Nr. 23 A.g. XIII -15727. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Auf dem Vormarsch! Stuttgart 17. August 1917 Drei Jahre lang krankte die proletarische Frauenbewegung an innerer Zerrissenheit und Unklarheit des Wollens. Die Masse der Frauen wollte sich gefühlsmäßig im gleichen Schritt und Tritt mit ihren Männern halten, also der bewährten Politik der sozialdemokratischen Partei folgen; sie wurde aber irre gemacht durch das Verhalten langjähriger Führerinnen, die offen und im geheimen den Anschluß der proletarischen Frauenbewegung an eine neugegründete sozialistische Partei vorbereiteten. Die Zeit der Zwiespältigkeit und Unentschiedenheit ist vorüber. Eine sozialdemokratische Frauenkonferenz hat stattgefunden und wieder klare und unzweideutige Wegweiser für den Vormarsch unserer Frauenbewegung aufgestellt. Seitdem haben bereits mehrere Frauenkonferenzen und-versammlungen im Reiche stattgefunden, die sich einmütig auf den Boden der Reichskonferenz gestellt und ihre Beschlüsse für sich übernommen haben. Wo solche Konferenzen und Versammlungen noch nicht abgehalten worden sind, befinden sie sich in der Vorbereitung. Es geht wieder vorwärts! Ein frisches, arbeitsfreudiges Leben regt sich in unserer Frauenbewegung. Die Werbeversammlungen sind durchweg gut besucht, die Aufforderungen zur Mitgliedschaft finden offene Ohren, um die„ Gleichheit" sammelt man sich wieder mit neuem Vertrauen als um den geistigen Mittelpunkt der Bewegung. Dieser neuerwachte Eifer darf nicht wieder erlahmen. Wir leben in einer fürchterlichen, aber auch in einer großen und zukunftsschwangeren Zeit. Nur wer in die tiefaufgewühlten Ackerfurchen der Gegenwart die kraftvollen Reime neuer Rechtsansprüche zu senken weiß, darf von der Zukunft nach dem Kriege etwas erwarten. Den Frauen hat der Krieg wider ihren Willen neue harte Lasten und Pflichten auf die Schultern gelegt; nun ist es an ihnen, auch die Rechte zu fordern, die aus den Pflichten erwachsen. Das Frauenwahlrecht muß das nächste Ziel der Frauenbewegung sein! In allen ihren Stämpfen werden die sozialdemokratischen Frauen die„ Gleichheit" als ihre treue Helferin zur Seite haben. Aber die Gleichheit" vermag nur dann eine starke Wirkung auszuüben, wenn sie über eine große Schar Leserinnen verfügt. Der Zwist im eigenen Lager hat die Leserschar von einst sehr vermindert. Aber über den tiefsten Stand sind wir hinweg. Es geht auch in dieser Beziehung wieder vorwärts. Und um so schneller, je reger und tatkräftiger unsere Leserinnen selber neue Leserinnen heranziehen. Darum seid tätig für die ,, Gleichheit"! Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Die Kartoffelversorgung. Von Gertrud Lodahl. Als vor etwas über einem Jahr das Kriegsernährungsamt begründet wurde, bemächtigte sich der Bevölkerung die Hoffmung, daß der während der Kriegszeit recht verfahrene Ernährungskarren wieder auf ein vernünftiges Geleise gebracht werden würde. Man versprach sich sehr viel von dem neuen Lebensmitteldiktator", der in der Person des Herrn von Batocki an die Spitze des Amtes gestellt wurde, und setzte hohe, zum Teil übertriebene Erwartungen auf seine künftige Tätigkeit. Wenn wir Verbraucher auch mit den leider nur zu vorsich tigen und zaghaften Eingriffen des Kriegsernährungsamts in den Handel und die Verteilung der Lebensmittel einverstanden sind, so haben wir doch alle Ursache, ein mindestens gleiches Zugreifen bei der Erfassung der Waren zu wünschen. Zwar ist das System der Überwachung des Handels nicht lückenlos, wie die großen Getreideschiebungen, der Handel mit„ markenfreiem Mehl", der unterderhand stattfindende Verkauf von Fleisch, Schinken, Wurstwaren, Butter und Eier beweisen. Haben schon diese Lücken recht erhebliche Benachteiligungen der Versorgungsberechtigten im Gefolge gehabt, so litt die Verteilungsmöglichkeit noch mehr unter dem Widerstand der Nahrungsmittelerzeuger. Die Folge für das Kriegsernährungsamt ist eine mangelhafte Erfassung der Lebensmittel, eine nicht notwendige Verkürzung der Lebensmittelrationen und eine ständige Verschlechterung der Ernährungsverhältnisse in den Städten und Industrieorten. Einen sprechenden Beweis hierfür bildet die Kartoffelversorgung im Erntejahr 1916/17. Die Mängel zeigten sich gleich zu Anfang bei der Frühkartoffel. Zwischen Perioden, in denen nicht eine Kartoffel zu kaufen gewesen, gab es Tage, an denen die Anlieferung so stark war, daß die Frucht nicht dem sofortigen Verbrauch zugeführt werden konnte und dem Verderben anheimfiel. Dies hatte seinen Grund in der Festsegung des Preises, der sich von Halbmonat zu Halbmonat verringerte und die Landwirte veranlaßte, zu dem jedesmaligen Ende der Preisperiode eine Hochflut von Kartoffeln über die Städte ergehen zu lassen, diese waren gezwungen, die Kartoffeln zu bezahlen, gleichviel, ob sie Verwendung dafür hatten oder nicht, dafür herrschte während der übrigen Zeit völlige Ebbe. Nicht die geregelte Versorgung der Städte war den Landwirten die Hauptsache, sondern der hohe Preis, das beweisen auch die Fälle, in denen Winterkartoffeln in unreifem Zustande aus der Erde gerissen wurden, um dafür den hohen Frühkartoffelpreis einzuheimsen. So war die ganze Frühkartoffelperiode für die Städte und ihre Bewohner eine Zeit fortwährender Sorge, und man atmete auf, als die Winterkartoffel kam, die nach der Ernteschätzung so reichlich ausgefallen war, daß jedem Einwohner 10 Pfund für die Woche zur Verfügung gestellt werden konn ten, die Verfütterung zum Teil freigegeben und den Städten die Einlagerung ihres Winterbedarfs anempfohlen wurde. 158 Die Gleichheit Diese bemühten sich auch angelegentlichst darum, aber die Eisenbahnverwaltung konnte nicht die nötige Anzahl Wagen zur Verfügung stellen, und so mußte diese Vorsorge leider unterbleiben. Das hat sich in den strengen Wintermonaten sehr bitter an der Stadtbevölkerung gerächt. Doch schon vorHer stellte sich mit einem Male ein Mißverhältnis zwischen der Ernteschäzung und dem greifbaren Ernteresultat heraus. Die Wochenration mußte von 10 auf 7, dann auf 5 Pfund herabgesetzt werden, und in der dreimonatigen strengen Kälteperiode sant sie vielfach auf das Nichts herab. Die Kohl rübenzeit begann, diese wässerige und unschmackhafte Frucht mußte uns die Startoffel ersehen, und jedermann sehnte die Zeit herbei, in der die Kartoffelmieten geöffnet würden und der zwangsweise aufgesparte Kartoffelfegen sich über uns ergießen sollte. Mit der Schreckensnachricht der Brotverkürzung kam zum Trost allerdings gleichzeitig die Versicherung, daß wieder 5 Pfund Kartoffeln geliefert werden sollten. Ein magerer Trost, aber nach dem Kohlrübenwinter immerhin eine bedeutende Verbesserung; mur wurde leider die Zusicherung nicht gehalten, denn schon nach 4 bis 6 Wochen ließen die Lieferungen nach, die Nation wurde an vielen Drten auf 2 bis 3 Pfund herabgesetzt, und dann hat es wochenlang gar feine Kartoffeln mehr gegeben. Das ist das unrühmliche Ende der Kartoffelversorgung im Wirtschaftsjahr 1916/17. Man fragt entrüftet: Wo sind die im Januar, Februar und März aufgesparten Kartoffeln geblieben? Wenn auch ein Teil davon in den Mieten erfroren sein sollte, der größte Teil hätte doch sicher noch vorhanden sein müssen, als im Frühjahr die Mieten geöffnet werden konnten? Auf diese Frage ist uns die Landwirtschaft sowohl wie das Kriegsernährungsamt die Antwort schuldig geblieben. Wir Städter bekommen eben keine Kartoffeln und müssen uns mit dieser Tatsache abfinden. Für das Wirtschaftsjahr 1917/18 ist nun vom Bundesrat die Bestimmung getroffen worden, daß es bei dem Zwangslieferungssystem für Früh- wie für Spätkartoffeln bleiben solle, da der freie Handel für eine ausreichende Versorgung mit Startoffeln keine Gewähr bieten könne. Um die Versorgung der Verbraucher wirksamer zu sichern, sollen erheblich verschärfte Kontrollen stattfinden, die einerseits den organisatorischen Mängeln des Vorjahrs abhelfen und andererseits für richtigere Ertragsschäßung Sorge tragen sollen. Auch soll die Kartoffel in die Wirtschaftskarte mit aufgenommen werden, die durch die Reichsgetreideordnung für Körner- und Hülsenfrüchte vorgeschrieben ist. Säumigen Kommunalverbänden, Gemeinden und Landwirten gegenüber sieht die Bundesratsverordnung eine Haftpflicht vor; muß zur Enteignung geschritten werden, so wird der Preis um 60 Mark für die Tonne gekürzt. So scheint theoretisch die Kartoffelversorgung für das kommende Wirtschaftsjahr gesichert zu sein; inwieweit sich die Theorie in die Praxis umsehen lassen wird, müssen wir abwarten. Die vergangenen drei Kriegsjahre haben unser Vertrauen gewaltig erschüttert, und es ist nicht zu verwundern, daß bange Nahrungssorgen die Gemüter beunruhigen. Das wäre anders, wenn das Kriegsernährungsamt sich entschließen könnte, bei den Landwirten ebenso rücksichtslos zuzugreifen, wie es zum Beispiel das Kriegsamt bei der Beschlagnahme von Rohstoffen für Kriegsmaterial und bei Indienststellung von Privatbetrieben für die Kriegswirtschaft tut. Aber die Landwirtschaft gilt als Blümlein Rührmichnichtan, sie behauptet, daß der Landwirt nur aus freiem Willen und bei angemessenen Preisen seine Scholle bebauen kann, jeder Zwang würde schädlich sein! Die Bevölkerung hat den Willen zum Durchhalten troß aller Entbehrungen während der Kriegsjahre bewiesen, aber die Grund lage weiteren Durchhaltens muß eine gesicherte Ernährung bilden. Ist diese nicht freiwillig von der Landwirtschaft zu erreichen, so verlangen wir, daß rücksichtsloser Zwang den widerstrebenden Elementen lehrt, wie sich werktätiger, nicht maulfroher Patriotismus zu bekunden hat! Nr. 23 ,, Wenn die Nation sich selbst verteidigt, verteidigt sie alle Familien, die Freiheit, die Sicherheit, die Würde aller. Und alle müssen ihrem Rufe folgen. Es ist die Gerechtigkeit selbst, die sie ruft. Sie lassen ihr Haus nicht im Stich: sie schützen und sie adeln es. Und überdies, als Väter werden sie mehr für ihre Kinder getan haben, wenn sie ihnen eine freie Zukunft in einem freien Vaterland sichern, als wenn sie ihnen aus feiger Zärtlichkeit die zweifelhafte Fürsorge eines ehrlosen Familienhauptes erhalten, in einem Vaterland, das durch seine Schuld geknechtet und allen Jaurès. Gefahren ausgeliefert ist.“ Frauenbewegung und christliche Liebestätigkeit. So heißt ein Buch von Luise Döhring, das im Auftrag des Zentralausschusses für innere Mission geschrieben worden ist. Es ist sehr belehrend für manche Ungeduldigen unter uns, da es verrät, wieviel Arbeit, wieviel Geschehen es brauchte, den uns geläufigen Satz von der Gleichberechtigung der Geschlechter auch nur zum bescheidenen Teil in den doch noch sehr zahlreichen konservativ- kirchlichen Kreisen gangbar zu machen. Erst 1899 kommt der obengenannte Ausschuß zur Anerkennung der folgenden Säße: " Das Wort der Schrift, Das Weib schweige in der Gemeinde bersagt der Frau ausschließlich die Verkündigung des Wortes, das öffentliche Gebet und die Austeilung der Sakramente im Gottesdienst der Gemeinde. Dagegen sagt es nichts über die Grenzen aus, innerhalb deren die Frau sich am öffentlichen Leben beteiligen darf. Die von der Heiligen Schrift geforderte Unterordnung des Weibes unter den Mann gilt nur von dem ehelichen Verhältnis, in welchem die von dem Manne nach dem Vorbild Christi ge= forderte Liebe die notwendige Ergänzung bildet. Dagegen ist durch jenes Gebot der Unterordnung der Wettbewerb des Weibes mit dem Manne im Ringen nach einem Lebensberuf nach keiner Seite hin ausgeschlossen." Dies sind die freieſten und mutigsten Gedankern, die von dieser Richtung der bürgerlichen Frauenbewegung bisher laut geworden sind. Die Forderung des Frauenstimmrechtes wird nicht einmal erwähnt. Innerlich unbefriedigte Ledige, notleidende Pastorentöchter, pietistische edelgesinnte und begüterte Wohltäterinnen sind die Elemente, deren Wirken in patriotischen, christlich- sozialen Vereinen und Anstalten in kirchlichen Kreisen schließlich, wenn auch noch eingeschränkt, die Anerkennung der sittlichen Berechtigung der Frauenbewegung durchjetzt. Der evangelisch- soziale Frauenbund, der diesen Kreis zusammenschließt, zählte 1915 in 32 Vereinen und 154 Ortsgruppen im ganzen 16000 Mitglieder. Welchen endlos weiten Weg haben unter solchen Umständen die vielen Millionen christlicher Frauen noch zurückzulegen, bis sie auch nur an die Grenzen der weiten Gefilde einer freien neuzeitlichen Frauenbewegung gelangen! Ella Wierzbikki. Milchkarten...! Gedanken auf einem Lebensmittelamt. Da liegen sie vor mir auf dem großen schwarzlackierten Kanzleitisch, sauber in schmalstreifigem Streuzband verpackt, wie sie eben die Druckerei verlassen haben! Für einen neuen, den 36. Kriegsmonat sind sie bestimmt, sollen helfen, wieder eine furze Zeitspanne das unerträglich schwere Striegsjoch zu tragen. Und während ich das Kreuzband abstreife und mein Antragsregister herbeihole, will es mir so gar nicht in den Kopf, daß in diesem neuen Monat wieder so viele Kinder vom Milchbezug ausscheiden sollen und ich ihnen keine Starte mehr dazu schreiben darf. Das sind die sechs Jahre alt Gewordenen; ich sehe im Geiste der Mütter bekümmertes Gesicht, wenn sie bei der nächsten Kartenausgabe leer ausgehen. Gerade dann, wo ein Kind schulpflichtig wird und das kleine Gehirn im Verhältnis auf einmal so viel Arbeit leisten muß, fällt dieser jähe, gänzliche Entzug der Milch doch doppelt ins Gewicht. Aber nicht nur diese immerhin schon größeren Kinder Nr. 23 Die Gleichheit müssen entbehren: Seit der großen Milchnot im Frühjahr wurden auch die Rationen der Kleineren noch herabgesetzt. Und wenn ich nun eine solche Milchkarte nach dem im Vordruck analogen Antrag ausschreibe, wandern meine Gedanken immer ein Stück Weg mit ihr. Da sehe ich sie im Geiste alle vor mir, die Kinder der Kriegszeit, die wohl den meisten fürs ganze Leben ihren erbarmungslosen Stempel aufgedrückt hat. Denn nicht allein die Menge, sondern auch die Güte der Milch ist unstreitig vermindert, leidet doch auch das Vieh unter großen Ernährungsschwierigkeiten! Dazu kommit noch die eben in den ganzen Zeitumständen begründete mangelhafte Kontrolle der Behörden und das ja allgemein gewordene lare Verantwortlichkeitsgefühl der Produzenten und Händler. Was in dieser Hinsicht eben verfehlt wird, kann nicht leicht mehr nachgeholt werden, und daß die Kinder der geringen Volksschichten schwer leiden, daran ändern alle Feststellungen und Erklärungen superkluger Professoren in bürgerlichen Blättern und Zeitschriften über das nach ihrer Meinung genügende Weniger, über Kalorien und sonstige wissen schaftlich klingende Floskeln nichts. Auf den ersten Blick mag an dem einfachen, nüchternen Milchantrag nichts Besonderes zu entdecken sein; für mich aber ist er lebens und inhaltsvoll, redet er eine wenn auch stumme, doch um so eindringlichere Sprache: die der urewigen, treusorgenden Mutterliebe! Und wenn da eine solche in meist ungeübter, steifer Hand schrift hingeschrieben, daß ihr Hänschen im Juni 1915 geboren, eine andere vielleicht gezaudert hat, den Monat anzugeben, in dem ihr Elschen 4 Jahre alt wird, da will es mir gar nicht so recht aus der sonst so eiligen Feder, daß ich beiden nun nur die Hälfte der Milch noch hinschreiben soll. Muß ich aber einen Antrag, weil das Kind heute 6 Jahre alt wird, ganz ausscheiden, dann steigt es gallenbitter in mir auf über den unseligen Krieg und seine erbarmungslosen Härten. Mehr noch als dieses jedoch könnte einen manchmal etwas anderes an der besseren Zukunft der Menschheit verzweifeln lassen: das ist der Neid und die Mißgunst, denen auch die Kinder nicht mehr heilig sind. Da ist so mancher Klein- Heini und manches Lieselchen, denen bei ihrer zurückgebliebenen Entwicklung ihre bisherige Milchmenge dringend notwendig wäre; da würde ich dir, Kleiner Karlemann, wie dich deine Mutter so liebevoll genannt hat, gern nach den eben überstandenen Masern noch den Viertelliter Milch weiterschreiben, wenn ich nicht fürchten müßte, daß eure finderlose Nachbarin, auf demselben Flur wohnend, dich und mich deswegen denunzierte. Denn sie sucht es zu erfahren, indem sie Feuilleton Wahrhaft groß sein, heißt Nicht ohne großen Gegenstand sich regen. * Was Menschen übles tun, das überlebt sie, Das Gute wird mit ihnen oft begraben. Verleumdung, * Sie schneidet schärfer als das Schwert. Die Mutter. Von Edmondo de Amicis. Shakespeare. Shakespeare. Shakespeare. ( Fortsetzung.) h!" rief der Soldat dann leise mit dem zärtlich weichen Tone des Mitleids, die Hände faltend und die Augen auf eine Stelle der Wand gerichtet, du arme Mutter! Du mußt so weit gehen, ganz allein in der heißen Sonne, und wenn du in der großen Stadt ankommst, zwischen all den Menschen weißt du noch gar nicht, wo ich bin, du mußt den Weg nach der Kaserne erfragen und, so alt und erschöpft, wie du bist, noch herumstehen, vielleicht verirrst du dich in den Straßen und kannst mich nicht finden.... Ach, du arme Alte!" ein Ausruf, den er von Zeit zu Zeit wiederholte. Nun sprang er plötzlich empor, seufzte auf und ging schnell wie ein eiliger Reisender durch das Zimmer: Ob sie jetzt da sein kann?" Er lief ans Fenster, lehnte sich weit hinaus, blickte nach allen Seiten ein-, zwei, dreimal: niemand! Das Blut stieg ihm zu Kopf. Ich will an andere Dinge denken," meinte er, und um sich die Qual der gespannten Erwartung zu erleichtern, bemühte er sich, die Gestalt seiner Mutter aus seinem Ge159 dich scheinheilig ausfragt; weil sie keine bekommt, gönnt sie dir die zwei Tassen voll auch nicht. Das ist traurige Wahrheit, und hätte ich solches nicht selbst erlebt, ich würde es von anderen nimmer glauben. Aber nicht nur für die Kinder allein schreibe ich hier die Milchfarten, auch die Kranken werden auf ärztliche Atteste von hier aus damit versorgt. Meist läuft ein solches nur auf vier Wochen. Du liebe Zeit, das kommt einem alles so halb, nur in grobem Umriß gesorgt vor! Denn hat da ein Kranker wirklich nach vielen Bemühungen den halben Liter Milch erhalten und fängt kaum an, sich wirklich etwas zu erholen, da soll sie schon wieder wegfallen! Oder ist auch auf diesem verantwortungsvollsten Gebiet nur Geldund Interessenpolitik maßgebend, daß den Ärzten alle vier Wochen das Geld für ein neues Attest hingelegt werden muß? Und wieder sind es auch in dieser Beziehung die Kinder, die Heranwachsenden größeren, die am meisten leiden, denn die Milch gilt nur als Heilmittel für ganz bestimmte Krankheiten. Für die doch jetzt wohl nicht mehr abzuleugnende allgemein gewordene Unterernährung der größeren Kinder wird grundsäglich keine Milch bewilligt. Man wird von dem immer größer und intensiver sich offenbarenden Elend in allen möglichen Erscheinungsarten wohl langsam stumpf, aber wenn einem die Mütter in der Geschäftsstunde und auf der Straße die abgemagerten Armchen und die von Strofulose haltlos einwärtsgehenden Beine der Kinder zeigen, hoffend, durch Mitleid mehr Milch zu erhalten, da möchte man in wildem Zorn riesenstart werden und den wahnsinnig endlos Kriegführenden in den Arm fallen. Und noch einmal sind es die Kinder, für die wir hier sorgen, noch ehe sie geboren sind. Da sind es die Schwangeren, unsere werdenden Mütter, deren Milchkarten wir gleich denen der kleinsten Kinder mit einem roten Kreuzchen versehen, zum Zeichen, daß sie unter allen Umständen zuerst Milch erhalten müssen. Denn gehört nicht gerade ihnen alles nur einigermaßen Verfügbare zuerst? Sind sie nicht unserer aufmerksamsten Fürsorge würdig in ihrer jetzt doppelt schweren, heiligen Aufgabe als Trägerinnen des kommenden Marie Schleeh. Geschlechts? Unorganisiert also billig! Vor einiger Zeit fonnte man in einer Anzeige der„ Süddeutschen Tabakzeitung" in recht bezeichnender Weise lesen: ,, Verkaufe größere, der Neuzeit entsprechende, vollbesetzte und überall beschäftigte Zigarrenfabrik. Guter Stamm, weibliche nicht organisierte, billige Arbeitskräfte." dankenkreis zu bringen. Ja, das war aber einfach unmöglich, er gab die uklose Anstrengung auf. ,, Siehst du, Mutter!" sagte er mit lauter Stimme, ich habe dich so sehr lieb, so lieb, wie man keinen Menschen auf der Welt lieber haben kann." Er ließ dabei seine gefalteten Hände auf das Bett fallen und schüttelte sanft mit dem Haupte, als wollte er durch jene Bewegung seine letzten Worte bekräftigen:„ Nein, lieber kann man niemand haben! Ob es so weit ist!" fuhr er plötzlich wieder auf und war im Begriff, zum Fenster zu eilen: Nein, ich muß nicht immer aussehen," aber er lächelte, und wirklich nach einem Augenblick stand er doch an der geöffneten Scheibe: niemand. Er kehrte zu seinem Bett zurück und bemühte sich, auf irgendeine Weise die Zeit hinzubringen. Er legte den Zeigefinger der rechten Hand gegen das Knie, stützte den Ellbogen mit der Linken und dann, am Knie gegen die Bettkante gelehnt, den Blick geradeaus gerichtet, eilte er mit seinen Gedanken in die Heimat, sah seine Mutter ein Bündel von Hemden und Taschentüchern für ihn zurechtbinden, Abschied nehmen, sich auf den Weg machen. Er folgte ihr im Geiste mit den Augen auf der langen Straße, die so endlos, so heiß, so staubig dalag! Schnell fahren die Karossen, die Lastwagen vorüber, so nahe an der armen Frau, daß sie ihre Kleider streifen, und sie ist alt und müde und unsicher auf den Füßen! Ach, da kommt einer in voller Karriere, er ist ihr nahe:„ Oh, nimm dich in acht!" rief der Sohn leise und machte, ohne es zu wissen, ein Zeichen mit der Hand, als wollte er sie am Arme fassen und auf die Seite ziehen. Er zeigt auf die Wegsteine, die sie vermeiden muß, und meint die arme Alte wanfen zu sehen, gebeugt unter ihrer Last, ganz erschöpft, und er bemitleidet sie in seinem Herzen: ,, Ach, könnte ich dir doch das Bündel abnehmen, komm, laß es mich tragen, gib mir den 160 Die Gleichheit Ein deutlicher Beweis dafür, was für eine Meinung der Unternehmer von der unorganisierten Arbeiterschaft hat! Wie gering er sie einschätzt! Wie überaus wichtig und notwendig aber eben darum die Organisierung der Frauen ist, zeigt uns obenangeführter Fall nur allzu deutlich. Der Unternehmer weiß genau, wie es bestellt ist, und richtet demgemäß auch seine ganze Tattit ein. Doch das ist nicht der einzige Fall. Viele Tausende von Arbeiterinnen arbeiten unter Verhältnissen, die gar nicht vom Tageslicht beleuchtet werden können, weil teilweise die Betriebe sehr klein sind, und außerdem durch den Unternehmer ein solch großer Terrorismus auf die Arbeiterschaft ausgeübt wird, daß diese nicht wagt, von den schlechten Betriebsverhältnissen auch nur zu sprechen, viel weniger diese an geeigneter Stelle zu verbessern. Und gerade die Frau ist das beste Ausbeutungsobjekt, das jetzt den Kapitalisten in die Hände fallen kann. Unter den Arbeitern besteht immerhin eine bessere Organisation, und die Unternehmer haben nicht mehr eine so freie Handlungsweise, wie dies bei den Arbeiterinnen der Fall ist. Die Arbeiterinnen, früher in den Betrieben nur als Hilfskräfte angesehen, meist eben nur als solche tätig, beanspruchten für ihre Leistungen einen geringen Lohn. Die Frau war im seltensten Falle organisiert. Nun hat aber durch den Krieg auch die Stellung der Frau eine andere Wertung erfahren. Die Frau muß notgedrungen mitarbeiten, um den Lebensunterhalt ihrer Person und meist noch der Familie auch nur einigermaßen zu bestreiten. Die Frau ist mit in den Wirtschaftskampf hinein gezogen worden. Darum müssen wir Frauen, die wir unser Brot unter solch fümmerlichen Verhältnissen verdienen, uns organisieren, uns zusammenschließen, um unsere Interessen besser wahrnehmen zu können. Wir müssen uns bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse erringen, zumal wir jetzt nicht mehr als sogenannte Hilfskräfte in den Betrieben tätig sind, sondern die Stelle des Mannes vertreten. Wie der Mann find wir an den Maschinen tätig, ausgesezt den ständigen Gefahren. Als einzelne aber sind wir machtlos gegenüber den großen Dr ganisationen der Unternehmer, die auch nur bei diesen ihre Interessen wahrzunehmen suchen, wir müssen uns unserer Berufsorganisation anschließen, um groß und start zu sein bei Lohnstreitigkeiten wie bei jeder Verbesserung unserer Arbeitsverhältnisse. Das ist dreimal notivendig in der Jezztzeit, in der die Preise für Lebensmittel und sonstige Gebrauchsgegenstände ganz unerschwingliche Höhen erreichen und von der Arbeiterschaft fast nicht mehr zu be= schaffen sind. An euch Frauen ergeht daher die dringende und wichtige Aufforderung: Organisiert euch! Marie John. Arm." Dabei streckte er den rechten Ellbogen vor, ihm schien, als lege sich eine zitternde Hand auf seinen Arm, und immer mit geschlossenen Augen tastete er mit der Linken nach der rechten Seite, die Finger seiner Mutter mit derselben zu umschließen.- Dann erst kam er zum Bewußtsein der Wirklich keit, von, neuem trat ihm der Gedanke klar entgegen, daß er seine Mutter bald umarmen würde, und wie das erstemal empfand er die ganze Wonne desselben; seine Augen strahlten, seine Lippen bebten, alle Züge seines Gesichtes veränderten sich in Freude. Erst spielte ein leichtes Lächeln auf dem glückstrahlenden Antlitz, dann lachte es über und über, er schluchzte voll unbeschreiblichen Jubels, Schultern und Brust hoben und senkten sich wie nach der Anstrengung eines Laufes, und endlich ließ er sich aufs Bett fallen und erstickte in den Kissen dies seltsame Gemisch von Weinen und Lachen, indem er immer den Kopf schüttelte, als sagte er noch:„ Arme Mutter!" ,, Wirst du verrückt?" schrie ihn ein Korporal an, der durchs Bimmer schritt und erstaunt an der Schwelle der Ausgangstür stehen blieb. Der Soldat fuhr empor, stand, drehte sich um, schaute ihn feuchten Auges, offenen Mundes lächelnd an: er hatte nichts verstanden. Jener verschwand und murmelte:„ Der ist verrückt, rein berrückt." Wieder allein, blieb er eine Minute in Gedanken vertieft, darauf, von einer plötzlichen Idee getrieben, griff er nach dem auf einem Brett über seinem Lager liegenden Tornister, zog ihn aufs Bett herunter, öffnete ihn nach einigem Mühen der zitternden Finger, die Schnallen des Gurtes zu lösen, fuhr in großer Eile mit beiden Händen hinein, holte Bürsten, Kämme, Schachteln, Lappen hervor, ordnete alles auf der Aus unserer Bewegung Die Werbeversammlung. Nr. 23 Nur dann wird eine Versammlung uns neue Mitglieder zuführen, wenn sie gut vorbereitet ist. Ratschläge sind zwar oft genug gegeben worden, aber da sie noch immer nicht genug beachtet werden, ist eine Wiederholung angebracht. Vor allem muß jede Genossin in den letzten Tagen vor der Versammlung in einem möglichst weit gezogenen Bekanntenkreise für die Versammlung werben. Nicht nur durch Verteilen von Einladungszetteln, was allerdings sehr wichtig ist, sondern auch durch aufklärende Gespräche bei jeder passenden Gelegenheit, nicht zuletzt bei dem jezt üblichen Reihenstehen. Seine Freundinnen und Nachbarinnen holt man zweckmäßig zur Versammlung ab. Man macht sonst die Erfahrung, daß so manche, die fest versprochen hatte, zu tommen, zu schwach ist, ihr Wort einzulösen. In der Versammlung darf man die Arbeit nicht nur dem Redner und der Leiterin überlassen. Man beteilige sich in der kurzen Pause, die am besten zwischen dem Vortrag und der Aussprache eingelegt wird, an dem Verteilen von Aufnahmescheinen. Solche Scheine und einen Bleistift sollte jede Genossin immer zu jeder Versammlung mitnehmen. Besonders empfehlenswert ist es, daß einige eifrige Genossinnen einen oder zwei Tage- vor der Versammlung für einige Augenblicke zusammenkommen, um die Arbeit für die Versammlung einzuteilen. Man begnüge sich in der Versammlung nicht damit, den Neuaufgenommenen den Aufnahmeschein und die Aufnahmegebühr abzunehmen, sondern überreiche ihnen gleich ein Schrift chen, das sie in unsere Gedankenwelt einführt. Sicher liegen überall im Reiche in Schränken und Bureaus recht viele solcher Drucksachen herum. Die Leiterin muß dafür sorgen, daß bei jeder Versammlung genug davon für die Gäste vorhanden sind. Etwa übriggebliebene Nummern der„ Gleichheit" tun natürlich ebenfalls gute Dienste. Wer sich die„ Gleichheit" nicht aufhebt, sollte sie überhaupt stets als Werbemittel an andere Frauen weitergeben. Das erleichtert die Werbearbeit für die Versammlungen und die allmähliche Einführung in den Sozialismus sehr. Das gesprochene Wort verfliegt rasch, das gedruckte haftet oft lange im Gedächtnis und bleibt von nachhaltiger Wirkung. Dede, faßte eine Bürste, stützte den Fuß auf den Stuhl und begann mit aller Macht sich die Stiefel zu pußen, zuweilen innehaltend, um sie prüfend zu betrachten, ob sie leuchtenden Glanz hätten. Ich will mich sehr sauber machen," meinte er ernsthaft dabei; sie sollen leuchten wie ein Spiegel; ich will ein schöner Soldat sein, ich will ihr gefallen." Als die Stiefel unmöglich blanker werden konnten, bürstete er auch den Rock ab, fämmte sich die Haare, zog einen kleinen runden Spiegel heraus und besah sich. Wenn eine große, reine Liebe die Seele ganz erfüllt, wenn heitere Bilder und Gedanken sich im Geiste drängen, dann durchleuchtet auch ein wenig hübsches Gesicht in solchen Augenblicken ein Strahl der Schönheit, denn die innere Bewegung findet ihren Ausdruck im Glanz der Augen, im lieblichen Lächeln des Mundes: auch unser guter Soldat, als er sich so prüfend beschaute, konnte wohl vergnügt nicen. In diesem Augenblick hörte er auf der Treppe das Geräusch eiliger Schritte eiliger Schritte er horchte: es näherte sich... der wachthabende Korporal! Er tritt herein, sieht sich um:„ Du," ruft er ,,, da ist eine Frau am Tore, die dich sucht." „ Meine Mutter!" und er läuft durch die Stuben, die Treppen hinunter, stürzt über den Hof, durch den Korridor, sieht eine Frauengestalt, fliegt auf sie zu, sie öffnet ihm die Arme, er sinft an ihre Brust, und beide stoßen einen Ruf des Entzückens aus. Der Sohn legt seine Hände auf das graue Haar der Alten, biegt ihren Kopf zurück, schaut in ihre Augen, dann drückt er das teure Haupt wieder an sich und preßt den Mund auf die Haare, von denen das Tuch abgefallen ist. Die gute Alte schluchzte, an die Schulter des Sohnes gelehnt, und strich, ihn umfaßt haltend, mit den Händen über seinen groben Nock, der ihr in dieser Stunde hundertmal mehr wert war als der schönste Fürstenmantel. Die wachthabenden Soldaten Nr. 23 Die Gleichheit Duisburg. Auch in Duisburg regt sich's wieder. Die Parteistreitigkeiten waren leider nicht ohne unangenehme Wirkung auf die hiesige Frauenbewegung geblieben. Allmählich jedoch finden die Genossinnen sich wieder zu ernstem Wirken zusammen. Frauenversammlungen, die in Duisburg und Umgegend in den letzten Wochen veranstaltet wurden, erfreuten sich regen Besuches. Wohl ließ eine im Juni in Duisburg veranstaltete Frauenversammlung, in welcher Genosse Reichstagsabgeordneter Haberland über„ Die Frauen und der Krieg" sprach, noch zu wünschen übrig. Dagegen war die am 18. Juli veranstaltete Versammlung schon viel besser besucht. Das Thema:„ Die Lebensmittelversorgung" gab Anlaß zu eifriger Diskussion. Haben wir hier im Industriegebiet doch besonders unter Lebensmittelschwierigkeit zu leiden! Nicht allein ist die Beschaffung von Obst und Gemüse hier sehr schwer, auch die Preise für das auf den Markt kommende Gemüse und Obst sind im Verhältnis zu den im Frieden gezahlten Preisen um das Fünffache gestiegen. So kamen in den Ausführungen einer Genossin interessante Beobachtungen zur Sprache. Ein Bauer hatte Gemüse nach einem Stadtteil gebracht, aber sich geweigert, es den Frauen auf dem Markt zu überlassen, so sehr sie ihn auch darum baten. Der Mann fuhr einfach damit zu den Metzgern und Bäckern und lud dort seine Ware ab. Die Frauen bekamen keine dicken Bohnen und Möhren, sondern mußten sich mit dem auf dem Markte reichlich vorhandenen„ Spinatersag" ( Runkelrübenblätter) begnügen. Gänzlich vom Markte sind auch die Waldbeeren, Kirschen, Johannes- und Himbeeren verschwunden. In unserer so obstreichen Gegend werden die Früchte aufs schmerzlichste vermißt. Den vom Referenten, Genossen Schluchtmann, gemachten Vorschlag, alle Lebensmittel gleichmäßig zu verteilen, wie das mit dem Brot geschieht, wurde allgemein zugestimmt. Wenn erst die Frau Kommerzienrätin gemeinsam mit der Arbeiterin aus demt Kriegstopf essen müßte, würde wohl auch der Schrei nach einem baldigen Frieden in Kreisen laut werden, die jetzt noch nach Annegionen und Kriegsentschädigungen lechzen. Ferner wurde noch vorgeschlagen, in nächster Zeit eine öffentliche Frauenversammlung einzuberufen und dazu den Herrn Oberbürgermeister einzuladen. Unsere Mitgliederzahl hat in den letzten Wochen erfreulich zuge= nommen. Wesentlich dazu beigetragen hat sicher die„ Gleichheit" in ihrem neuen Gewande. Mit ihren jezigen leicht faßlichen Artikeln, die viel mehr wie früher dem Verständnis der Arbeiterin angepaẞt sind, und vor allem auch durch das Fortlassen jeder Gehässigkeit gegen Andersmeinende hat die„ Gleichheit" eine viel stärkere Werbetraft. Hoffnungsfreudig sehen wir der weiteren Entwicklung entgegen. blieben rücksichtsvoll abseits stehen und schauten schweigend auf jene heilige Umarmung, auch ich, der auf Wache kommandiert war, stand still an der Türe meines Zimmers und ( Fortsegung folgt.) sah den beiden zu Ein kleiner Unterschied. Wie es seine Gewohnheit war, ging Harun al Raschid eines Tages allein und unerkannt außerhalb Bagdads spazieren. Am Wege saß ein Bettler, der seine zerlumpten Oberkleider geöffnet hatte und sie eifrig untersuchte. „ Was machst du da?" fragte ihn verwundert der Kalif. ,, Herr, wie du siehst, befreie ich mich von Ungeziefer!" ,, Dein Reinlichkeitssinn gefällt mir!" sagte Harun al Raschid und warf ihm ein Goldstück zu. Freudig griff der Bettler das reiche Geldgeschenk auf. „ Möge Allah dich segnen, Herr!" rief er dem fortschreitenden Stalifen nach. Den Vorgang beobachtete ein geiziger Mann, der in der Nähe stand, und er gedachte nun in ähnlich billiger Weise ein Goldstück zu ergattern. Spornstreichs eilte er seitwärts des Weges, durch ein Palmenwäldchen gedeckt, dem Kalifen voraus, und als dieser einige hundert Schritte gegangen war, bot sich ihm das gleiche Bild wie vorhin: ein Mann kauerte am Boden und bemusterte angelegentlich seine geöffneten Oberkleider. Harun al Raschid lächelte sein. Sein scharfer Verstand ließ ihn den Zusammenhang sofort erraten. ,, Was tust du hier?" fragte er. Der Angeredete blickte auf. „ Herrich suche Ungeziefer!" antwortete er demütigen Tones. So, du suchest Ungeziefer?" meinte der Kalif.„ Höre, das trifft sich gut: gehe nur den Weg wieder zurück; nicht weit von hier wirst du einen Bettler finden, der sich vom Ungeziefer befreien willvon dem kannst du sicher etwas abbekommen!" Und ruhig schritt Harun al Raschid an dem Verblüfften vorüber. Reh Thes. 161 Alles dazu zu tun, was in unseren Kräften steht, soll unsere hei= Berta Marckwald. ligste Aufgabe sein. R.-E. Köln. Eine Versammlung der Funktionärinnen nahm am 26. Juli den Bericht über die Reichskonferenz entgegen. Genossin Röhl berichtete in zusammenfassender Weise über die Arbeiten der Konferenz, die besonders bewiesen habe, wie die praktische Arbeit im ganzen Reiche an Wertschätzung gewonnen habe. In der Diskussion, an der sich die Genossinnen Schulte, Lenzen, Leimpeters, Werner, Zeise und Genosse Runge beteiligten, erklärte man sich im allgemeinen mit den Arbeiten der Konferenz einverstanden. Man begrüßte es, daß die„ Gleichheit" jetzt in ihrem Inhalt für die Frauen verständlicher gehalten werde. Besondere Zuſtimmung fand der Ausbau der Kinderbeilage. Es wurde ferner über die Mitarbeit der Frauen im staatlichen und gemeindlichen Fürsorgedienst gesprochen und betont, daß man auf den Lehren aus der abgelaufenen Kriegszeit in Zukunft weiterbauen wolle, da man die Wichtigkeit der tätigen Mithilfe unserer Frauen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens jetzt in ihrer vollen Bedeutung erkannt habe. Alles in allem erwartet man, daß die Arbeiten und Anregungen der Konferenz befruchtend im Lande wirken werden zum Besten der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Die Versammlung erklärte sich mit den Arbeiten der Tagung einverstanden, ebenfalls mit dem Inhalt der beiden Entschließungen, die auch in Köln einstimmige Annahme fanden. x. Bezirk Schleswig- Holstein. Eine gut besuchte Frauenkonferenz tagte am 29. Juli im Gewerkschaftshause zu Kiel. Von den Wahlkreisorganisationen waren 26 Genossinnen delegiert, der Bezirksvorstand war vertreten, Genossin Juchacz nahm im Auftrag des Parteivorstandes an der Tagung teil. Genosse Kürbis gab in seiner Begrüßungsansprache ein Bild über den organisatorischen Stand der Frauenbewegung im Bezirk. Bis zum Ausbruch des Krieges stieg die Zahl der weiblichen Mitglieder dauernd. Den größten Erfolg brachte die rote Woche. Während des Krieges ging die Mitgliederziffer zurück. Ähnlich verhielt es sich mit der Abonnentenzahl der„ Gleichheit". Seit dem Wechsel in der Redaktion macht sich jedoch wieder ein Aufstieg bemerkbar. Genossin Schröder- Ottensen erstattete Bericht über den ersten Teil der Reichs- Frauenkonferenz, wobei sie die sich für den eigenen Bezirk ergebenden Schlußfolgerungen zog. Genossin Andratschke= Stiel berichtete über den zweiten Teil unter Einfügung agitatorischer Vorschläge. Sie schloß mit einer warmherzigen Empfehlung des Kampfes um das Frauenwahlrecht. Die lebhafte Debatte ergab Das Kreuz. Der Abend legt die kühle Hand Mir auf die Stirn, es lischt der Brand. Die Sommernacht raunt um das Haus Und lockt ins Weite mich hinaus Durch stille, glanzumfloßne Felder Zum Bann der schwarzen Heimatwälder. Bis mich der finstre Tann umfängt, Der mir all Truz und Weh verhängt. Wie leuchtet doch das Himmelskleid Hoch über Tag und Erdenzeit! So findet meiner Seele Singen Der Ewigkeiten Widerklingen. Dort, wo der Weg verfließt im Sand, Steht hoch ein Kreuz ins Heideland, Bleich hängt der tote Heilandsleib, Und ihm zu Füßen liegt ein Weib... Ich höre tiefste Inbrunst flehen: Herr, laß den Kelch vorübergehen...! Und mich ergreift's, ich weiß nicht wie: Das ist die heilige Mutter Marie, Die dort dem dürren Holz geeint Um die verlornen Söhne weint. Laß ab, laß ab, o Heimatfrieden, Was soll mir, Herz, dein Träumeschmieden! Was soll mir, Himmel, deine Pracht? Viel Hundert fallen in dieser Nacht, Die hält kein Gotteslicht mehr wach! Artur Zickler. 162 Die Gleichheit volle Übereinstimmung aller Anwesenden mit den Ergebnissen der Reichskonferenz. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die am 29. Juli im Gewerkschaftshause in Kiel tagende Frauenfonferenz für Schleswig- Holstein erklärt sich mit den Arbeiten und Entschlüssen der Frauenkonferenz in Berlin vollkommen einverstanden. Mit ihr erkennt sie die wachsende Bedeutung der Frau im Wirtschaftsleben und bei der sozialen Hilfsarbeit an, mit ihr bekennt sie sich zu der Forderung der vollkommenen politischen Gleichstellung der Frau in Gemeinde, Staat und Reich, und mit ihr ertennt sie die Arbeit von Partei und Fraktion in den drei Kriegsjahren in jeder Richtung an. Ausgehend von diesen Gedanken hält sie für den Bezirk Schles wig- Holstein eine noch weit lebhaftere Arbeit als bisher für die Heranziehung der Frauen zur Kriegsfürsorge, sozialen Hilfsarbeit und Parteitätigkeit für dringend notwendig. Als Wege zu diesem Ziele betrachtet sie vor allem: 1. Größere Beteiligung der proletarischen Frauen an den so= zialen Hilfsarbeiten der Kriegszeit, vor allem bei der Kriegshilfe, den Arbeitsnachweisen, Kinderfürsorge, Kriegsküchen und anderen. 2. Engere Verbindung der in der sozialen Hilfstätigkeit wirkenden Genossinnen und Genossen mit den proletarischen Frauen durch regelmäßige Berichterstattung und Auskunftserteilung in kleinerem und größerem Kreise. 3. Eine lebhaftere Berücksichtigung alles dessen, was die Frauen in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht interessieren kann, im lokalen und provinziellen Teile unserer Parteiblätter. 4. Planmäßige Arbeit für die Verbreitung der jetzt befriedigend volkstümlich geschriebenen und auf ernste Ziele gerichteten Frauenzeitung„ Die Gleichheit". 5. Lebhaftere Werbearbeit bei allen proletarischen Frauen, welche noch nicht die„ Gleichheit" halten, durch Hausagitation, Werkstattagitation, Broschüren, Flugblätter und Einladung zu Frauenversammlungen. 6. Agitation für die Parteizeitungen und den Beitritt zur Drganisation. 7. Die Veranstaltung eines agitatorischen Frauenmonats" in Schleswig- Holstein im Oktober 1917. 8. Die Arbeitervertreter in den Gemeinden und Städten werden ersucht, sich mit aller Kraft für die Durchführung der hier festgelegten Maßnahmen, soweit sie in den Gemeindevertretungen gefördert werden können, einzusehen. Die„ Feindin". Einem der Magdeburger„ Volksstimme" zur Verfügung gestellten Feldpostbrief entnehmen wir folgende stimmungsvolle Schilderung: Ich erhielt von der Frau des Hauses ein kleines Zimmer ange wiesen. Ein schönes französisches Bett stand darin. Zweischläfrig, mit doppelter Matratze und Oberbett und einer leichten, weichen Federdecke. Sonst war das Zimmer ein bißchen durcheinander. Mobiliar aus dem großen Raum, in dem jetzt die Kameraden wohnten, war hineingestellt worden, Saatkartoffeln lagen am Boden, Kleidungsstücke hingen über- und durcheinander. Nicht in Unordnung, aber sie füllten den kleinen Raum ungewöhnlich. Doch das war Nebensache; die Hauptsache war das Bett. Und das war gut. Durch das viele Zusammensein lernte ich die Frau meine „ Feindin" kennen und achten. Es war ein altes Mütterlein, an die siebzig Jahre alt; ihr Gatte war einige Jahre jünger. Er war Schreiber von Beruf, arbeitete tagsüber für die Kommandantur und war daher meist fort. Nur mittags kam er zum Essen für die zwei Stunden heim. Sie betreute den Haushalt, sorgte für ihn und für sich. Und auch für uns. Als ich an dem ersten Abend mit den beiden Alten um den viereckigen Tisch saß eine Sterze erleuchtete spärlich den Raum erzählten sie mir ihr Leid vom Krieg. Zuvor hatte sie mir eine Tasse Kaffee eingegossen, der Alte hatte sich eine Pfeife gestopft. ,, Der Krieg ist ein Unglück," begann sie ihr Gespräch, und wenn er doch erst zu Ende wäre" war der Schluß. Zwischendurch hatte sie mir alles gesagt. Beide Alten warteten auf den Sohn und Pflegesohn, daß sie dereinst heimkommen möchten. Am 1. Auguſt 1914 waren beide eingezogen worden, der eine zur Artillerie, der andere als Infanterist. Seitdem hatten sie vom Sohn wie vom Pflegesohn nichts mehr gehört. Keine Karte, fein Brief, fein Lebenszeichen kam in der langen Zeit zu den Alten. Lebten sie noch, waren sie verwundet oder beide tot?.. So quälten sich die beiden Alten von Tag zu Tag, nachts in Träumen, machten sich gegenseitig das Herz schwer und warteten Nr. 23 Die Konferenz stellt diese Ziele auf, obwohl sie wohl weiß, welche Schwierigkeiten der ehrenamtlichen Tätigkeit der Arbeiterfrau aus den häuslichen Verpflichtungen, Sorgen und örtlichen Verhältnissen erwachsen. Da sie aber klar die hohe Bedeutung einer kräftigen Entwicklung der Frauenbewegung erkennt, muß sie dennoch den Ruf zur Mitarbeit an alle proletarischen Frauen der Provinz ergehen lassen. Die vermehrte Einsicht in das, was den Frauen not tut, wird den Willen erzeugen, und wo der Wille vorhanden ist, wird der Weg, auf dem man den Frauen wirtschaftlich und politisch zu Hilfe kommen fann, trotz aller Hindernisse gangbar. Sodann wurde noch eine Resolution zur Ernährungsfrage, die Genosse Adler begründete, einstimmig angenommen. In seinen Schlußwort stellte Genosse Kürbis den befriedigenden Verlauf der Konferenz fest, der wohl allgemein wieder die Lust und den Mut zu neuer Arbeit angeregt habe. Vom Fortgang des Frauenrechts pw. Vom Frauenwahlrecht in Holland. Aus dem Haag wird uns geschrieben: In Nr. 20 der„ Gleichheit" wird in der Rubrik Vom Fortgang des Frauenrechts" berichtet, daß die holländische Verfassungsrevision auch den Frauen das Stimmrecht bringe. Das ist ein Irrtum. In Wirklichkeit ist es nur erst gelungen, das pas= sive Frauenwahlrecht zu erreichen. Das heißt: die Frauen bleiben von der Ausübung des Stimmrechts ausgeschlossen, doch können Frauen in die Zweite Kammer als Abgeordnete entsandt werden. Dieses Recht erscheint auf den ersten Augenblick noch sehr problematisch. Doch die neue Verfassung sieht unter anderem auch das Verhältnis Wahlsystem vor. Die Parteileitungen haben es also in der Hand, ob und wieviel Frauen sie auf ihre Kandidatenliste setzen wollen. Und was die sozialdemokratische Arbeiterpartei betrifft, so werden die Genossen gewiß bei Abgabe des Stimmzettels nicht die Namen der weiblichen Kandidaten streichen. Sehr interessant wird es übrigens sein, wie die Vorstände und die Wähler der bürgerlichen Parteien sich mit der Sache abfinden werden. Für Einführung des aktiven Frauenstimmrechts waren die bürgerlichen Parteien noch nicht zu haben. Es hat der sozialdemokra= tischen Partei schon große Mühe gekostet, sie für eine Bestimmung zu gewinnen, wonach künftig den Parlamenten( Zweite und Erste Kammer) die direkte Einführung des Frauenstimmrechts ermöglicht wird. Das heißt es soll dazu nicht erst des umständlichen Ver auf den Tag, an dem endlich einmal der Krieg zu Ende sein möchte. Der Tag würde ihnen Gewißheit bringen. Unterdes sorgte die alte Frau für uns mit dem Triebe der Mutter, die für andere sorgen muß. Die Augen glänzten dann. Sie konnten noch so jugendlich leuchten diese Augen. Manchmal ging auch noch ein fröhliches Lächeln über das von vielen Falten durchfurchte Gesicht. Sie wusch für uns die Hemden, die Hosen und Strümpfe, stopfte und flickte, reinigte den großen Raum, wenn wir im Dienste waren, und hielt Ordnung. Wir trugen das Wasser aus dem nahen Bache herzu. Hart kam es mich immer an, wenn ich das alte Mütterlein bei der Wäsche sah. Sie mühte sich ab, es ging über ihre Kräfte. Aber als Entschuldigung auf unsere Einwürfe sagte sie nur: Strieg!"... Mit diesem einen Worte erstickte sie alles Leid. Ich saß morgens, mittags und abends mit den beiden Alten um den viereckigen Tisch. Wenn ich morgens aufstand, stellte sie mir das Waschwasser bereit, richtete mir den Kaffee, holte Brot und Messer aus dem Schrank und legte beides auf den Tisch. Kam ich mittags nach Hause und brachte in meinem Kochgeschirr mein Essen mit, stellte sie mir den Teller und legte Messer, Gabel und Löffel hin. Hernach bekam ich eine Tasse Kaffee. Am Abend war es dasselbe. Und bei dieser mütterlichen Fürsorge war es mir wie vor langen, langen Jahren, als ich noch im Elternhaus weilte und jede Schnitte Brot, jeder Teller Suppe, jedes Stück Fleisch, das ich aß, durch die Hand der Mutter ging.. Wohl und weh zugleich wird mir manchmal, wenn die beiden Alten erzählen. Von fröhlichen Stunden, die sie erlebten, als andere Kameraden bei ihnen gewohnt. Vom Elend und von dem Leide, das der Krieg über sie gebracht: Unruhe, Angst, Unsicherheit! Blieb das Dorf und damit ihr kleines Haus von der Kriegsfurie verschont? Oder mußten sie auch noch fort, fort von der Stätte, wo sie beide jung waren und jetzt alt geworden und wo die Kinder geboren? Ich erzählte ihnen dann von Deutschland. Von meiner Heimat, von den Großstädten und von deutscher Arbeit und deutscher Energie. Und beide begriffen und sagten zum Ende wie entschuldigend:„ D, der deutsche Kamerad ist kein Barbar." Nr. 23 Die Gleichheit fahrens einer Verfassungsänderung bedürfen.( Eine solche macht nämlich in Holland nach erfolgter Erledigung in der Zweiten und der Zustimmung der Ersten Kammer die Auflösung der Kammern und die nochmalige Beschlußfassung seitens der neugewählten Kammern nötig.) Ein Erfolg, der zwar in den leitenden Kreisen der sozialdemokratischen Frauen das Gegenteil von Würdigung fand, bei nüchterner Betrachtung aber doch nicht unterschätzt werden darf. Die zur Vollendung der in Rede stehenden Verfassungsrevision erforderlichen Neuwahlen sind inzwischen erfolgt. Und zwar, nebenbei bemerkt, unter Wahrung strengsten Burgfriedens, das heißt gegenseitiger Zusicherung der innegehabten Mandate. Wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse eintreten, so ist, wie„ Het Volk" nach Abschluß der Neuwahlen erklärte, nach menschlichem Ermessen" die Verfassungsänderung gesichert. Und damit auch das passive Frauenwahlrecht- als Abschlagszahlung. Die sozialdemokratischen Frauentereine rüsten bereits zu neuer Propaganda für das aktive Wahlrecht, mit der bei den nächstjährigen Neuwahlen eingesetzt werden soll. Kleine Mitteilungen. Die Gründung einer Sozialakademie für Frauen im Regierungsbezirk Düsseldorf wurde beschlossen. Die Anstalt soll auf breitester Grundlage aufgebaut werden und Frauen und Mädchen Gelegenheit geben, sich in sozialer Berufstätigkeit auszubilden. Der Deutsche Reichsverband für Frauenstimmrecht und der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte E. V. richten an den Hohen Reichstag das ergebene Ersuchen: Biffer 1,§ 7 des Börsengesetzes für das Deutsche Reich, wonach Personen weiblichen Geschlechts vom Börsenbesuch ausgeschlossen sind, zu streichen. Auch in Ungarn wird seit dem Sturze des Grafen Tisza energisch für die Wahlrechtsreform gearbeitet, die das Wahlrecht auch auf die Frauen ausdehnt. Ein Wahlrechtsblock hat sich zu diesem Zweck zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft gebildet. Der Berner Verein für Frauenstimmrecht, der im März eine eindrucksvolle Versammlung über all diese Fragen veranstaltet hatte, sandte, daran anknüpfend, eine Eingabe an den Gemeinderat der Stadt Bern, es möchten in Zukunft bei Beratung hauswirtschaftlicher Fragen von den Behörden und Spezialfommissionen auch Frauen beigezogen werden. Auf Veranlassung der Union Française pour le Suffrage des Femmes hat der frühere Minister Jean Cruppi eine Rede gehalten, in welcher er sich als Anhänger des weiblichen Stimmrechts bekannte. Auch der französische Justizminister Viviani befürwortete die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen, zunächst für die Kommunalwahlen. Vier Frauen sind einer Meldung aus Petersburg Als wir weiter mußten und ich Abschied nahm, liefen der Alten die hellen Tränen über die Wangen. Immer und immer wieder drückte sie mir die Hand, sagte mir, ich solle vorsichtig sein und mich nicht erschießen lassen. Mir wurde es schwer, aus diesem trauten Hause, von den beiden lieben Alten zu gehen. Und sie waren doch nur meine Feinde"!... Karl Jmwolde. Ein grünes Blatt. Ein Blatt aus sommerlichen Tagen, Ich nahm es so im Wandern mit, Auf daß es einst mir möge sagen, Wie laut die Nachtigall geschlagen Wie grün der Wald, den ich durchschritt. Bücherschau Theodor Storm. Otto Baumgarten, Erziehungsaufgaben des Neuen Deutschland. Tübingen 1917, Verlag von J. C. B. Mohr( Paul Siebeck). 213 Seiten. Preis 3 Mt. Das Buch enthält 15 Vorlesungen des bekannten freisinnigen Kieler Universitätstheologen. Baumgarten geht dabei von dem neuen Deutschland aus, das wir, wie immer der Krieg ausgehen möge, nach dem Kriege haben werden", von einem Deutschland„ mit ganz neuer, unerhörter Regsamkeit und Weltbewußtheit, mit ganz neuem Staatsbürgerbewußtsein und gewiß auch Staatsbürgerein fluß." Er will die besonderen Erziehungsaufgaben dieses neuen Deutschland untersuchen, also nicht die von Raum und Zeit mehr oder weniger unabhängigen allgemeinen Erziehungsaufgaben. Der realpolitische Zug seines Buches äußert sich wie in dieser grundlegenden Drientierung auch in manchen Einzelheiten. Aber nicht immer in vorteilhafter Weise. Das„ neue" Deutschland ist doch noch sehr unübersichtlich, so daß allzu realistische Beziehungen auf die Zukunft leicht entweder zu sehr an der Gegenwart kleben oder sich 163 zufolge zum Richteramt zugelassen worden. Nach Petersburger Meldungen wird die Gräfin Pamina Schakowskapo Nachfolgerin des Versorgungsministers in Rußland werden. Sie ist damit der erste weibliche Minister der Welt. Bisher war sie Abteilungschef in dem Ministerium. Die Frau als Arbeiterin Zum Schutze der Arbeiterinnen und der Jugendlichen hat die österreichische Regierung dem Parlament einen Gesezentwurf unterbreitet. Damit soll aber keineswegs etwas Besonderes, durch die drei Kriegsjahre notwendig Gewordenes herbeigeführt werden, nur so weit soll eine Regelung eintreten, als sie nach den Beschlüssen der Internationalen Konferenz für Arbeiterschutz, die im September 1913 in Bern getagt hat, erforderlich ist. Die vorgesehenen Schutzbestimmungen über die Arbeitszeit und sonstige einschneidende Bestimmungen sind leider völlig unzulänglich, so daß die„ Arbeiterinnenzeitung" in Wien eine scharfe Stritit an dem Gesezentwurfe übt. Sie hofft, daß es bei der parlamentarischen Behandlung gelingen wird, noch wesentliche Verbesserungen zu erzielen. Daß die Frauen, vor allem die Arbeiterinnen, kein Wahlrecht haben, empfinden wir aufs schmerzlichste bei Betrachtung dieses Gesetzentwurfes", so schreibt unser Schwesterblatt,„ handelt es sich doch um eine eigenste Sache der Arbeiterinnen, und doch haben sie nicht die Möglichkeit, durch selbstgewählte Vertreterinnen ihre Ansicht und ihren Einfluß geltend zu machen. Für sie gibt es nur immer die Bevormundung. Daher können wir im Hinblick auf den Arbeiterinnenschutz nur wieder unseren Ruf nach dem Wahlrecht erheben. Zur Pflicht das Recht! bleibt unsere Parole." f. k. Die Unfallgefahren der Arbeiterinnen haben sich erklärlicherweise in den letzten Jahren stark vermehrt. Leider gibt die amtliche Statistik keine Auskunft darüber, wieviel Arbeiterinnen überhaupt einen Unfall erleiden. Nach Geschlecht und Alter werden nur diejenigen Verletzten getrennt aufgeführt, die im Laufe eines Jahres zum erstenmal Entschädigung gezahlt erhalten. Das sind diejenigen, die infolge des Betriebsunfalles länger als 13 Wochen in ihrer Erwerbsfähigkeit geschädigt wurden. Während vom Jahre 1896 bis 1915 die Zahl der in dieser Weise verletzten erwachsenen männlichen gewerblichen Arbeiter nur von 36024 auf 44127 stieg, vermehrte sich diejenige der weiblichen von 1314 auf 3098. Die der jugendlichen männlichen erhöhte sich von 1055 auf 2663, der weiblichen von 142 auf 231. In der landin luftige Utopien verirren. Baumgarten entgeht dieser Gefahr nicht immer. Sein Bemühen, die stürmischen Forderungen einer revolutio= när daherschreitenden Zukunft mit dem„ bewährten Alten" in Einflang zu bringen, endet oft genug zwischen zwei Stühlen, so, um nur etwas herauszugreifen, in der Frage der Einheitsschule und in der Frage des Frauenstimmrechts. Aber davon abgesehen, enthalten seine Betrachtungen manchen wertvollen und mutigen Gedanken und manchen brauchbaren Vorschlag. Jedenfalls ist Baumgarten ein vorurteilsloser, weitblickender Mann. Das zeigen besonders seine Ansichten über die Erziehung des weiblichen Geschlechts, über die seruelle Frage und über die Wertlosigkeit des Gesinnungsdrills. * hs. Eingegangene Schriften. Unsere Jugend unsere Zukunft. Von Prof. Dr. Karl Brunner, Dezernent beim Polizeipräsidium Berlin. Herausgegeben von der Kolonial- Kriegerspende. Berlin- Lichterfelde, Hugo Bermühler. 50 Pf. Ein deutsches Jugendgesez. Vom Wirkt. Geh. Admiralitätsrat Dr. Felisch, Abteilungschef im Reichsmarineamt. Berlin 1917, Ernst Siegfried Mittler& Sohn. 1 Mt. Von der Seele des Soldaten im Felde. Von Erich Everth. Bemerkungen eines Kriegsteilnehmers. Tat- Flugschriften 10. Jena 1916, Eugen Diederichs. 80 Pf. Lehrgang zur vollständigen Erlernung der vereinfachten deutschen Stenographie. Bearbeitet von Paul Barthel. Verlag Fritz Schlüns, Berlin N. 32 Seiten. 75 Pf. Die Kurzschrift hat sich im Laufe ihrer Entwicklung immer mehr von einer bloßen Redezeichenkunst zu einer Schrift für den täglichen Gebrauch umgebildet. Je weiter diese Umbildung fortschritt, desto mehr fand die Kurzschrift auch in den breiten Massen des Volkes Eingang. Zu den besten Systemen gehört das Einigungssystem StolzeSchrey, dessen Pflege in der arbeitenden Bevölkerung sich der ArbeiterStenographenverein zur Aufgabe macht. Die größte Zweigstelle dieser Organisation, die Mitgliedschaft Groß- Berlin, ist jetzt zur Herausgabe eines neuen Lehrbuches übergegangen, das von Paul Barthel, Redakteur an der„ Dresdener Volkszeitung", bearbeitet worden ist. 164 Die Gleichheit wirtschaftlichen Unfallversicherung ist die Zahl der weiblichen Verlegten viel größer. In dieser verminderte sich die Zahl der erwachsenen weiblichen Verletzten in der angegebenen Zeit von 30 286 auf 25857, dagegen vermehrte sich die der weiblichen von 11220 auf 12725. Bei den Jugendlichen trat eine Vermehrung von 1067 auf 1492 beziehungsweise 367 auf 517 ein. Dabei ist nicht aus dent Auge zu lassen, daß die„ kleineren" Unfälle, von denen vorzugsweise die Arbeiterinnen betroffen werden, im Laufe der Zeit mehr und mehr von der Entschädigung ausgeschlossen worden sind. Bei einigen Berufsgenossenschaften, in deren Betrieben viel Frauen beschäftigt werden, ist die Zahl der verletzten Arbeiterinnen besonders groß. So betrug zum Beispiel im Jahre 1915 bei der Nahrungsmittelindustrie Berufsgenossenschaft die Zahl der männlichen Verlegten 644, die der weiblichen 241, bei der Norddeutschen MetallBerufsgenossenschaft 868( die der weiblichen 835), Norddeutschen Textil- Berufsgenossenschaft 237( 114), Papierverarbeitungs- Berufsgenossenschaft 248( 140), Bekleidungsindustrie- Berufsgenossenschaft 330( 152), Buchdrucker- Berufsgenossenschaft 250( 103). Der Krieg hat die Unfallhäufigkeit der Arbeiterinnen stark vermehrt. Vom Reichsversicherungsamt und anderen Stellen sind Maßnahmen getroffen worden, sie einzuschränken. Das hat bisher nur mangelhaften Erfolg gehabt, da es an der nötigen Aufsicht der Betriebe fehlt. Es sollte zum Schutze der Arbeiterinnen mehr geschehen! Die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation legte Genossin Gertrud Hanna, die Redakteurin der„ Gewerkschaftlichen Frauenzeitung", in einer Versammlung der Transportarbeiterinnen in Danzig dar. Vor dem Kriege waren von 9 Millionen erwerbstätiger Frauen nur 200 000 gewerkschaftlich orga= nisiert. Der Einwand, den viele unverheiratete Arbeiterinnen früher gegen die Organisation hatten, daß sie sich bald verheiraten mürden, ist durch den Krieg zum größten Teil in Fortfall gekommen, die Heiratsmöglichkeit ist bedeutend eingeschränkt worden. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die Lebensmittelteuerung werden noch lange nach dem Kriege anhalten, so daß auch eine große Zahl der verheirateten Frauen zur Mitarbeit gezwungen ist. Sollen aber die vielfach schlechten Arbeitsverhältnisse und die geringe Entlohnung mit Erfolg bekämpft werden, dann muß auch jede arbeitende Frau erkennen, daß sie der gewerkschaftlichen Organisation angehören muß. Fabrikpflegerinnen. Auf Veranlassung des Kriegsamts in Berlin sollen überall, wo Fabritarbeiterinnen in größerer Zahl beschäftigt sind, sogenannte Fabritpflegerinnen angestellt werden. Es erheben sich aber in den gewerkschaftlichen Organisationen erhebliche Bedenken, ob die Einrichtung der Fabrikpflegerinnen, so wie sie vorgenommen werden soll, eine fruchtbare, im Interesse der Arbeiterinnen liegende Tätigkeit wird entfalten können. Soll diese Voraussetzung gegeben sein, so ist vor allem nötig, daß die Fabrikpflegerin unabhängig ist vom Fabrikanten und daß sie das volle Vertrauen der Arbeiterinnen besitzt. Denn diesen soll sie in den mannigfachen sozialen Angelegenheiten der Kinderpflege und der Kindererziehung, der Wohnungsfürsorge helfen. Am besten werden sich solche Frauen dazu eignen, die aus den Arbeiterinnenschichten stammen. Will man dagegen mit einer vorgefaßten Absicht das Arbeiterinnenelement ausschalten, so begeht man den größten Fehler. Denn nur dann, wenn die Fabrifpflegerinnen sich das Vertrauen aller Arbeiterinnen erringen, können sie fruchtbar wirken; fehlt dies, so ist die ganze Einrichtung von Anfang an ein totgeborenes Kind. Genossenschaftliche Rundschau Der Konsumverein Sendling München hat in den Arbeiterhäusern der Königlichen Artilleriewerkstätten eine Verkaufsstelle er richtet, die zur Versorgung der dort beschäftigten Arbeiter dient. Das brachte die Handwerkskammer und andere Mittelstandsorganisationen in Harnisch. In einer Eingabe an das bayerische Striegsministerium wurde die Aufhebung des Lagers und ein Verbot des Verkaufs an die übrigen Mitglieder beantragt. Die Artilleriewerkstätte und die Feldzeugmeisterei haben diesem Antrage aber nicht entsprochen. Auch das Kriegsministerium hat den Antrag der Mittelständler abgelehnt. Eine Schweinemast- Genossenschaft des staatlichen Verkehrspersonals der Pfalz wurde unter Beteiligung der Staatseisenbahnverwaltung gegründet. Der Zweck der Gründung ist, die Teilhaber als Selbstversorger( also zu höherem Verbrauchssay als gewöhnlich) mit Schweinefleisch aus der Genossenschaft zum Selbstkostenpreis zu versorgen. Dieser Preis wird voraussichtlich höher sein als der gesetzliche Höchstpreis. Es handelt sich jedoch darum, überhaupt Schweinefleisch zu erzeugen, das sonst monatelang nicht in die Hände der Verbraucher gelangt. Nr. 23 Als zweiter deutscher Konsumverein hat nun auch der Allgemeine Konsumverein für Düsseldorf und Umgegend ländlichen Großgrundbesitz erworben. Der Verein betreibt neben seiner Großbäckerei eine Limonadenerzeugung, Bierabfüllerei und Staffeerösterei. Der Plan der Errichtung einer Schlächterei und einer Molkerei bestand schon vor dem Kriege. Zur leichteren Durchführung der Errichtung einer Molkerei liegt der Gedanke des Erwerbs von Landgütern nahe. Die Verwaltung entschied sich unter den vorliegenden Angeboten für das Gut Söbberingshoff bei Erwitte in Westfalen. Das 1271 Morgen große Gut wurde mit dem Herrenhause, allem lebenden und toten Inventar, der auf den Feldern stehenden Ernte und zuzüglich von 32000 Mt. Attien einer benachbarten Zuckerfabrik für den Preis von 800 000 Mt. erworben. Der Boden ist zumeist schwerer Weizenboden, das Gut ist in der Hauptsache auf Körnerbau eingerichtet, doch sind immerhin 17 Pferde, 66 Rinder, 450 Schafe und Lämmer und 17 Schweine als Viehbestand festgestellt. Stallungen für größere Viehbestände sind reichlich vorhanden. Auch sind 100 Morgen Schafweide und 75 Morgen Wald vorhanden. Zunächst soll die Bewirtschaftung in gewohnter Weise von dem langjährigen Verwalter weitergeführt werden. Inwieweit allmählich die Erzeu gung sich dem Bedürfnis nach Milch- und Fleischprodukten anpassen läßt, hängt von der Jnangriffnahme der Molkerei und Schlächterei ab. Daß bei dem Erwerb des Gutes mit aller Vorsicht vorgegangen wurde, versteht sich angesichts der verantwortungsvollen Stellung einer Konsumvereinsverwaltung von selbst. Unter anderem wurde als Sachverständiger auch der Leiter des dem Hamburger Konsumverein„ Produktion" gehörenden Gutes Schwanheide zugezogen. Es ist für die Verbraucher, vor allem auch für die Frauen, von großem Interesse, daß auch deutsche Konsumvereine die Bewirtschaf= tung großer Landgüter in die Hand nehmen. Bekanntlich haben die britischen Konsumvereine bereits seit Jahren große Werte in landwirtschaftlichen Betrieben festgelegt. Nachdem die Kriegswirtschaft die Wichtigkeit der Versorgung der Bevölkerung aus den Erzeug nissen der heimischen Landwirtschaft in überzeugender Weise dargetan hat, dürfte sich das Interesse der genossenschaftlichen Verbraucherorganisationen mehr als bisher der landwirtschaftlichen Erzeugung zuwenden. Die Erfolge der ersten Versuche auf diesem Gebiete werden von den großen kapitalfräftigen Stonsumvereinen mit allem Ernste zu verfolgen sein. Es eröffnet sich hier ein weites und überaus wichtiges Gebiet für die Betätigung der deutschen Konsumvereine. Die Verbraucher find den Konsumbereinen, welche als erste auf noch unübersichtlichem Boden bahnbrechend vorgehen, Dant schuldig. Was es bedeuten würde, wenn landwirtschaftliche Produkte in nennenswertem Umfang von den Konsumvereinen erzeugt werden könnten und unter Ausschaltung des Erzeuger- und Händlerprofits in die Hände der Verbraucher gelangen würden, das braucht hier nicht des näheren erörtert zu werden. Die Aufgabe ist des Schweißes der Edlen wert. Über das Wachstum der Konsumvereine und seine Ursachen sagt ein bürgerliches Blatt, die„ Amberger Volkszeitung" folgendes: „ Gar manche wirtschaftlich erfahrene Männer hatten einen Rückgang der Konsumvereinsbewegung während des Krieges prophezeit. Die lange Dauer, die teure Lebenshaltung treiben aber manche, die dem Konsumverein bisher nicht freundlich gegenüberstanden, in die Reihe seiner Mitglieder. Auch die herablassende, gnädige, wenig liebenswürdige Art der Behandlung der Kundschaft, die da und dort zu beobachten ist, schafft unserem faufmännischen Mittelstand manchen dauernden Gegner seiner Interessen und fördert die Konsumvereinsbewegung." Ein anderes Blatt aus bürgerlichen Kreisen, der„ Brot fabritant", sagt bei einer Besprechung der schwierigen Lage des Bäckergetverbes nach dem Kriege:„ Es ist die Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß während des Krieges vielfach zugeständ= nisse an den Sozialismus gemacht sind, die noch lange nachwirken werden und zu einem verstärkten Zugang zu den Konsumvereinen führen werden." Hoffentlich behält der„ Brotfabrikant" mit dieser Prophezeiung recht! Der größte Konsumverein der Schweiz, der Allgemeine Konsumberein in Basel hat trotz der schwierigen Striegsverhältnisse, die auch in der Schweiz recht große sind, im Jahre 1916 einen Umsag von 27,8 Millionen gegen 26 Millionen im Jahre vorher erreicht. Während die Abteilungen für Bier und Brennmaterialien einen Minderumsatz aufweisen, sind alle übrigen Abteilungen im Umsatz gestiegen. In Obst und Gemüse wurden 1,9 Millionen und in Milch 6,8 Millionen Frank umgesetzt. Der Verein, dem mehr als 90 Prozent aller Basler Einwohner angehören, hat auch im dritten Kriegsjahr seine hervorragende Stellung im Wirtschaftsleben der Stadt Basel behauptet. cht. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Diet Nachf. G.mt.b.s. in Stuttgart.