Nr. 2 A. g. XIII 29. Jahrgang Die Gleichheit Zeitschrift für Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen Mit der Beilage: Für unsere Kinder Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 15 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 95 Pfennig; unter Kreuzband Mr. 1.45. Stuttgart 25. Oftober 1918 Ein Ende und ein Anfang. Große Ereignisse haben sich in den letzten Wochen vollzogen, noch größere stehen in den kommenden Wochen bevor. Vor uns steht, deutlich sichtbar, das Ende des Krieges. Wonach wir uns so lange und so inbrünstig gesehnt haben, worum Millionen von Frauen und Mütter in tränenlosem Herzensjammer die Hände gerungen, wofür alle echten Friedensfreunde, voran die deutsche Sozialdemokratie, seit dem Ausbruch des fürchterlichen Völkermordens mit wachsendem Eifer gearbeitet und was doch wie die Sterne schier unerreichbar schien, das will sich jetzt gestalten, das nimmt greifbare Form an, das wird früher oder später Wirklichkeit. Noch ist der Frieden nicht da. Sein Weg ist nicht einfach und nicht eben. Er führt durch wildes Dickicht und an steilen Abgründen vorbei, er flettert über schwindelnde Höhen und verliert sich in gefährlichen Sümpfen. Überall lauern ihm seine Feinde auf. Denn es gibt der gewissenlosen Burschen genug, denen der Krieg noch nicht lange genug dauert, da sie noch nicht alle Scheunen voll Kriegsgewinn haben und sie vom Fortgang des Krieges noch mannigfache Vorteile erhoffen. Aber der Frieden wird allen Hindernissen zum Troß seinen Weg finden. Vielleicht sogar rascher, als mancher denkt. Viel leicht überfällt uns ein plögliches mehr oder weniger gewalt sames Ende des Krieges ähnlich, wie uns sein Anfang über Nacht aus tiefstem Sommerfrieden herausgejagt hat. Auch vor solchem überfall des Friedens müssen wir auf der Hut sein. Er könnte für Deutschland schwere Gefahren im Gefolge haben. Man denke nur den Fall, die deutsche Front im Westen hielte nicht länger stand, und die deutschen Heere müßten in wildem überſtürztem Rückzug nach Hause eilen, ohne dabei noch die Kraft zu finden, Haus und Herd vor der feindlichen Invasion zu schützen! So daß unsere wackeren feldgrauen Brüder, Väter und Söhne über vier Jahre umsonst die schwersten Opfer gebracht hätten! Diese furchtbare Möglichkeit darf nicht eintreten! Und darum müssen wir wünschen, mit aller Straft unseres Herzens, daß unsere Heere im Westen fest bleiben, so wacker und aufopferungsmutig wie bisher. Jetzt ist es nötiger als je zuvor. Jegt brauchen wir ihren heldenmütigsten Widerstand, wenn wir einen erträglichen Frieden haben und doch Deutschland vor der restlosen militärischen Unterwerfung und allen daraus für die Zukunft entspringenden Folgen bewahren wollen. Inzwischen aber müssen unsere Politiker und Staatsmänner arbeiten. Mit heiligstem Eiser und ohne Ermüdung! Keine Ruhe darf es für sie geben bei Tag und bei Nacht. Auf nichts anderes dürfen sie sinnen, als wie sie mit den leitenden Männern der feindlichen Länder an den Verhandlungstisch und zu annehmbaren Vereinbarungen kommen. Zuschriften sind zu richten an die Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, Fernsprecher: Amt Morigplag 14838. Expedition: Stuttgart, Furtbachstraße 12. Deutschland hat den ersten Schritt getan, es hat den Prästdenten Wilson um die Einleitung von Friedensverhandlungen gebeten. Das bedeutet sicherlich keine leichte überwindung für unsere Oberste Heeresleitung. Aber nachdem Bulgarien aus dem Ring des Vierbundes herausgebrochen war, die Türkei in ihrer Bündnistreue zu schwanken begann, in ÖsterreichUngarn die deutschfeindlichen Elemente sich immer mehr durchsetzten und Deutschland selbst an der schlimmen Westfront mit immer größeren feindlichen Anstürmen, mit immer unübersehbareren Einfäßen des Feindes an Menschenkraft und Kriegsmaterial zu rechnen hatte, blieb kein anderer Weg. Eine spätere Zeit wird auch trotz dieses trüben Ausgangs der friegerischen Ereignisse für Deutschland die ungeheure Leistung des deutschen Volkes in diesem Kriege gerecht würdigen. Präsident Wilson hat auf unser Angebot mit drei Rückfragen geantwortet, die von dem tiefen Mißtrauen zeugen, das Deutschland draußen in der Welt genießt. Es ist die Folge der bisherigen unfreien und rückständigen antidemokratischen Zustände in Deutschland. Unsere neue Regierung, die erste demokratische auf deutschem Boden, hat die Fragen Wilsons, die immerhin die Tür zu weiteren Verhandlungen offen ließen, so offen und ehrlich beantwortet, wie es die Lage erfordert. Ein Zweifel über Deutschlands ehrliche Friedensbereitschaft mit dem Ziele, Deutschland möglichst bald in einen demokratischen Friedens bund der Völker einzugliedern, kann nicht mehr möglich sein. Jetzt wartet die gesamte Menschheit in fiebernder, früher nie gekannter Spannung auf Wilsons neue Antwort. Ist Wilson der Mann, dem es Ernst ist mit seinen vielen schönen Reden über Gerechtigkeit und Humanität, so haben wir in Kürze den Waffenstillstand, so beginnen demnächst die Friedensverhandlungen, und die leidenden, gequälten Völker werden zum ersten Male nach mehr als vier Jahren wieder in einem einzigen Klang vereinigt sein: in dem jauchzenden Aufschrei Frieden! Frieden? So werden die Menschen stammelnd ausrufen! Frieden? Sie haben das Wort verlernt, sie werden es kaum über die Lippen bringen. Das unendliche Glück aber, das ihnen bei diesem Wort das Herz sprengen will, wird gedämpft durch das unendliche Weh, das der entsetzliche Strieg über sie gebracht hat, und durch den unendlichen Groll über die Sinnlosigkeit und Ruchlosigkeit dieses Mordens. Aber doch Frieden! Und es wird an den Völkern liegen, daß sie ihn fest verankern, damit er nie wieder von den Stürmen der Politik oder der Gewissenlosigkeit der Menschen losgerissen werden kann. Und da beginnt die schönste und hehrste Friedensarbeit für den Sozialismus und die internationale Arbeiterklasse. Möge sie bald zu tatkräftiger Arbeit die Arme regen können! Die Frauen aller kriegführenden Länder werden dabei die willigsten Helferinnen sein! 10 Der Mütter Herzen. Es hängen Der Mütter und der jungen Frauen Herzen Die tote Glocken in der Zeit Geftühle. Rührt an die klöppel Deltminds Єifeskühle, Gellt auf ein Dehton ungeftillter Schmerzen Und ruft den neuen Heiland zu den Strängen, Daß er fie greife mit geweihten Händen Und mit der Herzen braufendem Geläute Die ewigften der Erdenziele deute: Das Tor der Menschenliebe aufzufprengen, Die Gleichheit Im Licht zu bauen... alles zu vollenden! Art. Zickler. eeeeeeeeeeeee: Deutsche Frauen- wachet auf! Von einer Leserin der„ Gleichheit" geht uns der nachfolgende warmherzige Aufruf zu: Die Morgenröte einer neuen Zeit fängt an, den dunklen Himmel ringsum zu erhellen. Soll sie nur dem Manne, nicht auch der Frau des Volkes Befreiung von jahrtausendealtem Joche bringen? Wollen wir Frauen aus Scheu vor der kühnen Tat oder Schande wäre es! aus Bequemlichkeit oder Beschränktheit untätig zusehen? Nein, das wollen wir nicht, wir wachen Frauen gewiß nicht! Wir Frauen, die wir so lange durch Druck und Vorenthaltung unserer natürlichen Rechte niedergehalten wurden, wir deutschen Frauen wollen wie die Frauen anderer Völker dem Manne gleich geachtet sein. Wir auch wollen teilnehmen am stolzen Geisteswerk der Volksbefreiung. Durch die Mitgift unseres besten Frauentums wollen wir es zu einem vollwertigen Gut für beide Geschlechter und auch für die kommenden Generationen heranreifen lassen. Ist nicht die Mitarbeit der Frau jezt mehr denn je geboten, jetzt, da wir die an Zahl größere Hälfte des deutschen Volkes ausmachen, nachdem Zehntausende unserer besten und zukunftsreichsten Männer und Väter, Brüder und Söhne durch unerhörte Blutopfer von uns gerissen sind? Wohlan: Lasset uns an ihre Stelle treten, damit die Kraft unferes guten, tüchtigen Volkes nicht verloren gehe, und dazu ist das erste Erfordernis, daß uns unser gutes Recht werde: neben dem Manne als gleichberechtigte Staatsangehörige zu stehen. Wir müssen dieselben Lasten tragen ist nicht die Mutterschaft ein Opfer gleich dem Waffendienst? Müssen wir nicht ebenso arbeiten wie der Mann, oft sogar gegen viel zu geringen Lohn? Müssen wir nicht dieselben Steuern zahlen? Und doch stehen wir noch immer da als die Unmündigen, geringer in unserem staatlichen Recht als der niedrigste Kuhhirt auf dem Dorfe! Wollen wir diese unverdiente Herabwürdigung länger ruhig hinnehmen? Nein, lasset uns unsere Stimmen erheben und laut unser gutes Recht fordern, daß wir Frauen teilhaben an der Verwaltung in der Gemeinde und im Staate. Aber wir haben zahllose Gegner, die uns diese selbstver ständlichen Menschenrechte nicht gönnen wollen. Sie kleiden ihr Herrentum in das trügerische Gewand der Sorge um unser Wohl; sie wollen nicht, daß wir frei werden, damit sie unsere billigen Dienste, unsere bequeme Unterwürfigkeit nicht verlieren. Sie mögen mit uns nicht als Lebenskameraden rechnen, dem sie einen Platz neben sich gönnen müssen. Aber es gibt auch einsichtsvolle Männer, die den Schrei der Frau nach Befreiung vom unwürdigen Joch leiblicher und seelischer Versklavung zu dem ihrigen gemacht haben. Diese tapferen Mitstreiter sind die Vorkämpfer der allgemeinen Menschenrechte, die sozialdemokratischen Brüder, sie, die selbst sich ihr freies Menschentum schwer erkämpfen müssen. Sie bringen unserer Sehnsucht nach Anerkennung unseres FrauenNr. 2 tums als dem Mannestum ebenbürtig das richtige Verständnis entgegen, mehr noch: eine starke, helfende Hand, die uns nicht loslassen wird, bis wir beide, Mann und Frau unseres Volfes, in stolzer, anerkannter Freiheit im Staate leben können. Die Sozialdemokratie ist es, die auf ihr großes Programm der Menschheitserlösung auch die vollgültige Gleichberechtigung der Frau, einerlei, ob verheiratet oder nicht, geschrieben hat. Darum herbei, ihr Frauen alle, die ihr Denken und Wollen gelernt habt, die ihr freie Menschen, nicht Puppen oder Arbeitstiere sein wollt! Schließt euch an die Reihen eurer Brüder- Genossen, bekennt euch frei und stolz zur Sozialdemofratie; denn ihre Ziele sind groß und umfassen auch eure Befreiung, eure Menschenwertung- doch müßt ihr mitarbeiten, mitraten, mitkämpfen, dann allein könnt ihr auch mitsiegen! Und wenn ihr es für euch selbst nicht mehr der Mühe wert haltet, so sind doch eure Töchter da, die heute mehr denn je cigene Kraft, eigene Selbständigkeit nötig haben, um sich im schweren Daseinskampf allein behaupten zu können. Wie viele Mädchen bleiben heutzutage ledig der kleinere Teil der Mädchen wird durch ihre eheliche Gemeinschaft mit dem Mann in einer verhältnismäßigen Sicherheit der Eristenz geborgender größere Teil von uns Frauen muß oft schon in jungen Jahren lernen, wie bitter schiver es ist, im Leben für sich selbst einzustehen, wenn wir ungenügend oder gar nicht für das Erwerben vorbereitet wurden. Soll das der Jugend, der wir Beschüßerinnen sein sollen, auch widerfahren? Nein und abermals nein! Wer aber verhilft uns dazu, den Mädchen und Frauen ein genügendes Wirkungsfeld im Leben zu sichern? Das tut in vollster Bereitwilligkeit und opferwilliger Kameradschaft allein die Sozialdemokratie! Sie war von jeher eine Zuflucht für ungezählte Bedrückte, unter der Last niedriger Arbeit und schlechter Entlohnung Seufzenden, denen sie bereitwillig ihren starken Beistand lieh. Sie ist heute mehr denn je die unversiegbare Quelle eines freien, starken Menschentums, weil sie durch die gewaltige soziale Erschütterung dieses Weltkrieges zu immer größerer Bedeutung aufsteigt. Die furchtbaren Geburtswehen einer neuen Zeit haben die Sozialdemokratie so in ihrer Entwicklung gefördert, daß sie an führender Stelle die neue Zeit für unser Volt, seine stetig wachsende Selbstregierung mit heranbringen hilft. Diese neue Zeit, aus Blut und Tränen geboren, soll auch uns Frauen ein menschenwürdiges Los verleihen. Die Sozialdemokratie, diese so erbittert, jedoch so erfolglos bekämpfte, weil ideale Bewegung, wird weiter wachsen und sich mehr und mächtig in der Klarheit stolzen, unabhängigen Mannes- und Frauentums zu herrlichster Blüte entfalten! Darum, wer teilhaben will an diesem großen Werden, das sich unter unseren Augen wie ein Wunder vollzieht, wer von den Früchten mitgenießen will, die trotz Blut und Tränen heranreifen, der komme schnell, komme ohne Zaudern als Genoffin zu gleichstrebenden Genofsinnen. So eilet denn, ihr deutschen Frauen alle; wes Geistes und Standes ihr auch sein mögt, wenn ihr nur Herz und Sinn und Bekennermut habt für edles, freies Menschentum, für wahre Frauenwürde. Eilet! Eilet! Sonst geht die große Zeit der Menschenerlösung an uns deutschen Frauen nuklos vorüber, weil wir zu schwach, zu feige, zu säumig waren, die Hände zu ergreifen, die sich in unser Gefängnis erstreckten, die uns aus dumpfer Enge, aus trüber Gewöhnung herausreißen wollten an freies Licht und neues, echtes Leben. Dieses neue Leben soll unser werden. Wir wollen uns in gemeinsamer Arbeit, in hilfsbereiter Gemeinschaft dafür tüchtig machen. Wachet auf, ihr deutschen Frauen, verlangt das Höchste, das der Mensch auf Erden sein nennt: freie, gleichberechtigte Glieder eines freiheitlich und gerecht verwalteten Staates zu sein, der nach edelsten, alle Menschen beglückenden Grundsägen geleitet wird. Kommt, ihr Frauen, macht euch frei! Nr. 2 Politische Umschau Die Gleichheit Die letzten Wochen haben große Umwälzungen militärischer und politischer Natur gebracht, und wenn diese Zeilen den Leserinnen der„ Gleichheit" vor die Augen kommen, sind folgenschwerste Entscheidungen bereits gefallen. Tage voll Hochspannung durchleben wir wieder wie in den letzten Julitagen 1914. Damals stand der Krieg vor uns, heute- vielleicht!- der Friede. Damals lastete auf uns Frauen fast ausnahmslos der furchtbare Druck eines unabwendbaren Schicksals und das Gefühl einer verzweifelten Ohnmacht. Heute ist es die heiße Sehnsucht und die schwanke Hoffnung auf Frieden und wieder wie einst das bittere Gefühl, daß einige Menschen unser aller Schicksal in Händen halten. Unsere Truppen an der Westfront leisten fast Übermenschliches, aber ihnen steht eine gewaltige Übermacht an Menschen und Striegsmaterial gegenüber. Nachdem am 27. September Bulgarien die Entente um Waffenstillstand und Frieden bat, ist für die Dauer die Aufrechterhaltung der südöstlichen Front unmöglich geworden. Wie bekannt wurde, hat Bulgarien bereits 1917 mit der Entente in Verhandlungen gestanden, und der Zar Ferdinand von Bulgarien war bereit, jede Friedensbedingung anzunehmen, falls ihm der Thron erhalten bliebe. Dieser Wunsch ist ihm von der Entente nicht erfüllt worden, zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Boris bestimmt. Zar Ferdinand hat seinen Aufenthalt in Koburg genommen. Daraus, daß Bulgarien schon vor Jahresfrist Verhandlungen insgeheim führte, mußte der Entente die Gewißheit kommen, daß der Bund der Mittelmächte in absehbarer Zeit am Zerbrechen war, und, daraus ist vielleicht die ablehnende Haltung allen Friedensversuchen Deutschlands und Österreich- Ungarns gegenüber abzuleiten. Die deutsche Diplomatie sowohl wie die Oberste Heeresleitung haben von den Vorgängen in Bulgarien anscheinend keine Ahnung gehabt, denn sonst hätte alles getan werden müssen, den Frieden zu erreichen, als Deutschland noch einmal- Ende Juni d. J.- auf der Höhe der militärischen Erfolge stand. Der Not gehorchend, ist die Regierung Hertling- Hinge abgetreten, und am 3. Oktober ist die neue Regierung, deren Reichsfanzler Prinz Mag von Baden ist, zusammengekommen. So hat Deutschland nun eine bürgerlich- demokratische Regierung auf parlamentarischer Grundlage, in der auch die Sozialdemokratie durch die Genossen Scheidemann und Bauer vertreten ist. Nur schweren Herzens hat die Partei sich zur Teilnahme an der Feuilleton Die Freunde nennen sich aufrichtig, die Feinde sind es daher man ihren Tadel zur Selbsterkenntnis benügen soll als bittere Arznei. Schopenhauer. Die vier Raben. Erzählung von Anna Mosegaard.( Fortsetzung.) lutigrot, wie ein glühender Feuerball, versinkt die Sonne hinter den Bergen. Blumen und Gräser senken müde ihre Stöpfchen, der Abend naht. Heini hat sich fester in seine Decke gewickelt, die hohe Brust hebt und senkt sich schwer; ganz in sich zusammengesunken ist das Kind im Schlaf, der es umfangen hält. Da tritt ein früh gealtertes, abgehärmtes Weib durch die Gartenpforte, Martha Rabe ist's. Bom Felde kommt sie, wo sie den ganzen Tag schwer gearbeitet hat. Leise tritt sie näher, sieht das schlafende Kind und streicht mit ihrer arbeitsharten Hand über das wellige Haar. Da schlägt es die Augen auf:„ Mutter!" „ Mein Jung!" Wie lieb sich die beiden haben. Die blasse Frau mit dem früh ergrauten Scheitel und das arme verkrüppelte Kind. Alle Wünsche möchte die Mutter ihm erfüllen, alles, um es froh zu machen. Aber es hat keinen Wunsch mehr, seit die Mutter ihm den einen erfüllte, ihm eine kleine Geige kaufte. Vom Munde hat sie sie sich abgespart; und trotzdem darf es der Vater nicht einmal wissen. Jnuner muß der Junge sie ver steckt halten, wenn er nicht Gefahr laufen will, daß der Vater sie erwischt und in seinem Rausch in Stücke schlägt. Er ist nun einmal so, der Vater. Er mag solchen Firlefanz nicht leiden. 11 Regierung entschlossen, weil sie weiß, eine wie große Verantwortung sie mit diesem Schritt auf sich nimmt. Aber es ging nicht an, in so schicksalschwerer Stunde abseits zu stehen und zuzuschauen, ob nun richtige oder verkehrte Schritte von den anderen unternommen werden. Leichter wäre ein solches Verhalten zwar gewesen, aber besser nicht. Das deutsche Volk will den Frieden, und dazu bedarf es nicht lauter Worte, sondern entschiedener Taten. So ist denn die erste Tat der neuen Regierung gewesen, daß sie ein neues Friedensangebot an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Wilson, richtete und ihn ersuchte, auf Grundlage des von ihm aufgestellten Programms die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen. In der Nacht vom 4. zum 5. Oktober ist die Note abgegangen, und am Sonnabendnachmittag trat der Reichstag zusammen, um von diesem Friedensschritt Kenntnis zu nehmen. Aus Genf wird unter dem 7. Oftober gemeldet, daß die fran zösischen Sozialisten ein Manifest an den Präsidenten Wilson beschlossen, daß er die Entente zu einer Besprechung des deutschen Vorschlages veranlassen möge. Dagegen sind die Meldungen der offiziösen französischen Telegraphenagentur Havas sehr nervös und friegswütig. In England scheint eine dem Frieden günstige Stimmung zu herrschen. Präsident Wilson hatte es sich zum Ziel gesetzt, Europa den Frieden zu bringen, so oder so; die nächsten Tage schon werden entscheiden, ob dieser Wille noch besteht, die Möglichfeit ist gegeben. Rußland hat der Türkei den Frieden von Brest- Litowsk gekündigt und erwartet von Deutschland größtes Entgegenkommen bezüglich der diesseitigen Lösung. Die Entwicklung im inneren Deutschland bleibt abzuwarten; sie hängt eng mit den Erfolgen der äußeren Politik der neuen Regierung zusammen. Aber es erscheint geradezu unmöglich, daß das alte Preußen seinen Platz im neuen Deutschland behaupten kann. Das sehen auch die Vertreter des alten Preußen ein, aber sie halten es für angemessen, mit Hohn und Spott auf die Demokratie und auf das neue Deutschland, das werden will, ihre eigene Herrschaft zu Grabe zu tragen. Jedem das Seine. Über Takt läßt sich nicht streiten. Klara Bohm- Schuch. Je nachdem man mehr Geist hat, findet man, daß es mehr originale Menschen gibt. Die Menschen des großen Haufens finden keinen Unterschied zwischen den Menschen. Bl. Pascal. " Mutter, wie rauh, wie rissig deine Hände sind," sagt das Stind, weil es nicht weiß, was es der Mutter Liebes sagen soll. " Das kommt vom Rübenhacken," sagt die Frau schlicht und zieht den Knaben in ihre Arme. Aber ich tue es ja gern für cuch, meine Kinder für dich, mein Heini." Da stürzen die drei Naben mit heiserem Gefrächz herein und berichten schreiend, ein Wort das andere überſtürzend: ,, Mutter, Vater ist wieder besoffen! In der Schenke ist er! Er torkelt schon! Die Schulzen hat ihn gesehen!" Das heitere Lächeln erstirbt der Mutter auf den Lippen. Tiefer gräbt sich die Falte um den zugekniffenen Mund. Wortlos geht sie hinein, den Kindern das Abendbrot zu bereiten und ihre Anordnungen zu treffen. Dieweilen reißen sich die drei Raben um des Ältesten Geige. Weil der schwache Stnabe ihnen an Körperkraft nicht überlegen ist, muß er sich aufs Bitten verlegen. Da wirft Alma ihm die Geige vor die Füße, daß die Saiten flingen:„ Da Haste deine Fiedel!" Dann stürzen sie davon. In der Küche sißen sie schwabend um den runden Tisch, während die Mutter mit verdüstertent Angesicht einhergeht. Heini bekommt sein Schüffelchen mit Milch in den Garten gebracht. Er kennt schon die Stunden, die nun kommen. Die Kinder werden eilig zu Bett gebracht. Weil sie gewöhnlich wieder aus den Federn müssen, wenn der Vater heimkommt und Frau und Kinder brutal vor die Tür setzt, behalten sie gleich das Oberzeug und Schuhe und Strümpfe aut. Das sind sie schon gewöhnt. Die Mutter trägt der Nachbarin indes Butter und Brot hinüber, damit sie mit den Ihren morgen früh zu essen hat, wenn der Vater bis mittag die Tür verschlossen hält, niemanden einläßt, bis er seinen Rausch ausgeschlafen. Ach, so genau kennt Heini das alles. Wie viele Nächte hat er mit Mutter 12 Bevölkerungspolitik Nicht locker lassen! Die Gleichheit Es ist zu hoffen, daß die neue demokratische Regierung auch zur Bevölkerungspolitik eine andere Stellung einnehmen wird als die bisherige Regierung. Darf uns aber diese Hoffnung veranlassen, jetzt die Hände in den Schoß zu legen und nichts mehr zu tun? Im Gegenteil, jetzt heißt es erst recht zeigen, daß wir Frauen nicht willenlose Werkzeuge in der Hand des Gesetzgebers sein wollen, jetzt erst recht müssen wir es laut und deutlich sagen, daß unser Persönlichkeitsbewußtsein sich gegen eine Gesetzgebung aufbäumt, die den Frauen das Bestimmungsrecht über ihren Körper nehmen will. überall regt es sich. In Frankfurt a. M. fand am 9. und 10. D fober eine Tagung statt, die vom Wohlfahrtsamt der Stadt Frankfurt und der Frauenfommission zum Studium der Sittlichkeitsfragen veranstaltet wurde. Unsere Genossinnen waren an dem Zustandekommen start beteiligt. Groß- Berlin ruft am 18. Oftober seine weiblichen Mitglieder zusammen, um ihnen Aufklärung über den Stand der Bevölkerungspolitik zu geben und die Frauen zur Stel. Yungnahme zu veranlassen. Am 4. November findet eine öffentliche Sundgebung statt, zu der sich eine große Anzahl angesehener Frauen verbände zusammengefunden haben. Macht es überall nach. Nur eine kurze Spanne Zeit bleibt uns noch. Wenn der Reichstag die Gesezentwürfe verabschiedet hat, ist es zum Protestieren zu spät! Weitere Protestversammlungen. Am Sonntag, den 22. September fand in Reichenbach i. V. für den 18., 22. und 23. sächsischen Reichstagswahlkreis eine vom Bezirksvorstand in Zwidau einberufene und geleitete Frauen tonferenz statt, an der sich auch einige Ortschaften des 19. Kreises beteiligten, die zum Verbreitungsgebiet des„ Sächsischen Volksblattes" gehören. Genossin Juchacz aus Berlin hielt das einleitende Referat über die dem Reichstag vorliegenden bevölkerungspolitischen Ge fegentwürfe. Die anwesenden Genofsinnen folgten den Ausfüh rungen mit großem Interesse. Die Motive, von denen die Reichsregierung sich bei dieser Frage leiten läßt, sind zu verstehen. Sie und Geschwister im kalten Hausflur übernächtigen müssen. Zufammengerollt wie die Jgel lagen sie dann um die Mutter herum; jedes wollte einen Zipfel von Mutters Rock haben. Mitunter nahmen sich auch mitleidige Nachbarn ihrer an. Dann kauerten fie auf harten Stühlen, im Holzkaften und auf der Dienbank und erwarteten den Morgen. Die drei Jüngeren waren glücklich zu preisen, sie schliefen, wohin man sie auch fetzte oder legte. Und war es auf offener Landstraße, wohin man mehr denn einmal flüchten mußte. Heini fand keinen Schlaf in solchen Nächten. Manche Stunde hatte er wachend mit der Mutter verbracht, um mit ihr über ihr Elend zu beraten. Deshalb waren die zwei Menschen auch wohl so innig miteinander verbunden. Heini hatte sich nicht getäuscht. Gegen Mitternacht kam Vater heim, wütete und tobte, schlug die Mutter und schlug seine Kinder. Der Alma blutete die Nase, sie frächzte, daß es Heini durch Mark und Bein ging, wischte das Blut mit der Hand ab und schmierte es auf Ottos Jacke. Dann ging's hinüber zur Nachbarin. Und ehe Heini noch ein Plätzchen fand, wohin er feinen armen Störper betten konnte, schlief die Alma schon wie ein kleines Murmeltier. Solche Nächte kamen noch viele, viele. Bis der Vater wegen Trunksucht sein Amt verlor, gänzlich versumpfte, seine Kinder für Schlangen und Kröten hielt, unter den Betten nach Goldstücken suchte und endlich im Säuferwahnsinn zugrunde ging. Da zog die Witwe mit ihren Kindern nach der Stadt, um dort in einer Fabrik Arbeit zu suchen, die sie und die Ihren nährte. Heini war nun schon achtzehn Jahre alt, konnte aber keinen Pfennig verdienen. Sein äußeres glich noch immer dem eines zehnjährigen Kindes. Otto war in der Lehre, hielt aber nirgends aus, lag die meiste Zeit daheim, der Mutter zur Last. Karl, der ewig kränkliche, war dem Vater bald gefolgt. Alma ging das letzte Jahr zur Schule, Nr. 2 sucht Wege, um dem Geburtenrückgang und damit einer dauernden Volksverminderung zu steuern. Auch wir erkennen an, daß ein Bevölkerungszuwachs für die Entwicklung unseres Volkes und Landes notwendig ist. Der durch die Geseze gegen die Verhinderung der Geburten und gegen die Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung eingeschlagene Weg ist jedoch falsch, der Geburten: zwang, wie ihn die Geseze verstehen, ist das ungeeignetste Mittel, den Geburtenausfall wettzumachen. Die Wurzel des übels finden wir in den sozialen Verhältnissen. Jetzt hat der menschenmordende Krieg, der Millionen Männer im besten Alter hinweggerafft hat, den Nachwuchs noch weiter eingeschränkt. Einen starten Einfluß auf die Geburtenverminderung haben die Geschlechtskrankheiten. Diese will der erste Gesezentwurf bekämpfen. Er ist als Fortschritt zu begrüßen, nur muß gesagt werden, daß er unsere Forderungen durchaus nicht restlos erfüllt! Rednerin er läutert, wie in diesem Gesetz noch immer Ausnahmebestimmungen gegen das weibliche Geschlecht enthalten sind, und findet damit bei den Genossinnen volles Verständnis. Sie spricht sodann eingehend über die sozialen Ursachen der Geburtenverminderung: Arbeitslosigfeit, geringes Einkommen, teure Lebensverhältnisse, der wirtschaftliche Zwang zur Erwerbsarbeit bei den Müttern, die Wohnungsnot, das Elend der außerehelichen Mütter und ihrer Kinder finden eingehende Behandlung. In verständlicher Weise werden Vorschläge gemacht, wie die Regierung diesen sozialen Zuständen begegnen könnte durch gesetzlichen Schutz für Mutter und Kind, durch eine gute Lebensmittelpolitik, reichsgeseßliche Fürsorge für Arbeitslose, durch ein Reichswohnungsgesetz. Wie das Persönlichkeitsrecht der Frauen durch die Gesezentwürfe aufs schwerste getroffen wird, zeigten am besten die Erläuterungen über das Gesetz gegen die Verhinderung der Geburten. Bei dieser Gesetzgebung müssen doch die Frauen deutlich das Fehlen aller staatsbürgerlichen Rechte empfinden. Die nachfolgende Aussprache dauerte über drei Stunden. Im Herbst sollen eine Reihe von Protestversammlungen im Bezirk stattfinden, zu denen die Genossinnen gute Vorarbeit leisten wollen. Nachfolgende Entschließung fand einstimmige Annahme: Die am 22. September in Reichenbach tagende Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des 18., 22. und 23. sächsischen Reichstagswahlkreises nimmt Stellung zu den beiden Gesezentwürfen gegen die Verhinderung der Geburten und gegen Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung. Die beiden Geseze mit ihren Verboten gehen weit über das Notwendige hinaus. Ohne den gewollten Zweck der Geburtenwar ein kräftiges, gut entwickeltes Mädchen, zeigte aber nicht die mindeste Lust zur Arbeit und Häuslichkeit. Otto und Alma hatten noch immer das stupide Kinderlachen, noch immer den blöden Ausdruck in den häßlichen Glogaugen. Das unfeine, laute Lachen der Alma war schon ein wenig herausfordernd, fast frech. Die beiden Jüngeren haßten den Krüppel, der noc) immer wie ein kleines Kind an Mutters Schürzenzipfel hing. Fünf Jahre plackte das gequälte Weib sich in der Wollspinnerei, da stellten sich beängstigende Nachtschweiße und Blutspucken ein. Bald mußte die Nimmermüde das Bett hüten, war gänzlich auf die Kinder und mitleidige Nachbarn angewiesen. Die Kinder! Was war aus ihnen geworden? Otto lungerte noch immer meist faulenzend umher. Alma trug fesche Kleider und hatte viele Verehrer, trok ihrer Glogaugen. Blieb nur der Heini. Der nahm seine Kindergeige, spielte auf Straßen und Gassen, in schmutzigen dunklen Höfen, um der Mutter die erbettelten Nickel zu bringen. Als er an einemt regnerischen Herbstabend seinen todmüden Körper heimschleppte, fand er nur noch der Mutter entfeelten Leichnam. Sein Schmerz kannte keine Grenzen. Nun stand er allein in der Welt. Die wenigen Habseligkeiten reichten kauni aus, um die Tote unter die Erde zu bringen. Niemand dachte daran, sich des Strüppels anzunehmen. Vielleicht, wenn er darum gebettelt hätte! Nun stoben die drei Raben auseinander. Flatterten hiraus in die Welt. Otto wollte nach Amerika, weil er glaubte, dort liege das Geld auf der Straße, man brauche sich nur danach zu bücken. Alma war die Geliebte eines feinen Herrn geworden. Der wollte sie mitnehmen nach der Schweiz. Aber noch ehe es soweit war, war er ihrer überdrüssig. Da warf sie sich troķig Nr. 2 Die Gleichheit vermehrung zu erreichen, werden sie der Volksgesundheit und Volksjittlichkeit schweren Schaden zufügen, weil das allgemeine Verbot der Präventivmittel, sowie die Verneinung aller fulturellen, wirtschaftlichen und sittlichen Beweggründe der Geburtenverhinderung, wie sie in den Gesezen ausgesprochen wird, zweifellos die Zahl der kriminellen Aborte steigern wird. Die Fülle der am Geburtenrüdgang zusammenwirkenden so= zialen Ursachen sollten den Gesetzgeber veranlassen, diese bedrohliche Erscheinung mit großzügigen sozialen Mitteln zu bekämpfen. Eine Mutterschaftsversicherung, Ausbau des gewerblichen Frauenschußes, staatliche Regelung der Lohnfrage, eine gute Wohnungsreform, Ausbau der Fürsorge für die Kinder arbeitender Mütter, die soziale und rechtliche Besserstellung der außerehelichen Mütter und ihrer Kinder sind Mittel, um bei der Masse der Frauen den Willen zur Mutterschaft zu stärken. Die beiden Gefeße greifen tief ein in das persönliche Leben der Frauen, denen durch ihre politische Rechtlosigkeit keine Mitwirkung an der Gesetzgebung möglich ist. Die anwesenden Genossinnen ziehen aus dieser Tatsache von neuem die Lehre, für die politische Aufklärung der großen Masse der Frauen zu sorgen. Sie geloben sich, in der Zukunft ihre ganze Kraft aufzuwenden, um die Frauen der Arbeiterklasse der sozialdemokratischen Organisation zuzuführen und diese Frauen für unseren politischen Stampf zu ſchulen. * Ein große öffentliche Frauenversammlung, an der mehr als 1600 Frauen und Mädchen, darunter zahlreiche Angehörige des Bürgertums teilnahmen, fand am 21. September in Plauen i. V. statt. Genossin Juchacz( Berlin) behandelte auch hier die Gesezent würfe betreffend Geburtenverhinderung, Schwangerschaftsunterbrechung und Unfruchtbarmachung. Mit sichtlicher Spannung und Aufmerksamkeit folgten die Versammelten den Ausführungen der Referentin. Sie forderte zu scharfem Protest der Frauen auf, damit diese Ausnahmegeseze gegen die Frauen ver hindert würden. Stürmische Zustimmung begleiteten ihre Worte. In der Diskussion sprach ein Genosse sich für die Errichtung von Entbindungsanstalten auf Kosten der Gemeinde und für besseren Wöchnerinnenschutz aus. Auch sollten die bürgerlichen Kreise die Frauen wegen ihrer schweren Kriegsarbeit nicht in Worten als Heldinnen feiern, sondern lieber für eine Gleichberechtigung der Frauen im politischen Leben sich entschließen. Zahlreiche Partei aufnahmen krönten den guten Verlauf der Versammlung. dem ersten besten in die Arme. Und jedem, der zu ihr kam, wenn er nur zahlte. Die Alma war nicht wählerisch, jeder Lump war ihr gut genug. 50- Pfennig- Alma" nannten sie die Leute. Heini nahm seine Geige und zog auf Messen und Märkte. Saß auf seinem gepolsterten Bänkchen, das er sich selbst hergestellt hatte, an den belebtesten Straßen und spielte seine Lieder. Bald lustig, bald traurig je nachdem. Mit todwundem Herzen spielte er die neuesten Gassenhauer, und die Nickel flogen ihm reichlich zu. Man hatte Mitleid mit dem Krüppel. Die elende Gestalt, das schöne Knabenangesicht mit den traumtiefen Augen hatten es den Leuten angetan. Dft diente er rohen, betrunkenen Menschen auch als Zielscheibe ihrer schlechten Wite. Dann biß er die Zähne zusammen und spielte seine Lieder. Des Nachts erst, wenn er sich schlaflos auf dem Strohsack wälzte, kamen die Tränen und brachten ihm Erlösung, schmolzen die Eisrinde, die sich langsam um sein junges Herz legen wollte, und ließen ihn wieder hoffen. Da Heini ungemein sparsam lebte, nie ein Tropfen Alkohol über seine Lippen kam, war er bald so gestellt, daß er nicht mehr mit allen und jedem in einer Spelunke zu übernachten brauchte, auch konnte er seine schadhafte Kindergeige durch eine gute alte Geige, die er beim Althändler erstanden, ersetzen. Sie hatte einen guten, reinen Klang, doch wollte es ihm scheinen, hatte seine Kindergeige besser geklungen. Oder war es nur die Erinnerung an die geliebte Mutter, die sie ihm so wertvoll gemacht? Sicher hätte sich Heini mit seinem Schicksal abgefunden, wenn nicht die Liebe hindernd in sein Leben getreten wäre! Ein Gauklerkind war's, das ihm den Kopf verdreht hatte. Ach nein, das hatte sie ja nicht. Sie war schuldlos, die kleine Inge. ( Schluß folgt.) 13 Einen ebenso guten Verlauf nahmen zwei Versammlungen in Reichenbach und Zwickau, wo dieselbe Rednerin über das gleiche Thema vor überfüllten Versammlungen sprach. Alma Röhle, Plauen. Im September fand in Dresden- Neustadt eine Frauenversammlung statt mit dem Thema:„ Bevölkerungspolitik, Frauenund Kinderschuß". Das Referat hielt Reichtagsabgeordneter Richard Schmidt( Meißen). Die gut besuchte Versammlung folgte den Ausführungen des Referenten mit großer Anteilnahme. Die lebhafte Debatte lieferte den Beweis, daß die Frauen nicht gewillt sind, sich Zwangsmaßregeln im Sinne der Gesetzentwürfe auferlegen zu lassen. Sie brachten demgegenüber zum Ausdruck, daß der Staat für besserent Wöchnerinnen, Mutter und Kinderschuß sorgen möge, damit die Frauen die Gewähr haben, daß ihre Kinder zu gesunden und lebensfähigen Menschen heranwachsen können. Solange die jetzt bestehenden Znstände teine Besserung erfahren, find die Frauen nicht gewillt, mehr oder weniger schwache oder unglückliche Kinder zu gebären. Trotzdem hier im vierten sächsischen Reichstagswahlkreis zurzeit fein einziger Saal für Versammlungen zu haben ist und wir uns nur mit unserem Jugendheim begnügen müssen, ist doch das Versammlungsleben der Frauen sehr rege. Neben guten Vorträgen werden den Frauen Ratschläge und Auskünfte gegeben, so daß sie stets mit zufriedenen Gesichtern die Versammlungen verlassen. * Klara Noack. In Nürnberg sprach vor einer großen Versammlung Genossin Meta Duard- Hammerschlag über:„ Geburtenzwang und Frauenrechte". Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: Die in Nürnberg am Mittwoch, den 2. Oftober, im Saale des Sächsischen Hofes" tagende, von über tausend Frauen besuchte Versammlung erhebt entschieden Protest gegen die vom Reichs= tagsausschuß für Bevölkerungspolitik vorgelegten Gesezentwürfe gegen Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung. Die Gesetzentwürfe sind nicht geeignet, die gewünschte Geburtenzunahme zu erzielen, wohl aber dürften sie dazu beitragen, die Frauen einer ständigen Gefahr der Denunziation auszuliefern. Die Gesezentwürfe tragen den Stempel der Entehrung für die Frauen, da sie das Selbstbestimmungsrecht der Frauen als Mütter mit allerhand fleinlichen Schikanen untergraben, wogegen sich die Frauen mit aller Enischiedenheit auflehnen. Desgleichen lehnen es die Frauen ganz energisch ab, sich betreffs der Mutterschaft Herbstgefühl. mürrisch brauft der Eichenwald, mürrisch brauft der Eichenwald, Aller Himmel ist umzogen, Und dem Wandrer, rauh und kalt, Kommt der Herbstwind nachgezogen. Wie der Wind zur Herbfteszeit Mordend hinfauft in den Wäldern, Weht mir die vergangenheit Von des Glückes Stoppelfeldern. An den Bäumen, welk und matt, Schwebt des Laubes letzte Neige, Niedertaumelt Blatt auf Blatt Und verhüllt die Waldessteige. Immer dichter fällt es, will mir den Reisepfad verderben, Daß ich lieber halte still, Gleich am Orte hier zu sterben. Christiane Goethe- Vulpius. Eine Rechtfertigung von Anna Blos. Lenau. ( Schluß.) Diese Feindschaft verstand Frau von Stein auch auf Schillers Frau zu übertragen, und es ist charakteristisch, daß in der sonst für so ideal geltenden Freundschaft Schillers und Goethes in ihrem reichen Briefwechsel Christiane so gut wie feine Rolle spielt. Schiller genießt viel Gastfreundschaft in Goethes Haus, er nimmt Gefälligkeiten von Christiane an, er vertraut ihr seinen Sohn für längere Wochen an. Nirgends aber findet sich ein Wort des Dankes oder ein Gruß an die Frau, die mit so großer Selbstlosigkeit für den Geliebten sorgt. Diese Selbstlosigkeit geht so weit, daß sie alle Sorgen allein trägt, daß sie in Goethes Abwesenheit diesem von Kummer und Krankheit nur schreibt, wenn alles überstanden ist. Wie ernst Goethe selbst ihr Verhältnis stets auffaßte, zeigt seine Antwort auf die Frage, warum er nicht heirate:" Ich bin verheiratet, nur nicht mit Zeremonie." Gerade diese Außerung gab viel Anlaß zu all dem Klatsch des Weimarer Kleinstadtlebens, das noch verschärft war durch den tieinen Hof,„ den Mittelpunkt alles Geträtsches". Knebels Frau, die ebenfalls viel unter dem Klatsche zu Teiden hatte, fand die natürlichste Erklärung. Die Frau ist sehr beneidet worden und deshalb viel angefeindet und verleumdet." Sie war die einzige, mit der Christiane näher verkehrte, und darum ist 14 Die Gleichheit dem Gutachten der Ärzte auszuliefern. Auch hier fordern sie ihr freies Selbstbestimmungsrecht als Mütter. Die Versammlung fordert ihrerseits eine großzügige und gesunde Bevölkerungspolitik, welche in der Erhaltung aller lebensfähig Geborenen zu erblicken ist. Zu diesem Zwecke ist eine aus reichende Fürsorge für Mutter und Kind zu organisieren. Die Arbeiterschutzgesetzgebung, sowie die Gesundheits-, Wohnungsund Wirtschaftspolitit und die soziale Versicherungsgesetzgebung sind auszubauen. Ferner Beseitigung aller Ehehindernisse, den Frauen ist allgemeines, gleiches, geheimes, attives und passives Wahlrecht zu geben, wodurch ihnen ein Mitbestimmungsrecht bei der Geseggebung gesichert ist. In der Versammlung wurde auch eine erfolgreiche Agitation für unsere Frauenbewegung entfaltet. Es wurden 72 Neuaufnahmen für die Partei gemacht. In München sprach am 7. Oktober in einer gut besuchten Frauenversammlung Arbeitersekretär Thomas an Stelle des Reichstagsabgeordneten Heinrich Schulz, der infolge der plöglichen Einberufung des Reichstags nicht nach München hatte kommen können, über die Bevölkerungspolitik und die Frauen. Der Redner beleuchtete die sozialpolitische Bedeutung des Bevölkerungsproblems und ver= wies darauf, wie bisher imperialistische Machtpolitit Einfluß auf die Vermehrung der Geburten nehmen wollte. Die Frau lehnt es aber ab, sich zur Gebärmaschine erniedrigen zu lassen; wenn man das Bevölkerungsproblem richtig lösen will, hat man vor allem soziale Fürsorge zu leisten( Mutter, Säuglings, Seleinkinder- und Schulkinderfürsorge). Die Ausführungen des Redners wurden von den Zuhörerinnen mit kritischen Zurufen und zustimmendem Beifall begleitet. Einstimmig wurde folgende Entschließung angenommen: Die Versammlung erhebt entschiedenen Protest gegen die vom Reichstagsausschuß für Bevölkerungspolitik vorgelegten Gesetzentwürfe gegen Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung. Die Gesezentwürfe sind nicht geeignet, die gewünschte Geburtenzunahme zu erzielen. Sie tragen den Stempel der Entehrung für die Frauen, da sie das Selbstbestimmungsrecht der Frauen als Mütter untergraben, wogegen sich die Frauen mit aller Entschiedenheit auflehnen. Desgleichen lehnen es die Frauen mit aller Entschiedenheit ab, sich hinsichtlich der Mutterschaft dem Gutachten der Ärzte auszuliefern. Auch hier fordern sie ihr freies Selbstbestimmungsrecht als Mütter. Die Versammlung fordert ihrerseits eine großzügige und gesunde Bevölkerungspolitik, die ihr Urteil besonders wertvoll:„ Sie war feine sehr ausgebildete Frau, aber sie hatte sehr vielen natürlichen hellen Verstand. Goethe hat uns oft gesagt, daß, wenn er mit einer Sache in seinem Geiste beschäftigt wäre und die Jdeen zu stark ihn drängten, er dann manchmal zu weit käme und sich selbst nicht mehr zurechtfinden könne, wie er dann zu ihr ginge, ihr einfach die Sache vorlege und oft erstaunen müsse, wie sie mit ihrem einfachen natürlichen Scharfsblick immer gleich das Richtige herauszufinden wisse und er ihr in dieser Beziehung schon manches verdanke." Wie ganz anders lautet dieses Urteil als das von Frau von Stein, mit der heute noch viele Christiane ansehen als„ eine Dirne, eine ungebildete dumme Köchin, eine Säuferin". Gerade für die Trunktsucht, die Christiane vorgeworfen wird, findet sich kein Beweis. Goethe, der ihr oft in seinen Briefen Maßhalten im Tanzen und Augelchenmachen empfiehlt, schreibt nie etwas über das Weintrinken, während er von sich sehr häufig berichtet, daß er oft und gern guten Wein trinkt. Niemand fällt es aber deshalb ein, Goethe zu den Säufern zu rechnen. Frau von Stein nahm aber trotz aller üblen Nachrede Spargeln von Christiane an. Diese, selbst urteilte nie lieb= los über die bösartige Gegnerin. Elisa von, der Recke rühmte von ihr, daß sie sie nie Böses von anderen sprechen hörte. Sie sagte von der Frau, die Goethe ihr mit den schönen Worten vorstellte: " Ich empfehle Ihnen meine Frau mit dem Zeugnis, daß seit sie ihren ersten Schritt in mein Haus tat, ich ihr nur Freuden zu danken habe," sie könne sich wohl vorstellen, daß ihr anspruchsloser, heller, ganz natürlicher Verstand Interesse für Goethe hätte. Den Schauspielern des Weimarer Hoftheaters, denen Goethe die allgefürchtete „ Exzellenz" war, galt Christiane als Freundin und Vermittlerin, ihre gute Fee" nennen sie sie. Während das Weimarer Publikum sich Schauergeschichten von der Verschwendungssucht Christianens erzählte, betont Goethe immer wieder, wie er ihr vollstes Vertrauen auch in Geldangelegenheiten schenkt. Es geht auch aus Goethes Briefen hervor, wieviel Anteil er sie nehmen ließ an seinem Schaffen. Wir finden sie in seinen schönsten Gestalten, im Gretchen im" Faust", Klärchen im„ Egmont" wieder. Aber auch eine Reihe wunderbarer Gedichte sind durch sie angeregt. Nr. 2 in der Erhaltung aller lebensfähigen Geborenen zu erblicken ist. Sie verlangt also ausreichende Fürsorge für Mutter und Kind, Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung sowie eine durchgreifende Neugestaltung der Gesundheits-, Wohnungs- und Wirtschaftspolitik und Beseitigung aller Ehehindernisse. Das wirksamste Mittel auch zur bevölkerungspolitischen Mitverantwortlichkeit der Frauen erblickt die Versammlung in der Gewährung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Frauen, in der Gewährung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts an beide Geschlechter zu allen gefeßgebenden Körperschaften. Aus unserer Bewegung Seinen 75. Geburtstag feierte am 3. Oftober Genosse Heinrich Diez, der um die wissenschaftliche Parteiliteratur hochverdiente Begründer und Leiter des Dietzschen Verlages in Stuttgart. Aber auch die proletarische Frauenbewegung ist dem Genossen Diez zu herzlichem Dante verpflichtet. Ist er doch von Anfang an unserer Gleichheit" ein fürsorglicher, opferbereiter und liebevoller Vater gewesen. Mit unseren Leserinnen sprechen deshalb auch wir wenn auch leider etwas verspätet- dem Genossen Dieß unsere wärmsten Glückwünsche aus. Möge er, der sich bis in sein hohes Alter eine wunderbare Frische und Regsamkeit des Geistes bewahrt hat und alle großen Ereignisse der Zeit mit seinem sicheren, abgeklärten Urteil verfolgt, auch über die mancherlei förperlichen Anfechtungen des Alters, die ihm in den letzten Jahren gelegentlich trübe Stunden bereiteten, Sieger bleiben. Wir wünschen ihm in der nun hoffentlich bald beginnenden Zeit des Friedens noch geruhsame Jahre fruchtbaren Wirkens, verklärt vom goldenen Schein der Abendsonne. Regine Friedländer t. Am 5. Oftober verzehrten die Flammen ihren toten Leib. Loderndes Feuer wie das, das in ihr lebte, seitdem sie, ein blutjunges Proletarierkind, voller Lernbegier und voll sprühenden Lebens in die Arbeiterbewegung eintrat. Den schwächlichen Körper meisterte ein eiserner Wille, die Glut ihrer Begeisterung aber übertrug sie auf alle, die in den Jahren ihrer öffentlichen agitatorischen Tätigkeit mit ihr zusammenivirkten. In der jungen Handlungsgehilfenbewegung Berlins beginnend, war sie Jahre hindurch auch eine der beliebtesten Rednerinnen der proletarischen Frauenbewegung. Eine geborene Agitatorin, deren Temperament bedächtig ,, Und wenn wir von Christiane gar nichts wüßten, als daß Goethe ihr die Metamorphose der Pflanzen schrieb, es wäre Grund genug, sich mit ihr zu beschäftigen und in ihr Wesen einzubringen," schreibt Ella Federn. Es wäre doch auch wunderbar, wenn ein so aufgewecktes, gut veranlagtes Menschenkind wie Christiane unbeeinflußt geblieben wäre von einem Goethe in so langem engsten Busannnenleben mit ihm. Noch wunderbarer aber wäre es, wenn Goethe seine schönen Briefe, die noch nach mehr als zwanzigjähriger Ehe im wahrsten Sinn des Wortes Liebesbriefe sind, einer Frau geschrieben hätte, die ihm geistig gar nichts hätte geben können. Auf all seinen Reisen, umworben von schönen und geistreichen Frauen, ist der Grundgedanke dieser Briefe immer wieder:„ Von Ost nach Westen, zu Hause am besten." Am 6. Juni 1816 starb Christiane. Eine kurze, ergreifende Totenklage hat der Dichter der Geliebten gewidmet, in der sein tiefer Schmerz zum Ausdruck kommt:„ Du versuchst, o Sonne, vergebens, durch die düstern Wolken zu scheinen! Der ganze Gewinn meines Lebens ist, ihren Verlust zu beweinen." Ein Jahr vorher hatte er ihr aus Wiesbaden geschrieben:„ Die Liebe das Beste." Wie viel können die aus diesen Worten lernen, die lieb- und urteilslos den Stab brechen, deren Lästerzungen nicht schweigen, selbst wenn es sich um Tote handelt. Die Tatsache aber können sie nicht aus der Welt schaffen, daß Goethes tiefste und einzig dauernde Neigung dem Kind aus dem Volke gegolten hat, über das auch heute noch viele die Nase rümpfen möchten. Feldpostbriefe. Ein Soldat schreibt uns aus dem Felde: Auch die tragen Leid und Trauer, die noch nicht um den Verlust eines lieben Angehörigen zu klagen brauchen. Traurigeres konnte der Krieg nicht bringen als die jähe Unterbrechung des ZusammenMiteinanderseins Liebender und junger Eheleute. Die sich in engem leben durch täglichen und stetigen Austausch von Erlebnissen und Gedanken erst kennenlernen und einander anpassen sollten, mußten voneinandergehen. All die Sorgen und Hoffnungen des Erwerbs Nr. 2 Die Gleichheit widerstrebendes überlegen für sich nicht anerkannte, aber doch die Notwendigkeit mühseliger organisatorischer Kleinarbeit für den Aufstieg der Arbeiterklasse voll erfaßte, war Regine Kraus die erste weibliche Angestellte des Handlungsgehilfenverbandes. Aus eigener Kraft hat sie sich ihren Weg gebahnt, und ungern nur gab sie ihren Mädchennamen und die liebgewordene Stellung auf. Der Bewegung aber blieb sie treu, wenn auch die wachsende Zahl der Kinder Einschränkungen erzwang. Die Erfüllung ihrer Hoffnung auf eine Einigung der Arbeiterschaft nach den Wirrsalen des Kriegs, in denen sie nicht auf unserer Seite stand, sollte sie nicht mehr erleben. Eine typhusartige Erkrankung hat sie in wenigen Tagen dahingerafft. Die Kinder trauern um die zu früh verstorbene Mutter. Die sozialiftische Frauenbewegung wird ihrer Arbeit nicht vergessen. D. W. Kindergräber. Es gibt Menschen, welche die Friedhöfe meiden wie einen Bestort. Gewiß gibt es anmutigere Spaziergänge, aber solch ein Fried hof mitten im Walde hat doch auch einen unendlichen Reiz. So oft mich mein Weg nach dem Bergstädtchen Tharandt führt, versäume ich nie, das Grab Coitas zu besuchen, dem man ein Grab droben in der Waldeinsamkeit gegeben hat unter achtzig Eichen. Die Zahl seiner Lebensjahre! Ich wünsche mir immer im stillen eine ähnliche Ruhestätte. Der Philosoph lächelt natürlich darüber, und er ist vollkommen in seinem Rechte. Denn im Grunde genommen kann es dem Menschen recht gleichgültig sein, wo seine sterblichen Reste ruhen, die Hauptsache ist, daß er während der Spanne Zeit, in der er an der Oberfläche weilt, sein Dasein nugbringend lebt, im Dienste der Gesamtheit. Meiner Vorliebe für stille Waldfriedhöfe kommt der Friedhof des Ortes, in dem ich mich zurzeit befinde, aufs glücklichste entgegen. Hoch droben im Thüringer Wald ein sonniger Bergabhang, umstanden von hohen ernsten Fichten und alten Ebereschen mit brennendrot leuchtenden Früchten, ein weicher Teppich, gewebt aus Moos und Heidekraut, Vogelgezwitscher und Käfergebrumm- das ist der Gräberplatz der Gemeinde E. Ich trete ein, die Tür freischt in verrosteten Angeln, ich sehe mich um: zwei Hälften, von denen die eine belegt ist mit Gräbern Erwachsener, die andere mit Kindergräbern. Auffallend ist die zahlenmäßig gleiche Verteilung von jung und alt. Ich zähle die Gräber. Ein kleiner dickaufgeplusterter Bogel mit komisch langen dünnen und Kriegslebens erfassen die jungen Menschen einzelir. Jeden beeinflußt das Leben anders. Der Ausgleich fehlt, den vordem die Aussprache in traulicher Feierabendstunde immer wieder bot. In vielen Menschen wächst unbemerkt von den liebsten Angehörigen etwas Unbekanntes, etwas Fremdes heran. Die so seltenen, kurzen, haftig verlebten Urlaubstage lassen oft ruhiges, tiefgehendes Aussprechen, erneutes Einanderanpassen des Gemüts kaum zu. Es steht etwas zwischen Mann und Frau, was sie nicht kennen, aber immer deutlicher empfinden. Feinfühlige Menschen sind traurig darüber oder tragen gar bitteres Leid. Der Krieg hat es gebracht; mit ihm mag es zumeist wieder verschwinden. " Aber ihr Frauen daheim und ihr Männer draußen: Viele Stunden der Niedergeschlagenheit, der Leiden könnten euch erspart bleiben! Ihr könntet den Gedankenaustausch fortsetzen. Schreibt einander gute Briefe. Nicht so:„ Es geht mir gut. Es grüßt Dich Dein lieber N. Deine liebe M." Erzählt von eurem Leben, vom Tun und Treiben der Familie und Freunde. Fragt und antwortet einander, wie ihr es gewohnt waret vor der Trennung, Berichtet von neuen Plänen und Hoffnungen, die euch persönlich angehen und tauscht die Meinungen darüber aus. Und erinnert euch auch der frohen und guten Stunden in glücklicher Zeit. Sprecht einander guten Mut und Hoffnung zu. Versucht die früher bei stillem Zusammensein ge pflogenen Unterhaltungen in den Briefen weiterzuführen. Gebt euch gegenseitig Nachricht von den Vorkommnissen in den Organisationen. Wie manche Frau weiß von diesen Dingen, die ihren Mann be= treffen, gar nichts, wie viele wissen nichts von den wichtigen Verficherungsverhältnissen ihres Mannes. Wie oft kommen gewerkschaftlich geschulte Männer heim und finden ihre( leider) arbeitende Frau unorganisiert oder gar bei den Gegnern! Solche Briefe geben den Gedanken in ruhigen Augenblicken eine andere Richtung, sie machen Herz und Gemüt freier. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird neu belebt. Das Leben ist froher und leichter! Ihr Frauen meint, es fehle die Zeit vor Erwerbsarbeit, vor Hauswirtschaft und Kinderbetreuen und Reihenstehen und Markenabholen. Ach ja, ich glaube doch, es wird möglich sein. Versucht 15 Beinchen fißt auf einem Grabsteinsockel, bleibt ganz ruhig sigen und sieht mich mit seinen schwarzen Kuglein ernsthaft prüfend an, als wollte er sagen:„ Gelt, da schaust du nun und wunderst dich!" die Es ist das gleiche traurige Ergebnis wie anderswo auch Sterblichkeit der Kleinen und Kleinsten übertrifft die Sterbezahl derer, die mit dem Leben fertig sind. Welche Werte und Energien schlummern in diesen Kindergräbern! Die ältesten Grabsteine hier weisen die Jahreszahl 1883 auf, die menschliche Ansiedlung ist also noch verhältnismäßig neu. 55 Gräber gehören Erwachsenen, 63 find Kindergräber! Die Gemeinde zählt 250 Seelen. Geboren werden jetzt in der Kriegszeit jährlich 1 bis 2 Kinder, vor dem Kriege be= wegte sich die Zahl der Geburten wie folgt: 1905 11, 1906 6, 1907 5, 1908 5, 1909 8, 1910 6, 1911 6, 1912 5, 1913 6 Kinder. Von den 63 Kindern sind gestorben: 24 im ersten Vierteljahr, 18 vor Ablauf des ersten Lebensjahres, 1 Zwillingspaar ist am Tage der Geburt wieder eingegangen, von 2 weiteren Zwillingspaaren hat das eine nur 1 Tag, das andere 3 Tage gelebt. Im Alter von 1 bis 2 Jahren sind 8 Kinder gestorben, die übrigen 13 Todesfälle verteilen sich auf die Zeit bis zum zehnten Lebensjahre. Dann tritt ein völliger Stillstand ein. Es scheint, als ob mit zunehmendem Alter die Widerstandskraft eine erhöhtere wird, aber bis zum zehnten Lebensjahr geht mit dem Tode ab, was nicht kampfstart genug ist. Denn auffallenderweise ergeben die Jahreszahlen der Erwachsenen hohe Altersziffern, zum Teil 80, 81, 82 Jahre, getreu dem Bibelwort: Wenn es hoch kommt, so sind es 80 Jahre. Der Zusatz:„ Und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen," stimmt auf das Waldvölkchen wohl nur im legten Teil, denn von einer Köstlichkeit werden die herrschaftlichen" Holzhauer( so sagt die Grabschrift) und Fuhrmänner wenig gespürt haben. Die Umfrage im Ort nach der Todesursache der Kinder ergab das bekannte Bild. Die meisten derer unterm Jahr waren an Hirnund Zahnkrämpfen(!) gestorben, also Opfer der Unkenntnis ihrer Mütter über die Pflege und Ernährungsbedingungen geworden. Bei 10 Säuglingen ließ sich Lebensschwäche als Todesursache feststellen. 3 Kinder waren an Verbrennungen gestorben, 1 war in den Waschkessel gefallen. Während die Mutter Feuer unterm Kessel gemacht und dann ihrer Arbeit nachgegangen war, hatte sich das auf dem Deckel liegende Kind aus seiner Umhüllung gestrampelt und war in den mittlerweile kochend gewordenen Inhalt des Kessels gefallen. Ein anderes Kind hatte sich mit kochendem Kaffee verbrüht, wieder ein anderes mit kochenden Erbsen. Die übrigen Todesfälle hatten Infektionskrankheiten zur Ursache. mal, eine Stunde früher fertig zu sein, wenn ein Besuch zu machen ist, oder wenn ihr das Theater oder Kino besucht. Nicht als ob ihr das Vergnügen unterlassen und derweil schreiben sollt. Auch gute Unterhaltung und Zerstreuung sind notwendig. Sollte sich aber nicht doch in jeder Woche eine ganz ruhige beschauliche Stunde zum Be sinnen und Briefschreiben übrigmachen lassen? Ganz gewiß!- Von der Tagesarbeit noch nicht ganz frei oder zwischen unbesorgten Kindern und brodelnden Kochtöpfen könnt ihr doch keine lieben guten Briefe schreiben. Zuviel Sorgen, Gram, Unmut schleichen sich in die Feder. Von frohem Gedenken soll doch euer Brief dem fernen Gatten oder Liebsten einen Abglanz bringen. Deshalb schreibt in ruhigen andächtigen Stunden. Und ihr Soldaten draußen! Denkt daran, mit welcher Freude eure Lieben daheim ein paar gute Worte herzlichen Gedenkens in sich aufnehmen werden; wie eure Anteilnahme am Gemütsleben Warten leichter der Frau oder Liebsten daheim das Hoffen und machen kann. Ihr glaubt, das sei schwer? Gewiß nicht! Schreibt nur mal, wie ihr es sagen würdet. Nicht in dem langweiligen hölzernen Stil des buchmäßigen Hochdeutschen, sondern in der einfachen ungefünftelten Sprache eures gemeinsamen Lebens. Schreibt, wie euch der Schnabel gewachsen ist. Dann kommt schon ganz von selber das Süßholzraspeln fort. Versucht es nur. Ich weiß, welche Freude ihr anderit und euch selber bereitet damit. Eure Briefe werden herzlicher, traulicher, wertvoller. Des Empfängers Stimmung malt euch aus. Wer Männer und gute Briefe bekommt, ist froh und innerlich ruhig. Frauen, schreibt gute Feldpostbriefe". Es kommt die Zeit, da ihr A. E. den Erfolg spüren werdet. Käme der Frieden bald! Man muß sich täglich Rechenschaft ablegen. * Seneca. Eine tägliche Übersicht des Geleisteten und Erlebten macht erst, daß man seines Tuns gewahr und froh werde; sie führt zur Gewissenhaftigkeit. Fehler und Irrtümer treten bei solcher täglichen Buchführung von selbst hervor. Goethe. 16 Die Gleichheit Von den Unglücksfällen abgesehen, fragt man sich immer aufs neue: Muß das sein? Ist dies Loslösen der zarten ästchen vom Lebensbaum der Menschheit nicht zu verhüten? Wollen die, so nach viel Kindern rufen, nicht sehen? Oder sehen sie wirklich nicht infolge ihrer Welt- und Lebensunkenntnis. Die gehezte Proletarierin, die wohl Kinder, aber nicht Zeit hat zu ihrer Pflege und Wartung, die Mütter, die pflichtschuldigst dem Staat alljährlich die Früchte ihres Leibes geben, Früchte, die von Jahr zu Jahr immer minderwertiger ausfallen und den Todeskeim schon bei der Geburt in sich tragen, Frauen, die vorzeitig alt und verfallen, sich müde und verbraucht durchs Leben schleppen, diese Frauen sind eine einzige Anflage gegen die bestehende Gesellschaftsordnung. Sie gaben und sollen immer noch mehr geben. Und die Lurusweibchen, die den Tag hinbringen mit der Pflege ihres Körpers, mit dem sie einen Stultus treiben zur Augenweide oberflächlicher Männer, die so überreiche Zeit hätten zur Pflege und Aufzucht von Kindern, diesen Drohnen der Gesellschaft dienen in der Tat alle Dinge zum besten, sich ihren Verpflichtungen gegen Staat und Gesellschaft zu entziehen. Für sie werden Ausnahmegeseze geschaffen, sie werden nicht be troffen von jenen, uns Frauen so unbegreiflichen Gesezen, wie deren jetzt im Entwurf vorliegen und die Gemüter aller Denkfähigen aufreizen müssen, besonders das Gesez, nach welchem alle empfängnisverhütenden Mittel verboten werden sollen. Was wird die unausbleibliche Folge sein? Winkeleristenzen werden erstehen auf der Basis eines Schleichhandels, für den unsere große" Zeit eine treffliche Schule bildet, und wer über die notwendigen Verbindungen und das nötige Kleingeld verfügt, erhält die verpönten „ Schußmittel" von hintenherum. Die Frauen aber, die infolge ihrer Vielgeburten nur ausgemer gelten, lebensschwachen Kindern zum Leben und zugleich zum Tode verhelfen, die vielleicht jetzt durch ihre im Felde aufgeklärten Männer eine Zeit der Schomung erfahren könnten, dürfen nun weiter nach dem Grundsag leben: für den Spaß ist das Vergnügen, für die Späßin' s Kinderkriegen. Sie dürfen Hoffnung, Gesundheit und Lebensglück einfargen in die zahllosen fleinen Stindergräber. Niemanden zur Freude, ihnen zum Leide. So will es ein Gesez, ge= schaffen von Männern, die krasser Egoismus mit Blindheit schlug. Einmal wird doch der Tag kommen, wo die Ketten fallen, wo auch Frauen von den Mitgliedern des Reichstagsausschusses nicht nur gnädig empfangen und angehört werden, sondern wo sie ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen können. Bis dahin arbeiten und nicht verzweifeln! Schwester Lydia Ruehland. Vorsicht bei den Ersatzmitteln! Wir leben in einer Zeit, in der auch die vorsichtigste Haus frau gelegentlich betrogen und empfindlich geschädigt wird durch den Einkauf zweifelhafter Dinge, die als Ersatz für Lebensmittel angeboten werden, ohne irgendwelchen Wert zu besitzen. Bei den völlig unzureichenden Lebensmitteln muß die Frau leider Umschau halten, wo sie irgend etwas finde, um die kargen, allzu fargen Rationen zu„ strecken". Und dabei wird ihr dann von gewissenlosen Schwindlern das Geld aus der Tasche gezogen. Vom Hausfrauenbeirat des Kriegsernährungsamtes geht uns ein Flugblatt zu mit dem Ersuchen, es abzudrucken, da es die Absicht verfolgt, die Hausfrauen vor dem ärgsten Nahrungsmittelschwindel zu schüßen. Wir wollen diese Absicht gern unterstützen und daher das Flugblatt abdrucken. Aber beseitigt wird dadurch das übel leider nicht. Auf der einen Seite ist die Not zu groß und tut der Hunger zu weh, als daß nicht immer wieder Ausschau nach irgendwelchen Streckmitteln gehalten würde, auf der anderen Seite findet Striegswucher und Schwindel stets wieder neue Formen und Masken, um ehrlichen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Flugblatt ĭautet: Deutsche Hausfrau! Üb' Vorsicht beim Einkauf von Ersatzlebensmitteln! Im Kriege wurde der Markt mit Waren verschiedenster Art überschwemmt, die fehlende oder knapp gewordene Nahrungs- oder Ge nuẞmittel in gewissen Eigenschaften oder Wirkungen ersehen sollten. Viele derartige Ersagmittel sind brauchbar und Dir gute Helfer in dem jezt so schweren Amt der Haushaltsführung geworden; andere sind zwar unschädlich, aber übermäßig verteuert. Andere haben keinen nennenswerten Nähr oder Genußwert, sind zweckwidrig zusammengesetzt oder nicht haltbar, vielfach gesundNr. 2 heitlich recht bedenklich. Selbst durch Mittel, die Dir wert schienen, wurdest Du oft betrogen, wie die Untersuchung durch den Chemiker nachträglich erivies.. Du kennst alle die Suppen- und Süßspeisenpulver, die unter hochtrabenden Namen für teure Preise nichts boten als eine kleine Menge gesalzenes, gewürztes oder leicht aromatisiertes, oft ganz minderwertiges Mehl oder aromatisierten Leim. Du erinnerst Dich des sogenannten Ölersages, der sich als gefärbtes, künstlich verdicktes Wasser ohne Spur von Fett entpuppte, des Vanillenpulvers, das den Kuchen bitter machte, des Tunkenpulvers, das nicht dicken wollte, weil es nur aus aromatisierter Schlämmtreide bestand. Meister wurde Dir für Schmalz, Strohmehl für Kuchenmehl, Alaun für Weinstein( Cremor tartari) verkauft usw. usw. Den Schwindel ist nunmehr ein Riegel vorgeschoben worden. Deutsche Hausfrau, gib acht! Ein neues Gesetz bietet Dir die Handhabe, Dich und die Deinen vor Gesundheitsschädigung und Ausbeutung zu schützen! Vom 1. Oktober 1918 ab dürfen muc noch amtlich von besonderen Ersatzmittelstellen- genehmigte Ersatzlebensmittel vertrieben werden. Soweit nicht die Ersatzlebensmittel in Packungen oder Behältnissen einen Vermert über die erfolgte Genehmigung seitens der zuständigen Ersatzmittelstelle tragen, muß der Händler durch eine besondere Bescheinigung oder durch eine Angabe auf der Rechnung den Nachweis der erfolgten Geneh migung jederzeit bringen können. Hausfrau, kauf' nur noch amtlich genehmigte Erfahlebensmittel! Laß Dir beim Einkauf die amtliche Genehmigung nachweisen! Glaubst Du, daß etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, wende Dich an die Polizei! Belehre solche, die weniger gewandt sind als Du! Land und Stadt. Ein„ offener Brief", den Frau Oberamtmann Kläre Degener im Juni- Heft der Frauenbewegung" veröffentlichte, ist in vieler Beziehung typisch für die Art, wie Teile der ländlichen Bevölkerung den alten Gegensatz zwischen Stadt und Land immer wieder unterstreichen, anstatt ihn abzuschwächen oder gar zu beseitigen. Sie haben immer noch nicht gelernt, daß Stadt und Land nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten sollen und können. Uns mutet es seltsam an, wenn sie über die viel zu niedrigen„ Gestehungskosten"( Preise) der landwirtschaftlichen Produkte klagt. Wenn sie daraus(!) die Erklärung dafür zieht, daß die landwirtschaftlichen Arbeitslöhne niedriger sind als die industriellen! Und wenn sie weiter klagt, daß die Stadt mit ihren höheren Löhnen, besseren Arbeitszeiten und ihren Vergnügungen(!) die ländlichen Arbeitskräfte lockt! In diesen Rahmen paßt auch völlig hinein, daß sie die Garten- und Landarbeit gewaltig unterschätzt, die von der städtischen Bevölkerung während des Krieges geleistet worden und die ihr gut Teil dazu beigetragen und noch beiträgt, daß wir überhaupt durchhalten. Volles Verständnis haben wir dagegen für ihren Schrei nach Mutterschutz für Landarbeiterinnen. Ein Grauen überkommt uns bei der Höhe der ländlichen Säuglingssterblichkeit. Klingt unsere Gesetzesvorlage über den Geburtenzwang nicht wie ein Hohn angesichts der Tatsache, daß in einigen Distrikten an unserer Dstgrenze die Hälfte aller ehelichen und drei Viertel aller unehelich geborenen Kinder sterben? Nicht Geburtenzwang, Mutter- und Säuglingsschutz tut uns not! " Für die Landfrauen aller- Stände", schreibt Frau Degener zum Schluß, ist es eine Ehre, als Mitarbeiterin hinter dem Mann zu stehen." Dafür haben wir nur ein Kopfschütteln. Ebenso, wenn sie einen Unterschied macht zwischen der Landfrau als Gehilfin und der Stadtfrau als Gefährtin des Mannes ,. und daraus für die erstere eine höhere Achtung herleiten will. Wir glauben, daß der Ehrenplatz der Frau- sei sie num Mitarbeiterin, Gehilfin oder" nur" Gefährtin des Mannes an der Seite des Mannes ist und nicht hinter ihm! Doch warum Ehrenplay? Es ist der Play, der ihr moralisch heute zusteht und den sie in naher Zukunft auch rechtlich erringen wird. Kurt Heilbut. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Marie Juchacz, Berlin SW 68. Druck und Verlag von J. H. W. Dieß Nachf. G.m.b.H. in Stuttgart.