Nr. 35. Kdamttmtnts-grbhtpngtn: Abonnement»-Preli pränumerando! vierteljährl. 3,30 Ml., monall. l.loMl., wöchentlich 2S Plg. srei in« Hau». Einzelne Nummer 5 Big. Sonntag», Nummer mit illustrtrter Sonntag», Betlaxe„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für IBSS unter Ar. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Ersllieink täglich außer»anlag«. Devliner VolkSblskt. 15. Jahrg. Die Insertlons-Gtbühe beträgt für die fechSgefpaltene»olonel- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für verein«- und Verfaininlung»-Auzeigen, sowie LrbeilSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsse» dt» t Uhr nachmittag« in der Ezpedtiio» abgegeben werden. Die Elpedition ist an Wocheutagen bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» L Uhr »orinillag» geössnel. Fernsprecher: vmt I, Ar. 1503. Delegramm-Adresfe: „Soilaldriiiokiral Srrlia». Dcntvalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. NedodUo»: SW. 19, Zz-,ity-Str.,ße 2. K�'edlliou: 8V. 19. Ateuly-Strnße 3. Minister Kosse und die„rückhaltlose Darlegung" der„unlirdiugteu Wahrheit über den Fall Arons". „Dos, meine Herren, ist die unbedingte Wahrheit Aber den Fall Arons"— so schloß Herr Bosse am Montag seine ?ivcire Rede. Freilich hatte diese„unbedingte Wahrheit" die Folge, daß scinimtliche Redner den Hcrnl Wtinistcr dahin ver- standen hatten, er habe absichtlich von dem ihm znstehenden Recht gegen Arons keinen Gebranch m a ch e n iv o l l e n Und dieser Eindruck konnte nicht ausbleiben; hatte doch der Mimstcr ausdrücklich gesagt— mir zitiren nach dem uns heute vorliegenden stenographischen Berichte: „Eine andere Frage ist es, ob nicht die Amveiidung der völlig diskeetionären, a» keine Form gebundenen Disziplinargeivalt des Ministers unter Umstände», namentlich dann wenn sie streitig ist, den Schein einer tendenziöse» Willkür envecken kann, und ob damit nicht der Sache erheblich geschadet werden köimtc." Aber selbst nachdem es Herrn Bosse klar geworden sein mußte, daß seine„unbedingte Wahrheit" zu dieser falschen Auffassung geführt hatte, ja nachdem Herr Mmickel ansdrücklicl, konstatirt hatte, daß der Fall Arons noch nicht vollständig vorgetragen sei und auf den Vorstoß des Ministers vom März 1895 hingewiesen hatte, wagte es der Mimster in seiner Schlußrede noch einnial eine Schilderung des Falles Arons zn geben, in der er wiederum den erwähnten Vorgang unter- schlug, und wiederum schloß er seine Ausführungen mit der Versicherung, die„ganzen Vorgänge rückhaltlos" dav gelegt zu haben. Hier der Wortlaut: Also in erster Instanz mußte die Fakultät erst einmal nicht bloS gehört werden, sondern sie mußte die Sache erledigen und diese erst» Instanz erschöpfen; die erste Instanz mußte zunächst sprechen. Nun traten rechtliche Zweifel auf über die Kompetenz des Ministers, und zwar Zweifel von de» hervorragendsten Juristen auf beiden Seiten. Merkwürdigerweise so. daß ein Jurist von hervorragender Autorität, der garnicht auf konservativem Boden steht, will ich sagen, die Kompetenz des Ministers anerkannte, während andere juristische Autoritäten sie bestritten. Dadurch kam nun die prinzipielle Frag» nicht blos für die Universität Berlin fondern für alle Universitäten bei uns in Fluß. Dadurch sind wir auf den Gedanke» gekommen, die Sache durch eine GesetzeSvorlage zn regeln, schon um den Schein einer tendenziöse» s.6 doo vorgenommeneu Eutscheiduug zn vermeiden. Ich habe mir nichts Loyaleres denken können, als das, daß wir mit einem Gesetzentwurs vor daS Haus hiutreten,»m rückhaltlos die ganzen Vorgänge, die zur Vorlegung dieses Gesetzentwurfes geführt haben, Ihnen darzulegen. Das habe ich gethan. Aus der Preffe ist es bekannt, daß der Minister bereits im Sommer 1894 die Fakultät znm Einschreiten gegen Arons veranlassen wollte, von dieser aber abgewiesen wurde. Und nun folgt, was der Minister verschweigt: Herr Bosse unternahm es im März 1895, von seiner„diskretionären Disziplinargewalt" Gebrauch zu machen(die Fakultäts- Verwarnung er- hielt Arons erst im Juli 1895). Wir haben diese Zhatsache noch ihrer Enthüllung durch die„Lib. Corr." des öfteren er- wähnt— trotzdem scheint sie noch ininier beziveifelt zn werden, So läßt z. B. die„Post" vom 9. Febmar die Richtigkeit derselben dahingestellt sein, und das können wir ihr in anbetracht der„rückhaltlosen Darlegung" der„unbedingten Wahrheit über den Fall Arons" durch einen königlich preußischeil Staats- minister in öffentlicher Kammersitznng nicht verübeln. Um aber der Jrresührnng der öffentlichen Meinung endlich einen Riegel vorzuschieben, sind wir nunmehr genölhigt, den Vor- gang vom März 1895 nnnnistößlich sestznftellen. Unser Freund Arons, der selbst nach völliger Beendigung des Verfahrens jahielang zu dem ganzen Treiben geschwiege», hat uns zu diesem Zweck drei Schriftstücke zur Verfügnng gestellt: I. Königl. Univ..Kuratorium. J.-N. 144. Berlin, den 23. Euer Wohlgeboren ersuche ich ergebcnst, sich Vernehmung ,»» 26. dieses Monats, vormittags meinem Amtszimmer gefälligst einfinden zu wollen. Ter königliche Univeisilätsrichter. Geh. Aegiernngsralh Daude. Arons erschien, erklärte aber, nachdem ihm auf seine An- frage eröffnet war, daß der Kultnsininister die Vernehmung veranlaßt, z» Protokoll, daß er die Aussage verweigere. Eine Abschrift des Protokolls verweigerte ihm der Universilätsrichter auf schriftliches Ersuchen in folgendem Schreiben: II. Berlin, den 27. März 1895. Sehr geehrter Herr Doltor! Ihrem Wunsche, eine Abschrift der gestern mit Ihnen auf- genommene» Verhandlung anfertigen und Ihnen znstellen zu lasse», vermag ich zu meinem Bedauern nicht zn entsprechen, da ich mich nicht jür befugt erachte» laiin, in einer Disziplinarsache dem Beiheiligt«» Abschriften aus den Akte» zu crihrile». Ergebenst (gez.) Daude. Eine Darlegung des Vorganges enthält endlich das folgende Schreibe», welches Arons sofort an die Fakultät richtete: III. Berlin, den 27. März 1895. An die philosophische Fakultät der Universität Berlin. Der nhiloiophische» Fakullät, bei welcher habilitirt zu sein ich die Ehre habe, fühle ich mich verpflichtet, davon Mit- theilung zu machen. daß auf Veranlassung Sr. EVellenz des Herrn Ministers ei» Di-ziplinarverfahren gegen mich durch Vernehnmng bei dem Herrn Universitätsricbler eröffnet werden sollte. Nachdem mir der Herr Universilätsrichter in einein am März 1895. betreffs Ihrer 11V, Uhr. in 26. März anberaumten Termine diese Mittheilmig gemacht und die Punkte bezeichnet hatte, über welche ich vernommen werde» sollte, erklärte ich zu Protokoll, daß ich n>ich nicht für verpflichtet erachten könnte, mich dem Verfahre» zn unlerwerfen. da es nur der philosophischen Fakullät zustände, ein Disziplinarverfahren gegen mich einzuleiten. Der Herr Universilätsrichter hat mich bei der Formnlirung meiner Erklärung in der liebensivürdigsten Weise unterstützt. Zn meinem Bedauern war es mir nicht möglich, eine Abschrift des aufgenommenen Pro lokolls zu erhallen, um es diesen Zeile» anfügen zn könne». In ausgezelchiieUr Hochachlung Dr. Leo Arons, Privatdozent. Jetzt mag die„Post" selbst entscheide», ob Herr Bosse von seiner„diskretionären Disziplinargewalt" keinen Gebrauch machen wollte, oder ob er bei dem Vcrslich des Gebrauchs elendiglich gescheitert ist. Daß übrigens Herr Bosse nicht gern von seinem Rcinfall spricht, verstehen wir; bedenklich aber er- scheint es uns, wenn jemand, der in einer Sache ctivas wesent- lichcs verschweigt, laut und feierlich betheuert, eine„rückhaltlose" Darlegung der«ganzen Vorgänge" gegeben zn haben. Polilischr llcl'crlkchk. Berlin, 10. Februar. Aus dem Reichstage. Der'heutige Schwerinstag war ausschließlich den Klagen und Beschwerden über die Miß- stände ans dem Gebiete des Vereins- und Vcrsamnilnngs ivesens gewidmet. Der Abgeordnete P a ch n i ck e eröffnete die Diskussion, indem er eine lange Liste von Beschwerden vortrug, die sich gegen mißbräuchliche Maßnahmen, mit denen der Verein Nordost heim gesucht wird, befaßten. Die Leser des„Vorwärts" sind über die Praktiken unterrichtet, mit denen es die Polizei bchördcn verstehen, das Versammlungsrecht illusorisch zu machen. Reu an den Ausführungen des Abg. Pach nicke war nur, daß sie zeigten, daß nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Bauern, soweit sie nicht willenloses Gefolge des Bundes der Land- wirthe sind, unter Willkürlichkeiten und Mißbräuchen schwer zu leiden haben. Wenn Herr Pachnicke die preußischen Polizeipraktiken geißelte, so lenkte unser Genosse Stolle die Aufmerksamkeit auf die Zustände in Sachsen, das ja nie fehlen kann, wenn von kleinlichen Chikanen gegen politische Gegner die Rede ist. Stolle schilderte besonders Vorgänge, die sich in den Auits- hauptmannschaften Zwickau und Glauchau abgespielt haben, angesichts deren nian allerdings zu der Frage kommen kann, ob in Sachsen noch nach Gesetz und Recht regiert wird, oder ob dort nur mehr das freie Ermessen untergeordneter Polizei- Organe maßgebend ist. Der Abg. R ö s i ck e trat in entschiedener Weise für die Koalitionsfreiheit der Arbeiter ein, wobei er besonders auch gestützt auf eigene Erfahrungen im wirthschaftlichen Kampfe mit den Arbeitern dem von interessirter Seite so eifrig kolportirten Märchen entgegentrat, als ob den» von den Arbeitern Uiiteruehmern und Arbeitswilligen gegenüber geübten Terrorismns die bestehende Gesetzgebung nicht ausreichte. Der Redner konstatirte ausdrücklich, daß die Fälle von Ausschreitungen seitens der Arbeiter dnrchails nicht ungewöhnlich zahlreich seien, und daß, soweit solche vorkommen, die bestehenden Strafgesetze niehr als ausreichen. Als letzter Redner bekam Genosse Z u b e i l das Wort, der zunächst gegen frühere Aenßcrungen des Herrn v. Stumm polemisirte, um dann die Polizeiznstände vor den Thoren von Berlin, besonders die in der Stadt Köpenick und im Amts- bezirk des Herrn v. Oppen in Adlershof gebührend zn zeichnen. Hierauf trat Vertagung ein. Morgen, mittags 2 Uhr: Auswärtiger Erat. DaS prensiische Abgeordnetenhaus berielh heute noch volle vier Stunde» de» Gesetzeimviuf. delreffend die Bewilligung vo n Staats nlittel» zur Beseitigung der dura, die Hochivafser des So nun eis 1897 derbeigeführte» Beschädigungen. Aach heute beschränkte» sich die meiste» Redner darauf, die Verhältnisse ihres Wadlkreises zur Sprache zu bringen, wobei sie sich vielfach in Wied-rholnngeii ergingen. Die einzige Abwechselung in der sonst sehr langweiligen Debatte war ein Ziisaiiiinenstoß des Zentiumsabgeordnete» Graf S l r a ch w i tz mit dein Vizepläsidenten des SiaalSministerinins Dr. v. B!> q u e l. Graf Strachwjtz prolestirle im Namen der Provinz Schlesien gegen die veripälete und zu gering« Hilfe der Regierung. Das Ministerin»» habe das Ersuchen der Provinzialbehörven um Hilfeleistung abgewiesen, es sei sogar«in Erlaß ergangen, worin jiiir Beseitigung des Nolhftandes gerathen wurde, zunächst die private Wohltdätigkeit in Anspruch zu nehme», dann die Proviiizialmittcl heranzuziehen und erst, wen» kein anderer Ausweg mehr übrig bleibe, ich an den Staat zu wenden. Diese Behanptungc» bestritt Minister v. Miguel aufs entschiedenste und»ahm daS Ministeriu», mit aller Schärfe dagegen i» Schutz, ivas zur Folge hatte, daß der muthige Graf in einer späteren Erwiderung klein beigab und sich auf seine Gewährsmänner berief. Allerdings «in sonderbares Verhalte» l Entiveder es ist so, wie Graf Slrachivitz ägt. dann darf er sich auch durch noch so heftige Wort« Miquel's nicht einschüchtern lassen, oder aber die Sache entbehrt jeder Be- gründnng, und dann hätte er sie nicht vorbringen dürfen. Zuzulraue» wäre Herr» v. Miguel schon ein derartiger, mit seinem bekannten Sin» für Sparsamkeit in bezug ans Knttnransgabe» völlig üder» einstimmender Erlaß. Die Vorlag« wurde schließlich einer Kom- Mission vo» 28 Mitglieden, überwiesen, ebenso der Antrag Bänsch- Schniidtlein aus Zurückziehung der Ligilidationen für die mit den Ueberschweinmnngsarbeiten betrauten Kommandos. Morgen: Etat der Bauverwaltung»nd der Forstverwallung.— Quartier fiir den Prinzen Georg. Die russische Regierung hat wegen des öslmeichischeu Widerspruches darauf verzichtet, die Kmididamr des jPriiizen Georg für Kreta offiziell vorzu» schlagen, und sie hat erklärt, es den anderen Mächten über- lasse» zu wollen, einen geeigiicicn Kandidale» ausziiwählen. Wir sprachen schon gestern die Meiliuiig aus, daß es den Russen mit diesen Erllärnnge» nicht ehrlich sei, daß sie ihren Wille» doch durch- zusetzen versucheu würde», indei» sie criifach gegen alle anderen Kandidaturen ihrerseits Ei»we»dii»gen erhebe» werden. Daß dies« Absichte» in Petersburg wirklich vorherrschen, wird jetzt mehr als bestäligt durch die Millheiliinge», welche ans Petersburg über eine Ansprache konnne»,»>il der der Zar Nilolaus de» neue» Kon»»a»de»r des russischen Millelnieer- Geschivaders, Admiral S k r y d l o w. der sich deuuiächst nach Kreta begeben wird, enlließ. Der Zar sag!«: „Sie reisen nach Kreta, Admiral, wo Ihnen die Aufgabe be» vorfleht, für den Prinzen Georg a l s G o» v e r u e n r Quartier z n machen. Für mich und nieine Freunde ist die Frage feiner Kandidatur bereits gelöst. Ich hoffe, daß mit Goltes Hilfe alles gut abläuft. Ich will, daß der Prinz diese Stell n»g e r h ä l t, und da ich Ihren diplonialischeii Takt kenne n»d überzeugt bin, daß alles friedlich endet, rechne ich ans Sie als eine i» Griechenlaiid sich großer Syinpathie» ersrenende Persönlichkeit, imd hoffe, daß»nsere Be- ziehniige» niil Griechenland wieder ebenso sreiiiidschastlich werden, wie sie früher waren. Richten Sie meinen Landtruppe» ans Kreta aus, daß ihr Aiifenlhalt dortselbst seinein Ende entgegen- geht und daß sie bald ihre Heimalh wiedersehen werden...." Es wird aber»och die Vermnihung bestätigt, daß hinter dieser »ene» Schwenkung der riissischeii Politik i» den griechisch-türkische» Angelegeuheilcn die K a i s e r i n- W i t t w e steckt. Diese übergab dem Admiral Skrydloiv Briese an den König und die Königi» von Griechenland und gab dabei ihrci» Bedaner» Ausdruck,„daß augesichis der augenblicklichen Lage die arme Königi» nicht einmal das heilige Recht besitze, ihre lieben russischen Landsleute, die russische Marine besucheu z» dürfen." Die osfiziösen Organe in Oesterreich- Nngarn spreche» sich heute sehr befriedigt aus über die Zurückziehnng der Kandidatur des Prinzen Georg, wie sie gestern vom Petersburger„Regierungsboten" mitgeiheiit wurde. Was wild um» jetzt in Wien zu den Aelißeriingen des Zaren und der Kaisei i>i-Wiltu'i> sage», die als ei» Pronimziainento gegen die Gegner der Kandidatur des griechische» Prinzen angesehen werden müssen?— Nene chinesische Schwicrigkcitc». Dle„Times" melden aus Peking unter dem 9. d. M.: Der japanische Gesandte thgilte dem Tsung li I.une» mit, daß Japan nicht im stände sei, eine größere A u s d e h»» n g d e r F r i st zur Zahlung der Kriegs- schuld z» gewähren. Ferner wird den„Times" gemeldet, daß die Unterhandlunge» wegen der britischen Anleihe als gescheitert betrachtet werde»; diese Nachricht paßt nicht recht zu der Erklärung, welche Lord Salisbnry an demselben Tage im Oberhause abgab, daß die Verhandlungen über die Anleihe noch in der Schwebe seien. Sehr auffällig sind aber die Mittheilnngen desselben eng- tischen Vlatles über einen französischen Vorstoß am Pekinger Hofe. Der französische Geschäftsträger, so berichtet es, verlangte vom Tsnng li Damen die Bezahlniig der Enlschädignng an die Familie des Franzosen, der in Tonking von chiiiesischeu Briganten gefangen genommen, aber später besreit wurde. Eine Frist von 8 Tagen wurde gestellt für eine zusagende Antwort. Im Falle der Ablehnung sei eine Aktio» der Franzose» im Süden n l> v e r»> e i d l i ch. Die Antivort müsse aber in u li g ü n st i g e m Sinne ausfallen»nd China alsdann hilflos die französische Aktion erwarten. Wenn diese Mittheiliingen richiig sind und einen Sinn habe» sollen, so bekunden sie, daß Frankreich Forderungen an China stelle, von denen es selbst wisse, daß China sie nicht annehmen könne. Was aber die Hilslosigkeit China's dclrifft, so ist doch»ichl zu vergessen, daß vor allem England sich zn allzuweit gehenden Wnwche» Frankreichs rn Süd-Chi»a unmöglich neutral ver, halten kann. •• » Teutsches Reich. — EineKo nsere nz vo» S a ch u e rst ändi g e n ist auf Anregung des Verbandes deutscher M i l ch h ä» d l e r- V e r e i»« von» Landivirlhschastsmiiiister zur Prüfung der Frage einer ein- heitlichen Regelung der Milchversorgung der große» Städte i» Preußen ans Montag, den 28. Februar d. I, einberufen worden. Eine Reihe sehr iuleressauter Fragen wird der Ko»f«re»z als Berathniigsstoff vorliegen.— — Der deutsche Landwirthschaftsrath sprach sich silr Viehversichernng jinid Schlachlviehverstchernng durch Genossen- schafte» aus, bezeichnete aber als erstrebeuswerthes Ziel die all» geniein« Dnrchführlliig einer Viehversicherung durch das Reich. Hierauf wurde über die Errichliiiig vo» Biehiuarktkassen, Ein« sühriiiig von Schliißscheinen i»i Viehhandel, Schlachlviehiransport, Fleischlieseruiig für die Armee, Errichtung vo» laiidwirthschafllichen Geschäslsstelleu au Viehhöfe», Handel und Notiriliig nach Lebend» gewicht verhandelt. Gefordert wurde u. a. die Schaffung vo» la»d» wirlhschastliche» Geschäftsstellen au de» Viehhöfe», die Verbesserung des Viehlransporles. I» bezug aus das vom Reichstage so oft gefordert» warm» Abendbrot der Soldaten sagt die Resolution: „Die Versorgung der Armee mit Fleisch durch die Viehbesitzer oder auch durch Geiioffenschaflen begegnet nach Lage der gegenwärtigen Verhällniffe großen Schwierigkeilen; diese können nur behooeu werden, wenn eine andere Art des FleischbezugeL und der Fleisch- verivendung in der Armee Platz greijl. Fleisch und Fleischkonserven a« s l ü n d» s ch e r Herkunst sollten von der Heeresverwaltung nicht verbraucht werden." Der Referent v. Mendel bellagle vor allem die theilweis» Versorgung der Armee i»il a»sländ>scheu> Fleisch.„Der Bezug dex Fleischlieferuiigen der einzelnen Truppeiikheile von den Besitzern der Uingegend hat bis jetzt hauptsächlich ivegen der Schwierigkeit der Verwendung des„Krams"(?) nicht durchgeführt werden können. Ii» Jntereffe sowohl des Gesuiidheilsjnstandes der Soldaten als der deutschen Landwirthschaft würde daher die Einführung des warmen Abendbrotes für dns Heer liegen, die die Möglichkeit der Verwendung des sogenannten Krams bieten würde. Das ausländische Fleisch aber sowie die amerikanischen Konserven sind schon aus gesundheit- lichen Gründen von» Gebrauch auszuschließen."— —„Material zur lex Heinze." Unter diesem Stich- wort wird dein„Hamb. Eon-." geschrieben: „In Stolbcrg in der Nhdnprovinz bat kürzlich ein Kaplan sich sittlich über ein bewegliches Reklamebild entrüstet, das eine voll- ständig bekleidete Frau darstellt, die ei» kleines Kind aus den Händen schaukelt; das Kindchen trägt allerdings, da es eben gebadet»vird, keine Kleidung. Hierzu schreibt die Leipziger Firma,»velche das llieklamebild ihren Kunden verabfolgt, dem„L. T.": „Das Bild ist in vielen tausende» von Exemplaren verbreitet und mit Ausnahme eines Falles in dem nltrainontaue» Münster,»vo eine Kundin das Bild in„sittlicher Entrüstung" zerrissen»nd verbrannt hat, hat es überall lebhafte Anerkennung gefunden. Als Gegenstück zu dem aus Slolberg berichteten Falle können»vir anführen, daß ein Pfarrer in eine»» Orte an» Main eine solche Freude an dem Bilde hatte, daß er sich mit der Bitte au uns wandte, ihn, ein Exeinplar für die dortige Kleinkinderschule zu überlassen, deren 70 kleine» Zöglingen er damit eine WeiHiiachlssreude inachen»volle. Wir legen die Karte deS Herrn Pfarrers zur Beglaubigung bei...." Wir»vollen den» Herrn Kaplan in Stolberg nnd der frommen Münsteranerin die Genugthuung gö»»en, daß das Bildchen, dessen Äludiiät übrigens nicht die Spur des Anstößige» zeigt, aus den Index kommt. Das wäre zugleich die beste äteklauie für den kleinen»in- schuldigen Nackedei.— In» übrigen geben die kleinen Vorkoniminsse eine beherzigensiverthe Illustration der Veru'trrnngeii und Albern. heite», zu denen eine lex Heinze nach dein Muster des Zentrums- antrags führen»vürde."— --Ueber Herrn Hülle's Agitationsthätigkeit und ihre Koslendcckniig bringt das„Volkoblalt für Hessen u. Waldeck" einige interessante Beiträge: „Vor zwei Jahren»vnrde der Hüllc'sche„Arbeiterfrennd" in allen Ortschasten des Kreises Eschivege unentgeltlich verihnlt. Auch jetzt geschieht das übrigens noch ans den Dörfern. In Waldkappet»vird das Blatt den Kinder»» in der Schule zngelheill. Desgleichen auch in Nenerode. Bei der letzten Wahl sind die Hülle'sche» Flugblätter überall in» ganze» Wahlkreise verbreitet worden und zivar meistens von Pastore» oder Bürgermeister». Die von» Eschiveger Kreislag dafür bewilligten Kosten betrugen übrigens nicht,»vie gesagt»var, L0V0, fondern 3000 M., die i» der Abrechnung vom 13. Januar lLSI wie folgt gebucht sind:„NachtragS-Etat g. zur Verbreitung vo» Schuften gegen die sozialdeinokralische Agitation auf den» Laude 3000 M. Also nicht vor zivei Jahren, sonder» vor der ziveitvergangene» Wahl geschah dies. Seither sind uns ähnliche öffentliche Adrechnunge» nicht mehr zu Gesicht gekomme», aber die Hülle'sche Schmähliteratnr »vird»ach wie vor lustig»veilor verbreitet. Bedarf es da großen Schafsinnes, von wo jetzt das Geld dazu herkommt? Wir glauben nicht!" Der Hülle'sche Zeilschriftenvertrieb wird vo» den Behörden ge- rühmt als Förderer des soziale» Friedens unter Arbeilnehmeri» und Arbeitgebern. Den» gegenüber»vird die„Frcif. Ztg." darauf anf- merksam gemacht, daß die Buchdruckerei des Herrn Hülle die einzige nennensiverthe Buchdruckerei Berlins ist,»velche den von Prinzipalen und Gehilfen vereinbarten deutschen Biichdruckertaris nicht anerkennt.— — E i s e»> b a h n» n d B e r g b a u i n K i a o t s ch a u. Nach einer dem„Bert. Aktionär" zugehenden Information haben bereits Verhandlungen niil der Deulsch-Asialische» Bank»vege» Koiizessio- nirung einer Eisenbahn i» Kiaolschau und»vegen Vergebung ge- wisser Bergimks-Gerechtsame dortseldst, über»velche derSiaatssekietär Herr v. Bülow Mitlheilung»nachte, begonnen. Dem Konsorti»»» gehöre» die Diskonto-Gesellschaft, Darmstädler Bank. Denlsche Bank. Dresdner Bank, Berliner Handels- Gesellschaft, Nationalbank siir Dentschland, A. Schaasfhausenscher Bankverein, soivie die Bankhäuser S. Bleichröder, Mendelssohn»»»d Co. und Robert War- schau» u. Co. an. Neisse, 9. Februar. Der frühere Feldivebel Bartelt von den» hier garnisonirenden Pionierbataillon Nr. 6, der seine Frau erschossen halte nnd desivegen von» Kriegsgericht zu 7>/2jährigen» Zuchthause verurtheill worden»var, ist nunmehr, nach- den, er 4'/, Jahre in der Strafanstalt z» Ralibor verbüßt hat, b e- g n a d i g t und auf freien Fuß gesetzt»vorden.— — Vom Zetlgnißzivangsverfahren gegen den D r n ck e r l e h r t i n g. Der Lehrling Knrczynsky von der„Gazetta Grndziadska", der vor drei Woche» in Zivangshaft genonimen »vnrde,»veil er sich geiveigert hatte, den ibn» bekannten Nainen des Verfassers eines Artikels zu nennen, ist jetzt ans der Hast»vieder entlasse»»vorde». Als ganz besondere Ruhmesthat wird dieser Fall i»» den Rnnalen der deutschen Justiz nicht gerade zu verzeichne» sein. Wesel, 9. Februar. I» die hiesige Festung über- führt»vurden 9 Mann des 76. Jnfanlerie-Iiegiments tu Köln, die in Gemeinschast mit 7 andere» Kameraden vor einiger Zeit,»vie »vir berichtet haben, ihre»» Sliibenällestei» überfielen und schwer»»iß- handelten. Wie noch erinnerlich sei» durfte, tödlete bei dieser Ge- legeuheit der Stubenälteste i» der Noihivehr einen der SInareifer durch einen Stich mit seinen» Seitengeivehr. Die übrigen 0 Tbeil- nehmer an der Schlägerei»Verden in diese» Tagen in die hiesige Festung eingeliefert»verden.— Miinchen, 9. Februar.(Eig. Ber.) Die hentig« Kanimersitznng gestaltete sich äußerst lebhasl, denn eS kam zu sehr scharfen Ans- einandersetzniigen zwischen den» Zentrnn» und de» Liberalen. Anf der einen Seile griff Dr. Hein, die Liberale» nnd besonders ihren Parteifreund Wagner persönlich an,»vobe» er sich eines äußerst groben Tones bediente. Anf der anderen Seite brandmarkle Dr. Cassel in an» das demagogische Austreten des ZeiilrnniS- Hannen»«»»», soivie das Gebahre» der Zenlrnmspartei übnhaupt in einer Weise, daß die Herren von» Zenlruin ganz wnihend»»»»»de» nnd«ine» große» Skandal ansfiihrlen,»»» den Redner an» Spreche» zu verhindern. Der Energie des Präsidenten gelang es aber doch, »venn auch nur mit äußerster Mühe, diesem Gehör zu verschaffen. — Von unseren Freunden sprach noch Genosse Schern», der die Sozialdemokratie gegen die Ausführungen Dr. Heiin'g soivie gegen die gestrigen Vorwürfe und pe»sö»Iichen Angriffe der beiden Zentrums- Abgeordneten Dr. Pichler und Dr. Inger energisch ver- theidigte.— A»S Hessen, 9. Februar.(Eig. Ber.) Landtag. Die Kenernldebatle über das Budget»vnrde heute fortgesetzt. Ministen»!- ralh D i t t n» a r bestritt, daß die Vedandlung im Zuchthaus Marienschloß das gesetzlich Erlaubte überfchiiite» haben. Krummschließen sei ei» unentbehrliches Mittel zur Beivälligung renitenter Verbrecher. Abg. Ulrich, der heut« nicht inehr zu Wort ka»n,»vtrd dein Regierungsvertreler die SIntivorl nicht schuldig bleiben. Abg. Rein hart(natl.) giebt die Beiiachlheilignng der Städte bei der Berlrelung in» Landlag zu. Desgleichen sein FraklionS- genösse Schröder. Von der sozialdemokratischen Fraktion »vnrde» z»vei Anträge eingebracht, in denen eine Vermehrung der Wahlkreise resp. Mandate, den veränderten Bevölternngs- Verhältnissen entsprechend, nnd anßerdem die Vornahme der L a n d t a g s»v a h l e„ an Sonntagen verlangt»vird.— Auch der Finnnzmiuister Weber gesteht zu. daß die Wahlkreiseintheilung veraltet und nicht»»ehr gerecht sei. Di« Frage, ob eine Verkürzung der Bndgelperiooen ralhsai» sei, beaniivortet er i» ablehnenden» Sinne. Sodann singt er ei» hohes Lied anf die Vorldeile der E i s e» b a h n g e i» e i n sch a s t mit Preußen, die mich den An- gestellte,» und Arbeitern bessere Verhältnisse gebracht babe. Der letztere Punkt»vird bei Brralhnng des entsprechenden Einzeletals von sozialdemokratischer Seite noch die gebührende Belelichtnug finden. Abg. Metz(freis.) tritt für«injärige Budget. Perioden ei»«nv bringt«ine» dies beziveckenden Antrag ein.> Leider schwächte er die Wirkung desselben ab durch die Hinzu- fiigiing, daß er, ebenso wie die Herren im Zenlrui», auch mit der ziveijährigen Etatvorlegung zufrieden sei. Ministerialrath v. Krug erklärt, daß das neue B e a n, t e n b e s o l d u» g s- G e s e tz nicht mit der Steuerreform verquickt und dadurch»och weiter hinaus- geschoben werden solle. Hinsichtlich der Steuerreform ver- spricht er ebenfalls rascheste Betreibung. Die Regierung habe die Grundzüge derselben bereits festgelegt. Es sei Beseitigung der Grund- nnd Geiverbesteucr und Einführung einer Vermögens- st euer alS Ergänzung zur allgemeinen Einkommensteuer in Aus- ficht genommen. Dem Abg. G l a s e r(Resormp) sind die großen Bewillignnge» für die Landivirthschaft»och lange nicht groß genug. Er erhebt gegen den Abg. Schmitt(Z.) den Vorwurf, er sei ein „schlechter Abgeordneter", iveil er die Benachiheilignng der Städte in Sachen des Wahlrechts behaupte. Auch die Sozialdemokraten verdienen nicht das Vertrauen der Bauern, denen nur der Antrag Kanitz helfe» könne. Der Liedner erregte durch seine unfreiiviilige Komik wiederholt die stürmischste Heiterkeit des ganzen Hauses. Abg. Pennrich(Z) hofft auf baldige Erjüllung seines Lieblings- aiitrages aus Eirichlung einer hessischen Staalslotterie. Finanznilnisler Weber kann»hm aber keine großen Hoffnungen machen. Das Geld halle die Regierung zivar geu», aber sie kchänn sich doch etwas.- Anö Baden, 9. Februar.(Eig. Ber.) Bad'»scher Land- tag. In der heuligen Sitzung beschästigten die badischen S t r a s a n st a l t e» die zweite Kammer. Nach dem Bericht der Bndgelkommission betragen siir 1898/99 die ordentlichen AnSgaben 2 759 606 M., die ansierordentlichen 253 009 M. An Einnahmen ans dem Beiricb der Gefängnisse und Zuchthäuser sind l 376204 M.. darunter 800 000 M. aus dem Geiverbebeirieb eingesetzt, was eine Einnahme von 267 M. pro Siräfling für die Slrasanstallen be- deutet. Van allen Seiten des Hause konnte»na» einen relative» Fortschritt gegen früher konstatire». und ganz besonders »n Vergleich zun, preußischen Gefängnißioesen kann das badische als ein humaneres bezeichnet»verden. Die Klagen über die Becinlrächtignng des freien Handwerks durch de» Geiverbebetrieb der Slrnsanstnlte» Badens habe» sich im letzte» Jahre sehr vermindert. Nach dem Kommissionsbericht lasse» sich die Grundsätze, nach denen der ausschließlich in Regie erfosgeiide Bclncb sich regelt, dahin zusammenfassen: Thunlichste Spezialisirnng in viele ArbeitSgaltungen, möglichster Absatz im großen nnd Ausdehnung des Absatzgebietes»vie Vertheilung auf viele Orte, Vermeidung öffentlicher Anküiidiguiige» und des Unterbietens der freien Arbeit, möglichste Ausdehnung der Leistungen für Reichs- und Staalsbedärfnisse. Vo» sozialdemokratischer Seite sprachen die Genosse» Drees- back»nd Geck über die Nothivendigkeit, dem Verkaufspreis der i» Anstalten verfertigten Prvdukie die Berechnungen für Arbeitslöhne zu gr»lnl>e zu legen,»vie sie in» sreien Geiverbe jeiveils nach dem Stande des Zlrbeitsinarkles berechnet»verde» müsseis. Auch für die indivi- duelle Behaudlimg der politische» Gefangenen traten die beiden Ab- geordneien ein. Vom Ministerlisch wurde die befriedigende Er- kläruug abgegeben, daß die Selbsldeschäftigung der Redakteure in der Regel gewährt werden soll nnd nicht—»vie es schon oerlautete— »vegen»viederbolter Sirafhast eines Redakteurs systematisch veriveigerl wird. Es soll indessen die Geivährung von Vergünstigungen vo» Fall zu Fall geprüft»verden. — Chronik der Majestät s b e l e i d i g u n g s- Pro z esse. Wegen MajestäiSbeleidigmig und Widerstandes»vurde i» Braun- schiveig der Bäckergeselle Wagner aus Burgstädt in Sachse» vo» der ziveilen Strasianimer des Landgerichis nach nichlöffeullicher Verhandlung z» 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß verurtheill. Nach Berbüßnng der Strafe soll Wagner den» Arbeitshanse überiviesen »verde»».— Oesterreich. Graz, 10. Februar. Der Landtag verhandelte heule über den Geseyentwurf betreffend die Euisührnng des direkten und geheimen Wahlrechts. Im Laufe der Verhandlunge» ver- ließe» die Katholisch-Konservativen und die Slovenen de» Saal. Die Sitzung dauert sort.— Prag, 10. Februar. Landtag. Lippert»nd Genossen be- antrage», in Ausführung der Vereinbai>»>>»«» von 1890 ieien im- gesäumt Vorarbeiten zur Umgestaltung der Bezirks- und Kreisgerichte der Art fertig zu stellen, daß sie Nach Möglichkeit nur Gememden einer Nationaliiäl umfassen. Ein»veilerer Antrag desselben Abge- ordneten spricht die Uederzcugung aus, daß die Vorbedingung des nationalen Friedens de», Lande nur dadurch gegeben»verde, daß die gesanunte öffentliche Venvaltung und Gerichtspflege nur Ge- »»«»»den einer Nationalität umfaßt. Die Sitzung dauert sort.— Pol«. 9. Februar. Landtag. Während einer in kroatischer Sprache gehatlene» Rede Mandic's kan» es heute zu erregten Szenen, die durch die Bedaupmiig gesteigert»vurden. daß der Sitznngssaai von Polizeiorgane» üderivncht»verde. Letzteres beruht«»us einein Mißnerständniß, das der Landesbmiptinan» und der Vertreter der Liegierung anstlärten. Da auch der ebenfalls kroatisch sprechende Abg. Corsolic ieilens der Besucher der Gallerie unterbrochen»vnrde, »mßle die Sitznng geschlossen»Verden.— Nngarn. Budapest, 10. Februar. A b g e ord n e t en h a» s. Die Verhaiidlnngen über das Budget des Ackerbau Ministeriums werde» fortgesetzt. Der A»g. Bessinger(liberal) besürworlel sorgfältige Pflege des Oistbanes und der Kolonisatio», im Temeser ttoniilat und ipricht sich gegen jede E»» s ch r ä» k»» g der Preß- s r e i q e i t aus. Auch Gras Enge» Z i ch y(?talioi,alpartei) erklärt sich gegen die Einschränkung der Preßsreibeit, weil er dieselbe für u n g e e» g n e t hält zur Eindämmung der s o z i a l i st i s ch e»i B e iv e g u n g.— England. — Das N n t e r h a»i s in gegenwärtig folgendermaßen zu- samniengesetzt' Konservative 338, liberal« Uuioiiisten 68(ziisamme» 406). Libeiate 182. Nalionatiste» 70, Parnelliien 12(zusainme» 264). Die Mehrheit der Regierung beträgt mithin 142. Sie ist seit de» letzte» allgeiiieiiien Wahlen m» 10 gesunken, indein die liberale Partei S Wahlkreise erobert hat. Die Konservativen zählen von de» 670 Mitglieder» des Hauses drei mehr als die Hälfte des Hauses (338— 333). Ohne die Hilse der liberale» Uttloiusten können sie deshalb ka»n, feuig»verden. Die liberalen Unionisten habe» ohne Zweifel in der letzten Zeit an Boden im Lande verloren. Nustland. Aufbeb ung der Zensur? Eine bedentnngsvolle Mit, theilnng kommt ans Rußland. Der Minister des Innern bat am 22. Januar genehmigt, dab die i» Kiew iricheineiide Zeitung „Kieivljaniii" ohne Prävenliozensur erscheine. Die„Bush. Wjed." und der„Kaspi" halle» bereits vor Woche» die Nachricht gebracht, es steh« die allmälige AnsHebnng her Proviiizial-Praventivzensur ve- vor. Die„Noiv. Wr." legt dem ministeriellen Beschluß eine Hohe Bedeutung bei, indem sie schreibt:„Rein sorniell wird die Er- laubniß, daß ein Provinzialblatt ohne Zensur erscheine, nicht zun» ersten Mal ertheilt. In,„Kieivijnnin" wird aber zum ersten Mal eine poliiische Provinziatzeitnng des europäischen Rnß- land vo» der Zensur befreit, und diese Thaisache ist von so augenscheinlicher Wichtigkeil, daß sie der Erläuterungen beinahe nicht bedarf. Die Enianzipalion ist wahrscheinlich durch den neue» Geiieralgouvernenr vo» Kiew. General Dragomiroin, veranlaßt »vorden; daß sie«inen bedeuienden Fortschritt in der Geschichte der riissische» Journalistik bezeichnet, kann»vobl nicht fraglich sein. Man kann nur wünschen, daß sie in möglichst große»» Maßstäbe angewandt-werde." Fleitich muß abgeivartet»verden. ob eS sich nicht, wie wir glauben,»in» eine ganz vereinzelte, ans befondeien Gründen erlassene Maßregel handelt. UebrigenS besitzt die russische Regierung durch ihre Prävenliozensur zahllose Mittel zur Knebelung der Presse..— Afrika. Prätorka, 9. Februar. Bei der Präsidentenivahl hat K r ü g e r 12 764 Stimuien, Burger 3716, Joubert 1943 Eliinmen erhalten. In Lydenbnrg nnd Potschesstroni erlangte Bürger die geringe Majorität. Krüger ist also mit sehr großer Majorität zun» vierten Male zum Präsidenten der südafrikanische» Republik gewählt worden. Die Wahl gilt auf 3 Jahre.— — Telegraph von Kairo bis zum Kap. Aus London »vird berichtet: Cecil Rhades sagte bei einem Jatervieiv, das er mit einein Korrespondenten der„Western Mail" halte, in»veniger als zivei Monaten»verde der Telegraph mbeilen anf lausend Meile» von Uganda aus, nnd die egyplische Regierung»verde ihr Drahtnetz bis Chartuni ausdehnen, das ohne Ziveisel bald erreicht»verde. Es stehe zu erwarten, daß man in kurzer Zeit Depeschen vo» Kairo nach dem Kap senden könne.— Asien. — Die Kuli-Gefahr. Gegenüber der gewöhnlichen An- nahine, daß die bedürfnißlvsen Tagelöhner der gelbe» Rasse den» europäische» Arbeiter eine verderbliche und unwiderstehliche Kon- knrrenz zu machen drohen, ist schon mehrfach vor Ueherlreibniigen gewarnt worden. Es»st geiviß sehr schivierig, die Eiitivickemng dieser Frage vorauszusehen. Jedenfalls aber erscheinen die Mit- »heilunge» einer hiesigen Korrespondenz, die den» japanischen Bialle „Mainichi" entnommen sind und die Konkurrenz der Kulis anoers aussasse» als gewöhnlich geschieht, recht bemerienswerlh. Das Blatt„Mainichi" brachte jüngst einen Artikel,»velcher das Steigen der ArbetiSlöhne in Japan seit 1393 behandelt. Lau» sorg- fälliger Erhebunaeii stiegen die Löhne in Japan seit 1393 durch- schnitllich um voll« 30 pCt. In einzelne» Grionben»var die �u- »ahme viel bedeutender, so besonders bei de» Schneidern, in de» Bangeiverben u. s.»»., und sie beschränkte sich nicht aus gelernte Arbeilskräsle, sonder» traf auch die Kiilis, die Tagelöhner, welche eine Lohnznnahme von 23 pCt. in zwei Jahre» zu verzeichnen haben. Dieses Steigen der Löhne erhält aber noch be- sonders Gen-icht dadurch, daß es offenbar nur ei» Theil einer stetigen Beivegung ist und nicht ein bloßes Auiflacker». Das ergiebt sich aus der Tbaisache, daß die Preise von 1893 schon sozusagen„gestiegene" Preise»oaren. indem sie um 39.2 pCt. höher standen, als die vom Jahre>386. Die Löhne mußte» so steigen und werden noch mehr steigen müssen,»veil die Preise aller Verbrauchsgegeustände»nd besonders der Lebensmittel zivischen 1386 und 1897 in noch höhere», Maße stiege». Die Preise für Kohle» stiegen in den letzien zehn Jahre»>»»> 195 pCt, Kiipfer nn» 204 pCt., Kattun um 203 pCt.. Bauholz um 262 pCt. Kaisnbulhi(gekochter nnd getrockneter Fisch) um 264 pCt., Salz u»i 2i7pCt, Eier»in 222 pCt., Matien um 199 pCl.. Miso(Nahrungs- iniltcl, aus Bohne» hergestellt) um 181 pCt., Oel um 201 pCt. u. s.>v. Insbesondere der Reis, das Hanpinahruiigsmittel der große» Masse deS Volkes, ist ungeheuer im Werths gestiegen. In» Jahre 1887 kostete ein„Koka"(— 6,13 Scheffel) Reis im Durchschnitt 4,71 Den; im Jahre>889 war er auf 3,60 Aen gestiegen, 1890 aus 8,>5 Jen, >896 auf 6.21 Jen. und jetzt(das heißt im Winter 1897) kostet der Koka Reis i»» Siokio nicht»veniger als 20 Je»! Dazu»vird mit- getheilt. daß in den»vesilichen Provinze»,»» denen die Industrien hauplsächlich ihren Sitz habe», trotz dieser hohen Preise keine Notl> unter den Ai beilern herrscht,»veil sich eben ein starkes Verlange»» nach ArdeitSkräslen geltend macht und die Leute samml und sonders volle Arbeit finden; dagegen sollen in de» ackerbanlreibenden nörd- lichen und östlichen THeilen des Reiches infolge des hohe», ReiS- preises schon bedenkliche KravaUe statig-snnge» haben, und die Nolh soll dort unter dem armen Volk« sehr groß sein. Der rasche El»»- tritt Japans in die Reihe der Kultur- und Industriestaaten hat allerdings eine schivere Zeit mit sich gebracht für die Massen, aber nicht für die weißen— für die abendländischen Arbeiter— sondern für die gelben Massen, von denen jener angeblich vernichtende Wettbewerb drohte.— Amerika. Netv-Jorf, 9. Februar. Die diesige kubanische Junta hat der Presse«inen Brief des spanische» Gesandten i» Washington, Dupny de LSine an den frühere» spanischen Minister Canalejas, der sich kürzlich in New. Jork und auf Kuba aushielt, übermittelt. Der Brief, der in Hadmia von einem Kubaner entwendet wurde, enthalt beleidigende Bniierkuagei» über Mac Kinley. I» den amtliche» Kreisen Washingtons Hat die Angelegenheit großes Aussehe» hervor- gerufen. Staatssekretär Eherman Hat geäußert, wie ein Telegrannn ans WasHingion nieldet,>ve»n Dupny de Löwe thatsächlich solch einen Brief geschrieben hätte, so würde dies einen Verstoß gegen die in der Diplvmaiie herkömniliche llmgangslor»» bedeule». von den» die Regierung Notiz nehmen müßte. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat i» Madrid Vorhaltungen mache», lassen. Nach Washingtoner Telegrammen sott Dupny de Lünie»viederholt seine Entlassung nachgesucht haben. Die Blätter behaupten, er s« ab- beruse»»vorden.— — Der Präsident der zentrakamerikanischen Republik Guatemala. Barrios, ist ermordet»vorden. Er galt als ein Förderer der deutschen Handelsinleresse». Sonst hat man nur Nach- »heiliges über ihn erfahren. In Guatemala herrscht Ruhe.— Montevideo, 10. Februar. Der Präsident Cuesta forderte die Kannner ans, sich binnen 24 Stunden über seine Wiederwahl zun» Präsidenten der Republik auszusprechen. Die Wahl wird ans de» I. März festgesetzt. Da noch außerdem niit der Verhängnng des Betagerungszustaiides gedroht»vird. sch-inl es mit der Fceiheit der Wahl i» der südamerikanischen Liepuhtik nicht»veil Her zu sei».— VarlamenknvifrHes. Der BnndeöratH überwies in der Heuligen Sitzung die Vor- tage betreffend die Einfuhr von Rindern ans Dänemark und Schiveden-Norivegen. sowie den Gesetzentwurf sür Eliaß-Lathringe» »vege» Ergänzung des Gesetzes betr. die Rechtkveihätlnisse der Vc- ainie» und Lehrer von» 23. Tezelnder 1373 den zuständigen Aus- schlissen.— In der Bndgetkommisston deS Reichstag» wurden heute zunächst die Einnnhine» des Reicks a» Zöllen, Verbrauchsstenern und Aversen»ach den Ansätzen des EtaiS unverändert genehmigt nnd fodaun in die BeratHnng des M i I i> ä r- E l n l s eingetreien. Bei den Ansgave»»vnrde ans Vorschlag der Reserenten zuerst Titel 1 vo» Kapitel 37 erörtert,»velcher die Neneinrichtung der„Feldzeug m eist err i" betrifft. Die Mehrkosten betrage» 69 600 M. Es»virh a» die Spitze ei» Feld- zengmeiiler mit 16 600 M. Gehalt gestellt. Durch die Schaffung der befonderei» Behörde außerhalb des Kriegsministeriums soll vor- uehinlich eine Elltlastnng des allgeineine» Kriegsdeparlements herbei- geführt»verden. Graf Rvon(k.) und Freiherr v. Herlting(Z.) defl'irivorien die Bewilligung und weilen anf de» großen Arveits- kieiS des FeldzeiigmeisterS hin, der im Friede» für ca. 856 Millionen Material zu verivalle» habe,»vozu im Kriegsfalle sofort noch «llva 63 Millionen für Neliaiischassnngen hinzuueten.— Nriegsminister v. Goßler betont besonders die Nothwendigleit einer schnrsen Kontrolle, sür»velche eine verantivortliche Persönlichkeit enilrelen müsse. Der Minister selbst fei bei den» große» Umfange der übrigen Dienftgeschäfle dazu außer stände. Der Feldzeugmeister»verde von» Minister ernannt, habe aber seine Vorschläge dem Kaiser direkt zu unterbreite».— Der Titel, soivie das ganze Kapitel»verde» de»vill igt, ebenso die enlsprechenden Forderungen sür das bayerische und würtiembergische Kontingent.— Die Berathnngen »verde»» morgen sortgesetzt. Komwissio» für die I«» Heinze. Die Debaite beginnt»nit ß 182a, dem sogenannten Arbesigeberparagraph. Di« Abg. Pieschel nnd Barth beantragten, die Warle„zur Duldung oder Verüdnng unzückliger Haudlniigeu" zu streiche» und zu sagen„zur Gestaltung des Bnschlass". Abg. Schall branlragt zu sagen„zur Unzucht ver- leitet"; er zieht aber später im Lause der Debatte den Antrag zu- riick. Die Algevidiitlen Pieschel und Barth imlheitigeii ihre Sftttrape it«b jTOnt benntrnßi der Ndg. VeSH, da» vergehen als Anlragsreat anzlisehe», der Abg. Pieschel. mildernde Umstände zu- zn lassen. Tie Abgg. Roere». Bebel, Lelocha, Fuchs, Schwarze sind für Annabnie des Paragraphen. Es werden von verschiedenen Rednern einzelne Beispiele augeführt, die die Annahme des Para- graphen rechlfertiglen. siiegiernugskoiumissar v. Clerk äuherl Be- denken, der Parag>aph könne asiensalls nur abschreckend wirken, in Anwendung werde er nicht häufig kommen. Auch der Geh. Rath Fischcr-Snchsen erhebt gegen einzelne Ausdrücke Bedenke». Schließlich einigt man sich, im Eingang das Wort„ins- besondere" Mil dem davor stehende» Komma— zu streichen nud im Echlnßsatz statt des Wortes„bestimmen" zu sagen.verleilen". Der Antrag Beckh:„Die Bersolgung tritt nur aus Aulrag ein", wird gegen 4 Stimmen und mit der gleichen Stimmeuzahl der Aulrag Pieschel auf Zulassung mildernder Umstünde abgelehnt. Daraus wird der tz 182» gegen-j Siinunen(Beckh.jPieschel und Kruse) angenoinme». Der Paragraph lautet nunmehr solgeudermaßini „Arbeitgeber oder Dienstherren und deren Vertreter, welche unter Mißbrauch des Arbeits- oder Dienslverhältnifses durch An- drohung oder Verhängung von Arbeilsentlassung, von Lohn- vetkürnmg oder von anderen mil dein Älrbeilsverhäliniß zusammen- düngenden Nachlheileu oder durch Zusage oder Gewährung von Aibeit, von Lohnerhöhung oder von anderen ans dem Arbeits- vertiällniß sich ergebenden Vortheilen ihre A> bei'Ierinne» zur Tiildiing oder Berübung unzüchtiger Handlungen verleite», werde» lliii Gesängniß bestraft. Ter§ 184 ruft ebenfasts eine kange Debatte hervor. Der Abg. Ro.re» zeigt eine Anzahl Photographien herum, die großen- tbeils als unglaublich gemein bezeichnet werden müssen und an Schüler � eines Kölner Eyinnasiums gesandt wurde». ES werden im Lause der Teballe eine Reihe von Ver besserlings- voi'chläge» gemacht und zum tbeil wieder zurückgezogen oder durch aneere ersetzt. Das Endresnllat der Berliandinngen ist, daß die Einleiütng deS Paiagraphen einstimmig folgende Fassung erhüll: „Mit Gesängniß bis zu eine», Jahr und mit Geldstrafe bis zu tausend Marl oder mit einer dieser Strafen wird bestrasl." Bei Ziffer I macht der Abg. Bebel darauf aufmerksam, daß die Wor.o„wer sie zur Verbreitung herstellt" sehr bedenklich seien, in- ivsein daimch auch der Arbeiter oder die Arbeiterin bestraft werde» tönne. Dieses Bedenken wird als berechtigt anerkannt»nv werben A'Nideruiige» vorgenomme»,»ach welchen schließlich die Ziffer 1 so>ge»deu»aßen lautet: „Wer unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darftelliiugen feilhält, verknust, verlheilt, an Orlen, welche dem Publiktim zugünglich sind, ausstellt oder anschlägt, oder sonst verbreitet, wer sie zum Zwecke der Verbreitung selbst herstellt oder durch andere de. stellen läßt, oder zu dem gleichen Zwecke vorrälhig hält, au, kündigt oder anpreist." Diese Fassung findet einstimmige Billigung. Die Ziffer 2 wird ohne Debatte angenommen. Die Ziffer S erhält folgende Fassung: „wer öffenlliche Ankündigungen erläßt, welche dazu bestuumt sind, unzüchtigen Verkehr herbeizuführen." Daratis erhält in der Schlußabsliinmung der ß 184 einstimmig folgenv«» Wortlant: Mit Gesängniß bi» ,n einem Jahr und mit Geldstrafe biS zu 1000 M. oder mit einer dieser Et-asen wird bestrast: 1. wer unzüchtige Schriften. Abbildungen oder Darstellungen feilhält, verkausl. vertheilt, an Orten, welche dem Publikum zu- gänglich sind, ausstellt oder anschlägt oder sonst verbreitet, wer sie zum Zwecke der Verbreitung selbst herstellt oder durch andere herstellen läbt oder zu demselben Zwecke vorräthig hält, ankündigt oder anpreist: L. wer Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauche bestimmt sind, an Orten, welche dem Publikum zngSiiglich sind, ausstellt, oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpreist; S. wer öffentlich« Ankündigungen erläßt, welche dazu be- stimmt sind, unzüchtigen Verkehr herbeizuführen. Neben der Gesängnißstrafe kau» aus Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte, sowie aus Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht erkannt werden." Hieraus wird die Sitzung auf Freitag Vormittag 10 Uhr vertagt. I» der Kommission deS Reichstags für die Militär- Strafgerichts-Ordnung wurde heut« das Einführungs- g e s e tz beralhen. Zu tz I wird auf Antrag des Abg. Gröber(Z) beschlossen, daß das Gesetz spätestens am 1. Januar 1901 in krnfi zu treten hat. Zu§ 2 beantragt Gröber folgende» Absatz anzu- fügen:„Unberührt bleiben die landesrechlllchen Voischriflen. durch welche die dem Beurlaubtenstand angehörenden Offiziere, Sanitäls- vsfiziere und Ingenieure des Soldatenstandes wegen Zweikampfs mil tödtliche» Waffe», wegen Herausforderung oder Annahme einer Heraiis- forderuna zu einem solche» Zweikampf und wegen Kartelltragens der bürgerlichen Gerichtsbarkeit unlelstellt sind." Nach längeren Dar, legnngen von militärischer Seite wird dieser Antrag gegen die Stimmen deS Zentrums, der Sozialdemokraten und des Abg. Munckel abgelehnt. Bei Z 33(Einsührung des Gesetzes in Bayern l bemerkt Abg. Freiherr v. Hertling(Z.), daß man in Bayern am Reservalrecht unbedingt festhalte. Der Regent, die Regierung und der Landlag seien eiitschlosse». dieses Recht zu wahren. Diese Stellung werde sich nicht ändern, wohl aber leicht eine Verschärfung erfahren. In Bayern sei kein Ministerium im stand«, mit Erfolg für das Aufgeben dieses Siandpunktes einzutreten. Werde daS Gesetz verabschiedet, ohne daß dem bayerischen Anspruch auf einen oberste» Militär- Gerichtshof Genüge geschehe, so werde dies das Eintreten einer schweren Krisis i» der inneren Politik des Reiches bedeuten. KriegSminister v. Goßler erklärt, es werde aus Bayern die größte Rücksicht ge- nommen. Ein« Majorisirmig Bayerns im Bnndesrathe fei ausgeschlossen. Die verbündeten Regierungen seien bestrebt, eine Verständigung zu erzielen. In, gegenwärtigen Augenblick aber sei dieselbe noch nicht vorhanden, weshalb die Er- örlerung über diese Frage noch ausgesetzt werden»insse.— Der bayerische Bevollinächligte, Gras von Lcrchenfeld-Köferiug, bestätigt, dag Batzeni an seinem Reservatrechte festhalte, und daß die ver- bündele» Regierungen bemüht sind, eine befriedigende Verständigung be>beiz>isüh>en. Die Koiinnission beschließe darauf, die Eni« s ch e i d»» g über§ 83 auszusetzen. Damit ist die erste Lesung des EinsüdrungsgesetzeS beendet.— Die Verhandlung wendet sich»»»mehr zu den, Eniwiirf, betreffend die Dienstvergehen der richterliche» Milttär-Justizbeamlen.§§1—37 passiren mit nnwesentlichen Aeiidernngen. Zu§ 38(Geltung des Gesetzes in Bayern) beantragt Abg. Gröber folgende» Zusatz: „Die Eirichliing eines DisziplinarhofeS für die bayeri- scheu richterlichen Militär- Jusiicheanileii bleibt der Landrsgesetz- gebniig vorbehallen." Der Antragsteller rechtfertigt diese» Antrag mit dem Hinweis auf die Selbständigkeil des bayerische» Heeres. Kriegs» »uiiister r> Goßler erklärt, der Bundesrath werde sich dem Sinn« nach diesem Antrage anschließe»; dessen Annabnie sei also über- flüssig. Ter bayerische Bevollinächtigle Gras v. Lerchenfeld-Köiering wünscht dagegen, daß es im Gesetz ausdrücklich ausgesprochen werde. Der Antrag Gi ober wird darauf a n g«» o m m e n. Damit ist auch dieses Gesetz i» erster Lesung erledigt. Die An bcraniniing des Beginns der zweiten Lesung behält sich der Vorsitzende. Abg. Spahn, vor. Nach Schluß der Vcrbandlnngen wird durch einen Regierungs- Vertreter eine längere Erläulernng, betreffend die»ach der jetzigen Fassung des Eiilwurss noihwendig ivervende Zahl der Beanile», sowie der Mebrkosteii gegeben. Für das preußische Kontingent kommen i» betrncht 205 Kriegsgerichlsräihe. 38 Ober-Kriegsg«richisräthe, 1J1 Militärgerichlsschreiber mit Veamtencharakler. davon je 2 bei einem höhere» Gericht, sowie SI Gerichtsbote». Was die Gebaltsfrage nnbelreffe, so seien für das preiißlsche Kontingent an Mehr- konen 2 153 798 M. vorgesehen. Die KricgsgerichtSrälhe sollen wie Richter der ersten Gehaltsklasse besoldet iverden.— Das Reichs- Militärgericht werde mit vorläufig 3 Senate» einzurichten fein. Es seien anznstrllen ei» General als Präsident, 8 etatsinäbig« militärische Richter, welche die Konipeienzen ibrer Charge beziebe», 12 Stabs- osfizie,« im wechselnde» Nebenamt mit je 600 M. Zulage. Juristische Mitglieder seien angesetzt: I Seiialspräsidenl und lbRälbe mit dem Gehalt des Seuatspräsidente» bezw. der ReichtgerichtSrälhe. Ferne» 1 Oberaubitenr und 8 Militärgerichts-Anwälte, deren Gehakt sich nach den Bestimmungen über die Dienstalterszulage zu regeln habe. Di« Kosten für das Reichs-Militärgerichl berechnen sich auf 497 872 M. Die Gesammlsnmme der Mehransgaben für das preußische Kontingent und daS Reichs- Militärgericht belausen sich auf 2 739 290 M., oder, abzüglich der jetzt für Preußen benölhiglen Auswendungen auf 1879 490 M., Die Berechnung für die außerprenßlschen Kontingente sei nur schätzungsweise. Für Sachsen sei>/u der preußische» Ausgaben, also etwa 203 767 M., für Württemberg>/l« mil 140 090 M.. für Bayern 258 069 M. berechnet.— Die Marine beansprucht 93393 M. — Das gesaminte Mehr der lausenden Ausgaben laff« sich auf mindestens 2 328 301 M. berechnen. Dazu würden dann noch die Kosten für Neueinrichtuiige», Beschaffung geeigneter Lokalitäten kommen. Diese Kosten lasse» sich noch nicht übersehen. Es werde sich sowohl um Neubaute», als um Ermiethung von Lokalitäten handeln. Dem Nbgeordnetenhanse ist eine Denkschrift über die Ans- iührnng des Gesetzes vom 26. April 1886, betr. die Beförderung deutscher Ansiedelungen in Westpreußeo und Posen, zugegangen. Tie Wahlp, iifungs- Kommission d e S Abgeordneten. Hauses bat die Wahl des Abg. Dr. v. Wolszlegier(Pole, Stargard- Bereiil) für ungiliig erklärt. Dr. v. Wolszlegier ivar seiner Zeit mit einer Elimme über die absolute Mehrheit gewählt ivorde».— Eiue Grucraldebatte über die Eisenbahu-tverwaltung fand am Mittwoch in der Budgelkommissio» des Abgeoidnelenhanses statt. Der Referent der Konimisflon schlug znr Abdilfe der zu tage getretenen Mißstände folgende Mittel vor: I. Umbau der über- mäßig belastete» Stationen. 2. Anlegung von driiten und vierte» Geleise», 3 Trennung deS Güter- und Personenverkehrs, 4. Trennung des Kleingüier- und deS Massengüter- Verkehrs, 5. schnelleres Uni- lausen der Wage», 6. raschere Bei örderung der Gllier, 7. Ve>stärkung des Oberbaues und des BanpersonalS, 8. Heranziehung der Privat- nnleinehmuiige», wo die Mittel der Verwaltung nicht ansreichen, 9. Förderiing der Wasserstraße», 10. Trennung der Eisenbahn- Verrvallnng von der aUgemeirren Staatsverwaltung und Einsührnng eines Eisendahn-Garanliegesetzes. Minister Thielen suchte die in der Presse gegen sein Ressort erhobenen Vorwürfe zu enlkrästen; an etlichen Vorwürfen seien vielfach Unkennlniß der Berhällnisse und Mißverständnisse schuld. Einigen der gemachte» Vorschläge stimme er bei, dieselben ließe» sich jedoch nicht von heule zu morgen durch- sühre»._ Mahlbewrsung« Herr v. E g i d y will wieder in Berlin I kanbidireu, falls es ihm nicht gelingt, einen andere» KreiS zu finde». Herr v. Egity ivird in keinei» Wahlkreise bessere Aussichle» haben wie er sie 1893 im ersten Berliner halle. Ans Fürth wird nnS geschrieben: Im Wahlkreise F ü r t h- E rla n g er, hat die süddeutsche Volkspailei für die nächste ReichstagSwahl einen eigene» Kandidaten in der Person des Dr. Conrad, der in A» s da cd- S ch w a b a ch gewäblt, dort aber des Mandats überdrüssig geworden ist, aufgestellt. Tie leiten- de» Blätter der Vollsparlei sind mil diesem Beschluß nickt ein- verstanden und rathen, wieder für den Freisinnigen, Lehrer W e i ans Nürnberg, einzntrete». der den Wahlkreis bisher„gm demokratisch" vertrete» habe. Es könne sonst kominen, daß das Mandat sür beide volksparteiliche Fraktionen verloren gehe. Diele Befürchtung wird sich zuversichtlich erfülle», denn der Wahlkreis wird diesmal de» Sozialdemokraien zufallen. Bei der letzien Wahl »i'terlag unser Genosse S e g i tz de», Freis»i»ige» Weiß mit nur 854 Stimme» Minderheit, aber bei der nächsten Wahl hoffe» wir das Mandat bestimmt zu erobern. Unser Kandidat ist noch nichi aufgestellt, doch wird ohne Zweifel die Wahl wieder ans den Ge- nosse» Segitz fallen. Aus der Pfalz wird uns unterm 9. Febr. geschrieben: Die pfälzischen Nalionalliberalen kommen aus den Wahlsorge» nicht inehr heraus. Kaum ist die Wahl in Homburg- Kusel überstanden, so fängts in den anderen Wahlkreise» a» zu rmnoren. Ii» zweiten Wahlkreise(Neustadt- Landau) wolle» die Bündler Herrn Dr. Bürklin nicht»rehr haben. u»d im sechsten Wahllreis(Kaisers- lautern- Kirchbeimbolauden) erbebt sich gegen Herrn Brnnck eine bedenkliche Opposition. In beide» Wahlkreisen hat der Bund der Landwirthe in der letzten Zeit Versammlungen abgehalle», in denen zwar der Geneigtheit Ausdruck gegeben wurde, mit den National- liberalen zusammenzugehen, aber die alten Kandidaten dürfen eS nicht sein. Darob ist im nationalliberalen Lager großes Wehklage». I» der Verzweiflung macht heute das Hauplorgan der Nationnlltberalen, die„Pfalz. Presse", den Bündlern eine neue Konzession. Die Knndidale» dürfe» agrarisch bis ans die Knochen sein, wenn sie sich nur verpflichte», der national' liberalen Fraktion beizutreten, so sollen sie unterstützt werde». Die„Pfalz. Preffe" fürchtet nun, daß die Bündler an diese Bedingung nicht eingehen und daß daran ein Zusammengehen scheitert; und so macht sie heute den Vorschlag, man möge diese' Bedingung im Interesse deS Friedens lieber fallen lassen. Die„Pfälz. Presse" geht bereits so weit, die Pfalz als n a t i o n a l l i b e r a l e Hochburg zu verleugnen. Wenn damit gesagt sein sollte, die Pfalz lei eine Partei domäne gewesen, so sei das ein Unsinn; i» der Psalz habe nur von jeher echt patriotischer Geist geherrscht. Und wer„patriotisch" ist, ist bei der„Pf. Pr." auch„liberal". Mehr kann man geiviß nicht an Dehnbarkeit des Begriffes verlangen. DaS Zentral AgitationSkomite« für Sachsen besteht nach 'einer von der letzien Dresdener Pa»le>versa»nnlnng vor- genommenen Neuwahl aus de» Parteigenossen Redakteur Eichhorn und Buchhalter Breslauer in Dresden und Tischlermeister Schulze in Kostcbande. In das Agilalionskomitee für Ost- a ch s« n wurden ClauSnitzer, Reichen und P e tz o l d in Dresden gewählt. Die Essener Parkelgeiiosseu halten am Sonntag den 13. Fe. bmar ihren Einzug in ihr eigenes Hei m. Um de» Saal- abtreibereie» vorzubeugen, haben eine Anzahl Genosse» gemeinschail« lich ein HaiiS, in dem früher Gastwirlhschast war, gcmirthel für 3200 M. Das HnuS enthält eine Anzahl Wohnungen für Private, einige VereinSziinmer und einen Saal, der etwa 650—700 Personen aßt; zur Noih gehen auch 900 hinein. Eine Kegelbahn, Billard und Lesezimmer flehen den Gästen zur Veifügung. Um die Agitation sür die sozialistische Partei, fpeiiell im Hinblik ans die kommend« Wahl, recht i»te»siv betreibe» zu können, geben die Genoffen deS ganre» Kreises von» 15. Februar an ein eigen eS Organ, den „Weckruf", heraus. DaS Blatt erscheint vorläufia zweimal im Monat unter der Redaktion deS Vertrauensmannes W. Ostkamp. Gedruckt werden 10 000 Exemplare. Es ist schon jetzt eine so große Zahl fester Abnehmer geiunden, daß die Finanz frag« gelöst ist. Die nicht verkaufte» Exemplare iverden an die Ein- wobner des Esfener KreiseS unenlgellltch abgegeben, was eine vorzügliche Agitation für unsere Ideen sei» wird. Sobald es möglich, erscheint der„Weckrus" wöchenilich und so weiter, je nach Lage der inzen. Ter Landeöausschusi der deutschen Sozialisten in der Schweiz hat, wie der soeben erschiene»« Berich! ausrveist, im vergangene» Jahre einschließlicd 656,04 Franken früheren Bestandes 1225,04 Franken Einnahme gehabt und 497,04 Franken aiisgegebe», so daß ein Kassenbestand von 723 Franken übrig blieb. Davon sind für Agitation 278,24 Franken und 30 Franken für die RetchSralds- Wahlen in Galizien verwendet worden. Außerdem runrden bei den Märzseiern in den verschiedene» Orte» 184,15 Franken zu gnnsten politischer Flüchtling« gesammelt; 7 derselbe» wurden mit 127,65 Franken»uterslützt. Für diesen Zweck haben die deutsche» Parteigenosse» in der Schweiz während der letzten siebe» Jahre die ansehnliche Summe von 3000 Franken ausgebracht. In dankenSwerther Weis« haben nun auf Ersuchen des Landes-AnS- schuffes die Leitungen der schweizerischen Partei, des schweizerischen Gewerkschaftsbuiides und des Grütlivereins sich bereit erklärt, znr Unterstützung der politische» Flüchtlinge mit beizusteuern. Nach dem Jahresbericht bestehen in den Orten Aarau, Amrisweil, Bade», Bern, Biel, Burgdorf, Chur, Frauen- selb, Genf, GlaruS, Horgen, Kiiönacht, Lausanne, Liest»!. Lnzern, Payerne, Rheinfelden, Schaffhansen, Siein a. Iih.. S>. Gallen, Thun und Zürich iuSgesamnit 25 deutsch« Organr- sationen. Die stärkste» Vereine sind: der Arbeiter- Bildungsverein „Eiutrachl" in Zürich mit 1004 MiigLedern, ebendaselbst die Mit- gliedschaft deutscher Sozialisten mit 174, der Allgemeine Arbeiter- verein in Gens und der Deulsche Arbeiterverein in Bern mit je 170 Mitgliedern, serner der Allgemeine Arbeiter- und Arbeiterinnen- Verein in Lnzern mit 115 Mitgliedern. Jnsgesammt betrug die Mit- gliederzahl am Schlüsse des Berichtsjahres 2331 gegen 2382 bei Beginn. Polizeiliches, Gerichtliches ee. Das„ V o l k s b l a t t für Halle" hatte über den Polizei- sergeanlen Czikorsky in Halle a. S. eine Noliz gebrächt, worin u. a. krilisirt ivar, daß derselbe einem Mädchen die Ehe versprochen hat und sie dann sitzen ließ. Der Sergeant stellte Slrafantrag und die Siaaisanwaltschaft erhob gegen de» damaligen verantivort- lichen Redakteur des„Volksblatts", Dr. Völkel, Anklage wegen Beleidigung. Das Lirndgerichl hat iiun als eriviefen aiigenomiiie». daß die in der Notiz bchaiiplelen Thatsachen der Wahrheit ent- sprachen, eS verrutheille aber den Redakteur wegen der beleidigen- den Form der Noliz zu 30 M. und de» übliche» Nebensirafen. Als beleidigend ist u. a. die Spitzmarke:„Ein Wächter deutscher Goltessnrcht und frommer Eilte" erachtet worden. Prozctz Jala. PariS, 9. Februar. Ans der Verhandlung des Gerichts vom Millzvoch ist noch einiges miizutheilen. Vor Trarieux wurde General Mercier vernommen. In Beantn ortnng der von dem Verlheidiger Labori gestellle» Frage» erklärt General Mercier, er habe keine Keunlmß von dem Berichte Ravaru's gehabt, ebenso wenig wie vo» dem„befreienden" Dokninente, enthaltend die Bezeichnung „cebts Canaille de D". Hieraus fragt Labori, ob ein geheimes Schriftstück den Richtern des Hauptmannes Dreysus mitgetheilt worden sei.— Mercier erwidert, das solle nicht hier behandelt werden, er habe davon nicht zu sprechen.— Labori fragt, ob der General Mercier sage» könne, ob ihm die Miitheilnng bekannt sei. die im Jahre 1396 in dem Journal „Eclair" gemacht worden sei.— General Mercier erwiderte: Ich habe die Sacke in dem Blatte gelesen, aber ich weiß nicht, von wem die Jndiskreiio» ansgegauge» ist. Ans die Frage, i» welchem Zeitpnnkie diese Indiskretion begange» sei, enlärte Mercier, es habe am 29. Oktober in der„Libre Parole" und am 31. Oktaler im„Eclair" gestanden; er habe keine Untersuchung angestellt, aber wenn man ihn um seine Meinung frage, so glaube er, daß die Miliheiluiigen gemacht feien gegen den Wille» des Ministers. Labori: Diese Sachen wurden also durch das Kabinet des Ministers wider seine» Willen mit- gelheilt. Mercier: Ich glanbe, daß diejenigen, welche die Mittkeilnng machten, nicht dem Miuisterii»» angehörten. Die Jndiskretio» kann von der Familie Dreysus gekommen sei». Labori: Ich beantrage, daß der General mit Fran Dreyfns konfrontirt werde. Das Gericht lehnt diesen Antrag ab. Labori stellte darauf folgenden BeweiSanlrag: Wurde ein geheimes Schrifistück dem Kriegsgerichte ohne Wissen deS Angeklagten milgelheilt? Labori bemerkt dazu: Es heißt nicht, eine res judicata angreisen. wenn man fragt, ob die Sache nach dem Gesetz abgenrlheili ist. Ich strichle in diesem Punkte kein Temenli von seilen des Generals, da dieser a» verschiedene» Stellen wiederHoll erklärt hat, daß kein Schrijlstück»nitgelheilt worden ist.— Das ist nicht wahr! ruft Mercier mit. starker Stimme. (Freneiischer Beifall.) Labori: Verzeihung! Keine Zmeidenlig- teil. Es giebl zwei Fiage». Aiif die erste erwidert Mercier: Ich habe nicht aus de» Prozeß Dreysus zurückzukommen; wenn ich davon zn sprechen bäite, würde ich sagen, daß dies ei» gerecht und gesetzmäßig verurtheilter Verrälher ist. Labori: stahren wir fort. Wir sind jetzt im Miltelpunktc des Sireiles. Wir kennen die Ueberzcugnng des Generals Meicier. Die Frage ist die, hat es ein Cchrisistiick gegeben, welches nicht in die Verhandlung einbezogen wurde? General Mercier bemeikt: Ich kann nicht antworte». Labori sagt: Ich res»- mir«: Als ick sagte, daß Mercier erklärt habe, kein Schriftstück sei mitgeiheilt worden, hat man gesagt, daß er diese Erkiärniig nicht gemacht habe, und als ich ihn sragle, ob ei» Schriftstück milgelheilt worden, sagt er, daß er nicht aatwortei» könne." Major L a n t h beknndek, Oberst Picquart habe ihn aufgefordert. einen an de» Major Esterhazy adressirten zerrissenen Robipostbrief. dnich welchen Esterhazy verdächligl wurde, so zn photographiien, daß die Rißstellen verfchwändeii; ferner habe er die Schrift der beiden Briefe verifiziren solle», er habe beides verweigert. Während des Verhörs des Archivars im Kriegsministerimn Gribelin kam es zrr einem lebhaften Zwischensalle. Grineli» be- ichnldigte den Advokalen L e b l o i s,»> dem Bureau des Onerst Pieqnart in geheime Akienstücke des Prozesses Dreysus, welche Oberst Heniy in Verivahrniig Halle, Einblick genommen zu habe». Leblois, mit Gribeli» kousroniirl, leugnet aus das enlschiedensl«. Die Ber- lheidigcr verlangen, der StaalSanwalt möge einschreiten, da einer ber beiden Zeugen lüge; ferner möge» die erwähnte» gebeimen Allen vor Gericht gebracht werden. Der Gerichtshoj wird morgen hierüber seine Entscheidung treffen. Ans der Zengenaussage Trarieux' ist noch folgendes»ach- tragen: Trarieux sprach sei» Bedauern darüber ans. daß Scheurer- Kestner anläßlich seiner Jnterpellaliv» nicht alles gesagt habe. ES wäre gut gewesen, wen» das Land früher anigeklärl worden wäre. Im Verlause der Nachforschungen Picquart's nach dem wahren Schuldige» piiblizirle» der„Malin" und der„Eclair" Dokumeiile, die aus dem KriegSministeriin» stammle» und nur vo» jenen ver- öffenilichl fein konnte», welche die Aktion Picquart's durchkreuzen wollten. Diese Personen schraken selbst vor Verbreche» nichl zurück. So wurde dag vom„Eclair" veröffentlichte Dokument gefälscht, in- dem aus dem Anfangsbuchstaben D. der Name Dreysus gemacht ivurde. Verhandlung am Donnerstag. Paris. 10. Februar. In de» Wandelgängen deS Justiz- palastec. ist eine große Menschennienge anwesend. Zola wurde bei seinem Eintreffen mit einigen Rusen begrüßt. Der GerichlSsaal ist dicht gefüllt. Die Sitzung wird um 12 Uhr 10 Min. eröffnet. Der Gerichts- Hof lehnt die Schlußsolgernnge» der Veriheidigung ab, in denen die Vorlegung der Schriftstücke bezüglich Oberst Picquart's, des Prozesses Dreysus sowie des Prozesses Esterhazy verlangt ivird. Der Präsident verliest ei» Schreibe» des Generals Boisdeffre, in welchem derselbe«rsncht, daß Oberst Henry, dessen Gesnudheits- zustand ein beklngenSwerther sei, heute vernommen werbe. Die Bertheidiger erklären, auf die Vernehimmg der Frau Dreysus, die leidend sei, verzichte» zu wollen. Trarieux erklärt bei seiner heute fortgesetzten Vernehmung, er habe keine Gelegenheit gehabt, während er Minister war. sich mit der DreyfuS-Affäre zn deschäfitgen. Der Präsident erhebt un- geachtet deS Protestes Laböri's Einspench dagegen, daß man von der Affäre Dreysus spreche. Trarieux rechtfertigt das Vorgehen Schenrer-ttestner's und Malhieu Dreysus'. Der Major F o r z i n e t t i, ehemaliger Direktor des Gefängntsses Cherche-midl. tritt an die Barre. Labori fragt: Weiß ber Zeuge nicht, daß Hauptmann Dreysus keine Gestäudiiiste abgelegt hat? Der 3 r ä f i d e n t erklärt lebhaft: Ich werde diese Frage nicht stelle». (Bewegung.) Labori: Dann verzichte ich aus die Vernehmung der Zeugen, an die ich nur dieselbe Frage richte» tönnie. also zunächst des Majors ForzineUi. ferner des Kapitäns Lebrun-Renaiilt und der Zeugen Meßbart, Cliffo», Frau Chappeli», hilipp DllbolS, UtSfiiti, Göhl» und Zsntdrun«. Der Gerichtshof uimmt Akt davon, daß die Berlheidignng auf die Vernehniung dieser Zeugen verzichtet. Hierauf wird der Gerichlsarzt Dr. Soquet aufgerufen. Clvmenceau fragt den Zeugen:? Haben Sie bei Ihrem gestrigen Besuch bei Frau Boulancy diese gefragt, ob sie Briefe von Ester- hazy habe? Zeuge: Nein. Frage: Hat sie Ihnen nicht gesagt, ich habe Briefe vom Grafen Esterhazy und diese Briefe sind viel erheblicher als die veröffentlichte»? Antwort: Nein. Frage: Wurde der Name Esterhazy genannt? Antwort: Ja. Frage: Welches waren die Worte, die hierbei fielen? Ant- wort: Sie hat nur gesagt, sie habe bei dem Staatsanwalt in betreff der in den Blättern veröffentlichten Briese Klage erhoben und hinzu- gefügt, daß die Undersnchmig gegen diejenige Person eröffnet werde, die Mißbränche damit getrieben habe; alle Briese rührten von Esterhazy her. C l ö m e n c a u unterbricht mit de» Worten: Alle Briese, behalten Sie dies wohl, meine Herren Geschworenen! Der nächste Zenge ist der Oberst du Paty de Cla>». Der- selbe spricht in kurzen, bestimmten Worte». Er sagt: Ich werde nur sagen, was das AmlSgeheiinniß nicht betrifft. Verlheidiger L a b o r i: Ich beschränke mich aus die nachstehenden Fragen: Habe» Sic Herrn Comminge's Vater gekannt? Antwort: Ja. F>age: Haben Sie Privalbriefe, die an einige Mitglieder dieser Fannlie ge- sck>riebe» sind? Antwort: Ich werde diese Frage nicht beantworte», das wäre eine Verletzung des P r i v a t g e h e i in n i s s c s Labori fällt ein: Wenn man sich nicht mehr hinter das Slaatsgcheimniß oder das Amlsgeheimniß verschanzen kann, beruft man sich auf das Privatgeheimniß. Unter dieie» Umständen habe ich den Zeugen nichts mehr zu fragen. Labori verzichtet ebenso aus seine Frage» an den Kapitän de Conuninges. Soda»» wurde Oberst Henry aufgerufen.(Lebhafte Bewegung.) Labori fragt ihn. was an den in dem Ravary'sche» Bericht eal- haltenen Thalsache» betreffend die Oeffnnng eines Schrankes init ge- Heimen Schrisistücfen durch den Oberst Picqnart wahres sei. Oberst Henry antwortet aus die Frage des Bertheidigers: Ich war nicht anwesend, als das Aktenbündel von Picqunri heraus- genommen wurde; er verlangte es von dem Archivar Griveli», der es ihm verabfolgte. Präsident: War Griveli» Untergebener des Picqnart? Antwort: Gewiß. Labori: Und waren Sie ebenfalls Untergebener Picqnarl's?— Jawohl. Ich war damals erst Major und Picqnart war Oberstlieulenant. Labori: Er war also Jbr Dienstoberer? Antwort; Gewiß, aber der Oberst Sandherr hatte mir, indem er mir das Aktenbündel anvertraute, das Verspreche» abgenommen, es nur in feiner ober des Ministers Gegen- wart zu öffnen. Frage: Wer war diejenige Person in diesem Dienste, die direkt unter den Befehlen des Generals Gonse stand? Antwort: Ich. Labori: Das genügt mir. General Ganse wird wieder aufgerufen. Er macht dem Obersten Picqnart den Vorwurf, die Brieie, ivelche er ihm im Dienst geschrieben, mißbraucht zu haben.„Dieser Dienstzweig, der Nach- richtendienst," sagt er,„ist ei» so geheimer, so eigenthümlicher, daß niemand in der Welt ihn kennen darf, außer dem Chef des General- stades und dem Kriegsniinister, die allein die Aktenstücke dieses Dienstes kennen dürfen und kennen müssen." Labori fragt hieraus Henry:„Hallen Sie die Gewohnheil, Ihr Namenszeichen»mer du geheimen Aktenstücke zn fetzen?" Antwort: Nein. Im iveiteren Verlause seines Verhörs erklärt Oberst Henry, er habe niemals in seinem Kabinet mit dem Advokaten LebloiS zn konfcriren gehabt. LebloiS wird wieder vorgerufen und versichert das Gegen theil. Das ist ein Jrrlhnm! wirft Oberst Henry ei».(Beivegnng.) Was! entgegnet Leblois, vor d e m K r i e g s- gerichte habe» Sie es doch zugegeben.(Sensation.) Henry erwidert: Ob, Sie irre» sich ganz besliuinit. Das iil Picqnart gewesen, mit dem Sie Akte» durchgingen. Zola wirst dazwischen: Was war das für ein Aklenbimdel. daß sich i» Picqnarl's Bureau befand? Zeuge antwortet: Das war ein geheimes Aktenbündel. Zola: Die Akten der D>kys»s-A»- gelegenheit! Antwort: Oh! Verzeihung; die wurden iin Jahre l8öS versiegelt.— Labori stellt hierauf den Antrag, daß Oberst Henry. »venu es sich als nöthig eriveisen sollte, trotz seines Gesnndbeils- znstandks gehalten sein sollte, wiederum zur Vernehmung zn erscheinen. Hierauf wird die Sitzung unterbrochen. Nach Wiedeianfnahme der Sitzung wird der Major d' O r- u'e S ch s v i l l c vernommen. Der Berichterstatter des Kriegsgerichts. das Dreysus verurlheilte. Labori will an ihn die Frage stellen: Sind alle Anklagepnnkte, die ans Dreysus lastete», in Ihrem Be- richte vorgekommen? Der Präsident untersagt aber die Stellung dieser Frage, ebenso die Stellung der Frage bezüglich eines ge- Heimen Aktenstückes an Oberst Marcel. Gerichisschreiber Balle- c a l l e, Oberst E i ck»> a» n und Major Patron. Diese sämmt- lichen Zeugen ziehen sich daraus ohne ein Wort gesprochen zu haben, zurück. Es erscheint nunmehr Oberst R a v a r y als Zenge, der den Bericht im Prozesse Esterhazy verfaßt hatte. Labori fragt ihn, was das für ein geheimes Aktenstück gewesen sei, von dem er in seinem Bericht spreche. Zeuge erwidert, er habe da auf ein Aktenstück hingedeutet, das auf dem Bureau des Obersten Picqnart offen dagelegen habe. alS Advokat Leblois davon Kennt- uiß nahm; so habe in der Untersuchung ein Zeuge ausgesagt. Hierauf wird General Pellieux vernommen. Derselbe be- merkt zunächst: Voll liefer Achtung vor der Justiz meines Landes begebre ich nicht, mich hinter das Amlsgeheimniß zu verschanzen. Ich bin der Ansicht, daß es Zerl ist, die ganze Wahrheit zu sagen, damit alle Welt sie wisse. Ich muß sagen, daß Mnihien Dreysus, als er aus meinem Bureau erschien, mir zur Unterstützung der von ihm gegen Esterhazy erhobenen Anklagen keinerlei Beweis gebe» konnte. Das» selbe war mit Schcnrer-Kestner der Fall. Hierauf wurde Loblois nach meinem Bureau berufen; dieser unterbreitete mir Briese und Falsimila und erklärte mir, ein Aktenstück, das den Verralh Estcrhazy's beweise, sei im KriegSniinisterinm vorhanden. Nun, ruft Zenge hier aus, giebt es nichts Ernsthafteres als eine Spimiage-Angelegenheit, und Picqnart bat kein Bedenken getragen, dies einem Fremde» mitzutheilen. Dos ist»n- würdig.(Anhaltender Beifall.) Mit bezug ans die an Esterhazy gesandle Karte, die gegen denselben den Argwohn errege» konnte, in verdächtigen Beziehungen zu einem ausländischen Agenleu gestanden zu haben, sagt Pelliaux, er habe zu dieser Karte keinerlei Zutrauen gehabt; sie sei zeriffen gewesen und habe keinen Ortsstempel gehabt. Zenge setzt hinzu: Picqnart habe zugeben müssen, daß er ohne Anslrag und ohne Ermächtigung seiner Vorgesetzte» Estcrhazy's Wohnung ansstöbern ließ. Ich bin stolz, zu der Freisprechung Esterhazy's beigetragen zu haben. Nach dem General Pellieux wird Oberst S a i n l- M a r k l ver- hört. Derselbe sagt aiiS, er sei aus seiner privaten Initiative zu Rochefort gegangen; Zeug« giebt der formellen Ueberzeugnng des Generalstabes bezüglich der Schuld Dreysus' Ausdruck. Alsdann wird der frühere Ministerpräsident Dupny vernommen; an diesen will Labori die F-age bezüglich der Dreyfus- Angelegenheit richten; der Präsident widersetzt sich dem und Labori verzichtet hierauf aus die Vernehmung dieses Zeugen. Es erscheint nu»mehr der frühere Minister T h o v e n e t als Zeuge. Er spricht als seine Meinung aus, daß Zola in der vorliegenden Sache guten Glaubens sei; denn volles Licht fei nicht geschafft, namentlich nicht bezüglich der verschleierten Dame, welche geheime Schriftstücke zu besitzen scheine. Thövenet bedauert, daß die Regierung nicht früher gesprochen habe, um die Ruhe im Lande wieder herzustellen.(Rufe: Jawohl! Lärm und verschiedenartige Kundyebunge».) Nach Thsvenet wird der Zeuge Advokat Salle aufgerufen. Der Präsident Delegorgue erklärt ihm, er werde ihn nicht über die Dreyfus-Angelegenheit sprechen lasse». Es entspinnt sich ei» lebhafter Meinnngsaustansch zwischen dein Präsidenten und dem Bertheidiger Labori, woraus letzterer Zeit verlangt, um sein« An- träge zu stelle». Zu diesem Zwecke wird die Sitzung unterbrochen. Nach Wicderanfnahme der Sitzung verliest Labori feine An- träge, die indessen alle als schlecht begrmidet, abgelehnt werden. Hierauf wird die Sitzung aeschlosse». Aus den heutigen Verhandlungen sind folgende Einzelheiten der Wer antwortlicher Redakteur: August Jaeobcy in Berlin. Für den Jnse Aussage deS frühere» Justizministers Thsvenet nachzutragen. Thövenet sagte, er sei durchaus überzeugt, daß Zola in dieser Angelegenheit guten Glaubens sei. Auch verschiedene Parlamentarier seien übrigens in gleicher Weise erstaunt darüber gewesen, daß man im Interesse der Landesvertheidignng keine Untersuchung angestellt habe. Man hätte sich vergewissern müssen, ob die verschleierte Dame so leicht über geheime Aklenstücke verfugen konnte, namenilich über das, wie man sagt, Esterhazy's Schuld beweisende Schriftstück, und ob dieses Schriftstück im Kriegsministerium gestohlen und in ihren Besitz übergeben worden sei. Er, Thevenet, begreife, daß sich angesichts dieser Lücke das Gewissen Zola's beun- ruhigt fühle, und dieses sei übrigens nicht das einzige in Ver- wirrung gerathene Gewisse,»_ Gewevltsck.üftlilszes« Berlin und ttmgcbnna. Die Töpfer habe» die Berathnng des Tarifs nunmehr in der zweiten Versammlung, die am Miltwoch im Englischen Garten tagte, zu Ende geführt. Mit einigen unwesentliche» Abänderungen wurde der von dem Filialvorftand ausgearbeitete» Borlage, die fast voll- ständig den im Jahre 1S86 errungene» Lohntarif entspricht und nur bei wenigen Positionen eine Erhöhung aufweist, allgemein zn- gestiinmt. Außer den genau delaillirten Stückpreisen sind in den Tarif noch folgende Bestimmungen enthalten: Arbeits- lohn pro Tag K M. Für Kachelzeug abladen pro Stunde 7S Pf. Entschädigung. Die Arbeitszeit wäbrt 8 Stunde», beginnt morgens >/e8 Uhr und währt mit de» übliche» Pansen biS abends 5 Uhr. Sonnabend und a» den Tagen vor den hohen Festlagen bis 4 Uhr. Jedem Ofensetzer ist das Arbeilsinaterial, als Zarge, Lehm. Steine, Kacheln, Elsenzeug». s. w. an seinen Arbeitsplatz zu liesern. Ueber die Art der Durchführung des Tarifs soll in einer nächsten vom Verlranensmann einzuberufenden Versammlung bcrathen werden. Tie Maurer von Wcisteusce beschlossen in einer öffentlichen Vcrsaminlnng, die Sammelkarte» vom 1. Februar an auszugebe». Die Kollege» werden anfgesordert, sich baldigst in Besitz einer solche» zn setze». Jeder in Wcißensee wohiihafte Maurer hat so lange»ach hier zu saniiiieln, bis an dem Orte, wo er arbeitet, selbst San»»- lnngen eröffnet werden. Für jede» arbeitslose» Kollegen werden die Karte» Donnerstags von 7'/-— 9 Uhr abends bei Kühne, Rölke- und Pislorinsslraßen-Ecke, abgestenipelt. Ferner wurde beschlossen, sich dem Zentralverband deutscher Maurer anzuschließen und, da es voraussichtlich i» dem laufenden Jahre a» vielen Orten Deutsch- lands zu großen Lohnkämpfen kommen werde, der Beitrag von 25 Ps. auf 30 Pf. pro Woche erhöht. Der Vertrauensmann der Maurer von Weiße nsee. Deutsches Reich. In der Qfcnfabrir von Rossi» n. Galle, früher Miicke'ö Werte, in Lindow i. Mark» wurve den dort arbeitenden Töpsern der Loh» um Lö pCt. gekürzt. Für ein« solche Bezahlung, pro 100 Kachel» l,90 M., wie sie dort jetzt üblich ist, kann kein Meiisch arbeiten. Ein gleiches Beispiel cxistirie, wie uns aus Töpferkreisen geschrieben wird, bisher noch nicht. Zlizng ist sernzuhalle». Der deutsche Berg- nnd Hüttenarbeiter Verband halte in den letzten 3 Monaten eine Eiliiiahiiie von 10 600 Mark. Dabei sind, wie die»eneste Numiner der„Bergarbciter-Ztg." mittbeill, für den Monat Januar noch 38 Verbandsoite im Rückstände; sie habe» ihre Abrechnung noch nicht eingeschickt. Wie ei» Vergleich mit dem gleichen Zeitraui»(November, Dezember»nd Januar) des Vorjahres «igiebl, hat sich die Einnahme des Verbandes von 4100 auf >0 600 Mark gehoben. Diese Gelder komme» nur ein von Mit- gliedern uiid bergmännischen Abonnenle» der„Bergarbeiter-Zig.", die infolge örtlicher Schwierigkeile»»och keine Verbandsniilglieder werde» konnte». Wer die polizeilichen Maßnahmen gegen den alte» Veiband kennt, wird sich über die Enlwickelnng des Vereins mir freuen köiinen. Vei der GcwerbeaerichtSwahl in Schweidnitz sind unsere Kandidaten mit großer M-hiheit gewählt. 1892 hatten unsere Parlei- freuiide nur zivei Kandidaten dnrchgebracht. Tie Tircktion dcö Grorg-Maricu-VergwerrcS in Piusberg bei Osnabrück halte bekanntlich die Aiiordiinng erlnffe», daß an sieben katholischen Feiertagen fernerhin die Arbeil nicht mehr aus- gcittzt werden dürfe. Wie die„Geiuiania" niiitheilt, habe» nun die Arbeiter mit Unterftütziivg der znfländige» Geistliche» in einer Petition gebeten, die Direklion möge die Verordiiung aufheben. Die Gcneraldircktio» verhielt sich indeß ablehnend nnd zwar nnier Hin- weis aus die Betriebs» oihivendigkeit»nd die Slcgeimnßigkeit der Arbeit, die auch durch die von Pctenlen angebotenen Uebersinnde» nicht ersetzt weide» lönne. Wecker machte die Generoldirektio» gellend, der Bischof habe ans grund von Verhandlungen am 27. November vorige» Jahres gektatiet, daß die katholische» Arbeiter an jenen Feiertagen»ach Beiwohnting einer zn diesem Zwecke von ihm angeordnete» Frü bm> sie Werktagsnrbeit verriebt«» dürfe» sollen; außerdem brauchen fenieihin die Steinbrncharbeiler an jene» Festtage» erst 9 Uhr morgens anzutreten. Es soll nun zwar in dieser Form der Bischof mit der Feiertags- Heiligbaliung nicht einverstanden gewere» sein, deun er hatte»ur »ngenominc», daß für den Kohlenbetrieb die Arbeit nolhwendig fei. Immerhin ist eS ticke, effant, wie sich die kalholische Geistlichkeit der Beblirfnifse» der Unlernehmer anznpasse» weiß. Wenn nun die Aibeiler zur Frübiiieffe koinine», da»,, können sie geirokl von de» Kirche zur A'bcitSstätte eilen, ohne die ch-inlichen Gebole zu beachten. Die Heiligkeit des Unternchnierprofits steht höher,»nd die christlichen Grundsätze müssen hier schweigen. Arn Tage Mnriä Lichlmeß sind»i», 400 Sieinarbeiler von den, Betrieb ferngeblieben »»d habe» ihren Feiertag innegehalle». Dieses VerHollen der Aibeiler erscheint uns viel verständiger, als nach der Frichmeffe an die Arbeil zu gehen, wenn es auch eine Aiislehnuiig gegen die Ge- böte des kapitalistischen Evangeliums ist. Die Former in Aachen befinde» sich in Differenzen wegen Lobiikürznng und verschiedener anderer Mißstände, die in den Be- luebe» zu lebhasien Klagen Anlaß gaben. In einer Fabrik habe» bereils sämnckliche Arbeiter gekündigt. Ter Ausstand in der Maschinenfabrik bei Brömme„.Viele in G e r a ist beendet. Sämnckliche Aibeiler rücken wieder an ihre A>beilsplStze bis auf zwei, einen Heizer und eine» Klenipner, die nicht ankomme» könne», weil der Unlernehmer sich weigert, die an deren Plätzen befindlichen Streikbrecher zn eiillnffe». Tie Gcncralversammlnng dcS Verbandes der Werft- arbcitcr beschloß in ihrer Sitzung von, 8. Februar, den Beitrag auf 15 Pfennige pro Wocke festzusetzen. Bei der weiteren Berathnng wluden solgende wichtige Beschlüffe gefaßt: Von den Beiträge» sind entbunden arbeitslose, i» Ha't befindliche und gänzlich crwerdsunfähige Mitglieder. Seefahrende Müglieder haben sich vor Abreise zur Beitragsleistnng zu verpflichten, andern- falls sie ihrer Rechte verlustig gehen. Streikende Mitglieder haben, wenn sie unterstützt werden, auch Beiträge zu leisten. Wird ei» Mitglied gemaßregelt, so tritt Unterstützung ein. Rechtsschutz wird gen'ährt bei allen gewerblichen Streitigkecken, anheldem bei Klagen i» beireff der Unfall-, Jnvalidiläts- nnd Altersversicherung, sowie bei Klagen mit Kranke»- und UnterstützuiigSkasse». Der Rechtsschutz wird»ach einer Karenzzeit von sechs Monate» gewährt. Das Gewerkschaftökartell in Essen plant die Errichtung einer Auskunflsstelle in sozialgesetzlichen Streitfragen. Ausland. Französische Streiks im Dezember 1897. Nach den Mit- theilungeii des Arbeitsamtes war die Slreilbewegnug im Dezember 1897 ganz»inbedeutend. Es waren 20 Streiks mit blos 345 Theil- nehmern angemeldet gegenüber 21 Streiks mit 2609 Theilnehmern im Dezember 1596. Zu berücksichtigen ist aber, daß die Theil- nehmerzahl des größte», auf drei Betriebe sich erstreckende» Streits der Tüllarbeiter von Candry(Nordbepartement) nicht angegeben ist. Immerhin kommt in den niedrigen Zahlen die flaue Lage des gesanimten Arbeitsmarktes zum Ausdruck, die mit den, Winter in«iiier Reihe Industrien eintretende„tobte Saison". ateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von B Dementsprechend ist auch der Ausgang der!S beendete» Streit»: 1 Erfolg, 1 AnSgletch«nd 13 Mißerfolge. In S Fülle»»vurde» die Streikenden durch neue Arbeiter ersetzt. Soziales- Ter overschkesischen Gewerbe- Zlufsicht wendet endlich die Regierniig etwas mehr Ailsmerksainkeit zu, als früher. Noch vor zwei Jahren zerfiel Oberschlesie» in nur drei Jnspektionsbezirke, Oppeln, Benthe» und Kaltowitz, und den Anfsichtsbeamten des Jndnstriebezirks waren auch die südliche» Kreise des Negieriings- bezirkes, die zu», lheil ebenfalls viel Jndustrie-Anlagen besitzen, zu- getheilt. Nnii ivurden zwar in, vorige» Jahre die Anfsichtsverhält« nisse etwas gebessert durch Errichlung der Gewerbe-Jnspeklioi, Ratibor für die südlichen Kreise, aber für de» Jndnstriebezirk genügte das Beanckenpersonal von Benthen und Kaltowitz noch imlner nicht. Deshalb ist jetzt in Gleiwitz, wie gestern kurz erivähick wurde, eine nene Inspektion errichlet worden, die zum 1. April d. I. in Thälig- keil treten soll. Oberschlesien zerfällt also jetzt i» S Anssichisbeiirke: l. Benthen(Bentdeil-Stadt, Beiilhen-Laiid, Tarnowitz. Lnblinitz), 2. Kaltowitz tKattowitz. Pteß), 3. Gleiwitz(Gleiwitz. Zabrze), 4. Ratibor(Ratibor, Rybnick, Leobschütz), 6. Oppeln(Onpeln, Gr. Sirehlitz, Krenzburg, Rosenbelg, Grotlkau, Fallenbelg, Neiße, Neustadt.) Strafvollzug. In einer Volksversammlung in Krim- m i t s ch a n i. S. wurde mitgelheilt, daß a» dem dortige» Amts- gerichls- und Polizeigefängniß die vom Reichstags- Abgeorbnelen Herbert im Reichslage erwähnten Fensterblenden ebenfalls angebracht feien. Reichslags-Adgeordneler S t o l l e wurde ersucht, den Uebelstand im Reichstage zur Sprache zu bringen. Arbeiter-Risiko. Auf eigenthümliche Art wurde ein Arbeiter in der Walzengießerei der Gebrüder G o n t e r in a» n zn Stegh ütte bei Siegen i. W. gelödtet. Bei dein Zertrüinmeul von Eisen auf dem Hofe sprang ein Stück durch die Thür« in die Fabrik und traf den Arbeiler am Hinterkopf so schiver, daß er bald darauf starb. Die Kerliner Sozialdemokratie«nd die nächsten Reichstagswahlen. Im ersten Berliner ReichStagS-Wahlkreife tagte n»ter recht starker Belbeiligung die Parteiversainmlniig in de» Arminhalle». Der Genofle P ö tz s ch reserirle über obiges Thema. Nach kürzerer Diskussion ivnrde Genosse Pötzsch als Kandidat für den 1. Berliner Reichstags-Wahlkreis aufgestellt. Das darauf ernannte Wahlkoniitee zur Vorarbeit und zur Leitung der ZIgitation z»r Wahl setz! sich zu- fammen ans den Geiioffen: Seiler. Neuen, Arndt, Wuttig, Kenkel. Hey mann und Lucht. Zweiter Wahlkreis. In Marten's Festsälen sprach vor gefülltem Saal der bisherige Abgeordnete des Kreises R.Fischer. der sich»amentlich ausführlich über die Jickereffeii der Arbeiteröass« verbreitele, die im nächste» Wahlkamps auf dem EpIeK stehe». Eine Dlsknssion fand nicht statt. AlS Kandidat wurde wieder R i ch. Fischer aufgestellt. Sodann wurde«in Wahlkomitee aus sieben Personen mit dem Rechte der Er- gänzung gewählt,>l»d zwar die Gciiofsen Herm. Werner, Bartsch, Höh», Barendt, Krüger. Zinke und Gustav Schmidt. Im dritten Wahlkreis referirte Genosse'Heine. Die Dis> kiissio» gestallete sich äußerst lebhaft und zog sich bis nach 1 Uhr nachts hin. Als Kandidaten wiirden genannt Wolfgang Heine, Ledebour und Börner. Die Versammlung entschied sich für Hein e. In der Versammlung für de» vierte» Berliner Reichstags- Wahlkreis, die von etwa 1500 Personen besucht war, referirte der Reichslags-Abgeorvuete Genosse Singer. Eine Diskussion über den mit stürinische» Beifall aufgenommenen Vortrag»vurde nicht beliebt. Als Kandidat für diesen Kreis wurde einstimmig der bisherige Vertreter Genosse Singer unter lebhaflem Beifall der ver- sammelten ausgestellt. In daS Wadlkomite« wurde», für den Süd« Osten die Genossen Scholz, Jöchel, Rasche und T r a z y k, für den Osten die Genossen Blum«, Frauke und Büchner gewählt. Im fünfte« Wahlkreis wurde nach einem einleitenden Re« ferat des Gen offen Rod. Schmidt ohne Diskussion, Rod. Schmidt auch für die kommende ReichstagSwahl, wieder als Kandidat unter dem Beifall der stark besuchten Versammlung ans- gestellt. Als Mitglieder des Wahlkoinitee wurden hierauf die G«- »offen: Klein, K l uko wsky, M t tschn er. Na» e, Butziger, Richter, Schulz. LZi e b m a n n, Dr. W e y l, G l ö s e n k a m p, WelS und Z i tz e w i tz gewählt. Die Versammlung für den sechsten Wahlkreis, welch« im Kösliner Hof stallfand, war überfüllt. Dieselbe stellte nach einem nick jubelnden Beifall aufgenommenen Referat des Reichstags« Abgeordiielen Molkenbiihr den„ alten Liebknecht" wieder als Vertreter ans. Das Wahlkomilee besteht a,»S den Bertrauens- leute» des Wahlkreis«?, welche sich je nach Bedürfniß iveilere Ge- „offen kooptiren können,_ Depeschen und letzte Vnchvichken. Bremen, 10. Februar. In Hemelingen sind gestern Abend zwei Zigelei-Arbeiter beim Karlenspiel in Streit gerathen, der derart ansartele, daß der eine der Spieler sein Messer zog und den anderen durcki einen Slicki ins Herz tödlel». Der Mörder wilrde verhasiel. Wien. 10. Februar.(W. T B.) Mickels öffentlicher Bor- ladung fordert das Krakauer Landesgericht für Slrafsache» den Reichslags-Abgeordiieten Darzynsli aus, binnen Monatsfrist bei dem obige» Gerichlshofe zu e> scheine»,»m sich wegen Aufwiegelnng„nd Störung der öffenlliche» Ruhe zu veranlivorleii. Widrigenfalls würde gegen ihn als Ungehorsame»»ach de», Gesetze verfahren nnd ihm die Ansübnilg der staalSbürgerlichen Rechte unterfagt werden. London» 10. Februar.(B. H) Hier eingegniigene Beuchte aus Gnalemala besagen, der Präsident Barrios sei vor, einen» Dentfeüe», namens Solinger, ermordet worden. Die Ausrusung des neuen Präsidenten, Morales. ist bereits erfolgt. London. 10. Februar.(W- T B) Der Vertrag zwischen Groß» briiannie»>ii?d Abessynien ist vcröffenilicht worden. Nach deins-lben besteht zwischen beide» Nationen freier Handelsverkehr. Graß- brilminieii erhält hinsichtlich der Zollsätze alle Boriheile, die andere» Nationen bewilligt werde». Alles Maierial für den Dienst des älhiopische» Staaies, welches über den Hafen von Zella eingesühct wird, ist von Zöllen beireit. Der Transpocl von Fenerwaffeii und Munition für König Menclik durch britisches Territorium ist gestattet. Menelit ist verpflichtet, dem Durchgang von Waffen und Mnnitio» für die M'hdislen, welche er als Feinde seines Reiches erklärt, jedes mögliche Hinder- »iß in den Weg zu legen. Die Grenze» werden in Ecklärnngen. welche zivischen dem britischen Abgesandlen Rodd und Ras Malomieu ausgetauscht werde», genau festgesetzt. Pittöburg, 10. Februar.(W. T. B.) Nach weiteren Er- mitteliliige» sind bei der gestrigen Feuersbrunft wenigstens lö Per- sone» ums Leben gekommen. Rom, 10. Februar.(W. T. B.) Der Senat stimmte dem Gesetzenlivurs ans Herabsetzung der Getreidezölle in der von der Depntirtenkammer angenoniinene» Fassung zu. Madrid, 10. Februar.(W. T. B.) Der Ministerrath nahm die Demission des Gesandten in Washington Dupny de Lome an. Athen, 10. Februar.(B. H.) Die Blälternieldung, daß die Türken zwanzig angesehene thessaiische Grieche» im Xeuiasee ertränkt hätten, hat hier anlitürkische Stiaße»demo»istratioiieii und solche vor dem türkischen Gesandtschaftsholel veiursacht. Bombay, 10. Februar.(W. T. B.) Die Todesfälle an der Pest betrüge,» in der vorige» Woche 1113, die Sesaiiimlsterbllch- keit 2067. «k Babing in Berlin. Hierzu 8 Beilagen u. llntcrhalinngsblatt. Ht, 35. 15. lalrpj. 1. Ktilllge Meichskttg. S7. Sitzung. Dounorstag. den 10. Februar ISSö, 2Nhr. Sl»> Bundesrathstische: Niemand. Auf der Tagesordnung stebt die Forlsetzung der ersten Bcrathnng de? von den Abgg. Auer und Genossen eingebrachten Gesctzentlvnrses, betreffend das Recht der Berfa u>»> l u u g und das Recht der !r o a l i t t o n. Abg. Pachnicke(srs. Vg.): Das Verspreche» beS Reichskanzlers, betr. die Revision des Vereins-„nd Versammlungsrechts, soll nicht langer als ei» Schaustück im Glasschrank der Verfassung flehen. Das he, ilige Vereinsrecht»nd seine Ansführung durch die JvebSrden ist ganz unhaltbar. Das letzte Mal wurde ani Sachsen hingewieken, in Mecklenburg ober sind die Bcschrcinkungen der Versannnlnngs- Freiheit noch schlimmer. So bilden dort die Sonntagsbestiinmuiigen«ine direkte Beschränkung des rm§ 17 des Wahlgesetzes gewährleistete» Rechts, indem mau die Versainii'Innge» als geräuschvolle Zusnnnnenkünsle betrachtet. Tie Polizei in Mecklenburg verlangte in einem Falle noch 1,95 M. a» Gebühren dakür,'"aß st« so gnädig gewesen war, eine Ver- sanunluiig zu genehmigen.(Hört! hört!) Wenn das Verbot des Jnve>bindu»gt>et«»s auch aus die landivirthschastlichen Vereine An- wendnng finden würde, dann würde» vielleicht auch die Heue» auf der Rechten geneigt sein, sich mit dem preußischen Vcreinsgesttz zu beschäftigen. Redner geht auf einzelne Fäll- Willkür- licker Handhabung des Vereinsgesetzes ein. Ein Kammergericht hat z. B. dein Amtsvorstehcr gestaltet, auf grund der Sonntagsruhe- Veiummung-n Versaiumlunge» an bestimmte» Stunden zu unter- sage». Es ist sogar vorgekommen, daß ein Amts- vv.steher von dem Referenten verlangt hat, er solle ih»> den Vortrag vorher im Ansznge vorlege».(Hört! hört!) Uebcrhaupt sei man vor der Willkür der Amtsvorsteher jetzt absoll» nicht geschützt. So hat«i» Gendarm im Austrage deS Amts- Vorstehers eine Versammlung ausgelöst, weil Frauen sich in eme», Nebenra»,»« befanden(Hört! hört!) und so fort. Eine Verfanmilung wurde sogar aufgelöst mit der Be- gründnng, über Ainlsvorstcher und Beamte dürfe nicht gesprochen werden!(Heilerkeit.) Bei dem chikanösen Vorgehen in den meisten Fällen ist es zudem sehr schwer, einen dokumentarischen Nachweis zu führen. Das Verhalte» der Herren Amtsvorsteher ist in der That die reine Poschaivirthschast. Diese Leute fühlen sich nicht als Behörde sondern als Partei. So theilte'in Amtsvorstcher Augiist Schubert in Derkelow einem Wirlhe mit. daß eine abzuhaltende Versammlung ihm nicht genehm sei. Er könne sie ihm ja nicht verbieten, mache ihn aber darauf anfmerksam, daß, falls er sein Lokal hergäbe, andere Versammlungen, die sonst bei ihm getagt hätten, andersivo abgehalten werden würde»(Hört, hört!) Das Vorgehe» gegen den Bauernverein.Nordost' ist ja bekannt, den Bund der Landwirthe, der ausdrücklich zu politische» Zwecken ge- bildet ist, läßt man dagegen überall ruhig geivähren. Aber mit all diesen chikanösen Maßregeln werden Sie eine Bewegung nicht hindern, die mit elementarer Macht sich Bahn bricht. Bedenken Sie, daß, so wichtig uns das Versammlungswesen auch ist, wir eine weit größere Macht ans unserer Seite haben: die Presse! Und wenn Sie es auch tausendmal versuchen, der Themis eine agrarische Brille auf die Nase zu setzen(Heiterkeit). Sie werden durch so äußerliche Chikane» uns wirklich nichts anhade» können.(Beifall links.) Abg. Stolle(Soz.): Der Antrag, der von unseren Genossen ein- gebracht ist, fordert nur ein Recht, das das dentsche Volk vor 50 Jahren bereits in feinem Besitze hatte. Das große Jahr 1848 hatte ihm diese Errungenschaft gebracht. Freilich erhob bald genug die Reaktion in Preußen ihr Haupt und schuf die Bestimmungen. die das VereinSrecht knebelten; und nach»nd nach folgten auch die übrigen deutschen Staaten diesem Borgehen. Sie alle wissen, was uns da die letzte Zeit gebracht hat. Sie haben zum Ueberdrnß ost von dem Versprechen des Reichskanzlers gehört, und von der famosen Art. wie es in Preuße» durch Frhrn. v. d. Reck««ingelSst worden ist. wie er auf perfide Weise zwar das Verbot deS Jnverbindmig- tretens beseitigen, dafür aber eine Reihe von Maßnahmen einführen wollte, die das Bereinsrecht für uns überhaupt illusorisch gemacht hätten. Diesem Beispiele des preußischen Ministers ist man auch im König- reiche Sachse» gefolgt. Die Regierung bat dort äußerlich ihr Ber- sprechen erfüllt und die Aufhebung jenes Verbots beantragt. Gleich- zeitig aber haben die Konservativen einen Antrag eingereicht, der das bisherig« Recht verschärfte, der es den Fronen nn- möglich machen sollte. Versammlungen zn besuchen. Dieser Antrag der Konservativen ist zweifelsohne von der Regierung selbst inspirirt. Wäre dem nicht so, so hätte die Regierung erklären müssen, daß sie angesickits des Versprechens, das der Reichskanzler gegeben, einem solchen Antrag von feiten des Landtages ihre Zustimmung nicht geben könne. Damals sprach sich Herr Lieber für volle Gleichstellung der Parteien bei Handhabung des Vereinsrechtes anS. Es wird sich ja zeigen. wie weit sein« Parteigenossen da mit ihm gehen; denn wenn dieselben mit ihm in diesen Grundsätze» übereinstimmen, so iniiffen sie konseqnenterweise alle für unseren Antrag stimmen. Denn dieser verlangt eben daS gleiche Recht für die in Kohlensyndikaten ver- einigten Arbeitgeber und sür die Arbeiter. Die Arbeiter finden aber heute noch nicht einmal die Versprechungen eingelöst, die im Jahre lb90 durch die bekannte Thronrede gegeben wurden, und was sie am meisten hindert, sich bester« Arbeitsbedingungen z» erringe», sind die Beschränkungen des Vereins- und Bersammlnngs- rechtS. Darin stimmen mit mir auch einige der Herren Gelehrten überein. So äußerte sich z. B. aus dem Kongreß des Vereins für Sozialpolitik der bekannte Profestor Herkner-Karls- ruhe: I» Deutschland sind die Unternehmer vereinigt, die Arbeiter nicht. Sie haben zwar das allgemeine Wahlrecht, aber es liegt in den Händen der Gesetzgebung, od sie sich gehörig für den Wahlkamps vorbereite», d. h. orgnnisiren können, und gerade durch die Bestirn- munge» des Vereinsgesetzes ist ihnen dieses erschwert. Dafür möchte ich einige Belege besonders auS meiner spezielle» Heimaih Sachsen ausühren. Die Appretnrarbeiter in Merane suchten sich mit ihren Arbeit- geber» zu verständige», besonders i» betreff der übermäßigen Arbeits- zeit, die öfters bis nachts 10 Uhr dauerte. Die Gesundheit der A'beiter wurde dadurch auf? schwerste geschädigt und die Kranken- kästen konnten den an sie gestellten Anforderungen nicht nachkommen. Vor allem sollten die Uebernuuden abgeschafft, ein Fabrikausschnß als Verbindungsglied zwischen Arbeitgeber und Arbeitern eingesetzt und eine Lohnerhöhung von 26 pEt. bewilligt werden. Das sind gewiß sehr billig« und berechtigte Fordernngen. Es sollte nn» eine Volksversammlung«inbernfen werde», in der ich das Referat hatte, und weil gerade der Bürgermeister mit de» Eladlräthen in Streit lag, gelang es unS auch in diesem Fall«, die Erlaubniß dazu zu erlangen. Es wurde denn auch eine Einigung erzielt und die Fabrik setzte die Arbeitszeit ans sechs Stunden fest. Die siebente Stunde, auf die die Fabrikherren a»S Betriebsrücksichten nicht verzichten zu können meinten, sollte als Ueberstnnde betrachtet iverden. Das bedeutete für die Arbeiter ein« Lohnerhöhung von 2.50 M. Hieraus ersehen Sie also den Vortheil, den die Gewährung der Bersammlnugssreiheit den Arbeitern bieten kann. Als aber in Glauchau die Arbeiter mit der Forderung auf- traten, wurden sofort 60 Arbeiter gemaßregelt.(Hört! hört!) I» der Stadt war es ihnen nun absolut nicht möglich ei» Lokal zn be- kouinie», da allen Wirlhe», die dazu bereit waren, mit Kouzessioni- entziehung gedroht wurde. Aus dem Lande wurde ein« Versammlung zwar gestattet, aber dann durch eine» blutjungen Ueberwachungs- beamten innerhalb fünf Minuten aufgelöst. Auf ein« Beschwerde kam dann der Bescheid, die Auflösung sei erfolgt, weil nicht in ausreichendem Maß dafiir Sorge getragen sei, daß Ks Dwiirlg" zwischen den Stnhlreihen der gesetzlich geforderte Zwischen- räum»on V/z Metern innegehalten worden. Lokalbesitzern, die ihren Saal z» Versammlungen für Arbeiter hergeben. wurde die Abhaltung von Tanzmusik verweigert. In der Begründung hieß es, eS sei kein Bedürfniß vorhanden. 200— 300 Schritte weiter war Bedürfniß vorhanden. Politische Gründe sind nicht ohne weiteres nachweisbar in solchen Fälle». Aber in Ar- beiterkreisen ist der Glaubt verbreitet, daß die Aktien bestimmter Brauereien in den Hände» von Verwaltungsorganen sind und diese ans die Lokalbesitzer«inen Druck ausüben wollen, damit sie eine bestimmte Sorte Bier verschänken.(Sehr richtig! links.) Der Arbeiterfchntz liegt in Sachs-n sehr im Argen, bei den Gewerbe-Inspektoren erlangen die Arbeiter kein« Besserung, es bleibt ihnen nichts übrig, als mit ihren Beschwerden an die Oeffentlichkeit zn gehen. Dn Versammlungen sind aber anck zur Regelung der Lohnfragen nothwendig. In der einzelnen Fabrik läßt sich das nicht machen, es mußten die Arbeiter mehrerer Fabriken zusammentreten. Thun Sie das aber, so treten sie zur Behandlung öffentlicher Angelegenheiten i» Verbindung und verfallen dem Strafgesetz.(Der Geh. Rath Fischer nickt.) Da kann man wohl sagen: „Ter Geheimrath Fischer ganz allein Will des Herrn von Stumm gelehrigster Schüler sein." (Heiterkeit.) I» den Motiven zu dem sächsischen Vereinsgesetz von 1850 heißt es, es könne der Regierung nur erwünscht sein, das Urtheil Aller über die Maßnahmen der Regierung zu hören. 50 Jahre hindurch konnten Minderjährige und Frauen an den Ver- sammlnngen theilnehmen. Jetz' soll das gefährlich sein. Jetzt sind die Minderjährigen du»'"» Jungen; habe» die jungen Arbeiter nicht dasselbe Interesse wie die älteren an der Lohn- frage? Ist man jetzt weniger weit, wie vor fünfzig Jahren? Was bab-n denn da unsere Schulen genutzt?(Sehr gut, links.) Es ist geradezu enipörend, die jungen Leute an dem Versainmlungs- recht zu hindern, während man sie sür fähig hält, als Soldaten ihr Gnt und Blut zu opfern. Ganz ähnlich steht es mit den Frauen. Vor 5d Jahre» war die Frau noch nicht so sehr in der Fabrik thätig, wie heute. Heute, wo sie in der Fabrik arbeitet, allen Ge- fahre» ausgesetzt ist, Unfälle erleide» kann und erleidet, will man ihr das Recht nehmen, in öffentlichen Versammlungen ihre Interessen wahrzunehmen. Aber nicht bloß das Koalilious- recht wird dem Arbeiter in Sachsen verkümmert, es wird ihm auch fast unmöglich gemacht, sich an den Reichstagswahl-Versammlunge» zu belheiligen. Ich nmß hier, UM mit Herrn Fischer zu reden, wieder alte Paradepserde reiten, aber da in Sachsen kein Tag ohne Mißgriffe der Behörden vergeht, wäre es von uns unverantworllich, die Ding« hier nicht zur Sprache zu bringen. Es ist de» Ab- geordneten oft nicht möglich, ihren Wählern Bericht z» erstatten. So hat die Zwickaner Amtshaiiptinannschaft die Versammlungen mit der Moiivlrnng verboten, die sächsischen sozial- deinokra'ischen Abgeordnete» führten eine so heftige Stäche im Landlag, daß sie voraussichtlich auch in den Versammlungen so sprechen würden. Nun, ich frage die Herren vom Zentrum, haben Sie nicht auch während des Knltnrkampses eine sehr heftige Sprackze gegen die Regierung geführt? Wie würde es ihnen gefallen habe», wenn daraufhin ihr« Wähler-Versammlnngeu verboten worden wären? Mir ist«s als Reichsiags- Abgeordneten unmöglich gemacht worden, meinen Wählern Bericht über meine Thätigkeit zn erstatten. Das ist nicht Landessach' sondern Reichssache. Was nutz« unS§ 17 des Wahlgesetzcs? Meinem Kollegen Hoffmann ist eS fünf Jahre lang»»möglich gemacht worden, in feinem Wahlkreise z» sprechen. Das ist vom Minister Metzsch selbst im Landtage als Uebelstnnd anerkannt und Abhilfe versprochen worden. Aber die Unterbeamten kümmern sich nicht um die Vercrdnnngen der Vorgesetzten. Daraufhin ivurde eine Versammlung im Hossmanu'schen Wahlkreise wohl gesiaitet, aber t offmann verboten zu sprechen.(Hört, bört!) Di« Thciknahme von rauen an öffentlichen Versammlungen ist gestattet; ein Ministerial- reskript besagt es ausdrücklich. In einer Versammlung in Glaucha» waren zwei Frauen. Der überwachende Beamte verlangte ihre Eni- feruuug; ich verwies ihn ans daS Gesetz, auf ein Ministerialreskript »nd aus ein« Erklärung des Ministerialraths Fischer im Reichslage. Was sagte der Beamte? Was geht mich der Minister, was geht mich der Dr. Fischer an?(Stürmische Heiterkeit.) Diese Zustände sind unerträglich; mit ihnen muß durch Annahme unseres Antrages tabul» rasa gemacht werde». Tie reaktionären Parteien aber brauche» sich um de»§ 24 deS sächsische» Vereinsgesetzes nicht zu kümmern. Sie übertreten es sortgesetzt, ohne daß sich die Regierung darum kümmert. Es wird eben mit zweierlei Maß gemessen. Dasselbe, worüber wir in Sachsen zu Nage» haben, geschieht in anderen Staaten auch, so m Sachsen-Weimar. In Weimar, das einen sächsischen Amtshauptmann bekommen hat, werden uns alle Versammlungen verboten. Der. andere« Parteien wird alles zugelaffen. AIS unser Genosse Ltttgena»«ine Uebertretung des VereinSgesetzes durch andere Parteien anzeigle, lehnte die Düffel- dorfer Staatsanwaltschaft die Verfolgung ab. Dem deutschen Volke müssen die Grundrechte wieder erobert werden, die eS 1348 besaß. Diesem Ziele dienen unsere Anträge. Wem es ernst ist mit de» Freihriisrechten des dentschcn Volkes, muß für sie stimmen!(Leb- hastes Bravo bei den Sozialdemokraten.) Abg. Röfieke(wild-liberal): Freiherr v. Stumm wird von den Sozialdemolratr» als Typus des deulschen Arbeitgebers betrachtet. DaS ist nicht richtig. Es giebt viele Unternehmer, die auf einem ganz ander» Slandpunkt« stehe». Ich als Leiter einer großen Aktien- gesellschast kann erklären: die Forderung eines einheitlichen Vereins- gesetzes ist durchaus berechtigt. Bor allem ist der Schutz der Koalitionsfreiheit»othweudig. Auf wirthfchaftlichem Gebiete kann dem Arbeiter das allgemein« Wahlrecht, worauf Graf Posadoivsky verwiesen hat, nichts helfen. Ein großer Theil der deulscheu Ar- beiter besitzt noch nicht einmal das Koalitionsrecht, das sind die ländlichen Arbeiter. Der Abgeordnete Pachnieke und ich haben des- halb einen Antrag eingebracht, daß olle dem Koalitionsmht noch entgegenstehenden Beschränkungen aufgehoben werden. Zu meiner Freiide hat da? Zentrum«inen ähnlichen Antrag eingebracbt; einer von beiden wird hoffentlich angenommen werden. Die Buntscheckigkeit der deutschen Vereinsgesetze ist außerordentlich. Am meisten habe» darunter die Frauen zu leiben, die dadurch des überhaupt einzigen Miltels beraubt werden, für die Verbeffernng ihrer Lebensbedingunge» elbstäudig einzutreten. Solche Zustände sind bei der heutige» wirlh- schaftlichen Siellmig der Frauen einfach unhaltbar. Wen» man wenigstens da gleiches Maß walten laste» würde! Aber während man bei Arbeilerversammlnngen alles biS ans das peinlichste überwacht, kümmert man sich, wenn es fich um Unternehmer handelt,»M garnicbtS. Ich selbst Hab« Versammlungen abgehalten, bei denen die vorschriftsmäßige Anmeldung versänml war; da hat kein Hahn danach gekräht. Vielleicht wird das jetzt anders, nachdem Graf Posadoivsky von de» bewußten und unbewußten Mitläufern der Sozialdemokratie gesprochen hat; ich zweifle nämlich nicht daran, daß nunmehr auch ich, der ich mit den Sozialdemo- kroten in der Frage deS KoalitiousrechteS zusammen- gehe, zu den uubeivußie» Mitläufern gezählt werde» werde.(Heiterkeit; Zuruf von Singer und Wurm: zu den bewußten!) Man spricht in solchen Fällen immer von den Vaterlands- «iudlichen Tendenzen der Sozialdemokratie, denen man nicht Vorschub leisten dürfe. Ich glaube, das sind nur A o r w ä n d e. Ju Wahr- heit will man einfach die Arbeiter verhindern, ihr« rein wirihschaft- liche» Jntereffen wahrzunehmen. Ein weiteres beliebtes Argument gegen die Koalitionsfreiheit besteht darin, daß man durch sie nur Streikvereine züchte; man venveift da in der Regel auf England, wo die Zahl der Streiks zugenommen habe» soll. Aber die Statistik zeigt, daß da die Anzahl der streikenden Personen gerade erheblich abgenommen hat. Diese Exemplistzirung kann uns als« nicht überzengen. Die � Fttliltz, 11. Mm 1898. Arbeiter kämpfen jetzt denselben Kampf, den früher die Bürger gegen die Junker haben durchfechten müssen. Der Kampf wird um so leichter verlaufen, wenn wir die berechtigten Forderungen der Arbeiter als solche ohne weiteres anerkennen. Zit diesen berechtigten Forderungen gehört aber auch das Koaliiionsrecht. Daß die Ar- beiter sich bessere Lebensbedingungen schaffen wollen, ist nur das berechtigte Streben, vorwärts zu komme», das eigentlich jeden Mensche» beseelen sollte. Nur der krasse Egoisimis kann den Arbeitern dies Recht bestreiten. Der Erlaß des Grafen Posadoivsky zeigt gerade weiten Kreisen des Volkes, daß man eine Begünstigung einseitiger agrarischer Interesse» unter rücksichtsloser Beiseite- schirbung der wichligsten Arbeiterinteressen als leitendes Prinzip befolgt. Im Zentralverband deutscher Industrieller wird der Erlaß natürlich mit Zustinnnnng begrüßt. Ausschreitungen mögen ja ab und zn vorkommen. Aber die bestehende» Straf- gesetze reiche» vollkommen ans. Und die Nusschreitungen sind sehr zn entschuldigen. Auch in lmsere» Kreisen wird derjenige, der sich an dei» Abmachnngen seiner Kollegen nicht betheiligt, nicht als be- sonders achtungsiverther Mann gelten. Dazu koinmt, daß die Streik- brecher die Wirkung des Sireikbeschnsses oft ganz paralysiren können. Diejenige», die dem Arbeiter das gleiche Recht mißgönnen, versündigen sich mehr am Volke, als alle Sozialdemokralen.(Beifall links.) Abg. Z»l"il(Soz): Wie ander? klang die Rede des Abg. Rösicke gegen die Rede, die am 26. Jairnar der Abg. Frhr. v. Stumm gehalten hat. Herrn Rösicke könne» wir dankbar sein, daß er das Recht dem Arbeiter nicht verkümmern will. Aber er ist auch ein weißer Rabe unter den Arbeitgedern. H�rr v. Stumm hat früher die preußische Regierung zn ihrem rücküchtslose» Vorgehen gegen die Arbeiter beglückwünscht. Der Erlaß des Grafen Posa- dowsky entsprach wohl ganz einem stille» Wunsche deS Herrn v. Stumm und er wird wohl jetzt zufrieden fein. Man wirft uns vor, daß wir fortwährend dieselbe» Klagen vorbrächten. Aber so lange die Entrechtung und Knebelung des arbeitende» Volkes fortdauert, so lange werden wir Jahr für Jahr diese Klagen ivieder vorbringe». Wird von Ihnen nicht auch immer wieder vom Bcfähigilugsnachweis und anderen Dingen bis zum Ueberdrnß geredet?„, Nach der Ansicht des Herrn v. Stumm ist die Zahl der Slrel- kenden, die sich an den Arbeitswilligen vergangen, eine beständig wachsende. Die Statistik aber stellt fest, daß innerhalb dcs Deutschen Reiches stattgefunden haben im Jahre. Streiks Betheiligt« auf 1000 bestrast 1392: 73 3 022 24.5 1893: 116 3 356 4.1 1394: 131 7 128 6,4 1895: 204 14 032 6.6 1896: 493 123 803 2.0 Nun, Herr Abg. Freiherr v. Slnmm, wie ist es in dieser De- ziehnng zugegangen, daß in den Jahren 1892—1396 die Bestrafungen ivege» Belheiligiiiig an Streiks so rapide gesunken sind? Das ist der Erziehung innerhalb unserer Vereine und Gewerkschaften zn danken. Ihnen, Herr v. Stumm, ist es nicht zu danken. DaS ist die Arbeit, die die Arbeiterschaft selbst in diese» Jahre» verrichtet hat. Herrn v. Stumm möchte ich bitten, sich doch einmal auch«in« andere Statistik anznsche». I» dem Archiv für soziale Gesetzgebung von 189? ist zu lesen, daß wegen Vergehens gegen Rnchsgesetze 150 Studirende, oder 8,3 aufs Tausend bestraft und verurtheilt sind, davon 38 wegen Zweikampf, 87 wegen Körperverletzung, III wegen Gewattlhäiigkeit, Drohung gegen Beamte, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Herr Freiherr v. Stumm möge dabei bedenken. daß diese Kreise die sogenannte Elite der Gesellschaft bilden und eine ganz andere Erziehung angeblich genossen haben,»nd serner, daß diese Siudirenden später als Richter vielleicht in die Lage kommen, Ar- beiler wegen a>igeblicher Mißhandl»»g vo»Arbeitsivilligeii abz»»rtheilen. Ferner möchte ich Herrn Freiherrn v. Stumm darauf hinweifen, daß wie eine andere Statistik zeigt, auch der Prozentsatz von prügelnden Polizeibeanite», also der Beamte», die berufen sind, für Sitte und Ordnung zu sorgen, im steten Steigen begriffe» ist. Herr Stumm hat danil neulich seine frühere Erklärung dahin abgeändert, daß er »>it den Lausbube» nicht alle Sozialdemokraten, sondern nur die an Streiks betheiligten 16-, 17., 18«, 19 jährigen meine. Was würde Herr Stumm wohl dazu sagen, inen» hier von der Tridüne des Hastfes herab die 16-, 7)-, 18- und 19jährigen Offizier« vo» unserer Seite auS ebenso behandelt würden. Ich bin fest üverzengt, die Ailfregung der ganzen rechle» Seite würde eine kolossale sein.— Was»nn daS vorliegende Gesetz betrifft, so ist ja vo» Herr» Pachnicke uns ein großer Theil der Klagen aus Pommern hier vorgeführt worden. Er erklärte, so etwas geschähe gegen liberale Banernvereine, ja, was geschieht nun erst gegen die verhaßte Sozialdemokratie? Da brauche» wir nicht»ach Pommern zu geben, wir brauche» uns»nr vor den Thoren Berlins ein wenig umzusehen, in welcher Weise hier das Vereins- und Versaminlungsrecht vo» de» Beamte» geradezu mitFüßen getreten wird. Den Getverkschaste» ist die Beschäftigung mit Politik verboten. Wo aber fängt heute die Politik an? Diesen Organisationen kann jeden Augenblick der Todecstob versetzt werde». Der Satz Bismarck'? „Wir Deulschen fürchten Gott, sonst nichts', muß hent« umgeändert werde»:„Wir Deutschen fürchten Gott und die Sozialdemokratie'. In Köpenick ist es nicht mehr möglich, eine öffentliche Ber- samnilung mit Frane» abzuhalten. Ein« Versammlniig. in der ich über das Thema,„Die Begehrlichkeit der Agrarier" sprechen wollte, winde wegen Anmesenhert von Frauen aufgelöst. Ebenso»och viele anderen Versammlungen. Als ich einmal eine» Polizeibeamte» darauf aufmerksam machte, daß er dazu da wäre, das Gesetz zu achten, es nicht z» übertreten, ant- wortel« mir dieses n»tere Polizeiorgan:„Es koinmt darauf an, wie ich das Vereinsgesetz auslege.' Nicht einmal Festlichkeilen dürfen i» Köpenick abgehalten werden. Beschwerde» warei» stets fruchtlos. Wir habe» nun einmal die dortige» liberale» Vereine denunzirt, uiii zu sehen, ob denn gleiches Recht für alle»och existirt. Bis jetzt habe» wir noch keine Antwort, wir sind gespannt. ob wir überhaupt vom Bürgermeister einer Antwort werden ge- würdigt werden. Wer kennt nicht die skandalöse» Verordnungen des bekannten AmtSvorsteberS von Oppen in Adlershof, wer kennt nicht die skandalöse» Vorgänge aus Zehlendorf. Der Amtsvorsteher lehnte die Nnmeldcbescheiniguug für eine Versammlung ab, weil er angeblich das Lokal nicht kaiinle. In einem Falle hat sich dieser Herr sogar des Hansfriedensbrnchs schuldig ge- macht. Um das Fest eineS Gesangvereins zu verhindern, ließ der Herr das Bier beschlagnahmen.(Hört! bört! links.) Eine ander« Brauerei half glücklicherweise noch ans. Wir brauchen als» nicht nach Sachsen, nicht nach Pommern zu gehen, in der nächsten Nähe von Berlin sind die Herren ebenso helle wie dort.(Große Heilerkcit) I» Oberschlesien kommen ganz unerhötte Dinge vor. Flug- blallverlheiler werden verhaftet, die Flugblätter kurze, haud in den Ofen gesteckt. Uuscr Antrag wird, iveim er auch angenoiumen wird vom Reichstage, von der Re- gierung nicht angenommen werde». Selbst die Anträge Pachnicke-Rösicke gehen ja der hentigen Regierung viel zu weil. Auch in Weimar, wo kein Vcrcinsgesetz besteht, geht ma» gegen die Sozialdemokraten mit Hilfe von»unistcrielleit Verordnungen vor. Unseren Parteigenosse» sind in letzter Zeit Versainniliingen kurzer Hand verboten worden und der Minister v. Boß hat daS im weuna- tischen Landtag gutgeheißen. Damit werden Sie, Herr Frhr. v. Stumm, gewiß sehr zusrieden sein. Herr v. St»»»» macht uns Vor- würfe, daß wir die Arbeitsivilligen von der Arbeit abhalten wollen. Ich habe 27 Jahre als Tischlergesclle an der Hobelbank gestanden und i» dieser Zeit es oft erlebt, daß die Arbeitgeber ihre. Kollegen gezwungen haben, ihre» Ringen beizutreten, so ist doch daS ganz dasselbe. waS auch wir z» erreichen suche». Von Ausschreittingen ist bei>i»s so gut wie keine Rede. Herr Rösicke hat schon daraus fjiiigtiuicfcit, daß bei dem Niesenkampf der Arbeiter, dem Berliner Bierboykott, der Herrn v. Etuinm so schwer im Magen liegt(Große Heiterkeit), nicht eine einzige Ausschreitung vorgekomme» ist. Wie tief setzt Herr v. Stumm die deutsche Arbeiterschaft gegen die englische herab, der längst Versammlungen unter freiem Himmel erlandt sind. Aber in seinem Kopfe spukt es!(Heiterkeit bei den Eozialdeniokralen.) Er sü'chtel wohl, daß die Arbeiter von einer Aerfammlung unter freiem Himmel zu seinem Palaste ziehen wer- den, um ihn zu stiUmen.(Heilerkeit bei den Sozialdemo- traten.) Wir brauchen ihn viel zu nolhwendig, um so gegen ihn vorzugehe». Unser Antrag wird so lange wiederkehren, bis den Arbeitern das volle Vereins- und Koalitionsrecht errungen ist.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Abg. Lenzmauii(Ks. Vp.) zieht seinen Antrag auf Verweisung des Entwurfs an eine Kommission zurück. Die zweite Lesung findet im Plenum statt. Persönlich bemerkt Abg. v. Stnmm(Rp): Ich muß doch den Sozialisten größere» Schreck einjage», als sie mir, denn der Abg. Zubeil hat mich nach einer vorgeuonnnenen Statistik 79 mal heute genannt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Erwidern will ich ihm in der vor- gerückten Stunde nicht. Außerdei» habe ich die Widerlegung schon in früheren Sitzungen geliefert.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Darauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr. Fortsetzung der Svezial- beralhniig des Etats des Auswärtigen Amts, (Schluß 6 Uhr.) MounnunÄres» Ttadtbei ordnetcu- Versammlung. O e f f e n t l i ch e S i tz u n g v o m D o n n e r st a g, 10. F e d r u a r, nachmittags 5 Uhr. Zu Beginn der Sitzung werden die Stadlverordneten Fähndrich und S ch e l d i n g, welche im November v. I. wiedergewählt sind, und der neugewählte Sladtv. Brauereid ireklor G o l d s ch m i d t eingeführt und verpflichtet. In den Ausschuß zur Vorberathmig des neuen Negnlalivs für die Untersuchung des von außerhalb eingeführten frischen Fleisches sind u. a. die Sladtvv. D u p o n t und Wernau delegirt, in den Ausschuß für mehrere neue Schulbauleu Sladlvv. Bruns und H e r, f e l d t. Der für die K» M i l l i o» e n- A n l e i h e niedergesetzte Aus- schuß hat die Vorlage genehmigt, die Anträge auf Herabsetzung des Zinsfußes ans 3 pCt. und auf Eröffnung der Möglichkeit der Durchführung jeder Art von»olhwendige» Straßendurchbrüchen und Erweiterungen aus Aiileihemiltel» abgelehnt und bezüglich der Be- gebung vorgeschlagen, i» einer Resolution den Magistrat zu ersuche», thunlichst die erste Emission an städtischen und sonstigen z» be- stimmenden Stellen össentlich zur Zeichnung auf. zulegen. Siadto. Hugo Sachs begrüßt den letzteren Beschluß, weil damit endlich mit den» Prinzip gebrochen»verde, daß die Stadt sich bei Begebung«on Anleihen mit einen» einzigen Banlhause liirt. Die Vorlage»vird darauf angenommen. Betreffs der»llküiiftigeii Behandlung von Fällen, i» denen durch Testamente oder Geschenke der Stadlver,valtu»g Mittel überwiese»»verde», gelangt ein Ansschußantrag zur Annahme,»velcher die Milivirkung der Versainmlnng bei der Be- schlußsassuiig über die Annahme solcher Z,i, vendunge» sicherstellt. Mit der Verbindung der Gallisch-Sliflung und der Slifinng der Schnildt'scheil Eheleute„ K i n d e r- A s y l" erklärt sich die Ver- fainiulung«inverstande», doch»vird der Magistrat gleichzeitig er- sucht, in geeigneter Weise daflär zu sorgen, daß die Namen der Stifter nach Möglichkeit außen am Hanse kenntlich gemacht»verde». Der Ausschuß,»velcher über die ablehnende Anlivorl des Ma- gistratS in Sachen des D en kst e» n s für die Märzgefallenen und über die»veiter diesem Faktum gegenüber einzunehmende Haltung beralhe» sollte, hat nach eingehender Bcsprechnng mit alle» gegen z»vei Stimme» de»» ihm mit überiviesenen bekannten Antrag Singer angenonime». Vorausgeschickt»verde» soll eine Ein- leitnng, in der zun, Ausdruck kommt, daß nicht polilische Demo»- strationssucht zu den, Beschlnsse der Versammlniig geführt habe. daß vielmehr durch de» Denkstein die Erinnerung an eine historische Thatsache, welche für die Entivickelung des konstitutionellen Lebens von»veittrngendster Bedeutung und»nlt dieser unlöslich verbunden sei, habe»vach erhalte»»verde» sollen. Die Nesolntio» wird danach in solgenvc»» Wortlaut zur An- »ahme empfohlen: „£>ie Stadtverordneten. Versammlung erblickt in de», Ge- denke» der Märzgefallenen die Anerkennung einer historischen Thatsache, die mir der Entivickelung des konstilulionellen Lebens unlöslich verknüpft ist. Sie bedauert, daß der Magistrat ihren» Beschluß von» 29. Dezember v. I., für die Märzgefallene» «ine» Denlsteiu namens der Sladt zu errichten, nicht bei- getreten ist. Die Versainnrlnng protestirl gegen die Auf- sassung, daß die Nichtausführung ihres Bescklnsies durch die Rücksicht auf Wahrung und Förderung des Friedens in alle» beiheiligten Kreisen geboten sei, und»veiß sich hierbei in voller Uebereinstiminniig mit der übergroßen Mehrheit der Berliner Bevölkerung, die gleich ihr in der Errichlung des Gedenk- stetns die Erfüllung einer Pflicht daulbarer Erinnerung er- blickt«. Berichterstatter ist Etadtv. PerlS. Derselbe beschränkt sich auf die Verlesung der Resolution. Ohne Debatte wirb dieselbe darauf gegen 10 Stimmen a n g e n o in ni e n. Die Borlage wegen Umgestaltung des Potsdamer Platzes»vird nach kurzer Debatte genehmigt. Die Borlage»vegen Festsetzung von Banfluchilinien für«ine neue Straße zivischen der Köpenicker- und der Mühlenstraße i» der B e r l ä n g e r l»»i g der E i s e» b a h n st r a ß e soll nach den Anträgen der Stadtvv. Lüben und Zylicz i» einem Ausschnffe vorberathen»verde». Die Hallsbesitzervereine wünschen die Brücke iin Zuge der Frucht- beziv. Manieuffelstraße erbau» zu sehen. Nachden» Sladtv. C. Goldschmidt auf die Schivierigkeiien bingeiviesen,»velche auch hier wieder der Siadt durch den Miliiär- fiskns bereitet werden, und«benialls Ausschnßberathung empfohlen hat,»vird denicaisprechend beschlossen. Schluß»/s? Uhr. » » Ter Stcit der Geincindrschul- Verwaltung für 1898/99 schließt gegenüber dein vorjährigen mit einem Mebrzuschuß von 1073 869 M. ab,»vovon ans die personelle» Kosten allein 834 7S0 M. eiitfallen. An neuen Stellen sieht der Etat 160 vor; es»verde» verlangt zum 1. April 1893: 5 Rekloren, 6l Lehrer, 34 Lehrerinne»; zum 1. Oklober 1898: 2 Rektoren, 40 Lehrer «nd 18 Lehrerinnen. Der durch die beschlossene Gehaltsansbesteruiig und die neu zu bildenden Stellen hervorgernsene Zugang b« dem GehaltStitel des Lehrpersonals beträgt bei den Rektoren 127 730 M., bei den Lehrer» 330 330 M., bei den Lehrerinne» 401 100 M. Für den Unterricht an Schwachfinnige in besondere» Nebentlassen sind 6000 M und für den Unterricht an Kinder, die»vege» körperlicher Gebrechen am Klaffenunterricht nicht theilnehmen könne», 7300 M. in dein Etat eingestellt. An Honorar für ärztliche Uniers, ichung schivach begabier Kinder findet sich ein neuer Posten vo» 3000 M. i» Etat, auberdem sieht der Ei»t die Anstellung von 30 Fachlehrerinnen mit einem Gesainuilgehalt von «3 000 M. vor,«in welchen Betrag indessen daö Honorar für den technischen Unterricht,»vosnr 401 664 M. aiigesetzt sind, gekürzt worden ist. Zur Verbesserung der Löhne der Schuldiener sind 17 330 M. flüssig gemacht. Der Etat der Gemetiideschnl-Verivallung schließt ab: in Einnahine mit 96200 M.. l» Ausgabe mit 12460360 M. also mit einem Zuschuß von 12 364 360 M. Uoksleso Te« Parteigenossen und Genossinnen des zweiten Reichs- tagS�WahlkreifcS zur Nachricht, daß am Sonntag Abend 6>/s Uhr bei Zubeil, Lindeustr. 106,«ine össentliche Versammlung stattfindet, in welcher Genosse Georg Wagner über Kolonialpolitik sprechen»vird. Nach dem Vortrage folgt gemülhliches Beisammensein. Freistellen in den städtischen höheren Schulen. In der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1897»varei» in den stäbitschen Gymiiasie», Realgymnasien und Oberrealschule» 175'/?, in de» zu diele» Anstalle» gebörigen Vorschule» 37. zusammen 212'/?„observanz- mäßige«, d. h. nach berkömmlichen, Brauch de» dritten, vierten u. s.»v. Brüdern und den Lehrersöhnen zustehende Freistellen ver- geben. Für die übrige», Schüler stand in den Haupt- anstalten(also nicht mich in de» Vorschulen) eine Anzahl .etaismäßiger" Freistelle» zur Versügung, im ganzen 9523/4 Stellen. wovon jedoch»nr 922'/,, nämlich 792 ganze und 261 halbe, vergebe» warein Die ehemalige» Gemeindeschüler, die wegen ihrer Begabung de» höhere» Schnlen auf Koste» der Sladt übenviese» wurden, sind in dieser Zahl milenthalten. Die Zahl der„elalsinäßigen« Freistelle»(die nur au Bedürftige vergeben»verde»») darf nicht größer lein als ei» Zehntel der um die„observanzinaßige»« Freistellen verminderten Gesauimt-Schülerzahl. Je mehr Väter also für ihre Söhne vo» ihren» Rechte der„observanzmäßigeu« Freistelle» Gebrauch mache»—»vas bis zu einem Eiukomin«» von 6000 Mark zulässig ist!— desto geringer»vird die Zahl der schulgeldpflichtige» Schüler, desto geringer daher auch das Zehniel an„etatsinäßigen" Freistellei», das unler die schulgeldpflichtige» Schüler verlheilt»verde» soll. Die Zahl der„etalsinäßigeu« Freistelle»»vird aber bei diesem Berechuniigsmodus»och durch eine» andere» Umstand „ngünslig beeinflußt; sie»nuß auch dann zurückgehen,»venu die treqnenz der Schulen abnimmt. In Berlin ist das eine Reihe vo» obren hindurch der Fall geivesen. Zu den Ursachen, die die Frequenz der höheren Schulen zeillveilig herabminder», gehört iiiin unter anderem die Ungunst der wirihschafllichen Verhältnisse. I» einer solchen Zeit steigt das Verlangen nach Freistelle»; aber gerade dann»verde» ihrer nicht mehr, sondern»veniger. Logisch kann mau diese Art der Bemessung der Freistellen-Zahl daher kaum nennen. Die Berliner Brotpreise sind im Jahre 1397>v e i t e r g e- stiege». Nach den vom Beritner Statistischen Amt a,n Anfang nud in der Mit»« jeden Monats vorgenommenen Erhebungen betrug 1897 für Roggenbrot der MonaiS-Durchschuitispreis(ermiltet» durch Ankauf von Broten in 34 verschiedenen Bäckereien) im Januar 2>�/t0, Februar 219/io, März 21Vio, April 2I«/io, Mai 216/»0, Juui 22, Juli 22, August 22«/, o, September 23, Oktober 282/io, November 283,io, Dezember 233/io Pf. pro Kilogramm. Daraus ergiebt sich als Durchschnittspreis des ganzen Jahres 1897 pro Kilo- gram», 223/l» Pf.,»vährend sich der Jahresdurchschniit 1896 ans 20«/io, 1893 ans 208/io, 1894 ans 20s/»o Pf. stellte. Die Preissteigerung war, wie man siehi, des anders von 1 896 zu 97 sehr bedenlend. Der Preis des Weizenbrotes ist erst seit 1395 gestiegen,»veniger stark als der des Roggenbrotes, aber doch auch recht»»ertlich, nanieutlich von 1396 zu 1897. Der Monats-DnrchschuiltspreiS(eii»iltelt dinch An- kauf von Schrippen in 34 Bäckereien) betrug 1397 im Jannai g63/io, Februar 37>/la, März 36«, w, April 363/l0, Mai 36«, w, Juni 36«/»«, Juli 37«/lo, August 38«/»o, September 38«/io, Okiober 38«/, o, No- vember 39«/»«, Dezember 397/io Pf. pro Kilogramm. Der Jahres. Durchschnitt»vor 1897 L77/io, dagegen 1896 853/lo, 1895 L43/lv, 1394 3&/io Pf. Ans folgenden Zahlen tritt die B e d e u l u n g dieser Pr e i s st e i g er» n g e»»och klarer hervor. Für 30 Pf. bekam man durchschnittlich an Roggenbrot 1394: 2447, 1393: 2424, 1896: 2389, 1397: 2242 Gramm, also 1897 um rnnd 200 Gramm oder«/s Pfund weniger als 1894; an Weizenbrot 1894; 1422, 1893: 1449, 1896: 1410, 1897: 1325 Gramm, also 1897 NM rund 100 Gramm oder>/s Pfund»veniger als 139t. Für die»nbe- in i t t e l l e Bevölkerung, bei der das Brot ein Hauptnahriings- mittel ist,»nache» sich so bedeniende G>wiebtsverrsngernngen nalnr- lich sofort fühlbar, nainenilich in starte» Familien. Aver für die gewerbsmäßige» Brotvertheuerer kann das freilich kein Grund sei», sich kn ihrem Treibe» stören zu lassen. Eine zicinlich dreiste Schnorrcrci veranstaltet eine Gesell- schalt, die sich„Vereinigung beul scher Kriegsveteranen Kaiser Wilhelms des Große»« iie»»t. Der Verein hielt am 18. Januar das Vergnüge» einer Fahneaiveibe ab. Zu dieser Fest- ltchkett wurde» nun ans gut Glück an hiesige Etmvobner Eiuladungen geschickt, denen je sechs Eintrittskarten beigelegt»varen.„Sollten Sie", so hieß es in der Znschrist,„»vider Erwarten behindert sein, so wagen wir Sie ergebenst zu bitte», diese Billels im Juteresse der gute» Sache im Kreise Ihrer Bekannten zu v e r l h e i l e n. De» Be- trag von d r ei M ar l für beigefügte Billets»verde»»vir uns er- laiibe», gegen Quittung von Ihnen einzu ziehe n.« Mancher »nag die Karte» achtlos bei feite geivorfei» haben und nicht wenig erstaunt gewesen sein, als ihm»achirägiich eine Rechnung i» Höhe von drei Mark vorgelegt wurde. Wen» es auch»vohi selten jemanden eingefalle» sei»»vird, sicher wider Wille» aus solche» Trik einzulassen, so ist doch geiviß anzunehmen, daß duich derartige Zahlungs- anssorderunge» Aerger und Bennruhignng hervorgerufen »Vörden ist. De» Gipfel kriegerischer Kübnheit erreichte die merkivürdige Vereinigung aber in folgendem Falle. Ein hiesiger Einwohner, der ebenfalls mit einer solchen Em- ladung bedacht worden war, lhat ein übriges und schickte die Karte gleich nach Empfang an die Absender mit dem Benierken zurück, daß er keine Veiantassung habe, das geplante Vergnügen zu be- suche». Man stelle sich nun das Erstaunen des Herr» vor, als er dieser Tage trotzdem durch die Packetfnhrt eine Aufforderung erhielt, drei Mark a» die Vereinigung zu zahlen. Selbstverständlich fiel eS dem Manne garnicht ei», diesen» dreiste» Verlange» »achzukonnnen, doch meinte er i» seinem erklärlichen Un» mnit), daß sozialistenfeindliche Staatsanwälte hier ein dank- bares Feld finden,»im»ach bekanntem Muster mit dem grob«» Un- sugs-Paragr-pheu zu operiren. Wenn dieser Paragrapd schon erfolgreich angewandt»vorde» sei, wo Arbeiter unentgeltlich sozialdemo- kralitche Schriften verbreitet und dadurch die Bevölkerung„de- niiruhigt, also grobe» Unfug verursacht« bällei», um»vie viel mehr löune dann nichi bier von grobem Unfug die Rede sein,»vo mibetheiligte Leute mit völlig niimolivirten Zahlungsaufforderungen belästigt»vürden. So unser GetvährSiiia»». Nach der im Kampfe für Orduuug, Religio» und Sitte geltende» Eiaalsanivallslogit hat er uitzweifel- Haft recht. De» Verein aber entschuldigt vielleicht der Umstand, daß er,»vie au der Spitze der Einladung bekannt gegeben ist, den Fürsten Bismarck zu seinem Ehrenniilgliede zählt. Die Vereinsleiter»»ögcn den alten Gepflogenheilen ihres samiulungsbedürsligeu Heros vielleicht gar zu eifrig nachleben. Voll der geheiligte» Person de« allverehrten verewigte« Kaisers. Ein dieflgcs Blatt dringt folgende Miltbeiluug:„Die Verklärung Kaiser Wilhelms I., das ihm dargebotene Marmor- Relief des Bildbau«rs Hermann Hidbing, hat der Kaiser an« aeuommen. Das Werk befand sich aus der vorjährige» großen »erliner Kunstausstellung, sowie aus der AttSstellmig von Gr- inuernngen an Kaiser Wilhelm I. im«kademiegebäude; es zeigt den enischlasenen Kaiser,»vie er von schivebenden Engels- gestalten zum Himmel emporgetragen»vird. Was sagt die katholische Kirche zn dem neuesten Bergötterungsversuch eines byzan- tiiiischen Künstlers? Tie«eneste kL,»stlerische That Wilhelms II. In der„Beel. Ztg.« lesen»vir:„Wie«ine engliiche Zeitschrift zu berichten»veiß. hat der Herzog von Canrbridge kürzlich von seinem Vetter, dem deutschen Kaiser ein Spiel Karlen zum Geschenk erhalten, das sicher nichl seinesgleichen haben dürste. Nach Zeichnungen, die der Kaiser selbst entworfen hat, stelle» die Könige Bildnisse lebender Herrscher vor iind zwar ist der Kaiser in dem Treff-König iviederznerkrunei», , vährend der Piqne-KSnig den rufflschen Zaren, Karrean-König den Herrscher Italiens und Herz-König den König Leonotd von Belgien vorstellt. Die vier Damen sind PortraitS der Gemablinnen der Monarchen und die Buden tragen die unverkennbareu Züge jetziger Premikr-Minister. Die übrigen Karten und besonders die vier Affe sind mit sehr hübschen farbigen Verzierungen ausgestaltet. Das etgettariige Geschenk soll den Herzog, einen leidenschastliche» Whist- spieler, sehr ersrent haben.« Zni» Fall Rothenburg wird berichtet:„Frau Baumeister Rothenburg machte in einer Anzeige an die Slaaisauivallschast gegen das Gntachlen des Irrenarztes Dr. Moli,»velches ihre Ent- inündignng herbeigeführt, geltend, dasselbe beruhe ans»hatsächlich llnrichiigei» Angaben,»veshalb gegen denselben staatsamvalltich ein- zuschreiten sei. Als trotzdem eine Untersuchung nicht erfolgte, wurde Beschiverde bei der Oderstaatsanivattschaft eingelegt, ivorauf dieselbe unterin 22. Dezember v. I. erwiderte, daß die ElaatS- anwalischast mit einer nochmaligen Prüfung der Sachlage betraut worden sei. Diese Untersuchung ist für die eiitniündigte »nd deshalb in mißliche»» Verhällnisseu stehende, schiver geprüfte Frau deshalb wichtig, weil die Entmündigung kaum ansrecbt erhallen»verde», kann, wenn das Gulachien irrige Angaben enthält. Bei den kürzlich stattgefundene» Debatte» im Reichslage in der Jrrengeletzreform kam der Abg. Dr. Langerhans auch auf den Fall Rothenburg zu spreche». Er nannte diese» Namen zivar nicht, daß er aber diesen Fall ii» Auge halte,»var aus der Bemerkung zu ent- nehmen, laß eine besttimiile Berliner Irrenanstalt infolge von ZeitnngSarttkeln den Besuch des Herrn Kullttsmini ers er- halten habe. Derselbe könne, bemerkte Redner ironisch, zivar ebenso wenig In Jrrensachen als Sachverständiger gelten, als der für die Jrrengefetzrefor»» eintretende Abgeordnete Leiizinam». Der Kultusminister sei»»verrichteter Sache nach Haus, gegangen und habe die Kranke gelnffe»,»vo er sie gefanden. Herr Dr. Langerhans ist im Falle Roihenbuig unrichiig berichtet; kurz nach dem Besuch des Herrn Kuliusuiiiiisters»vurde die angeblich immer noch kranke Frau Banraih Roibnidnrg ans Herzberge thai- sächiich entlassen»in« die bevorsteheave Enllassuug dem Sohne einige Tage vorher»nitgelheilt. Der Herr Adgeordnele»vird nicht umhin können, bei nächster Gelegenheit hierin eine Richtigstellung eintrete» zn lassen. Der Fall Stolhenburg ist mit ein Betvcls, daß eine Irren- gesetzresorin unbedingt nothiveudig ist.« Ter Verein für Feuerbestattung hielt gestern seine General- Versammlung ad. Nach dem vom Vorsitzende»», Siadtverordneten Maltern«, erstatteten Jahrrsbericht ist die Mitgttederzahl von 1788 auf 1904 gestiegen. Bon Berlin aus»vurde» durch das Vereins- bnreau 37 Leichen»ach Hamburg und Gotha zur Einäscherung über- geführt. Das Kolumbarinin aus dem städttschen Fiiedhos in Friedrichsseide enthält zur Zeit 138, das im Treptoiver Park neu», Uinen. Die Versammlung beschloß, die Herren Fabrikbesitzer Rnd. Schubert-Berlin, Frhr. v. Engarlh-Wien und Oskar Siedek, Beamten der österreichischen Kreditanstalt, zu Ehr.nuiitgliederi» zu eruennen. Der Vorsitz verblieb in den Hände» des Siadlv. Matter»«. Der Berliner Slberglaube beschäftigte vorgestern die Gesell« schaft„Braubenbiirgia«. Ma» sollte kam» glauben,»vie weite Ge- biete der Aberglaube auch in Berlin noch beherrscht. Der Haupt- redner des Abends, der Prediger v. Runze, konnte, meist ans eigenen Beobachtinigen, eine Fülle abergläubischer Vorstellungen uiillheilen. Wenn bei der Trauung ein Trauring zur Erde fällt, so bringt das Unglück, erhöht ivird das Unglück, wenn der Ring der Braut nach links fällt oder gar abhanden toinmt. Flackernde Kerzen auf den» Traualiar ans des Mannes Seiten deuten aus zänkischen Charakter des Mannes hin. Wen» sich die Braut beim Aussteigen aus dem Wage» umdreht, so sieht sie sich nach einen, anderen Manne um. Schlinnn ist es, wenn der Ehering zerspringt, dann geht das Glück aus der Ehe. Alte Leute sind oft nicht zu beivegen, zum Prediger ins Hans zu gehen, weil sie glauben, sonst bald sterben zu niüffen. Wenn das Aufgebot verlesen»vird, dürfen die Braut- leute nicht amvesend sein. Wenn man ein Brauipaar vorher beglück- »vünscht, bringt das Unglück. Bei Todesfälle» müsse» sofort die Fenster geöffnel werde», damit das Uaglnck hinausgehen kann. Die de» Sarg tragenden Personen gehen rückwärts hinaus, um nichl auch bald sterbe» zu»nüssei». Die Böcke oder Stühle, auf denen der Sarg gestanden, werden niit Hast umgestürzt,»veil sonst aus der Zahl der Anivesenden bald ivieder einer aufgebahrt»vird. Unter de» Pferdebahnkutschern Berlins ist der Abergtanbe verbreitet, daß in dem Hanse, vor dem die Glocke selbst anschlägt, oder vor dem ein Pferd den Kops heftig zur Seile»virst, bald jemand sterben wird. Man stirbt auch bald,»veiin man seinen Namen dreimal rufeir hört, ohne den Rufer zu sehen. Wen» ein Kranker im taufe ist und«ine Schrankthür knarrt, so wird der Kranke erben. Wenn z»vei gleichzettig daffeld« sage», so können sie sich etivas»vünschen, sie müssen aber so lange ruhig sein, bis ein dritter sie anspricht, sonst geht das gewünschte nicht i» Erfüllung. Wen»»»an morgens»üchiern»liest,»vird mau elivaS Neues«rfahren. Wenn ein Mädchen bei Tisch an einer Ecke sttzl, bekommt es einen schiefe» Manu. Wenn man abends ausfegt, zieht daS Unglück ein. Wen» der Hund auf den, Hofe beult, giebl eS«tuen Todesfall.— Im Anschluß Hiera» envähnte der Redner noch einige Berliner volkS- lhümliche Redensarten. Als Prediger Runze»vege» Amtsüberhäufung gerade im lrtzien Augenblick zu einer Trouerfeirr kam,»vurde er von vem gramgedeugte» Bater des Tobten mit de» Worten«ntpsaiigen: „Sie hätten uns beinahe das ganze Vergnügen gestörl.« Man halte nänilich M»isik bestellt, die nur bis zu einer geiviffen Zeit spielen tonn»« Aedntiche Geiühle scheinen den beseelt z» haben, der in einem Papierladen„Trauer.Gratulationskarten« verlangte. Bei einem Freimaurerfeft schloß ein Redner seine Worte:„Und der große Meister dort oben, möge er uns noch lange erhalten bletben«. Auf die Frag« nach seiner religiösen Stellung anttvortete ein Mann:„Ich habe auch Religion genossen, übe> Haupt kann ich den liebe» Gott gar nicht verachten.« Ans der „Hochzeit zn Kana«»vird sehr oft ein«„Hochzeit zu Kanaan«, auch eine„Hochzeit z», Kanada« ist dem Prediger Runze schon vorge- komme«. Ueberraschend war die Aniwoit eines Mädchens ans die Fiage:„Was ist Christus als König?«; sie antworte nämlich: „gel achten Schinken«, und zwar, weil ihr Vater gekochten Schinken immer als«in„Essen für Könige« bezeichnet halte. SnbmissionSbliithcn. Die flebenie städlische Baudepnlation hatte die Lieseiung, Ausführung und?UtssteVmig der schniiede- eiserne» Geländer, Thnren u. f.»v. für die Ufermaner zwischen Gertrandienbrncke iind Wallstraße ausgeschrieben Daraus»tilgen folgende seckS Osserlen ein: Die Firma Blume fo'derte 11 368 M. 93 Pf., die Finna Hillerscheidt n. Kasdanm 10 513 M. 60 Pf., die Firma Pills 8910 M. 92 Pf., die Finna Plnllner Nacks. 8078 M. 93 Ps., die Firma E Franke 6575 M. 19 Ps. und endlich die Finna Langer u. Methling 3307 M. 95 Pf. Das letzigenannle Gejchäst erhielt de» Zuschlag zuertheilt. Interessant« Erinnerungen an den Brand der Borsig- miihle sind dem Märkischen Mnsem», durch Direktor Seide über- »viese», worden. ES sind Reste der Getreide-»nd Mehlvonäihe. die während des Brandes nichl den Flamnien, wohl aber der Hitze aus- gesetzt gewesen sind. Di« Roggenkörner haben ihre Form behalten, sind aber zu einer graphilähniiche» glänzenden Muffe zusammen« ?eb«cken. die Weizeiikörner sind ebenfalls durch die Hitze völlig ver- ohit, das Mehl ist zu einer steinarligen ziegelbra»,»«» Masse zu- sammengedrückl, die»ach Zichorie riecht. A» dem vorgelegien Stück sah mau»och deutlich den Abdruck des Sackes. Dt« Objekte sind auch vom Siandpunkt der AltertbuniSsorschung von Interesse, da sie in ihrer»igenartigeu Forin»rnd Beschaffenheit die Veränderungen. die Brände hervorrufen, zeige» lind damit zur Aufklärung mancher Funde aus alter Zeit dienen könne». Tie„alte Past", an der Eck« der König?- und Bnrgstraße, soll am 1. April wegen der nvthivendigeii Straßenenvetteruiig abgerissen »Verden. Das Haus ist erst 1890 erbaut»vorde». Zur Rnffindung der von den Eheckdieben Stntzky und Perpiieß ersckwindetten Gelder ist die Kriminatpolizei durch folgende Umstände gelangt: Ein Hansbeivohner war dnrch Geräusch darauf aufmerkfani gemacht worden, daß in der Sintzly'sche» Wohnung«in Loch in die Wand gebohrt wurde,»»nd Halle, als er sich hierüber desehwerie. die Auskanft erhallen, es sei ein schiverer Nagel in die Wand eingeschlagen worden. Die Besichtigniig ergab. daß dai in die Wand gebohrt« Loch sorgsättig»vieder auSgesüllt worden nnd Imitn bemerkbar war. GkeichzeMg wurde w der Wohnung e!ne Blechbüchse gesurden, die genau in das geinachie n»d wieder uerUeble Lom paßte. Offenaar Halle Stutzly die Absicht, daS entwendete Geld einzuniaucm» gab dieselbe aber wieder ans, nachdem er die Slufnierkiamkeit eines Naclibarn erweckt batte. Die kkriininalpolizei erfuhr iveiler, dusi die Stntzly'schen Eheleute in einem ans dem Gesängniß geschriebenen Briese die Fürsorge für ibre Möbel in auffälliger Weise einer Bekannte» aufgetrage» datte». Hierdurch enistano die Bermulhung, daß das Geld i» einem der Möbel verborgen sei. Unter Zuziehung eines Tischlers ließ die Kriminalpolizei bei der vierten Wohnungsdnrchsuchnng die Knöpfe der Beltpfosten enlsernen. Unterhalb eines Knopfes wurde, wie bereits milgeiheilt, eine in das Holz gebohrte O>ffnung gefunden und in derselben 35 zusammengerollte Eintansend'Markscheiue.— Von einem königlichen Wagen, der mit bekannter Ge- sck'windipkrit die Linden hinnute, raste, wurde am Mittwoch gegen Ällitlernachl an der Ecke der Friedrichstraße ei» Mann umgerisse», jedock anscheinend nicht erheblich verletzt. Die Schutzleute erklärten aui die Frage,» arum den» der Kutscher nicht sestgestellt werde, daß dies nicht noihig sei, da die Ermittelungen sich auch nachträglich vornehuien ließen. Verlierer gesncht. Hannemann'Z Buchhandlung. Friedrich- ftrnße L08. bittet nne um Anfnabme folgender Notiz: Ju unserem Laden hat sich eine gröbere Geldsumme angefundeu, die der Eigen- thümer gefälligst in der Zeit von 10—12 Uhr abholen möge. Durch einen Sturz anS den, Fenster hat sich gestern die ällesie Tochter des in der Kolonieslraße wohnenden Zuckerwaaren- Händlers T. zu tödlen versucht. Die Unglückliche wurde im hoff- nnngslofen Znstande in ein Krankenhans gebracht. Ei» Familien- zwtst soll dte Ursache des Selbstiirordversuchs gewesen sein. Der Agent Pnnl SchivengerS, der in den aeschäfllichen An- gelegenbeilea des geisleskrankeu Prinzen Heinrich XXVI. Neuß als d> sse» angeblicher Kaineraldirektor insbesondere bei den, Ankauf eines Gutes in Ungarn viel genannt wurde, ist auf grund eines Haft- bcfebls des Amisgerichts zu Gelnhausen in einem hiesigen Gasthofe verhaftet worden. Es handelt sich in diesem Falle um die uu- berechtigte Führung eines Titels und Wappens. Verschwunden ist seit einigen Tagen der Herausgeber der .Berliner Thierzeilnng", ein Herr Otto Dröscher aus der Friedrich- stiaße 214. Dieser Herr hatte neuerdings im ganzen 21 Personen mit einem Nlonnlsgehalt von 75—80 M. eingestellt, die sämintlich mit Bilreauarbeiten beschäftigt werden sollten. Jeder der Angestellten hatte aber eine Kaution in Höhe von 200— 300 M. zu hinterlegen. Beschäftigt wurden die Buremigehilfen mit dem Austragen von Briefen und Reklamen, sowie mit leichteren Bnremiarbeite». Am 1. Februar ging Herr Dröicher fort, angeblich um G'ld zu de- sorgen. Seitdem hat er sich nicht wieder im Geschäft sehen lasten. Die Angestellte», ivelche befürchte», daß sie um ihre Kaution gebracht worden sind, habe» die Angelegenheit der Polizei ge- meldet. ... bis 40 Bernchmungen„in eigener Sache" finde» jetzt taglich ans dem hiesigen Polizelpräsidinm wegen Lotterie- v ergehen statt. Wie wir vor einiger Zeit mitideilte», sind einem diesige» Kollekteur die Bücher»nd Kunden ltsten beschlagnahmt worden. Im Anschluß hieran habe» denn auch»och bei zwei anderen Kollek- lettre» Haussuchungen stattgefunden mit dem gleichen Ergebniß, wodurch die Polizei in den Besitz von insgesammt 4000 Namen solcher hiesiger Einwohner gelangt ist, die in auswärtigen reip. verbotenen Lotterien spielten. Neben diese» Bücher» sind auch Postanweisungsabschnitte aufgeftinden, ous welchen die Adressen diverser Spieler errnitlell worden sind. Die Auszüge aus de» Büchern gehen den verschiedene» Polizeirevieren zu, deren Vorstände zunächst die Beschuldigten ver- nehmen; nur in solchen Fällen, in denen die Vorgeladenen be- streiten, nnerlaubte Loose gespielt zu haben, findet eine weitere Ver- nehmung auf dem Polizeipräsidium statt, woselbst bisher in etlva 300 solcher Fälle Protokolle aufgenommen wurde». Zur Lokalliste. Die Brauer der Brauerei Lichterfelde ver- 'anstalien am 12. Februar im Lokale von Richter, verlängerte Wil- belmstraße 36, ein Winterfest; ebenfalls hält der Mundharmonika. klnb Orpheus am IL. März bei Gratweil, Koinmandantenstraße, ein Vergnüge» ab. Man versucht, zu diesen Festlichkeiten in Arbeiter- kreise» Karte» abzusetzen. Beide Lokale sind aber sür die Arbeiter- schuft gesperrt. Feuerbericht. Donnerstag früh 4 Uhr gerieth K ö p n i ck e r> st r a ß e 33a eine mit Kiti gelullte Kiste in Brand, der auch den Fußboden ergriff und vollständig zerstörte. Um 10 Uhr wnrde die Wehr gleichzeitig nach Gräfe st raße 21 und Ritter st raße 7b gerufen. Im ersten Falle brannte ei» mit Wollenivaaren angefülltes Echoufenster, im letzten Falle ging ein großer Posten Holzwolle t» einer Kistenfabrik in Flammen auf. Die Wehr mußte eine Stunde Wasser geben, bevor die Gefabr be- seitigt wnrde. Königsberger st raße 18 kam nachmittags 5 Uhr in einer Tapezierwerkstatt ein Schadenfeuer a»S, das bei den dort lagernden Borräthen an Werg u. dergl. leicht große Dirnen- sionen hätte annehmen können, wenn es nicht gelungen wäre, es noch rechtzeitig z» dämpfen. Abends 7 Uhr erfolgte Sickingen- st r a ß e 1 noch ein Kellerbrand. Die Kultnrschaubnftne(Direktion Dr. Klippen und Dr. Stoedtner) Veranstaltet am nächsten Sonntag abends 8 Uhr in der Hochschule für Musik (Potsdainerstr. ISO) einen neuen Projektionsvortrag. Herr Kunstschriftsteller Jritz Stahl spricht unter Vorführung von vielen Lichtbildern über das Thema:„In den Ateliers unserer großen Künstler" und zeigt Menzel, Lenbach, Böctlin, Klinger, Lteberniann, Begas ic. bei ihrer Arbeit und in ihren technische» Ngenthüinlichkeiten. Billets im Borverkauf sind zu haben dehn Portier der Hochschule, bei Amsler u. Ruthardt(Behrenstr. 29a), Speyer u. Peters(Unter den Linden 43), H. W. Röhlich(Lcipztgerstr. 35), Raab u. Plothow(Potsdamerstr. 7), Keller u. Reiner(Potsdainerstr. 122). Die Neue freie Volksbühne bringt am Sonntag, den 13. Februar, nachmittags V-3 Uhr im Thalia-Thcatcr wiederum eine Novität zur Auf- führimg. Das ErstltngSdrama eines jungen Karlsruher Dichters„Maja" von Albert Geiger erblickt zum erstenmal das Lampenlicht. Ss»S den Nachbarorten. Wieder ans freien Fnff gesetzt ist der Roßschlächter Grosse aus der Berlinerstr. 96 zu Rixdors, der mit zwei Arbeitern zusammen am Mittwoch Abend von dem Gendarm G. festgenommen wnrde, weil er Fleisch verkanft hatte, das sich zum Genuß für Menschen nicht mehr eignete. An die Festnahme knüpfte sich das Gerücht, in ibui sei jetzt der Mörder der unverehelichten Klara Galle mit Be- stiinmlbeil ermittelt. Er habe bereits 3000 M. an Schweigegeld ge- zahlt, sich»un aber selbst gestellt, weil er de» erneuten Geldforde- rangen nicht medr»achkommen könne. A» dem Gerede ist nur wabr, daß Grosse einem Arbeiter Geld gegeben hatte, um die Ver- werthung des Fleisches geheim zu hallen. Die Sache wnrde aber trotzdem angezeigt und führte zu der Festnahme und Freilassung. Eine einpfeHleuSwertHe Neuerung kommt jetzt in de» Straßen C b a r> o t t e n b u r g s zur Durchsührung. Dir dortigen städtischen Laternen erhalle» je eine Scheibe mit der erngeblasenen Niimmer des HanseS. vor den, die Laterne steht. Diese Nummer. farbig bemalt, erleichtert das Aufsuchen der Häuser bei der Dunkel- heit. An de» Ecklalerne» solle» ferner Straßenschilder angebracht werden. Die Lehrergehiilter in Spandan. Gegen die von den städti- scheu Körperschatten Spandau'S beschlossene Neureguliruiig der Ge- bälter der Gemeindeschullehrer hatten diese Eintprnch bei der Regierung in Potsdam erhoben. Letzlere bat aber die Beschlüsse der Spandaner Stadtverrvallnng bestätigt. Das Grundgehalt der Lehrer ist auf 1200 M. bemessen. Ter Einbrecher Kauert anS Nixdorf, der, wie wir be- richteten, vor e»oa 14 Tagen seine,» Transporteur aus dem Wege nach dem Untersnchnngsgeiänginb entschlüpft war. ist in der letzten Aacht in einem hiesigen Balllokal erwischt worden. Gerichts-Serkttttg. Die Verhandlungen in dem Prozeß Hirsch«. Gen. wegen Kredttschwindeleien sind durch das Ausscheiden der Angeklagten Zedier und Schrape, soivie der Frau Speichert so wescnt- lich abgekürzt worden, daß sie schon gestern zu Ende geführt werden konnten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Hirsch 4 Jahre Zucht- haus und Ehrverlust, gegen Parske sechs Monate Ge- f ä» g» i ß. welche er durch die erlittene Untersuchnngshasi für verbüßt zu erachten beantragte, und gegen Malfchke 4 Jahre Gcfänguiß; gegen alle übrigen Angeklagten die Frei- sprechnng. Der Gerichtshof vernrtheille Hirsch zu 2 Jähret, sechs Monate» Zuchthaus und öjädrigen Eurverlust, Parske zu sechs Monate» Gesängnib, die als verbüßt erachtet wurden, und Malschke zu I Jahr 6 Monaten Gefängniß, wovon 3 Monate als verbüßt i» Abrechnung gebracht wurden. Auch bei Hirsch wurden 6 Monate als verbüßt abgerechnet. Im Bleichrödcr'schen Bankgeschäft herrschte im November vorige» Jahres unter de» Beamten eine»ingemüthltche,»tißiranische Sli»»»n»g. Bald stellte der eine, bald der andere der Beamten fest, daß ans feinen, verschlossenen Pulte größere oder kleinere Baar- betröge verschwitiiden waren. Es mußte ein Hansdieb sei» Unwesen treiben. Am 30 November stände» im Privatbureau des Geheimen Kommerzienralhs Schrvnbach, dem Inhaber der Fcrma Bleichröder, drei werthvolle Uhren, welche der Besteller sich znr Ansicht Halle kowmen lassen. Eine dieser Uhren, zum Weuhe von 1500 M, wurde gcstohle». Man wußte wieder»», nicht, wen mm, der Tbal verdächtigen sollte. Gebeiinrath Schwabach wollte unter allen Um- ständen dem»nertläglichen Zustande ein Ende machen und den Hansdieb ermitteln. Er setzte in mehrerer» Blätter» eine Belohnung von 1000 M. sür Ermittelung der Uhr aus. Ein Kriminalbeamler fand sie beim Piandleiher Mac-Ton», welcher angab, daß die Uhr von einem Kellner sür 40 M. versetzt worden sei. Der Kellner, aus dessen Namen das?>usive>spapier lautete, er- klärte, daß der in, Bleichröder'sche» Geschäft angestellte Lansbnrsche Ernst Dannenberg ihn„», Ueberlafsnng des Schrisl- stücks gebeten habe, weil er etwas versetze» wolle. Nun war der Dieb ermittelt. Dannenberg war im gestrige» Termine vor der zweiten Slrnskammer des Landgerichts I im volle» Umfange ge- ständig. Er sei in schlechte Gesellschaft geralhen und habe das Geld verpraßt. Der Pfandleiher Tonn halte sich gleichzeitig wegen tehlerei zu verantworte». Dieser behanpiete, daß er unmöglich dem eußern der Uhr, die mir etwas größer war, als eine Dantenuhr, hätte ansehe» können, daß sie einen besonders hohen Werth Halle, er habe dein Kriminalbeamte» auch sofort die Uhr gezeigt, als»ach einer ge- stohlenen gefragt wurde. Dies wurde von den Beamten bestätigt und ebenso, daß der Angeklagte Ton» mehrfach ans unter ver- dächtige» Umständen versetzte Gegenstände aufmerksam peinacht hatte. In betreff des Angeklagte» Daunenberg erzielte der Ver- lheidiger. Rechtsanwalt Wconker, daß derselbe znr Beobachtung seines Geisteszustandes der Charitee überwiese» werden soll, da ärzilicheiseits Bedenken erhoben wurden, ob Daimenberg sich im Vollbesitze seiner geistigen Kräfte befindet. Gegen den Angeklagten Ton» beantragte der Staatsanwalt einen Monat Gefängniß. Der Gerichtshof war indessen nicht zu der Ueberzengiing gelangt, daß der Angeklagte den Werth der Ubr erkannt Halle und sich durch Annahme derselbe» einen Vermög-ns- vorlhell hatte verschaffen wollen. Es wurde deshalb ei» frei- sprechendes Urtheil gefällt. Die polnische Fahne. Am Frohnleichnnmstage hatte der posensche Bürger Borvlschkawsky eine Fahne i» den polnische» Nalionalfarben blaßrolh-weiß zum Fenster hinanShängen. Das harmlose Vergnügen kostete ihm 30 Mark. Die Polizei begründete das Slrafniaudat mit einer Verletzung der für den Regierungs- bezirk Pose» erlassenen Palizeiverordnnng vom 17. April 1891, wonach ohne Genekmigniig der Polizei Fahnen in anderen wie den Demichen R-ichs- oder preußische» Laudessarben nicht ausgedängl werde» dürfe». B. beantragte richler- liche Eatickeidnng und focht unter anberem die Rechisgiltigleit der genannten Polizeiverordming an. Ferner machte er aeltend, er habe allerdings geivußl, daß blaßroth-weiß die volnischen Farben seien, er habe aber durchaus keine politische Demonstrativ» veranstalte». wollen. Vielleicht habe er anS seiner Freude über die Frodn- ieichiiaiusfeier Ansdruck geben wollen. Schöffengericht, Straf. kmumer und Kammergericht vernrtheillen ihn jedoch zu der von der Polizei über ihn verhängten Strafe. Das Kannuergenchl erklärte in seiner gestrigen Sitzung die in betracht kommende Polizei- Verordnung vom 17. April 1891 für r e ch t s g i l t i g. Sie werde gestützt durch den ß 6b des Polizei-Verwaltuiigsgrsetzes vom 11. Mär, 1350. Der Waldansflng als Bersainrnlung nnter freiem Himmel. Eine Anzahl Preußen polnischer Äbkunst machten bei schönem W-lter von Gnefen ans mit der Bahn einen Ausflug in eine waidige Gegend, wo man sich an der Natur«rfrenle. Im Ueberschwang der Gefühle wnrden mich Reden in polnischer Sprache gehalten. Einer der Theilnehmer,»„mens GrodSty, erdielt bald darauf eine Anklage wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes. Er sollte als Oidner und Leiter in einer Versammlung unter freiei» Himmel, zu deren Bhhallung die erforderliche polizeiliche Erlanbniß fehlte, fungirl habe». Grodsky bestritt, daß es sich überhaupt»in eine Ver- sammlnng unter freiem Himmel im Sinne des Gesetzes bandele und daß er ordnend und leitend gewirkt habe. Er wurde jedoch>» alle» Instanzen vernrthellt. Das K a in n, e r g e r, ch t nahm eben- falls an, daß daS Zusaminensein der betheiligten Leute sich als Ber- sanimluiig unter freie», Himmel darstelle Ans den Zweck komme eS nicht an, ans jede» Fall hätie die polizeiliche Erlmibmß eivgeholl werden müssen. Nach den gerichlUche» Feststellung«» sei G. Ocduer und Leiter gewesen. Tie Beendigung des Prozesse» Wendler, der seit zehn Tagen in» großen Schwnrgerichtssaale vor der 9. Straskammer ver- hanbell wird, ist noch in, Ivetten Felde. Die Vernehmung der Zeuge» dürste»och etiva 6 Tage in Anspruch nehme», eine» Angen- blick schien es sogar, als hälie der Staatsanwals nicht übel Lust, neuerdings»och 60 Zeugen vorzuladen. Die Beendigung des Pro- zesseS ist vor Schluß der nächsten Woche nicht zu erwarte». Vevlfontmlmtg#«« An die Studirenden wandle sich Pfarrer Naumann in einem Vortrage Über Deutschlands Jugend«nd DenlschlandS Zu- kunfl, den er am Mittwoch in der To»b"ste vor einer sehr zahlreich besuchten Versammlung hielt, die zum großen Theil ans Akademikern bestand. Er sei nicht der Meinung— sagte Pfarrer Naumann— daß Deutschlands Zukunft allein von der studirenden Jagend ab- hänge, aber diejenigen, welche dereinst berufe» feie», Gesetze zu machen. Recht z» sprechen, Zeitungen zu schreiben, hätien doch eine» große» Einst, iß a»f die Gestaltung der jetzigen Ver- hältnisse. Der Redner führte dann aus, es sei dem Wohle des VolkSganzen nicht dienlich, wenn die Wissenschaft beschränkt bleibe ans den Kreis der Fachgelehrten, sie müsse vielmehr Gemein- gut des ganzen Volkes werden. Daruni sei es»öthig, baß die akademische Jugend bei Zeiten Fühlling nehme mit den nichtgelehrten Volksschichten, daß die Träger der Bildung sich verbinden mit den sozial Aufstrebenden. Eine solche Berbindima werde vor allem die Schroffheit der Klassenkampfes,>vie ihn die Sozialdemokratie führe. mildern. Den Patriotismus in den Massen zu wecken, daS sei daS Ideal, welches ans der deutschen Wissenschaft heraus- wachsen müsse. Dem Znsammengehen der Gebildeten mit dem Sozialismus stehen heute noch groß« Schwierig- leiten entgegen. Je mehr aber der Sozialismus innerbalb des henftgrn Staates und auf dem Boden desselben an Einfluß ge- winnt, je mehr er national wird, desto leichter werde es den berufs- mäßig Gebildeten, zum Sozialismus überzugehen. Ein kraftvolles Kaiserihum oben und demokratisch« Einrichtungen in Staat und Ge- meinde unten, das werde durch«ine Verbindung der Gebildeten mit dem Volke möglich geniächi werben. Ter Redner ist der M-l« iiting, daß die Zeit kommen werde, wo das ikaiserthnm sich nicht mehr auf die Konservaliven ftützen könne, sondern mit der Arbeiterklasse, gehen müsse; er deutet ferner aus den Druck hin, de» das konservalive Razimenl! auf die Besirebnngen des Volkes ausübt. Dieser Drnck, der Arnächic ltnlen begonnen habe, lege sich jetzt schon ans die Universilütt. Ein Zeichen dafür sei das Disziplinargesetz für Privatdozenten., welches sich nur gegen die Person des Dr. Arous richte. Der Umsttmd, daß dies Gesetz aus dieser Ursache erlassen werde, zeige, daß ttie jetzige Regierung das Staatsgebände sür sehr wackelig Halle, und daß eine kraftvolle Regierung, die sich ans die Masse des Volkes stütze, nolhivendig sei. Wie es in der Vergangenheit nicht gelungen sei, die Wissenschaft vom bmgerlichen Li'4erali-m»s abzutreiiiie», so werde man auch durch den Versuch, die Wissenschaft vom Sozialismus abzutrennen, das Gegentheil erreichen. Die Studirenden halte» sich zu der Politik, die kommen wird, national, freiheitlich und sozial zu verhalten.— Die Diskussionsre'oiier ginge» auf die von Naumann dnrgelegle» Gedanken nicht ein, dagegen ge- staltete sich der weitere Verlauf der Versammlung z>r einer»n- vorbereiteten Kundgebung gegen die lex A«mZ. Der erste Redner. stuck. R o s e» f e l d forderte unter stürmischen, Beifall die Slndirende» ohne Unterschied der politischen und religiöse» Avschaunug aus, gegen die lex Arous Protest zu erheben, indem er eine Resoluiio» vorlegte, des Jnhalis: Die hier ver« sammelte,, Studirende» der Friedrich-Wilhelms-Uiiiversftät erblicken m den, Versuch, ein Mitglied des Lehrkörpers wegeil seiner Zu- geHörigkeit zu einer bestinnute» politischen Partei von der Lehr- Ihäligkeit attszuschließen, eine Beschränkung der akademischen Lehr- srciheil. Die Ve> sammlnng hofft, daß die akadeimsctiist, Behörden alles aufbieten werden, um den Angriff auf die Lek,rfreiheit ab« zuwehre». Das Bureau der Versammlung soll die Resoluiio» den, Senat der Universität und dem Abgeordnelenhmise einreichen.— Die Slndevte» Dablke und Wenzel drückte» ihr Ein- versiändniß mit der Resolution ans. Letzlerer machte außerdem eine gelime Opposition gegen die monarchischen Ausführungen Nanmann's, ivobei er aber durch lautes Zische» und lärmende Schlußrnfe unlerdrochei, ivurde. Ein Dr. Schuber r meinte, die Neloluiion sei hier nicht am Platze, eine akademische Kundgebung gehöre i» die Universilät. N a» m a i, n erklärte sich ebenfalls mit der Resolution einverslaiideil, es handle sich nicht darum, der Partei zuzustimmen, welcher Dr. Arous angehört, sondern um eine Rechls- srage, die mit absolitier Unparieilichkeit behandelt werden muß.— Die Resolution wurde mit der durch Nmimaui, veranlastlen Aendc- rung: Die hier versammelten Stildireiideii,„sowie Männer und Franc» aller Berufsstände" zc. mit großer Majorität wagenomnien. Zwei öffentliche Schneider->»,d Nähcrinneti-Versa»,»,- l, tilge» beschätligle» sich am Dienstag init der Frage:„Wie hat die lliegcernng de» Konseklionsarbeiier» gegenüder ihr Versprechen ge- halten?" Im Gründel'schen Saale referirle NeichslagS-Abgeordueter M o l k e„ b n h r. Redner beleuchtet die»enc Ae ta des sozial- polilischen Kurses, der im Jahre 1390 mit großer Reklame eingeleilet wurde und bei manchein Optimiste» große Hoff- nungei, wachrief. Durch die Umändernng'der Geiverbc- Ordnung und Revision der Versichernngs-Gesehgebnmg hätten die Fabrikarbeiter ja allerdings minimale Forlschrilte erreicht. Nicht so die hatisindnstriellen Proletarier. Dadurch, daß die Heim- arbeit bei alle» Arbeilerschntz- ,i»d Versicherimgsgescchen ausgeichlossen blieb, hat man den Unternehmer» ein Freigebiel zur schrankenlosen Ansbeulnng überlassen.?Us der Konfeklionsarbriter-Ansstand vor zwei Jahren die gesaminte öffentliche Meinung beichäsligle, hieß es überall: Wie ist es nur möglich, daß solche Dinge bei uns i» Tenlsch- land exisliren können. Die Regierung wurde inleipellirt, der llilichstag»ahm Sielltlng»»d, veitgehende Reforinci, Ivurden znr Eindämmung der»»geheure» Mißstände in Aussicht gestellt. So schnell, als wenn es sich um Liebesgaben für die Agrarier handelt, ist die Regieriliig mit sozialen Reformen für die Arbeiter nickt bei der H nd. Es müffeii immer erst, wie auch in diese», Falle, große Erhebungen vernnstallet werde». Diese Unter- suchuiige», die voll alle schon jahrelang gerügten Mißstände von neue», bestätigten, sielen aber in die Zeit, in der die sozialpolitische Richtung längst ihre Segel gestrichen hatte. Ans den Berichten der Reichskominiision sür Arbeitelstaftstik merkt man deutlich heraus, daß die Regierung nicht mehr geivillt ist, wirkungsvoll zu gimste» ver betreffenden Arbeite, schichten einzugreife». Statt dessen ist sie aber um so eifriger bemüht, die winzigen gtechie der Arbeiter zu beseilige». Redner kritisirl scharf und eingehend den Posabomsky'sche» Erlaß, der eine» Schlag ins Gesicht sür die deutsche Arbeite, kl>, sie bedeute. Diejenige», welche anS Anlaß des großen KonfekiionSarbeiler-Ansftandes weitgehende Hoffnungen hatte», daß dieRegierung wirkungsvoll eingreiseviverde, uw, den nun wohl einiger- maßen ernüchtert sein. Es sind nichts als schtö»« Erinnerungen längst vergangener Zeiten Üb, ig geblieben. Da giedt es nur eins: die Arbeiter selbst müssen sich rühren, ihre Rechte auSnutzcn und in de» guten Konjunkturen für die Verbessern»» ihrer wirthschastlichen Ver- hältnisse einireie».(Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion über den Vortrag ivnrde nicht beliebt. Die A e r s a in m l n n g für den Südosten tagte bei recht zahlreicher Belheiligung in der Nannynstr. 27. Hier reserirte unter lebhaft«»» Beisall Reichslags-Abgeordneter Genosse Pens über dasselbe Thema. In anbetrocht der neuen Parole des Gesetz- geders: Immer langsam voran mit der sozialpolitische» Gesetz- gebung, empfahl der Vortragende den Konfekuonsarbeitern zu schreien»nd abermals zu schreie», bis sie gehört würden. Die minimale» gesetzliche» Bestimmungen, die bisher nur auf den, Papier ständen, könnten nur durch gewissenhafte Ueberwachnng der Arbeiter»nd Arbeiterin»«» selbst erst zur Berivirklichiing gelange». Pflicht jedes einzelnen sei es, von jede», lieber- tretungsfolle seiner Organisation, dem denische» Schneider- und Schnetderinnen-Verband, Mitlheilniig zu machen. Von dieser Stelle werde das weitere dann veranlaßt. Redner schlug zur Erfüllung der von den Kouseltionsarbeitern erhobenen Forbernnge» noch einmal den Weg der Petition vor, die dieses Mal bestimmt nicht in den Papierlord wander» würde, er ivies zum Schluß ans die Gesähr- dniig des Kvalilions- und Versanunlinigsrechtes hin,»»d forderte die zahlreich erschienene» Frauen aus, angesichts der nahen Reichetags- wähl ihre Pflicht zu thim. und im nöihigei, Falle ihre oft bewährte Ueberredungeknust gegenüber ihren männlichen Angehörige» in Anwendung zu dringe». In der Disknssio» erklärte Wille, daß in der Verordnung des Bundesraths nicht entfernt das enthalte» fei, was die Konseklionsa, beiler verlangte»; es sei die Festsetznng einer Normal- arbeilszeil zu verlange», sodann die obligatorische Einsührung von Ge- werbegerichten, Anstellung von weiblichen Fabrikinspetloren imd Hinzu- ziehnng von Aerzten zur Fabrikinspektio». Die Beroidninig iverde vielfach nicht geholte». So werde in einer Damenschiieiderwerkftatl. Schützen- und FriedrichstraßeinEcke. in welcher zirka 70 weibliche Personen beschäftigt sind, häufig bis 8, 9. 10 Uhr, Sonnabends und i» der Saison bis 11 und 12 Uhr hin gearbeitet. De» Vorhaltungen, die der Inhaberin dieser Werkstatt gegenüber gemacht worden seien, hätie diese entgegnet, es iverde bei ihr Maßarbeit angefertigt, und treffe somit die Biindesraths-Verordnung ans ihre Werkstatt nicht z». ©tob oh weift ans die Möglichkeit hin, daß die Bestimmniig.jugend- liche Arbeiterinnen nicht über 6 Stunde» in der Werkstatt zu beschäftigen, einen 6 stündige» Echichtivechjcl zulasse, und meint, daß bei der unkontrollirlen Heimarbeit jede Arbeilerschicht daheim weiter arbeiten könne, woraus dem Unternehmer resp. Zwischenunternehmer der Ge- winn der doppelten Ansnütznng seiner Werkstatt und der Heim- arbeit zufiele, den Arbeitern selbst aber kein Bortheil aus dieser Be- ftimmling erwachse. Zander verurtheilt die verhälinißmäßig geringe Belheiligung a» der Ausfüllung der Fragebogen, durch welche die Wirkung der Bundesralhs- Verordnung festgestellt werden soll. erneuert noch einmal den Ruf nach Betriebsiverkstätte», und schließt mit dreifachem Hoch auf die moderne Arbeilerbcwegnng die Ver- 'ammlung. Die Bildhauer hielten am Dienstag eine stark besuchte öffent- liche Bersaminluiig ab, in der Reichstags-Abgeoidneter Gniosse Wurm Über:„Die A e ra©tum in- Posadowsky und die deutschen Gewerkschasten" reseririe. Unter H>»n eis "Uf die Heuchelei»er deutigen bürpetlichen GeseNschoft, hervor- gegangen aus dem Schvße der französischen Revolution, die zivar die„urewigen Menschenrechte" verkündete, nichlsdestowemger aber bererts 1791 den Arbeitern jede Vereinigung uuiersagte, giebt Ncdner tn erläuternder Weise eine» gescbichilichcn Ueberblick über die Entstehung uuch Eutwickelnng des Koalitionsrecbts i» Eng- land nnd den übrige» Staaten. Was den englischen Arbeitern 1824.aus dem Panier, wurde ib»e» erst 1859 in Wirklichkeit gegeben; was die deutsche» Arbeiter zum theil im§ 152 der„Ge- wcrbc-iDrduung" besitzen, soll ihnen durch das Vorgehen der Regie- tinig wieder genommen, verde», natürlich alles aus grund der be- stehenden„bürgerlichen Freiheil", die sich am beste» kennzeichnet in der rechtliche» Behandlung des Z 153 und der daraufhin verurttieille» Arbeiter.. Recht interessant in dieser Hinsicht ist eine von der General- kommissio» der deutschen Ge>verlsch»>ten in Haniburg airfgenoinmene Staiistil über die auf grund des§ 153 der„G-O." veruriheille» Arbeiter'vegen Ehrverletznng, Drohung. Beleidigung mit tbätlichem ülugriff, Nölhiguug. Verrufserkläruug. Mrßha»dlung,Kö>peiverletznng, grobeu 11», fug:c. Danach»vurde» im Jahre 1897 in 199 Fälle» wegen Vergehen gegen Streikbrecher inspesamu.t 262 Streikende mit zusammen 43 Jahren 5 Monaten 3 Wochen und K Tagen Gesängniß. 12 Wochen Hast und 733 M. Geldstrafe bestraft. Beim Hamburger Hafenarbeiter- Ausstamd waren von 16 000 St- eilende» 169. also 1, Ct.. veruriheili worden. Hie» bei sind die Ursache» der Anklage und Ber- urtheilnna ungemein lehrreich und bezeichnend für unsere gegen- »värtige Mechlsprechuug! Nach einer Berechnung der„Franks. Ztg." kamen aus je 1000 Beibciligte Bestrasunaen in den J-Hre» 1892 24,5, 1393 4,1, 1894 6,4, 1895 6,6, 1896 2. Rechnet»»an die Zahle»» der von den Regieriiiigspiäsidentei» in Preußen von 1391 vis U394 gesnhrlen Slreilstatistik auf das Reiet, nach den» Ver- hältniß von 3 zu 5 um. so würden sich für den d>e-jäkrige» Zeil räum für das Reich ergeben 933 Streiks mit 147 010 Belheiiiglen. während d»e Hamburger Slalistik für diese Zeit nur ausührl 320 Streiks n»d 19706 Belheiligle. Danach käme aus 1000 S tr ei- tende n u-r etwa ein S l r a f s n l l i g e r. Demgegenüber ist eine von Professor T ö n» i e s gemachte Znsannnenstelluug inter- «ssaut, über die derselbe im„Archiv für soziale G-letzgebii' g" schreibt:„Wegen Ae»brechen und Vergehen gegen Reichsgesetze wurden im Jahre 1893 350 Studirende oder aus 10 000 vorhandene Studenten 83,3 venntheilt; iinler de» 350 waren 93, die wegen Beleidigung. 33 ivegen Z iv e i- k a n, p f e s, 87 ivegen Körperverletzung und Bedroviing, III ivegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Sach. beschädiguug und Haussriedensbruch vernrtheill»vorde»." Während also auf 1000 Zlrbeiter 2 Verurlheilungen kamen, sind es bei den gebildete» Sttidenten 8 3! Nachdem Redner noch auf die Aeußerungew der Herreu v. Berlepsch und v. Roltei bürg für das Koalitionsrecht hingewieseen, richtete er ani Schluß seiner interessanten Aussührnngen die Mahnung an die Arbeiter in de» Geweikichafle». angesichts dieser Zustände ebenfalls die„Politik des Sanimetus" zu befolgen, zum geiiieinsnnien Kainpfi gegen die Reakiio» unier St«»»» und Konsorten, deren Bestrebe» nur darauf gerichtet sei, die Aibeiter zu Sklave» zu machen!(Lebhafter Beifall.) Krip- pale. Winkler und Dupont ergänzten die Wissühuwge» des Refereiue» mit der Anfforderiiiig an alle im Bildhauergewerbe thätigen Pe» sauen. sich nicht nur der gewerkschaftliche», fondern auch der politische» O>gaiiisalioii anzuschließen Hieraus gelangte uachstrheiide, von Win kler einpfohlene Resoluti o» zur«instiinmigt-n Aiiiinhine! Die heutige öffentliche Bildhauer-Ber- samnilungzc. erhebt empört Protest gegen die von der Siaalsregieruiig zu gunslei« der Unteriiehmerkltisse im geheiinen eingeleitete Aktioit wider die im gesetzmäßige» Lohnkampf um Verbesserung ihrer Lebens- Haltung ringende» Arbeiter. Die Versaininlung proicstirt ganz energisch gegen die aus dein geheimen Erlaß des Herrn Staats sekretärs v. Posado, vc ky von, 11. Dezember 1897 deutlich eikenii- bare Absicht der Retcvsregiening, Partei zu iiebiue» für die Kapitalisteuklasse gegen die At beiler durch noch größere Verschärfung der Strajbestimn'unge» des§ 153 der Geiverbe-Ordnung niid eventuell aus Kosten der Allgemeiiiheit durchzuiüdrende Abspeirnngs» maßregeln bei der meiste>is»»»ter Vorspiegelung sali che» Thatsache» erfolgende» Heranziehuitg von Streikbrechern. Die Bersaminlung prol.stirt dagegen, daß Vergehen gegen tz 153 der Gewerde-Ordiiung schärfer geabudet»verde»», als andere Slraftbate», da«rsteren gemeine Motive nur äußerst selten zu gründe liegt. Im übrigen, ist die Zahl der beslraiteii Streikvergehen im Verhältniß zur Zahl der Streikenden eine so ver- fchiviudend kleine, daß„iir die offeitbar beabsichtigte geivaltsame Auslegung durch die im geheime» Erlaß besragtcn Behörde» Schein- gründe für eine Verschärsung des§ 153 beizubringen vermögen »Verden. Die Btrfannulung protestirt serner gegen die Bezeichnung der Geiverkschafte» als„nichts— als— Streikvereine" seiieits des Herrn Staatssekretärs. Berivenden doch die von den» Herrn Giase» besonders ge- nannten Trade-Uttions durchschnittlich 9tt pCl. ihrer Ausgaben für Unter- ftütznug arbeitsloser, kranker und invalider Mitglieder. Ein ähn- liches Verhältniß besteht schon heute auch bei einer Anzahl deutscher Geiverkschasteu, und diese segensreiche Wirksamkeit»vüide sich»veit schneller auf säwmtliche Arbeiterorganisationen aitsdehnen,»Venn die Regierung nicht die Geiverkschaften durch bis jetzt noch immer ver- weigerte gesetzliche Anerkennung als juiislische Person und die Zii- lassung fortgesetzter Chikane» i» ihrer ruhigen Entivickelttng hemiitie. Die AersammlitNg erklärt endlich, daß sich nach ihrer Anfcl aitiiitg die Slaaisregieruitg niit jeder Erschwerung der Koaliiionsbestrebuitgeu der Arbeiter aufs schiverste versündigt a» der kullurnoihwendige» Hebung der ivirlhschafllich Schwachen. Winkler erstattete nunmehr de» Bericht über die Lohnbeivegung im vorige» Jahre und seine Thälig. keit als Vertrauensmann,»voraus hervorgeht, daß sechs öffentliche Versammlungen, darunter eine mit Frauen, stattgesiinde» haben. Die E i» n a h in e ergiebt mit einem Bestand von 93,66 M. ins- gesammt 331,91 M., der eine Ausgabe von 217,75 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 114 16 M. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren,»velche die Richtigkeit der Abrechnung bekunde», wird dem Veltrauensman» Entlastung ertheilt und hierauf a» stelle Winkler's, der, in Uebereinstiinmung mit Dupont. ivegen lieber- lastung mit Aemtern, eine Wiederwahl ablehnt, Götz als Ver- trauensmann gewählt. Nach dein ebensalls von Winkle»; «rtheilten Bericht über seine Tdätigkeit als Delegirter der Geiverk- schastskonnuission, wird Götz als Delegirter»nd Singer als Slellverlreler zur Geiverkschaslskommission geivählt. Der gleichfalls von Winkler erstattete Bericht über die„Internationale Agitalionskonnnission"«rgiebt eine Einnahme von 662,31 M.. und eine Äl u s g a b e von 83,83 M., so daß«in B e st a n d von 575,48 M. verbleibt. Zu Mitgliedern dieser Internationalen Agi- tatioiiskommission werden hieraus Schmiedel und Zabel, und Pöfchel und Donath zu Revisoren gewählt, worauf nach einer k»trze» Ennahunng des Vorsitzenden, im Sinne des Referats zu agi- tiren, Schluß der Versammlung erfolgte. Eine anstcrordentlich stark besnchte«leneralverfammlung des Vereins der Ziminerer Verlins und Umgegend beschäftigte sich am Sonntag mit der Stellungnahme zur diesjährige» Lohn- bewegnng. Einleitend bemerkt S ch ä f f« r, daß es nicht Ausgabe der Organisation sein könne, die Streiligkeiteu, welche i» der letzten öffentlichen Versammlung zu tage getreten,»veiter fortzupflanzen, sondern ein jeder müsse bestrebt sein, durch ruhiges, sachliches Verhalten sich Achtung zu ver- schaffe», damit nicht das Unternehiiierthui» Vorlheil durch die vor- handenen Meiiningsverschiedenheiten habe. In der sehr langen inHall- reichen Diskussion»vurde von sämmtliche» Rednern der Beschluß der Berbandszahlstelle getadelt, denn nachdem die letzte» beide» Lohn- bewegunge» unter Leitung der gemeinsamen Lohnkommilsio» mit Erfolg geführt,»uüsse auch fernerhin eine solche bestehen bleiben. selbst bei dem Vorhandensein einer einheitlichen Oiganisation sei dieselbe zur Siegelung der Berliner Verhältnisse nölhig. Die von den Verbandsinitgliedern aufgestellte Behaiiplung, daß i» den öffentlichen Bersammlunge» Zufalls», ajoritäten Beschlüsse gefaßt, entbehre jedes Bciveises, auch könne vo» einer Majorisirung der Verbaiidskameraden keine Rede sein, da sämmtliche Anträge«nd Resolutionen erst nach vorangegangener gemeinschaftlicher Berathung durch die Plahdeputirte» zu stände gekommen sind. Jedoch wurde vo» säuniitlicheu Rednern bis auf einen zur Befoiinenbeit und ruhiger Agi- lalio» gemahnt undverlangt, daß i» der nächste» öffeutlichen Versa»»»»« lung die Neuwahl der Lohnkonnnission vorgenoinmen werde und unter Leitung dieser mit der Durchführung des 60 Ps.-Stundeulohnes zu de- giuiie». Einstimmige Annahme fand eine diesbezügliche längere Resolutio», in welcher sich die Anivesende» verpflichte»,»ach»rie vor zu dem Agilalious- und Uutersiützunassonds zu sammeln, so>vie zur Aufnahme der Arbeitslosen- Statistik die Arbeitslosen- Kontrolle genau durchzuführen, desgleichen sind auf jeder Arbeitsstelle Plahdeputirte und in den Zahlstellen Kassirer zu wählen, welche den Markenvertrieb übernehmen. Sollte die nächste öffentliche Versammlung diesem v'chl zustimmen, so ist eine Ver- sammlung sänimtlicher aus dem Boden der Vertrauensmänner- Zentralisation stehender Zimmerer einzuberufen und in dieser eine Vertletung der Berliner Zimmerer zu»vählen. Weiter verpflichteten sich die Anwesenden schon jetzt, mit der Agitation auf denjenigen i!trbeilss>elle» zu beginnen, wo während des Wi>iters der Loh» rednzirt worden, damit zur gegeb-'-e» Zeit die Fo»der»"gen durch- geführt»verde» können. In rincr gut v, suchte« Persammlnng drS Fachve-einS der Musiiiustrniueiitri». Arbeiter sprach am So-»»b.iid, de» 5. Februar, in den Olauieii.Hallen G-nvsse Keßler über: Die geive-ktchaslliche O>ganisalion. Ter Referent führte aus, daß als»vichtigsier Zweck der Organisation die Aulklärung und Erziehiiiig der Aibeiter anzusehen sei, den» ohne solche sei ei» Kampf gegen die Unter- nehmer ohne jede Anssicht aus E folg. Die Ausklärung könne aber nur gescl äffen werden durch sozialpolitische Voiträge, wie sie in bei» lokalen Ve> eiuiguupen gestattet sind. Wenn von einzelne» Pe>so»e»,»vie Herrn Pastor Naunia»»» zc., es als ein Fehler an gesehen»vird, d-iß iie Geiverkschasien sich mit Politik be'--sse», so ist darauf zu erwibern, daß gerade hierdurch die hohe Ausgabe, die Arbei> er zu denkende» Menschen zu erziehen, erreicht»"orden ist Diese Heire» würden nichts dageg'» einiuiveuben Hab-",, wenn in de» Arb'itervereiuen Politik in ihrem anstatt im sozi.ildemo- kratische» Sinne betriebe»»vürde. Im»'eiteren kommt der Vo»lragende aus unsere große»; Zeutralverbäude zu sprechen, von denen er behauptet, daß es mißverstai-dene Nact ahinunge» der englische» Trade«. Uuious seien»ud verlangt von den Gewerkschaften, sich frei zu mache» von diesem falschen Auglikanisnins. Bezüglich der Fonn der O>gauifati»n betont er, niemand habe das Recht zu beschließen,»vie sich eine Organisation gestallen soll. Es hat eine jede Arbeitervereinignng immer so viel gebildete Personen gehabt, die den Gang der Verhältnisse und Geschälte übersehen konnten. Nicht die Foim, sondern der Geist und das Lebe» sind die treibenden Kräfte zni» gedeihlichen Wachslhum der Oiganisation. Nachdem in der Diskuision Kollege G r n n d in a>» n im Sinne des Referenten gesprochen, erfolgte Schluß der Versainmlung. Die Vananschläger beschlossen in ihrer Generalversa,nmll»,g vom 6. Februar, d>n> Boisitzenden, 1. Kassiccr Uiid 1. Schriftführer »vieder je 10 M. Enischädigirng zu bewillige». Aus den G> ädern der Märzgefallenen vo» 1348 soll im Namen des Vereins ein Kranz niedergelegt»Verden. In der Vcrsammlnng deS Verbandes der Völker vom 3. Fevruar reierirte Herr Dr. Konradt über die Berllfskraukheite» der Bäcker. Hierauf»vurde auf die vorzunehmeude» Erhebimgen aufttierksani gemacht und die Anivefeuden aufgefordert, die Frage- bogen geivisseuhaft und»vahrheitsgeniäß auszufüllen. Der Perband der in HolzbrarbeitnngS-Fabriken und a»f Holzplähen beschäftigte» Arbeiter Teutschlands, Filiale Berlin 1, hielt am 7. d.M. seine regelmäßige Mitgliederver amm- lung ab, i» welcher Herr Dr. F r i e d e b e r g einen Vortrag über Lnngevschivindsncht hielt. Sodann»vnrde bescl loffen, den A r b e i t s» a ch iv e i s nach dem Lokal des Herrn N« u in a n n, Kleine Andreasstr. 15, zu»'erlegen. I» einer BolkSversanimlnug fiir Rixdorf, die am Dienstag bei G'öpler Bergstraße,»agte, berichteten die Genoffen 9! e tz e r a», Thomas und Ost er man n über ihre Thäligkcit als Geiiieindevertrele». In eingehender Weise behandelten die Redner die Znstäude in der Gemen de. ihre Stellung- unbine z»i den verschiedenen in der Gemeindevertretung zur Tagesordnung gestellien Anträge»nd das Veihalieii der bürgerlichen Vertreter den Forderungen unserer Genossen gegenüber. Vo» uuseren Genossen würbe» ein« Reibe von Anträgen eingebracht, durch die eine Verbesserung im Verkehrswesen heibeigesührt werden sollte, Anträge auf den Gebiete» der Schule, des Submiisionsivesens und der Hygiene, sowie noch mehrere, die Einrichtungen verlangten, deren Schaffung im Jutereffe der Eiuwohuerschaft nolhivendig sind. Die Zustimmung seileiis der Gemeindevertretung erhielte» die Sin- träge,»vonach der Landtag ersucht werde» soll, eine Abänderung der Landgemeinde Ordnung dahingehend vorzunehmen, daß die Beamten einerseits zur Gemeindesteuer beraugezoge» werben, um anbei erseits die Wählbarkeit zu erlange» und ferner, daß bei der Regierung die städtische Ve'sasiuiig für Rixdorf beantragt»verde» soll. Endlich hat sich die Gemeindeverlrelung nach allerlei Einivänden zur Ans- stelliiiig von Piakatsäule» Herbeigelasse», aber nicht,»vi« vo» unseren Genosse»- gefordert wurde, i» eigene Regie übernoinmei», sondern einem Privalniilernehmer übeitrage». Anch die Notbrvendigkeit von Bedürsnißanstalten hat man anerkannt, aber angeblich»vege», Platz- mai-gel unr zwei für gai-z Rixdorf errichtet, während,»»'«»» es sich »mPlätze für Kirckenbnuten, Aufstellung von Denkinälern u.dergl.Dinge handelt, ein derartiger Mangel niemals geltend gemacht»vordenist. Einer Herden Kritik untei zogen die Redner das Verhalle» der bürgerlichen Vertreter zu der Forderung»»serer Genoffen aus Errichtung eines Gewerbeschiedsgerichts. Durch das Fehlen dieser Einrichtung, die für Rixdorf, in»velchem ca. 80 000 Einwohner in betracht komme» »»d das sich iinnier mehr industriell«»nvickelt, ohne Zweifel»oth- »vendig wäre, erwächst der Arbeiterschaft ein ganz beträchtlicher materieller Schaden. Unter ganz»ichligen Gründen wurde diese selbstverständlicke Forderung wiederHoll vo» den bürgerliche» Vertretern abgelehnt. Edensalls an? Jnteressenpolilik»vurde die selbstverständliche und geiviß berechtigte Forderung abgelehnt, daß sich die Gemeinde- Vertreter nicht um die Ausführung der von der Gemeinde im Sub- »lissionswege vergebene» Aibeiten bewerben dürfen resp. in solche» Fällen ihr Amt»iederzi-lege» habe». In der Diskussion, an der sich die Genossen Vieweg. Siegrist, Konrad und andere belheiligle», wurde auf verschiedene Mißstände im Orte hingewiesen und das ablehnende Verbalte» der bürgerliche» Vertreter zu den Forderunge» der Arbeiterschaft krilisirt. In» Gegensätze zu den Ausiührnngen eines Herrn F r i ck e, der die Anstellung der Schulärzte zur Ueberivnchnng des Gesundheitszustandes der Kinder, »veil er durch diese ein« Beschränkung der Rechte der Eltern be- fürchtete, bekämpfte, beleuchtete Genosse Dr. Silber stein in treffender, eingebender Weise die Nothivendigkeit einer derartige» Einrichlniig. Hieraus gelangte«ine Resolution zur Aiiiiahme, in der sich die Versannnellen mit der Thäligkeit der sozialdemokratischen Vertreter einverstanden erkläre» und sich verpflichten. dahin z» ivirke». daß bei der nächsten Wahl ebenfalls nur Vertreter geivählt werden, die imstande sind, die Interesse» der Arbeiterschaft zu vertreten. Außerdem»vurde uiiseren Genossen in der Gemeindeverlrelung ein molivirter Antrag zur gelegentlichen Berücksichtigung überiviesen. i»»velcher die Errichtung einer Geineinde-Apotheke gefordert»vird, in der die M-dika- ,»ente zum Selbstkostenpreis angegeben iverden solle». Als Kandidaten zu den in dem nächsten Monat stailfindenden Ersatzwahlen vo» zivei Genieindevertrelern der dritte» Abiheilung, wurden einstimmig die Genosse» L. H er in a n», Zigarrenfabrikant, und St. Jaiiiszeivski. Biichdruckereibesitzer, aufgestellt. Wahlberechtigt sind alle diejenigen, welche, abgesebe» von de» allgemein üdlickev Bedingungen, mindestens pro Quartal 1,33 M. Steuern bezahle» Nachdem Genosse Retzerau in längeren AnSsübrungen auf die Bedeutung der Revolution im Jabre 1843 hinae»viese» hatte, wurde seinen» Antrage entsprechend beschloffen, zu Ehren der Gefallene» eine allgemeine Illumination zu veranstalte». Die Illumination soll am 18. März von abends 8 Uhr ab stattfinden. Einige Tage vordem soll die übliche Versammlung abgehalten werden. Ferner soff, wie alljährlich auf dem Friedhof der Märzgesallenen ei» Kranz der Sozialdemokraten von Rudorf niedergelegt iverden. Charlottenbnrg. Die hiesigen Maurer hielten am 8. d. M. eine gut besuchte Bersammlung ab. Schulze erläuterte die jetzige Situation im Bangeiverbe, streifte dabei kurz die vorjährige» Loh»- kä>»pse mit dem Uuternehmerthum und machte es jedem zur Pflicht, sich nicht nur dem Zeutralveibaud deutscher Maurer anziischtießei», sondern auch dem hiesige» sozialdemokratischen Wablverein bei- zutrete». Nur dann,»icinle Redner, können die Maurer dein koalüten Uiiternchmerlhiim wirksam enlgegeiitreteii. Sodan»»vurde» Schulze und Bunge als Mitglieder z»r Berliner Lohnkommission gewählt. Wen» mit den Lokaliste» eine Berstäudignng nicht herbeigeführt»verde» könne, so sollen die genannte» in der vo» den Zentralen zu wählenden Lohiikomniission Sitz n»d Stimme haben. Charlottenbnrg. Die h esige» H a n s d i e„ e r. Kutscher und verwandten Bern fsge n ossen hielten an» Sonnlag, den 6. Februar, in„Bismaickst.öhe" eine öffentliche Versammlung ab, i» der Genosse W a g», e r. Berlin referirte. Z»m Verlranei'.s- moiii» resp. Bezirksleiler wnrde Max Prilk, Grolmannstr. 15, enistimmig geivählt. In die Gewerkschaftskommission»vuide», nachdem Genosse Fl e mm»»ig als Vertreter derselbe» den Zweck und die Bedeutung der Koiumission klarlegte, Prill»nd Bänger delegirt.— Die Z-ihlstelle des Verbandes aller im Handels-»nd Transportgewerbe besckiästigten Hilssarbeiler befindet sich Gölhe- straße 67», Restaurant Ernst Siöhr. >>><«>»-». KIl»>»»«»s>Ii»>». Snselfir.»o. t>.- Tr. UnterrtchtSkurse- in Rede-Uebung(»eder den Aufbau der Rede, Besprechung votkswiilhschasr Icher und anderer Brundfrage») Montags, Dr. Eonrad SÄiintd»: In R a»I oual ö I o» ouile tTI- N'lrlhschaslllche Snuvtckelung: Si-oßdeirled und Haudweik! Karteltwefen. Arbeitsinarkl und A- belisuachwelS; die Aufgaben der IKewe-kschaften) Mluivocbs, Cchriflsteller Richard Ealwer: in Geschichte iHeliaS und Ron» ft-eiiag».?r.«. Bert hold.— Die B t b l t o t h e r tsi an diesen Ade- den vo,- 8-9 Uhr geösfnci.— MtigUedSbeiirag nionailich V6 Pf.. Kuisus(10 Abende)» M. pro Fach. Th.ilnehmer Ive.de» aus- gknominen in der Tchttle und in folgenden Stellen:«oilfr. Schulz, Adiniral- snage«oa! Rcnl. Bari-iniflr. es; Schiller, Roseuidalernr. 87; Glctnert, Müller- sliaße?.',». tn de» Sonntags Verfainn-lungen. vo.sthendcr: Paul Mülle jr., SV. Manlenstelslr. ise?«nifirer; H.Königs, ig. Dieffendachstr. SO. Zentrirl-yr-rnlirn-»»d Sterl-elmlTe der U, schier,(ffi. H. Nr. 3.) Ham- bu a. Di- Mitglieder der Orisverwaliung n Berlins und Umgegend versammeln sich beute Freilag, den li.d. M, abends S>z Uhr, Köpnicke-tlr. SS, bei Schöning. Icntroivrr i>»>id»er Fioi'ditore». Hellte Absud«Ij Uhr, im kleine»«aal der Armlnhattcn. Koinmandarnenilr. 20: l. ösienliiche Wo- der-V«rsa»»»lung für gentrum und Umgegend. Tagesordnung:». Vor, rag des Senosfen O S> l l l e r Uber.Habe» die Ärbelter einen Ruhen von der Sewe>lschasls-Organisalion?" s Dislr-ssion. z. B-richt der Agttalioiisfommission und Neuwahl dersetbe».— Alle in der Zzickerwaa, cnvrauche deschäfiiglsu Arbeiler und Arbeilert»»«» werden dringend ersuch», zu erschetue». S-»»»«r AedeNervertreker z>«rrln tagt seden Diensiag nach den» ersie» Im Moral bei B u S l S, Srenadierstr. SS. abends b|z Uhr. Unenigelllicher Rai» wirb erldeilt: »in Rorden K«»IIn«: Für Unfall-, JnvalidiiaiS-»nd Alters-B-rsicherung. abend» vo» 7—9 Uhr: A. Daehne. Demmiuerftr. SS, v. S Tr. K. iSuthett, Wiese, ftr. 29», von 8— 9 Uhr abends. F. Presch Sl, Eiartenftr. öS, v. 9 Tr. s S i IN a n o w s r t, Sarlenslr. 78, Portal 9, 2 Tr. PI. Stuhl ur a II n, Oderberger- sliohe s?,< Tr., von s-s Uhr abends. R. Tamr», Hulsilenstr 8. von 8-9 Uhr abends. A.Polgt, Wiesensir.«1-42. S. Warnsl,«olbergersir. 7. vo»s-7U?r abends.— Nur für Jnvalidiiäls- und Aliersversich-rung: F. Blume, Slrelthersir. S8. P. N e t m a n», Bellermannstr. ss. F. Trapp, Schulstr. ss, von 7-8»Ihr abends. W. Mo HS. Sivinemünderstr. es lvorn linler Aufgang). — Nur für Unfallversicherung: I. Krause, Sariensir. 13. jrn«Heu: N»r für JttvalldNals- und AlierSverstcherung!«.Bader Er. FrauNur lerstr. s«. v.« Tr. � Zu, Süd-VN-n: Für Unfall-, Invalidität«-«nd«llerSversicherung: Schallhoff, M-chaclkirchsir. 18..„. Im Süd«»! Für Unfall-, Invalidität«- und ANersversicherung: F.«tü gel- m a i e r, Grimmstrahe Sg.— Nur für Jnvaltdtläl«» und Allersveiflcherung» P. Keller, Rirdorf. Panierstr. S8, Hof pari...... tili Süd ßvrftrn: Nur für Unfallversicherung: B. Hänel, Sclnrsnr.«4. Iii jioid U>-sieii! Rnr für Unfallversicherung: I. Kraus«, Wiltnacker« ftrafie>». Ii. Slephan, Lcsstngsrr. 84. Zu, Zentrum: Nur für»»nsallversicherung: E. Löfs! er, Klofterftr.»I, Bei samnulichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprtchzeil an- gegeben, ist dteseibe Wochentag« von 7—« Uhr. MtevÄvLsches. Ter„Tiiddrntsche Postilkon' beginnt in feiner soeben er« schiene»«»» Nu,»iiier 4 die Veröffentlichung von Karrikatnren ans der 1348er Bewegung. Die Nummer»vird viel Beifall finde». Bmfhaffen der Redaktion. A. K. in N. bei Wien. Wird zum theil verwendet. Zt. L. Aiuienstr. 16 bei Herrn Mlllarg persönlich aufragen, zwischen 9-1 und 6-8 Uhr. D. H. Zu grell!— Invalide Nr. 32, 50. Ja.- 99. E. H. 1. Sie sind nicht Eigen- thlluier des Ringes geworden und könnei» es nicht»verde»». Liefen» Sie itstr bei dem Aintsvorsteher ab. 2. Der Wirth ist zur Beleuchtung verpflichtet. 3. GebüHreiisordernng ist verjährt.— C. K. 1833. 1. Hinterlegen@ia die Wette und zeigen Sie das beiden Betheiligten a». 2. Antrag an Ber- sicherungsanstalt ist schriftlich zu stellen.— Weihe Lilie 73. Zettungs- annonce nützt nichts, weil sie ohne Nechtswirtlanilett ist. Sie haste» lür die Schulden nur, wein» die Frau die Waaren zu gewöhnlichen Hans- haltuiigsgeschästen erborgt oder zum gemeinschaftlichen Beste» der Familie verwendet hat.— Kläger Nr. 199. Nur Rechtsanivalt»vird als Vertreter zugelassen.— Bant. Eine Vorschrist, daß die Leiter der großen Bauteil Juristen sein müssen, giebt es nicht.— — Ausländer Handelt es sich um die deutsche Sprache, so wenden Sie sich an die Aibeiter-Bitdungsschuke.— F. W. Versäyrung tritt in diesem Falle erst am 31. Dezember 1925 ein.—(üerinania 10. Ausiänder zu »verde» steht lein Hiiiderniß im Wege. Ader er hat Ausweisung aus Preußen zu gelvärtigeii.— H. W. Arbeitet der Zeichner ivährend der üündiguiigsfrist, so lann die Klage deshalb nicht abgewiesen werden. Er muß aber von seinem Entschädigungsanspruch so viel abziehen, als er bei dieser Arbeit verdient. Der Eid über den Verdienst lau» zugeschoben werden.— I. X. 3. Es!a»n a»S dem Urtheit des ousländischen Gerichts hier aus Ertheilung der Vollstreckungsllausel gellagt und dann Psnnduiig ausgebracht werden.— Else 96. Hat der Bräutigam Ihnen die Sechs- »vochen kosten bezahlt, so braucht er nicht nochmals die Krankenkosten zu zahlen. Er hat in» Prozeß die Zahlung an Sie aiizugeben.—(Salbe H. Es empfiehlt sich, den Antrag auf Beivilligung der Juvalidenrente gemäß tz 84 des Jnvaliditätsgesetzes bei der unterste» Instanz zu wiederholen.— F. E. 29. Sic haben Anspruch auf Erstattung der Hälfte der silr Ihren Mann entrichteten Beiträge. Beantragen Sie die Zahlung unter Bei- fügung der Klebemarlen bei der Versicherungsniistall für den Stadtireis Berlin. — S. W. 1. Zinse» sind am Tage der Präseirtation des Wechsels nach Verfall»nit 6 pCt. zu zahlen. 2. Der Schein ist losten- und stempelpftichtig. 3. Altersrente haben Sie nicht zu beanspruchen. 4. Wittwe hat keinen An- spruch aiif die Hälfte der Beiträge, nachdem Sie w den Genuß der Rente getreten find. v. Wen» Sie»ach der Heirath in Berlin wohnen, dann brauchen Sie keinen gerichtlichen Vertrag. Verlegen Sie aber den Wohnsitz nach einer Stadt, in der Gütergemeinschaft besieht, so»lüssen Sie vor der staiidesamtlichen Eheschließung den Ehevertrag gerichtlich abschließen. 6. Ihr Tausschein ist in jedem Falle erforderlich.— S. O. 13. Sie bedürfe» der Genehniiginig des Polizeipräsidenten. Schriftlicher Antrag erforderlich. Aus- ficht aus Erfolg gering.— Zb'. in F. 1, Die ausgeklagte Forderung kann gegen den Willen des Gruiidsiiirrseigenthümers ans das Grundstück ein- getragen werden. 2. Für die Kosten der Eintragung hastet das Grundstück. 3. Die Kosten rongiren an derselben Stelle mit der Hanptsorderung. 4. Di« im geringsten Gebot stehenden Hypotheken werden übernommen. Gläubiger kann nur Zahlung verlangen, wenn er gekündigt ist und Kündigungsfrist abgelaufen ist. 5. Die Kosten werden aus dem Kaufgeld bestritten. — W. M. 26. Ihre Frau muß sofort gegen Ihren Gläubiger aus Frei- gäbe des Spindes klagen, wenn er ans Auffordernug ihr das Spind nicht steigiedt. Mit der Anklage ist ein Antrag auf Einstellung der Zwangs- Vollstreckung zu verbinden. Ihre Frau muß durch eidesstattliche Versicherung einer Person glaubhaft machen, daß ste das Spind schon vor der Ver- beiratbung besesien hat.— 100 R. Ist das Kind aus der Ehe Ihres Onlels hervorgegangen— was ans Ihrer Anfrage nicht ersichtlich ist— so ist das Testament nicht anfechtbar. Ist aus der Ehe Ihres Onlels kein Kind hervorgegangen, so könne» sie Erbansprüche erheben.— 37 M. W. Ist der Miethszins. höher als 150 M. jährlich, so ist der Hauswirth an den mündlichen Miethsvertrag nicht gebunden. Der mündliche Vertrag wird aber auf ein Jahr wirlsam, wenn er am I. April die Miethe von Ihne» an- nimmt.— I. Sch., Lnueiiburg. Wenn in Ihrem Miethsfontralt nicht die Bestimmung eiitbalten ist. daß Sie beim Verkauf deö Gnmdstückes die Wohnu..g räumen müssen, so ist der Käufer an den Mielhslonlratt gebunden und darf Ihnen nur unter derselben Voraussetzung kündigen, wie der frühere Hauswirth.— L. Iv, Altenkirchen. Eine Anfrage von Ihnen nicht ein- gegangen. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und Ste erhalten Auskunft.— O. T. 100. Nur Fabrikarbeiterinnen haben 6 Wochen nach der Niederkunft Anspruch aus Kranlengeld, wenn nicht ein opprobirter Arzt ihre Beschäftigung während der letzten zwei Wochen für zulässig erklärt Veraulivorlllcher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Juseratenlheil veranuvvrUich: Ttz. Glocke m Bertm. Druck und Vertag von Max Padiug in Berti». »t. 35. i5. IchWz. 2. Sttlllge ilts JorBiirl6w Kerlilltr MksIllM. Flt»«,. u. Ftdrmr UVgeordnvkenhAus. 18. Sitzung v o m 10. Februar 1698, II II h r. ?l»» Miuiftei tische: van der Necke, von Miquel, Thiele» und Kdulmissarieii. Die gestern abgebrochene erste Berathung der Heber- s ch>v e tu ni n n g s v o r l a g e wird fortgesetzt. Slbg. v. Arnim(k.) legt aussiihrlich dar, daß die in der Vor- läge bewilligte» lviittel nicht ausreichend sind. Reg.-Koinnussar Geh. Rath Ltcllcr bebanptet tnistverstanden zu fein; er habe nicht gesagt, dast die Gegenden an der unteren Oder gelingend geschützt seien, sondern nur, daß sie in früheren Jahren gute Ernten geniachl haben. Regiernngskominisjar Frhr. v. Sehm-Thoß empfiehlt ,nr Abwendung künftiger NeKerschwemnunigiu an der unteren Oder die Bildung neuer Geuossenschaste». Negiernngskounnissar Geh. Rath Klose bemerkt bezüglich der Schadcnsbererl'unug. daß die Berechnung der Regierung nur die Schäden der?!ichi!eistnngssähigrn betreffe, während Herr v. Arnim den Gefainmischadeu berechnet habe. 'Abg. Knoch(t.) schätzt ebenfalls den Schaden höher, als die Negiernug denselben berechnet. Abg. v. Buddcubrvck(f.): Der Kreis Giogau nimmt an den Segnungen der Vorlage leider nicht theil, obwohl dort Schäden im Betrage von über 300 000 M. entstanden sind. Adg Graf Sit achtvit;(Z.) proteslirt gegen die Gleichgiltigkeit, mit welcher die Regierung sich den Verheerungen gegenüber vcr- hallen bat. Im Lande und nnmcullich nnler der betheiiiglen Bc- völkernng herrsche hieinber gerechte Entrüstung. Die Arbeit der Soldaten ivar durchaus keine hervorragende, namentlich fehlte die einheilliche. planmäßige Anweisung. Jedenfalls hat die Regiernng ziemlich lange gewarlel, ehe sie sich überhaupt enlschlossen hat. eine Entschädigung zu gewähren; das ist um so bedauerlicher, als die Provinz so stark belastet ist, daß sie größere Summen nickt mehr aufbringen kann. Wie wohllhnend hat es in Sachsen und Oesterreich berührt, daß alsbald die Landesherren im lieber- fchivemmungsgebiet erschienen; bei uns dauerte es geraume Zeit, ehe man an der obersten Stelle die nöthigcn Berichte erstatlet halte. Bor der Anlage von Sammelbecken sei zu warnen, die 30 Millionen würden iveggeworfen sein. Die Anlage der Bahndämme ist vielfach gefährlich, da sie als Staue wirken. Beim Bau der Bahnen ist von den Behörden vorgeblich auf die Gefahr hingewiesen worden; die Baumeister erklärten die Bedenken für unbegründet. Minister v. Miquel: Die Behanplnng. die Negicrung habe das Ansuchen der Behörden um Hilfelcislniig abgewiesen, ist durchaus unwahr und ich erwarte, daß ei» so ernster Man», wie der Gras Strachwitz die Beiveise für seine Behanpinngen in der Tasche hat. Da wir in Berlin nicht wisse» konnten waS gebraucht wurde, so habe ich angefragt, ob etiva noch Summen nölhig sind. Es wurde geantwortet: Nein. Unrichtig ist es auch, daß wir die lieber- schwemmten zunächst auf die Proviiizialmittel angewiesen habe». Ich hoffe, daß Graf Strachwitz auch hierfür die Beweise erbringe» wird. Daß wir die ans den Liebesgaben geivährte Unterstützung ans die Gesammtuiiterslützniig augerechnel haben, ist doch selbstverständlich. Abg. Frhr.»>. Willisrn(f.) schildert die beständige Ucber- schwennuntigsgefahr und die Ueberschwemmungen im Sprecivalde und bittet die Regierung. sich davon zu überzeugen, daß der Kreis Lübbe» mit zu den infolge der Ueberschweminnug noihleidende» gehöre. Abg. Klose(Z.) bittet um Erhöhung der in das Gesetz ei»- gestellten Suunne und um Beschleunigung der Vorlage betr. die Verhütung der Ueberschwemmungen. Abg. Hirth(k.) hofft, daß die Regierung sich einer Erhöhung der Unlerstntzungssumme nicht widersetze» werde. Abg. Reimnitz(ntl.) schildert die Verhältnisse aus einigen von der Ueberschweminnug heiiiigesnchtcn Slädten. De» Kleinbesitzern habe die Regierung früher bereits die Rückzahlung der cmpsangenen Gelder erlassen; den Großgrniidbesitzern falle aber die Rückzahlung ebenfalls schwer. Er bittet, bei der Rückforderung nachsichtig vor- zugehen, denn die Großbesitzer empfänden die Roth ebenso schwer wie die kleineren und würden durch die Riickzahlrnigspflicht hart bedrückt. Nach einigen weiteren mehr technischen und lokalen Bemänge- lnngcn kommt Minister v. Miaucl nochmals auf die Rede des Grafen Slrach- witz zurück. Se. Majestät habe von Anfang an die lebhafteste Theil- »ahme für die überschmemmlen Landeslhrile'bekundet und nur dringende anderweite Dispositionen verschnldelen das späiere Ein- treffen Sr. Majestät im Ueberschmeunnnngsgebict. Uebrigens nebme ich an, daß Graf Strachwitz au diesen Dingen keine Kritik hat üben wollen. Gegen die Vorwurfe, die gegen das Etaalsininisterium gerichtet waren, nehme ich dasselbe in Schutz; ich glaube auch, ich habe nickt nölhig, dasselbe gegen den Versuch, ihm diese Dinge in die Schübe zu schiebe», zu verlheidige». Abg. Grast(frf.) gönnt den schlefiscken Gegenden die öffent- liche Sympathie, bittet aber, den sächstichen Gegenden die nolh- tvendigen Mittel zu gewähren, damit die Provinz nicht überlastet werde. Abg. Jansen(Z.) eiörlert einzelne Unterstütznugssälle und findet das Verhallen der ßiegierung nicht enlgegenkommend genug. Abg. l>. Bökelberg(k.) bedauert, daß die Ueberschwemmiings- vorlage in dieser Session nicht mehr zu erwarten ist. Abg. v. Werdeck(f.) tritt für die Regnlirimg der Spreewaldgewässer ein. Abg. Gothcin(frf. Vp.) wünscht eine genauere und gerechte Prüfung der Leistungsfähigkeit der Unterstützte» und monirt de» Fall. wo ein Amtcvorstehcr ans der ihm zur Verlheilung nberwicscnc» Summe von Licbesgabcn znersi die Stener» vorwegnahm. Weiter bemängelt Redner, daß man bei der Regulirnng der Haupt- ströme hänfig die Regulirnng der Nebenflüsse verabsäume, wodurch die Ueberschwemmungen gefördert werden. Abg. Dr. Porsch(Ctr.) bedauert, daß für die Kreise Glatz, Habelschwerdt, Nenrode, die Beschädigungen in Höhe von 400 000 M. erlitten haben, Staalsentschädignngcn nicht in Aussicht genommen sind; er behält sich vor, in der Kommission darauf zurück- zukommen. Regierungskommissar Klose bemerkt, die Fassung des Gesetzes gebe keinen Anlaß zu der Besorgniß des Vorredners. Abg. Graf Strachwitz beuierkl zu dem Vorwurfe des Ministers Miqnel, daß er eine Beschuldigung gegen das Ministerinm auszusprechen unterlassen habe, er habe»nr über Meiniingc» in der Bevölkerung Mittbeilnng gemacht. Eine Kritik der allerhöchste» Entschließungen habe ihm fern gelegen. Die Vorlage geht a» eine besondere 28«r Kommission. Hierauf wird die Spezialberathnng des B a u- E l a t s fort gesetzt. Die Abgg. LotichinS(natl.) und Wols-Bieberich treten für die Regulirnng des Rheines ei», ivozn die Regierung nach der Rhcin-Schiffsahrts-Akte verpflichtet fei.— Vom Regiernngstifche wurde bestritlen, daß dieser Vertrag eine solche Verpsiichtimg entHalle. Ans eine Anregung des Abg. Jäckel(frs. Vp.) erwidert Minister Thielen, daß die Nolhwendigkeit eines besseren Schlitzes der Sladt Posen gegen Hochwassergefahren anerkannt wird. Der Staat habe auch seine Bereitwilligkeit zu Beiträgen ausgesprochen, doch habe ei» früheres Projekt die Billigung der Regierung nicht gesunden, wohl aber ein neues vom Oberbürgermeister vo» Posen aufgestelltes Projekt, dessen Anssührung staalliche Unterstützung nickt erheischt. Abg. Schmidt-Warbnrg wünscht einen Hafen in Höxter. Vom Negierungstische wird erwidert, daß i» Höxter die Anlage eines Sicheryeils- und Umscklagshafens geplant werde. Morgen(Froilag) 11 Uhr: Weiterberalhnng, Forstctat. Schluß 4l/s Uhr. Sozkasrs. Tie Aktionäre verschiedener Gcscllschaslen heimsen fortgesetzt große Profile«in, während die Arbeiter sich osl genug mit den »nzureichendste» Löhne» begnügen müssen. I» erster Linie führe» ivir heute eine Anzahl von Branereicii an. die ihre Altieninhaber im Geschäftsjahr 1897 mit rccht fetten Dividenden beglückte». Die Akticn-Bierbranerci zu Frankfurt a. O. zahlte die verkältmßwäßig bescheidene Dividende von 7 pCt., sie vmvaiidle aber von dem 89 595 M. betragenden Gewinn 31 586 M. aus Abschreibungen und 12 299 M. für Reserven. Etwas mehr erhielte» schon die 'Aktionäre der Vereinsbraiierei z» Döbeln, welche H pCI, der Malzfabrik zu Pirna, welche gleichfalls 8 pCt. und der Akiienbrauerei Zwickau, welche 8'.s pCt. abwarf. Der Aktie» Brauverci» Planen i. V. erziclie 9 pCt., das Dresdener Hosbrani- haus, Aktien-Bierbraucrei und Malzfabrik, soivie die Höfclbraitcre- zit Düsseldorf brachte» eine Dividende von IO pCt. Die Aalional- Bierbrauerei Brannschiveig zahlte It pCt., die Harburger Aktien. Brauerei kt'/s pCt.. die SozistätS-Branerei i» Zwickau 14 pCt iliid die Vereins-Branerei in Zivickau sonne die Vereins-Branerei in Leipzig 13 pCi. Diese schon recht stattliche» Bicrprozenle werden noch weit übertroffen durch die Dividende» der Kloster-Brauerei in Halberfladt mit 17 pCt.. der Aklieu-Branerei zu Reiservitz bei Dresden urit 18 pCt., der bekannten Sozietäls-Braneiei Wald schlößchc» zu Dresden mit!i9 pCt., des Münchener Löivenbräncs mit 20 pCt.. der Aktien- mid Lagerbier-Brnnerci Schloß Chemnitz mit LZ>/z pCt. und der Ersten Knlmbacher Export- Brauerei mit ZV pCt. Wie man sieht, ist das Bieriranen ein äußerst renlables Ge- schäjl, aber auch andere industrielle Unleriichmniigen werfen an- sehnliche Profile ab. Die Dampsmotorcn-Akliengesellschast in Werdau und die Maschinenban-Alliciigesellschast zn Nürnberg zahlten 7 pCt. Eine Dividende von 8 pCt. brachte» die Crimmitschaner Maschine»- sabrik, die Holzstoff- und Holzpappcn- Fabrik Linimritz< Steina, die Radebciilcr G»ß- und Emaillierwerke vorm. Gebr. Gebler zn Radebeiil- Dresden, die Dresdener Papierfabrik. die Webstuhl- und Maschinensabrik vorm. May n. Kühling i» Chenniitz und die Chemnitzer Wirkivaare»- Maschinensabrik vorm. Schubert nud Salzer. Die Chemnitzer Werkzeug- Maschinenfabrik vorm. Zimmer- mann zahlte 9 pCt., die Elektrizilätsiverke vorm. Kummer u. Ko. in Dresden, die Leipziger Pianosortrfabrii vorm. Gebr. Ziiimierman», soivie die Leipziger Buchbinderei-Aktieiigesellschast brachten Iv pCt. Auch der AiissichlSrath der Bremer Julespinnerei und Weberei schlägt der Generalversamnrlnng die Bertheilung einer Dividende von IV pCt. vor. Die Aktionäre der solgenden Geselischafle» erhalte« gleichfalls Itt pCt.: Werkzeug- Maschinenfabrik vorm. Petzschke n. Glöckner, Chemnitz, Mühlenban- Anstalt und Maschinenfabrik vorn». Gebr. Seck, Dresden, Säck>sischc Maschinenfabrik Harlnmiin. Die Maschinenbau- Anslall Golzer» vorm. Goltschald u. Nötzli zahlt 11>/s pCt. und die Ma- schinensabrik Kappel 11 pCt. Die Aktionäre der Chemischen Fabrik Eutritzsch zn Leipzig erhielte» IS pCt.. die Obeihohndorf.Rainsdorfcr Kohlen-Eisciibah» brachte 13', 3 pCt., die Dresdener Prcßhesen- nnd Kornspiritns-Fabrik 14 vEt..„Lanchhammer", vorm. Gräfl. Ein- siedel'sche Werke Riesa 13 pCt.. die Bereinigte Dresdener Slrohhu!- nnd Feberfabrik. soivie die Slärke-Znckersabnk vorm. C. A. Köhlmann in Franksnrt a. O. ebenfalls 13 pCt. Tie Aliicii- Gesellschaft für Fabrikation von Eisenbahn-Material in Görlitz. und die Gardinenfabrik Plane» i. A. zahllcn IV pCt., der Verein für Gasbcleuchtinig der Siadt Werdau. soivie die Zuckerfabrik Frankenthal warfen 1L�/s pCt. ab. Die Zittauer Maschinenfabrik nnd Eisengießerei vorm. Keßler u. Co. verlheille 17»Ct., die Sladt- bachspinnerei z» Angsbnrg sowie die Akliengesellschasl lnr Gardinen- sabrikation vorm. Birk!» n. Co. in Oelsnitz i. B. 17'ls pCt. und die Wanderer-Fahrradiverke vorm. Winkelhofer». Tänicke in Schönau- Cheiniiitz SV pCt. Die Thüringer Gasgesellsihaft zn Leipzig bc glückte ihre Aktionäre mit Sl pCt., die Vereinigten Eschenbach'schen Werke, Aktiengesellschaft in Dresden mit SS pCt., die Banmwall- spinnerei Miilweida mit 24 pCt., der Zwickau- Oberhohndorser Steinkohlenbau-Berein mit einer Abschlagsdividende von ZVVZ pCt., und die Aktionäre des Zwickaner Sieinkohlenbau-Vereins Vereins- glück konnten sogar eine Abschlngsdividende vo» V3 pCt. einheiinsen. Ziiin Schluß sei»och a» einigen Beispielen dargethan, daß auch die S e c l e n t c in ihrem mit beständiger Lebensgefahr verbundenen Berufe den Rheder» recht anschiiliche Profile erarbeiten. Die Deutsch- AusiralischeDaiiipsschiffs-Gescllschafl iii Haiiibnrgbriiigt eine Dividende von 8 pCt. nnd Abschreibungen in der Höhe vo» 8'/s pCt. i» Vorschlag. Gegen die hohen'Abschreibungen protestirenjedoch verschiede Aktionäre; sie wünschen, daß dieselbe» herabgesetzt nnd IS pCt. als Dividende vertheilt werden. Die Rhederei Schmidt». Hansen in Flensburg verlheille von ihren einzelnen Dampfer» folgende Gewinnt: Pallas 6 pCt.(bei 5'/sn>o»atlicher Fahrt), Merkur nnd Venns je IS pCt., Juno 10 pCt., Mars und Jupiter je 13 pCt. Von dem Ertrage, den die Dampfer der Rhederei Holm». Motze» brachte», wurde» folgende Dividende» verthcill: Spezia 5 pCt., Stern 7i/2 pCt., Mira 8 pCt, Eleklra und Taggeta je Iv pCt., Capella 11 pCt., Wega und Geinina je 12 pCt, nnd Main Sv pCt. Man sieht, auch das abgelanseue Jahr war für die Kapitalisten ein sctlrs Jahr. Ihne» gönnt's die Regierung. Man hat nichts davon gehört, daß sie mit dem Plane schwanger ginge, die Unter- » e hin e r in der Nilsiiutziing' der Konjunktur zu beschränke». Im Gegentheil, sie fördert die Uniernehmer-Jnteresse», Ivo sie nur kann, wie die chinesische Expedition wieder deutlich zeigt. Den Arbeitern aber, die die Konjunklnr ebeiisalls ausnutze» iv ollen und das nur durch gemeinsaincs Vorgehen könne», will die Regierung das ohnehin schon sehr dürftige Koalitionsrecht noch beschränke», gegen die nicht ganz loyale Ausnutzung dieses Rechts sollen noch härtere Strafbestiniinnugeii geschaffen werbe», als schon der A 153 der Gewerbe-Ordnung enlhält. Arbeiter, merkt Euch das für den Tag der Reichstagswahl, der die einzige Gelegenheit für Euch ist, bestimmend ans die Politik der Regierung einzuwirken. Kopenhagcncr Wosiunngst>erl>ättnisse. Nach einem Referat des sozialdcmokrnlischeii'Abgeordneten Knndsen im dänischen Landesthing müsse» i» Kopenhäge» 134,000 Personen in Wohnungen Hausen, die iiur ein nnd zivei Zimmer haben. Von diesen Wohnungen werden 1 155 je von 3—14 Personen bewohnt(hiervon 68 einzimmerige von 8—11 Personen, 1087 zwei» jiimnenge von 8—14 Personen). In solch übervölkerten Wohnungen wohnen ca. 70,000 Personen. Ferner habe» 1924 einzinimerige Wohnungen 4—7 Bewohner, 7618 ziveiziimnerigs Wohnungen 5—7 Bewohner. Am schlimmsten sind die Verhältnisse im Bröndstcdt-Quarlier, hier bestehen 76pCt. der Wohnungen ans ein und zwei Zimmern und von diesen liegen mehr als die Hälfte in Hinlerhänsein. 13 einzimmerige Wohnungen sind obne Küche. Für die Größenverhällnisse solcher Wohnungen folgendes Bei» spiel: Stube II Fuß laug, 9 Fuß breit, 6 Fuß 10 Zoll hoch. Küche 6 Fiiß lang, 4 Fuß breit, 7 Fuß 11 Zoll hoch. Die ganze Wohnung 8101/2 Knbiksnß. Dabei find die Mielhen enorm hoch. Während man in einer Wohnung für 1200 Kronen für de» Kubikfnß Rnnin 7>/z Oer« be» zahlt, innk man in den kleinen Wohnnvgen ll'A, Oer« gebe». Die Hausbesitzer sollen inzwischen, wie unser dänisches Bruder- organ mittheilt, beschlossen haben, jeder Arheilerfninilie zn kündige», die mehr als drei Kinder hat. In einigen dichtbevölkerlen Arbeiter« quarlieie» sollen bereits eine ganze Reihe Familien von diesem Beschluß betroffen worden sei». Briefkasten der Redaktion. A. G. 24 1. Testament wird eröffnet, sobald ein Betheiligter es de- antragt. 2. Die Erben find, sallS sie der Erbschaft nicht entsagen iuolleu, auch vor der TrstauieiitSeröffnimg zur Verfügung über Nachlaßsacheii be- rechtigt. 3. Sie lüinieil beim Vormuiidichastsgericht die Entlassung des Gegcnvormulibes beantrage». 4. Verbieten Sie iianiens Ihrer Frm» schrntltch das Betrete» des Lokals. Berletzniig des Verbots stellt Hans- srledensbrnch dar. 5. Nein.— R. B. 1. l. Die Person ist hier unter- ftützunasbcrechtjgt. 2. Beschlagnahme der Sachen tritt nicht ein. 3. Hans- wirth oarf das Spnrkaffeiiblich nickt eiiibchnlten. Die Mutter hat das Recht, gegen ihn zu tlage».— A. Y. 1«v0. Bis zum 1. Januar 1V00. Üvllifiiitiitsiilififichi uoiii 10. Februar 1898, 8 Uhr»lorgeilS. Wetter-Prognosc für Freitag, II. Februar tbti>8. Elivas kälter, zeitweise ansklareiid, vielfach neblig bei schivachen östlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb nrea». riüiß! eslsus'si'. AWW! MoiiKig, 14. Februar, abends 8 Uhr, in der ToukaHe, Friedrichstr. 112; GrHt öjskilWe Btrslllüttilltllz!ier Munt Bttlills 1111� Uiilgegellil. Tageö-Ordiiuug: 1. Wahl der Lohnkommission. 2. Schlnßdebatte über die Abrechnung. 3. Festsehimg de««chliißteriniiis über Absieinpelnug der Saiiimellarte vom Jahre 1807. EvenNiclle Bcsckliis,sasiung über Ausgabe der Saiuniel- karte für dieses Jahr und Feslsctznng über Beginn des Samineliis zma Streikfonds. 131/6 bin. Bei Eintritt in das«ersaillmlungSloral muß die Dammelkartc vom Jahre 1897, welche den Schluß- flempel haben muß, vorgezeigt werde», dient also als Legitiination. ES Nnd Beschlüsse von weittragender Bedeutung in dieser Versammluiig zn saffcli, abo ersuchen wir d,e Aollegen recht zahlreich zu erscheiiien. Iii« niirer Berlins u. I»»S f AGnig! Maurer. Allltum! Sonntag, de» 13. Februar 1898. vormittags Itt Uhr, im Lokal „Englischer Garten", Ztlexanderstr. 27«: Cten«»'«!- Versamnilmig öeö Berms zvr Wchruilg der Zuteressc» der Nanrer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: I. Die ovligatoriiche Elustihrung der„Die Einigkeit". Referent: 5 rite Netor. 2. Dislnifio». 3. Bbiechnung vom Maolciiball. 4. Stellmigliahilie zu der ani AQ»tag staUfindendeit öffeiitlichen Versammlung. Mitgliedsbuch legitimirt. WWWSW 129/4 Der Borstand. I. A.: Fr. Kater. Zimmerer! Den Mitgliedern der Zentral- Krankenkasie zur Nachricht, daß die Zahlstelle III, Osten, Kassirer IIofTiimnii. am Sonntag, den 19. Februar, Vormittag nm ltt'/. Uhr gescblosBen wird. 259/3 Der Vorstand. Ehrenerklärung. Ich nehme hier- mit die Beleidigung, die ich Herrn S te Iter zugefügt habe, reuevoll zurück und erkläre denselben für einen achtbaren Man». 27kb Frau Struad, Franks. Allee 127, Ii. DruWrr Volzarbrittr- Verlilini». Heute, Freitag, abends 8'/« Uhr, bei O«1ri>, Benthstraße 20—21: SitKung«ler OrtSTCf wa Itun� Achtung! Bauarbeiter! Sonntag, den IS. Fcbrnar 1898. mittags I Uhr, im Lokal des Herr» K o h n. Benthstr. 29, Oeffentliche Dlevsamminng der Ball-, krd-lllid gtlvcrbl. Hilfsarbeiter Berlinä'll. Nvlg. TageSordnitng: I Die Borschläge der Kommission in betreff unseres Vorgehens in diesem Frtihlabr. 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes.— Da die Tagesordming eine wichtige ist, ersuche ich um rege Betheiligmig. 30/6 Iber Vertrnnensinnnn. Wie Uerciiiigwig der Ksaarbeiter Berlins. Vsnntnzx.>r den Jnhlilt der Inserat« uberniuimt die Rednktioil dem Pttblikni» ge,icttül>er keinerlei _ Bernnlniortnna. wmmmmmmmmmmmmmm Crjcnfcc. Freitag, den 11. Februar. Opernhaus. 7. Symphonie-Abend der königl. Kapelle. Tchniispielhans. Anno daznmal. Anfang 7V2 Uhr. Deutsches. Johannes. Ans. 71/2 Uhr. Lessiuq. Das grobe Hemd. Anfang 7-/2 Uhr. Berliner. Der Beilchcufresser. An- sang 7l/z Uhr. Il.esidcnz. Sein Trick. Anfang 7-/2 Uhr. Neues. Die Schildkröte. Anfang 7-/2 Uhr. Ostend. Leben An- Anfang nnd Lieben. fang 8 Uhr. Goethe. Dorf und Stadt. 7-/, Uhr. Schiller. Heinig'stliidcn. Anfang 8 Uhr. ilnter den Linden. Orpheus in der Unterwelt. Ansang Uhr. Thalia. Das neue Ghetto. Anfang 7-/2 Uhr. Central. Die Tugendfalle. Anfang . 7-/2 Uhr. Lttiscn. Auf goldenem Boden. An- fang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädlisches. Die kleinen Vagabnnden. Anfang 8 Uhr. Belle> Alliance. Fräulein Gsne. Hieraus: Die Maler. Anfang 8 Uhr. Blexanderplah. Berlorene Mädchen. Anfang 8 Uhr. Urania. Xanbenstraste 48—4». Naturkluidl. Ausstclinng v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wissensihaftl. Theater. Jnvalidenstraste S7/VS. Täglich (ansjer Sonntags und Mittwochs) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Atiieriemi. Spezialitäten. Anfang 7V- Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. ReichShallen. Spezialitäten. An- fang 7-/. Uhr. Keen-Palast. Spezialitäten. Passage> Panoptikum. Wiener Tanz- und Operetten-Gcsellschaft. Szszillrv-TZienter (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Heim- g'fnnderi. Sonnabend, abends 8 Uhr, zum ersten Male: Hans Wurst in Berlin. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Wallen- stein'S Lager. Die Piccolo- mini.(3. Vorstellung im Schtller- Cyclus.) Abends 8 Uhr: Die milde Jagd. Ostend-Theater. Gr Franksurterstr.lSL. Dir.(f. Weist. Leben und Lieben. Vullsstück mit Gesang in ö Akten von Oskar Kleiu. Musik v. Wand«. AM- A» f a n g 8 U h r."»E Im Tunnel vor mid»ach der Vorstellung: Frei-Konzert. Anfang 7 Uhr. Sonnabend: Der Pfarrer von Sirchfeld.— Sonntag Nachmittag: Preciosa, halbe Preise. Abends: Der Berschmender. Mittwoch, zum I.Mal: Nutcr der Polarsonne. Gr. Ausstattungsstack mit Gesang und Tanz in 8 Bildern von Sondenilann und Bischof. Ge- fangSlcxtc von Jos. Dill. Mitsik von t!. Schstlcr. Luisen-Theater 34. Ncichenbergerstraste 34. Abends 8 Uhr: Auf goldenem Boden. Votksstiick mit Gesang in 8 Bildern von W. Frerktng. Musik v. G. Steffens. Dora.. Anna Muller-Lincke. BvNman». Arthur Wiuckler. Sonnabend: Drilby. Sonntag, nachm. 8 Uhr: BolkS- Vorstellung, Regie: I u l i n s T st r k. DasXütiieile» va« tleilhroun. Billctö 4. 60 Pf. in den bekannten Verkaufsstellen. V«11�8- Tlieater im Welt-KcHtanrunt S7.Drcsdeuer-Strastc 07. Neil! Groster Beifall! Neu! Die heilige Vehme. Operetten- Burleske in 2 Akten von Oskar Blctor Roedcr.— Ferner: 3 GescKvister Montez, Miuiatur-Sängerinnenu.Täuzeriiiilell. Jni vorderen Saale: s�olef Längöi' Alois ihm. ««fltttck. Sonntags 0 Uhr. 31UID11IJ. Wochentags?>/, Uhr. mm Qiiarft's am Vaudeville-Theater Grand-Hotel Alrxauderptali. DM- Letzter Monat__ desGastspiclS der 1. Orlg.-Budap. Nur noch kurze Zeit! Das Armband. Das Modell. In Vorbereitung: Den Beheme von Malvine Müller. Milde Ioigd von l..»asliel. Xvl»! Sonnabend, 12. Februar, bleibt das Baudrville-Dheaier grschlosse«. Dafür Gastspiel im Reichshatten-Dheater. Ul'SNIS Dankren�itr. 48/4». Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissenschaftliches Theater.— Invalid emsir. lüo. 57—68. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs- Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschlage. Passage-Panoiidcum. Im Theatersaal; Iii Bey, der orientalische Magier und die 8 lustigen Wienerinnen. Castan's Panopticum. •« Friedriolistr. 165. Indisch- Itindnsta- nischc Ciauklcr — und— Schlangen- BeschwUi'er. Das BÄREN WEIB. N Alcazar-Theater. Dresdencrstrahe 52/53(City-Passage) Annen slra he 42/43. Direktion: Richard Winkler. Vornehmster Familien- Ausenthalt. Xen! Zni» 1. Male: Dien! Das Blttmengretd ans Nieder-Schöuhause«. Posse mit Ges. und Tanz in 1 Akt. Barher: Vnvelis SehliisWellseh. Posse mit Gesang in 1 Akt. Auftreten säinuitlichcr Kuust-Spezialiläteu. Uukaua. WochcniagS 8 Uhr. -UIMIIUII. Sonntags O'/a Uhr. Elltrce 30 Pf. Relervtrt. Play 80 Pf. Borzngskarten haben Giltigkcit. t-ielki'iiiiei' Ilei-enreld.'« I. Original Biidnpestei* Possen- und Operetten-Theater Kaufmann's Variete am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Nur noch bis Dienstag; Familie Kochsalz. Dienstag, den 15, Februar 1898: 80. und letzte Aufführung. Mittwoch, dg» 16. Februar 1898: Premieren-Abend d. beiden Gebr. Herrnfeld'schen XovitUton! Zum ersten Hai: „Im Variete" und Von Dreien der Glücklichste. Hauptrollen: Donat und Anton Herrnteld. Apollo-Theater. Frledrlchstr. 218. Dir. J. Glück. Graut« u. Maud. Les Seuctt's. La LoKeFuiler The Milons Mr. Arvcy und 30 hervorragende Kunstler. Kasseneröffhung U1/,, Anf. 7Vz Uhr. OlympiaS: (Circus Konz.) Karlstrasse. BoIosm.v Kiralfy'is Konstantinopel. Grösste Sensation Borlins. IM- Xcu t ism Im a Bild;„Alt- Wien" Neue hurnorist. Spezialitäten- Eevue.— Auftreten der The jolly british girls. 8ciisatlonell! Im letzten Bilde: „Constanrinopel": Feuer- und Flammen-Tanz, ausgeführt vom gesammten Ballet-Personal. Anf. S Uhr. Sonntags 2 Vorst. Nachm. 1 Kind frei. Am Sonnabend, den 19. d. M.: I. gr. Masken- Ball. (Ein Blumenfest in Nizza.) Bestellungen auf Billets werden von h e u t 0 ab im Bureau angenommen. Entree 8 M.— Damenkarte 3 M. CtittsH l etzte Wwclic,! MM Hirschfleisch 30. 40, Blatt 80 Pf., Seule 70, 80 Pf.. Gänse, Hiihuer, Gute», Daube». Wild- und Gefliigel-Handlung A. Kitsohl, Dresdeuerftr. 61. Centrai-Theater Alle Jakobstr. 30. Direktion Itichard Hchnlte. Freitag, den 11. Februar 1898; JE m i 1 T h o 111 as a. G. Zinn 21. Male: Die Tugendfalte. Burleske Posse mit Gesang und Tanz mit Benutzung eincS franz Sujets von Jnl. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jnl. EinädShofer. Ansang l,z8 Uhr. Morgen und die solgeitden Tage: Die Tugendfalle. Feen-Palast 88 ItnrgMtr. 88. ZM-DaS neue riesengrohe-VE Pehi-»a»'-Pe»geamm: .Iaelt««n, Akrobatentruppe, Parna, der Rattenkönig, Thomas, d. Meister-Jongleur. Remy Borlska, Dahn u. Walde. Ting u. Tang, Frld Frld, Cabaret Lebende Photographie» Um S'/a Uhr: Novität: Richard Winkler 11. Wilhelm Fröbel 1 in der unvergleichlichen Operette Mg radelnde Berlin tzlnfang 7»/. Uhr, Sonntags 6 Uhr. ' Entree 30 Pf. bis 1,80 M. Maehr'sTheater Neu! Ornnien-StrasNC 84. IM- Täglich:"9� Theater-»1. Spezilalitliten- Vorstclliing. Ken! Der liebe Onkel. Hea! Schwank. Wci* UphI gerade Weg."BU. Schwank. Allkstlil' Wochentags 8 Uhr. /ZllllllUtj. Sonntags 0 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. In Vorbereitung: vi« Nadel- nnd Radelmadel. Volksststck mit Gesang von Eugen Fredy. Musik v. Otto Ticke. Victoria- Brauerei Idltzow- Strasse 111/118. UM- Meute-MG sowie jeden Freitag und Montag: Siettiner Sänger lMcysel, Pielro, Britto», Stcidl, Krone, Röhl, Schneider nnd Schräder.) Anfang 8 Uhr. DM- Kntrec 30 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Jeden Dienstag: Böhmisches Brauhaus. �eiciisiiaiien-'piiealer. Loipzigerstrasso 77. Brillantes Programm! «rüsstor Beifall! Professor Ordep's Hunde-Clrous. Die vorzügl. Kopf- Equilibristen fin de aifecle The Menados. Dio reizenden Soubretten Flora Fleurette und Hella Collier. Die neue Ausstattungspantomime Ein ruhiges Xlmmer xn _ vcrmiethcnl__ (Zum Todtlachcn'.)' der J. Pawell-Coinpany. 30 Kunst-Kräfte. Anfang-'/ß Uhr. Entree 50 Pf. Im Helchshallen- Tunnel; Konzert und hum. Solröe. Khane-,'t" Sanssouci Koftbnser Straste Nr. 4 a. Dienstag, den 8. Februar: Ber Stabstrompeter. Posse mit Gesang v. Mannstädt. Musik v. Steffens. Austreten von Spezialitäten nur ersten RangeS. Anfang des Konzerts 8 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Bntree 50 Pf,"-JSK H. Picrry. W. Noack's Tlieater Krunnen-Mlrasso 16. Jeden Sonntag, Dienstag und Dounerftag: Theater-Norftellttttg. Ihre Familie. Volksststck mit Gesang in 3 Akten von Stinde und Engels. Musik von Michaelis. Nach der Vorstellung: �anzehcräiKEchen. Goncerthaus l,ci|>z:lgcrstr. No. 48 IM- Täglich: Hoffmann's(hiartetlj und Humoristen. Stürmischer Lacherfolg von Bimmel's Spezialitäteu. Oene. liehe Oene. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Zentral-Verband der Zimmerer Deutscht.»"•> Sonntag, den 13. Februar, vormittags lO'/i Uhr, in den �rmwdsUell, Kommandantenstr. 20: AM' Versammlung, im Tages-Ordnung: 1. Wie erzielen wir Vesser« Erfolge im Kampfe gegen das Unternehmer- thum? 2. Die Einrichtung unseres örtlichen Fonds. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 254/8 Ber Torstand._ Mgemine M-Krönkeukeise gewerblicher Arbeiter ltnb ArbeiteriNm zu Berti«. Flitglleder k Am Sonntag, den 13. Februar, vormittags von 9 bis 12 Uhr, findet tn der 1. und 2. Abtheilung eine Delegitten-Nachwnhl statt. ES find zu wählen in der 1. Abtheilung 10, in der 2. Abtheilung 11 Dele- girte. In der 1. Abtheilung haben zu wählen alle grobjähngen Mitglieder, welche im Süden und Sstd-Osten beichäfttgt sind, bei Branmanii, Naunyn- straste 27; in der 2. Abiheilung alle die im Zentrum, Westen und Süd- Westen beschäftigt sind, im Englischen Garten, Aleranderstr. 27c. Mitglieder, keiner vergesse, sich am Sonnabend sein Kassenbuch geben zu lassen, um sein Wahlrecht ausüben zu können. Die Listen der Dreizehner-Kommission fangen mit den Anfangsnamen an, in der 1. Abtheilung Julius Schmidt, in der 2. Abtheilung Georg Busch. Diese Delegirten verpflichten sick;, die wahren Interessen der Mitglieder zu vertreten, und die freie Arztwahl hochzuhalten, darum lasset Euch nicht irreleiten von unseren Gegnern und gebt Eure Stimme den Delegirten der Dreizehner-Kommission. Mitglieder! Frisch anf zur Nachwahl! Keiner darf fehlen, damit auch diesmal der Sieg der unfrige wird! 268/0 Die Dreizehuer Somniisston. I. A.: E. Skerl, Uferstr. 14d. Beerillpnssverein Berliner Zinrnierleiite. Sonntag, den 13. Februar, nachmittags präzise 5 Uhr, Grenadier- straste 33, bei B us ke,_ 2756 MM" VevsÄi.nznlnng. Uni pünktliches»nd zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borftanb. /�cktueiezl Achtung! Drucker nnd Gürtler! Am Sonnabend, den 18. Februar, abends S'/j Uhr, findet in den Anninhalle», Kominandantenstraße, die Konferenz der Werlstellen-Ber- ttauenSleute statt. Wir ersuchen sämmtliche Kollegen, auS ihren Werk- ftätten einen ihrer Kollegen dorthin zu entsenden. 118/8_ Der Bertrauensmaitti. �Korbmacher Berlins!"•* Freitag, den 11. Februar, abendS 8 Uhr, Oranienftr. 180: Oefpentl. DoriQttNttluttg. Tages-Ordnung: 1. Das Verhalten der Kollegen der Firma kt. Schmidt t Co., Krautstt. 6, gegenüber den Beschlüssen der Ätagdeburger Konserenz. 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 98/6 Ber Einherufer. BülltMbUckl'-Krailkellkllsse fnv Vevlin n Mtngegettd (Eingeschriebene Hilfskasse Nr. 118). Den Mitgliedern zur Kenntnib, dast der Vorstand nach dem General- Versainmlmlgsbeschluß vom 6. Februar 1898 aus folgenden Mitgliedern besteht: 1. Vorsitzender: H e i n r. Metzle; 2. Vorsitzender: Hermann I S n s ch; 1. Kassirer: Wilh. Karpe; 2. Kasstrer: Albert Schacht; Beisitzer: Christian Pfister, Wilh. Roll, Wilh. Beiersdorf. Als Publikations-Organe sind der„Vorwärts" und die„Einigkeit" be- stimmt. Das Bureau der Kasse ist Gipsstraste 16, parterre und ist ivochen- täglich geöffnet von morgens 9 bis nachmittags 8 Uhr. In dieser Zeit werden sämmtliche Kasienangelegenheiten geregelt. Ferner wird in folgenden Zahlstellen Sonnabends von 3—10 Uhr kaflirt: Westen: Heideprim bei Behrend, Blumenthlllstr. 5. Süd-West: Jäck„ Briese, Mittenwalderstr. 43. Sud-Ost: Glaser„ Lobbe, Waldeinarstr. Ol. Osten; B o d e in a n n„ Böhl, Rüdersdorferstr. 8. Norden: Fttrstenberg„(Seite, Swinemiinderstr. 26. Aiontags„ Z e i d l e r, TreSckowstr. 84. Wedding: Weiße„ M a l k o f s k i, Weddingstr. 9. Moabit: Lutz„ H o l z b ä ch e r, Tyurmstr. 8A Centrnin: P a h n k e„ B l a n r o ck, GipSftr. 16. „ Beyer, Wallftr. 96. wird jeden Sonnebend nach dem 1. und 15. Charloltenburg: Beyer In folgenden Ortschaften von 8—10 Uhr kassirt: Ripdorf: B e r n d t FriedrichSberg: L a n r i f ch Pankow: Kotz bei Thomas, Bergstr. 162. „ Lange, Wartenbergstr. 67. „ Gauert, Schönholzer- u. Wollank- strasten-Ecke. 38/2 Ber Vorstund. I. A.: H. Metzke. AM- Ferner geben wir bekannt, dast der Ausschuß sich konstituirt und znin Borsitzenden Herrn Carl Blau rock, Gipsstr. 16, gewählt hat, an welchen alle Beschwerden und Streitfän« der Mitgliever gegen den Vorstand zu richten sind. D. O. Acbtung!! Wedding- Desundbrunnen. Grosser öffentlicher Vortrag für l>amcu«nd Herren im Hcllvcreln Kuho im„Kösliner Hof", Berlin V., Kösltnerstr. 8. Sonntag, de» 13. Februar 18V8, nachmittags 4 Uhr, spricht Fräulein M. itLtii>e9«aturlieiikunilige über 2636 „Kernfs-Krlmkhrltrn� speziell Rheumatismus nnd Gicht. Erkältungskrankheiten. Xucli 6em Vortrage: Ta nz- Kr ä n zchen. Mitglieder und Freunde des Naturheilversahrenö beten, recht zahlreich zu erscheinen. werden hierdurch ge- Der Borstand. KOnstl. Zähne 2 M. an, Plomben 1 M. an, schmerzloses Zahn- ziehen 1 M. HVIllv Beluhnrd, Fttnzenstr. t03, Ecke Wasserthorstr. Gpr. 8—8,«onitt. 9—2.* 8 Mark Kollegen, Freunden und Bekannten zur gefl. Naebttcht, dast ich Skalitzerstraße 10«. uahe Matttevsselsiraßt, eine Bestauration mit gr. Frühstnds-. Mittags-«nd Abeudtisch erössnet habe und bitte um geneigten Zuspruch. 4293L* _ Bichard Thate, früher Dresdenerftr. 110. Masken-Arderoht. Gröstte Auswahl. Billigste Preise.' Verein. PretSermästigung. fr. Bsabeia. Oranienftraste Nr.178, II. Adalberiftrasfe«1, Elke Oranienstraste. . u. Schöneberg! Zur Anf. v. Damen- u. Kinder-Garderobe empf. sich Barle IVerbael», Hauptstr. 139. Blnthänflinge 1,50, dutzendweisc billiger. Sager, Audreasstr. 39. 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