängerinnen, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, immer noch in ursprünglicher Geschmacklosigkeit und Unfähigkeit verharren bleibt. Einige mit polizeilich erlaubter Frivolitäl gespickte Lieder angeblich komischer Richtung und eine unbändige Menge Palriolis- UttlS geistlosester Sorte: das ist der ivesentliche Inhalt der Programm- »Ummern, die zumeist mit einem betrübenden Mangel an Stimme und Schulung vorgetragen werden. Als männliche Vertreter dieser Sorte Knnstgattulig repräsentirte sich gestern Herr Gertes. als wcib- liches Muster eine Dame, die sich Lizzi Ragga nannte. Im übrigen war das Programm von guter, zum lheil anscrlesener Qualität. Herr Georg Arvny stellte sich als gewandter Jongleur vor, i» Krast- prodnklionen thaten„The Milons" das menschenmögliche, als Schlangendame von erstaunlicher Gewandtheit trat Miß Bertholdi ans; die exzentrische Paiitomime wurde von der Senett-Truppe mit lebhaften Sprüngen und vielem Spektakel anfgesührt. Als hervor- ragendste Künstlerin des Abends debutirte aber eine Serpentin- Tänzerin: La Lote Füller. Diese Dame wird die Ersinderin ihrer Kunstrichtung genannt. Ihr gestriges Auftreten legte Zengniß davon ab, daß sie i» ihrer Art ein schöpferisches Genie ist. Eine solche Fülle niärchenhasler Farbenwirkungen, ein solcher Schönheits- sinn in der Ausgestaltung der Schlangenlinien des Gewandes dürfte kaum von einer der vielen Nachfolgerinnen dieser Dam« erreicht worden sei». Namentlich der Feiierlanz und ein anderer Tanz, in dem das Gewand schließlich die Forme» einer riesenhafte» Lilie an- nahm, ernteten mit Recht allseitigen Beifall. Im Berliner Aquarinni find in einem der unteren Seeivasserbecken zivei Meeresbewvhncr vereinigt, welchen die Besucher dnö regste Interesse entgegenbringen dürsten. Es sind zwei Fische, die in ihrem Aenbern N»r mit den Flmidem und Scholle» gewisse Aehnlichleit. mit anderen Fische» in Gestalt und Wesen aber garnichts gemein haben. Beide gehören wie die Haie zu der groben Gruppe der Knorpelfische, indeß zu verschiedenen Familicu. Der eine ist ein Torpedo, also einer jener Rochenfische, die den gleichen Namen führen wie die bekannten kleinen Fahrzeuge unserer Marine und denselben schon vor ein paar tausend Jahren erhalten hatten insolge cincs im Körper zwischen dem Kopf und dem vorderen Theil der Brustflossen belegenen elektrischen Organcs, vermöge dessen sie elektrische Schläge auötheilcn, die für kleinere Fische tödtlich, für den Menschen höchst schnierzhafk sind. Sein Genosse im Aquarium, ein sogenannter Stechroche, besitzt eine noch gefährlichere Berthcidignngs- und Angriffswasfe, und zwar in dem peitschcnartig langen, mit grobem, widcrhackigem Siachel aus- gerüsteten Schwanz, vermittelst dessen der im Grunde deS Gewässers versteckt legende Fisch nach dem sich nahenden Lebewesen schlägt und diesem schreck- iche Verwundungen zufügt, die fürchterliche Schmerzen, Starrkrampf und ogar den Tod des getroffenen Menschen zur Folge haben. „Kultur-Tchanbühne" im Saale der königlichen Hochschule für Musik, Potödamerstr. 120. Heute Abend 8 Uhr wird der Projektionsvortrag:„Ein Ausflug nach Spanien" von Conrad Älberti wiederholt werden. Wochcn-Repcrtoir der Urania, Taubenstraße: Sonntag, Montag, Dicilstag. Mittwoch, Donnerstag und Soiinabend„Der dunkle Erdtheil", Freitag„Der Kampf um den Nordpol".— Rcpertoir der Urania, Invaliden- straffe: Sonntag, Dr. Spics„Telegraphie ohne Draht." Dienstag, Dr. Naft „Irdisches und' künstliches Licht". Mittwoch, Professor Dr. Müller„Das Hühnchen im Ei". Donnerstag, Dr. SpicS„Elektrisches Licht". Freitag, I G. Witt„Die Sonnensinstermb vom 21. Januar". Sonnabend, Dr. Naß „DaS Eisen und Stahl". Aus den Nachbarorte». In der letzte» Sitzung der Rixdorfer Gcmeindebertretnng wurde zunächst beschlossen, an die städtische Verivalluiig i» Berlin ein Gesuch um Beschleunigung des Baues der Brücke über den .Landwehrkanal im Zuge der Grünanerstraße zu richte». Ans Antrag des Genossen Ost er mann lvard fodann beschlossen, die Gemeinde gegen Haslschäden bei dem Allgemeinen deutschen Versicheruugsverein zu Stuttgart zu versichern.— Der Vertrag mit der Justiz- Verwaltung über den Bau und die miethsweise Ueberlassung eines neuen Slmtsgerichtsgebändcs au der Berlinerstraße wird in der vor- gelegten Fassung genehmigt.— Vom Genossen Ost er mann war ein Antrag ans Anstellung von Schulärzten eingegangen. Der An- traasteller begründete denselben damit, daß die schulärztliche Ueber- wachung den hygienische» Anforderungen ilnserer Zeit entspreche. Schon im Jahre 1888 habe sich der deutsche Lehrertag für die Anstellung von Schuläirzteii ausgesprochen, desgleichen habe der deutsche Aerztetag eine entsprechende Reso- lntion gefaßt. In vielen Städten habe sich die Einrichtung der schulärztlichen Aussicht vorzüglich bewährt. Prof. v. Bergmann habe kürzlich die Rixdorfer Schulhänser als musterhast in hygienischer Beziehung hingestellt, aber betreffs der schulärztlichen Aussicht wiese» sie doch eine» großen Mangel ans. Die Schulen seien hansig die Herde ansteckender Krankheiten, besonders der sogen.„Läuse- kränkheiten". Der Echulvorstand werde sich zwar wieder ablehnend verhalle», aber trotzdem müsse die Ansteckungsgefahr eingedämmt werden. Wenigstens möge man de» sslntrag kommissarisch voiberathe» lassen. Die Kosten würden sich ans ca. 3400 M. belaufen.— Nach längerer Dcbaite wurde der Antrag Ostirinann ans unbestimmte Zeil vertagt. Noch schlimmer erging es dem Antrag des Genossen Retzerau auf Errichtung eines Geiverbcschiedsgerichls. Trotz eingehender Begründung des von unseren Genossen sck?on wiederholt eingebrachte» Antrages fand derselbe keine Unterstützung von bürgerlicher Seite, sondern wurde pure abgelehnt. Die Arbeiterschaft wird sich dies merken und bei passender Gelegenheit Abrechnung Halle». AuS dc» Kreisen der Schönberger Lehrer wird uns zu der Besoldnngsfrage, die vor einige» Tage» in der Gemeindcverlrelnng eine so eigenthümliche Lösung fand, folgendes geschrieben: Ein kurzer Vergleich zwischen der alten und neuen Beloldmigsskala wird die Erregung der Schöncbeiger Lehrerfchast begreiflich machen. Nach der alle» Skala bezieht ein imverheiralheler Lehrer bereits im 4. Diensljahre mit Wohnungsgeldzuschnß ein Gehalt von 1750 M., nach der neuen würde er im 5. Dienftjahre erst ein solches von 1660 M. beziehen. Ii» 10. Dienstjahre steht er nach der allen Skala ans einer Gcbalisstnse von 2150 M, die uewe Skala degradirl ihn ans 1860 M. Die Schädigung im Gehalt setzt sich bis zum 22. Diensljahre fort. Tic Llarncvalözcit im Rieder-Barnimcr Kreise. Der leidige Unistand, daß dem Umsturz immer noch nicht ordeutlich beiznkonnne» ist, hat den staalserhaltenden Elementen im Nieder> Barninier Reichslags-Wahlkreife Veranlassung gegeben, sich nach Bundesgenossen umziisehe», und einen solchen scheine» sie neuerdings in dem komische» Element gesunden zu habe». Der„konservative Volks- verein" des Kreises, an sich schon ein kurioser Begriff, da das Volk auch in der Umgegend von Verliii nicht das geringste von den Kon- servative» wisse» will, hat, ivie schon berichtet, kürzlich eine Ver- saiiniiliing abgehalten, in der>»a» sich das ziemlich müßige Vergnügen milchte, den selbst in sozialistenfeindlichen Schichten mißliebige» Professor Irin er als Ncichslags- Kandidaten anfzustclle». Ein leibhasliger General»a»ie»s v. Botho- Fredersdorf warf sich für de» Herrn Professor be- sonders ins Aciig. Tie Rede, die der tapfer« Mann in der Ver- saininliiiig gehalten hat, wird in dieser ernste» Zeil unter nnsorer Leserschast gewiß nicht ohne zwerchfellcrschüllernde Wirkung bleiben »nd daher gebe» tvir sie nach der konservativen„Nieder-Bariiiliier Zeilliiig" so ausführlich ivie nölhig wieder. Der General von Botho- Fredersdorf sprach in der Versaiiimluug also: Er sei anfangs iür die Aiifslelliing des Auitsvorstehers von Weißensee, des Herr» Feldt- maiui gewesen. Nachdem dieser abgelehnl habe, trete er für Prof. Jrmer ein, der im Abgeordnelcnhanse eine ganz bervorrageiide Stellung einnehine. Tie Siede, durch die sich Prof. Jriner in den Bor- orten in i ß li eb i g gemacht haben solle, lese sich im Stenoaranini ganz anders, als in den Zeitungsberichtc». Er müsse an de» PatrioliSmiis der Vororts- Beivohner appellire», daß sie nicht Kirchlhiuns- Politik treiben und das staats- crhaUend« Interesse dabei ans den Augen veilieren. Den» es sei eine S ch a n d e und die W ü r d e des Reichs- Inges werde dadurch geschädigt, daß ein Mann wie Stadthage ii den Kreis im Reichslage vertrete. Es müsse ein Mann aufgestellt werden, der Erfolg habe, um diesen„V ü l t e I" ans dem Reichstage h i n a u Sz n w e r f e n.(Bravo!) General von Bolho bcinerkle noch, wenn Siadthagen wiedergewählt werde, so werde er sich nach fünf Jahren aufstellen und mit der Gesellschaft h e r n>» a r b e i t e», daß sie das Donnerwetter Holl!" Fünf Jahre ist eine lange Frist, in der der Umsturz die siants- erhaltenden Eleinenle schon mit Hanl und Haaren vertilgt haben kann. Der General leistet der Monarchie einen schlechte» Dienst, wenn er sich noch so lange ans der Schußlinie hall. Was hat er davon, nicht schon jetzt mit der revolutionären Gesellschnst herninz»- arbeiten, daß sie das Donnerivetter holt? Ans Köpenick wird»ns berichtet, daß die Mehrzahl der Ge- schäslsinhaber und Ladenbesitzer sich geeinigt hat, fortan die Geschäfts- lokalitäten von 9 Uhr abends ab z» schließen. Hoffentlich dal diese Bereinbarung besseren Erfolg, als die zahlreichen Beschlüsse dieser Art, die bisher in den verschiedensten Städten gefaßt ivorden sind, nur stets inii einem Mißerfolg zu ende». In Köpenick giebt inan sich der Hoffnung hin, daß die ivenigeii Geschäflsiiihaber. die dein erwähnten Beschlüsse nicht beigetreten sind, durch den Druck deS Pnblikimis zur Untcrordiiniig veranlaßt werden. Eine iibcrans schnelle Eiitwickeliiiig weise» seit kurzem die beiden Oberspree- Orle W i l h e l in i n e n h o s und Ober- Schön«weide auf. Die in den letzte» zwei Jahren dort er- stände»«» großen Fabriken, besonders aber das von der Allgenieinen Elektriziläts-Gcselljchast bei Wilheluiineiibof erbaute Elektrizitätswerk „Obersprec" habe» so zahlreiche Arbeiter, kleine Gewerbe- treibende und Geschäftsleiite dorlhin gezogen, daß die große» vierstöckige» Miclhskaserne», welche dort iiameiitlich seil dem vorigen Frühjahr in ganze» Reihe» wie Pilze ans der Erde gewachsen sind, stelS, sobald sie nur fertig waren, im Handnindreben bis unters Dach mit Mielhern besetzt wurde». Noch fortgesetzt ist der Znziig so stark, daß besonders kleine Wohniiiigcn fast garnicht mehr zu bekommen sind. Infolgedessen sind auch die Mielhspreise keinesivegs nichr ländliche; für die kleinste» Wobninigcn von einer Stnb e»ebstLküche muß>» a n schon 60 bis 70 Thal er zahlen. Angesichts dieser Eiitwickeliiiig der Kolonien »immt die Banlhätigkeit dort fortgesetzt zu,>i»d es sind schon jetzt für den bevorstehenden Sommer 50 Baiiko»se»se bcantragl. Trotz alledem bilden die beide» geiiaiinlen Kolonien z»sa»»»c>i mit den Ansiedelungen Sadowa, Weißenbnrg und Ostend immer noch nur «inen Gutsbezirk(Ober-Schöneiveide). Doch soll dieser am 1. April d. I. nun endlich z» einer Landgemeinde nmgestaltet werden. Ein MafsenbeleidignntzS-Prozetz steht in Spandau bevor. Das„Berliner TageblaU" berichtet darüber: Auf gr»»d eines ganz imkoiilrollirbare» Gerüchts haben zahlreiche Personen in beziig ans eine» Polizeikommissar ehrenrührige Dinge behauptet. Ungefähr 20 Personen sind als Verbreiter des Gerüchts ermittelt worden, und gegen alle soll das Strafverfahren wegen Beleidigung eingeleilet werden. Ucberfall. Ueberfallen und lebensgefährlich verletzt winde der Droschkenkiilscher Max Neumaiin aus Nen-Weiße»see. Als er mit seiner Droschke nach Hanse fuhr, erhielt er nnf der Prenzlauer Chaussee» kurz vor seiner Wohiumg, plötzlich hiiiterriicks einen wuchtigen Hieb über de» Kopf, daß er besiummgZlos vom Bock stürzte; dann sind ihm»och mehrere Messerstiche beigebracht worden. Passanten trüge» den Uebersallenen, welcher jetzt schwer krank dar- »iederliegt, nach seiner Wohnniig. Die Thäter sind leider cnl- kommen. Es wird vermiithet, daß es sich um eine» Racheakt handelt._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstnube findet bis zum 5. März am Montag. Freitag ii»d Sonnabend abends bon 7V- bis 8'/-»hr statt. M. L. 7k. 1. Gewöhnlich wird angenoiiiinen, daß Kurzsichtigkeit unter Glasnuiimier 6 vom Militärdienst befreit. 2. Nieiiiand ist verpflichtet, sich einer Operation zu unterziehen, durch welche die Militärtanglichleit her- gestellt werden soll. 3. Z. B. Friedrich Engels: Entwickluiig des Sozialis-. ums von der Utopie zur Wisienschast. O. Beyer, Weißeiiburgerstraffe 41. Briefliche Auskunft ertheilen wir nicht, kommen Sie in die Sprechstunde. Driickfehler-Bcrichtiguiig. In imserer gestrigen Nummer ist eiit Beschluß der Versammlung des Wahlvereins für den zweiten Reichstags- Wahlkreis nachgetragen. Es m»b dort heißen:„Wahlvereins sckr den dritten Wahlkreis."_ Witter, ingSiibci ficht»om 5. Februar I8J»8, 8 Uhr«»orgcuS. Wcttcr-Prognose für Sonntag» 0. Februar 181(8. Ein wenig kälter, zeilweise heiler, vielfach wolkig, mit leichten Schneesälle» und»'.äßigen nördliche» Winde». B c r l i n e r Welte rburea». DM. SolMbeiter-MM. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Tischler Adolf Arsrnlilttg aui 3. Februar verstorben ist. Die Beerdigmig findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vo»i Kranke»- Hanse Am Urban nach dem Frei- religiösen Friedhos statt. 77/8 Tic OrtSvcrwaltiing. Todrs-A«zeige. Den Mitgliedern des Sozial- demokratische» Wahlvereins für dc».3. Berl. SicichötagS- Wahlkreis zur'Nachricht, daß der Genosse, Tischler Adolf Wefenburg am 3. Februar im Alter von 2ö Jahren verstorben ist. Ehre seinci» Zliidenkei«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 0. Februar, nachm. 3 Uhr, vom Ärankenhaiis Am Urban ans nach dem Freireiigiöseu Friedhof Pappel- Allee statt. Um zahlreiche BcthcUiainig cisucht 2-10 5 Ter Borstand. Tiin/.lclii-er■ Verein ,,8<>livärtS"postIgd. Postamt 8, Tnubeiiftraste. Tüchtige Drechsler für chirurg. .Hartgninini-Waarc» sucht* H. ssl. Anton, Berlin. Elisabeth-Nfer 19. «iprät [1966* Ansschneider auf Perlmutter verl. Blumenstr. 24. 2036 Fenerversicherungs- Gesellschaft. ersten Ranges sucht unter besonders günstigeil Be- diilgiiilgen 206b tüchtige Agenten n. Zteqnifiteure unter gewisscilVerhältnisscil auch gegen festes Einkommen. Offerten uiiter 3V. I. au die Exped. d, Ztg. Karteigenoflen Berlins! - Donnerstag, den lO. Februar, abends 8 Uhr,"DW in allen 6 Reichstags-Wahlkreisen Offentl. Partei-Versammlungen 1. Wahlkreis: Armlnhallen, Konlnmwlttllstrch 20. 2. inSltteii: Marten'» Festsäle, grifliriljfriljc 236. 3. Wahlkreis: Fnlsenstädt. Konzertlians, Alte Zakobßr. 3?. i. Wahlkreis: Keller's Festsäle, KoDeilßraße 29. Z. Wahlkreis: Bötzow's Brauerei, Prenzlaiier Thor. � 6. Wahlkreis: MSsllner Hot, Köslinerstraßc 8. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. 2. Diskussion. 3, Vorschläge event. Anfstellung von Kandidaten. 4. Wahl je eines Komitees zur Leitung der Wahlen. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Derkrauellsperfonen. Slhaeider und Naherinnen aller Branchen! Bügler. Zuschneider. Stepper, Mäntelnäheriiinen. Blouseunrbciteriiineu. Konfestionsschueider und-Näherinnen ic. Herren- und Knaben- Zwei öffentliche Kersammlungen am Dienstag, den 8. Februar 1898, abends 8>/z Uhr. � Norden: Eriindel'ö Salon, Brunnenftrahe 18S(Nähe des Nosenthalcr TboreS) losten: Renz' Salon. Inhaber Graumann, Nannvnstrage 27/ 1. Wie ha> die Regierung de» Konfektionsnrbeitern gegenüber ihr Ber- Südosten: Tages-Ordnung! spreche» gehalten? 2, Diskussion, Referenten: ReichstagS-Abgeordnete MoÜenbuhr und'Pcüsl' ltH'1 Zu zahlreichem Besuch ladet ein Tie Kuiiser-Kommtssio». I,A,: Timm, Vertrauensmann,' Achtung! Achtung! Arbeiter-Slillgerblllld Berlins«ad lliagegead. Die Geueral-Versammlnng des Bundes findet am Sonntag, den SO. März statt, Anträge auf Abänderung der Statuten sind bis zum S, März beim Vorsitzenden Ad. Neumann, Brnnnenflrahe löl), einzusenden, is/z ____ Der Vorstand. Bilduagsvereia„Mehr Licht!" Sonntag, den L. Februar, abends 7' Uhr. Zllerauderstrasie S7o (grober oberer Saal): Fersan»nilnnK."WD Tagesordnung: Bortrag de? Herrn Dr."WoIIbeini:„AnS der Chemie der Ernährung und des Slofsmechsels!" Darauf: Geselliges Beisammensein und Tanz. Entree 10 Pf,- Garderobe 10 Pf,— Gäste stets willkommen, 120/5 Zu fniifcn gesucht, zu guten Preisen: ältere sozio- listische Bücher und Broschüren(von WeUling, Marx, Engels, Mehring ic,) sowie Zeitschriften(„Sozial- demokrat",„VolkSstaat",„Vorwärts", „Neue Zeit",„Gelelkschaft" ic,) auch in einzelnen Nummern,[3435L* Berlin NW., Luisenstr, 31, Buchhandlung S. Calvarh u. Co Ilnfallsacheu. Klagen, Eingaben Futzger, Stcgliberstr. 65. Dflätiner! Frauen! Uolltsnersammlnng am Montag, den 7. Februar er., abends 8 Uhr. in Sebnolder's Festsale», Belfortcrstrafte Nr. 15. Tages-Ordnung: Istöb 1, Ein evangelischer Geistlicher über das heutige Christenthum, Referent: Adolf Hofl'inann. 2. Religionsfreiheit und der Austritt aus der Kirche, 3, Freie Diskussion, 4, Nevisoren-Wahl, Die Herren Geistlichen der uuiliegenden Glaubensgemeinschaften sind brieflich hierzu eingeladen, I, A,: vuatsv bodne. Austrittscrklärungen sind bei folgenden Koimnissionsmitglicdcrn zu haben und werden auf Wunsch ausgefüllt: Aü,»oktmann, Blumenstr. 14; H. Jänsch, Weidenwcg 77; F. Buckow, Münchebergcrstr, 10; E. Lindemann, Moritzstr, 9; C. Bohne, Brunnenstr, 141. Mtnw t 2. Wahlkreis, atowi Sonntag.«. Februar, abends«>/. Nhr. bei Xnbell, Lindenstr. 106: MT Versammlung."WU Tages-Ordnung: Bortrag des Genoffcn Dr. Danl Dernsteln über: Die Forfchritte der modernen Gesundheitspflege und das Proletariat, Nach dem Bortrage: GemüthlichcS Beisammensein und Tanz. 210/6__ Die Bcrtranensperson. Berl. Meitttvecketer-Berck. AiN Dienstag, den 8. Februar 1808, abends 8'/. Nhr, bei Dnsbe, Grenadicrstrasie Nr. 33, WW Versaininluitff."WW Tagesordnung: 1. Die Rechte der Krankenkassen im Berwaltungs-Sireitverfahren bc- ziehentlich Zwangsvollstreckung, Res, Rechtsanwalt Dr, Herzfeldt. 2, Be- richtcrstattung über den Besuch der Heimstätte, Dr, Fricdcberg. 3, Ber- schiedcncs,— Gäste willkommen. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 53/2*- Der Vorstand. NB. Sämiutliche Krankenkassen-Vorstände sind hierzu eingeladen, Achtung! Stuckateure! Montag, den 7. Februar 1808. abends Grenadicrstrabe Nr. 33, 8 Uhr. bei Buskc. A«ßtrordeiltlicht Mitsliti>er-Berla«!ml«ng. Tages-Ordnung: 1, Stellungnahme zu dem Dresdener Antrag, in diesem Jahre keinen BerbandStag abzuhalten, 2. Regclnng wichtiger Gewerkschafts-Angclcgcn- heiten, Es ist Pflicht eines scden organisirten Kollegen, in dieser Bcrsainmlung pünktlich zu erscheinen,_ 173/2 Die Lokalverwaltung. Zenkralverband der Handels-, Transport- und Yerkehrsarbeiter Deutsehl. C!erw.-Stelle Berlin.) _ Achtung! llansdlciicr!"VQ Morgen, Montag, de» 7, Febr., abends 8% Uhr, bei Feuerstein, Alt- Jakobstrabe Nr, 75._ 67/2 Sektions- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag über:„Der Kampf Mus Dasein". Ref. Genosse Waldeck Mauasse. 2, Diskussion, 3, Vcrbandsangelcgcnheiteii, Gäste willkommen. Zahlreichem Besuch sieht entgegen �__ Die OrtSverwaltung. Verband der Maler etc. Deutschlands (Filiale Berlin 1.) Am Dienstag, den 8. Februar, abends Nhr: MWedkr-UkOllmlniMit: Südwesten und Weste» bei Hnmincr, Knlnistrasic 30. Moabit, Wedding«. Norden bei Pcrschke, Havelbergerftr. 37. Süden, Zentrum und Osten bei Strainm. Ritterstrastc 123. Tagesordnung in sämmtlichen Versammlungen: 124/4 1, Vortrag, 2. Diskussion, Referenten sind die Herren Dr. Frtedberg, Kestler»nd Sassenbach. Der Vorstanck. LeerdiAun�-Verein Berliner Zimmerleute. Sonnabend, de» 10. Febrnar: Grsjjer lifiicc Maskeil-Ball i« gr. Saal der Brauerei Iriedrlchshain lfr. Lips) :wozu Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins eingeladen werden, recht zahlreich zu erscheinen, 259/2 Um 12 Uhr: Demaskirmtg. Um 1 Uhr: Croße Kaffetvallse. Dillets& 50 Pf. sind vorher bei den»nterzcichnctcii Komitee- Mitgliedern zu haben: Kledd, Maricndorserstr, 2, Sfl, 4 Tr, Liebetrau, Neue Königstr, 18. Schultz, Schönhauser Allee 151, Qg, 4 Tr, r, Kraft, Graunstr, 12, rechter Aufg. 3 Tr, Schwanz, Wrietzenerstr, 24 v. 3 Tr, ■Brunzel, Wilsnackerstr, 61, Sfl, 3 Tr, Schneider, Plan-Ufer 31, Hof 2 Tr. Pelermann, Reinickendorserstr, 65 v, 4 Tr,»ahn, Eisenbahnstr, 31 v, 2 Tr, -Außerdem bei Herrn Banckelow, Langestr, 13 im Restaurant, Herrn Schmidt, Münchebergerstr, 28 im Restaurant und Herrn Glrke, Naunynstr, 62 3 T. Anfang tp/z Uhr,— Ende wenn's aus ist, . Das lioniitee. I, A,: August Klebb, Mariendorferstr, 2. im Aehtim�! Aclitaiig! Bildhauer aller Branchen. Dienstag, den 8. Febrnar, präzise Sl/t Uhr abends, un Englischen©arten(grosser Saal): Oeffenti. Versammlung. Tages-Ordnung: I, Die Aera Stninni-Posadowsky nnd die deutschen ©cwerkscliaften. Referent: Reichstags-Abgeordneter Emanuel Wurm. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl des Vertrauensmannes und des Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission 4. Verschiedenes. Die AVichtigkeit der Tages-Ordnung legt allen Kollegen die Verpflichtung auf, zu erscheinen. 20/4 Der Vertrauensmann; G. AV i n k 1 e r. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Dienstag, den 8. Febrnar, abends 8V« Nhr, bei Keller(gr, Saal), Noppenstraste SO: MtotMMc Gtlirral-Vnsmmlmig. Tagesordnung: 1 Stellungnahme zum nächsten Berbandötag. 2 Antrag ans Einführung der Zlrbeitslosen-Versichernng. 3, Statnten-Abändc- rnngsanträge. 4, Wahl der Delegirten. 77/9 HUT- Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen, B9B Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet,"l&ti _ Die Ortsverwaltnng. Bezirks-Versammlimg für Rummeisburg am Montag, de» 7. Febrnar, abends 8'/« Nhr, bei Brewes, Göthestr. 11. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht, Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen, - Die OrtSverwaltung. Willg! Fliesenlegtr! Montag, den 7. Febrnar, abends 8 Nhr, im Lokal des Herrn Hofmann. Alcxanderstr. 87c, OeUentl. NevlANtUtlnng der klieseuleger Derlius und vrngegend. TageS-Ordnnng: I, Berichtcrstattnng der Delegirten zum Gcwerkfchaftskongreh, 2. Dis- kussion, 3, Abrechnung vom Vertrauensmann vom zweiten Halbjahr 1897 und Neuwahl der Vertrauenspcrsonen, 3, Gewerkschaftliches. 265/7 Alle diejenigen Kollegen, welche eine Liste führe», weichen ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen oder einen Stellvertreter zu schicken. Um zahlreiches Erscheinen ersticht__ Der Bortranciisniaiiil Verck deiitslher Slhlihmchtr. Versammlungen nm Montag, den 7. Febrnar, abends 8'� Uhr, Zahlstelle I bei Feind, Weinstr, 11: Vortrag, Zahlstelle II bei l ange, Dragoncrstr, 15: Vortrag. Zahlstelle III im Klubhaus, Kommandantenftr, 72: Vortrag, Zahlstelle IV bei Roll, Adalbertstr, 21: Vortrag. 169/10 Zahlstelle Schöncbcrg bei Obst, Gruncwaldstr. 110. Zahlstelle Friedrichsbcrg, Ziim letzten Berliner, Frankfurter Allee 150. Mm zahlreichen Besuch bitten_ Die Bevollmächtigte». Nerliand der i« Dolsbeardewnlgs-Mbnlltil «. aus Doliutiitzen besÄ.Ardnter DeuWiailds (Filiale Berlin). Montag, de» 7. Februar, abends 8V2 Nhr, bei Herrn Frist Wilkc, Andreasstrasic SO: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1, Vortrag des Herrn Dr, med, Friedeberg über: Schwindsncht und ihre Heilung und Lnngenhcilstättc». 2. Diskussion, 3, Beschiuh- fassung über daö neue ArbeitsnachwciS-Lokal. 4, Gewerkschaftliches, 82/1 Der Vorstand. NB, Die Mitglieder werden ersucht, ihren Verpflichtangen nachzukommen und zu dieser Versammlung die Frauen mitzubringen, Sonnabend, de» IL. Febrnar, bei Schnegclsberg. Hasenhaid« 80: pIF" Maskenball. Billets sind beim Kassirer zu haben, Berbglld Serzllbrik-, Lgnd-,Silfsilrbtiter il. Arbeittrinm Deutschlands(Zahlstelle Berlin). Montag, den 7. Febrnar 1808, abends 8V2 Uhr, im Eolberger Salon, Colbergcrstr, 23,_ Mitglieder Versammlung, Tages-Ordnung: 1. Vortrag, 2. Diskussion, 3. Kassenbericht und Bericht der Revisoren, 4, Antrag der Bevollmächtigten, b. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen! In anbetracht der außerordentlich wichtigen Tagesordnung ist es Eure Pflicht, alle zur Stelle zu sein. Gäste willkommen, 64/4 Die Bevollmächtigten. F'FSis Volksbühne. Heute, nachmittag» a'/. Ohr; I. Abthellnng Im Friedrich Wilhelm- städtischen Theater: Die lustigen Weiber von Wlndsor, Lustspiel in 5 Akten von Shakespeare; und gleichzeitig IV. Ab tiicllnng Im lessing-Theater; Härtel Turascr. Die erste Vorstellung der 5. Abtlicilnng findet am 87. Februar im l,esslng-Theater statt. Mitglieder zur V. Ah- theilung können nur noch hei baldiger Meldung in den Zahlstellen aufgenommen werden. IL Abtheilung Sonntag, den 13 im Friedr. AVilhelmst.-Theater. Iii,.. 20,,, IV 27 ■rV»»."» v.„ an einem spateren Sonntag. iHittivocb, den O. Februar, abends 8 I hr, In Keller» Festsälen, Koppenstrasse 29: Zweiter Vortrags-Abend des Herrn Dr. Wilhelm Meyer (früher an der„Urania") über: Ble Reise naelt Spitzbergen mit 160 Projektionsbildern. Entree ÄO Pf. Billets sind in den beiden heutigen Vorstellungen zu haben bei den Ordnern und beim Kassirer.(Siehe heutige Lokalnotiz.) 228/9 Der Vor, fand I.A.: G. AV in kl er. Bedin-Rlxdorf, Kirchhofstr. 46, II. Kranken-üüterslützungs'-'ur Begräbnlss-Verein für Frauen und Mädchen. eo/2 Heute, 6 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andrcasstr. 21: VII. Stiftungsfest. Vokal- und Insfrumentai- Konzert unter Mitwirkung des Beritner Damenchors(Dir. Herr 0. Such s dorf). Nach dem Konzert: Tanz-Kränzchen. Uttlmii öft Sutilcr u. TMim. Dienstag, den 8. Februar, abends 81;, Ehr, im„Englisclicn harten", Alexanderstrasse'47c z Kombinirte Mitglieder- Versammlung der VenvaltmiLSsteHeii lierlin I, II, III u. Rixdorf. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen<-i. Wagner über:»DaS Koalitions» recht der Arbeiter und der Posadoivsth'sche Erlast.» 2, Dislusston. 3, Neuwahl von 2 Ausschustmitgliedern, 4, Verschiedenes,_ 2136 Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches, im Die BerwaltnngSstellc Berlin II. R.ixckoi'f. Dlensta; L. in den 8. Febrnar 1838. abends 8V, Ehr, CirObler's Salon, Bcrgstr. 147: O e f f r n t l i ilx r sliDIilkMöürat. Nolksversammlnilg. T a a e S- O r d n n n g: I, Berichterstattung der Gemcinde-Vcrlreler. 2, Diskussion, 3, Eventuell Ausstellung der Kandidaten, In welcher Weise feiern wir das 50 jährige Jubiläum der Märzgesallcncn? Zur Deckung der Nnlosten 10 Pf, Entree, 202/8 Der Vertranensinnnn. Kflnstl. Zähne 2 M, an, Piombc» 1 M, an, schmerzloses Zahn- ziehe» 1 M, WIllv Belnbnrd, Brinzenstr H)3, Ecke Wasscrthorstr, Tpr, 8—8, Sonnt, 9—2._- Zeiltral-Kranktli- 11. Skerbe- kasse her Tischler u, anderer gewerblicher Arbeiter. Verwaltung Berlin E, Montag, den 7. Febrnar, abends 8 Uhr, bei Bcrgeman», Pascivalkerstr, 3: Mitßlithkr-BttsiHiliilliliig. Tagesordnung: 1, Abrechnung vom 4, Quartal, 2, Bortrag des Herrn Dr, Wehl. 3, Wahl cineS I, Schristführerö, 4, Innere Kasscnangelegenheiten, Sprechstunde findet an diesem Abend nicht statt, Mitgliedsbuch lcgitimirt. Zahlreichen Besuch erwartet 1946 Die Ortsverwaltnng. Tapezier- Verband. Filiale Vord. Montag, 7. Febr., abends präz, 9 Uhr, bei Röllig, Rosenthalerstr, 12, Tagesordnung: I, Vortrag des Herrn G.Wagner, 2, Diskussion, 3. Vereinsangelegenheitei!. Filiale 8«d. Mittwoch, 9. Februar, abends 9 Uhr, bei Zuteil, Lindenstr, 106. Tagesordnung: 1. Projcktionsvor- trag des Herrn Dr. G r u n d m a n n, 2, Diskussion. 3. Vereinsangelegen- heiten, 177/3 Empschle den Genossen mein Weiß- n. Bairisch-BittlM. Schönes Vereinsziminer bis 60 Personen fassend, noch einige Tage frei, 4012L- Ed. Renter, Stvincmündcrstrasle»I. Leihhans NeneRoststrafte 3. Aus- bcwahrung der Psandstücke>2 Monate Steppd,,Gard,, Regulatoren, , Rcmont,- Uhren, Rcisekoffcr, Winter- PaletotS, Anzüge, spottbillig Pfandleihe Neanderstr. 6.- Möbel mmi J.Kellepniann,jakob"tr.»o. T flCtl'ilfliinm uwnatl, 10 M, und ApiljUlllUlllJ gegen baar liefert saubere Ben-en- Garderobe Tomporowski, Jüdcnstr, 37, I.» Achtung! Kein l aden. Nur eigene Fabrikation, 25 Cigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake, Rippentabak 2 Psd, U0 Pf. II. F. Dinslagc.[4015S* Kottbnserstraste 4, Hos parterre. Ül.ff.., 10,-, 12,50, 16,50, 30,-, Bett- AlllUU federn, Daunen, Bettwäsche, Stcppd.spottb.BettenhausNcanderstrs. Lerantivortlicher Redatteur: Angnst Jarobey in Berlin. Our den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 31. 15. Iahrgaug. 2. KeilW Ks Jormith" Ictllnn DcksM Zo»«Ii>g, 6. Ftlir«»r 1898. Zur sozialen Lage der Kanzleigehilfen bei der preußischen Justizverwaltung wird»ns geschrieben: Am 1. April 1697 sind die Gehälter der meisten Beamten und zwar durchweg solcher, die nur während der Dienststunden zu arbeilen genölhigt sind, ganz erheblich aufgebessert worden. Keiner der Herren im Abgeordnetenhause erachtete es aber für angezeigt, für die Verbesserung des Einkommens der Jnstizkanzleigehilsen einzutreten, obgleich diesen vor allen Dingen hätte geholfen werden müssen. Wie unten nachgewiesen wird, ist der Kanzleigchilse gezwungen, jede Nacht, jeden Sonn- und Feiertag angestrengt zu arbeilen, um für sich und seine Familie das nothwendigste zu erwerben und um wenigstens einigermaßen anständig gekleidet cinherzugehen. Zufolge Kanzlei-Neglemenls vom 9. Februar 1695 werden die als Kanzleigehilfen eintretenden Militär- und Zivil-Anwärter fn»f lange Jahre nur gegen Vergütung von 5— IV Pf. pro Seite de- schäftigi. und zwar mit 9 Pf. pro Seite erst im günstigsten Falle nach 5 Jahren. Wird der Kanzleigehilse in diesen 5 Jahre» krank, dann mag er sehe», wie er durchkommt. Unterstützung oder Gehalt gicbt's nicht, letzteres nicht, weil er eben keins bezieht. Weder durch Kasse» noch durch sonstige Vorkehrungen sind die Kanzleigehilien vor Noth und Sorge geschützt, noch ist für ihre Wiltwen und Waisen gesorgt. Um einen Verdienst von 12V M. pro Monat zu erzielen, muß der 5kanzleigehilse, wie nachstehend nachgewiesen, nicht arbeiten— nein, sich schinden. Die Dienststnnden sind in Berlin von 8-4 Uhr. Das Eintragen der Arbeit in die Liste und die Abgabe erfordert 2 Stunden, wofür nichts vergütet wird. Mithin ist die Zeit, wo der Gehilse etivas verdient, nur von 10—4 Uhr zu rechne». Bei einer durchschnittlichen Arbeitsleistung von 5 Seilen Ab- schrist pro Stunde muß der 5ia>izleigel>ilse, wenn er, wie gesagt, monatlich 120 M. verdienen will, wie folgt thälig sein: bei einem Echreiblohi pro Seite 5 Pf. 6, 7„ 8„ 9, Diese Arbeitszeit ist günstig gerechnet, denn nicht alle Tage ist genügend Arbeit vorhanden. Es ergiebt sich also, daß der Kanzlei- gehilfe, wenn er monatlich 120 M. verdienen will, bei einer Er- holungspanse von 4—7 Uhr arbeiten»ruh: bei 5 Pf. pro Seite mindestens abends von 7—5 Uhr früh h n n 7 2„„ 7 7— 1 *t* n n h n n""". » 8„„„„„„ 7 11„ abends » 9„„„„„„7 10 �„ bei regelmäßiger Tagesarbeit. Will er Sonntags seier», so erhoh> sich die Zahl der Wochentags zu machenden Ueberstunden dem- entsprechend. Ein Militäranwärler wird späterhin wenigstens definitiv an- gestellt, ei» Zivilanwärler fast nie. Wen» der Leiireler des Justizministers im Abgeordnetenhause erklärte, die Vorstufe zun» Kanzliste» sei der Diätar, so dürste dies zu bestreiten sein, da � 1 der Kanzlei- Ordnung besagt:„?Ils Kanzleibcainter(Kanzlist oder Kanzleidlätar) darf nur angestellt werde», wer mindestens einen Monat als Kanzlei- gehilse(Lohuschreiber) beschäftigt worden ist, seine Befähigung für den Kanzleidicust durch Ablegung eirrer, Prüfung dargelha» hat"».s.w. Entgegen dieser Bcstiinmung werden Zivilanivärter zur Prüfung überhaupt nicht zugelassen. Die Berlheilmig der Arbeite», die »ach Vorschrift gleichmäßig erfolgen soll, läßt auch sehr viel zu wünschen übrig._ Sozistlo Wie der Zlrbciter nn« die Altersrente komnien kann. Ein befremdliches Urtheil, welches ausspricht, daß der Arbeiter durch Betrügereien Dritter nn, seine Versichernngsrcchte gebracht werde» kann, ist vom Reichs-Versicherungsamt gefällt worden. Die höchste Instanz hob cine schiedsgerichtliche Entscheidung auf. durch welche die zuständige Versicherungsanstalt ver- urlheilt worden war, H. die Altersrente zu gewähren, da die Warte- zeit erfüllt worden sei. Die Aushebung des Urtheils erfolgte, weil das Schiedsgericht die Angaben der Versicherungsanstalt, daß der größte Theil der Beitragsmarken aus den Quittnngskarten anderer Versicherter e»t- noinmen worden sei, nickt berncksichtiglundohnehinreichcndeAusklärung des Sachverhalts entschieden habe. Das Reichs- Versicherungsamt führte u. a. zur Begründung folgendes aus: Die geschuldete Beitrags- leistuna der Versicherten ist dann vollendet, wenn die Einklebuug der Marke in die Karte vorgenommen ist. Die Marke ist damit verbraucht und rechtlich untrennbarer Bestandtheil der Quitlnngs- karte geworden. Die widerrechtliche Entfernung einer derartig ver- werlhelen Marke hebt nicht die Recktswirksainkeit der Beitrags- leislung auf. Das schließt aber aus, daß die entfernten Marken sür eine» anderen Versicherten abermals mit voller Wirkung verwerlhet werben können. Es bleibt somit nnr übrig, die zweite Verwendung der einmal wirksam eingeklebten Marke sür ungiltig und sür ungeeignet zur Rentenerlangnng zu erklären, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob derjenige, für den die zweite Verwendung versucht wurde, an dem bc- trügerischen Verfahren theil hatte oder nicht. Im vorliegenden Falle wäre daher eine ordnungsmäßige Beitrags- I e i st u n g dann nicht ersolgt, wenn, wie behauptet worden, ei»»»getreuer B e a in t e r das ihm vom Ar- b-itgeber zur Beschaffung rückständiger Marken aiivertraute Geld unterschlagen und dann verbrauchte Marken eingeklebt habe» sollte. Hierunter hätte H. zu leiden, obwohl ihn keine Schuld an dem Betrüge träfe. Anders wäre die Rechtslage, wenn ein solcher Beamter der Quittnngskarten- Ausgabestelle aus den Karle» des Klägers ordnungsmäßig ver- wendete neue Marken zum Zwecke der Veräußerung einwendet und zur Verdickung der Strasthat schon gebrauchte Marken ans anderen Karten eingeklebt hätte. Das würde de» Kläger und Revisions- beklagte» in keiner Weise schädige».— Das Reichs- Bersicherungsanit ivies die Sache zu nochmaliger Nachprüsiing der einzelnen Thatsache» in die Vorinstanzen zurück. Tic Betriebsstätte der Waldarbeiter. Der Waldarbeiter Berner war ständig in der Forst seiner Heiinathstadl beschäftigt worden. A»l 31. August 1896 hatte er in einem Waldbezirk ge- arbeitet, der etwa 6 Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Auf dein Heimwege trat er bei einer Fabrik auf die Kreischaussee hinaus, nachdem er mehrere Waldivege benutzt hatte. D>e Stadt war von hier noch gegen 4 Kvoineter enlsernt. Berner wollte nun einen an der Fabrik haltende» Wagen besteigen, um schneller nach Hanse zu komme». Die Pferde zogen a»; Berner stürzte hc>ab und kam unter die Räder. Er verstarb an de» Folgen des Unfalles. Seine Witlwe wurde von der land- und forst- ivirthschaitlichc» Berufsge» offen schaft mit ihrem Ansprüche auf eine Iii fallrente abgewiesen, weil der Verstorbene nicht im forstinirth- schastliclien Betriebe verunglückt sei. Das Schiedsgericht verurlheilte jedoch die Bernfsaeuosseuschafl und das Reichs-Bersicherungsamt ivicS deren ReknrP zurück. Das stiekursgericht jährte begründend ans: Berner sei allerdings nicht einer dein Walde eigenthüiuliche» Gefahr erlegen, da er auf öffentlicher Landstraße verunglückt sei. Es sei deshalb hier der Recht-grnndsatz nicht anwendbar, wonach ein von der Arbeit heimkehrender Forstarbeiter sich so lange im Banne seines Betriebes befinde, inie er den eigenartigen Gefahren des Walkes ausgesetzt bleibe. Indessen seien auch Unfälle, die sich auf dem Wege von und zur Zlrbeit ereigne», insoweit dem Betriebe zn- zurechneu, als der Weg von dein'Arbeiter innerhalb der räumliche n Grenzen der Betriebsstätte zurück- gelegt werte. Bei Arbeiier», die bald an dieser, bald an jener Stelle eines ansgedehnte» Arbeitsbezirkes verschiedenartig beschäftigt werden, wie es bei Berner der Fall geivese» sei. könne nicht der j e>v e i l i g e A r b e i t s p l a tz als Betriebsstätte gelten. In solchen Fälle» müsse das gesanlinte Arbeitsgebiet als Betriebs st ätlo angesehen werden. So nmfasso bei einem Chausseearbeiter das g e s a m>» t e Gebiet s ä m m t l i ch er Chaussee st recken und bei einem ständigen Forstarbeiter der ganze Bereich der Forst Verwaltung die Betriebsstätte. So lange sich Berner im städtischen Walde aufgehalten, habe er sich also im örtlichen Bereiche des Betriebes befunden. Auch könne nicht angenonime» werde», daß er sich durch das Be- steigen des Wagens außerhalb des Betriebes gesetzt habe. In belracht komme hierbei, daß gerade die große räumliche Ausdehnung des Forstreviers, die von menschlichen Wohnstätten entfernte Lage des Arbeitsplatzes B. nölhigte, einen weilen Weg nach Schluß der Arbeit zurückzulegen und sich den damit verbundenen Gefahren aus- zusetzen._ Briefkasten der Redakiion. Wir dMen, bei jeder Anjrage ein« ghiffre izivei Vnchsiabe» oder eine stahl) anjiiflede». unier der die Annvorl«rlhettl Iverde» soll. Die juristische SPrechstnnbc findet bis zum 5. März am Montag. Freitag und Sonnabend abends von 7�2 bis 8'/- Uhr statt. Toussaint. Ihr Fall soll gelegentlich erörtert werden. F. G. P. Freiheit, Gleichheit zc. A. Kröll. Mir die Allgemeinheit ganz belanglos, daher nicht ver- öffentlicht. England. Anspruch muß binnen 3 Monaten bei dem Vorstand der- jenigen Versicherungsanstalt, an welche zuletzt Beiträge entrichtet worden sind, geltend gemacht werden.— Sch. 1. Wegen der Kosten erkundigen Sie sich bei Gericht. Ohne nähere Angabe ist Auslunft nicht möglich. 2. Die zu Zuchthausstrafe Verurtheiltcn m ü s s e« die in der Strafanstalt ein- geführten Arbeiten verrichten. Die zur Gefängnißstrase Verurtheiltcn können auf eine ihren Fähigkeiten angeniessene Weise beschäftigt werden. Ein Strafvollzugsgcsetz für das Reich fehlt noch immer.— H. S. 7L. Verjährung tritt nach 4 Jahren ein. Bei Gerichtslosten wird die Ver- jährung aber stets durch bloße Zahlungsaufforderung oder Zwangsvollstreckung unterbrochen.— Ehs 113. Firma haftet Ihnen, wenn sie sich zur K l a g e r ü ck» a h lu e verpflichtet hat. Es kann vielleicht der Einwand erhoben werden, Ihnen falle ein konkurrirendes Verschulden zur Last. Klage verspricht aber Erfolg.— L. St. in Oggersheim. Rcichs-Bersicherungs- amt hat entschieden, daß Rente in diesem Falle weiter gezahlt werden muß. — W. Sch. 100. Verband ist zwar nicht politischer Verein, aber nach der bei den Gerichten herrschenden Ansicht bezweckt er Erörterung öffentlicher Angelegenheiten, daher wird Anmeldung verlangt.— C. I. 104. 1. Der Verkäufer der Uhr hastet sür die Kosten der Reparatur. 2. Es kommt darauf a», wo Sie nach der Heirath den ersten Wohnsitz gehabt haben. Ohne diese Keimtniß ist eine Beurtheilung des Güterrechts nicht erforderlich.— C. H. Pfänden Sie den Anspruch des Schuldners aus Ein- zichnug der Miethcn gegen die Miether und den Anspruch deS Schuldners aus Theilung der Erträgniffe sowie Auszahlung seines Antheils an dem geuieinschastlichen Hause gegen den M i t e i g cnt h ü m e r.— Nr. 101. H, P. Der Handwcrkcrvcrcin kann am Sonnabend sein Fest veranstalten. Wenn er jedoch als politischer Verein von der Polizei an- gesehen wird, so kann dem Fest durch Auslösung ein Ende gemacht werden, falls Frauen daran theilnehmen.— 23 St. Forderung ist nicht verjährt. — R. Sch. Sie könne» nur die rückständige Miethe einklagen und die Sachen dann durch den Gerichtsvollzieher pfänden und versteigern lasten. Wollen Sic das— etwa der Kosten wegen— nicht, so müssen Sie die Sachen aufbewahren.— A. R. 100. Ist die Versicherung ausdrücklich zu g u n st e n des Ueberlebcndeu genommen, so kann die Versicherung nicht beschlagnahmt werden.— F. K. 1000. Klagen Sie auf Schadensersatz. A. F. 1. Eine Frist sür die Anzeige besteht nicht. 2. Ja. 3. Antrag bei dem Amtsgericht Ihre Austrittscrklärung entgegen zu nehmen.— Osp. 1. Die Hypothekcnzinsen werden jedenfalls bei Berechnung des steuerpflichtige» Eiluoinmens in Ansatz gebracht. 2. Abgejehen von den Zinsen, werden Sie mit 12 Mark zu den Staatssteuern herangezogen.— A. B., Zionskirchstraße. Zweifelhaft, ob Gerichtsvollzieher haftet. Er wird einwenden, daß bei Vcschlcimigung der Zustellung die Einlassungsfrist auch nicht gewahrt worden wäre. — Ludwig Nr. 2. Bei wahrheitsgemäßer Angabe des Verhältnisses zu der angeblichen Wirlhschasterin sind Sic nicht haftbar.— Ncumnnn. 1. Das Gewerbe müssen Sie bei der Gemcindebclwrde anmelden. 2. Betriebe, bei denen weder der jährliche Ertrag IKK) M. noch das Anlage- und Betriebs- kapital 3000 M. erreicht, bleiben von der Gewerbesteuer befreit.— W. B. 47. Ist keine schriftliche Abänderung des Vertrages nachweisbar, so können die Erben für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit, ö pCt. beanspnrchen.— Kantion 300. Bank unbekannt. A»ssergewöhnliches Angebot nur für morgen Montag den 7. Februar 1898. Oamen-Taghemden aus gutem Renforce mit Spitze, Priesenform 1,30 Achselschluss 1,40 Mk. 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Für den JuseratcutHeil ueraiilniorilich: Sl>. tklocke iu Berlin. Druck und Verlag oou Max Badiug in Berlin. Kr. 31. 15. Illhrgllng. 3. jinlagc des Joiwüttf Inlinct lolMlott. Sontttllg, 6. frliniör 1898. VevlÄininIungen. Ein rvangelischer Arbeiterverein fnr Berlin, dns ist das neuesie Mittel, welches der politisch k>Ul gestellte Hosprediger Stöcker ii» Bünde mit einigen anderen Pastoren ansgesonnen hat, um„die Schreckens Herrschaft der Sozialdemokratie" in Berlin zu brechen. Als vor einigen Wochen die Generalsynode i» Berlin tagte, da wnrde die Idee dieser Vereinsgriindnng in einer Konferenz von Synodalen und anderen frommen Männern auf Anregung des Pfarrers Weber, des bekmmlen Leiters der christlichen Arbeiter- vereine in Rheinland- Westfalen, bereits erörtert. Der Plan in min soiveit verwirklicht worden, daß die Pastoren Stöcker, Philipps und Schwartzkopff einer Volksversammlung am Freitag einen provisorischen Vorstand vorstellen und provisorische Slatnten unterbreiten konnte». Die Versammlung, die den Saal der Tonhalle so ziemlich fnllle, bestand vorwiegend aus kleinen Handwerkern, während der andere Theil der Stöcker'schen Stammgäste, das studentische Publikum, diesmal fast ganz fehlte. Lente, die man für Arbeiter halten konnte. waren nur sehr vereinzelt anwesend. Eine ansehnliche Minorität von Anhängern der national- sozialen Richtung war gleichfalls zur Stelle. Nach den Ansfnhrnngen Stöcker's soll der Verein de» Zweck haben, die christlich gestunlen Arbeiter, deren es in Berlin noch viele Taufende giebt, die aber infolge des von den Sozialdeniokrale» geübten Terrorismns nicht den Mnth haben, ihr Christcnthnm offen zu bekennen, um seine Fahne zu sammeln. Die Drangsalirung durch die Sozial- demokrateil— so behauptete Stöcker— gehe so weit, daß christliche Arbeiter verhindert werden, sich kirchlich trauen oder ihre Kinder taufen zu lassen. So nebenbei soll der Verein auch für die wirth- schasllichen Interessen der Arbeiter eintreten, natürlich nur snit der äußersten Milde, im Sinne einer Versöhnung der sozialen Gegen- sähe, denn der evangelische„Arbeitcr"-Verein sieht es sehr gern, »enn auch Unternehmer die Mitgliedschaft erwerben und ihre Beiträge spenden. Die Hauptsache ist de» Herren Pastoren die Bekämpfung der Sozialdemokratie, das klang auch aus der Rede des zweiten Referenten, Pastor Philipps vom Johannis- stifl in Plötzensee, heraus. Tie gottlosen lKerle unter den Sozialdemokraten— so sagte er— treten am frechste» auf, sie reiße» das Manl am weitesten ans. Die guten christlichen Arbeiter seufzen unter diesem Druck und warten nur' a»f Erlösung ans dein Banne dieser dämonischen Tyrannei.- Eine lange stieihe von Diskiisslonsrednern unterstützten den frommen Eifer der Pastoren, denen andererseits ans den Reihen der Nnlional-Sozialen eine bedingte Opposition gemacht wurde.. Tä f ch e n d ö r f e r, der national- soziale Kandidat für den ersten llieichslags- Wahl- kreis, erklärte die Gründung eines evangelischen Arbeiter- Vereins für wiinschenswerth, jedoch seien die'Pastoren nicht die geeigneten Personen zur Leitung eines solchen, denn sie könnten ihres Bernfes wegen nicht die Interessen einer ein- zelnen Bevölkerungsschicht vertreten, cbensoioenig sei dies möglich, wen» Unternehmer dem Verein angehören. Weiter wandte sich der Redner gegen die Behauptung vom sozialdemokratischen Terroris- pius, indem er ausführte, daß er. der 12 Jahre in Fabriken gearbeitet, und heute noch mitten nnter Sozialdemokraten stehe, niemals wegen seiner offen zur Schau getragenen christliche» und antisozialdemokratischen Gesinnung bedrückt worden sei. sondern ftetS in einem kollegialen Verhältniß zu seine» sozialdemokratischen verufsgenossen gestanden habe. Das paßte den Pastoren natürlich aichl i» den Kram, daß«in ihnen im ganzen sehr freund- iich gesinnter Man» dem Popanz von sozialdemokratischem Terrorismus zu Leibe ging. Philipps und Stöcker gaben Herrn Tischendörfer deutlich zu verstehe», daß sie von seiner Mitarbciterschast an ihrer Vereinsgriindnng nichts wissen wollten. Wer so günstig von den Sozialdemokraten spricht, wie Tischendörfer— sagte Stöcker—, den brauchen sie allerdings nicht tcrrorisiren. denn sie haben ihn schon. Der Vorsitzende. Pastor Schwartzkopff, bemerkte, daß sich bereits 7S Arbeiter und 27 Nichtarbeiter in die Mitglieder- liste» haben einzeichnen lassen. Tie Graveure und Ziseleure hatten an, 1. Febrnar eine Vereinsversammlnng. Nach einigen geschäftliche» Mitlheilungen des Vorsitzende» hielt Herr Dr. Wollheim einen sehr interessanten Vor- trag über„Technisches von den Gase» und von der Luft." Grill bittet, ihm Adressen von Berussgenossen aus solchen Städten, in denen die Organisation noch nicht Fuß gefaßt hat, zugänglich zu machen. Zt> l>,tt«r. K>>d»»0«sch»I». JnselNr. w, v. Z Tr. U n t err t ch I s I u r s e- in Rede-Uebung tUcder den Am da» der Rede, Besprechung vollsivirchschast icher und anderer Grundfragen) MontaaS, Dr. E o» r a d S ch»l i d 1 1 in S! a ti a>i a l ii k a» di» t e(Die wtrlhschaflliche Enlwtchelung;«raßdeirieb und Handnierk!»arieltwcsen. Ilrbeiilmartl und Arbcilsnachweis: die Ausgaben der Gewerlschaften) Mittwochs, Schrtflsiellcr Richard Calw er! in G eschichle(Hellas und Rain) ffretlag«. Dr. A. Bertha ld.- Die Bibliothek ist an diese» Abenden oo» e— s Uhr geöffnet.— Mitgliedsbeitrag monatlich üü Bf- fliidu«(10 Abende) i M. pro Fach. Thcilnehmer werden auf- genommen in der Schute und in folgenden Stetten: Gottfr. Schulz, Admtral- ftrab- eoa: Reul, Barntinftr.28! Kassirert H. Königs, L. Ttcffcnbachstr. so. -Jnliiuv Krnnllrii-zliiterstüiinngD-»nd Keariibnihvereii, für Frauen und Ztiiidchitii.(Gegründet 1892.) Heute, abends 6 Uhr. in den Andreas- FeftsSteu, Andreasstr. 21: 7. Stisluttgssest, Volal- und Jnslrumeutalronzert, Theater und Tanz. Perein deutscher Schulimacher. Montag, den 7. Februar, abends 8 Uhr: Zahlstelle l bei Feindt, Weinstr. It. Zahlstelle II bei Lange, Dragonerstr. 18. Zahlstelle III Im Klubhaus, Ko mmandan lenstrab« 79. Zahlstelle IV bei Lioll, «dawertiir. it. Zahlstelle Schöneberg bei Obst, Grunewaldslraße uo. Zahlstelle Fricdrichsberg„Zum legren Berliner", Frankfurter Allee 160. Deutsche tiZesestschaft für ethische Kultur.(Abtheilung Berlin.)'Heute, abends 8V. Uhr, Ziegelstrabs IO/11. Vortrag: Professor Dr. Döring über Echiller's Gedicht„Tie Ideale". Woabiter Aaturhcilverein. Sonnlag, den 8. Februar, abends 7 Uhr, lm VcreinSIokal Almflloabit, Ecke Lüneburgerstrabs,©tadibahnbogeir Nr. 829-332: Vortrag der NalurSrzlln Frau Pichet: Die AuweudungSforiucn der Naturheil- Methode. Arbeiter- Sildungoverein In Schöneberg. Montag, den 7. Februar, abends 8 Uhr, bei Obst, SNtNewaldstr. 11c:'Versammlung. D«ges«td»t»ig: Vortrag des Genossen C. L a n l 0 w- Berlin über„Der vlotenische und urchrtst- »che Kommunismus". Gäste haben Zulritt. NeuaumelbttNge» werden eutgege»- genommen. Arbriternerei» von Puiibon- und Schö»ha»s»n. Gineralversauunliing am Dienstag, den 8 Februar, abends 8!j Uhr bei Sasse, Wollanlstr.>13. Tages- orbnung: 1. Vortrag des Genosse» Dr. We yl. 2. Bericht des Borstandcs. Um zahlreichen Besuch bittet Der Borsland. Zentral. Kran Ire»-»nd Keg> öbulhhalfe für Frauen und Zliadchcn in Deutschtand(E. H. Ztr. 2»>. Berwallunasslelle Berit» I. Mttglicder-Veriamm- lung in Ranlenbcrg'S Feitsälen, Oranlenstr. 180, am Montag, den 7. Februar, abends 8 Uhr. Kassenberichl pro 4. Quartal i«i)7 und Vortrag des AnaenarzteS Dr. W u r u>: Ucber dlc Pflege der Augen, mit Drmonstiatione» am lünstltche» Plodcll— V e r w a l l u l> a s st c l l e Berlin 4. Heute, Sonntag, abends 8 Ilhr, bei Peschel, Barnimlir ja: Mrtglledcr-Aerfammlnng. Kei band der in Kolzbearbeituiigo-Fabrilir» und auf Kolipllitirn bc- schnstigten Arbeiter. lFilialc Berlin 1.) Montag, de» 7. Februar, abends 8)! Uhr. bei Fritz Witte, Audrcaösir. 28. Versammlung. Vortrag des Genossen T'r. und. Friedeberg._ Theskev. Fsrcle Volksbühne. I. Avtheiluug. Frledrich-Wilhclmsiädtischcö Theater, uachuiittags 2� Uhr:„Die lustigen Weiber von Wmdsor".— IV. Sllit hell»»ß im Lesstng-Theatcr:„Bartel-Turascr".— Mittwoch: „Die Reise nach Spitzbergen", Vortragsabend. SLochen-SpielPIa» der hiesige» Dheater. O p e r» h n u s. Sonntag, 6.:„Taimhäuscr". Anfang 7 Uhr. Montag, 7.:„Fra Dinvolv".„Phantnsicn im Bremer RathslcNer". Dienstag, 8.:„Zar und Zinniicrman". van Bett: Herr Kmipscr, als Gast. Mittwoch, lt.: Fidclio. Donnerstag, 10.: Zum 1. Mal:„Ludctaiiz".„Die Rose von SchiraS". Freitag, II.: 7. Sinsoiiic-Abeud der kgl. Kapelle. Sonnabend, 12.:„Lobetaiiz". „Die Rose von Schiras". Sonnlag, 13.:„Die Meistersinger von Nürnberg". Ansang öVeUhr. Montag, 14.:„Zar und Zimmemlann".— Schauspiel- Haus: Sonntag, 6.:„Der Burggraf". Montag, 7.:„Der G'wisscilswurm". Dienstag, 8.:„Der Burggras". Mittwoch, 9.:„Mutter Thiele". Donnerstag, 10.: „Der Burggraf". Freitag, 11.: Zum ersten Male:„Ann 0 d a z um a l". Sonn- abend, 12.:„Der Burggraf". Sonntag, 13.:„8liino dazumal". Montag, 14.: „Anno dazumal". Dienstag, 1ö.:„Der Burggraf".— Im Neue» lgl. Opern- theater(Kroll). Soimlag.li.:„Mutter Thiele". Sonn tag, 16.:„Die Gcicnoally". Im Deutschen Theater wird am Sonntag 8lbclld und Montag „Johannes" gegeben, Dienstag„Mutter Erde", Mittwoch„Johannes", Doniierstag„Mortturl" mit Agnes Sorma imd Josef Kamz, Freitag, Sonn- abend und»ächstfolgendeit Sonntag Abend„JohamicS". Nachmittags- Vorstellungen: am heutigen Sonntag„Die versmikene Glocke", nächst- folgenden Sonntag„Die Weber".— Im Residenz-Theatcr übt der Schwank„Sein Trick" imitier noch Zugkraft aus. Der SO. Vorstellung, die am Donnerstag den 10. Februar stattfindet, gehl ein szenischer Prolog, „Scraphin's Gruß", von Benno Jacobson voraus.— Im Berliner Theater wird Shalespeare's Schauspiel„Ein Wintermärchen" diesen Sonntag und Dienstag wiederholt,„Faust" I. Theil und„Faust" II. Theil gelangen Montag und Mittwoch zur 8lnff>ihrimg.(„Faust" I. Theil Ansang 7 Uhr.) Max Drehers Lustspiel„In Behandlung" lonnle nur einmal, und zwar Donnerstag, in de» Spielplan ausgeiiomme» werden. Für Freitag ist als 22. Aboimements-Vorstellimg„Der Vcilchmfrcsier" angesetzt. Die Erstaufführung von„ K a t h i", Wiener Bollsstück von Direktor Max Bnrckhard, findet am Sonnabend, die erste Wiederholung am Sonntag statt. Nachmittag-BvrstcNnng diesen Sonntag„Renaissance".— Im L c s s i n g- Theater wird„Das grobe Hemd" am Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag gegeben, während das Lustspiel„Im weißen Röhl" am Dienstag. Donnerstag. Sonnabend und am nächsten Souniag zur Anffiihrnng gelangt.— Im Äoeihe-Thcater findet die Erstaussühnnig von«Dorf und Stadt" als 22. Abounementsvorstellung statt, eine Wiederholung des Birch- .Pseffferischc» Schauspiels ist als 23. hiboiinemeutsvorstellmlg für Freitag angesetzt. Diesen Sonntag geht„Krieg im Frieden", Dieustaa„Die Joünialifteil", Mittwoch„Ein Smumeriiachtstraum", Donnerstag„Berliner Spezialltäten" in Szene. George Ohnet's Schauspiel„Der Hüttenbesitzer" 'wird zum ersten Male Sonnabend gegeben und Sonntag wiederholt.— Diesen Sonntag Nachmittag„Maria Slnart".— Im Theater Unter den Linden bleibt Strauß'„Göttin der Vernunft" auch in lonuneuder Woche auf dem Spielplan. Direllor Fritzsche ist mit der Neueiiistudining von Snppä's Operette„Falinitza" beschäftigt, die seit 1884 nicht mehr gegeben wurde.— Im Schiller-Theater wird diesen Sonntag Nachmittag Grillparzer's .„Des Meeres und der. Liebe Wellen" gegeben, abends 8 Ubr lammt das Wolzogen- Schumaun'sche Lustspiel„Die Kinder der Exzellenz" zur Aufführung. Montag, Dienstag und Mittwoch finden Wiederholungen von„Kyritz- Pyritz" statt. Donnerstag geht„Der Tngendwächter" und das österreichische Singspiel„DaS Versprechen hinter'm Herd", Freitag AnzeNgrubcr'S„Heimg'sunden" in Szene. Sonnabend, den 12. Febniar, wird zum ersten Male gegeben„Hans w n r st SchauspieWn 4 Slnszfigen von Heinrich Lee.— Im Wochenspielpla» des Belle- 8l l l i ä n ö e- T b c a t c r S ist die Erstaufführung von Max Bcher'S Tragtlmnödie„Fräulein Gbne" ftir Aiitlwoch, S. Febrnar, angesetzt-, in Berbiiidniig dninit wird das Wilbrandtsche Lustspiel„Die Maier" am gleiche» Abend gegeben'und dieselbe Vorstellmig am Freitag wiederholt. „Im Dienst" kommt am Sminabend,„Leonore" Dienstag,„Kean" dicien Sonntag»nd Donnerstag, und„ Luiupacivagabimdns" Mvniäg' sowie nächsten Sonnlag' zur Tlufsiihrnng. 8llS Nach- mittags- Vorstellungen sind„Die rciegirten Sindentcn" bestimmt. — Der Wvchenfpielplan des Luise 11-Theater ö ist folgender- niaßen festgesetzt: Montag:„Das Kätbchen non Hcilbronn", Dienstag: „?lilf goldencni Boden", Mittwoch:„Trilbp", Donnerstag:„Kälhchcn von Heilbroini", Freitag:„8lns goideuent Boden", Sonnabend:„Trilby", Sonntag nachmittags:„KKihehen von Heilbrunn", abends: Monstcnr Herkules" nno„Alis goldenem Boden".— Im O st c» d- T h e a t e r gelangt„Der Pfarrer voll Kirchscld" zilin ersten Dkale zur 8lilf- siibrung. Die Rollen liegen in den Händen der Damen Grigo, Lid, Schönbcrg, Winter, der Herren?lltschülcr, Felsch, Dill, Jürgas, Wach, Vöikncr und Gkaseiiraini. ZiachmittagS sind kleine Preise und geht „Die Waise von Lvivood" zum letzten Male iil Szene.— Im Friedrich- Wilbelui städtisch et» Theater gelangt das Sensationsschanspicl „Die kleincil Vagabunden" bereits zilin 27. Nialc zur Darstellung.— Im 8l l e x a n d» r p i a tz- T h e a t e r finden heule und folgende Tage abends » Uhr Wiederholiinge» des Berliner Sittenbildes„Verlorene Mädchen" von Eltge» Prndcns statt. 8e!lkN günstige Kaufgelegeotielt für Braulausstaftungen! «%■ l» M M des Fab rikationS-H a Ilses tt Ii K n n, A O o I d s c h in 1<1 1, HoillseareUtstpaHse 13, am 7. Dezember vorigen Jahres lllS Üöl llöü! MW" l-urei! Wmw zum Tiieil wenig besciiäiliQten Waare» MWWWWW>>»»»W»Mi�WM»WW>S»>>SWzKLWAW»W haben wir gelaust und stellen dieselben mit den von uns zur Jnvenlikp zurnckgesetzten Waareil 211 Aufsehen erregend billigen Preisen zum Verkauf. Fnr Brautansstattnngen! ®n Posten Elsasser kemäentued, �VME." 4.S0 M. Ei» Posten Lisasser kenloree Stück v. 20 ME. g,»« M. Ei» Post-« yuisiana-Tiieil»o» 20 Mir. 6,30 M. Ein Posten gküüamasi in ganzer Bettbreite Mir. 58 P!- Eill Posten K()[)ör"Iniöi in sanzer Bettbreite Mtr. gg Pf. Ein Posten kiilüiieiiLr, abgepaßt.. jetzt Stück 42 W- Ein Posten Taschentücher, feilt. Linon- Gewebe, weiß und mit buntem 3!and, gesäumt Dtzd. M. W°iß. Bettbezüge, 2,«« M. Hakblein. Bettiahen ohne Naht, fertig genäht sin Posten Kaffeedecken, En. P°ste.. Lawn-Tennis-Stoffe, tw M». mit bunter Borde und Franzcii, Stück M. 78 A- 23 Pf I/Zelitüeher! Servietten! Handtliclier! Ei» Posten Breil-Tischlücher, Ei» P°st-» lacguard-Tischlücher Ei» Pos.-» Jacquard-Bemetten m Ei.. 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