Nr. 24 A. g. XIII 28. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart. Ferienzeit. Stuttgart 30. August 1918 Ein stiller, ruhiger Abend. Langsam wandere ich die von einem Dorf zum anderen führende Straße entlang und lasse das Auge über die Kornfelder schweifen bis hinüber zum Waldrand, an dem die jungen Buchen und Birken sich hell von dem dunklen Grün der Fichten abheben, die ganze Landschaft umfäumt und vergoldet vom Rot der untergehenden Sonne. Kein Laut ringsum; die kleinen, vereinzelt daliegenden Bauernhäuser erhöhen ebenso wie das hin und wieder erklingende Brüllen der Kühe auf der Weide den Eindruck der Stille und des Friedens. Friede um mich und in mir; ja, auch in mir, obgleich noch vor wenigen Minuten ein Schauer meine Seele durchzittert hat bei dem Gedanken an die eben jetzt wieder beginnende Offensive in Frankreich. Aber wer könnte sich auf die Dauer den Gedanken des Krieges hingeben, hier, in der Stille der Natur, fernab vom Getriebe der Großstadt, fernab besonders von allem, was Krieg und Zerstörung heißt. Da, während ich gedankenlos dahinwandere, steht plöglich wie von einem Blizz erleuchtet ein Bild vor meinem inneren Auge: Abend ist's, ich komme mit der Stadtbahn aus einem Vorort zurück. Mit mir im Abteil sißen eine Anzahl Frauen und Mädchen, Munitionsarbeiterinnen, die müde von ihrer Arbeit zurückkehren. Stumpf sißen sie da, nur ab und zu fällt ein Wort, das den häuslichen Pflichten gilt, die sie noch erwarten. Ein junges, den Kinderschuhen kaum entwachsenes Mädchen ist unter ihnen. Wie erloschen blicken die Augen, die gierig den Roman verschlingen, der ihr Bilder von Glück und Wohlleben vorgaukelt, die so schlecht zu ihrem eigenen Dasein stimmen. Wann ist es diesen Menschen vergönnt, auszuruhen von ihrer gesundheitzerrüttenden, schweren Arbeit? Werden sie es je kennenlernen, was es heißt: ledig aller Pflicht durch Wald und Feld zu streifen, allen Schmuß, alles Hasten und Jagen ber Großstadt weit hinter sich zu lassen und einmal wieder - und wäre es auch nur für wenige Tage eins zu sein mit der Mutter Natur? Ein anderes Bild: Vor den Läden der Gemüsehändler stehen die Frauen in Reih' und Glied und warten stundenlang auf die Rückkehr des Ladeninhabers vom Markte. Apathisch und, refigniert stehen sie da, wie am Morgen so am Abend; in ihren versorgten Gemütern scheint kein anderer Gedanke mehr Platz zu haben als: Was wird er mitbringen, wird es genügend sein, damit wir alle etwas erhalten? Wenn gesprochen wird, so ist es nur der eine Gedanke, dem man Ausdruck gibt: Was soll ich kochen, wovon meine Familie satt machen? Wie schwer ist das Leben dieser Frauen; auf allen Gebieten des täglichen Lebens, der Ernährung sowohl als der Kleidung, der Erziehung der Kinder und aller anderen Pflichten türmen sich Schwierigkeiten auf, die schier unüberwindlich scheinen und doch überwunden werden müssen, soll die Familie nicht zugrunde gehen. Wann ist die Ferienzeit dieser Frauen? Kaum denken sie selbst an eine solche Möglichkeit, geschweige denn andere. Selbst Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplag 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. wenn es der Mann dazu gebracht hat, sich mit Hilfe seiner Organisation einige wenige Tage Urlaub im Jahre zu erwirken, für die Frau ist ein Tag wie der andere. Zu einem Landaufenthalt langt es gewiß nicht; höchstens, daß Mann und Frau an solchen Tagen hamstern" gehen, daß sie versuchen, auf dem Lande etwas für sich und ihre hungrigen Kinder zu erhalten, um dann am Abend schwer bepackt oder noch wahrscheinlicher, wenn auch noch so traurig- enttäuscht und mit leerem Rucksack todmüde nach Hause zurückzukehren. Und doch: wie nötig wäre gerade unseren Arbeiterfrauen cine Zeit, in der sie einmal frei sind von den kleinlichen Sorgen des täglichen Lebens. Was ist aufreibender als das ewige Einerlei im Leben der Hausfrau und Mutter! Sehen wir uns unsere Arbeiterfrauen an; schon im Frieden waren sie es, die früh alterten infolge der vielen auf ihnen ruhenden kleinen und kleinlichen Lasten. Das alles ist heute infolge des durch den Krieg entstandenen Mangels an allem zum Leben Notwendigen in unendlich verstärktem Maße der Fall, ganz abgesehen davon, daß ein sehr großer Prozentsatz der Frauen gezwungen ist, diese Tätigkeit als Nebenbeschäftigung neben der Erwerbsarbeit auszuüben. Es ist deshalb geradezu eine Forderung der Erhaltung und Gesundung der Menschheit, daß jedem arbeitenden Menschen - einerlei, ob er erwerbstätig ist oder ob die Frau im Kreise ihrer Familie wirkt ein paar Wochen der Erholung im Jahre gegönnt werden müssen, der Erholung und des Hinauskommens in andere Umgebung und neue Verhältnisse. Gerade auch das letzte ist es, was dem Menschen neuen Lebensmut gibt, was seinen Blick und sein Interesse hinaushebt über das fleine eigene Leben und ihm so gleichzeitig das Verständnis gibt für das Leben des ganzen Volkes. Wenn der Städter das Leben und die Sorgen des Landmannes kennenlernt, wenn die Leute vom Lande die schwere Arbeit des Industriearbeiters, der Arbeiterfrau in der Stadt sehen, wird das heute noch so sehr fehlende Gemeinschaftsgefühl entstehen, das zum wahren Wohl des Volksganzen unbedingt nötig ist. So ist die Forderung einer Ferienzeit für jeden Menschen eine zwar in erster Linie soziale, aber darüber hinaus auch politische, der zum Siege zu verhelfen jeder denkende Mensch anstreben muß. Luise Schroeder. ,, Heimatheer deutscher Frauen." In einer Schrift gleichen Namens sucht F. A. Kaufmann die Notwendigkeit und die Aufgaben eines„ Heimatheeres deutscher Frauen" klarzulegen und damit eine Bewegung hervorzurufen, die nicht scharf genug bekämpft werden kann. Ein Merkblatt über die Pflichten der deutschen Frau, von der gleichen Stelle herausgegeben, hat ja bereits lebhaften Protest unter den Frauen geweckt. Nicht nur in unseren Reihen, sondern bis weit ins bürgerliche Lager hinein. Vor allem wandte sich dieser Protest gegen die Aufforderung an die 186 mein herz schlägt laut... Mein Herz schlägt laut, mein Gewissen schreit. Ein blutiger Frevel ist diese Zeit! Am hölzernen Kreuz verröchelt der Gott, Kindern und Toren ein seichter Spott; Verlöscht ist am Himmel das letzte Rot, Über die Welt hin schreitet der Tod, Und trunken durch die Gewitternacht klingt Das sündige Lied, das die Nachtigall singt. Die Menschheit meint um ihr Paradies, Draus sie ihr eigener Dämon verstieß, Und heimlich zischt ihr die rote Wut Jhre Parole zu: Gold und Blut! Gold und Blut, Blut und Gold! Hei, wie das klappert, hei, wie das rollt! Und wüst dazwischen kräht der Hahn: Volksohnmacht und Cäsarenwahn! Und immer dunkler wird die Nacht, Die Liebe schläft ein und der Haß erwacht, Und immer üppiger dehnt sich die Luft, Und immer angstvoller schrillt die Brust; Kein Stern, der blau durch die Wolken bricht, Kein Lied, das füß von Erlösung spricht Mein Herz schlägt laut, mein Gewissen schreit: Ein blutiger Frevel ist diese Zeit. Die Gleichheit Arno holz. Frauen, flaumachende Personen festzustellen und namhaft zu machen“. Mit Recht erkannte man darin die Gefahr, daß bei uns ein Spitzel- und Denunziantentum großgezüchtet wird wie in den schlimmsten Zeiten der Reaktion. Aber das ist nicht die einzige Gefahr der neuen Bewegung. Will sie doch durch die Unterdrückung jeder Mißstimmung, ja jeder unzufriedenen Äußerung alle Kritik unterbinden! Noch mehr: durch den Vergleich mit den Entbehrungen des Feldheeres soll der Heimat überhaupt jedes Recht auf Kritik abgesprochen werden! F. A. Kaufmann fennt eben keinen Unterschied zwischen der Not, die durch den Krieg hervorgerufen wurde, die ertragen werden muß und ertragen wird, und der Not, die durch falsche oder schwächliche Maßnahmen der Regierung entstanden sind. Die beseitigt oder wenigstens gemildert werden könnte. Gegen die sich das Volfsempfinden mit berechtigtem Unwillen wendet. Gegen die sich die Vernunft des einzelnen empört, weil er nicht begreift, warum selbst in dieser schweren Zeit das Interesse der Gesamtheit dem Interesse einer kleinen Minderheit geopfert werden soll. Und hier ist Kritik nicht nur Recht, sondern Pflicht. Kaufmann verlangt, jeder einzelne soll seine Unzufrieden heit über die kleinen(??) Mißhelligkeiten und Sorgen des Alltags unterdrücken. Ich aber frage: Was hat die Regierung getan, um die allgemeine Unzufriedenheit zu mindern oder auszugleichen? Hat sie den kämpfenden Männern draußen, den arbeitenden Frauen daheim das Wahlrecht und damit ihr Recht gegeben? Hat die Regierung etwa alles getan, um die Lebensmittel gerecht und gleichmäßig zu verteilen? Und gegen noch eines müssen wir Stellung nehmen:„ Wir haben gesiegt!" schreibt Kaufmann in seiner Schrift.„ Was noch übrigbleibt, ist die volle Ausnutzung des Sieges!" Das ist die alte überhebung. Für diese„ volle Ausnutzung des Sieges" müßten wir noch jahrelang Strieg führen! Aber wir hier draußen haben keineswegs das Gefühl, daß wir bereits gefiegt haben. Und wir haben auch nicht den Wunsch, um dieses ungewissen zukünftigen Sieges willen noch jahrelang zu friegen. Was wir wollen und wonach wir uns Nr. 24 sehnen, das ist die Verständigung mit unseren Gegnern. Das ist ein für beide Teile ehrenvoller Friede. Und daß in unseren Frauen das gleiche Wollen und Sehnen ist des sind wir gewiß! Kurt Heilbut( im Felde). Politische Umschau о Die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplag ist im Anfang des fünften Kriegsjahres ernst. Der französischen Offensive vom 18. Juli, in Verfolg deren die deutschen Truppen zwischen Aisne und Marne zurückgenommen wurden, ist nun sehr schnell die englische Offensive nördlich und füdlich der Somme erfolgt. Am 8. August setzte, ge= deckt durch dichten Nebel, der Angriff überraschend ein, und bis zum 10. August hatten wir, nach dem englischen Heeresbericht, 24000 Gefangene verloren. Die deutschen Truppen sind auch hier zurückgenommen worden, um in ungünstigem Gelände unnüße Opfer zu vermeiden. Noch hat die deutsche Führung die Initiative in Händen und nimmt keine Schlacht nach dem Diktat des Gegners an, sondern erst da, wo sie es für zweckmäßig hält. Für den Eroberermut unserer Alldeutschen, die zu Hause siten, ist dieser letzte Gang der Dinge aber vielleicht müßlich; sie sehen, daß Deutschland doch noch etwas weit von dem Ziele entfernt ist, den Frieden„ diftieren" zu können. Dasselbe gilt natürlich für die Eroberer in Frankreich und England; genau soweit wie unsere Alldeutschen sind sie von ihrem Ziele entfernt, Deutschland zerschmettern" zu können. Auch das Wechselglück des Schlachtfeldes wird nicht die Entscheidung bringen. Nicht minder ernst als im Westen liegen die Dinge im Osten. Dem Attentat auf den deutschen Gesandten von Mirbach ist das auf den General von Eichhorn gefolgt, dem sowohl der General wie sein Adjutant zum Opfer fielen. Die Sozialrevolutionäre arbeiten mit dem Attentat, um den Frieden von Brest- Litowst rückgängig zu machen, und sie wollen, nach eigener Erklärung, daran weiterarbeiten und wenn sie bis hinter den Ural zurück müßten. Wahnfinnig und verhängnisvoll ist dieses Beginnen, aber es zeigt, bis zu welchem Grade dieser Friede der Gewalt Haß gesät hat. Die Sozialrevolutionäre haben seinerzeit gemeinsam mit den Bolschewifi die Revolution geführt und sich mit ihnen in der Regierung geteilt. Erst der Friede von Brest- Litowsk brachte die Gegensätze. Jezt machen die Sozialrevolutionäre die Gegenrevolution und sehen in ihrem blinden Haß gegen ihre einstigen Freunde und gegen Deutschland nicht, wie sie letzten Endes nur die Geschäfte der Entente- Imperialisten und des russischen Kapitalismus besorgen. Sowohl Japan wie England sezen die Intervention in Rußland fort, und soweit sich die Dinge von hier beobachten lassen, erscheint es fast unmöglich, daß die Regierung der Bolschewifi dem Ansturm wird standhalten können. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, daß. wie aus Wiener Zeitungsmeldungen hervorgeht, sich die Bolschewiki an die Mittelmächte um Hilfe wenden werden. Am 8. Auguſt kam der deutsche Gesandte in Moskau, Dr. Helfferich, nach Berlin zur mündlichen Berichterstattung, und zwei Mitglieder der russischen Kommission sind von Berlin nach Moskau gereist. Wie werden die Mittelmächte fich verhalten? Durch den unglückseligen Frieden von Brest- Litowst und noch mehr durch die Ausführung desselben haben sie sich in eine schwierige Lage gebracht. Der Entente wäre mit einer Intervention Deutschlands gedient. Deutschland müßte dann wieder große Truppenmassen an die Ostfront senden, und damit wäre für die Entente die Westfront entlastet. Die Stimmung im deutschen Volke, welches keinen neuen Krieg mit Rußland will, würde ungünstig beeinflußt. Die Friedensbewegung ist durch einen offenen Brief des Lord haft diskutiert wird, einen guten Schritt weiter gekommen. Der Lansdowne vom 31. Juli, der in der gesamten englischen Presse lebBrief nimmt Bezug auf die Reden des Generals Smuts in Glasgow vom 17. Mai d. J. und auf die Rede des Herrn v. Kühlmann im Deutschen Reichstag vom 24. Juni d. J. und stellt die übereinstimmende Meinung beider Männer fest, daß das Ende nicht durch militärische Entscheidung, sondern nur durch Verständigung herbeigeführt werden könne. Er behandelt dann weiter die Rede Wilsons vom 4. Juli am Grabe Washingtons und die Bemerkung Lloyd Georges dazu, daß die Mittelmächte unter den von Wilson genannten Bedingungen jeden Tag Frieden haben könnten. Lord Lans downe meint nun, daß nicht die Bekanntgabe der moralischen Bedingungen genüge, sondern daß unbedingt daneben die territorialen Forderungen genannt werden müßten, um zu wissen, ob die Mittelmächte den Frieden wollen oder nicht. Er fordert eine Besprechung der Kriegführenden über die gegenseitigen Ziele und sagt, daß es Zeit dazu sei, denn der Krieg habe schon zu lange gedauert. Nr. 24 Die Gleichheit Dieser Brief wurde am Tage der Veröffentlichung in einer Versammlung von Abgeordneten Lansdownescher Richtung besprochen, und es wurde dort noch betont, daß je eher, desto besser mit Friedensverhandlungen zu beginnen sei. Die englischen Zeitungen beurteilen ihn, je nach der Parteirichtung, sehr verschieden. So nennen ihn die„ Daily News" bewundernswert und fordern wirtschaftlichen Frieden nach dem Kriege. Dagegen sagt die„ Daily Mail", die neue Epistel Lansdownes fann nur Unfug anrichten. Es ist eben woanders geradeso wie bei uns. Die neutralen Staaten sind in dankenswerter Weise un den Frieden bemüht. In Holland hofft man, das neue Kabinett als„ ein Stabinett zur Vorbereitung des Friedens" bilden zu können, und aus Stockholm meldet„ Svenska Morgenbladet", daß die schwedische Regierung ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet habe, mit anderen neutralen Staaten ihre Dienste als Friedensvermittler anzubieten. Unser holländischer Genosse Troelstra ist in der Schweiz, um seine Bemühungen für das Zustandekommen der internationalen sozialistischen Konferenz fortzusetzen. Leider kommt von der englischen Regierung neuer Widerstand. Sie erklärt es nicht für ratsam, die Bässe zu erteilen. Will die englische Regierung immer von neuem unseren Kriegstreibern gefällig sein und dem deutschen Volke beweisen, daß sie den Frieden nicht will? Dann gibt es allerdings fein besseres Mittel als die Paßverweigerung für eine Stonferenz, welche zuerst berufen scheint, der Verständigung eine Gasse zu bahnen. -Anzunehmen ist, daß die französischen Genossen sich diesmal energisch gegen die Paßverweigerung wehren werden. Bei uns find endlich die Renten der Kriegsbeschädigten und Striegshinterbliebenen heraufgesezt worden. Und zivar betragen die Zuschläge für Kriegsbeschädigte mit einer Erwerbsunfähigkeit von 50 Prozent aufwärts jährlich 120 bis 432 Mt. und für Hinter bliebene: für die Witwe monatlich 8 Mt., für die Halbwaise 3 Mt. und für die Vollwaise 4 Mt. Bei dem Wiederzusammentritt des Reichstags im Herbst soll diesem ein Gesezentwurf zur Regelung der Materie vorgelegt werden. Klara Bohm- Schuch. Kirchlicher Arbeiterinnenfang. Sowohl die katholischen Arbeitervereine als auch die christlichen Gewerkschaften bemühen sich in lezter Zeit mit gesteigerter Inbrunst um die Arbeiterinnen. Auf einer Tagung der Präsides der katho( Schluß.) D Feuilleton Den Tag, Den uns die Götter einmal nur im Leben Gewähren können, feire jeder hoch. Die Erfüllung. Von Edgar Hahnewald. Goethe. [ Nachdruck verboten.] er Soldat war unruhig froh, als jetzt der Gast nach einer kleinen stummen Pause„ Fräulein!" rief und Geld auf den Tisch zählte. Und während das Mädchen um den alten Herrn beschäftigt war, freute er sich an ihren jungen weichen Bewegungen. Der alte Herr grüßte mehrmals freundlich nach dem Soldaten hin und ging mit kleinen schlürfenden Schritten. Das Mädchen öffnete ihm hilfreich die Tür. Dann kam sie zurück und hantierte zögernd an einem Tischtuch. Der Soldat sah sie an, ihre Blicke begegneten sich, und er suchte nach Worten, nach einem leichten Gedanken. Dabei fühlte er, wie das Schweigen schon viel zu lange dauerte, fühlte, daß ihm etwas wunderbar Schönes entglitt, und dachte sich immer tiefer in dieses Schweigen hinein. Eine heiße Unruhe erfüllte ihn. Haftig trant er sein Glas leer und erschrat, weil das Mädchen nun aufstand. „ Noch einen Schoppen?" fragte sie in lächelnder Schen. ,, Noch einen," antwortete er und hörte geradezu neben sich den albernen rauhen Slang seiner eigenen Stimme. Als er allein war, trogte er mit sich selbst wegen seines dummen Benehmens und nahm sich vor, dem Mädchen irgend einen flotten Scherz zu sagen. 187 lischen Arbeitervereine Deutschlands, an der über dreihundert Geistliche teilnahmen, stand zwar, wie das Wochenblatt der süddeutschen katholischen Arbeitervereine(„ Der Arbeiter", München, Nr. 22) berichtet, die Arbeiterinnenfrage nicht ausdrücklich auf der Tagesordmung, man befaßte sich aber wiederholt sehr eingehend" mit ihr, und jedem Teilnehmer habe sich der Eindruck aufgedrängt, daß gerade die Arbeiterinnenfrage als das unheimlichste GeSpenst am Horizont der sozialen Frage der Gegenwart steht". Der Bischof von Mainz( dort tagte die Präsideskonferenz) habe sowohl in seiner Begrüßungs- wie in seiner Schlußrede sich im besonderen mit der Arbeiterinnenfrage befaßt und den Herren Präsides zugerufen:„ Und vergeßt mir vor allem die Arbeiterinnen nicht! Sie liegen mir ganz besonders am Herzen. Rettet, was noch zu retten ist!" Leider, so fügt das Blatt hinzu, sei mau sich noch gar nicht einig über den Weg, der gegangen werden müsse, ,, um sie zu retten". Kürzlich befaßte sich auch ein in der Zentrumspresse erschienener Artikel der M.- Gladbacher Zentrale des Volksvereins für das katholische Deutschland mit der Arbeiterinnenfrage. Der Artikel geht aus von der Tatsache, daß dem„ sozialdemokratischen Metallarbeiterverband" in der Ortsverwaltung Köln im verflossenen Jahre über 2700 weibliche Mitglieder neu beigetreten sind. Dann heißt es( siehe kölnische Volkszeitung" Nr. 398:) „ Aus diesem Ergebnis ist nur die eine Schlußfolgerung möglich), daß mehr als bisher in den tonfessionellen Vereinen dafür eingetreten wird, daß sich die Arbeiterinnen dem christlichen Metallarbeiterverband anschließen. Der Zug zur Organisation ist da, auch unter den Arbeiterinnen. Darum(!) kann es nicht gleichgültig sein, wohin sich der Strom ergießt. Die Arbeiterin von heute ist die Erzieherin der künftigen Generation. Daß sich in dieser Erziehung alles das wiederfinden wird, was ihr in der sozialdemofratischen Organisation beigebracht wurde, ist nicht zu bezweifeln. Lenken wir darum(!) den Strom ins richtige Bett, zu den christlichen Gewerkschaften. Dort findet die Arbeiterin die Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen, und diese sind es doch, was die Arbeiterin zur Organisation treibt. Noch ist es Zeit, wenn auch die höchste Zeit." Offener kann es nicht ausgesprochen werden, daß die Triebfeder der konfessionellen Sehnsucht nach den Arbeiterinnen nicht in erster Linie die Sorge um das leibliche und soziale Wohl der in die kapitalistische Fron gezwungenen Frauen und Mädchen ist, sondern daß es den Herren wesentlich um die klerikalen Sonderinteressen Und als sie die Flasche brachte, schwieg er. Das Mädchen stand dicht bei ihm. Da legte er in gespanntem Drang den Arm ganz leicht um ihre Hüfte. Sie ließ es geschehen und hielt unbewußt in den Bewegungen ihrer Hände inne. Nun zog er das Mädchen zaghaft an sich. Er fühlte die kühle glatte Leinenschürze und den heißen Körper des Mädchens zugleich. Zögernd sah er auf und traf den uniflorten Blick ihrer Augen. Und eine übermächtig aufschießende Glut riß die beiden jungen Menschen zueinander. Alles um sie her versant in diesem Kusse. Ihre Hände verfingen sich in der unendlichen Flut, die brausend über ihnen zusammenschlug. In tiefster Verwirrung riß sich das Mädchen los, und er sprang auf und warf eine Gebärde herzzersprengender Freude gegen die Tür, die sich stumm und leise hinter dem Mädchen schloß. Dann saß er still und fühlte den Rausch eines Glückes, das er noch gar nicht begriff, in allen Adern pochen. Er legte die Hand über die Augen und sann uferlos. Nun kam sie zurück. Der Streit ihrer Gefühle verriet sich in dem zögernden Streben ihrer Bewegungen, aber sie nahm allen Mut zusammen und sagte:„ Ich habe Sie gesehen... vorhin, oben im Walde." „ Das waren Sie!" Sie nickte lächelnd und spielte versonnen mit dem Pfaffenhütchenzweig und streifte den grauen Feldrock des Soldaten mit einem unbewußt mütterlichen beschenkenden Blicke, der alle überstandenen Leiden dieses armen zerschabten Rockes gut machte. Sie wußten beide kaum, daß sich ihre Hände hielten und ein leises Bündnis schlossen. Zögernd bat sie:„ Sie kommen noch einmal wieder?". Und in seinen überrascht fragenden Blick lächelnd:„ Ich muß Ihnen 188 Die Gleichheit zu tun ist. Die Tatsache, daß die Arbeiterinnen aus sich selbst heraus oder durch die Aufklärung von unserer Seite sich zur Organisation drängen, hat auch die Klerikalen Volks- und Arbeiterfreunde auf den Plan gerufen. ☐ Nr. 24 sichtigten Kindern erwerbstätiger Frauen( die Unterbringung gehört mit zum Aufgabenkreis der Fabrifpflegerin) find den Kriegsamtsstellen auf deren Wunsch durch die Frauenreferate geeignete Personen aus den Reihen der weiblichen Mitglieder der Organisation vorgeschlagen worden. Auch in die Kriegshinterbliebenen- Fürsorgestellen sind von den Magistraten der Städte auf Vorschlag der örtSoziale Betätigung der Textilarbeiterinnen. lichen Kartelle Textilarbeiterinnen berufen worden. Sie werden dort In dem kürzlich erschienenen Jahrbuch 1917 des Deutschen Tertilarbeiterverbandes wird ein Überblick gegeben über die von den organisierten Tegtilarbeiterinnen während des Krieges geleistete Arbeit für ihren Verband und in den durch die Zeitverhältnisse notwendig gewordenen Organen der sozialen Fürsorge. Eine im Oktober 1917 veranstaltete Umfrage ergab, daß einschließlich zwei weiblicher Angestellter und zwei Beisigerinnen des Zentralvorstandes insgesamt 3007 der weiblichen Mitglieder des Deutschen Textilarbeiterverbandes im Berichtsjahr am Werke waren, die durch den Krieg in den Verwaltungsapparat der Organisation durch Einberufung zum Heeresdienst gerissene Lücken auszufüllen. Diese Kolleginnen übernahmen nicht nur die verschiedensten gewerkschaftlichen Funktionen, sondern es war der Organisation auch möglich, entsprechend den an die Gewerkschaften gestellten Anforderungen der Beteiligung an der allgemeinen Kriegswohlfahrtspflege eine größere Zahl ihrer weiblichen Mitglieder dazu zur Mitarbeit vorzuschlagen. Auf den verschiedensten Gebieten der öffentlichen Wohlfahrtspflege, in den Kriegsküchen, der Nahrungsmittelverteilung, der Säuglingsfürsorge betätigen sich 66 organisierte Textilarbeiterinnen. Eine von ihnen wird für ihre Leistungen besoldet, die übrigen arbeiten ehrenamtlich. Bei der Textilarbeiterfürsorge, die sich notwendig machte, um die durch den Rohstoffmangel und die Betriebseinschränkung und stillegung schuldlos arbeitslos gewordenen Textilarbeiter und -arbeiterinnen vor dem gänzlichen Verfinken ins Elend zu bewahren, konnten von der Organisation den mit der Ausführung betrauten Regierungsstellen Kolleginnen vorgeschlagen werden, die dann auch in einigen Bezirken zur Mitarbeit berufen wurden. In den von den Landesbezirken eingerichteten Lebensmittelämtern und im Frauenbeirat des Kriegsernährungsamtes wirken Textilarbeiterinnen mit. Eines der weiblichen Mitglieder des Verbandes ist als Fabrikpflegerin angestellt. Die Frauenreferate der Kriegsamtsstellen haben Textilarbeiterinnen zur beratenden Mitarbeit berufen. Zu der Beaufsichtigung der Pflegestellen zur Unterbringung von unbeauf gute Nacht sagen. Die Tante sieht es nicht gern, wenn ich nach zehn noch hier bin. Es ist ja jetzt auch sehr still bei uns." ,, Aber es ist ja noch nicht zehn?" bettelte er. ,, Eine Viertelstunde fehlt noch!" lachte sie ihn an. Und gleich darauf flammte es ihr heiß ins Gesicht. Sie drückte seine Hand und flüsterte hastig, scheu vor sich selbst:„ Gehen Sie... ich komme an die Fähre!" Er ging wie im Traum. Dann stand er am Strome. Die Wellen rauschten breit, ruhig, schaumgekrönt heran und liefen ans Ufer und verschwanden dort gleich huschenden weißen Vögeln. im Grase. Der Kies knirschte leicht da kam sie. Sie trug ein knapp anliegendes Tuchjackett und war weich und warm, als er sie in die Arme nahm. Sie gingen langsam auf dem schmalen Uferiveg dahin. " Ich hatte dich schon immer lieb," flüsterte sie, und nun saßest du so froh da, und als du mit dem alten Herrn sprachst, hörte ich doch, daß du aus dem Felde kommst und wieder fort mußt.... Du mußt ja wieder fort!" Er hörte beglückt den traurigen Schrecken in ihrer Stimme. ,, Aber ich komme wieder." " Ich erkannte dich gleich wieder..." gestand sie. Und dann machte sie beide das traumhafte quellende Drängen ihrer jähen Liebe stumm. Arm in Arm gingen sie und fühlten kaum, daß sie zurückgingen. Nun standen sie vor dem kleinen Giebelhaus, unter dem Torschild: Mutter Günthers Weinstuben. " Du kommst noch einmal! Du..." Jäh warf sie die Arme um ihn. Sie zitterte mit sinkenden Knien. Und mit einem angstvollen Mute, das große Glück ganz festzuhalten, nahm fie heftig seine Hand und führte ihn. Er begriff das alles nur durch einen flimmernden Nebel. In Sorge um sie, die noch auf Jahre hinaus die Versorgung der Kriegshinterbliebenen, für welche die Gesetzgebung ganz unzureichend sorgte, entsprechend den sozialen Forderungen der Arbeiterschaft auszubauen in der Lage sein. Der kurze Auszug aus dem Abschnitt„ Arbeiterinnenagitation" des Jahrbuchs des Tertilarbeiterverbandes zeigt, daß die Arbeiterinnen sich nicht nur in erheblichem Maße am Ausbau ihrer Drganisation beteiligt haben, sondern daß sie auch in ihrer Betätigung in den verschiedensten Zweigen der sozialen Fürsorge sich bewährt und Anerkennenswertes geleistet haben. Ja mehr noch. Es ist aus der Betätigung zu ersehen, daß die das Gebiet der sozialen Fürsorge bisher nahezu allein beherrschenden bürgerlichen Kreise die praktische Mitarbeit der unter dem Druck der kapitalistischen Wirtschaftsweise am schwersten leidenden Arbeiterinnen schäßen gelernt haben. Durch diese Mitarbeit ist auch das Interesse für die bestehenden sozialen Einrichtungen erweckt worden, daraus hat sich die Erkenntnis der Notwendigkeit weiteren Ausbaues des Vorhandenen unter Mitwirkung der Arbeiterschaft entwickelt. Bei den Aufgaben, die den Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei auf dem Gebiet der sozialen Gesetzgebung in Zukunft zufallen und die in hohem Maße den Arbeiterinnen selbst gelten, werden die durch die Praris der Kriegsnot geschulten organisierten Arbeiterinnen die besten Helferinnen werden. Der Deutsche Textilarbeiterverband konnte die Zahl seiner weiblichen Mitglieder von Dezember 1916 bis Dezember 1917 von 35266 auf 54817, also um 19551 steigern. Der Aufstieg hält weiter an. Gegenwärtig beträgt die Zahl der weiblichen Mitglieder 57076. Diese Steigerung ist eine Folge der durch die Organisation in die Wege geleiteten großzügigen sozialen Fürsorge für die notleidende Textilarbeiterschaft, die auch in den Arbeiterinnen die Er fenntnis erweckte, sich in der Fürsorge für ihre Schicksalsgenossinnen selbst zu betätigen. Diese soziale Tätigkeit der Arbeiterinnen ist um so höher anzuschlagen, als sie meist ehrenamtlich geleistet wurde in einer Zeit, die neben den durch den Krieg bedingten seelischen Nöten, die in dieser schweren Zeit keiner Frau erspart blieben, den Textilarbeiterinnen die schwersten materiellen Nöte brachte, geleistet wurde nichts mehr zu wissen schien als ihn, schlug ihm das Herz bis zum Halse hinauf. Er wagte nicht zu atmen, als er in dem kleinen dunklen Zimmer stand. Ein reinlicher frischer Duft umfing ihn. Er sah die zarte Silhouette des Mädchens vor dem Fenster, das sie schloß, und sofort wich das dumpfe Brausen des Stromes einer tiefen raunenden Stille. Ein scharfes Gleiten kleiner Ringe knirschte auf Stahl, und die Gestalt des Mädchens versank ihm vor der geschlossenen Gardine. Das Mädchen glitt an ihm vorbei, eine Sekunde lang fühlte er die Wärme ihrer Hand. Mit leisem Knips sprang das Licht in der elektrischen Birne auf, und nun wandte er sich nach dem Mädchen um. Sie lachte leise über seine Überraschung, sie nicht dort zu sehen, wo er sie im Dunkeln vermutete. Sein Blick streifte das weiße aufgeschlagene Bett, heiße Glut schoß ihm in die Augen. Sie nestelte abgewandt das Jackett auf, und er hatte verlegen das Messingschloß auseinander und legte das Seitengewehr behutsam hin. Er fühlte eine unendliche Schwere in allen Bewegungen. Nun traf ihn ihr verschleierter Blick. Sie trat auf ihn zu, und in ihren Augen las er die stumm aufsteigende Angst um seinen Wert und ihr großes Geschenk. In schweigender Bejahung füßte er sie weich auf die Augen. Und den Kopf an seine Brust gedrückt, sah sie mit einem unendlich weichen schimmernden Blick zu ihm auf und lächelte ergeben. Mit einer traumhaften Bewegung griff sie nach rückwärts nach dem Lichtschalter. ,, Laß..." bat er leise. Ihre blanken, gut ausgeschlafenen Augen leuchteten in die seinen. Dann schob sie ihn sanft von sich, und er wagte nicht, nach ihr hinzusehen. Das Rauschen ihrer Kleider erfüllte ihn mit einer unerklär lichen heißen Bangigkeit. Nr. 24 Die Gleichheit in einer Zeit, die bei noch nie dagewesenen Ernährungsschwierigfeiten die höchsten Anforderungen an die förperliche Leistungsfähigkeit stellte. Und nur der Glaube an die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Arbeitenden in großen leistungsfähigen Organisationen, die zu einem immer stärker werdenden Schutzwall der Schwachen gegen Ausbeutung und Rechtlosigkeit zu machen auch die Aufgabe der Arbeiterinnen ist, und die Erkenntnis, wie notwendig die Mitarbeit der Frauen auf allen den Interessen der Arbeiterinnen dienenden Gebieten ist, besonders auch auf dem der sozialen Fürsorge, hat während der Kriegsdauer bei dem„ schwachen Weibe" diese Kräfte zur Entfaltung gelangen lassen. Diese Entfaltung zu fördern, wird Martha Hoppe. Aufgabe der sozialistischen Erziehung sein. Die Bedeutung der Alkoholfrage für das neue Deutschland.* Die Arbeiterschaft führt nicht nur gegen das Alkoholfapital einen erbitterten Kampf, sondern auch gegen den Alkoholismus an sich. Man hat erkannt, daß der Kampf gegen Alkohol und Trinksitten nicht lediglich eine Magenfrage ist, und daß nicht nur der einzelne, der ihm verfallen ist, schwer leidet. Die Alkoholfrage ist von erheb= lich größerer Bedeutung. Mit der Errichtung von Frrenanstalten und Jdiotenschulen, durch die Trinkerfürsorge usw. sind nur die trasfesten Fälle erfaßt. Die eigentlichen Gefahren liegen tiefer. Die Frau und vor allem die Arbeiterfrau hat erhöhten Anlaß zur Bekämpfung des Alkoholgenusses. Seine Einwirkung auf das Familienleben, auf die gesundheitlichen, sittlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Volksganzen zwingen zu genauer Prüfung. Auf Anregung des Deutschen Bundes abstinenter Frauen beriefen Führerinnen der( bürgerlichen) Frauenbewegung eine Frauenkonferenz zum Studium der Alkoholfrage nach Dresden ein. Deren Ergebnisse und die dort gehaltenen Vorträge sind in obengenanntem Heft zusammengefaßt wiederge geben. Es werden die Beziehungen zwischen Alkohol und Volkswirtschaft, Volksgesundheit, Volkserziehung und Volkssittlichkeit gründlich untersucht. Dr. med. Margarete Stegmann gibt im ersten Beitrag die wissenschaftliche Erklärung für landläufig bekannte Erfahrungstat sachen über den Alkoholgenuß, besonders über dessen hemmenden * Herausgegeben vom Deutschen Bund abstinenter Frauen. Mimirberlag, Stuttgart. Preis 1,50 Mt. Und dann stand sie vor ihm-die flammende Röte, die in heißen Wellen über ihr zartes Gesicht flutete, war ihr einziger Schutz. Sie wandte ihm langsam einen heiß bittenden Blick zu, und übermannt von dieser stolzen, keuschen Gebärde der Hingabe sank er vor ihr hin und füßte stammelnd ihre Hände. Sie aber strich ihm verwirrt tastend das Haar. Da war er es, der das Licht löschte... Als sie dann aneinandergeschmiegt ruhten, die Glieder in seliger Erfüllung gelöst, beugte er sich über sie, atmete den Duft ihres Haares und sah ihr in die Augen, die ihm tief und dunkel aus dem matten Weiß der Kissen dankten, und dicht über ihrem Munde flüsterte er: ,, Kläre..." ,, Kurt..." " Sie verstand ihn. Die dunkelschimmernden Augen versanken unter einem langsamen Gleiten der Lider. Dann leuchteten fie tiefer, innig und mütterlich. Er preßte erschüttert den Kopf auf ihre junge Brust. ,, Cläre, bleibe mir... bleibe mir!" bat er leise. Sie umschlang ihn weich und füßte ihn. Er legte die Hand sanft auf ihren Leib, als müsse er jegt schon das neue, zarte Leben fühlen und beschirmen. Das heiße, stumme Strömen ihrer Augen netzte sein Gesicht. Ein leises, weinend glückseliges Lachen schluchzte unter seinem Russe. Und er wußte, daß er nun eine unendlich süße Schwere mit sich nahm, wenn er wieder gehen mußte.... Das Weib allein kennt wahre Liebestreue. * Schiller. Es gibt ein Glück, allein wir kennen's nicht: Wir kennen's wohl, und wissen's nicht zu schätzen. Goethe. 189 und zerseßenden Wirkungen auf die Zellen des Gehirns und der Fortpflanzungsorgane. Gustel v. Blücher wirft die Frage auf, ob Erzeugung und Verbrauch alkoholischer Getränke von volkswirtschafts lichem Nutzen sind. In gehaltvollen Ausführungen verlangt sie mit Schärfe die Eindämmung des Alkoholgewerbes bis auf die Befriedigung medizinischer und technischer Bedürfnisse. Sie fordert rücksichtslosesten Kampf gegen die Alkoholgroßkapitalmacht, die sie einen furchtbaren Schmarozzer an der Volkswirtschaft und am Voltsvermögen nennt. Über die bisherigen Versuche zur Bekämpfung des Alkoholismus auf gesetzgeberischem Wege unterrichtet ein Beitrag von Marie Stritt. Bemerkenswert ist, daß sie als Mittel zur Gesundung unserer volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Verhältnisse das gleiche Wahlrecht für Mann und Frau zu allent Körperschaften bezeichnet. Dann erst würden die angestrebte Reglung des Schankkonzessionswesens und die Verleihung des Selbstbestimmungsrechts der Gemeinden über die Zulassung des Alkoholverbrauchs in erhoffter Weise wirken. Des weiteren fordert sie zur Bekämpfung des unheilvollen Einflusses des Alkoholfapitals auf das gesamte Zeitungswesen die Monopolisierung des Anzeigenmarktes. Elsbeth Krutenberg beobachtet die seelischen Vorgänge bei Stindern, die ihre Eltern oder Lehrer unter dem Einfluß des Alkoholgenusses sehen. Die Ursachen der überhandnehmenden Trinksitten in der öffentlichen und häuslichen Geselligkeit deckt sie unerbittlich auf und zeigt, wie auch die Frauen in steigendem Maße das„ Trinken" lernen. Im folgenden Aufsatz zeigt Wilhelmine Lohmann, wie die Jugend über die Alkoholfrage belehrt werden soll: Nicht nur alkoholfrei, sondern bewußt alkoholgegnerisch soll die Erziehung geleitet sein! Sie begründet folgende Forderung: Obligatorischer Nüchternheitsunterricht mit dem Ziel völliger Enthaltsamkeit aus überzeugung in allen Schulen, auch in Seminaren, Hochschulen, sozialen Frauen=" schulen usw., Lehrstühle für Altohologie an den Universitäten. Großen Wert legt sie auf das alkoholgegnerische Wirken innerhalb der Jugendorganisationen. Leider wird bei der Aufzählung dieser Organisationen unsere Arbeiterjugendbewegung vergessen, die doch auch mit viel Erfolg von Anfang an auf dem Standpunkt des freiwilligen Verzichts auf alkoholische Getränke steht in wohltuendem Gegensatz zu andern, auch konfessionellen Jugendbereinigungen. Beachtung verdient der an letzter Stelle abgedruckte Beitrag von Katharina Scheven über Alkohol und Volkssittlichkeit wegen der packenden Darstellung der Beziehungen zwischen Alkoholgenuß und Unzucht, Prostitution, Geschlechtskrankheiten, Sittlichkeitsverbrechen. Es wird Wert gelegt auf die Feststellung, daß nicht so sehr chronischer Alkoholismus oder Chinesische und japanische Kinder. Von Elfriede Schäfer. ( Schluß.) Eine ganz andere Rolle als das chinesische spielt das ja pa= nische Kind. Der Japaner ist sehr kinderlieb. Er nimmt eine ganz ausgesprochene Rücksicht auf die Kleinen. Spielen sie auf der Straße, so geht er ihnen aus dem Wege, um sie nicht zu stören; Wagen biegen aus, wenn Kinder auf dem Damm sich vergnügen. Lastträger scheuen einen Umweg nicht, um den Drachen der Kleinen ungehindert aufsteigen zu lassen. überall sind die Kinder mit dabei. Die Kleinsten werden von der Mutter auf dem Rücken getragen, und zwar so, daß sie in deren Kimono stecken, wo sie einen warmen und sicheren Plazz haben. Sie werden überallhin mitgenommen, auch in das Theater. Die Kleinen Mädchen tragen in gleicher Weise ihre Puppen auf dem Rücken, oft ist es nur ein Stück Holz, das ihrer Phantasie als Kind gilt. Die Spielzeuge sind nach Alter und Jahreszeit verschieden. Drachen, Federspiel, Kreisel spielen eine Hauptrolle. Japanische Holzschnitte und Tuschzeichnungen nehmen sich sehr häufig spielende Kinder zum Vorbild. Und wie der japanische Künstler eine Vorliebe für das Kleine, Niedliche hat, so gelingen eben diese Kinderszenen oft reizend. So gibt es ein Bildchen, das die Kinder darstellt, wie sie „ Schlange" spielen, ein anderes zeigt einen Affen, der als Kindermädchen ein ganz Kleines im Kimono stecken hat, wieder ein anderes bildet Knaben ab, die frisch und lustig, voller Unternehmungsgeist einen improvisierten Tragtempel auf den Schultern herumschleppen, dem ein kleiner Priester voranschreitet. Alle Berregungen dieser Kinder sind so lebendig, so fein beobachtet, wie es nur ein Künstler machen kann, der Kinder versteht und liebt. Aber auch die Gassenbuben werden abgebildet, die böse Streiche machen. Da haben sie sich hinter eine Wassertonne gekauert und ein Täschchen, das sie an eine Schnur gebunden, als Köder ausgelegt. In dem Augenblick, wo sich ein harmloser Spaziergänger danach bückt, ziehen sie es an der Schnur zurück und wollen sich totlachen über das verdußte Gesicht des geprellten Erwachsenen. 190 Die Gleichheit völliges Betrinken zu seguellen Erzessen führen, weil beide die inneren Triebkräfte und damit die Potenz lähmen. Es sind vielmehr die für harmlos gehaltenen Trinksitten der Männer, die den Alkohol ⚫zum gefährlichestn Kuppler der Sinne machen. Auch auf den Einfluß des Alkohols auf die Keimstoffe wird hingewiesen und dargelegt, wie auch der gelegentliche Erzeß im Genuß geistiger Getränke verhängnisvoll wird für die in solchem Zustand gezeugten Kinder. Unsere jungen Frauen aller Stände sollten darüber viel mehr aufgeklärt werden, damit sie es als ihre heiligste Pfitcht erkennen lernen, sich ihren Männern in solchem Zustand mit aller Energie zu versagen. Auch die folgenden Ausführungen liber die wechselseitigen Bezie hungen zwischen Alkohol- und Prostitutionskapital verdienen befannt zu werden. Leider ist ein weiterer Vortrag über dasselbe Thema von Dr. phil. Hildegard Wegscheider- Ziegler nur in spärlichem Auszug aufgenommen worden. Sie behandelt den Stoff vom allgemein ethischen Gesichtspunkt aus. Alles in allem zeigt das Buch eine tapfere Stellungnahme der Frauen gegen Trinksitten, Alkohol und Alkoholkapital. Es bietet reiches Material über alle Seiten der vielverzweigten Alkoholfrage und ist eine wertvolle Hilfe bei agitatorischer und organisatorischer Betätigung. Aus unserer Bewegung Weshalb sie sich zurückzieht. Æ. Sie war jahrelang eine der tüchtigsten Genossinnen ihrer Stadt. Auf feinem Frauenabend fehlte sie. Unermüdlich warb sie für die Partei. Da mit einem Male bleibt sie den Veranstaltungen fern. Man sucht sie auf, fragt sie nach dem Grunde. Erst will sie mit der Sprache nicht heraus. Sie schüßt Arbeit vor, entschuldigt sich mit ihrer schwachen Gesundheit, gibt allerlei Gründe an, die wahr sind, aber die längst bestanden haben, als sie noch der Eifrigsten eine war. Endlich bekennt sie Farbe. Sie fommt nicht mehr, weil sie der Parteisekretär in einer Sigung, lächerlich gemacht" habe. Das heißt, er hat in der Debatte über irgend eine Sache eine abweichende Meinung gegenüber unserer Genossin in einer halb scherzhaften Weise kundgetan und bekam so die Lacher auf seine Seite. Das Hat die wackere Genossin so gekränkt, daß sie die ganze Bewegung im Stiche ließ. Diese Genossin hat viele Stolleginnen im Lande. Der einen hat dieser und der andern hat jene auf den Fuß getreten. Schmollend ziehen sie sich zurück.. Als besonderer Freund der Kinder gilt der dicke Glücksgott " Hotei". Er läßt sich von ihnen necken und plagen, ja er bemalt sich selbst in lächerlicher Weise und freut sich über das Gelächter der Kinder. Die japanischen Schulen sind in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zum Teil nach europäischen und amerikanischen Mustern neu organisiert worden. Japanische Fachleute haben amerikanische und europäische Schulen studiert und übernommen, was ihnen für ihre Verhältnisse zusagte. Dabei wurde auch eine Reform der Mädchenschule erreicht. Es besucht jetzt ein großer Teil der japanischen Mädchen die Schule. Sie haben auch die Möglichkeit, zu studieren. Die Prügelstrafe gilt als entehrend und wird nicht angewendet. Es ist für den japanischen Lehrer nicht immer leicht, die verwöhnten Knaben zu zügeln, zumal der Gebrauch von Pinsel und Tusche zum Schreiben die Kinder gewiß des öfteren zu allerhand Unfug verleitet. Wenn so ein Junge einmal gar zu unbändig ist, wird er wohl mitunter dazu verurteilt, mit einer Sanduhr in der Hand ganz still zu sitzen, während man auf seinen Kopf eine mit Wasser gefüllte Tasse stellt! Zweimal im Jahre( außer Neujahr) ist bei den japanischen Kindern die Freude groß. Das ist beim Knabenfest" und beim „ Mädchenfest". Am fünften Tage des fünften Monats findet das Fest der Knaben statt:„ Otoko no Osekku". Große Karpfen aus Papier werden dann aus den Häusern herausgehängt, wo in dem vergangenen Jahre ein Knabe geboren wurde. Alle Knaben erhalten eine Art Aufbau aus kleinen Soldaten. Die Knaben besuchen sich untereinander, sie werden bewirtet und spielen. Das Fest der Mädchen findet am dritten Tage des dritten Monats statt und heißt:„ Onna no Oseffa". Die kleinen Mädchen bekommen Buppen und zierliches Puppengeschirr aufgebaut. Es gibt neue Kleider, Kuchen und Zuckerwerk, und es herrscht ein Jubel, ein Leben und Treiben, das wohl Ähnlichkeit mit der Kinderfreude unseres Weihnachsfestes haben mag. Rührend ist das Verhältnis der japanischen Kinder zu ihrem Schutzgott, dem guten Jizo. Es herrscht der Glaube, daß die verNr. 24 S Einen Augenblick überlegung, verehrte Genossinnen voi Orden der empfindlichen Schwestern! Weshalb seid ihr denn der Partei beigetreten? Doch nicht, weil euch der Sekretär oder die Sekretärin gefiel, und auch nicht, weil die Genossin Lehmann eure getrene Nachbarin und die Genossin Schmidt eure gute Freundin war. Nein, wenn ihr mit einiger Überzeugung zu uns famt, so deshalb: Ihr fühltet euch benachteiligt und bedrückt in dieser Gesellschaft kapitalistischer Ausbeutung, ihr erkanntet eure Entrechtung in unserem Staatsleben und tratet der Partei bei, die gegen jegliche Knechtung des Menschen durch den Menschen ankämpft, eben der Sozialdemokratie. Euer Verstand sagte euch, daß nur das einige Zusammenstehen aller Unterdrückten ihr und ihrer Kinder Los bessern könnte. Deshalb wurdet ihr Sozialdemokratinnen. Was kann es an dieser Überzeugung ändern, wenn wirklich ein Genosse oder eine Genossin die Gebote der Kameradschaft euch gegenüber verlegen sollte? Nicht das geringste. Deshalb bleibt eure Entrechtung, eure Ausbeutung bestehen und bleibt wahr, daß nur der kommende Sozialismus euch zu befreien vermag. Der sozialdemokratischen Bartei habt ihr euch verschrieben, nicht einzelnen Mitgliedern. Der Partei muß eure Treue gelten, auch wenn einzelne euch enttäuschen. Nur Kleinliche und oberflächliche Naturen werden fahnenflüchtig, wenn ihnen diese und jene Nebensächlichkeit nicht behagt. Frauen mit Verstand und Willen bleiben allem Kleinlichen zum Trotz in der Partei des Sozialismus, und bald wurzeln sie so fest in unserer Gedanken- und Gefühlswelt, daß sie ohne den Dienst für unsere große Beivegung nicht mehr leben können, weil er ihres Daseins bester Inhalt ist. a. Elberfeld- Barmen. Der Sozialdemokratische Parteiverein hielt am 30. und 31. Juli zwei Frauenversammlungen in Elberfeld und Barmen ab. Die Versammlung in Elberfeld hätte besser besucht sein können. In Barmen waren 200 Frauen und Mädchen erschienen. Genosse Ernst Dröner sprach in beiden Versammlungen über: „ Die Frau im öffentlichen Leben". Der Redner kennzeichnete in treffenden Ausführungen die Arbeit der Frauen im Kriege und deren politische Rechtlosigkeit. Der Serieg habe die Frauen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens vor ganz neue Aufgaben gestellt und die Erwartungen, welche die Gesellschaft auf deren Mitwirkung gesezt hatte, in höchstem Maße gerechtfertigt. Aus dem Grunde hätten auch die Frauen zu den zahlreichen Verpflichtungen entsprechende Rechte zu fordern. Im Ausland habe man sich wenigstorbenen Kinder in der Unterwelt viele große Berge aus Kiefelsteinen aufhäufen müßten. Um nun schon etwas vorzuarbeiten, sammeln sie bereits bei Lebzeiten Kiesel, die sie dem Standbild des Jizo anvertrauen. Zugleich soll dieser damit günstig gestimmt werden. Auch Eltern, die Wünsche für ihre Kinder haben, wenden sich voller Vertrauen an den guten Kindergott. An die Parzen. Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen; Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe! Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil'ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht gelungen: Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinabgeleitet; einmal Lebe ich wie Götter, und mehr bedarf's nicht. Friedrich Hölderlin. " Wachsbohnen und Birnen." Eine Plauderei. aber! Wachsbohnen mit Birnen ist ein leckeres Gericht. Aber Mit Freuden begrüßte ich die ersten Birnen, die im Juli in einem Schaufenster eines Geschäfts mit prachtvollen Wachsbohnen verlockend nebeneinander lagen. Endlich einmal eine Abivechslung nach der Menge Kohl, die wir fast täglich in der letzten Zeit vorwiegend zu kaufen bekommen hatten. Wie ich aber bei Näherkommen die Preise las, fiel mir das im Volksmunde so bekannte Wort ein:„ Rindfleesch Nr. 24 Die Gleichheit stens zum Teil auf diese Verpflichtungen besonnen, während die deutsche Frau mur Pflichten und keine Rechte habe. Wenigstens feine solchen, um in Reich, Staat und Gemeinde ihre Stimme zu erheben. Ein reichhaltiges und interessantes Material ergänzte die wirkungsvollen Ausführungen des Redners. Darauf erstattete Genosse Haberland den Bericht über den Stand der Anträge auf Erhöhung der Kriegsunterstügungen. In Elberfeld stecke der Antrag noch in der Kommission, in Barmen sei eine Besserung erzielt, indem den Kriegerfrauen in Zukunft das Einkommen bis 120 Mt. monatlich nicht mehr auf die Unterstützung angerechnet werde. Im Herbst würde man Anträge auf Erhöhung der Unterstügung einreichen. Genosse Ullenbaum wies noch darauf hin, daß die sozialdemokratische Fraktion in Elberfeld alles tun werde, um die gerechten Forderungen der Kriegerfrauen zur Durchführung zu bringen. In Elberfeld forderte Genossin Dröner die Frauen zur tätigen Mitwirkung auf. Der Parteiorganisation traten in Elberfeld 20, in Barmen 30 Frauen bei.. Kriegerfrauen und Kriegerwitwen ch. Arbeitsverdienst der Frauen und Kriegsunterstützung. Wir berichteten fürzlich über zwei Frauenversammlungen in Elberfeld und Barmen, die hauptsächlich von Kriegerfrauen besucht waren und eine Neuregelung der Kriegsunterstüßung, insbesondere der Anrechnung des Arbeitsverdienstes auf die Unterstügung for= derten. Der Arbeitsverdienst der Kriegerfrauen und der Kinder bis zu 15 Jahren sollte nach Meinung der Versammlungen überhaupt nicht mehr angerechnet werden. Die sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktionen beider Städte haben die Anträge vertreten. In Elberfeld wurde die Sache noch einmal vertagt. Dagegen wurden in Barmen nennenswerte Erfolge erzielt. Die Verwaltung brachte eine Vorlage ein, nach der zwar die Nichtanrechnung des Arbeitsverdienstes der Kinder bis zu 15 Jahren abgelehnt wurde, da man befürchtete, die Kinder würden dann das verdiente Geld überhaupt nicht zu Hause abgeben. Sie sollen aber zeitig daran ge= wöhnt werden, mit für die Familie zu sorgen. Eine Verbesserung wurde insofern eingeführt, als fünftig bei allen arbeitenden Angehörigen, mit Ausnahme der Kriegerfrauen selbst, monatlich bei Rachtarbeitern 40 Mt.( bisher 25 Mf.), bei Tagesarbeitern 30 Mt. ( bisher 15 Mt.) mindestens zunächst vom Arbeitsverdienst abgezogen werden, ehe die Anrechnung erfolgt. Dasselbe gilt für die Kriegerwitiven. un Plummen is en scheent Jericht, aber wi kriegt's man nicht." Wenn man bedenkt, daß für das Pfund der ersten Birnen 1,75 Mt. verlangt wurde! Und die ersten Wachsbohnen sollten 1,40 Mt. das Pfund fosten! Welche Hausfrau ist in der Lage, das zu bezahlen? Ein Pfund Wachsbohnen und ein Pfund Birnen würden eine Mahlzeit für zwei Personen geben. Das sind zusammen 3,15 Mt. ohne jede Zutaten. Inzwischen sind die Birnen auf 1,50 Mt. herabgegangen und verschwunden. Wohl beginnt erst die Obstzeit. Aber nach den Erfahrungen, die wir mit Stachel, Johannis-, Blau-, Erdbeeren und Kirschen gemacht haben, können wir uns von dem pessimistischen Gedanken nicht frei machen, daß wir Apfel, Birnen und Pflaumen wohl ebensowenig zu sehen bekommen werden, wie die Beerenfrüchte. Wer gute Beziehungen" hat, ergattert wohl einiges zu enorm hohen Preisen. Es ist mit dem Dbst genau so, wie mit allen anderen Nahrungsmitteln. Im Frieden bekam der Schlemmer im vornehmsten Restaurant für 3 Mt. das feinste, aus allerhand Leckerbissen zusammengesetzte Diner. Und heute?! Heute schwelgen allerdings auch noch einige „ Auserwählte" in einem Freßsanatorium" für 120 Mt. pro Kopf und Tag im Westen Berlins, wie jüngst das„ Berliner Tageblatt" berichtete. Die sich das leisten können, sind sicher keine„ am Kriege verdienenden Rüstungsarbeiter". Wie es mit dem Obst ist, so geht's mit allem anderen auch. Von den meisten Waren bekommen wir nur die Höchstpreise zu Gesicht. Es mag für einen Finanzminister das Wirtschaften im Striege auch nicht leicht sein. Er hilft sich aber immer durch neue Steuern und neue Kriegsanleihen. Wie aber soll es die Arbeiterfrau machen? Wehr„ leiht" ihr etwas, wenn sie nicht auskommt, auch wenn sie noch so sehr das Abgeben„ verspricht"? War es im Frieden schon immer für eine minderbemittelte Hausfrau, die eine mehrköpfige Familie zu versorgen hatte, schwer auszukommen, so muß sie heute ein wahres Finanzgenie sein, wenn es ihr gelingt, durch alle Wirtschaftsklippen hindurchzusteuern. Neben der Magenfrage ist heute die Bekleidungsfrage eben so schwierig zu lösen. Während im Frieden für abwechslungsreiche Kost in hinlänglicher Weise gesorgt war, ist jetzt nichts anderes zu haben als nur Gemüſe. 191 Bei den Kriegerfrauen werden wie bisher die durch die übernahme der Arbeit entstehenden Mehrausgaben zunächst vom Arbeitsverdienst abgerechnet, als da sind Ausgaben für Beaufsichtigung der Kinder, Schuhe und Kleidung, Wäsche, Reinigen der Wohnung, Bahnfahrten, bei Nachtarbeiterinnen auch für Essen. Diese Mehrausgaben werden als Bauschale vom Kriegsunterſtüßungsausschuß vierteljährlich festgesetzt und sind verschieden für Nacht- und Tagarbeiterinnen, schwere oder leichte, Ganz- und Halbtagsarbeit. Von dem verbleibenden Reinverdienst wurde bisher die Hälfte auf die Unterstützung angerechnet. Hatte eine Frau zum Beispiel 20 Mt. Reinverdienst im Monat, so wurde die Unterstüßung um 10 Mt. gekürzt. Nach der neuen Regelung bleibt der Reinverdienst der Kriegerfrauen bis zur Höhe von 120 Mt. monatlich außer Anrechnung. Erst der diese Summe übersteigende Teil des reinen Arbeitsverdienstes wird angerechnet. Das ist ein ganz bedeutender Fortschritt für die Kriegerfrauen, die nun nicht mehr in ständiger Sorge vor Anzeigen und Abzügen zu leben brauchen, wenn sie durch ihre Arbeit ihr und ihrer Angehörigen Los verbessern wollen. Für die Kriegerwitwen bleibt es bei den bisherigen Bestimmungen, da man die in Aussicht stehende gesetzliche Neuregelung der Hinterbliebenenfürsorge abwarten will. Gewerkschaftliche Umschau Das Problem der Frauenarbeit begegnet sowohl in der Öffentlichkeit wie auch besonders in den Gewerkschaftsorganisationen steigendem Interesse. Aus den statistischen Erhebungen einzelner Industriezweige trat die kolossale Zunahme der Frauen= arbeit während der Kriegszeit schon hervor. Einen Gesamtüberblick über die Zunahme der Frauenarbeit finden wir jetzt in den Berichten der preußischen Gewerbeinspektoren. Danach hat sich die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter um 26,5 Prozent vermindert. Dagegen ist die Zahl der erwachsenen, das heißt der über 18 Jahre alten Arbeiterinnen um 18,4 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Jugendlichen hat eine erhebliche Steigerung erfahren, nämlich um 17 Prozent. Bedenklich ist die starke Zunahme der beschäftigten Kinder unter 14 Jahren. Die Zahlen sind zwar nicht erheblich, denn es wurden im Jahre 1917 nur insge= samt 6012 Kinder in Fabriken beschäftigt. Immerhin beträgt die Zunahme beinahe 68 Prozent. Diese Zahlen geben allerdings fein wirkliches Bild von dem Umfang der Kinderarbeit; denn mehr als in den Fabriken, die der Gewerbeaufsicht unterstehen, werden KinGäbe es wenigstens noch ausreichend Fett, um das Gemüse schmack haft machen zu können! Da muß man mit Knochenbrühwürfel, etwas Zucker, etwas Margarine sich helfen, so gut oder so schlecht, wie es eben geht. Ein Lichtblick in der Woche ist der Sonnabend, wenn es 200 Gramm Fleisch gibt. Das ist dann die einzige Veränderung im Menü. Und auch diese wird uns in den kommenden fleischlosen Wochen noch genommen. Gelingt es einer Hausfrau gar noch, einmal einen Hering oder etwas Fisch aufzutreiben, das ist dann ein Festtag für die Familie. Wenn einmal die Geschichte des Krieges geschrieben wird, darf dabei nicht vergessen werden, welches Martyrium die Frau während dieser„ großen Zeit" durchzumachen hat. Zu der Qual um die fernen Lieben, die sich vielleicht ständig in Lebensgefahr befinden, kommt die Sorge für die heimgebliebenen Familienmitglieder hinzu. Was werden wir kochen? Womit werden wir uns kleiden? Wo gibt's was? Wo kann man sich„ anstellen", unt etivas zu erhaschen? Wollen wir hoffen, daß diese ewige Hezjagd nach Lebensmitteln endlich ein Ende erreicht. Berta Marckwald. Bücherschau Sven Hedin, Jerufalem. Feldpostausgabe. 160 Seiten, 25 A6bildungen, 1 Karte. Verlag von F. A. Brockhaus, Leipzig. Geheftet 1,50 Marf. Man wird sich von Sven Hedin immer gern unterhalten und belehren lassen; und das, was er auf biblischem Boden erlebt hat, ist nach mehr als einer Seite interessant. Der schwedische Forscher war vor der Einnahme Jerusalems durch die Engländer in diesem damals noch türkischen Etappengebiet, und seine Beschreibung der Landschaft und deren Bewohner reiht sich seinen Verdiensten unt die Länder- und Völkerwissenschaft würdig an. Anders muß man sich zu seiner geschichtlichen Auffassung stellen. So setzt er die histo= rische Wahrheit der Christuslegende als selbstverständlich vorausein Weg, auf dem wir ihm nicht folgen können. An den Bildern hat man, sowohl was Auswahl und Wiedergabe A. Z. anbetrifft, seine Freude. r 192 Die Gleichheit der in erhöhtem Maße in der Heimindustrie, in der Landwirtschaft und in kleinen Betrieben beschäftigt. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Deutschland beträgt zurzeit 4 700 000. Die Frauenarbeit ist in Berufe eingedrungen, von denen sie bisher auch von den Arbeiterorganisationen ferngehalten wurde. Es sei nur daran erinnert, daß im Buchdruckgewerbe bei dem starken Mangel an Arbeitskräften die Frauenarbeit von den Tarifinstanzen auch zugelassen wurde. In welchem Maße daher bei Friedensschluß die Frauenarbeit wieder auf ihren früheren Stand zurückgedrängt werden muß, wird in allen Interessentenkreisen, die sich mit den Maßnahmen für die übergangswirtschaft beschäftigen, eifrig erwogen. Es besteht die Gefahr, daß viele Unternehmer auch bei Eintritt normaler Zeiten von der erweiterten Beschäftigung der Frauen nicht werden zurücktreten wollen, da die weibliche Arbeitskraft immerhin billiger ist als die der Männer. Die Forderung der Gewerkschaften auf gleichen Lohn für gleiche Leistungen stößt daher jetzt schon auf Widerstand in manchen Unternehmerfreisen. Es kommt hinzu, daß die Herabsetzung der Lohnhöhe, insbesondere auch bei den zahlreichen Kriegerwitwen, auf um so ge= ringere Schwierigkeiten stoßen wird, als diese durch ihre zwar an sich nicht hohen, aber für den Unterhalt doch ins Gewicht fallenden Renten leichter geneigt sein werden, sich zu niedrigen Preisen anzubieten oder sich zum mindesten leichter Lohnkürzungen ge= fallen zu lassen. Eine gewisse Regelung der Frauenarbeit wird auch schon deswegen erfolgen müssen, weil vorläufig nicht abzusehen ist, in welchem Maße die Industrie bei Kriegsbeendigung sich beleben wird und daher die auf den Arbeitsmarkt aus dem Felde zurückflutenden männlichen Arbeitskräfte in der Industrie untergebracht werden müssen. Die Aufwärtsbewegung der Gewerkschaften zeigt nach der jüngsten, von der Generalfommission veranstalteten Erhebung wiederum ein recht erfreuliches Bild. Am Schlusse des ersten Quartals 1918 hatten die der Generalfommission angeschlos= senen Verbände insgesamt rund 1/3 Millionen Mitglieder, darunter 354 786 weibliche. Kurz vor Kriegsausbruch zählten die gleichen Verbände nur 221 000 weibliche Mitglieder. Die Zahl ist also um 133 715 höher als vor dem Kriege. In einzelnen Verbänden ist die Zahl der weiblichen Mitglieder erheblich höher als die der männlichen, und zwar nicht nur in solchen Berufen, in denen an sich schon vorwiegend weibliche Arbeitskräfte beschäftigt wurden. So hat beispielsweise der Buchbinderverband seine Mitgliederzahl im Jahre 1917 um rund 4000 gesteigert, die fast ausschließlich auf die weiblichen Mitglieder entfällt. Daß auch die Arbeiterin in Berufe eindringt, die bisher von Frauenarbeit gänzlich verschont blieben, zeigt die Tatsache, daß der Dachdeckerverband neuerdings von dem Beitritt des ersten weiblichen Mitglieds be= richten konnte. Zu den Berufszweigen, in denen sich die Zahl der Arbeiterinnen ganz besonders vermehrte, gehört vor allem der Bergbau, ein Industriezweig, in dem weibliche Arbeit überhaupt gänzlich verboten sein sollte. Sie erhöhte sich dort um fast das Zehnfache. In der Metallindustrie, der chemischen Industrie und in der Industrie der Maschinen und Instrumente war eine Vermehrung der weiblichen Arbeitskräfte um über das Fünffache festzustellen. Berlin ragt besonders unter den einzelnen Bezirken hers bor. Es waren daselbst im Jahre 1917 rund 225 000 Arbeiterinnen beschäftigt, dann folgt Düsseldorf mit 205 000, Potsdam mit 150 000 usw. Daß der Arbeiterinnenschutz in der Kriegszeit sehr stark zurückgedrängt wurde, haben wir hier an dieser Stelle schon wiederholt beklagt. Aus den Berichten der Gewerbeinspektion geht das jetzt noch besonders hervor. Die Kontrolle hat wegen Mangel an Beamten im Aufsichtsdienst sehr nachge= laffen. Der Arbeiterinnenschutz hat besonders darunter zu leiden. Im Jahre 1917 fehlten 81 Kontrollbeamte. Es sind zwar einige weibliche Hilfskräfte mehr eingestellt worden, so daß die Zahl der Assistentinnen zurzeit 45 beträgt, doch konnte dadurch kein genügender Ausgleich geschaffen werden. Die Gesamtzahl der Betriebsrevisionen ist deshalb erheblich zurückgegangen, besonders auch die Revisionen in der Nacht und an Sonn- und Festtagen. Angesichts der Tatsache, daß nach einer Nachweisung der Ministerien für Handel und Gewerbe im Jahre 1915 Nachtarbeit für Arbeiterinnen in rund 1800 Betrieben für etwa 132000 Arbeiterinnen gestattet wurde, ist das besonders bedauerlich. Diese Arbeiterinnen waren über zwölf Millionen Arbeitstage während der Nachtschicht tätig. Die Summe der bewilligten überstunden betrug im gleichen Jahre weit über 15 Millio nen, wieviel Nachtschichten und Überstunden daneben ohne GeNr. 24 nehmigung der Behörden geleistet wurden, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis, läßt aber erkennen, in wie starkem Maße Raubbau mit der weiblichen Arbeitskraft getrieben wird. Zu widerhandlungen gegen die Vorschriften über die Nachtarbeit weiblicher Personen haben eine geradezu erschreckende Zunahme erfahren. Welche Milde gegenüber den Unternehmern angewandt wird, geht daraus hervor, daß die Zahl der wegen Zuwiderhandlungen bestraften Unternehmer sich ungeheuer verringerte. Der Schutz der Arbeiterin ist also gegenwärtig ein mehr als mangelhafter. Es muß daher mit allem Nachdruck darauf hingearbeitet werden, daß der Arbeiterinnenschutz nach Kriegsbeendigung in vollem Umfang in seine Rechte tritt. Forderungen auf Demobilmachung der arbeitenden Frauen nach sozialen Gesichtspunkten wird von Sozialpolitikern schon jetzt eifrig befürwortet. Die Frauenarbeit darf nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden. Die Frage über das Herausziehen aus Arbeitspläßen, die für Frauen körperlich nicht geeignet sind, muß schon jetzt festgelegt werden, um in der Zeit der übergangswirtschaft sofort in Wirksamkeit zu treten. Lohnbewegungen fanden in letzter Zeit besonders für Arbeiterinnen verschiedentlich auf lokaler Grundlage statt, so in der Berliner Metallindustrie und in verschiedenen Orten der Textilindustrie. In Plauen und in Landeshut kam es sogar zu Ausständen in der Textilindustrie, weil die Unternehmer in der jetzigen Zeit, in der so viel über die hohen Arbeitslöhne gefaselt wird, sogar Lohnabzüge vornehmen wollten. Die Differenzen wur den dann zum Teil zugunsten der ausständigen Arbeiter und Arbeiterinnen durch die Vermittlung der Kriegsamtsstellen beigelegt. Daß dabei nicht außergewöhnlich hohe Löhne gezahlt wurden, zeigt am besten die Tatsache, daß der Lohn für Textilarbeiterinnen in Plauen auf 26 Mt. wöchentlich festgesetzt wurde, ein Lohn, der den jezigen Teuerungsverhältnissen in keiner Weise entspricht. Der Holzarbeiterverband konnte am 1. Juli auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die ersten Anfänge der gewerkschaftlichen Organisation der Holzarbeiter reichen allerdings weiter zurück, und zwar bis auf das Jahr 1869 und die nächstfolgenden Jahre, in welcher Zeit sich einzelne lokale Organisationen gründeten. Doch erst nach dem Falle des Ausnahmegesezes setzten die Bestrebungen auf Schaffung umfassender Industrieverbände lebhaft ein, und so wurde 1893 der Verband in seiner jetzigen Form gegründet. Der Holzarbeiterverband gehört zu den deutschen Gewerkschaften, die sich im wirtschaftlichen Leben bei Freund und Feind einer besonders großen Beachtung erfreuen. Er hat gegenwärtig in der Heimat über 110 000 Mitglieder, darunter 20.000 weibliche und jugendliche, er hat ein Verbandsvermögen von 8 Millionen Mark und einen Jahresetat von 4/2 Millionen, Weit über 100 000 seiner Mitglieder stehen im Felde. Der Verband hat in der Zeit seiner 25jährigen Tätigkeit eine riesige Leistung für die Verbesserung der Lebenslage der Holzarbeiter durch Kämpfe und durch kollegiale Solidarität erwirkt. Der Redakteur des Verbandsblatts der Zimmerer, August Bringmann, war am 1. Juni 1918 25 Jahre in seiner Ges werkschaft tätig. Er hat an dem Fortschritt seiner eigenen Organisation, des Zimmererverbandes sowohl wie an der deutschen Gewerkschaftsbewegung überhaupt hervorragenden Anteil genommen, insbesondere verdanken ihm die deutschen Gewerkschaften die erste Geschichte über die deutsche Gewerkschaftsbewegung. Georg Schmidt. Alle Friedensschlüsse in dieser Welt sind nur Provisorien und gelten nur bis auf weiteres.... Bismard. Die Welt hat Krieg geführt weit über zwanzig Jahr, Nunmehr soll Friede sein, soll werden wie es war. Sie hat gekriegt um das, lachenswerte Tat! Was sie, eh' sie gekriegt, schon längst besessen hat. ★ Logan. Und wie man im Privatleben unterscheidet zwischen dem, was ein Mensch von sich meint und sagt, und dem, was er wirklich ist und tut, so muß man noch mehr in geschichtlichen Kämpfen die Phrasen und Einbildungen der Parteien von ihrem wirklichen Organismus und ihren wirklichen Interessen, ihre Vorstellung von ihrer Realität unterscheiden. Marg. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Berlag von J. H. W. Diet Nachf. G.m.b.g. in Stuttgart.