Nr. 23 A.g. XIII 28. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Stuttgart 16. August 1918 Zehn Jahre Reichsvereinsgesetz. Am 15. Mai 1908 trat das Reichsvereinsgesetz in Straft. Seit nunmehr zehn Jahren haben die Frauen Deutschlands allgemein das Recht, Mitglieder politischer Vereine zu sein und in diesen zu wirken. Zehn Jahre, die hinter uns liegen, reizen dazu, einmal stehen zu bleiben und einen Blick rückwärts auf die sozialdemokratische Frauenbewegung zu tun. Die Vereinsgesetzgebung Deutschlands war bis 1908 ein buntes Durcheinander; in den weitaus meisten Bundesstaaten enthielten die Gefeße Ausnahmebestimmungen für das weibliche Geschlecht. In der Regierungsvorlage, die im ganzen durchaus nicht den Beifall der Genossen und Genossinnen fand, wurde aber die gesetzlich vorgesehene Gleichstellung der Frauen mit so vortrefflichen Worten begründet, daß man diese heute noch mit Vergnügen liest und sie heute wie damals anwenden könnte als Begründung für das den Frauen noch immer fehlende Wahlrecht. Es ließ sich an dieser Stelle vieles darüber sagen, was nicht gut ist an diesem Gesetz; so brachte es uns das berüchtigte Sprachenverbot für fremde Arbeiter, den Paragraphen für die Jugendlichen und eine ganze Reihe unbequemer polizeilicher Wachtbefugnisse, die oftmals dazu benugt worden sind, das Versammlungsrecht zum Schaden der Arbeiterklasse anzuwenden. Aber die Gleichstellung der Frau im Vereinsleben war doch ein erheblicher Fortschritt. Hier wurde durch das Gesetz endlich eine Notwendigkeit anerkannt, die durch die wirtschaftliche Entwicklung längst gegeben war. Für die sozialdemokratischen Frauen gab es nach dem Inkrafttreten des Gesezes nur einen Weg: sie traten in Scharen in die schon bestehenden politischen Organisationen ein. Ganz allgemein wurde dieser Schritt erst durchgeführt nach dem Nürnberger Parteitag im Oktober 1908. Gleich nach dem Inkrafttreten des Gesetzes wurde von der Genossin Baader, der Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands, in der ,, Gleichheit" der Vorschlag zur Neuorganisation der Genofsinnen gegeben. Dieser Vorschlag wurde dann auf der Frauenkonferenz zu Nürnberg gründlich durchberaten und von dem im Anschluß stattgefundenen Barteitag mit einigen Änderungen angenom men. Die Genossinnen wurden verpflichtet, der sozialdemofratischen Parteiorganisation ihres Drtes beizutreten. Die bestehenden unpolitischen Bildungsvereine der Frauen sollten nur dann bleiben, wenn die am Ort befindlichen Genossinnen und Genossen das wünschten; doch wurden die Frauen dadurch nicht der Pflicht enthoben, der Partei als zahlende Mitglieder anzugehören. Der Vorschlag befaßte sich mit der Beitragspflicht sowie mit der Zugehörigkeit der Genossinnen in den Vorständen. Es heißt da wörtlich:" Den weiblichen Mitgliedern des Vorstandes liegt es ob, die notwendige Agitation unter dem weiblichen Proletariat im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand und unter Mitwirkung der tätigen Genofsinnen zu betreiben.". Es wird weiter gewünscht, daß unabhängig von den Vereinsabenden der Männer für die weiblichen Mit glieder Zusammenkünfte eingerichtet würden, welche ihrer theoretischen und praktischen Schulung dienen sollten. t Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplag 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Durch die ärgsten reaktionären Gesetzesbestimmungen läßt fich eine Bewegung, die aus den Verhältnissen heraus ihre Daseinsberechtigung empfängt, nicht unterdrücken. Der Jahresbericht der Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands, Essen 1907, berichtet, daß 10302 Frauen Mitglieder der unpolitischen Bildungsvereine seien und daß 8751 Frauen der Partei regelmäßig freiwillige Beiträge leisteten. Daneben gab es 10500 Genossinnen, denen die Vereinsgesetzgebung ihres Landes schon damals erlaubte, Parteimitglieder zu sein. Der Abonnentenstand der„ Gleichheit" betrug 67000. Und in Nürnberg konnte im Vorstandsbericht konstatiert werden, daß die Frauen es sehr gut verstanden hätten, sich unter den reaktionären Gesetzesbestimmungen trotzdem der Drganijation anzugliedern. Die„ Gleichheit" zählte nach dem Bericht 1908 84000 Abonnenten. Die unpolitischen Frauenbildungsvereine waren ein Notbehelf. Ganz zweifellos hat uns die Wirksamkeit dieser Vereine in Verbindung mit den Lese- und Diskussionsabenden manche wertvolle Frauenkraft für die Bewegung heranbilden helfen. Im allgemeinen aber waren die Frauen doch froh, als sie endlich an der richtigen Stelle kämpfen konnten. Im politischen und sozialen Kampf gehört die Frau neben den Mann. Gewisse psychologische Unterschiede sind freilich vorhanden, und das ist gut so. Die Stärke der Frauen liegt in der praktischen Lösung sozialer Probleme. Gerade hier hat die Arbeiterbewegung sehr umfangreiche, ständig wachsende Aufgaben zu erfüllen. Nur sechs von den verflossenen Jahren gehörten der friedlichen Entwicklung., Von 1909 bis 1914 konnte regelmäßig von einem andauernden stolzen Wachstum der sozialdemokratischen Frauenbewegung berichtet werden. Die Berichte nennen uns folgende Zahlen über die weiblichen Mitglieder der Parteiorganisation: 1909 1910 1911 W 62259 82642 107693 1912 1913 1914 130371 141115 174754. Dann kam der Krieg. Er brachte uns die Einschnürung des Vereinsgesetzes durch die Militärdiktatur. Nicht nur mit den männlichen, auch mit den weiblichen Mitgliederzahlen ging es rasch abwärts. Der Bericht verzeichnet 1915: 134663, 1916: 112418 und 1917: 66608 organisierte Frauen. Der Sturz, den die Abonnentenzahl der„ Gleichheit" in den Jahren 1914 bis 1917 machte, ist noch gewaltiger. Was war die Ursache? Im Bericht von 1915 und 1916 ist wohl der ganze Verlust noch nicht erfaßt. Der Ausbruch des Strieges brachte die Mehrzahl unserer Genossinnen in eine arg bedrängte petuniäre Lage. In Würdigung dieser Tatsache und in der Voraussegung, daß der Krieg bald ein Ende finden würde, faßten die meisten Mitgliedschaften den Beschluß, den Kriegerfrauen die Beiträge zu erlassen. Wäre diese Voraussetzung zugetroffen, hätte der Beschluß wohl nicht geschadet, so aber erwies er sich als verhängnisvoll. Viele wurden in den Listen geführt, die sich schon losgelöst fühlten. Es hätte um diese Frauen von neuem in mühseliger Kleinagitation geworben werden müssen. Das Erkennen dieser Notwendigkeit zog nicht die Tat nach sich, 178 Die Gleichheit es fehlte an Kräften. Der Krieg änderte die wirtschaftliche Lage der Frauen vollkommen; unsere rührigsten Genossinnen wurden derart mit Arbeit überlastet, daß die Kleinagitation, wie sie früher von uns geübt wurde, zur Unmöglichkeit wurde. Gerade beim fritischen Rückwärtsschauen haben wir die Pflicht der Ehrlichkeit gegen uns selber. Die Flucht der vielen Frauen aus der Organisation ist ein Beweis, daß sie in ihrer Weltanschauung noch nicht vollkommen fest waren. Das ist begreiflich; war doch die Zeit der Werbe- und Aufklärungsarbeit viel zu kurz, um unter den 174000 die sozialdemokratischen Ideen derart zu befestigen, daß sie auch in dieser alle Begriffe verwirrenden Weltkatastrophe standhielten. Diese bösen Erfahrungen der Kriegszeit müssen uns heute schon für unser ferneres Handeln Wegweiser sein. Bleibt als eine weitere Ursache der Rückwärtsbewegung noch die Spaltung der Partei übrig. Die Zahlen der organisierten Frauen hüben und drüben dürften nicht im entferntesten hinreichen, um die Zahl von 1914 zu ergeben. Wohl hat uns die Spaltung auch Verluste in der Frauenbewegung gebracht; das Endresultat ist auch hier, daß viele abseits stehen und abwarten, welcher Seite die Geschichte recht gibt. Eine Erscheinung gibt noch Anlaß zu ernster Würdigung und zum Nachdenken: die praktische Tätigkeit unserer Genossinnen in der Kriegswohlfahrtspflege und in kommunalen Ämtern. Diese Tätigkeit wäre in dem Umfang nicht denkbar, wenn wir auf vereinsgefeßlichem Gebiet die Ausnahmebestimmungen für Frauen behalten hätten. Wir wollen nicht etwa einer Einschränkung dieser Arbeit das Wort reden; der Einfluß, den wir bei dieser Tätigkeit ausüben können, ist von großer Bedeutung. Aber eins steht fest: das Tätigkeitsgebiet unferer Genofsinnen hat sich während des Strieges stark erweitert, während die Kräfte geringer geworden sind. Das ergibt ein starkes Minus zuungunsten unserer Agitations- und Schulungsarbeit. Diese Erscheinung kann in diesem Rahmen nicht ausführlich gewertet werden, sollte aber jede Genossin zum Nachdenken anregen. Zum Schluß unserer Betrachtungen können wir wohl sagen: Die größere Bewegungsfreiheit, die wir Frauen durch das Gesetz im öffentlichen Leben erlangt haben, müssen wir noch viel mehr als bisher ausnüßen, besonders zur Erringung des Wahlrechts für die Frauen. Noch viel mehr als bisher muß es uns ein bewußt und planmäßig angewendetes Hilfsmittel zum kulturellen Aufstieg unserer Klasse werden, es muß uns weiter dienen, den Massen der uns noch fernstehenden Frauen die sozialistische Weltanschauung zu bringen. Genossen. Vielleicht sind unsre törichten Gedanken fich irgendwo im All begegnet, Tang ehe wir in unserm Blut ertranken.... Da warst auch du wohl, Bruder oder Vater, und warst Genosse eines gleichen Ziels, und gleiches Wissen war doch dir und mir Berater. Wenn du am Schraubstock standst und ich am Pfluge und sannen beide an der Zeiten Glück, so füßten unsre Träume sich im Fluge.... Und ob auch unsre Sprache fremden Klanges, uns band die Not, und unser freudig Hoffen war gleichen Glaubens, Liebens, gleichen Sanges; wir waren arm und Schicksalsunbekannte und hatten unsere Zukunft kinderlieb.... Nie, daß uns Hemmnis dauernd übermannte. Und als Gewalt uns auseinanderriß, bekämpften wir einander- Losverbannte! Nun sind wir tot doch unsere Gedanken sind irgendwo im All vermählt und neugeboren eh' unsre Körper in die Erde sanken. Julius Zerfaß. 0 Politische Umschau Nr. 23 о Am 15. Juli meldete der deutsche Heeresbericht deutsche Vorstöße östlich und westlich von Reims. Die Gegner hatten anscheinend den Stoß erwartet, denn sie fingen ihn, im Gegensatz zu den beiden Frühjahrsoffensiven, auf und wehrten ihn ab. Am 18. Juli ergriffen die Entente heere zwischen Aisne und Marne überraschend und erfolgreich die Offensive. Seitdem stehen die beiderseitigen Truppen dort in hartem Kampfe. Zäh wird von den Deutschen das Gelände verteidigt; mit schonungslosem Einsatz von Menschen und Material versucht der Gegner vorwärts zu kommen. Eine Entscheidung ist auch jetzt nicht zu erwarten, sondern jeder neue Zuſammenprall der Kräfte, der jedesmal blutiger wird, beweist nur, daß das Ende nur durch gegenseitige Verständigung herbeizuführen ist. Die Kriegstreiber hüben und drüben denken allerdings anders; sie leiden nicht unter dem Krieg. Unsere Alldeutschen sind jetzt befriedigt, weil der Staatssekretär Herr von Kühlmann durch Herrn von Hinge ersetzt worden ist, wodurch sie glauben, ihren Kurs in der auswärtigen Politik ge= steuert zu sehen. Herr von Hinge hat sich in der ersten Rede, welche die Öffentlichkeit von ihm erfuhr, scharf gegen England gewendet. Die Entente setzt alles daran, um den Kampf an der Ostfront, also Rußlands gegen Deutschland wieder aufleben zu lassen und so die Westfront für sich zu entlasten. Die bolschewistische Regierung wehrt sich energisch gegen diesen neuen Krieg, doch haben die Ereignisse der letzten Wochen gezeigt, daß die Gegenströmung sehr start ist. Die Ermordung des deutschen Gesandten in Moskau, Gra fen Mirbach, dessen Nachfolger im Amte Dr. Helfferich geworden ist, war das erste Zeichen für das starke Aufflammen der Gegenrevoli: tion der linken Sozialrevolutionäre. Am 13. Juli brachte Gorkis Nowaja Shifu" eine Erklärung des amerikanischen Gesandten, int welcher das russische Bolt zum Kampfe gegen Deutschland aufgeboten wird. Dasselbe Blait brachte auch die angeblichen( durchaus vernünftigen) Friedensbedingungen Deutschlands, von denen man aber nichts weiter gehört hat. In Moskau selbst wurde die Gegenrevolution bald unterdrückt; auch in einigen anderen Städten blieben die Bolschewifi siegreich. Dagegen behauptete sich in Sibirien die von den Ententemächten geleitete Gegenrevolution der Tschecho= slowalen, und jetzt hat auch Japan, nach einer Verständigung mit Nordamerika, mit der Intervention begonnen. Auch am Eismeer, im Murmangebiet, ist die Gegenrevolution der Entente siegreich. Wie für die Volfsernährung Sibirien als Korntammer Zentralrußlands wichtig ist, so ist es die Murmanküste des Seefischreichtums wegen. Außerdem hat die Murmanküste dadurch eine hohe politische und wirtschaftliche Bedeutung, daß die dortigen ( erst in großer Entwicklung befindlichen) Häfen so gut wie eisfrei sind und die Schiffahrt das ganze Jahr hindurch gestatten. Die Lage ist also für Zentralrußland und damit für die jezige Regierung sehr ernst. In der Ukraine wurden Minister der früheren Rada, die der sozialrevolutionären Partei angehören, von einem deutschen Feltgericht zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Vor nicht langer Zeit hatte diese Regierung mit Deutschland den Frieden geschlossen und, da sie mit den Bolschewisten nicht fertig wurde, deutsches Militär zu Hilfe gerufen. Dadurch haben diese Minister die völkerrechtliche Möglichkeit zu ihrer jezigen Verurteilung selbst schaffen helfen. Ein allgemeiner Eisenbahnerstreit in der Ifraine fonnie durch Gewaltmaßnahmen der Eisenbahnverwaltung und der dentschen Behörden nicht unterdrückt werden. Trotz des vermehrten Wirrwarrs und trotz des verstärkten Kriegsgeschreis ist aber die Stimme der Vernunft, die den Frieden als die einzige Rettung Europas betrachtet, nicht ganz untergegangen. Der unermüdliche Vorfämpfer für die Verständigung der internationalen Arbeiterschaft, der holländische Genosse Troelstra hat, da ihm durch die Paßverweigerung der englischen Regierung die Möglichkeit einer mündlichen Aussprache genommen war, einen offenen Brief an den Genossen Henderson in England gerichtet. Ihm erscheint die Entscheidung auf dem Schlachtfeld ebenso eine Unmöglichkeit wie ein Unglück, weil der endgültige Sieg der einen Partei einen Frieden der Gewalt( als den er auch den Frieden von BrestLitowsk betrachtet) mit sich brächte und damit immer wieder der Militarismus gestärkt, der Keim zu neuen Kriegen gelegt würde. Er hält eine internationale Sozialistenkonferenz für den einzigen Weg, eine Verständigung anzubahnen, und fordert die EntenteSozialisten auf, ihre Regierungen zu bestimmen, daß sie die Päffe zu einer solchen Konferenz erteilen. Das proletarische Ziel müsse die Gründung eines Völkerbundes sein. Vemerkenswert ist auch ein Artikel der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", in dem sich Oskar Müller mit der Frage des Völkerbundes beschäftigt und sagt, das Nr. 23 Die Gleichheit es heute in England unzweifelhaft viele aufrichtige Bekenner der Völkerbundidee gibt. Zu diesen zählt unter anderen Grey, der ehemalige Staatssekretär des Auswärtigen, und Henderson. In Frankreich gab der Kongreß der Confédération Générale du Travail seinen entschiedenen Friedenswillen kund, und im englischen Oberhaus hielt Lord Wimborn eine Rede, welche die englische Kriegspolitik verurteilte. Dagegen ist in Italien der Sozialistenkongreß verboten worden, und aus dem Vatikan kommt die Meldung, daß der Papst jetzt keine Friedensaktion zu unternehmen beabsichtige. In Österreich ist die Krise vorläufig erledigt, indem an Stelle des Ministerpräsidenten Dr. Seidler der Freiherr v. Hussarek getreten ist, dem die Mehrheit die Kredite und das Budget bewilligte, und der es allen recht zu machen versprach. Vorläufig ist das Abgeordnetenhaus nach kurzer Tagung, so wie andere Abgeordnetenhäuser auch, in die Sommerferien gegangen. Aufsehen hat die Enthüllung des württembergischen Finanzministers Pistorius gemacht, wonach durch Steuerhinterziehung der Striegssteuer für 1916 dem Reiche 3 Milliarden entgangen sind. Die Kriegsgewinnler verstehen nicht nur Geld zu machen, sie verstehen auch es zu behalten. Am 27. Juli brachte der„ Vorwärts" einen Aufruf des Reichsverbandes zur Betämpfung der Sozialdemokratie an die Öffentlichkeit, aus dem zur Genüge klar wird, welchen Kampf die deutsche Arbeiterklasse jetzt schon und nach dem Kriege im Innern zu führen hat. Dieser Kampf, bei dem wir finanziell die weit Schwächeren sind, kann nur gewonnen werden durch Einigkeit der Arbeitermassen. Wird der Bruderkampf in der eigenen Partei fortgeführt, so haben die Gegner leichtes Spiel, und wir errichten dann auf den Trümmern der alten Welt keine neue. Klara Bohm- Schuch. Die Schwangerenfürsorgestelle. In die bestehenden Fürsorgeeinrichtungen für Mutter und keind fügte man an vielen Orten eine Schivangerenfürsorge ein. Da ich selber in Berlin- Weißensee mit der Einrichtung und Durchführung einer solchen Fürsorge betraut wurde, möchte ich etwas über diese Arbeit und wie ich sie mir denke berichten. Unsere Frauen sind zurzeit zum größten Teil blutarm und ent= fräftet. Sie leiden, darum mehr unter der Zeit der Schwangerschaft als bisher, und es ist notwendig, ihnen ihre Lage nach Möglichkeit 鳳 Feuilleton Der Erde Paradies und Hölle Liegt in dem Worte Weib. * Was hätt ein Weiberkopf erdacht, das er Nicht zu beschönen wüßte! Die Erfüllung. Von Edgar Hahnewald. Seume. Lessing. [ Nachdruck verboten.] r pflückte einen der sperrigen Zweige von dem Strauche En betrachtete die zierlichen Zrüchte des Pfaffenhütcheng. Die Form verglich er mit winzigen, runden, vierteiligen Brötchen. Bei manchen waren die weichfleischigen Schalen schon aufgesprungen und ließen die glänzend feuchten Kerne sehen, deren fattes Drange fein zu dem stumpfen, seidig schimmernden Rosa der Schalen stimmte. Er hielt den Zweig auf das Feldgrau feines Waffenroces und betrachtete lächelnd das Farbenspiel. Welkes Laub raschelte. Er wandte sich um und verhielt sich sofort ganz ftill, um die Amsel nicht zu verscheuchen. Der Vogel wühlte den mattbunten Teppich auf und kehrte die bedeckt gewefenen, feucht modernden Blätter nach oben. Das Rascheln des Laubes wisperte heimlich in die Stille. Da sah der Vogel ihn, wendete das Köpfchen prüfend so und so und beäugte den Menschen mit großen, schwarzen Augenperlen. Dann flog er auf und strich tief durchs Gesträuch. Das hell warnende Zütühzüküh!" berklang tief im Walde. Der Soldat lächelte dem ängstlichen Vogel nach, ließ den Pfaffenhütchenzweig zwischen zwei Fingern hin und her schnellen und sah noch einmal mit einem schweifenden Blick in das präch179 zu erleichtern, da man sie ihnen nicht wesentlich verbessern kanu. - Die Schwangerenfürsorge muß sich aus pflegerischer( wirtschaftlicher) Beratung und Hilfe, aus ärztlicher und aus rechtlicher Beratung zusammensetzen. Vielleicht wird die letztere zunächst am wenigsten in Betracht kommen. Auf keinen Fall aber kann die ärztliche Beratung entbehrt werden. Ebenso wichtig sind Hausbesuche, die, wenn sie von der Schwester, die dem Arzt in der Sprechstunde zur Seite steht, ausgeführt werden, ein Band zwischen den Sprechstundenbesucherinnen und dem Arzt und der Schwester sein werden. Es ist wichtig, daß eine erfahrene Frau oder Schwester die Arbeit übernimmt, denn in ihrer Hand ruht zum großen Teil die Entwicklung der Fürsorgestelle. Gewinnt sie das Vertrauen der Frauen, so wird die Arbeit der Fürsorgestelle einen wichtigen Platz einnehmen, denn sie ist der Anfang einer geregelten Fürsorge. Die Wichtigkeit dieser Fürsorge zeigt sich am besten in der Arbeit. In unserem Vorort, der ungefähr 56000 Einwohner umfaßt, famen in den ersten 6 Monaten etwas über 100 Schwangere zu den Sprechstunden, für zwei Drittel der Frauen war ärztliche Beratung notwendig oder wurde von ihnen erbeten, 50 Prozent blieben in dauernder pflegerischer Aufsicht. Da der neueingerichteten Fürsorgestelle der Gemeinde von nun an die Zuweisung der für Schwangere bewilligten Nährmitteln zusteht, wird sich der Besuch in den Sprechstunden sehr steigern. Es darf nicht eine bloße Scheinausgabe werden, sondern muß ein Mittel werden, die Schwangeren zur Benußung der Einrichtung zu führen. Es ist selbstverständlich, daß sich bei den Hausbesuchen vielfach Verhältnisse zeigen, die ganz dringend nach Abhilfe verlangen. Hat die Gemeinde oder Stadtverwaltung die Fürsorgestelle eingerichtet, so wird ein Weg der Hilfe für viele Notstände zu finden sein. Hierzu gehört vor allem die Beschaffung von Kinderwäsche, die Reglung von Wohnangelegenheiten, die Unterbringung der Kinder in der Zeit der Niederkunft, die Sorge für geeignete Pflege für die Mutter selber in der Zeit der Entbindung. Auch die Erledigung der Krankenkassenfrage und der der Wochenhilfe wie des Stillgeldes kann mit zu den zugehörigen Aufgaben gerechnet werden. Haben die schwangeren Frauen Vertrauen zu der Fürsorgestelle gewonnen, so wird deren Einfluß sich auch noch weiter ausdehnen. Die jungen Mütter, die in der Regel 4 bis 6 Wochen nach ihrer Niederkunft noch einmal zum Bericht und zur Schlußuntersuchung zum Arzt und zur Schwester kommen, können dann den weiteren Fürsorgestellen für Mutter und Kind überwiesen werden. Schwester Lotte Möller, Berlin- Weißensee. tige Bild. Tief drunten, immer von neuem das Auge fesselnd und heimliche Sehnsucht weckend, zog der Strom in silbergleißenden Windungen, in die nun schon die matten Dpalfarben des Abends hereinschimmerten. Die Ebene und drüben die ferneren Höhen lösten sich in leichten Duftgebilden auf. Und über der breit gelagerten Stadt schwebte ein gar nicht häßlicher Dunstschleier, über dem die vielen Türme so ohne alle Schwere blieben. Auf der Höhe aber, um ihn, verklärte noch der zartrosige Schimmer des Abends die verhaltene Stille. Die herbstlich glühenden Bronzefäulen der Pappeln, das rieselnde Blattgold der Birken, das leuchtende Weinrot des Kirschenlaubes, das tiefgesättigte Grün der Stiefern, und alle diese Farben unterlegt vom Abendgrau des Himmels und dem matten Fahlgelb des Grases Grases das war ein fostbarer Rahmen, in dem das Bild des Tales mit Strom, Stadt und fliehender Ferne noch einmal so zart und duftig stand. Der Soldat trank sich froh und satt daran. Die melancholische, tausendmal getötete Sumpflandschaft irgendwo im tiefen Rußland trat vor seine Erinnerung. Die letzten triefenden Regentage im Graben, an denen das alles um so viel trauriger war aber das dauerte noch lange, ehe er dorthin zurückmußte. Acht volle Tage noch! Er drückte in überwallendem Glücksgefühl die Hände zu Fäusten, mochte aber die Stille um sich mit keinem Laut stören. Leichte Schritte knisterten hinter ihm. Da ging ein junges Mädchen, und während er ihm entgegensah, trafen sich ihre Blicke leicht, für eine Sekunde nur, aber mit jener hauchzarten Sympathie, die zwischen fremden Menschen beim ersten Begegnen zu sagen scheint:„ Du gefällst mir!" Er sah dem Mädchen nach, bis das schwarze Kleid hinter dem filbergrauen Gerank der Zaunreben versant und nur noch 180 Die Gleichheit Eine Zentralwaschanstalt für Minderbemittelte.* Unter den Lehren, die der Krieg uns eingehänimert hat, steht obenan die von der Notwendigkeit der Ökonomie der Kräfte. Das sparsame und pflegerische Wirtschaften mit Menschen und Gütern wird weit in die Friedenswirtschaft hinein und, wenn die Lehren dieses Krieges nicht verloren sein sollen, für alle Zeit der gesamten Volkswirtschaft das bestimmende Gepräge geben. Es wird sohin eine vornehmste Aufgabe auch der Verbrauchswirtschaft sein, durch arbeit- und zeitsparende Mittel und Methoden der Betriebs- und Lebensführung diese sparsame und pflegerische Handhabung der Menschenkräfte und der Güter herbeizuführen. In diesem Sinne ist auch die Einrichtung zu werten, von der im folgenden die Rede sein soll. Die steigende Kohlen- und Waschmittelnot, die besonders den erwerbstätigen Frauen die Besorgung der Hauswäsche zu einer oft unlösbaren Aufgabe gemacht hatte, veranlaßte den Nationalen Frauendienst in Frankfurt a. M. zur Gründung einer Waschanstalt, deren Leistungen ursprünglich ausschließlich für erwerbstätige Frauen, insbesondere solche der Rüstungsindustrie gedacht waren. Der„ Fürsorgekommission für Frauen" wurden einige tausend Mark Betriebskapital überwiesen. Am 1. Oktober 1917 trat die neue Einrichtung ins Leben. Annahme und Ausgabe der Wäsche erfolgten in einem Bureau, die Wäschesortierung an dritter Stelle. Die Reinigung der Wäsche wurde vom städtischen Schwimmbad übernommen. Der Preis war für Waschen und Rollen ( Bügeln war von vornherein ausgeschlossen worden) auf 19 Pfennig für das Pfund festgesetzt worden. Abholen und Bringen der Wäsche erfolgte zuerst mittels Kraftwagen, dann durch Handfarren, die durch Ausläufer geschoben und von hilfsdienstpflichtigen Schülern begleitet wurden. Der Betrieb war als kriegswichtig erklärt und in ihm neben drei besoldeten Arbeitskräften vier männliche unbezahlte Hilfsdienstpflichtige für Verivaltung, Buchführung usw. angestellt. Nach verhältnismäßig furzer Zeit stellte sich indessen die Unzweckmäßigfeit und Unwirtschaftlichkeit des Betriebes in der vorliegenden Form heraus. Neben mancherlei inneren Betriebsschwierigkeiten in bezug auf Sortierung, Kontrolleinrichtungen usw. erivies sich be* Für alle tatsächlichen Angaben der folgenden Darlegungen bin ich Frau M. Lüttke, der ehrenamtlichen, mit unermüdlicher Hingabe und Gewissenhaftigkeit ihres Amtes waltenden Leiterin der Waschanstalt zu großem Danke verpflichtet. H. F. Nr. 23 sonders das Abholen und Zurückbringen der Wäsche als untunlich. Ungenügende Adresseangaben, mehr aber noch der Umstand, daß die Boten die meist erwerbstätigen Frauen nicht zu Hause trafen und die Wohnungsnachbarn es aus leicht begreiflichen Gründen ablehnten, die Verantwortung für die richtige übermittlung eines heute so unschäzbaren Gutes zu übernehmen, vorkommende Verwechse= lungen usw. führten zu Verzögerungen, Ungenauigkeiten und Streitigkeiten.„ Der persönliche Verkehr zwischen Kunden und Bureau erwies sich als unumgänglich. Bureau und Sortierstelle mußten Hand in Hand arbeiten und in gemeinsamen Räumen liegen. Die Sortierstelle bedurfte einer bis ins einzelne durchdachten Sondereinrichtung. Die Ermittlung des Wäschepreises nach Gewicht, als Vereinfachung gedacht, wirkte lediglich erschwerend, da die einzelnen Stücke ohnehin gebucht und übergeben werden müssen." Mit dem technischen verband sich der finanzielle Mißerfolg. Die bescheidenen Mittel, die zur Verfügung gestanden hatten, waren aufgebraucht, als man nach sechswöchigem Bestehen diesmal unter fachmännischer Leitung eine grundstürzende Änderung der Betriebsweise vornahm, die sich in der Folge bewährt hat und bis zur Stunde beibehalten ist. Herr S. Schönthal, der Inhaber einer Großwäscherei, stellte sich in dankenswerter Weise für die Neueinrichtung wie auch für die Einschulung und überwachung des Personals zur Verfügung. Nach seiner Angabe wird nun in folgender Weise verfahren: Die Wäsche wird von den Kunden oder ihren Angehörigen gebracht, vor deren Augen gezählt und mit einem die ermittelte Zahl enthaltenden Bettel versehen, dessen Duplikat dem Kunden übergeben wird. Darauf wird sie in den Sortierraum gebracht, nach Stück- und Sortenzahl in ein Buch eingetragen und mit chemischer Tinte gezeichnet. Dort werden auch gleich die Einzelpreise vermerkt. Die sortierte Wäsche wird sodann dem nahegelegenen Schwimmbad zum Waschen übergeben. Hier erfolgt die Bezahlung nach Gewicht. Jrgendeine Verantwortung für Beschädigung oder Verlust wird seitens des städtischen Schwimmbades nicht, wohl aber von der Waschanstalt dem Publikum gegenüber übernommen. Die gewaschene und gerollte Wäsche wird sortiert, kontrolliert und gebündelt. Jedes Bündel wird mit dem dazu gehörigen Zettel versehen und, nach Zeitfolge in Fächern geordnet, zur Abholung bereitgelegt. Die Lieferzeit beträgt acht Tage. Die Preise verstehen sich nach Stück. Sie halten sich ungefähr auf der Höhe der vormals gezahlten Friedenspreise und sind wesentlich niedriger als die an gewerbsmäßige Wäschereien zu zahlenden Säße. Das Bureau ist zur Annahme und Ausgabe von Wäsche an Wochentagen von 9 bis 5 1hr, Samstags und Montags bis der Federschmuck ihres Baretts über dem Gemäuer des alten singen. Wie kam er denn eigentlich gerade auf dieses alte Weinbergweges wippte und dann auch verschwand. Das alles stimmte ihn froh. Aber das war seine glückselige Urlauberfreude, die ihm nun aus allem entgegenlachte, dem er begegnete. Drunten in der Stadt blinkten die Lichter auf. Da und dort - ganz märchenhafte Blumen auf einer tiefen Schattenwiese. Und dann lange, lange Lichterreihen auf einmal- wie schimmernde Perlenketten hingen sie im Dunst. Langsam stiegen die Schatten aus dem Tale herauf. Der rosige Duft über allem erlosch, und die Herbstfarben veratmeten ihre Glut- aber dafür schmückte sich das Tal mit immer reiche rem Lichtgeschmeide. Die Stadt! Die liebte er mit einer Inbrunst, die er noch nie so begriffen. Er stand, vergaß die niedersinkende Dunkelheit um sich her und verliebte sich in seine schöne, grüne Stadt. Aber dann ging er doch. Mit schwingenden Schritten tauchte er in den Schatten des Weinbergweges hinab. Und er sang. Sang hell für sich ganz allein. Aber was er da sang! Wie man auch fragt herum, ' s bleibt alles Stein und stumm. D Himmel! Daß Gott helf! Die Uhr bleibt stehen auf elf, Und Geisterstimmen lallen: Dein Liebster ist gefallen, Dein Liebster, der ist tot! Gott lindre meine Not! Hier liegt ein Fuß, hier Armen, Ist das zum Gotterbarmen. Wie manche junge Braut, Die weinet nun so laut. Der Jüngling, den sie liebte, Jst in der Schlacht geblieben. Sein Lauf ist nun vollbracht. DJüngling, gute Nacht! Die Tochter sprach zur Mutter: Ach Gott, wo ist mein Bruder? Wo ist mein Kamerad? Fragt manicher Soldat... Gott, ist das ein trauriges Lied! Und diese Melodie, die konnte man doch unmöglich zu einem so fröhlichen Marschieren Soldatenlied... Seltsam, dachte er, das vollste Glück ist immer auch wehmütig. Unten im Tale endete der stille Weg in der Vorstadt, die noch so viel Dorfgemütliches in sich hatte. Da konnte man wahrhaftig noch eine Stuh im warmen Stall in das forsche Läuten der Straßenbahn hineinbrüllen hören. Am liebsten wäre er in die hellstrahlende Straße hineingesprungen. Aber das ging nun doch nicht. So mußte er sich begnügen, den Früchten und Gemüsen, den Kleiderstoffen, den Möbeln und den Ansichtspostkarten in den lichtübergossenen Schaufenstern ausgelassen und lächelnd zuzustimmen. Ja, er konnte das Lächeln nicht einmal verbergen, als er zwei Offiziere grüßen mußte. Die bemerkten aber gar nicht, wie froh und glücklich der Soldat war. Aber er die klingelnden Straßenbahnen, das eilende Hin und Her der Menschen, die bläulich zitternden Bogenlampen, ja sogar das Weinen eines Kindes in einem rasch vorbeigeschobenen Kinderwagen- das alles gefiel ihm und stimmte ihn ausnehmend lustig. Und dann kam der dunkle Brückenwinkel am Strom. Da standen noch die kleinen Häuser mit den Giebeln straßenwärts imd mit so winzigen Fenstern. Dort versteckte sich der alte, gemütliche Weinschank, dem er fich entgegenfreute, ohne es sich deutlich zu gestehen. Denn neben der frohen Erwartung nagte eine leise Angst, als stünde er vor der Tür des Zahnarztes. Nun zögerte er vielleicht hatte sie ihn längst vergessen und er baute Luftschlösser! Das Herz schlug ihm bis zum Halse herauf. Kurz überlegt schwenkte er ein was war dabei! Er kant als Gast. In der ländlichen Weinstube saß nur ein stiller Genießer, ein alter, gütiger Herr mit schlohweißem Haar. Nr. 23 Die Gleichheit 7 Uhr geöffnet. Beschäftigt werden zurzeit 5 befoldete weibliche Kräfte, 4 Hilfsdienstpflichtige( unbesoldet) und eine Anzahl weiblicher ehrenamtlicher Hilfskräfte. Der Zuspruch ist in ständigen Steigen begriffen. Gegenüber einem anfänglichen durchschnittlichen Einlauf von etwa 15 Familienwäschebündeln kommen zurzeit 40 bis 50 Bündel täglich zur Annahme. Das Unternehmen erhält sich selbst und konnte bereits die ihm zur ersten Einrichtung gewährten Vorschüsse zurückzahlen. Es wird voraussichtlich in Zukunft bescheidene Überschüsse anderen gemeinnützigen Zwecken zuführen können. Voraussetzung für diese Möglichkeit ist allerdings die fortgesette Hilfstätigkeit zahlreicher unbefoldeter Kräfte. Der Geschäftsgang ist im einzelnen der folgende: Jeder Kunde erhält eine ihm dauernd verbleibende Nummer, die seinem Namen im Nummernbuch beigefügt wird. Diese Nummer wird mit chemischer Tinte auf jedes Wäschestück aufgetragen. Dann wird weiter wie oben angegeben verfahren und endlich die Wäsche gegen Barzahlung den Kunden zurückgegeben. Kleine Irrtümer, Verwechselungen und auch Verluste sind unvermeidbar. Immerhin ist, soweit Aufklärung und Richtigstellung nicht möglich war, die Summe der geleisteten Entschädigungen trotz der überhohen heutigen Wäschepreise in sehr mäßigen Grenzen geblieben. Die anfängliche Beschränkung des Kundenkreises auf erwerbstätige Frauen, die in Grenzfällen zu Ungerechtigkeiten führen mußte, wurde fallen gelassen. Es wird nunmehr auch für alleinstehende Männer ( auch Soldaten) und für ohne Hilfe wirtschaftende Hausfrauen ge= waschen. Nur daran wird festgehalten, daß die Einrichtung ausschließlich den minderbemittelten Kreisen zugute kommt. Angenommen wird auch die kleinste Wäschemenge. Seifentarten werden nicht verlangt. über den Nutzen der Einrichtung fann fein Streit sein. So sollte man sie auch an anderen Orten ins Leben rufen und könnte das um so eher, als die Anlagekosten gering sind und selbst eine gewisse Rentabilität, wie das Frankfurter Unternehmen zeigt, denkbar ist. Voraussetzung ist freilich, daß Waschgelegenheit mit Maschinenbetrieb zur Verfügung steht, sachkundige Beratung und ehrenamtliche Hilfe zu haben ist. Endlich erhebt sich noch die Frage, ob diese Kriegseinrichtung nur als solche gelten oder auch in die Friedenswirtschaft übernommen werden sollte? Sie ist zweifellos zu bejahen. Wir müssen mit einer in weitem Umfang auch auf die Hausfrauen ausgedehnten weiblichen Erwerbstätigkeit auf lange hinaus rechnen. So muß alles Der Soldat hängte seine Müge mit Schwung an den Haken, strich sich mit beiden Händen übers Haar, lachte seinem eigenen, frischen Gesicht im spiegelnden Glase eines dunklen Bildes zu und setzte sich an einen Tisch allein. Es machte ihm Vergnügen, die kleine Weinkarte zu studieren, obwohl er doch nur beim Echoppen blieb. Dann schaute er zu dem Mädchen auf, das auf eine Bestellung wartete und ihm überrascht prüfend ins Gesicht sah. Und hastig verlegen, alles verloren gebend, bestellte er einen Schoppen. ,, Rot?" fragte die Kellnerin und lächelte vertraut, ,, Rot!" betonte er vergnügt. Als die Kellnerin die Flasche brachte und ihm einschenkte, sah er nur ihre Hand, die sich so leicht im Gelent bog. Dann sah er zu ihr auf da sanken beider Blicke in einer Sekunde frohesten gegenseitigen Erkennens zusammen, ein Gefühl, das beide überraschte und beide verwirrte. Eine Glocke schellte. Das Mädchen ging rasch. Ihm ward ihre gefällige, jugendliche üppige Gestalt bewußt, wie sie da ging, und in einer unruhigen Freude, über die er gar nicht nachdachte, wartete er darauf, daß sie wiederkommen möchte. Er lehnte sich in den Stuhl zurück und kostete die ganze Fülle des Lebens aus. Alles gehörte zu dem föstlichen Glücksgefühl dieser Stunde - das dunkle Erlebte, das hinter ihm lag, die schmucke Gemütlichkeit dieser Holzgetäfelten Stube, das Wohlbehagen, reine, leichte Wäsche auf dem gebadeten Körper zu tragen- und auch das dämmerige Vorgefühl des Abschiednehmenmüssens von all dem. Das Mädchen... was für Augen sie hatte! So klar, so ganz eigentümlich flar waren sie und so hell, als käme sie eben gut ausgeschlafen und munter in die Welt. Vor diesen 181 geschehen, was die daraus zu erwartenden Hauswirtschaftlichen Unzuträglichkeiten und Härten wenn nicht aufheben, so doch mildern kann. Die Verlegung der Hauswäsche in die Zentralwaschanstalt gehört mit zu diesen Erleichterungen. Freilich muß dann die Einrichtung entsprechend ausgebaut werden. In diesem Sinne wäre zunächst eine Dezentralisation der Waschgelegenheit zu fordern. Von dem Holen und Bringen der Wäsche durch Organe der Waschanstalt wäre auch künftig aus den zu Eingang angeführten Gründen abzusehen. Um aber dies Holen und Bringen für den Einzelhaushalt bequemer zu machen, sollten in verschiedenen Stadtteilen kleinere derartige Wäschereien eingerichtet werden. Das könnte entweder durch übernahme und Ausbau bestehender Privatbetriebe oder in Anlehnung an städtische Schwimmund Badeanstalten geschehen. Weiter dürfte es sich empfehlen, gegen eine entsprechende Erhöhung des Stückpreises auch das Bügeln zu übernehmen, und für ganz besonders glücklich würde ich es halten, wenn von Fall zu Fall nach Maßgabe der verbrauchten Arbeitszeit bemessene Bezahlung auch das Ausbessern der Wäsche mit übernommen würde. Damit könnte ein wichtiges Stück Hauswirtschaftlicher Reform verwirklicht werden. Von der häufig mangelnden Schulung ganz abgesehen, haben die im Erwerb stehenden Frauen meist nicht die Zeit, die pflegliche Behandlung der Wäsche und Kleidung in geeigneter Weise durchzuführen. Wie viel aber von der pfleglichen Behandlung des Hausrates abhängt, das haben uns die Kriegstage deutlich gemacht. Es hängt aber auch für das Behagen und die Zufriedenheit der Familie unendlich viel davon ab, daß alles inr Haushalt sauber und ordentlich bleibt, auch wenn die Hausfrau die von ihr früher geübten Pflichten unterm Druck der Not nicht mehr im alten Umfang erfüllen kann. Darum sind Einrichtungen wie unsere Waschanstalt zu begrüßen und entsprechend zu fördern und auszubauen. Und wenn auch nach dem Krieg auf die ehrenamtliche Arbeit in der Hauptsache verzichtet werden muß, so sollte und kann doch der gemeinnügige Charakter solcher Veranstaltungen erhalten bleiben. Wir dürfen darauf vertrauen und es hat sich noch immer erwiesen, daß sich bei uns allewege Menschen und auch Geld finden, die sich unter Verzicht auf Eigennugen oder überschüsse in den Dienst der Allge= meinheit stellen. Henriette Fürth. Selbsterfinden ist schön; doch glücklich von andern Gefundenes Fröhlich erkannt und geschätzt, nennst du das weniger dein? Goethe. Augen mußte wohl jedermann am liebsten lachend„ Guten Morgen" sagen auch am Abend noch. Er spielte mit dem Pfaffenhütchenzweig auf dem Tische. Da fühlte er den Blick des alten Herrn auf sich ruhen. Er sah hinüber, und jener, als habe er schon lange ein Gespräch anknüpfen wollen, fragte mit hörbarem Wohlwollen: „ Sie kommen aus dem Felde?" Der Soldat bejahte. ,, Aus dem Westen?" ,, Nein Diten." Er antwortete farg. Er hatte nie weniger Lust als eben jetzt, von den Dingen da draußen zu sprechen. Aber der gute alte Herr fragte und erzählte unbeirrt. Dabei funkelte die goldgefaßte Brille vor seinen freundlichen Augen, und der alternd zusammengefniffene Mund lächelte so gütig. Aus seinen Worten klang der Stolz und die Sorge eines Vaters, der seinen Sohn draußen hat da fand der Soldat nicht den Mut, einfach unhöflich zu sein. Der alte Herr stand auf und bot ihm seine Zigarrentasche an. Der Soldat bediente sich dankend, und nun wollte sich der alte Herr noch eifriger unterhalten. Unterdessen war die Kellnerin hereingetreten. Sie stand schmuck in schwarzem Kleid und weißer Schürze an einem der Tische und hörte den beiden Männern zu. Der Soldat hob einmal, unmerklich für den alten Herrn, sein Glas und trank ihr zu. Sie dankte mit einent leisen Blick, und weil das so gar nicht fellnerinnenhaft geschah, verbarg sie kaum eine Verlegenheit. Sie hat blondes Haar, dachte der Soldat, ganz weiches und aschblondes. Dabei hörte er zerstreut dem alten Herrn zu. ( Schluß folgt.) Wie weit die kleine Kerze Schimmer wirft, So scheint die gute Tat in arger Welt. Shakespeare. 182 Die Wahlen in Dänemark. Die Gleichheit Nr. 23 Am 30. April wurden 2979 Wahlmänner gewählt, wovon etwa 400 Frauen. Am 11. Mai traten die Wahlmänner zusammen in den Der Zeitschrift für Frauenstimmrecht" entnehmen wir folgenden sechs Landsthingskreisen, worin das Land geteilt ist, und wählten Bericht über die dänischen Wahlen: Dänische Frauen haben an der ersten Wahl teilgenommen. Die politischen Konjunkturen haben mit sich geführt, daß dänische Frauen mitten im lärmenden Weltkrieg politisch frei geworden sind. Sie haben im vierten Jahre des Weltkriegs ihre Feuertaufe als politische Wähler erhalten. Laut dem neuen Wahlgesetz ist das Volksthing um 26 neue Mandate( jetzt somit im ganzen 140) und das Landsthing um 6( jetzt somit im ganzen 72) erweitert worden. In den Einzelwahlkreisen außerhalb der Hauptstadt wurden keine Frauen gewählt, in der Hauptstadt, wo man nach Proportionalwahl wählt und auf Listen stimmt, wurden drei Frauen, beziehungsweise von der radikalen, sozialdemokratischen und der konservativen Partei auf sichere Stellen gesezt. Außerdem hat eine Wahlart, die in Verteilung von Zusatzmandaten über das ganze Land an diejenigen Parteien, die im Verhältnis zu ihrer Stimmenzahl innerhalb der Einzelfreise nicht gerecht vertreten worden sind, verursacht, daß einer vierten Frau, Mitglied der konservativen Volkspartei, eins tieser Zusagmandate gesichert worden ist. Die vier Gewählten sind: Mitglied der radikalen Partei, Elna Munch, verheiratet mit dem jetzigen Seriegsminister, Mitglied des Voltsthings Peter Munch. Frau Munch ist bekannt durch ihre Arbeit für das Frauenivahlrecht, sie ist außerdem Mitglied der Kopenhagener Kommunalverwaltung. Mathilde Malling Hauschultz ist ein ganz neuer Name innerhalb der konservativen Volkspartei, sie ist Obergerichtsanwalt. Das zweite Mitglied innerhalb derselben Partei ist die ehemalige Volfsschullehrerin Karen Ankersted. Sie sitzt schon seit einer Reihe von Jahren in der Frederiksberger Kommunalverwaltung( Stopenhagener Nachbarkommune) und wird ständig von ihrer Partei wiedergewählt. Die Sozialdemokratie hat die Stadtverordnete Helga Larsen in das Thing gesetzt. Sie hat durch Organisieren ihrer Kolleginnen, der Brauereiarbeiterinnen, eine große Arbeit geleistet. 4 Size von 140 hat man also an Frauen abgetreten. Zum Landsthing, das durch indirekte Wahlen( Wahlmänner) gewählt wird, haben alle fünfunddreißigjährigen Männer und Frauen Wahlrecht. Es ist von Danst Kvindesamfund eine energische Arbeit ausgeführt worden, um Frauen als Wahlmänner gewählt zu beTommen und um Frauen ins Landsthing zu setzen. Chinesische und japanische Kinder. Von Elfriede Schäfer. Sowohl in China als in Japan gilt es als durchaus erstrebenswert, daß eine Ehe mit Kindern, gesegnet werde. Spielen doch in beiden Ländern diejenigen religiösen Bräuche eine große Rolle, in welchen die Kinder ihren verstorbenen Eltern opfern müssen und dadurch zu deren Seligkeit beitragen. Ferner haben die Kinder, wenn sie erwerbsfähig geworden sind, die Pflicht, ihre alten Eltern zu versorgen. Es ist noch nicht allzu lange her, daß in Japan das Eigentum verstorbener kinderloser Eheleute an den Staat zurückfiel. In China ist die Kinderlosigkeit einer Gattin oft der Grund, daß der Ehemann eine andere Frau nimmt. Oft helfen sich kinderlofe Leute auch dadurch, daß sie fremde Kinder adoptieren, die dann Rechte und Pflichten gegen die Pflegeeltern übernehmen, als wären sie deren leibliche Kinder. Ist der Wunsch nach dem Kinde in beiden Ländern aus ähnlichen Gründen gleich rege, so ist die Art der Erziehung und Behandlung der Kleinen in China und Japan wesentlich verschieden.. Das chinesische Kind hat im allgemeinen eine wenig rosige Kindheit. Kommt es als Knabe zur Welt, so erregt sein Erscheinen zwar große Freude( die Geburt eines Mädchens wird dagegen oft geradezu als Unglück betrachtet), es werden den Göttern Dankopfer gebracht, an die Freunde werden rotgefärbte Gier verschenkt, die wieder Gegengeschenke erfordern, Familienfeste werden gefeiert, und alle möglichen Bräuche und Sitten werden erfüllt. In den ersten Kindheitsjahren spielt das chinesische Kind meiſt für sich im Hause mit seinem wenigen und sehr zerbrechlichen Spielzeug aus Ton oder Papier. Die Mutter denkt nicht daran, mit ihrem Kinde zu spielen, noch weniger der Vater. Ist der Snabe etwas größer geworden, so vergnügt er sich wohl mitunter mit seinen Altersgenossen auf der Straße. Auf Bildern spielender chinesischer Kinder finden sich sogar Spiele, die lebhaft an die unsrigen erinnern. Da ist das Kreisspiel, da sind Kinder, die beim Spiel in die Hände klatschen, andere, die Tiere nachahmend auf allen vieren kriechen, wieder andere, die, einander die Augen die 72 Landsthingsmitglieder, von denen 5 Frauen sind. Die radikale Linkspartei wählte Marie Hjelmer, bekannt durch ihre Arbeit für das Frauenwahlrecht und als Frauenrechtlerin auch nach Erreichung des Wahlrechts. Die sozialdemokratische Partei, die zusammen mit der radikalen Bartei der Linken die Regierungspartei bildet, hat Magister Nina Bang ins Thing gesezt. Sie ist die Witwe des verstorbenen Mitglieds des Volksthings Dr. phil. Gustav Bang und sicher eine ausgezeichnete Stüge für ihre Partei. Die Partei der Linken, die keine einzige Frau ins Boltsthing ge= setzt hatte, setzte drei Frauen ins Landsthing, nämlich Kommunalverwaltungsmitglied Olga Knudsen, Inger Schmidt, die be= sonders von ihrer Arbeit im Dienst des Christentums bekannt ist, und die Lehrerin Marie Christensen, eine Schwester des einflußreichen Führers der Partei, Mitglied des Volksthings J. C. Christensen. Als Ersatzpersonen findet man bekannte und tüchtige Frauenrechtlerinnen, wie zum Beispiel Fabrikinspektor Julie Arenholt, Augenärztin Estrid Hein, Journalistin Andrea Brochmann und andere. Von allen Seiten wird anerkannt, daß die Frauen fleißig gestimmt haben, und daß dies vor allem der Agitation der Frauenbewegung unter ihnen zuzuschreiben ist. Wenn sich nun auch die organisierte Frauenbewegung nicht absolut zufrieden mit dem Resultat der Wahlen erklären kann, so erkennt sie doch die Schwierigkeiten für die Parteien, sowie an der ganzen Lage überhaupt an und bereitet sich zur kräftigen Weiterarbeit vor unter der Devise: Das Wahlrecht ist nicht die Lösung der Frauenfrage es ist nur ein Mittel, fie zu lösen. Der Wahlrechtsbund dänischer Frauenvereine. Eline Hansen. Th. Daugaard. Vom Fortgang des Frauenrechts Das Frauenwahlrecht vor dem Badischen Landtag. Aus Mannheim wird uns geschrieben: Im Badischen Landtag wurde im letzten Tagungsabschnitt von den Fraktionen der Sozialdemokratie und der Fortschrittlichen Volfspartei die Verleihung des politischen und kommunalen Wahlrechts an die Frauen beantragt. zuhaltend, raten, und solche, die Blindekuh spielen. Im allgemeinen jedoch wird in China das frische, bewegte Spiel wenig betrieben. Wettlaufen, Klettern, Sport werden vernachlässigt. Sehr früh beginnt für das chinesische Kind die Arbeit, besonders auf dem Lande, wo es zu allen möglichen Hilfeleistungen herangezogen wird. Während das Landkind vom Lernen zumeist verschont bleibt, weil es auf dem Lande wenig Schulen gibt, ist das Stadtkind mit seinem siebenten Lebensjahr der Schule verfallen, das heißt es muß nun in einer der kindlichen Auffassungsgabe wenig entsprechenden Art mechanisch auswendig lernen und Schriftzeichen durchpausen( es gibt deren in dem ersten Buche, welches der Lehrer den kleinen gibt, 500 verschiedene!). Die chinesische Schule ist traditionell und dem Fortschritt abgeneigt. Ein Klassensystem besteht nicht, verschieden weit entwickelte Kinder werden zufammen unterrichtet. Dazu kommt, daß die Schriftsprache den Kindern anfangs absolut fremd und die Erlernung der Schriftzeichen sehr schwierig ist. Ferien gibt es nicht, ebensowenig wie regelmäßige Ruhetage. Man kann aus alledem ersehen, daß der chinesische Knabe kein beneidenswertes Dasein führt. Noch schlechter geht es dem Mädchen in China. Da die Mädchen die religiösen Opfer für die Eltern nicht bringen dürfen, werden fie oft nur als Last empfunden. Man setzt sie häufig gleich nach der Geburt aus oder verkauft sie. Im Haushalt werden sie von früh auf zur Arbeit verwendet, den Schulunterricht läßt man sie selten genießen, so daß ihnen jede geistige Anregung fehlt. In vornehmen chinesischen Familien erhalten auch die Töchter einigen Unterricht, sie dürfen nicht arbeiten, um ihre gepflegten langen Nägel zu schonen, und werden schon als ganz kleine Kinder„ verschönert", indem man ihre Füße zusammenpreßt, um die beliebten „ Lilienfüßchen" zu erzielen, jene in China bewunderten Klumpfüße, die den Frauen ein normales Gehen unmöglich machen und sie zeitlebens zum unsicheren Humpeln zwingen. Mit zwölf, dreizehn Jahren werden die Mädchen verheiratet, was ihrem Vater, zumeist eine Art Kaufsumme von seiten des Bräutigams einbringt.„ Wer Töchter aufzieht, hofft auf reiche Schwiegersöhne", ( Schluß folgt) sagt ein chinesisches Sprichwort. Nr. 23 Die Gleichheit In überzeugender Weise vertraten die sozialdemokratischen Abgeordneten Marum und Strobel und der Abgeordnete Muser von der Fortschrittlichen Volkspartei die Notwendigkeit der Gewährung des Wahlrechts an die Frauen, wobei sie deren hervorragende Leistungen während des Krieges gebührend würdigten. Dagegen lehnten Zentrum, Konservative und Nationalliberale es ab, den Frauen das Landtagswahlrecht zu geben. Mehr Hoffnung bestand ursprünglich für die Frauen, das kommunale Wahlrecht zu erreichen, da selbst die Nationalliberalen einen entsprechenden Antrag stellten. In der Kommission für Justiz und Verwaltung wurde mit Mehrheit beschlossen, daß den Frauen in den Städteordnungsstädten das kommunale Wahlrecht verliehen werden solle. Der Landtag lehnte diesen Antrag jedoch mit 25 gegen 21 Stimmen ab. Schuld daran sind lediglich die Nationalliberalen, da sich von diesen mehrere Herren vor der Abstimmung entfernten, um dadurch den Gegnern des Frauenwahlrechts, dem Zentrum und den Konservativen eine Mehrheit zu sichern. Somit brachten die Nationalliberalen einen Antrag, den sie selbst mitgestellt hatten, in schnöder Weise zu Fall. Die Einwände, die die Gegner geltend machten, sind die alt= bekannten: die Frau gehöre ins Haus und habe Kinder zu gebären. Ein fonservativer Abgeordneter meinte, für die Frauen gelten die drei„ K“: Kinder, Küche und Kirche. Leider schloß sich dieser Auffassung die Regierung an, obwohl sie wiederholt die besonderen Leistungen der Frauen öffentlich anerkannte. Außerdem wurde eingewandt, daß die Frauen selbst das Wahlrecht nicht wollten. Von den Befürwortern des Frauenwahlrechts wurde diese rückständige Auffassung in sehr scharfer Weise zurückgewiesen, leider ohne Erfolg. Daß es unwahr ist, als wollten die Frauen das Wahlrecht nicht, bewies eine dem Landtag zugegangene Erklärung, unterzeichnet von den Frauen der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, vom Deutschen Verband für Frauenstimmrecht und vom Deutschen Frauenstimmrechtsbund, welche die Gewährung des politischen und kommunalen Frauenwahlrechts verlangt. Außerdem fordert der badische Verband für Frauenbestrebungen und der badische Landesverein für Frauenstimmrecht in einer Petition für die Frauen das aktive und passive Tommunale Wahlrecht. Eine Versammlung nationalliberaler Frauen Heidelbergs legie dem Landtag eine Entschließung mit der gleichen Forderung vor. Trotzdem stellten die Gegner obige Behauptung auf. Der nächste Landtag hat sich mit einer Reform der Gemeindeund Städteordnung zu beschäftigen. Es wird dabei das jetzt noch Klageode. Der Sämann säet den Samen, Die Erd' empfängt ihn, und über ein kleines Wächset die Blume herauf. Du liebtest sie, was auch dies Leben Sonst mehr Gewinn hat, war klein dir geachtet; Und sie entschlummerte dir. Was weinest du neben dem Grabe? Und hebst die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde find Menschen Dahin, wie Blätter; nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher. Der Adler besuchet die Erde, Doch, säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub und Kehret zur Sonne zurück. Bücherschau Klopstock. Die freie Burg. Eine Erzählung von Robert Grumbach. Bielefelds Verlag, Freiburg i. B. 1917. Der Verfasser versucht sich an einem literarischen Abbild Ludwig Frants zum mindesten ein gewagtes Unterfangen. Mit etwas Steptizismus, der von einigen Stilschnigern genährt wird, beginnt man mit der Lektüre und gibt bald zu, daß die Darstellung gefällt. Ludwig Franks hohe Persönlichkeit, die in mehr als einer Hinficht und nicht nur äußerlich zu Vergleichen mit Ferdinand Lassalle reizt, seine Geistigkeit, die zu den größten Hoffnungen für die Zufunft berechtigte, sein tragisches Ende bieten dem Literaten eine lockende Aufgabe. Robert Grumbach löst sie nicht, so nahe er ihr auch kommt, dafür ist sein Rahmen räumlich und intellektuell zu begrenzt. Seine Darstellung ist stizzenhaft, sicherlich nicht verzeichnet, aber die Größe und den Gehalt des jungen und reiferen Frank läßt sie nur ahnen, schöpft sie nicht aus. Frants Kampf in Politik, um 183 bestehende Dreillassenwahlrecht beseitigt. Den Kreis der Wahlberech= tigten durch Verleihung des Wahlrechts an die Frauen zu erweitern, wird auch bei dieser Gelegenheit mit Energie von der sozialdemo= fratischen Fraktion verfochten werden. Den badischen Frauen stehen zwei Jahre zur Verfügung, um sich mit dieser Frage zu befassen. An ihnen wird es liegen, ihre Forderung nach Gewährung des Wahlrechts nachdrücklichst zu erheben. Vor allem ist es Aufgabe der sozialdemokratischen Frauen Badens, Anhängerinnen für die Bartei zu gewinnen, um so dem Einwand, die Frauen wollten das Wahlrecht nicht, wirksam zu begegnen. Das Verhalten des Zentrums, der Konservativen und der Nationalliberalen beweist, daß diese von den Frauen wohl erhöhte Leistungen verlangen, ihnen aber keine Rechte geben wollen, damit sie an der Gestaltung des öffentlichen Lebens teilnehmen können. Es ist damit aufs neue bewiesen, daß den Frauen ohne Kampf die volle Gleichberechtigung nicht zugestanden wird. Mögen die badischen Frauen demgemäß für ihre volle Gleichberechtigung fämpfen und nicht ruhen, bis man auch in Baden ihre Forderungen erfüllt. Das Franenwahlrecht in Ungarn abgelehnt. Unserem öfterreichischen Schwefterorgan, der Wiener Arbeiterinnenzeitung" ent nehmen wir folgende Kennzeichnung der Lage des Frauenwahlrechts in Ungarn: Graf Tisza hat gesiegt. Das Frauenwahlrecht ist abgelehnt, obwohl der Ministerpräsident Wekerle und so einflußreiche Parteiführer wie die Grafen Andrassy und Karolyi dafür waren. Als im Wahlreformausschuß die Einführung des Frauenwahlrechts gefallen war, hatte der Ministerpräsident einen neuen Antrag eingebracht, der das Frauenivahlrecht ermöglichen sollte. Dieser Antrag ist im Parlament mit 96 gegen 161 Stimmen gefallen. Gegen das Frauenwahlrecht war die Tiszasche Arbeitspartei und die kleinen Landwirte, dafür die Regierungspartei, die Andrassy und die Karolyigruppe sowie einige Mitglieder der Arbeitspartei. Es fanten noch eine Reihe von Anträgen zur Abstimmung, die ein beschränfteres Frauenwahlrecht geben wollten als der Ministerpräsident. Alle wurden mit der gleichen Stimmenzahl abgelehnt. Graf Andrassy beantragte dann, daß das Frauenwahlrecht in Form eines besonderen Gesezentwurfes noch heuer zur Verhandlung kommen solle. Über diesen Antrag wurde namentlich abgestimmt. Wieder wurden nur 96 Stimmen dafür, 156 dagegen abgegeben. Der Abgeordnete Vazsonyi hatte sich warm für das Frauenwahlrecht eingesetzt. Er verwies darauf, daß sich Frauen in allen Berufen, auch im Herrscherberuf ausgezeichnet haben. Ministerpräsident Wekerle polemijierte Weltanschauung, seine Bildung werden kaum angedeutet so enden Idylle mit tragischem Schluß. Im ganzen: ein Buch, das man gern liest, weil es gut geschrieben ist, ohne daß man davon überwältigt wird. A. Z. Behrend, Elise, Säuglingspflege in Reim und Bild. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Preis 1 Mt. Mit diesem Büchlein gibt die Verfasserin den Müttern Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln über die Pflege und Ernährung des Säuglings in zum Teil sehr treffenden kleinen Bildern und Versen. Der bekannte Kinderarzt Dr. Riehn in Hannover läßt ihm ein empfehlendes Geleitwort vorangehen, und das ist wohlverdient. Auf dem Gebiet fann es gar nicht genug volkstümlich Geschriebenes und Gedrucktes geben, vorausgesetzt, daß der Preis ein für die Massen erschwinglicher ist. Das dürfte vorliegend der Fall sein, eine Mart hat auch die wenig bemittelte Mutter sicher übrig für das so wichtige Kapitel der Pflege und Ernährung ihres Kindes.* Besonders wenn man weiß, wieviel ummüges Geld für allerhand wertlose, aber mit tönender Reklame auf den Markt geworfene Präparate infolge Unwissenheit der Mütter in die Apotheken wandert. Ich erinnere an die törichten Zahnhalsbänder, die trotz heftiger Bekämpfung noch immer viel gekauft werden von unaufgeklärten Müttern, auch dort, wo eine organisierte Säuglingsfürsorge planmäßig arbeitet. Über das Zahnen sagt die Verfasserin leider nichts, obgleich darüber vieles zu raten wäre. Im großen und ganzen hat das Büchlein meines Wissens seit seinem Erscheinen eine durchweg sympathische Aufnahme gefunden. Gewiß kann man verschiedener Meinung darüber sein, ob es richtig ist, den Müttern die Begriffe der Säuglingspflege in Versen beizubringen, die Bilder aber find durchaus einwandfrei, ich wünschte mir für meine Mutterfurse recht gern dies und jenes der Bilder zur Unterstüßung des gesprochenen Wortes. Schwester Lydia Ruchland. * Außerdem wird bei Massenbezug je nach der Zahl der bestellten Exemplare eine höhere oder geringere Preisermäßigung gewährt ( bis 50 Exemplare je 90 Pf, bis 100 je 80 Pf., bis 250 je 70 Pf., bis 500 je 60 Pf., über 500 je 50 Pf.). Redaktion der„ Gleichheit". 184 Die Gleichheit gegen das Argument, daß durch das Frauenwahlrecht die Politit in das Familienleben gezogen würde. Das Fehlen der Frau im öffentlichen Leben sei für die Sache der Kultur von Nachteil. Er crinnerte die Abgeordneten an ihre eigenen Mütter, was ihm von der Regierungspartei begeisterten Beifall eintrug. Aber alles fruchtete nichts. Die Gegner des Frauenivahlrechts waren stärker. Die Galerien waren von den Anhängerinnen des Frauenwahlrechts dicht besetzt, die sich, nachdem das Frauenwahlrecht gefallen war, lautlos entfernten. Vor der Parlamentssigung hatten sie eifrig gearbeitet, um für ihre Sache Stimmung zu machen, aber vergeblich. Die ,, ritterlichen" Magyaren sollen sogar die Abstimmung, die schon am Freitag hätte stattfinden sollen, hinausgeschoben haben, um den Gegnern die Möglichkeit zu geben, vollzählig anwesend zu sein. „ Mitteleuropa" hat sich wieder ausgezeichnet. Während in den Entente und neutralen Staaten doch Fortschritte gemacht werden, bleibt bei uns alles gut konservativ. Muß denn das preußische Beispiel immer nachgemacht werden, wenn es sich um die Reaktion handelt, während man bei der Nachahmung des Guten viel weniger fir ist? Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Nur eine Schlacht hat die Sache des Frauenwahlrechts in Ungarn verloren, die Idee lebt weiter. Keine Wählbarkeit der Frauen in England? Eine bekannte englische Tageszeitung bringt die Nachricht, daß die höheren ge= richtlichen Instanzen, denen man die Entscheidung über die Wählbarkeit der Frauen in das Parlament zugewiesen hatte, nunmehr ihr Urteil gesprochen haben, und zivar fällt es in negativem Sinne aus. Die Ansprüche der Frauen auf das aktive Wahlrecht sollen demnach auf Grund der jüngsten Wahlreform, die ihnen das passive Wahlrecht erteilte, nicht begründet sein. Diese Entscheidung ruft allgemein Erstaunen hervor, da verschiedene Frauen, unter anderen die Frauenrechtlerinnen Nina Boyle und Mary Mac Arthur, sowie Frau Philipp Snowden, die Gattin des Pazifisten und Politikers, bei den kommenden Wahlen als Mitglieder der Labour Party kandidieren wollten. Es wird allgemein angenommen, daß die Partei sich mit diesem Entscheid auch nicht zufriedengeben, sondern alles anstellen wird, um ihnen das attive Wahlrecht auf gesetzlichem Wege zu verschaffen. Bevölkerungspolitik 1. Zu einer eindrucksvollen Kuudgebung gegen den Gebär zwang, wie er in den neuen Bevölkerungsgesehen geplant ist, gestaltete sich eine Versammlung in Breslau, in welcher Abgeord neter Dr. Quard vor annähernd tausend Zuhörern sprach. Die Mehrzahl der Besucher waren Frauen, die Duards Ausführungen mit Beifall aufnahmen und ihm besonders in der Ablehnung aller Zwangsgesetze zustimmten, die sich gegen die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper wenden. Statt mit Polizeimittel soll man die Bevölkerung durch sozialpolitische Maßnahmen, Mutterschutz, Säuglingsfürsorge, Bevorzugung kinderreicher Familien, Lohnstalen nach der Kinderzahl und ähnliche Maßnahmen fördern. Im Namen der zahlreich anwesenden bürgerlichen Frauen und des Bundes für Mutterschutz" sprach Frau Karin Schumilow ihre Zustimmung zu dem Vortrag aus. Mehrere an der Debatte Teilnehmenden wandten sich gegen die rigorose Handlungsweise der Hausbesizer gegenüber finderreichen Familien. Die imposante Versammlung nahm einen sehr würdigen Verlauf. er. Ein Heim für uneheliche Mütter und Säuglinge eröffnete die Ortsgruppe Köln a. Rh. der Deutschen Gesellschaft für Mutterund Kindsrecht am 24. Juli. Es ist nur klein und bietet zirka 30 Säuglingen und 8 Müttern Unterkunft. Doch ist es ganz nach den Anforderungen der Hygiene eingerichtet, geschultes Personal ist vorhanden, und Fräulein Dr. Margrit Goldstein, Köln, hat die ärztliche Aufsicht übernommen. Daß es der Ortsgruppe möglich war, ihre bestehende kleine und mangelhafte Einrichtung so auszubauen, dankt sie der tatkräftigen materiellen Unterstützung der Kölner Familie Otto Wolf. In Aussicht genommen ist nach Kriegsende die Einrichtung eines größeren Heims. Bei der Eröffnungsfeier, an der Frau Adele Schreiber- Strieger, Brüssel, Frau Francis Stlaret, Berlin, und eine Anzahl Vertrete rinnen Kölner Frauenvereine teilnahmen, waren auch Vertreter der Behörden zugegen, so für die Stadt Köln Herr Beigeordneter Professor Dr. Strautwig. Ebenfalls erschienen waren bedeutende Ärzte und der Kölner Polizeipräsident. Fräulein 2. Rautenbach, die Vorsitzende der Ortsgruppe Stöln, fann es als Erfolg ihrer jahrelangen, unausgesetzten Bemühungen und Arbeiten buchen, daß auch die maßgebenden Behörden und Nr. 23 Kreise an der Einrichtung der Gesellschaft nicht mehr achtlos vorbeigehen. Das ist für die Kenner Kölner Verhältnisse mehr als nur ein Achtungserfolg. Volkserziehung Das Deutsche Kind. Das soll der Name und Inhalt eines Museums sein, dessen Gründung von einem Kreise weitblickender, gemeinnüßig denkender Männer gegenwärtig propagiert wird. Das Museum, das zu geeigneter Zeit unter Staats- oder Reichsaufsicht gestellt werden soll, würde solgende Ziele erstreben: 1. Die Veranschaulichung der nationalökonomischen, volfswirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Kindes für den Staat und die Gesellschaft in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 2. Die Erweckung und Sträftigung des Verlangens aller Volksschichten nach dem Kinde zur Vertiefung des Daseinszweckes und zur Erhöhung des Lebensglückes der Menschen. 3. Die Ausbreitung des Verständnisses für alle Maßnahmen, die zur Heranbildung eines geistig und körperlich gesunden Nachwuchses geeignet sind. 4. Die Schaffung und Förderung von Einrichtungen zum Wohle der deutschen Kinder. Diesen Zwecken sollen großangelegte Schauſammlungen( auch Wanderausstellungen), eine Fachbücherei, Zeitschriften, Propagandaschriften, Vortragsveranstaltungen usw. dienen. Der Deutsche Ausschuß für Kleinkinder fürsorge veranstaltet in Verbindung mit dem bayerischen Landesverband für Säuglingsund Kleinkinderfürsorge und anderen führenden konfessionellen und interkonfessionellen Organisationen Bayerns vom 23. bis 28. September dieses Jahres in München seinen dritten Lehrgang. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht diesmal die ländliche Kleinkinderfürsorge. Die Vorträge werden die wichtigsten Gebiete der Kleinkinderfürsorge unter dent Gesichtspunkt behandeln, wie sich leistungsfähige Einrichtungen der offenen und geschlossenen Gesundheits- und Erziehungsfürsorge auf dem Lande schaffen lassen unter Rücksichtnahme auf die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse bei vorHerrschendem Großgrund- oder kleinbäuerlichem Besitz oder in industrialisierten Bezirken. Anmeldungen und Anfragen sind an die Geschäftsstelle, Frankfurt a. M., Kettenhofweg 26, zu richten. Die Frau im Beruf Kleine Mitteilungen. Der Deutsche Transportarbeiterverband hat im Jahre 1917 für 109878 Berufskollegen und Kolleginnen mehr als 46 Millionen Mark an Lohnerhöhungen und Teuerungszulagen erwirkt. Auf die einzelne an den Bewegungen beteiligte Person entfällt eine durchschnittliche Erhöhung des wöchentlichen Einkommens von 8,10 Mt. Dieser glänzende Erfolg ist ein unwiderleglicher Beweis für die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation auch in der Kriegszeit und zugleich ein schlagender Beweis, was die Arbeiter zu erreichen vermögen, wenn sie gewerkschaftlich organisiert sind. Der preußische Minister des Innern hat durch einen kürzlich den Regierungen mitgeteilten Erlaß dahin entschieden, daß die Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stellvertretern unzulässig sei. Warum? Die Schaffnerin Lina Felterling aus Magdeburg ist auf dem Stendaler Bahnhof beim Zusammenstellen eines Güterzuges, wobei sie zwei Wagen zusammenkoppeln wollte, tödlich verunglückt. Sie wurde durch die Puffer gequetscht und erlitt derartige schwere Verlegungen, daß sie im Johanniter- Krankenhause zu Stendal verstarb. Frau Dr. Krisch, Medizinalprattitantin an der Greifswalder Universitätsnervenklinik hat von der dortigen medizinischen Fakultät für die Lösung der Preisaufgabe„ Die Forschungsergebnisse über die Virchowsche Fettmetamorphose" den dafür ausgesetzten doppelten Preis erhalten.- Als Direktorin des Wohnungsamtes in Halle wurde Dr. Auguste Lange, die fünf Jahre lang Wohnungspflegerin in Halle war, ernannt. Die Anstellung erfolgte auf Lebenszeit und mit der Eigenschaft eines Gemeindebeamten. Eine völlige Gleichstellung in Rang und Gehalt mit den übrigen städtischen Direktoren ist geschaffen worden. Die Rybniker Steinfohlengelderkschaft( Oberschlesien) hat als Spezialität eine Frau als Vorsitzende des Verwaltungsrats. Es ist die Frau Geheimrat von Friedländer- Fuld, Angehörige einer Familie, die am oberschlesischen Kohlenbergbau start beteiligt ist. Totarbeiten wird sich die Dame dabei zwar nicht. Immerhin ist auch diese Tatsache ein interessantes Zeichen der Zeit. Verantwortlich für die Redaktion: Frau Marte Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. G.m.b.5. in Stuttgart.