Nr. 20 A. g. XIII -13327. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Neues soziales Frauenrecht. Von Dr. Mar Quard( Frankfurt a. M.) Mitglied des Reichstags. Stuttgart 6. Juli 1917 Auf zweierlei Weise kann man den Kampf für die Gleichberechtigung der Frau in Gefeßgebung und Verwaltung führen. Erstens direkt, indem man die Verfassungsvorschriften eines Landes dahin abzuändern sich bemüht, daß der Frau überall dieselben politischen Möglichkeiten und Rechte zustehen wie dem Manne. Die Gelegenheit zu solcher Arbeit bietet sich naturgemäß nicht allzu häufig, sondern nur aus großen Anlässen, bei tiefgehenden Umwälzungen im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben, wie sie zum Beispiel der jetzige Krieg und starke Volksbewegungen oder beide zugleich mit sich bringen. Zweitens kann man auf dem Umweg über notwendig und dringend gewordene Einzelreformen sozialer oder wirtschaftlicher Art, also indirekt, für die Gleichberechtigung der Frau erfolgreich fämpfen. Dieser indirekte Weg hat den Vorteil, daß er sich häufiger bietet und weniger allgemeinen Widerstand erregt, sondern die Kämpfenden dazu nötigt, sich auf ganz bestimmten Gebieten des praktischen Lebens mit sachlichen Gründen auseinanderzusetzen. Man kann freilich nicht sagen, daß ihn die Männer bisher allzuoft betreten hätten. So sind in der deutschen Sozialgesetzgebung große Gebiete auf Jahrzehnte hinaus geregelt und geordnet worden, ohne daß man dabei systematisch der Gleichberechtigung der Frau gedacht hätte, wie etwa bei der Reichsversicherungsordnung, während andererseits beim Bürgerlichen Gesetzbuch die bürgerliche Frauenbewegung gründliche und eifrige Vorarbeit leistete, weil hier die Vermögensinteressen der besitzenden Frau sehr stark in Frage kamen. Jetzt haben wir jedenfalls in der Reichstagsfraktion eine Arbeit, die auch den bürgerlichen Parteien während des Krieges sehr nötig erschien, ganz zielbewußt dazu benüßt, auf die Gleichstellung von Mann und Frau hinzuwirken: das große Gebiet der Bevölkerungspolitik, das seit Herbst vorigen Jahres umfassend gerade auf Betreiben der Sozialdemokratie in der 16. Reichstagskommission vorberaten worden ist. Hier kann natürlich kein erschöpfender Überblick über diese Arbeiten gegeben werden. Aber den sozialdemokratischen Frauen, die jetzt zur Reichskonferenz in Berlin zusammentreten, mag wenigstens angedeutet sein, wie sehr es sich bei jenen Beratungen um ihre höchsten Lebensinteressen handelte. Als man in der 16. Reichstagskommission zunächst die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Anschluß an Einrichtungen in Angriff nahm, die von der Heeresverwaltung während des Krieges für den Schutz der Soldaten und ihrer Angehörigen daheim geschaffen sind, da trafen wir sozialdemofratischen Kommissionsmitglieder schon auf die verhängnisvolle Ungleichheit in der Behandlung der beiden Geschlechter. Zwar war das Männerprivileg, frei von jeder Kontrolle wegen gemeingefährlicher Erkrankung zu sein, endlich durch die Kriegsnotwendigkeiten gebrochen. Alle aus dem Felde kommenden oder in das Feld zurückkehrenden Kriegsteilnehmer sollen auf Geschlechtskrankheiten untersucht und behandelt und sogar ihr Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Urlaub vom Befund und der Ansteckungsmöglichkeit abhängig gemacht werden. Als wir aber forderten, daß die Kontrolle besonders auch auf die Offiziere ausgedehnt und verschärft werden solle, und als wir sagten, dieselbe Kontrolle für Männer sei doch wohl in der Heimat nötig, zumal dort viel häufigere Ansteckungen festgestellt würden als im Feld, da stießen wir auf Widerspruch bei allen bürgerlichen Parteien und der Regierung. In der Heimat soll es nach wie vor in der Hauptsache dabei bleiben, daß die Frau, die außerehelich verkehrt, behördlich kontrolliert wird, und auch da nur die sogenannten Prostituierten, nicht die weit breiter und höher in alle Gesellschaftsschichten hineinreichende geheime Prostitution. Die Anträge, eine Meldepflicht für alle Geschlechtskranken, Männer und Frauen, sowie Gesundheitsämter zur Kontrolle der Gefährlichkeit ihrer Erkrankung einzurichten, wurde schließlich von allen bürgerlichen Seiten bekämpft und abgewiesen, sowohl aus Furcht vor der Aufdeckung ärgster Mißstände in bürgerlichen Streisen, als auch unter dem Drucke des einseitigen Erwerbsinteresses der Ärzte, die diese Verdienstquelle nicht auch noch an eine öffentliche Fürsorge verlieren wollen. Und bei der Fürsorge für den außerehelichen Geschlechtsverkehr gegen Entgelt, die wenigstens gesundheitlich einwandfreie Verhältnisse für diesen Verkehr schaffen sollte, war es uns sozialdemokratischen Mitgliedern ebenfalls noch lange nicht möglich, die sogenannten Prostituierten aus ihren Ausnahmegesetzen zu befreien und sie einfach der allgemeinen, für jedermann gültigen Gesundheitspflege zu unterstellen. Hier waren nur erst ganz schwache Anfänge zu erzielen, um die zum Teil jetzt noch gekämpft wird. Man wartet im Reichstag nämlich auf drei Regierungsvorlagen zur Regelung der Bevölkerungspolitik, die unter anderem gewisse Mittel zur Verhütung der Empfängnis verbieten, die Kuppeleiparagraphen mildern und das Berufsgeheimnis des Arztes weniger eng gestalten sollen. Dann wird der Kampf um gleichmäßige Behandlung von Mann und Frau aufs neue entbrennen. Auch als die 16. Reichstagskommission zum Schutz von Mutter und Kind im bevölkerungspolitischen Interesse überging, gab es reiche Arbeit für die einfachsten Frauenrechte. Unser Bemühen, für die ausgedehnte und anstrengende Erwerbsarbeit der Frau im Kriege besonderen und erhöhten Arbeitsschutz durchzusetzen, hatte nur sehr teilweisen Erfolg. Man einigte sich aber wenigstens auf die Forderung einer Wiederherstellung der in den ersten Kriegsjahren fast völlig preisgegebenen Gewerbeinspektion und auf den Achtstundentag für ununterbrochenen Betrieb, sonst den Zehnstundentag. Gewisse Grundforderungen für die Organisation moderner Kindergärten und Kinderhorte zur Entlastung der arbeitenden Mütter durchzusehen gelang uns noch nicht. Die in der bürgerlichen Presse zu einer großen Staatsangelegenheit aufgebauschte Heranziehung der Referentin für Frauenarbeit im Kriegsamt erfolgte auf sozialdemokratische Anregung. Niemand sonst hatte in der Kommission an diese Frau gedacht. So begegneten sich also die erste weibliche Regierungsvertreterin und die Arbciterbewegung im Parlament. 134 Die Gleichheit Als schließlich der Schuß unehelicher Kinder, ebenfalls auf besonderes sozialdemokratisches Drängen, zu ausführlicher Behandlung kam, stießen wir auf alte Männerborrechte in unheimlicher Häufung und voll bewußter Brutalität: auf die einseitige gesellschaftliche Achtung der unehelichen Mutter, aber nicht des unehelichen Vaters, auf die unglaublichen Prozeßschikanen, die zum Schuße der Väter gegen die Ansprüche der unehelichen Mutter noch verbrieftes Recht" sind, auf die mangelhafte Fürsorge für uneheliche Kinder und den ganzen Rattenschwanz von Mißständen, unter dem diese armen, herumgestoßenen Wesen zu leiden pflegen. Hier fanden wir mit unserer Atritit im Interesse der außerehelich gebärenden Mutter und ihres Kindes verhältnismäßig das meiste Verständnis bei den bürgerlichen Parteien. Es tamen eine ganze Reihe Reform beschlüsse einstimmig zustande, die in der ersten Nummer der " Gleichheit"( Nr. 18) unter der neuen Redaktion mitgeteilt worden sind. Nur ist leider noch nicht aller Tage Abend. Es handelt sich überall bei unseren Beschlüssen erst um Kommissionsentscheidungen, die noch vom Plenum des Reichstags und von der Regierung gutgeheißen werden müssen. Und da sie vor dem Herbst kaum zur Plenarberatung kommen und dann wieder neue Einsprüche auszuhalten haben werden, ist es noch lange nicht sicher, was von ihnen wirklich Gefeß wird. Aber eben deshalb sollte die Reichskonferenz der sozialdemofratischen Frauen Deutschlands sich mit ihrem Inhalt und ihrer Tragweite möglichst genau bekanntmachen und ihre Kenntnis hinaustragen in die Reihen der Frauen, die von ihrer beispiellosen Kriegsarbeit und von uns Befreiung erhoffen. Wir sollten die ganze proletarische Frauenwelt mit flarem Bewußtsein davon erfüllen, um was es sich hier für sie dreht, um ein neues soziales Frauenrecht, und wir sollten sie hinter die Kommissionsbeschlüsse zu stellen suchen, damit das Mindestmaß von Fortschritt, das wir erkämpft haben, durch ihre Unterstützung durchgesezt und vor Abstrichen geschützt wird. Die heilige Allianz der Völker. Ich sah den Frieden jüngst herniedersteigen, Er streute Blumen rings und lichtes Gold; In allen Tälern schlief ein holdes Schweigen, Wo eben noch des Krieges Sturm gegrollt. " Erwacht!" so klang's von seinem Göttermunde, ,, Erwacht vom Ebro zu der Wolga Strand! Schließt eure Reihn zum großen Völkerbunde, Reicht euch die Bruderhand!" Hellenen, Ruffen, Italiener, Briten, Erwacht, es naht die große Stunde nun! Ihr Söhne Deutschlands habt genug gestritten, Und ihr, Franzosen, laßt die Schwerter ruhn! Ihr alle blutet an derselben Wunde! Zerbrecht die dumpfe Kette, die euch bannt! Schließt eure Reihn zum großen Völkerbunde, Reicht euch die Bruderhand! Ruhm jedem Edlen, der die Freiheitsfahne Im Dienst des Friedens segensvoll erhebt! Tod dem Eroberer, der im Fieberwahne, Was Gott geeinigt, zu zerreißen strebt! Stürzt ihn hinab zum tiefsten Höllenschlunde, Werft seine Burgen praffelnd in den Sand! Schließt eure Reihn zum großen Völkerbunde, Reicht euch die Bruderhand! Hold zu der Auferstehung Morgenfeier Ertöne des Gesetzes Melodie! Baut eure Fluren bei dem Klang der Leier, Fromm an der Hand der Liebe erntet sie. Im Licht des Friedens heilt die letzte Wunde, Zum Himmel wird der Erde stilles Land: Schließt eure Reihn zum großen Bruderbunde, Reicht euch die Bruderhand! Béranger( überseht von Chamisso). о Politische Umschau Nr. 20 0 Die leisen Friedenshoffnungen, die sich an den Sturz des Zarismus und an die Verhandlungen der sozialistischen Internationale in Stockholm geknüpft haben, sind durch das Gebrüll der Geschüße und das Krachen der Bomben nicht minder übertönt worden wie durch das heisere Geschrei der Kriegshezer aller Länder. Der Jammer der Frauen, Mütter und Schwestern tommt in diesem Getöse überhaupt nicht auf. Der durch die deutschen Sozialdemo traten für die Stockholmer Verhandlungen ausgearbeitete Friedensvorschlag, der nicht nur dem Wüten dieses Weltkriegs ein schnelles Ende bereiten, sondern jeden Krieg für die Folge verhindern würde, ist von der Kriegspresse Frankreichs, Englands und Ameritas mit Hohn aufgenommen worden; die Gewalthaber dieser Länder lehnen nach wie vor den von den Russen geforderten, von den deutschen und österreichischen Sozialdemokraten befürworteten Frieden ohne Eroberung und Kriegsentschädigung ab; sie bestehen darauf, Deutschland in die Knie zu zwingen, und wollen darum das Völkermorden noch ein oder zwei Jahre weiterführen. Bei all dem Elend und bei allem innigen Mitgefühl mit den anderen darf das deutsche Volk sich dennoch glücklich schätzen, daß es nicht auch noch den Krieg im eigenen Lande hat. In einem jetzt vom Papste erlassenen Aufruf für das russische Litauen finden wir die folgende Schilderung: Das ständige Vor- und Rückwärtsströmen der kämpfenden Heere hat fast alles dem Erdboden gleichgemacht, Hunderte von Dörfern, große blühende Städte, mehr als 400000 heimische Herde. Ganze Gebiete sind buchstäblich zur Wüste geworden. Ein Teil der Bewohner, eine halbe Million, wurde nach Berlust aller Habe in entlegene russische Gebiete, ja bis nach Sibirien verschleppt, um dort ein jämmerliches Dasein zu führen. Die Glieder ein und der nämlichen Familie wurden vielmals auseinandergerissen; die Eltern haben in dem Wirrwarr oft ihre Kinder verloren; mehr als 500000 Familien sind in die Ferne versprengt oder gar dem Untergang anheimgefallen. Die Zurückgebliebenen, denen alles von den Heeren fortgenommen wird, leiden bitterste Not, sie hausen zahlreich in Erdlöchern. Auch die Bevölkerung in der Nähe der westlichen Kampffronten hat unter dem Kriege, nicht zuletzt durch die fürchterlichen Fliegerangriffe, entseßlich zu leiden. Bis nach Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Trier kommen die feindlichen Flieger. Unvergessen bleibt, daß vor Jahresfrist ein englisch- französisches Geschwader aus 3000 Meter Höhe eine Bombenlast auf eine Zirkuswiese in Karlsruhe herabfallen ließ, wobei mehr als hundert spielende Kinder zerfetzt oder für ihr weiteres Leben zu Krüppeln gemacht wurden. Kürzlich unternahmen deutsche Flieger einen Angriff auf die militärischen Anlagen der Festung London, wobei 25 Männer, 16 Frauen und 26 Kinder getötet, 223 Männer, 122 Frauen und 24 Kinder verwundet wurden. Erst eine spätere Zeit wird die Menschheit wieder befähigen, die Schreden und Greuel des Weltkriegs, der bisher wohl schon sieben Millionen Männer gemordet und fast ebenso viele zu Krüppeln ge= macht hat, in ihrer ganzen wahnsinnigen Grausigkeit zu ermessen. Wenn nicht baldigst die Vernunft wieder zur Herrschaft kommt, wird ganz Europa nur noch teils Lazarett, teils Leichenacker sein. Viel hängt von der Haltung des russischen Arbeiter- und Soldatenrates ab, der sich bisher noch nicht von den französischen und englischen Sendboten für deren Erobererpolitik hat breitschlagen lassen, vielmehr verlangt, daß die Westmächte ihre Kriegsziele einer erneuten Prüfung unterziehen. Zwar sagt der Arbeiter und Soldatenrat, daß auf der zu diesem Zwed einzuberufenden Konferenz die Verpflichtung, feinen Sonderfrieden einzugehen, nicht besprochen werden soll; aber die Gefahr, daß Rußland dennoch schließlich zu einem Sonderfrieden schreiten könnte, wenn die Westmächte bei ihrem Eroberungs- und Zerschmetterungsprogramm beharren, bleibt als Drudmittel Rußlands gegen seine Verbündeten bestehen. Vorläufig hat aber der Krieg durch die Hineinziehung Griechenlands, dessen neutralen König die Westmächte abgesägt haben, eine neue Erweiterung erfahren, und in Spanien arbeitet man mit Hochdruck gleichfalls auf eine Beteiligung am Kriege zugunsten Englands und Frankreichs hin. Bei uns im Lande wanken zwar keine Throne, wohl aber wanten deren angeblich zuverlässigste Stüßen. Der konservative Politiker Dr. Thimme wirft seinem Parteifreunde, dem fonservativen Führer Dr. v. Heydebrand, vor, seine Politik lasse dieser Partei nur noch die Wahl: Bruch mit der Krone oder Unterwerfung der Krone unter Heydebrands Willen! Die Junker Ostelbiens haben der Monarchie gegenüber stets auf dem Standpunkt gestanden: Und der König absolut, wenn er unsern Willen tut! Nr. 20 Die Gleichheit Am 5. Juli tritt der Reichstag wieder zu einer voraussichtlich furzen Tagung zusammen. Die sozialdemokratische Fraktion wird sicherlich die Gelegenheit nicht unbenußt lassen, die Regierung und die bürgerlichen Parteien auf dem Wege zur Demokratisierung Deutschlands vorwärts zu treiben. Diese scheinbar nur innerpolitische Angelegenheit hat auch ihre sehr ernste Bedeutung für die äußere Politit, im gegenwärtigen Augenblick ist sie eine Hauptfrage für die rasche Herbeiführung des Friedens. Nicht nur durch Versprechungen und schöne Worte. sondern durch sichtbare und wirksame Taten muß Deutschland den Beweis liefern, daß es in Zukunft die Bahnen freiheitlicher Entwicklung wandeln will. Gerade dadurch würde den nationalistischen Kriegshezern des feindlichen Auslandes viel Agitationsstoff entzogen. Und den konservativ- alldeutschen Schreiern im eigenen Lande nicht minder. Zu den wenigen Gesetzesvorlagen, die der Reichstag zu erledigen hat, gehört auch ein Antrag der Regierung, die Gesetzgebungsperiode des gegenwärtigen Reichstags nochmals um ein Jahr zu verlängern. Das ist leider eine bedauerliche Notwendigkeit, die die lange Dauer des Krieges mit sich bringt. Zur Organisation der Arbeiterinnen. ☐ Die Frauenarbeit hat während des Krieges gewal tig zugenommen. Nach den Mitgliederstatistiken der deutschen Krankenkassen beträgt diese Zunahme der erwerbstätigen Frauen allerdings nur rund 600 000; aber es besteht kein Zweifel, daß diese Zahl in Wirklichkeit viel größer ist. Denn diese Statistiken bieten ganz abgesehen davon, daß gewöhnlich ein gewisser Prozentsaz der Krankenkassen nicht zu berichten pflegt kein richtiges Bild über die Zahl der wirklich erwerbstätigen Frauen. Daß diese Zahl wäh rend des Krieges ganz gewaltig zugenommen haben muß, beweist eine Erhebung des Deutschen Metallarbeiterverbandes über„ Die Frauenarbeit in der Metallindustrie" während des Krieges. Handelt es sich hierbei auch nur um einen, wenn auch außerordentlich bedeutsamen Epezialzweig unseres Wirtschaftslebens, so lassen die Ergebnisse dieser Umfrage doch immerhin wertvolle Rückschlüsse zu. Durch die Erhebung wurde in den davon erfaßten MeFeuilleton Frisch gewagt ist schon gewonnen, Halb ist schon mein Werk vollbracht! Sterne leuchten mir wie Sonnen, Nur dem Feigen ist es Nacht. * Nicht in die ferne Zeit verliere dich! Den Augenblick ergreife, der ist dein. Givet. Goethe. Schiller. Weit in belgiſches and hinein, bem Laufe der Maas folgend, stößt ein spizer Keil französischen Landes vor. An der äußersten Spize dieses Keils liegt die französische Festung Givet. Die Stadt streckt sich unten im Tal. Gleichgültig. Ohne viele Reize. Auf einem großen Plaz inmitten der Stadt überrascht ein Denkmal, das einen Mann in lebhafter Haltung und mit durchgeistigtem Gesicht darstellt: der Komponist Méhul ist in Givet geboren. Bis an die Häuser der Stadt ragt ein Berg, ein Felsen, ein ungeheures Massiv. Truhig und steil steigt der Stein an. Wo noch mildere Steigungen gewesen sind, hat Menschenkunst nachgeholfen und gewaltige, scharfiasige Bastionen gebaut. Stolz und herausfordernd schaute von dort oben die Festung Givet ins Land hinein. über das belgische Land hinweg, weit hinweg. Belgien war kein Feind. Aber nach Deutschland hinüber ging der Blick: mögen sie kommen, an diesem Felsen werden die feindlichen Heere zersplittern! Auf dem Felsen oben eine Soldatenstadt. Haus neben Haus. Kasernen, Stallungen, Küchen, Wirtschaften. Und Vorratsräume. Für Lebensmittel und für Geschütze und Munition. Und mitten 135 tallbetrieben eine Zunahme der weiblichen Arbeitskräfte von August 1914 bis August 1916 von 63 570 auf 266 530, also um mehr als 300 Prozent festgestellt. Die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte befand sich schon vor dem Kriege in ununterbrochenem Steigen. Sie stieg zum Beispiel in den 25 Jahren von 1882 bis 1907 von 5,54 auf 9,49 Millionen, während in der gleichen Zeit sich die Zahl der männlichen Arbeitskräfte von 13,37 auf 18,58 Mil. lionen erhöhte. Diese gewaltige Steigerung der weiblichen Erwerbstätigkeit drückt nicht nur unserem gesamten Wirtschaftsleben ihren Stempel auf, sondern erheischt auch gebieterisch, daß Staat und Gefeßgebung dieser veränderten Situation Rechnung tragen. Mit der veränderten Stellung der Frau im Wirtschaftsleben ist zugleich ihre Stellung in Staat und Gesellschaft eine andere geworden. Die Frau hat Anspruch darauf, als gleichberechtigter Faktor mit dem Manne gewertet zu werden. Die selige Zeit der ehrbaren Zunft und Innungsarbeit mit dem Wahrspruch:„ Die Frau gehört ins Haus" ist längst verrauscht und spukt nur roch in jenen Köpfen, denen die neue Zeit mit den neuen Menschen und Forderungen unbequem ist. Daß bei der bedeutsamen Stellung der Frau im Wirtschaftsleben auch die Arbeiterschaft, besonders die Gewerkschaften längst damit begonnen haben, die Frauen als Mitglieder den Organisationen zuzuführen, liegt auf der Hand. Gilt es doch, die Frau als Mitkämpferin zu gewinnen und sie mit dem Geiste der Kameradschaftlichkeit und der Interessensolidarität zu erfüllen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder der freien Gewerkschaften betrug zu Beginn des Krieges 221 071, eine im Verhältnis zur Gesamtzahl der im Erwerbsleben tätigen Arbeiterinnen geringe Zahl. Während des Krieges ist nun diese Zahl sogar zurück gegangen; sie betrug am 30. Juni 1916 nur noch 182256, also bald 20 Prozent weniger. Diese Tatsache, die übrigens nicht nur bei den freien, sondern auch bei den christlichen und Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften zu verzeichnen ist, gibt angesichts der Zunahme der Frauendrin eine hochragende Kirche. Tausende von Soldaten haben hier dauernd gewohnt. Alles ist aus schwerem Stein gebaut. Die Häuser aus dicken Quadern sind teils in den Stein hineingehauen, teils auf ihm errichtet worden. Unterirdische Gänge und Gewölbe kriechen tief hinunter und nehmen kein Ende. Durch sie hindurch ist seinerzeit die französische Besaßung geflüchtet. Spurlos. Wie durch ein Wunder. Hier und da gluckert in der Tiefe ein Wasser. Schade um den armen Landsturmmann, der auf den zerschossenen und verfallenen Stufen ausgleitet. Kein Mensch vermag ihn aus der Tiefe zu retten. Im Freien ist ein breiter, tiefer Brunnen. Unten, tief unten schaukelt trübes Wasser. Es dauert lange, che der Stein unten ankommt. Trübe, breiige Wellen schieben sich von der Mitte an den Rand. Und kehren dann in die Mitte zurück. Man schaudert zurück. Wie viele Soldatenleichen mag das trübe Wasser beherbergen? Was ist von der stolzen Soldatenstadt, die für die Ewigkeit gebaut schien, übriggeblieben! Als der französische Kommandant zur Übergabe aufgefordert wurde, antwortete er höhnisch, in hundert Jahren solle man wieder anfragen. Bis dahin habe er alles, was er brauche. Dann begannen die deutschen und österreichischen Geschüße ihre gewalttätige Arbeit. Es dauerte nicht lange, da war von dem Stolz nichts mehr vorhanden, da suchte sich zu retten, was sich zu retten vermochte. Solche fürchterliche Zerstörung hatte man nicht erwartet. Was wollten die meterdicken Steinmauern gegen die ungeheure Kraft der Explosivgeschosse! Sie zersplitterten wie Holz. Keines von den vielen hundert Steinhäusern ist ganz geblieben. Eine einzige wüste Trümmerstätte die einst so stolze Soldatenstadt! In den Ruinen suchen die Einwohner und die Mannschaften der deutschen Wache nach dem wenigen Holz, das noch übriggeblieben ist und festgefeilt zwischen den Steinmassen liegt. 136 Die Gleichheit erwerbsarbeit zu denken. Worauf sie zurückzuführen ist, kann hier jetzt nicht untersucht werden. Es dürfte auch schwierig sein, sich gegenwärtig erschöpfend darüber zu äußern. Die allgemeinen Kriegsnöte und verhältnisse, der Mangel an genügend Funktionären, die Tatsache, daß die Frauen an und für sich sehr schwer zu organisieren und in der Organi sation zu halten sind, mögen hierbei eine Rolle spielen. Einzelne Gewerkschaften werden auch besonders vor dem Kriege gerade dieser Frage nicht jene Bedeutung beige legt haben, die ihr zufommt. Die besonders starke Zunahme der Frauenerwerbsarbeit während des Krieges hat natürlich auch zum Teil besondere Kriegs ursachen. Fallen diese wieder weg, so wird auch ein Teil der gegenwärtig arbeitenden Frauen sich aus dem Erwerbsleben wieder zurückziehen. Aber die allgemeine Zunahme der Frauenarbeit bleibt trotzdem bestehen. Sie wird wahrscheinlich nach dem Kriege in noch weit stärkerem Maße zu beobachten sein als vorden, da mehr und mehr nicht nur die jungen Mädchen infolge der geringeren Heiratsmöglichkeiten, sondern auch die Frauen in den minderbemittelten Familien infolge der gesteigerten Unterhaltsfosten mehr als je auf Erwerbstätigkeit angewiesen sind. Daraus ergibt sich für die Zukunft die zwingende Not. wendigkeit für die Arbeiterorganisationen, auf die Organisierung der Arbeiterinnen das größte Gewicht zu legen. Hand in Hand damit muß eine planmäßige Aufklärungs- und Erziehungsarbeit des weiblichen Proletariats gehen, die sich ganz besonders den jüngeren Schichten widmen muß. Nach dieser Richtung betätigt sich gegenwärtig vor allem die freie Jugendbewegung, die ungefähr zu einem Drittel weibliche Anhänger zählt. Während des Krieges hat - wie aus vorliegenden Berichten hervorgeht- das Interesse der jungen Mädchen für die Veranstaltungen der Jugendbewegung erheblich zugenommen. Was den jungen Mädchen hier geboten wird, ist nicht nur für sie und ihre geistige Entwicklung allein von Bedeutung, sondern es kemmt der gesamten Arbeiterbewegung zugute und muß Solche Festungen wird die Zukunft nicht mehr kennen. Sie sind wertlos geworden wie einst die Raubritterburgen, als das Pulver die Kugeln von unten her in sie hineinschickte. Und wie eine alte Ritterburg auf ragender Zinne den Wanderer lockt und ihm, wenn er zu ihr kommt, von längstvergangenen Zeiten und ihren Kriegen erzählt, so wird der Trümmerhaufen Givet für die späteren Geschlechter ein Stück lebendiger Geschichte sein. Dann möge der salle de lecture bleiben, wie er ist: ein niedriges, verräuchertes Zimmer. An den Wänden noch die Spuren der Regale, auf denen die Bücher standen, die den Soldaten in einsamen Stunden die Zeit verkürzten. In der Ecke noch der Kamin mit erloschenem Feuer. Als wären die französischen Soldaten erst gestern abend aufgescheucht worden und hätten vergessen, frisch nachzulegen. Und dort, unter Schutt und Schmutz ein blauer Ärmel mit roten Aufschlägen! Givet ist schon zu Anfang des Krieges gefallen, als die Franzosen noch ihre bunten Uniformen trugen. Wie hat der Soldat seinen Ärmel verloren? Ist er ihm im fürchterlichen Handgemenge ausgerissen worden? Oder hat er den Arm mitsamt dem Ärmel verloren und ist er selber einer von den vielen, die unter den Steintrümmern ruhen? Und deren Gebeine erst nach Jahren oder nie wieder aufgefunden werden? Der vogtländische Landsturmmann, der den Wanderer auf den Ruinen begleitet, erzählt am hellen Tage halb flüsternd von dem Grausigen, das unter den Steinmassen verborgen sein mag. Wie wird ihm erst nachts auf einsamem Patrouillengang zumute sein, wenn der Sturm zerrissene Nebelfezen heulend durch die bleichen Ruinen jagt! Auch die Steintrümmer mit den drei Betten mögen so bleiben, wie sie sind. Sie erzählen eine traurige Geschichte. Ein Korporal wohnte dort. Mit Weib und Kindern. Zwei kleine Betten aus Metalldraht liegen umgestürzt in der einen Ecke, ein blau ladiertes und ein braun lackiertes. In dem blauen schlief die kleine Gabriele, in dem braunen der kleine Pierre. Was wußten sie von Krieg und Nr. 20 ihr in Zukunft noch weit mehr nußbar gemacht werden. Dazu gehört freilich, daß die erwachsenen Frauen und die Arbeitereltern sich nach Kräften der Jugendbewegung annehmen und diese unterstügen, indem sie die jungen Mädchen auf deren Veranstaltungen und Einrichtungen aufmerksam machen. So wird gegenwärtig eine eifrige Agitation unter den jungen Mädchen betrieben. Die Nr. 11 der ArbeiterJugend", unseres vortrefflichen Jugendorgans, das auch die Interessen der weiblichen Arbeiterjugend nachdrücklich vertritt, ist zu diesem Zwecke als besondere„ Mädchennummer" erschienen. Möge auch von unseren Genossinnen und den Leserinnen der„ Gleichheit" nach Kräften dazu beigetragen werden, daß die„ Arbeiter- Jugend" unter den jugendlichen Arbeiterinnen zahlreiche neue Leserinnen findet. Damit leisten wir wertvolle Arbeit nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft, für die Heranziehung überzeugter Mitkämpferinnen in der modernen ArbeiterbeweRichard Weimann. gung! Vom Fortgang des Frauenrechts Die Petitionskommission des Reichstags beschäftigte sich in ihrem 51, und 60. Bericht mit Petitionen, die das Frauenwahlrecht zum Gegenstand haben. Im Auftrag der Mitgliedervereine des Deutschen Frauenstimmrechtsbundes beantragen Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann: nach Beendigung des Krieges den Frauen das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zum Reichstag zu verleihen. In der Begründung wird ausgeführt, daß die Zeit nach diesem welterschütternden Kriege jeden Staat mehr denn je vor die unabänder= liche Notwendigkeit stellt, alle zur Verfügung stehenden Kräfte zum Vorteil des Staates auszunußen, der Gesamtheit dienstbar zu machen. Zur besten Entwicklung aller Fähigkeiten sei in erster Linie die politische Befreiung aller mündigen Staatsangehörigen notwendig. Aus der Geschichte sei die Lehre zu ziehen, daß jedesmal, wenn politische Rechte auf einen größeren Teil Rechtloser übertragen wurden, das politische Leben einen mächtigen Aufschwung genommen habe. Dem politischen Aufschwung sei nach wenigen Jahrzehnten ein erstaunlicher kultureller Fortschritt geMord und Totschlag! Sie schliefen wie immer. Aber nebenan in dem breiten Bett wälzte sich unruhig die Mutter. Und als das große Krachen begann und der Korporal in schrecklicher Aufregung hereinstürzte, da ergriffen sie beide ihre schlaftrunkenen, weinenden Kinder und folgten dem flüchtenden Haufen durch die unterirdischen Gänge und Kanäle. Bis an den rettenden Eisenbahnzug. Klein- Gabriele und Klein- Pierre, wo seid ihr geblieben? Lebt ihr noch irgendwo? Eure Betten, in denen ihr eure ersten Kinderträume spannet, liegen wüst, mit zerrissenen Matraßen in dem Trümmerfeld Givets! „ Gut, daß es unseren Kindern nicht so ergangen ist," sagt aufErnst Alms Ioh. atmend der erzgebirgische Landsturmmann. Rosenzeit. Wenn die wilden Rosen blühn An des Feldes Rand, Frischgemähtes Wiesengrün Duftet durch das Land, Wenn in stillen Waldesgründen Sich die roten Beeren ründen Und die Sommerzeit verkünden, Wenn der Himmel braut so weit, O du schöne Rosenzeit! Hell und warm ist nun die Nacht, Länger wird der Tag, Daß er all der Schönheit Pracht In sich fassen mag. Frühling ist noch nicht gegangen, Sommer hat schon angefangen, Beide hold vereinigt prangen, Herbst und Winter sind noch weit, O du schöne Rosenzeit! Nr. 20 Die Gleichheit folgt. Die Frauen werden in der Eingabe als geistige und leibliche Mütter des Volkes bezeichnet, die in dieser Zeit ihre Zugehörigkeit zum Staate doppelt stark empfunden und bewiesen hätten. Die Frauen leisteten dem Staate Dienste, die überhaupt seine Existenz bedingen. Die Billigkeit fordere, daß der Staat den Frauen in ihrer Gesamtheit jene Rechte und Verantwortung verleihe, die er jedem Manne ohne Frage nach Verdienst und Leistung gewähre. Der Korreferent der Betitionskommission führte an: Die Eingabe bringe beachtliche Gründe nicht, die Stellung der einzelnen politischen Gruppen zu dem Wahlrecht der Frauen sei bekannt, es empfehle sich übergang zur Tagesordnung. Der Berichterstatter dagegen, unser Genosse Brey, hält die Eingabe für wichtig. Unsere ganze wirtschaftlich- soziale und wirtschaftliche Entwicklung erfasse die Frauen in einem weiten Maße. Sie seien erfaßt beim Arbeiterschutz, der Arbeiterversicherung, bei der Ernährungspolitik und bei einer großen Reihe anderer öffentlich- rechtlicher Fragen. Aus diesen Gesichtspunkten verdiene die Eingabe eine günstige Behandlung. Dieser Anregung gemäß hat der Ausschuß beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme zu überweisen. Allerdings hat er ebenso beschlossen mit einer Petition des„ Deutschen Bundes gegen die Frauenemanzipation", die unter Bekämpfung der ersten Petition sich gegen das kommunale und parlamentarische Stimmrecht der Frauen ausspricht. Der Fortschritt der Zeit wird aber über solche rückständigen Bestrebungen zur Tages ordnung übergehen. Selma Lagerlöf über das Frauenwahlrecht. Die schwedischen Frauenvereine hatten kürzlich eine große Versammlung in Stockholm anberaumt, die vorzugsweise der Erörterung der Frage des Frauenstimmrechts dienen sollte. Selma Lagerlöf, die berühmte schwedische Dichterin, die am persönlichen Erscheinen verhindert war, hatte der Versammlung ein längeres Schreiben gesandt, in dem sie ausführt, warum die politische Mündigkeitserklärung der Frau unbedingt zu fordern sei. Der Brief schließt mit folgenden Worten: Möge man uns nicht länger mehr warten lassen! Wir sind Arbeiterinnen, die in jahrelanger Arbeit die Bausteine zu einem Bau zusammengetragen haben. Wir haben den Bauplatz, der dazu gehört, wir haben den Grundriß, wir haben Steine, aber man verweigert uns bisher die Erlaubnis, das Werk auszuführen. Möchte man sie bald geben! Möchte der Grundstein gelegt werden! Möchten die Mauern sich erheben! Warum soll so viel Kraft im Warten verpuffen? Warum so viel Eifer in Untätigkeit brachliegen? Möchte man uns das Werk beginnen lassen! Wir sind die I Ja, in Rosen steht die Welt, Aber ahnungsbang Rauschet durch das ährenfeld Schon ein fremder Klang: Bald ertönt der Erntereigen, Und die Rose wird sich neigen, Und die Vögel werden schweigen. Ach wie bald, dann liegst du weit O du schöne Rosenzeit! Heinrich Seider. Friedensvorkämpferinnen im Altertum. Von Anna Blos. n den Erörterungen über den Geburtenrüdgang ist auch geteit, Verhältnisse zu erzwingen, in denen es für jede Mutter ein Glüd ist, Kinder zur Welt zu bringen, weil alle Kinder zu gesunden und frohen Menschen aufgezogen werden können. So modern aber der Gedanke des Gebärstreits auch anmutet, so ist er doch schon vor vielen Hunderten von Jahren erwogen worden, nur daß er damals nicht den Schutz von Mutter und Kind herbeiführen sollte. Durch den Gebärstreit, durch das Versagen der ehelichen Pflichten sollte einem furchtbaren Krieg ein Ende gemacht werden, die Frauen wollten auf diese Weise den Frieden erzwingen. Der diesen Gedanken ausspann, war der griechische Lustspieldichter Aristophanes, der um die Zeit von 450 bis 485 v. Chr. in Athen lebte. Es war damals die Zeit der höchsten Blüte Athens, aber Aristophanes erkannte mit sicherem Blick, daß diese Blüte bereits den Keim des Verfalls in sich trug, wenn er auch den eigentlichen Grund dieses Verfalles nicht erkannte. Wenn die Männer verweichlichen, zeigt sich sehr häufig die Erscheinung, daß die Frauen aus der ihnen vorher auferlegten Zurüd gezogenheit heraustreten und ihren Einfluß geltend machen. So erfahren wir durch Aristophanes, daß unter den griechischen Frauen schon eine Art Emanzipation um sich gegriffen haben muß. Diese Emanzipation war natürlich anders geartet als die moderne Frauen137 Sämänner, die am Ackerrain stehen mit gefüllten Beuteln und offenen Händen, um die Saat auszustreuen. Ein kalter, langer Winter hat geherrscht, harter Nordwind, Frost und verspäteter Lenz! Laßt uns auf den Acker, um zu graben und zu säen! Laßt nicht so viele Gedanken und Ideen vom Winde verwehen! Wir sind Bettlerinnen. Wir leiden unter der harten Zeit, Verzweiflung hat uns erfaßt, seit Jahren haben wir nur von Unglück über Unglück gehört, wir sind nahe daran, vor Müdigkeit zusammenzubrechen. Laßt uns ein wenig Freude zukommen! Laßt uns noch einmal Mitgefühl und Barmherzigkeit empfinden! Wie herrlich müßte es sein, in hoffnungslosen Zeiten der zu sein, welcher das Dunkel zerreißt und einen Strahl neuen, unerwarteten Glückes über den Menschen aufleuchten läßt!" Kleine Mitteilungen. Der Deutsche Frauenstimmrechtsbund richtet an den Verfassungsausschuß des Reichstags das dringende Gesuch: allen verfassungsrechtlichen Reformarbeiten des Ausschusses die politische Gleichberechtigung der Frauen als unumgängliche Bedingung zugrunde zu legen und nicht nur für die Männer, sondern auch für die Frauen zum Reichstag und zu den Landtagen der Bundesstaaten die Wählbarkeit und das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu fordern. Ein Preußentag der Fortschrittlichen Volkspartei hat die parlamentarische Vertretung der Partei ersucht,„ darauf hinzuwirken, daß im Wege der Gesetzgebung die volle Mitbestimmung der Frauen in Reich, Staat und Gemeinde angebahnt wird". Visher hat es die fortschrittliche Reichstagsfraktion noch an einer entschiedenen Vertretung der Frauenforderungen fehlen lassen. In Berlin ist eine Abteilung für fommunale Arbeit der Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit gegründet worden. Das Arbeitsgebiet umschließt folgende Aufgaben: 1. Gewinnung von Frauen für kommunale Ämter in Armenpflege, Waisenpflege usw.; 2. Vertretung der Frauenforderungen mit Bezug auf die Zuziehung von Frauen zu städtischen Kommissionen und Deputationen; 3. Anregung der Berliner Frauenvereine zu gemeinsamen Kundgebungen bei gemeinsamen Interessen. Der Verein für Frauenstimmrecht in Dresden hat dem Sächsischen Landtage in einer Eingabe die Forderung des aktiven und passiven Wahlrechts der Frauen unterbreitet. Die Eingabe ist an den Ausschuß für Neuordnung gegangen. In München hat das Gemeindekollegium mit allen gegen 7 Stimmen beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, weibliche Persenen in verschiedene Ausschüsse zu berufen. bewegung, denn die Stellung der griechischen Frauen war völlig anders als die des Weibes von heute. Die Griechinnen des Klassischen Altertums waren auf das Haus angewiesen, und nur vereinzelte durch Geist und Schönheit hervorragende Frauen, wie Aspasia, gewannen Einfluß auf die Angelegenheiten der Männer. In drei Lustspielen beschäftigt sich Aristophanes mit den Frauen. In allen gibt er dem Gedanken Ausdruck, daß das Weib, das dem Staat Söhne schenkt und opfert, eine Ehrenstelle einnehmen müßte. In der„ Weiberversammlung" werden sie zu Trägerinnen des Staatsgedankens. Sie fordern für sich das Wahlrecht und eine neue, an den Kommunismus streifende Verfassung. In dem Lustspiel„ Lysis. thrata" ist das Ziel, das die griechischen Frauen verfolgen, die Erreichung des Friedens. Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, entspricht dem Geschmack der damaligen Zeit, die das Natürliche und Unmittelbare liebte. Dieser Weg ist: die Verweigerung der ehelichen Pflichten. Das Stüd spielt zur Zeit des Peloponnesischen Strieges. Lysisthrata, die Vorkämpferin des Friedensgedankens, beruft alle Frauen von Hellas ein. Sie fümmert sich nicht um die Streitigkeiten der Männer, wohl aber sieht sie in allen Frauen ihre Schwestern. Zögernd und Langsam finden sich die Teilnehmerinnen ein, denn„ stets verknüpft mit Schwierigkeiten ist Frauenausgang. Die eine hat noch erst am Mann zuzusehen, jene da zuvor den Knecht zu wecken, die zu betten ihr Kleines noch, die noch es zu baden, die es zu füttern erst". Lysisthrata hat erkannt, daß das Wohl und Wehe des Vaterlandes in die Hände der Frauen gegeben ist und daß ihre Stärke in ihrer Vereinigung und in festem Zusammenhalten besteht. Die Frauen besezten die Burg von Athen, die nur von alten Männern bewacht war, und es beginnt eine sehr amüsante Fehde zwischen diesen und den Amazonen. Lysisthrata, auch hier die Führerin, erklärt den Männern die Ursache der Aufregung und Erbitterung der Frauen. Kamen die Männer aus der Ratsversammlung und wurden von ihren Weibern nach den so oft verkehrten Beschlüssen gefragt, so hieß es:„ Was ficht's dich an? Gleich schließe den Mund." Erlaubten die Frauen sich eine Kritit, so erhielten sie die liebenswürdige Antwort:„ Bleib ja bei dem friedlichen Rocken, sonst. set' ich im Nu dir die Haube zurecht, denn den Serieg laß Männern zur Sorge." Lysisthrata ver 138 Die Gleichheit In der Sitzung des österreichischen Reichsrats vom 13. Juni hat Genosse Seiß in seiner großen Rede zum Budget auch über die Leistungen und Leiden der Frauen im Kriege gesprochen. Genosse Seitz hat in seiner Rede das Stimmrecht für die Frauen in Reich, Land und Gemeinde gefordert. Die russische provisorische Regierung hat beschlossen, für alle Ärztinnen unter 45 Jahren, die keine kleinen Kinder haben, die militärische Dienstpflicht einzuführen. Die holländische Erste Kammer hat das Gesetz über die Verfassungsrevision ebenfalls angenommen. Das Gesetz enthält ein liberales Wahlrecht, das auch für die Frauen das Stimm= recht vorsieht, und ist von der Zweiten Kammer schon vor längerer Zeit verabschiedet worden. Die englischen Frauenstimmrechtsorganisationen sind mit der in der Regierungsvorlage vorgesehenen Altersgrenze von 30 oder 35 Jahren für die weiblichen Wähler durchaus nicht einverstanden. Sie haben in Versammlungen dagegen protestiert. Das englische Unterhaus hat mit 385 gegen 55 Stimmen den Grundsatz des Frauenstimmrechts angenommen. Genossenschaftliche Rundschau Der größte deutsche Konsumverein ist nach den leztjährigen Ergebnissen der Konsum, Bau- und Sparverein Produktion" in Hamburg. Der Umsatz betrug im Jahre 1916 46,4 Millionen Mark ( gegen 31,3 im Vorjahre), wovon 28,2 Millionen auf den Ladenumjag und 18,2 Millionen auf die Schlächterei entfallen. Letztere arbeitet für die Heeresverwaltung. Zu diesem Zwecke mußten zwei große Konservenfabriken mit umfangreichen Maschinenanlagen errichtet werden. Am Jahresschluß wurden in der Schlächterei außer zahlreichen von der Intendantur abkommandierten Soldaten 1529 Personen beschäftigt. Das Gut Schwanheide lieferte befriedigende Erträge und schnitt finanziell gut ab. An die 2467 beschäftigten Personen wurden Gehälter und Löhne in Höhe von 3,6 Millionen Mark gezahlt. Die 99021 Mitglieder erhalten vom Reinüberschuß 5 Prozent Rückvergütung im Gesamtbetrag von 1,3 Millionen Mark. Den Reservefonds werden 161 000 Mart, verschiedenen Unterstützungsfonds und dem Bildungsfonds zusammen 106000 Mark zugeführt, während 1118500 Mark als Kriegsgewinnsteuerrücklage Verwendung finden. Eine soziale Tat von weitgehender Bedeutung zeigt sich in der Verwendung von 1 Million Mark aus dem Reinüberschuß zur Errichtung eines Kindererholungsheimes. An einem der Osttritt mit großer Beredsamkeit den Standpunkt, den Frauen müſſe eine gewichtige Stimme in den Beratungen über Krieg und Frieden zuerteilt werden, denn gerade sie werden doppelt und dreifach von der Last des Krieges gedrückt. Sie gebären dem Vaterland die Söhne und müssen sie ins Feld schicken. Traurig ist das Los der Jungfrauen, die einsam hinaltern, da die Freier im Feld sind. Das Altern der Männer ist nicht das gleiche, denn der Mann, der selbst als Graukopf heimkehrt, freit schnell noch ein blühendes Mädchen". Doch des Weibes Glückstern neigt bald sich in Nacht, und versäumt sie die Strahlen des Morgens, wirbt niemand mehr um sie. Traurig ist auch das Los der Witwen, die durch den Krieg vereinsamen. Die Frau, die ihr Steuerteil auch trägt, denn sie bringt ihre Söhne dar, verlangt, daß man ihren Rat anhört, denn leicht versteht sie zu schlichten die gewaltige Flut der Verwirrung, wie sie das verschlungene Gespinst zu entwirren vermag". Wohl versuchen einzelne Frauen, ihrem Schwur untreu zu werden aus Sehnsucht nach Mann und Heim, aber Lysisthrata gelingt es immer wieder, die Säumigen bei ihrem Versprechen festzuhalten. Und je trozziger die Frauen dem Verlangen ihrer Männer Widerstand leisten, um so verlockender erscheinen sie diesen. Gesandte aus Sparta und Athen erscheinen, um mit Lysisthrata zu verhandeln. Diese wendet all ihren Scharfsinn und ihre weibliche Anmut auf, um die Streitenden zu versöhnen. Zuerst betonte sie, daß sie zwar ein Weib sei, aber doch Verstand habe". Sie setzt den Athenern und Spartanern auseinander, wie viele Freundschaftsdienste sie einander schon geleistet haben, in wie schwerer Not sie früher einander beistanden und wie viel Unsegen der Krieg beiden Ländern bringt. Den Männern, die von heißem Verlangen nach ihren Weibern und ihrer Häuslichkeit erfüllt sind, leuchten die Vernunftgründe der Lysisthrata schließlich ein, und das Lustspiel endet mit dem Sieg der Frauen und einer jubelnden Friedensfeier. Wir wissen nicht, welchen Eindrud Lysisthrata auf die Zeitgenossen des Aristophanes gemacht hat. Das aber erkennen wir: es liegt ein tiefer Sinn in der wißigen Komödie, und Frauen als Vertreterinnen des großen Friedensgedankens gab es nicht nur im Klassischen Altertum, sie sind auch heute noch seine begeistertsten Anhängerinnen. Nr. 20 seebadeorte sollen in einem mit Schlaf, Spiel-, Turn- und Baderäumen versehenen Gebäude jährlich abwechselnd etwa 1000 Kinder je einen Monat zur Erholung untergebracht werden. Berücksichtigung sollen nur die Kinder der Mitglieder finden. Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumbereine hat eine wesentliche Verminderung des Umsatzes zu verzeichnen. Die Ursache liegt in der durch die Kriegswirtschaft bedingten Einschräntung des Großhandels. Der Gesamtumsag im Jahre 1916 betrug nur 133,9 Millionen gegen 152,8 Millionen Mark im Vorjahre. Dahingegen hat sich der Gesamtumsatz der Fabriken recht erheblich vermehrt. In den zwei Seifenfabriken, der Teigwarenfabrik, den drei Zigarrenfabriken, der Zündholz-, der Kautabat, der Kisten-, der Mostrichfabrik und der Gewürzmühle wurden Waren im Werte von rund.29 Millionen erzeugt gegen 18,4 Millionen im Vorjahre. Der Giroumsaz in der Bankabteilung steigerte sich von 420 auf 440 Millionen, die Banfeinlagen betrugen 43,8 gegen 22,7 Millionen im Vorjahre. Das eigene Kapital der Gesellschaft besteht in 6 Millionen Mart Stammeinlagen, 11,5 Millionen Mark Reserven und sozialen Fonds in Höhe von 1,2 Millionen Mart. Vom Reingewinn in Höhe von 2176000 Mark erhalten die angeschlossenen Konsumvereine 721000 Mart als Zinsen auf die Stammeinlagen und Rückvergütung auf die Umsäße, während 627000 Mark den Reserven zufließen. Zu Unterstügungs- und anderen sozialen Zweden werden 558000 Mart überwiesen. Der Geschäftsbericht sagt, daß die ausgezeichnete Finanzlage gestattet, unbeirrt von der noch nicht zu übersehenden Kriegsdauer, die Pläne für den Ausbau der Eigen= produktion weiter zu verfolgen. Das Bauprogramm sieht die Errichtung von zehn neuen Betrieben vor, deren Schaffung nach und nach in die Wege geleitet werden soll. Hand in Hand mit der Erstellung weiterer Produktionsbetriebe soll der Ausbau der Lagerorganisation erfolgen. An den Brennpunkten des Verkehrs sollen Handelszentralen und Produktionszentralen errichtet werden, um so eine Verteilung der Betriebe über ganz Deutschland zu erreichen. Die Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft, die am 20. Juni in Nürnberg getagt hat, beschäftigte sich unter anderem mit der Ausdehnung der Eigenproduktion und dem Ausbau von Handelsbetrieben, sowie mit der Erhöhung des Stammkapitals um vier Millionen Mark. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine hat am 18. und 19. Juni den vierzehnten ordentlichen Genossenschaftstag in Nürnberg abgehalten. Außer den Referaten über die Entwicklung des Verbandes und seiner verschiedenen Organisationen, die von Feldgrauer Vater an der Wiege. Klares Sommerlicht, Mein Kind, ist dein Gesicht. Licht, das auf Mutters Scheitel geruht, Licht, das dich füßte in Vaters Blut.... Doch silbernes Licht und Sommer sind weit. Du bist Zeit, mein Kind, du bist Zeit. Bist Jahr, das donnert und blitzt, Monat, der auf knöchernem Throne sitzt, Tag, der mit erzener Stimme schreit, Bist menschenfressende Zeit. Als du, mein Kind, noch flaumleichter Traum gewesen Und ich dich nur als zärtliches Wort in Mutters Briefen gelesen, Standen schon Männer geschart, mein Kind, Deren viele um dich erschlagen sind. Tausend sind dir Vater geworden. Jeder, der für dich starb im graufigen Morden, Darf dich seinen Sohn und Erben nennen, Llud du mußt dich zu seiner Liebe bekennen. Seut fühl ich mich ganz von Schuld des Todes entsühnt, Weil das Leben, der Mensch, die Liebe in dir grünt. Laß uns dein Leben auf alle Massengräber pflanzen, Dann wird die blutende Welt einst wieder singen und tanzen, und dich werden selbst die Toten lobpreisen.... Mein Sohn: Friederich sollst du heißen! Klares Sommerlicht, Mein Kind, ist dein Gesicht. Sommer und Licht sind nimmer weit.... Dann sei Zeit, mein Kind, sei Zeit! Karl Bröger. Nr. 20 Die Gleichheit Heinrich Kaufmann, Dr. August Müller, Hugo Bästlein und Heinrich Lorenz( sämtlich in Hamburg) gehalten wurden, stand auf der Tagesordnung ein Vortrag Bäftleins über die Kriegssteuergesetzgebung, ein solcher von Franz Feuerstein( Stuttgart) über die öffentlichrechtliche Stellung der Verbraucher, sowie ein Referat Adolf Rupp rechts über den Ausbau des konsumgenossenschaftlichen Fortbildungswesens. Heinrich Lorenz machte Mitteilungen über den Internatio nalen Genossenschaftsbund. In der Aussprache wurden Beschwerden über Benachteiligung der Konsumbereine durch preußische Staatsbehörden vorgetragen und von der Versammlung lebhaft unterstügt. Dr. Müller gab im Namen des Vorstandes die Erklärung ab, daß bei einer Fortsetzung der konsumvereinsfeindlichen Politif durch den preußischen Minister des Innern er seine Stellung im Kriegsernährungsamt niederlegen werde. Als steuerpflichtiges Einkommen hat man die von den Konsumbereinen an die einzelnen Mitglieder ausgezahlte Rüdvergütung im Fürstentum Schwarzburg- Sondershausen schon seit Jahren behandelt. Gegen dieses Verfahren hat das Vorstandsmitglied eines Konsumvereins bei der Steuerberufungskommission Berufung eins gelegt. Gegen den ablehnenden Bescheid wurde bei dem thüringischen Oberverwaltungsgericht von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch gemacht. Die Revision wurde leider zurückgewiesen. Das Urteil zeigt, daß viele gelehrte Leute auch heute noch nicht das Wesen der Konsumvereine und der von ihnen für ihre Mitglieder erzielten Eintommenserspafnis begreifen. Häßliche Differenzen zeitigte der Versuch, politische Unduldsamkeit im Allgemeinen Konsumverein Braunschweig zur Geltung zu bringen. Anhänger der Spartakusgruppe beantragten, zwei Lager halter zu entlassen, weil sie als Firmenträger des Braunschweiger Voltsfreundes" die Politik der Parteimehrheit unterstüßten. Bis jetzt sind die Versuche, Parteistreitigkeiten in den Konsumgenossen schaften zum Austrag zu bringen, ohne Erfolg geblieben. In der Verwaltung des Braunschweiger Konsumvereins fand sich ebenfalls genügend Widerstand gegen das Anfinnen, brauchbare Angestellte ihrer Gesinnung wegen zu entlassen. Aus unserer Bewegung cht. pw. Keine Frauenkonferenz in Stockholm. Aus Holland wird uns geschrieben: Die Zentralleitung des Bundes sozialdemokratischer Frauenvereine in Holland teilte in der Presse mit, daß sie im Einverständnis mit Klara Zetkin eine internationale Frauenkonferenz Bücherschau Kriegstagebuch einer Mutter.( Marie Wehner.) Verlag von Otto Spamer. Leipzig 1917. 119 Seiten. Die Verfasserin ist weder Arbeiterin noch Sozialdemokratin, sie ist eine gut bürgerliche Frau. Der Inhalt ihres Tagebuchs läßt an verschiedenen Stellen auf Wohlhabenheit der Lebensführung, an anderen Stellen auf Patriotismus der Gesinnung, freilich nicht auf den lärmenden Patriotismus der Straße, schließen. Dennoch werden auch Arbeiterfrauen dieses Tagebuch mit lebhafter Anteilnahme lesen, denn es ist in erster Linie das Bekenntnis einer Mutter. Die Empfindungen der Mütter aber haben in diesem Kriege durch alle Schichten hindurch viele gemeinsame Züge. Bei Beginn des Krieges hat die Verfasserin fünf Söhne. Zwei davon sind gediente Soldaten und müssen sofort ausrücken. Der dritte befindet sich in kaufmännischer Stellung in Südwestafrika, der vierte meldet sich bald nach Ausbruch des Krieges als Kriegsfreiwilliger. Als die Mutter die Feder aus der Hand legt, sind ihre beiden ältesten Söhne gefallen, der dritte befindet sich im tropischen Südwest in englischer Gefangen. schaft, der vierte im rauhen Sibirien in russischer. Der fünfte aber verkündet seiner Mutter, daß er sich soeben zur Stammrolle gemeldet hat. Erschüttert sinkt der Stolz auf fünf tapfere Söhne vor dem mütterlichen Schmerz zusammen.„ Steiner Mutter wird es gelingen." Was dem Buch einen besonderen Wert verleiht, ist die Widerspiegelung des ganzen Kriegsverlaufs von den Wochen der ersten Hochspannung über die endlosen Monate und Jahre hinweg bis zur Gegenwart, wo alle Gedanken lediglich von dem Wunsche nach Frieden beherrscht werden. Und diese Widerspiegelung erfolgt in einem empfindungsvollen und interessanten Einzelschidial. Wie früh doch in den unbeeinflußten Feldpostbriefen von den Fronten der Wunsch nach Frieden auftaucht! Schon am 3. November 1914 teilt die Verfasserin folgende Stelle aus einem Briefe ihres Altesten, eines friegsbegeisterten Offiziers, mit:„ Dft fieht man schredliche Dinge und fühlt sich herabgestimmt. Gebe Gott, daß bald Schluß wird. Jeder spürt die Friedenssehnsucht in sich wachsen." So emp 139 nach Stockholm einberufe. Die Konferenz sei im Geiste der früher in Bern abgehaltenen gedacht. Klara Zetkin habe die Genossinnen Ankersmit und Balabanoff mit ihrer Vertretung auf jener Konferenz beauftragt. Dazu nahm der Verein in Arnheim in Holland durch eine gegen zwei Stimmen angenommene Resolution der Genossin Moll Stellung. Darin wird gesagt, daß es in Stockholm, wo die Gesamtparteien, also auch die weiblichen Mitglieder vertreten sein würden, keine besonderen Frauenfragen zu vertreten gilt. Eine besondere Frauenkonferenz, die mit eigenen Beschlüssen aufwarten wolle, wäre überflüssig, wenn sie zu gleichen Entschließungen käme wie die vom holländisch- skandinavischen Komitee vorbereitete allgemeine Konferenz; sie würde aber verhängnisvoll sein, wenn sie wesentlich abweichende oder gar entgegengesetzte Beschlüsse faßte. Das letztere sei naheliegend, zum mindesten sei zur Genüge bekannt, daß sowohl Klara Zettin ebenso im Gegensatz zur deutschen Mehrheitspartei stehe, wie Helene Anfersmit zur Mehrheit der holländischen Partei. Darüber wurde der Arnheimer Verein von der Bundesvorsitzenden in Het Volt" heftig angefahren. Es wurde ihm das Recht bestritten, sich gegen die Beschickung der Konferenz zu erklären. Genossin Moll verweist demgegenüber auf die Tatsache, daß die Aufgaben des Bundes statutarisch als rein agitatorisch zugunsten der Sozialdemokratischen Partei festgelegt sind; daß überdies auf dem kürzlich abgehaltenen Jahreskongreß mit keinem Worte von der Beschickung einer solchen Konferenz die Rede gewesen sei. Es wäre das gute Recht der Bundesvereine, wovon der Arnheimer der verhältnismäßig stärkste sei, vor einer Handlung der Bundesleitung zu warnen, wenn dadurch den einzelnen Parteien, denen die Frauen angehören, in einem hochwichtigen Moment in die Quere gefahren werde. Umgekehrt sei die Frage angebracht, woher die Bundesleitung das Recht nehme, auf eigene Faust eine solche Konferenz einzuberufen. Das Parteiorgan für den Bezirk Ober- Jissel spricht sich in gleichem Sinne aus. Parteileitung und Zentralorgan haben merkwürdigerweise noch keine Stellung zu der Angelegenheit genommen. Dagegen hat der Vorstand des Bundes sozialdemokratischer Frauen in Holland eine Erklärung auf Grund einer vorausgegangenen Aussprache veröffentlicht, aus der flar hervorgeht, daß eine besondere Frauenkonferenz in Stockholm nicht stattfinden wird. cs. Bielefeld.( Frauenkonferenz für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer.) Am Sonntag, 10. Juni, tagte in der„ Eisenhütte" in Bielefeld eine von der Bezirksleitung fanden die Frontkämpfer schon nach dem ersten Vierteljahr des Krieges! Als die Mutter in dem Tagebuch ihres gefallenen Ältesten blättert, findet sie darin eine blonde Locke und die Bemerkung:„ Brief erhalten von meinem blonden Lieb." Von dem feinen seelischen Adel der Mutter zeugt die Bemerkung, die sie in ihrem eigenen Tagebuch dazu macht:„ Ich kenne dich nicht, die du um meinen Jungen mit mir weinen wirst, aber du mußt schön und gut sein, da er Gefallen an dir fand, und in Gedanken danke ich dir für hs. jede Stunde des Glücks, die du ihm gabst." Konferenz von Vertretern der gewerkschaftlichen Organi sationen und Angestelltenverbände am 12. Dezember 1916 in Berlin in den Germaniaprachtsälen, betreffend das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst. Berlin 1917. Verlag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands( C. Legien). 80 Seiten. Die Schrift enthält den stenographischen Bericht über die wichtige Versammlung, in der sich zum ersten Male sämtliche Arbeiterund Angestelltenverbände im Beisein einer Reihe von Vertretern der Reichsregierung, unter anderen des Stellvertretes des Reichsfanzlers Dr. Helfferich und des Chefs des Kriegsamts Generalleutnant Gröner, zur gemeinsamen Besprechung einer wichtigen Berufsangelegenheit, des damals gerade beschlossenen Hilfsdienstgesezes, zusammenfanden. Die Generalfommission der Gewerkschaften hat sich mit der Herausgabe der Schrift ein Verdienst erworben, das später noch seine Früchte zeitigen wird. Für die richtige Beurteilung des Hilfsdienstgesetzes ist die Kenntnis der Schrift eine unerlägliche Voraussetzung. Eingegangene Schriften. Die Frauenarbeit in und nach dem Kriege. Zwei Vorträge, gehalten von Gustav Hartmann und Dr. Käthe Gäbel auf dem neunzehnten Verbandstag der Deutschen Gewerkvereine( H.D.). Berlin 1916. Erwägungen über Notwendigkeit und Einführung des weiblichen Dienstjahres. Von Klara de Lamotte aus Speyer. 140 Die Gleichheit der sozialdemokratischen Partei einberufene Frauenkonferenz, zu der sich 45 Vertreterinnen aus 15 Orten eingefunden hatten. Außerdem waren die Wahlkreisvorstände und die Bezirksleitung vertreten. Über ,, Kriegsnot und Frauenrecht" referierte Genosse Severing. Er betonte, daß der Krieg kein Erneuerer, aber ein harter Lehrmeister sei. Die Frauen sollen helfen, die übelstände in Staat und Ge= meinde abzustellen. Das Frauenwahlrecht darf nicht wieder von der Tagesordnung verschwinden. Es heißt auf dem Posten sein und aus der Not Waffen schmieden. Dann sprach Genosse Schred über„ Die sozialistische Betätigung der Frau". Die Frauen müßten sich mit der Kriegsfürsorge vertraut machen, um den Frauen, die sich nicht zu helfen wissen, mit Rat und Tat beizustehen. Die Fürsorge höre mit dem Kriegsende nicht auf, und sie müsse im Armenwesen einen wesentlichen Ausbau erfahren. In ihren Zusammenkünften müßte den Frauen Gelegenheit gegeben werden, sich über alle wirtschaftlichen und politischen Fragen Aufflärung zu verschaffen und auszusprechen, um so wieder andere über die Ursachen der heutigen Zustände aufflären zu können. Die Aussprache ergab volle übereinstimmung, und es wurde angeregt, Leseabende und Auskunftsstunden einzurichten. Für die „ Gleichheit" soll eine rege Werbearbeit betrieben werden. Zu der Anfang Juli in Berlin tagenden Reichskonferenz der Frauen wurden die Genossin Walter und Genosse Schreck delegiert. Breslau.( Die Frauen und der Krieg.) Am Sonntag, den 17. Juni, fand hier im„ Deutschen Kaiser" eine außerordentlich gut besuchte Frauenversammlung statt, zu der sich auch zahlreiche bür gerliche Frauen eingefunden hatten. Nach einer Einleitung durch den Frauen- und Mädchenchor und einer Begrüßung durch den Genossen Löbe legte Genoffin Martha Hoppe aus Berlin in zweistündiger Rede die Gedanken und Empfindungen der Frauen gegenüber dem nun bald drei Jahre wütenden Krieg dar. Die Ströme der Tränen, die daheim geflossen, seien nicht weniger tief als die Ströme Blutes draußen. Von der ersten Minute des Krieges an seien die Frauen die eifrigsten Förderer des zufünftigen Friedens gewesen. Denn die Frauen hätten das härteste Los im Kriege zu tragen, sie, die diejenigen schon vor der Geburt unter ihrem Herzen trügen, die jetzt draußen erschossen würden, während sie ihnen eigentlich eine Stütze im Alter sein sollten. Darum müßten neben den Männern auch die Frauen als Helden genannt werden. Auch wegen ihrer Verdienste um die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens. Eingehend behandelte die Rednerin die Fragen der Unterstügung, der Teuerung und der Lebensmittelbeschaffung, wobei sie die unausgesetzte, fleißige und zum großen Teil auch erfolgreiche Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei würdigte. Mit der Hoffnung, daß uns Stockholm dem Frieben näherbringen möge, und der Aufforderung an die Frauen, sich der Parteis und Gewerkschaftsorganisation anzuschließen, schloß sie unter lebhaftem Beifall ihre Ausführungen. Die Versammlung nahm dann noch einstimmig eine Entschließung an, in der eine gerechte Verteilung der nach Breslau gelangenden Kohlenvorräte sowie scharfe Maßnahmen gegen den schon wieder einsetzenden Wucher mit Obst und Gemüse gefordert werden. jr. Hamburg.( Für die politische Gleichberechtigung der Frau.) Die Genossinnen der drei Hamburger Wahlkreise waren Freitag, 8. Juni, im Gewerkschaftshause versammelt, um ihr Verlangen nach Gewährung völliger politischer Gleichberechtigung erneut zum Ausdruck zu bringen. Daß die Frau nicht nur einen durch aus berechtigten Anspruch auf Erfüllung ihrer Forderung hat, sondern auch verpflichtet ist, mit allen Kräften dafür einzutreten, das zeigte Genossin Johanna Reize in ihrem Vortrag über„ Staatsbürgerrechte der Frauen". An der Diskussion beteiligten sich die Ge nossinnen Bebe, M. Zent, E. Wierzbizti und Steinbach in zustimmendem Sinne. Nachstehende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme: Die am 8. Juni 1917 im Gewerkschaftshause tagende gemein schaftliche Frauen- Mitgliederversammlung der drei sozialdemokrati schen Vereine Hamburgs als Vertretung der in ihnen organisierten 9000 Frauen spricht die bestimmte Erwartung aus, daß mit der von Senat und Bürgerschaft in Angriff genommenen Abänderung des Wahlgesetzes für die Bürgerschaft auch die bisherige politische Recht losigkeit der Frau beseitigt wird. Die Versammlung fordert die Gleichberechtigung der Frau bei Ausübung aller staatsbürgerlichen Rechte. Diese Forderung muß sie heute um so dringender erheben, als drei Jahre Weltkrieg gezeigt haben, welchen Wert die Arbeit der Frau innerhalb der Familie, in Landwirtschaft, Industrie, Vertehr, Handel und Verwaltung für die Fortführung der Volkswirtschaft bedeutet. Auch nach Friedensschluß wird die weitere Mitarbeit der Frau beim Wiederaufbau der Volkswirtschaft nicht mehr entbehrt werden können. Die Gesetzgebung muß dieser veränderten Nr. 20 Entwicklung auf dem Gebiet der Frauenerwerbsarbeit durch die Gewährung aller staatsbürgerlichen Rechte gerecht werden. Die Versammlung richtet daher an Senat und Bürgerschaft das dringende Ersuchen, alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, damit der hier zum Ausdruck gebrachten Forderung von der Gesetzgebung entsprochen wird. Die Frau als Arbeiterin Die internationale Gewerkschaftskonferenz in Stockholm hat einen befriedigenden Verlauf genommen. Vertreten waren die Länder Schweden, Dänemark, Norwegen, Holland, Deutschland, Österreich- Ungarn, Bulgarien und Finnland. Einem Vorschlag Legiens und Lindequists gemäß beschloß die Konferenz, die sachliche Beratung über die gewerkschaftlichen Friedensforderungen erst zu beginnen, wenn auch die Gewerkschaften der Ententeländer sowie Amerikas und Spaniens vertreten sein können. Sie beschloß daher weiter die Einberufung einer neuen Kon= ferenz auf den 17. September 1917 nach der Schweiz, so daß den Gewerkschaften aller Länder die Teilnahme ermöglicht sei. Die Konferenz in Stockholm hält es für zweckmäßig, daß zu der neuen Konferenz nicht nach den Bestimmungen des Internationalen Gewerkschaftsbureaus nur drei Delegierte, sondern bis zu zehn Delegierte von jedem Land gestattet werden mögen, wobei aber bei Abstimmung jedes Land nur eine Stimme haben soll. In einem Zusatzbeschluß erwartet die Konferenz, daß die Gewerkschaften. aller Staaten troß allen Widrigkeiten des Krieges die gewerkschaftliche Brüderlichkeit aufrechterhalten und dafür sorgen werden, daß die neue Konferenz vollzählig beschickt sein wird. Nach einer weiteren Meldung richtete die Konferenz an Jouhaux, den Vorsitzenden des Generalausschusses der französischen Ge werkschaften, ein Telegramm, in dem sie die in Leeds im Juli 1916 von Vertretern des Proletariats von Frankreich, Großbritannien, Belgien und Italien gefaßten Beschlüsse begrüßt als günstiges Zeichen des guten Willens, das zu beseitigen, was feit dem Kriege die Arbeiter trennt. Dem Arbeiter- und Soldatenrat in Petersburg übermittelte die Konferenz den Wunsch, er möge auf der Zusammenkunft in der Schweiz vertreten sein. * Kleine Mitteilungen. Im Heeresdienst sollen weibliche Arbeitskräfte fortab nicht nur als Schreibhilfen und Ordonnanzen, sondern auch als Vertreter oberer und unterer Beamter beschäf= Bei der preußisch- hessischen Staatsbahn waren nach dem Geschäftsbericht für 1915 22 700 weibliche Beamte, Getigt werden. Hilfen und Arbeiter beschäftigt. 1914 betrug die Zahl noch nicht die Hälfte. In nächster Zeit werden etwa 100 Beamtinnen der Staatspost und Telegraphenverwaltung nach Polen, und zwar nach Warschau und Lodz gehen. Sie erhalten eine Beschäftigungszulage von monatlich 250 Mt., ferner freie Fahrt. Ihre Unterkunft und Verpflegung erfolgt in einem besonderen Beamtinnenheim. Bei der Lehrlingsarbeitenprüfung der Deutschen Uhrmachervereinigung zu Leipzig gingen zum ersten Male weibliche Uhrmacherlehrlinge als Träger des ersten und zweiten Preises hervor. Die Kriegsamtstelle in den Marfen macht darauf aufmerksam, daß zurzeit eine größere Zahl von Frauen im Buchdruckgewerbe Beschäftigung finden kann. Der Beschäftigung geht eine Anlernung voran, die in den Betrie ben selbst sowie in einer vom Verein Berliner Buchdruckereibefiger eingerichteten Lehrdruckerei kostenlos erfolgt. Die Tätigkeit eignet sich besonders für Frauen, die nur während des Krieges Erwerbsarbeit ausüben wollen. Eine Organisation der Gisenbahnerinnen hat der Zentralverband deutscher Eisenbahner( Siz Elberfeld) durch Errichtung einer Sonderabteilung für weibliche Eisenbahner eingerichtet. Für die nächste Zeit ist in Berlin ein zweiter Kursus für Fabrikpflegerinnen in Aussicht genommen. Der erste Kursus fand im März dieses Jahres statt. Der Kursus wird einen praktischen und einen theoretischen Teil umfassen und soll je nach der Vorbildung jeder einzelnen Teilnehmerin 4 bis 6 Wochen dauern. Es ist praktische Arbeit in Fabriken und Wohlfahrtsvereinen in Aussicht genommen. Die Teilnahme an dem Kursus verpflichtet zur Annahme einer Stellung; zugelassen werden nur sozial erfahrene Frauen von mindestens 25 Jahren. Anmeldungen nimmt die Frauenarbeitsstelle bei der Kriegsamtstelle des Oberkommandos in den Marken entgegen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.g. in Stuttgart.