Nr. 20 A. g. XIII 28. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Stuttgart 5. Juli 1918 Die Frauenfrage vor dem Reichstag. Im Herbst vorigen Jahres ist das Reichsamt des Innern wieder einmal geteilt worden, wie ihm das seit seinem Bestehen schon oft passiert ist. In den Anfängen des Deutschen Reichs umfaßte dieses Amt fast die Gesamtheit aller Reichsangelegenheiten mit Ausnahme der äußeren Politik. Je mehr sich aber die innere Politik entwickelte und spezialisierte, um so mehr stellte sich die Notwendigkeit ein, bestimmte Aufgaben von dem Reichsamt des Innern oder, wie es früher hieß, dem Reichskanzleramt abzutrennen und besonderen Reichsämtern zu übertragen. So ist es mit der Post, mit den Finanzen und mit der Justiz gegangen. Bei der letzten Trenmung sind die wirtschafts- und sozialpolitischen Angelegenheiten vom Reichsamt des Innern gelöst und dem neugebildeten Reichswirtschaftsamt übertragen worden. Das hat den großen Vorteil, daß sich das jezige Reichs. amt des Innern besser als früher mit den Angelegenheiten beschäftigen kann, die ihm noch als seine eigentlichen Aufgaben verblieben sind. Dazu gehören neben einigen anderen vor allen Dingen alle Angelegenheiten kulturpolitischer Art, also die Fragen der Kunst und Wissenschaft, der Bevölkerungspolitik, des Gesundheitswesens und der Schule und Volkserziehung. Auch die Frauenfrage gehört zu den Aufgaben des Reichsamts des Innern. In der Aufzählung der Gebiete des Reichsamts steht sie interessanterweise zwischen den Religions- und Kirchenfachen und der Prüfung der Handfeuerwaffen! Unser Redner zum Reichsamt des Innern, Genosse Heinrich Schulz, wies auf diese etwas absonderliche Zusammenstellung hin, benutte dann aber die Gelegenheit, um mit einigen grundsäk lichen Darlegungen auf die Frauenfrage einzugehen. Er führte nach dem amtlichen Stenogramm aus: " Der Herr Staatssekretär hat mit erfreulichem Nachdruck auf die Wichtigkeit der bevölkerungspolitischen Probleme hingewiesen. Ich würde mich freuen, wenn er auch noch ein Wort sagen würde über die Wichtigkeit, die die Frauenfrage in der modernen Entwidlung, besonders durch die wirtschaftliche Entwicklung in der Kriegszeit gewonnen hat. Sie war und Sozialbemokraten zwar immer wichtig genug; aber durch die Stellung, die die Frau während des Krieges im Wirtschaftsleben und im öffentlichen Leben gewonnen hat, ist die Erkenntnis von der Bedeutung der Probleme der Frauenbewegung auch anderen Kreisen aufgegangen, und ich hoffe, auch die Reichsleitung hat das eingesehen. Wenn sie die richtigen Ronfequenzen zieht, so muß sie, da auch die Reichstagswahlen mit zu ihrem Geschäftsbereich zählen, die Verpflichtung fühlen, dafür zu sorgen, daß den Frauen endlich bolle Gleichberechtigung mit den Männern, be sonders auch in der Wahlrechtsfrage, gewährt, daß den Frauen das Wahlrecht eingeräumt wird. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Frauen haben sich dieses Recht durch aufopferungsvolle Tätigkeit während des Krieges doppelt und dreifach erworben. Es kommt diese Erkenntnis, wie ich schon sagte, neuerdings nicht nur den Sozialdemokraten, sondern auch anderen Kreisen. Es liegt vor mir eine an uns gelangte Eingabe des Vorstands des Deutsch- Evangelischen Frauenbundes, die mit guten Gründen die Zuschriften find zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moripplag 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Eingliederung der Frauen in den Staatsorganismus des Reiches wünscht.( Redner zitiert die entscheidenden Säße der Eingabe. Red.) Meine Herren, diese Eingabe unterstüßen wir ohne weiteres. Was da verlangt wird, verlangen wir mindestens auch; wir gehen noch erheblich darüber hinaus, wie ich schon angedeutet habe. Die Gründe, die die deutsch- evangelischen Frauen angeben für die Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen sowohl bei der Vorbereitung der Geseze innerhalb der Regierung als auch bei der Entscheidung über die Geseze hier im Reichstag, sind ohne weiteres richtig. Gerade wenn der Herr Staatssekretär, durchdrungen von der Wichtig keit der bevölkerungswichtigen Probleme, mit einer mir nicht unsympathischen Handbewegung meinte: viel wichtiger als die hier vorgetragenen Paritätsbeschwerden seien die bevölkerungspolitischen Aufgaben des Reiches, dann muß er im besonderen auch einsehen, daß für die gesezgeberische Vorbereitung gerade dieser Aufgaben und für die weitere Mitarbeit und Entscheidung gerade auch Frauen in Betracht kommen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daher legen wir Wert darauf, daß den Frauen ein maßgebender Einfluß durch Gewährung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung eingeräumt wird. Hier liegt wirklich eine frasse und unerträgliche Jmparität vor, die so schnell wie möglich beseitigt werden muß.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich mache darauf aufmerksam, daß man in Osterreich schon ein Stück weitergegangen ist als bei uns. In Österreich ist dem Ministerium für soziale Fürsorge ein Frauenbeirat organisch eingegliedert worden. Dort wird die Frau auf diese Weise zur Arbeit herangezogen, fie arbeitet mit bei der Vorbereitung der Gefeßentwürfe, und wie ich mitteilen kann, gehört dem Frauenbeirat auch eine Sozialdemokratin an." Der Redner ging dann auch kurz auf die bevölkerungspolitischen Gesetzentwürfe ein: „ Wir gehen an die bevölkerungspolitischen Arbeiten in erster Linie und wesentlich vom boltsgesundheitlichen Standpunkt heran. Wir verquiden sie nicht mit irgendwelchen Bestrebungen auf Sebung der Sittlichkeit, hinter denen leider oft genug Mudertum, Engherzigkeit und Mangel an offener und ehrlicher Sinnes- und Lebensfreude bestehen. Wir können deshalb auch den Kampf gegen die Verhinderung von Ge burten nicht mitmachen, so wie er in dem Gesetzentwurf vor# gefehen ist, diesem Geſetzentwurf, der die Verhütung der Empfängnis der Abtreibung der Leibesfrucht ohne weiteres gleichstellt und damit letzten Endes auf einen Geburtenzwang gegen die Frau hinausläuft. Wir sehen darin einen unerhörten Eingriff in die Selbstbestimmung der Frau und befürchten obendrein, daß durch derartige Maßnahmen das Gegenteil von dem erreicht wird, was man erreichen will. Die Geburten wird man nicht vermehren, wohl aber die Abtreibungen und damit die Frau als Mutter und damit wieder die Volksgesundheit in enormem Maße schädigen. Wir sind für jeden wirklichen Schutz der Frauen und Mütter und unterstüßen alle sozialpolitischen und sozialhygienischen Einrichtungen, die auf diesem Gebiet gesehgeberisch in die Hand genommen werden und Wertvolles zu leisten versprechen. Die Regierung darf uns in dieser Beziehung gern mit Vorschlägen und Gesezentwürfen kommen. Wir werden alles gewissenhaft prü fen und alles tun, was möglich ist." Die Ausführungen des Genossen Schulz veranlaßten auch einige Redner nach ihm, sich mit der Frauenfrage zu beschäf 154 Die Gleichheit tigen. So führte der nationalliberale Abgeordnete v an Calker, ein bekannter Universitätsprofessor und Vorsitzender des Bevölkerungsausschusses des Reichstags, aus: Meine Herren, die Frauenfrage ist vom Herrn Kollegen Schulz gleichfalls gestreift worden. Auch hier möchte ich selbstverständlich nicht mich mit dieser Frage des näheren und im einzelnen beschäftigen. Aber folgendes soll doch gesagt werden. Ich weiche hier in manchem, vielleicht in manchem Prinzipiellen von dem Kollegen Schulz ab. Auch ich bin der Meinung, daß die Frau in feiner Zeit so bewiesen hat, was sie leisten kann( Sehr richtig!), wie gerade in diesen Kriegsjahren, und dankbar wird jeder Deutsche heute der deutschen Frau gedenken, die uns geholfen hat, diesen Krieg zu gewinnen.( Bravo und sehr richtig!) Deshalb ist es ganz zweifellos, daß wir die Frau in alle Organisationen hineinbringen müssen, wo sie in der Lage ist, ihre Erfahrungen und auch ihre persönlichen Anschauungen zum Ausdruck zu bringen und ihnen in der Gesetzgebung Geltung zu verschaffen. Aber, meine Herren, vor allem eins hat doch diese Zeit gelehrt, etwas, was gelegentlich tatsächlich auch von den Frauen fast vergessen worden ist: die Wichtigkeit und die Bedeutung der Haushaltung.( Zustimmung.) Wäre die Frau heute nicht mit der ihr eigenen wundervollen Fähigkeit und Energie, für manche Fälle muß man sagen, dazu zurückgekehrt, im Hause tätig zu sein und ihren Haushalt und was damit zusammenhängt in allererster Linie zu betonen und zu betreiben, dann würden wir heute nicht in der Lage sein, das zu leisten, was Deutschland leisten muß. Das wollen wir heute nicht vergessen!... In einem Punkte bin ich nicht ganz einverstanden mit dem Herrn Kollegen Schulz und auch nicht ganz mit manchen Bestrebungen, die heute in weiten Kreisen unseres Vaterlandes vorhanden sind. Ich glaube, daß die Beziehung der Frauen zu den politischen Kör perschaften im eigentlichen Sinne, also zu den Landtagen und zum Reichstag, von unserer heutigen Zeit nicht gefordert wird und daß die Aufgaben, die wir auf anderen Gebieten der Frauenentwicklung zu lösen haben, so vordringliche sind, daß wir jene erstere Frage einstweilen mit Fug zurückstellen können.( Buruf des Abgeordneten Schulz: Dazu ist das Frauenwahlrecht die erste Vorbedingung! Red.) Siz und Stimme im Parlament sind nicht die notwendige Vorbedingung, lieber Herr Kollege, das ist meine Überzeugung; denn wir sehen ja heute, wie die Frau wirken fann. Daß wir ihr eine immer größere Wirkungsmöglichkeit geben, damit bin ich durchaus einverstanden, aber ich bin gegen eine Beteiligung der Frau an den politischen Körperschaften für heute. Auch hier, glaube ich, wird einst die Zeit kommen, wo es eine politische Notwendigkeit sein wird, daß wir die Frau zuziehen. Aber ich bestreite, daß dieser Zeitpunkt heute für uns gegeben ist." Zu den Ausführungen des Genossen Schulz über den Gefezentivurf gegen die Verhinderung der Geburten bemerkte Herr van Calfer: „ Herr Kollege Schulz hat den Entwurf abgelehnt, den wir morgen in erster Lesung zur Beratung beginnen, den Entwurf gegen die Verhinderung von Geburten. Ich bedaure das, und ich hoffe doch, daß es, trotz dieser zunächst ablehnenden Stellung der Sozialdemokratie, möglich sein wird, den Entwurf in der Kommission und hier zur Verabschiedung zu bringen. Ich würde Herrn Kollegen Schulz beistimmen, wenn etwa der Entwurf wirklich den 8wed hätte, wie gelegentlich gesagt worden ist, einen Geburtenzwang herbeizuführen. Das ist ganz gewiß abzulehnen. Aber darum handelt es sich nicht; es handelt sich darum, den Anreiz, der zur Verhinderung von Geburten heute gegeben wird, zu vermeiden, und ich meine, da kann auch Herr Kollege Schulz, der sonst ja durchaus auf diesem Wege mit uns geht, hier beistimmen. Ich bin überzeugt: wir müssen hier noch viel weiter gehen, müssen uns in viel stärkerer Weise bewußt werden, was wir hier gesezgeberisch tun können; aber der Grundgedanke des Entwurfs scheint mir außerordentlich berechtigt zu sein." Der Staatssekretär des Innern Dr. Wallraf äußerte sich gleichfalls zur Frauenfrage: " Die Frauenfrage bewegt einen großen Teil unserer Frauen welt, und auch zu ihr möchte ich zum Schluß einige Worte sagen. Was die deutschen Frauen im Kriege geleistet haben, ist höchst en Lobes und des wärmsten Dantes des Vaterlandes wert. Sie haben und das lag ja im innersten eigenen Wesen der Frau unsere Verwundeten gepflegt, unsere Kranken mit zu heilen gesucht, sie haben daheim für Heer und Heimat vier Jahre hindurch unermüdlich gesorgt. Daneben haben sie und das war das Neue Nr. 20 im öffentlichen, gewerblichen und landwirtschaftlichen Leben die verwaisten Stellen der Männer mit Ausdauer und einem solchen Erfolg ausgefüllt, daß sicherlich manches alte Vorurteil über die Grenzen der weiblichen Kraft geschwunden ist. Aber ich glaube, meine Herren, die meisten dieser Frauen werden den Tag segnen, der sie dem häuslichen Herde zurückgibt. ( Sehr richtig!) Auch am häuslichen Herde warten ihrer große Aufgaben; denn, meine Herren, nicht nur politisch und nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ethisch steht uns eine schwere übergangszeit bevor.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die lange Kriegszeit mit ihrer Härte kann nicht spurlos an der Männerwelt da draußen vorübergegangen sein.( Bustimmung.) Und unsere Heranwachsende Jugend wird mehr denn je zuvor der Sorge der Mutter bedürfen. Und nun, meine Herren, ist es sehr zweifelhaft, ob gerade diese Beit geeignet ist, die Bahn weit und frei zum Eingang in das öffentliche Leben für die Frauen zu öffnen. Die Meinungen darüber gehen ja in der Frauenwelt selbst sehr auseinander. Fürst Bismard hat einmal gesagt: In der häuslichen Tradition der deutschen Mutter, der deutschen Frau erblicke ich eine festere Bürgschaft für die politische Zukunft unseres Volkes als in irgendeiner Bastion unserer Festungen. Meine Herren, ich verkenne nicht: die Frauen haben den Befähigungsnach= weis auf vielen Gebieten, die ihnen bisher fern= lagen, erbracht; aber sie jetzt in diesen Zeitläuften in die volle Arena des politischen Lebens hineinzuziehen, halte ich für verfehlt.( Sehr wahr! im Zentrum und rechts.) So sehr manche Teile der Frauenwelt sich nach neuer Betätigung sehnen: die Wurzeln der fraulichen Kraft liegen in der Familie und im Hause( Lebhafte Zustimmung im Zentrum und rechts), und gerade in dieser Zeit werden wir solche gesunde Wurzeln nicht ge= fährden und nicht lockern wollen."( Lebhaftes Bravo im Zentrum und rechts.) Von den Unabhängigen Sozialdemokraten nahm Kunert durch folgende Ausführungen zur Frauenfrage Stellung: „ Der Herr Staatssekretär Wallraf sprach sich auch heute vor ein paar Stunden über die deutsche Frau aus. Es waren schöne, sehr anerkennende Worte für die entbehrende, die opferbereite, helfende Frau, die die unerhörtesten wirtschaftlichen und beruflichen Leistungen während des Krieges aufzuweisen gehabt hätte. Allein der Herr Staatssekretär wandte sich in demselben Atemzug gegen die politisierende, gegen die politisierte, Rechte beanspruchende Frau. Sie gehört nach dem Herrn Staatssekretär- nach der alten Schablone eben in die Familie, nicht in den öffentlichen, politischen Kampf. Die Frau ist also politisches Objekt, nicht Subjekt, dem das gleiche Recht wie zum Beispiel auch das Wahlrecht nicht wie dem Manne in Gemeinde, Staat und Reich zusteht. Darin äußerte sich eine riesige Rückständigkeit. Die Frau hat sich vor dem Kriege, in und während der Kriegszeit bewährt, und sie wird sich auch nach dem Kriege bewähren. Kein Mensch zweifelt daran. Alle Rechte des Mannes gebühren ihr einmal als Weib, andererseits als Mutter und endlich als Arbeiterin."( Sehr wahr! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Die übrigen Redner schwiegen sich dieses Mal noch aus. Es ist aber zu erwarten, daß mindestens durch die Redner der Sozialdemokratie auch bei den zukünftigen Etatsberatungen die Frauenfrage in ihrer grundsäßlichen und praktischen Bedeutung wieder zur Sprache gebracht werden wird, und daß sich dann auch die übrigen Parteien dazu äußern. Es ist das eine dringende Notwendigkeit. Denn die diesmaligen kurzen Erörterungen im Reichstag haben wieder dasselbe Bild gezeigt, das man schon aus Erörterungen an anderen Stellen fennt: liebenswürdige Worte für die Frauen, günstigsten Falls auch Anerkennung ihrer Leistungen und ihrer Pflichterfüllung, aber zurückhaltung und Ablehnung, sobald die Forderung erhoben wird, daß man den Pflichten nunmehr auch die dazugehörigen Rechte an die Seite stellen möge. Die Frauen aber müssen aus solcher Verkennung ihrer elementarsten Rechte stets erneut die Schlußfolgerung ziehen, daß sie selber sich noch viel energischer als bisher rühren müssen, wenn sie Erfolg haben wollen. Ohne Kampf werden keine Rechte erworben. Nr. 20 Die Gleichheit Die Menschen tragen alle des Lebens schweres Gewicht. O meine Mutter, warum hast du mir das Leben geschenkt? Ich trag' es nicht. Ich kann nicht mehr sehn in eines Menschen Gesicht, nicht mehr die Welt, die sich in den funkelnden Straßen drängt. Die Häuser wissen von Sünde und Schuld,- sie tragen alle wie die Menschen des Lebens schweres Gewicht. Was weckst du den Efel in mir, Leben, voll Kampf und Mord? Mit Fluten von Leid? Auf deinen Wogen rollt Haß und Neid. Eins übertürmt, überschreit das andre. Sünde treibt Sünde fort. Mit neuer Schuld überdecken wir unsere Schuldigkeit. O Reinheit, wie bist du erstickt und verdorrt! Und alle haben wir einst uns dem Hohen und Reinen geweiht! O Reinheit, zu dir ruf ich inmitten von Mord und Krieg empor, mit blutigen Händen will ich zu dir beten: Reinheit! Reinheit! Laß dich in mir nicht zertreten. O Politische Umschau Heinrich Lersch. 0 Am 4. Juni ist der Deutsche Reichstag nach den Pfingstferien wieder zusammengetreten. Die ersten Tage waren ausgefüllt mit den interessanten Debatten über den Belagerungszustand und die Zensur. Genosse Bauer brachte Dinge zur Sprache, die eines freien und selbständigen Volkes unwürdig sind. Die sozialdemofratischen Parteien und ihre Bresse werden in jeder möglichen Weise verfolgt, während sich die Vaterlandspartei und die alldeutsche Hezpresse liebevollster Duldung, ja sogar Förderung erfreuen. So läßt zum Beispiel das Generalkommando des 14. Armeekorps Versammlungen nicht zu, in denen„ als Hetzer bekannte Personen" sprechen sollen, wenn dies auch Landtags- oder Reichstagsabgeordnete sind. Am Hilfsdienstgesetz darf abwehrende Kritik nicht geübt werden; natürlich ist diese Verfügung nur geeignet, das Vertrauen der ArFeuilleton Was sind mir Berge, Täler, Ströme, Lieder, Was ist der Himmel, Mädchen, ohne dich? Allein zu sein o Traumbild eitler Stunden! Denn nur zu zweien wird das Glück gefunden. Prus. Das Fünfte. [ Nachdruck verboten.] Von Anna Mosegaard. Dumpf, dröhnend verkündet die Turmuhr die dritte Morgenstunde. Der neue Tag dämmert herauf. Drei Uhr! Ein paar Stunden noch, und die Glocke ruft wieder zur Arbeit. Es lohnt sich schon, noch ein wenig zu schlafen, denkt Karl Färber, ein rüftiger blondbärtiger Mann in den dreißiger Jahren. Schlafen! Ha! Schlafen! Wie kann er schlafen mit dem überwältigenden Glücksgefühl im Herzen! Fast ist es ihm, als hätte es nimmer Platz in seiner Brust. Hinausrufen möchte er es in den jungen taufrischen Maientag, aller Welt verkünden, daß er Vater geworden ist! Vater eines allerliebsten Mädchens! Dies Glück! Dies große Glück! Hatte er auch sicher gehofft, das Erste müßte halt ein Sohn sein, so ist es ihm jetzt schon ganz recht so. Die Hauptsache ist, daß seine Frau es überstanden hat. Noch gar nicht fassen kann er es, daß das rosige fleine Ding nun sein eigen sein soll. Auf Fußspißen schleicht er ins Nebenzimmer, wo das liebe Geschöpfchen friedlich schlummernd neben der Mutter ruht. Immer wieder möchte er es ansehen, das hilflose kleine Menschenkind. Ganz leise, um seine Martha, sein liebes Weib, nicht zu wecken, tritt er ans Lager. Da schlägt sie die Augen auf und sieht ihn lächelnd an. Sie lacht wirklich! Kann wieder lachen nach Stunden der namenlosen Qual und Bein. 155 beiter zu einer gerechten Handhabung des Hilfsdienstgesezes zu er schüttern und es noch unpopulärer zu machen. Das Generalfom mando des 6. Armeekorps verfügt, daß über Politik in den Versammlungen nicht gesprochen werden darf; hierzu gehöre auch die Friedens- und Frauenfrage. Also die beiden Fragen, welche uns Frauen am wichtigsten sind: Wann kommt der Friede und wie wird er sein? und: Wann bekommen wir unsere Rechte als Staatsbürgerinnen? dürfen in Schlesien überhaupt nicht erörtert werden! Um so mehr werden die Frauen darüber nachdenken; solche Erlasse sind insofern wenigstens ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Bei der Novelle zum Schutzhaftgeset machte Genosse Wendel Ausführungen, die eindringlich warnten, daß Deutschland sich durch rigoroses Vorgehen der Militärbehörden in Elsaß- Lothringen die Sympathien der eigenen Staatsbürger verscherze. Die Bemer tung des Generals Wrisberg, daß unter den Worten„ innerhalb Deutschlands" nicht Elsaß- Lothringen verstanden werde, und des Generals Köppen, daß die Briefzensur dem ungeschriebenen Recht der Staatsnotwehr entspräche, zeigten, daß es zwischen militärischem und staatsbürgerlichem Rechtsempfinden kaum noch Brücken gibt. Am 8. Juni wurde das Reichstagspräsidium neu zusammengesezt. Da das Zentrum, dank der Zersplitterung der Sozialdemo tratie, die stärkste Partei des Hauses ist, stellte sie in dem Abgeord neten Fehrenbach den Präsidenten. Zum Vizepräsidenten wurde neben den beiden bisherigen Abgeordneten der Genosse Scheidemann gewählt. Wie der„ Unabhängige Zeitungsdienst" mitteilt, haben die Unabhängigen Sozialdemokraten nicht für Scheidemann gestimmt, weil er ihnen zu monarchisch und zu regierungsfreundlich ist. Die „ Kreuzzeitung" erzählt, daß auch die Konservativen gegen Scheidemann stimmten, und zwar, weil er ihnen zu unmonarchisch und zu regierungsfeindlich sei. Die Extreme berühren sich; es ist nicht das erstemal, daß die Unabhängigen sich in solcher Seelengemeinschaft mit den Konservativen befinden. Bemerkenswert ist ein Vorgang aus dem Reichstagsausschuß für. das Branntweinmonopol. Der Vertreter der sozialdemokratischen Partei beantragte, die Branntweinherstellung aus Getreide zu untersagen. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Preußischen Landtag ist in vierter Lesung ein Wahlrechtskompromiß der Rechtsparteien angenommen worden. Busazstimmen für Heimtrieger sind darin reichlich enthalten; eine Bu sagstimme für Kriegsteilnehmer wurde abgelehnt. Am 4. Juli sol die fünfte Lesung stattfinden. Dann wird das Herrenhaus Ja und Ja, kann denn das nur möglich sein! Ist denn das alles kein Traum! " Wie fühlst du dich, meine arme Martha?" fragt er besorgt. „ Es ist ja vorüber, Karl. Willst du dich nicht ein wenig niederlegen? Wirst recht müde sein." " Immer die besorgte, liebende Gattin. Karl Färber aber denkt nicht an Schlaf heute; behutsam, als berühre sie etwas ungemein Zartes, Zerbrechliches, fährt die schwielige, harte Arbeitshand über das Köpfchen des Neugeborenen. Wie weich, wie seidenweich das Haar! Dann streichelt er die winzigen Fingerchen, wie unendlich fein diese kleinen Glieder! Immer könnte er hier sizen und das Wunder betrachten. Aber die Stunden fliehen. Nun muß er sich ja selbst das Frühstück herrichten. Er tut es gern. Nur etwas ungeschickt stellt er sich an; aber es geht schon. Endlich ist er fertig. Die Kaffeeflasche unterm Arm ruft er nochmal zur Tür herein: „ Nun schlaf nur, Martha, der Nachbarin sage ich Bescheid, daß sie einmal nachschaut." Dann steigt er vorsichtig die knarrende Treppe hinab, tritt hinaus in den lachenden Frühlingstag. Heute sieht er die häßlichen rauchenden Schlote nicht, nicht die hastende Schar der Arbeitsbienen; er denkt nur an eins: sein Weib! Sein Kind! Und wie die Arbeit heute von den Händen geht! So leicht, so froh ist es ihm. Wenn dann und wann eine bleierne Müdigfeit ihn daran erinnert, daß er seit vierundzwanzig Stunden keinen Schlaf gekriegt, dann pfeift er sich ein lustiges Lied, die Mahnerin zu verscheuchen. Und wie goldig sind die Tage, die nun kommen! Seine Martha ist bald wieder auf und besorgt den kleinen Haushalt. Ihre blassen Wangen röten sich allmählich wieder, das Kindlein wächst und gedeiht, daß es eine Lust ist. Und 156 Die Gleichheit Nr. 20 Amen sagen, wenn ihm alle Volksrechte genügend geknebelt erscheinen, und dann gehen beide Häuser bis Ende September in die Ferien. Wenn sich dann im Oktober noch immer keine Mehrheit für die Regierungsvorlage findet, will die Regierung den Landtag auflösen. Also zunächst warten wir hübsch bis Oktober, und dann warten wir vielleicht wieder. Am Freitag, den IS. Juni begannen die Schuldebatten im Abgeordnetenhaus vor fast leeren Bänken. Diese uns Müttern so wichtigen Fragen der Volksbildung interessieren die«Vertreter des Volkes", Junker und Großindustrielle nicht. Wir Mütter können daraus erneut erkennen, wie stark wir an einer anderen Zusammensetzung des Preußischen Landtags interessiert sind. In Rußland ist die Gegenrevolution am Werke. Zunächst ist sie in Westsibirien, anscheinend mit starker Unterstützung Englands und Frankreichs, siegreich gewesen. Die Feindschaft der Entente gegen den ehemaligen Verbündeten tritt nach den Freundschaftswerbungen der letzten Wochen nun ziemlich unverhüllt zutage. Bei den westlichen E n t e n t e v ö l k e r n ist ein starkes Frie- densbedürfnis vorhanden. Die Regierungen, die sich durch die militärischen Erfolge Deutschlands bedrängt fühlen, versuchen die Friedensstimmungen abzulenken, indem sie ihre Völker zu überzeugen versuchen, daß jetzt ein Friedensangebot der Mittelmächte kommen müßte. Erfolge dies, so solle es nicht ohne Prüfung zurückgewiesen werden; erfolge es nicht, so gehe eben der Krieg durch Schuld der Mittelmächte weiter. Damit wollen sie sich vor dem eigenen Friedensangebot drücken. Da aber bisher Angebote für Friedensverhandlungen nur von den Mittelmächten ausgegangen sind, so ist immerhin damit zu rechnen, daß ein solches Angebot unter den gegenwärtigen militärischen Verhältnissen von dieser Seit« nicht erfolgt. Wir wollen nur wünschen, daß es dennoch geschehen möchte, denn die Macht, welche den Mut zum Frieden hat, ist vor der Weltgeschichte die eigentlich stegreiche. Zwischen sozialdemokratischen Vertretern der Entente und neutralen Sozialisten wird eine Konserenz stattfinden, ebenso zwischen letzteren und Sozialisten der Mittelmächte. Wie verlautet, wird diese Konferenz über die internationale Lage im allgemeinen und über die Durchführung einer selbständigen Politik in den verschiedenen Ländern beraten. Deutscherseits nimmt Genosse Scheidemann an der Zusammenkunft teil. Klara Bohm-Schuch. immer gibt es etwas Neues. Jetzt lacht es schon, nun hat es ein Röckchen und auch schon Striimpfe gn, richtet sich auf und kann bald sitzen. Ja ja. es macht schon etwas, Reinlichkeit, frische Luft und Mutterbrust. Ehe man sich's versieht, ist ein Jahr dahin. Nun trippelt klein Marthel schon an der Mutter Hand dem Vater entgegen. Es wird auch höchste Zeit, denn bald wird sich ein Zweites einstellen und der Mutter Pflege bedürfen. Erst hat es ihnen beiden gegraust vor der schrecklichen Stunde, die sich wiederholen wird, aber schließlich— man ist eben verheiratet. Und ein Kind ist kein Kind, ein Pärchen muß es schon sein. Ja, dieses Mal wird es schon ein Junge sein, ganz gewiß. Es ist aber keiner. An einem rauhen Herbstmorgen schließt Karl Färber das zweite Töchterchen in seine Arme. Und wuchtiger fällt fortan der schwere Hammer; jetzt gilt es Brot zu schaffen für viere. „Nun haben wir jeder unseren Schlafkollegen, Karl, nun wäre es schon genug," hatte Martha einst scherzend gesagt. Aber es bleibt nicht bei den Zweien. Noch ehe ein volles Jahr vergangen, ist das Dritte schon da. Und dieses Mal liegt Martha länger, als man gedacht; recht schmäl und bleich ist sie geworden. Die alte Lustigkeit will nicht mehr recht aufkommen. Ja. ivenn die Sorgen, die ewigen Sorgen nicht wären. Jetzt muß notgedrungen ein drittes Bett geschafft werden, und dafür ist nicht mal Platz in der kleinen Schlafstube. Die Familie wächst, die Räume wachsen nicht. Nun, bis zu einem Jahr kann das Kleinste wohl im Wagen schlafen, bis dahin komnit Wohl Rat und Hilfe. Ein unruhiger Geist ist es. dies Kleinste, namentlich des Nachts. Mehr als einmal muß Martha des Nachts auf, das Kind zu tränken, der Winter steht vor der Tür, die Nächte Die Bevölkerungspolitik— eine soziale und politische Reformpolitik. Die Münchener bevölkerungspolittsche Tagung. Am 27. und 28. Mai vereinigte sich im großen Hörsaal der Universität München eine buntgemischte, köpfereiche Gruppe von Zuhörern und ZuHörerinnen, die ein volles Dutzend bevölkerungspolitischer Vorträge über sich ergehen lassen wollten. Frauen aus dem Volke waren so gut wie gar nicht vertreten, dagegen hatten sich in reicher Zahl Delegierte von Frauenvereinen, von Körperschaften der Kriegshilfe, Pflegerinnen, Lehrerinnen und Studentinnen eingefunden. Auch an„Damen" fehlte es wahrlich nicht! Zu den Versammelten sprachen Männer von wissenschaftlichem Ruf, Männer, die sich leider vielfach nicht darüber in» klaren waren, ob sie als objektiv forschende Soziologen und Sozialhygieniker oder als politische Parteimänner das Wort ergreifen sollten. So schillerten die Referate der Professoren Zahn und von Gruber in den genügsam bekannten Farben der Deutschen Vaterlandspartei. Präsident Professor Zahn begeisterte sich für einen Siegfrieden, der „womöglich mit direkter oder indirekter Kriegsentschädigung" den wesentlichen Grundstock für eine Familienpolitik der Zukunft schaffen sollte. Dieser Herr ritt auch eine flotte Attacke gegen die Freizügigkeit, indem er eine Beschränkung der Aus- wanderungSfreiheit durch eine tiefgreifende AuSwanderungö- gesetzgebung empfahl. Der vielgenannte Hygieniker von Gruber, ein fanatischer Alldeutscher, sprang in seinem Referat mit beiden Füßen in die Tagespolitik hinein und rührte emsig die Trommel für seine machtpolitischen Ideen. Dabei brach in seinem Referat merkwürdigerweise eine radikale sozialpolitische Tendenz durch, die sich am klarsten in seinen Leitsätzen über„die Beweggründe der Geburtenverhütung und über den wirtschaftlichen Ausgleich zugunsten linderreicher Familien" aussprach. Professor v. Gruber betrachtet die ungenügende Fruchtbarkeit der heutigen Ehen als eine Folge„bewußter, willkürlicher Einschränkung", und diese„als eine Äußerung des wachsenden Bestrebens, die gesamte Lebensführung verstandesmäßig zu regeln". Der„Fortpflanzungswille" wird nach Gruber vor allem „durch wirtschaftliche Überlegungen" gehemmt. Der kühle Verstand hat eben über gewisse animalische Instinkte gesiegt und wird durch wirtschaftliche Erwägungen geleitet. Wer heute den Fort- pflanzungswillen fördem will, der muß zu einer grundstürzenden Reform der wirtschaftlichen Verhältnisse entschlossen sein. sind schon empfindlich kalt. Sie wird den Husten und Schnupfen gar nicht mehr los. „Wenn es nur erst Sommer wäre und wir hinaus könnten ins Freie, dann schläft es Wohl besser," ist Vaters einziger Wunsch. Und der Sommer ist da, aber die Zeit zum Spazierengehen fehlt. So drei kleine Dreckfinken machen Arbeit. Das Waschen will nimmer enden. Wenn der Tag zur Neige geht, ist Martha müde zum Umsiuken. Die trauten Abendstunden, sie sind dahin. Nur einen Wunsch hat die Vielgcplagte: schlafen! Einmal wieder ordentlich ausschlafen. »"> » Gottlob, nun ist das Jüngste zwei Jahr, ist aus dem Gröbsten heraus, Marthel geht schon zur Schule, klein Grete! geht einholen, das Schlvesterchen an-der Hand.— Wie ist doch die Zeit entflohen! Man atmet ordentlich auf. Frau Martha spart im Haushalt wie keine, um die drei Mädchen ordentlich im Zeug zu halten. Schon hat sie sich ein paar Spargroschen zurückgelegt, um endlich einmal an sich selbst zu denken, ihre Garderobe etwas instand zu setzen, alles ist arg abgeschlissen in den letzten fünf Jahren. Da meldet sich unverhofft das Vierte an. Wie ein Dieb in der Nacht ist das gekommen und hat der mutigen Frau alle Energie genommen. Stundenlang kann sie sitzen und grübeln und rechnen: wie niache ich es, wie richte ich es am besten ein? Es nützt alles nichts! Karls Wochenlohn reicht nicht mehr aus, sie muß mitverdieuen, solange es noch geht! Herr du! Was soll da alles beschafft werden! Die Babywäsche muß notwendig erneuert, das Leinenzeug um manches Stück ergänzt werden, und das Bett— vor allen Dingen das Bett, das immer wieder zurückgesetzt wurde—, jetzt muß es sein und sollten sie allesamt hungern und darben. Von früh bis spät rasselt nun die Nähmaschine, immer bleicher und Nr. 20 Die Gleichheit 157 Dieser Gedanke beherrschte ganze Teile des Gruberschen Referats und trat am greifbarsten in folgender These zum Vorschein:„So oder so wirken die wirtschaftlichen Verhältnisse und Überlegungen so mächtig, dag es als unmöglich bezeichnet werden muß, dem Geburtenrückgang Einhalt zu tun und auf einer dem Staatswohl förderlichen Höhe zu halten, wenn man sich nicht zu starken wirtschaftlichen Eingriffen, zu wesentlichen Änderungen in der Verteilung des Nationaleinkommens und Nationalvermögens entschließt." Ein außerordentlich wertvolles Zugeständnis eines konservativ und alldeutsch gerichteten Professors I Diese „Eingriffe" haben aber zur notwendigen Voraussetzung die Mobilmachung der arbeitenden Massen gegen die bevorrechteten Klassen in einer stark demokratisierten politischen Gesellschaft. Professor v. Gruber scheut sich nicht vor rücksichtslosen gesetzgebe- rischen Einbrüchen in das bestehende Erbrecht. So stellt er zum Beispiel folgende These auf:„Eines der wichtigsten Hemmnisse einer ausreichenden Fortpflanzung der besitzenden Stünde ist der Wunsch, seinem Kinde ein möglichst großes Erbgut zu hinterlassen. Dieser Beweggrund muß durch eine Beschränkung des Erbrechtes hinweggeräumt werden. Niemand sollte von einem eine größere Höhe übersteigenden elterlichen Nachlaß mehr erben können, als wenn er eines von vier Kindern wäre. Für die fehlenden Kinder sollten die nächsten Verwandten, wenn sie eine genügende Anzahl von Kindern haben, sonst der Staat eintreten." In den Vorschlägen der Referenten zur Hebung des Fortpflanzungs- willens spielten im allgemeinen steuerrechtliche Reformen eine über Gebühr große Rolle. Steuernachlässe, Aussteuerbeihilfen, HauShal- tungSzuschüsse für unbemittelte kinderreiche Familien, so geboten diese Vergünstigungen auch vom Standpunkt einer ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit sein mögen, dürften kaum umwälzend auf die Vermehrung und Kräftigung des BolksnachwuchseS einwirken. Denn allen diesen sozialen Reformen und Reförmchen wird von der bürger- lichen Gesellschaft der LebenSatem nur recht spärlich und knapp zu- gemessen werden, so daß sie wohl alle an der Schwindsucht sterben werden. Werden die„wirtschaftlichen Eingriffe" deS Herrn Professors v. Gruber aber wirklich ernst genommen und steuern sie auf ein«„wesentliche Änderung des Nationaleinkommens und Nationalvermögens" loS, so lenken sie naturgemäß in die Bahnen des demokratischen Sozialismus einl In diesem Punkte beginnt aber die bevölkerungspolitische Frage eine politische und wirtschaftliche Machtfrage zu werden! Eine Machtfrag« ist aber auch schon die Frage des Arbeiterschmäler werden Marthas Wangen, immer düsterer ist Karls Antlitz, wenn er des Abends heimkehrt. Weh tut es ihm. seine Martha so andauernd an der Maschine sitzen zu sehen, und kann es doch nicht ändern. Und die Kinder, die armen Kinder, wie hocken sie schüchtern in ihrem Winkel, um nur ja nicht Muster bei der Arbeit zu stören. Karl denkt oft daran, wie er so manches Mal beim trauten Schein der Lampe mit seinem Weibe am Tisch über die Zeitung gebeugt gesessen, wie sie so manche Tagesfrage gemeinsam erörtert— jetzt hat sie nur einen Gedanken. Immer nur spricht sie von dem Kommenden, immer von dem, was noch alles angeschafft werden muß l Und der Lohn, den die Firma zähst, für die sie Barchenthemden näht, ist zum Erbarmen niedrig. Schon geht sie im sechsten Monat, das Sitzen, das anhaltende Treten macht ihr große Pein, sie kommt nicht mehr so recht vom Fleck, der Meister hat ihr schon neulich zu verstehen gegeben, daß sie mehr schaffen oder gänzlich aufhören soll mit arbeiten. Martha näht mit fieberndem Blick und hektisch geröteten Wangen bis in die sinkende Nacht, aber ihre bestimmte Stückzahl kriegt sie nicht mehr; bis eines Tags die Maschine gänzlich stillsteht. Am Vorabend des heiligen Christfestes wird Färbers Viertes geboren. Alles ist glücklich überstanden, es ist da, aber das Bett, für das man gedarbt, noch immer nicht. Nur zum Nötigsten hat es gereicht. Die kleine Marthel mußte dringend ein Paar Schuhe haben, Grete! ein Kleid, das Dritte ein warmes Winterjäckchen. Wie gern hätte sich Karl ein Paar feste Stiefel zugelegt— er muß verzichten. Es sind der Ausgaben so genug. Und trotz der quälenden Sorgen ist mit dem Kindlein ein Sonnenstrahl ins Zimmer gehuscht,— es ist gesund und ein Bube dazu. Ter langersehnte Stammhalter, mit Freuden wird er empsangen von Eltern und Geschwistern.—(Schluß folgt.) schutzes, dessen soziale und kulturelle Bedeutung Genosse LandtagS- abgeordneter Timm auf der Münchener bevölkerungspolitischen Tagung scharf beleuchtete. Die von Tinnn aufgestellten Forderungen bezogen sich auf eine Erweiterung des ArbeiterschutzeS auf alle gewerbliche und industrielle Unternehmungen, das Verbot der Herstellung und Verwendung der die Gesundheit schädigenden gewerblichen Gifte, das Verbot der gewerblichen und industriellen Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren, die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit für gewerbliche und industriell beschäftigte Arbeiter. Arbeiterinnen und Jugendliche, Regelung der Sonntagsarbeit, Wöchnerinnenschutz, Säuglingsfürsorge, Heimarbeiterschutz, Verbot der Nachtarbeit in Bäckereien und Konditoreien, Ladenschluß, wirksame Kontrolle des ArbeiterschutzeS Gesundheitsfürsorge, Ausbau der Versicherungsgesetzgebung' Neuregelung des ArbeiterrechtS, Schaffung einer reichsgesetzlichen Arbeitslosenversicherung, Bestimmungen für die Arbeiter und Beamten der Staatsbetriebe, Vergebung von Staatsaufträgen, Fürsorge der ländlichen Arbeiter und Dienstboten. Jede Weiterbildung des ArbeiterschutzeS mußte bisher den herrschenden Gesellschaftsklassen durch politische und wirtschaftliche Machtkämpfe abgettotzt werden. Und daher ist die Erweiterung des ArbeiterschutzeS, dieser notwendigen Basis einer zielbewußten Bevölkerungspolitik, an die Verstärkung der Schlagkraft der wirtschaftlichen und politischen Organisattonen gebunden. Das dürfen die Arbeiter und Arbeiterinnen niemals vergessen I Über die Frage: Ehe und Frauenarbeit berichtete auf der Münchener Tagung Fräulein vr. Luders(Berlin). Sie wies auf den ursächlichen Zusammenhang zwischen der großen Kinderzahl und der ehewciblichen Berufsarbeit in der lohnarbeitenden Klasse hin. Dieser Zusammenhang führe kreislaufartig wieder zu Lohndruck und Zunahme der Frauenarbest. Im Hinblick auf die übermäßige Frauenbeschäftignng im Kriege, die nicht die gebotene Rücksicht auf die körperlichen Kräfte und häuslichen Verpflichtungen der Frauen nahm, forderte die Referentin: 1. die schleunige Wiedereinführung des gesetzlichen ArbeiterinnenschutzeS; 2. die systematische, unter behördlicher Leitung durchgeführte Untersuchung der gesundheitlichen Wirkungen der verschiedenen Arbeitsverrichtungen auf den weiblichen Organismus unter besonderer Berücksichtt- gung von Alter, Herkunft und Familienstand der Arbeitenden, sowie der Dauer der Arbeitszeit als Unterlage für den planmäßigen Ausbau der Schutz- und Verbotsbestimmungen: s. Vermehrung der Gewerbeaufsicht, besonders der weiblichen Aufsichtsbeamten: Das Sterilisieren von Gemüse und Obst. Glücklich ist sie zu preisen die Frau, die— einen Weckapparat hat! Denn gewöhnliche Sterbliche können sich jetzt keinen zulegen, höchstens ungewöhnliche Glückspilze, die ein enorm hohes Gehalt beziehen, das den Kriegsverhältnissen angepaßt ist, der Kriegsgewinnler. Wir gewöhnlichen Plebejer, für die der Krieg nicht etlva die einträglichste Zeit unseres Lebens ist, konimen auch ohne Weckapparat aus, wenn Ivir nur gut verschließbare Gläser und einen— Wasch- topf haben. Der Waschtopf wird mit Knoblauch tüchtig ausgerieben, mit Scheuersand sorgfältig ausgescheuert und ordentlich gelüftet. Durch den Knoblauch geht der Laugengeruch heraus. Auf de» Boden werden ein Draht-Kuchenteller oder mehrere Holzbrettchen oder mehrere Backsteine oder Blumenuntersätze gelegt. Wer nicht glückliche Besitzerin von mit Gummiringen verschließbaren Gläsern ist, kann sich auch mit einfachen Einmachgläsern helfen, die mit naß gemachtem, darauf gebundenem doppeltem Pergamentpapier verschlossen werden. Die mit Gemüse oder Obst ge- füllten Gläser werden in den selbstgeschaffenen Dampfkessel gestellt, Holzwolle oder alte Lappen werden dazwischen gelegt. In den Kessel kommt kaltes Wasser hinein, so daß die Gläser zur Hälfte im Wasser stehen. Die Gläser werden mit Steinen, Blumenuntersätzen, darauf Gewichte, beschwert. Der Deckel deS Kessels wird gut verschlossen. Die Sterilisierzcit wird vom Kochen des Wassers an berechnet. Es darf nicht zu toll kochen. Für Gemüse, das vorher dreiviertel gargekocht ist, rechnet man etwa 2ö bis 3S Minuten. Für Obst, Äpfelbrei usw. genügen etwa 26 bis 80 Minuten. Die Beerenfrüchte: Himbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren. Brombeeren usw., werden tüchtig abgewaschen, roh, tropfnaß, ohne Zucker oder Wasser in Flaschen gefüllt. Die Flaschen müssen vor dem Einfüllen geschwefelt werden. Ein Kork wird lose darauf getan und mit Bindfaden befestigt. Nachdem man die Früchte so in der Flasche in ihrem eigenen Saft hat ziehen lassen, werden sie 6 bis 10 Minuten in dem selbstbereiteten Dampfkessel gekocht. Beim Steinobst: Pflaumen, Kirschen usw., verfährt man ebenso wie beim Beerenobst, nur daß es nach dem Waschen entzweige° 158 Die Gleichheil Nr. 20 4. Übernahme der Bestimmungen der Neichswochenhilfe in den Frieden und ihren Ausbau nach der Richtung einer„allgemeinen Wochenhilfe"; 6. Lohn-, Gehalts- und Steuerbemessungen in Rücksicht auf die Kinderzahl; S. Beteiligung der Gesamtheit an den Kosten der Erziehung und Ausbildung des Nachwuchses kinderreicher Familien; 7. schleunige Erstellung preiswerter auch für Kinder geeigneter Wohnungen in Verbindung mit einer zweckmäßigen Verkehrs- und Tarifpolitik, sowie Einteilung der Arbeitszeit; S. Einführung der Pflichtfortbildungsschule für Mädchen unter Einsetzung genügender Zusatzstunden für den hauswirtschaftlichen Unterricht für die Facharbeiterinnen. Die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Wohnungspolitik für die Gesundung der Familie, für die Hebung und Kräftigung des Nachwuchses erörterte der LandeswohnungSrat vr. Löhner. Er enthüllte die durch den Krieg in bedauerlicher Weise gesteigerten Wohnungsnotstände und WohnungSmängel, er streifte die überall einsetzende Obdachlosigkeit, die zu KriegSnotmaßnahmen dränge, Iveil zum Ausbau der Dachräume, Läden, Werkstätten, Fuhrwerksschuppen, die sich wiederum als eine bedauerliche Verschlechterung des Wohnens darstellten und zeitlich durchaus begrenzt werden müßten. Or. Löhner regte den Ausbau der Reichsversicherungsordnung zu einer Reichswohnversicherung nach den Vorschlägen eines 0r. Schmitttnann an. Schließlich klang sein Referat in der Forderung einer grundsätzlichen Neuordnung der gesamten Wohnungspolitik aus. Erfreuliche sozialfortschrittliche Töne schlug Professor l)r. v. Zum- busch in seinem Vortrag über„Verhütung und Bekämpfung der GeschechtSkrankheiten"an: Der verwüstende Einfluß dieserKrank- heiten, die einen Ausfall an Geburten von mehreren Hunderttausenden(nach höchster Schätzung von StXXXX)) nach sich ziehen, muß vor allem durch„Sanierung" der Prostitution lahmgelegt werden. Solche Frauen, die sich gewerbsmäßig der Unzucht hingeben, sollen Gelegenheiten haben, sich untersuchen und behandeln zu lassen,„tun sie es nicht, so sollen sie strafbar sein(l). Untersuchung und Behandlung soll bei jedem Menschen erzwingbar sein, der hinreichend verdächtig ist, daß er für die Weiterverbreitung von Geschlechts- trankheiten gefährlich sei." Herr Professor v. Zumbusch fordert die Unterdrückung der Bordelle, Animierkneipen und des Mädchenhandels. Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten ist nach seiner Meinung in großem Maßstäbe durch menschenwürdige Krankenhäuser, Ambulatorien und Beratungsstellen zu organisieren. Der Glaube an die heilende Kraft polizeilicher Zwangsmaßnahmen tritt in dem ganzen schnitten und entkernt und 2l) bis 3S Minuten sterilisiert wird. Dle Flaschen werden, nachdem sie genügend abgekühlt sind, vorsichtig herausgenommen und der Kork fest eingedrückt. Sodann wird Siegellack oder Pech oder Teer oder Wachs oder— Talg?I flüssig gemacht. Die Flaschen werden umgestülpt, der Kork wird hineingetaucht, und dann läßt man die Masse erkalten. Es darf nicht vergessen werden, daß die Gläser sowohl als auch die Flaschen nicht so schnell aus dem heißen Dampfkessel herausgenommen werden dürfen. Ein langsames Erkalten und Vorsicht beim Herausnehmen sind erforderlich. Eine Methode, Rhabarber auf einfache Art aufzubewahren, ist die folgende: Der Rhabarber wird nicht geschält, aber gut abgewaschen, in Stücke geschnitten und in gut ausgeschwefelte Flaschen gefüllt. Dann wird ungekochtes Wasser darauf gefüllt und bis zum nächsten Tage stehen gelassen. Dann schüttet man eS ab und füllt neues darauf. Dies wiederholt nian fünf Tage fünfmal. Der Platz für den Kork wird freigelassen. Dann bildet sich ein Schimmelkork, welcher ein guter luftdichter Verschluß ist. Dann werden die Flaschen in den Keller gestellt. Der Schimmelkork bleibt oben. Mit Stachelbeeren und grünen Bohnen kann man ebenso verfahren. Natürlich bleiben die Stachelbeeren ganz, während die Bohnen fein geschnitzelt werden. Bei der Benutzung wird das Wasser weggeschüttet, und Rhabarber, Stachelbeeren oder Bohnen werden sehr rein gewaschen. Die Hauptbedingung für alle Konserven ist ein kühler, trockener und dunkler Aufbewahrungsort. Hoffentlich wird alles viel billiger, damit auch wenig Bemittelte und nicht nur die Reichen die Möglichkeit haben, recht viel für den Winter einzukochen. Denn was nützen alle guten Rezepte und prakttschen Ratschläge, wenn der Geldbeutel versagt. Berta Marckwald. Wahre Königin ist nur des Weibes weibliche Schönheit, Wo sie sich zeigt, sie herrscht, herrschet bloß, weil sie sich zeigt. Schiller. Denken des Professors v. Zumbusch stark zurück. Das bezeugen folgende Leitsätze seines Referats:„Vorbeugende Maßregeln der Verwaltungsbehörden sind besser als Strafen, die nachhinken, wenn das Unheil angerichtet ist. Durch soziale Maßnahmen muß gesorgt werden, daß keine Frauen in die Lage kommen, sich hingeben zu müssen, um ihren Lebensunterhalt zu finden." Die sozialen Maßnahmen, die von den Referenten der Münchener bevölkerungspolitischen Tagung verlangt wurden, sind zum Teil sehr weitgehend gewesen. Das haben die hier kurz skizzierten Vorttäge der Herren v. Grube, Löhner und v. Zumbusch bewiesen. In den nachfolgenden Referaten forderte Professor P. Jacob die Errichtung von KinderhilfShäusern und Professor Hecke eine allgemeine hygienische Verbesserung der Schulen, Heime für Masern-, Keuchhustenkranke, für rachittsche, skrofulöse und erbsyphilitische Kinder, die Einführung der Mutterschaftsversicherung und der Mutterschulen usw. In allen diesen Forderungen sind Millionenansprüche an die öffentlichen Kassen angemeldet worden— Ansprüche, die sich nur in einem Zeitalter deS Dauerfriedens verwirklichen lassen. Der Fortbestand des bewaffneten Friedens muß uns alle in Fronknechte de» Militarismus wandeln, da uns das Wettrüsten gegen eine ganze Welt von Feinden immer größere, ständig wachsende Teile unserer gesellschaftlichen Arbeit aufzehren muß. Die grauenvolle Aussicht auf ein neues Völkermorden muß überdies lähmend auf das Wachstum des deutschen Volkes einwirken, dessen Fortpflanzungswille schon, wie Professor v. Grube betont,„durch wirtschaftliche Überlegungen gehemmt ist". Stur eine Politik de» gesicherten Dauerfriedens, eine Politik der Rüstungsbeschränkung und der Steuerentlastung der Unbemittelten, eine Politik großzügiger, dem Sozialismus bewußt zustrebender sozialer und politischer Reformen kann die deutsche BolkS- kraft erhalten und mehren. Paul Kampfs meyer. Aus unserer Bewegung IN. lt. Werda« i. S. Am 10. Juni tagte hier die erste Mitgliederversammlung des Krippenverein» der Stadt Werdau, der vor einigen Monaten ins Leben gerufen wurde. Die Industriellen hatten seinerzeit auf Grund einer Anregung der zuständigen Kriegsamtstelle einen größeren Betrag zum Zwecke der Mütter- und Säuglingsfürsorge gestiftet. Wenige Tage später wurde der Verein auS der Taufe gehoben. Die Gewerkschaften beteiligen sich Über die Freundschaft. Motto: Meine Feinde muß ich nehmen, wann und wo ich sie treffe. Aber meine Freunde kann ich mir aussuchen. Gchnttzler w„Profits«» Bernhart»,''. Wer einnial über die Freundschaft Beobachtungen angestellt hat, Wird bemerkt haben, daß es vorwiegend solche zwischen Männer» gibt, zwischen Mann und Frau seltener. Am seltensten sind Wohl die Freundschaften zwischen Frauen. Ich meine dabei nicht jene Beziehungen, die gewöhnlich bei der Vorstellung„meine Freundin" angekündigt werden. Mit diesem Ausdruck pflegt man im allgemeinen leider nicht sehr haushälterisch umzugehen. Oft steckt dahinter alles andere, nur wenig Freundschaftliches. Manche Redner haben es auch an sich, die Versammlungsbesucher mit„liebe Freunde" anzureden. Daß Freundschaft auf Seelenhannonie aufgebaut sein muß, ist selbstverständlich. Der Freund muß des Freundes Gedanken förmlich erraten können. Dazu muß er natürlich selbst mit dem anderen viel Gemeinsames, mehr als nur die gemeinsame politische Überzeugung haben. Solche auf Seelenverwandtschaft aufgebaute Freundschaft geht nicht leicht in die Brüche. Die hält gewöhnlich dauernd. Wenn die Freundschaft zwischen Mann und Frau öfter vorkommen würde, beständen heute nicht so viele unglückliche Ehen. Die Freundschaft zwischen Mann und Frau erzeugt in jugendlichem Alter fast ausnahmslos Liebe. Erst in reiferen Jahren wird die Freundschaft zwischen Mann und Frau frei von sexuellem Empfinden sein. In der harmonischen Ehe wird der Freund des Mannes auch der der Frau sein. Aus diesem Freundschaftsverhältnis jedoch erwachsen sehr leicht seelische Konflikte, wie Goethe das in seinen „Wahlverwandtschaften" so anschaulich geschildert hat. Wie steht es nun aber mit den Frauenfreundschaften? Wenn eiue Frau von der anderen als von ihrer„Freundin" spricht, so ist das meist nur oberflächlich gemeint. Denn gewöhnlich tritt bei dem geringsten Anlaß Mißstimmung gegeneinander hervor, die sich nicht immer in den schönsten Formen äußert. Und dann ist auch die „Freundschaft" zu Ende. Nr. 20 Die Gleichheit mit und haben eine Genoffin als Vertreterin in Vorschlag ge= bracht. Bei der Vorstandswahl wurde die Genossin mit in den Vorstand gewählt, außerdem sind noch ein Stadtverordneter von unferer Seite sowie drei weitere Personen aus dem Arbeiterstand im Ausschuß vertreten. Am 1. September soll die Krippe eröffnet werden. Natürlich bedeutet dieser Verein nur einen schwachen Anfang auf dem Gebiet des Mütter- und Säuglingsschutes. Viel wichtiger ist es, daß der arbeitenden Bevölkerung ein Lohn gezahlt wird, der ihr ermöglicht, sich anständig zu fleiden und zu wohnen und die notwendigen Lebensmittel fich kaufen zu können. In dieser Beziehung bleibt noch vieles zu wünschen übrig. Besonders die Textilarbeiter in Werdau haben im Vergleich mit anderen Industriestädten über sehr niedrige Löhne zu flagen. Der jetzt gezahlte Stundenlohn beträgt für Arbeiterinnen 28 bis 38 Pf. und für Männer 40 bis 60 Pf., für Krempelauspuher im Höchstfall 65 Pf. Der Rohstoffmangel zwingt zur Einschränkung der Produktion. Dadurch entsteht für die Arbeiterschaft ein sehr empfindlicher Lohnausfall. Es ist teine Seltenheit, daß Witwen und alleinstehende Frauen schon monatelang mit 11 bis 14 Mt. Wochenlohn Haushalten müssen. Was das heißt, kann nur der ermessen, der selbst in dieser Lage stedt. Die Betroffenen müssen auf alles verzichten, wenn sie nicht dem Verbrechen in die Arme laufen wollen. Nicht einmal die rationierten Lebensmittel können sie sich kaufen, die doch nur das äußerste Minimum darstellen, dessen der Mensch bedarf, um nur das nackte Leben zu fristen. Von einem Wiederersatz der verbrauchten Kräfte tann gar keine Rede sein; das sieht man am besten, wenn man nach Arbeitsschluß die bleichen, eingefallenen Wangen der Textilarbeiter betrachtet, die kaum die müden Beine weiterschleppen können. Ein großer Teil der Werdauer Einwohnerschaft steht der Errichtung einer Krippe ablehnend gegenüber. Er befürchtet, die Errichtung von Krippenheimen wird nur aus dem Grunde ins Leben gerufen, um dem Unternehmertum eine noch ergiebigere Einnahmequelle zu erschließen dadurch, daß die Mütter um so leichter in die Fabrik gezwungen werden sollen. Von gewissen Leuten wurde sogar geäußert, die Krippenvereine verlockten die Arbeiterfrauen dazu, lieber auf Arbeit zu gehen, als ihre Kinder selbst zu erziehen.(!) Nicht die Verlockung, die Kinder einfach los zu sein, sondern die wirtschaftlichen Verhältnisse zwingen die Mütter ins Erwerbsleben. Wir müssen die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse in Betracht ziehen. Tausende und aber Taufende Frauen Von dieser in Gänsefüßchen wollen wir heute nicht reden, sondern von der aufrichtigen und wahren Freundschaft. Dabei erinnere ich mich einer lieben alten mütterlichen Freundin, die einmal vom Katheder herab einen stundenlangen Vortrag gehalten hat über das schöne Sprichwort: Freunde in der Not, Freunde im Tod, Freunde hinter dem Rücken, das sind drei starke Brücken." Wie glücklich sind die Menschen, die von sich behaupten können, solche Freunde zu befizzen! Leider sind sie zu zählen. Der unselige Parteistreit hat auch manche Freundschaft zerstört. Ich gebe mich aber der Hoffnung hin, daß die durch den Krieg geblendeten" freundschaftlichen Seelen fich im Frieden bestimmt wieder zusammenfinden werden.( Schluß folgt.) Bücherschau Adele Gerhard: Am alten Graben. Roman. Verlag von Morate& Scheffelt, Berlin W 50. Geh. 5 Mt., geb. 6,50 Mr. Man findet selten Bücher von dieser Art. Ein Kampfbuch, ftill, innerlich und mächtig, in einem schlichten Stil voll Licht und Tiefe geschrieben. Es ist der Bildungsroman einer Frau, allerdings schon darum tein typischer, als Ursel Bucher eine außergewöhn liche Frau ist. Sie wächst im Haus am alten Berliner Stadtgraben auf, in einziger Gesellschaft der schönen mädchenhaften Mutter und des Baters, des Gelehrten mit dem Bulldoggengesicht. Eine starke geiftige Betriebsamkeit kennzeichnet diesen Mann, dem seine Tochter bald zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin wird. Die junge Ursel ist eine fruchtbare und eigene Denkerin, in der alle frauenhafte Sträfte ungewedt schlummern. Die Heirat mit einem Gelehrten, der obenbrein an den Folgen einer Jugendtorheit körperlich zu tragen hat, bringt ein gräßliches Erwachen. Sie gebiert ein totes Kind. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, bleibt nur der Vater und der Gatte, an deren Arbeiten sie intensiv teilnimmt; denn Arbeit ist ihr Trost und das Mittel zur Überwindung. Sie besucht die Universität und erwirbt fich als Schriftstellerin einen guten Namen. Eine große, ernste Liebe, deren Schilderung anmutet wie ein schöner sonnen159 und Mädchen sind dazu verurteilt, ihrem natürlichen Beruf zu entsagen, weil sie nicht das Glück oder die Gelegenheit haben, als Frau heimgeführt zu werden. Im Interesse der Frauen und Mädchen fühlen wir uns als Organisations- und als Gewerkschaftsvertreter veranlaßt, die Errichtung von Mütter- und Säuglingsheimen mit Freuden zu begrüßen. Ungezählte Frauen und Mädchen, denen der Ernährer oder der zukünftige Mann durch Krankheit oder auf dem Schlachtfeld der Industrie entrissen wurde, werden lieber ihren köstlichsten Schatz, ihr Kind, in die Pflege eines gutgeleiteten Krippenheims geben, wo sie besser aufgehoben find als bei einer alten gebrechlichen Verwandten oder bei einer Nachbarin, die die Pflege nur übernimmt, um Geld damit zu verdienen. Aber nicht nur bis zum zweiten Jahre, sondern bis zum schulpflichtigen Alter und darüber müssen Kinder Aufnahme finden, damit sie tagsüber nicht dem gefahrdrohenden und fittenver derbenden Straßenleben preisgegeben sind. Eine Frau, die 10 bis 12 Stunden in der Fabrik tätig ist und dann noch ihr Hauswesen besorgen muß, bricht unter der Last der Pflichten zusammen. Wir fordern daher achtstündige Arbeitszeit und Freigabe des Sonnabendnachmittags für Frauen und jugendliche Arbeiter. Jetzt ist der Sonntag für die Frauen ein doppelter Werktag, weil sie da für die nächste Woche die Wäsche und die Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen haben. Es ist kein Wunder, wenn viele Textilarbeiterinnen phlegmatisch und intereffelos sind, denn fie haben keine Zeit, sich geistig zu bilden und aufwärts zu entwickeln, weil alle ihre Kräfte angespannt werden müssen, um nur halbwegs der Fülle ihrer Pflichten nachzukommen. An alle erwerbstätigen Frauen und Mädchen ist deshalb der Appell zu richten: Schließt euch eurer Gewerkschaft an, unterstützt die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne, damit ihr in die Lage kommt, ein menschenwürdiges Dasein führen zu können. Im Großherzogtum Baden sprach Genossin Juchacz in einer Reihe von Versammlungen über das Thema:„ Die Frau als Mutter und Staatsbürgerin". Am besten waren die Versammlungen in Freiburg und Mannheim besucht. Gelohnt haben sie sich überall. Wo Versammlungen waren, brachten sie uns neben dem ideellen auch einen zahlenmäßigen Erfolg an„ Gleichheit" leserinnen und Parteimitgliedern. Im allgemeinen ist hier allerdings eine ziemliche Versammlungsmüdigkeit vorhanden, die durch die Fliegergefahr noch verstärkt wird. Genoffin Juchacz zeigte in ihrem Vortrag, in wie großem Umfang die Frauen in Verkehr und Industrie tätig sind, wie sie aktiv glanzerfüllter Sommertag, über dem bereits die Wehmut der Herbstnähe flüstert, gibt ihrem Frauentum die Reife und innere Erfüllung. Dann ist sie wieder einsam, aber sie ist eine zu starke Persönlichfeit, um darunter zu leiden. Sie hat den Mittelpunkt ihres Lebens in sich selbst gefunden und lebt in der Arbeit, Die zu dem Bau der Ewigkeiten Zwar Sandkorn nur für Sandkorn reicht, Doch von der großen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre streicht.... Adele Gerhard verzichtet auf alle äußerlichen Mittel der Darstellung, sie wirkt weder blendend noch verblüffend. Vieles, namentlich über die öffentliche Tätigkeit Ursel Buchers, möchte man gern deutlicher aus dem Halbdunkel des Hintergrundes treten sehen, das Buch und seine Hauptgestalt würde dadurch nichts an Persönlichem verloren haben, im Gegenteil! Artur Zickler. Dämmerung. Wie lieb' ich jene Zeit, wenn schwach und schwächer Der Tag verhallt mit seinen lauten Stimmen, Und wenn im Grau der Dämmerung verschwimmen Bastei und Aquadukt und flache Dächer! Denn, wenn die Nacht ausspannt den dunkeln Fächer, Darin der Sterne Diamanten glimmen, Wenn Nachtigallen zum Gesange stimmen, Dann, scheuen Schriffs, verläßt du die Gemächer. Ich aber harre dein, wo unter düstern Weinranken, die die laue Nachtluft würzen, Mich Marmorsphingen anfehn weiß und lüstern. Bis du dich nahft, in meinen Arm zu stürzen, Und fefter nur mit deinem süßen Flüstern Des eignen Lebens Rätsel mir zu schürzen. Seinrich Leuthold. 160 Die Gleichheit teilnehmen am volkswirtschaftlichen Leben durch die Erwerbsarbeit und wie sie auch gleichzeitig unmittelbar mitwirken an der Erhal tung und Verteidigung des Landes. Millionen Frauen arbeiten in der Rüstungsindustrie, schmieden Waffen zur Fortführung des Kriegs, trotz schwerer seelischer Konflikte, in die sie durch ihre Tätigkeit ommen. Sie betätigen sich unter einem allgemeinen wirtschaftlichen Zwang. Tausende sind direkt im Dienst der Heeresverwaltung tätig bis in die Etappen. Ebenso arbeiten viele Frauen in der Krankenpflege und im sozialen Dienst. Mit ihrer Hilfe werden die Kriegswunden geheilt, soweit dies irgend möglich ist. Die Frauen erfüllen die wichtigsten Staatsbürgerpflichten, man gebe ihnen daher auch Staatsbürgerrechte. Rednerin erörterte ferner die Aufgaben der Sozialgesetzgebung zugunsten der arbeitenden Frauen. Auf diesem Gebiet lassen sich die großen sozialpolitischen Aufgaben ohne Mithilfe der Frauen nicht erfüllen. Eine straffe Organisation und ein zielbewußter Kampf find unerläßlich. Die Schlußfolgerung ist: die Frauen müssen hinein in die sozialdemokratische Partei, sie müssen die sozialdemokratische Tagespresse und die„ Gleichheit" lesen und sich dadurch schulen für den politischen Kampf. Die Frau im Beruf Weibliche Tischlerlehrlinge. Die Breslauer Tischlerzwangs innung hat sich mit der Frage beschäftigt, ob weibliche Personen als Lehrlinge ausgebildet werden sollen. Die Frau als Arbeiterin ist in den Breslauer Tischlereien keine seltene Erscheinung mehr, sie wird aber, wie das auch anderwärts üblich ist, nur als Teilarbeiterin beschäftigt. Nun will man weitergehen und weibliche Lehrlinge ausbilden. In der Innungsversammlung waren die Meinungen geteilt. Es traten eifrige Befürworter des Planes auf, während von anderer Seite Bedenken geäußert wurden unter Hervorhebung der physischen und sittlichen Seite der Frage. Schließlich wurde mit allen gegen eine Stimme beschlossen, dem Tischlerhandwerk auch weibliche Lehrlinge zuzuführen. Hierzu schreibt die Holzarbeiter- Zeitung": Unseres Wissens ist die Breslauer Tischlerinnung die erste, die sich für die Einstellung weiblicher Lehrlinge ausgesprochen hat. Vereinzelt mag es wohl da und dort weibliche Tischlergesellen geben, die eine regelrechte Lehrzeit absolviert haben. Vermutlich wird das Breslauer Beispiel bald Nachahmung finden. Über die Gründe, die der Vorstand der Tischlerinnung für seinen Vorschlag ins Feld geführt hat, ist uns nichts bekannt geworden, aber sie sind naheliegend. Man rechnet damit, daß es nach dem Striege und nach überwindung der ersten Schwierigfeiten der Übergangswirtschaft an Arbeitskräften fehlen wird, und möchte Vorsorge treffen. Der Großbetrieb befindet sich in dieser Hinsicht in einer besseren Lage. Bei der Arbeitsteilung, die voraus sichtlich künftig in noch stärkerem Maße eingeführt werden wird als seither, lassen sich auch ungelernte weibliche Arbeitskräfte verwenden. Wenn auch der Kleinbetrieb aus der weiblichen Arbeitskraft Nugen ziehen will, dann muß er den Mädchen eine handwerksmäßige Ausbildung geben. Grundsätzliche Bedenken braucht man dagegen vom Arbeiterstandpunkt aus nicht geltend zu machen. Selbstverständlich werden wir, wenn der weibliche Tischlergeselle einige Bedeutung erlangen sollte, noch mehr als seither darauf achten müssen, daß für die gleiche Leistung auch der gleiche Lohn gezahlt wird. Wenn etwa die Absicht bestehen sollte, weibliche Tischlerlehrlinge auszubilden, um sie später als Lohndrücker verwenden zu können, dann würden wir da gegen mit aller Entschiedenheit auftreten. Aber vorläufig find wir noch nicht so weit. Immerhin mag man aus dem Plan erkennen, wie wichtig es ist, daß auch die Arbeiterinnen der Holzindustrie, gleichviel, ob es sich um gelernte oder ungelernte handelt, dem Deutschen Holzarbeiter- Verband zugeführt werden. I. K. Die Fabrikpflegerin i Österreich. Die erste Sigung des neugeschaffenen Frauenbeirats im österreichischen Ministerium für soziale Fürsorge, dem auch die Genossinnen Boschet, Kaff und Popp angehören, hat fürzlich stattgefunden. Die erste Frage, der man näher trat, war die Einführung von Fabrikpflegerinnen im Sinne der deutschen Einrichtung. Die vom Ministerium angestellte Nonsulentin für Frauenschutz, Fräulein Lemberger, erstattete das Referat. Vom Arbeiterinnenstandpunkt wird in der Wiener Arbeite rinnenzeitung" die gleiche Kritik geübt, der die an sich begrüßenswerte, aber mit schweren Mängeln behaftete Einrichtung auch hier bei uns zulande begegnet. Auch die österreichischen Arbeiterinnen finden es bedenklich, daß die Fabrikpflegerinnen Angestellte der Unternehmer sind, was sie in der unbefangenen Vertretung der Arbeiterinneninteressen notwendig hemmen muß. Und auch die Osterreicherinnen sind der Ansicht, daß auch aus dem Arbeiterinnenstande Nr. 20 die geeigneten Persönlichkeiten herangezogen und für den Posten als Fabrikpflegerin ausgebildet werden sollten. Kleine Mitteilungen. Die Zentralstelle für Gemeindeämter der Frau- Frankfurt a. M. ist seit Herbst 1916 mit der Sammlung und Sichtung von Material über die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der deutschen Kommunalbeamtinnen beschäftigt. Die Leitung der Arbeit, die demnächst im Druck erscheinen soll, ist Fräulein Recha Rothschild übertragen worden. Für Zusendung von einschlägigem Material amtlichen oder persönlichen Charakters ist die Zentralstelle für Gemeindeämter der Frau zu Dank verpflichtet. - Die Handelskammer in Köln hat fürzlich eine Frau für das Amt einer Bücherrevisorin vereidigt. Es ist die erste Frau in Rheinland und Westfalen, die dritte in Deutschland, die für ein derartiges Amt zugelassen wurde. Frau Wittkamp hat die notwendigen Vorbedingungen, die in umfangreichen Studien mit einem Schlußeramen bestanden, glänzend erfüllt. Der Minister des Innern hat dem Preußischen Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Gesetzes betreffend das Hebammenwesen zugehen lassen. Die Frauen werden sich aus den verschiedensten Gründen eingehend mit dieser Vorlage befassen müssen. Unter dem 14. März und 33. März 1918 hat der Minister des Innern in Preußen neue Ergänzungsbestimmungen betreffend die Zulassung zur Prüfung von Säuglingspflegerinnen herausgegeben ( bergl. Ministerialblatt für Medizinalangelegenheiten 18/18 bont 27. März und 18/15 vom 10. April 1918, Berlin W 35, Verlag J. G. Cotta). Volkserziehung Eine Kinderschuhtagung des Deutschen Kinderschutzverbandes hat am 21, und 22. Juni 1918 im Börsensaal zu Magdeburg stattgefunden. Die Vorträge behandelten den vorbeugenden Kinderschutz in Stadt und Land, und zwar sprachen über„ Die Stellung des Kinderschußes innerhalb der Jugendfürsorge" Direktor Dr. Bolligfeit( Frankfurt a. M.),„ Kinderschutz in städtischen Bezirken" Pastor Bahnsohn( Hamburg),„ Kinderschutz in ländlichen Bezirken" Frau Johanna Kißling( Schloß Heinzendorf)," Zusammenhang des Kinderschutzes mit der Junghelferbewegung" Fräulein Jda Klokow( Charlottenburg), Lyzealdirektorin,„ Die Kreisfürsorgerin im Dienste bes Kinderschutzes" Regierungsrat Dr. Nollau( Köslin),„ Kinderschutz und Schulpflegschaft" Schriftsteller W. Achilles( Leipzig). Möbel für Kindergärten. Die dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht angeschlossene Auskunftsstelle für Kleinkinderfürsorge versendet auf Wunsch Zeichnungen einfacher Möbel für Kindergärten und verwandte Anstalten, nach denen jeder Tischler Stühle, Bänke, Tische und Schränke zweckmäßig und haltbar herstellen kann. Die vier Blätter sind einzeln leihweise gegen eine Gebühr von 50 F. nebst Porto, käuflich zum Preis von 2 Mt. zu erwerben durch das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin W 35, Botsdamer Straße 120. Freie Aussprache Unter diefer Rubrit veröffentlichen wir Ginfendungen, für die die Sedaktion ber " Gleichheit" den Einsenderinnen bie fachliche Verantwortung überläßt, die fie aber als Anregungen zur öffentlichen Grörterung in der„ Gleichheit" oder in den Busammenkünften der Frauen geeignet hält. Wir fordern unsere Leserinnen zur regen Mitarbeit auf, wobei wir den Gegenstand der Einsendung völlig der freten Wahl der Frauen überlaffen. Die Parteibeiträge der Frauen! In einer der legten Sigungen des Parteiausschusses wurde ein Beschluß gefaßt, der den Organisationen empfiehlt, in Anbetracht der schwierigen Geldverhältnisse der Partei überall die Beiträge zu erhöhen, und zwar nach Möglichkeit auf 60 Pf. monatlich( oder 15 Pf. wöchentlich) für die Männer und auf 40 Bf. monatlich( 10 f. wöchentlich) für die Frauen. Aus ben Meldungen der Parteipresse fann man schließen, daß die Drganisationen zum großen Teil die Beiträge wohl erhöhen, daß die Frauenbeiträge aber überall hinter dem gewünschten Saz zurückbleiben. Wie kommt das? Liegt das am Widerstand der Genossinnen, oder entspringt es zarter Rücksicht nahme der Männer? Wir zahlen hier in Köln Wochenbeiträge von 15 Bf. gleichmäßig, dafür erhalten wir Frauen die„ Gleichheit" ge liefert. Ich bin dafür, daß wir Frauen die gleichen Beiträge zahlen, daß wir aber auch die Gleichberechtigung, die uns innerhalb der Partei zugesichert ist, voll ausnügen. Auch unausgesprochen wirkt es hemmend auf die Entfaltung der Frauenbewegung, wenn wir selbst uns zu sehr als die wirtschaftlich Schwächeren fühlen. Es wäre zu wünschen, wenn aus dem Kreis der Leserinnen Meinungsäuße E. N., Köln. rungen über diese Frage tämen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Marte Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Die Nachf. G.m.6.g. in Stuttgart.