Nr. 37 Adonnements- Kedingungen: «bonnementi-Prei» pränumerando: «terteltährl. 3,30 Md. monatt. 1,10 m, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haui. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag«- Nummer mit illustrtrter Tonntag«- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 8P0 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für löSS unter Nr. 757«. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-llngarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Mona«. «rschrinl täglich ausser Montag». Vevltnev VolksM�tt. 15« Jahrg. M« Infertwns-Grbtilsr beträgt für die fechSgefpaltene«olonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und PersammlungZ-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt« « Uhr nachmittag» in der Srpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittag« geössnst. Fernsprecher: Smt I, Nr. 150«. Zelegramm- Adresse: «Sozialdeinokrat Verlin". Dentrawrgcrn der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. A!-d.lktiott: 8V. 19, Weuty-Straße 2. gxpebitioit: SW. 19, Aettty-Struße 3. Meber den VrozeH Zoln. Paris, 10. Februar. Als die Regierung unter den Peitschenhieben des klerikalen Abgeordneten, Grafen de Mnn, die Anklage gegen Zola ec heben ninßte, da glaubte sie, nach achttägiger Rathlosigkeit einen heuchlerischen Ausweg entdeckt zu haben, um die formale Reparirung der„Ehre der Armee* mit der thatsächlichen Vertuschung des militärischen Pauama's auch im hellen Lichte des Schwurgerichtes vereinen zu können Dieser Answeg war die Bcschräilkung der Anklage auf die Beschuldigungen Zola's betreffend den Prozeß Esterhazy. Aber schon die ersten drei Verhandluugstage im Prozeß Zola haben den jesuitischen Kniff zu Schanden gemacht. Das mili- tatische Panama ist bereits mit erschreckender Deutlichkeit enthüllt worden. Das öffentliche Schwurgericht ist eben kein geheimes Militärgericht. Vergebens häufte der Gerichts-Vor sitzende Delagorgue Gesetzlosigkeit auf Gcsetzlosig keit, um Zola den preßgesetzlich gesicherten Wahrheitsbeweis selbst im Rahmen der beschränkteil Anklage unmöglich zu machen. Vergebens suchte er auf Schritt und Tritt das Recht der Vertheidigung in einer Weise zu verletzen, wie man das nur in den ärgsten Teudeuzprozcssen aus den Zeiten von Bürgerkriegen antreffen kann. Die eherne Logik der That- fachen, das unzerreißbare Band zwischen der Esterhazy- und der Dreysus- Affäre, hat sich stärker erwiesen, als der Dienst eiser des„unabhängigen" Richters. Die Gerichtsverhandlung bietet das in normalen, fried lichcn Zeiten besonders ungeheuerliche Schauspiel eines uw aushörlichcn Kainpses zwischen den Vertheidigern und de», Gerichlsvorsitzenden. Ter Staatsanwalt van Cassel — derselbe, der im Arton-Prozcß so jämmerlich durchfiel,— verharrt fast durchweg in einem passiven Stillschweige», als hätte ihn die unsaubere Rolle vollständig gelähmt. Schritt um Schritt muß sich die Vertheidigung den Boden des Wahrheits beweiseS erkämpfen. Dieser Umstand allein würde genügen. um jedem Unbefangenen zu zeigen, aus wessen Seite Recht und Wahrheit sind... Nun zu den wichtigsten Momenten der bisherigen Ver Handlungen. Die Regierung hatte sich nicht damit begnügt, ihre An klage auf ein Minimum zu beschränken. Gemäß dem Staats- streichs-Worte Meliue's in der Kammer von der„Erhaben heit der Armeechess über das Urtheil der Geschivoreueu*. sollten die von Zola vorgeladenen militärischen Zeugen der zivilen Justiz den Rücken kehren. Das ging offenbar gam hierarchisch zu. Der Präsident der Republik, der oberste Che der Armee, verweigerte dem Kriegsminister Billol die Er- laubniß, vor Gericht zu erscheinen; der Kriegsminister that denselben Gefallen dem General Mercier, dem Kriegsminister zur Zeit des Dreyfus-Prozesses, u. s. f. Noch aber lebt Frankreich nicht unter einer anerkannten, allumsassendeu Militärdiktatur. Die Proteste der Verlhcidignug im Namen des Gesetzes zwangen das Gericht, die diktatorischen Äumaßungen der militärischen Oligarchie zurückzuweisen. Bezeichnenderiveise aber bedurfte das Gericht eines ganzen Abends und eines ganzen Vorniittags, um zu diesem in einem Rechtsstaate selbstverständ- lichen Entschlüsse sich aufzuraffen!... Mit recht sprach die unabhängige Presse davon, daß der Gerichtsvorsitzende erst die Instruktionen der Regierung habe einholen müssen!.... Und dann bedenke man, daß die militärischen Möchtegern- Ausreißer gerade die wichtigsten B e l a st u n g s zeugen gegen Zola, die berusensten und am gründ lichsten informirten Vertheidiger der„Ehre der Armee* sind. Warum also diese Furcht vor dem Schwur- gericht? Die Ergebnisse des bisherigen Zeugenverhörs be- antworten diese ohnehin im voraus leicht zu beantwortende Frage. Trotz des vorsichtigen Schweigens der militärischen Zeugen unter dem Vorwand des„Amtsgeheimnisses", trotz der dreisten Ablcugnungen der einen und der jesuitischen Ver- drehungen der anderen haben die militärischen Aussagen viel- leicht das juristisch- entscheidenfte Material zur Revision des Dreyfus-Prozesses geliefert. General de Boisdeffre, der Chef des General- stabes, einer der vorsichtigsten Schweigezeugcn, ließ die Worte alle n, er habe Kenntniß von Thatsachen, die außer- halb der Entscheidung desKriegsgerichts ihn von Dreysus' Schuld überzeugt hätten. Die Vertheidigung bemächtigte sich dieser Worte als eines halben Eingeständnisses des„geheimen Dokuments* im Dreyfus-Prozeß. General Mercier wurde aber vollends zum ganzen, wenn auch indirektem E i n g e st ä n d- u i ß jenes ungeheuerlichen Rechtsbruches genörhigt. Auf die unzweideutige Frage des Vertheidigers Labori:„Wurde im Dreyfus-Prozeß den, Kriegsgericht ein dem Angeklagten und dessen Vertheidiger verheimlichtes Dokument vorgelegt, ja oder nein?"— antwortete Mercier nach einem Moment sichtlichen innere» Kainpses:„Ich habe darauf nicht zu antworten!...* In bezng ans die Revision bezw. Annnllirung des Dreysus- Verfahrens ist Mercier's Aussage von entscheidender Bc- deutung. Damit ist noch die formelle Erklärung Casimir P e r i e r' s znsaminenzustellen, er könne nicht„die g a n z e W a h r h e i t* s a g e n. Die ganze Wahrheit konnten nur die Entlastungszeugen sagen, insofern nämlich der Gerichtsvorsitzende sie nicht knebelte, genauer sie zu knebeln nicht im stände war. Während die militärischen Zeugen— freilich zu ihrem eigenen Nachtheil— ohne Umschweife ungehemmt über die Dreyfus-Affäre sprechen dursten, unterdrückte der Vorsitzende bei den Entlastungszeugen jede darauf bezügliche direkte Wendung. Aber, wie gesagt, der unzertrennliche logische und sachliche Zusammenhang zwischen den Affären Esterhazy und Dreysus haben der Wahrheit dennoch zum Durchbrnch verholfen. Die infolge der Aussagen von Scheurer-Kestner L e b l o i s und T r a r i e u x nun gerichtsnotorischen Brief des Generals Gonse an Picquart beweisen, daß letzterer im Einverständniß mit seinen« Vorgesetzten für die Revision des Dreysus-Prozeffes(durch die Ueberführung Ester- hazy's) gearbeitet hat. Erst als der klerikal- antisemitische Klüngel des Generalstabes, der Urheber des Justizverbrechens an Dreysus, von der Sache Wind bekam(Herbst 1896), setzte er alles ins Werk, um sein Verbrechen durch neue Verbrechen zu verheimlichen. Daher die Preßkampagne in der Generalstabspresse vom Herbst 1896, die Veröffent- lichnng des Bordereaus im„Matin*, die Veröffentlichung der gefälschten Nachschrift des famosen„geheimen Dokuments" im„Eclair"(die Ersetzung des Anfangsbuchstabens„D." durch den Namen„Dreysus"), daher die Interpellation des chauvi nistischen Abg. Castelin(18. November 1896) und die zwei Tage vorher erfolgte Entfernung Picquart's aus Paris, daher die Umtriebe gegen Picquart, die an diesen ge- richteten falschen Briefe und Depeschen, berechnet darauf, ihn der Fälschung zu überführen, daher die schamlose Gerichtsposse Esterhazy, daher schließlich der Versuch, Picquart in einem geheimen Diziplinarrath zu vernichten und der gegen ihn bis heute fast offiziell ausgeübte Erpress ungsversuch, indem man über ihn, den wichtigsten Zeugen im Prozeß Zola, das Damoklesschwert der bereits gefällten Disziplinarentscheidung hängen läßt, ohne sie ihm bis zum Abschluß des Zola-Prozesses, das heißt b i s nach seiner Zeugenaussage bekannt zu machen. Schließlich ein Wort über den Fall L e b l o i s- G r i velin. Der Widerspruch zivischen den Aussagen der beiden Zeugen zwingt zum Schluß, daß da ein Meineid vorliegt. Die weiteren Umstände drängen den ebenso zwingenden Schluß auf, daß der Meineidige nicht Leblois, sondern G r i b e l i n, der Archivarius des Kriegsbureaus, ist. Das Gericht ver- weigerte aber gerade desivegen, dem Antrage der Ver theidignng und der F o r d e r n n g Leblois' stattzugeben, den Meineid Gribelin's durch die Akten des Disziplinar- rathcs in Sachen Picquart nachweisen zu lassen. Grund: „Amtsgeheimniß*, Folge: Straflosigkeit eines Meineidigen!.. Nach alledem begreift mau, daß die Schandpresse des Generalstabes sich mit jedem weiteren Verhandluugstage immer toller, imiiler gewissenloser, immer verwilderter geberdet. Man muß zu den Zeiten der blutigen Maiwoche 1871 zurückgreisen, um ein Gegenstück der gegenwärtigen Preßhatz zu finden. Und die Straßen Hetzer versuchen bereits ganz offen, den Prozeß Zola mit Gewalt, und sei es durch Ermordung des Vorkämpfers für Wahrheit und Licht, zu unterbrechen.... Aber das Volk, das wirkliche arbeitende Volk, bleibt nach wie vor ruhig zu Hause. Die Menge, die ununterbrochen das Justizpalais nnilagcrt, besteht zum weitaus größte» Theile ans neugierigen Müssiggängern, aus harmlose» Maul- affcu. Tie aktiven Heuler und Exzcdenten sind ein verhältuiß- mäßig kleines Häuflein klerikal-autisemitischer Studenten, roher Janhagelgestalte», lärmender Gassenbuben und— last not least — Lockspitzel. Das letztere und gefährlichste Element wird immer bestimmter von allen unbefangenen Beobachtern erkannt. Ucbrigens ist schon die Nachsicht der offiziellen Polizei gegenüber den Radaumachern ausfallend genug. Jedes Mal, wenn die Polizei will, bezw. wenn Gefahr im Verzug ist, treibt sie das Gesindel im Nu auseinander. Ja, wenn sie will!... Das Talmi- Volk soll doch auf die Geschworene» einen Druck ausüben— und auch auf die Angeklagten. Die „Aurore" theilt heute niit aller Bestimmtheit mit, der Polizei präfekt habe einem ihrer Redakteure eröffnet, er könnte für die Sicherheit der Augeklagten nicht bürgen, falls diese den Prozeß in die Länge ziehen..._ politische Mebeeficht. Berlin, 12. Februar. Da? preußische AbgcordneteiiliauS erledigte heute zunächsl den Etat der B a n v e r iv a l I n n g. Eine längere Debatte entfpan» ich bei der Forderung von 560 000 M. zum Schutze und zur Er- saltung der Düne bei Helgoland, welche die Konservative», die 'einerzcit von der Erwerbung von Helgoland so sehr begeistert waren, nicht bewillige» wollte», weil die Gemeinde hierzu nichts beisteuert. Nachdem der Fiuanzmiiiister Dr. v. M i q u e l betont hatte, daß die Gemeinde Helgoland durchaus leistungsitnsäbig sei, wurde die Position gegen die Stimmen der Rechten genehmigt. Bei der Forderung von 350 000 M. als erste Rate für den Neubau eines Drenstgedäudcs für das Geheime Zivilknbinet gelangte ein von Mitgliedern aller Parteien unterzeichneter Antrag zur Annahme, ivorin die Regierung ersucht wird, auf eine de» Gehaltsverhältnissen des Chefs des Geheimen Zivilkabinets entsprechende Gestaltung seiner Dieusllvohnung Bedacht zu nehmen. Graf zu L i m b u r g- S t i r u m wies in der Begründung des Antrags darauf hin, daß möglichst einfache Dienstivohnnngen sowohl im Interesse des Staates als iu dem der betreffenden Beamten liegen. Hierauf wurde mit der Be- ralhung des Etats der Forftverivaltuug begönne», die am Montag fortgesetzt wird. Außerdem steht der Gesetzentwurf betr. Erhöhung des Grundkapitals der Zentral- Gen offen schaftskasse, sowie die Interpellation S z in u l a (Ztr.) betr. ländliches Gesinde und Arbeitermangel im Osten aus der Tagesordnung.— Ein einfichtiges Urtheil. Die strafrechtliche Verfolgung von Warnungen vor Zuzug nach Fabriken und Werkstätten, deren Inhaber mit ihren Personalen in lnfferenzen über die Arbeitsbedingungen s' Lieblingsfeld staatsamvaltschaftlicher Thätigkeit. Schon öfter Differenzen über die Arbeitsb stehen, ist bekanntlich ein haben allerdings derartige Anklagen mit der Freisprechung der Redakteure und Gewcrkschaftsvorstände geendet; die oberen Gerichte, insbesondere das preußische Kammergericht, hatten aber bisher immer vermieden, die Sache grundsätzlich zum Austrag zu bringen, sie begnügten sich vielmehr mit der juristischen Erörterung des Spezialfalles. Strebsamen Staatsanwälten stand deshalb die Bahn nach wie vor offen, gegen die Arbeiterpresse und die Gewerkschafts- vorstände ivegen der Veröffentlichung von Warnungen vor Zuzug Prozesse anzustrengen, und die Gerichte selbst hatten es völlig in der Hand, so oder so zu entscheiden. Dem ist nun bis zu einem gewissen Gerade ein Riegel vorgeschoben, als das Hanse- »tische Oberlandesgericht in Hamburg in einer Zivil- klage der Lübecker Wiöbelfabrikauten den Grundsatz aufgestellt hat, daß es nicht rechtsividrig ist, wenn die Verhängung einer Sperre über Geschäfte durch die Zeitungen bekannt ge- macht wird, denn die Verwendung der Presse für die Wahrung der Koalitionsfreiheit sei unumgänglich.(Das nähere über den inter- essante» Prozeß finden unsere Leser im gewerkschaftlichen Theile der heutigen Nummer.) Man darf wohl hoffen, daß dieser für die Arbeiter außerordentlich werthvolle Grundsatz auch iu dem schriftlichen Urtheil, das noch aussteht, enthalten sein wird, damit das berufliche Interesse des deutschen Arbeiters endlich einmal in der hier in Frage kommenden Beziehung den Schutz eines oberstgerichtlichen Urlheils genießt. Wir wissen wohl, daß die übrigen Oberlandesgerichte in Deutschland nicht gezwungen werden können, den Grundsatz des hanseatischen Oberlandesgerichts ebenfalls zu praktiziren, immerhin dürfte die Beziehung ans dieses Ur- theil nicht ohne Einfluß bleiben, denn es ging voin Gerichts- Hofe eines Ortes ans, der einen der größten Lohnkämpfe sah, den die Arbeitergcschichte Deutschlands zu verzeichnen hat. Es beweist den Tiesstand unserer Justiz in Fragen des Arbeiter-Koalitionsrechts, daß ein Urtheil wie das obige noch besondere Hervorhebung verdient.— Russische Drohungen. Die Londoner„Daily News" melden ans Odessa: Es verlautet aus Tiflis, daß mehr als 60 Bataillone russischer Truppen bereit stehen, um in das türkische Armenien einzurücken, falls in Konstantinopel ge- wisse Ereignisse eintreten sollten. Auch das Schwarze-Meer- Geschwader werde zu aktiver Verwendung völlig bereit- gehalten. Vielleicht sollen diese russischen Rüstungen nur dazu dienen, um den Widerstand Abdul Hamid's iu der kretischen Gouverneursrage zu brechen. Möglicherweise sind aber die Pläne Rußlands noch weitergehend und ernsthafter.— Chinesische Konzessionr». Aus Peking wird gemeldet: Deutschland hal sich das Recht zum Bau ciner Eisenbahn nach Jt schau gesichert. Die chinesische Regierung hat ferner E u g l a n d das Rechl zugestanden, die Burina-Eifendahn durch I ü» n a» fortzusetzen. Ferner hat die französische Re> giernng die Geidsorderung bewilligt erhalten, welche sie als Eut- ichädigung zu gunste» des Franzosen geltend machte, der vor U'1'2 Jahre» durch chinesische Räuber in Tougking weggefaugen wurde. Jt schnii, wohin die denlsche Bahn geführt werden soll, liegt im südlichen Theil der Piovinz Schanlung.— ,• » Deutsches Reich. — Sehr ärgerlich ist die„Kreuz- Zeitung' über die Revision des Bercius- und BersammlungswesenS, wie sie die bayerische Regierung beabstchligt. Es ist das alte Lied; daß die eifrigsten Lobreduer der Regieruugsautorilät sofort iu die bös- arligfie Ovposilio» gegen die Regierung verfallen, sobald diese ihnen nicht zu Willen ist. Die„Krcnz-Zeilnng" spricht unverhohlen den Wunsch aus, daß der bayerische Reicherath die Regieruugs- vorläge zu Falle bringen möge. Ja, vor Groll und Zorn erwärmt sie sich jetzt sogar sür ein« Regelung des Vereins- und VersammlungSweseus von Reichs wegen, nm in Zukunft solch« gesetzgeberische Experimenl« unmöglich zu inncheu*. Di« reaktionären Experimenle deS Herr» v. d. Recke in Preußen halle» natürlich den lebhaftesten Beifall der „Kreuz-Zlg.". Gehl ein anderer Bundesstaat in freiheitlicher Rich- lnng vor, so kann sie nicht genug schellen. Nun wohl, wir sind stets sür ein Reichsgesetz znr Aenderung des Vereins- und Ver» sanimIungsrechteS eingetreten. Früher oder später wird es auch zi« einem solche» kommen niid zwar wird es nicht so aussehe», wie die„Kreuz-Ztg.*. Feindin jeder selbständigen Vvltsregung, es wünscht.— — Die Kosten der Flotte»vorläge. Di«„Märkische Volkszeilnng", welche auf dein linke» Flügel des Zentrums steht, macht eine ausführliche Aufrechnung, in welcher Weife die Koste» der Flotlenvorlage durch die Wohlhabende» rnid Reichen aufgebracht weiden können. Die Einkomiuensklaffen bis 10 500 M. sollen frei bleiben, auf die höheren Einkoninten soll eine progressive„Flotten- 'teuer' gelegt werden. Der Vorschlag ist nicht neu, aber immerhin ist es gut, daß ein Zentrumsblatt ihn wiederholt ausnimmt und besonders der Zcutrums- fraklion empfiehlt. Ob dicke Fraktion sehr erbaut sein wird vou ?'l d> Fovdev» nus itjvcu Anhnngkrrcihe», lassen wir °ai)i!igrs!eill.— — D n s A n i h e i l v e r h ä l t n i ß V e r v e r s ch i e d e» st e n �Aaarengaltnuge» n» den Zollcrlrägc» des lchlverflvsscilcn e» lnlejalzreS, IK!!ö,d7, c�glrdt sich aus einer dein!1!cichslage seitens der iiiegicriliig zitgesiclllcn Ikbnficht. Danach liefcrle in dem genannten Jadre den büchsten Betrag zu den Zolieiunahinen Weizen nnd»nxu B4,3 Millionen SUlnv!; es folgten roher Kaffee mit dZ 3 Millionen, Petrvlcni» inil dich, nnbearbeitcta Tabakblätter� -Stengel», s. w. mit 43ch Niill., Roggen init L8.4, Gerste mit 21,0. Mais nur]5,], Haser mit 14,6, Bau- nnd Nutzholz mit 13,0, Wein nnd Most mit 12,7, Cchmalz mit V,4, Branntivein niit 6.3, Reis mit 3.4, ffteisch inil S.2, Feige», Corintheir, Lt offnen mit S,1 und Kakao irr Bohnen mit 4 5 Btiltionen Mark. Der eingesithrtcn Menge nach stand a» der Spitze der einzelnen Waarengattruige» Bau- nnd Nutzholz inil ZJchBiillionenDoppelzcntncr; es folgten Weizen mit 15,5. Gerste mit 10.5, Mais mit 9.4, Petrolenm mit 3.6, Roggen mit 8,1, Hafer mit 5,2, Roheisen mit 3,5, Reis mit 1,4 und Kaffee mit 1.3 Millionen Doppelzentner,— — W i e ans der„ K a i s e r l i ch e n W e r f t" in Kiel da? Koaliliontrecht der Slrdeiier geachtet wird, zeigt folgende Dar Kclluug der„Schtcöivig< Holstein'sche» Volkszeitnng":„Sozialdemo kra tische SIgilaloieu oder sonstige Personen, von denen vorausgesetzt rverden darf, daß sie den Frieden zwischen der Behörde und de» Rrleiler» oder der Arbeiter untereinander stören werben, sind nicht anzunehmen,"„Das Ankleben von Zetteln, Proklainalionen, Aus rusc», Bekanntmachungen, Ausbiete» von Drucksachen und Schrift sineke», sonne das Haileu von Ansprachen au Mitarbeiter ist ner boten. Geldsammlnngen dllrfe» nur mit Erlallbnist der Behörde sratifindru." So steht es geschrieben in der neuen Arbeitsordnung der kaiserlichen Werft. Und wehe dem Arbeiter, der versuchen inollle, auch nur für seine Geiverkschast auf der Werst zu agitircn, er in lüde bald Gelegenheit haben, sich die Wcrsl von draußen anzusehen. Doch agitiren und agitiren ist für die Werftverrvaltung zweier l c i. So geht jetzt der Echifsöbaner Enckoiv, der in Knmmcrfeld wohnt, während d e r A r b e i t s z e i t mit einer Liste von Werkstatt zu Werkstatt, um Mitglieder für den „» a l i o u a I e» A r b e r t e r v e r e i n" z» werben. Die Werst- verwalluiig weist so gut wie wir, daß die übergroße Mehrheit der Merftarbeitcr vo» dem ualionaleu Arbeiterverein uichls wissen wollen, wen» sie trotzdem diese Agilalion»ich! nur duldet, sondern sogar »och nnterstützt, so verstoßt sie selbst gegen die Ar beitsordnnng nnd stöct den Frieden der Arbeiter unter- einander. Oder will die Werstverivallung»och einen andere» Ziveck rrsüffen, dadurch, daß sie die Agitation duldet? Will sie die Gesinnung der einzelnen Arbeiter feststellen, indem jedem der Boge» zum Einzeichne» vorgelegt wird? Wie traurig muß cS aber um«in« Sache stehen. die' nur durch eine dernrlige Agitation gefördert werden kann! Allgemein ist unler den Arbeiter» der kaiserliche» Werft die Meinung vertreten, daß der frühere Weeftdirekior eine derartige Agitation, wie sie jetzt für den „Werft- nnd Hasenboten" und den nationalen ArMierveui» be trieben wird, niemals gutgeheißen habe» würde. Möge die Werft- Verwaltung nur so sorlsahrcn, den Boriheit wird doch nur die Sozial demokralie haben." — Und abermals der„R c i ch s b o t e". Der„Reichs- böte"«imnit Notiz von unsere» Fest stelliln gen über die Vorkomm- »iffe in der Mädchen- Erziehungsanstalt Kehrsatz bei Bern nnd macht dazu folgende Verlegcnheilsbemerkilnge»: „Wir halte» ja gar nicht behanplet, daß Sozialdcmokralcn an dieser Schändlichkeit in der Berner Erziehungsanstalt bclheiligl gewesm seien, sonder» wir hallen darauf hingewiesen, daß dieser Fall beweise, wie gefährlich nnd bedcnliich es sei, die Kinder- erzichnng mis der Familie in große staatliche Erzi- Hangs anstallen zu verlegen, ivie cs die Eozialdcmvkralie in ihrem ZnknnflSstaat beabsichtigt. Und dabei bleiben wir. Es ist n»> »aiü'lich, die Kinder den Elter» z» nehmen nnd sie durch fremde Mensche» erziehen zu lasse»— und jede Unnatur ist ver- Verblich." Der..Reichsbote" hatte die Schilderung jener Vorkoinmnifft Mit den Worte» eingeleitet, daß sich die Sozialdemokratie eine Lehre daran nehme» solle. Und der„Reichsbvle" will auch jetzt bei dieser sclismnen Echnlmeisterei verbleiben, obnwhl ihni nach- gewlese» wurde, daß a» jeden anderen eher die Lehre hätle ge- richtet werden können, als an die Sozialdemokratie, welche jene Mißstände nicht nur nicht verursacht, sondern aufgedeckt nnd zur Besserung geführt hatte, Erfreulich ist die Kenntnih, die der„Reichsbote" vom sozial- demokratischen„Ziikmistsslaal" hat. Darin ist er uns wirllich über. Aber warum sich über die staailichcn Erziehnngs- nnsialtcn der Zukunft anfhalien, werthestes Pastorenblau? Das Gute liegt doch so nahe! Wie denkt denn der„Reichsbote" über die henligen Schulen, diese großen staatlichen Erziehungsanstalten, «velche— um im Tone des„Nleichsbolen" zu reden— die Kinder den Elter» zwangsiveise wegnehmen und fremden Mensche» über- geben? Oder ivie denkt der„Reichsbole" über die Kadetten- Häuser, diesen ebenfalls„großen staatlichen Erziehnngsaiistnlte»"? Hält er etwa die Erziehung der„Edelsten" dort für„gefährlich nnd bedenklich"?— Miiilchc», 11. Februar.(Eig. Ber) Bayerischer Land- tag. In der Spezialdisknssion über den Elal des Inner» sprach heute unser Genosse Ehrhart zum Kapitel: Persönliche Ausgaben bei Staaitministerinms. Er führt« zunächst Ringe darüber, daß bei den letzten ReichSlagswahIen die Stichwahl im ersten psälzischen Wahlkreis an einem andere» Tage als i» den übrigen Wahlkreisen vorgenommen wurde. Dies sei auf Wunsch der Stativ, lalliberalen geschehen, damit die Sozialdemokralen i» Lndivigshase» nnd Man»- heim sich nicht gegenseitig nnterfiützen könnten. Weiler verlangte Redner«ine strengere Ueberwachnng der Privat-Bersichernngs- gesellschaflen, die zwar hohe Dividenden zahlen, gegen die Ber- sicherten aber, insbesondere in bezng ans de» GerichtSznstand, rigoros vorgehen. Di« Münchener Gesellschast Arminia habe nach- weislich die Bilanzen gefälscht nnd seit Jahren Dividenden nnd Tantiemen bezahlt, obwohl sie mit Defizit arbeitet. Die sozialdeinokralische Fraktion hat folgende Anträge ein- gereicht: 1. Die Kammer wolle beschließen, die Etaatsregiernng zu ersuchen, dem Landtage baldmöglichst den Entwurf eines Gesetzes vor- zulegen, durch welche» die für die Zubereilung und den Berkans vo» Arzneien derzeit gellenden Bestiimmingeu nach folgenden Grundsätzen umgestaltet werden: I. Der Betrieb der Apotheken soll künsiig in die Hand der Gemeinden übergehen. Diese haben die Arzneien zum Herstellnngs- preise abzugeben, ihre Zubereilung und Feilhalt, ing nnlerlicgt der Oberaussicht des Staates. Das Recht der Aerzte in kleinere» Orten aus Führung von Handapolheke» bleibt unberührt. II, Konzessionen für»eu zu errichtende, sowie für bestehende Apotheke», sobald dieselbe» i» irgend welcher Weise ans de» Hände» der derzeitigen Inhaber gerathe», werden den betreffenden Gemeinde» criheilt, welche sie durch geprüfte Pharmazenle» jühren lasse». III, Bi8 zur allgemeinen Durchführung der neuen Einrichtung erhalte» die Gemeinde», welche noch ohne eigene Apolheken- konzessionen sind, bis sie eine solche erlange», leistungssähige öffentliche Krankenkasse» und Sanitälsverbände ans Antrag das Rrcht, für ihre Mitglieder und deren Familienangehörige» eigene Apotheken zu«rrichlen. 2, Die Kammer wolle beschließen: Die Staatsregierung zu ersuche», für«ine wirksame Durch- führnng der Schntzvorschrislen für die Banhandwerker Sorge zu tragen und z» diese», Zwecke, wo dieS nöthig ist, die Ausstellung besonderer Anssichisbeamie» in Aussicht zu nehme».— Ss„s Hessen. 11. Februar.(Eig. Ber.) Landtag. Die heutige Eitznng brachte eine Debatte über die vorjährigen Kaiser- Manöver, die sich bekanntlich größtentheils ans hessischem Boden abgespielt haben. Abg. Oriola brachte die verschleppte Auszahlung der FUlrentschiidignngen zur Sprache und eine Reihe weiterer Ab- geordnele» vom Lande stimmten i» das Klagelied ein. Noch heute feie» die Entschädigungen für die ganz außerordentlichen Ver- wüstnng-n zu», tbcil nicht ausgezahlt. Einer einzigen Gemeinde habe 57 000 M. Schadensersatz zugesprochen werden imiffe». Abg. David wies darauf hin, daß mehr noch als die Verwüstungen der prodnkiivcn Arbeit des Bauern die Schädigungen, die de» Soldaten an Leib und Leben zngesügt würden, zu bedauern seien. Wenn schon bei der durch das heutige militärische System hervorgerufenen seiud- seligen Spannung zwischen den Kulturvölker», Kriegsrüstnnge» und Manöverübunge» nicht zu Hingehe» seien, so dürften doch keinenfalls den Liebhabereien hoher Herrschaften die Gesundheit von Mensch nnd Thier geopfert werden. Er erinnere»nr an die be kannte„schneidige" R e i t e r a t t a ck e. In, übrigen sollten die hohe» Herren einmal ihre Reise» und Proviantwagen zu Hause lasse» und die Suapazen und Entbehrungen, die sie den Soldntc» zmimthe», selber»ülmache», vielleicht ginge ihnen da»» ei» Licht auf über die Leistungen, die sie anderen znnuilhele».— Natürlich erhob sich nn» d-.r Slaatsminisier Finger, um Verwahrung ein- znlcgcn gcgenldiese„unpatriotischen" Worte, nnd im nationalliberalen Lager wurde cs lebendig. Die Abgg. Friedrich und Oriola hielten hochpatriolische Rede», deren Quintessenz das sserikiciriin intelleclus(Verzicht auf eigene Meinung) in militärische» Dingen war. Graf Oriola glaubte witzig sei» zu müssen, indem er unsere Idee» über ein Vollshecr ins lächerliche zu ziehen versuchte.— Abg. David wies das scharf ab»nd begründete die Forderung auf allgemein e i n j ü h r i g e D i e n st z e i t als eine Forderung der sozialen Gercchliglcil nnd des gesunde» Fortschritts; das sei ein guter Schrill vorwärts ans den, Wege zum Volkshecr, der schon jetzt möglich sei. Abg. Ulrich diente de», Grafc» i» so nachdrück- sicher Weise, daß es»och zu seiner heftigen persönlichen Ansein- andersetznng kam. Ter Glas wollte keilte„Bedientenscele" sei», er ineinte, in Kasinos dürfe man schon ein Wort der Kritik gegen oben sagen, aber in einer Volksverlreinng sei so elwas nicht angebracht, — Die Kapitel betr. Staatsininisteri»,», Laudstäude:c. wurde» bewilligt. Tie höhere Heranziehung der Siaatsknsse z» de» Polizei- laste» der Slädle wurde nach längerer Debatte vertagt. — Chronik derMnjestätsbeleidigungs-Prozesse, Unser Parlciorga» i» Hannover schreibt: Wegen Majestälsbeleidi- gnng ist gegen Genosse» L e i» e r t die Untcrliichnng eingcleiict. Der Slnzcige eines Gendarmen zufolge soll Genosse Leinert in einer Versanimlnng in Sachlenbanse» in der Nähe von Göllingen ge- legontlich der KriUk des Mililarisnnis Ausdrücke gcbrancht dnbe», die der überwachende Bcainte nus den Kaiser bezogen hat. Genosse Leinert sieht der Verhandlung mit Ruhe entgegen, da er sich vo» de», ihm gemachle» Vorwurfe frei fühlt. Ilugarn. Budapest. 11, Februar. Abgeordnetenhaus. Bei der Verhandlung über das Budget des Acke>bau»>i»istcri»»is erklärte A ck e r b a n»> i n i st e r D a r n» y i die Schtldeningc» des Bauern- notbstandeS für staik übcrtricbe». Der Minister wirst der(klerikalen) Vollspartei vor, sie schüre fortwährend unter de» Bauern den kon- sessionellen Kainpf, Der Minister kündigt eine»ene Kolo- »isalionsvorlag« an nnd eine Vorlage über den st a n I- liche» Betrieb der G c m e i» d e s o r st«». Auf die a g r a r s o z i a l i st i s ch e Frage übergehend, erklärt der Minister, die Zustände im Szabvlcser Koniital« stehe» nicht>» einer Reihe init der Bauernbewegnng der übrigen Landesgegende». Die Siogicrnng biete gegen die Szabvlcser Bewegung Waffe»- macht ans und werde im äußerste», Rothsalle das Stau brecht verhängen. Die Regierung beabsichtige nicht, das P r e ß g e s e tz abzuändern, da die bestehenden Gesetze ausreichenden Schutz gegen die sozialistische Presse bieten. Der Minister appeliirle an die Gnisbesihcr, die ländlichen A, beiler h»,»a» zu bc- Handel»»nd wünschte, daß die Press« die Verbreilung falscher Nach- richten unterlassen möge,— Budapest, 11. Februar.(„Franks, Ztg.") Unter dem Vorsitz de? Minisieiprändentc» sand heule«ine ve, trauliche Konserenz be- treffend' die Rlaßrcgel» gegen die sozialistischen Baneriinnrnhen statt, In Knrwasz. l�z Szabolcser Kvmiiat versuchten heute die Bauer», die sich bewaffnet haticu, ihre Kameraden im Gefängniß zu befreien. Die einschrciiende Gendanuerie wurde angegriffen, Eine Frau wnrde getödlet und mehrere Personen ivnrdcn verletzt, l5 Berhaslungc» erfolgte».— Der Ausschuß der Kronstädler „Grünen Sachsen" veröffentlicht einen Ausruf, der die Sachsen vor der Magyarisirnug ihres Namens warnt und die Magyarisirnug als Verralh bezeichnel,— Budapest, 12. Februar. I» Klei»- Wardei» habe» die Soldaten, deren Ergänznngsbezirk sich im Komitat befindet, mit de» Bauer» srnternisirt. Da» Regiinent wurde abbeiuse» und durch ein anderes ersetzt.— Türkei.' — Z n m K i r ch e n st r e i t i» Makedonien erhält die Intern. Korresp." folgende Meldung ans K o» st a» t i n o p e l vom 10. Februar: Zwischen de», russischen Botschafler Sinowjew »nd dem ökumenische» Palriarchat fanden während der lctzleu Woche» eingehende verhaiidlnngen betreffs einer Beilegung der lirch- iichen Slreitigkeiten i» Makedonien stall. Das Patriarchat zeigte sich gencigl, ans den besondere» Wunsch des Zaren hin sowohl de» Serben, als auch den Bulgaren weitgehende Zugcstniidniss« i» der Einsetzung nationaler Bischöfe zu mache» und unter gemiffe» Bedingungen i» die Aufhebung des bulgarische» Schismas zu ivilligen. Inzwischen aber hat die bulgarische Regierung so hohe neue Forde- rirngen gestellt, indem sie in Makedonien und Rnnrelie» acht birlgarisch-irationale BisedosSsttze beansprnchl, daß das Palriarchat cd« weitere Erörterung über die Fordernnge» abgelehnt hat.— Afrika. — Das Schutz- nnd T r u tz b ü n d„ i ß der Buren- laate». Aus dem Haag wird berichtet: Die a», 3. Februar zu P r ä t o r i a geschlossen« erste Bnndeskoriserenz der Transvaal- »nd O r n ii j e s r e i st a a l e» hat das gegenseuige Bündirißverhällniß vollständig geregelt nnd das Znsaiiniieiigehcll beider Länder in alle» rvichtigc» Frage» der inneren und äußeren Politik geunu vor- gezeichnet. Die Volldnrger beider Staate» erhalte» bei der Heber- sicdelung in den anderen auch dort das volle Bürgerrecht, alle Verkehrs» und Eisenbahn- Eiiirichlmige» werden einheiilich geregelt, Unlernehmnngen, welche gegen die Sicherheit des einen Staates in dem anderen eingeleitet weide», sind gerichtlich zu verfolgen, wie wenn sie gegen de» eigenen Staat gerichtet seien. Die Bestimmungen, in welcher Weise sich beide Slaalen im Kriegsfalle gegenseitig Hilfe zu leisten haben, werde» jedoch geheim gehalten.— Amerika. — Anarchie i n G u a t« in a l a. I» San Francisco liege» Berichle ans Gnalemala vor, nach denen General Monoqni» versucht haben soll, sich zu gimfte» von M orales in den Besitz der Re- giernngSgcivalt z» setzen. Er sei aber mit einer Anzahl Anhänger gclödtet worden. Nun sei die Knsis vollends akut. Berichte aus Managua(Nicaragua) melden, daß dort die Re- volution unterdrückt sei.— Vre Veelinrv Geroeekfchrrften inr Fcrhve 1897. Die Berliner Gewerkschaftskommission veröffent- licht soeben ihre» 9. Rechenschaftsbericht, der über die Thätigkeit der Kommission und die Gestallnug der Berliner Gewerkschafls- Verhältnisse im Jahre 1397 berichtet. Es gehören danach gegen- wärtig der Kommisston 84 Berufe an, die durch 96 Delegirte ver- trele» werde». Im ganzen hat die Kommission im Jahre 1897 siebe» Hauptuersainmlnngen abgehalten, über die die Leser des„Vorwärts" durch die regelmäßig erschienenen Berichle stets unterrichtet»vorde» sind. Das von der Kommissio» nnterhallene Gewerkschastsbnreau wird, wie der Bericht meldet, von den Berliner Arbeitern i» inuner steigendem Maße benutzt. Die in der Praxis des gewerblichen Lebe»? vielfach vorkoimnende» Bennchiheilignngcn der Arbeiter bei»nberechtigteil Entlassnugen, Auflösungen des Arbeiisverhältnisses ohne voraus« gegangene Kündigung, Einbehaltung vo» Lohureste» re, veranlahten die davon Betroffene», das Bureau zwecks Einholung von Rath- schlügen zu besuchen. Auch über die Bestimmungen der Arbeiter- schntz-Gcsctze, der Fabrik- und Gewerbe-Jnspeklion wurden in zahlreiche» Fällen Informationen crtheilt. In 71 Fällen wurden für Personen, welche Gewerbegerichts-Streitigkeiten zu erledigen hatten, Vertreter vermittelt. Ebenso für das Reichs- Versichernngsamt 35 mal. Die stattgefnndenen Lohnbewegmigen des JahreS 1897 verursachten gleichfalls dem Bureau viel Arbeit, Seinen Höhepunkt erreichte die Thätigkeit des Bureaus bei dem Hafenarbeiter-Ätreik; auch während des Streiks der Mafchinenbancr Englands machte sich eine rege Thätigkeit des GewerkschaftsbnreanS erforderlich. Eine weitere mühevolle Arbeit des Bureaus bildete die von der Gewerk- schafls-Koinmission beschlossene Aufnahme einer alle zwei Jahre ans- zunehmende» Statistik. Durchschnittlich wurden monatlich etwa 80 Personen ausführ- liche Rathschläge erthcilt. Bon den Anstnnftßsuchenden waren 766 Männer nnd 155 Frauen. Zur Klage geralhen— meistens gegen die U n t e r» e d m e r— wnrde 739 mal, vo» einer Klage abgeralheit wurde 132 mal Die Jahresbilanz der Gewerkschafts« kommisston pro 1897 stellt sich nach dem Kassenbericht, von dem wir aber sagen müssen, daß er recht unübersichtlich und ungleichmäßig gehalie» ist, solgendermaßen: Gesauimteinnahme,, 106 137 Mark, GesanmUausgabe... 104 559, Bestand 1 578 Mark, Außer den Miitheilnngen über die eigentliche Thäiigkeit der Kommission enthält der Bericht auch Angaben über die Enilvjcklnng der Berliner Geiverlichaslsbewegung»ach den einzelne» Branchen gesondert, sowie eine Stniisiik über die gesnmmte» Lohn-, Arbeits- und sonstige» Vcrhättnisse der einzelnen Bernfsgruppe». Es wird berichle!, daß auch das Jahr 1897 eine gröbere Reihe gewerkschaftlicher Kämpfe anfznweise» gehabt hat,»nd daß diese zum thcil entstanden seien, »m die in den Jahren 1895 nnd 1896 eroberie» Postlione» fest- zuhalten, IheilweiS aber auch, um weitere Verbesseiungeu der Loh»- und ArbeUsverhällniffe herbcizusührcn. Im Jahre 1S96 nahmen die Kämpfe im allgemeine» größere Dimensionen an, d, h, sie er- streckten sich meistens auf ganze Berns«; 1897 dagegen fei der gewerk- schasilichc Kleinkrieg, Streiks i» einzelne» Fabriken, Spezial- brauche» ze. vorherrschend gewesen. Der Bericht schreibt dann wörtlich: „Die siaiigefnndenen Kämpfe geben uns auch einige Lehren. Einmal wird zukünslig belreffs des Streilbeschlnsses oft eine größere Vorsicht am Platze sein und erst»ach reiflicher lieber- iegnng und Prüfung aller in Frage kommende» Tinge in de» Ausstand getreten werden dürfe». Andererseits wird man dabin arbciic», missen, daß vo» allen beabffchiigteu Streiks vorher die Organisationen resp, deren Leiter rechtzeitig zn denachrichligcn sind, welches bei einigen vorjährigen Ausständen nnle, lassen wnrde. Dann mangelt es aber auch noch vielen Organisationen au der»ülhige» Stärke, sowohl in betreff der Milglicder, wie auch in finanzieller Beziehung, Es gilt deshalb diese berbciznsühre», zumal in Ichler Zeit das Unternchmerlhnm sich immer scsier zu- j am mensch liestl." lieber die Zahl der in de» einzelne» Bernssgruppen in Berlin beschäfltglen Arbeiier nnd über den Prozenlsatz, in der» sie geWerk- schasilich organisirt sind, werde» die folgenden Zahlen»itlgclheilt: Name der Jiidnstriegrnppc. Siahrnngs- u. Ge> »»ßmitlel- In- drrslrlo..... Bcdicmuig, Handel und Verkehr.... Bangewerbe... Metallindustrie. Holzindustrie.. Beklcidungs-, Stoff-, Leder-, Putz- u, llleini- gnngsiudnstrie Graphische Ge- werbe. Buch- u, Papierindustrie Verschiedene Ge- werbe..... ES gäbe demnach i» Berlin in Enmina 5ii OTS in Grweik- schaftc» orgauisirte Arbeiter. Vo» den männlich»,, Arbeitern wäre» 17,09 pCl„ und vo» den weiblichen 2,12 pEl. gewerkschaftlich organisirt. Jnsgcsammt wären vo» der Berliner industriellen Brbeilerschasi 13.02 pCl. organisirt. während die letzte vor zwei Jahre» verLffentlichle Statistik nur 10,36 pCt, organisirie Arbeiter nachwies. Es ergiedt sich hiernach ein erfreuliches Wachslhui» der Zahl der organisirie» Slrbeilcr in Berlin. Alt Mccstcmiinde i» Hannover, wo in, Dezember v, I. der Parteigenosse Abb mit 190 von 283 insgesammt abgegebenen Stimmen in den Bürgeransschuß gewählt wurde, ist es gelungen, abermals einen Vertreter unserer Partei, den Genosse» W, Heim, i» das Gemeindekolleginm zu bringen. Vo» 230 insgesammt ab- gegebenen Stimme» erhielt er 200. In Wilstcr tu Holstein wurde der v i e r t e S o z i a l d e m o- k r a t i» das Stadtverordnete«»Kollegin in gewählt. Pvllzcilicheö. Gerichtliches»c. — Di«„ G a z e t a 31 o b o t» i e z a" in B e r l i n. das Organ nnsercr polnischen Parieigenosse», halte die WohnnngSverhältnisse der Jnstleute ans dem Rillergntc Markowitz bei Jnowrazlaw be- sprochen. Dieses Gut gehört dem Freiherr» v. Wilamoivih-Möllcn- dors, dem Oberpiästdente» von Posen. Wegen des angeblich be- Icidigendcn Charakters des Artikels wnrde von der Slaalcanwall- schast Anklage erhoben, nnd zwar nicht nur gegen den veranln'ort- lichrn Redakteur der„Gazela Robotnieza", sonder» auch gegen den Verleger, den Trucker, den Setzer, der de» Artikel gesetzt Halle, und gegen de» angeblichen Verfasser dcS Artikels. Jetzt wird milgelheiil, baß säimnllich« Angeklagte außer Verfolgung gesetzt sind. Die Elaatsanivallschaft hat die Anklage zurückgezogen, — Redakteur E in i l N e u k i r ch in Breslau hat dort am 10, Februar die vierwöchige Haft angetreten, die ihm tvege»„groben Unfugs" anserlegt wurde, weil die„Volkswacht" in Beziehung auf das Feier» des SedanlageS den Ausdruck„Mordspatrioiismns" ge- braucht hat. Das Schöffengericht halte diese»'Ausdruck zwar»ls ungebührlich, jedoch nicht als strafbar erachtet; das Landgcrickit dagegen erkannte auf Verurtheilnng und das Oberlandcsgericht trat ihm bei. Wie die„VolkSwachl" bei dieser Gelegenheit mUlhetlk, ») Darunter 3255 Hansindustrielle. Außer der angegebene» Zahl »och 10 301 Hansindtistrielle. Ebensalls noch 7171 männliche Dieuft» bote». Außerdem noch 45 840 weibliche Dienstbolen und 15152HanS- induftrielle. Die Dienstbote» wurden bei der Organisation nicht be- rücksichligt, weit sie das Koalitionsrcchl nicht haben. �) Hierbei ist zu erwähne», daß nuter diesen 19 197 Lehrlingen sich 8403 befinde», die bei Jmiungsmeistern arbeiten. fmb seit ihrer©rfiiihmg im November 1890 biS Noveniber 1897, nlfo im Verlauf von 7 Jahre»,«cht Jahre G e f ä» g n i ß über ibre Redakleure verhängt worden,»nd zwar gegen Wendlmidl 26 Dtonale, Thiel 17, Friedrich 10, Echebs 16, Hennig 6, Gerhardt 5, Zahn 9 und Neulirch 7 Monate. Nenkirch hat mittlerweile wieder zirka drei Monate Gefängniß erhalten und mehrere Anklagen schwebe»»och gegen ihn. Die Summe der Geldstrafen, die gegen die Redakteure der„Volksmacht" seit der Gründung des Blaues ausgesprochen worden sind, macheu zusammen mit den Gcrichtskosten und den Kosten der Verlheidigung mehrere Zehnlausende von Mark aus, Nutzen zieht die herrschende Gesell- schaft aus dieser scharfen Verfolgung unseres BrnderorgauS aber nicht: Breslau, die ziveite Hauptstadt Prenheus, ist durch zwei So- zialdemokraten im Reichstage verirelen und wird es bleiben! — Redakteur Vahle von der Magdeburger„Volks- st i m m e", der am 10. Februar eine dreimonatige Gefänguißstrase in Gommern augeiretcn hat, wurde von der Anklage der Be- leidignng des Zahnarztes Kempfe freigesprochen. In derselben Sache halle Ulan anch gegen den Verleger und den Drucker der „VolkSftimme" ein Verfahren eingeleitet, dasselbe ist aber schon vor einiger Zeil eingestellt worden.— A n s i ch t s- P o st k a r t e n, die dem§ 6 des Prehgesetzes nicht entsprechen, dürfen in Magdeburg nun überhaupt nicht mehr ausgelegt oder verlaust werden. Die„Volksstimme" halte sich über die ungleiche Behandlung ihrer Buchhandlung beim Minister beschwert. Das scheint jene An- ordnnug zur Folge gehabt zu haben. Die Geschäflsleute sind be- greislichcrweise wnlhend und behaupten, die„Volksstimme" habe ihnen„diese Suppe eingebrockt". Wenn der erste Zorn verraucht ist, werde» sie sich aber selber sagen, daß ihre Vorwürfe an die falsche Adresse gerichtet waren. Die„Volksstiinme" hat sich nur ihrer Haut gewehrt. — In Halberstadt. Staßfnrt, Kalbe, Aschersleben, Osterwieck und anderen Orlen ist Nr. 10 der„Äl r b e i t e r- Z e i t u n g" be- schlagnahmt worden. In der Expedition in Halbcrstadt fielen der Polizei SSV Exemplare in die Hände. Ursache der Beschlagnahme, die vom Ersten Staatsanwalt Geh. Juslizralh Schöne in Halberstadt veranlaßt wurde, ist eine kurze, angeblich beleidigende Notiz über die bekannte Angelegenheit des Staatsanmalts Pannier in Bernbnrg. — Einen erbitterten Kamps um die Erringuug größerer Ver- sammlungslokale führen schon seit längerer Zeit die Arbeiter des P l a u e n s ch e n Grundes bei Dresden. Durch Anwendung des Boykotls, der in Sachsen btlannllich strafbar ist, haben sie ansehnliche Erfolge zu verzeichnen. Einzig in seiner Art dürfte der jetzt lobende Kampf um den Wagner'schen Gasthof in Denbcn dastehen. Voykottplakate und-Flugblätter werden fast unter den Augen der gerade im Plauenschen Grunde zahlreichen Gendarmen verbreitet; ja sogar die nach Dresden ver- lehrenden Arbeiterzüge werden prompt und korrekt belegt, als ob das etwas ganz scllstversländliches wäre. Die Gendarmerie und der Denbener Gemeindevorstand sind außer sich, daß man die Thäler nicht erwischt. Letzterer hatte sogar schon ö0 M. Belohnung für Ergreifung eines solche» Misselhäters ans- gesetzt, was aber auch»ichlS half. Da die S0 M. aus Gemeinde- Mitteln gezahlt werden sollen, ist bei dieser Sache auch der Gemeinde- rnih engagirt. Er faßte den weisen Beschluß, daß der Boykott „unmoralisch' fei. und regte an, den boykvtlirtrn Wirth aus Ge- meindemitteln zu unterstützen, ja man will unter Umständen, durch Vermittelnng des Bezirksausschusses, sogar staatliche Unterstützung erwirken. Die aus der Gemeinde etwa zu gewährende Unterstützung will man event. i» der Weise beschaffen, daß dem Konsumverein eine U in s a tz st e u e r auferlegt und der Ertrag dieser Steuer zu der Unterstützung verwendet wird!— So soll also ein Verein, den die Sache garnichls angeht, zur Unterstützung eines Wirlhes Geld her- geben, der doch selber daran schuld ist, daß ihn die Arbeiter nicht mehr besuchen wollen. In der That, rücksichtsloser kann der Kamp von den Vertretern der„Ordnung" nicht wohl geführt werden. Aber dieser Rücksichtslosigkeit steht die zähe Ausdauer einer energische» und umsichtigen Arbeiterschaft gegenüber, die ihren Willen früher oder später durchsetzen wird._ Gewerkschaftliches. lvcrlin imb Ilmgoviina. An die Arbeiterschaft Berlins! Am Montag, den 21. Febr.� abends 8 Uhr, finden in fiinf großen Sälen allgenieine P r o t e st v e r s a in in l u n g e N gegen den Posadowsly'schen Erlaß statt. Gewerkschaften und Vereine werden ersucht, an diesem Tage keine Versaiiimlungen einznberusen. Die Berliner G e w e r k s ch a f t s- K o m m i s s i o n. I. A.: R. M i l l a r g. Den Arbeiter« der Gcschostrorbbranche wird die Durch- führung des von der Magdeburger Konferenz beschlossenen TartsS, wonach der Preis für die Ansertiguiig der Geschoßlörbe aus 4 M. pro Stück festgesetzt ist, durch das Verhallen einzelner außerordentlich erschwert. Wie in einer am Freitag abgehaltenen Vcrsainniluiig der KorbmacherBerlins festgestellt wurde, haben sich bereilsArbeitergesmidei!. die diese Körbe zu einem Preise von 2,b0 M. herstellen. Bei der Firma R. Schmidt n. K o., bei der vor kurzem die Arbeit wegen Lohnrediiztiiing eingestellt wurde, arbeiien gegenwärtig schon wieder 26 Korbmacher zu diesem herabgesctzlen Preise. Außerdem ist «ine größere Anzahl von Arbeitern in der Hausindustrie unter diesem völlig uiiausköinmlicheii Lohn beschäsligt. Die auge»- blicklich todte Saison in dieser Branche(es sind gegenwärtig ca. 200 Arbeitslose vorhanden) suchen einige Unternehmer aus- zniiUtzen, nni de» Lohn auf daS niedrigste zu drücken. Die Bersannn- limg nahm eine Resolution an, in der sie die Erwartung ausspricht, daß von allen denjenigen Korbmachern, die unter dem in Magdeburg festgksetzleii Tarif arbeiten, der befchloffene Preis gefordert wird und bei Nichlbewilligung die ArbeitSeiustellung erfolgt. Um einheitliches Vorgehe» zu ermöglichen, da die Beivegung ev. größere Dtiuensto»»» annehmen kann, wobei etwa b00 Arbeilcr in belrncht kommen, soll eine Velständignng mit dem Holzarbeiter-Vorband herbeigesührt werden. Fn den Mitglieder Bcrsauinilnngcii deS deutsche» Metall- arbeiter-BerbaudeS wird jetzt vielfach über die Frage der Ein- sührung einer Älrbeilsloseii-Unlerstütznng diskniirt. Man steht der- selbe» in» allgemeinen srenndlich gegenüber und es ist nicht ans- geschlossen, daß schon der nächste VerbandStng demgemäß beschließt. Tcutschrs Reich. A» die Lchnhmacher Teutschlands! Nachdem der Ausstand der Fabrikschuhmacher durch die Anerkennung deS Spruches des Einigiuigsamtes sein Ende erreicht hat, ist gegenwärtig bis auf Weiteres Waffenstillstand«Ingetreten. In den Fabriken von Hax u. Kallmam, sind die Differeiizen beigelegt und die Kollegen zur Arbeit zurückgekehrt. Anch in den Fabriken von Hintze, Merkel und Lüderttz ist der Ausstand als beendigt anzusehen, da ein Theil der Ausstäudigen bereits in anderen Fabriken arbeiten und auch die übrigen in Kürze umergebracht sein dürften. In Sachen des Arbeitsnachweises sind von uns den Fabrikanten folgend« Forderungen unterbreitet worden: I. Der Arbeitsnachweis wird einer ständigen Kommission»nierstellt, die aus einer gleiche» Zahl von'Arbeitgebern nnd Arbeituehinern besteht. Die Wahl der Arbeiiervertreler wird von den in Verbands- sabriken beschäftigten Arbeitern vollzogen. II. Die Arbeiter sind damit eiiiverstaiidcn, daß der Vorsitz der Komiiiissio» und damit das den Ausschlag gebende Recht den Arbeilgebern zu- gesprochen wird. III. Zur Führung des Arbeitsnachweises wird «in unparteiischer Verivaiier von der Kommifsion gewählt, die Aus- arbeitiing des Reglemcnls über die Führung des Arbeitsnachweises wird der Kommission überlassen, doch sind die Bestimmungen der- selben beiden Theilen, den Arbeitgebern wie Arbeitnehmern, zur Genehmigung zu unterbreiten. IV. Ueber die Führung des Arbeits« Nachweises hat die Koinniissioii eine ständig« Kontrolle zu üben, und ist es den Mitgliedern zu jeder Zeit gestattet, in die Liften und Bücher Einsicht zu nehmen. Beschwerden von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern sind an den Vorsitzenden der Konimission zu richten, und sind dieselben so schnell wie möglich von der Koni- Mission zu erledigen. V. In Voraussetzung, daß diese Forderungen erfüllt werden, erllSren sich die Arbeitnehmer bereit, zu den Kosten des Arbeilsiiachweises beizusteuern. Die Fabrikanten haben sich bereit erklärt, über diese Forderungen mit uns zu verhandeln. Doch kann man nach einigen Erklärungen dieser Herren annehmen, daß sie nicht geneigt sein werden, unsere Forderiingeii anzuerkennen. Im Interesse des Friedens wäre dies zu bedauern, denn obige Forderunge» sind gewiß keine übertriebenen »nd verletzen in keiner Weis« die berechtigten Interessen der Fabri- kanten. Jinmerhin bleibt das Resultat der Verhandlungen, welche in einigen Tagen abgeschlossen sein werden, abzuwarten, da die Herren zu einigen Konzessionen bereit sind. Auf alle Fälle möchten wir die auswärtigen Kollegen dringend ersuchen, streng darauf zu achten, daß der Zuzug nach hier ferngehalten wird. Es befinden sich noch immer gemaßregelte Kollegen außer Arbeit und es ist eine Thatsache, daß durch das Zureisen von sremden Kollegen die Eiiistellimg der Arbeitslosen erschwert wird. Das Bureau befindet sich Weinstr. 22 bei Steuer von 7 bis 9 Uhr abends. Die Agitatio ii Skom Mission der Fabrik» Schuhmacher. Ein Nrthcil do» prinzipicllcr Bedeutung wurde am 11. Februar vom IV. Zivilsennl des Hanseatischen Ober-Landes- gerichts'in Hamburg gefällt. Es bandelte sich um folgende Sache: Im Sommer v. I. stellten die Tischler Lübecks die Forde- rnng an die Unternehmer, die tägliche Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden herabzusetzen. Die Forderung wurde nicht bewilligt, und die Tischler traten in einen Ausstand, an dem sich die verwandten Geiverbe beiheiligten. Schließlich bewilligten die Tischlerinnung und auch säninitliche kleinen Meister die Forderung, niir eine Anzahl Möbelsabrikanien bewilligien nicht. Ueber diese wurde nun von der Lohnkommission der Ausständigen die Sperre verhängt und es er- schienen im„Lübecker Bolksboteu" mehrfach kurze Notizen, worin vor Zuzug nach den gesperrten Fabriken gewarnt wurde. Diese Notizen waren uiiterzeicknet:„Die Lohnkommission." Da es de» Fabri- kanten nicht gelingen wollte, die Sperre durch Anwerbung geniigender tüchtiger Kräfte illusorisch zu machen, enllndeii sie ihren Aerger darüber in einer Enlschädignugsklage gegen die drei Mitglieder der Lohnkommission und den Verleger und den veranlwortlichen Redaklenr des„Lübecker Volksboten", iiachbeni sie vorher schon nM Unterlassung der Eperr-Notizen geklagt halten, allerdings zmecklos, denn noch während die Klage anhängig war, wurde der Streik für beendet erklärt. Sie behaupteten nnii durch ihren Anwalt, sie seien durch die Sperr-Notizen, die eine Verrusserklärnng in optima forma enlhiellen, in der Meinung des Publikums herabgefetz: und infolge dessen materiell sehr geschädigt. Es klaglen die Firme» Gebr. Wasserstradt, W. Senfs. H M. Tb Bahrdt, I. P. H Painperin, F. Schramm und Demuih u. Ko. Diese 6 Firmen verlangten zusammen einen Schadenersatz von 2000 M. Die Klage wurde vom Lau dgerichl Lübeck abgewiesen, worauf d>e Kläger an das Hansenlische Ober- Landes- gerichl appellirlen. Ter klngeiische Anwalt bot alles Mögliche auf. eine Verurtheilniig der Beklaglen zu erzielen. Zahllose Kommen- lntoren und höchstgerichtliche Eiitfcheidnngen ließ er aufuiarschiren. Er führte aus, die Frage sei von ungeheurer prinzipieller Be- deutung für den ganzen Stand der Arbeitgeber, der durch derlei Notizen in unerlanbier Weise in seinem berechtigten Wider- siand den Arbeilersordernngeii gegenüber gebrochen iverden sollte. Gerade dadurch, daß die Notizen so kurz abgefaßt seien und daß in ihnen nicht angegeben sei. wesbnib die Sperre über die Fabriken verhängt sei und weshalb der Zuzug serugehalte» werden sollt«, iniißlen die betreffenden Fabriken in Verruf gebracht werden und ihnen Schaden«rmachs»». Und der sei in der That auch erwachsen, und zwar noch viel höher, als die benntrngte Schaden- ersatzsuniin« gegriffen sei. Das Oberlaudcsgericht ließ sich jedoch nicht rühren, sondern wies die Klage, wie schon gestern lelegraphisch gemeldet worden ist, ebenfalls ab, und zivarunlerfolgenderBegründnng: In der fraglichen Noliz könne eine Verrusserklärnng nicht gefunden werden, da in derselben durchaus nicht gesagt lei, daß die gesperrten Finnen des Verlrnuens unwürdig seien. Es liege auch durchaus kein Verstost gegen die guten Silte« vor. Wenn den Klägern nun anch ein gewisser Schaden enlstanden sei, so sei doch de» Beklaglen in keiner Weise RechlsividrigkcU nachzuweisen, Daß die Verhängiing der Sperre durch eine Zeiinng bekannt gegebe» wurde, sei naiiirlich, denn d i e V e r>v e n d n n g der Presse für die Wahrung der Koalitionsfreiheit sei u n n m g ä Ii g li ch. Die Kläger wurden deshalb abgewiesen und mit de» ganzen Kosten des Berfahrens belastet. Tie Gcucralvrtsattiuilnng des BerbaudeS der Werftarbeiter beschäftigte sich in ber Sitzung vom 9. d. M. mit inierne» Angelcgenbeiten Beschlossen wurde: Bei Streiks»nd AnSsperrungen haben die Mitgliedschasie» prozentuell nach der Mitgliederzabl für Ans- briiigimg der nochweudigen Mittel durch Saininellisien ober Exlrastener Sorge zu tragen. Bei beabsichtigten Arbeitseinstellungen innb dein Zeniralvorstande mindestens l4 Tage vorher ausführliche Mii- lheilung geniacht werden. Der Vorstand hat sich an Ort nnd Sielle über die Verhältnisse zu orientiren und seine Enlscheidnng zu treffen. Bei wichiigeu Aktionen, wie Anleihen und gröberen Ausgaben, ist möglichst der Ausschuß mit zu Ralhe zu ziehen. Die Mitglied- schaste» sind nur dann berechtigt, in Streiks einzntreteii, wenn sie mindestens 6 Monate dem Verband« angehört haben. Ausnohmeu sind zulässig, jedoch nur mit Einverständiiiß des Zentralvorstandes. Abstimmungen über etwaige Arbeilseinstellungen dürfen nur von organisirten Arbeitern vorgenommen werden. Die Höhe der Streik- nnlerstützmig regelt der Zeniralvorstand. Alle Uiuerstütziingen au Streikende sind nur als Darlehen des Verbandsvoisitzenden gewährt, jedoch werden dies« Darlehen dem Schuldner nach Be- endignng des Streils als bezahlt qnitlirt, wenn derselbe den Be- schlüssen der Ausständigen nachgekommen ist, widrigenfalls diese Darlehen gerichtlich zimickgesorderl werden können. Alljährlich ist die Generalversammlung zu berufen. Jede Zahl- stelle Hai zur Geueralversamnilung Delegirie zu entsende» nnd zwar bis 100 Mitglieder einen, von 100—300 zwei, von 300— ö00 drei, über 600 vier Delegirle. Anflösuna des Verbandes kann nur mit weidrittel-Majorität der Mitgliederzahl beschlossen werben. Im alle der Anslösung ist das Vermögen einer Körperschaft mit gleichen Beftrebnugen zu überweisen. Sitz deS ZeiilralvorstnndcZ ist Bremerhaven, der deS Ausschusses Bremen. Als Zentralvorsitzender wird O e l l e r i ch. als Kassirer H e Ii n einstimmig wiedergewählt. Ort der nächsten General- Versammlung ist Lübeck. Damit schloß die Verhandlung. «uSland. Der Streik der Wiener Kaiiiuimachergehilfe» hat, da sich genügend Slreikbrecher fanden, mit einer vollständigen Niederlage der Arbeiter geendet. Ju der Grazer Waggon- Fabrik sind 9S0 Arbeiter in den Ausstand getreten. Den Anlaß bildete die Eutlassniig zweier Arbeiter. Der Betrieb ist eingestellt. Die Griindniig eines aNgemeinen englischen Gewerk- schaftSbnndcs in die Wege zu leiten— diese Ausgabe war durch den letzten Trades-Unions-Kongreb einem Komitee erlheilt worden. Dieses Komitee erstattete dieser Tage in einer Sitzung, die das Parlamentarische Komitee nach London einberufen hatte, demselben Bericht über seine Arbeiten. DaS Komitee schlägt vor, daß sämmt- liche Gewerkvereine unter dem Namen.Generalverband der Gewerk- vereine" zu einein Bund zusamiiieiitreten. Der Zweck der Ber- eiiiigmig soll sein: I. Die Aufrechterhaltung deS KoalitionSrcchteS, die Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen in jeder Richtniig und die Sicherung der gemeiiisameii Aktion aller im Verbände vereinigten Arbeiter. 2. Den gewerblichen Frieden viöglichst auf- recht zu erhalten durch Verhandlung«», Anrufung von Schiedsgerichte», Errichtung von ständigen Sinigungsäiiiterii. 8. Errichtung von Fonds zu UnterstützuiigSzwecken und zur Erringung der oben bezeichneten Aufgaben.— Das Komitee schlägt weiter vor, daß ein Generalrath, zu dem jeder Gewerkyerein je 2 Delegirle entsendet »»d ein Füiifzehner-Komitee sGeschäftSleitungSkomitee), das ans dem Gewerkschaftsrath heraus gewählt wird, die Geschäfte deS Bundes leiten. Im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung soll die be- troffen« Gewerkschaft durch den Bund nur dann unterstützt werden/ wenn sie demselben mindestens 1 Jahr angehörle. Als Eintrittsgeld werden SPf. pro Mitglied erhoben, als Beitrag siiids2JKlaff«ii vorgesehen/ und zwar je 2S und öv Pfennige pro Mitglied und Quartal. Streik«' Unterstützung wird nur gezahlt, wen« vor Ausbruch desselben die Genedinigiing d«S Generalraths oder des Komitees erreicht wor« den ist. Die Unterstützungssumnie ist auf ö bezw. 2,6 Schillinge pr« Woche und Kopf der Ausständigen festgesetzt. Nachdem der Konflikts 8 Wochen gedauert, hat das Komitee den Stand desselben zu unter- suchen und kann, wen» es das für angebracht oder nölhig hält, die Unterstützung noch ferner bewilligen. Für den Fall von Kon- flikten zwischen G-werkschaften, die im Bunde nicht vereinigt sind, sieht der Entwurf nur Einigungs- und Schiedsamt vor.— Die Vorschläge werden sämmtlichen Gewerkvereinen zur Begulachtimg unterbreitet. Die Antworten müssen bis 4 Wochen vor dem nächsten Gewerk- schafts-Kongreß, der zu dieser Frage Stellung zunehmen haben wird. eingelausen sein.__ Mozetz Joss. Paris, 11. Februar. Aus der Verhandlung am Freitag ist noch einiges über die Vernehmung Pellienx und Picquart's uiitzutheilen. Pe Iii en x erklärte: Der beste Beweis für die Unabhängigkeit des Kriegsgerichts sei, daß dasselbe es ablehnte, den völligen Aus- schlich der Oeffentlichkeit auszusprechen. Kann man unter diesen Umständen sage», daß das Kriegsgericht, welches Esterhazy freisprach, ein verbrecherisches gewesen sei? Kanu man sagen, daß, während die Offiziere ihr Blut ans dem Schlachtselde ließen, zu einer Zeit, wo andere, man weiß nicht wo, waren.... (Anhauender Lärm.) General Pellienx vollendet den Satz nicht und fährt fort: Wenn die Osfiziere hier vernommen mären, würden sie voll Entrüstung Protest gegen die wider sie erhobenen Anschul- digungen erhoben haben. Ich mache mich hier zum Echo ihrer Gefühle. Ich bin ihr Ch-s, und da ich der Sitzung des Kriegsgerichls beiwohnte, kann ich Zengniß ablegen für die Loyalität und Unabbnngigkeit, die sie bewiese». Zola nimmt das Wort: Es giebl verschiedene Arten, wie man Frankreich dienen kann. Alan kau» ihm dienen mit dein Degen niiv mit der Feder.(Zu Pellienx gewandt:) Wenn Sie Siege errungen haben, ich habe auch Siege errungen! D i e N a ch w e l t wird wählen zwischen d e m N a in e n„General Pellienx" und„Emile Zola"!(Lärm und anhaltende Bewegung.) Pellienx bernerlt: Ich werde daraus nicht antworten. Zins P i cq u a r t's Vernehmung ist noch nachzutragen: L a b o r i fragt ihn: Haben Sie von dem geheime» Schriftstück Kenntniß ge- nommen, van dem so viel gesprochen wurde und das sich in dem geheimen Aklenstiick ticfinden soll? Picqnart: Ich habe es erst ge- sehen, als General Pellienx es mir zeigle. Labori: Welcher Art war dieses Schriststück? Picqnart: Ich wünschte, ich dürfte es sage»; ich darf aber nur von diesem Altenstück sprechen, wenn der Kriegsniinister mich des Dienstgeheimnisses entbindet. (Sensation.) Labori: Ich hoffe, daß der Generalstaatsanwalt diesem Wunsch des Zeugen dem Kricgsminister miilheilen wird. Labors fragt weiter: Haben Sie das Bordereau gesehen? Picqnart: Ich glaube, ja. Ich habe besonders die photographischen Re- Produktionen gesehen, die im Kriegsmiiiisterinni zirkulirte». Labori: War das von dem„Matin" vcröfsentlichle Faksimile verschieden von dem wirklichen Bordereau? Picqnart: ES ist davon so wenig ver- schieden, daß man sich fragte, woher die Indiskretion kommen konnte. (Bewegung.) Labori: Kenne» Sie das„erlösende" Dokument? Picqnart: General Pellienx hat es mir gezeigt.> Labori: Was ist dieses Schriftstück? Picqnart: ES ist dasselbe, von dein Ravary behauplet, ich hätte es in Gegenwart LebloiS vor»lir gehabt. Labori: Was ist es denn aber für ein Schriststück? Picqnart: Aber eS ist daS. auf dem sich die Bemerkniig befindet: Diese Kanaille von D.(Bewegung.) Ich war sehr erregt, als ich die Veröfsentlichiing des Schriftstückes im„Eclair" sah, und hatte schrifilich beantragt, daß in den Geschäslsräumeii deS Blattes eine HaiiÄsiichiing veranstallet werde. Ma» hat mir aber nicht ge- antworlet. Labori: Warum haben Sie sich mit dieser Angelegenheit befaßt? Picqnart: Ich e» füllte eine Gewissenspflicht. Labori: Sind Sie auf absoiiileu Widerstand von seilen Ihrer Vorgesetzten gestoßen? P'cquarl: Nein,„absoluten" nicht. Aber erst wenn ich einen förm- liche» Befehl erhalten hätte, würde ich als Offizier meine Pflicht er« füllt und gehorcht haben.(Anhaltende Bewegung.) Verhandlung am Sonnabend. Paris, 12. Februar. Auch heute sind mehrere hundert Neugierige aus dem Platze vor dem Jnsitzpalnst versanimelt. Das Erscheinen Zola's, Picquart's und Eslcrhazy's giebt zu den gewohnten Kiindgebimgen Anlaß. Der Gerichissaal ist wieder übersüllt, daS Publikum erscheint sehr erregt. Man bemerkt weniger Advokaten in Amlstracht, als in den früheren Sitziingeii, was den strenge» Maßregeln zugeschrieben wird, die getroffen worden sind, um Un- berechtigle daran zu hindern, die Amtslracht der Advokaten anzu- lege». Die Sitzung wird kurz nach 12 Uhr eröffnet. Oberst Picqnart wird nochmals aiifgerufeii und sagt, Zola babe gegen das KnegSgericht nicht die Anschuldigung erhoben, Esterhazy ans Befehl freigesprochen, sondern seine Entscheidung ans nngenügendes Material hin gelroffe» zuhabe». General Pellienx habe aus Achtung vor der„abgerurtheillen Sache" geglaubt, die Frage des Bordereau nicht in seine Untersuchung einbeziehen zu sollen. Ravary habe, ohne Zweifel uiibewußt, denselben Weg ein- geschlagen und daS Kriegsgericht habe auf unvollständiges oder ungenügendes Material hin sein Urlheil gefällt. So habe zum Beispiel eins der Mitglieder des Gerichts bei Schluß der Sitzung gesagt: Ich bewundere seinen Mnth; ich sehe, daß der wahre Aiigeklagte hier der Oberst Picqnart ist, und verlange, daß ihn, Gelegenheit gegeben werde, sich über seine Haltung zu äußer». Es kommt nun zu heftigen Szenen zwischc» Labori und Henri nnd daraus zwischen Picqnart und Henri, welche sich gegeuseilig in der hesligsten Weise wegen der geheimen Schriftstücke, die Picqnart Leblois gezeigt haben solle, dementiren. Ueber die Szenen, die zwischen Labori und Henry sowie zwischen Picqnart und Henry stattfanden, sind folgende Einzelheiten zu be- richten: Der Präsident fragt Picqnart: Wie oft habe» Sie Leblois in Ihrem Bureau empfangen? Picqnart: Das ist schwer' zu sagen, vielleicht fünfzehn Mal. Präsident: Hatten Sie bei einem dieser Besuche LebloiS' ein geheimes Schriftstück vor sich, d. h. daS Schrifistück, auf den» stch die Worte befinden:„diese Kanaille von D."? Picqnart: Durchans nicht. Hierauf wird Oberst Henry aufgerufen; derselbe hält seine früheren Behauplungen aus- recht, daß das Aklenstiick ans dem Tische lag und daß der Umschlag. in dem daS fragliche Echrlfistück sich befand, nach der Seite hin lag, wo Leblois saß. General G o n s e, der nnii ausgerufen wird, erklärt, das Aktenstück habe sich in Uiiordniing befunden, als eS ihm wieder zugestellt worden sei. Major Laulh erklärt. Leblois habe es übrigens vor dem Kriegsgerichte schließlich zu- gestanden.(Bewegung.) Man könne die Mitglieder des Kriegs- gerichts vernehmen, die eS bezeugen würden.(Lebhafte Bewegung und Anfnierksainkeit.) Der Präsident fragt Leblois: Haben Sie das vor dein Kriegsgericht zugestanden?, worauf Leblois laut und deutlich erwidert: Nein.(Sensation.) Ich habe festen Tones, und zwar ans Höflichkeit, zu Oberst Henry zesagt, ich wolle ihn nicht deinenliren, wenn er aber bei einer Erklärung beharren sollte, so sei es Sache Picquart's, Ich über diesen Punkt auszulassen. Nun haben Sie aber vor dein Kriegsgericht von dem ans dem Umschlage genoinnienen Schrift- Iii et nicht gesprochen.— Berzeihnng, erwidert Henry, ich versichere, es gesagt zu habe». Es handelt stch nicht darum. hier die Wahrheit zu verdrehen.(Bewegung.)— Labori fragt: Befand sich der Liest des Aktenstückes in d«m Umschlage? Ant» »ottj Ohne Zweifel, vnbori: Dann ist also zwischen Ihre» Worten und dein Berichle Ravary's ein Widerspruch. Henry lrill auf Labori zu und jagt: Ich iverde nicht dulden, Herr Advokat, daß Sie ineine Zeugenaussage verdächtigen. Ptcquart prolestirt gegen die Worte Henry's und hält in energischster Weise den Widerspruch ausrecht. Henry: Und ich. ich behaupte sormeU, daß Oberst Picquart' gelogen hat. Picquart: Ich verlange, daß ich mich vor der Jury erklären darf. Sie haben die Anschuldigungen gehört, welche Henry, Lauth, Grivelin gegen mich erheben, die, uuterstiitzt von du Paly de CInm. die Macher einer früheren Affäre waren. Nun wohl, meine Herren, alles das geschieht, weil diese Herren nicht an ihr Wert rühren lassen wollen. Als Oberst Saudberr den Dienst verließ, halte er, gleichsam als sein Testament, den Herren die Sorge für dieses Aktenstück hinterlassen, daß, wie sie sagten, die Ehre des Bureaus sei.(Bewegung.) Nun wohl, meine Herren, ich habe geglaubt, daß es ein Interesse habe. Licht und Gerechtigkeit zu schaffen. Von aller Welt mit Beleidigungen überschüttet und viel- leicht von der Gefahr bedroht, nach 25 Jahren treuer Dienste aus der Armee ausgestoßen zu werde», erkläre ich hier: Ich bin das Opfer meines gute» Glaubens, meiner korrekten Haltung und meiner Hingabe an die Sache, die ich für gerecht halte. Oberst Henry läßt sich endlich zu der Erklärung herbei, daß das Schriftstück mit den Worten: Diese Kanaille von D niemals in irgend einer Beziehung zu der Dreyfus-Affäre ge- standen habe.(Bewegung.) Henry setzt auseinander, dieses Schrift- stück habe zu einem unwichtige» Aktenstück gehört, das er beauftragt gewesen sei, anzulegen. Was das wirkliche Aktenstück Dreysus an- betrifft, sagt Henry, so habe er es niemals gesehen. Hierauf beginnt die Vernehinung des Advokaten Demange, des Veriheidigers Dreysus'. Er erklärt, er habe Ende Oktober erfahren, daß Scheurer-Kestner zu denen gehöre, die an die Unschuld Dreysus' glaubten.„Ich ivar infolge dieser Nachricht sehr besorgt. Als Mathieu Dreysus später den wirklichen Schreiber deS Borderau zu kennen glaubte, dessen Name der derselben Person war, die Scheurer-Kestner in Verdacht hatte, wurde, wie Sie wissen, Esterhazy denunzirt." Demange setzt nun die Gründe, die alle juristischer Natur sind, auseinander, weshalb er sich nicht gleich ivege» der Revision au de» J»stizminister gewendet hat. Er habe die Negierung wissen lassen wollen, was er von der An- gelegenheit denke, habe aber bald gesehen, daß die Re- gierung nicht zu einer Revision hinneige. Seitdem ist eine neue T h a t s n ch e zu meiner K e n n t n i ß gekommen, die derart ist, daß sie die Revision herbeiführen kau». Labori fragt den Zeugen: Warum glaube» Sie, daß die Revision möglich sei? Demange: Weil ich nach der Eröffnung, die Salle mir gemacht halte, die Meinung gewonnen habe, daß das Gesetz verletzt worden ist. Albert C l v m e n c e a u: Dann frage ich den Zeugen, ob er sich dabei nicht auf die vertrauliche Miltheilung Salle's stützt, daß diesem nämlich ein Mitglied des Kriegsgerichts gesagt habe, ei» geheimes Schriftstück sei dem Gericht mitgetheilt worden? Demange: Aber selbstverständlich.(Lebhafte Erregung.) Der Präsident sagt schnell: Ich werde diese Frage nicht stellen. tAnballeude Heiterkeit.) Labori richtet an Demange die Frage, ob die Nachbildung des voni„Matin" veröffentlichte» Borderau offen- bare SIchnlichkeit hat mit dem Original, was durch General Pellienx in Abrede gestellt wurde. Demange antwortet: Das ist stark.(Be- wegung.) Frage: Wurde das Original dem Kriegsgericht unter- breitet? Antwort: Die Mitglieder des Kriegsgerichts, der Kom- missar der Regiennig und ich, ivir hatte» eine Phoiographie, die wie ich glaube, von Bertillo» gemacht war. Nach der Sitzung nabni der Oberst Morel, der de» Boisitz führte,»Iis alle» die Photo- graphien ivieder ab. Ich glaube, sie wurden verbrannt. Frage: Ist das Klichs verbrannt ivorden? Antwort: Ja, das weih ich nicht. Die Verhandlung wird hier unterbrochen, das Publiki»» unter- hält sich äiißerst lebhaft über die hervorragend wichtige, von Deinange vorgebrachte Thatsache. Nach Wiederaufnahme der Sitzung bringt Labori Beweisaulräge ein. dahin gehend, daß der Gerichtshof Akt davon nehme, daß die Anklagebehörde keine Anträge gegen den Obersten Henry gestellt hat, welcher den Obersten Picqnart als Zeuge» angesichts der Gerichts- schranken schwer beleidigte, wobei besonders in Betracht zu ziehen sei, daß Picquart sich in Festungshaft befindet. Der Gerichtshof vertagt seinen Beschluß hierüber bis Montag. Nun erscheint Senator R a n c vor den Schranken. Er sagt: Für mich steht die kons, Lckes Zola's außer jedem Zweifel. Wenn die Verhandlung des zweiten Kriegsgerichts wiiklich so parteiisch gewesen ist, war Zola berechtigt, so zu schreiben. Was man ihm vorwirft, was er gethan, ist der Akt eines Mannes von großem Herzen und großem Muth. Alsdann wird der Depntirte I a u r ö s vernommen. Janrös spricht von den Schivnchen, die die Regierung gezeigt habe. und tadelt es, daß der Prozeß Esterhazy bei geschlossenen TKüren verhandelt worden sei. Dadurch sei. man in die Roth- wendtgkeit versetzt, die Widersprüche der Sachverständigen- Gutachten über das Bordereau in den Jahren 1894 bis 1897 zu verschleiern. Jaurös rügt ferner, daß über die verschleierte Dame, welche geheime Aktenstücke besessen babe, keine Nachforschungen an- gestellt wurden, beschuldigt den Generaistab, gegen Esterhazy Connivenz gezeigt zu haben, und meint, der Prozeß scheine einzig und allein zu dem Zivecke angestrengt worden zu sein, um die Akte gewisser Militärs zu rechtfertigen. Innres spricht sich schließlich mißbilligend darüber aus, daß die Minister nicht erschienen, um vor den Geschworenen Licht über die Angelegenheit zu verbreite». Weshalb verlangten die Mitglieder der Depntirtenkammer. deren Nlehrheit glanbt, daß eine Ungesetzlichkeit begangen ivorden ist, nicht Aufklärung von den früheren Ministern. Zola hätte Recht gehabt, Protest zu erheben; diejenigen, welche ihn beschimpsten, verfolgten in Zola den Menschen, der dem Genera Ist ab die elende Unver- antwortlichkeit nahm, die künftiges Unheil vorbereitete. Die Aus- sllhrungen Jaures' werden mit den verschiedenartigsten Rufen auf- genommen. Eine lebhafte Szene entspinnt sich zwischen den Vertheidigcrn und dem Vorsitzenden, als die erstere» verlange», der Kriegs- minister solle zur Herausgabe des geheime» Aktenünndcls veranlaßt werden. Labori sagt: Da General Pellieux hier er- klärt hat, die Handschrift Esterhazy's und die des Bordereaus gliche» sich nicht, so muß, damit die Jury in voller Kenulniß der Sache urtheilen könne, dies Bordereau zur Verhandlung hergeschafft werden: mau muß die Handschrift vergleichen können. Clomenceau ruft: Ich k o n st a t i r e, daß Niemand uns helfen will, die Wahrheit hervortreten zu lassen. Der Vorsitzende entgegnet: Ihre Sache ist es, sie hervortrete» zu lassen.(Lärm.) Trotz»euer Bemühungen Labori's hält der Vorsitzende seinen ersten Beschluß ausrecht und weigert sich, die Herbcijchnffung des Bordereaus anzuordnen. Der Gerichtshof lehnt alle Beweisaulräge Labori's auf Herbeischaffung des Bordereans ab. Bertillo» wird nun vernommen. Auf die Frage Labori's ob da? Bordereau nicht von einem andere» geschrieben sein könne, erwidert er: Ich bin vollkommen sicher, daß man nicht wird beweisen können, daß eine andere Person als der erste Verurtheille das Borderau 4 hat schreibe» können.(Laug- anhaltende Bewegung.) Der Zeuge erklärt weiter, daß er den Beweis für seine Behauptung führen könne, wenn man ihm alle Dokuniente, die in der Wohnung des verurtheiltcn Dreysus beschlagnahmt wurden, zur Verfügung stellte. Advokat C l e m e n c e a n: Haben Sie sich denn keine Photograpien von diesen Dokumenten ausbewahrt? Zeuge: Ja, aber ich kann sie nur auf Anweisung des Gerichtshofes beibringen. Der Vor- sitzende des Gerichtshofes lehnt dies ab. Bertillon: Dann wird es nöthig sein, daß ich vom Kriegsminister dazu ermächtigt werde! Labori: Ach, da sind wir sicher, daß wir nichts erreichen. Die Sitzung wird auf Montag vertagt. Die vor dem Justizpalast versamnielte Menge begrüßte die Offiziere beim Verlassen des Gerichtsgebäudes mit den Rusc»:„Es lebe die Republik!"— Es verlautet, Oberst Picqnart habe dem Oberst Henry seine Zeugen geschickt. Verantwortlicher Redakteur: Anglist Jacoben in Berlin. Für den Ins Sozsasrs« Ueber geistige Bebonunuduug w der K r a n k en- H ei m- statte bei Stiege im Harz wurde dem„Braunschweiger Volks- freund" von einem dort weilenden Buchdrucker mitgetheilt:„Da mir die hier gebotene geistige Kost, als„Landes-Zeitnng", Neueste Nachrichten" und„Anzeigen" nicht behagt, bestellt« ich mir den „Volksfreund" auf 2 Monate Am heutigen Morgen(der Brief ist vom 7. d M. dalirt), theilte mir Inspektor Fickerscher mit, daß das Halten von politischen Zeitungen vom Herrn Regierungsrath Hassel verboten sei und ich gezwungen werde, die Zeitung wieder abzubestellen. Aus meine Einwendung, daß im Reichstagsbericht vom 29. Januar d. I. der Abg. Bebel sorderle, daß das Abonniren aus Zeitungeu jedem Kranken freistehe und nur die Agitation ausgeschloffen fei, erklärte der vorgenannte Inspektor F., eben nach Befehl des Regierungsraths zu handeln, und ich setze mich yur Unannehmlichkeiten aus, wenn ich die Sache weiter ver- folge." Der„Braunschweiger Volksfreund" macht nun den Herrn Re- gierungsrath daraus aufmerksam, daß die in Frage kommenden, von Arbeitern mit verwalteten Versicherungsinstitute, die ihre Krauken der Heilstätte gegen baare Zahlung überweisen und von deren Willen die Frequenz der Heilstätte abhängig ist. die geistige Bevormundung der Krauken nicht dulden werden. Unfallversicherung. Den Berufsgenoffenschaften ist bekanntlich durch die am I Januar 1893 in kraft getretene Novelle zum Kraukenversicherungs-Gejetz die Befuguiß der Uebern ahme des Heilverfahrens innerhalb der Wartezeit über- tragen. Der Gebrauch, den die Genossenschaften davon machen, wird von Jahr zu Jahr umfaugr-'cher. Im Jahre 1896, worüber die letzten Mittheilungen vorliegen, wurde dafür nahezu l/t Million Mark aufgewendet. Davon kamen etwa 90 pCt. aus die gewerb- lichen und etwa 10 pCt auf die landwirthschaftlichen Berufsgeuossen- schaften. Von den gewerblichen hatte» nur 9 keinen Gebrauch vo» der Befugniß gemacht, von den landwirthschaftlichen 18. Für die Berufsgenoffenschaften ist die Übernahme des Heilverfahrens sehr profitabel. So stehen beispielsweise bei der Kuappschnfis-Berufs- genosseuschaft 1404 günstige» Erfolgen nur 146 uugüiistige gegenüber, bei der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft 1638 günstigen 128 ungünstige, bei der Norddeutschen Holz-Berussgenossei» fchafr 1045 günstigen nur 6 ungünstige und bei der Tiefban-Berufs- geuossenschaft 126» günstigen gar nur 5 ungünstige. Weniger für diese Einrichtung begeistert sind die ver- u n g l ü ck t e n Arbeiter. Sie bezeichnen die Anstalten, wo an ihnen die Heilung versucht wird, als R e n l e n q u e t s ch e n. Ncim Brrg Gcwerbegcricht in Dortmund war im Jahre 1897 die Zahl der Klagen, 387, beiräcktlich höher als im Jahre 1896, wo sie 223 betrug. 87 Klagen wurden durch Vergleich, 61 durch Zurück- »ahme der Klage, 12 durch Anerkennung derselben, 17 durch Ver- säumuißurtheil, 132 durch andere Entscheidungen erledigt; 78 Klagen schweben noch Als Einigungsamt ist das Berg-Gcwerbcgericht zwcimc' angerufen worden; das eine mal lehnte es der Arbeitgeber ab, sich deni Spruche zu unterwerfen, das andere mal ivurde der Anweisung des Einigungsamtes keine Folge gegeben. SublnissionSuuwescn. Bei der öffentlichen Ausschreibung der Malerarbeile» für das Claassen'sche Siechen Haus i» Halle a. S. betrug die höchste Forderung 9253 M., die niedrigste 2604 M. Die Differenz war also mehr als 6600 M. Die Arbeiter des Mnlergeiverbes gaben ihrer Entrüstung über solche blödsinnige Kalkulirerer, die selbstverständlich am meisten ihnen zum Schade» gereicht, in einer Versammlung energisch Ausdruck. Bei der Submission der Maurerarbeiten an der Barm er Thal-Sperre bei Herbringe» war die höchste, von einer Elber- selber Firma gestellte Forderung 734 900 M; eine Slettiner Firma wollte die Arbeiten aber schon für 499 544 M. übernehme». Die Vriichtuug eines städtischen WohunngSamteS bezweckt ein an de» Magistrat Nürnbergs gelangter Antrag des dortigen Mielbervereins. Das Amt soll sich damit befassen, Wohuunge» zu vermittel». Anlaß zu dem Antrage gab der be- stehende Wohnungsmangel. Der Magistrat überwies de» Antrag einer Kommission. Der elende Znstand der Rrbeiterschntz- Gefetzgcbnng in Italic» wird in einem Artikel der Zeitschrift„Nuova Anlologia" scharf kritisirt. Der Veifasser, der srühere Minister Villa ri, erblickt, wie wir der„Voss. Ztg." entnehme», die Ursache Haupt- sächlich darin, daß„gegen alleS, was soziale Gesetzgebung heißt, in Italien eine weit größere Abneigung und Gegnerschaft vorhanden ist, als nian glaubt". So habe man oft genug beobachte» können, daß bei der Erörterung des Unfallgesetzes, das bereits mehrmals eingebracht, abgeändert, zurückgezogen, wieder eingebracht, aber noch nie zur Verabschiedung gekommen ist, der Minister fast allein als Befürworter auftrat, aus den Bänke» der Kaminer aber sich nur Widerspruch oder Bedenken erhoben und sogar seine Kollegen Gleichgiltigkeit oder Widerstreben zeigten. Villari erzählt von seinen eigenen Kollegen im Ministerium, natürlich ohne sie zu nennen, daß im Augenblicke, in dem namens der Regierung das Unfallgesetz wieder vorgelegt wurde, einer von ihnen sagte:„Es sind Gesetze, die man beaiilrage» muß. ans die ich aber nichts gebe," während ein anderer es kurzweg als ein„verkehrtes Gesetz" be- zeichnete. Villari hofft nicht, daß der Widerstand gegen den gesetz- lichen Arbeilerschiitz bald gebrochen wird, denn„am öffentlichen und staatlichen Leben habe» in Italien ungeachtet der Ausdehnung des Wahlrechts nur wenige Antdeil, die sich als die Herren der Gesell- schast betrachten und es auch sind, da sie sie thalsächlich in ihrem Eigeninteresse beherrschen." Villari kommt somit zu denlselbcn Schluß, den vor ihm die Sozialdemokratie Italiens gezogen hat. Den Regierungsblättern ist sein Vorgehe» selbstverständlich nicht angenehm. Die„Opinione", das Organ des Ministerpräsidenten Rndini, erwiderte, an dem Mangel einer sozialen Gesetzgebung sei nicht die herrschende Klasse Italiens schuld, sondern die Ursache liege darin, daß Italien wirih- schnftlich nicht fo vorgeschritten und nicht so reich sei, um die Laste» einer systematifchen Arbeiterschutz-Gesetzgebung trage» zu können. Für den Militarismus bat aber dasselbe Land immer Geld genug übrig, ganz dessen zu geschiveigen, was die Kirche verzehrt und was die Lalistuidieiibesitzer verprassen. Gerichts I» der Frage des Religionsunterrichts der Kinder von Tissideiiten fällte gester» in der Berusungsiustanz die 8. Straf- lammer des Landgerichts 1 unter Vorsitz des Landgerichts-Direktors Weinmann eine Entscheidung von weitgehender Bedeutung. Wege» Uebertrelung des Gesetzes vom 23. April 1883 und der Verordnung des Provinzial-Schulkollegiums vom 6. April 1897 hatte das hiesige Schöffengericht I den Arbeiter Otto Müller, welcher seinen Sohn Wilhelm im Sommer v.Js. vom Religionsunterricht der 167. Gemeinde- schule ferugehalte» hatte, wiederHoll zu Geldstrafen vo» 3 resp. 6 M. verurtheilt. In sämmiliche» vier Fällen hatte der Angeklagte von dem Rechlsniittel der Berufung Gebrauch gemacht; vor der Bernsungsilraf- kammer behauptete er, sein Sohn sei vom Religionsunterricht seit 1393 dispensirt, dieser Dispens sei bisher nicht ausgehoben worden. Rektor Klebe habe ihm nur im Privatgespräch mitgetheilt, der Prediger wünsche, daß sein Sohn den Schnl-Religious- Unterricht nicht versäume.— Die in dieser Frage eingeholte Aus- kunft der zuständigen Schulbehörde, der städtischen Schuldeputalion lautete dahin, daß der Dispens weder von ihr zurückgenommen sei, noch von dem Rektor zurückgenommen werde» konnte. Der Gerichts- Hof erkannte in allen vier Fällen uuter Aufhebung der«rstinstanz- lichen Urlheile aus Freisprechung des Angeklagten. Der ertheilte Dispens müsse trotz des Ministerialerlaffes vom 16. Januar 1892 noch als giltig angesehen werden. ratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von N Ist eine Krankeukaff« verpflichtet, da» Plombiren von Zähiicu ihrer Mitglieder zu bezahlen? Diese wichtige Frage hat das Verwalinngsgericht in Brauiischweig zu gunsten der dortigen Gemeinsamen Oriskrankenkaffe entschieden. Ein iveibliches Mitglied derselben Halle sich einen Zahn herausnehmen lassen und aus An- rathen des betreffenden Zahntechnikers drei weitere Zähne plombiren lassen, auch die Kosten hierfür bezahlt. Der Vater des Kassen- Mitgliedes �orderte aber später Rückerstattung der Kosten für das Plombiren, welche indeffen verweigert wurde. Daraufhin wurde der Vater beim Stadtmagistrat klagbar, welcher dieKrankenknffezurZahlung der Kosten verurtheille. Diese brachte die Sache vor dem Verwaltungs- gerichl zum Auslrag, machte geltend, daß aus dem Unterlassen des Plombirens der Zähne keine Schädigung im Berufe der Patientin zu erwarten gewesen wäre, daß das Ausziehen der kranken Zähne ein billigeres Mittel, zum Zwecke zu gelangen, gewesen sein würde, daß die'Verpflichtung zur Tragung der Koste» für Plombiren von Zahnen ihre Leistungsfähigkeil überschreite,«nd beantragte demzufolge, die Entscheidung des Magistrats aufzuheben event. sie nur zu vernrlheilen, die Kosten für die billigsten Plomben, pro Stück I M.. zu zahlen Das Urtheil des Veiwallungsgerichts lautete aus Aufhebung der Entscheidung des Magistrats unter llluserlegung der Kosten. Die schustliche Begründung dieses Urtheils liegt noch nicht vor. Die Worte:„Machen Sie Feierabend", bilde»»ach einem Urtheil der Kammer V des Gewerbtgerichls»och keine Entlassniig, weil sie ebenso gut bedeuten können: Arbeile» Sie heule nicht mehr, sondern erst wieder morgen. Unter einer großen RcchtShärte haben die Droschken- kutschcr zu leide». Nach dem Z 21 des Berliner Droichkcn- reglements von 1873 kann der Polizeipräsident jedem Droschken- kulscher den Fahrschein entziehen, iven» er wegen Eigeiithnnis- Vergehens bestraft ist. Von dieser Bestimmung macht der Polizei- Präsident den ausgiebigste» Gebrauch. So hat er dem Droschken- kntscher T., der schon seit 1873 sei» Gewerbe betrieb.>m vorigen Jahre den Schein entzogen, weil er wegen Unterschlagung eines Bretlchens im Werlhe von sünfzig Pfennigen zu SM. Geld- strafe verurtheilt worden war. T. hatte das Brett, das ans der Straße am Rande des Trottoirs lag, bei der Heimfahrt mitgenommen, Nun ist ja gegen die Fahrscheinentziehung die Klage im Ver- ivaltuugsstreilverfahren zulässig. I» jede m Falle einer rechls- kräftig geivordenen Bestrafnng wegen eines Vergehens gegen das Eigenlhum. und sei die Strafe noch so gering, ist die Klage jedoch völlig überflüssig. Sogar die Klage des KulscherS T. gegen de» Polizeipräsidenten, die sich aus Wiedererlangung des Fahrscheins richtete, mußte nach dem Wortlaut des Reglements von 1873 ohne weiteres abgewiesen iverden. Das Ober-Verivaltnngsgerichl führte aus. durch das Reglement sei es in das Belieben des Polizeipräsidiinns ge- stellt, dem Droschkenkutscher, der wegen U»terschlag»ng, Diebstahls, Velrugs oder eines anderen Eige»th»n>svcrgche»s bestraft ist, den Fahrschein zu eniziehen. Eine rechts- kräftige Bestrafung tvegen Unterschlagung liege aber hier vor. Ob es gerade in, Falle des Klägers billig geivese» sei, ihm de» Fahrschein zu nehmen, könne das Gericht nicht nachprüfen. Es ist durchaus nichts Seltenes, daß der Seimts- Vorsitzende Rommel gezwungen ist, im Tone des Bedauerns sestzu« stelle», daß es dem Gericht unmöglich sei, die Billigkeit des Polizei- lichen Vorgehens nachzuprüfen. Die»nn glücklich beseitigte BeitragSpflicht der Gastwirthe zu den„Wohlfahrtseimichlmigen" der„Gastwirihe-Jnnuiig" hat be- kanntlich viel böses Blut unter den Berliner Gastwirlhen gemacht und manchen Konflikt mit den Beamte» gezeitigt, die jene Beiträge eiiikassirten. So war, wie wir f. Z. berichteten, der Schankwirlh August Krach in der Skalitzerstraße von der 4. Strafkammer des Landgerichts I. wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu einem Monat Gefängniß verurtheilt worden. Er hatte den städtisch'"» Vollziehungsbeamlen Reinert, den er für einen Bote» der Innung angesehen haben will, als er de» der Innung zustehenden Jahres- betlrag von 5 Mark aus der Ladenkasse nehmen wollte, in erregtem Tone sznm Verlasse» deS Lokals aufgefordert, und alS dieS nichts fruchtete, gewaltsam von der Kasse weggerissen und zum Lokal hinausgeworfen. Rechtsanwalt Leopold Meyer legte gegen dies Urtheil die Revision ein und rügte unrichtige Anwendung der bestehenden Gesetze. Nach§ 679 der Zivilprozeß-Ordnung bat der Vollziehungsbeamte, wenn ihm bei einer Vollstreckiingshandlung Widerstand geleistet wird, zwei groß- jährige Männer oder eine» Gememde- oder Polizeibeamten als Zeugen hinzuzilziehen. Diese Widerstandsleistung habe aber seitens des Angeklagten bereits in dem Augenblicke stattgefniide», als er den Beamte» in erregtem Tone zum Verlassen des Lokals nusforderte. Da dessen ungeachtet der Beamte der oben gedachten Bestimmung oes§ 679 nicht entsprach, befand er sich von diesem Augen- blicke ab nicht mehr i» der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes. Das Reichsgericht erachtete die Revision für be- gründet und hob unter Zurückveriveisnng der Sache an die Bor- Ulstanz das landgerichtliche Urtheil mit folgender AnSsnhrnng aus: Der Widerstand gegen den Beamte» muß schon in der in erregtem Tone erfolgten Anffordernng zum Verlassen des Lokals erblickt iverde». Damit ivar für Reinert die Nolhivendigkeit der Znziehnng von Kontrollpersonen dergestalt gegeben, daß die Unlerlaffiing dieser Maßregel der weiteren Vollstreckiingshandlung de» Charakter einer rechtmäßigen Ausübung des Amtes entzog. Ein gegen diese Fortsetzung gerichteter Widersland würde deshalb der Be- slrafimg nicht unterliegen. Weil er das Eiserne Kreuz nuberechtigteriveise getragen hat. ist der Arbeiter Nielhe vom Schöffengericht in Spandau zu sechs Woche» Hast verurtheilt worden. und letzke Mslrhvichken. Stettii», 12. Februar.(W. T. B.) Heute Mittag lies der dritte für Nechnuug der chinesischen Regierung erbaute Kreuzer ans der Werft des„Bulkn»" vom Stapel. Das Schiff erhielt den Namen „Hai-sheii". Tie Taufe vollzog der neue chinesische Gesandte Lü Har Hwan. Bern, 12. Februar.(B. H.) Gester» hat ein Mann ans den französischen Vieekonsiil Datrait zivei Revolver schnsse abgegeben. Letzterer wurde jedoch nicht verwundet. Der Altentäter ist ein Franzose aus Brest und geisteskrank. Er giebt an, Anarchist zu sein. Paris, 12. Februar.(W. T. B.) Deputtrlenkammer. Emest Roche. Beanregarv»nd Casleli» erklären, daß sie über die Zwischenfälle in der Zola-Sache interpelliren wollen. Der Kriegs- milliller Billot bemerkt, diese Interpellation könne erst nach dem Prozeß Zola erörtert werden. Ter Minister verwahrt sich zugleich gegen die Insinuation, Beziehungen zu der Familie Dreysus zu haben,»nd iviederholt, daß Dreysus gerecht verurtheilt wurde. Konseilpräsident Meline verlangt die Verlagiing der Be- ralhung bis nach dem Prozesse Zola. Emest Roche, welcher eine Entgegnung vorbringt,«vird zur Ordnung gerufen. Die Vertagung bis nach dem Prozesse Zola wird mit 473 gegen 72 Stimmen beschlossen. London, 12. Februar.(B. H.) Die„TimeS" melden aus Koiistaniinovel, der russische Boischasier habe seine Regierung benach- richligt, daß Teivfik Pascha ihm das Verspreche» gegeben h»d«, von der griechischen Kriegsenlschädiguiig sollte» 25 Millionen für Ruß- land vorbehalten bleiben. Man glaubt, daß die russische Regierung sich damit zufrieden geben wird. Chnstiania, 12. Februar.(W. T. B.) Im heutigen Staats- rath gab das ganze Kabmet feine Entlassung. Athen» 12. Februar.(B. H.) Ju hiesigen Regierungskreisen hält man an der Anficht fest, daß die Ernennung des Prinzen Georg zum Gouverneur von Kreta nur noch er»« Frage kurzer Zeil sei. Netv-Dork, 12. Februar.(W. T. B.) Der Poildampker „Veendam"� aus Rotterdam ist auf offener See ans ein Wrackslück gestoßen und untergegangen. Der Dampfer„St. Lonis" rettete alle, die sich an Bord des„Veendam" befanden. ax Babing in Berlm. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltnngsblatt. nr. 37. i5. mm. 1. Ailllge NvlchskÄlA. 39. S i tz II» g. Sonnabend, de» 12. Februar 1893. 1 Uhr. ?lm BiindeSrathslische: Frhr. v. Thielmann, Frbr. v. 3» i ch t h o f e», Major L e n l iv e i n. Die zweite Veralhnna des Elais wird fortgesetzt beim Etat des AnswArtiae» Amis, 5�apitcl„Kolonialverwaltliug", in Verbindung mit dem Etat fiir die Schntzaebiete. Abg. Prinz v. Nrcnbcrg(k.) befiirwortet als Berichterstatter die Annahme des Kapitels. Absp Dr. Hanimacher(natl.): Die Hntlensteuer hat durchaus unsere Sympathien. Durch diese direkte Steuer kann man ans die Eingeborenen Ostafrika's nur erzieherisch wirken. Sie werde» durch sie zur Sehhafligkeit und regulärer Arbeit gebracht. Und diese ijt gar nicht zu enlbehreii, da der Plantagendienst doch nicht durch Euro« p.ier verrichtet werden kann, die siir ihn ganz»„geeignet sind. Auch d-e Einführung der Kulis würde sich nicht empfehle», ganz abgesehen davon, daß sie sehr kostspielig wäre. Die Hiitten- Itcucv bat zudem»och ihre organisatorische Bedeutung, da sie dem ganzen PerwalinngSapparat eine feste Unterlage giebt. Im allgemeine» ist über den Kolonialetat nur zu bemerken, daß vor astcin die Nolhivendigkeit hervorgeht, in Afrika ausreichende AcrkehrSverbindiingen zu schaffen. Ii» Z»sa»»»«»hang mit diesem Punkt steht die Frage des Deportationswesens; ich habe diese gründlich studirt diirch die Lektüre der Bericht« anderer Staaten und bin zu dem gtesnltate gckoniiUt», daß das Deportaliviisivese» durchaus zu verwerfen sei. Gegen die Forderung für de» Bau der Ufambarabah» lZnschuß von 7t) 200 Mark) ivendsl sich Abg. Richter lfrs. LolkSp.): Man sollte doch die Kohlen- frage dort erst lösen, ehe man für die Eisenbahn Geld be- willig». Bei der Forderung von 721)00 Mark würde es»atür- lich nicht bleiben. Die Millionen würden schon nachkommen. .tie De»ltsch-ostaf»ikanische GcfrNschast habe seinerzeit 6 Millionen zur Bersügnng gehabt zu wirlbschastlichen Unternehmungen in Ost- asitka. Von diese» Millionen sei sicher noch so viel übrig, um diese verbältnißmäßig geringe Summe zu decken. Und wenn das auch nicht der Fall sein sollte, so Halle er es doch durchaus nicht für »olhweiidig, daß die Gesellschaft wie bisher sehr hohe Dividenden zahle. Man hülle mit dem Bau der Eisenbahn nicht früher anfange» sollen, bis das»blhige Geld gesichert war. Stnßerdem habe der Herr Bcrichlerstallcr selbst zugegeben, daß die erste Sirecke überaus kostspielig ansgcsührt sei. Die ßtcntabilitül der Kaffceplantage» dort sei noch recht zivelfelhast und davon hänge doch auch die glenlabilität der Bahn ab. Bei der Geldbewilligung für deutsche Slaalsbahne» gehe man viel vorsichtiger vor. Wenn aber durchaus überseeische Bahne» gebaut werden sollten, so sei doch jetzt das modernste China uns offen; dort wäre die Vir- ivendnng des überflüssigen Geldes jedenfalls gcrechlferligler als in Afrika. Unlerstaalssekrelür Freiherr v. NichtHofe»: Die lHeglming war vor die Frage gestellt, ob der Betrieb aufrechtzuerhalten oder einzn- fullen sei und hat sich für dnS erster« entschieden. Der Bahnbau würde nicht fertiggestellt werden, wenn der Iieichslag sich dagegen aussprechen sollte. Er hoffe aber, der Reichstag werde das nicht tb»n, er hoffe auch, daß die Beivilligimg von 72 000 M. hier mich einem Bahnban in Schantnng nicht binderlich sei» werde. Abg. Graf p. Ctolberg(k): Es sind bei der Usambarabnhn Fehler gemacht ivordcn. Aber ich meine, wir können hier die 72 000 M. bewilligen, die ja»nr provisorisch gefordert werde». Im nächsten Jahre habe» wir ja ganz sreke Hand. Der Staat ist auch in Preußen für verkrachte Eiscnbnhu-Gesellschnsien eingetreten. Abg Bebel(Soz.): Was der Vorredner eben über den provi- forische» Charakter der Bewilligung gesagt hat, ist doch ganz hn- richtig. Wenn wir heule die Beniilliguug ausspreche», so wird mau im nächsten Jahre erst recht sagen können, da»»in» den Wciterban der Bah» nun nicht mehr i» Frage stellen könne. In den Worten deS Staatssekretärs war das auch ganz dent- lich ausgesprochen. Wie überhaupt die Bahn weiler- geiährl werden soll, darüber sehlcn»nS noch alle genaueren Mitlheilnngen und ich möchte den Herrn UnierstaatSsekreiär darüber »in AnSknnst bitten. Wenn der Graf Stolberg ans die SInalshilse biugewicse» hat, welche Preuße» einigen verkrachte» Bahngescll- schaslen in srüherer Zeit geliehen hat, so ist das doch mit diesem Falle hier gar nicht in Vergleich z» ziehen. Bei diesen preußischen Bahnen konnte sich doch jeder sage», daß sie sich, wenn die materielle Hilfe geleistet ist. rentire» tvürden. Ich lehne die Forderung ab, iveil ich weiß, ivie schwer i» Preußen für eine» Knllurzweck IVO 000 M. zu haben sind, und weil ich mich nicht zum Mllschnl- digen machen ivill, daß hier mit solcher Leichtigkeit solche große» Summe» verpulvert werde». NnIerstnatSsekrelär p. Richthofe»: Deflnillve Beschlüsse über die Wcilerführung der Bah» sind noch nicht gefaßt. Ich kann im Augenblick noch kein« Auskunft«rlheile». Abg. Dr. Hanimacher(»all.): Ich erblicke gerade darin die annehmbare Seite der Vorlage, daß uns lediglich ziigenntlhel ivird, zur Erhaltung der Bahn eine bestimmte Summ« ausznivende», damit sich dann das vteich schlüssig»lache» tan», ob eS die Bahn, und unter welchen Bedingung«» es sie übernehmen will. Ein« andere Frage ist vielleicht die, ob man nicht überhaupt»och mit dem Ba» in diesem Lande, das Jahrtausende in der Kultur zurück ist, hätte warte» sollen. Abg. Richter(srs. Vp.): Die oftafrikanische Gesellschaft ist durch Vertrag zur Förderung wirlhschasllicher Unternehninngen verpflichtet. Sie ist durchaus zahlungsfähig; es liegt für das llteich nicht die geringste Veraiclossnug vor, da irgend ivelche Kosten zu übernehmen. Seit zwei Jahren ist die Bah» im Betrieb, aber bis jetzt hat man über ibre Verkehrsfregnenz nichts ineitcr ge- hört, als daß einige Ojsiziere Sonnabends zur Löivenjagd fahren und Sonnlag zurückkehren.(Heiterkeit.) Wir dürfen uns hier also einstweilen zum Bau einer»nie» Bahn nicht dränge» lasse». Abg. v. Brnnigsen(natl): Die wiithschastlich« Erschließung Afrika's gewinnt erst dann für uns eine Bedeutung, wenn die Mög- lichkeit für Ansiedelmigen im Innern festgestellt ist. Da handelt es sich allerdings vor allem»m Beschafsnng des Arbeiter- Personals, und da würden Eisenbahn- Berbindungen vom Inner» nach de» Küsten empfehlenswerth sein, allerdings nur. soweit die natürlichen Verbindungswege, die Waffeislraßett. nicht ans- reichen sollle». Solche Wasserstraßen sind freilich nicht überall vor- banden. Da muß man denn Landwege bauen. Was speziell die Usambara-Bahn anlangt, so ist der Betrieb für diese auf der fertig- gestellle» Strecke nicht rentabel. Es ist daher durchaus gerechtfertigt, daß das Reich den Zuschuß giebt, damit die Bahn im stände ist, ihren Zweck zu erfüllen. Das Reich hat es dann noch i» der Hand, bei der eventuelle» Uebernahme der Bahn den Zuschuß zu ver- rechne». Abg. Bebel(Soz.): Es werden hier 72 000 M. gefordert zur Eihaltnng eines Betriebes, von dem wir nicht einmal wissen, ob er überhaupt vorhanden ist. Wenn die Anlage von Plantagen dort in giößcrem Maßstabe möglich ist, dann ist freilich eine Verbindnng nach dem Meere»olhwendig. Dann sollte man aber in erster Linie an die Veikehrsmittel denke», die von Sachverständigen selbst empfohlen sind; man sollle längs del. vorhandenen Bahnkörpers eine Landstraße anlegen und diese dann weiter ausbauen. Ick denke, es liegt im Jnlercsse des Reichstages. lieber das ganze bei seile zu schieben, als hier große Summen ins Zwecklose anszugeben. Frhr. p. Richthofrn: Das anbaufähige Land beträgt das lOOfache des bereits bebaute». Was den Verkehr auf der Bahn anlangt, so werden wöchentlich zwei, nach Bedarf noch mehr Züge abgelassen. iltt Dwiick" Abg. Graf v. Stolberg(k.): Gegen den Vorschlag des Abg. Bebel habe ich evenlnell garnichls einzuwenden. Zunächst muß das Geld bewilligt werde» zur Befestigung der vorhandenen Bahn. Dann kann man ja weiter zusehen, was im An- schluß daran zu machen ist. Wir müssen überhaupt, wen» wir einmal Kolonialpolitik treiben, die Sache ebenso treiben, wie die anderen Staalen; eines können wir wirklich von den Eng- ländcr» lernen: Hartnäckigkeit und Zähigkeit! Mag auch vieles mißglücken, wir habe» die Sache nun einmal angefangen>l»d wollen sie auch durchführen.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Lieber(Z.) spricht für Bewilligung des Provisoriums, um den Belrieb ivenigstens noch auf ei» Jahr zu erhalten. Abg. Dr. Paasche(nall.) meint, die Aussichte» des Kaffee- plantagenbaues dort seien sehr günstige, wenn für gule Transport- bedingungeu gesorgt werde. Ter Titel wird darauf bewilligt, ebenso der Rest des Etats iür Ostajrika und ferner debattelos die Etats für Kamerun und Togo. Es folgt der Etat für Südwest-Asrika. Auf eine Anfrage des Abg. Bcnoit(srs. Vg.) erwidert Landeshauptmann Major Lcnttvcin: daß das Wasser dort allerdings knapp sei, eine Wassers n o t h aber existire nicht. Mit dem Fortschreiten der Besiedelnug, werde auch der Wassermangel vei schwinden, da die einzelnen Farmer genöthigt sei» würden, Masicrslan-Anlage» zu schaffen. Der Wassermangel habe auch den Vorlheil, daß es dort kein Fieber gebe. Abg. Lieber(Z.): Die verbündete» Regierungen sind durch den Ausbruch der Rinderpest gezwungen worden, eine Eisenbahn zu erbauen. die Ewakopmlino mit dem fruchtbaren Hinterlande verbindet, ohne die Geiiehinigung des Reichstages, der nicht versammelt war, zu dieser nußeretatsmäßigeii AnSgabe zu besitzen. Sie haben in der Kommission anerkannt, daß sie ausdrücklich Jdemnilät beim Reichstage nachzusuchen halte». Hierzu ist kein besonderes Gesetz nolhwendig, sondern die einfache Bewilligung im diesjährigen Etat genügt, wen» dabei ausgesprochen wird» daß damit Indemnität erlheilt werde. Damit wird dann auch die Nolhivendigkeit der außerelaismäßigen Ausgabe anerkannt. Im ganze» wird der Bau 4—5 Millionen koste», wovon eine bereits ausgegeben ist. Ii» Zusammenhang mit dein Bahnprojekt wird dann" noch die Hafen- anlag« i» Smnkopinnnd ausgeführt werden müssen, die auch noch 900 000 M. kosten würde. Die Bndgelkonnnissio» hält aber diese Ausgaben für nolhwendig, und ich glaube, auch wir werden uns gegen sie nicht sträube» können. Abg. Richter(srs. Vp.): Der ganze Bezirk, um de» es sich hier überhaupt handelt, ist von inSgesamnit lL00 Weißen bewohnt. Trotzdem habe» wir es beieiis mit dem zweite» Bahnban dort zu ihn». Man hat sogar schon eine Million anßerotatsmäßig aus- gegeben. Man ist überhaupt geneigt, uiit großer Leichtigkeit das Geld für koloniale Zwecke auszugeben. Aber man sieht kein Acqnivalent. Trotz der vielen Millionen, die ivir bis jetzt schon ausgegeben, haben wir doch noch nicht einmal eine Verinindernng des fortwährenden Ziischnffcs erreicht; von wukliche» Erfolge» ist gar nicht zu sprechen. Das ganze Land ist eben nichts witly. Es sindeu sich immer wieder Vorwände, um imS neue Bewilligungen zu entlocken. Diesmal hat man die lliinderpest genommen. Da soll mm eine Eisenbahn helfen. Aber bisher bat man einfach an stelle der ausgefallenen Rinder Maulesel kommen lassen, und schließlich wird die neue Eisenbahn ja auch hier mit Mauleseln betrieben. Mn» will sich aber nicht ans eine einfache Feldbahn beschränken, sondern verlangt einen kostspieligen lintcrban. Das ist ganz zweckioZ. Ans der biSber hergestellte» Strecke von 80 Ktloineier» möge man erst Erfahrungen sammeln, che mn» sich ncilrr engngirt. Uiilerstnalssekretär Frhr. v. Richthofr»: Wen» ich gewußt hätte, daß Geh. Rath Koch«ine solch epgchemnclicnde Entdeckung gegen die Rinderpest machen würde, hätie ich vielleicht anders die- ponirt. Da? war aber nicht vorauszusehen. So mußte Man, um der Rinderpest Einhalt zu lhnn, schnell handeln und nnf die Ar- beilcr der Privaigesellschaft konnten wir nicht warle». Deshalb hal da? Reich eingegriffen. Abg. Graf v. Stolbcrg(k) drückt feine Befriedigung darüber ans, daß die Regierung den Bahnban übernommen hat. Das Land sei keineswegs werihlo». Die Znknnst werde entscheide», wer da recht hat.j Kominiffar Major Lcntwrln: Tie Lebensfähigkeit des Schutz- Gebietes halte ich nach Meiner persönlichen Anschauung für eriviesen, sie hängt aber wesentlich von den Bahne» ab, die auch ohne Rinder- pest»olhivendig slnd. Aus eine Anfrage des Abg. Bcnoit(srs. Vg.) erwidert llnlcrstaatssekretär Frhr. p. Richthoscn, daß«in vollständiges Projekt für die Bahnlinie noch nicht vorliege» aber von einem Korn- innndo der Eisenbahn-Brigade ansgearbeilet werde. Abg. Dr. Hammachrr(»all): Wenngleich die Bah» einstiveilen animalisch betrieben werden wird, so muß sie doch gleich für eine» eventuellen späteren Dampsbetrieb einaertchlet werden, da man eine» starken Verkehr erwarte» kann. Ich Halle Slidwest-Afrika siir eine» sehr werlhvollcn Besitz; vielleicht kann uns Major Lenlivein äber die Lebensfähigkeit dieses Gebietes etwas Näheres angeben. Kommissar Major Lcntwci»: Die Kolonie dort ist ja nicht gerade die beste, aber tniinerhin annehmbar; sie ivird sich auch bald selbst erhalten können. Gold haben wir noch nicht gefunden, aber es wird gesucht.(Heiterkeil.) Einem heranwachsende» Kinde»mß Zeit zur Entwickeuiiig Lelaffeu werden.(Bravo 1 rechts und im Zentrum.) 'Abg. Richter(srs. Vp.): Der Ausspruch deS Grafen Caprivi „Je weniger Afrika, desto besser für uns", hat sich bis jetzt noch immer bestätigt. Major Leulwei» hat über die Kolonie mit lauter „Wenn" gesprochen. Vorläufig haben cliva 300 Deutsche dort ihr Unterkomine» gesunden, und nur Dank der MO Rtann Schutzlrnpp«. In der Nähe einer Kaserne blüht ja auch daS wirihschasltiche Lebe» nnf.(Heiterkeit links.) Die Frage ist»nr, könnien die 5 Millionen in Dentschland selbst nicht viel größeren Segen stislen?(Sehr richtig! links.) Ich bitle also, die weiteren Raten abzulehnen. Abg. ti. Kardorff(Rp.) tritt für die Beivilligimg ein. Die Schuld daran, daß daS deutsche Kapital sich doch nicht genügend betheiligt, lrägt allein der Abg. Stichler mit seine» abschreckende» Reden. Fünf Millionen find Ivirklich keine so enorme Summe, wen» es sich um das Schicksal einer ganzen Kolonie handelt. Abg. Dr. Hainuiachcr(uatlib.): Seit Major Leulwein für Ruhe und Frieden in Südivestafrika gesorgt hat, hat sich dort altes günstig entwickelt. Im Berivallungsralh der Sonth-West- africa» Company sitze» jetzt einige Deutsche; diese werden wohl ihren Einfluß bei der Ablösung des Vertrages in einem für das Deutsche Reiche günstigen Sinne bethätigeu. Die Forderung wird gegen die Sozialisten und Freisinnige» bewilligt, ebenso der Rest des Kolonialetats und die auf die Koloninl-Verwallung bezügliche» Positionen des Auswärtigen Amts, Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Montag I Uhr (Gesetz, betr. Abänderunz der Konkursordnung; Etat der Zölle und Verbrauchssteuer»), Schluß 5»/« Uhr. ztavtanrenkslrifiches. Der Staatssekretär des ReichS-SchatzamteS, Freiherr v. T h i e l»> a n u, hat der Bndgellominission des Reichstages eine nach den Schätzungen der eiiizelnen Verwaltnngen unter Zngrnnde- leguiig der D e z e m b e r- A b s ch l ü s s e ausgestellte Berechnung des in u t h»i a ß l i ch e n Ergebnisses des R e i ch s- H a u s- Halts für das Etatsjahr 1897/98 zugestellt. Danach er- giebt sich bei den Ueberweisnngssteuern dmchweg ein Mehr gegen den Anschlag des Etats. Nur bei den Stempelabgaden Soiiiillig, 13. Ftlminr 1898. für Werlhpapiere ergiebt sich(infolge deS neuen Vörsengesetzes) ein Weniger von rund vier Millionen. Die Summe der lieber- wcifuiigssteucrn betrüge 473 852 000 M., die Matrikukarbeiträge betrage» 419 952 747 M. Die U'eberweisungsbeiträge über- steigen mithin die Matriknlarbeiträgr um 53 899 253 M. Hiervon werden»ach dem Gesetz vom 24. März 1897 wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahinen zur Schuldeulilgimz(lex Lieber) drei Vieriheile zurückbehalten mit rund 40 500 000 M., so daß von dem Gesammimehr an Ueberweisungssteuern von rund 70 Millionen zur Ueverweisung an die Eiiizelstaaten über den Etat hinaus verbleiben 29 500 000 M. Zum Reichs Elsc»bah»-Etat. Im Reichslage hat der Abg. Pachnicke nachstehende» Antrag eingebracht:„Der Sieichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken: a) einer Häufung von Unfällen, wie sie in letzter Zeit ans deutschen Eisenbahnen vorgekommen ist, ivirksam zu begegnen, b) die Leistungsfähigkeit der Bahnen, dem steigenden Verkehr enlsprcchend, zu erhöhen." Der dem Abgeordneteuhalise zugegangene Gesetzentwurf wegen Erhöhung des Grundkapitals der preußischen Zentral-Ge nossenschaftskasse ist eins der kleine» Mittel, mit denen Herr Miquel den Agrariern beispringt. Die Kasse wurde 1895 mit einem Gruudkavilal von 5 Millionen begründet; dasselbe wurde schon ei» Jahr später, obwohl damals»och keine Erfahrungen darüber vorlagen, ob die Kasse sich beivährle, auf 20 Millionen er- höht, und jetzt wird eine weitere Erhöhung auf 50 Millionen ge» fordert, die vom Landtage natürlich anstandslos bewilligt werden ivird. Bon den neu verlangten 30 Millionen sollen 20 sofort überwiese» werden, während für den Restbetrag von 10 Milltouen der Fiiinnzinimster de» Zeitpunkt der Ueberweisung bestimmt. Der Zweck dieser Kasse besteht bekanntlich darin, zinsbare Darlehen an die Ver«i»ig»»gei> und Verbandskassen von Genossenschaften, sowie an die Landschaste» und riUerschaftliche» Darlehnsknsscn und an die von den Provinzen errichteten gleichartigen Institute zu gewähren. Als Ursache für die Erhöhung des Grundkapitals wird in erster Linie die Zunahme der GeschäftSlhätigkeit der Anstalt infolge der sorlgcsetztcn Ausbreitung des GenossenschaftSivesens angegeben. Es habe» sich seit Bestehe» der Kasse ea. 1500 meist ländliche oder Handiverker-Genvssenschasle» gebildet, die sich fast ausschließlich Verbandslassen angeschlossen haben, die mit der Zentral- Geiiosseuschaslskasje i» Verbindnng stehen. Weiter wird die neue Forderung begründet durch die EntwickelliNg deS Waarenlombards, der,>ve»» auch zur Zeit noch nicht von Bedeutung, doch schon in sehr naher Zukunft größere» Umfang erreichen und beträchiliche Auforderuugen stellen werde. Insbesondere gelte dies von den Kornhäuser». Dieser neue Ziveig des Genossenschaftsivesens iverde bedeutende Ansprüche au den Kredit der Zentral- Genossen- schaftskasse stellen, die nnf mehrere Millionen Mark veranschlagt werden mußten. Es ist leicht möglich, daß früher oder später noch eine weitet'« Erhöhung de- Grundkapitals verlangt werden wird; eine» Hinweis darauf bedeutet die Bemerkung in de» Motiven: „Ob die Erhöhung des Grundkapitals auf 50 Millionen Mark sich dauernd als auZreicheiid erweisen wird, muß freilich abgewartet rverden."__ Mommunerles. Eine Sitzung der Stadtbcrordnctell-Vclsammlitiig findet in der nächsten Woche nicht statt. Tie städtische Tiefbau- Deputation hat beschlossen, die Schickler st raße über das Proviantnint nach der Neue» Friedrich- straß» dnrchz»legen, sosern der Fiskus sich mit einem Zuschuß seitens der Slndlgeineinde im Betrage von 400 000 M. einverstanden erklärt.— Tie Reguli rung der Frankfurter Allee ivill die städlische Bandepntalio» durch die städtische» Organe in kurzer Zeit dnrchsühren, sofern die Gemeinde Lichienberg einen Bei- trag von 50 000 M. zusteuern möchte. Die beantragte Durchführung der Regulirung durch Unternehmer ist abgelehnt worden.— Den Antrag eines Unternehmers, die Innenwände der Bedürfnißanstalien zu Reklamejwecken bnmtze» zu dürfen, hat die Depulaiio» abgelehnt. Wie im ViktoHapark. so sollen auch im Humboldhatn Schutzdächer errichtet iverde», unter welchen das Publikum bei ungünstiger Witiernug Platz nehmen kann. Die Erftischnngshallc im Treptower Park in der Nähe des Sees ist van der Depniation ans drei Jahre a» Herrn Weihranch für de» jährliche» Pnchtpreis von 1000 M. verpachtet worden. Die Vorsigmiihle soll»ach einem Beschluß der Bandepntatlon nicht wieder airsgcbant werden. Glelchzeilig wurde beschloffen, über das Terrain die Uferstraße zu führen, Vte zwischen der Strom- straße und der Lelstngbrücke verlausen soll. Nchtmig, Vierter Wahlkreis, Osten k In der Rede, die unser Liebknecht kurz vor Antritt seiner Gefängnisstrafe bei uns gehalie» hat, wies er darauf hin. daß es nicht geiuigend sei, wen» »um formell seiner Organisation beitrete; ans dem Beitritt erwachse vielmehr die Pflicht für jeden, nunmehr auch mit voller Kraft zu agitiieu und neue Anhänger sür die Partei z» werbe». An diese. Worte erinnern wir die Äeuosscn. indem wir sie bitten, Mann für. Mann in der nächste», am Dienstag staltfindende» Ber- sammln ng zu erscheinen. Ferner geben wir Im folgenden die Zahlstellen des Vereins bekannt, in denen auch neue Mitglieder aus- genommen werden: O. Franke, Friedrichsbergerstraße 11; O. Zabel, Franksiirler- Allee 90; Vogel, Elbingerstr. 9; S ch r l I i n g e r, Tilsiterslr. 40; E. B ö h l, Franlfurler-Alle« 74; t. Bau mg ar ten, ÄönigSbergerstr. 7; Lock, Grüner Weg 40;/ . Wille. Andreaöstr. 26; N e u in an», Kl. Andreasstr. 15; Lange, Friedrichsselderstr. 37; A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8; Strauß, Stralaucr Chaussee 17b; Haselosf, Landsberger- straße 8; Mühle, Koppeustr. 41; Gor», Markusslr. 23; Spät, Weinslr. 23; K ö p in k, Schillingstr. 30a; H o f f m a n n, Blumen» straße 14; S ch e e r e. Blnmenstr. 88 und I a u e r. Fruchlstr. 52. Arbeiter- BildnugSschule. Heule, abends 7 Uhr. in Feuer- stelu's Festsälen, Vortrag des Schriftstellers Wilhelm Bölsche anS Friedrichshagen über: Di« Zukunft der Erde. Ww laden die Parieigenosstinien und Genossen zu diesem Vortrage höflichst«in und erwarten zahlreichen Besuch. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß am Sonnlag, den 17. April, abends 6 Uhr, in Keller's großem Saal, Koppeustr. 29, Herr Dr. Wilhelm Meyer(früher Direktor der„Urania")«inen Vortrag über: Die Reise»ach Spitzbergen, unter Vorführung zahlreicher Licht- bilder balten wird. Billeis ä 20 Pf. sind in der Schule, Insel» straße 10 II, in den Zahlstellen der Schule, sowie in de» Sonntags- Versammlungen zu habe». Der Vorstand. De« Mitgliedern deS WahlvereiuS fiir den 4. ReichStagS- WahlkreiS tTiidosten) zur Nachricht, daß am Dienstag, den 15. d. Mls., abends 3>/« Uhr, in der„Urania", Wrangelslr. II, die Mitglieder- Versaminlimg stallfindet. Der Wichtigkeil der Tages- ordnnng ivegen ist es Pflicht, daß jeder erscheint. Gäste habe» Zutritt. Siehe Inserat._ In der Berliner städtischen Desinfektionsanstalt soll, wie niitgelhettt wird, die bisherige Desinfeklionsmelhode durch Ein" sührung des Fornraldehyddesinfektors ersetzt»verde». Nachdem die Nachbarstadl Charlottenburg vorangegangen ist und auf Antrag des Professors Grawitz, des Direktors des städtischen Kranken- Hauses, die Formalindesinsektion eingeführt hat, beabsichtigt eine Reihe anderer Städte dem Beispiel CharloltenburgS zu folge». Die bisherige Methode der Ziniiiierdesinfektion niit den, ninstän blichen und kostspieligen Abreibe» der Wä»de«>it Brot»nd den» ZIbivaschen der Möbel ttiilKarl'ollösnngen,»vobci dieMöbel oft durch dieÄbwaschungen rninirt wurden und»och dazu ei» sicherer Erfolg nie garanlirt «verde» konnte, war seit langem der Schrecken aller Betroffenen. Demgegenüber bietet die Desinfektion mit dem gassörmigen Formalin nach vielfache» gcwissenbastc» Untersuchungen eine weit grössere Sicherheit, indem es die Erreger von Tuberkulose, Dyphtherie, Scharlach und Masern, ja selbst die äußerst rvidcrstandsfähigen Milzbrandsporen sicher tödtct; dabei laffe» die Formalindmnpfe selbst cinpfinbliche Gegenstände wie seidene Vorhänge u. a. gänzlich unbeschädigt, anch ist die neue Methode iveitaus billiger und ein- facher. Die Fonnalindämpse sind ungiftig, ihr Geruch verliert sich viel rascher als der des Karbol. Die Grvffe Berliner Pferdebahngesellschaft»nd die Arbeiter. Aus dem in der Marknsstraße belegenen Bahnhof XVIII der Gesellschaft sprachen gestern zwei Arbeitslose vor, um anzii- fragen, ob sie vielleicht als Streckenarbeiter Beschästignng finden könnten. Man hieß die Leute auf Bescheid ivarte». Nachdeu, die Arbeiter sich drei Stunden auf dem Hofe aufgehalten hatten, brachte der Bahnmeister Asterberg ihnen die Nachricht, daß es ihm leid thäte, sie abivciseii zu müssen. Zwar wäre Arbeit vorhanden, doch nicht für sie, und zwar weil der eine von ihnen bereits 33 und der andere gar 40 Jahre alt sei. Es wäre nämlich von feiten der Direktion der strenge Befehl ergangen, keinen Arbeiter einzustellen, der das Alter von dreißig Jahren überschritten hätte. Diese Mitthcilung mag nnglanblich klinge», aber man muß in betrachl ziehen, daß bei der Großen Berliner schon mancherlei möglich ist. Wir bemerken noch ausdrücklich, daß es sich in diesen» Falle nicht etwa um eine dauernde Anstellung, sonder» nur um vorübergehende Bejchäftigung handelte. Der t8. März i» de» Berliner Schulett. In der„Volks- Zeitnng" lesen wir:„Der(sorlschriltliche) Berliner Arbeiter« Berein hatte beim Magistrat beantragt, er möge veranlassen, daß in den Berliner Schulen am 13. März eine Darstellung der hohen Bedeutung dieses TageS für die Umwandlung Preußens in einen konstitutionellen Staat gegeben werde. Der Magistrat hat, wie wir kören, erstaunlicherweise darauf errvidert, das Gesuch sei durch den Beschluß des Magistrats in der— Denkmalsangelegenheit erledigt. Was in aller Welt, so meint das zitirte Blatt, hat mit dem Antrage des Arbeitervereins die Deukmalssrage zu thnn? Der Magistrat hat der Berliner Bevölkerung mit dieser Antwort ein Rälhsel ausgegeben, zu dessen Lösung ihn, hoffentlich von der Sladtverordneteu-Versamin- lung der Mund geöffnet wird." Gcgc» dcu Entwurf über staatliche Ehrengerichte fiirRerzte erklärten sich auch nach de» vom Medizinalminisler zugebilligten Abänderungen zwei weitere Berliner Aerztcvereine, der Verein der s>riedrichstadt und der Standesverein des Ostens. Der Verein des Ostens beschloß der„Verl. Aerzte-Korr." zufolge:„Der Verein lehnt jede staatliche Ehrengerichlsbarkeit für Aerzte im Interesse der Frei- beit des Standes und des Friedens unter den Berufsgenossen ab." Ablehnend verhält sich auch der Charlottenburger Acrzteverein. Er erklärt:„Der Verein lehnt de» Ehreugerichtscnlwurs in der vorliegenden Fassung ab." Dio Entlassung der Resorvistcu botroffcnd, wird im„Reichs- Anzeiger" bekannt gegeben: Der späteste Enllassnugstag ist der 30. September 1898. Bei denjenigen Truppentheilen, welche an den Herbstübungen theilnehmen, hat die Entlassung der zur Reserve zn beurlaubenden Mannschaften i» der llicgel am ziveilc», aus- nahmsweis« am ersten oder dritten Tage nach Beendigung derselben Kczw. nach dein Eintreffen in de» Standorten stattzufinden, tlib- weichungen hiervon können das Kriegsministcrii»» und in brzng auf einzelne Mannschaste» die General-Kommandos verfügen. Die am 3. Mai 1898 zum letzte» Male zn halbjähriger aktiver Dienstzeit zur Einstellung gelangenden Trainsoldate» sind am 31. Oktober 1693, die Traingemeinen sowie die Oekouomie Handwerker am 30. September 1398 zu entlasse». In der Angolcgcnhcit des verhasteten Arbeiters Kühn, der beschuldigt ist, die Frau Karlte in Breslau ermordet zu haben, berichtet man jetzt: In einem Koffer des K, ivelchcr von der hiesigen Polizei beschlagnahmt und nach Breslau gesandt worden ist, fand man im Beinkleid eingenäht den Trau- ring der ermordete» Frau Kartte. Der Verhaftete behauptete, als ihm der Ring gezeigt wurde, daß er denselben von einem Un- bekannten für ö M. gekauft habe. Ilm ihn vor Diebstahl zn sicher», habe er ihn dann in das erwähnte Kleidungsstück eingenäht. Diese Ausrede findet natürlich keinen Glanben. Kühn ist früher in Berlin ansässig gewesen. Vor zirka zwei Jahre» verzog er von hier und arbeitete seitdem in vcrsch, ebenen Städten des Deutschen Reiches, zuletzt in Breslau, woselbst er bis zum Tage nach dem Morde an der Kartte verblieb. Dan» verließ er heimlich die schlestsche Hauptstadt, ohne über sein Ziel Angabe» zu machen und begab sich»ach Berlin, wo er sieh unangemeldet ans- kielt. Die Breslauer Kriminalpolizei, welcher das Verschivinde» des Kühn gemeldet ivnrde, entdeckte de» Aufenthaltsort des Vermißten durch einen Brief, welche» K. an seine ehemalige» Wirthslcnte schrieb, »nd veranlaßte dann seine Festnahme Hierselbst. Kühn ist wegen Eigen lhumsvergehe» schon mehrfach vorhestrast. Bei seinen Be- kannten galt er wohl als leichtsinnig, jedoch keineswegs für roh und es wird ihm von diesen die Ansführnng eines so schweren Ver- breche»?, des Mordes, nicht zngelrant. Uebrigens dürfte er die That wohl kaum allein begange» habe». Zur Sittcngoschichte. Im gestrigen Disknssionsabend des Vereins„Jugcndschntz" rheilte die Volksschnllehrerin Frl. Micßncr mit, daß in einer Schule im Süden Verlins ei» Kind von 13 Jahren unter Kontrolle sei. Eine andere Lehrerin erzählte, daß in ihrer srlasse an einer Volksschule im Nordwesten Berlins ein 12 jähriges Kind unter sillcnpolizeilicher Aussicht stehe.— Diese Thalsache» widersprechen der Antwort des Herrn Polizeipräsidenten auf die be- kannte Eingabe des Berliner Hansfrauen-Vereins. Eine Boschwerdo gcgo» de» Nnivrtsitätörichtcr Geh. Re- gierungsralh Dr. Daude hat, hiesigen Blätter zufolge, das Direktorium der akademische» Lesehalle mit Einstimmigkeit beschlossen. Es handelt sich um einen Vorgang bei der Entfernung der beiden sozialistischen Blätter. Der Universitätsrichter nahm die„Vollstreckung" persönlich vor und machte hierbei die Beamten der Lesehalle für das weitere Auslegen der Hefte verantwortlich. Das Direktorium erachtet dieses Vorgehen für einen Eingriff in seine Rechte, da die Inspektoren nicht Beamte der Universität, sondern der akademischen Lesehalle sind. Die Beschwerde soll an den Rektor gerichtet werden.— Bei dieser Gelegenheil sei noch nnlgclheilt, daß nach einer Auskunft, die der Rektor der Universität dieser Tage dem Vorsitzenden des Direktoriums gegeben hat, das vom Minister angeordnete Disziplinar- verfahren gegen die studentischen Leiter der Lesehalle noch nicht bis zum Ende gediehen ist. Das vielbesprochene Denkmal für Simon Blad, welches die Stadt Berlin dem verstorbenen Rentier gewissermaßen als Ent- gelt für die bekannte MillionenstiftNng zu errichten hat, wird dem- uächst auf dem Gemeinde-Friedhof in Friedrichsfelde a»fgeftellt werden. Der Magistrat hat einen von Herrn Sladtbanrath Hoff« wann vorgelegten Entwurf genehmigt, der ein einfaches und würdiges Grabdenkmal in romanischem Stil vorsieht. Der Erblasser soll, in einer Nische sitzend, in ganzer Figur, usie es das Testament vor- schreibt, dargestellt werden. Ob seiner Liebesaffären stzmbolisch gedacht werden soll, wird nicht berichtet. Der hiesige Biehkommissionnr Franz Seil» welcher in voriger Woche wegen Beihilfe zum betrügerische» Bankrott verhaftet lind nach Stargard oerbracht wurde, ist— wie der„Allgemeinen Fleischer-Ztg." lelcgraphisch gemeldet wird— gegen eine Kaution von 15 000 M. auf freien Fuß gesetzt worden. In der Lchrcrbesoldnngsfrage will die„VolkS-Zeitung" er« fahren haben, daß eine Entscheidung der Nnsflchtsbehörde noch nicht gefallen ist.- DaS Polizeipräsidium theilt mit: Die Leiche eines iien- geborene» Kindes männlichen Geschlechts wurde am Abend des 7. d. M. in einen» Hausflur der Schönhauser Allee anfgesnnden. Um den Hals der Leiche war eine schwarze Schnur gelchlmigen, durch deren Zuziehen das Kind ohne Zweifel erwürgt worden ist. Die Leiche war in ein»ngezeichnetes weißes Frauenhemd, eine blau und iveiß gestreifte und eine weiße Schürze, ebenfalls ohne Zeichen, eingehüllt.— Bei einem in Haft genommenen Schankastendreb sind zwei vernickelie, große runde Weckeruhren mit grauein Zifferblatt und silbernem Zahlenkreis, die Wcckerglocke befindet sich oberhalb des Gehäuses, und ein schwarz emaillirtes Opernglas, in dem eines der kleinen Gläser fehlt, vorgefunden rvorden.— In der Nacht vom 3. zm» 9. oder vom 9. zum 10. d. M. hat in der Nähe der Garten- straße, i» der Elsafferstraße, zwischen mehreren Personen eine Schlägerei stattgefunden, wobei einem bisher nicht ermittelten Herrn eine goldene Uhr nebst goldener Kette gestohlen sein soll. Einer der mulhmaßlichen Thäter ist festgenommen worden. Der Bestohlene wird ersucht, sich bei der Kriminalpolizei zu melde». Zn der Explosiv» in der Bcrgstrafie 67 wird noch berichtet: Im ersten Stock des rechten Seitenflügels besindet sich eine kleine Wohnung und Werkstatt, in der das Fräulein Ida Schloffer mit dem Maler Hans Kunert Zuckerwaaren für Konditoreien herstellt. Um 1�/4 Uhr nachmittags erdielt Kunert de» Besuch des Hausdieners Wilhelm, der aus seinem Geschäft in der Landsbergerstraße eine mit Aether gefüllte Flasche initführte. Wegen dieser Flasche erhob Kunert Borivürfe gegen Wilhelm, der nun den Jnbalt in einen nicht geheizten Ofen gießen wollte. In diesem Augenblick hatte sich Kunert eine Zigarre angezündet und das»och brennende Streichholz leicht- sinnigerweise anch in den Ofen geworfen. Hierdurch entstand die Explosion, die das Mobiliar und die Zuckerwaaren in Brand setzte und vernichtete. Fräulein Schlosser, die am Fenster stand, sprang ans den Hof hinaus und hat außer Brandwilnden am linken Arm Verletzungen am linken Schenkel und ani Rückgrat durch den Sprung erlitten. Kunert, der sie von dem Sprung ans dem Fenster zurück- hallen wollte, wurde am schiverste» an Kopf, Händen und Beinen oerletzt. Wilhelm hat nur im Gesicht Wunde» vom Feuer erlilten. Eine 93 jährige Greifi». die frühere Krankenpflegerin Heu- riette Kummer. Andreasstr. 33, ist am Freitag Vormittag infolge ihrer Gebrechlichkeit überfahren worden. Sie erhielt Ver» letzmige» an den Beinen und wurde vom Hausoerwalter nach einem Kraiikenhaufe gebracht. Große„Fottlobe" veranstaltete» Diebe, welche dem Ans- schank der Bötzow'schen Brauerei an der Prenzlauer Allee einen Besuch abstatteten. Die Verbrecher drangen vom Garten ans in die ilicstanrationsrämne, wo sie für den folgenden Tag bereitstehenden Kalbs-»nd Schweinebraten sich aneigneten und sofort an Ort»nd Stelle verzehrten. Zum Zivcckc der Löschung ihres Durstes stachen die Gauner ein Achtel Bockbier an, welches von ihnen fast völlig geleert wurde. Dann beschränkten sie sich darauf, ihre schlechten Kleidungsstücke mit einigen in» Geschüftsraum befindliche» guten Anzüge» zn vertansche» und verließe» das Lokal wieder wie sie ge- kommen, ohne sonst etwas mitzunehmen. Nach dem Appetit und Durst zu urtheilen, den die Diebe entwickelt haben, müssen»rinde- stens 5—0 Personen bei dem Einbruch belheiligt gewesen sein. Durch ciuc» Radfahrer wurde der 12 Jahre alle Sohn des Eisenbahn- BetriebsfekretärS Großrnan» ans der Stephanstr. 14 getödlet. Vor dem Hause lllathenowerstr. 83 faßte ihn der Kauf- mann Oswald Maß mit seinem Rade und brachte ihm eine Vir- lctznug über dem linke» Auge bei. Anscheinend daran ist der Knabe gestern in der elterliche» Wohnung gestorben. Die Leiche wurde zur genauen Feflstellnng der Todesursache im Hinblick ans ein vielleicht einzuleitendes Slrasversahren von der Staatsanwaltschast beschlagnahmt. BcrschU>»»don ist die 19 Jahre alte unverehelichte Johanna Schiuning, die seit dem Oktober v. I. bei dem Schlächtermeister Hofsmann i» der Mnricnstraße 24 in Stellung war. Am Sonntag Nachmittag um 6 Uhr entfernte sie sich unter dem Vorgebe», eine» Tanzboden besuchen zn wolle», ist aber nicht wieder zurückgekehrt. Sie stammt aus Ltrnsioalde, ist ziemlich grob»nd dunkelblond und trug einen schwarzen Hut, ei» schwarzes Kleid und einen grauen Krage». Zn ihrer Ermittelung ist die Hilfe der Polizei in Anspruch genominen worden. Ei» Aschaittidorf, sonne ein Javanerdorf mit 150 Ein- geborenen sotten während der Monate März und April im F e e n- palast ausgestellt werden., Fenrrbcvicht. Freitag abends 7 Uhr wurde die Berliner Feuer- wehr nach Charlottenburg gerufen, wo Salz-Ufer 18 ein Maschinenhaus eingeäschert wurde. Da jedoch die Charlotlteii- lnirger Wehr in genügender Stärke zur Stelle war, trat die Berliner nicht in Thätigkeit. Kurz nach 10 Uhr gingen I a g o w- straße 11 Arheitshänke und Kleidungsstücke in Flamme» auf. Sonnabend früh 5 Uhr erfolgte H o ch st r. 4 ein Brand im Wasch- keller, der aber nur unbedeutende» Schaden verursachte. Zu gleicher Zeit wurde K ö» i g s b e r g e r st r. 19«in größerer Posten Papier durch Feuer vernichtct. Endlich ivar abends 6 Uhr Greifs- wa Id e rstra ß e 2 noch ein Echaufensterbrand abzulöschen. Dem Berliner Aquarium sind durch Vennittelung des Deutschen Fischereivereins vom Rhein her 1000 Eier des bettihmtcn Rheinlachses zu- gegangen, die hier den Entwickclungsprvzeß durchmachen sollen. Um auch den Besiichern des Aquariums Gelegenheit zu geben, dieser: Vorgang ver- folgen zn können und nach so und so viel Wochen den Eihuklcn die Keim- linge entschlüpfen zu sehen, hat die Direktion die erbsengroßeir, Orangerothen Eier in einen entsprechenden, von frischem Wasser beständig durchströmten Brutapparat gebracht und diesen in das oberste der in der großen Treppcn- grvtte eingerichteten Süßwasser-Behälter gestellt, wo man sie van obenher leicht besichtigen kann. DaL wanne Wandbcclcn hinter der Schildlröten- grotte, in welches schon einige Bewohner Südamerila's und Südasiens gesetzt wurden, hat jetzt auch mehrere Exemplare einer indischen Art Fische anfgenommen, während Verwandte von ihr schon hier vorhanden waren. Es sind getüpfelte Schlangenkopsfische, die ihre Namen mit Recht sichre», denn der von oben nach unten stark niedergedrückte, mit großen schildartigen Schuppen bekleidete, im Maul weitgcspaltene Kopf ähnelt ausfallend einem Schlangeiikopf und außerdem crinnem diese Fische durch gewisse Eigen- thümlichkeiten des Kürperbaues und der Bewegung stark an Schlangen. Ueberwicsen wurden sie dem Aquarium durch den Fischziichter Paul Matte in Lanktvitz. In der Urania in der Taubenstraße wird die ganze Wache hindurch das ivissenschaftliche Ausstattungsstück„Der dunkle Erdthcil" gegeben.— Rcpertoir der Urania Jnvalidenstraße: Sonntag: Dr. Schwahn,„Die Wunder des Uellowstone-Parls". Dienstag: Dr. Naß,„Der Kampf inn das Nordlicht". Mittwoch: Dr. Bayard,„China, Rcisebilder ans dem Reich der Mitte.". Donnerstag: Dr. Spieß,„Ueber Elektrouragnetismus". Freitag: G. Witt,„Bilder ans dem Himmelsraum". Sonnabend: Dr. Naß,„Die Porzellanfabrikation". Kultur-Schaubühne im Saale der königlichen Hochschule für Musik, Potsdamerstr. 120. Heute, Sonntag, Abend wird der Kunsllchriststcller Fritz Stahl den angekündigten Projcltionsvortrag halten:„Zu den Ateliers unserer Künstler"(bei Menzel, Lcnbach, Liebcrmann, Klinger u. f.>o.). Zahlreiche künstlerisch ausgeführte Lichtbilder erläutern dcu Vortrags der durch die persönlichen Beziehungen des Herrn Stahl besonders anziehend sein dürste. Zirkus Busch. Am heutigen Sonntag finden wiederum zwei Vor- stellungen statt, bei welchen auch dem cquestrischen Theile eine besondere Sorgsalt gewidmet werden wird. SlttS de» Nachbarorte». Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß am Dienstag Abend 8>/2 Uhr im große» Saal der Bereinsbranerei, Hermann- straße 214/216 eine vorn sozialdemokratischen Verein„Vorivärts" veranstaltete Versammlung mit folgender Tagesordnung stattfindet: I. Vortrag„Bildung macht frei»nd welche» Werth haben die ge- setzlichen Strafbestiminnngen". Referent Genosse 3i e tz e r a». 2. Diskussion. 3. Abrechnung von der Matinee. 4. Fragekasten und Vereinsangelegenheiten. Gäste habe» Zutritt. Die Zahlstellen des Vereins sind: K o p k e, Restaurant, Karlsgartenstraße Nr. 1; R e tz e r a u, Zigarrengeschäst, Hermannstr. 50; Klein, Restaurairt, Kaiser Friedrrchstr. 230; Thomas, Restaurant, Bergstr. 162; Herrmann,' Zigarrengeschäft, Kirchhosstr. 1; Sy. Restaurant, Jägersir. 09. Die Bibliothek befindet sich bei WorbS. Ziethen» straße 76 pari. l. Ausgabe zu jeder Tageszeit. Wcißenscc. Die Parteigenoffen werden auf die am 14. Februar, abends 3 Uhr, im Lokale des Herrn I ä n i k e(Paradiesgarte»), in Neu-Hoheiischönhausen-Wilhelnisberg stallfindende Bolksverscunmlnng aufmerksam gemacht, in welcher Genosse G. Wagner einen Vor- trag über:„Flottenvorlage und Kolonialpolitik" halten wird. Es wird gebeten, zahlreich zu erscheinen. Treffpunkt am 14. Februar, abends 8 Uhr, beim Pseisen-Müller, König-Chanssee 33. Der Aertranensmann. Pankow. Den Genossen zur Kenntniß, daß die Gemeinde« rath s-Wahlen bereits am 2. März stattfinden. Da die Bezirke," in welchen geivählt wird, erst acht Tage vor der Wahl veröffeiiilicht werden, so ersuchen wir die Genossen, schon jetzt rege für die Wahl zu agitiren, um unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Da der letzte Vertreter der Arbeiter aus der Gemeindevertretung ausscheidet, ist es doppelt unsere Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß die Sozial- demokraiie an unserem Orte auch serner im Verwallungskörper ver- treten ist. Der Vertraueiisniaii». In Wilmersdorf findet ain Mittwoch, de» 16. Febr., abends 3 Uhr, eine Mitgliederversammlung des Arbeiter- Bildungsvereins statt, in welcher der Genosse G. W a g n e r- Berlin eiiieii Vortrag über„Kolonialpolitik und Posadowsky'sches Koalitionsrecht" halten wird. Die Genosse», die der politischen Organisation noch fern- stehen, werden ansgefordert, sich derselben anzuschließen. In den nächste» Wahlkämpfe» müssen wir mit aller Kraft dahin streben. daß wieder Arbeiter ans unsere» Reihen in die Gemeindevertretuiig einziehe». Die Aufnahme neuer Mitglieder findet i» den Versammlungen stall, welche jeden Millivoch nach dem 1. und 15. des Monats im„Volksgarten"(Klingenberg), Berlinerstraße 40, tagen. Gäste sind rvillkommen. Zahlreichem Besuche sieht entgegen Der Vorstand. Tc» Parteigenossen von Steglitz und Friedenau zur Nach- richt, daß die Versaminlung des Arbciter-Bildiiiigsverenis ausfällt und zwar ivegen der öffentliche» Vollsversnminlung, die am Montag, abends 8 Uhr, in Steglitz bei Tieke, Albrechtstr. 125, stattfindet. Hier spricht Reichstags-Abgeordneter Fr. Zubeil über Kiaotschan, Floltenvermehriing und die Entrechtung der dentschcil Arbeiter. Auch werden die Kandidaten zur Gemeiiidevertreterwahl in Steglitz aufgestellt. An die Parteigenosse» ergeht die Bitte, recht pünktlich und zahlreich zu erscheine», weil die Verfannnlnng wegen der im Kampfe gegen die Sozialdemokratie benutzten Polizeistunde um 10 Uhr z» Ende sein muß. Tic lebonSgcsährliche Mouninontcnstraße, welche Schöneberg inil der Nordseite des Tempelhofer Feldes verbindet, soll nun endlich rcgnlirt werden. Ein HcldcngreiS-Dcnkmal aus eigenartigem Anlaß will das zu Perleberg erschenicnde„Kreisblatl für die Wcstprignitz" errichtet sehen. Das Blättche» eifert:„Bald sind 50 Jahre verflossen, seit der damalige Prinz von Preuße», unser späterer Heldenkaiser, der Begründer des einigen Deutschen Reiches, dem Befehle seines könig- lichen Bruders folgend, Berlin verlassen niußle, um das verblendete Volk, ivelches in ihm wegen seines energischen Charakters und seiner VorliebefürdasMililäreinenVoIksseind erblickte.zuberuhigen. Einem l ü ch t l i» g gleich durcheilte er auch unsere Gegend, um nach uglaiid zu e n l k o m in e n, seine Verfolger hinter sich; aber er fand gerade hier in der Prignitz königstrene Männer, die ihm mit Rath und That beistanden, indem sie für schnelle Beförderung sorgten. Wäre es nnn nicht angebracht, daß zur Erinnerung an diese Treue und zur Nacheifernng für konuiiende Geschlechter ein Gedenkstein errichtet würde, und zwar vielleicht an der Stelle, wo der damalige Prinz den Weg zur Retlnng fand?" Ob das über- eifrige Krcisblnlt nicht von oben einen Rüffel bekommen ivird, weil es an ein so u»alige»ehu>es Ereigniß erinnert hat? I» der approbirle» Wilhelms- Legende darf doch 1848 garnichl erwähnt weiden! Spandau. In der Stadtverordneten-Versammlnng am Donners» tag wurde die Einführung des»engewählte» Kämmerers Förster- man», bisher zweiler Bürgermeister i» Eberswalde, in sein neues Amt vollzogen. In der Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters Köitze fiel allgemein ans, daß derselbe anknüpfend an jüngste Vor- gänge ausführte:„er hoffe, mit dem Kämmerer gemeinsam arbeiten zu können, denn es sei nicht ersprießlich, ivenn ein Beamter gegen de» anderen arbeite; wenn er, Herr Försterina»», i» der Verwaltung etivaS bemerke, was ihm nicht gefalle, möge er es dein Magistrat »littheilen und es nicht an»nbernfeiier Stelle an die große Glocke hänge»!" Die Versaiinnlnng beivilligte alsdann trotz des Protestes »iiserer Genossen einen Betrag zur Anschaffung von Fahnen für die hiesigen städtischen Schulen und lehnte die vom Magistrat beantragte Herabsetzimg der Untersuchnngsgebühr für das von einem aus- loärligen Armeelieferanten eingeführte Fleisch ab. Gegen die Einfiihrnug dcS elektrische» Betriebes auf der Wa«nsce-Bali» hat das iiieleorologisch-magnetische Observatorinni ans dem Bcanhansberge bei Potsdam Widerspruch erHobe». Die Wissenschaft in alle» Ehre», aber es geht doch nicht gut an, daß sie sich auf die Dauer dem Berkehrsforlschritt widersetzt. Kann es nicht anders sei», dann muß eben daS Observatorium»ach einer menschen- leere» Gegend verlegt iverde». TaS diesjährige Militär-MnsterniigSgeschäft im Kreise Teltow beginnt an» Dienstag, den I. März und dauert bis zum Donnerstag, den 28. April. Die L 0 0 s u» g der im Jahre 1378 geborenen Militärpflichtigen findet für de» Anshebiingsbezirk Schon ebcrg am 24. März im„Lindenpark", für den Ans- hcbnngsbezirk T e in p e l h o f am 25. März in dem Kreide- weiß'schen Lokale statt. Diejemgcn jungen Leute, zn deren Gniisle» r e k l a m i r t worden ist, und die sich»ach der Wehrordming behnss Unter snchittig ihres körperlichen ZnftanaeS durch den der Ersatzkoiiiiiiission beigegcbcnen Arzt �persönlich zu stellen habe», sofern nicht durch die ans ein Jahr erfolgte Zurück- stellniig ihr persönliches Erscheinen entbehrlich wird, haben sich am 23. März in Schöneberg und am 26. April in Teinpelhof, ebenfalls in den genannten Lokalen, zn stelle». Durch Verheirathung eines Militärpflichtigen können Ansprüche aus Zurückstellung nicht be- gründet iverdeiu_ Sozrnle pflege. DaS ReichS-VersichernngSamt gcgc» anSstäudige Arbeiter. Die letzte Nniumer der amiliche» Nachuchlen des ReichS-Versichernngs- aints enthält eine, auch abgesehen von ihrem politischen Beigeschmack, für weitere Kreise interessailte Enlscheidnng. Nach§119 des In- validiläts-Versichernngsgcsctzes gilt währenv der Dauer einer vier Monate nicht übersteigenden Unterbrechung ein zwischen einem Versicherten und einem bestimmten Arbeitgeber bestehendes festes A r b e i t s v e r h ä l t ni ß derart als nicht»» t e r b r o ch e», daß beide Theile. insbesondere der Versicherte, befugt sind, die Versicherung durch Beibringung einfacher Ver- s i ch e r n» g s m n rk e n, nicht der im Falle der freiwilligen Versicherung sonst erforderlichen Doppel in arkcn, fortzusetzen. Diese Beflimmnng bildet also eine wesentliche Begünstignng der in einem seste». ständigen Arbeitsverhältiiisse stehenden Arbeiter und insbesondere der sogenannten Saisonarbeiter. Nun hat in dein vom Reichs-Versichermigsaint entschiedenen Falle ei» Arbeiter ans diese Vergünstigimg Anspruch gemacht, der seine Aibeit, in der er seit 23 Jahren beschäsiigt war, infolge einer Lohnstreiligkeit niedergelegt hatte,»ach Ablauf mehrerer Monate aber»nd nach Bei- legnng dieser Streitigkeit wieder bei seinem bisherige» Arbeitgeber ein- getreten war. Diesen Anspruch hat das llicichs-Versichernngsamt im Gegensatz zn dem Schiedsgericht für unberechtigt erklärt. indem es zivar die Ansicht, daß eine„Strcikzeit" überhaupt nicht als Unterbrechung im Sinne des§ ll9 gelten könne, nicht für richtig anerkannte, aber darauf hinwies, daß die für die Anwendung des §119 nothwendige, wenn anch nur stillschweigende W i l l e n s- einig» n g der Parteien, das Arbeitsverhältniß »ach der Unterbrechung svrtzusetze», bei einer mir Vertragsbruch verbundenen Arbeitsniederlegung regcluiüßig nicht vorhanden sei» werde. Im besonderen Falle wirb dann noch des näheren ausgeführt, daß, wenn auch der Arbeiter vielleicht die Absicht gehabt habe, nach Bewilligung seiner Forderung die frühere Arbeit wieder anfznuehinen. und wenn mich der Arbeitgeber die spätere Wiedereinftellnug desselben nicht für ausgeschlossen gehalten haben wöge, doch jene auf die Forlsetzung des Arbeitsverhältnisses gerichtete Willenseinigung nicht vorhanden gewesen sei. Die Absichten beider Parteien hätten unabhängig von einander eine neben der anderen bestanden, eine Uebereinknnsl liege also nicht vor. Der Kläger sei von der Arbeit weggeblieben und der Arbeitgeber habe sich nicht um ihn bekümmert.— Diese Eni- schcidung. von der je nach Umständen jeder anständige Arbeiter h.al betroffen werden kann, sieht ganz danach aus. als ob sie erst unter dem Posadowskyffchen Regiment gefällt worden ist. Sie trägt gerade nicht dazu bei, in der Arbeiterschaft Vertrauen zum Staate der Sozialresornt zu wecken. e vfh nrnrltttt igen. Christlich-sozial und National-sozial. Zwischen diesen beiden Nichiunge» sand am Freitag in der Tonhalle eine eingehende Aussprache statt. Hofprediger S t ö ck e r, in dem Gefühl, daß er von seine» Freunde» auf der rechten Seite keine Unterstützung mehr z» erwarte» hat, sucht für den bevorstehende» Wnhlkampf Fühlung mit dem mehr links marschirenden national- sozialen Bruder zu ge- Winnen. In» Gegensatz zu der Schärfe, mit welcher er sich in letzter Zeit gegen Versammlungsredner von der national- sozialen Richltliig gewandt hat, behandelte er diese Partei jetzt mit ans- lallender Milde. Es sei gut— meinte er— daß beide Nichtitnge», christlich-soziale und national-soziale. die mancherlei Berührungs- punkte haben, das, was sie trennt, gemeinsam durchsprechen, um womöglich zu einer Verständigung zu gelangen. Slöcker lhat denn auck sei» möglichstes, um seiner Brnderpartei zur Linken klar zu machen, daß sie sich in allzu bedenklicher Weise der Sozialdemokratie genähert habe; unter anderem führte er des längere» ans, daß er im Gegensatz zu den National-Sozialen kein Freund des all- gemeine» gleichen Wahlrechts ist. Zwar hält er es nicht für klug. wenn dasselbe jetzt beschränkt wird, doch sei für die Zukunft eine Vertretung»ach Berufsständen das bessere. Das all- gemeine Wahlrecht habe unser Volk durchwühlt und korrnmvirt, und es sei zweifelhaft, ob eine starke Monarchie mit dieser Überdemo- kratischen Einrichtung ans die Dauer bestehen könne. Ferner machte er den National- Sozialen den Vorwurf zu großer Toleranz gegen Juden und Sozialdemokraten. Seitens der National-Sozialen betrat zuerst Max Lorenz das Podium. Er hält die Gegensähe zwischen seiner Partei und den Christlich- Sozialen nicht für so schroff und meint, wenn auch zwischen beiden Richtungen keine innige Frenndschast bestehe, so könnten sie doch freundschaftlich nebe» einander gehen. Mit größerer Deutlichkeit wie Slöcker deutete der Redakteur des„Volk", Herr von Oertzen, ans ei» Wahlbündniß hin. Es wäre besser, sagte er, wenn wir in manche» Wahlkreisen zusammengehen würde», um eine entscheidende Macht darzustellen gegen alle, die gegen uns auf- geboten werden. Dagegen bemerkte der national-soziale Redner v. G e r l a ch, daß die Christlich- Sozialen die Störenfriede in einigen Wahlkreisen gewesen seien, daß aber die National-Sozialen vick>t feindlich gegen st« vorgehen würden, wenn sie nicht anfs äußerste provozirt werden. Im übrigen betont« dieser Redner mit größerer Schärfe, wie sein schon weiter nach rechts entwickelter Parteigenoffe Lorenz die Gegensätze zwischen seiner und der Stöckcr- Acht««?! 2. Wahlkreis. Sonntag,>Z. Februar, abendö V>,�1lhr,�bei Xuhcll, Lindcnstr. 106: Versammlung«"WW Tages-Ordnung: Vortrag beS Genossen«ear-x Wagner über: Kolonialpolitik. Aach dem Bortrage: Gcmüthlichcs Beisanimcusei» und Tanz. 2l0.? Tie Bcrtranensperson. Sozialdemokratischer Wahlvereiu für den 3. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Versammlung am Mittwoch, den 1«. Februar 18S8, abends SVs Uhr, im Lokal des Herr» Jirleger, Wafserthorstraste 68. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste sehr willkommen. Rege Betheiligung erwartet 240,«-Der vorstand. Soziatdemokratischer Wahlverein siir den 4. Verl. Reichstagg-Wahlkreis Wen). »Ien«tng, den 15. Februar, ubenda 8 Iii», im I.oUal Ktinlgsbnnk(Hause), Or. Frankfarterslr. 116 �"Versammlung."« Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Fritz Znbeil über„Die Sozialdemokratie und die letzten 20 Jahre. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Laut Beschluß der letzten Versammlung wird dieselbe pünktlich eröffnet. Das Erscheinen jedes einzelnen ist Pflicht. Gäste haben Zutritt. __ l)or Vorstand. Achtung! Ächtung! SozialdmoKratischer Wahloerei» für iu» 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreis(Siojt). Wicustag, de» 15. Februar, abends 8'/. Uhr, i» der R/rania, Wraugelstratz« 11';____ Grosje Bersammlttttg."WI t. Äulturhistorischer Vortrag über Robcspicrre. Rescreitt Herr De. Schütte. 2, DiSlussion. 3. Vereins angelegen heil eu. 242/5* aay Gäste haben Zutritt. HS. Die Mitglieder werde» aufgefordert zahlreich zu erscheine». _________ Her Vorstund._ Moabit. VI. Wahlkreis. HoabiL Mittwoch, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Saale der Herllner Hronen-Hranerei, Alt-Moabit 17/46; Tages-Ordnung: 1. Ter Erlast Posadoivsky's, Flottenvorlage und Reichstag. Reserent: Reichstags-Abgeordneter Richard Fischer. 2. Diskussion. 219/5 __ Ilm rege Betbeiligung bittet___ Der Bertrauensma»»._ Große üfffiitl. WKs-MaWlimg für Männer«nd Frauen für Neil-Hohtilslhöiihalistn, Wilhelliisberg niiii llmgegeni! am Montag, den M. Februar 1898, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn diinike(Parndicsgartcn) in Neu-Hohenschönhnusen. Tages-Oronung: I Vortrag des Gen. G. Wagner über die Flotten-Vorlage und die Lolauialpolitik. 2. Distussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch der Frauen und Männer erwartet Her Vertrau ensmann, scheu Richtung, wurde aber von de» Anhängern derselben ausgezischt, als er die konservative Partei als diejenige bezeichnete, die dem Volke am gesährlichsten ist. Auch T i s ch e n d ö r f e r sprach»och von feiten der National- Sozialen. Er betonte, Monarchie und Vaterland seien die Punkte, welche beide Richtungen gemeinsai» haben. Eine Annäherung zwischen den feindlichen Brüder» ist trotz der mehr als dreistündigen Debatte nicht zu stände gekommen. Dieser Ansicht gab auch S t ö ck e r Ausdruck, indem er zum Schluß be- merkte: Ich freue mich, daß wir uns ausgesprochen haben, aber ich habe das Gefühl, daß wir uns nicht genähert habe». Lassen Sie uns den Frieden der Einigkeit suchen, indem wir gemeinsam für die Rechte der Arbeiter cintrele». Eine kombinirte Mitglieder- Versammlung der Filiale» Berlin I, II, III und Rixdorf(des Verbandes der Sattler und Tapezirer) tagte am Dienstag, den ö. d. M., im Englische» Garten. Nach einem Vortrage W a g n e r' s wurden als Ausschuß- Mitglieder D n st e r w a l d und K ä ß n e r gewählt. Der Verband der in Buchbindereien ec. beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinue» hielt am 7. Februar seine Mitglieder- Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung nahmen die Anwesenden Kenntniß von dem Ableben der Kollegin Elisabeth Jahn und ehrten das Andenken an dieselbe in üblicher Weise. Nachdem Brückner das Gesammlresnltat der Neu- wähle» der verschiedenen Branchen< Vertrauensleute initgethcilt hatte, erfolgte die Bekanntgabe der neu errichteten Zahlstelle» des Verbandes, ivelche»och besonders bekannt gemacht werde» sollen. Bei der Neuwahl der Vergnügnngskoinmission wurden O. Christian, K. Winter, H e l l r i ch, P e r a n, Thomas wieder- nnd R. Meier neugewählt. Am Dienstag, den 15. Februar, findet bei Keller, Koppenstr. 29, eine öffentliche Versammlung statt. Bergmann theilte mit, daß am 26. Februar iii Charlottenbnrg.Bismarckstr. 74 eine Versammlung abgehalle» werde» soll nnd ersucht um rege Agitation zu derselben. Unter Verschiedenem wurden sämmtliche Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Buchbinder, welche wahlberechtigt sind, aufgefordert, sich an den bevorstehenden Dcle- girteittvahle» zu betheilige». Sodann hielt der Natnrheilknndige j O. Grnndman» eine» lehrreiche» Vortrag über„Lungen-, Magen- nnd Herzkrankheiten", der durch Lichtbilder ergänzt und mit großem Beifall entgegen genommen wurde. Pankow. In der am Dienstag, den S. Februar, tagenden Generalversammlung des hiesigen Arbeitervereins hielt Dr. Weyl einen Vortrag über Arbeiterschutz und Arbeitertrutz. Darauf wurde vom Vorsitzende» der Bericht vom letzten Halbjahr erstattet und hauptsächlich betont, daß nach der Zahl der hier am Orte ansässigen Arbeiter die Mitgliederzahl eine viel größere sein müßte. Hierauf wurde vom Kassirer die Ülbrechmmg verlesen»»d von den Revisoren bestäligt. Nachdem Z u r o w s k i als Revisor gewählt»nd ans Antrag dem Wahlkomilee 20 M. zur Gemeinderalhs- wähl beivilligt worden, wurde die Versammlung geschlossen. Aib»I»«r- K>I»i,i>a«kitli>Ir. Jnselür. Iv. v. s Tr. Nu tcrri ch I« kur se in Rede-Uebung ttlehcr heu Aufbau der Rede. Besprechung vollgniirthlchasl- ltchec und anderer Grundfrage») Montags, Dr. Tonrad Schinidl: t» N a t> o n a lö l o» om i e> li e jr., LS. Manlcustelstr. iss: Kafstrer: H. Königs, L. Dtcssenbachstr. so. AUgrmrin» Familirn-Sterbokafsr. Heute Zahltag: Ackerstr. Iis bei Diele. »aMartt>«.Karku» Nl- Arbeit»««nd ZUdeHerl«»»«. Montag, b«n U. Februar, abends a% Uhr, in Cohn's Festfälen. Beuthstr. 20: Vortrag de» Herrn Dr. RailowSly über:„Transport verunglückter ober erlrauller Perfonen.-- Nachdem praktische Uebunaen.• Statttn- und Nlädch-n.SildnnsSi»»r«i« In Nirdorss. v-ut«. vormittag« II Uhr: Besichtigung de« Hrtgtsne-Mufeums. Trestpunkl um lo Uhr bei Kummer. Berltnerftr. ss. Dte Besichtigung ist rostenlos. Zahlreiche Belhetltgung erwartet Der Borstand._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Tprechstnnde findet biS zum 5. Mörz am Montag, Freitag und Sonnabend abends von 7ll2 bis 8'/, Uhr statt. Duisburg. Stadihagen sitzt bis Anfang März im Gesängniß. Später sind Senduiigen an ihn nach dem Reichstage oder nach der Redaktion des „Vorwärts" zu adressireii. O. N., Wilmersdorf. Zur Sennzeichnung der Geschäftspraktiken nicht von Bedeutung. Vielleicht bietet sich eine beffere Gelegenheit. Düunesekt. Die Stadtverordncten-Versammluitg kann wählen, wen sie für geeignet hält. Studien oder Examen sind nicht ersorderlich.— No. 166. Ani 15. Tage des Mieths monats kann zum Ende des Miethsmonats geNindigt werden.— ISjähriger Abonnent. Sie haben keinen Anlaß zu kündigen. Für die Dauer von 6 Wochen haben Sie auch während der Krankheit Anspruch auf Gehalt.— C. A. Breslau. Nein.— F. 1666. Schwierigkeiten könnten Ihnen gemacht werde».— E. A. 1. Rente kann, nicht entzogen werden. 2. Bis zum vollendeten 24. Lebensjahr.— R. D. Nein.— Verden, D. B. Wenn Verschulden des Arbeitsgebers nachzuweisen ist, dann könnte Klage erhoben werde».— A. 96. Ist nicht pfändbar.—■ F. 850. 1. Haben Sie das Geld hinterlegt, so ist der Verdacht der Unter- schlagung ausgefchlosse». 2. Kündtgungsfrist muß eingehalten werden/ 3. Jrrthümer in der Rechnung rönnen noch später richtig gestellt werden.— A. G. 63. Das Kind hat allein die Frau beerbt und der Maun beerbt allein das Kind.— IM. R. 52. Gegen das Zeugniß läßt sich nichts machen.— W. R. 39. Anmeldung beim Amtsgericht. Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts.— W. R. Die Geschwister erben nicht, sondern Mann und Mutter der Verstorbenen.— Bernau 99. Frage nicht ein-' gegangen.— Bremen. Miether kann Entbindung vom Kontrakt nicht be- ailfpruchen.— R. A. Die Bestimmung im Lchrlingsvertrage ist giltig.— R. Ernst 36. Der Verkauf der Sachen ist strafbar.— H. D. 66. Die Klage ist bei dem Aintsgericht einzureichen. Welches Amtsgericht zuständig ist, das hiesige oder das answärtige, läßt sich mir bestimmen bei ge- nauer Angabe des Sachperhalts. Anwalt ist sür diesen Prozeß nicht erforderlich. WiiIcr»«llSi>bcrsichI vom 12. Februar 1898, 8Nhr»lorgenS. Wciicr-ProFiiose für Sonniag, IS. Februar 1898. lvtilde. jedoch ziemlich liiibe mit geringe» Niederschlägen mit schwachen südwestlichen Winde». ! iüa&sr'®!". « Montag, 14. Februar, abends 8 Uhr, in der Tondalle, Friedrichstr. 112: Große öjsentliche VechmlUg der Maurer Berlias uild Iliilgegeud. Tages-Ordiiniig: 1. Wahl der Lohnkoinmiisto». 2. Schlußdebatte über die Abrechnung. 3. Festsetzmig dcö Schlußtermins über Abstempelung der Sanmielkarte vom Jahre 1897. Eventuelle Beschlußfassung über Ausgabe der Saiuniel- karte für dieses Jahr und Festsetzung über Beginn des Samtnelus zum Streikfonds. 131/6 M. Bei Eintritt in das BersamlnagSlokal mß die Caminelkartt vom Jahre M, melchc den SchWempel haben muß, vorgezeigt werden, dient also Es sind Beschlüsse von weittragender Bedeutung in dieser Versammlung zu fasse», also ersuchen wir die Kollegen recht zahlreich zu crichetiic». Hie Ijolinkommissionder Wanrer Berlins n. Fmg. Mglitder-VersamlW deS Verbandes der in Kiirsch- »ercicil beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinue« Berlins und limgcgend. Montag, den 14. Februar, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Feind, Wciiistr. II T a g e S- O r d ii u» g: 1. Vortrag des Gen. Dr. Wurm: Wie erhält man die Aitgcn gesilnd? 2. Diskusston. 3. Gewerkschaftliches. 4. Stelliiiigtlahme zu unserem Stif-- tuiigSfestc. 93/2 Zahlreiches nild pünktliches Er- scheinen erwartet Der Borstand. Altes gangbares Seifengeschäft prcisw. zu verk. Neue Huchstr. S.- SozialdtmokrMcher Mahlverew für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 15. Februar, abends 8'/, Uhr: 2 Versammlungen. Ziir Kchöiihlnistt Vorstadt in> Relkortov tMesellsebal'tsiinns, lielkorterstrnsse 15. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen dnlin. 2. Diskussion 3. Vereinsangelegenheitc». Fiir Ktsnndbrnnnen nnd Rosenthaler Dorstadt im l-oknle„Viktoria- 6!arten", Radstrasse Ko. 12. Tages-Ordnung: 1. Vortrag(Reserent wird in der Dlelistags-Nummer bekannt gegeben) 2. DiSliissioii. 3. VereinSangelegenheiteii. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Utonwg, de» 14. d. Ul., abends 8 Uhr, Bezirks- Versammlungen. ISA' i 4 im Lokale des Herrn Fiselter, ITjJ. O 1 f, Beuffelstr. 9. TageS-Ordnung: Vortrag. DiSklifston. Verbandsangelegcnhctten. 77/12 Ostvik u. Nord-Osteu, Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Robert Ahrens über„Gewervcgerichte". 2. DiSktission. 3. Verbandsangelcgenheitcn; Wahl eines Bcztrksleiters: Wahl zur Verstärkung der Kuntrollkomiitisston,»ach dem Beschluß der Ver- traucnsmäniier-Versammlung. 4. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünk.tlich eröffnet. - Oesnndbrnnnen, im Kolberger Salon. Kolbergcrstr. 23(Rabe). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. W o l l h c i»r über„Die Lust, die wir athmcn". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bcitragssammkers und Ergänzung der Kommission. 4. Verbandsangelegeiiheiten. Die Kollegen tverden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Auch Frauen haben Zutritt. BinnOerdn„Mehr Licht!" Sonntag, de» 13. Februar, abends 7 Uhr, Alexauderstrafte 27« (großer oberer Saal): ME"" Tersaminlniig. Tagesordnung: Vortrag der Genossin Frl. Baase über:„Das Weib". Diskussion. Daraus: Geselliges Beisammensein und Danz. Entree 10 Ps.— Garderobe 10 Pf.— Gäste stets wiNkomnien.(120/6 KonfrütjoilsarbtittriAlbkiteniille» Dienstag, den 15. Februar, abendS 8 Nhr."9� im Fngllschen Oartcn, Nlexanderstr. 27c: Große öffentliche Uersnmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Koalitioiissieiheit nnd der Erlaß PosadowSky. 2. Diskussion. 3. Die HondNingswetsc ei»es Pokizeibcamte» am Sttalauer Platz den Frauen gegenüber. 4. Verschiedenes. 287b I>ie Flnbcrnforln. DrMer DolzMittt- Verband. IZahlsielle Berlitt.) 77/12 Montag, den r4. Febrnar 1898, abends 7'!, Uhr, bei Schöning, Köpnickerstraße 68: LrWekell-Verssmmluvg lier pMellbollenleger. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Kunz e. 2. DiSkussto». 3. Verschiedenes. Die Bertrancnsmänuer aller Firmelt werde» ersucht zu erscheinen. Marmor- und Granitarbeiter. V Rienstug, den 15. Februar, abends 8 Uhr,' bei Hoirinnnn, Alexnndcrstr. 27«: Oelfentllclie Versammlung:. T a g e S- O r d n u Ii g: 172/2 I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. Uni zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht I»er Vcrtranensninnn. Vmin öentsther Slhnhnililher. Montag, den 14. d. Akts., abendS 8'/- Uhr, im Fngllsebea Garten, Alexauderstr. 37c.: Kombinirte Mitglieder-Versammlnng. Tages-Ordniing: I. Abrechnung deS Vergnügungs-Komitees. 2. Abrechnung der Agi- tattons-Komiilisstoii der Provinz Brandenburg und Neuwahl derselben. 3. Stawteiibcrathung und Anträge zur Gencral-Versaminlung. 4. Vereins- angelegenheiten.— Um zahlreichen Besuch wird gebeten. ISg/lls Die Bevollmächtigien. lenlrsl- Verein der Bildhauer Deutschlands Blens Verwaltung Berlin. Vereinslokal: «stagjden 15. Febrnar, Im V fPST" Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Conrad Schmidt. 2. Geschäftliches. 3. Bibliotheiabend. Lv/b Ber Vorstand« Allen Freimden und Bekannten die traurige Nachricht, daß inein inntgstgeliebt« Manu, unser guter Vater und Bruder, der Restaurateur WüMm Reichstem im 54. Lebensjahre plötzlich sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Febmar,»ach- mittags 3 ölit, vom Trauerhause aussitcnsttaße Z4 aus nach dem lisadeth-Kirchhof, Prinzen-Allee statt. Berlin N., 11. Februar 1898. Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Alhtilng! Zentralverband der Maurer Deutschlands.(Zahlstelle Berlin I.) Montag, den 14. Februar er., nach- mittags 3 Uhr, findet die Beerdigung des Mitgliedes Wilhelm Reichstein von dem Trauerhaus« Hussitenstraße, Ecke der Schcringstraße, statt. Um zahlreiche Bethetliguug ersucht via vrtllcda Vorhaltung. ' Der Gesangverein Gemüthltchkcit Ivird ersucht, ptlnktltch zu erscheinen. KIömS Am Mittwoch, das Mitglied Auguste , Die Beerdigung bell 13. d. Mtö., aus dem Fakobt Berlinerstr. 2-6, � St.: den 9. d. M., starb sRSb Reruhkrüt. findet am Sonntag, nachmittags 1 Uhr, -Kirchhof, Rixdorf, statt. R. Dittbcrner. Zimmerer! Den Mitgliedern der Zentral- Kraiikenkassv zur Nachricht, daß die Zahlstelle III, Osten, Kassirer HolTmaiui, am Sonntag, den 1». Februar, Vormittag»m lUV» Uhr goschlosacn wird. 259/3 Der Vorstand. MmitU's>S:ial. Inh.! Krnst Orliixlcr. rttöltiiirteisttaffc 100 Fernsprecher Amt VII 39. Täglich: UroisMcr Ball.* TTantC| 50 Vf. ©avilerobe/ Damen 25 Pf. Empfehle den Genossen mein Beiß- u. Bnirisch-Bierlokal. Schönes Vemnszimmei' bis 60 Personen fassend, noch einige Tage frei. 4012L' IM. Renter, Swinemiinderftraße 51. Rtstamant„FritdensMe". Jich. 8epp VieSemAim, Vplvtleastr. Q7. Enipfehle mein 40408* Weist- u. Bairischbier- Lokal. Kegelbahn. Bereinszimmer zu 40, 80 bis 100 Personen zu vergeben. Für gute Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt. WospeisenSie? Pomm. Küche. Oranienstr. 181, Hof pari. Mittag m. Bier 50 Pf. von 12 b. 4 Nhr. Slbend- essen 30 Pf. an v.-/-«b. 12 Uhr. Feuerstein'8 Festslile Alte Jakobslrasse 75. Zlili. Martin Herzberg. ©rönne and kleine kstitle zu VersammlungenJunentgeltliohj sowie zu Sommer- u.Winterfestlich- keiten b. koulanten Bedingungen W» Johannisthal! BB Park-Restaurant! Jeden Sonntag; Gr. Ball I Tanzabonnement f.HerreN 50 Pf., Damen frei. 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Weibch. vcrk. bill. Krause, Beiisselstr. 38, l. Qgb. II. k'reiv Volksbädlis. Beate Afaehiaittagk 2'/. I hr: II. Abtbellang(blaue Karten) im Friedrich-Wilhelmstädtisohen Theater: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag, den 27. Febmar, V. Abtheilung(gelbe Karten), Lessing-Theater:„Härtel Tnraser". Neue Mitglieder können sich bei schleuniger Meldung noch in allen Zahlstellen melden. Eintrittsgeld 60 Pfennig. Sonntag, den SO. Februar: Vorstellung für die III. Ah- thellang:„Die Iiaotlgcn Weiber von Windsor". 228/11 Der Vorstand. I. A.: Gr. Winkler. Arbeiter-Bildnngsschule. Am Sonntag, den 18. Februar 1808, abends 7 Ihr, In Feuerstein s Fcstsiilen, Alte.Takobstr. 73. Vortrag des Schriftstellers Wilhelm Bölsehe: „Die Zukunft der Erde", Nach dem Vortrage; Oemüthllchcs Beisammensein und Tanx. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Die Mitg fest abzurec sowie in der Achwng. Zimmerer! Vom II. Februar ab befindet fich unser ständiges Bureau: RrttKemvrisriTKSsv 15, Hof part. Dasselbe ist tilglich von 8—18 und von 8—8 Uhr geöffnet. Zammtliche Vorkommnisse find von jetzt ab dort zu melden.(256/4 Die Lohnkommission der Zimm erer Berlins und Umg egend. CitK'OSSoi* öifentllclier Vortrag 2�* für Damen und Herren--BQ tat IScIlvcrcin Kube im Restaurant„Blsmarckshöhe", Oharlottenburg, Wilmersdorferstr. 39. Montag, den 14. Februar, abends 8>/z Uhr, spricht ?rüuiein HTsbv, �iltuihrilkunditze, über „Das nervöse Jahrhundert" Nervcnschwiich«(Renrasthente), Schlaflosigkeit,s,«ormittagb. Ilm die vewiane«der>10 Marl sind den deireffeiidNt Auwmtcn in Parenthei- beigejiigt,? (Ohne Gewahr,) 19 slSO) 83 807 408 748 864 949 1 304 605(8001 889 «049 153 fiO 850 84 798 854 8050 166 393 518 4115 11501 246 78 329 38 71 405 630 693 900 18 77 5089 364 600 601 96 758 73 892«232 350 527(1601 724 36 834 7066 184 315 42 88(300J 401 45 59 626 48 8035 849 713 97 801»137 730 972 10134 270 89 96 332 97 438 81 619 23 49 608 798 11156 243 308 26 39[160] 511 896 968 95 1 9107 384 439 55 651 696 765 91 998 18047 89 318 49 590 744 926 75 1 4222 52 374 474 77 521 75 865 1 6096 118 460 633 671 83 736 877 942 1«034 114 400 20 604 737 ' 17163 88 210 414 24 539 027 723 88 982 75 1 9187 10072 122 77 211 19 429 680 718 IWB——1 358 691 877 913 22 «54 976 94 20081 142 286 463 696 97 807 729 47 79 948«1216 859 94 466 714 23 98 944««808 550 900 32 48«»135 47 242 369 618 24 60 78 702«4106 435 528 49 764 81 818«5167 74 351 57 418 731 807«6152 264 533 12001 87 49 641 65 78 88 890 967 27029 79 88 164 262 434 28004 1150] 343 67 570 830[ISO] 63«9106 96 229 435 59 897 30219 386 416 680 735 837 81558 836(500]»«088 132 63(2001 84(300] 801 608 661 767 83145 99 222 425[1501 670 94 747(150] 34082 101 88 209 85 329 437 616 31 714 54 945»8065 81 94 206 383 546«28 67 »«003 7 60 140(200) 248 309 94 98 552 682 58 88 750 80 828 41 47»7051 62 71 96 98 119 24 38 362 475 84 602 726 870 982»8127 32 440 593 934 47»0065 78 164 848 453 568 86 647 776 40112 222 82 440 75 598 710 910 41188 250 834 81 419 61 79 509 97 680 739 98 808 944 40125 322 690 967 95 48098 157 1300] 299 305 15 411 11501 542 78 609 8«(150) 758 44388 539 753 805 1500] 21 45073 135 232 87 453 693 625 73 90 738 60 809 29 41 76 46199 232 67 1150] 399 452 747 933 47035 56 214 19 24 87 394[150] 570 653 804 20 936 90 4SI 16 650 40227 1150! 30 58 59 349 50 475 93 676 724 40 907 39 75 50116 80 89 327 424 587 647 793 892 968 51236 468(200) 565 81 88 613 23 33 72(130] 762 72 50091 190 276 319 72 410 512 684[1501 896 930 32 58010 30 496 578 635 39 874 76 986 54030 39 75 175 79 513 689 12001 704 47 98 867 55101 6 461 70 689 92 716 62 878 999 54193 274 311 758 93 904 57042 472J2001 532 86 610 40 838 976 95 58140 237 835 436 566 70 631 59 97 767 914 59006 137 237 753 ««216 331 403 549 689 880 81«1046 264 551 837 807 52 53 978 88««382 504 51 760 801 31 924«»091 212 34 410 515 653 873 924 64038 40 52 57 132 87 97 18001 243 499 552 59 88 753 888«5159 84 305 72 514 613 86 717 98 836 89 944 96 66125 243 381 502 40 70 781 863 943«7180 356 86 520 604 708 41 879 84 974 82 95 6H013 161 279 414 33 96 872 927 62«0128 61 76 227 380 501 3 5 655 65 94 976 80 89 70028 146 202 21 457 636 798 999 7 1097 159 256 861 462 65 96 606 807 85 72023 26 125 324 664 746 78036 340 91 712 988 74073(2001 229 304 37 40 54426 525 642 778 875 75240 339 82 420 570 823 975 76182 207 68 360 69 446 80 624 723 975 7 7003 8 108 209 367 627 42 78480 503 753 82 926 70287 340 660 719.939 84)085 180 276 828 667 785 812 76 967 78(150, 81020 122 52 240 436 525 685 860 910 91 Ha257[200 74 841[200] 545 55 71 602 10 56 986 96«»053(200 143 69 86 205 312 417 1200] 553 608 804 993«4025 84 206 45 46 425 605 14 84 71 718 61[200 919 23 86 HSA 62 214 58 345 451 69 78 801 955 57 86117 50 417 86 608 48 761 67 814(150] 17 944 55 78«7073 108 «HO 494 710 84 858 903 88108 70 89 216 38 70 818 402 7 36 63 592 601 85 98 961 80015 86 230 45 481308 483 SO>82°445�S0� 01108 17 60 211 18 1254 57(1501 97 824 69 490 633 643 94 798 847 5020'5 84 183 284 «95 865 964 78»»127 898 809»4013 29 48 127 31 290 571 86 606 53 747 862 918 C05004 128 85 89 200 561 11501787 880 0«006 122 259 681 93 759 892 913 07202 43 67 346 69[300] 462 606 26 939 95«8052 240 872 �|S«0111 80 222 78 401(150) 17 48 90 636 79 999 101168 209 31 317 674 839 949 64 1 02224 672 744 60 963 109275 326 49 619:69 710 26 1 0 40 14 144 301 57 79 82 464 85 503 31 73 780 805 40 76 929 42 72 1 05070 142 322 61 78 923 71 106035 76 129 74 226 357 68 77 79 80 902 1Ü7009 121 202 4 821 52 621 707 75 892 2448085 190 204 806 401 48 67 644 711 74 807 933 45 58 67 1 00002 26 71 84 89 222 611 36 861 110044 80 102 52 98 286 327 668 II 11159 253 603 85 98 645 16 883 935 47■ I M" W 110213 607 753 937 69 73 113035 869[1501 81 815 50 930 1 11322 443[2001 61 551 718 63 886 115014 331 584 910 17 72 77 1100(4 616 26 739 79 93 822 959 117047 53 60 198 253 90 470 579 690 709 88 118031 39 48 184 278 343 409 72(300) 634 58 89 776 869 110020 108 19 35[200] 70 286 520 56 625 719 58 68 984 120034 103 29 85 215 19 23 34 48 438 555(15001 626 741 131870 1 22017 20 78 102 605 883 98 928 77 123001 13 28 155 212 406 887 681 121047 123 41 362 797 935 81 125035(1501 39 58 257 436 539 88 719 95S 81 1211140 225[2001 74 92 442 88 586 607 737 992 127031 808 128121 87 242 75 431 34 526 784 931 120007 18 92 156 74 212 77 315 475 76 639 610 54 701 1110152 344 94[150] 426 58 506 68 602(200) 9 52 839 INI 13? 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(Ohne Gewähr.) 34 25» 61 481 631 796 849 1222 31 862 655 724 150] 824(500)«027 75 144 352 405 635 1150) 706 29 50! 54 818 74 11000 316 529 660 794 4111 214 69 96 ) 320 33 67 445 598 793 884 61999 219 389 629 66 782 842 56 63 0244 334 95 428 92 666 904 13„ T109 282 797 926 34 8109 65 71«75(1501 85 401 58 698 753 68 864 939»104 81 213 447 54 99 607 744 63 872 10064 123 344 77 489 674 716 822 33 909 28 97 11018 184 203 81 572 76 l«039 85 149 56 299 428 70 908 91 18184 90 262 379 429 539 949 52 1 4403 32 706 846 1 5090 92 214 846 69 438 678 768 977 78 16024 90 157 622 58 63 24 725 72 857 63 922 97 1 7349 445 532 93 652 74 92 976 1 8032 58 83 158 76 203 416 81 563 710 964 1 0001 33 130 301 10 64 477 532 614 31 722 «0554 618 18 60 62 21257 380 619 866 77 935 ««060 102 91 292 442 79 590 641 819 996«8047 55 80 1150] 101 270 366 505 41 672 81 92 868 95 96 905 35 2 4043 486 741 957«5035[150] 135 371 719 46 57 813 73 92 952 20218 21 92 398 460 523 811«7018 28 270 880 94 960«8045 219 76 312 63 85 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Für den Jnjeiatentheil vtraunvorllich: Td. Glocke in Btrliu. Druck und«erlag von Max Babing in Btrtin. Kr. 37. 15. IahrMg. 2, smiltts" frrlinft Kslksblalt. 13 V o l k L»»v r v t h f rii« ff ltili e Nun vsih u u. Die Miqncl'sche Finanzreform. � Mit dem vorgelegte» Komptabilitäisgesetz soll Herr Miquel seine Tuougleit nls Reformator der preußilchen Slanlsfinanzen als ab- geschlossen betrachlen. Freilich hat>b»i der Landtag durch mehr- lache Kn»dgebu»gcu noch die iveitere Aufgabe gestellt, die Ueber- schösse der Eisenbahn. Verwaltung durch gesetzliche Regelung einer deliebigen Verwendung lür allgemeine Siaalszwecke zu culziche». Jndep, so sehr Herr Miquel eine reinliche Scheidung bei dem Aer- daltnib z>v>schcn dein Reich und de» Bundesstaate» liebt, so wenig Neigung zeigt er in Preußen, dem erivähnte» Wunsche der Landtags- ?!�hshi>t nachzukommen. Wir könne» daher heule wohl einen Ruckblick ans seine gesammte Thäligkeit werfen. Das Glück ist Herrn Miquel zur Seite geblieben, als er Finanz- winister wurde. Die großen Grundzüge der Slencrreforin fand er bereits aus der Bismai ck'schen Zeit vor. Aber während Fürst Bismarck sich mit seiner ganze» Energie auf die Entwickelung der indirekten Steucrquelle» des Reiches warf und die Anregungen zur Steuerreform in Preußen weiter nicht beschleunigte, im Gegentheil das Loch in den Einzelstaatskasscn znnächst gern recht groß weiden sah, um die Steuerbewilligungslust im Reiche anzufeuern— brauchte Herr Miquel nur die Frucht zu pflücken, die unter diese» Ver- zögern, ige» und halben Anläufen um so mehr ausgereift war. Der Ruf nach einer Aendernng des preußischen Finanz. stzltems ist im Ansang am lautesten seitens der Gemeinde- Verwaltungen«rbvbe» worden. Diese waren durch die großen und raschen industrielle» Umwälzungen in d-n siebziger Jahren, mit der Bevölkerungsvermehrnng und-Verschiebung in ihrem Gefolge, mit einem Schlage vor ganz neue, ungeahnte Ausgaben gestellt worden Zur Bestreitung derselben standen ihnen fast nur Zuschläge auf die direkten Staatssteueru zur Verfügung. Besonders im Westen, wo die Grund- und Gebäudebesltzer im Verein mit den Gewerbetreibenden ihre Herrschast in den Gemeindevertretungeu dazu benutzten, alle Gemeinde-Abgaben den Klassen- und Einkommensteuerzahlern zuzn- wälze», die Besitzer von Grund und Boden und von Gebäude», die Inhaber von Gewerbebetrieben jedoch zu schonen, halten sich ganz abnorme Zuschläge herausgebildet— in einzelnen Provinzen Lllv bis 300 pCt. als Regel, in besonderen Fällen bis zu 67S pCt. des Staatssteuerbelrages. Natürlich reizte diese unerträgliche Belastung wiederum zur Verschleierung des wirkliche» vollen Einkommens seitens der Zensite»»nd z» laxer Handhabung des Einschätzungs- Verfahrens seitens der Einschätzungskommisstonen. Schließlich sah somit auch der Staat seine wichtigste Sleuerquelle vollständig unter- Krabe» durch die ungenügende Feststellung der Grundlage» der Eteuerbemessuna. Für den Staat waren die Aussichten n», so trostloser, als die K l a ff e n steuer(für die Einkoinme» von 420 M. an bis zu denen von 3000 M.) in der alte» Weise und mit dem alten Erlrage nicht mehr zu halten war. Schon der Echeerereicn und Kosten wegen. 1873/31 kamen in der ganzen Monarchie jährlich auf je 100 ver- vnlagte Personen: in der ersten Stufe 24.6 Pfändungen, in der ziveite» 2S.3, davon war mehr als die Hälfte fruchtlos. Noch schlimmer war es in den Städten mit ihren fluktuirenden Arbeiter- Massen. In Berlin betrugen die jährlichen Pfändungen, bei vierteljährlicher Hebung. 70 und 6S.6 auf 100 Steuerzahler, in Breslau bei monatlicher Hebung gar 220.1 und l66.8. Dabei fielen in Berlin unter etwa 190 000 Pfändungen 173000 fruchtlos aus, in Breslau unter 93 000 79 000. Schließlich erforderte auch die ungeheure Neubelastung der ärmeren Mafien durch die indirekten Steuern des Reiches irgend welche Gegeuerleichterungen bei den direkten Steuer» der Einzelstaaten. Schon unter dem Fürsten Bismarck ließ man daher die beiden untersten Stufen der Nlassenfteuer(bis zu 900 M. Einkommen) fallen und für die höheren Stufen einzelne Monats- raten unerhoben. Unter diesen Umständen kam die von Bismarck empfohlene Ueberweifnng der halben Staats-, Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden ebensowenig zu stände, wie die zeitweilig ebenfalls vertretene Uebernahm» aller Schullasten auf de» Staat. Als Er- leichterung für die Gemeinden war wesentlich nur die lex H u e n e gedacht, welche den preußischen Antheil an den Getreide- und Vieh- zöllen vor allem den Selbstverwaltungsorganisalione» zufließen lassen wollte. Jndeß konnte man mangels einer Landgemeinde- Ordnung die Untcrvertheilnng nicht direkt an die Gemeinden vor- nehmen und die Kreise, welche das Geld erhielten, verpulverten es zumeist in nicht sehr dringlichen Ausgaben, zum theil sogar zu überflüssigen Luxusbauten, sodaß die Gemeinden abermals das Nach. sehen hatte». Erst mit der Herrfurlh'fchen Landgemeinde- Reform war die Borbedingnng zu einer unmittelbaren Unterstützung der Ge- meinden durch den Staat voll gegeben. Herr Miquel machte sich zunächst daran, für den Staat die Erträge der Einkommensteuer zu steigern. Allzu schwer wurde ihm das nicht. Denn einmal war der Steuerfuß für die höheren Einkommen bisher ungemein niedrig geblieben. Ferner war durch das Fehlen der Selbsteinschätznngspflicht die Heranziehung der reicheren Klassen dnrchgehends viel zu niedrig. Unter Abschaffung der besonderen Klafsensteuer begann die Steuer nuninehr bei 900 M.. die Pflicht zur Steuererklärung bei 3000 M. Was den Steuerlarif betrifft, so hatte Herr Miquel de» bestehenden Satz von 3 pCt. im allgemeinen weiter zu grnnde gelegt, aber so. daß er von 9500 M. Einkommen an nach unten hin zu sinken be- gann und zwar bis auf �/spCt. herab bei 900—1050 M. Einkommen. Das Abgeordnetenhaus bat dann weiter von 30 S00 M a» eine Steigerung des Steuersatzes bis schließlich auf 4 pCt. angefügt, zum groben, jedoch vergebliche» Aerger des edlen Herrenhauses, das sich, wenn auch unter Protest, füge» mußte. Auch die juristischen Personen. besonders die Akliengesellschaslen, wurden schärfer wie srüher getroffen. Der Erfolg war selbst für die Regierung ein überraschender. Den über den alten Betrag von 80 Millionen zu erzielenden Mehr- ertrag halte man anfangs auf IS bis 20 Millionen geschätzt; er belies sich thatsächlich aus 40 Millionen. Um zn gnnste» der Gemeinden vollständig auf die Grund- und Gebändesteuer(rund 7S Millionen Mark), die Steuer vom stehenden Gewerbe(rund 20 lvlillionen) zu verzichten, brauchte man sür den Staat also noch 55 Millionen. Davon wurden 24 Millionen gedeckt, wen» man die alten schädlichen Uebcrweisungen aus der lex Huene aushob. Die noch nöthigen 30 Millionen sollte die gänzlich neugeschaffene E r g ä» z u n g s steuer einbringen, eine Siener von>/2 pro Mille auf die Vermögen von über 6000 M.— der Sache, wenn anch nicht der Form nach eine Höherbcsteuerung des „fiindirte»" Einkommens, wie sie auch Fürst Bismarck empfohlen hatte. Eine Dcklaralionspflicht ist hierbei nicht vorgeschrieben, trotzdem ist die Slener sür 1897/93 mit 31 Millionen in den Etat eingestellt. Damit war der Staat in die Lage versetzt, alle R e afl- steuern den Gemeinden zuzuweisen, also weit über das Bismarck'sche Programm hinauszugehen. Freilich wurde man von vornherein die Befürchtung nicht los, daß der Grund- und Haus- besitzcr-Klüngel in den Gemeindevertretungen die Realsteuer» wie ein willkommenes Geschenk einstreichen und die Geineindclasten weiter vorwiegend auf die Einkommeiistencrzahler abwälzen könnte. „Die direkte Gemeindebestcuernng— heißt es schon i» der Denk- schrift zum Kommunalabgaben- Geletz von 1893— ist mehr als bisher auf Realfteuern zu begründen, da- gegen sind die Zuschläge zur Einkommensteuer wesentlich zt> ermäßigen." Man schrieb also vor. daß Auswendungen, die in überwiegendem Maße dem Grundbesitze und dem Gciverbebetriebe zum Vortheil gereichen, durch die Realsteuer» zu decken seien. Man bestimmte, daß die Realsteuern mindestens mit dem gleichen Prozent- sähe zu Kommunalsteuern heranzuziehen seien, wie Zuschläge zur Einkommensteuer erhoben werden. Aber was läßt sich nicht alles als Vortheil für die Allgemeinheit darstellen, was doch nur im Interesse der Gcmeinde-Agrarier unternommen wurde? Wo kommt bei unserem heutigen Geineinde- Wahlrecht der Protest der steuer- zahlenden Masse zum Ausdruck? Trotz aller außergewöhnlichen Vollmachte», mit welchen die Regierung auf dem Gebiete des kommunalen EtenerwesenS ausgerüstet ist, klagt daher die im April 1896 dem Abgeordnelenhause milgetheilte Denk- schrist lebhaft darüber. daß die Entlastung der Ein- kommenstcuerpflichtige» seitens der Kommunen nicht i» größerem Umfange habe durchgeführt werden können, obivohl es die Absicht der Kemmnnalsteuer- Reform gewesen sei. Es wird Klage geführt über die Mißverständnisse in den Gemeinden, über das eigenfüchlige Interesse der Hausbesitzer, welches sich in den VertretungSkölper» der Gemeinde» unter Führung ber Hallsbesitzervereine geltend ge- macht habe. Es wird als Aufgabe der Aussührungsbehördeu für die nächste Zeit hingestellt, eine stärkere Heranziehung der Real- slener» zu den Gemeindelasten herveizuftthren und außerdem zu ver- hüten, daß„von den Gemeinden ncne oder vermehrte Ausgaben wieder wie früher ohne Rücksicht auf die Zweckbestimmung aus- schließlich oder überwiegend auf die Einkommeufteuer geworfen werden oder gar die Grundbesitzer und Gewerbetreibenden, namenl- lich die durch Agitationen aufgeregten Hausbesitzer in den Städten ihren überwiegenden Einfluß in den Gemeindeve, tretungen dazu benutze», die ihnen jetzt auferlegten Lasten zum guten Theil wieder auf die Einkonnuenftenerzahler abzuwälzen und auf diese Weise i in Verlaufe einiger Jahre wieder eine unerträg- l i ch e U e b e r b ü r d u n g der Einkoiumenstener und damit im wesentlichen derjenige Zustand eintritt, den zu beseitigen die vorzüg- lichste Aufgabe des Kommunalabgabeu-Gesctzcs ist." Besonders im Westen, dessen Gemeinden von jeher alles den Personalsteuern auf- zubürdcn gewohnt waren, ist es in einzelnen Städten scbier unmöglich, D auch nur einen Theil der Realpeuern, die der Staat erlassen hat. für Gemcint'ezlvccke festzuhalten. Es fließt, wie bei den Gutsbezirken im Osten, alles glatt in die Taschen der Gemeindeagrarier ab und sreikonservalive und klerikale Anträge sind sogar schon bereit, die„Härten" des Kominnualabgaben. Gesetzes für Grundbesitz und Gen c be zu mildern; daß die Kommunal- laste» zur Hälfte auf die Realsteuern fallen sollen, ist ihnen schon zu viel. Herr Miquel hat hier bisher nicht nachgegeben und so ver- hindert, daß dieser Tbeil seiner Finanzreform einfach zu einem all- gemeine» Geschenk an das immovile Kapital ausarte.'Aber er hat die Schwierigkeiten selber mit vermehren helfen, weil er nicht den Muth gesunden hat, die Steuerreform auch mit einer Wahl- rechtsreform zu verbinden. Mag sein, die Wahlrechtsreform gehört nicht zum Ressort des Fiuanzministers. Andererseits ist der Finanzminister, wenn man Geld braucht und er im Zuge ist. Geld heranzuschaffen. stets der Spiritus reotor einer Regierung Und Herr Miquel ist heute sogar formell Vizepräsident, i» Wahrheit Präsident des preußischen Staatsministeriunis. Man muß es also seiner sattsam bekannten politischen Rückgratlosigkeit zuschreiben, daß er durch Duldung der plutokratischen Verschlechte- rung des Dreiklaffen-Wahlsystems auch mancher guten Seite jeiner Finanzreform die Spitze hat abbrechen helfen. Das p I a t t e L a n d ist bei der Reform naturlich verhältntß- niäßig gut weggekonime», wie sich das bei der Zusammensetzung der preußischen Kammern und b"i der Gesilinung des Herrn Miquel von selbst versteht. Die schärfere Einschätzung hat vorwiegend die be- wcglichen und veränderlichen Einkommen der städtischen Berufe besser erfaßt. Ergab also die erste Veranlagung nach dem Gesetze vom 24. Juni 1391 auch auf dem platten Lande ein Mehr von etwa 9 Mill. M.(30,45 gegen 21,50 Mill.M.), so in den Städte» ein Mehr von über 26-/« Millionen. Durch das Gesetz wegen Aufhebung direkter Siaalssteuern sind aus dem platte» Lande neben 4,16 Mill. Mark Gewerbesteuer an staatlicher Grund- und Gebäudesteuer außer Hebung gesetzt rund 51 Mill. Mark. Dagegen sind allerdings die rieberweisungen aus der lex Huene in Wegfall gekommen. Die Tenkschriil des preußischen Landwirlhschastsminisieriums„über die znr Földerung der Landwirthschasl in de» letzten Jahren ergriffenen Maßnahmen" berechnet diesen Entgang für den ländlichen Grund- besitz auf höchstens 14 Millionen. Die ueueingeführle Ergänzungs- neuer trifft den ländliche» Grundbesitz mit etwa 7 Millionen. Die Denkschrift rechnet somit, nach Berücksichtigung einiger kleinerer finanzieller Aendernngen,„für den ländlichen Grundbesitz eine Er- leichterung seiner Leistuiigeii an den Staat von mehr als 23Vz Millionen Mark" heraus. Dagegen berechnet Herr Eugen Richter die Mehrbelastung der Städte wie folgt:„Schon bei der ersten Veranlagung der neue» Einkommensteuer ergab sich für die Städte, abgesehen von der neu eingefübrleu Besteuerung der juristischen Personen, eine Erhöhung des Einkominensteuersolls sür die Staatskassc von 58 auf 34 Millionen, also um 26 Millionen Mark. D»jU kommt die neue Einkommen- besteueruug der jurlftischen Personen, welche für die Städte mit 5 118 000 M veranschlagt ist. Die neue Eigänziingssteuer ergab für die Städte 1895/96, abgesehen von den juristische» Personen, eine neue Steuerlast von 19 208 574 M. Zu dieser Mehrbelastung von ca. 46 Millionen Mark kommt nun für die Stadtkreise der Verlust der Ueberweisungen aus der lex Huene und für die übrigen Städte die stärkere Belastung mit Kreisabgaben. Dagegen haben nach dem Vernnlagungssoll von 1395/96 die Städte an Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer überwiesen erhalten 59 500 291 M. Dabei kommt aber in belrachi. daß die neue Gewerbesteuer von 1892 gerade eine Mehrbelastung der Städte»INI 2 975 460 M. herbeigeführt hat und daß erst die neue Beranlagung der Gebäude- steuer(diese erfolgt alle 15 Jahre) von 1895 ab ein« Erhöhung der Gebäudesteuer um mehr als 9 Millionen Mark herbei- geführt hat." Wir können in dieser Verschiebung zwischen Stadt und Land kein so großes Unglück sehen, wie die liberalen Stadtverwaltungen und ihre politischen Freunde. Wie sehr aber infolge dessen heute > er preußische Staat in seinen Finanzen in den in- d n st r i e l I e n Bezirken und Einkommen wurzelt, trotz alles Ge- redes von der landwirthschnstlichen Grundlage seiner Kraft, dafür zum Schlüsse ein paar Ziffern ans der letzten„Uebersicht der Er- gebnisse der Einkonimeiisieucr- Veranlagungen für 1897/93"(in Klammerl 1896/97): Die veranlagien Zenfiten ergeben 8,63(8,46) Hnnderttheile der Gesamnilbevölkerung; von ihnen entfallen ans die Städte... 1 654 156(1 572 501) das Land... I 109 839(1080 014) zusammen. 2 763 995(2 652 515) Mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. sind ver- anlagt 345 328(331091) Znisiten(physische Personen), und zwar in den Städten 263 453(251 958)— in den Stadtkreisen insbesondere 174 926(165 464)— und auf dem Lande 81375 (79 133), mithin Prozent Prozent der B völkerung aller Zeusiien in dei Städten...... 2,01(1.98) 15,93(16,02) in den Stadtkreisen insbesondere 2,53(2,50) 16,35(l6,93) auf dem Lande...... 0,44(0,43) 7,33(7,33) überhaupt........ 1,08(1,06) 12,49(12,46) Das veranlagte Einkommen der Zensiten beträgt 6 374 627 793(6 086 052 635) Mark, ist also um 4,74 pCt. gestiegen. Von der Gesanimtsumine entfallen auf die S t ä d t e. 4 410 126 055(4 183 279 309) M. aus das Land.. 1964 501 743(1902 773 326)„ Bei der E r g ä n z U n g s steuer entfällt das gesammte stener- Pflichtige Vermögen der Zensiten in Höhe von 65 676 915 411 (64 024 173 053) Mark auf die Städte mit 39 790 237 390(38 350 422 303) M. ., das Land mit. 25 886 673 021(25 673 755 745), Das ist wahrhaftig der alte Agrikultnrstaat nicht mehr! — ms. EINSEGNUNGSSTOFFE in überraschend grosser Auswahl bei S. Meissenberg, jeder Irl gut und billig kaufen Sie wirklich am forlheilhaflesten Grosse Frankfurterstr. 125. kaust man am beste« unk billigsten Steppdecken. Nur direkt in der Fabrik B. Stroh nmudel, Berlin C., 72, Vall- Strasse 72, wo auch alte Decken aufgearbeitet werden._ 42739* Bruch bandagen aller Art, Leibbinden, Spritzen, Suspensorien aller Größen, Unter- lageftoff«. Berbandftoffe, sowie alle Artikel zur Krankenpslegc empfiehlt 40362» JLCh. Pollmann, 30. Lmenstrch 30. 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Osiettd-Thenter. Gr. Franlsnrlcrsir.ISL. Dir.«f. Weist. Rachmittag 3 Uhr, halbe Preise: Preclos«. Abends vi/, Uhr: Der BersHwettder. Zapberposfe mit Gesang in 3 Akten von Raiumnd. Mnstk von Kreutzer. Montag: Der Pfarrer von Kirch- seid.— Dienstag: Die Waise anS Lolvoyd. Mittwoch, zum l. Mak: Unter der Polarsonne. Gr, AnsslattuuaSstttik mit Gesang upd Tanz in s Vilder» von Sondernmnn»no Bischof. Ge- sangstepte pg» Jos. Dill. Musik vo» C. Schliler._ Ceiitral-Iheater Alte Jaksbfir. 3«. Direktion Klclinvrt Sonntag, den l3. Februar 1808: Emil D ho m»p a G. Fi' Ida Brock vom„Neuen Dhratee« als Gast. Zmn 23. Male: Die Tttgendfalke Burleske Poffe mit Gesang und Tanz mit Benntzung eines franz. Sujets Von Jnl. Freund und W. Mannstädt. Musik von Jnl. Einödshoser. Ansang'/,« Uhr. Morgen nnd die solgenden Tage: Die Tttgenofalle. I-visvll- ödester 31. Sielchenbergerstraste 3t. Nachm. 3 Uhr: Volks-Vorsiellnng Regie: zuliu« bilelc. vllsXjtlliLllon von Iloilliroull. Grobes historisches Rittcrschausptel m b Akten vo» Heinrich von Kleist. Abends 8 Uhr: Mouficur Hcrkttles. Von Georg Bellh.— Hieraus: Auf ssoldcttem Bvde»t. VolkSstitck mit Gesang in 8 Bildern von W. Frerking. Musik von Steffens. Dora.. Anna Miiller-Lincke. BillctS st. M Pf. zu der Nachmittags- VorstcNnng in den bekannten VcrkmifS- stellen. V ol Iis- Tli eater im Wclt-Bcstanrant 37. D r e s d c n e r-S t r n st e»7. Re»! Grober Beifall! Neu! Die heilige Behiue. Operette»- Vnrleste in 2 Akte» von Oskar Victor Nocder.— Ferner: 3 KesedviLisr WouteZ!, Miniatur-Sängeriiiuni U.Tänzerinnen. Im vorderen Saale: Ixi'lilei' Längei' k\m Ebner. �fllfdCrt* Sonntags G Uhr. iUI|ilii|i. Wochentags 7'/. Uhr. Tgeielisliallen-Thealer. Leipzigorstrasse 77. Uilllouon Thriincn werden gelacht üher die grosse burleske Pantomime: Ein ruiilges Zimmer zu vermietlten! und KV Kimst-ElrSlftG. 1 nfoMfJ* Konntag GV, Uhr. JlIUjaLiy, Montag Ü/, Uhr. Im Relcliphallen-Tnnncl: Doppel- Konzert. Anfang 6 Uhr. Mittwoch: Bockbler-Fcst. Bsa<|aiarg''s mm Vaudeville-Theater ] Grand-Hotel Alexaiidcrplast, MT" Letzter Monat-Tpssj des Gastspiels der 1. Original Btuiapeptcr. jHcutc letzte SomitagS-Anfftihrnnl Vlis An» band. Das Modell. In wenigen Tagen. Movlttttca-Abci,,?.. DttBeljtlne.WilheM. \ Futrce 50 E"r. Maehr's Theater Ornmcn-Sirnwxc LA. The SWJT" Täglich- ntcv- i!. Pipoa VorstelliiHsr. czifoiitUten- Meu! Ter liebe Onkel. Schwank. Xcm! fJen! cevnde Vvc». Neu! Schwank. lhllfniia* Wochentags 8 Uhr.. Zliiiiiiijl. Sonntags G Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. In Vorbereitung: Die Nadel- nnd Radelmadel, Bolköftnck mit Gesang vo» llugen Prelip. Musik v. Otto Tiekc. Kienes �ymplsa-?heater. (Oircus Konz.) Karlstrasse. BoloHSty KlraJI'j's Konstantinopel. Grosste Sensation Berlins. Xcn!-MW Im rTild:„Alt- Wien" Heue humorist. Speziali täten- Hevue.— Auftreten der The jolly british girls. 8eii«atioiicll! [Im letzton Bilde: Conetantinopelj Feuer- u. Flammenlanz, ausgeführt nicht von einer Person, eond. vom geeammten Bal'.ot-Parsonal. ca. 1000 Mitwirkende. Anf. 8Uhr. Sonntags 2 Vorst. Nachm. 1 Kind frei. Am Sonnabend, den 19. d. M.: I. gr. Masken-Ball. (Ein Blumenfest in Nizza.) Bestellungen auf Billets worden von heute ab im Bureau angenommen. Entree 8 M.— Damenkarte 3 M. Concerthaus r.clitzigci'titr. No. 4h Sonntag, den 13, Februar: tärosse Soiree Hoffmann's Quartett nnd Hainorlstcn. Anfang 7 Uhr., Für Montag, 14. Februar, sind siiinmtliche Billets vcr- griffen. Kasse findet nicht statt. Dienstag, den 15. Februar: Zum 300. Male: IBcne, liebe I.ene. Jeder Besucher erhält als Souvenir den Text von Lene» liebe Lene. KZi'snäa T»iibkn«tc. 48/40. Naturkundliche AueatellunB. Täglich geöfliiet von 10 Uhr vormiitags ah. Kintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr. — Wissanschaftlicbes Theater.— lavjilidensir. No. 57—6%. Täglich abends 7 Uhr: — Ausstellmigs Saal und Vorträge.— Näheres die Tagcsansohläge. 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So bat man bis vor einigen Jahren am Morgentisohe stets Kaffee gefunden, ohne sich zu fragen: Warum trinken wir und unsere Kinder jeden Tag Kaffee? Ist Kaffee nahrhaft u. gesund? Diese Fragen müssen ontsohiaden verneint werden, und es bliebe jetzt nur noch ein weiterer Schritt Übrig, und der ist, einfach mit der Gewohnheit, Kaffee zutrinken, zubrechen.— Dieser Sshritt wird Jedermann sehr leicht gemacht, denn Kaffee ist sehr bald durch ein wirklich nahrhaftes Getränk ersetzt, dal Icioht verdaulich, genau wie Kaffee jeden Tag genommen werden kann und immer bekömmlich ist. Was ist es? Es ist der Cacao und zwar der beste und im Gebrauch der billigste: Cacao van Houten. I. illaslicii'Sniiijt für Unttirit«II» Smtn 40990*] vcruneihet äußerst Diliig Carl Hanke(kulicke), Buchhändler, Oranienstr. 157, II. Kinderwagen, Puppenwagen, Snoi-t-. Kitsfen n. Eelfeewagon. gsgr Pnrftellbare ftiiiberffiiftlc."WS Kln»fUlilc. 4307g* Kofbwaare« eigener Fabrik."MW A. 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Vom Regierungstische ivird erwidert, daß die Meinung auch von der Bauverwaltung gethcitt wird, welche auch die Arbeite»»ach Möglichkeit beschleunigt. Die Position: Zur Erhaltung der Düne bei Helgoland S60000 M. beantragt der Abg. v. Nrnim(t.) an die Kommission zuriickzniveisen, da er Bedenken gegen die staatliche Verpflichtung zur Vornahme dieser Arbeite» hat. Minister Schiele» bekämpft diesen Antrag; die Verhciltnisse Helgolands dürste» nicht mit dem geu'öhiilicheii Maße gemessen werde». Die dortige Bevölkerung sei auf Fischerei und Lotsendienst angewiese» und in ihre» Erwerbsverhältnissen zurückgekoinme», so daß sie nicht in dem Maße leistungsfähig sei, un> diese Arbeit ans eigene Kosten herstelle» zu lassen. Diese Arbeiten sind aber zur Er- baltung der Insel»Lthig und deshalb auch schon früher in Angriff genommen. tltegierniigskoinmiffar Geh. Rath Jost schildert die nnznlnnglichen finanziellen Berhällniffe der Hclgoländer, die infolge der 18S4er Stnrmflnth völlig zerrüttet sind. Abg. Dr. Kelch(srk.) bestätigt, daß die Gemeinde nicht leistniigs- fähig ist. Abg. Chkels(freis. Vg.) ist für die Bewilligung der Forderung der Regierung. Abg. Möller(natl.) und Martens(natl.) sind elienfalls für Ben tliignng. Abg. v. Hchdebrand stimmt für den Antrag v. Arnim; man möge doch elst ermitteln, ob die Gemeinde wirklich nicht leistnngs« sähig ist. Regierilngskonnniffar Jost betont, daß solche Ermittelungen stallgesnnden haben. Minister»>. Mignel: An das Reich haben wir uns nicht ge- wendet, weil wir sicher eine ablehnende Antivorl erhalten hätten. Eo würde das. ja auch zu den weitesten Konseqnenzen geführt haben, d'im es würden dann auch andere Einzelstaaten mit ähnlichen Forderungen gekommen sein. Abg. Kircher(Z.) ivird mit seinen Freunde» für die Vorlage nnd gegen den Aulrag v.'Arniin stimincn, ebenso Abg.Rickcrt(srs. Vg.). Abg. V. Zl> Nim behauptet, daß die Helgoländer 69 009 M. Zölle erheben; sie dienen dem Heere nicht und haben für Land- Verkäufe große Summen eingenommen, die ivahrscheinlich verheimlicht werde». Minister v. Miqnel: Die Ermittelungen über die LeiflnngZ- fähigkest der Gemeinde haben eben das erwähnte Ergebniß gehabt. Ter i!l»trag v. Ami m wird gegen die Stimmen der Kon- scrvalivcn abgelehnt, die Posilio» genehmig t. Bei der folgenden Position„I. Rate für de» Fischereihafen in Labe 199 999 M." bemerkt Minister t>. Miqncl, daß diese Summe cb-uso, wie elwa 7 Millionen für den Fischereihasen in Geeste- münde ohne jede Leistung der Gemeinde» vom Staat bewilligt worden ist. Abg. v. Nirpeuhanseii-Krnngen(k.) bittet»>» staatliche Unter- slütznng für die Fischerei-Zufluchtshäse» in Preroiv, Lauter- back nnd L u b m i n. Bei der Position zmit Neubau eines Dienstgebändes für das Geheime Zivilkabinet, I. Rate 359 999 M, liegt ein Antrag vom Abg. Gras Limburg(k.) vor, die Regierung ausznsordern. aus eine den Gehaltsverhältnisscii des Chess des Gehrinien Zivil- kabinels entsprechende Gestallung seiner Dienstivohnuiig Bedacht zu »chinen.— Hiermit zugleich wird dcballirt eine Position des Justiz. etats, betr. den Erweitcriingsbau ans dem Grundstück WUHelnistr. 64, auf dem auch der Neubau für das Zivilkabinet stattfinden soll. Minister v. Miqnel stimmt dem Antrage des Grafen Limburg zu, im Laufe seiner Ansführnnaen bemerkend, daß er beabsichtige. den demnächst freiiverdenden Platz des alten Abgeordiieteiihauses »nd deS Zivlikabinels nicht wieder zu staatlichen Zwecken zu ver- wenden, sondern denselben im finanziellen Interesse zu veräußern. Nach einer längeren Tedalle über die Größe der Dienstwohnung des Chefs des Zivilkabiiiets, die von den Abgeordneten Dr. Sattler (natl.) und Kircher(Z.) als zu groß bezeichnet wird, genehmigt das Hans die zur Debatte stehenden Positionen und stimmt dem Antrage Limburg zu. Der Nest des Bauetats wird bewilligt. Es folgt der Etat der F o r st v e r w a l t n n g. Abg. Beniner(nall.) wünscht das geheime Snbmisstonsivesen bei Hoizverkänfen zu beseitigen und die Versteigerungen öffentlich vorzunehmen. Auch sonst haben sich bei den Holzverkänfen mancherlei Uebelstände eingeschlichen, so nanientlich die Aus- schlicßnng des Rechtsweges bei vorkommenden Streitigkeiten, Un- sreundlichkeit der Foistbehörden gegenüber de» Käufern und andere bnrcankratische Erscheiunngen. Regierniigskommissar Landforstmeister Donner: Durch S»b- missioiisverfahren ist nur V des Holzvorraths verkauft; dies Ver- fahren war»ölhig, weil wiederholt festgestellt wurde, daß die Händler große Posten zn niedrigen Geboten erstanden hatten nnd dann das tolz unter sich verlheillen. Zn einem freundlichen Verkehr mit dem »bliknm sind die Beamten angewiesen. Abg. Richert(srs. Vp.) weist ans die auffallend geringen Ein- nähme» aus derJagd hin, die ea. 19Pf. pro Hektar, im ganzen nach Abzug des Wildschadens L59999M. betragen. Hiervon soll noch nicht einmal die Ausgabe snr die Herstellung derGaltergedecktsein. WeniidicseAusgaben von den Einnahmen gekürzt würden, so ergäbe sich nicht nur kein Ertrag ans der Jagd, sondern sogar ein Minus. Redner wünscht genauere Angaben über die verpachtete Jagdfläche und regt an, den Abschuß des Wildes zu erhöhe», um den Wildschaden zu vermindern. Jedenfalls ist eine klarere Ansstellnng über Ausgaben und Einnahmen der Jagd im Finaiizinteresse nöthig. Reg.'Kommissar Tonner: Die Verpachtung der Jagd erfolgt theils nach Zweckmäßigkeitsrncksichteii, lheils nnter Berncksichtignng der historischen Verhältnisse. Die Errichtung der Gatler wird theils vom Slaale besorgt, lheils von dem Jagdpächter übernommen als Gegenleistung für die I a g d p a ch t u n g. Minisler Frhr. v. Hqmmerstciu: Die Jagd ist ein Sport, für den derjenige, der sie ansiibl, mehr ansgiebt, als sie einbringt.(Sehr richtig!) Es wäre vielleicht möglich, größere Erträge aus der Jagd zu erzielen, aber damit wären Gefahren für den Wildstnnd vorhanden, den wir uns doch erhalten wollen im Interesse der Ge- sundheit nnd der Ernährung unserer Bevölkerung. Die Jagd kräftigt und stärkt, und es drängen stell ans allen Gesellschasls klaffen Leute zu diesem Berufe, den wir»ns erhallen wollen zur Bildung, zur Erziehung und zur Kräftigung unserer Bevölkerung.(Beifall.) Abg. Rilkert: Eine Bernichliing des WildstandeS liege nicht in seiner Forderung; daß die Jagd zur Bildung des Volkes bei- Irage, bezweifle er. In der vom Negieriingskommissar angegebenen Lileralnr finde er, daß snr Galter 299 999 M. ausgegeben find, also mehr als die gesammte Einnahme ans der Jagd beträgt. Negienmgskoiimiiffar Donner bemerkt, daß die Ausgaben für Gatter nicht allein ans der Jagd herrühren, sondern auch zur Regelung von Wcidegerechtigkeileii n. s. w. Der Einnahme-Tilel„Aus der Jagd" wird genehmigt. Montag 11 Uhr: Forlsetziing der Etatsberathnng und Jnter- pellalion S z m u l a(Ztr.) betr. die zwangsweise Entfernnng ans- ländischer ländlicher Arbeiter. Mhestkev. Wochen-Spielplan der hiesigen Theater. Opernhaus. Sonnlag, 13.:„Meistersinaer". Montag, 14.:„Zar und Zmimermaim". Dienstag, 15.: Geschlvsien. Mittwoch, 16.: Subskriptions-Ball. Donnerstag, 17.:„Lobe- tanz. Slavische Brautwerbung". Freitag, 18.:„Tannhäuser". Sonnabend, 19.:„Zar und Ziwinennann".— Schauspielhaus. Sonntag, 13.: „Mutter Thiele". Montag, 14.: Coriolan". Dienstag, 15.:„Burggraf". Mittwoch, 16.:„Bibliothekar". Donnerstag, 17.:„Mutter Thiele". Mettag, 18.:„König Lear". Sonnabend, 19.:„Burggraf".— Neues lönigl. Opern-Theater.(Kroll.) Sonntag, 13.:„Die Gcierwally". Sonnabend, 19.:„Wiener in Paris".„Tanzstunde". Sonntag, 20.:„Mutter Thiele".— Das Deutsche Theater hat für diese Woche folgenden Spielplan: Heute, Sonntag Abend und Montag:„Johannes". Dienstag:„Mädchen- träum" mit Agnes Sorma und Joses Kainz, Mittwoch zum 25. Male: „Johamies", Donnerstag:„Die versunkene Glocke", Freitag, Sonnabend und nächstfolgenden Sonntag Abend:„Johannes", Nachmittags-Borsteltnng am heutigen Sonntag:„Die Weber".— Im Berliner Theater wird Direktor Max Bnrckhard's„'s Katherl" diesen Sonntag, Dienstag,. Donnerstag und Freitag wiederholt.„König Heinrich" geht Mon- tag,„Ein Wintermärchen" Mittwoch und nächsten Sonntag, „In Behandlung" Sonnabend tn Szene, Nachmittags- Vorstellung diesen Sonntag„Romeo und Julia".— Im Lessing-Theater wird die Novität„Das grobe Hemd" von C. Karlweis mit Herrn Dr. Rudolf Tyrolt als Gast in dieser Woche am Montag, Mittwoch und Freiing wiederholt werden, während das Lustspiel„Jni weißen Röhl" ani heutigen Sonntag, am Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und am nächsten Sonntag gegeben wird. Als Nachuitttags-Borstellung kommt heute der Schwank„Hans Huckebein" zur Aufführung.— Das Residenz- Theater veranstaltet an diesem Sonntag keine Nachmittags- Vorstellung, da um 12 Uhr eine Matinee des„Dramatischen Vereins" stattfindet. Abends geht„Sein Trick" zum 53. Male in Szene.— Im Theater Unter den Linden findet am Dienstag die Preniiäre der neu einstudirten Supps'schcn Operette„Fatinitza" statt.— Im Thalia-Theater kann „Das neue Ghetto" nur noch bis Sonnabend, den 19. d. Mts., ge- geben werden, da für diesen Tag die erste Ausführung Varney'schcn Vaudevilles„Die kleinen Länimer" angesetzt ist. Der Wochenspielplan des Belle-Alltance-Theatcrs kündigt Mittwoch Kleists„Käthchcn von Heilbroim" in neuer Etnstudiruiig Carry Droescher ln der Titelrolle, Otto Relmann als Wetter von Strahl an. Im übrigen finden Wiederholungen der Repertoirstücke dieser Bühne statt. So wird„Lumpaci BagabunduS" diesen Sonntag und Freitag;„Fräulein Gene" und„Die Maler" Montag und Sonn- abend,„Kenn" Dienstag und„Im Dienst" Donnerstag wiederholt. Als Nachmittags- Vorstellungen sind„Romeo nnd Julia" für diesen Sonntag und„Lenore" für Sonntag, den 20., angezeigt.— Der Wochenspielplan des Luisen-Thcaters ist folgendermaßen festgesetzt. Sonntag Nachmittag: „DaS Käthchen von Heiibronn", abends:„Monsieur Herkules" und„Ans goldenem Boden", Montag:«DaS Käthchcn von Heilbronn", Dienstag: „Trilby", Mittwoch:„Auf goldenem Boden", Donnerstag:„Monsieur Herkules", „Sonntagsjäger",„Fest der Handwerker", Freitag:„Käthchen von Hetlbronn", Sonnabend:„Trilby", Sonntag:„Der große Woyltbäter",„Fest der Hand- werker".— Im Ost cnd-Thcat er gelangt Sonntag Nachmittag znhalbenPretscn „Preciosa", abends„Der Verschwender" zur Auffnhrimg. Montag ist noch eine Aufsühnmg vonl„Pfarrer von Kirchfeld", Dienstag„Die Waise ansLowood". Mittwoch geht das Ausstattungsstück„Unter der Polarsonne" zum ersten Male in Scene.— Im Friedrich-Wilhclm städtischen Theater findet bereits tn der nächsten Woche die 49. Aufführung des Sensationsschauspiels „Die kleinen Vagabunden" statt.— Im Alexanderplatz-Theater findet um 4 Uhr nachmittags eine Anffühning deS Schauspiels mit Gesang „Der Trompeter von Säckingen" statt; abends 8 Uhr gelangt da? Berliner Sittenbild in 5 Akten„Verlorene Mädchen" von Eugen Prudens zur Dar- stellimg.— Im Schiller-Theater wird heute, Sonntag, Nachmittag als 3. Vorstellung im 2. Schiller-CycluS„Wallenstein'S Lager" und„Die Piccolvmini" gegeben, abends 8 Uhr geht das Fulda'sche Lustspiel„Die wilde Jagd" tn Szene. Im Bürgcrsaale des Rathhauses ist„Arthur Fitger- Abend". Wiederholungen des neuen Schauspiels von H. Lee„Hans Wurst in Berlin" finden Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag statt. Donnerstag und Sonnabend kommt das Lope de Vega'sche Lnstspicl„Der Tugendwächter" und das österreichische Singspiel„Das Versprechen hinterm Herd" zur Ausführung. des für mit Selten günstige Keufgelegenheit für Brautausstattungen! 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