Nr. 2 A. g. XIII 28. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Der Monat Oktober Stuttgart 26. Oftober 1917 gehört in diesem Jahre den Frauen. Eine ausgedehnte, weitgreifende Werbetätigkeit ist lange vorher sorgsam vorbereitet worden und sucht nun in den vier Wochen des Oktober überall in Deutschland ihre Aufgaben zu erfüllen. Zahlreiche Werbeversammlungen finden statt, durch die viele Tausende von Frauen wieder einmal über die Ziele und Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung unterrichtet und mit Wärme für sie erfüllt werden. In allen Versammlungen gelingt es, neue Mitglieder für die politische und gewerkschaftliche Organisation und neue Bezieherinnen für die„ Gleichheit" zu gewinnen. Tausende und aber Tausende von Flugblättern und Aufklärungsschriften werden in diesen Wochen in die Hände von Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen gelegt, damit sie durch die Lektüre wenigstens vorübergehend von dem Druck des Strieges entlastet werden und wieder den Glauben an eine Zukunft gewinnen, in der zu leben und zu streben sich verlohnt. In unserer Tagespresse erscheinen in dieser Zeit zahl reiche wertvolle Aufsätze, in denen die Stellung der Frau im Krieg, ihre Bedeutung nach dem Krieg, die Pflichten und Rechte der Frauen, die neuen sozialen Aufgaben der Frauen in ein gehender Weise von sachverständiger Seite behandelt werden. So greift alles ineinander, um den Zweck des Werbemonats zu erreichen. Wo man bisher noch gesäumt hat, mit tatkräftiger Arbeit vorzugehen, tue man es sofort. Als Ergebnis unserer Arbeit müssen wir zahlreiche neue weibliche Mitglieder und zahlreiche neue Bezieherinnen der „ Gleichheit" buchen können. Auf ans Werk! Zum Luthertag. Von Dr. Paul Lensch. B Vier Jahrhunderte sind am 31. Oktober 1917 verflossen, seitdem Luther an die Schloßkirche zu Wittenberg seine Thesen gegen den Ablaß anschlug. Es war eine oft geübte Sitte, daß Universitätsprofessoren und Luther war Professor an der Universität Wittenberg- zur Erörterung schwieriger Probleme Leitfäße aufstellten und zu deren Diskussion den Gegner auf bestimmte Frist einluden. Außerlich war also Luthers Vorgehen durchaus das übliche Verfahren, und niemand war über den ungeheuren Erfolg seines Vorgehens mehr überrascht als Luther selber. Und doch rechnet man von jenem 31. Oktober 1517 den Beginn einer neuen Geschichtsepoche. Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Es war die Geburt der freien Persönlichkeit gegenüber den mit unwiderstehlicher Gewalt ausgerüsteten Autoritäten des Mittelalters, die sich in der Reformation durchsetzte. Damit war das Ende des Mittelalters selber besiegelt, und die Epoche des Individualismus begann. Der durchschnittliche mittelalterliche Mensch war ein Herdenmensch. Im Denken, Fühlen und Glauben war er vom ersten Schritt an feste Autoritäten gebunden. Die Kirche regelte sein Tun und Lassen, wirtschaftlich unterstand er den Geboten der Zunft. Für eine freie Betätigung war kein Play. So glichen die Menschen einander, wie uns auch heute noch die Angehörigen unkultivierter Naturvölker vollkommen einander zu gleichen scheinen. Hieraus erklärt sich auch die Tatsache, daß in der Geschichte des Mittelalters so wenige Einzelpersönlichkeiten plastisch hervortreten. Als handelnde Straft erscheint schlechthin die unterschiedslose, aber wohlorganisierte Masse, in der jeder Teil dem anderen gleicht wie in der bewegten Meereswoge, wo ebenfalls kein Wassertropfen sich vom anderen unterscheidet. Aber im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert begann unter dem Einfluß großer wirtschaftlicher Umänderungen, geographischer Entdeckungen und technischer Erfindungen diese starre Geisteswelt sich zu zersetzen. Die Entstehung des Welthandels, das Erstarken der Kaufmannschaft, die Umwälzung der Verkehrswege, die Erfindung der Buchdruckerkunst, die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien usw. schufen eine ganz neue geistige Atmosphäre. Die Bande des mittelalterlichen Familienlebens, der mittelalterlichen Genossenschaft, des mittelalterlichen Rechts begannen zunächst in den Kreisen des Großbürgertums zu zerreißen. Die Intelligenz und der Wagemut fingen an, sich zu regen. Die auf sich selbst gestellte Persönlichkeit galt, und alle materiellen Umstände einer neuen Zeit dienten ihrer Entwicklung. Im Gegensatz zu dem genossenschaftlichen Prinzip des Mittelalters trat jetzt der persönliche Egoismus als Triebfeder besonders im Handel hervor. Dazu kam die vollkommene Umwälzung des Weltbildes durch die großen Entdeckungen von Vasco da Gama und Kolumbus, nicht minder aber auch von Kopernikus.„ Vielleicht ist noch nie eine größere Forderung an die Menschheit gestellt worden," urteilt Goethe über das Aufkommen des Kopernikanischen Weltsystems, das die Erde aus dem Mittelpunkt der Welt in einen kleinen, beiläufigen Himmelskörper unter zahllosen anderen verwandelte,„ denn was ging nicht alles durch diese Anerkennung in Dunst und Rauch auf: ein zweites Paradies, eine Welt der Unschuld, Dichtkunst und Frömmigkeit, das Zeugnis der Sinne, die überzeugung eines poetischreligiösen Glaubens; kein Wunder, daß man dies alles nicht wollte fahren lassen, daß man sich auf alle Weise einer solchen Lehre entgegensezte, die denjenigen, der sie annahm, zu einer bisher unbekannten, ja ungeahnten Denkfreiheit und Großheit der Gesinnungen berechtigte und aufforderte." " Diese Dentfreiheit und Großheit der Gesinnungen", die sich aus der geschilderten Umwälzung aller Verhältnisse ergab. konnte und wollte sich auch mit der alles regelnden Vormundschaft der Kirche nicht mehr abfinden. Die Rebellion der„ freien" 10 Die Gleichheit Persönlichkeit gegen die geistigen Bindungen des Mittelalters vollzog sich in Deutschland in der welthistorischen Bewegung, die sich an den Namen Luthers knüpft und die wir Reformation zu nennen uns gewöhnt haben. In seinen großen Jahren von 1517 bis 1520 hat Luther wie ein Revolutionär nicht bloß gesprochen, sondern auch gehandelt, und die Schriften, die er damals schrieb, liefen wie Feuerbrände in die Reihen der Gegner. Allein es war das Verhängnis deutscher Geschichte, daß diese große Freiheitsbewegung sehr bald der Reaktion zum Opfer fallen mußte, und daß Luther selber dazu entscheidende Hilfe leistete. Außerlich gesehen war Deutschland noch zu Luthers Zeit wirtschaftlich in glücklichster Entwicklung. Der Reichtum und die Bracht besonders der füddeutschen Städte war niemals größer gewesen. Und doch befand sich das Reich schon in entscheidendem Abstieg. Die Verschiebung der Seewege durch die großen geographischen Entdeckungen, die so viel zur Befreiung der Persönlichkeit aus den Fesseln mittelalterlicher Gebundenheit beitrug, sollte gerade in Deutschland nicht zu voller Auswirkung gelangen. Das Reich, das politisch schon seit dem dreizehnten Jahrhundert der Auflösung entgegentaumelte, ging nunmehr auch wirtschaftlich seiner Zerfeizung entgegen. Die Geldwirtschaft verfiel, der Handel verfam, rohe, längst überwundene Naturalwirtschaft kam wieder auf, die Wissenschaften flohen das verarmende Land, bis dann endlich im siebzehnten Jahrhundert der Dreißigjährige Strieg mit seiner grenzenlosen Verwüstung deutscher Kultur das Schlußsiegel unter diese Entwicklung trostlosen geistigen wie wirtschaftlichen Niederganges drückte. Es war klar, daß die lutherische Bewegung von dieser Entwicklung entscheidend beeinflußt werden mußte. Diese tief in der unglückseligen Weltlage Deutschlands begründeten materiellen Bedingungen waren es, die dem Luthertum je länger um so schärfer den Charakter des Reaktionären, Fortschrittsund Bildungsfeindlichen aufprägten. Schon Luther wetterte über die„ Hure Vernumft" und predigte die Allmacht der Obrigkeit, was damals nichts anderes hieß, als die Allmacht der fleinen Landesfürsten mit ihren oft höchst wunderlichen" Einfällen und Methoden predigen. Gegen die revolutionären Bauern nahnt er die schärfste Stellung ein und sprach die scheußlichen Worte:" Ihr Blut komme über meinen Hals!" Das erstartende Landesfürstentum, dieses geschichtliche Kennzeichen deutscher Ohnmacht und Zerseßung, konnte in Luther und seiner Bewegung mit Recht sein stärkstes Bollwerk erblicken, und so kam es, daß die großen befreienden Losungen, mit denen Luther in seinen großen Jahren begonnen hatte, bald wie eine Karikatur auf das Lutherium wirkten. Gegenüber der freieren Stellung des reformierten Bekenntnisses sant das Luthertum auf die gebundene Stellung des Katholizismus zurück, und beide Kirchen, die das innere Deutschland von Ende des sechzehnten bis ins achtzehnte Jahrhundert vollkommen beherrschten, Luthertum und Katholizismus, haben gemeinsam den freien Aufschwung der Geister systematisch niedergehalten. Nicht in Deutschland, sondern in den Niederlanden, vor allem aber in England und der Neuen Welt sollte das neue Menschentum erstehen, als dessen Vorkämpfer Luther geschichtlich berufen schien. Dort erst entwickelten sich jene materiellen Bedingungen, deren Gunst die Grundlage für die geschichtliche Größe jener beiden Länder war. Aber auch noch in einer anderen Hinsicht verrät sich die geschichtliche Rückständigkeit Deutschlands. Was der neuen Generation, die um die Wende des fünfzehnten zum sechzehnten Jahrhundert in Deutschland aufwuchs, noch immer fehlte, das war die Frau. Nicht entfernt spielen die Frauen in dieser Periode unserer Geschichte eine Rolle, wie wir sie in der verwandten Entwicklung Italiens spielen sehen. Der reichen Anzahl hochbedeutender, gelehrter, liebenswürdiger und begeisterter Frauen der italienischen Renaissance hat die deutsche Entwicklung nichts oder so gut wie nichts entgegenzusetzen. Für Luther selber und seine geistige Entwicklung hatten die Frauen feine Rolle gespielt. Er brach zwar mit der priesterlichen Ehelosigkeit und heiratete seine Käthe, aber er sagte selber von Nr. 2 ihr, daß er sie, als er sie heiratete, nicht geliebt habe. Noch war die Stellung der Frau in Deutschland zu unentwickelt, als daß bereits bedeutende oder originelle weibliche Persönlichkeiten eine geschichtliche Rolle hätten spielen können. Der heutigen Welt hat Luther und seine Zeit nichts mehr zu sagen. Es ist eine abgeschmackte und ungeschichtliche Auffassung, zu glauben, daß wir heutzutage noch mit der Geisteskultur der Reformation durch unmittelbare Zusammenhänge verbunden seien. Uns drängen andere Sorgen, und auch die geistigen wie materiellen Entwicklungsbedingungen unserer Zeit sind völlig andere geworden. Das hindert aber nicht, daß auch die deutsche Arbeiterklasse selbst in den furchtbaren Kämpfen unserer Zeit den Blick zurücklenkt zu jenem entscheidenden Wendepunkt unserer Geschichte, auf dem ewig ein eigentümlicher Glanz liegen wird, und von dem einer der stolzesten und unabhängigsten Kämpfer jener Tage das Wort prägen fonnte: es ist eine Lust zu leben, die Geister erwachen im Lande. Die Spartaner. Im letheischen Kahn sah Pluto kommen dreihundert Krieger auf einmal: still landeten alle sie an. Das sind Sparter, sprach er; sie fragen die blutenden Wunden Keiner im Rücken, alle in der beherzten Brust. Ruht nun, Tapfere, satt des Krieges! Ruhet in meinem Schlaf aus, Männer des Mars, unüberwundenes Volk. Zur Frage der Fabrikpflegerinnen. Herder. Für Frauen, die ihre Wirtschaft in Ordnung zu halten und Kinder zu versorgen haben, ist immer schon die übernahme außer häuslicher Erwerbsarbeit keine leichte Sache gewesen. Verheiratete Frauen suchten deshalb mit Vorliebe sich Verdienstgelegenheit durch Heimarbeit zu verschaffen. Während des Krieges sind die Nöte für die arbeitenden Frauen noch größere geworden, vor allen Dingen durch die Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Viele Frauen, die gern arbeiten würden, um zu ihrer Kriegsunterstützung etwas dazuzuverdienen, nehmen deshalb davon Abstand und richten sich lieber mit ihrer Unterstüßung aufs äußerste ein. Die Unmöglichkeit, ihre Kinder gut unterzubringen und sich als arbeitende Frau die nötigen Lebensmittel zu beschaf= fen, ist es zumeist, die Frauen, namentlich Mütter kleinerer Kinder, von der übernahme außerhäuslicher Erwerbsarbeit abhält. Mit dieser Situation müssen die Frauenreferate bei den Kriegsamtstellen rechnen, die zur Heranziehung aller verfügbaren Frauenkräfte für die notwendigen Arbeiten des Heeresbedarfs und der Versorgung der Bevölkerung gebildet worden sind. Man hat bekanntlich die Frauen dem Hilfsdienstgeseh nicht unterstellt. Die Frauenreferate sollen ermöglichen, in weitem Maße Frauen für die notwendigen Arbeiten zu gewinnen und ihnen durch den Ausbau oder die Neuschaffung von Fürsorgeeinrichtungen die Übernahme von Arbeit zu erleichtern. Neben der Sorge um passende Unterkunft für die Kinder der arbeitenden Frauen und die Regelung der Lebensmittelfrage spielt die Beschaffung geeigneter Wohn- und Schlafgelegenheiten für die arbeitenden Frauen und Mädchen eine große Rolle in der Tätig= keit der Frauenreferate. Der ungeheure Bedarf des Heeres an Munition und anderen Dingen war Veranlassung, daß vielfach die dafür tätigen Betriebe stark vergrößert werden mußten. Verschiedentlich sind Betriebe während des Krieges neuentstanden in Gegenden, in denen Frauenarbeit in größerem Umfang früher gar nicht anzutreffen war. Das hat Verschiebungen der Arbeitskräfte aus anderen Orten zur Folge gehabt. Am Orte der Arbeit fehlten aber Einrichtungen zur Unterbringung der Arbeiterinnen. Vielfach waren die Wohngelegenheiten für die zugereisten Arbeitskräfte derartig mangelhafte, daß diese nicht blieben oder größten Gefahren für ihre Entwicklung und ihre Gesundheit ausgesetzt waren. Auch der Transport der Arbeitskräfte und ihre Verpflegung boten zu Klagen berechtigten Grund. Die trüben Erfahrungen warenaber Veranlassung, daß weitere Abwanderungen auf Widerstand stießen, die nicht nur im Hinblick auf die Arbeiterknappheit an manchen Orten, sondern auch wegen der Stillegung von Betrieben aus Rohstoffmangel an anderen Plätzen notwendig sind. Dazu kam dann noch die Art der Beschäftigung der Frauen in den Be Nr. 2 Die Gleichheit trieben. Namentlich dort, wo Frauenarbeit früher nicht üblich war, in neu errichteten und vergrößerten Betrieben, hatten sich Zustände herausgebildet, die Leben und Gesundheit der arbeitenden Frauen in Gefahr brachten und keineswegs geeignet waren, Frauen, die nicht unbedingt auf die übernahme von Arbeit angewiesen waren, dazu zu veranlassen oder sie dabei zu halten. Zur Behebung dieser und anderer Schwierigkeiten ist durch die Frauenreferate die Einstellung von Fabrikpflegerinnen angeregt und sind Kurse zur Ausbildung eingerichtet worden. Bis dahin waren Fabrikpflegerinnen in Betrieben eine nahezu unbekannte Erscheinung. In einigen, aber sehr wenigen großen Betrieben existierten Krankenpflegerinnen, die diesen Namen führten und die bei Unglücks- und Krankheitsfällen erste Hilfe Teisten mußten. In einigen Betrieben waren Fabrikpflegerinnen als Förderinnen der gelben Organisationen und als Leiterinnen der von den Unternehmern dafür geschaffenen Wohlfahrtseinrich tungen tätig. In der Öffentlichkeit erfuhr man von diesen Einrichtungen so gut wie nichts. Die jetzigen Fabrikpflegerinnen sollen sowohl das Interesse des Unternehmers wie das der Arbeiterinnen wahrnehmen und das Bindeglied darstellen zwischen Arbeiterinnen und Fürsorgeeinrichtungen außerhalb des Betriebs und zwischen Arbeiterinnen und Unternehmern. Das erschwert ihre Stellung ungemein, zumal fie vom Unternehmer angestellt und bezahlt werden. Nur sehr taktvolle und energische Persönlichkeiten, die auf sozialem Gebiet große Erfahrung befizen und denen das Leben der Arbeiterinnen bekannt ist, werden den Posten ausfüllen fönnen. Sie müssen auch Kenntnisse besitzen auf dem Gebiet der Betriebshygiene und der Arbeiterschutzvorschriften, wenn sie im Betrieb für die Beseitigung der Berufsgefahren wirken und den Arbeiterinnen Erleichterungen verschaffen wollen. Ganz abgesehen davon, daß in dieser Weise erfahrene Persönlichkeiten wohl nicht gerade zahlreich vorhanden sein werden und die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur möglichen sehr furzen Ausbildungskurse für Fabrikpflegerinnen ihnen diese Fähigkeiten nicht geben können, werden Fabrikpflegerinnen die beabsichtigte Wirksamkeit nach beiden Seiten schon deshalb schwerlich ausüben können, weil sie von den Unternehmern angestellt und bezahlt werden. Die Erleichterungen im Betrieb für die arbeitenden Personen zu schaffen, sind die Unternehmer vielfach gesetzlich verpflichtet. Die Arbeiterschaft hat deshalb berechtigtes Mißtrauen dagegen, daß eine Angestellte des Unternehmers ihn zur Erfüllung Feuilleton Ein grünes Blatt. Von Theodor Storm. „ Es ( Schluß.) 9 11 dieser gefeßlichen Verpflichtung veranlassen kann, die den Arbeitern und Arbeiterinnen bis dahin nicht gelungen ist. Dazu kommt, daß die Fabrikpflegerinnen fast ausnahmlos betriebsfremde Personen find, meist junge Mädchen oder junge Frauen, Schülerinnen sozialer Frauenschulen, die das Leben der Arbeiterinnen nur aus der Theorie kennen und, soweit sie bisher mit der Arbeiterschaft in Berührung gekommen sind, nur die verhältnismäßig kleine Schicht kennenlernten, die Fürsorgeorganisationen in Anspruch genommen haben. Bis zum Ausbruch des Krieges hat aber die große Masse der arbeitenden Personen fremde Hilfe nicht in Anspruch genommen. Praktische Erfahrungen von der Wirkung langandauernder Arbeit in den Betrieben dürften die Fabrikpflegerinnen wohl mit wenigen Ausnahmen auch nicht besitzen. Aus diesen Verhältnissen heraus kann die Wirksamkeit der Fabrikpflegerinnen leicht eine Richtung nehmen, die vom Kriegsamt und den Frauenreferaten der Kriegsamtstellen nicht beabsichtigt ist, die aber vom Standpunkt der Arbeiterorganisationen eine Gefahr bedeutet. Schon jetzt liegen Beweise dafür vor, daß durch die Fabrikpflegerinnen die Wohltätigkeitseinrichtungen der Unternehmer gefördert werden und daß selbst auf die Betätigung der Arbeiterinnen nach Feierabend ein Einfluß versucht wird, der der Entwicklung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiterinnen große Hindernisse in den Weg legt. Die Gefahr ist um so größer, weil sich einheitliche Richtlinien für die Tätigkeit der Fas britpflegerinnen nicht geben laffen. Dazu liegen die Verhältnisse zu verschieden. Gesellige Veranstaltungen und eine gewisse Kontrolle des Lebens der Arbeiterinnen nach Beendigung der Arbeit würden dort zum Beispiel im Interesse der Arbeiterinnen liegen, mo solche neu angesiedelt worden sind und ohne jeden Anhalt und ohne fremde Hilfe sich heimatlos und verlassen vorkommen. Es ist beweisbar, daß solche Arbeiterinnen beliebte Ausbeutungsobjekte für Wohnungsvermieter darstellen. Bei dem Mangel an gut durchgebildeten und praktisch erfahrenen Frauen, der gegenwärtig in der sozialen Fürsorge anzutreffen ist, ist damit zu rechnen, daß als Fabrikpflegerinnen nur selten erfahrene Persönlichkeiten fungieren und deshalb leicht wenn auch unbewußt einen Einfluß auf die Arbeiterinnen ausüben können, der ihrer Entwicklung zu selbständigen, aufrechten Menschen hinderlich ist. Da die Fabrikpflegerinnen den arbeitenden Frauen behilflich sein sollen, die Schwierigkeiten zu beheben, die sie wegen ihrer Kinder, mit der Beschaffung von Lebensmitteln und auch auf anderen Gebieten haben, zum Beispiel bei der Erlangung ihrer Unterstützung " daß jetzt zur Nachtzeit die Kanonen gingen? Regine schien nichts davon gehört zu haben; denn sie hob den Kopf ein wenig und sagte:„ Es schlägt zehn Uhr im Dorfe." Gabriel sprang auf; eine sehnsüchtige Ungeduld befiel ihn, es litt ihn nicht länger in der ahnungslosen Stille dieses Drtes.„ Regine," fagte er laut ,,, wenn ich mun wiederkäme!" Regine prätte weiter, ohne aufzusehen. Es ist nicht gerber Damante af den stop zu ihm ember, Anger. den Stangen durch nach den tiefhängenden Schoten. „ Kommst du denn auch nach drüben?" fragte Gabriel. " Ich? Ich nicht; ich komme nicht so weit. Nur einmal war ich fort; mein Vater hatte eine Schwester im Norden, vir fuhren fast den ganzen Tag. Aber mir gefiel's nicht dort; ich verstand die Ausrede der Leute nicht, und wenn ich mit ihnen sprach, fragten sie mich allezeit, wo ich zu Hause sei." ,, Aber du hast es einsam hier; so alle Tage mit dem alten Manne!" Sie nickte. Im Dorfe drunten ist's lustiger! Sie haben dem Alten auch öfters zugeredet, der Vogt und meine Mutter; aber er zieht nicht fort von hier; er sagt, er könne die Luft nicht vertragen zwischen den Häusern in der Dorfstraße." Gabriel hatte sich zu ihr gesetzt und half ihr pflücken. Regine schüttelte mitunter das Körbchen, das schon den Vorrat nicht mehr fassen wollte. Die Dämmerung nahm immer zu; sie suchten mit den Händen nach den Schoten, die sie kaum noch sehen konnten und die endlich immer wieder über den Rand des vollgehäuften Korbes hinabglitten. Aber sie ließen nicht ab; sie pflückten langsam weiter, als sei es ihnen damit angetan. Da hörte Gabriel einen Zon, dumpf, als käme er aus der Erde; und der Boden unter ihm schütterte kaum mert lich.- Er neigte das Dhr gegen die Erde und horchte. Da war es wieder; und bald noch einmal. Was geschah drüben, Sie rasch Kopf und sah bei Dämmerung in ihre großen glänzenden Dann hörten sie die Schritte des alten Mannes auf dem Gartensteig, und Gabriel trat ihm entgegen, um ihm zu danken und zu sagen, daß er gehen wolle. Als aber dieser ihm noch einmal den mun einzuschlagenden Richtweg bedeuten wollte, stand Regine auf und sagte ruhig:„ Laßt mur, Großvater; ich gehe mit zur Fähre." Der Großvater nickte und reichte Gabriel die Hand; dann aber, ihn noch einmal an der Stugelbüchse zurückhaltend, auf die er schon in der Kammer zuweilen einen scharfen Blick geworfen hatte, sagte er mit schlauem Lächeln:„ Wir sehen uns noch wieder, junger Herr; Sie kommen schon zurück morgen oder übermorgen."- Darauf. trat er unter die Haustür, und Gabriel folgte Reginen durch den Garten. Als sie auf die Wiese hinausgekommen waren, schien ihnen der Mond ins Angesicht. Am Immenhofe führte der Pfad vorüber; aber es war still geworden darinnen; nur ein Nachtschmetterling flog surrend über das schlafende Königreich der Bienen. Kaun einige tausend Schritte vor ihnen lag der Wald mit seiner schwarzen geheimnisvollen Masse. Als sie die feuchten Schatten erreicht hatten, welche weithin über die Wiesen fielen, fonnte Gabriel eine kurze Leiter aus Fichtenstämmen erkennen, welche zwischen dichten Gebüschen in das höher gelegene Gehege hinaufführte. Sie bogen das Gezweig beiseite und traten von der Leiter in das Innere des Waldes. Ein Fußpfad, jetzt kann 12 Die Gleichheit als Kriegerfrau, Kriegerwitwe, so ist durch diese Tätigkeit ohne weiteres ihnen ein Einfluß auf die Frauen gesichert. Unkenntnis des Lebens der arbeitenden Frauen und der Arbeiterschaft im allgemeinen, Unkenntnis auch in bezug auf die Praxis vicler Unternehmer kann leicht dazu führen, diesen Einfluß in einem für die Arbeiterschaft nicht günstigen Sinne auszuüben. Von Arbeiterseite ist deshalb empfohlen worden, daß die Fabrikpflegerinnen ihre Tätigkeit im Betrieb in engster Fühlung mit den Arbeiterausschüssen ausüben sollen. Das ist schon deshalb notwendig, weil die Arbeiterausschüsse für Forderungen, die die Unternehmer nicht freiwillig erfüllen, das Rückgrat abgeben kön= nen. Ferner wurde empfohlen, wenn Fabrifpflegerinnen eingestellt werden sollen, solche nach Möglichkeit aus den Kreisen der Arbeiterinnen zu entnehmen. Offen bleibt dabei die Frage, ob die Einstellung von Fabrikpflegerinnen überhaupt als notwendig angesehen wird und ob die Einstellung empfohlen werden könnte, wenn die Fabrikpflegerinnen nicht Angestellte des Unternehmers, sondern Beamte der Gewerbeaufsicht sind. Als Angestellte des Unternehmers dürften sie, abgesehen von den Fällen, wo sie für den Ausbau der gelben Organisationen und der Wohltätigkeitseinrichtungen der Unternehmer wirken sollen, in der Regel wohl nur während des Krieges in Frage kommen, auch nur während des Krieges Tätigkeit entfalten können. Auf jeden Fall aber steht heute schon fest, daß die Arbeiterschaft. alle Veranlassung hat, für die Organisierung der weiblichen Arbeitskräfte auch aus dem Grunde einzutreten, daß die unter der Kriegsnotwendigkeit geschaffene Institution der Fabritpflegerin sich nicht zu einer Schädigung der Arbeiterinteressen auswächst. Die Institution ist erst im Werden begriffen. Auch die Unternehmer verhalten sich häufig ablehnend. Nur dort, wo die Kriegsämter Einfluß ausüben können, sind bis jetzt Fabrikpflegerinnen in erheblicher Zahl tätig, vor allen Dingen in staatlichen Betrie ben. Das Waffer- und Munitionsbeschaffungsamt hat vor einiger Zeit an alle Dienststellen seines Bereichs eine Verfügung erlassen, wodurch die Anstellung von Fabrikpflegerinnen den staatlichen Betrieben zur Pflicht gemacht wird. Gertrud Hanna. Aus unserer Bewegung L. S. Altona- Ottensen.( Es geht vorwärts!) In dichten Reihen saßen und standen die Kriegerfrauen im Ottenser„ Parteihaus", als am Mittwoch, den 26. September Genosse Kürbis die Notwendig erkennbar in der Dämmerung, führte sie seitwärts hart am Waldessaum entlang, so daß sie zwischen den einzelnen Bäumen und Gebüschen auf die draußen im Mondschein liegenden Wiesen hinaussehen konnten. Regine ging voran. Das Mondlicht spielte zwischen den Zweigen herein und hing sich wie Tropfen an die dunklen Blätter; mitunter streifte ein voller Strahl den blonden Mädchenkopf, der dann auf einen Augenblick flar aus dem Dunkel hervortrat, um sogleich wieder darin zu verschwinden. Gabriel ging schweigend hinter ihr her. Er hörte nichts als das Rauschen ihrer Füße in dem überjährigen Laub und das Arbeiten der Käfer in den Baumrinden; kein Luftzug; nur das feine elektrische Snistern in den Blättern rührte sich kaum hörbar. Nach einer Weile kam aus dem Dunkel des Waldes etwas angerannt und trabte ihnen zur Seite. Gabriel sah zwei Augen in seiner Nähe blizzen. Was ist das?" fragte er. Ein Rehkalb sprang in den Weg." Das ist mein Kamerad!" rief das Mädchen; dann lief sie pfeilschnell auf dem Steige fort; das Tier hinter ihr drein. Gabriel blieb zurück und lehnte sich an einen Baum; er hörte es zwischen den Bäumen rauschen, er hörte das Mädchen in die Hände klatschen, dann alles in der Ferne verschwinden. Es wurde still um ihn her; nur die geheimnisvolle Melodie der Sommernacht wurde wieder seinem Ohr lebendiger. Er hielt den Atem an, er lauschte, er horchte den tausend feinen Stimmen, wie sie auftauchten und wieder hinschwanden; bald in unbegreiflicher Ferne, dann zum Erschrecken nahe; unbegreifbar leise, verhallend und immer wieder erwachend; er wußte nicht, waren es die Quellen, die durch den Wald zu den Wiesen hinabliefen, oder war es die Nacht selbst, die so melodisch rann. Der Morgen, an dem er das Haus verlassen hatte, der Abschied von seiner Mutter lag hinter ihm wie eine längst vergangene Zeit. Nr. 2 keit der Erhöhung der Familienunterstügung in Altona darlegte. Der Referent gab eine Übersicht über die Entwicklung der Familienunterstützung in Altona und zeigte an Hand einer Statistik über die Steigerung der Lebensmittelpreise während des Krieges, wie wenig die Erhöhung der Familienunterstüßung mit dieser Schritt gehalten hat. Im Hinblick auf die Tatsache, daß es den Frauen bei weitem nicht möglich ist, sich von der Familienunterstüßung auch nur diejenigen Waren zu kaufen, die es heute auf Marken gibt, so muß es wie ein Hohn wirken, daß die Bundesratsverordnung über die Familienunterstüßung besagt, daß jedem das zum Lebensunterhalt Nötige gewährleistet werden soll. Genosse Kürbis hat deshalb in der Kommission den Antrag eingebracht, sämtliche Unterstügungssätze im Monat um 10 Mt. und um weitere 3 Mt. für jedes Kind zu erhöhen und die unterste Stufe der Skala für die Abzüge von der Unterstügung wesentlich hinaufzusetzen. Außerdem hat er die Sicherstellung verlangt, daß eine wahrscheinlich bevorstehende Erhöhung der Reichsunterstützung nicht der Stadt Altona, sondern den einzelnen Unterstüßungsberechtigten zugute kommt. Hiergegen ist ein Antrag von der Geschäftsstelle der Familienunterstügung eingebracht worden, der eine geringere Erhöhung der Unterstützungssäge beantragt, weil", wie darin gesagt wird, die unbedingte Notwendigfeit für die Erhöhung nicht anerkannt werden könne". Indem Genosse Kürbis zum Schluß noch auf die Forderungen der Hauswirte auf Erhöhung der von der Stadt zu zahlenden Mietesätze einging, die er als unbegründet ablehnte, schloß er mit dem Hinweis, daß die von ihm beantragte Erhöhung der Unterstügung das Mindest= maß darstellen müsse und daß deshalb die sozialdemokratischen Stadtverordneten mit aller Energie hierfür eintreten würden. Die Kriegerfrauen, die wie oben bemerft besonders zahlreich erschienen waren, zollten nicht nur dem Redner am Schlufse und wiederholt während seines interessanten Vortrages lebhaften Beifall, sondern sie bekundeten ihr Verständnis dafür, daß ihre Interessen am besten von der sozialdemokratischen Partei wahrgenommen werden, dadurch, daß nach einer Aufforderung der Vorsigenden nicht weniger als 57 Frauen der Partei als Mitglieder beitraten. Wenn dieses einerseits ein Erfolg ist, der unseren sozialdemofratischen Stadtverordneten ein neuer Ansporn für ihre oft nicht leichte Arbeit sein wird, indem er ihnen das Vertrauen der arbeitenden Bevölkerung in ihre Tätigkeit beweist, so bedeutet er andererseits eine vorzügliche Einleitung des Frauenagitationsmonats, denn er zeigt den Genossinnen und Genossen, daß bei unseren ArbeiterEndlich kam das Mädchen zurück. Sie legte die Hand auf seine Büchse. Es ist so zahm," sagte sie, wir rennen oft zusammen!" " Das Klirren des Gehenkes weckte ihn.„ Kommi nur," sagte er, und weise mir den Weg!" Sie schwieg einen Augenblick; dann, dem Gaste gehorsam, bog sie von dem Steige, auf dem sie bisher gewandert waren, quer in den Wald hinein. Jeder betretene Pfad hörte hier auf; Baumwurzeln krochen am Boden hin und fingen den Fuß des Wanderers; niederhängende Zweige schlugen ihm ins Gesicht oder zupften ihn an der Büchse; es wurde so finster, daß er die Gestalt des Mädchens, welche waldkundig und unversehrt durch die Zweige schlüpfte, nicht mehr erkennen konnte. Nur manchmal, wenn er, plötzlich von unsichtbaren Dornen gerigt, einen ungeduldigen Ausruf nicht zu unterdrücken vermochte, hörte er vor sich ihr schadenfrohes Gelächter. Endlich aber harrte sie seiner und reichte ihm schweigend die Hand zurück. So gingen sie weiter. Ein Plätschern scholl aus der Ferne; Gabriel lauschte.„ Es ist das Fährboot," sagte sie, dort unten liegt die Bucht." Bald konnte er deutlich das Geräusch von Ruderschlägen unterscheiden; dann traten die Bäume plötzlich auseinander, und sie sahen frei ins Land hinaus, das in den sanften Umrissen der Mondbeleuchtung zu ihren Füßen lag. Die Wiesen waren ganz von silbergrauem Tau bedeckt; darüber lief der Fußpfad wie ein dunkler Strich zur Bucht hinab. Die Brücke des Mondspiegels streckte sich zitternd über das Wasser; das Fährboot, von der anderen Seite kommend, trat eben wie ein Schatten in den hellen Schein. Gabriel blickte nach dem jenseitigen Ufer hinab; aber er sah nur Duft und Dämmerung. ,, Nicht weiter," sagte das Mädchen und zog ihre Hand aus der seinen; hier über die Wiesen geht der Weg zur Fähre; du kannst nicht fehlen." Nr. 2 Die Gleichheit frauen der Boden bereit ist zur Aufnahme der Saat des Sozialis mus. Es ist daher Ehrenpflicht jeder Genossin und jedes Genossen, mitzuhelfen, daß der Frauenagitationsmonat zu einem vollen Erfolge wird. Dadurch können wir am besten den Alldeutschen beweisen, was es mit dem„ Niedergang der Sozialdemokratie", über ben sie schon triumphieren zu können glauben, auf sich hat! Jede Frau, die unserer Partei noch nicht angehört, sollte sich die ernste Frage vorlegen, ob sie es verantworten kann, beiseite zu stehen, wenn ihre Genossinnen für Ziele kämpfen, die in erster Linie auch ihr zugute kommen. Deshalb mit frischem Mut an die Arbeit! Aus dem 10. fächsischen Reichstagswahlkreis. Die auf der Reichskonferenz beschlossene Agitation für die Frauenbewe gung leitete unsere Kreisleitung nach Beschluß einer vorangegangenen Kreiskonferenz mit Versammlungen in Döbeln, Waldheim, Hartha, Geringswalde und Leisnig ein. Genossin JuchaczBerlin referierte über das Thema„ Frauen, Volkswirtschaft und Frieden". Sie führte den Frauen die Pflichten, die die Frau als Mutter, Erwerbsarbeiterin und Hausfrau zu erfüllen hat, vor Augen und stellte ihnen die heutige Rechtlosigkeit der Frau gegenüber. Nur durch Zusammenschluß, durch Stärkung der Organisation ist Verbesserung der rechtlichen und sozialen Lage der Frau anzustreben. Die Versammlungen erfreuten sich eines regen Besuches, vorzüglich die in Döbeln, die von ungefähr 500 Frauen besucht war. 50 Leserinnen für die„ Gleichheit" und 50 neue Mitglieder wurden gewonnen. Die Versammlung in Leisnig wurde leider verboten. Im Interesse einer jeden Behörde müßte es aber liegen, der Frau alle Möglichkeiten zu eröffnen, um über die heutigen Verhältnisse Klarheit zu gewinnen. In einer Zeit, wo Millionen Frauenhände mit ihrem Fleiß und ihrer Kraft die Volkswirtschaft stüßen, ist ein solches Verbot noch schärfer als sonst zu verurteilen. Für uns aber soll es eine Aufforderung sein, nun erst recht unermüdlich für die Werbung neuer Mitglieder und neuer Bezieherinnen der„ Gleichheit" tätig zu sein. Minna Schilling. Vom Fortgang des Frauenrechts Die Stellung der Frau in der politisch- sozialen Neugestaltung Deutschlands. Der Bund deutscher Frauenvereine hat an Regierungen und Parla mente im Reich und in den Bundesstaaten eine Dentschrift gerichtet, in der er die leitenden Gesichtspunkte und die entscheidenden ForSie selber standen noch im Schatten; aber bei der Fülle des Lichtes, die draußen webte, konnte er ihre ganze Gestalt erkennen und jedes Regen ihrer Gliedmaßen. Sie hatte im Laufen ihre Flechten aufgebunden, die nun wie ein Kranz auf ihrem Scheitel lagen. Sie erschien ihm auf einmal so stolz und jungfräulich; er konnte die Augen nicht von ihr lassen, als sie in den Mondschein hinauswies und ihm die Wege zeigte, die er gehen sollte. " So leb' denn wohl, Regine!" sagte er und reichte ihr die Hand. Aber sie trat von ihm zurück und sagte zögernd:„ Sag' mir noch eines weshalb mußt du in den Krieg?" ,, Weißt du es nicht, Regine?" " Sie schüttelte den Kopf. Großvater spricht nicht davon," sagte sie und sah wie ein Kind an ihm herauf. Er verlor sich stumm in ihren Augen; eine Nachtigall schlug plötzlich neben ihnen aus den Büschen, die Blätter fäufelten. Sie stand ihm gegenüber, ohne Regung, kaum belebt von lindem Atmen; nur in ihren Augen, im tiefsten Grunde, rührte sich die Seele; er wußte nicht, was so ihn anschaute. " Sprich nur!" sagte sie endlich. " Er ergriff einen Zweig, der ihr zu Häupten hing, und brach ein Blatt herab. Es ist für diese Erde," sagte er,„ für dich, für diesen Wald damit hier nicht Fremdes wandle, kein Laut dir hier begegne, den du nicht verstehst, damit es hier so bleibe, wie es ist, wie es sein muß, wenn wir leben sollen unverfälschte, süße, wunderbare Luft der Heimat!" Sie strich mit der Hand über ihre Haare, als wenn ein Schauer sie berühre. Geh!" sagte sie leise. Gute Nacht!" Gute Nacht; wo find' ich dich denn wieder?" " " Sie legte die Hände um seinen Nacken und sagte:„ Ich bleibe hier zu Haus!" 13 derungen für die Neugestaltung nach dem Kriege, soweit die Frauen dabei in Betracht kommen, darlegt. Bei all den Kundgebungen für die Neuorientierung, in den kaiserlichen Erlassen, Regierungserklä rungen und parlamentarischen Beschlüssen ist der Frauen nicht ge= dacht worden, was um so unbegreiflicher ist, als die Lebensbedingungen der Frauen durch den Krieg in entscheidendstem Maße verändert worden sind und die Frauen nach dem Kriege für die WiederHerstellung unserer Volkskraft die wichtigsten Aufgaben zu erfüllen haben. Es heißt darüber in der Denkschrift:„ Die Erörterung über die künftigen politisch- sozialen Grundlagen unseres Staatslebens kann und darf an der Frauenfrage nicht vorübergehen. Und sie kann und darf den Frauen gegenüber die Grundsätze nicht verleugnen, die auf allen anderen Gebieten durch die Neuorientierung zur Geltung gebracht werden sollen; auch die Stellung der Frau im Staat muß neugestaltet werden und nach dem Grundsatz der Heranziehung aller Volkskräfte zu verantwortlicher Mitarbeit." Im einzelnen behandelt die Denkschrift zunächst die Frauenfrage nach dem Kriege als volkswirtschaftliches und be= völkerungspolitisches Problem. Nicht als Lohn verlangten die Frauen die neuen Rechte, sondern aus dem Bewußtsein heraus, daß die verantwortliche Mitwirkung der Frauen im Staate eine unbedingte Notwendigkeit sei. Die weitgehende Heranziehung der Frau zu landwirtschaftlicher und industrieller Arbeit sei eine Folge der weltwirtschaftlichen Lage Deutschlands. Nach dem Kriege werde diese Mitarbeit der Frau nicht geringer werden, das ergebe sich schon aus dem ungeheuren Ausfall an männlichen Arbeitskräften. Eine richtige Lösung der daraus entstehenden Probleme sei nur durch Mitwirkung der Frauen zu erwarten. In bevölkerungspolitischer Beziehung sei diese Mitwirkung nicht minder wichtig, ja noch dringender.„ Der soziale Schutz der Mutter und in weiterem Sinne alle Maßnahmen und Einrichtungen, die dem Schuß und der Kräftigung der Familie gegenüber den Gefahren großstädtisch- industrieller Entwicklung dienen, find Frauenangelegenheiten, in deren Behandlung der Wille, die Erfahrung und Sachkenntnis der Frau zur Geltung kommen müßte, ja die neben den unzähligen anderen Interessen der Politik sich nur dann in Gemeinde und Staat das nötige Gewicht verschaffen werden, wenn eine politische Macht der Frauen dahinter steht. Die Wiederherstellung der Boltskraft nach dem Kriege, die künftige Erhöhung und Steigerung der Leistungsfähigkeit unseres Volkes durch sorgsame Pflege seines Menschentapitals fann in weiten Voltsschichten ohne Hilfe von Staat und Gesellschaft nicht von der Familie allein geleistet werden. Eine Wirtschafts-, Sozial- und KulturEr füßte sie. ,, Gute Nacht, Regine!" Sie löste ihre Hände von seinem Halse. Dann schritt er in die Mondnacht hinaus; und als er nach einer Weile am Ende der Wiese zurückblickte, da war es ihm, als stehe die schöne kindliche Gestalt noch immer an der Stelle, wo er von ihr gegangen, unbeweglich im schwärzesten Tor des Waldes. * Ich hatte das Buch zusammengelegt und sah durch die Hüttenreihen in den grauen Tag hinaus. Gabriel trat zu mir und lehnte die blankgeputzte Büchse an meine Schulter. Sie bliẞte mich an. Ich aber, des Gelesenen gedenkend, fragte ihn:„ Und was bedeutet nun das welke Blatt?" ,, Noch einmal!" rief er.„ Es ist grün, so grün wie Juniblätter!" ,, und du bist niemals wieder dort gewesen?" " Bagina hundertunddreizehn!" sagte er lächelnd. Ich schlug noch einmal nach. Schon wieder Verse! * * Pagina 113. Und webte auch auf jenen Matten Noch jene Mondesmärchenpracht, Und ständ' sie noch im Blätterschatten, Inmitten jener Sommernacht, Und fänd' ich selber wie im Traume Den Weg zurück durch Moor und Feld Sie schritte doch vom Waldessaume Niemals hinunter in die Welt. * * * ,, Und wenn sie doch hinunterschritte?" sagte ich. ,, Dann wollen wir die Büchse laden! Der Wald und seine Schöne sind in Feindeshänden." 14 Die Gleichheit politik, die in den Menschen selbst die Grundbedingung nationaler Kraft und Größe erkennt, und der Familie in ihren Aufgaben der Menschenpflege wirksam und planmäßig zu Hilfe kommt, kann nicht ohne die Frauen gemacht werden. Handelt es sich doch dabei um den nächsten Lebensfreis der Frauen. Werden doch alle Erfahrungen des täglichen Kampfs der Familie mit ungünstigen Wohnungs-, Konsumtions-, Verkehrsverhältnissen vorzugsweise von den Frauen gemacht, wird doch das Schicksal der unter solchen Mißständen heranwachsenden Jugend hauptsächlich von ihnen mit erlitten." In einem weiteren Abschnitt geht die Denkschrift auf die Formen für die Mitwirkung der Frauen im Staate ein. Sie fordert dafür das aktive und passive politische Wahlrecht. Das ist notwendig und unerläßlich, um den Einfluß der Frauen im Staat auf der ganzen Breite des tatsächlichen Frauenlebens aufzubauen. Nur dann werden die den Frauen naheliegenden Interessengebiete nachdrücklich vertreten werden. Die mannigfachen Aufgaben der Kriegswirtschaft und Kriegsfürsorge haben während des Kriegs zu einer gegen früher bedeutend gesteigerten Heranziehung der Frauen in städtische Ver waltungstörperschaften, Deputationen und Kommisstonen, Lebensmittel- und Arbeitsämter geführt. Auch große Verwaltungskörper in Reich und Bundesstaaten, wie das Kriegsernährungsamt, das Kriegsamt, der Reichsausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge haben Frauen als Beiräte und Mitarbeiter herangezogen. Damit ist die Frau durch den Zwang des Kriegs ohne vorhergegangene grundsätzliche Erörterungen schon zu wichtigen staatlichen Funktionen berufen worden. Was sich da während des Krieges ohne irgendeine Agitation der Frauenbewegung von selbst angebahnt hat, bedarf der gesetzlichen Stüße durch eine Neuorientierung, die den Frauen zunächst das passive Wahlrecht für die Gemeindevertretung, und damit die vollberechtigte Zugehörigkeit zu allen städtischen Kommissionen und Deputationen gewährt. Aber auch im größeren Kreise von Staat und Reich hat der Krieg den Frauen ein Mitbestimmungsrecht auf ihnen naheliegenden Gebieten gebracht. Die Aufgaben der Übergangswirtschaft und des Wiederaufbaus sind ohne sie so wenig lösbar wie die Heimatleistung während des Krieges. Die Wählbarkeit der Frauen in die Volksvertretung ist nach der Überzeugung des Bundes deutscher Frauenvereine die Form, die auf die Dauer die einzig sichere Gewähr dafür bietet, daß den Angelegenheiten der Frau und dem Lebenstreis der Mütter in Gesetzgebung und Verwaltung genügende Beachtung gezollt wird." Zum Schluß verlangt die Denkschrift die Einstellung von Rose im Herbst. 3m Herbst erblüht am dunklen Tag Steht wieder eine Rose hier; Ich weiß nicht, was sie denken mag, Ich sehe nur, fie lächelt dir. So lächle denn ihr freundlich zu Und dieses dunklen Tags vergik, Und so wie ste, so sei auch du, Trotz deiner Sorg' und Kümmernis. Der Gott, der uns zur Freude schuf, hat nicht gedacht an Qual und Leid Drum sei auch Freude dein Beruf. Dem lebe hent und allezeit. Hoffmann v. Fallersleben. Die Mutter als Erzieherin Habe Geduld und Güte! Wild zerrt der Krieg an deinen Nerven. Dein Mann steht draußen, bald hier, bald da, heute in der gefährlichen Hize des Balkan, morgen im Schlamme Flanderns; der Tod schwingt seine Riesensense hier wie dort. Du selbst gehst in die Fabrik von früh bis spät, Nacht und Tag. Härter noch als früher sind deine Hände geworden, härter dein Sinn, matter und müder der Flügelschlag deiner Seele. Wann siehst du deine Kinder? Wenn du erschöpft nach Hause kommst und wieder einmal nicht die ersehnte Nachricht von deinem Mann vorfindest, gärt es dumpf in dir, und die kleinste Unruhe deiner Kinder, ihr Lachen oder ihr Lärmen entreißt deinen zitternden Nerven einen Ausbruch zornigen Aufbegehrens, heftiger Mage. Ich verstehe dich, armes Weib! Und doch sage ich dir: beherrsche dich! Habe Geduld mit deinen Kindern, sei gütig mit ihnen! Sie entbehren noch mehr als du. Sie entbehren seit Jahren fast ganz die strahlende, wärmende Sonne der mütterlichen Liebe und Sorgfalt, die feste Führung der mütterlichen Hand. Und beides brauchen die Kinder so sehr! So notwendig wie 4 Nr. 2 Frauen als Beamtinnen solcher Verwaltungskörper, die mit dem Lebens- und Arbeitskreis der Frauen, den Angelegenheiten der Familie und der Jugend zu tun haben in höchstem Maße im Interesse sachgemäßer Pflege unserer physischen und geistigen Volkskraft. Die Durchsetzung der städtischen und staatlichen Beamtenschaft mit entsprechend vorgebildeten Frauen hält sie insbesondere für die folgenden Gebiete wünschenswert: Frauenarbeit( Beteiligung von weiblichen Dezernenten an denjenigen Reichsämtern und bundesstaatlichen Verwaltungen, die mit den Fragen der Übergangswirtschaft und der künftigen Gestaltung und Regelung der Frauenarbeit zu tun haben; vermehrte Beteiligung der Frauen an der Gewerbeinspektion, an der Leitung der Arbeitsnachweise). Boltsernährung( Einstellung von Frauen als Referentinnen für ihnen naheliegende Gebiete im Kriegsernährungsamt und den ihm entsprechenden bundesstaatlichen Verwaltungen, bei städtischen Lebensmittelämtern, Preisprüfungsstellen, den Kriegswirtschaftsämtern der Provinzen und Kreise usw.). Sozialhygiene( Einstellung von Frauen als Beamtinnen und Fürsorgerinnen in den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung, bei den staatlichen und städtischen Körperschaften, zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und der Volkskrankheiten). Wohnungspolitik( Beteiligung weiblicher Dezernenten an der vom Reich in Aussicht genommenen Zentrale für die Wohnungsfrage, an bundesstaatlichen Wohnungsämtern, vermehrte Einstellung weiblicher Beamten in die ländliche und städtische Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege). Schule und Jugendpflege( Einstellung weiblicher Dezernenten in die staatlichen und die städtischen Behörden des gesamten Mädchenschulwesens; einschließlich der Fortbildungs- und Fachschulen, Heranziehung der Frauen zu den Behörden der Jugendfürsorge, Jugendämter). Die hier von bürgerlicher Seite aufgestellten Forderungen bieten den sozialdemokratischen Frauen und Politikern an sich nichts Neues. Aber sie sind übersichtlich und logisch aufgebaut, so daß wir sie gern ausführlich wiedergegeben haben. Es ist auch selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie für diese Forderungen eintritt, wie sie es bisher schon getan hat. Für uns kommt neben den Zweckmäßigkeitserwägungen, von denen die Denkschrift ausgeht, noch die grundsätz liche Erwägung der Notwendigkeit staatsbürgerlicher Gleichberech tigung von Mann und Frau hinzu. Nicht nur für die besonderen Frauengebiete des öffentlichen Lebens ist die politische Mitarbeit das tägliche Brot! Sie sind Waisen, auch wenn Vater und Mutter noch leben! Das Los unserer Kinder in diesem grausamen Striege ist das bitterste von allen. Darum sei lieb und gütig mit ihnen! hs. Volkserziehung Ein innerer Feind. Bis in unser tiefstes Innere hat uns das furchtbare Kriegsunglück, das Sterben unserer Jünglinge und Männer erschüttert. Darum wenden wir uns mit um so größerem Nachdruck allen den Fragen zu, die einer besseren und gesünderen Entwicklung unserer Jugend und der fortschreitenden besseren Ausgestaltung der zukünftigen Lebensbedingungen unserer Bevölkerung dienen. Zu diesen Fragen gehört auch die der sexuellen Erziehung, die von früher Jugend einsehend, durch den ganzen Werdegang des Jugendlichen bis zum Erwachsenen, sich der jeweiligen Entwicklungsstufe immer von neuem anpassen muß. Der angeborene Geschlechtstrieb des Menschen, auf dem die Erhaltung der Gattung Mensch beruht, muß sich entsprechend der kulturellen Aufwärtsentwicklung verfeinern und veredeln. Während draußen unsere Besten und Kräftigsten dem mörderischen Blei ausgesetzt sind, das sie vernichtet oder aus dem sie verstümmelt oder siech heimkehren, wütet ein zweiter unsichtbarer Feind gegen die Zukunft unserer Bevölkerung: das Anschwellen von Krankheiten, die sich aus den Beziehungen der beiden Geschlechter ergeben, deren weitgehende Folgen die Aufzucht des Nachwuchses in seiner Zahl, feiner Lebens- und Erwerbsfähigkeit schädlicher beeinflussen, als die große Masse es einsehen will. Die Bedeutung der Geschlechtskrantheiten für den Bevölferungsrüdgang darf nicht unterschätzt werden. Darum ist es Pflicht der Allgemeinheit, Schäden aufzudecken und warnend die Stimme zu erheben. Da gibt es nichts wie Aufklärung und wieder Aufflärung. Einen Hinweis dazu gibt die Schrift des Breslauer Arztes Dr. Chogen:„ Die Notwendigkeit einer häuslichen sittlichen Erziehung." Sind nicht aber auch jene von den Gefahren besonders umlauert, die jauchzend vor Glück, dem Tode entronnen zu sein, sich mit Nr. 2 Die Gleichheit der Frauen notwendig. Auch für die übrige Politif, auch für die Fragen der hohen und höchsten" Politik brauchen und wollen wir die Mitarbeit der Frauen. Man denke nur an die allerwichtigste politische Frage, die die Menschheit seit mehr als drei Jahren be= wegt, an die Frage von Krieg und Frieden. Vielleicht wäre der Strieg nicht ausgebrochen, sicher aber schon längst zu Ende, wenn in allen beteiligten Ländern die Frauen in den politischen Entscheidungen über Krieg und Frieden mitzuwirken hätten. Aus der bürgerlichen Frauenbewegung Der Bund Deutscher Frauenvereine bereitet sein viertes Kriegsjahrbuch vor, das unter dem Titel„ Frauenaufgaben im fünftigen Deutschland" bei B. G. Teubner in Leipzig und Berlin erscheinen wird. Das Buch will neue Frauenkreise für das Mitdurchdenken aller mit diesen Aufgaben in Verbindung stehenden Fragen gewinnen und damit das richtige Verständnis für die künftigen Aufgaben erwecken. Der literarische Teil wird daher in vier größeren Aufsätzen aus berufener Feder die Zukunftsaufgaben der deutschen Frau in Familie, Gemeinde, Staat und Kultur behandeln: Adelheid Steibmann, Die Frau in der Familie; Dr. Marie Baum, Frauenaufgabe in der Gemeinde; Dr. Gertrud Bäumer, Frauenaufgaben im Staat; Marianne Weber, Die Frau und die Kultur. Auf vielfach geäußerten Wunsch wird eine Gepflogenheit aus dem Frieden wieder aufgenommen und eine Chronik der Frauenbewegung im abgelaufenen Jahre dem literarischen Teil eingefügt werden. Der Tätigkeitsbericht des Bundes Deutscher Frauenvereine wird zum erstenmal im Jahrbuch erscheinen. Der Adressenteil ist wiederum auf den neuesten Stand gebracht worden. Die Frauenbewegung des Auslandes Ein Kongres muselmännischer Frauen fand, wie die„ Frauenbewegung" berichtet, vor einiger Zeit in Kasan statt. Der Kongreß war aus Turkestan, aus dem Kaukasus, der Krim, Sibirien und den Wolgagebieten zahlreich beschickt. Man faßte die für dortige Verhältnisse recht radikalen Beschlüsse: 1. Gleiche Rechte im Familienfreise für Mann und Frau. 2. Abschaffung der von den Eltern ohne Wissen des Mädchens beschlossenen Ehe. 3. Verbot, junge Mädchen, die noch nicht das sechzehnte Lebensjahr erreicht haben, zu verheiraten. 4. Gleiche Rechte in Sachen der Scheidung für beide Teile. 5. Vollständige Beseitigung der Vielehe. 6. Unterrichtszwang für offenen Armen den Freuden des Lebens entgegenwerfen? Bei der erhöhten Sucht des Lebensgenusses, die sich gerade dort einstellt, wo Gefahren überwunden worden sind, und die durch die Rückkehr aus der Zone des Schreckens, durch Wiedersehensfreude oder Trennungsschmerz gesteigert wird, fallen naturgemäß Hemmungen fort, die sonst geregelte Verhältnisse nicht in dem Maße aufkommen lassen. Die bisherigen Lebensgewohnheiten, die durch die außergewöhn lichen Bedingungen gänzlich aus den alten Bahnen geschleudert sind, bedingen freilich eine größere Selbstbeherrschung. Die fortreißenden Naturgewalten müssen gezügelt werden und gegen ihre verwirrende Macht müssen Wille und Entschlußfähigkeit ein Gegengewicht schaffen. Bereits Aristoteles spricht diesen Gedanken aus:„ Die Natur ist nicht göttlich, sondern dämonisch und muß demgemäß behandelt werden." Der Trieb zum Leben und zur Fortpflanzung ist ein heiliges Gut, das uns Mutter Natur gegeben, es darf keine Klippe sein, an der unsere Jugend zerschellt, die Familienglück vernichtet und unsere zukünftige Generation schwächt. Das Bewußtsein der Verantwortlichkeit muß bei dem einzelnen gestärkt werden, um der Allgemeinheit zu nügen. Alle haben wir jetzt mitzuwirken, um aus dem Chaos, das eine neue Welt gebären will, das Gute zu fördern. Durch Schaden sind wir flug geworden, mit sicherem Schritt müssen wir weiter; nichts darf die Entwicklung, den Fortschritt, wo er auch sei, aufhalten, damit die Zukunft unserer Jugend gehört und sie sich in Gesundheit, Lebensfreude und Freiheit zu einem Geschlecht entwickle, das mit dem Gefühl seiner Pflicht auch das Bewußtsein seines Rechts trägt. Das große Besinnen tommt etwas gewaltsam, aber nie ist es zu spät, wenn es dem Guten dient und die trennenden Mauern stürzt, die noch immer aufgerichtet sind vor dem vollen Verstehen der Menschen, der Geschlechter und der Völker zueinander. R. R- 1. Kommunaler Säuglingsschutz. Der Landesausschuß des Bezirksverbandes für den Regierungsbezirk Kassel beschloß, den Landes. hauptmann von Kurhessen zu ersuchen, dem am 29. April 1918 nach Kassel einzuberufenden kommunalen Landtag eine Vorlage zu unterbreiten, die ausreichende Mittel zur Schaffung wirksamer Organisationen der Säuglingspflege im gesamten Regierungsbezirk vor15 beide Geschlechter. Die Beschlüsse, die den Teilnehmerinnen der Generalversammlung der mohammedanischen Frauen, die in Moskau getagt hat, vorgelegt wurden, haben auch hier einstimmige Annahme gefunden. " Ueber die Franenbewegung in China entnehmen wir einem im Haag von der niederländischen Chinesenvereinigung veranstal= teten Vortrag der chinesischen Schriftstellerin Frau Yap Hong Tjun folgende Angaben: Danach beruht die niedrige Stellung, welche die Frau zurzeit im Reiche der Mitte einnimmt, keineswegs auf alt= hergebrachten und tiefeingewurzelten Anschauungen des chinesischen Volkes. Es gab in der chinesischen Geschichte eine lange Periode, in der die Frau dem Manne vollständig gleichgestellt und ebenbürtig war. Der spätere patriarchalische Charakter des chinesischen Volksund Familienlebens, welcher dem Familienvater, also dem männ lichen Geschlechte, die unbeschränkte Gewalt über die Frau und Kinder übertrug, ist ein Erzeugnis späterer Entwicklung, die es dahin brachte, daß allmählich die Frau nur als willen- und rechtloses Mittel zur Kindererzeugung betrachtet und behandelt wurde. Vor Jahrhunderten war dies anders. Aus alten chinesischen Schriften geht hervor, daß in den altchinesischen Familien die Frau das Zepter führte und den„ Chi"( Ehemann) als„ Lao- Noe( Bedienten) bezeichnete. Mit der fortschreitenden Kultur riß dann der Bediente" die Herrschaft an sich und stellte im Buch der Weisen, dem soge= nannten„ Li- Ki", den Grundsatz auf, daß die verheiratete Frau ihrem Manne, die Witwe ihrem Sohne, die Unverheiratete aber ihrem Vater oder Bruder zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet sei. Diese Abhängigkeit verwandelte sich allmählich in förmliche Sklaverei, und seit Jahrhunderten wurden die Frauen in China in die Harems gesperrt, von jedem Unterricht ausgeschlossen, von der Welt völlig abgesperrt, durch die bekannte Mißgestaltung der Füße gequält und aller Rechte, selbst des Erbrechtes, beraubt. Bis zum Ausbruch der jüngsten Revolution, welche die Republik China schuf, blieb es bei dieser degradierenden Stellung der Frau. Nummehr sind Anzeichen einer nahenden Emanzipierung der chinesischen Frau vorhanden. Angeregt durch die Ereignisse, die sich dort abspielen, besteht bereits eine mächtige Frauenbewegung, die schon praktische Erfolge erreicht hat. In der Provinz Kanton sind die Frauen zur Teilnahme an der provisorischen Provinzialregierung zugelassen, und die republikanische Regierung in Peking hat den Leitern der Frauenbewegung mitgeteilt, sie werde jede Anstrengung fördern, die dahin geht, die alte chinesische Gleichstellung der Frau mit dem Manne wieder in voller Kraft aufleben zu lassen. sieht und so die Möglichkeit gibt, ausreichenden Mutterschutz zu gewähren und hierdurch die Säuglingssterblichkeit so nachhaltig zu bekämpfen, wie dies zur Sicherstellung einer erfolgreichen Bevölkerungspolitik erforderlich ist. Zur Vorbereitung dieser Vorlage sowie zur Durchführung einer Statistik über die Säuglingssterblichkeit in den einzelnen Kreisen und Gemeinden wurden dem Landeshauptmann größere Mittel zur Verfügung gestellt. Einen Kursus für Erziehungsfürsorgerinnen plant der Frauenbildungsverein Frankfurt a. M. einzurichten, um durch derart sozial weitergebildete Kräfte Mütter- und Elternberatungsstellen, Ausbildung von Hilfskräften und verwandte Arbeiten in der sozialen Fürsorge nach der pädagogischen Richtung hin zu ermöglichen. Diesen Erziehungsfürsorgerinnen soll auch eine Aufsicht über die pädagogischen Maßnahmen in Krippen, Horten usw. zustehen, ebenso die Pflege der Beziehungen zwischen diesen und den Anstalten angegliederten Vereinen und Behörden. Eingegangene Schriften. Das zweite Septemberheft der Internationalen Rundschau ( Art. Institut Drell Füßli, Zürich) enthält einen Auszug aus dem Werke des Engländers L. S. Woolf, Referenten der bekannten„ Fabier", über„ Internationale Rechtsordnung" nebst zugehörigem Entwurf eines Völkervertrags. Woolfs Werk ist bereits in Stockholm und Petersburg bei den Beratungen über das internationale Schiedsgericht der Zukunft zugrunde gelegt worden. In der vorliegenden, sorgfältig übersetzten und durch Weglassung entbehrlicher Ausführungen auf ein Viertel des Originals gekürzten Form dürfte es weiteren Kreisen besonders willkommen sein. Die deutsche Diplomatie, wie sie ist wie sie sein sollte. bis 1914 in Von Dr. jur. H. Schlieben, Reichskonsul a. D. Belgrad( Serbien). Verlag: Art. Institut Drell Füßli in Zürich. Preis 80 Rappen( 1 Mt.). Marrismus, Krieg und Internationale. Kritische Studien über offene Probleme des wissenschaftlichen und praktischen Sozialismus in und nach dem Weltkrieg. Von Karl Renner. Stutt gart 1917, Verlag von J. H. W. Diez Nachf. Preis geb. 5 Mr. 16 Die Frau im Beruf Die Gleichheit Der Arbeiterinnen- und Jugendschuh in der Metallindustrie. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat an den Bundesrat und Reichstag die Bitte gerichtet, baldmöglichst zum Schuße von Gesund heit und Leben in der Eisen-, Stahl-, Maschinen- und Metallindu strie beschäftigten Frauen und jugendlichen Arbeiter folgende Maßnahmen zu treffen: 1. Aufhebung des Notgesetzes vom 4. August 1914, betreffend die Ermächtigung des Reichskanzlers und der höheren Verwaltungsbehörden zur Gewährung von Ausnahmen von den Vorschriften der Gewerbeordnung über den Arbeiter-, Arbeiterinnen-, Jugendund Kinderschutz während des Strieges; Wiederinkraftsegen aller Arbeiterschutzvorschriften. 2. Verbot der Frauenarbeit, soweit das nicht schon in den Verordnungen des Bundesrats für bestimmte Gewerbezweige ausgesprochen ist, in den Eisen- und Zinkhütten und den Walz- und Hammerwerken. 3. Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter, soweit das nicht schon in den Bundesratsverordnungen bestimmt ist, in den Zinkhütten, sowie der Nachtarbeit in den Eisenhütten, den Walz- und Hammerwerken. Erhöhung des Schuhalters für die Beschäftigung jugendlicher Personen in den Eisenhütten, Walz- und Hammerwerken auf mindestens 16 Jahre. 4. Festsetzung der Arbeitszeit für Frauen, soweit deren Beschäfti gung in gewerblichen Betrieben nach den bestehenden und den beantragten Schutzvorschriften in der Eisen- und Metallindustrie zulässig ist, auf höchstens acht Stunden. 5. Ausbau der Gewerbeinspektionen durch Zuziehung von Beiräten aus den Kreisen der Ärzte, Unternehmer, Arbeiter und Arbeiterinnen als gewerbliche Gesundheitsämter zur Beurteilung der förperlichen Eignung der Frauen und der jugendlichen Arbeiter für seither ausgeübte oder neu übernommene gewerbliche Berufe. Diese Wünsche hatte der Vorstand des Deutschen Metallarbeiter verbandes auf Grund der genauen Kenntnisse der vielgestaltigen Gefahren einer übermäßig langen, die Körperkräfte übersteigenden Beschäftigung von Frauen und jugendlichen Arbeitern dem Bundesrat und Reichstag bereits am 2. Juni 1916 übermittelt. Reichskanzler und Kriegsamt haben zwar im Sinne dieser Forde rungen einige Richtlinien aufgestellt und Maßnahmen sozial- pflegerischer Art angeregt, aber sie reichen nicht im entferntesten aus, um den zahlreichen übelständen entgegenzutreten, die sich aus der außerordentlich vermehrten und sich noch tagtäglich vermehrenden, vielfach auch gesundheitschädlichen Beschäftigung von weiblichen und jugendlichen Arbeitskräften ergeben. Die Vertreterversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes ersucht daher erneut, daß die Schutzbestimmungen für Frauen und jugendliche Arbeiter wieder in Wirksamkeit treten und die Arbeitszeit auf höchstens acht Stunden festgesetzt wird. Allein in der Metallindustrie hat die Frauenarbeit seit Ausbruch des Krieges um über 400 vom Hundert zugenommen. Zu den Schäden und Mißständen kommen noch die Erschwernisse und Mehrarbeiten, die mit der Beschaffung der für die Familie notwendigen Nahrungsmittel verbunden sind. Recht häufig müssen die Frauen, bevor sie zur Arbeit gehen, vor den Nahrungsmittelgeschäften herumstehen, um die der Familie zukommende Nahrungsmittelmenge zu erhalten. Das gleiche ist mittags und abends der Fall. Den Arbeiterfrauen wird dadurch in Verbindung mit der gewerblichen Arbeit eine Arbeitslast zugemutet, die ihre Kräfte weit übersteigt. Die Überbürdung der Frauen bildet zudem die Quelle steigender Unzufriedenheit. Nicht selten bieten die derzeitigen Erschwernisse im täglichen Leben den Untergrund von hier und da aufgetretenen Arbeiterunruhen. Die Quellen dieser Unruhen durch eine bessere Organisation der Heranschaffung und Verteilung der Lebensmittel zu verstopfen, ist dringend notwendig. Sie wäre für sich allein eine verdienstvolle Tat, die dem Volke hinter der Front das Durchhalten wesentlich erleichtern würde. Durch eine bessere Organisation in der Lebensmittelverteilung und eine Verkürzung der Arbeitszeit könnten Hunderttausende von Arbeitskräften erspart und für eine volkswirtschaftlich nüglichere Tätigkeit als dem Herumstehen nach den Lebensmitteln verwendet werden. Die Wohlfahrtsschule für Fürsorgerinnen in Charlottenburg hat Anfang Oktober den zweiten Teil ihrer theoretischen Kurse be= gonnen. Während in dem vergangenen Sommerhalbjahr Fragen der Hygiene und Erziehung den Gegenstand des theoretischen Unterrichts bildeten, sind die Vorlesungen im Winterhalbjahr dem sozialen Teil der Fürsorge gewidmet. Es werden folgende VorNr. 2 lesungen gehalten: über Bevölkerungslehre, Grundlagen der sozialen Versicherung, Gewerbeordnung und Arbeiterschutz, Soziale Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen, Soziale Fürsorge für das Säuglingsalter, Kleinkinderfürsorge, Schulfürsorge, Wohnungswesen und Wohnungsfürsorge, Haushaltungslehre, Bürgerkunde, Armen fürsorge und Armenrecht, private Wohlfahrtspflege, Waisenpflege, Vormundschaftslehre, Jugendgerichtsbarkeit, Versorgung von Kranken und Siechen, Trinkerfürsorge, Tuberkulosefürsorge, Fürsorge auf dem Gebiete der Geschlechtsfrankheiten und Prostitution, Krüppelfürsorge, Blindenfürsorge, Taubstummen und Stottererfürsorge. Den Vorlesungen schließen sich Besichtigungen einschlägiger Fürsorgeeinrichtungen Groß- Berlins an. Die Gebühr beträgt 25 Mark für sämtliche Vorlesungen. Anmeldungen nimmt die Schulleitung im Kaiserin- Auguste- Viktoria- Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche, Charlottenburg 5, Mollwig- Privatstraße, entgegen. Der Stundenplan ist dort erhältlich. Einen zweiten Ausbildungslehrgang für Fabrikpflegerinnen hält denmächst die Kriegsamtsstelle Leipzig ab, da sich der Bedarf an vorgebildeten Fabrikpflegerinnen von neuem fühlbar macht. Für die Teilnahme an dem Kursus kommen nur Frauen in Betracht, die bereits in verwandten Berufen mit Erfolg tätig waren oder sich durch langjährige gewerbliche oder kaufmännische Tätigkeit Erfahrung im Verkehr mit Menschen und eine gewisse Vertrautheit mit den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen erworben haben. Die Teilnahme an dem Kursus ist frei; es wird lediglich eine Einschreibgebühr von 10 Mark erhoben. Für den Unterhalt während des Kursus müssen die Teilnehmerinnen selbst aufkommen. Sie müssen sich verpflichten, eine Stellung im Bereiche des XIX. Armeeforps anzunehmen. Eine Berechtigung auf Anstellung wird durch die Teilnahme an dem Kursus nicht erworben. Auch die Kriegsamtsstelle Dresden beabsichtigt im Oktober einen vierwöchigen Einführungsfurfus für Fabritpflegerinnen abzuhalten. Der Kursus umfaßt Vorträge über folgende Themen: Frauenarbeit in der Industrie, Einrichtungen industrieller Betriebe, Arbeitszeiten, Kriegsausstel= lungen, wichtige Betriebe im Bereiche des XII. Armeekorps, Versicherungsgesetz, Gewerbeaufsicht, Gewerbehygiene, Berufsorganisation, Wohnungspflege, Kinderfürsorge, Ernährungsfragen im Striege, Erfahrungen als Fabritpflegerin, Einführung in die Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt Dresden, anschließend Besichtigungen. Zu gelassen werden nur beruflich vorgebildete, sozial erfahrene Frauen. Es kommen in erster Linie in Frage Jugend- und Wohnungspflegerinnen, Leiterinnen von Arbeiterinnen- und Abendheimen, Leiterinnen von Kriegsfürsorgeorganisationen, auch ehemalige Schüle rinnen von sozialen Frauenschulen, Krankenpflegerinnen mit sozialer Bildung, sowie Frauen, die in größeren Betrieben bereits in leitender Stellung waren. Das Mindeſtalter beträgt 25 Jahre. Für Leiterinnen von Massenküchen ist in verschiedenen Großstädten ein Lehrgang eingerichtet worden. Er ist auf vier Monate berechnet und gibt bereits gründlich vorgebildeten Frauen, die das 25. Lebensjahr hinter sich haben müssen, Gelegenheit, sich als Leiterin für Massenküchen auszubilden und sich alle Stenntnisse anzueignen, die sich für solche Anstalten eignen. Bei der weit über den Krieg hinausreichenden Bedeutung, die die Massenspeisung gewonnen hat, ist eine planmäßige Ausbildung von Leiterinnen und Helferinnen von Massenküchen nur zu empfehlen. Wir empfehlen Einbanddecken zur Gleichheit Jahrgang 1916/1917 und zwar Decken für das Hauptblatt und die Beilage Für unsere Mütter und Hausfrauen sowie Decken für die Kinderbeilage. Preis zusammen Mt. 1.50. Bei direkter Zusendung 30 Pf. mehr für Porto. Titelblatt und Inhaltsverzeichnis werden den Decken unentgeltlich beigegeben. Vollständig gebundene Jahrgänge der Gleichheit und der Kinderbeilage sind vorrätig. Preis zusammen Mt. 4.50. Bestellungen nehmen die Austrägerinnen der Gleichheit sowie alle Buchhandlungen entgegen. Vorrätig sind noch die Einbanddecken zu den Jahrgängen 1908/1909 bis 1915/1916. Preis je Mt. 1.50. Expedition der Gleichheit, Stuttgart, Furtbachstraße 12. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.H. in Stuttgart.