Nr. 11 A.g. XIII 28. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mark. Ein Stück Frieden. Stuttgart 1. März 1918 Nun ist der Friede gekommen. Über Nacht und unerwartet. Nicht der große, allgemeine Frieden, der der bald vier Jahre währenden Menschenschlächterei ein Ende gemacht hätte, nur ein Teil dieses großen Friedens, eigentlich sogar nur ein Teil eines Teils. Aber es ist doch ein wirklicher, formgerechter und sogar auch ein guter demokratischer Frieden, was in der Nacht vom 8. zum 9. Februar in Litauisch- Brest von den Vertretern des Vierbundes einerseits und den Bevollmächtigten der Ukraine andererseits unterzeichnet worden ist. Wir hätten es lieber gesehen, auf der anderen Seite hätte Trozky als Vertreter des gesamten russischen Reiches den ersten Friedensvertrag unterzeichnet, da uns daran liegt, daß wir so bald wie möglich mit dem ganzen russischen Volke und nicht nur mit einzelnen seiner Gliedstaaten wieder zu friedlichen Beziehungen von Festigkeit und Dauer gelangen. Es hat nicht sollen sein. So müssen wir auch den neuen Tatsachen ihre guten Seiten abzugewinnen und sie zu Hebeln des kommenden Gesamtfriedens zu gestalten suchen! Wohl haben die Menschen geflaggt, als die Kunde von dem Frieden mit der Ukraine und gleich ihr auf dem Fuße dic noch bedeutsamere vom freiwilligen russischen Verzicht auf die Fortführung des Kriegszustandes in Deutschland anlangte,* und man sah in ernsten Gesichtern hier und da einen freu digeren Zug. Aber so überwältigend hat das Ereignis doch nicht gewirkt, wie es sich mancher vorher vorgestellt hatte. ,, Wenn doch erst einmal der erste Frieden geschlossen würde!" So haben die Menschen jahrelang mit wachsender Inbrunst geseufzt. Manch einer hat sich im stillen ausgemalt, wie er jubeln und springen würde vor Freude. Und er ist nicht gesprungen, und sein Jubel war mäßig und still. Wie kommt das? Einmal haben die Menschen fast verlernt, sich laut und herzhaft zu freuen. Auch das müssen sie erst wieder lernen. Sodann empfand doch jeder das Fragmen tarische, das Bruchstückhafte dieses ersten Friedens, der zudem wie einen düsteren Schatten die Befürchtung hinter sich her zieht, daß nunmehr in um so fürzerer Zeit und mit um so größerer Wucht die lange vorbereitete Offensive im Westen Iosbrechen und ihre furchtbaren Opfer fordern wird. Endlich ist es aber auch der Umstand, daß wie so oft im Leben die Erfüllung meistens viel gelassener und gleichmütiger aufgenommen wird, als es sich brennende Sehnsucht und von der Phantasie beschwingte Vorfreude vorher hundertmal ausgemalt haben. Ähnlich wird es auch mit dem weiteren Fortschreiten der Friedensoffensive, wenn dieses Kriegerische Bild gestattet ist, gehen. Wir werden uns über jeden neuen Fortschritt freuen, aber wir werden die einzelnen Etappen des Friedens gar nicht immer so sehr als solche empfinden. Außerdem wird jeder einzelne Schritt des Friedens von dem mißtönigen Lärm der innerpolitischen Kriegszielgegensäße umbrandet, was auch wesentlich zur Dämpfung der freudigen Erregtheit beiträgt. * Inzwischen ist aus dem erhofften Friedenszustand mit Rußland wieder ein Kriegszustand geworden. Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplag 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Vielleicht daß am Tage des letzten entscheidenden Friedensschlusses alle bis dahin kriegsmäßig gestreckte" Freude sich noch einmal zu einem einzigen großen und brausenden Völkerjubel vereint! Wir wollen durch diese Bemerkungen beileibe nicht den Wert des ersten Friedensschlusses herabsetzen. Im Gegenteil! Wir möchten unseren Leserinnen vielmehr zum Bewußtsein bringen, daß der Mensch im gleichmäßigen Ablauf der Tage, inmitten der vielerlei Alltäglichkeiten und Kleinlichen Menschlichkeiten zu leicht den Blick für die großen Zusammenhänge und die weltgeschichtliche Bedeutung der Tagesereignisse verliert, und daß es gerade deshalb vonnöten ist, sich von Zeit zu Zeit über den Alltag zu erheben und sich die großen Linien der Entwicklung klarzumachen. Wir stehen heute den Dingen und Ereignissen so nahe, daß wir ihre riesenhafte Größe und ihre weltgeschichtliche Bedeutung zu unterschätzen geneigt sind. Wenn aber jemals Menschen inmitten gewaltigster weltgeschichtlicher Vorgänge gestanden haben, so wir Zeitgenossen! Und noch niemals in der Geschichte haben die Zeitgenossen bis auf den geringsten von ihnen so tätigen und bewegenden Anteil an den Geschehnissen nehmen können wie wir heutzutage! Darüber müssen sich auch die proletarischen Frauen klar sein. Sie unterliegen noch leichter als andere der Gefahr, den Blick für die großen Zusammenhänge zu verlieren. Sie leben inmitten schwerster wirtschaftlicher Sorgen; fie arbeiten zu Millionen in angestrengtester Arbeit in den Fabriken, dabei unausgesetzt begleitet und oft genug bitter gepeinigt von der Sorge um den fernen Mann und um die unbeaufsichtigten Kinder; sie müssen in den kargen Freistunden ihre bescheidene Hauswirtschaft in Ordnung bringen und die mannigfachen Pflichten für die Kinder, für Staat und Gemeinde erfüllen, die ihnen sonst der Mann abnahm. Aber darüber hinaus sollen sie sich doch auch den Sinn offenhalten für die großen Ereignisse der Zeit. Bisher sahen sie nur den Krieg, wenn sie einmal aufschauten, und die tausend Nöte, die er im Gefolge hat. Jezt aber naht der Frieden. Er ist nicht nur mehr wie bisher eine Hoffnung, er ist ein Stück Wirklichkeit geworden, er hat uns Deutschen eine große Erleichterung gebracht, und er ist was noch mehr bedeutet eine zuverlässige Gewähr dafür, daß der vorläufig noch fehlende größere Teil des Friedens nicht mehr aufgehalten werden kann. Wohl kann er von den Kriegspolitikern, wie es deren in allen Ländern gibt, noch in seinem Gange verlangsamt werden. Aber gerade um das mit zu verhindern, müssen die Frauen aller kriegführenden Länder noch entschlossener als bisher auf den Plan treten. Um ihre Sache handelt es sich in erster Linie. Über ihre Zukunft wird in den bevorstehenden Teilfriedensschlüssen und im zukünftigen Endfriedensschluß entschieden. In diesen Tagen tritt der Deutsche Reichstag wieder zusammen. So bedeutungsvolle Tagungen er in der Kriegszeit hinter sich hat, keine war wichtiger und verantwortungsschwerer als die diesmalige Tagung. Möge sie dem Frieden tatkräftig die Wege bereiten helfen! 82 Das ist der Fluch. Das ist der Fluch des unglückseligen Landes, Die Gleichheit 19 Wo Freiheit und Gesetz darniederliegt, Daß sich die Besten und die Edelsten Verzehren müssen in fruchtlosem Harm, Daß, die fürs Vaterland am reinsten glühn, Gebrandmarkt werden als des Lands Verräter Und, die noch jüngst des Landes Retter hießen, Sich flüchten müssen an des Fremden Herd. Und während so die beste Kraft verdirbt, Erblühen, wuchernd in der Hölle Segen, Gewalttat, Hochmut, Seigheit, Schergendienst. Wie anders, wenn aus sturmbewegter Zeit Gesetz und Ordnung, Freiheit fich und Recht Emporgerungen und sich festgepflanzt! Da drängen die, so grollend ferne standen, Sich fröhlich wieder in der Bürger Reihn, Da wirket jeder Geist und jede Hand Belebend, fördernd für des Ganzen Wohl. Uhland. Nr. 11 sonen in den Verkehrsmitteln bei weitem die männlichen, Gewiß war die Anstiegskurve der Frauen im Frieden in stetem Fortschreiten, doch handelte es sich meist um leichte Beschäftigungsarten, vor allem um solche, die der Hauswirtschaftlichen Tätigkeit verwandt waren. Ein besonderes Differenzierungsvermögen konnte man in dieser Hinsicht in Waren- und Kaufhäusern beobachten. Der Krieg mit dem eintretenden Mangel an männlichem Personal sowie die Aufhebung der gesetzlichen Schutzbestimmungen für Frauen und Jugendliche führte die Frau in die Hütten- und Bergwerke, Verkehrsunternehmungen, Fabriken, Schiffahrt, kurz in die verschiedensten Zweige von Handel und Industrie. Auch die Landwirtschaft nahm infolge behördlichen Nachdrucks viele weibliche Arbeitskräfte in ihren Diensten auf. Eine im Januar 1917 veröffentlichte Krankenkassenstatiftit gewährt uns einen Überblick über die Zahl der weiblichen Beschäftigten in der Industrie. Am 1. Oktober 1914 betrug die Zahl der weiblichen Beschäftigten bei den berichtenden Kassen etwa 2,3 Millionen oder 38,3 Prozent aller Pflichtmitglieder; am 1. August 1916, beim Beginn des dritten Kriegsjahrs, stellte sie sich auf nahezu 4 Millionen oder 47,1 Prozent der Pflichtmitglieder. Heute setzt sich mehr als die Hälfte aller Beschäftigten aus mitarbeitenden Frauen zusammen. Wie dem wachsenden Bedarf gemäß zu erwarten, war der Zustrom von Frauen und Mädchen zur Metall- und Maschinenindustrie besonders start. Von nicht ganz 60 000 vor Kriegsausbruch ist die Zahl im 25. Kriegsmonat auf etwas über 140000, also um das Zweieindrittelfache gewachsen. Ein lebendiges Beispiel liefert Internationale Frauenkonferenz für Völker: hierzu die A. E. G. in Berlin. Während in den Betrieben diefer verständigung. Das Schweizerische Frauenkomitee für einen dauernden Frieden hat, einer Anregung von Frauen kriegführender Länder folgend, die Veranstaltung einer Frauenkonferenz für Völkerverständigung übernommen, die vom 3. bis 8. März stattfinden soll. Es liegen bereits einige zusagende Antworten von bekannten Frauen vor. Offizielle Verhandlungssprachen sind Deutsch, Englisch, Franzöfifch, Italienisch. Die Vorbereitung hat die Berner Ortsgruppe des genannten Frauenkomitees unter Leitung von Frau Dr. Gertrud Woker übernommen. Ein Beitrag zur Entwicklung und Organisation der Frauenarbeit. Von Artur Höpfner. Die Beteiligung der Frauen am Wirtschaftsleben hat während des Krieges einen ungeahnten Aufschwung erfahren. Die Ausbildung ging im Gegensatz zum Mann über Erwarten schnell vor fich, au die Stelle des Kostgeldes trat sofortige Entlohnung. Wie sich die Frauen auf den neuen Gebieten bewähren, darüber gehen die Anschauungen noch auseinander. Zwar ist die weibliche Intelligenz der männlichen durchaus ebenbürtig, doch spricht Dr. Walter Rathenau den Frauen auf feinmechanischem Gebiet die Fähig feit ab, mechanische und geistige Arbeit zugleich in dauernder Folge zu verrichten. Auch die Versuche mit Frauen an der Setzmaschine führten nach vorliegenden Fachzeitschriftenmeldungen zu feineswegs aufmunternden Erfolgen. Um gehobene Stellungen" handelte es fich bei dem Versuch des Brauereigewerbes, in zweimonatigen Lehrkursen Frauen als Betriebskontrolleure auszubilden. Diese weiblichen Hilfskräfte sollen das leisten, was tüchtigen Brauern mit Akademiebildung in sechs- bis zehnjähriger Bragis möglich war. An und für sich paßte sich die Frau überall den Forderungen gut an. Es ist aber doch ein Unterschied, eine Laufbahn zurückzulegen wie bisher der Mann mit jahrelanger Lehrzeit oder der kurzen Ausbildung der Frauen von heute. Ferner fehlen ihr auch alle praktischen Erfahrungen. Dazu tritt der variable Organismus, der psychische und physiologische Einfluß der Arbeit. Frauen sind im allgemeinen mehr als Männer Stimmungen und bewußten Gefühlserregungen unterworfen, welche die Arbeit ungleichmäßig machen und die verstandesmäßige überlegung einschränken. Zu dauerndem Erwerb ist die Frau in ihrer Mehrheit, soweit der mechanische und maschinelle Betrieb in Betracht kommt, nicht geeignet; vorzeitige Ermüdung, Leistungsrückgang, häufige Krankheitsfälle bilden unvermeidliche Begleiterschei nungen. In welchem Maße die Zahl der beschäftigten Mädchen und Frauen gewachsen ist, lehrt uns schon das äußere Stadtbild. In den Morgen- und Abendstunden überwiegen die weiblichen PerElektrizitätsfirma am 31. August 1914 die Zahl der männlichen Beschäftigten 21 746 betrug und 9302 Frauen tätig waren, wechselte das Verhältnis bis zum 31. Juli 1916 zu 17 916 männlichen und 31 508 weiblichen Beschäftigten. Die Gesamtzahl der Arbeitsfräfte hat zwar um 18 386 zugenommen, doch beträgt der Zugang an Frauen 22 216, während die Zahl der männlichen Beschäftigten abnahm. Natürlich hat der Anteil der Frauen noch weiter zugenommen. Die Frau wird in der Metallindustrie keineswegs nur zu leichteren Arbeiten verwendet, sondern bedient Maschinen, arbeitet an der Drehbank, schweißt, glüht und schmiedet. Welchen Einfluß übt nun die Frauenarbeit auf den Gesundheitszustand im Vergleich zum Manne aus? Darüber gibt uns eine Berliner Krankenstatistik einigen Aufschluß, die sich auf sechs Monate( vom Dezember 1916 bis Mai 1917) bezieht. Unter je 10000 Dienstpflichtigen: Männliche. Weibliche Dieselben Monate • 317 353 446 476 422 379 315 355 410 427 405 382 Dezember 1915 bis Mai 1916: Männliche.. 279 306 334 365 331 290 Weibliche. 271 302 341 352 323 292 Jm Jahre 1917 ist demnach eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes gegenüber dem Vorjahr eingetreten, die bei den männlichen Arbeitern sich noch stärker zeigte als bei den weiblichen. Der anscheinend günstigere Gesundheitszustand der Frauen ist aber zum Teil auf das gesundheitlich minderwertige männliche Personal zurückzuführen. Denn dieses rekrutiert sich großenteils aus älteren, schwächlichen und kriegsverlegten Arbeitern, während die Frauen fich in den besten Jahren, die jugendlichen Arbeiterin nen sich noch in der körperlichen Entwicklung befinden. Jmmerhin, zieht man die pathologischen und physiologischen Vorgänge im weiblichen Organismus in Betracht, so muß man die Niederzwingung solcher hygienischer Störungen bewundern. Ein in dieser Richtung wirkendes wichtiges Moment bilden neben der Widerstandskraft gute Löhne. Manche Krankheitsbehandlung wird auf eine spätere stille Zeit hinausgeschoben. Jedenfalls muß man in def Schlußfolgerung, wie die Frauenarbeit die Gesundheit beeinflußt, vorsichtig sein. Alle Umstände deuten mit der erhöhten Anteilnahme der Frauen am Erwerbsleben auch nach dem Erlöschen des Weltbrandes hin. Es geht nicht an, die Frauen dann als Ausbeutungsobjekt, als Reservearmee bei guten Konjunkturen, bei Lohnbewegungen willkommen zu heißen und den Mann aus dem Felde zu verdrängen. Vielfach herrscht noch auf Unternehmerseite der Wahn, in der Frau eine billige und willige Arbeitskraft zu erblicken, der noch von Erfindern unterstützt wird, daß neu konstruierte Maschinen durch billige Frauenkräfte bedient werden können. Hinter diesen Gedanken treten voltswirtschaftliche Interessen weit zurüd. Oft sind es dieselben Leute, die einst für die Erhaltung der Frau am heimischen Herd, für die Aufrechterhaltung des Familienlebens mit Pathos eintraten, und die heute der Frau fein öffentliches Nr. 11 Die Gleichheit Mitbestimmungsrecht einräumen wollen. Deshalb die gewerkschaftliche Forderung: Für gleiche Arbeitsleistung gleichen Lohn. Wie sich heute die Löhne der Frauen zu denen der Männer verhalten, darüber fehlen uns ausreichende statistische Beweise. Einen Anhaltspunkt gewährt eine vom Deutschen Metallarbeiterverband veranstaltete Umfrage. Von 174 283 in der Kriegsindustrie beschäftigten Arbeiterinnen erzielten nur 13 870, das sind 8 Prozent, und von 20 888 in der Friedensindustrie beschäftigten Arbeiterinnen nur 4085, das sind 19,6 Prozent, den gleichen Verdienst wie die Männer. Bei solchen Lohnverhältnissen bildet die Frauenarbeit immer ein lohndrückendes Element. Eine Besserung läßt sich nur durch gewerkschaftliche Organisation erzielen und weiter durch Regelung der Berufsverhältnisse auf paritätischer Grundlage von Mann und Frau. Von seiten des Reiches sind Lohnklauseln für behördliche Lieferungsverträge zu empfehlen zugunsten einer angemessenen Bezahlung weiblicher Arbeitskräfte. Vergleichen wir nun die ungeheure Zunahme der weiblichen Arbeiterinnen mit dem Entschluß zur gewerkschaftlichen Organisation, so zeigt sich in den Berufen mit traditioneller Frauenarbeit eine rege An- zum Beispiel Textil- und Buchbindergewerbe teilnahme an der Organisation und eine hohe Mitgliedschaft. Anders in der Rüstungsindustrie mit fluftuierender Arbeiterschaft. Viele dieser beschäftigten Frauen erbliden in der Kriegsarbeit nur eine vorübergehende Lebensetappe, bedenken aber nicht, daß sie die Stoßkraft ihrer Organisation durch ihre Teilnahmlosigkeit schwächen. Nur so erklären sich die Zahlen der nachfolgenden umfangreichen Statistik. Am 30. Juni 1914 hatten 33 Verbände zusammen 221 071 weibliche Mitglieder, und am 30. Juni 1916 hatten die gleichen Verbände nur 182 256 weibliche Mitglieder, demnach eine Abnahme von 38 815! Tatsächlich beträgt der Verlust an weiblichen Mitgliedern 46 814, weil 11 Organisationen noch 8000 Frauen gewinnen konnten. Der genannte Verlust verteilt sich auf 22 Verbände. Trotz des enormen Zugangs zur Munitionsindustrie hatte zum Beispiel der Metallarbeiterverband nur 3964 weibliche Mitglieder gewinnen können. Hier ist also von seiten der Gewerkschaften noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Stellung der Frau als Mutter und Erzieherin ist, wie die angeführten statistischen Beispiele beweisen, durch die Notwendigfeiten des Krieges in den Hintergrund gedrängt worden. Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit liegt heute in der Werkstatt, im Verkehr, im Verkaufsraum und Bureau. Der Arbeitsmarkt wird borderhand keine Kurvensenkung für weibliches Personal anzeigen. Feuilleton Krieg, nichtswürdigstes Morden! O Menschen, solange vernagelt Alle Kanonen nicht sind, wahrlich, so lange sind wir's. Glaßbrenner. Die Belohnung. Nach dem Französischen von Werner Peter Larsen( München). Lazar Dazare, ein arbeitsloser Ziseleur in bedrängter Lage, der noch am Tage vorher daran gezweifelt hatte, sich jemals wieder emporarbeiten zu können, eilte, da die düsteren Regenwolfen der Vortage sich zerstreut hatten und die Sonne wieder warm und lustig schien, auf der Jagd nach Arbeit voll neuer Hoffnung durch die Straßen von Paris dahin. Er war ein langer, hagerer, schwarzbärtiger Bursche, dessen lebhafte Augen Intelligenz und Tatkraft verrieten, aber seine eingefallenen Wangen sprachen eine nur zu deutliche Sprache: feit er vor zwei Monaten, mit der Tapferkeitsmedaille geschmückt, vom Militär entlassen worden war, war er auf der Suche nach Arbeit vergeblich von Tür zu Lür gewandert; niemand von all den gesunden und kräftigen Menschen wollte seines leidenden Aussehens wegen etwas von ihm wissen; niemand von ihnen dachte daran, daß sie ihre Ruhe und ihren Verdienst, ja ihr Leben vielleicht Tausenden solcher hagerer Burschen verdankten, die nach jahrelangem Striegsdienst aus den Schützengräben heimgekehrt waren.... Vergebens hatte Lazare immer von neuem seinen Spruch hergesagt, ganz mechanisch zuletzt:" Ich bin aus dem Felde heimgekehrt und bin arbeitslos. Ich nehme gern eine jede Arbeit an...", er 83 Und doch bleibt zur Erhaltung des Staatsorganismus die Frau als Mutter und Erzieherin das oberste Gesek. Dem Sozialpolitiker türmen sich in dieser Frage große Schwierigkeiten auf, die aber überwunden werden müssen. Eine Rückkehr ins Haus und in die Familie durch Geseze und allgemeine Verbote zu erzwingen, geht nur dort an, wo offenkundige Gesundheitsgefahren vorliegen. Im übrigen muß der Frau der Anteil am Wirtschaftsleben erhalten bleiben. Die Aufgabe des Reiches und Staates geht dahin, die Arbeit der Mädchen und Frauen derart zu regeln, daß sie ihrem ureigensten Beruf als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder in jeder Hinsicht gerecht werden können. Dazu gehört in erster Reihe, die soziale Lage des Mannes möglichst günstig zu gestalten. Dann ist die Frau nicht zum Miterwerb genötigt, ihre Seelenkräfte neigen sich wieder der Bestimmung der Mutterschaft und der Erziehung der Kinder zu. Den Gewerkschaften erwächst die Pflicht, den Zustrom der Frauen und Mädchen in das Bett der Organisation zu leiten. Tarifliche Rechte, großzügige Sozialpolitik sind die Ecksteine, auf denen sich das neue Fundament aufbauen muß. Nur dann können die Frauen der heutigen und künftigen Generation ihren Pflichten als Mütter und Erzieherinnen nachkommen. Kinderfürsorge. Vorbemerkung der Redaktion: Die Fragen der Kinderfürforge werden für die künftige Zeit eine weit höhere Bedeutung beanspruchen, als sie bisher schon gehabt haben. Vor allen Dingen werden sich Staat und Gemeinde der hier ruhenden Aufgaben in stärkerem Maße als früher annehmen müssen. Sie sind dabei aber auf die Mithilfe geeigneter Persönlichkeiten, besonders auf die Hilfe von Frauen angewiesen. Unsere Genossinnen haben deshalb die Pflicht, wenn sie sich bei dieser Mitarbeit nicht selber ausschalten wollen, sich mit den mannigfachen Fragen der Kinderfürsorge vertraut zu machen. Aus diesem Grunde werden wir fortab des öfteren aufklärende und belehrende Artikel sowohl über das Gesamtgebiet als auch über seine einzelnen Teilfragen veröffentlichen. Müttersiedlungen. Unter Müttersiedlungen versteht man den Zusammenschluß von fünf bis sechs Arbeiterinnen oder erwerbstätigen Müttern und ihren Kindern zum Zwecke gemeinsamer Wirtschaftsführung. Eine Leiterin übernimmt die Fürsorge für Mütter und erhielt jedesmal eine Antwort, die mur in den Worten verschieden war, im Sinn aber die gleiche:„ Es tut uns leid, aber die Geschäfte liegen brach; wir können zurzeit niemanden brauchen...." Lazare war wirklich, wie man so sagt, auf den Hund getommen, und seine andauernd vergeblichen Bemühungen hatten ihn verbittert und zermürbt, als angesichts des herrlichen Sonnenwetters ein plöglicher Optimismus von ihm Besiz ergriff. Er sah die ganze Welt auf einmal wieder mit anderen Augen: er sah die gutgekleideten und wohlgenährten Bummler an sich vorüberschlendern, sah die verschwenderische Bracht der Auslagen, sah die fröhlichen, sorgenlosen Mienen der jungen Frauen, die lächelnd an ihm vorbeitrippelten und fühlte plötzlich mit unerschütterlicher Gewißheit, daß es ihm heute gelingen werde, Arbeit, ja womöglich Arbeit bei einem Gold. schmied oder Ziseleur zu finden. Und es war hohe Zeit, in der Tat! Seine Schulden häuften sich von Tag zu Tag; es war taum mehr jemand im Hause, der ihm nicht schon in der oder jenen Weise geholfen hätte, weil ein jeder Arbeiter selbst weiß, wie bitter es ist, Wochen um Wochen vergeblich nach Arbeit zu suchen, und dabei hatten die meisten wohl eigentlich kaum viel mehr als er selbst.... ,, Aber wartet nur, wenn ich erst wieder Arbeit habe!" dachte er, und im gleichen Augenblick reifte in ihm der Entschluß, doch einmal in einer der vornehmsten Goldschmiedewerkstätten von Paris vorzusprechen, in die er sich bisher nicht hineingetraut hatte. So siegesgewiß war seine Stimmung an diesem Tage, daß er kaum noch an dem Gelingen seines Unternehmens zweifelte; dennoch aber blieb er ein kleines Weilchen vor dem Laden stehen, um sich sorgfältig zurechtzulegen, was er dem Chef zu sagen gedachte. Im Schaufenster flimmerten die kostbarsten 9 84 Die Gleichheit Kinder. Die Mütter unterstüßen sie in ihrer Arbeit, soweit ihre Zeit es erlaubt, und zahlen eine Zuhilfe zum Haushalt. Mütterfiedlungen find als soziale Unternehmungen gedacht, sie müssen daher von einem Verein oder von privater Seite unterstützt werden, da sie sich nicht selber erhalten können. Sie kommen ganz besonders als Angliederung an bestehende Wöchnerinnenheime in Betracht. Die Mütterfiedlungen können dann für junge, unverheiratete Mütter, für die sich bei der Rückkehr in das Erwerbsleben große Schwierigkeiten ergeben, ein Weg der Hilfe sein, der um so wertvoller ist, da er zur Selbsthilfe führt. Mütterfiedlungen verlieren einen Teil ihres Wertes, wenn sie nicht den Charakter eines Familienzusammenschlusses bewahren. Ein Haus, ein Tisch, ein Herd, eine Mutter, nämlich die Leiterin der Siedlung, aber alle Teile der Familie selbständig und ohne Entziehung der persönlichen Freiheit und der eigenen Entwicklung, zusammengeschlossen. Müttersiedlungen sollten möglichst frei gelegen sein und, so wenigstens ist das Jdeal, jeder Mutter und ihrem Kind ein Einzelzimmer gewähren. Gemeinschaftswohnungen ruhen auf gleicher Grundlage wie die Müttersiedlungen und unterscheiden sich nur in wenigen Punkten von diesen. In der Gemeinschaftswohnung werden Mütter, die im Erwerb stehen, durch gemeinschaftliches Wirtschaften( Miete, Licht, Feuerungs- und Gasverbrauch, Ernährung, Anschaffung und Ergänzung des Inventars usw.) au einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Eine geordnete Arbeitseinteilung und Regelung der Beaufsichtigung der Kinder wird Arbeitstraft sparen und den Müttern helfen, ihren Berufs- und Mutterpflichten gerecht zu werden. Gemeinschaftswohnungen sind als weitere Stufe der Mütterficdlungen gedacht. Der freiwillige Zusammenschluß bedeutet auch einen Fortschritt, denn von da an ruht es in den Händen der Mütter, die Gemeinschaft so zu gestalten, daß ein wirtschaftlicher Vorteil dabei herauskommt. Der Gedanke der Müttersiedlungen und der Gemeinschaftswohnung ist in Weißenfee bei Berlin in die Tat umgesetzt. Die von mir Januar 1917 gegründete Müttersiedlung ist am 1. Oftober 1917 von dem im Juni desselben Jahres in Berlin gegründeten Verein Mutter und Kind", E. V.( Geschäftsstelle CharTottenburg 5, Mollwitz, Privatstraße), übernommen worden. Zu gleicher Zeit richtete der Verein eine weitere Müttersiedlung ein, während ich eine Gemeinschaftswohnung ins Leben rief. Die drei Müttersiedlungen liegen nahe zusammen in der Caselerstraße 2, Schmuckstücke in herrlicher Fassung, und das geöffnete Kellerfenster gewährte einen Blick in die Werkstätte, in der lautes geschäftiges Leben herrschte. Lazare ließ den Blick über das alles hingleiten und zerbrach sich den Stopf, wie er sein Angebot möglichst verlockend gestalten könne, als ihm ganz unerwartet der Zufall zu Hilfe fam.... Eine weißhaarige, aber jugendlich und kokett aussehende Dame trat aus dem Laden auf die Straße heraus. Lazare, der nur wenige Schritte von ihr entfernt stand, sah, wie sie sich umwandte, um ihren Hund zu rufen, stolperte und fiel - dicht vor eine Droschke, die in scharfer Fahrt dahergerollt fam.... Fast im nämlichen Augenblick hatte er sich dem Pferd in die Zügel geworfen, stemmte sich ihm unter Aufbietung aller seiner Kräfte entgegen, ließ sich ein Stück mitschleifen und brachte den Wagen knapp vor der am Boden Liegenden zum Stehen.... Sie hatte nicht den geringsten Schaden erlitten; sie war nur völlig kopflos vor Schrecken, und Lazare, der sich nur leicht am Knie verlegt hatte, führte sie in den Laden zurück, wo ein förmlicher Aufruhr losbrach. Ein stattlicher alter Herr fam herbeigeeilt und jammerte laut: ,, Elzire, meine einzige geliebte Freundin...!" Das ganze Ladenpersonal wetteiferte darin, ihr zu helfen, und bald schlug das bedauernswerte Opfer in der Tat die Augen auf und fragte: ,, Ums Himmels willen, wo ist Boboche?" Boboche war das Hündchen, das eigentlich an dem ganzen Unglück schuld war und ihr nun vorsichtig auf den Schoß geJetzt wurde. Sie machte ihm heftige Vorwürfe ob seiner Un dankbarkeit; war sie nicht etwa extra ausgegangen, um die Geschenke für seinen morgigen Geburtstag zu besorgen?!... Nr. 11 3 und 4a. Es vereint sie derselbe Gedanke, nämlich: Mutter und Kind eine Heimat zu gewähren. Die Zeit ihres Bestehens ist noch kurz. Es läßt sich aber trosdem der ethische Wert, der in dieser Arbeit für Mutter und Kind liegt, schon jetzt deutlich erkennen. Es ist zu wünschen, daß vielerorts Müttersiedlungen und Gemeinschaftswohnungen entstehen. Der genannte Verein gibt über seine Erfahrungen bei der Einrichtung und Durchführung seiner Arbeit gern Auskunft. Schwester Lotte Möller, Berlin- Weißensee. * Kinderhorte. Der Krieg muß uns sozialdemokratischen Frauen in Deutschland Anlaß geben, gegen die Verwahrlosung und Verkümmerung durch tätige Mitarbeit mehr zu tun als bisher. Hätten wir schon jezt mehr Kinderhorte, so würde die Verwahrlosung in solchem Maße, wie es sich während des Krieges gezeigt hat, nicht zugenommen haben. Es muß unbedingt ausgesprochen werden, daß wir als tätige Leiterinnen der Kinderschutzkommission während des Krieges an manchen Orten wenig oder fast gar nichts für den Kinderschutz getan haben. Der in Österreich für Kinderschutz und Erziehungsfragen ge= schaffene Verein der Kinderfreunde mußte auch für uns ein Ansporn sein, für unsere Kinder mehr zu tun als bisher. Es müßten die Gewerkschaften mit Unterstützung der Städte und Gemeinden Heime einzurichten versuchen, in denen die Kinder der arbeitenden Eltern voc und nach der Schulzeit Aufnahme finden und wo sic unter Aufsicht geeigneter leitender Personen stehen. Es müßte aber schon jeßt während des Krieges darangegangen werden, auf diesem Gebiet etwas zu erreichen. Nach dem Kriege wäre der Anfang weiter auszubauen. Die bisherigen Kinderschutzkommissionen sind durch den Zwiespalt in der Partei und die Länge des Krieges teilweise völlig lahmgelegt worden. Ich glaube, daß wir in dieser Angelegenheit mit den bürgerlichen Frauenorganisationen ganz gut zusammenarbeiten können, wenn es uns darauf ankommt, für unsere Kleinen und Größeren in unserem Sinne praktisch etwas zu erringen. Ein Teil unserer Frauen, welche auf dem Gebiet der Kinderschutzkommission gearbeitet haben, würde sich sehr gut dazu eignen, in den Horten mitzuarbeiten. Daß die bestehenden Horte im allgemeinen gut sind und auf die Kinder einen guten Einfluß haben, habe ich bei Besichtigung von Notstandskinderhorten gesehen. Es waren in einem Hort an 120 Unterdessen war Lazare, der an der Tür stand und interessiert zusah, völlig in Vergessenheit geraten. Sein Knie hatte begonnen, ziemlich heftig zu bluten, und um nicht den Parkettboden zu beflecken, zog er sein Taschentuch hervor und verband die Wunde notdürftig, so gut es gerade ging. Endlich aber erinnerte sich der alte Herr seiner doch, eilte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu und sagte, noch immer nicht Herr seiner Erregung: ,, Ah, mein Herr, welch eine wahrhaft edle, mutige Tat! Wie sollen wir jemals den Dant bei Ihnen abtragen können, den wir Ihnen hierfür schuldig sind!" Ganz überrascht von so viel unerwarteter Liebenswürdigkeit trat der Retter unwillkürlich einen Schritt zurück, faßte sich aber bald und antwortete bescheiden: ,, Mein Herr, ich bin hocherfreut, daß ich nach jahrelangem Kriegsdienst und geschwächt, wie ich augenblicklich bin, doch noch Kraft genug besaß, um eine an sich selbstverständliche Tat zu vollbringen. Ich bin seit meiner Entlassung vom Militär arbeits- und mittellos, aber ich bin Ziseleur und verfüge über die denkbar besten Zeugnisse. Ich wünsche mir keine andere Belohnung, als bei Ihnen ein Probestück machen zu dürfen, um vielleicht auf diese Weise endlich wieder Arbeit zu finden...." Der Juwelier hörte ihn aufmerksam an, nickte wohlwollend und trat dann auf die weißhaarige Dame zu, der er einige Worte ins Ohr flüsterte. Sie war so mit Boboche, ihrem Hündchen beschäftigt, daß sie noch gar keine Zeit gefunden hatte, sich um ihren Retter zu kümmern. Nun aber hob sie ihr feines, von weißem Haar umrahmtes Gesicht, musterte Lazare vom Scheitel bis zur Sohle und küßte dann in plöglich aufwallender Zärtlichkeit den Schoßhund auf die Nase, während ihr Mann noch immer flüsternd auf sie einsprach. Nr. 11 Die Gleichheit bis 140 Kinder untergebracht. Die Kleinen Halten sich dort während der guten Jahreszeit fast den ganzen Tag im Freien auf, bearbeiten daselbst ihre kleinen Beete und spielen. Die schulpflich tigen Kinder von 6 bis 14 Jahren, die ihre schulfreie Zeit im Hort berbringen, werden von Gärtnerinnen des Roten Kreuzes zum Bearbeiten des Bodens und zum Anbau von Gemüse angeleitet. Der Hort wird teilweise erhalten durch private Beiträge; die Stadt trägt die Kosten der Gasbeleuchtung und der Feuerung, ferner stellt sie den Garten und das Gebäude( Villa) zur Verfügung. Ein Teil der Kosten wird noch gedeckt durch monatliche Beiträge der Mütter; ein Teil der Kinder wird unentgeltlich verpflegt. Wir müßten darauf hinarbeiten, daß Gewerkschaften, Gemeinden und Eltern gemeinsam dazu beitragen, die Kosten der Heime und Horte zu decken. Durch derartige Mitarbeit würde ein kleiner Teil unseres Programms, wenn auch nicht ganz so, wie wir es wünschen, so doch auf dem Wege zu unserem Ziele der Verwirklichung nähergeführt. Zugleich würden wir dazu beitragen, daß unseren Kindern ihre Kinderzeit verschönt wird. Elise Bahr. Aus unserer Bewegung Einen Frauentag veranstaltet das Frauenreichskomitee unserer österreichischen Bruderpartei in der zweiten Hälfte des März. Es wird zu diesem Zwede eine besondere Wahlrechtsschrift„ Der Frauentag" erscheinen. * Rostock. Zu einer eindrucksvollen Friedenskundgebung gestaltete sich eine öffentliche Frauenversammlung, die am 30. Januar von unserer Parteileitung im großen Saal der Philharmonie veranstaltet wurde. Der Riesensaal mit seinen Galerien konnte die Zahl der Besucher, auch Männer hatten sich in großer Zahl eingefunden, nicht fassen, sämtliche Tische mußten entfernt, die Türen zu den Nebenräumen geöffnet werden. Friedenshoffnungen und Friedens wünsche der deutschen Frauen" lautete das Thema. Die Versamm lung folgte den Ausführungen der Genoffin Juchacz mit größter Aufmerksamkeit und gab durch ihr ganzes Verhalten fund, daß sie die Friedensforderungen der Partei zu den ihrigen machte. Auch die Frauen des deutschen Volkes lassen sich nicht mehr von den Reden der Vaterlandspartei betören. Ein Friede der Verständigung und politische Freiheiten im Innern des Landes für Männer und Frauen sind die von ihnen als richtig erkannten Forderungen. Nach und nach aber kam in ihre großen, mütterlich blickenden Augen ein Ausdruck heftigen Unwillens, sie zuckte die Achseln, schnitt eine Grimasse und sagte halblaut, im Tone eines eigensinnigen Kindes und dennoch nicht ohne ein gewisses Wohlwollen: ,, Na ja, sehr einfach, also: dann gibst du ihm eben vier Sous!..." Erstes Grün. Kaum entkeimt das erste Grün Den vom Pflug gebrochnen Schollen, Und kein Blatt verrät noch kühn, Wo die Veilchen sprießen wollen. Nichts erfüllt das Aug mit Lust, Winter herrscht noch streng auf Erden, Und doch fühl ich's in der Brust, Daß es bald wird Frühling werden. ( Nachdruck verboten.) Fröschle. Martin Greif. ( Fortfegung.) Aufzeichnungen eines Vaters. Von Karl Bröger. Fröschle entdeckt seinen unteren Menschen. Es ist ein sonniger Nachmittag. Warmes Licht flutet über die nackten Glieder Fröschles, der frei von jeder beengenden Hülle auf einem Seissen am Boden liegt. Fröschle ist mit dem nackigten Zustand äußerst zufrieden, was er durch vergnügtes Krähen zu wissen gibt. Eilig angeln die diden Hände in der Luft und find hinter jedem Lichtstrahl her. Die Hände find Fröschles gute Bekannte; die zehn Finger daran die besten und geduldigsten Spielgenossen, die er vorläufig hat. Ganz prächtige Kerle sind diese Finger, immer bei der Hand, wenn fich Fröschle die Zeit vertreiben will, jeder einzelne in seiner mudel, runden Niedlichkeit das getreue Abbild des Herrn und Meisters. 85 Bei dem ungeheuren Andrang war an eine planmäßige Saalagitation nicht zu denken, doch konnte die Leitung nach Schluß der Versammlung trotzdem eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder aufnehmen. Wahlkreis Ückermünde- Usedom- Wollin. Einen erfreulichen Fortschritt macht in unserem Fabrikdorf Torgelow die Frauen bewegung, die bisher sehr darniederlag. Nach einer Mitgliederversammlung, die für unsere weiblichen Mitglieder einberufen war, und in der Genoffe Parteisekretär Hartwig( Stettin) einen Vortrag über:„ Die Kriegsfürsorge für die Kriegerfrauen, Witwen und Waisen" hielt, wurden 30 Frauen für den sozialdemokratischen Verein und ebensoviel Leserinnen auf die„ Gleichheit" gewonnen. Viele Frauen sind infolge des Krieges zur Arbeit gezwungen, und der Organisationsgedanke bricht sich daher immer mehr Bahn. Auch die hiesigen Gewerkschaften haben Zunahmen an weiblichen Mitgliedern zu verzeichnen. Jede Genoffin muß es aber auch als Ehrenpflicht betrachten, an der Gewinnung von neuen Mitgliedern und Leserinnen der Gleichheit" mitzuarbeiten! Als Kreisvertrauensperson der Frauen ist Genossin Stubbe, Torgelow, Pasewalker Straße 14, tätig. Von ihr werden auch Neubestellungen auf die„ Gleichheit" angenommen. T. H. " -ei-. Bezirk Zwickau.„ Rechte und Pflichten der Frau" lautete das Thema, das Genoffin Schilling( Döbeln) Ende Januar in neun öffentlichen Frauenversammlungen im 18., 22. und 23. fächfischen Reichstagswahlkreis behandelte. Die Versammlungen bildeten die Fortsetzung der anfangs November vorigen Jahres stattgefundenen; sie fanden statt in Neumark, Brodau, Lichtentanne, Reinsdorf, Wilkau, Limbach, Auerbach, Schöneck und Klingenthal. Mit Ausnahme der in Schöneck waren die Versammlungen durchgehends gut besucht, teilweise überfüllt und gestalteten sich zu wuchtigen Kundgebungen für die politische Gleichberechtigung der Frau. Genoffin Schilling verstand in ausgezeichneter Weise die Anwesenden zu fesseln und erntete überall reichen Beifall. Geradezu glänzend verliefen die Versammlungen in Wilfau, Auerbach und Klingenthal. Derartige Frauenversammlungen haben diese Drte noch nicht gesehen. In Wilkau waren außer den zahlreich Erschienenen aus Wilkau eine Anzahl Frauen aus der Umgebung erschienen, um den Ausführungen der Rednerin zu lauschen. Während des Vortrags hatten sich auch die„ Leiter" der Zwidauer„ Unab hängigen" eingefunden, um auch hier ihr arbeiterschädigendes Treiben zu versuchen. Obwohl die Versammlung um 10% Uhr geschlossen werden mußte und es bereits 93% 11hr war, gab der VersammlungsEben jagt Fröschle mit allen Zehnen vergeblich hinter einem mumteren Sonnenstrahl her, der ihm fed über den ganzen Leib spaziert. Im nächsten Augenblick springt der Strahl schon als zitternder Kringel über Fröschles Kopf. Fröschle bäumt sich auf, den Flüchtling zu haschen; dabei hebt er den Unterförper hoch und bringt ein Bein in seinen Blickwinkel. Grenzenloses Staunen läuft über das Gesicht. Der Sonnenstrahl, den er eigentlich fangen sollte, ist ganz vergessen. Mit großen, runden Augen beobachtet Fröschle aufmerksam und argwöhnisch die rätselvolle Erscheinung. Was mag das bloß für ein Geselle sein, der da steil und unbeweglich in die Luft stiert? Noch eine Hand, von deren Dasein Fröschle bis jetzt keine Ahnung hatte? Plötzlich ist die Erscheinung wieder verschwunden, ohne daß Fröschle bemerkt hätte, wohin. Der Bann dauert aber immer noch an und weicht erst, als Fröschle die Hände wieder vor sich sieht. Nachdentsam dreht Fröschle die eine Hand im Gelenk und guckt sie genau von allen Seiten an. Nein, eine neue Hand kann es nicht gewesen sein, was seine ganz mühsam erworbene Erfahrung ins Wanken gebracht hat. Was aber sonst? Da, da da ist das Ding ja schon wieder. Dicht vor den Fingern steigt es aus der Tiefe, plump und ungeschlacht. Mut, Fröschle, Mut und den Fremdling tapfer festgehalten! Vorsichtig streckt der kleine Entdecker die Hand nach dem unbekannten Land aus und streicht untersuchend über die Oberfläche hin. Das Gefühl ist nicht fremd. Genau so weich und wohlig wie die liebe, vertraute Hand fühlt sich auch das Neuland an. Aber was für merkwürdige Unebenheiten in diesem neuen Land; das geht bergauf und talab wie in einer Berglandschaft. Nicht lange hält sich Fröschle mit der Topographie seines neu entdeckten Körperteils auf. Ein Mittel gibt es, das sofort und sicher sagt, was von einer Sache zu halten ist. Wenn man erst weiß, wie das Ding schmeckt, weiß man alles. Also her damit! Fröschle müht sich aus aller Straft, das Bein in den Mund zu bekommen. Das ist aber gar nicht leicht. Das Ding ist bockbeinig und reißt sich zweimal los, ehe es Fröschle gelingt, die äußerste Spitze des neuen Erdteils, das Kap der großen Behe in den Mund 86 Die Gleichheit leiter in loyalster Weise einem Redner der„ Unabhängigen" das Wort, der zu den eindrucksvollen Ausführungen der Rednerin absolut nichts zu sagen wußte. Als er aber die sozialdemokratische Partei mit allerhand Schmuß bewarf und die Frauen zum Beitritt zur Bartei der„ Unabhängigen" aufforderte, war die Geduld der Versammlung zu Ende. Noch keine zehn Minuten hatte er gesprochen, als er unter lebhaftem Protest der Versammlung sein Latein beenden mußte. Da nur noch wenige Minuten für das Schlußwort der Referentin zur Verfügung standen, beschränkte sich Genosse Meier( Bwidau) auf einige furze Bemerkungen. Er bedauerie, infolge der Zeitbeschränkung nicht auf die Ausführungen des„ unabhängigen" Redners eingehen zu tönnen. Den„ Unabhängigen" sei es nicht darum zu tun, die noch indifferenten Frauen der Drganisation zuzuführen; ihr Bestreben sei nur, der sozialdemokratischen Partei jeden Erfolg unmöglich zu machen, und das sei das Beschämendste an diesem Treiben. Trotz der versuchten Zersplitterungsarbeit brachte uns die Versammlung einen erfreulichen Gewinn. 38 Frauen traten der Parteiorganisation bei, eine große Anzahl abonnierte auf die Parteipresse und auf die „ Gleichheit". In Auerbach, wo seit Jahren keine Frauenversammlung mehr stattgefunden hatte, war allgemein angenommen worden, daß das Lokal zu ungünstig gelegen sei, und man versprach sich um so weniger zahlreichen Besuch, weil am selben Abend eine Veranstaltung des Flottenbundes im größten Saale Auerbachs stattfand. Erfreulicherweise kam es anders. Aus der ganzen Umgegend Auerbachs tamen die Frauen herbeigeströmt, und obwohl die Versammlung erst auf 8 Uhr angesezt war, war der geräumige Saal um 7 Uhr bereits besetzt. 48 Uhr war kein Stuhl im Lokal mehr zu bekommen, so daß die Stühle aus dem Garten herbeigeschafft werden mußten. Als die Versammlung eröffnet wurde, waren weit über 800 Personen anwesend. Der gewaltige Beifallssturm nach den Ausführungen der Rednerin bewies zur Genüge, daß sie den Anwesenden aus den Herzen gesprochen hatte. Während der Pause traten 162 Frauen der Parteiorganisation bei, und weit größer ist die Zahl derer die auf die„ Gleichheit" abonnierten. Ein Erfolg, mit dem die Partei besonders in Auerbach vollauf zufrieden sein fann. In Klingenthal, dem Hauptsitz der sächsischen Musikinstrumentenindustrie, hatten sich die Frauen aus der großen Umgebung eingefunden, es waren weit über 600 antvesend. Der Besuch dieser Versammlung hat besonders bewiesen, daß auch die wirtschaftlich so schwer leidenden Heimarbeiterinnen in der Musikinstrumentenindustrie Verständnis für die Jdeen des Sozialismus haben. Auch zu bekommen. Fröschle lutscht prüfend, erkennt bald den Geschmack als unzulänglich und gibt die Prüfung auf, weil ihm auch die Stellung nicht zusagt, die er dabei einnehmen muß. Aber über die Bedeutung der Sache ist sich Fröschle Ilar. Mit Gründlichkeit vertieft sich der kleine Kolumbus in die äußere Forschung, durchstreift das neue Land nach allen Windrichtungen und hat die Genugtuung, daß er sich bald so gut auskennt wie im bekannten Gelände der Hand. Als die Mutter hereinkommt, den kleinen Mann zu versorgen, findet sie Fröschle, der mit allen zehn Fingern von seinem unteren Menschen Besitz ergriffen hat.... ( Fortfehung folgt.) Gute Bücher. Bon Elfriede Schäfer. ( Schluß.) Von Jonas Lie, dem Großmeister nordischer Romankunft, gibt es in derselben Sammlung den Roman:„ Eine Ehe". In dem Vorwort sagt Hermann Bang von Lie:„ Gefangennehmen mußte er schon durch den Stoff und die Meisterung des Stoffes. Aber gehalten hat er uns in seinem Bann durch die Macht seines Herzens. Das Mitfühlen des Dichterherzens, das nimmer ruht und niner sich stillen läßt, das ist seiner Dichtung rinnendes, rotes Blut." Bon Emil Strauß ist die tragikomische Geschichte„ Der Engelwirt" in jener Sammlung( 1 Markbücher) enthalten, der Engelwirt, der trogig mit Magd und Kind auswandert nach Amerika und so arg geschunden und reuevoll zu seinem Weibe zurückkehrt. Bon älteren Romanen gibt es eine Fülle vorzüglicher Werke in den populären Sammlungen zu sehr billigen Preisen. Da sind die Wiesbadener Wolfsbücher( 15 Pf.), Meyers Wolfsbücher( 10 Pf.), Reclams Universalbibliothek( 20 Pf.). Wir schlagen den Katalog der Wiesbadener Boltsbücher auf und finden Annette v. Drostes kraftvolle Judenbuche", v. Kleists Meisternovelle Michael Kohlhaas", diese aufwühlende Geschichte des für die Gerechtigkeit Leidenden, dann Novellen von Tolstoi, Otto Ludtvigs spannenden Roman„ Zwischen Himmel und Erde", Jeremias Gotthelfs reizende, humoristische Erzählung„ Wie Christen eine Frau gewinnt" und viele andere gute Sachen. Nr. 11 hier war der Erfolg ein ganz erfreulicher; 100 Frauen abonnierten auf die„ Gleichheit", und eine Anzahl wurden Leserinnen des„ Boltsblattes" und Mitglieder der Partei. Die Versammlungen brachten uns insgesamt einen Zuwachs von 520 Leserinnen für die Gleichheit", 270 Mitglieder für die Barteiorganisation und über 100 Abonnenten für das „ Sächsische Volksblatt". Bei unermüdlicher Aufklärungsarbeit wird es ein leichtes sein, recht bald eine große Zahl von neuen Stämpferinnen der Partei zuzuführen. Sache der Genossinnen muß es nun sein, die geschaffene Situation voll auszunügen und für den Ausbau der Parteiorganisation, die Verbreitung des„ Volfsblattes" und der„ Gleichheit" ihre ganze Straft einzusetzen. Genossenschaftliche Rundschau Das Genossenschaftswesen wird auch im laufenden Winter auf deutschen Universitäten als Lehrgegenstand behandelt. An den Universitäten Halle, Königsberg, München, an den Handelshochschulen Berlin, Köln, Mannheim und Königsberg und an den landwirtschaftlichen Hochschulen Berlin, Bonn und Wien werden dem Genossenschaftswesen besondere Borlesungen gewidmet. Auch eine Reihe von Technischen Hochschulen widmet sich mehr oder minder wohlwollend der Förderung des Genossenschaftswesens, während einige, wie die Berliner und die Braunschweiger Technische Hochschule, es noch gänzlich unberücksichtigt lassen. Die Konsumgenossenschaft Vorwärts" in Bremen hat in ihrer eigenen Marmeladenfabrik den Umfaß von 122 436 Mark im Jahre 1915/16 auf 242 364 Mark im Jahre 1916/17 gesteigert. Ein Gesuch, die von der Behörde vorgeschriebene Höchstmenge von 4000 Zentnern zu überschreiten, wurde bisher, abschlägig beschieden. Die Erzeugung war an die Vorschriften der Kriegswirtschaft gebunden, die Streckung der Marmelade mußte daher leider mit Steckrüben vorgenommen werden. Der Konsumverein Teplik- Schönau in Böhmen hat in der Generalversammlung über einen Antrag des Vorstandes zu entscheiden, der besonderes Interesse verdient. Es wird den Mitgliedern vorgeschlagen, den ganzen überschuß im Betrag von 67 000 kronen nicht zu verteilen, sondern dem Reservefonds zu überweisen. Der Verein würde sich durch diesen Beschluß in die Lage versehen, weit mehr als bisher mit eigenem Rapital zu arbeiten und fremdes Leihgeld au entbehren. Bisher mußten für Jn Meyers Voltsbüchern finden wir Didens David Copperfield",„ Das Heimchen am Herd"," Der Weihnachtsabend". Danu E. T. A. Hoffmann mit seinen unheimlichen Geschichten:„ Das Frän lein von Scuderi",„ Spielerglüd"," Der goldene Topf" usw.( Bon Hoffmann gibt es übrigens in der Ulstein- 50- Pf.- Sammlung drei Berliner Novellen, geschmackvoll gebunden.) Eine Anzahl der er wähnten Meyerschen Volksbücher kann man auch gebunden von 50 bis 90 Pf. haben. Fast alle die erwähnten älteren Romane finden sich auch bei Reclam, dazu kommen dann noch viele andere. Das sind vor allem die Werke Dostojewstijs, des genialen Ruffen zu erwähnen. Sein „ Schuld und Sühne"( geb. 1,50 Mt.) nimmt den Leser vollkommen in seinen Bann. Man lebt und leidet mit Roskolnikow, dem jungen Studenten, der die alte, wuchernde Pfandleiherin erschlägt, um die Welt von diesem Reptil zu befreien. Alle Stadien der Gemütsbewegung durchlebt man mit ihm, seine Qualen, die folternden Gänge zum Untersuchungsrichter, die Berurteilung, die Verbannung, die Läuterung, die Liebe zu Sofja, diesem rührend selbstlosen, sanften Mädchen, das dem Geliebten nach Sibirien folgt. 11 Auch Tolstoi ist bei Reclam gut vertreten.„ Anna Karenina"( 2 Bde., geb. 2,50 M.),„ Auferstehung"( geb. 1,50 Mt.),„ Krieg und Frieden" ( 2 Bde., geb. 2,50 Mt.) und die Sosaken"( geb. 80 Pf.), eine Schil derung, die unbeschreiblich zart und dabei so erfrischend ist, u. a. Es wäre unmöglich, alle lesenswerten Bücher der populären Samm lungen aufzuzählen. Wir möchten nur noch auf Otto Ludwigs wundervolle Heiterethei", Gottfried Kellers Erzählungen(„ Der grüne Heinrich" ist in Bibliotheken fast überall zu haben) und Eichendorffs romantische Geschichte„ Aus dem Leben eines Taugenichts" hinweisen. In den letzten Jahren erscheint allwöchentlich in der Form einer Zeitschrift Die Weltliteratur"( Breis 10 Bf.), welche ausgewählte Romane und Novellen bringt( an allen Zeitungsfiosten erhältlich). Hier ist die Gelegenheit gegeben, sich nach und nach eine Samm lung guter Werke mühelos und mit geringen Kosten anzulegen. Es find Sachen dabei, die man nicht nur einmal liest, sondern die mau immer wieder genießt; ja, mit dem österen Lesen wächst das Berständnis für die Eigenart des Autors, die Freude an seiner Kunst. Nr. 11 Die Gleichheit Bankgelder recht erhebliche Zinsen aufgebracht werden. Eine derartige Reservestärkung läge durchaus im Interesse der Mitglieder, während bei der Verteilung der Summe dem einzelnen Genossen ein nur sehr geringer Augenblidsvorteil geboten werden kann. Ein Vorstoß der fächsischen Mittelständler, die in einer Eingabe an das Ministerium des Innern versuchten, ein Backverbot für die Konsumvereine mit eigener Mühlenanlage durch zujeßen, fand im Sächsischen Landtag durch den Abgeordneten Fräßdorf die gebührende Zurückweisung. Der Konsumverein für Westerland auf der Nordseeinsel Sylt liegt im Kriegsgebiet. Trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten kann der Verein über eine günstige Entwicklung berichten. Um die Preise für landwirtschaftliche Produkte regu lierend zu beeinflussen, hat der Verein einen Landwirt= schaftsbetrieb in eigene Regie übernommen und damit sehr günstige Erfolge erzielt. Um allen Mitgliedern, die sich aus Arbeitern, Landwirten und Handwerkern zusammenseßen, gerecht zu werden, will der Verein das Warengeschäft auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Bedarfsartikel ausdehnen. Der Geschäftsanteil wurde deswegen von 30 auf 100 Mt. erhöht. In der Besteuerung der Konsumvereine wurde vom Oberverwaltungsgerichtshof in Braunschweig eine für die Konsumvereine günstige Entscheidung getroffen. Danach bleiben in Braunschweig alle Rüdvergütungen, sofern fie 5 Prozent vom Umfaks nicht übersteigen, steuerfrei. Die seinerzeit viel Auffehen erregende Sondergesetzgebung des Hamburgischen Staates gweds Besteuerung des Konsum-, Bau- und Sparvereins Produktion" in Hamburg, ist von der„ Produktion" bis zur höchsten Instanz angefochten worden. Das Reichsgericht hat nunmehr entschieden, daß der Verein zur Zahlung der Konfumvereinssteuer nicht verpflichtet sei. Damit ist ein ganz offenbares Unrecht wieder einmal erfolgreich abgewehrt werden. über die Stellung der Hausfrauen zu den Konsumgenossenschaften sprach in einem vom Verband deutscher Hausfrauen abgehaltenen Lehrkurs in Hannover Herr Dr. K. A. Gerlach. Der Redner forderte von der guten Hausfrau der Jektzeit, daß sie volkswirtschaftlich denken lerne und sich ihrer Wichtigfeit im Staatsleben bewußt werde. Redner erklärte, daß die Ent87 deute wirtschaftlich vorteilhaften Konsum. Der Frau liege das Ge-meinschaftliche besonders nahe, daher sei sie auch besonders für die genossenschaftliche Betätigung geeignet. Diesem Urteil eines bürgerlichen Volkswirts dürften sich wohl auch die sozialdemokra tischen Frauen anschließen. Ein Sanatorium und Erholungsheim für seine Angestellten will der Verband ungarischer Genossenschaften errichten. Ein besonderer Verein soll denjenigen Angestellten, die mehr als 4000 kronen Gehalt beziehen und darum nicht mehr versicherungspflichtig sind, eine Stätte schaffen, in der die durch Krankheit verminderte Arbeitskraft wiederhergestellt werden kann. Der vierte Kongreß der geeinigten französischen Konfumgenossenschaftsbewegung tagte vom 30. September bis 2. Oktober in Paris. Unter anderem wurde eine Sammlung für die Wiedererrichtung der vom Kriege zerstörten Genossenschaften organisiert, es sind für diesen Zweck bisher etwa 300 000 Franken zur Verfügung gestellt. Bei der Wiedererrichtung sollen die vielen kleinen Konsumvereine möglichst zu Bezirkskonsumvereinen zusammengefaßt werden. Gleich den deutschen Konsumvereinen streben auch die Vereine in Frankreich eine öffentlichrechtliche Vertretung der Verbraucherintereffen an und fordern von der Regierung die Schaffung einer Genossenschaftskammer. Die Schwierigkeiten der Nahrungsmittelversorgung werden im Vorstandsbericht gefchildert. Die Zuckerkarte habe sich bewährt, die Brotfarte sei notwendig. Der Genoffenschaftsverband ist auch für die Unterstützung der Kriegswaifen tätig. Zu erwähnen wäre auch ein Hinweis von Albert Thomas, wonach es Deutschland vor allem den genossenschaftlichen Methoden zu verdanfen habe, wenn es der Blockade widerstanden habe. Die Britischen Großeinkaufsgesellschaften haben sich in ihren letzten Vierteljahrsversammlungen wieder mit dem Ankauf von Grundstücken beschäftigt. Davon liegen neun in England, während sechs andere in Westafrika, Südindien, Ceylon und Afrika gelegen sind. Der Gesamtkaufspreis beläuft sich auf mehr als 5 600 000 r. Ad. Rupprecht. Kopf um Kopf! So wird sich gestalten der Kampf in Europa: wicklung des Handels zum Großbetrieb durch nichts aufzuhalten Freiheit oder Gewalt, eine verliert den Kopf. sei. Diese Entwicklung führe entweder zum kapitalistischen Unternehmen des Warenhauses oder zum genossenschaftlichen Unternehmen der Konsumvereine. Der genossenschaftliche Konfum beWenn wir den Jubalt kennen, also nicht mehr durch die Spannung von der Form abgelenkt werden, lommen wir in vielen Fällen erst zu dem wahren Genuß. So geht es uns zum Beispiel mit Fontanes Dichtungen. Man fennt sie stellenweise auswendig, und doch empfindet man ihre Schönheiten stets beim Wiederlesen stets aufs neue. Bei einem schlechten Buch wäre so etwas unmöglich. Sollten unsere Leserinnen an einem Autor der angegebenen Werke besonderen Gefallen finden, so werden sie gewiß versuchen, mehr Bücher von demselben zu erhalten und sich so in seine Art zu ver tiefen. Dies wäre ein Weg, dem wahllosen Lesen( dem„ Schmöfern") zu steuern und den vielen wahrhaft Guten, das sich uns bietet, die Tür zu öffnen. Volkserziehung *** ,, Schmeiß die Dinger fort!" Das klingt nicht gut, aber ich hörte es so in der Straßenbahn. Eine Arbeiterfrau rief es ihrem Töchterchen zu, das mit einigen schmutzigen Fahrscheinen spielte. Das Kind gehorchte, und die Papierfezen flogen auf den regennaffen Boden des Wagens. Nur eine Kleinigkeit und doch ein großes Stück Verziehung. Überlegen wir uns nur: Gleich, wenn an der nächsten Haltestelle ein Dugend Fahrgäste im Aus- und Einsteigen die weggeworfenen Scheine mit Straßenschmuz betreten haben, wird die bleiche Schaffnerin, die jetzt müde und nachdenklich an der Flurwand lehnt, in den Wagen kommen. Wie ihre Dienstanweisung ihr borschreibt, wird sie sorgsam jeden schmutzigen Feßen von dem schlammigen Boden auflesen und beiseite bringen. Verziehung zur Unordnung! Das ist das andere, was uns an der fleinen Szene auffällt. In einer Biertelstunde sind Mutter und Töchterchen zu Hause. Wie, wenn auch dort die Kleine dem Ratschlag folgt: " Schmeiß die Dinger fort!" und Kartoffelschalen und Streichholzrefte, Schmugkruften und Papierschnigel auf den Küchenboden wirft? Ordnung und Sauberkeit sind wertvolle Grundlagen jeder Erziehung. Das Kind lernt sie nur dann, wenn sie ihm immer und überall, daheim und draußen angewöhnt und, was das wichtigste ist, vorgelebt werden. Ordnung und Sauberkeit sind jedoch auch * Hoffmann von Fallersleben. Alle Gewalt geht aus von dem Volf." Das wollt ihr bestreiten? Wer denn, Erlauchte, bezahlt eure Soldaten und euch? Glaßbrenner. von viel größerer wirtschaftlicher und voltserzieherischer Bedeutung, als viele ahnen: zahlreiche peinliche und unwürdige Dienstleistungen würden zugunsten werteschaffender Arbeit überflüssig, mancher gebückte Rücken bliebe gerade, wenn wir alle auf allen Wegen unseres Lebens durch Zucht und überlegung selbst für Reinlichkeit und Ordnung sorgen wollten. Die Mutter. A. Stahl. Er eilte freudig heim zu seinem Weib, Um ihm die frohe Botschaft zu verkünden: Im Often ist der Krieg zu Ende! Ein großes Volt aus blut'gem Völkerringen Ist ausgeschaltet und erheblich nun entlastet Die hartbedrängte Front der Mittelmächte. 3n edlem Wettstreit hat man sich verbündet Und tauscht nun Güter aus, die jenen fehlen, Und deren wir seit Jahren schon entraten. Dent an, fie liefern uns nun Brots die Fülle, Der größten Notdurft ist nunmehr gesteuert, Und sie empfangen dafür die Geräte, Die sie zur beffern Nuzung ihres Bodens, Zum Aufschwung ihrer Industrie gebrauchen. Sie horcht nur halb auf ihres Gatten Worte, Ihr Blick schweift in die Ferne hin gen Westen, Wo schon seit Monden im Granatentrichter, Umbränt von tausend heißen Höllenschlünden, Schmutzstarrend und das Haupt doch ftolz erhoben, Wenn er in, ach, so fargen Ruhepausen Mal an die Lieben, an die Heimat denkt, Ein Sohn ihr weilt, ihr Einz'ger, Heißgeliebter... Und wortlos finkt sie an des Gatten Bruft Und haucht, welch lodernd helles Flammenzeichen Des Urbegriffs von echtem Menschentum, Von Mutterschaft, entsagungsvoller Liebe, Das eine nur:„ Wird Hans auch wiederkommen?* 88 Eine ausweichende Antwort. 27 Die Gleichheit An der Anfrage des Deutschen Frauenausschusses für dauernden Frieden an den Volksbund für Freiheit und Vaterland, ob er gewillt sei, auch der rechtlichen und politischen Freiheit der Frauen zu gedenken und die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau ernstlich und wirkungsvoll zu fördern, hat der Bund, wie uns Dr. Anita Augspurg mitteilt, mit Geschick vorbei geantwortet, indem er durch seinen Vorsigenden erklärt, daß er die Mitarbeit" der Frau in hohem Maß erhofft und wünscht, und daß ihm daran gelegen ist, sich die„ Hilfe und Unterstüßung" weitester Streise der deutschen Frauenwelt zu sichern. Daß die freiheitliche Entwicklung im Innern, welche der Volksbund anstrebt, auch der Frau und ihrem Rechte zugute komme, bedürfe teiner Darlegung; sicher werde auch der Bund in dieser Richtung sehr weitgehende Forderungen der Frauen vertreten, dagegen werde es nicht möglich sein, in das Programm das Verlangen nach völliger Gleichstellung im öffentlichen Leben aufzunehmen und zu vertreten. Man kann aus dieser Probe entnehmen, wie enggezogen im lieben deutschen Vaterlande noch immer die Begriffe von " Freiheit", inneren Reformen und Neuaufbau sind und wie hoch oder tief die Achtung vor den Frauen ist, deren Mitarbeit, Hilfe und Unterstützung man eifrig in Anspruch nimmt und wertvoll einschätzt, deren gerechte Anerkennung man aber als gefährliches Schlagwort von der Hand weist, um den Philister nicht aus seiner Ruhe zu schrecken. Bolkserziehung A. H. Die Dresdener Kinderschuhkommission im Jahre 1917. Am 20. Januar hielt die Kommission ihre Generalversammlung im Volkshaus ab. Die Vorsitzende, Genossin Hezze, erstattete den Tätig feitsbericht für das vergangene Jahr. Auch diesmal kann die Kinderschutzkommission mit Stolz auf eine segensreiche Arbeit zurückblicken. Die Sigungen wurden in den drei Kreisen getrennt abgehalten; es entfielen auf jeden Streis vier bis fünf, bei der Zentralfommission machten sich etwas mehr Sigungen nötig. Aber in den einzelnen Kreisen müssen unbedingt mehr Sigungen stattfinden, da sie das einzige Mittel zur Ausbildung der Mitglieder sind, denn ein praktisches Lehrbuch für die Kommission gibt es leider nicht und kann es auch kaum geben, ehe die einzelnen Fälle nicht nach einem Schema behandelt werden können und dürfen. Es mußte im vergangenen Jahre in 104 Fällen eingeschritten werden. Von den Fällen erwiesen sich als Mißhandlungen 30, Vernachlässigung 51, fittliche Gefährdung 5, Verlassen der Familie 6, Verwahrlosung 2, Stinderarbeit 2, 3 dienten zur Kinderkontrolle, 5 betrafen unwahre Angaben. In legter Beziehung kann nicht dringend genug zur Gewissenhaftigkeit geraten werden. Bei den angeführten Gesezesüberschreitungen mußte in 28 Fällen das Fürsorgeamt in Anspruch genommen werden, 4 Fälle wurden der Kriegsorganisation zur Schußaufficht überwiesen, 4 Kinder wurden in bessere Pflege gegeben und bei 3 Fällen wurde Fürsorgeerziehung verhütet. Alle andern Fälle konnten von der Kommission selbständig erledigt werden. Es bleibt noch ein großer Teil Fälle, die noch nicht zum Abschluß gebracht werden konnten und von der Kommission weiter verfolgt werden. Mit den Vormundschafts-, Schul- und Fürsorgebehörden war in der Regel ein gutes Hand- in- Hand- Arbeiten möglich. Durch den Besuch der Erziehungsanstalt und des Mädchenheims Eugenienstift" in Klingenberg wurde den Mitgliedern Gelegenheit geboten, Einblick in die Beschaffenheit und Organisation dieser Anstalt zu tun. Die Mitglieder haben von hier die besten Eindrücke mit nach Hause genommen. Was die Veranstaltungen für die Kinder anbetrifft, so konnten nur in den Ferien ganze Tagestouren und nachher noch einige Halb tagspartien gemacht werden. Daß nicht mehr geschehen ist, ist auf die lange Kriegsdauer, ferner aber auch auf die Überbürdung unserer Genossinnen, welche die Partien arrangieren und leiten, zurückzuführen. Ein Lichtbilderabend im November beschloß für vergangenes Jahr die Kinderveranstaltungen. Auch die zugleich mit der Kommission verbundene Fürsorgertommission hat im Berichtsjahr eine arbeitsreiche Tätigkeit entfaltet. Wurden doch von den elf der Fürsorgerkommission angehörenden Mitgliedern noch 70 Fälle im Nebenamt als Kinderschußmitglieder bearbeitet, bei denen sich 365 Besuche, 45 Berichte und 130 sonstige Nr. 11 Wege und Eingaben nötig machten. Durch diese Tätigkeit hat sich die Kommission sehr viel Mühen und Verantwortung geschaffen. Aber in Anbetracht dessen, daß die überwiegende Mehrzahl der Zöglinge Proletarierkinder sind, ist es wohl die erste und hehrste Pflicht der Kommission, zum Wohle und Schuße dieser Armsten der Armen helfend einzugreifen. Der Bericht über die Tätigkeit im vergangenen Jahre zeigt, daß die Kommission ernstlich bemüht war, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Interessen der ausgebeuteten, mißhandelten oder auf Abwege geratenen Kinder und Jugendlichen zu vertreten. An den Bericht schloß Genosse Hänsel den Kassenbericht für das Jahr 1917. Die Gesamteinnahmen betrugen einschließlich 332,16 Mt. Sassenbestand vom Vorjahr, 302 Mt. an freiwilligen Beiträgen sowie 150 Mt. von der Stadt Dresden für Fürsorgefälle 1104,16 Mt. Die Ausgaben betrugen 862,57 Mt., so daß ein Stassenbestand von 241,59 Mt. verbleibt. An die Berichte schloß sich eine mehrstündige, zum Teil sehr lebhafte Debatte. Der Grundzug der selben war trotz mancher aufeinanderplagender Ansichten Befriedigung mit dem, was im verflossenen Jahre wieder auf dem Gebiet geleistet worden ist. Mit einem Appell der Vorsitzenden, auch im neuen Jahre wieder fleißig mitzuarbeiten, schloß die Versammlung. Anna Heze. Katholische Müttervereine. Der Erzbischof von Köln hat angeordnet, daß die Vereinigung der in dem Erzbistum Stöln bestehenden 498 Müttervereine zu einem Diözesanverband unverzüg lich in die Wege geleitet werde. Solche Diözesanverbände bestehen bereits in den Bistümern Münster und Paderborn. Der Kölner Erzbischof wendet sich an alle Pfarrer der Seelsorgebezirke mit der dringenden Aufforderung, überall die Müttervereine neben den übrigen zeitgemäßen Vereinen vorzugsweise zu fördern, wo sie nicht bestehen, solche ungesäumt einzuführen und die bestehenden mit warmer Seelsorgeliebe zu pflegen. Das größte Gewicht sei auf die richtige liebevolle und anregende Leitung zu legen"; in die Ver sammlungen müsse ein frischer lebendiger Zug unter Beachtung der zeitgemäßen Aufgaben hineingetragen werden. Diese Müttervereine" sind zwar äußerlich rein kirchliche Zusammenfünfte; tatsächlich aber dienen sie zugleich dem politischen Klerus als bevorzugtes Agitationsmittel, um durch die im Mütterverein bearbeiteten Frauen auf deren männliche Angehörige nachhaltig und planmäßig einzuwirken. Der jezige Aufruf des Kölner Erzbischofs mit seiner eindringlichen Sprache zeigt uns, daß die flerifale Werbearbeit in der Folgezeit noch eifriger als bisher betrieben werden soll. ☐ Die Auskunftstelle für Kleinkinderfürsorge, die der pädagogischen Abteilung des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht angegliedert ist, blickt jetzt auf ein zweijähriges Bestehen zu rück; sie wird von Monat zu Monat stärker in Anspruch genommen. Besonderer Nachfrage erfreuen sich die im Laufe der letzten Monate zusammengestellten Leihmappen, die das Wichtigste über Gesund. heitspflege des Kleinkindes, über Beschäftigung, über Einrichtung und Betrieb von Kindergärten und Kleinkinderschulen, Buchführung, Kinderspeisung, Mütterabende und anderes mehr enthalten und fostenlos zur Einsicht gesandt werden. Auch die Lichtbilderreihen ,, Körperliche Entwicklung und Pflege" und„ Der Volkskindergarten" sind ständig ausgeliehen. Auf Wunsch werden gegen geringe Leihgebühr- Lehrpläne von Kinderpflegerinnenschulen, Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen- Seminaren vermittelt und Bildermappen sowie Baupläne zur Verfügung gestellt. Näheres ist durch das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin W 35, Potsdamer Straße 120, zu erfragen. Die Errichtung einer gewerblichen Pflichtfortbildungsschule für Mädchen haben die städtischen Kollegien in Stiel( 20. November 1917) beschlossen. Vorläufig ist die Schulpflicht nur auf die weiblichen Lehrlinge in der Schneiderei, Weißnäherei, Bugmacherei, im Photographen-, Friseur- und Perückenmacher- sowie im Posamentiergewerbe beschränkt worden.( Die weiblichen Handlungsgehilfinnen und Handlungslehrlinge sind zum Besuch der Kaufmännischen Pflichtfortbildungsschule verpflichtet.) Es ist jedoch in Aussicht genommen, die Schule allmählich zu erweitern. Die Schulzeit ist auf drei Jahre festgelegt und endet die Schulpflicht mit dem Ablauf des Schulhalb jahrs, das der Vollendung des achtzehnten Lebensjahrs vorausgeht. Den größten Fehler, den man bei der Erziehung zu begehen pflegt, ist dieser, daß man die Jugend nicht zum eigenen NachLeffing. denken gewöhnt. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Marte Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Dieß Nachf. G.m.b.H. in Stuttgart.