Ur. 86. Abonnements- Kedingungen: Abonnements- Pret« pränumerando! «ierteljährl. 3IZ Mb, monatl. 1.10 Ml., wöchentlich 28 PIg. frei ins Haui. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tlluftrirter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1898 unter Nr. 7576. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daß übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 15. Jahrg. Wo Inftrtions-GebShv betrSgt für die fechSgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und BerlammlungS-Anz-tgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Numnier müssen btS 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt« L Uhr vormittag» geöfsnet. Erscheint täglich aufler Wonkag». Devlinev Volksblatt. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1568. Zelegramm- Adresse: „Sozialdemostrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. Wedaktion: SV. 19. Wettly-Strnße 2. Sonnabend» den 12, Februar 1898. gxpebUiou: SV. 19. Me»ty-Sir.,ße 3. Vvv Kampf um die fchmeizeeifrheu Eifendahnen. Zürich, 9. Februar. Tajz wir nur noch eine kurze Spanne Zeit vom 20. Februar entfernt sind, an welchem Tage das Schweizer Volk oder genauer die slimmberechligten Schweizer Bürger über die Frage der Verstaatlichung der Eisenbahnen zu entscheide» haben, zeigt die im ganzen Lande zunehmende Ansbehnung und Lebhaftigkeit des Kampfes. Am letzten Sonntag fanden dutzende von öffentlichen Versanimlnngeu in allen Kautone» statt und in Entlcbuch bei Luzer» soivie in Lausanne traten sogar Bundesräthe als Reierenten auf Nämlich Z e in p und R u s ch y, wovon ersterer der Chef des Post- und Elsenbahn- Departements und der Vater des Verslaatlichungsgesetzes ist. Noch massenhafter treten beide Parteien, die Freunde wie die Gegner der Verstaatlichung, mit dem geschriebene» Worte im ganzen Lande auf und es wird dadurch neben viel Ausklärnng und Belehrung auch viel Berdummung und Vec wirrung ins Volk getragen. Bei der Geschichte des schweizerische» Eisenbahnwesens sollte eigentlich der Kampf um die Verstaatlichung in viel geringerein Um- sänge und in weit milderer Form geführt werden, als dies wirklich geschieht. Haben sich doch schon im Jahre 1352, als die schweizeri- scheu Eisenbahnlinien kaum 1000 Kilometer Länge zählten, sowohl der Erfinder der Eisenbahne», Stephenson, und der englische Ingenieur Swiuburne in besonderen Gutachten für die Verstaatlichung der Eisen- bahnen ausgesprochen, als auch der Bundesralh und ein nicht»nansehn- licher Theil der Bmidesversammlung; allein die Mehrheit der letzleren entschied sich für den Privatbetrieb und dabei blieb es bis heute trotz wiederholter Anläufe, die zur Verstaatlichung der Privatbahne» gemacht wurden. Diese kapitalsfrenndliche Mehrheit enthielt sogar dein Bunde jede Kompetenz zum Eingreisen in das Eisenbahnwesen vor und überließ sie den 25 Kantone», was zum großen Vortheil der Bahnunternehmungen ausschlug. Erst im Jahre 1372 wurde ein Bundcsgesetz geschaffen, das dem Bunde die Aufsicht und Kon- trolle über das Eisenbahnwesen übertrug. Später erlassene Bundes gesetze regelten die Haftpflicht. die Bahnpolizei, das Hilfs- und ttrankenkassenwesen der Angestellten, das SIechnnngsivese» und das Stimmrecht der Aktionäre. Aber alle diese Gesetze vermochten den gemeinschädlichen Auswüchsen des Privaleigeiilhums an den Eisenbahnen nicht zu steuern und die Mißwirthschaft des Börsenschwindels, die Vergewaltigung ganzer Landesgegenden, die Hintansetzung öffent- licher Interessen hinter bloßer privater Dividendonpolitik nicht zu verhindern. Dadurch wurde aber auch das Bedürfuiß nach einer Aenderung der Dinge in immer weitere» Kreise» von Jahr zu Jahr fühlbarer. Nicht ohne Einfluß auf die Bestrebungen zur Verstaatlichung der Eisenbahnen ist auch die Verstaatlichungspolitik der Nachbar- länder geblieben, die namentlich in Deutschland ziemlich weit zurück- reicht und auch in Oesterreich, Frankreich»nd Italien, sodann in Belgien und anderen Ländern zum Durchbruch gelangte. Im Gegen- satz zu den schweizerische» Privatbahnen haben die ausländischen Staatsbahnen eine die Förderung der einheimischen Judnstrie und Landwirthschast bezweckende Tarifpolitik ausgestellt, die schon vor Jahren den schiveizerischen Industrielle» Veranlasinng gab, zwischen den deutschen und schweizerischen Frachtsätzen Vergleiche ai-zustellen, die jedesmal zu Ungunsten der schweizerischen Eisenbahngesellschaften ausfielen. Diese Benachtheiligung der schiveizerischen Industrie durch den theuren Gütertransport wurde allseilig um so mehr empfunden, als sie die wichtigsten Roh- und Hilfsstoffe, wie Eisen und Kohlen, ans dem Auslände beziehen niuß. Bei dem ausschließlich auf Er ziclung möglichst hoher Reinerträgniffe gerichteten Privatbetriebe ist aber auch keine günstigere Gestallung der Gütertarife zu erwarte». Da anderseits die Eisenbahnen in den Stachbarländern um die Mitte des nächsten Jahrhunderts amorlisirt sein werde» und eine erhebliche Herabsetzung der Frachtensätze die Folge hiervon sein wird, so würde die Schweiz bei der Fortdauer des bisherigen Zli stnndes sehr in Nachtheil konunen und ihre Landivirtlp schaft und Industrie koiikurrenzunfähig werde», was, wie ein Blatt meint, den volkswirihschaftlichen Ruin der Schweiz bedeuten würde. Wird aber am 20. Februar in der Volksabstinnnung die Vcrstaatlichnng der Eisenbahnen beschlossen, so wird die Schivei'z mit dem Auslände Schritt halten können, da das Gesetz eine Aniortisationsfrist von 60 Jahren vorsieht. Mit der Leitung der Post, des Telegraphen und Telephon, mit der Verwaltung des Alkoholmouopols ec. hat auch die Schweiz den Nachweis ihrer Befähigung zur Leitung großer Staatsbetriebe und damit auch der Eisenbahnen erbracht. Der Bund wird manche mit dem Privatbetriebe verbundenen Schattenseite» besritigen und anderer- seiiS dein Publikum manche neue Vortheile bieten. An eine Ueber- schnßwirthschast auf Kosten des Personals und der Betriebssicherheit. wodurch die preußische» Staalsbahne» sich arg diskreditirtc», und die deshalb auch prompt, wie dies vorauszusehen ivar, gegen die schweizerische Eisenbahn- Verstaatlichung als Schreckgespenst vor- geführt werden, denkt hier kein Mensch, und die klaren Bestim- mungen machen sie von vornherein»nmöglich. Einmal wird die Bahnverivaliung eine völlig selbständige, von der übrigen Bundes- Verwaltung vollständig getrennte Einrichtung sein, und sodann bestinnnt das Gesetz weiter, daß der Reinertrag der Bundesbahiien zunächst für die Verzinsung und Amortisation der Eisenbabn- ichuld zu verivenden sei. Von den iveileren Ueberschnssen sind 20pCi. so lange in einen von den übrigen Aktiven der Bundesbahnen ge- sondert zu verwalienden Reservefonds zu legen, bis derselbe, Zins- aufrechnung iubegriffe», 50 Millionen Franken erreicht haben wird. Die übrigen 8V pCt. sind>»» Interesse der Bundesbahnen zur Hebung»nd Erleichterung des Verkehrs, insbesondere zur Herabsetzung der Personen- und Gütertarife und zur Erweiteruiig des schiveizerischen Eisenbahnnetzes, vorzugsweise desjenigen der Nebenbahnen z» verwenden. Die Verstaatlichung erstreckt sich zunächst ans die fünf Haupt- bahnen, ans die 2571 von den 3500 Kilometer» Gesammtlänge schweizerischer Eisenbahnen entfallen. Ihr AnkansSpreiS wird gegen 1 Milliarde Franken delragen; für seine Feststellung kamen die Bestiininiuigen in den Konzessionen wie die des neuen Rechnungs- geseijes in betracht und in de» Fälle», wo zwischen dem Bundesrath und den Eisenbahngesellschaften kein« Verständigung erfolgt, ent- scheidet das Bundesgerichl in Lausanne. Die erforderliche» Geldmittel werden durch Emission von Au- leihen mittels Ausgabe von Obligatio»«, i oder Rententileln beschafft und in 00 Jahren amorlisirt. Man nimmt an, daß sich diese Finanz- operationen sehr einfach durchführen lassen werden. Die 677,7 Mill. Obligationen, die meistens im Jnlande angelegt sind, werden i» solche von 3i/g pCt. konvertirt, so daß sodann nur noch ca. 300 Millionen aufzubringen sind. Dafür haben aber, wie am Sonntag Bundes- r a t h Z e in p in seiner Entlebucher Rede mittheilte, nicht blos die kreditivürdigsten schweizerischen Kantonal-(Staats-) Banken bereits Offerte» eingereicht, die der Bundesrath anznnehinen entschlossen ist, sondern auch ausländische Angebote zur Uebernahme der Anleihen liegen schon vor und zwar zu noch günstigeren Bedingungen, als die der Kanlonalbauken sind. Wenn die Schweiz nicht will, braucht sie wegen Unterbringung der Eisenbahnschuld die ausländische Finanz nicht in Anspruch zu nehmen. Die Verzinsung der Eisenbahnschiild mit 3VL pCt., während die Bahngesellschaften meistens 4pCt. zahlen, wird dem Bund allein einen Gewinn von 5 Millionen schon im ersten Belriebsjahre einbringen. Durch die Schaffung von 5 Eisenbahnkreise» mit Kieisdireklione» (in Zürich, St. Gallen, Basel, Lausanne und Luzern) und Kreis- cisenbahnräthen, welch' letztere in der Mehrzahl ihrer Mitglieder von den Kantonen gewählt werden, ferner durch die Wahl von 25 Mitgliedern i» den 55gliedrige» Verwaltnngsrath durch die Kau- tone, ist der in iveiten Volkskreisen vorhandenen Abneigung gegen eine allzu iveitgehende und übermäßige Zentralisation der Verwallung Rechnung gelragen und eine mit dem öffentlichen Geiste der Schiveiz i» Einklang stehende demokratische Verwaltung der Vundesbahne» gesichert. So sürchlen auch die 20 000 Eisenbahner de» Staatsbetrieb nicht. Haben sie doch mit dem Privatbetrieb sehr schlechte Ersah- rungen gemacht, während die tausende von Postangestellten mit ihren staatlichen Dienstverhällnissen im großen Ganzen zufrieden sind. Bereits hat auch Bundesrath Ze»»p dein Dr. Sourbcck be- ruhigende Zusicherungen über die Stellung der Eisenbahner gemacht, ins- besondere auch darüber, daß keine Entlassungen staltfinden werden, wenn die Einheitlichkeit des Staatsbetriebes zu einer Verminderung der Zahl der Angestellte» führen wird. Es wird vielmehr durch Ver- setznng und Zuivartnng mit neuen Anstellungen die Ausgleichung herbeigeführt iverde». Wie bereits bemerkt, sollte man meinen, daß»ach den schlechten Erfahrungen der Schiveiz mit dem Privatbetrieb der Eisen bahnen während eines halben Jahrhunderls und bei der demokrati scheu, die Gesqmmtintereffeu wahnehmenden Art, in welcher die Ver staatlichung dxr Eisenbahnen ersolge» soll, eigentlich mir ein be- scheidener 5ka»u>f stattfinden und die Zahl der Gegner eine geringe sein usi'ißte: dieselbe ist aber im Gegenlheil eine recht große, so daß niemand mit Bestiininlheit die Annahme des Verstaatlichnngs- Gesetzes in der Volksabstiinmnng voraussage» möchte, trotzdem sie in iveiten Kreisen für sehr wahrscheinlich gehalten ivird. Die Annahme des Rechnungsgesetzes betreffend die Eisenbahne» erfolgte am 4. Oktober 1396 mit 223 223 gegen 176 577, also mit einer Mehr- heit von annähernd 50 000 Stimmen. Da das Rechnungsgesetz die Verstaallichnng vorbereitete, so müßten kousequenterweise alle, welche für jenes gestimmt haben, auch für diese ftiinmen und sie so zur VeLivibtlichniig bringcli. Die Gegner des Ver- staatlichungsgesetzeS sind dieselben Elemeiite. welche das Rechnungsgesetz bekämpst haben. Da ist ein Theil der Ultramontane», der gegen die Verstaallichnng ist aus alter Feindschaft gegen den Bund, ferner im Interesse der Kantonalsouveränetät, worin sie mit den welschen Föderalisten znsainnientreffen; da sind ferner die Jndividna- listen und Manchesterniänuer, welche Gegner jeder staatliche« Be- lhätignng sind, di.e über die Nachtwächterrolle des Staates hinausgeht und die anch nicht das kleinste Gebiet der Ausbeutung durch die Privatinitiative entziehen lassen wollen und endlich kommen die direkt und indirekt an dem Privatbetrieb der Eisenbahnen interessir'en Aktionäre, Bankiers. Börsenjobber, Spekulanten ec. und ihre Anwälte. Ihre„Gründe" gegen die Verstaatlichung sind hohle Schlag- Wörter, die nur bei politischen Kinder» verfange» können. Da ist zunächst die gruselig machende„M i l l i a r d e n s ch u l d", mit der anch der frühere Bundesrath Droz operirt. Die Btilliardenschnld ist natürlich schon da, sie lastet ja auf den Bahnen und muß vom Publikum mit den Personen- und Gütertaxen verzinst werden, und sodann sieht der Milliardenschutd der Babnbesitz als reeller Gegenwerth gegenüber, welcher nicht nur die Ver- zinsnng, sondern auch die Amortisation der Schuld mit der größte» Sicherheit garanlirt. An die Milliardenschnld schließt sich das Schlagwort von der Stärkung der Bundesbureankratie. Die 20 000 Bahnangestellten sind aber schon da, und sie werden unter dem Staatsbetrieb so wenig wie unter dem Privatbetrieb eine öffentliche Gefahr bilden. Ueberaus widerspruchsvoll operiren die Gegner in der Frage des Ankaufes der Bahnen selbst. Nach den einen werde der Bund den Gesellschaften die Aktie» zu theuer bezahlen und sich dann der Betrieb nicht rentiren; nach den andere» aber wolle er die schwer erworbene» Rechte der Aktionäre dadurch schwer schädigen, daß er die Bahne» unter ihrem Werth« erwerben möchte. Der entschiedenste Verstaallichungsgegner, der Droz, hantirt mit beiden Gegenargumenten zugleich, er, der 1391 als aktiver Bundes- rath dem Ankaufe der Zentralbahn zustimmte, von welchem Projekte heute allgemein anerkannt ist, daß der Preis um 40 Millionen zu hoch war, weshalb es denn auch in der Volksabstimmung ver- ivorsen wurde. Was es mit dem Vorwufe auf sich hat, der Bund werde die Aktien zu theuer bezahle», so hat darauf bereits die Börse die Antwort gegeben. Vorige Woche wurden nämlich Aktien der Iura- Simplonbahn für den Fall der Verwerfung mit 196 Fr., für den Fall der Annahme der Verstaatlichung mit nur 176 Fr. gekauft, ivorin sich, da das Verhältniß bezüglich der übrige» Bahnen ein ähnliches ist,«ine Gewinndifferenz von viele» Millionen für den Bund ausdrückt. Um diese für das Privatkapital zn reiten, wenden eben die Gegner die viele Mühe, Zeit und Kosten zur Bekämpiung der Verstaatlichung auf. Diese Thaisache» sind für die Klärung der Situation sehr werlhvoll und da die Freunde der Eisenbaynverstaatlichung, ins- besondere auch die Sozialdemokraten überaus thälig sind in der Aufklärung und Belehrung des Volkes durch das gesprochene und geschriebene Wort, so sollte man die Annahme des Verstaatlichungs- Gesetzes als Ergcbniß der Volksabstimmung am 20. Februar er- warten können. Es wäre andernfalls gar zu traurig, wen« in einer so wichtigen, die vitalsten Jntereffen des Landes berührende» Frage die Mehrheit der stimmberechtigten Schweizerbürger die in- und aus- ländischen Eisenbahnaklionäre höher stellen würde als ihr Vaterland. Volikifche Mrbevstchk. Berlin, 11. Februar. Aus dem Reichstage. Auch heute beschäftigten sich die Redner fast ausschließlich nur mit den Fragen der Handels- Politik. Von allgemeinerem Interesse an diesen Debatten ist eigentlich nur, daß die Regierungs- Vertreter srichig dabei sitzen und kein Wort zur Vertheidigilng oder Recht- fertigung derselben Politik zu sagen missen, auf der die heute noch giltigen Verträge aufgebant sind. Es macht den Eindruck, als habe die jetzige Regierung die unter Caprivi verfolgte Handelsvertragspolitik vollständig aus- gegeben. Ist dies richtig, dann wäre es nur noch von Interesse, zu erfahren, ob die Posadomsky, Hammer- stein, Miguel;c. ihre handelspolitische Gesinnung in letzter Zeit geändert haben, oder ob sie sich früher dem überlegenen Einfluß der Herren v. Marschall und Bötticher willenlos gefügt haben. Sei dem aber wie immer, eine be- sonders stolze Rolle spielen die Herren heute kaum, indem sie widerspruchslos angreifen und herabsetzen lassen, was sie vor wenigen Monaten im Berein mit ihren früheren Kollegen mit ihren Namen deckten. Die Zweiseelentheorie der nationalliberalen Partei brachte heute ein erheiterndes Zwischenspiel. Während die Führer der Partei, die von Bennigsen und v.Hammacher, still dabei saßenund zuhörten, wie der Hochschntzzöllner und Agrarier Frhr. v. Heyl zn Herrnsheim geradezu für den Zollkrieg um jeden Preis plaidirtc, riß dem alten Seebären und Freihändler I e b s e n die Geduld ' Woui"----•- Form los. und sagte er sich von dem Wounser Ledersabrikanten in aller Sonst trugen die Kosten der Debatte von der Linken die Abgg. Richter irnd Dr. Barth, während die Herren v. Heyl, Graf K a n i tz und Paaschs das Lied vom „Schutze der nationalen Arbeit" sangen. Morgen Mittags 1 Uhr: Kolomal-Etat. Daö preußische Abgevrdnetenhaus setzte heute die Berathnng des E t a t s d e r B a» v e r w a l t u» g fort. Im ersten Theil der Sitzung wurden nur lokale Wünsche zur Sprache gebracht; erst bei der Disknssio», die sich an die Forderung von 710 000 M. für Ber, wallniig und Unterhaltung des Dorlmund-Ems-Kanals knüpfte, kam es zu einer lebhaften Aliseinandersetziing zwischen den Vertretern der Landwirthschast und der Industrie über den Nutze» von Kanälen im allgemeinen sowie des Douiuniid-EmS-KannlS im besonderen. In der Debatte war viel die Rede von der von Herrn v. Miguel ans- gcgcbenen Parole der Politik der Sammlung, und wenn auch alle Redner die Nolhweudigkeit einer solchen Politik betonte», so zeigte sich doch, daß die Berivirklichung derselben noch in iveiler Ferne liegt. Da, wo es gilt, die Lebensmittel des armen Mannes zu verthener» oder de» Arbeitern ihre Rechte zu kümmern, iverde» die edle» Seelen gern zun» Zusannncnschlnß bereit sei», aber da, wo ihre eigene»' Interesse» in Widerspruch zu einander stehen. werden sie sich nach wie vor aufs lebhasteste bekämpfen. Den An» sang damit machte heute Graf R a n i tz(k.), der bekannte Feind aller Verkehrserleichterungen, dem der Dortmund-Ems-Kanal von jeher ein Dorn im Auge gewesen ist und der»nr die Interessen der Landwirthschast gelten lassen will. Ginge es nach ihm, so würde die Politik der Sammlung aller produktiven Stände so betrieben werde», daß zunächst einige dieser Stände todtgeschlagen werde»; wenigstens ließ er darüber keinen Zweifel, daß er die blühende rheinisch« westfälische Kohlenindustrie am liebsten völlig vernichten niöchle,»zn» mal da dieser Industriezweig jährlich viele Arbeiter ans Oüelbien nach dem Weste» lockt. Wenn anch die übrigen konservativen Redner. die Abgg. G a m p, v. Plettenberg und Graf Limburg- Stirilu» nicht eine» ganz so schroffen Standpunkt einnahmen, so ließen doch ihre Reden durchblicke», daß, wen» schon einmal Trans- port-Erleichterungeii geschaffen werden, diese, soiveit es sich um die Einsuhr Handell, wieder well gemacht werden müsse» durch höh» Zölle oder gesteigerte Kanalabgabe». Bo» der Linke» griffe» die Abgeordnete» Schmieding, Beniner, Bröniel»nd Möller in die Debatte. Namentlich der letztere führt« den Agrariern deutlich vor Auge», daß an ein Zusamineiigeheii von Jiiduftrie»nd Landwirlhschafts so lange nicht zn denken sei, ivie die Landwirthschast sich als ei» Holl mo tangers betrachte und keine ihrer Forderungen anfzugebe» geneigt sei. Redner trat sehr energisch für die jetzige Handelsvertragspoliiik ei», deren Grundsätze unter alle» Umständen auch in Zukunst befolgt werde» müßte». Die Erwiderung des konservativen Führers Grasen zu Limburg- S t i r u in war recht schwach, er wiederholte die bekannten Phrase« vo« der Schädignng der La«dwirthschast durch die jetzige» Handels- vertrüge, bei denen nicht wirthschaftliche, sonder» politische Erwägunge» maßgebend gewesen seien. Im allgemeine» zogen die Agrarier heule den kürzeren. Selbst Minister Thielen, der in die Debatte eingriff, mußte ihnen den großen Kummer bereiten, daß er die Nothwendigkeil weiterer Kanatbauten betonte und für die nächste Session eine allgemeine Kanalvorlage in Aussicht stellte. Allerdings ist es fraglich, ob Herr Thiele» da»» noch im Amte ist,»nd wenn er dann noch sein Ressort verwallet, so m»b man abwarten, wie sich der Liebling der Agrarier, Herr von Mignel, zu diesem Projekte stellen wird. Allzu große Furcht brauchen die Herren also nicht zu habe». Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Außerdem steht der Etat der Forstverwaltiing auf der Tagesordnung.— Die polnische Relchstags-Fraktio« und die Fkotten- Vorlage. Wie die„Germania" mittheilt, hat die polnische Reichstags-Fraktion einstinimig beschlossen, die Marinevorlage abzulehnen, und dementsprechend ihrem Vertreter in der Budgetkommission, dem Abgeordneten Dr. v. Jazdzewski, Weisungen ertheilt. Dieser Beschluß der Fraktion entspricht nicht den Ge- rüchten, die bisher über die veruuithliche Stellungnahme der polnischen Fraktion in die Oeffentllchkeit gedrungen sind. Offenbar haben die zahlreichen Kundgebungen aus den Wähler- kreisen, die nichts von der Tirpitziade ivissen wollen, diese neue Entschließung hervorgerufen. Und besonders schiver mag es teil poliiisrhen Herrn nicht geworden sein, auf die Wünsche ihrer Wähler zu hören, denn sie sagen sich jedenfalls: die Vor- läge geht doch durch, dafür sorgt schon das Zentrum! Sclir wohl möglich ist es aber auch, datz sich der Beschluß der Polnischen Fraktion nur auf die Vorlage in ihrer jetzigen G e st a l t liczieht und daß eine Aenderung des Beschlusses alsbald eintreten würde, wenn die Regierung einige Konzessionen bezüglich der Bindung des Etatsrechls des Reichs- tags zu machen bereit ist. � Ties ist ja auch die Haltung deS Zentrums. Auch diese ausschlaggebende Parrei ist gegen die Vorlage, aber nur ivenn sie um kein Tüpfelchett verändert wird. Einige Gefällig- keilen von seilen der Regierung an die um Lieber beruhigt das volksfreundliche Gewissen der ZentrnniSmäNner und der Polen n»d ans Nein wird Ja, aus Flottenvorlage-Bekämpfern werden begeisterte Admiraltus.— England iinb China. England verstärkt sein Geschwader in den chinesischen Geivassern»och weiter Aus London wird de- richtet: Auster dem britische» Schlachtschiff„Barfleue", welches nun- ,"IÄ1' Said angekommen ist. geht da» Schlachtschiff ,,■butonous" bente vo>» Mulla»ach China ab. Der Pauzeikrelner blasse„Gibraltar" wird ebenfalls sofort nach Ehiua in See .. Sczilglich der Anleihe herrscht i» englischen Finanzkreise» die.uieimnig, dast der Beschluß deS Tsung-Ii-Name», wonach die Anleihe von tüO Millionen Taels in China selbst von den hohen Aeamte» aiifgebracht werde» soll, nur ein Berlegenheitsmanöver vor- stelle. Die chinesische Regierung hätte sich zugleich an Privatbanken ni Hongkong und Shanghai gewandt, um diese znr Ueberiiahme größerer Posten von Schatzbons zu veranlasse». Käme es wirklich üiiv Auflegung der inneren Anleihe, so würde der weitaus gröstle Theil derselben doch in englische Hände übergehen.— Deutsches Reich. — Noch einmal Herr Bosse. Die„Post" sucht de» K»ltulmt>ust«r gegen die Ausführuiige» unseres gestrigen Lei». artikels in Schutz z» nehme». Dabei vermeidet sie es aber gerade, ans den Hauptpunkt einzugehen, nämlich aus die Frage, wie es der Minister wagen durfte, trotz seiner feierliche» Bethenerniig r ü ck h a l t l o S die ganzen Vorgänge" dargelegt zu haben, feine» Versuch. a»S eigener Machtuollkommen- heil vorzugehen, zu verschiveige», obgleich ihn Herr Muncket mil ausdrilciiichen Worten auf diese Unterlassung aujmertsam gemacht hatte. Uebrigens ist noch ein weiterer Mißgriff des Ministers zu ver- zeichne». Herr Bosse erklärte als maßgebenden Grundsatz für sei» Vorgehen, daß ohne mindeste» Zweifel zuerst die Falkuitäl als erste Instanz die Angelegenheit erschöpfen müßte. In dem von ihm aus eigener MachivollkoimiieicheU versuchten Verfahre» ließ er Arons eine Frage vorlege», welche sich ans Aeußermme» von Arons in einer Wiesbadener Versaniinlung bezog. Der Minister kann sich nicht darauf berufen, daß er als Erschöpsmig der ersten Instanz seine Anfrage an die Fakullät aus dem Sommer ISV4 im Auge halte; denn das solinnerliche Frage- und Anlwortsptel ivar bereits im September völlig beendigt. Die fragliche Bersauunlung aber fand erst am 26. Oktober 1694 statt. Wir dürfe» es jedem Unbefangenen überlasse», sich nunmehr sein Urtheil über den Ziisaulinenklang zivischen den Worte» und den Thalen des Ministers zu mache». Als zum erste» Mal der vergebliche Versuch des Ministers und sein Zurückweiche» bekannt wurde, erklärte die„Post", dast, wenn die Mittheilung ans Wahrheit beruhte, der Minister eiiie bedauerliche Schiväche gezeigt habe. Bei dem augenblicklichen Stande der Dinge hat sie freilich alles Interesse, Herr» Bosse in Schutz zu nehme». In welcher Verlegenheil sie sich dabei befindet, deweisen die brutalen Worte, mit deue» sie ihre Ausführunae» schließt: „Retrospektive Betrachlungea dreser Art haben aber jetzt, wo der Weg der Gesetzgebung beschritten ist, überhaupt nur geringen Werth; es wird jetzt vielmehr darans ankomme», möglichst bald den vorliegende» Gesetzentwurs zu verabschieden; dann ivird auch der Fall Arons sehr bald in vesriedigeiider Weise erledigt sein." Gegen bie Sonntagsruhe ziehe» die Konservative» des Abgeordnetenhanses zu Felde. Abg. Gaiup hat mit Unter- stütznng einer großen Anzahl Parteifreunde folgende» Antrag gestellt: „DaS Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die könig. liche Staatsregierung zu ersuche», die zur ittnsführniig der reiche- gesetzliche» Bestimmungen über die Sonntagsruhe erlassene» Verordnungen nach der Richtung hin einer Revision zu umerziehe», daß dabei die w i r t h s ch a f t l i ch e n Interesse» der Bevöiterung, insbesondere der Gewerbetreibende», mehr als bisher Berücksichtigung finden." Die„wirthschnftlichen Jnteress«»". da? find natürlich die Jnter- essen der Zünftler und Unternehmer. Uebrigens steht es gerade so aus, alS ob der freikonservalive Antrag„bestellte Arbeit" sei. Man iveiß ans offiziösen Millhei- luugeu über die Absichten des Fürsten Hohenlohe, wie freundlich die Regierung einer RückwärtSremsion der Sonntagsruhebestimmunge» gesonnen ist.— — Geld für Hüll«! Pastor Naumann'S„Hilfe" berichtet: Was vom KreiS Wolfhage» berichtet wird, gilt ähnlich vom Kreise Norder. Dithmarsche». Seit einigen Jahren hat der Kreistag jährlich 1000 M. zur unentgeltlichen Berbretlung des Hülle'scheu „Palriotischen Kalenders" bewilligt. Wie kommen die Kreislage dazu, ans Mitteln aller Steuer- »ahler Geld für Zwecke auszugeben, die mit den Ausgaben der Kreis- Verwaltung gar nichts zu thim haben und nur der Förderung«in- seiliger Parlei-Jnteressen dienen? Unsere Parteigenossen haben bei den Wahlen v. zeigen, daß all« Reklame und allei Gel» für die„Berhüllnng" der Wahrheit „für die Katz" war.— — Rothkoller. Das BiSmarckorgan, die„Hamburger Nachricht« n". kann keine noch so unpassende Gelegenheit vorüber- gehen lassen, ohne nach Unlerdrnckung ver Sozialdemokratie zu schreie». Hatten da im Sigl'schen„Bayerischen Vaterland" einige Bemerkungen zu dem Marine-Ungliick im Kieler Hafen gestanden, die auch wir nicht für geschmackvoll hallen; sofort erheben die „Hamburger Nachrichten" großes Geschrei: „Hinaus mit ihm ans der deutschen Volksvertretung! Wenn zur Zeit keine gesetzliche Handhabe zur Entfernung solcher„Sub- jekte" aus dem Reichstage besteht, so muß sie eben hergestellt werden. Wir haben schon im Falle Haas uns in Diesem Sinne verwendet. Eine solche Bill of attainder(Gesetz parlamentarischer Achterklärung) böte außerdem die Möglichkeit, den sozialdemokratischen Abgeorvneten Das Handwerk zu legen, sallS das Bedürfniß dazu sich einmal ergeben sollte." Die„Hamb. Nachr." sollten ihre frechen Gelüste lieber nicht so vor aller Welt offenbaren. Je mehr das deutsche Volk erkennt, was von jenen Leuten an Geivaltlhätigkeit zu erwarten ist. um so mehr und eher wird es dafür sorgen, daß ihnen selbst„das Hand- werk gelegt" werde.-- — Der Polizeikampf gegen die Polen wird auch in Beilin recht munier geiühit. So wird berlchiet, daß«ine Ber- saniinlung de« ZentralansschnsseS d«r polnische» Vereine Berlins, welche gestern in dem Restaurant von Palacz in der Brüderstrabe tagen sollte, polizeilich verhindert wurde. Vor Eintritt in die Tagesordnung erschiene» zwei uniformirte Beamte und verlangten die Boilegnng der Annieldebescheinigniig Da der Ausschuß, oelcher seit Jahren nngehindert seine Sitzungen abhalten konnte, erst kürzlich vo» ver Behörde für einen„politischen Berein" erklärt worden war und die dagegen eingereichte Beschwerde noch nicht erledigt ist, so war lein Aiimeldeschein zur Stelle; woraus die Beamten die ver- saminlnng für anfgelöst erklärte». Die verschärfte Ueberwachung der polnischen Organifalionen. welche in jüngster Zeit eingetreten ist, soll In«ngsteM Zusammenhange mit dem bekmmleu Reskript des Ministers des Innern stehen, der von den ihm unterstehenDen Be Hörden näher» Angaben über die Ausdehnung und daS Wirken der polnischen Vereine einfordert.— — Nochmals an die Adresse des„Reichsbote n". Aus Bern wird uns geschrieben: Der Beiliner„Reich-bole" hatte mit dem Versuch, die bestialisch« Behandlung der Kinder durch den Vorsteher Jordi in der Mädchen- erziehungsaiislalt Kehrsatz bei Bern, gegen den Sozialismus zu frnkii- fiziren, wie ihm im„Vorwärts" schon nachgewiesen wurde, kein Glück. Der Versuch war nach Lage der Ding« von vornherein verfehlt, denn gerade die sozialdemokratische„Beruer Tag- wacht" deckte den Skandal aus und die Sozialdemokraten waren es,>vie Genosse Dr. Wassilieff alS Zeuge in dem Prozesse aussagte, welche die VertnschungSversuche vereitelten. Man wollte nämlich seilens der Beschützer des Jordi de» Haupizeuge» mit 1000 oder 2000 Fr. kaufen und da dies nicht gelang, ihn als Ausländer mit Androhung der Ausweisung«inschüchlern. Die Sozialdemokraten aber waren auf der Wacht und sorgten dafür, daß das Scheusal seiner verdienten Straf« nicht entging und die Verhältniff« einer Bernischen Erziehungsanstalt ins Licht der O>ff«nl lichkeit gerückt wurden. Davon möge nun der„Reichsbote" auch Notiz nehmen.— — Herr Rösicke hatte recht, als er in der gestrigen Reichstags-Sitzung die Vermuthung aussprach, daß er wegen seines anständige» AnslreleiiS für die Vereinsfreiheit der Arbeiter von denen um und hinler Stnmm nicht verschont bleiben werde. Das hat sich schnell erfüllt. Heute schon schreibt die„Kons. Korr" Herr Rösicke steht als„Wilder" außerhalb der Parlamentarischen Parteien, er hat sich jüngst durch eine Aeußeruug von empörender Perfidie auch außerhalb der guten Sitte gestellt. Der„wildliberale" Abgeordnete— durch seine „Konnivenz" gegenüber der Sozialdemokratie im Berliner.Bierkriege" bekannt— hatte»äinlich die Elim, in der Millwochsitzimg des Reichstages zu äußern:„Die Sammluug, die jetzt von jener(der rechten) Seite geplant wird, läuft nur auseineBereicherung bevorzugter Kreise hinaus, die dnsOhr der Regierung gesunden haben."— Wenn nur diese Herren «i la Rösicke nicht immer von sich auf andere schließen wollle»! Ach, was haben die Herren doch für ein kurzes Gedärm! Tie „Kons. Korr.". die mil allen ihren ZeitungSgeschwisiern bis zur guten Tante Voß mit aller Entschiedenheit ivährend des Berliner Bierboykolls Herrn Rösicke feierte über alle Maßen und ihn als den Fechter im Kampfe gegen die Rotte pries, spricht heute von seiner Koniiivenz gegen die Sozialdemokratie. Herr Rösicke und seine Kameraden vom Bierring daben mit aller Energie»nd unermüdlich den Kampf gegen uns geführt. Nur eines haben sie nicht gelhan, sie haben nicht nach der Polizei gerufen. Freilich mit de», Gendarmen, Staatsanwalt und Hülle kann jeder Schwachkopf den Kampf aufnehmen. Daß den Junkern und industriellen Genosse» unangenehi» ist, ivenn man von ihrer Sucht, sich zu bereichern, spricht, begreift sich wohl, es bleibt aber doch wahr. All' die agrarischen Maßregel». die Zölle, Biehsperren. der Kampf gegen amerikanisches Fleisch. Fell, Obst, gegen russische Schweine und Gänse, für die Einfuhr rnssischer, fiolnischer, slovakischcr, italienischer und chinesischer Arbeiler, da« starre Festhalten an der Gesinde. Ordnung, die Begeisterung für de» Posadoidsky'schen Erlaß, für das Sozialistengesetz, der Widerstand gegen die Sozialpolitik, wem entspringt dies alles, als der Sucht »ach Bereicherung?— — Chronik der Eise nbahn-Un fälle. Nach der im ReichS-Eisenbahnaint nufgeslelllen Nachiveisung der aus deutschen Eisenbahnen— ausschließlich Bayerns— im Monat Dezember v. I. vorgekommenen Betriebsunfälle waren zu verzeichnen: Entgleisung«» aus freier Bahn.. II in Stationen... 17 Zusammenstöße auf freier Bahn.. 2 in Stationen... 26 sonstige Betriebs» nsäll e... 202 znsaunnen 258 Die Belriebslange betrug 40 052 Kilometer, an Zngkiloinetern wurden geleistet 30 654 099, sodaß je ein Unfall ans l55 Kilometer Belriebslänge oder aus in 652 Zugkilometer enl stillt. Bei de» Unfällen wurden: Reisende Babnbcamte»nd Bahnarbeiter im Dienst.... Post-, Steuer-, Telegraphen-, Polizei-Veamte ic. im Dienst................ fremde Personen, einschließlich der nicht im Dienst befindliche» Beainien und Arbeiter, aber ausschließ- lich der Selbstmörder,......... zusammen,. »-- Die Stellung der nationalliberale«Partei zu der künftigen Handelspolitik behandelt die„National. Korresp.", Sie ist danach in den Grundaiffchaunngen der Partei gegeben. Ob man sie von rechts als gemäßigt freihäi.alerisch. oder von links als gemäßigt schntzzöllnerisch bezeichnen will, bleibt sich gleich. Soviel sieht fest, wirthschaftspolitische Extreme weist sie ein für allemal ab. Und ans dieser Stellung, die auch ans dem letzien Parteitag deutlich fixirt worden, wird sie sich weder dadurch schieben lassen, daß von links volksparleilicher Seil« mit vielem Schweiß leere Echlagworte herausgepreßt und uationalltberale Abgeordnete als Schrittmacher der Agrarier etiqueltirt werden oder von exlrem- agrarischer Seite der versuch genmchl wird, dadurch Berivirrnnge» hervorzurnfen, daß man nalionnUiberale'Abgeordnete als Borposten der Bundesagilalion innerhalb der nalionalliberalen Fraktion hin- stellt; sollte es, um dieses wirthschastSpoluische Siellmig zu kenn- zeichneu, einmal einer besonderen Kundgebung bedürfen, dann wird auch»alionalliveralerseils damit nicht zurnckgehallen werden. Zur Zeil liegt die Noihwendigkeit aber noch nicht vor. Es versteht sich dann von selbst, daß dies ausschließlich denjenigen zu- steht, die von der Partei dafür berufen sind. Sie haben zu ent- scheiden, wann die Zeit dafür gekommen ist, und in welcher Weise und wie eine sölche Kundgebung zu erfolgen hat. Wer hat die vorstehende Kandgebung lanetrt, der bündlerische Flügel der Nationalliberalen kaum. Der anlibündlerische Flügel hal aber nicht die Energie, mehr als Worte zu macheu.— — DaS Zeugniß-ZwangSverfahren gegen den Drnckerlehrling der„Gaz. Grndz." ist deshalb«ingestellt worden. weil der Angeklagte, Leo Zieliuski, eingestand, der Verfasser des be- anftandeten Artikels zu sein. Zielinski wurde zu 500 M. Geldstrafe oder 50 Tagen Haft vernrtheill.— Hannover, 10. Februar. Der Provinzial-Landtag nahm nach längerer Debatte den Antrag des Provinzial-Ausschnsses betreffend die G« l d b e w i l l i g u n g für den 31t i t i« l l a» d- Kanal an kiaalsminister Freiherr v. Hamineistein-Loxle», welcher an der Berhandliiug noch therlnahm, war in längerer Rede für den Kanaldau und die Bewilligung warm eiugetrelen. An der Adstim- iming nahm der Minister nicht mehr theil. Was werden die lanal- feindlichen Agrarier dazu sage»?— Oldenburg, 9. Februar.(Etz. Ber.) Der Landtag hat seine Tagung beendet. Die konflittßlustige Mehrheit der Landtags- Abgeordneten hatte sich in ein« Minderhei verwandelt. Trotz den unglaublichsten Borkommniffen im Eisenbahnwesen; als Etats- Überschreilungen,«tgenmächlige Handlungen der technischen Beamten, unerhört« Fehler bei Bereebnungen u. s. w. ist die Mehrheit de« Landiags doch von ihrem Entschluß,«in verantivortlicheS Eisenbahn- Ministerium zu verlangen, abgekommen. Sie hat. nachdem die Re» gierung ihr etwas tiiigegengekomme», die Streitaxl begraben und mit dem Mnisterium Frieden geschloffen. Sie hat, wi« die Regierung verlangt, die Gehälter für zwei neue Eisenbahnräthe bewilligt; ob die Eisenbahnmisere dadurch gebessert wird, muß die Zeit lehren. Dem Drängen der Zünftler und Bauern- bündler hat die Regierung nachgegeben und ein Gesetz über die Be- steuerung der Wanderläger dem Landtag vorgelegt. Dieser hat das Gesetz auch angenommen und auch den exorbitant hohen Steuersatz. Doch wird dem Mittelstand das Gesetz nichts nützen. Denn das Mmklgeschäft, besonders die sogenannten„Jakobs" und die Auklions- Verkäufe, die man treffen wollte, werden damit nicht getroffen. Sicher bringt die Steuer aber nicht die Summe», welche optimistische Abgeordnete heransrechneteu.— Ailiuchen, 10. Februar.(Eig Ber.) Bayerischer Land- tag. In der henligen Sitzung griff auch unser Genosse Segitz in die Generaldebatte über de» Etat deS Innern«in. Er erklärte sich von der Antwort des Ministers auf die Aufrage» Bollmars durchaus nicht befriedigt. Im weiteren Verlauf der Rede empfahl er eine Revision der bisherigen Landtags- Wahliustruklion. Am Schlüsse seiner trefflichen Rede polemistrle er scharf gegen das Zentrum, wobei er den Generalrednern dieser Parlei ver- schieden« nichts weniger als schmeichelhast« Dinge entgegenhielt.— Minister v. Feilitzsch erwiderte, daß er ans die von Vollmar an ihn gestellte Fragen nichts anderes sagen könne, als er es bereits getban. Die Revision der Landlags-Wahlinstruktion sicherte er zu in Erwägung ziehen zu wollen. Die sozialdemokratische Landtags- Fraktion hat zum Etat des StaalSininifleriums deS Innern de» Antrag eingebracht, statt 2000 M. zur versuchsweisen Heranziehung weiblicher Hilss- kräfte zur Gewerbe- Jnspekiton gegen Vergütung für die einzelnen Dienstleistungen für die A n n« l l u n g zweier weiblicher Zl s s i st e n t e n de» Betrag von 3720 M. ins Budget einzusetzen.— «»» Hessen, 10. Februar.(Eig. Ber.) Landtag. General. debatte über das Budget. Abg. C ramer verwahrt die Sozial- demokiatie gegen den Vorwurf, daß sie den Ruin der Bauern wolle. Aber die F ü r s o r g e für die A r b e i t e r dürfe nicht hintan stehen. Unsere beiden Anträge hinsichllich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Stnatsarbeiter und diätarisch verivendeteil B-amlen sollten zunächst dazu dienen, die Verhältnisse aufzuhelleii. Sobald die gekorderten Uebersichten gegeben seien, würden wir bestimmte Minimal- löhne und Normalarbeiiszeiten für die staatlich beschäsliglen 'Arbeiter beantragen. Hinsichllich der angeregten Wahlreiorm- Vorlage habe eine B«»ie>kiing des StaalSministers de» Verdacht in ihm erweckt, daß die Regierung eine Reform im Sinne einer Abstusung nach der Sleiierleistmig im Schilde führe.— Wie richtig n»ser Genosse vermulhet Halle, beiulesen die nachmaligen Be- nierkungen des Slaalsininistcrs Finger, der nach einem'Ausfall auf die„Segnungen des allgemeinen, geheimen, direkten Wahlrechts" ans das Beispiel Sachsens in einer Weise hinwies, die keinen Zivetfel darüber ließ, daß in der hessischen Regierung der Wunsch nach einer ähnlich«» Wahlen l rechtung bereits Wurzel geschlagen bat. Abg. Ulrich nageile diese Aenße- rung sofort fest. Sie ioll uns bei der kommenden Reichstagswahl gnle Dienste leisten. Sollt« aber das Ministeriuiii Finger in der Thnt mit einer Wahlentrechtniigt-Borlage kommen, dann würde es darüber de» Hal- brechen. Was in dieser Beziehung in Sachsen geschehen konnte, ist bei der polilische» Selbständigkeit des hessischen Volkes nicht möglich.— Im übrige» drehte sich die heutige Debnlle im wesentlichen um dieselben Dinge wie gestern. Die Landwirlhe klnglen zui» Herz erbarmen. Gras O r i o l a piedigte die Jntereffen- geineinschaft von kleinem und großem Grundbesitz und machte die Regierung scharf sllr erhöhte Getreide, öüe. Abg. W e i d n e r(ivild) fand, daß die Arbeiter schon viel zu hohe Löhne erhielten und daß das„Lied vom Proletariat" abgedroschen sei. Abg. Ulrich er- widerte ihm trefsend, daß daS Lied von den»othleidenden GrU"d- desiyern noch älter und abgedroschener sei. Außerdem ging Genosse Ulrich uochiiurls gründlich ans die Mißhandlungen im LandeS- Zuchthaus„Marienschloß" ein; er gab eine genaue Schilderung der Folterung des„Kuimnischließens" und verlangte Entfernung des Tirrklors. der eine so nnnienschliche Züchllgungspraxis übe. Der Direklor des Jnüizamts D i l t m n r suchte de» Eindruck seiner Aussührungen dadurch abzuschwächen, daß er die Znverlässtgkett der Zeituiigswelduugen bestritt;»ach den osstjiellen Berichten sei alles in guter Ordnung. Natürlich. Nach einer Reihe weiterer, wenig belangreicher Reden wurde die Generaldebatte geschlossen.— Straßburg i. C., 10. Februar.(Eig. Ber.) Die drei sozial- demokratischen Mitglieder des hiesigen G e m e i n d e r a t h e s, die Genossen Böble, Brzostewicz und Trax. habe» dort die solgenden 'Anträge eingebracht: „Der Gemeinderath wolle beschließen: Angesichts der Roth- ivendigkeit, zum Ersätze der ans»»entbehrlichen Konsum- und Be« daifsnrlikel» der brette» Volksschichten lastende» Oktrolsteuer ein gerechtere? Mittel der Besteuerung zu schaffen, ersucht der Gemeinde- rath der Stadt Straßburg seine» Vertreter im LandesauDschuß, Abgeordnete» Bergmann» im Laufe der gegenwärtigen Tagung, des LandesailSschuffes die dringliche Anregung zu mache», daß seitens der Regierung dem Haus« der Enlwiirs eine» Gesetzes betr. die all- gemeine, progressive E i n k o in m e n st« u e r vorgelegt werde. Gleichzeitig spricht der Genieinderath den Wunsch ans, der Abg. Bergmann wolle im Landesansschiiß die Akänderung des§ 48 der Geineinde-Ordnung für Elsaß-Loihnnge» beantragen, dahiiigeheiid. daß die Sitzungen deS G« meiuderalhes öfsent- l t ch sind." Erläuternd sei hier Uaiertt, daß nach den Bestimmungen des Wahlgesetze« für den Land-sanlschnß die Bemeiiiderälhe der vier größten Städte de« Landes. Straßburg, Mülhausen, Metz und Kolinar, eigene Vertreter in den LandeSnusschuß enlsenden.— — Chronik der Majestät s b e l e i d i g u n g S- Pro, esse. Aus Halle wird uns am 11. d. M. geschrieben: Wegen Majestäts- i eleidiguiig wurde in heuliaer Slraskammer- Sitzung der frühere Bicke> meister jetzig« Arbeiter Karl DieneiiiaiiN ans Kleln-Wechsuiigen bei Nordhanse», 32 Jahre alt. dem Slrafantrage gemäß zu eine», Jahre Gefängiiiß vernrtheill. Dieiiema»» befand sich i» Uiilersuchniigshaft. Zur Verhandlung, die»»ter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, war der Gerichtsvollzieher Rosch als Zeuge gelade».— England. Loudou, 10. Februar. Im Verlaufe der Adreßdebatte im Unterhaus wurde ei» Amendement Vincent, in welch«»» die Regierung aufgefordert wird, ihr«?Iuf»iertsai»leit dem küiist- lichen Ansporn zu schenke», de» die fremde Konkurrenz gegenüber britische» Handelsarlikeln durch Ta>ife, Prämie» und Maßregeln erhalte, ohne besondere'Abstiminung abgelehnt. Im Laufe der Debatte erklärte der Handelsminiiier Ritchie. der deutscye Eis«»bah»taris für Exportartikel gewähr« auf den fremde» Märkten den deutsche» Jmporlenren Vortheile gegenüber den eng- lisch«» Importeure», es se, die Absicht Salisdnry's, bei de» Uuler- baudluugen über den»eue» Handelsvertrag der deutschen Regieulug Vorstellungen zu mache», uin sie zu veranlassen, den Eisenbahntarif auf«>»«r Grundlage nufznstellen, die de» deutschen Konkmreniei» nicht«inen unbillige» Vorlheil gewährt; aber die Regiernug halte an d e»> Freihandel fest, der de» Wohlstand Englands jo sehr gehoben habe.— Norwegen. Christiauia» II. Februar. DasStorthing wurde heut« von dem König mit einer Thronrede eröffnet, ln welcher er- wähnt werden die günftige» wmhschasUiche» Verhältnisse, die glücklich durchgeführte Ronversion der Slaatsanleih« vom Jahre 1886 und das bedeutsame Sieigen des Budgets, was jedoch neu« Stenersordernnge» nicht bervorgernfe» hat. Schließlich werde» verschieden« Regieruiigsvorlagen angekündigt, duruiiler eine solche, betreffend dt« Reorganisativt» und Leitung d»S öffentlichen Schul- wesens.»» Afrika. Kairo, 80. Februar. Die Nalio»alverfa»>ms»iig wurde heute vom Khebive«röfsiiel. In der Ansprache, welche der Khedine kielt, führte er aus, daß die egyplische Regierung de» Mächlei»«t»e» Pl»n zur weiteren Herabsetzung der Sie»«,» vorgelegt habe, der, wi« er hoff«, di« Zustimmung der Mächt« finde»«erde. — Zum jüngste» e n g l i s ch- m a r o k k a n i s ch e n Zwischenfall wird der„Juleni. Kon'esp." aus London ge- »neldei: Das Elobe Ventura Syndikat, dessen Dampfer vor einige» Tagen an der Südivesiküste von Marokko durch das Kanonenboot »Hassani" wegen angeblichen Waffenschinnggels angegriffen wurde, erklärt die Bchanptnngc» betreffs seiner Erobernnasabsichten auf das marokkanische Sn--Gebiet als widersinnig. Das Eyndikal bade die Konzcssionen zur Anlage von Handelsniederlassungen und Berg- werke» i» dem bezeichnelcn Gebiet durch die VermUtelung des Scheriffs von Wasan vom Sultan in aller Fori» erworben, weshalb der Angriff des„Hassani" ganz ungerecht sertigt gewesen sei. Die englische Regierung wird daher von dem Sultan volle» Schaden- eraatz für die Gesellschaft sowie die annliche Anerkennung der Ge- seUschaflkrechte derselben im Sus-Gebiet verlangen. Asien. — Arbeitslosigkeit u» d AgrarkrisiS in Japan. Nach Drahtinelduiigen ans Dokohama sande» am letzten Sonntag i» Tokio, Ieddo und anderen Sladlen Japans grobe Kundgebungen der unbeschästigten Arbeiter und kleine» bäuerliche» Besitzer statt. In- folae der allgenieine» GeschäslskrisiS haben seit 3 Monaien gegen 120 gröhere Fabriken die Slrdeit völlig eingestellt, sodaß zur Zerl in de» Jndnstrieslädien die Zahl der nnbeschaftiglen Arbeiter wohl ans Hunderltausend gestiegen ist. Bei den Kundgebungen des letzten Sonnlngs verlangten die Arbeiter die Herabsetzung aller Zölle und Steuer» auf Lebensmittel, sowie aller Jabrikationssleuer», während die Bauern unter Berufung aus die lraurige Lage ihres Gewerbes- die A u f h e b»» g der Grund- st e n e r forderten. An de» Aufzügen betheiligle» sich mehrere hnuderltansend Personen; die Opposition gegen die neuen Slener- u»o Fuianzgesetze gewinnt täglich an Umfang, weshalb die Lage der Liegierung eine sehr schwierige geivorden ist.— Amevikfl.� — Z u in Morde des Präsidenten Barrios wird an? Gnainnala berichtet: Der Mö>der des Präsidenten Barrios ist. trotz seines deutsch klingenden Namens Solinger, ei» Engländer von Geburt. Montckildco, 10. Februar. Präsident Cuestas hat eine Proklauialion an das Land erlasse», i» welcher er versichert, daß der Stand der Finanzen ausgezeichnet sei, jedoch erklärt, er habe lnfolge der entschiedenen Opposition der Parlamentsmehrheit de- schloffen, die Kammer» aufzulösen und einen Staalsralh tinzusetze». der ans 88 Mitglieder», und zivar zu zwei Dritteln Colorados mid eiiiem Drittel Blancos, bestehen solle. Das ist der offene Staats- streich.— Klbgeordneketthmts. 19. S i tz li n g v o ni 11. Februar 1898, 11 Uhr. Am Ministertisch,: Thielen, von Miqutl und Koin- wissarien. Die Spezialberathniig des Bau-Etats wird fortgesetzt. Abg. Dr. Gamp(sk.) wünscht die Beschleunigung der Einsüh- '«>-»«» Kanalgebühren ans dem Main-Kanal. Minister Thielen: Di« Erhebung von Abgaben wird vor- bemtet. Abg. Jiickel(frs. Bp.) bedauert, daß die Regierung, nachdem sie sich neu» Jahre lang i»it der Posener Ueberschivemniiings- Angelegenheit beschäftigt, stch nun um die Sache herumdrücken wolle; es scheine fast, als ob der Finanzminister hinter der Sache stecke. Minister Thielen: Die Sladtverwaltnng von Posen trage die Verantwortung für die heutige Lage. Abg. Dr. Sattler(natl.) bittet den Minister, sich mit der Stadt Posen zu verständigen, anck bezüglich der Warthe- Regulirnng, und zwar im nationalen Interesse, denn gute Kullurverhältniss» werde» die Deutsch«» veranlassen, in Posen zu bleiben, während sie jetzt Posen verlaffe», so daß heute schon das Gewerbegerichl in Pose» nur ans polnischen Arbeiter- und Arbeitgeber-Beisitzern gebildet wird. � Minister Thiele» erklärt sich mit dem Stniidpuiikte Satller's einverstanden, belont aber, daß von der Siadt Pose» et» neues Projekt ausgearbeitet fei, das noch der Prüfung uiiterliege. Abg. vom Rath(natl.) spricht sich gegen die Erhebung von Kanalgebühren aus den, Mai» aus. Vom Regierungstisch« wird erwidert, daß die Interessenten und namentlich die Stadt Frankfurt seit l'/e Jahre» von dem Plane der Zollerhebung nnterrichlet sind. Ans eine Anregung des Abg. Knebel(nall.) erwidert Regierungs- romiiirffar Laug«, daß die Projekte für eine Fortsetzung der Regn- Irrung des Rheins von Köln stromabwärts ausgearbeitet werden, UM zunächst die Höhe der Kosten voranschlagen zu küiiiien. Hiera» knüpft sich ei»« kleine Polendebalte. Abg. Gothein weist auf die Verswiedung der Kohlen-Absatz- verhnliniffe hin. Seit die regulirt« Oberoder dein Verlehr freigegeben ist, hat die oberschlesische Kohlenprodnktio» erheblich abgenon»»«», sie wird im Jiilande durch die Ruhrtohle geschädigt und an der Weser werden ihre Produkle durch englische Kohle verdrängt. Er gönne der rheinische» Kohlenprodultion gern de» Vorlheil, aber inan soll da»» de» Oberschlesicr» ebenso leisliingsfähige Wasserstraf*» gebe», wie den westfälischen Kohlengebieien. Auch die Schiffsabgabe,, ans der Oberoder seien zu hoch und auch gar nicht gerecht- fertigt, � da die dort angelegten 16 Slaiistuse» keineswegs e>lleii> im Jnieresse der Schiffsahrt, sonder» auch im Jiileresse der Müllerei erforderlich wnrdeii. Redner legt eine Anzahl von Tarisunierschiede dar, die de» Westen bevorzuge» gegenüber dem Acikehr aus der obere» Oder. Auch die Landwirlhschnft bat in dieser Gegend erhebliche Jnleressen a» der Verbilligung der Tarife. Die Landwiithschaflslaiunier hat selbst dar»», gebeten, sie hat keinen Erfolg gehabt, weil der F>na»z»ii»ister und der Arbeitsniinister agrarischer sind als die Landwirlhe. Regierungs- Kommissar Geheimer Rath Lauge: Vor Auf- fiellnng des Grbühreulariss ist de» belheiiigleu Kieise» Gelegenheit zur Aeiißeriing gegeben. Es hat sich herausgestelli, daß die Waffer- srachte» erheblich billiger sind, als die Eisenbahusrachteu, und da er- schien es angemessen, wenn die Gebühre» so denieffen wurden, daß die Regierung daraus einen Nutze» für die von ihr ans- gegebenen K.ipitalje» zog. Die Tarisseflsetz""g erfolg« im W.ste» genau nach denselben Prinzipie» wie an der Oler-Oder; eine Verbesserung des Tarifwesens werde vielleicht etnlreten nach Einführung der Aichung der Schiffe. Abg. Golhei» meini, daß diese Auffassung deutlich erkennen lasse, die llieguliiling der oberen Oder sei nur im finanziellen StaatS- intereffe, nicht aber im wirihschastUche» Interesse Oberschlestens erfolgt. Minister Thielen führt auS. daß die veränderten Absatz- verbälinisse ans andele Ursache» zurnckzusühre» seien. Die Produktion i» Ob.rschlesien habe sich stärker geHobe». alS die im Westen, aber auch»ene Absatzgebiete gefunden. Die Abgg. Gamp und Graf Ballestrem(Z) trete» de«, Abg. Gothein bei. Bei der Position.Zur Verwaltung und Unterhaltung des Doriiiiiiiib. Ems Kanals' fährt Abg. Kanitz(k.) Beschwerde darüber. dnv der Kmiattaris nicht, wie versprochen, rechizeitig den Jnter- efsenten dekaniil gemacht ist. Außer de» Jnieresse» der Landwirth- fchofi seien auch die der rheinische» Mon>a»-Jnd»strie nicht gewahrt. Es liegt die Möglichkeit vor, daß gerade durch den Dortmund- Ems-Rnnal englische Kohle» bis in den Dortmunder Bezirk gelangen. Vielleicht ist da eine unterschiedliche Behandlung der Frachten zu Berg und zu Thal augezeig», ivas nauieullich bei der im Reichsiage angedeuiete» Möglichkeit vom Abschlüsse eines Handelsvertrnges mit England von Wichtigkeit sei« wird. Tie Industrie im Westen enlzieht fortgesetzt der öst- lichen Laiidwirihschaft die Arbeiier. Die Kanäle sollten zur Enllastniig der Bahnen gebaut werden. Es wäre gut, wenn dieser Grundsatz aufrecht erhalten würde, auch bei der Fefisehung einzelner Bahntarise zu gunpeu gewisser Industriezweige. (Bravo! recht?.)- Minister Thielen: Die Veröffentlichung der Tarife war nicht früher möglich; auch eine verschieden hohe Benicssung der Berg- »»d Thalsrachten erscheint nicht angängig. Mit einer unrichtigen Tarifpolitik würde die Monlaii-Jndustrie nicht blos im Rhein- lande, sondern auch in Oberschlesien gleichmäßig getroffen werden. Der Dortmund- Ems- Kanal muß sich erst allmälig entwickeln und auf die allgemeine Kanalsrage werden wir ja im Herbst näher eingehen können, wenn die Regierung, wie sie beabsichligt, mit einer großen Kanalvorlage vor das Haus tritt. (Lebh. Widerspruch! rechts.) Es befreunden sich immer weitere Kreise mit de» Kanalbaute», selbst ehemalige Gegner derselben, wie z. B. beim mas, irischen Kanal, lind soeben geht ein Telegramm ein. daß der hannoversche Provinzial- Landtag sich mit allen gegen 7 Stimmen für den Mittelland- Kanal ausgesprochen hat.(Bravo! links.) Abg. Sckimtedins(natl.) tritt für billige Tarife ans dem Dorimiind-Ems-Kanat ei». Die Jndustriefreuiidlichkeit des Grase» Kanitz zeigt sich heute wieder im schönste» Lichte. Die Bahnen sind vielfach a» der Grenze ihrer Leistiingsfähigkeit angelangt, ihr Ausbau würde theurer sein und mehr Gefahren herbeiführen, als die Kanäle. Abg. Ganip(sk.) steht dem Dortinund-Enis-Kanal nicht so un- freundlich gegenüber wie Graf Kanitz. Der Kanal ist als eine neue Rheinmündung gedacht, und nun wir ihn habe», lnüffen wir ihn auch ausnützen. Abg. Brünier(natl.) tritt für die Kanalbauten ein und für Verbilligung der Tarife, die bei»ns meist nicht iiiierheblicb höher sind als i» Belgien und Frankreich. Graf Kanitz scheine die Politik der Soinniliing der produktive» Stände damit zu beginnen, daß man einen der produktive» Stände todlschlägt oder in seinen Lebens- bedingnngen schädigt, wie es Gras Kanitz durch die Streichung der AuSnahmetarise für Erze beabsichtigt. Redner begrüßt mit Freuden die Slnkündiguiig einer Vorlage über die ErweiUriiNg des Waffer- straßennetzes. Abg. Frhr. p. Plettenberg(k.) macht auf die Konkurrenz der englischen Kohle ansnierksam und besttrworUl eine Differeiizirung von Berg und Thal nicht»ur für die Kohle, sondern auch für Holz und Getreide. Abg. Möller(nil.) hält die Konknrrenz der englischen Kohle nicht für so gefährlich,>vie es die Herren von der Rechten darstelle». Ich bedame die Kundgebung des Landwirlhichaflsiiiinisters über de» Abschluß künfliger Haiidelsveriräge. Die Handelsverträge haben der Laiidwirihschaft nicht geschadet, sondern genützt, und es ist nur ein Bedlirfniß vo» Agitataren gewesen, sie zil bekämpse». Abg. Brömel(Freis. Bg.) tritt für die Erhaltung der Handels- vertragspoliiik«in. Abg. Graf Limburg-Stirnm bestreitet dem Abg. Möller gegen- über, daß die Handeisverträge der Landwirthschaft genützt haben. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Soiiiiabend II Uhr.(Fortsetzung des Etats der BanverwaltUiig, Etat der Forsten und Domänen.) Schluß ä'/e Uhr. NalVlgsmenkÄrifches. Ted VnndcSrath hat in seiner letzlen Sitznng, über die wir schon gestern berichtet habe», auch noch der Vortage, betr. die zoll- freie Ablaffung von Mamllahansgar» bei der Verwendung zum Schiffsbau, und dem Ausschußantrage, betr. de» Zoll- und Salz- steuer-VerwaItu»gskoste»-Elat für das Königreich Preußen, die Zu- stinniiuiig erlheilt. Von der Uebersichl der Geschäfte des Reichs- gerichts im Jahre 1897 wurde Kennimß genommen. Schließlich wurde über eine Reihe von Eingabe» Beschluß gefaßt. J» der Budgetkouiinissio» des Reichstags wurde heute die Beralhung des Dt ilitär- Etats sorigesetzi. Vo» den fort- dauernde» Ausgabe» wurden die Kapitel: Kriegsministeriilin, Militär- Kaffeiiivese», Juieudaiiture», Militär-Geistlichkeit und Miliiär- Jnstizveiwalliing für das preußische, württembergische und sächsische Konliiigenl nach den Ansätzen des Etats genehmigt. Bei dem Kapitel: Miliiär-GeistlichkeU sührie Abg. Dr. Lieber(Z.) Klage dar- über, daß»ach ihm von Geistlichen gewordener Diiilheilung in Kasernen imstiiliche Schriften schlimmster Art verbreilet feie». Die Abgg. v. Kardorff und Graf Roon maße» den große» Städten die Schuld bei für die Bersühiung der Jugend nnv enipfahle» Be- schränk ung der Freizügigkeit. Abg. v. Maffow befür- wortele strengere Beaufsichtigung des Buchhandels. Abg. Singer trat diesen Auffassungen entgegen. Die Beralhung des Miliiär-Etats wird Dienstag sortgesetzt. Tie sechste Konimisfion dcS Reichstags hat heute die erste Lesung der Novelle zur Zivilprozeß-Ordniiiig beendet. Am Dienstag soll der Anlrag v. Salisch, betr. Einsührung des Nacheides, z»r Beralhung kommen. Konimission für die lex Hrinze. Die Berathung beginnt mit dem tz 134», welcher lautet: Mit Gesängniß bis zu drei Monate» und mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit einer dieser Slrafen wird bestraft, wer an öffentliche» Straßen oder Platzen Schrisle», Abbildungen oder Darstellunge» ausstellt oder anschlägt, welche, auch ohne unzuchiig zu sein, durch grobe Unanständigkeit geeignet sind, das Scham- und Siltlichkeitsgesiihl erheblich zu verlktze». Ist die Handlung gewerbsmäßig begangen, so treten die Strafe» des§ 184 Absatz 2 ei». De» Absatz III bilden die Blstimniungen des jetzigen Z 184 Absatz II im Strafgesetzbiich. Aug Leiocha motivirt de» Antrag; er giebl zu, daß der Begriff grobe Unanständigkeit dehnbar sei, daher hätten sie sich bemüht, denselben im Paragraph näher zu definire». Abg. Schall: Der Paragraph sei notdivendig zu»i Schutze der Jugend. Die alte» Sünder könne man nicht schützen. Er spricht sich sur Erhöhung der Strafe auS. Geh. Regierungsraih v. Tischendorff weist darauf hin, daß der vorgesä/lagene Paragraph stch in der srühere» Vorlage der Regiernnge» nicht befunden habe. Er glaubt nicht, daß mit der vorliegenden Faffung erreicht werde, was man erreichen, volle. Man solle eveiitiiell»ur den Schutz der Jngeiid in, Auge haben und nimmt hierbei mehrfach bezug ans einen den französischen Kammern vorliegenden Gesetzentwurf, in dem dieses zum Ausdruck kommt, auch müffe das Anbieten uiistttlicher Schriften an die Jugend durch das Gesetz betroffen werden. Abg. Beckd bedauert, daß die Regierunge» zu der Borlage noch keine Elelliing geiiomnien hätten. Der Paragraph sei für ihn nicht an- iiehmbar. Abg. Bebel: Auch ihm gehe der Paragraph zu weit, seine Bestimmungen seien zu dehnbar. Er wünscht, daß der Kommissio» die Bestimmungen des französischen Gesetzeniwurfs nebst den Beschlüssen der Kammern mitgetheill würden. Vorläufig sei ihm un- klar, wie nia» Jugend und Alter durch das Gesetz getrennt behandeln wolle. Geh. Regierungsraih v. Tischendorff macht anssührlichere Miitheilunge« über de» französischen Gesetzentivurf und seine Be- Handlung i» den Kammer». Abg. Pieschel erklärt sich gegen den§ 184» in seiner jetzigen Faffung. Abg. Schall beanlragt, ,u sage»: Mit Gesängniß bis zu zwei Jahren und mit Geldstrafe bis zu 1000 M. oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer Schriste», Abbildungen oder Darstellungen, welche unzüchtig oder zur Unstlltichkeit anzuregen geeignet sind, minderjährigen Personen an- bietet, verkaust oder sonst überläßt und zugänglich macht. Aus Anlrag Roer«» beschließt die Kommission, die Berathung des 8 184» und b auszusetzen, auch solle» der Gesetzentivurf und die Beschlüffe der französischen Kammer für die KomuiissionSnntglieder beschafft werden. Man geht nunmehr zu§ 327» der Vorlage über,««Icher lautet: Wer wiffend, daß er an einer ansteckenden Geschlechtskrankheit leidet, den Beischlaf ausübt, ivird mit Gesängniß bis za einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark bestraft. Ist die Handlung von einem Ehegatte» gegen den andere« verübt, so tritt die Verfolgung nur aus Anlrag ein. Abg. Letocha begründet den Antrag unter Hinweis auf ähnlich« ftrafgefttzliche Bestininiungen in Norwegen, Schweden. Finnland, Oesterreich und dem Kanton Echaffhaufen. Abg. v. Gustedt ist für de» Antrag, die Ansteckung erfolge nicht selten aus Stach« gegen eine ander« Person. Abg. Pieschel spricht sich ebenfalls für den Para« graphe« aus. Geh. Reg.-Rath v. Tischendorff weist ans die Be- denken von ärztlicher Seile hin. Auch würden Erpreffniigsversuche nicht selten sein. Was solle aber werden, wenn beide Betheiligte krank geivesen seien? Der Paragraph bleibe in der Hauptsache ans dem Papier. Abg. Kruse benriheilt de» Paragraphen vom Stand- Punkt des Arztes aus, derselbe habe sehr wenig Werth. Das Wissen, an einer ansteckenden Krankheit zu leiden, sei schwer nachweisbar. Geh. Reg.-Rath Fischer ist anfangs für de» Paragraphen geivesen in Rück- ficht ans eine ähnliche Bestimniung im allen sächsischen Strafgesetzbuch. Er habe jedoch gesunde», daß zwar das alte Gefetz vom Jahre 1833 eine solche Bestiminung gehabt habe, diese sei aber in das Gesetz von 1868 nicht wieder aiifgenommen worden, vernrnthlich, weil sie keine Wirkimg gehabt habe. Abg. Bebel ist mit der Absicht des Paragraphen einverfianden, er bestreite aber, daß der Paragraph irgend welche» Nutze» habe. Viel mehr werde erreicht, würde die Krankenversichernngs-Gesetzgebung entsprechend geändert und Bor- sorge getroffen für gründliche Belehrung; er ist für eine systematische Bekänipflliig der Krankheiten. Regierungsrath Drews hält de» Paragraphen ebenfalls für bedenklich. Abg. v. Gustedt erklärt sich vom Slandpunkte der Abschrecknngstheorie für den Paragraphen. Abg. Kruse äußert eine Reihe weiterer Bedenken gegen den Vorschlag. Abg. Schall spricht sich für Verschärfung anS. Regierungskoinimssar v. Stark ist der Meinniig, die Materie werde am besten durch«i» Senchengesetz für Menschen geordnet. Abg. Beckh wünscht«ine«wetterte Fassung; daß blos die Ansteckung durch den Beischlaf getroffen werde, genüge nicht. Geh. Ob«r-Rc- giernngsrath v. Lenthe erklärt sich gegen die Berschärfungsvorschläge Schall'ö, ebenso gegen Beckh's Ansichten. Der Paragraph sei keine Verschönerung des Strafgesetzes, insbesondere nicht der Absah 2. Abg. Bebel: Er sei der Meinung, daß ein Spezialgesetz, mit dem gleichzeitig eine Aendernng des Krankenverstcherungs- Gesetzes vor- ziliiehiiie» sei, am gründlichsten helfe. Die Geschlechlskraiikheilen hätte» einen Umfang angenominen, daß sie eine Gefahr für die ganze Gesellschafl seien. Bei der Größe des Uebels komme der vor- geschlagene Paragraph so gut wie garnicht in betracht, der »ach der Ansicht aller seiner Verlheidiger nnr auf dem Papier stehen werde, dafür sei er nicht zu haben. Abg.Roere» legt dem keine große Bedeutillia bei, iveil der geforderte Beweis schwer zn erbringen sei, dennoch sei er für den Vorschlag. Abg. Schivarz spricht sich in gleichen» Sinne aus, nütze der Para- graph nicht, so schade er ivenigstens auch nicht. Abg. Lelocha be- antragt z» sagen: Wer... de» Beischlaf vollzieht und dadurch die Gesundheit eines anderen gefährdet, wird u.s. w. wie im Paragraph, er zieht aber seine» Antrag zurück zn gunste» des Schall'schen, welcher lautet: Wer die Gesundheit einer Person dadurch gefährdet, daß er wissend, daß er mit einer ansteckende» Geschlechlskrankheit behaflet ist, de» Beischlaf ausübt, wird i»it Gefäiigniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 1000 M. bestraft. Dieser Antrag Schall wird bei der Abstiiiiminig mit 9 gegen 2 Slimmen(Kruse und Bebel) angenominen. Der Absatz 2 des Paragraph wird mit 10 gegen l, der ganze Paragraph mit 9 gegen 2 Stimmen aiigenominen. Damit ist der Gesetzentwurf bis ans die 88 184» und b erledigt und soll zu denAnträge» Bebel, z»88I'öil.s.w., des Slrafgesetzbuchs übergegangen werden. Abg. v. Gustedt be- antragt zur Berathung des Antrages Bebel zu§ Uli(Widernatür- liche Unzucht)«inen Kriiiiiuairomimssar der sittenpolizeilichen Ab- theiluiig einzuladen und deshalb die Berathnng zu veriage». Die Koiiiimssion beschließt demgemäß iliid erklären die Regierungs- kommiffare sich bereit, den Vorschlag des Abg. Gustedt zur Aus- führung zu bringen. Nächste Sitznng Donnerstag vormittags 10 Uhr. LVtthlbemegzmg. Die Nationalliberalen, Konservative» und Bund der Landwirlhe haben eine geineinsanis Kandidatur für de» Wahlkreis R» p p i n- Templi» in Aussicht genommen. Geuaiiiil wird Rechtsanwalt Dieterichs-Prenzlau. Die Zentrnmspartei wird, nach der„Köln. Ztg.", im Wahlkreise R e i ch e n b a ch- N e ii r o d e als Reichslags-Kaiididateil den Groß- industrielleii siicichsgrafe» v. MaguiS, im Wahlkreis« Pleß-Rybnik als Landtags- Kandidaten an stelle des verstorbenen Wolczyk den Reichstags-Abgeordneien Wolny aufstellen. Aiitisemit Rcdakleur K. Sedlatzek will gegen Rickert in Danzig kandidiren und außerdem will er sein Glück im Wahlkreis K o l b e r g- Köslin versuche». Der Bund der Landwirlhe in Erfurt beschloß an der Kau« didatur Jaeobskötter festzuhalten. Im mecklenburgischen Wahlkreis Malchin-Waren be- absichtigen die Konservativen, den Kammerherrn Baro» v. Maltzahn ans Peccatel als ihren Reichslags-Kandidaten auszustellen, nachdem der bisherige Reichslags-Abgeordnete des Wahlkreises, Landrath Freiherr v. Maltzahn ans Moizow eine Wiederwahl abgelehnt habe. Kta vlei-Ltachvtchten. Der Gemeinderath in Sonnebcrg i. Th.«ahm gegen drei Stimmen de» üliurag unseres Parteigenosse» W e h d er an, das Schulgeld sowohl für die Elementar- wie für die Fortbildnngs- schule auszuheben. Schwer erkrankt ist der Parteigenosse A u g u st D i e h l i» Leipzig, der im vorigen Sommer eine 16 monatige Gesängniß- strafe beendet hat, die ihm als Redakteur der„Biirgstädter Volks- stiiiinie" von sächsischen Richter» auferlegt worden war. Durch einen Nervenschlag erlitt er eine starke Blntnng des Gehirns, was den Iheilweise» Verlust seines Gedächtnisses zur Folge hatte. Wie die Burgstädt«„Bolksstimme" mitlheili, sollte er auf den Ralh des Professors Windscheid in einer Nervenkliiiik Uiiterknnft finden, da aber dort, wohl infolge von Ueberfüllung, kein separates Zimmer für ihn zu haben war, mußte ma» ihn einein Krankeiihaus über- gebe». Möge es der Knust der Aerzte gelingen, unseren kranken Genosse» bald vollständig wiederherzustellen! Vvoxetz Jol«. Paris, II. Februar. Um ll>/t Uhr trifft Zola am Justizpalast ein. Die Menge eilt auf seinen Wage» zn»nt« Echinährnfen. Gleichzeitig kommt Obers« P i c q» a r t an; als er den Wage» verläßt, wird gerufen: „Nieder mit Picqnarl! Nieder mit dem Zimmerdieb!" Dagegen werde» die anderen Offiziere, die als Zeuge» erscheinen, mit Hoch- rufe» auf die Armee begrüßt. Der Sitzungssaal bietet dasselbe bewegte Bild wie in den letzten Tage». Bei Zola's Eintritt erfolgt keine Kilnbgebnng. Im Saale sind verstärkte Maßnahmen zur l?'-hall»ng der Orb,»mg ge- troffen. Oberst Picquart erklärte bei seiner Ankunft im Gerichtsgebände seinen Freunden, er sei enischloffen, die ganze Wahrheit anSzilsagen und nndekümmert um die Folge» rücksichtslos zu spreche». Nach 12>/« Uhr wird die Sitzung eröffnet und ziliiSchst noch einmal General de Pellieux aufgerufen, verwegen eines spanisch geschriebenen an Picquart gerichtele» Briefes vernommen wird. General Pellieux kommt auf einige Puiikie aus der gestrigen Ver- Handlung zurück und bemerkt, ma» habe vielleicht feine Worte falsch ausgelegt. Oberst Henry habe gesagt, daß ein Aktenbündel geöffnet sei »iid die Bertheidigung davon Kennimß genommen habe.„Ich muß sagen, daß im Burea« für de» Nachrichtendienst viele Alienbüiidel liegen. Das geöffnete Bündel bezog sich auf Brleflaube». Es handelte stch nicht iliu die Dreyfus-Sllte». Diese wurden vielmehr»ach dcni Prozesse deS Jahres 1894 versiegelt»nd erst in der letzlen Zeil von mir wieder geöffnet, um eine neue Unlersuchung des Bvrdereans vornehmen zu lasse». Dann wurde daS Bündel vo» neuem versiegelt und im Kriegsministerium deponirt." Pellieux dei»e»tirt hierauf in aller Form die Zlenß«i»ig LebloiS', welcher erklärt hatte, daß er dieser Tage mit dem Obersten Henry in dessen Kabinrt eine mehr als zweistündige Unterredung gehabt habe, und fähr! dann fort:„Nachdem Oberst Picquart den Major Esterhazy beschuldigt bnü et flesälschte Briefs geschrieben habe oder solche habe schrslik» lasse», sagte Picqnarl später, wen» eS nicht Esterhazy ge- u efeu sei, könnte» es Personen aus Eslerhazy's Fretindscdast gewesen fei». Alles ist seltsam in dieser Angelegenheit. Der Kriegs- minister erhob eine genau präzistrte Anklage gegen Zola, der das Kriegsgericht beschuldigt hatte, aus eine Ordre hin eine» Schuldige» freigesprochen zn haben. Nun hat man uns aber den Name» dieses Schuldigen nicht genannt.(Unruhe.) Jawohl, ich sage aber folgendes: Major Esterhazy, bezüglich dessen ei» Eiustellnngs- beschlnp ausgesprochen war, präsentirte sich trotzdetn dem Kriegs- geeicht. General Saussier wollte sich mit der gerichtlichen Er- klarnng, daß es an genügenden Beiveisinittel» zur Verfolgung Eslerhazy's fehle, nicht begnüge». Saussier wollte— das kann ich sagen— entgegen der Ansicht vieler Auloritälen, die höher sind als die seinige. daß Esterhazy vor seines Gleiche» und in einein öfsirtt- liehen Versahren in Gegenwart der Parteien vor Gericht stünde. Ich bedaltere meinestheils, daß die Verhandlung nicht ösfeullich geiveseu ist, ivie ich es selbst geivünscht habe. Der Kriegsminifter verlangte Ausschluß der Oefsentlichkeit." Labori fragt weiter: Hat Leblois danrals nicht Frage» gestellt, die eine Ergänzimg der Untersuchung hätten nothivendig machen können? de Pellieux ant> wartet; Darauf antworte ich nicht. Oberst Lau th sagt aus, Picquart habe ihn beauftragt, die vom Zeuge» bereits erwähnte Rohrpostkarte zu photographiren und ihn dabei ersucht, die Spuren der Risse in der Karte zum Ver- schwinden zn bringen und danach die Echtheit derselben zu bescheinige»; alles dies habe er dem Obersten Picquart ruudiveg verweigern zn Müssen geglaubt. Hierauf tritt unter lebhafter Bewegung und Aufmerksamkeit deu Publikums Oberst Picquart als Zeuge vor und giebt a»: Gegen de» Monat Mai 1896 fielen die Bruchstücke einer Telegramm- karte in meine Hände. In der Karte war von dem Major Esterhazy in Ausdrücken die Rede, die mir anzudeuten schiene», daß Esterhazy j» Beziehungen zn ziemlich verdächtigen Personen stehe. J») sog Erknndignnge» ein, die ihm ungünstig rvaren und stellte Nachforschungen über sein Thun und Treiben überhaupt an. Das Ergebuiß gereichte dem Osfizier nicht zur Ehre. Ich wurde be- anftragt, meine Nachforschungen sortznsetze». Ich verschaffte mir Stucke von der Hand dieses Osfifiers und die Vergleichung, die ich sodann zwischen dieser Handschrift und gewissen Schriftstücken an- stellte, bestärkten meinen Verdacht. Was mir namentlich ausfiel, war die Aehnlichkeit dieser Handschrist und jener des bekannten Bordereaus, von dem man so viel gesprochen hat. Ich ließ Photo- graphien der Handschrift herstellen und zeigte dieselben zwei sehr maßgebenden Personen, Herren Berti! Ion und dem Major du Paly de Etain. Berlillo» sagte mir: Das ist genau die Hand- schrift des Bordereati. Ich sagte ihm daraus, daß diese Handschrist aus einer Zeit»ach dem Dreyfns-Prozesse herrühre, ivorauf er mir erwiderte: Nun za, die Juden lhun alles Menschenmögliche, um sich diese dem Borderemt gleichende Handschrift zn verschaffe». Du Paty de Clam sagte zu mir: Das ist die Handschrift von Dreysns! Ich wnßte, daß ei» höherer, mit Orden geschmückter Osfizier, dessen Namen ich nicht nennen kann. einer auswärtigen Macht gewisse Dokumente lieferte. Ich will keineswegs weiter Geheimnisse enthüllen, aber Major Ravary sagt in seinem Berichte, ineine Ueberzengung habe sich auf die Thatsache gegründet, daß die Handschrift in dem geheimen Aktenstücke mehr ans die- e n i g e E st e r h a z y's passe, als auf diejenige D r e y f tt s'. Esterhazy, der von Paris abwesend war, kehrte plötzlich zurück und sagte zu einem Zeuge», de» man wird verhören können, es stünde eine Anzeige gegen ihn bevor.(Bewegung) Kurz, man sandte mich dann nach Tunis. wo meine ganze Post erbrochen wurde, ehe sie an mich weiter ging. Ich erhielt auch einen Brief von Esterhazy, in welchem er mir vor- warf, Unteroffiziere bestochen zn haben, daß sie sich seine Handschrist verschafften. Was das Telegramm mit der Unlerschrist„Blanche" angeht, so rührte es von jemand her, der durchaus über die An- gelegenhett Esterhazy auf dem Laufenden zn sein schien; das Telegramm besagte:„Man hat Betveise dafür, daß die mit„Georges" unterzeichnete Rohrpostkarte von Ihnen herrührt," u. s.>v. Als- bald informirle ich den Generalkommandanten von Tunis und schrieb an den Kriegsminister, um ihm von den Thatsache» Meldtmg zu usache» und die Einleitung einer Untersuchung zu ver- langen. Wenige Tage danach wurden z» meinem größten Erstaunen diese Thatsache,, von der„Libre Parole" erzählt. Der Bericht- e r st a 1 1 e r in der Esterhazy-Sache, sagt Picquart aus, schien sich viel mehr mit den, zu beschäftige», was ich getha» Halle, als mit dem was den Major Esterhazy betras. Und doch habe ich viele Dinge ge- meldet, ivelche diesem Ossizier zum Vorwurf gereichen. So z. B eine Unterschlagungsaffäre, die i» Ssay spielte und welche Esterhazy hätte vor das Kriegsgericht führen könne». Viele in Tunis stehende Offiziere, die ihn kannte», hatte» mir vielerlei wenig Günstiges über ihn mitgetheilt. Man legte aber keinerlei Gewicht auf meine An- gaben! Picquart bestreitet formell, jemals i» Gegenwart Leblois' ei» geheimes Aktenstück in Händen gehabt zn haben. Da»» rechtsertigl Picquart die Haussuchungen, die er bei Esterhazy vornehme» ließ. Sei» Agent habe ihn, lediglich eine Karte gebracht, die ihm dazu gedient habe, die Handschristen zn vergleichen. Besonders habe der Agent konstatirt, daß viele Papiere im Kamin ver- bräunt worden seien. Albert Clemenceau beantragt nun neuerdings, daß ein Richter zu Madame Boulancy geschickt werde, um dieselbe zu vernehme», und bittet den Gerichtshof, über diesen Antrag Beschluß zu fasse». Als Picquart von den Gerichts- schranken zurücktritt, wird ihm eine wahre Ovation bereitet, man klatscht de», Offizier, dessen elegante Jägeruntform Aller Blicke aus sich zieht, begeistert Beifall und ruft:„Es lebe Picquart! Es lebe die Armee!", während im Hintergrunde des Saales einige Protestruse laut werte». Die Sihnng wird snspendirt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung stellt Labori a» Picquart die Frage: Haben Sie de», Prozeß Dreyfus als Vertreter des Knegsministers beigewohnt? Picquart: Ich ziehe es vor, daraus nicht zu antworten. Labori: Habe» Sie Ihren Vorgesetzten mitge« theilt, daß Esterhazy als der Urheberschaft des Borderaus schuldig an- gesehen werden könnte? Picquart: Ja. Labori: Haben Ihre Vorgesetzten Ihne» gesagt, daß noch andere Beweise als das Borderean für die Schuld Dreysus'ß vorliege? Picquart: Nein. Labori: Worauf sichren Sie die Umtriebe zurück, deren Opfer Sic waren? Picqnart: Ich glaube, diese Umtriebe verfehlen den Zweck der Möglichkeit, die Schuld Eslerhazy's nachzuweisen, ei» Hinderniß entgege»- zustellen. Labori: Glaube» Sie, daß Esterhazy daran betheiligt mar? Picquart: Ich glaube es. Labori: Hatte Esterhazy Mit- schuldige? Picquart: Gewiß. Labori: Konnte» diese Mit- schuldige» im Kriegsmiuistcrium sein? Picqnart: Ich denke im Kriegs, ninisteriuin war jemand, der in betreff der Um- triebe auf dem Laufende» war. Das ist nicht abzuleugnen. Labori fragte a»: Sollten Sie nicht nach Tripolis gesandt werden?" Picquart: Ich glaube, aber General Lecluc er- bat um Instruktionen, da die Sache ihm nicht nothivendig schien. Labori: War diese Mission gefährlich? Picquart(zögernd): Die Gegend war nicht sicher.(Anhaltende Bewegung.) Labori: Ist der Agent, welcher dem Ministerium die Rohrpostkarte zugehen ließ und dem Esterhazy überreichte, nicht derselbe. der dem Ministerium auch das Boideran sand'e? Picquart: Ja. (Bewegung.) Labori: Gab also die Thatsache, daß die Rohrpost- karte aus dieser Quelle stammle. nicht zu Zweifeln Anlaß über seinen Ursprung? Picquart: Gewiß. Es entspinnt sich»nn eine lebhasle Diskussion»wische» Labori und dem General Pellieux, welch letzterer erwidert, Mathieu Dreyfus habe ihm keinerlei Beweis für die Schuld Eslerhazy's beigebracht. Schließlich verlangt Labori, daß der Agent vernommen werde, der das berühmte Borderea»! ausgeliefert hat. Major Lanth erwidert, dieser Agent sei ein einfacher Vermittler, der nicht würde anlwocten können. Dan» wirft L a b o r y den. Major Ravary vor, er habe seines Untersuchung schlecht geführt. Ravary erwidert darauf: Das Mititärgerichts-Versahre» ist ein anderes, als das Ihrige. (Großer Lärni.) Picqnart wirst Ravary vor, er habe s e i» e U n t e r s u ch u n g m i l Hilfe v o n I n s i n» a t i o n e n g e s ii h r t. Hierauf wird die Sitzung aufgehoben. Als Picquart sich ents.unt, kommt es zu verschiedenen Kundgebungen; Zischen und höhnische Rufe mischen sich mit Beifallsllatschen, et» unbeschreiblicher Lärm entsteht. Irgend ein ernstlicher Zwischenfall ist nicht vor- gekomme». GewevKsllszsvftlitszes. Berlin und llutgebnng. Achtung, Buchbinder! Heule Abend bleiben sämmtliche Zahlstellen des Verbandes geschlossen. Lknr die Haupt- Zahlstelle, Restaurant zur„Neuen Post", Beuthstr. 19/99, ist von 3—19 Uhr geöffnet. Denischcö Reich. Das hanseatische Ober-LandeSgericht in Hamburg verwarf die Klage der Lübecker Möbelsabrikanlen auf Schadenersatz von 9999 M., welche gegen die Lohnkouiniission der Tischler sowie gegen den Verleger und Redakteur des„Volksbote" wegen einer Sperr- noliz bei Gelegenheit des Tischlerstreiks im vorige» Sommer ge- richtet war. Ter Streik bei de», Holzwaareu-Fabrikanten R i ch. Beil- stein i» Nürnberg wurde für beendet erklärt, da B. sämmtliche Forderunge» der Arbeiter bewilligte. Die Arbeit wurde am 19. Febr. wieder anfgenommen. Achtung, Former! Zu de» in Aachen ansgebrochenen Differenzen erhalten wir folgende Znschristen: Die eine Firma bereitet Lohnkürzungen vor, und stehe» deshalb die ganze» Former Aachens zusammen. um den ohnehin so niedrige» Verdienst zu er- halten. In einer anderen Gießerei haben sämmtliche Leute bereits gekündigt wegen der rücksichtslosen Behandlung, die gegen ver- schiedcne Arbeiter angewendet worden ist. Die sanitäre» Zustände spreckien den bescheidenste» Anforderungen Hohn. Wenn kein Zuzug von Holland und Belgien erfolgt, dürfte der Steg der Former sicher sei», da von de» deutschen Former» wohl niemand hier sein Heil versuchen wird. Also nochmals Achtung bei Formergesuchen»ach 'Aachen. M. Sendler, Vertrauensmann, Düssetdorf, Grasenberger- straste 27, III. Wege» Nichtannieldniig einer Versammlung wurde der Vorsitzende der Lnckenwalder Zahlstelle der Hutinacher und der gleichzeitig angeklagte Restauralenr vom Schöffengericht freigesprochen. Die Angeklagte» konnten beweisen, daß in der betreffenden Ver- sannulung des Verbandes keine politische» Gegenstände erörtert wurde», worauf vom Amtsanwalt selbst die Freisprechung bean- tragt wurde. Zur Lohnbewegung der Banschreiner nnd Anschläger in Stuttgart. In der am letzten Sonntag stattgefundenen öffentliche» Baujchreinerversammlnng wurde die Antwort der Arbeitgeber ans die vor vierzehn Tagen erfolgte Einreichung des Tarifs bekannt gegeben. Da jedoch von seilen der Arbeitgeber keine bestimmte Er- klärnng vorlag, ob sie de» Tarif anerkennen wollen oder nicht, wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, die Arbeitgeber nochmals zn er- suchen, spätestens bis Freitag, de» II. Februar, ihre bündige Er- klärnng abzugeben. Die zur Versammlung eingeladenen Werkstatt- schreiner erklärten sich mit dem Vorgehen ihrer Kollegen solidarisch. tu.denjenigen Geschäften, welche bis Freitag nicht ihre ustimmnng zn dem Tarif gegeben habe», soll die Arbeit am Mon- lag, den 14. Februar, niedergelegt werden. Ter Ausstand der Former im Eisenhüttenwerk zn Thale ist zu Ungunsten der Arbeiter verlausen. Die meisten Ausständigen habe» das Formular, das bestätigt, daß der Arbeiter aus dem Deutsche» Metallarbeiter- Verbände austritt, unterzeichnet, und sind mit einigen Ausnahmen sämmtliche Arbeiter wieder in Beschäftigung getreten. Die Zahlstelle des Verbandes der Fabrik- und Hilfs- arbeiter in Linde» ist ans Versügung des Polizeipräsidenten auf- g> löst worden. De» Leiter» der Zahlstelle war zunächst aufgegeben, die Frauen von der Mitgliedschasr ansznschließeu. Dem rvurd« nicht nachgekommen, weil die Leiter der Meinung waren, daß ihre Ver- einignng keine politischen Zwecke verfolgt. Daraufhin hat nun das Polizeipräsidium d'e Anslösnug verfügt, nnd wird hiergegen von den Arbeiter» der Klageweg beschritten werden. !t5 Kaualar briter in Lübeck haben die Arbeit eingestellt, i"«il ihnen pro Wagen eine Lohnherabseynng von 39 ans 23 Pf. zugemmhet wurde. Ausland. Vom Geueralsrkretariat der Vereinigten Maschiueubaner Englands erhalte» wir nachstehendes Schreiben: „Bis jetzt sind etwa 7S pCt. unserer ausgesperrten Mitglieder wieder in Älrbeit stebracht. Die Werke sind durch das lange Feiern vielfach in eine» Znstand großer Desorganisation gerathen, der eine volle Ausnahme ber Arbeiten nicht sofort zuließ. Anderntheils sperren sich die Unternehmer auch zunächst»och ein wenig, die Leute, ivelche die Ausgesperrten ersetzten, zu entlasse». Aber die umfang- reichen Bestellungen, die jetzt einlaufe», und andere Umstände berechtigen »ns z» der Hoffnung, daß die Zahl unserer Arbeitslosen i» einigen Wochen ans den normalen Stand herabgesunken sein ivird. Damit ist der Kampf«in den Achtstundentag zn Ende und wir nehmen gern die Gelegenheit wahr, alle» denen, die im Kampfe um ein besseres Dasein uns beigestanden haben, unseren besten Dank auszusprechen. Wir wollen hier nicht forschen nach den Ursachen unserer Niederlage, aber wir versichern Euch, daß der Ausgang des Kampfes»ns ein Ansporn sein wird zu neuem Streben, bis der Sieg an unsere Fahne sich heftet. I. A.: George N. Barnes. Gen.-Sekr." Im Monatsberichte des Gewerlvereins der Maschinenbauer wird mitgetheilt, daß die Mitgliederzahl int Monat Januar ans 99 313 gegen 91 944 im Monat Dezember herabgegangen ist. Diese Abnahme ist den Umständen nach als eine äußerst geringe zu be- zeichnen, denn es ist eine alle Erfahrnng, daß es nach Beendigung eines Streiks immer eine Anzahl Fahnenflüchtiger giebt. Nach vor- läufigen Ansrechnniigen ist den Maschinenbanern während des Streiks ans fremden Hllfsquellen(ob das Ausland hier mit ein- gerechnet ist, geht nicht deutlich genug hervor) die Stimme von drei Millionen Mark zngeflosseit. Die„Shipping World" berechnet den Schaden der Unlernehiner auf M)9 Millionen Mark. Auf Genauig- keit dürslen alle diese Zahlen wohl keinen Anspruch erheben. Für die ausgesperrten englischen Maschinenbaiier gingen bei der B e r l i it e r G e w e r k s ch a f t s t o m in i s s io ii folgende Beträge ein: Pianvsabrik von Schulz, Bluineustraße 79 19,—. Geselliger Frauen- verein Stricknadel, Ueberschuß vom stattgefundencn Vergnügen am 19. Januar 1998 188,89. Tischlerei von Böhm, 4. Rate d-, Musik- instrumenten-Arbeiter d. Anidt(auf Lisicn) 91,45(darunter Fabrik Kling- inanir 19,15, Fabrik Pfeifser 19,—, Fabrtl Link u. Gondeschweger 7,25, Fabrik Müller 5,—, Fabrik Fürstenberg 4,59, Fabrik Siebert 4,55, Milltone»- Schulze 12,59, Fabrik Dreyer u. Komp. 4,25, Millionen- Schulze 5,59, Fabrik Hoffinann 5.—, Millionen- Schulze 22,75). Wöttiner's Messtng-Abtheilung 5,75. Bitdungsverew„Mehr Licht" Ameri- kanische Auktion 5,45. Klempner-Wertstatt von Stand in Wilniersdorf 5,59. Banttschlerei Hille, Boeckhstr. 21 18,89. Steinsetzer Berlins(auf Listen) durch Grabitz 8,25. Gewerkschastskartell Rixdors(auf Listen) durch Bieweg 14,75. Born Maskenball der Fliesenleger 1,45. Brauer Berlins durch Preuß 54,77 (darunter Brauerei Hohen- Schönhauseti in 2 Raten 28,12, Brauerei Pichelsdorf 14,89, Böhmisches Brauhaus 12,95). Einige organisirt« Kollegen von Horrwitz und Saalseldt 3,—. Bauarbeiter Berlins durch Noack(auf Listen) 15,15. Maschinisten und Heizer Berlins (auf Listen) durch H. 25,85. Von der Elserkommission der Orts-Ztranken- lasse der Maschinenbauer und verwandter Gewerbe durch S. 15,—. Th. L. 9,—. C. F. 8,—. Tischlerei A. Reinhardt, Schwedterstr. 96 7,49. Theater- freunde Charlottenburgs 4,60. Theatervorstellung der freien Gauklerbande (Charlottendurg) unter Mitwirkung des Theatervereins Gemüthlichkeit (Wilmersdorf) 129,—. In Sir. 27 des„Vorwärts" ist irrthümlich bei folgenden beiden Quittungen anstatt Sirelitz i. M., Steglitz gesetzt worden. Es muß heißen: Gesangverein Liederlranz, Sirelitz in Mecklenburg 5,—. Filiale der Ver- goider in Sirelitz in Mecklenburg 10,—. Hierdurch zur Lssentlichen Kenniniß, daß die Lifte 884 verloren gegangen ist. Die Inhaber von Samntelltsten werden hierdurch ersucht, dieselbe it auf demGewerkschastsbureau(Amien- straße 16, 1 Tr. R. Millarg) abzuliefern. SozmlVs?. Tie Protokolle der Hamburger Senats- Kommission, be» treffend die Aussagen der Unternehmer und Arbeiter über die A r b e i i s v e r h ä l t n i s e im Hafen, sind, wie die„Hamburger Corr." millheilt, soeben im Verlage von Lucas Gräfe u. Sillem in Hamburg erschienen und zum Preise von 3 Mark zu habe». Die Schrift ist über 499 Seiten in Qnarlformat stark. Sie enthält die ausführlichen, von allen Veiheiliglen nnlerzeichneten Prolokolle von 39 Sitzungen und etwa 39 Anlagen mit Tarifen. Arbeiteoidmmgen und Instruktionen der verschiedenen Betriebe. Ueber die Grubeukatastrophe ans Zeche Kaiserstnhl II, welches Unglück 21 Bergleuten das Leben kostete, sagt die Inhaberin der Zeche, die Gewerkschaft Vereinigte Westfalia, in ihrem Geschäslsbericht:„Die betreffende Banabtheilnng galt für migesährlich, da die'Analysen des ausziehenden Welterstromes, allerdings wie überall bei recht reichlicher Bewelternng, niemals mehr als Vi pCt. Grubengas nachgewiesen haben. Etwas ganz sicheres über den Herd der Entzündung bal sich nicht feststellen lassen. Wahrscheinlich sind die Schlagwetter einer auf dem Orl Nr. 3 am gleichen Tage bloßgeleglen Klnfl plötzlich enlstiömi und haben sich an einer etwa 1>/z Meter vom Ortssloß hängenden Wetlerlampe entzündet." Mit der landläufigen Erklärung, daß nichts Genaues festzu- stellen ist, wird für die Inhaberin der Zeche die Sache wohl ab- gethan sein. Nicht so für die rhetnisch-ivestfälischen Bergarbeiter, die drunten in den Gruben täglich ihr Leben anss Spiel setzen müssen. Sie werden forlfahren, die Anstellung praktischer, von ihnen ge- wählter Bergkeuie als Gehilfen der Grnbeninspektion �zn fordern, nnd so groß anch der Einfluß ist, den die Bergwerksbesitzer ans die Regierung ausüben, der Zeilpnnkt kann nicht fern sein, wo man den Berglenlen, einiges Vorgehen derselben vorausgesetzt, diese Forderung bewilligen muß. Urber de» Arbeiterinangel ans dem Lande hat am 39. Januar im preußische» Abgeordnelenhanse der klerikale Ritter- gulsbesitzer S z m u l a eine beivegliche iliede gehalien. Er meinte, wenn der Minister die Benutznug fremdländischer Arbeiter erschwere, so werde er zum„Todtengräber" der Landwirthschast, denn alles dränge nach der Stadt. Zu diesen Ausstthrnngen schreibt uns ein schlesischer Arbeiter: Wenn der Herr Abgeordnete Szmnla meint, daß eS in Oberschlesien keine Arbeiter gäbe, so mag er sich nur in seinem eigenen Wahlkreise umschauen. Dort wird er genug Arbeiis- lose finden, die gern auf den Gniern arbeilen würden. Die polntscheu Arbeiter Oberschlesieus haben ein Sprichtvort.das folgendermaßen kautet: Wol»l dem ja«no4ii5 ostriz kolke w pietsze anizeli mam wid�ieä Szmuta w Parlament«. Ans deutsch heißt das: Lieber ivill ich ertragen scharfe Dornen in der Fkrsi, trls daß ich sehen soll Szmnla im Parlament. Eine Heilstätte für unbemittelte Tuberkulose- Kranke Hamburgs wird voraussichtlich noch in diesem Jahre eröffnet tverden können. Ein wohlhabender Hamburger hal zum Zweck der Errichtung einer solchen Anstalt 259999 M. gestistet, auch von anderen Bürgern sind Gelder eingegangen, nnd Senat nnd Bürger- schast haben zum Bau einen bei Geesthacht gelegenen Platz zur Ver- fügung gestellt, ferner ist ans ö Jahre zum Betriebe der Heilstätte ein staatlicher Zuschuß bewilligt. Das Kuratorium besteht aus zwei Senatoren, dem Vorsitzenden der Bürgerschaft, zwei Mitgliedern des Medizinatkollegiums und mehreren anderen Herren. In die Anstalt werden nur männliche heilbare Kranke auf« genommen. Später, wenn durch private Znivendunge» die Mittel aufgebracht sind, soll«ine Heilställe für weibliche Kranke errichtet werden. Z 2 der Satzungen besagt:„Für die Zukunft liegt es innerhalb des Stistuitgszweckes, hilfsbedürftigen Tuberkulose- Kranken beider Geschlechter und ihren Familien durch Errichtung weiterer Heilstätten und alle sonst geeigneten Mittel Hilse zu ge« währen." Die Angelegenheit überhaupt zur Staatssache zn machen nnd soinil die Errichtung einer Heilstätte für weibliche Frauen sofort in Angriff zn nehmen, das würde der reichen Hansestadt Hamburg besser anstehen, als der Privattvohllhäligkeit die Ausbringung der Mittel zu überlassen. In Nürnberg wurde am S. Februar nachtS der Wartesaal III. Klaffe des Zentralbahnhofes abgesucht und dabei zirka hundert obdachlose Personen, die dort übernachten wollten, aus- gewiesen. Darauf zogen diese zum Ralhhaus, stellten sich vor der Polizeihanptivache ans und verlangten stürmisch Obdach. Die Polizei löste die Frage auf Polizeimauier: sie nahm etiva 29 von de» Unierkunst heischende» fest und gab ihnen Obdach hinter ver- gilterlen Fenstern, worauf sich die übrigen zerstreuten. Ueber diese glückliche Lösung sind alle ordnungsliebenden Spießer sehr erfreut. In Nürnberg aber giebt es, nach Ansicht des„freisinnigen" Stadt- Magistrats, weder eine Wohnnngsnoth, noch sonst einen Nothstand. Bei der Vergebung der Drulkarbeite» der englische» Re- gieriiug, die auf den Zertraum von zehn Jahren zu erfolgen pflegt, hat das britische Schatzamt, einem Gesuche der Gewerkschaften theil- weise Rechnung tragend, die Vorschrift erlassen, daß die mit der Herstellung der Regierungsdrncksachen beschäftigten Arbeiter voll« ständig tarifmäßig dezahlt werden müffett. Tie Stellung der weibliche» Eisenbahn- Vcamten in Schweden ist durch eine neue Verordnung die am 1. Januar 1898 in Kraft trat, wesentlich verändert worden. Nach Z 4 des Reglements besaß die Eisenbahn- Verwaltung das Recht, dem Beamten jtt kündigen, ohne daß er Unlauglichkeil gezeigt oder sich eines Dienst- Versehens schuldig gemacht zu haben. Die Verwaltung bediente sich bis jetzt dieses Rechts bei der Berheiraihnng der weiblichen Beainlen. Infolge der neuen Verordnung braucht kein Beamter wider seinen Willen aus dem Amte zu scheiden; es sei denn, daß er ein Dienst- versehen begangen habe. Voraussichtlich bleiben nicht viele Frauen auch nach der Verheiralhung im Amte, aber das Recht dazu habe» sie jetzt._ Vepefözen und letzte Llurheichle»». Wiesbaden. 11. Februar.(W. T. B.) Vergangene Nacht wurde im Lahugebiete ein Erdbeben verspürt, welches mehrere Sekunden anhielt. Basel, II. Februar.(W. T. B.) Der Spezialkorrespoudent der„Basler Nachrichten" in Paris ist wegen seiner Haltung in der Dreysus-Angelegenheit von der sranzösischen Regierung ansgetvieseu worden. London, 11. Februar.(W. T. B.) Das Bowstreel-Polizei- gericht fällte heule gegen den stiussen Bttrtzeff und gegen Clement Wirzbecki. ivelche unter der Anklage standen, zur Ermordmig des aren Nikolaus durch Flugblätter aufgereizt zn haben, das rtheil. Ersterer wurde zu 18, letzterer zu 2 Monaten Zwangs- arbeit verurlheilt. London, 11. Februar.(W. T. B) Unterhaus. Adreßdebatte. John Redmond beantragt einen Zusatz, welcher erklärt, die Be- sriedigung der irische» Forderung nationaler Selbstverwaltung sei die dringendste innere Frage und sei nur zu lösen durch Gewährung eines unabhängigen Parlaments und einer ihm verantworUichm uiiabbängigen Regierung. Das Haus lehnt hierauf den Znsntz- antrag Redmond mit 233 gegen 65 Stimmen ab. London, 11. Februar.(W. T. B.) Heute Nacht ist in Hnll der Dampfer„Marbella" infolge eines Zttsammenstoßes mit dem briti- scheu Krtegssckiiffe„Galalea" gesunken. Konstaulinopel, II. Februar.(B. H.) Hier eingelaufene Re- gierungs-Depeschen melden, daß Rußland große inarilime Bor- kehrungen im Schwarzen Meere trifft. Gelegentlich eines Schein« Manövers haben mehrere Kriegsschiffe bei Batiu» 4000 Soldaten gelandet, die sofort nach der türkischen Grenze abinarschirtcu. Bombay, 11. Februar.(W. T. B.) Die Benlenpest ninuiit im Pendschad in bedenklicher Weise zu. In den Distrikten von Hoshiarpur und Jalandhar sind bereits acht Dörfer von der Pcst ergriffen. Veraulivimttcher Redakteur: August Jacoben in Berlin. Für den Jnseratentheil verautwortttch: TU. Gloeke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badtita in Berlin. Siertu 2 Beilagen' Nr. 36, 15. I-hrgW. j,|}(i{(ljj( VeichskAg. 88. Sitzung. Freitag, den 11. Februar 1398. 2 U h r. Am Bundesraldstische: v. B iil o iv. Ei» schleuniger Aulrag der Polen auf Einstellung eines gegen den Abg. v. Saß-Jaworskl in Schwitz schwebenden Strafversahrens wird debattelos angenommen. Darauf wird die Spezialberathung des Etats desAus- w artigen Amtes fortgesetzt beim Kapitel:«Gesandt- s ch a f t c n und Konsulat e". Bei der Gesandtschaft in Athen spricht Abg. Schmidt-Warburg(Z.) seine Befriedigung aus über die energische Wahrnehmung der Interesse» der deutschen Gläubiger Griechenlands durch de» Staatssekretär v. Bülow. Bei der Gesandtschaft in Lissabon hofft Abg. Dr. Hasfo(natl.), daß auch die deutschen Gläubiger Portugals einen ähnlichen Schutz finden würden. Es folgt der Titel: Bolschast in Paris. Abg. Richter(frs. Vp.): Einige franjösische Blälter haben es so dargestellt, als wenn der Herr Staatssekretär seine Erklärung über de» Fall DreysuS in der Bndgelkommission aus eigener Initiative abgegeben hat. Ich konstatire dagegen, daß er es auf eine direkte Anfrage von mir gelha» hat. Ich konnte ja schon voraussehe». daß die Antwort dcS Herrn Siaatssekrelärs so criolgen würde; mir lag aber daran, öffentlich und authentisch von einer ver- iinlwortlichcn Stelle her diese Erklärung zu erlangen. Nachdem der Staatssekretär erklärt hat, daß kein Beamter des Deutschen Reiches jemals mit dein Kapitän Dreyfns in Verbindung gestanden hat. erübrigt es sich, nochmals auf die Sacke einzugehen. Ueber den Sachverhalt kann niemand mehr im Zweifel sei», der noch einiger- maßen vernünftig ist.(Beifall und Heiterkeit.) Der Titel wird bewilligt. Abg. Jcbse»(natl.) befürwortet eine Vermehrung der Berufskonsulate in Französisch-Jndien. Direktor im Auswärtige» Amt Reichardt bestreitet das Be- dürsniß. Beim Titel Gesandtschaft in Peking erklärt aus eine Anregung des Abg. Jrbseu Direktor Reichardt, die Verwandlung des Konsulats in Amoi in ein Vize° jtonsnlat und die Verlegung desselben nach Haina» i» Erwägung ziehen zu wolle». Beim Titel: Gesandtschaft i» Petersburg spricht Abg. Jebseu(natl.) über den russischen Handelsvertrag; er be- schwort stch, von der„Freisinnigen Zeitung" als Agrarier bezeichnet ivorden zu fein. Der Regierung ruft er zu: Fahren Sie auf dem bewährten Wege fort, so werden Sie sich unseren Dank erwerben. (Bravo!) � Abg. Richter(frs. Vp.): Der Abg. Jebse» hat für die Zucker- steuer-Novelle gestimmt und dieses Gesetz sehe» wir als ei» agrarisches an. Beim Titel„Botschaft in Washington" bringt Abg. Dr. Barth(frs. Bg.) die haudelspolitische» Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten zur Sprache. Man solle die Dinge in Amerika nüchtern und kühl verfolgen. Seitdem die uiiter dem Wilsoutarif erfolgte Verletzung der Tarife durch den Dingleytaris ausgehoben worden sei, falle für Deutschland auch der formale Grund für Repressalien fort. Auch sei gerade unter dem Dingley- tarif der Jniport nach den Vereinigte» Staaten auf die höchste Höhe gc- kommen. Die Agrarier hätten alsokein Recht, schärfereMaßnahmen gegen Amerika zu verlangen. In der Schildlausaffäre seien die Behörde» wohl etwas überstürzt vorgegangen. Man hätte schon zu Befürchtungen Anlaß gehabt, ehe dann die abschwächende Verfügung im„Reichs- Anzeiger" erfolgt sei. Die SchildlauSgesahr sei aber nicht so be- deutend, wie sie dargestellt werde. Er beglückwünsche die Regierung, daß sie dem Drängen der Agrarier gegenüber in dieser Sache taube Ohren gezeigt Hab«. Präsident v. Buol bittet die Redner, nicht etwa ausführlich auf die gesannnle deutsche Handelspolitik einzugehen; das würde zu iveit führen. Abg. Frhr. Hcyl zu Herrnsheim(natl.): Wir haben volles Vertrauen zu der Handelspolitik des Reichskanzlers, da sie aus die Interessen der Landwirthschaft Rücksicht nimmt. Gegenüber Herrn Barth bemerke ich, daß nur der deutsche Zucker, nicht aber der französische mit Zollaufschlng bedacht wurde. Aus diesem Grunde waren Nepressalie» wohl berechtigt. Hoffentlich können wir künftig die Regierung im anderen Sinne beglückwünschen, alS der Herr Abg.�Larth es gelhan hat. Staatssekretär des Inner» Graf lt. PosadowSky: Herr Barth hätte sich in der Schildlaus-Frage so lauge Selbstbeschränkuug �nif- erlegen solle», bis er die Gründe seiner Regierung kennt.(Sehr richtig, rechts.) Derjenige, der diese Selbstbeschränknng nicht übt, sondern vorher Kritik übt, nnterstützt damit den internationalen Gegner.(Lebhafter Beifall rechts.) Das hat der Abg. Barth gethan. In einer Sendung, die in Hamburg eingetroffen war, ist der Schädling entdeckt ivorden und es sind Vorbengungsmaßregeln getroffen worden. Die Sachverständige» entdeckten weibliche Insekten, die bereits lebende Junge unter sich hatten und ebenso männliche Insekten. Am gefährlichsten ist die Kalifornische Birne für die Verschleppung des gefährlichen Insektes, aber auch auf Aepfeln ist das Insekt entdeckt worden. Sogar auf einer Aepfelseiidung, die nach Berlin gekommen, ist eS gesunde» worden.(Hört! hört!) Amerikanische Staaten sperren sich selbst gegen den Import kalifornischer Früchte ab. Die Regien», g hat nur ihre Schuldigkeit gethan, wir mußten uns schuhen.(Beifall.) Welche Form unsere künftigen Handelsverträge haben werden. darüber zu streiten, ist jetzt nur ein akademisches Vergnügen. Zu- nächst müssen wir einen autonomen Tarif haben, dann könne» wir weiter überlegen, was zu thn» ist. Die Thätigkeit des wirthschast- lichen Ausschusses wird auch von seilen der Landwirthschaft immer mehr gewürdigt. Die handelspolitische» Beziehungen zu anderen Staaten müssen mit Zurückhaltung erörtert werden. Ganz falsch ist es, Störungen dieser Beziehungen im Zorne zu behandeln; hierbei ninß man wie ein kluger Kauf- wann verfahren und prüfen, ob auch bei ungünstigere» Bedingungen der) wirlhschaftliche Vortheil auf seilen des eigenen Landes ist. Freilich gebe ich zu, daß Momente eintreten können, wo diese kühle Ncberlegung nicht mehr am Platze ist. Der Gedanke an einen Zollkrieg wird hier und da erwogen. So kam kürz- lich ein verehrter und hochgeschätzter Herr zu mir und meinte. ob es nicht am richtigsten wäre, wenn Deutschland seine bandelspolitischen Beziehungen zu einigen Staate» abbreche» würde. Ich erwiderte dem Herrn: Weu» Sie einen Zollkrieg anfangen wollen, dazu brauchen Sie keinen Staatsmann, das kann mein Kanzleidiener auch!«Beifall links.) Die größte Kunst besteht darin, iu schwierigen Verhältnissen den Frieden solange ausrecht zu erhallen, als er sich mit unseren landwirtdschastlichen Verhältnissen noch ver- trägt. Ich bitte dringend der Regierung die Wahl des Zeitpunktes zu überlasse», wen» sie die Bedingungen nicht mehr für erfüllt hält.(Beifall.) Abg. Giaf Kauiiz(k.) stellt den Behauptungen des lilbg. Barth gegenüber fest, daß i» Frankreich alle staatserhaltende» Parteien mit der Politik des Ministers Meline durchaus zufrieden seien. Die Prophezeiungen des Abg. Barth über die Gestaltung unserer Handels- politischen Beziehungen zu Amerika müssen mit großer Vorsicht ans- genomuien werden. Jedenfalls ist unsere Exporlinduftrie durch den Tingley-Tarif außerordentlich geschädigt ivorden, sie ist»m inehr als die Hälft« zurückgegangen. Aon einem Zollkrieg mit Amerika haben wir nie gesprochen. Wohl aber wünsche» wir ein genieinsames Vorgehen aller europäischen Staaten gegen die amerikanischen Zoll- erhöhuirge». Dann wird Amerika nicht mehr in der Lage sei», de» europäischen Zucker zu differenzireu, je nachdem er aus Deutschland, ilks.Awiirls" Frankreich, Oesterreich oder Rußland kommt. Die französische Regierung hat sich bereits einige Zollerhöhungen gegen Amerika bewilligen lassen. Sobald von irgend einer Seite die Anregung dazu kommt, ist die Herbeiführung eincr gemeinschaftliche» Aktion der enropäischen Konlinenlalstaatcn gegen Amerika nicht immöglich. Hier handelt es sich um das Interesse der deutschen Industrie, deren Absatz nach Amerika gesichert werden soll. Die Interessen-Gemein- schafl zwischen Industrie und Landwirthschaft veraiilaßt uns zu unferm Vorgehen. Ich danke nochmals dem Herrn Staatssekretär für seine Erklärung.(Bravo!) Abg. Richter(frs. Vp.): Herr PosadowSky hat diese Erörterungen akadcinische genannt. Wir sind aber durch die Erklärung des Landwirlhschaftsmiuisters im Abgeordiietenhailse, die Schutzzölle sollte» erhöht werden, und die Beschlüsse des Landwirthschastsralhs, zn denen Herr Posadowsky geschwiegen hat, provozirt.— Das Vor- gehe» Amerika's ist lediglich ei» Rückschlag gegen die Bisinarck'sche Politik.(Widerspruch reckls.) Herr Paasch« ist, wie ich glaube, vom Slandpunkt der deutschen Zuckerindustrie nicht für Repressalien. Die Erörlernngen des Grasen Kanitz über den Zollverein gegen Amerika gehören ins Reich der Phantasie. Abg. Gras Hcyl zu Herrnsheim(natl.) bestreitet, daß er zu einem Zollkrieg ansgepiitscht habe. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.) bestreitet gegenüber dem Grafen Posadowsky, die Jnlcreffen Amerika's durch sei» Vorgehen in der Schildlaussrage vertreten zu haben. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich will Herrn Barth auch durchaus keinen Vorwurf machen, es handelt sich aber darum, daß auch Amerika einsteht, daß wir recht habe». Im Landivirthschafls- rath durfte ich als Gast nicht in die Polemik eingreife». Abg. Dr. Paasche(natl.) polemisirt gegen den Abg. Barth. Gegen Amerika wäre» wohl Repressalie» am Platze gewesen. Abg. Nichter(srs. Vp.) erwidert dem Grafen Posndoivsky, daß der Direktor des Reichs-GesuiidheitSamles im Landwirthschastsralh das Wort ergriffen habe. Abg. Graf Kanitz(k.) meint gegenüber Herrn Richter, gegen die maßvollen Slenßernngcn des Grase» Posadowsky im Landivirlh- schaftsrath sei nichts zu sagen. Nach einer weiteren Polemik zivische» den Abgeordneten Dr. Barth lind Dr. Paasche(»all.) wird die Disknssion geschloffen. Der Titel„Bolschnfler in Washingio»" wird bewilligt, ebenso debatlelos der Rest des Kapitels„Gesandtschaften und Konsulale". Beim Kapitel„Allgeuieine Fonds" Titel 6, Uiiterstütznng von deutschen Schule»«in Auslände, wünscht Abg. Dr. Hasse(natl.), daß sich die Konsul» um die deutsche» Schulen mehr küinmcrn und der Uiiterstiitznngsbelrag erhöhl werde. Der Titel und der Rest des ikapitels wird bewilligt. Darauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr. Fortsetzung der heutigen Beralhnng beim Kapitel„Kolonialverivaltnng"; Etat der Zölle und Verbrauchssteuer». Schluß 53ji Uhr._ Die Seelittee KvN'tldemoliratie und die nächsten Reichstagownhlen. Ueber die gestern stallgehablen Versaimnlungen liegen uns folgende Berichte vor: Im erste n Wahlkreise rcferirte Genosse Pöhsch. Redner führte de» Versainnielle» in längeren Ausführnnge» vor Augen,>» ivelch»ngeheurein Maße die Kosten für Heer und Flotte seil Bestehen des Deutsche» Reiches angeivachsen sind. Alle diese Summen ivürden in Forin von Zöllen und indirekte» Steuer» den unteren Bevölkerungsschichten ausgewülzt. Mit den jeweiligen Liebesgaben seien die Agrarier durchaus»och nicht zufrieden- gestellt; die Verhandlungen der gegenwärtig tagenden laudwirlh- schaftlichen Korporatione» zeige» deutlich, daß die Begebrlichkeit der »othleidende» Laudivirthe sich bis auf eine vollständige Ab- schließmig Dcuischlands gegen die Einfuhr aller nolhwendigcii Lebens mittel erstrecke. Die Minister von PosadowSky und Hauiinerstei» haben offen erklärt, baß bei Älbschließniig»euer Handel?- vertrüge die Landwirthschaft mehr Berücksicktiguiig finden müsse. Die Znkllnft werde also einen erditterte» Kampf um die Handels- politischen Fragen driiigen. Großgrundbesitz n»d Industrie habe» sich allein Anscheine nach geeinigt, uin gemeinsam de» großen Raubzug niif die Taschen der arbeüenden Klnsse unlernehmen zu können. Um dies durchführe» zu kömen, werde versucht, die Arbeiterklasse durch»ene Knebelgesetze wehrlos zu niache». Redner wies sodann an der Hand eines reichen Materials nach, daß die jetzt geltenden Gesetzes- bestiinnimigen vollkommen ausreichten, um gegen Streikende zum theil recht hohe Strafe» herbeizuführen. Die außer- ord-nclich milde» Urlheile gegen Duellanten und prügelnde Schutz- leute, soivie die bekannt gewordenen Begnadigunge» bilden einen recht grellen Gegensatz hierzu. Der Referent belenchtel sodann die Arbeiterschiitz-Gesetzgebung und betont die Unzulänglich- keit derselben. Er schließt inii der Hoffnung, daß auch die nächsten Wahle» einen Zuivacks sozialistischer Mandate und Stiinmeii bringe» werden. Wer für Vereins-»nd Koalitionsfreiheit sei, wer den iveitere» Ailsban der Arbeilerschutz-Gesetzgebung wolle und die Ent- laftnng der ärnieren Klasse» wünsche, der stimme sozialdemokratisch. (Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wies Genosse T ä t e r o w darauf hin, daß der erste Wahlkreis von jeher der Tummelplatz gewesen sei für allerlei Experimente. Diesmal kämen noch die National-Sozialen hinzu. Trotzdem seien»ach seiner Meinung die Aussichten der sozial- demokratischen Parier bei de» nächsten Wahle» günstiger, als bei der letzte». W a l d e k- M a» a s s e ivendet sich gegen die fogeiianuteil halben Freunde, die mit Schlagivorte» Arbeiter z» sich hinüber zu ziehen suchen. Gegen diese müsse namentlich das Prinzip hoch- gehalten werde».— Genosse T ä t e r o w gab hierauf die Er- klärung ab, daß er diesmal unter keine» Uni stünde» wieder die Kandidatur aunehme» werde. Darauf wird Genosse Pvtzsch ob»e weitere Debatte als Kandidat' aufgestellt. Nach einem kernigen Schlußwort des Vorsitzenden B o h n schloß dieser die Ver- smrniiluiig mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, worin die Bersammeltei, begeistert mit einstimmte». Die Versam i» tu»g des zweiten Wahlkreises fand in Marlea's Festsälen statt, welches Lokal bis auf de» letzten Platz gefüllt>var. Der bisherige Abgeordnete des Kreises, Genosse Richard Fischer, referirte über die nächste Wahlbewegung. Der Redner beschäftigte sich namentlich mit den Jntereffen der Arbeiterklasse, die es im nächsten Wahlkainpf zu vertheidigen gilt. Es scheine allerdings, als solle der diesmalige Reichstag eines natürlichen Todes sterben, aber möglich sei es auch, daß der Reichsiag der Regierung in einzelnen Punkten der Marine- vorläge nicht zu willen sei und daß die Regierung dies benutze, um de» Reichstag ausznlöse» und so die„Flottenvorlage" als Wahlparole zn habe».— Der diesmalige Wahlkainpf, so führte der Redner etwa ans, wird von besonderer Schärfe sein, weil die Regierung sicherlich alle ihre Machtmittel gegen die Sozialdemokratie in die Waagschale werfen ivird. Unter Caprivi waren die uu- gehörigen Wahlbeeinflnssnngen zurückgetreten, aber diesmal werden wir eine» Wahlkamv« habe», ivie wir ihn unter dem Sozialisten- gesetz zu führen genöthigt ivaren, gegen alle bürgerliche» Parteien und gegen die Regierung. Einen Vorgeschmack, w i e die Regierung den Kainpf führe» wird, giebt ja die offiziöse Vertbeilung der Hnlle'schen Verleumdnngeflngblätter heute schon. Der Redner geht sodann näher auf die Entwickelung ei«, d'. die Marine» Ausgaden in Deutschland geiioinme» haben und die unerhörten An- forderungen, die man neuerdings an den Reichstag stellt. Die Re- aierung sagt zwar, sie brauche keine neuen Steuern»nd keine neue» Anleihe», m» die Marine-AuSgaben zu decken. Das ist leicht . Zollllabtlld, 12. Fehruar 1898. möglich, daii» wird man eben die gegenwärtigen Einnahmen in erster Linie für die Marine-Ausgaben verwenden und muß dann für die anderen nolhivendigen Ausgaben neue Steuern auflegen oder neue Schulde» mache». Man weist darauf hin, daß durch die Schifssbaulen viele» Arbeiterschichten Arbeitsgelegen- heit geschaffen iverde. Wenn wir aus d e»« Grunde für die Vorlage eintreten sollte», dann»nißleu wir aber auch für Kirchen- und Kaserneubauten, für Einführung »euer Waffe» und allerlei Luxusausgaben eintreten. Wenn schon die Mittel der Allgemeinheit angewandt werden solle», um Arbeit?- gelegenheiten zu schasse», dann soll man Eisenbahnen, Kanäle, Heil- anstalte», Jnvalidenanstalten für vernnglückte Arbeiter und dergl. bauen. Darüber werden wir dann niit uns rede» laffe». Die Re- aierung hat ja die Bewilligung der Marinevorlage bereits in der Tasche infolge der geschickten Jnszenesetznng der Kiaotschan- Eroberung. Mit dem riesigen Absatzgebiet in China wird es jedoch nicht viel werden. Mau bedenkt nicht die Be- dürfnißlosigkeit der chinesischen Bevölkerung. Jedenfalls werden den Vorlheil von Handelsbeziehungen mit China n»r die großen Kapitalisten haben, die sich auch keinen Augenblick be- denke» iverde», ihre Fabriken in China zu etabliren, um mit Hilfe der billigen chinesischen Arbeitskräsle zn prodnzireu. Die Heran- ziehung der chinesischen Kulis»ach Denlschland wird in deutschen Unternehnierkreise» ebenfalls bereits erwogen.— Auch bei der Frage der Handelsverträge kommen Arbeiterinleresse» in Frage. Die Handelsvertrags-Polilik ist im nächste» Reichstag zu regeln. Es ist in dieser Frage scheinbar ein Umschwung der Meinung in den Liegiernngskreisen eingetreten. Die Agrarier ivünschen die Getreidezölle mindesteus auf acht Mark zu erhöhen.— Was das allgemeine Wahlrecht betrifft, so wird es der Regierung ja nicht leicht sein, es dem Volke ivieder zu nehmen. Aber>vir haben jedenfalls allen Grund auf der Hut zu bleiben. Arn schwerste» bedroht ist das Vereins- und Versaminlungsreckt, sowie »amenllich das Koalitionsrechl der Arbeiter. Die jetzige Regierniiz betrachtet es als ihre Aufgabe, das Unternehinerthnm gegen die Arbeiter zn schützen, und ivenn die Anschaiinngsweise des Herrn Grafen Posadowsky wirklich zum Siege konimen sollte, dann ivürden die Arbeiter den Unternehmern mit gebundenen Hände» ausgetiesert sei».— Es ist Aufgabe der Sozialdeinokralie, so zeitig wie möglich in die Wahlvorbereitungen einzutreten, um auf alle Eveutualitäle» vorbereitet zu sein. Jedem Manne muß sein Posten, de» er im gegebenen Moment ausznsüllen hat. genau bekannt sei». Mag dann der llieichstag anfgelöst werden oder mögen die Wahle» erst »ach dem»alürlichen Ablaufe der Legislaturperiode statlsinden: Wir können dann geivaffnet in den Kainpf eintreten. Die Regierniig selbst hat»»s die Wahlparole gegeben:„Die Regierung zum Schutz der Unternehmer gegen die Arbeiter!" Nehmen wir auf diesem Bode» de» Kampf auf, und der Erfolg wird für die Regierung kein sehr nnerwünschler sei».— Eine DiSkusstoii über de» Vortrag fand nicht statt, worauf der Genosse Fischer einstimmig als Kandidat gewählt ivird.— Nachdem noch aufgefordert worden ist, dem Wahl- verein des ziveiten Wahlkreises recht zahlreich beizutreten, wirb � die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Für den dritte»Wahlkreis fand die sehr stark besuchte Ver- sammlung im Lnisenstädtische» Konzerlhause statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Frank, daß, ivie es üblich, der Reichs- lags-Abgeordnete des Kreises, Genosse Boglherr, de» Rechenschasts- bericht erstatte. Daraus verliest der Vertranensmann Fritz einei» Brief Vogtherr's, worin derselbe niiUheilt, daß er wegen Univohl« sein ain Besilch der Versammlung verhindert sei, sein Nicht- erscheine» komme wohl um so weniger in belracht, da er nicht zum Referat anfgesordert sei. Ans ivirthschastlichen Grnnden könne er eiiie Kandidatur nicht ivieder annehmen, jedoch sei es nicht richtig, daß er, wie dieZeitunge» niitgelheilt Höllen, sich ganz vom politischenLeben zurück- ziehe» wolle. Den RechcnschaslSbericht werde er in einer späteren Versanmilimg erstatte». Genosse W o l s g a n g Heine legte in einem ausführlichen Vortrage dar, ivelche Aufgaben die Sozial- demokralie im polilische» Kampf im allgeineiiien und im Wahlkainpf im besonderen hat. Er bezeichnete die Junker und Bnreaukralen, als Vertreter der Reaktion, als unsere Hanplfeinde, illnstrirle das volksfeindliche Verhalten derselben an den polilische» Vor- gangen der letzten Zeit und ineiiile, nicht mir abwehren müßte» wir die Bedrückungen der Reaktion, sonder» auch gegen sie im Reichstage und i» der Agitation juin Angriff vorgehen. Ueber de» bevorftehenden Wndlkanipf im dritten Kreise sagte der Redner: Hier stehe»»ns die Freisinnige» gegenüber. Mögen sie als Kandidaten einen bürgerlichen Demokraten, eine» freisinnigen Wasserstiefler, einen Wadel- strüiupfler, oder gar ein Mitglied des Magistrals aufstellen, der Feind ist der, welcher der Sozialdemokratie de» dritten Wahlkreis streitig »lachen will. Richtig ist es ja, daß ein Theil der Liberalen jetzt. wo die Reaktion immer ungenirler auftritt, sich mehr als bisher ans ihren Liberalisinus besinnt, aber die wenigen entschiedenen Ver- trcter dieser Partei haben keine Volksmassen hinter sich. In Deutschland liegen die Verhällniss« so, daß die bürgerlichen Freiheiten durch die Sozialdemokratie gegen das Bürgerthm» erstritte» werden iiiiisse». Zum Beweise der schwächliche» Politik des Liberalismus verweist der Redner ans die Thätigkeit Lenzmann'S in der Kommission für die Militär-Strafprvzeß-Ordimng, auf die Haltung, welche bürgerlich-liberale Blälter bei Lohukämpfe» der Arbeiter einznnehine» pflegen; er erinnert daran, daß die„Voss. Ztg." zum Hamburger Hafenarbeilcrstreik ei»« iveniger objeklive Stellung genomine» habe, wie manche konservativ angehauchte Blätter, und kennzeichnet die Haltiiiig des Liberalisinns bei den patrio- tischen Feierlichkeiten der Jabre 1895/96. Gerade bei jener Gelegenheit hätten die Liberalen darüber nachdenke» sollen, ob denn die Hoffnungen, die sie a» die Reichsgründung knüpften, auch i» Ersüllung gegange» sind. Als unsere Partei aber srngle, wie es de»» mit der Herrlichkeit des Reiches bestellt se», und als ans diesem Anlaß die Schale staalsanwaltlicher Verfolgung über uns ausgegossen wurde, da trat kein Liberaler für das Recht der freie» MeinuiigSäußerung ein. Genosse Heine bespricht serner das Verhallen des Freisinns bei der Angelegenheit des Denk- inals für die Märzgesallenc». Die Liberalen wollten nicht zum Ziele gehen, sondern kriechen, und da ist es ihnen er- gangen, wie es Geschöpfen, die am Boden kriechen, zn gehen pflegt, sie haben nnversehens einen Fußtritt erhalten. Wir sind also im Kampfe gegen die Reak'ion ans uns allein an- guuiese»«nd müssen diesen Kampl kräslig führe». Es ist ja Thal- fache, daß die Stadlverordneteu-Wahlen für uns nicht gerade günstig auSgesaUen sind. Mancher Genosse mag dieselben nicht für ivichtig genug geHallen haben und deshalb fern geblieben sein.?ln der Wichtigkeil nnd Bedeutung der Reichstagswahlen zineifelt niemand, nehme» wir also diese Gelegenheit wahr, in» die Scharte auszuwetzen. Schon iin ersten Wahlgange müsse»»vir den Kreis gewinne», damit nicht erst das schmutzige Bündniß zwischen Freisinnige» und Antisemiten zu stände kon»»«» kann, wie bei den Stadtverordneten- wählen. Die Sozialdemokratie geht mit guter Zuversicht in de» Wahlkampf, gestützt auf die Ueberzeuguug, daß die alle Organisatio» sich auch diesmal beivährei» wird.(Lebhafter Beifall.) Es iviro nun die Debatte über die Kandidaleiisrage eröffnet. Vorgeschlagen werden Heine, Börner nnd Ledebour, welche sich zur eventuellen Annahme der Kandidatur bereit erkläre». Frank empsiehll Börner, der schon niehrere Dezennien im Kreise thätig und daher de» Genossen bekannt sei. Börner sei zwar kein Akademiker, aber ein wirklicher Man» ans dem Volke »nd darum der geeignetste Kandidat. Heinc sei dagegen als Parteigenosse nicht bekannt.(Widerspruch.) Redner interpcllirt Sein« über seine Stellung zu de» Landtagswahle», zu der Haltung chippel's in der sog. Kanonenfrage und will wiffe», ob Heine einer Religionsgesellschait angehört.(Unruhe. Rufe: Religio» ist Privat« fache.) Kamp hält es nicht für taktisch richtig, daß im driiten Kreise ei» Arbeiter ausgestellt wird, der den Gegner» nicht geivachfeti ist. Mm> könne ein guter Agitator im kleinen Kreise und ein lüchtiger Aailcigciioffe, brauche deshalb aber noch nicht ein geeigneter Rcichstags-Kandidat zu sein. Ledebour, als schlag- fertiger Lieduer sei hier entschieden besser am Plahe. Alfons B o r ch a r d t empfiehlt die Kandidatur Börner's, derselbe sei ei» Klciiigciverbetreibender and habe daher die meiste Aussicht, auch aus den Kreisen der Kleinbürger Eliuime» zu er- halten. Fritz und Bult» er empfeblcu Heine, ersterer ersucht die tÄeuvssen, hier nicht Verhältnisse wie i» Solingen heraufzubeschwören. Ledebour betont, daß, wer auch ausgestellt werde» möge, er (Redner) hernach das seiiiige thun werde, um demselben zum Siege zu verhelfen. Er sage das, um nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als ob zwischen de» Kandidaten persönliche Gegensätze herrschen. Er habe geglaubt, die ihm angebotene Kandidatur im Partei-Jnteresse annehmen zu mnsscn. Sin unsere Partei treten stets neue Fragen Hera». Wen» wir uns über unsere Stellung zu denselben eutscheiden wollen, haben wir uns zu fragen, ob die Mahregcln, welche wir ergreis«» wollen, sich mit dem Klnssenkampf, den unsere Partei zu führen hat, vertragen, oder ob sie im stände sind, unser groncs Ziel zu beeinträchligen. Obgleich wir der» Gegner stets geschloffen gegenüber treten, bestehen doch Meinungsdifferenze» unter uns hinsichtlich der Taktik, und müssen wir uns über solche aus- rinandersctzen. Eine solche Meinungsverschiedenheit besieht über die Stellung zu den Landtagswahlen. Auf dem letzie» Parteitag habe sich eine Neigung gezeigt, die, wenn befolgt, anfder Bahn des Opportunismus immer weiter führe. Redner verweist aus die bekannten Ans- sührungen Schippet's zur Kanonenfrage und zu den Handelsverträgen, sowie die im Anschluß daran gepflogene Debatte im zweiten Wahl- kreise. Innerhalb unserer Partei, besonders innerhalb der Fraktion, »verde eine Taktik empfohlen, die uns abbringt voni Klaslenkanipse. Bernstein empfehle in der„Neuen Zeit" ebenfalls eine Taktik, die die Hinallsschiebung unserer Ziele und die Rücksichtnahme zum Prinzip erhebt. Solche Taktik dürfen»vir nicht billigen. Gen. Lede- bonr bemerkt weiter, er halte es für seine Pflicht, die opportunistische Richtung, deren Gegner in die Minderheit geralhe» sind, zurückdrängen zu helfen, und»verde auch— falls er gnvnhlt würde— innerhalb der Fraktion de», Opportunismus entgegenwirken und bestrebt sei», das Parteigeivissen zu schärfen. Es sei die höchste Zeit, daß auch die Parteigenosse» dasselbe thun, sie hätten es i» der Hand, bei der Auswahl der Kandidaten ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Wir müssen nicht nur betone», was uns eint, sondern auch die Meinungsverschiedenheiten besprechen. Mit dem Wider- stände gegen die opportunistische Richtung— so schließt der Redner denke ich im Partei-Jnteresse zu Handel». Nachdem noch Tscher- uig die Kandidatur Börner cnipfohlen, beantwortet Heine in längeren Ausführungen die an ihn gerichteten Fragen dahin: Durch ein gehendes Slndiinn dazu bewogen, sei er schon seit Jahren Partei- genosse, habe sich aber zurückgehalte»,»veil er sich nicht in die Be- »oegnng hineindrängen»vollle. Er sei nicht ehrgeizig, begreise auch die Abneigung gegen die Akademiker, da die Genosse» schon manche übele Ersahrunge» mit solchen Leuten, z. B. inil Max Lorenz, gewacht haben. Er habe geglaubt,»veu» die Parteigenossen ihn brauchen können, würden sie ihn rufe», und dann sei es Ehrenpflicht, dem Rufe zu folgen. Das sei jetzt geschehen. Er gehöre der evangelischen Kirche an und sehe keine» Grund, der ihn zum Austritt veranlassen könne, im übrigen stehe er in allen Gewissenssrage» auf dem Slandpunkl der modernen Wissenschaft. Die Betheiligung an de» Landtags- »vahlen halte er für»othwendig,»veil die Regierung bestrebt sei, die Bedeutung des Reichstages herabzndrücke», indem sie»vichtige Entscheidungen, die»ach dein Geiste der Verfassung zur Kompetenz des Reichstages gehören, in die Landtage verlege. Das müßten»vir hindern, indem»vir, da an eine sozialdemokratische Mehrheit im Landtage nicht zu denke» ist, die bürgerliche Opposition stärkten falls die in Frage kommenden Kandidaten zu allen kon krelen Fragen eine uns befriedigende Stellung einnehmen. Was die Militärfrage anbctrifst— meint der Redner— so stehe er unbedingt auf dem Boden des Ersurter Programms: Erziehung zur allgemeinen Wehrhasligkeit und Einführung des Miliz- systcms. Auf diesem Standpunkt stehen aber auch die Genossen, deren Meinung auf dem Parteitag augesochten wurde. Dagegen stünde entschieden nicht aus diesem Standpunkte der Genosse, der empföhle»» habe, die Soldaten mit Lebenvürste» zu bewaffue». Eine Erziehung zur Wehrhasligkeit sei ohne Waste» nicht möglich. Politische Fragen könne man nicht mit Schlagworte» adlhu». Er(Redner) rechne zu diesen geuiißbrauchten Schlagworte» auch das vom „Atilitarismus". Der Militarismus der bekämpft»verde» müßte, sei das heutige Armeesystem und der Geist der Armee, der dein Geiste des Volkes entgegengesetzt»verde. Darum werde er auch dieser Regierung keinen Mann und keinen Groschen bewilligen. Wir »nüssen aber damit rechnen, daß, jemehr Westeuropa demokratisch »vird, es in Rußland einen Feind zu erblicken hat. gegen den es noch lange gewaffnet sei» muß. Wir werden wohl, auch»venu bereits die Sozialdemokraiie bei uns herrscht, nicht umhin köinien,»ene Kanonen und Gewehre zum Schutze unserer eigenen Freiheit zu bewilligen. Was Ledebour vom Opportunisuitis und Klastenkampf sagte, sei nicht zutreffend. Die Genossen,»velche Auer, Scdippel und Fischer augegriffen habe», stehen nicht auf dem Boden der materialistischen Geschichls- aiiffassung. Der Klassenkamps sei der Kampf um die Macht für die Arbeiterklasse. Wer nicht glaube, daß die sozialistische Gesellschaft uns eines Tages reif in de» Schooß fallen »verde, wer annehme, daß»vir nicht anders als Schrill für Schritt »» sie hineinkomme» könuen, der müsse sich entschließe», den Kampf zu führen,»vie man eben Kämpfe im Lebe» führt. Ledebour nenne das Opportunismns, andere hätten es Prinzipien- verralh genannt, aber mit diesen Worten sei nichts gesagt, es käme auf die Anweiidtlng in den einzelnen Fällen an. Wollte mau beivillige», »vns der Entivickelung zur Volksbewaffnuug prinzipiell entgegengesetzt »väre und entgegenwirkte, z. B. eine Verlängerung der Dienstzeit, oder die Anwerbung von Soldlruppen, so»väre das allerdings ver- »verslicher Opportunismus; ganz anders liege es bei an sich nolh- »vendigen und unschädlichen Forderungen, z. B. bei einer neuen bessere» Waffe. Diese könnten unbeschadet des Prinzips bewilligt»verde»,»ven» dafür werlhvolle Volksfreiheiten zu erlangen»väre». Die Flottenvorlage billigt Redner nicht, weil die überseeifcheAusdehnung nicht de» ihr nach- gerühmte» Werth für das Volk habe. Dieser Regierung»verde er über- Haupt nichts, auch kein« nothwendigen Militärsorderuuge» bewilligen, »veil sie keinen Preis dafür in Volksrechten zahlen würden. Sollten »vir aber einmal eine volkssreuudliche Regierung bekomme», so würde er auch n o t h»v e» d i g e Kanonen bewilligen, wenn»vir ein Kompensationsobjekt dafür erhalten. Nur so sei der Fortschritt zum Milizsystem denkbar. Genosse Heine beruft sich auf die Aeußeruugen von Friedrich Engels zum Militärkonflikt der sechziger Jahre und schließt: Ich bin überzeugt, daß ich auf dem Bode» der»naterialistische» Geschichtsausfassung, des sozialdemokratischen Programms und des Klassenkampses stehe. Man kann mit Opportunismus Verrath üben, aber»na» braucht es nicht itud»na» iv i l l es nicht. Börner bemerkt. feine Stellung zum Progra»»», und zu alle» Parteifragen sei bekannt; er»vendet sich dann in längerer Rede gegen Behauptnngen, die Fritz hinsichtlich der Betheiligung Börner'? an derParteithätigkeit»vährend deS Sozialistengesetzes gemacht hatte, und betont, daß er jederzeit als Parteigenosse voll und ganz seine Schuldigkeit gethau habe, auch niemals—»vie Fritz andeutete— zu de» Unabhängige» oder den Anarchisten gehört habe. Alfons Borchardt: Nach den Ans- sührungen Heine's kau» ich nur sagen: Wollen Sie, daß der drille Wahlkreis durch eiuen National-Sozialen verlrelen»vird, dann»vählenSte Heine. Wollen Sie abereinen Genossen, dann»vähle» Sie Börner. Ledebour kommt auf die Ausführungen Heine's zurück. So wie dieser habe sich auch Pfarrer Naumann ausgedrückt, der der Sozialdemokratie den Borwurf machte, daß sie durch prinzipielle Ablehnung der Militärsorderlnige» die Kompensalionsobjekle aus der Hand gebe. Die von Heine empfohlene Politik führe uns auf die abschüssige Bahn, ebenso wie die liberale Politik zun» Naiionalliberalismns geführt hat. Heine bemerkt persönlich: Mit demselben Recht»vie ihn, könne man mich Auer, Schippet und Fiscber für naiional-sozial erklären. Nach einer längeren persönlichen Bemerkung Fritz' erfolgt die Abstiminnug über die vorgeschlagenen Kandidaten. Es»Verden abgegeben für Heine 307, für B ö r» e r 73, silr L e d e b o» r 40 Stimmen. Die Proklainirung des Genosse» Heine zum Kandidaten»vird mit lebhaftem Beifall begrüßt. Dan»»verde» in das Wahlkomitee ge- wählt: Hoch. Pohl, Wartenberg. Schölzel, Mahle, K räker, Tieg»er, Schröder, Ellert, Georgi und L a d e»v i g. Um I1/3 Uhr war die Versammlung zu Ende. Die Parieigenossen des vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises waren sehr zahlreich bei Keller. Koppensirabe, ver sammelt. Der Referent Reichslags-Abgeoidneter Genosse Singer verivics eingangs seiner Ausführungen auf die Ziele der Sozial- demokrotie»ud behandelte soban» diejenigen wichtigen Frage», mit denen sich der zukünftige Reichstag zu beschäftigen haben iviid. Von großerBedeutung seien die Ftottenpläne,»veil,»venu sie zur Anssührnng gelange«, dem denlsche» Volke ganz ungeheure Laste» aufgebürdet iverden und andererseits, iveil ohne Zweifel der Vergrößerung der Flotte»och ganz andere Motive und Absichlen zu gründe liege», die dem denlsche» Volke unter Umständen sehr gefährlich Iverden können, als die,»vir»na» vorgicbt, den deutschen Handel zli hebe» und die denlschen Staatsangehölige» in den fremden Siaalen zu schützen. Abgesehen davon, daß bereits jetztdas Verhältniß besteht, daßansLödeulscheHandelsschiffe «in deutsches K'iegeschiff kommt, während England erst auf 32 Handelsschiffe ein Kriegsschiff anfzun eise» hat, steht die Behauptung, daß durch eine starke Floile der Handel gehoben tvird, i» Widerspruch mit den Talsachen. So ist der Export von England, trotzdem die absolute Zahl der Kriegsschiffe eilte»veit größere ist, als dieTenisch- lands, um 20 pCt. zurückgegaugeu, ivährcnd die AuSsuhr aus Deulsch- land um ca. 60 pCt. gestiegen ist. Im»veiteren kommt noch hinzu, daß mau garuichl berechtigt ist, zu verlange», daß die große Masse des Volkes die Koste» für de» Schutz der Interessen der Kapitaliste» trägt, sondern diese selbst veipflichtet sind, die Mittel zum Schutz ihrer Interesse» artszubringen,»vozu die deutschen Rhederfürsten, die die Vortheile einheimsen, mit den anderen Interessenten sehr gut in der Lage sind. Nicht nur aber, daß man sich»»cht niehr darauf be- schränke»vie vordem,»ach nnd»ach die Ftolie zu vergrößern, »vill»>a» aus dem Vollen schöpsen für eine Reihe von Jahren, im voraus soll der Reichstag mit gleichzeitiger Vergebung seiner Rechte eine Unsumme Geldes bewilligen für eine Anzahl bcstiinmter Schiffe, obivohl sich die Fachleute im größten Widerspruch über die Leistirngssühigkeit der verschiedenen Systeme befinden nnd die Technik ans diese»» Gebiete ganz besonders forifchrcilet. Auch damit wird man die Sozialbcmolraiie nicht für diese Pläne erwärmen löniie», daß man vorgiebt, daß durch die Beivilli- gnng der Flollenvorlnge für viele Menschen Arbeilsgelegenheil geboten wird. Will man Arbeitsgelegenheit schaffe», möge man Eisenbahne», Kanäle, Verkebrsstraßeii, Schulen, Krankenhäuser». dgl. bauen, Wasser- reguliriingen und Banle» vornehmen, um E>eig»>sse wie im Vorjahre zu verhüle»; für kulturelle Arbeiten, die in Massen vor- glnoinine» iverde» können,»verde» die Sozialdemokralen eintreten. (Lebhafter Beifall.) In eingehender Weise behandelte der Redner sodann die Voikoininniffe in China, die eigenthümlich«„Pachtung" des Kiavtschaugebiels, sowie die voraiissichiliche Wi>ki»ig dieser „Gebielsenverbuiig" für Deutschland. Wesentliche Voriheile iverden in erster Linie auch höchstens nur die Kapiialiste» erzielen, während materielle Aorlheile für die denlsche» ZIrbeiter kaum zn erwarten sind, zumal ihnen eine sehr einpfindliche Konkurrenz durch die chinesische» Ar- bester erwachsen kann, die vollständig den Wünschen unserer nationalen und palriotischeu Unleriiehnier, die heute schon russische, polnische, czechiiche und italienische Arbeiter in Schaaken heranziehen,»veil sie billiger nnd anspruchsloser sind, enlsprechcn. Im weitere» erörtert der Referent die Wirkung der Handelsverträge nnd die Stellung der Regierung zn denselben, die sich nach den Auslassttiige» des prenßi- scheu Landwirlhschasisministers im Abgeordnetenhause anßerordenl- lieh zn gnnsten der»iinmersallei! Agrarier und zum Nnchtheil des denlschen Volkes, entgegen früherer Programmreden des jetzilge» Monarchen geändert hat. In längeren Ansführungen be- handelt der Redner hierauf die Stellung der bürgerlichen Parteien zum allgemeiiien und gleichen Wahlrecht. Die Sozialdemokraiie habe alle Ursache, mit aller Kraft dafür einzutreten, daß de», Volke nicht diele einzige Waffe.woniil es seinen Willen zin» Ausdruck bringe» kann, von der Reaktion entrissen wird. I» ähnlicher Weise liege» die Dinge mit dem Vereins- und Versannnlungsrecht, das man noch mehr zu be- schneide» versucht, und der Ausübung des Koaliliousrechls, die dem Arbeiter nach dein Muster des Erlasses vom Grafen v. Posadowsky »»möglich gemacht werden soll. Znin Schluß empfiehlt der Redner angesichts der ganze» wirthschasllichen nnd positüchen Verhältnisse ebenfalls die„Politik des Sammelns" der gesarnmten Arbeiterschaft um das Banner der Sozialdemokratie, die auf dem Bode» des Klassenka mpfcs mit der Parole: Für Volksrechle ttild Volksfreiheii i» die nächste» Reichstagsivahle» eintritt. Mit stürmischem Beifall wurden die Aussührungen des Referenten aufgenommen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt, sondern sofort der Genosse Singer unter lebhafter Zustimmung der Versammlung wieder als Kandidat für de» 4. Berliner Wahlkreis ciustiutinig aufgestellt. Nachdem der Vorsitzende Schneider»och zum Anschluß an die Wahlvcreine und zur regen Beihätigung an den bevorstehenden Arbeiten aufgefordert Halle, erfolgle der Schluß der imposanten Ber- sammlung mit einem begeisterten Hoch aus die Sozialdemokratie. Die Versammlung für den fünften Reichs- tags-Wahlkreis im Saale der Brauerei Bötzow,>var. wie bereits gemeldet, sehr stark besucht. Vor Eintritt i» die Tages- ordnnng ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Mager durch Erheben von den Sitze». Hierauf sprach Genosse Rod. Schmidt in einem etwa Il/zstündigen Vortrag über die poltlische» Tagessragen und die Stellung der gegnerischen Parteien zur Sozialdemokratie. Wenn man, meint Redner, ans An- regnng des Herrn v. Miguel der Sozialdemokratie gegenüber die Politik des„SammelnS" empfohlen habe, so habe sich bisher diese Takiik»venig bewährt, vielmehr zeige sich in den bürgerliche» Par- teien ein äußerst lebhafter Streit der einzelnci» Jntereffengruppen Im Vordergrund der schivebenden Tagesfrage» steht die seit 1832/93 von der damaligen Regierung befolgte Handelspolitik,»velche von einem Theil der Konservative», Bauernbniidler, Antisemiten zc. als der Landivirlhschaft nachlheilig, gemeinsam bekämpft»vird. Jetzt stehe man bereits im Kampfe, um gegen die Politik der Handels- Verträge mit dem Aufgebot aller Kräfte und Unterstützung ber Re- gierung Stllrm zu lanfe». Wen» auch die Kapilalistenklaffe den Hanpiantheil an dem inditstrielle» Ausschwung zu verzeichnen hat, so ist doch auch der Arbeiterklasse aus dielen» durch die Handels- Verträge begünstigten wirthschastlicken Ausschwung ein nicht»»- erheblicher Nutzen erwachfeu. Die Sozialdemokraiie»vird deshalb alle» Bestrebungen, die fördernd»ach der Seile»virken köinien, 'yinpalhisch gegenüberstehe». Redner erläutert im»veileren Verlans seiner AnSsührnugen die sich von Jahr zn Jahr steigernden Ausgaben für Heer und Marin« und die Stellung Deutschlands auf dem Weltmarkt i»»virthschnstlicher »vie in politischer Beziehung in seiner Welistellitug. Gegenüber den von Deutschland bisher aufgebrachte» Mittel» für Kriegszwecke seien die Ausgaben für die eigentlichen Kultursorberunge» äußerst gering. Dabei drohe die Einschränkung des Koalitionsrechles. die Rechts- Unsicherheit nehme zu nnd es sei nicht ausgeschlofle», daß auch von de» rechtsstehenden Parteien ein Attentat aus das Reichstags- Wahlrecht geplant wird. Demgegenüber heißt es in dem künftigen Wahl- kämpf gegen die reaktionären Parle»«» die Rechte des Volkes zu»Vahren. (Lang anhaltender Beifall.) Da sich»nsolge der Ausforderung des Bor- sitzenden kein Gegner»neidet«,»vurde ohne jede, veiter« Diskussion de» bisherige Vertreter des Kreises, Robert Schmidt,«initiinniig wieder als Kandidat unter de», Beifall der Versammlung proklamirt. Ueber die Zahl der Mitglieder zum Wahlkomilee entspann sich eine kurze Dislusiiou, die damit endete, daß 13 Personen,»nd zwar die Genossen Klein, Klulowsky, Wittschow, Rene, Butziger, Drescher. Richter. Schulz, Liepmann, Dr. Weyl, Glösenkamp, Wels und Z i tz« w i tz vo» der Versammluilg gewählt wurden. Stach einem kräftigen Mahnruf des Vorsitzende», dafür zu agitiren, daß der 5. Wahlkreis der Sozial- demokratie erhalten bleibe, wurde die Versammlung mit«in«»» be- geistnuden Hoch auf die Sozialdemokratie geschlosseu. Im sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreise sprach, wie schon kurz mitgetheilt, Reichsiags-Abg. Molkenbuhr vor überfüllter, auch von Frauen ziemlich stark besuchter Versamiiilttug im Kösliner Hof. Es giebt, so führte der Redner aus, keine Partei, die den Kampf so sehr herbeisehnt, als die Sozialdemokratie. Noch bei jeder Wahl ist es die Sozialdemokratie gewesen, die Fortschritte zu verzeichnen halle. Für die Sozialdemvkralie bedeute jede Wahl eine Revue unserer Heerschaare». Aber auch als das beste Mittel, die große Masse der Jndifferenlen aufzurütleln, seien uns dieselbe» willkommen. Den» nicht nur gelte es, unseren alten Besitzstand zu ivahren, sondern es müsse» neue Siiinmen gewonnen werden. Aber wenn wir auch als poliiische Partei den Tagessragc» Rechuimg tragen, so habe» wir doch stets zn sagen,»vns»vir sind und was»vir»vollen: das ist das Geheimniß unseres stetig»vachseiide» Erfolges. Der Redner giebt sodann eine Schilderung der bürgerlichen Parteien vo» Eugen Richter bis zn den rechlsstehenden. Sie alle stehen uns als grundsätzliche Gegner gegenüber. Sie alle stelle» die gegenivärtige Gesellschaftsform als das Endziel der Enlivickelnng hin. Die technische und ökoitoinische Entinickelnng lehren uns aber das Gegentheil. Ans dieser schöpft die Sozialdemokratie ihre Lebenskrast. Nnd alle Bemühungen, die Enlivickelung alifznhalten oder in andere,»ückständige Bnlinen zu zwänge», scheiten» an dem Wide, stand der ehernen Thatsachen. Das Deutsche Reich hat es im Schuldeninache» schon z» einer großen Virtuosiiät gebracht. Und»och immer. iiene Laste» solle» dem arbeileiiden Volke auferlegt werden. Ter Posadowsky'jche Erlaß stehe mit der Welt- und Kolonialpolitik iin engsten Ziisammenhang». Jnnker und Schlot- barone plane» einen gemeinsamen Raubzug. Erster« in Form höherer Brolpreise, letztere in Form der Lohndrückerei. Und um dem arbeitenden Volke die Millel zur Abtvehr zu nehmen, deshalb die Bestrebungen zur Untergrabung des Koalitionsrechtes. Aber wie es im Jahre 1890 die Wähler ivaren, welche das Sozialistengesetz hinweggefegl haben, so werden es auch diesmal wieder die Wähler sein, welche die Poliiik des Grafen Posadowsky hiinvegsege» werden. Heute sind»vir stark genug, um uns nicht noch einmal zrnöls Jahre der Enlrechlttng gefalle» zu lassen. Redner schließt mit den Worten: Deshalb alle Man» an die Wahlurne, damit die reaktionäre» Mächte sehen, sie habe» es nrit einer Macht zu lhiin, die nicht gewillt ist, mit sich scherze» zu lasse»! Der donnernde Beifall, welcher diesen Worleu folgte, bewies, daß dieselbe» auf friichtbarcu Boden gefallen sind nnd Beherzigiing finde»»verde». Eine Diskussion fand»ich! statt. Gegen eine Slimin«»vnrde sodann „unser alter L i e b i» e ch t" als Kandidat ausgestellt. Unter Ber- schiedenem lheilt der Boisitzende»nit, daß die Rauchklubs„Kolinn- bus" und„Wedding" im„Eiskelln" beziv. im Sachon'schen Lokale Vergnügungen veranstalte». Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende, Genosse E r» st die Bersammluitg, bei der diesmalige» Wahl noch besonders Prolest zu erhebe» gegen jede dem Rechisgesühl des Volkes zmviderlaufende Rechlspreckniiig und zu zeigen, daß der verurlheilteLieb- knecht noch immer„unser Mann" ist! Wohl selten fand das Hoch ans die Sozialdemokratie so begeisterten und stürmische» Widerhall, als»ach diesen Worte». Ebenso jubelnd stimuilen die Anwesende» i» ein aus der Versammlung auf Liebknecht ausgebrachtes Hoch ei». Nommitnales. Eine augenchme Ueberraschuiig für die ArmenkommissionS- Vorsteher sindel sich in dem Etaisentwllrf für daS städtische Armen- ivesen für 1898/99 Bekanntlich beziehen die Armenkomurissions- Vorsteher für die Vorhaltung und Reinigung eines Sprechzimmers eine jährliche Entscbädignng vo» 160 M. aus der Stadl-Hauptkaffe; diesen Betrag hält der Magistrat nicht mehr für zeitgemäß, weshalb er beschlossen hat, denselben ans 300 M. zu erhöhen. Ist der Magistrat infolge der Rügen des Unfugs, daß die Unterstützungen zu»» theil in Gastivirtdschasten ausgezahlt iverden, zu dem Vorschlagt der Gehalts- erhöiiui.g gekomme»? Die Mehrsorderung berechnet sich auf 35 630 M. und»st in de» Elatseniwurs eingestellt»vorben. Der Elatsenlwurf fordert ferner mehr an Almosen 160 000 M., an Pflegegeldern 10000 M.. an laufenden Unlerslütznnge» 22 000 M. und an Erstattungen a» auswärtige Arinenverbände 22 000 M.. dagegen find weniger an- gesitzl: Kur- und Verpflegnngslosteu 70 000 M., darunter an die Charilce 30 000 M. und a» Heilmittel 8000 M. Die früher für den Knrloffelbait durch Arme vorgesehene» 20 000 M. sind im Entwurf nicht zuni Ausatz gelomme», weil der kartoffelbau aufhören soll. Der Zuschuß zur Armeiiverivaltuiig berechnet sich etalsmäßig auf 7 392 730 M.. das sind 136 330 M. mehr als in» Vorjahre. Berlin-Stettiner Wassertveg. Der Zentralverein für Hebung der deutsche» Fluß- und Kanalschiffsahrl beschäftigt sich zur Zeit mit der Frage, wie der Berlin-Eletiiner Wasserweg für Schiffe biß 600 Tonnen Tragfähigkeit am praktischste» auszubauen sei. Im Hinblick hieraus beabsichtigt der Magistrat zu Wriezen die J»t«r- essenle» einer östlichen Wasserstraße zu einer Bereinigung aufzu- fordern nnd zivar ist die Versaminluug für die erste Hälfte des März i» Berlin und zivar im Rathhanssaal in Aussicht genommen. Der Magistrat von Wriezen hat daher de» hiesigen Magistrat, welcher,»vi« erfterer bemerkt, ein großes Interesse au der Sacbe habe, un» unentgeltliche Uederlassung des Rathhans- saaleS zn der beabsichtiglen Veranstaltung der Berfa», mlnng gebeten. In dieser Versammlung soll erstrebt werden, nicht die alte F i» o w- S t r a ß e zu wählen, sondern eine Linie von Hohen- saalen über Oderberg, Freienwalde, Wriezen, Buckow, Erkner, Köpenick, Berlin, ivelche etwas kürzer fei und auf große» Strecke» die Benutzung vorhandener anszubauender Gewässer gestatte. Außer- dem soll st« de» Borlheit habe», daß sie östlich Berlin einführt und somit direkt die inbnstriereiche» östlichen Bororie und Stadttheil« Berlins erreicht,»voselbst der größte Konsum der Massengüter stattfinde. I» Fortsetzung der Berathungen zur Feststellung des Stadt- Haiishatlselals pro 1898,39 stellt« das Magistratskollegium den Elnzeletat für Dieustpen sionen, Wittwen- Pensionen» n d W a i s e» g e l d e r, sowie die außerordentlich bewilligte» Pensionen, Unlerstützungen und Erziehungsgelder fest. Die Einnahme» sind mit 32 889 M., die Ausgaben mit 1 336 970 M. in de» Etat eingestellt, so daß ein Zuschuß vo» 1 324 08l M. erforderlich wird. In den Ausgabe» ist zu verzeicbnen die Dienstpensiou der früheren Magistratsmitglieder mit 48 125 M, an ehemalige Bureau-, Kasse»- nnd Administrationsbeamte 869 372 M., an ehe- malige Lehrer und Lehreriunen an höhere» Lehranstalten 123660 M., an ehemalige Gemeindeschnllehrer und-Lehrerinnen 143 843 M. und die stalularischen Witlweiipenstoiie» und gesetzmäßigen Gemeinde- schnllehrer-Willivenpensionen resp. Zuschüsse 449 035 M., lausende Unterstützungen und Erziehnngsgclder 138 244 M.»e. Poltttles. Ueber ein« neu- Polizeipraxis berichtet un« einer unserer Mitarbeiter, der mit der Abfassung eines Berichts über die letzle Parteiversanimlnng im zweite» Wahlkreis(Donnerstag Abend i» Marlen's Festsälen) beaustragt ivar. Der betreffende Genosse Halle stillschiveigend auf ber Bühne hinter dem Vorstandstisch gesessen nnd seines Amtes gewaltet. Nachbein die Versammlung geschlossen war, fragte ihn der überwachende Polizei-Osfizier, od er für den„Vor- n ärts" berichte. Der Gefragte bejahte.„Dann muß ich Ihren Namen»visse»." Der Genosse erividerte, daß er zivar gar keinen persönliche» Grund habe, den Namen nicht zn nennen, daß er aber kein Recht des Beamten anerkeiinen könne, die Namens- »ennuug zu verlangen und verweigerte diese. Der Beamte erklärte nuninehr, dann die Siftirung vornehmen zn wollen, da er wissen müsse,»ver den ganzen Abend in der Versammlung geschrieben habe. Da der Genosse zn- gesagt hatte, unserer Redaktion»och«inen Nachlberichl über die Versammlung zu liefern, so tonnte er es ans die Verhaftung nicht ankommen lassen, und nannte unter Vorbehalt weiterer Schritte de» Name».— Di« Sache ist an sich ja herzlich unbedenteud, aber es würe doch»vüiischenslverth, wenn das Polizeipräsidium ihr« Beamten fcnfiin liiftviiiveu wollte, doß sie keinerlei Recht hoben, beliebige Personen, die an einer Versainuilnng theilnehinen, ohne dort irgend welchen offiziellen Posten zn bekleiden, unter Androhung der Aer- hastung zur Raniensnennnng zn zwingen. In der SchrcrgchaltS-Frage ist die freifinnige Kommunal- verionltung durch einen reaktionäre» Minister beschämt worden. An den Vorschlägen der städtischen Behörden, betreffend die GeHalls- vrdnnng für die Berliner Gemeindelehrer. sollen die Aujsichts- beHorden, wie vorauszusehen war, wesentliche Aendernngen vor» genommen habe». Der Minister bat das Grundgehalt von 1000 M. sur zu niedrig erachtet und enipfiehlt folgende Neuordnung: Grund» flehalt 1400 M, Mielhsentschädigung: 650(für Unvcrheiralhete 450 1 »llark. Höchsteinkominen, wie auch von der Stadt vorgeschlagen: t-i0,.."1-„?!„lIeibt"un abzuwarten, wie sich die freisinnigen iladuiche» BeHorden zu diesen Vorschläge» verhalten werden. DmS Reichs Postiiinscnm in de» neuen Räumen Ecke Mauer- und neipzigerstrabe wird voraussichtlich Ende nächster Woche für den allgemeine» Verkehr geöffnet iverden. Mk die Nenbante» der köuiglichen Museen erfolgt gegen� warug nicht nur der Abbruch der Speicheranlagen jenseits der Stadt- bah», sondern gleichzeitig wird auch das Gelände der Musen,»sinsel noch vergrösierr. In der Spree ist, gleichlaufend mit dem Ufer am ..toubuou-Gartcn, eine Spundwand gezogen, die sich von der Spitze der Museumsinsel bis zum Ende der eisernen Brücke erstreckt. Pnn.rhalb dieses nicht unbedeutenden Dreiecks wird das Wasser ansgepiunpt und Erde aufgeschüttet. Der Vcrri» stndirendcr Franc» beschloß, wie die„Frauen- jlm> tpondenz" berichtet, in seiner geselligen Versammlung am Mitt woch, den 9. Februar, einen von Frl. Dr. Anita Augspurg ge dichteten Festgesang, der mit den Worten beginnt:„Dir. Athene ProniachoS, heben wir die Hände" und nach der Melodie(Zauäeainus -xiwr zu fingen ist, als Vereinslied anzunehmen.— War so etwas nothwendrg? Der frühere BczirkSborstcher des Altberliner Stadlbezirks 4, nachmatige Rentier Broese, ist gestern verstorben. Dänische 3 Ocrstiickc, welche einen Werth von etwas über Zwei P,en»ig reprnsentire», werden jetzt in großer Zahl in de» Automat«, vorgefunden. Diese 2 Oerstückc haben genau das Gewicht und die Grone unserer 10 Psennignücke. Sie scheinen von findigen Sröpsei, in größerer Zahl eingeführt zn sein, um die Automaten zn beraube». Groste Berliner Pferde- Eiseubah». Vom Montag. dem 14. d m, ab. werden wegen stattfindender Bauarbeiten die Wagen der �inie„Vineta-Platz— Mansteinstraße" statt nach der Manslein- strage auf einige Tage durch die Polsdamerstraße»ach der Absahrts stelle», der Großgörschenslraße gesührl. Christianiastrasse im hohen Norde» soll in diesem Jahre lhcuweise regulirt werden. bct Hafenhaide. Eine rege Banthätigkeit herrscht augenblicklich auf dem Gelände des srühere» Ansstellungsparks in der Haseuhaide sowohl wie auf dem weiteren südlichen Streifen bis nach dem altberuhmten Jahn'schen Turnplatze. Ein Bankkonsortium laßt hier 29 hochherrschastlickie Hänser,»leistens ohne Läden, erbaue», von deiie» 18„n Bau begriffen, theils schon i», Rohbau fertig sind. Das Wetlerbauen des größten Theils dieser Häuser ist»u», wie die «Voss. Ztg." meldet, von der zuständigen Behörde untersagt worden, und zwar solle» Slreilpmilte wegen der Ausführung des Vertrages mit der königl. Garnisonverwaltnng der Grund dieser Maßnahme sein. Ein weiteres Hiuderniß soll dadurch ent- standen sein, daß die Legung der ttaualisationsrvhre» über das Gelände des fiskalische» Jahn'schen Turnplatzes(von Rixdorf aus) noch nicht mit den betreffende» Staatsbehörden ge- regelt worden ist. Alle diese Neubauten stehen nicht auf Berliner Gebiet, sondern gehören zum„Gutsbezirk Haseuhaide", der ivohl für die Sicherheitspolizei Berlin unterstellt ist— die polizeilichen An- und Abmeldungen erfolgen nach Berlin—, aber siir die steuer. »nfr ftandesamtlichen Angelegenheile»». s. w. dem Kreise Teltoiv, iiisbesondere der Geineinde Tempelhof zugehört. Berlin braucht ailch beim Ausbruch eines Feuers hier nicht zu löschen. Die Kinder müßte» auch beim Besuch einer Berliner Geuieindeschule monatlich 2,50 � M. Schulgeld zahlen. Berliner städtische Beamte und Lehrer müßte» beim Hierivohnen auch 50 pCt. Geuieinde steuern zahlen. Es ivird nun eine Regelnng dieser ganzen Air gelegenheit jetzig betrieben; wie verlautet, soll hier ein eigenes Standes- und Sleneraint eingenchtet werben. Die beste Lösung wäre es, wenn diese 29 steuerlräslige» Grundstücke Berlin einverleibt wurden. Durch eine Gasexplosion find anff Freitag Nachmittag um s Uhr drei Personen verletzt und mehrere leicht beschädigt worden In dem Keller der Weinhandlung von Trarbach, Prenzlauer- slraße 23/24, der 50—60 Meter lang ist, war der Küfer Michalski aus Groß-Lichterfelde mit dem Kutscher Dieckmann aus der Metzer- straße 1b, den, Mitfahrer Breiteiiscld aus der Liudoiverstr. 23 und noch andere Arbeiter seit etwa VJ» Stunden beschäftigt als man im aiidcreu Tbeil einen Gasgeruch ivahrl nahm und der Ursache nachforschte. Man kam dabei mit offenem Licht— trotz aller Wariiniige»— in den Hintere» Raum, als plötzlich unter dumpfem Knall eine Explosion erfolgte und eine Stich- flau»»« durch den ganzen Keller zuckle. Der Küfer Miachelski wurde von den, Feuer an, empfindlichsten getroffen und am Kopf, im Gesicht und an den Händen erheblich verbrannt. Dicckma»», der am Eingang ftraßenwärts stand. wurde zwar nicht durch die Flammen berührt, aber gleichfalls am Arm verletzt. Die Eingaugslhiir ivar durch den Druck des eutzündeten Gases i» tausend Splitter zerrissen und die umherfliegende» Holzlheile trafen rh». Brelteufeld, der sich im Killer beiaud, trug nächst Michalski die heftigsten Wliude» durch daL Feuer und die Erschütterung am Kinn davon. Er war wie betäubt. Die übrigen Leute wurden durch den Druck an Wand und Pfeiler geworfen, haben aber keine »enneuswerthcn Verletznuge» anfzuiveisen. Die Verletzte» erhielten ans der lliisnllstaliou i» der Allen Schützcnstraße erst eine» Verband und konnten dann»ach Hanse entlassen werde». Einen Selbstmordversuch in einer Droschke beging am Freitag um die Mittagszeit«ine ältere, seingekleidete Frau. Sie hatte den Wcgemesser 568 mit der Angab« bestiegen, sie»ach dem Hanse Königgrätzerstr 76 zn fahren. Unterwegs schon bemerkte der Kutscher, daß mit der Frau etwas vorgegangen sei. Er wandle fich an«inen Schiitzlnaun des 34. Polizeireviers, der die in der Droschke lli»- gesunkene Frau nach einem Krankenhaus beförderte. Dort wurde festgestellt, daß die hochgradig erregte Frau sich durch ei» mit Chlorosort» gekränktes Schwäinmche» zu betSube» und zu tödte» versucht halte. Sie halte die Besinnung wiedererlangt, verweigerte aber jede nähere Auskunft. Ob ihre kurze Erklärung, daß sie euiem Peusiouat angehöre, richtig ist, muß abgeivarlet werde». Man ver- mnlhet in ihr eine Frau M. Ans frischer That ertappt wurde gestern eine Diebin durch den Uhrmacher Julius Heuer i» seinein Koinmandantenstr. b be- findliche» Laden. Im Herbst vorigen Jahres>var ei» blondes, hübsches Mädchen in sein Geschäft gekommen, hatte einen werlb- losen Ring zur Reparatur gebracht und sich dann Broschen und Ringe vorlegen lassen. Als sie fortgegangen war, fehlte von dem »inen Ständer ein Ring im Werth« von etwa 25 M., dt» die Dame gestohlen haben mußte. Kurz vor Weihnachten ivurde ans dieselbe Weise, während nur der Gehilse im Lade» anivesend war, abermals ein Ring von einem jungen Mädchen entwendet, das»ach der Beschreibmig niit jeuer identisch war. Gestern kam eine elegant gekleidete Dame zu Herr» Heuer, übergab ihm eine werthlose Brosche zur Reparatur und wollte eine Brosche oder einen Ring kailfe». Als sie darum ersuchte, ihr verschiedene Sachen vor- zulegen, erkannte der Uhrnmcher die Diebin von damals wieder und bemerkte nun, daß sie i» dem Augenblick, in dem er ans dem Schau- fenster einen Auslagesländer entnahi», eine» goldenen Ring, dessen Similistein wie«in echter Brillant funkelle, in den auf ihrer linken Hand befindlichen Handschuh steckte. Nachdem dai Fräulein sich »och einige Zeit aufgehalten, wollte es fortgehen und stellte sich sehr empört, als sie ersucht wurde, de» gestohlenen Ring in Güte heraus- zugeben. Schließlich fiel der Ring zn Boden, und mm wollte die Diebin glauben machen, daß er wahischeinlich a» ihrem Muff hänge» geblieben wäre. Als aber Herr Heuer und ein dazugckoininenes Fräulein ihr die Ullivahrheit dieser Angabe ins Gesicht sagte», legt« sie sich auss Bitten und wollte einen Brillantring und 150 M. hergeben. Herr Heuer ließ sie aber verhasien und zur Wache bringen, wo sie emen Namen angab, der sich sofort als falsch heransstellle. Bor einigen Wochen brachten wir die Nachricht, daß der 20jährige Kürschner Norbert Rolle aus der Kronenstraße 26 sich auf dem Tanzboden erschossen habe. Nachträglich wird uns berichligend mitgetheilt, daß Rolle sich nicht gelödtet hat, sondern am Blutsturz gestorben ist. Ei» unbekanntes Jngendtverk von Ibsen wurde am Donnerstag Abend in dem vom Verein Berliner Presse veranstalleten Vorlragsabend vorgelesen. Es ivar ei» einaktiges Dramn„Das Hünengrab". Ibsen schrieb das Sinck im Jahre 1850 als 22jähriger Jüngling; der Dichter hatte die Freude, es im selbe» Jahre in Christiauia ausgeführt zu sehen. Vier Jahre späler hat Jose» das „Hünengrab" umgearbeitet und es als Drauialurg am Theater z» Bergen aufführe» lassen; von da ab blieb das Werk verschollen. Ob der Dichter, der sich später auf scharf abgestecktem Felde eine eigene Welt der Anschauungen errichtete und mächtig fördernd i» die Geistesrevolutionirung des Jahrhunderts eingriff, an dem Klein zeug seiner Jngeud gerade besonderes Wohlgefallen empfindet, lasse» ivir dahingestellt sei». Das„Hünengrab" spielt zur Wickinger- zeit aus einem Eiland bei Sizilien nnd zeigt de» ver- weichlichenden Einfluß, de» das Christenthum ans die rauhe» Söhne des Nordens ausübte. Blanka, die schöne Tochter der Insel, sehnt fich nach urwüchflger Jugendkrafl und genießt»ach mancherlei Qualen und Wirrnissen am Schlüsse das Glück, von einem jniigeli Normannen heimgeführt zu werde». Sie weckt den holden Lichtbringer Baldnr und pflanzt in die Männer der Gewalt den Ken», ans dem dereinst auch im Norden die Schön- heil eigener Geistesthate» hervorblühen soll. Das roinanlisireude Werk wurde von Herrn Milan»>it lebhaflei» Schwünge vorgelesen. Sodann ward der Versammlung von Frau Sehleiilher-Conrad ein hoher, einziger Genuß bereitet. Die Künstlerin las zwei uiibeknnilte Jugendballaden von Gerhart Hauptmann vor. Die„Mondbranl" behandelt das Leiden»nd Sterben eines vom Siiesoater gepeinigte» Kindes, ei» Motiv, das der Dichter beka>i»ll>ch später im Hannele bearbeitet hat. Das ander« Gedicht, ein Märchen, schildert aller- liebst im Spiegelbilde die bösen Folgen des Jähzorns. Sieben artige, nur ein wenig»aschhasie Kinder werden durch de» uiibe- dachte» Fluch der Mutter in sieben arme Mäuslein verwandelt. Dniiii folgte noch ei» rührendes Gedicht von Fontane, das am un- beholsencn KaufmannSlehrliiig Fritz Katzfnß das Mtßverhältniß poetischer Beschaulichkeit zum unchlerneu Alltagsleben drastisch hervor- hebt; ganz am Schluß irug Frau Conrad noch etnes der Müller- lieber vo» Goethe vor. Im WirthShanS vom Tode ereilt wurde gestern Abend der Arbeiter Angnst Szagaris. S. hatte an der Ecke der Linien- und Kleine» Hamburgerstraße eine Schaukivirthschnft betreten, um sich durch einen Schnaps zu stärke«. Kam» hatte er auf einem Stuhl Platz geuomme», als er tobt zusammenbrach. Feuerbericht. Donnerstag Abend 7l/2 Uhr mußte Frieden- straße 92 ein Wohnungsdrand abgelöscht iverden, der die Ein- richtnng zweier Zimmer zerstörte und das Haus beträchtlich beschädigte. Ei» Schaufeiisterbrand rief die Wehr um 3 Uhr nach Chaussee- straße 51. Kurz darauf ersolgie Alarm nach A l t e I a k o b st r. 91. Hier war in einer Mansardenstube Feuer ausgebrochen, das die Dachkoustruklio» erfaßte und einen Theil derselben einäscherte. Freitag Nachmittag 2 Uhr hatte Bergstr. 67 Benzin Feuer ge- fangen, ivodnrch Bette» und Möbel eingeäschert ivnrdeu. Eine Stunde späler mußte B i e s e» t h a l e r st r. 8 ei» breiinender Fußboden abgelöscht werden._ Zl„s bcu Nachbarorten. TaS militärische Scharfschießen fängt in der Umgebung Berlins wieder an. I» den letzten Tage» hielten die Garde-Schütze» ans dem Gelände zwischen der Potsdamer Bahn und Teltow ein Schieße» mit scharfen Palronen ab; gesperrt waren alle Uebergänge der Potsdamer Bah» auf einer über 6 Kilometer lauge» Strecke, die Schnillpnnkle der Wege Zehlendorf— Klein-Machnoiv und Dnppel- Schönow und alle von Schönow, Teltow, Stahnsdorf und Klein- Machnoiv. In der nächste» Woche sollen noch mehr derartige Uebnngen zur Ehre des Kleinkalibrigcn abgehalten werden. Gegen de» AmtSvorsteher von Lichtenberg' Fried richSberg hat dl« vorgestern am Orte abgehaltene Versammliiug des Bürger- Vereins solgeude Resolution augeiiomme»:„Die heutige Versammlung des Bürgervereiiis dedauert levhast, daß Herr Zielhen das bei seiner Wahl zum Amts- und Gemeindevorsteher uuseres Ortes i» itin gesetzte Vertrauen, er werde bei den Genieindeivahlen strikteste Neutralilät beobachten, nicht gerechtfertigt hat, daß er vielmehr durch sein Anschreiben an Foreuse» vom 1. Februar in die Wahl- beivegniig unter Hervorkehrniig seines AmlScharaklers agitatorisch eingegriffen und durch die Unterstellung, daß die Bürger unseres OrleS sich durch Parteirücksichle» und Partei-Interessen bei Behand- tung der Gemeinde-Angelegenhetten beeinflussen lasse», eine» großen Theil der Bürger verletzt hat." I» Weisteusee hat der Amtsvorsteher Feldman» die Wurst fabrik vo» Richter geschloffen und die Vorräthe beschlag »ahmt. R. wird bekaniiilich beschuldigt, seit längerer Zeit große Menge» Pferdefleisch zu Wurst verarbeitet zu haben, die in Berlin bei Gastwirihe» und Delikaleßhändlern abgesetzt wurden. Peiizhiexplosio«. In Fr ied r i ch s b e r g, Frankfurter Allee Nr. 198, in der chemischen Waschanstalt von A. Hübsch, ist am Freitag morgen in der zehnte» Stunde ein Benzinballon ans bisher noch nicht aiisgeklärter Ursache in Brand geralhen, wodurch eine ISjährige Arbeiterin»ms Leben kam. Der in demselben Raum an- ivesende Besitzer der Waschanstalt tonnte sich retten; als er zurück» kehrte, um unter Benutzung einet; anderen Thür, die vorher ver- schloffen war, daS Mädchen aus dem brennenden Raum herausziiholen, zog er sich erhebliche Brandwunde» an de» Füßen zu, die ärztliche Behandliing nolhiveiidig machten. Der Brand selbst tvurde bald gelöscht._ GvvMzks Wegen HcrauSfordctuug zum Zweikampf bezw. wegen Kartell lrägerei hatten sich heule der Student der Landwirlhschaftliche» Hochschule, Hermann K r e f f t, und der stud. med. Hans Auel vor der 2. Strafkammer am Landgericht II zu verantworte». Nad) der übereinstimmenden Bekundung beider Angeklagten hat Krefft im erbst v. Js. erfahren, daß der stud. med. veter. Paul a s p a r i» s über die Schwester eines seiner Freunde Beleidigungen und Berleumdungen ausgesprengt habe. Krefft hielt sich für ver- pflichtet, für die Ehre der Schwester seines FreundeS einzutreten. Er eh rieb an CaspariuS, dieser»löge an einem dritten Orte mit ihm zusammentreffe», um sich mit ihm zu verständige». Casparius reagirte weder auf dies« Aufforderung,»och auf ein gleiches Schreiben des Vorstandes der studentischen Verbindung, welcher owohl die beide» Angeklagten als auch der CaSparius angehörten. Infolge dieses Schweigens richtete Krefft am 25. November eine Forderiuig auf krumme Säbel ohne Binde» und Bandage» an Casparius, und Apel überbrachte diese Forderung, die der Geforderte einfach ablehnte. Wer darauf die An- zeige über diesen Vorgang an die Staatsanwaltschaft erstattet hat. ist in der gestrigen Verhandlung nicht zur Sprache ge- kommen. Der Zeuge CaspariuS gab zu. daß er beleidigende Aeuße- rungen über die betreffende Dame gethan, daß er aber nur das iveiter erzählt habe, was er von anderen hörte. Staatsanwalt und Gerichtshof erkannten an, daß beide Angeklagte a»S edlen Motiven gehandelt hätten, deshalb sei die Strafe gering zu be- messen. Das Urtheil lautete für Krefft auf 14, für Apel auf drei Tage Festungshaft. Wenn ein ehrenhafter Arbeiter eiuinal vor Gericht kommt, weil er eine» Lnmpazius vo» Streikbrecher be- leidigt und bedroht hat, so ist von Berneksichligung edler Motive keine Rede. Den anständigen Arbeiter trifft die übliche„schiverste Strafe". IVO ovo Stück zusammenlegbare Neujahrs- nnd Gratu- lationSkarte» wurden gestern durch ErkemUniß der dritten Stras- kanunir des Landgerichts I für unsittlich erklärt und deshalb deren Beschlagnahme und Verllichtung, sowie die der fänimiliche» Her- stellnngssorme» und Platte» verfügt. Eines der jungen M ä d d) e», welches in der Fabrik, woselbst die Karlen hergestellt wurden, beschäftigt war, hatte sich in ihrem Sittlichkeilsgesühl verletzt gesunden und Anzeige erstattet. Zunächst handette es sid) um zehn verschiedene Bilder, von denen je 25 000 Stück an- geserligt worden ivare». Das Gericht beanstandete hiervon vier Karten und gab die übrigen frei. Ob dem Unternehmer garnichl der Gedanke gekommen ist, daß eine Gefühlsroheit ohne gleichen darin liegt, wenn man jungen Mädchen derartige Arbeilen in die Hand giebt? Die Freuden einer Zimmermietheri« hat die Schneiderin Frl. Statte kennen geleint, die gestern als Belastuiigszeugin gegen ihre Chambregarnie-Wirlhin austrat. Frl. St. wohnte bei einer Fcan Kiesling, hatte aber an ihreem Quartier keine Freude, da die Frau Wirthin mit ihr wiederholt in hesiigen Konflikt gerieth. Sie hatte es deshalb vorgezogen, ihr Quartier zum 15. Januar zu kündigen. Daß sie damit der Wirthi» keine Freude bereitete, sollte sie am II. Januar in drastischer Weise erfahren. An jenem Tage hatte Frl. St. zu Hanse dringende Näharbeiten zu verrichten, sie blieb deshalb während des Vormittags in ihrem Zimmer, wcld)es sie gewöhnlich gleich nach dem Aufstehe» zu verlassen pflegte. Als dann die Wirlhin kam und begehrte, das Zimmer zu reinigen, wurde ihr von der Mielheri» bedeutet, daß sie zur Zeit»nuiögltch mit ihrer Schneiderei anshö.e» könne und das llieinlgen des ZiimneZ, welches tags zuvor ganz unbenutzt geblieben sei, deshalb noch etivas Zeit habe. Frau Kiesling belraditete dies als einen Eingriff i» ihre lliedzte, sie gebot kategorisch, das Zimmer zu verlassen und als diesem Gebote keine Folge geleistet wurde, zog sie de» Stuhl, auf welchem Frl. St. saß, niit einem krästigen Ruck weg, so daß diese zu Boden fiel und sich eine Verletzung zuzog. Nunmehr verlangte Frl. St. als rechlmäßigeJnhaberin des Zimmers, daß dieWirthi» sofort hinausgehensolle.letzteredaditeaber gar nicht daran, packle die Mielheri» vielmehr gewalisaiu bei den Armen, schob sie unter vielen beleidigende» Redeiisarien hinaus und riegelie dann die Thür ab, sodaß Frl. St. nicht in ihr eigenes Zimmer hinein konnie. Die Folge dieser Szene war eine Anklage wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletznng nnd Beleidigung. Der Siaals- anivalt hielt die Nebergriffe dieser Wirihin wundermild für so groß, daß er einen Monat G e s ä n g n i ß gegen sie beantragte. Der Gerichtshof nahm Rücksicht auf die Erregung, in welcher die Angeklagte offenbar gehandelt und verurlheilie sie nur zu 30 Mark Geldstrafe event. 6 Tagen Gesängiiiß. Eine ganze Mnsterkart« von Strafthaten führte gestern den Kellner Joses G r o s z e ck vor das hiesige Schöffengericht. Die Au- klage lautete auf Hausfriedensbrudi. Bedrohung, gesährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung. Es handelte sich um eine Liebes- und Rohheitsgeschidiie. Die Arbeiterin S. war schon seit geraumer Zeit mit dem Angeklagten gegangen, bis sie seiner überdrüssig wurde. Der Grund hieisür mag darin gelegen hab-n, daß sie keine ruhige Minnie vor dein Angeklagten Halle, wiederholt von ihm bedroht wurde imd auch die Eiiideckimg gemacht haben will, daß er betteln gehe. Der Angeklagte hatte nun aber gar keine Lust, sich von der Schwelle, über welche er bisher geiviffcrmaße» als Herr zu sehreiie» pflegte, wegjagen zu lasse», sondern sann sich eine sürchterliche Rache aus. Seine bisherige Geliebte hatle eines Tages ihre Wohnung verlassen, naehdem sie sie ordnuiigsmäßig verschlossen hatte. Als sie heimkehrte, fand sie den Aiigeklagle» in ihiei» Zimmer vor, das letztere aber in einem Zustande der Verwüstung, der jeder Beschreibung spottete. Der An- geklagt« hatte sich den Spaß erlaubt, das Bett mit einem scharfen Messer zu zersd)iielde», so daß die Federn imZiinmer umherflogen, er halte mit dem Messer die Tischdecke und die Sdilasdecke zersetzt, die Kommode zerritzl:c. DaS Mädchen, welches zuerst wie vom Donner gerührt dastand, versuchte vergeblich, de» Angeklagten zum Verlasse» der Woh- »»»g zu bewege»; dieser ivurde vielmehr iiumer aufgeregter, zog einen tlievolver nnd drohte, das Mädchen zu erschießen; dan» packte er sie mit soldzer Gewalt bei den Arme», daß sie mehrere Tage große blaue und braune Flecke hatte, schließlich schlug er sie uiic seinem Spazierstock so heftig über den Kopf, daß sie eiue nidit unbedeutende Wunde davon trug. Der Wülherisch eutschuldigle sich gesler» da- mit, daß er empört darüber gewesen sei, daß die Zeugi» ihn ab- gedankt und sid) einen andere» Liebhaber angeschafft habe. Der SiaatSaiiwalt beauiragte gegen ihn 3 Monate Gefüugniß. Der Gerichtshof ging über diese» Antrag hiiians und erkannte auf vier Monate G e f ä» g» i ß. „Zur Pierglocke, Gesellschaft mit beschränkter Haflung" betitelt sich ei» Konsort»»», welches unler dieser ihrer Firma Ausschank« lokale nach dem Aschinger'scheu System in verschiedenen Stadttheilen errichtet hat. Die Lokale habe» eine charakteristische Ansstattung; in der Mitte des Schaufensters prangt eine blaue Glocke nnd der Aus« schaiik ist in Form einer Glocke gebaut. Ein Schnnkwirih im Norden Hai ans seinen Schildern angebracht:„Zur Weißen und„Bayerische Blerglocke". Sein Fenster zeigt ebenfalls das Bild einer Glocke. Hierin erblickt die obeugenanule Gesellschaft einen Eingriff in ihre Rechte und der Vorstand hat gegen den Schaukivirth Klage wegen Vergehens gegen H 8 des Gesetzes betr. den unlantere» Wettbewerb erhoben. Der Verband der Gast- und Schaiikwirlhe hat die Sache für wichtig genug gehalten, dem Be- klagten Rechtsschutz zu gewähren und seine» Syiidikns, den Rechts- anivalt Dr. Schöps mit der Vertheidigung zu beauftragen. I» Gastwirlhskreisen sieht man dem Ausgange des Prozesses mit Spaiiittiiig entgegen._ Vevsammluttgem Der Deutsche Holzarbeiter- Verband(Zahlstelle Berlin) be" schäsligte sich in seiner außerordentliche» Generalversammlung am 8. Februar mit Anträgen, welche ans dem Verbandstage, der in der Osterwoche zu Göttingen stattfindet, gestellt werden sollen. Ein Anlrag auf Einführung einer Arbeitslosen- Uiiterstiltzniig rief eine lebhafte Diskussion hervor. Der Referent für diese» Antrag, Klingner, begründete denselben damit, daß im Verband ein fester Bestand vo» Mitgliedern geschaffen werde» müsse. Im letzten Jahre seien ca. 6000 Mitglieder neu aufgenommen, während ziika 5000 wegen Nichtzahlung der Beiträge gestrichen werden»»lßie». Wenn de» Miigliedern nun etwas mehr geboten würde, sei er der Ansicht, daß dann die Mitglieder nicht so leicht ihre Rechte i» der Organisation preisgebe» würden. Aber auch der Arbeitsnachweis, welcher doch ein wichtiger Bestandlheil der Organisaiion ist, könne durch Einführung der Arbeilslosen- Unterstützung nur gewinnen. Es sei enie bessere Kontrolle vorhanden uno das Hausirengehe» nach Arbeil, welches doch sehr schädigend aus die bestehende» Lohnverhältniffe wirke, ivürde eingedämmt. Die Durchsührbarkeit könne nicht angezweifelt werden. Diejenigen Organisationen, wie Buchbinder, Bildhauer, Knpserschmiede zc., welche solche Unterstützungen in viel größerem Umsang haben, als sie der vorliegende Antrag bezwecke, tiaben die besten Erfahrungen gemacht»nd würden unter keine» Umstände» diese Ei»rid)iu»geu ausgeben. Redner stellt sodann noch eine Berechnung aus, ans aruiid der vom Berband aufgeiiommenen Statistik, sowie der der Gewerbezähluiig vo» 1895. Der Korreferent Eickseld ist der A»sicht, daß die Berechnungen Kliiigner's nicht stimmen; nach seiner Ausstellung sei die Unterstützung nicht so leicht durchführbar. Auch würde eine große Anzahl der Kollegen sich darauf lege», den Verband aus-n- beuten. Wenn auf die Bndchrucker exeniplifizirt ivürde, so sei dielen vergleich auch nicht stichhaliig, da die Buchdrucker ohne Konliirr-nz der Maschine» find, auch sei dt« Organisation ätter. Auch feien ■'"..,..vl,c c!»zel»cr SToimnmtcn, in Köln und Basel, dse Arbeits- losen, mlerslützn»« einzusühle». fehlgeschlagen.— I» der Diskussion verbreitete sich Glocke über die Bedeutung und Entivickelung der Gciverkschaslen und die btolhwendigkeit des Ausbaues derselben, zu welcher sicher auch die Einrichtung einer Arbeilslosenniilerstlitzung gehöre, die ja in der Form der Reise» Unterstntznng für die unvcrheiralhete» Kollege» schon vorhanden sei; es könne doch nur von einer Ausdehnniig derselben auf verheirathete Kollege» die R'edc sein. Siediier geht sodann auf die Verhältnisse der Berufe ein. die bereits ähnliche Einrichtungen habe», und die durchaus nicht die Pessimistischen Ausführungen des Korreferenten rechtfertigten. Der Antrag sei ja allerdings etwas Neues für die Holzarbeiter, weshalb es nothivendig sei, eine eingehende Aussprache darüber herbei- zuführen; doch sei er auch der Ansicht, daß derselbe für die Organisation schädigendes nicht enthalte; auch die Berliner Metallarbeiter seien jetzt rege dabei, dieselben Einrichtungen Zt, besprechen und zur Einführnng zu bringen. An der weitere» Debatte betheiligten sich Geppert, Jüngling und andere. Nach den» Schlußwort des Referenten wurde gegen eine starke Minorität beschlossen, den Delegirtcn de» Auftrag zu ertheilc», den Zlntrag auf dem Verbandstag zu stellen, jedoch soll« über eine Erhöhung der Beiträge bis 30 Pf. nicht hinaus. gegangen werde». Es folgte sodan» die Berathnng weiterer Statuten- Abändernngsanträge und Anträge auf Abändernng des Streik- regleuients. Die Wahl der Delegirle» wurde auf eine demnächst einzuberiifende Generalversaninilung vertagt, in der auch die An- träge anderer Zahlstelle», sowie die Aussührungsbestiiumunge» der Arbeilslosenunterstützting berathen werden sollen. Schöneberg. Am Montag, den 7. Februar fand hier im Obst- scheu Lokale in der Gruncwaldstraße eine gut besuchte Bersaininlung des Arbeiler-Bildungsvercins statt, in welcher Genosse Lankow einen interessanten Vortrag über den„urchristlichen Kouununismus" hielt.— Außerdem wurden noch einige Veieinsangelegenheiien er- ledigt.— Die nächste Versammlung findet am Montag, den 21. Februar statt. Steglitz. In einer öffentlichen Versamnilung der Bau-, Erb- u n d geiv erblichen Hilssärbeiter, die am 6 Februar hier tagte, hielt Krüger- Berlin eine» Vortrag, in welchem er die Ainvesenden ermahnte, sich zu organisircn, damit die im Frühjahr zu stellende» Forderungen auch durchgedrückt werden könnten. Sodann wurde«ine 7 gliederige Koinmission gewählt. welche den Lohntarif auszuarbeite» hat. Der Maurer Linden- berg betonte, es sei höchste Zeit, daß die Bauaibeiter sich rührten, um die Verbesserung ihrer Lage herbeiznführen; der Uulerstützung der Maurer seien sie dann geiviß. I» Reinickendorf tagte am Sonntag, den 6. d. Mts., eine öffentliche V o l k s v e r s a m in l n» g brhufs Ausstellung der Kandidaten der 3. Abthetlung zur Gemeindewahl. Zunächst er- stattete Gemeindevertreter Schilling einen sehr ausführlichei! Be- richt über die Wirksamkeit der Geineindevertretnng, dem sich der Geuieindeverlreter Meyer anschloß. I» der äußerst leb- hafte» Tislttssio» sprachen säunntliche Redner ihr Ein» verständnib mit dem Verhalte» der beiden Genosse» in, Ge- nieinderath aus. Die bisherigen Eemeindeverlreter S ch i l l i» g und Meyer wurden einstimmig als Kandidaten zur nächsten Wahl wieder anfgestellt. Ins Wohlkvmitee wurde» Dülfert, Zeidler. Baum, Heyder und Lorenz gewählt. Zun, Schluß theilte Klink in a n» mit, daß er sein Amt als Vertrauens- »ia»n niederlegen müsse. Lreierligiöf«©/« Uhr, Ziegelstraße lo/li. Vortrag: Dr. Hugo Göring über „Die neue deutsche Schute." Dislussron. Kriiverei» K»l>e. Morgen Sonntag spricht Frl. Kube im„Kösliner Hos". Kösiinetstraße s, über„Berufs trantheiten, speziell NheumattsiNtl« und Gicht". Nach dem Vorlag: G-selltge« B-isamni-nsetn. Vriefsiafien der Redaktion. Die juristtsche Sprechstunde findet bis»nm 8. März am Montag, Freitag»»d Soniiabeiid abends von 7 V» brs L'/z Uhr statt. F. B. Ist ganz ausgeschlossen. Briefkasten der Expedition. M., Tnnckerstr. 19. Die Ausgabe ist die verantwortlich ist und auss beste zu einpfehien. einzige, siir die Nansen BkcMunyl SoziiiliitiWkr.WHmtiilfür ben 6. Bttliim Ncichötilgs- Wahlkrtis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nnser langjähriges Mitglied, der Maurer 24g/6 Wilhelm lemle, Viichhoizerstr. 4, verstorben ist. Die Becrdigiliig findet am Sonntag, den tii. d. M., tiachi». l Uhr, von der "cicheilhattc des Gethsemane-Kirch- hoscs in Niedcr-Schüuhausen statt. lli» rege Vetheiligung bittet Der Borstaud. Acliümtj! Achtung! Putzer! Zentral= Verband der Maurer Delitschlands. (Zahlstelle Berlin I.) Sonntag, den 13. Februar 1898, na.nmitlaaö 1 Uhr. findet die Be- erdigimg drS Mitgliedes 134/S Wilhelm Wenäe von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes in Nofeuthal, Nordende bei Nieder-Schönliausen statt. Um zahl- reiche Bethriligung ersucht Die örtliche Berwaltung. Der Gesangvcrei»„Genlttthlichkeit" wird ersucht, pünktlich zu erscheinen. Fahrgelegenheit Pferdebahn Rath- Haus— Nieder-Schönhauseil._ Carl Becker KM" Cisni'roii. C'äguvrctten ii. Tuliakc Lindow, rktr. 25 an der Müllerstr. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Kollege Uv\ KUlmlem am Mittwoch, den 9. d. M., an der Berufskrankheit verstorben ist. 278b Ein ehrendes Aiideilkeil bewahren ihm Die Kollege» von Ferd. Zlshclin. Die Beerdigung studct aul Svimlag, den t.3. d. M.,»achmittags 2l/2 Uhr, vom Trallerhause,Sch»lstr.74, aus statt. TodcH-Anxcige. Allen Bekannten und Parteigenossc,» zur Nachricht, daß am Donuerstag, den 10. Febr., abends 8 Uhr 20 Min., nieine liebe Frau 28öb �-lucn öne8!!e»«3. pkoiktor im Alter von 23 Jahre» verstorben ist. Die Beerdigung findet Somitag, den 13. Febr., nachm. 3V« Uhr, vom Tranerhanse Schönieiiistr. 4 aus nach dem Lonisenstädt. Kirchhof inRixdors, Heriuaunsiraße statt. Der trauernde Gatte Herinan» Noeske. Zeiitrlil-Krliiikeil- u. Aerbe- Kasse der Tischler ic. (Oertl. Berwattung Berti» A.) Montag, den 14. Februar 1898, abends 8 Uhr: Mitglitber-Vtrsmiiiillilllg im Lokale des Herrn Koll, Adalbertstraße 21. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal 1897. 2. Antrag betreffs Aufheb»ng einer Zahlstelle. 3. Bericht des Vertreters der vereinigteil freien Hilsskasien(Ber- band Hamburg). 4. Verschiedenes. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versaiiiuilting zu erscheinen. 181/4 Die Ortsuertvaltnng. Arbtiter-Rllbslihrer-Vertili „Berli»»". Sonntag, den 13. d. M.: Tour»ach Liel'iiihsee. Abfahrt früh 8 Uhr Prenzlauer Thor. Frühstück Bernau. Hiermit nehme die Beleidigung gegen Frau Johaima Flügel zurück und erkläre dieselbe für eine ehren- haste Frau. 283b Margaret he Meumaim, Müllerstr. 103, Unbedingt die billtgste Quelle für Herren und Knaben ist Ct. KIictiiiaiiii'8 Fabriklager, Mariaiinenftr. 33, pt. Kein Laden. Hüte Neu eröffnet! Rtßaumt zum Achbüsch, vormals Schadewald, 284b Inhaber A. Weiuhold, TreptOW, Neue Krug- Allee 4. €. Strauss'"«ktti, Berlin O., Stralaucr- Alice 17b, Zahlstelle vom Wahlverein u. Metall- arbeiter-Verband, 7, 4182. sllZb Empfehle meinen w 10 Pf. C. Reim, Bergmannstr. 101. Schilltteii-Aiisschliiik Vio 10 Pf. 282b KOO ODO- mit meiner selbstersimdene». garantirt unzerbrechlichen Spiral- Claviatur-Fetcrnni, dabo ich bereilb seit kurzer Zeit verkauft. Nichi eine einzige Reklamation wegen Brechen oder Labm- werden meiner neuen Taslenfrderüng ist in dieser Zeil ein- gegangen. Diese Federung ist in verschiedene» Ländern p a t« u t i r t. i» Deutschland uuler D.-R.-G.-M. Na. 474S9 geschützt. Ich versende t'iir nur 5 ABark! geaen Nachnabme.>,l» l'-wnder» Speeialitiöt, eine »lrgnntr.Ca«r»vt-I«o-A»r!uo»ilea,'iuit einer herrliche» L-chtzrtgvnOrgelwusir.Eiaviaturm.Epiral- federung und abuelimbarem Riiekenthell, IN Testen, eobreiteStinnncnitBässe.SRegister. briUanle Nickel- beschläge, offene Rickei-EIaviatnr mit einem breiten Viickclstab nmlcgr, gutem, starkem Balg mir 2 Doppel- bälgen, 3 Zubäncr, ior title Baigmlrcn mii Memll- Eckenschouer. W ein Hohe. Verpackung und Scibst- erlernichnke nminnst. Sir7«s Hnstri»»e»t mit havmpiiifchvm tzziockuafpici nur UN Pfg. mehr. Rur za deziehe» durch de» iärffnder Hoinr. Stthr, i. W. 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[I50O] 84 928 1 20174 241 375 658 84 780 910 X 27 047 61 320 52 531(1501 53 54 687 1*8024 138 247 616 89J 1*0024 300 6 35 442 604 43 46 80 696 869[150J 920. 1»«073 345 464 86 95 503 818 25 900 97 1 8124« 309 63 94 464 73 681 610 17 75 744 800 70 918 ia*09« 146[200] 226 469 831 36 950 1 83107 76 324 37 75 674 727 916 1 84117 241 353 88 498 541 88 767 892 1 35338 68 512 767 827 95 1:10194 866 1 87007 84 145 88 294 302 91 580 620 22 69 762 809 960 88 1 38015 164 328 405 725 64 1 39035 244 471 534 64 726 44 819 96 140053 139 44 45 248 65 82(150OJ 92 318 43 74 791 922 63 80 141047 95 334 66 465 660 78 864 904 14*044 117 366 542 631 32 730[160] 800 148317 408 95 604 99 682 92 734 872 95 959[150] 144111 88 55« 700 46 88 803 16 93 145070 140 48 466 81 514 93(1 11501 90 1 48182 84 256 317 597 612 71 749 63 993 147074 325 35 448 99 506 729(150) 928 148121 429 626 759 881 963 1 4 9071 93 505 55 648 795 807 ISOOöO 98 166 80 218 92 447 63 75 79 6)4 44 57 89 764 892 937 86 1 51196 656 844 15*021 197 422 524 [200] 773 928 15S125 91 273 335 424 626 610 809 5» 154190 292 475 79 518 33 608 740 887 948 1 55061 67 104 96 210 49 527 96 673 932 1 68001 147[150] 2P3 305 BIO 783 819 21[150] 38 157155 238 64 317 63a 607 746 818 22 79 982 95 158069 114 296 490 651 753 159210 41 1600) 308 82 403 12 729 873 04? 1«Oü77 147 270 98 330 408 603 912 181133 262 336 495 004 47 59 741 832 58 923 1 0*144 84 302 452 599 723 58 97 IC3237 399 472 507 14 71 647 762 Mi 872 974 1« 4143 41 260 76 332[200] 82 12001 89 56, 748 68 819 95 966 1 05021 183 229 71 417 18 637 92 [150) 768 906 1 60118 7 9 261 490 510 755 1 67062 111. 56 401 12 55 540 80 775 108057 204 21 90 367 405 6» 675 898 1200) 180110 327 400 589 626 763[150] 807 33 980 98 170013 61 224 447 549 672 783 103 70 941 171013 50 276 357 620 70 81 718 50 76 1 7*287 324 630 43 92 787 895 1 78020 66 173 417 21 84 517 73 82 626 711 42 967 174045 188 208 77 409 37[45«IX» 523 653 82 855 68 76 905 175087 132 203 356 90 414 19 3a 552 674 928 59[150] 17«18< 273 804 63 422 84 690 [150] 726 38 843 177039 103 267 359 455 643 74 81 799 846 98 997 1 78027 149 423 39 705 92 849 994 179028 84 88 112 200 1150] 32 38 354 410 62 602 48 54 994 180033 98 362 456 515 25 90 700 63 1 81248 III 62 574 911 22[10 0 00) 18*317 90 847 1»Ol 12 288 854 768 181164 306 72 73 586 845 761 975 165067 175 259 77 376 505 60 73[500] 621 69 704 80[500! 931 1150] 186226 369[200] 602 719 50 870 965 78 18708« 175 220 322 407 31 36[150] 93 552 612 7 27 40 83 7 91, 915 59 188670 722 60 75 189539 644 701 44 830 942 190051 373 80 413 901 191074 190 395 571 672.4 906 27 23 1 9*185 383 411[500] 33 525 685 744 53 so. 907 1 99063 103 83 273 32» 73 886 194074 327 52 747 914 69 195199 245 308 577 726 42 815 957 8t, 1 90004 37 11» 278 30,1 38 98 438 338 605 46 788 8o3 974[150] 94 197254 657 808 55 86 97 978 I»8d56 58 658 62 109329 69 99 420 534 64 657 719 37 879 913 4a *00169 233 329 474 554 607 15 994*01082 185 234 312 30 402 39 54 638 714 76 818 937 38*0* äs 88 232 72.08 30 49 65 631 42 68 1 82»02 42 46 eimOJl, 107 68 278 412 41 48 757 820 911*0(016 289 502 41 675 855 71 976*050.9 40 522 91 668 852 89*06058 271 91 308[200] 39 43 64 711 23 66 84*(»719."-8» 434 98 538 669 805*08072 184 265 325 432 805»9 969 73 200009 25 82 99[150] 209 12 82 372 461 60 520 615 803[300] *10034 206 9. 591 617 55 89 912»1112t 258 347 897 951 86*1*321 614 58[1501 85 741 68 76 817 5». »13180 311 430 59 505 721 63 8(7 94.' 214178 79 744 74 874 908 65 86*15080 lgi 383 487 500 602 72 81 736 81 820 62*16038 608 759[200,*17097 127 1150] 91 530 618 50 831 97 904 7*18114 45 30 358 662 639 731 87*19023 51 84 88 482[150] 588 **0123 393 462 538[1501 66 897 946 67 2*1059 3001 68 189 402 6 614 631 78 706 30 858 87[15»] 925 150]***036 145 235 46 55 73 335 44 498 549 646 706 470**8082 138 420 21 567 602 50 81 880 906 2*1009. 44 141 369 432 68 553 684 781 901 34 95**5260 466 60« Im Gemiimrad« verblieben: 1 Gewinn zu 15000 Mk., I zu äUUtt MI.. 3 zu 300» Mt,« zu 1500 Mk.. 10 zu 500 Pik. V r»»iwoiilia>er«icoatunv: Buguft Jurobet» in Berlin. Für den Jnieiaieiilbeil verantwortlich: Du. uiiocte m lüeiun. nr.ru et und Vortag von Max Pasing in Berti». it. 36. i5. ZchMg. 2. Kejjllge �hvak-ev. —er.—. Opernhaus.„Sobetnnj". Ei» Buhnenspiel in 3 Aufzüge». Dichluug von Otto Julius V i e r b c> u m. Musik von Ludwig Thuitle.— Die arkadische Liaivetät des niärcheu- haften„Es war eiuiual". welche nicht gerade über jedes Aeilchen, Täubcheu oder Lniumcheu weinen oder in Entzücken geralhen muß, ist der uiusikdrauinlischen Behandlung ebenso willkoiuinen, wie der Sturm und Drang entsesseller und zügellos tobender Leidenschaften. DerDichler kann mit einem„Bühuenspiet" ebenso unsere Seele treffen, wie mit einer Tragödie, wenn die Sagenwell des schönen Scheins und der an- unilhigen Täuschung sich nicht in allzu breiten idyllischen Lyrismus auflöst und so die Bewegung des dramatischen Gehalts entnervt. An dieser Accenluirnng gefühlsseliger Ueberschivänglichkeit leidet jedoch„Lobetanz" als Operndrama. Alles ist da weiche Stiinmnng und sorglose Naiurlräumerei. Eo stellt sich bald das verdrießliche Gefühl einer Alonolonie«in, die allzurelchlich von Rosendust und LenzeSwonne genährt wird. Ten» ganz in ein Blüt henmeer und junges Liebesglühen ist die ziviiche» Mäichenreiz und Langwelle gehüllte Geschichte von Lobetanz, dem arme», jungen Spielnmnne und dem schwermülhige», liebesehuenden Prinzesselein. Was die besoldeten, voin Staats- Honorare begeisterten Dichter des Landes Nirgendivo nicht vermöge». nämlich die sunerklärbare Melancholie der Königstochter weg- zustugen, das erreicht Lobetanz mit dem süßen Klange seiner Geige und seiner Sliinme. Dem Drohen der Pegasnsphilister entflieht Lobetanz aus die Waldwiese, wo er sich im Schatten einer Niesenlinde ein poetisches Waldheim ein- gerichtet hat. Dort treffen sich zu innigstem Liebesaustausch der Spielmann und das Fürstenliud mit den„seetiefen" Märchenauge» uud dort werde» sie auch von dem König und den arglistigen Haus- und Hofdichtern entdeckt. Ter arme Lobetanz soll an den Galgen und bittet sich von dem König vor dem Sterben die eine Gnade ans, noch einmal dem starr auf der Bahre liegende» Jung- fräulei» vorsinge» und vorspielen zu dürfen. Es wird gewährt; Prinzeßchen mit den Goldhanre» und Vergißmeinnichtauge» erwacht n jeder. Hochzeit giebl's und wen» sie nicht gestorben sind..... 2 as ist alles! Auch für die Bedürfnisse eines wenig abgestumpften Geschmackes wird diese Idylle, die am Schlüsse inil Strick und Henker ein wenig bange inachen will, allzu geringe dramatische Kraft enthalten. Mit Sehnsucht harrt man ans einen Hauch schneidender Schärfe, der uns der opiatischen Schäferspiel-Atmosphäre entrückt. Allerdings klingen in der Kerkerszene des 3. Aktes die Schellen eines grausig phantastischen Humors, als nach der Todtenballade des Lobetanz ein Gefangener mit einem kahlen, ausgedörrten Sensenmannschädel einen Tanz in Holbein-Art aussübrt. Aber der Kontrast zur früheren, allzulange unbewölkten Sonnenscheinstimmnug ist zir absichtlich, als daß er eindringlicher wie ein wohlberechneler, an sich ganz geistvoller Knalleffekt wirkt» könnte. Die Sprache Bierbanm's nimmt keinen giivaltige» Aufschwung und verrälh nichts von einem lyrischen Messias; neben gewisse» preteutiöseu Archaismen blüht jedoch in Aers»md Prosa manche schöne Wendung aus, und wenn Lobetanz in seinem glücklichen Sinnen»nd im schlverste» Augenblicke vor dem Hochgerichte sich an sein seliges „lieb's Mntterl" um Segen»ind Beistand»vendet, so ist das ei» feines Mittel, auf Gedanken und Gefühle mit anheimelnder Bolksthümlichkeit zu»virken. Ein ivgruier Schimmer süddeutscher Frohnatur liegt über der Dichtung. Die Partitur zum Lobetanz rührt von einein ernstgcbildeten Musiker und zugleich liebenswürdigen Geiste, aber von keinem ur- sprünglichen Naturell her. Durch blumige Wiesen uud reizende Garten- anlagen führt dies« Musik, die sich von den dunkele» Rälhselu des menschlichen Daseins nicht qualvoll beängstige» läßt n»d den Strahlen heiterer Lebenssonne den Jugcndblick zuwendet. Drohende Abgründe, tragische Wendungen mall der Komponist yijt solch gleichmäßigem Aufwand« an kräftigsten Blechbläser-Explosionen aus, daß man in den» palhelische» Spektakel fast die Ironie» einer nnisikalische» Tragikomödie zu hören glaubt. Aber den Goldstroi» der Erfindung, die zündend» Sprache einer originellen Per- sönlichkeit. frappant«, melodisch sich auslebende Gedanken, des„Usrnrls" man»vird sie vergebens i» Thnille'S Musik suche». Mit seine» vornehmen Harmoniebildunge», mit den reichen Mitteln seiner In- strnmeutatioiis-Virtuosität, mit seiner klugen RuSdrucksanmnlh,»velche sich vor Wagner, Humperdiek und Kieuzl verbeugt, ohne die Ueberliese- rnngen guter alter Muster zu mißachtcu.ivird fick dieser junge Müucheuer Musiker bei Laie» und Fachkollegc» nur Freunde erwerben. Er erregt heute noch keine Bewunderung, seinem stillen Kunstivandel folge» daher keine neidischen Blicke. Als subjekliver, eigenartiger Kopf zeigt sich Thuille im„Lobetanz" nnr ein einziges Mal: In der Todtenballade und dem darauf folgenden grausige» Tanze. Da giebt es geniale Einfälle in Melodik und Stimmführung, in Rhythmik und orchestraler Malerei. Der Aufführung im Opernhause müssen die Herreu Bierbauni und Thuille sehr dankbar sein. Für die ungemein anspruchsvolle Titelrolle halte Herr Naval»vohl nicht glänzende Fülle, aber die nngeivöhnliche Biidsamkeit seines Organs zur Verfügung. I» der Treue und Bestimmtheit der Charaklerdurchsnhrnng, in der feiuschatiirten Art der Gefühlsübergänge und i» seiner durch Empfindung überzeugenden Sprache bot er i» Gesaug uud Dar- stell»»««>»« bis i» unscheinbare Eiuzelheiien treffliche Leistung. Frl. Dietrich als Prinzessin sah»närcheuhast schön aus und ersüllte i» diesem Punkte selbst ideale Anforderungen: Herr St am m er(König), sowie, in kleineren»vichtigen Partien, die Herren Philipp»nd Bach in a» n»varen an dem lebhafte» Erfolge betheiligt, der sich nach dem ziveiten Alte in einen» drei- maligen,»ach dem drillen in einen» fünfmaligen Hervorrufe des Herrn Thuille manisestirte.— Vevmifchkes vom Caac. — In der Plakat-Konkurrenz für die nächste Große Kunstausstellung i» B e r l i n hat der Maler Karl K l i m s ch mit einem stilisirlen„Dürerkops" de» Sieg davon- getragen.— y. Die A u s w a n d e r u» g über Are m e n hat im Januar d. I. gegen das Vorzahr erheblich z n g e» o n» m e»»; sie betrug 331» Personen gegen 1932 im Januar 1837»nd 2587 im Januar 1838.— — I» Ha in bürg ist jetzt eine B ö ck l i n- A u s st e l l u n g eröffnet, die sich zur Hälfte ans dem Bestände der Berliner Ans- steUiliig zusammensetzt. Der Besuch»st auch hier unenvarlet groß. Besonders zu er,väh»e»»st, daß man in Hamburg de» Eintritts- preis für die Sonntage ans nur 20 Pf. festgesetzt hat. Außerdem erhalten die Schüler Eonderkarle».— — Eine originelle Einrichtung»st in Halle ins Lebe» getreten: ein T ä i» z e r- L e» h- und V e r in i t t e l» n g S- I n st i t n t. Das Institut will das Ball- und Rariievalsleben heben und zu diesen» Zwecke Anzüge»vie Tänzer liefern. Das Berzeichniß giebt »vie folgt Älnskiinft:„Normaltänzer niit Frack und»vcißer Binde 2 M., do. mit geistreicher Unterhaltung 2,25 M., ff. prima Tänzer in eleganter Slusstaltnng 3 M., do. mit Walzer links»»» 3,50 M., Krasllänzer für schwere Damen ü 3.75 M.. eleganter Referendar mit Monocle 1,75 M, alte Herren mit Orde»sbä»dck:en 3 M., Speziali- leiten für Rheinländer 4 M., Galopptänzer 3,50 M., Quadrillen- Kommaiidenr 4 M., derselbe mit Witzen und komische» Touren 4.50 M., Karrikaturcntänzer 5 M., falsche Majors a. D. für Ball- Mütter 8 M, Aushilfstänzer, dritte Männer zum Skat, Anekdoten« erzähler, Toastredner ü 12 M.»c. ec.— — Lustig« Brüder, die»»»längst eine Omnibnsfahrt von Halle nach Kroffen machten, ra»lble» auf dem Heimwege in Elsdorf den Nacht>v ächter, nahmen ihn eine halbe Stunde mit und ließen ihn dann laufe».— So berichtet»veuigstens die„Hnllesche Zeitung".— � J>> W o h s q u g e r» e t h das ziueijährige Söhnchen eines Vauerngutsbesitzers in die D r e s ch in a s ch i» e, die der Vater selbst bediente, und wurde tödtlich verletzt.— — Eine Herren-Garderobcn firm a in Benthe». die mit 80 pCt. nkkordirt hatte, lheilt jetzt in Annoncen mit, sie könnte infolge der AnSeinaiidersetziing mit de» Gläubiger» der Sooslbcnd, 12. Mmt 1898. werlhen Kundschaft auch diese Vergünstigung zukoninien lassen und die Garderoben zur Hälfte der bisherige» Preise ab- geben.— — Voin Schöffengericht in K o b u r g wurde eine Tagelöhnerin, die ohne Leseholzkarte beim H o l z s a m m e l» be- tröffe»»vorbei» und etiva für f ü n f P s« n n> g e Holz im Korbe haue, zu 50 Pf. eventuell einen Tag Gefängniß und 5 Pf. Werth- ersah verurlheilt.— — Das Waarenhaus Gottfeld in Aachen»vurd« Donnerstag Nacht durch eine F e u e r s b r u n st völlig zerstört. Der Schaden ist enorm.— — Kneipp hat 850 000 M. hinterlasse». 800 000 M.»vurdcn zur Gründung des Sebastianeuins, des Kinderasyls und des Kneippia, icnmS in Wörishosen verivendet. 50 000 M. aus sreier Hand verschenkt.— — In S ü d i» n g a r>» tritt»»»ter den Kindern eine bös- artige E p i d e»» i e auf, die acht Slnndcn dauert. Die Symptome sind heftige Kopfschmerzen, Bemußtlosigkeit, große Unruhe und Erstarrung des Hinlerkopscs; sodai»» versinke» die Kranken in Apathie und tiefen Schlaf, aus dem nur sehr ivenige»vieder erwachen.— — Üluf der Linie Sevilla-Madrid verlor dic Loko- motiv c auf der Fahrt am 13. Januar alle 14 Wagen, ohne daß der Lokomotivführer es vor der nächsten Station gemerkt hätte.— — Bei der Leichenfeier für einen Rabbiner stürzte in der Synagoge z» Zdienciol(Gonv. Grodno) der überfüllte hölzerne Frauenchor ein. Bei der darauf entstehende» Panik wurden 12 Frauen, 5 Männer und 3 Kinder erdrückt»nd viele Personen schiver verletzt.— — Die österreichische Brigg M a t t e a ist bei der Ausfahrt ans dem Golf von Palermo nahe bei Termini auf einen Felsen gerathe» und u» t e r g e g a» g e n. Der Kapitän und 8 Matrosen sind ertrunken.— — Auf der Insel Java hat am 6. Februar ei» furchtbarer Ausbruch des Vulkans L a»» o» g a» stallgefunden. 400 Bai» (l Vau gleich 8000 Quadratmeter) Tabak- und Kaffeeplantage», die der niederländische» Regierung gehöre», sind vollständig verwüstet. Der Vulkan»st zwar fortwährend in Thäligkeit. aber stärkere Ausbrüche,»varen bisher selten.— — In den Vereinigten Staaten sind in den letzten 13 Jahren 2 174 Personen gelyncht Ivorde», davon 188 im Jahre 1337, und z»var 122 Neger, 39 Weiße und 5 Indianer.— — In I o h a n» e s b u r g(Transvaal) soll eine deutsche' Schule errichtet werden.— WiilernligSjib erst cht bom 11. Februar I8K8, 8 Uhr worgeuS. Weltcr-Proguofe für Sonnabend, IS. Februar 1808. Elinas wärmer, zeilweise heiter, vielfach wolkig»lit geringen Niederschläge» und schivache» südivestlichen Winde». Berliner W« t t e r b n r e a n. A usserge wohnliches Angebot nur für heute Sonnabend den 12. Februar. Futterstoffe Pf. �leider-Jaoonet, OO schwarz und grau, Meter Kleider-Satin, Pf schwarz und farbig, Meter Koek- Moire, OQ schwarz u. farbig, ca. 80 cm breit, Meter Taillenfutter, mit schwarzer Rückseite, einfarbig und bedruckt, Meter 42 Pf. Pf. Warenhaus AWerthcim Köpenick. Am Sonnabend, de» ÜC. d. M feiert der Gesangvereii» i-oth" im Saale des Herr» Klein(Stadttheater) feinet» diesjährigen Masken Kall. Freunde»nd Bekannte sind hiermit zu recht zahlreichen» Besuche eingeladen.— Anfang 8 Uhr.— Einlnbkartei» sind mir beim Vorstand und den Mitgliedern zu haben. süö/Zj Der Vorstand. 2 Mi im, Plombe» 1 M. an, schmerzloses Zahn- nUnSlI /BsIUn ziehen 1 M. Willy Reinhard, Prlnzenttr. 103, IWIIIWI). bHUigu Ecke Wasserthvrstr. Spr. 8-8, Somit. 3-2.» Samariter- 4- Kursus Arbeiter und Arbeiterinnen. «v, 8« u n t a«r, den 13. Februar 1S08, abends•»/, Uhr, Nord-Filiale, Brnnnenstrqste 150. 156/2 Vortrag des Genossen Coopmann.— Nach dem Bortrag: Tanz. Die nächste Uebmigsstnndc in der Zentrale, Belithstraßc 20, ist statt Montag, den 14., Dienstag, de« 15. d. lvt abends präz. 8>/z Uhr. Das Stiftungsfest findet am 12. März in den Armiiihallcii statt. Noll»,» 10 12'50. 16.50, 30,-, Bett- 1 Nicht vorbeischießen bei urrrru federn, Daunen, Bettwäsche, I BinnebVse's Zigarrengeschäft, Steppd. spottb.BettenhausNcanderstrb.> SchiUingftr. SS» Ms? machen wir unsere Herren-Parthie hm? Zum alten Freund auf Pichelswerder. V fOiider wagen, Kranken, Pnupcn-, Span-, Kasten-, Leiter- und KiegenbockwaKen. Kinder-KtappstülUe, Kiader-üotxwObal. (Uilmuitllche Kerbwaaren. • Theilzahlung nach Uebereinkunft. DmiHautuntM dhK vil-i-vit Humboldthain, iSrUJHreflSir.W»,«. Nordbah»h.C«»undbr. SSilt öcu I, ,1, alt der Inserat Überiii,„int die Nedaktiau dem Publik, im gegenüber keinerlei _ Beranlwortuiig. «iiifivT'w«g?iiBw mm\t\ ii! i Tlzvktzfov. Tvnnabend, de» 12. Februar. OpernhanS.?obetaliz. Die Rose von Schiras. Ansang T'/j Uhr. Tchanspielyaus. Der Burggraf. Anfang"Vs Uhr. Deutsches. Johannes. Auf. 7»/, Uhr. Lcssiug. Jiu weißen Nöß'l. Anfang 7'/2 Uhr. Berliner. S' Katherl. Anfang .�V- Uhr. Residenz. Sein Trick. Anfang -V, Uhr. Reue». Die Schildkröte. Anfang 7>/z Uhr. Lsieud. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang 8 Uhr. Goethe. Der HiUtenbesitzer. Ansang 7VS Uhr. Schiller. Haus Wurst in Berlin. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Der Mikado oder: Ein Tag in Titipu. A» fang 7l/z Uhr. Thalia. Das neue Ghetto. Ansang 7'/- Uhr. Zentral. Die Tugeudsalle. Anfang V'/z Uhr. Luisen. Trilbh. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilheluisiadlischeS. Die kleinen Vagabunden. Anfang 8 Uhr. Belle- Zllliauce. Im Dienst. Au- fang 8 Uhr. Rleckauderplah. Verlorene Mädchen Anfang 8 Uhr. Urania. Taiidenftraste ck.8— 49. Naturkiuidl. Ansstellung v. 10 Uhr voriuiitags ab.«lbeudü 8 Uhr Wisfenschaftl. Theater. Invalide, istrastc 57/68. Täglich (außer Sonutagö und Miitwvchs) abends 8 Uhr: Wisseujchaftliche Vorträge. Anieriea». Spezialitäten. Anfang � 7V- Uhr. Apollo. Spezialitäten. Auf. 7»/, Uhr. Reichshallen. Spezialitäten.' An- fang Ti/t Uhr. Neeu-Palaft. Spezialitäten. Passage- Paiiopliknui. Wiener __ Tanz- und Operetten-Gesellschaft Ä»k?zill e v- T lz ontov (Wallner-Theaier). Sonnabend, abends 8 Uhr, zum ersten Male; Hans Wurst in Berlin Sonntag, nachm. 8 Uhr: Walle» stein's Lager. Die Piceulo- «nini.(.'i. Vorstellung im Schillcr- llliclns.) Abends 8 Uhr: Die milde Jagd. Moiag, abends 8 Uhr: Hans Wurst in Berlin. Oftend-Theater. G r. F ran lfm lcrstr. 182. Dir./-« U»r. Morgen und die folgenden Tage: Die Tugendfalle. I-ili8Sll-?kkster 34. Reichcnbergerftraste 34. Abends« Uhr: Tvilvlx. Schauspiel i»ö Akten n. G. du Maurier von Richard Mark. Trilbh.. Anna Milller-Liiirke. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Bolls- Vorstellung, Regie: I n l in s T Ii r k. DasKällichcu von Heilbronn. A l m a Schwarz a. ßj. Abends 8 Uhr: Monsieur Herkules. Hieraus: Auf goldcueui Bode». ÄillelS U IX) Pf. zu der Sonntag- Nachmittag-Vorstellung in den be- kannten Verkaufsstellen. Ciolii'tide»- HeiTiifeltTH I. Original ISndape�ter Possen- und Operetten-Theater I Kaufmann's Varize | am Stadtbahnhof Alexanderplatz.! | Nur noch bis Dienstag: Familie Kochsalz. Dienstag, den 15. Februar 1898: 80. und letzte Aufführung;. Mittwoch, den 16. Februar 1898: PrcmK�ren-AlxMid d. beiden Gebr. Herrnfeld'schen Kovltiiten! Zum ersten Mal: „Im Va.rl£t£" und Von Dreien der GlOcklichste. Hauptrollen: Donat und Anton Hermfeld. Urania Tnnlicnstr. 48/40. Naturkundliche Ausstellung. Tilglich geöffnet, von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissenschaftliches Theater.— Invalidcnstr. Mo. 57—68. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellungs Saal und Vorträge.— Näheres die Tagesanschläge. Passaye-Panoiiiicmu. Im Theatersaal: Bey, der orientalische Magier und die H lustigen Wienerinnen. Casiasi�s liaä Pauöpticnm. Friedrichstr. 105. ändiscli- IiindiiMta- nlscbe (a n 11 U I c» — und— 8 c Ii I n 11 g c n- SSescJlwörep. Das BÄREN WEIB. fipollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Grauto u. Mand. Les Senett's, La Tlic Milons Mr. Ärvey und 80 hervorragende Künstler. Kassenerofftaung O'/o, Anf.7l/jUhr. Vo lks-Tli esiter im IVcIt-lIcstniiruut »7. D r e s d e 11 e r- S t r a st e 07. Neu! Großer Beisall! Neu! Tie heilige Behüte. Operciieii- Vurlesle in 2 Allen von Oskar Victor Roeder.— Ferner: 3 Bk«eliwi8tkr Monisz, Miniatur-Sängerinnen».Tänzerinnen. Im r orderen Saale: Tyroler Sänger Alois Ebner. S)fi|frtMrt• SoiinlagS 0 Uhr. _ XUI[HI!IJ. Wochentags 71/3 Uhr. Olyniijla-ZXr. (Cirous Konz.) Karlstrasse. Iloiossy Ii ii-alfy"« Konstantinopel. Grösste Sensation Borlins. äffiT' kVeu! Tm 8. Bild:„Alt- W Ion" [ Neue humorist. Spezialitäten- 1 Kevue.— Auftreten der The jolly british girls. Sensationell! |rm lotzton Bilde: Constantinopelj Feuer- u. Flannueiitanz, ausgeführt nicht von einer Person, sond. vom gesammten Ballet-Personal. ea. 1000 Mi(wirkende. Anf. 8Uhr. Sonntags SVorst. Nachm. 1 Kind frei. Am Sonnabend, den 19. d. dl.: 1. yr. Masken- Ball. (Ein Blumenfest In Nizza.) Bestellungen auf Billets werden von heute ab im Bureau angenommen. Entree SM.— Damonkarto 3 I Reichshallen- Theater. Uoipzigerstrasse 77. Heute Honnabend auf vielseitiges Verlangen: Das Armband mit den[.Original Bu(lu|iestern. Eisenbach! Georgette! und das grosso Keichshallcn- l'i'ograiiim speziell die Pantomime Ein ruhige«, Xiiunier zu vermlethcn! Anfang pviiz.VYjUhr. Entree 50 Pf. Im Rciehshnllen-Tanncl: Bockbier-Fest Stan genklettern. Doppel-Konzert. "ZV.::'' Sanssouci Ztotlbnicr Straste Rr. 4«. Dienstag, den 8. Februar: Oer Slabstrompeler. Poffe mit Gesang v. Mannstädt. Musik v. Steffens. Auftreten voi: Spezialitäten mir ersten Ranges. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorsteltmig 6 Uhr. Entree 56 rr. H. rierry. Feen-Palast 88 ItnrgMti*. 88. Das neue riesengroße Ecbmar-rrogramni: Jacknon, Akrobatentruppe, Barna, der Ratienkönig, ThoniaM. d. Meister-Jongleur. Remy Borlska, Dähn u. Walde. Ting u.Tang, Frid Frld, Cabaret. Lebende Photographien Um 8V2 Uhr: Novität: Richard Winkler 11. Wilhelm Fröbel in der unvergleichlichen Operette Das radelabe Berlin Ansang 71/2 Uhr, Sonntags 0 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Maeiir's Theater Ornnien-Straäse 84. AV Täglich:-*2 Theater- u. HpezialitUten- Vorsteilnng. Men I Ter liebe Onkel. Zsen! Schwank. Neu! gera/2 Uhr: Zaragoza._ jVIöbel in jedem Stil nnd jeder Holzart äußerst billig, and, ans Theilzahlnng. Gr. Lager gebrauchter nnd verliehen gewesener Niobel 4053L* Oi'amonstn. 73. Kttchbwder! Kederarbetter! Dienstag, tä. Februar» abends 8 Uhr.ittKeller'sRiesett-Festsaal.Koppettft».'. LS: krosse öffentl. Protestversammlnng aller in den• /* i< BilGiilhereit», Koiltobiilli-, Leber-Cilllliltmmililreil-, Luxuspitpier-, Kartsil- m Mblimfabrikeil beslhiistigten Arbeiter inib Arbeiterilüleil. Tagesordnung: 1. Der Posadowsly sche Erlaß. Referent: Reichstags- Abgeordneter H. FUrsfei*. 2. Wie stellen wir uns zur Gründung eines Widerstondsfonds? Referent: Kollege Eran-- Bytonisk». 3. 2BerfÄicbenc8.' Das Erscheinen sämmtlicher Kollegen und Kolleginnen ist dringend nothwendig, um Protest einzulegen gegen jede Verschlechterung des jetzt schon sehr mangelhaften Koalitionsrechts._ Der Einverufer. Mlungi Hulzarbtiter. Tonntag. den 13. Februar 1898. mittags 11 V, Uhr im V«r«tii4ti«ehen Kattiiio, Acketslroste 144: Grotze öffentliche Versammlung der Modeil- und Fabrik-Tischler Berlins u. Umg. Tagcs-Ordiiung: Die übermäßig lange Arbeitszeit und wie stellen sich die Kollegen Hierzu? Referent Otto NätHer. Dislussion. Kollegen! Zeigt durch Euer znhlreiches Erscheinen, daß Ihr mit der Aufbesserung Eurer elenden Lage ernst niochcn wollt! 77/10 Der Vertranensmann. Verband der Buchbinder etc. Wir geben den Mitgliedern hierdurch bekannt, daß die Zahlstellen unseres Verbandes heute. Touuabeud wie gewöhnlich von 8 bis 10 Uhr abends geöffnet sind. 23/12_ Der Bevollmächtigte. Vtrbanb ber Crnvenre nub Eiseleure DeuWM (Filiale Berlii». Sonntag, de» 13. Februar 1898. abeudS 6 Uhr. im„liaxhol", Mariannen-Ufer Nr. 8: Verfammlnng mit Damen. Tagcs-Ordiiung: Vortrag von Frl. Ottilie Baader über:„Lebenshaltung nnd Sterb- lichleit des Proletariats".— Nach dein Vortrage: Danz.— Eintritt 10 Pf. Am Dienstag, de» 1». Februar 1898. abends S'/j Uhr, in den „Oranien-HaNen", Oranienstrasie 31: Veoeins-VoofAMMluns. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bortrag. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. HM- Umstände halber finden die Vereins-Versammlungen im März am 8. und 22. März statt._ 74/4 Stein arbeiten. Am Sonntag, den 13. Februar, vormittags ll'/�Uhr. im Lokal des Herrn Hofftnann, Alexanderstraste Rr. 87c; Geffentl. DersQttttNlung. TageS-Ordnung: 1. Nichtanerlennung der Tarifkommisston. 2. Verschiedenes. m?- Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es nothwendig, daß icdcr Kollege erscheint. 172/1 Der Vertrauen».mann. Achtung, Zimmerer! Vom 14. 4'ehr»ar ab befindet sich unser ständiges Bureau: IS, Hof pai't. ZW?" Dasselbe ist täglich von 8—18 nnd von 3—8 Uhr geöffnet. Sämmtliche Vorkommniffe sind von jetzt ab dort zu melden. f250/4 Die Lohnkominisfion der Zimmerer Berlins nnd Umgegeud. WM- Achtuu£!"WK Fachverein d. Musikinstrumenten-Arbeiter Delegirteu Versammlung Montag, den 14. Februar, abends 8 Uhr, bei Belker, Oranienstr. bl. Es ist Pflicht, daß jede Fabrik vertreten ist. 141/8___ Per VorBtand. Deutsch. letallarbeiter-Verband Verwaltuiigrsstelle Berlin. Montag, den 14. Februar 1898, abends SVi Uhr: Brauchenversnmmlnng her Bauklmpner» Rohrleger u. Helser in: Lokale von Beneristeln, Alte Jakobstratze Nr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herr» Dr. phll. Bruno Borchardt über: Das Gesetz von der Erhaltung der Kraft. 2. Diskussion. 3. Wohl eines Branchenvertreters in der Ortsverwaliung. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. mtU NichtMitglieder als Gäste willlommen! WWW Da seit längerer Zeit für die Baugruppe keine Versammlung statt- gefunden hat, ersuchen wir die Kollegen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 110/14_ Die Ortsverwaliung. Verband der Möbelpolirer. Bontax.«len 14. d. ZI., abda. 8V2 4>ir. Briinnenstr. 156: Versa iiiiniiiiag;. Tagesordnung: 1. Wer ist Arbeitgeber nach dem Gesetz und uiuß zur Kranlenlasse an- melden resp. die Jnvaliditätsmarken Neben? 2. Wie verhalten wir uns bei Streiks u. s. w. 3. Verschiedenes. 145/8 Die Sluszahlung der iiranken-Unterstütznng erfolgt beim Kollegen Höker, Kottbuser Ufer 59.— Der Maskenball findet an» 19. März in Selleris Fcst- sälcn, Koppcnstraße 29, statt.__ Der Borstand. R i x d 0 r f. Sozialdemokratischer Verein»Vorwärts' Versa mini ungf"WM am Dienstag, de» 15. Februar, abends 8'/, Uhr, im grotzen Saal der �Bereins-Brauerei-. Hermaniistr. 814/816. Tagesordnung: I. Vortrag des Genoffen Bet�eran über: Bildung macht frei, und welchen Werth haben die gesetzlichen Straf- bestturmungen? 2. Diskussion. 3. Abrechnung von der Matinee. 4. Frage- kastei» und Vcreinsangclegcnheiteii. 232/2 Die Zahlstellen des Vereins sind: Köppke, Restaurant, Karlsgartenstraße Nr. 1; Retzerau, Zigarrengcschäft, Hermaniistr. 50; Klein, Restaurant, Kaiser Friedrichstr. 23«; Thomas, Restaurant, Bergstr. 102; Herrmann, Kirchhofstraße 1; Sy, Restaurant, Jägerstr. 69.— Die Bibliothek befindet sich bei Worhs, Ziethenstr. 76. Ausgabe zu jeder Zeit._ Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zeige ich hiermit an, daß ich OppelaeratranaS 8, am Schlesischc« Dhor, -in Weitz- und Bairisch- Bier- Lokal verbunden mit grossem Frühftüds-. Mittags- und Abeudtijch eröffnet habe und bitte iim geneigten Z»sprud>. 4230L. �Sblollsltf, früher NallMjllstr. z?. Fracks u. Gesellschafts-Anzüge, für jede Figur paffend, werden verlieh. Bariich. Kommandaiilenstr. 72, 1. Et., Ecke Beiithstraße. 23tb rast nnglMiti-j lieh! Das schönste Hausinstrn- ment, eine Hochseine Aecord zither mit 5 Manualen, 35 Saite«, Stimmvorrichtung, 58 cm groß, ff. Potirt, Pracht- Poll herrlicher Don, in einer Stunde erlernbar, die sonst überall 13 nnd 15 Mark lostet, liefere ich für � nur M. 7,50 in nebst Schule mit neueste» Stücken, Notenpult.Tchlüffcl, Ring, Etui und Berpackung. Porto 80 Pf. Lieder und Danz-AIbnms i» enormer Auswahl zu M. 1,—, 1,50 11» d 2,—. Jeder Käufer wird staunen liild lasse sich niemand diese Gelegenheit entgehen. Versand pr. Nadinahme ohne Risiko: nicht conv. Betrag sofort zurück. Grosses Mufikw.- Musterbuch wird umsonst beigefügt. Rhein. Musikhaus V. Schmitz, Höhscheid-Solinge» 53. „ es ist eigentlich wirk- lich unglaublich, so etwas für diesen Preis tiefern zu könneil. C. Schulz, Gutsbesitzer, Letochin. Habe mich sehr gelvundert, wie es möglich ist, diese Zither für M. 7,50 zu liefern; hier kosten sie überall 15 Nt» A. Morgenstern, Dresden-A. Die Attordzitter ist gut ange- kommen und findet meinen volle» Beifall. Erler, Gber- landesgeriohts- Eath, Marienwerder. 42658* Die Echtheit der Originale ie- scheinigt die Exped. b. Bl. Das allgemeine Uriheil ist Gtofturtig nnd staunend billig. Jentslh. Porter Desiert- n. Malztraftbier 1. Rang. Brauerei Burghalter, Potsdam, gegr. 1736, des. f. Blutarme, Briistkranke, Bleichs., Wöchn., Rekonv.zc.d. leicht beköiilml., nahrh. kräftigste Bier.— Jstbl»ibild.,d«sh. best. Gestchtsf. u. BewichtSznilahm. überr. 14 Flafch. drei, 50 zehn M. ex kl. J»G-b.('/i. '/»'/..) 5- Selbst. abz. wefentl. bill. Alleiii. Verfaudtft. f. Berlin u.Prov. Porterkcllerei Ringler, Berlin, Brnn- ncnftrasse 158. NichiFlaschenzabl —Qual, entscheid. Müksl verliehen gewesene iiud neue, staunend billig, Theilzahlnng gestaltet. Beamte» ohne Anzahliing. 4055�' Nene Königstr. U. Gneisettanstr. 1Z>. 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