Kr. SS Abomemeitts- Krdingung««- «lbonnementZ- Preis pränumerando: «ierteljährl. 3L0 PJf., monatl. l.lvMr.. >r>öche»tltch LS Pfg> frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrirter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nbounement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs- Preisliste für 1LSS unter Nr. 7S76. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich»usfer tvonkag». )�b W Devliner Volksvl�kk. IS. Jahrg. Die Insertions-Gebiiyr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für PereinS- und VerfammlungS-Anzeigen, fowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpedilton abgegeben loerden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vornitttagS geösfnet. Ziernsprecher- Sint I, Nr. IVOS. Telegramm-Adresse: „Sotialdemokrak»rrltn». Dentmlorgcm der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion:«V. 19. Meuly-Struße 2. Dienstag, den 8. Febrnar 1898. ßikpedttion: SW. 19, AZell ti)-Sttnße 3; Ein Tlei�zs�Vevggefctz. Unsere helitige Gesetzgebung mag unfähig sein, neues Recht zu schaffen, jedenfalls ist sie am Ende dieses Jahrhunderts Unit Eiser bedacht, dem Reiche einheitliches Recht zu geben. Es ist nicht zu viel gesagt, ivcnn man die häufigen Kodifikationen auf den verschiedenen Rcchtsgebicten als ein hervorstechendes Merkmal des Reichs- Parlamentarismns bc izeichnet. Diese Periode ist noch nicht abgeschlossen; noch mit einer Reihe Kodifitationsvorlagen, denen wir, rein sorniel �betrachtet, nicht unsympathisch gegenüberstehen, werden die gesetzgebenden Körperschaften vor Ablauf des Jahrhunderts sich noch zu beschäftigen haben. Nur eine solche Vorlage vermissen iwir bis heute, und diese gerade um so mehr, als von ihrem Zustandekommen eine wichtige Schicht deutscher Arbeiter die einheitliche Regelmig ihrer Arbeitsbedingungen erivartet, näm lieh ein Reichs-Berggesetz. Mit bemerkenswerther Scheu drückt sich das Reichs-Justiz- amt von der Ausarbeitung solcher Gesetzentwürfe, die Ge biete betreffen, bei dencil Rechte und Verhältilisse der Au beiter in weiterer Ansd�hnnng der allgemeinen Gewerbe Ordnung zu regeln und zu kodifiziren sind. Obivohl das Veu langen nach einem Reichs- Berggesetz schon wiederholt und dringend genug von feiten der Bergleute ebensowohl wie von feiten der Bcrgbanbcamten geäußert ivorden ist, so weigert sich doch das Rcichs-Justizamt hartnäckig, ans das auch von ihm als berechtigt anerkannte Verlangen einzugehen. Staats fekretär v. Nieberding sieht einen Berg von Schwierigkeiten vor sich entstehen, der es nicht ermögliche, noch in diesem Jahu hundert an die Vorlegung des verlangten Gesetzentwurfes zu denken. Inwieweit hinter diesen Schwierigkeitenjnur billige Ausreden zu suchen sind, haben wir hier nicht zu erörtern. jedenfalls ist der Sache nicht gedient, wenn man sie auf die lange Bank zu schieben versucht. Viel wichtiger als alle Bc denken gegen eine baldige Vorlegung eines solchen Gesetze cntwurfes sprechen die Gründe für seine möglichst umgehende Ausarbeitung. Denn wenn aus irgend einem Gebiete, so ist gerade hier der Rcchtszustand ein äußerst verworrener und für die unter ihm lebenden Arbeiter ein»achtheiliger. Wo hat man heute überall das geltende Bergrecht zu sammen zu suchen? Die darüber bestehenden Landesgesctze, von denen in erster Linie das preußische und sächsische Berg gcsetz in Frage kommen, sind durch reichsgesetzliche Regelung einzelner Materien in ihrer Giltigkcit so durch- löchert, daß sie nur noch bruchstückweise Geltung haben. Seit dem Bestehen des Reiches ist fast keine Reichstags-Session vergangen, in der nicht durch Neuregelung entweder der Arbeitsverhältnisse oder der Verwaltungsorgani sation oder der prozessualen Gesetze Bestimmungen der einzeh staatlichen Berggesetze außer Wirkung gesetzt worden wären. Tie einzelstaatlichen Regierungen haben in treuer bureankra tischer Arbeit die Reichsgesetze in die Praxis umgesetzt, die Landes gesetze über Bergrecht verloren damit immer niehr ihre Bedeutung und blieben fast nur noch insoweit in Kraft, als sie die Regelung der Bergbauberechtigung und die Sicherheit des Betriebes, zum theil auch der Arbeiter betrafen. Es hat sich durch diese fortwährende stückweise Absplitternng von den inimer noch grundsätzlich giltigen einzelstaatlichen Berggesetzen ein Zustand der Verworrenheit herausgebildet, der zunächst die Verwaltungs- und Aufsichtsthätigkeit der Beamten in ganz erheblicher Weise erschwert und verlaugsanit. In dem Wust der sich kreuzenden, sich gegenseitig oft aufhebenden Bestimmungen finden nicht einmal die ersten Kenner des Bergrechtes nach eigenem Gcständniß zurecht. Aber nicht nnr die Beamte», erst recht leiden unter der dadurch be- dingten Schwerfälligkeit des bureankratischcn Apparates die Bergleute selbst. Denn bei jeder Verordnung, bei jedem Erlaß sind erst alle Möglichkeiten eines Kompetenzkonfliktes zwischen Reichsrecht und Landrecht zu umgehen, und dadurch entstehen Verzögerungen, die ebensowohl die Sicherheit des Betriebes wie die Gesundheit der Arbeiter gefährden können. Schon ganz allein vom formalen Standpunkte aus liegt also ein dringendes Bedürfniß nach einer raschen reichs- gesetzlichen Kodifikation des Bergrechtes vor. Ein großer Theil der Arbeitsverhältnisse der Bergleute ist ja heute schon im Rahmen der allgemeinen Gewerbe- Ordnung und der Ver- sichcrnngsgesetze rcichsgesetzlich geregelt. Aber gerade dieser Umstand niacht überall dort den Mangel einer einheitlichen Regelung um so fühlbarer, wo die landesgesetzliche Gewalt noch souverän dem Bergbau- Betrieb seine Bahnen auiveist. Ganz besonders denken wir hier an jene weiten Gebiete gesetzgeberischer Regelung, die die Sicherheit des Betriebes und den Schutz der Arbeiter betreffen. Hierher gehören unter anderem die grundlegenden Normen und Ansftthrnngsbestimmungen über Schächte und Grubenbaue, sowie über den Verkehr darin, über Wetter, Grubenbeleuchtung, Sicherheitspseiler, endlich auch über Aus- bildung der Bergarbeiter zum Zwecke der Verhütung von Unfällen. Es ist ohne weiteres ersichtlich, daß es den Arbeitern wie dem ganzen Bergbau nur von Schaden sein kann, wenn in so wichtigen Dingen nicht in allen deutschen Bergbandistriktcn die Garantie für die Durchführung gleicher Grundsätze ge- geben ist. Es kann der Fall eintreten, daß ein Land sich nut weniger strengen Bestimmungen über die Be- tricbssichcrhcit im Bergbau begnügt und dadurch nicht nur die eigenen Bergleute erheblich schädigt, sondern auch andere Staaten veranlassen kann, dringende Forderungen im Interesse der Unfallverhütung einfach mit Rücksicht auf den zurückgebliebenen benachbarten Staat nn- erfüllt zu lassen. Dazu kommt noch, daß die Arbeiter, die von Preußen in andere Staaten oder umgekehrt aus anderen Bergwerken in preußische gelange», nniso fähiger sein werden, sich in die neuen Arbeitsverhältnisse einzuleben, je gleichmäßiger überall die Vorschriften über den Betrieb und die fSicherheit der Bergwerke lauten und durchgeführt werden. Alle diese Gründe sprechen lebhaft für die Kodifikation des Bergrechts fürs ganze Reich. Wenn von feiten der Bureau kratie diesem Verlangen die im Wege stehenden Schwierigkeiten vorgehalten werden, so kann man hierauf nur erwidern, diese Schwierigkeiten bestehen zum größten Theile in der Einbildung der mit dem bestehenden Znstande der Verivorrenheit zufriedenen Beamten. Die Abweichung des geltenden Bergrechts in den Einzel staaten Deutschlands ist prinzipiell betrachtet so minimal. daß sich eine vollständige Einigkeit sehr leicht erzielen ließe. ohne daß wesentliche Interessen verletzt würden. In den vielen Staaten und Siätchen kommen überhaupt nnr zwei Rcchtsgebiete in betracht, das preußische und das sächsische, in ivelch' beiden alle anderen Berggesetze aufgehen. Das preußische Berggesetz von 1865 ist mit verhältnißmäßig geringfügigen Aenderungen in Bayern, Württeinberg. Elsaß-Lothringeu. Hessen, Brannschweig und in einer Anzahl von Klein staaten eingeführt worden, so daß in S3 pCt. des berg- bautreibcndcn Reichsgebietes materiell inr wesentlichen preußisches Bergrecht gilt; nnr für das 5königreich Sachsen und im Anschluß hieran im Großherzogthum Sachsen und Schwarzburg-Sondershanscn gilt unter thcilweiser Einwirkung des österreichischen Bergrechts eine von Preußen abweichende Gesetzgebung. Doch sind diese Abweichungen, wie gesagt, nicht von solcher Tragweite, daß sie eine rasche Uebereinstimninng der in Frage kommenden Regierungen und Interessentenkreise ausschließen würden. Die Besonderheiten betreffen in der Hauptsache, wie schon oben angedeutet, die Grundsätze, nach denen die Regelung der Betriebssicherheit im Bergbau zu erfolgen hat. Noch diesen Darlegungen können bei einigem guten Willen der einzelstaatlichen Regierungen und des Reichs-Justizamtes die etwa bestehenden Bedenken leicht überwunden werden Einer der besten Kenner des dcntsche» Bergrechts, Oberberg- ralh Arndt, ist der Ansicht, daß das Rcichs-Jnstizamt die ganze Vorlage mühelos in ein paar Monaten ausarbeiten könnte. Er kargt nicht mit berechtigten Vorwürfen gegen die Verschleppungstaktik des Reichs- Jnstizamtes in dieser An- gelegenheit. Freilich er scheint eben auch nicht zu wissen, wovor mau im Reichs-Justizamt einen heilige» Respekt hat. Wir erinnern an des Grafen Posadowsky's letzte Rede. Ein Reichs Berggesetz-Entwurf würde sozialpolitisch sehr wichtige und aktuelle Fragen anschneiden und zur Diskussion bringen. Es würde die Friedhofsruhe der deutschen sozialpolitischen Gesetz- gebnng jäh gestört werden. Das darf nach der neuesten Parole nicht sein und darum thürinen sich unüberwindliche Schwierigkeiten vor der Ausarbeitung eines Reichs-Berg- gesetzes. Daß die Arbeiter eine gründliche Aenderung des parti kularen Bergrechtes und ein einheitliches Bergrecht für das ganze Reich für dringend nöthig halten, beweist der Initiativ- antrag der sozialdemokratischen Reichstagssraktion.— polikische Mrbovfichk» Berlin, 7. Februar. Der Reichstag beendigte hente die Berathnng des Post Etats. In zwei Reden trat Singer für Besserstellung der Post-Unterbeamten und der Telephonistinnen ein. Sein Antrag, durch Aenderung des Etats die Regierung zur endlichen Erfüllung dieser Forderungen zu zwingen, fand nicht die Mehrheit des Reichstags; dagegen wurde die von der Kommission beantragte Resolution, durch die der Bundesrath zur Erfüllung dieser Forderungen aufgefordert wird, angenommen. Der An trag Singer rief eine interessante staatsrechtliche Diskussion über die Frage hervor, ob der Reichstag zur Erhöhung von Etatsposten befugt sei. Mit aller Entschiedenheit wahrte unser Vertreter die Rechte des Reichstags, während das Zentrum sie zwar formell als existirend anerkannte, die Konservativen und National liberalen sie dagegen entschieden bestritten. Herr v. Kardorff verstieg sich sogar dazu, den Reichstag als den Konvent der französischen Revolution zu bezeichne», wenn solche Grund- sähe anerkannt würden. Morgen beginnen Tage der„hohen Politik". Der Reichs- tag wird die Berathnng des Auswärtigen Amtes beginnen.— TaS preußische AbgeorductenhanS beschäftigte sich gester» während der ganzen fünsstündigen Lesung mit der lex Ar ans, dem Gesetzenlwnrf betreffend die Diszipliiiarverhältnisse der Privat- dozenten. Das Haus war nur schwach besetzt und doch handelte es sich, wie ein liberaler Redner hervorhob, um einen in der parlamen- tarischen Geschichte äliherst seltenen Fall, um ein Gesetz nämlich, welches gegen eine einzelne bestimmte Person gerichtet ist. In seiner erste» lang ausgespounenen Begründung sprach der Minister Bosse zwar ausschließlich von der bestehende» Rechts- Unsicherheit und Ungleichheit, die beseitigt werden müsse. Dabei hielt er unweigerlich daran fest, daß mit dem Gesetz- entwurf den Privatdozcnten eine Rechtswohlthat erwiesen werden solle. Aber nachdem nur zwei Redner aus dem Hause gesprochen, ergriff er bereits wieder das Wort,»in in längerer Rede auszuführe», daß der Fall Arons zwar nicht der Grund, wohl aber die Veranlassung des Gesetz- enlwurfs sei, eine Erklärung, die mit Lachen aufgenommen wurde. Der Minister erzählte, wie er z» seinem Einschreiten veranlaßt sei. Er betonte unter lebhaftem Beifall der Rechten, daß der Universitäts-. lehrer auch die Ausgabe und den Berus habe, seinen Schülern als Beispiel»wnarchischer Gesinnung vorzuleuchlen. Nachdem Arons sich zum thätige» Sozialdemokralen entivickelt, habe er gehofft, daß dieser freiwillig von seiner Lehrlhäligkeil zurücktrete!! Da dies nicht geschehen, habe er sich an die Fakultät gewandt; die Ber- Warnung durch dieselbe konnte der staatlichen Behörde nicht genügen; da aber die Berechtigung des Ministers zum Einschreiten von einigen Rechts- Gutachter» bezweifelt sei, habe er den Weg der Gesetzgebung beschritten. Das Haus könne veisichert sei», daß nach Bewilligung des Gesetzes sofort der grundsätzlich unleidliche Zustand beseitigt werde, daß ein sozialdemo- kratiscber Privatdozent au einer königlichen Universität lehre. Diesen Anssührnngen gegenüber konnte Birchow leicht zeigen, daß die erste ministerielle Rede, die von juristischem Schöuheitsgefühl eingegeben schien, nirgends ernst genommen werden könne. Geradezu komisch wirke es aber, wen» das im Interesse der Privatdozenten verheißene Gesetz»ach der offenen Millheilimg des Ministers zur Beseitigung eines Privaldozenten dienen solle. Die weiteren Ausführungen Virchow's ließen jeden Schwung vermissen. Der Fall Arons sei ihm im einzelnen nicht genau genug bekannt. Die Bedeutung einer freien Privatdozentenschast betonte er zwar. Es blieb aber bei der bloßen Behauptung:„Wir glauben kaum, daß seine diesbezüglichen Ans- führnngen in weiteren Kreisen Eindruck machen können. Seil, Wunsch war, die Vorlage möge einfach begraben werden. Anssührlicher ging Munckel auf den Fall Arons ein; er gab eine ziemlich ausführliche Darlegung und betonte auch, daß der Minister die von»hm behauptete Machtbefngniß zum einseitigen Vorgehen einmal»ach ß 93, II, 19 des preußischen Landrechts aus der bloßen'Anssichlsbesuguiß nicht habe, daß er aber auch durch die Erfahrung im Falle Arons davon überzeugt sein müsse. Wenn er den Mi» ister richtig verstanden habe, solle in Zukunft kein Sozial- demokrat mehr an den Universitäten geduldet werde», auch wenn er gac nicht agitatorisch austrete(Sehr richtig! rechts), dann sei aber ein Ende nicht abzusehe»; fast alle Parteien seien schon„Reichs- feinde" gewesen. Man würde nur eine königlich preußische, allen- snlts kaiserlich deutsche Wissenschaft dttlden. Er gebe Herrn Slöcker, der vorher den, Minister zugestinimt habe, gern zu, daß eine„wüste" Agitation für einen Beamten, Prediger oder Privaldozenten nicht schicklich sei; eine solche würde aber im Fall des Privaldozenten die Fakultät schon jetzt nicht dulden. Er sei für Aufrechlerhallung resp. Ansdehnung des Znstandes, der jetzt in Berlin herrsche. Auch dieser sonst so gewandte Redner vermochte die srir eine» Liberalen recht günstige Gelegenheit nicht auszunutzen; man merkt, daß die Liberalen ihre äußerst schrvache Stellung im Abgeordnetenhaus fortwährend fühle»— übrigens versäumte es die Rechte nicht, ihre Stärke auch durch ungehöriges Verhalte» zu zeigen, was ihr ein« witzige Ab- fertignng seitens Munckels einbrachte. Sehr gemäßigt verhielt sich das Zentrum, das durch die Abgg. Dillrich, Stephan und Porsch(letzterer zweiinal) zum Wort kam. Mit Siecht protcstirten diese Redner gegen die unglaublich ober- flächliche Fassung des Gesetzentwurfs und machten ihre Zustimmung von einer gründlichen Durcharbeitung abhängig. Uebrigens er- klärten sie, daß atheistische Universitätslehrer»och schlimmer seien, als sozialdemokratische, und daß diejenige», die so schlankweg gegen die Sozialdemokraten vorgingen, auch die Konsequenzen ziehen sollten. Interessant war die wiederholte bedauernde Hinweisnng auf das Scheitern der Umsturzvorlage, die gerade durch preußische Minister zn Falle gebracht worden sei(?!). Daß der nntionalliberale Universilätsprofessor Friedberg dem Minister unbedingt zustimmte und Slöcker auch de» Ausführungen des Zentrums Anerkonuimg zu theil werden ließ, versteht sich von selbst. Die übrigen drei konservativen Redner ginge» dem Minislrr langsam aber sicher z» Leibe. Schon als Herr v. Zedlitz sprach, verließ Herr Bosse wohl in Erwartung eines Angriffs den Minisierlisch, um unmittelbar neben dem Redner Platz zn nehmen, dessen sozialisienlödterische Ausführungen er von Zeit zu Zeit mit einem demonstrativen„sehr richtig" begleitete. Herr Jrmer führte anS, daß er dem Minister für feine prinzipielle» Ausführungen danke. Ei» Gesetz sei eigentlich überflüssig. Der Minister könnte die Ent- ferunng des Dr. Arons auch ohne ein solches durchführen, und die Ztonservaliven würden ei» solches Vorgehen lieber sehen. Trage aber der Minister Bodenken, hierfür allein die Verantwortung zu übernehmen, so wolle man ihm das Gesetz nicht verweigern unter der einen Bedingung, daß dasselbe„ungesäumt" aus Arons angewendet werde. Viel feuriger ging Herr von Heydebrand und der Lasa vor. Die Person Arons sei ihnen nicht wichtig, wohl aber das Prinzip, das durch diese Person charaklerisirt sei. Ihm scheine durch das von Mnuckel festgestellte Zurückweichen die Kompetenz des Ministers gefährdet. Auch habe der Minister, nachdem Arons sich »ach der Faknllätsverordnung nicht gebessert, unweigerlich gegen diesen einschreiten müsse»; daß er es nicht gethan. zeuge von Schwäche des Ministeriums; Inner habe dasselbe schon ge- mäßigter ausgeführt, er halte es aber für angezeigt, eine deutlichere Sprache zu führe». Dies« Ausführungen wurde» von der Rechten stürmisch begrüßt— trotzdem schien der Minister noch nicht das Wort»chmen zu wollen; da ereilte ihn Herrn Rickerl's Lob silr seine persönliche Zurückhaltung, freilich unter gleichzeitiger Verwerfung des Gesetzesvorschlags. Zum vierten Mal erhob sich der Minister: Er konstalirtc, daß er zwischen zwei Feuer gerathe» sei; er schilderte von »eueni sein bisheriges Verhalten und versprach energisches Vorgehe» für die Zukunft. Mit erhobener Stimme protestirie er gegen den Vorwurf mangelnden Mulhes. Die von Munckel nicht genügend ausgeschlachtete Episode aus dem Jahre 1895, bei ber er seinen Kommissar, de» Geheimrath Daude, nach dessen Abweisung durch Arons gänzlich im Stich gelassen Halle, erwähnte er wohlweislich nicht. Als der Minister nach diesem feierlichen Protest den Schweiß von der Stirn wischte, konnte er mit Beruhigung hören, daß die Di?- kussion geschlossen sei. Die Vorlage wurde cntgegen dem Antrag des Zentrums aus eine 21 gliedrige Konnnissio» an eine solche von 14 Personen verwiesen.— Platzpatroukt». Den Nachweis, daß wir in Deulschland eis.ettllich»och z n iv e» i g Steuern zahlen und daß andere Staaten verhäUnißumstig noch mehr für»»produktive Zwecke ans- gcben. versuchen Herr T i r p i ß und das Iieichs-Marincaint in der bereit- erivähnle», iinifanareichen statistischen Denkschrift. Wir verzichten heute darauf, sie in ihre verwickelten und verwirrenden Einzelheiten zn verfolgen, Arhnliche Nachweise hat auch die Militärverivnttung öfter versucht und sie sind stets ohne beson- deren Eindruck auf die öffentliche Meinung geblieben. Wir»rinnern nur an die Arbeit über„die öffentliche» Ausgaben der größere» europäische» Länder nach ihrer Ziveckbestinunung". die bei den Kämpfen«in die letzte Militär- Organisation Herr v. Kaufmann unter der Aegide des Grafen Caprivi in mehreren Anflage» herausgab. Auch hier wurde„festgestellt", daß Preußen- Dcutschland beispiellos in der zivilisirten Welt dastehe, soivohl in der Förderung aller Kulturanfgaben. wie in der Schonung des Steuerzahlers. Man.ist mit de» Kaufmann'schen Ziffern damals amtlich und ordnnngsparteilich unermüdlich Hausiren gegangen, die Entscheidung bei den Wahlen und im llteichstage ist jedoch nach ganz anderen Gesichtspunkten erfolgt. So wird es diesmal auch bei der Marine sein und zwar mit bestem Recht. Das Marinenmt vergleicht wieder eininal. waS nach aller Er- fahruug und Ucberlegnng gar nicht vergleichbar ist. Eine Küste, die sich selber schützt, erspart selbsiverftnndlich eine Menge Ausgaben, die anderwärts nolhwendig erscheinen, MaS beweist es also, daß Italien mit seine» langgestreckten Mceresufern pro Kopf seiner Ein- »vohner höhere Anfweudunge» für die Marine macht? Welch' eine Selbsttäuschung, die Vermehrung der Kriegsschiffe einfach mit dem Wachslhum der Handelsschifffnhrt in Beziehung setzen zn wolle»! Wenn unsere Schtfffahrlsbezichnngc» zu de» Vereinigten Staaten regere werden, sollen«vir deshalb neue Panzer brauchen? Sollen wir. die ivir 1870/71 fünf Milliarden erhielte», ebensoviel Schulden machen, wie das Land, das die fünf Milliarden zahlte? Was sagen schließlich Kopsdurchschnitte über die Stcnerbelastnng der Massen? löll Millionen Branntweinsteuer und SO Millionen Salzsteuer drucken die Massen ein paar Mal schwerer wie 200 Millionen Einkommen- fteucr. Belasten wir mit unseren Gelreidezöllen, Branntwein- und Znckeranflage» den Konsum etwa nur im Betrage der Reichs- Einnahmen, die für das Marine-Amt allein maßgebend bei seinen Berechnungen und Vergleichnngen sind? Werden diese ungeheuren Belastungen des Konsums vielfach nicht auch mit militärischen Er- wägungen begründet: wir müßten im Kriegsfall von dem eigenen Brotkor» leben können, wir müßten die junkerliche» Familien er- halten, um das Ossizierkorps nicht z» untergraben? Wenn man den Druck unserer Rüstung mit der Englands und Amerika's ver- gleicht, kann man die zwei- und mehrjährige Dienstzeit von lährlich 23/8 Hunderltausend Ausgehobencn ans Seile Deutsch- lauds außer Ansatz lassen? So ließe sich von de» Grundlagen der ganze» Denkschrift Abschnitt für Abschnitt nachweisen, daß sie viel zu hinsällig und verschwommen sind, als daß man irgendwelche beweiskräftige Schlußfolgerungen auf sie aufbauen könnte. Es sind leere Platzpatronen, mit denen man hier auf die Opposition schießt. Sie knallen wohl und machen dem großen Hurrahpublikum vielleicht auch einiges Bergungen. Aber sie sind nicht ernst zu uehmen.— Nochmals die Ermordung des Matrosen Schnkze. In de» ossijietlcn Mittheilungen über den Vorfall bei Tsimo wurde gesagt. Schulz« sei als Wachtposten hinterrücks überfallen und ermordet worden. Der Mörder wurde, so ist iveiter berichtet worden, erfaßt und enthauptet.„Bureau Renter" verbreitet jetzt aber die Nachricht, Echnlze habe drei Chinesen gelödtct und ans Rache dafür sei er gelödtct worden. So behaupten wenigstens die Chinesen. Es erscheint erforderlich, wenn Aufklärung über die Nichtigkeit oder Unrichtigkeit der Reuter-Mcldnng gegeben würde.— I» Konstantinopcl herrscht starke Vcrstiu»»nng wegen der Kretasrage und der sonstigen großen Sclnvierigkeiten, die der otto- manischen Regierung bereitet werden. Offenbar um die Situation nicht zu verschlimmern, hat der Sultan den Forderungen der makedonischen Bulgaren, gegen die im Gebiete von Ueskiib begangenen Gewaltthalc» einzuschreiten und Schutzmaßregeln zu treffe», und ebenso den Wünschen des armenischen Patriarchats sehr freundliche Antworten erlheilt, womit natürlich wirkliche'Abhilfe noch in keiner Weise gcsicherl ist. Dc», öslcrrcichische» Botschafter Irhrn. v. Calice erklärte der Sultan in Privatandienz, die Kandidatur des Prinzen Georg sei absolut unmöglich. Ucber die weitere Be- Handlung der Kretasrage durch die Mächte tauchen allerlei Ver- mulhunge» ans. Nach einer Meldung der„Köln. Ztg." aus Peters- bürg soll Rußland fesl entschlossen sein, die Kandidatur des grjcchische» Prinzen durchzusetzen. Die Erledigung der kretischen Gouvcrnenrfrage scheint zu gunsten des Prinzen Georg in der Weise betrieben zu werden, daß das europäische Konzert sich auslöst, indem die Mächte, die sich bei der Einsetzung des Prinzen nicht bctheiligen wolle», ihr« Truppe» vo» Kreta zurück- ziehen, worauf die Enlferuung der türkischen Truppen durch die mit der Einsetzung des Prinzen einverstandene» Mächte zn veranlassen fei. Darauf wurde die Einsetzung des Prinzen erfolge», auch ohne Zustimmung des Sultans, ähnlich wie beim Prinzen Ferdinand von Kobnrg i» Bulgarien. Der„Pester Lloyd" erfährt dagegen aus Konstantinopel, daß alle Schritte, welch« von russischer Seite in dieser Frage unternommen wurde», bisher nur eine» privaten Cha- r a k t e r tragen und nur gleichsam Sondirunge» von russischer Seile vorstellen. Offizielle Vorschläge der russischen Botschaft, die eine offizielle Stellungnahme zu anderen Mächten erfordern würden, läge» noch nicht vor.— I» Thessalien finden erbitterte Kämpfe zwischen der Landvevölkcrnug und den türkischen Truppen statt. Meldungen aus Lamia besage», es seien etwa 100 Personen getödlet und ver- wnudet worden; diese Nachrichten sollen aber wahrscheinlich über- trieben sei».— lteber die chinesische Anleihe herrscht noch immer keine Klarheit. Einige Blätter halten daran fest, daß die Anleihe von Rußland mit deutscher Unterstützung übernommen worden sei, andere glauben noch an das Zustandekommen der Anleihe durch England. Die englische Regierung schweigt sich trotz der scharfe»!- AÄgmfse, die ihre als malt und feig bezeichnete Haltung in der chinesischen Frage bei den meisten Blättern findet, völlig ans. Morgen tritt das Unterhaus zn- sammen. Es ist zu erwarten, daß in der Debatte über die Thronrede die ostnsiatischen Angelegenheiten zn eingehender Erörterung gelangen werden.— »» » iTeutsches Reich. — Die l a n d w iL t h s ch a f t l i ch e u Zusammenkünfte haben vor ein paar Tagen begonnen; sie werden diese nnd die nächste Woche fortgesetzt werden,»in schließlich im Circus Busch mit einer großen Massenkundgebung des Bundes der Landwirthe zu ende». Di« vorige Woche gehörte dem preußischen Landesökonomie- Kollegium, dem bekannten Beirath des Landwirthschastsmini- steriums, dem bisher 25 von den landwirthschastlichen Ecntral- Vereine» von drei zn drei Jahre» gewählte nnd 12 vom Minister ernannte Mitglieder angehörten. Man hat jetzt eine Abänderung des Regulativs beschlossen: das Kollegium soll i» Zukunft zugleich die Centralstelle aller Landwirthschaftskammern oder, wo solche noch nicht bestehe», der landwirthschastlichen Centralvereine sei»— ferner soll eine Vermehrung der Delegirtcn statlfinden. Letztere Bestim- nm»g wirkt auch zurück ans den Deutschen L a n d w i r t h- s ch n f l s r a t h, der gestern in Berlin zusammentrat, weil hier die 25 gewählten Mitglieder des Oekonomiekollegimiis immer auch die für Preußen bewilligte» 25 Vertreter bildeten. Diese Personalunion soll aufrecht erhallen bleiben, so daß die Vermehrung entweder zu einer Verstärkung des Einflusses von Preußen im Landwirlhschasts- rath oder zu einer entsprechenden Delegirtcnvmnehniiig für die Einzelstaate» sühre» muß, wenn man sich nicht durch eine künstliche Abslinimniigsordining Helsen will. Ei» Theil der Sitzungen wurde wie geivöhnlich mit Berichten ausgefüllt: für die Forstwirthschast empfahl man eine stärkere Vertretung im Posadowsky'schen wirlhschastlichen Ausschuß und i» den Landwirthschaftskammern, ferner die reichlichere Verwendung vo» inländischen Buchenschwelle» seitens der Eisenbahnen— für die Viehzucht Seuchenabsperrung nnd Flcischkontrolle— für den Acker- ban Bohrungen auf Kalk und Aerbilligung des KaliS. Weiter stand auf der Tagesordnung die Weingesetzgevung, deren Verschärfung gegen minderwerthige und Kunstweine man verlangte. Im Mittelpunkt der Bernthungen stand jedoch die Kanal- rage. Man scheint von dem Landesökonomie-Kollegium eine iückeiidcckung der Regierung gegen die rücksichtsloseren agrarischen Gegner aller Kanalbanlen erwartet zn haben. Vielleicht sollte auch die Anwesenheit des(früher wenigstens) kanal- begeisterte» Kaisers die opportunistischen Elemente stärken. Trotzdem jedoch der Laudwirthschasls» nnd der Eisenbahn- minister für die weitere Entivickelmig der Kanäle kämpften, obwohl der Forstmeister Dr. Danckelmann mit seiner ganzen Beredsamkeit die Bedenlnng des erweiterten Wassertransportes für die Wald- wirtlffchaft hervorhob, ließ man selbst die vermittelnde Resolution des Referenten Scydel-Chelche» durchfalle» und sprach durch die »Resolution des Korreferenten Winkelmann-W-stfalen ans, daß der Ausbau eines Netzes einheimischer Wasserstraßen im Interesse der deutschen Land- und Forstwirthschast nur da» n für wünschenswerth erklärt werden tan», wenn entweder durch ausreichende Schntzzölle oder durch entsprechende Kanalabgaben eine Erleichterung des Imports vo» Pro- dickten der Land- und Forstivirthschast dauernd verhindert wird. Dieses verklansnlirte„nur dann" heißt ans gerades Deutsch schließlich: niemals. Denn die Schntzzölle können wir vor 1903 nicht erhöhen nnd eine Verhinderung der Nncksracht für die vom Inner» anslanfenden Kanalschiffe heißt auch die Ausfuhr auf den Kanälen vertheuer» und todlschlage». Mehrere Redner sagten es offen heraus, daß sie der«xporlirenden Industrie gar keine neue» Transporlwege erschließe» wollten, da das Wachslhum der Industrie für die Landwirlhschaft gleichbedeutend sei mit dem Wachs- lhum der Arbeitsnolh. Die unabhängigeren Landwirthschaflsvertretungen werden aus den begonnenen Kongressen diese kulturfeindlichen Interessen des Grundbesitzes ziveifellos noch viel energischer betonen, wie die durch vielfache Riicksichle» gebundene» Mitglieder des ossiziellen Landes- ökonomie-Kollegiums.— — Aufforderung zur Uebertretung des tz 8d des preußischen, des tz24 dessächsischen, des§17des bayerische» V e r e i» s g e s e tz e s. Die Mittheilungen ans der Ablhciliing Berlin der Deutschen Kolonialgesellschast enthalten die folgende Notiz: Deutscher Abend. Die Vereine Deutsche Kolonial. gesellschaft, Ablheilnng Lübeck, Deutscher Sprach- und Schnloerei» Alldeutscher Verband veranstallelen gestern Abend 3�/z Uhr im Vorsaale des Hauses der Ges. z. Bes. gem. Thätigkeit einen„Dentschen Abend".— Diese»Art der Zusammenkünfte halten wir für überaus er- sprießlich, und wir würde» wünschen, daß diese Ein- r i ch t» n g in recht vielen, besonders kleineren Orten eingeführt würde. Halten die genannten Vereine, die ja unbedingt zu einander gehören, z n s a m ni e n, so ist es sicher überall möglich, für unsere nationalen und koloniale» Zioccke mit Erfolg zu werben. I» Lübeck ist es politische» Vereine» gestaltet, mit einander in Verbiudnng zn treten. Die Auffordernng z» solchen Zusammenkünften außerhalb Lübecks involvirt aber«ine Gesetzesüberlrctnng. Bei der gulcn Organisation der Kolonial-Jnteresscnte» und ihren treffliche» Beziehungen zu Behörden zweifeln wir keinen Augenblick, daß gc- iiieinsam« Ziisammeiikiii'.sle, wie die in Lübeck, bald überall i» Preußen, Sachsen, Bayern und miderivärls stattfinden werden, und daß ciue Verfolgung derselbe» nicht zn befürchten ist. § 8 des preußischen Vereinsgesetzes ist längst aufgehoben, er gilt blas noch sür sozialdemokratische»Arbeiter undMr Polen.— — Der„ A e r z t e k a m in e r- A n s s ch li ß", welcher sich aus gewählten Vertretern säinnitlicher preußischen Aerztckannncrn zu- samiuelisetzt, besprach i» seiner letzten Sitzmig de» Erlaß des Kultus- Ministers über die ärztlichen Ehrengerichte. Es wurde ansdrücklich die vorläufige Geheiinhalliiiig der Verhandlnngeii beschlossen. Ein Grund für diese Geheiinnißkräinerei ist nicht ersichtlich. Oder haben die Beschlüsse etiva das Licht der Oeffentlichkeit zn scheue»? Vielleicht befraßen die Berliner Aerzte, die am Donnerstag, den 10. Februar, in einer VersammliiNg über den Erlaß des Ministers bcrathe» iverdeii, ihre Bertreler nach de» Gründe» der Geheiinhaltnng.— — D i e„K r e n z- Z e i t n n g" befaßt sich mit den Ansführiinge», die unser Parteigenosse»Bern st e i n letzthin in der„Neuen Zeit" gemacht hat. Sie entstellt und fälscht dabei völlig die Bernstein'sche» 'Aeußernngcn, aber über diese theoretischen Dinge wollen wir nicht mit der„Kreuz- Zeilnng" disknliren, denn wir können nicht bea»- sprnchen, daß ei» Blatt, welches i»il der Erstreitung hoher Brot» preise und fetter Znckerprämien genngsom beschäftigt ist, Zeil und »Verstand für wissenschaflliche Diskussion über die Marx'sche Lehre und die sich n» diese Lehre innerhalb der sozialistischen»Partei anknüpfenden Meiiiniigsauseinandersetzniige» übrig hat. Aber die„Kre»z-Zeitu»g" benutzt auch dies« dazu möglichst»»passende Gelegenheit, um die bürgerlichen Parteien„zum Kampfe gegen den Umsturz" auszurufen. Das edle Blatt hält de» Zeitpunkt für sich geeignet, um der Sozial- deuiokratie eine gründliche Wahlniederlage zu bereite». So begreiflich diese Wunsche der„Kreuz-Ztg." sind, so thäte sie doch vielleicht gut. erst eilimal au die Verwirrung in ihrem eigenen Parteilager, an das iviiste Durcheiiiander der Gouverneuieutale». der Mantenffel'schen, der Bündler, der Reformer, der Radauantisemilen n. f. w. zu denke». Die Sozialdcmokralic ist groß geworden»»tcr fortwährenden, öfters sehr hitzige» Auseinandcrsctzungen über theoretische Fragen und sie darf sich die theoretische Um-»nd Fortbildung ihrer Anschauungen dnrchans gestatte», während dies bei gewisse» anderen Parteien allerdiiigs einen verderbliche» Luxus vorstellen würde. Und darüber sollte die „Krcnz-Ztg." sich klar sein: Bei alle» Meinungsverschiedeiiheite», die etwa in der sozialdemokratischen Partei vorhaiideii sind, herrscht darin eine vollständige Einigkeit, daß die konservative Partei der schliinmste Feind der arbeitenden Klaffen des deutschen Volkes ist »nd mit aller Kraft bekämpft werden muß.— — Der Zentralvor stand der»ationalliberaleu Partei hielt gestern im ReichStagsgcbäud« unter dem Vorsitz des Herr» Abg. Hobrecht die statnlenmäßig zwischen Neujahr und Ostern stattfindende Sitzung ab, um de» Bericht des geschäftsführenden Ausschusses e»tgege»zu»ehmen. Bei derselben Gelegenheit erstaltete auch der zur Vorbereitung deS Delegirteutages niedergesetzte AuS- schnß neuerdings Bericht, und zwar gipfelt« dieser darni, daß alle Vorkehrung getroffen ist, de» Delegirtentag gegen End« der parlamentarischen Frühjahrs- Session einzuberufen, wenn die Reichstags- Wahlen noch im Frühjahr slattsinde» sollte». »AiidereiisaNs dürfte der Termin snr den Delegirtentag zwischen Milte August und»Mitte September anzuberamne» fein. Im An- fchlnß an beide Berichte fand eine reiflich«»Aussprache über die Lage der Partei im allgemein««, wie Über landschaftliche Verhältnisse und einzelne Wahlkreise statt.— Als letzter»Punkt auf der Tagesordnung stand die Nenivahl des Vorsitzenden. An stelle deS Abg. Hobrecht wurde Abg. Dr. Haminacher gewählt. — Chronik der E i f e» ba hn- Un f ä ll e. Ans Wald- kappet(Rgbz. Kassel) wird unterm ö. d. M. amtlich gemeldet: Heut Morgen 6 Uhr entgleiste die Maschine des Persoiienznges 451 Watdtappel-Kassel bald hinter Station Waldkappel vor der Wohra- brücke in kin 48,7. Die Maschine nnd 3»Personenwagen stürzten den Damm hinunter. Der Lokomotivführer, der Heizer,«in Schaffner n»d sieben Reisende wurden hierbei verletzt. Maschine und Wagen sind erheblich beschädigt. Der Personenverkehr wird vorläufig durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Ursache der Enlgleisnng ist wahr» scheinlich ein Schienenbrnch.— — Polnische Gebetbücher werden jetzt schon in West- prenßen den Kolporteuren zu sühre» verboten. Wenn da die Liebe zum Deutschlhum»nd vor allen, zu der fürsorglichen Liegierimg nicht in hellen Flammen entfacht, dann sind die Polen ein undankbares Volk. Das Zenlruni, dem>na» die reaktionäre Be- sti»»nu»g der Gewerbe-Ordnuiig verdankt, wonach die Polizei- behörden die vo» de» Kolportenre» gesührle» Schriften zu zensuriren haben, merke» jetzt am eigenen Leibe, daß derartige Bestimmungen auch für sie nicht nngesährlich sind.— — Die masurische VollZpartei hat folgendes Partei- Programm aufgestellt: 1. Vereinigmig der Gemeinde niit dem Gute, 2. gerechtere Ver« theiluiig der Schnllaflen auf die Güter, 3. gerechtere Verlheiliing der Kosten für Chauffeebanle», 4. bessere Vertheilimg der Annen laste» in dc» Gemeinden, 5. Uebertragung der Polizeigewalt ans die Genieindevorsteher, 6. Wahle» der Aiiitsvorsteher durch die Gemeinde», 7. ver- stärkte Betheilignng der Bauer» a» de» Kreistagen und de» Landivirlhschaflskaininerii, 8. Zilgänglichmachuiig des Meliorations- sonds für die Bauern, ö. Ve>pachl»»g der königl. Tomnnen an Bauer»(d. h. niittels Parzelliriing derselben). 10. Zliifliebung der »Majorate, 11. Ernläßigilng der Eisenbahn-Tarise für cheniische Dünger, 12. Wahrung der Religion und der Muttersprache, 13. Ein- führung des Kleingewerbes zwecks Seßhaftmachung der mnsiirischeil Arbeiter, 14. Kanalbante». Ferner verlangt die»Partei gleiches Recht für alle ohne Unter- schied des Standes nnd der»Person, Festlegung des Vereins- und Versammluugs-Rechtes, Bewilligung von Diäten an die Reichslags-Abgeordneten, Festhalte» an dem allgeineinei', gleiche» und geheimen Reichstags- Wahlrecht, Einführung gleicher Wahlen sür den Landtag. Die vorbezeichneten Fordenmgeu find, wie man sieht, fast ausschließlich sozialer und wirlhschasllicher Art, am nächste» den Fordcrunge» des Freisinns verwandt nnd zeigen gar nichts vo»„»alional-poliiische»" Bestrebungen. Die Masnrcn sind eben entschlossen, zur Wahrung ihrer eigenen, bälierlichen Gesell- schasts- nnd Wirihschafts- Interessen»»abhängig von de» Konser- vativen, zu deren Heerbann sie bisher zählte», in die Schranke» zn treten.— — Ein Soldaten selbst in ord. Am II. Januar abends gegen S Uhr wnrde i» Rastatt der Rckrnt Herman» D i t t m a r von einem Bahnzug überfahre». Die allgemeine An»al»»e ist. daß Selbstmord vorliegt. Sicher ist, wie die„Maniiheimer Volks- stimme" niittheilt, daß er Briefe hinterlasse» hat, in den«» er sich über schlechle Behandlung, der er beim Militär ausgesetzt gewesen sei, beklagt. Schon in den ersten Tagen seiner Militärzeit beschiverle sich Ditimar über Stöße, die er erhalten habe; ei» Unteroffizier habe ihn nn's 5knie gestoßen, daß er mehrere Tage Schiiierzcu gehabt habe. Der„Leipziger Bolksztg" sind ebenfalls Briefe an den Bruder des Verstorbenen vorgelegt, die ähnliche Klagen enlhalleii. In«>»e>» dieser Briefe berichtet D. von einer Mißhandlung, die er von einem Unlcrossizier zu erdulden halte.„Ich bin, so schreibt er, gegeiuvärtig im Kraickenrevier und habe eine geschwollene Hand schon seit Freitag nnd kann keinen Dienst mitmachen, es rührt vo» Geivehr- griffen her, da habe ich Eine ans die Hand bekomine» vom Unter- offizier. N»» kannst Dn Dir es schon denken, daß es kein schlechter Hieb war. Zum Arzl habe ich halt sagen müssen, es ist oo» sich selber gekomnien, sonst hätte es schließlich was geben könne»." In einem iveiiere» Brief, dalirt vom 1. Januar 1808, also 10 Tage vor dem Tode geschrieben, lheilt D. dem Bruder mit, daß ihm der Unterossizier beim»Appell feinen Rock„so zerrissen" habe,„dnß ich ihn besetzen lassen muß, ich kann ihn nicht machen, heule habe ich ihn in die Stadl zu einem Schneider gelrage», daß er ihn be- setzen lhut". Die„Leipz. BolkSztg." verlangt daher eine Untersuchung d«S Falle?. Stiel, 7. Februar.(Eig. Ber.) Die erschütternde Katastrophe, die de» Tod vo» 12 brave» Männer» zur Folge hatte, wird in ihren Ursachen von der bürgerlichen Presse ans den„schweren Seegang", der im Kieler Hafen geherrscht haben soll, zurückgeführt. Wäre tbatsächlich das Unglück auf diese Ursache zurück- znsühren, so hätten die für die'Beförderung verantwortlichen »Personen eine doppelt schwere Verantwortung zu trage», daß sie in solchem Welter ein solch' ungenügendes Boot zur Beförderung der abgelösten Wache verwenden ließen. Doch ist der Hafen keineswegs in solchem Maße vom Unwetter heimgesucht worden. Durch den steifen Nordostwind war das durch die Stürme vorher ans dem Hase» getriebene Wasser ivieder mit Macht znrückgeirieben worden, so daß stellenweise die Qnaimaiier überspült worden und selbstverständlich auch das Wasser lebhast beivegt war. Daß dieses jedoch nicht so schlimm war. geht daraus hervor, daß die Bootsfnhrer tm Hafen ihren Dienst angetreten hatten. Das Uiigläck ist darauf zurückzusühre», wie uns von ver- fchiedcnen Seelenle» erklärt worden, daß die Pinasse ziinächst durch 17 Mann überfüllt ivar, dann durch eine Biegniig um den ihr im Wege liegende» Miiienleger„Rhein"herun>, wobei vielleicht das Steuer zn schnell herumgeworfen wnrde, sich auf die Seite neigte, und in diesem »Augenblick von einem eiiisetzenden Windstoß« und einer nachfolgenden Welle zum Sinken gebracht worden ist. Durch diese Darstellung ivird selbstverständlich die Schuld der die Verantwortung tragende» Personen keine geringere, denn bei den vielen Veförderiingsmitteln, die zur Versüginig standen, um die Wache auf das diesseitige Ufer zn befördern, ist es geradezu unverständlich, wie man dieses kleine offene Schiffchen wählen konnte. Sämnittiche Leichen sind geborgen worden. Sie sind in der Leichenhalle des Marine-Garnisonlazareths, wo schon so viele, auf so traurig« 9lrt nms Lebe» Gekommene aufgebahrt waren, nebeneinander gebettet. Nur wenige zeigen Spuren eines schweren Todes- kampfeK. Die Beerdigung wird am Mittwoch ftatlsinde». Dieses Unglück ruft die Erinnerung an die mit grauenhafter Regelmäßigkeit in de» letzie» Jahren über Kiel hereingebrochenen Katastrophen ivach: die Geschützexplosion ans dem„Baden", wobei 7 Personen vernngliickle»; dann folgt« die Katastrophe auf dem Panzer„Brandenburg", wo das Platzen des Hauptdampsrohres die Ursache des Todes vo» 42 Seeleuten wurde; dann die Kessel- «xplosion aus dem türkischen Torpedojäger, bei dessen Probefahrt, wodurch wieder 13 Mann ihren Tod fandeii, der vierte Unglücksfall ereignete sich durch den Einsturz der Lanfbrücke ans dem Dampfer „Bonn" und 14 Werftarbeiter ertranken. Dem schließt sich nun dieses Unglück wieder an. Das sind 8ö Tobte in kaum sechs Jahren. — Bezüglich der Fesselung von Redakte»ren bei V e r b ü ß u n g von Preßvergehen hat der Verein „Leipziger Presse" an daS königlich sächsische I«st i z in t n i st e r i n m eine Eingabe zu richten beschlossen iiiid den Wortlaut derselben in seiner letzten Monatsversaii»nl»»g end- giltig festgesetzt. Die Eingabe behandelt die bekannten und vielfach besprochenen Fäll« Steiger und Schulze, bespricht den § 2000 der Geschäftsordnung sür die königl. sächsische Justizbehörde nnd stellt schließlich folgenden Antrag:„Ein Hohes königl. Bliiiisteri»»» wolle hinter o des§ 2000 der Geschästsordunng ansdrücklich Hinz»- füge», daß bei solchen Gefangenen, welche wegen Preßvergehens ver- uriheilt worden sind, die Fesselung mangels begründete» Fluchtverdachts, über welchen die Gefängnißverwaltung(Gesängniß- direklor) zn entscheiden hat, überhaupt zu unterbleibe» hat und in letzterem Sinne auch schon jetzt die betreffende» Exeknliv- organe anweisen."— Ob durch diese Eingabe wirklich etwas erreicht wird, bleibt freilich abzuwarten.— Aus Baden. 4. Februar.(Eig. Ber.) Ans allermindesienS fünf Millionen Mark ivird die Erbschnslsstener geschätzt, welche der Fürst von Fürstenberg nach dem Urlheile des Karlsruher Ver- walluiigsgerichtshoseS zu bezahlen hat. Mit der Fesistelinng deS fürstlichen Vermögens wird demnächst begonnen werden. Hoffentlich geben dabei die Steuerbehörden mit jenem Mangel an Sentimentalilät vor, durch welchen sie sich sonst gegenüber„gewöhnliche» Menschen" auszeichnen. Den Vogel Abgeschossen hat unter den Ncchlsbeiständen des zahlnngsumvilligen �Fürstenbergevs" der in letzter Zeit so oft genannte Slraßbnrger Professor Dr. Laand. Es ist geradezu grotesk, was dieser Herr *ur Verlheidigung des„Fnrstenbergers" und zum Schutze von dessen Vermöge» vorbrachte. Mit einer einer besseren Sache würdige» Dialektik hat der Herr Professor klarzulege» versucht, dast beim Tode eines Fürsten zn Fürstenberg sein Vermögen nicht, wie es bei unser einem geschieht, im Weg« der Vererbung auf den neuen Fürsten übergeht, sonder» daß es zunächst gleichsam an die als eine Art Korporation zu denkende Gesammtfnmilte zurück- fällt und von ihr gewissermaßen leihweise dem neuen Fürsten über- lassen wird, der sonach nicht von seinem unmittelbaren Vorgänger erbe sondern direkt von dem im grauen Alterthinn verstorbenen Stlfter der Familie und Begründer des Vermögens. Im Grunde wollte der Herr Professor also beweisen, daß der Fürst von Fürstenberg eigentlich garnichl der Besitzer seines Ver- uiögens sei, daß er mit demselben nicht schalten und walten könne, wie er wolle, und daß er also keine Erbschastssteuer zu zahlen brauche!— — Fleischsperre in den ReichSlanden. Aus Straß- bürg wird uns geschrieben: Auch an der Westgrenz« des Reiches beginnt man der E i» f u h r v o n F l e i s ch nunmehr Schivierig- keilen zu bereiten. Tie„Straßb. Post" lheilte vor einigen Tagen in einer halbamtlichen Nolitz mit, infolge der Thatsache, daß der Import von geschlachtetem Fleisch, namentlich von Schweinefleisch, aus Frankreich in der letzte» Zeit sehr gestiegen sei, habe die Behörde in gesundheitlichem Interesse es für geboten erachtet, dieses Fleisch in der gleichen Weise der inländischenFleischbcschauzuunlerwerfen.wie das im Lande geschlachtete. Später werde die von der Reichsregierung in Aussicht genommene allgemeine Grenzkontrolle die nöthige Gcwähr biete». Nach dieser Verordnung unterliegt alles zur menschlichen Nahrung bestimmte frische Fleisch, also auch das aus dem Ausland eingeführte, der Fleischbeschau. Diese muß, wenn die Schlachtung im Ausland vorgenommen wurde, bei den geschlachtete» Stücken einsetzen, die in einer Gemeinde des Inlandes zum Verlans gelangen. Die Polizeibehörden und Fleischbeschauer sind bereits mit Weisungen in diesem Sinne versehe» worden.— Wenn diese Maßregel den Erfolg haben sollte, die Einfuhr von billigem Schiveiuefleisch»ach Elsaß-Lolhringen aus dem benachbarten Frankreich zu erschweren, so wäre dies im Interesse unserer Älrbeiterschafl, die zum großen Theil aus den Konsum gerade des billigen Schweinespeckes angerviesen ist, sehr zu bedauern.— Strasjbnrg i. C?., 4. Februar,(©ig. Ber.) Die reichsländische Presse aller Parteischattirungen zeigt eine seltene Einmüthigkeit in der Verurtheilnng des von der Colmnrer Staatsanwaltschaft in der V! a j e st ä l s b e l e i d i g u n g s s a ch e gegen die dortige„Volks- Partei" beliebten Vorgehens. Selbst die streng gonvernementale „Straßb. Post" macht von dieser Uebereinstiminnng der Preß- urlheile keine Ansnnhme. Sie wendet sich gegen die Einleitung des Verfahrens an sich sowie besonders gegen die Einbeziehung des Geschäftsführers der Druckerei in die Anklage. Dies Aussehen erregende Vorgehen der Colmnrer Staats- amvaltschasl kann sehr leicht den finanziellen Ruin eines Preßorgans berbeiführen, eines Preßorgans, das sich durch seine unbestrittene Unerschrockenheit und Tapferkeit in der Bekämpfung persönlicher Mißstände sowie der unhaltbaren innerpolitischen Verhältnisse unseres Landes nach oben hin schon so manches Mal recht unliebsam be- merkbar gemacht hat.— — Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozesse. Eine unüberlegte Aeußernng mit beziig ans., den Kaiser hat dem Apotheker Erwin Levinsohn eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung eingebracht, ivelche gestern unter Ausschluß der Oeffentlichkeil vor der dritten Slraskammer des Landgerichts I zur Verhandlung ge- langte. Der Angeklagte wurde vom Jnstizralh Munckel und Rechts- anwalt Heine vertheidigt. AuS der UrtheilSverkündigung ging hervor, daß der Gerichtshof den vorliegeiiden Fall als einen be- fonders leichte» angesehen und deshalb nicht auf eine Gefängniß- strafe, sondern ans das zulässigst niedrigste Strafmaß— 2 Monate Festungshaft— erkannt hatte. Wegen Majestätsbeleidigung soll gegen zivei weitere Dresdner Buch- Handlungen vorgegangen werden. Sie haben die Broschüre(?) Kaiser Wilhelm II. ausgelegt»ild verkauft. Wege» Majestätsbeleidigung erhielt die Plätterin Dorette Latte- mann in Hannover in der Etrafkaminersitzung vom 3. d. M. drei Monate Gefängniß zudiklirt.— Oesterreich. — Alle deutsche Hochschulen, in denen gestreikt wurde, sind durch Erlaß des Ministeriums geschlossen worden. Prag, b. Februar.(Eig. Ber.) Die österreichische Politik wendet sich langsam wieder von Prag ab, nach Wien zu. Die Tage der böhmischen Ständevertrelung sind gezählt; noch in diesem Monat soll der Reichsrath einberuse» werden. Unter dem Eindruck dieser Nachrichten haben die Verhandlunge» im böhmischen Landtag viel von ihrer Bedeutung eingebüßt. DieHoffnunge» der Regierung habe» sich nicht erfüllt, vielmehr hat der unfähige Stalthaller Gras Cvuden- Hove die Situation noch verwickelter gemacht und der Regirrung bleibt nichts übrig, als die ungelösten Fragen nochmals dem Reichs» rath anfzulischen Die Jungczechcn, die daran nichts ändern können, benutzen die letzten Tage, um ihre arggesährdet« Popularität aufzufrischen und die Massen über ihr wahres Wesen zu täuschen. Am Freitag überreichten Dr. Slavik und Genossen im böhmische» Landtag de» Antrag, das allgemeine gleiche Wahlrecht einzii- führen. So sehr dieser Schritt zir begrüßen wäre, darf man sich doch keiner Täuschung hingeben. Der Antrag wird kaum mehr zur VerHand- lung kommen und es ist außer Zweifel, daß, wen» es den Jnngczcche» wirklich um dieses Recht des Volkes ernst wäre, sie schon Wege undMittcl gefunden hällen, um de» Rahlrechlsanlrag ans die Tagesordnung zu setzen. So aber bleibt das allgemeine Wahlrecht begraben, die Jungczecheu aber haben ein billiges Agilationsmiltel und können sich wieder alS Demokraten geriren. Der„Sludentenstrcik" an den Hochschulen wird keine weitere» Folge» haben; die Vorlesungen bleiben bis zum Landtagsschluß sistirt und dann wird das Farbenverbot aufgehoben werde». Zu rvelche» Mittel» die bürgerlichen Politiker nachher greifen werden, um das nöthige„Nationalgesühl" wachzuerhalten, ist vorderhand noch sraglich.— llngar». Budapest, S. Februar. Abgeordnetenhaus. Bei der Verhandlung über das Budget des Handelsministeriums erklärte der Handelsminister Daniel, hinsichtlich der Industrie sei eine Aenderung des auf das Genvssenschaftswese» bczüg- liehe» Theiles des Handelsgesetzes und die Revision des G e- Werbegesetzes in Aussicht genommen. Was de» Außen- Handel betreffe, so werde die Regierung binnen kurzer Zeit einen Gesetzentwurf in der Angelegenheit der Unterstützung einer Seeschiff- fahrls-Gesellschaft am Schwarzen Meere vorlegen. Die Regierung gedenke, die Wasserstraßen i» engere Verbindung mit den Eisen- bahnen zu bringen; sie hoffe, Budapest werde durch die Errichtung eines entsprechenden Hafens der Knotenpunkt des Schiffsverkehrs werden.— Schweiz. Bei»», B. Februar.(Eig. Ber.) Die Verhaflung des unter der Anschuldigung, im Dienste des italienischen Konsuls als sZsirt provocateur gestandenen Alfredo Torna in Lugano scheint un- degründet gewesen zu sein, denn der Bundesrath hat seine Frei- lassung verfügt. Die Gegner der Eisenbahnverstaatlichung ar- beite» mit Hochdruck auf die Irreführung des Volkes hin. Eine Broschüre folgt der anderen, und in Basel giebt gar ein Redakteur der reformirt-frommen«Allg. Schweizer Ztg." eine besondere Zeitung zur Belämpsung der Eisenbahnverstaatlichnng heraus, offenbar nur im Jntereffe der ewigen Seligkeit des Schweizervolkes, also zur Wahrung der angeblich höchsten idealen Güter. Die Frage der „Züricher Post" jedoch an die Gegner, iver alles das bezahlt, hat keine Beantwortung gefnnden; man iveiß aber, daß deutsche Bankiers und Aktionäre allein eine halbe Million zur Bekämpfung der Eisenbahnverstaatlichung ihren Handlangern in der Schweiz zur Ver- sügung gestellt haben. Man kann daraus schließen, welch guteS Geschäft der Privatbetrieb der Eisenbahnen für die belheiligte» Kapitalisten ist. Im G e n ßer K an t on s r a t h e hat der Konservative Odier einen Gesetzentwurf betreffend Errichtung einer all- gemeine» A l t e r's v ers ich e ru n gs k as s e mit staa t- l i ch e r Subvention eingebracht. Bekanntlich»vollte» die Sozialdemokraten diese Einrichtung schaffen mit den durch Ab- schaffung des Kultusbudgets freiwerdenden Suininen,»velcher Plan jedoch in der Volksabstimmung verworfen wurde. Was Herr Odier will, besteht bereits im Kanton Neuenburg und scheint sich zu bewähren.— �ra«?relch. — Eine russische Stimme über den Fall DreyfnS. Die „Wjedouiosti" veröffentlichen einen Artikel zu gu listen der Revision des Dreyfus-ProzesseS und erklären, die Haltung MeUne's entfremde Frankreich seine besten Freunde.— Belgien. Brüssel, 6. Februar. Tie sozialistische Partei beschloß, Zola für sein muthigcs Streiten in der Dreyfus-Angelegenheit ein Glück- wunschschreiben zuzusenden.— — Die Wühlarbeit der Klerikalen gegen den Abbe Daens, de» chrisllich-demokratischen Priester, der in der Kammer dem konservativ-klerikale» Klüngel schon manche bittere Wahrheit ge- sagt hat, dürfte schließlich mit einem Siege der ersteren ende». Wie „Klokke Roelaud", ein christlich-demokratisches Genter Blatt mit- lheill, soll auf de» Bischof von Gent, dem der Abbö Daens tniler- steht, von de» höchsten kirchlichen Stellen in dem Sinne eingeivirkt werde», daß Daens vor die Alternative gestellt iverde, entiveder sein kirchliches Amt oder seine politische Stellung aufzugeben Das genaiinle Blatt vertheidigt die Poliiik des Slbbö und belont, daß die Maßregelung dieses Mannes nur die Wirkung haben könne, die Unzufriedenen in die Reihen der Sozialdemokraten zu treiben. Es»verde dann in den vlämischen Provinzen zwischen den Konser- vativen und den Christlich-Demokraten eine» Kampf bis a»ss Messer geben. Nach diesem kühne» Anlauf wird schließlieh versichert, daß Daens, falls von den kirchliche» Behörden obenbezeichnete Ordre käme, sieh als guter Sohn seiner Kirche füge» werde, daß aber ein Schmerzenssckrrei die Lande durchhallen»verde.— Unser Bruder- orga», der„Peuple", dein wir das obige entnehmen, weist mit recht darauf hin. daß das Proletariat gerade dadurch zu der Erkenntniß gebracht»verde, daß es die Vertretung seiner Interesse» nicht Leute» übertrage» dürfe, die i» erster Linie den Interesse» der Kirche glauben dienen zu»nnssen. Dänemark. — Der neue Entwurf eines Unfallversiche- rilngS-GesetzeS»viirde in der vorigen Woche im F o l k e t h i n g beralhe». Der Worlsührer der Linken. Christcnsen- Stabil, meinte, man dürste den Laiidivirlhc» nicht die Kosten für die Versicherung ansbürde», sondern diese müßte der Staat tragen; aber das sei nur möglich,»venn alle Gesellschaftsklasse» in das Versicherungs- gesetz hineingenounile»»vürden. Die Vertreter der Rechten, Wulf»i»d Joavenins, sprachen gegen den Antrag,( der ihnen schwer durchführbar z» sein scheine. Der Minister des Innern, Bardenfleth, hält eine Versicherung der Landarbeiter gegen Unfälle für sehr schivierig. Er ist aber nicht abgeneigt, bei einer Uniarbeitung des Antrages»nitzuivirken. Jansen(Eozialdemo- krat) ist gegen die Bersicherungspflicht der Arbeilgeber. Wenn eine andere Versiebernng nicht zu erlangen wäre,»vürden sie auch dieser znstinnnen. Natürlich»väre das einzig richtige Siaalsversicherungen und nicht die Begründung von Einzergesellschaften, aber da man fürchtet, damit in den Sozialismus Hineinznsegeln, hätte es ja keinen Zweck, dahinzielende Anträge zu stellen. Er empfiehlt Ueberiveisnng des Antrages a» eine Kommission, i» der man vielleicht zu besseren lliesultaten kommen kann. Dementsprechend wurde beschlossen.— — D er Landesthing behandelte ain Freitag de» sozial. demokratischen Antrag: Bervillignng von Staaisdarlehen für den Vau von Arbeiterivohnungen und den Unrbau ungesunder Stadt- theile. Der F i» a» z in i» i st e r empfahl den Antrag, da er Haupt- sächlich ans eine Verlängerung des Gesetzes von 1387 hinanslause. Knud s e»»(Sozialdemokral) belenehtete dann die Kopenhagener Wohnnngsverhällnisse, die den Bau von kleinen Wohnungen dringend erheischten, soivohl hinsichtlich der Bauverhältnisse, als auch' der Beivohnerzahl und der enorme» Preise. Ferner»vies er auf die Kiuderversolgungen durch die Hmiswirlhe hin. Konferenz rath Hanse»»veiß, daß die Verhällnisse so traurig sind, aber er glaubt nicht, daß ihnen abgeholfen werden könne. Der Autrag kommt i» de» nächsten Tage» zur ziveiten Lesung.— Nusslaud. — Das Koinilee des jüdischen Arbeiterbundes Rußlands und Polens bittet uns, eine—»vie es scheint— vo» der russische» Regierung geplante neue Barbarei zur Ke»>uniß »»serer Leser zu bringe». Einer der Staaisanivälte in Wilna ließ nämlich vor kurzer Zeit die Aeußernng fallen, daß die russische Re- gierung die Absicht hat, den jüdischen Verbannten keine Geld- zuschüsse mehr zu gewähren, da»nsolge des bedeutenden Anschwcllens der Zahl dieser Verbannten für diesen Zweck zu hohe Geldmittel erforderlich feie», auch iverde beabsichtigt, die Kost der in Gcsängnissen inlernirle» Juden zu versehlechlern. Um die Bedeutung der von der Regierung geplanten Maßregel unsere» Leser» verständlich zu machen,»vollen »vir bemerken, daß in den»leisten Gegenden, wo die Ve> bannte» hingeschickt werden, für diese keine Eriverbslhätigleit möglich ist und daß sie ans diesem Grunde bis jetzt von der Regierung geringe Geldzuschüsse bekomme», welche allerdings auch i» den meifien Fällen selbst sür die bescheidenste Existenz nichl ausreiche». Wird die»eue Maßregel durchgeführt, so»verde» die Verbannten direkt dem Ver- Hunger» ausgesetzt.— 9( flen. — Mißhelligkeiten zwischen Japan und Korea. Die„Times"»»»elden aus Kode vom Sonntag, die koreanische Re- gierung habe beschlossen, keine Konzessionen zum Bau von Eisen- bahnen an Ausländer zu vergeben; der japanische Gesandle in Soeul 'ordere, daß der ans griind eines Uebereinkommens vom Jahre 1894 von Japan aufgestellle Kontrakt sür den Bau der Soeul-Fusan- Eiseubah» unterzeichnet werde.— Nfvika. — Von den K ä in p f e n i n Uganda. DaS Londoner Ausivärlige Amt hat die Bestätigung der Meldung erhalte», daß die ausständische» Sudanesen in Uganda am 9. Januar Fort Lnbivas geräumt und alle Streilkräfte i» einer großen Dhau und mehreren Booten über«ine Bucht des Viktoria Nyanza fortgeschafft haben. Kapitän Harrison sei mit 2990 Mann, zivei Feldgeschntzei, und 1999 Wagandas nbmarschirt, um die Anfrührer zu verhindern, den Nil zu überschreiten.— Ainerika. Washingto», B. Febr. Die Beamten des Ackerbau-Departements äußerten ihre Uedcrraschung über die gestrige» Ausführniige» des preußischen Ministers f ü r L a n d>v i r t h s eh a f t, Frhr». v. Hammerstein,»velche dieser in der Sitzung des prenßisehe» Abgeordnetenhauses gelhan, indem er eine Q u a r a n l ä» e gegen amerikanische Pferde zur Verhindernng der Einschleppung der R o tz k r a>» k h e i t in Aussicht stellte. Sie bestreite» die Mög- lichkeit, daß die amerikanischen Pferde mit der Rotzkrankheit behaltet feie», durchaus und sage», daß die Krankheil,»venn sie»ach der Einfuhr bei ihnen anflrele, von Pferden übertragen sei» müsse, die sich bereits a» dem Orte besänden. Der Sekretär des Ackerbau-De- partements erklärt Haminerstein's Angabe» für unbegründet. Der Chef des Bureaus für Viehzucht bemerkt, die iliotzkrankheit Uete, soviel sein Bureau»viss«, nieht vorwiegend in den Vereinigten Staaten ans. Der Vorsitzende der Kommission sür Ausivärlige Angelegeuheilen, Hitt, erklärt auf Befragen, es sei klar, daß die in Aussicht gestellte Quarantäne in den Rahmen der allgemeinen Bewegung falle, die a>lf den Ausschluß amerikanischer Produkte hinarbeite. Senator Dingley, der ebenfalls über seine Meinung.befragt»vurde.»»eint, eine etwaige Quaraniäne»väre augenscheinlich demselben Bestreben zuzuschreibe»,»vie das Obsteinfuhrverbot. man müsse aber abwarten. ob die Quaraniäne so nachdrücklich ausgeübt»verde»,»vürde, daß sie einer Verhinderung der Einfuhr gleich käme. — In Costarica und Nicaragua macht sieh eine starke revolutionäre Beivegung bemerkbar, die gleichzeitig die Re- gierungen beider Staale» bedroht. An vier Stelle», brache» zu der- selbe» Zeit Ausstände aus. In Nicaragua halten die Aufständische» die Stadt Sa» Ina» besetzt; über den Aufruhr in Costarica liegen bisher wenige Meldungen vor.— Slnstralien. Ehdnep, Milte Dezcniber 1897.(„Hamburger Eorr.") Am 20. Januar 1898 wird die dritte Konventio» für die Berathung einer Bundesversassung der australischen Kolonien in Melbourne eröffnet»verde»,. Die Majorität des anstralischen Volkes und darunter fast ausnahmslos der Handelsstnnd ist von der Roth- wendigkeit der Union durchdrungen; dessennngeachtet ist es höchst ziveifelhaft, ob es in Melbourne gelii»gen wird, einen für alle Kolonie» und Pnrleie» annehmbaren Versasslnigsenlivurf zu stände zu bringen. Queensland»vird an der Konvention nicht theilnehmen. Der nördliche»ind»nitllere Theil dieser Kolonie wollen vorerst von den, südliche»» abgetrennt»verde», um als selbständige Kolonien aus der Konvention vertrete» zu sein. Sie befürchien, daß sonst in der Bi»»desversass»ng die Arbeit der Farbige»(coloureä labor) verboten»vird, ans die sie»vegen des»ropischen Charakters ihrer Gebiete„nicht verzichte» können". Der südliche und wirthschastlich und politisch bedeutendste Theil Queenslands ist sür Abschaffung dieser Arbeit. Tieselbe Frage ist auch in der Kolonie Eüdanstralien, die zivar an der Ko»ve»»ilbn theilnimmt, mit dein Unionsprojekt in Ber- biiidnng gebracht worden. I» Neu-Süd-Wales. dessen Bevölkerung zun» allergrößten Theile für die Union ist, zeigt das Parlament»venig Gefallen an dem Biurdesverfnfsungs- E>»l>v»irf, wie er jetzt vorliegt. Es hat die für die A>»»iahi»e der Versassirng nothwendige Stimmenzahl der Be- völkernng durch ein besonderes Gesetz von S9 999 auf 39 999 erhöht. Diese Erschiverung einer dem Verfassn,>gsent>v»rs günstige», Volks- abstinnining ist ans die Thatsache zurückzuführen, daß auf den Konventionen, zu denen jede Kolonie zehn Abgeordnete entsendet, die kleineren: West- Australien, Süd« Auftraliei» und Tasmanien, über die großen: Neu- Süd- Wales»»»d Viktoria, die Majorität haben,»veil Queensland fernbleibt. Als Ausdruck offenbarer Ab- »eignng gegen den Unionsgedanke»»nuß aber angesehen »verde»», daß in den» Parlamente der Autrag gestellt und angenommen »vurde, das znkiinstige Bundesparlament solle nicht befugt sei», den Freihandel zwischen de» einzelne» Kolonien zu erzwingen. I» der Kolonie Viktoria ist ein ähnliches Verlange», freilich in beschränkterem Umsange, an den Tag gelrele». Es solle» Spirituosen zivar von einer Kolonie in die andere eingeführt iverde» dürfe», aber eine jede soll das Recht dabei», im Deiailverkanf davon die Abgabe» zu erheben, die ihr belieben. Diese beiden Reservate vo» seile» Neu-Süd-Wales und Viktorias »vürden die Wirthschasts- und Zolleinheit, die doch das Wesen der Union ausmachen sollte, beinahe illusorisch mache»,. Sie brauchen aber zunächst nicht»veiter erörtert zu»verde,», denn i» dem Ver- sassnngsentwnrfe,»vie er bis jetzt vorliegt, ist diese Einheit über- Haupt noch nicht definirt»vorder». Die Debatten machen den Ein- druck, als ob die Konvenlio» nur mit der Aufgabe beschäftigt sei, die Möglichkeilen und Schwierigkeiten der Unionsbildung gegen ein- ander abzuwägen.—_ Aran Emma Ihrer in P a» k o>v ersucht»>»?, den Partei- genösse» mitzutheilen, daß sie augenblicklich R e f e r a t e sür Ver- sannnlungen n i ch t übernehmen kann, da sie bis Milte Februar unterwegs sei» wird. Politik in der Schule. Im Dorfe Genschmar bei Küstrin »varen von unseren Parleigcnossen Flugblätter und Kalender ver- lheilt worden. Tarauf forderte,»vre uns»litgetheilt»vird, der Lehrer Deuz die Schulkinder auf, die sozialdemokratiseheir Schriften in die Schule mitzubringen. De» Kinder», die das lhaten, gab er dann svgenaunle patriotische Schriften dafür. Derartige Verstöße gegen den neutralen Charakter, den die Volksschule einzunehmen hat,»uen» sie dieses Naiuens würdig sei» soll, sind leider unter den Lehrern nicht selten. In Hanau befinde» sich die Parteigenosse» in lebhafter Thätig- keit für die S t a d t v e r o r d n e t e»- W a h l. Zu vorigem Freilag hatten sie eine Versammlung veranstaltet, die so zahlreich besucht ivar,»vie kaum jemals eine Versammlung in diesem Ort. Der ge- »vallige Raum des großen Saales des Lokals Saalbau war voll- ständig gefüllt. De» Vortrag hielt Reichslags-Adgeordneter Ulrich ans Offenbach. In die Redaktion der Magdebnrgcr„Volksstimme"»st der Parteigenosse August Müller ans Hamburg, bisher Redakteur der„Gärtner-Zeitung", eingetreten. I» Nürnberg referirte an» Sonntag i» einer große» Volksversammlung llleichstags-Abgeordneter Oertel über die gegen- »värtige innere und äußere Politik Deutschlands. In einer ein- stimmig angenommene» illesolntion prolestirte die Versammlung gegen die Schutzzoll- und Liebesgabenpolitik, ferner gegen die Politik der Eroberungen und gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. Hier- auf»vurde die durch den Tod G r ill e» b e r g er's nothivendia ge- »vordene Neuwahl des Verlraneusmannes vorgenommen. Die Wahl fiel aus Oertel, zu seinem Slellvertreter»vurde Eitziuger ernannt. Polizeiliche». Gerichtliche» it. — Redakteur Erbin an»» von der„KönigSberger V o l k S t r i b ü» e" hat am 31. Januar eine sechs- und eine zivei- »vöchige Gefäugnißstrase angetreten. Die erster« Strafe»vurde»hm »vegen eines Artikels zuerkannt,»»vori» Mißstände der Provinzial- Jrrenanstalt Allenberg geschildert»vare»; vor Gericht war es jedoch nicht möglich, für alle Behaaptnngen den vollen Wahrheitsbeweis zu liefern. Die ziveile Strafe»vurde verhängt,»veil in einem Artikel, »vori» ein bestimmter Oberförster nicht genannt war, säunntliche Oberförster Preußens beleidigt sein solle».— — In der vorjährigen Generalversaminluiig de? ans Bürger- lichen und Arbeiter» znsammengesetzlcn S t e t t i n e r Konsum- und Sparvereins»var, da die Mehrheit des Vorstandes be- schloffen hatte, bei der Zentenarfeier am 22. März die Verkaufs- lüde» nach Mittag zu schließen, geivünscht»vorde», man möge die Läden nun auch am Nachmittag des I. M a i schließen. Trotzdem kein formeller Antrag gestellt»nd daher über den Wunsch auch nicht abgestimmt worden»var, wurden die Vorstandsmitglieder des Ver- eins, darunter Reichslags-Abgeordneter Herbert, vom Schöffengericht zu je 10 M. Geldstrafe oder 2 Tage» Gefängniß vernrtheilt,»veil sie die Erörterung einer politische» Angelegenheit geduldet hätten. Herbert legte Berufung beim Landgericht ein und begründete diese »i. a. damit, daß vo» der Maifeier überhaupt nicht gesprochen worden sei. Das Landgericht verivarf aber die Berufung. Wenn man den l.Mai, an welchem Tage die Sozialdemokratie ihre Maifeier ab- hält, dem 22. März gleichstelle, so habe das politischen Beigeschmack. und»venn man beide Tage zu einander in Gegensatz bringe, so sei das eine politische Demonstration. VvozeH Äota. Paris,?. Febnmr. Von 10 Uhr vormittags an herrscht am Justizpalast großer An» drang vo» Personen, die dem Prozesse Zola beiivohnen»vollen. Mnnizipalgarde» stellen dieselben vor den Gittern in geordneter Reihe ans. Es sind sehr strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Rochefort tvof um 10 Va Uhr vor dem Jliftizpolaste ein und wurde vo» der augcsoiiiiiiclten Menge mit Hochrufen empfougen, einige riefen:„Nieder mit Rochesort". Letzterer näherte sich diese» Rufern nnt den Worten:„Ihr seid wirklich vier Man», jeder S» ä Fr., das macht 20 Fr. Das Syndikat hat sich nicht ruinirt". Hieraus betrat Rochesort den Jnstizpalast. In der Umgebung des- ielbcn sind zwei Brigaden Polizei-Rgenle» zusammengezogen, die in kleinen Gruppen verlheilt sind. Im Innern des Palastes sind strenge Masiregeln getrossc»; eine Kompagnie der Garde röpublicaiue steht zur Verfügung des Präsideuten. Die Be- wegung nimmt zu; die Zeugen treffen ei». Zola, welcher in einem Landauer in Begleitung C l e m« n c e a n' s und des Vertheidigers Labori eintraf» wurde von der Menge beschimpfe. Eine Person. welche Hochrufe ans Zola ausgebracht hatte, wurde von der Menge herumgestoßen. Die Gerichtssitzung wird vormittags 10 Uhr eröffnet: Präsident deLegorgne gicbt bekannt, er werde den Saal räumen lasse», sobald irgendwelche Kundgebung statlfinden würde. Es ivird zur Zliislosung der Geschworenen geschritten. Der Gerichtssaal ist vollständig gefüllt. Einige Hochrufe, welche bei der Ankunft Zola's ausgebracht wurden, wurden sofort durch energisches Zische» unterdrückt. Zola sieht sehr bleich aus. Die eigentliche Verhandlung beginnt um 12 Uhr 50 Min. Der Gcrichlsschrciber verliest de» Vorladnngsbefehl. Nach der Ver- lcsung der Vorladung erklärt der G e n e r a l- S t a a t s a» iv a l t van Cassel, die Verhandlung würde auf die Anklage Zola's gegen das Kriegsgericht, welches Major Esterhazy aburtheilte, beschränkt sein; man müsse verhindern, daß die Verhandlungen abschweifen; man dürfe nicht das Spiel der Angeklagte» spielen, welche es auf U m wegen zu einer Revision des Prozesses Dreyfus kommen lassen ivollen. Die Vorladung konnte gesetzlich niä>l über die Anträge deS Kriegsministers hinansgehe». und letzlerer hat als Kläger natürlich das Recht, die Prozeßverhandlungen auf den Pnukt zu deschränken, den er abnrlheilen zu lassen für angemessen hält. Das Nechtsversahrcn muß hier ebenso präzis sei», wie der Angriff gewesen ist. Die Be- stiminnngen über die lltevision eines Prozesses sind gesetzlich geregelt, aaer bis zur Stunde liegt ein Aulrag auf Revision des Prozesses Dreysnß nicht vor. Man hat sich darauf beschränkt, den Versuch zu machen, die Verurtheilung eines zweiten Ossiziers für das Verbrechen des ersten herbeizuführen. Dieser Versuch ist nicht geglückt. Heute will man vo» einem revolutionäre» Mittel Gebranch machen, dem wir aber das Gesetz entgegenstellen, vor welchem sich jedermann zu beugen hat. Der Vertreter der Anklagebehörde verliest hierauf seine Echlußfolgernuge», die darauf hinausgehe», daß der Gerichlsho alles von der Verhandlung ausschkießen soll, was nicht direkt den Wortlaut der Vorladung betrifft. In seiner Erwiderung führt der Verlheidiger Zola's, Advokat L a b o r i, ans, alle in dem Briefe Zola's angeführten Thalsachen ständen in engem Zusammenhange. Es müsse Zola gestaltet sei», feine Verlhcidigung und seine Erklärungen auf alle diese Thatsachen auszudehnen. Labori fügt hinzu:„Wir habe» Achtung vor der„abgeurlheilten Sache", da aber, Ivo iveder Gesetz- lichkcit noch Gerechtigkeit geivaltet hat, ist für niemand mehr eine „nbgenrtheilte Sache" vorhanden." Labori bringt schließlich seine in diesen, Sinne lautenden Schlußfolgerungen vor. Die d r e i S ch r e i b s a ch v e r st ä n d i g e n Belhomme, Varinard und Conard erklären, sie würde» zivilrechtliche Ansprüche gellend machen. Der Vertheidiger Labori sprach gegen die Zulassung der drei Schreibsachverständigen in diesem Prozesse, da dieselbe» ihre Ansprüche gegen Zola�bereits vor dem Znchlpolizei.Gerichlshos anhängig gemacht hätten. Der Gerichtshof zog sich um 2 Uhr zur BcraiKung hierüber zurück. Während der zeitweiligen Unterbrechung der Gerlchisverhandlnng herrsche» im Saale lebhafte Erörterungen, ohne daß ei» besonderer Zwischenfall sich ereignet. Die Verhandlung wird nm 3 Uhr wieder aufgenommen. Der Gerichtshof gicbt de» Beschluß bekannt, daß dem Angeklagten nicht zu gestatten sei, alle i» dem Artikel Zola's enthaltene» Thatsachen zu beweisen, Zola dürfe lediglich zum Beweise derjenigen Thatsachen zugelassen werden, ivelche in seiner Vorladung angezogen seien. Der Gerichtshof lehnt serner die Intervention der drei Schreib- sachverständigen ab. Hierauf wird mit dem Ausruf der Zeugen begonnen. Ter Präsident verliest Enlschnldigungsschreibe». die von den Zeugen de Presse nsg, General de Luxer, Oberst 3i a m e l, Frsdoric P a s s y, M i l c e n t und Dr. G i b e r t eingegangen sind. Ferner verliest der Präsident eine Zuschrift des Juslizniinislers. worin ihm derselbe bekannt gicbt, daß der Kriegsniinister vom Ministerrathe nicht ermächligl worden sei, vor dem Schwurgerichte zu erscheinen, um Aussage» zu machen. Der Ve>theidiger Zola's erklärt hierauf, er lege hiergegen Verwahrung ein. Weiler ivird ein Schreiben von Casimir P e r i e r verlesen, worin derselbe erllärt, er könne nur über Thatsachen, die in der Zeil nach seiner Präsidentschaft fallen. Aussagen machen. Auch hiergegen legt die Veriheidigung Verwahrnng ei». Oberst du Paty de Clam verweigert ebenfalls die Aussage; dagegen beantragt der Vertheidiger Labori, daß du Paty de Clan, zur Zengnißabgabe zu erscheine» habe, unter der Androhung, daß sonst die Angelegenheil ans eine folgende Session des Schivurgerichts vertagt werden mnsse. Der Gcneralanwall erklärt, die Entscheidung hierüber dem Gerichts- Hofe zu überlassen. Labori, zu den Geschworenen gewandt, erllärt alsdann:„D e r Beweis, de» wir v o r I h n e n, meine Herren, führe»>v o I l e n, ist so schlagend, daß man ihn» i ch t z n Tage k o m»> e n lassen will; aber ich iverde, wenn e s s e i n muß, d i e s e n B e>v e i s allein führen, ohne Zeugen. Wenn ich keine» Erfolg habe, dann wird der Mann, der im Bagno ist, dort, wohin man ihn gebracht hat, bleiben, infolge eines Gesetzes, das eigens für ihn ge- »lacht ist."(Heftiger Widerspruch.) Der Gerichtshof beschloß, über die verschiedenen Anträge nach Beendigung des Zeugeuaufrnfs Entscheidung zn treffen. Beim Auf- ruf der Zeugen erklärte die Vertheidigung nur bei den sieben Ofsiziercn, welche das Nrtheil über den Major Esterhazy fällten, daß sie auf deren Veinehmnng verzichte, hingegen bestand Labori lebhasl ans die V e r» e h in u» g der Richter des Hauptmanns Dreifus. Gegen Schluß der Sitzung stellte der Verlheidiger Labori eine Reihe von Anträgen des Jnhalls, daß eine weitere Anzahl von Zeugen zum Erscheiiten gezwungen werden sollen. Der Gerichtshof beschloß, die Entscheidung über die Anträge ans morgen zu ver- tage». Hierauf wurde die Verhandlung für heilte ausgehoben. G e me vltschnfil i ches. Berlin und ttingcbiiug. Mit der Griiudnng vo» Gewerkschafte» auf christlicher �katholischer) Grundlage ist am Sonnlag begonnen worden und zwar mit einer Sektion der Bauarbeiter. Als der gemein- same Feind wurde natürlich die Sozialdemokratie bezeichnet. Dagegen hofft man, daß die Arbeilgeber und Poliere die christlichen Bcrnssgenossenschafle» unterstützen werden. Demnach scheint es den Gründern weniger darum zu thun zn sein, eine Verbesserung der Lage der Arbeiter herbeizuführen, als vielmehr sich i» kirchlicher und politischer Beziehung einen Einfluß auf die Mitglieder zu sichern. Ten« Geschäftsbericht der Lohnkontmisflo» der Berliner Maurer, der in der letzten öffentlichen Maurer-Versaminluug ge- geben wurde, enluehmen wir folgende, auch für weitere Kreise i»ler- essante Einzelheiten: Die zuletzt am 9. Novbr. vorgenommene Bon- koutrolle ergab, daß 557 Bauten, auf welchen 64lS Maurer beschäftigt gewesen sind, vorhanden waren, wovon aus 387 Bauten mit 4372 Maurern der Stundenlohn von 60 Pf. bezahlt wurde, während der übrige Theil, also eine verhältnißmäßig geringe Minorität einen Stundenlohn von S7V,»nd 55 Pf. erhielt. Die Zehnstnnden- Bante», wovon bei der vorletzlen Kontrolle am 28. Juli noch fünf mit 50 Maurern vor- Händen waren, sind mittlerweile völlig verschwunden. Es kann Verantwortlicher Redalteur: August Jarobey in Berlin. Für den Ins demnach die neunstündige Arbeitszeit als für die Daner gesichert gelten und auch der 60 Pfennig-Stnndenlohn als ziemlich errungen betrachtet werden. Die meisten verlorengegangenen Bansperren waren von Ende September bis Mitte Oktober zn verzeichnen und waren es in vielen Fällen solche, die gegen den Willen der Lohnkommission vorgenommen wurden. Die von der Lohnkommission vorgenommen« Arbeiislosen- Statistik hat ergeben, daß auch in' der günstigsten Jahreszeit und bei der besten Gefchäftskonjnnklnr trotz der verkürzten Arbeits- zeit nicht unter 150 Maurer arbeitslos sind. Vom 1. März 1897 bis 11. Dezember 1897 haben sich 4669 Kollegen arbeitslos gemeldet, die insgesammt in diesem Zeitraum 16 152 Wochen, d. i. pro Kopf ca. 3 Wochen und 3 Tage arbeitslos waren. Die von der Kom- Mission vorgenommenen Feslstellnngen über die Mißstände auf den Bante», durch welche schanderhafle Zustände ans Tageslicht be- fördert wurde», sollen auch in Zukunft und zwar periodisch statt- finden, nm bessere baupolizeiliche Verordnungen in bezug aus �Bau- bnden, Aborte und Schutzvorrichtungen, die in jeder Weise ungenügend sind und vielfach gänzlich fehlen, zn erzielen.— Infolge der letzten Lohnbeivegnngen, Bansperren u. f. w.. die fast im ganzen Jahre stattfanden, sind insgesammt 48 Kollegen wegen Vergehen gegen § 153 der Reichs-Gewerbe- Ordnung unter Anklage gestellt. Bon diesen wurden 22 mit einer Gesammtstrafe von 5 Jahren 3 Monaten und 10 Tagen belegt. Die Slrafen schwanken zwischen 1 Tag und 1 Jahr Geiängniß. 6 erhielten Geldstrafen von 9—60 M., ins- gesammt 149 M. 24 wurden freigesprochen. Außerdem er- hielten 32 Strafmandate in der Gesnmmthöhe von 146,35 M. Ans dem weiteren Bericht ging hervor, daß 66 öffent- liche Versauimlnngen, viele Bandepntirtcn- Sitzungen und 49 Konnnissions- Sitzungen stattgefunden haben, Flngblätler in vielen tausend Exemplare» in Berlin und in der Provinz Branden- bürg verbreitet wurden. Von den 4902 organisirlcn Maurern, die an der Lohnbewegung betheiligt waren, gehörten 3510 dem Verband, 1392 deni Fachverein an. Insgesammt konnten bis zum 12. Januar von 6000 Kollege» die Karlen als sür vollständig den gefaßlen Bc- schlüssen entsprechend in Ordnung erklärt werden. Ter Redner gicbt zum Schluß der Meinung Ausdruck, daß die Lohn- kommission nach besten Kräften ihre Schuldigkeil gethan und die an sie gestellten Aufgaben nach Möglichkeit zu erfüllen gesucht hat. Hierauf gab Richter den Kassenbericht. Danach betrugen die Einnahmen vom 2. August 1697 bis 31. Dezember 1697 inkl. Bestand von 8861,65 M. insgesammt 60590.55 M. Die Ausgaben, darunter die Kosten der Bausperren im Streikgebiet 23 714.60 M., Maßregelungs- Unterstützung 2373 M., Prozcßkosten 2393,30 M., Entschädigung an die Lohnkommission 3247,60 M., Drucksachen 1561,80 M., Unterstützung an die englischen Maschinenbauer 2000 M.. Kosten der Statistik über die Mißstände auf den Bauten 608 M., die Kosten von Bausperren in Lichtenberg 402 M., insgesammt mit den anderen kleineren Posten 38 787,24 M. Als Bestand verbleiben 21 603.31 M. TenlschcS Reich. Die Former der Firma Brandes u. Co. in Wolfen- b ü t t e l sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand gelretcn. Tie Brannschweiger Böttchcraesellc» sind— nachdem sie vor einiger Zeit ihre Kündigung eingereicht hatten— am 5. d. M. in den Kampf nm den Lohntarif eingetreten. Tcr Formerstrcik in Flensburg dauert fort. Die Arbeiter haben mit der Firma Jepfon u. Sohn verhandelt, jedoch haben sie es abgelehnt. a»f de» Vorschlag der Firma— Anerkennung eines neuen Tarifs— einzugehen. Tic zweite Generalversammlniig deS BerbaudcS der Werftarbeiter Tentschlandö wurde am Sonnlag Rachmritag auf der Eldinsel Wilhelmsbnrg bei Hamburg eröffnet. Es sind vertreten die Zahlstelle» Bremen, Bremerhaven, Bremer hnven-Schiffszimmerer, Kiel, Gaarden, Flensburg, Rostock, Bredow, Lübeck, Danzig. Etting und Vegesack mit zusammen 26 Delegirten. Vom Zeniralvorstand sind zwei Mitglieder, vom Atlsfchnß ein Milglied erschienen. Den Vorsitz führt Oellrich-Lehe. Tie Zahlstelle Königsberg hat keinen Delegirten entsandt, ebenso ist die größte Hafenstadt Deutschlands, miibnrg, aus der Generalversammlniig nicht verlrelen, weil eine ahlstelle des Verbandes in Hamburg nicht existirt. Die General- versaminlniig wird voraussichtlich bis Mittwoch dauern. Tcr Zentralvvrstaud des Berbandrs der Hafenarbeiter Tentschlandö erläßt heute eine» Anfruf zu einem voraussichtlich im Juli d. I. staiisindenden Kongreß. Die vorläufige Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. Slegclmig der Arbeitszeit, sowie vtachl- und Sonniagcarbeit in den verschiedenen Berufen. 2. Einführung staat- licher Hafen- Jnspeklorcn durch das Reich. 3. Unfallversichcrungs- Gesetz. 4. G we>begerichie. 5. Arbeilsvermitlelung und 6. Organ- frage. Bei der Gewcrbeacrichtöwnhl in Brieg wnrden nnsere Kandibmen in der Klasse der Arbeilnehmer einstiinuiig gewählt. Abgegeben wurden 105 Etiinmen. Die Belheiligung in der Klasse der Unternchiner zeigte eine große Laitheil i» diese» Kreisen, denn es üble»ur ein Wähler fei» Wahlrecht ans. Tic Zimnicrcr der Slädie Ohrdruf, Schw arzwald, W a l t e r s h a u s e» und Tabarz halte» durch ihre Lohn- konnnissio» an de» Verband der Holzindnslriellen des Thüringer Waldes das Ersuchen gerichtet, eine Ausbessernng der Lohnverhält- nisse der Schneidemüller, Tischler und verwandter Holzarbeiter herbeizuführen. Ter Veiband der Holzindustriellen hat in seiner Antwort das Verlange» abgelehnt wit der Begründung, daß dies tt»ter dem Druck der gegcnwärligeii Konkurrenz nicht möglich sei. Tcr Verband der Lederarbeiter hat nach seiner Abrechnung vom drillen Quartal 1897 eine Einnahme von 13 194.36 M zn verzeichnen, der eine Ausgabe von 6190,71 M. gegenüber steht. U. a. befinden sich bei diese» Ausgaben 3066,19 M. sür Reise- Unterstützung, 1610,43 M. für Slreikiiiiteistütznng, 479,60 M. für Umziigsenlschädigung und 313 M. sür Nolhstandsiiiiterslützniig. Das Vereinsverwögen stellt sich am Schluß des Quartals a»f 25 343,16 M. Tic Handschuhmacher in Arnstadt habe» fämintlicheii Fabrikanten einen»enen Lohnlarif nnterbreitet, der mit Ausnah»»« eines Fabrikanten Annahme gefiinde» hat. I» diesem Betrieb haben die Arbeiter die Kündigung eingereicht. In Mindm befinde» sich die Arbeiter einer Leimfabrik im Ausstand. Die Aiissiändigeir erhielte» bisher eine» Stundenlohn vo» 20 Pf. und wurde ihnen der Lohn für«ine halbe Ueberslunde verweigert. Infolge dessen legten säminiliche Arbeiter die Arbeit nieder und fordern sie nnnmehr einen Stundenlohn vo» 25 Pf. RnSland. Ter Streik der Kauimmacher und BernfSgenossen in Wien um Eriingnng der neunstündigen Arbeilszeit dauert seil dem 24. Jammr unverändert fort. Trotzdcm die Arbeitgeber den Beschluß gefaßt haben, daß diejenigen von ihne», welche die Jorde- rung beivilligen. 25 ff. Strafe an die Meister-Kraukenkasse zu zahlen haben, halten sich die Strcikciideil sehr ivacker und die Eliniinnng ist eine günstige, so daß ein Erfolg erreicht werden dürfte. Briese und Geldsendimgei, sind a» de» Obwan» des Streikkowilees, Karl M a s ch e k i» Wien, Dvhimt's Gasthaus, 15. Bez, Märzstr. 19, zu ende». Zur Hebung der Lage der Tranöportschiffer, insbesondere der Steinschiffcr, ist i» einer letzthin in Berlin staltgehabte» Schisierversniiimliing, in welcher». a. 23 Scbifferinnungen verlreicp. waren, die Gründling einer Transport- Genosseiischast mit de»; Sitz in Berlin beschlossen worden, iiachcem sich die Ziegeleibesttzer vorher zn einem Ringe vereinigt hatte». Die Vereinigung der Ziegelei- besitzer steht dieser Genossenschaft der Transportschiffer sympathisch gegenüber und hat sich bereit erklärt, derselben nach Aufstellung eines Minimal- Frachtsatzes den gesannnlen Steintraysport ihrer zirka 765 Ziegeleien zu übertragen. il verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Soziales� Ter Arbeits markt im Januar zeigte im Vergleich zn dem entsprecbende» Monat des vorige» Jahres wieder ei» günstiges Ge- präge. Nach de» in der Monatsschrift„Der Arbeitsmarkt" vcröffent- lichten Sitnalionsberichten über die Lage des Arbeitsmarktes im Schnhgewerbe, in der Eisen- und Metallindustrie und in ver- schiedenen Gewerbszweigen Berlins lassen sich zwar scharf bemerk- bare Symptome eines Rückgangs der allgemeinen Geschäftskonjunklur und ihr nachlheiliger Einfluß auf die Lage des Arbeitsniarltes nicht bcstreile», doch sprechen wieder andere Wahrnehwunge», so in der Texlilindustrie und theilweise auch im Schnhgewerbe, sür eine augenblickliche Beffernng. Nach de» Berichte» der Arbellsnachweis-Ver- waltnnge» bewarben sich nm 100 offene Stelle» im Januar 156,2 Arbeitsuchende gegen 160 in, Januar des vorigen Jahres. Es bewarb-n sich im Januar 1896 31 030 Arbeit- suchende nm 19 872 offene Stellen, im vorigen Jahre 27 859 nm 17340. Von 61 Berichte», die bei der genannten Zeit- schrift eingingen, zeigen 50 vergleichbare Daten. Von diesen weisen im Vergleich zum Januar vorigen Jahres 25 eine Abnahme und nur 22(-(- 3 ausländische») eine Zunahme des Andranges auf. Gegen den Monat Dezember o. I. jedoch hat sich(wie alljährlich) im Jannar die Lage des Arbeilsmarktes etwas»ngünstiger gestaltet. Ans 100 ausgebotene Slellen käme» im Dezember 151,2, im Januar dagegen 156,2 Arbeitsuchende. Eine A b>i a h in e der Arbeitsuchende» war z» verzeichnen in Kiel, Halle a. S., Dessau, Gera, Hannover, Osnabrück, Mnnfier, M.-GIadbacki. Aachen, Kreuznach, Darmstadt, Heidelberg, Schopfheini, Offenburg, Maniiheiiii, Konstanz, Pforzheim, Stuttgart, Kannstadt, Ludwigsburg. Eßlingen, Heilbronn, Ulm, Niirnderg. Zugenommen bat die Zahl der Arbeitsuchenden in Posen, Breslau, Frankfurt a. O, Berlin, Nixdorf, Quedlinburg, Elfnrt, Elberfeld, Essen, Köln, Wiesbaden, Frankfurt a. M., Gicssen, Worms, Kaiserslautern, Lahr, Freiburg, Karlsruhe, Reuilinge», Fürth, Augs- bürg, Münche», ferner in Wien, Brünn, Bern. Zn dein iicnc» Recht der Handlungsgehilfen, da? am 1. Januar i» Kraft getreten ist, hat. ime uns von betheiligter Seite geschrieben ivird, bis jetzt noch kein Staat A u s f ü h r u n g s- B e- st i in in u n g e» erlasse», so daß mil Ausnahme der Kündignngssrist nild Gehaltszahlniig, die im Gesetz präzise gefaßt sind, thatsächlich alles bei», alten geblieben ist. Das Gesetz verbietet gesnndheits- schädliche Arbeits-, Wohn- und Schlasräume, überlange Arbeitszeit». f.>v., sagt aber nicht, wo die Grnndstücksschädlichkeit anfängt. Die Besiimmungeil über die sogen. Koiiklirrenzklansel- Verträge sind so allgemein gehalten, daß es ohne Ausinhrun>s- bestilniimugen garnicht möglich ist, de» jetzige», ungeheuerlichen Zn- sländen ei» Ende zu»lachen. Die Lehrlingsfrage ist überhaupt zum erste» Male geregelt worden. Aber ohne Ans- führliiigsbestininnliigcii hat diese Regelimg gar keinen Sin». Kein greifbarer Anhalt ist sür ein Einschreiten gegebe». Wir fragen: Wann wird die Regierung Ansführiliigsbestiin- »ilingen erlassen? Ein Recht darf doch nicht blos auf dci» Papier stehen, sondern iimß praklisch augewandt werde» könne», soll es seine Wirkung ausüben. Wir erinnern daran, daß beim Jnkrasl- trete» des alten Handelsgesetzbnches sofort Aussührnngs- befliiiinuliigen erlassen worden sind. Soll das, was vor 36 Jahren recht ivar, heule i» dem vielgerühinlen Zeilalter der Sozialpolitik nicht mehr billig sei»? Freilich iverde» auch die Ansführungs- bestiinnniiige» zum größten Theil so lange ans dem Papier sieben, so lange die Orgaiie, die H a» d e l s- I» s p e k t o r e n, zu ihrer Durchführung fehlen. Ter Schiffsbau in Preußen. An kleinen und große» Schiffs- Bauanstalleii und Werften zählte Preußen 1682 705 Hauptbetriebe mit 13 161 darin lhätigc» Personen. 1895 aber 728 mit 25 343 Personen(Zunahme 92.56 pCt.); 1675 fanden sich in dieser Gewerbe- art nur 5823 Personen. Die größere Zahl dieser Betriebe ist kleinen Umfanges: Kahninacher, Kahnflicker und kleinere Schiffs-Bauaiistalien für Flnßsahizcnge; derartige Betriebe»lit 10 und weniger Per- soiien gab es 1882 624 mit 1960 Personen»nd 1895 678 mit 1609 Personen. Während sich also die kleinere» Betriebe viniiindert haben, zeigen die groben»nd größten Beiriebe,»amenilich die letzteren, die vorzngsiveise für die inächtige» Secdainpser und Kriegsschiffe i» Frage konnne». eine gewaltige Verniehrnng. So wurde» i» Preußen Schiffsban-Anstallcn gezählt mit 201 bis 1000 Pe»- sone» 1832 5, 1895 10, und deren Personal ivar vo» 2566 auf 4350 angewachsen. Betriebe mit über 1000 Personen gab es 1882 Z, 1895 6, und deren Personal war von 6179 auf 1b 794 gestiegen! I», Durchschnitte beschäjligle jeder der letztere» sechs Betriebe 2632 Persone» gegen 2060 vor 13 Jahren, und deren Personal Halle seit 1882 um 156 pCt. zllgenoinme». Der Schwerpunkt des preußischen Schiffsbaues verlegt sich mit dem Ausschwunge dieser Industrie iiinner mehr in die allergrößten Betriebe: 1382 kamen von>000 im Schiffsbau thäiige» Personen ans die größten, über 1000 Personen beschäfligenden Anstalteii 469, 1895 dagegen 623. Säniintlicheii Betriebe» mit in ehr als 200 Personen gehörten 1382 664 von 1000 aller in Schiffsbanbetrieben thütigen Personen an, 1895 aber schon 795. Geht schon ans der Persone» Vermehrung die rasche Entfaltiiiig der preußischen Schiffsbau-Judustrie hervor, so zeigt sich diese noch anffalleiidcr in der Entwickelmig der im Dienste dieser Industrie stehenden mechanischen Hitsslräste. Im Jahre 1382 sind die motori- scheu Kräfte nicht ermittelt worden. Im Jahre 1895 gab es in den preußischen Schisfsbaubelriebe» aber 5197 Pferdestärke», während 1375 denn erst 443 ermiltell wurden. Im ganzen Tenischen Reiche stände» im Jahre 1875 1121, 1895 aber 3556 mechanische Pferde- stärken im Dienste der Schifssbau-Jndustrie. 14 Tage lang hat der Strunipswaarenfabrikant Bruno Heinrich L i n k e in Gliben eine Anzahl jugendlicher Arbeiter mehr als zehn Stunde» täglich b e- s ch ä f t i g t. Dafür verurlheilie ihn das Landgericht ivegen lieber- trelnug der Gewerbe-Ordnung zu 150 M. Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängniß. eine Strafe, die ihni wohl nicht ganz gleichgillig sein wird. Der Siaatsanivalt hatte sogar 500 Mark Geldstraf« be- antragt. Wenn die Gerichte aNenthalben derartige Verfehlniigen der Unternehmer nur einigerinaße» stieng ahnden wurden— vielfach komineii die Unternehmer selbst in sehr schlimmen Fällen mit einer niilde» Sliafe davon— so ivürde es um die Durchführung des Arbeiterschntzes bald besser stehen. Depejitzen und letzte Ltttihviihken. Teplitz, 7. Februar.(B. H.) Ein aus Deutschland ziigereisteZ Liebespaar hat sich hier heute Borwitlag erschoffen. Budapest, 7. Februar.(W. T. B.) Eine Abordiinng der Grund- besitzer des Szaboicser Koinitats begab sich heute z»i» Minister- präsidente» Baron Banssy, nm wegen Schntzmaßregeln gegen das Ueberhandnehnien der sozialistischen Beivegnng in diesem Komitate, ivelche Leben»»V Eigenihnni gefährde, vorstellig zu iverde». Der Ministerpräsident versicherte, daß er die uiiifaffendlleii Schutzniaßregelu treffen werde. Paris, 7. Februar.(W. T. B.) Depntirtenkamnier. Im Laufe der Berathnng über das Budget des Ansivärligcn, ivvbei Te.l,»cle die Räumung Egyptens»nd die Neulraiisirnng des Nillhalcs ver» langt, fragt Dclafoffe, welche Haliung Frankreich gegenüber den Er- eigi'isien in China einnehme. Delnfosse krilisirl dabei die französisch- russische Allianz, bemerki, dieselbe habe»»r für Rußland Stutzen und behanplel, es bestehe ein« gewiffe Konnivenz zivischen Rußland und Tenlschland. Godlcl wirft der französische» Diplomatie vor. daß sie die Geschäfte Europa'? zu»» Schaden ihrer eigenen Jnlercssen besorge. Koiistantinopcl, 7. Februar.(B. H.) Die Armee in Thessalien ivird durch Regiinenter ans Anatolien auf Kriegsstärke gebracht. Große Proviant- iii'd Mnnitionslieferungcn für die ihessalische Armee sind abgeschlossen. ax Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen n. Unterhaltnngsblatt. ilr. 32. 15. IchMg. j. Llntevm«rnrflrn Mnvs. Januar. 3. Kiel. Genosse K»» st wegen öffenllicher Berbreltnng vo» Flugblätter» 10 M. Geldstrafe. 4. Frankfurt a. Nt. Wegen Beleidigung eines Laudwehrvereius- Hauptinauns Genosse Schmidt 300 M. Geldstrafe. „Leipzig. In der Rcvisiousiustanz Genosse Kanfsmann in Harburg 200 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung der Polizei. ö. Neustadt(Mecklenburg). Wegen Verstoßes gegen die Ver- ordnung vom 27. Januar 1851. fünf Genossen je 30 Mark, vier Genossen je 15 Mark und ein Genosse 3 Mark Geld- strafe. „ Leipzig. In der Nevistonsinstanz Genosse Wind ho ff in Düsseldorf 3 Monate Gefängniß wegen Beleidigung eines Fabrikanten. 10. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Vahle in Magdeburg 3 Monate Gefängniß wegen Majestätsbeleidigung. 11. Hos. Wegen des gleichen Reals Genosse Stückle» 25 M. Geldstrafe. * Griniuia. 15 M. Geldstrafe Genosse Martin wegen Ver- Übung groben Unfugs. 14. Leipzig. Genosse Erdmann in Königsberg in der »iemfiousiiistaiiz 300 M. Geldstrafe wegen Beleidigung des Offizierkorps. Id. Harburg. Wegen Beleidigung des Magistrats und wegen Ungebühr vor Gericht Genosse Roche 30, ö und 20 M. Geldstrafe. » Magdeburg. 20 M. Geldstrafe Genosse Harbaum wegen Verüvuug groben Unfugs.— In der Nevisionsinstauz Ge- »osse Vahle 100 M. Geldstrafe wegen Fabrikanten- Beleidigung. 20. Leipzig. 1 Monat 2 Woche» Gefängniß der Schuhmacher Koch wegen wörtlicher und thällicher Beleidigung von Streik- brechern. 21. Magdeburg. Genosse B a u m ü l l e r wegen Beleidignng des Magistrats 3 Monate Gesäugniß.— Wegen Richterbeleidigung Genosse Vahle 30 M. Geldstrafe. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Grimpe in Elberfeld 4 Monate Gefängniß wegen Beleidigung des Ober- bürgermeisters. 22. Zwickau. Wegen Vergehens gegen 8 l53 der Gewerbe- Ordnung 2 Arbeiter zu je 3 Wochen, 1 Arbeiterin zu 14 und eine zu 10 Tage» Gesäugniß. „ Lübeck. Ein Genosse wegen Verstoßes gegen die Ver- orduung über die Heilighaltung des Sonntags v M. Geld- strafe. 24. Stiel. In der Berufungsinstanz Genosse Korn 20 M. Geldstrafe wegen Belechignng des Grafen Lteventlow. „ Biaudeuburg. Genosse H n t h wegen Beleidigung des Bürgermeisters zu Luckenwalde 30 M. Geldstrafe. „ Mainz. Wegen Beleidigung eines Elttterbeamten Genosse L i« b»> a» u 20 M. Geldstrafe. 27. Aruöwaldc. 30 M. Geldstrafe ein Maurer wegen Berübung groben Unfugs. „ Leipzig. Ju der Revisionsinstanz Genosse Er dman» in Königeberg 14 Tage Gefängniß wegen Beleidigung der Ober- sörster Preußens. 20. Omedliubiirg. 15 M. Geldstrafe Genosse Trautewein wegen Beleidigung der Baupolizei. „ Treödeu. Genosse U r n e r wegen Verübnng groben Unfugs eine Woche Haft. , Itzehoe. I» der Berusungsiustanz ein Arbeiter einen Monat Gefängniß wegen Beleidigung eines Arbeiters, den er Slreitbrecher genannt hatte. „ Pirna. Wegen VerÜbung groben Uufugs ein Steinmetz 10 M. Geldstrafe. 31. Hamburg. Ein Schiff? zimmere.r 50 M. Geldstrafe wegen Beleidigung eines Streikbrechers. „ Pochttm. 15 M. Geldstrafe Genosse Struckmann wegen Veranstaltung eines nicht erlaubten öffentlichen Aufzugs. „ Lübeck. Wegen Beleidigung eines Streikbrechers 2 Arbeiter 2 Monate bcziv. 2 Wochen Gefängniß. „ Rostock. Ei» Tischler wegen Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung 2 Wochen Gesäugniß. „ Hamburg. Wegen des gleichen Vergehens ein Hafenarbeiter 0 Woche» Gesäugniß. Jusgesannnt wurde erkannt auf 1 Jahr 10 Monate 2 Wochen und 5 Tage Gefängniß- und auf 1464 M. Geldstrafe. Berlin, de» 5. Februar 1398. Der Parteivorstand. MeichskÄg. 34. S i tz it u g. Montag, den 7. Februar 1838, 2 U h r. Am BimdeSrathstische: v Podbielski. Das Gesetz betr. die Aufhebung der Kautionspflicht der Reichs- bcamten wird in dritter Lesung debattelos angenoininen. Sodann wird die zweite Etatsberathung beim Pofletat(Tit. 7) fortgesetzt. Beim Tilel.Oberpostdirektion" spricht Abg. Werner(Reform-P.) den Wunsch ans. daß es den Veamten in Berlin erlaubt sein möge, außerhalb Berlins zu wohnen. Ter Titel ivird hierauf bewilligt. Zum Titel„Vorsteher von Postämtern 1. Klasse" beantragt Abg. Kopsch(fcs. Vp.) folgende Resolutio»: Ten vteichskauzler zu ersuchen, die erforderliche» Schritte zu th»», um ohne Verletzung bereits erworbener Recht« die Ver- iniudeiung und endliche Aufhebiing der Offizier?- Postvorsteher« steile» einlrcleu zu lassen. Es giebt zur Zeit 132 Militär-Postämter. d. h. 17 pCt., deren Postvorsteherstelleii stets von Offizieren besetzt werden, die durchaus ohne postalische Vorkenutuisse sind. Sie werden nur einer schriftlichen Piüsuiig unterworfen, die auch die gewöhnlichen Postgehilsen ablegen »iüssen; und diese können es höchstens bis zum Postasststenten dringen. Das einzig Eutscheldende, die mündliche Prüfung, fällt dagegen über- Haupt fort. Dulch solche Besetzungen wird das Postwese» sicherlich geschädigt. Sie finde» eben nicht nach dem Grundsatze der Tauglich- keit statt, sondern unter dem Gesichtspiinkle der Versorgung bestimmter Personen. Natürlich können solche Postvorsleher auch nicht die nölhige Autorität ihren Untergebenen gegenüber haben. Eine solche Autorität äußert sich auch i» einem huinane» Verhalten; je weniger man aber über wirkliche Tüchtigkeit verfügt, desto mehr sucht man dieS durch au- »labendes hochsahrendes Betragen wettzuniacheii. Im vergangenen Jahre las ich nun noch, daß man gar mit der Absicht umgehe, den Echallerdienst durch Militäranwärter anssühren zu lassen. Der Schalterdienst ist nun ein derartig schwieriger, daß hier am nllerweniaste» nicht fachmännisch ausgebildet« Personen am Platze wäre». Ich hoffe, daß der neue Staatssekretär diesem System«in Ende machen wird. Unlerstaalssekretär Fritsch: Die Militärpostämter thun in durch- aus befriedigender Weise ihren Dienst; die Verwaltung ist zu der Ueberzeugnug gelangt, daß das eingeführte System in seinem jetzige» Umfange sich sehr wohl bewährt. Die einzige Aenderung, die wir vornehmen würden, könnte nur«ine Erhöhung der Offiziers- Postvorsteher stelle» fei».(Hört! hört!) Die Qualifikation wird nicht nur durch theoretische Aus- bildnng gewonnen, souder» ist die Folge gewiffer Eigen- schasicn, die nur durch die Zeit erivorben werden, z. B. ist die Pünkt- lichkeit. an die die Offiziere gewöhnt sind, eine ivesentliche Bedingung für die sorgfältige Ausführung des Postberufs. itts„vmmk" Abg. Graf v. Stolberg(k.): Dem Wunsche des Abg. Kopsch, die Zahl der Militär-Postämter zu verminder»,»»iß ich entschieden entgegentreten. Es giebt eine so große Anzahl von peusionirten Osfizieren, daß ich nur bedauere, daß die Anzahl der Militär- Postämter nicht vermehrt werden kann. Sie wünschen den Militär- Personen immer alles Gute, aber für jede» einzelnen Fall, da passe» sie innner nicht hin. Ich hoffe, daß die Verivallnng bei ihrem gegenwärtigen Verhalten bleiben wird. Damit schließt die Diskusfio». Der Antrag Kopsch wird gegen die Stimmen der sreistnnigen Volksparlei und der Sozialdemokraten abgelehnt. Beim Titel„Postsekretäre zc." erklärt sich als Berichterstatter Abg. Pansche(»all.) gegen die petitiouirte Eihöhung der Ge- hälter der Poslsekretäre. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vg.) befürwortet eine Erhöhung des Maximalgehalls der Poslsekretäre um 300 M. Das Höchst- gehall beträgt jetzt 3500 M., es solle aus 3800 M. erhöht werden. Die Wünsche dieser Beainteukategone seien durchaus berechtigt. Er wisse, daß er heule auf einein verlorenen Posten stehe, hoffe aber, daß im nächsten Jahre diese Erhöhung durchgeführt werde. Die Diskussio» wird geschlossen, der Titel angenoininen. Beim Tilel„P o st a s s i st e» l e n" spricht Abg. Werner(Anlisemil) dem Staatssekretär seinen Dank ans, daß er dein Postassistenten-Verband freundlicher gegenüberstehe, wie sein Vorgänger. Er hoffe, daß inan nun auch den Wünschen dieser Beauitenkategorie mehr wie bisher»achkonnnen werde. Zlbg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) wünscht eine anderweite Regelung der Dienstaltersstufe» bei den Postassistenlen. Staatssekretär des Reichspostamls von Podbielski verkennt das Wohlwollen des Abg. Müller für diese Beamlenkategorie nicht, die Erfüllung der Wünsche des Abgeordnete» mache aber erhebliche Schwierigkeiten. Die Diskussion wird geschlossen. Der Titel wird genehmigt. Beim Titel„Ferusprech- und Telegraphen-Gehilfinnen" besür- w ortet Abg. Dr. Hainmacher(nall.) eine größere Fürsorge für diese iveiblichen Augestestte». Der Dienst sei»lindestens so anstrengend im Telephoiidienst wie im Telegrapheudienst. Eine Abkürzung der Zeit, ii» der die Damen i» etatsmäßige Stelleu aufrücke», sei sehr wünschenswerlh. Abg. Singer(Soz.): Wir sind auch dafür, daß den Damen möglichst bald eine gesicherte Lebensstesiuiig gewährt wird. Allzu viel Lob kann ich aber der Postverwaltung nicht ausspreche». Tic Damen fangen mit 2,25 M. pro Tag an, erhalten da»» erst 2,40 M. und erst im vierten Jahre erhalte» sie 3 M. pro Tag. Das Gehalt ist nur dann überhaupt ansköiiniilich, wenn die Damen i» der Familie Nnlerslütznng habe». Mit solchen Rücksichten darf aber kein Gehalt normirt werden. Die Damen haben in der Woche 40 Stnndcn Dienst. Wen» ina» bedenkt, wie nervenzerstörend der Dienst ist, so ist das viel zn viel. Mir wäre es interessant, zu erfahre», wie viele dieser Dameil nach 0 Jahre» überhaupt»och dienstfähig sind. Ich meine, n>a» darf die Dame» nur so viel anstrenge», daß sie auch in den Genuß der ctatsmäßigeii Stelle» koinme». Roch einen Punkt möchte ich zur Sprache bringen. Die Dame» müssen bei Erholnngsurlauben die Stcllverlretuugskosten selbst trage». In der Koiinilission ist ge- sagt worden, bei Krankheilsurlauben würden vo» der Berwallniig die Kosten getragen. Aber gerade bei den Telegraphistinnen ist ohne direkte Krankheit oft ein Erholnugsurlaub nothiveudig. Die Wünsche der Dame» sind sehr bescheiden, ich hoffe, sie werden bei der Ver- ivalinng ivohlivolleiid aiifgenomiuen werde». Staatssekretär v. Podbielski: Es»st ganz eigeiithümlich. Herr Singer verlangt billigere Telephongebühren. Die kann ich doch »ur bei billiger Verwaltung gcivähren. Jetzt sott ich nach Wunsch des Abg. Singer alle» den Dame» 3 M. bezahlen. Bedenke» Sie doch, daß die Tamcn in der ersten Zeil noch lernen müsse». Eine Statistik kann ich»och nicht ausmachen. Wir beschäslige» za erst seit neun Jahre» Dame». Ei» Abgang ist aber»»r durch Berheirathung der Damen erfolgt. Abg. Prinz v. Schönaich Carolath warnt davor, in de» An- fordernngeii zu weil zn gehe». Man könnte dadurch leicht erreiche», daß man de» Gegnern der Beschäftignng vo» Frauen Material liefert, iliedner richtet an das Piibltkum de» Appell, bei Benntznng des Telephons Rücksicht auf die Nerven der Telephomstinnen zu »ehmen. Abg. Müller-Sagan(srs. Vp): Wein» der eine Telephonhörer abgeschaffl wird, werden die Telephonistinne» noch wehr zu leiden habe». In de» Fordermigen der Verbilligniig der Telephon- gebühren und Erhöhung der Telephonistiiuiengehälter liegt kein Widersprilch. Durch Verbilligniig der Telcphongcbiihre» wird kein Einnahnie-Aussall entstehen. Wir sind viel zn gute Menschen, uin die Verbilligniig der Telephongebühren auf Kosten der Telephonistinnen zu verlangen.(Heiterkeit.) Geh. Sialh Sydow: Die Verwaltung hat durchaus nicht die Absicht, ans Kosten der Gesundheit der Aiigeitellleu an de» Betriebs- eiiirichtuiigen zu sparen. Der zweite Fernhörer wird deshalb be» seitigt, weil die Mikrophons so gut hergestellt sind, daß ein Hörer genügt. Wozu ivird denn der zweit« Hörer überhaupt benutzt:»in sich das eine Ohr zuzuhalte». Dazu geuiigl.auch die Hand. Die Telephonistinnen werden dadurch nicht im»nindeste» geschädigt. Für ihre Gesundheit wird alles gclhan. Jetzt ist dafür Sorge getragen ivorde», eine Eiurichtmig zu treffen, durch welche die elektrischen Schläge vermieden werde», uuter denen die Damen zn leiden haben. Abg. Dr. Liugeiiö(Z.): Es sind soviel Bewerberinnen um die Telephoiiiiiinnenstelle» vorhaude», daß die Damen doch zufrieden sein mnsseu. Sind sie aber zusriede». dann kau» ich dem Abg. Singer nicht recht geben. Bei seiiiein Wohlwolle» wird der Herr Staats- sekretär schon das Rechte treffe». Die Diskussion wird geschlossen, der Titet bewilligt. Es folgt der Titel„ U n t e r b e a m t«»". Hierzu liegt folgende Resolution der Blldgetkommisston vor: Das Anfangsgehalt der Post- Unterbeainte» von 300 M. auf 000 M. zu erhöhen und die nöthige» Mittel in einem Ergänzungs- etat zu fordern. Ein Antrag deZ Abg. Singer verlangt, die durch die Gehaltserhöhung auf 000 M. bedingten Mehrausgabe» auf grund einer vorjunehniendeu kalkiilalorischeii Berechnung in de» Etat ein- znsetzen. Mit Titel 25 wird Titel 28„Landbriefträger" verbunden. Hier liegt eine Resolutio» der Budgetkoiiimisston vor: Das Endgehalt der Landbriefträger von 000 M. auf 1000 M. zu erhöhen und die hierfür erforderliche» Mittel für das LtechinlngS- jähr 1803 durch einen Ergäiiziingsetat zu fordern. Auch dazu beantragt Abg. Singer(Soz), de» dadurch bedingte» Mehr- bedarf»ach kalkulatorischer Feststellung i» den Etat einzusetzen. Abg. Singer(Soz): Es sind dieselbe» Anträge, die de» Reichstag schon t» der vorige» Session beschäftigt haben, wo sie in Form einer Resolution einstimmig angmoinmeii wurde». Es handelt sich darui». diejenige» Uiiterbeauite», welche nach dem 1. April 1805 angestellt sind, i» dasselbe Anfangsgehalt zn bringe», wie die. welch« vor dem I. April 1395 bereits angesteUl waren; ferner um eine Erhöhnng des Höchstgehalts der Landbrief- träger vo» 000 aus 1000 M. In betracht kouune» hierbei 30 740 Unlerbeamte und 13 300 Landbriefträger. Bei diese» Kategorien von Unterbeamten hat durch die Altersdienstzulage- Bestiinmungen eine Verschlechterung stattgefunden. Im Jahre 180405, wo beide Klasse» der Unterbeainle» im Etat getrennt erschienen, von denen die eine 700, die andere 000 M. Anfangsgehalt hatte, hatten wir 22 803 Unterbeamte. Diese bezöge» damals 26 253 085 M., mithin durchschntttlich 1151 M.: im Jahre 1803, wo beide Kategorien im Etat SHtSlUllU. Mtchg, 8. Irtnir 1898. znsainniengefaßl sind, bezichen die Beamte» durchschnittlich»ur 1132 M., inithl» 19 M. pro Kopf weniger, als früher. Die Reichs- lasse erspart»lilhi» 583 528 M. In bezug ans die Landbriesträger haben wir dieselbe Erscheinung; auch sie erhalten jetzt pro Kopf 6 M. weniger und die ReichSknsse erspart damit 100 300 M. Das sind die lhalsächlichen Berhätlnisse. Es ist eine eigenthümliche Er- schein», ng, daß gerade bei de» Landbriesträger» eine Art Hciraths» bureall im Reichstage elnblirt wird.(Heiterkeit.) Die Einen sagen, die Landbriefträger sind eine begehrensiverthe Partie, die anderen behaupten dasselbe von den Telephonistinnen. Wir haben aber hier imr für eine vernünftige Regulirung der Ge- Halter zn sorge». Es wird behanpiet, daß sich im Osten viele Leute zu dem Posten eines Landbriefträgers drängen. Sind den» 700— 900 M. ivirklich ein so begehreiiSiverthes Eiukoninieu's Wenn sich so viele Menschen nach diesem Posten drängen, so ist das »ilr ein Beweis für die miserablen wirthschaftlichen Verhältnisse, die unter der Bevölkerung des Osten herrschen. Gründe'gegeii eine Er- höhlliig der Gehälter sind überhaupt nicht nnznführe». Beide An- träge stelle» eine einfache Forderung der Gerechtigkeit dar und es herrscht volles Einverständniß darüber, daß die Aufbcssernng der Gehälter nolhwendig ist. Gegen unser» Antrag werden uun zunächst staatsrechtliche Einwendungen erHobe», denen sich zu»reinen» großen Erslannen auch der?lbg. Lenzmann angeschlossen hat. Auch er glaubt, daß der SHeichstag nicht einseilig Erhöhungen in de» Etat einstellen dürfe. Der Abg. Lenzmaiiu schüttelt mit dein Kops. Ich freue mich, wen» ich ihn falsch verstanden haben sollte. Er schüttelt wieder. Umso mehr ist mei» Erstaunen gerechtfertigt, daß er einen Standpunkt vertritt, der vo» seinen politische» Freunden bisher nicht eiiigenomme» worden ist. Es ist durchans kein Novilin,>ve»» der Reichstag selbständig Etatsposten erhöht. Das ist das vorige Mal beim Rachtragsetat geschehe» und ich vermag wirklich nicht einzusehen, ivelcher Unterschied zivische» einem Nachtragsetat und einem Hanptetat>» dieser Hinsicht ist. Das Recht, Etalsposten selbständig zu erhöhe», ist ein nothweiidiger Bestandtheil des Geldbewilligiingsrechts. Der Reichstag ist nicht blos dazu da, Gelder zn beivilligen, die die Regierung verlangt oder Abstriche vorzunehmen, er ist ein gleichberechtigter Faktor. Wenn wir die Auf- besserung des Gehalts für nothwendig erachte», haben wir gar keine Veranlassung, vor der Regierung z» kapitulire». Ist denn der Buudesrath mehr wie der Reichstag? Die verbündeten Regierungen habe» es ja i» der Hand, den Etat, wenn Posten durcd den Reichs- tag erhöht sind, nicht zu stände komme» zu lasse». Wird aber die tHegiernug vor die Frage gestellt, ob sie de» Etat daran scheitern lassen will, daß sie den Erhöhnngcn der Gehälter der Post- Unter« beninteil nicht znstimnicn kann, so»verde» die Herren vom Blindes- ralh es sich zehnmal überlegen, bevor sie hierfür die Ber» a»tivortl»ng übernehme». Wenn wir endlich einmal aus den theoretischen Erörlerungeu in die praklische Wirklichkeit mit der Erhöhung der Gehälter der Unterbeamten komine» wollen, müssen Sie unsere» Weg beschreiten. Das Zentrili» hat einen anderen Weg eingeschlagen, nicht iveil es ctiva die Berechtigung des Reichstags, Elaisposten zu erhöhe», nicht anerkennt, sondern weil es im Augeudlick seine parlamentarische Macht nicht für diese staats» rechtliche Frage einsetze» will. Es will die Dinge in der Schivebe lassen und fordert de» Reichskanzler nur auf» in einem Rachtragsetat die nothwendige Snii»»e für die Er- höhlliig der Gehälter dem Reichstag vorzulegen. Ich fürchte, das Schicksal dieser Zeulrnmsresolnlion ivird dasselbe sein, wie das der Nesolulio» vom vorigen Jahre. Im vorigen Jahre forderten rvir die Regierung ans, im diesjährigen Etat die Er- höhnng vorziinchme», diesmal soll sie aufgefordert werden, in einem Nachtragselat das gleiche zu thu». Es ist mir sehr ziveifelhaft, ob Sie auf diese Weise Ihre» Wunsch durchsetzen werden. Wen» die Regierung die Forderung nicht ersälle» will, so liegt das ja viel iveniger daran, duß sie die Berechtigniig der Forderung bestreitet. »ldcr sie will nicht eher vorgehe», als bis üi Preußen die Er- höhiing der Beaiiitengehälter vorgeno»»»«» ist. Bis zum Ueberdruß ist uns vorerzählt worden, daß der Reichstag die Bcrpflichluug habe, i» de» Bahnen PrenßenS zu wandeln. Dagegen kau» nicht scharf gciiiig prolestirt werde». Gerade um- gekehrt ist es richtig. Das Reich muß de» Einzelstnatc», Preußen mit einbegriffe». voranxehe». Wenn man das Unglück hat, au der Spitze der preußischen Fiiianzverwaltuug Herrn Miquel zu haben, der mit seiner Politik der Sammlung wohl auch die Sanimlung des Slaatsschatzes im Jnlilisthuru» mit versteht(Heiterkeit), der keine Gelder für Kullurzivecke hergiebt, obwohl er Millionen an der Hand hat, dann ist es»>» so weniger angemessen, daß das Reich dem Beispiel Preußens folgt. Es liegt durchaus kein Grund vor, daß der Reichstag daraus wartet, bis Preußen die Musik für den Marsch macht.' Die Herren vom Zentrum wollen ihre parlamentarische Machtstellung dadurch wahren, daß sie die Forderung der verbündeten tltegieruiige» ans Erhöhnng des Gehalts der Slaalssekretäre mit der Erhöhung des GeHalls der Unlerbeamte» in Verbindung bringen, und die erstere ablehnen, so lange die letztere nicht bewilligt ist. Das sieht »ach außeii hin ja recht hübsch aus, aber sachlich bedeutet es nicht viel. Ich habe hier zu erkläre», daß meine Partei, auch wenn die Gehälter der Unterbeaintcn erhöht werde». nicht daran denkt, für die Erhöhung der Gehälter der Staatssikretäre zn stimmen. Wir würde» es nicht be« dauern, wenn der Etat um diese Summe entlastet würde. Ich kann auch nicht einsehen, inwiefern eine Ver- bindung zivische» diese» beiden Forderungen herzustellen ist. Die Echöhiing der Gehälter der Uiitecbeamleii ist nbsoliit»othwendig, niid das unabhängig von der Beivilltgnng der Gehälter der Staats» sekretäre. Das ist weiter kein Trost für mich, daß die Staats- sekrctäre die Zulage auch nicht beko»»nen. Zur Roth können sie ja auch»och ei» Jahr warten. Schließlich kommen sie, wenn sie sich große Mühe geben, auch mit 24 000 M. aus. Die Unter- beamle», die Landbriefträger, habe» diese Zeit nicht. Für sie spielt es eine große titolle, ob sie die 100 M., die ihnen zu- gedacht sind, ein Jahr früher erhalten oder nicht. Leider besieht ja keine große Aussicht, daß unser Antrag angenouime» wird. Es handelt sich zwar nicht nnr große Siuumeii, die in den Etat einznstelle,, find; ii» erste» Falle mn l'/« MiNionei» Mark, im ziveite» Falle um 190 000 M.. und ich glaube nicht, daß an dieser Erhöhung die verbündeten Regierungen de» Etat scheitern lassen werde». Auch für das Zentrum hätte die Zufiin»»»»g zn unserem Antrag große Bedeutmig. ES würde ihm als Borspann für seine Beslrebiuigeii im Landtage dienen, imd es könnte Herrn Miquel den Wind aus den Segeln nehmen. Aber durch de» Weg, den es einzu- schlage» gewillt ist, erweist eS den Leuten, deren Forderungen es selber alS berechtigt anerkannt hat, keinen guten Dienst. Wenn wir aber auch prinzipiell nicht in der Lage sind, dein Zeutrnm auf diesem Wege zu solgen, so werde» wir selbstverständlich, wenn unser Antrag abgelehnt werden sollte, für den Koiinnissionsantrag stimmen, (Beifall bei den Sozialdemokratsu.) Geh. Ober-RegierungSrath Ne»»ia»»: Die Stellung der Regierung zu der etatSrcchtlicheii Frage ist bekannt, ich brauche sie nicht zu er- örteni. Aber die Zahlen, die der Abg. Singer angeführt hat, scheinen »lir nicht richtig geivählt. Nicht die elatsmäßigeii Ausgabe», sonderi» die thalsächliche» Jstansgabe» müssen ziu» Vergleich herangezogen werden. Dann wird»>an sehen, daß die Aussicht«» der Postlinter« beamlen sich durch die Einsührnng des DienstalterZstiifeii-SysleinS nicht verschlechtert haben. Abg. V. Kardorff(f.): Die große Majorität deS Hauses steht es als eine gute alle parlamentarische Sitte an, sich davor zu hüte», ihrerseits E»»in>e» in de» Etat eii,z»ftcNe». Die Bestrebungei, der Freunde des Herrn Singer gehe» daräuf, das Parlament in einen Konvent z» verwandeln, der, wie in der französischen Sie- vollltion, selbständig das Land regiert. In diesem Punkte Ivird sich aber die Majorität schiverlich i»it ihnen verständigen könne». Dein Abg. Leiizmann will ich erwidern, daß in meinei» Kreise die Slellung bcv Snnbbvieftiüact z» de» gesuchteste» Stellungen überhaupt ge- Hort, inid dnß ich eiue Petition erhalte» habe, die mich ersucht, cahin zu wirken, daß die Gehälter der Laudbriesträgcr nur ja nicht erhöht ivcrdeiu Abg. Miisler-Fulda(Z) bestreitet, daß der Ncich?tag nicht das �>echt habe» solle. Suiunicn in den Etat einzustellen. Erst im vorige» Jahre sei ei» solcher Fall vorgekommen. Zillerdings be- trachte er solche Fälle als Ausnahttlefälle, und deshalb habe man diesmal den Weg der Resolution gewählt. Im übrige» habe gerade S"rtn"!1!}"c® Mögliche für die Unterbcamten gethan. �.ie öiesolutione» ivürde» praktisch von größerem Vortheil für die Unterbeamtcn sein, wie die Zluträge Singer. Er hoffe nnf die praktlsche Dnrchführung der Resolntione», die nur PL Millionen Mehrkosten bedingen. Abg. Werner(Zlntis.): Der einzig gangbare Weg scheint mir, wie die D,»ge liege», die Resolutio» zu sei». Redner wünscht für die tlnterbeamle» einen Erholungsurlaub von mindestens l4 Tagen und leichtere Sommerkleidnng. Für den Antrag Singer würde er gern eintreten, aber er sehe keinen Erfolg. Abg. Dr. Hanininchcr(»all.): In der Sache besteht ja keine Meinungsverschiedenheit. Ich muß mich im Gegensatz zu den Abgg. Singer und Müllcr-Fulda ans den Standpunkt des Abgeordiieten Kardorff stelle» und Iheile seine staatsrechtliche» Vcdeukcn. Mas die Gehaltserhöhung des Stanlssekrelärs anlangt, so mochte ich»och c»»al sage»:' Ich hoffe, auch bei der Nepiernng bringt man dem Sah Verständuiß entgegen„nodlessv vbliZs- Wen» nns zugeninthct wird, das Gehalt eines Beaintcn zil erhöhe», dessen verdienstvoller Vorgänger sich 25 Jahre und länger mit den, gleichen Gehalt begnügen unißte, obwohl er sich nicht i» glänze, ideu privaten VerniLgenSverhällnissen besunden hat, so könne» wir für eine solche Erhöhung mit gutem Gewisse» nur stimmen, wen» auch die Gehälter der Unterbeamten erhöht werde».(Beifall.) Abg. Dr. Lieber(Z.) betont, daß ein Ausgleich i» den Beainlen. "äffen nicht nur nach oben, sondern besonders nach unten statlsinde. Abg. Graf Roo»(k.): Wir stehen ctntsrechtlich i» diametralem Gegensatz zur Anschauung der Sozialdemokratie. Ich gönne de» Landbriesträgern alles gute, aber ich kann weder für die Resolution der Konnnissio» noch für den Antrag Singer stimmen, da ich es nicht für unbedenklich halte, eine» Druck ans die Regiernng auszii- üben. Nachdem»och Abg. Müller-Fulda(Z.) gegen den Abg. Hammacher polemisirt hatte, wird die Diskussion geschlossen. Die Anträge Singer(Soz.) werden hieraus gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Resolutionen der Vndgetkommission werden gegen einige Stimmen der Deutsch-Konservativen n n g e n o i» in e». Die Titel 25 und 26 werden bewilligt, ebenso Titel 27— SI. Bei Titel 62„Vervollständigung der Telegraphen-Anlagen" be- fürwortet Abg. Hnmanu(Z.) ei» Gesuch der Elberfelder Industriellen um Herstellung von Verbindungsleituiigen von Bielefeld nach dein In- dnstriebezirk von Barmen-Elberfeld. Geh. Rath Südow sagt möglichste Erfüllung des Wunsches zu. Der Rest des Ordiuariunis wird hierauf geuehinigt, ebenso noch Titel 1— 15 der einmalige» Ansgaben ohne Debatte. Hierauf wird ein Vertagunpsantrag angenommen. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr.(Fortsetzung d e r h e il- t i g e u B e r a t h»» g. B e r a t h n» g v e s Handels- Vertrags mit dem O r a n g e« F r e i st a a t. Etat des Auswärtige» Zl m t e s.) Schluß b'/r Uhr. WÄlvlÄMenkstviMeS. Andgctkoinmissio». Die Erörterung beginnt mit den ein» malige» Ansgaben sür das südwest- afrikanische Schutzgebiet. Zur Begründung des Vorgehens der Reichsregiermig i» Sachen des Bahnbaues liest der Uuler-Staatssekretär von Siichlhofe» eine» Be- richt vor, den er zu gi»isten des Bahnbaues a» den Reichskanzler gerichtet und der das Eingreifen der Reichsregiermig rechtferligen soll. Die ausgebrochene Rinderpest und der dadurch hervorgerufene Mangel an Transport- und Nahriingsmitleln habe dazu gedrängt, m» so mehr, da das Eingreifen von Privaten aus politischen n»d finanziellen Gründen, sowie in Rücksicht ans die»oth- ivendige Beschleunigung des Baues, unthunlich gewesen sei. Der Gesanimtkostenauswaud für Vcrziiisnng und Betrieb der Bahn (Fortbewegung durch Zligthiere) würden sich auf 300 000— 325 006 M. belaufen. Gegenwärtig würden für Trausportkoste» za. 250 000 M. nuSgegebe», es sei also wohl möglich, durch gesteigerten Verkehr die Betriebskosten zu decken. Im iveitercn theilt der Unterstaatssekrelär die Verhandlungen mit dem Privatbahii-Koinilee und die Be- diugnngen mit, die jenes der Regiernng stellte, die ganz unaniiehinbar gewesen seien. Lehne der Reichstag die Eisenbahn-Vorlage ab. so bleibe der Regierung nichts anderes übrig, als die Bah» der Süd- Westafrika-Konipaguie zu verkaufe». Staatssekretär des Reichs- schatzaints v. Tbiclemanil führt aus, das Rcichsschatzaml sei mit der Sache erst Anfang Juli in Anspruch genommen worden, der Reichstag sei an, 25. Juni auseinandergegaiigen. Der damalige Reichsschatz. sekretär habe unter dem 16. Juli erklärt, der Reichstag müsse sofort nach seinein Zusaininentrilt benachrichtigt werden, was durch Vorlegung des Etats geschehen sei. Ob die Eisenbah»- Kosten durch eine Anleihe beschafft werde» sollte», darüber möge der Reichstag sich aussprechen. Die Regierung akzeptire jeden gangbaren Weg. Abg. v. Karborff spricht sich für besondere Finanzverwaltiing der einzelneu Kolonie» und sür Rusbringinig der Bahnkoste» durch Anleihe ans. Abg. Hasse: Jnvemnilnlsertheiliing sei nicht möglich, bevor man nicht die wirklichen Ausgaben keime. Er stimmt der Re- gierniig bei. daß sie sich nicht mit einer Privatgcsellschnit bei dem Bahnban eingelassen habe, er wünscht Ablösnng der Rechte der Gesellschaften in der Kolonie. Uiiterstaatssekretär v. öiichthose»: Die Kosten genan z» bestimmen, sei jetzt»och nicht möglich. sie würden sich sür die 80 Kilometer lange Bahn ans etwa l'/e Mill. Mark belaufen. Die Eisenbahnrechte der Südwest-asrikauische» Gefell- schifft werde man durch Erweiterung der Miuenrechte abzulösen suchen. Abg. Richter wundert sich, daß der Staatssekretär die Beschaffuugs- ort der Mittel so leicht nehme. Das sei bisher nicht üblich gewesen. Er spricht sich sür Etalisirung der einzelne» Rusgaberalen ans. Was Kardorff verlange, sei thalsächlich jetzt schon durchgeführt, man brauche nur die Reichszuschusse zu addire» und man wisse, was jede einzelne Kolonie uns koste. Deckung der Kosten durch Anleihe» sei bedenklich und verwirre die ganze Sachlage. Spezielle Kolonial-Zlnleihen.sind ein Unding und würde» nur zun, Schade» de? Reichs ausschlagen. Kolonial- Anleihe» würden zur maßlose» Steigerung der Ausgaben führen. Das fei insbesondere gegenüber de» Vorgängen in China sehr bedenklich. Er ist verwundert, daß man die Bahn für Dampsbetrieb baue, wenn sie auch zunächst durch Thierbctrieb bewirlhschastet werden solle, dadurch werde der Bahnbau so thener. Die Jndenniität könne nicht anders als durch ein besonderes Gesetz erlheilt werden; auch sei eine Denkschrift über den Bahnban nölhig gewesen. Unterstaals- sekretär Aschenborn meint, für das jetzige Vorgehen der Reichs- regiernng seien Präzedenzfälle vorhanden, z. B. bei der großen Marinevorlage in den achtziger Jahre». Er erklärt sich ebenfalls gegen besondere Kolonialnnleihen. Die Deckung sür die Ausgabe» der Schutzgebiete würden durch die Matrikularunilagen gefunden, für welche die Einzelstaaten in den Ueberweisuuge» wieder Deckung empfingen. Unterstaatssekrelär v. Richlhofe» erläutert nochmals einige der Berlragsbestimninngen, die das Komitee vorlegte. Man habe die Bah» um deswillen für Dampsbetrieb gebaut, weil man nicht wisse, ob der Thierbetrieb sür alle Zeit möglich sei. Abg. Lieber: Die heutige Verhandlung habe wenigstens ein klares Bild der Vorgänge geboten. Eine Denkschrift sei nolhivendig gewesen, die Etatserlnuterungen seien gänzlich unzulänglich. Er hält ein besonderes Indem, ntäts- gesetz für nicht nöthig, aber es seien klare Vernierke in den Nach» Weisungen der Etatsüberschreilungen zu verlangen, damit die be- treffende Kommifsio» genau erfahre, um was es sich handele. Er wünscht für künstig eine Uebersicht der säinmtlichen Reichsznschüsse sür die einzelnen Schutzgebiete, Kolonialauleihen seien unmöglich. Er und seine Freunde würden die gestelllcn Forderungen bewilligen. Abg. Hammacher ist ebenfalls gegen Anleihen, er steht in bezug auf etatsrcchtliche Lösung auf dem Standpunkte Richter's. Er erkenne an, daß die Regiernng sich in einer Nolhlage befunden nud nicht anders habe handeln können, als sie gehandelt habe. Er billigt das Ver> halten der Regierung gegen die Südwest-afrikanische Gesellschaft nud in bezug ans de» Bahnban. Er eifert lebhast gegen die Stellung des Reichs zu der Südwest-afrikaiiischen Gesellschaft und rälh größte Voisicht bei weiteren Verhandlungen über Erweiterung der Minen- rechte. Abg. Graf v. Slolberg schließt sich im wesentlichen dem Vorredner an. Tie Frage der Anleihen solle von Fall zu Fall erörtert werden, prinzipiell sei er nicht gegen Kolonial-Anleihen. Abg. Prinz Arenberg rechtfertigt seine Haltung in der letzten Sitzung der Kommission, er sei kein Kolouialschivnrmer. Abg. Müller-Fulda: So viel er wisse, seien bei der Südwest-asrikanischeii Gesellschaft auch deutsche Kapilalisleu und zwar seien letzlere die eigentliche Seele der Gesellschafl; diese sollten also als gute Patrioten von der Gesellschaft zurücktreten, falls das wahr sei, was der Abgeordnete Hammacher darüber gesagt. Uiiterstaatssekretär.v. Richthofe» be- stätigt, daß auch deutsche Kapitalisten in dcr Südwest-afrikani- scheu Gesellschafl säßen und zwar im Vorstand derselben die Herren W o e r i» a» n nud S ch e r l a ch.(Große Heilerkeit.) Abg. Haniniacher: Woerinann habe anfangs nicht zur Daniara- Gesellschaft gehört. Abg. Müller- Fulda hofft, da Deutsche bei der Südivest-asrikanischcn Gesellschaft seien, diese jetzt Entgegenkommen zeigten. Abg. Bebel glaubt, daß man da wohl falsche Hoffnungen hege. Er freue sich nur, daß der Abg. Hammacher mit seiner sitt- lichen Entrüstung so hereingefallen sei. Diese sei bei all' diesen Unternehinnngen übel angebracht, die deutschen Patrioten würde» sich sehr freuen, wen» nächstens in der Provinz Schanlung der chinesischen Regierung ähnliche Lowenverträge z» annsten der deutschen Kapitalisten abgedrückt würden. Kein Mensch dächte a» Kolonialpoliltk, wäre keine Aussicht aus Profit dabei. Abgeordneter Hainniacher habe sich nicht über die Südwest-asrikauische Gesellschaft entrüstet, sondern über die Regierung, die jene Verträge abgeschlossen habe. Die Titel I und 6 iverden mit Mehrheit bewilligt. Im Titel 7 werden 250 000 M. für eine» Hafenbau in Sivakopmund gefordert. Hierüber entsteht eine Debatte, an ivelcher sich die Abgg. Prinz Arcnberg, Hammacher. Müller- Fulda, Müller- Saga» und Major Lentwein betheilige». Die Koste» der Hafenanlage werden aus ca. 900 000 M. geschätzt. Letzterer hält eine längere Rede, in welcher er dem Reichs- tag den Tank ausspricht für die gewährte Unterstützung. Die Hafen- aiilage müsse die Eisenbahn ergänzen. Er hoffe, das Schutzgebiet werde noch die aufgewendeteu Kosten lohnen. Die Forderung wird bewilligt. Titel 9, Forderung von 40 000 M. für vier Geschütze nud der Reservefonds, 44 783 M., werden genehmigt. Die Kouiniission geht zur Beralhuug des Etats der Zölle und indirekle» Steuern über. Es wird in eine allgeineinen Debatte eingelreten. Das Wort nehme» zuerst die Ab- geordneten Paasch?, Müller-Fulda, Richter, Lieber. Letzterer fragt an: ob sich ein wirthschasllicher Niedergang herausstelle. Staatssekretär v. Thielmann antwortet, daß sich bis jetzt kein Moment dafür gezeigt habe; wie lange der günstige Zustand noch dauere, könne er nicht sagen. Abg. Müller-Fulda ist pessimistischer in seiner Auffassung; die Steigerung der Einnahme sei im letzten Jahre geringer als im Vorjahre. Unterstaalssekretär Aschenborn ivarnt vor»eueu Methoden dcr Einnahme-Feststellung, die Lage empfehle, es bei den Vorschlägen der Siegierung zu belasse». Abg. Paaschs: wir seien»och auf dem auf- steigenden Ast. iveun auch nicht i» der gleichen Stärke wie früher. Abg. Müller-Fulda ist gegen jede Aenderung der Etats- ausätze. Abg. Graf Slolberg sieht keine Gründe zur Beunruhigung. Eine gute Getreideernte erhöhe im nächsten Jahr die Einnahmen des Reiches infolge steigender Konsunisähigkeit der Bevölkerung. Abg. Hammacher glaubt nicht an eiue steigende Phase i» der wirth- schaftliche» Entwicklung, eher dürste ein kleiner Niedergang zu er- warten sei». Die Debatte wird geschlossen und die Sitzung ans Dienstag Voriniltag 10 Ilhr vertagt. Im Abgeordiictenhanse ist eine Interpellation eingebracht worden, ob die Vorlage über die Neilregelung des Diensteinkoniinens der Geistlichen in nächster Zeil zu erwarte» sei. Ter„Zonentarif", Verein für Eisenbahurefori», hat«ine Petition an das Abgeordnete»Hans gerichtet, worin dieses gebeten wird, bei dcr Regierung auf eine Vereinfachung und V e r b i l l i g u» g der P e r s o» e»- T a r i f e bei de» preußi- sche» Staalsbahnen hinzuwirken. Die Vorschläge gehe» dahin: alle Vergünstigiingctarife mit Ausnahme der Zeitkarten, der Kinderkarti» und dcr Tarife für den Orts- und Vorortsvcrkehr zu beseitigen; unter Abschaffung der IV. Klasse»„bunter Fortfall der Schnellzugs- zuschläge eine» Tarif von 6. 4, 2 Pf. für die 3 Klassen einzuführen; eine Fernzone zu schaffe» durch die Bestiinuinng, daß sür Reise» über 300 Kilometer der Preis für nur 300 Kilometer erhoben werde.—_ E r k l ä v it n g. Mein in der„Neuen Zeit"(Heft 18) veröffentlichter Aufsatz „Die Zusaininenbrnchstheorie nnd die Kolonialpolitik" hat ver- schiedenen Parteiblättern ebenso wie gegnerischen Zeilmigeu zu Be- inerktinge» Anlaß gegeben, die«ine Antwort meinerseits nölhig mache». Meine Antwort wird deninächst in der„Nene» Zeil" erfcheineu. Inzwischen bitte ich um die Erlaubniß, zwei Punkte schon hier vor- wegnehmen zu dürfe». Der erste betrifft eine persönliche Angelegenheit. In einem Ar- tikel, de» die Berliner„Volks-Zeitung" meinen Ansfnhrnngen widmet, heißt es von mir, ich sei initer den, Sozialistengesetze„der Jntransigei, testen einer" geivesen, indeß, wie ich selbst später ge- lcgentlich zugestand,„aus Furcht vor dem Wettbewerb der Most'sche» Richtung". Ich eriiinere mich nicht, jemals eine solche Aeußerung getha» zu haben. Meine J»traiisigei>z zur Zeit des Ausuahniegesetzes ist in keiner Weise durch die Furcht vor, oder irgendwelche Konkurrenz mit der Most'sche« Richtung eingegeben worden. Trotzdem meiiie Anschauungen im Laufe der Jahre in nianche» Punkten eine Aenderung erfahren habe», sind sie darin doch unverändert geblieben, daß, wenn heute die deutsche Sozialdemokratie von neuem unter ei» Nusiiahniegesetz gestellt würde, ich in gleicher Weise wie vor 1890„Jntranstgenl" sein ivürde. Wenn die Redaktion der„Volks-Zeitung" nachliest, was ich über die Sächsische Wahlrechts. änderung in der„Neuen Zeit" geschrieben, wird sie darüber nicht im Zweifel fein. Was sie im Auge hat, ist vielleicht die Ausdrucksweise des Züricher„Sozialdemokrat". In dieser Hinsicht kann ich allerdings zugeben, daß in den ersten Jahrgängen jenes Blattes eine Zeitlang sich eine gewisse Rückwirkung der Manieren der„Freiheit" geltend inachle. Aber das war vorübergehend nnd hat nichts mit dem grundsätzlich vom„Sozialdemokrat" eingenommenen Standpunkt zu thiin. Bei dieser Gelegenheit sei ein Jrrthmn richtig gestellt, der ver- schiedenen Parteiblättern in ihren Artikeln über den so tragisch aus dem Leben geschiedenen Genossen Conrad Conzelt unterlaufe» ist. Der um die Partei so hochverdiente Genosse ist nicht, wie es nach jenen Aussätze» erscheint, nicht gelegentlich der Answeisniigen von 1888 für de»„Sozialdemokrat" eingesprungen, er hat vielmehr schon von 1383 ab die volle juristische Verantwortung für dieses Blatt getragen. Was er 1888 that, war, daß er diesen, rechllichen Verhältnisse, über welches das amtliche Züricher Firmenregister Auskunft giebt, den» weiteren Publikum gegenüber demonstrativ Ausdruck gab. Der zweite Punkt, über den ich mich hier auszulassen wünsche, betrifft eine Stelle meines Artikels, von der ich annehine. daß auf sie vornehmlich die Bemerkung der Redaktion des„Vorwärts" zielt, ich hätte durch die Form einiger meiner Ausführungen zu starken Mißverständnissen Anlaß gegeben. Ich meine die Worte aus Seite 556 der„Neuen Zeit":„Ich gestehe es offen, ich habe kür das. was man gemeinhin uiiter„Endziel des Sozialismus" versteht, aiißerordeiillich wenig Sinn und Jntereffe. Dieses Ziel, was immer es sei, ist mir gar nichts, die Bewegung alles." An diesen Satz sind allerdings Folgerungen geknüpft ivorden, die mir selbst sehr sern lagen. Wenn ich auerkenne, daß er mißverstände» werden kann, so muß ich doch hinzufügen, daß dies nur möglich ist, wenn man ihn außerhalb seines Zusauinie»- Hanges liest. Im Grunde sagt er nichts, was nicht schon unzählige Male von sozialistische» Schriftstellern ausgesprochen worden ist, wen» auch elwa„mit ei» bischen anderen Worten". Die etivas schroffe Form, i» der ich mich da ausdrückte, war durch den mir geinachten Vor- wnrf hervorgerufen, daß ich„das Endziel der sozialistische» Be- wegung zu gunsten des Gedankenkreises des bürgerlichen Liberalisnius oder Radikalismus fahren" ließe. Der Vorwurf, bei dem der Ton auf die Vorsilbe„End" liegt:„Das Endziel der sozialistischen Beivegung". schien und scheint mir von jemand, der wissenschaftlicher Sozialist zu sein beansprucht, widersinnig. Denn wenn er Sinn habe» soll, nnterstellt er die utopistische Vorstellung von einer in näherer Zukunft möglichen Erreichung dieses„Endziels". Faßt man aber die volle Durchführung des sozialistischen Prinzips als eine Sache ans, die nur das Produkt einer Reihe von gesellschaftlichen Enlwickelunge» sein kann, so ist es sinnlos, jemand vorzuwerfen, er gebe das Endziel dieser Eni- ivickelungen auf. Sin» hat es nur, jemand den Verzicht auf be- stimmte Forderungen oder Kainpfmelhoden, die Abwendung von be- stimmte» Voraussehungen und Folgernnge» der sozialistische» Theorie vorzuwerfen. Folgt aber daraus, daß ich es ablehne, mich mit dem sogenannten �„Endziel der sozialistischen Bewegung" zu befasse», daß ich überhaupt jedes bestiminle Ziel dieser Bewegung leugne? Ich würde es be- dauern, wenn meiiie Worte so verstanden ivürde». Eine Bewegung ohne Ziel iväre ein chaotisches Treiben, denn sie wäre auch eine Bewegung ohne Richtung. Ohne Ziel keine Richtung,. soll die sozialistische Bewegung nicht kompaßlos hin- und herlreiben, so muß sie selbstverständlich ihr Ziel haben, dem sie bewußt zustrebl. Dieses Ziel ist aber nicht die Verwirk- lichung eines Gesellschastsplaus, sondern die Durchführung eines Gesellschaftsprinzips. Soweit sich die Aufgabe» der Sozialdemokratie nicht aus de» jeweilig gegebene» Bedürfnisse» des Kampfes der Arbeiter für ihre politische nud ökonomische Emanzipation ergeben. kann man in der That das Ziel der sozialistischen Beivegung, will man nicht in Ulopislerei verfallen, nur als Prinzip sormuliren, elwa als die„allseilige Durchführung dcr Genossenschastlichkeit." Ich kenne kein Wort, das in gleicher Weise das Ganze der sozia- listische» Bestrebnuge» unispannt wie dieses, ob es sich nun um politische oder wirthschaftliche Forderungen handelt. Es schließt alle Klassenherrschast und alle Klnssenprivilegien aus: der kraft seiner Klassenlage Bevorrechtete ist kein Genosse. Aber ivenn es auch das Ziel bezeichnet, so sagt es doch nichts über Wege und Mittel. Diese können uur aus den ge- gebenen Bedingungen gefunden werden, müssen im Verhällniß zum jeweiligen Stande der Bewegung stehe». Darum ist das all- gemeine Ziel gegeben, die Bewegung selbst und ihr Fortschritt i» der Richtung auf dieses Ziel die Hauptsache, während es recht gleichgiltig ist, wie man sich das Endziel dieser Enlivickelimg ausmalt. Durch alle solche Spekulationen pflegt vielmehr die Geschichte ihren dicken Strich zu mache». Wo jemals geniale Vorwegnahinen der Zukunft sich erfüllt haben, waren sie allgemeiner Natur nnd ihre Verwirklichung geschah in anderer Weise nnd»nter andere» Forme», als ihre Urheber voraussetzten. Es hat nur Werth, sich über de» allgemeine» Gang der Bewegung klar zu sei», und die Faktoren, die für sie in betracht komme», genau zu prüfe». Thun wir das, so könne» ivir»m das Endziel unbesorgt sein./' Ich glaube, ich habe schon bei einer anderen Gelegenheit das Wort des großen Feldherr» und Staatsmannes der englischen Revolution, Oliver Cromwell, zilirt, daß derjenige am iveitesten komme, der nicht wisse/ ivohin er gehe. Es drückt jedenfalls den Gedanken aus, de» ich im Auge hatte, als ich sagte, daß ich sür das, was man gemeinhin Endziel der sozialistische» Bewegung nenne, wenig Sin» hätte. Cromwell ivollte eben auch nur sage», daß, wer die allgeineiue Richtung kennt, in der er steuert, nnd im übrigen sich den Blick frei hält für die Bedingungen und Erfordernisse des Tages, weiter kommt als diejenigen, deren Blick gefangen oder hypilotisirt ist, durch irgend ein spekulaliv ansgenialtes„Endziel". Dies der Gedankengang, dem der obige Satz Ausdruck geben sollte. Ich hätte ih» auch so sormuliren lönnen:„Die Bewegung ist mir alles, den» sie trägt ihr Ziel in sich." Ed. Bernstein. IToltÄles. Auf Aiircgung dcr Zcntralkommisston der Krankenkasse» Berlins hat der Vorstand der Alters- und Jiivaliditäls-Anslalt Berlin die Vertreter der hiesige» A e r z t e- V e r e i» i g u n g e n, sowie die zur Zeiilralkommissio» gewählte» Delegirten snnnntlicher Krankenkassen Berlins auf Sonntag, de» 13. Februar, nach dem B ü r g e r s a a l des R a t h h a u s e s zu einer Sitzung einge- lade»,»in über die Frage des Heilverfahrens sür Lu„ge„k>a»le zu beralhe». Es handelt sich ii» ivcsentliche» in» die Erschließmig der Voltsheilstätten für Lungenkranke für die linigenkranke» Mit- glieder der Berliner Krankenkasse». Es ist erwünscht, daß diejenigen Krankenkasse», welche die Name» ihrer Delegirten dem Bureau der Ze»lralko»iinissioi>, Brückcnstraße 10», Part, links, noch nicht initgelheilt haben, dies unverzüglich thu», da demnächst iveilere Schritte erfolgen solle». Tic städtische» Gaswerke haben, nachdem schon 1895/96 nach eine», mehrjährigen Zeitraum des Geschäftsrückganges und der Ge- winnveriniiideriiiig endlich wieder eine kleine Besserung eingetreten war, im Jahre 1896/97 ei» noch günstigeres f i» a i> z i e l l e s E r g e b n i ß gehabt. Die lUsacheii sind: einerseits die Verringeriing der Herstelliingskosteii des Gases(Irotz der sür 1396,97 endlich durch- gcsetzle» Lohiierhöhnng), der geringere Verbrauch bei der Straßen- belenchtnng(infolge der Ansstattung der Laternen mit Glühlicht- Apparaten), der geringere Verlust durch Leckage u. s. w., andererseits die erhebliche Z u» a h m e des Gasabsatzes an Private. Namentlich der letzlere Umstand ist für das finanzielle Ergebniß von ausschlaggebender Bedeulung. Wie früher die Abnahme des Gaskonsnms und des daraus erzielte» Gewinnes ans die wirthschaftliche Depression zurückgeführt wurde. so erklärt der letzte Verwaltuiigsbericht über die Gaswerke die jetzt wieder eingetretene Zunahme daraus, daß„die bereits im vorige» Berichtsjahre beobachtete Besserung der gewerbliche» Verhältnisse in Berlin" auch im Rechnungsjahre 1896 97 fortgedauert habe. Außerdem komme»och die Steigerung des Geschäftsverkehrs durch die G e w e r b e- A n s st e l l n n g in betracht.— Ter G e s n in>» t- G a s v e r b r a u ch beinig 1896�97 (beziehniigsweise 1895/96) 119 407 000(110 029 000) Kublk- meter. Davon wurde» abgegeben an Private 96 977 22t (36 747 406) Kubikmeter, und»war 76 263 117(72 761 854) ä 16 Pf. zu Beleuchtinigszwecke», 19 997 935(13 452 099) a 10 Pf. zu Koch«, Heiz- nud gewerbliche» Zwecke», der Rest für sogenannte Tarisflaiiimen(öffentliche Beleuchtung in Boroiteii) und zu Jlliiminationszwecken; ferner an die S t a d t g e m e i» d e 17309009 (17 774 902) Kubikmeter, davon 16 262 205(>6 807 023) für die öffculliche Beleuchtung, der Rest zu», Selbstverbranch durch die Gaswerke. Durch Leckage u. f.>v. ginge» 5120 770(5 506 692) Kiibikuieter verloren. Der R eing ew in». der, wie gesagt, seit einer Reihe von Jahre».besläiidig'zilrückgegangen war und 1394/95 mit 32,14 M. pro 1000 Knbikineler Gasproduktion seiiieii tiefste» Stand erreicht hatte, stellt« sich 1395/96 erst wenig höher, auf 3 555 842 M. oder 32,28 M. pro 1000 Kubikineler. 1896/97 dagegen auf 4 300 251 M. oder 36,03 M. pro 1000 ftubikiiieler. Die Arbeitslöhne sind 1896/97, wie bereits-rwähiit wurde, etivas erhöht worden,„ach- dem sie von 1890 a» bis dahin unveräiiderl geblieben waren. Der Reingewinn ist dadurch nur univcsenilich, fast nnnierklich ge» schmälert worden, weit ans die Löhne mir ei» verhällnißmäßig geringer Theil der gesaniinten Ailsgaben kommt. Die Löhne der beim Betrieb der Anstalten und beim Vertrieb der Neben- Produkt« beschäftigten Arbeiter betrüge» 1012 637(SIS 271) M. oder 8 51(7,68) M. pro 10C0 Kubikmeter, Die hierfür nufgeivendete Mehrausgabe macht nur 0,S3 M. pro 1000 Kubikmeter, lieber das Verhältnis d e r A e r>v a l t» n g zu den Arbeitern schweigt sich der Bericht— i» weiser Vorsicht— beinahe völlig aus, obwohl gerade mit bezug aus das Berichtsjahr Anlaß genug vorliegt, sich über dielen Punkt zu äußern. Nur bei Besprechung der Betricbsvcrhältnisse werden ganz nebenbei die„ d u r ch Differenzen mit d e» A r b e i t e r n herbeigeführte» kurzen Unterbrechungen" erwähnt. Der NcuncranSschusi dos ZcutralkomitccS für die durch U»- weiter Geschädigten Deutschlands hat gestern unter Borsitz des Ober- bürgermeisters Zelle eine Sitzung abgehalten. Bei der Hauplslistungs- kasse ist eni Bestand von 240 066 M. vorhanden, welcher wie folgt zur Vertheiluug gelangte: An das Königreich Sachsen(an den Regierungspräsidenten in Magdeburg) 20 000 M., an den Kreis Greisenhagen i. Pom. 2000 M., an die Stadt Perleberg 15 000 M., an die Stadt Ziegenhals 15 000 M., an Schlesien 70 000 M., an den Negicrungsbczirk Frankfurt a. O. 50 000 M. Letztere Summe wird jedoch von hier aus an die einzelnen Kreise nach dem Verhältniß des erlittene» Schadens vertheilt werden. 5000 M. werde» für Drucksachen:c., 50000 M. als Reserve zurückbehalten. Im ösicutlichcn Fnhrbctricbc befanden sich am 1. Januar 1?97 in Berti» insgesaiumt 10 087 Gelährte(gegen 9186 Gefährte aar I. Januar 1896 und 9972 am 1. Januar 1897), nämlich 7762 Droschken. 426 Omnibusse, 254 Thorwagen und 1586 Wage» der Pserdcbah» und elekirischen Straßenbahn. Im Jabre 1895(nach einer Zusammenstellung vom 1. Januar 1896) waren 7190 Droschke», 361 Omnibusse, 227 Thorwage» und 1353 Wagen der Pferdebahn und elektrischen Slraßenbah» gezählt. Die entsprechende» Zahlen im Laufe des Jahres 1896 sind 7674, 450, 297 und 1554. Fahrpreis- Anzeiger besaßen Droschken 1. Klasse am 1. Juli 1896 3078 Stück am 1. Oktober 1896 3166 Stück, am 1. Januar 1897 3519 Stück. am 1. April 3679. am 1. Juli 3809, am 1. Oktober 1897 3359 und am 1. Januar d. I. 4287 Stück. Ueber die Hälfte der oben gc- uanulen Droschkenzahl(7762) besitzt also Fahrpreis-Anzeiger. Dabei bandelt es sich nur um Droschken I.Klasse, Droschken 2. Klasse sind nur in geringem Ilmfange mit Anzeiger» versehen, und ihre Zahl fällt über hmrpt stetig, wie aus folgende» Zahlen hervorgeht: Am I.Juli>896 U'iirdeu 2345 Droschken 2. Klasse gezählt, am 1. Januar 1897 2289, am I. Juli 1897 2171 und am 1. Januar d. I. 2073(davon nur 3 mit Fahrpreis-Anzeiger). Gcpäckdroschkcn sind nur in geringem Ilmfauge vorhanden: 1. Juli 1836 109 Stück, 1. Januar>897 161, I.Juli 1897 163 und 1. Januar 1898 160 Stück. An den Eisenbahn- bösen Berlins wurde» im Jahre 1837 im ganzen 583 737 Droschken der verschiedenen Arten benutzt, nämlich am Potsdamer Bahuho 73 684, am Anhalter 128 415, am Görlitzer 25 815, am Sleltiner 98 449, am Lehrter Bahnhof 101071, am Bahnhos Alcxanderplatz 19 332, am Bahnhof Friedrichstraße 93 523, am Schlesischen Bahuho 22 830 und am Bahnhof Zoologischer Garten 20 133. Am meisten wurden die Droschken am Anhalter Bahnhof benutzt, dann folgt der Lehrter Bahnhof. Am wenigsten wurden die ain Bahnhos Alexander- platz haltende» Droschken i» Anspruch genommen. Achtung, Mitglieder der Freien BolkSbühne k Morgen, Mitt- woch, den 9. Februar, abends 8 Uhr, findet in Keller's Festsäle» der zweite V o r t r a g s- A b e» d statt, an welchem Herr Dr. Wilhelm Meyer, früher an der Urania, den kürzlich im Verein gehaltenen Bortrag:„Die Reise»ach Spitzbergen" mit Vorführung von 160 Projektions- Bildern wiederholen wird. Das Entree beträgt pro Person 20 Ps. Villets sind in den Zahlsiesien von Fr. Zubeil, Lindenstr. 106; Gott fr. Schul,. Koltbuser Thor; Adolph H o f s m a n n, Blnmenstr. 14, E. Beyer, Veteranenstr. 13 und bei Winkel manu, Ackerstr. 154 sowie a» der Kasse zu haben. Sonntag, de» 13. Februar. II. Sl b t h e i l u n g im Friedrich-Wilhelmstädtischeu Theater:„Die l u st i g e u Weiber von W i» d s o r". Neue Mitglieder können nur noch bei schleuniger Meldung zur V. Abtheilung aufgenommen werden. Der V o r st a n d. I. A.: G. Winkler, Berlin-Rixdorf, Kirchhofstr. 46, II. Moderue Kircheucintveihuug. Au» Sonntag ist die neue Georgeukirche in Gegemvart des Kaisers eingeiveiht»vorden. Nach einem Bericht, bei» ei» hiesiges Blatt bringt, nahmen daran theil sechszehn Prinzen, Prinzesstne» und Herzöge, sieben höhere Hofbeamte, füns Superintendenten und Prediger, ein Minister, ein Oberbürgermeister, ein Polizeipräsident und eine An- zahl anderer Honoratioren, ferner eine Kompagnie und eine Eskadron Soldaten. Als die Zeremonie vorbei»var, verließ der Kaiser die Kirche und befahl der Ehrenkompagnie, vor ihm vorbeizu- marschiren. Sodann berichtet das Blatt, daß bei der Gelegenheit sechs Orden ziveiler bis vierter Klasse vertheilt»vurden. Der Pastor Hiille, dessen Flugschriften»vege» ihres sozialisten- feindlichen Inhalts vom deutschen Kaiser zur Anschaffung in öffent- lichen Krankenanstalten»c. empfohlen»vorden sind, giebt auch eine Zeitung mit dem eigenlhümliche» Titel„Der A r b e i t e r f r e u n d" heraus. In der letzte» Nummer dieses Arbeiterfrenndcs befindet sich ein Mäßigkeitsrezep», das jeder lohndrückende Unternehmer ziveisellos »nit großem Behagen lesen»vird. Es lautet: Der schottische Prediger Wesley schrieb einmal in sein Tagebuch: „Es kommt mir fast unglaublich vor, daß ich heute in das 65. Jahr incincS Alters getreten bin. Wie»vnnderbar sind doch Gottes Wege! Wie hat er mich von Kindesbeinen an erhalten! Von meine»» 10. bis zum 13. oder 14. Jahre hatte ich nichts als t r o ck e» e s B r o t zu essen und nicht einmal genug, um satt zu»verden. Doch glaube ich, daß gerade diese karge Lebe nsiv eise den Grund zu »»einer dauernden Gesundheit gelegt hat. Später»vurde es mir zur Gewohnheit, mäßig zu leben; auch trank ich nur Wasser. Dies befestigte meine Gesundheit noch mehr. Dadurch bin ich— »ud dafür preise ich Gott— von alle» körperliche» Beschwerden frei geblieben." Hvssenllich fangen alle an der Ausbreitung der Mäßigkeit intercfsirte Pastoren, Herr Hülle an der Spitze,»unmehr an, in ihrem Weinkeller gründlich Auskehr zu halten. Desgleichen erhoffen wir vom Pastor Hülle, daß er unter seine» Kollegen eine Beivegrnig gegen die den Geistlichen drohende Gehaltsaufbesserung mit aller Energie einleitet. Zu Wasser und Brot reichen die jetzigen Bezüge ja»veit über die Maßen. Wenn dann die Herren Pastore» ein Jahrzehnt lang mit der erforderlichen Geivissenhafligkcit dem Wesley'scheu Rezept»achgelebt haben,»verde» auch die Arbeiter es sich überlegen, ob sie sich mit Hnngerlöhnen zu- frieden geben sollen. Aber ja gelvissenhaft sein, und nicht heimlich bei Rothspohn und Gänsebraten sitzen, Herr Hülle! Salami aus Pferdefleisch. Vorsicht beim Einkauf von Wurst ist dringend erforderlich,»vie ein Artikel der„Deutschen Fleischer« Zeitung" berichtet. In Weißeusee betreibt ein Fabrikant Richter eine Roßfleischivnrst-Fabrik.»velcher, ohne Roßschlächter z» sein, das Roßfleisch erst in zerkleinertem und gesalzenem Zustande von einem Roßschlächler bezieht— es entspricht dies jedoch nicht den gesetz- lichen Bestimmungen über die Verarbeitung von Roßfleisch zu Wurst. Ueber den Fabrikräuine» ist die gesetzliche Ausschrift in Form einer Wettersahne angebracht,»vobc» der Buchstabe 3t. in, Wort Roß— fehlt, auf der ander»» Seite trägt die Wetterfahne ein aufgemaltes Schwein, so daß, je»achden» der Wind»veht, sich die Ausschrift dieser Fahre den» Beschauer zeig'. Bei einer Revision, z»»velcher der Altmeister Burg der Berliner Fleischerinnung zu- gezogen»var,»vurde an drei verschiedenen Stellen in. den Vorraths- räumen verdorbene, theils direkt in Fäulniß übergegangene Wurst vorgefunden. Ueber zivei Körbe knochenloses, ungesalzenes Pferde- fleisch hat die»veitere Untersuchung durch einen Thierarzt das voll- ständige Verdorbeusein des Fleisches ergeben. Richter hat das größte Absatzgebiet seiner Fabrikate, obgleich die Einführung von Pferde- »purst von auswärts nach Berlin verboten ist, dennoch i» Berlin. Als Abnehmer»verde»» Firm«»» der Detikateßivaare»- Branche ge- qannt. Ter Schuecfafl, der i» der Nacht zum Sonntag bei znnehniender Kälte eintrat, hat»nancherlci Unglücksfälle im Gefolge gehabt. Es bildete sich Glatteis, das für den Wagen-»md Fußgängerverkehr recht empsindliche Störunge» zur Folge hatte. An» Alexanderplatz fiel ein Arbeiter so schwer, daß er einen Schenkelbruch erlitt und von einen» Schutzman» dem Krankenhause Friedrichshain zugeführt »verden mußte. Fast um dieselbe Zeit glitt in der Neuen Schönhauser Straße der Vergolder Gebauer ans und»vurde mit gebrochenem rechten Unterschenkel nach der Charilee gebracht. Auf der Sanitätsivache in der Brüderstraße»vurde ferner der Kauf- mann Goldstein behandelt, der in der Leipzigerstraße infolge Sturzes sich einen Bruch des rechte» Oberarmes zugezogen halte. Der sort- gesetzte Sckweefall am Sonntag Vormittag schaffte denn auch endlich die erste Schneebahn in diesem Winter und auf den Chaussee» in der Umgebung Berlins soivie in, Thiergarten konnte man zahlreiche Schlitten bemerken. Das Schneeivelter in der Nacht zum Montag und au» gestrigen Tagen verschaffle manchen Arbeitslosen einige»» Verdienst. Bald»var infolge des Thauwelters von» Schnee nichts »vciler als fürchterlicher„Matsch" auf den Straßen zu sehe». Vonr Teiitschc» Thierschutz- Pcrciu erhalten»vir folgende Zuschrist: Aus einen» Vorfall in, Bureau des Thierdepvts des Deutsche»» Thierschutz-Vereins wird i» einer Notiz in der Sonnlagsausgabe des„Vorivärts" gefolgert, daß die genannte Verivallung in einer Weise organisirt sei, die den lhierfreuudlichcn Prinzipien des Vereins geradezu ins Gesicht schlage. Diese Folgerung ist ganz nn- berechtigt. In der hösliche» Weise— nicht»vie es jene Notiz darstellt— ist der in Liebe stehenden Frau gesagt ivordei», daß die Anmeldung eines ausgenoiumenen Fnndes».ich a»f»»»ferem, sonder» aus dem Fundbureai» des iö>»igliche» Polizeipräsidinins z», erfolgen habe, da eilie solche an ersterer Stelle völlig zivccklos und die andere durch die Gesetze vorgeschrieben sei. Dagegen stehe es ihr frei, das Thier in» Dopot abzugeben, da es hier an» ehesten von seinen» Besitzer reklamirt werde; es»verde au Wunsch sogar kostenlos abgeholt werden. Die Frau erklärte»ndeffen, dies nicht zi»»volle», auch nicht als ibr erklärt»vorden»var, da sie als Finderin das Recht habe, das Thier»viedcr nbzriholen. Die Aeußerung, daß die Depot-Vcrivalt»»»g nur zur Beaussichliguug des Hnndefangs da sei, ist ebenso»venig gelha»»vorden, als der Frau empfohlen worden ist, das Thier lausen zu lassen.— Dieser lheil- weiseu Richligslellung gegenüber beharrt unser Berichterstatter bei seiner Darstellung. Rüdige Fahrgäste hatte der Taxameterkutscher Windiger aus der Weinstr. 20 0 in der vorletzten Stacht. Bor den» Casö Roizal in der Bcuthstraße stiegen drei Personen in seine Droschke; zu dieser Gesellschaft kamen gleich darauf»och vier andere Leute, so daß der Kutscher sich»veigern mußte, mehr als die reglenieutsiuäßige Zahl von füns Fahrgästen zu befördern. Nun stieg die ganze Gesellschasl wieder ans, ohne ihien Zahllingsverpflichtungen nachzukomnicn. Als der Kutscher darauf die Leute zur Revierivache sistire» lassen»vollle, bedrängten sie ihn und schlugen einen Hausdiener, der für ihn Partei ergriff, blutig. Endlich kam et» Schutziuaun, der die Gesellschaft aus die Wache brachte. Dort entpnpplen sich die Störenfriede als biedere Maurer- und Zinimeruieister. Durch cinci» Sturz von» Gcriist ist am Montag Vormittag gegen 11 Uhr der Maler August Kröpver lebensgesährlich ver- »»»glückt. Er»var i» einen» Geschäft au» Werder'jchc» Markt 8 mit »nehrercn andere» Malern an der Zimmerdecke beschäsligt, trat fehl und fiel i» die Tiefe. Ein Genosse brachte ihi» beivußtlos»ach einem Krankenhaus,»vo schivere inilere Verletzungen festgestellt »vurden. Erschösse» und erhängt hat sich gestern früh»in 2»/s Uhr der 40 Jahre alle Gaslivirlh Fianz Arndt ans der Hnssitenstr. 7. Als seine Ebefra» vo» einen» Besuch zurückkehrte, fand sie ihn an der Slubenthür hängend und an der rechten Kopsseite blutend. Arndt hatte früher eine Wirlhschast in der Waisenstraße und übernahm dann ansivärts ein Lokal. Ans diesem Gcschäsl entstand ein Prozeß, bei den» Arndt 22 000 M. verlor. Obgleich sein Vermöge» da»»»» keinesivegs erschöpft»var. machte er sich doch Sorge»»»»» die Zu- k»»ft, die ihn zun» Selbstmord triebe». Die StaatSautvaltschaft in Heidelberg iheilt dem hiesigen Pvlizcipräsidiuiu mit: Lctzie Nacht»vlirde in Heidelberg die Dirne Katharina Eubler aus Schlierbach durch Erdrosseln am Burgwege beim Alten Schlosse ennordet und ihr der Unterleib aufgeschlitzt. Als Thäter kommt ei» angeblicher Bäcker ans Ansbach i» betracht. Das Signalement»st folgendes: ci»va 25 Jahr« alt, 1,65 Meter groß, rundes, ziemlich volles Gesicht, bloude Haare, röthlicher kleiner Schnurrbart, auf der rechten Gesichtshälfle zivei verkrustete, eliva füiiszigpsennigstückgroße Hautabschürfungen, eine dritte verkrustete Hantabschürfnng an der linken Schläfe, schielt ans dem rechte» A»ge, fprichl bayerischen»md Frankfurter Dialekt. Er trägt«inen braunen nencn ivcichen, oben eingedrückten Schlnpphut, braune Jacke ,»id Weste, dunkelgraues Beinkleid mit breiten Streife» an der Seite, Umlegekrage»»nd Remontoirnhr mit Stickelkette. Der Gesuchte soll ziemlich viel Geld bei sich führen. Die Stantsanivalt- schast setzt eine Belohnung von 500 M. ans die Ergreifung des Thäters. Durch daö Platze» cincS RohreS der Warnnvasserheiziing erlitten vorgestern früh in dem Heizkeller der Et. Johanniskirche der Heizer Eduard Brehmer und seine Frau an, ganzen Körper Brand- wiiiiden. Die Verletzten suchte», da die Wunden anfangs nicht er- hcblich schienen, ihre Wohnung ans,»Hißten aber infolge bedeutender Verschliiiimermig ihres Ziistandes nachmittags i» das Krankciihnns Moabit gebracht»verde». Sclbstniordpersnch. Der Monteur Reinhold L. versuchte in der Wohnung seiner Braut, der iinverehelichtei, Schneiderin Ida H. i» der Rüdersdorfer Straße, sich an ei»«»»» Handtuch zu erhängen. Er»vnrde noch rechtzeitig von der Braut»pid deren Bruder los- geschnitten. Eifersucht soll die Beraiilassmig zu dem Selbstmordversuche fei». Ei»» Ncbcrfall»vnrde gegen das Dienstmädchen Agathe Pieper gestern Morgen im Hause Calvinstraße 21 verübt. Der Kriminal- polizei ist folgende Anzeige erstattet worde»: Gegen 8 Uhr»var die P. damit beschäftigt, i» der znr ebene» Erde belegenen Wein- Handlung den Ladenraiin» zu säubern. Als sie an» Ose» kniete, um a»ifzi»vische», erhielt sie plötzlich einen starken Schlag auf den Hinterkopf, der sie beivußtlos niederivarf. In diese», Zustande wurde sie später vo» der Besitzerin des Geichäfls, Frau Witte, ailfgefundei». Unter de» Händen des Arztes erholte sich die Biivußl- lose allmälig, weigerte sich jedoch standhast, als der zl»r Stelle ge- holte Kopp'sche Kraukemvage» erschienen war, nach den» Kranken« hause zu fahren. Sie verlangte vielmehr nach der Wohnung ihrer Mutter gebracht zu»verde»», was auch geschah. Der Schlag ist init eine»» stninpsen Jnstrunient geführt»vorden; der Arzt befürchtet eine Gehirnerschütterung. Aus der Kaffe schlei» einige Mark, auch »verde»» einige Flasche» Kognak und Rum vermißt. Die Ueber- fallene erklärt, Angaben über die Person bei Thäters nicht machen zu könne». Es habe ihr geschienen, als ob der Kops eines Mannes plötzlich im Laden anfgetaucht sei, aber etivas Bestimmtes könne sie nicht bekunde»». Po» ihrem Bräutigam verlasse», Hai am Sonntag früh 43/4 Uhr die 26 Jahre alte unverehelichte Johanna Fahrenholz einen Selbstmordversuch begangen. Das Mädchen machte vor eliva sechs Monate», in einem Tanzlokal die Bekannlschast des Gastivirlhssohiis Franz Sch. aus der Kurfürsteustraße. Dieser Tage erhielt die F., die bei einen» Goldschmied E. in der Schützeuftraße>» Stellung»var, von ihrem Bräutigam einen Absagebrief. Sonntag früh hört« das Kindermädchen, das mit der F. zusaininei» auf dem Hängeboden schlief, einen Schnß fallen. Die unglücklich« Verlassene hatte sich»Nittels eines Revolvers eine Kugel i» die Brust gejagt. Man nah», ihr die Waffe ab und brachte die schiver Verwundete in»in Krankenhaus. Theater. Agnes Sorma, deren Abreise nach Neiv-Uork Ende dieses Monats erfolgt, tritt am nächsten Donnerstag im Deutschen Theater zu»» letzten Male in den drei Einaktern der Sudennami'schen„Morituri" gememsa», mit Josef Kaiuz ans.»- In« Schiller-Theatee findet heute die vorletzte Vorstellung außer Aboimemciit statt. Zur Aufführung kommt„Kyritz-Pizritz"„Haus Wurst in Berlin", die neue Komödie von Heinrich Lee geht Sonnavend Abend zum ersten Mal in Szene.— Im O st e n d- T h e a t e r»vird au» Freitag zuerst die Ausstattmigsueuheit„Unter der Polarsoune" gegeben._ Aus dcu Nachbarort«'». In Steglitz kämpfe» die Arbeiter, wie ja auch l» anderen Nachbarorten, seit Jahre» um die Errichtung eines Ge>v erbe- gerichts. Die kolossal«»» Schädigunge»»,»velche der am Orte florirende Bauschivindel ihne» zufügt, läßt ein solches Ge- richt geradezu als eine unabiveisbare Nolhweubigkeit er- scheinen. Da bietet Steglitz»n>» ein klassisches Zeugniß dafür,»vie fehlerhast und gemeinschädlich der bekannte Beschluß der Re>chstags>i»chrheit war, durch»velchen die Errichtung eines Geiverbegerichts einfach in das Beliebe» der bourgeoisen Orts- Vorsteher gestellt»vnrde. Anfangs Halle man in Steglitz den Arbeiter- antrag abgelehnt,»veil kein Bedürsniß n»d kei» Geld für derartige Dinge vorhanden seien. Als dann eine m» 29. März vor. Js. mit 354 l'uterschriflen abgegangene Petition endlich in» September>» der Genieinderalhs-Sltznng ans Tagcsordnuiig stand, Halle der Gemeinde« Vorsteher abermals nichts eiligeres zu lhii», als den Aulrag aus Ablehnung z» stellen. Ein Schösse, namens Meier, unterstützte das Orlcoberhanpt, indem er erklärte, er habe mit einem Berliner Ge- >verbcgcrichls-Vo> sitzenden gesprochen, und dieser habe sich gegen Geiverbcgerichle erklärt,»veil sie die Prozebsiicht der Arbeiter sörderlen; auch»vürdeu politische Tendenzen in die Gericht« hiiieingetrage», die Ruhe der Bevölkerung»vnrde gestört, und dergleichen Dinge mehr. Der Gemeindevorstcher stellte seinen Klassenangehörige» gar»och das»venig schmeichelhaste Zeugniß aus, daß sich in Steglitz keine geeignete Person zum Vorsitzenden eines Ge»verbe- gerichts sinde» ivcrde; er selber habe keine Zeit, ein solches Amt z»» verschen. Die Kommission,»velche vo» der Arbeilerschnft au» Orte znr Förderung der Sache eingesetzt»var,»vmidte sich»unmehr au den Minister des Inner»; doch ging nach Verlauf von abermals drei Monate» auch vo» dieser höchste» Stelle im Staate eü» ab- lehnender Bescheid ein, gleichfalls mit dem allgeivohuten Eiiuvande, daß kein Bedürsniß an» Orte vorhanden»väre. Diese Behandlung der Arbeiterschaft wird hoffentlich nicht wenig dazu beitragen, daß im Proletariat des Orles das Interesse an der bevoisteheude» G e in e i n d e r a t h s- »v a h l geweckt werde; es ist dringend nvthivcndig, daß durch einige Sozialdemokralen Bresche gelegt»verde i» die jetzig« Geldsacksvertrelimg. Au» kommende» Montag, den 14. Februar, abends 8 Uhr, findet im„ Schwarz e n Sl d l e r" zu Sieglitz eine B o l k s v c r s a m in l»» u g stait, i» der die sozialdemokratische»» Kmididaten zur Geineindewahl aufgestellt»verde»» sollen. Ferner spricht Lteichstags-Abgeordiieler Zubeil über:„Kiaotschau, Flotte»- Vermehrung niid Entrechtung der deutschen Arbeiter". Das Nähere wird im„Vorivärts"»ud durch Plakate bekannt gegeben. Die Kommission. Ueber eine,, neuen Fall von unerhörter Prügel» Pädagogik»vird a»»s Schöneberg berichtet: Eine neue Echülerinißhandlung durch eine» Lehrer der Mittelschule ver- setzt in Schöneberg abermals Ivette Kreise der Bevötkernng in hochgradige Erregung. I» der sünsten Klasse der genannten Schule übte der Lehrer St. die elgeulhünitiche„Erziehiiiigsnielhode", »ach beendeter Schulftuiide seine Schüler die Bücher„nach Konililando" einpacken zu lasse». Als er n»»», am 2. Fe- brnar dieses Manöver»vieder»»»» ausführe,» ließ, io>»»U ei» 9jähriger Knabe, der Soh» eiueS Kaufmauus. seine Bücher nicht rechtzeitig ii» die Mappe hiiieiubekoiume», und er erhielt daher vvu dem Lehrer zivei derartig heftige Schläge ins Gesicht, daß ihm alsbald die linke Backe dick anschivoll. Als St. am folgende» Tage»>» der- selbe» Klasse Uuterricht im Sing«» zu gebe» hatte, fragte er die Schüler,»ver vv» ihnen nicht mitsingen könne. Es meldete sich darauf der geprügelte Knabe mit der Angabe, seüie stark ange- schivolleuc Backe verursache ihm solche Schmerze», daß es ihm»»»- möglich sei, zu singe». Li. schrie»h» sofort an:„Das ist kei» Grund! Scheer Dich auf Deine» Platz!" Der nun cingeschüchierle Knabe»vagle uichls zu erividern, konnte aber gleichivohl nicht finge»», uud gerieth uuu der Lehrer hierüber in solche Aufregung, daß er de» Knabe» vorkoinine» ließ, ihn über seine»» Sluhl legte und ihm niil einem Stock wiederholt ans die Lenden schlug. Der überhaupt sehr stille uud bescheidene Knabe»ahm die Züchtigung ruhig hin, obgleich er so große Schmerzeu hatte, daß er auf dem Heimivege schiver hinke u»nußte. Z» Hanse aber»var es ihm bereits unmöglich, sich zu Tisch zu setzen, und als die Mutter den Knaben»»»lersnchle, fand sie eine handtellergroße» blutrünstige, st a r t a n g e s ch»v o l l e n e Stelle aus dem Oberschenkel. In einem ärztlichen Attest, vurde»» die Folge» der Mißhandlung bestäligt. Da dieser Fall vo» Prügelpädagogik in einer höherei» Schule passirt ist,»vird vielleicht auch der gutgesinnte Bürger sich gegen das System»vende», das ein Ausfluß des bei uns»naßgebende» bevormundende» Geistes ist. Gegen den Lehrer ist Strafantrag ge- stellr worde». Die Gemeinde Lichteuberg-FriedrichSbeig scheint von dem Unglück verfolgt zu sei», daß sie mit ihren Oberhäuptern ständig in Konflikt liegen muß. Es ist»och erinnerlich, zu welche» Auftritte» es zniveilen kam, bevor der Aiutsvvrsteher»nd Lieutenant a. D. Röder endlich vom Schauplatz seiner Thate», Abschied nahm. Sein im Jahre 1896 gewählter Nachfolger Ziethen, der früher in Naugard Bürgermeister war, hat es»»»» ebenfalls mit einem be- trächtliche» Theil der Bürgerschaft verdorben. Schon früher»var es z>» Gegensätzlichkeiten gekomine», als die Patrioten in der Gemeinde sich ein Kaiser Friedrich-Denknial anschaffe»»vollte», der nene Amtsvorsteher aber für das landesübliche Heldeiigreis-Denkmal Propaganda machte. Dieser Streit hat wenigstens das ei»« Gute gehab», daß bisher keines der beide» Denkmäler z» stände gekomi»«», ist, allerdings ist auch aus dem projektirte» Krankenhanse, auf das man als verständigen Ersatz sich schließlich einige» wollte, nichts geivordei». Die maßgebenden Personen i» der Gemeinde ließen ihren Amtsvorsteher daraufhin z»veinial bei der Krcistagsivahl durchfalle». Neuerdings hat es»»»» sehr arge Verstimmung erregt, daß der Herr Ziethen bei den Borbereilunge» zu der demnächst statlsindenden Gemeinde- ralhsivahl völlig in die Fnßstapse» seines Vorgängers trat und ganz nach dessen Muster an die Forense», die i» Lichtenberg Liegenschaften haben, ei» in amtlicher Eigenschaft»nilerzeichnetes Rundschreiben richtete, in»velche»» er diese Wahlberechtigten um die Vollmacht ersuchte, in ihren» Namen für die ihin genehmen Kandidaten voliren zu dürfe». Der Bnrgerverein am Ort will nächstens in einer Protest- Versammlung gegen diese Handlungsiveise Stellung nehmen. Tie deutsche Gcsindesklatierci. Im amtlichen Theil des Templiner Kreisblattes befindet sich solgende Bekanntmachung:„Die Dienstmagd B. H.. 20 Jahre alt, hat am 30. Januar er. ihren Dienst in Lindensee verlassen. Vor Jndienstnahme»vird gewarnt und gleichzeitig ersucht, über de», Aufenthalt der H. hierher Mit- lheilung niachen zu»volle». Boitzenburg, den 2. Februar 1393. Der Amtsvorsteher. I. B.: Schmid. Uni das gleich einer Verbrecherin steckbrieflich verfolgt« Mädchen nicht zu schädigen, haben»vir von seinen» Name» nur die Anfangs- bnchstabeu»viedergegebe». Welche Arbeil hat vie Sozialdemokratie »och zu verrichten, bis sie u»ser armes Vaterland zu einem Kultur- lande geiilacht hat, in dem die Gesinde-Ordnung ins Reich der Fabel gehört! Eine Petition um Verbillignug der Bororttarife hat der Verein Berliner Vororte an das Abgeordnelenhans abgesandt. Wenn der Eisenbahn-Minister sich der gewünschten Neform gegenüber schon ablehnend verhalten hat, so»vird bei der reaktionären Geldsacks- Vertretung erst recht kein Entgegenkomme» zu finden sein. Den im Abgeordnelenhause herrschenden Junkern ist der jetzige BomUaris \a schon ein Dorn im Auge,»veil er auch dem Arbeiter unter Um- ständen zu gute kommt. An Gemeindesteuer» in Charloticubnrg sollen nach dem Antrage des Magistrats bei der Stadtvevordniten- Versammlung im Gift und— süße »ach dem eigenen Beaabnng!" Da paare in dem halten sich der kommende» Rechnungsjahre folgende Satze erhoben werden: Zur Staats-Einkommenstcner und zur slaallich veranlagte» Gewerbesteuer je ein Zuschlag von 100 pCt. Die Gemeinde-Grnndstcuer soll danach 2.2 v. T. des gemeinen Wertstes der Grundstücke, die Kanalisations- gebühr 1,1 pCt. des Gebäude> Nutznngswerthes, die Betriebssteuer 100 pCt. der festgesetzten BetriebSsteuer» betragen. Im laufende» Rechnungsjahre beträgt der Zuschlag zur Staats- Einkommensteuer nur 97 pCt. Es ist anzunehmen, daß er so auch für das Jahr 1893 99 von der Stadtverordneten- Bersammlung festgesetzt werden wird. Das iumic Nintsgorichtö Gebäude in Rixdorf soll nach den zwischen der Gemeindekonunissto» und der königlichen Behörde getroffenen Bereiubarungen an der neuprojektirlen Straße nördlich des Amtshauses und an der Berlinerstraße zu stehen kommen. Tpanda». Die Maurer und Banarbeiter, welche ans An- orduung der Garnison-Bauverwaltung am 27. Janrrar er. die Arbeit ruhe n lassen mußten, ohne daß ihnen zunächst für diese unfrei' willige Feier Bezahlung in Aussicht gestellt worden, sind nunmehr mit je einem Tagelohn für die Versänmniß entschädigt worden, nachdem sie brieflich die bezeichnete Stelle ans die moralische Ber pflichtung, welche zu dieser Entschädigung vorlag. aufmerksam ge macht hqttsn._ Daß daS Lebe» oft Vorkounuiiisse zeitigt, wie sie romantischer die Phantasie eines Komödienbichters kaum ersinnen kann, zeigt folgender Fall. Bor etwa Jahrcssrist wurde in den Zeitungen eine ganz eigenartige Geschichte erzählt, die die Wahrheit des Mirza-Schaffy'schen Wortes bestätigen konnte:„Ans dem Fener> quell des Weines, aus dem Zaubergrnnd des Bechers, sprudelt Labung, sprudelt Schönes und— Gemeines," Werth des Zechers, nach des Trinkenden saßen eines Abends zivei befrenndete Ehe- Restaurant eines hiesigen Hotels; sie .. Flasche Weisheitsbrnch gekaust, sie lasen ans demselben manch schmackhaftes Kapital und des Weines heilige Flammen ergossen sich über sie. In dieser seligen Stimmung kam ihnen der unglaubliche Einfall, für diesen Abend einmal die Rollen zu vertauschen, so daß jeder der Ehemänner die Frau des andern für diese» Abend als die seinige ansehen und sie auch schließlich in das Hotelzimmer geleiten sollte. Unter Kichern wurde selbst dieser letzte, etwas gefährliche Theil des seltsamen Scherzes ans- geführt. Jeder traute dem andern so vielsFrenndschaft und Ehrenhaflig� keit� zu, daß selbst in dieser heikle» Situation nichts Anstößiges pnssiren würde. Das eine Pärchen bestand auch diese Feuerprobe glänzend, das andere Pärchen aber strauchelte. Die Fortsetzung dieses weiuseligen Romans spielte vor Gericht. Der Rentier G., dessen Ehefrau ihrem Partner, einem Architekten aus Schweden, die Stolle des Ehemanns allzu sehr erleichtert hatte, strengte gegen seine Ehe- frau die Scheidungsklage an, wurde aber in der ersten Instanz ab- gewiesen, weil er selbst seine Ehefrau einer bösen Versuchung aus« gefetzt hatte. In zweiter Instanz dagegen wurde die Scheidung a»S einem anderen Grunde ausgesprochen. Frau G. zog mit ihrem Knaben in die in einem Vororte gelegene Villa, die ihr von ihrem frühere» Mann überlassen worden war. Herr G., der den Knabe» gern zu sich nehmen wollte, halte damit bei seiner geschiedenen Ehefrau kein Glück und so erschien er denn eines Tages vor der Villa, um de» Knabe» ber Mutter mit Gewalt zu entreiße». Da die letztere aber Wind von dem Plane erhalten hatte, so fand er sämmlliche Zugänge verschlossen. Er kletterte ans einen Baum und gelangle von da durch ein offenes Fenster in ein Zinnner des ersten Stock- werks. Das Zimmer war leer, aber ans dem Nebenzimmer hörte er die Slinime seiner Frau und andere Stimmen Heransschalle». Alle seine Anssorderungen, die verschlossene Thür z» öffnen, waren ver- gcblich; er kletterte den Baum wieder hinab, nahm dann aber eine Leiter, stieg wieder zum Fenster hinein und zog die Leiter in die Höhe, nm damit gegen die Thür zu rennen. Als auch dieser Ver- such mißlang, ließ er sich z» furchtbaren Drohungen hinreiße» und kündigte der Frau an, daß sie unter seinen Finger» sterben würde, wenn sie nicht öffnete. Es ivnrde später eiqe Anklage wegen Bedrohung gegen ihn erhoben, die zu seiner Vernrtheilnng zu einer Woche Gefängniß führte. Gestern erreichte diese ganze krause Geschichte vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II ihren Abschluß. G. halte gegen das schöfsengerichlliche Erkenntniß Berufung eingelegt. Rechtsanwalt Lconh. Fried mann führte dem Gerichtshofe eine ganze Reihe psychologischer Gesichtspunkte vor, die er für ausreichend erachtele, nm jenen Ausbruch des Zornes und der Erregung etwas milder zu benrtheilen. Er erzielte für seinen Klienten eine Herabsetzung der Strafe aus 20 M Geldstrafe. Schwarze Bande. Während im großen Schwurgerichtssaale der Siiesenprozeß Wendler und Genosse» verhandelt wird und die ersten Anfangsstadien noch kaum überschritten hat, begann gestern im kleinen Schwurgerichtssaale vor dem Schivurgericht am Land- gericht I ein zweiter Riesenprozeß gegen dreizehn Angeklagte, von denen ein Theil nach den» Muster der„schwarzen Bande" Ge- schäfle betrieben haben soll. Angeklagt sind: Kaufmann Johann Friedr. Hirsch ans Adlershof, Schloffermeister Karl Robert Partke, Versicherungsagent Engen Zedier, Kaufmann Gustav Otto Schrape, Kanfiuann Friedr. Hermann Malschke, Kails- manu Jacob Siinousou, Gesindevermielherin Caroline Bertha Speicherl, Kaufmann Karl Friedrich Kroll zu Waidmannslust, Kaufmann Karl August Selle, Kaufmann Johann Christ. Friedr. Altenkirch, Butterhändler Johann Wienczeck, Kaufmann Gustav Herinanu Zülke, Kaufmann Felix Josef v. Saroivski. Die Angeklagten schädigten hauvtsächlich Geschäslslent« der Lebens- millelbranchc. Es sind 70 Zeugen geladen. Die Verhandlung dürfte die ganze Woche ausfüllen und erst am Sonnabend beendet werde» können. Wir werde» das Ergebniß seinerzeit den Lesern mitlheilen. Ein polnisches Landidhll. Haarsträubender Mißhandlungen einer geistesschivnchen Dienstmagd beschuldigt, hatten der Rentner, frühere Landivirth Josef Mrotek und dessen Ehefrau vor der Straf- kammer in Bromberg zu erscheinen. Die 10 Jahre alte Veronika Bartikoivska stand vom 1. Janilar 1896 ab bis zu ihrem am 7. Mai 1896 plötzlich erfolgten Tode bei den Genannten im Dienste. Da das Mädchen schivnchsinnlg war, konnte eS seine Arbeit nicht in der geivünschten Weise verrichten und war infolge dessen den bnitntste» Mißhandlungen seineS Dienstherrn ausgesetzt, welch« allem Anscheine nach auch den plötzlichen Tod des Mädchens verschuldet haben, worüber indessen nichts Sicheres festgestellt werden konnte. I» welcher miglaublichen Weise die Veronika gepeinigt worden ist, geht zur Genlige anS den Fällen von Mißhandlung her- vor, welche besonders unter Anklage gestellt worden sind. Es sind deren vier. Im ersten Falle wird M. beschuldigt, das Mädchen beim Lieinigen eines Viehstalles, als dasselbe während der schweren Arbeit ermattete, mit einem Forkenstiel derartig geschlagen zu haben, daß es kopfüber in den Dung flog. In» zweiten Falle sah et» Knecht des M. die Veronika vollständig entkleidet vor der Knchenthür stehen. Sie hatte einen Strick um den Hals, welcher über de» oberen Rand der Thür« gezogen war, sodaß die B. mit gestrecktem Körper und hochgezogenem Kopfe aus den Fußspitzen stehen mußt». Nach der Anklage hat in dieser Ver- fassmig M. mit einem Strick, seine Frau mit einem Ruthenbündel auf das Mädchen eingehauen. Um sich den unerträglichen Miß- Handlungen zu entziehe», lief es schließlich aus dein Dienste, wurde aber von ihrem Bruder wieder zurückgebracht. Zur Strafe für ihre Flucht schleppte M. die Veronika in den Garten und knüpfte sie dort an einein Baume auf, und zwar die Beine nach oben, sodaß die Röcke des Mädchens über den zur Erde hängenden Kopf niedelsielen. Den ans diese Weise eniblößten Unterkörper bearbeitete er sodann mit einer Wagenpeitsche und einem knorrigen Baumast. Noch am Tage vor ihren» Tode wurde das Mädchen von M. in der gleichen geschilderten Weise an dem Baume im Garten aufgehängt und mit einem dicken Stocke durchgeprügelt. Nach erfolgter Beweisaufnahme erachtete die Straf kammer indessen nur den ersten imv den letzten Fall für erwiesen, verurtheille Mrotek zu einem Jahr Gefängniß und ordnete dessen sofortige Verhaftung an. Die Mitangeklagte Ehefrau wurde srei gesprochen._ Dorsxnnmlttttgem Deutscher Textilarbeiter- Bcrband. Die Dekateure er- klärten sich in der am 2S. Januar im„Englischen Garten" tagenden Generalversainmlmig mit dem Beschluß der letzten öffentlichen Ver- sainuilung, M e h l m a n n, M a ck»nd Juliiis Lehman n als aemaßregelt zu belrachten. einverstanden. Der Kassenbestand des Kassirers der Filiale betrug 87,06 M.. die Aibeitsloseu-Kasse 169,91 M. Den Kassimn wird Techarge«rtheilt. Nachdem der Vorsitzeiide und der Obmanu der Fünfer- Kominissio» über ihre Thäligkeit berichtet hatten. wurde zur Neuwahl des Gesammt- Vorstandes geschritten. Daraus gingen hervor: erster- Vorsitzender: L e tz i e n, zweiter Vorsitzender: Kappel, Kassirer der Filiale K e in»> e r e i t. Kassirer der ArbeitSlosen-Unlerstütznng: Münster Schriftführer: L u k o s ch e k und M a ck. In die Fiiiifer-Koinniissio» wurden gewählt: Kesselhut, Josef Müller, Fritz Müller, Schneider und B a r t s ch a t. Als Revisoren: R o s e» b a u m, V r a a tz und B r a n n. Einem Mitgliede, das an der Proletarier« krankheit in der Heilanstalt am Grabowsee liegt, wurden zum zweiten Male 25 M. Unterstützung zugebilligt. Das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Lorenz ehrte die Vcrsamniluiig in der üblichen Weise. Tie Knpfcrschniicde hörten in ihrer öffentlichen Versammlung am 29. Jannar eine» beifällig aufgenommenen Vortrag des Genossen S a l s e n b a ch über die Zivangsorganifation des Handwerks. Als- dann wird beschlossen, daß in Zukunft»»r die regelrecht beklebte Onittimgskarte als Legitimation bei Erhebung von Uiiterstiitzling aus dein Dispositionsfonds gelten soll. Für die englischen Maschinen« baner sind bisher 450 M. an die Genernlkonimission abgesandt, beschlossen wird hierzu, alle nach Ablauf der mit dem 29. Januar endenden Woche fällig werdenden freiwillige» Beiträge für die Engländer zu bestimmen. Dann fließen dieselbe» wieder in bis- heriger Höhe von 25 Pf. pro Woche dem Dispositionsfonds zu. A»f de» Gräbern der Märzgefallenen soll am 18. März ein Kranz niedergelegt werden. Ein Antrag, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung einzuberufen mit der Tagesordnung: Die Lohn- Verhältnisse in unserem Berufe, wird angenominen. Als Bezirks- kassirer für Nordivest wird Bartosiewicz gewählt. Ter Zcntralverein der Bnrcan-Zlngcstrllten Teutschlands (Mitgtiedschajt Berlin) hielt an, 3. Februar cr. seine General- Versammlung ab, in der Herr Ingenieur G r e in p e einen lehrreiche» und mit großem Beifall ansgenommenen Vortrag über„Moderne Fernrohrbaulen" hielt. Hierauf gab der Kassirer de» Kassenbericht vom vierten Quartal 1897. Die Einnahme der Lokalkasse betrug 59,24 M., die Ausgabe 34,94 M.. mithin Ueber- schuß 24,30 M. Die Einnahme der Zenlralkasse betrug 170,55 M., die AilSgabe 40,07 M.. bleibe» 130,48 M. Zu diesen 180,43 M. kommt der Ueberschnß der Lokalkasse, so daß im ganzen 154,78 M. an die Zentralknsse abgeführt iverde» konnten. Die Mitgliederzahl betrug am Schluß des dritte» Quartals 157, aufgeiioiinne» wurden 25 Mitglieder, ailsgetrcten sind 5 und ausgeschlossen wegen Reste wurden 9 Mitglieder, bleibt ein Bestand von 168 Mitgliedern. Die Abrechnung wurde von den Revisoren für richtig besiinde» und dem Kassirer Brilke Decharge ertheilt. Nachdem noch einige Vereinsangelegenheiten erledigt wurden, erfolgte Schluß der Versaunnlung. Tcmpclhof. Am 26. Jannar hielt der Arbeiler-Bildungsverein seine Generalversammlung ab. Genosse L a>» in 6 sprach über„Unser Parteiprogramm". Der Voisitzende erstattete de» Vierteljahres-»nd Jahresbericht. Dem Jahresbericht 1897 ist zn entnehme», daß 14 Versaininlnnge», 14 Lese-Abcnde und 17 Vorstandssitznngen statt- gesunden haben. Die Zahl der Mitglieder ist von 73 ans 106 ge« stiegen. In Berufe grnppirt gehören dem Verein an: 88 Arbeiter, 3 Buchdrucker, je 1 Bäcker. Barbier, Bnchdrnckerei- Hilfs- arbeiter, Zigarremnacher, Gürtler, Gärtner, Klempner, zwei Lilhographc». 17 Maurer, 3 Melalldreher, 2 Maler. Ferner 1 Modelltischler, Mechaniker und Monteur, 6 Schlosser, 4 Schuhmacher, 3 Schristgießer, 1 Schmied, 1 Schrauben- dreher, 2 Steinmetz, 2 Steinsetzer, 1 Stuckatcur, 6 Tischler und 4 Zimmerer. Hiervon sind 7 Mitglieder selbständig. Dem Alter nach siehe» 1 Mitglied unter 20 Jahre», 25 im Aller von 20 bis 25 Jahren, 23 ipi Alter von 25 bis 30 Jahren. 44 im Aller von 30 bis 40 Jahre», 11 im Alter von 40 bis 50 Jahren und 2 Mit- glieder haben ein Alter von über 50 Jahre» erreicht. Die Abrechnnng des Kassirers vom 4. Quartal weist eine Ein- nähme von 65,36 M und eine Ausgabe von 57,75 M. auf; bleibt Bestand 27,61 M. In die Staluteiiberalhungs-Komniission werde» gewählt die Genoffc» M e n t e r, Lamms, B i e r s a ck, Thal- heim und F. Müller. Unter Punkt„Bcrschiedenes" wird über die Gcmeindewahl gesprochen. Fricdrichsbcrg. Am Donnerstag, den 3. Februar, fand hier eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Reichslags-Abgeordneter Pens über die Degeneration der Arbeiter- klaff« durch die Kinderarbeit sprach. Aus das Ver»imfiw>drige der Kinderarbeit hinweisend, die nur dazu führe, die Löhne der Er- wachse»«» immer mehr zu drücken, verbreitete sich der Vortragende über die Ausdehnung derselben mit dem Erstarken der kapitalistischen Belriebsfornien. Redner wies auf England hin,>vo schon 1833 eine Konnnission eingesetzt wurde, ausgestattet mit alle» Vollmachten, um die fnrchtbarcn Schäden der Kinderarbeit anfzndccken und gesetzlich dagegen einschreiten zu können. Daß 6, 7. 8 u. 9 jährige Kinder dort in den Fabrikbetriebe» 14—16 Stunden arbeiteten, war»ichtS seltenes. Reichsstatistisches Material, zu», theil auch Berichte unserer Gewerbe- Inspektoren, führten den Bersammelten vor Auge», daß auch bei uns die Kinder- und Frauenarbeit in den Fabriken ei» sehr dnnkeles Kapitel bilde. An der Diskiission belheiligten sich die Genosse» artmann, Liesegang, Schulz, Zorwensky und i e p e sowie die Genossinnen Frau Sprung und Frau F r o h m a n n. Letztere appellirte an die Genossen, dafür Sorge tragen zu wollen, daS Interesse der Frauen zn wecken und zn fördern für die Bestrebungen der weiblichen Arbeiterinnen zur Er- ringung der politischen Rechte, die die Männer ansnben. Niederschöneweide. In unserem Orte finden in diesem Jahre die Wahlen zur Gemeindevertretung statt. Wir beschlossen, uns an denselben zu betheiligen und beabsichtigten in der Brauerei Borussia in der letzten Woche eine Versainmlung abzuhalten. Doch der Amts- Vorsteher v. Oppen hat es wieder einmal verstanden, uns das Koalitionsrecht illusorisch zu machen. Durch die Drohung, ihnen die ganz« Tanzkonzession zu nehmen, zwang er den Oekonomen der Braneret soivohl wie de» Gastwirth Hanisch, uns ihr« schon zu- zesagten Säle ivieder zu entziehen. Infolge dessen mußten wir in Kreise Nieder- Barnim und zwar i» Oberschöneiveid« Zn- flucht suchen, allwo König Oppen„nix to seggen" hat. Hier tagte denn auch am Sonnlag bei Haferlandt«ine von 120 Personen besuchte Versammlung. Der Genosse B e h r e» d, welcher das Referat übernommen Halle, beleuchtete i» kritischer Weis« die Ver- hältniffe in den Gemeinden, wies auf die Forderungen hin, welche die Arbeiterschaft als große Masse deS VolkeS an eine Gemeinde- Vertretung stellt und kam zu dem Schluß, daß wir mit aller Macht dafür sorgen müssen, eineii Mann des arbeitenden Volkes als ver- treter zu wählen. Nachdem in der Diskussion noch mehrer« Redner im Sinne des Referenten sprachen und die Ausführungen desselben ergänzten. wurde Genosse Karl Weber einstimmig als Kandidat nominirt. I» der nun olgenden regen Debatte über den Punkt: Wie ver- hallen wir uns den Wirthen gegenüber, welche un? ihr« Lokale verweigern, wurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die Arbeiterschaft Lokale haben muß, wo sie sich zur Besprechung ihrer Lage versammeln kann, die Wirthe aber, ohne Rücksicht auf die Arbeiterschaft, der Polizei zu Gefallen uns ihre Säle verweigern, sieht sich die heutige Verfanuulnng genöthigt, ebenfalls rücksichtslos vorzugehen und nur in den Lokalen zu verkehren, welche uns zur Versügiing stehen. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemo- kratie schloß die Versaunnlung. «dlerShof. Am Sonnlag, den 80. Januar, fand hier eine öffentliche M a n r e r- V e r s a in m l u n g statt. F r e n z e l« Berlin sprach über die Nolhivendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit und Abschaffung der Mißstände im Baugewerbe. Wolter brachte dann eine im Sinne des Referats gehaltene Resolntio» ei», welche ein- stimmig augenonimen wurde. In die Lohnkonimission wurde» ge- wällt Linke, Merten und K r o ck e r. Zmn Vertranensuiann wurde Merten gewählt. In bezug auf die Slreikkarlen wurde beschlossen, daß die arbeilenden Kollegen pro Woche 25 Ps. zu zahlen haben. Ter Sozialdemokratische Arbeiterverein für Wcißeusee und Umgegend hielt am 31. Januar seine Generalversammlung ab. Die Versammlung ehrie das Andenken des früheren Kassirers, Genossen Karl Schulz, durch Erheben von ihren Plätze». Der Jahresbericht des Kassirers ergiebt eine Einnahm« vo» 758,70 M.. eine Ausgabe von 586,30 M. De», Kassirer wurde Techarge ertheilt. In den Vorstand wurde» nengewählt: H a g, erster Vorsitzender, M a n k o p f. Kassirer und Back, m a n n. Schriftführer; als Beisitzer Pasewalk, Kopmann, Schillert, Kraft, Krön, n»d für Wilhelmsberg Elsholz; zn Bibliothekaren Simon und Krüger; z» Revisoren Prizbiller, Klose und Taub- m a n n. Tie Versainmlung beschloß, den früheren Genossen Schlosser Hermann B r e t a g vom Verein aiisznschließen. Mit einem Hoch ans die Sozialdcmolralie wurde die Versammlung geschlossen. Briefkasten der Redaktion. W. G. Besten Dank für Ihre Mittheilimgen. Leider läßt stch der- artiges unter unseren Prebzustiinden nicht verwerthen. R.-R. hat hier ew Detektivbureau. G. 3. Die Kosten für die Polizei hat die Stadt aufzubringen; zu sagen hat die Kvmmunalvcrtretung jedoch Nicht daS geringste über die„brave Schutziiiannschaft". .frcnnig H. 21. Der französische Ingenieur-Offizier Rouget de Liste hat die MarseiNaise in der Nacht vom 24. zum 2S. April 1792 gedichtet und komponirt. Die Marseille! Föderlrten sangen sie zuerst bei ihrem Einzug in Paris am 30. Juli 1792, daher stammt der Name. „Marie" Leisnig 3. Wir werden uns bemühen, Ihnen zu Ihrem Rechte zu verhelfen. August W. Die Schrift von Henry George ist im Jahre 1879 erschienen, der Verfasier längst gestorben und seine Schriften bei uns des öfteren besprochen. Wer da nachhinlt, dürfte Ihnen nun klar sein. 2 Streitende. Schweden hat 5 Millionen Einwohner und stellt im Kriegsfall 1. und 2. Ansgebot 452 000 Mann, den Landsturm inbegriffen. Die Seemacht besteht ans 50 Kriegsschiffen verschiedener Art und 27 000 Mann Seefoldaten. Norwegen hat etwas über 2 Mill. Einwohner. Die Gesammt- stärke des Heeres beträgt im Kriege 40 000 Mann. Die Marine zählt 46 Kriegsschiffe. Im Frieden sind die beiden stehenden Heere unbedeutend. Genosse Eduard Bernstein, London, 146 Hithergreen Lane, S. E., ersucht die Zeitungen, welche zu seinen Artikeln w letzter Zeit Stellung ge- nonimen haben, um Einsendung ihrer Meinungsäußeningeii. WliicruugSllbeiflislt vom 7. Februar 181)8, 8 Uhr moigciiS. € 1 n 1 1• ii e ii. Swinemüiide Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München, Wien.., Hapnranda. Pclersburg, Eork.., Aberdeen., PariS... s s L B £ 5 S 2 S"£.»> a.S: ö Eft O 0 K§ c 2 •e c ja ts o oi •Ö I fC r-e £ J2 KZ leitet 751 753 753 757 760 761 702 757 763 749 760 SW WSW SW SW N NNO NW W SW 4 3 2 2 3 2 1 4 4 2 bedeckt bedeckt Schnee bedeckt bedeckt Nebel halb bedeckt Schnee halb bedeckt heiter halb bedeckt 1 1 1 2 0 —3 —22 —12 6 l 2 Wciicr-Progiiose für Ticnstag, 8. Februar I8V8. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden; nachher aiifklarend und etwas kälter. Berliner W e t t e r d n r e n n. Verein der Zimmerer Berlin« und UniBcgend. Den Mitgliedern zur Nachricht, das unser Kamerad Kilrl Fischer am B, Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, Nachmittag 4 Uhr, von der Leichen- halle in Steglitz aus statt. Um recht rege Betheiligimg bitlet 257/4_ Ter Vorstand. Arbeiter-Bildmlgsverein Steglitz. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 5. Februar nnscr Mitglied Karl Flsclter nach kurzein Krankenlager im zwei- undvicrzigsten Lebensjahre starb. Die Beerdigung findet am Dienstag Nachmittag um 3l/t Uhr von der Leichenhalle in Steglitz ans statt. Die Vcrcinamitgliedcr werden ersucht, sich um 2>/z Uhr bei Tiefe zu versammeln. 2366] Ter Vorstand. Kranken«»nd Begräbiiißkaffe für die in, Berliner kiirtlcr- it. VmMWtrbe beschäftigten Personen(E. H. 60). Mittwoch, den 10. Februar er., abends 8 Uhr, bei Möhring. Admiralstr. 18o: Ordentliche Generdl-Nersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht pro 1897. 2. An- trag des Vorstandes betr. Kassenlokal. 3. Antrag Bodin und Genossen. Statutenänderung, ß 6, Abs. 3, s Abs. 2, und s 10, Abs. I. 4. Wahl des gesammten Borstandes und der Ausschustniitglieder. Zutritt baben nur großjährige Mit- glieder. Ouittungsbuch als Legiti- mation erforderlich. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist, der hochivichtigen Tages- Ordnung wegen zu erscheinen. Die Generalversammlung wird präzise 8 Uhr eröffnet. 2356 Der Vorstand. I. A.: Int. Meyer, stellv. Vorsitzender. Allen Venvandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau und Mutter BernUne HOhlke geb. Böhm am Montag nach schweren Leiben ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. d. M., nachmittags l/j4 Uhr, von der Charit«« aus nach dem Charttee- Kirchhof statt. Um stilles Beileid bitten 240b Die Hinterbliebenen icmn« Btttitke und Kinder. Kninzbinderel n. Blumen« bnndlnng von 4076S* Robert Meyer, Xo.2. Harinnnonatr. Ko. 2. WidmnngS-Kiänze, Gnirlanden, Ball- sträußchen, Bonqnets ,c. werden sehr geschmackvoll und preiswerth geliefert. Weitöilllirtt Tüchtige Schiihrosetten-Arbeiterinne» finden in und außer dem Hanse dauernd lohnende Arbeit. l233b Kohn, Schliemannstr. 11, v. II. Zähne>. MkuiSS Fi» Olga Jacobson 61/19* Juvalideiistr. 145. Arbeiterin, aus Nollsachen geübte, ges. Stralauerplatz 5, v. IV, Herzig. Bergolderi» auf Lersilb. u. Farbig- machen»vird Verl. Adalbcrtstr. 72. Belegrrii« findet dauernde Beschäftigung. s238b _ E. Joers, Slalitzerstr. 28. Klcidchcn-Ärbcttcriniien bei Schröders Pankow, Kaiser Friedrichstr. 19. s234b Rahmcnkröpser verl. Wafferthorstr. 46. Farbigmacher gesucht Wafferlhorstr. 40. Einen Jungen z. GängelMfen verb Wilh. Guttsmann, Drcsdenersir. 75- " SBan einer alten deutschen Feuer- vcrsichcriings> Gesellschaft weiden leistungsfähige solide Vertreter gegen hohe Provision gesucht. Gell. Off. erb.»nter Chiffre M. X. 5«9 an Haasenstein n. Vogler, A-G.. »er»«, SW 19.____* Tüchtige Trechsler für chirnrg. Hartgiimini-Waaren sucht* H. B. Anton, Berlin. Elisabeth-Ufer 19._ auf Serviteurs, Manschetten und Damenkrg. in u. außer d. Hause Verl. Treppe. Lothringerftr.ls, Ouergcb.IV. Schraubeiidrchcr, große Bank, gesucht. Kühle, Kopischsir. 1, SW MttmiiiicH Verailtwortlicher Redakteur: August Jacobe« in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Ur.32. 15. ZchMg. 2. Kkilqt des Jotmitfe" Strliiift WlisM DitHstag, 8. Mr»« I8S8. Nbgeordneketthctns. 18� Sitzung von, 1. Februar 1898, 11 Uhr. 9Im Minisleitische: Kiiltnsiniuistcr Dr. Bosse. Erste Berathung der D i s z i p l i» a r v o r l a g e für Privat- d o z e» l e n. Minister Tr. Bosse: Die Vorlage war bereit- Ende der vorigen Sesgou fertiggestellt und ihre Etnbriiigniig wurde nur durch den Schlu» der Session, der uns über den Hais km», verhindert. Seitdem ist der Gesetzentwurf vielfach öffentlich erörtert worden und es ist wohl nölhig, ihm einige Worte mit auf den Weg zu geben. Die Professoren unterstehen den be- kannte» gcützlichen Disziplinar- Verhältnissen, nicht so die Privaldozeuten, die lediglich statutarischen Bestinnnungen unter- stehen und auch diese fehlen bei einzelnen Univerffläteu und bei anderen sind sie nach den Fakultäten verschieden. Vergebens blickt das Ange nach einem geordnete», einheitlichen Nechtsboden für die Disziplinirung. In Greifsivald hängt alles von dem Ermessen der Fakultät ab. In Königsberg liegen die Verhältnisse ähnlich; am besten sind sie noch in Berlin, Bonn und Breslau geordnet. In anderen Fakultäten sind die Disziplinarbefugnisse eingeengt und schließen die Neniolion entweder ganz ans. oder machen sie von der Zustimmung des Ministers abhängig; wieder andere legen der Fakultät nur die Pflicht ans, nur dem Minister von der ausgesprochenen Remotiou Kenntniß zu geben. Eine Slenderung de- bisherigen Rechtszustmides ist nölhig auch im Jntcr- esse der Dozenten selbst, deren wichtigstes Siecht ans dem Spiele stehen kann. Die Stellung der Dozenten ist eine ganz eigenartige; sie sind nicht eigentliche Beamte, haben aber eine beamtenähnliche Stellung»nler staatlicher Autorität und unter staatlichem Schutze, ohne also nur als Privatpersonen betrachlel werden zu können, wie etwa Privalgelehrle. Die Wichtigkeit der Privaldozenteu-Slellung ergiebt sich aus ihrer Lehrthätigkeit; für den Studenten hat das Kolleg des Privaldozeuten den gleichen Werth ivie das Kolleg des ordentlichen Professors. Am meisten nähern sich die Privaldozenten in ihrer Stellung den Professoren, für die sie gewissermaßen die Vorstufe bilden. Unter diesem Gesichtspunkte habe» wir die Bestimmungen der Vorlage formulirt. Im Staatsministerium wurde die Frage erörtert, ob das Ober-Verivaltungsgericht vielleicht als letzte Instanz zuzulassen wäre (Sehr richtig!), aber sie wurde aus praktischen Gründen verneint, die in der Kommission näher dargelegt werden sollen. Jedenfalls ist es unzutreffend, daß die Vorlage einen Angriff aus die Lehr- freiheit der Dozenten, ein Maulkorbgesctz bedeutet. Stichts ist weniger beabsichtigt und zutreffend wie das. Ich habe tausendmal erklärt, daß ich derartige Ziele nicht verfolge, weil ich ein solches Verfahren für dumm und ihöricht halte. Es läßt sich aber doch auch leicht erkennen, daß die Vorlage ivcscnllich« Verbesserungen der heute geltenden Bestimmnugen enthält. Gerade heute kann die Siemolion ausgesprochen werden, ohne daß der Dozent auch nur gehört zu werden braucht. In Greifsivald nimmt der Stektor diese Befugniß der Remotio»s-Ver- hängung ausschließlich für sich in Anspruch. Ich hoffe, daß es in der Kommission ganz mühelos gelinge» wird, zu einer Verständigung über die Vorlage zu gelangen. Abg. Dr. Tittvich CZ.) giebt zu, daß der gegenwärtige Rechts- zustand ein verworrener sei, der auf die Dauer unhaltbar werde. Die Stellung der Privatdozentcn ist eine eigenartige; es gehl nicht an, für die Regelung der Disziplinarverhältnisse die Bestimmungen schcmatisch anzuwenden, die sür andere Beamte gelten. Eine Instanz über den Fakultäten wollen wir auch, aber nicht als solche den Minister, sondern eine richterliche Instanz. Eine Ein- schräuknng der Lehrfreiheit werden wir bekämpsen. Redner empfiehlt Kommisstonsberathuug. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fr!.): Der gegenwärtige RechlSzustand bedarf der Slenderung. Ei» anderer Weg als der der Gesetzgebung ist kaum möglich; der Minister selbst ist gar nicht befugt, ei» Staats- aufsichlsrecht aus der Hand zu legen; aber wir können dem Minister nur dankbar dafür sein, daß er diese Befugniß nicht nach rein diskretionärem Ermessen geltend machen, sondern gesetzlich regeln will. Das Mißliche des bisherigen Zustandes hat sich in dem Falle A r o n s deutlich gezeigt. Auch für die Privaldozenten wird diese Regelung vortheilhaft sein. Im wesentlichen wird nichts da- gegen zu sagen sei», daß die Bestimmungen für Professoren auch auf die Privatdozenten niigewendet werden. Was die in Aussicht gc- nominelle letzte Instanz betrifft, so eignet sich hierzu das Ober-Verwal- tnngsgerichr uiclit. Wir haben im Staatsministerium den Kultusminister, der sür Eingriffe in die Lehrfreiheit verantwortlich sein würde. Minister Dr. Bosse: Mit dem Falle Ar ons hat man die Vorlage mehrfach in Zusammenhnug gebracht. Der Fall steht nicht im Zusammenhange mit der Vorlage; er ist auch nicht der Grund der Vorlage, er ist nur der Ausgangspunkt derselben(Heiterkeit). lieber die Verhältnisse der zuständigen Behörden hat in dem Falle Slrons niemals ein Zweifel bestanden; es schien uns nur nnzweck- mäßig, den Fall zum Austrag zu bringen. Der Minister schildert darauf eingehend den Fall Arons; er habe erst verhältnißmäßig spät von den Beziehungen des Arons zur Sozialdemokratie Kenntniß erhalten und er habe nie habt, daß ein solcher Lehrer an eine königliche Anstalt sei, nicht richtig! rechts.) Solche Lehrer einen Zweifel daran ge> einer Universität, die zu dulde» sei.(Sehr sollen den m o n- a r ch i st i s ch e n G e i st in der Jugend hegen und pflegen; ein bloßes Maß von Wissen genügt dazu nicht. Das ist noch bei der Eirichtuug der Universität Slraßburg zum Ausdruck gebracht in der Stiflnngsnrkuude. Daß mit diesen Aufgaben die Zugehörigkeit eines Lehrers zur Sozialdemo- kratie nicht vereinbart st, verstehtsich von selbst; außerdem wird es in der Anfnahme der Dozenten ausdrücklich aus- gesprochen. Ich hielt die Sache für so einfach, daß ich das freiwillige Ausscheiden des Dr. Arons erwartete; als dieser agitatorisch lhätig wurde, legte ich das Einschreiten der Fakultät nahe. Diese lehnte anfänglich ein solches ab und erkannte erst später auf eine Verwarnung. Ich kann nur bedauern, daß die Fakultät die prinzipielle Bedeutung des Falles nicht erfaßt hat und die Ve- dürfnisse der S l a a t s r a i s o n nicht richtig gewürdigt hat. Der Fall wird deinnächst seine durchaus rechtliche Enlscheidung finden können. Abg. Dr. Virchow(frs. Vp.) bedauert, daß die Gründe der Fakultät über den Fall Arons nicht mitgetheilt sind; erst dann lönnte man denselben richtig beurlheilen. Jedenfalls hat der Fall Arons zu der Vorlage viel mehr Anlaß gegeben, als das juristische Schönheilsgefühl des Ministers. Heute schildert der Minister die Universitäten als Staatseigenthum.(Ruf: Nein!) Na, Sie sind noch nicht Minister!(Heiterkeit.) Man thut heute fast so, als ob die Statute» der Universitäten kaum noch vorhanden sind. Der Minister kann doch nicht leugnen, daß die Fakulläteu Behörden sind, die nicht blos die venia leZeridi ertheilen, sondern das Lehr- fach des Dozenten auch umgrenzen. Einer solchen Behörde muß auch der nöthige Respekt gesichert werden. Ein genügender Anlaß z ii diesem Gesetzentwurf liegt nicht vor, und am besten wäre es, ihn in einer Kommission zu begraben. In den Statuten der Berliner Fakultäten ist diesen das Recht gegeben, gegen einen Dozenten die Remotion beim Minister zu beantragen; sie scheint aber hierzu keinen Anlaß gefunden zu haben. An den alten ehrwürdigen Rechten der Uinversiläten sollte man festhalten, wir haben allen Grund hier bei Aendernugen so schonend wie möglich zu sein.(Beifall links,) Abg. Dr. Jrmer(kons.) hält eine läer Kommission für ge- nügend. Wenn die Borlage Spektakel verursacht hat, so ist das bei u»s nicht geschehen, sondern in der dem Abg.Viichow nahestehenden Presse. Wir könnten allerdings ruhig Alles beim Alte» lassen, wenn das Alle so überall verstanden wird, wie wir es verstehen. Miß- bräuchlich angewendet wird der Rechlsbegriff der Korporation aus die Universitäten; vielfach sind sie Stislniigen im gesetz- lichen Sinne. Wollte man den Anfsassungen Birchow's überall folgen, so rvürde man zu dem Ergebniß kommen, daß die Privatdozenten die eigentliche Universität bilden, während die Professoren ihnen untergeordnet sind. Dadurch, daß eine Gesell- schafl sich Statulen macht, kann sie sich der Staatsaufsicht nicht ent- ziehen. Uns wäre es lieber gewesen, der Minister hätte im Falle Arons etwas von denjenigen Besugniffeii Gebrauch gemacht, die er unserer Meinung nach hat und die z» besitzen er selbst anerkannt. Wir hoffen, daß ein Einschreiten des Ministers selbst dann erfolgen würde, wenn dies Gesetz nicht zu stände käme.(Bravo! rechts.) Es geht nicht an, daß ein Sozialdemokrat an einer Anstalt unterrichtet, an welcher der Staat seine Beaniten bildet. Wir verfolgen nicht die Gesinnung, sondern den Ausdruck der Gesinnung, und cbensoweiiig kann von einer Beschränkung der Freiheit der Wissenschaft die Rede sein. Mögen die Herren in Journalen lehren, aber nicht von dem Katheder. Redner wendet sich gegen die Aus- sälle der liberalen Presse gegenüber der Vorlage, wo davon die Rede fei, der Minister wolle die Peitsche in die Hand bekommen, um den Dozenten die sozialdemokinlischen Gelüste auszutreiben. (Lachen rechts.) Mit solchen Ausfälle» macht man bei uns keinen Eindruck. Wir hoffen auf das Zustandekommen der Vorlage. (Bravo! rechts.) Abg. Dr. Porsch(Z.): Nach dem heutigen Nechtszuslande würde der KullnSininister berechtigt sein, einem mißliebigen Dozenten die Thür vor der Nase zuzumachen.(Sehr richtig!) Diesem Zustande gegenüber ist die Vorlage ein Schritt zur Besserung, für die man dankbar sein muß und die man deshalb nicht von der Hand weisen soll. Erwünscht wäre es. Stimmen aus Uuiversilätskreisen über den Entwurf zu vernehmen, denn es ist nicht leicht, die Erfordernisse der Freiheit der Wisfeuschasl niil denen des öffentlichen Interesses zu vereinbaren. Redner erörtert dann noch einzelne Bestimmungen der Vorlage, die man präzisiren müsse; vor allen Dingen müsse man sich klar machen, wohin die Kon- segnen zen der Vorlage führen. I» der vorliegende» Fori», gegen die sich erhebliche juristische Bedenken ergeben, ist die Vorlage nicht annehmbar, namentlich hält Redner die Unlerstclliing der Dozenlen linler das Beamlen-Disziplinargesetz sür nnlhunlich. Regieruiigskommissar Tande legt dar, daß dieses Gesetz auf die Verhältnisse der Dozenten sehr wohl passe. Abg. Dr. Friedbrrg(nall.) hält es nicht für angängig, daß ein Dozent, der sozialdemokratische Agi- t a t i o n treibt, als Dozent belassen werden kann; keiner würde den Staat dafür mehr schmähen, als die Sozial» demokralie selber, llebrigens hat der Fall Dühring bewiesen, daß die heutigen Fakultäten der Uuivcrsilälen auch in Fällen rein privater Natur nicht immer mit ihren Entscheidungen Anklang gesunden haben, das Staalsmiiiisterium ist keine geeignete Berufungs- inslanz nach den bisherigen Erfahrungen; der Disziplinarscnat des Ober- Verwaltiingsgerichis erscheint besser geeignet. Bedenklich erscheine das Eintreten des Zentrums für die Freiheit der Wissen- schaft bei dieser Gelegenheit; diesem Austreten gegenüber sei er immer mißtrauisch. Abg. Stephan- Beulhen(Z.): Der kautschnkarlige§ 2 des Disziplinargesetzes genügt nicht für die Dozenten, es müssen bestimmtere Grenzen gezogen werden. Die Vorlage ist den gröbsten Auswüchsen gegenüber unzureichend und deshalb werlhlos. Was Herr Friedberg unter Freiheit der Wissenschast versieht, ist nicht klar, jedenfalls meiiil er, daß die Wissenschaft unfercr Orden nicht als freie zu bezeichnen ist. Abg. Stöckcr(wildkons.) hält die Vorlage berechtigt. Es sei nicht angängig, einem Manne, der sich zur Sozialdemokratie b e k e n n t, d e n st a a t l i ch e u L e h r» stuhl d e r U n i v e r s i t ä t zugänglich zu machen. Man muß die Nichtsnutzigkeiten in den akademischen Blättern gelesen haben, um zu begreifen, welch ein gefährlicher Brennstoff da auf» gespeichert liegt. Für de» Staat kann nicht das äußerliche Bekeuntniß maßgebend sein, sondern der Glaube ist enlscheidenv. Freilich dürfe man auch nicht engherzig sein, wie das heute in gewissen Schichten der Fall ist, wo man den Theologen verbieten möchte, eine soziale Vorlesung zu hören. Die Heranziehung des Z 2 deS Beamteudisziplinar-Gesetzes ist unsicher. Das Oberverwallungs- gericht ist dem Staalsministerium als Berufuiigsinstauz vorzuziehen, doch wird daran die Vorlage wohl nicht scheitern.(Bravo!) Minister Dr. Bosse: Der Staat kann die ihm zustehenden Rechte nicht den Fakultäten überlassen. Fürst Bismarck naiinle ein» mal die Einrichtung, daß der Kultniminister der Vollstrecker deS Willens der Universitäten ist, die Repiiblikanisiruiig des Staats- aussichtsrechls; einem solchen Znstande löniien wir nicht zustimmen. Abg. Munökel(srs. Vp.): Es ist bisher wohl noch nicht im Par- lamenl vorgekommen, daß man ein Gesetz macht, um es gegen eine bestimmte Person auzniveuden. Der Fall Arons ist»och nicht vollständig dargestellt. Die Fakultät hat ausdrücklich abgelehnt, die politische Gesinnung der Privatdozenten zu prüfen und dem Slrons wegen einiger Aeußerungen eine Warnnng ertheilt. Meinungen, die man so lies in sich verschließt, wie der Abg. Jrmer es andeutet, werden wohl nicht zum Gegenstande einer Disziplinarnnlersuchnng gemacht werden können. Durch dies Gesetz wird die Selbständigkeit der Fakultäten beseitigt. Künftig soll ja niemand Universitätslehrer sein, der, auch ohne z» agilircn, der Sozialdemokratie angehört. Man wird dann nicht mehr freie Wissenschaft, sondern nur königlich preußische Wissenschaft treiben! Meine Herren, was haben Sie für eine Vorstellung von der Wissenschaft! Lnther's Auftreten war viel» leicht auch eine Auslehnuug gegen die kaiserliche Autorität Karl V.» der ihm jedenfalls sein Lehren nicht gestaltet hat.(Wiederholte Unter- brechnug rechts.) Ich glaube, ivir lassen es bei der Freiheit der Wissen- schaft und lehne» die Vorlage ab. Abg. u. Hctidcbiand(k.): Für nns handelt es sich nicht um Arons, Haffe, Müller oder Schulze, sondern um die Thalfache, daß ein Sozialdemokrat Lehrer an der Universität ist. Hiergegen einzu- schreite» wäre Sache des Ministers gewesen, und wir habe» über diese unsere Stellung keinen Zweifel lassen wollen.(Bravo rechts.) Abg. Dr. Borsch(Z.) begreift nicht, warum mau die Au wendnng des Gesetzes auf Eozialdemo- kraten beschränkt; bei A t h e i st e n läge die Sache nicht besser. Auch in diesem Punkte habe die freie Wissenschaft die Schranken innezuhalten, die dem Lehrer einer staatlichen Uutcrrichlsanstalt gezogen sind. Abg. Ziickcrt(frs. Bg.) verwahrt sich dem Abg. Jrmer gegenüber, mit dem„Reichsblalt" in Verbindung zu stehen. Die Pro- fessoren wittern in der Vorlage einen Sieg gewisser Parteipolitiker. Ein Bednrsniß für die Vorlage ist nicht anzuerkennen. Besonders Herr Stöcker mag sich vor dem Gesetz hüten; sein Bestreben ist vielfach als geineingesährlich bezeichnet. Ein Vorgehen gegen Arons würde diesen lediglich zum Märtyrer macheu»ud ihm eine Bedeutung geben, die er heute nicht hat.(Sehr richtig!) Minister Dr. Bosse weist den Vorwurf zurück, als habe es der Regierung an der nölhigen Energie in Verfolgung der Arons'sche» Angelegenheit gefehlt. Aber es traten Zweifel ans über die Zu- siändigkett des Ministers, und zwar wurden diese Bedenken erhoben von einem konservativen Juristen; ich habe geglaubt, nicht loyaler handeln zu können, als die Vorlage einziibringen. Die Vorlage geht au eine Kommission von 14 Mitgliedern. Morgen Dienstag 11 Uhr: Interpellation betr. Geistlichen Ge- hälter. Justiz- und Bau-Etat. Schluß 4 Uhr. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Pnblikiim gegenüber keinerlei _ Berantwortnng._ Tlz enter. Dienstag, den 8. Februar. Opernhaus. Zar und Zimiiiermann. Anfang 7r/z Uhr. Schanspielhans. Der Burggraf. Anfang 7 V, Uhr. Deutsches. Mutter Erde. Anfang 7-/, Uhr. Lessing. Im weißen Röß'l. Anfang 7-/- Uhr. Berliner. Ein Winterinärchen. Anfang 7V, Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang ?>/- Uhr. Neues. Die Schildkröte. Anfang Uhr. Oftend. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang 71/2 Uhr. Goethe. Die Journalisten. Anfang 7-/2 Uhr. Schilter. Kyritz- Pyrttz. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Göttin der Verminst. Anfang 7»/, Uhr. Thalia. Das neue Ghetto. Anfang 7Va Uhr. Central. Die Tugendfalle. Anfang 7V, Uhr. Luisen. Trilby. Ansang 8 Uhr. Friedrich. BzilhelmstiidlischrS. Die«einen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Belle< Alliance. Lenore. Anfang 8 Uhr. Sllexandcrplaü. Verlorene Mädchen. Änfang 8 Uhr. America». Spezialitäten. Anfang 71/2 Uhr. Apollo. Spezialilälen. Auf. 71/, Uhr. Passage- Panoplitiiin. Wiener Tanz- und Operettkii-Äcsellschast. ReichshaUen. Spezialitäten. An- sang 7-/, Uhr. Urania. Daubenstraste 48—49. Nainrkmidl. Aiisstcllimg v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissenschastl. Theater. Jnvalidcnstrnftc 57/62. Täglich (außer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Fec»-Palast. Spezialiiäicn._ Schill rv-M lj eatov (Walliier-Theater). Dienstag, abends 3 Uhr OUiMsr Abonnement): Kyritz-Pyritz. Mittwoch, abends 8 Uhr: lAueeer Abonnement): Kyriti-Pyritz. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Dngeiidwächter. Das Ber- sprechen hinterm Heerd. Kentpsl-slieatei' Alle Jakobslr. 36. Direktion Ikivlinräl Selinlt«. Dienstag, den 8. Februar 1898: Ii! inil T Ii 0111 um a. G. Ziim 18. Male: Die Tttgettdfalle. Burleske Posse mit Gesang und Tanz mit Benutzung eines franz. Sujets von Jul. Freund und W. Manustädt. Musik von Jul. Einödshofer. Aufaug V-8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Die Tttgendfalse. Osteiid-Theater. Gr. Fraukfurterftr.ILS. Dir. C. Weist. Nur»och 2 Aiifführuugen! Der Psllrrer m Kirchseld. Volksftück mit Gesang in S Akten von Anzengruber. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel vor und nach der Vor- stellung: Frei-Konzert. Anfang 7 Uhr. Freitag: Zum ersten Male: Unter der Polarfonne. Ausstattuiigsstück mit Gesang und Tanz in» Bildern von Svndermann und Bischof. Ge- sangsierte von Jos. Dill. Musik von C. Schüler._ Luisen-Theater 34. Reicheubergerslraste 34. Abends 8 Uhr:-TPfi Triltnx. Schauspiel in 8 Akten n. G. du Maurier von Richard Mark. Trilby.. Anna Müller-Lincke. Mittwoch: Diclelbe Borstclluug- V«Iii«- Th enter Im Welt-ltestaurant 97. D r c s d e 11 c r- S t r a st e 97. Neu! Großer Beifall! Neu! Die heilige Vehnte. Operetten- Burleste in 2 Akten von Oskar Victor R 0 e d e r.— Ferner: 3 Gmdwister Moutez, MiiiiaMr-Säiigerinncn».Tänzerinnen. Im vorderen Saale: lyrolep Sänger Alois Ebner. Wllfrtllrt' Svmitags 6 Uhr. Allllllljl ♦ Wochentags 7'/; Uhr. W. Noack's Thealer II r n 11 11 c n- fei t<• a m a e I« Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater-Vorstellung. Ihre Familie. Bolksstück mit Gesang in 3 Akten von Stinde und Engels. Musik von Michaelis. Nach der Borstellung: Tanzkränzchen. ürania Taulienati*. 48/40. Naturkundliche Ausetollung. Täglich geöffnet, von 10 Uhr vormiitags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissenschaftllcho» Theater.— Invalidenalr. Wo. 57—62. Täglich abends 7 Uhr; — Ausstellungs- Saal und Vorträge.— Kähores die Tagesanschläge. Passage-Panoiiticuni. Im Theatersaal; 5? Ben Iii Bey, der orientalische Magier und die 8 Imstlgen Wienerinnen. Ki.aa0.rt- Sanssouci Koltbuser Strafte Nr. 4 a. Dienstag, den 8. Februar: Der Slabsirompeler. Posse mit Gesang v. Manustädt. Muflk v. Steffens. Auftreten von Spezialitäten nur ersten RangeS. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. DUr* Entree 50 Pf.-MM AM" Mein großer Saal ist am Sonnabend, den 26. Februar zu vergeben.-MW Plerrz-. mmm uarg'S nsa I Vaudeville-Theater i ■ Grand-Hotel Zllexandcrplali. B I Nur noch kurze Zeit! U I Ms AmliM.? i Tas Modell! «I � w �-w-w TT s t und das großartige g - Spezialitäten-Programm.« © In Vorbereitung:? Der Beheme. Schwank von Malvine MUller. IWildv Ingd. Posse von l-eonh, Haskel. I ** I Kaufmanns Variete | am Stadtbahnhof Alexanderplatz� ' Pin neuer Boinbcn- Erfolg des ersten Origlnal- Budapester Possen- und Operetten-Theater Direotion und Begründer Anton und Monat ■■88 llorrnfeid WMWM Nur noch kurze Zettl Die von der gesammten Presse als einzig in ihrer Art bezeichnete Tragikomödie Familie Kochsalz. Vorher das neue Sensation. Kiesen- Programm unter anderem S. Haber, der grösste Komponisten- Darsteller der Zeit; Adele Gauerts Wunder-Dressur etc. In Vorbereitung: Von Dreien der Glücklichste. Reichshailen- Theater. Loipzigerstrasse 77. Brillantes Proigrainiu! Orttsster Beifall! Profeseor Ordcp's Hunde-Circus. Die vorzügl. Kopf- Equilibristen fln de sibcle The Menados. Die reizenden Soubretten Flora Fleurette und Hella Collier. Die neue Ausslattungspantomimo Ein ruhiges Zimmer»u vermlethcn! äW"(Zum Todtlachen!)-MM der J. Pawell-Company. 30 Kunst-Kräfte. Anfang 3/� Uhr. Entree 50 Pf. Im Kelchshallen- Tunnel: Konzert und hum. Solree. iicazar-Theater. DreSdenerstraße 52/53(Cich-Passage) Aiiueustrnße 42/43. Dienstag, den 8. Februar 1898: Benefiz für Harearethc 8chlch- Holz. Einmaliges Anstreteu des Ar. Wiiikler. Vfenn Frauen weinen. Lustspiel in 1 Akt von Wiiitcrfeld Stein.. Dir. W i n k l e r. Durchs Schlüffelluch. Posse mit Gesang in 1 Akt v. Salingrä. Austreten sämmtlicher Künstler. Nach der Vorstellung: Familien- Kränzchen. Entree 30 Pf. Reservirt. Platz 50 Pf. Hashensarderohe zu de« billigsten Preisen empfiehlt 4166b E. Stenzel, Kotibuser Damm 8, II. Apollo-Theater. f Friedrlchstr. 318. Dir. J. Glüclt. Mllo. Luccy. King u. Kray. Miss Bertlioldi. The Milons. Spink-Sptnk. Mr. Arvey. LIzzI Ragga. OlschansUyu. MissLonny. LoIeFuller les Senotts. Siegwart Gentes. Titi Siducy. Graute n. Maud. Gaspard-Neva. Lee Satours, Im Zoologischen Garten. Pantomime, ausgeführt von der Senctts-Troupe. ZV»- UosmoKVuf!-�SO Kassoneröfliiung(iVz, Auf. 7'/j Uhr. Boiimlsehes Brauhaus LaildSvcrger Zlllce. 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I«ct>ettdc Photo grnphien. 1 Um SVz Uhr: Novität: Rioliard WlnKler n. Wilhelm FrCbel in der unvergleichlichen Operette ins radelnde Berlin Ansang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bts 1,50 M. Clrens Busch (Rahnliof HUriso). Dienstng, den 8. Februar 1898, aVendS 71/1 Uhr: Grande Soiree equeetre. 8 Napphengsle und 12 FuchShengste, dreh. lt. vorgef. vom Direktor Susod. Alligator, oslprenh. Hengst, geritten von Mdme. Maria Dort. Austreten der grohartigen Alinstlcr Geschw. Lorod mit ihren tkartschcn Spielen zu Pferde. glmm A lamm mit ihren noch nie da- gewesenen Evolutionen. Die vorztigl. „msikalischen ttlowns„Troupc Perez", bestehend ans S Personen. Außerdem Auftreten aller nen engagtrten Kirnst- lerlimen und Künstler sowie sämmtl. Klowns und Angufic. Zaragoza, Orlg-Mani-gc- Schaustück deS Circns Bnsch. Bcsoiiders hervorzuheben: Die weiblichen Fanfarenbläser. Der Sturz von der 00 Fuß hohen Brücke ins Wasser. Der pompöse grüne Akt. Morgen T-Jz Uhr: Elite-Aband, Parteigenossen Berlins! Donnerstag, den 10. Febrnar, abends 8 Uhr, in allen 6 Neichstags-Wahlkreisen OfFentl. Partei-Versammlungen 1. Wnhlkreis: AintinhaUen, Ksülmailhailttilstraße 29. 2. Wahlkreis: Marten'« Fe«t«äle, Friedrichstrllje 236. 3. MhlkreiS: Bnisenstüdt. Konzertlian«, Alte Zllkobsir. 37. 4. Mhikreis: Keller'« Festsäle, floppciiftöiSc 29. 5. Wahlkreis: Bötzow'« Brauerei, Preuzllllltt Thor. 213/4 6. Wsthlkreiö: Kösltuer Hof, Mliimstrch 8. Tages-Ordnttng: 1. Die bevorstehellden Reichstagswahlen. 2. Disknssion. 3. Vor- schlage event. Ailfstellnng von Kandidaten. 4. Wahl je eines Komitees zur Leitung der Wahlen. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Vevkrauettsperponen. MkMf# (Zahlstelle Berlin.) Heute Dienstag, abends S1/. Ithr, bei Keller(großer Saat), Koppenstraste 29: Außerordentliche Geueral-NersammlMg. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum nächsten Perbandstag. 2. Antrag nnf Einflihrniig der ArbeitSlosen-Unterstübniig. S. Statnten-Abände- rnngsanträge. 4. Wahl der Dolegirten. 77,0 Dgff- Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versammlung pünltlich zu erscheinen.__ Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. UfffffM Die Versammlung wird pünltlich eröffnet."iSBQ _ Die Ortsverwaltung. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Terrvaltnngsstelle Berlin. Bezirk�-Mer'saminSting für Südost am Mittwoch, 0. Februar, abends S'/j Uhr, im Lokal von Bnntenherg, O r a n i e n st r. 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des NechtSanwaltS ür. Hugo Helnemann über: Sozialpolitische Gedanken im neuen Schweizer Strafgeseh-Entwnrf. 2. Disknssion. 3. Neu- wähl eines Beisitzers zur OrtSverwattung. 4. Derbandsangelegenheiten und Verschiedenes._ 110/12 Bezirks-Versammlung moohil Moabiter Klnbhans, für Moedmesten und am Wtittwoch, 9. Februar, abends 8lL Uhr, im B e u s s e l st r. 0. TageS-Oronnng: 1. Vortrag de? Kollegen Robrlaek über: Arbeitslohn und Kapital- Einlömnien. 2. Diskussion. 3. Diskussion über: Die Arbeitslosen-Unter- stützung. 4. Verbandsangelegenhcite» und Verschiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zn erscheinen. Die Bibliothek deS Verbandes bestndet sich im Nestanrant Mörschel, Jübenstr. 35. Dieselbe ist geöffnet jeden Abend von 7r/z vis 9 Uhr. Sonntags geschlossen. __ Die Achtung! Töpfer. Achtung! Mittwoch, 9. Februar, abends SV« Uhr, im Englischen Garte» (unterer Saal), A l e x a n d e r st r. 27o: Oeffentliche Versammlung der Töpfer Berlins„nd llmgegend. T.-O.: Fortsetzung der Berathnng der Tarisvorlage. Wie wollen wir dieselbe zur Durchführung bringen? Andere gewerkschaftliche Angelegenheiten. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollege», in der Btrsammliing zu erscheinen. 193/3 Bcr Tcrtrancnsmann. Achtung! Whlllcher. Achtung! Dienstag, de» 8. Februar, abends 8 Uhr, im Lokal KönigSbank, Grosie Frankstirterstr. 11? z Große öffentliche Kerfammlnng. Tagesordnung: 1. SituationSbericht über den Stand der Bewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wir ersuchen die Kollegen pünktlich zu erscheinen 171/7 Bl« Agitations-Koinniission. i. 55531 Die Möbel-Fabrik Grosser Mikeiverfcoif. NciieMWsttsir.k (früher Rosenthalerstr. 13) liefert bürgerliche Wohninigs- Einrichtnngen schon von 150 M. an. Auch gebe ich Etiirichtiingen ans Theilzahlnng. Lager gebrauchter und oerlichen gewesener Möbel. Eigene Tapezier- u. DekorationS-Werkstatt. Transport durch eigene Gespanne, auch nach außerhalb. Heues Olympia� eater. (Cirous Banz.) Karlstrasse. Bolossy Klrnlt�'a Konstautmopel. Orogste Sensation Berlins. Im fflüd�Alt�Vieil" Neue humorist.Spezialitaten- Rerue.— Auftraten der Tlie jelly british girl«. Sensationell! Im letzten Bilde: „Constnntinopel": Feuer- und Flammen-Tanz, ausgeführt vom gosammten Ballet-Personal. _ Anf. 8 Uhr. Sonntags 2 Vorst. sesrsi Nachm. 1 Kind frei. UM ophastoffe Soph mich MT in Rips. 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Blllets sind zu haben im Norden bei Winkel- mann, Ackerstr. 154; E. Beyer, Veteranonstr. 13; im Westen bei Znbeil, Lindenstr. 106; im Süden bei O. Schnlz, Kottbuser Thor; im Osten bei A.HofTniann, Blumenstr. 14; und am Eingang d. Saales. Sonntag, den 13. Febr., nachm. 23/4 Uhr, Im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater:„IMe lustigen Weiber von WIndsor" für die II. Abtheilnng.(Siehe heutige Lokahiotiz.) Der Vorstand. _ I.A.: G. Winkler, Eerlln-Rlxdorf, Kirchhofstr, 46, IT. Aclitnng! Achtung! Bild Ii an er aller Branchen. Heute Abend, priizise SVz Uhr, im Englischen«arten: Oeffentl. Versammlung Tages-Ordnung: 1. Die Aera Stnmm-Posadowsky und die dentseben Gewerkschaften. Referent: Iteicbstags-Abgeordneter Emamiel Wurm. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl des Vertrauensmannes und des Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission. 4"V�örscliiödorios Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung legt allen Kollegen die Verpflichtung auf, zu erscheinen. 20/4 Der Vertrauensmann: G. 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